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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F, A. WIEGMANN.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN, PROF. vox SIE=
BOLD IN ERLANGEN, DR. TROSCHEL IN BERLIN, PROF.
A: WAGNER IN MÜNCHEN UND PROF. RUD. WAGNER
IN GÖTTINGEN,
HERAUSGEGEBEN
von
Dr. W. F. ERICHSON,
PROFESSOR AN DEB FRIEDRICH- WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BERLIN.
eh
N JUN Ft J
ACHTER JAHRGANG,
Erster Band.
BERLIN 1842.
IN DER NICOLALU’SCHEN BUCHHANDLUNG.
an a@? ug Ri
Inhalt des ersten. Bandes.
Seite
Beschreibung einiger neuer oder minder bekannter Nager. Von
Prof. A. Wagner in München . . 1
Zoologische Beobachtungen. Von Dr. A. Philippi. (Fortsetzung.
1. Ueber Pyrgiseus Ph. — 2. Bebryce mollis Ph., ein neues Ge-
nus der gorgonienartigen Zoophyten. — 3. Euagora rosea Ph.,
ein neues Zoophyten-Genus aus der Fam. der Xenien. — Dys-
morphosa conchicola, ein neues Coryne-artiges Zoophyten-Genus.
— 5. Ueber Isis oder Mopsea elongata Esper. — 6. Verzeich-
niss der im Mittelmeer von mir beobachteten Arten Oyathina
Ehrenb. Hierzu Taf.I. Fie.1—3. a—d.) .... 33
Über den Bau der Organe, welche an der äusseren Oberfläche
der Seeigel sichtbar sind. Von Prof. M. Erd]. (Hierzu Taf.Il.) 45
Beschreibung der Psorospermien des Kaulbarsches nebst einigen
Bemerkungen über die der Plötze u. a. VonDr.J.C.H. EreR-
lin. (Hierzu Taf.1. Fig. A—E.). . . . he 68
Über bisher unbekannte Fangangeln und Nesselorgane, so wie
über das angeblich getrennte Geschlecht der Akalephen. Von
€. G. Ehrenberg. (Hierzu Taf.) . . .. 67
‘Über die fossilen Gaviale der Lias-Formation und = Oolithe.
Von Prof. G.H. Bronn ... AIR DR
Beitrag zur Insecten-Fauna von Vandiemensland, mit besonderer
Berücksichtigung der geographischen Verbreitung der Insecten.
- Vom Herausgeber. (Hierzu Taf. IV. und V.).. . 83
_ Nachtrag zu meiner DE von Habrocoma und Holochilus.
Von A. Wagner . . . 288
‚Neue Batrachier. Von w. v. Rapp, Professor in Tübingen.
(Hierzu Taf.VL) . .
i die Geschlechtswerkzeuge von Syngnathus und Hippocam-
pus. Aus einem Sendschreiben des Prof. v. Siebold in Erlan-
gen an die schwedische medizinische Gesellchaft in Stockholm 292
Beschreibung einer neuen bei Berlin gefundenen Paludina. Von
Alex. Paasch. (Hierzu Taf. VI. Fig. A—-D.) . . . . . .30
Beobachtungen über die Metamorphose einer Annelide. Von
8.Loven. Aus den K. Vetenskaps-Academiens Handlingar für
1840 übersetzt von Dr. Peters. Hierzu Taf. VIL). . . . 302
3
-
Myzostoma eirriferum Leuck., ein parasitischer Wurm, beschrie-
ben von S. Loven. Aus den K. Vetensk. Acad. ai für
1840. (Hierzu Tafel VIT.).. - . . 304
Endozoologische Beiträge von Dr. J. c. H Cra in Greik-
wald. (1. Ueber Taenia denticulata Rud. und Tuenia expansa
Rud. — 2. Monostomum expansum m. — 3. Distomum velipo-
rum m. Hierzu Tafel IX.) . . . .- ca
Beiträge zur Kenntniss der geographischen Verbreiiaug der Säug-
> thiere Australiens, mit Notizen über einige neu entdeckte Arten.
Von J, E. Gray. Im Auszuge mitgetheilt von A. Wagner. 339
Systematische Übersicht über die Familie der Galeoden. Von
C. bo'Kochır nis > s .350
Diagnosen neuer Arten brasilischer Sängibiene: Yon Dr. A Wag-
nerin München ... . 212.806
Zur systematischen Kenntniss der Insectenlarven. „Exster Beitrag;
Die Larven der Coleopteren, Fortsetzung) Vom Heraus-
gEbEr . akenb net abhanden Fan. au
Seite
Beschreibung einiger neuer oder minder bekann-
ter Nager.
Von
Prof. A. Wagner in München.
In Nachfolgenden habe ich einige Nager beschrieben, die ent-
weder gar nicht, oder noch nicht vollständig gekannt waren,
‘oder doch wenigstens in ihren Artrechten bestritten wurden. .
Da man erst in neuerer Zeit angefangen hat, den Nagern wie-
‚der mehr Aufmerksamkeit zu schenken, so wird diese Ordnung
von nun an nicht blos an Zahl der Arten beträchtlich zuneh-
men, sondern man wird auch einen ziemlichen Theil der älteren
einer strengen Revision zu unterwerfen haben, bevor man ihre
Stellung im Systeme fixiren kann.
u
1. CTENODACTYLUS. Der Kammlemming.
Dentes molares 2, superiores semel externe incisi, inferio-
res utringue excavati; corpus obesum; auriculae minutissimae;
pedes A-dactyli, digitus podariorum interior appendiculis cor-
neis, setis tectis instructus; cauda brevissima,
Gray stellte zuerst diese Gattung auf, welche bald nach-
r Yarrell etwas ausführlicher characterisirte, Da der Schä-
au von ihnen nicht beschrieben war, und dagegen die
nlichkeit mit den Mäusen in der Zahl der Zähne, mit den
ühlmäusen insbesondere in der Form der untern Backen-
zähne und mit den Lemmingen im Habitus hervorgehoben war,
‚50 reihte ich diese neue Gattung bei den Mäusen ein‘, bis ich
nun selbst ein Exemplar mit dem vollständigen Schädel erhielt,
an dem ich ersah, wie sehr ich mich in solcher Zusammen-
| E vergriffen hatte, indem alle wesentlichen Merkmale sie
r die Schrotmäuse (Psammoryctina) verweisen, unter wel-
‚chen fie eine eigene Abtheilung ausmacht, die sich von den
Archiv f, Naturgesch, VII. Jahrg, 1, Ba. 1
2
andern Berne schon gleich durch die geringe Zahl der
Backenzähne (33) merklich unterscheidet.
Der äussere Habitus ähnelt dem eines Lemmings. Der Kör-
per ist untersetzt und schwerfällig, der Kopf dick mit stumpfer
Schnautze; die Ohren sehr kurz, rundlich, kaum über den
Pelz vorragend, aussen dicht behaart, innen nur am Rande mit
Haaren besetzt. Die Augen sind nicht besonders gross; die
Schnurren ausserordentlich lang, steif, borstenartig.. Die Glied-
maassen sind stark, die hintern länger als die vordern; der Hin-
terfuss anflallend lang; die Sohlen nackt. Jeder Fuss hat vier
Zehen,*) von denen die beiden mittleren etwas länger sind
als die seitlichen, unter welchen letzteren die äussere etwas kür-
zer ist als die innere; die Krallen sind kurz und gekrümmt, und
ganz unter den langen Zehenborsten verborgen. An den Hin-
terfüssen ist die Zehe von einer eigenen Beschaffenheit, die
ich mit den Worten Yarrell’s, welcher sie an zwei frischen
Exemplaren untersuchen konnte, beschreiben will. „Unmittelbar
über dem kurzen gekrümmten Nagel liegt eine Querreihe von
hornigen Spitzen, die einen kammartigen Apparat bilden; über
diesem findet sich eine zweite Reihe von steifen weissen Bor-
sten, und über diesen eine dritte Reihe von Borsten, welche
viel länger und biegsamer sind. Die Zehe zunächst der innern
hat zwei kleine fleischige Höcker über dem Nagel, die von
zwei Reihen Borsten bedeckt sind, einer untern kurzen und
einer obern langen; sie hat keine Hornspitzen. Von den bei-
den äussern Zehen, ohne Höcker, hat jede einen Büschel lan-
ger Borsten.”**) Beim Gehen tritt der ganze Hinterfuss auf.
Der Schwanz ist ein ganz kurzer Stummel, mit langen hinter-
wärts gerichteten Borsten besetzt. Der Pelz ist dicht und fühlt
sich sehr weich und sanft an; die Oberseite der Füsse und
Zehen ist ebenfalls dicht behaart und die Borsten der letzteren
krümmen sich über die- Krallen herab.
*) Gray sagt: podiis omnibus digitis A et verruce hallucari' obso-
Zeta. Letztere kann ich an meinem ausgestopften Exemplare nicht
sehen; auch Yarrell giebt die Füsse blofs als vierzehig an.
**) An den von Yarrell beobachteten lebenden Thieren wurde die
Bemerkung gemacht, dass sie beständig und mit grosser Geschicklich-
keit beschäftigt waren, mit der kammartigen Vorrichtung an der in-
nern Zehe der Hinterfüsse ihre Haare zu putzen-
|
|
3
Das Gebiss ist nach Zahl und Form sehr merkwürdig.
Die Schneidezähne sind für die Grösse des Thieres schwach:
die obern von beiden Seiten stark zusammengedrückt, so dass
der Durchmesser von vorn nach hinten nochmals so gross ist
als der quere, dabei stark eingekrümmt, auf ihrer Vorderfläche
bogig gewölbt, am Ende am stärksten, da sie von der Innen-
seite her nieht meiselförmig zugeschärft, sondern in einer, aus-
gehöhlten Fläche geendigt sind. Die untern Schneidezähne
sind kleiner und schwächer als die obern und in eine Spitze
zugeschärft. Backenzähne sind 2 vorhanden, von denen der
Mäuse ganz verschieden. Die des Oberkiefers haben einige
Ähnlichkeit mit denen des Springhasen; sie sind längsgestreckt,
schmal, am meisten der hinterste, und auf ihrer Aufsenseite
buchtig ausgeschnitten, während die innere ganz ist. Die untern
Backenzähne sind wie die obern längsgestreckt und nehmen
nach hinten an Länge zu; in ihrer Form sind sie aber ganz
von den obern abweichend. Sie sind nämlich auf beiden Sei-
ten in der Mitte buchtig ausgerandet, wodurch jeder in zwei
elliptische, blos in der Mitte zusammenhängende Stücke zer-
fällt, von denen das vordere an seinem Vorderrande (und zwar
gegen seinen innern Flügel hin) nochmals schwach ausgebuch-
‚tet ist. Der Vergleich dieser untern Backenzähne mit denen
der Wühlmäuse hat eine sehr schwache Begründung. Weit
eher besteht im Gebifs einige Ähnlichkeit mit Oetodon, ob-
‚gleich an den untern Backenzähnen von Ütenodaetylus die
Lappen gewundener, schmäler und schiefer gestellt sind.
Der Schädel*) — so gross auch übrigens die Verschie-
nheit beider Thiere von einander ist — Irat viele Ähnlich-
mit dem der Springmäuse, doch ist er etwas mehr in die
ge gestreckt. Wie bei diesen ist er im Hintertheil ausser-
rdentlich breit, was insbesondere durch die breiten Scheitel-
beine und das ansehnliche Zwischenscheitelbein bewirkt wird.
Auch die Paukenknochen sind sehr gross und von einer ähn-
lichen Form. Eben so ist das vordere Augenhöhlenloch (ge-
wöhnlich das untere genannt) von einer ausserordentlichen
Weite; eine aus der Augenhöhle unter der obern Wurzel des
—
*) Der Schädel des hiesigen Exemplars ist 1” 9 lang und zwi-
schen den Jochbögen 1” 1’ breit.
(*
- laufen. Alle Haare sind am Grunde schieferschwarz; die falben
r\.
4
Jochbogens hervorkommende, und bogenförmig vor- und ab-
wärts verlaufende Furche ‘öffnet sich unmittelbar in die fora-
mina ineisiva. Der Unterkiefer weicht in seiner Form ganz
von dem der Springmäuse ab. Sein Winkel ist, wie bei allen
Schrotmäusen, rückwärts weit hinausgezogen; der Kronenfort-
satz fehlt ganz, der Gelenkfortsatz springt kaum über den obern
'Kieferrand hervor, der gegen die Zähne hin nur eine dünne |
Schneide bildet, während der Kiefer in der Mitte sehr ange-
schwollen ist, |
Die innern Theile*) zeigen analoge Verhältnisse wie
bei den verwandten Gattungen. **)
Die Heimath ist das nördliche Afrika.
4. Ct. Massonii Gray. Der falbe Kammlemming.
Ct. „corpore pallide fulvo, subtus albido, pilis basi plum-
beis, apice nigrieantibus; aurieulis externe pilis densis teetis,
velleris longitudinis; mystaeibus longissimis atris.” Gray.
Ctenodactylus Massoni. Gray spie. zool. tab. 10. — Yarrell, pro-
ceed.1 (1830-31) p. 48.
Vorstehende Diagnose passt ganz auf mein Exemplar, des-
sen Färbung ich noch im Detail angebe. Die ganze Oberseite,
ist blass fahlgelb, was längs ihrer Mitte, zumal am Hinterrük-
ken, durch eine sehr feine schwarze Sprenkelung etwas getrübt,
an den Seiten aber, wo diese aufhört, lichter wird; diese falbe
Färbung nimmt die Seiten des Kopfes und Rumpfes ein. Die
viel schmälere Unterseite ist weisslich, hie und da gelblich über-
un ae
=)
*) Nach Yarrell’s Angaben haben die Lungen jederseits einen!
grossen und zwei kleine Lappen. Die Leber besteht auf der rechten‘
Seite aus zwei kleinen und einem grossen Lappen, auf der linken aus
zwei gleich grossen; die Gallenblase ist gross. Der Magen zeigt keine
Abtheilungen, der Dünndarm ist an einem 8” langen Thiere 2;‘, der
Dickdarm 3°“, der Blinddarm 3“lang. Der letztere ist in viele Zel-
len abgetheilt; das Kolon in einiger Entfernung von seinem Anfange
angeschwollen und eingeschnitt.
?*). Nach allen den bisher erörterten Merkmalen kann hinsichtlich
der systematischen Stellung des Kammlemmings nur die Wahl zwischen
der Familie der Schrotmäuse und der Wurfmäuse sein. Die starke
Entwicklung der Hinterbeine, die Schwäche der Schneidezähne und
die ziemlich grossen Augen verweisen sie in die erstere.
u -
5
P
längs des Rückens mit schwarzen Spitzen, welche an den
Seiten fehlen. Die Füsse sind gelblich-weiss behaart. Die
Schnurren, die nackte Innenseite der Ohren, die Sohlen und
' Krallen schwarz. Die Ohren sind aussen gelblich-weiss be-
haart; ihr Rand ist schwarz gesäumt. Die langen Borsten,
welche weit über den Schwanzstummel vorragen, sind aus
lichtfahlgelben und schwärzlichen gemengt. Die Schneidezähne
sind weiss,
RS EPEREND RB IN NN
Sehnen Ba
Schwanz mit Haaren... 14
Längste Schnurren . . ..28
Hinterfuss bis zur Krallenspitze 1 4
Die Heimath ist das nördliche Afrika, von wo der eng-
lische Konsul zu Tripolis, Warrington, zwei lebendige Thiere
nach London überschickt hatte; unser Exemplar stammt von
eben daher. Gray hatte früher zwei Felle über das Kap er-
halten, die auf die falsche Meinung geführt hatten, als ob der
Kammlemming in Südafrika zu Hause wäre. **)
II. HABROCOMA. Die Seidenmaus.
Auriculae magnae membranaceae, ungues breves, cauda
breviuscula, vellus mollissimum; dentes molares #, superiores
bipartiti, inferiores extus bidentati, intus tridendati.
"Unter dem Namen dAbrocoma, der sprachrichtiger in Ya-
brocoma zu verändern ist, stellte Waterhouse im Jahre 1837
diese Gattung auf, und gab von ihr eine kurze Characteristik.
e Kurzem sandte mir Herr Dr. Rüppell mit mehreren andern
gern auch diesen zur Ansicht, wornach ich folgende Be-
reibung entwarf, die zur Vervollständigung der von Water-
use gegebenen dienen mag.
Der Habitus der Seidenmaus ist sehr dem der Chinchil-
Jen älmlich und sie verbindet diese mit den Schrotmäusen, bei
denen sie mit Octodon und Psammoryctes zu einer Gruppe
RER
9) Yarrell giebt die Länge von der Nase bis zur Schwanzwurzel
auf 8“, den Schwanz zu 1 an.
=) Nach Ogilby’s Vermuthung könnte Rothman’s Mus Gundi
Aehren, IV. 8.754) identisch mit diesem Thiere sein. Auch Lyon
‚gedenkt desselben in seinen Travels in Northern Africa.
#
6
zusammenzustellen ist, von welchen beiden Gattungen sie
übrigens nicht blos durch das Gebiss abweicht, sondern von
ersterer insbesondere noch durch den kurz und gleichförmig
behaarten Schwanz, von letzterer durch die viel grösseren Ohren
und die schwächeren Krallen verschieden ist, Der Kopf ist
mittelgross, die Oberlippe gespalten, die Schnurren lang und
zahlreich, die Ohren gross, häutig und fast nackt. Die Füsse
sind schwach; die vordern 4zehig, die hintern 5zehig. Anden
Vorderfüssen sind die beiden Mittelzehen gleich lang; die innere
ist etwas kürzer und die äussere kaum so lang als diese. An
den Hinterfüssen ist die innere Zehe merklich kürzer als die
andern. Die Krallen sind schwach, alle zusammengedrückt
sichelförmig, und werden von den Haaren überragt; der Nagel
der zweiten Zehe an den Hinterfüssen ist breiter als die andern
und schief abgeschnitten. Die Sohlen sind schmal, nackt und }
gleich den Zehenballen durch kleine rundliche Wärzchen gra-
nulirt; bei Octodon sind die Sohlen zwar auch mit kleinen
Höckern besetzt, aber die Zehen haben unten Quereinschnitte,
Der Schwanz ist mittellang, an der Wurzel etwas dick, ver-
dünnt sich gegen die Spitze und ist mit sehr kurzen, dicht
anliegenden Haaren reichlich bedeckt, so dass die Haut nicht
durchschimmert, Der Pelz ist lang und weich.
Der Zahnbau ist sehr merkwürdig. Die Schneidezähne
sind schwach, auf der Aussenseite glatt und orangegelb gefärbt.
Backenzähne finden sich 4, die ziemlich gleich gross sind, deren
obere aber eine ganz andere Figur als die untern haben. Von
den obern besteht jeder aus zwei hinter einander liegenden
schmalen Stücken: das vordere ist dreiseitig und stösst durch
seine Spitze mit dem hintern zusammen, welches unregelmässig
elliptisch gekrümmt ist. Der letzte obere Zahn hat hinten noch
einen besondern schmalen Ansatz, Jeder untere Backenzahn
ist zickzackförmig, indem er von aussen einmal und von innen
zweimal eingeschnitten ist, wodurch er auf der äussern Seite
nur 2, auf der innern dagegen 3 spitze Seitenzacken hat. Der
Vorderpfeiler zeigt eine etwas pfeilförmige Figur. Diese untern.
Backenzähne haben viele Ähnlichkeit mit denen von Hypu-
daeus. — Alle Zähne sind wurzellos.
Vom Schädel will ich nur bemerklich machen, dass das
untere Augenhöhlenloch sehr gross ist. ;
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)
1
7
Die Heimath der Exemplare von Waterhouse wie von
Rüppell ist Chili. " Ersterer unterscheidet 2 Arten, die er. 4,
Bennettü und Cwuwieri nennt.
1. H. helvinaWagn. Die bräunlichgelbe Seidenmaus.
H. supra bruneo-flavıda, . subtus. albido-luteseens; 'cauda
dimidio corporis longiore, supra e Jutescente et nigro-fusco
mixta, apice nigricante, subtus albida.
Obschon es mir selbst als möglich erscheint, dass meine
H. helvina vielleicht mit Waterhouse’s 4. Bennettiü spezifisch
zu vereinigen sein möchte, da wenigstens die Maasse sehr zu-
sammenstimmen, so-trage ich doch billig Bedenken diese Ver-
einigung vorzunehmen, indem erstlich der englische Zoolog die
Schwanzfärbung nicht angegeben hat, dann aber auch von dem
Kolorit des Pelzes 'sagt:; „corpore supra griseo”, was
durchaus nicht auf das Rüppellsche Exemplar passt.*) Bei die-
sem ist nämlich die Hauptfarbe bräunlichgelb, was auf der Ober-
seite am lebhaftesten ist, auf der Unterseite ins Weisslichgelbe
fällt. Diese Farbe wird aber blos durch die Endhälften der
Haare hervorgebracht, indem diese, auf der Ober- wie auf der
Unterseite, von der Wurzel an bis über die Mitte hinaus dun-
kelbleigrau sind, wovon indess auf der Oberfläche des Pelzes
nichts wahrzunehmen ist. Da längs des Rückens und der obern
Hälfte der Seiten die Haare mit kurzen schwarzen Spitzen ver-
sehen sind, auch einige ganz schwarze sich einmengen, so
sind diese Theile etwas schwarz gespritzelt. Der Kopf ist
dem übrigen Körper gleichfarbig; die Schnurren sind meist
weisslich mit schwarzem Grundtheile; einige sind ganz weiss,
andere gänz schwarz, Die Füsse sind mit 'weisslichen Haaren
besetzt; die Krallen sind ebenfalls weisslich, die Sohlen licht
Nleischfarben. Der Schwanz ist oben bräunlichgelb und schwarz-
braun melirt, an der Spitze einfarbig schwarzbraun, unten
weisslich.
Meine Maassabnahmen von Z/. helvina stelle ich mit denen
Waterhouse's von seiner 7. Bennettü zusammen.
*) Griseus ist bekanntlich kein ursprünglich lateinisches Wort,
sondern dem französischen gris nachgebildet, daher es keine andere
Bedeutung als grau haben kann.
H. helvina H. Bennettü
Körper in gerader Linie. . . „. "4" u
— nach der Krümmung) . ..9 8 9" g"
Sohwanz wei sale et Be 5:00
Ohren baako) m." N EM 0 10
Von der Schnautze bis zur Ohrwurzel 1 10 4.414
Vorderfuss (von der Handwurzel bis zur
Kalle) 6: u. „Brian IR
BEBEBRfaSSP; „anna al a
Die Heimath des von mir beschriebenen Exemplars ist,
wie schon erwähnt, Chili.
Wenn Waterhouse’s Angabe von seiner H. Bennett: „cor-
pore supra griseo” im eigentlichen Sinne des Wortes griseus
zu nehmen ist — wie ich es natürlich voraussetzen muss —
so ist allerdings die Färbung meiner H. helvina so sehr ver-
schieden, dass ich sie für eine gesonderte Species ansehen darf.
Um jedoch die Zahl der Arten aus missverstandener Beschrei-
bung nicht etwa unnöthig zu vermehren, ersuche ich Herrn
Waterhouse, meine Darstellung mit seinem Exemplare zu ver-
gleichen, und dann über die spezifische Identität oder Ver-
schiedenheit unserer Thiere zu entscheiden.
1. MUS. Die Maus.
Die Gattung Mus ist bekanntlich in neuern Zeiten in einer
viel engern Begrenzung genommen worden als früherhin, und
hat daher eine gute Anzahl Arten abgeben müssen. Das äussere
Ansehen ist nicht einmal ausreichend, um in allen Fällen Mus
und Hypudaeus sicher und unzweifelhaft von einander zu
unterscheiden, geschweige denn die dazwischen liegenden Gat-
tungen; die Beschaffenheit des Gebisses allein kann die defini-
tive Entscheidung geben. Nach den neueren Bestimmungen -
zähle ich zu Mus nur Arten mit dem Gebisse der Wander-
ratten und Hausmäuse. Im Nachstehenden habe ich mein
Augenmerk blos auf einige afrikanische Arten gerichtet,
die mir theils neu schienen, theils wenigstens. einer genaueren
Vergleichung bedürftig sind, wozu ich auch diejenigen Zoologen,
*”) Bei Waterhouse setze ich voraus, dass er diese Abnahme im
Sinne hat.
9
welehe hiezu die Gelegenheit haben, durch meine Beschrei-
bungen veranlassen möchte. *)
4. M. discolor Wagn. Die gesprenkelte Ratte.
M. supra nigro- et flavido-variegatus, subtus albido-canus,
aurieulis maiusculis minutissime pilosis; cauda dimidio cor-
pore paululum longiore, dense et rigide pilosa, supra nigra,
subtus abrupte flavida.
Obschon diese Art mit Lichtenstein’s**) Mus variegatus,
den ich übrigens nicht aus Autopsie kenne, in Grösse, Gestalt
und zum Theil selbst in der Färbung, grosse Ähnlichkeit hat,
so giebt es doch auch einige Differenzen, so dass ich vor der
Hand die Vereinigung beider beanstande. Auch Geoflroy’s
Lemmus nitolicus könnte, da man jetzt weiss, dass er ein ächter
"Mus ist, mit diesem M. discolor identisch sein, doch ist die
von jenem gegebene Beschreibung nicht ausreichend, um jeden
Zweifel zu entfernen.
Die Gestalt: von M. discolor ist kräftig. Die Haare sind
*) Von den südafrikanischen Arten, die ich hier mit aufführe, ist
bisher in den 14 Heften, die mir von Smith’s Illustrations of the Zoo-
logy of South Africa vorliegen, noch keine Rede gewesen, Ober sie in
dem South African Quaterly Journal auch noch nicht aufgenommen
hat, weiss ich nicht zu sagen, da ich mir diese Zeitschrift auf buch-
- händlerischem. Wege, trotz vieler Mühe, nicht verschaffen konnte.
Diese Ungewifsheit kann mich aber nicht abhalten, neue südafrikanische
"Arten aufzustellen, da die Naturforscher des europäischen Kontinents
„billig verlangen können, dass Schriftsteller, die in aussereuropäischen
_ Journalen (am Kap, in Caleutta, Madras, bald wohl auch in Neuhol-
land, Vandiemensland, Neuseeland ete.) publiziren, selbst dafür sorgen
müssen, dass ihre Arbeiten durch den europäischen Kontinental-Buch-
handel zu beziehen sind, wenn sie anders eine Berücksichtigung von
in Anspruch nehmen wollen.
En Von M, variegatus ist der Schwanz beträchtlich länger, auch
ein schwarzer Rückenstreif vorhanden, der unserem discolor ganz
bgeht, so wie auch die feinen Haarspitzen auf der Oberseite weder
un, noch grau, sondern durchgängig bräunlichfahl sind.
' Lemmus (oder jetzt Mus) niloticus weicht nach der Beschreibung
Fr ab, dass die Haare starr, die Pfoten röthlichgrau, die Nägel
h
warz und der Schwanz so nackt und schuppig wie bei unsern Rat-
angegeben wird. Man kennt nur das einzige Exemplar, das Geof-
froy aus Egypten mitbrachte,
10
weich und dünn, ohne eingemengte platte oder sonstige starre
Borsten. Die Ohren sind ziemlich gross, gerundet, mit kur-
zen, feinen, dicht angedrückten Härchen nicht sonderlich ge-
drängt besetzt. Die Füsse, was ‚namentlich von den hintern
gilt, sind kurz, aber breit; der Daumen an den Vorderfüssen
ist ein kurzer Stummel, mit kleinem aber deutlichem Nagel,
Der Schwanz ist viel kürzer als der Rumpf, mit starren, kur-
zen, abstehenden Borsten ziemlich dicht bedeckt, so dass die
Beschuppung wenig merklich wird, was an Hypudaeus erinnert.
Schädel und Zahnbau ist ganz der der ächten Ratten, Die
Farbe der ganzen Oberseite, der Seiten und der Aussenseite
der Beine ist bräunlich fahlgelb und schwarz melirt, wobei
erstere Farbe die Oberhand hat; dieses Kolorit entsteht, in-
dem die Haare an der Wurzel schwarz, an der Spitze bräun-
lich fahlgelb sind. Ein dunklerer Rückenstreif fehlt völlig.
Die ganze Unterseite, nebst der Innenseite der Beine ist grau-
lich weiss, was allmälig in die Färbung der Seiten übergeht;
die Haare sind hier an der Wurzel- schwarz, an der Spitze
weisslich. Die Seiten der Nase und der Anflug der Ohren ist
ockerfarbig, die Schnurren schwarz. Die Füsse sind auf der
Oberseite nur wenig fahl gesprenkelt, daher herrscht das
Schwarzbraune vor; die Krallen sind bräunlich. Der Schwanz
ist zweifarbig: die schmälere Oberseite schwarz, die untere
bräunlich fahlgelb.
Mus discolor. M. variegat. M. niloticus.
Körper, in gerader Linie „ 8” 0” TS! "0"
SOWwanzU RNIT 5 2 4 6
IOITTEREN a Ren tn 0 0.6
Hinterfuss mit Mittelkrallen 14 5 1 4
Die Heimath ist das untere Egypten, von wo llofrath
v. Schubert ein schönes Exemplar mitbrachte. — Zur Verglei-
chung setze ich.noch die Characteristik von M. variegatus bei.
M. variegatus Licht. Die scheckige Ratte.
M. „eorpore griseo, punetis nigris albidisque adsperso,
linea dorsali media nigra; cauda supra nigra, subtus eine-
rea, pilis rigidis vestita” Long. corp. 6" 8”, caudae 4".
Hypudaeus variegatus. Liehtenst. Verz. d. Berl. Doubleit. S.2. —
Mus variegatns. Brants muiz. p- 102. d
11
Zur obigen Characteristik von Lichtenstein füge ich noch
einige Angaben von Brants hinzu. Die Ohren sind behaart,
der Daumen der Vorderfüsse sehr kurz mit einem unvollkom-
menen Nagel. Die Haare sind anliegend, mittellang, an der
Wurzel schwarzgrau, an der Spitze braun, grau oder fahlgelb-
lich. Brants Maassabnahme ist bei M. discolor angegeben.
Wohnort: auf Feldern in Egypten, Nubien und Arabien.
2. M. silaceus Wagn. Die Ockermaus.
M. supra bruneo-flavidus, nigro-adspersus, subtus pedi-
busque sordide albidus, aurieulis magnis nudiuseulis, cauda
corpore breviore raripilosa.
Nach Schädel und Gebiss eine ächte Maus. Der Kopf ist
gestreckt; die Ohren gross, häutig, nur gegen die Ränder mit
ganz feinem Haaranfluge; die Füsse kurz; der Schwanz so lang
als der Rumpf, sehr fein geschuppt und mit kurzen Härchen
besetzt. Die Oberseite hat eine ockerbräunliche Farbe, die
Unterseite nebst den Füssen ist schmutzig weiss, etwas gelblich
angeflogen. Alle Haare sind in der untern Hälfte schiefer-
schwarz, in der obern auf der Rückenseite bräunlich-fahlgelb
mit Jängern schwarzen Haaren untermengt, auf der Unterseite
mit weisslichen Endhälften. Die Sohlen sind fleischfarben; die
Nägel licht hornfarben. Der Schwanz oben dunkelbraun mit
schwärzlichen, unten lichter mit weisslichen Haaren.
Körper in gerader Linie 4” 9"
Schwäzins. ke. nd enger
18 }ı1172 1 99 ERSEBESPEREEE BESTER | 27E>)
Hintöhfüssun ind 0
/ Heimath: das Vorgebirge der guten Hoffnung, woher die
Sammlung 2 Exemplare durch Drege erhielt.
3. M. vittatus Wagn. Die Striemenmaus.
M. supra einereo-fulvidus, subtus albidus, dorso striis 4
nigricantibus; aurieulis ferrugineo-pilosis, margine interiore
postice nigris; cauda fere longitudine corporis, pilosa, supra
fusca, subtus flavicante,
Mus pumilio. Brants muiz. p. 103. — Sınuts mamm. cap. p. 36. —
Mus lineatus (Rat a dos raye). Fr. Cuy. mamm. live. 61.
Obschon die angeführten Schriftsteller sämmtlich der Mei-
12
nung sind, dass sie Sparrman’s Mus pumilio vor sich haben,
so ist dieser doch, wie bei ihm gezeigt werden wird, eine
weit davon verschiedene Art. Der M. vittatus, von dem ich
4 Exemplare zur Vergleichung benutzen kann, hat ganz den
Habitus einer gewöhnlichen Maus, womit auch Schädel und
Gebiss vollkommen übereinstimmt. Das Zwischenscheitelbein
hat eine schmal dreiseitige Gestalt, dessen Grundlinie der hin-
tere Rand der Scheitelbeine bildet, und dessen stumpfe Spitze
in der Mitte in der schwachen Hinterhauptsleiste liegt. Die
Ohren sind mittelmässig, gerundet,‘ beiderseits dinn-, an den
Rändern stärker behaart. Die Füsse sind von gewöhnlicher
Bildung. Der Schwanz, der fast so lang als der Körper ist,
besteht aus zahlreichen Schuppen und ist auf der Oberseite
spärlicher, auf der unteren reichlicher mit Haaren besetzt, die
gegen das Ende einen kleinen Büschel bilden. Die Behaarung
ist etwas rauh; die Haare der Oberseite sind ein wenig platt-
gedrückt und schwach ausgehöhlt. Die Farbe der Oberseite
ist im Allgemeinen graulich fahlgelb, was nach den Individuen
bald mehr in’s Grauliche, bald mehr in’s Rostig-Ockerfarbige
übergeht, das auf dem Unterrücken am lebhaftesten ist. Die
Farbe der Oberseite geht allmälig in die licht gelbliche oder
weissliche der Unterseite über. Über den Rücken verlaufen
seiner ganzen Länge nach vier schwarze Binden, welche durch
falbe oder weissliche Zwischenräume von einander geschieden
sind. Die einzelnen Haare an der Oberseite sind in der untern
Hälfte dunkel schieferfarben, in der obern falb (dunkler oder
lichter), häufig mit schwarzen Spitzen. Die Ohren sind innen
rostroth behaart, auf der Hinterseite längs des Vorderrandes
mit schwarzem Fleck. Die Schnurren sind schwärzlich mit
etwas lichter Spitze. Die Füsse sind auf der Aussenseite fahl-
gelblich oder weisslich behaart; die Krallen dunkelbraun. Die
kurzen Schwanzborsten sind auf der schmalen Oberseite, die
schwärzlich gefärbt ist, ebenfalls schwarz, an den Seiten und
unten, die liehter sind, fahlgelblich, die Endspitze schwarz.
Körper*) in gerader Linie 4’ 2"
Schwanz. 4. 7.0... 0 le aa
*) Nach Fr. Cuvier misst der Körper 4”, der Schwanz fast eben
so viel.
13°
Olranssrngernii sit ro
Hinterfuss mitKralle „ . 0 40
Die Heimath ist das Vorgebirge der guten Hoffnung.
Zur Vergleichung mit M. vittatus füge ich die Beschrei-
bung Sparrman’s von seinem M. pumilio bei. ”
M. pumilio Sparrm., Die gestreifte Zwergmaus.
Tab. CLXXXI. B.
„Corpus tenue, compressiuseulum. Color velleris in ge-
nere fusco-einereus, frontis et nuchae niger. Lineae
'quatuor .dorsales Jongitudinales nigrae, harım duo interme-
diae et in nucha et ad basin caudae in unum coalescunt z
duo exteriores, anucha pauloque pone aures ortae, sibi in-
vicem parallelae, ad basin usque caudae fere extenduntur.
Regiones utriusque oculi et narium pallidae. Pe-
des antici et postici quinque-daetyli, anticorum pollieibus
ıninutis, conspieue tamen unguieulatis. Cauda longitudine
% corporis, nudiuscula, pallida.” Sparrm.
* Mus pumilio. Sparman, K, Vetensk. Akad. Handl. f.Ao. 1784 p. 339
tab. 6, übers. v. Kästner S.240 tab. 6; Resall. p. 376 tab. 9.
Schreb. IV tab. 182 B.
Diese Art*), welche Sparrman am Sitsikamma, 200 Stun-
‚den vom Kap entdeckte, und nach einem Weingeist-Exemplare
in Lebensgrösse abbildete, unterscheidet sich von der vorigen
Art, mit der sie, immer vermengt wurde, nicht blos durch die
"weit geringere Grösse (nur ohngefähr 1% Zoll nach der Ab-
bildung), sondern ausserdem durch den schwarzen Nackenfleck,
in welchem die Rückenstreifen zusammenstossen, und der sich
‚auf dem Oberkopf weit fortzieht, ferner durch den lichten
‚Fleck um das Auge wie um die Nase, und endlich durch den
fast nackten lichten Schwanz.
y
- ——*) Sie ist seit Sparrman nicht wieder gesehen worden. Desma-
‚rest (mamm. p. 255) macht aus ihr den Arvicola pumilio, durch Un-
tersuchung des Gebisses, wie er sa&t, hiezu veranlasst. Wahrschein-
lich hat er sich hiezu eines von Lalande eingeschiekten Exemplares
‚bedient, von dem er bemerkt, dass er viel gröfser sei als die von Sp.
md demnach nicht hieher, sondern zur vorigen Art gehört. Fr. Cuvier
erinnert jedoch, dass Desmarest durch die starke Abreibung der Zähne
zur Verkennung ihrer wabren Beschaffenheit verleitet worden sei.
14 D
4. M. modestuws Wagn. Die grossohrige Zwergmans.
M. minuto paululum maior, supra bruneo-flavicans, nigro-
adspersus, subtus sensim dilutior, auriculis magnis nudiu-
* seulis, tarsis fuscescentibus, digitis albis; cauda corpore bre-
viore, fuscescente, subtus paululum pallidiore.
Diese kleine Maus, die nur um etliche Linien grösser ist
als die gemeine Zwergmaus, unterscheidet sich von dieser, mit
der sie viele Ähnlichkeit hat, durch einige auflallende Merk-
male. Zunächst sind ihre Ohren weit grösser und ragen über
den kurzen Pelz ansehnlich hervor, sind dabei fast nackt, nur
gegen die Ränder mit angedrückten Härchen besetzt. Dann ist
auch die Färbung der Oberseite weder so. lebhaft, noch. ab-
geschnitten von der der untern Seite, in welche sie im Ge-
gentheil allmälig verläuft. Der Schwanz ist mit kurzen Här-
chen besetzt. Die Farbe der Oberseite ist im Allgemeinen
bräunlicher fahlgelb, schwarz bespritzelt, was an den Seiten
allmälig sich verliert und am Unterleib einen einförmigeren
licht ockergelblichen Ton annimmt, der am blassesten unter
dem Halse ist. Die Haare sind sämmtlich in ihrem untern
Theile schieferfarben; auf dem Rücken sind viele schwarz-
spitzige oder ganz schwarze eingemengt. Die Beine sind braun
behaart, die Zehen weisslich, die Krallen ebenfalls weisslich,
Die Schwanzhaare sind braun, auf der Unterseite etwas lichter.
Körper, in gerader Linie 2” 11"
SCHWAUZ 0 a A ®
Unven nr ee nee. 07
Hintenkass 0... 2.0. 7.
Die Heimath ist das Kap, von wo die Sammlung durch
Ecklon ein Exemplar erhielt. *)
’
Iv. HOLOCHILUS. Die Haftmaus.
Habitus murinus, cauda elongata, squamosa, brevissime
pilosa; fissura labri membrana nuda clausa; dentes mola-
*) Eine verwandte, aber doch verschiedene Art muss der Mus mi-
nutoides vom Kap sein, von dem S. Longchamps (mieromammat.
S, 73) niehts weiter sagt, als dass er von M. minutus sich durch den
Schwanz unterscheide, der beständig um } länger als der Körper sei,
so wie durch einen etwas Junkleren Pelz und röthlichbraune Füsse.
45
res complicati: plieis vitreis semielliptieis, utrinque fere
oppositis. , !
Brandt errichtete im Jahre 1835 unter den Mäusen eine
eigene Untergattung Holochilws, welche er von den andern.
Arten dadurch unterschied, dass bei ihr die Spalte der Ober-
lippe nicht klaffend,, sondern durch ein nacktes Häutchen ge-
schlossen ist. Vom Zahnbau sagt er nichts; er scheint ihn mit
dem von Mus für gleichförmig gehalten zu haben. Von dieser
Gattung hat Spix auch ein Exemplar mitgebracht, aus welchem
der Schädel noch nicht herausgenommen war, Da mich immer
die Eigenthümlichkeit der Oberlippe vermuthen liess, dass auch
im Gebiss eine Modifikation von dem gewöhnlichen Typus der
Mäuse vorkommen dürfte, so nahm ich den Schädel heraus
und fand meine Erwartung vollkommen bestätigt, indem nur
die Zahl der Backenzähne, nicht aber ihre Composition mit
Mus übereinstimmte,
Die Baekenzähne*) zeigen nämlich auf der Kaufläche
Schmelzschlingen, die einander gegenüber liegen, dem Zahne
aber keine zikzakförmige Figur, wie bei den Wühlmäusen,
geben, da sie an den beiden Seiten eines jeden Zahnes nur
durch schwache Einschnitte von einander gesondert sınd. Im
Oberkiefer hat der vordere Zahn jederseits 3 halbe Schmelz-
schlingen aufzuweisen, von denen aber nur das mittlere Paar
vollständig von einander geschieden ist, während die vordern
Sehlingen mit ihrem Vorderrande und die hintern mit ihrem
Hinterrande zusammenstossen und je nur eine Curve bilden ;
die Schlingen der einen Seite liegen der der andern fast ge-
rade gegenüber, mit schwacher Verrückung auf der einen Seite.
Da die Sehlingen dieses Zahns auf beiden Seitenrändern durch
*) In der Form haben die Backenzähne zwar viele Ähnlichkeit
mit Sigmodon, sind aber doch verschieden. Dagegen stimmen sie im
Wesentlichen mit denen überein, welche Waterhouse in Darwins
zoo]. of the voy. of H. M. S. Beagle, Mammalia, N.3 tab. 33 fig. 3 b,
0, 3d, abgebildet hat; auch der Schädel passt dazu. Da seit dem
‚Hefte keines mehr erschienen ist, und zu Tab.33 noch die Erklä-
zung fehlt, so wage ich es nicht, bei der Schwierigkeit des Gegen-
Standes, erwähnte Figuren einer der neu errichteten Gattungen von
Waterhouse zuzutheilen. Ist eine davon wirklich identisch mit Ho-
lochilus, s0 muss letzterer Namen, als der ältere, den Vorzug, haben.
16
2 seichte Kerben geschieden sind, so wird der Zahn dadurch
in 3 hinter einander liegende Pfeiler abgetheilt. — Der mittlere
obere Backenzahn, der kürzer, aber gleich breit mit dem ersten
ist, besteht aus 2 elliptischen Schmelzfalten, die jederseits durch
eine schwache Kerbe geschieden sind. Der hintere Backen-
zahn ist schmäler, aber länger als der mittlere und spitzt sich
hinten zu. Er besteht aus zwei hinter einander liegenden
schmalen elliptischen Schlingen; an die hintere fügt sich ein
etwas dreieckiger Ansatz an, der von ihr. auf der Innenseite
nur durch einen seichten, auf der Aussenseite aber durch einen
tiefen Einschnitt getrennt ist, und in seiner Mitte noch eine
kleine Schmelzröhre sehen lässt. |
Die untern Backenzähne haben ähnliche Schmelzfiguren.
Der vordere, welcher der grösste ist, beginnt mit einem ge- |
rundet dreiseitigen Ansatz, in dessen Mitte eine Schmelzröhre
eingeschlossen ist; hinter ihm zeigt der Zahn auf der Aussen-
seite 2 und auf der Innenseite 3 halbe Schmelzschlingen, die
unter sich, wie vom vordern Ansatze,. durch schwache Einker-
bungen geschieden sind. Der mittlere Zahn, eben so breit aber '
kürzer, hat auf der Innenseite 2, auf der äussern 1 Einschnitt,
wodurch dort 3, hier 2 halbe Schmelzschlingen entstehen. Der '
hintere Backenzahn, der hinten sich verschmälert, hat auf der
innern Seite einen schwächern, auf der äussern Seite und wei-
ter rückwärts gelegen einen tiefern Einschnitt, wodurch bei
der gewundenen Form der Conturen dieser Zahn eine Gestalt
bekommt, die der eines S- ähnlich ist.
Die Schneidezähne sind wie bei Mus beschaflen, also
ungefurcht; auf der Vorderseite sind sie gelb gefärbt.
Der Schädel ist vam typischen Character der Mäuse,
doch ist er zwischen den Augenhöhlen mehr eingezogen und
zugleich hier (auf den Stirnbeinen) der Läng® nach tief aus-
gehöhlt.
Die äussere Form, namentlich auch die des Schwanzes,
reiht die Haftmäuse den eigentlichen Mäusen an.
Ihre Heimath ist Südamerika. Dem Gebisse nach kennt
man nur die von mir ol. sciureus benannte Art. Von‘
Brandt’s Holochilus leucogaster und Anguya darf man dasselbe
Zahnsystem voraussetzen, da die Bildung der Oberlippe die-
selbe und sonst in den äussern Formen grosse Uebereinstim-
; .
mung ist. Waterhouse’s Mas brasiliensis (a. a. O. tab, 19),
„der übrigens von Mus brasiliensis Desm. verschieden scheint,
werde ich, ohne sonderliche Gefahr zu irren, wohl auch hie-
her ziehen dürfen, obschon die Beschreibung noch fehlt *).
Auch Lichtenstein’s Mus vulpinus ist näher zu untersuchen,
ob er nicht ebenfalls hieher gehören könnte.
1. HA. sciureus Wagn. Die Hörnchen-Haftmaus.
M. supra ferrugineo-rufus, lateribus dilute fulvescens,
subtus albidus; dorsi pilis basi schisticoloribus, plantis al-
bido-carneis, cauda corpore breviore.
Diese Art unterscheidet sich von M. leucogaster durch
ihre lichten Tarsen und von M. Anguya durch die dunkeln
Haarwurzeln. Die Ohren sind ziemlich kurz und am Rande
behaart; die Hinterfüsse lang und der mit kurzen weisslichen
Härchen besetzte Schwanz etwas kürzer als der Körper. Der
Oberkopf und der Rücken sind bräunlich rostroth, was an
den Hals- und Rumpfseiten, so wie am Oberarm und dem
Schenkel in licht ockerfalb sich umwandelt. Die Haare dieser
ganzen Oberseite sind in der untern Hälfte schieferblau, ohne
schwarze Endspitzen, was von M. vulpinus unterscheidet. Die
Unterseite, nebst der Innenseite der Beine ist weisslich, was
‚am Bauche licht ockergelblich überlaufen ist. Auf der Unter-
seite sind die Haare ihrer ganzen Länge nach einfarbig, nur
ganz am Grunde haben sie einen licht graulichen Anflug.
Hände und Füsse sind blos mit sehr kurzen weisslichen Haaren
besetzt; die Sohlen sind weisslich-fleischfarben; die Nägel
weiss, mit spitzem, dunkel braunrothem Fleck in der Mitte.
Die Schnurren sind schwarzbraun mit etwas lichteren Spitzen;
die Schneidezähne aussen gelb. Der Schwanz hellbräunlich,
mit weisslichen Härchen.
’ Körper, nach der Krümmung . 7’ 6"
1 Schwanz AP »ilis. vaicl „.anlar2
Hinterfuss bis zur Krallenspitze 14 5
Spix hat diese Art am Rio Franeisco in Brasilien entdeckt.
— —_*) Walırscheinlich ist die schon erwähnte Abbildung des Gebisses
ind Schädels auf tab. 33 von dieser Art genommen.
*) Ob der Schwanz an diesem Exemplare ganz vollständig. ist,
lässt sich nicht mit vollkommener Sicherheit sagen.
| _ Archiv f. Naturgesch, VIII. Jahrg, 1, Bd. 2
|
48 .
_vV. MERIONES. Die Rennmaus,
Wie ich schon früher bemerklich gemacht habe, zähle ich
hieher nur diejenigen Nager, denen Fr. Cuvier u. A. den
Namen Gerbillus geben, während sie den von Meriones auf
amerikanische Springmäuse übertragen. Da jedoch Jlliger letz-
teren Namen den Rennmäusen der alten Welt beigelegt hat,
so hat man kein Recht, seine Benennung willkürlich einer
amerikanischen Gattung zuzuweisen.
In der engern Begränzung, in welcher ich die Gattung
‚Meriones nehme, beschränkt sich ihre geographische Verbrei-
tung auf Afrika und das angränzende Arabien. Die übrigen
asiatischen Arten, die dazu gezählt wurden, werden bei nähe-
rer Prüfung, wozu ich nur für die wenigsten Gelegenheit habe,
wohl sämmtlich an Rhrombomys abgegeben werden müssen. |
Im Nachstehenden führe ich drei Arten Rennmäuse auf,
wovon die eine dem südlichen, die andere dem nördlichen
Afrika und die dritte Arabien angehört. Die kapische Art
führt zwar bereits einen systematischen Namen, den ihr Lichten-
stein beilegte, sie ist aber noch unbeschrieben. Die nordafri-
kanische Art könnte mit Lichtenstein’s Meriones Gerbillus über-
einstimmen, doch sind von letzterem nur die Maasse angege-
ben, ohne weitere Characteristik, weshalb eine Vergleichung
der Berliner Exemplare mit meiner Beschreibung nöthig wird,
um über die spezifische Identität oder Verschiedenheit ein
sicheres Urtheil zu fällen. Auf keinen Fall wird aber meine
Beschreibung überflüssig sein, da diese Art noch nicht be-
schrieben ist, indem Rüppell’s Meriones Gerbillus und Olivier’s
Dipus Gerbillus davon sehr verschieden sind, ‘weshalb auch
für meine Art der Name M. Gerbillus nicht beibehalten
werden könnte. Diese Spezies ist zwar mit M. pyramidum |
Geofir., sowie mit M. pygargus (M. Gerbillus Rüpp.), und mit
M. aegyptius Desmar. verwandt, aber yon diesen 3 Arten doch
erheblich verschieden. Meine dritte Art ist aus Arabien, und.
meines Wissens für die Therologie ganz neu,
4. M. caffer Licht. Die kaffersche Rennmaus.
M. bruneo-flavus, nigro-variegatus, subtus albus; auriculis
unguibusque elongatis; cauda longa, supra fusca, flavo-mar-
ginata, apice subtusque alba.
ee:
19
Unter dem von Lichtenstein gegebenen Namen M. caffer
habe ich aus einer im October 1839 zu Berlin abgehaltenen
Versteigerung *) eine Rennmaus erstanden, die eine sehr ausge-
zeichnete Art ausmacht. Ihre ovalen Ohren sind beträchtlich
lang, die Füsse auffallend robust, wodurch sie gleich vor den
nordafrikanischen Arten auffällt, die Krallen, zumal an den
Vorderfüssen, länger als bei andern gleich grossen Arten; das
Gebiss von typischem Character. Der Schwanz ist etwas
kürzer als der Körper, und ohne Pinsel am Ende. Die Farbe
der Oberseite ist rostbräunlich falb, auf dem Rücken und
Kopfe durch die schwarzen Haarspitzen fein schwarz gestrichelt.
Die Unterseite und Füsse sind weiss. Die Ohren sind falb
behaart, was auf der Spitze der Hinterseite ins Schwarzbraune
übergeht, während an selbiger die Wurzel mit langen weiss-
lichen Haaren besetzt ist. Der Schwanz ist auf der Oberseite
dunkelbraun mit Fahlgelblich gemengt, und diese dunkle Farbe
ist beiderseits von einem rosigelblichen Saume eingefasst; die
ganze Unterseite des Schwanzes und sein Ende auf 9 Linien
Erstreckung ist weiss, blos die Oberkante der Spitze ist auf
3 Linien weit schwarz.
Körper. .... alla Bl 1a
Schwanz. vun „ey
OBEN AEIONFTEE
Hinterfuss . 2... 414. 4
Die Heimath ist Südafrika.
-2. M. longicaudus Wagn. Die langschwänzige
Rennmaus.
M, supra nitide fulvidus, subtus candidissimus, maculis
supraorbitalibus utringue duabus albis; cauda corpore
f multum longiore.
Meriones Gerbillus. Liechtenst. Verz. d. Berl, Douhl. 8. 2.
Die Sammlung hat neuerdings eine Rennmaus erhalten,
welche in Grösse und Färbung zwar mit M, aegyptius über-
einkommt, von diesem aber durch den verhältnissmässig weit
|—
®
j» *) Lichtenstein erwähnt in dem Verzeichnisse von jener Auction
noch zweier kapischer Arten: M, binotatus (4 lang) und M, rufescens
(3) lang), die mir nicht bekannt sind.
ß 2%
20
längern Schwanz auffallend verschieden ist, in welcher Bezie-
hung sie sich wie Lichtenstein’s *) M.Gerbillus verhält. Unser
Exemplar ist ein sehr niedliches Thier. Schädel und Gebiss
ist von typischem Character. Die Ohren sind mässig gross,
aussen auf der ganzen Oberseite, innen nur an den Rändern
mit feinen Härchen besetzt. Der Schwanz ist viel länger
als der Körper, durchgängig behaart, mit Haaren, die
allmälig länger werden, und an der Spitze einen merklichen
Pinsel bilden. Die Farbe der Oberseite ist schön und
ziemlich gesättigt rostfalb, der Unterseite schneeweiss; die
falben Haare sind in der untern Hälfte schiefergrau. Über dem
Auge sind jederseits zwei weisse, durch einen schmalen falben
Streif geschiedene Flecken, von denen der hintere der grös-
sere ist, und sich bis zum Ohre erstreckt. Die langen Schnurren
sind weisslich; die Ohren aussen falb behaart. Der Schwanz ist
licht fahlgelblich, was im Verlauf auf der Oberseite ins Schwärz-
liche, auf der untern ins Weissliche übergeht.
Körper **), nach der Krümmung 3" 1"
Schwanz mit Haaren . . ..4%6
Ole, 1. ET RSRFDIR Oi
Hinterfuss mit Krallen . 10
Als Heimath ist Egypten angegeben.
3. M. dasyurus Wagn. Die rauhschwänzige Renn-
maus. ’
M. supra fulvidus, nigro-adspersus, subtus candidissimus;
cauda fere corporis longitudine, pilis erebris, apicem versus
longioribus, supra nigricantibus vestita.
Während bei den vorhergehenden Arten die Oberseite
einförmig und lebhaft rostfalb ist, ist sie bei dieser blass fahl-
gelb und allenthalben schwarz gespritzelt, indem die falben
Haare, die in der untern Hälfte schieferfarben sind, meisten-
theils mit schwarzen Spitzen enden, wodurch sich diese Art
*) „Longit. corp. 4”, caudae 6“, tibiae 1“, tarsi 8“. Animal ni-
tidissimum; e deserto libyco.“ Mein Exemplar könnte wohl ein noch}
nicht erwachsenes von diesem M. Gerbillus sein, falls dieser nicht
eine eigene Art ausmacht. ;
**) In gerader Linie nur 2” 9,
21
merklich von den drei andern unterscheidet. Die Unterseite
nebst der obern Augengegend ist rein weiss. Die Schnurren
sind schwärzlich, die längsten mit lichtern Spitzen. Die mittel-
mässigen Ohren sind nur mit feinen Härchen beflogen. Der
Schwanz ist fast so lang als der Körper und rauhhaariger als
bei den vorhergehenden Arten, da seine Behaarung durchgängig
länger ist. Seine Färbung ist rostgelblich, was auf der Unter-
seite gegen die Spitze graulich-weiss wird; die ganze Ober-
seite ist mit schwarzen Haaren untermengt. — Schädel und
Gebiss sind von typischem Character.
Körper, in gerader Linie 3" 0’
Schwanz sasieeik. anerrärd
Obi, ee
Binterfussiu - ichs AU u0, 44
Dr. Fischer aus München, der mehrere Jahre in den Län-
dern des Paschas von Egypten sich aufhielt, entdeckte diese
Art an der arabischen Westküste, und schenkte sie dem hie-
sigen Museum.
vI. HYPUDAEUS. Die Wühlmaus,
Über diese Gattung beschränke ich meine Bemerkungen
auf eine kritische Prüfung der Arten, in welche man die eu-
ropäischen Wasserratten vertheilt hat. Nachdem schon durch
Linne und Hermann von Mus amphibius ein Mus terrestris
abgetrennt war, wobei es aber sehr wahrscheinlich ist, dass
Beide nicht dieselbe Thierform vor Augen hatten, schieden
gleichzeitig Savi und Selys-Longchamps eine dritte Art ab,
ersterer unter dem Namen Arvicola destructor, letzterer unter
dem von Arvicola Musignani, welchen er später gegen die
Savische Benennung aufgab. Eine vierte Art, Arvicola monti-
cola, ist gleichfalls von S. Longchamps aufgestellt worden.
Von diesen 4 Arten besitzt die hiesige Sammlung den Aypu-
daeus amphibius (im engern Sinne) und ZH, terrestris, sowohl
in ausgestopften Exemplaren als in Skeleten. Hinsichtlich des
H. destructor und monticola kann ich, aus Mangel an Indivi-
_ duen, mich nur an die vorliegenden Beschreibungen halten.
Der H. terrestris wird von den Meisten als eigne Spezies an-
gesehen, Unter den neueren Zoologen, die sich über diese Wühl-
22
mäuse geäussert haben, erkennt Schinz die 4 Arten an, wäh-
rend Keyserling und Blasius, zu deren Bestimmungen man ein
begründetes Vertrauen haben kann, alle 4 Arten in einer ein-
zigen zusammenfassen. Bei solcher Divergenz der Meinungen
wird die Entscheidung schwierig sein.
Abgesehen von der Grösse und Färbung, findet S. log
champs die Hauptmerkmale zur Unterscheidung von 4 Arten
in der Zahl der Schwanzwirbel und gewisser Schädelverhält-
nisse, namentlich in dem Umstande, ob die bogenförmigen Linien
über den Augenhöhlen zusammenstossen oder nicht. Am meisten
auseinander liegen in dieser Beziehung nach seinen Angaben
H. amphibius und terrestris, Exsterer hat nach ihm 23, letz-
terer nur 20 Schwanzwirbel. Die erst angeführte Zahl hat
auch unser Skelet von 4. amphibius, dagegen hat unser Skelet
von AH. terrestris 22 aufzuweisen; diese Differenz- ist demnach
von keinem Belange. Was das Verhalten der bogenförmigen
Linien betrifft, so ist es allerdings bei unserem Skelete so,
wie es S. Longchamps angiebt, dagegen bei einem Schädel,
den ich aus einem ächten Strassburger 4. terrestris heraus-
nahm, ganz wie bei 7. amphibius. Auch Savi’s Beschreibung
vom Schädel des Z. destructor passt nicht zu der von S.
Longchamps. Wie aber die osteologischen Verhältnisse schwan-
kend sind, so ist es auch mit der Färbung. Auf diese Be-
obachtungen gestützt, halte ich #7. amphibius und terrestris
nur für Varietäten von einander, die aber einen constanten
Character haben; zwischen ihnen reihen sich A. destructor
und monticola, über welche ich freilich aus Autopsie nicht
urtheilen kann, als zwei andere Varietäten ein. Eine detail-
lirte Auseinandersetzung wird die eben ausgesprochene An-
sicht näher rechtfertigen,
4. H. amphibius Linn. Die Wasserratte.
Mit den bekannten Merkmalen, die keiner Erläuterung
bedürfen, daher ich gleich zur Schilderung der 4 Hauptvarie-
täten übergehe, welche mir von dieser Art bekannt sind.
Var. a. H. amphibius Linn, Die gemeine Wasser-
ratte,
H. cano-fuscus, ferrugineo-indutus, subtus griseus, ventre
23
pallide rufescens; naso obtuso, auriculis absconditis, cauda
- dimidio corpore paululum longiore.
Hypudaeus amphibius. Brants muiz. p. 88. — Lenz Naturgesch.
P 1. S. 262. — Zawadzki galiz. Faun. S. 27.
Arvicola amphibius. Desmar. mamm. p.280. — Bell brit. qua-
drup. p. 321. — Bonap. faun. ital. fasc. VII. — S. Longchamps
mierom. p. 88 tab.1 fig. 1, 2; tab.2 fig. 1, 2 (Schädel). —
Schinz europ. Faun. I. 8.58. — Keys. u. Blas. europ.
Wirbelth. I. S. VII. u. 33. — Macgill. brit. quadrup, p. 260
tab. 28. — Jenyns, ann. of nat. hist. VII. p. 268.
Lemmus aquaticus. Fr, Cuy. diet. des sc. nat. VI. p. 306.
Brachyurus amphibius. G. Fisch. zoognos. III. p. 58.
Microtus amphibius. Schrank faun. boie. I. n. 31.
Mus amphibius. Linn, syst. XII. p.82. — Pall. glir. p. 80; zoogr.
1. p. 170. — Schreb. IV. 8.668 tab, 186. — Bechst, Natur-
gesch. Deutschl. S. 980.
Rat d’eau. Buff, VIL p. 348 tab. 63; Daubent. p. 350 tab. 44—46,
)
a ater. Macgill. transact. of the Wern. nat. hist. soc. VI,
p- 424.
Für seinen Arvwicola amphibius stellt S. Longchamps als
Diagnose auf: „Grösse der schwarzen Ratte. Schwanz schwärz-
lich, etwas länger als die Hälfte des Körpers. Pelz oben erd-
oder rostbraun, auf den Seiten röthlich, unten dunkelgrau,
auf dem Bauche roth überlaufen” #). — Dies ist auch die ge-
wöhnliche Färbung, die mitunter lichter oder dunkler wird,
*) In seiner Beschreibung heisst es bei $. Longeh. weiter: Rücken
und zumal die Kruppe mit längern schwärzlichen Haaren untermengt.
Schwanz mit mehr als 110 Schuppenringen, oben mit schwärzlich-
grauen, unten mit blasseren Haaren bedeckt. — Schwanzwirbel giebt
8. L. 23, Bonaparte 22 an; ersteres ist auch die Anzahl an unserem
Skelete und bei Daubenton; Cuvier zählt sogar 24 und überdies einen
Kreuzwirbel mehr als alle andere Angaben, was auf einen Irrthum
schliessen lässt. Die italienische Wasserratte (A. pertinaxw Say.) ist
‚kleiner, oben schwärzlicher, unten mit Kastanienbraun (nicht mit
Roth) überlaufen; Schwanz ganz einfarbig dunkel kastanienbraun. —
Das Verhältniss des Körpers zum Schwanze ist nach 8. L. = 6" : 3"
4%, nach Bonaparte —= 5" 3 ; 2” 40, nach Daubenton = 7:44,
nach Macgillivray bei einem Männchen — 8:4, bei einem Weibchen
= Bl :3” 9% — Als Eigenthümlichkeiten des Schädels bemerkt
8, L., dass die beiden bogenförmigen Linien oberhalb der Augen-
höhlen in der Stirnnaht zusammenstossen, dass die Jochbögen wenig
stark sind, vorn ausgerandet, und hinten einen stumpfen Winkel
bildend.
24
so dass sie selbst schwarzbraun oder ganz schwarz werden
kann *). ‚Dieser Arvicola amphibius ist es, der durch ganz
Europa und Sibirien bis an die Lena und das Eismeer ver-
breitet ist. Er hält sich nicht blos in der Tiefe auf, sondern
findet sich auch auf dem Hochgebirge, und ist nicht mehr an
das Wasser gebunden als die Wanderratte. In manchen Jah-
ren vermehrt er sich ausserordentlich und kann alsdann be-
deutenden Schaden verursachen.
Var. b. H. monticola Sel. Die Bergratte.
H. griseo-flavidus, subtus albido-canus, cauda pallide ci-
nerea, corporis dimidio paululum breviore; vellere aequali.
Arvicola monticola. S. Longch. p. 92, tab. 1 fig.6, tab. 2 fig. 3
(Schädel).
Von Selys aufgestellt mit der Diagnose: „Grösse von
amphibius. Schwanz lichtgrau, etwas kürzer als die Hälfte
des Körpers. Pelz gelblichgrau, auf den Seiten mit Blassgelb-
lich gemischt, unten und an den Füssen weisslichgrau.” —
Körper 6" 3”, Schwanz 2" 9”. — Aus den Pyrenäen; die
Exemplare von S. stammten aus der Gegend von St.-Bertrand
de Comminge **). Die Verwandtschaft mit #. terrestris ist
*) Vom Naturalienhändler Nager in Urseren habe ich eine Wasser-
ratte unter dem Namen A. terrestris erhalten, die zwar der Schädel-
bildung nach zu diesem gehören könnte, aber durch Grösse, Fär-
bung und Beschaffenheit ganz von ihm abweicht. Die ganze Ober-
seite ist mit einer grossen Menge langer schwarzer Haare untermischt,
die weit reichlicher und länger sind als bei unsern hiesigen Wasser-
ratten; auch der Schwanz ist der ganzen Länge nach dicht und etwas
flatterig behaart. Dem Pelze nach könnte man dieses Exemplar zu
H. destructor ziehen, allein die Färbung ist ganz verschieden. Die
Oberseite nämlich hat einen rostig braunrothen Grund, der aber
‚durch die vielen langen schwarzen Haare grösstentheils verdeckt
wird, und nur an den Kopf- und Halsseiten vorherrschend auftritt.
Die Unterseite ist licht röthlich überlaufen; die Füsse sind dunkel;
der Schwanz schwarzbraun. Körper 6“ 5, Schwanz ohne Haarspitze
3” 3%, mit selbiger 3% 5%,
**) Diese Art, sagt S, weiter, differirt von H. terrestris durch den
Schädel, der sich dem von amphibius nähert, durch eine weit ansehn-
lichere Grösse, längeren Schwanz (?) und den blasseren Ton des
Pelzes. Durch dieses letztere Merkmal unterscheidet sie sich auch
von amphibius, ausserdem noch duxch den lichtgrauen, kürzern Schwanz
25
auffallend und S. gesteht selbst zu, dass es schwer ist, junge
Exemplare des H. monticola von jenem zu unterscheiden, und
dass alsdann, wenn man weder Schädel noch Fundort kennt,
die blassere Farbe des Pelzes und der Schwanz den Ausschlag
geben müsse, was mir als höchst unsicher erscheint.
Var. ec. AH. destructor Savi. Die verheerende
Wasserratte *).
H. flavido-bruneus, griseo-mixtus, subtus albido - canus,
‘cauda supra fusca, corporis dimidio longiore; vellere in-
aequali.
Arvicola destructor. Savi, giorn. de Letterati. 1839. N. 102. —.
S. Longeh. mierom. p. 93,.tab.1 fig.4, 5, tab.2 fig. 4 (Schädel).
Arvicola Musignani, S. Longch. reyue zool. 1839.
Arvicola terrestris. Bonap. faun. ital. fasc. VII.
Nach den eitirten Beschreibungen ist die Grösse die von
H. amphibius. Die Oberseite ist gelblich-braun mit grau ge-
mischt, ziemlich wie bei der Wanderratte; die Seiten sind
etwas lichter. Vorderhals und Brust weisslich-grau, Bauch
und die Beschaffenheit des Pelzes, der sehr weich, gleichförmig und
fast wollig ist, ohne Beimengung der längern Haare auf dem Rücken,
welche den amphibius und destructor characterisiren. Der Ton ist
blass genug, um mit dem von matten Exemplaren des H. arvalis ver-
glichen zu werden. Das Weisslichgraue der Unterseite ist sehr
schwach mit Gelblich am Bauche überlaufen; das Gelbliche ist leb-
‚hafter an den Kopfseiten. Vom Schädel bemerkt $., dass die bogen-
förmigen Linien an der Stirnnaht zusammenstossen und eine schwache
Leiste bilden, dass die Jochbögen sehr stark sind, vorn sehr ausge-
randet, hinten einen stumpfen Winkel formirend und vorwärts sehr
verschieden von denen des H. amphibius sind.
- #) Wie Selys bemerkt, unterscheidet sich diese Art sehr leicht
vom H. terrestris und monticola durch die Schwanzlänge und Be-
schaffenheit des Pelzes, differirt aber im Äussern weniger von H.
amphibius. Die Hauptzüge der Unterscheidung müssen in dem
Rückenpelz, der sehr dem der Wanderratte gleicht, und in der weiss-
lichgrauen (nicht dunkelgrauen) Färbung der Unterseite gesucht
werden. Als Hauptunterscheidungs-Merkmal erklärt aber S. die Bil-
‚dung des Schädels Dieser ist, wie er sagt, gestreckter, die bogen-
förmigen Linien stossen nicht zusammen; die Jochbögen sind stark,
vorn fast ohne Ausrandung, hinten einen rechten Winkel bildend, in
ı dieser Beziehung ganz von denen der 3 andern Arten abweichend.
Schwanzwirbel werden 22 angegeben.
i
grau, sehr schwach gelblich angeflogen. Schwanz oben mit
kurzen, starren, 'schwärzlichen Haaren, unten mit weisslich-
grauen besetzt. Der Rücken ist mit: längern schwarzen Haaren
untermengt. Am Bauche 4 Zitzen und eben soviel an der
Brust. Man kennt auch eine schwärzlich-braune Abänderung,
— Körper 6", Schwanz 3” 9". — Als Heimath ist die nörd-
liche Hälfte Italiens (Mailand, Toscana, Rom) angegeben, wo
sie sich manchmal ausserordentlich vermehrt. *)
Var. d. H. terrestris Linn. Die Schermaus.
H. amphibio multum minor, fuscus, flavido-mixtus, sub-
tus einereus flavido-indutus; cauda fusca, tertiam eorporis
partem paululum superante.
Arvicola terrestris. Schinz europ. Faun. I. S.59. — Cuv. regne
anim. I. p.206. — S. Longch. mierom. p. 97, tab. 1 fig. 6; tab. 2°
fig. 6 (Schädel).
Microtus terrestris. Schrank faun. boie. 1. N. 30.
Lemmus Schermaus. Fr. Cuy. diet. des sc. nat. VI. p.307; mam-
mif. Il. livr. 38.
Mus terrestris. Linn. fn. suec. 2 p.11. — Herm. obs. zool. p.59.
Arvicola argentoratensis. Desmar. p. 281,
Scherman. Buff. suppl. VII. tab. 70,
Hermann ist als der erste anzusehen, der diese Wühlmaus **)
von der gemeinen Wasserratte unterschieden hat, denn Linne’s
*) Savi erzählt von A.destructor, dass sich dieser im Jahre 1837
plötzlich in der Provinz Piombino einstellte, wo er vorher nicht ge-
sehen worden war. Im Frühlinge des genannten Jahres verwüstete
er in unzähliger Menge die Felder, Zuerst ging es an die Bohnen,
dann an’s Getreide und nach der Ernte an den Mais; am meisten litt
das Getreide. Man rechnete, dass % der Ernte zerstört wurde. Wäh-
rend des Winters verschwanden die Mäuse, aber mit dem Frühlinge
1838 fingen sie ihre Verheerungen wieder an, seit welcher Zeit sie
nicht gesehen wurden. Savi vermuthet, dass die grossen Ueber-
schwemmungen von 1836 es waren, welche die Mäuse aus den nie-
drigeren Gegenden in die höheren. angebauten getrieben hatten, und
dass sie letztere wieder verliessen, sobald die ersteren ausgetrocknet
waren. Der Prinz von Musignano erzählt, dass diese Mäuse um Rom
besonders den Weinbergen nachtheilig sind.
**) Der- Name Scherman von Büffon ist eine Verstümmelung von
Schermaus, wobei Schinz bemerkt, dass mit diesem Namen- in der
Schweiz’ der Maulwurf bezeichnet werde, während daselbst der A.
terrestris Stossmaus genannt wird.
R 27
Mus terrestris ist mit Sicherheit nicht zu deuten. Von dieser
Hermann’schen Wühlmaus stellt Selys als Diagnose auf: ‚Grösse
um ein Viertel geringer als bei amphibius. Schwanz oben
braun, unten blasser, etwas länger als ein Drittel des Körpers.
Pelz oben braun mit mehr oder weniger Gelb, an den Seiten
gelblich, auf dem Bauche grau mit gelblichem Anfluge” *). —
Dabei bemerkt er noch, dass das Gelbliche der Seiten und
des Bauchs niemals ins Rothe, wie beim amphibius, übergeht **).
Nach Selys. Eigne Messung. ***) Fr. Cuv.
Körper. 5"7" 5"2" 5" 0" 5" 10" 6" 6"
Schwanz. 25 25 20 2 64 2 8
Herr Professor Schimper hatte die Gefälligkeit, mir von
Strassburg 2 ausgestopfte Exemplare der ächten Schermaus
zur Ansicht zukommen zu lassen und überdies mich mit einem
frischen Exemplare, in Weingeist aufbewahrt, zu beschenken,
an welchem Letzteren ich den innern Bau untersuchen konnte.
Diese 3 Exemplare stimmen nun in den Grösseverhältnissen
und in der Färbung mit der Beschreibung von Selys über-
ein+), auch der Schädelbau an dem in Spiritus übersandten
Exemplare ist so, wie ihn dieser angegeben hat, und sie
weichen demnach merklich von unsern gewöhnlichen Wasser-
f
*) Vom Schädel sagt Selys, dass er etwas kürzer als bei am-
phibius ist, dass die bogenförmigen Linien auf dem Stirnbeine nicht
zusammenstossen und der Jochbogen wie bei genannter Art beschaffen
ist. Da Savi, dessen Beschreibung er übrigens als sehr genau lobt, vom
H. terrestris sagt, dass die bogenförmigen Linien zusammenstossen,
so glaubt Selys, dass jener Naturforscher seine Beschreibung des
Schädels nach einem H. amphibius vexfertigt haben möchte; eine
Voraussetzung, die mir bei Savi’s Genauigkeit nicht zulässig scheint,
und zu der man um so weniger zu greifen braucht, als ich an einem
von Strassburg erhaltenen Exemplare ganz dasselbe Verhalten fand.
*) Im Museum zu Basel hat Selys ein ganz schwarzes Indivi-
duum gesehen.
) =) Nach der Rückenkrümmung misst dieses Exemplar 6“ 4, der
Schwanz ohne Haarspitze 2” 5%,
) -F) Das eine von diesen Exemplaren hatte jedoch einen lichtern
Ton ‚und die bräunlich-gelbe Farbe war allenthalben mit licht Grau
überlaufen; dem Hinterrücken fehlen übrigens die längern schwarzen
"Haare nicht, wie es Selys angiebt, sondern sie sind nur kürzer und
"spärlicher. Der Schwanz ist viel kürzer behaart als bei den ge-
wöhnlichen Wasserratten.
30
Hystrix hirsutirostris. Brandt, mem. de l’acad, de Petersb. 1835.
p- 375, tab. 8 fig. 3—6 (Schädel).
Wie erwähnt, hat Brandt zuerst diese Art unterschieden,
und zwar nach einem Exemplare unbekannter Herkunft, das
er für H. eristata hielt, bis er durch Herausnahme des Schä-
dels vom Gegentheile belehrt wurde. In ähnlicher Weise ist
es mir mit einem Exemplare ergangen, das Hofratlı von Schu-
bert von seiner orientalischen Reise zurückbrachte; ich hatte
es bereits als A. eristata etiketirt, als die Ansicht des Schä-
dels mir zu erkennen gab, dass ich es mit einer ganz andern
Art zu thun hätte, nämlich mit Brandt’s 4. hirsutirostris. Da
die spezifischen Differenzen dieser und der vorgehenden Art
am Schädel sich amı auffallendsten aussprechen, so will ich
dessen vergleichende Beschreibung vorausschicken.
Der Schädel von ZH. dorsata hat 1) ein sehr gewölbtes
nach hinten und vorn stark abfallendes Dach; bei 4. Airsuti-
rostris ist die Profillinie nur sanft gebogen. 2) Was den
Schädel von H. dorsata vor allen andern Nagern auszeichnet,
ist die enorme Entwicklung der Nasenbeine, die über 2 des
Schädeldaches ausmachen, weit über die Stirnfortsätze der
Zwischenkieferbeine hinausragen, am hintern Rande stark con-
vex gekrümmt, am vordern langgespitzt sind, so dass ihr Um-
riss im Ganzen eine Eiform hat, die hinten sehr verbreitert
ist, nach vorn aber ziemlich spitz ausläuft. Bei H. Airsuti-
rostris dagegen sind die Nasenbeine von verhältnissmässiger
Länge, springen über die Stirnfortsitze der Zwischenkiefer-
beine entweder gar nicht, wie bei unserem Exemplare, oder
nur ganz wenig, wie bei dem Brandt’schen, hervor und schnei-
den vom Stirnbeine in einer fast geraden, nur wenig gebogenen
Linie ab, behalten in ihrer Erstreckung ziemlich gleiche Breite,
indem sich ihre Seitenränder in der Mitte nur wenig einziehen,
haben also mehr die Form eines Parallelogramms, mit schief
abgestutzten breiten Vorderrändern. 3) Aus der ungeheuren
Vergrösserung der Nasenbeine bei 4. eristata folgt die
auffallende Zurückdrängung der Stirnbeine, ‘wie die ‚geringe
Ausdehnung derselben; ihre Form stellt einen halben Bogen-
gang dar. Bei 4. Zirsutirostris dagegen sind die Stirnbeine
fast noch einmal so lang, vorn mehr geradlinig abgegrenzt, zu-
gleich flacher, während sie bei Z. dorsata an den Seiten stark
31
gewölbt und überdies an den Nähten, sowohl gegen das Nasen-
und Hinterhauptsbein, so wie unter sich, stark eingezogen sind.
4) Der Stirnfortsatz des Zwischenkieferbeins ist bei A. Jursuti-
zostris an seinem Rande von gleicher Breite mit dem einen
Nasenbeine; bei 4. cristata dagegen, wo er sich überhaupt
rückwärts verengert, viel schmäler.. 5) Das Jochbein ist bei
H. cristata länger und schmäler, bei 4. Airsutirostris kürzer
und breiter. 6) Die Querspalte über der äussern Gehöröft-
nung ist bei jener länger, 7) der Winkeltheil des Unterkie-
fers dagegen bei ihr nicht so breit.
Während demnach im Schädelbau beide Arten ausser-
ordentlich differiren, hält es dagegen nicht so.leicht, solche im
äussernHabitus zu unterscheiden. Die Physiognomien mögen
zwar abweichend sein, auch scheint mir bei A. crist. das Ohr
gerundeter; aber an den Fellen lässt sich dies nicht mit Sicher-
heit abnehmen. 1) Brandt hebt für seine 4. kirsutir. beson-
ders den Umstand hervor, dass die Schnautze dicht mit Haaren,
welche die Haut ganz verdecken, besetzt ist, ebenso die Nase,
während bei ZH. crist. der Besatz an diesen Theilen so spär-
lich ist, dass die Haut durchblickt. Dieses Merkmal finde ich
an meinem Exemplare ebenfalls bestätigt. 2) Ein anderes
Merkmal, was Brandt nicht bemerklich macht, ist, dass bei
H. hirsutir. die kürzern Stacheln, welche am Schulterblatte
und den Leibesseiten sitzen, platt und breit, bei 7. erst. rund
und schmäler sind; auch zeigen jene deutlich ganz feine
Längsfurchen. 3) Derselbe Fall tritt bei den kürzern Stacheln
ein, welche die Kreuzgegend bedecken. 4) Die grossen Sta-
cheln der Oberseite finde ich bei 4. /ursutir. der Länge nach
kannelirt, bei crist. nur fein gefurcht. 5) Ein Merkmal, wor-
auf Brandt mit Recht grosses Gewicht legt, besteht in der
‚Form der abgestutzten hohlen Stachelkiele, welche das Schwanz-
ende einnehmen, indem sie bei 4. hirsutir. beträchtlich breiter
als bei crist., fast doppelt so breit sind*), 6) Die langen
| "Rückenstacheln sind bei. 4. hirsutir. länger als bei der andern
‚Art; dasselbe gilt für die Borstenhaare des Kammes, von denen
‚die hintersten bis zur Schwanzwurzel reichen. 7) Die Krallen
kürzer.
| #) Brandt giebt sie bei seinem Exemplare von H. hirsutir. 1),
lang, 34 —4 breit an.
32
Die Färbung ist im Allgemeinen dieselbe, auch zieht
sich bei der einen wie der andern Art ein weisses halbes
Halsband von den Schulterblättern um die Kehle herum, doch ]
ergeben sich folgende Verschiedenheiten. 1) Die langen Bor-
stenhaare des Hinterkopfs und Nackens haben an meinen bei-
den Exemplaren von 7. erist. meistentheils lange weisse Spitzen;
an meiner H. hirsutir. sind diese fast alle braun, 2) Die
langen Stacheln des Rückens haben bei dieser ungleich längere
weisse Spitzen als bei jener. 3) Ein Hauptmerkmal, worauf -
schon Brandt aufmerksam machte, besteht darin, dass die kür-
zern Stacheln, welche die Kreuzgegend bedecken, bei A. erist.
schwarzbraun, und nur an der Wurzel, zuweilen auch an der
kurzen Spitze weiss sind, bei #. hirsutir. dagegen der ganzen
Länge nach weiss sind. Die hohlen Kiele am Schwanzende
sind bei beiden Arten weiss.
An Grösse werden sich die beiden Arten ziemlich gleich-
kommen. Mein Exemplar von 4. kirsutir. scheint noch nicht
sehr alt zu sein und misst vom Kopf bis zum Schwanzende
2' 7"; ein ganz altes Exemplar von A. crist. misst 2' 9". Der
längste Stachelkiel am Schwanzende hat bei 4. hirsutir. eine
Länge von 2” 4" (ohne den Stiel), und seine grösste Breite
ist etwas über 4”; bei 4. erist. ist die Länge 4” 10” und
die Breite 24",
Von den Schädeln habe ich folgende Maasse abge-
nommen:
H.hirsutir. H. eristata
Länge des Schädls 2.2... 4" 11" 5" 3"
« der Nasenbeine. . . . 2 3 3: zu
« der Stirnbeine I 4450
« der Scheitelbeine 1 21 4
« des Jochbeins am obern Beside, 0 64 0140
Breite des Schädels am Hinterhauptsben 1 10 1 11}
« an den Stirnbeinen } vn 2:1 In 2076
« . „zwischen den Jochbögen "2 9
« eines Nasenbeins am hintern Rande 0 8 1
« « « « vordern « 0 74 0 3
« des Stirnfortsatzes vom Zwischen-
EN RE RE OLTE ENGE
Länge des Unterkiefrts . . 0 ...3.8 3 6
I
{0}
>}
Win
wi=
r 33
Die Heimath seines Exemplares von A. hirsutirostris
wusste Brandt nicht anzugeben; das unsrige wurde vom Hof-
rath v. Schubert in Jerusalem lebendig angekauft, wo in der
Umgegend diese Thiere nicht selten sind. Wahrscheinlich 'ge-
hören hieher auch die bis nach Indien vorkommenden Stachel-
schweine, wenigstens scheint dies mit H. Jeucurus Syk. der
Fall zu sein.
Zoologische Beobachtungen.
i Von
Dr. A. Philippi.
{Fortsetzung.)
Hierzu Taf. I. Fig. 1—3. a —d.
1. Ueber Pyrgiseus Ph.
Als ich in diesem Archiv 1840 p. 50 blos auf die Ver-
schiedenheit der Gehäuse mich stüzend, für mehrere kleine
thurmförmige Schnecken das Genus Pyrgiscus vorschlug,
war ich weit entfernt zu ahnen, dass so rasch eine Kunde sei-
nes Bewohners folgen würde. Diese ist uns durch Herrn R.
T. Lowe in den Annals and Magazine of natural history vol.
VI. 1841 p.511 geworden, in einer den neunten Juni 1840,
ich weiss nicht mehr in welcher englischen Gesellschaft, gele-
Ken Abhandlung: „On Parthenia a new Genus of recent
marine shells.” Er beschreibt das Thier also: Animal corpore
= spirali, pallio simpliei ecanalieulato; pede antice ab-
zupte truncato, postice attenuato, exappendieulato, operculi-
fero. Tentacula duo triangularia (soll heissen triquetra) s.
prismatica, basi coalita, oculis sessilibus, superne ad basin in-
fernam positis, approximatis. Buccae labiales coalitae, infra
tentacula exsertae, proboseidem abbreviatam, depressam, pro-
fünde emarginafam seu bilobam referentes. Operculum cor-
neum, tenue, ovatum, integrum, — Animal marinum, branehiis
Archiv f. Naturgesch, VII, Jahrg. 4. Bd 3
34
pectinatis, cerpore capiteque simplicibus, sc. nec velo, nee
. m . N
membranis, neque ciliis instructum. Tentacula figura fere
Limnaei, sed elongatiora, e membrana longitudinaliter ab apice
ad medium basis conduplicata constare videntur. Die Fühler
scheinen demnach ganz wie bei Eulima beschaffen zu sein.
Figura pedis inter Gasteropodes non siphoniferos infrequen-
tior, in Rissois tamen aeque obtinet.
Scacchi und ich, wir haben bei Eulima keine Schnauze
gefunden und die Augen äuf der Aussenseite der Fühler ge- H
zeichnet. Hier kann jedoch leicht ein Irrthum Statt finden,
indem man bei der Seitenansicht eines durchsichtigen Körpers
nicht entscheiden kann, ob die Augen aussen oder innen sitzen.
Schwer wird es mir jedoch zu glauben, dass wir eine Schnauze
übersehen hätten, und auf der andern Seite ist es nicht wahr-
scheinlich, dass zwei so ähnlich gebildete Thiere sich dadurch
unterscheiden sollten, dass dem einen die Schnauze fehlt, die
bei dem andern bestimmt vorhanden ist. Spätere Beobach-
tungen werden dies aufklären.
Noch ein Wort über den Namen. Linne hat bekanntlich
schon ein zu der grossen Familie der Compositen gehöriges
Pflanzengeschlecht Parthenium genannt, und man darf nach
den Regeln der Namengebung nicht ein Thier mit einem Na-
men bezeichnen, der sich so wenig unterscheidet. Aus die-
sem Grunde möchte daher der gleichzeitige*) Name Pyrgiscus
vorzuziehen sein, wenn man dies Genus von Eulima tren-
nen will.
Lowe rechnet folgende Arten dazu:
1, P. bullina Lowe, Turbonilla Humboldti Risso, Tornatella?
clathrata Ph. Enum.
2. P. Terebra Lowe, Turritella cancellata Risso IV. 110. f. 40?
3. P. elegantissima Lowe, (ob Melania Campanellae Ph.?)
4. P. crenata Lowe, Turbo crenatus Montag. ined., Melania
ruf. Ph. Enum,?
5 u. 6. Melania pallida Ph. und M. scalaris Ph. Enum,
Leider ist keine Abbildung gegeben.
*) Meinen Aufsatz habe ich dem seligen Wiegmann ebenfalls
im Sommer 1839 und zwar in der ersten Hälfte geschickt,
2. Bebryce*) moltös Ph. y
Ein neues Genus der gorgonienartigen Zoophyten.
Diese Koralle sitzt ziemlich häufig auf der Oculina ra-
mea (Madrepora) IL. und andern im tiefen Meer bei Neapel
vorkommenden Gegenständen, mit einer breiten Basis wie die
übrigen Gorgonien festgewachsen. Sie erscheint als ein baum-
artiges, diehotomisch verästeltes Stämmchen, das selten höher
als etwa drei bis vier Zoll wird, und auch nur wenige Äste,
in der Regel nur drei bis sechs hat. Stamm und Äste ha-
ben dieselbe Dicke von ? Linien und tragen auf allen Seiten
und ohne Ordnung die weit von einander entfernten Polypen,
die durchschnittlich zwei Linien von einander abstehn (wenn
man nur die in einer Linie stehenden betrachtet). Diese sind
sehr hervorstehend, und erscheinen als Höcker von 3 — 1”
Höhe und 3—"' Dicke, welche oft einen schwarzblauen, abge-
schnürten Knopf erkennen lassen, der, im Wasser aufgeweicht,
sich als den eigentlichen Polypen zu erkennen giebt, und acht
gezähnte zusammengefaltete Fühler zeigt. Leider gelang es mir
nicht, ein lebendes Exemplar zu erhalten. Die Rinde ist sehr
diek, ziemlich reich an kalkigen Theilen, wenn gleich bei wei-
tem weniger als andere Gorgonien, z.B. die Gattung Eunicea
Elırbg., aber doch so, dass sie, in Säure geworfen, ein leb-
haftes Aufbrausen durch das Entweichen der Kohlensäure ver-
ursacht; sie fühlt sich ziemlich glatt an und ist von schmutzig
gelbbrauner Farbe. Die Axe ist dünn, denn sie hat nur 4”
im Durchmesser und ist zwar hornartig, aber sehr weich und
biegsam; sie ist von einer hellen gelblichen Farbe. Sie un-
terscheidet sich von den übrigen gorgonienartigen Korallen
durch die verhältnissmässig sehr grossen, einzelnen, zerstreu-
ten, nicht zurückziehbaren Polypen, und die generische Dia-
gnose kann daher also lauten:
Bebryce. Polyparium fixum dendroideum, constans axe
centrali solida cornea flexili et erusta corticali spongiosa,
particulis calcareis repleta, quae in polypos sparsos distan-
tes magnos non retractiles continuatur. Tentacula octo
Pinnata,
*) Beßoözn eine Danaide,
36
3. KEvagorat*) rosea. | ü
Ein neues?Zoophyten-Genus aus der Familie der Xenien.
Dieses Thier scheint sieh gar nicht selten im Meerbusen von
Neapel zu finden und nur wegen seiner Kleinheit ‘bisher über-
sehen zu sein. Auch ich habe es erst gegen das Ende mei- °
nes dortigen Aufenthaltes beobachtet. Die einzelnen Polypen
sind ausgestreckt kaum 2” lang und 2” dick; ihr unterer
Theil ist fester, beinahe lederartig, und in diesen untern Theil
kann sich der obere ganz zurückziehen. Dieser ist blassroth,
wie die Fühler, und durchsichtig. Diese sind acht an der Zahl,
gefiedert und haben jederseits etwa sechs bis acht kurzer Lap-
pen, die unter einem rechten Winkel abgehen. Ihre innere
Seite geht unmittelbar in einen trichterförmigen Schlund über,
und es ist oben keine Fläche und keine von einem besondern
Lippenwulst umgebene Mundöffnung vorbanden. Der Polyp
sitzt auf Balanen, abgestorbenen Austerschalen u. s. w. mit sei-
ner Basis fest, welehe schmale, dünne, leicht zu übersehende
Sprossen treibt, an deren Ende wieder neue Polypen ent-
springen und so fort, jedoch hängen selten mehr als sechs
bis zehn Polypen auf diese Weise zusammen.
Die Eierstöcke und die Mündungen derselben habe ich
nicht gesehen, indem sie vielleicht wegen der Jahreszeit, im
Januar, zu wenig entwickelt waren.
Die Gattung Anthelia Savigny unterscheidet sich durch
die Ausbreitung des gemeinschaftlichen Mantels in eine Haut,
aber die Gattung Rkixoxenia Ehrenbg. (die Korallenthiere des
rothen Meeres S. 55) ist vielleicht dasselbe, ich kann mir aber.
weder aus den kurzen Worten Ehrenbergs, noch aus denen
von Blainville, der Ehrenbergs Zthizoxenia thalassantha (Zoan-
tha thalassanta Lesson in Duperrey Voyage de Ja Cogquille)
gar als Cornularia auflührt (Manuel d’Actinologie p. 499) eine
klare Vorstellung von diesem Genus machen, und da ich die
Reise von Duperrey nicht nachsehen kann, habe ich lieber
einen neuen Namen gebrauchen wollen.
*), Eieyopn eine Nereide.
37
4. Dysmorphosa econchicola.
Ein neues Coryne-artiges Zoophyten-Genus.
Den Conchylien -Sammlern kommen häufig Schaalen vor,
welche mit einer festen braungrauen, mit zahlreichen Spitz-
chen besetzten Haut überzogen sind, die sich äusserst schwer
von ihnen entfernen lässt. Ich hatte diesen Ueberzug für eine
‚Art Schwamm gehalten, und schon vor längerer Zeit in Was-
ser aufgeweicht und unter dem Microscop untersucht, war je-
doch nur zu dem negativen Resultat gekommen, dass es kein
Schwamm sein könne. Ende December 1839 bekam ich in
Neapel mehrere Conchylien, an welchen dieser mir wohl be-
kannte Ueberzug noch ganz weich war, und als ich die Con-
chylien in frisches Meerwasser warf, ward er zu meiner gros-
sen Freude lebendig. Ich erkannte sogleich, dass er: von ei-
nem coryne-artigen Thiere herrührt, welches zu Tausenden ge-
drängt auf einer gemeinschaftlichen Haut, auf einem pallio
communi aufsitzt, der nebst dem Stiel des Thieres beim Ein-
trocknen hornig wird, wo dann jedes Thier als Spitzchen er-
| scheint. Die einzelnen Thiere werden etwa zwei Linien lang
d sind graulich von Farbe mit weisser Spitze. Der Stiel
= walzenförmig, das Kopfende verdickt, übrigens von. ver-
| chiedener Gestalt, nach dem verschiedenen Grade seiner Con-
traction, bald mehr walzenförmig, bald mehr kugelig oder
birnförmig; der zwischen den Fühlern hervorragende Theil
ist immer zitzenförmig und trägt eine sehr kleine, nur äusserst
schwer walırzunehmende Mundöflnung. Die. Fühler stehen
ziemlich weit vom Munde entfernt; sie sind zwölf an der
Zalıl, stehen in einem Querringe und sind vollkommen faden-
förmig, d.h. überall gleich diek, und stumpf am Ende; ihre
Länge erreicht selten den dritten oder vierten Theil der Kör-
perlänge., — Das ganze Thier ist sehr träge in allen seinen
Bewegungen, und Stiel sowohl wie Fühler scheinen keiner
bedeutenden Verkürzung fähig zu sein. — Bei einer neunzig-
maligen Vergrösserung erschien mir die Oberhaut aus unre-
gelmässigen sechseckigen Zellen wie die Epidermis einer Pflanze
gebildet. Leider wurde ich bei diesen Untersuchungen unter-
brochen und konnte sie nachher nicht wieder vornehmen.
"Das Genus Dysmorphosa unterscheidet sich von (o-
38
ryne wesentlich durch ‚den gemeinschaftlichen Mantel, also
etwa wie Mammillifera von Hughea.
5. Ueber Zsdis oder Mopsea elomgata Esper.
Esper hat in seinem bekannten Werk über die Pflanzen-
thiere I. p. 48 sehr gut eine /sis elongata beschrieben und
tab. VI. abgebildet, deren Vaterland ihm unbekannt, und nach
einer blossen Vermuthung als West-Indien angenommen war.
Ehrenberg hat diese Art nicht gesehen. Risso hat sie in
der histoire naturelle des principales productions de l’Europe
meridionale vol. V. p.332 als neu auf seine höchst ungenü-
gende Weise unter dem Namen Mopsea mediterranea beschrie-
ben und fig. 43 ganz leidlich abgebildet. Da aber seine Ar-
beiten, so viel neue und interessante Sachen sie auch enthal-
ten, aus leider nur zu triftigen Gründen eines sehr geringen
Credits geniessen, so ist diese Art weder in Ehrenbergs Auf-
satz über die Korallenthiere des rothen Meeres, noch in Blain-
ville's Manuel d’Actinologie, welche beide im Jahre 1834 er-
schienen sind, noch in der zweiten Ausgabe von Lamarck’s
hist. nat. des animaux sans vertebres, deren zweiter die Korallen
enthaltender Theil 1836 herausgekommen ist, erwähnt, unstrei-
tig, weil man es für unwahrscheinlich gehalten hat, dass eine
Isis im Mittelmeer vorkommen sollte. Ich halte es daher nicht
für überflüssig, meine Beobachtungen über diese Art hier mit-
zutheilen.
Die Isis elongata ist bei Neapel nicht eben selten, da ich
mir nach und nach wohl ein Dutzend, zum Theil sehr. schö-
ner Exemplare verschafft habe, und es wundert mich daher,
dass weder Cavolini, noch Delle Chiaje, noch sonst Je-
mand ausser Risso von ihrer Existenz im Mittelmeere ge-
wusst hat. Die erstaunliche Zerbrechlichkeit' derselben, auf
welche bereits Esper aufmerksam macht, 'mag zum Theil die
Schuld daran tragen. Diese Art wird über zwei Fuss hoch
und über einen Fuss breit. Der Stamm ist bis zum Anfang
der Äste etwa 4 Zoll hoch und kaum 3 Linien dick. Die
Wurzel besteht, was ebenfalls bereits Esper als ein unter-
scheidendes Kennzeichen dieser Art besonders hervorhebt, al-
lemal aus mehreren Ästen (nicht aus einer einzigen Ausbrei-
tung), welche glatt, hin- und hergewunden, aber doch ziem-)
39
lich linealisch, bisweilen wieder verästelt, und nur selten in
breitere Massen ausgedehnt sind; sie sind durch Gelenke mit
dem ersten Gliede des Stammes verbunden, aber selbst*nicht
gegliedert. Die Glieder des Stammes wie der Äste sind höch-
stens acht Linien lang, die hornigen, im frischen Zustande
' nicht eingezogenen Gelenke haben höchstens zwei Linien Länge.
Die Gelenkflächen der kalkigen Glieder sind fast immer an
zwei gegenüberstehenden Seiten höher, dazwischen vertieft;
den Vertiefungen entsprechen die Erhöhungen auf der Gelenk-
fläche des folgenden Gliedes und umgekehrt. Alle Glieder
sind fein gerillt und von schweeweisser Farbe. Die Veräste-
lung geschieht, wie bei Gorgonia, in einer Ebene, und mit
sehr seltenen Ausnahmen dichotomisch, immer in den Gelen-
ken, so dass nie ein einzelnes Glied selbst sich verästelt.
Die letzten Äste sind ruthenförmig und erreichen bisweilen
die Länge von einem Fuss, wobei sie kaum dicker als eine
Schweinsborste sind. Anastomosen habe ich nicht gesehn.
Knollige, unstreitig krankhafte, Auswüchse auf den kalkigen
Gliedern kommen ziemlich häufig vor.
| Die Rinde ist nach Risso im frischen Zustande roth,
habe sie immer schwarzbraun gesehen; sie ist ziemlich
| . Die Polypen stehen ringsherum, ohne Ordnung, wie
| auch die Figur von Risso zeigt, nicht beinah quirlförmig,
wie er in dem generischen Character sagt, beinah zwei Linien
weit auseinander der Länge nach. Im getrockneten Zustande
sind sie 13" lang, fast 4” dick, ziemlich walzenförmig, und
enden mit acht Spitzen. Sie erinnern daher weit eher an die
Polypen von Pavonaria als an die der Gorgonien. Sie ent-
halten eine grosse Menge Spindeln von kohlensaurem Kalk,
welche ihren Körper stützen, der daher nur in seinem ober-
‘sten Theile zurückziehbar ist. Man kann acht längere Spin-
deln unterscheiden, welche bis zu den acht Spitzen des beim
Eintrocknen stehenbleibenden Kelches reichen; ferner eine
grosse Menge kleinerer, welche am untern Theile des Kel-
ches stehen, und endlich kürzere walzenförmige Körper,
_ welche zwischen den grösseren Spindeln zu liegen scheinen.
Diese Spindeln haben die grösste Ähnlichkeit mit den Kalk-
spindeln der Lobularia spinulosa Delle Chiaje’s, nur sind die
feinen Spitzchen, welche sie rauh machen, noch weniger her-
40 ‚
vortretend, und noch schwerer zu erkennen. Von der Ge-
stalt der Fühler war es mir nicht möglich an den eingetrock-
neten.Exemplaren etwas zu erkennen, und ungeachtet ich den
Fischern in Neapel grosse Versprechungen gemacht hatte, um
sie zu bewegen, mir diese und andere Korallen noch im le-
benden Zustande zu bringen, so wurden meine Wünsche in
dieser Beziehung nie erfüllt.
Mit meinen Beobachtungen des todten eingetrockneten
Thieres stimmt die kurze Beschreibung, welche Ehrenberg 1. c.
p-132 von lebenden der M. erythraea gegeben hat, vollkom-
men überein. Er sagt nämlich: Animalcula elegantissima, ten-
taculis 8, ramulosis, niveis, collo albo, particeulis ealea-
reis coceineis figuratis ornato, pallio talibus particulis aretius
approximatis tanquam vaginato. Sehr verschieden lautet die
Beschreibung, welehe Blainville Manuel de Malacologie p. 681
von Mopsea giebt: ‚„animaux pourvus de huit tentacules ra-
muleux, contenus dans de cellules immergees dans une
substance corticale,” was noch dazu im Widerspruch mit der
dünnen Rinde steht, welche die Mopsea- Arten haben.
6. Verzeichniss der im Mittelmeer von mir beob-
achteten Arten Cyathöna Ehrenberg.
I
1. Cyathina Cyathus Ehrenberg.
C. subeylindrica, laeviuseula, Jamellis marginalibus pluri-
mis, erassis, subaequalibus, Jamellis eoronalibus 18—20, an-
gustis, styliformibus; stylis centralibus numerosis confertis.
— 20” alta, stellae diam. 10".
Madrepora eyathus Sol. et Ellis. t.28 fig. 7. — Madrep. Antho-
phyllum Esper. 1. t.24. — Caryophyllia Cyathus Lamk. etc. ete.
Von dieser sehr bekannten Art habe ich nur das zu be-
merken, dass von den 6 mir gegenwärtig vorliegenden Exem-
plaren kein einziges bis zur Wurzel vom Mantel eingehüllt
ist, sondern dass der Mantel nur ein bis zwei Linien weit
sich vom Rande des Sterns hinab erstreckt, so dass der übrige
Theil des Korallenstocks mit Serpeln, Discoporen und andern
fremdartigen Körpern bedeckt ist. Dies habe ich bei den fol-
genden Arten weit seltener beobachtet, welche vielmehr, um
mit, Ehrenberg zu reden, meist ein pallium totam stirpem in-
volvens haben. Überhaupt ist in der Natur kein scharfer Un-
re
. 5 41
terschied zwischen einem pallium recinetum und einem p. to-
tam stirpem involvens, und ist dies Kennzeichen nicht wohl
zur Unterscheidung von Gattungen anwendbar, wozu es Eh-
renberg gebraucht hat. Sehr oft kann man es am blossen
getrockneten Polypenstock nicht erkennen, ob der Mantel ihn
ganz eingehüllt hat, oder am unteren Theil abgestorben war,
und bei der Oculina ramea kann man es oft genug beobach-
ten, dass manchmal der Mantel unten ganz abstirbt, während
er gewöhnlich den ganzen Stamm umhüllt. Bisweilen wächst
er unten über den abgestorbenen Theil eine Strecke herüber,
und bedeckt ihn mit einer neuen leicht erkennbaren Kalk-
schicht, welche den alten Stamm wie einen nekrotischen Kno-
chen einschliesst.
2. Cyathina angulosa n.sp.
C. subeylindrica, Jaeviuscula, superne angulata; stellae la-
mellis marginalibus circa 48, inaequalibus, 12 maximis valde
elevatis; Jamellis coronalibus 12; papillis centralibus paueis
contortis.
Ich habe vier Exemplare in Neapel bekommen, darunter
ein aus der Mitte sprossendes, sehr zierlich anzusehen. Das
grösste ist 133” hoch, an der schmalsten Stelle wenig über
der Basis 3” diek; der Stern hat im Durchmesser 6”. Die
Oberfläche ist beinahe glatt, wenn sie gleich von den Lamel-
len des Sterns entstandene Streifen erkennen lässt. Die in
die zwölf Hauptlamellen des Sterns übergehenden Streifen er-
heben sich nach oben in Kanten. Diese Hauptlamellen sind
sehr viel grösser als die übrigen, und stehen 1”’ weit über
die dazischen stehenden zwölf Lamellen hervor; die übrigen
24 erreichen die halbe Höhe zwischen beiden. Das Centrum
des Sternes ist sehr wenig vertieft, und steht in derselben
Höhe mit den niedrigsten Lamellen. Die zwölf Kranzlamellen
sind schmal, die Centrallamellen sind dünn, schmal, sehr stark
gewunden, nur drei bis sechs an der Zahl. Auch die Rand-
lamellen sind sehr dünn, ganz das Gegentheil der vorigen Art.
3. Cyathina clavus (Caryophyllia) Scacchi.
©. obverse conica, fortiter striato-suleata; lamellis mar-
ginalibus eirca 64 valde inaequalibus, coronalibus circa 16,
42
omnibus tenuissimis; papillis centralibus (circa 16) 'valde
flexuosis.
Caryophyllia elavus Scacchi Notizie intorno alle conchiglie ed a’
zoofiti fossili che si trovano nelle vieinanze di Gravina in Pu-
glia 1835. — (Cyathina turbinata Ph. Enum. Moll. Sicil. p. 54
tab. IV. fig. 18.)
Diese Art ist sehr gemein und sitzt auf Dentalien, auf
Turritellen, besonders häufig aber auf Cardita aculeata Poli,
welche man seltener ohne als mit dieser Koralle findet, wo-
gegen die anderen Arten mehr auf grösseren Korallen, in die
Tiefe des Meeres gefallenen Töpfen u. dgl. sitzen, überhaupt
eine grössere Tiefe zu lieben scheinen als diese Art. Die
grössten lebenden Exemplare sind 10” hoch, und haben einen
6—7" im Durchmesser messenden, öfter ovalen als kreisrun-
den Stern. Sie sind verkehrt kegelförmig, wie Turbinolien,
und am Grunde oft nur 1” diek. Die Oberfläche ist sehr
tief und dicht gefurcht und stark gekörnt. Die erhabenen
Zwischenräume laufen in die Randlamellen aus, die 60— 64
an der Zahl und alle ganz ungemein dünn sind. Sie sind
sehr ungleich, und die 16 grösseren nicht blos stärker erha-
ben, sondern auch viel breiter. Das Centrum ist sehr stark
vertieft und besteht aus etwa 16 dünnen, vielfach und stark
gedrehten Oentrallamellen und 16 mässig schmalen Kranzla-
mellen.
Das Thier dieser Art habe ich im Sommer 1831 in Pa-
lermo beobachtet. Der Mund ist mit einer dicken, wulstigen,
stark gefalteten Lippe umgeben. In einiger Entfernung, zwi-
schen der Lippe und dem Rande des Sterns, stehen in einer
einzigen Reihe etwa 60—64 ziemlich kurze, cylindrische,
etwas knopfförmige Fühler von weisser Farbe mit metallisch
grünem Reflex. Der Mantel ist orangegelb, erstaunlich dünn,
so dass die erhabenen Ränder der Lamellen und deren Fort-
setzung weisslich durchschimmert. Die Bewegungen des Thiers
sind äusserst träge.
4. Cyathina pulchella Ph.
C. elongata, subeylindrica, laeviuscula; stellae lamellis
marginalibus crassis eirca 48; coronalibus eirca 24 in du-
plicem ordinem dispositis, crassis; centralibus numerosis sub-
simplieibus styliformibus; stella profundata.
43
Ich besitze sechs Exemplare, drei von Neapel, drei von
Trapani; das grösste ist acht Linien hoch und hat einen vier
Linien im Durchmesser haltenden Stern. Von Gestalt sind
sie schlank, gerade oder etwas gebogen, walzenförmig, unten
mässig verschmälert. Die Oberfläche ist ziemlich glatt. Der
Stern ist stark vertieft. Die äusseren Lamellen sind etwa 48
an der Zahl, ziemlich diek, nicht sehr ungleich, man kann
aber doch deutlich 12 grössere, stärker hervorragende Lamel-
len unterscheiden. Die Kranzlamellen fallen sehr in die Au-
gen, sind griffelförmig, schmal und diek, und stehen in zwei
Reihen, abwechselnd in jeder zwölf. Die inneren, kleineren
stehen den grösseren Randlamellen gegenüber. Das Centrum
besteht aus 40—45 einfachen, kaum gekrümmten, fast sichel-
förmigen Lamellen. — Während ein Exemplar vollkommen
frei ist, sind die beiden übrigen bis zum Rande des Sternes
inkrustirt.
5. Cyathina striata n. sp.
©. subeylindrica, fortiter striata; stellae lamellis margina-
libus circa 48, coronalibusque circa 24 in duplicem ordi-
nem dispositis, tenuibus, centralibus plurimis styliformibus.
Diese Art, von welcher ich drei Exemplare aus Trapani
und zwei aus Neapel mitgebracht habe, ist der vorhergehenden
sehr ähnlich, auch eben so gross, allein doch schwerlich da-
mit zu vereinigen. Die äussere Fläche des Korallenstammes
ist durch zahlreiche gedrängte Furchen und erhabene Linien,
Fortsetzungen der Randlamellen, fast so rauh wie C. clavus;
die Lamellen des Sterns sind zwar in derselben Zahl vorhan-
den, aber sehr viel dünner, und die Kranzlamellen weit brei-
ter, so dass beim ersten Anblick der Stern eine grössere Ver-
schiedenheit von dem der vorhergehenden Art zeigt, als er
bei genauerer Betrachtung wirklich besitzt.
6. Cyathina Peziza Ehrenberg.
©. subeylindrica striata, stellae lamellis marginalibus eirca
24, coronalibus sex centralibusque 1—2 crispatis.
€. Pexixa Ehrenberg ].c. p. 76.
Von dieser kleinsten Cyathina habe ich ein Exemplar in
Sicilien, drei in Neapel erhalten; sie wird ein Paar Linien
44
hoch und endigt mit einem zwei Linien im Durchmesser hal-
tenden Stern. Die äussere Oberfläche ist.sehr rauh -und ge-
fureht; die Randlamellen sind 24, 12 grössere und zwölf da-
mit abwechselnde kleinere, sie sind sehr dünn. Der Kranz-
lamellen sind sechs an der Zahl, ziemlich breit, stark gedreht,
Im vertieften Centrum stehen ein oder zwei Lamellen von
derselben Gestalt wie die Kranzlamellen; alle diese Lamellen
sind stark höckrig.
Über das Wachsthum der Cyathina- Arten habe ich Fol-
gendes beobachtet. Sie wachsen nicht durch Ablagerung neuer
eoncentrischer Schichten in die Dicke. Die Zahl der Lamel-
len des Sternes ist im Anfang geringer; von den Randlamel-
len zeigen sich zuerst nur die Hauptlamellen, so dass z. B.
eine junge C. clavus zuerst 16, dann 32, zuletzt 64 zeigt.
Auch die Centrallamellen sind anfangs in geringerer Zahl
vorhanden; eine 3” hohe ©. clavus hat z. B. nur 2 Central- °
lamellen. Zulezt entwickeln sich die Kranzlamellen, welche
in der Tiefe allemal mit einer Randlamelle eins sind. — Mo-
nomyces? eburneus Ehrenberg 1. 1. p. 77 scheint mir der‘Ju-
gendzustand von Cyathina Cyathus.
Risso hat folgende neue Arten Caryophyllia p. 352 sq.
aufgeführt, welche zu Cyathina gehören möchten:
C. europaea nr. 124 \ Jen dna!
C. pygmaea nr. 125
C. pustularia nr. 129
©. capulus nr. 130 fossil,
C. rugulosa nr. 131
sie sind aber sämmtlich so schlecht beschrieben, dass man sie
durchaus nicht wieder erkennen kann, und auch die Abbil-
dung der C. europaea fig. 54 hilft nichts zum Erkennen, da
von der Structur des Sternes nichts zu sehen ist. Der Figur
nach sollte man glauben, sie sei frei, nicht angewachsen
gewesen! ;
Erklärung der Abbildungen. T.I.
Fig.1. Bedryce mollis in natürlicher Grösse. a. ein Stückchen
Ast, zum Theil von der Rinde entblösst, um die Dicke der Axe
zu zeigen; Ö, ein eingetrockneter Polyp vergrössert.
Taf: 7.
CR Schmide lich
. 45
Fig.2. Evagora rosea auf einer abgestorbenen Austerschaale, in
natürlicher Grösse. c. ein einzelner Polyp vergrössert.
Fig.3. Dysmorphosa conchicola; eine Gruppe Polypen bei 60-
maliger Vergrösserung gezeichnet. d. ein Stück des Stieles bei
240-maliger Vergrösserung.
>
Über den Bau der Organe, welche an der äusse-
ren Oberfläche der Seeigel sichtbar sind.
s Von
Prof. M. Erdl.
4 Hierzu Taf. 1I.
Die folgenden Untersuchungen sind an der Südspitze der
istrischen Halbinsel, in Pola, angestellt worden, wo eine un-
übersehbare und nicht zu berechnende Menge von Echinus
Saxatilis grosse Strecken des Grundes des ungewöhnlich ge-
räumigen Hafens überdeckt, wo für Freunde der Echinoder-
men überhaupt eine überreichliche Quelle von Objeceten ge-
boten ist. Denn während von der südlichen und westlichen
eite des Hafens Echinus nnd Holothuria Besitz nehmen, brei-
E sich die Asterien auf der nördlichen Seite unter den Asei-
dien und Actinien aus, und nehmen hier so überhand, dass
an jedem Steine, den man aus der Tiefe holt, wenigstens
einige Opliuren sitzen.
Dieser,„Reichthum von Echinodermen allein dürfte wohl
en Naturforschern Pola eben so sehr empfehlen, als das
Amphitheater und die Porta aurea den Namen
ses Städichens in der Künstlerwelt geläufig machten, und
" überdies auch noch auf die kleinen Acephalen, welche
rt in den buntesten Farben prangend die Schattenseite jedes
der nördlichen Hälfte des Hafens (besonders um eine In-
: Scolie di olive genannt) gelegenen Steines bedecken, auf
z Gewimmel der zahllosen kleinen Crustaceen, auf die mit-
”
46
unter prachtvollen Anneliden und Gasteropoden, auf die vielen
Aleyonien und Spongien reflectirte, hätte sicher ein weites
Feld von Neuigkeiten vor sich, dessen fleissige Durchmuste-
rung zu den glänzendsten Resultaten führen müsste.
Es wäre überhaupt recht sehr zu wünschen, dass dieses
Land, das wir, obwohl es uns so nahe liegt, im Ganzen viel
weniger kennen als das ferne gelegene Abyssinien, dass be-
sonders die Gegend um Pola mehr besucht und studirt, dass.
die geognostischen Verhältnisse, so wie Flora und Fauna
fleissig zusammengestellt würden. Beide enthalten viel Eigen-
thümliches, und geben der ganzen Landschaft einen höchst
besonderen Character.
Schon dem oberflächlichen Blicke muss in der Umgegend
von Pola eine beispiellose Armuth von Säugethieren und Vö-
geln auffallen und das gewaltige Vorherrschen der Amphibien
Staunen erregen. Während der sechzehn Tage, die ich in
Pola verweilte, haben nur drei Seemöven sich in den ruhigen
aber ziemlich fischreichen Hafen verirrt, welche nach kurzem
Aufenthalte wieder in die offene See flogen. Vielleicht wä-
ren auch diese nicht hieher gekommen, hätte nicht ein fürch=
terlicher Orkan sie veranlasst, den Hafen zu besuchen. Wenn
ich, was fast täglich geschah, die Campagne durchstrich, an
welcher grösstentheils, wie es scheint, des Menschen Hand
sich nie vergriffen hat, um die Productivität der Natur zu
seinem Vortheil zu lenken, so gehörte es zu den grössten
Seltenheiten, einen Vogel aus den verworrenen, von Smilax-
und Rubusarten zu einem oft undurchdringlichen Gehege zu-
sammengewebten Eichen-, Erdbeer-, Rhamnus-, Pistazien- und
Wachholdersträuchen hervorsehlüpfen zu sehen, und niemals,
das äusserste Ende des Cap Campagne ausgenommen, fand
ich ein Vogelnest. Nie haben hier auf meinen kleinen Wan-
derungen Vogelstimmen mein Ohr ergötzt und nur zur Nacht-
zeit verwischte der rein singende Ton der Heuschrecken den
Nachhall des lästigen Geräusches, mit welchem die Schaaren
von Cicaden den Tag über mich quälten. Wild lebende
Säugethiere sah ich während der ganzen Zeit nur zwei, näm-'
lich: eine Ratte und einen Haasen. Demungeachtet aber war
die Gegend immer sehr belebt: fast bei jedem Schritte schos-
sen mit Blitzesschnelle viele grosse und kleine, meistens sehr
47
schön gefärbte Eidechsenarten über den Weg, die in den Ge-
sträuchen durch die Dornen des Smilax und Rubus, im Ge-
filde aber durch die Eryngien gegen das nach ihnen haschende
Netz völlig gesichert waren; riesenhafte Exemplare von An-
guis fragilis, Coluber Aeseulapii, seltener von Vipera ammo-
dytes schlichen in die Gebüsche. Frösche, Bufonen und Schild-
kröten sind seltener und mehr landeinwärts zu finden.
Wie unter den Wirbelthieren, so scheinen auch unter den
wirbellosen die höher stehenden Formen selten, dagegen die
niederen ungemein vorherrschend zu sein, Unter den Inse-
eten behaupten die Orthopteren ein entschiedenes Übergewicht;
sehr viele, mitunter grosse und schöne Arten von Heuschrek-
ken, beleben überall die Gesträuche, Forficula, Mantis, Truxa-
lis sind ganz gewöhnlich, auch Baecillus findet sich, aber nur als
Seltenheit. Unter den Käfern sind die zahlreichsten die,
welche in der Erde und unter Steinen wohnen; Myriapoden,
Seolopendern, Julus, Geophilen findet man sehr häufig in gros-
ser Anzahl und schönen, ansehnlichen Arten; viele Scorpione
und Spinnen; auch die Zahl der Arten der Landgasteropoden
ist sehr beträchtlich, von ihnen aber werden alle andern Ar-
ten mit einander an Individuenzahl von der Gattung Pupa
um mehr denn das Tausendfache übertroffen. — Wenn ich
hier in allgemeinen Zügen, welche jeder Fachgenosse sich
leicht schöner und doch naturgemäss wird ausmalen können,
der Freuden erwähne, welche ein Naturforscher in jener Ge-
gend zu erwarten hat, so halte ich es für meine Pflicht, mit
einigen Worten auch der Leiden zu gedenken, die dort Jedem
in den Weg treten. Alles, was man zu Sammlungen und Un-
tersuchungen braucht, Instrumente jeder Art, Büchsen, Schach-
teln, Gläser, Nadeln, Baumwolle, Weingeist u. s. w. muss man
hon mit sich bringen, weil an Ort und Stelle gar nichts zu
ben ist; auf besonders reinliche Wohnung, auf Auswahl in
Speisen und Getränken muss man gänzlich verzichten und in
dieser Beziehung mit streng philosophischer Genügsamkeit ge-
istet sein. Besonders meide Jeder diese Gegend, der nicht
schon an das Reisen in südlichen Gegenden gewöhnt, durch
re und gut vertragene Umkehrung der gewöhnlichen Le-
sweise seine Natur gestählt hat. Denn in einem schreck-
h hohen Grade herrscht dort die pernieiöse Malaria, welche
48 l
N
bereits ganze Strassen verödete, und weder Eingeborne noch !
einige Tage verweilende Fremde verschont. ]
Die unter obiger Aufschrift zusammengefassten Organe
des Echinus (saxatilis) sind: Stacheln, Saugnäpfe, Klappen-
und Zangenapparate, Kiemen. Von diesen stehen Saugnäpfe
und Kiemen mit Organen innerhalb der Kalkschale des Thie-
res in Verbindung, 'Stacheln, Klappen- und Zangenapparat da-
gegen sind gänzlich auf die äussere Oberfläche angewiesen.
Von Stacheln findet man immer zweierlei Arten, welche
fast blos dureh ihre Grösse von einander verschieden sind.
Die grössten ragen frei dem beobachtenden Auge entgegen;
die kleinen können von aussen nicht wohl gesehen werden, da
sie zwischen ersteren versteckt liegen, und-sie zeigen sich erst
deutlich an einzelnen herausgebrochenen Stücken der Kalk-
schale. Die Farbe beider Stacheln ist meistens violet (jod-
artig), öfters bräunlich, oder auch ins Grünliche spielend. An
der äusseren Oberfläche jedes Stachels erscheinen meistens
regelmässig von einander stehende Linien, die von der Basis
zur Spitze laufen. Meistens sind ihrer 20—25 zugegen. Auf
den ersten Blick scheinen sie Furchen zu sein, erweisen sich
aber bei genauerer Untersuchnng als weisse Streifen, welche
mit dem Bau des Stachels selber in inniger Beziehung stehen.
Macht man nämlich einen Querdurchschnitt (Fig. 14) eines
Stachels, so erscheint in seinem Centrum eine meistens ziem-
lich ausgedehnte, längliche, weisse Substanz, von welcher aus
20—25 Radien zur Peripherie des Stachels laufen. Diese
weisse Masse, welche deutlich als kohlensaurer Kalk sich dar-
stellt, besteht immer aus ansehnliehen Kügelchen, die eng an-
einander liegen, an Grösse ziemlich variiren und an ihrer‘
Peripherie oft stark hervorspringende Ecken besitzen, so dass‘
sie meistens sternförmig aussehen und mit den Knochenkör-
perchen viele Ähnlichkeit haben. Mit den Ecken verbinden
sie sich häufig mit einander und stellen ein Gitterwerk dar,
was mir die Vermuthung erregt, dass das Innere jedes Sta-'
chels wohl eben so gebaut sein möchte wie die Kalkschale
des Thieres selbst; da es aber eine höchst schwierige Auf-
gabe ist, von den sehr spröden und gebrechlichen Stacheln
hinreichend feine Durchschnitte zu schleifen, und mir dieses
49
niemals gut gelang, konnte ich darüber auch nicht zur Ge-
‚wissheit kommen. Die Radien besitzen denselben Bau, wie
die Centralmasse. Zwischen den Kalkkörperchen der Central-
masse und Radien und zwischen den Radien selber ist eine
dunkelviolett gefärbte. Masse eingefügt, an der ich keine
Structur. wahrnehmen konnte, Längsdurchschnitte (Fig. 45.)
der Stacheln sehen sehr verschieden aus, je nachdem sie eben
aus der Mitte oder mehr der Periplrerie genähert sind. In
erstem Falle trifft es sich manchmal, dass die ganze Ober-
fläche des Durchschnittes mit weissen Kalkkörperchen übersäet
ist, in letzterem dagegen sondern sıe sich in einzelne Colum-
nen, die bald dicker, bald dünner erscheinen, weil die nur
als Columnen sich darstellenden Radien des Querdurchschnit-
‘tes an verschiedenen Stellen, der eine an einer dickeren, der
andere an einer dünneren Stelle durchschnitten sind.
- > Die kleinen Stacheln besitzen dieselbe innere Structur,
En aber häufig an ihrer äusseren Oberfläche einen epithe-
liumartigen Überzug erkennen,
Von Klappenapparaten finden sich zwei, an äusserer Form
von einander ziemlich verschiedene Arten. Sie haben mitein-
‚ander gemein, dass sie einen langen Stiel erkennen lassen und
den an seinem peripherischen Ende ansitzenden Klappenappa-
rat. Der Stiel sitzt auf der äusseren Oberfläche der Kalk-
‘schale des Thieres fest, scheint eine unmittelbare Fortsetzung
theils der Kalkschale und theils der diese überziehenden dun-
‚keln, lederartigen Haut zu sein, erstreckt sich nicht durch die
"Kalkschale hindurch und steht daher mit der inneren Organi-
sation des Seeigels in keiner Verbindung. Die Form des
‚Stieles ist cylindrisch, dünner ‘an der der Kalkschale ge-
iherten Hälfte, noch einmal so dick dagegen an der, die dem
ppenapparate genähert ist (Fig. 3.). Er lässt eine äussere
branöse Hülle erkennen, die aus dieken Längs- und Quer-
ern zusammengewebt und äusserlich mit braunen, rothen,
“oft schr feurig aussehenden Pigmentflecken und Flimmerwim-
pern uimkleidet ist. Die Pigmentflecken sind: deutlich Zellen,
“sind sehr zahlreich und dicht aneinandergedrängt an der
‚schmäleren Hälfte, sparsamer an der diekeren zugegen; in
letzterer zeigen sie sich häufig nur an zwei Seiten und in.der
Mitte gar nicht. Innerhalb dieser membranösen Hülle ist eine
Archiv 1, Naturgesch, VII. Jahrg, 1, Ba, 4
vr
50
den Dimensionsverschiedenheiten des Stieles ganz entspre-
chende cylindrische Höhle, in welcher das Skelett des Stieles”
liegt. Dieses (Fig. 3. 4.) besteht aus enge zu einem runden
Fascikel sich aneinanderlegenden, starren (Kalk-?) Stäben, von
bläulicher, durchsichtiger bis durchscheinender , übrigens’ stru-
cturloser Masse. Die Stäbe theilen sich oft gabelförmig, ver-
binden sich auch häufig mittelst seitlicher Zweige untereinan-
der. Am oberen Ende des Skelettes, das bald da sich befin-
det, wo die Klappen sitzen, bald da, wo der Stiel sich erwei-
tert, weichen die Stäbe plötzlich auseinander, treiben häufig |
Äste, mit denen sie sich reichlich verbinden und ein korbarti-
ges Geflecht darstellen, aus welchem manchmal noch ein kur-
zer Fascikel von Stäben hervorragt. Das korbartige Geflecht
ist am schmälsten an seiner Ursprungsstelle, verbreitet sich”
becherförmig gegen die Klappen hin und wird von einer brau-'
nen, körnigen Masse am freien Ende überkleidet. Der kurze‘
Stabfascikel, der aus ihm hervorragt, ist manchmal ganz ein-
fach, manchmal am freien Ende tellerförmig (Fig. 4.) ausge-
breitet, manchmal fehlt er ganz, und dann endet das korbar-
tige Geflecht mit einer convexen Fläche. (Fig. 7.) — Der
häutige Theil des Stieles ist grosser Ausdehnung fähig, und
daher mag es wohl kommen, dass man manchmal das korb-
artige Ende seines Skeletes so weit zurück und von den
Klappen entfernt findet, da es doch mit diesen in nächster
Beziehung steht. Denn wie der cylindrische Theil bestimmt
zu sein scheint, dem Stiel der Klappenorgane überhaupt Fe-}
stigkeit zu verleihen und sie zu ihrer Function tüchtig zu
machen, so dient dies korbartige Ende zunächst dazu, die
Klappen an ihrer Basis zu unterstützen und sie an sich arti-
euliren zu lassen. Ungeachtet das Skelet des Stieles dem
Auge von so derber spröder Masse gebaut erscheint, k:
dieser sich doch so zurükziehen, dass man die Organe häu
rückziehen wird aber dadurch hervorgebracht, dass der ganz
Stiel sich in eine Spirale zusammendreht, wie etwa der Sti
der Vorticellen und beim Ausdehnen entwickelt sich die Spi-
rale wieder, aber sehr langsam. Die Klappen selber stehe
immer zu dreien auf dem peripherischen Ende des Stieles un
zerfallen in zwei Arten.
51
Die einen (Fig. 1—3.) besitzen einen deutlich zu unter-
scheidenden Körper und einen Hals. Der Körper ist linsen-
artig, schön convex gewölbt an der äusseren Oberfläche, an
‚der innern etwas keilförmig ausgeschnitten, so dass alle drei
Klappen, wenn sie mit ihren inneren Flächen sich aneinander
legen, gut zusammenpassen und eine Kugel darstellen. Der
Hals ist ein schmalerer Fortsatz des Körpers, der sich in
einen Winkel von diesen nach aussen beugt, auf dem Stiele
aufsitzt und als Gelenktheil der Klappe betrachtet werden kann.
Jede Klappe lässt gleich dem Stiele einen häutigen Theil und
ein Skelet erkennen. Der häutige Theil ist Fortsetzung des
häutigen Theiles des Stieles, besitzt im Ganzen dieselben Ei-
genschaften, nur ist er dünner, nicht so deutlich aus Fasern
zusammengewebt und hat an der äussern Oberfläche keine
Flimmerwimpern. An der innern Oberfläche der Klappen (an
der, mit welcher die Klappen sich aneinander legen) ist der
häutige Überzug häufig polsterartig aufgetrieben und mit einem
sehr entwickelten Flimmerepithelium umkleidet. Das Skelet
jeder Klappe besteht aus derselben Masse wie die Stäbe des
Stiel-Skeletes; seine Farbe ist meistens bläulich, seltener er-
scheint « es ganz farblos. Es ist in der Form eines Netzwer-
kes dargestellt, welches dem des Gelenkkorbes des Stielskele-
tes ähnelt, aber durch die derberen Netzfäden und verhältniss-
mässig kleineren Maschen sich unterscheidet; es bildet immer
bei Weitem den Haupttheil einer Klappe, und die Weich-
theile erscheinen nur als dünne Überzüge seiner äussern und
innern Oberfläche. Am Halstheile der Klappe tritt die Netz-
bildung im Skelete so deutlich nicht hervor, was vielleicht nur
darin seinen Grund hat, dass hier die Weichtheile, die es um-
iden, viel dieker und undurchsichtiger sind. In der Mitte
drei Klappen ragt da, wo sie sich auf dem obersten
eile des Stieles inseriren, ein papillenartiger Körper (Fig. 1.)
‚hervor, den man noch als Fortsetzung des Stieles betrachten
‚kann. Er ist jedesmal schr deutlich ausgebildet vorhanden,
ist breiter an seinem zwischen die Klappen frei hineinragen-
‚den Ende als an seiner Ursprungsstelle aus dem Stiele, und
in der Mitte mit einem dreieckigen Loche versehen (Fig. 2.);
‚er besitzt im Ganzen sehr viele Ähnlichkeit (die Form des
Loches abgerechnet) mit den Saugnäpfen an den Fangarmen
4*
‚52
der Cephalopoden, und scheint auch beim Seeigel als Saug-
organ zu gelten.
Diese runden Klappen trifit man an frischen Thieren in
beständiger Bewegung; sie schliessen sich kräftig und voll-
kommen aneinander und breiten sich dann wieder so aus," dass
sie oft alle drei in eine Ebene zu liegen kommen und der
Saugnapf mit seiner dreieckigen Öffnung ganz frei daliegt
(Fig. 2.). Bei diesen Bewegungen sieht man aber häufig auch
Bewegungen im Skelet des Stieles, so dass es fast zweifel-
haft erscheinen möchte, ob es blos die oben angegebene Be-
deutung habe, oder nicht auch in einer näheren Beziehung
zum Saugnapfe selber stehe. Diese Bewegungen sieht man
aber nicht blos, so lange die Organe in ihrer vollsten Inte-
grität, in Verbindung mit dem Echinusleibe stehen, sie dauert '
auch noch lange Zeit fort, nachdem sie bereits abgeschnitten
wurden. Unmittelbar nach dem Abschneiden ist dies Schlies-
sen und Öffnen der Klappen sehr häufig und kräftig, nach
5—8 Minuten aber, manchmal schon früher, nimmt ihre Be-
wegung ab, wird matter, und erfolgt vor dem gänzlichen Auf-
hören noch einigemal, aber langsam und schwach. Über die
Bedeutung dieser Organe als Ergreifungsorgane kann, wie ich.
weiter unten beweisen werde, kaum ein Zweifel sein.
Die zweite Art der Klappenorgane (Fig. 5—7.) unter-
scheidet sich von der ersten in der Form des Stieles, in der
Form der Klappen, und bildet den Übergang zum Zangenor-
gane. Der Stiel der „blätterförmigen Klappen‘, wie ich sie’
zur bessern Bezeichnung nennen will, unterscheidet sich von
dem der vorigen, der „runden“, dadurch, dass sein häutiger‘
Theil viel derber und dicker ist und an der, den Klappen ge-
mäherten Hälfte nicht so sehr anschwillt. Er ist übrigen:
ebenfalls mit sehr deutlichen Längs- und Querfasern,
schönen Pigmentzellen und Flimmerwimpern versehen , wi
dieser, Das Skelet zeigt wenig Besonderes, und.der einzige
Unterschied von dem entsprechenden Theile des vorigen Or-
ganes besteht vielleicht darin, dass das korbartige Ende mei-
stens eine etwas erhabene freie Oberfläche besitzt,.an der: die
Klappen artikuliren. Das Skelet ist übrigens bei diesem Or-
gane schwerer zu sehen, als bei dem vorigen, weil der diekere
häutige Theil des Stieles es zu sehr verhüllt; man muss daher
53
immer bedeutend starke Compression oder Mazeration anwen-
den, wenn man es sehen will. Die drei Klappen selber sind
'blätterförmig,, breit an ihrer untern Hälfte, mit der sie am
Stiele aufsitzen, lanzettförmig an der freien oberen Hälfte,
welche von ersterer stark abgeschnürt ist und in eine scharfe,
hakenförmig nach einwärts umgebogene Spitze ausläuft. Jede
Klappe ist an der äusseren Oberfläche convex, an der innern
concav; ihre Ränder an der oberen lanzettförmigen Hälfte ha-
ben sägenartige Zähne, die an den verschiedenen Klappen,
wenn sie sich schliessen, wechselseitig ineinander eingreifen
und selber wieder fein gezähnelte Ränder besitzen; die Rän-
der der breiten unteren Hälfte sind scharf und gleich. Auch
an diesen Klappen unterscheidet man wieder häutigen Theil
und Skelet. Ersterer ist dünn, lässt kaum hie und‘da eine
-faserige Struetur erkennen und besitzt sehr viele Pigmentzel-
len, die sich mitunter zu ansehnlichen Farbflecken aneinander
reihen. Das Skelet stellt ‚sich auch hier wieder als schönes
Gitterwerk dar, in welchem aber, zum Unterschiede von dem
der zuerst beschriebenen Klappen, eine mittlere und zwei
seitliche starke, breite Leisten (wie Rippen in den Blättern)
hervortreten, an welche die Fäden des Gitters sich befestigen.
Da wo die Klappen am Stiele aufsitzen, verschmelzen die drei
Leisten jeder Klappe miteinander und laufen in ein rundli-
| ches Tuberkel aus, das man als Gelenkkopf betrachten kann,
welcher auf dem Korbe des Stieles spielt.
Zwischen diesen Klappen konnte ich nie den bei der
vorigen Art bezeichneten Saugnapf entdecken — vielleicht
fehlt er wirklich, vielleicht aber ist er hier nur sehr schwer
zu selien, weil die Klappen nie so sehr von einander weichen
und sich ausbreiten, wie die zuerst beschriebenen. Ihre Be-
Iwein ist überhaupt so frei und so schnell nicht wie bei
iesen, und schneidet man sie vom Leibe des Thiers ab, so
- erlischt ihr Leben sehr bald. Wenn .dieses Organ sich gegen
die Kalkschale des Thieres zurückzieht, so geschieht es auch
weniger dadurch, dass sich der Stiel in eine. Spirale zu-
sammenlegt.
An dem Zangenorgane (Fig. 8—9.) unterscheidet man
wieder Stiel und Zangenapparat. Beide Theile sind derber
ausgebildet und kräftiger, auch grösser als die entsprechen-
54
den der Klappenapparate. Der häutige Theil des Stieles zeigt
überall gleiche Durchmesser, sehr starke Quer- und Längs-
fasern und ist mit so viel und so intensiv gefärbten Pigment-
flecken besetzt, dass er seine Durchsichtigkeit gänzlich ver-
liert. Das Skelet des Stieles ist ganz wie bei den vorigen
gebaut. Auf jedem Stiele sitzen drei Zangenarme, die an ih- -
rer Basis sehr breit sind, gegen ihr freies Ende aber sich im-
mer mehr verschmälern und zuletzt in einen scharfen, nach
einwärts gekrümmten Haken auslaufen. Jeder Zangenarm ist
dreikantig: die äussere Kante ist glatt, die zwei inneren haben
scharfe und starke sägenartige Zähne. Das Skelet dieser Theile
ist dunkelviolett gefärbt, sonst aber wieder ein schönes Git-
terwerk, wie bei den Klappenorganen. Ihr häutiger Ueberzug
ist sehr dünn, nur an der Basis mit dunkelbraunen Pigment-
fleecken geziert, weiter aber ganz dunkelviolett. Der Stiel
macht dieselben Bewegungen, wie der der Klappenorgane, die
Zangenarme aber klappen viel kräftiger zusammen, berühren
sich jedoch nur mit ihrem hakenförmigen Theile, im Übrigen
stehen sie weit von einander ab (Fig. 9.). An jedem Seeigel
dürfte man eigentlich zweierlei Zangenapparate unterscheiden:
der eine ist der eben beschriebene,. der sich auch dadurch
auszeichnet, dass am häutigen Theile seines Stieles keine
Flimmerbewegung zu sehen ist; der andere ist in allen seinen
Theilen zarter, kürzer, hat Flimmerhaar am Stiele und brei-
tere Zangenarme, welche als Übergangsform vom blätterför-
migen Klappenapparat zum grossen Zangenapparate angesehen
werden können.
Diese Organe sind über die ganze Oberfläche des Echi-
nus verbreitet, ragen überall zwischen den Stacheln und Saug-
näpfen hervor, scheinen aber doch auf der unteren (Mund-)
Hälfte des Thieres zahlreicher zu sein, als an der obern (Af-
terhälfte). Besonders reichlich sind an der Mundhälfte die
kleinen Zangen- und runden Klappenapparate, während an der
entgegengesetzten Hälfte die grossen Zangenapparate vorherr-
schen. Letztere. sind überhaupt zahlreicher vorhanden; am
sparsamsten finden sich die blätterförmigen Klappen.
Die Function dieser Gebilde ist: Thierchen, welche dem
Seeigel nahe kommen, zu ergreifen und dem Munde zuzufüh-
ren, Feinere Organismen mit weichem Körper und geringen
55
Kräften werden vorzugsweise von den runden Klappen er-
griffen, grössere aber von den grossen, Zangen. Die Kraft,
welche in diesen zarten Organen, die man nur mit einiger
Anstrengung mit freiem Auge sieht, liegt, geht ins Unglaub-
liche. Ich sah ansehnliche Nereiden von mehreren Zollen
Länge durch sie festgehalten werden, und überzeugte mich,
dass wirklich einiger Kraftaufwand dazu gehört, um die Ge-
fangenen zu befreien. Reisst man diese hinweg, so reisst man
auch zugleich die Zangenorgane ab, welche fest in die Ne-
reide eingehakt bleiben. Hat der Echinus eine Beute mit den
in der Afterhälfte stehenden Fangorganen erhascht, so wird
diese von den oberen Zangen und Klappen den unteren über-
geben, bis sie endlich zur Mundöffnung gelangt. j
Die Saugapparate (Fig. 10.) (Füsschen) des Echinus saxa-
tilis unterscheiden sich vorzugsweise von den bisher beschrie-
benen Organen dadurch, dass sie durch die Kalkschale des
Thieres hindurchgehen und mit dem Innern des Leibes in eine
eigenthümliche Beziehung treten. Man muss daher zunächst
den Theil der Saugapparate unterscheiden, welcher an der
äussern Oberfläche sichtbar ist, und den, welcher in der Lei-
beshöhle liegt. Ersterer besteht aus einem langen Stiele und
einem breitrunden, auf diesem aufsitzenden, tellerförmigen
Blättchen mit einem Loche in der Mitte. Das tellerförmige
Blättehen fühlt sich immer hart an, wie das Hautskelet, wäh-
' rend der Stiel stets weich erscheint, und besteht aus einer
weichen häutigen Grundlage, die mit einem schönen bunten,
mit dunklen und hellen, rothen und braunen Flecken ge-
schmückten Saume an der Peripherie endet. In dieser häuti-
‚gen Grundlage sitzen fünf gleich grosse, flache Gitterwerke
' aus harter Masse ein, von denen jedes mit dem breiteren äus-
en Rande an den bunten Saum, mit dem inneren schmäle-
‚ren aber an das Loch gränzt. Ihre seitlichen Ränder begeg-
nen sich nicht: zwischen je zweien bleibt ein regelmässig ge-
stalteter Raum, an welchem die häutige Grundlage ganz frei
“vor Augen liegt. An jedem Gitter unterscheidet man sechs
| bis acht Stäbe, welche ein äusseres, freies, abgerundetes, ge-
gen den bunten Saum gekehrtes Ende haben, an ihrem übri-
gen Theile aber sich reichlich verzweigen, mit diesen Zwei-
gen sich gegenseitig verbinden und das Gitterwerk dadurch
56
formiren. Meistens ist die Verästelung so reichlich, dass die
Stäbe schon frühzeitig sich gänzlich in Äste auflösen und ge-
gen den inneren, etwas wulstigen Rand des Gitterwerkes hin
ist keine Spur mehr von ihrer Form zu bemerken. Die Lö-
cher im Gitterwerke sind sehr verschieden: bald mehr, bald
weniger lang, eckig, oval, rund ete. Stäbe und Gitterwerk
lassen hier eben so wenig, wie in den Klappenorganen, eine
Structur erkennen; sie sehen durchsichtig, glasartig und etwas
bläulich gefärbt aus.
Der Stiel des. tellerförmigen Saugnapfes ist lang, in der f
Regel noch länger als die längsten Stacheln sind, eylindrisch
und wenigstens in der Nähe des Saugnapfes mit einer weiten
Höhle versehen, im übrigen Theile aber dickhäutiger und we-
niger ausgehöhlt. Die äussere Oberfläche ist in der Nähe des
Saugnapfes gelb gefärbt und wenig oder gar nicht gefleckt,
weiter unten aber mit schönen hell- und dunkelrothen und
braunen Flecken bedeckt. Das Gewebe ist faserig, die Längs-
fasern sind aber am deutlichsten und zahlreichsten entwickelt.
Ein Skelet ist nicht in ihm.
Die meisten Saugapparate stehen zwischen den Stacheln,
sind aber nicht gleichförmig über die ganze Oberfläche des
Thieres verbreitet, sondern beschränken sich auf die fünf Dop-
pelreihen kleiner Löchelchen,, die zwischen den Gelenkhügeln
der Stacheln vom Munde gegen den After laufen. Hier sitzen
sie mit einem Theile ihres röhrigen Stieles (äusseren Lamelle?)
immer am Rande eines Löchelchens fest, mit dem andern
“ Theile (innere Lamelle?) gehen sie durch das Löchelchen hin-
durch und erweitern sich an der innern Oberfläche der Schale
zu den enge aneinanderliegenden Bläschen, welche hier in 5
Doppel-Reihen erscheinen und für Respirationsorgane gehalten
werden. Diese Bläschen besitzen eine ziemlich dicke, faserige
Wandung und eine geräumige Höhle, in welcher Flüssigkeit
und kleine Körner enthalten sind. Die Wandung besteht deut-
lich aus zwei Lamellen: einer äusseren stark faserigen, die bei
Berührung sich contrahirt, und einer zarten inneren, auf welcher
lange, sehr lebhafte Flimmerhaare sitzen. Die Kügelchen sind,
wie es scheint, kein sehr wesentlicher Bestandtheil der Bläs-
chen; sie haben sehr verschiedene Grösse und Form; manche
sind wirklich wie Blut-(Lymph-)Körner der wirbellosen Thiere
57
andere sind von Pigment durchdrungen, eckig und sehen aus
wie abgelöste Stücke der Haut. Sie sind immerwährend in
lebhafter Bewegung durch die nimmer ruhenden Flimmerwim-
pern, und kreisen beständig in der wässerigen Flüssigkeit.
Wenn man an ausgebrochenen Stücken der Seeigelschale die
äussere Wand dieser Bläschen reizt, so contrahiren sie sich,
und in demselben Maasse, in welchem sie kleiner werden,
"dehnen sich die entsprechenden Saugapparate in die Länge,
was zu beweisen scheint, dass die Ausdehnung der Saugappa-
rate im Leben auf älınliche Weise geschieht, dass die Bläschen
sich eontrahiren, ihren Inhalt in die Saugapparate treiben und
(dadurch diese verlängern. Beim Verkürzen der Saugapparate
wirken dann die Längsfasern im Stiele, welche sich zusam-
menziehen und die Flüssigkeit wieder zurück in die Bläschen
drängen.
In dem häutigen Ringe, welcher die Zähne umgiebt und
zwischen diesen und dem inneren Rande des Hautskeletes
des Seeigels ausgespannt liegt, befinden sich auch sehr viele
Saugorgane, die etwas von den übrigen abweichen. Die tel-
lerförmigen Saugnäpfe sehen weiss aus, während sie bei den
"übrigen gleich dem Stiele violett erscheinen; in den meisten
"von ihnen bleibt aber der innere Bau ganz derselbe. Nur
fünf Saugnäpfe, welche unmittelbar neben den Zähnen ste-
‚hen, sind grösser als die übrigen und haben ein viereckiges
-Saugloch.
i Diese Apparate sind unter allen an der Schale des See-
igels sitzenden Theilen bei Weitem die beweglichsten; sie verlän-
gern sich oft ausserordentlich, weit über die Stacheln hinaus,
und verkürzen sich so sehr, dass man sie kaum aufzufinden
‚im Stande ist. Sie legen sich nicht in eine Spirale zusam-
n, wie der Stiel der Klappenorgane, sondern verkürzen
sich wirklich durch Contraction ihrer Substanz. Vermöge die-
ser Beweglichkeit dienen sie dem Thiere zur Ortsbewegung,
indem sie immer die Saugapparate der Seite, nach welcher
das Thier hingehen will, an den Boden, oder an die Wand
"des sie bewahrenden Napfes festsaugen, dann sich zusammen-
ziehen und den Leib des Thieres zum festsitzenden Saugnapfe
hinziehen. Hiebei scheinen die Stacheln, welche an der Mund-
hälfte des Thieres sitzen, auch mitzuwirken; ihre Function
ER
58
ist aber in Beziehung auf die Ortsbewegung nur eihe adjun-
girende, und durch sie allein, ohne die Saugapparate, kann
das Thier nicht von der Stelle. Wenn man einen lebendigen
Seeigel umkehrt, so dass die Mundhälfte nach aufwärts gegen -
das Auge des Beobachters gekehrt ist, wendet er sich ziem-
lich schnell wieder um, und zwar blos mit Hülfe seiner Saug-
apparate. Diese Organe trifft man überhaupt bei frischen
Thieren niemals in Unthätigkeit; auch wenn der Seeigel ganz
ruhig steht und nicht weiter geht, spielen doch immer die
Saugnäpfe, verlängern und verkürzen sich abwechselnd, ohne
sich irgendwo, festzusaugen, und erwecken lebhaft die Vermu-
thung, dass sie nicht allein zur Ortsbewegung dienen, sondern
auch noch zu einer Art von Respiration vorhanden sein möch-
ten. Diese Vermuthung dürfte auch noch einigen Grund in
dem Zusammenhange dieser Organe mit dem Bläschen an der
innern Oberfläche der Schale finden.
Bei den Asterien finden sich an den Strahlen auch Or-
gane, welche mit den bisher beschriebenen einige Ähnlichkeit
haben. Die Saugapparate sind bei ihnen ganz häutig, inwen-
dig hohl, mit Flimmerepithelium ausgekleidet und mit wässe-
riger Feuchtigkeit gefüllt, welche einzelne durchsichtige Kü-
gelchen enthält. Im Innern der Strahlen entsprechen den
Saugapparaten ähnliche Bläschen, wie bei Echinus. Von Klap-
penorganen findet sich zwar nichts in dieser Weise Ausgebil-
detes, aber doch Andeutungen zu ähnlichen Formationen in
den kalkigen, mit seitlichen Dornen versehenen Spitzen der
kleineren Asterien. Bei Ophiura (echinata) sind die entspre-
chenden Organe sehr eigenthümlich gebaut (Fig. 11... Am
meisten complieirt sind die Saugapparate (Fig. 11a.), welche
eine eylindrische Röhre vorstellen, an deren Peripherie eine
grosse Anzahl von Saugnäpfen sitzen, die dem ganzen Organe
ein traubiges Ansehen verleihen. Jedes solche traubige Saug-
organ kann im Ganzen und in seinen einzelnen Theilen be-
deutend verlängert und zusammengezogen werden, ist jedoch
nicht in den Leib zurückziehbar. Die Structur dieses Orga-
nes ist ganz häutig, von einem Skelete findet sich keine Spur.
Neben dem Saugorgane stehen die Fangorgane, die wohl als
Analoga der Klappen- und Zangenorgane des Seeigels zu be-
trachten sind. Sie bestehen immer aus drei Stücken: aus
59
zwei Lanzen (Fig. 11 bb.) und einem gegen den Leib hin ge-
krümmten Haken (Fig. 11 e.). Jede Lanze ist bedeutend lang,
breit an der Ursprungsstelle und spitzt sich von da gegen das
freie Ende immer mehr zu. Sie besitzt ein derbes Skelet aus
spröder, durchsichtiger Masse, in dessen Mitte, wo es den gröss-
ten Umfang hat, eine dicke Rippe liegt, welche nach jeder
Seite hin in ein allmälig dünner werdendes, gitterartig durch-
brochenes Blatt ausläuft, dessen Ränder mit weit von einan-
der stehenden scharfen Dornen verschen sind, Um das Ske-
let herum legt sich ein membranöser Überzug, der aus Zellen
zusammengesetzt zu sein scheint. An dem gekrümmten Hacken
ist auch wieder Skelet und häutiger Überzug zu unterschei-
den. Ersteres ist sehr derb, nicht gitterartig durchbrochen,
hat einen vorderen convexen, glatten Rand und einen hinte-
ren concaven, welcher in eine innere kleinere und zwei äus-
sere stark hervortretende scharfe Spitzen ausläuft. Der häu-
tige Theil gleicht dem der Lanzen.
Das beweglichste unter den eben beschriebenen Organen
der Ophiura echinata ist das Saugorgan. In seiner gewöhnli-
chen ruhigen Stellung ist es etwas gegen die Spitze des Ar-
imes gebogen, kann aber mit ziemlicher Leichtigkeit nach allen
Richtungen hin bewegt werden. DieLanzen besitzen nur we-
nig Beweglichkeit: sie liegen entweder ruhig aufeinander und
decken sich, oder sie bewegen sich etwas langsam von und
zu einander, wie Scheerenarme. Da sie meistens sehr lang
und dabei ungemein spröde sind, brechen sie häufig ab, so
E es fast eine Seltenheit ist, eine Lanze mit unversehrter
itze anzutreffen. Der gekrümmte Haken ist unbeweglich
d kann nur wirken und in Gegenstände sich einhaken,
enn die Thiere mit ihren Armen um sich schlagen. Dass
diese Function besitze, scheint auch daraus deutlicher zu
erden, dass nur an der vorderen Hälfte des Armes neben
Lanzen ein Haken sitzt, an der dem Leibe genäherten
fte aber nur eine kleine Lanze statt seiner sich findet.
Die Kiemen (Fig. 12—13.) des Echinus saxatilis sind
f Büschel, welche auf der Kalkschale, in der Nähe ihres
undrandes, in symmetrischer Entfernung von einander sitzen
d zwischen den Stacheln sich erheben. Jede Kieme ent-
I springt als ein Säckehen von der Haut, welche die Kalk-
’
1}
60
schale umkleidet und treibt dann einzelne eylindrische Fort-
sätze, welche sich dendritisch verzweigen. Das Säckehen ist
sehr dick und fleischig, röthlich gefärbt und mit vielen klei-
nen Warzen an der Oberfläche bedeckt. Die eylindrischen
Fortsätze und ihre Verzweigungen sind mit rothen und brau-
nen Pigmentflecken geziert und zeigen überall lange, 'leb-
hafte Flimmerwimpern, In der häutigen Masse dieser Theile
sitzt wieder ein Skelet ein, das dem 'der oben betrach-
teten Theile ähnlich ist: es besteht ebenfalls aus glasar-
tigen, structurlosen Stäben, welche mittelst reichlicher Ver-
ästelung sich häufig mit einander verbinden und ein ziemlich
weitmaschiges Gitterwerk darstellen, welches die Kiemen in
allen Theilen ausgespannt erhält. Das Skelet wird nur durch
ziemlich starke Compression sichtbar; dabei zerbricht es aber
und erscheint nur mehr in einzelnen Stücken, wie sie Fig. 23,
darstellt. Inwendig sind die Kiemen hohl, von einer zarten,
stark flimmernden Membran ausgekleidet und mit einer , mit
vielen Körnern versehenen, gelblichen Flüssigkeit angefüllt,
welche, auf ähnliche Weise wie die körnerhaltige Flüssigkeit
in den Fangorganen der Actinien und Polypen überhaupt,
durch die Flimmerwimpern in einer beständigen Cireulation
erhalten wird. Die Kiemen können sich in allen ihren Thei-
len stark zusammen- aber nicht unter das Hautskelet zurück-
ziehen. Sie stehen mit dem Ringgefässe, welches am Mund-
rande der Schale herumläuft und zunächst mit den blasigen
Erweiterungen desselben in unmittelbarer Verbindung. i
Das kalkige Hautskelet dieser Thiere ist im Ganzen eben
so gebaut, wie die Skelettheile der bisher betrachteten Organe.
Ein feingeschliffenes Stückchen (Fig. 16.) der Kalkschale zeigt
ein schönes Gitterwerk als Grundlage, dessen construirende”
Stäbe völlig durchsichtig, glasartig und structurlos, dessen
Löcher von verschiedener Form und Ausdehnung, mehr oder
weniger fünfeckig oder rund, kleiner und grösser erscheinen,
In den einzelnen Löchern ist Kalkerde in Form von weissen
undurchsichtigen, körnigen Massen abgelagert, die in Kugel=
form sich darstellt und beim Schleifen leicht aus den Löchern
herausfällt.
..
N n ve Are Be
en Fra Pe
vs hen.
Fr AERO
5
Taf H.
‚61
Beschreibung der Psorospermien des Kaulbarsches
nebst einigen Bemerkungen über die der
Plötze u. a.
Von
In 3.02. H,O en
Hierzu Taf. I. Fig. A—E.
Hr. Prof. J. Müller hat im 5ten diesjährigen Hefte seines
Archivs f. Anat. u. Physiol. eine treflliche Abhandlung über
gewisse mieroscopische Organismen geliefert, welche sich in
sehr kleinen Bälgen oder Cysten an und in verschiedenen Or-
ganen vieler Fische finden. Ich habe diese räthselhaften Kör-
per, die ich mit dem Hrn. Prof. Müller Psorospermien nen-
nen will, auch gefunden, und zuerst am $ten Mai 1835 in
kleinen Bälgen an den Kiemenblättern eines Oyprinus rutilus,
nachher, am 14ten März 1837 eben so beim Kaulbarsche —
Acerina vulgaris Cuv. — und wiederum, den 3isten Januar
4839 bei Cypr. rutilus. Von diesem hat Hr. M. die Psoro-
spermien, wie er sie gefunden , beschrieben und abgebildet,
die vom Kaulbarsche aber waren ihm bis dahin unbekannt ge-
blieben, und erlaube ich mir, sie hier zu beschreiben und von
der Meisterhand meines trefllichen Freundes, Prof. Laurer,
gezeichnet vorzulegen.
Die Psorospermien des Kaulbarsches (Taf. 1. Fig.
A—E.) waren viel grösser, als die sämmtlichen von M.in an-
deren Fischen gefundenen. Sie waren länglieh, stark-bauchig
elliptisch und geschwänzt. Ich mass sie mit Hülfe eines
Plössl’schen Glasmikrometer, und fand ihren Körper unge-
fähr 745” lang, und die grösste Breite in der Mitte dessel-
ben ungefähr 745”. (Den Körper seiner grössten — aus dem
Hecht und dem Zander — fand M. 0,0054”, also nur unbe-
7
deutend über z45” lang.) Der aus dem einen Ende des
62
elliptischen Körpers, in der Regel ohne Absatz *) und gerade
ausgehende Schwanz wurde bald sehr dünn und lief, all-
mälig immer feiner werdend, zuletzt haarförmig aus. Er
war entweder ungefähr eben so lang wie der Körper, oder
etwas länger, ja, in einem ludividuum betrug seine Länge
die des Körpers drittehalbmal. Der letztere zeigte bisweilen
eine oder die andere, etwas erhabene, der Länge nach an
ihm gerade hinab verlaufende Linie, wodurch er ein wenig
eckig ward. Der ganze Organismus war krystallklar und alle
Aussentheile desselben, wie auch die in ihm enthaltene Flüs-
sigkeit, waren farbenlos. Von inneren Theilen zeigte sich,
ausser den gleich zu beschreibenden, je zwei länglichen Kör-
perchen, welche M. Bläschen nennt, keine Spur, ja, die
stärksten Vergrösserungen des Microscopes zeigten nicht ein-
mal ein Körnchen in denselben, so rein krystallklar waren
sie. Die beiden Bläschen lagen in dem dem Schwanze
entgegengesetzten Ende des Körpers, waren blassgelb von
Farbe, drehrundlich, fingen mit dem einen dünnern Ende in
der Körperspitze an, wurden allmälig etwas dicker, stiegen
bis gegen die Mitte des Körpers hinab und endigten sich hier
wie ein Sack, stumpf und blind zugerundet, Sie lagen ent-
weder der ganzen Länge nach dicht aneinander (Fig. A.), wo
ihre Aussenränder dann von den Rändern des Körpers ent-
fernt blieben, oder sie lagen nur in der Körperspitze, also
bei ihrem Ursprunge, an einander, und divergirten nachher
(Fig. 13.), wo ihre Aussenränder sich dann den Körperrän-
dern mehr näherten, oder sich auch an diese ganz anlegten.
Lagen die Psorospermien auf einer der,den genannten Aussen-
rändern der Bläschen entsprechenden Seite, so deckte das
eine der letzteren das andere so vollständig, dass nur ein
Bläschen zu sehen war, welches dann in der Mittellinie des
Körpers hinabstieg (Fig.1.). — Bei einem Individuum fingen
die beiden Bläschen mit einem einfachen Cylinder in der vor-
dern Körperspitze an, welcher nieht halb so lang war, wie
die Bläschen selbst, die von ihm ohne Unterbrechung ausgin-
gen und divergirend hinabstiegen, wobei sie jedoch nach dem
*) Nur bisweilen zeigte sich die Spur eines Absatzes zwischen
dem Körperende und dem Schwanzanfange.
r : 63
grössern Theil ihrer Länge aneinander liegen blieben und nur
it ihren breit und stumpf gerundeten Endtheilen sich ganz °
von einander gaben (Fig. D.). Wie die Körper, waren auch
die Bläschen durchaus klar und enthielten in ‚ihrem Innern
nichts von Körnchen oder dergl. Dass die äussere Hülle die-
ser Psorospermien steifer Beschaffenheit war, schien schon
der Augenschein zu lehren; diese aber ergab sich deutlich,
nachdem ich mehre Individuen auf einem Glastäfelchen ge-
trocknet hatte, wobei sie ihre Gestalt ziemlich behielten, wäh-
rend jedoch die inneren Bläschen stark zusammenrunzelten,
ferher noch aus einem andern, sehr bemerkenswerthen Um-
stande. Ich hatte nämlich die gefundenen Psorospermien in
einem Wassertropfen zwischen zwei Schälchen aufbewahrt,
um sie einige Tage hindurch zu beobachten und zu erfahren,
ob etwa eine weitere Entwickelung mit ihnen oder ihren
Bläschen vor sich gehen würde. Eine solche erfolgte aber
vom 44ten bis zum 26sten März nicht. Dagegen wurde ich
erstlich schon am 45ten gewahr, dass viele Bläschen, nicht
mehr zu zwei und zwei vereinigt, sondern einzeln, aus ihren
Psorospermien gelöst, frei herumlagen, zweitens entdeckte
mein lieber Laurer, welchem ich am 2isten diese Wesen
unter 200maliger Vergrösserung zeigte, dass der Körper eines
der Psorospermien sich der Länge nach ganz gerade hinab
völlig und rein gespelten hatte. Die beiden vollkommen
gleichen, löffelähnlichen , concaven Hälften klaflten vorn weit
auseinander; die Spalte stieg aber nur bis zum Ende des
Körpers und traf "den Schwanz nicht mit (Fig. (.). Hier er-
gab sich die starre Natur der äussern Hülle aufs BEN
Die beiden Bläschen waren nicht da.
Die Psorospermien des Oyprinus rutilus, welche
ich am 8ten Mai 1835 in ihren Cysten an vielen Kiemenblät-
tern dieses Fisches fand, habe ich damals nicht gemessen;
dass sie aber viel kleiner waren, als die des Kaulbarsches,
weiss ich, und beweist mir dies auch noch eine Zeichnung,
welche ich von zweien derselben in meinem helminthologi-
schen Tagebuche gemacht habe. Sie mögen von derselben
‚Grösse gewesen sein, wie Müller sie bei diesem Fische ge-
funden und angegeben hat. Müller fand sie unter dreierlei
Gestalt; die meinigen waren alle von zwei Seiten etwas, aber
64
wenig niedergedrückt, und von der einen dieser niedergedrück-
ten Seiten angesehen, kurz elliptisch, wie sie M. a. a. ©. unter
Fig. 4. d. abgebildet hat. Rings um die niedergedrückten Sei-
ten lief eine, wohl nicht so stark, wie die bei den Müller-
schen Plötzen-Psorospermien, erhabene Leiste über dasselbe,
wie ein Ring; diese habe ich jedoch nicht immer bemerkt.
Die beiden Bläschen waren kleiner, als sie in den Müller-'
schen Zeichnungen angegeben sind, und lagen nicht in dem
einen Ende der Ellipse, unmittelbar am Rande der Körper-
hülle, sondern etwas von diesem zurück, und zwar so, dass
das eine das andere deckte, und nur das erstere zu sehen
war, wenn das Psorosperm dem Auge seine Ringleiste zu-
wandte, wie dies auch in Müller’s Figuren so gezeichnet
ist, Völlig klar waren die Psorospermien auch hier, wie
ebenfalls ihre Bläschen. Ich bewahrte sie bis zum 13ten Mai
in einem Wassertropfen auf und bemerkte während dieser Zeit
keine Veränderung an ihnen,
Noch muss ich anführen, dass die Haut der die Psoro-
spermien einschliessenden Cysten so zart war, dass sie, in
Wasser gelegt, sich bald auflöste. Ich wurde dies gewahr, als“
ich einige derselben, noch an ihren Kiemenblättern haftend, '
in’ Wasser gelegt hatte, und die von der Plötze einige Stun-
den später und die vom Kaulbarsche Tags darauf untersuchen |
wollte, wo sie dann verschwunden waren. Bei den 1839 an
den Kiemen der Plötze von neuem gefundenen Cysten habe
ich in meinem Tagebuch angemerkt, dass sie, ausser den räth-
selhaften Organismen auch noch eine Menge von Körnchen
in ihrer Flüssigkeit enthielten,
Etwas den Psorospermien auch nur im Entfernten Ähn-
liches ist mir in den mancherlei kleinen Cysten, welche ich
häufig an und in Wirbelthieren gefunden und geöffnet habe,
um etwa einen Helminthen in ihnen zu finden, niemals vor-
gekommen*). Seitdem ich aber des Hrn. v. Siebold schöne
*) Die von Müller (a. a. O. S. 491) erwähnten, von ibm und
Gluge unter der Haut von Stichlingen gefundenen Cysten habe‘
auch ich verschiedentlich angetroffen. Ich fand namentlich noch im
Mai d. J. eine solche, welche wie ein Höcker von der Grösse einer‘
ganz kleinen Erbse auf der rechten Seite des Rückens eines @aste-
rosteus pungitius vorragte. Nachdem ich die Haut über derselben
65
Beiträge zur Naturgeschichte der wirbellosen Thiere, Danzig
1839, gelesen, habe ich geglaubt, in den von ihm in Bläs-
chen innerhalb des Dünndarms der Larve von. Sciara. nitidi-
eollis entdeckten und „, Naviecellen‘ genannten Organismen
etwas ihnen Analoges kennen gelernt zu haben. (S.a.a. 0.
S.63. fl. und die Figuren dazu auf Tab. 111.)
Herr Prof. Müller äussert sich rücksichtlich der Natur
der Psorospermien mit den Worten: „Jene Körperchen sind
offenbar selbstständig belebte und bewegungslos oder pflanz-
lich vegetirende Wesen von eigenthümlieher und von den ge-
sunden und kranken Zellen der Thiere völlig verschiedener
Struetur.‘“ Auch mir hat die Einfachheit, Starrheit und Be-
wegungslosigkeit dieser sonderbaren Organismen, wie ihre
Unähnlichkeit mit jedem mir bekannten thierischen Organis-
mus, eine allgemeine Ähnlichkeit. derselben aber mit einer
Samenkapsel, welche zwei Samenkörner enthält, ‚die sie aus-
schüttet, nachdem sie dehiscirt ist, eine vegetabilische Natur
bei ihnen anzudeuten geschienen. Samenkapseln können sie
nun freilich wohl nicht sein, indem sie sich selbst in den vie-
len von Müller beobachteten Fällen immer als für sich be-
stehende Organismen und, in ihrer Oyste abgeschlossen, ohne
alle Verbindung mit irgend einem andern vegetabilischen Or-
ganismus gezeigt haben; aber man sieht doch in solchem Ver-
halten eine Analogie mit der Art und Weise vegetabilischer
vorsichtig aufgeschnitten hatte, fand ich unmittelbar unter ihr einen
weissen, kugelförmigen Baig, welcher sich leicht herausbringen liess
und, geöffnet, ein milchigem Wasser ähnliches Fluidum ausfliessen
liess. Die Haut des Balges zeigte sich danach sehr zart und! durch-
sichtie, die Flüssigkeit aber, bei 200 — 300maliger Vergrösserung,
Nichts, als eine unendliche. Menge sehr kleiner Körner, welche ganz
einfach, etwas elliptisch oder eiförmig, und blassgelblich waren.
Eine Molecularbewegung, mittelst welcher sich einige von ihnen
wackelnd gegen einander bewegten, beobachtete ich auch. — Die
Glugesche Abhandlung in den Bulletins de !’Acad. roy. de Bruzel.
les ist mir bis jetzt nicht zu Gesicht gekommen, wohl aber eine Be-
schreibung und Abbildung der Cysten und ihrer Körnchen in des-
selben Verfassers ganz vor Kurzem erschienenen „anatomisch-miero-
scopischen Untersuchungen zur allgemeinen und speciellen Patholo-
gie“, Heft 11, S. 202. ff,, Tab.1V. Der Vf. hat den Inhalt der Stich-
lingseysten auch mit einigen chemischen Agentien behandelt.
Archiv 1, Naturgesch, VAlL. Jahrg, 1, Bd, 5
66
“Natur, während man eine solche mit der der animalischen
vergeblich suchen dürfte, Die Cyste trägt die entscheidenden
Merkmale animalischer Bildung an sich; ohne Zweifel wird
sie zuerst gebildet, sondert die in ihr nachher enthaltene
Flüssigkeit ab, und in dieser müssen sich dann wieder die
Psorospermien bilden oder entwickeln. Sind vielleicht die
Körner, welche die Flüssigkeit oft ausser den Psorospermien
gezeigt hat, vielleicht der erste Anfang der letzteren, und er-
zeugen sie, oder, wenn Jenes nicht der Fall ist, die Psoro-
‚spermien ohne Weiteres, sich frei in der Flüssigkeit, oder
etwa an den Wänden der Cyste? Die Zeit wird vielleicht
diese und mehrere, die Psorospermien betreffenden Fragen be-
antworten. Um einen Schritt wenigstens, glaube ich, ist die
Sache indessen weiter gebracht durch die beobachtete Dehi-
scenz und das Freiwerden der innern Bläschen nach dem
kürzern oder längern Liegen der Kaulbarsch-Psorospermien
im Wasser.
men nn eg
em
Die Erklärung der beigefügten Zeichnungen giebt schon
der Text. Ich bemerke nur noch rücksichtlich der Figur D.,
dass das Psorosperm, welches dieser zum Grunde lag, nicht
grösser war, als die übrigen, und nur mehr vergrössert be-
trachtet und wiedergegeben worden ist, um doch an einem
Exemplare vor Augen zu legen, dass auch eine so starke”
Vergrösserung des Miecroscops die Einfachheit der Structur
und die völlige reine Klarheit des Inhalts eben so, wie die
schwächere, zeigte.
Greifswald, den 8. Dee. 1841. '
67
Über bisher unbekannte Fang-Angeln und Nessel-
Organe, so wie über das angeblich getrennte
Geschlecht der Akalephen.
Von
©. @. Ehrenberg.
Hierzu Taf. II.
Das Nesseln oder Brennen der Medusen gehört zu den
naturhistorisch und medicinisch interessanten Erscheinungen.
Die so vielfach empfohlenen und zu empfehlenden Seebäder
haben bei Mangel an Vorsicht zuweilen das Unangenehme,
dass reizbare Personen von nesselnden Akalephen (Medusen)
‚ berührt und dadurch sehr schmerzhaft erregt werden. Diese
Schmerzen sind leicht, wenn die weniger zarten Körpertheile
sed wurden, aber zuweilen sehr lebhaft und andauernd,
wenn die zartere Oberhaut des innern Schenkels, Unterleibes
oder der Genitalien berührt wurde, und zuweilen sind sie
| ganze Tage lang andauernd, ohne dass irgend eine Linderung
| möglich sei. Badende, welche das tiefere Wasser zum Schwim-
‚ men aufsuchen, werden zuweilen durch brennende Medusen er-
schreckt und so erregt, dass sie die Kraft zum Schwimmen ver-
lieren und dem Ertrinken nahegebracht oder zugeführt werden.
Durch zufällige Bewegung der Hände, welche dergleichen Medusen
berührt haben, nach den Augen, oder durch unmittelbares Berüh-
ren beim Untertauchen sollen zuweilen Erblindungen veranlasst
sein. Mir selbst sind beim Zergliedern der Oyanea capillata einige
Male die Hände völlig verschwollen und erstarrt, so dass ich,
ganz abgesehen von dem empfindlichen prickelnden Schmerze, der
Steifheit der Finger halber unfähig war, die Beschäftigung fort-
zusetzen, und weder durch Waschen mit sissem Wasser, noch
mit Milch einige Linderung erhielt. Es verging der Schmerz
allmälig im Laufe des Tages und der folgenden Nacht. Das
einzig wirksame Gegenmittel ist prophylactisch, nämlich das
5%
68
Vermeiden aller Berührung der im Wasser leicht sichtbaren,
daher auch leicht zu vermeidenden Medusen. Übrigens möchte
es gar nicht unangemessen sein, diese, bei Bewahrung der
Augen, nur die Haut vorübergehend reizenden Medusen bei
Lähmungen und nöthigen Hautreizungen stärkerer Art gerade-
hin als Medieament zu empfehlen.
Während meines Aufenthalts an der Ostseeküste in Wis-
mar und Doberan im vergangenen Sommer 1841 ist es mir
gelungen, einige Beobachtungen über die Organe und die Na-
tur des Nesselns der Medusen, Quallen oder Akalephen zu
machen, welche zu einer weiteren Kenntniss und Erläuterung |
dieser Erscheinung beitragen, als sie bisher bekannt waren.
4. Über das Vorkommen nesselnder Akalephen
an der Südküste der Ostsee. .
In der Nordsee und dem atlantischen Meere sind nes-
selnde Akalephen oder Medusen häufig, aber in der Ostsee
sind sie nur an der Nordküste direct bekannt. Als ich im
Jahre 1833 die Structur der Medusa aurita über die damalsı
bekannten Grenzen hinaus zu verfolgen bemüht war, und ihr
in allen ihren Lebensbeziehungen in der Ostsee nachspürte,
war es mir aufgefallen, dass ich nirgends an der Südküste
der Ostsee in Mecklenburg nesselnde Medusen vorfand. Die,
Millionen der vorhandenen Medusa aurita nesselten unter kei-
nem Verhältniss. So schienen denn die Aussagen der Küsten-
bewohner, dass diese Quallen nesseln und den Augen ‚gefähr-
lich seien, immer von Schiffern und Reisenden herzurühren,
welche im Cattegat, an der Nordküste der Ostsee, oder in der‘
Nordsee, oder irgend wo anders mit ganz andern Medusen-
Arten in Berührung. gekommen waren. Ganz besonders be-
zogen sich offenbar die Nachrichten auf die röthlichbraune
Medusa (Cyanea) capillata, deren Nesseln mir selbst im Cat-
tegat und im Meerbusen von Christiania sowohl, als später
bei Copenhagen und Kiel empfindlich, aber nur im Vorüber-
gehen, bekannt worden war. Da ich nun seit 1831 oft jähr-
lich einige Wochen lang an der Ostsee in Mecklenburg ver-
weilt und gerade die Medusen sehr aufmerksam beobachtet,
aber nie eine nesselnde Art gesehen hatte, so war es sche,
auflallend, dass ich im vorigen Jahre im Hafen von Wismar)
69
unter ‚den zahllosen Mengen der Medusa aurita, ‚eine, kleine
Cyanea capillata lebend 'antraf. Beim weitern Untersuchen
der Küste in westlicher Richtung gegen Boltenhagen und Lü-
beck hin fanden sich aber Tausende davon theils am Strande
aüusgeworfen, theils noch lebend im brandenden Wasser und
in allen Grössen. Eben so zeigten sich bei einer Bootfahrt
hinter die Insel Poehl, welche den Hafen von Wismar schliesst,
gegen Ende Septembers viele sehr grosse Medusen dieser Art,
welche mich beim Baden sehr unangenehm brannten, weil ich
ihnen nicht aus dem Wege ging, sondern die verschiedenen
Formen genau betrachten wollte.
Hieraus ging denn hervor, dass die Sage von dem perio-
‚dischen Nesseln der Medusa aurita der Ostsee auf einer Ver-
wechselung vom 2 verschiedenen Medusen beruht, nämlich ‚der
nesselnden aber seltenen "Cyanea capillata und ‚der. häufigern
Medusa aurita, welche nie nesselt. (Vgl. die Akalephen des
rothen Meeres u. s. w. 1836. p. 81.)
Durch diese neuen Erfahrungen und die Gelegenheit fühlte
ich mich dann angeregt, die Natur dieses Brennens: genauer
zu: untersuchen.
2. Über die eigenthümliche organische Structur
en der nesselnden Medusen.
So wie die von mir im Jahre 1834 publieirten Structur- _
verhältnisse der Akalephen (wonach bei ihnen keineswegs ein
einfacher Bau, sondern vielmehr alle 5 Hauptsysteme des voll-
endeten Thierorganismus nachweislich vorhanden sind) von
Hrn, v. Siebold durch direetes Auffinden auch des männli-
chen Theiles des Sexual-Systems, von dem nur der weibliche
‚von mir detaillirt erläutert wurde, sehr glücklich erweitert
‚worden waren, so sind auch neuerlich die Complicationen
‚der Organisation durch Hrn. R. Wagner theils in anderen
Übierformen derselben Classe bestätigt, theils und namentlich
rücksichtlich der Nesselorgane für die Erkenntniss erweitert
worden.
= Der letztgenannte scharfsichtige Naturforscher hatte näm-
lieh schon bemerkt, dass bei den Pelagien die ganze nesselnde
‚Oberhaut einen eigenthümlichen Bau habe, der, auch in den
nesselnden Randfäden einer Oceania sichtbar war, aber den
70
nicht nesselnden Cassiopeen oder den nicht nesselnden Stel-
len am Körper jener Pelagien und Oceanien fehlte. Diese
Structur bestand in auf der Oberfläche in Häufchen geordne-
ten oder zerstreuten Bläschen, die aber nicht leer, sondern
kleine Kapseln von ;45”' Grösse waren, in denen ein eigen-
thümlicher feiner Faden eingerollt lag, der sich durch Druck
leicht hervorschieben liess und bis 1 Linie lang ausdehnte,
Diese fadenhaltigen Kapseln (Haar- oder Fadenkapseln) hält
Hr. Wagner für Giftorgane und die heraustretenden Fäden
für das Gift leitende, verletzende Organe, vergleichbar den -
brennenden Haaren der Loasen mit ihrer innern bewegten
Flüssigkeit. (Vgl. dieses Archiv 1841 p. 38— 42., und das-
selbe kürzer wiederholt mit erläuternden Abbildungen in der
selbstständigen Abhandlung: Über den Bau der Pelagia noeti-
luca u.s.w. von R. W. 1841 und noch kürzer in dem Werke”
lcones zootomicae Tab. 33. 1841.) j
Die Untersuchung der Cyanea capillata vücksichtlich der
organischen Bedingungen des Nesselns hat mich nun zwar 1
erkennen lassen, dass die so eben angezeigten Structurver-
hältnisse der Pelagien auch auf die Cyanea ihre Anwendung
finden, allein auch zugleich überzeugt, dass die Funetion und‘
Complication jener Organe bei den Pelagien entweder, was
nicht sehr wahrscheinlich ist, bedeutend abweiche von den
Verhältnissen der Oyanea, oder dass es mir gelungen sei,
noch etwas glücklicher in das organische Wesen dieses Appa-
rates einzudringen, indem ich jene Fadenkapseln nur als Ba--
saltheile und Anheftungspuncte von andern kleinen, walırschein-
lich hauptsächlich wirksamen Organen erkannte, welche bis
dahin ganz unbekannt geblieben waren.
Zuerst überzeugte ich mich, dass bei Cyanea capillata,
wie bei den Oceanien, nicht jeder Körpertheil die Eigenschaft
des Nesselns besitzt. Die ganze, zuweilen 1 bis 2 Fuss breite
Scheibe nesselt nicht, weder oben noch unten, ebensowenig
die hervorhängenden Eierschläuche und Mundlappen. Nur die
sehr zahlreichen und sehr langen Senkfaden oder Fangfäden
der Bauchseite haben diese Eigenschaft. Diese Senkfäden sind
gerade bei dieser Art der Gattung sehr überwiegend ent-
wickelt, da sie zu vielen Hunderten vorhanden sind, und jeder
bis zu 25 Fuss und mehr Länge haben, was das zuweilen
71
die Fäden im Wasser nach allen Seiten hin ausbreitende Thier
zu einer Scheibe oder auch wohl zu einer Kugel von über 50
Fuss im Durchmesser, mithin zu dem voluminösesten aller
existirenden bekannten Thiere machen kann.
Diese nesselnden Senkfäden oder Fang-Cirren nun un-
terscheiden sich in ihrer Structur von den ähnlichen Randfä-
den der Medusa aurita, welche nicht nesseln, so wie auch
von der nicht nesselnden Oberfläche der Scheibe des eigenen
Thieres überaus wenig. Man sieht eine grosszellige Oberhaut
mit sehr feinen Körnchen und meist gruppenweis vertheilten
grösseren, in die Substanz eingesenkt liegenden Bläschen auf
den meisten Oberflächen der Akalephen, und diese Bläschen
zahlreicher an den fadenartigen Organen der Ränder, so wie
sie von mir 1834 bei Medusa aurita abgebildet worden sind,
Nur finden sich auch sehr häufig lebende Medusen , die ihre
Oberhaut ganz oder theilweis verloren haben. Ein wesentli-
cher Unterschied zwischen den nicht nesselnden Medusen-
Cirren sammt den übrigen Oberhautbläschen und den nesseln-
den Cyaneen- Cirren fand sich bei genauerem Nachsuchen
darin, dass aus den Bläschen der nesselnden nicht blos Fä-
den hervorhingen, sondern gerade solche Fangorgane, wie ich
sie bei den Hydris entdeckt habe, die neuerlich auch von
Hrn. Profi. Erdl und R. Wagner bestätigt worden sind, Es
hingen nämlich kleine ovale Kapseln an allen den einzelnen
Fäden, so lange sie unbeschädigt sind , oft jedoch sind die
Kapseln abgerissen. Nur dadurch unterscheiden sich die Fang-
fäden der Cyanea von denen der Hydra, dass jene keine ver-
letzenden Widerhaken haben. Diese Structur ist auf der bei-
gehenden Zeichnung auf Tafel Ill. dargestellt.
Es ist nun eine jedem Beobachter und aus früheren Be-
richten sehr bekannte Sache, dass an den Medusenfäden häu-
fig kleine Krebse, Infusorien und andere Wasserthierchen,
die des Nachts als Lichtpunete und Leuchtthierchen erschei-
nen, angeheftet gefunden werden. Man schrieb dies bisher
wohl nur dem Schleime der Medusen zu, in dem sich Man-
ches verwickle. Allein bei den Hydris kann man den Prozess
des Fangens mit den kleinen Giftblasen und Angeln mit
schwach bewaflineten Augen leicht verfolgen. Hierzu sind nun
zwar die Cyaneen zu gross, allein die Organen-Verhältnisse
.
72
sind sich so ähnlich, dass ihre Vergleichung sich‘ von. selbst
aufdringt.
Herr Prof, Wagner hat diese Vergleichung ‚auch schon
selbst gemacht und sowohl die Fangangeln der Hydren als die
Fadenkapseln der Pelagien Nesselorgane genannt; ‘allein es
scheint: mir, dass hierbei doch noch Einiges unterschieden
werden muss.
Zuerst nämlich tritt die Frage ‚hervor, ob die Hydren
wirklich die Eigenschaft des Nesselns den Medusen gleich be-
sitzen. Ich habe hierüber einige direete Versuche ‘gemacht
und zu verschiedenen Zeiten wiederholt. 'Das blosse Aufle-
gen kleiner Theile der Oberhaut der Medusen auf die Hand
oder dgl. verursacht zuweilen gar kein Nesseln,, und die Ab-
wesenheit des Gefühls beim Auflegen von Hydren würde nicht
gegen die Eigenschaft des Nesselns scharf entscheiden. Sehr
sicher ist; ‚aber. bei Medusen eine andere Methode. Bringt
man nämlich nur ein ganz kleines Theilchen der nesselnden
Fangfäden der ‚Cyanea auf die Zungenspitze, so empfindet
man jedesmal‘ einen stechenden Schmerz. Bringt man aber
eine oder mehrere Hydren gleichzeitig auf die Zungenspitze,
so empfindet man ‘keinen Schmerz oder Reiz irgend einer
Art. Es scheint mir, dass sich hieraus ergiebt, wie die bei-
den Giftarten, deren eine ‚sichtlich plötzlich tödtend, die an-
dere stark ätzend empfindlich ist, doch sehr von einander ab-
weichen, und man die Fangangeln oder Giftbläschen der Hydren
nicht wohl Nesselorgane nennen kann.
Zweitens sind auch die Organe selbst, welche bisher ver-
glichen wurden, zu unterscheiden.‘ ‘Die Fadenkapseln der
Akalephen werden von Hrn. W. Nesselorgane genannt, allein
die Wirkung, welche man bei der ähnlich gebildeten Hydra
wahrnimmt, geht weder‘ von den Fadenkapseln noch von den
Fäden aus, sondern offenbar von der kleinen Endblase der
Fäden. Da nun eine solche Endblase bei Akalephen auch
vorhanden und vielleicht nur bei den Pelagien nicht erkannt
worden ist, so scheint auch‘ bei der Cyanea nicht die Faden-
kapsel, sondern die Angelblase das wahre Nesselorgan zu sein.
Ob die ätzende Flüssigkeit des Nesselorgans in der Fa-
denkapsel oder im Faden bereitet, und nur in der Endblase
gesammelt werde, ist nicht zu entscheiden gewesen , alleines
73
ist auch‘ am einfachsten physiologisch annehmbar, dass die
Blase Organ und Behälter des Giftes zugleich sei.
"Was die Körperehen der Actinien anlangt, welche Hr;
Wagner auch zu den Nesselorganen zieht und die 'er früher
Samenthierchen nannte, so bin ich doch geneigt zu glauben,
dass mein geistvoller Freund seinen eigenen früheren glückli-
chen Beobachtungen durch eine weniger glückliche spätere un-
recht thut. Diese Körper hatte ich schon 1823 und 1825 im
rothen Meere beobachtet, und sie sind 1828 auf einer, durch
die mein ganzes Reisewerk hiemmenden Umstände, noch nicht
publieirten Kupfertafel gestochen worden, die auch damals
den versammelten Naturforschern in Berlin vorgelegt wurde.
Sie lagen in einfacher Reihe quergelagert in inneren Schläu-
chen. Hr. Wagner sah ‘bei mir die gestochene Abbildung
und fand die Körperchen in Helgoland im lebenden Thiere
glücklich wieder, wo er sie für Spermatozoen hielt. Es mögen
äussere ähnliche Dinge bei den Actinien vorkommen, aber diese
inneren Theile, die wir zusammen betrachteten, waren schwer-
lich Nesselorgane. Der Gegenstand ist einer Revision sehr werth.
3. Über die Natur des Fang- oder Nesselgiftes
der Cyanea capillata,
Die giftige, kleine Thiere augenblicklich tödtende Wir-
kung ‘der Angelbläschen mit 3 verletzenden Widerhaken "bei
den Hydren, ist der Beobachtung leicht zugänglich, aber auf
der Zungenspitze zeigt das Hydren-Gift keine reizende Wir-
kung. Anders verhält es sich mit den Fangfäden der Cyanea.
Das Brennen, welches bei Berührung der letztern auf der
Zungenspitze entsteht, war meinem Gefühle nach ganz dem
stechenden Brennen und eigenthümliehen Geschmacke ähnlich,
welche entstehen, wenn man ein wenig Salzsäure mit ‚der
Zunge in Berührung bringt. Dieses Gefühl veranlasste ‘mich
zu einer Prüfung’ der Fangfäden auf Anwesenheit einer freien
Säure, und allerdings röthete sich Lakmuspapier, wenn
ich frische Theilchen der Fangfäden darauf zerquetschte. Ob-
wohl mun die Anwesenheit einer freien Säure hierdurch
schon deutlich geworden war, so war ich doch verwundert,
bei der bedeutenden Intensität der Wirkung auf die Zunge
und Haut, doch nicht eine eben so starke Röthung zu sehen,
74
‚ vielmehr doch nur eine mässige, fast eine schwache. Und
was die Ähnlichkeit des Geschmacks mit Salzäure betraf, so
entzündet doch diese so wenig als irgend eine andre bekannte
Säure die Oberhaut der Hände und des Körpers im Allgemei-
nen so, wie es die Nesselorgane der Akalephen thun.
Ich trocknete eine Menge dieser in süssem Wasser ab-
gespülten Fangfäden auf einem weissen Porzellanteller und
schabte die Masse zur weitern Untersuchung ab in ein Glas-
röhrchen. Auch diese getrocknete Masse war mehrere Tage
darauf noch so scharf, dass ein kleines Theilchen davon wie
Pfeffer die Zunge reizte.
Ich hoffte in Berlin auf chemischem Wege die Eigenschaft
jenes Giftes und besonders der Säure weiter ermitteln zu
können, und habe mir deshalb noch eine Quantität der ge-
trockneten Masse nachsenden Jassen; allein. hier angekommen,
hatte die Masse ihre beissende Eigenschaft fast ganz verloren,
und von jener freien Säure war keine deutliche Anzeige mehr
zu finden.
Es scheint hieraus hervorzugehen, dass die Natur des
Nesselgiftes dieser Thiere flüchtig ist oder dass es sich ausser
dem lebenden Körper leicht zersetzt.
Möchten doch Chemiker an den Küsten der Nordsee, wo
die Cyanea capillata sehr häufig und gross ist, diesem der
Mediecin und Physiologie interessanten Gegenstande weitere
Aufmerksamkeit schenken. Die Fäden dieser Meduse kann
man leicht pfundweis zur Untersuchung erlangen.
4. -Über eine Schwierigkeit für die Annahme des
getrennten Geschlechts der Akalephen.
Als ich die wahre Organisation der Medusa aurita 1833
und 1834 zur Entscheidung zu bringen suchte, gelang es mir
wohl, eine sehr deutliche und detaillirte Anschauung der
fruchtbildenden Organe und der Fruchtentwicklung zu erlan-
gen, allein ich suchte umsonst nach befruchtenden Organen.
Die Beobachtung der in allen Individuen so gleichartig gebil-
deten Fortpflanzungsorgane hatten mich geneigt gemacht, ein
getrenntes Geschlecht so anzunehmen, dass die Männchen
wohl den Weibchen in der Form ganz unähnlich sein möch-
ten. Vergl. Müllers Archiv für Physiologie, 1834, und die
75
Akalephen u.s.w. 1835. p.30. Hierauf hat nun später 1835
Hr. Prof. v. Siebold bewegte Samenthierchen in den schein-
baren Eierschläuchen mancher Individuen der gewöhnlichen
Form beobachtet und somit zu entdecken geglaubt, dass ein
getrenntes Geschlecht also wirklich stattfinde. Ich habe 1836
und 4837 die bewegten Spermatozoen durch wiederholte Zu-
sendungen lebender Medusen von Stralsund nach Berlin eben-
falls sehr deutlich beobachtet und bestätigt (vergl. die Akale-
phen des rothen Meeres pag. 79. f.), sie auch in der natur-
forschenden Gesellschaft zu Berlin vorgezeigt. Später sind
sie von R. Wagner ebenfalls beobachtet worden.
Dennoch bin ich durch neuerlich wieder aufgenommene
Untersuchungen gerade wieder zu Beobachtungen gekommen,
welche mich schon in den Jahren 1833 und 1834 zu dem Ur-
theile bewogen, dass doch wohl alle Individuen der. gewöhn-
lichen Form weiblich sein möchten. Es modifieirt sich nur
durch Hrn. v. Siebolds Entdeckung der Spermatozoen die
Ansicht jetzt dahin, dass wohl alle hermaphroditisch sein mö-
gen. Vielleicht erklärt sich auf gleiche Weise das neuerlich
von mehreren Beobachtern ‘behauptete getrennte Geschlecht
auch anderer Akalephen und der Echinodermen. Ich hatte
nämlich in den früheren Jahren öfter beobachtet, dass viele
Exemplare der Medusa aurita ihre Eierschläuche ganz voll
völlig gleichförmiger deutlicher Eier hatten. Andere hatten
sie voll von deutlichen ungleichförmigen Eiern, noch andere
hatten einzelne deutliche Eier in einer undeutlich abgetheilten
trüben körnigen Masse, welche den Eierschlauch erfüllte, und
noch andere hatten nur die trübe körnige Masse in ihrem
Geschlechtsapparate. Diese verschiedenen Zustände hielt ich
früher für Entwicklungszustände der weiblichen Fruchtbildung
und dies, wie es schien, mit um so mehr Recht, als eben die
Gleichheit des Organismus der Männchen und Weibchen nicht
blos in der Form, sondern bis in die Anatomie der Sexual-
theile im Thierreiche sonst unerhört war,
Die einförmig mit körniger trüber Masse erfüllten Ge-
schlechtsapparate sind nun durch Beobachtung der Beweglich-
keit und Form der innern Theilchen als Spermatozoen annehm-
bar geworden und geben keine Schwierigkeit. Allein die ge-
mischten Verhältnisse, wo sich einige wenige entwickelte Eier
76
mitten in der grossen Masse der Spermatozoen vorfinden, sind
doch sehr merkwürdig und auffallend. Ich habe nun zwei
Sommer hindurch diese Erscheinung weiter verfolgt, und sie
mannichfach wiedergefunden. Leider wurde ich im letzten
Sommer verhindert, die Angelegenheit für mich zur völligen
Entscheidung zu bringen, indem die nöthige Schonung, welche
ich mir körperlich angedeihen lassen musste, mir die günsti-
gen Zeitmomente wahrzunehmen nicht erlaubte,
Die so grosse und nothwendig jedem Naturforscher auf-
fallende, bis ins Kleinste gehende Gleichheit der Formen bei
den sogenannten Männchen der Medusen sowohl als der Echi-
nodermen im Vergleich zu den deutlichen Weibchen giebt den
oben angezeigten auffallenden Eientwickelungs- Verhältnissen
ein Relief, welches dieselben nur noch merkwürdiger macht."
Da mir diese ganze Angelegenheit in allgemeinen Bezie-
hungen von grossem Gewicht zu sein scheint, so möchte ich
durch gegenwärtige Berührung des Verhältnisses die allgemeine
Aufmerksamkeit und Nachforschung diesem Puncte hiemit zu-
wenden, so wie ich selbst, sobald sich mir die Gelegenheit
vielleicht wieder bietet, meine Kräfte derselben nicht entzie-
hen werde.
Folgende Fragen wären mit wissenschaftlichem Ernste. zu
entscheiden :
4) Liegen etwa männliche und weibliche Schläuche bei
den Medusen parallel dicht auf einander in allen Individuen,
und entwickeln sich immer nur die Einen vorherrschend?
2) Entwickeln sich in einem und demselben Organe bei
diesen Thierformen immer bald mehr die männlichen, bald
mehr die weiblichen CUharactere?
3) Auf welche andere Weise erklärt sich das vielfach
beobachtete Vorkommen von Eiern zwischen den Massen der
Spermatozoen?
4) Giebt es wirklich keine andern, selbst keine anato-
mischen Unterschiede der Männehen und Weibchen bei diesen
Thierformen, als nur Anwesenheit oder Abwesenheit der Sper-
- matozoen?
Die Meinung, dass Eier und Spermatozoen einander sub-
stituirt werden könnten, ist zwar neuerlich ausgesprochen
worden, ermangelt aber alles gültigen Beweises.
77
Erklärung der Abbildungen.
1. Ein kleiner Theil eines Senkfadens der Cyanea capillata bei 300-
maliger Vergrösserung des Durchmessers. a. die. Fadenkapseln.
b. die Nesselbläschen oder Giftbläschen.
ll. Eine Fadenkapsel bei 1000maliger Vergrösserung ‚mit eingezoge-
nem Faden,
III. Eine kleinere, mehr längliche.
Über die fossilen Gaviale der Lias-Formation und
der Oolithe.
Von
Prof. G. H. Bronn.
Ich habe mich seit zwei Jahren mit Untersuchung der
Gavial-artigen Reptilien des Lias und vergleichungsweise auch
mit denen der darüber liegenden Oolithe beschäftigt, und
werde später mit Hrn. Dr. Kaup gemeinschaftlich ‘eine Reihe
von Abhandlungen *) darüber bekannt machen. - Folgendes
zeigt, welches Material wir zu unsern Untersuchungen‘ be-
nutzen konnten und welche Ergebnisse wir daraus ‚erhielten.
Meine Untersuchungen erstrecken sich 1) auf zwei neue
Skelete meiner Sammlung, welche ohne den Schwanz, der
ihnen fehlt, 2’ und 4’, Länge besitzen; 2) auf den Gaumen
eines sehr unvollständigen Exemplares in der Sammlung des
Hrn. Apotheker Weismann in Stuttgart; 3) auf den Gau-
men des schönen Exemplares in der Sammlung des Hrn, Gra-
fen Mandelsloh in Ulm; 4) vergleichungsweise auch auf
einige andere Verhältnisse in der Skeletbildung dieses und
des 10° langen Individuums in dem Senkenbergischen Museum,
deren ausführlichere Bekanntmachung sich Hr. v. Meyer vor-
behalten hat; 5) auf den Schädel-Kern im Mannheimer Mu-
seum, welcher Kaups Geschlechte Engyommasaurus zu
Grunde liegt. Die Kaupschen Arbeiten enthalten: 6) eine
Beschreibung des Schädels in der Darmstädter Sammlung,
*) Stuttgart bei Schweizerbart, in Fol. mit A lith. Taf,
78
welcher der Typus seines Geschlechtes Mystriosaurus ge-
worden ist; 7) die Beschreibung einer Unterkiefer-Symphyse
in der Sammlung des Hrn. Grafen Münster zu Baireuth;
8) eine durch die Vermittlung des Hrn. Hofraths Reichen -
bach möglich gewordene erneute Untersuchung der Skelet-
theile im Dresdner Museum, auf die sich H. v. Meyers Ge-
nus’ Macrospondylus gründet; 9) einen Rückblick auf den
Teleosaurus Chapmanni Königs bei Buckland und
eine analytische Übersicht der Gavial-Geschlechter aus der
Oolithen-Periode. Diese Reste sind meistens aus den Lias-
schiefern von Boll, nur 5, 6 und 7 aus dem Lias-Kalke von
Altdorf bei Nürnberg.
Die Resultate der Kaupschen Untersuchungen sind:
a) Die Proportionen der Theile des Skeletes, auf welche Ma-
crospondylus gegründet ist, beruhen zum Theil auf missver-
standenen Messungen, zum Theil scheinen sie allerdings ab-
weichend zu sein. Gehören aber die lose dabei liegenden
Zähne dem nämlichen Individuum, so entspricht solches aller-
dings einem durch die Grösse seiner Zähne sehr ausgezeich-
neten Geschlechte. 5) Die unter 6. und 7. angeführten Reste
gehören 2 Arten’ des Geschlechtes Mystriosaurus, dessen
Character, so weit er im vorderen Theile des Schädels be-
ruhet, schon in der Lethäa mitgetheilt worden ist; K. nennt
sie M. Laurillardi u. M. Egertoni, und unterscheidet sie durch
die Zahl und Vertheilung der Zähne im Unterkiefer. c) Der
Teleosaurus Chapmanni gehört diesem Genus gleichfalls an
und mag eine dritte Art bilden.
Meine eignen Untersuchungen ergeben Folgendes: a) Alle
oben genannten Fossil-Reste (1—5.) gehören ebenfalls noch
dem Geschlechte Mystriosaurus an, mit Ausnahme meines
kleineren Skeletes, welches ein nahe verwandtes Genus Pe-
lagosaurus bildet. — 5) Diese zwei Genera, und wohl auch
Macrospondylus, so weit er bekannt ist, mit eingeschlossen,
stimmen in den hauptsächlichsten Charaeteren ihres Schädels
wie des übrigen Skeletes ganz mit den lebenden Gavialen
überein. Sie haben insbesondere, wie diese, die oben zwi-
schen die Kieferbeine keilförmig eindringenden Incisiv-Beine,
welche die Nasenbeine nicht erreichen, die vordere Nasenöf-
nung am Ende des Rüssels und die hintere dicht am hinteren
79
| Ende der Gaumenfläche; nach oben gerichtete Augenhöhlen;
| dahinter gelegene Scheitellöcher; gestreifte und schlank ‚kegel-
förmige Zähne in getrennten Alveolen eingekeilt mit den Er-
satz-Zähnen in der hohlen Wurzel; 2 grosse Gaumen-Löcher
und überhaupt eine ähnliche Zusammensetzung des Schädels
aus seinen verschiedenen Beinen; 7 Halswirbel und 17 Wir-
bel dahinter bis zum Becken, mit durch Nähte dem Körper
angefügtem Kreuztheile und kurzen Axt-förmigen Rippen an
den Halswirbeln ; einen zusammengedrückten Ruderschwanz;
vorn 5 und hinten 4 schlanke, mit Krallen versehene Zehen,
und eine Panzer-Haut. — c) Sie unterscheiden sich aber von
den Gavialen durch verhältnissmässig kleine Augenhöhlen mit
niederer ebener Umrandung; durch weit grössere etwas läng-
liche Scheitellöcher, welche fast die ganze obere Schädel-
fläche hinter den Augen einnehmen; durch kleinere Flügel-
beine (pterygoidei); durch ein eigenthimliches Relief der Gau-
mengegend um und vor der hinteren Nasenöflnung auf der
Mittellinie der Flügelbeine; durch das Eindringen der Kiefer-
Beine in die Ineisiv-Beine auf der untern Seite des Rüssels ;
durch die gewöhnlich zahlreicheren Backenzähne und die eigen-
thümliche, schon von Mystriosaurus bekannte Stellung der 4
Sehneidezähne auf dem löffelförmig ausgebreiteten Ende des’
Rüssels, durch die Zahl der 15 Brust- und 2 Lendenwirbel;
durch die von vorn nach hinten längeren und daher näher
aneinandergrenzenden Dornenfortsätze aller Wirbel; durch das
Hinaufrücken beider Anlenkungsflächen der Rippen an die
Querfortsätze schon am 10ten oder 41ten Wirbel; durch die
Biconcavität aller Wirbelkörper; durch ein weiteres Zurück-
stehen der Vorderextremitäten gegen die hinteren an Grösse,
und so oft auch der unteren Theile der Extremitäten gegen die
oberen; durch einen ganz aus grossen viereckigen und von
aussen porösen Schildern zusammengesetzten Panzer. d) Die
übrigen in höheren Schichten der Oolithe vorkommenden Ga-
vial-Geschlechter unterscheiden sich von vorigen auf folgende
Weise: Aelodon hat, wie die lebenden Krokodile , 12—13
Brust- und 5—4 Lenden-Wirbel, und nur 25—26 Zähne über-
all; der Gaumen ist unbekannt; G@rnathosaur ws hat über 40
etwas zusammengedrückte Zähne in einer Reihe und die 8
vorderen Zähne viel stärker als die hinteren ; die Ersatzzähne
80 | -
neben ‘den Wurzeln der älteren; 12 Zähne auf der Sym-
physe; ‘der ganze obere. Schädel ist nicht bekannt; Metrio-
rhynchus hat 22 zweischneidige Zähne und pyramidale
Querfortsätze an den convex-concaven Wirbeln; Leptocra-
niws hat einen schmäleren und längeren Schädel mit (dureh
Beschädigung?) fast kielförmiger Grundfläche, und grosse, weit
auseinander gerückte seitliche Augenhöhlen. Teleosaurus
aber, welches man, falls alle ihm zugeschriebene Skelettheile
wirklich zu einer Art gehören, sehr vollständig kennt, steht
den Lias-Gavialen noch näher als Aelodon, und schliesst sich
ihnen. mit diesem. zu einer innigst verbundenen Gruppe an;
die drei anderen Genera entfernen sich etwas weiter davon,
indem 'sie Charactere besitzen, welche von den unter b u. e
angegebenen abweichen. — e) Mystriosaurus im Beson-
dern unterscheidet sich nun: durch ein kolbenartig abgestutz-
tes Rüssel-Ende, an welchem die Nasenlöcher in die Quere
gedehnt und nach vorn gerichtet sind, durch kleine, sehr ge-
näherte und ganz nach oben gewendete Augenhöhlen; durch
ebenfalls sehr genäherte und nur mit einer kantenartigen Ein-
fassung ‚umgebene Scheitellöcher; durch eine die Äste des
Unterkiefers an Länge übertreffende Symphyse, mit einem
Symphysen-Wiukel von 35°—40°; durch 28—34 Backenzähne
überall, durch nur 2 von der Länge der hinteren erreichende
Vorder-Extremitäten, — ,f) Pelagosauruws dagegen hat ein
flacheres und vorn abgerundetes Rüssel-Ende, auf welchem
die ganz nach oben gewendete längliche Nasenöflnung etwas
weniges zurückliegt; grössere, weit von einander entfernte
und mehr seitliche Augenhöhlen; eine breitere und flachere
Umrandung der Scheitellöcher; weiter nach vorn (ob zu einer
dem Nasenkanale verbundenen Knochenblase?) verlängerte er-
habene Einfassung der hinteren Nasenöflnung; noch kleinere und
nach vorn gedrängte Flügelbeine, ganz wie bei Teleosaurus;
eine die Länge der Äste nicht erreichende Symphyse des Un-
terkiefers mit einem Winkel von 28°, nur - Zähne auf
beiden Seiten, einen®“ kürzeren . Hals und in der Mitte
stärker verengte Wirbelkörper, noch schwächere Vorder-
Extremitäten, welche nur die Hälfte von der Länge der
hinteren erreichen , und schmächtigere Hände. — g) Hier-
von nun unterscheidet sich T’eleosaurus von Geoffroy
81
St. Hilaire bloss dadurch, dass der Schädeltheil hinter den
Augen kürzer und breiter, daher die Scheitellöcher eben so
breit als lang, die grossen Augenhöhlen vielleicht etwas we-
niger seitlich sind, und die Zahl der Backenzähne auf jeder
Seite des Oberkiefers 45 übersteigt, durch einige Proportio-
nal-Abweichungen, und endlich durch die.Form und Lage der
angeblichen hinteren Nasenöffnung *), worauf nach Geoffroy
St. Hilaire hauptsächlich das Genus Teleosaurus und seine
Familie der Teleosawrier beruhen soll, indem er eine ähn-
liche Beschaffenheit bei allen Gavialen der Oolithe voraussetzte.,
Da sich aber genau an der Stelle, wo alle lebenden Kroko-
dile und die 5 von mir untersuchten fossilen Gaumen die hin-
tere Nasenöfinung besitzen, und genau von der nämlichen Form
und Grösse auch bei Teleosaurus ein Loch**) findet, welches
aber von Cuvier und Geoffroy St. Hilaire, mit Z be-
zeichnet, für ein (sehr grosses!) Arterien Loch erklärt wor-
den ist, so konnte ich endlich an der wahren Natur dessel-
ben, an seinem Zusammenhange mit dem Nasenkanal nicht
mehr zweifeln. Dann musste aber die von Cuvier und
Geoffroy St. Hilaire weiter vorn im Gaumen angegebene
Nasenöfinung in Form eines Querspaltes, durch welchen der
Nasenkanal in einen noch dahinter befindlichen ofinen Gau-
inenkanal ausmünden sollte, zu einem blossen Bruch-Spalte
des Gaumens werden, was mir noch um so wahrscheinlicher
wurde, als vier von den fünf durch mich untersuchten Gau-
men an jener Stelle ebenfalls eingedrückt sind, doch ohne
dem Gedanken an eine je hier stattgefundene wirkliche Aus-
mündung des Nasen-Kanals Raum geben zu können, oder in
der Art der Eindrückung auch nur einige Übereinstimmung
unter sich oder mit dem Teleosaurus. wahrnehmen zu lassen.
Indem ich daher Mitte Novembers (1844) Hrn. Ducrotay de
Blainville zu Paris von dieser meiner Ansicht in Kenntniss
setzte, bat ich ihn, den im Pariser Museum befindlichen Schä-
del des Teleosaurus zu untersuchen, und erhielt sofort in
einem Briefe vom 8. December die vollkommenste Bestätigung
meiner Voraussetzungen, indem Hr. de Blainville sogar
*) Cuvier, ossemens fossiles, V, I, pl. VJl. fig. Ag. statt fig. 4 t.
DL cfgAt,
Archiv f. Naturgesch, VII. Jahrg. 1, Ba, 6
82
den Nasenkanal bis unmittelbar in das sogenannte Arterien-
loch zu verfolgen im Stande war; nur insofern wurde meine
Erwartung modifieirt, als jene Queröffnung, nämlich die an-
gebliche Nasenöffnung,, und der dahinter befindliche offene
Kanal nicht einem Bruch und einer mechanischen Zerdrückung
des Gaumenbeines an sich "ihr Dasein verdankten, ‚sondern
nach der Versicherung des Hrn. de Blainville ist hier eine
mit dem‘ Nasenkanal in Verbindung gestandene mittle Kno-
chenblase, deren innere ‘Concavität zum Theile noch jenem
offenen Kanale entspricht, weggebrochen, analog den zwei
seitlichen Knochenblasen der lebenden Gaviale. Hierdurch wird
daher der Character von Teleosaurus (wenigstens für die männ-
lichen Individuen) weiter modifieirt, aber die Familie der Te-
leosaurier von Geoffroy St. Hilaire gänzlich beseitigt.
— Obschon ich nun nach diesen Entdeckungen öfter in Ver-
suchung gewesen, in Zeleosaurus und Pelagosaurus nur «die
männlichen, in Mystriosaurus die weiblichen Individuen einer
grösseren generischen Gruppe zu erblicken, so sind. die Un-
terscheidungsmerkmale doch zu beträchtlich, um, wenigstens
nach dem, was wir bei den lebenden Gavialen kennen, nur
Sexual-Verschiedenheiten darin zu erblieken. — 4) Auch die
9 bekannten Individuen von Mystriosaurus, Schädeltheile, fast
alle in Verbindung mit mehr oder weniger vollständigen Ske-
leten, zeigen unter sich, so weit man sie vergleichen kann,
aber insbesondere in der Bildung des Gaumens,, in der Zahl
und Vertheilung der Zähne und in manchen andern Propor-
tionen, so auflallende Verschiedenheiten, dass man bei leben-
den Gavialen wenigstens versucht sein würde, sie. für ‚eben
so viele verschiedene Arten zu halten, wie auch R. Owen
kürzlich in den Ichthyosauren des englischen Lias viele Arten
erkannt haben soll. Da wir aber über die specifischen Merk-
male der fossilen Gaviale vielleicht doch ‘noch nicht ‘genug
Erfahrungen besitzen, so beschränke ich mich, meine Art und
das Weismannsche Exemplar mit dem Namen M. Tiedemanni
und M. Schmidii zu belegen. :
Heidelberg, Ende Dezember 1841.
alı
Beitrag zur Insecten-Fauna von Vandiemensland,
mit besonderer Berücksichtigung der geographischen
Verbreitung der Insecten,
vom
Herausgeber.
Hierzu Taf. IV. und V.
So umfassenden Aufschluss wir bereits, vorzüglich durch
Rob. Brown, über die Flora Neu-Hollands erhalten haben,
nicht allein im Speciellen, sondern ‚auch in’ ihren allgemeinen
Beziehungen, ‘so weit wir mit der Fauna in anderen Thierklas-
sen, namentlich Säugthieren und Vögeln, bekannt geworden
sind, so beschränkt ist noch 'unsere Kenntniss der entomologi-
schen Fauna dieses Erdtheils , vorzüglich in umfassender .Be-
trachtung. Allerdings sind die ausgezeichnetsten und eigen-
thümlichsten Productionen nieht ‘unbeächtet und unbekannt
geblieben, es haben verschiedene Schriftsteller, Kirby, Mars-
ham, Donovan u. A. einzelnen derselben ausgezeichnete Darstel-
lungen gewidmet; indess gehört zur Kenntniss einer Fauna
‚nicht allein, dass das sie Auszeichnende und ihr Eigenthüm-
liche hervorgehoben wird, sondern die vollständige Berück-
sichtigung der weiter oder allgemein verbreiteten Formen.
Boisduval hat zwar theils in dem entomologischen Theil: der
Voy. de l’Astrolabe (1832), theils in der Faune entomologique
de l’Oceanie (1835), sowohl die bis dahin beschriebenen, als
auch die in den Pariser Sammlungen befindlichen Inseeten
Australiens zusammengestellt, indess gewährt diese Zusammen-
stellung, sowohl der Dürftigkeit- des Materials als der unge-
nügenden Bearbeitung halber, durchaus keine Einsicht in den
Character der Fauna des betreffenden Erdtheils. Ich hoffe,
dass der kleine Beitrag, den ich hier zu liefern beabsichtige,
mehr dazu geeignet sein möge.
Herr Oberintendant Sichay er zuWoolnorth an der Nord-
westecke von Vandiemensland hat im regen Bestreben, der
6 *
84
Wissenschaft so wie den Sammlungen seiner Vaterstadt durch
seinen Aufenthalt in einem noch so wenig untersuchten Lande
förderlich zu sein, die verschiedenen Naturproducte seines zeiti-
gen Wohnortes nicht unbeachtet gelassen, und die verschiedenen
hiesigen naturhistorischen , Museen durch wichtige Zusendun-
gen bereichert. Das entomologische Kabinet hat bereits drei
Sendungen sehr sorgfältig gesammelter Insecten erhalten, welche
für dasselbe um so wichtiger waren, je weniger ihm bisher
unmittelbare Beiträge aus der neuholländischen Fauna zuge-
kommen gewesen, und welche, da sie sich nicht! auf grössere
und mehr in die Augen fallende Formen beschränken, sondern
die unscheinbarsten mit umfassen, auch in der Beziehung
einen wichtigen Blick in die Neuholländische Fauna gewähr-
-ten, als sie auch das Verhältniss der eigenthümlichen zu den
weiter verbreiteten Formen erkennen liessen. Ich habe zu
diesem Ende die sämmtlichen von Herrn Schayer der hiesigen
Sammlung mitgetheilten Insecten in systematischer Beziehung
genau untersucht, und glaube, dass ein ausführlicher Bericht
über dieselbe in Bezug auf die geographische Verbreitung der
Insecten von einigem Interesse sein werde. Die englischen
Sammlungen, denen reichere Gelegenheit geboten wird, sich
mit Neuholländischen Naturproducten auszustatten, bieten si-
cher ein bedeutendes Material zu einer umfassenden Fauna
dieses Erdtheils dar, und wir können nur bedauern, dass uns
von diesem, ohne Zweifel sehr reichen Stoff nur einzelne pi-
kante Bissen und nicht das Ganze dargeboten wird. Jeden-
falls wird dieser kleine Beitrag dadurch von einigem Interesse
sein, dass für die aufgeführten Arten eine bestimmte Locali-
tät nachgewiesen ist. Denn durch genaue Angabe der Loca-
lität ist es allein möglich, die geographische Verbreitung der
einzelnen Arten zu verfolgen und den Umfang und die Gren-
zen derselben zu ermitteln, es ist der erste Schritt, der in der
naturhistorischen Geographie geschehen muss. Wie unendlich
weit ist hierin die Botanik der Entomologie vorangegangen,
wo man sich bis jetzt in den Vaterlands-Angaben mit dem
weiten Begriff von Neuholland oder gar dem von Australien
hat genügen lassen !
Australien bildet aber in naturhistorisch -geographischer
Hinsieht keineswegs ein gemeinsames Ganze, wie z. B. Africa
m
, 85
"und America, sondern es muss in diesem Betracht in drei
Bestandtheile aufgelöst werden. Der eine umfasst die nörd-
lich von Neuholland gelegenen Inseln, mit Neuguinea und
Neuirland. Sie schliessen sich im Character ihrer Flora und
Fauna nicht minder als geographisch an den Indischen Archi-
pel, namentlich an die Molucken, haben dieselbe üppige, saf-
tige Vegetation, und wenn sie sich in ornithologischer Hin-
sieht als ausschliessliches Vaterland der Paradiesvögel bemerk-
bar machen, so bieten sie in Bezug auf die Entomologie keine
Formen dar, welche der asiatischen Inselwelt fremd wären !).
Mit den zunächst gelegenen Molucken theilen sie das Vor-
walten der Lepidopteren ?). Der zweite Theil Australiens
umfasst alle die kleinen, später aus dem Meere hervorgehobe-
nen Inseln des stillen Ocean; sie sind mit einer reichen und
kräftigen Vegetation bedeckt, aber ihre Fauna ist äusserst
arm, und steht in gar keinem Verhältniss zur üppig gedei-
henden Pflanzenwelt ?). Diese fand Lesson der Indiens so
\) Beispielsweise führe ich die ausgezeichneten Cicindelengattun-
gen Therates und Tricondyla an.
2) D’Urville Voy. d. l’Astrolabe, Entomol. p. 23—31. — De
Haan Verhandl. ov. d. natuurl. Geschied. d. Nederl. overzeesch. Be-
zitt. Zool. 11. S.3.
?) Boisduval (Voyage de l’Astrolabe, Entomologie p. 32.) spricht
die frohe Hoffnung aus, dass die Zeit kommen werde, wo auch der
Zoolog dort seine Rechnung fände. „Natürlich, sagt er, „müsste die
Vegetation, die jetzt schon mannigfaltig und üppig sei, früher er-
scheinen, als die Insectenwelt, der sie zur Nahrung angewiesen sei,
und diese wieder früher als die insectenfressenden Vögel.“ Der
Glaube an eine fortdauernde Artenschöpfung liegt dieser Meinung
zum Grunde. Bis indess die Erfahrung diese Ansicht gerechtfertigt
hat, welche mehr in einer poetischen Naturphilosophie als in der
nüchternen Empirie begründet erscheint, dürfen wir die andere An-
sicht nicht ganz aufgeben, nach welcher im Lauf der Jahrtausende
diese Inseln von Westen her durch Vermittelung der Luft- und Mee-
resströmung allmälig ihre organischen Bewohner erhalten haben.
Hierfür spricht die geringe Eigenthümlichkeit, welche Flora und
Fauna dieser Inseln zeigen, das Abnehmen der organischen Natur,
je weiter nach Ost, und auch das Vorwalten der Pflanzenwelt, da
Thiere sich ungleich schwerer verbreiten und fortpflanzen, als die
Pflanzen. Dass eine solche Verbreitung nicht durchaus zu den
naturhistorischen Unmöglichkeiten gehöre, ist nicht mehr zweifelhaft,
86 . =
ähnlich, ‚dass der ‚wesentliche Unterschied dieses vom ersten
unter. Australien. begriffenen Theils lediglich in dem Missver-
hältniss. der, Fauna zur Flora besteht.
Höchst eigenthümlich, mehr als der irgend eines andern
Welttheils, ist dagegen der Character der ‚organischen Natur
auf dem. Festlande von Neuholland und den von ihm abhän-
gigen. Inseln, von. denen Vandiemensland die bedeutendste ist,
Neuseeland scheint, unbeschadet specieller Eigenthümlichkei-
ten, im Allgemeinen, sich. unmittelbar an Neuholland anzu-
schliessen.
Von besonderem Einfluss auf den Character einer Inseeten-
Fauna. ist 'der'Character ‚der ‚entsprechenden Flora, wenn:auch,
wie..es. sich zeigen wird, im. vorliegenden Falle die erstere
nicht ‚ganz und in allen Beziehungen der letzteren folgt. Lei-
der sind wir noch nicht im Stande, den’Einfluss zu verfolgen,
den die Flora auf. die Insecten-Fauna ausübt; dazu gehört bei
jeder einzelnen, Inseceten-Art die Kenntniss der Pflanze oder
Pflanzen, von welcher oder welchen sie sich im ersten und
letzten Zustande nährt. Diese Kenntniss fehlt uns zur Zeit
noch durchweg, 'sie ist aber für die Lehre von der geogra-
phischen Verbreitung von der grössten Wichtigkeit, weil da-
durch allein der Zusammenhang der Flora und Fauna festge-
stellt werden kann. Wäre z. B. Jie artenreiche‘ Blattkäfer-
Gattung Paropsis auf eine bestimmte, Neuholland eigenthüm-
liche Pflanzen-Familie oder Gatiung angewiesen, so würde das
Beschränktsein derselben in ihrer Verbreitung eine tiefere Be-
gründung haben. Von spätern Nachrichten müssen wir erwar-
ten, eine nähere Einsicht des: innern Zusammenhangs derFauna
mit.der Flora zu erhalten, und uns jetzt darauf beschränken,
eine Vergleichung ihrer weitern Beziehungen anzustellen, eine
Vergleichung, aus der allerdings einige interessante Resultate
hervorgehen.
In der Vegetation von Neuholland haben von den Fami-
da uns doch die Fälle vorliegen, dass Pllanzen sowohl als Insecten
aus Nordamerika in Grossbritannien eingewandert sind. „So, ergiebt
Sich Eriocaulon septangulare keineswegs als eine eigenthümliche euro-
päische Art dieser ausschliesslich amerikanischen Gatt., sondern iden-
tisch mit einer amerikanischen Art. (S Kunth Enum. ‚plant.U1. p-541.)
ä 87
lien, welche von überwiegender Bedeutung sind, die Farrn, Grä-
ser, Halbgrüser (Cyperaceen), Orchideen, Compositae, Euphor-
biaceen und Papilionaceen eine gleiche Verbreitung und das-
selbe Verhältniss zur übrigen Flora als überall. Dagegen: sind
die ‚Restiaceen, Proteaceen, Epacrideen, Myrtaceen besonders
hervortretend. Die Myrtaceen haben hier ihren. Hauptsitz.
Die Zpacrideen sind Neuholland fast ausschliesslich eigen. Was
Vandiemensland betrifft, so bleibt trotz dem, dass die geo-
graphische Lage und die mehr gleichmässig vertheilte Feuch-
tigkeit in seinen klimatischen Verhältnissen eine grössere An-
näherung an die 'gemässigte Zone der nördlichen Hemisphäre
begünstigen, der Ausdruck der Vegetation, nach Rob. Brown,
im Ganzen derselbe .als auf dem festen Lande von Neuholland;
von den natürlichen Familien, welche dort den Hauptcharacter
bedingen, haben manche bedeutend ab-, keine im zahlreichen
Auftreten zugenommen; «nur die Epacrideen, die Eucalyptus
und die blattlosen Acacien haben ein gleiches Verhältniss in
der Flora beibehalten ').
’) Flinders Voyage to terr. Austral. II. Append. II. p. 586. —
Rob. Brown’s vermischte Schriften von Nees von Esenbeck, 1. S.121,
— Eine systematische Übersicht der auf Vandiemensland vorkom-
menden Gewächse hat der junge Hooker in Journ. of Botany 1840 zu
geben angefangen. Hier, glaube ich, wird es von Interesse sein, die
in gleicher Gegend mit den hier zu besprechenden Insecten vorkommen-
den Pflanzen nach den von Hrn. Schayer an das Königl. Herbarium mit-
getheilten, sorgfältig eingelegten Exemplaren, wenigstens nach Fami-
lien und Gattungen namhaft zu machen, für deren Einsicht und Be-
stimmung ich Hrn. Dr. Klotzsch verpflichtet bin.
Die Farrn sind. europäischen sich anschliessende Formen der
Gatt. Polypodium (2 Arten), Blechnum, Aspidium, Pteris, die Grä-
ser der Gatt. Panicum, Festuca, Bromus sich ähnlich. verhaltend,
die Cyperaceen zwei europäischen entsprechende Arten von Carez,
die Restiaceen der mit, Südafrika gemeinschaftlichen Gatt. Restio,
und der ausschliesslich neuholländischen Anthistiria (Känguruhgras)
angehörend, aus den Xyrideen eine Xyris, von Junceen ein Jun-
cus und Luzula campestris, von Colchiaceen eine Angularia, von
Liliaceen eine Blandfortia und 3 Arten der mit dem Vorgebirge
der guten Hoffnung gemeinschaftlichen Gatt. Tulbaghia, von Irideen
eine Art der mit America gemeinschaftlichen Gatt. Sisyrinchium und
eine Cypura, aus den Orchideen nur Neuholland eigenthümliche
Formen: 1 Spiranthes, 5 Prasophyllum, 3 Diuris, 4 Thelymitra.
83 =
Was das Verhältniss der neuholländischen zu andern
Floren betrifft, so ist es eine anerkannte Thatsache, dass die
Uebereinstimmungen und Analogieen mit der südafricanischen
die sind, gegen welche alle andern zurückstehen. Die Pro-
teaceen, Restiaceen u. a., welche in der Neuholländischen
Pflanzenwelt eine wichtige Stellung einnehmen, behaupten die-
selbe am Cap, und treten in America sehr zurück; die Epa-
Aus der Neuholland eigenthümlichen kleinen Fam. der Stack-
housiaceen 3Arten von Stackhousia, aus den Thymelaeen eben
so viele Arten von Pimelea und eine Dais, aus den Proteaceen
eine Manglesia und eine Banksia.
Die Primulaceen haben nur Europäische Formen, nämlich
eine Anagallis und einen Samolus (littoralis) geliefert, die Labia-
ten einen sich eben so verhaltenden Thymus, die Serophulari-
neen eine Veronica und eine Euphrasia, die Solaneen ein Solu-
num, die Borragineen zwei mit Europäischen sehr übereinstim-
mende Myosotis und eine Exharrena, die Convolvulaceen einen
Convolvulus, die Neuholland eigenthümlichen Epacrideen neun
Epacris, eine Sprengelia und drei Dracophyllum, die Campanula-
ceen zwei Wahlenbergia, die Lobeliaceen vier Lobela, die Sty-
lideen ein Stylidium, die Compositae vier Graphalium, ein Ma-
rus, ein Spilanthus, fünf Eurybia, vier Senecio, eine Humea, die
Umbelliferen nur zwei Apium-Arten, die Ranunculaceen drei
Ranunculus und eine Clematis, die Cruciferen ein Lepidium, die
Hypericineen ein Hypericum, die Geraniaceen drei Pelargo-
nium und ein Erodium, die Oxalideen eine Oxalis, die Viola-
ceen zwei Arten von Viola und eine Aymenanthea, die Drosera-
ceen eine Bybäs, die Polygaleen eine strauchartige Polygala,
die (ebenfalls strauchartigen) Rutaceen eine Correa, zwei Boronia
und eine Cyria, die Caryophylleen einen Dianthus, die Alsi-
neen eine Arenaria, die Lineen ein unserem L. usitatissimum iden-
tisches Linum, die Onagreen drei Epilobium, die Myrtaceen
einen Eucalyptus, fünf Leptospermum, eine Melaleuca, drei Baeckia,
die Rosaceen einen Rubus, zwei Acaena, eine Potentilla, die Pa-
pilionaceen eine Goodia (latifolia), eine Indigofera, ein Hedysa-
rum, zwei Hardenbergia, ein Physolobium, eine Zichya und drei
Kennedya; die vier letzten Gattungen von den für Neuholland cha-
racteristischen Formen mit einfachen Blättern (oder blattlos mit blatt-
förmigen Blattstielen); die Mimoseen sechs Arten von Acacia, die
Rhamneen zwei Pomuderis. Die Bäume bilden die Proteaceen,
Myrtaceen, Papilionaceen, Mimoseen und Rhamneen. Die Kenne-
dyen sind Schlingpflanzen in den dichten undurchdringlichen Wäldern,
mit denen Vandiemensland zum Theil bedeckt ist.
89
erideen erscheinen in der neuholländischen Vegetation als
Ersatz für die in Südafrica herrschenden Ericeen. Die Be-
ziehungen zur Südamericanischen Flora sind weit geringer,
und hier sind es mehr Fälle von Analogie zwischen Pflanzen-
formen Neuhollands und der americanischen Südwestküste,
als mit andern Theilen America’s, und wirkliche Übereinstim-
mungen. Am seltensten ist der Fall, dass zwischen Südame-
rica und Südafrica Beziehungen Statt fänden, welche sich nicht
auch gleichzeitig für Neuholland geltend machten. So bekannt
_ diese Thatsachen sind, habe ich es doch nicht unterlassen
wollen, sie anzuführen, um darauf hinzuweisen, wie sich die
Verhältnisse der Faunen anders gestalten. Hier sind im Ge-
gensatz zu den Floren die Beziehungen Neuhollands zu Süd-
america bedeutender als die zu Südafrica, und nicht zur West-
seite von Südamerica allein, sondern selbst zu der in der
Vegetation so sehr weit verschiedenen Ostseite. Nirgends
sind die Eigenthümlichkeiten der Faunen dieser drei Erdtheile
deutlicher ausgeprägt, als in den Säugthieren. Africa und
America haben schon wenig mit einander gemein, Neuholland
schliesst sich aber von der ganzen übrigen Erde ab, doch
nicht so, dass nicht die hier herrschende und den Haupttheil
der Säugthier - Fauna ausmachende Ordnung der Beutelthiere
auf diesen Erdtheil beschränkt wäre. Abgesehen aber davon,
dass die Gatt. Phalangista sich über einen Theil des Indischen
Archipels verbreitet, ist es nicht Africa, sondern America,
welches diese abnorme Klasse mit Neuholland gemein hat.
Älnliche Beispiele bietet die Insectenwelt in Menge dar; kein
auffallenderes jedoch und dem eben berührten Falle entspre-
chenderes, als in der Hymenopteren -Gatt. Thynnus, welche
auf Neuholland und beide Seiten des Festlandes von Süd-
america durchaus beschränkt, in beiden aber zahlreich an Ar-
ten ist. Weitere Belege für die überwiegenden Beziehungen
zwischen Neuholland und Südamerica liefern die Coleopteren,
In der Fauna von Südafrica nimmt die Bupresten -Gatt. Julo-
dis eine wichtige Stelle ein, als Ersatz, wenn auch nicht als
analoge Form, für sie in Südamerica und Neuholland muss
man die Gatt. Siigmodera betrachten, eine auf diese beiden
Erdtheile beschränkte, aber in beiden artenreiche Form, Un-
ter den Elateren ist die Gatt. Monoerepidius in America sehr
90
zahlreich an Arten, nur in: Neuholland wieder zu finden, un-
ter den Rhipiceriden ist Adupicera diesen ‚beiden Erdtheilen
gemeinschaftlich; unter den Telephoren die Gatt. Chauliogna-
thus (Callianthia Dej.) für America characteristisch, ausserdem
aber nur Neuholland nicht fremd. Unter den Lucaniden sind
die. für Neuholland characteristischen Zamprimen nur den
Südamerica eigenthümlichen Pholidoten vergleichbar, so zeigen
die kleinen Gattungen Zeraphyllum (Südamerica) und Syndesws
(Neuholland) den höchsten Grad. der Analogie; so. endlich
fehlt dem Süden von Africa die Form der Passali, in welcher
Neuholland der Ostseite von America an Artenreichthum am
nächsten zu kommen scheint. Unter den Bockkäfern ist die
zahlreiche Gruppe der ‚Stenocoriden für America und Neuhol-
land gleich characteristisch, und sonst nirgend zu finden. In
der Familie der Rüsselkäfer fehlt es an Beziehungen zwischen
Südamerica und Neuholland nicht; die Form der Oryptorhyn-
chen, in den übrigen Erdtheilen sehr beschränkt, nimmt in
beiden eine grössere Ausdehnung ein; die Gattungen Auunotia
und Homalocerus, Aterpus und degorhinus '), Melanterius und
Chalcodermus ersetzen sich in, beiden Erdtheilen als. analoge
Formen,
Inzwischen fehlt es nicht, ganz an Beziehungen zwischen
Neuholland und Südafrica, wenn. diese auch durch folgende
Gesetze sehr beschränkt zu sein scheinen. ‚Es findet sich
nämlich, dass alle Formen, welche Südafrica mit der mittel-
ländischen Fauna gemein hat, sich nicht auf die übrigen Erd-
theile der südlichen Hemisphäre, am wenigsten auf Neuhol-
land, verbreiten, und dass von den übrigen auch diejenigen
Formen, welche Südafrica und die Westseite von Südamerica
(denn nur diese zeigt eine gewisse Übereinstimmung mit den
Capländern) als einander ersetzend besitzen, nicht, zugleich
in Neuholland_ wiedererscheinen, ‚In die erste Gategorie ge-
hören die oben schon erwähnten Julodis , ferner der bei wei-
tem grösste Theil der sowohl in der mittelländischen als der
‚südafricanischen Fauna vorherrschenden Melasomen, und un-
2) Lophotes Schönh. — Da dieser Name aber einer Reptilien-Gatt.
schon gehört, wird der obige von mir gleichzeitig aufgestellte Name
beibehalten werden können.
91
ter den Rüsselkäfern ‘die Formen der Drachyceren und. Cleo-
nen. Diese bilden aber einen so. ausgezeichneten und cha-
racteristischen Theil der südafricanischen Fauna, dass hier das
bedeutende Übergewicht der Beziehungen in. Richtung. der
geographischen Länge gegen die in der Richtung der geogra-
phischen Breite nicht;zu verkennen ist. In die; zweite, Cate-
gorie gehören die Analogien, zwischen den Südafrica eigen-
thümlichen ‘Melasomen, wie Moluris mit solchen der West-
seite Südamerica’s, und die grössere Übereinstimmung, welche
die südafricanischen Azisony. und Lepitrix mit den südwest-
amerikanischen Cratoscelis und Lichnia als mit den, mittellän-
dischen Glaphyrus, Anthypna und Amphicoma haben !).
Die Melasomen Neuhollands sind ‘von denen Südafrica’s
sehr verschieden, am Ersten finden sich noch Übereinstim-
mungen unter den Curculionen; die Gatt. Hipporhinus ist bei-
_ den gemeinschaftlich, in Südafrica aber von überwiegender
Artenzahl, die für Neuholland ‚characteristische. artenreiche
Gatt. dmycterus hat eine südafricanische analoge, hier aber
wenig zahlreiche Form neben ‘sich. Andere Formen, welche
Südafrica und Neuholland gemein haben, verbreiten sich auch
über das tropische Africa. und ‚Ostindien.
In gewissen Eigenthümlichkeiten stimmt die Fauna, von
Neuholland mit der von Madagascar überein, z.B. dem Besitz
von Cetonien mit gespaltenem Ulypeus, und dem auffallenden
Fehlen der sonst überall verbreiteten spanischen Fliegen (Zytta).
Bemerkenswerth ist eine zuweilen vorkommende Überein-
stimmung neuholländischer mit nordamericanischen Formen,
Hierhin gehört das Verhältniss der Analogie zwischen Carenum
und Pasimuchus. Ein zweites Beispiel liefert, zur Zeit noch
die Cureulionen- Gatt. Notiophilus Schönh., von welcher Schön-
herr zwei nordamericanische Arten auflührt, denen ich unten
eine von Vandiemensland zufügen werde.
Wenn man sich die Inseeten-Fauna von, Neuholland als
so eigenthümlich- vorstellt, dass sie nur besondere Formen
hervorbrächte, würde man den Character derselben sehr ver-
fehlen. Nicht minder wie in der Vegetation mischen , sich
auch hier viele Europäische Formen ein; wenn indess Rob.
') 5. dieses Archiv 1. Jahrg. 1. Bd. S. 268
92
Brown !) die Überzeugung ausspricht, dass eine grosse Reihe
von Pflanzenarten nicht in Folge der Colonisation, sondern
ursprünglich in Europa und Neuholland zugleich einheimisch
erscheine, gilt für die Insectenwelt im Allgemeinen dasselbe
nicht. Den des Co/ymbetes pulverosus ausgenommen *) und
einiger vom indischen Archipel sich dahin verbreitenden In-
secten, ist mir kein Fall bekannt, dass eine Art nieht Neu-
holland eigenthümlich sei, ohne dass ihre Einführung durch
den menschlichen Verkehr nicht auf der Hand läge. Das Vor-
kommen von Calosoma, Harpalus, Pterostichus, Cyphon, Li-
mmnichus, Cercyon, Onthophagus, Aphodius, Tenebrio, Mordella,
Anthieus, Brontes, Graptodera, Phalacrus, Sceymnus, Corylo-
phus, Batrisus, darf nicht befremden, da diese Gattungen über
die ganze Erde verbreitet zu sein scheinen; auflallender ist
das Vorkommen z. B. von Attalus, Salpingus, Oryphalus, Dendro-
phagus, Psylliodes u.a., welche eher als Eigenthümlichkeit der
europäischen Fauna sich betrachten liessen.
Schon beiden Coleopteren, wo die geograph. Eigenthümlich-
keiten am Ausgezeichnetsten sind, scheint etwa der dritte Theil
der Formen der Art zu sein, dass sie in Europa und Neuholland
zugleich vorkommen, ein Fünftel nach anderen Richtungen
hin weiter verbreitet, so dass etwa nur die kleinere Hälfte
auf Neuholland beschränkt bleiben mag, allerdings noch ein
sehr günstiges Verhältniss für die Eigenthümlichkeit dieser
Fauna. Für die andern Inseetenordnungen ist es aber nicht
so. Hier sind etwa zwei Drittel der Formen (Gattungen)
Neuholland mit Europa gemein, ein Sechstel zwar aus der
europäischen Fauna ausgeschlossen, aber in anderen Welt-
theilen vorkommend, und nur etwa ein Sechstel Neuholland
eigenthümlich. Die Dipteren und Hymenopteren zeigen noch
einen höheren Grad der Eigenthümlichkeit als die Hemipteren,
den geringsten die Orthopteren. Die Lepidopteren sind, da
die Sendungen des Hrn. Schayer dergleichen nicht enthielten,
von den gegenwärtigen Untersuchungen ausgeschlossen ge-
blieben, so weit mir indessen die neuholländische Fauna die-
ser Ordnung bekannt ist, muss ich annehmen, dass ihr Ver-
1) A.0.2.0.
2) Vergl. dieses Archiv V. Jahrg. 2. Bd. S. 321.
«
93
halten kein anderes sein werde, als das der zuletzt bespro-
chenen. ;
Das Verhältniss der Fauna der Vandiemens - Insel zu
der des festen Landes von Neuholland ist im Allgemeinen,
wie es Rob. Brown für die Floren aufgestellt hat, nämlich,
‚ dass die eigenthümlichen, für diesen Erdtheil characteristischen
' Formen dem festen Lande und der Insel gemeinschaftlich sind.
| Ob die Gatt. Carenum, Pamborus, Ryssonotus, Tragocerus u.a. in
_ Vandiemensland vorkonmen, ist mir unbekannt; ohne Zweifel
folgen auch den verschiedenen Breitengraden durch Auftreten
und Verschwinden eigenthümlicher Formen jetzt noch unbe-
kannte Modificationen im Character der Fauna. Die die neu-
holländische Fauna auszeichnenden ausgedehnteren Gattungen
Diphucephala, Lamprima, Adelium, Amycterus, Gonipterus,
Stenocorus, Paropsis, Thynnus, Myrmecia, Rutilia, Burymela,
u. a., besitzt die Vandiemens -Insel so gut wie das Fest-
land. Oft scheinen auch einzelne Arten über jene und einen
Theil des letzteren zugleich verbreitet zu sein. Die Darle-
gung des Eigenthümlichen wird am Besten bei einer systema-
tischen Nachweisung über die von Hrn. Schayer aus Vandie-
mensland eingesandten Inseeten geschehen.
Coleeptera.
Ich folge möglichst der Latreille’schen Anordnung, als
der geläufigsten, da mir noch keine bessere vorliegt.
Die Cieindelen-Familie ist in Neuholland überhaupt
sparsamer vorhanden, als in den übrigen Welttheilen, und be-
schränkt sich, so weit wir mit Sicherheit wissen, auf einige
Arten der Gattung Cieindela. Die bisherigen Sendungen ha-
ben noch keine Art derselben geliefert, es ist aber kaum zu
vermuthen, dass diese allgemein verbreitete Gattung auf Van-
diemensland ganz fehlen sollte, um so weniger, als sie auch
auf Neuseeland nicht vermisst wird.
Aus der grossen Familie der Caraben sind uns 29 Ar-
ten zugekommen. Die Entdeckung einer Art von Calosoma
ist zwar nicht überraschend, da die sonst so allgemeine Ver-
breitung dieser Gattung voraussetzen liess, dass auch in Neu-
holland einzelne Arten vorkommen würden, sie ist aber in-
teressant in Betracht ihres Vorkommens, um so mehr als die
94
entdeckte Art’ auf eine auflallende Weise zwischen unseren
beiden allbekannten einheimischen Arten, C. sycophanta und
inquisitor, die Mitte hält. ‘Ob die mit Schnee bedeckten Ge-
birge ‚von Vandiemensland auch Carabus-Arten "aufzuweisen
haben, missen weitere Nachforschungen lehren ; unmöglich
wäre es nicht, da aus dem Vorkommen am Südende Ame-
riea’s erhellt, dass die Gattung nieht auf die nördliche Hemi-
sphäre beschränkt ist, wie Nebria, Elaphrus und Notiophilus,
Von Truncatipennen zeichnet sich eine eigenthümliche ‚neue Gatt,
Scopodes aus, welche der Gruppe der Pericaliden angehört, und
dieselbe in Neuholland mit einer ebenfalls neuen Art repräsen-
tirt. Die übrigen gehören bekannten und weiter verbreiteten
Gattungen an. So wird Plochionws, sonst in America und
Ostindien einheimisch, mit einer neuen Art vermehrt, Ca@Z22-
eida, überall verbreitet, nur der europäischen‘ Fauna fremd,
verliert in Neuholland die glänzenden Farben, . zeigt die Fär-
bung. unsrer Dromien, und die von Vandiemensland einge-
sandte neue Art gleicht hierin sehr unserem Dromius 4-ma*
eulatus... Lebia und Cymindis sind fast über die ‚ganze
Erde: verbreitet. Aus der ersten. Gatt. sind Z. corticalis.*)
und ZL. posticalis ”), aus der zweiten ‚sind (©. australis‘?),
welche nach Boisduval sich auch bei Port Jackson findet, und
zwei neue Arten gesammelt, die letzteren beiden eine eigen-
thümliche, dureh kleine, kurz gedrungene und zugleich flache
Gestalt ausgezeichnete Form bildend, welche ‘auch auf dem
festen Lande von Neuholland wieder vorkommt.
Die Gruppe der Heteromorphrden *) ist, durch das Vor-
kommen analog den Beutelthieren, Neuholland mit America
gemeinsam, in letzterem an Gattungen reicher, nicht minder
als durch ihre eigenthümliche Structur, welche in manchen
Beziehungen namentlich an Phalaerus erinnert, merkwürdig.
Unter den drei verschiedenen Gattungen, welche wir zur Zeit
2) Carabus corticalis Fabr: Syst. El. 1. 201. 174. — Lebia cor-
ticalis -Dej. Spee. gen. des Coleopt. V. 390. 60. Boisd, Faun. de
l’Ocean. 18.1.
2) Lebia posticalis Guerin. Voy,d. 1. Coquille Zool. II. 2. p. 58.
Atl. Ins. pl. 1. f. 8. Boisd. Faun. de l’Ocean. 19. 2.
3) Oymindis australis Dejean Spec. gen. des Coleopt. II. 449. 25.
*) Hope,'Coleopterist’s Manuel II. p. 108.
4
.
, 9
aus Neuholland besitzen, hat Vandiemensland uns nur eine,
Adelotopus Hope "), und zwar eine neue ausgezeichnete
Art derselben geliefert. j
Aus der Gattung Searites ist bisher nur eine Art, Se.
rotundipennis Dej.?), zugleich die einzige neuholländische
Art, vorgekonmnen. Es ist zugleich das einzige Insect aus
der ganzen Gruppe der Scaritinen. Die Neuholland eigen-
thümliche Gattung Carenum ®), eine der ausschliesslich nord-
americanischen Gattung Pasimachus durchaus analoge Form,
könnte indess auch leicht auf Vandiemensland vorkommen,
und dass die sonst überall verbreiteten Gatt. Dyschirius und
vorzüglich Clivina fehlen sollten, ist kaum zu vermuthen.
Die Gruppe der Harpalinen tritt in Neuholland mit einer
eigenthümlichen Gatt. Promecoderus auf, von welcher Van-
_ diemensland eine Reihe von Arten besitzt *). Eine Art-ist
indess nur von Hrn. Schayer mitgetheilt worden, welche genau
mit Pr. brumnicornis Dej. °), etwas geringere Grösse abge-
rechnet, übereinstimmt. Auch eigentliche Yarpalus sind der
Vandiemensinsel nicht fremd; es sind in den bisherigen Sen-
dungen H. australasiae Dej. °) und drei neue Arten einge-
‚gangen. 4
In der Gruppe der Pferostichinen” gehören von 7 Arten
'6 der Gatt. Pterostichus ”) (Feronia Dej.), und in dieser
nach Dejean’s Eintheilung nur den Abth. Poeeilus und Argutor
an. Zu der ersten gehören ?. chalybeus ®), sphodroides ?) und
*) Transact. of the Entomol. Soc. of Lond. I. p.11.
2) Spee. gen. d. Col. 1. 401. 35. — Boisd. Faun. de l’Ocean.'p.
21. — Dejean giebt fragweise das Capland als Vaterland dieser Art
an, Boisduval a. a. O. weist aber Neuholland als dasselbe nach,
?) Ich vermuthe, däss Arnidius Leach. mit Carenum synonym
ist, obschon Boisduval (Faun. d. l’Ocean. p. 23-24.) beide trennt,
- *) Gu£rin (Rev. Zool. 1841. p. 188.) führt drei neue Arten,
Pr. gibbosus, degener., subdepressus, aus Vandiemensland auf.
#) Spec. gen. d. Col. IV. 28.1. — Boisduval Faun. d. l’Ocean.
p- 39. giebt Port Jackson, Brulle Hist. nat. des Ins. IV.-p. 448. die
Känguruh-Insel als Fundort an.
#) Spec, gen. d. Col. IV. 386. 158. Boisd. Faun. d. l’Ocean. 44.7.
?) Vergl. meine Käfer der M. Brandenb. ], S. 67.
®) Feronia (Poeeilus) chalybea Dej. Spec. gen, d. Col. 111.234. 26.
?) Feronia (Poecilus) sphodroides Dej. ebendas. 236. 27.
96
zwei neue; zu der zweiten ?. australis‘) und eine neue Art.
In der siebenten war ich erfreut, den mir aus der Kieler
Sammlung bekannten Carabus curtus Fab. wiederzusehen, lange
ist mir aber seine systematische Stellung zweifelhaft geblieben.
Habitus, Färbung und Fussbildung scheinen ihm seinen Platz
unter den Truncatipennen anzuweisen, indess wollte er sich
hier keiner der bekannten Gattungen anschliessen. Die Un-
tersuchung der Mundtheile gab mir endlich über seine 'syste-
matischen. Beziehungen Aufschluss. Als neue Gattung Am-
blytelus ist unten von ihm noch weiter die Rede.
Die Anchomeninen - Gruppe zählt in den bisherigen Mit-
theilungen des Herrn Schayer 6 Mitglieder, 2 neue Arten von
Anchomenus, 4 von der sonst nur in Africa beobachteten
Gatt. Euleptus Kl.”), 2 andere Arten von Dyscolus Dej.
(Loxocrepis Esch.), welche in America und Ostindien zugleich '
verbreitet ist, und mit Unrecht von Dejean den Truncatipen-
nen zugerechnet wurde, wie die Prüfung der Mundtheile lehrt.
Die Verwandtschaft mit Anchomenus ist auch so eng, dass in
vielen Fällen nur die Form des vierten Fussgliedes über die
Stellung einer Art entscheidet. Die beiden unten beschriebe-
nen Arten haben den einen Lappen desselben merklich länger
als den andern, sind ‘also Loxocrepis. Ihnen schliesst sich
ein fügelloser Käfer an, der eine neue Gatt. Lestignathus
bildet, welche ganz die Form der schlankeren Anchomenen, auch
die einfachen Füsse derselben hat, aber in den stark bewafi-
netan Mandibeln in dieser Reihe der Carabieinen eine grosse
Anomaalie zeigt.
Aus der Familie der Dytiscen lieferte erst die letzte
Sendung eine einzige, aber sehr interessante Art; ‚sie gehört
der Gattung Zunectes an, ist demEE. griseus höchst nahe ver-
wandt, aber doch specifisch verschieden. So tritt also diese
Gattung, welche in einer einzigen Art (E. griseus) über den
ganzen wärmeren Theil der alten Welt verbreitet ist, während
!) Feronia (Argutor) australis Dej. ebendas. 262. 55.
2) Klug gründete die Gatt. auf eine Art von Madagascar, eine
zweite brachte Drege aus Südafrica zurück, eine dritte, durch breit-
gedrückte Fühler sehr ausgezeichnete, aus Guinea sah ich in Kopen-
hagen in der Königl. und in Westermanns Sammlung; eine, zweite |
neuholländische Art erhielt die hiesige Sammlung von Lhotzky.
97
zwei andere (E. helvolus und suceinetus Kl.) ein sehr..be-
schränktes Vorkommen haben, mit einer vierten,; eigenthümli-
chen in Neuholland auf.
Die meisten Staphylinen enthielt die erste Sendung,
und diese habe ich bereits in den Gen. et Spee. Staphyl. be-
schrieben. Seitdem ist nur eine neue Aleochara hinzuge-
kommen. Die übrigen Arten sind Conuras australis'), [u-
matus ”), Xantholinus cyanopterus °), chloropterus *), Sta-
phylinus lanio®), Pkilonthus ruficollis°), hybridus ’),, pa-
cificus®), Oxytelus collaris°). Man sieht, dass, alle überall
verbreiteten Gattungen angehören., Die Xantholinen nähern
sich mehr denen der. Tropen als denen der, nördlichen Halb-
kugel; Staphylinus lanio bildet, obschon unserm ‚St. maxillo-
sus unmittelbar sich anschliessend, mit dem neuholländischen
St. erythrocephalus und dem neuseeländischen St. oculatus
eine Australien eigenthümliche, in der Färbung und. durch
die fehlende Filzbekleidung des Körpers abweichende Gruppe
in der Familie (Creophilus Leach), welche die genannte ein-
heimische Art zum Typus hat.
Die Bupresten-Fauna von Neuholland bietet bekannt-
lich manches Eigenthümliche dar, namentlich im dem über-
wiegenden Vorkommen der mit Südamerica gemeinschaftlichen
Gatt.Stigmodera. Characteristisch für Neuholland sind die zahl-
reichen kleinen Arten derselben. Vandiemensland scheint indess
in dieser Beziehung nicht so reich zu sein als der Continent.
Es ist bisher nur eine, noch neue, den kleineren Arten zu-
zuzählende Stigmodera eingegangen. Ueberhaupt ist die Zahl
der Bupresten dort gering, und mit zwei ebenfalls neuen Arten,
welche der Gatt. Melobasis Gory (Abrobapta Dej.) angehö-
ren, ist der zur Zeit vorliegende Bestand erschöpft.
Die Zahl der Zlateren ist nicht ganz so, beschränkt
als die der Bupresten; die Formen sind wenig ansehnlich,
wenn auch zum Theil eigenthümlich. Unter denen mit Fühler-
!) Genera et Species Staphylinorum 221.3.
2) Ebendas. 228. 15. 3) Ebendas. 311: 9.
#) Ebendas. 311. 10. ») Ebendas. 354. 9.
°) Ebendas. 431.5. — Staphyl. ruficollis Grav. Mon. Mior. 71. 58.
?) Gen. et Spec. Staphyl. 432. 6.
*) Ebendas. 501. 125. 9) Ebendas. 759. 7.
Archiv f, Naturgesch. VIl. Jahrg, 1, Bd
7
98
rinnen kommt die über''die ganze alte Welt verbreitete Gatt.
Lacon ‘) in zwei Arten vor, von denen die eine, Z. caligi-
nosus, schon mehrfach beschrieben ?), und 'nach G@uerin ‘auch
in Neusüdwallis (Port Jackson) sich findet, die andere 'neu ist.
Monocrepidius Esch., eine Gattung, welche Neuholland mit
America gemein hat °), hat eine Reihe von 6 Arten aufzuwei-
sen, welehe mit Ausnahme einer einzigen, des M dustrala-
side Dej.*), neu sind. Eine unten beschriebene neue Art der Gatt.
Melanoxanthus Esch. °®), deren Typus (El. melanocephalus F.)
über ganz Ostindien und Madagascar verbreitet ist, und von
der Dejean noch zwei Ostindische Arten auflührt, ist von
Vandiemensland eingesandt worden. Eine andere ausgezeich-
nete neue Art zeigt alle Charactere der Gattung Pristilophus
Latr. ®), welche auf Kosten von Ludius Esch. gebildet ist,
deren Umfang indess noch einer genaueren Bestimmung bedarf.
Endlich sind noch zwei neue Gattungen zu errichten , welche
beide Neuholland eigenthümlich sein möchten. Die eine, Cre-
pidomenus, hat die genauesten Beziehungen zu den Formen,
welche Eschscholtz unter Ludius zusammenfasste, weicht aber
auffallend durch die Bildung der Füsse ‘ab, deren 3. md 4.
Glied eine häutige Sohle, aber keinen freien Hautlappen 'ha-
ben. Sie enthält drei neue, durch Pärbung ausgezeichnete
Arten. ‘Die andere, Jtelopus, steht mit Agriotes,und Do-
lopius in naher Verwandtschaft, zeichnet sich aber durch 'ver-
kürztes und mit einem kleinen Hautläppehen besetztes 4. Fuss-
») Laporte Silb., Rey. Entomolog. IV. p. 11.— Gexm. Zeitschr.
f. d. Entomol, 11. S. %60.
2) Lacon caliginosus Germ. a,a,O. 261. 1. — Adelocera caligi-
nosa Guerin. Voy. d. l. Coquille Zool. II. 2. p. 68. Atl. pl. f.7. —
Boisd. Faun. d. ’Ocean. p. 98. — Elater ealiginosus Boisd. eben-
das. 105. 4.
3) Dejean führt in seinem Catalog eine Ostindische Art auf; mir
ist keine Art aus den alten Welttheilen bekannt, welche wirklich
noch in diese Gatt. gehörte. (
4) Elater australasiae Boisd. Faun. d. ’Ocean. 104,2. — Zur
Unterscheidung von dem andern verwandten Arten wird unten eine
nochmalige/Beschreibung nöthig sein.
°) Dejean Catal. des Col. 3e ed. p.108.
°) Annales d. 1. Soc. Entomol. d. France, Il. p- 151:
99
glied jaus. ‘Die vier neuen Arten: gehören‘ zu den‘ unansehn-
lichsten Elateren.
Die kleine, durch ein Onychium zwischen den Klauen
ausgezeichnete Familie der Rhipiceriden hat eine Art, RAi-
picera mystacina‘), in Vandiemensland einheimisch, Die
Abweichungen von den brasilischen Arten. derselben Gattung
hat Kirby (a. u. a. O.) bereits gewürdigt, und mit Recht als
ungenügend zur generischen Trennung beurtheilt.
In der Familie der Cyphoniden hat die typische Gat-
tung Cyphon eine weite Verbreitung *), und wir haben Ar-
ten aus den verschiedenen Theilen America’s, aus verschiede-
nen Puncten Africa’s und Ostindiens vor uns. Interessant ist
es, dieselbe auch in der australischen Fauna, und zwar in
einer unserem Eyphon lividus verwandten neuen‘ Art wieder-
zufinden.
Aus der Familie der Lampyriden hat sich keine Art
gefunden.
Die Lyeiden haben dagegen mehrere meist neue Arten
geliefert, Eine derselben gehört der Gatt. Porrostoma La-
porte’s°), drei andere, unfer denen eine, ?. rufipennis,
schon von Fabricius unvollstandig beschrieben *), der: Gatt.
Metriorhynchus Guer. an,. welehe aber. nicht, wesentlich ver-
4) Boisduv. Faun. d. l’Ocean, p. 111. — Peilinus mystacinus
Fabr. Syst. El, 1. 328. 1. — Herbst. Käf, V. 45, 1. T. 46. f. 13. —
Polytomus mystacinus Dalm. Anal. 22. 3. — Ob und wie Rhipicera
femorata Kirby Transact. of the Linn. Soc. Xll. 458. 9. von dersel-
ben verschieden sei, weiss ich nicht.
2) Auch Seirtes ist sowohl in der alten, namentlich Ostindien,
als in der neuen Welt sehr verbreitet. Fabrieius hat einzelne Arten
unter seinen springenden Chrysomelen.
®) Silbermann Revue Entomolog. IV. p. 26.
®) Lyeus rufipennis Fab. Syst. Eleuth. 1. 114. 20.— Gewöhnlich gilt
eine andere grössere Art mit langem Rüssel dafür, auf welche La-
porte seine Gatt. Porrostoma gründete, und welche auch die hiesige
Sammlung unter jener Benennung von Latreille erhielt. Die gemeinte
Art besitzt sie aber von Fabricius selbst, der sie von Labillardiere
erhielt. Da die Fabricische Beschreibung zu unvollständig ist, werde
ich unten eine genauere geben. Möglicher Weise könnte auch Zyeus
rhipidium oder septemcarus Mac Leay’s (King Narrat, 1I. 442. 36.)
hierher gehören, was sich indess nach der blossen Beschreibung, ‘die
auf mehrere neuholländische Arten passt, nicht entscheiden lässt.
7*
100
schieden ist '). Eine fünfte neue Art könnte zu Anarkyn-
chus Guer.?) gehören.
ı) Guerin Voy. d.l. Coquille, Zool. II. 2. p. 71. hat eine Ein-
theilung der Lycus angegeben, indess eine blosse synoptische Ta-
belle, nicht einmal mit Angabe der zu den neuen Gattungen gehören-
den Arten. (Eine ausführlichere Abhandlung, auf welche behufs der
weitern Erläuterung verwiesen wurde, ist nicht erschienen.) Über
mehrere Gattungen bin ich zwar zweifelhaft, indess scheint mir im
Ganzen die Eintheilung nicht glücklich gerathen zu sein. Nach grös-
serer oder geringerer Länge oder Fehlen des Rüssels sind 3 Abthei-
Jungen gemacht, der zweiten mit kürzerem Rüssel sind aber eine
Menge Formen zugerechnet, welche gar keinen haben, als Calopte-
ron Lap. (Charactus Dej.). Grössere oder geringere Länge des Rüs-
sels ist kein Gattungs-Unterschied: alle drei Gattungen, welche einen
Rüssel haben, haben eine Abtheilung mit längerem und eine mit
kürzerem Rüssel. Lyeus hat einen sehr ausgezeichneten Character
in den fast wie bei den Schmetterlingen verkümmerten Mandibeln,
und enthält theils Arten mit bei den Männchen erweiterten Flügel-
decken, theils solche, wo sie bei beiden Geschlechtern schmal sind,
als L. ferrugineus F.; die Abtheilung mit kürzerem Rüssel enthält
den Lygistopterus cardinalis Dej., mehrere andere mexicanische und
eine nordamericanische Art. Die Mandibeln sind hier eben so wie
bei der langrüssligen Abtheilung. Eine zweite Gatt. ist Lygzistopte-
rus Dej., (Dietyoptera Guer, — es scheint mir aber dem Sinne La-
treille’s angemessener, diesen Namen nach Dejeans Vorgange für
Lycus aurora u. s. w. zu gebrauchen), wo L. suceinetus Latr. die
langrüsslige, L. sanguwineus mit einer grössern Reihe von Arten aus
sehr verschiedenen Weltgegenden die kurzrüsslige Form repräsentirt.
Porrostoma weicht nun von diesen beiden Gattungen darin ab, dass
dieFühler nicht an der Basis des Rüssels sondern auf der Stirn selbst
eingelenkt sind. Die langrüsslige Form, welche dem Begriff von
Porrostoma Lap.Guer. entspricht, beschränkt sich auf3 einander höchst
ähnliche neuholländische Arten; die kurzrüsslige Form ist auch über den
indischen Archipel verbreitet. Guerin hat sie als Gatt. Meiriorhyn-
chus benannt, indess ist dieser Name nicht mehr frei, und sie bilden
in einer natürlichen Eintheilung nur eine Familie von Porrostoma.
2) Anarhynchus hat nach Guerin’s Bestimmung keinen Rüs-
sel, das 2, Fühlerglied nicht länger als breit, das 3. wenigstens dop-
pelt so lang als das 2.; durch den letzteren Umstand unterscheidet
er sich von Homalisus, wo das 3. Fühlerglied kaum länger als’ das
2. ist: Da ich nicht weiss, wo Guerin mit Dietyopterus Dej. geblie-
ben ist, — von denen, beiläufig bemerkt, nach den obigen Bestim-
mungen D, minutus ein Anarhynchus, D. affinis ein Homalisus sein
würde, — bin ich auch nicht sicher, ob ich es getroffen habe, wenn |
ich die Vandiemensländische Art als‘ einen Anarhynchus annehme.
|
101
Aus der Familie der Telephoriden haben sich zwei
Arten gefunden: eine neue, eine ächte Cantkaris !) und
eine schon mehrfach beschriebene ?), welche der sonst 'aus-
schliesslich americanischen Gatt. Chauliognathus Hentz °)
als C. Zugubris angehört.
Die Familie der Melyriden hat nur einen kleinen Kä-
fer aus der Malachien-Gruppe aufzuweisen. Er ist eine neue
Art meiner Gattung Attalus *), die bisher auf Südeuropa
beschränkt zu sein schien.
Aus der Familie der Olerier hat Hr. Newman kürzlich
einige Arten von Vandiemensland bekannt gemacht °), welche
zum Theil eigenthümliche Formen bilden mögen, auch eine
derselben, welche als Hydnocera (nitens) bezeichnet ist, un-
terscheidet sich von den eigentlichen americanischen Arten,
bei aller Übereinstimmung im Habitus, wesentlich durch die
Fühlerbildung. Diese ist von Hrn, Westwood mitgetheilt wor-
Sie hat in ihren Characteren mit Homalisus die meiste Übereinstim-
mung, einen ziemlich freien Kopf, längere Füsse, hinten nicht zwei-
lappiges Schildchen, und weicht hauptsächlich darin ab, dass das
letztere hinten nicht zugespitzt, sondern abgerundet, und dass das
3. Fühlerglied reichlich von der Länge des 4. ist.
') Mir scheint es richtiger, dieser Gattung den Linne’schen Na-
men zu erhalten, da Linne einmal die erste Autorität in der Nomen-
elatur bleibt. Die Familie möchte ich dagegen nicht Canthariden
nennen.
2) Cantharis lugubris Fabr. Syst. El. 1. 297.17. — Tele-
phorus pulchellus Mac Leay, King Narrat. 11. 442. 38. — Guer.
Voy. d. 1. Coquille. Zool. 11. 2. p. 77. — Callianthia pulchella Bois-
'duval Faune de l’Oceanie p. 151. — Fabrieius hatte seine (©. lu-
gubris von La Billiardiere angeblich aus Amboina, es ist dies aber
nieht der einzige Fall, wo bei den von diesem Reisenden gesammel-
“ten Insecten in den Vaterlandsangaben eine Verwechselung stattge-
funden hat.
®) Transact. Amer. Philosoph. Soc. N. Ser. I. Sie ist identisch
mit Callianthia Dej. Wie weit die ausgezeichnete Streckbarkeit der
Maxillarlade allen den zahlreichen Arten zukomme, weiss ich nicht.
Die Gattung unterscheidet sich auch ausserdem von Cantharis in der
Gestalt der Taster, der Füsse und im männlichen Geschlecht durch
eine grosse einfache, den After von unten ganz bedeckende Schuppe.
*) Entomographien, 1. 8.89.
°) The Entomologist, 1841. p. 35. (Olerus? (P’ylus) fatuus, Eleale
aspera, Hydnocera nitens und HU. Malthinus.)
4102
den, ‚die andern sind: mir. unbekannt, Die. in unseren Sen-
dungen enthaltenen Arten sind davon: verschieden... Eine der-
selben ‚. Glerws intricatus Kl, gehört einer ‚aberranten' Abthei-
(lung: dieser ' Gattung an, welche «durch kaum: merklich ge-
zähnte Klauen und meist auch durch eine grosse Annäherung
im Habitüs anıOpilus von der typischen -;Form'abweicht; eine
zweite, -Opilus patrieius.*), ‚bildet mit zwei ‚Arten von ‚Mada-
gaseav, iin dieser Gättung eine eigene kleine Gruppe‘, welche
vom Typus durch breitere Endgliederder Fühler sich. entfernt ;
Jeine: dritte, : Nofoxus porcatus ‚Fab. ?), gehört derselben Gat- !
tung, an, bildet aber: bei aller Übereinstimmung. im Habitus
aınd der Fussbildung darin eine sehr bemerkenswerthe Abwei-
hung, dass das Endglied der Maxillartaster nicht mehr beil-
3örmig: ist.
Die Ptiniores weisen in unseren Sendungen einen hübsch
gezeichneten neuen Ptinus auf; auch von Lymexylon fin- |
«det sich eine neue Art. Die Gruppe der Apaten, welche sich
natürlicher Weise den Anobien anschliesst: und von Stephens:?)
im’eine Reihe von’ gut aufgefassten, aber sehr mangelhaft cha-
racterisirten Gattungen aufgelöst ist, enthielt eine neue Art
der Gattung, welcher der Name Apate verblieben ist, Die-
ser Gruppe schliesst, sich,noch die Gattung Lyetus (L. cana-
liculatus,; pubescens) an, welehe. lediglich darin abweicht,
dass statt des drei- ein zweigliedriger Fühlerknopf vorhanden
ist, und welche auch, nicht wie die Inseeten, in deren Mitte
sie bisher stand, ‚nur unter Rinden und in Gängen anderer
Inseeten, sondern wie, die ganze Familie der Ptiniores, mit
Einschluss der Apate.*); vom Holze selbst sich nährt. Mit
!) Diese und die'vorher genannte Art wird von Herrn Geh. Ob.
Med.-Rath Klug in den Schriften der biesigen Academie nächstens
beschrieben werden.
2) Fabr. Syst Eleuth. I. 287.4. — Not. eribripennis Boisduv.
Faun. de l’Ocean. 440. 3. könnte leicht dasselbe Insect sein, voraus-
gesetzt, dass die, Vaterlandsangabe Neu-Guinea ungenau ist.
3) Stephens Illustr. of British Entomol. Vol. 11, p. 349.
%) Ich habe in diesem Archiv 2. Jahrg: I. S. 46, auf, die Ver-
wandtschaft der Apate mit den Anobien aufmerksam gemacht, ‚und
Westwood (Introduct. to the Mod. elassifie.of Inf. 1..p. 277.) hat
sich. dieser Meinung angeschlossen; nur müssen Phloeotzibus u. Cis aus
dieser Gruppe entfernt werden. Am natürlichsten würde, man indess
103
Lyctus, äusserst nahe. ‚verwandt ‚und vielleicht ‚kaum mit
hinreichendem Grunde ‚unterschieden ‚ist „die. Gattung ‚XylZo-
trogus Steph. !), deren eine Art, X, Drunneus ‚Steph. ?),,aus
Vandiemensland: mit eingesandt wurde. Dies Insect-findet man
in Droguerien und: verschiedenen Waaren, durch den, Verkehr
weit verbreitet, und es ist kaum, eine, Frage: dass es ‚auf
gleiche Weise nach Vandiemensland übergeführt worden, ist;
Die Familie, der Silphen ist in. Vandiemensland ‚durch
die stattliche S @/p Aa. laerymosa,Schreibers °) repräsentirt.
Die Nitidularien sind in systematischer Beziehung zur
Zeit noch so unvollständig auseinandergesetzt, als irgend eine
Coleopteren-Abtheilung. _Stephens Gattung Carpophilus bildet
die Hauptform einer kleinen Gruppe, welche sich durch ver-
kürzte Flügeldecken u. s. w. auszeichnet. Zwei aus Vandie-
mensland eingesandte neue Arten gehören einer neuen Gat-
tung dieser Gruppe, Drachypeplus, an, deren Charactere
unten angegeben werden sollen. In ähnlichem Verhältniss
wie die Apate zu den Anobien, stehen zu den Nitidularien,
die Trogositen.. , Die Mundtheile, sind sehr ‚übereinstimmend,
die Fussbildung macht den Hauptunterschied aus. ' Bei’ Trogo-
sita nämlich‘ ist das erste Glied ausserordentlich verkürzt,
wodurch die Füsse anscheinend 4-gliedrig werden. Eine ei-
gentliche Trogosita *) nach dem Typus der T. mauritanica
(earaboides) haben unsere Sendungen nicht ‚enthalten,, dage-
gen ‚eine ‚ausgezeichnete neue, an Gymnochila sich" anschlies-
sende Art und den Typus einer neuen Gattung Zgoli«, welche
in der Fühlerbildung verschieden ist und sich auf eine bemerkens-
werthe Weise ähnlich zu Trogosita, wie Lyctus zu Apate verhält.
die Ptinen, Lymexylen und Apaten in eine Familie zusammenfassen,
in welcher die genannten Formen eben so viele Gruppen repräsen-
tiren.
’) A. a. O. S. 116.
2) A. a. O0. 117. 4: pl. 48. 6.4.
?) Transaet, of.the Lion. Soe, Vl. p. 194. 20 f. 5.
*) Boisduval (Faune de l’Ocean, 463. 2.) beschreibt eine mir
unbekannte Tr. australis.von Vandiemensland,
*) @ymnochila Kl. (Tr. squamosa Griff. An. Kingd. XV. pl.60.
1. 3,) unterscheidet sieh von Trogosita‘ durch die an: der Oberseite
des Kopfes auf dem Scheitel gelegenen Augen und die lange Lefze;
Peltis squamulosa Gebl. (Ledebour Reise 11; Apps 111.97. 3.) stimmt
104
"Auffallend ist es hinsichts der Familie der Histerem,
dass‘ bisher nur Saprinus-Arten aus Neuholland bekannt
geworden sind. WVandiemensland hat derem zwei, Saprinus
Zaetus Er. ') und eine neue kleinere Art. Sollte die Gattung
Hister im engern Sinne, die doch in den übrigen Welttheiler
überall in zahlreichen Arten verbreitet ist, in Neuholland ganz
fehlen?
Die Familie der Dermesten zeigt sich in ganz europäi-
scher Form mit zwei neuen Arten, einer von Megatoma?”)y
und einer von Trogoderma?°).
In der Familie der Byrrhen entspricht in Neuholland
denen der nördlichen Hemisphäre angehörenden Formen die
Gatt. Mierockaetes Hope *), welche unsere Sendungen mit
anit ihr in der Form der Lefze überein, weicht aber darin ab, dass
die Augen die gewöhnliche Lage haben; die unten zu beschreibende
T. decorata hat auch nicht mehr die langgestreckte Form der Lefze
anit beiden gemein, sonst würden im Habitus und der Schuppenbe-
%leidung des Körpers alle drei vortrefflich zusammenstimmen. Auch
Trog. varia F. würde hierher gehören.
1.) In. Klug Jahrb. der Insectenkunde 1. 479. 15. (Hist, eyaneus
Payk. Mon. Hist. 56. 40, t. 5. f. 2.)
2) Es herrscht noch einige Verwirrung in der Bestimmung der
Gatt. Attagenus und Megatoma, welche am Besten dadurch gehoben
wird, dass man den Namen Megatoma ganz abschafft. Dann bleibt
für D. pellio der Name Attagenus, für D. serra Tiresias, und für die
dritte, Gatt., welche man in England jetzt unter Megatoma. versteht,
wäre ein neuer Name aufzustellen. Da mir hier nicht der Ort dazu zu sein
scheint, bleibe ich vorläufig bei der Bestimmung der Engländer. Mega-
toma unterscheidet sich von Attagenus dadurch sehr leicht, dass das
Prosternum mit seinem vorderen Rande den Mund aufnimmt. Weder
Stephens noch Heer, der die Gattungsbestimmungen der Eneländer
angenommen, haben sie richtig characterisirt; daher kommt es, dass
sie sie auf M. undatum beschränken, es gehören aber noch u. a. D.
emarginatus Payk, und D. nigripes F. hierhin.
®) Der Character von Trogoderma liegt nicht sowohl in der Glie-
derzahl der Fühlerkeule, als in den Fühlergruben aufder Unterseite des
Halsschildes, welche bei Megatoma fehlen. Die Fühlerbildung zeigt
sich bei einer grösseren Anzahl von Arten unbeständig; die von Van-
diemensland hat sogar eine nur dreigliedrige Keule.
%) Transact. of the Entomol. Soc. of Lond. 1. p. 12. Die hier
beschriebene Art ist vom Schwanenfluss und von unserer deutlich
verschieden, In diese’ Gattung gehört auch ohne Zweifel Byrri. uu-
105
einer neuen Art bereitherten. Über alle Zonen verbreitet ist
die Gattung Zimnichus. Eine neue Art aus Vandiemens-
Jand ist unserem europäischen L. versicolor Waltl (riparius
Dej.) ungemein ähnlich.
Aus der Familie der Hydrophilen enthalten vermuth-
lich die Gewässer von Vandiemensland einen ähnlichen An-
theil, als überall, da sich diese Familie ziemlich gleichmässig
in den verschiedenen Zonen verbreitet zeigt; die süssen Ge-
wässer Neuhollands sind aber überhaupt noch nicht auf ihre
Bewohner untersucht worden. Es beschränkt sich das Bekannt-
gewordene auf ein einziges, u. zu beschreibendes Cercyon,
eine Gattung, welche sich überall vorfindet.
Unter den Lamellicornen dürfen in einem Welttheile,
dem grössere Säugthiere fehlen, auch die grossen Formen der
Coprophagen nicht erwartet werden, und wenn America auf der
einen, Africa und Ostindien auf der andern Seite an Zahl und
Grösse derselben und in eigenthümlichen Gattungen wetteifern,
kommt in Neuholland überhaupt wenig Eigenthümliches der-
selben vor, und in Vandiemensland beschränken sie sich auf
die allgemein verbreiteten artenreichen Gattungen Onthopha-
gus und Aphodius; indess sind die Arten, sechs der ersten,
eine der zweiten, sämmtlich neu und zum Theil ausgezeich-
net; namentlich ist ein Onthophagus (pronus) mit unbewaflne-
tem Kopfe, aber mit langem, spiessförmig vorwärts gerichte-
tem, den Kopf überragendem Halsschildshorne der Männchen
sehr merkwürdig. Noch bei einer andern Art ist bei den
Männchen der Kopf unbewafinet, dafür sind diese durch ver-
längerte Vorderbeine entächädigt:
Aus der Gruppe der Trogiden habe ich zuerst eines eben
so merkwürdigen als seltenen Käfers zu erwähnen; es ist der
Scarabaeus proboscideus Schreib. '), aus welchem Mac Leay
die Gattung Zlephastomus errichtete ?). Ohne Zweifel kom-
men in der Länge des Kopfhorns und des rüsselförmigen Fort-
satzes des Kopfschildes der Männchen eben solche Modifica-
siralis Dej., welcher indess von Boisduyal (Faun. de l’Ocean. p. 149.)
zu unvollkommen beschrieben ist, um als dritte Art anerkannt zu
werden.
’) Transact, of the Linn, Soc. VI. p. 189.
*) Horae entom. 1. p. 121.— Grifüth Animal Kingd. XIV. pl.40. f.A.
106
tionen vor, wie bei den Hörnern und. sonstigen Fortsätzen
der übrigen gehörnten Lamellicornen-Männchen, je nach
der, vermuthlieh durch die Ernährung der Larve bedingten
Grösse und Ausbildung des Individuums,:- und so würde das
von, Mac, Leay !) angegebene Weibehen mit, stumpferem Kopf-
horn, kürzerem Rüssel und durch ‚eine Hervorragung an-
gedeutetem verticalem unterem Fortsatz unbedenklieh nur, für
ein, weniger ausgeprägtes Männchen ‘zu halten sein. , Das
wirkliche Weibchen ist ein ächter Zolbocerws, nämlich 2. ’
Australasiae Kirby ?), es stimmt bis_auf die Geschlechtsdiffe-
renzen durchaus mit dem; Elephastomus proboseideus überein,
und ist eben so wie dieser in unseren Sendungen enthalten
gewesen. Daraus folgt, dass, Zlephastomus nicht als eigene
Gattung, sondern als eine abweichende Form von Bolboce-
rs betrachtet werden müsse, wo die abweichende Bildung
der Mundtheile, namentlich die Verlängerung der Taster, durch
die abweichende Stellung des Mundes und diese: wieder durch
die eigenthümliche Bewafinung des Kopfes bedingt wird.
Die, wenn auch nicht in zahlreichen ‚Arten, doch überall
verbreitete Gattung. Tro.x findet sich in Vandiemensland durch
den Zrox Australasiae Latr. repräsentirt.
Aus der Abtheilung der Dynastiden finden sich zwei Arten,
welche beide Neuholland eigenthümlichen Formen angehören.
Eine derselben ist eine. neue, Art der Gattung. Ckeiroplatys
Kirby 3), die zweite bildet eine eigene Gattung Pimelopus.
Aus der Gattung Oryptodws Mac Leay *), deren, Stel-
lung im. System viele Schwierigkeiten macht °), ‚ist aus Van-
diemensland eine neue Art zugebracht worden.
Die vorliegenden ‚Melolonthen: von Vandiemensland gehö-
ren alle der Fauna von Neuholland eigenthümlichen Gattun-
») A,'a.'O. S.122.
2) Transact. of the Linn. Soc. XU. 462. 11. T. 23. f. 5.
3) Hope Coleopterist’s Manuel 1. p. 34. Ausser dem als Typus
angegebenen Geotr. iruncatus F. gehören von beschriebenen Arten in
diese Gatt.: Scar. latipes Guer. Voy. d. 1. Coquille, Zool. 11.2. p. 80.
Atl. Ins. pl. 3. f. 1., Boisd. Faun.d. ’Ocean. 163. 3. und wahrschein-
lich auch ‚Se. porcellus Boisduval a. a. O. 164. 5.
*) Horae Entomologicae I. p. 138.
>) Vergl. dieses Archiv 6. Jahrg: 2. Bd. S. 249.
107
gen an. Anoplogmatihus ‚scheint seinen Hauptsitz auf, dem
Continent zu haben, und nur ‚eine. einzige Art, 4. suturalis
Boisduv.'), ist uns aus Vandiemensland zugekommen. Zwi-
schen Melolontha und Serica treten vier neue Gattungen,
welche mit der deutlich vorhandenen Lefze mit den erstern,
in den meisten übrigen Eigenthümlichkeiten, ‚namentlich auch
in. der Forın der Maxillen, welche zwar. eine Kaufläche, aber
eine abgekürzte und unbewehrte Spitze haben, mit den letz-
«teren übereinkommen.. »Silopa, nieht weniger als 8 neue Ar-
ten, deren Zahl sich mit der Zeit vielleicht noch bedeutend
vermehren wird, enthaltend, ist in dem vortretenden oberen
Rande derLefze leicht kenntlich. Nepytis, auf eine einzige
Art gegründet, zeichnet‘ sich. durch Verringerung der ' Zahl
der Fühlerglieder auf sieben aus, wovon mir in-der ganzen
Abtheilung der Melolonthen kein weiteres Beispiel bekannt
ist, Scitala hat 8 Fühlerglieder, ein auch nur selten vor-
kommender Fall. Telura, mit der. gewöhnlichen Zahl: von
9, zeichnet sich durch ungewöhnliche Länge» des dritten Füh-
lergliedes aus.
Von bereits bekannten Gattungen hat Diphucephala
zwei Arten, D. splendens Mac Leay ?) und D. pulchella
Kirby °), Liparetrus *) eine neue, dem L. sylvicola (Me-
lol. sylvicola F.) verwandte Art, Piyllotocus °), den PA.
Mae Leayi Eisch. %) und eine verwandte neue. Art geliefert.
Die Melitophilen müssen im Vergleich mit dem Festlande
auf Vandiemensland sparsam vorkommen; unsere Sendungen
haben keine einzige Art enthalten.
Die Lucaniden zeigen manches Ausgezeichnete. Lam-
+»). Faun. de l’Ocean. 178: 14.
?) Cpt. King’s Narrat. of a Survey of the intertrop. et west. coasts
of Austr. II: 440, 45. — Waterhouse, Transact. of.the Ent. Soc, of
Lond. 1. 220. 6,
?), Waterlouse a. a. O. 221.7.
%) Guerin, Voyage de la Coquille, Zool. 11..2..p.90.
?) Fischer Mem, de la Soc, Imp. des Nat, de Moscou VI. p.255.
Es ist die Gattung Macrothops Mac Leay hiermit identisch, und. dieser
Name, dem Fischer’schen, als dem früher begründeten unterzuordnen.
%) Ebendaselbst t. 25. f, 22.— Macrothops praeustus Dej. Boisd.
Faun, de l’Ocean. 210. 4
108
prima tritt mit zwei’ Arten in Vandiemensland auf, 2. ful-
gida Boisd. und einer neuen !), Dorcus mit D. cancroi-
‘) Herr Reiche hat kürzlich (Guer. Revue Zool. 1841. S. 50.)
alle bisher, namentlich die von Mac Leay unterschiedenen Arten von
Lamprima für blosse Abänderungen einer und derselben Art er-
klärt, deren gemeinsamer specieller Character die dreieckige Gestalt
des einen Enddorns der Vorderschienen beim Männchen sei. In wie
weit dies Urtheil hinsichtlich der Mac Leayschen Arten richtig sei,
will ich nicht entscheiden, da ich diese nicht sieher genug kenne;
im Allgemeinen kann ich es nach einer sorgfältigen Vergleichung
hinreichender Reihen von Exemplaren in der hiesigen Sammlung nicht
bestätigen, sondern finde, dass sich mehrere Arten unterscheiden lassen,
welche alle noch wieder von der von Schreibers so sorgfältig dar-
gestellten L. aenea (Lethr. aen. F.) verschieden sind. Sie unterschei-
den sich in den Körperproportionen, der Färbung — welche durch-
aus nicht so unbeständig ist, als sie von den Franzosen beurtheilt wird,
die sich auf Lessons Autorität stützen (s. Boisduy. Faun. de l’Ocean.
p- 231.) —, der Sculptur, namentlich der Punctirung der Flügeldecken
beim Weibchen, und der Richtung der Vorragung des Mesosternum,
etwa in folgender Weise:
* Der.eine Enddorn der Vorderschienen beim Männchen
beilförmig.
4) L. Latreillei: Sterni mucrone acute prominente, viridis, nitida,
capite rufo-aureo.
Mas thorace sparsim subtiliter punctato.
Fem. thorace fortiter erebreque punctato, elytris fortius erebrius-
que punctulatis.
Mac Leay Hor. Ent. 1. 101. 2. — Lamp. aenea Boisd. Faun. de
l’Ocean. 228. 1. — Lucan. aeneus Donov. Ins. of New Holl.
fig. infer.
Die Mandibeln des Männchens länger als bei 3. und 4., die Schneide
der Spitze, wenigstens bei grossen Exemplaren, ausgerandet, die
Flügeldecken im Verhältniss zum Halsschilde kürzer als bei den an-
dern Arten. — Donovan hat diese Art unverkennbar abgebildet, u.
auf dessen Citat gründet sich das von Mac Leay.
2) L. splendens n. sp.: Sterni mucrone acute prominente, viridis,
capite, thorace elytrisque supra purpureo -aureis.
Fem. nitidissima, thorace crebre fortiterque punctato, elytris parce
subtiliterque punctulatis.
Dem Weibchen der vorigen ähnlich, aber ausser der Farbe, welche
auf dem Rücken des Halsschildes rotbgolden, auf den Flügeldecken
tief kupfergold ist, durch etwas längere und fein und einzeln, dem
unbewaffneten Auge kaum bemerkbar punctirte Flügeldecken unter-
schieden. — Männchen unbekannt,
109
3) L. fulgida: Sterni muerone recte truncato, viridi-cuprea, tho-
race obsolete canaliculato.
Mas viridi-auratus, subnitidus, thorace crebrius subtiliusque pun-
etulato. :
Fem. viridi-cuprea, nitida, tibiis tarsisque chalybeis, thorace
ereberrime fortiter punctato, elytris fortius erebriusque pun-
etulatis.
Boisd. Faun. de l’Ocean. 231.2. — Lucanus aeneus var. Don. Ins.
of New Holl. (fig. super.) — Lucan. aeneus var. Schreib. Trans-
act. Linn. Soc. VI. p. 187. t. 19. £. 9—11. — L. aurata Mac
Leay Hor. Ent. I. 100. 1.
Die Schneide der Spitze der Mandibeln auch bei den grössten Exem-
plaren nicht ausgerandet; die Flügeldecken im Verhältniss zum Hals-
schilde ein wenig länger als bei L. Latreille.— Mac Leay scheint
unter aurata und Latreillei beide Arten verwechselt zu haben, Do-
novans Figur ist aber trelfend.
4) L.rutilans: Prosterni mucrone prominente, obtusiusculo, rubro-
cuprea, thorace obsolete canaliculato.
Mas Subopacus, thorace erebrius subtiliusque punctato.
Fem. nitida, thorace cereberrime fortiterque punctato, elytris par-
cius subtiliusque punctulatis.
Die Mandibeln wie bei der vorigen, das Männchen hauptsächlich
durch die Farbe, das Weibchen durch die kaum bemerkbar punctir-
ten Flügeldecken unterschieden. Die Flügeldecken im Verhältniss
zum Halsschilde noch ein wenig länger.
L. aenea Mac Leay Hor, Ent. I. 101.3. Lucan. aeneus Schr.
Transact. Linn. Soc. VI. 185. 7. t. 20. f. 1. Lethr. aeneus Fah.
Syst. EL I. 2. 2., von der Norfolk-Insel, scheint, die Gestalt des
Schiendorns abgerechnet, am meisten mit der folgenden überein-
zustimmen; auch in der Structur der Mandibeln (vergl. Schreib.
a. a. 0. t. 19.f.1— 3.) ist sie ihr am ähnlichsten, aber doch
verschieden.
*%* Der eine Enddorn der Vorderschienen beim Männchen
messerförmig.
5) L. viridis n. sp.: Prosterni muerone recte truncato, viridis,
nitidula.
Mas Thorace vage subtiliter punctato.
Auch die hinterenSchienen haben eine andere Gestalt als bei den an-
dern Lamprimen, sie sind etwas länger und dicker, dagegen überall
gleich diek, während bei den übrigen die Spitze etwas erweitert ist.
Eine zweite Art dieser Abtheilung würde
L. Micardi Reiche (a.a. O.) sein.
L. pygemaea Mae Leay a. a. ©. 101. 4. ist vielleicht eine achte
auf dem Continente unbekannte Art, vermuthlich der ersten Ab-
theilung.
110
des ‘) und D. obtusatus ?); ferner sind‘ Ceratognathus
aiger Westwood °?) und Syzdesws cornutus *) dieser 'In-
sel eigenthümliche Formen ; von Passahas ist nur eine Art
P. hexaphyllus Latr. °) vorgekommen.
Unter den Heteromeren tritt die ‚Familie der. Mela-
somen so sehr zurück, dass nur ein Insect. vorgekommen
ist, welches man denselben zurechnen könnte. Es ist die
Silpha Taevicollis Fabr., von welcher ausser bei Fabricius°)
und Olivier ”) nirgends die Rede ist, und für welche mir
denn eine eigene Gattung Saragws zu errichten zufällt. Mit
Opatrum nahe verwandt, aber durch verkümmerte Flügel und
einige andere Merkmale abweichend, ist eine ebenfalls unten
zu erläuternde Gattung, welche Dejean in litt. als Cestrinus
bezeichnete. Zwei Arten derselben sind auf Vandiemensland
vorgekommen, sie finden sich zugleich auf dem Festlande. Die
über die ganze Erde verbreiteten Gattungen Upis und "Tene-
brio finden sich auch ziemlich gleichmässig überall ver-
breitet, und sind die einzigen dieser Abtheilung, welche
Neuholland nicht eigenthümlich sind. Ups, ‚und zwar die
Form: mit querviereckigem. Halsschilde, welche Dejean unter
Iphthinus begreift, hat eine neue, T’ezebrio' zwei neue Arten
und den 7. australis Mac Leay °) geliefert. Von Heleus,
dessen Vorkommen auf Vandiemensland wohl erwartet werden
kann, ist noch keine Art vorgekommen, aus der, verwandten
weniger ausgezeichneten Gattung Cölibe Latr..?). dagegen
eine neue Art aufgefunden worden.
!) Lucanus cancroides Fab. Syst. El. 11. 239. 12. Oliv. Ent. I.
1.18. 1% t. 4. f. 11. Boisduv, Faun. de l’Ocean. 234. 1. — Dorcus
cancroides Westwood Entom. Magaz. V. p. 267.
2).W estwood Ent, Mag. V. p. 267.
3) Ebendas. p.260.
*) Mac Leay Hor. Ent. 1. p.104. Boisduv. Faun. de l’Ocean.
p- 240. — Sinodendron cornutum Fab. Syst. EL 1, 377.2. — Luca-
nus parvus Donov. Ins. of New Holl.
5) Boisduyv. Faun. de l’Ocean. 241, 1.
6) Syst. Ent. 73. 7. — Syst. Eleuth. I. 338. 8.
2) Ent. I. 11. 12. 9. 1.2. £. 15:
8) Boisduv. Faune de l’Ocean. 254. 1.
9) Dejean Catal. des Colcopt. 3e ed. p. 208.— Celibe. Boisd.
a. a. ©. S. 262. Hierhin gehört Kirby’s Heleus piceus, Transact.
111
" "Eine’für Neuholland eigenthümliche‘ Form ist bekanntlich
Adelium:' unsere Sendungen haben 4 Arten derselben ent-
halten, 3 waren neu, die vierte ist als 4. abbreviatum Latr. ') be-
kannt. Zunächst mit Adelium verwandt sind eine neue Gatt, Olö-
sthaena, mit einer neuen Art,und Pachyeoelia, deren einzige
rt P. suleieollis Dej.”) eins der häufigsten Insecten auf Vandie-
mensland zu sein scheint. — Eine sich von diesen entfernende,
mehr den Stenochiensich anschliessende neue Gatt. derHelopier ist
unter dem Namen Trtaena mit 2 neuen Arten u. aufgestellt.
An Boletophagus schliesst sich eine neue Gatt, Wlodes,
bis jetzt mit einer einzigen Art.
Die übrigen Heteromeren gehören mehr verbreiteten For-
men an, als Lagria grandis Schönh.?), zwei neue Arten
von Anthicus, eine von Mordella. Aus der Familie der
Blasenkäfer ist nur ein einziges Inseet vorgekommen, T’mesi-
dera rufipennis Westwood*), welches allerdings eine eigen-
fhümliehe Form darstellt, obgleich es als Gattung schwerlich von
"Zonitis genügend zu trennen sein möchte?). Von Oedemeriden
gehört eine, Oedemera punctum Mac Leay°), zur Dejean-
schen Gatt. Nacerdes ’), zwei andere zu Pseudolycus Guer.®),
of the Lin. Soc. XII. p. 468., woselbst auch schon der Gattungseha-
racter gegeben ist.
1) Boisduval a. a. O. 81. 11.
2) Boisduval Faun. de ’Ocean. p.246. Voy. de l’Astrolabe, Ins.
pl.7.£.5. — Westwood hat: in seinen Arcana: Entomologica n. IL
p- 44. 6.12. £4. unter dem Namen; Lepispilus suleicollis Hope, eine
neue viel genügendere Darstellung dieses Insects und eine Analyse
der Gattungscharactere gegeben, indessen vermisse ich unter den letz-
teren die Angabe eines sehr characteristischen Einschnitts in der Mitte
der Zunge.
| 3) Synonym. Ins.. 11]. App. 9. 9. — Lagria rufescens Latr. Boisd,
Faun. de l’Ocean. 286. 1.
4) Guer. Mag. d..Zool. 1841. 12e Livr. Ins. pl. 85. Die Fühler sind
beim Männchen fast von: der Länge des Körpers, das 3.—7. Glied
etwas erweitert. Eine ausgezeichnete Abänderung hat die Flügeldecken
bis auf den Wurzel- und Aussenrand schwarz.
,#) Die erwähnte Art hat die Taster an der Spitze abgestuzt, bei
einer andern sehr ähnlichen neuholländischen Art stimmen | sie mit
denen von Zonitis überein.
=) Capt. King Narrative of ’a Survey ete. U. 443. 48.
7)8ieist identisch mit Nacerdes palliataD ej, Cat.d.Col. 3e&d.p.250.
#) Ann. d. 1. Soe. Ent. d. Fr. Il, p. 155. — Gu6rin führt noch
-
112
und ‚zwar ist die ‚eine Ps. Aaemopterus Guer.'), die andere
Lyeus haemorrhoidalis Fabr.?). Endlich ein neuer Salpin-
gus schliesst sieh den europäischen Gattungsgenossen ziem-
lich nahe an.
Die Cureulionen sind in Neuholland meist eigenthüm-
liche, zum geringeren Theil aber auch weiter verbreitete For-
men. Dass die mit den Papilionaceen überall artenreich ver-
breitete Gattung Bruchus fehlen‘ sollte, ist, wenn auch über-
haupt aus Neuholland noch keine Art derselben bekannt ge-
worden ist, bei dem Range, welchen jene Pflanzenfamilie in der
Vegetation dieses Welttheils einnimmt, nicht wahrscheinlich.
Drei neue Anthriben gehören zu den kleinen Arten, zwei zu
der ‘überall verbreiteten Gatt. Tropideres, eine von ausge-
zeichneter Bildung nach den hauptsächlichsten Characteren zu
Anthribus. Ein kleiner neuer Rhyncehites schliesst sich '
europäischen Formen, mit an der Rüsselwurzel eingelenkten
Fühlern, von Schönherr als eigene Gattung Awletes betrachtet,
an... Daneben sind die auf Neuholland beschränkten Gattungen
Rhinotia in einer, Zurhynchus in zwei neuen Arten 'vor-
gekommen,
Die Rüsselkäfer mit kurzem Rüssel und gebrochenen F üble
welche uns von Vandiemensland zugekommen sind, gehören aus-
schliesslich Neuholländischen Formen an. Von Gonipterus
ist eine bereits bekannte Art, @. giöbberus Dej.°), von Ami-
sallus, eine zweite neue, von Prostomuws der Pr. scutella-
ris), von dterpus 2 neue, deren eine, 4. scoparius, mit dem
bekannten A. ceultratus in der nächsten Verwandtschaft steht,
nn u
3 andere Arten dieser angeblichen Gattung auf, eine von Pt. Jackson,
und zwei von der Känguruh-Insel.
!) Ebend. p. 158.
2) Syst, El.II. 113. 18. — Ich habe den Typus in der Fabrici-
schen Sammlung gesehen, und mich überzeugt, dass F. wirklich keine
der ähnlich gefärbten Arten von Porrostoma (Metriorhynchus Guer.)
vor sich gehabt hat.
3) BoisduvalFaun. de l’Oceanie 324. 8. Schönh. Gen. et Speg,
Cure. VI. 463. 5.
4) Schönh. Gen. et Spec. Cure. I. 504. 1. — Curcul. seutellaris)
Fab. Syst. Eleuth. I. 519. 71. Oliv. Ent. V. 83. 393. 475. t.12. f.142, |
t.19. f£.420. Herbst Käf. VI. 312. 286. t.84. f.10. — Cure. eaertus)
Fabr. Syst. El.II. 534. 163.
.
113
die andere, A. rubus, die ansehnlichste der jetzt bekannten Arten
ist, von Pelororhinus eine zweite neue, von Rhinaria,
welche: ich lieber hierher als zu den Langrüsslern rechnen
öchte, ebenfalls eine neue, von Amyceterus 3 Arten ein-
gegangen, von denen zwei neu, die andere der wahre A. mz-
rabilis“) ist. Die übrigen Rüsselkäfer dieser Abtheilung sind
zwar ziemlich unansehnlich, bilden aber doch drei neue Gat-
tungen. Die eine, Sieriphus, schliesst sich zunächst an die
europäischen Plinthus, die anderen beiden, Nothrodes und
Mandalotus, gehören zur Gruppe der Otiorhynchen: und
haben die meisten Beziehungen mit Tyloderes. Von Mandalo-
tus haben unsere Sendungen vier Arten, von den anderen bei-
den je nur eine enthalten.
Unter den Rüsselkäfern mit gebrochenen ‚Fühlern und lan-
gem Rüssel hat die Neuholland eigenthümliche Gatt. Ort%ho-
rhinus drei, nämlich den O. Klugü Hope?) und zwei neue,
die weiter verbreitete Gatt, Erirhinus eine ausgezeichnete
neue Art geliefert. Ein kleiner Bagous-artiger Rüsselkäfer zeigt
alle Charactere, welche Schönherr für seine Gatt. Notiopht-
Zus?) angiebt. Eine der ausgezeichnetsten ‚eigenthümlichen
Formen ist Rachiodes spinicollis Schönh. t), drei ‚andere,
‚weniger bemerkbare Rüsselkäfer dieser Abtheilung bilden eben
' so viele neue Gattungen, von denen Cryptoplus zunächst mit
' Anoplus verwandt ist, Meriphus fast vom Habitus von An-
4
J
’) Psalidura mirabilis Kirby Transact. of the Linn. Soc. XH.
469. 21. 1.23 1.9. — Amycterus mirabundus Schönh. Gen. et Spec.
' Qure.1l. 471. 2. — Schönherr beschreibt nur das Weibchen, sein
A. mirabilis ist eine andere etwas grössere Art, deren Männchen an
der Kehle einen. zapfenförmigen Fortsatz hat, der der Kirby’schen Art
abgeht. In gut erhaltenen Individuen ist dieser Rüsselkäfer: Fusco-
| one thorace vitta laterali lineaque media tenui einereis, ely-
tris nigro-einereoque tessellatis.
2) Sehönh. Gen. et Spec. Cure. 111. 246. 3. — Bei einem beson-
ders schön gefärbten Exemplar ist die Binde der Flügeldecken in der
Mitte schneeweiss. Auch die Spitze der Flügeldecken ist entweder
rehfarben oder weiss.
.?) Dieser Name kann natürlich der gleichnamigen Caraben-Gat-
fung wegen nicht bestehen: man könnte ihn aber einfach in No-
fionomus umändern.
*) Gen. et Spee. Cure, 11. 362. 4.
Archiv 1, Naturgesch, VII, Jahrg, I, Bi s
114
thonomus näher mit Erirhinus, Diapelmus dagegen durchaus
vom Anselin eines Erirhinus (Dorytomus) näher mit Anthono-
mus verwandt ist. — Besonders ausgedehnt und unverkennbar
americanischen Formen entsprechend erscheint die Gruppe der
Cryptorhynchen. Von 13 neuen Arten gehören 8 zu Orypto-
rhynchus, 3 zu Acalles, 2 mit hinten nicht geschlossener
Rüsselgrube bilden eben so viele neue Gattungen, die eine,
Melanterius, der americanischen Gattung-Chalcodermus ent-
sprechend, die andere, Oy/lorhkamphus, steht nur scheinbar
in einem ähnlichen Verhältniss zu Cyphorhynchus Sch., ‘denn
beide gehören verschiedenen Abtheilungen an.
Aus der sonst allgemein verbreiteten Gruppe der Calan-
dren ist keine Art vorgekommen, dagegen haben die Cossoni-
den zwei neue Arten von Alhyzcolus geliefert.
Endlich gehören naturgemäss noch die Borkenkäfer in
diese Familie. Von zwei neuen Arten derselben ist eine ein
Tomicus (Bostrichus Fab.), eine zweite gehört zu der Gatt.
Eryphalus‘), von der bisher nur europäische, mit Ausnahme |
des Cr. tiliae in Nadelhölzern lebende Arten bekannt waren.
Von den Latreille'schen Xylophagen sind die Borken-
käfer, ferner die Apaten mit Lyetus, die Trogositen mit Rhy-
zophagus und Nemosoma, ferner die Lathridien mit Dasycerus
und Monotoma und die Paussus entfernt oder zu entfernen.
Dagegen sind sie zu erweitern mit Sarrotium und den nahe
verwandten Gattungen Corticus und Coxelus, welche in der
That. vier Glieder an allen Füssen haben, und sich zunächst
an Diodesma anschliessen, welches Latreille schon mit: Recht
zu den Xylophagen stellte. Sie treten hier zunächst an Co-
Iydium, Synchita u, s. w.?). Eine der Formen, welche zur
Vermittelung dient, ist Meryx rugosa°), welche nicht Ostin-
dien, wie esLatreille angiebt, sondern Vandiemensland zur Hei-
math hat. Wenn indess auch selbst den mit Unrecht zu den Hete-
romeren gerechneten Gattungen 4gliedrige Füsse mit den übrigen
') Dieses Archiv II. Jahrg. 1. S. 61.
?) Eine weitere Auseinandersetzung der systematischen Verhält-
nisse dieser Insecten hoffe ich bald im nächsten Bande meiner „Käfer
der Mark Brandenburg” zu geben.
®) Latreille Genera Crust. et Ins. III. p. 17. t. 11, f. 1.
415
gemein sind, so sind heteromerische Füsse doch aus dieser Fa-
'milie nicht ganz ausgeschlossen, wie das Beispiel einer neuen,
ebenfalls die Mitte zwischen den Sarrotrium- und Synchita-
artigen Xylophagen haltende Gatt., Latometws (mit . einer
neuen Art) zeigt. Eine dritte in diese Abtheilung gehörende
Art ist unserem Cerylon terebrans zunächst verwandt, da: die-
ser aber nicht mit Cerylon histeroides in eine Gattung ver-
bunden werden kann, habe ich unten für diese und einige an-
dere, zum Theil americanische Arten eine eigene Gatt., Py-
enomerus errichtet. Eine vierte vandiemensländische neue
Art dieser Abtheilung gehört zu Ditoma.
Eine andere Familie der Xylophagen bilden die Cueuien,
aus welcher Vandiemensland einiges Bemerkenswerthe geliefert.
Zunächst eine neue Gatt. Pla tisws, welchemit Cucuius im engsten
Sinne (C.depressus)in der nächsten Verwandtschaft steht, dieselbe
Abweichung in der Fussgliederzahl nach dem Geschlechte zeigt,
auch in Grösse und Körperform dıeser Gattung, sehr nahe steht.
Sie gründet sich auf eine einzige, in. beiden Geschlechtern ein -
gesendete Art. Zwei andere Arten dieser Familie gehören
zu der zwar nicht artenreichen, aber doch ziemlich überall
verbreiteten Gatt. Brontes, eine dritte nach den Verhältnissen
der Fühlerglieder zu Dendrophagus. . Endlich scheint mir
noch Silvanus hierher zu rechnen zu sein, aus welcher Gat-
tung eine der Sendungen eine in der Körperform von der
typischen etwas abweichende neue Art enthielt.
In der Familie der Cerambyeinen hat die Pröonen-Gruppe
zwei Arten aufzuweisen. Eine, neue, gehört der vorzüglich in
Africa, aber auch in Südeuropa und Ostindien einheimischen,
‚auch auf dem Festlande von Neuholland vorkommenden Gatt.
Macrotoma an, eine andere, als Prionus arcuatus von Fa-
bricius schon vor Langem beschrieben, bildet eine eigenthüm-
liche und in mehreren Beziehungen ausgezeichnete neue Gatt.
Onecinotus. Vorherrschend ist unter den Cerambyeinen die
‚Gruppe der Stenocoriden. Die typische Form, welcher der
Gattungsname Stenocor us‘) verblieben ist, hat aus der
Zr
’) Hope Transact. of the Zool. Soc. I. p. 107. — Newman An-
nals of natur. history V. p. 17 nennt sie Phoracantha, Dejean be-
greift sie unter Mallocera.
5%
416
Abtheilung mit gedornten Fühlern und Halsschilde und an der
Spitze 2dornigen Flügeldecken Hope’s St. Jongipennis‘) und
assomilis), aus der mit gehöckertem Halsschilde $7. elongatus?)
und’ rkombifer *), aus einer dritten, mit ungedornten Fühlern,
gehöckertem Halsschilde und an der Spitze abgerundeten Flü-
geldecken Sf. seutellaris®) und eine neue Art zur Zeit gelie-
fert. Aus den mit Stenocorus verwandten Gattungen sind uns
zugekommen Hope's Trachelorachys fwmicolor®) Mero-
pachys Mac Leayi”) nebst einer nahe verwandten neuen Art, und
Scolecobrotus Westwoodüi®). — Die Oallidien-Gruppe hat
in Vandiemensland eine Form einheimisch, welche im Habitus
mit Hespherophanes Dej. sehr übereinkommt, in einigen Cha-
racteren abweicht und von Newman als Gatt. PRacodes?) aufge-
!) Hope Proc. ofthe Zool. Soc.1840. p.47.3. — Phoracantha ha-
mata Newman Entomologist, 1841. p. 3 ist eine blosse Abänderung:
eins der eingesandten Exemplare kommt derselben sehr nahe, es ist
bei ihm aber auch die dunkle Zackenbinde erloschen.
?) Hope Proceed. of the Zool. Soc. 1840. p. 49. 11. — Phora-
cantha allapsa Newman Entomologist, 1311. p.4.
Hope (a.a.0.p.47. n.6. 7.) führt noch St. obscurus und puncta-
tus Don. Epit. of the Ins. of New Holl. als aus Vandiemensland auf.
?) Boisduval Faun. d. l’Oceanie 478. 6. — Stenochorus uni-
guttatus (Mac Leay) Hope Proc. of the Zool. Soc. 1840. p49. Er
scheint weit verbreitet zu sein, da Hope ihn vom Schwanenfluss erhielt.
*) Hope Proceed. of the Zool. Soc. 1840. 49. Er ist ‚kleinen
Exemplaren des vorigen zwar sehr ähnlich, aber durch die Lage des
Fleckens und sehr kurzen, kaum merklichen Dorn an der Flügel-
deckenspitze wohl zu unterscheiden.
’) Callidium scutellare Fabr. Syst. Eleuth. II. 538. 26. — Nov.
Gen. piceum Newjman Entomologist, 1841. p.9. — Mich wundert,
dass Hope dieses Käfers nicht erwähnt, da er doch durchaus nicht
selten ist. h
6) Hope Proceed. of the Zool. Soc. 1840. p. 51.— Hope glaubt, "
dass auch seine zweite Art, Tr. pustulatus, von Vandiemensland (Ho-|'
bart Town) stamme. |
”) Hope ebend. $.52.
®) Hope Transact. of the Zool. Soc. I. p.109. t.15. f.5. Pro-\
ceed. of the Zool. Soc. 1840. p. 33.
Hope führt noch Uracanthus pallens (Proceed. of the Zool. Soc.
1840. p.53), Newman Amphirhoe decora (Entomologist, 1841. p.25.)|
als Vandiemensländisch an.
?) Newman a. a. O. S.7. Die Fühlerglieder 3—5 sind als’ an] |
der Spitze eindornig angegeben, dies ist etwas zu stark ausgedrückt.)
117
stellt ist. Eine Art derselben, ?%. obscurus‘), ist schon von
Banks mitgebracht worden, eine zweite ist neu. — Aus der
Stenopteren-Gruppe hat sich eine. eigene durch lange Fühler
und verlängerte Hinterbeine ausgezeichnete neue Gatt. Mecy-
nopus gefunden. — Auffallend ist, die Armuth an ZLamien,
eine einzige, unten als neu zu beschreibende Art der Neuhol-
land eigenthümlichen Gatt.. Zygocera:ist vorgekommen, und
eben so beschränkt sich die Saperden-Form, auf eine einzige,
ungewöhnlich kleine Art, welche eine neue Gattung //laena
bildet. Die Zepturen-Gruppe wird bekanntlich in Neuholland
durch Stenoderws repräsentirt. Unsere Sendungen enthielten
nur die beiden bekannten Arten, S2, abbreviatus *) und ceram-
boides’).
In der grossen Familie der Uhrysomelinen haben die
bisherigen Sendungen keine einzige Art aus den Gruppen der
Bupoda und Cassidariae geliefert, indess ist nicht anzunehmen,
dass diese beiden Abtheilungen, obschon sie im übrigen Neu-
holland nur durch wenige Arten repräsentirt sind, in Van-
diemensland ganz fehlen sollten. Jedenfalls theilt Neuholland
mit Südamerica den Reichthum an Cassiden nicht. Von eigent-
lichen Ohrysomelen ist besonders die dem Gebiet von Neuhol-
land durchaus eigenthümliche Gattung Paropsis Ol. (Notoclea
Marsh.)*) für die Fauna von Vandiemensland von Bedeutung.
!) Callidium obscurum Fabr. Syst, Eleuth. 1. 333. 1. Olivier
Ent. IV. 70. 9, 7. t.4. £.45. — Phacodes lentiginosus Newman En-
tomologist, 1841. S.8. Es ist wunderlich, dass man in London ein
Insect als neu beschreibt, welches doch im Banks’schen Cabinet zu
finden sein müsste.
?) Cerambyx abbreviatus Fabr, Syst. Eleuth. Il, 275. 43. — Ste-
nochorus suturalis Olivjier Ent. IV. 69. 29. 25. t.3. f.29.
?) Leptura ceramboides Kirby Transact. of the Linn. Soc. XI.
472. 25. 1.23. f.11. — Mac Leay (King Narrat. II. 451. 87 hält beide
für identisch; sie könnten vielleicht Geschlechtsverschiedenheiten sein,
welches aber kaum wahrscheinlich ist. Auch Newm an (Entomologist,
1841. p. 35) führt beide als identisch auf,
Ein mit Stenoderus verwandtes Insect von Vandiemensland ist
Macrones exilis Newm, Entomologist 1841. p. 35.
#) Olivier zählt 14, Marsham 24, Boisduval in der Faune
de l’Ocean. 25, Dejean in seinem letzten Catalog mit Ausschluss
zweier nicht hierher gehöriger sibirischer Arten 20, die hiesige Samm-
lung, obselhion nicht überwiegend reich an neuholländischen Insecten,
118
Unter 17 eingesandten Arten befanden sich P. morio"), rufi-
pes ”), lineata°) und notata*); die übrigen, neuen, sind unten
beschrieben. Unter den kleineren Arten haben mehrere mit'den
Cassiden es gemein, dass die Flügeldecken mit glänzenden,
perlmutterfarbigen, goldenen oder silbernen Zeichnungen 'ge-
ziert sind, welche nach dem Tode verschwinden, sich‘ indess
durch Aufweichen vorübergehend wieder hervorrufen’ lassen.
Die Gattung Chrysomela, wie sie bisher angenommen,
findet sich in Dejeans Catalog in eine ganze Reihe von Gat-
tungen zerlegt, von denen indess z.B. Zygogramma nur nach
einer gewissen Uebereinstimmung in der Zeichnung aufgestellt
ist, nichts desto weniger nach bestimmten Formen der Taster
und Klauen noch in mehrere zerfallen muss, Oreina, obschon
in der Form des letzten Tastergliedes abweichend, doch nicht
von Chrysomela abzusondern ist, weil die extremen Formen
durch viele Uebergänge vermittelt werden. Andere Gattungen
werden sich als völlig natürlich ausweisen, und dahin gehört
Australica Chevr.5), eine Form, welche auf Neuholland
beschränkt und ihm eigenthümlich ist. Ch. Cwrtisä®) und Ch,
57 Arten. ‘Wie viele mögen noch die englischen Sammlungen, denen
neuholländische Naturproducte so leicht zugehen, aufzuweisen haben!
!) Chrysomela morio Fabricius Syst. Eleuth.I. 308. 5. — Häufig
kommt auch eine blasser gefärbte Abänderung vor, mit rothbrauner
Oberseite und feinen schwarzen Streifen auf den Flügeldeeken.
?) Chrysomela rufipes Fabricius ]. c. 430. 41.
3) Notoclea lineata Marsham Transact. of the Linn. Soc. IX.
293. 19. t.25. f.19. Die Streifen auf den Flügeldecken sind mehr gelb
als roth.
*) Paropsis notata Olivier Entomol. V. 92. 13. 14, pl.1. f. 14.
>) Diese Gattung hat die Tasterform und die einfachen Schienen
der typischen Chrysomelen, aber vor der Spitze stark gezahnte Klauen.
Die Fühler sind vom sechsten Gliede an zusammengedrückt. Was
den Namen betrifft, so sollte man kaum glauben, dass es in einem
andern Zweige der Zoologie einen zweiten der Art geben könnte und
doch hat Lesson eine Australasia, billig wird aber der für jene Inse-
ctengatt. von den Entomologen eben so zurückgewiesen, als der für
diese Papageiengattung (Trichoglossus Horsf.) von den Ornithologen.
Hope (Col. Manuel III. p. 166) bringt für diese Chrysomelen-Form
einen neuen Namen Ca/omela in Vorschlag, ebenfalls ein fataler
Name, der an Kalomel erinnert.
6) Chrysomela Curtisii Kirby Transact. of the Linn. Soc. X.
473. 26. t. 23. £.12. — Boisduval Faun. de l’Ocean. 577. 1.
119
maculicollis \) sind aus derselben von Vandiemensland eingesandt
worden. , Eine zweite eigenthümliche Form mit zwei neuen
Arten, Chr. constricta und pacifica, hat in den zugespitzten Ta-
stern Uebereinstimmung mit unsern Helodes, weicht aber durch
an der Wurzel gezähnte Klauen ab, eine dritte weit verbreitete
Form.bildet Dejean’s PAaedon, der gleichfalls zwei neue
Arten angehören.
Von 3 neuen ÜColaspen ist keine Form Neuholland eigen-
thümlich, sondern es gehört eine der in America so äusserst
zahlreichen, den übrigen. Welttheilen aber fremden, typi-
schen Gatt. Colaspis an, die beiden andern einer Neuholland
init Africa gemeinschaftlichen, von Chevrolat unter dem Na-
men Odontionopa in Dejean’s Catalog aufgestellten Gattung,
welche durch den in zwei Zähnchen vorspringenden Kopfrand
sich leicht kenntlich macht.
Unter den Cryptocephalen fehlt in Neuholland, obschon
die Sendungen des Herrn Schayer keine Art derselben ent-
halten haben, die überall mehr oder weniger zahlreich verbrei-
tete, zur Zeit als typisch geltende Form nicht, es ist mir aber
keine neuholländische Art der Dejean’schen Gatt. Pachybrachis
bekannt, welche dadurch leicht unterschieden, dass der Mund
nicht vom vordern Rande des Prosternum aufgenommen wird,
in America vorzüglich artenreich, den drei übrigen Welt-
theilen nicht fremd ist. Dagegen besitzt Neuholland eigen-
thümliche Formen. Eine derselben, welche den. Gatt. Cadmus
und Odontoderes des Dejean’schen Catalogs entspricht, zeichnet
sich durch breite, unten dicht befilzte Sohlen mit kaum aus
dem Ausschnitt des dritten Gliedes hervorragendem Endgliede,
ähnlich wie bei Cassida, aus. Hierher gehört der vandiemens-
ländische Cr. australis Dej.?).
') Chrysomela maculicollis d’Ury. Boisd. a. a. O. 578. 3.
2) Oryptocephalus australis Boisduval. Faun. de l’Ocean, 584. 1.
In dieser Beschreibung ist die Grundfarbe der Flügeldecken als matt-
roth angegeben, sie ist aber lebhaft goldgelb. — Auf dieseArt gründet
sich die Gatt, Odontoderes Cheyr,, wie sich dieselbe aber von Cadmus,
wohin Cr, rugicollis Gray An. Kingd. XV. pl. 67. f,5., rubiginosus
Boisduv. a. a. OÖ. 587. 5., crueicollis Boisd, a. a. O. 585. 2. u. a, m.
gehören, unterscheiden möge, weiss ich nicht. Die gezähnelten Sei-
tenränder des Halsschildes, worauf der erstere Name hinzudeuten
scheint kommen auch den meisten Arten von Cadmus zu.
120
Eine zweite Form ist Ditropidus Chevr., deren Abwei-
chungen von Cryptocephalus in folgenden Puncten bestehen,
Das Halsschild ist hinten tief zweibuchtig, der mittlere Lappen
ragt zwischen die Flügeldecken hinein und ist an der schmalen
Spitze zur Aufnahme der vorderen Spitze des Schildchens aus-
geschnitten. Das Schildchen länglich, schmal, an beiden Enden
zugespitzt, nicht aufsteigend, Das Prosternum nimmt den Mund
auf, ohne, wie bei den typischen Cryptocephalen, eine Vorra-
gung zu bilden. Die Augen sind innen nur schwach ausge-
randet. Die Füsse kurz und breit, das Klauenglied wenig
zwischen den Lappen des dritten vorragend, die Fühler mässig
lang, dünn, die letzten Glieder etwas breit. Eine neue Art
aus Vandiemensland (nebst 2andern neuholländischen) ist unten
beschrieben.
Von Galeruca ist eine nur neue ungeflügelte Art auf-
gefunden worden, von Halticen drei Arten, eine, 4. (Grapto-
dera) corrusca, unserer H. oleracea zunächst verwandt’), die
zweite eine neue Art der fast ausschliesslich Europa angehö-
renden Gatt. PsyZlliodes, die dritte gleichfalls neue, einer
neuen, der neuholländischen Fauna eigenthümlichen Gattung
Arsopoda angehörend ?).
Die Familie der Erotyliden, welches sich so natürlich
auf der einen Seite den Chrysomelen, auf der andern den Coc-
einellen und Endomychen anschliesst, enthält ausser den unter
Erotylus, Triplax und Languria zusammengefassten Formen
noch Engis. Weshalb man die Dejean’schen Gattungen Encau-
stes und Episcapha von jenen entfernt gehalten hat, weiss ich
nicht: sie stimmen mit ihnen in der Bildung der Füsse und
!) Eine zweite hierher gehörige Art von Vandiemensland ist H
australis M’ Leay, welche Dejean in seinem Catalog mit vielen an-
dern guten Arten als Abänderung mit H. oleracea verbindet.
2) Waterhouse (Transact. of the Entomol. Soc. of Lond. Il.
p- 131) beschreibt 16 Arten neuholländischer Halticen, doch sind sie
grossentheils nicht genauer systematisch bestimmt. Unter diesen ist
eine, H. variegata, von Vandiemensland. Eine ist als unmittelbare
Verwandte der H. nemorum, eine als Psylliodes (Macronema), 5 als
Dibolia bezeichnet, die letzten möchten aber mehreren Andeutungen
gemäss zu Plectroscelis Chevr. zu rechnen sein, einer Form, welche
zu den am Meisten verbreiteten gehört.
121
Taster überein; mehr weichen die eigentlichen Engis ab, so-
wohl durch einfache Füsse ohne Sohlen, als durch ‚ einfache
Taster; nichts desto weniger stehen sie‘ in: dieser Familie an
ihrer natürlichen Stelle. Diesen Engis zunächst schliesst sich
eine neue, nur hauptsächlich in der Gestalt der Zunge unter-
schiedene vandiemensländische Gattung T’Aallis, mit drei
neuen Arten (mehr sind mir überhaupt nieht bekannt), an.
Die richtige Stellung von Phalaeruws ist noch zu ermit-
teln. Diese Gattung scheint in übereinstimmender Form “über
die ganze Erde verbreitet zu sein.‘ Eine ‘neue Art. aus Van-
diemensland ist u. beschrieben.
Aus der Fam. der Coceinellen verbreitet sich Cocci-
nella tricineta Fab. ') in zwei Abänderungen ?) aus Ostindien
nach Vandiemensland, €. conformis Dej.°) ist Vandiemensland
mit Neusüdwallis gemeinschaftlich, eine dritte Art’ der typischen
Form ist neut). Die Gatt.Sceymnws, ausder3 neue Arten vorhan-
den sind, obgleich sonst in ziemlich übereinstimmender Form
überall vorkommend, nimmt in Neuholland im Allgemeinen
eine grössere, länglichere und flachere Körperform an, weiter aber
sind die neuholländ. Arten nicht abweichend, sie haben die
nämliche Zahl von 10 Fühlergliedern, wodurch sich die Scey-
mnus von den übrigen Coccinellen so wesentlich unterscheiden,
ein Umstand , den ich noch nirgend bemerkt finde. Nur Co-
rylophus Leach °) hat dieselbe Gliederzahl der Fühler;
*) Syst. El. T. 361, 33. — Schönh. Syn. II. 169. 32.
) «. Wenig kleiner als die Stammart, die Binde hinter der Mitte
abgekürzt, die Naht nicht berührend, winklig gebogen.
#. Nur halb so gross, die Naht breit schwarz, die Binde hin-
ter der Mitte nicht abgekürzt, aber deutlicher winklig 'ge-
bogen als hei der Stammart.
%) Boisduval Faune de l’Ocean, 604. 24.
*) Diese neue Art würde wohl zu Micraspis des Dejean’schen
Catalogs gehören, indess hat es mir bei dieser sowohl als bei Chei-
domenes nicht glücken wollen, Unterschiede von Coccinella zu finden.
*) Stephens Illustr. of Brit. Ent. II. p. 185. (C/ypeaster And.
Latr. Reegn. An. V. 162. — Cossyphus Gyll. Ins. Suec. 11. p-576.) Der
Einzige, der die systematische Stellung (wie die von Lithophilus)
richtig erkannt hat, ist Latreille (a. a. O.), unrichtig indess giebt
er die Zahl der Fühlerglieder als neun an, es sind wie bei Soymmus
122
auch. dies ist eine mit seinen ‚meist winzig kleinen Arten über
die ganze ‚Erde verbreitete Form, ‚aus welcher Vandiemens-
land bisher zwei unten beschriebene Arten, geliefert ;hat.
Die Familie‘ der Endomychiden weist ‚eine neue Gat-
tung: Daulis auf, welche aber der neuholländischen Fauna
nicht eigenthümlich,‘ sondern ihr mit Südamerica gemein ist.
Aus der Familie der Lathridien haben sich zwei Arten
gefunden; eine, ein ächter Lathridius, ist neu und vermuth-
lich Vandiemensland eigenthümlich ‚.. die andere ist, Cortica.-
ria gibbosa (Latridius gibbosus Hbst. Gyll.), ohne. Zweifel aus
Europa übergesiedelt.
Es ist kaum zu erwarten, dass die Familie der Psela-
phier irgendwo fehlen werde, und..es ist vorzüglich inter-
essant zu sehen, wie gross im Allgemeinen. die Übereinstim-
mung exotischer Arten mit den einheimischen ist. , Die ‚Gat-
tung Batrisus, deren einheimische. Arten als Gäste, in
Ameisennestern leben, scheint eine. der am Weitesten 'verbrei-
teten zu sein. Es sind Arten. aus den. verschiedenen Theilen
America's und aus Südafrica bereits bekannt, und eine neue
Art aus Vandiemensland wird unten. beschrieben werden.
Die neuen Arten und Gattungen der von Herrn Schayer
eingesandten vandiemensländischen Coleopteren sind folgende:
1. Calosoma Schayeri: Supra viride, nitidum, elytris
dense punctato- striatis, subtilissime transversim ru-
gosis punctisque impressis triplice serie. — Long.
40 Jin.
Statura fere C. sycophantae et minimis eius; individuis ae-
quale, supra‘ totum ‚laete viride nitidum,.. Antennae piceae.
Palpi castanei. Mandibulae transversim rugosae. Caput sub-
tiliter punetulatum. Thorax 'subeordatus, brevis, basi utrin-
que profunde impressus, omnium subtilissime parce. punctula-
tus. Elytra confertim punetato-striata, interstitüs rugis sub-
tilibus transversis imbricatis, 4. 8. 12. punctorum maiorum
10 vorhanden, Mit Scymnus hat die ‚Gattung überhaupt die grösste
Übereinstimmung und einzelne grössere Arten auch täuschend dessen
Habitus,
123
serie interruptis. Corpus infra iam piceum jam: castaneum,
viridi-relucens. 'Pedes picei, maris validi, feminae sat graei-
les, tibiis intermediis 'maris fortius, feminae levissime arcuatis.
I. Scopodes
Fam. Carabi. Trib. Pericalidae.
Labrum elongatum, mandibulas obtegens.
Palpi filiformes,
Mentum dente medio nullo, lobis lateralibus bre-
vissimis.
Tarsi postiei elongati.
Ein kleiner Käfer, mit seinen stark vorgequollenen grossen
Augen einem Elaphrus gleichend, aber mit deutlich ausge-
schnittenen Vorderschienen, und durch die lange, die Mandi-
beln bedeckende Oberlippe als zur Gruppe der Pericaliden
(Hope Col. Manuel, II. S. 105.) gehörend bezeichnet, Der
fehlende Zahn in der Ausrandung des Kinnes lässt ihn nur
mit Pericalus und Beleopterus (Nyeteis Lap.) vergleichen, er
entfernt sich aber von diesen, so wie von allen übrigen Gat-
tungen der ganzen Gruppe durch die Kürze der Seitenlappen des
Kinnes, die Grösse der Augen, die Form des Halsschildes,
die Länge der Hinterfüsse u. s. w., und bildet jedenfalls eine
besondere und schr eigenthümliche Gattung. Die Oberlippe
ist etwas länger als breit, die Mandibeln fast ganz bedeckend,
an der Spitze jederseits etwas eingeschnitten. Das Kinn hat
die seitlichen Lappen klein und kurz, eingebogen, den
Raum zwischen ihnen gerade abgeschnitten. An. den verhält-
nissmässig kurzen Maxillartastern ist das zweite Glied ziem-
lich, das dritte sehr kurz, das vierte so lang als die übrigen
zusammen, zugespitzt; ‚an. den Lippentastern ‚ist das zweite
Glied ziemlich lang und diek, eylindrisch, das dritte etwas
kürzer und dünner, zugespitzt. Die Fühler sind kurz, nur
bis zur Basis der Flügeldecken reichend, das erste Glied et-
was dick, das dritte und vierte dünner als die folgenden,
welche etwas: zusammengedrückt sind. ; Der Kopf ist mit den
grossen, stark gewölbten und vortretenden Augen etwas brei-
ter als das Halsschild. Dieses ist schmal, von vorn nach hin-
ten beträchtlich verengt, an den Seiten vorn mit einem zahn-
124
förmig. vorspringenden Winkel, und hinten, dicht vor der Ba-
sis, ‚mit einem ‚stark vortretenden spitzen Zahn, „Die: Flügel-
decken sind ziemlich breit, flach, an. der Spitze schräg abge-
schnitten und etwas ausgebuchtet. Die Füsse sind einfach,
dünn, die Hinterfüsse um die Hälfte länger als ihre Schienen,
die Vorderfüsse sind beim Männchen sehr schwach erweitert.
2. Scopodes boops. Nigro-sericeus, elytris tessellatis,
substriatis, stria secunda 3-punetata. — Long. vix
2 lin. Tab. IV. f.1.
Corpus nigrum, infra nitidum, supra sericeum, elytris
tessellatim micantibus. Caput et thorax omnium subtilissime
rugulosa. Thorax subtiliter canaliculatus, margine laterali bi-
dentato. Elytra substriata, interstitiis leyiter convexis, striis
subtiliter punctatis, stria secunda punetis tribus maiuseulis
impressa. Trochanteres anteriores et antennarum artieuli, 4
primi testacei, hi supra nigricantes.
3. Plochionus australis: Rufus, elytris piceis, subtiliter
striatis. — Long. 4% lin.
Corpus nitidum, infra rufo-testaceum, supra capite tho-
raceque rufis; antennae piceae, articulis duobus primis rufis.
Caput glabrum, ante oculos utrinque oblique obsoleteque im-
pressum. Thorax coleopteris duplo angustior, latitudine paulo
brevior, basin versus leviter angustatus, lateribus ante me-
dium leviter rotundatis, basi utrinque oblique truncatus, an-
gulis posterioribus denticulo minuto prominulo instructis, disco
perparum convexo, subtilissime transversim strigoso, fortius
canaliculato, basi utrinque subimpressus. Scutellum minutum,
testaceum. Elytra subdepressa, subtiliter striata, interstitiis
subtilissime obsoletissimeque parce punctatis, nigro-picea,
margine laterali inflexo testaceo, Pedes rufo-testacei.
4. Calleida pacifica: Testacea, capite thoraceque ru-
fis, elytris nigris, macula, apice margineque testaceis,
— Long. 3% lin.
Statura oblonga et facie omnino Dromii 4-maeulati, licet
duplo maior, glabra, nitida. Antennae ferrugineae, articulis
basalibus' rufo-testaceis. Caput rufum, antice utrinque longi-
tudinaliter impressum. Oculi sat magni, prominentes. Tho-
|
I}
125
rax latitudine dimidio 'brevior, subeordatus, .basi truncatus,
angulos posteriores acutiusculos: versus leyviter. exeisus, supra
canalieulatus, disco subtiliter transversim ‚strigoso, basi. utrin-
que impressus, rufus, margine laterali reflexo testaceo, Seu-
tellum testaceum. Coleoptera oblonga, parallela, subtiliter-striata,
striis subtilissime punctatis, interstitiis laevibus, utroque elytro
margiıe Jaterali tenui, maculisque duabus, altera ante medium
sat magna, oblonga, discoidali, altera apicali testaceis. Cor-
pus infra cum pedibus testaceum.
5. Cymindis curtula:, Brevis, depressa, pubescens, ‚rufo-
picea, fronte, thoracis disco elytrisque nigro-piceis,
his confertim punctatis, subsulcatis, maculis duabus
pedibusque testaceis. — Long. 23 lin.
Corpus breve, depressum, pube subtili fulva densius ve-
stitum. Antennae breviusculae, ferrugineae, articulo primo
testaceo. Caput rufum, fronte nigro-picea, parce obsoleteque
punctata, utringue obsolete longitudinaliter impressa. Tho-
rax latitudine summa duplo brevior, basi apiceque truncatus,
lateribus anterius fortius rotundatis, ‘posterius subreetis et le-
viter conniventibus, angulis posterioribus obtusis, disco parum
convexo , subtiliter canalieulato, obsolete transversim rugoso,
nigro-piceo, lateribus planatis, punctato-rugulosis, margine
omni obsceure rufo. Scutellum ‘piceum.' 'Coleoptera ‚thorace
latiora, pone medium leviter dilatata, dense subtiliter punctata,
subsuleata, interstitiis leviter convexis, piceo-nigra, nitidula,
siogula fascia utrinque 'abbreviata inaequali ante medium, ma-
eulaque lacera apieali testaceis notata. Corpus infra saturate
rufo-testaceum, lateribus piceum. Pedes testacei.
6. Cymindis inguinata: Brevis, depressa, glabra, ni-
tida, flava, elytris subtiliter striatis, maculis tribus
nigris, posteriore communi maiore. — Long. 2% lin.
Statura brevis, lata, depressa omnino praecedentis, cor-
pore flavo, nitido, glabro. Caput laeve, inter antennas utrin-
que obsolete impressum. Thorax coleopteris duplo fere an-
gustior, latitudine duplo fere brevior, basin versus leviter
angustatus, lateribus anterius rotundatis, angulis posterioribus
obtusiuseulis, canaliculatus, ante basin utrinque fortius trans-
versim impressus,. Elytra subtiliter striata, striis subtilissime
126
obsolete punetatis, interstitiis planis, laevibus, maculis tribus
nigris, prima minuta, oblonga, basali, seeunda minuta, lineari,
versus elytri medium in interstitio sexto sita, tertia pone me-
dium magna, communi, antice fortiter emarginata, postice
triangulariter producta. Abdomen lateribus et apice nigrum.
7. Adelotopus haemorr hoidalis: Oblongus, nigerri-
mus, .nitidus, elytris apice abdomineque rufis, —
Long. 33 lin.
Corpus oblongum, semieylindricum, glabrum, nitidum, ni-
gerrimum. Palpi ferruginei, antennae breves, fusiformes, pi-
ceae, apice ferrugineae. Caput fronte convexa, laevissimum.
Thorax laevissimus. Elytra laevissima, apice rufa. Abdomen
rufum. Pedes picei.
8. Harpalus verticalis: Oblongus, subdepressus, niger,
thorace subcordato postice utrinque impresso, angu-
lis posterioribus subrotundatis, elytris subtiliter stria-
tis, vertice, antennis pedibusque rufis. — Long. 3 lin.
H. luteicorni :paulo minor, niger, ceapite thoraceque.'supra
nitidis. Antennae ferrugineae, basi ‚apiceque rufo-testaceis.
Palpi rufo-testacei. Labrum et mandibulae piceae. Caput
inter oculos utrinque foveolatum, vertice transversim saturate
rufo. Thorax coleopteris angustior, latitudine parum brevior,
basin versus modice angustatus, lateribus et angulis posterio-
ribus leviter rotundatis, subdepressus, subtiliter canalieulatus,
antice posticeque leviter transversim impressus, ‚basi utrinque
impressus, at impunctatus. Elytra depressa, sericeo - opaca,
subtiliter striata, stria secunda pone medium puneto minuto
notata, ante apicem profundius emarginata. Corpus infra pi-
ceum, elytrorum limbo inflexo pectorisque medio obscure fer-
rugineis. Pedes testacei.
9. Harpalus promtus: Oblongus, niger, nitidus, an-
tennarum basi pedibusque testaceis, thorace subcor-
dato, angulis posterioribus rectis, basi utrinque, sub-
impresso punctatoque margine summo testaceo, ‚ely-
tris subtiliter striatis punetoque singulo impressis. —
Long. 25 lin.
Parvus, statura prope Stenolophi vespertini, niger; niti-
]
|
127
dus.! Antennae pieeae, artieulo''primo testaceo..Palpi'testa-
cei. Caput inter oculos utrinque suleulo profundo obliquo
notatum. Thorax coleopteris paulo angustior, latitudine pa-
rum ‚brevior, lateribus rotundatus, basin versus subangustatus,
basi apiceque truncatus, angulis posterioribus rectis, perparuın
convexus, Jinea media longitudinali subtili integra, basi utrin-
que subimpressus et sat crebre punctatus, margine omni
summo rufescente. Coleoptera oblonga, parallela, postice
rotundata, ante apicem subsinuata, parum convexa, subtiliter
striata, stria secunda pone medium puneto singulo notata,
margine laterali inflexo castaneo. Pedes testacei.
I
10. Harpalus vestigialis: Breyior, convexus, niger,
nitidus, ‚thorace basi subdepresso, elytris subtiliter
striatis, antennarum basi ;pedibusque. rufo-testaceis,
tibiis apice tarsisque fuseis, — Long. 25 lin,
Statura. omnino H. pieipennis. Corpus nigrum, nitidum,
Palpi rufo-testacei. Antennae piceae, ‚articulis, 2 ‚primis rufis.
Caput inter. oeulos ‚utringue. ‚lineola obliqua impressus. Tho-
rax eoleopteris angustior, latitudine paulo..brevior, basin ver-
sus vix angustatus, lateribus anterius et angulis posterioribus
leviter rotundatis, modice convexus, subtiliter canaliculatus,
basi subdepressus, at neque impressus neque punctatus ‚ mar-
gine summo piceo. Elytra subvirescenti-nigra, pernitida, con-
vexa, subtiliter striata, ante apicem leviter emarginata, mar-
gine inflexo piceo- ferrugineo. Pedes rufo-testacei, tibiis
apice tarsisque fuscescentibus.
41. Pterostichus (Poecilus) prolixzus: Alatus, elon-
gatus, niger, thorace oblongo-quadrato, postice utrin-
que bistriato, elytris leviter punctato-striatis, anten-
nis ferrugineis, artieulis 4 primis nigris. — Long. 8 lin:
Statura fere Pt. (Poec.) laevigati Dej., sat elongatus, sub-
depressus, alatus, niger, nitidus. Antennae artieulis 4 primis
nigris, reliquis ferrugineis. Caput oblongum, antice utrinque
suleatum, oculis valde prominulis, Thorax eoleopteris paulo
angustior, latitudine haud brevior, lateribus leviter rotunda-
tus, antrorsum subangustatus, basi apiceque truncatus, angu-
lis posterioribus subreetis, basi utrinque leviter impressus bi-
striatusque, Coleoptera oblonga, ante apicem modice sinnata,
7
subtiliter punctato -striata, interstitiis leviter convexis. Pedes
eoncolores:
12. Pterostichus (Poecilus) coracinus: Apterus, ni-
ger, thorace transversim subquadrato, basi utrinque
bistriato, elytris suleatis. — Long. 41 lin.
Brevior, subdepressus, niger, modice nitidus. Antennae
piceae, subcompressae, articulis 3, primis simplieibus. _Palpi
picei. ' , Labrum. nigro - piceum. Caput laeve, fronte antice
utrinque ‚lineola ‚circumflexa fortius impressa; oculis “modice
prominulis. Thorax coleopteris paulo angustior latitudine
paulo brevior, lateribus rotundatus, basin versus leviter angu-
status, basi apiceque truncatus, angulis anterioribus rotunda-
tis, posterioribus licet obtusiuseulis dentieulo minimo promi-
nulo notatis, depressiusculus, linea media longitudinali utrin-
que abbreviata, subtiliore et basi utrinque striolis duabus, in-
teriore longiore, impressus. 'Elytra breviora, thoracis duplam
longitudinem vix superantia, strüs sat profundis simplieissimis
sulcata, interstitiis convexis , interstitio tertio punctis nonnul-
lis, ultimo seu marginali punetis plurimis notato. Pedes va-
lidiores, tarsis minus elongatis, depressis,
13. Pterostichus (Argutor) sollicitws: Apterus ni-
ger, thorace subquadrato, postice utrinque. ‚striato,
coleopteris oblongo-ovatis, subpunctato-striatis, pun-
etisque duobus impressis, antennis pedibusque piceis,
— Long. 43 lin.
Habitu P. vernalis, at triplo vel quadruplo maior, niger,
nitidus. - Antennae graciliores, rufo-piceae. Palpi rufi. Caput
oblongum, fronte ‚antice utrinque obsolete impressa, oculis
modice prominulis. ‚Thorax coleopteris paulo angustior, lati-
tudine haud: brevior, lateribus rotundatus , ‚antrorsum suban-
gustatus, basi truncatus, apice subemarginatus, angulis ante-
rioribus subrotundatis, 'postice obtusis, supra subdepressus,
linea longitudinali subtili, antice abbreviata et basi utrinque
striola profunda impressus. _Coleoptera ‘oblongo-obovata, basi
emarginata, subdepressa, striata, striis subtilissime punctatis,
interstitio .tertio puncto medio prope striam 3. alioque inter
medium et apicem versus striam 2, impresso,
129
a. Amblytelus.
Fam. Carabi. Trib. Pterostichini.
Palpi filiformes.
Mentum bisinuatum, dente medio simplici, lobis late-
ralibus subaequali. ’ .
Tarsi omnes articulo quarto bilobo.
Tab. IV. Fig. 2.
Färbung, Form und Gestalt der Tarsen liessen in diesem
Käfer durchaus eine Truncatipennen-Form vermuthen, und
verlegen, hier eine Stelle für ihn zu finden, wies mir zuerst die
Form der Zunge seinen Platz in der Gruppe der Pterosti-
chinen nach, womit sich denn auch bei sorgfältigerer Prüfung
die übrigen Charactere, namentlich die Fussbildung, überein-
stimmend zeigten. Offenbar ist der Käfer zum Aufenthalt
weniger in der Erde als auf Pflanzen angewiesen, darauf deu-
tet schon die lebhafte Färbung, noch mehr der Bau der Füsse
hin, Auch sind die Vorderschienen nicht mit Dörnchen be-
waffnet, welche zum Graben dienen, sondern an deren Stelle
mit feinen Börstehen besetzt. Die Füsse sind breit, die drei
ersten Glieder dreieckig, das erste tief zweilappig, alle unten
"mit diehtem Haarfilz bekleidet. Die Klauen sind einfach. Beim
Männchen sind die drei ersten Glieder der Vorderfüsse etwas
stärker erweitert, unten mit zweizeilig gestellten Hautschüpp-
chen ebenso wie bei allen übrigen Pterostichinen besetzt.
Die Mundtheile stimmen in allen wesentlichen Puneten mit
denen der übrigen Pterostichinen überein, namentlich in der
hornigen, ‘vorn etwas erweiterten, gerade abgeschnittenen
Zunge und den am Grunde mit ihr verwachsenen, von der
Mitte an freien, sie etwas überragenden, Jinienförmigen, häu-
‚tigen Paraglossen (s. Taf. IV. Fig. 2.a.). Das Kinn hat einen
einfachen Zahn in seiner Ausrandung, der so weit vortritt,
dass er von den Seitentheilen wenig überragt wird (s. d. a.F.).
"Die Taster sind fadenförmig, das letzte Glied in der Mitte
‚schwach eiförmig verdickt, an den Maxillartastern nicht Jän-
ger als das dritte Glied. Die Mandibeln sind einfach, wenig
vortretend, Die Lefze ist etwas kürzer als breit, an der
Spitze leicht ausgerandet,
Archiv 1, Naturgesch, VII, Jahrg. 1, Bd 9
130 z
14. Amblytelus curlus: Testaceus, capite thoraceque
ferrugineis, hoc piceo-bimaculato, elytris nigris, vitta
postice abbreviata margineque testaceis. — Long. 5 lin.
Carabus curtus Fabric. Syst. Eleuth. I. 202, 175.
Oblongus, subdepressus, alatus, glaber, nitidus. Caput
oblongum, laeve, inter antennas utrinque leviter longitudina-
liter impressum, rufum, nitidum; Antennae coneolores. Tho-
rax coleopteris angustior, latitudine brevior, lateribus ro-
tundatis, basin versus angustatus, angulis posterioribus obtu-
sis, basi utrinqgue impressus, margine laterali reflexo, rufus,
nitidus, maculis duabus discoidalibus piceis. Scutellum mi-
nutum, testaceum, Elytra apicem versus leviter dilatata, ante |
apicem subsinuata, depressa, subtiliter punctato-striata, inter-
stitiis planis, alternis seriatim punctatis, nigra, nitida, margine
tenui laterali vittaqgue dorsali recta, posterius saepius subdila-
tata, pone medium abbreviata testaceis, stria 7, apice plicata.
Corpus infra cum pedibus flavo-testaceum.
15. Anchomenus marginellus: Elongatus, nigro-aeneus,
nitidus, pedibus piceis, thoracis elytrorumque margine
summo rufis, elytris subtiliter ‘striatis pumetisque duo-
bus impressis. — Long. 4% lin.
Statura A. elongati, licet sesqui maior; infra niger, supra
nigro-aeneus, nitidus. Antennae ‚nigrae, artieulis omnibus
basi rufo-piceis. Mandibulae obscure rufae, basi piceae. Palpi
nigri. Caput oblongum, fronte inter oculos utrinque suleulo
impressa, oculis modice prominulis. Thorax parvus, coleopte-
ris duplo prope angustior, latitudine paulo brevior, lateribus
ante medium rotundatus, basin versus leviter angustatus, an-
gulis posterioribus obtusis, supra parum convexus, linea sub-
tili longitudinali notatus, basi utrinqgue profunde impressus,
margine laterali reflexo, rufo-testaceo. Coleoptera oblongo- |
obovata, basi leviter emarginata, subdepressa, subtiliter striata,,,
striis omnmium subtilissime punctulatis, stria secunda punctis
duobus, altero medio, altero versus apicem notata, margine
exteriore summo rufo-piceo. Pedes rufo-picei, femoribus ‘apice’
tibiisque fuscescentibus.
16. Anchomenus ambiguus: Niger, nitidus, anten-
narum basi pedibusque testaceis, thorace transverso,,
i 131
rotundato, basi punctato, elytris subaeneis, subtiliter
striato-punctatis, apice laevigatis. — Long. 24 lin.
Statura fere Olistopi Sturmii, niger, nitidus. Antennae
piceae, basi testaceae, Palpi piceo -testacei. Caput oblongum,
fronte antice utrinqgue suleo longitudinali subreeto impressa,
oculis sat prominulis. Thorax coleopteris dimidio angustior,
latitudine brevior, lateribus fortiter rotundatus, angulis poste-
rioribus obtusis, leviter convexus, subtiliter canaliculatus, basi
depressa, punctata. Coleoptera breviter ovalia, levissime con-
vexa, dorso subtiliter punctato-striata, strüs punctisque pone
medium evanescentibus, interstitio 3: medio, 2. pone medium
puncto notatis, nigro -subaenea, nitidula. Pedes flavo-testacei.
17. Euleptus sericeus: Niger, thorace cordato, elytris
sericeis, subtessellatis, pedibus flayis, geniculis nigris.
— Long. 3% lin.
Niger, infra nitidus, Antennae fuscae, basi testaceae.
Mandibulae rufo -piceae. Palpi picei. Caput subovatum, fronte
leviter convexa, medio puncto minuto, antice utrinque lineola
abbreviata laterali obsoletius impressa; oculis modice promi-
nulis. Thorax coleopteris plus duplo angustior, Jatitudine
sumnıa vix brevior, lateribus ante medium angulatus, dein basin
versus fortiter angustatus, supra planus, linea subtili longitu-
dinali impressus,, sericeo-opacus. Coleoptera subovata, basi
emarginata, ante apicem sinuata, depressa, subtiliter punctato-
striata, sericea, tessellato -micantia. Pedes flavi, geniculis,
tibiarum et tarsorum articulorum apieibus fuseis.
18. Dyscolus australis: Brunneo-testaceus, thorace sub-
eordato, basi utringue striato, eoleopteris oblongo-
ovatis, obsolete punctato--striatis, stria tertia 4-pun-
etata, — Long. 3% lin.
Saturate testaceus, supra dilute brunneus, metallico-niti-
dus, Caput laeve, fronte antice utrinque longitudinaliter im-
pressa, impressione subrugosa, oculis modice prominulis.
Thorax coleopteris dimidio angustior, latitudine paulo brevior,
lateribus rotundatus, basin versus leviter angustatus, apice
trumeatus, angulis anterioribus rotundatis, ‘posterioribus pro-
minulis subrectis, supra parum convexus, subtilissime trans-
9%
132
versim rugulosus, stria media longitudinali obsoleta, ante apicem
distinetius transversim impressus, basi utrinque impressione
oblonga notatus; marginibus lateralibus elevatis. Scutellum
triangulare. Coleoptera oblongo-ovata, subdepressa, subtili-
ter obsoleteque punctato-striata, stria tertia punctis 4 maio-
ribus impressa, interstitiis planis, laevibus, penultimo apice
elevato-plicato. Tarsi articulo quarto bilobo, lobis inaequa-
libus, exteriore elongato. N
19. Dyscolus dilatatus: Brunneus , submetallico -ni-
tidus, antennis, ore, pectore pedibusque testaceis,
coleopteris latis, subtiliter obsoleteque striatis. —
Long. 3 lin. |
Brunneus, nitidus, subaeneo-micans. Antennae testaceae.
Caput fronte antice utrinque suleata, ore testaceo, Thorax
latitudine dimidio brevior, lateribus leviter rotundatus, basi
apiceque truncatus, angulis posterioribus denticuli instar subpro-
minulis, parum convexus, stria longitudinali subtilissima utrin-
que abbreviata, basi utrinque leviter obsoleteque impressus,
margine laterali reflexo. Coleoptera subovata, thorace plus
duplo latiora, levissime convexa, subtilissime obsoleteque '
striata, interstitiis laevigatis, penultimo apice plicato-elevato.
Pectus testaceum. Pedes testacei, tarsis articulo penultimo
bilobo, lobis inaequalibus, exteriore paulo longiore.
III. Lestöignathus.
Fam. Carabi. Trib. Anchomenini.
Labrum transversum, fortiter emarginatum.
Mandibulae apice dilatato, alterius convexo, alterius
concavo, extus acute uncinato, intus dentato.
Mentum sinu simpliei, absque dente. ”
Ligula subquadrata, membranacea.
Tarsi simplices, antiei maris articulis 3 primis leviter
dilatatis, subtus squamoso -tomentosis.
Taf. IV. Fig. 3. a. b.
Ganz das Aussehen eines Dyscolus oder Anchomenus.
Von der ersten Gattung indess durch den fehlenden Zahn im
Kinn und durch das nicht herzförmig ausgeschnittene vierte
133°
Fussglied unterschieden, von der letzten weit entfernt durch
die Structur der Mundtheile, welche in der gegenwärtigen
Gattung in hohem Grade ausgezeichnet ist. Am nächsten ist
Lestignathus ohne Frage mit Dyscolus verwandt. Die Lefze
(s. F. 3.) ist ziemlich kurz, weit und tief ausgerandet. Die
Mandibeln (s. F. 3.) sind nicht, wie bei den übrigen Caraben,
einfach zugespitzt, sondern erweitern sich zu einer schrägen
Schneide, welche an der rechten concav, an der linken convex
ist, welche bei beiden aussen von einem längern, hakenförmig
gebogenen, innen von einem merklich vorspringenden Zahn
begränzt wird, und von denen die linke zwischen der haken-
förmigen äussern Spitze und der Convexität der Schneide mit
einem Einschnitt zur Aufnahme der äussern hakenförmigen
Spitze der rechten Mandibel versehen ist, so dass beide in
der Ruhe genau ineinander greifen. Die innere Lade der
Maxillen (F. 3. a.) ist ziemlich gestreckt, am Innenrande mit
steifen Borsten dicht gefranzt. Die Taster sind lang, faden-
förmig, das erste Glied klein, das. zweite besonders lang, das
dritte und vierte fast von gleicher Länge. Das Kinn (F.3..) ist
vom Kopfe durch eine Naht kaum getrennt, tief ausgebuchtet,
olıne Zahn in der Ausrandung. Die Zunge ist fast viereckig,
einfach pergamentartig, nur die Mitte des gerade abgeschnit-
tenen Vorderrandes hornig. Die Lippentaster sind lang, fa-
denförmig, die Tasterstämme ganz frei, das erste Glied klein,
das zweite etwas länger als das dritte. Die Fühler sind lang
und fein, das erste Glied etwas länger und dicker als die
übrigen, das zweite kurz, die folgenden von gleicher Länge,
die letzten allmälig etwas kürzer. Der Kopf ist viel schmä-
ler als das Halsschild, mit kleinen, wenig vorspringenden Au-
gen und scharf vorspringendem untern Wangenrande. Das
Halsschild bedeutend schmäler als die Flügeldecken, fast vier-
eckig, nach hinten etwas verschmälert. Das Schildchen sehr
klein. Die Flügeldecken mit eiförmigem Umriss, vorn jede
ausgebuchtet, hinten vor der Spitze leicht ausgerandet, eben
so wenig abgestutzt wie bei Dyscolus. Sie sind miteinander
verwachsen, und unter ihnen finden sich keine Flügel. Die
Beine sind lang und schlank, die Füsse einfach, unten jeder-
seits mit einer Reihe kurzer steifer Borsten besetzt; an den
Vorderfüssen des Männchens die drei ersten Glieder mässig er-
134
weitert,so dass sie einzeln länglichviereckig sind, unten mitschup-
pigen Papillen ziemlich dicht besetzt. Die Klauen sind einfach.
20. Lestignathus cursor: Nigro-piceus, elytris subtiliter
striatis, tibiis tarsisque ferrugineis. — Long. 6 lin.
Statura omnino Pristonychi subeyanei, licet coleopteris
latioribus et magis depressis, piceo-niger, minus nitidus. An-
tennae piceae. Mandibulae ferrugineae. Caput laeve, inter
antennas utrinque leviter impressum et subtiliter longitudina-
literque rugosum. Thorax coleopteris duplo angustior, late-
ribus leviter rotundatis, basin versus angustatus, basi apice-
que leviter emarginatus, margine Jaterali reflexo, rufescente,
disco canaliculatus, basi utrinque longitudinaliter ad medium
usque impressus, impunctatus. Coleoptera subtiliter striata,
stria penultima punctis maioribus marginalibus notata. Pedes
picei, tibiis tarsisque ferrugineis.
21. Eunectes australis: Oblongus, luteus, thorace im-
maetulato, elytris dense punctatis. — Long. 6 lin.
Distinetus ab E. stictieo statura magis oblonga, coleo-
pteris posterius haud dilatatis, thorace distinete longiore, im-
maculato, elytris densius punctatis. Elytra margine versus
medium puncto minuto nigro, ante apicem litura tenui undu-
lata transversali obsoletissima signata.
22. dAleochara speculifera: Nigro-aenea, nitida, tho-
race biseriatim punctato, elytris punctatis, plaga di-
scoidali laevissima. — Long. 2% lin.
Statura omnino A, lanuginosae, tota nigro -aenea, nitida.
Antennae capite sesqui longiores, articulo secundo tertio du-
plo fere breviore, sequentibus crassis, 5—10 fortiter transversis,
ultimo conico, nigrae, Caput deflexum, inaequaliter fortiterque
punctatum, Thorax transversus, basi fortiter, lateribus et an-
gulis omnibus leviter rotundatis, leviter convexus, punctis
fortibus dispersis, hinc inde acervatis, medio biseriatis inae-
qualiter notatus. Seutellum erebre punctatum. Elytra thora-
eis longitudine, erebre punctata et subtiliter pubescentia, se-
cundum marginem lateralem laevigata, plaga ovali discoidali
laevissima, polita. Abdomen parallelum, confertim punctatum,
Pedes nigri, tarsis piceis.
135
23, Stigmodera virginea: Viridi-aenea, nitida, anten-
nis tarsisque cyaneis, elytris Juteo-maculatis, leviter
trieostatis, apice bidentieulatis. — Long. 6 lin.
Laete viridi-aenea, nitida, supra glabra, infra subtiliter
tenuiterque pubescens. Caput dense punetatum, fronte subim-
pressa, superne canaliculata. Antennae cyaneae, articulo primo
viridi. Thorax crebre punetatus, intra angulum utrumque
posteriorem impressus. Scutellum puneto impresso notatum,
Elytra obsolete punctato-striata, interstitiis punetulatis, alternis
costis instar elevatis, apice summo emarginato, maeulis minu-
tis 3 vel 4, prima infra humerum, ultima lineari ante apicem
marginali, lineola basali lituraque angulata longe infra medium,
nonnunguam quoque macula media discoidalibus luteis. Tarsi
eyanei.
Variat elytrum: 1, maculis 2, 2, litura transversa, macu-
laque marginali ante apicem; — 2, maculis 2, 1 (marginali),
litura transversa, maculaque marginali; — 3, maculis 2, 1.1.
4, his tribus marginalibus.
24. Melobasis kypocrita: Infra purpureo -metallica, su-
pra obscure aenea, elytris nigro-aeneis, regulariter
punetato -striatis. — Long. 52 lin.
Antennae articulo primo. eupreo, secundo tertioque vi-
ridi-aeneis, reliquis ‚chalybeis.“ Caput fronte plana, confertim
aequaliter punctata, albido-pubescente, obscure aenea, mar-
ginem anteriorem versus virescente. Thorax coleopteris per-
parum angustior, lateribus a basi ultra medium subreetis,
dein antrorsum modiee angustatus, basi obsolete tri-impres-
sus, dorso disperse, lateribus ereberrime punetatus, obscure
‚aeneus, nitidus. Scutellum aeneum, glaberrimum. Elytra sub-
aequalia, punctato -striata, margine laterali apieem versus ser-
rato, apice spinoso, nigro-aenea, nitida. Corpus infra_pur-
pureo -metallicum, splendidum, violaceo - versicolor, Pedes
coneolores, antici antice virides, tarsis omnibus coeruleis.
25. Melobasis prisca: Viridi-aenea, nitida, elytris in-
terne irregulariter seriatim, externe intricatim puneta-
tis, interstitio quarto apicem versus carinato. — Long.
6 lin.
136
M.-hypocritae latior, tota viridi-aenea, nitida. Antennae
articulis 3 primis cupreis, reliquis chalybeis. Labrum apice
testaceum. Frons plana, confertim punctata, albido-pubescens.
Thorax basi coleopterorum prope latitudine, antrorsum aequa- _
liter angustatus, lateribus vix rotundatis, subdepressus, dorso
pareius punetatus, lateribus punctis confertis, transversis, ru-
goso-intricatis. Sceutellum glaberrimum. Elytra subtiliter se-
riatim punctata, interstitio quarto suturaque posterius carinae
instar elevatis, externe irregulariter punctata cuprascentiaque,
margine a medio inde serrato, apice spinoso. Tarsi viridi-
coerulei,
26. Lacon humilis: Niger, opacus, pallido-setulosus,
fronte inaequali thoraceque depresso profunde puncta-
tis, elytris profunde striato-punctatis, interstitiis sub-
tiliter punctatis. — Long. 34 lin.
L. caliginoso quadruplo minor, depressus, fusco-niger,
opacus, setulis reclinatis pallidis tenuiter vestitus. Antennae
subserratae, concolores. Frons subelevata, profunde punctata,
medio fortius impressa. Thorax coleopterorum latitudine, ante
medium leviter rotundatus, subdepressus, profunde punctatus,
postice obsolete canaliculatus et utrinque obsolete impressus.
Scutellum punctatum. Elytra thorace duplo longiora, depressa,
profunde striato-punctata, interstitiis planis subtiliter puncta-
tis. Corpus infra profunde punctatum. Pedes picei, haud
recepti.
27. Monocrepidius Australasiae: Fuscus, thorace
dense punctato, postice obsolete canaliculato, elytris
punctato-striatis, macula basali, antennis pedibusque
testaceis. — Long. 8 lin.
Elater Australasiae Boisd. Faun. de POcean. 104. 2.
Robustus, fuseus, pube subtili grisea dense vestitus. An-
tennae palpique rufo-testacei, illae articulis 4—6 externe ca-
rinatis. Frons parum convexa, dense profunde punctata.
Thorax latitudine baseos haud longior, maris antrorsum an-
gustatus, feminae incrassatus, lateribus leviter rotundatis, dense
punctatus, postice obsolete canalieulatus. Elytra punetato-
striata, striis parum profundis, interstitis vix convexis, sub-
137
tiliter punctulatis, apice integra, summa basi macula testacea
notata. Pedes testacei.
28. Monocrepidius cerdo: Fuscus, thorace subtiliter
confertissime punctato, leviter canaliculato, elytris
punctato-striatis, thoraeis angulis posterioribus abdo-
minisque segmenti analis margine rufescentibus, pedi-
bus testaceis. — Long. 63—8 lin.
Praecedenti similis, at minus robustus, fuscus, pube sub-
tili sericante fulvo-grisea vestitus. Antennae et palpi rufo-
‚ testacei, illae articulis 4—6 externe carinatis. Frons tumidula,
_ dense subtiliter punctata. Thorax latitudine paulo longior,
maris distinete, feminae vix antrorsum angustatus, lateribus
perparum rotundatis, totus subtiliter confertissime punctatus,
sulco longitudinali, antice evanescente leviter impressus,
margine posteriore cum angulis fortius prominentibus ru-
fescentibus. Elytra thorace plus duplo longiora, fortiter pun-
ctato-striata, interstitiis convexis, subtiliter punctulatis, apice
integro. Abdomen segmento anali rufo -marginato. Pedes
testacei.
29. Monocrepidius tabidus: Fusco -testaceus ‚. subde-
pressus, thorace confertissime subtiliter punctato, ob-
solete canaliculato, elytris punctato-striatis, apice
oblique truncatis, pedibus flavis. — Long. maris 5,
fem. 7 lin.
Praecedenti affınis, subdepressus, supra fusco -testaceus,
pube subtili grisea densius vestitus. Antennae longiores, ab
articulo tertio inde extus carinatae, testaceae. Caput maiu-
sculum, fronte depressa, plana, confertim subtiliter punctata.
Thorax latitudine baseos paulo longior, in utroque sexu licet
in mare paulo magis antrorsum angustatus, lateribus subreetis,
eonfertissime subtiliter punctulatus, obsolete canalieulatus.
Elytra thorace duplo dimidioque longiora, fortiter punctato-
striata, interstitiis vix convexis, subtiliter punctulatis, apice
summo introrsum oblique truncato. Corpus infra fuscum, mar-
gine rufescente, Pedes flavo - testacei.
30. Monocrepidius fabrilis: Nigro-fuscus, - thorace
subtiliter confertissime punectato, obsolete canaliculato,
138
elytris punetata striatis, antennis, palpis abdominisque
margine anali testaceis, pedibus pallidis. — Long.
4 — 5 lin.
Praecedentibus minor, niger, elytris Jam concoloribus
iam fuseis, vix nitidus, pube sericante grisea densius vestitus.
Antennae nullo modo carinatae palpique rufo-testacei. Frons
subdepressa, erebre subtilius punctata, obsolete canalieulata.
Thorax latitudine haud longior, antrorsum leviter angustatus,
lateribus maris perparum, feminae modice rotundatus, subtili-
ter confertissime punctatus, posterius obsolete canalieulatus.
Elytra thorace plus duplo longiora, punctato-striata, intersti-
tiis convexis, dense punctulatis, apice integro. Abdomen ano
rufo-marginato. Pedes pallide testacei, femoribus flavis.
Am Nächsten mit M. cerdo verwandt, aber in der ganzen
Reihe der hier beschriebenen Arten durch die gänzlich unge-
kielten Fühler unterschieden.
31. Monocrepidius rutilicornis: Niger, thorace con-
fertissime subtiliter punctato, postice obsolete cana-
liculato, elytris punctato -striatis, obscure fuseis, an-
tennis tarsisque ferrugineis, — Long. maris 41, fem.
54 lin.
Corpus nigrum, opacum, pube subtili einerea densius
vestitum, Antennae laete ferrugineae, articulo primo nigro,
ab articulo tertio inde externe carinatae. Palpi testacei. Ca-
put confertim punctatum, fronte media leviter impressa, mar-
gine antico acute elevato. Thorax latitudine paulo longior,
feminae crassiusculus, maris antrorsum angustatus, totus con-
fertim subtiliter punctatus, postice obsolete canaliculatus. Ely-
tra thorace paululum plus duplo longiora, punctato - striata,
striis per paria paulo magis approximatis, interstitiis planis,
punctato-rugulosis, obscure fusca vel nigricantia. Pedes ni-
gri, trochanteribus et femorum extremitatibus subferrugineis,
tarsis ferrugineis. f
32. Monocrepidius fuscicornis: Niger, thorace con-
fertissime punctato, postice obsolete canalieulato, ely-
tris punctato-striatis, fuseis, pedibus testaceis, abdo-
minis-segmento anali rufo -marginato. — Long. 4 lin.
|
|
|
|
|
= 139
Statura omnino praecedentis. Corpus nigrum, opacum,
pube subtili grisea densius vestitum. Antennae fuscae, arti-
eulo primo apiceque subferrugineis, articulis 4—6 externe ob-
solete carinatis. Palpi dilute testacei. Caput confertim pro-
funde punctatum, fronte aequali. Thorax latitudine baseos
vix longior, antrorsum modice angustatus, lateribus leviter
rotundatus, confertissime subtilius punetatus, postice obsolete
canaliculatus. Elytra thorace paulo plus duplo longiora, pun-
etato-striata, interstitiis vix convexis, punctato-rugulosis, fusca,
basi nigricantia. Abdomen: segmenti analis margine late et in-
determinate rufo. Pedes rufo-testacei. (Fem.)
33. Melanoxanthus 4-guttatus: Aterrimus, elytris
maculis duabus aurantiacis. — Long 3% lin.
Elongatus, aterrimus, nitidus, subtiliter tenuiterque nigro-
pubescens. Antennae tlıoracis basin paulo superantes. Caput
parce subtiliter punetatum, fronte media leviter impressa. Tho-
rax oblongus, antrorsum sensim angustatus, lateribus subreectis,
leviter convexus, erebrius minus fortiter punctatus, basi for-
titer impressus. Scutellum oblongum, acuminatum. ‚Elytra
thorace paulo plus duplo longiora, punctato-striata, intersti-
tiis angustis, leviter convexis, passim punctulatis, maculis
duabus rotundatis aurantiacis, prima basali, minore, secunda
paululum ante medium sita. Tarsi apice picei.
34. Pristilophus trisulcatus: Niger, thorace rufo,
fortiter trisuleato, suleis nigris, elytris testaceis, apice
nigris, — Long. 6% lin.
Elongatus, subtiliter albido-pilosellus, Antennae thoracis
basin paulum superantes, compressae, serratae, articulo se-
cundo tertioque minoribus, ultimo articulo quasi spurio aucto;
aterrimae, Caput atrum, fronte inaequali, profunde punctata,
Thorax elongatus, antrorsum sensim subangustatus, lateribus
subrectis, angulis posterioribus spiniformibus extrorsum obli-
que prominentibus, supra crebre fortiter punctatus, fortiter
irisulcatus, supra rufus, suleis parallelis nigris, 'infra aterri-
mus. Seutellum piceum. Elytra thorace paulo plus duplo
longiora, iam a basi inde sensim attenuata, fortiter punetato-
striata, interstitiis auguslis, convexis, passim punctulatis, te-
140
stacea, apiee nigricantia. Peetus et abdomen cum pedibus
aterrima, tarsis apice piceis.
IV. Crepidomenus.
Fam. Elateres.
Caput porrectum, fronte antice immarginata.
Mandibulae bidentatae.
Palpi breves, articulo ultimo securiformi.
Antennae filiformes, 11-articulatae, articulo secundo
minuto.
Tarsi articulo primo leviter elongato secundoque
subtus tomentosis, tertio quartoque subtus mem-
brana vestitis, hoc subcordato. Unguieuli simplices.
Es steht diese neue Gattung in der nächsten Verwandt-
schaft mit Corymbites, Pristilophus u. s. w. von Latreille, kurz
mit allen aus Ludius Esch. gebildeten Gattungen; sie unter-
scheidet sich aber auf der Stelle durch die Bildung der Füsse.
Das erste Glied, namentlich an den hinteren Füssen, ist etwas
gestreckt, die folgenden sind kurz, das vierte ziemlich herz-
förmig, das Klauenglied kaum so lang, als die beiden vorher-
gehenden zusammengenommen. Das dritte und vierte Glied ,
sind unten mit einem herzförmigen Hautlappen besetzt, wel-
cher kaum über die Spitze des Gliedes wegragt, das erste
und zweite sind unten dicht behaart. Das Prosternum hat
einen stark vortretenden , halbkreisförmigen vordern Fortsatz.
Die Gestalt des Kopfes ist ganz die der oben erwähnten Gat-
tungen. Die Fühler sind bei beiden Geschlechtern fadenför-
mig, das erste Glied dick, das zweite kurz, die übrigen mäs-
sig gestreckt, das letzte olıne deutlich abgesetztes Scheinglied.
35. Crepidomenus fulgidus: Aeneo-cupreus, nitidus,
albo-hirtus, thorace sulcato, elytris punctato -striatis.
— Long. maris 61—8, fem. 9—103 lin.
Elongatus, aeneo-cupreus, nitidus, pilis albis supra ereetis
infra depressis vestitus. Antennae nigrae. Frons subimpressa
erebre profundeque punctata. Thorax oblongus, antrorsum
sensim leviter angustatus, lateribus subrectis, minus dense
|
ine ee
141
punetatus, profunde suleatus, anterius utrinque longitudinali-
ter subimpressus, impressione creberrime punctata. Scutellum
ovale, subtiliter punctulatum, elevatum. Elytra thorace duplo
et dimidio longiora, fortiter punctato-striata, interstitiis levi-
ter convexis, parce subtiliter punetulatis. Abdomen densius
albo-tomentosum. Pedes nigri, albo-pubescentes.
36. Crepidomenus decoratus: Niger, thorace sulcato,
elytris castaneis, vitta flava, nigro-terminata. — Long.
4—6 lin.
Corpus pilis brevibus albis tenuiter vestitum. Antennae
piceae, Caput nigrum, fronte subimpressa, minus dense pun-
etata. Thorax latitudine baseos paululum longior, antrorsum
angustatus, lateribus subrectis, pareius punctatus, profunde
suleatus, niger, nitidus, supra margine apieis baseosque cum
angulis posterioribus, infra prosterni mucrone et processu an-
teriore rufo-piceis. Scutellum ovatum, castaneum. Elytra tho-
race duplo et dimidio longiora, punctato -striata, castanea,
vitta obliqua, utrinque attenuata, neque humerum neque api-
cem attingente flava, utringue nigro-terminata, margine inflexo
Inteo. Pectus piceum. Abdomen rufo-piceum, densius albo-
tomentosum. Pedes rufi, femoribus piceis.
37. Crepidomenus taeniatus: Nigro-aeneus, thorace
sulcato, elytris punctato-striatis brunneis, vitta ob-
secure testacea. — Long. 33—5 lin.
Corpus elongatum, griseo-puberulum. Antennae nigrae,
artieulis singulis a secundo inde basi rufis. Caput nigro-
aeneum, fronte late leviter impressa, vage punctata. Thorax
‚oblongus, antrorsum modice angustatus, lateribus subrectis,
dorso parce, lateribus erebrius punctatus, sat profunde at mi-
mus fortiter sulcatus, supra nigro-aeneus, nitidus, infra late-
ribus brunneus, prosterno nigro, mucrone et processu antico
rufis. Scutellum ovale, nigricans. Elytra thorace paulo plus
duplo longiora, punctato-striata, interstitiis leviter convexis,
passim punctatis, obscure testacea, vitta suturali submargina-
lique aeneo-brunneis. Pectus nigrum. Pedes cum coxis po-
stieis rufi, femoribus piceis. Abdomen iam rufum, nigro-
aeneo-versicolor, jam nigrum ano piceo. Corpus infra den-
sius cinereo - tomentosum.
142
vv. Atelopus.
Fam. Elateres.
Caput cernuum.
Mandibulae bidentatae.
Palpi articulo ultimo securiformi.
Antennae filiformes, 11-articulatae.
Laminae tectrices angustae, intus subito dilatatae.
Tarsi articulo quarto abbreviato, subtus lobo mem-
braneo exiguo instructo. Unguiculi simplices.
Eine neue Gattung aus der Abtheilung derjenigen Elate-
ren, wo die gewölbte Stirn nach vorn, der Mund nach unten
gerichtet ist. Im Habitus gleicht sie am meisten einem Agrio-
tes oder Sericosomus, doch ist der Körper flacher. Die schma-
len und nach innen plötzlich erweiterten Schenkeldecken las- '
sen sie nur mit Dolopius vergleichen. Die Fühler sind faden-
förmig, das zweite und dritte Glied kleiner, namentlich schmä- |
ler als die folgenden. Das Prosternum ragt vorn so weit vor,
um den Mund von unten zu bedecken. An den Füssen ist
das erste Glied etwas gestreckt, das zweite und dritte ziem-
lich kurz, das vierte sehr kurz, unten mit einem sehr kleinen
Hautläppchen; das Klauenglied so lang als die drei vorherge-
henden Glieder. {
38. Atelopus furvus: Fronte marginata, niger, thorace
eonfertissime punctato, canaliculato, elytris fuseis,
antennis pedibusque testaceis. — Long. 5; lin.
Niger, opacus, pube subtilissima fuseo-grisea densius ve-
stitus. Antennae longiores, testaceae. Caput subtiliter con-
fertimque punctatum, fronte leviter convexa, margine antico
prominente, Thorax eoleopterispaulo latior, latitudine baseos
haud longior, lateribus rotundatus, antrorsum modice angu-
status, leviter convexus, subtiliter confertissime punctatus, ob-
solete canaliculatus, angulis posterioribus fortiter productis, ,
Seutellum ovatum, omnium subtilissime punetulatum. 'Elytra
thorace duplo longiora, subdepressa, punctato-striata, inter-
stitiis planis, confertim subtiliterque punctato-rugulosis, ob--
secure fusca. Abdomen segmento anali apice tenuiter rufo-.
marginato. Pedes rufo - testacei.
143
39. Atelopus lueidus: Fronte marginata, rufo-testaceus,
thorace pareius punctato, elytris apice fuscescentibus.
— Long. 33 lin, R
Saturate rufo-testaceus, nitidus, fulvo-pubescens. An-
teımae longiores, elytrorum basin attingentes. Frons profunde
punctata, antice marginata, margine autem haud prominente.
Thorax latitudine baseos brevior, lateribus rotundatus, antror-
sum angustatus, leviter convexus, parcius punctatus, lateribus
flavescens, margine laterali acuto. Seutellum ovatum, vix
punctatum. Elytra thorace duplo et dimidio longiora, sub-
tiliter ‘punctato - striata, interstitiis planis, parcius punctatis,
apice fuscescentia. Pedes dilute testacei.
40. Atelopus humilis: Fronte immarginata, niger, tho-
race coleopteris latiore, confertissime punctato, ely-
tris fuseis, antennis, tibiis tarsisque ferrugineis. —
Long. 4% lin.
Subdepressus, niger, opacus, pube brevi aurato-grisea -
densius vestitum. Antennae breves, thoracis basin haud at-
tingentes, ferrugineae. Frons antice immarginata, supra levi-
ter impressa, confertim profunde punctata. Thorax coleopte-
ris paulo Jatior, Jatitudine baseos paulo brevior, lateribus ro-
tundatus, antice angustatus, subdepressus, omnium confertis-
‚sime punctatus, postice obsolete canaliculatus, angulis poste-
rioribus minus produetis, fuseis. Seutellum ovatum, punetu-
latum, Elytra thorace plus duplo et dimidio longiora, apicem
versus sensim attenuata, subdepressa, punctato-striata, inter-
stitüs leviter convexis, punctato-rugulosis, fusca. Corpus
infra nigrum, nitidum, abdominis segmento anali tenuissime
rufo-marginato. Pedes ferruginei, femoribus nigris.
MM. Atelopus infimus: Fronte immarginata, thorace
er erebre punctato, niger, antennis tarsisque ferrugineis.
‚ — Long. 3 lin.
Hi
Praecedenti affınis, at multo minor, thorace minus lato,
minus eonfertim punetato ete, distinetus, subdepressus, niger,
‚opacus, pube brevi, rigida, grisea, micante densius vestitus.
Antennae breves, thoracis- basin haud attingentes, et palpi
ferruginei. Frons antice immarginata , supra leviter impressa,
144
erebre profundeque punctata. Thorax coleopterorum latitudine,
latitudine baseos paululum brevior, lateribus subreetus, antice
angustatus, subdepressus, confertim sat profunde punctatus,
angulis posterioribus minus prominentibus fuseis. Scutellum
ovale, punctulatum. Elytra thorace triplo prope longiora, sub-
depressa, punctato-striata, interstitiüs punetato-rugulosis, fusco-
nigra. Corpus infra nitidum, abdominis segmento anali rufo-
marginato. Pedes femoribus nigris, tibiis piceis, trochanteri-
bus tarsisque ferrugineis.
a 2
42. Cyphon australis: Oblongus, obseure testaceus, gri-
seo-pubescens, elytris obsolete 3-lineatis — Long.
21 lin. |
Oblongus, ©. livido sesqui longior licet eiusdem latitudi-
nis, saturate testaceus, thoracis disco corporeque infra fusce-
scentibus, callo humerali dilutiore, totus dense pube grisea
sericante vestitus. Antennae fuscae, articulis singulis apice
testaceis. Caput confertissime subtiliter punetatum. Thorax
parvus, coleopteris angustior, Jatitudine duplo- brevior, lateri-
bus et apice rotundatus, basi prope medium utrinque emargi-
natus, angulis posterioribus obtusiuseulis, confertissime pun-
ctatus, disco pone medium utrinque leviter impressus, margine
laterali reflexo. Scutellum confertissime punetatum, disco ele-
vato. Elytra dense subtiliter punctata, oblique inspecta lineis
tribus elevatis obsoletissimis. Femora medio fuscescunt.
43. Porrostoma erythropterum: Nigrum, thorace 7-
areolato, elytris thorace quadruplo longioribus, 4-co-
statis, interstitiis biseriatim cancellato - punctatis. —
Long. 5—6 lin.
Caput supra antennas transversim impressum. Thorax
basi bisinuatus, lobo intermedio ineiso, angulis posterioribus
acutioribus obtusioribusve, antrorsum angustatus, supra de-.
pressus, marginibus et plicis elevatis in areolas 7 divisus, an--
terioribus 4, posterioribus 3, intermedia elongata, lanceolata,
lateralibus omnibus maioribus. Elytra thorace Aplo longiora,,
medio dehiscentia, minio-rubra, marginibus et lineis 4 lon-
gitudinalibus- elevatis, interstitüs biseriatim cancellato -punctatis..
145
Von der meist für Lycus rufipennis F, gehaltenen Art
durch die um eine Halsschildlänge kürzeren Flügeldecken
constant verschieden. Nur Männchen. Die Form des Hals-
schildes ist veränderlich; es ist bald länger und schmaler, bald
breiter und kürzer, die Hinterecken sind mehr oder minder
zugespitzt, zuweilen abgestumpft.
44. Porrostoma (Metriorhynchus) rufipennis: Niger,
thorace 7-areolato, elytris rufis, 4-costatis, interstitüs
biseriatim cancellato-punctatis. — Long. 4—5 lin.
Lycus rufipennis Fah. Syst, El. 1. 114. 2.
Elongatus, niger. Caput supra antennarum basin trans-
versim impressum. Thorax latitudine baseos haud brevior, an-
trorsum angustatus, basi bisinuatus, lobo intermedio inciso,
angulis posterioribus acutiusculis, anterioribus rotundatis, supra
depressus, plicis elevatis in areolas septem divisus, anterioribus
A, minoribus, subaequalibus, posterioribus 3, lateralibus ma-
ioribus, intermedia attenuata, lanceolata, antrorsum inter areo-
Jas anteriores intrante. Elytra elongata, parallela, minio-rufa,
sutura, margine lineisque quatuor longitudinalibus elevatis,
interstitiis biseriatim clathrato-punctatis.
45. Porrostoma (Metriorhynchus) marginatus: Niger,
thorace 7-areolato, elytris rufo-marginatis, 4-costa-
un tis, interstitiis biseriatim cancellato - punctatis. —
Long. 4 lin.
Elongatus, niger. Caput supra antennarum basin fortiter
impressum. Thorax latitudine baseos haud brevior, basi trun-
eatus, antrorsum angustatus, medio coarctatus, angulis poste-
rioribus acutis, anterioribus obtusis, antice productus, supra
depressus, margine et plicis elevatis in areolas septem divi-
sus, anterioribus 4, minoribus, subaequalibus, posterioribus 3,
Jateralibus maioribus, intermedia angustata. Elytra elongata,
4-costata, interstitiis biseriatim cancellato -punctatis, margine
laterali et apicali rufis, hoc latiore.
46. Porrostoma (Metriorhynchus) discoideus: Niger
thorace 3-areato, elytris rufis, disco nigricantibus,
tricostatis, interstitiis bifariam. cancellatis. — Long.
44—5} lin,
Archiv £, Naturgesch, VIII, Jahrg, 1, Bd. 40
146
Niger, Caput supra leyiter impressum. Thorax basi tri-
sinuatus, antrorum angustatus, lateribus subrectis, angulis po-
sterioribus maris acuminatis, produetis, feminae truncatis, su-
pra depressus, plieis duabus longitudinalibus in areas tres
divisus , area intermedia angusta, lanceolata, apicem haud at-
tingente, Elytra lineis tribus elevatis, interstitis rugis longi-
tudinali et transversalibus bifariam cancellata, fulvo-rubra, disco
secundum longitudinem nigricante, licet costis rubescentibus.
47. Anarhynchus seutellaris: Niger, thorace basi 4-
plicato, coleopteris rubris, macula triangula scutellari
nigra. — Long. 5 lin.
Niger, nitidus. Antennae subteretes, articulo primo crasso,
secundo parvo, cylindrico, crassitie paulo longiore, reliquis
subaequalibus, Caput exsertum, fronte convexa, canaliculata,
palpis crassiuseulis, filformibus, artieulo ultimo subacuminato,
Thorax transversus, antrorsum leviter angustatus, lateribus
rectis, apice truncatus, margine anteriore et posteriore eleva-
tis, basi plieis 4 elevatis, exterioribus obliquis et interioribus
tuberculiformibus foveolis profundis interiectis diseretis, Scu-
tellum apice truncatum. Elytra depressa, parallela, apice ro-
tundata, subtiliter punctulata, substriata, interstitiis alternis le-
viter elevatis, ruberrima, subtilissime rubro-tomentosa, plaga
communi triangulari circa scutellum nigra. Pedes maris vali-
diores, femoribus anticis inerassatis.
48. Cantharis nobilitata: Nigra, vertice, thorace abdo-
mineque rufis, elytris punctatis, viridibus, nitidis. —
4 — 5 lin.
Caput cum antennis nigrum, nitidum, vertice rufo, Tho-
rax coleopteris parum angustior, subquadratus, lateribus rectis,
angulis posterioribus obtusis, anterioribus rotundatis, leviter‘
convexus, impunctatus, testaceo-rufus, vix nitidus, Elytra
punctato-rugulosa, viridia, nitida, glabra. Pectus nigrum,
Abdomen testaceum, stigmatibus anoque nigris. Pedes nigri,
trochanteribus apice testaceis. Unguiculi omnes in utroque'
sexu simplices,
Mas mandibulis, frontis margine sinuato antico, coxarum-
que anteriorum basi flavis.
147
49. Attalus abdominalis: Niger, pilosus, elytris eya-
neis, thorace abdomineque rufis, hoc apice nigro. —
Long. 1% lin.
Statura A. Lusitaniei, nitidus, supra subtiliter tenuiterque
einereo- pubescens, nigro-pilosus. Caput vix punctulatum,
fronte impressa, nigrum, ore concolore. Antennae articulo
primo nigro (reliqui desunt). Thorax coleopteris paulo an-
gustior, lateribus et basi eodem areu rotundatus, apice trun-
eatus, leviter convexus, laevis, rufus, nitidus. Elytra parallela,
apice rotundata, parce obsoleteque punctata, cyanea, nitida.
Pectus nigrum. Abdomen rufum, segmento ultimo nigro. Pe-
des nigri.
50. Ptinus exulans: Testaceus, fulvo-hirtus, thoracis
lituris duabus, seutello elytrorumque punctis tribus
albo -tomentosis. — Long. 1% lin.
Saturate testaceus, nitidus. Caput fuscum, griseo -pube-
scens. Antennae fusco-testaceae. Thorax coleopteris duplo
angustior, lateribus medio obtuse angulatus, supra modice
elevatus, subtiliter canalieulatus, punctato-rugosus, _dense
fulvo-hirtus, utrinque litura longitudinali e pilis niveis nota-
tus. Seutellum parvum, oblongum, niveo -tomentosum, Co-
leoptera ovalia, convexa, striato-punctata, striis pone medium
eyanescentibus, interstitiis subtiliter seriatim punetatis, pilis
erectis fulvis hirta, punctis humerali singulo et binis pone
medium transversim positis niveo -tomentosis., Corpus in-
fra cum pedibus griseo - pubescens, pectoris lateribus albo-
tomentosis,
51. Lymexylon australe: Nigrum, nitidum, thorace lon-
gitudinaliter impresso, elytris integris, pedibus piceis.
— Long. 4 lin.
Corpus lineare, nigrum, nitidum, subtilissime griseo-pu-
bescens, Caput deest. Thorax latitudine paulo longior, basi
subsinuatus, lateribus rectis, antice cum angulis anterioribus
rotundatus, angulis posterioribus subrectis, ereberrime pun-
etatus, Jateribus depressus, disco late longitudinaliter im-
pressus. Scutellum pumnctatissimum. Elytra elongata, pa-
rallela, apice rotundata, dense subtiliter punctata, lineis tri-
10 #
148
bus subelevatis, piceo-nigra.: Abdomen piceo-nigrum. Pedes
picei.
52. Apate collaris: Picea, thorace, antennis pedibusque
rufis, elytris postice truncato -retusis. — Long. 23 lin.
Statura fere A. sinuatae, nitida, glabra. Antennae rufo-
testaceae. Caput punctato-rugulosum, nigrum, ore piceo.
Thorax coleopterorum latitudine, subquadratus, convexus, an-
tice retusus, parte retusa punctis elevatis asperata, apice le-
viter emarginato et utrinque unco minuto armato, dorso poste-
riore laevigato, laete rufus. Seutellum rufo-piceum. Coleo-
ptera thorace plus duplo longiora, densius punctata, apice
oblique truncato-retusa, truncatura supra utrinque bicarinulata,
carinula exteriore longiore, dentis instar prominente, lateribus
"et infra marginata, margine apieis producto; nigro-picea, basi
dilutiora. Pectus nigrum. Abdomen piceo-testaceum. Pedes
rufo - testacei.
VE Brachypeplus.
Fam. Nitidulariae. Trib. Carpophilinae.
Maxillae mala singula.
Palpi labiales articulo ultimo subsecuriformi,
Elytra abbreviata,
Abdomen segmentis in utroque sexu 5, primis duo-
bus brevissimis, reliquis 3 liberis.
Tibiae pubescentes.
Unter den Nitidularien sondert sich eine Gruppe durch
breiteres und abgestutztes, also fast beilförmiges Endglied der
Lippentaster bei verkürzten und zwei oder drei Segmente des.
Hinterleibes unbedeckt lassenden Flügeldecken ab. Hierhin
gehören Carpophilus Leach und Cillaeus Laporte. Es lassen
sich aber noch mehrere natürliche Gattungen unterscheiden,
wobei man namentlich auch auf die Verhältnisse der Hinter-
leibssegmente Rücksicht zu nehmen hat; Carpophilus gehört zu
denen, wo beim Männchen sich ein sechstes rundes After-
segment einschiebt. Ausserdem unterscheidet sich Brachype-
plus von Carpophilus durch seine flache Gestalt und das Ver-
149
hältniss der Hinterleibssegmente, denn bei Carpophilus sind
das zweite und dritte, bei Brachypeplus die beiden ersten sehr
kurz. Am meisten kommt unsere Gattung hierin mit Gillaeus
überein, welcher sich aber dadurch unterscheidet, dass die
drei freien Segmente des Hinterleibes lang gestreckt, und dass
die Schienen aussen mit Dörnchen besetzt sind. In der näch-
sten Verwandtschaft steht Zrachypeplus mit der rein america-
nischen Gattung Colopterus m. (Nit. rupta, macroptera F., se-
mitecta Say u. s. w.), wo aber die vier ersten Segmente des
Hinterleibes gleich kurz sind.
“ Ausser den beiden hier zu beschreibenden Arten besitzt
die hiesige Sammlung noch eine vom Cap und eine- (N. mu-
tilata N.) von den westindischen Inseln.
53. Brachypeplus planus: Niger, opacus, antennis pe-
dibusque piceis, scutello semieireulari, elytris subtili-
ter striatis. — Long. 24 lin,
Oblongus, depressus, niger, opacus. Antennae piceo-
rufae. Caput confertim punetatum, antice obsolete bifoveola-
tum, ore piceo, subtilissime nigro-pubescens. Thorax lati-
tudine paulo brevior, antrorsum vix angustatus, lateribus levi-
ter rotundatus, angulis posterioribus reetis, aequalis, confer-
tim punetatus, subtiliter nigro-pubescens , margine reflexo,
dense ciliato, Scutellum magnum, semieireulare, punctulatum,
nigro-pubescens. Elytra thorace sesqui longiora, trumcata,
depressa, subtiliter striata, interstitis seriatim obsoleteque
ruguloso- punctatis. Abdomen dense subtiliter punctatum,
segmento antepenultimo toto, penultimo basi subtiliter fulvo-
pubescentibus. Pectus et venter dense griseo-pubescentia.
Pedes picei, tarsis fulvis.
54. Brachypeplus basalis: Niger, antennis, tibiis tarsis-
que rufis, elytris subtiliter striatis, macula magna ba-
sali Jutea, — Long. 17 lin.
Oblongus, subdepressus, niger, nitidulus. Antennae rufae.
Caput erebre punctatum, antice leviter bifoveolatum, subtilis-
sime nigro-pubescens, ore rufo, palpis testaceis. Thorax la-
fitudine paulo brevior, antrorsum leviter angustatus, lateribus
parum rotundatis, angulis posterioribus acutiusculis, aequalis,
150
dense subtiliterqgue punctatus, subtiliter nigro-, lateribus griseo-
pubescens, margine laterali reflexo, rufo-piceo, dense ciliato.
Seutellum magnum, transversum, dense punctatum. Elytra
thorace paulo plus sesqui longiora, subtiliter striata, intersti-
tiis punetulatis, nigro-pubescentia, macula magna subtriangu-
lari basali lutea, longius Iuteo-pubescente. Abdomen subtili-
ter. denseque punctatum, tenuiter nigro - pubescens, segmento
antepenultimo dorso luteo-pubeseente. Venter tenuiter gri-
seo-pubescens. Pedes picei, tibiis tarsisque rufis.
55. Trogosita decorata: Oblonga, brunnea, albido-
squamulosa, thorace basi macula magna angulari albo-
squamosa, elytris bicostatis, maculis minutis atro-
holosericeis sparsis. — Long. 5 lin.
Oblonga. Antennae piceae. Caput punctis oblongis im-
pressum, longitudinaliter subrugosum, margine antico 3-sinuato,
nigro-brunneum, albido - squamulosum, orbita Juteo-squamosa.
Thorax sublunatus, coleopteris vix angustior, latitudine duplo
fere. brevior, lateribus fortiter rotundatis, basin versus angu-
status, angulis posterioribus obtusis, basi truncatus, angulis
anterioribus produetis, acutiusculis, erebre punctatus, rufo-
brunneus, nigro-bivittatus, vittis postice atro-holosericeis, parce
albido-squamulosus, lituris 4 dorsalibus minutis luteo-, ma-
eula utriusque anguli posterioris magna subquadrata dense
albo-squamosis. Scutellum dense punctatum, brunneum. Ely-
tra. confertissime profundeque punctata, dorso tenuiter bico-
stata, brunnea, albido -squamulosa, maeulis minutis pareis
atro-holosericeis notata. Corpus infra nigricans, griseo-pu-
bescens. Pedes nigri, tibiis tarsisque rufo-piceis.
VE Egolia.
Fam. Nitidulariae. Trib. Trogositinae.
Antennae 10-articulatae, capitulatae, capitulo solido,
exarticulato.
Clypeus apice emarginatus.
Labrum apice truncatum,
Mandibulae apice bidentatae,
Palpi filiformes,
451
Tarsi 5-artieulati, artieulo primo minimo, 2-——4 sen-
sim brevioribus, 5 reliquis coniunetis subaequali,
valido, unguiculis validis,, simplieibus.
Diese-neue Gattung verhält sich zu Trogosita ganz eben
so wie Rhyzophagus zu Ips und wie Zyctus zu Apate; sie stimmt
in allen übrigen Verhältnissen überein, weicht aber in der
Bildung der Fühler darin ab, dass diese statt einer dreiglie-
drigen Keule mit einem aus einem einzigen Gliede bestehenden
Knopfe endigen. Man kann wohl annehmen, dass dieser durch-
aus solide Knopf zwei Glieder in sich enthält, da sonst die
legitime Zahl der Fühlerglieder um eins vermindert wäre. Der
Kopf ist bei Zgolia von der Breite des Halsschildes, mit vor-
ragenden Augen und vorn ausgerandetem Kopfschilde. Die
Taster sind ziemlich lang, fadenförmig, die einzelnen Glieder
an Länge zunehmend. Sonst sind keine Unterschiede von
Trogosita hervorzuheben.
Die hiesige Sammlung besitzt noch eine zweite ähnliche
Gattung. Die Fühler sind ebenfalls 10gliedrig, das Endglied-
bildet ebenfalls einen Knopf, aber die vorhergehenden Glieder
sind grösser und die Vorderschienen sind aussen mit dorn-
artigen Zähnen bewafinet. Die der Egolia variegata an Ge-
stalt ziemlich gleiche, aber mit langen abstehenden Haaren
besetzte Art ist von der Insel Chiloe,
56. Egolia variegata: Nigra, capite thoraceque supra
subaeneis, punctatis, inaequalibus, elytris punctato-
striatis, flavo-variegatis. — Long. 3 lin.
Tab. V. Fig. 6.
Trogosita mauritanica angustior et minus depressa, nigra,
nitida, capite thoraceque nigro-subaeneis, subopacis. An-
tennae piceae, Caput punctato-subrugosum, fronte media le-
viter biimpressa. Thorax coleopteris paulo angustior, lateri-
bus antice parallelis, pone medium angustatus, sat profunde
erebreque punctatus, impressionibus pluribus inaequalis. Scu-
tellum subtilissime punctulatum. Coleoptera parallela, apice
rotundata, dorso depressa, punctato - striata, faseiis tribus ob-
liquis macularibus laceris flavis variegata, Pedes nigri, tibiis
tarsisque ferrugineis.
152
57. Saprinus ineisws: Niger, nitidus, thorace punetato,
elytris postice erebre, antice parce subtilitergue pun-
ctatis, stria suturali integra, obliquis interioribus me-
dio, externa infra medium abbreviatis, prosterno in-
terrupto. — 12 lin.
Statura omnino $. virescentis, niger, nitidus. Antennae
piceae. Frons levissime convexa, immarginata, punctata,
Thorax antrorsum angustatus, lateribus leviter rotundatus, levi-
ter convexus, aequalis, disco pareius subtiliusque, margines
versus crebrius fortiusque punctatus. Elytra ante medium
parce subtilitergue, pone medium sat erebre punctata, stria
suturali integra, licet haud cum stria obliqua prima coniuncta,
strüs obliquis 1. et 2. medio, 3. ante medium, 4, infra medium
abbreviatis, marginali nulla. Pygidium confertissime subtilius
punctatum. Corpus infra creberrime punctatum, prosterno
linea laterali marginato, ante medium utringue profunde im-
pressum, inter foveolas aeque profunde transversim inciso.
„Pedes picei, tibiis antieis vix crenatis, margine exteriore sub-
tiliter spinulosis.
Mas pectore impresso, subtiliter flavo- pubescente,
58. Megatoma morio: Ovalis, niger, nitidus, nigro-
pubescens, antennarum funieulo tarsisque rufo-piceis.
— Long. 1} lin.
Niger, supra nitidus. Antennae articulo primo clavaque
nigris, funieulo rufo-piceo, Caput subtiliter obsoleteque pun-
ctulatum, nigro-pubescens. Thorax latitudine baseos plus
duplo brevior, antrorsum valde angustatus, lateribus parum
rotundatis, basi leviter bisinuatus, elevato-convexus, dense
subtiliter punctatus, lateribus rugulosus, pube brevi erecta
nigra dense vestitus. Elytra subtilius punctata, pube rariore
erecta subtili nigra vestita. Corpus infra subtiliter nigro - pu-
bescens. Pedes picei, femoribus nigris, tarsis rufis.
59, Trogoderma riguum: Nigrum, nitidum, antennis,
tibiis tarsisque rufis, elytris fasciis undulatis albo-to-
mentosis. — Long. 1} lin.
Statura fere T, versicoloris, nigrum, nitidum. Antennae
453
rufae, funieulo breyi, celava magna, oblonga, 3-articulata.
Caput confertissime punetatum, nigro - pubescens. Thorax
latitudine baseos plus duplo brevior, antrorsum fortiter angu-
status, basi late bisinuatus, leviter convexus, basi utrinque
subimpressus, erebre subtiliter punctatus, pube subtili nigra
albaque variegatus. Elytra crebre subtiliter punctata, subtiliter
nigro-pubescentia, fasciis quatuor, prima basali, flexuosis, te-
nuibus, maeulaque apicali albo -pubescentibus. Corpus infra
albido-pubescens. Abdomen segmento anali leviter bifoveo-
lato. Pedes genieulis, tibiis tarsisque rufis. (Fem.)
60. Microchaetes scoparius: Niger, opacus, nigro-
setosus, elytris fasciculatis. — Long. prope 2 lin.
Corpus nigrum, opacum, supra pube subtilissima cinera-
scente quasi squalidum. Antennae tenues, piceae. Caput
dense ruguloso-punctatum, fronte setis brevibus truncatis ni-
gris sertata. Thorax brevis, angulis posterioribus elongatis,
acuminatis, subinaequalis, setis brevibus truncatis dorsi spar-
sis, marginis confertis obsitus. Elytra substriata, setis bre-
vibus truncatis, plerisque in fasciculos numerosos congestis
instrueta. Corpus infra. eum pedibus setis brevibus reclinatis
vestitum,
61. Limnichus australis: Ovalis, niger, nitidus, subtili-
ter punetatus, supra pube cinerea fulvaque maculatim
variegatus. — Long. 1 lin.
Ovatus, modice convexus, niger, nitidus, supra pube ei-
nerea fulvaque maculatim disposita sericante vestitus. Antennae
nigrae. Caput et thorax obsolete subtilissime punctulata.
Elytra deuse subtiliter punctata, apice sensim Jaeviora. Cor-
pus infra subtiliter einereo -pubescens. Pedes nigri, tarsis
piceis.
Dem L,. versicolor Waltl (riparius Dej.) täuschend ähnlich ;
dieser unterscheidet sich aber durch seine stärkere, noch dich-
tere, und auf der ganzen Oberseite gleichmässige Punctirung.
62. Cereyon dorsale: Ovatum, nigrum, thoracis lateribus
pedibusque rufis, elytris fortiter punctato-striatis, la-
teribus apiseque late rufis, — Long, 1 lin,
154
Ovatum, modice convexum, nigrum, nitidum. Antennae
palpique picei. Caput erebre punetatum,. Thorax erebre mi-
nus subtiliter punetatus, Jateribus rufus. Elytra fortiter pun-
ctato-striata, interstitiis leviter convexis, parce subtilissime
punctulatis, rufo-testacea, spatio dorsali triangulari, a basi
longe ultra medium extenso nigro. Pedes rufi.
63. Onthophagus promus: Oblongus, niger, nitidus,
thorace subtiliter punctato, elytris une, - striatis.
— Long. 6 lin.
Mas Capite mutico, thorace antice spina longa porreeta-
subdeflexa armato.
Fem. Capite transversim bicarinato.
Mas. Magnus, oblongus, subdepressus. Antennae rufae.
Caput semiecireulare, antice truncatulum, margine reflexo, intra
marginem rugulosum, ceterum laevigatum, planum, Thorax
brevior, Jateribus utringue convergentibus angulatus, ante
angulum rectis, pone angulum subsinuatis, angulis anteriori-
bus acutis, posterioribus obtusissimis, basi modice rotundatus,
subtilius punctulatus, antice retusiusculus, spina porrecta, '
subdeflexa, sat longa, caput prope superante armatus. Elytra
thorace sesqui longiora, leviter convexa, punctato-striata, in-
terstitiis parce omnium subtilissime punetulatis. Pygidium
glabrum, punctulatum. Corpus infra fulvo-villosum. Pedes
graciles, antiei elongati, tibiis intus fulvo-ciliatis. Tarsi picei.
Speciminibus minoribus spina thoraeis brevior, capite vix
aequalis, minimis brevis, triangularis.
Femina. Differt capite transversim bicarinato, thorace
mutico, pedibus anterioribus haud elongatis,
64. Onthophagus posticus: Niger, supra obscure
virescens, opacus, thorace crebre punctato, elytris,
leviter striatis, apice testaceo-maculatis. — Long. 3 lin.
Mas. Capite mutico, thorace antice protuberante, pedi--
bus antieis 'elongatis.
Fem. Capite transversim bicarinato, thorace mutico.
Mas. Corpus infra nigrum, supra nigro-viride, opacum,,
Antennae nigrae, Caput planatum, parce subtiliter punetatum,
155
elypeo apice subintegro, fortiter reflexo-elevato. Thorax parum
convexus, postice obsolete canalieulatus, erebrius minus for-
titer punetatus, antice medio tubereuli transversi instar pro-
tuberans. Elytra leviter striata, striis parce obsoleteque pun-
etatis, interstitiis lJaevibus, omnibus apice, exterioribus non-
nunquam medio etiam basique testaceo-notatis, extremo inter-
dum testaceo-lineato. Corpus infra griseo-pilosum. Pedes
antiei elongati, tibiae anticae apice pilorum fulvorum fasciculo
instructae.
Femina differt capite transversim bicarinato, antice ru-
guloso, apice leviter emarginato, thorace crebrius punctato,
pedibus antieis neque elongatis neque faseiculatis.
65. Onthophagus anisocerus: Nigro-viridis, subnitidus,
thorace punctato, obsolete canalieulato, elytris subti-
liter punctato - striatis, interstitiis opacis. — Long.
4-——5 lin.
Mas. Vertice tricorni, cornu intermedio breviore furcato,
thorace antice retuso,
Fem. Capite carinis duabus transversis, posteriore ele-
vatiore, thorace aequali,
Mas, Nigro-viridis, subnitidus. Antennae piceae, clava
nigra. Caput planatum, obsolete subtiliter punctulatum, dila-
tatum, utringue emarginatum, apice elevato obtuse bidentato,
vertice trieorni, eornubus lateralibus basi reclinatis, dein sur-
‚gentibus, sat longis, intermedio breviore, erecto, apice fur-
cato. Thorax coleopterorum latitudine, lateribus et basi an-
gulatim rotundato, crebre licet minus fortiter punectatus, sat
elevatus, obsoletius canalieulatus, antice retusus, facie retusa
utrinque subsinuata, Elytra subtiliter punctato-striata, striis
nigris, interstitiis planis, laevibus, opaeis. Corpus infra ni-
grum, viridi-resplendens, fulvo-pilosum. Pedes concolores,
antice elongati, tibiis incurvis, 4-dentatis.
Var. Capite haud dilatato, distinete punctato, verticis
eornubus lateralibus parvis, rectis, intermedio omnino nullo ;
thorace antice vix retuso; pedibus anticis minus elongatis.
Femina differt capite punetato, antiece ruguloso, carinis
duabus transversis rectis, anteriore frontali, posteriore verti-
eali magis elevata instructo, thorace minus convexo, vix 0a-
156
nalieulato, “antice vix "retuso, pedibus antieis haud elongatis,
tibiis rectis, fortiter 4-dentatis.
66. Onthophagus fuliginosws: Supra nigro-subaeneus,
opacus, infra niger, nigro-pubescens, thorace par-
cius punctato, elytris subpunetato -striatis. — Long.
4 — 44 lin.
‚Mas.‘ Vertice tricorni, cornu intermedio brevissimo,
Fem, Capite transversim leviter bicarinato.
Mas. Supra nigro-subaeneus, opacus, infra niger, ni-
tidulus, nigro-pubescens. Antennae nigrae. Caput antice le-
viter produetum, apice subelevato, vix emarginato, cerebre
punctatum, vertice tricorni, cornu intermedio brevissimo,
apice emarginato, lateralibus erectis, basi introrsum angulatis.
Thorax lateribus et basi aequaliter rotundatus, leviter elevatus,
minus dense subtilius punctatus, antice obligue retusus. Ely-
tra leviter striata, striis parce subtilissime punetatis, nitidis,
interstitüs laevibus, opaeis. Pygidium laeve, Pedes antici
elongati, tibiis antieis apice pilorum fasciculo nigro instructis.
Var. Capitis cornubus lateralibus brevioribns, simpliei-
bus , intermedio obsoleto, thorace antice minus retuso.
Femina differt capite transversim leviter bicarinato, ca-
rina posteriore subarcuata; thorace nullo modo retuso, obso-
lete canalieulato, pedibus antieis haud elongatis faseiculatisque,
67. Onthophagus auritus: Nigerrimus, nitidissimus, in-
fra einereo-hirtus, thorace impunctato, antice retuso
bitubereulatoque, elytris subtiliter punctato-striatis. —
Long. 33 — 5 lin. |
Mas. Vertice bicorni, cornubus basi laminatis.
Fem. Capite carinis duabus transversis, posteriore ele-
vatiore.
Mas. Corpore nigerrimo, nitidissimo, infra dense eine-
reo-villoso insignis. Antennae piceae, clava nigra. Gaput
clypeo antrorsum produeto, apice simpliei elevato, subtiliter
obsoleteque punctulatum, antice rugulosum,"vertice bicorni,
cornubus basi laminatis, dilatatis, reclinatis, apice teretibus,
ereotis, Thorax impunctatus, basi obsolete canaliculatus, an-
457
tice retusus, parte retusa supra leviter bituberculata. Elytra
subtilissime striata, strüs distinetius punctatis,, interstitiis pla-
nis, omnium subtilissime parce punctulatis.
Var. Vertiecis cornubus abbreviatis, coniunctis lami-
nam emarginatam et utringue auritam referentibus; thorace
antice minus retuso at fortius bituberculato.
Femina differt elypeo antice haud producto, capite trans-
versim bicarinato, carina verticali fortius elevata; thorace for-
tius bituberculato, licet minus retuso.
68. Onthophagus hirculus: Subviridi-niger, pernitidus,
thorace fortiter punctato, elytris punectato-striatis,
interstitiis subtilissime punetulatis. — Long. 2—3 lin.
Mas. Vertice bicorni.
Femina. Fronte transversim carinata, vertice bitu-
bereulato.
Mas. Pernitidus, niger, thorace obscure viridi-nitente;
infra parce griseo-pilosulus. Antennae nigrae. Caput laevi-
gatum, lateribus subtiliter punctulatum, apice leviter emargi-
nato reflexoque, vertice cornubus duobus rectis erectisque
armato. Thorax leviter eleyatus, sparsim fortius punctatus,
antice retusiuscnlus, parte retusa obsolete subtiliterque pun-
etata. Elytra_ punctato-striata, interstitüs parce swbtiliterque
punctatis. Pygidium parce obsoletius punetatum, Pedes an-
tiei leviter elongati.
Var. Verticis eornubus brevioribus.
Femina differt capite punctato, carina transversa fron-
tali tuberculis duobus verticalibus instructo, inter tuberculos
impresso, thorace fortius punctato, antice nullo modo retuso,
pedibus antieis haud elongatis.
|
| 69. Aphodius erosus: Oblongus, subdepressus, fusco-
piceus, pubescens, capite thoraceque nigris, hoc la-
teribus piceo, feminae postice utrinque profunde ex-
ciso, elytris punctato-striatis, interstitio secundo tu-
bereulato. — Long. 3 lin,
Statura A. prodromi. Antennae piceae, Caput sat ma-
|enum, depressiusculum, muticum, vage punctatum, ad margi-
nem reflexum planatum, apice subsinuatum, nigrum, nitidum,
|
158
fronte piceo-bimaculata. Thorax parum convexus, vage mi-
nus subtiliter punetatus, canaliculatus, eanalieula obsoletiore,
et nonnisi basi profunde impressa, parce pubescens, niger,
nitidulus, utrinque luteo-piceus, lateribus rotundatis, pone
medium in mare. subsinuato-angustatis, in femina profunde
emarginatis. Scutellum nigrum, Elytra luteo-picea, disco ni-
gricantia, parum nitida, parce pubescentia, punctato-striata,
interstitiis secundo distinete, quarto sextoque obsolete tuber-
culatis, reliquis vage asperato-punetatis, tuberculis (praeser-
tim interstitii secundi) in mare paueioribus maioribusque, in
femina pluribus et minoribus. Corpus infra nigro-piceum,
nitidum, pectore anoque lutescentibus. Pedes lutei, tibiis an-
ticis maris 2-, feminae 3-dentatis.
70. Trox Australasiae: Niger, fronte bitubereulata, tho-
race 6-costato, costis externis antice, internis postice
abruptis, elytris tubereulorum seriebus 4, interstitis
subtiliter granulatis. — Long. 5% lin.
Niger, opacus. Caput infra nigro-hirtum, Frons linea
elevata angulari disereta, medio bituberculata. Thorax coleo-
pteris angustior,. postice supra scutellum angwatus, utrinque
leviter bisinuatus, margine laterali explanato, rotundato, disco
6-costato, costis internis medio divergentibus, antice evanescen-
tibus, postice abruptis, intermediis rectis, integris, nonnun-
quam interruptis, externis remotioribus, basi sat elevatis, me-
dio abruptis. Elytra convexa, seriebus quatuor tubereulorum
oblongorum sat eleyatorum instructa, tubereulis seriei intimae
anterioribus in carinam confluentibus; interstitiis aequalibus,
punctis granulisqgue minutis conspersis, sutura margineque ex-
teriore tuberculorum minutorum serie instructis, margine la-
terali anterius saepius erenulato.
71. Cheiroplatys Maelius: Piceo-castaneus, nitidus,
elytris striato-punctatis, strüis postice evanescentibus,
— Long. 10 lin.
Mas thorace antice impresso, apice cornu brevi acumi-
nato, elevato terminato.
Femina thorace aequali.
Saturate pieeo-castaneus, nitidus, supra glaber, infra la-
459
teribus fulvo-villosus. Caput in utroque sexu muticum, ae-
quale, punetato -rugosum, linea subtili transversa leviter ele-
vata divisum. Thorax coleopteris paulo angustior, Jlateribus
et angulis posterioribus leviter rotundatis, feminae aequaliter
eonvexus, erebrius minus fortiter punctatus, maris pareius
subtiliter punctatus, antice retuso - impressus, impressione sat
magna iam subeirculari, iam subsemieireulari, apieis medio in
eornu breve, conice acutum, subreflexum elevato. Scutellum
laeve. Elytra stria suturali integra et punctorum stris sex,
per paria approximatis, interioribus pone medium, pari exte-
riore basi abbreviatis, interstitis alternis (latioribus) pun-
etatis, punctis interstitii primi vagis, reliquorum uni - seriatis;
apice dense subtiliter punctata. Pygidium parce obsoleteque
punectatum.
VIE. Pimelopus.
Fam. Lamellicornia. Trib. Dynastidae.
Caput triangulare, elypeo antice truncatulo.
Mandibulae extus 3-dentatae.
Maxillae acute 5-dentatae, supra barbatae.
Labium oblongo - triangulare, tumidum.
Palpi articuli ultimo maiore, eultriformi.
Antennae 40-articulati.
Pedes breves, inerassati, tibiis anticis (feminae) extus
tridentatis, posterioribus apice dilatatis, spinis api-
eulibus foliaceis, tarsis posterioribus brevibus, ar-
ticulis 3 primis triangularibus, fortiter compressis,
sensim minoribus.
Ein einzelnes Weibchen, welches aber hinreichende Cha-
ractere darbietet, um eine neue Gattung darauf zu gründen,
welche zwar aufs Nächste mit Cheiroplatys verwandt ist, doch
in Rücksicht auf die verschiedene Bildung des Mundes abge-
sondert werden muss. Die Mandibeln sind nämlich, statt un-
bewehrt zu sein, aussen scharf dreizähnig, der vorderste Zahn
von der hakenförmig zurückgekrümmten Spitze gebildet. Die
Maxillen haben eine mit 5 scharfen Zähnen bewaflnete Lade,
wie bei Pentodon, Die Unterlippe ist nach aussen beulenför-
imig aufgetrieben, Die Verhältnisse der Tasterglieder zeigen
160
keine Abweichung von der Regel. Die Fühler sind 10-glie-
drig, die Glieder der Geissel sehr kurz. Die hinteren Beine
haben verdiekte Schenkel, dicke, an der Spitze schräg abge-
stutzte und erweiterte Schienen mit blattartig zusammenge-
drückten Enddornen, kurze zusammengedrückte Füsse, deren
zwei erste Glieder dreieckig sind, mit Cheiroplatys gemein,
Die Vorderschienen sind bei dem Weibchen ebenfalls drei-
zähnig, die Zähne sind aber nicht stumpf, wie dort, sondern
sehr scharf. Die Gestalt des Kopfes ist ganz wie bei Chei-
roplatys, das Halsschild ist aber im Verhältniss länger und die
Flügeldecken sind bauchiger.
72. Pimelopus porcellus: Uastaneus, nitidus, thorace
laevi, elytris substriatis, punctato-rugosis. — Long.
41 lin.
Oblongus, convexus, nitidus, supra fusco-castaneus, gla-
berrimus, infra rufo-castaneus, pectoris lateribus pedibusque
fulvo-pilosis. Caput nigrum, dense punctato-rugosum, opacum.
Thorax coleopteris paulo angustior, antrorsum vix angustatus,
lateribus leviter rotundatis, basi subbisinuatus, fortiter aequa-
literque convexus, laevissimus, nitidus, ad marginem basalem
utringue impressus. Seutellum laevissimum. Coleoptera ven-
tricosa, convexa, substriata, striis punetatis, Punetis fortibus
saepe confluentibus subrugosa. Pygidium basi dense punectu-
latum, lateribus impressum.
73. Cryptodus anthracinus: Niger, nitidus, capite ob-
solete bituberculato, thorace leviter canaliculato, ely-
tris subseriatim punetatis. — Long. 10—11 lin.
Depressus, niger, nitidus, glaber. Caput subtilius con-
fertim punctatum, fronte leviter impressa, utrinque obsolete
tubereulata, margine anteriore planato, reflexo. Thorax co-
leopteris leviter rotundatis, a medio inde antrorsum angusta-
tus, subdepressus, crebre sparsim punctatus, leviter canalicu-
latus. Scutellum crebre punctatum. Elytra depressa, obso-
lete subtiliterque 3-costata, punctis circulo semiclauso im-
presso notatis subseriatis dense obsita. Pygidium dense pun-
etulatum, subrugulosum, Tibiae anticae 3-dentatae. Tarsi
u
161
antiei maris artieulo ultimo subinerassato, unguieulo altero
simplici, altero valde incurvo, basi fortiter dentato.
IX. Silopa.
Fam. Lamellicornia. Txib. Melolönthidae.
Tab. IV. Fig. 4. a. b.
Antennae 9-articulatae, art. 2 primis erassiusculis,
funiculo brevi, clava triphylla.
Labrum integrum, margine superiore elevato. (Taf.IV.
Fig. 4. a.)
Mandibulae abbreviatae, introrsum in molam productae.
Maxillae mala bidentata, dente utroque trieuspi.
Palpi maxillares articulo primo brevi, secundo elon-
gato-obeonico, tertio obconico, quarto reliquis lon-
giore, subeylindrico, leviter curvato, apice truncato.
Labium subquadratum, apice leviter emarginatum, an-
tice semieireulariter subimpressum. (Fig. 4. b.)
Palpi labiales labii lateribus versus medium insertae,
articulo primo brevi, secundo tertioque eylindricis,
hoc externe subinerassato.
Tibiae anticae breves, triangulares, acute tridentatae,
Tarsi elongati, postiei articulo primo seeundo paulo
breviore,
Unguieuli bini, aequales, apiee obsoletius bifidi.
Es steht diese, vermuthlich in Neuholland an Arten zahl-
reiche Gattung recht in der Mitte zwischen den eigentlichen
Melolonthen und den Sericen. Von den ersteren entfernt sie
sich vorzüglich durch die Lefze, welche in der Mitte nicht
ausgeschnitten ist, durch die Mandibeln, denen die nach innen
gerichtete gezähnte Spitze fehlt, worin sie mit den Sericen
übereinkommt, von denen sie aber durch eine deutlich vor-
handene Lefze abweicht. Die Gestalt der Lefze ist es auch,
welche diese Gattung vorzüglich auszeichnet, inde m sie
mit ihrem erweiterten obern Rande neben dem Kopfschilde
hinaufragt, so dass derselbe bei solchen Arten, wo das Kopf-
schild vorn ausgebuchtet ist, selbst von oben sichtbar wird.
(Tab. IV. Fig. 4. 0.) Die Unterlippe ist dadurch bemerkbar,
Archiv f. Naturgesch, VII. Jahrg. 1. Bd. 11
162
dass die'Aussenseite derselben zwei ‚Flächen bildet, indem ein
vorderer fast, halbkreisförmiger Abschnitt, im stumpfen Win-
kel gegen den übrigen Theil der Unterlippe gerichtet, wie eine
Abstutzungsfläche erscheint; auch ist dieser Theil leicht ver-
tieft. Die Form der Unterlippe giebt die Abbildung Taf. IV.
Fig. 4. b. an. Die’ neungliedrigen Fühler zeigen nichts Be-
merkenswerthes. Die Vorderschienen ‚sind kurz und haben
drei scharfe Zähne, welche durch eben so scharfwinklige
Einschnitte getrennt werden. - Die Hinterhüften bedecken höch-
stens das erste Hinterleibssegment. Die Füsse sind mässig lang,
an den Hinterfüssen ist das erste Glied kürzer als das zweite;
die Klauen sind unter der Spitze schwach eingeschnitten.
Da 8 Arten auf einer einzigen Stelle von Vandiemensland
vorgekommen sind, so lässt: sich erwarten, dass in Neuhol-
land diese Gattung sich artenreich zeigen werde, wenn man
erst den weniger in die Ausen fallenden Formen mehr Auf-
merksamkeit zuwendet. Die hiesige Sammlung besitzt zur Zeit
nur noch eine neunte Art aus einer andern Gegend Neuhollands.
74. Silopa glabrata: Olypeo emarginato, brunnea, supra
glabra, capite confertim, ' thorace, 'elytrisque minus
dense punctatis. — Long. 5 lin.
Oblonga, , subeylindriea,: obscure ‚rufo,-brunnea, supra
glabra, infra parce pilosa.. ‚Caput fronte erebre, elypeo con-
fertissime punctatis, hoc margine laterali leviter. dilatato, re-
flexo,, medio emarginato,, labri margine superiore elevato su-
perne conspieuo, Thorax coleopteris vix angustior, antror-
sum subangustatus, lateribus perparum rotundatis, angulis po-
sterioribus obtusis, Jeviter transversim convexus, minus crebre
punctatus, lateribus parce ciliatus. Scutellum laeve, Elytra
minus dense licet sat erebre punctata, lateribus parce ciliata.
Pygidium erebrius punetulatum, parce pilosum. Corpus infra
passim punctulatum, abdominis segmentis basalibus sericeo-
micantibus. i
Variat minus matura colore testaceo.
75. Silopa fwmata: Clypeo emarginato, piceo-brunnea,
supra fortius punctata, parce subtiliterque pubescens;
— Long. ‚43 lin,
Oblonga, subeylindrica, nitida, testaceo-brunnea,’ magis
163
minusve nigrieans, 'supra parce 'subtiliterque pubescens.' An-
tennae testaceae. Caput obsoletius punctatum‘, celypeo Jlateri-
bus leviter dilatatis vix reflexis, medio emarginato, labri mar-
gine superiore elevato superne conspicuo. Thorax coleopte-
rorum latitudine, antrorsum haud angustatus, lateribus parum
rotundatis, angulis posterioribus obtusis, ®transversim minus
eonvexus, fortius crebriusque‘ punctatus. 'Scutellum laevissi-
mum. Elytra crebre fortius punetata, cum thorace lateribus
parce ciliata. Pygidium parce obsoletius punetatum, parce pi+
losellum. Corpus infra passim punctatum, parce pilosellum.
76. Silopa hepatica: Clypeo emarginato,, rufo - brunnea,
densius pubescens, fronte thoraceque punctatis, c]y-
peo elytrisque punctato-rugosis.. — Long. 44 lin.
Oblonga, subeylindriea, dilute rufo-brunnea,' subnitida,
supra pube grisea depressiuscula densiore vestita. Antennae
testaceae. Caput fronte pareius punctata, ‚griseo-pilosa, ely-
peo punctato-rugoso, margine laterali parum dilatato, leviter
reflexo, medio emarginato, labri margine süperiore elevato
superne eonspieuo. Thorax coleopterorum latitudine , antror-
sum haud angustatus, lateribus parum rotundatis, anguli$ po-
sterioribus rectis, minus convexus, sat erebre fortiusque pun-
etatus. Scutellum parce punctatum. Elytra dense punctata,
transversim subrugulosa. Pygidium parce punctatum parce-
que pilosum. Corpus infra passim punctatum, 'parce'pubescens.
77. Silopa dimidiata: Clypeo emarginato, fusca, elytris
testaceis basi cum thorace. capiteque. nigris,, nigro-
pilosis. — Long. 3 lin.
Parva, oblonga, minus eonvexa. Caput' fronte parce ısub-
tiliterque punetata, clypeo punctato-rugoso, hoc margine levi-
ter reflexo, ahtice emarginato, labri mäargine superiore elevato
superne conspieuo, longius fusco- pilosum, nigrum , opacum,
antennis palpisque piceis. Thorax basi eoleopterorum latitu-
dine, antrorsum leviter: angustatus, lateribus'parum ‚rotundatis,
angulis posterioribus: obtusis,, Inodice trausversim ‚convexus,
niger, parum nitidus. Seutellum obsolete punetulatum, nigrum,
Elyträ dense punctata, nitidula, saturate testacea, parce 'pilo-
sella, basi ad tertiam partem usque nigra, fusco-pilosa, Cor-
41*
r
164
pus infra iam fuscum, iam nigrum, griseo-villosum, pedibus
iam testaceis, iam nigris,
78. Silopa nigella: Clypeo emarginato, nigra, parce pi-
losella, punctata, elytris nitidis. — Long. 3 lin,
Habitu S. fumftae, at triplo minor, nigra, pilis pareis
griseis, capitis thoracisque longioribus, ‚erectis, elytrorum
brevioribus, depressis, vestita. Antennae nigrae, articulo primo
piceo. Caput punctato-rugulosum, opacum, celypei margine
parum dilatato reflexoque, medio leviter sinuato. Thorax co-
leopterorum latitudine, antrorsum vix angustatus, lateribus
perparum rotundatis, angulis posterioribus rotundatis, trans-
versim convexus, Opacus, aequaliter punctatus. Scutellum
parcius punctatum. Elytra nitida, sat crebre fortius punctata.
Pygidium obsolete punctatum. ‚Corpus infra passim punetatum,
parce pilosellum. Tarsi picei,
79. Silopa pubescens: Clypeo integro, rufo-brunnea,
dense punctata denseque griseo-pubescens. — Long.
5 lin.
Oblongo-obovata, convexa, saturate rufo-brunnea, niti-
dula, supra dense punctata, punctis omnibus obliquis, haud
profundis, pube subdepressa fulvo-grisea densius vestita.
Caput elypeo integro, margine reflexo. Thorax basi coleopte-
rorum prope latitudine, antrorsum angustatus, lateribus leviter
rotundatis, angulis posterioribus subreetis, leviter transversim
convexus, asperato-punctatus. Scutellum pareius punctatum.
Coleoptera posterius sensim paulo latiora, convexa, transver-
sim subrugosa. Pygidium subtiliter punetatum. Corpus infra
erebre punetulatum, lateribus sericeo - micans.
80. Silopa tempestiva: Clypeo integro, rufo-brunnea,
dense subtilius punctata, densius griseo -pubescens.
— Long. 3% lin.
Oblonga, subdepressa, dilutius rufo-brunnea, 'densius
subtiliterque punctata, pube depressa grisea densius vestita.
Antennae testaceae. Caput erebre ruguloso-punctatum, »ely-
peo brevi, integro, margine leviter dilatato , reflexo. Thorax
coleopteris paulo angustior, 'antrorsum angustatus, lateribus
165
leviter 'rotundatus, angulis posterioribus obtusis, leviter trans-
versim |convexus, subtilius crebreque asperato - punctatus.
Sentellum‘ punetatum, Coleoptera medio subdilatata, crebre
subtiliter punctata, subtilissime transversim rugulosa. Pygidium
parce obsoleteque punctatum, Corpus infra obsoletius pun-
etulatum.
81.. Silopa praeco.x: Ülypeo integro, testacea, densius
punctata, subtiliter tenuiterque griseo-pubescens. —
Long. 34 lin.
Oblonga, subdepressa, nitida, testacea, capite thoraceque
rufo-testaceis, subtiliter tenuiterque griseo-pubescens. An-
tennae flavae. Caput fronte crebre, elypeo brevi creberrime
punctatis, hoc integro, margine, elevato-reflexo. Thorax co-
leopteris paulo angustior, antrorsum parum angustatus, late-
ribus et angulis posterioribus leviter rotundatis, supra leviter
transversim convexus, minus dense punctatus, obsolete cana-
liculatus. Scutellum obsolete punetulatum. Coleoptera medio
subdilatata, sat crebre sed minus confertim punctata, passim
transversim subrugosa. Corpus infra parce obsoleteque pun-
etatumm.
x. Nepytis.
Fam. Lamellicornia. Trib. Melolonthidae.
Antennae 7-artieulatae, articulo 4. elavato, 2. glo-
boso , erassiuseulis, 3. tenui, tereti, 4. brevi, tri-
angulari, clava triphylla, lamellis .brevibus, erassis.
Labrum transversum, sinuatum,
Labium oblongum, antrorsum angustatum, apice an-
gusto, truncato.
Palpi maxillares filiformes, artieulo 2. longiore 3que
subobconiecis, 4. subovato; labiales breves, articu-
lis 2. et 3. breviter ovatis.
Tibiae anticae 3-dentatae.,
Unguieuli bini, aequales, apice acute bidentati.
Corpus oblongum, alatum.
So wenig Ausgezeichnetes diese kleine Melolonthe im
Habitus hat, so merkwürdig ist sie wenigstens in einem Puncte,
166
nämlich’ in ‘der ‘aufs’ Höchste verringerten Zahl der Fühlerglie-
der, wie: sie''in‘ der ganzen grossen Abtheilung’ der Lamelli-
cornen nicht leicht wieder vorkommt. In'ihrer'übrigen Orga-
nisafion steht ‘auch sie ‘zwischen den 'ächten 'Melolonthen
und den Sericen in der Mitte. Der Bau des Miumdes liess
sich zwar bei dem einzelnen Exemplar nicht näher untersu-
chen , indess zeigt sich schon von aussen die sichtbare Ober-
lippe der ersteren und die länglichere Unterlippe der letzte-
ren. Die Hüften der Hinterbeine sind breit und bedecken
noch das erste Hinterleibssegment. Die Beine sind ziemlich
robust, die Füsse nicht sehr lang, die 4 ersten Glieder an
Länge allmälig ein wenig abnehmend. Die Klauen haben
nahe der Spitze einen scharfen Zahn. Der Habitus ist fast
der von Silopa, nur ist das Halsschild voluminöser.
82.: Nepytis russula,
Long. infra 3 lin.
Rufo-testacea, capite thoraceque badiis. Antennae luteae,
articulis 2 primis testaceis. Caput parce obsoletius punctatum,
parce pilosum, fronte leviter transversim convexa, 'clypeo an-
tice truncato, fortius punctato, concavo, margine exteriore
sat fortiter elevato; oculi prominuli. Thorax coleopteris paulo
latior, latitudine dimidio brevior, lateribus sat fortiter rotun-
datis, angulis posterioribus obtusis, convexus, parce obsolete-
que subtilius punetatus, margine pilosus. Scutellum crebre
punhetulatum. *Ooleoptera oblonga, lateribus subrectis, apice
rotundata, abdomen totum obtegentia, convexa, substriata, pun-
etata, margine pilosa. Corpus infra et pedes parce pilosa.
Der Kürze der Fühlerblätter und der Füsse nach ein
Weibchen.
xl. Seitala.
Fam. Lamellicornia. Trib. Melolonthidae.
Tab. IV. Fig. 5,
Antennae 8-artieulatae, "artieulis duobus' primis cras-
sioribus , funiculo' brevi, 'elava oblonga, 'triphylla.
Labrum transversum, integrum, extus concavum,
Mandibulae abbreviatae, introrsum in molam productae.
167
‚0° Maxillae tridentatae, dentibus superioribus duobus 2-,
tertio 3-cuspi.
" Palpi ‘maxillares filiformes, articulo primo ‚minute,
secundo tertioque 'subaequalibus, quarto paulo.lon-
giore.
Labium apice bilobum, lateribus sinuatum, basi an-
gustatum (Fig. 5.).
Palpi labiales labii lateribus inserti, articulo primo
tenui, leviter elongato, secundo erassiore, cylin-
drico, tertio inerassato, subovato.
Tibiae anticae obtuse tridentatae.
Tarsi elongati, postiei artieulo primo secundo breviore.
Unguiculi aequales, simplices.
Mit Serica nahe verwandt, und namentlich im Habitus
einer S. brunnea sehr nahe kommend, indess ausser den 8-
gliedrigen Fühlern und den einfachen Klauen vorzüglich durch
die deutlich, vorhandene Lefze unterschieden. Dieselbe ist
zwar auf ihrer ganzen äusseren Fläche ausgehöhlt, so dass
eigentlich nur die Vorderecken vorragen, sie ist aber keines-
wegs ausgeschnitten, wie bei den eigentlichen Melolonthen,
sondern am untern Rande abgerundet, wie bei Silopa. Da-
gegen tritt der obere Rand nieht im Mindesten vor. Die Man-
dibeln sind, wie.bei‘Seriea, nach. vorn. verkürzt, ohne ge-
zähnte Spitze, so dass beim Fressen nur ihre Kaufläche mit-
wirkt. Die Fühlerkeule ist beim Weibchen sehr kurz, beim
Männchen mehr als doppelt so lang als der ganze Fühler, ge-
bogen. Die Hinterhüften sind breit, zum Theil über das erste
Hinterleibssegment erweitert.
83. Scitala sericans: Rufo-brunnea, supra infuscata,
sericeo - opaca, parce subtiliter obsoleteque punctata.
— Long. 5} lin.
Oblonga , infra rufo-brunnea, supra fusco- brunnea, se-
riceo-opaca, obsolete pruinosa. Caput fronte parce subtili-
terque punctulata, nigricante, elypeo rufo-brunneo, creberrime
punctato, depresso, margine aequaliter elevato, rotundato.
Thorax longitudine duplo brevior, antrorsum leviter angusta-
tus, lateribus parum ‚rotundatis, angulis posterioribus obtu-
168
siuseulis, leviter transversim convexus, parce subtilissime ob-
solete punctatus. Scutellum laeve. Elytra substriata, strüs
geminatis, interstitiis parce obsoleteque punctatis. Pygidium
crebre obsoletius punetulatum. Corpus infra distinetius prui-
nosum, pectore anoque griseo -pilosellis.
84. Scitala languida: Dilute rufo-brunnea, pruinosa,
erebrius punctata, elytris punetato-rugulosis, —
Long. 5% lin.
Statura omnino praecedentis, oblonga, dilute rufo-brunnea,
vix nitida, distinctius pruinosa. Caput crebre inaequaliter
fortiusque punctatum , clypeo ‚subdepresso , margine aequaliter
elevato, subrotundato. Thorax. eoleopteris vix angustior, la-
titudine duplo prope brevior, lateribus rotundatis, angulis po-
sterioribus acutiusculis, margine laterali versus angulos poste-
riores subreflexo, leviter convexus, erebre inaequaliter puncta-
tus. Scutellum laeve. Elytra dense punctata, interstitiis sub-
rugulosis, rugulis in lineas nonnullas longitudinales confluen-
tibus. Pygidium creberrime punctatum. Corpus infra parce
punctulatum. Pectus subglabrum.
Xu Telura.
Fam. Lamellicornia. Trib. Melolonthidae.
Tab. IV. Fig. 6. «a. b.
Antennae 9-articulatae, articulo tertio valde elongato,
quarto obconico, oblique truncato, quinto sexto-
que brevissimis transversis, clava triphylla, leviter
elongata. (Fig. 6. a.)
Clypeus antice oblique truncatus.
Labrum trilobum, lobo intermedio minimo.
Palpi maxillares articulo primo brevi, secundo tertio-
que aequalibus, eylindrieis, quarto subeylindrico,
paulo tenuiore longioreque.
Labium oblongum, basin versus angustatum, ante me-
dium lateribus sinuatum et subito angustius, apice
leviter emarginatum. (Fig. 6. 2.) i
Palpi labiales in labii sinu laterali insertae, filifor-
mes, articulis sensim paulo longioribus.
169
Tibiae anteriores 'tridentatae.
Tarsi elongati, artieulis 4 primis sensim deerescentibus.
Unguieuli aequales, simplices.
Im Habitus einer Serica brunnea nicht ganz unähnlich,
aber viel länger gestreckt. Dabei hat diese Gattung viel Ei-
genthümliches. Der Kopfschild (Fig. 6.«a.) ist vorn schräg
abgeschnitten, so dass der umgeschlagene Theil auch von vorn
deutlich ist. Die Lefze ist von besonderer Form, sehr breit,
kurz, tief ausgebuchtet, im Grunde der Ausbuchtung mit einem
kleinen Höcker. Die Unterlippe (Fig. 6. 5.) ist länger als breit,
von der Einlenkung der Taster an nach der Basis hin be-
trächtlich verengt, an der Einlenkungsstelle der Taster an den
Seiten ausgebuchtet, an der Spitze durch eine mittlere Ein-
bucht flach zweilappig, auf der vordern Hälfte flach einge-
drückt. Die Fühler zeichnen sich durch die ungewöhnliche
Länge des dritten Gliedes aus. Die Hinterhüften sind nicht
über die Basis des Hinterleibes erweitert. Die Klauen sind
gleich und einfach.
85. Telura vitticollis: Lutea, thorace nigro -bivittato,
elytris infuseatis. — Long. 5+ lin,
Tab. IV. Fig. 6.
Elongata, glabra, lutea, supra Opaca, infra nitidula. Caput
fronte parce, subtiliter obsoleteque punctulata, margine po-
stico maculisque duabus inter oculos nigris, elypeo linea bi-
sinuata a fronte distineto, depresso, margine elevato. Thorax
transversus, perparum convexus, parce obsoleteque punctatus,
vittis duabus longitudinalibus nigris. Elytra substriata inter-
stitiis alternis erebrius parciusve, punetatis, substriatim nigri-
cantia. (Fem.)
86, Liparetrus concolor:. Niger, thorace erebre pun-
etato, canaliculato, elytris longioribus, ter geminato-
striatis. — Long. 34 lin,
Obesulus, niger, minus nitidus, supra glaber. Caput
eonfertissime punctatum, fronte longitudinaliter subimpressa,
elypeo transverso, subrotundato, margine fortiter elevato,
infra et lateribus nigro - pilosum. Thorax transversus, modice
170
convexus, erebre punctatus, canaliculatus, glaber, lateribus et
apice pilis longis nigris eiliatus. ‘Scutellum triangulare, laeve,
glabrum. Elytra thorace plus sesqui longiora, striis suturali
singula, dorsalibus ternis geminatis; interstitiis latis erebre,
angustis parce punctatis. Pygidium confertim punctatum, parce
griseo-pilosellum. Pectus dense griseo -villosum.
87. Phyllotocus bimaculatus: Luteus, nitidus, elytris
striatis, nigris, macula media Jutea.— Long. 3—3+ lin.
Statura et, summa ‚similitudo Ph. Mac Leayi. Corpus oblon-
gum, parum convexum, supra glaberrimum, infra parce pilo-
sum, Juteum, nitidum. Caput subtiliter punetulatum. Thorax
antrorsum perparum angustatus, crebre subtiliter punctatus,
Scutellum basi et lateribus crebre punctatum. Elytra_ leviter
striata, interstitiis punctulatis, nigerrima, macula paulo ante
medium sat magna, nonnungquam marginem attingente, lutea.
Mas tarsorum anticorum unguiculo altero dilatato.
88. Lamprima rutilans: Prosterni mucrone prominente,
cuprea, thorace obsolete canaliculato.
Mas Subopacus, thorace erebrius subtiliusque pun-
ctato, tibiarum anticarum spina apicali fortiter
dilatata, securiformi. — Long. 9—14 lin.
Fem. Nitida, thorace creberrime fortiterqgue punctato,
elytris parcius subtiliusque punetulatis. — Long.
9—11 Jin.
L. fulgidae' proxima, ‘ab colore et prosterni muerone pro-
minente. distincta.
Mas. ‚Cupreus, supra. parum nitidus. «" Mandibulae apice
chalybeo sursum curvato, intus excavato, subbisinuato, ‚po-
‚stice dente prominente terminato, infra pone curvaturam dente
obtuso' armatae, 'intus barbatae. Caput 'punetato-rugosum,
triangulo frontali vix impresso, lateribus pone oculos obsolete
dentatum. Thorax coleopteris paulo latior, margine laterali
deflexo, medio angulato,. supra convexus, erebrius subtiliter
punctatus,,, obsolete, canalieulatus. Scutellum parce obsolete-
que punctatum. Elytra sublaevia, punctis licet rugulisque im-
pressis raris et, subtilissimis. Corpus infra virescenti-cupreum,
171
griseo-subvillosum., , Tarsi articulo ultimo, yiridi-eyaneo. , Ti-
biae ‚anticae 'multi-dentatae, dentibus apicem. versus, erebriori-
bus, ;spina/apicali ‚securiformi.
Femina. Cuprea, nitida, supra nonnunquam ‚subchaly-
bea. ) Caput ereberrime / punctato -rugosum, Thorax fortiter
ereberrimeque punctatus,, versus |latera ‚subrugosus. Elytra
parce subtiliterque punetata. Tibiae virides, tarsi ‚chalybei,
Kol Saragus.
Fam. Melasoma. Trib. Pedinites.
Tab. IV. Fig. 7. «a. b.
Antennae distinete 11-articulatae, articulo tertio elon-
gato, 4—7 sensim paulo brevioribus, 10—8 lenti-
ceularibus, ultimo orbieulari, subeompresso,
Clypeus truncatus.
Labrum transversum, integrum.
Mandibulae breves, validae, intus carnosae, apice ob-
tuse 'tridentatae.
Maxillae malis coriaceis, exteriore subovata, interiore
trapezoidea, mutica,’ utraque apice pubescente.
(Fig. 7. a.)
Palpi maxillares artieulo primo minuto, 'seeundo elon-
gato, tertio breviore, obconico, 'quarto securiformi.
Labium mento marginato, basi angustato, apice trun-
cato, ligula subobcordata, coriacea, limbo late-
rali late membranaceo. (Fig. 7. b.)
Palpi labiales artieulis sensim maioribus, ultimo ovato.
Oculi transversi, lineares.
Seutellum triangulare.
Prosternum postice prominens, mesosterno impresso
receptum.
Tibiae anticae lineares, summo apiee extrorsum dila-
tatae spinaque apicali extrorsum directa auctae.
Tarsi simplices, 'artieulis omnibus infra tomentosis.
Corpus latum, supra eonvexum, marginatum, apterum.
Im Habitus einer Asida ähnlich, doch zu den Pediniten
172
gehörend, hier aber durch mehrere Eigenthümlichkeiten sehr
ausgezeichnet: von den meisten derselben durch das nicht
dreieckig ausgeschnittene Kopfschild, die in der Mitte nicht
eingeschnürten Augen, die nicht dreieckigen Vorschienen und
bei beiden Geschlechtern einfache Vorderfüsse abweichend.
Der Mangel des gewöhnlichen Häkchens an der Spitze der
innern Maxillarlade gehört ebenfalls unter die hervorstechend-
sten Eigenthümlichkeiten dieser Gattung, welche sich auf einer
schon von Fabricius und Olivier beschriebenen, auf den Banks-
schen Reisen entdeckten, seitdem aber, wie es scheint, nicht
wieder aufgefündenen Art gründet.
. 89. Saragus laevicollis: Nigra, opaca, elytris rugosis,
lineis punctisque elevatis. — Long. 63 lin.
Tab. IV. Fig. 7.
Silpha laevicollis Fab. Syst. El. I. 338, 8. —, Oliv. Ent. I.
ga I Be 5
Caput rugulosum, clypeo apice truncato, Thorax con-
fertissime punctato -rugulosus, margine laterali late explanato,
subtiliter granulato. Elytra convexa, rugosa, lineis elevatis
tribus, interioribus ultra medium provectis, posterius nonnun-
quam subinterruptis, exterioribus saepius interruptis et passim
punctis elevatis indicatis, interstitiis interioribus: linea elevata
saepius interrupta, exterioribus punctorum elevatorum serie no-
tatis, margine dilatato sublaevi.
XIV. Cestrinus.
Fam. Melasoma. Trib. Opatridae.
Antennae distinete 11-articulatae, articulo 3. elongato,
4-40 sensim paulo brevioribus, 7. 8. subobco-
nieis, 9. 10. subglobosis, ultimo ‚paulo maiore,
subovato.
Clypeus apice leviter emarginatys.
Labrum transversum, integrum.
Mandibulae breves, validae, intus carnosae, apice ob-
tuse bidentatae.
Maxillae malis coriaceis , exteriore subovata, inte-
173
riore trapezoidea, introrsum barbatis, hae spi-
nulosa.
Palpi maxillares articulo 1. parvo, 2. elongato, 3.
brevi, obconico, 4. securiformi.
Labium mento subquadrato, ligula coriacea, obcordata.
Palpi labiales articulis sensim maioribus, ultimo ovato,
Oeuli transversi, medio iam angustati, iam interrupti,
Prosternum postice haud prominens. Mesosternum
antice prominulum, longitudinaliter impressum.
Seutellum distinetum, triangulare.
Tibiae antici teretes. -
Tarsi omnes simplices, infra pubescentes.
Corpus apterum, habitu Opatrum simulans.
So gross die Ähnlichkeit ist, welche diese Gattung im
Habitus mit Opatrum hat, entfernt sie sich doch in mehreren
wesentlichen Puneten. Sie ist ungeflügelt. Die Fühler sind
schlanker, namentlich die vorletzten Glieder nicht quer. Das
Kopfschild ist nicht dreieckig ausgeschnitten. Die innere Ma-
xillarlade hat keinen Haken an der Spitze. Die Vorderschie-
nen sind nicht erweitert, sondern so einfach’ wie die hinteren.
v 90. Cestrinus obscurus: Niger, opacus, subtiliter granu-
losus, subtilissime pubescens. — Long 32 lin.
Oblongus, niger, opaeus, capite, thorace elytrisque supra
subtiliter granulosis, granulo quoque pilo minimo depresso
fulvo instructo. Antennae piceae, artieulis ultimis obscure
ferrugineis. Oculi medio coaretati. Thorax coleopterorum la-
titudine, latitudine brevior, basi truncatus, apice emarginatus,
lateribus rotundatus, angulis posterioribus subreetis ‚ anterio-
ribus acutis, subdepressus, aequalis, margine laterali late ex-
planato, piceo-subdiaphano. _Elytra obsoletissime substriata.
Corpus infra punctatum. Pedes tibiis picescentibus,, tarsis
ferrugineis.
v 91. Cestrinus trivialis: Niger, opacus, fusco-pubescens,
capite thoraceque punctato -rugulosis, elytris punctato-
striatis. — Long. 3 lin.
Elongatus, niger, opacus, dense subtiliterque fusco -pu-
174
bescens. Antennae ferrugineae, artieulo primo: piceo. Oculi
medio late interrupti. Caput ruguloso-punetatum. Thorax
coleopterorum prope latitudine, latitudine parum brevior, basi
utrinque sinuatus,. apice emarginatus, lateribus‘leviter rotun-
datus, angulis omnibus acutis, subdepressus, ruguloso-puncta-
tus, margine laterali anguste explanato. Sceutellum punecta-
tum. Coleoptera punetato-striata, interstitiis angustis, alter-
nis elevatioribus, seriatim obsolete punetulatis. Corpus infra
punctatum. Pedes tibiis tarsisque piceis.
7 92. Upis (Iphthinus) angulata: Niger, parum nitidus,
capite thoraceque opacis, subtilissime punctulatis, hoc
subtiliter canaliculato, lateribus subangulato, elytris
punctato -striatis. — Long. 8—10 lin.
Niger, parum nitidus, capite thoraceque opacis. Anten-
nae capite parum longiores, piceo-nigrae. Caput parce sub-
tiliterque punetulatum.. Thorax coleopteris dimidio angustior,
latitudine paulo brevior, basi subsinuatus, apice truncatus,
lateribus antice leviter rotundatis, medio subangulatis, dein
subsinuato-angustatis, angulis anterioribus rotundatis, poste-
ribus acutiusculis, perparum convexus, parce subtilissimeque
punctatus, ‚subtiliter canalieulatus, disco utringue puncto ma-
iusculo impresso saepe obsoleto. Scutellum laeve. Coleoptera
parallela, punctato - striata, interstitiis leviter convexis, laevi-
bus. Tibiis omnibus in utroque sexu leviter incurvis.
Mas pedibus longioribus et mente dense barbato distinetus.
93. Tenebrio huwmilis: Subdepressus, nigro-piceus, tho-
race confertissime. punetato ,..basi' utrinque impresso,
elytris punctato-suleatis, interstitiis angustis, conyexis,
alternis paulo elevatioribus, — Long. 6 lin,
Habitu T. molitoris, at duplo minor et multo magis de-
pressus, nigro-piceus, minus nitidus. Antennae piceae, basi
nigrae. Caput dense punctatum, elypei margine laterali ele-
vato, apice emarginato. Thorax coleopteris paulum angustior,
latitudine paulo brevior, basi truncatus, apice late emargina-
tus, lateribus parum rotundatus, antrorsum subangustatus,
subdepressus, confertim punctatus, basi utringue versus an-
gulos posteriores rectos longitudinaliter leviter impressus.
175
Seutellum parce subtiliter punetatum. Elytra subdepressa, for-
titer punctato-sulcata, interstitiis angustis, convexis, alternis
paulo- elevatioribus, parce subtilissime 'punetulatis. ' Peetus
subtiliter fulvo - pubescens.
x 94. Tenebrio colydioides: Depressus, nigro - pieeus, jı
thorace longiore, erebre subtilius: punctato, elytris
punctato-subsulcatis. — Long. 4 lin.
Praecedente triplo minor et magis linearis, depressus, ni-
gro-piceus, subnitidus. Antennae breviores, rufo-piceae. Oa-
put erebre punctatum, celypeo apice leviter emarginato. Tho-
rax coleopteris vix angustior, latitudine prope longior, basi
truncatus, apice late emarginatus, lateribus subrectis, basin
versus subangustatus, angulis posterioribus acutiuseulis, sub-
depressus, crebre subtilius punetatus, basi utrinque obsolete
impressus. Scutellum erebre punctatum, Elytra. depressa,
punetato-subsulcata, interstitiis parum convexis, alternis. paulo
elevatioribus subtiliter punetulatis. Tarsi piceo -rufi.
7 95. Tenebrio corvinus: Subeylindricus, nigerrimus, an-
tennis pedibusque piceis, thorace subquadrato, subti-
liter punctulato, elytris fortiter punctato-striatis. —
Long. 6 lin.
Habitu T. curvipedis, licet duplo maior, nigerrimus, minus
nitidus, supra subeyaneo-micans, Antennae breviores, piceae.
Caput ereberrime punctatum, elypeo tumidulo, apice truncato.
Thorax coleopteris dimidio angustior, latitudine paulo brevior,
basi leyiter rotundatus, apice truncatus, lateribus subreetis,
basin versus subangustatus, angulis anterioribus rotundatis,
posterioribus acutiusculis, modice convexus, crebrius subtili-
ter punctatus, Seutellum parce subtiliter punetatum. Elytra
convexa , fortiter punctato-striata, interstitiis convexis, pas-
sim subtiliter transversim rugulosis. Pedes picei, tibiis vix
incurvis,
v 96. Cilibe peltata: Oblongo-ovalis, subdepressa , picea,
thoraeis elytrorumque margine dilatato obscure rufo,
elytris densius seriatim punctatis, — Long 5—5} lin.
Habitu omnino Peltis ferrugineae, licet duplo vel plus
176
duplo maior. ‘Obscure picea, minus nitida. Caput impuncta-
tum, elypeo dilatato, apiee truncato. Thorax basi utringue
subsinuatus, latitudine baseos duplo brevior, lateribus rotun-
datus, apice profunde emarginatus, impunctatus, dorso leviter
convexo, lateribus late explanatis, obscure rufis, margine
summo reflexo. Coleoptera leviter convexa, sat dense seria-
tim punctata, interstitiis duobus subelevatis, margine lato, laevi,
obsceure rufo auctae,
97. Adelium tenebrioides: Nigro-aeneum, nitidum, tho-
race transverso, lateribus rotundato, subrugoso, ely-
tris punetato-striatis, interstitiis exterioribus convexis,
subinterruptis. — Long. 7 lin.
Subdepressum, nitidum, infra nigrum, supra obseure ni-
gro-aeneum. Caput vage punctatum, subrugosum, Thorax
latitudine dimidio brevior, basi truncatus, apice vix emargina-
tus, lateribus rotundatis, angulis posterioribus prominulis licet
obtusis, parum convexus, parce obsoleteque punctatus, sub-
rugosus, margine laterali explanato. Coleoptera subovalia,
medio thorace sesqui latiora, dorso depressa, punctato-striata,
interstitiis Jaevibus, exterioribus convexis et praecipue apicem
versus saepius transversim subimpressis. Tarsi apice picei.
98. Adelium cisteloides: Viridi- aeneum, nitidum, tho-
race transverso, lateribus rotundato, elytris punctato-
substriatis , interstitiis obsolete punetulatis. — Long.
54 lin.
Leviter convexum, nitidum , infra nigrum, supra viridi-
aeneum. Äntennae piceo -ferrugineae, articulis 4 primis nigro-
aeneis. Caput parce punctatum. Thorax: latitudine “dimidio
brevior, basi truncatus, apice emarginatus, lateribus rotunda-
tus, angulis, posterioribus obtusis, haud prominulis, parım
eonvexus, aequalis, subtiliter minus dense punctatus, punetis’
nonnullis maioribus piliferis impressus, margine laterali haud
explanato. Coleoptera maris oblongo-ovata, feminae ovalia,
thorace paulo latiora, leviter convexa, punctato -substriata,
punctis striarum hine inde maioribus, interstitiis parce, subti-
lissime obsoleteque punctulatis, leviter convexis. Tarsi apice
pieei.
nen Mrz
177
99. Adelium elongatum: Elongatum, parallelum, aeneum,
nitidum, thorace subquadrato, elytris striato-punctatis,
interstitiis alternis interrupto-subecostatis.
Elongatum, leviter convexum, nitidum, infra nigro-aeneum,
supra aeneum. AÄntennae apice rufo-piceae. Caput crebre
subtiliter punetatum, frontis medio punetis maioribus eircum-
dato, clypeo brevi, incrassato. Thorax latitudine vix brevior,
basi truncatus, apice leviter emarginatus, lateribus subrotun-
datis, angulis posterioribus obtusis, haud prominulis, dense
subtilissime obsoleteque punctatus, punctis nonnullis maioribus
praeeipue versus margines notatus, parum convexus, aequalis,
margine haud explanato. Coleoptera oblonga, sub -parallela,
thorace vix latiora, striato-punctata, interstitiis planis, alter-
nis (3.5. 7.9.) costa subeleyata antrorsum magis minusve ob-
soleta, posterius distinetiore, saepe catenato -interrupta nota-
fis. Tarsi fulvi.
XP. Olisthaena.
Fam. Helopii.
Antennae filiformes, articulo 3. elongato tereti, se-
quentibus sensim magis obconicis, penultimis cras-
sitie paulo longioribus, ultimo ovato, apice obtu-
siusculo,
Clypeus apice emarginatus.
Labrum corneum, transversum, apice rotundatum.
Palpi maxillares robusti, articulo primo minuto, se-
eundo elongato, tertio iterum brevi, quarto obliquo,
fortiter securiformi.
Mentum parvum, basin versus angustatum, apice ro-
tundatum.
Palpi labiales breves, articulo ultimo distinete secu-
riformi.
Prosternum postice conico -productum,
Mesosternum fureato-produetum, prosterni mucronem
. excipiens.
Pedes graciliores, tibiarum spinulis apicalibus minu-
tissimis, tarsis simplieibus, infra seeundum longi-
Archiv f. Naturgesch, VIII, Jahrg. 1. Bd. 12
178
tudinem pilosis, anterioribus artieulis 4 primis
sensim brevioribus, postieis articulo primo sub-
elongato. E
Corpus alatum, oblongum, parum convexum, glabrum.
Am nächsten ist diese Gattung mit Pachycoelia verwandt,
sie unterscheidet sich aber durch die Verhältnisse der Fühler-
glieder, von denen noch die vorletzten länger als dick sind,
während bei Pachycoelia die drei vorletzten breiter als lang,
die beiden vorletzten ganz quer sind, und auch noch das
letzte fast dicker als lang ist; durch die Verhältnisse der
Fussglieder, indem bei Pachyeoelia an den vorderen Füssen
die vier ersten Glieder alle gleich sind; durch die kaum be-
merkbaren Enddornen der Schienen, durch das vorn ausge-
randete Kopfschild, und durch die viel stärker beilförmigen
Endglieder der Taster. Von Adelium entfernt sie sich noch
mehr durch den Besitz von Flügeln, durch das der Basis der
Flügeldecken angeschlossene Halsschild und die Verbindung
des Pro- und Mesosternum.
100. Olisthaena nitida: Nigra, nitida, punctata, elytris
apice sublaevibus. — Long. 4% lin.
Tab. IV. Fig. 8.
Oblonga, parallela, leviter convexa, nigra, nitida. An-
tennae capite thoraceque paulo longiores, piceae, articulis
en
duobus primis rufescentibus. Caput creberrime punetatum.
Thorax transversus, longitudine duplo latior, coleopterorum
latitudine, lateribus subrectis, angulos anteriores versus rotun-
datis, apice late emarginatus, basi bisinuatus, supra parum
convexus, sparsim punctatus, lateribus explanatis, margine
laterali elevato. Scutellum Jaevissimum. Elytra lateribus pa-
rallela, marginata, crebre punctata, punctis subseriatis, pone
medium sensim obsoletioribus, apiece obsoletis, Tarsi picei.
XVI Titaena.
Fam. Helopi.
Tab. IV. Fig. 9.a.b. .
Antennae distincte 11 -articulatae, breviusculae, te-
nuiuschlae, apice leviter incrassatae, artieulo tertio
179
reliquis parum Jongiore, penultimis 3 obconicis, ul-
timo breviter subovato.
Clypeus inerassatas, apice truncatus.
Labrum transversum apice rotundatum.
Mandibulae breves, intus carnosae, apice obtuse bieuspi.
Maxillae malis coriaceis, exteriore subovata, interiore
trapezoidea, mutica, utraque, apice barbatula.
(Fig. 9. a.)
Palpi maxillares articulo primo minuto, secundo sub-
elongato, obeonico, tertio ‚obconico, fere trans-
"2... verso, quarto dilatato, securiformi.
Labium mento parvo, basin versus subangustato, apice
truncato, ligula suborbieulari, medio convexo cor-
neo, limbo laterali late membranaceo. (Fig. 9.b.)
Palpi labiales articulis duobus primis parvis, obconi-
cis, tertio securiformi.
Oeuli laterales, subglobosi.
Corpus alatum, elongatum, eylindrieum, capite de-
flexo, pedibus breviusculis, gracilibus.
Den americanischen Stenochien verwandt, auch von der-
selben eylindrischen Körpergestalt, aber mit kurzen Beinen,
kürzeren und dünneren Fühlern. Die Augen nicht quergestreckt
nnd auf der Stirn genähert, sondern klein, fast kuglig, nur
durch den anlehnenden vortretenden Seitenrand des Kopfschil-
des etwas eingeschnitten. Stenochia weicht ferner durch die
ganz hornige Zunge und die mit einem Häkchen endigende in-
nere Maxillarlade ab.
‚401. Titaena columbina: Punctata, pilosella, violacea,
thoraeis margine antico suturaque viridulis. — Long.
Pe 5 lin.
Tab. IV. Fig. 9.
Cylindrica, supra parce albido-pilosa, violacea, nitida,
een. piceae. Caput creberrime punetatum, ‚clypeo elevato.
Thorax coleopteris paulo angustior, Jatitudine vix brevior,
basi rotundatus, apice truncatus, lateris subrectis, crebre for-
| titerque punctatus, margine anteriore magis minusve virescente.
| 12%
|
;
180
Seutellum parvum, impressum. Elytra fortiter punctata, sutura
et margine summo laterali virescentibus. Corpus infra viola-
ceum, pedibus nigris, tarsis piceis.
402. Titaena aleyonea: Punctata, subglabra, cyanea,
pedibus piceo -rufis. — Long. 44 lin.
Cylindrica, supra pilis raris subtilibusque vestita, eyanea,
minus nitida. Antennae piceo-rufae. Palpi ferruginei. Caput
ereberrime fortiter punctatum, ante oculos fortiter transversim
impressum, clypeo incrassato, elevato, Thorax coleopteris
plus dimidio angustior, latitudine haud brevior, antrorsum sub-
angustatus, basi et lateribus subrotundatis, apice truncatus,
confertim grosse profundeque punctatus. Elytra sat dense,
grosse profundeque subseriatim punctata, margine laterali for- |
tins reflexo. Corpus infra nigrum. Pedes piceo -rufi.
XVII, UVlodes.
Fam, Diaperiales.
Tab. V. Fig. 1. a. b.
Antennae 11 -articulatae, artieulis 1.—7. aequalibus,
hispidis, 8.—11. pubescentibus.
Clypeus lateribus haud dilatatus, apice truncatus.
Labrum transversum, apice leviter rotundatum.
Mandibulae breves, intus carnosae, apice acute bi-
dentatae.
Maxillae malis coriaceis, exteriore maiore subovata,
interiore parva angusta, apice unco corneo setu-
lisque nonnullis armata. (Fig. 1.a.)
Palpi maxillares filiformes, validi, articulo 1. minore
globoso, 2. oblongo, eylindrico, 3. dimidio breviore,
4. crassiore, oblongo, apice truncato.
Labium mento subquadrato, ligula cornea, transversa, .
medio subsinuata. (Fig. 1. b.)
Palpi labiales exigui, articulis 2 primis minimis,' 8.
subovato, \
Oeuli transversi.
Seutellum rotundatum,
181
Tarsi simplices subeompressi.
Corpus oblongum, alatum, squamosum.
Unter den Boletophagen zeichnet sich diese Gattung in
mehrerer Hinsicht aus. Der Kopf ist so weit in das Halsschild
zurückgezogen, dass die Augen ganz in dasselbe eingesenkt sind.
Dabei ist das Kopfschild ohne erweiterten Rand, so dass der
Kopf kleiner und spitzer als bei den übrigen erscheint, und
auch die Augen nicht eingeschnitten sind. An den Fühlern
erscheinen die drei letzten Glieder selbst etwas dünner als
die vorhergehenden, indem diese ringsum wirtelförmig mit
-abstehenden Schuppenborsten dicht besetzt sind: sie sind in
der That aber etwas dicker, kürzer, und zeichnen sich durch
ihre feine flaumige Pubescenz vor den übrigen aus. Die Füsse
sind zusammengedrückt, unten ohne Sohle, die ersten Glieder
auf der obern Kante mit abstehenden Borsten besetzt. Die
Körpergestalt ist fast die eines Opatrum, Der ganze Körper
ist mit Schuppen bekleidet.
403. Ulodes verrucosus: Ferrugineus, dense fusco-ni-
groque squamosus, elytris punctato -striatis, intersti-
tiis alternis fasciculato - verrucosis. — Long. 34 lin.
Antennae nigro-fuscoque hispidae, artieulis 3 ultimis fer-
rugineis, subtiliter albido -pubescentibus.- Caput squamis ni-
gris fuseisque mixtis hispidum. Thorax coleopterorum latitu-
dine, transversus, antrorsum leviter angustatus, lateribus ro-
-tundatus, basi bisinuatus, apice emarginatus, margine, laterali
dilatato, elevato, fusco -squamosus, disco utrinque 3-faseicu-
Jato, margine apicali punctoque marginis nigro - squamosis.
- Seutellum dense fusco-squamosum. Coleoptera punctata, dense
-squamosa, interstitiis alternis fasciculis verrucaeformibus mi-
autis regulariter obsitis, squamositate nigra, plaga transversa
' pone medium fusca. Corpus infra fusco-squamosum, nigro-
| variegatum. Pedes nigro-squamosi, fusco-varii,
1
„ 404. Mordella promiscua: Atra, cinereo-tomentosa, ely-
;
| iris postice atris fascia einerea. — Long. 2 lin.
| Habitu M. fasciatae, at duplo minor, atra, antennis, palpis
pedibusque concoloribus. Caput, pectus cum pedibus et tho-
182
rax dense cinereo-pubescentia, hoc vitta abbreviata et utrinque
puncto nigris. Elytra antice einereo-, postice nigro-tomen-
tosa, macula transversali inter medium et apicem iterum ci-
* . . w
nereo-tomentosa. Abdomen nigro-, medio einereo-tomentosum.
picep, subcordato,postice fortiter compresso., elytris
punctulatis, humeris maeulaque minuta pone medium
pallidis, — Long. 1 lin.
Parvus, glaber. Antennae piceae. Caput thorace paulo
latius, suborbiculatum, laevissimum, supra aterrimum, nitidum,
infra rufo-testaceum. Thorax antice rotundatus, pone medium
fortiter compressus angustatusque, supra laevigatus, piceus, 1
nitidus, infra rufo-testaceus. Elytra punctata, posterius laevi-
gata, nigra, maculis duabus, altera maiore subquadrata hume-
rali, altera minuta paulo pone medium prope suturum pallide
testaceis. Pectus et abdomen nigra. Pedes picei tarsis pallidis.
105. Anthicus strietws: Glaber, nitidus, niger, thorace |
“
106. Anthicus vinctus; Pubescens, rufo-testaceus, tho-
race latiusculo cordato, elytris striato-punetatis, fascia
pone medium nigra. — Long. 1+ lin.
Antennae crassiusculae, testaceae. Caput thorace paulo
angustius, suborbieulatum, leviter convexum, laeyigatum, parce
pilosum, piceo-testaceum, nitidlum. Thorax latiusculus, cor-
datus, antice subemarginatus, lateribus anterius fortiter rotun-
datis, posterius eoaretatus et compressus, ante basin constri-
'etus, dorso leviter canalieulatus, basi impressus, secundum
eanaliculam punctulatus, subtilissime pubescens, parce pilosus
piceo-testaceus, nitidus. Coleoptera fulvo-testacea, dense fulvo
pubescentia, parce pilosa, erebre punctato-striata, striis postice
obsoleseentibus, statim pone medium fascia transversa extus
abbreviata nigra signata. Corpus infra testaceum, pedibus flavis.
‚
107. Salpingus hybridus: Capite thoraceque punctatis-
simis, viridibus, elytris punctato -striatis, aeneis, pedi-
bus pallidis.. — Long. 1 lin.
Parvus. "Antennae rufae, artieulis ultimis tribus abrupte‘
maioribus, nigris. Caput dense profundeque punctatum, fronte
depressa, viridi-aenea, ‚subnitida, rostro. brevissimo, rufo.
153
Thorax oblongus, basin ‚versus augustatus, lateribus anterius
rotundatus, margine integerrimo, subdepressus, basi transver-
sim, dorso medio late, et anterius utrinque leviter impressus,
postice utringue puncto maiori impresso notatus, dense pun-
etatus, viridi-aeneus, nitidulus. Coleoptera ampla, modice
convexa, pone seutellum leviter impressa, punctato-striata, in-
terstitiis politis, aenea, nitidissima. Corpus infra piceum, ca-
pite thoraceque rufescentibus. Pedes pallide: testacei.
Die europäischen Arten von Salpingus lassen sich in zwei
Formen unterscheiden: bei der einen ($. ater, piceae, bimacu-
latus, foveolatus) sind die fünf Endglieder der Fühler un -
merklich verdickt, und die Halsschildränder sind einfach,
bei den andern ($. cursor, dentatus) sind die letzteren gezäh-
nelt und die Fühler haben die drei letzten Glieder merklich
dicker: die ersteren würden, wollte man sie trennen, der Gat-
tung Sphaeriestes Kirby, die letzteren Salpinguws Latr.
entsprechen. Die vandiemensländische Art steht zwischen. bei-
den in der Mitte, indem sie mit den letzteren die Gestalt der
Fühler, mit den Pialeten die ungezähnelten Halsschildränder
gemein hat. j ai
108. Anthribus bispinus: Niger, tenuiter griseo-pube-
scens, thoraeis vitta media, pectoris Jateralibus flave-
scentibus, elytris apice spina magna conica acuta ar-
matis; pedibus rufis. — Long. 2 lin. &
#
v
Antennae nigrae, capite thoraceque paulo longiores, arti-
eulis 2 primis breviusculis, parum incrassatis, 3—8 teretibus,
sensim brevioribus, ultimis tribus clavam elongatam forman-
tibus, 9. elongato-obconico, sequentibus ambobus longitudine
aequali. Corpus nigrum, opacum, pube tenuiore grisea in-
canum, Caput punctato-rugosum, rostro secundum longitu-
dinem subimpresso. Thorax latitudine vix brevior, antrorsum
leviter angustatus, dorso depressus, punctato-rugosus, stria
‚elevata baseos subinterrupta; vitta media flavescenti-tomentosa
‚signatus. Scutellum flavescenti-tomentosum, Elytra picea, dorso
presso, punctato-striata, basi tuberculo rotundato, leviter
eleyato, postice spina valida, conica, apice deflexo, acuto mu-
184 .
nita, fasciola communi inter spinas nigra. Pectus vitta Jate-
rali flavescenti-tomentosa. Pedes rufi.
109. Tropideres musivus: Fuscus; pube cinerea, al-
bida, nigra fulvaque variegatus, thorace dorso nigro-
3fasciculato, elytris dorso macula albida, versus api-
cem faseiculo fulvo. — Long. 2% lin.
Oblongus, fuseus. Antennae longiores, articulo tertio
elongato, 4—8 sensim paulo brevioribus, clava. oblonga, te-
staceo -rufae, articulo primo secundoque apice et clava fusce-
scentibus. Rostrum capite longius, basi angustatum, apiee
leviter dilatatum, punctato-rugosum, supra dense griseo-pube-
scens, apice nudiusculum,. Frons pube albida, nigra fulvaque
variegata. Oculi laterales, ovales, prominuli. Thorax latitu-
dine vix brevior, lateribus rotundatus, subdepressus, punctato-
rugulosus, pube fulva, nigra albaque variegatus, medio macu-
lis tribus minutis nigro-tomentosis transversim positis notatus,
stria postica transversa elevata medio subinterrupta, subun-
dulata, lateribus sursum flexa. Seutellum albo-tomentosum.
Elytra dorso depressa, punctato -striata, e pube densa depressa-
que fusca, interstitiis alternis albo- nigroque variegatis, dorso me-
dio macula magna albida communi, in interstitio tertio postice
fasciculo fulvo, basi fasciculo fulvo nigroque notata. Corpus
infra albido-pubescens, tloracis pectorisque lateribus pube
densiore grisea vestitis. Pedes ferruginei, femoribus medio,
tibiis apice nigris, pube alba variegati.
110. Tropideres albuginosus: Niger, capite, elytris pe_
dibusque ferrugineis, dorso inaequaliter albo-tomen-
tosus. — Long. 14 lin.
Antennae thoracis basin superantes, testaceae, clava picea..
Caput ferrugineum, fronte leviter convexa, dense albido-to-
mentosa, vrostro capitis longitudine basi angustato, plano,
punctato -ruguloso, nudiusculo. Thorax latitudine haud bre-
vior, basi coleopterorum prope longitudine, apicem versus
sensim angustatus, subtiliter punctato-rugulosus, stria postica
eleyata integra, margini basali approximata, fuscus, plaga dor-
sali albo-tomentosa, lateribus pube flava fuscaque variegatis.,
Scutellum dense albo-tomentosum. Coleoptera subtiliter pun-
; 185
etato-striata, basi utringue prope scutellum tubereulo modice
elevato munita, ferruginea, plaga communi' dorsali, basi an-
gusta, dein sinuatim dilatata, albo-tomentosa, ante apicem
striga transversa fusca interrupta, lateribus fulvo-pubescen-
tibus. Pectus et ablomen nigra, albo-tomentosa, ano ferru-
gineo. Pedes testacei, femoribus ante apicem annulo fusco.
411. Rhinotia pectoralis: Fusca, supra ceryino-pube-
scens, tomento nigro conspersa, pectore dense albo-
tomentosa. — Long. absq. rostr. 5 lin,
Corpus nigrum. Antennae ferrugineae, Caput cervino-
tomentosum, fronte leviter convexa, subtiliter granulata, ro-
stro thorace paulo longiore, subrecto, nudo, basi crebre,
apice subtilissime punetulato. Thorax latitudine baseos parum
brevior, antrorsum angustatus, lateribus modice rotundatus,
ante apicem constrictus, inaequaliter subtilius granulatus, po-
stice profunde canaliculatus, cervino-tomentosus. Coleoptera
thorace paulo longiora, apicem versus paululum ampliata, apice
niuncta obtuse angulata, margine basali interiore elevato-
producto, pone scutellum subtuberosa, subtiliter granulata,
rufo-brunnea, pube cervina cinereaque mixta maculisque mi-
nutis sparsis atro-tomentosis variegata. Pectus tomento spisso
bo obductum. Abdomen medio brunneum, pube alba macu-
Jatim distributa variegatum. Pedes albido -pubescentes, ferru-
‚ginei, femoribus brunneis,
412. Rhynchites (Auletes) melanocephalus: Dense
punctatus, albo-pubescens, testaceus, capite, rostri
basi pectoreque nigris. — Long. 14 lin,
# Corpus testaceum, subnitidum, pube subtili alba densius
IE im. Antennae concolores, prope rostri basin insertae.
Oaput sat magnum, dense punctatum, subaeneo-nigrum. Oculi
minuli. Rostrum thorace paulo longius, rectum, laeve,
-glabrum, basi nigrum. Thorax eapitis latitudine, subeylindri-
antice posticeque obsolete constrietus, confertim puncta-
Seutellum nigrieans, Coleoptera confertim punctata, pone
tellum transversim leviter impressa. Pectus nigrum, Pedes
\ walidiuseuli, tarsi articulo 3, nigricante,
|
|
186 a:
113. Eurhynchus A-nodosws: Elongatus, rufo-brunneus,
cervino-pubescens, thorace subeylindrico, punctato- |
ruguloso, elytris punctato - striatis, interstitüs alternis
granulatis, basi suberistatis, medio acute bituberculatis.
— Long, absgq. rostr. 6 lin.
Corpus saturate rufo-brunneum, antennis pedibusque fer-
rugineis. Antennae capitis thoraeisque fere longitudine, arti-
eulis ultimis 3 maioribus, penultimis subeylindrieis, inter se
aequalibus, ultimo tereti, elongato, artieulis 1—8 coniunetis
longitudine aequali. Caput oblongum , subtiliter transversim
rugosum, fronte linea impressa, antice profundiore canaliculata,
cervino- pubescens, pube inter oculos densiore. Rostrum ca-
pite sesqui longius, parum arcuatum, punctato-rugulosum,
cervino - pubescens, nigricans, apice rufo,, laevigato, glabro.
Thorax capitis latitudine, longitudine paulo angustior, subey-
lindrieus, dense asperato - punctatus, transversim rugulosus,
summa. basi obsolete canaliculatus, aequaliter cervino-pubesens.
Coleoptera oblongo-obovata, convexa, subtilissime granulata,
cervino-pubescentia, punctato -striata, interstitis aequalibus,
planis, alternis densius tomentosis, granulis seu tubereulis
minutis glabris laevigatis aequaliter dispositis notatis; singula
basi prope suturam cristata, erista parum elevata, tubereulis |
minutis acutis echinata, medio tuberibus parvis acutis, oblique
positis instructa. Oorpus infra magis einereo-pubescens, (Mas.)
en u
114, Eurhynchus quadridens: Elongatus, Dun
neus, cervino-pubescens, thorace asperato-punctato,
linea media laevi, coleopteris punctato-sulcatis, intus
granulatis, medio quadrispinosis. — Long. absq. rostr.
4 lin.
Rufo-brunneus, ‘rostro dimidio, thorace, antennis pedi-
busque ferrugineis. Antennae articulis ultimis tribus maiori-
bus, penultimis 'aequalibus, subobconieis, ultimo elongato, ,
articulis 5 primis coniunctis longitudine aequali. Caput o
longum, subtiliter transversim rugosum, fronte canalieulata,
utringue densius ‚pubescente. Rostrum capite parum longius
subareuatum, supra basi nigrum et crebre punetulatum. Tho--
rax capite vix latior, latitudine paululum longior, eylindrieus,
_ w
187
dense asperato-punetatus, transversim rugosus, linea media
laterali laevi,; tenuiter cervino-pubescens. Coleoptera oblongo-
ovalia, convexa, punctato-sulcata, interstitiis exterioribus an-
gustis, laevigatis, interioribus latioribus, subtiliter granulatis,
alternis granulis maioribus laevigatis glabris, interioribus per
totam longitudinem, exterioribus versus apicem notatis; 'sin-
gula basi suberistata, erista parum elevata, granulis acumina-
tis muricata; medio tuberculis binis validis conicis acuminatis
dense granulatis, oblique positis, exteriore maiore instructa;
cervina tomentosa, basi litura longitudinali e pube densiore
notata, (Mas.)
Die beiden hier beschriebenen Arten dieser Gattung sind
nahe mit einander verwandt, doch in Behaarung, Sculptur der
Flügeldecken und den Verhältnissen der Fühlerglieder hinrei-
chend unterschieden.
115. Amisallus nodosus: Niger, indumento fusco ob-
ductus, fronte bituberosa, thorace tuberculato, cana-
liculato, elytris fortiter subseriatim punctatis, tuber-
eulis magnis biseriatis instructis. — Long. absq. rostr,
2% lin.
sur Niger, totus indumento Juteo - fusco e squamulis minimis
nse obductus, parce fusco-setulosus. Frons bituberosa.
ur leviter carinatum, apice oblique retusum et subim-
ressum, Thorax latitudine paulo brevior, subeylindrieus, in-
is, fortiter tubereulatus, tubereulis dorsalibus elongatis,
Omnibus apice puncto setigero mammillatis, medio per longi-
a eanalieulatus. Elytra medio thorace duplo latiora,
eleyata, subseriatfin punctata, singula dorso biseriatim tuber-
‚ serie interiore e tuberculis 6, exteriore e tubereulis
posita. Pedes longiuseuli e tomento fusco cinereoque
jegati, femoribus vix clavatis, subtus ante apicem sinuatis.
_ eristato, elytris rugosis, seriatim rubro-tubereulatis.
— Long. 10 lin.
Magnus, niger, parum nitidus. Antennae concolores.
Caput subtilissime fusco-pubescens, anterius albido-setulosum,
| fronte leviter convexa, parce profunde punctata, rostro stri-
|
|
188
etura a fronte distinceto , longiusculo ‚: basi carinato. Thorax
coleopteris duplo prope angustior, latitudine paulo longior,
lateribus parum rotundatis, eylindrieus, confertim granulatus,
dorso antico cristis duabus longitudinalibus , leviter elevatis,
spatio interiecto subimpresso, granulis destituto, parce setulis
depressis einereis adspersus, basi pube densa cinerea eiliatus; -
lobis ocularibus acuminatis. Sceutellum ceinereo-pubescens. Co-
leoptera convexa, seriatim punctata, transversim rugosa, inter-
stitiis omnibus tuberculatis, tubereulis rubris, plerisque minu-
tis, tuberculis interstitii 3. et 5. plerisque magnis, saepius con-
fluentibus, humeris prominulis pariter tuberculo maiore in-
structis; sutura in superiore declivitatis posterioris parte pro-
minente. Corpus infra passim densius fusco-pubescens. Fe-
mora saepe obscure rufa.
117. dterpus scoparius: Niger, dense cinereo-squamo-
sus, thoracis elytrorumque dorso fusco, thoraeis eri-
stis duabus elytrorumque tuberculis nonnullis griseo-
faseieulatis. — Long. 33—4 lin.
Niger, dense cinereo- vel luteo-squamosus. Caput totue
dense einereo- vel luteo-squamosum, parce albido-setulosum,
fronte convexa, rostro brevi, obsolete canaliculato. Thorax
coleopteris duplo prope angustior, latitudine paulo longior,
lateribus parum rotundatus, subeylindrieus, parce subtiliterque
granulosus, parce albido-setulosus, lateribus et antice dense,
dorso reliquo parce einereo-squamosus, eristis duabus antieis
dorsalibus sat elevatis cinereo-fasciculatis. Scutellum eleva-
tum dense einereo-squamosum. Elytra lateribus et apice late |
denseque cinereo-, dorso magis fusco - squamosa, Striato-pun-
ctata, interstitiis seriatim setulosis, alternis subtiliter ir,
granulatis, 3. et 5. carinatis, 3. basi et pone medium cinereo
luteo-fascieulato. Corpus infra cum pedibus dense cinereo
luteove squamosum.
» Dem A. cultratus sehr ähnlich, aber von anderer Seulptur
und Bekleidung, namentlich sind hier die Haarbüschel des
Halsschildes und der Flügeldecken nicht schwarz,
4
118. Pelororhinus margäritaceus: Oblongus, niger, ,
squamulis albo-argenteis infra dense, supra plagiatim
vestitus, thorace disperse, elytris plagiatim granulatis.
— Long. 6% lin.
Oblongus, niger. Caput fronte convexa, leviter canalicu-
lata, antice subtiliter granulosa, eirca oculos dense ochraceo-,
ceterum parcius argenteo -squamulosum; rostrum capitis longi-
tudine, angulosum, supra canaliculatum, basi tricarinatum.
Thorax coleopteris duplo angustior, latitudine paulo longior,
lateribus leviter rotundatus, apieem paulo magis ac basin ver-
sus angustatus, modice convexus, granulatus, infra lineisque
binis lateralibus et singula dorsali dense, interstitiis parcius
margaritaceo -squamulosis. Scutellum dense albo-squamosum.
Coleoptera convexa, humeris prominulis, punctato-subsulcata,
interstitiis leviter convexis, seriatim, 1., 2., 3., 5.,7. ultra me-
dium,‘ 4. basi medioque, 6. medio granulatis, callo humerali
sat prominulo, tota albo-squamosa, margaritaceo-micantia, gra-
nulis denudatis. Corpus infra dense margaritaceo-squamosum,
peetore utringue abdomineque punctis denudatis adspersis.
Pedes margaritaceo - squamosi.
(419. Rhinaria costata: Oblonga, nigra, cinereo-squamu-
losa, fronte cristata, rostro glabro, compresso, thorace
granulato, elytris punctato-subsulcatis, interstitiis gra-
nulatis, alternis costatis. — Long. 64 lin.
Pr
Rh, eristatae affınis at duplo maior et magis oblonga,
nigra, tota squamulis cinereis, supra obscurioribus, infra pal-
lidioribus dense obducta. Caput punetulatum, ae: con-
vexo, fronte inter oculos erista dupliei, utraque bituberosa
fructa, rostro glabro, compresso, apice canaliculato, basi
| strietura a fronte discreto. Thorax coleopteris duplo prope
angustior, latitudine paulo longior, lateribus leviter rotundatus,
apicem versus paulo magis quam antrorsum angustatus, modice
<convexus, granulis minus confertis scabra. Coleoptera con-
vexa, humeris prominulis, leviter punctato-sulcata, interstitüs
omnibus seriatim subtiliter granulatis, 3., 5., 7. costarum instar
fortius elevatis.
10
XVII, Steriphus. |
Fam. Curculiones. Trib. Molytides.
Antennae mediocres, graciliores, scapo oculos haud
attingente, funiculi artieulis 2 primis elongatis, 1.
longiore erassioreque, 3.—7. crassitie haud brevio-
ribus, 7. reliquis paulo crassiore, clava ovata,
acuminata. es
Rostrum elongatum, crassiusculum, teres, subareuatum,
apice subinerassatum.
Oculi subovati, parum prominentes,
Thorax basi truncatus lateribus leviter rotundatus,
apice pone oculos utrinque lobatus, infra emargi-
natus, supra depressus.
Scutellum triangulare,
Coleoptera connata, basi leviter emarginata, humeris
prominulis.
Pedes medioeres, tibiis apiee uneinatis, unguieulis
simplieibus, divaricatis.
Corpus apterum, durum.
In ihren übrigen Characteren hat unsere neue Gattung.
die grösste Uebereinstimmung mit Plinthus, so dass sich die
Unterschiede vorzüglich darauf beschränken, dass hier das.
erste Glied der Fühlergeissel merklich dieker und länger als
das zweite, und dass das Schildchen deutlich vorhanden ist.
Die Gruppe der Molytiden Sch. hat einen sehr guten, von Schön-
herr aber nicht hervorgehobenen Character darin, dass die
Fühlerrinnen des Rüssels nicht schnell abwärts gebogen, son-
dern gegen die Augen gerichtet sind; der Fühlerstiel ist auch
niemals so lang, dass er nicht ganz in dieser Rinne aufgenom-
men werden könnte,
120. Steriphus solidus: Elongatus, niger, tenuiter sub-»
tiliterque pubescens, rostro punctulato , thorace con--
fertissime punctato-rugoso, elytris punetato -striatis,
interstitiis alternis subelevatis. — Long. 3 lin.
Statura elongata fere Plinth. caliginosi, licet minus de--
191
pressus, niger, subnitidus. ‘Antennae graciliores, rufo-piceae,
clava fuscescente. Caput fronte aequali, ereberrime punetata,
griseo-pubescente, rostro longiuseulo, leviter arcuato, subtili-
ter punctato, apice laevigato. Thorax coleopteris paulo an-
gustior, latitudine hand brevior, lateribus leviter rotundatus,
J apiee angustatus, dorso subdepressus, confertissime punctatus,
loneitudinaliter rugulosus, fusco-pubescens, e pube cinerea
'obsolete 3-lineatus. Seutellum dense einereo-pubescens. Co-
leoptera thorace duplo prope longiora at paulo latiora, paral-
lela, dorso subdepressa, leviter punctato-striata, interstitiis lae-
vibus, alternis (3. 5. 7.) subelevatis, pube subtili einerea obsolete
yariegata, apice picea. Pedes nigri, tibiis tarsisque piceis.
421. Amyceterus morbillosus: Niger, fusco - squamosus,
thorace basi angustato, confertim tubereulato, utrinque
einereo -vittato,, coleopteris oblongis, subsuleatis, in-
terstitiis guanulosis , obsolete fusco - tessellatis. —
« Long. 8 lin.
A. mirabili minor, imprimis angustior, niger, supra to-
mento dilute fuseo vestitus. Antennae nigrae, cinereo-setu-
losae. Caput fronte leviter convexa, parce punctata setulosa-
que, oculis haud prominulis, rostro supra 4-carinato , carinis
Jexterioribus marginalibus,, interioribus apicem emarginatum
versus divergentibus. Thorax coleopteris parum ‚angustior,
Hlatitudine vix brevior, lateribus ante medium rotundatis, basin
ersus angustatus, leviter convexus, erebre tubereulatus, vitta
erali einerea notatus. Coleoptera oblonga, humeris nullo
Imodo ‚prominulis, subsulcata, interstitiis erebre granulatis, sul-
Jeis-passim subfoveolatis, obsolete cinereo-tessellatis. Corpus
infra parce pubescens.
Mas abdominis segmento ultimo ventrali intruso, truncato,
Jutrinque fasciculato.
»ım * .
122. Amycterus exasperatus: Niger, fusco-squamosus,
4 a R
thorace tubereulato-rugoso, cinereo-5lineato, coleopte-
ris ovatis, subsulcatis, obsolete serobiculatis, einereo-
variegatis. — Long. 5} lin.
A. mirabili habitu similis, licet plus duplo minor; niger,
Supra fusco-squamulosus. Antennae breves,, nigrae, nigro-
192
setulosae, Caput fronte parum convexa, parce punctata se-
tulosaque, oculis prominulis, rostro 4-carinato, carinis exte-
rioribus marginalibus, interioribus apicem emarginatum versus
leviter divergentibus. Thorax coleopteris angustior, latitudine
paulo brevior, lateribus rotundatus, parum convexus, rugoso,
tubereulatus, vittis 5 einereis, intermedia tenui, recta, lateralibus
binis approximatis latioribus, interiore recta, exteriore arcuata,
Coleoptera obovata, basi emarginata, angulis humeralibus an
trorsum prominulis, subsulcata, suleis seriatim punctatis, inter-
stitiis seriatim tubereulatis, transversim irregulariter subrugosa,
einereo-- fuscoque irregulariter tessellata. Corpus infra parce
cinereo-squamulosum. i
Mas abdominis segmento ultimo ventrali intruso trunca-
toque, dorsali prominulo, truncato, utringue fascieulato,
XIX. Nothrodes.
Fam. Curculiones. Trib. Otiorhynchides.
Antennae medioeres, scapo recto, oculos superante,
apice parum incrassato, funiculi artieulis 2 primis
longioribus, aequalibus, 3.—7. elongato-obeonieis,
clava oblongo - ovata, apice acuminata, articulis
primis aequalibus. -
Rostrum capite duplo longius, deflexum, subreetum
pterygiis apicalibus leviter divaricatis; scrobe ob
liqua, laterali, versus oculi angulum re
directa, sensim minus profunda.
Oculi ovales, parum prominuli. ’
Thorax coleopteris angustior, basi apiceque truncatu
lateribus rotundatus, pone oculos lobatus.
Seutellum minimum, triangulare.
Coleoptera ampla, ovata, conyexa, connata.
Pedes mediocres, femoribus leviter incrassatis, tibiis
apice obliquo leviter dilatatis uncinatisque, ungui-
culis simplicibus, divaricatis.
Corpus apterum, squamulosum.
Das Weibchen hat fast die feiste Form eines Otiorh. li.
gustiei, der Rüssel ist aber viel länger, abwärts gebogen, fast
193
wie bei einem Barynotus, nur dass die erweiterten Seitenflü-
gel der Spitze und die gegen das Auge hin gerichteten, ver-
flachten Fühlergruben diese Gattung in die Abtheilung der
Otiorhynchiden stellen, wo sie mit der folgenden Gattung
Mandalotus eine eigene besondere Unterabtheilung bildet,
welehe sich von der ersten Schönherrschen durch vorhandene
Augenlappen des Halsschildes, von der zweiten durch Flügel-
losigkeit unterscheidet.
‚4123. Nothrodes languidus: Niger, fusco - squamosus,
thorace tenuiter punctato, subtiliter canaliculato, ci-
nereo-4lineato, coleopteris subtiliter punctato -stria-
tis, einereo-conspersis, — Long. absq. rostr. 3—4 lin.
Habitu fere Otiorh. ligustici, licet duplo minor, niger,
squamulis fusco-cinereis micantibus vestitus. Antennae piceae.
Caput fronte parum convexa, rostro vix arcuato, obsolete ca-
rinato. Thorax latitudine paulo brevior, lateribus sat rotun-
datus, supra leviter convexus, tenuiter punctato - subrugulosus,
linea subtili dorsali impressus; vittis 4 cinereis, 2 dorsalibus,
2 lateralibus. Coleoptera breviter ovata, medio thorace plus
sesqui latiora, convexa, sutura posterius carinata, subtiliter
punctato-striata, interstitiis planis, fusco- einereoque-subvarie-
gata, subtiliter albido-setulosa. Corpus infra cinereo-squamo-
sum; Pedes einereo-squamosi, tibiis tarsisque piceis.
Mas statura angustiore distinetus, thorace subgloboso, co-
leopteris oblongo-ovatis, thorace parum latioribus.
KX. Mandalotus.
Fam. Curculiones. Trib. Otiorhynchides..
Antennae breviores, scapo recto, oculos superante,
apicem versus sensim incrassato, funieuli articulis
2 primis longioribus, obconicis, 3.—7. brevibus,
transversim lenticularibus, clava ovata, acuminata,
articulo primo maximo.
Rostrum capite parum longius, deflexum, subareuatum,
pterygiis apicalibus leviter divaticatis; scrobe basi
profunda, obliqua, oculum versus sensim explanata.
Oeculi rotundati, modice prominuli.
Archiv 1. Naturgesch, VII, Jahrg, 1, Ba, 13
194
Thorax dorso depressus, basi medio leviter rotunda-
tus, utringue angulatus, apice coaretatus, pone ocu-
los sublobatus,
Seutellum parvum, angustato -triangulare.
Coleoptera connata, basi emarginata, dorso depressa,
Pedes mediocres, femoribus clavatis, tibiis apice dila-
tatis uncinatisque, unguiculis simplieibus, divaricatis,
Corpus apterum, squamulosum.
Diese neue Gattung ist zunächst mit Tyloderes Schönh.
verwandt, unterscheidet sich aber durch ‘die kürzeren Füh-
ler, an denen namentlich die Geissel viel weniger ‘gestreckt
ist, auch ist das erste Glied derselben nicht kleiner, wie bei
Tyloderes, sondern etwas grösser als das zweite, die. übrigen
sind breiter als lang, während sie bei Tyloderes länger als
breit sind. Auch ist die Richtung des Rüssels eine andere.
Der Vorderrand des Halsschildes bildet hinter den Augen auf
jeder Seite einen kurzen abgerundeten Lappen, der am Rande
mit einwärts gekrümmten Wimpern besetzt ist. Die Bewafl-
nung des Mesosternum, welche bei einigen Arten sich findet,
ist bei den Gattungscharacteren nicht zu berücksichtigen, da)!
sie andern Arten ganz fehlt. f
124. Mandalotus erudus: Niger, fusco -squamosus, r0- |
stro carinato, thorace canaliculato, coleopteris dorso,
foveolatis, mesosterno spinoso, — Long. 2% lin.
Niger, fusco-squamosus. Antennae rufo-piceae. Capu
parce fusco-setulosum, fronte leviter convexa, rostro subar-.
cuato, distincte carinato. Thorax coleopteris vix angustior,,
latitudine haud brevior, lateribus vix rotundatus, apice coar-
ctatus, basi bisinuatus, supra depressus, obsolete punctato-ru-
gosus, canaliculatus, fusco-setulosus. Coleoptera thorace sesqui
longiora, basi emarginata, apice subeompressa, dorso planiu-$
scula, punctato-striata, dorso leviter scrobiculata, dense setu-
losa. Mesosternum spina longiore, apice inflexo obtusiuscul
armatum. Pedes tibiis interne suratis, apice incurvis, ante api-
cem dilatatum attenuatis.
4125. Mandalotus rigidus: Niger, fusco-squamosus, rO-
stro carinato, thorace canaliculato, coleopteris dorso‘
195
obsolete foveolatis, mesosterno tubereulato, — Long.
2 lin,
Praecedente minor, praecipue brevior, convexior. An-
nae rufo-piceae. Caput parce fusco-setulosum, fronte levi-
er convexa, rostro subarcuato, carinato. Thorax coleopte-
is parum angustior, latitudine haud brevior, lateribus sub-
ectis, apice coaretatus, basi subbisinuatus, supra subdepres-
us, punetato-rugulosus, leviter canaliculatus, setulosus. Co-
eoptera thorace sesqui longiora, basi leviter emarginata, apice
ubcompressa, supra leviter convexa, punctato-striata, dorso
bsolete scrobiculata, setulosa. Mesosternum tuberculo mu-
itum. Pedes tibiis 'medio vix incrassatis, ante apicem dilata-
um attenuatis, antieis apice incurvis, posterioribus subrectis,
iceis, tarsis ferrugineis.
126. Mandalotus sterilis: Niger, fusco-squamosus, ro-
stro obsolete carinato, elytris punctato-striatis, inter-
stitiis -alternis subelevatis, mesosterno inutico. —
Long. 24 lin.
Praecedentibus paulo gracilior, niger, dense fusco -squa-
osus, parce albido-setulosus. Antennae rufo-piceae. Caput
onte leviter convexa, orbitis dilutioribus, rostro subarcuato,
btiliter carinato, Thorax coleopteris vix angustior, latitu-
ine haud longior, lateribus leviter rotundatus, apice coareta-
s, basin versus subangustatus, basi rotundatus, supra planus,
olete rugoso - punctatus. Coleoptera thorace plus sesqui
ongiora, basi emarginata, apice subcompressa, dorso planiu-
eula, punctato-striata, interstitiis alternis leviter elevatis, tertio
i macula albida notato. Mesosternum omnino muticum. Pe-
erassiusculi, tibiis antieis apice incurvis, posterioribus sub-
ctis, picei, tarsis ferrugineis.
4
427. Mandalotus vetulus: Niger, fusco- cinereo - squa-
Ihaj mosus, rostro carinato, thorace fortiter punctato-ru-
g0so, canaliculato, elytris fusco-variegatis, mesosterno
mutico, — Long. 2; lin.
0 Stalura ommino ‚praecedentis, fusco-einereo-squamosus,
rce, in elytris seriatim setulosus. Antennae scapo fusco-,
ifunieulo clavaque rufo-piceis. Rostrum leviter arcuatum, di-
13%
196
stinete carinatum. Thorax coleopteris paulo angustior, latitu-
dine haud brevior, lateribus leviter rotundatus, apice coareta-
tus, basin versus subangustatus, basi leviter rotundatus, parum
convexus, fortiter punetato-rugosus, subtilius canalieulatus.
Coleoptera thorace plus sesqui longiora, basi emarginata, an-
gulis humeralibus prominulis, apice compressa, dorso levissime
convexa, punctato - striata, plaga suturali communi anteriore
irregulari et utrinque plaga magna lata postica fusco-squamo-
sis. Pedes validiusculi, tibiis antieis apice ineurvis, picei,
tarsis ferrugineis.
128. Orthorhinus lepidotus: Oblongus, niger, cervino-
squamulosus, thorace rugoso-punctato, medio cari-
nato, elytris punctato-striatis, interstitiis alternis ele-
vatis granulatisque, nigro-adspersis, fascia obsoleta
obliqua dilutiore, femoribus postieis valide dentatis.
— Long. absq. rostr. 44 lin.
0. spiloto plus duplo maior, niger. Antennae versus ro-
stri apicem insertae, minus crassae, piceae. Caput rotunda-
tum, confertim punctatum, cervino-squamulosum, oculis haud
prominulis, minus approximatis, rostro thorace longiore, recto,
punctato. Thorax coleopterorum latitudine, latitudine brevior,
lateribus rotundatus, antice coarctatus, creberrime punetato-
rugosus, medio leviter carinatus, passim cervino-squamulosus,
Scutellum albido-squamulosum. Elytra basi truncata, apice
attenuata acuminataque, modice conyexa, punctato-striata, in-
terstitiis alternis elevatis, seriatim granulatis, dense ceryino-
squamosa, maculis minutis nigris conspersa, fascia obliqua ab
humero ad medium descendente dilutiore, albo-conspersa, sat
lata at obsoleta,. Corpus infra cervino-squamulosum, abdomi-
nis segmentis 3. et 4. puncto laterali albo notatis. Pedes va-
lidi, cervino-squamosi, femoribus anterioribus obtuse, postieis
fortiter dentatis.
Mas diflert rostro thoracis longitudine, antennis prope
eius apicem insertis.
129. Ortharhinus pacificus: Ferrugineus, supra ferru-
gineo-squamosus, thorace punctato-rugoso, elytris
punctato-striatis, seriatim cervino-nigroque alternatim
maculatis; femoribus omnibus mutieis. — Long. 2 lin,
197
Parvus, oblongus, obscure ferrugineus, supra dense fer-
rugineo-squamosus. Antennae versus rostri apicem insertae,
ferrugineae. Caput rotundatum, oculis vix prominulis, leviter
approximatis, rostro thorace longiore, ante apicem leviter ar-
cuato, ultra medium sulcato, apice laevi, nudo, rufo, Thorax
coleopteris angustior, latitudine paulo brevior; lateribus sub-
rectis, antice subito coaretatus, subdepressus, punctato-rugo-
sus, dense squamosus, passim cervino-subnebulosus, basi utrin-
que nigro-maculatus. Scutellum parvum, oblongum, dense cer-
vino-squamosum. Elytra leviter convexa, punctato-striata, in-
terstitiis aequalibus, seriatim maculis minutis alternis cervinis
nigrisque signata, dense setulosa. Corpus infra cervino-squa-
mulosum, Pedes rufi, cervino-squamulosi, femoribus omnibus
mutieis.
130. Erirhinus phaleratus: Rufus, supra vittis tribus
corporeque infra dense albo-squamosis. — Long. 33 lin.
E. bimaculato aequalis at magis elongatus, saturate rufus.
Antennae versus rostri apicem insertae, graciles, funiculi articu-
lis 2 primis elongatis, reliquis sensim brevioribus. Caput te-
nuiter albido-pubescens, orbitis squamulosis, oculis parum
prominulis, rotundatis, rostro thorace paulo longiore, validiu-
sculo, leviter arcuato, ultra medium leviter sulcato, apice de-
pressiusculo, subtiliter punctato. Thorax coleopteris angustior,
latitudine haud brevior, lateribus leviter rotundatus, apicem
versus angustatus, parum convexus, punctato-rugosus, vittis 3
longitudinalibus albido-squamosis, interstitiis subtiliter albido-
pubescentibus. Scutellum albido -squamosum. Coleoptera apice
attenuata, acuminata, punctato-subsulcata, suleis postice obso-
letis, interstitiis angustis, convexis, suleis albido-pubescentibus,
sutura integra vittaque laterali lata, intus subsinuata, antice
abbreviata albo -squamosa. Corpus infra dense albido - squa-
mosum. Pedes albido-pubescentes, femoribus muticis, antici
vix elongati, tibiis subarcuatis.
131. Notionomus australis: Niger, dense cinereo-squa-
mosus, elytris lateribus albo-conspersis, pone medium
fascia alba. — Long. absq. rostr. 1 lin.
Brevior, niger, dense cinereo-squamosus. Antennae nigrae.
4198
Caput dense punctatum, oculis haud prominulis, rostro capite
thoraceque paulo longiore, leviter arcuato, dense punctato,
apice nudiusceulo, Thorax 'coleopteris duplo prope 'angustior,
latitudine paulo longior, subeylindricus, lateribus vix rotunda-
tis, confertim sat profunde punctatus, lineis 5 albidis, latera-
libus binis approximatis. Coleoptera thorace paulo plus du-
plo longiora, basi emarginata, humeris leviter prominulis, pone
medium sensim leviter dilatata, punctato-striata, lateribus squa-
mulis albis adspersa, pone medium fascia lata communi niveo-
squamosa. Corpus infra albido-squamosum. “Pedes testacei,
albido-squamulosi, tarsis fuseis, latiusculis, articulo 3, fortiter
bilobo, ultimo brevi, vix prominente,
XXT. Uryptoplus.
Fam, Curculiones. Txib. Erirhinides.
Antennae breviores, minus tenues, infra rostri medium
insertae, scapo oculos attingente lineari; funiculo
7-articulato, articulo 1. maiore, obconico, 2, le-
viter elongato, sequentibus sensim paulo breyiori-
bus crassioribusque; clava subovyata, acuminata,
articulo primo maiore, glaberrimo, reliquis pube- -
scentibus.
Oculi laterales, vix prominuli.
Rostrum breviusculum, rectum, lineare, scrobe laterali
pro antennarum funiculi receptione sat profunda,
Thorax transversus, antrorsum angustatus,
Sceutellum distinetum.,
Coleoptera ampla, abdomen totum amplectentia.
Pedes breviores, femoribus omnibus ante apicem
w denticulo armatis; tibiis rectis, intus bisinuatis,
omnibus apice uneinatis; tarsis articulis 2 primis
brevibus, triangularibus et 3. dilatato, bilobo- infra
dense tomentosis; ultimo minuto, tertii lobos haud
excedente, unguieulis binis, subtilibus, simplieibus,
distantibus.
Es hat diese Gattung die nächste Verwandtschaft mit Ano-
plus, dieselbe gedrungene Körperform, den kurzen geraden
4199
kräftigen Rüssel mit tiefen Fühlerrinnen, fast dieselbe Gestalt
der Fühler, die scharfen Endhaken an allen Schienen und die
sehr ausgebildete Sohle der Füsse; es ist hier aber noch das
Klauenglied vorhanden, wenn auch schwach, und, wie bei den
Hispen, zwischen den Lappen des dritten Gliedes ganz ver-
steckt. Die Schienen sind innen zweimal ausgebuchtet, wo-
durch in der Mitte ihrer Länge ein niedriger Zahn gebildet
wird.
432. Cryptoplus perdix: Brunneus, fusco-squamosus,
griseo-variegatus. — Long. 12 lin.
Corpus eurtum, brunneum, squamosum. Antennae rufo-
piceae; funieulo griseo-setuloso, Caput parum convexum,
griseo-squamulosum, fronte inter oculos subimpressa. Rostrum
thorace paululum longius, rectum, subdepressum, supra lon-
gitudinaliter rugulosum, subnudum. Thorax, basi coleopteris
dimidio angustior, latitudine baseos duplo prope brevior, api-
cem versus fortiter angustatus, conicus, basi apiceque trunca-
tus, squamosus, luteo-griseus, lineis 4 fuscis minus distinetis.
Coleoptera ampla, latitudine parum longiora, rotundata, con-
vexa, humeris leviter prominulis, punctato - striata, interstitiis
leviter convexis, brunneo-squamosa, squamulis luteo-griseis
maculatim variegata. Corpus infra dense griseo - squamosum.
Pedes picei, griseo -squamulosi.
XXI. Meriphus.
Fam. Curculiones, Trib. Erirhinides.
Antennae elongatae, tenues, infra rostri medium in-
sertae, scapo oculos attingente, tenui, subrecto,
apice in clavam pyriformem incrassato; funiculo
7-artieulato, articulo 1. maiore obconico, 2. elon-
gato, tenui, sequentibus sensim brevioribus; elava
elongata, fusiformi, acuminata, 3-artieulata.
Oeculi laterales, leviter prominuli.
Rostrum lineare, subrectum,
Thorax subconicus.
Seutellum distinctum,
200
Coleoptera convexa, abdomen totum tegentia.
Pedes longiuseuli, femoribus omnibus dente valido ar-
matis, tibiis ‚leviter introrsum curvatis, omnibus
apice mutieis, tarsis articulo 1. elongato, 2. ob-
longo-triangulari, 3. breviore fortiter bilobo, ul-
timo primo aequali, unguiceulis binis, simplieibus,
distantibus.
Ganz die Form eines Anthonomus, aber nicht bloss durch
die Verhältnisse der Fühler, die Bewaffnung der Schenkel,
sondern vorzüglich durch einfache Klauen unterschieden. Das
Längenverhältniss der Beine zum Körper ist etwa wie bei ei-
nem Apion. Die Schenkel, anfangs dünn, sind über der
Mitte stark verdickt und noch in einen mächtigen und schar-
fen Zahn ausgezogen. Die Schienen sind schwach, in der
Mitte etwas nach innen gekrümmt, was besonders bei den
Hinterschienen auflällt; die Spitze kaum merklich erweitert
und ohne Spur eines Hakens. Die Mandibeln sind aussen
gezähnt.
133. Meriphus fullo: Brunneus, ceinereo -squamulosus,
elytris punctato- striatis, interstitis alternis granulatis
tuberculatisye. — Long. absq. rostr. 2 lin.
Tab. V. Fig. 2.
Statura Apii Pomonae, rufo-brunneus, pectore abdomine-
que nigris, totus albido-squamulosus. Antennae nigrae, scapo
rufo-brunneo. Caput oblongum, parce punctulatum, vertice
nigro. Rostrum capite cum thorace paulo longius, subrectum,
basi obsolete punctulatum, apice laeve, subnudum. Thorax
conicus, Jatitudini baseos longitudine aequalis, basi apiceque
truncatus, dorso subtiliter carinatus. Coleoptera thoraeis
basi duplo prope latiora, subovata, basi truncata, humeris pro-
minulis, convexa, subcompressa, leyiter striata, interstitiis su-
turali, 3., 5., 7. seriatim dense asperato-granulata, 2., 4., 6. tu-
berculis minutis raris seriatim dispositis. Pedes rufo-brunnei,
tarsis apice piceis,
4 201
XXI Diapelmus.
Fam. Cureuliones. Trib. Balaninides.
Antennae mediocres, haud procul a rostri apice in-
sertae, scapo subrecto, apice leviter incrassato,
oeulos attingente; funiculo 7-articulato , articulo
primo maiore, erassiuseulo, obconico, 2. parum
elongato, sequentibus brevibus; clava crassiuscula,
ovata, 4-articulata.
Oculi laterales, haud prominuli.
Rostrum lineare, subreetum,
Thorax lateribus leviter rotundatus.
Scutellum distinetum, oblongum.
Coleoptera oblonga, abdominis apicem amplectantia.
Pedes breviores, femoribus clavatis, posticis obsolete
dentatis, tibiis anterioribus apice subtiliter uncina-
tis, tarsis artieulo primo longiore secundoque bre-
viore triangularibus, tertio fortiter bilobo, lobis
angustis, divaricatis; ultimo leviter elongato; un-
guiculis binis, dentatis.
Durchaus die Körperform eines Erirhinus (z. B. E. tae-
niatus) bei der nächsten Verwandtschaft mit Anthonomus.
Die Bewafinung der Klauen und der Schienen, indem wie bei
Anthonomus, die vier vorderen, nicht aber die beiden hinter-
sten Schienen ein feines Häkchen an der”Spitze haben, stellen
sie in die unmittelbare Nähe dieser Gattung, von der sie sich
ausser der verschiedenen Form der Fühler durch die Bewafl-
nung der Schenkel leicht unterscheidet, indem die Vorder-
schenkel bei Anthonomus immer mit einem scharfen Zahn be-
waffnet, hier zwar ebenfalls etwas stärker verdickt, aber ohne
Spur eines Zahnes sind.
4134. Diapelmus mendax: Oblongus, testaceus, tenuiter
griseo-pubescens, elytris punctato-striatis, sutura ni-
gricante. — Long. 1}; lin.
Statura fere Erirhini taeniati, at minor, testaceus, nitidus,
pube tenui grisea vestitus, Rostrum thorace paulo longius,
subreetum, punctato-sulcatum, medio tenuiter carinatum, Ca-
put dense subtiliterque punctulatum, Thorax coleopteris duplo
202
prope angustior, latitudine paulo brevior, lateribus ante me-
dium leviter rotundatus, dein fortiter angustatus, basi trunca-
tus, leviter convexus, erebre subtilitergue punctatus, linea
tenui longitudinali laeyi. Elytra punctato-striata, interstitiis pla-
nis, obsolete seriatim punctatis, subrugulosis, sutura medio nigra,
435. Cryptorhynchus Sirius: Elongatus, subeylindricus,
niger, fusco - squamosus, thorace subgloboso, antice
fortiter constricto elytrisque tomento nigro- cinereoque
variegatis, his dorso interrupto-carinatis, postice tu-
berculo maiore instructis, femoribus dentatis. —
Long. 5 lin.
C. Lapathi sesqui prope longior, subeylindrieus, niger,
fusco-squamosus. Antennae piceae, breviores, funiculi articulo
1. breviore obeonico, 2. elongato, 3.—7. subaequalibus, clava
oblongo-ovata, 4-articulata, articulis 2 primis maximis, ae-
qualibus. Caput erebre punctatum, fronte parum convexa, ro-
stro vix thoraeis longitudine, subrecto, apicem versus leviter
attenuato, longitudinaliter rugoso, squamoso, Thorax medio
coleopterorum latitudine, lateribus sat rotundatus, basin versus
leyiter angustatus, apice coarctatus constrietusque, dorso le-
viter convexus, confertissime punetato-rugosus, medio trans-
versim obsolete 4-tubereulatus, dense fusco-squamosus, squa-
mulis ‚nigris passim immixtis, macula bifida supra scutellum
punctoque utrinque Jaterali albidis. Scutellum albido-squamo-
sum. Coleoptera thorace, duplo longiora, basi truncata, api-
cem versus sensim leviter angustata, convexa, apice sensim
declivia, punctato-striata, interstitio 3. basi et pone medium,
5. basi et medio carinae instar elevatis, 4. et 5. postice tu-
bereulo forti terminatis, 3. ante summum apicem tuberculo
minuto instructo; fusco-squamosa, nigro-Conspersa, passim
obsolete einereo-variegata. Pedes fusco-squamosi, sat elon-
gati, femoribus omnibus dente minuto armatis.
136. Cryptorhynchus Antares: Oblongus, niger, fusco-
squamosus, thorace subgloboso, fasciculato, basi albido-
trilineato, elytris interstitiis alternis carinatis fascicu-
latisque, postice tuberculo maiore, apice plaga albida;
femoribus dentatis. — Long. 4 lin.
203
Praecedenti affınis, at paulo brevior, niger, squamosus.
Antennae piceae, funieuli articulis 2 primis elongatis, subae-
qualibus. Caput globosum, punetatum, nigro-squamosum, ro-
stro thorace paulo longiore, tenui, recto, punctato-rugulosum,
a basi ultra medium griseo-squamosum, apice nudum,. Thorax
coleopteris paulo angustior, lateribus fortiter rotundatus, basin
versus angustatus, apice fortiter coarctatus constrietusque, su-
pra parum convexus, fusco-squamosus, basi lineis 3 longitu-
dinalibus sordide. albidis, medio transversim 4-, apice obsolete
2-fasciculatus. Scutellum elevatum, laevigatum, nudum. Co-
leoptera thorace duplo longiora, basi truncata, posterius sen-
sim levitergue angustata, convexa, postice sensim declivia,
punctato-striata, interstitüs alternis leviter carinatis, 3. et 5.
passim fasciculatis, 5. et 6. postice tuberculo maiore fascicu-
lato terminatis, fusco-squamosa, macula parya antica humerali
plagaque apicali communi antrorsum sensim evanescente sor-
dide albidis. Corpus infra fusco-squamulosum. . Pedes fusco-
squamosi, modice elongati, femoribus dente minuto obsoleto
armatis.
137. Oryptorhynchus infulatus: Oblongus, niger, ni-
gro-squamosus, fronte macula trieuspi, thoracis late-
ribus, elytrorum macula minuta pone medium griseis,
thorace elytrisque faseiculatis, femoribus dentatis. —
Long. 2 lin.
Oblongus, subeylindrieus, niger. Antennae rufo-testaceae.
Caput rotundatum, fusco -squamosum, fronte convexa, fasciola
trieuspi albida, nigro-eineta; rostro breviore, vix thoraeis lon-
gitudine, arcuato, fusco-squamoso. Thorax coleopteris vix an-
gustior, lateribus rotundatus, antice coarctatus constrietusque,
parum convexus, sat crebre profundeque punctatus, dorso
nigro-squamosus, basi lineola minuta supra scutellum , medio
obsolete transversim 4-faseieulatus, apice fasciculis duobus
longioribus, postice nigris antice albidis instructus, lateribus
albido- vel griseo- vel luteo-squamosus. Scntellum glabrum.
Coleoptera thorace plus duplo longiora, subeylindrica, postice
sat praecipiter declivia, punctato -striata, nigro-squamosa, in-
terstitiis passim subfascieulatis, posterius prope suturam utrin-
que tubereulo distineto, longius faseiculato instructa, lateribus
204
pone medium maeula minuta lutescente signata. Corpus infra
nigro-fuscoque squamosum. Pedes nigro-squamosi, albido-
variegati, tarsis ferrugineis, femoribus fortiter dentatis.
138. Oryptorhynchus femoralis: Ovatus, convexus,
fusco-squamosus, thorace conico, elytris plaga com-
muni nigra pone medium, femoribus compressis, mu-
tieis, posticis superne triangulariter dilatatis. — Long.
13 lin.
Parvus, ovatus, utringue attenuatus, fortiter convexus, pi-
ceus, fusco-squamosus. Antennae ferrugineae. Caput rotun-
datum, fronte convexa, dense punctata, antice dilute füsco-
Squamosa, rostro thorace breviore, crassiusculo, vix arcuato,
depressiusculo, punctato, glabro.. Thorax basi coleopterorum
prope latitudine, iisque arcte applicatus, antrorsum sensim an-
gustatus, conicus, latitudine baseos haud breyior, aequalis,
dense profundeque punctatus, fusco - squamosus. Scutellum
parvum, albido-squamosum. Coleoptera fortiter convexa, po-
sterius subcompressa, thorace sesqui longiora, punctato-striata,
interstitiis latis, planis, sutura scutellum versus elevata, fusco-
squamosa, plaga communi angulata pone medium nigra, albido-
eincta. Pedes fusco- einereoque-squamosi, femoribus mutieis,
compressis, postieis superne triangulariter fortiter dilatatis,
139. Cryptorhynchus cariosus: Niger, fusco -squamo-
sus, fronte erosa, thorace lateribus dilatato, antice
utrinque late impresso, elytris seriatim punctatis, la-
teribus rugosis. — Long. 2 lin.
Niger, obseurus, fusco-squamosus. Antennae rufo-piceae,
clava ferruginea. Caput fronte erosa, inter. oculos utrinque
subfaseiculata, oculis leviter prominulis, rostro thoracis prope
longitudine, leviter arcuato, punctato, apice depressiusculo, piceo.
Thorax basi coleopterorum basi latitudine subaequalis, lateri-
bus rotundato-dilatatus, apice subrotundatus, dorso depressus,
antice utringue fovea lata impressus, medio apiceque leviter
bifaseiculatus. Coleoptera thorace vix duplo longiora, obo-
vata, basi truncata, humeris haud prominulis, dorso depres-
siuscula, postice declivia, seriatim profunde punctata, lateribus
rugosa. Pedes fortius squamosi, fusco- einereoque-variegati,
femoribus posterioribus leviter dentatis, tarsis rufo - piceis.
205
140. Oryptorhynchus solidws: Subovatus, niger, nigro-
fuscoque-squamulosus, rostro rufo, thorace subde-
presso, carinato, utrinque fasciculato, scutello albo-
squamoso, elytris seriatim punetatis, fascieulato-tuber-
eulatis, postice oblique declivibus. — Long. 3% lin.
Corpus breviusculum, crassum, nigrum.. Caput fronte
convexa, postice utringue impressa, dense nigro-squamosa,
immixtis inter oculos squamulis fuscis, rostro thorace vix lon-
giore, basi nigro-, dein fusco-squamoso, apice nudo, subtiliter
punctulato, rufo, nitido. Antennae ferrugineae. Thorax co-
leopterorum prope latitudine, lateribus rotundatus, basin ver-
sus minus atque apicem versus angustatus, ante apicem coar-
ctatus, parum convexus, per totam longitudinem carinatus, utrin-
que obsolete tuberculatus, dense nigro-squamosus; squamulae
elongatae, suberectae, in tubereulis confertae, ceterum singulae,
in tubereulis lateralibus fuscae. Scutellum dense albido - squa-
mosum. Coleoptera leviter convexa, paulo pone medium ob-
lique declivia, seriatim punctata, interstitiis 3., 8. et 7, tubereu-
lis nonnullis signatis, dense nigro-squamosa, tuberculis nigro-
fuscoque-fascieulatis. Pectus fusco-, abdomen nigro-squamosum,
Pedes longiores, femoribus muticis, nigro-squamosi, squamulis
elongatis albidis nigrisque conspersi, tibiarum apice tarsisque
testaceis.
Variat corpore toto fusco-squamoso.
441. Cryptorhynchus antiguus: Oblongus, niger, fu-
sco-squamulosus, thorace granulato, medio carinato,
leviter 6-tubereulato, elytris punctato -striatis, inter-
stitiis alternis tubereulatis, apice productis, macula ba-
sali gemina et litura apicali albido - squamosis.. —
Long. 5 lin.
©. Lapathi duplo maior et magis oblongus , coleopteris
apice productis praecipue insignis. Niger, squamulis fuscis,
infra densis, supra hie rarioribus illuc densioribus vestitus.
Antennae piceae. Caput fronte convexa, parcius punctata, in-
ter oeulos subfoveolata, rostro thoracis longitudine, leviter ar-
euato, crebre punctato, apice nudiuseulo. Thorax coleopte-
rorum latitudine, lateribus rotundatus, basin et apicem versus
206
aequaliter augustatus, ‚ante. apicem constrietus, - leyiter icon-
vexus, granulato-rugosus, squamulis oblongis ‚erectis setifor-
mibus ‚parce vestitus, carinula media utrinque abbreviata et
tubereulis sex parum elevatis munitis, 2 anticis, obsoletis, 4
mediis, transversim positis, squamulis confertis, fasciculatis.
Scutellum albido-squamulosum. Coleoptera oblongo- ovalia,
convexa, basi depressa, apice producto, rotundato, crebre sub-
striatim punctata, interstitiis 3. distinetius, 5. et 7. obsoletius
tuberculatis, 3. postice costato, singula macula gemina basalı
et litura longitudinali apicali albidis. Pedes antici et postici
longiores, omnes femoribus muticis, dense füsco-squamosi.
142. Oryptorkynchus succeisus: Oblongus, niger, füsco-
squamosus, thorace granulato, obsolete 6-tubereulato,
coleopteris tubereulatis, postice macula subquadrata
albido-squamosa, tuberculis maioribus terminata. —
Long. 5 lin.
Niger, densius fusco-squamosus. Antennae piceae. Frons
parum convexa, obsolete punctulata. Rostrum vix thoracis
longitudine, parım arcuatum, punctatum. Thorax coleopteris
paulo angustior, lateribus rotundatus, basin et apicem versus
aequaliter angustatus, ante apicem vix constrictus, convexus,
fortius licet minus confertim granulatus et tubereulis 6 obso-
letis munitus, 2 antieis, nonnunquam indistinetis, 4 mediis
transversim positis. Scutellum parvum. Coleoptera oblongo-
ovalia, convexa, subtiliter seriatim punctata, interstitüs 3., 5.
et 7. fortius seriatim tubereulatis, apice abrupte declivia, parte
declivi macula albido-squamosa, communi, magna, quadrangula,
tuberculis 4 conieis maioribus, posterioribus apiealibus, inter-
posita. Pedes longiuseuli, fusco-squamulosi, femoribus muticis.
143. Acalles conifer: Oblongus, niger, fusco- sqguamo-
sus, thorace carinato, 4-tuberculato, antice depresso,
apice bifascieulato, coleopteris seriatim fortiter tuber-
eulatis, postice tuberculis 2 approximatis, maioribus,
produetis. — Long. 71 lin.
Magnus, niger, sat dense fusco-squamulosus. _Antennae
piceae, funieuli artieulis 2 primis fortiter elongatis,. 7. hemi-
sphaerico, clavae crassitie aequali, pubescente, clava parva,
R 207
breviter subovata. Caput fronte parum convexa, aequali, inter
oeulos puneto maiusculo impressa, rostro thorace paulo lon-
giore, subarcuato, punctulato, nudo. Thorax coleopteris an-
gustior, latitudine paulo longior, lateribus parum rotundatus,
longe ante apicem constrietus, strietura lateraliter profunde
suleata; supra modice convexus, carinatus, 4-tubereulatus, tu-
berculis 2 dorsalibus, 2 lateralibus, ante strieturam depressus,
apice bifasciculatus. Scutellum minimum, Coleoptera ovalia,
fortiter convexa, obsolete striato-punctata, seriebus ternis tu-
bereulorum magnorum, versus apicem tubereulis duobus ap-
proximatis elongatis ultra apicem prominentibus instructa,
Pedes longiores, femoribus mutieis ante apicem infra sinuatis,
144, Acalles rubetra: Subovatus, niger, thorace lateri-
bus ochraceo-squamoso, medio laevi, obsolete cana-
liculato, elytris punctato - striatis, fusco-nigroque -fa-
sciculatis, pedibus ochraceo-variis, femoribus muticis.
Long. 34 lin.
Brevior, dorso depressiusculus, niger. Antennae piceae,
Caput rotundatum, fronte dense nigro-, utringue bimaculatim
fusco-squamosa, oculis haud prominulis, rostro thorace pau-
lum breviore, subrecto, nudo, sparsim punctato. Thorax basi
eoleopterorum prope latitudine, lateribus leviter rotundatus,
apice coarctatus, apice produeto rotundato, lateribus dense
ochraceo- squamosus, dorso depressiusculo, obsolete canalicu-
lato, plaga antice attenuata nigra, passim nigro - squamulosa,
parce obsoleteque punctata; medio punctis 4 minutis, trans-
versim positis luteis signatus. Coleoptera plus sesqui longiora,
lateribus rotundata, apice coarctata, humeris haud prominulis,
sat conyexa, dorso anteriore depressiuscula, punctato-sub-
striata, squamosa, nigro- fuscoque-variegata, faseiculis minutis
fuseis nigrisque verrucosa, pone medium plagula transversa
laterali einerea, Corpus infra fusco-squamulosum. Pedes fe-
moribus muticis, dense squamosi, fusco- luteoque-variegati,
145. Acalles acerosus: Ovatus, piceus, helvolo -squamo-
sus, albido-variegatus, thorace oblongo, obsolete ca-
naliculato, elytris punctato-striatis, interstitiis 3, et 5.
subelevatis. — Long. 1} lin,
208
Parvus, ovatus, sat convexus, piceus, dense squamosus.
Antennae piceae, clava ferruginea, Caput rotundatum, dense
fusco-helvolo-squamosum, squamulis frontis erectis, oculis le-
viter prominulis, vostro thorace breviore, cerassiusculo, apice
nudo. Thorax oblongus, basi coleopteris parum angustior,
apicem versus angustatus, lateribus parum rotundatus, ‚apice
rotundato-productus, helvolo-squamosus, summo margine an-
tico, vittula longitudinali media punctisque nonnullis laterali-
bus albidis, squamulis erectis setiformibus fuscis conspersus.
Coleoptera thorace plus sesqui longiora, obovata, convexa,
punctato -striata, interstitüs 3. et 5. subelevatis, helvolo-squa-
mosa, macula scutellari communi, maculis 2 dorsalibus litu-
raque apicali utriusque elytri albidis, squamulis erectis setuli-
formibus conspersa. Corpus infra helvolo-squamulosum. Pe-
des validi, femoribus muticis, tarsis ferrugineis, helvolo-squa-
mulosi, albido -setulosi.
XXIV. COylliorhamphus.
Fam. Curculiones. Trib. Cryptorhynchides.
Antennae breves, crassiusculae, scapo oculos subat-
tingente, funiculo 7-articulato, articulo primo
maiore, crassiore Secundoque obconieis, reliquis
breviter transversis, sensim paulo brevioribus,
clava ovali.
Rostrum breviusculum, crassum, arcuatum, basi gib-
bosum,
Oculi ovati, depressi, distantes.
Thorax oblongus, apice pone oculos utrinque lobatus,
rima pectorali lata, pone coxas anticas evanescente.
Scutellum oblongum.
Coleoptera abdomen totum obtegentia, humeris obtuse
angulatis.
Pedes femoribus mutieis, tibiis leviter curvatis, apice
uneinatis, unguieulis simplieibus, divaricatis.
Corpus alatum, elongatum , squamosum,
Nach Schönherr’s Beschreibung müsste man wenig Be-
denken haben, diesen Käfer seiner Gattung Cyphorhynchus
209
zuzurechnen, da Schönherr aber die Gestalt und Richtung der
Klauen unberücksichtigt gelassen hat, hat er eins der besten
Merkmale für eine natürliche Eintheilung der Rüsselkäfer aus
den Händen gelassen. Bei grosser äusserer Übereinstimmung
entfernen sich darnach Cyphorhynchus und Cyllorhamphus weit
von einander. Erstere haben gespaltene Klauen und schlies-
sen sich nahe an Conotrachelus, letzterer hat einfache und
auseinanderstehende Klauen, wie die ächten Cryptorhynchus,
und ist der nach hinten nicht geschlossenen Brustrinne zur
Aufnahme des Rüssels wegen in die Nähe von Mitrephorus
Sch. zu stellen.
146. Cyllorkamphus tuberosus: Piceus, ferrugineo-
squamosus, thorace elytrisque tuberculatis, his pone
medium plaga cinerascente. — Long. 2% lin.
Elongatus, convexus, squamulis ochraceo-ferrugineis dense
obductus. Antennae piceo-rufae. Caput fronte convexa, dense
squamosa, oculis haud prominulis, rostro brevi, basi tumidulo,
squamoso, apice nudiusculo. Thorax coleopteris dimidio an-
gustior, oblongus, lateribus vix rotundatus, antice modice con-
strietus, transversim medio 4-, pone medium 2-tuberculatus,
apice leniter elevatus. Scutellum angustum, cinereo -squamu-
losum. Elytra thorace plus duplo longiora, convexa, subtili-
ter punctato-striata, tuberculis 4 sat magnis, oblongis, com-
pressis munita, 1. basi, 2. pone medium in interstitio tertio,
3. magis elongato at minus elevato medio, 4. sat prominulo
versus apicem in interstitio quinto sitis; ochraceo - ferrugineo-
squamosa, plaga circa seutellum faseiaque obliqua media satu-
ratioribus, plaga transversa pone hanc fasciam cinerascente.
Tarsi rufo-testacei.
XXYV. Melanterius.
Fam, Cureuliones. Trib. Cryptorhynchides.
Antennae Jongiusculae, funiculo 7 -articulato, articulo
1. maiore, obconico, reliquis minoribus, subobco-
nieis, sensim paulo brevioribus, elava minuta, ob-
longo-ovata.
Rostrum medioere, tenuinseulum,
Archiv 1, Naturgesch, VII, Jahrg, 4, Bd, 14
210
Oculi vix prominuli, distantes.
Thorax eonieus, pone oculos lobatus, rima pectorali
profunda, ante coxas anticas marginata, pone eas-
dem sensim desinente.
Coleoptera subtriangularia.
Pedes mediocres, tibiis basi leviter arcuatis, unguieu-
lis simplieibus divaricatis.
Corpus apterum, glabrum, aterrimum.
Zunächst mit Chalcodermus Dej. Schönh. verwandt. Rhys-
somatus, welches Schönherr in die Nähe stellt, und welches
auch eine ähnliche Körperform hat, hat gezähnte Klauen und
schliesst sich mit Conotrachelus, Ceuthorhynchus u. s. w. den
Balaninen näher an. (Die Oonotrachelus sind eigentlich Ba-
laninen mit einer Rüsselfurche.) Melanterius weicht von Chal-
codermus durch das weniger gestreckte zweite Glied der Füh- '
ler, die aufder Innenseite nicht gezähnten Schienen und haupt-
säehlich durch die weder oben noch unten genäherten Augen
ab, Auch sind sie ungeflügelt, ein bei langrüssligen Rüssel-
käfern seltener Fall.
147. Melanterius porcatus: Aterrimus, rostro 5-lineato,
thorace dense punctato , elytris foveolato-sulcatis, in- |
terstitiis earinatis. — Long. 24 lin.
Aterrimus, nitidus. Antennae rufo-piceae, Caput pun-
etatum, rostro thorace paulo longiore, parum arcuato, lineis
5 elevatis ante apicem evanescentibus, interstitiis apiceque pun-
etatis, Thorax basi coleopteris paulo angustior, conicus, la-
teribus vix rotundatus, parum convexus, dense fortiter pro-
fundeque punctatus, basi leviter bisinuatus. Scutellum orbi-
culare, laeve. Elytra sulcata, suleis leviter foveolatis, inter-
stitiis secundum totam longitudinem carinatis. Tarsi rufo-picei. *)
*) Die hiesige Sammlımg enthält noch zwei andere unbeschrie-
bene Arten dieser Gattung aus Neuholland:
Melanterius semiporcatus: Aterrimus, rostro punctato, tho-
race dense fortiterque punctato, elytris striatim profunde
foveolatis, interstitiis postice carinatis. — Long, 3 lin.
Mehr als doppelt so gross als M. porcatus, der Rüssel ohne
deutliche Längslinien, die Flügeldecken mit Reihen stärkerer Gruben, ,
211
"448. Rhyncolus polixzus: Lineari-elongatus, niger, niti-
dus, glaber, rostro subarcuato, basi obsolete canali-
culato, thorace oblongo, subdepresso, erebre punctato,
apice constricto, elytris punctato-striatis. — Long. 2 lin.
Rhyncolo chloropo paulo longior, niger, nitidus, glaber.
Antennae rufo-piceae. Caput porrectum, oblongum, vertice
laevi, fronte punctata, oculis prominulis, rostro capitis longi-
tudine, subarcuato, erassiusculo, punctulato, basi obsolete ca-
naliculato. Thorax coleopteris paulo angustior, latitudine lon-
gior, antrorsum angustatus, antice constrietus, subdepressus,
aequalis, sat crebre punctatus. Scutellum parvum, apicem ver-
sus dilatatum, laevissimum. “Coleoptera thorace plus duplo
longiora, linearia, apice attenuata, dorso depressiuscula, striato-
punctata, stria suturali medio fortius impressa, interstitiis pla-
nis, obsoletissime parce rugulosis. Pedes tibiis piceis, tarsis
ferrugineis,
149. Rhyncolus australis: Rufo-piceus, glaber, rostro
breyi, canaliculato, thorace crebre punctato, elytris
punctato - sulcatis, interstitiis seriatim punctatis, —
Long. 2 lin.
Rh, chloropo affınis, at paulo magis elongatus, rufo -pi-
ceus, glaber. Antennae breves, ferrugineae. Caput erebre
punetatum, oculis modice prominulis, rostro brevi, crasso,
punctato, sat late licet parum profunde canaliculato. Thorax
coleopteris paululum angustior, latitudine vix longior, lateri-
bus posterius leviter rotundatus, antrorsum angustatus, prope
apicem constrictus, modice convexus, sat crebre profundeque
punctatus, nitidus. Scutellum laeve. Coleoptera thorace duplo
welche vorn nicht in Furchen stehen und deren Zwischenräume sich
hinten kielförmig erheben.
Melanterius piceirostris: Aterrimus, rostro punctulato pedi-
busque piceis, antennis tarsisque rufis, thorace fortiter pun-
ctato, elytris punctato -striatis, interstitiis leviter convexis.
— Long. 2 lin.
Etwas kleiner als M. porcatus, Halsschild und Flügeldecken an
der Seite etwas gerundet, letztere mit schwachen, in weiteren Ab-
ständen mit länglich runden Puncten, eingedrückten Streifen und
schwach gewölbten Zwischenräumen.
14%
212
longiora, linearia, apice rotundata, convexa, punctato -sulcata,
punctis densis, magnis profundisque, interstitiis angustis, con-
vexis, seriatim subtiliter punctatis.
150. Tomicus truncatus: Nigro-piceus, nitidus, thorace
antice dense asperato, postice parce subtiliterque pun-
etulato, coleopteris subtiliter striato-punctatis, postice
truncato-retusis, truncatura marginata. — Long. 1% lin.
Statura fere T. laricis, piceus, nitidus, parce subtilissime-
que pubescens. Antennae testaceae. Thorax coleopterorum lati-
tudine, latitudine haud brevior, lateribus subreetis, antice rotunda-
tus, modice eonvexus, medio leviter elevatus, antice subtiliter
transversim rugulosus, punctis subtilibus elevatis asperatus,
postice parce subtilitergque punetulatus. Coleoptera thorace
vix sesqui longiora, subtiliter striato- punctata, postiee fere
perpendiculariter truncato-retusa, truncatura acute marginata,
prope suturam utrinque leviter bicarinata. Pedes testacei.
151. Cryphalus pilosellus: Fuscus, nitidulus, subtilis-
sime cinereo - pubescens, pilosellus, thoracis disco
punctis elevatis sparsis scabro, elytris fortiter punctato-
striatis. — Long. 14 lin.
Cryphalo Tiliae triplo maior, fuscus, nitidulus, pube bre-
vissima, subtili, fugace leviter obductus, pilisque erectis lon-
gioribus vestitus. Antennae fusco-testaceae. Uaput retractum,
nigricans. Thorax latitudine paulo brevior, basi truncatus,
lateribus et apice rotundatus, eonvexus, crebre subtiliter pun-
etulatus, spatio dorsi anterioris rhombeo punctis sat fortibus
elevatis, haud in series transversales digestis asperatus. Co-
leoptera thoracis latitudine, eodemque duplo longiora, convexa,
postice convexo - declivia, licet secundum suturam depressiu-
scula, sat fortiter punctato-striata, interstitiis vage subtilissime
punctatis obsoleteque transversim rugulosis. Pedes laete te-
stacei.
213
XXVI Latometus.
Fam. Colydii.
Antennae crassae, articulis 11 distinctis, primo tertio-
que maioribus crassioribusque, 2. minuto, 4.—8.
brevibus, fortiter transversis, ultimis tribus distinete
erassioribus, pariter transversis, ultimo truncato.
Palpi breves, filiformes, articulo ultimo maiore, acu-
minato.
Oculi parvi, globosi, prominuli.
Pedes breviusculi, intermedii approximati, tarsis
omnibus simplieibus, anterioribus 5-, posticis 4-
articulatis.
In dieser Familie vorzüglich durch die abweichende Zahl
der Fussglieder ausgezeichnet; denn während selbst die allge-
mein zu den Heteromeren gestellten Gattungen Sarrotrium,
Cortieus, Coxelus, Diodesma, wirklich nur 4 Glieder an al-
len Füssen haben, ist diese unverkennbar in diese Familie
gehörige Gattung sehr deutlich heteromerisch. Auch die Füh-
ler sind eigenthümlich, namentlich dadurch bemerkbar, dass
das dritte Glied an Grösse und Dicke dem ersten gleich-
kommt. Die Mundtheile konnte ich an dem einzigen Indivi-
duum nicht untersuchen,
152. Latometus pubescens: Testaceus, griseo -pube-
scens, tlıorace 4-tuberculato, elytris tricostatis, apice
fuseis, ante apicem albido-fasciatis, — Long. 14 lin.
Tab. V. Fig. 3,
Linearis, saturate testaceus, opacus, pube densa grisea
vestitus. Caput thorace paulo angustius, fronte impressa.
Thorax coleopteris dimidio angustior, latitudine haud brevior,
lateribus erenulatis, subsinuatis, angulis anterioribus denticulo
acuto instructis, dorso punctatus, leviter bicarinatus, carina
utraque bituberculata. Scutellum subquadratum. Elytra pun-
etato-striata, interstitiis 3, 5. et 7. elevatis, subsinuatis, ma-
eulis minutis marginalibus apiceque fuscis, ante apicem fascia
e pube albida,
214
XXFEon Pyenomerus.
Fam. Colydi,
Antennae, robustae, breves, 8—11-articulatae, articu-
lis 2 primis maioribus, sequentibus brevibus, trans-
versis, 'spissis, ‚clava .1- vel 2-articulata.
Labrum. brevissimum, transversum, corneum, margine
pubescens.
Mandibulae falcatae, basi dilatatae.
Maxillae malis coriaceis, exteriore extus rotundato-
dilatata, setis longis rigidis instructa, apice intror-
sum verso spinuloso; interiore, minore, angusta,
margine interiore setis spinaeformibus armato. (Tab.
V. Fig. 4. a.)
Labium mento corneo, ligula cornea, apice leviter
biloba. (Tab. V. Fig. 4. b.)
Palpi breves, crassi, filiformes, articulo primo'angusto,
ultimo 'ovato, apice setulis minutis coronato.
Oculi laterales, modice prominuli.
Pedes mediocres, omnes basi distantes, 'tarsis 4-arti-
eulatis, artieulis 3 'primis simplieibus, brevibus,
eoaetis, 4. his comiunctis breviore; BBESBUEE bi-
nis subtilibus, simplieibus.
Von Cerylon (Lyct. histeroides F.) schon im Habitus,
noch viel mehr aber in (den Mundtheilen verschieden, so dass
die Trennung davon weniger 'einer Rechtfertigung bedarf als
die Vereinigung von verschiedenen Fühlerformen in eine Gat-
tung. Da aber alle von mir untersuchten Arten ausser in
den Fühlern, und auch diese in ihrer oben beschriebenen
Grundform übereinstimmen, schien mir die Trennung nach
der Gliederzahl ‘überhaupt und nach der der verdickten End-
glieder eine künstliche zu sein. Die hier zu beschreibende
Art hat deutlich 11gliedrige Fühler mit 2 verdickten Endglie-
dern, und, hierin stimmen mit ihr 2 Arten aus Nordamerica,
1 von Puertorico und 1 von Madagascar überein. Unser ein-
heimischer P. terebrans (Ceryl. terebrans auct.), hat nur 10
Fühlerglieder, von denen das letzte knopfförmig verdickt ist, und
ihm schliesst sich eine zweite Art von Puertorico an. Eine
215
dritte Form endlich hat nur 8 Fühlerglieder, und von diesen
ist ebenfalls nur das letzte knopfförmig verdickt. Hierher
gehört als einzige Art Cerylon suleicolle Germ. Spec. Ins.
Nov. 466. 613.
153. Pycnomerus fuliginosus: Antennis 11-, clava 2-
articulatis, nigro-brunneus, opacus, thorace oblongo
bisulcato, elytris punctato-sulcatis. — Long. 2 lin.
Tab. V. Fig. 4.
Statura omnino P. terebrantis, nigro-brunneus, opacus,
omnium subtilissime fulvo-pubescens, Antennae 11-articulatae,
clava biarticulata, articulo ultimo penultimo angustiore, glo-
boso, ferrugineo. Caput confertim grosse punctatum, fronte
inter antennas utringue profunde foveolata, antice truncata.
Thorax coleopteris paulo angustior, latitudine paulo longior,
basin versus sensim leviter angustatus, dorso subdepressus,
suleis duabus longitudinalibus, approximatis, minus profundis
impressus, grossiuscule licet minus profunde punctatus, mar-
gine laterali reflexo, antice leviter dilatato crenulatoque.
Elytra punetato-sulcata, interstitiis planis, seriatim subtiliter
punctatis.
154. Ditoma interrupta: Nigra, thorace inaequali, mar-
gine erenulato, antice dilatato, rufo, elytris rufo-va-
riis, tri-costatis, costis interioribus interruptis. —
Long. 14 lin,
Niger, opacus. Caput fronte granulata, antice dilatata,
truncata, utrinqgue exeisa, indeque biangulata, anterius utrin-
que leviter impressa; nigrum, antice obscure rufum. Thorax
eoleopteris dimidio angustior, granulatus, impressionibus latis
inaequalis, margine laterali explanato, serrulato, antice dilatato
porrectoque, rufo. Elytra rufo-nigroque varia, punctato-striata,
interstitiis 3., 5., 7. costatis, costa exteriore integra, interiori-
bus saepius interruptis, margine omni subtiliter erenato. Cor-
pus infra cum pedibus rufo-piceum, opacum,
216
xxVIH. Platisus.
Fam, Cucuwüpes.
Antennae breves, moniliformes.
Clypeus inter mandibulas productus, labro omnino
oceulto.
Mandibulae haud prominentes, fortiter curvatae, apice
altera bi-, altera tridentata.
Maxillae malis membranaceis, barbatis.
Palpi maxillares filifformes, articulo ultimo eylindrico.
Labium mento brevi, antrorsum fortiter angustato,
apice truncato, ligula membranacea biloba, lobis
rotundatis.
Palpi labiales filiformes.
Tarsi articulo primo sequentibus aequali, feminae
omnes 5-, maris anteriores 5-, postiei 4-articulati.
Von den übrigen Cucuien, deren Männchen ein ‚Glied
weniger an den Hinterfüssen haben, dadurch unterschieden,
dass das erste Glied aller Füsse nicht klein und versteckt,
sondern den 3 folgenden Gliedern gleich ausgebildet ist, Sonst
ist diese Gattung am Meisten mit Cucuius im engsten Sinne
(©. depressus F.) verwandt. Die Fühler sind gleich kurz,
aber im Verhältniss etwas dünner und das dritte Glied etwas
mehr verlängert. Das Kopfschild ist, wie bei Cucuius, in der
Mitte vorgezogen, so dass es zwischen die Mandibeln tritt,
und lässt es hier auch keine Spur der Lefze wahrnehmen, die
man bei Cucuius noch sieht, Die Endglieder der Taster sind
weniger abgestutzt, die Zunge nicht so weit ausgeschnitten,
als bei Cucuius, das Kinn vorn nicht ausgerandet. Die Kör-
perform ist dieselbe wie bei Cueuius, nur noch etwas flacher,
und die Seiten des Kopfes hinter den Augen nicht aufgetrieben.
155. Platisus obscurus: Confertissime punctatus, opa-
eus, infra testaceus, supra obscure rufo-brunneus,
elytris dorso nigris. — Long. 54 lin.
Corpus planum, confertissime subtiliter punctatum, gla-
brum, opacum. Antennae piceae. Caput thorace vix latius,
inter antennas utrinque late leviter impressum, rufo-brunneum.
217
Thorax coleopteris paulo angustior, latitudine brevior, basin
versus subangustatus, lateribus leviter rotundatus, margine
denticulato, supra scutellum obsolete impressus, rufo-brunneus.
Scutellum transversum, apice acuminatum, rufo-brunneum.
Coleoptera substriata, dorso plano, margine exteriore subele-
vato, nigra, lateribus et summa basi rufo-brunneis. Corpus
infra testaceum, Pedes rufo-brunnei, femoribus modice cla-
vatis, subcompressis, medio nigricantibus,
156. Brontes australis: Testaceus, supra fuscus, opa-
eus, pubescens, thorace bicostato, lateribus acute den-
ticulatis, elytris punetato-striatis, — Long. 4% lin.
Corpus planum, supra fuscum, opacum, pube brevi erecta
fusca vestitum. Antennae corpore longiores. ', Caput fronte
utringue longitudinaliter impressa, inter sulecum et oculum
subelevata. Thorax coleopteris duplo prope angustior, lati-
tudine paulo longior, basin versus vix angustatus, margine la-
terali dense acuteque denticulato, 'angulis anterioribus dente
validiore instructis, supra depressus, dense punctatus, leviter
bicostatus. Scutellum punctato - rugulosum. Coleoptera basi
latiora, apicem versus sensim angustata, punctata, interstitiis
seriatim punctatis. Corpus infra saturate rufo-testaceum, pe-
dibus concoloribus.
157. Drontes militaris: Testaceus, supra niger, nitidus,
elytris macula magna baseos apiceque rufis. — Long.
34 lin.
B. flavipede duplo maior et magis elongatus, supra niger,
pareius griseo-pilosellus. Antennae corporis longitudine, fer-
rugineae. Caput subtiliter elevato-reticulatum, opacum, ore
laevi, rufo, nitido, Thorax coleopteris duplo prope angustior,
elongatus, lateribus leviter rotundatus, basi angustatus, mar-
gine laterali parcius inaequaliter spinuloso, angulis anteriori-
‚bus spina validiore instructis, supra aequalis, subtiliter elevato-
reticulatus, opacus. Elytra punctato-sulcata, nigra, nitida, ma-
cula magna humerali apiceque rufis. Corpus infra cum pedi-
bus rufo-testaceum, Tibiae intermediae extus supra medium
angulato - dilatatae.
218
158. Dendrophagus australis: Testaceus, thorace ae-
quali, lateribus crenulatis, elytris punetato-sulcatis. —
Long. 3 lin.
D. crenato similis, licet paulo maior, totus testaceus, ni-
tidus, glaber. Antennae corporis longitudine. Caput aequale,
erebre punctatum, inter antennas sulculo abbreviato utrinque
impressum. Thorax coleopteris dimidio angustior, latitudine
parum longior, basin versus leviter angustatus, margine late-
rali subtiliter ‘obsoletiusque crenulato, angulis anterioribus
productis, acuminatis, supra crebre punctatus, aequalis, angulis
omnibus foveola minuta impressis, Elytra punctato-subsulcata,
costa laterali elevatiore.
159. Silvanus brevicornis: Oblongus, depressus, testa-
ceus, thorace subquadrato, angulis omnibus rotunda-
tis, confertissime punctato, aequali, elytris seriatim
pubescentibus, punctato - striatis, interstitiis seriatim
punctulatis. — Long. 13 lin.
Minus elongatus, depressus, testaceus, nitidulus, subtili-
ter fulvo-pubescens, pube in elytris coneinne seriata. An-
tennae breves, capite vix longiores. Caput oblongo -triangu-
lare, fronte depressa, dense punctata. Thorax coleopterorum
latitudine, subquadratus, lateribus subrectis et angulis omni-
bus rotundatis, depressus, aequalis, confertissime punctatus.
Scutellum breve, transversum. Coleoptera thorace duplo lon-
giora, depressa, coneinne punctato-striata, interstitiis coneinne
seriatim punctatis.
\
160. Macrotoma australis: Nigro-picea, thorace maris
obsolete feminae fortiter punctato, elytris piceo - ca-
staceis, basi nigricantibus et fortius rugulosis, apice
rotundatis, spina minuta suturali armatis. — Long.
20 lin.
M. palmata minor et brevior, subdepressa. Antennae
corpore dimidio paulo longiores, articulo tertio sequentibus
duobus coniunctis vix aequalis, maris paulo validiores, piceae.
Caput maris obsolete, feminae fortiter rugoso -punctatum, ca-
naliculatum, nigrum. Thorax maris coleopteris parum angu-
219
stior,. latitudine duplo ‚brevior, antrorsum leyiter angustatus,
lateribus. mutieis, angulis. posterioribus fortius, ‚anterioribus
obsoletius spinulosis, subdepressus, crebre obsoletius puncta-
tus,-obsolete canaliculatus, dorso pone medium utrinque im-
pressus, niger, opacus; —. feminae ‚coleopteris angustior, lati-
tudine baseos vix duplo 'brevior, antrorsum fortius angustatus,
lateribus medio obsolete, antice distinetius denticulatis, angu-
lis posterioribus spinulosis, fortiter rugoso -punctatus, subin-
aequalis, dorso depressiuseulus, obsolete canaliculatus, niger,
subnitidus. Scutellum maris magnum, subtilius intricato-pun-
ctatum, feminae disco subtilissime punetulato, nigrum. Elytra
subdepressa, apice rotundata, angulo suturali denticulo acuto
armato, margine exteriore reflexo, basi fortius,,. dein ‚subtiliter
coriaceo-rugulosa, basi nigro-, ‚postice longe ultra medium
eastaneo-picea. Corpus infra piceum, pectore. maris subtiliter
pubescente, feminae luteo-villoso. Pedes picei, femoribus in-
fra, ‚tibiis compressis extus subtiliter spinulosis, tarsis. dilu-
tioribus.
KXIX. Oneinotus.
Fam. Longicornia. Trib. Prionii.
Antennae corpore breviores, 11-articulatae, subcom-
pressae, articulo 1. breviore, erassiusculo, 2, mi-
nuto, ureeolari, 3. elongato, sequentibus subaequa-
libus, ultimis sensim paulo brevioribus.
Mandibulae parvae, extus incrassatae, infra ante api-
cem dentatae.
Palpi breves, articulo ultimo leviter incrassato, trun-
cato.
Oeculi transversi, antice leviter sinuati, distantes.
Thorax coleopteris angustior, transversus, spinis
utringue duabus acutis uncinatis armatus.
Sceutellum apice rotundatum.
Elytra integra, apice rotundata, dente acuto De mis
structa.
Abdomen infra villosissimum.
Pedes medioeres, tibiisı compressis, muticis, tarsis ar-
ticulis 4 primis dilatatis, primo. parum elongato.
Corpus elongatum, subdepressum, alatum,
Ir
220
Diese Gattung ist sehr eigenthümlich. Sie erinnert in
der Form an Orthosoma, indessen unterscheiden sie die Ver-
hältnisse der Fühlerglieder, die nach aussen verdickten, unten
hinter der Spitze gezähnten Mandibeln und die auf der Stirn
nicht genäherten Augen. Die Form der Fühler mit dem be-
sonders verlängerten dritten Gliede ist fast die von Macro-
toma. Durch die Bewaffnung des Halsschildes mit zwei Dor-
nen an jeder Seite stimmt sie mit keiner einzigen Serville’schen
Gattung überein. Trichoderes Cheyr. (Dej. Cat. 3e ed. pag. 343)
hat zwar ebenfalls zweidornige Halsschildseiten, dies ist aber
die einzige Übereinstimmung, denn er hat grosse, auf der Stirn
genäherte Augen, verlängerte Taster, deren Endglied schräg beil-
förmig und beim Männchen stark erweitert ist. Jene Dornen sind
bei Oneinotus sehr scharf und mit der Spitze hakenförmig nach
hinten gebogen; der eine steht an der Spitze, der andere in
der Mitte der abgerundeten Seiten, welche zwischen und hin-
ter den Dornen nicht gekerbt sind. Die Brust ist, ‘wie ge-
wöhnlich, behaart, die ganze Unterseite des Hinterleibes aber
mit einem dichten geschornen Pelze bekleidet. Diese Beklei-
dung ist jedoch vielleicht nur dem männlichen Geschlechte
eigenthümlich.
Die einzige Art ist
Oncinotus arcuatus:
Prionus arcuatus Fab. Mant. Ins. 1. 129. 9, — Syst.
Eleuth, 1. 259. 10, — Oliv, Ent. IV. 66. 34. 39.
Tab. 10. Fig. 38.
Wesshalb Schönherr (Syn. Ins. III. 338. 13.) das Oli-
viersche Citat fragweise anführt, weiss ich nicht: die Abbil-
dung stellt unsern Käfer kenntlich genug dar, und Fabrieius’
Beschreibung in der Mantisse trifft so genau auf ihn zu, dass
eine neue Beschreibung mir ganz unnöthig zu sein scheint.
161. Stenocorus praecox: Antennis elytrisque mutieis,
are. Piceus, thorace calloso, elytris punctatis basi dilutio-
Midiohs ribus, antennis pedibusque rufis. — Long. 53—7 lin.
St. seutellari proximus, colore dilutiore, statura breviore,
seutello 'nudo distinetus. Antennae muticae, rufae, maris
corporis’longitudine, feminae dimidio corpore paulo longiores.
Corpus rufo-piceum; capite thoraceque obscurioribus. Caput
221
erebre punctatum, inter antennas subtiliter canaliculatum.
Thorax confertissime fortiter punctatus, dorso depressiusculus,
callis 5 glabris, leviter elevatis munitus. Scutellum glabrum.
Coleoptera humeris prominulis, apice rotundata, subdepressa,
erebre punctata, apice laeviora, nigro-picea, basi iam dilutius,
iam obscurius late licet indistinete rufa. Pedes rufi, femori-
bus, praecipue maris, fortiter clavatis.
| 162. Meropachys sericans: Cinereo-sericea, supra ein-
namomea, infra nigra, thorace obsolete bituberculato,
pedibus rufis, femorum clava extus nigricante, —
Long. 7—9 lin.
M. Mac Leayi Hop. affınis, distincta autem thorace bre-
viore, dorso minus elevato et minus fortiter bituberculato, to-
mento cinereo, in elytris aequali neque tessellatim versicolore,
tibiis unicoloribus. Antennae feminae corporis longitudine,
maris eodem tertia parte longiores, testaceo-rufae. Caput et
thorax supra cinnamomea, pube sericea densa cinereo -ori-
chalcea vestita, infra nigra, ceinereo-pubescentia. Caput linea
longitudinali profunda exaratum. Thorax capite vix angustius,
antice posticeque leviter constrietus, lateribus medio spinosus,
dorso ante medium leviter bituberoso. Seutellum cinnamo-
meum. Coleoptera parallela, postice rotundata, apice summo
truncato, dorso depressa, einnamomea, fascia transversa inter
medium et apicem nigricante, pube subtilissima, densa, aequali,
einerea, sericante obducta, punctis setuliferis conspersa. Pe-
etus et abdomen dense cinereo-pubescentia, nigra, hoc seg-
mentorum marginibus apiceque ceinnamomeis. Pedes cinnamo-
meo-rufi, femoribus clavatis, elava extus nigricante.
| 163. Phacodes personatus: Fuscus, griseo -pubescens,
scutello albo-tomentoso, elytris parce asperato- pun-
ctatis, plaga postica polita, pube albida cincta, —
Long. 8 lin.
Ph. obscuro minor et angustior, fuscus, tenuiter griseo-
pubescens. Antennae corporis prope longitudine, fusco -pi-
ceae, Caput punctatum, inter oculos leviter canaliculatum,
‚ Thorax coleopteris parum angustior,, latitudine. summa- paulo
' longior, lateribus leviter rotundatis, basin versus angustatus,
222
leviter convexus, confertissime subtiliter punctatus, ‘opacus, 'te-
nuiter pubescens, linea 'media longitudinali lituraque arcuata
utringue ante medium tenuibus ‚albido - tomentosis notatus,
utrinque intra lituram‘ arcuatam tuberculo minuto munitus.
Sceutellum albido-tomentosum. Elytra humeris prominulis, in-
aequaliter punetata, praeterea punctis maioribus asperatis sparsa,
parcius pilosa, antice griseo- postice albido-pubescentia, ante
medium plaga oblique ab humero descendente subnigra, postice
plaga obliqua, apice dilatata, nigra, polita, pube alba densiore
eincta. Pedes modice elongati, femoribus clavatis.
XXX Meceynopus.
Fam. Longicornia, Trib, Necydalidae.
Antennae elongatae, corpore plus duplo longiores,
setaceae, 11-articulatae, articulo 1. breviore leviter
inerassato, 2.-minimo, 3. quarto paulo longiore,
sequentibus elongatis, ultimis 3 sensim paulo bre-
vioribus.
Palpi subaequales, breves, filiformes.
Oculi medioeres, modice distantes.
Thorax oblongus, subeylindricus.
Elytra alarum longitudine, pone medium attenuata,
apice truncata.
Pedes elongati, femoribus leviter clavatis, postieis cor-
poris apicem longe superantibus, tarsis mediocri-
bus, artieulis 3 primis sensim brevioribus.
Die nächste Verwandtschaft hat dieser Käfer ohne Frage
mit Molorchus *), ausser in der Form der Flügeldecken. Diese
haben dieselbe Grundform, wie bei Stenopterus, nur sind sie nicht
ganz so stark verengt, liegen indess ebenso den unter ihnen
zusammengefalteten Flügeln mehr auf, als dass sie sie förm-
lich umschlössen. Die Form des Halsschildes und die Ge-
stalt des Hinterleibes ist im Wesentlichen wie bei Molorchus.
*%) M. dimidiatus und umbellatarum, nicht Mol. abbreviatus F.,
welcher von Mulsant nicht mit Unrecht als eigene Gattung Necydalis
abgesondert ist.
j
j
223
Die Fühler sind nicht so fein, und viel länger, die Schenkel
sind nur schwach keulförmig verdickt, die Beine im Ganzen
länger, namentlich reichen die Hinterbeine mit der Schenkel-
spitze weit über das Körperende hinaus. In ihrer. Färbung
erinnern die Beine an einige Arten von Odontocera.
164. Mecynopus cothurnatus: Ferrugineus, elytris
pallidis, femorum basi tarsisque postieis albidis. —
Long. 4 lin.
Tab. IV. Fig. 10.
Molorcho dimidiato aequalis, ferrugineus, subtiliter griseo-
pubescens. Antennae corpore plus duplo longiores, fusco -
ferrugineae. Caput thoracis latitudine, subtiliter punctulato-
rugulosum. Thorax latitudine, longior, subcylindrieus, pun-
etato-subrugulosus, carina media utrinque abbreviata tuber-
euloque minuto postico utrinque subelevato laevioribus, antice
posticeque obsolete constrietus. Seutellum triangulare, con-
color. Coleoptera basi thorace latiora, humeris prominulis,
apicem versus attenuata, pone medium leviter coarctata, apice
singula truncata, depressa, dorso parce, lateribus erebre pun-
ctata, pallide lutea, nitida, Pedes ferruginei, femoribus omni-
bus basi albidis, postiei elongati, tibiis rectis, nigro-pubescen-
tibus apice tarsisque albidis.
165. Zygocera canosa: Picea, dense cinereo-pubescens,
elytris punctatis, bicostatis, basi tuberosis, apice emar-
ginatis, abdominis plaga media punctisque lateralibus
nudis. — Long. 5% lin.
Rufo-picea, pube subtili brevi depressa albido -cinerea
vestita. Antennae corpore longiores, 11-articulatae, articulo
primo erassiore, 2. minimo, 3. primo sesqui longiore, sequen-
tibus sensim decrescentibus. Caput vix thoracis latitudine,
compressiusculum, antennarum basi leviter elevata alteri ap-
proximata, suleulo distincta. Thorax coleopteris angustior,
latitudine dimidio brevior, ante et pone medium linea trans-
versali impressus, lateribus spina brevi obtusiuscula armatus.
Coleoptera basi thorace sesqui latiora, pone medium sensim
angustata, humeris prominulis, singulo elytro apice emarginato,
dente exteriore magis prominulo, dorso leviter convexo, spar-
224
sim punctato , tricostato, costis leviter elevatis, exterioribus
disceoidalibus, postice approximatis abbreviatisque, intermedia
basi tuberosa; interiore suturali, antice obsoleta. Mesosternum
protuberans. Abdomen plaga media longitudinali sat lata gla-
bra, laevigata, nitida et utrinque punetorum pariter glabrorum
serie notatum. Pedes femoribus modice clavatis, tibiis sim-
plieibus
Ich zweifle kaum daran, obschon ich den Typus der Gat-
tung nicht kenne, dass die eben beschriebene Art zu Zygo-
cera Dej. zu rechnen sei. Die Stelle, welche Dejean ihr
angewiesen, und die kurze Uharacteristik, welche Boisduval
(Faune de l’Oceanie 489. 1.) von der Dejeanschen Art giebt,
weisen darauf hin. Eine dritte (neuholländische) Art theilte
Hope als Acanthocinus oxonus mit. Als habituelle Merkmale
können ein etwas zusammengedrückter Kopf mit nach vorn
und unten gerichtetem Gesichte, an den Seiten stumpf dorni-
ges Halsschild, an der Spitze ausgerandete Flügeldecken: mit
vorragenden Schultern, eine Auftreibung an der Basis zwi-
schen der Schulter und dem Schildchen und einige erhabene
Längslinien auf einzeln aber deutlich punctirtem Grunde, end-
lich vorzüglich auch das zwischen den Mittelhüften beulenar-
tig aufgetriebene Mesosternum dienen. Weitere Gattungs-
Chäractere für Zygocera aufzustellen ist schwerlich an der
Zeit, da bis jetzt die übrigen Lamien-Gattungen nur auf ähn-
liche habituelle Merkmale als die obigen gegründet und, wie
die übrigen Abtheilungen der ganzen formenreichen Familie
der Bockkäfer, einer ebensowohl tiefer eingreifenden als auch
allgemein umfassenden wissenschaftlichen Bearbeitung sehr
bedürftig sind,
XXXI. Illaena.
Fam. Longicornia. Trib. Lamiariae.
Antennae corpore paulo longiores, 14-articulatae, ar-
ticulo primo inerassato, clavato, 2. brevi, 3. et
4. sat elongatis, sequentibus sensim decrescentibus.
Palpi subaequales, articulo ultimo maximo acuminato.
Mandibulae parvae, simplices, haud prominentes.
225
Oculi mediocres , subinterrupti , portione 'superiore
multo minore,
Thorax subeylindrieus, lateribus medio obsolete no-
dosus.
Coleoptera elongata, subeylindrica, apice rotundata.
Pedes breves, femoribus clavatis, tarsis articulis 3
primis subtus tomentosis, tertio bilobo, quinto sat
elongato, unguieulis simplieibus.
Corpus parvum, eylindrieum, alatum, setulosum.
Eine kleine Saperdenform, durch. einfache Klauen und
an.den Seiten mit einem kleinen Höcker versehenes Hals-
schild sich den Dejeanschen Gattungen : Derophia und Anae-
sthetis (Sap. testacea) sich anschliessend, von diesen aber in
den Verhältnissen der Fühlerglieder und das überwiegend
grosse Endglied der Taster abweichend. Viel Übereinstim-
mung, namentlich auch in der Form des letzten Tastergliedes
hat sie mit Decarthria Hope *), hat aber die lange Saperden-
form, kurze Beine, einfache Schienen und 11 Fühlerglieder.
Nächst der D. Stephensii Hope ziemlich der kleinste unter den
bekannten Bockkäfern.
166. Jllaena exilis: Nigra, subtilissime albido-pubescens,
setulosa, ore, antennis, pedibus elytrisque rufo-piceis,
his parce punctatis. — Long. 14 lin.
| Antennae corpore parum longiores, parce setulosae, rufae,
‚artieulis singulis a tertio inde apice piceis. Corpus subtilissime
‚albido-pubescens, parce setulosum. Caput thorace paulo la-
tior, facie subquadrata, subtilissime punctato-rugulosum, nigrum,
ore rufo-piceo. "Thorax coleopteris dimidio angustior, latitu-
dine sesqui longior, antice leviter, postice fortius transversim
impressus constrietusque, lateribus pone medium tuberculo
parvo instructis, subtilissime punctato - rugulosus, niger, mar-
gine antico rufo-piceo. Coleoptera elongata, parallela, apice
rotundata, leviter convexa, circa scutellum subtuberosa, a hu-
mero medium versus oblique impressa, sparsim punctata,
*) Transact. of the Entomol. Soe. of Lond. I. p. 16.
Archiv 1, Naturgesch, WITH. Jahrg. 1. Bil. 45
226
rufo-picea, fascia pone medium fuscescente. Pectus et abdo-
men nigra, nitida. Pedes rufi, femorum clava nigro -picea.
167. Paropsis incarnata: Flavescens, thorace inaequa-
liter punctato, coleopteris incarnatis, punctatis, sub-
rugulosis, margine laterali medio subdilatato,— Long.
6 lin.
Statura et summa affınitas P. reticulatae (Not. retic. et
atomariae Marsh., Par. granulosae d’Urv. Boisd.), at elytris me-
dio leviter dilatatis nec non punctura distineta. Supra satis
convexa, flavicans, coleopterorum disco incarnato. Antennae
testaceae articulo primo flavo. Caput subtiliter inaequaliter
punetatum. Thorax lateribus rotundatis, integerrimis, passim
inaequaliter punctatus. Scutellum laeve. Coleoptera punctata,
punetis infuscatis, summo disco rarioribus, interstitiis subru-
gulosis, apicem versns confertissime granulosa; angulis hume-
ralibus obtusiusculis, margine laterali medio leviter subangula-
tim dilatato. Corpus infra cum pedibus testaceum.
168. Paropsis dilatata: Flavescens, capite nigro-signato,
thorace nigro-consperso, coleopteris amplis, ‚medio
dilatatis, punctatis, granulosis — Long. 5 lin.
A praecedente statura breviore, coleopteris: minus con-
vexis, medio magis dilatatis, antennis, sculptura ete. distincta.
Antennae valde elongatae, fusco-testaceae, articulo primo al-
bido. Oaput subtilius inaequaliter punctatum, albidum, nigro-
piectum. Thorax lateribus rotundatis, integerrimis, lateribus
erebre, disco parcius sparsim punctatus, albidus, disco nigro-
irrorato. Scutellum laevissimum, albidum. Coleoptera modice
convexa, humeris lateraliter prominulis, lateribus ante medium
subsinuatis, medio subangulatim evidenter dilatatis, dorso cre-
bre punctata, albida, punctis fuscis, postice subincarnata, gra-
nulosa, tota tubereulis minutis albidioribus conspersa. Cor-
pus infra cum pedibus testaceum.
169. Paropsis porosa: Supra flavescens, coleopteris dense
punctatis, infra nigra, prosterno, pectoris fascia tibia-
rumque basi flavis. — Long. 4 lin.
Affınis P. reticulatae at duplo minor, et statura breviore,
227
magis convexa. Corpus supra totum flavescens. Antennae
articulo 1. flavo, linea antica fusca, 2.—5. antice nigris, po-
stice flavis, reliquis totis nigris. Caput facie flava, ma-
cula triangulari verticali nigra. Thorax lateribus rotundatis,
margine repando, disco parcius subtiliter, lateribus ere-
bre fortiterque punctatus. Scutellum laevissimum. Coleoptera
dense profundeque punctata, interstitiis praecipue versus api-
cem rugulosis, humeris obtusiuseulis, lateraliter prominulis,
Corpus infra nigrum, prosterno et pectoris fascia medio ad-
scendente flavis. Pedes nigri, tibiis extus a basi ultra me-
dium favis,
170. Paropsis nucea: Subdepressa, nigra, supra nucea,
thorace fascia maculari nigra, coleopteris immaculatis,
subtiliter punctato-striatis, interstitiis subtilissime pun-
etulatis. — Long. 4 lin.
Habitu omnino P. morionis, at triplo minor. Antennae
nigrae, artieulo 4. infra, 2. et 3. totis testaceis. Caput par-
eius subtiliusque punctatum, nigrum, supra antice nuceum.
Thorax breyis, lateribus rotundatis, integris, erebrius subtilius-
que punetatus, utringue impressus, nuceus, fascia maculari
abbreviata irregulari nigra. Scutellum laeve, nuceum, macula
media. flavida. Coleoptera subdepressa, nucea, immaculata,
nitida, subtiliter punctato-striata, interstitiis parcius subtilissime
punctulatis, secundum marginem lateralem crebre fortiusque
punetata, angulis humeralibus subrectis, parum prominulis.
Corpus infra nigrum, nitidum. Pedes concolores.
471. Paropsis lignea: Testacea, thorace fascia fusca,
elytris punctato-striatis, strüs fuscis, interstitiis seria-
E tim punctatis. — Long. 4 lin.
Praecedente paulo latior, modice convexa, testacea, niti-
dula, Antennae testaceae. Caput crebre punctulatum, mar-
gine verticali nigro. Thorax brevis, lateribus. rotundatis, in-
tegris, punetulatus, interstitiis subtilissime punctatis, fascia me-
dia inaequali abbreviata obsoletiore fusca. Scutellum laeve.
Coleoptera sat distinete punctato-striata, striis fuseis, inter-
‚ stitiis planis, sat fortiter subserlatim punctatis, secundum mar-
‚ ginem lateralem erebre fortiterque punctata, angulis hu-
15*
228
meralibus prominulis subrotundatis, Corpus infra piceum, abdo-
minis segmentorum marginibus testaceis. Pedes testacei.
172. Paropsis serpiginosa: Obscure rufo-testacea, ca-
pite thoraceque punctatissimis, elytris dense punctato-
striatis, subseriatim tuberculatis. — Long. 4 lin.
Oblongo-ovalis, minus convexa, obscure rufo -testacea,
opaca, nonnunquam picescens. Antennae piceae. Caput pun-
etatissimum. Thorax brevis, lateribus rotundatis, integris,
punctatissimus. Coleoptera dense punctato-striata, interstitiis
angustis, passim tuberculatis, tuberculis iam oblongis, iam di-
latatis, confluentibus, laeviusculis, subnitidis. Corpus infra
punctatissimum, brunneum, ano dilutiore. Pedes rufo-testacei.
173. Paropsis papulosa: Testacea, capite thoraceque
punctatissimis, elytris punctatis, sparsim leviter tuber-
eulatis, margine laterali medio subdilatato. — Long.
34 lin,
Statura fere P. reticulatae, at multo minor, subhemisphae-
riea, supra sat convexa, testacea, minus nitida,. Antennae
testaceae, apice fuseae. Caput dense punctatum, punetis sae-
pius confluentibus subrugosum. Thorax lateribus rotundatis,
integerrimis, creberrime punetatus, subrugosus. ‚Seutellum laeve.
Coleoptera ereberrime sat profunde punctata, punctis praeci-
pue suturam versus subseriatis, passim irregulariter subrugosa,
posterius tubereulis minutis nitidulis adspersa; angulis hume-
ralibus haud prominentibus, margine laterali medio leviter sub-
angulatim dilatato.
174. Paropsis nobilitata: Pallide flava, elytris subtiliter
punctato -striatis, interstitiis punetulatis, maculis 3
magnis aureis confluentibus prope suturam vittaque la-
terali viridi- argentea. — Long. 3—4 lin.
Statura P. notatae Ol, licet duplo maior, pallide flava,
Caput subtiliter punetulatum. Thorax brevis, lateribus sub-
rotundatis, integris, disco subtiliter, lateribus fortius obsolete
punctatus, rugulosus. Elytra modice convexa, subtiliter pun-
ctato-substriata, interstitiis subtiliter erebreque punctatis, mar-
gine laterali parcius punetato, dorso maculis tribus sat magnis,
229
longitudinaliter prope suturam dispositis, posterioribus duabus
eonfluentibus, aureis, vittaque laterali viridi -argentea.
Elytrorum pieturae mortuis individuis extinetae.
175. Paropsis orphana: Pallide testacea, elytris striato-
punctatis, laete flavis, interstitüs subtilissime punctu-
latis, primo ante medium, 4. et 6. basi apiceque fusco-
lineolatis. — Long. 25 lin,
Oblonga, convexa, pallide testacea, nitida. Antennae
nigrae, articulis 4 primis flavis. Caput vage subtiliter puncta-
tum. ‘Thorax brevis, lateribus subrotundatis, integris, parce
subtilissimeque punctatus, lateribus punctis maioribus immixtis.
Scutellum laeve. Coleoptera modice convexa, striato-punctata,
interstitiis parce omnium subtilissime punetulatis, margine la-
terali erebre fortiterque punctato, laete flava, interstitio 1.
ante medium, 2. antice posticeque, 6. antice, 7. postice litura
fusca, prima prope suturam longiore, anterioribus brevissimis,
176. Paropsis obliterata: Pallida, elytris punctato-stria-
tis, interstitiis parce subtilissime punctulatis ‚ notulis
minutis lituraque postica angulata fuseis. — Long. 23 lin.
Statura P.nobilitatae, at multo minor, pallide flavo -testa-
cea, nitida,. Antennae concolores. Caput crebre subtiliter
punctatum. Thorax brevis, Jateribus parum rotundatis, integris,
parce subtilius obsoletiusque punctatus. Scutellum laeve.
Elytra modice convexa, punctorum striis sat distantibus no-
tata, interstitiis parce subtilissimeque punctatis, secundum mar-
ginem lateralem subbiseriatim fortius punctata, postice litura
'V-formi punctisque pluribus oblongis fuscis obsoletius signata.
Alae roseae.
4177. Paropsis venusta: Pallida, coleopteris striato-pun-
ctatis, obsolete fusco-notatis, auro-lineolatis. — Long.
1% lin.
Affınis praecedenti, at plus duplo minor, parva, pallide
Mavo-testacea. Antennae articulis 4 primis concoloribus, reli-
‘quis fuscis. Caput parce sparsim punctatum. Thorax latior,
brevis, lateribus leviter rotundatis, integris, medio parce sub-
filiter, Jateribus fortius erebriusque punctatus. Scutellum laeve.
230
‘ Elytra striato-punctata, ‚interstitiis ‚parce subtilissimeque pun+
ctatis, secundum märginem lateralem vage fortius punctata,
interstitiis alternis auro-lineolatis, posterius fuscescentia, prae-
terea notulis nonnullis fuscis obsoletis conspersa, inter quae
2 suturales distinetiores eonspieiuntur. — Lineolae aureae'spe-
ciminibus siceis evanescunt.
178. Paropsis lepida: Flava, coleopteris striato-puncta-
tis, sutura lineolisque 4 quadratim dispositis nigris. —
Long. 15 lin.
Subhemisphaerica,, praecedente paulo latior et. convexior,
flava, nitida. Antennae iam fuscae, artieulis 4,primis flavis,
iam totae flavae. Caput parce subtiliterque punctatum, 'vertice
nigro. Thorax latior, brevis, lateribus subreetis, integris, parce
subtilissimeque punctatus, lateribus punetis fortioribus ‚notatus.
Scutellum laeve. Elytra striato-punctata, interstitüs subtiliter
seriatim punctatis, sutura lineolisque duabus - longitudinaliter
dispositis, altera prope basin, altera paulo pone medium non-
nunquam 'minimis nigris. Pectus suturis nigris Abdomen
biseriatim nigro-punctatum. i
179. Chrysomela constricta: Elongata, convexa, viridi-
aenea, ore, antennis thoracis' angustioris margine, ti-
bis tarsisque testaceis, elytris punctato - striatis, mar-
gine lineolisgue nonnullis flavis. — Long. 3-4 lin.
Elongata, viridi-aenea, nitida. Antennae testaceae. Os
testaceum, _Frons parce obsoleteque. punctata, ‚subtiliter ca-
naliculata, utrinque sulcata. Clypeus convexus, sulco arcuato
fortiter impresso a fronte -distinctus, Thorax coleopteris.multo
angustior, latitudine haud brevior, lateribus rectis parallelis,
basi apiceque truncatus, leviter convexus, sparsim fortiter
profundeque punctatus, margine .laterali‘'testaceo. ' Scutellum
laeve. Coleoptera oblongo-ovalia, convexa, fortiter punctato-
striata, apice obsoletius punctata, margine laterali, lineola mi-
nuta media interstitii ultimi, stria antice dimidiata, postice )
cum margine confluente interstitii penultimi, lineolaque minuta, ,
paulo pone, medium sita interstitii antepenultimi, flavis, ‚sutura )
obscure testacea, Pedes coxis: trochanteribusque_ piceo -testa-
ceis, femoribus aeneis, tibiis tarsisqgue flavo-testaceis. Ungui-
231
culi-basi dentati. Palpi maxillares articulo penultimo obconico,
apice modice incrassato, ultimo minore, “conico.
180. Chrysomela pacifica: Subelongata, aenea, nitidula,
ore tarsisque piceis, pygidio testaceo, elytris subtiliter
striato-punctatis. — Long. 2} lin.
Chr. aucta duplo maior et paulo magis elongata, subey-
lindrica, aenea, nitidula. Antennae piceae. Caput fronte spar-
sim medio subtiliter, lateribus fortius punctata, utrinque sul-
cata, clypeo parum convexo, sulco arcuato a fronte distincto,
ore piceo. Thorax coleopteris paulo angustior, latitudine plus
dimidio brevior, lateribus subrotundatis, basi leviter rotunda-
tus, apice leviter emarginatus, Jeniter convexus, dense subtili-
ter punctatus, ante latera utringue punetis maioribus consper-
sus, dorso utringue subimpressus. Scutellum laeve. Coleo-
ptera oblonga, parallela, leniter convexa, subtiliter striato-
punctata, "punetis .apicem: versus obsolescentibus, 'interstitüis
omniüm subtilissime transversim strigosis. Abdomen segmento
ultimo inferiore margine piceo, superiore toto laete testaceo.
Pedes tibiis apice tarsisque piceis. Unguiculi- basi obsolete
dentati.
181. Chrysomela (Phaedon) luteicornis: Obovata,
convexa, aenea, antennis Juteis, pedibus piceo -testa-
ceis, thorace dense punctulato, elytris subtiliter striato-
punctatis, — Long. 2 lin.
| Chr. Cochleariae magis oblonga, oboyata, convexa, ae-
nea, mitidula. Antennae luteae. Os piceo - testaceum. Frons
subtiliter punetulata, subtilissime obsoleteque canaliculata, cly-
peo linea angulata obsolete impressa ‚distincto. Thorax co-
leopterorum basi arcte applicatus, antrorsum leniter angusta-
tus, latitudine baseos duplo fere brevior, basi medio rotun-
datus, utrinque sinuatus, Jateribus subrectis, angulis posterio-
ribus acutiusculis, haud prominulis, anterioribus subrotunda-
tis, leviter convexus, dense et minus subtiliter punctulatus.
Scutellum laeve. Coleoptera convexa, subtiliter striato - pun-
ctata, punctis apice obsolescentibus, interstitiis Jaevibus. Pedes
piceo-testacei, femoribus posterioribus aeneo-nitentibus.
232
182. Chrysomela (Phaedon) orphana: Subhemisphaerica,
nigro-aenea, antennis, ore pedibusque flavis, 'thorace
crebre punctato, elytris punctato -striatis, interstitiis
punctulatis. — Long. 14 lin.
Statura Chr. tumidulae, lieet paulo minor, subhemisphae-
rica, convexa, nigro-aenea, nitida. Antennae flavae. Caput
fronte parce punctulata, clypeo linea subtili impressa a fronte
distincto, ore flavo - testaceo. Thorax basi coleopteris arcte
applicatus, antrorsum angustatus, latitudine baseos triplo fere
brevior, basi rotundatus, apice emarginatus, lateribus angulis-
que posterioribus subrectis, transversim convexus, aequalis,
erebre minus subtiliter punctatus. Scutellum laeve. Coleo-
ptera sat fortiter punctato-striata, interstitiis subtiliter punetu-
latis. Pedes flavi.
183. Colaspis iugularis: Aepea, nitidula, punctata, ely-
tris lateribus transversim rugosis, antennis, 'labro,
capite'infra pedibusque rufis , femoribus' as en
Long. 3 lin.
nr modice convexa, aenea, nitidula. Antennae ob-
seure rufae. Caput supra intricato -punctatum, fronte longitu-
dinaliter impressa, infra testaceo -rufum, palpis testaceis (apice
fuseis, labro rufo,. mandibulis nigris. : Thorax’ coleopteris
paulo 'angustior, antrorsum leviter angustatus, lateribus sub-
rotundatis, obtuse bidentatis, transversim convexus, rugoso-
punctatus. Seutellum subimpressum laeve, Coleoptera late-
ribus ‚subrectis, apice rotundata, humeris prominentibus, sat
fortiter punctata, latera versüs transversim rugosa. Corpus
infra punctulatum, tenuiter subtiliterque pubescens. Pedes ob-
scure rufi, femoribus clavatis,, postieis aeneo-micantibus.
"284: Colaspis (Odontionopa) viridula: Viridis, niti-
dula, subtiliter albido-pubescens, labro, palpis, an-
tennis pedibusque flavis. — Long. 14 kin:
Lacte viridis, nitidula, subtiliter albido-pubescens, An-
ennae corpore sublongiores, flayae, articulo 1. ovato, 2. brevi,
3. et 4. aequalibus, sequentibus fortius elongatis, ultimo apice
nigro, artieulo terminali spurio sat distineto, acuminato aucto,
N
233
Caput thoraeis latitudine, ‚oculis magnis, prominulis, 'infra
subemarginatis,, ‚fronte depressa, punctatissima, antice utrinque
tubereulo minuto laevi notata, margine apicali bidentato, la-
bro magno, apice emarginato palpisque flavis. Thorax co-
leopteris dimidio angustior, transversus, basi apiceque trun-
catus, lateribus integris leviter rotundatis, ante apicem obsolete
constrietus, leviter transversim conyvexus, punctatissimus., Scu-
tellum dense punctatum, Elytra humeris prominulis, leviter
convexa, subtiliter punctata, interstitiis omnium subtilissime
rugulosis. Corpus infra pareius punetatum, tenuius pubescens,
nitidum. _Pedes flavi, femoribus medio leviter incrassatis, tar-
sis Jatiusculis, unguiculis. basi fortiter dentatis.
185. Colaspis (Odontionopa) proxima: Aenea, niti-
dula, griseo-pubescens, antennis, labro, palpis pedi-
busque flavis. — Long. 13 lin.
Praecedenti proxima, statura paulo maiore, colore aeneo,
punetura capitis magis rugosa, thoraeis- fortiore, elytrorum di-
stinetiore diversa. Aenea, nitidula, subtiliter griseo-pubescens,
Antennae artieulis primis flavis, reliqui desunt. Caput fronte
depressa , confertissime fortiter punctata, longitudinaliter sub-
rugosa, medio, subtiliter canaliculata, antice utrinque tuberculo
Jaevi instructa, apice bidentata. ‘Labrum et palpi flavi. Tho-
rax coleopteris paulo angustior, latitudine duplo prope bre-
vior, lateribus leviter rotundatis, confertim sat fortiter pun-
etatus. Elytra subtiliter punetata, interstitüs vix’ rugulosis.
Pedes flavi.
186. Cryptocephalus (Ditropidus) ochropus: Niger
nitidus, thorace brevi, subtilius punctato, elytris for-
tius punctato-striatis, ore, antennis pedibusque flavis.
— Long. 1 lin.
Brevis, nigerrimus, nitidus. Antennae flavo-testaceae,
articulis ultimis fuscescentibus. Caput fronte angustiore, parce
subtilissimeque punctata, obsolete canalieulata, infra antennas
cum toto ore testaceo, Thorax brevis, sat crebre, dorso subtili-
ter, lateribus fortius punctatus, Elytra fortiter striata, striis
punetatis, interstitiis leviter convexis, tubereulo humerali pro-
234
minulo. Pygidium pareius subtiliter punctatum. "Pedes validi,
flavo-testacei, femoribus posterioribus picescentibus. *)
187. Galeruca pedestris: Aptera, lutea, elytris apice
rotundatis dehiscentibus, abdomine nigro vix breviori-
bus. — Long. 44 lin.
@. rustica paulo longior, at minus dilatata, subeylindrica.
Antennae capite thoraceque paulo longiores, crassiusculae,
nigrae, articulo primo luteo, sequentibus duobus basi piceo-
testaceis, 2. breviore, 3. reliquis aequali. Palpi maxillares
articulo 3. inerassato, 4. minore, conico. Caput impunctatum,
glabrum, luteum, fronte inter oculos transversim impressa,
inter antennas bituberculata, antice elevata. Thorax latitudine
dimidio brevior,, lateribus cum angulis posterioribus leviter
rotundatus, basi medio emarginatus, apice truncatus, angulis
anterioribus subrectis, reflexis, modice convexus, dorso ante
medium 'et basi subimpressus, laevis, glaber, luteus, nitidus.
Seutellum laeve, ‘glabrum, luteum. Coleoptera basi thoracis
latitudine,, dein‘ sensim tumescentia, abdomine parum breviora,
*) Zwei sich dieser anschliessende Arten sind:
Cr. (Ditropidus) anthracinus: Niger, capite thoraceque
dense subtiliterque punctatis, elytris subeyanescentibus, sub-
tiliter punctato-striatis, labro testaceo. — Long, 14 lin. —
Hab. in Nov. Holland. Westwood,
Cr. fulcrato aequalis, niger, nitidus, elytris subeyanescentibus.
Antennae articulis 2—4 piceo-testaceis. Labrum testaceum. Caput
subtiliter punctulatum, fronte obsolete canaliculata. Thorax sat cre-
bre subtiliter punctatus. Elytra subtiliter punctato-striata, strüs ‚ex-
timis 2 apiecem versus fortius impressis, Pygidium dense punctatum,
Pedes concolores.
Cr. (Ditropidus) gagatinus: Niger, capite thoraceque sub-
tilissime punctulatis, elytris subtiliter punctato-striatis, an-
tennis, labro tarsisque piceo - testaceis. — Long. 14 lin. —
Noy. Holland. Lhotzki:
Brevis, nigerrimus, nitidus. Antennae piceo-testaceae,: artieulis
primo ultimisque A nigricantibus. Labrum testaceum. Frons subti-
lissime parce punctulata, obsolete canaliculata. Thorax densius sub-
tilissime punctulatus. Elytra subtiliter punctato-striata. Pygidium
parcius' subtiliter punctulatum. Pedes nigri, tibiis apice tarsisque
Piceo - testaceis,
Wi Ente
235
apice dehiscentia, singula rotundata, parce omnium subtilissime
punctulata, glabra, lutea, nitida. ' Corpus infra pube einerea
sericeum, pectore obscure luteo, abdomine nigro, apice luteo,
pedibus luteis, tibiis, piceis, tarsis nigris. Unguiculi basi acute
dentati. |
188. Haltica (Graptodera) corrusca: Aenea, nitidis-
sima, thorace laevigato, elytris subtiliter punctatis, —
Long. 2% lin.
H. oleraceae proxima, at duplo maior, aenea, nitidissima.
Antennae nigrae. Caput inter antennas obtuse carinatum, ore
nigro. Thorax coleopteris angustior, antrorsum angustatus,
lateribus vix rotundatis, latitudine baseos paulo brevior, po-
stice sat profunde transversim sulcatus, antice transversim
subimpressus, anterius utrinqgue plaga minuta subtiliter pun-
etata notatus, ceterum vix punctatus. Scutellum laeve. Elytra
erebrius haud obsolete licet subtiliter punctata, callo humerali
laevi. . Corpus infra cum pedibus jam ‚violaceo. - micans, iam
violaceum.
Ab H. oleracea differt statura, thorace paulo breviore,
coleopteris distinetius et minus dense punctatis.
xXXo. Arsipoda.
Fam. Chrysomelinae. Trib. Halticae,
Antennae 11-articulatae, basi distantes.
Palpi filiformes, articulo ultimo acuminato.
| | Femora postica fortiter incrassati.
Tibiae anteriores simplices, apice oblique truncato,
ciliato, spina apicali nulla, posticae extus canali-
eulatae, ante apicem utrinque obsolete dentatae,
apice spina simpliei incurya armatae.
Tarsi artieulis 3 primis infra tomentosis, 2. minore,
3. bilobo; postici tibiae apiei inserti, tibia plus
duplo breviores, articulo ultimo simpliei;' ungui-
euli basi dentati,
Corpus ellipticum, convexum, colore metallico, tho-
race basi utringue impresso, 'elytris punctato-stria-
tis vel punctato - substriatis.
236
Es bietet nicht leicht eine Gruppe natürlichere und mit
besseren Characteren versehene Gattungen dar, als die der
Halticen, und wenn sich noch Niemand der Arbeit unterzo-
gen hat, sie festzustellen, liegt es wohl nur daran, dass die
Untersuchung wegen der Kleinheit der Gegenstände mühevoll
erschienen ist. Im Allgemeinen kann man die von Dejean in
Vorschlag gebrachten Gattungen als in der Natur begründet
annehmen. Einige neuholländische Halticen passen indess in
keine dieser Gattungen. Sie schliessen sich in der Körper-
form und durch ihre stark verdiekten Hinterschenkel an Psyl-
liodes und Dibolia Lat., weichen aber von der ersteren durch
die 11-gliedrigen Fühler und die Einlenkung der Hinterfüsse
an der: Spitze der Schienen, von der letzteren durch einfachen
Enddorn der letzten, weiter noch durch gezähnte Klauen ‘ab.
Die Fühler sind in ziemlichem Abstande von einander, näher
den Augen eingelenkt. Die Lefze ist von mässiger ‚Grösse,
vorn ‚ausgebuchtet. An dem Maxillartastern ist das 3. Glied
mässig «gross , das 4. kleiner, kegelförmig zugespitzt. Die
Beine sind etwas plump, die vorderen Schienen an der Spitze
etwas erweitert, an allen Füssen das erste und dritte herzför-
mige Glied breit. Die Hinterschenkel sind‘ sehr stark ver-
dickt, die Hinterschienen an der Aussenseite rinnenförmig aus-
gehöhlt, an der äusseren Kante nahe der Spitze mit einem
kleinen Zähnchen. Der Enddorn ist mässig gross, etwas ha-
kenförmig gebogen. Die Hinterfüsse sind zwar etwas gestreck-
ter als die vorderen, sonst von derselben Bildung. Die Kör-
perform ist der von Psylliodes ähnlich, die Flügeldecken ha-
ben mehr oder weniger deutliche Punctreihen, das Halsschild
an der Basis jederseits ein Grübchen, ohne verbindenden
Quereindruck.
189. Arsipoda bifrons: Nitida, supra cuprea, infra nigro-
aenea, subtiliter punctatissima, elytris punctorum
seriebus obsoletis. — Long. 2 lin.
Ovata, leviter convexa, nitida, supra cuprea, infra nigro-
aenea. Antennae nigrae, articulis 4 primis piceo - testaceis.
Frons subtiliter punctato-rugulosa. Thorax transversus, lati-
tüdine baseos duplo brevior, antrorsum angustatus, lateribus
vix rotundatus, undique marginatus, confertim subtilius pun-
237
etatus, basi utrinque lineola minuta impressus. Scutellum
laeve. Elytra dense subtilius punctata, punetorum seriebus
praeter suturalem et exterioribus aliquot omnino nullis, his
mox pone basin obsoletis. Pedes picei, femoribus posticis ni-
gerrimis.
190, Psyllüodes chlorophana: Laete viridi- metallica,
thorace dense punctato, elytris punctato-striatis, inter-
stitiis subtilissime parce punctulatis, antennarum ti-
biarumque basi testaceis. — Long. 13 lin.
Statura fere Ps. Hyoscyami, supra viridis, metallica, ni-
tida. Antennae nigrae, articulis 4 primis pallide testaceis.
Frons utrinque subtiliter punctata. Thorax: basi coleopteris
dimidio angustior, antrorsum fortiter angustatus, lateribus rectis
pone angulos anteriores subdentatis, supra crebre fortiusque
punctatus. Scutellum laeve. Elytra sat fortiter punctato-
striata, interstitiis leviter convexis, parce omnium subtilissime
punctulatis. Pedes picei, femoribus posticis viridi-aeneis, ti-
biis omnibus basi testaceis,
XXXITI. Thallis.
Fam, Erotylenae.
Antennae crassiusculae, clava subeompressa, 3-arti-
ceulata, articulis 2 primis transversis, ultimo sub-
orbiculato.
Palpi filiformes, articulo ultimo reliquis longiore,
ovato, subacuminato.
Ligula cornea, paraglossis membraneis, prominentibus.
Pedes tarsis simplieibus, articulis 4 primis brevibus,
5. his coniunetis Jongitudine aequali.
Eine neue Gattung, welche mit unserer Engis in der
nächsten Verwandtschaft steht. Die Körperform ist etwas ge-
streckter, sonst weicht sie wesentlich von Engis nur darin
ab, dass die häutigen Seitentheile der Zunge hier die Spitze
des hornigen Mitteltheils weit überragen, während sie bei En-
gis mit diesem gemeinschaftlich zugerundet sind.
238
4191. Thallis ianthina: Cyanea, elytris subtiliter striato-
punctatis, abdomine testaceo. — Long. 24 lin.
Statura Triplacis aeneae, cyanea, nitida. Antennae nigrae,
albido-pubescentes. Caput profunde punctatum. Thorax co-
leopteris angustior, longitudine paululum brevior, antrorsum
subangustatus., leniter transversim convexus, erebre profunde-
que ‚punctatus. Scutellum _ parce subtilissime punetulatum.
Elytra subtiliter striato-punctata, interstitiis parce: subtilissime
punctulatis. Pectus parce punctatum, piceo-testaceum, cya-
neo-micans. Abdomen laete rufo - testaceum. Pedes picei,
cyaneo -nitidi.
192. Thallis compta: Nigra, thorace rufo, elytrorum fa-
seiis 2 maculaque et abdomine testaceis. — Long.
3 lin. ‚
Praecedente duplo maior et paulo magis elongata. An-
tennae nigrae. Caput crebre profundeque punctatum, nigrum,
nitidum. Thorax coleopteris dimidio angustior, latitudine haud
brevior, antrorsum vix angustatus, margine laterali subrepando,
parcius fortiter punctatus, rufus, nitidus, basi nigro-bimacu-
latus. Scutellum laeve, nigrum, nitidum. Coleoptera subtili-
ter striato-punctata, interstitiis laevissimis, nitida, nigra, fasciis
duabus, altera ab humeris descendente ante, altera pone me-
dium sitis, sutura coniunctis maculaque ante apicem testaceis.
Pectus nigrum. Abdomen. testaceum. Pedes nigri,tibiis pi-
ceis, tarsis ‚rufis.
193. Thallis vinula: Nigra, thorace rufo, elytris fasciis
duabus abbreviatis albidis, subtus testacea. — Long.
2: lin.
Praecedente duplo minor. Antennae nigrae. Caput par-
eius profunde punetatum, nigrum, nitidum. Thorax coleopte-
ris dimidio prope angustior, latitudine haud brevior, antrorsum
vix angustatus, leviter convexus, sat crebre profundeque pun-
ctatus, rufus, nitidus. Scutellum omnium subtilissime punctu-
latum , nigrum, nitidum. Elytra striato-punctata, interstitiis
omnium subtilissime parce punctulatis, nitida, nigra, fasciis
duabus utrinque abbreviatis, altera paulo ante, altera longe
239
infra medium, transversis, albidis. Pectus et abdomen testacea.
Pedes nigri, tarsis rufis.
194. Phalacrus brunneus: Oblongo-ovatus, convexus,
brunneus, nitidus, elytris subtilissime. striato - puncta-
tis, stria suturali postice profundiore. — Long. 14 lin.
Statura omnino Phal. aenei, supra dilute brunneus, niti-
dus, infra cum antennis pedibusque testaceus. Caput, thorax
et sceutellum omnium subtilissime punetulata. Thorax basi bi-
sinuatus. Elytra subtilissime striato- punctata, stria suturali
subtili antice abbreviata, postice fortiore, lateribus omnium
subtilissime punetulatis.
195. Coccinella frenata: Nigra, thoracis margine an-
teriore albido, elytris carneis, margine, sutura vitta-
que nigris, tibiis tarsisque anticis testaceis. — Long.
21 lin.
Statura omnino ©. impustülatae. Antennae flavae, apice
fusco. Mandibulae albae. Caput subtiliter punetulatum, ni-
grum, fronte inter oculos maculis 2 triangularibus Albis. Tho-
rax subtiliter punetatus, niger, nitidus, margine anteriore si-
nuato albido. Scutellum parvum, nigrum, nitidum. Elytra
distinete marginata, subtiliter (punctata, carnea, margine exte-
riore tenui, sutura vittaque disci, utringue abbreviata, basi
introrsum, apice extrorsum producta, nigris, Corpus infra ni-
grum, mesothoracis epimeris albis. Pedes nigri, antiei tibiis
tarsisque testaceis.
196. Scymnus ventralis: Oblongo-ovalis, minus con-
vexus, dense punctatus, cinereo-pubescens, niger, ni-
tidus, antennis tarsisque ferrugineis, abdomine rufo.
| — Long. 24 lin.
Maior in hoc genere, Sc, nigrino quadruplo maior, ob-
‚ longo-ovalis, minus convexus, niger, nitidus, pube cinerea
subnebulosa vestitus. Antennae ferrugineae. Caput erebrius
‚ subtiliter punetatum. Thorax coleopteris paulo angustior, la-
titudine duplo brevior, antrorsum leviter angustatus, apice
truncatus, subtiliter punetatus, margine anlico summo utrinque
testaceo - pellucido, Coleoptera thorace erebrius fortiusque
240
punctata. Abdomen testaceo -rufum. Pedes nigri, tarsis fer-
rugineis.
197. Seymnus discolor: Oblongus, subdepressus, dense
punctatus, supra niger, dense einereo-pubescens, ca-
pite, thoraeis lateribus corporeque subtus rufis. —
Long. 2 lin.
Praecedente duplo fere minor, oblongus, parum con-
vexus, supra niger, sat dense fortitergue cinereo - pubescens.
Caput rufum, ore testaceo. Thorax coleopteris angustior, la-
titudine summa duplo prope brevior, antrorsum angustatus,
lateribus leviter rotundatus, pareius subtilitergue punctatus,
margine antico utrinque testaceo, laterali magis minusve di-
stinete rufo. Coleoptera thorace fortius dense punctata. Cor-
pus infra cum pedibus testaceo-rufum, pectore interdum pi-
cescente.
198. Scymnus stragulatus: Dilatato-ovalis, subdepres-
sus, dense cinereo-pubescens, antennis, pedibus, tho-
racis lateribus, abdomine praeter basin elytrisque ru-
fis, his plaga magna dorsali margineque laterali ante-
riore nigris. — Long. 12 lin,
Sc. nigrino duplo prope maior et magis dilatatus, supra
dense cinereo - pubescens. Antennae rufo-testaceae, Caput
subtilissime punctulatum, piceum, antice rufum. Thorax co-
leopteris angustior, Jatitudine plus duplo brevior, antrorsum
parum angustatus, apice emarginatus, parce subtiliterque pun-
ctatus, disco nigro, lateribus rufis. Scutellum nigrum. Co-
leoptera statim pone basin amplissima, dein sensim angustiora,
dense punctata, rufa, plaga magna communi dorsali, posterius
sensim angustata, vittaque marginali, a basi longe ultra me-
dium descendentibus nigris. Peetus nigrum. Abdomen rufum,
basi nigricans. Pedes testaceo-rufi.
199. Corylophus thoracicus: Niger, thorace rufo lato,
postice bisinuato, angulis posterioribus productis, acu-
minatis. — Long. 4 lin.
Statura brevior omnino ©. lividi Dej., licet duplo maior.
Antennae testaceae. Caput minutum, piceum, ore rufescente.
24a
Thorax amplus, latitudine baseos duplo brevior, semieircula-
riter rotundatus, basi bisinuatus, angulis posterioribus pro-
ductis, acuminatis, coleoptera amplectentibus, leviter convexus,
griseo-pubescens, rufus, nitidus, apice utrinque pallido - pellu-
eens. Scutellum nigrum. Elytra subdepressa, subtilius pun-
etata, nigra, nitida, griseo -pubescentia. Corpus infra nigrum,
pedibus posterioribus piceis, antieis rufo -testaceis.
200. Corylophus fasciatus: Oblongus, niger, thorace
SREuEHDrE coleopterorumque fascia abbreviata rufis.—
Long. # lin.
Statura oblonga C. pusilli, at triplo minor. Caput re-
tractum. Thorax coleopteris angustior, latitudine baseos paulo
brevior, semieirculariter rotundatus, basi leviter bisinuatus,
angulis posterioribus acutis, licet hand prominentibus, parum
convexus, subtiliter punctulatus, rufus, nitidus, antice utrinque
pallido - pellucens, medio piceus.. Scutellum nigrum. Coleo-
ptera subdepressa, crebre profundeque punctata, nigra, nitida,
fascia media, utrinque arcuata, lateribus attenuata abbreviata-
que rufa. Corpus infra nigrum, pedibus posterioribus piceis,
antieis testaceis.
xxXIr. Daulis.
Fam. Endomychidae.
Tab. V. Fig. 5.
Antennae 11-articulatae, articulo primo subovato, 3.
haud elongato, ultimis tribus maioribus, penulti-
mis obconicis, ultimo ovato.
Labrum Jatum, transversum, apice truncatum. (Fig. 5.d.)
Mandibulae lateribus dilatatae, rotundatae. (Fig. 5. a.)
Palpi maxillares filiformes, articulo ultimo acuminato
(Fig. 5. b.), labiales inerassatae, articulo ultimo trun-
cato (Fig. 5. c.).
Oculi prominuli.
Thorax transversus, lateribus subsinuatus, postice
utringue suleulo impressus.
Coleoptera ampla.
Pedes basi vix distantes, tarsis articulo see Ber lobato,
Archiv 1, Naturgesch, YIIL, Jahrg. 4, Bd, 416
242
Abdomen segmentis 6. 407
Corpus molliuseulum, pubeseens, ‚pilosellum;, alatum.
Mit Lycoperdina cruciata, welche mit Unrecht mit Z.
succineta und bovistae in eine Gattung verbunden ist, stimmt
diese neue Gattung in der Form der Taster überein, nur sind
die Lippentaster noch stärker verdickt und die Mandibeln sind
seitlich auffallend erweitert. Die sehr lose gegliederte Fühler-
keule erinnert an Dapsa, aber das 3. Fühlerglied ist ‚nicht
verlängert. Durch den weicheren behaarten Körper und die
an der Wurzel nicht weit auseinander stehenden hinteren
Beine weicht Daulis noch von den erwähnten und übrigen
verwandten Gattungen ab, und würde sich mehr an Mycetaea
(Derm. subterraneus F., Cryptophag. hirtus Gyll.), welche mit
einer nahe verwandten Gattung gleichfalls in der Familie der
Endomychiden ihre natürliche Stelle hat, auch ähnlich verdickte
Lippentaster zeigt, anschliessen, wenn sie sich durch das ge-
lappte zweite Fussglied nicht wieder näher an Endomychus
und die damit verwandten Gattungen anreihete.
201. Daulis cimicoides: Testacea, -pilosella, albido-
pubescens, elytris pustulis minutis glabris. — Long.
14 lin.
Depressa, testacea, pilis ereetis griseis pubeque de-
pressa alba vestita. Antennae pallide testaceae, pilosellae, ar-
tieulis ultimis tribus fuseis. , Caput, thorace paulo angustius.
Thorax coleopteris multo angustior, latitudine multo brevior,
basi apiceque truncatus, lateribus antice leviter rotundatis,
postice subsinuatis, angulis posterioribus acutiusculis, obsolete
punetato-rugulosus, basi utrinque stria sat elongata inseulptus.
Seutellum densius albo-pubescens. Üoleoptera ampla, pone
medium leviter dilatata, apice rotundata, dorso depressa, ob-
solete punctata, pustulis parvis subeleyatis crebris plagulisque
nonnullis irregularibus pariter glabris nigricantibus. Corpus
infra punetulatum, abdominis segmentorum marginibus glabris.
Pedes pallide testacei.
202. Lathridius costatws: Piceus, 'glaber, thorace ob-
longo, bicarinato, medio eonstrieto,, \elytris striato-
punetatis, interstitiis alternis costatis. — Long. 1 lin.
243
Statura fere L. nodiferi ‚Westw., glaber, minus: nitidus,
fuseo-pieeus, capite rufescente, elytris apice dilutioribus, pe-
dibus piceo-testaceis. Antennae rufae. Caput punetulatum,
antice 4-carinatum, carinis exterioribus abbreviatis, interiori-
bus integris pone oculos divergentibus. | Thorax angustus, la-
titudine sesqui Jongior, angulis anterioribus rotundatis, poste-
rioribus subreetis, paulo pone medium constrietus , dorso bi-
carinatus, lateribus elevato-marginatus, interstitiis inaequalibus,
subtiliter punetulatus. Elytra ampliora, medio leviter. dilatata,
convexa, striato-punetata, interstitiis alternis (3.5..7.) carina
sat elevata acutaque costatis, costa exteriore pone medium
abbreviata.
203. Batrisus australis: Oblongus, castaneus, fulvo-
pubescens, vertice carinato, thorace basi utrinque
dentato et medio impresso, elytris pedibusque rufis.
— Long. 14 lin.
B. venusto aequalis, castaneus, nitidus, fulvo-pubescens.
Antennae capitis thoraeisque longitudine, graciliores, rubrae.
Caput laeve, fronte late subimipressa, basi utrinque foveolata,
vertice leviter elevato etacute carinato. Thorax oblongus, sub-
eylindricus, lateribus ante medium rotundato -dilatatis,. subtili-
ter marginatis,. basi medio foveatus, fovea. utrinque carinula,
dentis instar elevata terminata. Elytra ampliora, laete rufa,
stria suturali integra, dorsali ante medium abbreviata. Abdo-
| men apice attenuatum. ‚ Pedes rufi tarsis testaceis,
204. Catops australis: Mesosterno carinato, niger, nigro-
pubescens, thorace elytrisque transversim strigosis. —
Long. 1} lin,
| Ovalis, leviter convexus, niger, nigro-pubescens. Anten-
nae capitis thoraeisque longitudine, apice leviter inerassatae,
artieulo 8. proximis angustiore, nigrae, basi piceae. Thorax
| eoleopterorum prope latitudine, lateribus leviter rotundatis, an-
| gulis posterioribus oblique retrorsum subprominentibus, rectiu-
seulis, basi utrinque subsinwata; 'subtiliter transversimstrigo-
sus, Elytra transversim strigosa, stria suturali impressa, apice
rotundata, Pedes concolores, tarsis piceis, anticis maris basi
leviter dilatatis. Mesosternum subtiliter carinatuım.
| 16*
244
Nachträglich führe ich hier am Schluss diese Art noch
auf, welche ich übersehen hatte, und welche in Rücksicht auf
ihr Vorkommen zu wichtig ist, als dass sie übergangen wer-
den könnte. Sie ist nämlich die einzige Art dieser Gattung,
welche bisher ausserhalb der nördlichen Hemisphäre vorgekom-
men ist.. Europa scheint der Hauptsitz der Gattung zu sein. Von
hieraus verbreitet sie sich theils nach Vorderasien, theils tritt
sie in weniger zahlreichen aber entsprechenden Arten in Nord-
america wieder auf. Aus Mittel- und Siidamerica, aus ganz
Africa, aus der indischen Fauna ist keine einzige Art zur Zeit
bekannt. Das Vorkommen in Vandiemensland lässt indess doch
eine weitere Verbreitung in der südlichen Hemisphäre voraus-
setzen. Die beschriebene Art schliesst sich unserm ©. sericeus
zunächst an.
Orthoptera.
So wenig die Fauna von Vandiemensland in dieser Ord-
nung eigenthümliche Formen darbietet, so merkwürdig ist des-
senungeachtet ihr Verhalten durch das Ueberwiegen der in ver-
schiedenen Abstufungen ungeflügelten Arten. Unter den in
unsern Sendungen eingegangenen Arten war die Hälfte völ-
lig ohne Spuren von Flügeln und Decken, ein Viertel zwar
ebenfalls ungeflügelt, aber mit vorhandenen, wenn auch meist
rudimentären Decken, und nur das letzte Viertel vollständig
geflügelt und flugfähig. Alle Familien, vielleicht mit Ausschluss
der Mantis, nehmen ziemlich gleichmässig an dieser Eigen-
thümlichkeit Theil, und es trifft sich öfter, dass Vandiemens-
land ungeflügelte Arten besitzt, deren Gattungsgenossen aus
andern Erdtheilen immer vollständig geflügelt sind.
Aus der Familie der Ohrwürmer sind 2 neue Arten der
typischen Gattung Forficula (im eingeschränkten Sinne) vor-
gekommem, die eine zwar mit vollständigen Flügeldecken, aber
ohne Flügel, die andere ohne Spuren von beiden. Diese schliesst
sich einer Reihe von Arten aus den Gebirgen. des mittlern
und von. den Küsten des südlichen Europa an,
Die Familie der Schaben hat sechs Arten ‚geliefert, von
denen drei zur Gattung Periplaneta Burm. (Kakerlac
Latr. Serv.), drei zu Blatta gehören. Die ersteren alle neu,
245
der Fauna eigenthümlich, in beiden Geschlechtern ohne alle
Flügelspuren '). Von den letzteren sind zwei Arten der Insel
eigenthümlich, eine ebenfalls in beiden Geschlechtern durch-
aus ungeflügelt, die zweite vollständig geflügelt; die dritte ist
Bl. germanica ”), welche indess nicht als einheimisch, sondern
als eingeführt zu betrachten ist.
Aus der Familie der Mantiden ist eine Art vorgekom-
men: Mantis Darchü Mac Leay °). Sie ist vollständig ge-
flügelt.
Die Familie der Phasmen hat ebenfalls nur eine ein-
zige Art, Bacteria fragüis Hope *), geliefert. Sie gehört
wieder den in beiden Geschlechtern völlig ungeflügelten For-
men an.
Unter drei Arten aus der Familie der Locusten ist keine
») Nach Burmeister (Handb. d. Ent. 11. S. 482.) würden sie zu
Polyzosteria (Abth. 6.) gehören, in welche alle in beiden Ge-
schlechtern ungeflügelte Schaben vereinigt sind. Serville hat indess
das Verhältniss der ungeflügelten Arten richtiger beurtheilt, wenn er
sie unter die verschiedenen Gattungen vertheilt. Letzterer hat keine ganz
ungeflügelten Arten von Periplaneta (Kakerlac) gekannt, die unten
beschriebenen haben auch im Aeusseren grosse Uebereinstimmung mit
P. orientalis, mehr weichen durch ihre Grösse und metallische Fär-
bung einige Arten des neuholländischen Continents ab, von denen
Burmeister zwei als P. limbata und aenea aufführt. (a. a. O. S, 483.
N. 5. 6.)
2) Linn. Syst. Nat. Ed. XH. 688. 9.
») Capt. King Survey of the intertrop. etc. coasts of Australia,
U, 454. 11. — Mantis tessellata Burmeist. Handb. d, Ent. II, 535. —
Serville hat diese Art unter dem Namen Mantis aridifolia, Hist. nat.
des Ins. Orthopt. 178.4., mit einer ähnlichen ostindischen Art, M.ch/o-
reudeta Hagenb., verwechselt, welche Burmeister (a. a. ©. n. 24.) mit
Recht durch die deutlich gezähnelten Vorderhüften unterscheidet, mit
Unrecht aber zugleich durch die Färbung der Unterflügel: diese ist
bei beiden Arten ziemlich übereinstimmend und ändert bei beiden auf
gleiche Weise ab.
*) Gray Entomology of Australia, I. p. 28. pl. 7.f.1.— Das Weib-
chen ist etwas grösser und weniger schmächtig, hellgrün von Farbe.
Der Scheidendeckel reicht nicht bis zur Spitze des letzten Segments,
welche mit einem Paar ungegliederter, fast 2” langer, zugespitzter
Stiele besetzt ist.
Eine andere (geflügelte) vandiemensländische Art der Phasmen
Familie ist Cyphocrania Chronus Gray a. a. O.p. 26. pl.5. 1,2.
246
einzige geflügelt. Eine gehört zur Gattung Agroeeia Serv,,
von der mir sonst nur einige untereinander nahe verwandte
(vollständig geflügelte) südamericanische Arten bekannt gewor-
den sind; eine zweite zu Xiphidium, einer in zwar nicht
zahlreichen, doch in unter einander sehr übereinstimmenden
Arten über alle Theile der Welt verbreiteten Form; beide
haben kurze Deckenstummel; die dritte ist eine völlig unge-
flügelte Art der sonst nur über Ostindien in geflügelten Arten
verbreiteten Gattung G@ryllacris Serv.
Die Form der Maulwurfsgrille (Gryllotalpa) ist
in verschiedenen Arten über die ganze Erde verbreitet. Eine
aus Vandiemensland eingesandte Art zeigt, dass sie auch in
Neuholland zwar in völlig entsprechender Weise sich wieder-
findet, aber hier doch einer Eigenthümlichkeit nicht ganz ent-
behrt. Es fehlen nämlich dem Männchen die Unterflügel.
Die Familie der Acridier besitzt in Vandiemensland
Repräsentanten der verschiedenen Formen. Eine Art von
Truzxzalis und eine von Mesops sind beide durchaus unge-
flügelt, eine von Acräidium hat Deckenrudimente, ein Cal-
liptamus hat vollkommen ausgebildete, wenn auch im Ver-
hältniss zur Körpermasse nur kurze Flügel. Eine Tetrix
endlich gehört zu den Arten, wo, wie bei unsrer T. bimacu-
lata, das Halsschild den Hinterleib nicht überragt und die Flü-
gel noch kürzer sind.
Dies sind die Orthoptera im frühern Sinne; von den die-
ser Ordnung sich »anschliessenden Neuropteren' mit der Me-
tamorphose und den Mundtheilen der Orthopteren, ist uns bis
Jetzt nichts zugegangen als eine Termite, welche mir mit
der americanischen Termes morio Fab. ‘') übereinzustimmen
scheint, und in. diesem ‚Falle wohl durch den Verkehr einge-
führt sein kann.
205. Forficula ruficeps: Nigra, nitida, capite forcipe-
que‘ rufis, pedibus testaceo-variis. — Long. (absq. for-
eipe) 53 lin.
F. aurieularia paulo minor, aptera, nigro-picea , nitida.
Antennae 14-articulatae, piceae, articulis 3 primis rufo-testa-
'") Ent Syst. 11. 90. 3.
247
ceis. Caput thorace vix latius, subdepressum, rufum. Thorax
subquadratus, antrorsum: subangustatus, basi rotundatus;, de-
pressus, laevis, lateribus marginatus, margine laterali postice
dilatato, testaceo-pellucente. Coleoptera subquadrata, plana,
laevia, lateribus marginata. Alae nullae. Abdomen confertis-
sime subtiliter punctulatum; segmentum ultimum ante apicem
leviter impressum, apice in mare processu inter forcipem por-
recto rufo instructum; foreipe rufa, maris 'paulo longiore
graeilioreque, brachiis distantibus, feminae brachiis approxima-
tis, in utroque sexu subreetis, apice introrsum curvatis, de-
cussatis. Pedes nigri, femoribus apice, tibiis tarsisque Juteis,
tibiis annulo fusco.
206. Forficula paecifica: Aptera, supra nigra, infra
picea, pectore pedibusque testaceis, forcipe brevi,
brachiis maris distantibus, feminae approximatis. —
Long. corp. absq. foreipe 5,lin,, foreipis # lin.
F. aurieuluria dimidio minor, aptera, elytris alisque
ommnino nullis.. Antennae 14-articulatae, piceae. Palpi piceo-
testacei. Caput thorace vix latius, breviter subovatum, parce
sparsim punetatum. Prothorax latitudine baseos haud brevior,
antrorsum angustatus, basi apiceque truncatus, angulis poste-
rioribus rotundatis, lateribus reetis, subtiliter marginatus, mar-
gine summo testaceo. Meso- et metathorax transversi, laeves
ille postice truncatus, hie Jate emarginatus. Abdomen punetu-
latumı, spatio inter foreipem retuso. Forceps brevis, maris
brächiis distantibus, eurvatis, apice eonniventibus, summa basi
superne dentatis, feminae approximatis, rectis, apice leviter
eurvato decussatis. Peetus testaceum. Pedes testacei.
Variat thorace supra piceo-testaceo.
207. Periplaneta melanaria: Aptera, nigra, nitida, an-
tennis tarsisque piceis, coxis posterioribus flavo-mar-
ginatis. — Long. 13 lin.
Statura omnino P, orientalis, in utroque sexu omnino
aptera, absque elytrorum alarumque rudimentis, depressa, ni-
gra, nitida, ventre medio piceo. Antennae piceae. Prothorax
margine laterali nonnunquam obscure rufo-piceo. Abdominis
248
segmenta lateribus dente 'sensim acutiore 'terminata: 'Coxae
posteriores flavo-marginatae. Tarsi picei.
208. Periplaneta atrata: Aptera, nigra, nitida, thoracis
margine, tibiis apice tarsisque rufis, coxis posteriori-
bus flavo-marginatis. — Long, 11 lin,
Praecedenti simillima, dimidio ' minor, depressa, nigra,
nitida. Antennae ferrugineae, basi nigricantes. "Thorax lateri-
bus: distinete castaneo-marginatus. Coxae posteriores‘ flavo-
marginatae. Tibiae apice late sanguineae, tarsi toti rufo-testa-
cei. 'Venter disco casteneo.
209. Periplaneta aterrima: Aptera, nigra, nitida, an-
tennis ferrugineis. — Long. 7 lin.
Praecedentibus simillima, praecedente duplo minor, nigra,
nitida. Antennae ferrugineae. Thorax et coxae posteriores
margine concolores. Venter concolor. Tarsi apice picei.
210. Blatta marcida: Pallida, thoracis disco testaceo-
nebuloso, abdomine piceo, margine pallido , tegmini-
bus folii instar venosis, interstitiis fuscis. — Long.
5 lin.
Pallide lutescens, nitidula. Caput fascia frontali infuscata.
Thorax disco testaceo-consperso. Tegmina I«tiuscula, folii
instar nervosis, nervo principali longitudinali _submedio , se-
eundariis utrinque oblique ad marginem excurrentibus crebris,
parallelis, reticulo ramulorun anastomizantium iunetis , nervis
pallidis, interstitiis (praeter marginem lateralem) fuseis. Abdo-
men piceum , margine determinate luteo,
211. Blatta trivittata: Aptera, lutea, vittis tribus ni-
gris postice fusis, intermedia antice obliterata, —
Long. 4—5 lin.
Antennae testaceae, apice‘ fuscescentes. Caput luteum,
nigerrimo-signatum. Thorax luteus, prothorace vittis 2, meso-
et metathorace 3 nigerrimis, intermedia angustiore. Abdomen
nigrum, nitidum, margine omni maculisque binis dorsalibus
segmentorum anteriorum Juteis. Styli anales basi nigri, apice
lutei. Pedes Jutei,, tibiis apice nigris.
249
Beide Geschlechter ohne Spuren von Flügel und Flügel-
decken, wie Bl. decipiens Germ.
212. Agroecia lateralis: Aptera, testacea, punctis albi-
dis conspersa, vitta fusca eineta. — Long. 12 lin.
Elongata, testacea, nitida, punctis albidis conspersa. Ca-
put acumine frontali minuto, subdeflexo, vitta fusca oculos
et antennarum basin ambiente. Thorax depressiusculus, utrin-
que vitta Jongitudinali fusca. Tegmina brevissima, abdominis
primum segmentum haud superantia, confertim reticulata.
Abdomen vitta laterali indeterminata fusca. Terebra abdomine
quarta parte brevior, valida, compressa, recurva. (Fem.)
213. Xiphidium bilineatum: Apterum, pallidum, verti-
eis vitta thoracisque lineis duabus fuscis, tegminibus
abdomine brevioribus. — Long. 6 lin.
X. fusco aequale, pallidum, vivum forte pallide viride.
Vertex vitta longitudinali fusca. Thorax lineis duabus tenui-
bus fuseis, extus albido - terminatis. Tegmina abdomen dimi-
dium haud superantia, pellucida, nervo costali fusco, tympano
vesiculari. (Mas.)
214. Gryllacris ambulans: Aptera, testacea. — Long.
12 lin.
Omnino aptera, rudimentis etiam alarım tegminumque
nullis, tota testacea, prothorace immaculato, segmentis reliquis
apice fuscescentibus.' Antennae maris longissimae, feminae
corpore duplo prope longiores. Terebra feminae abdomine
paulo brevior, leviter recurva.
215. Gryllotalpa australis: Tibiis anticis 4-palmatis,
postieis postice 4-spinosis, testacea, tegminibus -ab-
domen dimidium haud superantibus, fuseis, venis ni-
gricantibus. — Long. 13 lin.
Gr. vulgari triplo minor, testacea, capite supra fusco,
thorace fuscescente, velutino. Tegmina abdomen dimidium haud
superantia, fusca, venis nigris, maris tympano. sat distincto.
250
Alae feminae complicatae, 'abdomen vix 'superantes,' maris
nullae. Üerei thorace paulo longiores,
Mare aptero prae ceteris distincta.
216. Truzxalis viatica: Aptera, viridis, vitta dorsali
fusco-testacea, thorace dorso ruguloso, tricarinato.
— Long. 10 lin.
Minor. Antennae capite paulo breviores, ensiformes, tri-
quetrae, fusco-testaceae. Corpus viride, vitta lata dorsali fu-
sco-testacea. Caput haud elevatum, vertice prothoracis lon-
gitudine, utrinque leviter canaliculato, prominentia ante oculos
oculorum longitudine, apice rotundata, supra subtiliter cari-
nata. Thorax segmentis omnibus supra rugulosis, tricarinatis.
Tegminum et alarum vestigia nulla. Abdomen compressum.
Prosternum muticum. Tarsi unguiculis paryis, onychio sat di-
stineto brevioribus.
Die Consistenz der Hornschale des Körpers und die voll-
kommen ausgebildeten Geschlechtsorgane, welche am Hinter-
rande des Körpers sichtbar sind, lassen nicht daran zweifeln,
dass dies ein vollkommen ausgebildetes Insect ist. Es steht
zwischen den eigentlichen Truxalis und Pyrgomorpha Serv. in
der Mitte, indem es mit ersteren die Form, mit letzteren
die Kürze der Fühler und den nicht aufsteigenden Kopf ge-
mein hat.
217. Mesops pedestis: Apterus, testaceus, capitis thora-
eisque vitta laterali albidis, femoribus postieis intus
rubris, tibiis posticis glaueis basi rubris. — Long.
maris ultra 4, fem. prope 2 une.
Tab. V. Fig. 10.
Apterus in utroque sexu, testaceus, monnunquam infra
et femoribus postieis facie exteriore virescentibus, forte vivus
omnino viridis. Antennae testaceae, ensiformes. Caput for-
titer antrorsum productum, vitta pone oculos laterali albida.
Thorax vitta laterali albida. Tegminum et alarum vestigia nulla,
Abdomen compressum. Pedes antici brevissimi, postici femo-
ribus'intus rubris, tibiis glaueis, basi rubris, tarsis pallidis.
Mas femina plus duplo minor, abdomine spina infra-anali
longiore, sensim acuminata, supra concava hastato. (Fig. 10«.)
251
Eine ähnliche Bildung zeigt das Männchen‘einer 'unbe-
schriebenen arabischen Art, vermuthlich kommt sie der ganzen
Gattung zu (von M. abbreviata« und graeilis habe ich in der
hiesigen Sammlung nur weibliche Exemplare vor mir.) Die
von Burmeister hierher gezogenen Americaner (M. dorsalisB.)
zeigen diese Geschlechtsauszeichnung zwar nicht, weichen aber
auch in andern Stücken ab, so dass Serville 'sie mit ‘Opso-
mala vereinigte (z. B. O. filiformis Serv.); sie werden aber
wohl eine eigene Gattung bilden müssen. Auf diese Weise
bleibt Mesops eine Form, welche Africa (dessen Fauna nach
Arabien übergreift) und Australien gemeinschaftlich besitzen.
218. Acridium ambulans: Apterum, fuscum, thorace
utringue vitta albida, nigro - cincta, tegminibus abbre-
viatis, vitta albida, tibiis postieis rubris, annulo pone
basin pallido. — Long. 7 lin.
Supra fuscum, infra flavicans. Antennae pallide testaceae,
apice fuscescentes. Thorax subtiliter tricarinatus, utringue Vitta
obliqua albida, nigro-cineta. Tegmina in utroque sexu ab-
breviata, thorace haud longiora, acuminata, vitta dorsalı albida.
Alae nullae. Pedes postiei femoribus infra rubricantibus, su-
pra macula nigra fasciaque obsoleta fusca; tibiis rubris, fascia
pone basin pallida; tarsis albidis, nigro - varüs.
Variat tegminum thoracisque vittis obsoletis.
219. Calliptamus baiulus: Testaceus, fusco-marmora-
tus, thorace granoso, tricarinato, alis basi albidis,
tibiis rubris, annulo infra basin pallido. — Long.
15 lin.
Robustus, testaceus, nigro-marmoratus. Antennae testa-
ceae, Thorax granulato-rugosus, dorso tricarinatus, Carina
intermedia elevatiore. Tegmina abdomine breviora, grisea,
fusco-maculata. Alae hyalinae, apice griseo-venosa, basi in-
teriore alba. Pedes femoribus posticis infra nigris, interne
nigro-bifasciatis, tibiis rubris, basi interne nigris, dein an-
nulo pallido cincta; tarsis rubris. (Kem.)
220. Teirix argillacea: Thorace abdomen haud super-
ante rugoso, carinato, alis abdomine brevioribus, —
Long. 33 lin.
252
T. bipunctatae proxima, at paulo minor, infra, obscure
fusca, vertice, thorace femorumque posticorum facie exteriore
pallide griseis, unicoloribus. _Carinae frontalis pars superior
bifida grisea. Vertex inaequalis, carinatus. Thorax abdomen
_ haud excedens, longitudinaliter rugulosum, carinatum. Teg-
mina ovalia, punctata. Alae thoracis apicem haud attingentes,
abdomine breviora. Tibiae griseo -fuscoque annulati.
Neuroptera
Über die vandiemensländische Fauna dieser Ordnung habe
ich. zur Zeit nichts zu bemerken; nur aus der Familie der
Panorpaten ist eine einzige Art der über alle wärmeren
Theile der Erde verbreiteten Gattung Biftacus, B. australis
Klug') eingesandt worden; und aus den umfangreicheren Fa-
milien der Hemerobier und Phryganeen liegen gar keine
Repräsentanten vor. Es werden aber weder die überall vor-
kommenden Gattungen Myrmeleon und Hemerobius, noch in
einem so wasserreichen Lande die Phryganeen fehlen, deren
Kenntniss späteren Forschungen vorbehalten bleiben muss.
Hymenoptera.
In der neuholländischen Fauna dieser Ordnung bieten sich
einige bemerkenswerthe Verhältnisse dar. Die unmittelbar auf
die Vegetation angewiesenen Blattwespen (Tenthredinetae)
treten in so eigenthümlichen und zum Theil ausgezeichneten
Formen (wie Perga, Pterygophorus) auf, als es ihre Nahrungs-
pflanzen (wie Eucalyptus) in der Flora sind. Dagegen zeigen
die parasitisch oder vom Raube lebenden Hymenopteren we-
nig Besonderes. Von den ersteren stimmen die lchneumonen
und Braconen sehr mit denen unserer Fauna überein, ohne
dass inzwischen einzelne eigenthümliche Formen ganz ausge-
schlossen wären (Megalyra Westw., Trachypetus Guer.). ‚Die
!)Abhandl. d. Königl. Akad, d. Wissensch. zu Berlin a. d. J. 1836.
S. 100. N. 11. Fig. 7.
F
|
253
Chaleiditen und Oxyuren, deren Walker !) eine grosse
Anzahl von Darwin bei Hobart Town gesammelter Arten be-
schreibt, gehören sämmtlich europäischen Gattungen an, Un-
ter den raubenden Aculeaten nehmen die mit ungeflügelten
Weibchen einen ausgedehnteren Platz ein als in jeder ande-
ren Fauna, und wenn Südamerica vielleicht an Artenzahl in
dieser Abtheilung jenem Welttheil bei seinem Reichthum an
Mutillen und dem Besitz einer artenreichen Familie von Thyn-
nus nahe kommen möchte, so ist sie in Neuholland nicht nur
bei dem Zurücktreten anderer Familien für die Fauna von
grösserer Bedeutung, sondern sie hat auch eine grössere Man-
nigfaltigkeit der Formen voraus. Hier ist es hauptsächlich,
wo Neuholland neben den Tenthredineten eigenthümliche For-
men besitzt. Die übrigen Raubwespen (Sphex L.) zeigen we-
nig. Ausgezeichnetes und gehören meist überall verbreiteten
Gattungen (Sphex, Pelopoeus, Pompilus, Scolia, Bembex etc.)
an. Von eigentlichen Wespen besitzt Neuholland zwar aus-
gezeichnete Arten, aber mit wenig Ausnahmen weit verbreiteten
Gattungen (Polistes , Eumenes, Odynerus) angehörend. Unter
den Bienen sind die Andreneten überwiegend, die Gat-
tung Prosopis auch in der Grösse und Färbung der Arten
ausgezeichnet, und während die Arten der Gattungen Hylaeus
und Andrena grosse Übereinstimmung mit den europäischen
zeigen, schliessen sich die der übrigen Bienen (Apiariae)
grösstentheils ostindischen (Xylocopa, Anthophora , Megilla),
seltener (Xylocopa bombylans) americanischen nahe an, ‘Im
Allgemeinen scheint in Neuholland die Familie der Bienen
sehr untergeordnet zu sein, und diese Beschränkung der vor-
zugsweise honigsaugenden Insecten ist um so auflallender
in einem Welttheil, wo die Blüthen äusserst nectarreich sind,
und die ornithologische Fauna sich durch das Überwiegen
der honigsaugenden Vögel auszeichnet, welche hier selbst
grössere Singvögel und Papageien in sich begreifen. — Wenn
die gesellschaftlichen unter den Bienen als einheimisch ganz
fehlen, und sie bei den Wespen sich auf wenige Arten von
Polistes beschränken, Verhältnisse, welche nur in Südafrica
*) Monographia Chaleiditum, Vol. Il. (Species collected by C.
Darwin. Esq.) London 1839
254
in ähnlicher Weise sich wiederfinden — denn Südameriea hat
zum Ersatz für die der nördlichen Hemisphäre und Ostindien
eigenthümlichg Gattung Vespa seine zahlreichen Polistes, und
während Bombus nur Africa und Neuholland fehlt, hat das
tropische Africa und Asien mit Südamerica Melipona gemein —
nehmen die Ameisen, deren zusammengesetztere Oeconomie
sie für" alle Zonen gleich geschickt macht, einen gleichen Rang
wie überall in’der neuholländischen Fauna ein, und sind zum
Theil ‘durch 'eigenthümliche Formen ausgezeichnet.
Unsre Sendungen aus Vandiemensland haben keineTenthre-
dineten enthalten. Unter den Ichneumonen befanden sich
Pimpla intricatoria ‘), drei Arten von Ichneumon, welche
zum Theil viel Uebereinstimmung mit europäischen Arten zei-
gen, em Cryptus (Phygadeuon), in der Form durchaus
nicht, aber in der bunten Färbung bemerkbar, endlich ein un-
serem O. luteus ähnlicher Opkior *). Unter den Braco-
niden ein Helcon, von der Form, aber nicht von der Fär-
bung der europäischen Arten, Die Evaniales enthielten den
Aulacus rufus Westwood °®) und’ bereicherten die Gattung
Megalyra mit einer zweiten Art. — Gallicolen, Chal-
eiditen, Oxyuren'und Chrysiden haben sich nicht ge-
funden. — Unter den Ameisen sind '4 neue Arten von For-
mica, eine europäischen, eine ostindischen Formen sich an-
sehliessend, zwar durch die Kopfform ausgezeichnet; ferner
Myrmeecia forficata Fab.*) und eine neue, darch'die Ge-
stalt der Mandibeln an Myrmecia, durch ungewölinlich kleine
Augen ausgezeichnete Poneren-Form Amblyopone aufzufüh-
'") Cryptus intricatorius F ab. Syst. Piez. 77. 25.
®) Zahlreiche, dem O. luteus ähnliche Arten sind überall verbrei-
tet, doch bei aller Ähnlichkeit wohl unterschieden. Bei der grossen
Übereinstimmung im Habitus und der allgemeinen Färbung ist es
wohl 'erklärlich, ‘wenn man sie früher alle zusammenwarf, ‘wie Fa-
brieius (Syst. Piez. pag. 130.): „Habitat in: Europae larvis, in Nova
Zelandia, Hollandia, Mus. Dom. Banks“,
®) Annals and Magaz. of nat. hist, Vol. VIL ‚p. 538.
Auch wird ebendaselbst eine Evania Tasmanica aus Vandie-
mensland aufgeführt.
‚ +#) Syst. Piez. 424. 3.
255
ren. Von raubenden Aculeaten sind Mutilla Austral-
asiae Fab.') und 2 neue Arten derselben Gattung, Diamma
bicolor Westwood ?) und 5 Thynnusformen. eingesandt wor-
den. Die erste derselben, welche nach Klug’s meisterhafter
Eintheilung *) in die erste Abtheilung von TAynnws gehört,
ist uns in beiden Geschlechtern zugegangen, und da das Weib-
chen derselben schon von Olivier *) aufgeführt ist, unten als
Th. Olivieri genauer beschrieben; die zweite und dritte sind
neue Arten der dritten Abtheilung Klug's (Ahagigaster Guer.)
und die vierte gehört vermuthlich als. Weibchen in dieselbe
Abtheilung. . Die fünfte, nur in einem‘ einzelnen’ weiblichen
Exemplare vorliegend, bildet eine eigene Gattung Ariphron.
— Von übrigen raubenden und grabenden Aculeaten ist nur
eine neue Bembex vorhanden. Auch die. ganze Familie der
Wespen hat nur eine Art, einen durch Grösse und Färbung
ausgezeichneten Odynerus, von. Fabrieius als Vespa ephip-
pium beschrieben ®), enthalten. Die Bienen beschränken sich
auf einige Andreneten,, nämlich. eine Prosopis, einen Ay-
laeus und zwei Andrena. ‚Von ‚eigentlichen Apiarien wit
verlängerter Zunge hat sich keine einzige Art gefunden,
221. Ichneumon petitorius: Rufo-testaceus,\ scutello
apice flavo, abdominis petiolo nigro, ‚antennis apice
subinerassatis. — Long. 54 lin.
Antennae. testaceae, apicem. versus | sensim.leniterque in-
orassatae. Caput subtiliter punetatum, testaceum, orbitis .in-
ternis flavis. Thorax subtiliter punetatissimus, ‚subtilissime ‚pu-
bescens, rufo-ferrugineus, opaeus, ‚scutello. postseutelloque
flavis, ‘puncto ante alas, puncto ‚sub alis, ‚sutura inter imeso-
et metathoracem , puneto super ‚coxas. intermedias ‚et posticas
spinulisque netathoraeis albidis. Abdomen: laeye,. nitidum,
') Syst. Piez. 433. 25. )
?) Proceel. Zool. Soc. 1835. pag.53,— Guer. Voyage de la Co-
quille. Zool. U. U, p. 234.
_._) Abhandl. der Königl. Akademie der Wissensch. zu Berlin a.
d. J. 1840.
*) Myzine aptera Oliv. Encyel. meth. Ins. VIIL 137.7. — Thyn-
aus apterus Gu er. Voyage d. 1. Coquille, Zool! 11. U. p- 230,
?) Syst, Piez. 254. 3.
256
rufo-testacei, postici validiores, tarsorum articulo ultimo un-
guiculisgque robustis, nigris, onychio 'cylindrico, coriaceo,
elongato. Alae hyalinae, stigmate nervisque nigris.
222, /chneumon licitatorius: Niger, thorace scutello-
que puncto singulo, abdominis segmento 1.,3.,4. pun-
etis binis albis, antennis pedibusque rufis. — Long
7 lin.
Statura 1. sugillatorüi, niger, nitidus. Antennae palpique
testaceo-rufi. Caput macula orbitali, clypeo mandibulisque
castaneis. Thorax subtiliter punctatus, puncto medio meso-
thoraeis et scutelli punetuloque utringue sub alarum antiea-
rum basi albis. Metathorax subtilissime rugulosus, in areas 4
divisa, areis tribus superioribus, intermedia minore, “quarta
totam faciem posteriorem oceupante, utrinque denticulo ter-
minata; lateribus puncto minuto albo notatus. Abdomen seg-
mento 2, subtiliter confertissimeque, 3. subtilissime punctato,
reliquis laevibus, 1., 3. et 4. apice punctis binis minutis nota-
tis. Pedes rufi, coxis trochanteribusque nigris. Alae hyalinae,
squama picea, stigmate nervisque nigris.
223. Ichneumon promissorius: Niger, scutello albo,
abdomine medio rufo, postice albo-eingulato, pedibus
rufis, postieis nigro-geniculatis. — Long. 6 lin.
Statura omnino I. sarcitorii, niger, nitidulus, capite tho-
raceque dense subtilius punetatis, subtiliter einereo-pubescen-
tibus. Punctum sub alarum ant. basi et scutellum ‘alba.
Metathorax punctato-rugulosus, lineis elevatis in areas 4 divi-
sus, 1 utrinque laterali, oblonga, postice acuminata, 2 inter-
mediis, anteriore minore, subquadrata, posteriore magna,
quinquangulari, metathoracis partem declivem subimpressam
occupante. Abdomen subtiliter confertim punctatum. Pedes
rufi, coxis trochanteribusque nigris, postiei femoribus tibiis-
que apice nigricantibus. Alae fusco-hyalinae, stigmate testaceo.
Mas. Antennae rufae, supra obscuriores, articulis 2 pri-
mis nigris, primo intus albido. Caput fronte macula utrinque
orbitali punctisque 2 minutis sub antennis, clypeo punctis 2
flavescenti-albis. Metathorax areis lateralibus macula apicali
alba notatis. Abdomen segmento 2. rufo, immaculato, 3. rufo, ,
! 257
ambitu-obseurato,, apiee (albo-fasciato, sequentibus nigris, 4.
faseia media ‚subinterrupta,. 5. macula laterali ‚6. fascia_inte-
gra apicalibus, 7. lateribus. albis. Coxae omnes albo -notatae;
Tarsi postiei fusei, basi testacei.., Alarum squamula ‚alba.
Fem. Antennae nigrae annulo albo. Caput immaculatum,
palpis rufis. Alarum squamula nigra. Abdomen segmento 2.
solo rufo, 3. fascia subinterrupta, A“ fascia integra apicalibus
albis.
224. Oryptus (Phygadeuon) variegator: Rufo- nigro-
que varius, antennarum annulo, facie, frontis verti-
eisque maculis binis, prothoracis margine, scutello
trochanteribusque sulphureis. (Fem.) — Long. 3% Tin:
Statura fere Cr. (Ph.) brevis. Antennae ad, medium usque
testaceae, apice fusco-nigro. Caput subtiliter punctatum,,infra
antennarum basin, sulphureum, fronte, verticeque castaneo-rufis,
medio nigricantibus, utringue maculis duabus, sulphureis. nota-
tis. - Thorax dorso' castaneo-rufus, nigro- cinetus, lateribus ‚et
postice niger, rufo -maculatus, prothoraeis ‚margine,posteriore
(linea ante alas), Jineola sub. alis sceutelloque sulphureis; dense
subtilitergue punctatus, metathorace lineis elevatis areolato,
äreis intermediis 3, prima subquadrata, 'parva, 2. hexagona,
antice angustata, 3. oblonga, in parte deelivi sita, lateribus
utringue 3, primis duobus trapezoideis, 3. angusta, acuminata,
in parte declivi sita; omnibus sublaevibus vel obsolete rugulosis,
Abdomen laeve, segmentis 2, primis rufo-testäceis, 1. petiolo,
2. macula, media nigris, reliquis nigris, apice exolete testaceis;
ultimo luteo, Aculeus abdomine quadruplo. brevior,, rufus,
apice nigro. Pedes breves, erassiusculi, anteriores rufo-testa-
eei, coxis trochanteribusque sulphureis, postiei coxis femori-
busque nigris, trochanteribus sulphureis, tarsis tibiisque testa-
ceis, his apice nigris. Alae fusco-hyalinae, stigmate piceo.
225. Ophion fuscicornis: Testaceus, antennis nigrican-
tibus, vertieis macula nigra. — Long. 74 lin.
,Statura fere O.obseuri F., testaceus, nitidus, subtilissime
cinereo-pubescens, Antennae fusco -nigrae, ‚basin versus, di-
Iutiores, hasi testacene,., Caput facie orbitisque ‚oeulprum-ext
terioribus flavis, ‚vertieis imacula. inter- ocellos nigra., Thorax,
Archiv f, Naturgesch, VIII, Jahrg. 1, Bd. 17
258
abdomen, pedes immaculata. Alae hyalinae, radio nervisque
nigris, stigmate füsco-testaceo, intus nigro- marginato; cel-
Iula interiore puncto antice nigricante, postice in lineam te-
nuem arcuatam abeunte notata.
226. Helcon indultor: Rufus, antennis albido-annulatis,
eapite, thoracis maculis pectorali dorsalibusque. nigris,
tibiis postieis testaceis apice, tarsis postieis albidis
basi apiceque nigris. — Long. 5 lin.
Statura. H. tardatoris. Antennae nigrae, articulis 14.—24,
flavicanti-albis. Caput nigrum, palpis testaceis. Thorax rufus,
prothoracis dorso, mesothoraeis tuberibus, scutelli basi pecto-
risque medio nigris. Abdomen rufum, nitidum, laevigatum,
segmento primo basi punctato-ruguloso bicärinatoque, se-
cundo longiore, medio utringue obsolete transversim sulcato.
Terebra longitudine fere thoracis abdominisque, nigra. Pedes
rufi, tibiis tarsisque testaceis, tibiis postieis apice late nigris,
tarsis postieis albido-flavescentibus, articulo primo quintoque
nieris. Femora postica minus inerassata, mutica. Alae hya-
linae, stigmate nigro, nervis piceis,
227. Megalyra rufipes: Nigra, pelibus rufis, alis antieis
faseia fusca, — Long. corp. 54, acul. 18 lin.
Nigra.- Antennae tenues, 44-artieulatae, articulo 'primo
erassiusculo, nigrae, artieulo tertio infra ferrugineo. Caput
punetatissimum, albido-puberulum. Thorax punctatissimus,.al-
bido-puberulus, prothorace vittis duabus, mesothorace plaga
media obsoletis sanguineis. Abdomen laeve, pareius albido-
puberulum. Aculeus corpore plus triplo longior, Pedes albo-
puberuli, rufi, coxis trochanteribusque'nigris. Alae hyalinae,
apice infuscatae, anticae fascia transversali fusca,
228. Formica consobrina: Nigra, nitida, capite opaco,
thoraeis lateribus pedibusque ferrugineis, «(Eem.) —
Long. 6 lin.
F. herculeanae proxima. Antennae piceae, scapo nigro.
Caput thorace'vix latius, nigrum, supra opacum, parce subti-
liter 'obsoleteque punctatam, fronte medio tenuiter canalieu-
lata, inter antennas bicarinata, carinis leviter areuatis, mandi-
259
bulis palpisque nigris. Thorax oblongus, subcompressus,
glaber, dorso punetis raris nofato pectorisque macula ni-
gris, lateribus ferrugineis. Squama subovata, äntice posti-
ceque plana, ferruginea. Abdomen parce subtiliterque pun-
etatum, parce pilosum, nigrum, nitidum, basi antica ferrugi-
nea, Pedes toti ferruginei. Alae, fuscae, stigmate nervisque
testaceis, anticae cellulis cubitalibus: 2, discoidali nulla.
Differt a F. herculeana statura minore, capite opaco, ore
nigro,. thorace magis oblongo,. metathorace dorso nigro, ab-
domine parce punetulato, pedibus totis rufis.
229. Formiea macrocephala: Fusca, einereo-sericea,
eapite elongato, basi emarginato, testaceo, pedibus
pallidis. (Fem.) — Long. 5 lin.
F. cylindrieae Latr. affınis videtur, fusca, pube subtilissima
grisea sericea. Caput thorace latius, oblongum, lateribus rectis,
basi emarginata, angulis posterioribus sat prominentibus,
omnium subtilissime punctatum, rufo-testaceum. Thorax an-
gustus, compressus, infra testaceus. .Squama parva, humilis,
apice subemarginata. Abdomen oblongum, sat magnum, dorso
subdepressum. Pedes pallide testacei. Alae elongatae, hya-
linae, stigmate fusco, nervis pallidis, anticae cellulis cubitali-
bus tribus, discoidali singula.
230. Formica procidua: Nigra, subtilissime einereo-pu-
bescens, capite subquadrato, basi emarginato, squama
parva, rotundata, antennis tarsisque fuscis. (Fem.) —
Long. 3% lin.
Nigra, nitida, pube subtilissima einerea canescens. An-
tennae breviores, scapo fusco-piceo, flagello piceo -testaceo.
Caput thorace vix latius, subquadratum, apice emarginatum,
fronte leviter convexa, omnium subtilissime punetulata, man-
dibulis piceis. Thorax subcompressus, omnium subtilissime
punetulatus. Abdomen oblongo-ovatum, squama parva, inte-
gra, apice rotundata, Pedes nigri, tarsis apice piceis. Alae
sat elongatae, hyalinae, stigmate fusco -testaceo‘, nervis' luteis,
anticae cellulis eubitalibus tribus, discoidali singula.
2
260
231. Formica hexacantha: Nigra, opaca, thorace, antice
bidentato, postice bispinoso, squama,4-spinosa, (Are)
— Long. 34 lin. j
Nigra, 'opaca, capite thoraceque omnium sabtilissihte ‚con-
fertissimeque 'punctatis. ' Antennae elongatae. Capüt rotunda-
tum, fronte convexa, inter antennas elevata bicarinataque.
Thorax 'compressus, basin versus angustatus, dorso plano,
marginato, antice utringue acute dentato, postice bispinosus.
Squama 4-spinosa, spinis exterioribus longioribus, divergenti-
bus. Abdomen laeve, opacum, pube .omnium subtilissima bre-
vissimaque parce adspersum. Pedes nigro-picei.
Femina operariae magnitudine aequalis, capite thoraeeque
subtiliter confertissimeque strigosis, thorace toroso,, prothorace
utringue angulato, metathorace bidentato, dentibus planis,
marginatis. Squama 4-dentata. Abdomen nitidiusculum. Alae
fuscae, stigmate nervisque piceis, anticae cellulis eubitalibus 2
discoidali nulla,
KRAXIV Amblyopone
Fam. Formicariae.
Tab. V, Fig. 7
Operaria. Antennae 11-articulatae, apicem verus \sensim
leviterque incrassatae, art. ultimo ovato, acuminato.
Mandibulae rectae, tenues, medio. apieeque denti-
eulis nonnullis acutis armatae. Oculi laterales, or-
biculares, minimi, depressi, Ocelli nulli. Abdomen
aculeatum, nodosum, nodo subquadrato-rotundato,
a segmento insequenti haud remoto, segmentis 2,
et 3. sat magnis, basi 'coärctatis. Pedes‘ validiu-
seuli, tibiis interne 'leniter incrassatis. Unguiculi
simplices. 1. u
Es ist diese kleine Ameisenform zwar. unverkennbar‘ ein
Mitglied der Poneren-Familie,, ‚sie hat dabei’ aber ‚eine''merk-
würdige , Uebereinstimmung mit -Myrmeeia ‚E,..in ‚der. Bil-
dung | der. -Mandibeln. ‚Die Augen liegen hinter . der Mitte
des Kopfes, sind sehr: klein, ‚wie Ocellen,, aber. doch, zusam=
mengesetzt. Der Hinterleibsknoten ist vom zweiten Segment
261
nicht abgesetzt, sondern schliesst sich mit seiner ganzen Breite
an dasselbe, so dass es nur dadurch abgesetzt erscheint, dass
dieses ‚an. seiner: Basis etwas eingezogen ist. Dieselbe Form
hat das 3. Segment, erscheint also ebenfalls vom. 2. abgesetzt.
Die übrigen 3 Segmente nehmen nur die ‚Spitze des. Hinter-
leibes ein.
232. Amblyopone australis: Ferruginea, nitida, pilo-
sella, capite abdominisque medio piceis. — Long. 3].
Caput sat magnum, rufo-piceum, nitidum, parce pilosu-
lum,; fronte'parce punctata, antice medio;canaliculata, utrinque
oblique strigosa, dein. subtiliter rugulosa.- ‚Mandibulae ‚longi-
tudinaliter strigosae, ferrugineae. ‚Antennae ferrugineae. ‚Tho-
rax elongatus, ferrugineus, nitidus, parce pilosellus, prothorace
subgloboso, dorso depressiusculo, medio laevi, utrinque erebre
punetato, mesothorace minimo, metathorace oblongo, parallelo,
parce obsoleteque punctato, supra planato, postice oblique
declivi. Abdomen ferrugineum, segmentis 2. et 3. saepius
piceis, nitidum, pilosum, parce obsoleteque punctatum.
233. Mutilla soluta: Nigra, thorace rufo, fascia meta-
thoraceque ‚piceis, abdomine fascia baseos, macula ge-
mina plagaque ante apicem. cinereo - tomentosis., —
Long. 3 lin.
Statura omnino M. rufipedis. Antennae nigrae, flagello
infra rufo. Caput thorace paulo latius, subquadratum, con-
vexum, antice subretusum, fortiter punctatum, subrugosum,
nigrum, tenuiter albo-pubescens. Mandibulae rufae, apice pi-
ceo. Thorax subquadratus, posterius leviter angustatus, late-
ribus anterius rotundatis, leviter convexus, antice dense pun-
etatus, postice sat fortiter cancellato-rugosus, rufus, albo-
nigroque pilosus, fascia arcuata ante medium picea, metatho-
racis parte declivi obsolete punetato-rugosa, nigra. Abdomen
ovatum, convexum, dense subtilius punctatum, nigro - pube-
scens, albo-nigröque pilosum, segmento primo fasciola apicali,
secundo macula gemina apicali, quarto quintoque macula
communi dorsali oblonga einereo -tomentosis. Pedes nigri,
tarsis rufis.
262
234. Mutilla blanda: Rufa, capite maximo. abdomineque
cyaneis. (Fem.) — Long. 4 lin.
Antennae piceae, infra.obscure rufae. Caput maximum,
dense punetato-subrugosum, convexum, rotundatum, antice re-
tusum, antenna utraque sub tubereulo prominulo inserta, eya-
neum, nitidulum, supra nigro- infra albo-pilosum, infra ore
rufo. Mandibulae rufae, apice tridentatae. Thorax postice
angustatus, latitudine anteriore vix longior, supra parum con-
vexus, margine laterali crenafo, rugoso-punctatus, rufus, albo-
pilosus, metathorace macula cyanea. Abdomen breviter ova-
tum) "crebre subtiliter punetatum, cyaneum , nitidum, 'nigro-
alboque pilosum, postice' vitta longitudinali versicolore e pube
densiore, apice summo rufo. - Pedes rufi.
235. Thynnus Olivieri;
Mas: Niger, pedibus rufis, thorace supra fulvo-villoso,
abdomine supra 4-, infra bifariam flavo-maculato. —
Long. 9 lin.
Fem.: Rufa, capite,subgloboso thoraceque immaculatis,
abdomine piceo, segmentis 4.—5. 4fariam flavo-ma-
eulatis, 4. laevissimo. — Long. 7; lin,
Mas. Antennae nigrae. Caput nigrum, fulvo-pubescens,
elypeo eonvexo, antice producto, apice truncato, orbita an-
tica posticaque oculorum inferiore, macula inter antennas
strigaque minuta pone utrumque oculum flavis, elypeo linea
longitudinali antice abbreviata nigra signato. Mandibulae flavae,
apice brunneae. Thorax niger, supra fulvo-, infra albo-villo-
sulus, prothoracis margine interrupto, macula sub alis, puncto
utringue prope scutellum, maculis 2 seutelli, 3 infra scutel-
lum, intermedia transversa, plagaque antice dilatata metathora-
eis, favis. Abdomen glabrum, nitidum, nigrum, segmento 1.
supra macula magna antica, fascia interrupta dorsali macula-
que singula ventrali, 2.—5. maculis 4 dorsalibus sat magnis,
transversim positis et 2 ventralibus maximis, 6. punctis 2 vel
4 dorsalibus et 2 ventralibus flavis; spina analis breyis, sub-
tilis. Pedes rufi. Alae fulvo-hyalinae, nervis piceis.
Variat thoracis signaturis magis minusve obsoletis.
Fem. Myzine aptera Oliv. Encycel. meth. Ins. VI. 137. 7.
Thynnus apterus Guer. Voy. d. 1. Coquille Zool. I. II. p.230.
263
Das Weibchen unterscheidet sich von dem ähnlichen des
Th, variabilis durch geringere Grösse, runderen ungefleckten
Kopf, und dadurch, dass das erste Hinterleibssegment am Rande
nicht querrunzlig ist.
236. Thynnus senilis: Niger, albido-villosus, pedibus
concoloribus, clypeo flavo. (Mas.)— Long. 53—7% lin.
Th. unieolori affınis, niger, albido - villosus. Antennae
nigrae. Caput subtiliter punctato-rugosum, elypeo flavo, linea,
punectis duobus margineque apieis nigris, mandibulis flavis,
apice nigris. Thorax confertim punctatus, mesothoracis late-
ribus dilatatis. Abdomen thorace angustius, erebre subtiliter-
que punetatum, nitidum, ano utringue dentato, spina apiecali
basi dilatata, superne excavata, apice simplici, leviter recurvo.
Pedes concolores. Alae fulvo-hyalinae, nervis stigmateque
piceis. — Femina latet,
Er gehört zur dritten Unterabtheilung der Gattung nach
Klug, und würde nach Guerin ein Rhagigaster sein.
237. Thynnus fervidus: Niger, clypeo, mandibulis scu-
telloque flavis, thorace rufo-vario, abdomine pedibus-
que rufis. (Mas.) — Long. 6% lin.
Antennae nigrae, articulo primo infra obscure rufo. Ca-
put thorace paulo latius, confertissime punctatum, nigrum,
opacum, tenuiter fulvo-pubescens, antennarum basi promi-
nentia biloba obtecta. Clypeus inter mandibulas prominens,
parum convexus, apice truncatus, flavus, medio rufescens.
Mandibulae flavae. Labium, palporum labialium articulus primus
capitisque margo lateralis inferior longe griseo-barbata. Tho-
rax tenuiter cinereo-pubescens, rufo-nigroque mixtus, protho-
race laeyi, margine anteriore prominulo flayo, medio subin-
terrupto, mesothoraeis dorso bisulcato, crebre punctato, scu-
telli macula magna media postscutelloque toto flayis, metatho-
race subtiliter punetato, Abdomen parce cinereo-pilosellum,
parce obsoleteque punctatum, nitidum, laete rufum, summa
basi nigrum, spina anali minuta, basi in laminam utrinque
angulatam dilatata. Pedes testaceo-rufi. Alae hyalinae, mar-
gine leviter infuscato, stigmate neryisque piceis, subtilissime
nigro-pilosae.
264
» Femindlatet’ 1Ov nom I EL LIEL. ZU.
Er gehört zu derselben Unterabtheilune mit dem vörigeh.
Der' Körper ist’weniger behaart als bei den andern Arten, da-
gegen zeichnet ihn der Bart am ersten Lippentastergliede aus
238. Thynnus humilis: Niger, einereo-hirtellus, man-
dibulis testaceis, abdominis segmentis exolete flavo-
‚.marginatis, secundo transversim bicarinato; ‚(Fem:) —
Long. 3% lin. ,
Corpus nigrum, subnitidum. ) Antennae “'breves ‚ fusi-
formes, 'eontortae, . piceae , infra'lutescentes| ' articulo: prime
infra einereo=-barbatulo. Caputthorace latius, rotundatum, coh=
vexum ‚ dense subtilissimeque''punietatum , ‚elypeo.'brevi;, jcari-
nato, medio leviter producto,, rotundato. »Mandibulae'muticae,
testaceae, 'apice‘ fuscae,' margine 'exteriore ‚barbato, "Thorax
parvus, medio constrietus, dorso planiuseulo j'punctatus, 'ei-'
nereo-hirtellus.. Abdomen tumidulum, einereo-hirtellum, sub-
tilissime alutaceum, segmentis 5" primis margine posteriore 'bi-
sinuato, depresso,, exolete flavo, segmento 1. antice crebre
punctato, 2. transversim acute biporcato, 3,—5. medio trans-
versim fortius punctatis, 6. margine apicali producto, integro;
infra planum, maculis mediis exoletis flavis. Pedes picei, ge-
nienlis tarsisque flavescentibus. Tibiae anticae basi fortiter com-
pressae, dein tumidae. 'Unguieuli medio leviter dentati.
XXXPI Ariphron.
Fam. Spheges. Trib. Thynnidae.
Tab. V. Fig. 8, 8a.
Femina aptera. Caput maximum, oculis parvis, antieis,
haud prominulis, clypeo parvo, angusto, prominente,
apice emarginato, mandibulis maxime distantibus
arcnatis, simplieibus, imberbibus, infra canalicula-
tis, intus eoncavis. Palpi maxillares mediocres, 6-
articulati, artieulis subaequalibus. “Reliquae 'oris
partes latent. Antennae mediocres, minus crassae,
Thorax oblongus, constrietus, prothorace maiore,
Jorso utrinque impresso, mesothorace brevissimo,
lateribus produetis, et processu alae-formi atietis,
.
metäthorace basi eoaretato „"apiee’leviter -dilatato.
el Abdomen subovatum,' depressinsculum, ‘segmiento'd.
apice' profande 'sinuato, utrinque'impresso,'6.'dor:
3 sali apiee leviter bilobo , 'ventrahi 'äpice produeto
ultra segmenti dorsalis apicem prominulo.'Pedes
erassiuseuli, tibiis''posterioribus extus 'echinato-spi-
nulosis, tarsis antieis' fossoriis (extus serjatim'Se-
tosis), ee sat elongatis; mgelcalis sim-
plierbüs. )= islnotmd
Mas Jatet. - | siartl 3b NOT
„Ein Ww An, von den a bis jetzt, bekannten Formen
der Thy nnus-W em denen es zunächst verwandt ist, ‚So,
wohl im 'Habitus als in mehreren Charaeteren abweichend, so
dass ‚es unbedenklich als Typus einer eigenen und neuen Gat-
tung zu betrachten ist, Die Fühler sind zwar weder lang
noch dünn, aber bedeutend weniger kurz ‚und dick als die yon
Thynnus, _Der Kopf ist im Verhältniss zum Halsschilde ‚breit,
hinten. ‚sanft, ausgebuchtet, , mit scharfen vortretenden ‚Ecken,
nach vorn breiter werdend, vorn weit ausgebuchtet,. auf. der
Oberseite ziemlich flach, vorn mit einem Paar- sehr ‚genäherter
überragender Höcker, unter denen die Fühler eingelenkt sind.
Das Kopfschild, welches bei .Thynnus fast die ganze ‚Breite
des Kopfes einnimmt, ist hier ‚nicht breiter. als der. Zwischen-
raum zwischen den sehr genäherten Fühlern, springt in der wei-
ten Buclit, welche der Vorderrand des Kopfes'bildet, merklich
vor, ist an der Spitze ansgebuchtet, und trägt hier eine" ganz
schmale, randförmige, der Ausbuchtung des Kopfschildes fol-
gende, mit Jangen Bartwimpern besetzte Oberlippe. ' Die'Man-
dibeln, an den vortretenden Vorderecken des''Kopfes einge-
lenkt, sind einfach, sanft gebogen, "imd legen sich’mit'ihren
zugeschärften Spitzen über einander, ohne zu schliessen, Sie
haben auf der Unterseite eine fast es zur Spitze hinlaufende
Rinne, in welcher einzelne, wenig lange Haare stehen; die
Innenseite ist weiter ausgehohlt, Die innern Mundtheile sind
bei dem einzelnen Exemplar ‘versteckt ‚nur ein Maxillartaster
ist mit Mühe zu erkennen, - der von mäüssiger 'Länge, aus 6
an Länge ziemlich gleichen Gliedern zusammengesetzt erscheint,
Der Mittelleib, ist Jang ‚und schmal, die, Verhältnisse, der ein-
266
zelnen Segmente gegen einander sind ziemlich dieselben wie
bei Thynnus, die Gestalt der beiden vorderen jedoch ausge-
zeichnet. Der Prothorax hat oben ein Paar weite Gruben,
zwischen denen sich der Rücken kielförmig erhebt. Der Me-
sothorax ‚erweitert sich an den Seiten flügelförmig, und zwar
ist die hintere und obere Seite des schrägen Fortsatzes etwas
gewölbt, die untere und vordere schwach concay. Der Me-
tathorax hat dieselbe Grundform wie bei Thynnus, ist aber
länger und schmäler. Der Hinterleib ist nicht aufgetrieben,
kaum von der Breite des Kopfes; das 5. Segment ist an der
Spitze noch tiefer ausgeschnitten als bei Thynnus, hat an den
Seiten eine scharfe Kante, und oben jederseits eine weite
Grube; das sechste Segment ist nicht jäh absteigend, wie bei
Thynnus, an der Spitze ausgerandet und jederseits abgerun-
det, wodurch dieselbe zweilappig erscheint. Zwischen diesen
Lappen ragt die vorgezogene Spitze des entsprechenden un-
tern Segments ziemlich weit vor. Die Beine sind eben so
kräftig wie bei Thynnus, die Vorderschienen jedoch aussen
nicht rauh, innen der Länge nach ausgehöhlt, in der Mitte
wadenartig verdickt, an der innern Kante, noch dicht unter
der Einlenkung, mit einer Verengung. Die Klauen sind einfach.
239. Ariphron bicolor: Rufus, capite piceo, abdomine
nigro, apice rufo. — Long. 5 lin.
Antennae rufae., Caput rufo-piceum, subnitidum, supra
erebre fortiterque punetatum, fronte obscuriore antice obso-
lete canaliculata. Thorax rufus, nititus, parce pilosus, passim
punctulatus, prothorace lateribus alutaceo, . Abdomen ni-
grum, segmentis ultimis duobus rufis, parce punctatum. pilo-
sellumgue,, infra rufo-piceum. Pedes rufi.
240. Bembex furcata: Nigra, abdomine faseiis, prima
interrupta, reliquis repandis, glaueis, clypeo basi nigro,
pedibus medio tarsisque flavis. — Long. 8—9 lin.
Mas: Labro nigro, abdominis segmento 2, processu ven-
trali furcato.
Fem.: Antennarum art. 4. infra labroque flavis.
Fem. Nigra. Caput griseo-villosum. Antennae nigrae,
267
apice infra testaceae, articulo 4. flavo, supra nigro, . Clypeus
flavus, macula magna baseos biloba nigra. Labrum flavum.
Mandibulae flavae, apice piceae. Orbita anterior abbreviata,
posterior integra flavae. Thorax griseo-villosus, collaris mar-
gine interrupto scutellique puncto laterali flavis. Abdomen seg-
mento 1. griseo-villoso faseia interrupta recta, reliquis nigro--
pubescentibus, '2.—5. fascia interrupta repanda glaueis. Pe-
des flavi, femoribus basi et externe, 'tibiis plaga exteriore
apicali nigris. _Alae infuscato-hyalinae. Squama nigra,
Mas. Antennae apice curvatae subserrataeque, articulo
4. nigro, immaculato. Labrum nigrum. Clypeus niger, macula
media flava. Thorax immaculatus. Pedes tibiis anterioribus
externe totis nigris. Abdomen segmento 2. processu magno
apice furcato, 6. tubereulo apicali truncato ventralibus armato.
241. Prosopis aleyonea: Nigra, fronte striis tribus, tho-
race callo ante alas flavis, abdomine cyaneo, nitido.
(Fem.) — Long. 5 lin.
Antennae nigrae, flagello infra piceo. Caput punctatum,
nigrum, orbitis internis, puncto inter antennas:lineaque ely-
pei longitudinali flavis,. vertice nigro-, oceipite albido-pilosis.
‚Thorax niger, minus nitidus, dense subtiliter punctatus, sub-
tiliter einereo-pubescens, stigmatis prothoraciei operculo flavo,
metathorace pone postscutellum angulatim prominulo, Abdo-
men dense subtilitergque punctatum, cyaneum, nitidum, subti-
lissime albido-pubescens, apice nigro-puberulum, Pedes ni-
gri, immaculati. Alae hyalinae, neryis nigro -piceis.
Für das Männchen dieser Art halte ich eine Biene, welche
die Sammlung aus Neusüdwales erhielt, Es ist etwas grösser,
namentlich ist der Hinterleib breiter, Das ganze Gesicht unter
den Fühlern ist ‚gelb. An diesen ist das erste Glied etwas
breiter. Der Hinterleib ist deutlicher behaart, und das 3te
Segment hat unten auf jeder Seite einen spitzen zahnförmigen
Höcker. Ausserdem ist Färbung, Punctirung und die Gestalt
des Hinterrückens wie beim Weibchen. — Kirby’s Pr. eyanura*)
ist durch die Zeichnung des Gesichts und geflecktes Schild-
*) Melitta eyanura Kirby Mon, Ap. Angl. I. p. 212.
RE
chen‘ verschieden. ‘Die Sammlung besitzt noch eine dritte
neuholländische Art, welche von diesen beiden durch schwar-
zen Hinterleib abweicht. 1. -
242. HAylaeus familiaris: Niger, albido-pubescens, ab-
domine dense subtilissimeque punctato, segmentis: inter-
„umediis 'basi. albo-tomentosis, calcaribus postieis albis,
(Fem.) — Long. 23; lin.
, H. albieineto, fem., simillimus, .niger, albido-pubescens.
Antennae nigrae. Caput punctatissimum, albo-hirtum, fronte
pilis immixtis nigris, clypeo parce punctato. Thorax confer-
tissime punctatus, albido-hirtulus, metathorace truncato , facie
posteriore sublaevi. Abdomen aunys subtilissimeque Duni
segmientis margine piceis, 2. 3. 4. basi subtiliter albo-tomen-
tosis. Pedes nigri, albido-pubescentes, tarsis apice ferrugineis;
tibiae, posticae, spinis ‚terminalibus albidis. Alae, hyalinae, ner-
vis stigmateque fuscis.-
Mas latet.
243. Andrena chalybeata: Nigra, albo - villosa, «abdo-
mine chalybeo, supra glabro, tibiis postieis sarothro
intus. albo , extus ‘nigro. (Fem.) — Long. 5.lin.
Antennae nigrae. Caput nigrum, albo-villosum, vertice
nigro-hirto, ‚clypeo dense fortiterque punctato. "Thorax niger,
nitidus, parce punctatus,. undique albo - villosus. Abdomen
chalybeum, nitidum,. supra glabrum, segmento 1 parce,. reli-
quis sat crebre et subtilius lieet distinete punctatis, margine
laevi, segmento 5. fimbria nigra; infra dense albo - villosum.
Pedes nigri, albo-puberuli, postici flocculo femorumque vittis
albis, sarothro extus nigro, intus albo. Alae hyalinae, nervis
stigmateque piceis. — Mas latet.
244. Andrena infima:' Nigra, cinereo-villosula, abdo-
mine subtilissime punctulato, facie dense albo-villosa,
elypeo 'apice flavo. ‘(Mas.) — Long. 4 lin.
Nigra. Antennae nigrae, thorace vix Jongiores. Caput
thoraeis latitudine, confertissime punetatum, albido-hirtum,
infra antennas dense albo-villosum; elypeo'apice flavo. "Tho-
269
rax. dorso crebre ‚punetatus, supra griseo-, infra -albo-hirtellus.
Abdomen albido-pubescens, ‚ovatum, subtilissime. punetulatum,
segmento; primo ceterum'laevi, reliquis torulosis,omnium sub-
tilissime ‚alutaceis, ano . pallescente,, pallido - puberulo...‚;Pedes
nigri, ‚albido -puberuli, ‚tarsis; apice | testaceis. — Femina latet.
Diptera
‚Die Dipteren ‚Neuhollands ‚sind noch zu‘ mangelhaft ‚be-
kannt, (als dass''sich'' eine,' wenn auch nur’ ungefähre: Darstel-
lung des Characters dieses Theils der Fauna geben liesse. An
eizenthümliehen Formen fehlt es nicht, namentlich besitzen
die Tipularien deren mehrere (Leptotarsus Guer., Ctenogyna
Maeq., Gynoplistia und Cerozonia Westw.), die Asilen wenig-
stens eine (Oraspedia Macq.), ‚die Nemestrinen wieder, einige
u.s. w.; im Ganzen sind sie.aber sehr vereinzelt, und andere
grosse Familien zeigen deren, keine, ‚wie die Tabanen ‚und
Syrphen.
Die. uns aus. ‚Vandiemiensland eingesandten, Dipteren be-
schränken sich auf 12 Arten ‚welche weniger, ‚geeignet sind,
neue Eigenthümlichkeiten der Fauna kennen zu lehren, als
die Verbreitung ‘allgemeiner Formen in'diese Erdgegend nach-
zuweisen. Von’'den überall und in allen’ Zonen lebenden
Stechmücken oder Mosquitos. (Culex) ist eine ‚Art ein-
gesandt worden,; die erste, welche ‚aus‘, Neuholland bekannt
wird; eine Tipula gehört, als neue. Art der ‚über Africa.und
Ostindien verbreiteten Gattung Megüstocera an. Aus .der
Familie der Tabanen,, für welche seit der Einführung zahl-
loser Viehheerden, im Vergleich zu früher, wo sie nur auf
Kängurulis angewiesen waren, sich die Verhältnisse viel gün-
stiger gestaltet haben, haben die Pangonien, welche sonst in
zahlreichen Arten in Neuholland auftreten, keine Art geliefert,
die Gattung Tabanus ist aber mit drei neuen Arten ver-
mehrt worden. ‚Die Familie.der Xylonomi. weiset‘ eine in
der Färbung ‚ausgezeichnete Art der Gattung Zihereua auf.
Die Stratiomyden.haben |eine neue Art, der am weitesten
verbreiteten Gattung Odontomyia geliefert; aus der grossen
Familie der Syrphen ‚ist eine ‚einzige,, aber, ausgezeichnete
Art der eben. so überall: verbreiteten Gattung Bnistalis ein-
270
gegangen; die Dolichopoden, von denen bis jetzt noch
keine Art 'aus diesem Welttheil bekannt gemacht ist, treten
hier mit einer, südamericänischen und ostindischen sich genau
anschliessenden Art von Psilopus auf; aus der zahllosen Fa-
milie der Musciden sind uns nur zwei Arten zugekommen,
beide der durch Grösse und oft auch durch Färbung ausge-
zeichneten, der australischen Fauna eigenthümlichen Gattung
Rutilia, die eine, Rutilia splendida *), bereits bekannt, die
andere. neu. » Endlich) ist eine neue Art von Ornitkomyia
aus der! Familie der Hippoboscen gefunden worden.
245. Culex australis: Testaceus, thorace dorso fusco,
abdomine nigro - fasciato, femoribus tibiisque summo
apice pallidis, — Long. corp. 33, haustell. 2. lin.
Antennae Juteae. Haustellum sat elongatum, palpis maris
hoc paulo brevioribus. Caput fusco-testaceum. Thorax dorso
fuscus, lateribus et infra testaceus. Abdomen griseo-pilosum,
segmentis basi pallidis, apice nigris. Pedes fusco-testacei, fe-
moribus tibiisqgue summo apice albidis. Alae hyalinae, nervis
testaceis, anterioribus fusco -villosis.
246. Megistocera pacifica: Lutea, fvonte, ferruginea,
thorace fusco-vittato. — Long. 8.lin.
Lutea. Caput rostro capite paulo longiore, froite fer-
ruginea, anfice protuberante. Thorax vittis 4 fuseis, exterio-
ribus abbreviatis. Abdomen apice obscurum. Tarsi fusci.
Alae hyalinae, costa subflava.
Die eingesandten Exemplare sind frisch aus der Puppe
ausgeschlüpft aufgespiesst, ehe sie zur vollkommenen Ausbil-
dung gelangt sind: so haben Fühler, Taster und Füsse noch
nicht die gehörige Länge erreicht. Die ersten sind noch wenig
länger als der Körper.
247. Tabanus exulans: Oeulis pubescentibus, niger, ci-
nereo-pubescens, capite magno, facie carnea, abdo-
mine segmentis rufescenti- marginatis, — Long. 63 lin.
*) Musca splendida Donovan Ins. of New Holl. Dipt. Tab. Fig. *
— Wiedemann Aussereurop. Zweiflüg. Ins. II. 385. 3.
271
Caput magnum, thorace latius, antice carnenm, palpis
concoloribus, hypostomate albo-puberulo, fronte callo antico
glabro, postice canum; rostro antennisque nigris. Thorax ni-
ger, pube cinerea vestitus, infra albido -villosulus , dorso Ii-
neis quatuor longitudinalibus canis, lateribus callo ante alas
rufescente, Scutellum nigrum. Abdomen nigrum, segmentis
apice rufescenti - marginatis, Pedes nigri, tibiis anterioribus
rufescenti -testaceis. Alae hyalinae, nervis fuseis.. Halteres
fusei. (Fem.)
248. Tabanus gregarius: Oculis pubescentibus , niger,
einereo-pubescens, palpis pallidis, abdomine lateribus
segmentorumque marginibus rufescentibus, tibis basi
testaceis, alis litura costali nigra. — Long. 6 lin.
Niger, infra pube cana vestitus. Antennae articulis ba-
salibus fuseis, tertio nigro. Palpi pallidi. Hypostoma inca-
num, luteo -variegatum, Thorax lateribus ante alas plaga ob-
seure testacea. Abdomen supra nigrum, segmentis 2,—4, la-
teribus castaneis, omnibus apice pallido- marginatis et griseo-
eiliatis, infra castaneum, basi apiceque nigrum. Pedes nigri,
tibiis basi obscure testaceis. Alae grisescenti-hyalinae, litura
obliqua stigmatis loco nigro, Halteres testacei, capitulo fusco,
249. Tabanus gentilis: Testaceus, thoracis abdominisque
dorso nigris, hoc segmentorum margine medio sinuato
testaceo ; alis fusco-maculatis. — Long. 44 lin.
Antennae testaceae , articulo tertio apice fusco, Haustel-
lum nigrum, Palpi pallidi. Caput testaceum, albido-pubescens,
oeeipite cano, Ihypostomate infra albo-villoso, fronte callo
transversali ovali glabro. Thorax dorso nigro, cano- 3-lineato,
lateribus peetoreque testaceis, hoc nigro -lineato. Scutellum
nigrum. Abdomen supra nigrum , segmento primo lateribus
testaceo, sequentibus margineque posteriore medio fortiter si-
nuato, secundo basi quoque fascia medio late interrupta si-
gnatis; infra testaceum, immaculatum, Pedes testacei, tarsis
fuscis, Alae griseo-Iyalinae, nervis transversis late infuscatis,
Halteres pallide testacei.
272
250. Thereua venusta:.Nigva,-nitida, ano rufo, pedibus
testaceis, alis, dimidiato- nigris, ‚fascia: alba.ı— Long.
R 4 lin; ' . en a n
| ©Nigra, Antennae obscure' testaceae, articulo primonigro-
hirsutulo'; 'haustellum obscure testaceum. Frons tenuiterValbo-
pubescens, ‚medio leviter impressa, ' Caput infra albo-pilosum;
Thorax tenuissime cano-pruinosus, obsolete striätus, Scutel-
lum ferrugineum,, bäsi' nigrum..' Abdomen nierum,,'nitidum;
segmentis ultimis duobus rufis. Pedes flavo-testacei, coxis po-
sterioribus basi nigricantibus , tarsis apice fuseis. Halteres
fusei,' stipite flavo. ''Alae basi ad medium‘ usque hyalinae, 'ner-
vis costäque flavescentibus, dein nigrae, fascia transversa albo-
hyalina,
z
251. Odontomyia stricta: Scutello bispinoso, nigra, ni-
tida, fasciola frontali orbitaqgue postica flavis, pedibus
testaceis, femoribus basi nigris. — Long. 3 lin.
. Corpus. angustulum, nigrum, nitidum, , Antennae artieulo
primo nigro. (reliqui huie ‚.exemplo desunt). Haustellum testa-
ceum. Frons subtilissime rugulosa, linea longitudinali apice
dilatata laevigata; supra antennas. fasciola flava .decorata,
Orbita oculorum postica flava. Thorax immaculatus, subtilis-
sime albido-pubeseens. Scutellum bispinosum. Abdomen la-
teribus parallelum, basi angustatum, immaculatum. ‚Bedes te-
stacei, femoribus. basi, tibiis annulo ante medium, tarsis apice
nigris, antiei tibiis interne ad apicem usque tarsisque totis ni-
gris. Halteres fuscescentes, capitulo flavido. Alae hyalinae,
nervis flavidis.
252. Zristalis vesieularis; Antennarum arista nuda, te-
staceus, thoracis .dorso, abdomineque nigro-eyaneis,
hoc apice 'argenteo-pubescente, fronte protuberante,
seutello abdominisque.maeulis duabus vesicularibus. —
Long. 6 lin, ;i
Caput cereum, 'subtiliter nigro-pubescens, hypostomatis
äpiee fronteque protuberantibus, frontis protuberantia conica,
apiee trunchta. Oculi glabri. Thorax dorso metallieo-niger,
nitidus, lateribus testaceus, pectore medio longitudinaliter ni-
gro. Scutellum vesicae instar inflatum, cereum. Abdomen
273
violäceo-nigrum, nitidum,, -subtiliter punetatum, segmentis. tri-
bus primis glabris, (quarto.dense argenteo-pubescente, secundo
utrinque macula vesiculari \testacea 'notato. Pedes, ‚testacei,
anteriores femoribus medio tarsisque fuscescentibus ,, postici
femoribus apice, tarsis tibiisque nigris, ‚his annulo, lato. medio
testaceo. Halteres flavi capitulo fusco. Alae fuscescenti-hya-
linae, summa basi testaceae.
253. Psilopus ingenuus:, Viridis, antennis pedibusque
flavis, abdomine nigro-fasciato, alis fasciis duabus ma-
eulaque fuseis. — Long. 3 lin.
Viridi-metallieus, thoraeis lateribus albo-pruinosis, abdo-
mine. apice aeneo. Antennae/testaceae, ‚seta elongata. fusca.
Facies subtiliter albido - pubescens. Thorax dorso utrinque
vitta cuprea. Abdomen segmento secundo medio, sequentibus
basi fascia nigra. Pedes flavi, tarsis fusceis. Halteres flavi.
Alae latiores, hyalinae, fasciis duabus, altera'pone medium,
altera ante apicem, antice ad apicem usque (dilatata, marginem
interiorem haud attingentibus, maculaque medio, versus ‚margi-
nem. interiorem posita: fuscis, anterius 'basin versus leviter 'in-
fuscatae, neryis transversis fortiter flexuosis, posteriore, appen-
diculato,
254, Rutilia speciosa: Nigra, thorace antice albido-vit-
tato, postice aculeato, abdomine depresso, caesio, la-
teribus pone medium maculisque 3 dorsalibus nigris,
nigro-aculeatis, antennis pedibusque rufis. — Long.
8% lin. ==
= Antennae articulo, primo' fusco ,. ‚secundo testaceo, 'tertio
nigro, seta nuda. ' Caput thorace parum angustius, testaceum,
fronte nigricante, cinereo - sericea, vitta longitudinalt.. nigra.
Thorax niger, nigro-pubescens, antice vittis 4 mox abbrevia-
tis albido - tomentosis, postice vittis totidem abbreviatis nudis
obscure testaceis, pone medium aculeis reclinatis nigris-arma-
tus. Seutellum obscure testaceum, margine nigro-aculeatum.
Abdomen subdepressum, apice truncato emarginatum, obseure
‚ testaceım,, Jaete coeruleo - splendens, pube subtilissima albida
‚ dense obductum, segmento primo nigro, 2.—4. maculis ter-
nis nigris, lateralibus prinio' minuto, 2. et 3. maximis ‚' ‚tota
Archiv f, Naturgesch, VII, Jahrg, 1, Bd. 18
274
latera ocenpantibus, omnibus aculeis nigris ereetis horrentibus;
infra segmentis singulis macula magna media nigra, arcw spi-
narum munita. Peetus lateribus fulvo-ciliatum, 'medio'aculeis
nigris reclinatis instructum. Pedes rufi. ‘Alae hyalinaema-
eula 'ordinaria basali fusca.
255. Ornithomyia nigricor nis; Lutea, antennis nigris,
alis fusco-hyalinis, aequalibus. — Long. 2% lin.
Statura omnino O. aviculariae. Caput testaceo -luteum,
oculis rufescentibus, antennis nigris, nigro-pilosis. Thorax
testaceo-luteus, infra pallidus, vitta laterali fusca. Abdomen
lutescenti-griseum, setulis muricatum, nigro-pilosum, Pedes
virescentes, unguibus fuseis. Alae fusco-hyalinae, planae.,
Hemiptera.
‚Auf ähnliche Weise wie bei den Orthopteren scheint die van-
diemensländische Hemipteren-Fauna eine grössere Anzahl un-
geflügelter Arten zu enthalten als andere'Faunen,' wenn'auch
bei ‘Weiten nicht in dem Maasse, wie’ in. jener Ordnung:
Ganz ohne Spuren von Flügeln ist nur eine Art vorgekom-
men, ohne Unterflügel und mit kurzen Rudimenten der Halb- |
decken 4 Arten, unter denen bei einer dies nur beim Weib-
chen stattfindet und das Männchen vollständig geflügelt ist, bei
zweien endlich fehlen nur die Unterllügel und die Membran
‘der Halbdecken. Wenn alle bisher aufgefundenen Arten fast
ohne Ausnahme neu sind, so gehören sie doch meist weit
verbreiteten Gattungen an. So fanden sich aus der Familie
der Pentatomiden von der überall vorkommenden Gattung
Cydnus 2, von Asopus und Cimex je 1, von Atelocera
2 vom Gattungstypus allerdings namhaft abweichende Arten
und 'eine von der auf Ostindien und Neuholland eingeschränk-
ten Gattung Rhynchocoris Hope. Die’ Coreiden scheinen
hier zurückzutreten: es ist nur eine'Art der sonst auf Africa
beschränkten Gattung Hypselopus Burm. entdeckt wor-
den. Die Lygaeiden treten nur in solchen Formen auf,
welche sich über die ganze Erde verbreitet’ zeigen: ein Zy-
gaeus, unserm L. equestris entsprechend, zeichnet sich da-
durch aus, dass beide Geschlechter nur Deckenrudimente ha-
275
ben; 3 Arten von Pachymerus sind eigenthümlich, ein Ze-
terogaster scheint mir mit unserem 4. Ericae *) identisch
zu sein. Die Capsiden haben eine wenig ausgezeichnete’ Art
von Phytocoris, die Araditen einen ächten Aradxs ge-
liefert. Zahlreicher sind die Reduvien eingegangen, theils
in neuen Arten von Nabis, Pirates, Arilus, Emesat*),
theils in ganz neuen Formen, ‘von denen die eine, Zsoder-
müs, viel Analoges mit Aradus, namentlich mit Aneurus zeigt,
dieandere, Dierotelus, täuschend einer Pygolampis gleicht,
dieselbe ausgezeichnete Fühlerform und Körpergestalt zeigt,
aber in der Gestalt der Klauen sich entfernt. ' Von Ufer-
wanzen ist die sonst in America verbreitete und auch in
Siüdafrica aufgefundene Gattung Monoryx mit einer neuhol-
ländischen Art bereichert worden.
Spärlicher als die Heteroptera sind Homoptera einge-
sandt worden. Von Fulgorinen und Membraciden keine Art,
von Cicadellinen eine neue Art der ausschliesslich neuhol-
ländischen Gattung Zurymela und eine der überall verbrei-
teten Aphrophora. Von Singeicaden (Cicada) eine: neue
Art, und endlich von Psylliden zwei wenig ausgezeichnete
Arten von Psylla.
256: Cydnus australis: Suborbicularis, nigro -piceus,
nitidus, supra parce subtiliterque punctatus, margine
pilosellus, membrana albida, obsolete fusco -strigosa,
antennarum, tibiarumque .basi_ tarsisque testaceis, —
Long. 3 lin.
») Schilling Ent. Beitr. 86. 6. t. 7. f. 10. — Es wäre nicht un-
möglich, dass dies Insect mit europäischen Pflanzen eingeführt sei,
ich will indess die Identität der vandiemensländischen Art mit der
europäischen noch um so weniger verbürgen, als'ich über diesen
Punct auch bei vielen aus den verschiedenen Gegenden Americas, Ost-
indiens u. s. w. eingegangenen Individuen nicht im Reinen bin.
*") Diese Art ist vollkommen ungeflügelt, wie dergleichen auch
in America mehrerevorkommen; sie sind dessen ungeachtet vollkom-
men ausgebildet, und man darf sie nicht als Larven beurtheilen, wie
' es bei oberflächlicher Untersuchung wohl geschieht. So hat z. B.
Burmeister (Handb. d. Entomol, II. 8.223.) eine in beiden Geschlech-
tern ungeflügelte Art der hiesigen Sammlung für Larve der geflügelten
, E. praecatoria F. angenommen.
| 18*
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1}
I
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276
Suborbieularis, niger, nitidus, supra vix convexus, ‚ca-
pite,.thoracis hemelytrorumque margine pilosis. Antennae-ar-
tieulis 2 primis testaceis, 2, tertio paulo longiore. Caput an-
tice rotundatum marginatumque, passim rugulosum. Thorax
antrorsum angustätus, lateribus leviter rotundatus, 'pone me-
dium obsolete transversim impressus, lateribus et postice subtili-
ter 'punctulatus. Scutellum cerebre subtiliterque punctatum, basi
sublaeve, apice subimpressum, ‚Hemelytra corio subtiliter pun-
etulato, membrana diaphana, nervorum interstitiis ‚obsolete
fusco -strigatis. Pedes picei, tibiis fortiter spinulosis basi pal-
lidioribus,, tarsis: testaceis.
Variat thorace, scutello hemelytrorumque corio rufo-piceis.
257. Cydnus sepulchralis: Oblongus, nigro-piceus, ni-
tidus, thorace plagiatim, scutello parce, hemelytrorum
corio dense punctatis, membrana fusco-nebulosa, an-
tennis articulo secundo elongato. — Long. 3# Jin.
Oblongus, subdepressus, niger, nitidus. Antennae füsco-
piceae, articulo primo secundique basi testaceis, hoc elongato,
tertio sesqui longiore. Caput obtuse rotundatum, ‚marginatum,
intra marginem rugulosum. Thorax antrorsum angustatus;:la-
teribus subrectis, pone medium obsolete transversim impres-
sus, spatio pone caput, lateribus et sulco transversali vage
punctatis, margine summo piceo. Scutellum vage punctatum,
apice summo foveolato, piceo. Hemelytra corio dense pun-
ctato, nigro-piceo, membrana diaphana fusco-nebulosa. Pe-
des picei, tibiis fortiter spinulosis, tarsis testaceis.
258. dsopus nummularis: Thorace mutico, supra fuseo-
testaceus, ‚aeneo- variegatus, thoracis. margine, .seu-
telli maculis 3 basalibus apiceque albidis, hemelytris
macula media polita aenea. — Long. 6 lin.
Antennae.nigrae. Caput punctatum, supra aeneum, mar-
gine Jineaque media longitudinali albidis, infra-Juteum. -Tho-
rax inutieus, profunde, passim punctatus, fusco -testaceus, late-
ribus albido-marginatus, 'antice aeneo-maeulatus. Seutellum
mediocre, vage punctatum, medio fusco -testaceum, ante api-
cem albidum et basi aeneum, hac albido-trimaculata, Hem-
elytra corio opaco, sparsim punctato, fusco, macula pone, me-
277
dium rotundata, polita, aenea signato, membrana aenea. Abdo-
men supra nigrum, margine albido. Corpus infra luteum, ab-
domine nitido, macula segmenti 5. media aenea; muticum.
Pedes lutei, femoribus superne tarsisque nigris, antiei femo-
ribus muticis, tibiis autem interne spina minuta armatis.
259. Cimex incultus: Thorace mutico, griseus, antennis
medio rufis, seutello apice albido, abdominis margine
albido, nigro-maculato. — Long. 33—4 lin.
C. baccarum duplo minor. Antennae articulis 1., 4. et5.
nigris, 2. et 3. rufis, hoc breviore. Corpus supra plerumque
fusco-, nonnunquam rufescenti-griseum, 'infra peetore obseu-
riore, abdomine pallidiore. Caput dense punctatum, lateribus
albido- marginatum, lobis lateralibus latis, apice conniventibus,
intermedium superantibus. "Thorax muticus, erebre punctatus,
obsolete passim tubereulatus. Sceutellum crebre punctatum,
obsolete passim tuberculatum, apice albo-marginato. Hem-
elytra corio sat crebre punctato, membrana grisescente, fusco-
venosa. Abdomen supra nigrum, margine albo, nigro -macu-
lato. Pedes corpori concolores.
260. dtelocerus labidus: Rostro breviore, depressus,
supra rufescens, infra griseus, antennis nigris, arti-
eulationibus pallidis. — Long. 34 lin.
Habitu Cimieis. Antennae tenues, 4-articulatae, articulo
primo flavescente, 2. elongato et 3. fuscis basi apiceque, 4.
elongato-ovato, nigro summa basi pallide flavis. ‘Corpus su-
pra griseo-rufescens, infra cum pedibus griseo - flavescens.
Caput punctatum, apice leviter bilobum. Thorax punctatus,
rugoso -inaequalis, margine laterali albido, obsolete erenulato.
Seutellum punctatum, inaequale, apice carinatum. Hemelytra
corio punctato, membrana fusco-hyalina, nervis anastomizan-
tibus. Abdomen supra margine nigro - maculato. Rostrum
pectus haud excedens.
Die viergliedrigen Fühler entfernen diese Art von Cimex,
ich habe sie daher zu Atelocerus gezogen, obgleich der Rüssel
nicht über die Brust hinausreicht, der Bauch also auch keine
Furche zur Aufnahme desselben hat, indem allgemein die
Länge des Rüssels kein sicheres Gattungsmerkmal gewährt.
278 i
Der' Hinterleib. tritt,hier sogar am Grunde, mit, ‚einer. kleinen
Spitze ‚zwischen: die. Hinterbeine,. Von dem eines'Oimex; weicht
er, ausserdem durch. ‚seine. stärker, ‚abgesetzten ‚Segmente, mit
fast gelappten Seitenrändern ab.
261. Atelocerus grandicornis: Rostro breviore, pube-
rulus,supra fuseus, frontis ‚thoracisque vittula, seutelli
margine 'hemelytroruinque linea albidis. — Long. 34 lin.
Habitu Halydis, licet parvus. Corpus totum pilis brevi-
bus, erectis puberulum.: Antennae - validae, ‚rubrae,' anticulo
Primo. incrassatulo 2. elongato, 3; dimidio 'breyiore, 4. iterum
paulo ‚breviore. Corpus supra fuscum,-infra ‚cum.pedibus lu-
teum. ı Caput sat ‚magnum, ‚apice bifidum,. punetatum , ‚vitta
frontali albida. Thorax: postice utrinque 'angulatus,antrorsum
sinuato -angustatus, punctatus, vittula ante medium.in’ frontem
eontinuata margineque: laterali serrulato'albidis,. ‚Scutellum
punctatum, linea antice submarginali,postice,'marginali. alba
einetum, ‚‚Hemelytra. corio,punctato, margine laterali baseos
lineaque tenui intra marginem: longitudinali.-albis;" membrana
fusca albido-venosa. Abdomen -supra. nigrum,-testaceo -mar-
ginatum, margine summo albo. Rostrum pectus haud excedens.
262. Rhynchocoris. ligata: Thorace ‚postiee utrinque
angulato, depressa, punctata, viridis, antennarum basi
thoracisque striga transversa rufis. — Long. prope 4 lin.
Rh. thoraeicae Hop. sesqui’ maior, depressa, viridis.An-
tennae ‚articulis ‚4. et 2..rubris, 4..et 5. fuscis.. . Caput:ere-
berrime punctatum. Thorax 'punctatus, postiee, utrinque an-
gulatus,. inter ‚angulos. 'striga: transversa sanguinea, notatus.
Seutellum punctätum,immaeulatuin. Hemelytra.corio‘punetato,
immaeulato , membrana hyalina! ‚Corpus: infra flavescens.' Pe-
des virides: aus
N,
263. Hypselopus incarnatus: Testaceus, rufo-consper-
sus, tibiis exalbidis, antennis ‚articulo quarto elongato,
fuseo. — Long. 5# lin.
Testaceus, punetis minutis rubris'crebris'quasi incarnatus.
Antennae articulis 3 primis sensim paulo'minoribus, rubescenti-
testaceis, art. quarto primo duplo longiore, haud incrassato,
|
|
279
cylindrico,, fusco, medio et summo apice pallescentibus. Ro-
strum. apice nigrum, \Ocelli magni, elevati. Thorax .basi 3-
dentatus. Hemelytra corio subtiliter punctato, nervis elevatis,
albidis, rubro-variis, membrana fusco-hyalina, nitida. Pectus
macula magna aurantiaca. Tibiae albidae.' Pedes postici femo-
ribus leviter incrassatis, ihfra versus apicem serrulatis et acute
3-dentatis, 'tibiis apice unco acuto armatis. ‘(Fem.)
264. Lygaeus mutilatus: Apterus, hemelytris brevissi-
mis, niger, cinereo-sericeus, fronte, hemelytrorum
disco, abdominis lateribus ventreque ruberrimis. —
Long, 4 lin.
Antennae nigrae. Caput ruberrimum , maculis duabus
vertieis, apice cum rostro et infra nigrum. Thorax niger,
latitudine haud brevior, dorso medio utrinque callosus, pone
medium carinatus. ı Sceutellum nigrum, apicem versus, carina-
tum. Hemelytra scutelli longitudine, truncata, ruberrima, in-
tus et apice nigro-limbata. ‚Abdomen supra nigrum, segmen-
tis 4 primis‘ lateribus ruberrimis, infra, ruberrimum, , apice
vittaque laterali antice abbreviata nigris. Pedes nigri. Corpus
einereo - sericans, abdomen segmentis dovsalibus singula ma-
eula triangulari cinereo-sericea ornatis.
265. Pachymerus lacertosus: Niger, thorace postice
hemelytrisque griseo-variis, antennis articulo quarto
albo-annulato, pedibus basi testaceis, coxis antieis
spinosis. — Long. 3 lin.
P. lusco aequalis. Antennae nigrae, artieulo ‚tertio basi
fusco, quarto prope basin annulo albido, Caput, nigrum, e
pube subtili depressa incanum. Thorax latitudine baseos haud
brevior, antrorsum aequaliter angustatus, lateribus subimmar-
ginatus, ‚pone medium obsolete transversim sulcatus, sparsim
punctatus, ante sulcum niger, opacus, punctis incanis, summo
apice maculis tribus minutis fuseis, medio albidis notatus, pone
suleum fusco-testaceus, punctis nigro-tinetis variegatus, Scu-
tellum vage punetatum, nigrum, opacum, summo apice albo-
notatum, Hemelytra corio dilute fuseo-testaceo,, postice ni-
gro, macula magna albida, membrana nigra, fusco -variegata.
‚Corpus infra nigrum, ' Pedes nigri, trochanteribus, femorum
250
basi, geniculis tarsorumque summa basi testaceis, antiei tro-
chanteribus spinosis, femoribus sat incrassatis, fortiter spino-
sis, tibiis incurvis, ante apicem calcaratis.
266. Pachymerus töorguwatus: Apterus,. niger,:thorace
postice albido-fasciato, hemelytris griseis apice. nigris,
puncto albo; antennarum articulo 2., femorum basi
tibiisque testaceis. — Long. 2 lin.
P. podagrico aequalis. Corpus nigrum. Antennae arti-
culo 2. testaceo, 3. et 4. brevioribus, crassiusculis. Thorax
latitudine baseos vix brevior, basi emarginatus, antrorsum
sensim leviter angustatus, lateribus subimmarginatus, dorso
subdepressus, absque sulco transversali, postice fascia trans-
versali albida. Scutellum parce punetulatum, ante apicem
puncto utrinque fusco, apice puncto albo. Hemelytra absque
membrana, corio seriatim punctato, albido, punctis nigro-
tinetis conspurcato, apice nigro macula alba. Peetus ad pe-
dum insertiones albo-notatum. Pedes trochanteribus testa-
ceis, femoribus nigris, postieis basi testaceis, tibiis tarsisque
testaceis, apice nigricantibus, femoribus antieis sat inerassatis,
mutieis.
267. Pachymer us nigro-aeneus: ÄApterus, nigro-aeneus,
supra nitidus, margine laterali abbreviato, antemnis
tenuibus tibiisque testaceis. — Long. 2 lin.
Antennae tenues, pilosae, testaceae, artieulo quarto paulo
erassiore, infuscato. Corpus nigro-aeneum, -supra nitidum.
Caput passim subtiliter punctato-rugulosum. Thorax latitudine
baseos paulo brevior, antrorsum leviter angustatus, lateribus
marginatus, dorso parum convexus, laevigatus, postice trans-
versim depressus punctatusque, margine laterali postice flavido.
Scutellum passim punetatum. Hemelytra corio fortins pun-
ctato, margine laterali medio abbreviato testaceo, membrana
abbreviata nigricante. Pedes tibiis tarsisque testaceis, femori-
bus anticis sat inerassatis, apicem versus infra spinulosis.
268. Phytocoris varicornis: Viridula, hemelytris fulvo-
pubescentibus, area seutellari maeulaque äpieis: nigris,
antennarum artieulo seeundo ‘tricolore. — Long. 2% lin.
2681
" Pallide viridula.'''Antennae articulo 1. viridulo, nigro-pu-
bescente , 2. basi viridulo, nigro-- pubescente, medio albido,
apiee rufescente; reliqui ‘desunt. "Caput et thorax obsolete
fusco -inscripta. ' Seutellum immaculatum. ' Hemelytra 'tenuiter
fulvo-pubescentia, 'elavo seu area scutellari nigra, corio ma-
eula magna apicali nigra, appendice flava, apice nigra, mem-
brana subfuscescente, nervis infuscatis. « Pedes femoribus ni-
gro-conspersis, tibiis obsolete fusco -annulatis.
‚269. Aradus australis: Niger, thorace 6-carinato, hem-
elytrorum ; membrana, hyalina ,. fusco - maculosa, —
Long. 2! lin.
Fusco-nigra, opaca. " Antennae haud incrassatae, -artieulo
1.brevissimo, 2. elongato,. 3.'et 4. sensim brevioribus. "Oa-
put protuberantia apicali compressa. Thorax rugulosus, '6-ca-
rinatus, carinis reetis, interioribus 2 .antice 2 - dentatis , exte-
rioribus abbreviatis; margine laterali erenulato, antice biden-
ticulato. Scutellum rugulosum, margine elevato concavum.
Hemelytra corio fusco, margine nervisque elevatis nigris,
membrana hyalino-albida, nervorum interstitüs ımaculis con-
fluentibus fuseis notatis. Pectus granulosum. Pedes conco-
lores. Abdomen specimini nostro. perditum.
XXXVI. Isodermus.
Fam, Redwvini.
Ocelli nulli. ,
Antennae rectae, 4-articulatae, articulo 2. longiore.,
Hemelytra corio breyi, vix quartam eius partem oc-
cupante, membrana aequali, subcoriacea, .enervi.
R} Pedes distantes, breves, femoribus inerassatis,. infra
» muricatis , tibiis simplieibus, tarsis artieulis, 2. pri-
mis ‚breyissimis, unguiculis muticis, onychio in-
i structis.
Corpus complanatum.
Eine sehr eigenthümliche Gattung von der plattesten Ara-
dus-Form, aber mit dem freien kurzen untergekrümmten drei-
gliedrigen Rüssel der Reduvien, auch in dieser Familie durch
"mehrere. Eigenthümlichkeiten- ausgezeichnet, ,\mämentlich' den
Mangel der. Ocellen und ‚das-‘Vorkommen , von! Haftläppchen
zwischen den: Klauen. ‚An den Fühlern ist das erste Glied
kurz und. etwas dick, das 2. lang, das3. und ‚4..aun Länge
allmälig abnehmend, Der Rüssel ‘ist nur halb so, lang.als der
Kopf. Das Halsschild ist hinten im weiten Bogen. ausgerandet,
Das Schildehen ist |mässig gross, ‚dreieckig. An den Halb-
decken reicht der Ledertheil nur bis zur Spitze des. Schild-
chens, der Hauttheil nimmt die übrigen 2 ein, ist ziemlich
derb, ohne Spur von Adern. Flügel sind aber unter diesen
Halbdecken nicht vorhanden. Die Seiten des Hinterleibes tre-
ten frei vor. Die Beine sind kurz, ganz nahe den Seiten des
Körpers eingelenkt, die Schenkel verdickt, unten. ‚durch, kleine
Stacheln rauh,, ‚die Schienen kurz, einfach, ‚die vorderen. ‚ohne
Sohle, an den: Füssen die beiden ‚ersten Glieder: äusserst kurz,
das Klauenglied "kräftig, mit 'einfachen Klauen ‚und ‚kleinen
Haftläppchen zwischen ‚denselben.
‚„270.: 1. planus: Depressus, piceus, ‚abdomine rufo. —
Long. 34 lin.
Tab. .V,.Fig. 9.
Caput fronte depressa, nigra, elypeo testaceo. Thorax
planus, passim punctulatus, foveolatus. Scutellum parce pun-
etulatum, nigrum, nitidum. Hemelytra nigra. Pectus rufo-
piceum. Abdomen rufum. Antennae et pedes picei.
Immaturus pallidus, abdomine rufo.
Nympha pallida, rufo-varia, maculis corneis fuseis con-
spersa.
Es kommen nicht selten Individuen vor, welche den gan-
zen Hauttheil der Halbdecken verloren haben. Hier sind diese
in gleicher Linie mit der Spitze des Schildchens abgekürzt,
und die unregelmässigen Ränder zeigen, dass diese Verkür-
zung durch eine gewaltsame Trennung entstanden ist.
271. Nabis geniculata: Aptera, hemelytris ‚abbreviatis,
fusco-testacea, femoribus posterioribus apice nigris.
" — Long. 4 lin.
Bi Corpus apterum, fusco-testaceum, tenuiter albido-pube-
— [00000
283
scens. Antennae flavae , articulo secundo apice fuscescente.
Thorax antice et pone medium leviter constrietus, medio lae-
vigatus, postice ruguloso-punctatus,: linea longitudinali fusca.
Seutellum macula longitudinali nigra. Hemelytra abbreviata,
scutellum vix superantia. Pedes flavi, femoribus posterioribus
tibiisque omnibus apice nigris.
272. Pirates fuliginosws: Niger, opacus, hemelytris
prope -seutellum lutescentibus. — Long. 5—6 lin.
Mas. Alatus. Opacus, niger, antennis pedibusque con-
eoloribus, unguiculis solis testaceis. Thorax 'strietura‘ media.
Scutellum impressum, apice acuminato. Alae, et hemelytra‘com-
pleta, his margine interiore corii 'pone seutellum ker
Alae albidae.
Fem: Aptera, mari concolor, Thorax strietura postica.
Seutelli' apex minus acutus. ‘Hemelytra brevissima , . angusta,
oblique truncata,' angulo interiore lutescente, Abdomen dila-
tatum:
Nympha. Nigra, nitidula. 'Thorax''strietura nulla. Hem-
elytrorum - rudimenta immaeulata. "Abdomen margine 'flavo-
maculato. Venter lutescens: j
273. Arilus australis: Capite 2-, thoracis dorso 4-spi-
n0s0, luteus, fronte, ‚thoracis maculis, hemelytris prae-
ter ‚basin, pectoris vitta, antennis pedibusque nigris,
his albo-annulatis. — Long. 5—6 lin,
Antennae nigrae,, ‚artieulo '2."annulis duobus:albidis. Ca-
put supra nigrum, 'infra cum rostro Juteum, ad antennarum
basin utrinque ' spinosum. Thorax 'luteus, nitidus, maeula
magna antica subquadrata. duabusque postieis transversalibus
nigris, dorso' canaliculatus, ‘ad’ apicem bitubereulatus, spinis
antieis acutis, postieis distantibus obtusiusculis binis‘ armatus,
angulis anterioribus et posterioribus spinosis. Scutellum ni-
grum, apice elevato summo albido. Hemelytra eorio nigro,
margine exteriore basi luteo, membrana fusca. Abdomen su-
pra nigrum, margine luteo, ‚ Corpus infra luteum, vitta pecto-
ris Jaterali nigra. Pedes nigri „ femoribus annulo. luteo,
284
XXXFHH. Dierotelus.
Fam. Reduwvini.
Antennae fractae, scapo elongato, porrecto, flagello
inflexo, scapi longitudine, tenui, articulis tribus,
sensim paulo brevioribus.
Caput elongatum, antice in spinam productum.
Pedes ‚tibiis anterioribus simplicibus, ‚unguiculis basi
dentatis.
Am nächsten mit Pygolampis und ‚Stenopoda verwandt,
sowohl im allgemeineren Körperbau, als hauptsächlich in der
eigenthümlichen Fühlerbildung, von beiden ausser den Längen-
verhältnissen der Beine hauptsächlich durch die. 'gezähnten
Klauen verschieden, ausserdem ‘noch mehrere, Abweichungen
zeigend, welche die Aufstellung einer‘ eigenen Gattung er-
fordern. Das erste Glied der‘ peitschenförmigen Fühler ist
eylindrisch, etwas länger als der Kopf; die drei übrigen sind
untergeschlagen, dünn, 'allmälig an Länge etwas zunehmend,
zusammen kaum länger als das erste. Der Kopf schmal, 'ey-
lindrisch, mit einem längeren oberen und mit’ einem kürzeren
unteren Stachel in der Spitze bewafinet. Am Rüssel ist das
2. Glied lang, das 3. klein, zugespitzt, und zur Aufnahme der
Spitze befindet sich auf der Unterseite des Halsschildes vor
der Einlenkung der Vorderbeine eine Rinne, wie bei Pygo-
lampis. Halsschild und überhaupt die ganze Körperform wie
bei Pygolampis. ‘Das letzte Hinterleibssegment mit zwei län-
geren Spitzen bewaffnet. Die, Vorder- und Hinterbeine etwas
länger als ‘die Mittelbeine, die Vorderschenkel etwas verdickt,
die vorderen Schienen ohne Sohle, die Füsse klein, das erste
Glied am kürzesten, die Klauen mit ‚einem ‚starken Zahn an
der Wurzel.
274. Dicrotelus prolixzus: Apterus, luteus, hemelytris
brevissimis, — Long. 54 lin.
Pygolampi flavipedi subaequalis, lieet paulo angustior,
luteus, capite' ‘et antennarum articulo primo fusco - testaceis,
pube brevissima subtilissimaque albida tenuitur conspersus.
Thorax latitudine paulo longior, antrorsum leniter angustatus,
285
angulis antieis spinosis, medio transversim obsolete impressus,
pone medium disco leniter triplicato, Scutellum parvum, acu-
minatum, basi foveolatum. Hemelytra brevissima, abdominis
segmentum primum haud superantia, membrana distincta, licet
brevissima, enervi. Femora antica flavicantia.
275. Emesa iuncea: Aptera, pallide lutescens, capite vitta
laterali fuseca. — Long. 84 lin.
Corpus lineare, pallide lutescens, capitis lateribus vitta di-
stineta, corporis plagis obsoletis fuscis. Antennae tenues, pallide
flavidae. Pedes antiei tibiis albidis, apice fusei, posteriores
femoribus obsoletissime fusco-fasciatis, tibiis. flavidis ‚tarsis
winutis fuseis.
276. Mononyx suberosus: Fuscus, fronte fossulata, tho-
race basi subtrisinuato, angulis posterioribus obtusiu-
seulis. — Long. 33 lin.
Fuscus, opacus. Caput scrobiculatum, griseo -squamulo-
sum. Thorax abdomine paulo latior, lateribus anterius rotun-
datis, leniter transversim bisulcatus, suleis inter latera de-
pressa et discum subelevatum foyeolatis, dorso postice obso-
lete tricarinato; fusco-squamulosus. Scutellum basi utrinque
carinatum, carinis nigro -hirtis. Hemelytra nervis elevatis,
fusco-squamulosa, utroque medio lituris tribus minutis nigro-
hirtis. Corpus infra cum pedibus faseum, unicolor.
277. Aphrophora albieincta: Hemelytris fornieatis, ni-
gris, fascia alba, postice albis, nigro-retieulatis, ca-
pite thoraceque testaceis, hoc postice albo-marginato.
— Long. 23 lin
Statura Aphr. coleoptratae. Caput supra testaceum, in-
fra albidum, fronte supra transversim nigro-strigosa, clypeo
maeula Jabroque nigris. Thorax supra testaceus, postice albo-
marginatus, Seutellum albidum. ‚ Hemelytra coriacea, ampla,
fornicata, nigra, fascia ante medium angulata alba, postice al-
bida, nervis nigro - einetis reticulata. Corpus infra nigrum,
prothoraeis vittula alba. Pedes testacei, coxis antieis nigri-
cantibus,
286
278. Eurymelu bieincta: Depressa, nigra, nitida, Iiem-
elytris faseiis duabus albis. — Long. 34 lin.
Depressa, nigra, nitida, supra submetallica. Caput pun-
etato-rugulosum, infra tenuiter albo-marginatum. Thorax. bre-
vis, transversim strigosus, postice tenuiter albido - marginatus.
Seutellum, rugulosum, transversim impressum, apice acuminato
testaceo. Hemelytra ruguloso-punctata, tenuiter testaceo-mar-
ginata, fasciis duabus albidis, altera angulata ante medium,
altera subarcuata versus apicem.. Pedes basi testacei, postiei
tibiis medio piceis, tarsis articulo primo basi albo.
279. Cicada torrida: Prothorace haud dilatato, margine
bidentato, testaceo, nigro-picea, argenteo- puberula,
abdomine infra nigro, lateribus testaceo; alis hyalinis,
anticis litura biangulata nigra, posticis lobo analı albo,
medio hyalino. — Long. corp. 9—12, alae. aut. 12 lin.
Antennae. nigrae, Corpus argenteo - puberulum. _ Caput
vertice antice depresso, maculis tribus posterioribus, fasciola-
que ‚auteriore testaceis, fronte medio nigra, lateribus testacen,
elypeo, nigro. Thorax testaceus, prothorace antrorsum sub-
angustato, lateribus postice obtuse, medio acute dentatis, sul-
cis posteriore transverso, anterioribus 4 obliquis impressis,
nigro-lituratus. Mesothorax vittis 4 nigris, intermediis bre-
vissimis. Abdomen supra .nigrum, segmentis testaceo-margina-
tis, infra rubro-testaceum, vitta longitudinali nigra. Pedes te-
stacei, femoribus omnibus nigro - vittatis, -tibiis anticis fuseis.
Alae hyalinae, nervis testaceis, apicalibus nigris, anticae cel-
lula'eubitali et discoidali: primis macula nigra terminatis, po-
steriores lobo anali albo, macula media hyalina,
Mas _ signaturis. nigris ‚dilatatis obscurior, abdomine infra
fere.toto nigro; opercula parya,. rubro - testacea, basi, .nigri-
cantia,
280. Psylla luteola: Lutea, alis hyalinis, immaculatis,
femoribus macula nigra. — Long. corp. 2 lin., lat.
al. exp. 5 lin.
Statura Ps. alni. Lutea, supra saturatior. Caput. pro-
cessibus frontalibus parvis subdeflexis. Rostrum peectorale.
| Bi
- Wagenschicher del. et se
MW Üügencchieber SR el se.
287
Prothorax antice profunde bisinuatus. Femora basi extus ni-
gricantia.
281. Psylla subfasciata: Testacea, passim incarnata ,
alis hyalinis, fascia prope basin obsoleta fusca. —
Long. corp. 14 lin., lat. al. exp. 4 lin.
Caput pallide testaceum, passim incarnatum, processibus
frontalibus sat magnis, vesicularibus, contiguis, apice seta no-
tatis. Rostrum pectorale. Thorax testaceus, passim incarna-
tus. Abdomen nigricans, segmentis rubro.-marginatis. , Pedes
pallidi, passim incarnati.; ‘Alae hyalinae, neryis\ albis; passim
inearnatis, antiee fascia prope basin dilute fusca.
Erklärung der Tafeln IV. und V.
L
Taf. IV.
Fig, 1, Scopodes boops.
- 2. Amblytelus curtus. a. Die Unterlippe.
- 3, Umriss des Kopfes des Lestignathus cursor. a. DASDE b.
ws Unterlippe.
4. a, Umriss des Kopfes der Silopa ‚fumuta., b. Bass der
selben.
- „3. Unterlippe der Scitala sericans.
- 6. Telura vitticollis. a. Umriss des Kopfes. b. Unterlippe.
- 7. Saragus laevicollis. a. Maxille. b. Unterlippe.
- 8. Olisthaena nitida.
- 9, Titaena columbina. a. Maxille. b. Unterlippe.
- 10. Mecynopus cothurnatus, ;
Taf. V,
Fig. 1. Ulodes verrucosus. a. Maxille. b. Unterlippe.
- 2. Meriphus fullo.
- 3. Latometus pubescens.
- 4. Pyenomerus fuliginosus. a. Maxille. b. Unterlippe.
- 5. Daulis cimicoides. An. dem. darüberstehenden Umrisse des
a Kopfes; a. Mandibel. b. Maxillartaster. c. Spitze des
Lippentasters, .d. Lefze.
Bd, "Epoli ia variegata.
- 7. Amblyopone australis.
- 8. Ariphron bicolor. a. Der Kopf von vorne gesehen.
- 9. Isodermus planus.
- 10. Mesops pedestris. a. Vergrösserte Hinterleibsspitze d. Männchen.
288
Nachtrag zu meiner Beschreibung von Habrocoma
und Holochilus.
Von
A. Wagner.
So. eben’ kommt uns auf buchhändlerischem Wege von
Darwin’s Zoology of the voy. of H.M. S. Beagle N. IV. der
von Waterhouse bearbeiteten Mammalia zu, und zwar nach
langer Verspätung, wenn anders die auf dem Umschlage an-
gegebene Jahreszahl 1839 Sept. richtig ist. In diesem Hefte
ist Habrocoma Bennettii und Cuvierö beschrieben und
abgebildet. Hieraus habe ich ersehen, dass, wie ich es ver-
muthete, der Ausdruck: „corpore supra griseo“ von Water-
house in unrichtiger Bedeutung gebraucht wurde, indem Be-
schreibung und Abbildung bei ihm ausweisen, dass die Ober-
seite nicht grau, sondern ‚dusky brown“ ist. Demnach ist
die von mir beschriebene Habrocoma identisch mit H. Bennetii.
Meine Beschreibung wird indess hiedurch nicht überflüssig, da
sie die von Waterhouse, ergänzt, welcher Schädel und Gebiss
von dieser Art nicht kannte.
Ferner habe ich aus diesem Hefte ersehen , dass Mus
brasiliensis Wat. ebenfalls der Gattung Holochilus an-
gehörig ist. Waterhouse sagt zwar nichts über die Beschaf-
fenheit der Oberlippe, aber seine Abbildung des Gebisses und
Schädels weist auf diese Gattung hin. Waterhouse selbst hat
den Mus brasiliensis keiner seiner Untergattungen ‚zuge-
theilt; ja.im.4ten Hefte ist von letzteren. gar nichtmehr die
Rede, sondern er bringt, mit Ausnahme von 'Reithrodon,
alle andern südamericanischen Mäuse, deren Gebiss von dem
der Ratten abweicht, in eine neu benannte Gattung Hespe-
romys zusammen.
289
Neue Batrachiern
Von
W. v. Rapp,
Professor in Tübingen.
Hierzu Tafel VI.
Hyperolius marmoratus Rapp.
Fig. 1. 2.
Unterscheidungsmerkmale. Zunge herzförmig. Die
Trommelhaut verdeckt. Kopf kurz, stwwnpf. Der Rücken dun-
kelbraun mit unregelmässigen hellgrauen Flecken. Vorderarm
und Unterschenkel gefleckt, Oberarın und Oberschenkel un-
gefleckt.
Beschreibung. Der Kopf ist u es finden sich keine
Gaumenzähne, auch, wie überhaupt bei den ungeschwänzten
Batrachiern, keine Zähne im Unterkiefer. Die Augen sind
ziemlich gross, der Leib hinten verschmälert. Die Extremi-
täten sind sehr dünn; die hinteren durch ihre Länge ausge-
zeichnet. Es finden sich vier Finger und fünf Zehen; alle
sind an der Spitze warzenförmig verdickt. Sowohl zwischen
den Fingern als zwischen den Zehen ist eine Schwimmhaut
ausgespannt, die aber nicht bis zu der Spitze sich erstreckt,
und an den Fingern unvollständiger ist als an den Zehen,
Die Haut ist glatt, ohne Warzen, an den Mundwinkeln
einige kleine Drüsenkörner. Der Rücken ist dunkelbraun,
mit unregelmässigen grauweissen Flecken; dieselbe Färbung
zeigt auch die obere Seite des Vorderarms und des Unter-
- schenkels; Oberarm und Oberschenkel sind ungefleckt. Die
untere Seite des Leibes ist hellgrau, ungefleckt. Die dunkle
Färbung der obern Seite des Thiers ist an den Seiten scharf
abgeschnitten.
Länge des Leibes: ein Zoll. Länge der hintern Extre-
mität bis zu den Zehenspitzen: ein und ein halber Zoll.
Die Knochen sind sehr dünn. Die Querfortsätze des
Archiv 1, Naturgesch, VII. Jahrg. 1, Bd. 19
290
Kreuzbeins schmal. Das ganze Skelet wiegt nur einen und
einen halben Gran,
Dieser kleine Frosch findet sich in Natal. In der Fa-
milie Hyla unterschied Tschudi *) ein Genus unter dem Na-
men Eucnemis, wozu die von mir beschriebene Art gerechnet
werden muss, da aber schon ein Genus unter den Käfern die
Benennung Eucenemis führt, so wählte ich die Benennung Hy-
perolius, wegen des Mangels der Gaumenzähne.
In der Abbildung zeigt Fig. 1. das Thier in natürlicher
Grösse; 2. stellt eine Spielart dar mit kleinern aber zahlrei-
chern Flecken. Ich habe mehrere Exemplare dieses Thieres
verglichen; in Grösse und Gestalt fand sich keine Verschie-
denheit, wohl aber in der Färbung zeigten sich unbedeutende
Abweichungen.
Engystoma guttatum Rapp.
Fig. 3. 4.
Unterscheidungsmerkmale. Der Kopf klein, zugespitzt.
Keine Zähne. Die obere Seite des Leibes und der Extremi-
täten fast schwarz, mit weissen, rundlichen Flecken. Keine
Hautwarzen.
Beschreibung. Der Kopf ist zugespitzt, klein. Die Au-
gen und der Mund klein. Der Oberkiefer länger als der Un-
terkiefer. Letzterer hat am freien Rande in der Mitte drei
conische Hervorragungen. Keine Zähne. Die Zunge ist breit,
kurz, hinten frei, aber nicht ausgeschnitten. Keine Paroti-
den. Das Trommelfell verdeckt. Der Leib dick, die Extre-
mitäten kurz, dick. Vier Finger, fünf Zehen. Es findet sich
keine Schwimmhaut, nur an ihrem Ursprung sind die Zehen
durch eine kurze Haut verbunden. Die ganze Oberfläche des
Thiers ist glatt, ohne Drüsenkörner; aber die Haut zeigt doch,
besonders unter der Loupe betrachtet, viele, dichtstehende,
flache Gruben (Schleimhöhlen). Die obere Seite des Leibes
und der Extremitäten schwarzbraun, mit rundlichen weissen
Flecken; die untere Seite hellgrau, ungefleckt.
*) Classification der Batrachier. In Mem. de la Societe des
sciences nat, de Neuchatel. 1839.
934 AG
291
Länge des Leibes: zwei Zoll drei Linien (par. M.).
Diese Art, wie die vorhergehende, wurde vom Hrn. Dr.
Krauss in Natal im südlichen Africa gefunden.
In der Abbildung Fig. 3. ist das Thier in natürlicher
Grösse dargestellt; Fig.4. zeigt die vordere Hälfte des Thiers
von der Seite.
Breviceps verrucosus Rapp.
Fig. 5.
Unterscheidungsmerkmale. Kopf sehr dick, sehr abge-
stumpft. Keine Zähne. Die obere und die untere Seite des
Leibes mit körnigen Drüsen bedeckt. Dunkelbraun, ungefleckt.
Beschreibung. Das ganze Thier ist fast kugelförmig, der
Kopf sehr kurz, wie in den Rumpf zurückgezogen. Der
Mund breit, sehr stumpf. Die Zunge hinten frei, nicht ein-
geschnitten. Keine Zähne. Die Augen ziemlich klein; die
kleinen runden Nasenlöcher sitzen an der vordern, senkrecht
abgeschnittenen Fläche des Kopfes. Das Trommelfell verdeckt;
keine Parotiden. Die Extremitäten kurz, dick. Die vier Fin-
ger und fünf Zehen frei, ohne Schwimmhaut. Die Finger un-
gefähr von der Länge der Zehen. Sowohl die obere als die
untere Seite des Thiers ist warzig durch dichtstehende Drüsen-
körner, an denen man eine kleine Mündung unterscheiden
kann.
Farbe oben dunkelbraun, ohne Streifen und Flecken, un-
ten heller, und die vordere Hälfte des Thiers zeigt hier
schmale dunkle Flecken.
Diese Kröte wurde vom Herrn Dr. Krauss aus Natal im
südlichen Africa mitgebracht.
In der Abbildung ist das Thier in natürlicher Grösse dar-
gestellt.
292
Über die Geschlechtswerkzeuge von Syngnathus
und Hippocampus.
Aus einem Sendschreiben des Professors v. Siebold in Erlangen
an die schwedische medicinische Gesellschaft
in Stockholm.
Nachdem von schwedischen Naturforschern zuerst die in-
teressante Thatsache bekannt gemacht worden war, dass es
bei den Syngnathen die Männchen sind, welche entweder frei
am Bauche oder in einer besondern hinter dem After. befind-
lichen Tasche die Brut mit sich herumtragen und zur Ent-
wiekelung kommen lassen '), und dass die Männchen der Tang-
schnellen, welche die Bruttasche am Schwanze besitzen, der
Brut auch dann noch, wenn sie die Bruttasche bereits verlas-
sen hat, eine grosse Sorgfalt zuwenden ?), so hätte man er-
warten sollen, dass diese auf genaue Untersuchungen und di-
recte Beobachtungen gegründete, höchst merkwürdige That-
sache auch von anderen Seiten her bestättigt werden würde,
was jedoch nicht geschehen ist. Als diese Entdeckung schwe-
discher Naturforscher zuerst in Deutschland bekannt wurde,
schenkte man der Wahrheit derselben kein rechtes Vertrauen,
selbst dann noch nicht, als Retzius das, was derselbe über
diese sonderbaren Geschlechtsverhältnisse der Syngnathen der
Akademie in Stockholm früher vorgetragen hatte ®), bald dar-
auf bei der Versammlung der Naturforscher in Breslau wie-
derholte *), fand ‚die Sache in Deutschland Anklang, obschon
!) Verhandlungen der königl. schwedischen Akademie der Wis-
senschaften für das Jahr 1831. Ekström: die Fische in den Scheeren
von Mörkö. S. Isis. 1833. pag. 599. h;
2) Ekström: die Fische in den Scheeren von Mörkö. Übersetzt
von Creplin. pag. 133.
3) Verhandl. d. königl. schwed, Akad. für das Jahr 1833. Retzius:
anatomische Untersuchung einiger Theile von Syngnathus acus und
Syngnathus Ophidion. S. Isis. 1835. p. 396.
*) Isis. 1834. p- 679.
293
Retzius die Richtigkeit derselben durch sorgfältige anatomische
Zergliederung der Syngnathen nachzuweisen gesucht hatte.
Von England her erhielt diese Entdeckung durch Yarrell eine
Bestättigung mit der Bemerkung, dass diese Entdeckung der
schwedischen Naturforscher bereits im Jahre 1785 von einem
Engländer, Namens Wallecott, gemacht aber nicht veröffentlicht
worden sei ®). Aber auch diese Notiz trug nichts dazu bei,
der Sache in Deutschland Eingang zu verschaffen. Dem um
die Entwickelungsgeschichte der Thiere so sehr verdienten
Rathke, welcher bei seinem Aufenthalte am schwarzen Meere
viele schöne Untersuchungen über die Entwicekelung der Syn-
gnathen angestellt hatte, war das in Rede stehende sonderbare
Geschlechtsverhältniss dieser Fische ganz entgangen, derselbe
erhielt erst nach seiner Rückkehr in Dorpat von der interes-
santen Entdeckung der schwedischen Naturforscher Kenntniss,
und konnte dort nur an Weingeist - Exemplaren von Syngna-
thus-Arten Nachuntersuchungen anstellen, daher er in seinen
hierüber gelieferten Arbeiten den schwedischen Naturforschern
mit Vorsicht widerspricht *). Bei seinem letzten Aufenthalt
in Norwegen scheint Rathke nur eine sehr geringe Anzahl von
Syngnathen (Tangschnellen) erhalten zu haben, weshalb der-
selbe es unentschieden liess, ob die Weibchen oder die Männ-
chen der Tangschnellen es sind, welche die Bruttasche unter
dem Schwanze besitzen ”), dagegen sprach sich derselbe, nach-
dem er ein Exemplar einer Seenadel (Syngnathus aequoreus),
welches Eier am Bauche trug, zergliedert hatte, bestimmt da-
hin aus, dass bei Syngnathus aequoreus die Weibchen die
Eier ausbrüten ®), Valentin will bei einem Weingeist- Exem-
plar von Syngnathus, welches mit einer Bruttasche am Schwanze
verschen war, in den Ovarien Eier mit Dotterelementen wahr-
*) Isis. 1835. pag. 1049. Derselbe wiederholte seine Beobachtun-
gen in den Annals of natural history. Vol. 111. 1839. p. 82.
°) Rathke, Fauna der Krym. 1836. pag. 23. und: Zur Morpholo-
gie Reisebemerkungen aus Taurien. pag.157. und: Zur Anatomie der
Fische, in Müllers Archiv. 1836. pag. 181.
?) Müllers Archiv. 1840. p. 146.
*%) Ebend. pag. 146. Steht ganz im Widerspruch mit den von
Yarrel (a. a. O.) an Syngn. Ophidion angestellten Untersuchungen,
294
genommen haben °).. Wie es scheint, hat bis jetzt Rapp al-
lein jene Entdeckung der schwedischen Naturforscher in Deutsch-
land bestättigt "°). . Man sollte erwarten, dass bei den See-
pferdehen, welche der Gattung Syngnathus in. der übrigen
Organisation so, nahe stehen, die Sorge für die Brut ebenfalls
dem männlichen Individuum übertragen wäre, aber auch hier-
gegen trat Krohn widersprechend auf, und’ behauptete, dass
das sich bei Hippocampus vorfindende Brütorgan: nur die Weib-
chen besitzen !!).
Unter diesen Uimständen verlohnte es sich wohl. der Mühe,
diesen Gegenstand, über welchen ‚sich gewichtige Stimmen
für und wider erhoben haben, einer genauen und. vorur-
theilsfreien Prüfung. zu unterwerfen, hierzu gab mir mein vor-
jähriger Aufenthalt in Triest hinreichende Gelegenheit, Ich
untersuchte dort (Ende September) viele. frische Exemplare
von Syngnathus- und Hippocampus-Arten, und gelangte schon
in Triest zu dem bestimmten Resultate, dass die schwedischen
Naturforscher "die eigenthümlichen .Geschlechtsverhältnisse von
Syngnathus vollkommen richtig erkannt hatten, und dass es
auch bei Hippocampus die Männchen 'sind, welche den Brut-
sack hinter dem After besitzen, Nach Erlangen zurückgekehrt
setzte ich meine Untersuchung an Weingeistexemplaren dieser
Fische fort, und konnte derselben jetzt um so mehr Vertrauen
schenken, da ich durch ‚die Untersuchung. frischer Lophobran-
chier gelernt hatte, wie man die durch. die Einwirkung des
Weingeistes veränderten Hoden und Eierstöcke dieser Fische
zu. beurtheilen habe; aber auch hier konnte ich das bereits
in Triest erhaltene Resultat dieser Untersuchungen nur be-
stättigen,
Bei frischen. Tangsehnellen konnte, ich, an solchen Indivi-
duen, welche eine Bruttasche besassen, durch Druck auf das
Abdomen einen milchigen Saft aus der Geschlechtsöffnung
hervordrücken, der ganz mit der Flüssigkeit übereinstimmte,
welche ich nach dem Eröffnen dieser Fische als Inhalt ihrer
°) Valentin, Repertorium für Anatomie und Physiologie. 1838.
pag. 193.
'0) Isis. 1834. pag. 680. Rt:
1!) S, dieses Archiy. VI. 1. pag. 16. Uber das Brütorgan der
Gattung Hippocampus.
295
inneren Geschlechtsorgane vorfand. Diese bestanden aus zwei
einfachen weissen Blindröhren, von denen die eine fast immer
etwas länger als die andere war, Verletzte ich eine solcheBlind-
röhre, so ergoss sich ausderselben eine reichliche Menge milchiger
Flüssigkeit, welche, mieroscopisch untersucht, aus einer unzähligen
Masse farbeloser, durchsichtiger und gleich grosser Bläschen
bestand; ihre Grösse betrug ohngefähr „35 einer Pariser Li-
nie, Jedes dieser wasserhellen Bläschen enthielt eine grosse
Menge ausserordentlich kleiner Körnchen, an welchen sich
deutlich ein Monadenzittern wahrnehmen liess. Bei denjenigen
Individuen von Hippocampus, welche die von Krohn kürzlich
beschriebene Bruttasche hinter dem After besassen !?), ver-
hielten sich die inneren Geschlechtsorgane ganz ähnlich, wie
bei Syngnathus, nur waren die Bläschen, welche die Haupt-
bestandtheile der in den Geschlechtsorganen enthaltenen Flüs-
sigkeit ausmachten, etwas kleiner als bei Syngnathus,
Aus denjenigen Individuen von Tangschnellen und See-
pferdchen, welche keine Bruttasche besassen, liess sich kein
milchiger Saft aus der Geschlechtsöfinung hervordrücken; die
inneren Geschlechtstheile bildeten hier zwar ebenfalls Blind-
röhren von meist ungleicher Länge, jedoch war das Kaliber
derselben stets stärker als bei den zuerst erwähnten mit Brut-
taschen versehenen Individuen. Ihre Farbe war nicht weiss,
sondern gelb, orange, zuweilen sogar röthlich, und ihre äus-
sere Oberfläche zeigte häufig runde Unebenheiten, welche von
in den Blindröhren eingeschlossenen grossen kugelförmigen
Körpern herrührten, kurz, schon dieser oberflächliche Anblick
gewährte die Überzeugung, dass ich Ovarien, welche von
gelben und röthlichen Eiern strotzten, vor mir hatte. Bei
dem Öffnen dieser Blindröhren quoll keine milchige Flüssig-
keit hervor, sondern es drängten sich aus der Schnittwunde
kugelförmige Eier heraus, wobei sich die Wundränder nach
aussen umstülpten, und die innere Fläche der Blindröhren, an
welcher viele grössere und kleinere Eier festhingen, zu Tage
kam, Nicht bloss an den mit unbewaffnetem Auge erkennba-
ren Eiern war eine Verschiedenheit in der Grösse wahrzuneh-
men, sondern auch unter den weniger ausgebildeten, nur mit
+3) 8. dieses Archiv a. a. O.
296
dem Mieroscope zu unterscheidenden Eierkeimen herrschte
diese Ungleichheit der Grösse vor, auch waren die kleinsten
erkennbaren Eierkeime immer noch grösser, als jene wasser-
klaren gleich grossen Bläschen aus den inneren Geschlechts-
organen der vorhin erwähnten mit einem Brütorgane versehe-
nen Lophobranchier. Bei der mieroscopischen Untersuchung
erkannte ich deutlich, dass die meisten Eier in den Wänden
der Eierstöcke eingebettet lagen; die Anwesenheit von Keim-
bläschen und Keimfleck bei allen diesen grossen und kleinen
Eiern setzten überdies ausser Zweifel, dass ich es nur allein
mit weiblichen Geschlechtsorgänen zu thun hatte.
Diese so auffallende und scharf ausgesprochene Ver-
schiedenheit des Inhalts der Geschlechtstheile, wodurch sich
die mit einer Bruttasche verselienen Tangschnellen und See-
pferdchen von denjenigen Individuen, welche dieses Organ
nicht besitzen, unterscheiden, berechtigen doch wohl, die er-
steren für die männlichen und die letzteren für die weiblichen
Individuen dieser Lophobranchier zu nehmen, zumal da die
Geschlechtsorgaiie der zuletzt erwähnten Individuen sich zu
deutlich und unverkennbar als Ovarien auswiesen. Die mil-
ehige Flüssigkeit in den Geschlechtörganen der mit einer Brut-
tasche versehenen Lophobranchier war demnach Samenflüssig-
keit, und die wasserhellen, gleich grossen Bläschen die Ele-
mentärbestandtheile derselben. Wenn ich diese Bläschen nicht
gerädehin als die Sperinatozoen der Lophobranchier zu be-
trachten wage, so geschieht es deshalb, weil sie in ihrer Ge-
stalt und Starrheit von den beweglichen Spermatozoen ‘der
übrigen Fische 1%) sehr abweichen; zwar kommen 'sie den
kugelförmigen Spermatozoen der Knochenfische noch am näch-
sten, besitzen aber keine Spur eines haarförmigen Anhangs,
so wenig wie die Spermatozoeü der Knochenfische jenen fein-
körnigen Inhalt, welchen die glashellen Bläschen aus der Sa-
menflüssigkeit der Lophobranchier einschliessen, in ’ihrem-In-
nern wahrnehmen lassen, überdies ist die Grösse‘ dieser
Bläschen im Verhältniss zu der Grösse der Spermatozoen der
'%) Durch Wagner kennen wir bis jetzt drei Hauptformen der
Spermatozoen der Fische. S. dessen Fragmente zur Physiologie der
Zeugung pag.16. Tab. 11. Fig. XIX. XX. XXL
297
Knochenfische viel zu bedeutend, als dass ich nicht vermuthen
sollte, die wasserhellen bewegungslosen Bläschen mit ihrem
feinkörnigen Inhalte seien nicht die eigentlichen Spermatozoen
der Tangschnellen und Seepferdchen, sondern nur die Ent-
wickelungskugeln gewesen, aus deren Inhalt sich erst zur Zeit
der Brunst die Spermatozoen entwickeln; wahrscheinlich ber-
sten um diese Zeit die zarten Bläschen ‘und die entwickelten
(vielleicht kugelförmigen) Spermatozoen bilden dann eine eben
so in sich bewegte Masse wie die vollkommen ausgebildeten
Spermatozoen der übrigen Fische. Als analog diesen Ent-
wieklungskugeln der Spermatozoen von Syngnathus und Hip-
pocampus dürften die Blasen zu betrachten sein, welche Hall-
mann **) und Lallemand !°) in den Hoden der Rochen ange-
troffen haben.
Rathke beschreibt übrigens die männlichen Geschlechts-
organe der Tangschnellen, ohne es zu ahnen, als Eierstöcke in
der Art, dass man die Hoden leicht darin erkennt. Derselbe
sagt nämlich "°): „Bei mehreren Exemplaren von Syngnathen,
deren Bruthöhle voll von Eiern oder Jungen war, und die
ich im ganz frischen Zustande untersuchte, stellten die inne-
ren Geschlechtswerkzeuge, wie ich aus meinen auf der Reise
geführten Tagebüchern ersehe, zwei enge häutige und mässig
diekwandige Kanäle dar, die an dem einen Ende blind waren,
an dem andern zu einem sehr kurzen Ausführungskanale zu-
sammenflossen, der sich. am hinteren Rande des Afters mün-
dete, An der ganzen innern Fläche der Wandung dieser Ka-
näle befand sich eine grosse Anzahl sehr kleiner , ziemlich
gleich grosser, dicht gedrängt beisammenstehender , runder,
weisser, und nur eine einzige Schichte zusammensetzender
!+) Müllers Archiv. 1840, Über den Bau des Hodens und die
Entwickelung der Saamenthiere der Rochen, Taf. XV. Fig.3 e. Hall-
mann betrachtet die in den kugeligen gestielten Endbläschen der Ho-
den vorgefundenen Zellen ohne Kern als Zellen, in denen sich die
Saamenthierchen bilden. Dieselben platzen nach seiner Angabe im
Wasser, nachdem sie etwas angeschwollen sind, sehr bald und lassen
ein kleines Häufchen Körner zurück.
») Annales des sciences naturelles. 1841, Tom. XV. Sur le de-
veloppement des zoospermes de la Raie, P1.10. Fig. 9.
’*) Zur Morphologie. p. 158.
298
Körperchen, dievich für Eier hielt, welche erst im nächsten
Jahre zur Reife gelangen sollten. Die Höhle der Kanäle aber
war mit, einer mässig grossen Quantität von einer dicklichen,
weisslichen und anscheinend schleimartigen Flüssigkeit ange-
füllt.“ Die von Rathke so genannten sehr kleine, ziem-
lich gleich grosse, runde Körperchen waren gewiss
nichts anderes als die von mir beobachteten Entwickelungsku-
geln der Spermatozoen; in den Eierstöcken erwachsener Thiere
zeigen sich die Eierkeime nie von gleicher Grösse, immer
sind einige mehr entwickelt und enthalten eine grössere
Menge Dotter als andere benachbarte Eierkeime, Rathke selbst
befremdete es, dass die kleinen runden Körperchen, die er
in den innern Geschlechtswerkzeugen solcher Syngnathen fand,
welche im Brüten begriffen waren, und die er für die jüngsten
Eier hielt, alle ziemlich dieselbe Grösse hatten !7).
In solchen Syngnathen und Hippocampus-Arten, welche
längere Zeit in Weingeist aufbewahrt gewesen, zeigte sich mir
schon ‚bei oberflächlicher Betrachtung ein Unterschied zwischen
Hoden und Ovarien. Erstere bildeten immer enge, äusserlich
glatte Blindröhren von weisslicher Farbe, der Inhalt dersel-
ben stellte, mierocsopisch betrachtet, eine gleichmässig krüm-
liche Masse dar, nirgends eine Spur von Eiern blicken las-
send; diese Structur-Verhältnisse der inneren Geschlechts-
theile fand ich immer nur bei solchen Weingeistexemplaren
der Tangschnellen und Seepferdchen, welche im Besitze eines
Brütorgans waren, während ich bei den übrigen Weingeist-
exemplaren verhältnissmässig dickere, gelb oder orange ge-
färbte Blindkanäle vorfand, an welchen sich schon äusserlich
die Eigenschaft der Ovarien durch kugelige Unebenheiten ver-
rieth, und in welchen ich stets grössere und kleinere kugel-
runde, scharfbegrenzte, undurchsichtige Dotterkörper mit leich-
ter Mühe entdeckte, welche, mit dem Microscope untersucht,
einen zirkelrunden, durch einen noch höhern Grad von Un-
durchsichtigkeit abstechenden Kern, den geronnenen Inhalt des
Keimbläschens, erkennen liessen.
Es drängt sich mir hier noch eine Frage in Bezug auf
'7) Zur Morphologie. p. 159. und Müllers Archiv. 1836. p. 182.
299
die Fortpflanzungsgeschichte der Tangschnellen auf, welche
ich jedoch unerledigt lassen muss: wann bildet sich bei den
Männchen der Tangschnellen das Marsupium aus? und ferner:
verschwindet dasselbe nach der überstandenen Brutzeit wieder
oder verbleibt es bei den. einmal‘ erwachsenen männlichen
Tangschnellen als ein beständiges äusseres Kennzeichen dieses
Geschlechts? Nach Ekström turgeseiren die beiden seitlichen
Lappen, welche die Höhle der Bruttasche bedecken, zur Zeit
der Brunst und werden später wieder schlaff und dünner !®),
Aus Ratlıke’s Beobachtungen wäre zu entnehmen, dass einige
Zeit vor der Brützeit das Marsupium entsteht, dass um diese
Zeit die beiden Hautfalten desselben einander entgegenwach-
sen, und nachher wieder gänzlich. verschwinden und resorbirt
werden !°)... Nach Retzius ‘soll bei denjenigen Männchen .der
Tangschnellen, welche noch nicht zeugungsfähig sind. oder
überhaupt am Laichen nicht Theil nehmen, das Brütorgan feh-
len ,, ‚obwohl. die Ränder. des, Schwanzes etwas .‚hervorstehen
und. die Stelle, wo. es sich dereinst ausbilden soll, | bereits
andeuten ?°),
Bei Hippocampus ist das einen, vollständigen Blindsack
bildende Marsupium so ‚eigenthümlich ‘gebaut, dass, ich. mir
nicht wohl sein Wiederverschwinden , wenn es. einmal. ausge-
bildet ist, denken kann. ;
Meine Untersuchungen, welche diesen, Bemerkungen zum
Grunde liegen, habe ich ‚an Syngnathus rhynchaenus Mich,,
pelagieus Riss., typhle L. und Acus L, *'), ‚an. Hippocampus
brevirostris und longirostris. Cuv. ‚angestellt.
Erlangen, den '15ten März 1842,
'#) Die Fische in den Scheeren von Mörkö. p. 125.
'®) Fauna der Krym. p.23. und: zur Morphologie. p. 152. u. d. f.
und Müllers Archiv 1836. p. 181.
2°) Isis 1835. p. 197.
*') Ratlıke hält es für ein gutes diagnostisches Merkmal, ob die
Seitenkanten des Rumpfes ohne Unterbrechung -in ‚die obere Kante
des Schwanzes übergehen oder gegentheils von dieser gesondert sind
(Fauna der Krym p.22.), von Michahelles ist schon früher (Isis 1829.
p- 1012. u.d. f.) dieses Merkmal benutzt worden; ich kann dasselbe
jedoch nicht als brauchbar anerkennen ‚ da bei einer und derselben
Species, z.B. bei Syngnathus Acus, an einem Individuum ‚die Seiten-
Beschreibung einer neuen bei Berlin gefundenen
Paludina.
Von
Alexander Paasch.
Hierzu Taf. VI. Fig. A—-D.
Mit Untersuchung der Mollusken unserer Gegend beschäf-
tigt, fand ich im Mai vorigen Jahres, an Lemna minor sitzend,
eine kleine Paludina, die ich nicht zu bestimmen vermochte.
Da ich sie für ein noch unausgewachsenes Exemplar hielt,
nahm ich sie mit, um sie zu beobachten. Am 10. Juni setzte
sie zu meiner Verwunderung ein Häufchen Laich ab, am 15.
abermals, und so fuhr sie den Juni und den grössten Theil
des Juli hindurch fort, worauf sie dann bald starb. Die er-
sten Laiche enthielten 21, 10, 8 Eier, die späteren immer nur
wenige, 6, 5, 4 und einige selbst nur 1. Die Eier brauchten
zu ihrer vollkommenen Entwickelung, bis zum Ausschlüpfen der
Jungen, vier Wochen. Da ich hierdurch zu der Überzeugung
gekommen war, doch ein altes und ausgewachsenes Thier zu
haben, so hatte ich auch zugleich die gewonnen, dass es ein
in Deutschland noch nicht beobachtetes sei, und somit lasse
ich die Beschreibung folgen. Das Thier hat den Bau der an-
dern Paludinen, die Fühler sind lang, von unten nach oben
an Dicke abnehmend, sehr beweglich, an der Basis und an
der äussern Seite, etwas nach unten, die Augen führend, um
diese herum schön orange gefärbt; zwischen ihnen Jiegt die
rüsselförmige Schnauze. Diese ist oben grau oder schwarz-
kanten des Rumpfes ununterbrochen in die obere Kante des Schwan- |
zes übergehen, während bei einem andern Individuum eine Unterbre-
chung in dem Verlauf der Seitenkanten stattfindet, ja, ich habe ein
Individuum von S. Acus vor mir, wo auf der einen Seite eine Unter-
brechung und auf der andern ‘Seite keine solche im Verlaufe der Sei-
tenkante wahrzunehmen ist,
301
grau, nach unten, um die Mundöffnung herum, ebenfalls
orange. Der Fuss ist etwa doppelt so lang als breit, 14—2'
lang, $&— 1" breit, vorn abgestumpft, hinten abgerundet,
durscheinend hellgrau, mit orangefarbenen Puncten, die zwei
Längsstreifen bilden. Das Gehäuse hat 4 stark gewölbte Win-
dungen, die tiefe Nähte zwischen sich lassen; der letzte Um-
gang ist verhältnissmässig sehr gross und bauchig. Die Mün-
dung ein sehr kurzes Oval, fast kreisrund; der Nabel durch
den letzten Umgang fast ganz bedeckt. Der Deckel der Mün-
dung entsprechend, fein concentrisch gestreift. Das ganze
Gehäuse ist von einer blassen Hornfarbe, die aber gewöhn-
lich durch einen grünen Überzug bedeckt wird. Länge 2”,
Breite 14”. — Es kommen grössere und kleinere ausgewach-
sene Exemplare vor, der Unterschied liegt jedoch grössten-
theils in der letzten Windung; ich vermuthe, dass erstere die
Weibchen sind, doch will ich mich darüber noch nicht mit
Gewissheit aussprechen, da ich die Anatomie noch nicht ge-
macht habe. — Die Eier werden sehr sauber in zwei Reihen
dicht neben einander, deren einzelne abwechseln, gelegt, so
dass sie, eigentlich einen Kugelabschnitt bildend, nun eckig
erscheinen; in einem sehr klaren, farblosen Eiweiss liegt der
gelbe Dotter, dessen Entwickelung man daher sehr bequem
beobachten kann. Um den ganzen Laichhaufen liegt eine sehr
dünne Schleimschicht, — Interessant schien es mir, dass die
ersten Eier gelegt wurden, als ich, das Thier schon etwa 14
Tage hatte; es musste also die Befruchtung mindestens so
lange vorhergegangen sein, und dass diese hinreichend war,
dass das Thier den ganzen Juni und auch fast den ganzen
Juli hindurch entwicklungsfähige Eier legen konnte.
Ich nenne diese Paludina dem, besonders um die Mol-
lusken unserer Gegend so verdienten Herrn Dr. Troschel
zu Ehren: Paludina Troschelii. Sie scheint Ähnlichkeit
zu haben mit dem von Draparnaud beschriebenen Oyclostoma
simile, doch ist, nach der Abbildung zu urtheilen, das Ver-
hältniss der Länge zur Breite bei dieser ein ganz anderes,
auch sind die Windungen nicht durch so tiefe Nähte von ein-
ander geschieden, wie bei unserer neuen.
302
Beobachtungen über die Metamorphose einer
Annelide.
Von
S..Lo ven.
Aus den K. Vetenskaps-Academiens Handlingar für 1840
übersetzt von Dr. W. Peters.
Hierzu Tafel VII.
Unter allen Gliederthieren sind ohne Zweifel die Ringel-
würmer am wenigsten bearbeitet worden, ungeachtet der vor-
trefflichen Untersuchungen, welche Milne Edwards in neuerer
Zeit darüber mitgetheilt hat. Ihre Entwickelung ins Besondere
ist uns fast noch durchaus unbekannt. Die Beobachtung,
welche ich hier vorlege, obgleich noch vereinzelt und unvoll-
ständig, scheint gleichwohl anzudeuten, dass, wenigstens bei
den höheren Abtheilungen dieser Thiere, während der Ent-
wiekelung eine Metamorphose vor sich geht, welche fast eben
so merkwürdig wie die der Insecten ist.
Im Augustmonat vorigen Jahres, als ich mit einem feinen
Hamen am Meere kleine Thierchen, wie Entomostraken u. dgl.,
welche sich dort aufhalten, herausholen wollte, erhielt ich
unvermuthet zugleich mit diesen eine grosse Anzahl kleiner
lebender Wesen, welche mir so durchaus fremd erschienen,
dass es nicht möglich war, auszumachen, welcher Klasse sie
angehörten. Fig.1. stellt ein solches vergrössert vor, in der
Form, wie es mir zuerst erschien. Die natürliche Grösse be-
trug ungefähr 5 Millimeter. Sein sehr einfacher Bau war fol-
gender. Am meisten in die Augen fallend war ein Discus
oder ovaler Ring (a.), welcher an seinem Rande eine Reihe
starker vibrirender Cilien, und über derselben eine zweite
kleinerer trug. Durch die unaufhörliche Bewegung dieser Ci-
lien bewegte sich das Thier ziemlich schnell hin und her,
meist in einer schiefen Richtung vorwärts gehend.
Auf der Seite dieses Ringes, welche gewöhnlich nach oben
gerichtet war, erhob sich der Körper in eine, nach hinten
303
zu etwas schiefe Halbkugel (b.); auf der gewöhnlich nach un-
ten gekehrten Seite war er ebenfalls erhöht (Fig. 1, 2, 3, c.),
jedoch viel weniger, und nach vorn schief. Auf der obern
Seite schien vorn nahe dem Ring der Mund (e.) zu liegen,
dessen Lippe mit Wimpern versehen war. Auf der Spitze
dieser Seite sah man den After (h.), eine kleine mit einem
Muskelring umgebene Oeffinung. Das Ganze war sehr durch-
sichtig, und im Innern sah man den Verlauf des Darmkanals,
was noch deutlicher erschien, wenn man das Thierchen mit
Indigo fütterte. Man sah sodann, dass der Darmkanal in zwei
Theile getheilt ist, in den Magen (f.), der fast sackförmig ist,
und sich nach hinten und etwas nach unten erstreckt, und den
Darm (g.), welcher durch eine Zusammenziehung von demsel-
ben geschieden wird, und dann noch mehr sich verschmälernd
gerade aufwärts zum After hinaufsteigt. Fast in der Mitte
der untern erhöhten Oberfläche des Thieres fand sich ein mehr
opaker, quergestellter, wenig erhabener Fleck (i.), welcher bei
einigen Individuen zwei kleine schwarze Punkte zeigte. Aus
diesem Bau liess sich leicht errathen, dass das Thier nicht
entwickelt war, aber schwieriger war zu sagen, was daraus
werden würde.
Diese Frage wurde gleichwohl bald abgethan. Es zeigte
sich, dass die kleinen Thierchen, eins nach dem andern, be-
deutende Veränderungen erlitten. Die obere erhöhte Seite (b.)
schoss immer mehr hervor und theilte sich (Fig. 2. i.) in Ringe.
Der erste derselben bildete sich zunächst dem After (h.), und
ihre Anzahl vergrösserte sich allmälig, so dass der zuletzt
hinzukommende dem Discus zunächst lag. Jeder neugebildete
Ring bestand aus vier Theilen. Von diesen waren zwei, der
vordere und hintere, grosse, entsprechende, aussen von einer
Muskelschicht bedeckte Halbringe, und .die beiden andern kür-
zere Seitenstücke, welche die vorigen vereinigten. Während
diese Veränderung über dem Discus vorging, entstand eine
andere eben so überraschende unterhalb desselben. Der oben
erwähnte Fleck (d.) wurde immer opaker und deutlicher, und
zwischen und vor den vorhandenen schwarzen Punkten erho-
ben sich allmälig zwei Spitzen (Fig. 2.3. 4.), augenscheinlich
Fühlfäden vor den Augen. Jetzt wurde es klar, was die fort-
laufende Metamorphose bezweckte: die Entwickelung einer
304
Annelide. Die Form, welche wir so: eben beschrieben und
Fig. 2. abgezeichnet haben, verwandelte sich sehr bald in die-
jenige, welche man in Fig. 5. sieht, indem die Anzahl der
Ringe schnell: vergrössert und der vorher runde, gewölbte
Theil b. der geringelte Körper eines Wurms wurde. Noch be-
stand der Diseus mit seinen vibrirenden Cilien, und’ die klei-
nen Thiere, seit zwei Tagen gefangen, starben eins nach dem
andern. Ich hätte so auf die Hofinung Verzicht leisten müs-
sen, ihre Entwicklung bis zum Ende zu verfolgen, aber end-
lich fand 'sich noch ein solches, wie ich es Fig. 6. abgezeich-
net habe. Dieses hatte nicht mehr seinen wimpernden Ring
hinten um den Kopf herum (wie Fig. 5.), sondern dieser war
frei vorwärts gestreckt, und als Ueberbleibsel des Ringes er-
schien auf jeder Seite ein Anhängsel, welcher jedoch keine be-
stimmte Form annahm, indem das Thier bald darauf starb.
Ich kann desshalb nicht entscheiden, ob diese Anhänge noch
einige Zeit sitzen bleiben, oder bald abfallen, habe jedoch
Grund, das erstere zu vermuthen. Bereits vor mehreren Jah-
ren beobachtete und zeichnete ich eine kleine, auf der
Meeresfläche schwimmende Annelide, der unsrigen ähnlich,
aber mehr entwickelt und augenscheinlich einer andern Gat-
tung angehörend. Sie ist fast dieselbe, welehe Johnston in
den Annals of. natural history III. p. 293. tab. VI. fig. 2. be-
schrieben und abgebildet hat, und von der er vermuthet, dass
sie, ein Junges von Linne’s Nereis pelagica sei. Diese von
ihm und mir gesehenen Thiere tragen beide auf jeder Seite
des Kopfes einen flossenartigen, auf der untern Seite reich
mit wimpernden Cilien versehenen Appendix. Entstehen hieraus
vielleicht die Antennen? Diese Frage blieb ungelöst, und auch
die Bildung der Füsse, welche noch übrig blieb, entzog. sich
jeder Untersuchung.
Hätte man die Entwiekelung länger verfolgen können, so
wäre es von geringer ‚Schwierigkeit gewesen, die vorhandene
Species genau zu bestimmen. Das lässt sich jetzt nicht thun, und
auch eine ganz genaue Bestimmung des Genus wird sich
schwerlich machen lassen. Vorerst erhellt gleichwohl ‚aus der
Beschaffenheit des Kopfes, seiner Augen und Antennen, dass
es ein Thier aus der Klasse der freien Anneliden, Lamarck’s
Antennati, ist, und unter diesen scheint die Form des Lei-
1042 Top IH.
305
bes auf die Familie der Nereiden oder Euniceen hinzuweisen.
Nach der Gestalt des Kopfes und der Anzahl der Augen sollte
man eine Phyllodoce vermuthen, und Arten dieser Gattung
sind an unserer Westküste nicht selten; aber ohne die Form
der Fisse zu kennen, können wir hierüber nichts feststellen.
Kurz und unvollständig, wie. diese Beobachtung erschei-
nen muss, möchte sie doch beweisen, dass wenigstens gewisse
Anneliden einer Art Metamorphose unterliegen, welche nicht
weniger merkwürdig als bei den Insekten und einem Theil
der Orustaceen ist. Sie zeigt ausserdem, dass der Zuwachs
bei den Anneliden in der Art geschieht, dass vor, nicht hin-
ter den älteren, neue Ringe hinzukommen, und dass auf diese
Art der letzte, hinterste Ring der älteste ist, oder, dass der
Zuwachs sogleich hinter dem Kopfe entsteht, ein Gesetz, wel-
ches auch bei den Entozoen bemerkt worden sein dürfte. Es
scheint auch, dass jeder Ring ursprünglich aus einem obern
und einem untern Halbringe, tergum und sternum, besteht,
welche durch zwei Seitenstücke vereinigt werden, aus denen
später die Füsse hervorkommen.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. stellt ein Junges dar, wie es sich zuerst zeigte.
- 2. dasselbe, welches an Grösse zugenommen und bei dem sich
7 Ringe entwickelt haben.
- 3. dasselbe von der Unterseite, um den Kopf mit Augen und
Antennen zu zeigen.
- 4. dasselbe im Profil von hinten.
- 5. das Thier mit einer grössern Anzahl Ringe und wurmförmi-
gem Körper.
- 6, ein Individuum nach Verwandlung des Ringes.
In diesen Figuren bezeichnet a. den Ring oder Discus; b. den
obern oder Abdominaltheil; ec. den untern oder Kopftheil; d. den
Kopf; e,den Mund; f. den Magen; g. den Darm; h. Anus; i. Bauch-
ringe,
Archiv 1. Natargesch, VIII. Jahrg, 1. nd, 20
Myzostoma ceirriferum Leuck., ein parasitischer
Wurm,
beschrieben von
S. Loven.
Aus den Kongl. Vetensk. Akad. Handlingar for är 1840.
Hierzu Taf. Vll.
Die Art des Genus Comatula, ‘welche sich in ganz beson-
derer Menge an gewissen Stellen unserer Westküste vorfindet,
beherbergt oft ein Schmarotzerthier von ganz besonderer Or-
ganisation, und nahe verwandte Parasiten sind von Leuckart*)
auf zwei anderen Comatulen aus dem Mittelmeere und dem
rothen Meere gefunden. Leuckart hat für diese Thiere ein
neues Genus unter den Trematoden aufgestellt, unter dem Na-
men Myzostoma, von dem er selbst zwei Arten untersucht
hat, .M. glabrum und .M, ‚costatum, denen er, nach einer von
Thompson**)mitgetheilten Notiz, eine drittehinzugefügt, welche
er M. oirriferum **%*) benannt hat. Diese letztere habe ich
Gelegenheit gehabt, genauer als bisher geschehen, zu unter-
suchen, und da ihre Organisation mehrere ganz bemerkens-
werthe Verhältnisse darbietet, scheint es mir nicht unwerth,
eine genauere. Beschreibung derselben vorzulegen.
Es leidet keinen Zweifel, dass dies Thier zur Klasse der
Würmer gezählt werden muss. Der erste flüchtige Anblick
seiner eigenthümlichen Form und seiner schnellen Bewegun-
*) Isis 1830. S. 612.
**) Fror. Notiz. N. 1057. 1836,
***) Ebend. 1087. 1836.
Der Gattungsname Cyclocirra, welchen J. Müller in diesem
Arch. VII. Jahrg. 1. Bd. S. 147. dem Thompsonschen Thiere vorläufig
ertheilte, geht wieder ein. Herausg.
307
gen berechtigen jedoch nicht unbedingt zu dieser Ansicht; es
erinnert mehr an irgend ein parasitisches Crustaceum. Der
Leib ist nämlich ganz ungegliedert, und hat die Gestalt eines
rund-ovalen Schildes, dessen Rand auf jeder Seite mit ziem-
lich langen Spitzen verziert ist. Die Zahl derselben war nach
meiner Beobachtung stets 20, oder 10 auf jeder Seite, aber
da Thompson 148—20 zählt, möchte einige Verschiedenheit
hierin stattfinden. Die Spitzen jeder Seite sind in gleichen
Zwischenräumen aufgestellt, hinten sind sie durch einen freien
Raum getrennt, der doppelt so gross als einer der seitlichen
Zwischenräume ist, und vorn durch einen ähnlichen desglei-
chen, fast 14 Mal so gross.
Die obere Fläche oder der Rücken ist vollkommen glatt,
und zeigt bloss längs der Mittellinie in der Mitte zwei
schwache Erhabenheiten, welche auch bei in Weingeist
aufbewahrten Exemplaren recht deutlich sind. Die untere
Seite (Fig. 1.) dagegen trägt alle äusseren Organe des Thiers.
Diese sind: ein sehr grosser Rüssel (a.), der vollkommen
eingezogen werden kann, 5 Paar mit dem Seitenrande der
Scheibe parallel gestellte Füsse (e. e.), 4 Saugnäpfe (f. f.)
jederseits zwischen den Füssen und dem Rande, die Oefinungen
für die männlichen (g.g.) und weiblichen (h.) Fortpflanzungs-
Organe, nebst dem After (d.). Die innern Theile, welche we-
gen der Durchsichtigkeit des Thieres beobachtet werden kön-
nen, sind die Oentraltheile des Nervensystems (k.), der Darm-
kanal (e.) mit seinem seitlichen Anhang, der Eierstock (l.) und
die innern männlichen Fortpflanzungsorgane (m.). Die fol-
gende besondere Beschreibung möge diese Theile im Zusam-
ınenhang zeigen.
Der Nahrungskanal beginnt mit dem Rüssel (Fig.1a. u. Fig. 2.)
welcher durch die nahe dem vordern Ende liegende Öffnung
(Fig. 1b.) aus einer langen Scheide hervordringt, in welche
er sich ganz und gar zurückziehen kann. Die Länge des
Rüssels ist nicht viel geringer als die der Hälfte des ganzen
Thieres; er ist diek und eylindrisch, aber in seiner Gestalt
veränderlich., Am meisten nach vorn liegt der Mund (Fig. 2.
3.4. 5.), umgeben von einem starken Muskelringe (Fig. 4.),
gleichsam mit einem Sphineter, durch dessen Erweiterung oder
Zusammenziehung derselbe sich öffnet oder verschliesst, Im
20*
308
erstern Falle erscheint der ' Rüssel fast keulenförmig und
stumpf, im letzteren endet er mit einer abgerundeten Spitze.
Auf die Mundöffnung folgt eine ganz enge Röhre durch die
Mittellinie des Rüssels, umgeben von drei ungleichen Muskel-
lagen, nämlich einer innern (Fig. 2b.) aus Längsfasern, einer
mittlern stärkern (e.) aus ringförmig gelagerten Bündeln, ‘und
einer äussern (d.), wiederum aus Längsfasern bestehenden.
Die beiden erstern Schichten scheinen das Verschlingen selbst
zu vermitteln, die äussere giebt Theile an ‘das Innere des
Bauches und der Scheide ab, welche dazu dienen den 'Rüs-
sel einzuziehen und hervorzustrecken. ‘ Die äussere Bedeckung
des Thieres, welche in die Scheide hinabsteigt und dieselbe
inwendig bekleidet, überzieht auch den ganzen Rüssel. Wenn
der Mund geschlossen und sein Muskelring zurückgezogen
ist, legt sich sein Rand in sechs Einschnitte (Fig. 5.), von denen
der obere und untere am tiefsten sind; zwischen ihnen zeigen
sich eben so viele abgerundete Erhöhungen. Das innere Rohr
des Rüssels endigt in einen Schlingapparat (Fig. 2 e.), wo-
durch es vollkommen verschlossen wird. Die innerste Haut
des Schlundes geht etwas über denselben hinaus, und verei-
nigt sich mit dem Darmkanal (Fig. 1 c.). Dieser verändert
seine Form, je nachdem der Rüssel hervorgestreckt oder ein-
gezogen ist. Im erstern Falle ist er lang, spindelförmig, d.h.
gerade, vorn mit einer kleinen quer abgeschnittenen Öflnung
beginnend, darauf gegen die Mitte am meisten erweitert, und
am Ende. wieder ‘gleichmässig verschmälert. Ist der Rüssel
eingezogen (Fig. 1a.), so ist der vordere Theil des Darms
vorn zusammengedrückt, breit und quer, und seine Öffnung
ragt dann stärker hervor. Seine Wände sind‘ sehr undurch-
sichtig, er zeigt sich daher dem blossen Auge als 'ein weisser,
langer Strich, unter dem Mikroscop dagegen fast schwarz.
Wird ein Stück davon gepresst (Fig. 7.), so zeigt es sich, dass
die dunkle, fast undurchsichtige Haut mit dichtstehenden: bläs-
chenförmigen, sehr hellen Puncten bestreut ist, welche wahr-
scheinlich Absonderungsorgane sind. ‘Macht man aber einen
Durchschnitt des Kanals, so erscheinen seine Wände ganz
diek, und seine innere Haut hat dichtstehende, tiefe Ein-
drücke nach seiner Höhle hin.
Fast in der Mitte des Darmkanals öffnen sich (ganz nahe
309
neben einander, in denselben auf jeder Seite 3 Drüsen, welche
mit zahlreichen Zweigen von allen Seiten des Körpers her-
kommen. Die vorderste dieser Drüsen theilt sich, wenn man
vom Darmkänal ausgeht, bald in 3 Stämme, von denen der
vorderste gerade vorwärts geht und sich bei dem ersten Fusse
gabelförmig in 3 Zweige theilt, von denen der erste zwi-
schen der Scheide des Rüssels und ‚dem ersten Fusse liegt,
ein anderer kürzerer an der Basis dieses letzteren endigt, und
der dritte längste mit: zwei Zweigen den, untersten Saugnapf um-
giebt. Der andere zur Seite gehende Stamm sendet zwei
Zweige ab, einen. hinter den zweiten Fuss, und einen. hinter
den zweiten Saugnapf. Die zweite und kürzeste Drüse er-
streckt sich gerade nach der Seite hin, und geht mit beiden
Zweigen gegen das 3. Fusspaar hin. Die dritte und bedeutendste
Drüse nimmt die ganze hintere Hälfte jeder Seite ein, Sie
theilt sich successiv in 4 Stämme. Der erste geht fast gerade
seitwärts und vertheilt sich zwischen dem dritten Fusse und
dem dritten Saugnapfe; der zweite zwischen diesem letzteren
und dem vierten Fusse, der dritte zwischen dem vierten und
fünften Fusse; der letzte grösste zweiarmige mit mehreren
Zweigen zwischen dem letzten Fusse und dem After. Diese
Drüsen tragen, ausser den Zweigen, deren Lage beschrieben
ist, noch andere kleinere, und‘ sind überall uneben, gleichsam
mit Varicen besetzt. Die Zweige enden alle keulenförmig,
Zunächst dem Darmkanal sind die Zweige einigermaassen hell;
später werden sie immer undurchsichsichtiger und. ihre. Wände
mehr mit. bläschenförmigen, begrenzten Puneten (Fig. 8.) be-
setzt. In ihrem Innern sieht man eine klare Flüssigkeit, in
welcher zahlreiche Körnchen von unbestinmter Gestalt schwim-
men, die sich ganz unregelmässig bewegen. Wo der
Darmkanal endigt, beginnt ein kurzes. Rohr, und darauf eine
Kloake (Fig. 6 b.), in welcher man die durch kräftige Zusam-
menziehungen ausgestossenen Fäces sieht, welche dann von
dort durch Jen After ausgetrieben werden, welcher unter und
etwas vor der Öffnung der Eierleiter gelegen ist.
Durch eine feine und vorsichtige Zergliederung kann man
das Nervensystem, wenigstens seine Centraltheile, darlegen,
Es liegt unter der Mitte des Darmkanals (Fig. 1k.), und be-
steht aus einem. grossen länglichen Ganglion, von. welchem
310
wenigstens 13 Zweige abgehen, nämlich vom vordern Ende
3 kleine, ‘welche sich zum Rüssel und Munde zu begeben
scheinen, und auf jeder Seite 5, welche sich jeder zu einem
Fusse begeben. Es ist mir nicht gelungen, einen dieser Zweige
weiter zu verfolgen, als ich es gezeichnet habe; aber so weit
habe ich sie an mehreren Individuen sehen können.
Die Fortpflanzungsorgane sind sowohl männlich als weib-
lich. Mitten vor dem dritten Fusspaare, ungefähr mitten
auf der Seite des Thieres, und ebenfalls mitten zwischen dem
zweiten und dritten Saugnapfe, eben so nahe dem Rande wie
einer dieser letzteren, findet man auf jeder Seite eine nach
aussen gerichtete Oeflüung (Fig. 1 g. und Fig. 9.), umgeben
von einer fast klappenartigen Lippe. Bei durchfallendem Lichte
sieht man, dass diese kurze Röhre an ihrem Grunde ver-
schlossen werden kann, und dass darauf eine grössere Höh-
lung im Parenchym beginnt. In dieser liegt ein fast opakes Or-
gan (Fig. 1 m. Fig. 9 b.), aus zwei abgerundeten Lappen zu-
sanımengesetzt, welche zuweilen einfach, am häufigsten aber in
zwei lange Arme verlängert sind, welche sich nach innen ge-
gen den Darmkanal hin erstrecken, sich dort zusammenkrüm-
men und nicht selten auch sich verzweigen. ‘Hatte ich einige
dieser Thiere lebend, so geschah es fast immer, dass diese
innern Organe, welche dem blossen Auge weiss erscheinen,
sich von selbst ablösten und durch ihre Öffnungen heraustra-
ten. Doch sah ich niemals das Ganze auf einmal so heraus-
kommen, sondern einzig und allein den mittelsten grösseren
Theil. War dieser herausgedrungen, so schien er niemals
zerrissen, sondern zeigte sich meistens wie Fig. 10. zeigt, wal-
zenförmig, an beiden Enden angeschwollen. Es zeigte sich,
dass er aus einer äusserst feinen Hülle bestand, welche eine
grosse Anzahl dicht zusammengeklebter Kugeln umschloss.
Diese bildeten jedoch nicht das Ganze, sondern das Innere
des walzenförmigen Körpers schien hohl zu sein. Sobald der-
selbe in dem umgebenden Wasser frei wurde, ja manches Mal
noch während er im Begriff war, die Öflnung zu verlassen,
löste sich jede Kugel in eine grosse Menge Spermatozoen
auf (Fig. 11.), — denn diese bildete gleichsam nur ein Knäuel
davon — welche sich beeilten, lebhaft im Wasser umher-
zuspringen. Sie waren von der einfachsten Form, ähnlich
’ 31
einem Vibrio (Fig. 12.), und ich mass ihre Länge zu 0,024
Millim.: Es scheint nicht unwahrscheinlich, dass die Sper-
matozoen sich in dieser Cyste entwickelt haben.
Das Ovarium (Fig. 4.1. 1.) dehnt sich fast so weit aus
wie die ganze Scheibe, mit Ausnahme ihres Randes, und
nimmt die Rückenseite derselben ein. Zwischen allen. Orga-
nen sieht man Eier, dicht zusammenliegend, aber da es mir
nicht gelang, die Grenzen für die wahrscheinlich sehr zahlrei-
chen Verzweigungen ihrer Hülle zu finden, so habe ich sie
‚ nicht gezeichnet. Der Eierleiter (Fig. 1 n. u. Fig. 6 c.), welchen
ıman.sehr deutlich schon von der Mitte des Thieres aus sieht, liegt
oben auf demDarmkanal. An seiner Mündung sieht man leicht,
dass seine Wände aus zwei Hüllen bestehen, von denen die
äussere durch ‚zahlreiche Bänder an das umgebende Paren-
chym befestigt ist. Die Öffnung liegt etwas hinter dem After,
Die Eier werden ruckweise ausgestossen und messen gegen
0,042 Mill. (Fig.13.). Da das Thier oft vereinzelt auf Co-
matula lebt und. deutlich .hermaphroditisch ist, scheint die
Fortpflanzung so vor sich zu gehen, dass die Spermatozoen
aus ihren. Bällen aufgelöst die Eier im Freien aufsuchen, Die
Wimperbewegung, welche unaufhörlich-an der Oberfläche des
Thieres vor sich geht, möchte auch dazu beitragen.
Der Saugnäpfe (Fig.1.f. f.) sind vier... Sie sind so ge-
stellt, dass sie den Zwischenräumen zwischen den Fiissen, so
wie jedem zweiten Zwischenraume zwischen den Spitzen der
Scheibe entsprechen. Ihre Reihe liegt ungefähr in der ‚Mitte
zwischen den. Füssen und dem Rande. Sie sind im Verhältniss
zum Thiere klein. Sie zeigen eine Erhabenheit an der äusse-
ren Oberfläche, und in dieser eine Öffnung mit unregelmässig
welligen Rändern, ‚welche vollkommen ohne einen knorpli-
gen Ring geschlossen werden kann. Ist ein Bothrium' geöfl-
net (Fig. 14. 15.), so sieht man in seinem. Grunde eine Ver-
tiefung, ‚von ‚welcher fünf ‚oder mehrere breite Strahlen. sich
nach dem Rande hin erheben. Es schien mir, als wenn diese
fast knorpelartig wären.
Die Anzahl der Füsse (Fig, 1 e, e, u, Fig, 16, 17.) ist zehn,
fünf auf jeder Seite. Der vorderste jeder Seite steht nahe
dem Rüssel, der zweite, dritte, welcher in der Mitte steht, und
der vierte in gleichen Abständen, ‚der fünfte näher dem vier,
312
ten. Ihre Reihe ist nach dem Rande gebogen. Jeder Fuss
besteht aus drei Theilen. Die Basis (Fig. 16. 17 a.) ruht auf
der Körperoberfläche und bildet auf der‘ innern Seite des
Fusses eine niedrige aber starke, in drei Theile getheilte Wulst.
Darauf folgt, was man gleichsam das erste Glied des Fusses
nennen kann (b.), welches eylindrisch ist und sich ziemlich
frei im Basalringe bewegt. Das zweite und. letzte Glied (c.)
dagegen ist stark eingebogen, ‘wenig beweglich ‘gegen das
erste, von dem es auch kaum getrennt ist und eine für sich ganz
bewegliche Scheide bildet. Von seiner Spitze sieht man nämlich
eine Rinne (d.) sich längs der Mittellinie des Fusses hinein-
senken, und er kann fast gerade ausgestreckt und wieder zu-
sammengebogen werden, wobei zahlreiche Falten auf seiner
innern Seite entstehen. Diese äussere Hülle jedes Fusses ent-
hält auch verschiedene innere Theile, nämlich vier hornartige
Haken. Von diesen sind 3 (e. f. g.) von gleicher Form, aber
ungleicher Grösse. Sie sind einfache, schwach S-förmig ge-
bogene Haken. Der kleinste ist ganz kurz, und' erscheint nie-
mals über dem Rande des Basalringes; der zweite, fast‘ drei
Mal so lang, reicht gewöhnlich zur Mitte des ersten 'Gliedes;
der dritte von gleicher Länge mit dem Fusse, erstreckt sich
zur Spitze dieses letztern, und tritt, so viel ich gesehen habe,
allein aus der Scheide hervor. Er dient dem Thiere eigent-
lich als Werkzeug zum Anheften. ‘Wenn er hervortritt, rich-
tet sich das letzte Glied auf, und der Haken (e.) wird mit
grosser Behendigkeit hervorgestreckt und eingezogen. Der
vierte dieser innern Theile (h.) ist stärker und länger, ‘obgleich
sein inneres Ende, wie das der andern, allmälig so dünn wird,
dass es schwerlich unterschieden werden kann. Es ist blos
schwach zurückgebogen, und am Ende mit einem im’ spitzen
Winkel herabgebogenen, handförmigen Kopfe versehen, der in
4 fingerförmige Fortsätze vertheilt ist, von denen die 2 mitt-
leren bei weitem die längsten sind. ' Während die drei 'ande-
ren Haken an ihrem einen abgestumpften Ende mit’ zahlrei-
chen aufwärts steigenden Muskeln versehen sind, welche sie
heben und senken, hat dieser noch ausserdem an seinem
Kopfe (Fig. 17.) eine grosse Anzahl derselben, welche sich
von den fingerförmigen Fortsätzen strahlig nach unten und in-
nen an den Körper vertheilen. Er scheint deshalb eigentlich
313
zu einer Stütze des Fusses während des Spiels der andern
Haken zu dienen.
Dieses sind die Theile der Anatomie unsers Thiers, wel-
che herauszubringen mir gelang. Dabei wird jedoch das Cir-
eulationssystem vermisst, welches nach der Analogie zu erwar-
ten war; ein solches suchte ich vergebens.
Das Thier ist als Parasit ziemlich gemein, so dass unter 10
Exemplaren der Comatula wenigstens zwei damit beschwert
sind, Am häufigsten findet man nur eins auf jedem, zuweilen
zwei, und öfter auf dem Discus als auf den Armen. ‘Sie lau-
fen ganz behende, aber hängen nicht besonders fest, woraus
ich schliesse, dass sie nicht oft ihre Saugapparate anwenden,
welche auch verhältnissmässig klein und schwach sind. Auf
einer harten Oberfläche bewegen sie sich deshalb mit Schwie-
rigkeit, und heften sich niemals damit fest. Der Leib kann
von den Seiten so zusammengebogen werden, dass die entge-
gengesetzten Ränder sich berühren; von vorn nach hinten
kann er sich bloss etwas verkürzen. Das grösste Individuum,
welches ich fand, war nicht vollkommen ha Millimeter lang,
die meisten nicht zwei.
Die Organisation, welche wir bei diesem Thier beschrie-
ben haben, zeigt im Ganzen grosse Ähnlichkeit mit der den
Würmern gewöhnlich zukommenden; aber die einzelnen Theile
derselben sind gleichsam von mehreren so entfernten Seiten
entlehnt, dass wir nicht mit Leichtigkeit es als ein Glied in
irgend einer Ordnung der Klassen passend anbringen können.
Die entsprechend gestellten Saugnäpfe und der Rüssel erinnern
an die Eetoparasiten, Tristoma, Cyclocotyle ete., welche die Fa-
milie der Peetobothrii Nitzsch, Burm, bilden, und der Bau des
Darmkanals mit seinen vielen Verzweigungen, welche unläug-
bar denen bei dem erstgenannten Geschlechte und eben so bei
den Planarien gleich sind, zeigt auch auf diesen Platz im Sy-
stem hin, wenn nicht bei allen Trematoden ein besonderer
After vermisst würde, der bei unserm Thier so deutlich ist,
und gerade dem Munde entgegengestellt ist. So sind auch
die männlichen Fortpflanzungsorgane doppelt und ohne äusse-
res Glied oder s.g..Cirrus, und. die weiblichen weichen davon
ab, gleichen aber‘ übrigens wohl denen bei Tristoma ‚nach
Diesings Beschreibung. Mehr als alles dies entfernt unser Thier
314
der sehr entwickelte Bau der Füsse von diesem Platze im Sy-
steme, und weist sehr auf die höher entwickelten Anne-
liden hin, wo wir wieder deutliche Haken finden, besonders
die handförmig gebildeten bei mehreren Gattungen von Cu-
vier’s Tubieolen. Für jetzt scheint daher das Geschlecht My-
zostoma als ein Mittelglied zwischen den Pectobothrien, be-
sonders dem gewiss unvollkommen gekannten Genus Cyeloco-
tyle Otto, und den höheren Ringelwürmern betrachtet werden
zu müssen *).
Wir stellen hier die Gattung und die Art mit folgenden
Kennzeichen auf:
Myxostoma Leuckart.
Corpus molle, inarticulatunt, depressum, discoideum; pro-
boseis retractilis mutica; anus disceretus, ori oppositus; bothria
lateralia, opposita; pedes inferi, artieulati, hamiferi; genitalia
mascula duplicia, mutica.
Myzostoma cirriferum Leuck.
Pedibus decem, bothriis octo, disei margine radiis octo-
deeim s. viginti. Long. 3 Mill.
Hab. parasiticum in Comatula mediterranea littoris Sue-
ciae oceidentalis.
Erklärung der Figuren.
Fig. a. M. cirrif. von der Unterseite. Fig. 1. dasselbe sehr ver-
grössert, und die Anatomie gezeichnet, als wäre das Thier durchsich-
tig. Fig. 2.3.4.5. der Rüssel in verschiedenen Stellungen. Fig. 6. der
Darmkanal und die Eileiter. Fig. 7. ein Stück des Magens, gepresst.
Fig. 8, ein solches von der Gallendrüse. Fig. 9. eins der männlichen
Geschlechtsorgane. Fig. 10. ein herausgetretener Theil desselben.
Fig. 11. die ballförmigen Körper, aus denen die Samenthierchen her-
auskommen. Fig. 12. ein Spermatozoon. Fig.13. ein Ei. Fig. 14. 15.
Saugwarzen.
*) Seit diese Abhandlung am Ende des Jahres 1840 an die Kö-
nigl. Akad. d. Wissensch. abgeliefert worden, habe ich Doyere’s Un-
tersuchung der Tardigraden erhalten. So entfernt diese Thiere von
unserm sind, finden sich doch zwischen ihnen Berührungspunete im
Bau des Darms, in der Bildung der Füsse u. s. w., welche wohl nicht
ganz ausser Acht gelassen werden dürfen.
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315
Endozoologische Beiträge
von
Dr. F.C.H. Creplin in Greifswald.
A
Unter der gegebenen Überschrift beabsichtige ich allmä-
lig die Ergebnisse der theils in meinen „Observationes“ und
„Novae observationes de Entozois“, oder sonst wo, noch nicht
publicirten älteren, theils späteren an Eingeweidewürmern von
mir gemachten Beobachtungen diesem Archive zu übergeben,
in so fern ich sie dessen für werth halte und glauben darf,
dass sie zur Förderung der Wissenschaft etwas beitragen kön-
nen. Ich werde mich dabei an keine gewisse Ordnung bin-
den, sondern mittheilen, was mir zu dem Zwecke gerade an-
genehm und bequem sein wird, oder mir auch, bei Gelegen-
heiten, eben passlich scheinen dürfte, zu berühren und der
Aufinerksamkeit und Beurtheilung gelehrter Helminthologen 'zu
empfehlen. Aus der letztern Ursache mache ich gleich den
Anfang dieser Beiträge. nicht mit der Darlegung irgend einer
neuen Thatsache, sondern mit dem Zusammenstellen und Ge-
geneinanderhalten zweier längst beschriebenen, aber der nä-
hern Vergleichung und Beprüfung wohl bedürfenden Wurm-
arten.
1. Über Taenia denticulata Rud. und
Taenia expansa Rud.
Es war am 22. Octob. 1839, als der Hr. Studiosus Me-
dieinae Krüger aus Danzig mir eine ansehnliche Menge von
Tänien zubrachte, welche er von einem Schlächter, der sie
eben im Gedärm eines Rindes gefunden, bekommen "hatte,
Die sämmtlichen Exemplare wären wohl gereinigt und in Was-
ser gelegt. Ich freute mich nicht wenig, als ich hörte, dass
sie aus einem Rinde wären, indem ich nie Bandwürmer aus
einem solchen bekommen hatte, und hier für unser zoologi-
316
sches Museum die lange vermisste und gewünschte Thenia
denticulata zu acquiriren vermeinte. In dieser Erwartung fand
ich mich indessen bei näherer Ansicht der Würmer getäuscht;
ich erkannte in ihnen nicht T. denticulata, sondern 7. expansa
Rud. Diese Art ist von Rudolphi nicht unter den Wür-
mern des Rindviehs aufgeführt, sondern nur dem Schafe, der
Gemse, der Gazelle und dem Rehe zugeschrieben worden.
Aber schon Carlisle, welchen Rudolphi bei T. denticu-
lata anführt (Entoz. Hist. nat. Il. 2. p. 80.), hat auf der eitir-
ten Tafel offenbar Gliederstrecken von T. expansa (aus dem
Rinde) abgebildet, wie er sie'auch ganz richtig selbst als T.
ovina bezeichnet, und Gurlt giebt zwar in seinem Lehrbuche
der pathologischen Anatomie der Haus-Säugethiere, Th.I. S. 381.,
nur T. denticulata als beim Rinde vorkommend ‚' aber in dem
später in seinem und Hertwigs Magazin der Thierheilkunde,
Jahrg. IV. H. 2., gegebenen Verzeichnisse der Endozoen, ‘welche
im Museum’ der König]. Thierarzneischule in Berlin aufbewahrt
werden, T. denticulata gar nicht, sondern dagegen T. expansa
aus Rind und Schaf an. Endlich ‘hat Mayer auf ‘der Tafel
zu seinen Analecten für vergleichende Anatomie, 2. Sammlung |
unter Fig. IV. V. auch nicht T. denticulata, wie er meinte, und
welche er (S. 69.) als häufig bei der Kuh anzutreffen angiebt,;
sondern T, expansa abgebildet.
Rudolphi hatte die Exemplare der T. denticulata, welche
er'a.a, O. beschreibt, aus dem Museum der unter Chaberts
Direction: stehenden Alforter Thierarzneischule; | ev selbst
scheint diesen Wurm nie gefunden, noch sonst woher später- |
hin zur Untersuchung bekommen zu haben. Eben so ‚wenig
hat Jemand anders, meines Wissens, ihn gefunden zu haben
erwähnt, ausser den Wiener Helminthologen, welche ihn in |
ihrem reichhaltigen Verzeichnisse vom Jahre 1811 aufgeführt
haben; denn .Gurlt ‘hat seine Beschreibung ‚und. Abbildung |
(diese a. a. O. Taf. X. Fig. 3. 4.) nach, Rudolphischen ‚Speci- |
minibus entworfen; seine Diagnose und seine Maass-Angaben |
stimmen auch ganz mit. den von Rudolphi gelieferten überein,
Auch früher, als Rudolphi seine Beschreibung veröffentlichte,
ist keine, Gewissheit vom Funde dieses Wurms da, denn wenn |
Rudolphi sagt, Havemann ‚(in Hannover) habe, ein ‚Stück |
Bandwurm einem Kalbe abgehen sehen und dies für eines. von |
317
T. denticulata erklärt, so kann er sich vielleicht getäuscht
haben, denn das Stück war ohne Kopf (Rud’s Reisebemer-
kungen, Th. 1.8.81.); von Carlisle’s Taenia bovina-ovina
haben wir schon gesprochen, und Camper, welchen Ru-
dolphi auch (Entozool. II. 2. p. 80. und Synops. p. 145.) bei
dieser Tänia erwähnt, sagt (Beschäft. d. Berl. Ges. naturf. Fr.
Ba. 1V. S. 139.) in dieser Hinsicht bloss, er verwahre einige
Ellen von einem Bandwurme, welchen eine Färse bei einem
heftigen Durchfalle von sich gegeben habe, weiter Nichts. Da
alle Kenntniss demnach, welche wir von der T. denticulata
haben, uns von Rudolphi und, aus dessen Sammlung, durch
Gurlt zugekommen ist, so war es mir sehr wünschenswerth,
indem jetzt durch jene mir zugebrachten frischen, sehr schönen
und gut behandelten Exemplare der T. expansa bovina ein be-
sonderes Interesse für die Rindstänien bei mir erweckt wor-
den war, die Rudolphischen Exemplare der T. denticulata,
welche sich jetzt im Königlichen zoologischen Museum zu
Berlin befinden, durch eigne Anschauung kennen zu lernen
und mit der T. expansa zu vergleichen, ‘und ich bat daher
den Herrn Geh. R. Lichtenstein um gütige Mittheilung je-
ner, welche er mir auch sogleich aufs Freundlichste gewährte,
Die erste Ansicht der meisten, in dem übersandten Glase be-
findlichen 'Tänienstücke überzeugte mich, dass ich in ihnen
Stücke der von Rudolphi beschriebenen und von Gurlt
abgebildeten 7‘. denticulata vor mir hatte.
Es fand sich aber nur ein Exemplar mit dem Kopfe,
welches zwischen 4—2"” lang war; dagegen enthielt das Glas
ıehrere Fragmente, welche aus theils vorderen, theils mitt-
leren (einige auch aus hinteren) Körpergliedern bestanden,
und deren einige nicht zolllang waren, andere, grössere, er
einige Zoll Länge auch nicht hinausgingen.
Der Kopf war ziemlich viereckig und sass wie ein Knöt-
chen am Ende des in Kegelform zu ihm hinanlaufenden Vor-
derkörpertheils, die Näpfe (Oscula) machten die sehr stum-
pfen Ecken des Kopfs und öffneten sich gerade nach vorn
hinaus. (Vgl. Gurlts Fig. 3,) Ob ein Hals vorhanden war,
oder ob schon der sehr kurze, auf den Kopf folgende, schnell
verbreitete, Theil aus Gliedern bestand, ward mir nicht deut-
lich; gerunzelt wenigstens war dieser. Alle Glieder dieses
318 gi
Exemplars waren, wie alle der übrigen, in mittleren Körper-
strecken bestehenden, Wurmstücke, sehr kurz, ihre Seitenrän-
der convex und ihr Hinterrand sehr hervorgezogen und sich
bei jedem breit über den Vordertheil des folgenden Gliedes
hinüberlegend (Vgl. Gurlt’s Fig. 3.) Die breitesten Glieder
der Fragmente waren ungefähr 4” breit und 1" lang; dazu
waren auch die breiteren Reihen dick und aufgedunsen, Al-
lenthalben waren die breiteren Glieder dieser Fragmente mit
gegenüberstehenden Geschlechtsöffnungen am Rande (foramina
marginalia opposita secunda) versehen. Diese standen immer
ganz weit nach ihrem Gliedrande dicht hinter dem Hinterrande
des nächstvorhergehenden Gliedes, ausgenommen bei einigen
wenigen mehr nach der Mitte des Randes hin, und zeigten sich
oft sehr aufgetrieben und hervorgezogen, wo dann aus ihnen
ein kurzer, drehrunder, dicker, nach Aussen ein wenig ver-
dünnter und zuletzt sehr stumpf oder bisweilen fast abgestutzt
geendigter Lemnisceus hervorging.
Ausser den eben genannten Fragmenten waren noch ei-
nige andere vorhanden, welche viel schmäler als jene aus
mittleren Gliedern bestehenden waren, und deren Glieder sich
nicht allein durch eine viel grössere Länge, im Verhältniss
zur Breite, welche bisweilen so viel betrug, dass die Glieder
fast, obgleich nicht völlig, quadratisch wurden, und durch
Plattheit, sondern auch durch gänzlichen Mangel der Fora-
mina genitalia auszeichneten. Ich möchte fast zweifeln, dass
diese letzteren Fragmente von der T. denticulata. herstamm-
ten, und sie einer T. expansa zuschreiben, welche Art der
ganzen Länge nach platt ist, und deren hinterste Glieder mehr
oder weniger in die Länge gezogen und quadratisch werden.
Die Seitenränder an den Gliedern dieser letzteren Berliner
Fragmente waren übrigens ein wenig convex, und der Hinter-
rand deckte den Vorderrand des folgenden Gliedes wenig oder
gar nicht, Das letztere ist auch der Fall bei den entspre-
chenden Gliedern der T. expansa; das Erstere sehe ich an un-
seren Exemplaren von dieser aus dem Rinde zwar nirgends,
wie ich ebenfalls dort nirgends an den mittleren und hinteren
Gliedern die Geschlechtsöffnungen vermisse; aber jene. Con-
vexität kommt doch auch bei T. expansa vor, wenn ‚gleich
vielleicht nur in Folge von Contractionen auf äussere Ein-
- 319
Aüsse; denn Bloch bildet nicht allein (Abh. v. d. Erzeug. d.
Eingeweidew. Taf. V. Fig.4.) an allen Gliedern seines Speci-
mens, von da an, wo sie nur irgend einen deutlichen Rand
zeigen, denselben bedeutend convex ab, sondern sagt selbst,
„die kurzen Glieder seien auf beiden Seiten gerundet und bil-
den also da, wo sie sich vereinigen, einen Ausschnitt“; in
Gurlt’s Taf. X. Fig. 1. zeigen die hintersten längeren und
schmäleren Glieder auch eine Convexität der Seitenränder,
und ich sehe sie an einigen (doch sehr wenigen) Mittelglie-
dern eines Exemplars aus dem Schafe, welches ich im Jahre
4824 fand und damals wohl in etwas zu starken Weingeist
gelegt habe, ebenfalls. An eben diesem Exemplare kann ich
auch an manchem der breiteren Glieder die Randöfinungen
nicht finden, und Goeze behauptet, sie seien oft an Strecken
von 20—30 Ellen nicht zu bemerken (a.a. O. S. 370. vgl. Taf.
XXVIH. Fig. 1. 2.). — Ich wollte die hier in Rede stehenden
Glieder aus dem Berliner Glase nicht verletzen und kann .da-
her nicht sagen, ob sie Eier enthielten. Diese sind aber bei
beiden Arten der Taeniae bovinae so verschieden von einan-
der, dass sie über den fraglichen Punet bald Aufschluss gege-
ben haben dürften. Ich will hier die reifen Eier beider be-
schreiben.
Die der 7. denticulata lagen zu unendlicher Menge um
die Stücke aus dem Berliner Museum. Sie waren (farblos,
ziemlich ‚kugelrund, aber immer von einer zarten, wie zerris-
senen, klaren Membran umgeben, welche sich wie eine weite
unregelmässig gestaltete, bald auch kugelrunde, bald beinahe
viereckige Hülle, um sie legte. Diese Membran oder Hülle
gehörte oflenbar den Eiern selbst nicht an, sondern war ihnen
aus dem Eierstock anhangend geblieben. Es lagen bisweilen
2 und 2 Eier fest aneinander; aber jedes hatte dann ‘doch
seine eigene Ovarienhülle. Das Ei selbst hatte eine sehr zarte
glatte Schale und innerhalb dieser, durch eine nur geringe
- Entfernung von ihr getrennt, eine zweite, ebenfalls zarte und
wie die Schale, mit welcher sie parallel verlief, ‚kuglige Haut.
In dem weiten, von dieser innern Haut umschlossenen Ei-
raume zeigte sich ein ganz sonderbares Gebilde unter.der Ge-
stalt eines Jängligen, drehrunden, dick und stumpf — mehr
oder weniger von der innern Haut entfernt — beginnenden,
320
dann fast birnförmig. hinabsteigenden, aber an seinem so ver-
schmälerten Haupttheile in einen dünnern,' längern oder kür-
zern, nach der Krümmung der innern Tunica sich verlaufen-
den, unregelmässig eylindrischen und — wo sein Ende frei
blieb — stumpf und blind geendigten Hintertheil: ausgezoge-
nen Schlauches. Dieser Schlauch ‘lag nämlich. entweder
nach seiner ganzen Ausdehnung frei, und zwar so ‘in der-Ei-
höhle, dass er allenthalben in einiger Entfernung vonder
innern Tunica blieb, oder er verlief sich, dem Anschein nach
wenigstens, in einigen Eiern mit dem dünnen Ende: in ‘die
letztere. In dem dickern Theile des Schlauches lag. der Em-
bryo, als eine, den Raum jenes Theils bei weitem: nicht aus-
füllende klare und freie Kugel‘, auf welcher die durch Sie-
bold entdeckten 6 gewöhnlichen Stacheln der Tänien-Em-
bryone sich sehr deutlich zeigten. Die Grösse der Eier,
ohne die Ovarien-Umhüllung,, betrug im Durchmesser unge-
fähr 5".
Die reifen Eier der 7. expansa waren von denen der T,
denticulata sehr verschieden, doch zeigten sie in dem Organe,
welches ihren Embryo zunächst einschloss, wieder eine bedeu-
tende Analogie mit ihnen. In der Grösse waren sie diesen
ziemlich gleich, wenn nicht ein klein wenig grösser, und auch
farblos. Was sie aber von den Eiern der T. denticulata, wie
von denen anderer, mir bekannten Tänienarten, auf den ersten
Blick unterschied, war eine doppelte Verschiedenheit ihrer
äussern Gestalt. Schon Bloch und Goeze war das Eckige
bei ihnen aufgefallen. Der Letztere bildet sie (a. a. ©. Taf. 28.
Fig. 11.) kugelrund und (Fig. 12.) eckig ab, meint aber, diese
Verschiedenheit rühre von der Lage ‘her (S.373.); der Erstere
bildet ein Viereck mit 'ausgeschweiften Seiten in rundlichen
Eiern ab (a.a. ©. Taf. V. Fig. 5.); die Figuren sind ganz roh
und crass; doch ist aus ihnen zu entnehmen, was Bloch'ei-
gentlich hat darstellen wollen, wenn man die‘ Eier in natura
gesehen hat. Ich fand sie folgendermaassen: Einige‘ von ih-
nen waren mehr oder weniger kugelrund, andere. aber von
oft sehr unregelmässiger, stumpfeckiger Gestalt; welche häufig
ziemlich regelmässig kubisch ward, doch immer stumpf geeckt
blieb. Dass: beide völlig ausgebildete Eier waren, zeigte sich
an ihrem Inhalte, welcher in gleicher Entwickelung in ‘den
321
einen, wie den anderen, vorkam. Ich hatte die Eier aus den
erwähnten Rindstänien frisch untersucht und damals ihrer in-
nern Oberfläche so viele Öltropfen anhangend gefunden, dass
dieselbe ganz von ihnen bedeckt war und mir keinen Blick in
die Eihöhlung und ihre Gebilde erlaubte. Indem ich aber in
schwachem Weingeiste seit jener Zeit aufbewahrte, vortrefflich
erhaltene Eier zum Zwecke dieses Aufsatzes untersuche, be-
komme ich über Alles Aufschluss, indem ‘der Weingeist die
öligen "Theile grösstentheils aufgelöst hat. AÄussere Schale
und innere Tunica oder Eihaut sind so fein ‘wie bei den
Eiern der T. denticulata, aber eine Eierstocksumhüllung fand
sich bei keinem. Die innere Eihaut lag der Schale näher an
als bei jenen Eiern, verlief aber nicht so regelmässig und
eben wie dort, sondern bog sich bald näher zu der Schale
hin, bald trat sie wieder weiter von ihr zurück. Im Allge-
meinen richtete sie sich übrigens nach der Gestalt der Schale
und war, wie diese, viereckig, oder aber kuglig. Bloch
scheint dies anders gesehen zu haben; die hellen Vierecke mit
ausgebuchteten Seiten (in seiner Fig. 5.) sollen offenbar die
innere Eihaut vorstellen; die Eier selbst sind dort, wie schon
oben bemerkt wurde, alle gerundet, und es ist möglich, dass
auch eine innere kubische Haut in äusserer runder Schale
bei diesen Eiern vorkomme; ich habe es aber nicht gesehn,
In der Eihöhle lag, immer frei und allenthalben in einiger
Entfernung von der Tunica interior, ein, dem beschriebenen
Schlauche der Eier aus der T. denticulata ähnliches Gebilde,
welches sich hier aber unter einer viel andern Gestalt dar-
stellte. Ich will die zwei verschiedenen Theile, aus welchen
es bestand, durch die Epitheta des vordern und hintern, der
Verdeutlichung wegen, bezeichnen. Der vordere Theil
war von so ansehnlicher Grösse, dass sein Durchmesser etwa
4—4 des ganzen Eies betrug, kugelförmig und ringsum für
sich abgeschlossen. Eine klare, farblose, sehr starke, glatte
Haut bildete ihn und umschloss eine eben so klare und farb-
lose Flüssigkeit. Der hintere und dünnere Theil ging von
‚ihm als ein gerader, an und für sich sehr dicker, ziemlich
klarer, sich nach hinten aber in der Regel noch ein wenig
znehr verdickender und in dieser Verdiekung undurchsichtiger
werdender Stiel ab, welcher sich zuletzt ganz stumpf in an-
Archiv , Naturgesch, VIIL Jahrg. 4. Bd. 21
322
sehnlicher Entfernung vor der Eihaut endigte. ‘Die Länge
dieses Stiels kam kaum oder höchstens dem Durchmesser der
Kugel (des Vordertheils) gleich. Er hatte vielleicht immer in
seiner vordern Hälfte eine Höhlung; wenigstens sah ich eine
solche in einem Eie deutlich in derselben; sie war eckig und
nicht gross im Verhältnisse zur Dicke des Stiels, ‘Der hin-
tere (dickere) Theil des letztern schien immer solide zu sein.
Jene Höhlung communicirte übrigens nicht mit der Höhle der
Kugel, sondern Stiel- und Kugelhöhle schlossen sich ‘beide
völlig gegeneinander ab. Der Embryo war von länglich ab-
gerundeter Gestalt, in seinem kleinen Durchmesser etwa halb
so gross, wie die Kugel, in seinem grossen Durchmesser aber
wohl beinahe dem der Kugel gleich, körnigen Gefüges, lag in
der Kugel immer nach vorn, quer und öfters etwas schräg,
entweder dicht an der Vorderwand der Kugel, oder auch et-
was von ihr zurück; zusammenzuhängen schien 'er ‚auch im
erstern Falle nicht mit ihr. Von der Hinterwand' blieb er im-
iner weit entfernt, aber es fand oft eine merkwürdige Verbin-
dung mit ihr Statt, indem dann ein kleiner klarer, nicht ganz
dünner Stiel von der Hinterwand, welche sich dabei auch
dicker, als der übrige Theil der Kugelmembran zeigte, aus,
gerade zum Embryo hinan und in ihn hinein’ verlief, In an-
deren Eiern fand sich nur eine Spur, oder wohl richtiger, ein
Rest dieses Stiels, indem sich die Hinterwand der Kugel in
eine Papille oder einen kurzen Kegel erhob, aus denen aber
weiter kein Theil zum Embryo mehr hinlief; in noch anderen
Eiern war von allem Diesen Nichts zu sehen. Sicher war
dieser Stiel nur zur frühern Anheftung des Embryos an die
Kugelmembran bestimmt; er war ofienbar eine Fortsetzung
derselben und ganz solid.
Ich will nun die Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten in
der äussern Körperform der beiden hier betrachteten Tänien-
Arten kurz zusammenfassen und nebeneinander stellen, so gut
es möglich ist; denn es bleibt für jetzt der Übelstand, dass
man die T. denticulata gar nicht im frischen Zustande kennt,
und dass die Rudolphi’schen Exemplare noch überdies zu
früh, vielleicht gar noch während ihres Lebens, in Weingeist
gelegt und sich dadurch über ihr Normalmaass hinaus zusam-
mengezogen und verkürzt haben mögen. Indem wir jedoch
323
nach vorhergegangener Zusammenstellung versuchen wollen,
das in Abrechnung zu bringen, was der Weingeist oder selbst
Reize, die auf die Würmer schon im Darmcanale einen zu hef-
tigen Einfluss ausgeübt haben mögen, verursacht haben kön-
nen, wird es sich ergeben, dass bei unläugbaren Ähnlichkei-
ten doch noch eine so grosse Verschiedenheit zwischen bei-
den Arten bleibt, dass dieselben weder mit einander zu ver-
wechseln sind, noch auch ein Übergang zwischen beiden als
möglich gedacht werden kann.
Eine sehr grosse Verschiedenheit liegt gleich in ihrem
Kopfende. Während der Kopf der T. denticulata kurz und
viereckig ist und die Öffnungen seiner Näpfe an der Vorder-
fläche hat, ist er dagegen bei T. expansa vorn und an den
Seiten gerundet, nach hinten zum Halse hin ausgezogen und ver-
schmälert, und seine Näpfe ’öfinen sich entschieden nach den
Seiten hinaus. Ein Hals bleibt bei T. denticulata zweifelhaft
und Rudolphi sprach ihn ihr ab; ist er da, so ist er we-
nigstens ungemein kurz, sehr dick und kegelförmig; bei T,
expansa ist er aufs Deutlichste vorhanden, sehr dünn, wie ein
wenig breiter Faden, und wenigstens ein paar Mal so lang,
als der in die Länge gezogene Kopf, so dass Rudolphi mit
Unrecht dieser Art den Hals abspricht. Hiermit in Überein-
stimmung finden wir nun auch die ganze Gliederkette (den
Körper im engern Sinne) der erstern Art im Allgemeinen, so
weit wir dieselbe kennen, durch schnelle Breitenzunahme, un-
gemeine Gedrängtheit und Dicke*) von dem sehr allmälig ver-
breiterten, bis ans Ende ganz platten und halbdurchsichtigen
Körper der andern nicht weniger unterschieden. Die ersten
Glieder der T. dentieulata werden schon etwa 4” hinter dem
Kopfe 2” breit — eine Breite, welche bei T. expansa erst
mehrere Zoll hinter dem Kopfe eintrifft — und sind. dabei
ganz kurz. Über das Fernere, was mich meine Beobachtun-
gen von dem Verhalten der Glieder dieser Tänie gelehrt ha-
ben, habe ich schon oben gesprochen. Rudolphi fand den
Wurm 15—16” lang und vorn 2—5", hinten fast 1” breit,
und die breitesten Glieder dabei kaum 1'", die mehrsten von
*) Substantia mollis, plus minus crassiuscula, ut crassities inter-
dum lineam adaequet, Rud. Entozool. I. 2. p.81.
21*
324
ihnen nur $"’ lang. Das wahre Hinterende desselben ist uns
aber noch gar nicht bekannt; es muss sich bei dieser Tänie,
wie es überhaupt die Regel bei der Gattung ist, wieder ver-
schmälern, und seine Glieder müssen sich mehr in die Länge
ziehen; wir erfahren aber nur von beständig in der Breite,
wenig in der Länge zunehmenden Gliedern bei ihr, kennen
die Glieder also immer nicht bis über die Mitte des Körpers
hinaus *),
Bei T. expansa sind die ersten deutlich ausgeprägten
Glieder ebenfalls ganz kurz und ragen mit convexen Seiten-
rändern vor; bei allmälig zunehmender Breite werden sie im-
mer ein wenig länger und ihre — bis zum Körperende hin —
stumpfen Ecken deutlicher und hervorstehender, weil ihre Sei-
tenränder entweder gerade, oder ein wenig convex, von innen
und vorn nach aussen und hinten hinablaufen ; je weiter es
aber fortgeht und je mehr sich die Glieder verlängern, desto
gerader werden ihre Seitenränder und zuletzt ganz oder bei-
nahe ganz gerade, und dann ragen die stumpfen Ecken nur
ungemein wenig über den Vordertheil des folgenden Gliedes
vor, wie sich auch der — sehr häufig gekräuselte oder wel-
lenförmige, oft auch ganz gerade, immer ein wenig verdickte —
Hinterrand immer nur wenig über jenen hinüberlegt und ihn
deckt. So geradrandig, und demnach fast völlig rechteckig,
bleiben die Glieder dann bis ans Ende, dabei bleiben sie aber
immerfort breiter als lang, bilden also Rechtecke (im engern
Sinne), bis ganz zuletzt, wo sie zuerst eine Quadratgestalt
annehmen und dann sogar wohl länger als breit werden, dies
jedoch nicht immer, wie ich an ein Paar jüngeren Individuen
sehe. Das letzte Glied zeigt sich bei diesen und einem an-
*) In Gurlt’s Fig.3. existiren die nach Rudolphi sich endlich
bis zu ungefähr 1“ verbreiternden, aber immer so überaus kurz blei-
benden Glieder nicht; sie stellt aber auch nur eine Vorderstrecke
von 10—11” dar. Übrigens ist es eben auch aus der Ursache, dass
Rudolphi gar nicht von verschmälerten und verflachten Hinterglie-
dern der T. dent. spricht, unwahrscheinlich, dass jene oben bemerk-
ten schmäleren und flacheren Glieder in dem Berliner Glase von der
T. dent., sehr wahrscheinlich dagegen, dass sie von einem Hinter-
ende der T. expansa herstammen und später einmal aus Zufall in
das Glas gekommen sind.
325
dern jüngern, bald länger, bald kürzer, stampf zugerundet,
aber am Ende in der Mitte eingezogen, welches Goeze auch
sah und für einen After hielt. Ich habe eins dieser Exem-
plare vor mir, bei dem wirklich diese Einziehung im letzten
Gliede täuschend einem Loch ähnlich sieht, wie es Goeze
(a. a. 0. Fig.2.) abgebildet hat; aber an ein solches wirkliches
Loch und einen After ist hier nicht zu denken. Übrigens
muss ich bemerken, dass ich den Hinterleib dieser Tänie nur
von den jüngern Exemplaren unsers Museums kenne, deren
2 vollständige ich im frischen Zustande ausmass. Das eine
von ihnen ist 3" 1%" lang, im breitesten Theile 4” und am
Endgliede 2” breit, das andere ist 14” lang, am breitesten
Theile 3” und am Endgliede wiederum 2” breit. Allen mir
zugebrachten grösseren (erwachsenen) Exemplaren fehlte die
verschmälerte Hinterstrecke, — Deutliche Geschlechtsöff-
nungen zeigen sich erst: mehrere Zoll hinter dem Kopfende
(durchscheinende Spuren der inneren Geschlechtstheile viel
früher); nachher laufen sie als vor der Mitte des Randes ei-
nes jeden Gliedes stehende Foramina opposita secunda, aus
denen sehr oft ein ganz kurzer, kegelförmiger Lemniscus her-
vorblickt, ununterbrochen den ganzen Körper hinab. Einige
Unregelmässigkeiten und Abweichungen von dieser Anordnung,
welche ich an den Endgliedern der erwähnten jüngeren Exem-
plare sehe, gehören nicht hierher.
Wollen wir jetzt bei den Gestaltungen der Rudolphi-
schen Exemplare der T. denticulata noch bezeichnen, was an
ihnen die oben erwähnten äussern Einflüsse bewirkt haben
können, so mag es darin bestehen, dass durch sie der Hals-
theil um ein Weniges verkürzt, verdickt und gerunzelt, die
Glieder aber übermässig in einander geschoben, also an und in
einander gedrängt und verkürzt worden sind, und dass der-
gestalt die ungemeine, in gewissem Maasse unstreitig normale
Dicke des ganzen Körpers wenigstens vergrössert worden ist.
Dass bei der T. expansa auch auf die reizendsten äusseren
Einflüsse und durch die übelste Aufbewahrung eine solche
Gestaltung, von der Kopf- und Halsform hier ganz abgesehn,
nie entstehen kann, ist gewiss.
Die folgende Characteristik wird in der Kürze die Ähn-
lichkeiten und Unterschiede beider Arten zeigen,
326
4) Taenia denticwlata R. T. capitis tetragoni, parvi
osculis angulos ipsius efficientibus, magnis,
antrorsum apertis, collo subnullo, articu-
lis omnibus crassis, celeriter insigniterque
latitudine, paulum longitudine crescentibus,
anterioribus ideo brevissimis, reliquis omni-
bus perbrevibus atque admodum latis, mar-
ginibus horum Jlateralibus convexis, postico
protracto ‚et ita sequentis artieuli partem an-
teriorem eircumeirca late tegente, forami-
nibus artieulorum. latiorum (et lemniseis)
marginalibus oppositis secundis. (Articuli po-
stici incogniti. Ova globiformia,)
2) Taenia expansa R. T. capitis parvi oblongi, antice
- et lateribus rotundati, retrorsum angustati
osculis perfecte lateralibus, magnis, tumi-
dis, collo cum corpore toto plano, subtili,
cum capite, se crassiore, continuo, perbrevi,
articulis primis brevissimis, marginibus la-
teralibus convexiusculis, sequentibus lentissime
latescentibus elongatisque et simul marginibus
lateralibus reetioribus demumque fere prorsus
reetis, postico recto, saepe crispato, semper
tumidulo, uti angulis obtusis, perparum pro-
minentibus, artieulis ultimis solis, cum se an-
tecedentibus sensim angustioribus factis, primo
quadratis, tum (perpaucis, neque semper) adeo
longioribus quam latioribus, terminali obtuse
finito, oseulis genitalibus marginalibus
plures pollices a capite monstrari ineipienti-
bus, tum ad caudam usque, secundis oppo-
sitis. (Ova globiformia et angulata.)
Möge. diese Darlegung die Herren Helminthologen, welche
die wahre Taenia denticulata kennen gelernt haben und in ih-
ren Sammlungen besitzen dürften, zur Publicirung ihrer Beob-
achtungen an derselben bewegen, damit wir über eine Species,
welche, ‘obgleich in einem unsrer gemeinsten Hausthiere ent-
deckt, doch sehr selten in demselben angetroffen zu werden
327
scheint und nur noch so mangelhaft bekannt ist, recht bald
völlig ins Reine kommen.
2. Monostomum expansum mihi. Sp. n.
M. corporis parte anteriore breviore, latissime expansa,
tenerrima, membraniformi, posteriore longiore et angu-
stiore, satis lata, summe depressa, sublineari, obtuse termi-
nata, ore minimo in medio margine antico.
Von diesem ausgezeichneten Monostom fand ich am 18.
Mai 1841 im obern Dünndarmtheile eines Fluss-Adlers
(Aquila Haliaätus) 4 Exemplare, deren erstes 23, zweites 2%,
drittes 2% und viertes 24” in der Länge massen. Da das
grösste (erste) auch das am besten nach allen seinen Theilen
beschaffene ist, so hat es mir nicht allein zu den folgenden
weiteren Ausmessungen, sondern auch zur hauptsächlichen
Beobachtung aller übrigen Verhältnisse dieser Wurmspecies
gedient. So viel mich die daneben nicht versäumte Verglei-
‚chung der andern 3 Exemplare gelehrt hat, stimmten sie mit
jenem auch nur in unwesentlichen Puneten nicht überein *).
Der Körper des Wurms besteht aus einem breitern Vorder-
und einem schmälern Hintertheile.
Der Vorderkörper ist von vorn nach hinten 2” lang,
ganz dünn ausgeplattet und vom Ansehen einer breit ausein-
andergelegten, zarten und durchscheinenden Membran, welche
sich hier und da am Vordertheile in Längsfalten legt **). Der
Rand ist vorn scharf, in seiner mittlern Strecke ziemlich. ge-
rade, aber zu jeder Seite convex nach hinten herumlaufend,
wodurch, und indem er von da jederseits schräg von vorn
*) An der genauern Untersuchung der frischen Würmer verhin-
dert, kann ich nur beschreiben, was ich bei den in schwachem Wein-
geist aufbewahrten gesehen habe. Diese sind übrigens gut erhalten
und haben wohl nur wenig von ihrer natürlichen Gestalt, Farbe und
Durchsichtigkeit verloren. Eine Zeichnung will ich späterhin mich
zu geben bemühen.
*) Eine so ungemein zarte Ausbreitung und Verflachung des
Vorderkörpers zeichnet auch noch einen andern Trematoden des
Flussadlers aus, nämlich das von Nitzsch entdeckte Holostomum
Serpens (Amphistoma Serpens bei Rudolphi.)
328
und aussen nach hinten und innen geht, an dieser ‘Stelle je-
derseits ein abgerundeter Winkel und die grösste Breite des
Vorderkörpers entsteht. Eine durch die Winkel gezogene
Linie ist nämlich 1#” lang; die Länge des Vorderkörpers aber
bis zu dieser Linie beträgt etwa 4 seiner ganzen Länge, und
seine Breite am Hinterende #”’. Aus dem Vorderrande laufen
seiner ganzen Breite nach, und nur durch den Mundnapf un-
terbrochen, höchst zarte, dichtgestellte Längsstreifen regelmäs-
sig bis zu einer sich quer durch den Vorderkörper, weit vor
der Bifurcation des Nahrungscanals ziehenden, dicken, klaren,
fast wie ein höchst dünnwandiges Gefäss aussehenden Linie,
Der 14” lange Hinterkörper geht ohne Unterbrechung
von dem Vorderkörper ab, und zwar mit derselben Breite,
mit welcher dieser sich endigte, die er auch ziemlich bis zu
seinem stumpf abgerundeten, bei den drei grösseren Exempla-
ren dabei aber in der Mitte mehr oder weniger stark eingezo-
genen Hinterende behält; doch nimmt er bei dem grössten
Exemplare am mittlern Theile um 4" zu und verschmälert
sich dann um eben so viel wieder, welches mir aber von ei-
ner nicht ganz normalen Auftreibung herzurühren scheint.
Das Gewebe des Vorderkörpers ist locker und aufs
Feinste körnig. Im hintern Theile desselben, und zwar der
ganzen Breite nach, liegt vor der Zweitheilung des Nahrungs-
kanals in diesem Gewebe eine breite weissgefärbte und sich
dadurch von den Ovarienabtheilungen auffallend unterschei-
dende Schicht aus ansehnlich, doch nicht gleich grossen, kla-
ren, starkhäutigen Kugeln, welche einen körnigen Inhalt haben,
der sie aber bei weitem nicht immer ganz ausfüllt. Sie lie-
gen bald dichter zusammen, bald mehr zerstreut; die Schicht
selbst läuft noch nach hinten über die Querdärme weg, hier
aber nur eine die mittlere Region haltende, nicht sehr breite
Strecke weit, indem sich hinten an die Seitentheile des
Darms schon die dendritischen Ovarien anlegen und den
Platz einnehmen. Die grösseren Kugeln mögen etwa den
kurzen Durchmesser der nachher zu beschreibenden Eier
zum ihrigen haben; die sämmtlichen Kugeln sind aber
nie ganz regelmässig gestaltet, ferner gerunzelt, zusammenge-
zogen auf mancherlei Weise, oft auch wie zerrissen oder ge-
borst en.Ich fürchte jedoch, dass hier der Weingeist eine
329
Veränderung gemacht haben könne, Zwischen diesen grösse-
ren Kugeln liegt nun noch eine grosse Menge sehr kleiner,
klarer, 'unregelmässiger Kügelchen, welche ebenfalls oft etwas
Körniges in sich zu fassen scheinen und sich von der weissen
Schicht aus aueh weiter nach vorn hin zeigen, doch hier mehr
zerstreut, bis sie gegen den Vorderrand selbst nur noch ganz
einzeln vorkommen.
Das @ewebe des Hinterkörpers kann nicht so, wie
das des Vorderkörpers, durchschaut werden, indem ihn seine
inneren Organe zu sehr anfüllen; er'ist, ‘nach der gemeinen
Weise des Trematodenkörpers, sehr weich und von einer
Durchsichtigkeit, ‘welche nur erlaubt hat, auch seine inneren
Organe, wenigstens nach ihrem grössern Theile, zu erkennen
und zu verfolgen, während dies da nicht anging, wo eine stel-
lenweise etwas grössere Dicke des Körpers seine Durchsich-
tigkeit verminderte.
Sehr viele ausnehmend feine Muskelfasern nahm ich
in der Haut sowohl des Vorder- als Hinterkörpers wahr, Erst-
lich läuft in-einem weiten Felde um den Mundnapf zu diesem
eine Menge entweder schräge oder gerade hin; weiter sah-ich
keine im ganzen Vordertheile des Vorderkörpers, wohl aber
sich überkreuzende in seinem mittlern und hintern Theile und
zwar schon vor der Bifurcation des Nahrungskanales , doch
nur in der mittlern, gar keine oder wenigstens nur einzelne,
zerstreute in den Seitenregionen. In der ganzen vordern
Breite des Hinterkörpers laufen viele kurze Längsfasern, und
solche auch in der folgenden mittlern Körpergegend, wo sie
sich aber mit Querfasern kreuzen. In dem übrigen — hin-
tern — Theile sah ich wieder gar keine Fasern. — Ich muss
hier noch bemerken, dass die oben erwähnten Längsstreifen
des vordern Randtheils vom Vorderkörper keinen Fasern, son-
dern, wie es scheint, regelmässig abwechselnden Verdickungen
und Verdünnungen des Parenchyms ihren Ursprung verdan-
ken. Sie erscheinen auch schon bei 60maliger Linearvergrös-
serung; die Muskelfasern salı ich noch als sehr feine Striche
bei 200maliger.
Der sehr kleine Mund liegt in der Mitte des Vorder-
randes unter der Gestalt eines etwas tiefen Napfes, dessen
weite kreisrunde Öfinung gerade nach vorn hin geht, und ist
330
von lockerm, grobem Gewebe, welches keine Spur von Fa-
sern zeigt. ‘Ihn verbindet ein viel dünnerer, gerader, kürzer
Canal mit dem Schlundkopfe, welcher auch kleiner als
der Mund, ziemlich längs-elliptisch'und stark quermusculös
ist. Die auf ihn folgende Speiseröhre ist sehr zart und
läuft gerade hin bis zur Mitte des Vorderkörpers, an welcher
Stelle von ihr jederseits der Darm ziemlich unter einem rech-
ten Winkel abgeht. Die beiden, wie Vorderkanal und Speise-
röhre, sehr zartwandigen Darmkanäle sind nur von'mittelmäs-
siger Weite, doch weiter als die Speiseröhre. Jeder läuft 'sei-
nerseits quer und etwas auf und ab schlenkernd, dicht vor
den vordersten Ovarien und zwischen diesen und der Körner-
kugelschicht, durch die Mitte des Vorderkörpers bis zur Nähe
seines Aussenrandes, wo er sich nach hinten umkrümmt und
durch die Ovarienhaufen des Vorderkörpers hindurch zum
Hinterkörper hinüberläuft, in welchem er‘ sich‘ dann’ an der
innern Seite der den jederseitigen Körperrand besetzenden
Ovarienhaufen weiter hinzieht, sich aber unter diesen auch
schon stellenweise verbirgt, und endlich im hintersten Theile
dem Blicke ganz entzieht *), Der ganze Nahrungskanal von
dem Munde an und dieser selbst ist ‘weiss von Farbe oder
auch stellenweise ganz farblos und durchsichtig ; ‘das erstere
ist der Fall, wo sein Inhalt sich unter der Form einer sehr
fein -krümligen Masse zeigt, das letztere, wo er nur eine
klare, ungefärbte Feuchtigkeit enthält.
Neben der Innenseite des 'jederseitigen Darms läuft ‘im
Hinterkörper ein ansehnlich weiter, aber auch sehr feinwandi-
ger, ganz durchsichtiger Gefässstamm. Die beiden Vorder-
enden sind weiter als der übrige Theil, abgerundet, biegen
sich etwas nach aussen herum und zeigen keine Communica-
tion nach vorn oder den Seiten, liegen mitten zwischen dem
vordern queren “Ovarienstreifen und ‘dem Vorderrande ‘des
birnförmigen Geschlechtsknotens (s. unten) 'in geringer Ent-
fernung von einander; von ihnen ab divergiren die Stämme,
*) Im kleinsten der vier Exemplare jedoch, in welchem die letz-
ten Ovarienhaufen fast fehlen, erscheinen die Enden der Därme als
parallel mit dem Körperende, und diesem ganz nahe, herum und,
wenn ich nicht irre, mit einander zusammenlaufend,
331
bis sie hinterwärts vom Geschlechtsknoten jeder den Darm
seiner Seite erreichen, an welchem dann jeder von da bis
in den. hintersten Theil des Körpers hinläuft. So ‚wie die
Därme verbergen sich auch diese Stämme hier und da, kom-
men weiter hin dann wieder zum Vorschein, bis sie im letz-
ten Körpertheile unter den Genitalien verschwinden #). An-
dere Spuren eines Gefässsystems, als diese Stämme, sind mir
nicht sichtbar geworden.
Von den Geschlechtstheilen betrachten wir am zweck-
mässigsten zuerst die weiblichen.
Die allenthalben blassgelblichen Eiersto ckshaufen ‚san
gen unmittelbar hinter den den Vorderkörper quer durchlau-
fenden Därmen unter der Form zweier Dreiecke an, welche
von da, jedes seinerseits, den ganzen nach hinten verschmä-
lerten Vorderkörpertheil an den Seiten dicht besetzen. Ihre
Basis liegt der Länge nach in dem jederseitigen Rande: des
letztern, und der ihr gegenüberstehende, also schräg nach der
Mittellängslinie des Wurms gerichtete Winkel des einen fliesst
mit demselben des andern Dreiecks zusammen, dagegen las-
sen. die hinteren auseinandertretenden Seiten ein ansehnlich
weites Feld zwischen sich. Vom hintern Winkel der Dreiecks-
basis gehen die Ovarien in Gestalt eines stellenweise breitern
oder schmälern, bisweilen sogar fast unterbrochenen Streifens
in den Körperrändern nach hinten weiter und legen sich vor
dem Hinterende des Wurms von neuem zu 2 Dreiecken zu-
sammen, welche aber viel kleiner sind als die im Vorderkör-
per... Die Basis eines jeden liegt auch hier dem Körperrande
seiner Seite an, die Vorderseite läuft da, wo das letzte Drit-
tel des Hinterkörpers anfängt, schräg von aussen und vorn
nach innen und hinten und ist ziemlich geradlinig, die Hin-
terseite dagegen von aussen und hinten nach innen und vorn
und ist concav. Mit dem vordern Winkel der Basis läuft der
von vorn her kommende seitliche Ovarienstreifen zusammen,
der der Basis entgegengesetzte Winkel bleibt frei und vom
gegenüberstehenden des andern Dreiecks weit entfernt; der
hintere Winkel der Basis aber geht in einem dünnen Streifen
*) In einem Exemplare sah ich in den Vorderenden dieser Ge-
fässe weisse klümperige Massen stellenweise angehäuft.
332
weiter, der bis in das Schwanzende hinabläuft, in welchem er
allmälig sehr breit wird und sich so an den von der andern
Seite dicht anlegt. Auf diese Weise, und da sich der’ letzte
Ovarienstreif nach dem sich abrundenden Endtheile des Kör-
pers an dessen gerundetem Rande und diesem conform herum-
zieht, entsteht zwischen den hinteren Seiten der Dreiecke,
verbunden mit den letzten Ovarienstreifen, ein weiter, kurz
(quer-) elliptischer Raum, welchen grösstentheils (s. unten)
der hintere Hode ausfüllt. Der Bau und die Zusammensetzung
der Ovarien verhält sich folgendermaassen: Sie zeigen allent-
halben eine dendritische Form, und zwar so, dass ein dünner
gerader Kanal durch den Ovarienstreifen jeder Seite des Hin-
terkörpers der Länge nach hindurchläuft, von welchem im
Vorderkörper die mehrfach verzweigten Abtheilungen, welche
zusammen die beiden vorderen Dreiecke ausmachen, wie im
hintern Drittel des Hinterkörpers diejenigen nicht so vielfachen
Verzweigungen, welche dort zuerst die hinteren Dreiecke und
dann die stärkeren Anhäufungen im Schwanzende bilden, aus-
laufen. In den seitlichen, schmäleren Ovarienstreifen des Hin-
terkörpers gehen von dem Mitteleanale nur entweder einfache
oder weniger verzweigte Äste ab. Die einzelnen Zweige sind
immer diek und endigen sich stumpf zugerundet. Ein nicht
sehr dünner Verbindungs-Canal läuft in dem Zwischenraume
zwischen den bald zu erwähnenden hinteren Uteruswindungen
und dem vordern Hoden quer, jedoch stark nach hinten ge-
bogen, von einem Seitenovarium zum andern hinüber. Alle
Ovarienabtheilungen zeigen eine grosse Menge kleiner, rund-
licher und ganz klarer Körner oder Kügelchen, welche nur im
mittlern Theile des queren Verbindungscanals sehr dünn lie-
gen, oder auch stellenweise ganz fehlen, wogegen sie in den
Längscanälen, wie in den Ästen und Zweigen dick angehänft
sind. In den hinteren Verästelungen scheinen sie von einer
äusserst zarten Membran eingehüllt zu sein, welche den Ver-
ästelungen die dicke und zugerundete Gestalt zu Wege bringt,
aber weiter nach vorn sehe ich keine Spur einer solchen
Hülle und nur die traubenförmig angehäuften Körner die Ge-
stalt der Äste und Zweige bildend.
Der weite Uteruscanal durchläuft die vordere Hälfte des
Hinterkörpers in starken Hin- und Herwindungen, die allent-
333
halben mit reifen Eiern gefüllt sind. Seinen Anfang zu fin-
den war mir durchaus unmöglich. Die ersten reifen Eier lie-
gen in einzelnen Haufen zerstreut etwas hinter dem queren
Verbindungscanale der Ovarien, seitlich, und zwar links, ne-
ben dem vordern Ende des hintern Samenbehälters (s. unten)
und ziehen sich bis auf eine Strecke vor dem Quercanale hin,
bis dann in der linken Seite die erste deutliche Windung des
Uterus anfängt. Dieser hat in allem 9 Windungen,, welche
bald dünner, bald wieder viel dicker, ziemlich ebenmässig (nur
die vierte Windung ist mitsammt ihrer Einbiegung. sehr. stark
geschlängelt) nach rechts und links abwechselnd fortlaufend
ohne Unterbrechung, bis unter einen dicken weissen Knoten,
welcher im Hinterende des Körpers liegt und von. birnförmi-
ger Gestalt ist, wo die neunte Windung sich vorwärts und
zugleich aufwärts biegt und so in den Knoten von .dessen
Rückenseite her eintritt. Die hinteren 5 Windungen liegen
sehr dicht vor und an einander, auch die sechste noch nahe
vor der fünften an ihrem linken Ende; die übrigen 3 geben
sich weiter von der sechsten und von einander ab. So breit
sie auch von einer Seite zur andern verlaufen, bleibt doch
noch fast immer ein ziemlicher Raum zwischen ihren Umge-
bungen und den seitlichen Ovarien und in diesem verlaufen
die erwähnten grossen Gefässstämme des Körpers wie die bei-
den Darmenden, diese letztern jedoch schon mehr unter den
Ovarien versteckt. Das Ausgangsende des Uterus durchbohrt
den birnförmigen Knoten und öffnet sich an der Bauch-
seite, recht auf der Mitte desselben, mit einer dreieckigen
Mündung,
Die Eier liegen in den hinteren Windungen sehr dünn,
dann allmälig in den folgenden immer dichter zusammen, in
den mittleren und vorderen sehr gehäuft, im vordersten Ende
jedoch, nach dem Ausgange zu, wieder dünner, sind von Farbe
hellbraun, ansehnlich gross, vollkommen eiförmig und an ih-
rem verschmälerten Ende mit einem feinen Knötchen versehen.
Ihr Inhalt zeigt, wie in anderen Trematodeneiern, körnige
Masse und hin und wieder grössere Dotterkugeln. Alle Eier
des Uterus scheinen auf ein und derselben Stufe der Aus-
bildung zu stehen,
Von männlichen Geschlechtstheilen fand ich 2
334
Hoden, einen hintern und einen vordern, ein Vas deferens
mit 2 Samenbehältern und endlich ein Receptaculum
eirri. Die Farbe des ganzen Apparates ist weiss.
Der hintere Hode liegt in dem oben beschriebenen quer-
elliptischen Raume zwischen den hintersten Ovarien, welchen
er mit seinen Ästen ganz ausfüllt. Er ist so gebildet, dass
5 sehr kurze und dicke Stämme von seinem Mitteltheile, wel-
cher aber nur durch ihre Verschmelzung gebildet wird, rund
herum strahlenförmig abgehen und sich dann jeder in’ einige,
auch ansehnlich dicke Äste, und von diesen einige noch wie-
der in ein Paar kurze, ebenfalls dicke, ja sich nach aussen
noch wohl mehr 'verbreiternde Zweige theilen, deren, wieder
ungetheilten Äste, Enden sich dann rund zustumpfen. Die
Äste und Zweige legen 'sich sämmtlich fächerförmig aus und
so neben einander, dass dadurch das Ganze gerade die Pe-
ripherie des elliptischen Raums bekömmt, in welchem der
Hode liegt.
Der vordere Hode liegt in einiger Entfernung gerade
vor dem hintern und vor den hintern Ovarien-Dreiecken, ist
viel kleiner als der andere, auch weniger zusammengesetzt,
besteht auch nur aus 4 in einer schräg-sternförmigen Richtung
zu einander gestellten, in der Mitte des Hoden auch verschmol-
zenen, ferner weniger nach aussen hin verästelten dicken
Stämmen *).
Das Vas deferens, welches ich gesehen habe, geht als
ganz ungemein feiner Canal entweder aus einem der rechts
liegenden vorderen Zweige, oder auch unten oder oben aus
dem Corpus des hintern Hoden (was ich nicht unterscheiden
kann), geschlängelt und nach der rechten Seite hin gekrümmt
*) In den 3’weniger guten Exemplaren meines Fundes liegen zwar
die beiden Hoden eben so, wie in dem, von welchem die Beschrei-
bung genommen worden ist; aber die Hoden sind sich dort einander
sowohl an Grösse als Verzweigung mehr gleich. Ich will hierbei
noch bemerken, dass eine ungemeine Ähnlichkeit im Habitus (nicht
der Stellung) zwischen den Hoden unsers Monostomes und des von
Diesing (Ann. .d. Wiener Mus. der Naturgesch. 1.2. Taf. XXIV.
Fig. 2.) so schön abgebildeten erwachsenen Specimens seines Am-
phistoma oxycephalum stattfindet,
335
bei der innern Spitze des dort liegenden Ovariendreiecks vor-
bei, dann zwischen dem Darmkanal und dem vordern Hoden
durch, und zwar jenem näher als diesem, endlich in das rechte
Endeeines grossen Behälters ein, welcher aus einiger Entfer-
nung vom rechten Körperrande quer und etwas schräge von
hinten und rechts nach vorn und links, als ein etwas von
hinten nach vorn gekrümmter, vorn an einer Stelle einge-
schnürter, an beiden Enden stumpf verschmälerter Cylinder
bis zur Mittellinie des Körpers läuft, an welcher Stelle er sich
wieder in einen — ansehnlich weiten — Canal fortsetzt, wel-
cher von eben 'so feinen Wandungen wie der erstere, aus
dem Hoden abgehende, sich nach seinem Abgange von ihm
sogleich nach rechts umkrümmt, dann ganz schwach geschlän-
gelt, wieder nach links hin, eine lange und weite Krümmung
über die hinteren Uteruswindungen hinweg macht —- wie denn
auch die nun noch folgenden Abtheilungen des Samenganges
sämmtlich oberhalb der Uteruswindungen in der Rückenseite
des Wurms und unmittelbar über jene hinziehen — und dann
in einen zweiten Behälter tritt, welcher viel weiter und län-
ger ist, als der erstere (hintere), und zuerst nach rechts geht,
dann sich aber gleich vorwärts krümmt und mit seiner zwei-
ten, etwas verdünnten und an ein Paar Stellen eingeschnür-
tenHälfte nach links und etwas vorn läuft, wo sein Ende sich
in den vordern Theil des Samengangs fortsetzt. Dieser fängt
dort mit einer ansehnlichen, fast der des hintern Samenbe-
hälters gleichen Weite an, macht erst eine Krümmung nach
links, geht von dieser aus wieder mehr nach vorn und so
weit nach rechts, als früher die Krümmung des vordern Be-
hälters gethan hatte, und zwar hin und wieder sehr stark ein-
gekniffen und sich nach seinem vordern Ende mehr verdün-
nend, bis er zuletzt sich wieder ganz vorwärts krümmt und
dann in das rechte Ende des Cirrusbehälters tritt, welcher
quer hinter dem birnförmigen Knoten liegt, hier von ansehn-
licher, nicht ganz der des hintern Samenbehälters gleichkom-
menden Dicke ist, aber an seinem linken Ende etwas dünner
wird, sich so nach vorn-umbiegt, dann bald eine neue Bie-
gung macht und mit solcher sogleich gerade vorwärts in den
birnförmigen Knoten tritt, auf dessen dickerm Theile, unmit+
telbar hinter der dreieckigen weiblichen Geschlechtsöffnung,
336
an der Bauchseite, ein grosser runder Höcker liegt, welcher
ohne Zweifel der männliche Geschlechtsporus ist, an dem ich
aber keine Öffnung habe zu Gesichte bekommen: können. —
Ein Vas deferens aus dem vordern Hoden ist mir verborgen
geblieben. — Der Inhalt jenes ganzen männlichen Geschlechts-
apparates von den Hoden bis gegen den Cirrusbehälter zeigt
sich als eine höchst feinkörnige Masse.
Das hier Dargelegte ist es, was ich durch meine Beob-
achtungen vom äussern und innern Baue dieses eben so son-
derbaren als zierlichen Monostomes kennen gelernt habe, Ob-
gleich ich nicht im Stande gewesen bin, die Anatomie dessel-
ben vollständig zu erfassen, so habe ich doch geglaubt, das
an dem merkwürdigen Thierchen Beobachtete schon jetzt mit-
theilen und späteren Untersuchungen — besonders an frischen
Individuen der Species — die Ausfüllung der hier gebliebe-
nen Lücken überlassen zu dürfen.
3. Distomum veliporum mihi. Sp. n.
(Taf. IX. Fig. 1. 2.)
D. giganteum, depressum, inerme, ore antico, semiinfero
pori ventralis maioris tunica interiore utrinque in veli
speciem protracia, collo brevi, conico, corpore per-
longo, sublineari s. parum sensim attenuato,
Diese sich durch ihre Grösse und auch die Organisation
ihres Mund- und Bauchnapfs so ungemein auszeichnende Di-
stomenart ist vor mehreren Jahren von meinem hochyerehrten
Freunde, dem Hrn. Geheimenrath Otto in Breslau, im Squa-
lus griseus gefunden und mir von seiner Güte, welcher. das
hiesige Museum auch verschiedene Exemplare des Wurms
verdankt, zur Ansicht und Untersuchung mitgetheilt worden *),
Die Grösse der mir zugesandten vielen Exemplare war
sehr verschieden. Das grösste der letzteren war 3” und einige
*) Einige Angaben von diesem Distome habe ich schon in mei-
nem Aufsatz über die Gattung Distomum (Allg. Eneyel. d. W.u.K.
u. K. von Ersch u, Gruber, 1ste Section, Bd. 29.) mitgetheilt.
337
Linien lang und in der Gegend des Bauchnapfs 3”, am Hinter-
ende aber etwa 2” breit; das kleinste dagegen 4" lang und
in der Vordergegend etwa 1" breit. Die Farbe war weiss-
bräunlich; am Bauche nahe hinter dem Saugnapfe schienen,
wie in derselben Gegend des Rückens, die inneren Theile mit
einer bläulichen Farbe mehr oder weniger durch.
Von Gestalt waren die Würmer mehr oder weniger stark
niedergedrückt und — vom Bauchnapf aus — nach beiden
Enden hin verschmächtigt, doch nach dem Munde im Allge-
meinen mehr, als nach dem Hinterende, welches daher breiter
blieb als das Vorderende. Der Bauchnapf trat mit seiner Um-
gegend stark aus der untern Oberfläche hervor und lag weit
nach vorn, so dass der Hals des Wurms sehr kurz wurde;
dieser (vom Hinterrande des Mundes bis zum Vorderrande des
Bauchnapfes) hatte bei dem grössten Exemplare nur eine
Länge von 3”.
Der Mundnapf war, im Verhältnisse zur ganzen Grösse
des Thiers, nicht gross, schräg von oben und vorn nach un-
ten und hinten gerichtet, kreisrund, mit dickem, gleichsam
doppeltem Rande, dessen äusserer Theil vorn öfters wie eine
Art Lippe vorragte und die Kopfspitze ausmachte, während
am innern in der Mundhöhle ein kugelförmiger, von vorn her
oft grösstentheils diese ausfüllender (bisweilen jedoch nicht
sichtbarer) Theil eine Zunge bildete.
Der Bauchnapf war weit geöffnet, mittelmässig gross,
aber grösser als der Mund, gerundet, doch ein klein wenig
nach der Länge des Wurms elliptisch gezogen; sein Rand
war auch doppelt und ein wenig angeschwollen. Der innere
Randtheil lief von jeder Seite her gerade einwärts in eine
Hautfalte aus; beide Falten waren vor dem Hintertheile des
Napfes vereinigt, weniger hinter dem Vordertheile; in der
Mitte legten sie sich mit ihren geraden Rändern so an einan-
der, dass nur eine Ritze blieb und der Napf sich wie durch
einen innen vor seine Öffnung von beiden Seiten her ge-
zogenen Vorhang geschlossen zeigte. Oft waren diese Falten
in die Napfränder zurückgezogen, und zwar bald mehr bald
weniger, bisweilen auch. so ganz, dass gar nichts mehr von
ihnen zu sehen war, in welchem Falle sich dann der Napf
breit und tief geöffnet darstellte.
Archiv 1, Naturgesch, VII, Jahrg, 1, Bd, 22
338
Mitten an der Bauchseite des Halses stand in einiger
Entfernung hinter dem Munde und weit vor dem Bauchnapfe
der sehr kleine, doch wegen seines dick angeschwollenen Ran-
des wie ein Hügelchen vorragende Genitalporus, aus wel-
chem ich in einem Individuum einen äusserst feinen Cirrus
ausgetreten gesehen zu haben meine.
Ein deutlicher, obgleich nur . punetförmiger Exeretions-
Porus stand mitten in der Hinterspitze des Körpers.
Die inneren, durch die Haut des Körpers mit bläulicher -
Farbe durchscheinenden Theile zeigten sich als drei breite
rundliche Flecke oder auch selbst ziemlich ansehnliche Erha-
benheiten hinter dem Saugnapfe auf der Bauchfläche, gerade
in der Mittellängslinie des Körpers hinter einander. Die bläu-
liche Farbe erschien in dieser Gegend auch auf der Rücken-
seite, auf der Bauchseite aber bisweilen auch noch eine Strecke
hinter den drei Erhabenheiten. Dass zwei von diesen durch
die unterliegenden — wahrscheinlich wie bei Dist. tereticolle
R., Dist. rosaceum Nordm. u. a. kugelförmigen — Hoden
entstehen, leidet keinen Zweifel, Die dritte aber von einem
dritten Hoden herzuleiten, verhindert mich das Bedenken, wel-
ches ich schon in meinem Aufsatze über die Distomen in der
Ersch- und Gruberschen Encyelopädie rücksichtlich dreier
Hoden bei mehreren Arten dieser Gattung äusserte, welches
ich aber jetzt auf die ganze Gattung übertragen möchte. Es
ist nämlich ein dritter Hode bei derselben wohl nirgend nach-
gewiesen worden; der dritte Hode des Dist. Janceolatum, wel-
chen Mehlis als solchen dargelegt zu haben meinte, scheint
mir, nachdem ich seine Ansicht späterhin aufs Neue vergli-
chen habe, doch auch kein solcher zu sein. Mehlis Worte
(s. dessen Werk de Dist. hep. et lanceol. S. 28.) stimmen mit
seiner Zeichnung, Fig. 21., nicht ganz überein, und die letz--
tere giebt überdies die feinen Theile nicht recht deutlich zu
erkennen. Sicher ist der die dritte Hervorragung (welche von
den dreien, dürfte wohl nur durch die Section frischer Exem-
plare zu ermitteln sein) bei unserm Distome bewirkende innere
Theil dasjenige noch räthselhafte weibliche Organ, aus wel-
chem Mehlis (a. a. ©. S. 31.) bei Distomum hepaticum den
Anfang der Uterusröhre hervortreten und welches Siebold
bei D. nodulosum (s. Müllers Archiv, J. 1836, S. 234. T.X.
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339
"Fig. 1i.) und bei Distom. globosum (s. dieses Archiv Jahrg.
1836. Bd. I. S.220. — 1. Taf. VI. g.) durch einen Canal mit
demselben Anfange communiciren sah.
Nach einem Einschnitt in den Körper eines Exemplars
hinter dem Bauchnapfe kam eine sehr grosse Menge von
Eiern hervor, welche nur klein, etwas schmal eirundlich,
sehr durchsichtig und von Farbe braun waren. Die äussere
glatte Schale war von der unter ihr liegenden Eihaut durch
einen ziemlichen Zwischenraum getrennt, und dieser war in
dem verschmälerten Ende des Eies grösser als im übrigen
Umfange. Der Inhalt der Eier war eine krümliche Masse.
Erklärung der Abbildungen. Taf. IX.
Fig. 1. Distomum veliporum in nat. Gr. von der Bauchseite. In dem
Mundnapfe «a. sieht man die Zunge, im Bauchnapfe . das
Velum, c. ist der Genitalporus.
Fig. 2. Dasselbe von der Seite; die Buchstabenbezeichnung wie in
Fig. 1.
Beiträge zur Kenntniss der geographischen Ver-
breitung der Säugthiere Australiens, mit Notizen
über einige neuentdeckte Arten.
Von
J. E. Gray.
Im Auszuge mitgetheilt von A. Wagner.
Es ist erfreulich zu sehen, mit welcher Schnelligkeit
unsere Kenntniss von Australien sich mit jedem Jahre erwei-
tert. Ein sehr wichtiger Beitrag hierzu ist uns erst kürzlich
in folgendem Reisewerke dargeboten worden:
Journals of two expeditions of discovery in North-West
and Western Australia, during the years 1837, 1838
and 1839. By George Grey, Governor of South Au-
stralia. Lond, 1841, 2 Bände 8.
22#
340
Nicht nur hat der Verfasser dieser Reise auf seinen zwei
grossen Expeditionen eine sehr sorgfältige Rücksicht auf die
Fauna Neuhollands genommen, sondern nach löblicher engli-
scher Weise einen grossen zoologischen Anhang, von vorzüg-
lichen Zoologen bearbeitet, beigefügt. Hier soll nur auf eine
einzelne Abtheilung desselben, nämlich auf J. E. Gray’s, Cu-
rators des britischen Museums, gelieferte Beiträge zur Kennt-
niss der geographischen Verbreitung der Säugthiere Neuhol-
lands, mit Beschreibung mehrerer neuen Arten Rücksicht ge-
nommen worden. Unstreitig ist jetzt das britische Museum
am reichsten an diesen Thieren, seitdem Gunn, Harvey, Grey
und Gould ihre Sammlungen an selbiges abgelassen haben.
Nachstehendes Verzeichniss ist daher auch das vollständigste,
was bisher angefertigt worden ist.
V. Die-
mens-
land,
Süd-
Austral.
West-
Austral.
" Ost-
Austral,
anf ae
I. CHIROPTERA.
I. Rhinolophus.
1. Rh. mega] Fed Gray 10 _ _
1. Nyetophüi
2. N. Geokkayi Leach?
Barbastellus pacien
111. Serhöphitn. |
«) alis patagioque inter-
femorali lineis pilosis
vestitis.
3. Sc. morio, n.S.. - = = Be
4. Se, Gouldii, n.s, . 2 im = ps
5. Sc. australis, n.s. .| 1.4 1 A
£) alis fere nudis,
6, Sc. pumilus, n.s. . 7 en =
IV. Molossus.
7. M. australis . . . - = az =
V. Pteropus.
DRERP Sehe
em — BE a
II. RAPACIA.
Vl. Canis.
ISWTDINEO.. ra u 5 1 1? =
vu. ee
10. ©. Peronü . . . 1? pe ec
1. MARSUPIALIA.
VII. Thylacinus. -
11. Th. eynocephalus I — _ —
E
341
V. Die-
mens-
land,
Nord-
west ord-
Austral,
Süd- | West-
Austral,|Austral,
1X. Diabolus Gray (Sar-
cophilus F. Cuv.).
12. D. ursinus Harr. . _ pn
Austral.
Ost-
Austral,
X. Dasyurus, ki
«) pollice parvo exun-
uiculato,
13. D. maculatus .
14. D. Geofroyi Gould Be
‚2 ollice nullo.
’B. viverrinus (Var.
”. Maugei) .
XI. Phascog.ale.
a) er apice peniecil-
lata,
16. Ph. penicillata
|
|
|
#) cauda conica apice
longius pilosa.
7. Ph. minima Geoffr.
‚ Swainsoni Wat).| —
Ph. affınis n..s. . . ne
19. Ph. rufogaster n. p.| —
20. Ph. flavipes Wat. .| 2.3
21. Ph. murina Wat. . 2
ii
Keim
UI
LEkIER
22: = leucogaster . . a
Il
III Io» |
XIII. Perameles.
«) cauda attenuata.
ce) trunco fasciato.
25. P. Gumi . .. . —
26. P. fasciata n. sp.. . 3
#5) pilo vario; auri-
eulis acutis, longis.
27. P. nasuta (P. Bou-
gainvillei Quoy) . . 1
yy) pilo vario; auri-
eulis rotundatis.
28. P. fuseiventer, n. sp. r.
29. P. obesula . . 12
#) eaudapenicillata, pilo
molli, aurieulis longis-
simis ee).
30. P. lagotis . . - = =
XIV. Choeropus.
31. Ch. ecaudatus. . . 16 =
XV. Phalangista.
32. Ph. vulpina. . . .I7.A.5.| 2
33: Ph. fuliginosa Og. | _—
- 34. Ph. xanthopus Og..| 49
35. Ph. canina Og. P}
36. Ph. CuyieriGray(Ph.
Cookii Cuy.). 482 ud
>
I -
Fb
XI. Myrmecobius. |
= fasciatus . = a!
24. M? rufus Mitchell 82 = |
342
Ost-
Austral.
Süd-
Austral,
West-
Austral.
west.
Ina,
or‘
er] land,
k Die-
mens-
38. Phal. Cookii Gray
(Ph. Banksii a Ph.
viverrina Og.).
XVII. Petaurista.
39. P. taguanoides
40. P.leucogaster Mitch,
41. Petaurus macrurus .
42. P.flaviventer Desm.
43. P. breviceps Wat.
44. P. seiureus . -
45. P. Peronii Desm.? .
XIX. Acrobates.
46. A. pygmaeus Desm.
XX. Macropus.
a) cauda apice simplici,
vellere unicolori.
47. M. giganteus (M. ru-
fogriseus Less.; Var.
M. albus Gray)
48. M. laniger .„ .
49. M. fuliginosus Less.
ß) cauda apice simplici,
ı _ dorso colorato.
50. M, nAFBe Gould.
y) cauda apice unguicu-
Br (Gays hogalea).
51. M. frenatus Gould.
52. M. unguifer Gould .
XXI. Halmaturus.
«) cauda longa, paulu-
lum faseiculata
53. H. Parıyii Gray.
54. H. manicatus Gould
- (H. Irma Jourd.) »
5) cauda simpliei, dorso
unicolori.
55. H. Bennetti Wat. (H.
ualabatus ide H. fru-
ticus Og.) . -
56. H. ualabatus Less.
(H. Lessonii Gray)
57. H, elegans Lamb. (H.
ruficollis Less.) . .
58. H. Billardieri Less.
(H. Tasmanii Gr ap H.
rufiventer O .
59. H. Eugenii Des m. et
e (H. Thetis Less.)
H. brachyurusQuoy
XVl. Dromicia.
37. Phal. nana Geoffr.
u h. gliriformis Bell.) .
U. Hepoona.
ale:
nen te nenne.
e-
[}
la 1
EEE
0
[EB RI Re ar
|
ä;
MER.
ee
(Thylogale brevicauda-
tus Gray
y) cauda simpliei, dorso
striato.
61. H. dorsalis Gray
62. H. Parma Gould
63. H.DerbianusGray .
64. H.? Banksianus
65. H. fasciatus
XXI. Petrog.ale.
«) cauda conica, paulu-
lum fasciculata.
66. P. robusta Gould .
#) cauda apice penicil-
lata.
& = brachyotis Gould
P. penicillata Gray
Siietopm ee arie
ourd
69. P. Iaterai Gould.
XXI. Aypsiprymnus.
70. H. EC uv. (H
myosurus Og.)
71. H.? Lesueurii Quoy
72. H, Gilbertii Gould.
XXIV. Lagorchestes.
73. L. leporoides Gould
XXV. Bettongia.
4 vi apice nigricante.
B.setosa (Hype. seto.
"se et murinus Ög.; Ben
gen Gray)
75. Ogilbyi, Gould.
#) cauda apice fusca,
albo terminata.
76. B. Whitei (Hype. Whi-
tei Quoy; H. formosus
et Phillipü Og.).
77. B. Gray .
y) nr cana, aurses
78. B. ufescensGray(B.
melanotis Og.)
XXVL Phascolarctos,
79. Ph. fuscus (Ph. ci-
Zu) s
XXVIL hascolomys.
&0. Ph. ursinus . P
IV. GLIRES.
XXVIL Hydromys.
81. H.chrysogaster Geoff.
(H. leucogaster Geoffr.)
Ost-
Austral.
Ue
3.5
3.5
-
3.11
I“ Austral.
Süd-
|
West- =
Austral.
Ill
vll
west-
Austral, |Austral,
vllt!
el
EEFE| |
alt
mens-
land,
kb |
|
De
1.2.8
344
V. Die-
=
men
Se ua ie a en.
Nord-
west-
Austral,
Süd-
Austral.
West-
Austral.
Nord-
Austral.
Ost-
Austral,
XXIX. Pseudomys.
82. Ps. australis
XXX. Mus.
83. M. setifer Horsf. _
84. M, lutreola n. sp. 2
85. M. Greyü n. sp... . n—
86. M. Adelaidensis n.sp. —_
87. M.? platurus Mitch. 8
88. M,? Hovellii Mitch. 7
XXXI Hapalotis.
89. H. albipes (Conilurus
destructor Og 3.
90. H. Mitchell (Dipus |
=
|
I
Iler-|
FT
IARISRE
©
ES
in
DD
|
|
Mitchellii Og.) 16 ex
91. H. Gouldii n. sp- ’ — =
Il
|
V. MONOTREMATA.
XXXI. Echidna.
92. E. aculeata.'. . , 4.8 En. -_
93. E. setosa . e = a
XXXI. Ornithorhynchus.
94. O, paradoxus.. . . 1 - -
VI. CETACEA.
XXXIV.Delphinorhynchus
95. D. Pernettensis . . _ _ —
XXXV. Balaenu.
96. B. Physalis. . . . _ _ er
Zahl der Arten in sed
Gegend .
Zahl der jeder Gegend ei-
genthüml. Arten . ü
Die Nummern in den einzelnen Spalten dieser Tabelle be-
zeichnen verschiedene Lokalitäten von den 6 verschiedenen
Haupttheilen Australiens, und zwar in folgender Weise:
I. Neu-Südwallis und Ost-Australien überhaupt.
4. Sydney. 8. Inneres (überhaupt).
2. Hunteru,Maitlandfluss,nebst 9. Australische Alpen.
Goulburns - Ebene. 10. Murrumbidgee - Fluss.
3. Liverpool -Ebene. 41. Moreton -Bai.
4. Liverpool-Berge. 12. Clarence - Fluss.
5. Namoi- und Mokai-Fluss. 13. Port Phillip.
6. Bong-Bong. 14. Bathurst.
7. Yarrundi. 15. Inneres von Australia felix.
345
46. Murray -Fluss. 19. Glenelg-Fluss, *)
47. Bayunga-Fluss. 20. Port Stevens-Berge.
48. Darling- Fluss. 21. Port Maequarrie,
II. Süd - Australien.
4. Adelaide u. seine Umgebung. 4. Port Lincoln.
2. Känguru- Insel, 5. Murray - Fluss.
3. Südküste.
II. West - Australien.
4. Perth. 4. Canning- Fluss.
2. König Georgs Sund, 5. Rottness- u. Garden-Inseln.
3. Northam,
IV. Nordwest-Küste von Australien.
4. Hannover - Bai. 3. Dirk Hattericks- Bai.
2. Inseln in der Haien-Bai. 4. Ueberhaupt.
V, Nord-Küste,
4. Port Essington.
VI. Vandiemensland,
4. Hobartstadt. 6. Tasman’s Halbinsel,
2. Circeular Head. 7. Launceston.
3. Bass-Strasse u. King’s Island, 8. Actaeon - Insel,
4. Neu-Norfolk. 9. Wellington - Berg.
5.Käng uru - Spitze.
Noch hat Gray für die Norfolk-Insel eine 7te Spalte,
welche ich weggelassen habe, da Petaurus sciureus die einzige
darin aufgeführte Art ist,
Der vorstehenden Tabelle gemäss sind die numerischen
Verhältnisse der Ordnungen folgende:
Handflügler . 8 Arten
Raubthiere. . 2 -
Nager. ; .. wr 14
Beutelthiere_ . 70 -
Sporenthiere . 3 -
A Rp
Im Ganzen 96 Arten.
*) Hier findet entweder ein Versehen statt, oder es giebt zwei
Flüsse, die den Namen Glenelg-Fluss tragen, indem Kapt. Grey einem
von ihm entdeckten Strome an der Nordwestküste denselben Namen
beilegte.
346
Die Arten, welche Gray in obiger Tabelle als neu an-
sieht, sind von ihm auch characterisirt; indessen nach seiner
gewöhnlichen Weise so kurz, ohne Vergleichung mit den ver-
wandten Arten, mitunter selbst ohne Angabe der Grösse, dass
mehrere nicht mit Sicherheit zu erkennen sind.
Nr. 2. Scotophilus morio Gray. »Rücken einförmig bräun-
lich schwarz, unten kaum blasser; Wangen fast schwarz. Un-
terseite der Flügel und Schenkelflughaut mit Haarlinien. Spo-
ren verlängert, dünn. Ohren mässig gerundet, Klappe läng-
lich, stumpf. Vorderarm 4 10—12, Schienbein 9—12 Zoll.«
Nr. 4. Scotophilus Gouldii Gray. »Schwärzlich, hintere
Hälfte des Rückens bräunlich, Seiten und Unterleib bräunlich
aschfarben. Ohren ziemlich gross, breit; Klappe halbeiförmig,
Unterseite der Flügel und Schenkelflughaut mit Haarlinien.
Var. 1. Hintertheil des Rückens graulich, Bauchseiten grau.«
Gould.
Nr. 5. Scotophilus australis Gray. »Rücken schwärzlich,
Haarspitzen ziemlich brauner, unten an der Bauchseite merk-
lich blässer. Ohren klein, Klappe oval lanzettförmig, mehr
halbmondförmig. Flügel mit 16—18 schiefen Querlinien von
Haaren unter jedem Vorderarm und zerstreuten Haaren an
den Leibesseiten.« Vorderarm 1 5—12; Schienbein 15 —24.
Grössere Varietät: Vorderarm 4 7—12; Schienbein 17—24.
Nr. 6, Scotophilus pumilus Gray. »Graubraun, Basis des
Pelzes schwärzlich, unten blässer; Wangen schwärzlich. Ohren
klein, ziemlich dünn, länger als der Pelz; Klappe verlängert,
halb so lang als die Ohren, am Ende abgerundet. Flügel
fast kahl, ausser an der Achselgrube; Schenkelflughaut an der
Basis behaart. Sporen verlängert, 3 von der Länge des Ran-
des der Schenkelflughaut.‘“ Kopf und Leib 1 2—12; Schwanz
441 — 12, Vorderarm 1 2— 12.
Nr. 18. Phascogale affinis Gray. ‚Oben braun, durch
gelblichbraune Haarspitzen gesprenkelt, unten graubraun, Un-
terwolle bleifarben; Schwanz kurz. Männchen dunkler, 64"
lang, Schwanz 44”. Weibchen 41, Schwanz 2%". Tasman’s
Halbinsel. Gould. — Mag mit PA. minima Geofr. gleichbe-
deutend sein, aber der Schwanz ist verhältnissmässig länger.“
Nr, 19. Phascogale rufogaster Gray. „Kopf grau; Rücken
und Seiten braun, mit längeren schwarzen Haaren; Seiten
347
und Füsse licht roth; Lippen und Kinn weisslich, Unterwolle
bleifarben; Schwanzende schwärzlichbraun, schwach gepinselt.
Körper 4, Schwanz 2". Südaustralien. Gould.“
Nr. 22. Phascogale leucogaster Gray. ‚Kopf und Schul-
tern grau, hinterwärts mehr braun, mit einzelnen längeren
schwarzspitzigen Haaren, Kinn und Unterleib rein weiss; Füsse
bräunlich grau. Körper 4", Schwanz 2 Zoll. Gould.“
„Mehr Exemplare und weitere Beobachtungen müssen er-
weisen, ob dies lediglich lokale Varietäten einer Art sind; in-
dess sind die Exemplare, die wir von den nämlichen Lokali-
- täten haben, im Charakter ähnlich, was mit ‘den verschiede-
nen Exemplaren von Hepoona nicht der Fall ist.“
Nr. 26. Perameles fasciata Gray. „Graubraun, Rumpf mit
3 schwarzen Binden; Schwanz weiss mit schwarzem Längs-
streif längs der Oberseite. Kleiner als P. Gunnü“ *).
Nr. 28. Perameles fusciventer Gray. „Braun, gelb ge-
sprenkelt; Schwanz oben schwärzlich, unten grau; Kopf kurz,
konisch; Unterleib graubraun, mit breit roth verbrämten Haa-
ren. Diese Art ist P. obesula in der Färbung gleich, aber der
Kopf ist kürzer, und der Unterleib von dieser Art ist weiss
mit weissen Borsten.“
Nr. 37. Dromicia nana. ,‚Zahnbau und eigenthümliche
Schwanzform dieser Art weisen sogleich darauf hin, dass sie
eine von den andern Phalangern verschiedene Gattung bilden
muss, von welcher sie in manchen ihren Eigenschaften ab-
weicht.“
Nr. 38. Hepoona Cooki, „Exemplare aus derselben Ge-
gend differiren von einander in der Ausdehnung des Weissen
am Schwanze, in der Dunkelheit des Pelzes und in der Fär-
bung der Beine und Seiten, indem diese von der Farbe des
*) Die von mir neuerdings beschriebene Perameles myosuros würde
in Gray’s erste Abtheilung, wozu er P. Gunniü und fasciata zählt
gehören. Am nächsten scheint meine Art mit P. fasciata verwandt
zu sein, doch bedarf letztere einer detaillirten Beschreibung, bevor
mir mit Sicherheit ein Vergleich möglich würde. Vor der Hand finde
ich als Unterschiede, dass bei P. myosuros am Rumpfe nur eine dunkle
Querbinde vorkommt, die vom Kreuze an gerade von der Hüftgegend
herabläuft. Im Schreberschen Werke wird demnächst eine ron
dieser Art mitgetheilt werden.
348
Rückens, oder mehr oder weniger roth sind. Entweder giebt
es 5—6 Arten, oder nur eine“ *),
Nr. 40. Petaurista leucogaster „wivd nur Varietät von P.
taguanoides sein.“
Nr. 42. Petaurus macrurus. „Unter diesem Namen steht
im pariser Museum ein junger P. taguanoıdes.“
Nr. 47. „Die Macropus ‘mit behaarter Muffel halten sich
auf Grasplätzen auf, während die Yalmaturus auf Gesträuche
beschränkt sind, und die Fels-Kängurus (Petrogale) auf fel-
sige Distrikte; die letztern sitzen, gleich den Beitongia, mit
zwischen die Beine eingezogenem Schwanze, Die ächten Kän-
gurus haben einen etwas Eichhorn -ähnlichen Schwanz.“
Nr. 48. Macropus laniger. ‚Dieser Name muss kassirt
werden, da das Thier keine Wolle trägt. Das Fell im Pariser
Museum ist mit Schafwolle ausgebessert.‘
Nr. 57. Halmaturus elegans. ‚Die Beschreibung Lambert’s
ist so kurz, dass sie hisher mit Sicherheit nicht gedeutet wer-
den konnte. Bei Vergleichung aber der kolorirten Tafel in
Banks’ Exemplare des Bandes der Transactions, jene Beschrei-
bung enthaltend und nun in der Bibliothek des Museums be-
findlich, mit dem Exemplare von Kängurus in der Sammlung
des Museums, habe ich nur geringen Zweifel, dass eines dar-
unter gemeint, das Gould für identisch mit M. ruficollis Desm.
ansieht “**),
Nr, 84. Mus lutreola. „Rücken schwarz und gelblich ge-
sprenkelt, mit längeren schwarzen Haaren; Seiten gelblichgrau,
unten bleigrau; Unterwolle bleifarben. Ohren mit einzelnen
kurzen angedrückten Haaren; Schnurren schwarz; Vorderzähne
*) Unter dem Namen Hepoona Cookii vereinigt jetzt Gray die
beiden von ihm früher getrennten Arten Ph. Banksü (Ph. Cookü Og.
und Waterh.) und Ph. Cooki Gray (Ph. viverrina Og. und Waterh.);
wie ich es auch gethan habe. Gray’s Ph. Cuvieri ist identisch mit
der Art, die ich als Ph. melanura bezeichnet habe. W.
**) In der Festsetzung der Känguru-Arten sind Waterhouse und
Gray nicht durchgängig einverstanden. Am meisten weichen sie von
Ogilby in der Bestimmung der Arten von Hypsiprymnus ab, obgleich
allen das nämliche Material so ziemlich zu Gebote stand. Um der
hieraus entstandenen Confusion ein Ende zu machen, ist es zu wün-
schen, dass genannte Zoologen sich mit einander verständigen möchten.
W.
349
gelb; Schwanz mit kurzen angedrückten schwarzen Borsten.
Körper 7, Schwanz 4, Hinterfuss 1 1—4 Zoll. Die Was-
serratte der südaustralischen Kolonisten.‘
Nr. 85. Mus Greyü Gray. „Pelz braun, mit anliegen-
den, langen, dünnen, hellspitzigen, schwarzen Haaren; Seiten
gelblichbraun; Vorderhals und Unterleib gelblich, Füsse weiss-
lich, Ohren fast nackt, mit dicht angedrückten, kurzen, grau-
lichen Haaren; Schwanz mit anliegenden braunen Haaren.
Varietät: Unterleib mehr graulich‘ weiss. Körper 6, Schwanz
4%, Hinterfuss 1 1—12 Zoll.“
Nr. 86. Mus Adelaidensis. „Pelz weich, braun, mit zer-
streuten längeren schwarzspitzigen Haaren; Unterseite blass
graubraun; Unterpelz bleifarben. Schnurren schwarz; Ohren
mässig, mit kurzen anliegenden Haaren besetzt; Schwanz lang,
braun; Schneidezähne blassgelb, zusammengedrückt. Körper
3, Schwanz 3 Zoll. Hinterfuss 8—12. Gould“*).
Aus den allgemeinen Betrachtungen, welche Gray über
die geographische Verbreitung der in vorstehender Tabelle auf-
geführten Säugthiere anstellt, mag folgendes hier noch eine
Stelle finden. Die Gattungen Choeropus, Acrobates, Petaurista,
Lagorchestes, Phascolarctos, Hapalotis und Pseudomys sind
Neu-Südwallis eigenthümlich. Petaurus sciureus allein kommt
auch auf der Norfolk-Insel vor, woselbst er jedoch eingeführt
sein mag.
Die Arten von Petrogale und Bettongia sind Neu- Süd-
wallis, Südaustralien und der Nordwestküste gemein, werden
aber nicht auf Vandiemensland gefunden. Myrmecobius scheint
Westaustralien eigenthümlich, denn es ist keineswegs gewiss,
dass Mitchell’s in Australia felix entdeckte rothe Spitzmaus die-
ser Gattung angehört.
Die Gattungen Thylacinus, Diabolus und Dromicia. sind
Vandiemensland eigenthümlich.
Die Arten von Dasyurus und Perameles sind auf Vandie-
*) Gray hat hier die Aufführung zweier Mäusearten unterlassen,
welche Waterhouse in Darwin’s Zool. ofthe voyage of H.M, S. Beagle,
Mammal. p. 66 und 67 als Mus fuscipes von König Georgs-Sund und
Mus Gouldi von Neu-Südwallis beschrieben hat. Beide sind von
Grays 3 oben aufgeführten Arten verschieden. W.
350 e
mensland sehr häufig, haben aber auch auf Neuholland ihre
Repräsentanten.
Nyetophilus, Phalangista, Hepoona, Phascogale, Macropus
Halmaturus, Hypsiprymnus und Hydromys scheinen allen Thei-
len des Kontinents und auch Vandiemensland anzugehören.
Echidna und Ornithorhynchus werden in Neuholland und Van-
diemensland gefunden, doch nicht in den westlichen und süd-
lichen 'Theilen dieses Kontinents.
Von zwei Beutelthiergattungen, Halmaturus und Perame-
les sind Arten auf Neuguinea gefunden worden; indess wird
es sich bei näherer Prüfung wohl ausweisen, dass sie 'eine
besondere Gattung ‚ausmachen, wie es mit den Kängurus (Den-
drolagus) und den Phalangern (Ouscus) dieser Gegenden der
Fall ist.
Systematische Uebersicht über die Familie der
Galeoden.
Von
C L. Koch,
Kreisforstrath in Regensburg.
Im zweiten Uebersichtshefte des Arachniden-Systems ist
die Ordnung der Kanker in sechs Familien zerlegt, wovon
die Familie der Galeoden den ersten Rang einnimmt, die aber,
indem zur damaligen Zeit dem Verfasser noch zu wenig Ar-
ten bekannt waren, nicht gehörig beleuchtet werden konnte.
Gerade diese Familie aber bietet vor andern mancherlei
Charactere dar, die sie gewissermassen von den übrigen Kan-
kern entfernen, und zu einer eigenen Ordnung erheben.
Zwei auf einem gemeinschaftlichen Hügelchen sitzende Au-
gen, und die am Ende der Brust unter der dort befindlichen
Decke sehr wahrscheinlich verborgenen männlichen und weib-
lichen Genitalien, wo letztere auch bei den Scorpionen und
Afterscorpionen gefunden wurden, hat sie mit den Kankern
gemein, und hierauf gründet sich auch die Stellung, welche
351
ich ihr früher angewiesen batte. Ihre Entfernung aus jener
Ordnung wird indess durch folgende Charactere bedingt:
Die horizontalstehenden, nur zweigliedrigen Fresszangen,
wovon das zweite Glied unten an dem ersten eingelenkt ist,
und mit dem hakenförmigen Fortsatze des ersten eine mäch-
tige Zange bildet; doch sind an solcher keine Giftritzen sichtbar.
Die freiliegenden, unbeweglichen Kinnladen, in welche der
Unterkiefer ausläuft, und zwischen‘ welchen die kegelförmige
Zunge mit der Wurzel eingezwängt ist
Die ungleiche Zahl ‘der Hüftglieder der vier Beinpaare,
wovon das erste, zweite und dritte Beinpaar drei, das vierte
aber vier zählt; die ersten Hüftglieder aller Beine schliessen
mit dem gegenüberstehenden und alle unter sich dicht anein-
ander, so, dass die Brust völlig damit bedeckt ist; an den
drei vordern Hüftgliedern der Hinterbeine befinden sich über-
diess noch fünf schwammförmige, weiche Anhängsel, deren
Function noch unerforscht ist.
Abweichend ist ferner, dass das erste kleinere Beinpaar
keine eigentlichen Tarsen besitzt und an der Spitze des Fer-
sengliedes bloss zwei sehr kleine, kaum bemerkbare Krallen
angebracht sind, die übrigen Klauen aber jede aus zwei Ge-
lenken bestehen.
Die Taster haben bei allen Arten die Gestalt der Beine;
sie sind mit fünf Gliedern versehen, wovon das erste kurz
und hüftenähnlich ist, die drei folgenden stets lang sind, das
fünfte wieder kurz ist und an der Spitze eine glatte Oefinung
hat, über welche ein mit kleinen Beulen versehenes Fühl-
häutehen gespannt ist, das ausser den Organen des Tasters
wahrscheinlich auch die des Geruchs vereinigt.
Die Tarsenglieder sind nicht bei allen Arten gleich, son-
dern ändern in der Zahl und auf eine Weise ab, dass sie als
Merkmale der Gattungen sehr wesentliche Dienste leisten,
Nach letzteren formiren sich folgende Gattungen auf eine
sehr einfache Weise;
Gattung I. Solpuga Lichtenstein.
Die Tarsen des zweiten und dritten Beinpaars
mit 4, die des Endpaares mit 7 Gelenken (das längere
nach dem Schienbein folgende Fersenglied nicht eingerechnet.)
352
Arten:
1) S. lethalis. Kopf, Körper, Taster und Beine -dunkel-
ockergelb, der Hinterleib zottig behaart, ohne dunkleren Rük-
kenstreif. Länge 2” (jedesmal ohne die Fresszangen).
Klug Mus. reg. Berolin,
Vaterland: Kap der guten Hoffnung.
2) S, rufescens. Kopf, Taster und Beine rostroth, Hin-
terleib rostgelb, hinten ein kegelförmiger Fleck schwarz.
Länge 10".
Klug Mus. reg. Berol.
Vaterland: Kap der guten Hofinung.
3) S. iubata. Kopf, Taster, Körper und Beine rostbraun,
der Rücken des Hinterleibes weiss, auf diesem ein breites,
hinten spitz ausgehendes Längsband schwarz; an den Hinter-
beinen oben und unten eine mähnenartige, lange Haarfranse.
Länge 12".
Klug Mus. reg. Berol.
Vaterland: Kap der guten Hoffnung.
4) S. vincta. Rostbraun, der Hinterleib oben weiss, auf
diesem ein breiter kegelförmiger Längsstreif, dunkelbraun; die
Beine behaart, ohne Mähne,
Klug Mus. reg. Berol.
Vaterland: Kap der guten Hofinung.
5) S. badia. Gelblich-rostbraun, der Hinterleib oben ok-
kergelb, auf solchem ein Längsstreif dunkelrostbraun. Länge 9".
Klug Mus. reg. Berol.
Vaterland: Kap der guten Hoffnung.
6) S. /usca. Dunkelrostbraun, der Hinterleib oben .ocker-
gelb, das gewöhnliche Längsband dunkelbraun, die langen
Beine dünn. Länge 54”.
Klug Mus. reg. Berol.
Vaterland: Kap der guten Hoffnung.
7) S. hirtuosa. Dunkelrostbraun, Fresszangen, Brust und
Hüften unten gelb; Hinterleib aber gelblichbraun, der gewöhn-
liche Längsstrich dunkelbraun, Körper und Beine zottig be-
haart. Länge 4". 1
Koch in den nachfolgenden Heften der Arachniden,
Vaterland; Kap der guten Hoffnung.
353
8) $. flavescens. Blass ockergelb, der hinten spitze Kopf
dunkler, auf dem Hinterleibe der gewöhnliche Längsstreif hell-
rostbraun. Länge 64".
Ehrenberg Mus. reg. Berol.
Vaterland: Aegypten,
9) S. Zineata. Gelb, vier Längsstreifen auf dem Kopfe,
zwei auf den Fresszangen und zwei auf dem Körper braun-
schwarz. Länge 7".
Klug Mus. reg. Berol.
Vaterland: Kap der guten Hoffnung.
10) $. Zuteralis. Kopf und Fresszangen dunkel ockergelb.
Hinterleib weiss, in den Seiten verloren braun, ıder Rük-
kenstreif breit, dunkelrostbraun; Taster und Beine gelblich-
braun, die Endglieder verdunkelt Länge 74'”.
Klug Mus. reg. Berol.
Vaterland: Kap der guten Hoffnung.
Gatt. Il. &ateodes Oli».
Die Tarsen des zweiten und dritten Beinpaares
mit 2, die des Endpaares mit 3 Gelenken.
1) @. fatalis.
Solpuga fatalis Werbst ungefl. Ins. I. 32. T.1. F. 1.
Vaterland: Bengalen.
2) @. araneoides.
Pall. Spie. zool. fasc. 9. p. 37. t.3. 1.7.8.9.
Vaterland: Südrussland.
3) @. Graecus.
Galeodes araneoides Koch Arachn. III, 7. F.164. 165.
Vaterl.: Griechenland (auch Barnaul in Sibirien. Er.)
4) @. Arubs. Blassgelb, auf den Fresszangen zwei Längs-
streifen, auf dem Kopfe zwei grosse Flecken, und auf dem
Körper ein Längsstreif rostbraun, das dritte und vierte Glied
der Taster mit braunem Anstriche. Länge 16 bis 18",
Solpuga araneoides Savigny Aran. d’Egypte 416.
Pl. 8. Fig. 7.
Vaterland: Arabien, Aegypten.
5) @. scalaris. Schwefelgelb, ein breiter, hinten ' spitz
ausgehender, seitwärts zackiger Rückenstreif dunkelbraun;
Beine ockergelb, schwefelgelb behaart. Länge 15”.
Archiv #, Naturgeschichte, VII, Jahrg. Bd, 1, 23
354
Ehrenberg Mus. reg. Berol.
Vaterland: Arabien.
6) @. intrepidus.
Savigny Aran. d’Egypte 419. Pl. 8. Fig. 8.
Vaterland: Aegypten.
7) G. leucophaeus. Hellgraugelb, der Kopf dunkler, der
Hinterleib oben weiss, der Längsstreif auf solchem schwarz,
seitwärts zackig; die Endhälfte der Beine hellgelb. Länge 9".
Ehrenberg Mus. reg. Berol.
Vaterland: Arabien.
Gatt. III. Aetlopus.
Die Tarsen der drei hintern Beinpaare mit 2
Gliedern. (Das hinterste ohne Krallen.)
4) A. lanata. Blassgelb, durchaus weiss wollig: Taster
und Beine kurz.
Klug Mus. reg. Berol.
Vaterland: Südafrika.
Gatt. IV. Rhax Hermann.
Die Tarsen aller Beine ungegliedert; das Tar-
senglied kurz; das Endglied der Taster versteckt.
1) R. melanus. 2%
Savigny Aran. d’Egypt. 419. Pl. 8. Fig. 9.
Vaterland: Aegypten.
2) A. furiosa. Dunkelrostbraun, die Kanten des Kopfes,
des Vorderleibes und der Hüftenglieder fein. weiss, die. Haare
und Borsten des Körpers und der Beine rostgelb. Länge 14”.
Ehrenberg Mus. reg. Berol.
Vaterland: Arabien.
3). R. impavida. Der Kopf braunschwarz, mit langen rost-
gelben Fresszangen; Hinterleib gelbbräunlich, ein Rückenstreif
schwarz, Taster und Beine gelb. Länge 44", auch etwas
grösser, -
Ehrenberg Mus. reg. Berol.
Vaterland: Arabien,
4) Alı Phalangium.
Savigny- Aran. d’Egypte 420. Pl: 8. Fig. 10:
Vaterland: Aegypten.
Gatt. V. Gluvia.
Die Tarsen aller Beine ohne Abtheilung in Ge-
lenke, das Tarsenglied dünn und lang; das End-
glied der Taster frei und deutlich.
* Fresszangen klaffend, der obere Finger ungezähnt.
1) @. praecox. Der Kopf gelbbraun, der Hinterleib
sehwärzlichgrau, die Beine erdbraun, mit weisslichen Hüften;
die Fresszangen gelblich, an der Innenseite ein abgekürzter
Längsstrich roth, der untere Finger in der Mitte mit einem
grossen 2spitzigen Zahn.. Länge 5".
Klug Mus. reg. Berol.
Vaterland: Mexiko. -
2) @. elongata. Braun, Brust und Wurzel der Beine
blassgelb, Fresszangen gelb, oben mit zwei braunen Strichen,
der untere Finger am Grunde mit einem starken Zahn. Länge 6”.
Klug Mus. reg, Berol.
Vaterland: Mexiko. - 5
3) @. cinerascens. Schwärzlichgrau, der Hinterleib un-
ten weisslich, die Fresszangen gelb, auf dem Rücken grau,
der obere Zangenfinger fast gerade, etwas nadelförmig, der
untere am Grunde und in der Mitte schwach gezähnt. Länge 44".
Klug Mus. reg. Berol.
Vaterland: Mexiko. .
## Fresszangen schliessend, beide Finger mit in einander
greifenden Zähnen.
4) @. graeilis. Schlank, dünnbeinig, blassgelb; der Hin-
terleib dunkelgelbbraun; die langen Fresszangen mit geboge-
nen rostbraunen Fingern.‘ Länge 3%”, auch grösser.
Klug Mus. reg. Berol.
" Vaterland: Kolumbien.
5) @. geniculata. Etwas kurzbeinig, der Kopf bräunlich-
‚die Fresszangen gelb, mit dicken, gebogenen, rothbrau-
nen Fingern; Hinterleib dunkelbraun, Beine gelbliehweiss, die
Endhälfte der Schenkel und die Vorderhälfte der folgenden
Glieder braun. Länge 5".
Klug Mus. reg. Berol.
Vaterland: Venezuela.
23%
356
6) G. formicuria. Etwas kurzbeinig, der Kopf rostgelb,
die Fresszangen ockergelb, mit etwas kurzen, gebogenen Fin-
gern; der Hinterleib braun, gelb behaart, die Beine blassgelb-
lich, die Schenkel und folgenden Glieder etwas verdunkelt.
Länge 41”.
Klug Mus. reg. Berol.
Vaterland: Mexico. 1
7) 6. striolata. Bräunlichgelb, vorn auf den Fresszan-
gen zwei Längsstriche, am Vorderrande des Kopfes ein Quer-.
streif und ein Längsband, auf dem Hinterleibe braun. Länge 5”
Klug Mus. reg. Berol.
Vaterland: Portugal.
Diagnosen neuer Arten brasilischer Säugthiere.
Von
Dr. A. Wagner in München.
Mit Herrn Kustos- Adjunkt Johann Natterer, rühmlichst
bekannt durch seine vom Jahre 1817--1835 in Brasilien un-
ternommenen zoologischen Reisen, habe ich mich zur Bear-
beitung einer Fauna mammalium brasiliensium vereinigt. Wie "
in allen Klassen, so auch insbesondere in der Klasse der
Säugthiere, hat die Wiener Sammlung einen Reichthum an
brasilischen Thieren aufzuweisen, wie ihn kein anderes Mu-
seum- besitzt. Ich habe mich im heurigen Herbste längere Zeit
in Wien aufgehalten, um die Vorarbeiten für unser Unterneh-
men abzumachen. Eine vierwöchentliche Musterung der da-
selbst aufbewahrten Säugthier-Bälge war nicht ausreichend, um
Alles kritisch prüfen zu können. Die sämmtlichen Chiropte-
ren, die Edentaten mit geringer Ausnahme, und ein grosser
Theil anderer Arten musste einer spätern Zeit zur Prüfung
aufbehalten werden. Einstweilen theile ich die Diagnosen der-
jenigen neuen Säugthier-Arten aus der Wiener Sammlung mit,
welche mir als unzweifelhaft erschienen, und füge ihnen einige
£ 357
aus unserm Museum bei, die ich noch nicht bekannt gemacht
habe. Letzteren setze ich die Bemerkung: Mus. Monac. zu:
Eine von Herrn Dr. Rüppell aufgestellte neue Art, deren An-
sicht ich seiner Gefälligkeit verdanke, habe ich bei dieser Ge -
legenheit durch eine Diagnose zu erläutern mir erlaubt. Hin-
sichtlich der Namen der Arten habe ich die von mir im Schre-
ber’schen Werke eingehaltene Regel befolgt, die Benennungen_
der Spezies, wenn letztere als neu von. mir befunden wurden,
unverändert, wie sie in den Sammlungen gegeben sind, bei-
zubehalten, auch dann, wenn ich die Art etwa einer andern
Gattung zugetheilt habe.
1. Callithrix brunea Natt.
Callitbrix saturate fusca, taenia frontali lata manibusque
nigris; vellere breviori, adpresso, stricto.
Altitudo a vertice ad anum 123”, cauda 174”.
2. Callithrix caligata Natt.
Callithrix dilute fuscescens, pilis dorsi nigro flavoque
annulatis, gastraeo genisque cupreo-rufis, manibus_ sineipite-
que nigris.
Altitudo 124”, cauda 144”,
Borba et Rio Solimoens.
3. Chrysothrix entomophaga d’Orb.*)
Chrysothrix serina, supra nigro-mixta, capite supra ater-
rimo, antibrachiis manibusque splendide aureo-fulvis.
Altitudo 11”, cauda 143”.
Rio Mamore.
4. Hapale chrysoleucos Natt.
Hapale albida, manibus caudaque splendide rutilo-fulvis,
aurieulis albo-penicillatis.
Altitudo 9", cauda 124”.
Borba,
BaurzE}..
*) Öbschon. diese Art bereits von d’Orbigny unter dem Namen
Callithrix entomophaga abgebildet ist, so ist sie doch zur Zeit noch
nicht beschrieben worden.
358
9. Phyllostoma excisum Wagn.
Phyllostoma ferrugineo-bruneum, subtus brunescens, pros-
themate lanceolato, auriculis elongatis, emarginatis; eauda pa-
tagioque anali nullis. i
Altitudo a vertice ad anum 2”, antibrachium 1” 6".
Ypanema. Mus. Monac.
6. Lutra solitaria Natt.
Lutra supra castaneo-fusca, subtus sordide albida, rhinario
ınudo; cauda conica sensin attenuata, utrinque paululum fim-
briata; vellere laxo.
Corpus 2’ 5”, cauda 1’ 3”.
Ypanema.
7. Didelphys poecilotus Natt.
Didelphys pilis laneis albidis, sericeis partim basi albis,
apice nigris, partim [at rarissime] totis albis, capite albo an-
guste tristriato, aurieulis albido-carneis, nigro-maculatis.
Magnitudo fere D. cancrivorae.
Angaba.
S. Didelphys dichura Natt.*)
Didelphys eano-rufescens, subtus albido-luteseens; cauda
longitudine corporis, albido-carnea, supra fusco-maculata, subtus
apiceque immaculata.
Corpus 83" cauda 9".
Ypanema,
9. Didelphys affinis Natt.
Didelphys supra rufescens, subtus albido-luteseens; cauda
*) Sowohl D. dichura als D. affınis können mit D. Philander ver-
wechselt werden, wie es auch theilweise geschehen ist. Für D. Phil-
ander ist die Diagnose so zu stellen: Didelphys supra rufescens
aut canescens, subtus albido-lutescens; cauda corpore multum lon-
giore, parte nuda fusca, dein alba, supra subtusque fusco-maculata,
apice longo immaculata albido-carnea; mastotheca ventrali.
vr
Corpus 11” 2”, cauda 15”, pars pilosa 7" 9”.
ER
ö ; il 359
corpore paulum longiore, supra subtusque usque ad finem al-
bido-maculata; mastotheca nulla,
Corpus 9", cauda 10".
Matto grosso.
10. Didelphys ochropus Natt.
Didelphys lanigerae similis, at minor, magis rufescens,
eapitis, colli truncique lateribus- canescentibus; cauda fere di-
midia nuda.
Barra.
11. Didelphys macrotarsus Natt.*)
Didelphys murinae ‚similis; auriculis multo majoribus;
cauda tota nuda, saturate rubello-cinerea; pedibus posteriori-
bus elongatis robustis.
12. Didelphys microtarsus Natt.
Didelphys murinae similis, auriculis multo longioribus ;
cauda saturate rubello-cinerea, subtus tenuissime pilosa; pedi-
bus posterioribus abbreviatis gracilibus.
13. Didelphys domestica Natt.
Didelphys luteo-grisea, subtus pallide lutescens, auriculis
majusculis, capite haud striato; cauda abbreviata, crassiuscula,
pilis albis brevissimis paueissimis vestita; mastotheca nulla.
Corpus 7“, cauda 2" 4.
Cuyaba.,
/ 14. Didelphys glirina Natt.
Didelphys cinerascens, subtus pallide cano-lutescens, late-
ribus ochraceis, capite abbreviato, auriculis mediocribus; cauda
dimidio corpore paululum breviore, basi pilosa, dein nudiuscula.
Corpus 63“, cauda 2” 7".
Mamore.
*) Didelphys macrotarsus und microtarsus könnten bisher zum
Theil mit D. murina Neuw. verwechselt worden sein, was zu ver-
meiden ist, wenn: man folgende Diagnose von D. murina beachtet:
D. aurieulis minoribus, pedibus posterioribus gracilibus, cauda nuda
elare rubello-albida
360
15. Didelphys velutina Natt.
Didelphys murino:fusca, subtus abrupte albida; cauda tota
[basi excepta] pilis brevissimis adpressis glabris fuscis vestita.
Corpus 32“, cauda 2%”.
Ypanema.
16. Didelphys unistriata Natt.
Didelphys supra ferruginea, cano-mixta, subtus rufescens,
stria dorsali obscuriori, cauda abbreviata pilosiuscula.
Corpus 54“, cauda 24”.
Ytarare.,
17. Seiurus igniventris Natt.
Sciurus supra e nigro flavoque mixtus, subtus pedibusque
saturate ferrugineo-rufis, interdum corpore toto nigro; cauda
basi nigra, dein maximam partem ferruginea,
Corpus 112”, cauda 13“.
Rio Negro.
18. Sciurus pyrrhonotus Natt.
Seiurus supra pedibusque extus saturate ferrugimeo-rufus,
subtus abrupte flavido-albescens; cauda ferruginea, basi macula
magna nigra notata. ö
Major quam Seiurus Langsdorffü.
Borba. 2
19. Cercolabes melanurus Natt,
Cercolabes pilosissimus, pilis nigris serinisque coloratis,
aculeis intermixtis; cauda longissima, aterrima, basi sola supra
excepta; pedibus nigris.
Corpus 154”, cauda 17” 5,
Rio Negro [Barra],
20. Loncheres macrura Natt.
Loncheres supra fulvescens, lateribus pallidior, subtus e
cano lutescens; cauda fere corporis longitudine, nudiuscula,
pilis nonnullis brevissimis albidis vestita.
Corpus 103”, cauda 10”.
Borba.
En a Ta
®
361
21. Loncheres nigrispina Natt.
'Loncheres supra nitide bruneo-fulvida, nigro-irrorata, subtus
pedibusque albido lutescens, rostri lateribus cano-lutescentibus;
cauda [basi crassa excepta] dense et aequaliter fusco-pilosa,
äpice haud penicillata,
Corpus 94”, cauda 6”.
Ypanema.
22. Loncheres unicolor Rüpp.*)
Loncheres unicolor et dilute ferrugineo-brunea, subtus
pedibusque pallidior, cauda longius pilosa; vellere rigido sicco,
pilis nonnullis planis, canaliculatis, angustis dorsalibus intermixtis.
Corpus 10” 9, cauda 7" 9.
Brasilia.
23, Hesperomys [Oxymycterus] rostellatus Wagn.**)
Hesperonys supra ex flavo nigroque variegatus, subtus
ochraceus; cauda corpore multum breviore, unicolore, nigra.
Corpus 6“ 3“, cauda 3” 10.
Brasilia. Mus. Monac.
24. Hesperomys arviculoides Pict.***)
Hesperomys olivaceo-bruneus, nigro-adspersus, subtus
pedibusque canus, cauda dimidii corporis longitudine, dense
pilosa; vellere nitido molli.
Corpus 5” 5", cauda 2” 8".
Brasilia.. Mus. Monac.
25. Hesperomys orobinus Wagn.
Hesperomys supra bruneo-flavus, subtilissime nigro -ad-
spersus, -subtus flavido-albescens, auriculis postice nudis,
*) Verz. der im Mus. der Senckenb. naturf. Gesellsch. aufgestellt.
Samml. 5.31. Die Beschaffenheit der Backenzähne ist mir übrigens
nicht bekannt.
**) Diese nebst den 3 nachfolgenden Arten sind für das En
Museum vom Naturalienhändler Brandt angekauft worden.
""") Auf der Etikette des angekauften Exemplares war Mus. arvi-
euloides Pictet angegeben, was ich beibehalten habe.
’
362
pedibus fuscis; eauda corpore multum breviore, squamata,
nigricante.
Corpus 5“, cauda 3" 5,
Brasilia. Mus, Monac.
26. Hesperomys subflavus Wagn.
Hesperomys supra bruneo-flavidus, subtus albidus, pedibus
sordide albidis; cauda longitudine corporis, squamata, raripilosa.
Corpus 6”, cauda 6",
Brasilia. Mus. Monae.
27. Dasyprocta nigricans Natt.
Dasyprocta tota e nigro alboque variegata, tergo concolore.
Corpus 22“,
Von Borba am Madairo und vom Rio negro oberhalb
des Cocuy.
363
Zur systematischen Kenntniss der Insectenlarven.
Vom .
Herausgeber,
Erster Beitrag.
Die Larven der Coleopteren.
Fortsetzung.
Lamellicornia.
Kopf hornig, rundlich vertical stehend.
Ocellen sind nicht vorhanden.
Fühler an den Seiten des Kopfes unmittelbar über den
Mandibeln eingelenkt, ziemlich lang, viergliedrig, mitunter
gebrochen. B
Kopfschild durch eine Querfurche abgesetzt.
Lefze gross, hornig.
Mandibeln kräftig, an der Spitze mehr oder weniger
gezähnt.
Maxillen dicht neben dem Kinne auf einer querliegen-
den Angel eingelenkt, mit zwei, sowohl mit dem Stamm als
auch oft mit einander verwachsenen, an der Spitze mehr oder
weniger gezähnelten Laden, und mit 3— 4gliedrigen Tastern.
Unterlippe mit querem fleischigem Kinn, zu einem eben-
falls queren Stück verwachsenen Tasterstämmen, ziemlich kur-
zen 2gliedrigen Tastern, meist ohne Zunge.
Beine mit abstehenden Hüft-, meist ziemlich gleichen
Trochanter-, Schenkel- und Schien- und einfachen Fussgelenken. '
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), alle flei-
schig; der After in Gestalt eines eigenen 13. Segments vor-
tretend ohne Nachschieber; der Körper gekrümmt.
Stigmenpaare 9, acht auf den 8 ersten Hinterleibs-,
Jas 9. auf dem Prothoraxsegment, alle auf den Seiten der
Oberseite gelegen.
364
Beim. 1. Diese Larven weichen in mehreren Puncten von
den meisten übrigen Käferlarven sehr wesentlich sab, so dass
man sie auf der Stelle an ihren Raupenköpfen, 5 einge-
krümmten, hinten sackförmig zugerundeten Körper und den
abstehenden meist verlängerten Hüften erkennt. Bemerkens-
werth ist auch, dass das erste Stigma auf dem Prothoraxringe
in gleicher Linie mit den Hinterleibsstigmen liegt.
Bem. 2. Sehr genaue und treflliche Untersuchungen hat
De Haan in den Nouv. Annal. du Mus. d’Hist. nat. t. IV.
‚pP. 125 folg.) über diese Larven angestellt, und die Ver-
schiedenheiten nach Gruppen, Gattungen und Arten sorgfäl-
tig berücksichtigt, weshalb ich auf diese Abhandlung verwei-
sen kann. Einen wichtigen Beitrag liefert auch die ‚Hist. nat.
des Coleopt. d. France, par M. E. Mıilsant; Lamellicornen,
Paris 1842, welche mehrere bisher unbeobachtete Larven ken-
nen lehrt. — Die scheinbar einfache Maxillarlade, welche bei den
Larven vieler vorkommt, finde ich, deutlich aus zweien be-
stehend, welche ihrer Länge nach verwachsen sind, so. dass
eine Nath die ursprüngliche Trennung bezeichnet. So. ver-
wachsen und scheinbar eine einzige bildend, sind die Maxillar-
laden nach den vorliegenden Beobachtungen und auch.nach den
von mir untersuchten Larven bei den Xylophilen, den Phyllo-
phagen und Melitophilen, getrennt sind sie bei den Copropha-
gen, Arenicolen und Lucaniden.
Bem. 3. Die Larve von Passalus hat De Haan nicht unter-
sucht., Sie stimmt mit den Lucanenlarven. darin überein, dass
die Afteröfinung eine Längsspalte und die Körpersegmente nicht.
querwulstig sind. Sie zeichnet; sich durch die kurzen anschei-
nend nur 2gliedrigen Fühler, vorhandene Zunge, hauptsäch-
lich. aber durch die Verkimmerung des dritten Fusspaares aus.
Von diesem sind nur schräg ‚nach vorn gerichtete Rudimente
vorhanden, die vier vorderen Beine sind dagegen ziemlich
lang; mit kurzen Hüft- und Trochanter- und längeren Schien-
und Schenkelgelenken., Die von. der Merian als die von Pas-
salus abgebildete Larve gehört nicht dahin, dagegen finden
sich Abbildungen in Percheron Monographie des Passales t. 1
f.13, und in Westwood Introduct.I. p. 226 f. 23, 12 (angeb-
lich von. Buprestis attenuata). Beide sind. indess, mangel-
haft. Unsere Sammlung besitzt die Larven von mehreren Arten,
365
Tenebrio.
Kopf rundlich auf der Oberseite gewölbt, mit etwas nach
unten gerichtetem Munde, hornig.
Ocellen fehlen gänzlich.
Fühler seitlich unmittelbar über den Mandibeln einge-
lenkt, Agliedrig, das erste Glied äusserst kurz, das 2. und 3. ge-
streckt, das 4. sehr klein und fein, fast borstenförmig, aber
abgestutzt, mit einem feinen Endbörstchen.
Kopfschild durch einen Quereindruck von der Stirn
abgesetzt, nach vorn verengt.
Lefze hornig, vorn gerundet.
Mandibeln nicht vorragend, kräftig mit 2zackiger Spitze.
Maxillen dicht neben der Unterlippe mit schräg stehen-
der Angel eingelenkt, in eine verwachsene, am Rande mit
_ kurzen Börstchen gewimperte dreieckige Lade ausgehend. Die
Taster 3gliedrig, die beiden ersten Glieder gleich gross, das
3. kleiner, namentlich dünner.
| Unterlippe mit länglichem fleischigem Kinn, freien, unter
einander verschmolzenen Tasterstämmen, 2gliedrigen Tastern,
und kleiner, schmaler, einfacher, fleischiger Zunge.
Beine ziemlich kurz mit zapfenförmigen, dem Körper
anliegenden, einwärts gerichteten Hüft-, ziemlich grossen, vom
Schenkel abgesetzten Trochanter-, fast gleich langen Schenkel-
und Schien- und kleinen, einfach hakenförmigen Fussgelenken.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), alle oben
mit einer dünnhornigen oder pergamentartigen, nach unten über-
greifenden, die Hinterleibssegmente unten mit einer schmäleren
Schiene bekleidet, alle mehr oder weniger gestreckt, gleich
dick, daher der ganze Körper langgestreckt, drahtförmig. Das
letzte Segment etwas kegelförmig vortretend, mit zwei haken-
förmigen Spitzchen am Ende. Der After etwas nach unten
vortretend, mit zwei seitlichen Nachschiebern.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 auf den 8 ersten Hinter-
leibssegmenten, und zwar vorn auf dem umgeschlagenen Rande
der Rückenschiene, das 9. auf der Unterseite des Mesothorax-
segment, nahe dem vorderen Rande gelegen.
Bem. 1, In der drahtförmigen Körpergestalt stimmen diese
Larven auf den ersten Anblick sehr mit denen der Elateren
366
“ üiberein, sie weichen aber sehr in den Mundtheilen, namentlich
durch die verwachsene Maxillarlade ab, und lassen sich ausser-
dem leicht und auf den ersten Blick durch das abgesetzte
Kopfschild und die vorhandene Lefze unterscheiden. Auch
die beiden fleischigen etwas hakenförmigen zurückziehbaren
Nachschieber sind für diese Larvenform eharacteristisch.
Bem. 2. Einer sehr grossen Zahl heteromerischer Käfer
ist diese Larvenform eigen, vermuthlich nämlich allen Melaso-
men (wir kennen sie nur von Tezebrio und Blaps, den Helo-
‚piern (Helops) und den Cistelen. Abweichungen kommen haupt-
sächlich nur in den Verhältnissen der Fühlerglieder und der
Gestalt des letzten Hinterleibsringes vor. Auch findet man bei
einigen (ob vielleicht jüngeren?) dieser Larven durch schwarze
Puncte hinter den Fühlern Augen angedeutet. Untersuchen
konnte ich die Larven von Tenebrio, Diaperis, Pentaphyllus,
Hypophloeus, Helops, Cistela (atra) und: Mycetocharis.
Bem. 3. Im Wesentlichen kommt auch -die Larve_ des
Pentaphyllus testaceus, welche in abgestorbenem zundrigem
Eichenholze lebt, mit der von Tezebrio überein; nur ist das
Kopfschild nicht deutlich abgesetzt, die Mandibeln sind stärker
gezahnt, das letzte Glied der Lippentaster ist grösser und ab-
gestutzt, das 2. Fühlerglied kurz, das 3. dagegen länger, das
letzte Körpersegment unbewehrt.
Bem. 4. Mehr weicht die Larve des Boletophagus agri-
cola ab, welche ich der gütigen Mittheilung des Hrn. Dr. Ro-
senhauer verdanke. Die Fühler. sind kurz, kegelförmig. Das
Kopfschild ist ganz von der Stirn abgesetzt. Die Mundtheile
sind zwar nicht wesentlich verschieden, Kinn und Zunge aber
kürzer und breiter. An den Beinen sind die Hüften sehr kurz,
so dass sie sich mit ihren Enden nicht nähern können. Der
Körper ist ziemlich gedrungen und nur das Prothorax-Segment
bat ein horniges Oberschild, die übrigen Segmente sind nur
mit dünner Haut bekleidet. Die Rückensegmente greifen nicht
nach unten herum, sondern bilden Seitenwülste, die Stigmen
befinden sich aber nicht auf diesen Wülsten, sondern am Sei-
tenrande des eigentlichen Rückentheils. Auch kann ich von
dem Nachschieberpaar am hier kaum vortretenden After nichts
entdecken. Vielleicht dass, wenn noch mehrere übereinstim-
367
maende Mitglieder bekannt werden, diese Form sich als eine
besondere aufstellen lässt.
Serropalpen.
Kopf geneigt, rund, fast kuglig, sehr dünn hornig.
Ocellen nicht vorhanden.
Fühler am Vorderrande des Kopfes, seitlich, dieht über
den Mandibeln eingelenkt, klein, 4gliedrig, das 1. Glied kurz
und dick, das 2. und 3. gleich, das 4. klein und dünn.
Kopfschild abgesetzt, hornig.
Lefze vortretend, häutig, rundlich, mit dem Kopfschilde
den Spalt zwischen den Mandibeln von oben deckend.
Mandibeln nicht vorragend, derb hornig, besonders an
der Spitze.
Maxillen dicht neben der Unterlippe mit querstehender
Angel eingelenkt, mit verwachsener am Rande mit kurzen Börst-
ehen besetzter Lade, und mit 3gliedrigem Taster, das 1. Glied
kurz, das 3. etwas kleiner als das zweite.
Unterlippe mit länglichem fleischigem Kinn, freien, unter
_ einander verschmolzenen Tasterstämmen, 2gliedrigen Tastern,
und kleiner, abgerundeter, fleischiger Zunge.
Beine ziemlich kurz, mit zapfenförmigen, abwärts, gerich-
teten Hüft-, seitwärts eingelenkten, kurzem Trochanter-, kaum
längerem Schenkel-, sehr kurzen Schien- und kleinen einfach
hakenförmigen Fussgelenken.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), alle flei-
schig eylindrisch, nur der Prothorax etwas grösser, höher und
derbhäutiger; der After einen einfachen wulstigen Nachschie-
ber bildend.
Stigmenpaare 9, nämlich 8an den Seiten der 8 ersten
Hinterleibssegmente, und zwar nach dem Rücken hin und nach
vorn gelegen; das 9. mehr nach unten auf der Falte zwischen
Pro- und Mesothoraxsegment befindlich.
Bem. 1. Diese Larven sind weisslich, auch der Kopf
| ungefärbt, nur die Mandibelu sind braun, an der Spitze fast
| schwarz. Der Körper ist nur sehr einzeln und fein behaart.
Viel Verwandtes zeigen diese Larven mit den Tenebrionen-
Larven, sie unterscheiden sich aber durch die dünnhäutige
368
Bekleidung des Körpers, die Richtung der Beine u. s. w.; und.
stellen offenbar einen eigenen Typus dar. !
Bem. 2. Perris hat in den Ann.d. se. nat. nouy. ser. XIV.
S. 87 T.3 F,14—18 die Larve der Melandrya serrata be-
kannt gemacht: meiner Beschreibung hat die Larve der Dir-.
caea discolor zum Grunde gelegen, welche ich Ratzeburgs
freundsehaftlicher Mittheilung verdanke. Beide Larven weichen
nur darin ab, Jdass bei der Larve der
Melandrya das letzte Hinterleibssegment unbewehrt, bei der der
Dircaea mit zwei zurückgekrünmmten Hornhaken bewafinet ist.
Oedemeriden.
Kopf ziemlich gross und flach, horizontal vorgestreckt,
sehr dünn hornig.
Ocellen sind nicht vorhanden.
Fühler am Vorderrande des Kopfes dicht neben den
Mandibeln eingelenkt, vorgestreckt, 4gliedrig, das 1. Glied kurz
und breit, das 2. und 3. lang, das 4. klein, grifielförmig, mit
einer feinen Endborste.
Kopfschild abgesetzt, hornig.
Lefze hornig, vortretend, mit dem Kopfschild den Spalt
zwischen den Mandibeln von oben bedeckend.
Mandibeln vorgestreckt, stark, hornig, ‚an der; Spitze
gezälhnt.
Maxillen fleischig, gross, dicht neben der Unterlippe
auf breiter querstehender Angel eingelenkt, mit verwachsener,
am Innenrande mit Börstehen dünn besetzter Lade. , Taster
3gliedrig, das 1. Glied lang, das 2. etwas kürzer und dünner,
das 3. klein und pfriemförmig.
Unterlippe fleischig mit schmalem Kinn, fast ganz. ver-
wachsenen Tasterstänmen, 2gliedrigen Tastern, deren. 1. Glied
lang gestreckt, und 2. klein pfriemförmig ist, und mit schma-
ler, fast eylindrischer Zunge.
Beine ziemlich kurz, mit kurzen, einwärtsgerichteten,
innen hackenförmig vorspringenden Hüft-, ziemlich. gleichen
Trochanter-, Schenkel- und Schien-, und aus einer kleinen ein-
fachen Klaue bestehenden Fussgelenken.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), alle flei-
schig, die Thoraxsegmente breiter, das 3. und 4: oft auch da
rn
369
2. Hinterleibssegment unten mit einem Paar fussförmiger, mit
feinen Hornspitzchen besetzter Fleischhöcker; der After in
Gestalt eines eigenen Segments vortretend, unten mit einem
Querspalt geöflnet.
Stigmenpaare 9, 8 auf den ersten Hinterleibs-, das
9. in der Falte zwischen Pro- und Mesothoraxsegment an den
Seiten gelegen.
Bem. Die erste Nachricht über eine Oedemeren - Larve
hat Westwood (Introduct. I. p. 305, Fig. 35, 8—11), eine ge-
nauere Beschreibung Leon Dufour (Ann. d. l, Soc. Ent. d.
Er. X, p.5 pl.1 1.) gegeben. Wir besitzen bier eine ähnliche
Larve aus der Sammlung Rudolphi’s, der sie aus Schweden
als Larve des Zymexylon navale erhalten hatte, welche aber
in diese Fam. gehört und bei ihrer Grösse leicht die des Ca-
lopus serraticornis sein kann. Diese Larven zeichnen sich
durch die afterfussförmigen Höcker der Hinterleibssegmente
sehr aus. Westwood giebt (bei Oed. viridissima) das 2.— 4.,
Leon Dufour (von Oed. ruficollis und seladonia) das 3. und
4. Hinterleibssegment als mit solchen Fusshöckern versehen an;
die schwedische Lärve stimmt hierin mit der L, Dufour’schen,
die von Oedemera cyanea und Oe. viridissima, welche ich durch
Ratzeburg’s freundschaftliche Mittheilung zu untersuchen Ge-
legenheit habe, mit der Westwood’schen Angabe überein. Sonst
sind alle sehr übereinstimmend gebildet.
Lagria.
Kopf niedergebogen, hornig, rundlich, oben sanft gewölbt,
unten flach.
Ocellen 5 auf jeder Seite, 3 in einer Querreihe, dicht
hinter jedem Fühler, und 2 hinter den beiden äusseren vorderen.
Fühler an den Seiten des Kopfes eingelenkt, dreiglie-
drig, das erste Glied kurz, das zweite lang, das dritte klein, in
der verdickten Spitze des 2. versteckt.
Kopfschild deutlich abgesetzt, lederartig.
Lefze vortretend, lederartig, mit dem Kopfschilde den
Spalt zwischen den Mandibeln von oben bedeckend.
Mandibeln hornig, kräftig, gebogen, vor der Spitze gezahnt.
Unterlippe lederartig, mit kleinem viereckigem Kinn,
Archiv (. Naturgeschichte. VIII, Jahrg. 1. Bd. 5 23
370
kurzen verwachsenen Tasterstämmen, kleinen und kurzen 2glie-
drigen Tastern und kleiner halbrunder Zunge.
Beine kurz, mit cylindrischen, querliegenden, gegen ein-
ander gerichteten Hüft-, kurzen, mit dem Schenkel verwachse-
nen Trochanter-, längeren Schenkel- und Schien- und sehr
kleinen, aus einer einfachen Klaue bestehenden Fussgelenken.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente) oben quer-
gewölbt, unten flach, alle mit lederartigen oder dünnhornigen,
dunkel oder metallisch gefärbten, an den Seiten übergreifen-
den und umgebogenen Rückenschienen; ohne Nachschieber.
« Stigmenpaare 9, nämlich $ auf den $ ersten Hinter-
leibssegmenten, das 9. auf der Unterseite des Mesothoraxringes.
Bem. 1. Diese Larven weichen sehr von denen der übri=
gen Hetomeren ab, und haben im Allgemeinen grosse Über-
einstimmung mit denen der Szlphen, sie haben aber kürzere
Beine und längere Fühler. Über die einheimische Zagria hirta
finden sich Nachrichten bei Lyonet (Rech. s. Y’anat. et meta-
morph. d’Insect. publ. p. De Haan p. 112 pl. 11 f. 47—31) und
Westwood (Introd. I. p. 290 f. 32, 25), diese ist mir zur Zeit
noch nicht bekannt, meine Untersuchungen habe ich an den Larven
von Lagria grandis Schönh. aus Vandiemensland und einer
der Z. tuberculata F. ähnlichen Art aus Columbien gemacht.
Beide sind bronzefarbig und metallisch glänzend.
Bem.2. Diese beiden Larven weichen bei grosser Überein-
stimmung doch in einigen Puncten von einander ab. Bei der der
Lagria grandis sind die Fühler nicht länger als der Kopf, die
Hinterleibsstigmen liegen auf der Bauchseite auf dem umgeschla-
genen Theile der Rückenschienen, und so weit nach vorn, dass
sie bei eingezogenen Segmenten ‘vom übergreifenden Rande
des vorigen Segment verdeckt werden, und das letzte Segment
endet in zwei neben einander liegenden Hornspitzen. — -Bei
der andern Larve sind die Fühler durch Verlängerung des
2. Gliedes beträchtlich länger als der Kopf, die Stigmen- lie-
gen auf der Rückenseite der Hinterleibssegmente, gleichfalls von
den übergreifenden Hinterrändern der vorhergehenden Ringe ver-
deckt, und das letzte Segment ist unbewehrt und an der Spitz
nur leicht ausgerandet. Durch diese Abweichungen wird di
von Dejean vorgenommene generische Trennung der Lagr,
371
tubereulata (Phymatodes) vollkommen gerechtfertigt, obschon
die weitere Absonderung und engere Verbindung derselben
mit Denebrio sich durchaus nicht naturgemäss ausweist.
Pyrochroen.
Kopf horizontal vorgestreckt, flach.
Ocellen 5 auf jeder Seite. 2
Fühler an den Seiten des Kopfes eingelenkt, ziemlich
lang, 3gliedrig, die einzelnen Glieder an Grösse abnehmend,
Kopfschild nicht abgesetzt.
Lefze vorhanden, hornig.
Mandibeln kräftig, gebogen, an der Spitze mit mehreren
stumpfen Zähnen.
Maxillen dicht neben dem Kinn auf kurzer, breiter,
querstehender Angel eingelenkt, mit verwachsener an der Spitze
etwas erweiterter, an der Innenecke mit hakigen Dörnchen
besetzter Lade und mässig langeın 3gliedrigem Taster.
Unterlippe mit schmalem, länglichem Kinn, divergiren
den an der Wurzel verschmolzenen Tasterstämmen, kurzen
zweigliedrigen Tastern, und länglicher, die Taster überragen-
der einfacher Zunge.
Beine ziemlich kurz, nach aussen gerichtet, an den Kör-
perseiten eingelenkt, mit sehr kurzen, wulstförmigen ‚Hüft-,
ziemlich kurzem, mit dem Schenkel verwachsenen Trochanter-,
fast gleichen Schenkel- und Schien-, und in einer einfachen
Klaue endigenden Fussgelenken.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), alle flach,
oben mit einem breiteren, unten mit einem schmäleren hor-
nigen oder pergamentartigen Schilde, das letzte obere mit
zwei starken rückwärts gerichteten Hörnern, das entsprechende
untere an der Basis mit einer Querreihe von Zähnchen. Der
After ein Querspalt, nicht als Nachschieber vortretend.
Stigmenpaare 9, 8 auf den umgeschlagenen Seiten der
Rückenschilder der 8 ersten Hinterleibssegmente, das 9. in der
Fälte zwischen dem Pro- und Mesothoraxsegment gelegen.
Bem. Diese Larven haben eine ausgezeichnete Form.
Die Larve von Pyrochroa ‚hat den Kopf frei, vom Protho-
raxringe abgesetzt, von den 5 Ocellen nur 2 dicht hinter
24%
372 x
den Fühlern deutlich, die übrigen mehr oder weniger undeut--
lich, das vorletzte Hinterleibssegment besonders gross, —
Die Larve von Pytho hat den Kopf in das Prothorax-
segment eingesenkt, alle Ocellen deutlich‘ und das vorletzte
Hinterleibssegment nicht länger als die übrigen. Sonst ist die
Übereinstimmung in allen wesentlichen Puncten ganz vollkom-
men und hinreichend, um die von den Systematikern so all-
gemein verkannte natürliche Verwandtschaft beider Gattungen
in’s Licht zu ‚setzen. Die unter Baumrinden lebenden Larven
von beiden Gattungen sind übrigens schon mehrfach beschrie-
ben worden.
Mordella.
Kopf rund mit nach unten gerichtetem Munde, dünn-
hornig, mit derbhornigem Munde.
Ocellen 1 auf jeder Seite, an der äussern Seite dicht
neben der Einlenkung der Fühler.
Fühler dicht über den Mandibeln eingelenkt, klein und
kurz, aus 4 stufenförmig schmäler werdenden Gliedern be-
stehend.
Kopfschild deutlich abgesetzt, lederartig, quer viereckig.
Lefze hornig, mit dem Kopfschilde zusammen die Fuge
zwischen den Mandibeln von oben bedeckend.
Mandibeln kurz, kräftig, allıälig zugespitzt.
Maxillen mit einer verwachsenen Angel dicht neben der
Unterlippe eingelenkt, fleischig, mit kleiner fast horniger, ver-
wachsener Lade, und kurzen, kegelförmigen, dreigliedrigen
Tastern.
Unterlippe fleischig, fast viereckig, einfach, mit sehr
kleinen 2gliedrigen Tastern.
Beine äusserst kurz, zapfenförmig, schräg nach hinten
gerichtet, mit wenig bemerklichen Spuren von Gliederung.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), alle flei-
schig, walzig, das Prothoraxsegment mit grösserem und derbe-
rem Rückenschilde, das letzte durch erhabene Puncte rauh,
und nach hinten in eine -Hornspitze verlängert.
Stigmenpaare 9, Sauf den 8 ersten Hinterleibssegmen-
ten an den Seiten des Rückens, das 9. mehr nach unten in
der Falte zwischen Pro- und Mesothoraxsegment gelegen.
373
Bem. Es ist dies eine sehr ausgezeichnete Form von
Käferlarven, welche mit keiner anderen verglichen werden kann,
aber an die der Holzwespen (Sirices) eine so grosse Annäherung
zeigt, dass ich eine zeitlang geneigt war zu glauben, es wären
dies wirklich Larven von Holzwespen (die von mir untersuch-
ten der Mordella aculeata die von Atphydria, die von Schum-
mel und Vallot beschriebenen der M. pumila und pusilla, die
von Cephus), in denen die Mordellenlarven auf ähnliche Weise,
wie die von den nahverwandten Meloen und Ripiphorus para-
sitisch lebten. Indess habe ich diese Meinung wieder aufgeben
müssen, als ich mich überzeugte, dass nicht nur bei der Puppe
ausser der äussersten keine zweite Larvenhaut sich abgelegt
fand, sondern auch bei einem Exemplar, welches in der Lar-
venhaut schon die Puppe enthält, dass die Fühler, Taster, Beine
der Larve die entsprechenden Organe der Puppe enthalten.
Die Beschreibung der Larven der Meloiden übergehe ich
hier, da wir zur Zeit nur den ersten Jugendzustand derselben
kennen. Vermuthlich ändern sie bei folgenden Häutungen ihre
Form. Eine natürliche Gränze zwischen dieser und der eben
abgehandelten Familie wird durch Beobachtung und genaue
Definition der Larven noch abzustecken sein, vielleicht dass
die parasitischen Ripiphoren noch in die Familie der Meloiden
übertreten müssen.
Curculiones (Rüssel- und Borkenkäfer).
Kopf rundlich mit nach unten gerichtetem Munde, hornig.
Ocellen (meist) nicht vorhanden.
Fühler äusserst klein, unter einem Höckerchen über der
Mandibel als eine kleine, mit einem kurzen Börstchen besetzte
Papille mit Mühe bemerkbar,
Kopfsehild deutlich abgesetzt, querviereckig, lederartig.
Lefze deutlich vorhanden, lederartig mit dem Kopfschilde
den Spalt zwischen den Mandibeln von oben bedeckend.
Mandibeln stark hornig, kräftig, an der Spitze oft
stuinpfgezähnt. &
Maxillen dicht neben der Unterlippe auf kurzer Angel
374
eingelenkt, mit verwachsener, mit Borsten gewimperter Lade,
und kleinem kegelförmigem Taster. Diese sind 2-, oder wenn
man ein zuweilen bemerkbares, äusserst kurzes ringförmiges
Grundglied mitzählt, 3gliedrig. 2
Unterlippe mit grossem fleischigem Kim, an dessen
Spitze die Tasterstämme verwachsen sind, welche sehr kurze,
kegelförmige zweigliedrige Taster tragen.
Beine fehlen, sind aber häufig durch einen rundlichen,
mit einer steifen Borste besetzten Höcker angedeutet.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibsegmente), alle flei-
schig, die 'Thoraxsegmente zuweilen etwas grösser, der Hin-
terleib nach dem Ende zu zuweilen verschmächtigt. Der After
tritt wenig vor.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 an den Seiten der Rücken-
wülste der 8 ersten Hinterleibssegmente, das 9. fast überall
auf dem seitlichen Ende des Rückenwulstes des Prothorax-
segments gelegen.
Bem. 1. Die Larven gleichen sowohl in ihrer Form, als auch
in der Gestalt des Kopfes u. s. w. denen der ‚ZLamellicornen
und Ptinen, sie unterscheiden sich aber von Beiden durch die
fehlenden Beine, Mit denen der Piinioren ist ihre Verwandt-
schaft sonst am grössten, da bei den Lamellicornenlaren sich
immer stark entwickelte Fühler finden.
|
Bem. 2. Die Rüssel- und Borkenkäferlarven sind gewöhn-
lich eingekrümmt und mehr oder weniger feist, eine Ausnahme
machen jedoch die’ Minirlarven einiger Rüsselkäfer, z. B. Or-
chestes, welche gerade, schlanker und nach hinten allmälig
verjüngt sind. In der Regel ist das letzte Segment unbewehrt;
bei Calandra aber mit einer Horngabel bewaffnet (Burmeister
zur Naturgesch. der Gatt. Calandra, Berlin 1837). Die mei-
sten sind weiss oder gelb, einige, welche frei auf Blättern leben
(z. B. von Cionus, Hypera) gefärbt. Alle nähren sich von
Pflanzen und zwar von den verschiedensten Theilen derselben.
Nur die Anthriben-Gattung Brachytarsus scheint parasitisch in
Coceus zu leben.
Bem. 3. Viele dieser Larven haben die oben angegebe-
nen Fusshöcker, namentlich die von Drachytarsus varius, Hy-
lobius Abietis (Cure. Pini L.), Pissodes notatus, Magdalis violacea,
375
Balaninus nucum, Sibinia cana, Cossonus linearis, andere haben
keine Andeutung davon, namentlich die von Otiorkynchus ater,
Orchestes Quercus und Fagi.
Bem. 4. Bei den allermeisten Larven liegt das erste
Stigmenpaar auf dem Prothoraxringe: die einzige Ausnahme
habe ich bei der Larve von Apoderus Coryli bemerkt, wo es
auf dem Mesothoraxringe, doch ziemlich nahe der vorderen
Gränze desselben gelegen ist. Sonst stimmt diese Larve im
Wesentlichen mit den übrigen überein, und sie gehört in die
Reihe derjenigen, welche Fusshöcker besitzen.
Ben.5. Die vom Prof. Ratzeburg mir zur Untersuchung
mitgetheilte Larve von Ahynchites betulae weicht auf eine an-
dere Weise von den normalen Larven ab. Sie gleicht den
fusslosen Minirlarven von Orchestes, ist aber weniger schlank,
und nach hinten nieht verschmächtigt. ‘Sie hat aber deutlich
vortretende Fühler und jederseits 3 in einer Längsreihe stehende
Punctaugen. Wie sich die frei auf Pflanzen lebenden Larven
von Hypera und Cionus in Betrefi der Ocellen verhalten mögen,
bedarf noch der Untersuchung. 2
Bem. 6. Die Larven der Borkenkäfer verhalten sich ganz
wie die normalen Rüsselkäferlarven, haben im Allgemeinen eine
gedrungene Gestalt, krümmen den Körper zusammen, und haben
warzenförmige Fusshöcker, doch ohne Borsten. Etwas mehr
weicht die von Platypus ab. Die Fussstummel fehlen, ‘das
erste Stigmenpaar liegt in der Falte zwischen Pro- und Meso-
thoraxsegment, der Prothorax ist etwas aufgetrieben, der After
der sonst fast allgemein X-förmig ist, ist ein einfacher Querspalt.
Cerambyces.
Kopf horizontal, flach, in das Prothoraxsegment halb zu-
rückziehbar, hornig, mit derberem Mundrande,
Ocellen sind entweder gar nicht vorhanden, oder sie
sind klein und wenig deutlich, entweder 1 oder 3 auf jeder Seite,
Fühler äusserst klein, in einem seitlich nahe am Vor-
derrande befindlichen Fältchen fast versteckt, 3gliedrig, mit
einem kurzen Endbörstchen.
Kopfschild deutlich abgesetzt, pergamentartig.
Lefze hornig, am Vorderrande behaart, beide den Raum
zwischen den Mandibeln ausfüllend,
376
N
Mandibeln kurz, kräftig, stark hornig, ungezähnt.
Maxillen dicht neben dem Kinn eingelenkt, die Angel
unbeweglich, der Stamm kurz und breit, mit kräftiger, innen
borstiger Lade, und ziemlich kurzem, kegelförmigem, 3gliedri-
gem Taster.
Unterlippe mit fleischigem Kinn, starken, grösstentheils
verwachsenen Tasterstämmen, zweigliedrigen Tastern, und flei-
schiger, vorn haariger Zunge.
Beine entweder ganz fehlend oder äusserst klein, seitlich
auf der unteren Fläche der Thoraxsegmente eingelenkt, aus
einem kurzen Hüft-, einem Schenkel- und Schiengelenke und
einer einfachen Klaue bestehend.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), fleischig,
» das Prothoraxsegment grösser, oben und unten hornig beschildet,
unten ‘mit einem 'schmäleren hinteren fleischigen Querwulst,
auf dem die Füsse sich befinden, wenn sie vorhanden sind; auch _
die übrigen durch tiefe Einschnürungen stark abgesetzten Seg-
mente häufig oben und unten mit einer derberen rauhen Platte;
der After vortretend, ein eigenes Scheinsegment, aber keinen
Nachschieber bildend, die Afterspalte immer Y-förmig.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 auf den 8 ersten Hinter-
leibssegmenten an den Seiten doch etwas mehr nach dem Rük-
ken hin, das 9., grössere seitlich entweder in der Falte zwi-
schen Pro- und Mesothoraxsegment, oder allein auf dem Meso-
thoraxsegment gelegen.
Bem. 1. Es ist die grosse Übereinstimmung dieser Larven
mit denen Jer Bupresten schon 7. Jahrg. I. S. 83 bemerkt wor-
den, sie unterscheiden sich aber von letzteren beständig durch
deutlich vorhandene Lippentaster, elliptische oder kreisrunde
Stigmen und die Gestalt des Afterspalts. Auch haben sie hin-
ten nie Hornspitzen.
Bem. 2. Bei der grossen Übereinstimmung der Bock-
käferlarven- unter einander lassen sich doch einige wesentliche
Unterschiede für die 4 Abtheilungen der Familie nicht über-
sehen. Am meisten entfernen sich die Larven der Lamien
Abtheilung von den übrigen dadurch, dass die kleinen Füss
chen ganz fehlen, und dass das erste Stigmenpaar in der Faltı
zwischen den weniger als die übrigen von einander abgesetztei
x
377
Pro- und Mesothoraxsegment gelegen ist. Die Übrigen haben
das letztere an den Seiten des Mesothoraxsegments, besitzen
die oben beschriebenen, aber oft selbst bei grossen Larven nur
durch Vergrösserung bemerkbaren Füsschen. Bei den eigent-
lichen Cerambycinen (Cerambyx, Callidium) zeigt das Pro-
thoraxsegment sowohl oben als unten eine durch eine Furche
von dem hornigen Schilde abgeschnürten fleischigen hinteren
Querwulst; bei den Prionen und Lepturen findet sich die-
ser nur auf der Unterseite. Die Lepturen haben einen
grossen, flachgedrückten Kopf von der Breite des Prothorax-
segments, während dieser bei den übrigen Borkkäferlarven nur
klein und viel schmäler als jenes ist. Die Prionenlarven unter-
scheiden sich von den Lepturenlarven am wenigsten, und. die
von Spondylis kommt ihnen in jeder Beziehung ausserordent-
lich nahe.
Bem. 3. Die Ocellen sind in der Regel nur wenig be-
merkbar, vielleicht nicht immer vollkommen organisirt. Das
Fehlen, Vorkommen und die Zahl derselben steht mit den
systematischen Unterschieden in keiner Beziehung. Drei Ocel-
len ‚auf jeder Seite hahe ich gefunden bei Cerambyx heros,
Prionus scahricornis, und einer brasilischen grossen Prionen- .
Larve, ein einziges hinter jeden Fühler bei Lamia aedilis,
fascieularis, und einer unbekannten Lamienlarve aus Eichen-
rinde, Saperda carcharias, populnea, linearis, Callidium san-
guineum, keine Spur derselben konnte ich bei Pröonus faber,
Kthagium indagator, und einer kleinen Lamien-Larve aus
Fichtenästen entdeken.
Uucuien.
Kopf hornig, horizontal vorgestreckt, so breit als der
Körper, oben und unten flach.
Ocellen vier auf jeder Seite, nämlich eine Querreihe
von drei und dahinter ein einzelnes, alle dicht neben einander
und rund.
Fühler an den Seiten des Kopfes eingelenkt, ziemlich
lang, vorgestreckt, das erste Glied kürzer und etwas dicker
als die andern beiden.
Kopfschild nicht abgesetzt.
375
Lefze vorhanden, aber mit der Stirn verwachsen.
Mandibeln kurz und stark, eingeschlagen, von der
Lefze bedeckt, einfach, mit scharfer sichelförmig gebogener
Spitze.
Maxillen ziemlich gross, mit grosser verwachsener, an
der Spitze nach innen gebarteter Lade und kurzem dreiglie- -
drigem Taster. }
Unterlippe hornig, mit viereckigem Kinn, kurzen an
der Basis vereinigten Tasterstimmen, sehr kurzen zweiglie-
drigen Tastern und viereckiger, vor den Tastern wenig vor-
vagender Zunge.
Beine mässig lang, an den Seiten eingelenkt, mit kur-
zen, dicken, abstehenden Hüft-, kurzen mit dem Schenkel ver-
wachsenen Trochanter-, ziemlich langen Schenkel-, nach etwas
längeren Schien- und aus einer einfachen schwach gebogenen
Klaue bestehenden Fussgelenken.
Körpersegmente 12 (9 Hinterleibssegmente), flach, das
letzte klein röhrenförmig, nachschieberartig, vielleicht auch als |
Nachschieber dienend.
Stigmenpaare 9, nämlich 8 auf den 8 ersten Hinter-
leibssegmenten, am Seitenrande der obern Hornschienen, das
9. auf der Unterseite des Mesothoraxsegment, vor den Hüften
gelegen.
Bem. 1. Ich kenne zwei Larvenformen aus dieser Fa-
milie, nämlich die von Drontes und Silvanus. Die Larve von
Brontes ist lang gestreckt, sehr flach, die sämmtichen Seg-
mente oben und unten mit einer hornigen Schiene, das vorletzte
mit vier fadenförmigen Fortsätzen, nämlich einem Paar unge-
gliederter auf der Oberseite neben der Mitte des Hinter-
randes, und einem andern Paare, aus zwei Gliedern und einer
Endborste bestehender, an den Hinterecken befindlicher auf der
Unterseite. "Die Larve von Silvanus ist mehr eylindrisch, flei-
schig, nur je ein Paar Rückenflecke der drei Thoraxsegmente
und das röhrenförmige letzte Segment hornig, des vorletzte #
ohne alle Fortsätze. Ocellen habe ich nur an der ersten Larve
unterscheiden können.
Bem. 2. Diese Larven haben mehreres Ausgezeichnete,
vorzüglich in der Gestalt des letzten Hinterleibsringes, welchen
379
man den röhrenförmigen After so vieler anderer Larven gleich-
stellen würde, wenn nicht die Zahl der Segmente und die Lage
der Stigmen nöthigten, ihn als das letzte Segment selbst an-
zunehmen. ‚In der Form und Richtung der Beine haben diese
Larven grosse Uebereinstimmung mit denen der Pyrochroen,
von denen sie aber ausser der Bildung des Hinterleibsendes
auch noch durch die Kürze der Zunge abweichen.
(Fortsetzung folgt.)
Gedruckt bei Gebr, Unger,
Berichtigungen.
Seite 45 Zeile 2 v. u. 1. Scoglie statt Scolie
- 46 - 7- - - Ton der Cicaden statt T. d. Heuschrecken
= 0. - 5- - - von Heuschrecken statt v. Cicaden
- 302 -6-7- - -und über und nach innen von dersel-
ben statt und über derselben
- - 3- - -ingebogenerRichtung vorwärts wak-
kelnd statt ineiner schiefen Richtung vor-
wärts gehend
- 308 - 10- - - sich gegenüberstehende statt sich ent-
sprechende
- 304 - 19 v. o. - an der Meeresfläche statt auf d. M.
- 308 - 2% - - - quer statt stumpf
- 09 --- - - - Gefässe statt Drüsen
so auch
Seite 314 Zeile 11 v. u. Gallengefäss statt Gallendrüse.
Im vor. (7.) Jahrgange 1.Bd. ist nachträglich zu verbessern
Seite 303 Zeile 14 v. u. im Magen zurückbleiben statt quer im
Magen zu stehen kommen.
ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRUNDET VON A.F. A.WIEGMANN.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN, PROF. von SIE-
BOLD IN ERLANGEN, DR. TROSCHEL IN BERLIN, PROF.
A. WAGNER IN MÜNCHEN UND PROF. RUD. WAGNER
IN GÖTTINGEN,
HERAUSGEGEBEN
von
Dr. W. F. ERICHSON,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BERLIN.
ACHTER JAHRGANG.
Zweiter Band.
ZOOLOGISCHE UND BOTANISCHE JAHRESBERICHTE.
BERLIN, 1842.
IN DER NICOLAI’SCHEN BUCHHANDLUNG.
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Inhalt des zweiten Bandes.
Seite
Bericht über die Leistungen im der Geschichte der Säugthiere
während des Jahres 1841. Vom Prof. A. Wagner in München
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der ae
_
während des Jahres 1841. Von Demselben . ... 58
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botänik im
Jahre 1541 von H. F. Link . . kn 89
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Amphibien
während des Jahres 154. Von Dr. F.H. Troschel . . . 168
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Fische
während des Jahres 1841. Von Demselben . .. Rz
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Insecten,
Arachniden, Crustaceen und Entomostraceen während des Jah-
res 1841. Vom Herausgeber. . . . . 189
Bericht über die Leistungen in der Walsrreschaie der Aline‘
ten während des Jahres 1841. Vom Prof. C. Th. v. Siebold
in Erlangen . . . 331
Bericht über die Kaleunigen tn im Gebiete der Helminthologie wäh-
rend des Jahres 1841. Von Demselben . . . 338
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der. Mol.
lusken während des Jahres 1841. Von Dr. F. H. Troschel . 372
Bericht über die Forschungen in der Pflanzen-Geographie wäh-
rend des Jahres 1841. Vom Prof. Grisebach ee EA
Der Jahresbericht über die Echinodermen, Medusen, Polypen und
Infusorien wird im nächsten Jahrgange nachgeliefert werden.
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Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Säugthiere während des Jahres 1841.
Vom
Prof. Dr. A. Wagner in München.
Zahlreiche und wichtige Arbeiten im Gebiete der Therologie
sind uns seit unserem letzten Berichte zugekommen; darun-
ter einige, welche der Jahreszahl nach schon dem vorherge-
henden Berichte angehört hätten, die aber nicht eher als jetzt
uns zugänglich geworden sind, und deshalb auch erst diesmal
zur Sprache gebracht werden können. Dagegen gehen uns
noch einige Schriften aus dem Jahre 1841. ab, welche daher
für den folgenden Bericht: aufbehalten werden müssen. Bei
italienischen und. transatlantischen Werken ist‘ ohnedies
nicht daran zu denken, dafs man mit ihnen auf dem Laufen-
den sein kann, und so lange diese nicht an den Hauptstapel-
plätzen des Continental-Buchhandels, in Leipzig und Paris,
deponirt und von daher bezogen werden können, müssen ihre
Verfasser es sich selbst zuschreiben, wenn man von ihren
Leistungen nur sehr spät oder gar nicht Notiz zu nehmen
vermag. Mit Dank muss Ref. esrühmen, dafs die Königl. Hof-
und Staatsbibliothek dahier ihn in eben so grossartiger als
wohlwollender Weise 'mit dem nothwendigen literarischen Ap-
parate reichlich bedacht und dadurch die Fortsetzung dieses
Jahresberichts ihm möglich gemacht hat,
Wir beginnen unser Referat wieder, wie das vorigemal,
mit den Werken allgemeineren Inhaltes.
Von Schreber’s Säugthieren, fortgesetzt von A. Wag-
ner, ist vom Supplementbande die 2te Ablheilung, die Raub-
thiere enthaltend, und der Anfang ‘der 3ten Abtheilung, die
Beutelthiere behandelnd, erschienen.
Archiv f, Naturgeschichte, VII, Jahrg. 2. Bd, A
Von Jardine’s the Naturalist’s Library ist uns vom vo-
rigen Jahre her Vol. IX. (1839) und X. (1840), die Dogs
enthaltend, noch rückständig gewesen; im Jahre 1841 ist Band
XI, Beutelthiere, und Band XII, Einhufer, erschienen.
Temminck hat das 4te und 5te Heft des 2ten Bandes sei-
ner Monographies de Mammalogie ausgegeben und hiemit die-
sen Band geschlossen *). Enthalten ist in jenen beiden Hef-
ten die 14te Monographie, die Gattungen Taphozous, Embal-
lonura, Urocryptus und Dielidurus behandelnd; 15te Mono-
graphie, Arctietis und Parodoxurus; 16te Monographie, Chi-
romeles und Zusätze zu den Grämlern; 17te Monographie,
Megaera und Zusätze zu Pteropus und Pachysoma. Zuletzt
Schlufs der 12ten Monographie, den Orang-Utan betreffend.
Lardner hat im, seiner, Cabinet Cyelopaedia, . Natural
History im Jahre 1841 zwar. kein Bändchen aus der ‚thero-
logischen Abtheilung erscheinen lassen, doch ist vom vorigen
her. der Taxidermy, ‚Bibliography and Biography, by W.
Swainson, 1840, noch kurz zu gedenken.
Dieses Bändchen schliesst sich unmittelbar an den Preliminary
Discourse on the Study of Natural History (1839) an. Swainson
ist einer der geistvollsten Zoologen, und Ref. hat nicht blos die bei-
den eben angeführten Bändchen, sondern auch schon früher dessen
Treatise on the Geography aud Classification of animals mit wah-
rem Genusse gelesen, ‚‚Auch die descriptiven Arbeiten Swainsons
empfehlen sich durch eine gewandte und fassliche Darstellung, ob-
schon freilich eine tiefere anatomische Begründung abgeht. Was
aber zunächst hier zur Sprache kommen soll, ist die merkwürdige
Unbekanntschaft mit der deutschen zoologischen Literatur, wie sie
in seiner Bibliography of Zoology sich ausspricht; ein Vorwurf, den
wir übrigens nicht auf Swainson allein haften lassen möchten, sondern
der ihn nicht mehr als einen grossen Theil der englischen Zoologen trifft.
Wie Jenyns in seinem Berichte über den gegenwärtigen Zustand
der Zoologie (Report of the Brit. Associat. 1835) zugesteht, von
der deutschen Literatur nur eine sehr mangelhafte Kenntniss zu ha-
ben, so bemerkt auch Swainson einigemal, dass deutsche Büchef in
England entweder nicht zu haben, oder der Sprache wegen nicht
recht zugänglich seien. Zum Belege unserer Behauptung. nur fol-
gende Beispiele. Von Schrehber’s Säugthieren sagt er: „Wood
informs us that its continuation may be expected from Dr. Goldfüss
*) Beide Hefte führen die Jahreszahl 1840; indess habe ich von
ihnen erst Kenntniss, seitdem sie im Novemberheft der Revue Zool.
von 1841 unter den neu erschienenen Werken angeführt sind,
3
of Erlang, but that its progress is slow and uncertain, “ Dies
war vor 20 Jahren richtig, aber nicht mehr 1840, da Ref. vom Jahre
1834 — 1840 nicht weniger als 28 Hefte, und zwar im regelmässig-
sten Fortgange geliefert hat Des Prinzen von Neuwied wichtige
Arbeiten kennt Swainson, der doch selbst. die brasilische Ornitho-
logie bearbeitete, nur aus den Citaten von Cuvier. Alles "was
von Meckel angegeben wird, sind: Materials for advancing Com-
parative Anatomy (in German). Leipzig 1808.“ — Von der beiden
Naumann heisst es: Copjointly the authors of an „excellent work“,
says Cuvier, on the Natural History of the Birds of Germany, „the
plates of which, though small, are perfect.‘“ A second edition, in
Svo, was commenced at Leipsic in 1820. Diese 2te Ausgabe, und
nicht die Folio-Ausgabe, ist es aber gerade, von der Cuvier spricht.
Nitzsch, Elrenberg, Rengger und Wiegmann sind weder
gekannt noch genannt, obgleich von ihnen nicht ganz gilt, was
Swainson von der Unmöglichkeit Oken’s Schriften in England auf-
zutreiben sagt: „‚one reason, perhaps, for this, originates in their
being written entirely in German.‘‘ Wie gesagt, Ref. will den von
ihm wahrhaft hochgeschätzten englischen Schriftsteller keinen beson-
deren Vorwurf aus dieser geringen Kenntniss von unserer Literatur
machen, da viele seiner Landsleute ihm hierin nicht-zuvor sind; er
wollte nur zeigen, wie leicht man selbst in England über die deut-
schen Arbeiten hinwegzusehen glaubt. Übrigens thut uns erwähnte:
Bibliography vortreflliche Dienste zur vollständigeren Kenntniss der
neueren englischen Literatur im Gebiete der Zoologie.
Von Martin’s Natural History of Quadrupeds and other Mam-
miferous Animals ist uns nichts weiter als das 3te Heft (vom April
1840 ), und dieses erst zu Anfang des Jahres 1842 zugekommen.; In
selbigem ist die allgemeine Einleitung noch nicht vollendet.
Fennell’s, Natural History of Quadrupeds, Lond. 1841, Svo,
(11. 15) ist mir nur dem Titel nach bekannt.
Le Jardin des Plantes, description et moeurs des Mam-
miferes de la Menagerie et du Museum d’histoire naturelle,
par M. Boitard. Paris 1841 chez Dubochet. gr. 8.
Das angeführte Werk enthält eine Naturgeschichte der Säug-
tbiere, mit Ausschluss der Walle. Diese ist nun grade nicht das,
was hauptsächlich empfehlungswerth wäre, da sie blosse Compila-
tion, und zwar nur nach französischen Autoritäten ist. Mit desto
besserem Rechte können wir dagegen die ausgezeichnet schönen und
geireuen Abbildungen der einzelnen Hauptpartieen des Jardin des
Plantes empfehlen. Da dieses Institut, wenn gleich in seiner Mena-
gerie jetzt von den englischen Thiergärten übertroffen, doch in sei-
ner Universalität einzig in der Welt dasteht, und von der höchsten
Bedeutung für die ganze Entwickelung der Naturwissenschaften ge-
worden ist, so wird jeder Naturforscher mit Interesse diese Bilder
betrachten, und wer überdies diese grossartige Ansthlt selbst gese-
A#
4
hen hat, wird sich durch jene Darstellungen gerne alte Erinnerungen
zurückrufen, die um so lebhafter werden müssen, als in den Figu-
ren auch der Charakter der pariser Welt in all ihren Ständen auf
die sprechendste Weise. ausgedrückt ist. Für die Menge und die
Schönheit der Abbildungen ist der Preis ausserordentlich mässig.
Einen Rivalen hat gedachtes Werk an einem andern erhalten,
dessen Titel ähnlich anfängt: Le Jardin des Plantes, description com-
plete, historique, seientifique et pittoresque du Museum d’Histoire
naturelle, de la M£nagerie etc. Paris M.M. Bernard et Cou-
ailhac. Paris 1841, Diese Beschreibung ist mir nicht zu Gesicht
gekommen.
Essais de Zoologie generale, ou memoires et notices sur
la Zoologie generale, U’ Anthropologie et V’histoire de la science,
par. M. Is. Geoffroy St, Hilaire. Paris 1841,
Ausser Abhandlungen, die zunächst die allgemeine Zoologie be-
treffen, gehören folgende in den Bereich dieses Berichts: 1) de la
domestication des animaux, wo natürlich hauptsächlich von Säug-
thieren die Rede ist; 2) de la domestication des Solipedes restes
encore sauvages; 3) recherches zoologiques et physiologiques sur
les variations de la taille chez les animaux sauvages et domestiques
et dans les races humaines. Ref. bemerkt hier nur, dass Is. &eof-
froy die Zahl der Hausthier- Arten mit neuen vermehren möchte.
Vorzäüglichen Nutzen verspricht er sich von der Einführung des Vi-
gognes, in Bezug; auf dessen Fleisch und Wolle, und meint, dass
es eins der vorzüglichsten Erwerbsmittel für die Bewohner der Al-
pen und Pyrenäen werden könne. Nicht mindere Vortheile erwar-
tet er vom Tapir als Schlacht- und Lastthier. Neben Pferd und Esel
glaubt er, dass man auch für gewisse Zwecke und Lokalitäten mit
grossem Erfolge die wilden Arten der Einhufer würde verwenden
können u. s. w. Geoflroy schlägt daher eine Naturalisations -Me-
nagerie im südlichen Frankreich vor, und hofft durch die Domesti-
kation wilder Arten für sein Vaterland neue Erwerbsquellen zu er-
öffnen. Ref. theilt diese Ansichten keineswegs, da selbst, wenn die
Zähmung dieser Thiere gelänge, sie im allergünstigsten Falle nur
als Ersatz für unsere altbenutzten Hausthiere eintreten könnten, mit
einem solchen Umtausch also im Ganzen nichts gewonnen wäre.
Überdies fragt es sich sehr, ob die Zucht der Vigognes bei uns mit
erheblichem Vortheil betrieben werden könnte; man weiss wenigstens
aus Erfahrung in Württemberg, dass die daselbst eingeführten Kaschmir-
ziegen sich nicht so rentirten, wie man es a priori erwartet hatte.
Zoologische Bruchstücke von Leuckart. II. 1844.
Die hieher gehörigen Aufsätze betreffen: 1) die Bildung der Ge-
schlechtsorgaue, besonders der äussern, einiger Aflen. 2) Osteo-
graphische Beiträge, a) die Stosszähne des Narwall, b) Asymmetrie
des Schädels verschiedener Cetaceen, c) unsymmetrische Bildung an
5
den Geweihen des Rennthiers, d) Zwickelbeine und os epactale bei
Säugtbieren, e) Zahl und verschiedene Verschmelzungsweise der
Halswirbel bei Cetaceen. 3) Canis Cerdo und 4) eine Stelle des
Aristoteles über die Mäuse in Egypten, beide Aufsätze schon in der
Isis mitgetheilt, mit geringen Veränderungen,
Nomenclator zoologieus, continens nomina systematica
generum animalium tam viventium quam fossilium, secundum
ordinem alphabet. disposita, adjeetis auctoribus, libris in qui-
bus reperiuntur, anno editionis, etymologia et familiis ad quas
pertinent, .in variis elassibus. Auctore L. Agassiz. Fasc. 1.
continens Mammalia, Echinodermata et Acalephas. Solothurn.
1842. 4.
Obwohl dieser Nomenclator zoologicus eigentlich erst im näch-
sten Jahresbericht zur Sprache gebracht werden sollte, so will Ref.
doch schon jetzt desselben kürzlich gedenken, da ein solcher den
dringlichsten Bedürfnissen der Zoologen entgegenkommt und daher
seine Ankündigung nicht früh genug erscheinen kann. Da die Zahl
der in der Zoologie aufgestellten Gattungen über 17000 beträgt, die
bisher in keinem einzigen Werk zusammengereiht waren, so dür-
fen wir es Agassiz grossen Dank wissen, dass er ein eben so. wich-
tiges als mühseliges Unternehmen auf sich genommen hat. Von un-
serer Abtheilung sind bereits die Säugthiere gedruckt, bei welcher
Klasse der Herausgeber von H. v. Meyer, Waterhouse und dem Ref.
unterstützt wurde. Die ornithologischen Gattungs-Namen sind im
Druck. Im nächsten Berichte werden wir auf diese wichtige Arbeit
ausführlicher zurückkommen. Ihre innere Einrichtung ist bereits aus
dem Titel ersichtlich.
Den innern Bau berücksichtigen folgende Werke.
Osteographie ete. par M. Ducrotay de Blainville.
"Paris seit 1840.
Zu den von uns bereits angezeigten 7 ersten Heften sind 2 neue
hinzugekommen, die Abtheilungen Ursus und Subursus behandelnd.
Tafeln zur vergleichenden Anatomie des Schädels. Mit
erläuterndem Texte von M. P. Erdl. München 1841. gross
fol. Lithograph. Verlag von Minsinger,
Während Blainville's Arbeit das ganze Skelet in Betrachtung
nimmt, beschränkt sich Erdl auf den am meisten charakleristischen
Theil desselben, und führt nur die Hauptformen des Schädels durch
die 4 Klassen der Wirbelthiere zur Anschauung vor, mit Beifügung
einer kurzen Erläuterung derselben. Der Unternehmer dieses Wer-
kes, Sch. Minsinger, den Naturforschern durch seine zahlreichen und
meisterhaften lithographischen Darstellungen schon seit längerer Zeit
rühmlichst bekannt, hatte die Steine mit den Abbildungen zur Ce-
phalogenesis von Spix käuflich erworben und zur Herstellung dieses
6 e
Werkes bestimmt; es konnten jedoch nur 2 Tafeln fast unverändert
bleiben, alle andern Tafeln mussten neu gezeichnet werden, wobei
viele neue Figuren hinzugefügt wurden, unter denen die Abbildung
eines uralten Orang- Utan-Schädels vor allen andern namhaft zu
machen ist. Ia künstlerischer Vollendung und in Pracht der äussern
Ausstattung "stehen sie keinem ähnlichen Unternehmen nach. Zur
übersichtlichen Anschauung der typischen Schädelformen und zur ge-
nauen Kenntniss ihrer Deutung ist dieses Werk aufs Beste zu em-
pfehlen, dessen Preis überdies höchst billig gestellt ist.
Vergleichende Darstellung des inneren Baues der Haare
von Dr. M. Erd]. (Abh. der math. phys. Klasse der Königl.
Bayerischen Akadem. d. Wissensch. Bd. III. Abth. 2. München
14841. S. 413—453.)
Höchst genaue Schilderungen der innern Struktur der Haare bei
Menschen und Säugthieren, nach allen Ordnungen, soweit von sel-
bigen Objekte zur Beobachtung entnommen werden konnten. Einst-
weilen ist nur die Charakteristik der Haupttypen des inneren Baues
der Haare gegeben, späterhin sollen spezielle Darstellungen über
den Unterschied im Baue der Haare, nach Gattungen und Arten,
nachfolgen. Zu den 3 meisterhaft ausgeführten Stahltafeln hat der
Verfasser selbst die Originalzeichnungen geliefert.
Untersuchungen über den Bau der Zähne bei den Wir-
belthieren,, insbesondere den Nagern, von Dr. M. Erdl (in
denselben Abhandl. S. 483 — 548).
An die schönen Untersuchungen von Purkinje, Retzius und J.
Müller über die innere Struktur der Zähne schliessen sich in ausge-
zeichneter Weise die vom Dr. Erdl an, welche zunächst auf die
Zähne der Säugthiere sich erstrecken. Zuerst betrachtet er im All-
gemeinen den mikroskopischen Bau der einzelnen Substanzen, aus
welchen die Zähne zusammengesetzt sind, wobei er eine Menge ei-
gener Beobachtungen vorzuführen Gelegenheit hat; dann wendet er
sich speziell an die Betrachtung des Baues der Zähne bei den Nage-
thieren, namentlich ihrer Backenzähne, an welchen fast alle Formen
und Strukturverhälteisse, wie sie nur immerhin An den Backenzähnen
bei den Säugthieren auftreten, zu finden sind. Beigegeben sind die-
ser Abhandlung zwei vom Verfasser selbst gravirte Stahltafeln,
welche die Hauptformen der innern Zahnstrukfur darstellen und un-
streitig nicht blos die schönsten Abbildungen auf diesem Gebiete,
sondern auch die naturgetreuesten sind, selbst denen in Owen’s
Odontography noch vorzuziehen.
Icones zootomicae. Handatlas zur vergleichenden Anato-
mie nach fremden und eigenen Untersuchungen zusammenge-
stellt von Rudolph Wagner. Leipzig bei Voss, 1941.
Auf 35 Foliotafeln mit 1039 Figuren, wovon über die Hälfte neu
7
nach der Natur gezeichnet sind, hat hier der Verfasser die Haupt-
typen. der innern Organisation der Thierwelt zur Betrachtung vor-
gelegt und die nöthigen Deutungen beigefügt, so dass mit Hülfe die-
ses Handailasses Jeder, der aus der Zoologie ein ernsteres Studium
machen will, leicht und gründlich mit dem inneren Baue der Tliere
sich bekannt machen kann. Die Tafeln sind mit grosser Sorgfalt
ausgewählt und ihre Ausführung eben so schön als genau, überhaupt
die ganze äussere Ausstattung des Atlasses von einer Eleganz, die
den besten Leistungen des Auslandes gleichkommt. Ein soloher At-
las,, wie der vorliegende, ist ein längst gefühltes Bedürfniss gewe-
sen, Die warmblütigen Wirbelthiere, welche allein in den Bereich
unseres Referates fallen, sind als die wichtigsten mit 12 Tafeln he-
dacht, wobei die Zoologen es mit Dank anerkennen werden, dass
grade die Osteologie der Säugthiere eine besondere Berücksichtigung
gefunden hat.
Auf einen eigenthümlichen Bau des Gehörorgaus bei eini-
gen Nagern hat Miram aufmerksam gemacht (Bullet. de Mos-
cou. 1840, p. 210).
Bei Castor fiber, Hypudaeus amphibius und Cavia cobaya fand
er am Rande des knöchernen Gehörganges 2 besondere Knöchelchen,
die er os semilunatum inferius und superius nennt. Vom hintern Rande
des Unterkiefers entspringt ein kräftiger Muskel, den er den Namen
Musculus mylo-auricularis giebt, und der aufsteigend an den ge-
dachten Koöchelchen sich befestigt. Vermittelst dieses Muskels be-
wirken die Bewegungen des Unterkiefers eine Bewegung der Knö-
chelchen, mit diesen aber zugleich eine Veränderung in der Rich-
tung der Ohrmuschel und zwar in der Art, dass die Oeflnung der
letzteren bei geschlossenem Munde nach vorn und innen sieht, wäh-
rend bei geöffneten Kiefern selbige sich nach hinten wendet. Der
Zweck dieser Vorrichtung mag sein, das Ohr nach Umständen so
zu wenden, dass es den Schall in jeder Richtung aufnehmen kann.
Zu einem Gegenstande genauer Untersuchungen wählte K. Die-
terich das Schläfenbein einiger schweizerischen Säugthiere (Mül-
ler’s Archiv für Anat, 1841. 8. 55).
Descriptive and illustrative Catalogue of the physiologi-
cal Series of comparative Anatomy contained in the Museum
of the Royal College of Surgeons in London, 1833 — 1840.
Vol, 1—V, 4.
Wir müssen dieses wichtigen Werkes hier gedenken, weil es
reich ist an Beiträgen zur Kenntniss des inneren Baues der warm-
blütigen Thiere. Mit dem 5ten Bande ist die Beschreibung der Prä-
parate über vergleichende Anatomie in der Sammlung des Kollegiums
der Wundärzte zu London geschlossen. Bekanntlich lieferte den
Stock zu diesem Museum die berühmte Sammlung Hunter’s, von dem
auch viele bisher ungedruckte Arbeiten hier mitgelheilt werden,
8
wozu noch Owen reiche Beiträge beifügte. Von ausgezeichneter
Schönheit sind die zu diesem Kataloge gehörigen Abbildungen, zu
welchen wir namentlich die dem letzten Bande beigegebenen 11 Ta-
feln zur Entwickelungsgeschichte der Vögel rechnen müssen.
The Cyelopaedia of Anatomy and Plıysiology. Edited by
R.B. Todd. Vol. If. Dia — Ins. Lond. 1839 (bis 1841). 8.
Diese Encyclopädie führen wir hier nur deshalb an, weil sie
auch zoologische Artikel enthält; im vorliegenden Bande Bell’s ana-
tomische Schilderung der Edentaten und Insektivoren. Von
ersteren schliesst er Schnabelthiere und Ameisenigel aus; seine Be-
schreibung der Zahnlücker ist kurz, am meisten sind noch ihre
osteologischen Verhältnisse berücksichtigt. Auch die Insektivoren
sind etwas kurz abgefertigt.
Pompper, die Säugthiere, Vögel und Amphibien nach
ihrer geographischen Verbreitung tabellarisch zusammenge-
stellt. Leipzig 1841. 4.
Eine tabellarische, nach Zonen geordnete Übersicht über die geo-
graphische Verbreitung der Arten aus den genannten Thierklassen,
„zunächst für wissenschaftlich gebildete Lehrer höherer Bürgerschu-
len, Realschulen, Handlungsschulen und Schullehrerseminarien “ be-
stimmt, und für diesen Zweck wohl geeignet.
Über die Zusammenkünfte der Naturforscher sind Ref.
mehrere Berichte zugekommen, andere noch rückständig.
Report of the tenth Meeting of the British Associa-
tion for the Advancement of Science, held at Glasgow in
August 1840. Lond. 1841.
Die Versammlungen der britischen Naturforscher unterscheiden
sich wesentlich von allen andern dadurch, dass ihr Stock eine fest
constituirte Gesellschaft mit Vorständen und zahlenden Mitgliedern
ist, wodurch sie zur Förderung der Wissenschaft über ziemlich an-
sehnliche Geldmittel verfügen kann. So weiset die in der Glasgower
Versammlung übergebene Rechnungsablage eine Einnahme, von et-
was über dreitausend Pfund Sterling nach, und für das nächste Jahr
sind 2591 Pfund 5 Schilling zur Unterstützung wissenschaftlicher Un-
tersuchungen ausgesetzt. Diese Reports machen immer dicke Bände
aus, da in ihnen die Abhandlungen, welche von der Association ver-
anlasst sind, vollständig abgedruckt werden; die mündlichen Ver-
handlungen werden nur kurz berührt. Im vorliegenden Bande ge-
hört in unsern Bereich Thompson’s Report on the Fauna of Ire-
land: div. Vertebrata, wovon wir gleich nachher ausführlicher spre-
chen werden,
Der amtliche Bericht über die 18te Versammlung deutscher Na-
turforscher und Ärzte zu Erlangen im September 1840, erstat-
tet von den Geschäftsführern derselben Dr. Leupoldt und Stro-
9
meyer, enthält nichts aus der Naturgeschichte der warmblütigen
Wirbelthiere.
Über die Versammlung der italienischen Naturforscher zu Pisa
im Oktober 1839 hat Oken in der Isis 1841, Heft 7 u. 8 einen sehr
ausführlichen Bericht mitgetheilt. Über warmblütige Wirbelthiere ist
wenig vorgekommen. — Von der Versammlung in Turin 1840 sind
im Institut 1841. p. 290 kurze Notizen mitgetheilt, woraus ersicht-
lich ist, dass Mehreres, was in unsern Bereich gehört, vorgetragen
wurde.
Von den übrigen Versammlungen haben wir dahier keine Be-
richte erhalten. Sundewall’s Arsberättelser om nyare Zoologiska
Arbeten och Upptäckter, till K. Vetenskaps - Academien afgifne för
Ären 1837 — 1840, ist ebenfalls noch nicht eingesandt worden *)-
Auch die Proceedings of the Zoological Society in London gehen
jetzt sehr verspätet ein, da die hiesige Akademie Part VIII, 1840,
erst zu Anfang des Jahres 1842 empfangen hat, und Part IX. nicht
weiter als bis zur Augustsitzung reicht.
Wir können nicht umhin, hier kurz noch zu erwähnen
der Reports of the Couneil and Auditors of the Zoological
Society of London, read at the annual general meeting April.
29, ,1841.,
Es ist dies die 14te Rechnungsablage von der Verwaltung der
Institute der zoologischen Gesellschaft in London. Die Zahl der
Mitglieder (Fellows) ist gegenwärtig 2849, von denen 1132 als jähr-
lichen Beitrag 3 Pfund und 1119 den von 2 Pfund Sterling entrichten.
In der Menagerie befinden sich nicht weniger als 894 Thiere, näm-
lich 352 Säugthiere, 524 Vögel und 18 Reptilien, Der Garten wurde
im Jahre 1840 von 141,009 Personen besucht, was eine Einnahme
von 4584 Pfund einbrachte. Das ganze Einkommen vom Jahre 1840
betrug 13062 Pfund. Welche herrliche Gelegenheit ist hiedurch den
englischen Zoologen gegeben, die merkwürdigsten Thierformen der
obern Klassen aus Anschauung lebender Individuen, und nach dem
Ableben dieser ihren innern Bau kennen zu lernen; wie armselig
*) Der freundschaftlichen Mittheilung des Verf. verdanke ich die-
sen Jahresbericht über ein Quadriennium schon seit längerer Zeit,
Er ist sehr umfassend, und wenn die Masse des vorliegenden Mate-
rials auch nicht eine besondere Critik aller speciellen Arbeiten ge-
stattete, und der Verf. sich im Allgemeinen rein referirend gehalten
hat, hat er doch nicht überall seine eignen treffenden Urtheile zurück-
gehalten, und auch schon in der blossen Aufstellung der Referate
spricht sich in diesem Bericht dieselbe Gediegenheit aus, welche die
übrigen Arbeiten des Verf. in einem so hohen Grade auszeichnet.
Herausgeber.
10 '
und beschränkt an diesen Hülfsmitteln sind dagegen die deutschen
Zoologen daran!
An Faunen und Reisewerken mögen folgende hier ge-
nannt werden:
Report on the Fauna of Ireland: div. Vertebrata.
Drawn up, at the request of the British Association by W.
Thompson, (Report of the Brit. Assoc. for 1840. p. 353.)
An Säugthieren zählt Thompson für Irland auf: 1) Fleder-
mäuse: Vespertilio pipistrellus, Daubentoni und auritus, 2) In-
sektivoren: Erinaceus europaeus; Sorex rusticus und tetragonu-
rus. 3) Fleischfresser: Meles Taxus, Lutra vulgaris, Mustela
vulgaris, erminea, foina und abietum, Vulpes vulgaris, 4) Nager:
Mus sylvaticus, musculus, rattus?, hibernicus und decumanus; Lepus
hibernicus und Cunieulus. 5) Wiederkäuer: Cervus Elaphus. 6)
Robben: Phoca vitulina, Halichoerus Gryphus. 7) Walle: Del-
phinus Delphis; Phocaena communis, orca und melas, Hyperoodon
Butzkopf, Physeter macrocephalus und tursio; : Balaena Mysticetus;
Balaenoptera Boops. — Merkwürdig ist der Mangel gewisser Arten,
die doch in England vorkommen, so z. B. Maulwurf, Altis, Wild-
katze, Wühlmäuse (Arvicola), Eichhorn, Haselmaus, gemeiner Hase,
Reh. Auch die Zahl der Fledermausarten ist sehr gering im Ver-
gleich zu den 18 englischen, doch werden in Irland mit der Zeit
wohl noch mehr entdeckt werden.
Notes on the Zoology of the Outer Hebrides, by John
Mac Gillivray. (Ann. of nat. hist. VIIL. p. 7.)
Der Fischotter ist längs den felsigen Küsten vertheilt und ge-
hört durchgängig zu der dunklen Abänderung, welche Ogilby als eigne
Art ansieht. Dass er, wie angegeben, kleiner sei als der gewöhn-
liche, ist nicht immer begründet, da ein Exemplar von 5 Fuss Länge
erlegt wurde. Phoca vitulina ist ausserordentlich gemein; Phoca
groenlandica und Halichoerus griseus kommen ebenfalls vor. Mus
musculus ist gemein; die Wanderratte ebenfalls; das Kaninchen ist
auf Uist und Barray eingeführt und hat sich ausserordentlich ver-
mehrt. Der Edelhirsch ist viel kleiner als in Schottland. Verschie-
dene Walle kommen an die Küste, der Verf. sah jedoch nur Delphi-
nus phocaena und orca,
VonBonaparte’s Iconografia della fauna italica ist uns in die-
sem Jahre kein Heft zugekommen. Nur aus einer Anzeige ist uns
bekannt: Companyo, catalogue descriptif des mammiferes qui ont
ele observös et qui vivent dans le departement des Pyrenees orien-
tales. Perpignan 1841. 8.
Ainworth’s researches in Assyria, Babylonia and Chaldaea,
forming part of the labours of the Euphrates Expedition, Lond. 1838,
einen interessanten Bericht über die Säugthiere und Vögel der Eu-
11
phrat-Länder enthaltend ist in..der Isis 1841. 8. 807 im Auszuge
mitgetheilt. i
Demidoff, voyage dans la Russie meridionale.. prem.
livrais, du voyage scientifique. 8. mit dem 1sten Heft des na-
turhist. Atl. fol.
Dieses 1ste Heft enthält A. v. Nordmann’s Observations sur
la Faune pontique, mit den Säugthieren beginnend, die fast absol-
virt sind, da ihre Aufzählung bereits am Anfange der Cetaceen steht.
Diese Fauna ist deshalb so interessant, weil sich hier die europäi-
sche und nordasiatische Thierwelt begegnen und miteinander vermen-
gen. Um hier an Raum zu sparen, gedenkt Ref. diese interessante
Arbeit in einem besonderen Artikel nachzutragen. Das erste Heft
des Atlasses enthält aus unserer Abtheilung die Abbildungen von
Spalax Pallasii und Sturnus (Pastor) roseus *).
Verhandelingen over de naturlijke Geschiedenis der Ne-
derlandsche overzeesche Bezittingen. Door de Leden
der natuurkundige Commissie in Oost-Indie en andere Schrij-
vers, » Zödlogie, Leid. 1840 — 1841. N. 3, 4, 5.
Zur zoologischen Abtheilung dieses ausgezeichneten Werkes
sind seit unserem vorigen Berichte 3 neue Hefte hinzugekommen,
wovon das-dritte ausschliesslich den Schmetterlingen, das 4te uud
Ste aber hauptsächlich den Säugthieren gewidmet ist. Der Text
bringt den Schluss der Beschreibung des Orang -Utans, worauf die
Monograpbie der Schlankaflen vollständig mitgetheilt wird. Die Be-
arbeitung der Wirbelthiere haben Schlegel und 8. Müller gemein-
schaftlich übernommen, und beide Naturforscher wissen ihre Aufgabe
*) Vom zoologischen Theil dieses umfassenden Reisewerkes sind
zur Zeit 15 Lieferungen Abbildungen in gr. fol. und 12 Lieferungen
Text erschienen, Die Naturgeschichte der Rückgratihiere ist ge-
schlossen. Unter den Vögeln ist keine neue Art vorgekommen, da-
gegen sind manche Bemerkungen über Vorkommen und Naturge-
schichte mitgetheilt; am Schluss eine ausführliche Beschreibung,
Anatomie, Lebensverhältnisse (habitudes und regime), Fortpflanzung
und Jagd der Rosendrossel. Die herpctologischen Mittheilungen be-
schränken sich auf Notizen über die Eidechsen und Schlangen der pon-
tischen Fauna. Der ichthyologische "Theil des Werkes macht manche
interessante neue Arten bekannt, und ist mit Recherches sur la structure
intime des £cailles des poissons et des reptiles de la Faune pontique
bereichert (s. Jahresbericht für 1840). Ausserdem sind die (eben-
falls im Jahresbericht für 1840 schon erwähnten) Untersuchungen
über Tendra zostericola und Cellularia avicularia bereits veröffent-
licht. Der Atlas enthält noch Abbildungen von einigen Crustaceen
und zahlreichen Molluscen, zu welchen der Text noch erwartet wird.
Herausgeber.
12
aufs Ehrenvollste zu lösen, was von Schlegel, der durch bedeutende
Arbeiten seit längerer Zeit bekannt ist, ohnedies nicht anders zu er-
warten war. Der niederländischen Regierung gereicht die getroffene
Auswahl der Bearbeiter, wie die Solidität in der Ausführung dieses
Werkes zu nicht geringer Ehre. Mit grossem Danke ist es auch
anzuerkennen, dass jetzt die Einrichtung getroffen ist, den Text
allein beziehen zu können, was zur grössern Verbreitung wesent-
lich beitragen wird. — Nicht unerwähnt darf es gelassen werden,
dass auch die Land- en Volkenkunde dieser Verhandelingen bis zum
4ten Hefte vorgeschritten ist und viele wichtige Bemerkungen über
Säugtbiere und Vögel enthält,
Dlustrations of the Botany and other Branches of the
Natural History of the Himalayan Mountains, by Forbes
Royle. Lond. Part. XI. 1840.
"Dieses Schlussheft eines ausgezeichneten Werkes enthält ein Me-
moir on the Mammalogy of the Himalayas, by Ogilby (S. LVI bis
LXXIV), das eine schöne Übersicht über die bisher aus dem Hima-
laya bekannt gewordenen Säugthiere giebt. 1) Affen. Durch Ben-
galen und die nördlichen Provinzen vom brit. Indien scheinen nur
2 Arten verbreitet zu sein, Semnopithecus entellus und Papio: rhe-
sus; beide stellen regelmässige Wanderungen an, indem sie wäh-
rend der Sommerhitze die Höhen des Gebirgs bis zu 9000 u. 10,000
Fuss ersteigen, und beim Beginn der kalten Jahreszeit nach den Ebe-
nen zurückkehren. Hodgson’s Angabe vom Vorkommen des Cerco-
pithecus radiatus in Nepal scheint auf einer Verwechselung mit Pa-
pio rhesus zu beruhen. 2) Handflügler sind noch sehr wenig
gekannt, scheinen aber häufig zu sein. Hodgson’s Pteropus leuco-
cephalus ist identisch mit Pt. Edwardsii, dagegen scheint sein Pt.
pyrivorus eine neue Art zu sein. Me. Clelland’s Pr. rubicollis ist
ebenfalls nichts anders als der Pt. Edwardsii. — 3) Insektivo-
ren. Erinaceus spatangus, Grayi und collaris könnten vielleicht
eine Art bilden. Spitzmäuse und Maulwürfe sind genannt, aber
Exemplare sind nicht eingesandt worden, — 4) Fleischfresser.
Nach verlässig scheinenden Angaben steigt der Ursus labiatus nicht
über die untern Reihen der grossen Gebirgsketten hinan, wo. er von
dem Reech oder Reek (U. tibetanus) abgelöst wird, der die höhe-
ren Berge bis gegen die Schneelinie einnimmt, wo ihm denn der
Barji (U. isabellinus) folgt, der, so häufig er auch vorkommt, doch
nur sehr unsicher gekannt ist, Hodgson’s Angabe vom Vorkommen
des U. malayanus scheint auf Verwechslung mit U. tibetanus zu be-
ruhen. Ratelus mellivorus ( Ursitaxus inauritus) ist von afrikani-
schen Exemplaren nur durch die hellere Rückenfarbe verschieden.
Arctonyx collaris ist ein ächter Dachs. Gulo nepalensis ist identisch
mit G, oxientalis. 4ılurus fulgens kommt vor, aber nicht Arctictis
albifrons, was eine irige Angabe ist. Der Tiger ist bekannt; vom
13
Löwen hörte Frazer auf seiner Reise an die Quellen des Ganges
und Dschumna oft sprechen. Der Cheetah, Felis moormensis, F. ben-
galensis oder nepalensis und F. viverriceps (F. viverrinus Benn.)
sind von Hodgson angegeben. Seine F\ erythrotus erklärt Ogilby
für identisch mit F. Chaus. Roller, Mangusten, Viverren und Mar-
der sind noch nicht genau bestimmt. Genannt sind Paradoxurus
Bondar (P. hirsutus H.), P. nepalensis H. und P. larvatus (P. la-
nigerus H.?), Herpestes griseus und Edwardsi (H. auropunctata H.),
Viverra Rasse, indica und Zibetha, Mustela flavigula, M. Kathiah
H. und M. lanigera H. Ganz ungewiss sind die 7 Arten Fischottern
von Hodgson. Canis primaevus kommt nur in unteren Regionen
vor; Ogilby sieht ihn nicht für verschieden von C. sumatrensis an.
Der Kokree (Canis Corsac, indicus, bengalensis, Kokree) und der
ce. pallipes besteigen nicht die Berge. Der Schackel geht bis in die
mittleren Regionen, weiter hinauf folgt der ©. montanus (C. hima-
Inieus). Die gestreifte Hyäne kommt bisweilen bis Simla. — 5) Na-
ger; zahlreich, aber noch wenig untersucht. Von Hodgson aufge-
führt sind als Eichhörnchen: Sciurus palmarum, Lokriah und Lo-
kroides, ferner Pteromys magnificus und alboniger. Verschiedene
Arten von Mus und Arvicola sind nicht weiter bestimmt; Hystrix
eristata var. leucurus ist von Sykes angegeben. Von Hodgson’s 2
Hasen-Arten ist die eine wohl identisch mit Lepus nigricollis, die
andere wit L. ruficaudatus. Der merkwürdigste ist der neue Pfeif-
hase, dem O. den Namen Lagomys Royli giebt. — 6) Zahnlücker;
nur Manis macrura (M. auritus Hodgs.). — 7) Dickhäuter. In
den untern Regionen sind Elephanten und Nashörner sehr häufig;
ebenso in allen bewaldeten Theilen des Gebirgs die Wildschweine,
die von dem unsrigen nicht verschieden scheinen. Der Kiang (Equus
hemionus?) wird in Tibet gefunden. — 8) Wiederkäuer. Hodg-
son’s 3 Arten Bisamthiere scheinen blosse Farbenabänderungen von
Moschus moschiferus zu sein. Über die Arten von Hirschen, Anti-
lopen, Ziegen und Schafen herrscht noch die grösste Ungewissheit,
der von Hodgson angegebene Cervus equinus kommt gewiss nicht
vor; sein €. Hippelaphus ist wahrscheinlich eins mit C. Aristotelis,
sein C. elaphoides ist identisch mit C. Duvaucelii, sein ©. elaphus
wird wohl den ©, Wallichii darstellen. Royle’s Cervus Dodur möchte
eine eigne Art anzeigen. Von der Muntjack-Gruppe kennt O, 3 Ar-
ten vom indischen Kontinent: C. melas, C. ratwa Hodgs. und (.
Muntjac, zu letzterem gehört Royle’s C. rutwa (tab. 5. fig.2). Von
Antilopen führt er an: Antilope Ghoral, Thor, Hodgsonü, cer-
vicapra, quadricornis und picta, welch letzterer Ogilby den Namen
Hippelaphus beilegt, weil er sie für das von Aristoteles unter diesem
Namen beschriebene Thier ansieht; dem Cervus Hippelaphus giebt
er dagegen die Benennung C. Saumer. Ziegen-Arten führt er 2 an,
wovon er jedoch nur mit der einen, der Cupra jemhlaica (Jharal,
Thar ) bekannt ist, Wildschafe kennt erauch nur zwei: den Burrhal
14
(Ovis Nahoor‘) und den Banbhera, ‘der entweder der Argali'selbst
oder doch ihm ganz wahe verwandt ist. Der Büffel und Arsi kom-
men in den Wäldern am Fusse des Gebirges vor. Bastarde von
Zebu und dem Yak sind sehr geschätzt und werden häufig für den
Ackerbau verwendet.
Classified Catalogue of Mammals of Nepal, correeted to
end of 1840, first printed in 1832. By B. H. Hodgson.
Ist im Calcutta Journal of Natural History, conducted by J. M.,
Clelland 1841. p. 212 enthalten; die neuen Mittheilungen aus demsel-
ben werden gehörigen Orts erwähnt werden.
Über die geographische Verbreitung der Säugthiere in
Australien hat Gray bei der Versammlung der Naturforscher
in Plymouth einen interessanten Vortrag gehalten.
Derselbe ist mir zur Zeit blos aus dem Institut. 1841. p. 356
und aus Froriep’s Notizen bekannt, worauf ich verweise und hier
einstweilen nur soviel bemerke, dass Gray 94 Arten australischer
Säugtbiere aufführt, wovon er 70 den Beutelthieren, 3 den Mono-
tremen, 8 den Handflüglern, 2 den Fleischfressern (Hund und See-
hund), und 11 den Mäusen zuweist.
A. Smith, Ilustrations of the Zoology of South Africa
etc. Lond. seit 1838,
Zu den 12 bereits im vorigen Berichte angezeigten Lieferungen
sind seitdem 2 neue hinzugekommen.
Portraits of the Game and Wild Animals of Southern
Afrika. Delineated from life in their native, haunts,, during
a hunting expedition from the Cape Colony as far as the Tro-
pie of Caprieorn, in 1836 and 1837, with sketches vof the
field sports. By Capt. W. ©. Harris. Lond. 1840 Part. T,
4841 Part. IT, IN. Imp. fol.
Kapitän Harris, dessen Buch „the wild Sports of the Southern
Africa“ schon im vorigen Jahresberichte angezeigt wurde, hat an-
gefangen in diesen Portraits, welche 5 Lieferungen ausmachen sol-
“len, von denen 3 bereits erschienen sind, die naturhistorischen Re-
sultate seiner südafrikanischen Reise vorzulegen. Zwar sind es nur
die grossen jagdbaren Thiere, deren Abbildungen uns hier Harris
giebt, auch ist unter den bisher mitgetheilten keine neue Art, gleich-
wohl räumt Ref. diesem Prachtwerke einen hohen Werth ein, da
nicht blos von einem guten Theile der hier aufgeführten Thiere zum
erstenmal bildliche Darstellungen uns vorgelegt werden, sondern da
sie völlig naturgetreu, wirkliche, von dem. Verf. an Ort und Stelle
aufgenommene Portraits sind. Einen ganz besondern Werth erlan-
gen sie überdies noch dadurch, dass die Landschaften eben so na-
turgetreu aufgenommen und jede Art in ihren eigenthümlichen gesel-
ligen Verhältnissen dargestellt ist, so dass man durch diese Abbil-
45
dungen von dem Charakter der südafrikanischen Region mit ihrer
Thierwelt eine Anschauung erhält, welche durch keine Beschreibung
ersetzt werden kaun. Ausser den grossen Landschaften mit ihren
Thieren, von denen ein Heft 6 Tafeln enthält, ist am Schlusse je-
der Beschreibung der Kopf jeder Art in ansehnlicher Grösse abge-
bildet. Hiezu kommen nun noch vortreffliche Beobachtungen über
die portraitirten Thiere, wie sie von einem Manne zu erwarten sind,
der von Kindesbeinen an durch die Jagd die Sinne sich geschärft hat.
Die ganze Ausstattung ist prachtvoll. Part. I enthält: Tab. 1. Ca-
toblepas Gnu, 2. Equus Quagga, 3. Gazella Euchore, 4. Catoblepas
Gorgon, 5. Equus Burchellü, 6. Boselaphus Oreas. — Part. Il: 7.
Aeronotus Cauma, 8. A. lunatus, 9. Oryz capensis, 10. Struthio Ca-
melus, 11. Camelopardalis Giraffa, 12.. Hippopotamus. — Part, IN:
13. Bubalus caffer, 14. Aegoceros ellipsiprymnus, 15. Antilope me-
lampus und Cephalophus mergens, 16. Rhinoceros africanus, 17. @a-
zella pygarga und 18. degoceros equinus.
Reise in das Innere Nordamerikas in den Jahren 1832
bis 1834 von Maximilian Prinzen zu Wied. Coblenz
seit 1838.
Der 2te Band, womit diese Reise schliesst, wird bald vollendet
sein; der Atlas ist es bereits. Auch in diesem Bünde sind, ausser
der genauen und umfassenden Schilderung der auf der Reise besuch-
ten Indianer-Stämme, zahlreiche und wichtige Beiträge zur Kennt-
niss der nordamerikanischen warmblütigen Wirbelthiere mitgetheilt,
Von seltener Schönheit ist der Atlas, dessen Tafeln, von Bodmer,
dem Begleiter des Prinzen auf seiner Reise, mit meisterhafter Kunst
gezeichnet sind: mit gleicher Vollendung sind sie in Aqua tinta aus-
geführt, Höchst charakteristisch sind namentlich die Darstellungen
der Indianer, denen man es ansieht, dass sie nicht, wie,.in so vie-
len ähnlichen Werken, in Europa erst entworfen und zu Carrika-
furen verzerrt, oder gar zu griechischen Idealen metamorphosirt,
sondern getreu nach dem Leben gezeichnet und in der ganzen Ei-
genthümlichkeit des Volks- Charakters aufgefasst sind. Den besten
Leistungen des Auslandes steht dieses Reisewerk, das einzige, mit
dem Deutschland in den letzteren Jahren zur Concurrenz auf die-
sem Gebiete hervortrit, würdig an der Seite.
VonD’Orbigny, voyage dans l’Amerique meridionale sind be-
reits 55 Lieferungen erschienen, ohne dass noch der Text zu den
Säugihieren und Vögeln begonnen hätte.
Von Darwin’s Zoology of the Voyage of H.M. S. Beagle sind
uns erst vor wenig Tagen 2 Hefte zugekommen, N. 14. von Part,
II, den Schluss der Säugthiere, und N. 3. von Part. I, die Fort-
setzung der „Fossil Mammalia‘ enthaltend; beide noch von 1339
datirt, bei uns also, wenn anders das Datum richtig ist, erst nach
langer Verspätung eingetroffen,
Aus Blainville’s Bericht über die zoologische Partie der Reise
16
des Astrolabe und der Zelee geht hervor, dass die Ausbeute in
warmblütigen Thieren sehr unbedeutend war: 2 neue Arten Robben,
1 oder 2 Delphine, und an Vögeln eine Anzahl wahrscheinlich un-
edirter Arten (Revue zool, 1841. p. 318), Die Reise soll auf An-
ordnung der Regierung publizirt werden, wobei Ref. den Wunsch
nicht unterdrücken kann, dass nicht mehr als das Nothwendige und
Neue mitgetheilt, und die meist unnützen manierirten Darstellungen
der coutumes und costumes, welche die Fivanzen unserer Bibliothe-
ken zu Grunde zu richten drohen, ganz wegbleiben möchten.
In der philomatischen Gesellschaft zu Paris hat Gervais (In-
stitut. 1841. N. 13 u. 15) Bericht erstattet über die Sammlung von
Säugthieren, welche Eydoux und Souleyet während ihrer Weltum-
seglungsreise auf der Bonite, in Gemeinschaft mit Gaudichaud, ge-
macht haben und unter denen manches Neue vorkommt. Seitdem ist
auf Kosten der Regierung die Beschreibung selbst erschienen unter
dem Titel: Voyage autour du Monde execute pendant les anndes
1836 et 1837 sur la Corvette la Bonite. Zoologie par M, M, Ey-
doux et Souleyet, Medecins de ’Expedition. Paris 1841. Vol. I,
8., die Säugthiere und Vögel behandelnd. Die Beschreibung, der er-
steren rührt von P. Gervais her.
Über die Säugthier-Fauna der Urwelt hat Kaup ein
neues Werk begonnen. Akten der Urwelt oder Osteologie
der urweltlichen Säugthiere und Amphibien. Darmst. 1841.
4stes Heft mit 14 lith. Tafeln.
Ein zweckmässig angelegtes Unternehmen, dem ein guter Fort-
gang zu wünschen ist. In diesem Hefte sind enthalten: 1) Rhino-
ceros Merckii, 2) Rhinoceros (Aceratherium) Goldfussü, 3) Cyma-
totherium antiquum, 4) Dinotherium giganteum. Mit einer einzel-
nen Ausnahme sind blos Schädeltheile und Zähne beschrieben und in
guten Abbildungen dargestellt. Cymatotherium ist eine von Kaup
errichtete neue Gattung, auf eine verletzte Unterkiefer -Hälfte be-
gründet und von ihm den grasfressenden Wallen zugetheilt, in wel-
cher Deutung jedoch Kaup fehlgegriffen hat, da dieser Kiefer von
einem ganz jugendlichen Elephanten herrührt,
Das Erscheinen von Lund’s ausführlicher, von 27 Tafeln be-
gleiteten Abhandlung über die antediluvianischen Säugthier-Überreste
Brasiliens (eingerückt in die akademischen Akten: Det K. Danske
Videnskabernes Selskabs naturvidenskabelige og mathematiske Af-
handlinger. Ottende Deel. Kjöbenh. 1841) ist schon im vorigen Be-
richte angezeigt worden. Über denselben Gegenstand hat nun auch
Claussen in den Bullet. de l’Acad. de Bruxell. 1841. p. 340 Notizen
eingeschickt.
Die Fährten- Abdrücke im bunten Sandsteine bei Jena.
Von Dr. Koch und Schmid. Jena 1841 mit 4 lith. Tafeln.
Im bunten Sandsteine von Jena sind neuerdings ebenfalls solche
47
seltsame Abdrücke wie bei Hildburghausen gefunden worden. Die
Meisten sind geneigt, dieselben für Fährten von Säugthieren anzu-
nehmen, Koch dagegen für solche von Amphibien, Ref. kann indess,
wie er schon im vorigen Berichte erwähnte, diese Formen überhaupt
nicht. für Fährten anerkennen, weder von Säugthieren, noch von
Amphibien, sondern leitet sie von urweltlichen Spongien her, deren
seltsame Bildungen aus der lebenden Welt noch jetzt nicht selten
an Hände und Füsse erinnern und daher den Namen Manus diaboli,
pes leonis, anatipes u. dergl. erbalten haben.
Schliesslich möchte Ref. noch auf den von C. 6. Flügel bear-
beiteten Artikel „Pelzhandel‘“ in der Ersch und Gruberschen En-
eyklop. XV. S. 307 aufmerksam machen, als selbiger am geeignet-
sten sein dürfte, eine klare Einsicht in den ungeheuern Umfang die-
ses Theils des Welthandels zu gewähren,
Simiae
In den. neuen Fortsetzungen der Verhandelingen "haben
Schlegel und S. Müller ihre Bijdragen tot de natuurlijke
historie van den Orang-Outan zu Ende gebracht.
Höchst interessant ist die Schilderung der Lebensweise des Orang-
Utans, die hier zum erstenmale nicht nach fabelhaften Sagen, son-
dern nach authentischen Berichten oder eignen Erfahrungen mitge-
theilt wird. Am Schlusse folgt Sandifort’s ausführliche anatomi-
sche Untersuchung, die erste, welche an alten, erwachsenen Indivi-
duen ausgeführt ward, während die bisherigen nur mit jungen, dazu
meist an Krankheiten gestorbenen vorgenommen wurden, daher der
holländische Anatom manche Verschiedenheiten von den früheren
Angaben fand. So z. B. salı Sandifort, dass das grosse Gehirn sich
über das kleine hinaus erstreckte, während nach Tiedemann dies
nicht der Fall ist; den Leerdarm fand er ununterbrochen mit valvu-
lae conniventes besetzt, die nach Camper uad Owen mangeln sol-
len; ferner entdeckte er am männlichen Gliede die Eichel und an den
Muttertrompeten die Kranzen, was Beides Camper den Orang-Utans
abspricht. Mit ziemlicher Ausführlichkeit ist das Muskelsystem be-
handelt, wovon bisher nur Owen die Kopf- und Halsmuskeln, so
wie die der hintern Gliedmassen im Detail beschrieben hatte, Ref.
hebt nur einige Angaben hervor, die von charakteristischer Bedeu-
tung sind. Vom Musculus latissimus dorsi sagt Sandifort, dass er
in Allem mit dem gleichnamigen des Menschen übereinkomme. Hier-
aus folgt also, dass der Fortsatz , den Meckel, Burdach und Ref. an
ändern Aflen fanden, und der von der spina tuberculi minoris des
Oberarmbeins zun Ellenbogenknorren verläuft, beim Orang-Utan
nicht vorhänden ist, Der Mangel dieses Fortsatzes muss, nach mei-
nem Bedünken, wesentlich mit dazu beitragen, dass der Orang-Utan
mit den Vorderarmen sich nicht wie andere Affen bei eiligen Bewe-
gungen fortschleudern kann. Der extensor indieis ging an der rech-
Archiv 1, Naturgeschichte, VIN, Jahrg, 2. Bd, B
18
ten Hand allein zum Mittelfinger, an der linken theilt er sich in
zwei Sehnen, wovon die eine zum ersten, die andere zum Mittel-
finger ging. Der Orang-Utan kann demnach, so wenig als jeder an-
dere Affe, seinen Zeigefinger unabhängig von den andern Fingern
ausstrecken, also nicht deuten, was als ein Akt der Zieichensprache
das Thier weder zu würdigen, noch auszuüben vermag. Der plan-
taris ist wie bei allen Affen beschaffen, nämlich dem palmaris lon-
gus.der Hand entsprechend, und zeigt demnach eine erhebliche Dif-
ferenz vom menschlichen Typus. Wie vom ganzen Thiere, so sind
auch von den hanptsächlichsten innern Organen schöne Abbildungen
beigefügt.
In einem Briefe an die zoologische Gesellschaft in London kün-
digte Brooke von Singapore die Absendung von 5 lebenden Orang-
Utans an, und gab Bemerkungen über ihre Lebensweise, indem er
zugleich die Festsetzung von 3 Arten zu begründen versuchte (Pro-
ceed.IX. p.55). Da nach Ankunft dieser Thiere weitere Nachrichten
zu gewärtigen sind; so wird hierüber zweckmässiger im nächsten
Berichte referirt werden.
Temminck lieferte im 5ten Hefte des 2ten Bandes seiner Mo-
nograph. den Schluss der Abhandlung über den Orang-Utan,. Er
spricht sich für eine einzige Art aus und schildert nach S. Müller’s
Angaben die Lebensweise und Sitten dieses Thiers; beigegeben ist
eine Abbildung des alten Orang-Utans in gehender Stellung.
Im 5ten Hefte der Verhandelingen ist Schlegel und S.
Müller’s Monographie der Schlankaffen enthalten, wozu
ihnen freilich ein Material vorlag, wie keinem der früheren
Bearbeiter dieser Gsttung, was sie aber auch zur kritischen
Sichtung der Arten vortrefllich benutzt haben.
Als Arten von der Gattung Semnopithecus zählen die Verf. 16
auf, oder wenn man, wozu sie mehr geneigt scheinen, $. eröstatus,
siamensis, lavimanus, sumatranus und cucullatus blos als klimati-
sche Abänderungen ansehen wollte, würden sich nur 11 Arten er-
geben. Diese 16, oder wenn man will, diese 11 Arten sind folgende:
1. S: entellus, wozu die Verf, auch Sykes’ $. albigularis zie-
hen, was jedoch nicht sein kaun, da nach Owen’s Untersuchung
(Proceed. II. 1832. p. 18) dieser ein ächter Cercopithecus ist; Bef.
(Schreber’s Supplem. I. 8.129) sieht letztere blos für eine dunklere
Abänderung von C. mona an. — 2. S. leucoprymnus, identisch mit
S. Nestor, — 3.(2.b), S: cueullatus, nach den Verf. wohl nur
eine dem Festlande angehörige Varietät des vorigen. — 4. (3). 8.
Zeucomystax, neue, hier zum erstenmale erwähnte Art von Siam;
wahrscheinlich auch von Malakka. Ihr Schopf ist einfach und nicht
helmartig; der Pelz seidenartig. Die Lippen sind von weissen Haa=
ren bedeckt, was sehr bezeichnend ist. Die Farbe ist glünzend
graubraun, mit schwachem Purpurschimmer, an den Hinterbeinen
19
lichter, am Schopf ins Gelbhraune übergehend, an den Händen dun-
kler braunschwarz. Die Verf. vermuthen, dass $. odscurus hieher
gehören könnte, doch sei die Beschreibung zu unvollständig, um
hierüber aburtheilen zu können. — Diesen $. obscurus erklärt neuer-
dings Gervais (Instit. 1841.-p. 401) und in der Zoologie der Bonite
p. 4. für identisch mit Cercopithecus albocinereus Desm.; aus sei-
ner Beschreibung geht wenigstens hervor, dass dieser letztere mit
S. leucomystax zu vereinigen ist. — Cuming bemerkt in den Pro-
ceed. VIM. p. 62, dass der $. odscurus, den er auf Malakka fand,
grossen Abänderungen in der Färbung unterworfen ist, ohne wei-
ter diese Abänderungen zu bezeichnen, weshalb seine Bemerkung
soviel wie nichts zur Aufklärung dieser obscuren Art hilft. — 5. (4).
S. mitratus, bekannte Art. — 6. (4.b). $. siamensis, als Stell-
vertreter des S. mitratus in Siam von den Verf, erklärt, und von
diesem durch graubraune (nicht grauschwarze) Färbung, durch dun-
kel braunschwarze (nicht graue) Hände, durch minder reine, etwas
ins Gelbliche fallende Unterseite, durch viel lichtern Vorderschopf
verschieden. — 7. (5). $. melalophos, wohl bekannt. — 8. (5b).
S. flavimanus, von den Verf, ebenfalls eher für lokale Abände-
rung des vorigen, denn als eigne Art angesehen. — 9. (6). S. ru-
bieundus, von Müller schon früher beschrieben. — 10. (7). 8.
chrysomelas, ebenso; hierzu auch S. auratus. — 11 (7b). S.sw-
matranus, als lokale Varietät des vorigen auf Sumatra erklärt,
vielleicht mit 8. femoralis identisch, der jedoch nicht genau genug
charakterisirt ist. Gewöhnlich dunkel graubraun mit rothbraunem
Glanze, Beine und Oberseite des Schwanzes schwarz, Unterseite
des Schwanzes, Bauch, Brustmitte und ein Streif an der Innenseite
der Beine weisslich, — 12 (8). S. maurus, hierzu auch S. pyrrhus,
von Java. — 13 (8b) S. cristatus (S. pruinosus), als klimati-
sche Varietät des vorigen auf Borneo und Sumatra angesehen. —
14 (9). $S. frontatus, von8. Müller schon früher charakterisirt. —
15 (10). $S. nemaeus, bekannt. — 16 (11). S.nasicus, desgleichen:
Die neuen oder doch zweifelhaften Arten sind durch eben so
schöne als genaue Abbildungen, von denen nur einige noch rück-
ständig sind, erläutert, gewöhnlich auch die Schädel und Jungen ab-
gebildet, so dass die sundaischen Schlankaffen nun mit ausreichen-
der Vollständigkeit gekannt sind. Was den $. fascicularis von
Raffles betrifft, so sehen ihn die Verf., wahrscheinlich mit bestem
Rechte, für den sumatranischen Cercopitheeus eynomolgus (Maca-
eus aureus Is. Geoffr.) an.
Zu diesen 16 (oder 11) Arten von Schlegel und Müller ist nun
noch 17 (12) der von Ref. (Schreb. Supplem. 1. 8. 305) aufge-
stellte S. jubatus zu rechnen, der von den übrigen scharf unterschie=
den ist, Ferner der neuerdings von Hodgson (Ann. of nat. hist,
VI. p. 314) publizirte 18 (19) S. schistacens, sonst von ihm nipa-
B*
20
lensis benannt. ,‚Habitus von 8. maurus. Oben dunkel schieferfar-
ben; unten und am ganzen Kopf hlassgelb, nur Hände und Füsse
etwas dunkler oder mit dem Oberleib gleichfarbig. Ein Pinsel schwar-
zer Haare aufwärts strahlend von den Augenbrauen, einfarbig;
Schwanz länger als der Leib und mehr oder weniger gequastet,
Haut schwarz, am Gesicht und an den letzten Gliedern der Vorder-
finger nackt. Haare am Scheitel kurz und strahlenartig, an den
Wangen lang, rückwärts gerichtet und die Ohren verdeckend. Haare
von einer Sorte, weder harsch noch weich, mehr oder weniger ge-
wellt, 3— 5} Zoll lang am Leibe, dichter und kürzer am verschmäch-
tigten Schwanze. Länge 30”, Schwanz ohne Haare 36”; Hände 6},
Füsse 8}. Weibchen kleiner, mit kürzern Eckzähnen. Bewolnt die
Tarai-Waldungen und die niedern Berge, selten auch Kachar, ‘
Das Mittel in vielen Merkmalen zwischen Cercopithecus
sabaeus und pygerythrus hält Ogilby’s Cer copithecus Tan-
talus (Proceed. IX. p. 33):
„€. supra saturate flavo-viridis, in artus cinerescens, subtus
stramineus; facie subnigra, circa oculos livida; ‚aurieulis palmisque
fuscis; cauda fusca; apice caudae, mystacibus‘ et perinaeo flavis;z
taenia frontali alba”. — Wurde in Liverpool acquirirt, unbekannter
Herkunft und wohl nur Abänderung von :C. sabaeus.
Zusätze zu seinen früheren Beschreibungen von Cercopithecus
erythrotis und Martini finden sich von Waterhouse in den Pro-
ceed. IX. p. 71.
Hodgson stellte a. a. ©. S. 315 zwei neue Arten von
Makakos auf, und möchte auch der Gattung gern einen
neuen Namen Pilhex aufbringen, was freilich ganz überflüs-
sig ist,
Die 1ste Art nennt er P. oinops, sonst nipalensis von ihm be-
nannt: „Schwanz ohne Haare von halber Körperlänge; Ohren theil-
weise vorstehend, Hinterbacken nackt und gleich dem. Gesichte
fleischroth. Pelz gesättigt bräunlich gelbroth oder tief rostfarben,
an den Vordertheilen ins Schiefergraue übergehend und innen pur-
pur-schieferfarben. Länge 22”, Schwanz ohne Haare 10, Hände
44, Füsse 6”. Pelz von einer Sorte wie bei $. schistaceus und von
gleicher Qualität, am Leibe 2— 3} Zoll lang, kürzer am zugespitz-
ten und quastenlosen Schwanz, auf dem Scheitel nicht strahlenförmig.
Bewohnt das Tarai und niedere Berge.” Der Kopf ist abgebildet.
Die 2te Art heisst P. pelops: ‚Struktur und Ansehen dem vo-
rigen ähnlich. Farben mehr schmutzig oder purpurn, schieferfarbig,
zum Theil rostroth überlaufen; Hinterbacken, mit Ausnahme der
Schwielen, bekleidet; Gesicht nackt und dunkel, flacher als bei leiz-
terem. Länge 20”, Schwanz olıne Haare 94, Hände 44, Füsse 5%
21
Bewohnt die nördlichen Regionen der Berge ausschliesslich. Pelz
voller und wallender als bei oinops.”
Meine im vorigen Jahresberichte erhobene Rüge über den von
Ogilby gegebenen Namen Pupio ochreatus muss ich dahin berichti-
gen, dass er nicht von Ocker, sondern von ocrea ahzuleiten ist,
daher oereatus geschrieben werden muss,
Cuming macht in den Proceed. VIN. p. 33 auf 2 Farbenabän-
derungen des /nuus cynomolgus aufmerksam, die er auf den Philip-
pinen antraf: die eine war schwarz und weiss gescheckt, die an-
dere hell kastanienfarben mit Weiss gescheckt. Nur ein Exemplar
von jeder Abänderung kam Cuming zu Gesichte, in beiden Fällen
in Gesellschaft mit gewöhnlich gefärbten Individuen. — Wahrschein-
lich ist auch der Macacus carbonarius (M. aureus Is. Geoffr.), von
dem neuerdings P. Gervais (Bonite. Zoo]. I. p. 6. tab. 2.) wieder
ein Exemplar beschrieb, nur eine Abänderung des I. cynomolgus mit
dunklem Gesichte.
Zur Kenniniss des innern Baues des javanischen Loris
(Kukang) lieferte Schroeder van der Kolk in der Tijd-
schrift voor natuurl. gesch. 1841. p. 277, vortreftliche Beiträge.
Seine Untersuchungen betreffen das Gehirn, Herz und Gefäss-
system, Lungen, Ernährungsapparat und weibliche Geschlechtstheile.
Das Zerfallen der Arm- und Oberschenkel-Arterie in mehrere Zweige,
die sich wieder vereinigen, fand er wie andere Beobachter. Die
Lungen haben rechts 4, links 3 Lappen. Die zweite Zunge, welche
Fischer und Tiedemann bei Stenops gracilis unter der ersten be-
schreiben, fand Verf. bei dem Kukang nicht. Sehr merkwürdig ist
es, dass am Blinddarm ein vollkommener und sehr langer Wurmfort-
satz sich einstellt. Der Uterus ist zweihörnig, doch so tief getheilt,
dass man ilın fast für doppelt halten sollte, während er hei St. gra-
eilis nur zweilappig und keineswegs getheilt ist. Auf einer Tafel
sind die hauptsächlichsten Organe abgebildet,
An diese Abhandlung reihte van der Hoeven einige
Bemerkungen über die zu Stenops gehörigen Arten (a.a.O,
$. 337).
Ref. hatte dieser Gattung in seinen Fortsetz. von Schreber 2 Ar-
ten zugezählt, die auch in der hiesigen Sammlung aufgestellt sind,
nämlich den St. gracilis und tardigrudus, unter letzterem, wie es
auch noch neuerdings 8. Müller und Schlegel gethan haben, die In-
dividuen vom indischen Festlande und den sundaischen Inseln hegrei-
fend. Van der Hoeven (rennt nun aber, und wie es mir scheint
mit Recht, den javanischen Lori als Stenops javanicus von den an-
dern ab, welchen er den Namen St. tardigradus belässt und entwirft
folgende Diagnosen: 1) Stenops javanicus; „St. cauda brevis-
sima, cinereo-Slavus, stria dorsali fusca, macula alba frontali, den-
bus incisivis superioribus duobus tantum, rostro suhacuto, elon-
22
gato.” ‚Von Java. — 2) Stenops tardigradus. „St. cauda bre=
vissima, cinereo-[lavus, stria dorsali fusca, fronte fusca, stria, alba
inter oculos angusta , supra, oculos, evanescente, dentibus ineisivis
superioribus 4, rostro, obtusiusculo.” Von Sumatra, Borneo und. In-
dien. — Demnach gehört das von mir (a. a, 0.) beschriebene Exem-
plar, als dessen Heimatl überdies Bengalen angegeben ist, zu St,
tardigradus im Sinne van der Hoeven’s. Auf 2 schönen Tafeln ist
das Skelet, der Schädel, der Kopf, Hand und Fuss von St, javani-
cus, so wie Schädel und Kopf von St. tardigradus abgebildet,
Über die antediluvianischen Knochenüberreste von ‚Affen hat Ref.
seitdem nichts weiter erfahren, als dass der Versammlung ia Turin
1840 vom Domnando aus Athen eine Abhandlung über Affenknochen
vom östlichen Attika zugeschickt wurde (Instit, 1841, p. 258).
Chiroptera.
In der Microscopical Society las Quekett (Ann, of nat.
hist. VII. p. 227) eine Abhandlung über die feinere Struktur
der Fledermaus-Haare, und.bemerkte, dass sie mit Schup-
pen besetzt seien, die sich .abstreifen lassen,
Diese von Quekett erwähnten Schuppen sind offenbar die Epi-
thelialzellen, welche jedes Haar des Menschen und der Säugthiere
überkleiden, und die nicht blos bei Fledermäusen, sondern auch noch
bei manchen andern Thieren eine eigenthümliche Form und Anord-
nung in ihrer Stellung erkennen lassen. Die Beschreibung harmo-
nirt mit Erdl’s Abbildungen in dessen Abhandlung über den innern
Bau der Haare (Fig. 13 und 14), Dass dieses Epithelium sich ‘vom
Haare wegschaben lässt, ist nichts Auffallendes; bei Haaren, die
man aus etwas alten Bälgen nimmt, steht der Epithelialüberzug
häufig und ohne dass man irgend eine Präparation anwendet, in
einzelnen Fetzen von der Oberfläche ab.
Einige Bemerkungen über britische Fledermäuse theilte
Jenyns in den Ann, of nat, hist. VIl. p, 262 mit, Exemplare des
Vespertilio pipistrellus und mystacinus von Selys Longchamps kom-
men ganz mit den britischen überein. Der V. Daubentonii ist frü-
her von ihm für V. emarginatus angesehen worden. Ferner bekennt
er sich jetzt ebenfalls zu der Meinung von Keyserling und Blasius,
dass sein V, aedilis nur eine Abartung von V. Daubentonii sei.
Gervais erklärt eine Fledermaus aus Peru für neu und giebt
ihr den Namen Vespertilio innoxius. Wie er sagt, gehört sie zur
Abtheilung der Serotinoides mit * Backenzähnen, ihre Grösse über-
trifft nicht die von V. pipistrellus, die Farbe ist schwärzlich braun.
(Bonite, Zool. I. p. 35. tab. 11).
Von drei südrussischen Fledermäusen gab Eversmann
die Beschreibung (Bullet. de Moscou. 1840, p. 21).
23
\. Diese sind Wespertilio discolor, turcomanus und volgensis. Die
Beschreibung der ersten Art stimmt ganz mit unsern Exemplaren
von V. discolor; dagegen fehlen zur, sichern Erkennung der bei-
den andern, als neu angekündigter Arten zwei Hauptpunkte in den
Angaben: es ist nämlich weder das Gebiss, noch die Anheftungs-
stelle der Flughaut notirt. Deshalb ist Ref. auch nicht im Stande
von P. turcomanus, in Ermangelung der Autopsie, zu bestimmen,
ob er wirklich neu ist wofür allerdings die Kürze des Schwanzes
und die Färbung des Pelzes zu sprechen scheinen. Die Diagnose von
diesem V. turcomanus lautet: ,‚V. auriculis mediocribus capite bre-
vioribus; trago lanceolato recto; vellere supra ferrugineo -cano,
subtus albo.” Ausserdem setzt E. hinzu: Ohren mehr als halbe
Kopflänge, fast so breit als lang, Vorderrand beinahe gerade, die
Spitze zugerundet, Klappe schmal lanzettförmig, gerade, ziemlich
lang und spitz. Pelz auf der Oberseite hell röthlich grau, auf der
Unterseite weisslich. Flughaut überall nackt, ohne Haare. Körper
2” 2”, Schwanz 91”', Ohr 5!”’, Klappe 3,”. Zwischen dem kas-
pischen und Arälsee. — Von der 3ten Art: V. volgensis heisst die
Diagnose: „V. auriculis capite brevioribus, late triangulo-ovalibus,
trago anguste lanceolato recto; vellere dorsi rufo, gastraei albido.”
Noch ist weiter angegeben, dass das Gesicht behaart ist, die Klappe
klein, schmal lanzettförmig und behaart. Pelz des Kopfes und Rük-
kens gleichförmig röthlichbraun, der Bauchseite schmutzig weiss;
an dieser die Haare in der untern Hälfte schwärzlich, an der Spitze
weiss. Flughaut nackt, auf der Unterseite nahe dem Körper, unter
dem Oberarme mit einigem weissen Flaum.
Körpern. ‚“erschs 107
Schwanz . . .1 1
ODE Mn eure © 8
Ohren re 6
Klappe ._ u ....0,, 2,
Ster Finger 1 1
Flugweite . 7 8
Ohrbreite . ..0 53
In den Wäldern der kasanischen und nischnigorodischen Gouver-
nements und am Uralgebirge. — Über diese Art kann Ref. weitere
Aufschlüsse geben, da er davon ein Exemplar besitzt. Backenzälne
sind $ vorhanden, folglich gehört sie zur Untergattung Vespertilio
im Sinne von Keys. und Blas,, und zwar zur Abtheilung der kurz-
öhrigen. Die Klappe ist am Aussenrande convex, am Innenrande
gerade. Die Flügelhaut scheint nicht gauz das untere Ende des
Schienbeins zu erreichen, auch scheint die Schenkelflughaut kaum
behaart zu sein. Die Eckzähne sind stark. Am nächsten steht diese
Art dem V, Capaceini ( V. megapodius), aber die Rückenfarbe ist bei
ihr nicht blos dunkler als bei dieser, sondern auch nicht zweifarbig,
indem auf der Oberseite die Haare ihrer ganzen Länge nach einför-
24
mig röthlich kastanienbraun sind, was gegen die Wurzel hin dunk-
ler wird.
Die umfassendsten Arbeiten über diese Ordnung lieferte
Temminck in seiner Monograph. de Mammalog. II. Heft
4 und 9. ü
Zunächst stellte er.2 Gattungen auf: Chiromeles und Megaera.
Die Gattung Chiromeles, schon von Horsfield errichtet, ist da-
durch charakterisirt, dass der Hinterfuss handartig gebildet ist, je-
doch ist es hier die äussere Zehe, welche den übrigen wie ein Dau-
men sich entgegenstellt. Dem Ch. torquatus Horsf. fügt Temminck
eine neue Art zu: Ch. caudatus, der sich durch eine Tasche
auf der Brust, durch erheblichere Grösse und einen doppelt so lan-
gen Schwanz von jenem zu unterscheiden scheint, Heimath; Java,
Sumatra und Borneo.
Die Gattung Megaera begründet Temminck auf sein Pachy-
soma ecaudatum und reiht sie zwischen Harpyia und Pachysoma
ein. Vorderzähne sind nur 4 vorhanden; Schädelform wie bei Har-
pyia, aber die Nasenbeine sind länger und am Ende röhrenartig auf-
getriehen,
Die schon früher in v. d. Hoeven’s Tijdschrift mitgetheilte Mono-
graphie der Gattungen Taphozous, Emballonura, Urocryptus und Di-
chidurus ist nun auch hier aufgenommen. Taphozxous ist mit einer
neuen Art T. melanopogon von Java bereichert worden; Emballo-
nura mit E. lineata aus Surinam; letztere der kleinste aller Hand-
flügler.
Ausserdem lieferte Temminck ausführliche Beschreibungen von
Dysopes dilatatus Horsf., Dysopes pumilus Büpp. und Pachysoma
brachyotum Müll.; kürzere Bemerkungen über Dysopes Alecto und
abrasus.
Rapaecia.
Imseetivora. Über die britischen Spitzmäuse
legte Jenyns werthvolle Bemerkungen vor (Ann. of nat, hist.
VII. p. 263).
Durch Untersuchung vieler aus Irland erhaltenen Exemplare von
Sorex hibernicus hat er sich überzeugt, dass dieser mit S. rusticus
identisch ist; von S. tetragonurus hält er ihn aber nock immer spe-
zifisch verschieden, obschon der innere Bau und die Wirbelzahl von
beiden übereinstimmt. Die ganze Wirbelzahl beider ist 44, nämlich
Hals 7, Rücken 14, Lenden 6, Kreuzbeine 2, Schwanz 15. Einmal
fand er bei S. tetragonurus 16 Schwanzwirbel; ein andermal bei 8.
hibernicus nur 14, Ref. hat bei 8. tetragonurus 2 Krenzbein-Wirbel
und 17 Schwanzwirbel gezählt. — Von S$. ciliatus bemerkt Jenyns,
dass er zwischen ihm und dem 8. fodiens so viele Mittelglieder ge-
sehen habe, dass es ihm jetzt ausserordentlich zweifelhaft erscheine,
25
ob sie verschieden seien; eine Ansicht, die Ref. schon früher ausge-
sprochen hat.
Nach Steenstrup’s Angaben (Isis 1841. S. 903) kommt Sorew
?Pygmaeus auch in Holstein und ganz Dänemark vor.
Über Macroscelides Rozeti lieferte Duvernoy einige Bemerkun-
gen (Instit. 1841, p. 400), wozu Ref. in diesen Blättern (Jahrg. 1841.
8. 212) Erläuterungen gab.
Der Wüchuchol ist neuerdings auch in der Nähe von Moskau
aufgefunden worden (Bullet. de Moscou. 1840. p. 382).
Den Maulwurf von Nepal betrachtet Hodgson jetzt in seinem
neuen Kataloge (Calcutt. journ, by M’Clelland. 1841. p, 212) als
besondere Art, der er den Namen Ta/pa micrurus giebt, mit der
Diagnose: „sammtschwarz mit Silberschimmer beim Reiben gegen
den Strich, und irisirend (iridescent), wenn nass; nackte Schnautze,
Füsse und Schwanz fleischfarbig weiss; Schwanz sehr klein, rudi-
mentär; übrige Struktur typisch.” Ohne genaue Vergleichung mit
unserem Maulwurf lässt sich über die Selbstständigkeit der neuen
Art mit keiner Sicherheit urtheilen.
Carnivora. Ref. hat seine Bearbeitung der Fleisch-
fresser vollendet, welche nun mit. den Insektivoren zusammen
die 2te Abtheilung des Supplementbandes von Schreber’s
Säugthieren ausmachen.
Die 2 neuesten Hefte von Blainville’s Osteographie
enthalten seine beiden Gattungen Ursus und Subursus.
Ursus nimmt er in der jetzt allgemein festgesetzten Umgren-
zung. An den Skeleten des schwarzen Bären von Europa, des
Bären von Norwegen, Polen, aus den Alpen, Pyrenäen und Astu-
rien hat Blainville keine Differenzen wahrgenommen, die nicht auf
Rechnung des Geschlechts, Alters oder äusserer Verhältnisse hätten
geschrieben werden können. Auch den Ursus ferox stellt er nach
einem auf Kalifornien erlegten Exemplare, dessen Skelet er abbil-
det, mit U. arctos zu einer Art zusammen. Nach einem Schädel des
U. ferox, den Ref. durch die Güte Sr. Durchlaucht des Prinzen von
Wied zur Ansicht erhielt, gehört dieser Bär allerdings zum Typus
des U. arctos, und ich konnte an jenem Schädel keine andere Diffe-
renz von dem unseres gemeinen Bären auffinden, als dass der von
V. ferox verhältnissmässig kürzer und die Nasenbeine in der hintern
Hälfte nicht deprimirt, sondern ebenfalls gewölbt sind. Ob indess,
da ich blos ein junges Exemplar vor mir hatte, dieses Merkmal con-
slant bleibt, kann nur aus einer Reihe von Schädeln entnommen
werden. Der von Blainville abgebildete scheint allerdings ganz
mit dem des gemeinen Bären übereinzustimmen, doch muss bemerkt
werden, dass letzterer in Nordamerika ebenfalls vorkommt, und dass
iman nicht versichert ist, dass das erwähnte kalifornische Exemplar
wirklich dem ächten U. ferox angehört.
26
Merkwürdig ist es,..dass der Schädel des südamerikanischen U,
ornatus dem des malayischen so höchst ähnlich ist, Ferner ist bei
jenem der innere Condylus des Oberarmbeins durchbohrt, was Blain-
ville bei allen andern Arten nicht gefunden hat, während Ref. schon
in der Isis 1831. S. 555 darauf aufmerksam machte, dass an einem
Skelete des gemeinen Bären in der hiesigen zoeologischen Sammlung
das rechte Oberarmbein ganz ist, das linke aber wie heim Löwen
durchbohrt sich zeigt.
Hinsichtlich der urweltlichen fossilen Bären kommt. Blainville zu
einem Resultate, das gewiss die Palaeontologen nicht, wenig über-
raschen wird. „Nach Vergleichung der Knochen der lebenden Bü-
ren und der Höhlenbären,‘ sagt er, „glaube ich, dass diese von ei-
ner und derselben Art herrühren, derselben, die noch heut zu Tage
in Europa lebt, aber eine fast riesenhafte Grösse erreichend im Ver-
hältniss zu der Rasse, die in den abgelegensten 'Theilen der Alpen
und Pyrenäen zu existiren aufhört, und sehr wenig verschieden von
der des Bären aus dem nordwestlichen Amerika (U. ferox). Das
Männchen macht den U. giganteus , spelaeus major, Pitorrii und ne-
schersensis, das Weibchen den U. arctoideus, leodiensis in der Va-
rietät von erster Grösse aus, wie in der der zweiten das Männchen
durch den U, spelaeus minor und das Weibchen durch den U. pri-
scus repräsentirt wird.” — Ref. hat hier den Raum nicht, vorste-
hende Behauptung einer speziellen Prüfung zu unterwerfen, aber
nach seinen eignen, schon 1829 in der Isis (S. 969) niedergelegten
Erfahrungen, kann er nimmermehr zugeben, dass U. spelaeus, ar-
ctos und priscus eine einzige Art ausmachen sollen, während er da-
gegen vollkommen damit einverstanden ist, dass U. spelaeus, gi-
ganteus und Pitorrii zusammen gehören.
Ausser der erwähnten Art erkennt Blainville unter den fossilen
Bären in Europa nur noch den U. arvernensis an, zu dem er muth-
maasslich den [/. etruscus rechnet. Er sieht in ihm den europäischen
Repräsentanten des U, ornatus und malayanus.
Im ten Hefte behandelt Blainville die Osteologie seiner Gattung
Subursus (Petits-Ours), wozu er Meles, Mydaus, Procyon, Nasua,
jercoleptes, Arctictis und Ailurus vechnet. Es sind hier Thiere in
eine Gattung zusammengestellt, welche Ref. wohl mit besserem
Rechte sogar unter 2 Familien vertheilte. — Als fossile Gattungen
zählt Blainville hieher: a) Taxotherium, wie er eine zwischen
Dachs und Mydaus zwischenliegende Form nennt, die Cuvier ‚als
verwandt mit den Coatis und Waschbären erklärt hatte; Blainville
sieht sie auch für verschieden von Cuvier’s angeblichem Dasyurus an,
welch letzterem er den Namen Pterodon heilegt. b) Palaeocyon
oder Arciocyon, von ihm nach einigen Überresten bestimmt. ©)
Amphicyon von Lartet, den Binturongs verwandt, aber von Bä-
rengrösse und darüber, und mit einem Gebisse, das dem des Hun-
des fast ähnlich ist. Hieher rechnet Blainville auch d) den Ursus
27
sivalensis, aus dem er die Gattung dmphiaretos bildet; Bef. hat
jedoch ‚schon im Jahre 1837 (München. gel. Anzeig, V..8. 335) die
generische Verschiedenheit desselben von den Bären nachgewiesen
und auf. dem Ursus sivalensis die Gattung Agriotherium begrün-
det: Auch von Hyaenodon. ist noch die Rede, doch verweist Blain-
ville deshalb auf das nächste ‚Heft.
Unter den russisch-sibirischen Bären glaubt Eversmann
in den Bullet. de la Soc. imp. des naturalistes de Moscou
4840. p. 8, zwei Arten unterscheiden zu dürfen.
Die grössere nennt er Ursus cadaverinus (synonym mit
U. aretos Linn.), die kleinere Ursus formicarius. Sowohl aus
der Abbildung der Schädel, als auch aus der ganzen Beschreibung
geht hervor, dass ersterer auf alte erwachsene Individuen, letzterer
auf jüngere und wohl grösstentheils weibliche Exemplare einer und
derselben Art begründet ist.
Nach glaubwürdigen Aussagen ist das Vorkommen vo» Bären
im Atlas verbürgt. Ein daselbst erlegtes Exemplar wird als bräun-
lich schwarz, unten orange rufous beschrieben (Procceed. IX, p. 65).
Über die Lebensgeschichte des Ursus Zabiatus gab Lieut. Tickell
in Caleutt. journ. I. p. 199 sehr interessante Aufschlüsse. Mit grosser
Kraft kann dieser Luft in den Mund einziehen und ausstossen. Amei-
sen- und Termiten-Nester kratzt er mit den Vorderkrallen auf, blässt
dann mit Gewalt den Schutt weg und zieht die Ameisen u. dgl. mit
solcher Heftigkeit ein, dass man das Einschlürfen ein Paar Hundert
Schritte weit hört. Auch Larven, besonders die grossen von Ateu-
chus sacer, holt er auf diese Weise tief aus der Erde. Dabei frisst
er Früchte und Vogeleier, Die Zunge weit hervorzustrecken, wie
es vom malayischen Bären angegeben wird, ist er nicht im Stande,
Dr. Cantor (Proceed, VIII. p. 46) berichtet, dass er ein Exem-
plar von Ursus syriacus oder isabellinus in der Gefangenschaft ge-
schen habe, dass dieses Thier in Bengalen nicht bekannt, aber in
den Gebirgen von Kaschmir häufig sei und da den Namen Ritck führe,
Die Länge des erwähnten Exemplares betrug 4’ 2”, die Höhe an
der Schulter 3’, am Kreuz 2’ 8".
Im Jahrb. für Mineralog. 1841. S. 684 wird erzählt, ‘dass in ei-
nem Torfstiche im sächsischen Obergebirge Ueberreste eines Bären,
namentlich eine Masse von Haaren gefunden worden seien, Dass
diese Haare wirklich von einem Bären herrühren, würde am sicher-
sten aus der mikroskopischen Untersuchung erwiesen werden können.
TDemminck lieferte eine ausführliche Monographie von Arctictis,
nebst Abbildungen des Schädels und ganzen Skeletes, wodurch ihre
Zusammenstellung mit den Bären gerechtfertigt wird (Mamm. II. N. 4).
Aus Evan’s Anatomie des Arctonyx collaris ergiebt es sich,
dass derselbe nur eine Untergattung von Meles bilden könne, wozu
Waterhouse auch Mydaus stellt (Ann, of nat, hist, VL. p. 79).
28
Vom Schädel der Meles (Taxwidea) labradoria hat Waterhouse
in den Transact. of the zool. Soc, 1. 5. tab. 59 herrliche Abhildun=
gen mitgetheilt.
Dass sein Ursitaxus inauritus mit Pennant’s und Hardwicke’s
Indian badger identisch ist, hatHodgson jetzt selbst erkannt. Da-
gegen bestreitet er es, dass seine Gattung Urva, der er jetzt den
Namen Mesobema giebt, einerlei mit Helictis wäre; jene habe die
Zähne von Herpestes (also © Backenzähne), diese nur ; Backenzälne.
Die englischen Zoologen streiten sich neuerdings darüber,
ob bei ihnen ausser dem Steinmarder ( Mustela Foina) auch
noch der Edelmarder (M. Martes) vorkomme, überhaupt, ob
beide verschiedene Arten wären.
Bennett ist hierüber zweifelhaft, Bell hat beide Arten aner-
kannt, Macgillivray (Brit. Quadrup.) sie vereinigt, indem er die
gelbe Färbung des Vorderhalses nur für ein Zeichen der Jugend an-
sieht. Derselben Meinung ist Eyton (Ann. of nat. hist. VI. p.290),
während Jenyns und Yarrell (ebenda. VII. p. 262) für 2 Arten
sind. Nach Allem bleibt Ref. ungewiss, ob in England der ächte
Edelmarder vorkommt, denn dass Edel- und Steinmarder wirklich
2 verschiedene Arten sind, darüber kann man in Deutschland nicht
zweifelhaft sein, die Zoologen so wenig als die Jäger und Kürsch-
ner, und wenn die Engländer sich etwas mehr um unsere Literatur
bekümmerten, so würden sie schon vom alten Schreber und Bech-
stein über die spezifische Verschiedenheit beider Marder hinreichend
belehrt worden sein. Am schärfsten haben neuerdings Keyserling
und Blasius ( Wirbelthiere Europa’s 8. 67) beide Arten unterschie-
den, wozu Ref. noch die Differenzen in den Schädeln beifügen will,
wie er sie an 4 Exemplaren von M. Martes und an 4 von M. Foina
gefunden hat.
Bei Foina vereinigen sich nämlich die Stirnleisten in der Regel
erst sehr weit hinten, auch liegt der Orbitalstachel des Stirnbeins
gewöhnlich, aber nicht immer, mehr nach hinten gerückt. Das Haupt-
merkmal aber ist, dass der Schädel bei Foina minder gestreckt, viel
angeschwollener als bei Martes ist. Dies gilt selbst von dem Vor-
dertheil des Hirnkastens, so wie insbesondere von der Schnautze,
die nicht blos aufgetriebener, sondern auch kürzer ist, weshalb die
Nasenöffnung bei F. breiter, bei M. mehr in die Höhe gestreckt ist.
Die Nasenbeine setzen bei F. stark von der Stirne ab, was schon
an jungen Exemplaren auffallend ist, und senken sich nur wenig
vorwärts, während bei M. der Abfall der Stirnbeine ganz allmälig
in’ den der Nasenbeine übergeht. Der kurze mopsartige Schnautzen-
theil am Schädel von Foina giebt dieser eine ganz andere Physio-
gnomie als der M. Martes. Ausserdem sind bei F. die Stirnbeine brei-
ter und mehr bauchig gewölbt, der Jochbogen enger gespannt, aber
seinBogen mehr aufsteigend und convexer, während er beiM. zwar
29
länger gespannt ist, aber nicht so hoch aufsteigt und oben fast hio-
rizontal ist. — Noch bemerke ich zur Berichtigung englischer Anga-
ben, dass unser Edelmarder eher grösser als der Steinmarder ist.
Hodgson (Calcutta Journ. of nat. hist. 1841. p. 221) stellte eine
Mustela? Calotus auf: hell schieferblau, unbestimmt grau ge-
Sleckt; die dicht behaarten Ohren, Schwanz und Gliedmaassen schwärz=-
lich; Unterseite rein weiss. Körper 12 — 14”, Schwanz mit Haaren
10—11, ohne Haare 8”. Bewohnt den Himalaya und Tibet.
Üeber einige, auf der Reise der Bonite gesammelte Fleisch.
fresser theilte Gervais vorläufige Notizen im Instit. 1841.
p- 401 und ausführlichere Beschreibungen in der Zoologie
der Bonite mit.
Mephitis Feuillei, die er als neue Art von M. sufocans
trennen möchte, ist nur ein altes Individuum von letzterer, wo die
weissen Streifen auf der Kruppe bereits verschwinden. — Lutra
peruviensis ist nur nach einem Schädelfragment als Art aufge-
stellt, daher noch sehr problematisch. — Die Untersuchung des Ske-
lets und des Darmkanals von Bassaris astuta, hat es bestätigt,
dass diese Gattung ein Mittelglied zwischen Mustelinen und Viver-
rinen bildet. Wie bei ersteren fehlt der Blinddarn, die gewöhnli-
chen Analsäcke sind vorhanden. Wirbel giebt es: 12 Rücken -, 6
Lenden-, 3 Kreuz- und 22 Schwanzwirbel. — Herpestes ewi-
lis sieht er für eine neue Art aus Cochinchina an, am nächsten mit
H. javanicus verwandt, von dem sie dadurch unterschieden wird,
dass die rostrothe Farbe minder häufig ist, Von den Tarsen wird
gesagt, dass sie zum Theil kahl sind und eine schmale nackte Binde
sich bis zur Ferse verlängert (bei H. javanicus ist die hintere Hälfte
der Sohlen behaart. — Abgebildet ist Hemigalus Zebra (identisch mit
Paradoxurus Derbianus, Viverra Boiei Müll, Viverra Derbyi Temm.).
Eben so Cynogale Bennetti, deren Milchgebiss beschrieben wird.
Von Felis Pajeros ist der Schädel abgebildet; der erste obere Lücken-
zahn scheint mit dem Alter verloren zu gehen.
Über indische Viverren sind im Caleutta Journal of Na-
tural History, condueted by J. M’Clelland, mehrere Verhand-
Jungen gepflogen worden. A
Zuerst finden sich vom Herausgeber Vol. I. p. 56: „remarks on
an undescribed species of Civet.” M’Clelland hatte aus den Kasyah
Bergen ein Exemplar erhalten, das er von der ächten Viverra Zi-
beilia hauptsächlich dadurch unterscheidet, dass der Schwanz von 6
breiten schwarzen Ringen umlegt ist, während bei letzterer die
Ringe zahlreicher und unvollständig sind.
Von demselben Thiere spricht auch Hogdson in seinem Aufsatze:
„’on Ihe Civet of the continent of India, Viverrn orientalis, ho-
die melanurus” (1. c. 1. p. 47). Er bemerkt, dass er eine grös-
sere und kleinere Art aus dem Tarni und den Bergen von Nepal in
30
seinem Kataloge als Fiverra orientalis und Viverrula indica und
Rasse aufgeführt habe, wovon er die erstere mit der von W’Clel-
land gemeinten Art für identisch vermuthet und eine sehr ausführ-
liche Beschreibung von ihr entwirft, Wie er behauptet, bieten bei
allen sonstigen Abänderungen dieser V. orientalis s. melanura die
Schwanzringe einen beständigen Charakter dar, indem die Zahl 6
für diese constant ist; sie sind nach der Spitze hin allmälig brei-
ter, hellfarbig auf schwarzem Grunde, unten breiter als’ oben, aber
immer schmäler als die dunklen Zwischenräume, Auf 14, bis 2 Zoll
weit ist die Spitze stets schwarz. Oft ist der Körper ungefleckt und
selbst an Schultern und Schenkeln werden die Binden kaum bemerk-
bar. — Ob diese V. orientalis s, melanura wirklich von V. Zibetha
spezifisch abweicht, scheint Ref. keineswegs schon entschieden, da
letztere als theilweises Hausthier mancherlei Abänderungen, auch in
der Schwänzringelung, unterworfen ist. Gray’s Viverra undulata
istüberdies nicht wesentlich von jener Hodgson’schen Art verschieden.
Hodgson erwähnt weiter, dass seine grössere Art in den Ber-
gen so häufig als in der Ebene sei, während die kleinere nur in’der
Ebene gefunden werde. Die Zibethtasche fand er bei beiden gleich
stark entwickelt, ausserdem noch die gewöhnlichen 2 Analdrüsen.
Aus der kleinern Art errichtet er die Untergattung Viverrula,
weil die Drüsentasche nicht blos wie bei der Genette angedeutet,
sondern eben so vollständig als bei den grossen Zibethkatzen sei,
Da jedoch, wie Ref. bemerklich machen will, Cuvier keineswegs
Recht hatte, als er den Genetten blos eine seichte Tasche zuschrieb,
indem sie fast so vollständig als bei den Zibethkatzen entwickelt
ist, so fällt Hodgson’s Hauptmerkmal für seine Viverrula weg.
In demselben Journal (N. 5. April 1841. p. 57) beschreibt
Hodgson eine neue Viverre unter dem Namen. Pröonodon
Pardicator.
Das Gebiss kommt ganz mit Horsfield’s Formel von Prionodon
überein. Die Farbe ist orangefalb (orange buff) mit schwarzen
Flecken in 8 Quer- und 7 Längsreihen; Hals oben mit unregelmässi-
gen Linien. Unterseite ganz ungefleckt. Schwanz mit 8—9 voll-
ständigen Ringen. Körper über-16”, Schwanz 13—14”. In den
Worbergen des Himalaya, Betragen katzenartig, klettert geschickt,
zaubt kleine Säugthiere und Vögel.
In den niederl. Verhandelingen Zool. N. 5 ist auf Tab. 18 die Vi-
verra Boiei abgebildet worden.
Die Gattung Paradoxurus ist von Temminck in ei,
ner gründlichen Monographie bearbeitet, worden ‚(Mammal, AL
4. livrais. p. 312).
Von einer eignen grossen Sammlung, und ausserdem durch die
Beihülfe von Ogilby unterstützt, hat Temminck die Arten noch mehr
reduzirt, als es Ref. gethan hatte. Aus eigner Ansicht begründet er
31
7 Arten; 2 andere nimmt er auf Ogilby’s Autorität an; eine 3te be-
ruht nur auf einer Zeichnung. Diese Arten sind: 1) P. typus,
wozu T. auch Fiverra hermaphrodita und Platychista Pallasii zieht.
2)P.Musanga, von der er uns in 9 Varietäten eine viel grössere
Reihe von Abänderungen aufführt als bisher bekannt war, so dass
ich hierdurch veranlasst werde, meinen P. felinus als Art aufzuge-
ben, indem ich ihn in T. Var. E. erkenne. Zu P. Musanga rechnet
T. auch P. dubius, Crossü, Pallasii und Gray’s hermaphroditus, 3)
P. larvatus, wozu nach Ogilby auch P. laniger und Grayi gehören
soll, wogegen ich jedoch bemerken muss, dass Bennett bei seinem
P. Grayi den Schwanz länger als den Körper angiebt, während er
bei larvatus und laniger nicht viel über die Hälfte ausmacht. 4) P,
Bondar, hiezu P. Pennantü. 5) P. trivirgatus. 6) P.,leucomy-
stax. 7) P. binotatus (P. Hamiltonit). Auf Ogilby’s Autorität ferner:
8)P. leucopus und 9) P. philippensis, wozu T. Jourdan’s Amblio-
don dor& und Gray’s P. Jourdanii rechnet. Endlich 10) P.prehensi-
Dis, nur nach einer Zeichnung bestimmt. — In einem Anhange erklärt
T. Jourdan’s Hemigale zebra für eine ächte Viverra. 3 Tafeln stellen
Schädel und auch ein Skelet von Paradoxurus dar. Nicht aufgenom-
men ist in dieser Monographie Hodgson’s P. nipalensis, der von ty-
pus spezifisch abzuweichen scheint; Ref. hat überdies noch einen P,
annulatus aufgestellt.
Hamilton Smith hat in der Naturalist's Library von
Jardine, Mammalia IX. u. X, eine Monographie der Hunde
geliefert.
Zu seiner Abtheilung der Canidae rechnet er auch noch Hyaena
und Proteles. Die Hunde vertheilt er in 5 Untergattungen: 1) Chaon,
2) Canis, 3) Vulpes, 4) Agriodus (Otocyon), 5) Lycaon (Canis pi:
ctus), die grössern. wieder von diesen Untergattungen in Sektionen,
Diese Monographie ist reich an eignen Beobachtungen und mit gros-
sem, Fleisse gearbeitet, doch sind der Abtheilungen und Arten zu
viel, und Diagnosen werden daher sehr vermisst, Die meist gut ge-
zeichneten Abbildungen sind wie gewöhnlich in dieser Library ganz
ungenau colorirt, was freilich nicht dem Verf,, sondern dem Heraus-
geber zur Last fällt.
Gegen einige in vorstehender Monographie von: H. Smith 'ge-»
machte Angaben hat Hodgson im Calcutt. journ. 1841. p.205 Ein-
wendungen erhoben. Er negirt nämlich das Vorkommen wilder Pa-
ziars-Hunde im Himalaya, Vorhimalaya und.den Saul-Wäldern, be-
zweifelt es auch für das übrige Indien. Ehen so bestreitet er es,
dass in den erst genannten Gegenden Hyänen und Wölfe überhaupt
sich aufhalten, was dagegen in den Tiefebenen Indiens der Fall sei:
Auch läugnet er es, dass die Schakals eine andere Zahl von Zitzen
als Hund und Wolf besitzen, und berichtigt die Angaben über den
wahren wilden Hund von Indien (den Canis primaevus) dahin, dass
dieser einen wirklichen Fuchsgeruch und 14 Zitzen, also mehr als
32
die übrigen Arten, besitze. Für letzteren hat Hodgson eine beson-
dere Gattung Cuon errichtet, was freilich nicht nothwendig gewe-
sen wäre. — In demselben Journal (S. 209) lieferte CampbellNoti-
zen über das Skelet des Buansu (Canis primaevus), des Pariah-
Hundes und Schakals.
Über die 'nordamerikanischen Hundearten finden’ sich in
des Prinzen von Wied Reise in das innere Nordamer ika vor-
treflliche Mittheilungen.
Zunächst unterscheidet er (II. 8. 85 u. 95; I..8. 210) eine neue
Wolfsart als Canis variabilis von dem Wolf der östlichen Staa-
ten, der dem europäischen gleicht, ‚‚durch im Allgemeinen vielleicht
etwas geringere Grösse, kürzere dickere Schnautze, etwas kürzere
Ohren, durch den Mangel der bei C. Lupus an den Beinen hinablau-
fenden dunklen Streifen und durch seine, von der gewöhnlichen
grauen Wolfsfarbe bis in das rein Weisse abändernde Färbung, In
einem jeden Trupp dieser Thiere sieht man gewöhnlich ‘ganz, weisse
und fahle, auch mehr grau gemischte und gänzlich graue Individuen.”
Länge 3’, _ Gemein am obern Missuri.
Vom Canis latrans lieferte der Prinz in seiner Reise I, S, 96
eine hübsche Abbildung des Kopfes und eine ausführliche Beschrei-
hung des Thieres.
Demselben verdanken wir auch die Berichtigung des Irrthumes,
als ob der Kit-Fox (Cunis velox Say), wie es Richardson und
Ref. gemeint hatten, identisch mit dem C. cinereo - argenteus wäre.
Der Prinz weist genau nach, dass beide sehr verschiedene Arten
sind, und liefert uns die erste genaue Beschreibung des C. velox.
Dies ist der kleinste nordamerikanische Fuchs, auf der Oberseite
fahlröthlichgelb, die untern Theile weisslich, der Schwanz dem Kör-
per gleichfarbig, an der Spitze schwarz. Seine Heimath sind alle
Prairien des obern Missuri bis zu den Rocky Mountains.
Den €. fıelvus sieht der Prinz für besondere Art an. Von Town-
send’s Angabe, dass der europäische Fuchs am Columbia vorkomme,
meint er, dass die Beobachtung nicht Stand halten werde (Reise M.
S. 86, 98).
In der Oversigt over det K. Danske Videnskabernes Selkabs
Forhandlinger og dets Medlemmers Arbeider i Aaret 1840, ausgege-
ben 1841, bemerkt Lund, dass der von ihm sogenannte C. vetulus
mit ©. Corsac und velox eine eigene Untergattung bilden könne,
Über die Verbreitung des Canis lagopus hat E. v. Baer einen
eben so gründlichen als interessanten Aufsatz geschrieben (Bullet.
scient: publie par l’Academ. de Petersb. Tom. IX. p. 89). Thiene-
mann’s C. Isatis erkennt er so wenig als Ref. für verschieden von
€. lagopus an.
Über 2 russische Katzenarten gab Brandt ausführliche
Aufschlüsse ( Bullet. de Petersb, Tom. IX. p.34 u, 37);
33
Die eine hält er für Felis servalina Jard., von der er 3 Felle
aus Orenburg bekam, welche viel Aehnlichkeit mit der Wildkatze
zeigen, aber durch Färbung und kürzere Behaarung des Leibes und
Schwanzes leicht unterscheidbar sind. Die Ohren sind ziemlich lang,
und kurz gepinselt. Die Oberseite und die Aussenseite der Beine
ist schmutzig weiss, schwach bräunlich überlaufen, mit kleinen rund-
lichen oder länglichen Tupfen besetzt. Die Unterseite ist weiss.
Aufden Wangen zeigen sich 2 Querstreifen, am Nacken einige Längs-
streifen, am Vorderhalse 2 unbestimmte Querbinden; auf dem Rük-
ken kein Längsstreif. Die Füsse haben aussen Querbinden, die Soh-
len sind schwarz. Der Schwanz hat schwarze Ringe, die in der
untern Hälfte deutlicher sin, Am kleinsten Exemplare misst der
Körper 20”, der Schwanz 10”; am grössten misst der Körper 264”;
Jardine’s Exemplar nur 15”, müsste also schr jung sein, wenn es
hieher gehören sollte.
Nach einem aus dem Altai erhaltenen Exemplare von Fels Ma-
nul theilt Brandt ergänzende Bemerkungen zu Pallas’ Beschreibung
mit. Die sehr kurzen Ohren sind wie abgestutzt und unter den lan-
gen Wangenhaaren fast ganz versteckt. Die Haare sind überhaupt
länger und starrer als an der Wildkatze. Dem Rücken fehlen die
schwarzen Flecken und der Längsstreif von diesem ganz und gar;
die Hinterseite der Tarsen ist beim Manul rostfarben, bei der Katze
bräunlich oder schwärzlich, Derkurzen Ohren wegen, meint Brandt,
könnte man den Manul zum Typus einer eignen Untergattung Oto-
colobus wählen, was uns nicht gerade so nothwendig scheint.
In der vorhin angeführten Übersicht über die Verhandl. der dä-
nischen Akademie weist Lund die Verschiedenheit der Felis mitis
sowohl von F. macrura als F. pardalis nach.
Auf die zahlreichen Messungen der Blutkügelchen bei den Raub-
thieren und Beutelthieren von G. Gulliver kann hier nur aufmerk-
sam gemacht werden (Proceed. IX, p. 42 u. 49).
Pinnipedia. Nilsson’s Abhandlung: ‚Entwurf einer
systematischen Eintheilung und speciellen Beschreibung der
Phoken” ist von Dr. Peters übersetzt und in diesem Archiv
7. Jahrgang. I. Bd. S. 301. mitgetheilt worden.
Ausführliche Bemerkungen über den isländischen Utselur
von Hallgrimsson finden sich in Kröyer’s Naturh, Tidsskrift
(Isis 1841. S. 287).
Der Verf. zeigt, dass der Utselur mit Halichoerus Grypus iden-
tisch sei, beschreibt dessen Schädel und theilt verlässige Nachrich-
ten über seine Lebensweise mit. Auch bemerkt er, dass Thiene-
mann’s Phoca scopulicola keine neue Art sei, sondern wahrschein-
lich ein mit dem Knüttel erschlagenes Exemplar von Ph. variegata,
das durch Zerschmetterung des Kopfes unkenntlich geworden und
dessen dicke Lippen aus derselben Ursache entstanden.
Archiv Sf. Naturgeschichte, VII, Jahrg. 2. Bd, [9
34
Marsupialia.
Über diese Ordnung sind zwei monographische Bearbei-
tungen erschienen: 1) Marsupialia or Pouched Animals by
Waterhouse (Naturalist's Library. Mammal. XI. 1841) und
2) des Ref. Monographie der Beutelthiere in Schreber’s
Säugthieren (Heft 108 u. 109).
Waterhouse hatte den grossen Vortheil voraus, ein überaus rei-
ches Material untersuchen zu können. Nicht blos konnte er Alles
benutzen, was in den öffentlichen Museen Londons aufgespeichert
war, sondern es stand ihm auch Gould’s Sammlung mit ihren vielen
neuen Arten zu Gebote, und nicht blos hierauf sich beschränkend,
besuchte er zuletzt noch den Jardin des Plantes. Hierdurch wurde
seine Arbeit eine wahrhaft vergleichende, und auf diesem Wege
allein konnten die vielen Nominalarten auf ihren wahlen Bestand zu-
rückgeführt werden. Aus einem grossen Theil der von Geofiroy
und Desmarest gegebenen Beschreibungen konnte man entweder gar
nicht oder doch nicht mit Sicherheit die Art wiedererkennen; noch
weniger war dies mit den kurzen Notizen der Fall, welche Gray
und Ogilby in den Proceedings und Annals of nat. hist, in die Welt
hinaus schleuderten. Wenn es nun selbst Fr. Cuvier begegnete, in
den von Desmarest beschriebenen Arten sich nicht zurecht zu finden,
wenn die Londner Zoologen Nominalarten anhäuften, obschon sie
den Vortheil der unmittelbaren Vergleichung hatten, wie sollte da
der deutsche Zoolog in diesem Wirwarr sich zurecht finden? Wa-
terhouse hat daher der Wissenschaft einen überaus wichtigen Dienst
erzeigt, dass er es über sich nahm, in dieser Confusion aufzuräu-
men. Ganz abgesehen von den vielen neuen Arten, mit denen er
uns bekannt macht, liegt das Hauptverdienst dieser Arbeit in der
auf Autopsie begründeten kritischen Sichtung der bisher publizirten
Arten, und in der klaren und vollständigen Darlegung der auf solche
Weise gewonnenen Resultate. Waterhouse’s Monographie ist eine
der schätzbarsten Leistungen, mit welchen die Therologie im ver-
flossenen Jahre bereichert wurde, Auch die dazu gehörigen Abbil-
dungen sind sorgfältiger kolorirt als in den frühern Bändchen.
Mit unverhältnissmässig geringeren Vorlagen musste Ref. im
Schreber’schen Werke an die Bearbeitung der Beutelthiere gehen.
Zur Benutzung hatte er nur die hiesige Sammlung und die vor Wa-
terhouse erschienene Literatur, deren unerquicklicher Zustand auf
diesem Gebiete so eben erwähnt wurde. Weaterhouse’s Bearbeitung
kam ihm leider erst zu, als der Druck der seinigen vollendet war
und konnte sie daher nicht mehr benutzt werden. Die reichlichen
Nachträge und Berichtigungen, die dadurch nothwendig geworden,
wird Ref. am Schlusse der 3ten Abtheilung des Schreber’schen Sup-
plementbandes nachhringen.
35
Auf eine Familie der Beutelthiere beschränkt ist Gould’s
Monograph of the Macropodidae. Lond. 1841. Part. I, Imp.
fol. Preis 3 Guineen,
Ein Prachtwerk in ähnlicher Weise wie die bisher von Gould
gelieferten, an Schönheit und getreuer Auffassung keinem der übri-
gen nachstehend, sogar noch weiter ausgeführt, da es vollständige
Landschaften sind, in deren Vordergrunde sich die Thiere bewegen.
Die im vorliegenden 1sten Hefte enthaltenen Arten sind folgende,
worunter die mit * bezeichneten von Gould erst entdeckt sind:
Tab. 1. Macropus major, 2. M, laniger, 3. M. fraenatus*,
4. M. unguifer *, 5. M. robustus*.
Tab. 6. Petrogale brachyotis *.
Tab. 7”. Halmaturus Bennetti, 8. dorsalis, 9. manicatus*,
10. Billardieri, 11. Derbianus.
Tab. 12. Lagorchestes leporoides*.
Tab. 13. Bettongia rufescens, 14. penicillata.
Tab. 15. Hypsiprymnus Gilbertü*.
Von allen diesen Arten waren bisher nur Macropus major und lani-
ger abgebildet. Da Gould diese 'Thiere in ihrem Vaterlande beob-
achtete, kann er auch über ihre Lebensweise und Standorte Aus-
kunft geben. Sehr zu wünschen wäre es, dass die Beschreibungen
ausführlicher, nach dem Muster der von Daubenton und Pallas gege-
benen, behandelt würden, wozu Raum genug ist, indem die Charak-
teristik einer Art gewöhnlich nur mit einer Seite abgethan wird,
also die Rückseite eines Foliohlattes ganz leer bleibt. Wie wenig
solche kurze Angaben, wie Gould sie hinstellt, trotz der Beigabe
der Abbildungen, für alle Fälle ausreichen, davon wird Ref. gleich
nachher ein Beispiel anführen, Eine genaue Beschreibung kann jede
Abbildung entbehrlich machen, nicht aber umgekehrt. Ein anderer
Wunsch ist der, dass am Schlusse dieser Monographie die verschie-
denen Formen des Schädels und der Vorderzähne gehörige Berück-
sichtigung finden möchten, da von ihnen häufig bessere spezifische
Merkmale als von der wenig entschiedenen Färbung hergenommen
werden können.
Nach Anführung dieser beiden englischen Werke ist ‚es
unnöthig, der neuen Arten Beutelthiere, welche Gould in den
Proceed, von 4840 und in den Annals of nat. hist. VII. und
VIII. publizirte, noch besonders zu gedenken, da sie alle von
Waterhouse bereits aufgenommen, zum Theil auch schon in
Gould’s Monograph selbst reproduzirt sind. Erwähnt soll
nur die neugebildete Gattung Lagorchestes werden, welche
er erst in letztangeführtem Werke aufstellte.
Gould unterscheidet sie von Hypsiprymnus dadurch, dass ihr
Wohnort einen andern Charakter hat, die Muffel behaart, die Hände
[0
36
und Nägel kleiner, dünner und zarter als bei den andern Arten ge-
formt sind. Solche Merkmale berechtigen nach meinem Ermessen
höchstens zur Aufstellung einer Untergattung.
Über die Arten, welche Ref. in seiner Bearbeitung als
neu aufstellte — meist mit Zweifeln, da die vorliegenden Be-
schreibungen. bei ihrer Mangelhaftigkeit nicht leicht eine hö-
here Entscheidung zuliessen — kann er jetzt, nachdem Wa-
terhouse’s und Gould’s Monographien ihm vorliegen, mit mehr
Bestimmtheit sich äussern.
Das von ihm bei Perameles nasuta beschriebene Exemplar aus
der hiesigen Sammlung gehört nicht dieser Art an, sondern zu P.
obesula. Die Aufführung von P. Tucker: fehlt bei Waterhouse, —
Eine neue Art von Perameles, P. myosuros, hat Ref. seitdem er-
halten und in diesem Archiv VII. Jahrg. 1. Bd. S. 289 ausführlicher
beschrieben, zugleich weitere Bemerkungen über P. obesula mit- °
getheilt.
Phalangista felina des Ref. scheint als Art sich zu bewäh-
ren, da sie nicht in die Reihe der Farbenabänderungen, welche Wa-
terhouse von Ph. vulpina aufführt, passt.
Ob sein Halmaturus leptonyx mit H. Bennetti identisch ist,
darüber ist Ref. weder durch die neue Beschreibung Waterhouse’s
von letzterer Art, noch durch ihre Abbildung bei Gould zur defini-
tiven Entscheidung gelangt, da Beide über die Form der Hinterkral-
len, die an H, leptonyx so auffallend ist, das hartnäckigste Still-
schweigen beobachten; ja trotz der Aehnlichkeit in der Färbung,
Grösse und Zahnbau muss Ref, jetzt mehr als vorher auf der spezi-
fischen Verschiedenheit beider Arten bestehen, da Waterhouse und
Gould zu ihrem H. Bennetti den H. fruticus ziehen, von dem Ogilby
es als etwas ganz Besonderes hervorhebt, dass die Kralle an der
grossen Hinterzehe „‚short, round und blunt” ist, also ganz das Ge-
gentheil von dem, was bei H. Ieptonyx statt hat. — Dagegen habe
ich mich jetzt aus den vervollständigten Beschreibungen von Wa-
terhouse überzeugt, dass mein H.brachytarsus, wie ich es auch
vermuthete, mit H. rufiventer Ogilb. identisch ist. — Eben so er-
sehe ich nun aus Waterhouse’s detaillirter Beschreibung des H. Eu-
genii, dass mein H. nuchalis mit diesem übereinkommt; ob mit
dem von Desmarest, ist eine andere Frage, Auch bin ich damit ein-
verstanden, dass Fr. Cuvier’s H, Thetidis ebenfalls hieher gehört.
Noch ist einer allgemeinen Arbeit über diese Ordnung
zu gedenken: On the Osteology of the Marsupialia by R.
Owen (Transact. of the zool, Soc, U. 5. 1841. p. 379).
Der Text ist fast vollständig schon in den Proceed, 1838
(Part VI. p. 120) abgedruckt und gehört daher nicht mehr in den
Bereich dieses Berichtes, Neu sind die 4 Tafeln mit herrlichen Ab-
37
bildungen von Schädeln und des Skelets vom Wombat. Eine vor-
treffliche Arbeit.
Seit den eben aufgeführten grössern Arbeiten ist nichts
von Belang erschienen, als Mac-Leay’s Aufstellung einer
neuen Gattung Antechinus.
Er publizirte dieselbe in den Annals of nat. hist. VII. p. 241
und fügte eine Abbildung bei, die von der Zeichnung, welche der
Wundarzt Stuart gefertigt hatte, kopirt war. Da Mac-Leay das
Thier selbst nicht untersuchen konnte, so stellte er die Charakte-
ristik seiner neuen Gattung nach den Notizen des erwähnten Chirur-
gen auf. Schon im nächsten Hefte der Ann. aber berichtigte er (8.
337) seine erste Angabe von der Zahl der Zähne, indem die Ansicht
des Skelets ihm ergab, dass sie die nämliche wie bei Phascogale
sei, von welcher Gattung die neue sich indess noch dadurch unter-
scheide, dass die 3 seitlichen Schneidezähne, wie auch wieder die
Lückenzähne, von gleicher Grösse wären. Die Art nennt er Ante-
chinus Stuartii, und bezeichnet sie als ‚A. fulvus, abdomine ar-
tubusque subtus albescentibus; cauda fere corporis longitudinem ae-
quante. Long. tot. usque ad apicem caudae 9, unc.” — Nach des
Ref. Meinung ist Antechinus mit Phascogale zu vereinigen, und
die neue Art A. Stuart! wird wohl mit Phascogale flavipes
identisch sein, wenigstens giebt Waterhouse von letzterer Art an,
dass bei ihr der Unterschied zwischen den vordern und seitlichen
Schneidezähnen nicht so gross als bei Ph. penicillata sei, was zu
Antechinus stimmt.
Heron erwähnt in den Proceed. VIII. p. 59 eines Falles, wo
ein junges Känguru vor gehöriger Zeit den Beutel verlassen hatte
und nicht mehr zurückkonnte; es war nackt und unfähig sich zu be-
wegen. Es dauerte einige Stunden bis der Wärter kam, der das
halbtodte Junge mit sich nahm, ihm Milch gab und es zum Leben
brachte. Alsdann that er es wieder in den Beutel der Mutter, wo
es nach 5 Tagen vollkommen wohl sich befand und öfters die Nase
herausstreckte.
Von ihrer neuen Gattung Dendrolagus haben nur Schlegel
und Müller Abbildungen der Thiere, Schädel und Knochen der Ex-
tremitäten mitgetheilt, woraus ersichtlich ist, dass dieselbe der Ab-
theilung der Phalanger angehört.
Nachträglich ist noch der schönen Abbildungen von Beutelthieren
zu erwähnen, die im 4ten Hefte der Mammalia von Darwin’s Zoo-
logy enthalten sind, nämlich von Didelphys crassicaudata, elegans
und brachyura,
Rodentia.
Die unerhörteste Entdeckung im Laufe dieses Jahrhun-
derts hat ein Herr Popelaire de Terloo gemacht.
38
In einem Berichte an die Akademie zu Brüssel (Instit. 1841. p.
347) kündigt er die Zusendung zweier Skelete von weiblichen ,„‚Ron-
geurs-Castoriens” an, und bemerkt dabei, dass die Thiere die Ufer
der Gewässer von Chili bewohnen, die grösste Ähnlichkeit mit dem
Couia (Myopotamus) haben, dass Kopf, Pelz, Wickelschwanz,
schwimmhäutige Hinterfüsse und vollständige Schulterblätter sie eben
so sehr als ihr Aufenthalt im Wasser denselben annähern; aber —
und hier müssen wir uns, um diplomatisch genau zu berichten, des
Verf, eigener Worte bedienen — ‚mais ils en different par la posi-
tion des tetines, placees sur le dos, & six centimetres de la co-
lonne vertebrale, et par la presence, d’une poche composee interieu-
rement de replis cutanes, qui se trouve situee entre la vulve et
Panus, et communique avec la matrice par un canal qui peut se di-
later.” Wesmael, der diese Nachricht mittheilt, will zwar die
ganze Verantwortlichkeit dieses Berichtes auf den Verf. desselben
belassen, berichtigt auch dessen Irrthum hinsichtlich des dem Myo-
potamus zugeschriebenen Rollschwanzes, gleichwohl aber kann er
die Gelegenheit zur Errichtung einer neuen Gattung nicht unbenutzt
vorübergehen lassen, und beschenkt die unbenannten Thiere mit dem
Namen Mastonotus Popelurii. — Unsers Bedünkens ist man auf
solche Weise bereits im besten Zuge, die einäugigen Cyclopen, die
Völker, welche die Augen auf der Brust tragen, wie sie schon in
Münster’s Cosmographey abgebildet sind, und andere derartige Mon-
strositäten demnächst sammt und sonders aufzufinden.
Seiurina, Eine neue Art Eichhörnchen, Sceiurus
Delessertii, ist von P. Gervais aufgestellt worden (Re-
vue zool. 4841. p. 208; Instit. 1841. p. 171).
Zur Unterabtheilung Funambulus gehörig, olivengrün, indem die
Haare an ihrer Wurzel braun, und in der andern Hälfte schwärzlich
und gelb fein geringelt sind. Unterseite schmutzig gelblich; auf der
Mitte des Rückens die Anzeige von 3 kleinen, durch Olivenfalb ge-
trennten, braunen Längsbinden. 44” lang, Schwanz mit Haaren 5”,
Von den Nil-Gherries.
Eine zweite Art, Scedlurus stramineus, von Omatope
in Peru machte Gervais in der Zoolog, der Bonite p. 37.
tab. 9 bekannt.
Der Pelz ist ziemlich kurz, auf der Oberseite schwärzlich, mit
goldig strohgelben Enden; die Unterseite blass; die Füsse schwarz,
der Schwanz langhaarig, mehr buschig als zweizeilig. mit schwar-
zen, weisslich gelb geendigten Haaren. Länge 10”, des Schwanzes
11”. Das Weibchen hat 4 Paar Zitzen. Dieses Eichhorn erscheint
uns als der westliche Repräsentant des brasilischen Sc. Langsdorffi.
Ausserdem macht Gervais noch einige Bemerkungen über Sczurus
hippuris (von Malakka), Sc. Rafflesii (von Malakka), Se. favima-
nus (von Cochinchina) und Sc. aureiventer.
39
Uber die zwischen dem Ural und der Wolga vorkommen-
den Arten von Aretomys (im alten Sinne) hat Eversmann
ausführlich gehandelt (Bullet. de la Soc. imp. des naturalist.
de Moscou. 1840. p.26). Er unterscheidet 4 Arten, von de-
nen er sowohl ihre äussere Beschafienheit als Lebensweise ge-
nau beschreibt.
1) A. Bobae, supra fuscus (luteus, pilis apice nigris adumbra-
tus), subtus Juteo-ferrugineus; cauda 4 longitudinis corporis, apice
infuscafa.
2) A. fulvus (et leptodactylus) Licht.; A. fulvescenti-flavus,
dorso pilis longioribus apice nigris adumbratus; cauda 4 corporis
longe pilosa, ante apicem fascia lata nigra, summo apice albida. —
Dieser Ziesel (denn er, nebst den beiden folgenden, gehört zu Sper-
mophilus) misst 14”, der Schwanz mit Haaren überdies 4”. Von
Pallas als Citillus maximus monstrosus beschrieben.
3) A. undulatus Fisch., A. ferrugineo-flavicans, notaeo fu-
scescenti alboque transversim undulato (pilis basi flavis, medio fusco-
ferrugineis, apice albis); capite supra cinereo, lateribus ferrugineo;
cauda } corporis mediocriter pilosa, supra colore dorsi, subtus fer-
ruginea, apice albida. — 10— 11”, Schwanz 3”. Hiermit ist offenbar
der Spermophilus rufescens von Keyserling und Blasius identisch.
4) A. mugosaricus Licht,; A. flavicans, supra fuscescenti
subundulatus (pilis basi albis, medio ferrugineo-bruneis, apice fla-
vicantibus); gula alba, capite supra lateribusque flavo - ferruginosis;
orbita margineque auriculari albidis; cauda 4 corporis breviter pi-
losa, supra infraque ferruginosa, pilis longioribus albidis; plantis
denudatis albis. 6—8” Jang, Schwanz mit Haaren 12—16”’. Von
Pallas als Var. pygmaea aufgeführt.
In den Bullet. de Y’Acad. de Petersb. IX. p. 43 stellte
Brandt 2 neue Arten Ziesel aus dem Altai auf, denen er
den Namen Spermophilus Eversmanni und erylhrogenys gab.
a) Sp. Eversmanni, „cauda cum pilis fere 4 corporis longi-
iudine, pilosissima, fasciculata, supra basi fusco-flavescens, nigro-
mixta, in medio ferruginea, dein lateribus longitudinaliter nigro -fa-
sciata, pilis albo-terminatis. Aures vix paulo majores quam in Ci-
tillo. Colores, excepta cauda, ut inCitillo, sed corporis latera fer-
ruginea, Upgues Jongiores quam in Citillo.” Körper 9” 3’; Schwanz
mit Haaren 4” 5’, ohne Haare 3” 4”. — b) Sp. erythrogenys:
„eapitis lJatera usque ad aures alba, excepta macula ferruginea trian-
gulari infra oculos late albo-cinctos et alia minori, pariter laete fer-
zuginea supra oculos conspicua, Mentum, gula et guttur fere ad
pectus usque, pedum interior facies tota alba. Podaria albida.
Rostrum supra nares macula nigro-fusca. Cauda Citilli, sed paulo
pilosior, infra ferruginea, alho -terminata, supra ferrugineo -mixta,
40
pilis albo -terminatis.” Körper 8” 10”. — Ref. hat hierbei zu be-
merken, dass er unter andern altaischen Bälgen auch einen mit der
Etikette: Arctomys Eversmanni Brandt erhielt, der in allen Stük-
ken mit No, a. übereinkommt, nur dass die Seiten nicht rostfarben,
sondern gleich den Hals- und Kopfseiten, nebst der ganzen Unter-
seite, den Beinen und dem Augenringe weiss sind. Roströthlich ist
nur ein kleiner Fleck unterhalb des Ohrs, ein noch kleinerer und
mehr verwischter vor demselben, und ein dritter am Hinterbauch;
an der Vorderseite der Arme und der Hinterseite des Unterschen-
kels findet sich ein roströthlicher Anflug. Oberhalb der Nasenspitze
kommt ein dunkler Fleck vor. Dieses Exemplar trägt demnach Merk-
male von beiden Arten an sich, so dass diese vielleicht spezifisch
nicht getrennt werden sollten, worüber uns hoffentlich Brandt bald
genügende Aufschlüsse zukommen lassen wird.
Im 5ten Hefte der Zoologie von den Verhandelingen haben Schle-
gel und $. Müller bereits die Abbildungen von Sciurus ephippium,
modestus, melanotis, laticaudatus und ewilis, ferner von Pteromys
elegans geliefert.
Eversmann (a. a. O0. S. 55) machte auf die Unterschiede zwi-
schen dem amerikanischen und sibirischen Backenhörnchen auf-
merksam.
Waring, the Sqirrels and other animals or illustr. of the ha-
bits and instincts of many of the smaller british Quadrupeds. Lond.
1841. 16. 34 sh., ist mir nur dem Titel nach bekannt.
Maeropoda. Über die russischen Springmäuse theilte
Eversmann (a. a. O. 5. 40) seine Beobachtungen mit.
Zuerst beschreibt er eine neue Art als Dipus vexillarius mit
der Diagnose: D. supra pallide fulvus, subtus albus, lunula natium
alba; podaris 5-dactylis, auriculis longis; cauda graeili, corpore
longiore, apice floccosa: flocco lato disticho, dimidiam caudam 0c-
eupante, candido, basi atro. Von den Hochebenen zwischen dem
caspischen Meere und dem Aralsee, in 16 Exemplaren erhalten, die
sich alle durch ausnehmend langen, dünnen Schwanz und eine sehr
breite Fahne, welche über die Hälfte der Länge desselben einnimmt,
auszeichnen. Dem D. decumanus ähnlich, sind sie im Durchschnitt um
2” kleiner; dem D. Spiculum sind sie an Grösse und schlankerer
Gestalt so ziemlich gleich, auch in der Breite der Fahne, die aber
ums Doppelte länger ist als bei letzterem. Sehr verschieden ist je-
doch an diesen Exemplaren die Länge der Ohren. An 9 sind sie so
lang oder länger als der Kopf, an 3 nur halb so lang als der Kopf,
oder selbst kürzer, die übrigen sind Mittelstufen. — Ref. besitzt ein
langöhriges Exemplar von diesem D. vexillarius, und findet solches
von D. decumanus wie aulacotis verschieden.
Eversmann hält es für wahrscheinlich, dass D. decumanus mit
D. jaculus identisch sein möchte, da an der mittlern Wolga und am
Fr
nördlichen Jaik oder Uralfkiss, wo Pallas das Vaterland dieser Art
angiebt, blos D. decumanus vorkommt, Doch lässt er es dahinge-
stellt, ob nicht der weiter westlich von der Wolga oder dem Don
vorfindliche verschieden ist, was allerdings nach des Ref. Meinung
der Fall zu sein scheint.
Von Dipus Telum bemerkt Eversmann, dass er ihn nun auch
am östlichen Ufer des kaspischen Meeres und an der untern Wolga
gefunden hat.
Psammoryetina. Ref. hat in diesen Blättern (1842.
S. 1) nachgewiesen, dass Cfenodac/ylus hieher gehöre, und
eine ausführliche Beschreibung von CZ. Massonü mitgetheilt.
Von Pictet sind Observations sur quelques rongeurs
epineux du Bresil (Mem. de la Soc. de Physique et d’Hist.
nat. IX. I. 1841. p. 143) erschienen.
In einer sehr gründlichen Abhandlung weist er nach, dass Echi.
mys setosus Geoffr., E. cayennensis Geoffr. und Loncheres myosu-
ros Licht. zu einer Art gehören, wovon die beiden ersteren Jün-
gere Zustände, die letzte den erwachsenen Zustand bezeichnet. In
3 schönen lebensgrossen Abbildungen sind diese Nominalarten dar-
gestellt, ausserdem noch das Skelet mit einer Beschreibung desselben.
Derselbe gab eine ausführlichere Beschreibung als die bisher er-
schienenen von Echimys hispidus, zugleich mit einer weit genaueren
Abbildung als die von Is. Geoflroy. ;
Von Habrocoma hat Ref. in dieses Archiv (1842. S. 5)
eine ausführliche Beschreibung nach einem von Dr. Rüppell
zur Ansicht erhaltenen Exemplar eingerückt, und dieses mit
dem provisorischen Namen 4. helvina bezeichnet.
Ref. erkannte zwar dessen grosse Ähnlichkeit mit H. Bennettü
an, wagte es indess nicht, wegen Waterhouse’s Angabe von dieser:
„corpore supra griseo”, beide zu identifiziren, Nachdem nun aber,
nach langer Verspätung, erst in diesen Tagen das 4te Heft der Mam-
malia von Darwin’s Zoology eingetroffen ist, hat Ref. aus der hier
mitgetheilten Abbildung und Beschreibung ersehen, dass bei H. Ben-
nettii der Ausdruck griseus in einer unrichtigen Bedeutung angewen-
det wurde, indem die Oberseite des Körpers nicht grau (griseus),
sondern „‚dusky brown” ist. Demnach ist meine H, helvina mit H.
Bennettii identisch, wodurch meine Beschreibung indess nicht über-
Nüssig ist, als sie in mehreren Stücken die von Waterhouse ergänzt,
der von dieser Art weder Schädel noch Gebiss vor sich hatte.
Cunicularia. Nach langer Unterbrechung hat Water-
house seine lehrreichen Observations ou the Rodentia wie-
der aufgenommen und seine 6te Familie: Bathyergidae,
geschildert (Ann. of nat. hist, VII. p. 81).
42
Er theilt dieser Familie nur 2 Gattungen zu: 1) Bathyergus
mit 3 Arten: B. capensis, B. coecutiens Licht, (welchen er für iden-
tisch mit B. hottentottus und Ludwigii nimmt, was aber nicht rich-
tig ist), und B. damarensis; 2) Orycterus maritimus. Bef.
muss jedoch hierbei an Wiegmann’s sehr begründete Bemerkung
in diesem Archive I. 3. S. 337 erinnern, dass nämlich jene Gattung,
zu welcher Mus capensis gehört, richtiger den Namen Georhychus
fübrt, während der Mus maritimus als Bathyergus bezeichnet wird.
Auch hat schon Wiegmann nachgewiesen, und Ref. kann es nach
den hiesigen Schädeln bestätigen, dass beide Gattungen nicht, wie
es noch Waterhouse denkt, in der Zahl der Zähne verschieden sind.
Der Unterschied zwischen ihnen liegt lediglich in der Furchung der
Schneidezähne, in der Länge der Krallen und in der Form des Un-
terkiefers.
Da Ascomys und Geomys im Zahnbau und Schädelform ganz über-
einstimmen, schlägt Waterhouse in den Proceed. IX. p. 60 ihre
Vereinigung vor. Wie verhält es sich nun aber mit der Mündungs-
stelle der Backentaschen?
Unter den Thieren, welche sieh Cuming während sei-
nes Aufenthaltes auf Malakka verschaflte, war auch der Rhi-
zomys sinensis (Proceed. VIII. p. 62).
Seine Länge betrug 15”, des Schwanzes 6”, der Umfang hinter
den Schultern 8”. Das Thier lebt an den Bambuswurzeln, unter
welchen es gräbt; die Augen sind sehr klein und schwarz. — Eben-
falls von Malakka sind die Exemplare, nach welchen in der Zoolo-
gie der Bonite (S. 54. tab. 10 u, 11, fig. 1—3) die Dazatellune die-
ser Art entworfen wurde.
Eine neue Art beschrieb Hodgson im Caleutt. journ. 1841. p.
57 als Rhizomys badius: „Pelz durchgängig aussen clear bright
bay, innen dunkel schieferfarben; Schnautzenkuppe, Ohren, Pfoten
und Genitalregion nackt und fleischfarbig weiss. Ohren kurz, abge-
stutzt und unter dem Pelz verborgen. Körper 8”. Schwanz 25,
Ohr 4”, Im nördlichen Nepal, in gleichen Strichen mit den Murmel-
thieren, gräbt nicht, sondern hält sich an der Oberfläche auf.
Vom Schädel des Bathyergus splendens gab Waterhousea.a.
0. eine Abbildung, und bemerkt, dass er in den meisten Merkmalen mit
dem von Spalax übereinkomme u. diese Gattung mit Rhizomys verbinde.
Eine neue Art aus dieser Familie. beschreibt Evers-
mann als Georhychus luteus (Bullet. de la Soc. imp.
des Natural. de Mose. 1840. p. 25. tab. 2).
„6. totus lutescens, subtus pallidior, supra pilis apice fuscis
obscurior; oculis magnis, auriculis vellere brevioribus, plantis cau-
daque brevissima dense pilosis.” 5” 2’ lang, Schwanz 4”. Am
Aralsee, — Istaufkeinen Fall ein Georhychus, sondern wohl eher ein
Chtonoörgus; leider ist das Gebiss nicht beschrieben.
43
Mürina. Über‘ den Bau des Magens bei den schwe-
dischen Wühlmäusen hat Retzius sehr genaue Untersuchun-
gen angestellt (Müller’s Arch, für Anat. 1841. S. 403).
Der Magen von Hypudaeus amphibius ist in 2 Hälften getheilt,
wovon die grössere der Cardiasack ist. Der Pförtnertheil besteht
aus 3 kleineren Beuteln, von denen der grössere nicht blos sehr
dickwandig, sondern auch innen mit einer eigenthümlichen Drüsen-
bildung versehen ist: mit dem Vergrösserungsglase sieht man die
innere Fläche von feinen Löchern besetzt, die unter dem Mikroskop
sich als kleine Gruben zeigen, in deren Grunde sich noch feinere
Löcher öffnen, die in feine, den Drüsenbau bildende Röhrchen füh-
ren. Solche, aber sehr kurze Follieuli finden sich auch, in den bei-
den andern Säcken des Pförtnertheils. Die Speiseröhre bildet nach
innen am Cardiasack eine Rinne wie bei den Wiederkäuern. Das
Epithelium der Speiseröhre setzt sich bis in den Pförtnertheil fort.
Auch eine, der Haube der Wiederkäuer entsprechende Abtheilung ist
angedeutet. — Der Magen von Hypudaeus arvalis gleicht dem vori-
gen in der äussern Form sehr; im Innern kommt die Merkwürdig-
keit vor, dass das Epithelium der Speiseröhre, mit Ausnahme des
Drüsenbeutels, den grössten Theil des Pförtnersacks bis in den
Pförtner bekleidet. — Der Magen des Lemmings zeichnet sich durch
ausnehmende Dünne, einen kleinern Cardiasack, eine Tapezirung
von festem Epithelium, welche auf den Cardiasack beschränkt ist
und eine schwache Drüsenbildung aus,
Der Gattung Mus ist eine neue europäische Art, Mus
leucogaster genannt, von Pictet (Mem. de la Soc. de
Phys. et d’Hist. nat. IX. 4. 1841. p.153) zugefügt worden.
Der Grösse und Zahl der Schwanzringe nach kann sie nur zu
den Ratten gezählt werden, unterscheidet sich aber von den 3 an-
dern einheimischen, dem M, decumanus, rattus und tectorum gleich
dadurch auffallend, dass ihre Behaarung weich und gleichförmig und
nicht mit Jangen einfarbigen und starreren Haaren untermengt: ist.
Die Ohren sind gross und nackt, oder nur mit kaum sichtlichen Här-
chen beflogen. Der Schwanz ist so lang als der Körper, aus 250
bis 260 Schuppenringen bestehend, oben mit kleinen schwarzen, un-
ten mit graulichen Härchen bekleidet; Schwanzwirbel sind 36 vor-
handen. Die Farbe der Oberseite ist falb mit Grau gemengt, indem
die einzelnen Haare an der Wurzel grau, im grössern Theil ihrer
Länge falb und schwarz zugespitzt sind. Die Unterseite ist abge-
schnitten umd rein weiss. Körper 6”, Schwanz 6” 3’, Ohren 10”.
Über die Form des Zwischenscheitelbeins, das bei den Ratten so
charakteristisch ist, ist nichts gesagt. Diese Maus findet sich in den
Waldungen am Mont Saleve und in der Commune des Eaux - Vives
bei Genf, wo sie auch in die Häuser und Keller dringt. Mit Farben-
abänderungen von M., rattus hat sie die meiste Ähnlichkeit.
44
Über den in Zaisenhausen vorgekommenen Rattenkönig, von
dem im öten Jahresbericht des Mannheimer Vereins für Naturkunde
(1838) die Rede war, ist im Sten Jahresberichte (1842) auch das
Zeugniss seines Besitzers, des Dr. Wilhelm in Eppingen beigebracht
worden. Derselbe attestirt, dass er „im Frühjahr 1837 von Herrn
Pfarrer Doll in Zaisenhausen einen Rattenkönig aus 12 mit den
Schwänzen bis an den Steiss verwickelten, beinahe ausgewachsenen
und wohlgenährten Ratten erhalten, und denselben an den nun
verstorbenen Geh. Rath Gmelin in Karlsruhe geschickt habe,”
Mus minutus ist von Steenstrup mit seinen Nestern auch in Jüt-
land gefunden worden (Isis 1841. 8. 425).
Eine merkwürdige neue Gattung, Oricetomys, wurde
von Waterhouse (Proceed. VIII. p. 1; Ann. of nat. hist. VI.
p- 220) aufgestellt.
In der Zahl und Beschaffenheit der Zähne, so wie in der Schwanz-
forn kommt sie mit den Ratten überein, hat aber innere Backenta-
schen wie der Hamster. Die Art heisst ©. gambianus; der Kör-
per misst 16”, der Schwanz 15”. Vom Gambia -Flusse.
Eine neue Baummaus, Dendromys melanotis, be-
schrieb A. Smith (Ilustr. of the Zool. of South Afr. n. 14.).
„D. supra cinereus rufo-tinetus, infra griseo-albus; linea lon-
gitudinali nigra, inter scapulas et basin caudae, in medio dorsi; ma-
cula parvula alba infra aurem, et una ante oculum nigra.” Körper
3”, Schwanz 2}”. Im Osten der Kapkolonie. Von dieser Art ist
zugleich mit D. typieus auf Tab. 34 die Abbildung gegeben. Von
letzterer Art, so wie von meinem D. pumilio habe ich ebenfalls eine
Abbildung in der Fortsetzung von Schreb. Tab. 206. A. mitgetheilt.
A. Smith unterscheidet eine Gattung Otomys von der
gleichnamigen Fr. Cuviers, und beschreibt eine Art Ofomys
albicaudatus (Mlustr. n. 14. tab. 33).
Er bemerkt, dass er schon im South African Quart. Journ. 1834
eine Gattung Otomys aufgestellt habe, die ganz verschieden von der
gleichnamigen Fr. Cuvier’s ist, welche letztere mit Euryotis syn-
onym ist. Aus der Beschreibung der Zähne ist mir nicht ganz klar
geworden, ob diese Smith’sche Gattung Otomys identisch mit der
von mir als Mystromys bezeichneten ist, doch scheint es nicht ganz
unwahrscheinlich zu sein. Wie dem auch sei, auf jeden Fall ist
Otomys albicaudatus von meinem Mystromys albipes, den ich nun in
der Schreb. Fortsetz. Tab. 176. A. abgebildet habe, spezifisch ver-
schieden. — Die Diagnose von diesem Otomys albicaudatus lautet:
„© supra bruneo- griseus, profunde bruneo - penicillatus, infra sor-
dide subeinereus, cauda ferrugineo-alba; pilis versus radicem schi-
stosis; oculis profunde bruneis, auribus magnis.” Körper 5" 9”,
Schwanz 2”. Der generische Name Otomys ist der Zweideutigkeit
wegen auf jeden Fall zu beseitigen.
45
Lichtenstein hat der Gattung Zuryotis 2 neue Arten zu-
gefügt; E. obscura und lanuginosa.
Dieselben sind kurz charakterisirt im Verzeichniss einer Samml,
von Säugth. u. Vögeln aus dem Kaffernlande. Berl. 1842, S. 10: 1)
Euryotis obscura; nigrofusca, abdomine griseo, cauda longitu-
dine trunci. Longit. corp. 5 poll., caud. 4. 2) Euryotis lanu-
ginosa; vellere mollissimo, canescenti-griseo, abdomine cano;
cauda quartam corporis partem aequans. Longit. corp. 6 poll,,
cauda 1}.
Die beiden Pallas’schen Arten Meriones tamaricinus und
meridianus sind neuerdings von Eversmann im Bullet. de
Mosc. 1840. p. 48 wieder zur Sprache gebracht worden.
An 16 Exemplaren, welche Eversmann mit dem Pallas’schen M.
tamaricinus zu vergleichen Gelegenheit hatte, fand er erhebliche
Differenzen mit der Pallas’schen Beschreibung von M. tamarieinus,
so dass er ungewiss ist, ob er letzteren vor sich hat. Aus seiner
ganzen, sehr ausführlichen Schilderung, die nur der Backenzähne
nicht erwähnt, geht hervor, dass seine Exemplare zu meinem Rhom-
bomys pallidus gehören, von dem ich neuerdings ein zweites Exem-
plar erhalten habe, das mit dem ersten ganz übereinkommt.
Die von Brandt aufgestellte Gattung Yolochilus, welche
dieser blos nach der Beschaffenheit der Oberlippe charakteri-
sirt, hat Ref. durch Erörterung des Zahnbaues im Archive
1842. S. 14 noch weiter begründet, und zugleich eine neue
Art, von ihm 4. Sciureus benannt, beschrieben.
In dem 4ten Hefte der Mammalia von Darwin’s Zoology
stellte Waterhouse die Gattung Zesperomys auf, wobei er
bemerkt, dass während alle altweltlichen Arten der Gattung
Mus das Gebiss von M. Rattus aufzuweisen haben, er dage-
gen unter den ursprünglich südamerikanischen Arten nur eine
einzige, den Mus maurus, mit diesem Charakter gefunden
hätte. Auch von Nordamerika kennt er 7 Arten mit dem Ge-
biss der südamerikanischen Mäuse. Diese alle vereinigt er in
die Gattung Hesperomys, die in der Form des Schädels und
des Unterkiefers auch durch das Vorhandensein von Wurzeln
an den Backenzähnen mit den ächten Mäusen übereinkommt,
aber durch die Form der Backenzähne sich unterscheidet,
Auffallend ist es Ref. hiebei gewesen, dass Waterhouse der von
ihm schon früher unter den südamerikanischen Mäusen errichteten 5
Gattungen (Scapteromys, Oxymyeterus, Habrothrix, Calomys und
Phyllotis) gar nicht mehr gedenkt, hier so wenig als in der später
erschienenen Tabelle über die geographische Verbreitung der Nager,
46
in welcher er blos die Gattungen Mus, Hesperomys, Reithrodon,
Sigmodon und Neotoma unter den amerikanischen Muriden aufzählt.
Es scheint demnach, als ob Waterhouse die vorhin erwähnten Gat-
tungen ganz annullirt hätte, doch könnten einige, meines Bedünkens
nach, wohl als Untergatiungen von Hesperomys belassen werden.
Dies gilt wenigstens von Calomys, hauptsächlich aber von Holochi-
Zus, wo die Bildung der Oberlippe wie der Backenzähne gute, fast
generische Merkmale abgiebt. Zu Holochilus gehört dem Zahnhau
nach auch Waterhouse’s Mus Dbrasiliensis; aus diesem Umstande
schliesst Ref. wohl mit Recht auf gleiche Bildung der Oberlippe,
worüber der englische Zoolog keine Auskunft gegeben hat, Noch
erinnert Ref., dass die Zahl der ächten Mäuse in Südamerika grös-
ser ist als Waterhouse meint, da die hiesige Sammlung % unbe-
schriebene Arten von Mus aus Bahia besitzt.
Eine sehr ausführliche Beschreibung mit Abbildungen von Phloeo-
mys Cumingü findet sich ia der Zoolog. der Bonite (p. 43. tab. 7.
n. 8.). Ebendaselbst (8. 51) bezeichnet Gervais einen Mus ru-
pestris, jedoch nur nach einem in Bolivia gefundenen Schädel, dessen
Gebiss sich sehr dem von Waterhouse’s Mus obscurus annähert,
Die Wühlmäuse (Hypudaeus s. Arvicola) sind Gegenstand
mehrerer Arbeiten geworden.
Von der Schermaus (AH, terrestris) hat Ref. in diesen Blät-
tern (1842. 8. 21) eine ausführliche Beschreibung mit Vergleichung
der gewöhnlichen Wasserratie geliefert, um zu zeigen, dass zwi-
schen beiden keine spezifischen Differenzen, sondern nur lokale Ver-
schiedenheiten obwalten, Wenige Tage, nachdem diese Beschreibung
zum Drucke abgeschickt war, traf dahier von den M&m. de V’Acad. de
St. Petersb. Tom. IV. 3e et 4e livr. 1841. ein, wo 8. 333 zwei höchst ge-
naue Beobachter, GrafKeyserling u, Prof,Blasius, sich über den
nämlichen Gegenstand aussprechen. Arvicola terrestris Bonap. er-
klären sie für einen jungen A. amphibius; die beiden Arten von
Schinz haben sie nach. Original-Exemplaren ganz identisch gefun-
den; die Trennung der Orbitalleisten des Stirnbeins bei A. terresiris
beweise nur die Jugend desselben, womit Ref. übereinstimmt. In
A. monticola und destructor sehen sie nur mehr oder weniger ge-
Jungene Darstellungen von Mus amphibius.
Zugleich stellen dieselben Zoologen a. a. 0, 8.319 (früher schon
im Bullet. de Acad. de Peterb. IX. p. 33) eine neue Art auf, Ar-
vicola ratticeps, von der sie zu Welikji- Ustjug im Gouverne-
ment Wologda ein lebendes Exemplar erhalten hatten. Als spez.
Charaktere heben sie folgende hervor: Oberseiten dunkelbraun, mit
einem Stich ins Roströthliche; Unterseiten grauweiss, deutlich abge-
setzt. Schwanz zweifarbig, mehr als i der Körperlänge. Füsse
und Zehen schwärzlichgrau. Ohr von halber Kopflänge, durch den
Ohrdeckel fast ganz verschliessbar. Zwischenscheitelbein jederseits
in eine schräg nach hinten gerichtete, hinter der Mitte der Länge aus-
47
laufende Spitze ausgezogen. Im Unterkiefer der 1ste Backenzahn
mit 7 Prismen, von denen die beiden ersten miteinander verschmol-
zen und nach aussen abgerundet sind; im Oberkiefer der letzte
Backenzahn mit 6 Prismen, von denen der letzte nach aussen und
innen eine scharfe Längsleiste zeigt. Körper 4” 9”, Schwanz 1”
10”, Ohr 65”, Die Beschreibung ist ein Muster von Vollständigkeit
und Genauigkeit, zugleich auf alle verwandten Arten Rücksicht neh-
mend und schätzbare Bemerkungen über diese mittheilend.
Über die britischen Wühlmäuse legte Jenyns in den
Ann. of nat. hist, VII. p. 268 vortreflliche Beobachtungen vor,
Am Wichtigsten ist der Nachweis, dass Thompson’s Arvicola
neglecta aus Schottland eine selbstständige, von A. arvalis wesent-
lich verschiedene Art ausmacht. Zur Unterscheidung beider Arten
stellt Jenyns folgende Diagnosen auf. 1) A. arvalis, „Körper 4”,
Ohren aus dem Pelz vorragend; Farbe oben röthlichbraun, unten
graulichweiss, die Haare bisweilen an den Wurzeln dunkel.” — 2)
A. neglecta. Körper 5 oder 54”, Pelz lang, ganz die Ohren ver-
deckend; Farbe ohen röthlichbraun, unten weisslich, mit einem gros-
sen Theil der Haare von der Wurzel an aufwärts dunkel.” — Aus-
serdem kommen noch Bemerkungen über A. amphibius, arvalis und
rubidus vor.
Selys-Longchamps weist im Instit. 1841, p. 404 nach,
dass Linne’s Mus agrestis von M. arvalis spezifisch verschie-
den und wahrscheinlich mit A. neglecta identisch ist.
Nach einem von Sundevall erhaltenen Exemplare scheint ihm Mus
agrestis das Mittel zwischen M. arvalis und rubidus zu halten. Von
ersterem unterscheidet er sich 1) durch viel beträchtlichere Grösse;
2) durch verhältnissmässig längern Schwanz, der wie bei A. rubi-
dus zweifarbig, aber nicht so lang als von letzterem ist; 3) durch
schwärzliche, mit langen röthlichen Haaren bekleidete und durch den
Pelz fast verdeckte Ohren; 4) durch graue, aber behaarte Füsse mit
längern Zehen; 5) durch die Farbe, die oben erdig dunkelbraun,
fast wie bei A. amphibius, und unten grau ist. Hieher rechnet $,
Longceh. A. neglecta, dann den bei der 'Turiner Versammlung be-
schriebenen A. Baillonii, ferner Mäuse aus der Pikardie und Holland,
In den Prairien am Missuri fand der Prinz von Wied (Reise
11. 8. 99) eine Maus auf, der er den Namen Hypudaeus leuco-
gaster heilegte. Die Oberseite ist röthlichgrau (die Haare grau
und an der Spitze röthlich), wobei das Graue am Rücken, das Röth-
liche an den Seiten vorherrscht. Die ganze Unterseite mit den Füs-
sen schön rein weiss, Nasenkuppe und Sohlen fleischfarben; der
Schwanz oben dem Rücken gleichfarbig, unten weiss. Körper 4”
10”, Schwanz 13”, Ohrhöhe an der Scheitelseite 3} Linien.
Von Dipus Mitchellii auf Neuholland hat es sich jetzt
ausgewiesen, dass er keineswegs zu den Springmäusen , 'son-
48
dern zu den eigentlichen Mäusen gehört, da Gebiss und Schä-
delform mehr mit diesen als mit jenen übereinkommt. Vergl,
Ogilby in den Proceed. VII. p. 151.
Vielleicht schliesst sich hier an die von E. Gray neu
aufgestellte Gattung Dipodomys aus Mexiko, der zur Zeit
kein fixer Platz angewiesen werden kann, da die Beschaffen-
heit ihres Schädels und Gebisses unbekannt ist. Es ist eine
sehr merkwürdige Gattung, da sie mit der Gestalt und Fär-
bung der Springmäuse die auswärts geöffneten Backentaschen
der Goffer verbindet. (Ann. of nat. hist. VII. p. 521).
Die Gattungsmerkmale sind nach Gray: „Körper mit weichen
Haaren bedeckt. Kopf mässig mit grossen, äusserlich an den Wan-
genseiten geöffneten Backentaschen. Ohren und Augen ziemlich
gross. Vorderbeine kurz; hintere Tarsen lang und schlank; Hin-
terfüsse sehr lang; Sohlen mit Haaren besetzt; Zehen 5—4. Schwanz
viel länger als der Leib, mit kurzen Haaren besetzt, am Ende mit
einem ausgebreiteten Pinsel. Obere Schneidezähne vorn ausgehöhlt.”
— Die Art heisst D. Phillipii; Körper 5”, Schwanz 64”, Hinter-
fuss 11”.
Castorina. Freih. v. Hogguer theilte in. seiner in-
teressanten Reise nach Lappland und dem nördlichen Schwe-
den einige Bemerkungen über den Biber in den Lappmarken
mit (S. 194).
Ein Biberbau, den er untersuchte, hatte einen Durchmesser von
12 und eine Höhe von 10 Fuss. Das erste Stockwerk, im Niveau
mit dem Wasser, hatte 3 förmliche Abtheilungen oder Zimmer; die
beiden anderen Stockwerke nur 2.
Acuteata, Zur Kenntniss der bisher ziemlich un-
sicher gebliebenen Aystrix macrura gab Gervais Beiträge
in der Zoologie der Bonite p. 60. tab. 14. fig. 4—6.
Er unterscheidet sie von Hystrix fasciculata, zu welcher letz-
teren auch Fr. Cuvier’s Acanthion Daubentonii und javanicum gehört.
Wirbel zählt er: 15 Rücken-, 5 Lenden-, 3 Kreuz- und 22
Schwanzwirbel.
Duplieidentata, Der Gatttung Lepus sind 2 neue
Arten aus Asien zugefügt worden.
Hodgson beschreibt im Journ, of the Asiat. Soc. of Bengal IX.
p. 153 (Ann. of nat. phil. VIM. p. 231) diese beiden Arten als Lepus
macrotus und olostolus. — Von L. macrotus giebt er als spezifische
Merkmale an: ‚‚Ohren schwarz zugespitzt, länger als der Kopf.
Farbe satt zimmtroth, oben mit Schwarz schattirt; Schwanz oben
mit den Keulen gleichfarbig; Kopf unten und Unterleib rein weiss.
49
Grösse geringer als von L. timidus”, Körper 18—20”, Ohren 5”.
Bewohnt die Ganges-Ebene und die Vorberge des Himalaya. Frü-
her nannte Hodgson diese Art L. indieus.
Der L. oiostolus (früher oemodius benannt) bewohnt nach
Hodgson die Schneeregionen des Himalaya und Tibet. Neuerdings
hat Waterhouse (Ann. of nat. hist. VIII. p. 226) eine sehr genaue
Beschreibung dieses Hasen unter dem Namen L. tibetanus ge-
£eben und als Diagnose aufgestellt: ‚‚L. einereus, pilis flavescenti-
albo nigroque annulatis, abdomine albo; pedibus supra sordide albis,
subtus sordide flavescenti-fuscis, pilis densis indutis; cauda mediocri,
alba, supra nigricante; auribus longis, ad apicem nigricantibus;
nucha sordide alba, indistincte fulvo-lavata,” Körper 18”, Schwanz
44, Ohr 44”.
Heretieu berichtete in der Rev. zool. 1841. p. 33 über einen
vom Melanismus befallenen gemeinen Hasen, der auf der Oberseite
tief schwarz war, was an der Unterseite, der Innenseite der Beine
und unter dem Schwanze allmälig ins Schwarzgraue überging,
Edentata.
In seiner Monographie der Marsupialien stellte Waterhouse
die Sporenthiere (Tachyglossus und Ornithorhynchus) mit den Beu-
telthieren zu einer Ordnung, was anatomisch allerdings zu billigen
ist; doch müsste alsdann dieser Ordnung ein anderer Name gege-
ben werden.
Owen beendigte im 3ten Hefte von Part. I. der Darwinschen
Zoology (Abtheil.: Fossil Mammalia) die Beschreibung des Mylo-
don Darwinii und begann die des Scelidotherium leptoce-
phalum, einer dem Megatherium und Orycteropus verwandten Gat-
tung. Die Überreste dieser beiden Edentaten sind in herrlichen Ab-
bildungen (tab. 18— 27 ) anschaulich gemacht,
Dass dem Orycteropus capensis die Schilddrüse nicht fellt, wie
es in Jäger’s Dissertation angegeben war, sondern sehr schmal,
wurmförmig, etwa 1 Zoll lang und olıne Isthmus ist, findet sich in
der unter Rapp’s Präsidium erschienenen Inaugural-Dissertation
über die Schilddrüse von Bopp erwähnt.
Solidungula,
Col. Smith’s Natural History of Horses, den 12, Band-
der Mammalia in der Naturalist’s Library ausmachend, ist zwar
angezeigt, uns aber dahier noch nicht zugekommen.
Eversmann’s Bemerkungen über den Wildesel, die ich
im vorigen Berichte nur kurz anführen konnte, vermag ich
jetzt, wo uns die Bullet. de Mose, von 1840 zugekommen,
ausführlicher mitzutheilen,
Aus der Hochsteppe zwischen dem kaspischen Meere und dem‘
Aralsce sind mehrere Exemplare des Kulans (Equus Asinus Onager)
Archiv 1. Naturgeschichte, VIN, Jahrg. 2. Bd, D
50
nach Orenburg gebracht worden, von wo E. ein Fell zum Ausstopfen
erhielt. Der Querstreif über die Schulter fehlte allen; die Ohren sind
an seinem ausgestopften Exemplar nur wenig grösser als Pferde-
ohren. Für den Onager haben, wie E. bemerkt, die Kalmücken oder
mongolischen Stämme keine besondere Benennung, die Kirgisen oder
tatarischen Stämme keine für den Hemionus. Letzteren nennen die
Mongolen Dshiggetei (richtiger Tschikitei); die Kirgisen den Ona-
ger Kulan. Zuletzt wirft E. die Frage auf, worin eigentlich der
spezifische Unterschied zwischen Hemionus und Onager bestehe,
Ref. kann hierauf nur mit den Worten von Pallas antworten: bei
ersterem ist der Schwanz noch kahler, die Ohren kürzer, der Ha-
bitus mehr pferdeartig, die Färbung anders und der Querstrich, der
gewöhnlich bei wilden Eselshengsten über der Schulter sich findet,
fehlt. Jedenfalls gehören die neuerdings von Is. Geoflroy und Sy-
kes als E. Hemionus beschriebenen Thiere nicht dieser Art, sondern
nach ihrer Färbung dem Onager an, Über beide Arten hat Ref. im
VI. Theile von Schreber’s Säugthieren Alles zusammengestellt,
was in der Literatur über sie vorlag.
Pachydermata.
Schlegel und $S. Müller haben in den Verhandlingen n. 5 auf
tab. 32 vortreflliche Abbildungen von den Schädeln des Sus verruco-
sus und vittatus mitgetheilt.
Aus dem Eocene Sand zu Kysson in Suffolk, der die Überreste
von Affen, Fledermäusen und Beutelthieren geliefert hatte, erhielt
R. Owen neuerdings mehrere Backenzäühne von Ayracotherium Cu-
niculus (Ann. of nat. hist, VII. p. 1.). Von Hyotherium unterschei-
det nun H. v. Meyer 3 Arten: H. Soemmerringü, medium und Meiss-
neri (Zeitschrift f. Min. 1841. S. 104).
Über die Art und Weise, wie Flintenkugeln und andere fremde
Körper im Elfenbeine der Stosszähne des Elephanten eingelagert
sind, legte Goodsir seine Bemerkungen der K. Societät in Edin-
burg vor (Instit. 1841. p- 235).
Einen kurzen Bericht über die in Saint Louis am Missuri aufbe-
wahrten Überreste von Mastodonten (Missurium) und anderen Thie-
ren stattete Horner ab (Instit. 1841. p. 318).
M. v. Olfers in seiner Abhandlung über ‚die Überreste vor-
weltlicher Riesenthiere in Beziehung zu ostasiatischen Sagen und
chinesischen Schriften”, handelt zuerst vom Mamuth (Mamont) und
zeigt dann, dass die älteren Werke der Chinesen bis zum Anfange
des 18ten Jahrhunderts von diesem nichts wissen, dass das Fen-
schü u. s. w., welches diese ältern Werke beschreiben, zunächst
den Maulwurf, sodann aber auch ein grosses Wühlthier bezeichnet,
das in den Gebirgsgegenden östlich vom Hoang-ho leben soll und
dem vielleicht ein noch lebendes Thier zum Grunde liegen könnte, dass
endlich der Name Fen-schü u. s. w. auf den Mamuth übertragen wor-
51
den sei. v. Olfers glaubt aber auch in chinesischen Schriften Nach-
richten über einheimische fossile Knochen zu finden.
Ruminantia.
Beiträge zur Kenntniss des Baues der innern Weichtheile
des Lama (Auchenia Lama) von J. F. Brandt (Mem. de
l’Acad, de Petersb. IV. 5elivrais. 1841. p. 1— 78 mit 17 Taf.).
Im Lustschlosse Zarskoje-Sselo werden schon seit vielen Jah-
ren Lamas gehalten, die sich dort auch fortpflanzen. Von diesen
erhielt Brandt 4 Exemplare, die er zur Untersuchung des innern
Baues benutzte, über welchen, auch nach der unter Rapp’s Präsi-
dium erschienenen vortrefilichen Dissertation von Christen, noch
viele Aufschlüsse zu geben waren. Mit grosser Ausführlichkeit sind
die Organe der Ernährung, Respiration, Absonderung und Fortpflan-
zung und das Gehirn beschrieben, und auf 17 gut ausgeführten Ta-
feln bildlich dargestellt. Die weiblichen Geschlechtsorgane sind hier
zum erstenmale geschildert. Der Euter hat 4 deutlich entwickelte
Zitzen. Während die Kameele keine Spur von Klauendrüsen zeigen,
sind sie dagegen bei dem Lama vorhanden. Man sieht nämlich bei
ilım sowohl an den vordern als hintern Füssen auf der Mitte der
Vorderfläche der zwischen den Zehen gelegenen Haut eine längliche
haarlose Stelle. Äusserlich bemerkt man auf dieser kahlen Stelle
eine dünne Lage einer hellbräunlichen, eigenthümlich riechenden
Masse, die im frischen Zustande etwas schmierig ist, bald aber er-
härtet. Entfernt man sie, so sieht man eine Menge kleiner Oeffaun-
gen, Mündungen von Drüschen. Nach innen unter jeder der erwähn-
ten kalılen Stellen zeigt sich eine ihnen an Gestalt ähnliche, aber
etwas schmälere und kürzere Lage von Drüsen, welche durch jene
Mündungen ihren Inhalt ausleeren.
In der Versammlung zu Glasgow theille Danson einige Bemer-
kungen über die Nutzbarkeit des Alpakas mit, und führte an, dass
im Jahre 1839 in England für eine, und 1840 für 3 Millionen Pfund
Wolle von diesem Thiere eingeführt worden sci (Report of the Brit,
Associat. 1841. 2. p. 131).
Nach Gräberg (Isis 1841. S. 644) ist der gegenwärtige Stand
der Kamecle zu San Rossore bei Pisa 171, Das höchste Alter ist
31 Jahre.
Von einem neuen Bisamthiere, Moschus aquaticus, gab
Ogilby in den Proceed. VII. p. 35 und IX. p. 68 eine kurze Notiz.
Ia der Grösse stelt es in der Mitte zwischen M. moschiferus und
meminna, was aber am merkwürdigsten ist, ist seine Heimath: Sierra
Leone, indem bisher alle ächten Moschusthiere aus Asien kamen. —
Die Lebensweise von M. Meminna erläuterte Lieut, Tickell durch
einige Notizen ( Caleutt, journ, I. 1840. p. 420).
Eine junge männliche Giraffe wurde am 27. Mai 1841 im Gar-
nD*
52
ten der Zoolog, Society geboren; Mutter und Junges waren voll-
kommen wohl.
Nicht ohne Bedenklichkeit fügte Gervais (Zoolog. Bo-
nite p. 64. tab. 12) den Hirschen eine neue Art zu, Cer-
vus Pseudaxis.
Diese Art ist auf ein männliches Individuum begründet von un-
gewisser Herkunft und seit einigen Jahren in der pariser Menagerie
unterhalten. Form der Geweile und Grösse wie bei C. Axis. Der
Unterhals, gewisse Partien der Gliedmaassen, der Augenkreis u. 8. W.,
anstatt weiss wie beim Axis, sind von gräulicher oder Milch-Kaffee-
Farbe. Der Schwanz hat oben an der Basis schwarz, anstatt weiss;
die weissen Flecken an den Seiten sind minder gedrängt. Im Win-
ter verlängern sich die Haare und verwischen fast die Flecken; be-
sonders lang werden sie am Vorderhals. Mit einem Weibchen vom
gewöhnlichen Axis hat er zweimal Junge hervorgebracht. ‘Wie Ger-
vais selbst vermuthet, könnte dieser C. Pseudaxis doch nur eine Ab-
änderung vom Axis sein.
Über das Rennthier gab Eversmann einige interes-
sante Bemerkungen (Bullet, de Moscou. 1840. p. 58).
In den Wäldern des kasanschen Gouvernements giebt es noch
sehr viele Rennthiere. Sie zeichnen sich durch besondere Grösse
aus; eines hatte eine Länge von 6° 7” paris. Maass. Nach der Be-
hauptung der Tscheremissen, die beständig Jagd auf diese Thiere
machen, haben die Weibchen der kasanschen Rennthiere niemals
Geweihe; wirklich waren auch die beiden Weibchen, welche Evers-
ınann von ihnen erhielt, ohne Geweihe. Auch im orenburgschen Ural
. sind noch immer wilde Rennthiere anzutreflen und gehen südwärts
bis 52° Breite.
Linne’s Behauptung, dass das castrirte Rennthier sein Geweih
so gut als die andern abwerfe, wies Hogguer in seiner Reise nach
Lappland (S. 161) als unbegründet nach.
Sehr unnöthig war Hodgson’s Bemühen, die Hirsche mit 2 Gat-
tungen zu vermehren, Pseudocervus auf Cervus Wallichü, und
Rucervus auf (©. elaphoides begründet (Calcutt. Journ. 1841).
Werthvolle Bemerkungen über den Cervus canadensis finden sich
in des Prinzen von Wied Reise II. S. 24.
Ogilby entwickelte seine Ansichten über die Prinzipien,
nach welchen die hohlhörnigen Wiederkäuer in Gattungen zu
vertheilen wären (Proceed. VII, p. 4).
Er geht von dem Grundsatze aus, dass keine andern generi-
schen Charaktere zugelassen werden dürften als solche, die auf noth-
wendigen Beziehungen zwischen der organischen Struktur und der
Lebensweise der Thiere beruhen, Das Vorhandensein oder der Man-
gel der Hörner ist, nach Ogilby, ein gutes generisches Kennzeichen,
indem es auf den Charakter und die Lebensweise einen wesentlichen
53
Einfluss zeigen soll, Solche Arten mit ungehörnten Weibchen sol-
len furchtsam sein, entweder völlig monogam, oder doch nur in
kleinen abgesonderten Familien leben; dagegen sollen solche Wie-
derkäuer, bei denen auch die Weibchen gehörnt sind, kühn sein,
gewöhnlich in grossen Heerden leben, Weiber - Gemeinschaft haben
und selten sich an besondere Individuen attachiren. Die Form der
Hörner aber verwirft Ogilby, als sie auf die Sitten und Ökonomie
der Thiere keinen Einfluss ausübe. Von wichtiger Bedeutung schei-
nen ihm auch die Thränenfurchen zu sein, als das Abreiben ihres
Inhaltes an Büsche und Steine den Thieren zur Orientirung auf ih-
ren Wanderungen dienen könne. Den Klauendrüsen gesteht er eben-
falls eine wichtige Beziehung zu den Sitten und der geographischen
Verbreitung der Thiere zu. Bei Gazella, Antilope, Bubalus und
Oryx, welche die heissen Sandwüsten bewohnen, seien sie unge-
mein gross, bei Ovis, Capricornis und 'Tragelaphus, welche auf of-
fenen grasigen Ebenen und Bergen von weniger dürrer Beschaffen-
heit leben, seien sie viel kleiner, während sie bei Bos, Calliope
u. 8. w., die meist Wälder und Sümpfe der tropischen Regionen,
oder grasige Plätze der gemässigten Klimate bewohnen, ganz fehl-
ten. Bei Berücksichtigung dieser Kennzeichen hofft Ogilby, dass
statt der bisherigen willkürlichen und künstlichen Eintheilung eine
logische, wissenschaftliche und natürliche Anordnung der Wieder-
käuer Platz greifen würde.
Mit diesen Prinzipien kann man denn doch nicht so unbedingt
sich einverstanden zeigen, Zunächst hat schonOwen (Proceed. IV,
Lond. and Edinb. phil. mag. IX. p. 309) dargethan, dass zwischen
dem Vorkommen von Suborbital-, Maxillar-, Ohr- und Inguinaldrü-
sen und dem Aufenthaltsorte der Thiere und ihrer geselligen Ver-
hältnisse keinerlei Wechselheziehung bestehe. Man kann dies aber
auch weiter auf die Klauendrüsen ausdehnen, da es leicht nachzu-
weisen ist, dass Thiere mit und ohne dieselben zusammen in den-
selben Lokaliläten vorkommen, manchen fehlen, die sie nach der
Theorie haben sollen, andere, denen sie nichts nützen, sie besitzen,
So zum Beispiel sollte man hei den Tylopoden erwarten, dass das
Kameel — das Schiff der Wüste — mit ungeheuren Klauendrüsen
versehen sein müsste, während es gar keine hat; umgekehrt sollte
man sie beim Lama überflüssig finden und doch sind sie da. Auch
die Behauptung von der Beziehung zwischen dem Vorkommen von
Hörnern und dem Muthe und der Geselligkeit der Thiere muss sehr
beschränkt werden, schon deshalb, weil Arten, bei denen die Weib-
chen in der Regel ungehörnt sind, öfters gehörnte weibliche Indivi-
duen aufzuweisen haben und umgekehrt, Ob die Thränengruben den
von Ogilby angegebenen Nutzen haben, ist sehr zu bezweifeln, da
Tbiere ohne solche auf ihren Wanderungen sich gleich gut oklelirem,
Über die Antilo pen haben wir zwei monographische
Arbeiten erhalten.
54
Die eine von Laurillard gehört dem Dietionnaire universel
d’histoire naturelle, par Ch. D’Orbigny an (Tom. I, 1841. p. 612
bis 6236), und giebt eine kurze, aber gute Beschreibung von den
hierher gehörigen Arten. Die zweite, von P. Gervais, findet sich
im Dictionnaire des sciences naturelles par plusieurs Professeurs du
Jardin du Roi u. s. w. Supplement I, 1841. (p. 257— 269); sie giebt
mehr eine Übersicht, charakterisirt gewöhnlich blos die Gruppen und
theilt diesen die Arten zu.
An neuen Arten haben die Antilopen keinen grossen Zu-
wachs bekommen.
Laurillard (a.a. 0. S. 622) stellt eine Antilope unctuosa
auf nach einem in der pariser Menagerie lebenden Exemplare aus
Senegambien, merkwürdig als der westafrikanische Repräsentant ei-
ner südafrikanischen Form. ,‚,‚Sie gleicht sehr der A. ellipsiprymna,
nur sind ihre Hörner fast gerade, sehr wenig nach vorn eingebo-
gen. Übrigens ist der Kopf gleichmässig kurz, die Haare lang und
gelblichbraun, das Ende der Schnauze weiss und die Nasenlöcher
schwarz. Ein weisser Fleck unter der Kehle, aber keine weisse
Binde an den Hinterbacken.” — Die Benennung unctuosa ist nicht
gut gewählt, da die im Winter erfolgte Aussonderung einer Feuch-
tigkeit aus den Haaren doch nur krankhafter Art sein kann. — Der-
selbe sondert den von Fr. Cuvier in den Mammif. vol. III. dargestell-
ten Guevei von der eigentlichen A. pygmaea ab und giebt ihm den
Namen A. Frederici.
Ogilby charakterisirte in den Ann. of nat. hist. VI. p. 510 eine
neue Art als A. Cuvieri; nach Vergleich des Ref. aber mit der A.
arabica, wovon die hiesige Sammlung ein durch Hofrath v. Schubert
aus Akaba mitgebrachtes Exemplar besitzt, ist sie mit letzterer
identisch.
Desto besser begründet ist A. Smith’s (Illustrat. n. 13. tab. 32)
neue Art: Cephalophus (Antilope) natalensis, mit der Dia-
gnose: ‚,C. rubro-aurantius, dorso natibusque externe bruneo-auran-
tio-umbratis; capitis cervicisque lateribus, gutture abdomineque
subochreis. Crista verticali rubro-aurantio nigro bruneoque colo-
rata; cornubus griseo-nigris.” Körper 2’ 2}”, Schwanz 4”. Von
Port Natal. — In demselben Heft tab. 31 ist auch noch Bubalus lu-
natus dargestellt.
Eine vortreffliche Abbildung vom Kopfe der A. furcifer lieferte
der Prinz von Wied in seiner Reise II. S. 84.
Die Gattung der Schafe ist von Blyth in seiner Amen-
ded List of. the Species of the Genus Ovis (Proceed. VII,
p- 62, und mit Zusätzen und einer Tafel vermehrt in den
Ann. of nat. hist. VII. p. 195 u. 248) monographisch bear-
beitet worden.
Die Zahl der Arten von Wildschafen ist durch die neuern Rei-
55
sen der Engländer sehr vermehrt und viele Exemplare sind nach Lon-
don gebracht worden. Diese Gelegenheit hatBlyth benutzt und nach
solchen Exemplaren und Berichten neue Arten aufgestellt. Wenn
nun auch gleich nicht alle fest begründet sind, indem nicht immer
eine Art aus einem oder dem andern Individuum erkannt werden
kann, zumal hei den gehörnten Gattungen, wo, abgesehen von in-
dividuellen Abweiehungen, die Hörner von jungen und alten Thieren
oft beträchtlich in der Form differiren, so ist doch jedenfalls auf
eine grössere Mannigfalligkeit von Formen in dieser Gattung als
bisher aufmerksam gemacht und .einige der neuen Arten sind gewiss
standhaltig. Da Ref. aus Mangel an Autopsie kein sicheres Urtheil
hierüber sich gestatten kann, so theilt er nur kurz die Namen der
in dieser Liste aufgeführten Arten mit unter Beifügung ihrer Hei-
math. 1) O. Polii, Central-Asien; 2) O0. montana Desm,, Nord-
amerika; 3) 0. Ammon Pall., Altai; 4)O.nivicola Esch., Kamt-
schatka; 5) O. californiana Dougl., Kalifornien; 6) 0. Na-
hoor Hodgs., Himalaya; 7) O0. Burrhel, Himalaya; 8) O. cy-
lindricornis, Kaukasus; 9) O. Gmelini, Armenien; 10) O. Vi-
nei, Kleintibet; 11) O. Musimon Linn., Sardinien, Korsika; 12)
0. Ophion, Cypern; 13) O. Aries Linn.; 14) O? Ixzalus Proba-
ton Ogilb.; 15) O.(Ammotragus) Tragelaphus Desm. Wo
kein Autor hinter dem Namen steht, ist dieser von Blyth gegeben.
Noch giebt Blyth mehrere Bemerkungen über indische
Ziegen.
Er beschreibt in den Proceed. VII, p. 80 einen neuen Stein-
bock, der in Klein- Tibet häufig ist und den Namen Skyn, oder
Skeen, Sakeen oder Sikeen führt. Er ist dem Schweizer Steinbock
schr verwandt, ähnlich gefärbt und mit rudimentärem Barte, aber
seine Hörner sind viel länger und weit weniger convergirend. —
Dann erwähnt er einer Rasse der wilden gemeinen Ziege, Markbur
in Kabul, Rawacki in Klein - Tibet genannt, merkwürdig wegen ih-
rer anschnlichen Grösse, und weil ihre Hörner mehr oder weniger
gewunden sind, und von der Krümmung der der Antilope strepsi-
ceros nur in einer entgegengesetzten Richtung abweichen zu der
straffen Spirale der kafferschen Impoofs Hörner, Eine Beschreibung
und Abbildung dieser Ziege hat Vigne in seiner Reise nach Kabul
mitgetheilt, die Ref. leider nicht zugänglich ist, so dass er keinen
bestimmten Begriff von diesem Thiere hat.
Ferner giebt Blyth in den Ann. of nat. hist, VIL. p.258 eine Be-
schreibung von Kemas hylocrius Ogilb., und bemerkt, dass Ogilby
ganz richtig denselben mit Hodgson’s Iharal (identisch mit Capra
Jemlaica) und dem Goral in eine Gruppe zusammengestellt habe.
K, hylocrius ist kleiner als der Iharal, mit kurzem, groben und ct-
was krausen Pelze; die Hörner sind schwarz, mehr auswärts als
beim Ibaral gebogen und durch zahlreiche Querfurchen gekerht. Be-
wohnt die Chntgaon Berge, Malabar u. 8, w.
56
Aus; Capra Iharal, s. quadrimammis errichtete Hodgson im
Caleutt. journ, 1841 eine besondere Gattung Hemitragus: „allge-
meine Beschaffenheit, Geruch und Hörner von Capra, aber mit einer
kleinen feuchten Muffel und 4 Zitzen bei den Weibchen.” Dabei
bemerkt er, dass Ogilby diesen Typus ‚‚unwisely” mit Kemas con-
fundirt habe.
Werthvolle Bemerkungen über den amerikanischen Bison
finden sich in des Prinzen von Wied Reise I. S. 23, und über den
Yakin Wood’s personal narrative of a journey to the source of
the. river Oxus Lond. 1841. — Über nordafrikanische wilde Rinder
sind Aussagen in den Proceed, IX. p. 64 mitgetheilt.
Cetacea,
Abhandlungen aus dem Gebiete der Zoologie und ver-
gleichenden Anatomie von H. Schlegel, Leiden 1841. 1stes
Heft. 4. mit 6 Tafeln.
Dieses erste Heft enthält: „Beiträge zur Charakteristik der Ce-
taceen”, in welchen eine vollständige systematische Übersicht über
die ganze Ordnung in genauer Schilderung ihrer Familien, Gattun-
gen und Arten gegeben wird. Seit Rapp’s schöner Arbeit über die
Cetaceen ist diese die bedeutendste, welche über die Walle erschie-
nen ist, reich an neuen Thatsachen, scharf und bestimmt in kriti-
scher Sichtung. DerRaum erlaubt uns nicht, ausführlicher auf diese
ausgezeichnete Abhandlung einzugehen, was auch grade nicht noth-
wendig, da denn doch jeder Zoolog sie selbst zu Rathe ziehen muss.
Narrative of a Whaling Voyage round the globe from
the year 1833 to 1936, By Fr. Debell Bennett. Lond.
1840, 2 Bde,
Zur Kenntniss der Walle in den südlichen Mceren von grossem
Nutzen. ‚Besonders umständlich ist der Fang, die Lebensweise und
die Beschaffenheit des Pottfisches abgehandelt und eine Menge
berichtigender oder neuer Thatsachen über ihn mitgetheilt,. Ein ziem-
lich ausführlicher Auszug aus dieser lehrreichen Reise ist in den
Münchner gel. Anzeigen XIII. S. 545 enthalten, worauf Ref. hinwei-
sen will, da derRaum es bier nicht erlaubt näher darauf einzugehen.
Eschricht hat (in den Forhandlinger ved de scand. Naturf.
andet Möde der holdtes i Kjübenhavn. 1840. Kjöbenh. 1841. p. 83)
sehr ausführliche und interessante Untersuchungen über die nordi-
schen Wallfische mitgetheilt, an welche wir hier nur erinnern kön-
nen, wegen des Weiteren auf Froriep’s Notizen verweisen, wo sie
im Jahrg. 1841 N. 411—413 enthalten sind.
Kröyer sucht in seiner Zeitschrift (daraus in der Isis 1841.
S. 429) zu erweisen, dass Balaena rostrata eine eigne Art sei und
»icht blos junge Individuen von B. boops. Als Diagnose stellt er für
jene auf: ‚„Barten weiss und ihre beiden Reihen gerade his zum
57
Ende des Oberkiefers verlaufend, wo sie zusammengehen; Brust-
finnen gegen die Mitte weiss, sowohl an der obern als untern
Fläche.”
Über eine bei Charmouth gestrandete Balaena rostrata theilten
Yarrell (Proceed. VII. p.11) und Sweeting (Ann. of nat. hist. VT.
p- 72) Bemerkungen mit.
Im achten Jahresbericht des Mannheimer Vereins für Naturkunde
stellt Kilian mit Recht es in Zweifel, ob die Wallfisch -Kinnlade,
die sonst im Kaufhause zu Mannheim aufbewahrt wurde und nun im
dortigen Naturalienkabinet sich befindet, wirklich fossil oder nur von
holländischen Schiffern mitgebracht worden ist. Dasselbe Bedenken
gilt auch für einen dort deponirten Wallfisch-Wirbel.
Über den Verlauf der Arterien bei De/phinus phocaena hat Stan -
nius sehr sorgfältige und spezielle Untersuchungen angestellt (Mül-
ler’s Arch. f. Anat. 1841. S. 379). — Über D. gangeticus hat M’Clel-
land im Calecutt. journ. 1840. p. 425 einige Bemerkungen mitgetheilt.
Aus der Oversigt over Videnskab. Selskabs Forhandl. i 1839 sind
in der Isis 1841. S. 704 Eschricht’s anatomische Bemerkungen, die
sich hauptsächlich auf die Wundernetze beziehen, aufgenommen
worden.
Ein den Delphinen verwandtes antediluvianisches Meeres-
Säugthier aus der Molasse von Baltringen. in Württemberg
hat H. von Meyer in den Jahrb. für Mineral. 1841, S. 315
als eigne Gattung, Arionius servatus, aufgestellt.
Kopf dem Typus der Delphinartigen Thiere ähnlich, die Hinter-
hauptsfläche nach oben convex; Stirnfläche platt, horizontal und von
namhafter Breite; unmerklicher Übergang vom Schädel zur Schnautze;
der Zwischenkiefer in der Gegend des Spritzapparates erhaben;
weitklaflender Nasenkanal längs der Schnautze; langschnautzig; der
Rachen mit vielen Zähnen, welche im Oberkiefer nicht früher aus-
fallen; die Zähne pyramidal, ihre Krone nach oben flacher werdend;
vorn und binten mit scharfer Kante, sonst leicht gestreift, die Kan-
ten und Streifen nicht ausschliesslich der Schmelzbekleidung eigen,
Das vollständige Thier wird nicht unter 12’ gemessen haben.
Der Syqualodon, welchen Grateloup beschrieb und anfänglich
als ein Reptil ansalı (Jahrb. für Min, 1841. S. 830), wird nun von
ihm als ein Wall aus der Familie der Delphine anerkannt (a. a. O.
8. 567), nachdem schon viel früher H. v. Meyer (ebendas. 1840. S.
587) nachgewiesen hatte, dass er ein fleischfressendes Cetaceum ist.
An der obern Hälfte eines Humerus aus der Molasse von Baltrin-
gen hat sich H. v. Meyer (Jahrb. für Min. 1842. 8. 101) nun über-
zeugt, dass Metaxytherium wirklich eine von Halianassa‘ verschie-
dene Gattung ist. Von ersterer Gattung sind in Frankreich immer
mehr Überreste gefunden worden, unter andern ein fast vollständiges
Skelet (Instit, n. 368, 371, 414).
58
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Vögel während des Jahres 1841.
Vom
Prof. Dr. A. Wagner.
Der grössern Zahl sowohl von Arten als von Sammlern ent-
sprechend, hat sich im verflossenen Jahre die Ornithologie
um weit mehr Arten bereichert als die Therologie. Um desto
fühlbarer stellt sich der Mangel einer dem gegenwärtigen
Stande angemessenen Synopsis oder Species avium heraus,
um desto dringlicher wird das Bedürfniss nach einer solchen
Bearbeitung, welche das weit und breit umher zerstreute Ma-
terial zusammenfassend und kritisch sichtend, die bewährten
Arten in übersichtlicher Ordnung aneinanderreihen würde,
Es wäre schon viel gewonnen, wenn nur wenigstens immer
mehr annähernde Schritte zur Ausführung einer solchen Syn-
opsis durch häufigere Bearbeitung von Monographien gethan
würde, allein auch in dieser Beziehung ist im vergangenen
Jahre wenig geleistet worden. Wir können nicht umhin, bei
dieser Gelegenheit noch zwei andere Wünsche auszusprechen,
die wir zwar schon im vorigen Berichte angedeutet haben,
hier aber noch weiter motiviren wollen. Diese Wünsche be-
treffen die Reduktion der über alles Maass angehäuften Gat-
tungen, und den noch weit verderblicheren Luxus in den bild-
lichen Darstellungen.
In seiner neuen List of the Genera of Birds stellt Gray 1119
Gattungen auf, auf welche er die sämmtlichen generischen Namen,
an Zahl 1961, zurückführt. Wenn er nun gleich selbst der Mei-
nung ist, dass von diesen 1119 Gattungen nur ohngefähr 800 halt-
bar wären, so ist denn doch auch letztere Anzahl noch immer viel
zu gross, und wenn wir annehmen, dass wir gegenwärtig gegen
6000 Spezies von Vögeln kennen, so kommen durchschnittlich auf
59
eine von diesen 800 Gattungen nicht mehr als 7} Arten. Indess die
Zahl der generischen Gruppen muss noch weiter beschränkt werden,
und von diesen 800 Gattungen, welche Gray zu belassen gedenkt,
müssen wenigstens noch drei Viertel auf die Stelle verzichten, für
welche sie, nach des Ref. Ermessen, keinen gültigen Rechtstitel auf-
brivgen können. Zu dieser enormen Vervielfältigung der Gattungen
ist man nur dadurch gelangt, dass man alle Unterabtheilungen auf einen
generischen Werth steigerte, ohne dass man ihnen hierdurch den
Adel einer Gattung aufprägen konnte. VorAllen musste die Ordnung
der Singvögel mit ihren verschwimmenden Merkmalen zu dieser
Gattungsmacherei sich hergeben und bei den willkürlichen Abgren-
zungen, die der Eine so, der Andere anders vornahm und durch
selbstgeschaffene Namen zu bezeichnen suchte, musste denn in der
Synonymik der Gattungen eine Confusion sich ergeben, von welcher
die Therologie, auf ungleich haltbareren Prinzipien fussend, glück-
licher Weise sich frei gehalten kat. Wo artenreiche Gattungen vor-
kommen, wie Falco, Psittacus, Corvus, kann man ja Unterabthei-
lungen anbrivugen, die, wenn sie auf constanten Merkmalen beru-
hen, als Untergattungen mit eignen Namen bezeichnet werden können.
Eine ternäre Nomenklatur, wo der Name der Gattung, Untergattung
und Art zusammengestellt ist, ist in einem solchen Falle, trotz
ihrer Weitschweifigkeit, doch noch erspriesslicher als die maasslose
Ziersplitterung der Gattungen, wo man endlich vor lauter Bäumen
den Wald nicht mehr sieht.
Weit verderblicher aber als dieser Überschwall von Gattungen,
deren man sich durch Ausmerzen leicht entledigen kann, wird für
die Wissenschaft der Luxus in den Bilderwerken, da sie hierdurch
auf einen Preis getrieben werden, der sie den Meisten unzugäng-
lich macht. Und diese Vertheurung ist völlig überflüssig, durch
unmässige Grösse des Formats, so wie durch den Übelstand herbei-
geführt, dass gewöhnlich jede Art eine eigne Foliotafel einnehmen
muss, der Vogel von der Grösse eines Sirausses so gut als der von
der Kleinheit eines Zaunkönigs, so dass man in der Regel weit mehr
weisses unbenutztes Papier, als farbiges oder bedrucktes zu kau-
fen genölhigt wird. Dazu kommt nun noch die grosse Unbequem-
lichkeit in der Benutzung dieser Folianten, zumal da auch der Text
gewöhnlich in diesem Formate ausgegeben wird. Und da man bei
einem Quellenstudium noch anderweitige Werke zu Rathe ziehen
muss, so gehört ein schöner Raum dazu, um diesen Apparat aus-
breiten zu können. Soll Folio-Format einigermaassen bequem für
die Benutzung werden, so müssen auf einer Tafel so viel Figuren
gegeben sein, als es nur immerhin ohne Überladung geschehen kann;
für den Text aber sollte Octav - Format gewählt werden. Hierdurch
wird nicht blos die Anzahl der Folianten verringert und schon da-
durch die Benutzung bequemer gemacht, sondern es werden auch die
Kosten ausserordentlich herabgedrückt; das Werk selbst ulso einea
60
grössern Anzahl Naturforscher zugänglich. Am zweckmässigsten
jedoch ist auch für die Abbildungen die Wahl von Quart- oder gross
Oktav-Format. Zweidrittel aller Vögel-Arten können auf demsel-
ben entweder ganz in Lebensgrösse oder doch nur in geringer Ver-
kleinerung abgebildet werden; aber auch für grössere Vögel reicht
zu ihrer genauen Darstellung dieses Format vollkommen aus, wie
es die Abbildungen von Susemihl, Naumann und Swainson sattsam
beweisen. Hiermit ist dem wissenschaftlichen Bedürfniss völlig ent-
sprochen; was darüber ist, ist für wissenschaftliche Zwecke unnö-
thig, und wird zum Übel, wenn es die pekuniären Mittel verzehrt,
und den Ankauf anderer nothwendigen Werke unmöglich macht, Da
der Kreis des menschlichen Wissens immer weiter und die Literatur
daher immer zahlreicher wird, so ist die grösste Ökonomie in der
Ausstattung der Bilderwerke nötbig, sollen anders unsere Bibliothe-
ken noch im Stande sein, selbige in einiger Vollständigkeit fort zu
erhalten.
Wie im vorigen Berichte führt Ref. bei der nachfolgen-
den Aufzählung der Literatur diejenigen Werke, welche beide
Klassen der warmblütigen Wirbelthiere umfassen und deshalb
schon bei den Säugthieren bezeichnet wurden, hier, ohne be-
sondere Veranlassung, nicht nochmals. auf.
A List of the Genera of Birds, with their Synonyma and
an Indication of the typical Species of each Genus. By
George Robert Gray. Second Edition, revised, augmen-
ted and accompanied with an Index. London 1841.
Von diesem Verzeichnisse ist schnell eine zweite Auflage noth-
wendig geworden. Die erste ist in unserem vorigen Jahresberichte
bereits angezeigt, mit dem Bemerken, dass dieses Verzeichniss vor-
treffliche Dienste zur Entwirrung der Synonymik leiste, dass aber
seine Brauchbarkeit durch den Mangel eines Registers sehr beein-
trächtigt werde. Diesem Übelstande ist nunmehr durch die Beigabe
eines solchen abgeholfen, sonst auch wesentliche Berichligungen an-
gebracht und die deutsche Literatur mit Sorgfalt berücksichtigt. Wie
zur ersten Auflage hat Strickland (Ann. of nat. hist. VII. p. 367) zu
dieser zweiten gute Bemerkungen mitgetheilt; namentlich stimmt Ref.
mit ihm darin überein, dass man hinsichtlich der Priorität der Gat-
tungsnamen nicht weiter rückwärts als auf Linne’s letzte Ausgabe
des Systema nalurae und auf Brisson zurückgehen solle.
The Birds of Australia. By J. Gould. Dedicated by
Permission to Her Majesty. London, 1840: Part. I, 1841:
Part. II, II, IV, V. Imp. Fol. Jedes Heft 3 Guineen.
Obschon von diesem kostspieligen Prachtwerke, das eine nicht
geringe Anzahl von Lieferungen erhalten wird, Alles gilt, was vor-
hin von Luxuswerken ähnlicher Art gesagt wurde, so kann Ref.
61
doch nicht umhin zu gestehen — so inconsequent dies auch erschei-
nen mag — dass er, da denn doch keine Regel ohne Ausnahme ist,
für dieses um Nachsicht und beifällige Aufnahme selbst ersuchen
muss, so sehr ist er in seinem Urtheile von der eminenten Schön-
heit dieser Abbildungen bestochen. Was Swainson in seiner Biblio-
grapby (Cabinet Encyclopaedia 1840) von andern Arbeiten Gould’s
sagt: „we tlrust the author will hereafter reprint these expensive
volumes in such a form as that they may be accessible to natura-
lists; and thereby diffuse science, instead of restricting it to
those only who are wealthy” — wollen wir im Interesse der wis-
senschaftlichen Naturforscher ebenfalls wünschen, vornämlich aber
von allen andern ornithologischen Leistungen, die wir von Gould’s
künstlerischen Leistungen sonst noch zu erwarten haben werden. —
Das vorliegende Werk hatte Gould eigentlich schon vor einigen Jah-
ren angefangen, unter dem Titel: The Birds of Australia and the
adjacent Islands. Lond. 1837 Part. I., 1838 Part. Il. Es wurde aber
Plötzlich unterbrochen, indem Gould und seine Gattin nach Neuhol-
land reisten, um dort aus eigner Anschauung die Gegenstände ihrer
künstlerischen Darstellungen in ihrem Leben und Weben kennen zu
lernen. Seit ihrer Rückkehr sind nun beide Gatten eifrigst mit der
Publikation ihrer neuen Arbeiten beschäftigt, und nicht mehr zufrie-
den mit den ersten beiden Lieferungen von 1837 u. 38, die blos nach
ausgestopften Exemplaren gefertigt waren, haben sie dieselben kas-
sirt und geben alle dort enthaltenen Tafeln jetzt neu wieder. For-
mat und äussere Ausstattung dieser neuen Hefte sind ganz wie in den
frühern, also prachtvoll; da aber die Abbildungen jetzt grösstentheils
nach lebenden Exemplaren gefertigt wurden, so ist der Habitus der
hiere mit ungleich grösserer Treue aufgefasst. Überdies haben sie
dadurch bedeutend an Werth gewonnen, dass die Vögel in ihren ge-
wöhnlichen Umgebungen, auf den Pflanzen, auf welchen sie häufig
sich aufhalten, dargestellt sind, wodurch auch der Botaniker seinen
Antheil an diesem Werke erhält; ferner sind öfters die Weibchen
oder Jungen mit ihren Nestern beigegeben, und der Text liefert jetzt
vollständige Beschreibungen der äussern Gestaltung und, soweit
sie beobachtet werden konnte, auch der Lebensweise dieser Thiere,
s0 dass die neuen Lieferungen grosse Vorzüge von den früheren
voraushaben, und allen Anforderungen entsprechen, die nicht blos
der Dilettant, sondern auch der wissenschaftliche Ornitholog an ein
solches Prachtwerk zu stellen berechtigt ist. Schliesslich erwähnt
Ref. noch, dass diese Birds of Australia alle Arten australischer Vö-
gel darstellen sollen; die bereits abgebildeten wird er am gehörigen
Orte immer anführen.
Ornithological Drawings; the Birds of Brazil, by W.
Swainson. Lond. 1834—40. 6 parts, royal $vo.
Ref. muss es sehr bedauern, dieses Werk übersehen zu haben,
Im Jahre 1894 erhielt er das erste Heft desselben; da er aber nichta
62
mehr von den Fortsetzungen hörte, so glaubte er, dass dasselbe
nicht weiter fortgeführt sei. Zu spät von dessen Kortgang und Be-
endigung in Kenntniss gesetzt, um für diesen Bericht noch benutzt
zu werden, kann er über diese Ornithological Drawings nur aus
Ansicht des ersten Heftes ein Urtheil abgeben; hiernach muss er
aber dieselben als ein Muster erklären, wie ornithologische Bilder-
werke, vom Standpunkte des wissenschaftlichen Zoologen aus be-
trachtet, eingerichtet werden sollen. An lebendiger naturgetreuer
Auffassung der Vögel, an eben so genauer als schöner Ausführung
des Kolorits stehen sie den Gould’schen Werken nicht nach, an Bil-
ligkeit des Preises, an Bequemlichkeit in der Benutzung (wegen des
Oktavformats) gehen sie ihnen weit voran. Swainson hat sich jetzt
nach Neuseeland übersiedelt, und wir hoffen, dass dieser geistreiche
Naturforscher, der unter den englischen Zoologen einen der ersten
Plätze einnimmt, unserer Wissenschaft auch dort noch seine Thätig-
keit nicht entziehen werde,
Noch ist nachträglich zu erwähnen: Audubon’s Synopsis of
the Birds of North America. Lond. 1839, Svo, als Schluss seiner Or-
nithological Biography.
Die Fortsetzungen von Susemihl, Naumann, Bekker, Berger,
Zander haben ihren Fortgang genommen. Das Unternehmen von
Susemihl verdient einer besondern Berücksichtigung, seitdem Schle-
gel inLeiden die Redaktion des Textes übernommen hat. Wir wer-
den hiermit eine europäische Ornithologie erlangen, die in der Schön-
heit und Treue der Abbildungen es mit dem Gould’schen Werke auf-
nehmen kann, an wissenschaftlichem Werthe aber durch genaue Be-
schreibungen und an Billigkeit des Preises demselben weit vorgeht.
Auch für die Benutzbarkeit hat es wegen bequemeren Formates
einen grossen Vorzug voraus.
Ausserdem hat Ref. noch angezeigt gefunden: H. L. Meyer’s Il-
lustrations of British Birds with their Eggs. Lond. 1841. N. 1. — Ca-
talogue des oiseaux observes dans le d@partement de la Seine-Infe-
rieure. Caen 1841. — Macgillivray, History of British Land Birds,
indigenous and migratory, including their Organisation, Habits and
Relations, Remarks on Classification and Nomenelature, and the
prineipal Organs of Birds. Lond. 1841, in monatlichen Lieferungen.
An Abhandlungen, welche die Fauna einzelner Gegenden
behandeln, sind zu erwähnen:
Thompson’s Verzeichniss der in Irland vorkommenden Vögel
(Report of the Brit. Associat. 1841. p. 364). Es finden sich daselbst
alle von Selby als in England einheimisch aufgeführten Vögel, mit
Ausnahme von Melizophilus provincialis, Parus cristatus, Emberiza
Cirlus, Passer montanus, Picus viridis (der jedoch in einigen Ge-
genden sich aufhalten soll), Sitta europaen, Columba oenas, Lago-
pus mutus. — Derselbe hat seine Notizen über irische Vögel in den
‚Ann. of nat. hist, VII. p.273 fortgesetzt; sie betreflen die Familien
63
Fringillidae, Sturnidae, Corvidae, Picidae und Certhiadae. — Einige
seltene Vögel von Kent führte Mummery ebenda $S, 317 auf; am
Auffallendsten ist ein Oriolus Galbula, der am 18. Oktober erlegt
wurde; sicherlich war er nur aus einem Käfige entwischt. —
Brehm’s Schilderung mehrerer Ausflüge nach Brinnis bei Delitzsch,
4 Stunden von Leipzig, in zoologischer, vorzüglich ornithologischer
Hinsicht (Isis 1841. S. 39, 121, 200), ist reich an guten Beobachtun-
gen, wie an Errichtung unnützer Arten; so z. B. werden aus dem
Grauammer (Emberiza miliaria) jetzt nicht weniger als 8 Arten von
ihm gemacht. — E. F. v. Homeyer gab einen Nachtrag zu seiner
Übersicht der pommerschen Vögel (Erster Nachtrag zur systemat.
Übersicht der Vögel Pommerns. Anclam, 1841), — Nachträglich ist
des Verzeichnisses der Vögel Galiziens von St. C, v. Siemus-
zowa-Pietruski zu erwähnen, indem bei Abfassung des vorjäh-
rigen Berichtes Ref. das Heft dieses Archivs (1840. 1. S. 369), in
welchem jenes Verzeichniss abgedruckt ist, noch nicht zu Händen
hatte. — Series animalium, a defuncto Professore Joan. Krynicki in
itinere annis 1836 —38 ad Caucasum et Tauridem suscepto colle-
ctorum etc, quam determinavit, recensuit et disposuit Dr. M.J. Ka-
leniczenko. Enthält 21 N. Säugthiere und 173 N. Vögel, meist
mit Diagnosen; neu ist unter letztern eine Art (Bullet. de Mosc.
1839. 8.203). — Küster’s Beiträge zur Naturgeschichte der Insel
Sardivien (Isis 1841. S.732') betreffen die Sumpf- und Wasservögel.
— Interessante Bemerkungen über die Zugvögel, welche auf einer
Seereise von Malta nach Morea im April gesehen wurden, theilt
Thompson in den Ann. of nat. hist. VII. p. 125 mit. — Von einer
in Tanger gemachten Sammlung von Vögeln übergab Hay ein Ver-
zeichniss (Ann, of nat. hist. VII. p.557), welches in Bezug auf geo-
graphische Verbreitung beachtenswerth ist, — In gleicher Beziehung ist
auf das ‚„ Verzeichniss einer Sammlung von Säugthieren und Vögeln
aus dem Kaffernlande, Berlin 1842”, aufmerksam zu machen, in wel-
chem überdies Lichtenstein viele neue Arten aufgestellt hat. —
Von einigen Vögeln, die Vigne in Tibet, Kaschmir u. s. w. sam-
melte, sind in den Ann. of nat. hist. VII. p. 224 die Namen angege-
ben. — Zur ornithologischen Fauna von Neu-Guinea hat Sal. Mül-
ler in den neuen Fortsetzungen der Land- en Volkenkunde wei-
tere Beiträge gegeben. — Über die um das Fort Clarke am Missuri
vorkommenden Vögel hat der Prinz von Wied in seiner Reise Il.
8, 90 werthvolle Bemerkungen niedergelegt. — Hombron und Jac-
quinot haben in den Ann, des scienc. nat. XVI. p. 312 eine Be-
schreibung mehrerer neuer oder wenig bekannter Vögel, von der
Weltumseglungs -Reise der Corvetten Astrolabe und Zelee herrüh-
rend, einrücken lassen. — Die ornithologische Parthie in dem Werke:
Voyage autour du monde sur Ja Bonite. Zoolog. par MM. Ey-
doux et Souleyet. Par. 1841, hat Letzterer mit Unterstützung
von Prövost, Gerbe und Blainville übernommen. — Ein Verzeich-
64
niss der von Royle zu Saharunpore und im Himalaya gesammel-
ten Vögel findet sich in dessen Illustrations of (he Botany and other
branches of the nat. hist. of the Himalayan Mountains. Part, XI. 1840.
p-LXXV. Auf tab.8 sind solche Arten abgebildet, als Carduelis ca-
niceps, Gurrulus bispecularis und Turdus albocinetus, die mit eure-
päischen Formen verwandt sind, während tab. 7 tropische Formen,
als Certhia goalpariensis, Pitta brachyura und Eurylaimus Dalhou-
siae darstellt.
Zu Gunsten der von Hitheock und Andern gegebenen
Deutung, dass gewisse Eindrücke in Sandsteinen als Fuss-
tritte urweltlicher Vögel anzusehen seien,. hat neuerdings in
Nordamerika ein Ausschuss von Naturforschern einen Be-
scheid gegeben ( Ann. VII. p. 235), der Ref. keineswegs zur
Änderung seiner Ansichten über diese „Ornithichnites” 'be-
stimmen konnte.
Is. Geoffroy’s Considerations sur les caracteres employes
en Ornithologie pour la distinction des genres, des familles et des
ordres (Essais de Zool. generale. Paris 1841. p. 447), können hier
übergangen werden, als sie nur ein wiederholter Abdruck aus den
Nouv. anval. du. Mus. t.I. sind, mit Beigabe zweier Tafeln zur Er-
läuterung seiner Terminologie der Flügelformen.
Üher die zusammengesetzie Magenform verschiedener Vögel han-
delte Leuckart in seinen zoologischen Bruchstücken und fügte 2
Tafeln zur Erläuterung der Formen der Vogelmägen bei.
Aceipitres.
Der Kondur ist in der Zoolog. der Bonite p. 75. tab. 2 in seinem
Jugendkleide abgebildet und beschrieben worden.
Den Falken sind mehrere neue Arten zugegangen.
Aquila morphnoides Gould (Aun. of nat. hist. VII. p. 68),
der A. pennata nahe verwandt, aber kräftiger. Von Neu-Südwal-
lis. — Buteo melanosternon Gould (ebenda) aus denselben
Gegenden, dem südafrikanischen Buteo Jackal ähnlich, aber durch
dunklere Färbung und längeren Schnabel verschieden. — Den
Ichthyaötos leucogaster (früher Haliaötos sphenurus benannt) bildete
Gould in den Birds of Austral. II, ab.
Von Edelfalken hat Gould in der öten Lieferung, 3 Arten darge-
stellt: Falco hypoleucus, melanogenys und frontatus, alle 3 in den
Proceed. schon beschrieben. — Einen F, wuustralis unterschieden
Hombron und Jacquinot in den Ann, des sc. nat, XVI. p. 312:
Scheitel schwarzbraun; Hals, Rücken u. obere Flügeldecken schwarz-
braun und braunroth (roux) gewellt, Schwungfedern braunschwarz
und gleich den Schwanzfedern mit weissen Querbinden. Unterseite
roth, Von Otago und den Auckland-Inseln in der Südsee. — Eine
65
sehr schöne Art machte Souleyet in der Zoolog. der Bonite p. 71.
tab. 1 bekannt; den F. Gironnierii, mit der Diagnose: „F. cor-
pore supra nigro - viridi nitente, subtus albo-sericeo.” Von der In-
sel Lugon (Philippinen); mit Ausnahme des F. coerulescens der
kleinste Raubvogel.
Gould’s Milvus isurus, schon früher von ihm publizirt, ist nun
in den Birds of Austr, Part. II, ausführlich geschildert. — Neue Art
von Liechtenstein im Berlin. Verz. 1842 S. 11 ist Falco (Ni-
sus) carbonarius; „F. totus fuliginoso-niger, unicolor, cera pe-
dibusque flavis, rectrieibus subtus fasciis 5 albis. Remiges albo vi-
groque obsolete fasciatae. Longit. 11 poll.” Vom Kaffernland. —
Eine andere Sperberart ist von S. Müller in N, 4 der Land- en
Volkenkunde der niederl. Verhandelingen S. 110 als Falco hio-
gaster beschrieben: „sehr genau verwandt mit F, torquatus von
Timor, doch im erwachsenen Zustande leicht zu unterscheiden durch
seinen ganz einfarbig rostrothen Unterleib, ohne die mindeste Spur
von Querlinien; Kopf, Hinterhals und alle übrigen obern Theile sind
graulichblau. Iris dunkelroth, Augenlieder, Mundwinkel, Wachs-
haut und Füsse orangegelh; Schnabel und Krallen schwarz.“ Von
Amboina,
Von Circus maurus Temm. hat A. Smith in den lustr. n, 12
tab, 58 den jungen Vogel abgebildet. .
Im Caleutt. Journ, of nat, hist. vol I. Oct. 1840. p. 307 hat B. W.
Jameson einen Aufsatz niedergelegt: „‚on the affinities of the Fal-
eonidae, being an attempt at a natural arrangement of this family.’
Der Verfasser erklärt sich für das ‚Circular -arrangement”, was in
Deutschland glücklicher Weise keinen Eingang gefunden hat und
selbst in England immer mehr an Kredit zu verlieren scheint,
Die Eulen sind durch Liechtenstein mit 2 Arten ver-
mehrt worden im Berl. Verz. 1832. S. 11 u. 12.
a) Strix (Brachyotus) helvola; „St. helvola (i. e. dilute
cano-fusca ), facie alba, oculis nigro cinctis. Longit. 14 poll. Pen-
nae medii dorsi et pectoris unicolores, reliqune fasciolis crebris un-
dulatis marmoratae, abdomen sensim dilutius e numero et ambitu,
macularım albarum crescente, crisso pedumque lanugine albis; re-
miges ferrugineo fuscoque fasciati, rectrices fasciis talibus quinque,
versus apicem sensim angustioribus,” — b) Sirix Licua; „habitu
(i. e, partium inter se ratione, praecipue remigum rectricumque lon-
gltudine mutua) et pictura simillima Str. passerinae Linn. (py-
gmaene Bechst.), sed major, Spollicaris, differt quoque rectricum
fasclis 6 albis latioribus vix Jinearibus, sed interruptis, e macula
utrinque orbiculari conflatis, terminali nulla.”
Eine dritte kapische Eulenart erhielt von A. Smith in den Il-
lustr. n. 14 tab. 67 den Namen Otus capensis, so dass nun 3 von
ihm aufgestellte Eulenarten, die er den Untergattungen Athene,
Archiv f, Naturgeschichte, VII, Jahrg. 2. Bd, E
66
Strix und Otus anweist, denselben spezifischen Beinamen führen;
was sehr zu missbilligen ist.
Eine kleine Ohreule von Amboina wurde von 8. Müller (Verhand.
Land- en Volkenk. n.4. p.110) Strix magica benannt, in Farbe
und Zeichnung wenig von St, noctula verschieden, aber um die
Hälfte grösser, beinahe wie St. passerina. Iris gelb, Schnabel und
Krallen braun.
Passerinae.
Am reichlichsten ist der Zuwachs an neuen Arten in die-
ser grossen Ordnung; in ihr sind auch wieder die meisten
Gattungen errichtet worden.
Corvinae. Der Prinz von Wied (Reise II. S.21) er-
richtete aus einem blauen, den Hähern nahe verwandten Vo-
gel, der in der Schnabelbildung, Gestalt und Lebensart viel
Ähnlichkeit mit dem Tannenhäher (Nucifraga) hat, aber durch
nackte Nasenlöcher sich unterscheidet, die Gattung @ymno-
rhinus.
Die Art nennt er @. cyanocephalus. Körper bleifarben, him-
melblau überlaufen, Obertheile des Kopfes indigoblau. Länge 9”
10”, Schnabel 13”. ‘Vom obern Missuri. — Ref. hat zu bemerken,
dass gleichzeitig mit dem Prinzen G. R. Gray einer Art mit ähn-
licher Schnabelbildung (Coracias tibicen Lath.) den gleichen gene-
rischen Namen, nur mit weiblicher Endigung, nämlich @ymnorhina
beilegte.
Nach Eyton’s Untersuchungen ist bei Oractieus (Coracias,
Gymnorhina u,s.w.) tibicen, Luftröbre, Stimmmuskeln, Zunge und
Speiseröhre wie bei den Corvinen überhaupt, wovon auch Skelet
und weiche Theile nicht wesentlich abweichen (Ann. of nat. hist.
VI. p. 47).
Ebenda VM. S. 553 charakterisirte Gray eine neue Art, Ora-
cticus argenteus von der Nordwestküste Neuhollands.
Kaleniczenko giebt in Mosc. Bull. 1839 S. 319 eine Art Mo-
nographie der Häher (Garrulus), und beschreibt als neue Spezies
Garrulus Krynicki: cristatus, crista aterrima, atro-coerulescenti,
e plumis laxis ad cervicem usque attingentibus, rostrum nigrum me-
diocre, apice declive (subaduncum), toto corpore cinerascente fusco,
tectrieibus alarum majoribus laetissime cyaneo-albis, regulariter
atro-thalassino fasciolatis, superciliis lorisque albidis, pedibus ni-
grescentibus. Verf. unterscheidet diese Art von Corvus glandarius
durch den an der Spitze abwärts gebogenen, nicht ausgerandeten
Oberschnabel, schwarze Holle, die nicht weisse Kehle, schwärz-
liche Füsse u. s. w. Im Kaukasus, Taurien und Ukraine. — Hat die
nächste Ähnlichkeit mit Gene’s Garrulus melanocephalus (Corvus |
stridens Ehrenb.), den Verf, so wenig als Gould’s Garrulus bispe-
67
cularis und Janceolatus in seinem Verzeichnisse anführt, scheint aber
doch als eigne Art sich halten zu können.
Paradisidae. Vom Kaffernlande ist Lichtenstein’s (Berl.
Verz. S. 17) Epimachus unicolor; ‚E. supra coeruleo-, subtus
viridi-nitens, remigibus intus albo-fasciatis, rostro nigro. Longit.
10 poll. — Junioribus guttur fuliginosum, rectrices versus apicem
albo maculatae.” €
Eine der prachtvollsten Abbildungen, welche die Ornithologie
aufzuweisen hat, ist die, welche Gould auf einer Doppeltafel in
seinen Birds of Austral. Part. IV. vom Ptilonorhynchus holosericeus
giebt: das Nest, die alten Vögel und zwei junge Männchen, das
eine im grünen, das andere im Übergangskleide darstellend. — Ebenda
bildet Gould auf einer ähnlichen Doppeltafel die Chlamydera macu-
lata mit ihrem grossen laubenartigen Neste ab; auf einer gewöhn-
lichen einfachen Tafel die Chl. nuchalis.
Ampelidae. Von einem neuen Manakin, Piyra Candei,
liess Parzudacki eine Diagnose in dieRev, zool. 1841. p. 306 ein-
rücken. Heimath Truxillo in der Hondurasbai.
Tanagridae. Zu Pachycepkala fügte Gould 2 australische
Arten zu: P,rufogularis und inornata (Ann. of nat. hist, VII.
p. 71); von P. pectoralis gab er in den Birds of Austr, Part. IV, eine
Abbildung.
Ebenda Part. I. von Pardalotus affınis und uropygialis, 2 schon
früher von ihm charakterisirten Arten. — Aus Temmincks Pardalotus
percussus, thoracicus und maculatus bildete der feinen Zähnelung des
Schnabels wegen Strickland in den Ann. of nat. hist. VII. p. 522
die Gattung Prionochilus, die nur als eine Sektion von Pipra
gelten kann.
Am Besten wird sich auch hieher Striekland’s neue
Gattung dethiops reihen, mit fast konischem, schwach aus-
gerandetem, an der Basis erweitertem Schnabel. Die Flü-
gel sind mittelmässig, der Schwanz kurz, die Vorderseite
des Laufs geschildert, die Hinterseite ganz. Die einzige Art, -
Aethiops canicapillus, ist von der Insel Fernando Po (Ann. of
nat, hist, VII. p. 523).
Hartlaub publizirte im 10ten Hefte der Rev. zool, p.305 eine
Tanagra iridina, welche er von T. cyanomelas Neuw. (T.
multicolor Swains.) durch den Mangel des gelben Stirnflecks und
die schön blaue Farbe der Brust und Weichen unterschied. Im näch-
sten Hefte derselben Zeitschrift (8. 365) wies jedoch La Fres-
naye nach, dass Vieillot schon im Jahre 1819 die neue Art als T\
velia genau beschrieben habe; auch bemerkt er, dass die T. eyano-
melas von Brisson 1760 beschrieben und von Buflon abgebildet wor-
den sei und daher des Ersteren Name T. surinamensis führen müsse,
E#
u
68
Übrigens findet er es nicht unwahrscheinlich, dass beide nur Varie-
täten einer Art sein könnten. — Die schon im vorigen Jahresbe-
richte erwähnte T. Vassoril liess Boissonneau im Mag. de Zool.
n.17 abbilden.
Aus der Tunagra diademata T emm. errichtete ohne trif-
tigen Grund Striekland (Ann. of nat. hist. VIII p. 523)
eine besondere Gattung Stephanophorus wegen ihres kur-
zen, dicken Schnabels von gleicher Höhe und Länge.
Die schöne Spiza Leclancherii wurde im -Magaz. de. Zoolog.
1841. tab. 22 abgebildet. Ausser dieser Art zählt Lafresnaye zur
Gattung Spixa (Passerina) noch die Tanagra cyanea Linn., Embe-
risa ciris Linn., Emberixa amoena Bonap. und Spixa versicolor.
Conirostres. Die Ammern erhielten 2 Arten: a) Embe-
riza bruniceps Brandt; „habitus et magnitudo E. melanoce-
phalae. Caput et guttur ad pectus usque castanea. Colli latera,
pectus et abdomen totum, nec non uropygium ranunculaceo - flava.
Nucha virescente flava. Dorsum fuscum, pennis flavo - marginatis.
Pennae alarum fuscae, albido marginatae. Cauda supra fusca, in-
fra cum alae inferiore facie albido-fusca.” Aus Turkestan (Bul-
let. de Petersb. IX. p.12). — b) Emberiza capistrata Licht.
„rufa, dorsi pennis medio nigris, capite atro lineis 7 albis capi-
strato, gutture atro. Longit. 5} poll. Remiges et rectrices nigrae,
zufo -limbatae. Abdomen cinnamomeum,” (Berlin, Verz. 1842. S. 16).
Das Dutzend Gattungen, in welche durch den übermässigen Ei-
fer der neueren Ornithologen die Lerchen sich mussten vertheilen
lassen, hat Lafresnaye (im Dict. univ. d’hist. nat. par Ch. D’Or-
bigny I. 1841. p. 294) wieder in eine zusammengezogen, indem er
nachwies, dass die Form des Schnabels und der Füsse dermaassen
variire, dass es unmöglich ist, hiernach die Arten abzutheilen. Nach
der Form der Flügel und der Lebensweise bringt er sie in 2 na-
türliche Abtheilungen.
Von Pyrenestes frontalis Swains. gab A. Smith in daR Ilustr.
tab. 61 u. 62 Abbildungen des Männchens, Weibchens und Jungen.
Aus dem nördlichen Persien stammt Brands Coccothraustes
speculigerus; ‚Caput, collum, pectoris et dorsi superior pars
nigra, subcinerascentia. Pectoris inferior pars, abdomen totum et
dorsi posterior pars cum uropygio flava. BRemiges nigrae, tenuis-
sime albido-limbatae, secunda — septima in pogonii externi basi albae,
quare in alis complicatis speculum alare album. Cauda nigra, sub-
elongata. Rostrum nigricans. Longit. 8 poll.” (Bullet. de Petersb.
IX. p.11).
Als neue Finken- Arten vom Kaffernlande beschrieb Lichten-
stein im Berl. Verz. 1842. S.16 u.17: Fringilla (Pyrgita) spa-
dicea; „Fr. cano -cinerea, dorso medio alisque complicatis extus
rufis, uropygio et pennis axillaribus ferrugineis, his apice albis,
69
Longit, 6 poll. Guitur medium et abdomen albescentia. Mandibula
flava, apice nigro. Cauda rotundata.” — Fringilla (Estrilda)
lepidoptera; „Fr. cinerea, remigibus rectricibusque nigris, ele-
gantissime albo -limbatis. Longit. 4 poll. Abdomen albescens, pen-
nulae frontis et verticis eadem qua remiges pictura. Macula ante
oculos et vitta utrinque coHaris atra.” — Fringilla (Citri-
nella) uropygialis; ‚F. fusco-cinerea, dorso striato, uropygio
Jaete ranuneulaceo. Longit. 4 poll. Abdomen medium argillaceum,
lateribus striatis; remiges secundariae et rectrices intermediae albido-
marginatae, reliquae apice albo.” — Fringilla (Pyrgita) cin-
namomea; ,„notaeo rufo, nigro striolato, gastraeo helvolo, tectri-
cibus alae et remigum secund. margine cinnamomeis. Cauda pro-
funde emarginata, rectrieibus intermediis margine externo cinnamo-
meis. Longit. 5 poll.”
Eine prachtvolle Art beschrieben Hombron und Jacquinot
(Ann. des sc. nat, XVI. p. 314) als Fringilla phaeton. Kopf
dunkelblau, Nasenlöcher unter karminrothen Federn versteckt; Hin-
terhals grau; Rücken und Flügel ebenso, aber die Federspitzen kar-
minfarbig; obere Schwanzdecken rein karmin; mittlere Schwanzfedern
die andern um } überragend und lebhaft karminroth, die übrigen
bräunlich karminfarben, Unterseite prächtig karminroth.
Die Estrelda Bichenovii Vig. und annulosa Gould bildete die-
ser in den Birds of Austral. Part V. ab.
Von der Nordwestküste Neuhollands ist Goulds Amadina
pectoralis (Ann. of nat. hist. VII. p.554); aus Südafrika A, Smith’s
Amadina erythrocephala (Ilustr. t. 69).
Passerini gab Notizen über die Fortpflanzung von Paroaria
ceucullata in Europa (Isis 1841. S. 642). — Vom Plocepasser Mahali gab
A. Smith in den Ilustr, tab. 65 eine Abbildung. — Derselbe lieferte
Abbildungen von Ploceus spilonotus Vig. und capensis auf tab. 66,
ferner von Textor erythrorhynchus auf tab. 64. — Lafresnaye’s
Pyrrhula griseiventris ist unbekannter Herkunft (Rev. zool. p. 241).
— Ebenda (8.146) beschrieb K. Bonaparte eine Fringilla spo-
diogenys aus dem nördlichen Afrika.
Die über den innern Bau von Phytotoma rara schon früher in
der zoologischen Partie von der Reise der Favorite publizirten Be-
merkungen sind in der Zoologie der Reise der Bonite 8. 92 weiter
ausgeführt worden.
Sturnidae. Als eine Untergattung von Cassicus trennte
Waterhouse (Ann. of nat. hist. VII. p. 151) die von ihm be-
schriebene neue Art Cassieus popayanus ab und bildet daraus
das Subgenus Ocyalus (Ochyalus): „charaeteres ut in Cas-
sico, alae autem longissimae et caudae apicem transeuntes.”
Zu Astrapia fügte Souleyet (Bonite Zoolog. p, 83) eine neue
Art: A. carunculata; „genarum cute nuda, instar carunculao
utrinque erecta.” Von Neuguinen.
70
Dentirostres. Zu den Würgern kam hinzu: Der Lanius
subceoronatus von A. Smith in den Illustr. tab, 68.
Aus desselben Zoologen Lanius melanurus erwiehtet Lich-
tenstein im Berl. Verz. 1842. S.12 eine eigne Gattung Da-
sanistes, wegen des starken, kurzen, zugespitzten Schna-
bels, der starren, den Schnabel ringsum mit den Nasen-
löchern verdeckenden Borsten und wegen der. sonderbaren
Schwanzform. Die Art hat er 2. eissoides genannt.
In den Birds of Austral. Part. V wurden Fulcunculus frontatus
Lath. und Zeucogaster Gould abgebildet. — Collurioeinela brunea.
und rufiventris Gould (Ann, of nat. hist. VIII. p. 70), neue Arten
aus Neuholland.
Piezorhynchus ist eine von Gould (Ann. VII. p. 140)
unter den Muscicapiden errichtete Gattung, die er von den
andern durch ihren seitlich zusammengedrückten Schnabel un-
terscheidet. Die einzige Art: P. zitidus ist aus Neuholland.
Wegen der zwei verlängerten mittlern Steuerfedern hält
Striekland (Ann. VII. p. 522) sich für berechtigt aus dem
Platyrhynchus filicaudus Spix eine eigne Gattung Copurws
zu stempeln, was füglicher unterblieben wäre.
Hombron und Jacquinot (Ann. des sc. nat. XVI. p. 312) ga-
ben von ihrer Muscicapa rugensis eine Beschreibung.
Sehr überflüssig war Gould’s (Ann. VII. p.141) Bemühen, aus
der. Muscicapa (Myiagra) macroptera eine besondere Gattung Mi-
eroeca zu errichlen, der er noch eine 2te Art als M. assimilis von
Neuholland zutheilt. — Eben daher ist seine Myiagra latirostris (a.
a.0. 8.142), so wie seine Rhipidura isura (ebenda 8.143) und RA.
albescapa (Birds of Austral. Part.I),
Subulirostres. Von Port Natal stammt A. Smith’s Cos-
sypha natalensis (Wlustr. tab. 60). — Lichtenstein beschreibt im
Berl. Verz. S. 14 einen Turdus crassirostris; ,„T. dorso cine-
reo-canescente, abdomine albo, maculis (congenerum) obcordatis
atris undique consperso. Longit. 8} poll. Statura T. pilaris. Rostrum
validum, grypanium culmine carinato, mandibula basi flava, angulo
mentali prominulo. Tectrices alae infer, dilute ochraceae.” Vom Kaf-
fernlande. — Von St. Fe de Bogota ist Fraser’s Turdus gigs (Ann.
Vu. p.152). — Von Souleyet ist in der Zoolog. der Bonite p. 86
ein Ixos Fisquetii aufgestellt: „I. fronte viridi-flava, nigricante
gula, plumis uropygii nigris subflavo terminatis.” Von Malabar. -
Von der Pitta brachyura trennte Gould (Birds of Austral. Part. II)
eine P. Vigorsii ab wegen ihrer ansehnlichen Grösse und des hell-
grünen Streifens, der von den Nasenlöchern an über das Auge bis
zum Hinterhaupte verläuft. — Eine andere Art beschrieb Souleyet
(Bonite. Zool. p. 78, tab.3) und gab ihr zwar den Namen P. iren«
71
Temm., wobei er jedoch ungewiss bleibt, ob sie dieser wirklich
angehört, oder mit P, supereiliosa Cuv. identisch ist. Seine Dia-
gnose lautet: ,,‚P. antiis, superciliis temporibusque flavis, nucha igni-
colora, uropygio exalbido.”
Cinclosoma punctatum Vig. und ©. castanotis sind von Gould in
seinen Birds of Austral. Part.I. abgebildet worden.
Eine schöne neue Art ist Gould’s Ocypterus personatus
von Neuholland (Ann. VII. p. 573). — Von Port Natal ist A. Smith’s
Trichophorus flaviventris (llustr. tab. 59). — Hombron und
Jacquinot beschrieben das Weibchen von Criniger affinis (Ann.
des se. nat. XVI. p. 313).
Aus der Motacilla africana Er ‚ die Swainsen zu Malurus,
Lichtenstein zu Sphenura rechnete, bildete Strickland wegen des
stark zusammengedrückten Schnabels und des keilförmigen Schwan-
zes die Gattung Sphenoeacus (Ann. VII. p. 521).
In den Birds of Austral. Part. II. gab Gould die Abbildungen
von Malurus cyaneus, longicaudus, melanotus, splendens, leucopterus,
Lamberti, elegans, melanocephalus und Brownii. — Vom Kaffern-
Jande ist Lichtenstein’s Malurus (Erythropygia?) tin-
niens; „M.pileo cerviceque fusco-rufis, vertice nigro striato, pen-
nis dorsi tecetrieibusque atris cinereo-limbatis, remigibus rectrieibus-
que nigris rufo-marginatis, his apice albido, gastraeo toto einereo
(Berlin Verz. 8. 13). Wie Lichtenstein bemerkt, ist der abyssini-
sche M. ruficeps Temm. ähnlich, aber kleiner, ohne Scheitelstrei-
fen, alle Farben verwischter. — Im nämlichen Hefte hat Gould den
Stipiturus malachurus und Amytis textilis und striatus abgebildet;
im 5ten Hefte Dasyornis australis und longirostris.
Mit einer unnöthigen Gattung mehr hat Gould in den
Ann. VI. p. 139 die Saxicolinen bedacht und sie Drymodes
benannt.
„Bostrum rectum, ad latera apicem versus paulo compressum,
fere longitudine capitis, apice leviter denticulato, basi vibrissis parce
instructa. Alae mediocres, rotundatac, remigum primo brevissimo,
quinto longissimo, Cauda mediocriter elongata, paulo rotundata.
Tarsi longi, graciles, antice superficie integra. Digiti mediocres,
externus horum quam internus paulo longior, posticus cum ungue
quam digitus intermedius cum ungue brevior.” — Die Art heisst D,
bruneopygia von Neuholland.
Zwei nicht viel bessere neue australische Gattungen , die
füglich mit Acanthiza vereinigt werden könnten, sind von @ould
als Pyrrholnemus und Xerophila bezeichnet worden.
Von Pyrrholaemus heisst es in den Ann. VII. p. 142: „rostrum
quam enput brevius, ad latera paulo compressum, ad apicem denti-
culo vix notando, vibrissis parvulis ad basin, naribus linearibus et
opereulo tectis. Alac breves, rotundatae, remigum primo perbrevi,
72
tertio longissimo, Cauda brevis, rotundata, concava. Tarsi medio-
cres; digitus externus quam internus longior.” Als Art ist P, brun-
neus beschrieben. — Die Diagnose der Gattung Xerophila lautet:
„rostrum breve, semiconi instar, ad basin robustum, ad apicem haud
denticulatum, basi vibrissis antice ductis parce instructa; naribus ro-
tundatis et plumis minutis- obtectis. Alae mediocres, remigum primo
brevi, tertio et quarto longissimis, tertioriis Jatis et paulo elongatis.
Cauda mediocris, ad apicem quadrata et aliquanto concava. Tarsi
robusti; digitus posticus validus, digiti antici debiles, horum exter-
nus longissimus.” Die neue Art heisst X. leucopsis.
Zu Acanthiza fügte ferner Gould die neue Art: A. inornata
vom Schwanenflusse bei (Ann. VII. p. 141); Lafresnaye die A. te-
nuirostris von Neuseeland (Rev. Zool. p.242), — Ephthianura tri-
color von Gould (Ann, VIII. p. 66); von denselben 8. 144 Psilopus
eulicivorus von West -Neuholland.
K. Bonaparte beschrieb in der Rev. Zool, p.145 einen Parus
ultramarinus aus Tunis. — Gould bildete in den Birds of Austral.
Part. III. sein Sphenostoma eristatum ab. — In den Ann. VIM. p.71
charakterisirt er einen Zosterops chloronotus von Neuholland; ebenda
8.140 eine Praticola campestris.
Vom Kafferland stammt Lichtenstein’s Anthus Chloris;
„Long. 63 poll. Notaeo fusco, pennis nigris ferrugineo marginatis,
gastraeo helvolo, medio abdomine, flexura alae et remigum majorum
margine laete ranunculaceis” (Berl. Verz. S.13).
Von Krynicki ist eine Motacilla (Budytes) Kaleniczen-
kii aufgestellt und von Kaleniczenki in den Bull. de Mosc. p. 229
beschrieben und auf tab. 20 abgebildet worden: dj capite et collo
nigris, dorso uropygioque olivaceis, subtus flavissima, cauda alisque
atro-bruneis, rectrieibus externis binis oblique albis. Rostrum et pe-
des nigri. similis, capite dorso concolore, coloribus pallidioribus,
subtus laete flava vel albedine admixta. In Taurien auf trocknen
Feldern an den Wegen, an manchen Stellen in grosser Anzahl. Ref.
erinnert, dass die ganze Beschreibung vollständig auf die M. mela-
nocephala passt, wie wir sie aus Griechenland erhalten haben.
Certhiaceae. Climacteris scandens, rufa, erythrops und
picumnus wurden von Gould in den Birds of Austral. Part. IV. ab-
gebildet; Tropidorhynchus corniculatus und argenticeps, so wie An-
thochaera mellivora ebenda Part. I.
Die Gattung Ptilotis vermehrte Gould in den Ann. VIII. p. 66
mit 2 australischen Arten: Pirlotis sonorus und eratitius. In Abbil-
dungen stellte er in den Birds of Austral. Part. II. dar: Pr. ornatus
und plumulus, und Part. IV. Pt. fuscus. — Part. I. bildete er Mel.
phaga australasiana ab, und in der Ann. VIII. p. 67 beschrieb er eine
neue Art: M, mysticalis, zugleich mit G/yciphila albifrons und Myz-
antha obscura. Ferner 8. 139 Myzomela pectoralis und in den Birds
of Austral. Part. V. Myzomela pigra. — Von Entomyza wurde in
73
letzterwähntem Werke Part. II. E. cyanotis abgebildet und in den
Ann. VII. p.139 E. albipennis als neue Art aufgestellt.
Von Psophodes erepitans lieferte Eyton werthvolle Be-
merkungen über den innern Bau (Ann. VIII. p. 46).
vr. Das Wichtigste ist, dass der untere Kehlkopf mit 5 Paar Sing-
muskeln versehen, also die Gattung den ächten Singvögeln angehö-
rig ist. Die weichen Theile und die Zunge kommen der Menura
sehr nahe; auch in mehreren Stücken des Knochengerüstes findet
Übereinstimmung statt. — Eine Abbildung dieser Art ist inGould’s
Birds of Austral. Part. III. enthalten.
Plectorhyncha lanceolata Gould ist ebenda Part.IV., und Di-
caeum hirundinaceum Part. V., beide mit ihren Hängenestern ab-
gebildet.
Hirundineae. Vom Kaffernlande machte Lichtenstein
(Berlin, Verz. 8.18) 2 Arten bekannt: Hirundo rufifrons; H.
fronte castanea, dorso chalybeo, subtus alba, fascia pectorali nigra;
cauda emarginata longitudine alarum, rectricibus pogonio interno
macula quadrangulari alba. Longit. 6, poll. Affınis H. ruficipiti nu-
bicae, sed major et fascia pectorali nigra.” — H. fuligula; ,„H.
fuliginosa, »itoris expers, subtus rufescens, cauda vix emarginata,
rectricibus macula obliqua oblonga alba. Longit. 6 poll,” — Eine
neuholländische Schwalbe beschrieb Gould in den Ann. VI. p, 142
als H. leucosternus.
Menurinae. Über die anatomischen Verhältnisse wie
über die Lebensweise der Merura sind ausführliche Aufschlüsse
gegeben worden.
Die ersteren erläuterte Eyton in den Ann. VII. p. 49. Seine
Ansicht nach zeigt der Leiervogel die meiste Ähnlichkeit mit den
Insessores, unter welchen er mit Pteroptochos und vielleicht — was
er jedoch nur mit grosser Bedenklichkeit ausspricht — mit Alecthe-
lia und Megapodius eine Familie bilden möchte, die in Verwandt-
schaft zu den Scansores stünde. Vom Muskelapparat am Kehlkopfe
sagt er: „Ausser den gewöhnlichen Sterno-Tracheal-Muskeln finden
sich zwei andere Paare, welche beide ihren Anfang an den Luftröh-
renringen jeder Seite nehmen, da wo sie in die Brusthöhle eintritt.
Das vordere Paar setzt sich an der Vorragung nm Ende des 4ten
Bronchusringes an; das hintere Paar an den 3 obersten Ringen und
dem hintern Ende des 5ten. Ausser diesen sehr starken Muskeln ist
dem Stück der Luftröhre, über welches sie sich ausspannen, eine
Unterstützung durch eine Sehne gegeben, die an dem nämlichen Punkt
als das letzterwähnte Paar von Muskeln entspringt, aber zwischen
ihnen und bis zum Iiten, 12ten und Idten Bronchusring ausgestreckt,
an deren jedem sie theilweise sich anheftet.” Ein Kropf ist nicht
vorhanden; die Blinddärme sind kaum mehr denn rudimentür. Das
Brustbein ist lang und schmal und kommt mit dem der Insessores
s
74
überein, indem es nur 2 Ausschnitte am hintern Rande hat, unter-
scheidet sich aber wieder dadurch, dass es zwischen ihnen sehr weit
rückwärts verlängert und abgerundet ist. Die einzige Annäherung
zu dieser Form findet der Verf. bei einigen Papageien, nur dass bei
diesen, statt der Ausschnitte, Löcher vorkommen. — Wenn übhri-
gens Eyton’s Angaben vom Muskelapparat des untern Kelilkopfs voll-
kommen genau sind, so würde sich der Leiervogel von den ächten
Singvögeln sehr erheblich dadurch unterscheiden, dass er, statt fünf
Muskelpaare, deren nur zwei aufzuweisen hätte. In einem solchen
Falle könnte er auch nicht den Singvögeln zugezählt werden, son-
dern müsste unter den Wiedvögeln (Clamatores) seine Stelle erhal-
ten. Hierüber wird uns hoffentlich bald Owen einen definitiven Be-
scheid geben.
Nach den äussern Merkmalen hat Gould (Part. III.) den Leier-
vogel mit Pteroptochos und Sceytalopus zu einer Familie verbunden.
Unter allen Vögeln hält er ihn für den scheuesten. Im Laufe ist er
ausserordentlich schnell, wobei er den Schweif horizontal trägt. Unter
mancher sonderbaren Gewohnheit dieses Vogels führt Gould auch die
an, dass das Männchen kleine runde Hügel bildet, auf denen es täglich
herum trappelt, wobei es den Schweif in der schönsten Weise auf-
richtet und zugleich seine Stimme hören lässt, die theils aus seinen
eigenthümlichen Tönen besteht, theils solchen, die andern Vögeln,
selbst dem Hundsgeheul, nachgeahmt sind,
Clamatores.
Maerochires. Eine neue aus Cayenne erhaltene Chaetura
sieht Johnson für eine besondere Art an und giebt ihr den Namen
Ch. ruficollis (Ann. VII. p. 351).
Von der an’ neuen Arten Kolibri so reichen Gegend um St. Fe
de Bogota hat Gouye de Longuemare eine Ornismya (!) Ola-
risse publizirt (Rev. zool, p. 306). Ebenda (8.177) lieferte Bour-
eier nachträglich die Beschreibung von O. Bonapartei.
Caprimulginae. Das Wichtigste ist die von Joh. Mül-
ler mitgetheilte Beschreibung des innern Baues von Steatornis
(Bericht über die Verhandl. der Berl. Akad. 1841. S. 172).
Die Conformation des Schädels weicht von der der Ziegenmel-
ker und Segler bedeutend ab und bietet eine grosse Annäherung zu
den Raubvögeln dar, während in einigen andern Punkten sie sich
der der Ziegenmelker mehr als irgend einem andern Vogel annä-
hert. Das Brustbein hat nur einen äusserst schwachen Ausschnitt,
noch schwächer als bei den Ziegenmelkern. Eine Eigenthümlichkeit
ohne weiteres Beispiel liegt in der Bildung des untern Kehlkopfes.
Am untern Ende der Luftröhre befindet sich kein unterer Kehlkopf,
sondern sie theilt sich in 2 Bronchen, deren Ringe, gleich denen der
Luftröhre, vollständig sind. Der linke Bronchus hat 16, der rechte
41 Ringe bis zum Stimmorgan, welches ein Bronchus - Kehlkopf ist
75
und also doppelt vorkommt, An der Stelle des Kehlkopfs ist der auf
die Bronchial-Ringe folgende nächste Ring dicker und nicht mehr
ganz; darauf kommt noch ein dickerer Halbring, auf den der Stimm-
muskel wirkt. Die Muskeln sind: 1) der Seitenmuskel der Luft-
röhre, welcher bis zu deren Ende geht; 2) der Rumpf- Luftröhren-
muskel, welcher vom untern Ende der Luftröhre abgeht; 3) der ei-
gentliche Stimmmuskel; er liegt auf der Pars antilaryngea des Bronchus
auf, von dem Ende der Luftröhre bis zum Bronchus-Kehlkopf und
entspringt gerade, wo der Seitenmuskel der Luftröhre aufhört. Kropf
fehlt, der Drüsenmagen weiter als bei dem Ziegenmelker, der Ma-
gen wie bei diesem; die Carotiden beide vorhanden; die Bürzeldrüse
in eine Röhre verlängert. Die Querschienen am Lauf der Ziegen-
melker fehlen bei Steatornis ganz: dieser ist hier von einer unge-
theilten Haut überall bekleidet. Als Schlussresultat spricht der Verf.
aus, „dass Steatornis zwar auffallend genug von den Caprimulgus,
Aegotheles, Nyctornis und Podargus verschieden sei, jedoch mit ih-
nen und Cypselus zu derselben Familie der Caprimulginen zu rech-
nen sei.”
Aegotheles Novae Hollandiae und Podargus humeralis bildete
Gould in den Birds of Austral. Part. I, ab; in den Ann. VIII. p. 69
beschrieh er eine, dem letzteren sehr ähnliche Art, Podargus bra-
chypterus oder macrorhynchus.
Todidae, Vom Kaflfernlande stammt Lichtenstein’s Co-
racias natalensis; ,„tota statura C. abyssinicae; rectrieibus ex-
timis elongatis; colores notaei omnes saturatiores, fronte gulaque
sordide albis, macula parofica castanea, Jugulo pectoreque u 0
albo-striolatis.” (Berl. Verz. 8.16.)
Eine kurze Notiz vom innern Baue des Merops melanurus lie-
ferie Eyton in den Ann, VII. p.486; er macht auf die Ähnlichkeit
mit den Eisvögeln und Kolibris aufmerksam. — Hombron und Jac-
quinot beschrieben in den Ann. des sc, nat. XVI. p. 314 zwei neue
Bienenfresser: Merops subcorniculatus von Ceram, dessen
Schnabellfirste an der Stirne plötzlich vorspringt und hier eine Art
Kamm bildet; M. samoensis vom Samoa- Archipel, grösstentheils
umbra- und olivenfarben, an Kopf, Kinn und Kehle schwarz.
Lipoglossae. Zu den Nashornvögeln fügte Lichtenstein
(Berl. Verz. 8. 16) aus dem Kaffernlande einen Buceros leucomelas;
„B. ater, abdomine caudaque apice albis, tectricihus albis nigro-
marginatis, rostro argute carinato, bisulcato, flavo, apice castaneo.
Longit. 17 poll. — Remigum secundar. intermediae duae albae, pri-
mariac extus macula lineari alba notatae; rectrices albae, basi et
fascia media nigrae, Nares minutae ovales ad basin sulci inferioris.
Tomia dentata et apex rostri castanea, Huic affinis B, melanoleucos
Licht. Bechst. B. nasutus Var. $. Lath., Senegambiae incola, rostri
forma et pictura facile distinguendus.”
Buceros comatus ist in den Verhandeliogen tab, # abgebildet.
76
La Fresnaye (Ann. VII. p.551) machte sich die vergebliche
Mühe, nach bloss äusserlichen Merkmalen dem Wiedehopf seine Stel-
Jung im Systeme bestimmen zu wollen. Er übersah, dass Nitzsch
schon längst nach äussern und innern Merkmalen zugleich diese
fixirt hatte.
Über Neomorpha erhielten wir durch Gould interessante
Aufschlüsse,
Derselbe hatte diese Gattung 1836 errichtet und ihr 2 Arten bei-
gelegt: N. acutirostris und crassirostris, die in allen Merkmalen völ-
lig übereinkamen, nur dass die Form und Länge des Schnabels bei
beiden total verschieden war. G. R. Gray hatte bereits vermuthet,
dass diese Differenzen Geschlechts- Verschiedenheiten anzeigen möch-
ten, was Dieffenbach nun bestätigt hat. Die Neuseeländer stellen
diesen Vögeln sehr nach, so dass ihre Ausrottung zu befürchten ist,
Gould hat in der 3ten Lieferung eine prächtige Abbildung von beiden
Geschlechtern gegeben.
An einem, zum Theil mit falschen Federn versehenen Exemplare
von einem Eisvogel, glaubte G. R. Gray (Ann. VI. p. 237) doch
noch so viel wahre Kennzeichen übrig zu haben, um eine neue Art,
Tanysiptera nympha, darnach zu bestimmen. — A. Smith’s Hal.
cyon senegaloides ist der südafrikanische Repräsentant von H. sene-
galensis (Illustr. tab. 63). — Abbildungen lieferte Gould von Hal-
cyon sanctus Vig. und pyrrhopygia (Part. I.), welch letztere Art
er kurz vorher in den Proceed. 1840, p. 113 beschrieben hatte. —
Dacelo Lindsayi Vig. wurde in der Zoologie der Bonite tab.7 ab-
gebildet, auch dessen Jugendkleid beschrieben. — Dem Alcedo
diophthalmos Temm. in der Form des Schnabels ähnlich, sonst aber
in der Färbupg sehr abweichend ist ein Eisvogel von den Tonga-
Inseln, dem Hombron und Jacquinot den entsetzlichen Namen
A. diophthalmo-rufo-ventro gegeben haben (Ann. des sc. nat. XVI.
p. 315).
Zygodactylti.
Cuceulinae. Vom Coua (Cuculus madagascariensis Gm.) be-
zichtet Ackermann in der Rev. zool. p. 209, dass er mit besonde-
rer Begierde das Thier von Achatina verzehre und deshalb dessen
Schale an einem Steine zerschmettere. — Während Souleyet mit
der Anfertigung der Abbildung seines Phoenicophaus Barrotii (Bo-
nite. Zoolog, p.89 tab. 6) beschäftigt war, erfuhr er, dass Fraser
ihn mittlerweile in den Ann. VII. p.105 u. 112 als Ph. Cumingi pu-
blizirt hatte. Souleyet’s Exemplar ist gleichfalls von Luzon; seine
Diagnose lautet: „„Malcoha plumis cristae gutturisque laminis cor-
neis, nigris terminatis.”
Bucconidae. Unbekannter Herkunft und Geschlechtes ist
Bucco calvus Lafresnaye in der Rev. zool. p. 241. -
77
‘ Picinae. Eine unnöthige Gattung mehr ist von Strick-
land (Ann. VII. p. 524) den Spechten aufgeladen und Zra-
chypternus benannt worden.
Er bemerkt, dass Brachylophus in der Begrenzung von Swain-
son genommen 3 verschiedene Gruppen enthalte: 1) den Grünspecht,
der von Boie als Gecinus abgesondert worden wäre, 2) die karmin-
flügeligen Arten, zminiatus, puniceus und mentalis, welchen der Name
Brachylophus belassen werden solle, und endlich 3) die kurzdaumi-
gen Spechte, bei denen die hintere Zehe und Kralle sehr kurz, fast
obsolet ist, und die Strickland mit dem Namen Brachypternus
beehrt.
An neuen Arten ist zu erwähnen: Picus guttatus Lichten-
stein; „affinis P. nubico, sed aliquanto major, dorso nigro, fasciis
crebris albo-flavescentibus, pectore flavo maculis diseretis orbicu-
laribus nigris; abdomine medio citrino. Maspileo toto, cervice vit-
taque malari coceineis; Fem, pileo nigro, maculis confertis rotun-
datis albis, vitta malari et gula nigra.” Vom Kaffernlande (Berl.
Verz. 8.18). — Picus Karelini Brandt; „statura.fere P. cani..
Caput supra canum, pennarum apicibus coccineis, ante ipsum api-
cem nigro-fasciolatis, in fronte albo-terminatis. Genae, lora, colli
latera, gula, pectus et abdomen totum cum crisso albida, gulae in-
ferioris partis, pectoris et abdominis pennae nigricante-fusco fascio-
latae. A. rostri angulo versus colli latera stria fusco -nigra, infra
albido-punctata, supra stria alba a naribus ad infra oculos extensa
terminata. Dorsi pennae fuscae, albo fasciatae, apice flavovirides”
etc. Vom nördlichen Persien (Bulletin de Petersbourg IX. p. 12). —
Picus elegans Fraser von St. F& de Bogota, mit Colaptes cam-
pestris nahe verwandt (Ann, VII. p.153). — Picus callonotus
Waterhouse, wahrscheinlich von der Nordwestküste von Südamerika
(Ann. VI. p. 150). — Picus jubatus Lafresnaye (Rev. zool.
p. 242), unbekannter Heimath.
Rhamphastidae. Von Gould’s Monographie der Ram-
phastiden, übersetzt von Sturm, ist das 2te Heft erschienen.
Dasselbe enthält: Preroglossus castanotis, torquatus, pluricin-
etus, Humboldti, Langsdorffii, Wagleri, albivitta, atrogularis, Lich-
tensteinii und haematopygus. Unter diesen sind Pt, atrogularis
und Lichtensteinii 2 neue, von Sturm zuerst publizirte Arten;
der Pt. Wagleri ist identisch mit Pt. pavoninus und die Namensän-
derung unnöthig. Es beruht nämlich die Kenntniss von dieser Art
bisher auf dem einzigen Exemplare in der hiesigen Sammlung, das
ieh vom Herrn Baron von Karwinski aus Mexiko erhielt, und es mit
dem Namen Pt. pavoninus bezeichnete, Schon im Jahre 1836 stellte
ich in den Münchn, gel. Anzeig. I, 8.1071 dessen Synonyme fest,
indem ich nachwies, dass Wagler’s Pt. pavoninus identisch mit Lich-
tenstein’s Pr. prasinus sei, und dass der ächte pavoninus, wie er
78
von Linn,, Gmel., Latham und Vieillot auf Fernandez Autorität be-
gründet ist, in unserem Exemplare zu suchen ist. Der spanische
Schriftsteller sagt nämlich (Hist. anim. nov. Hisp. p. 51): „‚rostrum
quaternas pene uncjias longum, ei luteo ac nigro varium colore”,
was weit mehr auf unser Exemplar als auf Pi. prasinus passt. Ich
schlug daher schon damals vor, den alten Namen pavoninus unserer
hiesigen Art, den von prasinus (pavoninus Wagler) aber der Lich-
tenstein’schen zu belassen. — Sturm’s Pt. atrogularis aus Peru
unterscheidet sich von den nächstverwandten Arten (Pt. Wagleri,
prasinus und albivitta) sogleich durch die kohlschwarze Kehle, die
breit abgeflachte Schnabelfirste und die unter derselben hinziehende
Rinne. Pt. Lichtensteinii könnte nur mit haematopygus ver-
wechselt werden, ist aber durch die bedeutendere Grösse, die weisse
Kehle und den andersgefärbten Schnabel (bläulich bleifarben, an der
Spitze und den Tomien gelblich hornfarben) leicht zu unterscheiden;
er ist ebenfalls aus Peru. — Man sieht, dass die Bearbeitung der
Gebrüder Sturm mehr als blosse Übersetzung ist, indem sie nicht
blos neue Arten beifügt, sondern höchst schätzbare Bemerkungen zu
den bereits bekannten liefert. Die künstlerische Ausstattung ist vor-
trefflieh. Vom isten Hefte her habe ich nachträglich zu bemerken,
dass Sturm’s Pr. melanorhynchus mit Waterhouse’s Pr. nigri-
rostris identisch ist.
Fraser sucht in den Ann. VI. p. 153 nachzuweisen, dass
Gould’s Pteroglossus Azxarae spezifisch von dem von Wagler ver-
schieden sei. Bei letzterem zeigt der Schnabel in jeder Altersstufe
(Fraser untersuchte ohngefähr 20 Exemplare) einen breiten dunkeln
Streifen längs des Oberkiefers, der schwarze Gurt ist sehr breit,
und die Scharlachbinde um den Bauch sehr schmal. Er schlägt vor,
den Gould’schen Vogel wegen der einförmigen Färbung seines Schna-
bels als Pt. flavirostris zu bezeichnen. — Auch Sturm giebt in sei-
ner Monographie an dem von Poeppig ihm zugesandten Exemplare
dieselben Abweichungen wie Fraser an.
Psittaeinae. Von vielen bisher unabgebildeten,, zum
Theil erst von ihm ganz neuerdings bekannt ‚gemachten Papa-
geien-Arten hat Gould in seinen Birds of Austral. wunder-
schöne Abbildungen geliefert.
Lathamus (!) discolor und Trichoglossus porphyrocephalus (Part.
T). — Euphema chrysostoma (Part. I), splendida, elegans, au-
rantia (Part. I), und Burki (Part. V). — Melopsittacus undu-
Zatus (Part. T), — Platycercus flaveolus, Adelaidiae (Part. IV) und
palliceps (Part. V). — Nestor productus (Part. V).
Sehr ähnlich dem Ps. purpureus ist Fraser’s Ps. chalcopterus,
aber durch seinen ganz gelben Schnabel verschieden. Von St. Fe de
Bogota (Ann. VI. p.153).— Vom westlichen Neuholland ist Gould’s
Licmetis pastinator (Ann. VIM. p.144). — Hombron und Jacgui-
79
not beschrieben in den Ann, des sc. nat. XVI. p, 317 das Weibchen
und eine Varietät von Lorius seintillatus Temm.; ihre Psittacula
diophthalma ist von Neuguinea, Psittaculus smaragdinus von den
Nuhiva-Inseln, Psittacus Geoffroyi heteroclitus (!) von den Salomo-
Inseln.
Die auf den Inseln des indischen Archipels vorkommen-
den Papageien-Arten sind im 4ten Hefte der Land- en Vol-
kenkunde von den niederländ. Verhandel. auf S.107 in einer
Tabelle zusammengestellt und 4 neue Arten kurz beschrieben.
Von Java sind 2 Arten aufgeführt, von Sumatra 3, ebensoviel
und zwar die nämlichen von Borneo, 2 von Celebes, 4 von Buton,
15 von den Molukken, 6 von Timor, 13 von Neuguinea. Die java-
nischen Arten sind verschieden von denen auf Sumatra und Borneo;
die grossen sundaischen Inseln haben keine Art mit den Molukken
und Neuguinea gemein. Auf letzteren beiden kommen zugleich vor
Ps. capistratus, Geoffroyi, magnus und grandis, die beiden ersteren
sind auch auf Timor.
Die 4 neuen Arten sind: Ps. eynauchen; in der Färbung am
meisten mit Ps. lory übereinkommend, doch ist er grösser und die
Farbenvertheilung anders. Kopfseiten, Kinn, Kehle, Brust, Rücken
und obere Schwanzdecken scharlachroth; Oberkopf schwarz; Hinter-
hals und untere Flügeldecken berlinerblau (bei Ps.lory roth). Bauch,
Schenkel und untere Schwanzdecken dunkelblau; Schwanz oben blau,
unten gelblich; Flügel oben grün. Von den Molukken. — Ps. re-
ticulatus; Grösse und Form von Ps. ruber; Farbe zinnoberroth;
die sehr schmalen Federn, welche die Ohren bedecken, dunkelblau,
die am Hinterhals mit lasurblauen Spitzen. Rücken, Flügel und
Schenkel hier und da mit schwarzen Flecken; Schwanzfedern schwarz
mit rother innern Fahne, Schnabel wie bei Ps. riciniatus hellgelb,
ins Orange ziehend. Von den Molukken, — Ps. cyanicollis; in
Grösse und Form mit Ps. Geoflroyi übereinkommend; Farbe papa-
geigrün, Kopf und Kinn olivenbraun, doch der Oberkopf mit blauem
Anflug, Hinterkopf ins Lasurblaue ziehend. Untere Flügeldecken und
Leibesseiten schön lichtblau; die grossen Schwungfedern unten
schwarz; Schnabel und Füsse dunkel. Von Celebes. — Ps. Mül-
leri; etwas kleiner als Ps. macrorlıynchus, mit dem er sonst sehr
übereinkommt, auch ist der kirschrothe Schnabel minder stark und
die Flügel sind nicht so schön blau, schwarz und gelb gescheckt.
Kopf, Schwanz und Flügel sind grasgrün; obere Flügeldecken theils
bläulich, theils gelblich gesäumt; Rücken und Unterleib gelbgrün;
Unterseite des Schwanzes schmutzig gelb, Von der Insel Buton.
Weiter behaupten die Verf, der Verhandelingen, dass Wagler
die Synonymik von Ps, capistratus und haematodus sehr verwirrt
habe, Sein Trichoglossus sei, wie sie sagen, der eigentliche Ps.
hnematodus, der nur Neuholland bewohne. Sein Trich, eyanogram-
80
mus weiche nur in der Farbe ein wenig von Ps. capistratus Bech-
stein ab. Wagler’s Beschreibung von Trich. haematodus sei nach
dem capistratus entworfen, wie er sich beständig auf Timor findet,
während sein cyanogrammus auf diejenige Rasse von capistratus sich
beziehe, welche auf den Molukken und der Westküste von Neugui-
nea einheimisch wohne. —- Wagler’s Palaeornis melanorhynchus er-
klären sie für den jungen Vogel von Ps, pondicerianus., Ps. verna-
dis und galgulus sei mit Unrecht von ihm für identisch erklärt worden.
Chr. L. Brehm’s Monographie der Papageien, istes Heft, ist
mir zur Zeit nur dem Titel nach bekannt.
Amphibolae. Mit Recht bemerkt Joh. Müller (Be-
richt über die Verh. der Berlin. Akad. 1841. S.179), dass
Opisthocomus zu den andern Gattungen dieser Gruppe gar
nicht passe. Von Coliws erwähnt er, dass er bei ihm einen
sehr dicken Singmuskel, bei einem doppelten Ausschnitt am
Brustbein, und wie bei den eigentlichen, Singvögeln nur eine
einzige (linke) Carotis gefunden habe. Corythaix hat keinen
Muskel am Kehlkopf, keine Blinddärme, schwach muskulösen
Magen, einfache Speiseröhre, 2 Carotiden.
Columbinae. ,
Les Pigeons, par Madame Knip, nee Pauline de Cour-
celles, Tome second. Le texte par M. Florent Prevost.
Paris. 1—8 livrais. Gross Fol.
Mad. Knip ist seit langer Zeit den Ornithologen wohl bekannt
durch die prachtvollen Abbildungen, welche sie in der Hist. nat. des
pigeons exotiques von 1807 — 1811 lieferte und wozu Temminck den
Text anfertigte. Seit jener Zeit hat sich die Anzahl der Taubenar-
ten verdoppelt und Mad. Knip hat sich deshalb entschlossen, einen
2ten Band herauszugeben von 15 Lieferungen, jede mit 4 Tafeln im
Preis von 25 Fr. Bis jetzt haben wir 7 Lieferungen erhalten, de-
ren Abbildungen man das Zeugniss geben muss, dass sie mit grosser
Schönheit ausgeführt sind; den Text besorgt F. Prevost. In den bis-
herigen Lieferungen sind abgebildet: Columba puella Less,, leucotis
T., Zoeae Less., porphyrea T., humeralis T., cyanovirens Less.,
Reinwardtsi T., humilis T., rufigaster Quoy, Sieboldü T., gularis
Quoy, olax T., lophotes T., pulchella T., Pinon Quoy, janthina T.,
viridis L., denisea T., dilophus T., Dussumieri T., perlata T., boli-
viana D’Orb., vanthura Cuv., oceanica Less., magnifica T., venusta
T., gelastis T., Teucomelas T., radiata Quoy, oxyura T., modesta T.,
Aymara D’Orb.
Auch bei dieser Ordnung hatte Gould die Freude, eine
neue Gattung zu produziren, Petrophassa von ihm benannt
(Ann, VIII. p. 143). „amt
s
„Characteres generiei fere ut in Peristera. Alae autem et ro-
tundatae sunt et admodum breviores; deest etiam color metallice ae-
neus. Cauda magis rotundata.” Auf solche Minutien gründet man
jetzt Gattungen!! — Besser als die Gattung scheint die zu ihr ge-
zählte Art, P, albipennis von Westaustralien, festzustehen.
Abgebildet hat Gould in den Birds of Austral. Part. II. Peristera
histrionica, in den Proceed. von 1841 von ihm schon charakterisirtz
ferner Part. V. Lopholaimus antarcticus (Columba dilopha Temm.).
Hombron und Jacquinot beschreiben in. den Ann. des sc. nat.
XVI. 2.315 eine Columba luteo-virens von. den Viti-Inseln, ferner
C. Felicia von ebendaher, 2 Varietäten von C. Kurukuru Temm.,
wovon die.eine C. Kurukuru purpuro-leucocephalis von Nuhiva, die
andere C. Kurukuru superba von den Viti-Inseln stammt. Eine neu-
seeländische Taube betrachten sie als Varietät von C, spadicea Lath.
und bezeichnen sie als C. spadicea leucophaea.
By Gallinaceae.
Gallinae, Über die Lebensweise und die anatomischen
Verhältnisse der höchst merkwürdigen Z’alegalla Lath. von
Neuholland haben wir sehr genaue Aufschlüsse erhalten.
Erstere hat Gould in den Ann. VII. p.539) und in. den Birds of
Austral, Part. I. geschildert, in welch letzteren auch die vortreffliche
Abbildung dieses sonderbaren Vogels enthalten ist. Das Merkwür-
digste an ihm ist, dass er seine Eier nicht selbst ausbrütet, sondern
dass er zu diesem Behufe ähnliche Mittel wie bei der künstlichen
Ausbrütung anwendet. Einige Wochen vor dem Legen trägt er eine
ungeheure Masse von vegetabilischen Stoffen zusammen, 2—4 Kar-
renladungen ausmachend, aus welchen er einen pyramidalen Haufen
errichtet, In diesen Haufen legt er seine Eier, hedeckt sie sorgfäl-
tig und überlässt sie zur Ausbrütung der Hitze,/die durch Zersetzung
dieser Masse erzeugt wird. Die Haufen werden durch die Arbeit
mehrerer Paare aufgethürmt. Eier und Fleisch sind von gutem Ge-
schmack und der Vogel kann leicht an den Hausstand gewöhnt wer-
den. — Über die systematische Stelle, die dieser (bald zu den Hüh-
nern, bald zu den Geiern gezählten) Gattung) anzuweisen ist, gab
Owen durch Darlegung ihrer anatomischen Verhältnisse eine defini-
tive Entscheidung. Das Skelet kommt in allen wesentlichen Punkten
mit dem der Hühner überein und weicht demnach entschieden von
dem der Geier ab, Ein anderes wichtiges Merkinal ist das Vorkom-
men der musculi broncho -tracheales, welche die Länge und Span-
nung der Bronchien verändern, den seitlichen Durchmesser des un-
tern Kehlkopfs erweitern und auf seine Stellung einwirken; die Geier
sind aber gerade die Vögel, welche keine ächten Stimmmuskeln ha-
ben, Vonallen ächten Raubvögeln differirt Dalegalla wesentlich durch
den Magen und die verlängerten Blinddärme; jener hat alle Merk-
Archiv 1, Naturgeschichte, VIIL, Jahrg, 2, Bd F
82
male des Hühnertypus, diese kommen: am meisten mit den gleichna-
migen Theilem: bei’Crax und: Penelope. überein.
Aus eimem andern, mit Talegalla und Megapodius ver-
wandten Vogel, der erst seit Gould’s Reise bekannt wurde,
und gleichfalls Neuholland angehört, errichtete Gould eine
eigne Gattung Zeipou (Ann. of nat. hist. VII. p. 553).
Gattungscharakter: ‚„‚Rostrum fere tamlongum quam caput, gra-
cile, ad basin tumescens, tomiis undulatis et ad basin inenrvatis, na-
ribus amplis, oblongis,’ operculo tectis et in fovea centrali positis.
Caput suberistatum. Alae amplae, rotundatae, concavae; e remigi-
bus primariis quinto longissimo; tertiariis quam remiges primarii fere
tam longis. Cauda rotundata, rectrieibus 14. Tarsi medioeres, ro-
busti, antice scutis, postice squamis rotundatis haud aequalibus teeti,
Digiti subbreves; digitis Tateralibus inter se fere aequalibus.” — Der
Art gab Gould den Namen L. ocellata,; sie bewohnt offene Sandllä-
chen, baut Haufen aus Sand, ‚troeknen Blättern und Zweigen, in
welchen sie ihre Eier verbirgt und diese zum Aushrüten lediglich der
Sonnenwärme und der durch Zersetzung hervorgebrachten Hitze über-
lässt. Auch Megapodius brület seine Eier nicht selbst aus. In den
Birds of Austral. Part, I. ist diese L. ocellata- ‚abgebildet.
Einen’ neuen Fasan aus Arrakan benannte M’Clelland
Phasianus fasciatus (Caleutt. journ. 1841. p. 146. tab. 3).
Vorderhals, Brust und Unterleib schwarz, Schopf (crest) schwarz
und an der Basis schwach. rückgebogen; an den Brustseiten weisse
lanzettförmige Streifen. Leib oben grau, das Gefieder fein gewellt
durch weisse Zickzack-Livien, die vom Rande zu dem Schaft jeder
Feder verlaufen, An jeder Wange ein nackter rother Fleck, bis un-
ter den Mundwinkel reichend, Tarsen und Schnabel grau,
Stabskapitain Mostschoulski beschrieb in den Bull. de
Mose. 1839. S. 94ein Rothhulm, in dem er nicht blos eine
neue Art, sondern auch eine neue Gattung zu erkennen glaubte,
und legte ihm den ‚Namen Chourtka alpina bei.
Das Weibchen ist 22—26” lang. Colore primariosuhflavo, su-
pra obscure cinereo-variegata, pecetore ventreque ruhro-testaceis,
plumartım medio nigroz;‘gula abdomineque albis; pennis subflavis ni-
gro-variegatis, remigibus albis, apice eorum tectricibusque atris; cA-
pite griseo, malis ab! oculis usque ad aures calvis, auribus plumis
longis cinereis obtectis;'rostro atrovirente, naribus cartilaginibus in-
Nlatis membranaceis fulvis ornatis; pedibus rubris. Das Männchen
ist grösser, fast von Gansgrösse. Im Winter wird das Gefieder dich-
ter, wo dann auch die’ Augenkreise befiedert sind. Nistet‘ auf dem
höchsten Felsengipfeln des Kaukasus und hält sich immer in.der Nähe
der Schneeregion. Unzertrennlich vom Steinbock, von: dessen Mist
83
es sich, wie der’ Verf. angiebt , nähren soll, was freilich ein Jäger-
mährchen ist, das verworfen werden müsste, wenn auch der Kapi-
tain M. nicht selbst bei Öffnung des Magens darin Sandkörnchen und
alle Arten Sämereien von Alpenpflanzen gefunden hätte. Das Männ-
chen ist übrigens am Laufe mit einem Höcker versehen. — Was die
neue Gattung anbetrifit, so sieht Ref. keinen Grund ein, warum sie
von Perdix (im Sinne von Keys. u. Blas.) abgetrennt werden sollte.
Als Art steht dieses Rothhuhn der Perdix altaica sehr nahe und ist
mit dieser genauer zu vergleichen.
Is. Geoflroy schrieb eine kleine Abhandlung über die weiblichen
Vögel, ‘welche männliches Gefieder annehmen. Seine eignen Beob-
achtungen beziehen sich auf Phasianus colchicus, nycthemeros und
torgquatus; von den ‚beiden letzteren liess er solche Weibchen abbil-
den, auch Bastarde vom gem. Fasan mit dem Gold- und Silberfasan
(Essais de Zoolog. generale. p. 493).
COrypturidae. Von Tinamus Soui bemerkt Joh. Müller,
dass er keine Muskeln am untern Kehlkopf und 2 Carotiden habe,
(Bericht über die Verhandl. der Berliner Akad. 1841. S. 178).
Hemipodius velox und pyrrhothorax, 2 neue australische Arten
von Gould in den Proceed. 1840. p.150 beschrieben und in den Birds
of Austral. Part. II. auch abgebildet.
Opisthocominae, Mit Wiegmann (Archiv IV. 2. S. 365)
ist Ref. der Meinung, dass Opisthocomus am Besten als
abweichende Form mit den Hühnervögeln ‚zu. verbinden. ist,
Zu Lherminier's Angaben vom innern Bau fügt Joh. Mül-
ler (Berichte über die Verh. der Berl. Akad. 1841. S. 177)
die Bemerkung hinzu, dass eine grosse Hardersche Drüse,
keine Nasaldrüse, 2 Carotiden, keine Singmuskeln, kein knö-
chernes Siphonium, kein Penis vorhanden, die Bronchen kurz
und die Blinddärme weit, keulenförmig und 4— 6 mal so lang
als breit seien.
Cursores.
Von Apteryz australis hat nun Gould in seinen Birds of Austral.
Part. IL. eine Abbildung geliefert.
Hinsichtlich der geographischen Verbreitung des ostindischen Ka-
sünrs macht S. Müller in der Land- en Volkenk. n.4. p.109 be-
merklich, dass dieser zwar auch die grossen Waldungen von Ceram
und Neuguinea bewohnt, aber im indischen Archipel nicht westlich
von den Molukken gefunden wird.
Grallae.
Alectorides. Aus dem Innern Neuhollands machte uns Gould mit
einem neuen Trappen, Otis australusianus bekannt (Aun. VII. p.145).
F*
84
Fulicariae. InPeru fand Souleyet (Bonite. Zoolog. p. 102
tab. 8) ein Blässhuhn auf, dem unserigen zwar.sehr ähnlich, ‚aber
um die Hälfte grösser, und gab ihm den Namen Fulica gigantea,
mit der Diagnose: ,‚F. rostro pedibusque rubris, elypeo frontis flavo.?
— Bartlhelemy macht in der Rev. zool. p. 307 darauf aufmerksam,
dass Fulica carunculata auch der europäischen Fauna angehört, in-
dem sie jährlich auf dem Albufera-See in Valencia erlegt werde, und
dass auch zu Anfang 1841 in der Nähe von Marseille ein Exemplar
geschossen worden wäre. — Von seinem Tribonyx Mortierü, gab
nun Dubus in den Bull. de Pacad. de Bruxell. 1840. p. 212 eine Ab-
bildung. — Porphyrio bellus von Gould im westlichen Australien
entdeckt (Proceed. VI. p.176; Birds of Austral.. V.). — Unhekann-
ter Herkunft ist der Rallus brachypterus. von Lafresnaye, auf den
er die Untergattung Gallirallus begründete.
XLimicolae. Aus einer hieher gehörigen Trappen ähn-
lichen australischen Form errichtete Gould in den Ann. VII.
p. 542 die Gattung. Pedionom us.
Gattungscharakter: ‚„Rostrum tam longum quam caput, apicem
versus compressum, fere rectum, naribus valde elongatis, in fovea
basali positis. Alae valde concavae, remigibus primo, secundo et
tertio inter se fere aequalibus, remigibus tertiariis perlongis et pri-
marios transeuntibus. Tibiae super suffraginem nudae. Tarsi medio-
eriter elongati, scutis undique tecti, his, reticulis minufis, sejunctis.
Digiti quatuor; horum posticus debilis et apıd partem internam tarsi
sursum positus.” — Die Art heisst P. torquatus (Birds of Austral.
Part. 1). :
Die Regenpfeifer theilte Strickland in den Ann. VII.
p- 524 in die Gattungen Oharadrius, Squatarola, Eudromias,
Hiaticula, Philomachus, Vanellus, Sarciophorus und Lobiva-
nellus ab.
Beide letztere Gattungen sind von Strickland erst errichtet und
zeichnen sich aus durch die ‚‚membrana loris affıxa, nuda, erecta,
in anticum protensa.” Zu Sarciophorus rechnet er.Ch. päleatus, |
tricolor (pectoralis) und bilobus. Zu Lobivanellus: Ch. goensis,
gallinaceus, ludovicianus, senegalus, albicapillus, macropterus, Bris- |
sonü, albiceps und cucullatus.
Neue Art ist: Eudromias australis Gould in den Ann. VIIR p: |
143; abgebildet wurde in den Birds of Austral. Part. IL. Erythrogo-
nys cinctus.
Blainville hatte Gelegenheit, die Gattung C’Aionis nach‘
Weingeist- Exemplaren untersuchen zn können, und lieferte |
darnach in dem zoologischen Theil der Reise der Bonite.S..107
85
ausführliche Bemerkungen über den äussern und innern Bau
des Scheidenvogels und über seine systematische Stellung.
Nach einer schr umständlichen Beschreibung der äussern Theile
geht Blainville zur Schilderung des Skelets über. Das Brustbein hat
die Form eines Parallelograms mit fast geraden Rändern und ist et-
was schildförmig gebogen. Der Vorderrand ist mit einem mittlern,
wenig vorspringenden Fortsatze versehen; der Rippenrand ist lang,
schwach und ziemlich gleichförmig in seiner ganzen Ausdehnung aus-
gehöhlt, sein vorderer Rand sehr wenig vorspringend; der Abdominal-
rand ist ganz eingenommen von zwei Ausschnitten, die durch 3 vier-
eckig abgestutzte Fortsätze geschieden werden. Der äussere ist
grösser und tiefer als der innere, der Neigung zeigt, zu einem Loch
sich umzuwandeln, Die Aussenfläche des Brustbeins ist ziemlich ge-
wölbt; die Insertionsleiste des mittlern Brustmuskels dehnt sich schief
nach der ganzen Länge aus. Die mittlere Leiste ist sehr hoch; ihr
Rand ist vorn ziemlich tief ausgehöhlt, hinten abgerundet, ohne dass
der Winkel es ist, Vom Kropf ist keine Spur vorhanden. Der Ma-
gen klein und mittelmässig muskulös; ausser den beiden, gepaart
stehenden, Blinddärmen ist noch ein dritter unpaariger vorhanden, —
Bei Ermittelung der systematischen Stelle dieses Vogels, die ihm
bald bei verschiedenen Sumpfvögeln, bald bei Schwimmvögeln, ja
selbst Hühnern und Tauben angewiesen wurde, schliesst die Form
des Brustbeins gleich die Tauben und Hühner aus; dasselbe gilt für
die erwähnten Weichtheile. Dagegen kommt der Scheidenvogel in
all diesen Stücken mit Ostralegus und Larus überein, zwischen wel-
chen nun zu wählen ist. Mit letzterem kommt er in der Kürze der
Tarsen und besonders in der geringen Ausdehnung der nackten Par-
tie am Unterschenkel, wenn sie anders vorhanden ist, überein;
Blainville schliesst ihn jedoch wegen der Nichtzusammendrückung der
Tarsen, des fast völligen Mangels der Schwimmlaut und der breiten
Form der Zehen an den Austernfischer an, welche Annäherung auch
noch durch einige andere Theile des Skelets bestätigt wird. Auf Tab. 9
ist Kopf, Brustbein und Blinddärme des Scheidenvogels abgebildet,
ausserdem noch das Brustbein des Austernfischers.
Eine zweite Art glaubt Hartlaub in der Rev. zool. p.5 als
Chionis minor, wegen ihrer geriogern Grösse, ganz schwarzen
Schnabels und vorzüglich wegen einer ungewöhnlichen Form der
Schnabelscheide unterscheiden zu dürfen. Seine Diagnose lautet:
„Ch. nivea, rostro nigerrimo, pedibus saturate fuscescentibus, spatio
supraoculari subrotundo, nudo, nigro; rostri vagina subeoncava,
antrorsum ascendente, aperta (in Ch. alba plana, incum-
bente).” — Da jedoch die Färbung des Schnabels und der Füsse in
den Beschreibungen sehr verschieden, und darunter auch als schwarz
angegeben wird, da ferner Blainville von der Scheide aussagt: sou-
lovee a son bord anterieur, auch dass sie bisweilen so weit vor-
rücke, um einen "Theil der Nasenlöcher zu verbergen, zumal bei den
86
Männchen, also ihre Form, besonders beim Trocknen, veränderlich
ist, so sieht Ref. vor der Hand diese Chionis minor blos für ein jün-
geres Individuum von Ch. alba an.
Gleichzeitig, ohne dass Einer vom Andern wusste, publizirten
Hombron und Jacquinot (Ann. des sc, nat. XVI. p. 320), so wie
Gould (Ann. VIII. p. 227) eine und dieselbe neue Art von Strand-
reutern aus Neuseeland. Erstere gaben ihr den Namen Himantopus
melas; letzterer nannte ihn H. Novae Zeelandiae, bildete ihn auch
und den H. lexcocephalus, so wie den Himantopus (Cladorhynchus)
pectoralis Dub. in den Birds of Austral. Part. IV. u. V. ab.
Zwei neuen neuholländischen Brachvögeln gab Gould in den
Ann. VII. p.145 den Namen Numenius uropygialis und minutus. —
S. Müller publizirte in der Land- en Volkenkunde n. IV. p. 110
einen N. minor von Amboina und Neuholland, doch passt die ganze
Beschreibung auf Gould’s N, uropygialis, mit dem er daher identisch
sein wird.
Die Brüteplätze der Tringa platyrrhyncha fand Logesen in Nor-
wegen auf, bei der Station Fogstuen auf einem grossen Moore. In
jedem Neste sind 2—3 Eier, die ziemlich gross sind und an Form
und Farbe denen der Tringa alpina gleichen (Isis 1841. 8. 416).
Natatores.
Longipennes. Unbekaunter Herkunft, ist die von Lafres-
naye in der Rev. zool. p.242 charakterisirte Sterna teretirostris.
Tubinares. Gould’s Thalassidroma Nereis aus der
Bassstrasse unterscheidet sich von.den meisten Arten dieser Gruppe,
indem sie kein Weiss auf dem Rücken hat und rein weiss am Unter-
leib ist, — Von ebendaher ist Gojuld’s Diomedea cauta, nahe
verwandt D. melanophrys, aber grösser (Ann. VIII. p. 147).
Unguirostres. Reinhardt (Isis 1841. 8.417) prüfte an 5
aus Island erhaltenen Schwanen-Skeleten die vom Verhältnisse zwi-
schen Luftröhre und Brustbein, so wie von der Länge des Laufs und
der Mittelzehe hergenommenen Merkmale, welche Naumann zur Un-
terscheidung des Cygnus islandicus vom €. musicus angegeben hatte.
Das Ergebniss seiner Vergleichungen ist, dass sie die Verschieden-
heit bedeutend vermindern, welche in den angegebenen Verhältnis-
sen und der Totallänge zwischen einer nordöstlichen grösseren Art
(©. musicus) und einer nordwestlichen kleineren (©. islandicus) statt-
finden sollte; es würden wenigstens Individuen der auf Island sich
aufhaltenden Schwäne in einigen Rücksichten zur ersteren, in ande-
ren zur zweiten Art gerechnet werden können.
Vom Cygnus buceinator bemerkt der Privz von Wied (Reise II.
8.44), dass er die einzige Schwanenart ist, welche ihm am Missuri
vorgekommen sei.
Lafresnaye unterhielt ein Männchen von Anser cygrnoides und
ein Weibchen von 4, canadensis, die sich mit einander paarten. Da\
87
unter den‘bierdurch entstandenen Jungen beide, Geschlechter sind, so
will er deren weitere Fortpflanzung versuchen.(Rev. Zool. p,143).
Zu solchen Versuchen. — mit der nöthigen. Sorgfalt in Abhaltung
fremder Vermischung ausgeführt — können wir nur aufmuntern, als
zur Zeit noch sehr wenige unzweideutige Thatsächen vorliegen, wie
weit die Früchtbarkeit von Bastarden, die unter sich verpaart
würden, reichen möge.
Von den Sandwichs-Inseln stammt der in der Zoologie der Reise
der Bonite S.104 beschriebene und tab. 10 ahgebildete Anser ha-
waiiensis; „A. capite, nucha auchenioque nigris, subflavo torque
alteroque fusco.” Als etwäs Besonderes wird es angemerkt, daas
der Oberkiefer kürzer und schmäler als der untere ist, wenn anders
dies nicht ein zufälliger Umstand ist.
Naumann ist mit der Bearbeitung der deutschen Gänse-
Arten zu Ende gekommen.
Als Arten zählt er auf: 1) Anser hyperboreus, 2) A. cinereus,
3) A. arvensis Brehm, 4) A. segetum, 5) 4. intermedius Naum., 6)
A. albifrons, 7) A. minutus Naum., 8) A. leitcopsis, 9) A. torguatus,
10) A. ruficollis, 11) A. aegyptiacus. — Sehr ausführlich hat Naumann
die Verschiedenheiten ‚zwischen A, arvensis und, segetum beleuchtet
und ihre spezifische Trennung gerechtfertigt. Sein A. intermedius
ist identisch mit Brehm’s A. Bruchii, welch letzterer indess blos auf
jünge Vögel begründet war. Der A. minutus istidentisch mit Heckel
und Brehm’s A. brevirostris, 4A. ruficollis und aegyptiacus sind bei
uns blos verirrte Flüchtlinge.
Aus, dem. Kaflernlande stammt a a far pileata;
„4A. tota statura Querquedulae; ‚pileo nigro ‚vitta supereiliari nulla,
gua genisque sordide albis, collo circum. undique maculato, dorso
squamato, abdomine dilute ferrugineo,, Remiges. secundariae atrae
apice albo, tectrices, aeneo -virides, inde speculum simplex album,
nigro utriuque argute, marginatum.” (Berlin. Verz, 8. 20)... Auf
Neuholland heimisch ist Gould’s Anas naevos@,(Proceed. 'VIIL,.-p-
177; Birds of Austral. Part. V). — Die Anatomie;von Bizeura lobat«
lieferte Eyton (Ann, VII. p. 177). — Den innern Bau einer monströ-
sen Mfüssigen Ente beschrieb Bassow in den Bullet, de Moscou 1840.
p. 204.
Eine Sägerente von der Auckland-Insel machten Hombron und
Jacquinot in den Ann. des sc. nat. XVI. p. 320 als Mergus au-
stralis bekannt; oben dunkelbraun, fast schwarz, Hals röthlichbraun ;
Kehle und Vorderhals röthlich, Brust schiefergrau, weiss gewellt, Bauch
weiss, grau gewellt, Spiegel weiss, von einer schmalen schwarzen
Binde durchschnitten.
Die Luftröhre von Anser gambensis beschrieb Yarrell in den
Proceed. IX. p. 70,
88
Steganopodes. "Eine dankenswerthe Bereicherung der
Ornithologie ist Brandt’s trefiliches Tentamen monographiae
zoologicae generis Phaöthon (Mem. de Petersb. 1840. III,
5— 6 liyrais. p. 239).
Nach ausführlicher Beschreibung der äussern Beschaffenheit der
Gattung, des Zungenbeins und Kehlkopfs, nebst mehreren anderen
anatomischen Notizen und der Schilderung der Lebensweise und
geographischen Verbreitung, werden die einzelnen Arten mit gröss-
ter Genauigkeit erörtert. Als sicher nimmt Brandt nur 3 Arten an:
1) Ph. phoenicurus Gm., 2) Ph. aethereus Linn. und 3) Ph, flaviro-
stris Brandt, dem er nach dem Vorgange mehrerer Ornithologen mit
Recht als eigne Art absondert. Als Diagnose für ihn stellt Brandt
auf: „subflavescente suhpallide aurantius (vel albus?); rostro flavo
basi longitudinaliter nigricante maculato; fascia transversa supra alas
et remigibus quatuor exterioribus in pogonio externo atris; rectrici-
bus caudae mediis elongatis, scapis supra usque ad apicem flavescen-
tem (vel album?) atxis.”
Von Neuholland ‚ist Gould’s Sula australis (Ann, VII, p. 146);
Phalacrocorax punectatus Sparm, wurde von ihm in den Birds of Au-
stral. Part. V. abgebildet.
Für Ersch und Gruber’s Encyklop.XV. S. 147 hat Bur-
meister die Gattung Pelecanws monographisch bearbeitet
und besonders. ihre, osteologischen Verhältnisse ausführlich ge-
schildert.
Pygopodes. Hombron und Jacquinot beschreiben 2 Ar-
ten von Catarrhactes in den Ann. des sc. nat. XVI. p. 320: ©. anti-
podes; Scheitel strohgelb, Schäfte schwarz, hintere Hälfte des Auges
von einer gelben Binde umgeben, welche der Umfang des Kopfs
krönt; Hals, Rücken, Schwanz blaulichgrau, Schaft schwarz; weis-
ser Schulterfleck, Unterleib weiss. Grösse 80 Cent. Von den Auck-
lands-Inseln. ©. Adeliae, oben schwarz, Federspitzen blau ge-
flammt; Unterseite weiss, Kinn, Kehle, Wangen schwarz. Grösse
75 Cent. Vom Adclien - Lande.
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische
Botanik im Jahre 1841.
Von
H. F. Link.
In der Einleitung zum Jahresbericht für 1840 sagte ich, ein
soleher Bericht müsse nicht zu spät erscheinen, und es sei
immer besser, einzelne Sachen nachzuholen, als alles zu spät
zu liefern. Da ich erst einige Zeit nach Meyen’s Tode mit
mir einig wurde, ob ich den Jahresbericht fortsetzen wollte,
so erschien er in dieser Rücksicht schnell genug, um nicht
etwas auszulassen. Ich habe es also in diesem Jahresbericht
nachgeholt und so mag auch jetzt manches übergangen sein,
was ich nicht gern übergehen wollte,
Viele meinen, dass ein blosser Auszug ohne alles Urtheil
in einem solchen Bericht am zweckmässigsten sein würde. Ich
bin nicht dieser Meinung. Der Auszug gestaltet sich nach dem
Urtheil, nicht selten selbst dem unbewusst, der den Auszug
macht, So wird der Leser getäuscht, und sogar mehr ge-
täuscht, als wenn er aus dem beigefügten Urtheile Argwohn
bekommt, wo etwas verschwiegen oder auch entstellt sein
möchte. Ueberdies kann der Text oft Veranlassung geben zu
treffenden Gedanken, die sich in dem Urtheile entwickeln lassen,
Man könnte es sonderbar finden, dass ich meine Anato-
misch-botanische Abbildungen gar zu oft angeführt habe. Aber
sie enthalten eine so kurze Erklärung — eine ausführliche
würde einen weitläuftigen Text erfordert ‚haben — dass es
nicht zu verwundern ist, wenn man weniger darauf Rücksicht
nahm, als zu erwarten sein möchte. Ich habe daher nicht
allein ältere verglichen, sondern auch die für das Jahr 1840,
und jetzt für 1841 genau erklärt, da sie doch Arbeiten für
die physiologische Botanik waren. Uebrigens werde ich mit
dem. in diesem Jahre erscheinenden vierten Hefte der Aus-
gewählten anatomisch - botanischen Abbildungen dieses Werk
schliessen, welches dann mit den Anatomisch-botanischen Ab-
90
bildungen zur Erläuterung der Grundlehren der Kräuterkunde
aus 7 Heften bestehen wird,
Das Jahr 1841 hat viele grosse‘ Werke für die physiolo-
gische Botanik geliefert, und weniger kleine. Abhandlungen,
wenn mir auch hier einige entgangen sein sollten. Grosse
Werke können nur kurz behandelt werden, weil sie sich doch
nicht erschöpfen lassen und eigene Ansicht erfordern; kleine
Bemerkungen können vollständiger geliefert werden.
Innerer Bau der Gewächse überhaupt.
Ueber die Genesis der Spiralgefässe befindet sich
eine Abhandlung von. H. Prof. Dr. Unger zu Grätz in der
Linnaea 45,B. (1841) S. 385. ‚Dass die Faserbildungen der
Gefässe, ‚sagt der Verfasser, gleichsam einer zweiten, auf die
erste oder ursprüngliche Gefässhaut aufgelagerten ‚Schicht,
gleichen oder ähnlichen Stoffes (Membranenstof) angehören,
lässt sich. durch unmittelbare Beobachtung und: durch Verglei-
chung jüngerer Zustände mit alten. nachweisen, ja ‚sie, zeigt
uns zugleich, auf welche‘ Weise jene Verdickung vor sich’geht.
Eben so ist es keinem Zweifel unterworfen, dass‘ die Spiral-
gefässe keine wahren Elementarorgane sind, so wenig, als die
Gefässe der Thiere, dass sie vielmehr aus einer Menge: senk-+
recht übereinander gestellter, mehr oder weniger. eylindrischer
oder, prismatischer Zellen bestehen, die erst in ihrer Vereini-
gung ‚ein Ganzes ausmachen. Dies ist von morphologischer
Seite auch vielleicht ‚das einzige charakteristische Merkmal,
wodurch‘ sich.‚die Gefässe von ähnlichen Zellen unterscheiden.”
„Ich, will nun versuchen, beides, die Gefässwand: auf, die ur-
sprüngliche' homogene Zellhaut zurückzuführen, ‚als auch’ den
Bau: der Gefässe in der. ersten Erscheinung, als eine Gruppe
reihenweise verbundener Zellen nachzuweisen.” .. Der Verf.
wählt dazu eine Faserwurzel. (Wurzelzaser) des Zuckerrohrs,
welche. er ‘in. den ‚verschiedenen Zuständen . des Wachsthums
betrachtet.: Die Markzellen vergrössern sich nur ‚nach allen
Dimensionen; die Rindenzellen erleiden aber Inoch ‚eine an-
dere Veränderung, nämlich eine Verdickung ihrer Zellenwände.
Ueberdies dehnen sich: die innere ‚und, äussere Schicht aus, in-
dem ‚die mittlere ihre Grenzen: erreicht hat, und. .da eine’ Ver-
grösserung des ‘Durchmessers. der Wurzel: in ‚der That: ‚erfolgt,
9
so. muss: die Integrität dieser Schicht leiden, ‘und es müssen
Trennungen der Zellen geschehen. Die grössten Veränderun-
gen erleidet aber der Holzkörper. Dicht über der Wurzel-
spitze entdeckt man viele Gefässe, die unten in einem Bogen
von beiden Seiten zusammentrefien, und aus Zellen bestehen;
welche unten immer kleiner werden, auch da, wo sie zusam-
mentrefien, am kleinsten sind. Ihr Inhalt ist 'ein gleichförmi-
ger'noch nicht gekörnter Schleim. In einer Linie Höhe von
der Spitze ist der Inhalt noch eine Schleimmasse, allein das
Organisationsstreben giebt sich schon dadurch zu erkennen,
dass sie in Bläschen zu gerinnen anfängt, was: für das ge-
schärfte Auge wie ein Gefäss- oder Zellnetz erscheint. Erst
in der Länge von 4 Zoll über der Spitze erhalten die Wände
der grössern Gefässe einige Dicke und damit auch Andeutun-
gen von Poren, während die kleinen Gefässe schon in der
zweiten Linie von der Spitze am eine gefässartige ‚Structur
offenbaren. Merkwürdig ist, dass diese Gefässe, die.sich bald
als netzförmige Gefässe zeigen, in der Form der secundären
Schichten anfänglich durchaus nur eine spiralförmige Anord-
nung der Moleküle wahrnehmen lassen, und daher ganz’ den
Typus von einfachen Spiralgefässen darstellen. Die Metamor-
phose ist in diesem Falle sehr leicht‘ durch theilweise Ausfül-
lung der zwischen ‘den Spiralfasern leer gelassenen Räume zu
erklären. Fünf Zoll von der Spitze nimmt man endlich in
der Membran der grossen Gefässe auch eine Structur wahr,
allein hier erscheint zuerst keine Spirale, wie bei den kleinen
Gefässen, sondern die secundäre @efässhaut ist dieht mit klei-
nen Poren besetzt und ertheilt dem’ Gefässe die Form eines
den porösen @efässen der Dikotyledonen ähnlichen, netzför-
migen Gefässes. Diese Form ändert nun nicht mehr bis zum
Grunde der selbst fusslangen Wurzel, nur wechselt das An-
sehen, je nachdem Gefässwand an Gefässwand steht, oder ge-
streckte Zellen sie nach Aussen begrenzen.
Der Verfasser kommt hier auf Mirbels Abhandlung über
das Cambium, die aber, als 1839 angehörig, nicht mehr 'hie-
her gehört.
Was die Beobachtungen des Verf. überhaupt betrifft, so ist
es mir ängstlich, ihm als einem so tüchtigen und genauen
Beobachter gerade zu widersprechen zu müssen. ' Die gekrümm-
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ten Zellenreihen, welche sich nach unten verjüngen, und'nach
dem Verf. die Anfänge von Gefässen sind, bleiben Zellen und
verwandeln sich niemals in Spiral-'oder poröse Gefässe. Diese
letztern Gefässe steigen immer gerade nieder und waren 'nie-
mals solche Zellen, wie sie der Verf. abbildet. Man muss
bedenken, dass sich solche Untersuchungen nur‘ mit ‘feinen
und kurzen Schnitten machen lassen, und dass man'den Ver-
folg eines und desselben Gefässes oder einer und derselben
Zellenreihe schwer wahrnehmen kann, und leicht eines für das
andere nimmt. So ist es dem Verf. gewiss ergangen. Ich
habe von einer Zuckerrohrwurzel, wie der Verf., eine ganz
feine Zaserwurzel genommmen, habe sie blos zwischen zwei
Glasplatten gedrückt, um sie durchsichtiger ‘zu machen und
kein Messer daran gebracht. Hier waren die porösen oder ge-
tüpfelten Gefässe in der Form, worin sie sich nachher zeigen,
schon deutlich zu sehen, und endigten sich gegen die Spitze
der Wurzel, die nur aus Zellgewebe besteht. Eines dieser
Gefässe war länger als ‚die übrigen und endigte sich in:eine
schief abgestumpfte Spitze.‘ 'Andere Beobachtungen an feinen
Wurzelfasern haben mich gelehrt, dass die Spiral- und 'getüpfel-
ten Gefässe als solche fortwachsen, und keinesweges aus Zel-
len entstehen. Sie haben allerdings zuweilen, keineswegs aber
immer, Querwände, und ich möchte fragen, ob: diese Wände
durchgehen ‘und nicht blos im Umfange angedeutet sind, aber
diese Querwände bleiben im Alter, mehren sich sogar viel-
leicht und werden gewiss nicht 'absorbirt. ‘Wo in den Wur-
zeln grössere Zweige abgehen, sieht man kurze zellenförmige
Spiral- oder poröse Gefässe in Menge (s. Ausgew.'anat. bot.
Abbild. H.1.'T.3. F.9), und auch diese bleiben Zellen, nur
da, wo der Ast sich‘ verlängert, wachsen sie in Gefässe aus:
. Die Spiral-Zelle kann Gefäss werden, aber blos durch Ver-
längerung.
Ein wichtiges Werk über die Gefässbildung. ist erschie-
nen: Die Gyklose des Lebenssaftes in denPflanzen,
von Dr. C. A. Schultz, welches den zweiten Supplement-
band des achtzehnten Bandes der Verhandlungen der Kaiserl.
Leopoldinisch - Carolinischen Akad. der ‚Naturf. einnimmt. Es
sind 33 lithographirte. Tafeln beigefügt. Der:'Verf. schickt
allgemeine Betrachtungen voraus.‘ -Von Wurzel, Blatt und Sten-
93
gel sagt er, es sind nicht wahre Organe, sondern. verschie-
dene: äussere Glieder der Pflanze, deren jedes die Totalität
der Vegetation in sich enthält, welche sich im Fortgang des
Wachsthums ewig in dieser Gliederbildung wiederholt, und-in
derselben Folge ihres Entstehens wieder abstirbt. Darin liegt,
sagt er ferner, das Wesen der Metamorphose der Pflanzen,
dass die innerlich gleich gebauten äussern Glieder, den Aussen-
verhältnissen entsprechend, so mancherlei Formen annehmen,
Die eigenthümlichen Grundorgane im Holz und in der Rinde
sind nun die Gefässe (Spiralgefässe im Holz, 'Lebenssaftge-
fässe in der Rinde); die vereinigende Bildung von beiden ist
das Zellgewebe, durch welches die Spiralgefässe zu einem
Holzsystem, die Lebenssaftgefässe zu einem Rindensystem ver-
bunden werden, ‘während das Zellgewebe selbst noch um. die
Gefässe zu einem besondern Bildungssystem sich. ‚gestaltet.
Der Verf. kommt nun zu den frühern Ansichten über Circu-
lation und Saftbewegung in den Pflanzen, die er ausführlich
angiebt. Dass man die Selbständigkeit in. dem Leben ‚der
Rinde, die Unabhängigkeit ihrer Productionen von dem Leben
des Holzes, so weit es die Beziehungen der innern Organe
überhaupt‘ zulassen, bisher nicht naturgemäss erkannt habe,
meint der Verf., scheine den Grund aller Mängel in den frü-
heren: Theorien der Saftbewegung zu enthalten. Der Verf.
erzählt nun die Schicksale seiner Entdeckung der Bewegung
des Lebenssafts in den Gefässen, und: widerlegt, was man da-
gegen eingewendet hat. Von dem Lebenssafte redet er um-
ständlich, zeigt, dass die Farbe nicht wesentlich sei, und führt
viele. Beobachtungen über die Kügelchen in dem Lebenssaft
an. Die grössten fand er in der halbreifen Frucht von Musa
paradisiaca. Die Flüssigkeit, ‚worin ‚sie schwimmen, nennt er
Plasma, Die Stäbehen, welche in dem Milchsaft der. Euphor-
bien schwimmen, werden zwar durch. Jod blau gefärbt, ‚aber
diese Farbe ändert sich bald in die braune, auch geschieht
dieses mit den Kügelchen in dem Milchsaft anderer Pflanzen,
2.B. von Asclepias syriaca. Das Gerinnen des Lebenssaftes
rührt vom Plasma her; die Kügelchen, welche darin schwim-
men, nehmen keinen direeten Antheil daran. Die Farbe des
Lebenssaftes der Euphorbien und von Chelidonium hängt auch
nieht von den Kügelchen, sondern vom Plasma ab; umgekehrt
94
verhält es’ sich "aber mit dem Safte von Musa paradisiaca,
dessen Plasma ganz farblos ist. Die chemische Natur der Ge-
rinnsel lässt sich auf zwei Hauptarten' zurückführen, auf das
Kautschuck-Gerinnsel, welches der Verf. Elatin nennt, und auf
das Klebharz-Gerinnsel, ‘welches er Visein nennt. Das Visein
scheine ein’ Gemenge von Elatin, Wachsfett und Gummi’ zu
sein. ‘Hierauf folgen die chemischen Analysen 'des'Lebenssaf-
tes, und’ auch eine Analyse der Milch des Kuhbaums vom
Verfasser selbst. Die diätetischen und medieinischen Wirkun-
gen des Lebenssaftes werden angeführt, auch von der Umbil-
dung des Holzstoffes in Lebenssaft gehandelt. Gummi ‘und
Zucker in dem Serum der Lebenssäfte verhalten sich ‘gerade
so, wie Zucker und Gummi in Holzsäften. ‘Nun folgt die Be-
schreibung der Lebenssaftgefässe selbst, und zuerst wird‘das
Gefässnetz aus manchen Pflanzen dargestellt, dann redet der
Verf. von den Wandungen und von den Verzweigungen der-
selben. Die Altersverschiedenheiten zeigen sich zuerst in den
eonträhirten Lebenssaftgefässen, deren Charakter darin besteht,
dass sie der ganzen Länge nach contrahirt sind, aber einzelne
expandirte Stellen zeigen, und dann in den expandirten Le-
benssaftgefässen, die in ihrer ganzen Ausdehnung erweitert und
von Saft aufgeschwollen erscheinen, aber einzelne contrahirte
Stellen zeigen. Die letzten Entwickelungsstufen sind: die arti-
eulirten Lebenssaftgefässe. Es giebt aber manche Uebergänge
der Formen; so bemerkt man in manchen Pflanzen eine dop-
pelte Schicht von Lebenssaftgefässen, und die innere Schicht
ist gewöhnlich die contrahirte, die äussere die expandirte Form.
Die verschiedene Grösse und Form des Querdurchschnittes
wird angegeben. Was die Lage betrifft, so sagt‘ der Verf,
es leide keinen Zweifel, dass in allen Gefässbündeln’ die Spi-
ralgefässe noch Lebensgefässe um sich haben, und dieser Aus-
spruch wird in den Monokotyledonen und den Farrn besonders
nachgewiesen. Es folgt nun ‘die Entwickelungsgeschichte‘ der
Lebensgefässe in den Rindenschichten der Bäume. Die Rinde
besteht aus zwei Systemen, dem Oberhaut-System und dem
eigentlichen Rinden- oder Gefässrinden-System. Zu jenem
gehören Mohls Epidermis und Periderma, die aber naturge-
mäss nicht leicht zu trennen sind, und eben so machen die
Lebenssaftgefässe mit den sie bedeckenden Bündeldecken oder
9%
Schichtendecken und. den das Ganze einschliessenden Zellen
(dem Rindenmark), ein natürlich untrennbares Ganze; aus, wo-
durch. .die eigentliche Rinde (Gefässrinde) gebildet wird, Die
Lebenssaftgefässe bieten, sagt. der. Verf., im Ganzen. betrach-
tet, weniger in ihren äussern Formen, als in der, Entwicke-
lung ‚und. ‚den. lebendigen Eigenschaften, ‚bildende: Typen..dar,;
wodurch: sie sich von. den Spiralgefässen sehr unterscheiden,
Ihr wesentlicher Charakter liegt in dem. Contraetions- und
Expansionsvermögen, das den Centralpunkt bildet,..um' den
sich alle Formenentwickelung bei ihnen. dreht. Der Haupt-
charakter dieser: Gefässe liegt daher nicht allein in. Merkmalen
an den Formen, ‘wie bei den Spiralgefässen, sondern. in,der
Entwickelungsgeschichte ihrer Thätigkeiten und sind. weniger
anatomisch als physiologisch zu beschreiben. Der Verf. zeigt
nun, wie und“an welchen Theilen man die Bewegung der
Säfte am bestem beobachten könne, und wie. sie sich. in-den
verschiedenen Theilen verhaltee Auf ähnliche Art, wie man
oben die aufsteigenden Ströme in absteigende. übergehen: sieht,
gehen nun unten wieder die absteigenden in aufsteigende zu-
rück, so dass ‚hier ‘ebenfalls die Ströme entweder ganz in
einander‘ umkehren oder sich theilen.: ‚Auf diese Art: entsteht
nun ein Netz von Kreisbewegungen, die sämmtlich. ‚unter ein-
ander verbunden sind, und in einander. überfliessen können;
aber auch im Stande sind, sich gänzlich von einander auszu-
schliessen. » Dieses Letztere geschieht dadurch, dass die Theilung
der Ströme in: den Anastomosen aufhört und nunmehr der
aufsteigende Strom ‚gänzlich ‚in einen ‚absteigenden übergeht
und umgekehrt. Nun kommt der Verf. zu den Bewegungen
in. den: Haaren einiger Pflanzen, Die ‚Säftecyklose, sagt er,
in‘ den Zellen besteht nicht in einer einfachen Drehung eines
ungetheilten Stromes um eine Axe, sondern dadurch, ‚dafs die
anastomosirenden Ströme vielmehr ihre Einheit in. den einzel-
Kreisen haben, welche die Maschen. der Stromnetze, in
sich selbst zurückkehrend, bilden, Hierauf ‘von der’ vorhan-
denen Schnelligkeit des Saftes unter. verschiedenen Umständen,
Die bewegende Kraft 'sei vorzüglich in der Contraction der
Gefässe gegründet, dann ‚habe auch‘. der Lebenssaft selbst
grossen Antheil daran, und vorzüglich ‚werde die Richtung
des Stromes dadurch bestimmt. Sie’ liege in dem organischen
96
Erregungsprocess des Saftplasma, wodurch er seine plastische
Natur erhält. Es sei also die durch innere Anziehung und
Abstossung erzeugte oseillatorischeBewegung des Plasma und
durch diese innere Bewegung werde .das Saftplasma von den
Gefässwänden angezogen oder repellirt, und der Ernährungs-
process werde ‘hierdurch vermittelt. Zusammenhang der Oy-
klose in allen Theilen der Pflanzen und Isolirung ‘der Oyklose
in einzelnen Theilen. Zuletzt Betrachtungen über die Cyklose
im Allgemeinen.
Es war eine angenehme Erscheinung, als der Verf. die
Bewegung des 'Saftes iin den eigenen Gefässen entdeckt hatte,
Man kannte bis dahin nur die Bewegung des Saftes in der
Chara, die ebenfalls lange unbeachtet blieb, dann ‘aber ‘in
ihrem wahren Werthe erkannt wurde. Hier ‚sahen wir nun
eine 'entschiedene Saftbewegung, und zwar'in Pflanzen. von
sehr entwickelter Bildung. "Kein Wunder, | dass jedermann,
der sich von. der Richtigkeit der Sache überzeugt hatte, sie
mit grosser Freude aufnahm. Der Verf. sagt mit Recht, dass
man ihm freundlich zur Seite stand.‘ Nicht lange nachher kam
des Verf. Werk: Die Natur der lebendigen Pflanze, in 2 Theilen,
heraus, und die Theilnahme musste sich mindern, da man eine
grosse Anmassung in dem Werke fand, ‘und eine ‚so gering-
schätzende Behandlung anderer, dass man dadurch beleidigt
wurde. ‘Man fing an in Deutschland‘ an der Richtigkeit der
Beobachtung zu zweifeln, und die, welche ‘sie anerkannten,
überliessen ‘es dem 'Verf., sie zu vertheidigen. Mit Recht
wandte er sich nun nach Paris, um die dortigen Botaniker zu
überzeugen, und dieses gelang ihm vollständig. Die‘ Folge
davon war die Aussetzung eines Preises für. eine Abhandlung
über diesen Gegenstand, welchen der ‘Verf. gewann.‘ "Die
Preisschrift erschien aber erst 1839: unter dem Titel: Sur la
eireulation 'et sur les vaisseaux latieiferes dans’ ‚les plantes
pl. Dr. C.H. Schultz, ‘und ‘ist im dem Jahresbericht von
Meyen für 1839 angezeigt worden. In dem: vorliegenden
Werke hat der Verf, den Gegenstand ausführlich behandelt,
Es ist 'recht viel Treflendes in diesem ‘Werke; die Darstellung
der eigenen 'Gefässe oder Milchgefässe, ’ sofern sie zu dieser
allgemein anerkannten Klasse gehören, ist in’ den meisten Fäl-
len richtig, und besser als sonst irgendwo’ gegeben worden;
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.was er von dem Milchsaft selbst sagt, verdient die grösste
Aufmerksamkeit und Rücksicht von der Seite der Chemiker.
Der Verf. würde das Vorzügliche geleistet haben, wenn er
sich von der Natur hätte ruhig leiten lassen, und nicht sich
selbst und die Natur gequält hätte, um seinen Lebenssaftge-
fässen eine grössere Bedeutung zu geben, als sie wirklich ha-
ben, ihre Gegenwart in allen Phanerogamen, auch in den
Farn zu erzwingen und alle Saftbewegung in den Pflanzen
auf die einzige in diesen Gefässen zurückzuführen, so dass
eine wahre Circulation in den Pflanzen, wenn auch ohne Herz
und olıne Unterschied von Arterien und Venen, herauskommt.
Dieses scheint mir viel zu weit gegangen. Gewiss fehlen die
eigenen Gefässe, oder Lebenssaftgefässe, wie der Verf. will, den
meisten unserer einheimischen Bäume, ich habe sie auch ver-
geblich in der Birke gesucht, wo sie der Verf., zwar nur in
einem Querschnitt, abbildet; sie fehlen in einer grossen Menge
anderer Gewächse, und man kann bestimmt sagen, dass kaum
ein Viertel von allen Phanerogamen damit versehen ist. Da
ich hier nicht im Stande bin, die Anatomie von solchen Pflan- -
zen zu geben, worin sie sich befinden sollen, und doch feh-
len, so will ich mich nur damit begnügen, Bemerkungen über
eine höchst merkwürdige Pflanze zu machen, deren Lebens-
saftgefässe der Verf. beschreibt und abbildet. Es ist Comme-
lina coelestis. Hier stellt er Taf. 29 Fig.1 zuerst bei « die
Spiralgefässformen vor, und bei 6 folgen die Lebenssaftgefäss-
bündel mit dem Heerde der Cyklose, wie der Verf. sagt, auch
gehen nach ihm die Ströme hier in auf- und absteigender
Richtung dicht neben einander, und die Anastomosen werden
durch Gabeltheilungen vermittelt, wie gewöhnlich in den Bün-
deln, nur dass die Gefässe sehr fein contrahirt sind. Ich
finde hier, mit einem vortreflichen Plösselschen Mikroskop,
bei einer Vergrösserung von 600 im Durchmesser lange Zel-
len, aber Parenchymzellen mit deutlichen Querwänden und
durchaus keine Spur von irgend einer Verästelung. In diesen
Zellen bemerkt man ein Kreisen der Körner, wie in den Zel-
len von Valisneria, und zwar ungemein deutlich und schön.
Der Verf, äussert sich über diese Bewegung sehr wenig und
nebenher, er meint an einer Stelle, die Bewegung geschehe
zwischen den Wänden. Aber dieses ist nicht der Fall, die,
Archiv 1. Naturgeschichte, VIN, Jahrg. 2. Rd, [Fi
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Körner drängen sich einander in ihren raschen Bewegungen,
and werden dadureh in die Mitte der Zelle getrieben, wo sie
sogleich still liegen. Die bewegende Kraft liegt in den Wän-
den einerseits, andererseits aber in den Körnern, ‘denn so
wie das Chlorophylikorn einen Kern von Stärkmehl bekommt,
ist es todt.: Ich habe darüber zu Florenz bei der Versamm-
lung der Naturforscher eine Abhandlung vorgelesen. Nun fol-
gen beim Verf. c die feinen Gefässnetze der einzelnen Zellen,
welche aber durch Ramificationen vom Heerde aus (e) ihren
Ursprung nehmen. Die Ströme bilden weite Netze, sagt er,
und sind nicht auf einzelne Zellen beschränkt, sondern gehen
über deren Scheidewände hinaus, laufen aber häufig an den
Wänden grosse Streeken entlang, wodurch das Ansehn ent-
steht, als ob die Bewegung innerhalb ‚der Zellen wäre, Zu-
weilen kommen mitten auf einer Zelle viele Ströme strahlen-
förmig in einen Punkt zusammen, der das Ansehen eines
herzartigen Gefässknotens hat. »Diese Gefässe können aber
nicht von den Gefässbündeln 5 des Verf. auslaufen, da diese
nichts als lange Zellen und durchaus nicht ästig sind; auch
würde der grosse Unterschied im Durchmesser beider sonder-
bar genug sein. Danken wollen wir aber dem Verf., dass er
auf diese sonderbare Bewegung wiederum aufmerksam ge-
macht hat. Sie scheint beim ersten Blicke in feinen Ge-
fässen zu geschehen, die in jeder Zelle anders und sehr ver-
schieden gestaltet und verknüpft sind, die ich aber nie über
die Scheidewand der Zelle hinausgehen sah. Bald sind es
sehr feine Körner von dunkler Farbe, welche fortströmen,
bald mittlere, bald grosse von einer hellgrünen Farbe. Aber
oft sieht man, wie sie auf einander stossen, ‘sich drängen, und
um einander weggehen, wobei sie über die Grenzen des 'schein-
baren Gefässes hinausgehen. Sind diese letztern also Gefässe?
Ja noch mehr; wenn man die Gefässe eine Zeitlang 'betrach-
tet hat, so ändern sie sich ganz und gar, welches mich in der
Meinung bestärkt, dass es keine Gefässe, sondern nur ver-
änderliche Wege der Strömung sind, worin sich die an einan-
der reihenden grünen oder dunklen Körner bewegen. So er-
scheint mir die Sache und auch meinem Zeichner Herrm
Schmidt.. Aber wenn es auch Gefässe wären, so hätten sie
doch mit den eigenen Gefässen von einem immer weit grösse-
x
- 99
ren Durchmesser und von einem in dem Stamme und den
Aesten meistens einfachen Verlauf nichts gemein. Auch in
Rücksicht der deutlichen Milchgefässe kann ich nicht mit dem
Verf. einerlei Meinung sein. Er bildet diese seine Lebenssaft-
gefässe zuweilen im Stamm sehr verästelt ab, wo sie es nicht
sind, z.B. im Stamme von Papaver somniferum, wo sie zwar
neben einander hinlaufen, doch olıne Verbindung, bis oben in
Nähe der Kapseln, wo erst häufige, aber nur kurze Verbin-
dungen Statt finden... Ein netzförmiges Anastomosiren der Ge-
fässe habe ich seltener gesehen. Und doch müssten sie, auch
im Stamme, sehr verästelt sein, wenn sie zur Ernährung und
überhaupt zum Leben bedeutend beitragen sollten. Der Verf.
sucht den wesentlichen Character seiner Lebenssaftgefässe in
dem Contraetions- und Expansionsvermögen, und behauptet,
dass die Bewegung zum Theil durch Contraction geschehe,
aber beides ist gewiss nicht richtig. Ich habe die Bewegung
in weiten Gefässen gesehen, ohne die mindeste Contraction,
und wenn die Gefässe wechselnd zusammengezogen und er-
weitert sind, wie man sie allerdings zuweilen doch selten be-
merkt, so hört alle Bewegung in ihnen auf. Der wahre Cha-
racter besteht in der körnigen Masse, die sich in ihnen befin-
det, und in der wahren Verästelung, die sie in den flachen
Theilen annehmen, da sie hingegen in den langen geraden
Theilen oft einfach sind. ‘Wenn man die Säftebewegung in den
Pflanzen mit der Cireulation des Lebenssaftes oder des Bluts
in den niedern Thieren vergleicht, so habe ich nichts dage-
gen, nur frage ich, mit welchen niederen Thieren, denn be-
kanntlich ist die Cireulation hier sehr verschieden, und oft
gar wenig klar. Was der Verf. gegen die Lehre sagt, dass
der Saft im Holze aufsteige und in der Rinde zurückkehre,
scheint mir leicht zu widerlegen. Er sagt nämlich: Wenn
wir im Winter und Frühling sich das Holz unserer Bänme
mit Saft füllen und in regster Thätigkeit begriffen sehen, er-
scheint das Rindeleben in Ruhe und Unthätigkeit, Das ist
sehr richtig, aber eben darum fliesst der Saft aus dem Holze
in Menge aus, weil er in die Rinde nicht dringen kann. Dass
die Bildungen aus der Rinde ganz ohne unmittelbare Wirkun-
gen des Holzes geschehen, bezweifele ich sehr, — Uebrigens ist
G*
400 ie
die Darstellung des Verf. weit ruhiger, als in seinen frühern
Schriften.
Das Verfahren des H. Boucherie, auf die Dauer und
Farbe des Holzes dadurch zu wirken, dass ‚man Flüssigkeiten
von dem lebenden Stamme einsaugen lässt, wovon im. vorigen
Jahresbericht die Rede war, ist nachher. von -demselben. ver-
bessert und weiter getrieben worden. Nach seinein ersten Ver-
fahren musste das. Einsaugen im Sommer geschehen, wo man
Holz nicht zu fällen pflegt, jetzt giebt er aber auch ein Ver-
fahren an, dieses im Winter zu thun. Die Holzstämme müs-
sen nur. vor Kurzem abgehauen und in runde Stücke. (bil-
les) geschnitten sein, dann stellt man 'sie gerade auf und be-
festigt an das obere Ende einen für Flüssigkeit undurchdring-
lichen Sack, in welchen man die Auflösungen sogleich giesst,
um sie einsaugen zu lassen. Wenn Luft in den Gefässen sich
befindet, so dringt diese zuerst aus und dann folgt der eigen-
thümliche Saft, welcher .ausfliesst. Herr B. konnte auf diese
Weise aus 7 Baumstämmen in einem Tage 4850 Litres Saft
ziehen, wobei ihm nur zwei Menschen halfen. "Man, kann
auch vorher die Stämme mit Wasser imprägniren , um die ent-
haltenen Stoffe aufzulösen, welche dann gleichsam. als ‚ein
künstlicher Saft ausgetrieben werden. . Die Baumstämme neh-
men verschiedene Flüssigkeiten verschieden auf, und nicht im-
mer zieht das lockere Holz leichter ein, als das dichte; denn
die Pappel. widersteht mehr als Buche, Hainbuche u. s. w:,
die Weide mehr als Birnbaum, Ahorn und: Platane u. s. w.
(Comptes rendus ‚p. 1841. T. 1. p: 337).
Ueber ‚diese Untersuchung macht nun, Biot einige Be-
merkungen (Compt. rend. l. c. p. 357). Nach ‘einer, kurzen
Geschichte der. Versuche über, das Aufsteigen von Flüssigkei-
ten in den Pflanzen redet er erstlich davon, dass Boucherie
sagt, seine Versuche gelängen nur, wenn der Baum in Saft
stehe. Er untersucht, was das heisse, in Saft stehen. Zweier-
lei findet er, den Ausfluss des Safts beim Anbohren und die
Lösung der Rinde vom Holz; das erste rühre von der Tur-
gescenz her, indem der Saft nicht verdunsten könne, das
zweite vom Cambium, das in den Blättern bereitet und: von
dort zurückgeführt werde, denn nach den optischen ‚Kennzei-
chen, die man. an dem Saft des Sycomore (Acer Pseudo -Pla-
101
tanus) und der Birke anzustellen Gelegenheit ‘gehabt hat,
kommt der Zucker des Cambium mit dem in den Blättern
überein und nicht mit dem Zucker im aufsteigenden Saft. Dann
kommt Biot auf das letzte Verfahren von Boucherie, nämlich
den Saft niedersteigen zu lassen, und sagt, der Stamm, von
seiner Wurzel und seinen Ausdünstungswerkzeugen getrennt,
sei nur ein hygroskopisches Gewebe, es wirke Druck und
Capillar-Anziehung zugleich. Zuletzt einige Versuche. Biot
liess am 16. Februar eine Birke einen Meter über dem Boden
abhauen. Der Stumpf, zwei Decimeter über der Wurzel an-
gebohrt, gab anhaltend Saft, der Zucker enthielt, wie der ab-
gezapfte Birkensaft gewöhnlich hat, bis zum 1. Mai. Doch
nahm der Zucker, zufolge optischer Prüfungen, nach und nach
ab. Nun überzog sich der Stumpf mit einer klebrigen Mate-
rie, es entstanden Adventivknospen, die sich schnell entwickel-
ten und aller Zufluss hörte auf; nur am 14. Mai zeigte er
sich wieder, ohne dass man eine Ursache finden konnte. In
einem andern Versuche liess B. eine Birke am 28. Februar
6 Meter über dem Boden anbohren; 'sie gab keinen Saft.
Nun liess er eine dieke Wurzel entblössen und anbohren, sie
gab reichlich Saft, auch noch am 9. April, wo zugleich das
Loch, 6 Meter hoch, zu fliessen anfıng. Die Dichtigkeit des
Saftes aus der Wurzel nahm bis zum 6. März zu, dann ab
bis zum 16.; war aber am 9. April noch viel specifisch schwe-
rer als der, welcher aus dem Loche 6 Meter hoch ausfloss.
Dann machte er vier Bohrlöcher in eine Birke den 11. Febr.
und ein fünftes den 14. März. Der Saft von allen enthielt
gährbaren Zucker; der aus dem zuletzt gebohrten Loche hatte
das grösste spezifische Gewicht, und was die zugleich gebohr-
ten betrifft, so stand das speeifische Gewicht beinahe in gera-
dem Verhältnisse mit der Höhe über dem Boden. Diese Ver-
suche kommen im Ganzen, wie auch der Verf. erinnert, mit
denen überein, welche Knight am Nussbaum "angestellt hat.
Er glaubt, dass der Saft beim Aufsteigen abgesetzten Zucker
in den Zellen getroflen und aufgelöst habe.
Auf Boucherie’s Versuche bezieht sich auch eine Note von
Gaudichaud (Compt. rend. 1; c. 369). Er spricht. von seinen
eigenen Versuchen, ein Haar durch die Stämme sowohl der tropi-
schen als einheimischen Bäume und Sträucher zu führen, auch
402 er
aus dem Stamme in die Äste, und aus dem Stamme in die Wurzel.
Die Gefässe ständen also in genauer Verbindung. Diese Verbin-
dung habe nun auch Boucherie durch seine Versuche dargethan,
In den Compt. rend. l. c. p. 381 findet sich ein Schrei-
ben von Herrn Millet, worin er sagt, dass ihm die Erfin-
dung angehöre, und dass er ein brevet d’invention vom Mi-
nister des Handels habe, warum er schon am 23. Juni 1840
nachgesucht. Er wende das Verfahren nicht blos ‘auf frisch
geschlagenes, sondern auch auf Holz an, was seit zwei Mo-
naten gefällt worden, es möge so trocken sein, als man will.
Eine anatomische Untersuchung solcher gefärbter Stämme
würde hier sehr zweckmässig, ja nöthig sein. Dann käme es
in wissenschaftlicher sowohl als technischer Rücksicht darauf
an, wie lange nach dem Fällen ein Stamm die. Kraft behält,
Flüssigkeiten einzusaugen. Mit dem blossen: hygroskopischen
Anziehen der Flüssigkeit ist die Sache nicht abgemacht. Aus
der Spitze eines mit einer Flüssigkeit getränkten Dochtes fliesst
nichts aus, wenn er auch unten in die Flüssigkeit versenkt
ist; ich sehe also nicht ein, wie aus einem-Bohrloche der Saft
fliessen kann, der von der ‚Wurzel aufgesogen wird. Solche
mechanische Erklärungen machen, dass man etwas zu wissen
glaubt und doch‘ nichts weiss. Aber ihr macht es eben so,
erwiedert man, wenn ihr die Lebenskraft. zur Erklärung zu
Hülfe ruft. Nicht ganz. Wir bringen den Gegenstand in eine
andere Reihe von Erscheinungen, die einer sehr genauen Be-
stimmung fähig sind. Und ist die Erklärung durch Capillari-
tät genau bekannt? Hat nicht Poisson nachgewiesen, dass La-
place etwas von Bedeutung bei diesen Erklärungen übersah?
und musste er nicht, um die Theorie einigermassen zu ret-
ten, Verdichtung einer tropfbaren Flüssigkeit annehmen, ein
sehr gewaltsames Mittel?
Ueber die Art zu athmen-in den Blättern von
Nelumbium von Raffeneau-Delile (Annal. d. seiene. na-
turell. T. 16. p. 328. Wenn man einen Riss am Rande eines
Blattes von Nelumbium macht, sagt Delile, und in den Blatt-
stiel einbläst, so geht die Luft durch die Kanäle, die sich am
Risse endigen, hinaus. Aber wenn man Luft einbläst, ohne
eine Wunde gemacht zu haben, welche die Kanäle. geöffnet
hat, 'so geht’ sie durch die natürlichen Poren hinaus und wird
103
sichtbar, sobald man eine Wasserschicht darüber bringt. Ein
leichtes Einblasen bringt nur ein geringes oder gar kein sicht-
bares Hervordringen von Luft hervor, weil die Luft unter der
Wasserschicht zwischen den Papillen des Ueberzuges hin-
schleicht, denn eine Luftschicht befindet sich immer zwischen
der Epidermis und dem Wasser, ‘welches den Ueberzug be-
deekt. Der Verf. kam auf den Gedanken, durch die Blatt-
stiele zu blasen, weil er zu Kairo in seiner Jugend gesehen
hatte, dass sich Tabackraucher der langen Blütenstiele von
Nymphaeä bedienten, indem sie den Grund der Blüte zerstör-
ten und ihn mit Taback füllten. „Das Einblasen. zeigte mir,
fährt der Verf. fort, dass der mittlere Theil des Blattes von
Nelumbium mit Löchern durchbohrt ist, und ein wahres Sieb
von Stomaten und kleinen Oefinungen darstellt; ich nahm mir
also vor, aufmerksam zu beobachten, was mit den Blättern
vorginge, so lange sie noch an den Pflanzen waren. Ich sah
dann, dass, wenn das Wasser einige Zeit sich über der Mitte
des Blattes befand, viele Luftblasen von ‚selbst durch das
Wasser aufstiegen, und ich erkannte bald, dass die Luft,
welche ats dem Mittelpunkt des Blattes hervorkam, sich von
allen umgebenden Theilen des Blattes, das heisst von der übri-
gen Oberfläche des Blattes dahin begiebt. ‘Denn in der That,
wenn man die ganze Oberfläche mit Wasser bedeckt, so kommt
aus dem Mittelpunkt keine Luft mehr hervor, so wie man
aber einen Theil dieser Oberfläche vom Wasser befreit der
Luft aussetzt, so wird der Luftstrom wieder hergestellt, und
zeigt sich, wenn er stark genug ist, durch Blasen. ‚Ich glaubte
im Anfang, dass die ausgeatlimete Luft zu den Stomaten durch
die Blattstiele käme, aber im Gegentheil, ich sah vielmehr,
dass der Luftstrom herabstieg, wie folgender Versuch bewies.
Ich schnitt ein halbes Meter unter Wasser ein schmales dün-
nes, zwei Öentimeter langes Stückchen vom Blattstiel: ab, wo-
durch die Luftkanäle in dieser Länge geöflnet wurden. Die
Luft trat in Blasen heraus, aber nur von dem oberen Theile
der Wunde, und so wie das Blatt mit Wasser bedeckt wurde,
trat keine Luft heraus, wohl aber, so wie das Blatt oder nur
ein Theil desselben vom Wasser befreit wurde, Verwundet
man hingegen den mit Stomaten durehbohrten mittlern Theil
des Blattes, so kommt ein Milchsaft, von Luftblasen heraus-
104
gestossen, hervor.” : Die Versuche wurden von 2—3 Uhr in '
den Nachmittagsstunden in der Sonne angestellt, als die Hitze
20—25° war. Um Mitternacht und auch des Morgens, wenn
die Sonne ‘noch nicht schien, fand keine "Luftentwickelung
Statt. Das entwickelte Gas fand der Verf. wenig von atmo-
sphärischer Luft verschieden. ‘Er hält demnach für'bewiesen,
dass der Ueberzug des Blattes (le veloute) die Luft absor-
birt, und die Stomaten wiederum sie aushauchen.
Gegen diese Mittheilung sagt Dutrochet (Ann.d. sc. 16.
330), er habe schon 'früher gefunden, dass die Blätter der
Nymphaea aus dem unten abgeschnittenen Theile des Blatt-
stieles Luft entwickeln, 'sie sei aber reich an Sauerstoff. ‘Er
habe geschlossen, sie rühre von der bekannten Wirkung des
Lichts auf den grünen Theil der Blätter her, 'häufe sich in den
Luft-Organen an und gehe in den Luftkanälen des Blattstiels
zurück, auch habe er den Zusammenhang "dieser Kanäle mit
dem Blatte gezeigt. Er wundert sich, dass Delile seiner Un-
tersuchungen nicht gedacht habe, da er ihm doch die Samm-
lung seiner Werke geschenkt.
Delile erwiedert (Ann. d. sc. 16. 333), seine Versuche
wären verschieden; er habe Luft indie Blattstiele geblasen ,
Dutrochet nicht; er habe die Versuche mit Blättern und Blatt-
stielen angestellt, die noch an der Pflanze befindlich "waren,
Dutrochet nicht; 'er habe die Sonderbarkeit der Blätter‘ von Ne-
lumbium angezeigt, dass sich nämlich die Stomatien auf der
Oberfläche des Blattes um den Mittelpunkt allein befinden: Du-
trochet sage, er habe ohne Beweis angenommen, dass’ die Luft,
welche das Blatt von Nelumbium aushaucht, aus der Atmo-
sphäre komme, der Beweis sei jedoch leicht, da das ganz un-
ter Wasser getauchte Blatt keine Luft entwickele. Zuletzt
behauptet er, auch wirklich des Nachts und bei dunkelm Wet-
ter Luftentwickelung zuweilen bemerkt zu haben.
Das Letzte greift Dutrochet an (Ann. .d. se. 16. 335),
indem er die Richtigkeit der Beobachtung in Zweifel‘ zieht
und: hinzusetzt, nicht bloss zuweilen müsse er es beobachtet
haben. Dann meint er, dass die Luft aus dem Blattstiel nur
dann sich entwiekele, wenn die Oberfläche des Blattes mit
Wasser: bedeckt sei, komme daher, weil dann die Luft aus
den Poren nicht entweichen könne und ‘in den Blattstiel zu-
105
rücktrete, da sie hingegen bei unbedeckten Poren in die At-
mosphäre entweiche.
Durch diese Schriften veranlasst, hat H. Lamotte die
Blätter von Nymphaea durch den Blattstiel mit Quecksil-
ber eingesprützt (Compt. rend. 1841. T.2. p. 626, wo sich
auch die vorigen Abhandlungen p. 688, 807, 838, 877 finden).
Die metallische Flüssigkeit, sagt Herr Lamotte, geht im An-
fange in einer sehr langen Röhre den Blattstiel entlang und
kommt zu dem Parenchym des Blattes. ‘Da verästelt sie sich,
indem‘ sie einem der Nerven folgt und sich in einem der Po-
lygone verbreitet, ‘die’davon umschrieben werden. ‘Ehe sie
jedoch in die Fläche (limbe) des Blattes gelangt, geht das
Quecksilber in einen ‘der ‘benachbarten Kanäle und kehrt zu-
rück, indem es eine grosse Anzahl von eylindrischen Röhren
des Blattstiels anfüllt; zu‘ gleicher Zeit geht es weiter bis zum
äussersten Ende des Hauptblattnerven und tritt nach und nach
in. das Parenehym der Blattfläche. Endlich zerstreut es sich
über die ganze Ausdehnung‘ dieses Organs, indem es eine
Menge von kleinen labyrinthischen Kanälen durchdringt, die
so zahlreich 'sind, dass die Unterfläche davon ganz versilbert
erscheint.
Man hat schon öfter Einsprützungen der Pflanzengefässe
versucht, doch in der Regel ohne sichern Erfolg, weil die zar-,
ten Membranen zu leicht zerreissen. In diesem Falle, wo im
Blatistiele und in den grossen Blattnerven lange Luftkanäle
ohne Zwischenwände sich befinden, war die Einsprützung
ganz zwecekmässig. In den feinsten Theilen scheint das Queck-
silber allerdings die feinen Häute zerrissen und sieh zerstreut
zushaben. Ein Gleiches möchte auch wohl geschehen, wenn
inam zu stark in die Kanäle des Blattstiels bläst, und Delile’s
Metliode könnte auch irre führen. Uebrigens haben die Blät-
ter von Nelumbium, so wie von Nymphaea an der untern
Fläche, wo sie bei Nymphaea immer, bei Nelumbium in der
Jugend die Wasserfläche berühren, keine, auf der obern der
Atmosphäre zugekehrten hingegen sehr viele und sehr kleine
Spaltöffnungen. Deutliche Luftgänge, welche zu den Spalt-
öffnungen führen, finde ich ebenfalls nicht. In der Mitte des
Blattes, da wo der Blattstiel eintritt, sieht man oben keine
Spaltöffnungen, wie sie denn gewöhnlich auf den Nerven sich
106
nicht: befinden; auch bemerkt man, wenigstens in der Regel
nicht, keine wahren Löcher, und un veritable crible de sto-
mates ou petites bouches, wie Delile sagt, habe ich wenig-
stens nicht gesehen. Doch verdienen die Versuche der bei-
den Botaniker grosse Aufmerksamkeit und Wiederholung. Sie
lassen sich nicht so leicht erklären, denn sonst: entwickeln
alle grünen Theile der Pflanzen, im Sonnenlicht ‚und zwar
unter dem Wasser, Sauerstoffgas, hier aber soll dann die Ent-
wickelung von Gas aufhören,
Ueber. die Krystalle in den Zellen der Pflanzen
hat Herr Payen mikroskopische und chemische Untersuchun-
gen angestellt (Compt. rend. 1811. T.2. p. 799), Zuerst ist
von den krystallischen Massen die Rede, welche Meyen in
dem Feigenbaum entdeckt hat, und welche in einer grösseren
Zelle durch ein Band aufgehängt sind. Diese Massen beste-
hen nicht allein aus einer krystallisirten mineralischen Sub-
stanz, sondern auch aus einem organischen Gewebe, worin
jene Substanz aufgelöst abgesondert wird. Das Gewebe ist
vor den Krystallen schon vorhanden. Es befindet sich in einer
grossen Zelle und ist aus zwei: Theilen zusammengesetzt, die
ihrer Structur und Function nach sehr verschieden sind.
Der eine ist aus einem ‚dem umgebenden ganz gleichen Zell-
gewebe gebildet, und macht das zellige Band aus, ‘welches
mit seinem obern Ende an der innern Oberfläche der epider-
mischen Schichten hängt. Der andere Theil besteht aus einem
feinen Gewebe von so kleinen Zellen, dass sie Punkten glei-
chen, und so zahlreich, dass aus ihrer Vereinigung eine Masse
von bedeutendem Volumen entsteht. Dieser Theil ist wie ein
Kronleuchter an dem Bande in der grossen Zelle aufgehängt.
Das Band verändert sich nicht durch die Vegetation, wohl
aber das feine Gewebe, worin der kohlensaure Kalk abgeson-
dert wird. Die leeren Stellen dieses Organs’ erfüllen sich nach
und nach mit ‚einer Auflösung von kohlensaurem Kalk, ‚der
bald krystallisirt.. Man bemerkt dann auf der äussersten Zel-
lenlage Erhebungen (mammelons), zuweilen eckige, dieMeyen,
da.er das feine Gewebe nicht kannte, für eine Umhüllung der
nackten Krystalle hielt, die ‚sich auf der Gentralmasse von
Gummi, an deren Gegenwart er glaubte, angelegt‘ habe, ‚Die
Blätter vieler Arten aus der Familie der Urticeen haben bald
107
auf der obern, bald auf der untern Seite, bald’ auf beiden
ähnliche Apparate. Nicht in allen Pflanzen, worin'sich Kry-
stalle befinden, verhält es sich auf dieselbe Weise, Die Kry-
stalle in Cannabis sativa und Broussonetia papyrifera sind an
der innern Wand der Zellen aufgehängt, woraus die Haare
bestehen, An einem grossen Blatte von Broussonetia papyri-
fera zählte er bis 134,000 absondernde Apparate von kohlen-
saurem Kalk. Alle mineralischen Substanzen in den Gewäch-
sen, wenn sie auch eine eckige polyedrische Form annehmen,
sind nicht isolirt oder zufällig zerstreut, sondern immer in
Zellen von einem organischen Gewebe abgesetzt, das sie um-
schliesst. Auch in’ der Chara- wird der kohlensaure Kalk in
dem Zellgewebe an ‘der Oberfläche . abgesetzt, welches viel
Stickstoff enthält, und die langen röhrenförmigen Zellen um
die beiden innern Hohlungen bedeckt. Oxalsaurer Kalk fin-
det sich in Haufen von. kleinen spitzen Krystallen, die ‚aus
einem Mittelpunkte hervorkommen, in dem Parenchym und um
die Blattnerven vieler Pflanzen, auch kommt er in rhombo-
@drischen Krystallen in dem Parenchym der Blätter von Citrus,
Limonia und Juglans regia vor. In diesem letzten tritt das
absondernde Gewebe über die Krystalle deutlich heraus. In
den Caeteen zeigt sich der oxalsaure Kalk in grossen sphä-
roidischen Massen, die aus Krystallen in spitzen Blättchen oder
in Prismen bestehen und bald mit Spitzen besetzt, bald glatt
sind, Sie ähneln sich in verwandten Arten, Die bekannten
Raphiden: hat der Verf. ebenfalls beobachtet und gefunden,
dass jeder dieser nadelförmigen Krystalle sich in kleinen Zel-
len erzeugt, die 'an einander gereiht sind. Sie bestehen aus
oxalsaurem-Kalk. Als Payen die Organe, welche den oxal-
sauren Kalk absondern, einäscherte, fand er auf einer: Glas-
platte das kieselhaltige Skelet derselben ganz erhalten. Wenn
man Grashaline, Stämme von Equisetum, von Caetus, ferner
Blätter, Blumenblätter, Pollenkörner mit Säuren behandelt
und nachher einäschert, so bleiben ebenfalls deutliche 'Ske-
lete zurück. — Nach den Versuchen, welehe Payen mit dem
Berichterstatter (Mirbel) angestellt hat, sind die absondernden
Organe der krystallinischen Materien kleine Massen von einem
kuglicht-zelligen Oambium, Payen habe von Anfang an geur-
theilt, dass diese absondernden Organe aus einem stickstofl-
108
haltigen Zellstoff beständen. Dieses wäre gegen die Regel,
denn der Zellstoff enthält keinen Stickstoff; aber P. hatte auch
gefunden, dass Cambium viel Stickstofl enthält; jene Organe
sind also Cambium. — Noch etwas über die flüssigen Secre-
tionen. ‘Der ungefärbte und durchsichtige Saft in den grossen
Zellen auf der Oberfläche von Mesembrianthemum erystalli-
num macht die rothgefärbte Lakmustinetur blau und giebt durch
Abdampfen oxalsaures Kali. ‘Die Membranen, welche diesen
Saft absondern, enthalten auch oxalsauren Kalk im kuglicht-
zelligen Cambium. Es ist also deutlich, dass die ganze 'ober-
flächliche Schicht sich in einem Zustande von Alkalinität be-
findet. Nicht so ist es mit den darunter liegenden Schichten,
welche deutliche Zeichen von Säure geben.
Meyen sah wohl die Bläschen — so nennen die deut-
schen Botaniker jenes Gewebe — denn sie sind gar leicht zu
sehen, hielt sie aber nicht für die absondernden Organe der
Krystalle. Payens Beobachtungen und Versuche verdienen
grosse Aufmerksamkeit. In der Rhabarberwurzel 'sind die
Krystalle von oxalsaurem Kalk mit Amylum umgeben, wie die
Jodtinetur zeigt, und so sind überhaupt die Veränderungen
der Stoffe in den Zellen sehr mannigfaltig. “Die angereihten
kleinen Zellen, welche den Raphiden vorangehen sollen, habe
ich noch nicht gesehen.
Hieher gehört auch Herrn Ch. Morren’s Abhandlung
über dieSymmetrie des Chlorophylls in den Pflanzen
(Bullet. de l’Acad. R..d. Sc. d. Bruxell. 1841 T.2 p. 81). Der
Verf. theilt das Chlorophyll überhaupt in das gallertartige und
das körnige, und giebt von dem ersten folgende Arten an:
4) Kugelförmiges (globiforme) Chl. Chaetophora endiviaefolia
hat ein solches grünes Endochrome (innere farbige Substanz)
in Kugeln zusammengehäuft, die den ganzen Durchmesser der
durchsichtigen und gallertartigen Röhren dieser Pflanze ein-
nehmen. 2) Axen-Ohl. (axile). Ausser mehrern Conferven,
welche das Endochrome wie ein Stäbehen geformt, in der Axe
ihrer Glieder haben, findet es sich auf eine ähnliche Weise in
den Zellen der Blätter von Polygonum tinetorium. Der un-
gefärbte gallertartige‘ Stoff liegt hier zwischen der Axe der
Zellen, wo die grüne Substanz vorkommt, und den Wänden
derselben. 3) Ringförmiges Chl. (annulaire). Ausser der Con-
409
ferya zonata und der Draparnaldia plumosa, wo. Mohl es
schon ‚gesehen, zeigt es sich auch sehr schön in der Drapar-
naldia tenuis, wo es in der Mitte der Zelle liegt. . Draparnal-
dia glomerata und Dr. uniformis Agardh haben es auch,.letztere
wenig regelmässig. 4) Spindelförmiges Chl, (fusiforme), Sehr
schön zeigt. es sich in der Tyndaridea pectinata, wo es im
Anfange zwei Kugeln bildet, aus’denen sich die grüne Materie
sternförmig. verbreitet, dann entstehen zwei Verlängerungen,
verbinden sich mit einander, und. gehen ‚in. einen 'spindelför-
migen Körper. über, nachdem: die sternförmige Masse absor-
birt worden, der sich in zwei Kegel endigt.. Dieser Körper
enthält ‚das Sporidium, oder ist es selbst. Die Vereinigung
zweier Fäden ist nicht immer. nothwendig, um einen ‚solchen
erzeugenden Körper hervorzubringen; sie geschieht‘ übrigens
zwischen den beiden endochromischen Massen. 5) Doppelt-
eylindrisches Chl. (bilineaire). Zwei Cylinder liegen parallel
neben einander in einem Gliede der Draparnaldia plumosa,
6) Viereckiges Chl. (carree). Merkwürdig.. Die grüne-Materie
in Hydrodietyon utrieulatum tritt aus, ihren Zellen heraus und
formt sieh in viereckige Massen, die sich nachher in vier Theile
theilen. 7) Sternförmiges Chl.' (stellee). Die. vorhandenen Ar-
ten ‚von Tyndaridea liefern bekannte Beispiele. 8) Aestiges
Chl, (rameuse). Tritt ebenfalls aus den Zellen von Hydro-
dietyon utrieulatum heraus, und bildet, wie das obige, Vierecke,
wie Aeste, die aus einem Mittelpunkt zu fünf, sechs, sieben
oder mehren hervorkommen. Zu gewissen Zeiten haben die
Körner in den Zellen von Hydrodietyon eine Bewegung und
dann tritt auch die grüne Materie heraus. — Der Verf. geht
nun zu dem körnigen Chlorophyll über, und redet zuerst von
den scheinbaren: Stielchen, welche Raspail und Turpin. woll-
tem gesehen haben. Die Körner berühren ‚oft die Wand so
genau, wenn auch nur in. einem Punkt, dass ‚die Haut der
Zelle, zu dem Korn hingezogen, ein Stiel scheint. In andern
Fällen erscheint das Korn ordentlich gegen die Wand der Zelle
platt gedrückt, Die Arten des körnigen Chlorophylis: sind:
9) Linienförmiges Chl. In Reihen gestellte Körner, die Kreis-
bogen machen, sind die generischen Kennzeichen der Gattung
Nostoc, 10) Axen-Chl. Die Körner bilden ‘in der Axe der
Zellen einen Cylinder, in Conferva capillaris, quadrangula,
110
Zeugnema compressum und littoreum. Auch in Polytrichum
aloides, so lange es noch in dem byssusartigen Zustande ist,
Selbst in den Phanerogamen findet es sich ‘auf diese Art,
z.B. in den Zweigen von Pinus Strobus und in den Blättern
von Polygonum tinctorium. 11) Ringförmiges Chl. Der Ring
findet sich in der Mitte der Zelle in vielen Algen, z.B. Con-
ferva vesicata Ag, ©. dissiliens Dillw., C.lanosa, ©. lubrica,
©. nana, C. compacta, brachymelis Lyngb. 1%) Polarisches Chl.
Es häuft sich an den beiden Enden der Zelle an, in den jun-
gen Blättern von Oycas revoluta und den einzelligen Haaren
in‘ der Blume von Marica coerulea. 13) Viereckiges Chl.
Vier Körner von griiner oder anderer Farbe machen den Cha-
rakter mehrerer Algen, wie Ulva anureola, Porphyra laeiniata
(var. umbilicata), Tetraspora lubrica, Palmella terminalis. 14)
Kreisförmiges Chl. Ist eine sehr gewöhnliche Stellung. Oft
stehen sie um einen 'Kern (cytoblaste). Die Verhältnisse in
der Stellung zwischen dem Kern und den freien Körnern
scheinen auf eine Anziehung zu deuten, welche jener auf diese
ausübt. 15) Strahliges oder bogenförmiges Chl. In der Ju-
gend einer Zelle von Spirogyra nitida, sagt der Verf., findet
man an der Wand gegen die Mitte einen rundlichen, schein-
bar linsenförmigen (diseoide) Körper, der meistens zwei Kreise
oder zwei Ellipsen darstellt, wovon der eine in den andern
eingeschrieben ist. — Die Windungen in dieser Alge, die an-
fangs sehr regelmässig sind, entstellen sich; einige werden
eckig und treiben ihre Ecken gegen den Körper, andere ver-
ändern ihre Stelle und ihre Enden krümmen sich gegen den
Körper. Bald zieht er alle die Fäden des Chlorophylis gleich-
sam an, so dass die sechs Spiralen in sechs Bogen verwandelt
werden, die sich an jenem Punkt endigen; die Bogen bilden
gleichsam Gewölbe, welche die Zelle zu stützen scheinen. Die
Bogen verändern endlich ihre Stellen dadurch, dass die En-
den, die sich an den gemeinschaftlichen Mittelpunkt schliessen,
absorbirt werden, und verwandeln sich in eben so viel Strah-
len, die von einem Centralkörper ausgehen. Dieses Centrum
ist dann eine Masse von grüner Materie, die bald die durch-
siehtige Umgebung der Zelle vor sich hertreibt, um daraus
eine Röhre zur Verbindung zu bilden, bald aber in die Röhre
eindringt, um die erzeugenden Spiroiden darzustellen. Sehr
411
merkwürdig ist noch folgende Beobachtung des Verf. an dem
häufigen Endokarpon von Arum maculatum,. Die Zellen sind
eiförmig: und sehr durchsichtig. Ein grosser hemisphärischer
Kern (eytoblaste) ist an der Zelle zwischen ihren Wänden be-
festigt, von dem fünf bis sechs regelmässige Bogen eines kör-
nigen rothen Chlorophylis ausgehen, mit eiförmigen, sehr wohl
gebildeten Körnern, die sich gegen die innere Wand der Zelle
biegen. ‘ Auch hier zeigt sich der Kern als ein Mittelpunkt
der Anziehung. Beobachtet man diese schöne Stellung im
Sommer bei warmer Witterung, so sieht man die Chlorophyli-
körner in einem Kreise sich um den Kern bewegen, und wie
es scheint in kleinen Gefässen innerhalb der Zellen, wie man
es in den Haaren vieler Pflanzen 'sieht, so wie in den eiför-
migen Zelten der Pflaume und den sphärischen von Symphoricar-
pos glomerata, auch in den reifen Pfirsichen. ‘Was in Arum
maculatum geschieht, lässt glauben, dass die Stellung des’Chlo-
rophylis in Bogen in vielen Fällen daher kommt, dass die
Kugeln, die sich früher in ihren Gefässen bewegten, jetzt in
Rule gekommen sind. 16) Chl. in Spiralen. In einer ein-
fachen Spirale sieht man es in Zeugnema quininum Agardh.
Aber der Verf. salı es auch in den langen und grossen Zellen
von Psilotum, wo es eine breite, platte und braune Bande
bildet; in dem Diachym von Selaginella decomposita Spreng,,
in den Blättern von Hypnum lucens, Splagnum acutifolium,
Hydrodietyon utrieulatum und endlich auch in Crassula ciliata.
In einer doppelten Spirale allein in Algen, wie Zeugnema de-
eiminum, in einer dreifachen nur in Zeugnema nitidum,
Wenn der Verf., dem wir diese treflliche Abhandlung zu
danken haben, von Oytoblast spricht, so meint er doch nicht,
wie es scheint, den Zellenerzeuger in Zellen. Auch Meyen
glaubt, dass die Ohlorophylikörner ihre Stellung von einer zur
Ruhe gekommenen Bewegung hätten, ja er behauptete, diese
Bewegung oft gesehen zu haben, Das ist mir ausser den be-
kannten Fällen nicht gelungen. Ueber die Gefässe in Zellen
ist schon oben geredet worden.
Hiermit wollen wir sogleich die Nachricht von einer Ab-
handlung desselben Verf. über Effloreseenzen auf den
Pflanzen verbinden (Bnllet. d. 1. Acad, d. Brnxell. T. 1. p.345):
Zmerst über die krystallinischen Efforescenzen. Laminaria sae-
112
charina setzt wirklich. krystallischen Zucker auf der Oberfläche
ab, wie der Verf. beobachtete; es ist nicht blos Salz, wie Gre-
ville meint. Vanilla. aromatica, , Die Früchte (auch die zu
Lüttich gewonnenen) sind mit Krystallen von Benzoesäure be-
streut, aber ausser dieser noch mit einer organischen Sub-
stanz in länglichen, etwas spindelförmigen oder 'eylindrischen,
gefalteten, trocknen, braunen, gelben‘ oder ‚orange: Zellen,
welche ein flüchtiges, braunes, wohlriechendes Oel ausschwitzen.
Sie treten aus der Placenta hervor. 2) Die kuglichten (globu-
linaires) ‚sind organisirt; sie finden sich am häufigsten, und
der bläuliche Staub ‚der Pflanzen entsteht meistens dadurch.
Sie sind gleich an Gestalt, aber nicht gleich an Grösse, im
reflectirten Licht weiss, milchfarben, im gebrochenen gelblich,
etwas beweglich, wenn man sie ins Wasser bringt, und sie be-
wegen sich dann wie die Brownschen Körper. Nach und nach
werden sie klebrig und vereinigen sich endlich in Haufen, oder
oberflächliche. Platten. Der: Verf. ‘beschreibt nun. die Efflo-
rescenzen. von Mesembrianthemum deltoides, maximum, de-
cumbens, Cacalia repens, wobei erinnert wird, dass an einigen
Cacalien die Haare diesen Staub ersetzen, Kleinia sufiruticosa,
Calandrinia. speciosa und zuletzt an den Pflaumen. Er ver-
glich damit Wachs, und fand diesesim Aeussern ähnlich, Hiebei
macht er die Bemerkung, dass er im Honig bei mikroskopi-
scher Untersuchung noch die Pollenkörner gefunden‘ habe,
woraus der Honig bereitet wurde, und. empfiehlt. eine 'mikro-
skopische Untersuchung 'zur Erkennung ‚des Honigs. ' 3) Efflo-
rescenzen in ‚Haufen, Sie finden sich ‚auf den Weinbeeren,
und zwar auf der Haut derselben in eiförmigen Haufen und
sehr grossen Kugeln. 4) Schlauchartige Efflorescenzen: (utri-
euliformes). Sie erscheinen auf den bestäubten Aurikeln. Diese
merkwürdige Efflorescenz zeigt sich zuerst in besondern Schläu-
chen, welche nachher auseinander fliessen ‘oder platzen und
ihren staubigen Inhalt ‚ausstreuen. Jeder Schlauch besteht aus
einer feinen Haut, die. leicht zerreisst und weiss ist. ‘Im: In+
nern finden sich trockne, weisse, matte Körner, 44,5 Millime-
ter gross, Platten (plaques) von verschiedner Gestalt, von
545 Millim. und kurze Fäden ‚von wenig zahlreichen ‚Rügel-
chen. 5) Epitheliumartige (epithelimorphes) Efflorescenzen. Sie
machen ‚den Uebergang zu den Abschuppungen. Hieher gehört
113
der blaue Staub auf den Früchten von Thuya orientalis, wel-
chen der Verf. genau beschreibt. Sehr gute, deutliche Abbil-
dungen sind diesen Abhandlungen beigefügt.
Stamm. Knospen. Blätter.
Recherches generales sur l’Organographie, la
Physiologie et l’Organogenie des Vegetaux. Me-
moire par Ch. Gaudichaud. Par. 1841 mit 18 lithogra-
phirten Tafeln, setze ich hierher, da fürs erste nur von der
Bildung und dem Wachsthum der Pflanzen in Rücksicht auf
Stamm, Blätter und Knospen die Rede ist. Ueber andere,
unter dem sehr allgemeinen Titel begriffene, Gegenstände ver-
spricht der Verf. in der Folge seine Untersuchungen bekannt
zu machen. Er giebt zuerst eine ideale Darstellung einer
ganz einfachen Pflanze in folgenden Sätzen. Er nennt sie
erstens ein Cotyledonarblatt. Dieses Cotyledonarblatt besteht
zweitens, abgesehen von andern Geweben, aus einem Nerven-,
Holz- und Rindengefässsystem, welches man in ein oberes
und unteres theilen kann, Das obere System. kann man in
drei Theile oder Glieder (merithalle), in das Stamm-, Blatt-
stiel- und Blattflächensystem (M. tigellaire, petiolaire et lim-
baire) eintheilen. Die Trennungslinien dieser drei Systeme
werden mesophyte, mesophylle genannt und eben so die Tren-
nungslinie zwischen dem obern und untern mesocauleorhize.
3) Der Verf. nennt die ursprünglichen Gefässe, welche den
Markkanal bilden, Nerven -Merithall-Gefässe; die des Holzes
Röhren- oder holzige Merithallgefässe;' die der Rinde Faser-
Merithallgefässe. Diese ursprünglichen Gefässe gehören ent-
weder zu einem aufsteigenden oder absteigenden System, 4)
Die Gefässe beider Systeme gehen von einem Punkt aus
und entwickeln sich in entgegengesetzter Richtung. 5) In ei-
nigen Fällen schlägt das Würzelchen und das Stämmchen
(tigelle) mehr oder weniger fehl (Crinum aus Brasilien), in
andern die Blattstiele und die Blattfläche (Cacteen), 6) In
den Monokotyledonen - Embryonen giebt es ursprünglich nur
ein umhüllendes Merithall-Gefäss-System. 7) In den Dikoty-
ledonen- oder Polykotyledonen-Embryonen giebt es aber zwei
oder mehrere. 8) Gefäss- System heisst das Ganze der ur-
sprünglichen Gefüsse eines Blattes, als Pflanze betrachtet,
Archiv # Naturgeschichte, VII, Jahrg, 2, Bd. H
114
Diese Gefässe bestehen aus verschiedenen Arten von Gewe-
ben,‘ die durch ihre Vereinigung die verschiedenen Organe
bilden. In den Monokotyledonen bleiben diese Gewebe ver-
einigt und wachsen zusammen, in den Dikotyledonen trennen
sie sich gewöhnlich, um zum Theil den Markkanal zu bilden,
in dem sich besonders die Spiralgefässe befinden; zum Theil
aber gehen sie zur Rinde und machen’ die Fibern ‘derselben
aus. 9) Die Kotyledonen verbinden sich mit einander in den
Dikotyledonen- und Polykotyledonen-Embryonen ‚wie sich‘ die
Kelchblätter zu einem einblättrigen Kelch, die Blumenblätter
zu einer einblättrigen Blume verbinden u. dgl. m. 410) Von der
Zahl der Kotyledonen, später der Blätter, von der: Stellung
dieser Theile und von der Anordnung der Gewebe entstehen
die beiden Hauptklassen der Vegetabilien. 11) Unabhängig “
von der Endknospe (Axenknospe, bourgeon axifere) kann je-
der Lebensknoten (mesocauleorhize, mesophyte und mesophylle)
Seitenknospen hervorbringen. 12) Der Norm nach giebt es
nur eineKnospe in dem Monokotyledonen-Embryon. 13) Es
giebt eine oder mehrere in dem Dikotyledonen-Enmbryon; einen
für jedes Blatt; sie schlagen oft fehl. 14) Die Endknospen
und Seitenknospen stellen Aeste in der Anlage vor. Sie be-
stehen aus einer bestimmten Anzahl von regelmässig gestell-
ten Blättern und nehmen, nachdem sie an der Luft, in der
Erde oder im Wasser sich befinden, verschiedene Gestalten
an, wie die Zwiebeln der Lilien u. dgl. m. zeigen. 15) Der
ausdauernde Stamm einer Dikotyledone wird ursprünglich (ab-
gesehen von den andern Geweben) aus den Gefässen des un-
tern Merithalls eines jeden Blattes gebildet. Diese Gefässe
werden wieder nach und nach, ihrem respectiven Anwachsen
zufolge, ein jährlicher Trieb‘ nach dem andern, ‘ein: Kreis
(verticille) nach dem andern, und zuweilen ein Merithalle'nach
dem andern, von den Radikular- Verlängerungen des abstei-
genden Systems derselben Blätter bedeckt. Diese Verlän-
gerungen sind selbst 'eingehüllt und symmetrisch "gesondert
durch das sogenannte epidermische, pulpose und markige Zell-
gewebe, ‘nach der Stelle, die sie einnehmen, oder nach der
besondern Weise ihrer Entwickelung. Oder mit andern Wor-
ten: ein ausdauernder Stamm ist aus Blättern zusammenge-
setzt, die über einander liegen und eines dem andern ein-
115
geimpft ist, zwischen : den röhrigen Nervgefässen des Holzes
und den fibrösen Gefässen der Rinde, und zwar durch die
Radikular- Verlängerung derselben Gefässe. — Nach diesen
vorausgeschickten Sätzen sucht nun der Verf. zuerst für
die Dikotyledonen seine Hauptsätze zu beweisen. Er nimmt
eine junge Radiespflanze (Raphanus sativus), die nur zwei Blät-
ter ausser den Kotyledonenblättern getrieben hat, und stellt
den Verlauf der Gefässbündel in Querschnitten und dann in
Längsschnitten dar. Man sieht, sagt er, ‘dass die röhrigen
Gefässe der Prämordialblätter zwischen der Epidermis und
den röhrigen Gefässen der Kotyledonen herabsteigen und diese
letztern umgeben, ferner, dass sich in diesem Augenblicke
von dem Mittelpunkte bis zum Umfange Markstrahlen bil-
den, welche die Entwickelung der fasrigen Gewebe befördern,
und diese Gewebe in schmale excentrische Linien trennen. So
bilden sich also die ersten Markstrahlen. Aus dieser doppel-
ten Entwickelung des röhrigen hinabsteigenden Gewebes der
Primordialblätter ausserhalb des hinaufsteigenden oder meri-
thallischen Gewebes der Kotyledonen und der Markstrahlen ent-
steht ein Zerreissen der Epidermis des ersten Kotyledon-Me-
rithalls in zwei Lappen, und die Bildung einer neuen Epi-
dermis. Dasselbe zeigt sich auch an vielen andern jungen
Pflanzen, und besonders an Brassica Rapa, welches der Verf.
ebenfalls darstellt. Hierauf kommt er zur Entwicklung der
Knospen des Kastanienbaums (Castanea edulis). ‘Wenn man,
sagt er, im Frühjahr der Entwiekelung einer solchen'Knospe
folgt, so bemerkt man folgende Erscheinungen: Nachdem die
Rinde des jungen Astes weggenommen ist, sieht man, dass die
' röhrigen Gefässe von einem Blattpaare der Spitze sich regel-
mässig mit dem des unmittelbar darunter liegenden Merithalls
zusammenfügen, mit ihnen wechseln und sieh mit ihnen ver-
binden, die nun eben so zu den darunter liegenden sich ver-
halten. Aber indem diese Merithall- Gefässe sich von unten
nach oben entwickeln und sich nach mathematischen Gesetzen
anordnen, die man leicht für jedes Gewächs, für jede Gat-
tung , zuweilen für jede Familie bestimmen könnte, entwickeln
sich ihre Wurzel-Verlängerungen von oben'nach unten, von
dem Gipfel des Stamm-Merithalls oder dem Mesophyte an,
80 dass die Wurzel-Verlängerungen des zweiten Merithalls
H*
116
den ersten bedecken, die des dritten den zweiten und ersten,
und folglich auch die Wurzelgefässe des zweiten, die des drit-
ten den ersten, zweiten und dritten und die Wurzelverlänge-
rungen des dritten, die dann auch den zweiten und ersten
bedecken u. s. w.; so dass die Wurzel-Verlängerungen des
letzten obern Merithalls, sei er einfach oder zusammenge-
setzt, alle die untern bedecken, wohl verstanden, dass dieser
Merithalle einen Wirtel darstelle. Die röhrigen Wurzel-Gefässe
der Blätter, regelmässig in Strahlen gestellt durch die nach
aussen sich verbreitenden Zell-Mark-Gewebe, bilden nun die
Jahresschichten und das holzige Skelet des Stammes der Di-
kotyledonen-Bäume, ‘so dass auf der Basis eines Baumstam-
mes die röhrigen Unter-Merithall- oder wurzeltragenden Ge-
fässe der Blätter des Gipfels, sich auf der Oberfläche aller
Holzschichten befinden, indem die Merithall -Gefässe oder die
aufsteigenden der ganzen Pflanze regelmässig in der Mitte des
Stammes stehen, wo sie den Markkanal bilden, der sich ge-
nugsam durch seine centrale Lage, durch seine Spiralgefässe
u.s.w. auszeichnet, indem die röhrigen Gefässe nur durch
verlängertes, mit Spalten und Punkten bezeichnetes Zellgewebe
gebildet erscheinen. Nun kommt der Verf. zu den Beweisen
für seine Meinung, hergenommen von dem Anschwellen ‚der
Rinde über einem um den Stamm angelegten Bande, und von
dem Anwachsen der Theile von oben nach unten, wenn die
Rinde um den Baum weggenommen worden, wovon vieleBei-
spiele angeführt und dargestellt werden. Hierauf redet der
Verf. aber nur vorläufig über manche andere Gegenstände
der Phytologie, indem er eine genauere Untersuchung ver-
spricht, und zwar von dem Ablösen der Theile in der Mitte
der Früchte von Anagallis, Lecythis und an den Kelchen von
Eucalyptus, Hyoscyamus, Datura u.s. w., der Deckel an den
Samen von Oanna, Commelina und ähnlicher. Auch bestimmt
er die Gattungen Piper, Cubeba und Serronia nach ihren Kenn-
zeichen beiläufig. Ferner redet er vorläufig von der merkwür-
digen Bildung der Stämme einiger Sapindaceen,, Bignoniaceen,
ferner von Bauhinia, Rhynchosia, Abrus, wovon auf der letz-
ten Tafel Abbildungen gegeben werden. Zuletzt noch etwas
über den Schaden, den ein unvorsichtiges Beschneiden der Bäume
hervorbringt. In dem zweiten Kapitel redet der Verf, zuerst
117
von den Monokotyledonen, und betrachtet darin, eben so wie
vorher, ein aufsteigendes und absteigendes Gefäss-System.
Nur, sagt der Verf., ist hier der Unterschied, dass die Ge-
fässbündel auf Hindernisse an den Knoten der Basis der Zwie-
bel u.s.w. stossen, und sich hier auf mancherlei Weise ver-
wickeln. Er kommt hiebei auf einige Gegengründe gegen seine
Theorie. Man sagt, führt er an, die Gefässe, welche aus
dem Stamm in die Knospen gehen, weichen von ihren We-
gen, um in die Knospen zu gelangen. Aber, setzt er
hinzu, man sieht Spiralgefässe in den Knospen und diese
könnten doch nur aus den Gefässen des Markringes kommen,
wie nun aber, wenn das Mark des Stammes an vielen Bäu-
men zerstört ist, wie man an vielen Bäumen bemerkt? Aber
noch mehr, fährt der Verf. fort, man sieht gar oft, dass
Knospen, welche wahre Spiralgefässe haben, sich auf der
Wurzel entwickeln, worin dergleichen nicht vorhanden sind.
Nein, sagt er, nichts Fasriges, nichts Zelliges, nichts Festes
endlich, steigt aus’ dem Stamme oder den Aesten auf in die
Knospen, um sie zu bilden; Alles formirt sich dort von selbst
aus organisirbaren, und nicht aus organisirten Elementen, in-
dem im Gegentheil ausgebildete und zum Theil organisirte
Säfte (cambium) in dem flüssigen Gewebe sich noch bilden
und fest werden, indem sie aus diesen Knospen in die Aeste,
aus den Aesten in die Stämme und aus den Stämmen in die
Wurzeln übergehen, durch -eine Art von Verlängerung, die
dem Fortwachsen der Wurzeln analog, wenn nicht gar mit
derselben einerlei ist.
Der Verf. gehört zu den geistvollen Männern, welche
Alles zu generalisiren streben, aber sich doch dabei von der
Natur nicht entfernen, sondern die Gegenstände mit einem
richtigen Blick auffassen. Es ist ursprünglich die Lehre von
Petit-Thouars, aber mit Scharfsinn und Kenntniss ausgeführt.
Gaudichaud hat, meiner Ansicht nach, völlig recht, wenn er
sagt, nichts Fasriges, nichts Zelliges, nichts Festes steige aus
dem Stamme oder den Aesten in die Knospen auf, um’sie zu
bilden. Wie der Kern des Samens entsteht die Knospe für
sich, in den Winkeln der Blätter, in einer Erweiterung des
Stammes oder des Astes; ein Haufen von Zellgewebe macht
den Anfang, dann folgen die Spiralgefässe oder auch Spiroi- _
418
den, die nach jedem Theile der Knospe gehen, und offenbar
nicht 'einzelne von den Bündeln des Stammes oder des Astes
gesonderte Gefässe sind. Ja es.ist sogar schwer zu sagen,
ob sie in der jungen Knospe mit dem Stamme oder Aste in
irgend einer Verbindung stehen. ‚Denn auch in der entwickel-
ten Knospe legen sich die Gefässe an einander, und: selten
geht ein und dasselbe Gefäss ununterbrochen aus dem Stamme
oder Aste in die ganz entwickelte und angewachsene Knospe;
es kann also die Verbindung erst später durch ein angelegtes
Gefäss zu Stande gekommen sein. Es scheint mir jedoch eben-
falls, dass aus der Knospe Holz in den Stamm oder Ast hin-
einwachse. Die an einander liegenden Gefässe keilen sich
nämlich nach unten zu oft aus, oder laufen spitz zu, gerade
so, wie‘es in den Wurzeln gegen die Spitze zu geschehen
pflegt. Auch sieht man zuweilen die an einander liegenden
Gefässe nach beiden: Enden hin spitz zulaufen, so dass es
scheint, als ob sich das Gefäss nach beiden Enden hin ver-
längert habe. "Wenn man ferner einen eben entwickelten Zweig
betrachtet, so sieht man schon mit blossen Augen ein frisches
Holz aus der Knospe in den Stamm oder Ast eintreten und
sich darin auskeilen, ja ich habe beobachtet und bekannt ge-
macht, ‘dass ein Frost, der die eben entwickelte Knospe ge-
tödtet hatte, seine Wirkungen bis in den Ast hinein erstreckte,
und 'man sah, wie das Erfrorene sich nach unten zu verschmä-
lerte und aufhörte. Aber eben dieser Erscheinung wegen
scheint mir der Theil von der Theorie ‘des Verf., worin 'er
die Jahresschichten aus diesem Herabwachsen der Gefässe,
aus den Knospen und Blättern in den Stamm und Ast ablei-
tet, nicht richtig zu sein. Das frische und hier erfrorene Holz
geht nämlich nicht‘ weit in den Ast hinein, und die Gefässe
erstrecken sich ununterbrochen nicht weit, sondern setzen
sich nur dadurch fort, dass sie sich an einander legen. Wi-
derlegt wird diese Theorie auch durch die Masern im Holz
der Bäume, wo sich wahre Holzschichten gebildet haben, ohne
dass ein Ast mit Blättern hervorwuchs. Die Schichten ent-
stehen also hier unabhängig von Knospen- und Blattbildung.
Auch legen dicke Stämme in der Regel gleich dicke Jahres-
schichten oder Jahrringe an, ohne dass von allen Seiten gleich-
förmig Aeste umher stehen. Ferner ‘sehe ich nicht ein, wie
119
b)
sich ein ganzer Holzring um einen Ast oder gar um den gan-
zen Stamm von dem wenigen Holz bilden soll, ‘welches aus
den Knospen herabwächst, ohne dass seitwärts Holz sich an-
setzt. Nimmt man aber dieses an, so kann man eben so gut
das Holz nach der gewöhnlichen Meinung seitwärts um den’
letzten Jahrring herum anwachsen lassen; die Erscheinungen
sprechen nieht dagegen, sondern mehr dafür. So geschieht
also beides zugleich, das Holz wächst aus der Knospe in den
Stamm oder Ast, aber nieht weit hinein, und es setzt sich
Holz um den äussersten Jahrring an, einen neuen zu bilden.
Die Erweiterung des Stammes oder Astes, und das Eintreten
aus den Knospen in denselben, bis auf eine gewisse Grenze,
sieht man deutlich von Aussen ‘unter den Knospen bei sehr
vielen Bäumen und Sträuchern angezeigt. ' Ich habe dieses in
meinen Grundlehren (der Kräuterkunde wenigstens angedeutet.
Auch'sieht man in den Anatomisch- botanischen Abbildungen H. 1.
T.7. F.12 deutlich, wie sich die Spiralgefässe ‘oder die Spi-
roiden an einander legen, und zwar eines mit dem spitzen Ende
nach oben, das andere mit demselben nach unten gekehrt.
Ueber linsenförmigeLücken im Marke derPflan-
zen (On Discoid piths) findet sich eine Abhandlung von Ch.
Morren in den Annals of natural History T. 4 (1840) p. 73.*)
Um den Ursprung dieser Lücken im Marke, die durch Quer-
wände von einander getrennt sind, zu erklären, hat der Verf.
folgende Untersuchungen angestellt, und zwar zuerst und be-
sonders an Begonia argyrostigma. Erste Periode. Das Mark
ist ununterbrochen, voll, dicht, und besteht aus Zellen, die
sphärisch, aber durch Druck auf einander prismatisch gewor-
den sind, Die Zellen werden stufenweise länger in die Quer,
und bilden so horizontale Lagen. In dieser Periode sind die
Zellen voll Flüssigkeit und Stärkmehl; das Mark erscheint
grün, wie der keimende Kotyledon einer Pflanze, Zweite Pe-
riode. Das Mark hat sich durch die Entwiekelung des Zwei-
ges mehr ausgedehnt; das Stärkmehl hat sich in Nahrungssaft
verwandelt; es verschwindet zuerst aus den Centralzellen des
Markes, wo sich Kerne (nuclei) bilden mit einigen Kugeln
*) Man erlaube mir, wichtige Abhandlungen nachzuholen, damit
man nicht glaube, sie wären absichtlich übergangen.
420 (
von Ohlorophyll. Durch den Verlust dieser nährenden Sub-
stanz gehorchen die unorganischen Substanzen, z. B. Salze
den Kräften der unorganischen Welt und krystallisiren in den
Zellen. Die Flüssigkeit in den Zellen, oder die zubereitete
‘Flüssigkeit, die ihren Ursprung in dem herabsteigenden Saft
hat, und die zu dem Marke durch die Markstrahlen gekommen
ist, wird für die Knospen absorbirt. Die Verminderung,
welche durch diese Absorption entsteht, macht die Zellen
leer, wodurch sie sich in einer Horizontalfläche von einander
sondern. So entsteht die Spalte. Man könnte sagen, dass
die Kraft des Saugens von Seite der Knospen nach der Rich-
tung der Axe geschehe, denn in dieser Richtung wird die
Spalte gebildet. Die Spalten sind zuerst in einer grossen
Entfernung von einander. Dritte Periode. Alles fährt fort,
wie es angefangen hat. Die Umgebung des Markes allein 'ent-
hält noch etwas Stärkinehl, aber aus dem übrigen Mark ist
diese nährende Substanz ganz verschwunden. Der zubereitete
Saft wird immer weniger; gegen die Knospe trocknet das Mark
mehr und mehr aus, die Spalten vermehren sich und werden
so breit, dass sie linsenförmige Lücken darstellen, welche
Markscheiben zwischen sich haben. Die letzten sind aus La-
gen von Zellen gebildet, die zierlich von einander gesondert
sind. Jetzt verliert das Mark seine grüne Farbe und wird
hellgelb, indem -die Zellmembranen 'vertrocknen; es bilden
sich glänzende Punkte, zahlreiche Krystalle, die sich aus dem
Saft ausscheiden, worin sie aufgelöst waren. Dass dieses Al-
les auf die angegebene Weise vor sich gehe, sieht man auch
aus Folgendem. Wenn man nämlich einen Stamm dieser
Pflanze, so lange sie noch frisch ist, und das Mark blos Spal-
ten hat, der Länge nach durchschneidet, so sieht man nach
zwei Tagen, dass die Spalten linsenförmige Lücken geworden
sind, und dass die Markscheiben sich gebildet haben, dass
die Zellen, indem die Flüssigkeit vertrocknete, gelb wurden,
und dass Krystalle erscheinen. Vierte Periode. Die Knospe
hat sich‘ entwickelt und der Ast gebildet; das Mark ist nun
unnütz geworden. Allen Saft hat es verloren, das Zellgewebe
ist aufgetrocknet; die Trockniss hat alle Zellenlagen geson-
dert, und eine beträchtliche Menge von Querwänden haben
sich gebildet. Diese Wände sind leer und braun, und Salze
121
haben sich in mancherlei Gestalten krystallisirt. Dies ist die
Periode des Todes. Es folgen hierauf die Beobachtungen
an einem Wallnussbaume gemacht. Er nahm einen’ Ast von
einem Wallnussbaume, dessen junger Schuss sehr lang war.
Die Endknospe war von dem vorletzten Blatte durch einen
Zwischenknoten von neun Centimeter in der Länge getrennt.
Dann kam ein Blatt in einer Entfernung von fünf Centimeter,
und ein anderes noch eilf Centimeter tiefer. An diesem Aste
war das Mark voll bis auf zwölf Gentimeter unter der End-
knospe, aber da, wo jedes Blatt eine Knospe in dem Blatt-
winkel hatte, war das Mark mit einigen linsenförmigen Lücken
durchsetzt. Hier sah man deutlich, dass die Knospe das Mark
aussaugt; und ein besserer Beweis für die aussaugende Kraft
der Knospe kann nicht gegeben werden. — Der Verf. be-
merkt, dass sich ausser Krystallen eine harzige Substanz in
dem alten Mark absetzt, und er meint, dass auch das Mark
zum Absatz unnützer Stofle dienen möge. Zuletzt Bemerkun-
gen über einige Arten von Jasminum, welche bestätigen, dass
Stärkmehl, als die nährende Substanz , beim Treiben der Knos-
pen in der Mitte des Markes vermindert und endlich ganz ver-
zehrt werde. Im Anfange dieser Schrift geht der Verf. die
Meinungen der Botaniker über die Verrichtungen des Markes
durch, und bleibt bei De Candolle’s Meinung stehen, welcher
das Mark für den nährenden Theil der Knospen hält, für den
Kotyledon der Knospen, womit allerdings die Beobachtungen
des Verf. übereinstimmen. Aber De Candolle nimmt auch an,
dass die Höhlungen von einer Zerreissung des Zellgewebes her-
rühren, und der Verf. zeigt, dass dieses durchaus nicht der
Fall sei, sondern dass sich die Lagen der in die Quer ver-
längerten Zellen von einander sondern, um die Lücken zu
bilden. Auch führt der Verf. im Anfange mehrere Beispiele
an, dass von verwandten Pflanzen gar oft die eine linsenför-
mige Lücken im Marke habe, die andere hingegen ein durch-
aus dichtes Mark, zu welchen Beispielen noch zuletzt Jasmi-
num kommt, indem J. azoricum ein dichtes Mark, und J. of-
ficinale ein Mark mit Lücken hat. — Es scheint, als ob durch
die gründlichen Untersuchungen des Verfassers der Gegenstand
fast erledigt sei.
Observationes phytophysiologieae auct, A. H. A. J. Münter,
122
Berol. 1841, ist der Titel einer sehr guten und zweckmässi-
gen Inauguraldissertation, die auch in der Linnaea T. 15 p. 209
abgedruckt ist. Sie enthält Beobachtungen über das Anwach-
sen des Stammes und der Blätter. ‘Nachdem der Verf.
das Geschichtliche angeführt, geht er zu den Beobachtungen
über. Er machte sie zuerst an Hyaecinthen, indem ‘er einen
Schaft von der Basis bis zur untersten Blüthe in 6 Theile,
jeden von 3”, theilte, und sie 10 Tage nach einander mass.
Der unterste hatte in 6 Tagen seine grösste Länge von 5"",4
erreicht, der zweite ebenfalls in 6 Tagen von 5,7, der
dritte in 5 Tagen von 6”, der vierte in 6 Tagen von 6"',6,
der fünfte in 6 Tagen von 7”’,4, der sechste in 7 Tagen von
8",7. Eine andere Reihe von Versuchen stimmte‘ damit sehr
überein. Auch gaben die Beobachtungen über den Sehaft von
Sagittaria sagittifolia, wie der Verf. sagt, dasselbe Resultat.
Hierauf stellte er Versuche über das Anwachsen des Stammes
von Phaseolus’communis an. Der achte Zwischenknoten wurde
in zwei Theile von 3” getheilt; der untere wuchs in 6 Tagen
von 3" zu 21"',3, der obere in derselben Zeit von 3" zu
37". Der fünfte Zwischenknoten wurde zu derselben Zeit in
vier Theile getheilt; der untere wuchs in 6 Tagen von 4,5
zu 412”,5; der zweite von 4'",5 zu 18”,5; der dritte'von
4",5 bis 36"',8; der vierte von 0",8 zu 5”,5. Den zwei-
ten Zwischenknoten theilte er in fünf Theile. Der unterste
wuchs in 12 Tagen von 5"',5 zu 8”,1; der zweite von 5"",5
zu 13,5, der dritte von 5”,5 zu 21”; der vierte von 5,5
zu 42" ,6; der fünfte wurde nach 8 Tagen in zwei Theile ge-
theilt, und es fand sich, dass der untere Theil nicht ‚mehr
wuchs, wohl aber der obere. Aus diesen letzten Versuchen
zieht der Verf. folgende Schlüsse: 1) Jeder Zwischenknoten
wird im Anfange überall ausgedehnt und wächst. 2) Die Theile,
welche dem unteren Knoten am nächsten ‘sind, hören- zuerst
auf zu wachsen, hierauf folgen die höheren u.s.w. 3) Die
unterste Abtheilung bleibt die kleinste, wenn sie auch im An-
fange dieselbe Grösse, wie die übrigen, gehabt hat. Das
Wachsthum der Zwischenknoten nimmt nach oben zu. 4) Im
obern Theile des Zwischenknotens dauert das Wachsthum fort,
nachdem die Basis schon zur grössten Länge gekommen ist.
Was von drei Zwischenknoten gesagt sei, meint der Verf,
123
lasse-sich auch wohl auf die übrigen ausdehnen und für gültig
halten. Nun werden Versuche über das Anwachsen der Blatt-
stiele gemacht, ein Gegenstand, der vorher noch nicht unter-
sucht worden. Der Blattstiel von Sagittaria sagittifolia wächst
im Anfange überall an, dann hören zuerst die mittlern Theile
auf zu wachsen, indem die Basis und das Ende fortfahren.
Ganz anders aber verhält sich der Blattstiel von Phaseolus
communis in dieser Rücksicht. Im Anfange verlängerten sich
alle Theile und zwar in wachsender Progression, dann wuch-
sen die untern Theile besonders an, hierauf die obern und
endlich die nächsten an den Blattplatten. Ueber das Anwach-
sen der jungen Zweige jin die Dicke hat der Verfasser einige
Beobachtungen angestellt und gefunden, dass die Zwischenkno-
ten zuweilen in der Dicke abnehmen.‘ Knospen von Aesculus
Hippocastanum sah er im Winter in vier Monaten weder an
Länge noch an Dicke zunehmen. Zuletzt Versuche über das
Anwachsen der Blätter und zwar zuerst der Monokotyledonen.
Er findet, dass im Anfange alle Theile zugleich ausgedehnt wer-
den. An Hyaeinthus und Crocus wachsen die untern Theile
mehr an als die obern, an Sagittaria die Theile, wo der Blatt-
stiel sich einsenkt. Die obern Theile des Blattes hören zu-
erst auf zu wachsen, die untern nachher. Was die Blätter
der Dikotyledonen betrifit, so gesteht der Verf. selbst, dass seine
Versuche über das Anwachsen derselben noch unvollkommen
sind. — Wir wünschen mehr solche Inauguraldissertationen.
In der Linneischen Gesellschaft las Prof. Don eine Ab-
handlung über die Drüsen von Nepenthes destilla-
toria (Annals of nat. History T. 7 p. 218). Diese Organe,
welche Don Clathrophoren nennt, sind von Treviranus, Meyen
und Korthals beschrieben. Ueber ihre Verrichtung ist man
noch immer in Zweifel, aber es scheint dem Verf., dass sie
entweder die Oefinungen sind, wodurch die Flüssigkeit in den
Schlauch fliesst, oder, dass sie mit der Respiration der Pflan-
zen in Verbindung stehen. Der Verf. glaubt mit Morren, dass
der Schlauch aus der Blattplatte entstanden sei, dessen Rän-
der sich schon früh vereinigten; den Deckel aber hält er für
ein Gebilde, wie etwa der Helm und die Blumenblätter von
Aconitum, welches von der Spitze des Blattes entstanden ist.
Der Schlauch von Sarracenia habe einen ähnlichen Bau. Den
124
Deckel von Cephalotus vergleicht er mit dem labellum von
Cypripedium, indem sich das modifieirte Blatt zuerst zu einem
Sack umbildet, und der Deckel folgt, da hingegen an Nepen-
thes der Deckel zuerst sich bildet, Die obere Fläche des
ausgebreiteten Theiles des Blattstiels von Nepenthes ist ohne
Spaltöfinungen, wohl aber ist die untere damit versehen. Die
äussere Fläche des Schlauches hat auch keine Spaltöffinungen,
aber sie ist besonders in der Jugend mit langen, pfriemenför-
migen, oft gespaltenen, oft mit einem Sporn an der Basis
versehenen Haaren besetzt; die innere Fläche hat keine Spalt-
öffnungen, aber Clathrophoren und meistens einfache, bü-
schelförmige Haare. Die Oberfläche der Schläuche im Sarra-
cenia purpurea besteht aus Zellen mit wellenförmigen Wänden
und hat kleine Spaltöffnungen; die Faserbündel bestehen ganz
aus langem Pleurenchym, das anliegende Parenchym aber aus
schönen Spiralfaserzellen. Die Haare der innern Fläche des
Deckels sind einfach, hohl, zurückgebogen, pfriemenförmig und
längsgestreift; sie kommen aus einer etwas erhabenen Basis,
Inden Schläuchen von Cephalotus sind die Spaltöffuungen
gross, oval und geschlossen.
Die Vergleichung des Deckels von Nepenthes destillatoria
mit solchen Gebilden, wie Helm und Blumenblätter von Aco-
nitum scheint mir sehr gezwungen. Ich halte den Deckel
noch jetzt für das Blatt, den Schlauch für den Blattstiel, weil
das Blatt immer vor dem Blattstiel erscheint, und so auch
hier der Deckel vor dem Schlauch. Morren hat zwar dage-
gen eingewendet, die Regel, dass vor dem Blattstiele das Blatt
erscheine, sei nicht allgemein, an den Wasserpflanzen ent-
wickele sich der Blattstiel vor dem Blatt. Aber dieses ist
wirklich nicht der Fall. Die Blätter der Wasserpflanzen, z.B.
von Nymphaea, erscheinen immer vor dem Blattstiel, nur sind
sie von der Seite so zusammengerollt, dass man sie für den
Blattstiel hält, können sich auch im Wasser nicht ausbreiten.
Dann wächst der Blattstiel rasch hervor, und wenn die Blät-
ter die, Oberfläche des Wassers erreichen, breiten sie sich
schnell aus und sind sogleich in bedeutender Grösse da. Treibt
Nymphaea Blätter über dem Wasser, z.B. wenn das Wasser
im Sommer ausgetrocknet ist, so entstehen kleine runde aus-
gebreitete Blätter deutlich vor dem Blattstiel.
125
Ueber die Stämme verschiedener Lianen, und
besonders aus der Familie der Malpighiaceen von
Adr. de Jussieu. Annal. des science. naturell. T. 15. p. 234.
Ist ein Auszug aus einer Monographie dieser Familie, und
also meistens beschreibend, so dass hier ein Auszug davon
nicht gegeben werden kann. Doch wollen wir etwas heraus-
heben. Es erhellt aus allen den gemachten Beobachtungen,
sagt der Verf., dass die Lianen aus der Familie der Malpi-
ghiaceen zuweilen auf die gewöhnliche Weise, wie die holzi-
gen Pflanzen, wachsen, aber dass sie sich auch noch öfter
davon entfernen. In diesem Falle bleiben die Holzbündel
‚nicht einander genähert, und das Holz bildet keinen unzertheil-
ten Centralkörper, sondern die Holzbündel streben sich mehr
oder weniger von einander zu entfernen, und das Rindenge-
webe, welches immer das Holz überzieht, schiebt sich nun
dazwischen ein. Dies geschieht auf eine verschiedene Art;
bald bildet dieses Rindengewebe ein Netz im Holz, welches
dadurch in sehr kleine unregelmässige Bündel getheilt wird,
bald entwickelt sich der Holzkörper ungleichförmig, die Rinde
scheint von Aussen nach Innen zu dringen und das Holz nach
den Strahlen zu zertheilen, eine Theilung, die immer weiter
geht und endlich vollständig wird, so dass nun ein Ast aus-
sieht, als ob mehrere einander genähert oder gemeinschaftlich
gedreht wären. Ein Charakter, der dem Holze aller dieser
Stämme gemeinschaftlich ist, besteht in der Entwickelung der
getüpfelten Röhren, wie sie auch fast an den meisten klet-
ternden Pflanzen sich finden. Ein anderer Charakter an der
Rinde einiger Stämme, die zu derselben Gattung gehören, ist
die Abwesenheit des Bastes in allen Schichten, ausser in der
ersten, wo sich die Bastfasern zerstreut finden. — Der Verf.
kommt nun zu einigen andern Bildungen, die ähnliche For-
men zeigen, und zwar zu den Sapindaceen, den Lianen der
Asclepiadeen, einer Art von Üelastrus, den Bauhiniaceen,
Bignoniaceen, Aristolochieen und einigen andern, deren Be-
schreibung hier keinen Auszug erlaubt. Gaudichaud hat in
dem oben angeführten Werke mehrere solcher Stämme abbil-
den lassen, aber noch keine Erklärung gegeben.
Gaäudichaud hat mir Querschnitte von solchen merkwürs
digen Stämmen mitgetheilt. Es sind Malpighiaceen, welche
126
ganz mit der Beschreibung übereinkommen, welche Jussieu
davon giebt. ‘Die Rinde, und zwar eine Korkrinde, wächst
von Aussen nach Innen in die Klüfte des Holzes hinein, un-
gefähr wie die Samenhülle in das Albumen der Kastanien.
Auch von Sapindaceen habe ich Holzstücke, wo ein Stamm in
der Mitte von mehreren Stämmen im Umfange umgeben ist,
die, wie der mittlere, ganz rund sind und concentrische Ringe
haben, aber von derselben Rinde umgeben werden. Ich halte
dieses für eine Maserbildung, und zwar eine solche, wo die
Zweige sich mehr entwickelt haben, als an unseren Masern.
Blüthe und Befruchtung.
Ueber die gespornten Nectarien, und:beson-
ders der Aquilegia vulgaris von Ch. Morren (Annals
of natural history. T. 7. p.1). Nachdem der Verf. einige hi-
storische Nachrichten über Acklei (Aquilegia vulgaris) gegeben
hat, kommt er auf Goethe’s Metamorphose der Pflanzen, nach
dessen Lehre ‘die Nectarien Mittelformen oder Uebergänge
von der Blume (corolla) zu den Staubfäden sind. Der Ueber-
gang aus den Staubfäden zu den gespornten Nectarien kann
nun auf eine doppelte Weise erklärt werden; entweder man
sielit den Sporn an als gebildet durch die eine Hälfte der An-
there, durch ein Antherenfach, oder der Sporn ist ein sack-
förmiges Connectivum und die beiden Lappen der Mündung
stellen die beiden Fächer der Anthere vor, die ursprünglich
durch ein Connectivum verbunden sind. Die letzte Annahme
ist die richtige, wie der Verf. durch die Beschreibung und
Abbildung einer solchen Mittelform, die er in einer Acklei-
blüthe gefunden, deutlich zeigt. Er führt nun eine Bemer-
kung von Kurr (über Nectarien) an, dass nämlich in den ge-
spornten Blüthentheilen der Acklei ein süsser Saft nur so
lange abgesondert wird, als die Antheren ihre Function ver-
richten, und meint, ‘dass durch eine organische Compensa-
tion in diesen veränderten Antheren, die Pollenbildung durch
eine Absonderung von Nectarsaft ersetzt werde, Der Verf,
betrachtete nun diese gespornten Blätter in einer sehr jungen
Blüthe von anderthalb Millimeter Länge, und fand sie jungen
Antheren sehr ähnlich, nämlich kleine kreisförmige Platten,
welche aus zwei Erhabenheiten bestanden, wie Antherensäcke
127
mit einem sehr breiten Connectivum, und einem Rande, wo-
von auch an den Antheren sich die Spuren finden." Die ge-
spornten Nectarien der Acklei bringen also nicht Staubfäden
durch eine aufsteigende Metamorphose ‚hervor, sondern sie
sind im Gegentheil modifieirte Staubfäden, durch eine herab-
steigende Metamorphose. Es folgt die mikroskopische Unter-
suchung dieser Theile. Bildet, sagt er, das Connectivum den
Nectar haltenden Sporn, so führt uns dieses auch auf eine
Metamorphose der Faserzellen der Antheren in Parenchym,
und ‘die Metamorphose greift eben so sehr die ganze Organi-
sation als das Gewebe an, woraus jene besteht. Zuletzt noch
über die Varietät der Acklei, welche man stellata nennt. Die
spornlosen Blumenblätter, folgert er aus seiner Untersuchung,
sind modifieirte Antheren und nicht Träger (filaments), kön-
nen sich auch unter mancherlei Umständen in sporntragende
Nectarien verwandeln.
Der Verf, hat die Gestalt der gespornten Blumenblätter
von Aquilegia vulgaris auf eine sehr sinnreiche, und wie es
mir scheint, trefiende Weise erklärt. Eine Stelle des Verf
erfordert einige Rücksicht von meiner Seite nicht allein, son-
dern überhaupt. Er sagt: Link sucht in dem Sporn nichts als
eine Verlängerung des Blumenblattes, charakterisirt durch die
Gegenwart einer Drüse an dem Ende der Höhlung, von Zel-
len, deren Wände dicker sind als gewöhnlich — eine Sache,
welche wir uns die Freiheit nehmen zu Jäugnen (of not admit-
ting). Aber da die Theile der Pflanze nach der Linneischen, so-
genannten Goetheschen Metamorphose der Pflanzen sich in
einander verwandeln können, so lassen sie sich nur durch
Im Stellung gegen andere Theile und das Verhältniss ihrer
Entwickelung unterscheiden. Die gespornten Blätter von Aqui-
legia vulgaris sind also Blumenblätter und bleiben Blumenblät-
ten In einem Lehrbuche der Botanik muss von ihnen bei den
| Blumenblättern die Rede sein, in der beschreibenden Botanik
müssen sie Blumenblätter heissen, auch ist es zweckmässig,
dass in einem Lehrbuche die verschiedenen Formen derselben
angegeben werden. Der Verf. hat aber sehr Unrecht, wenn
er sagt, ich hätte sie durch die Drüse unten im Sporn cha-
rakterisirt und gesagt, die Wände der Zellen von der Acklei
wären verdickt. In der angeführten Stelle: Elem. Phi. bot. V,2
128
p- 130 ist die Rede vom Sporn der Blumenblätter überhaupt,
und unter andern von Aquilegia. Dann wird von Delphinium
geredet, und nun heisst es erst: Oft wird im Sporn ein be-
sonderer, meistens süsser Saft abgesondert, und eine Drüse
befindet sich dort, die aber nur aus Zellen besteht, deren
Wände dicker als gewöhnlich sind. Gewiss haben die abson-
dernden Zellen nicht allein in den Spornen, sondern in den
meisten Drüsen verdickte Wände, so dass ich es fast als ein
Kennzeichen dieser Zellen angeben möchte. ‘Ein Anderes aber,
als Beschreibung und Charakteristik der Theile, ist die‘ Deu-
tung derselben, und diese kann entweder in Rücksicht‘ auf
ihre Form oder ihre Entwicklung, oder auch ihre Verrichtung
gemacht werden, Eine sinnreiche Deutung, in Rücksicht auf
die Gestalt, ‘hat, wie ich meine, Morren gegeben, und er
kann es mir wahrlich nicht übel nehmen, dass ich von einer
solchen Deutung nichts gesagt hahe, da er nur die seinige vor-
getragen, weil er sie für neu hält, und sie auch , meines Wis-
sens, ganz neu ist. Auch wird dadurch die Deutung: der
Nectarien von Aconitum sehr klar. Gewöhnlich sieht man die
Spornen für einen zweckmässigen Behälter an, ‘den abgeson-
derten Saft zu, fassen, aber man muss mit solchen Deutungen
bei den Vegetabilien sehr behutsam sein. Die Deutung der
Nectarien in Goethe’s Schrift war damals neu und weit füh-
rend, so dass sie, obwohl weniger beachtet, unstreitig die
glänzendste Seite seines Buches ist. — Es ist die Sache;
welche mich bewogen hat, diese Bemerkung zu machen, nicht,
was von mir gesagt .ist, denn wer nur einen Blick in meine
Schriften geworfen hat, weiss, dass ich keinen hohen Werth
auf meine Meinungen lege, sondern sie leicht mit besseren
vertausche.
Ueber die Struktur und die Vorrichtungen des
Pollen von John Aldridge (Hooker’s Journ. of Botany,
T.2 (1840) p. 428, T. 4 (1842) p. 86: Zuerst bemerkt der
Verf., dass vorzüglich Salpetersäure den Blüthenstaub zum
Aufspringen bringe. Dieses brachte ihn- auf den Gedanken,
das Stigma chemisch zu prüfen, und nun ‘fand er: wirklich,
dass in einer gewissen Periode das Stigma eine Säure hielt.
Man findet dieses leicht, wenn man eine Blüthe mit einem
sehr fleischigen Stigma, z.B. von einem Martagon (Turk’s cap
129
lly) oder einer Grevillea zwischen Lakmuspapier trocknet.
So sind auch die Blumen von Myosotis, einigen Arten von
Symphytum, Borago, Anchusa, Polemonium u. s. w. roth vor
- der Befruchtung, und werden nachher blau, während an einigen
Arten von Iris das Gegentheil Statt findet, denn die Blumen-
blatt ähnlichen Narben, welche vor dem Aufplatzen der An-
theren blau sind, werden nachher sogleich purpurfarben. In
diesen Fällen dient die natürliche Farbe der Blume als ein
Prüfungsmittel auf Säure. Er fand, dass in vielen Fällen bei
Anwendung der Säure der Inhalt des Pollens in einem Schlauch
hervordringt, da hingegen in reinem Wasser derselbe sich
gleichförmig verbreitet, und erklärt dieses durch folgende Be-
merkung: Wenn -man den durchsichtigen Pollen der Monoko-
tyledonen oder auch der Rosaceen, Leguminosen mit einer
Säure benetzt, so wird er sogleich undurchsichtiger, die Flüs-
sigkeit gerinnt also und es ist nun leicht einzusehen, warum
der Inhalt, mit Säure berührt, als Schlauch hervortritt, mit
Wasser aber gleichförmig sich verbreitet. Der Pollen der
Leguminosen, Rosaceen, Crassulaceen, Saxifrageen, Hippoka-
staneen, Rutaceen und der Ranunculaceen mit Karyopsen ist
trocken oval, mit einer dunkeln Centrallinie bezeichnet, in
Wasser verschwindet diese Linie und das Korn wird‘ kugel-
förmig; bringt man es in eine Säure, so nimmt es eine drei-
eckige Gestalt an. Nun ist es sonderbar, dass Grevillea eben-
falls dreieckige Pollenkörner hat, ohne Zweifel, weil am Stigma
Säure sich befindet. Man muss hiervon wohl die dreieckigen
Pollenkörner von den Onagrarien und Circaea unterscheiden,
denn sie sind aus drei Körnern zusammengesetzt, und mit Säure
benetzt öfinet sich jedes Korn mit zwei Oefinungen. Eine
ähnliche Erscheinung, wie an Grevillea, bemerkt man an Fu-
maria; hier stehen nämlich die Antheren zwischen dem Stigma
und den sehr sauren Spitzen der innern Blumenblätter. Un-
ter diesen Umständen ist die natürliche Form der Pollenkör-
ner an Fumaria dieselbe, wie die Form der Pollenkörner von
Grevillea und Dielytra, wenn sie mit Säuren benetzt werden.
— In der zweiten Abhandlung antwortet der Verf. auf den
Vorwurf, seine Bemerkung sei nicht neu, sondern schon von
Frizsche und Mohl gemacht. Er zeigt, dass Fr. die Säure
des Stigma nicht gekannt, und giebt zugleich einen Auszug
Archiv f, Naturgeschichte, VIN, Jahrg. 2. Bd, J
130
von Frizsche’s Abhandlung mit einigen Bemerkungen. Er
meint nicht, dass der Pollenschlauch eine besondere Haut habe,
sondern er hänge nur vermöge seiner Klebrigkeit zusammen
Anatomische und physiologische Beobachtun-
gen über Phyteuma spicatum von Ch. Morren. ({Bul-
let. de l’Ac. R. d. sc. d. Bruxell. T.1. p. 391.) Die: fünf li-
nienförmigen Abtheilungen der Blume sind oben nur an ein-
ander geklebt und sondern sich von einander, wenn die Blume
verwelkt. Man kann auch die Abtheilungen, wenn die Blume
noch blüht, mit der Nadel von einander trennen, ohne sie zu
zerreissen. Sie hängen aber nicht bis am Ende zusammen,
sondern dieses ist frei und stellt einen mit Warzen bedeckten
Kegel dar, wo die Oberschichte von der freien Seite aus sphä-
rischen Zellen besteht. An der Stelle, wo die Ränder der
Abtheilungen geradlinig werden, nehmen die Zellen der Ober-
schicht am Rande eine andere Gestalt an. Hier vereinigen
sich immer die Zellen zu zwei, so dass die beiden vereinig-
ten einen völligen Kugelabschnitt darstellep. Man kann sie
dann hemisphärisch nennen mit einer Querwand in der Mitte,
In jeder Zelle liegt ein ungefärbter Kern am den Wänden in
dem blauen Saft, Die Blume hat einen unangenehmen Ge-
ruch, der aber nur so länge dauert, als die Abtheilungen der
Blume zusammenhängen. Untersucht man sie in diesem Zu-
stande, so findet man, ‚dass die Convexität der. vereinigten
Zellen an einem Rande der Concavität der Zellen am: andern
Rande entspricht und dass also die Zellen der Ränder in
einander greifen. Dieses ist aber nicht der einzige Grund des
Zusammenhängens, sondern die Zellen schwitzen. einen: klebri-
gen Saft aus, welcher es zugleich bewirkt. — Hierauf kommt
der Verf. zu den Haaren des Griffels, durch. welche nach eini-
gen die Befruchtung geschehen soll. Was Brongniart und Tre-
viranus eine Höhlung im Griffel nennen, in welche sich das
Haar hinabschieben soll, ist nach dem Verf, nichts als. der
bulbus des Haares, das heisst die Fortsetzung der Zelle. unter
der Oberschicht. Das Haar zieht sich also in seinen. bulbus
hinein. Diese merkwürdige Erscheinung, dass sich nämlich
das Haar in sich ‚selbst zurückzieht, wird von Brongniart nur
zweifelnd. erklärt; er schreibt sie einer Resorbtion der Flüs-
sigkeit in dem Haar sowohl als in der Höhlung: an der Basis
131
zu. Morren glaubt, dass sich eine bessere Erklärung finden
lasse. Diese Haare zeigen nämlich in ihrem Innern Strömun-
gen, wie sie in den Haaren von Tradescantia und andern Haa-
ren bemerkt worden sind. Diese Strömungen scheinen hier
auch in Gefässen zu geschehen, wie man sie in andern Haa-
ren wirklich nachgewiesen hat. Nun, setzt er hinzu, diese
Gefässe hängen an der innern Wand der Membran, die das
Haar bildet. Man sieht also, dass wenn, während die Blü-
thentheile verwelken, der Saft (latex) sich vermindert und ge-
gen die Axe der Pflanze zurückkehrt, die reizbaren Gefässe,
die ihn enthalten, sich selbst zurückziehen oder sich verkür-
zen, und dass dann diejenigen, die an der Membran des Haa--
res hängen, diese Membran mit herabziehen. So geschieht
das Einziehen des Haares; es ist also eine Folge vom Zu-
rückkehren des Saftes, und von der Verminderung der Ge-
fässe in die Länge. — Zuletzt einige Bemerkungen über die
Rolle, welche die Haare des Griffels der Campanulaceen bei
der Befruchtung spielen. Nie treten die Pollenschläuche auf
diesen Haaren aus dem Pollen hervor, und die letztern kön-
nen also nicht dazu dienen, den Pollenschlauch in den Griffel
zu bringen. Aber Brongniart behauptet, dass durch die In-
vagination des Haars in sich selbst, das Pollenkorn durch die
Höhlung in das Zellgewebe des Griffels eintreten könne, die
zwischen der äussern und zurückgebogenen Wand des Haares
gelassen wird, und Treviranus glaubt, dass in die innere Höh-
lung des Haares das Pollenkorn wirklich eingehe. Was Phy-
teuma betrifft, so hält der Verf. diese Meinungen für unge-
gründet. Einmal habe er selbst geglaubt, es wären Pollen-
körner in das Haar eingedrungen, aber bald überzeugte er
sich, dass die Pollenkörner an dem Haar äusserlich anhingen,
und zwar auf der entgegengesetzten Seite des Auges, womit
man den Gegenstand betrachtete. Ich richtete ferner meine
Aufmerksamkeit, sagt er, auf die Grösse der Pollenkörner,
und ich fand, dass, verglichen mit dem Durchmesser des Haars,
das letztere die Pollenkörner äusserlich oder innerlich nur
dann fassen konnte, wenn es ausgedehnt war, und in diesem
Zustande habe ich es nie gesehen. Das Pollenkorn könnte
also nicht anders in das Haar kommen, ' als wenn dieses zer-
rissen würde, und das geschehe ebenfalls nicht, woraus der
I*
132
Verf. denn schliesst, dass die Pollenkörner nie auf diese Art
in den Griffel treten.
Die Pflanze, woran Morren seine Beobachtungen ge-
macht hat, ist von Koch (Synops. fl. germ..p.466) nach dem
Vorgange von Schmidt (fl. boh. 2. n. 189) unter dem Namen
„ Phyteuma nigrum von Ph. spieatum getrennt worden. Koch
macht bei Ph. spicatum mit weissen Blumen die Bemerkung,
es sei bis jetzt noch nicht in der Rheinpfalz gefunden wor-
den, wo Ph. nigrum häufig vorkomme. Auch in Belgien, um
Lüttich, ist nach den Nachrichten des Verf. Ph. nigrum viel
häufiger als Ph. spieatum. In Niedersachsen ist Ph. spieatum
mit weissen Blumen gewöhnlich, seltener Ph. nigrum. Dieses
bestimmte Vorkommen deutet wohl auf eine besondere Art.
— Was nun das Einstülpen. der Griffelhaare an den Campa-
nulaceen betrifit, so vergleicht man es nicht richtig mit dem
Einziehen der Fühlspitze der Schnecken, oder eines Fingers
vom Handschuh, denn in diesen Fällen rollt sich die Spitze
ein, an den Haaren der Glockenblume aber nicht. Vielmehr
sinkt die Spitze in den untern Theil des hohlen Haares ein,
und das kann gar leicht geschehen, wenn ein Mittelglied schwach
wird und dadurch dem Drucke des obern Theils an der Spitze
nicht widerstehen kann und nachgiebt. Man sieht dies deut-
lich an den eingesenkten Haaren. Auch sind die Haare nicht
einfach, sondern mit einem Schlauch angefüllt, der an man-
chen Stellen zusammenfällt, und vielleicht rührt das Einsinken
von einem solchen Zusammenfallen des Innenschlauches her,
Hartig hat in der Neuen Theorie der Befruchtung der Pflan-
zen (Braunschweig 1842. 4. S.15) diesen Innenschlauch sehr
wohl erkannt und dargestellt. Derselbe sah auch Pollenkör-
ner in den Kanal des eingestülpten Haares neben dem Innen-
schlauch eintreten, in der Regel nur 3—4, zuweilen sogar
40— 11 Körner, die, weil der Durchmesser durch das Aus-
leeren des Enthaltenen kleiner geworden, sehr wohl darin
Platz hatten. Diese Beobachtung kann ich bestätigen; ich habe
in einem Griffelhaare von Campanula Medium fünf Pollenku-
geln gesehen. Da die Schrift von Hartig zu 1842 gehört, so
verschiebe ich, was darüber zu sagen sein möchte, — Die
Bewegung in den Griffelhaaren von Campanula habe ich oft
beobachtet, und zwar besonders in den grossen Haaren von
133
Campanula Medium. Sie geschieht gewiss nicht in Gefässen.
Man sieht nicht gar selten, wie die bewegten Körner auf ein-
ander stossen und seitwärts getrieben werden, wie sie zuwei-
len in einen grossen Haufen unregelmässig sich sammeln. Ich
glaube gesehen zu haben, wie dunkel gefärbte Körner sich
veränderten, grün wurden, die Bewegung verloren und dann =
grüne Streifen machten, die man für Gefässe halten könnte.
Ich empfehle diesen Gegenstand zur genauern Beobachtung.
Aus Hartig’s Lehrbuche der Pflanzenkunde in ihrer An-
wendung auf die Forstwirthschaft, wovon 3 Hefte Berlin 1841.
4. erschienen sind, theile ich hier etwas über die Befruch-
tung der Tannenbäume mit, welches aus der Erklärung
der Kupfertafeln zum dritten Heft genommen ist, und wel-
ches die grösste Aufmerksamkeit verdient. Bei Pinus sylve-
stris, sagt der Verf., ist es ziemlich regelmässig nur ein Pol-
lenkorn, welches sich genau in der Mitte dem Zellenkern (in
dem innern Raume der Mikropyle) anheftet; bei andern Na-
delhölzern findet man deren mehrere, oft 5— 6 Stück auf der
etwas ausgehöhlten Spitze des Nucleus festsitzen. "Bei Pinus
sylvestris bleibt das Pollenkorn an dieser Stelle 3—4 Wochen
nach der Bestäubung unverändert sitzen. Erst gegen Ende Mai
platzt dieinnere Hülle und der Schlauch wächst in das Zellgewebe
des Kerns hinein. Er endet hier schnell in einem Stärkemehl
führenden Zellgewebe. In Folge der Befruchtung hat sich im
Mittelpunkt des Eies durch Zellenresorbtion eine Lücke ge-
bildet, die mit einem schleimigen Saft erfüllt ist. Sieben
Wochen nach der Bestäubung, ungefähr drei Wochen nach
der Befruchtung, wenn man letztere mit der Entwiekelung des
Pollenschlauchs gleichzeitig annimmt, haben sich in dem Safte
der Kernhöhle einzelne frei liegende Zellen erzeugt. Diese
Zellen, welche später das Samenweiss (albumen) der Mandel
darstellen, mehren und vergrössern sich mit vorschreitender
Entwiekelung des Samens, und legen sich dicht an einander,
den ursprünglich zwischen gelagerten Bildungssaft verdrängend
und‘ durch gegenseitigen Druck aus der abgerundeten Form
in die abgestutzte Dihexa@drische übergehend. Eine jede der
Zellen ist zuerst mit einem wässrigen Safte erfüllt, in welchem
sich weiterhin. kleine Stärkmehlkörner ablagern, die sich zu
einem einzigen grossen körnigen Ballen vereinen. Gegen Ende
134
Juni zeigt sich in diesem Ballen ein heller Kern, welcher sich
auf Kosten der körnigen Masse vergrössert. Von einer das
Albumen umschliessenden Haut, wie sich solche später zeigt,
ist bis jetzt keine Spur vorhanden, » Die grossen Zellen des
Samenweisses werden unmittelbar vom Zellgewebe der späte-
. ren Samenhäute begrenzt. Bei den Nadelhölzern mit einjäh-
rigem Samen (Abies, Larix) ist die Entwickelung der bisher
geschilderten ganz gleich, geht aber viel rascher vor sich. Die
im Sommer und Herbste eintretenden Veränderungen bestehen
im Wesentlichen in der Ausdehnung des Samenweisses, um .
welches sich eine ziemlich diekhäutige einfache, d. h. nicht
aus Zellen, sondern aus Molekulen zusammengesetzte Haut
gebildet hat. Nur am Grunde ist diese Haut mit dem Samen-
weiss innig verbunden, sonst liegt sie überall enge aber lose
dem Samenweiss an. Die verspätete Bildung und das Ver-
schmelzen der Haut mit dem Albumen am Grunde scheint an-
zudeuten, dass dies Organ. nicht als Embryosack betrachtet
werden darf. Es findet sich. noch am reifen Samenkorne.
Ausserdem haben sich im Innern des Samenweisses, am Grunde
desselben, drei eiförmige Höhlungen in regelmässiger Stellung
gebildet. Den Winter über sind diese Höhlen durchaus saft-
los. Im Mai des zweiten Jahres bildet die Hauptmasse des
Samenweisses ein unregelmässiges Zellgewebe, welches jetzt
noch mit Saft und Zellenkernen gefüllt ist, ‚an deren Stelle
später das Stärkmehl tritt. Eine jede der drei Höhlungen ist
mit einer einfachen Schicht kleiner concentrisch geordneter
Zellen umgeben, Die mit Spiralgefässen durchzogene äusser-
ste Samenhaut (testa), die sich bei den Laubhölzern überall
findet, mangelt hier gänzlich, und von der Mutterpflanze geht
nicht eine Spiralfaser in: das Samenkorn, auch nieht in die
Flügelhaut desselben. Anfang Juni des zweiten Jahres, also
43 Monate nach der Bestäubung, beginnt nun eine merkwür-
dige Veränderung im Innern des Samenkorns, deren Endre-
sultat das erste Auftreten des Embryo ist. Zuerst werden die
Zwischenwände der drei Höhlungen am Grunde des Samen-
korns resorbirt, auf welche Weise sich eine einzige gemein-
schaftliche Höhlung im Mittelpunkte‘ des Samenweisses bildet.
Nur der unterste Theil einer jeden Höhlung mit dem ausfül-
lenden Zellgewebe bleibt für's erste unzerstört, so dass die
135
gemeinschaftliche innere Höhle auf drei Zellennestern ruht.
Die obersten Zellen dieser Zellennester wachsen hierauf zu
langen Schläuchen empor, deren jeder an seiner Spitze einen
einfachen Zellenkern eingeschlossen trägt. Mit dem Empor-
wachsen der Schläuche erweitert sich die innere Höhlung nach
oben spitz-winkligt. Wahrscheinlich in Folge des Widerstan-
des, welchen die Schläuche bei ihrem Emporwachsen im An-
fange finden, legen sie sich in schlangenförmige Windungen.
Jeder Schlauch trägt an seiner Spitze einen Zellenkern, um
den sich bald in gewöhnlicher Weise mehrere Zellen bilden,
das Innere des Schlauches anfüllend und erweiternd. Die
dunkler gefärbte Spitze der Kernhaut, in der Natur von gelb-
licher Farbe, ist der von den Pollenschläuchen durchzogene
Theil, und über diesem gelb gefärbten Zellgewebe findet sich
ein mit weissem Stärkmehl gefülltes Zellgewebe, in welches der
Pollenschlauch nicht mehr hineinragt. Nachdem nun der Em-
bryo auf der Spitze seines Trägers in der Entwickelung fort-
geschritten ist, zeigen sich die Kotyledonarblätter. Zur Zeit
der Befruchtung, schliesst der Verf., war also weder Embryo
noch der Träger, in dessen Spitze sich derselbe erzeugt, noch
las Zellgewebe, aus welchem der Träger hervorwuchs, es
war noch nicht die Höhlung, in welcher das den Träger er-
zeugende Zellgewebe entstand, auch nicht das Samenweiss, in
welchem sich die Samenhöhlen bildeten, selbst noch nicht die
Höhlung, in welcher Samenweiss entstand. Noch mehr, der
Zusammenhang des Samenweisses mit dem befruchteten Theile
des Samens ist bei Pinus sylvestris schon 32 Wochen vor dem
Entstehen des Embryo vollständig aufgehoben, da vom Herbste
des ersten Jahres ab jede Verbindung zwischen Samenweiss
und Samenhüllen durch die zwischenlagernde Albumendecke auf-
gehalten wird. — Es ist noch nachzutragen, dass bis zur ersten
Entwiekelungsstufe im Anfange Juni des zweiten Jahres nur
3—5 Schlauchspitzen gelangen; dann bis zur fernern Ent-
wiekelung nur 1—2, zur weitern Entwiekelung aber, mit Aus-
schluss der seltenen Zwillingsgeburten, stets nur eine Schlauch-
spitze, Bei Gelegenheit der Anatomie des Samens von Quer-
eus vergleicht er den Embryosack mit den schlauchförmigen
Trägern des Embryo in den Nadelhölzern, — Der Verf. hat
überhaupt den Beschreibungen und Abbildungen der verschie-
136
denen Baumarten viele anatomische Untersuchungen beigefügt,
welche man hier nicht suchen möchte, und welche vielleicht
den nicht ganz passenden Titel eines Lehrbuches der Pflan-
zenkunde herbeigeführt haben. Um so mehr war es nöthig,
auf den interessanten anatomischen und physiologischen Inhalt
aufmerksam zu machen.
Note über Arachis hypogaea von Morren. (Bul-
let, de l’Acad. roy d. sc. d. Bruxell. 1841. T.2. p.332.) In
dem botanischen Garten zu Rom hatte der Verf. Gelegenheit,
dem Gange der Fruetification dieser merkwürdigen Pflanze
zu folgen. Arachis hypogaea macht ihre Frucht entschieden
unter der Erde, das heisst, wenn die Befruchtung des Eichens
Statt findet, ein Umstand, den man von der Befruchtung des
Stigma unterscheiden muss, ist das Vehieulum des Eichens, die
Frucht unter der Erde. Der Verf. beobachtete die Befruch-
tung der Narbe; der Griffel ist lang und gekrümmt, endigt
sich mit Papillen, aber weiter unten hat er stigmatische Sei-
tenhaare. Die Papillen am Ende sind nicht das wahre Stigma,
denn der Verf. sah Pollenschläuche an den Seitenhaaren, und
nie oben auf dem Stigma.° Diese Beobachtung bestätigt eine
allgemeine Thatsache, welche Rob. Brown zu Florenz dem
Verf, mittheilte, dass nämlich das Stigma bei solchen Pflanzen
niemals an der Spitze des Griffels sich befindet. Gewiss ist
es, dass die Pollenkörner der Arachis hypogaea sich auf dem
Pistill.öffnen und es in der Blüthe befruchten. So lange der
Griffel bleibt, das heisst, so lange die Blume blüht, wird das
Eichen: nicht befruchtet. Der Pollenschlauch kommt damit nicht
in Berührung. Nach der Blüthe wird der Blüthenstiel dick
und geht so in das Ovarium über, dass man ilın schwer da-
von unterscheiden kann; beide Theile zusammen stellen einen
Ast dar, der sich in die Erde senkt, Nur, wenn man den
Blüthenstiel und das Ovarium entzwei schneidet, entdeckt man
am Ende zwei grüne mikroskopische Punkte, die beiden Ei-
chen. Der Griffel fällt ab, die Stelle vernarbt sich und das
Zellgewebe wird entblösst, auch zweifelt der Verf. nicht, dass
diese ‘Stelle eine Spongiole darstellt, welche den weiblichen
Apparat zu einem Wurzel- Apparat macht, ‘der in den ge-
wöhnlichen Fällen aufsteigend ist, in dem Hypokarpoganen aber
absteigend, aus demselben Grunde, aus ‘welchem der Stamm
137
in die Höhe, die Wurzel in die Tiefe geht. Der Spongiolar-
Punkt ist an Arachis roth und sehr ausgezeichnet. Ist nun
der Blüthenstiel mit der Frucht beträchtlich dick geworden,
und haben beide die Spitze in die Erde versenkt, so endigt
sie sich unmerklich in ein kegelförmiges Ende, ohne eine Ver-
diekung, welche die weitere Ausbildung der Frucht andeuten
könnte. In diesem Zustande bemerkt man an feinen und ge-
schiekt gemachten Schnitten, durch ein Mikroskop, zuerst,
dass die Oberschicht an der vernarbten Stelle des Griffels
aufhört, ferner dass nun die Befruchtung des Eichens geschieht,
indem die Mikropyle von dem Pollenschlauch ergriffen wird.
Das Ende des Kerns (nucelle) ist deutlich damit in Berüh-
rung, und man verfolgt mit grosser Leichtigkeit die Bildung
der Umhüllungen des Eichens und der Raphe. Ist nun die
Befruchtung geschehen, so werden die beiden Eichen dicker,
auch die Frucht, die zuerst einen kleinen Kegel darstellt, dann
ein Fässchen, dann einen Cylinder, bis sie endlich, noch im-
mer unter der Erde, die bekannte Erdmandel bildet. Der
Verf. meint, dass auch bei manchen andern Pflanzen die. Zeit
der Befruchtung des Griffels und des Eichens verschieden
sein möge.
Ueber das Wesen der Fortpflanzung mit beson-
derem Bezuge auf das Pflanzenreich vomProfessor
Bernhardi. (Flora od, bot. Zeit. 1841. Th. 1. S. 385.) Nach-
dem der Verf, die verschiedenen Generationstheorien mit ih-
ren Gründen für und wider angeführt, kommt er zu der Copu-
lation der Conjugation und sagt: darf man num das Wesen der
Fortpflanzung mittelst Verbindung zweierlei Geschlechts darin
suchen, dass bei ihr immer ein polarischer Unterschied zwischen
den in Verbindung tretenden Individuen Statt findet, während
es bei der Vermehrung durch Keime keines solchen bedarf,
s0 dürfen wir auch diese Erscheinung an den Conjugaten als
eine Begattung betrachten, Daraus lässt sich Folgendes schlies-
sen: 4) Zwischen Fortpflanzung durch Zeugung und durch
blosse Trennung von Fortsätzen findet kein wesentlicher Un-
terschied Statt; beide dienen zur Erhaltung der Art und beide
bestehen in fortgesetztem Ernähren und: Wachsen. Es ist da-
her sehr ‘wohl möglich, dass eine Substanz, welche wegen
polarischer Verhältnisse mit einer andern sich verbindend einen
138 nn
neuen Kreis liefert, auch ohne diesen Vorgang von selbst
einen ähnlichen bilden kann, der theils, insofern er in pola-
risch verschiedenen Organen liegt, ebenfalls als Spore, theils
aber, insofern diese Polarität blos von der Lage abhängt und
zwischen den Organen kein wesentlicher Unterschied sich vor-
findet, für Fortsatz, gelten kann, 2) Es braucht ferner‘ zwi-
schen den keimliefernden Stoffen, die, in polarisch verschie-
den Organen liegend, als männliche und weibliche unter-
schieden werden, und die nicht in blosser Flüssigkeit zu be-
stehen brauchen, im Allgemeinen keine wesentlich verschiedene
Mischung Statt zu finden, und daher muss es auch für mög-
lich gehalten werden, dass unter günstigen Umständen sowohl
das, was für den männlichen, als das, was für den weiblichen
Zeugungsstoff erklärt wird, sich jeder allein ohne vorherge-
gangene Verbindung zu einem Embryo ausbilden könne. 3)
Wir dürfen ferner selbst nicht für unmöglich halten, dass die
männlichen Organe der Pflanzen in manchen Fällen neue In-
dividuen hervorzubringen vermögen, ohne dass sie, oder ihr
Gehalt, in die weiblichen eingedrungen seien. 4) Es ergiebt
sich ferner aus den Vorgängen bei der Fortpflanzung der Con-
jugaten, dass es auch hinsichtlich des Baues zwischen den Or-
ganen, worin sich die Zeugungsstoffe bilden, im Allgemeinen
keines wesentlichen Unterschiedes bedarf, und dass man da-
her, wenn die weiblichen Organe gewisser Pflanzen mehr den»
männlichen Organen anderer gleichen, z. B. die Büchsen der
Moose den Antheren der Phanerogamen, wir deshalb noch
nicht zu dem Schlusse berechtigt sind, dass man dieselben bis-
her verwechselt, und die Benennungen zu verändern habe.
5) Endlich löst auch der Vorgang bei- der Conjugation jener
Algen die Aufgabe, warum in der Regel da, wo Pflanzen und
Thiere sich vorzüglich durch Knospen und Fortsätze vermeh-
ren, die Fortpflanzung durch Begattung und Embryonen um
so geringer und wohl gänzlich gehemmt ist und umgekehrt;
denn die Stoffe, welche besonders bei Zygnema und Spiro-
gyra zu Fortsätzen dienen, sind dieselben, welche auch die
Sporen liefern; wo also diese mittelst Begattung sich bilden,
muss es an jenen mangeln und umgekehrt. Besonders inter-
essant ist aber in dieser Hinsicht die Gattung Closterium, weil
bei ihr die Fortsätze ein anderes Ansehen bekommen als die
139
Sporen, aber sich wieder in Sporenmasse verwandeln, wenn
es zur Begattung kommt.
Wäre es uns um blosse Möglichkeiten zu thun, so wür-
den wir den Verf. gern hören. Aber Wahrheit, nichts ‚als
Wahrheit! Ein grosser Unterschied liegt zwischen der Fort-
pflanzung durch Knospen und der Fortpflanzung durch Samen;
jene pflanzt das Individuum fort, dieses die Art. Ein Pfropf-
reis von einem Borstoffer Apfelbaum giebt mir wieder einen
Baum, der Borstofier Aepfel trägt; der Same von einem sol-
chen Apfel bringt aber ganz andere und verschiedene Spiel-
arten hervor. Der Ausdruck Polarität ist eine blosse Formel,
der von so vielen und verschiedenen Dingen gesagt werden
kann, dass er nichts mehr sagt, was der Mühe werth wäre
zu hören.
- Besondere Ordnungen der Phanerogamen.
Miquel Monographia Melocacti. N. Acta Academ.
Caesar. Leopoldino-Carolinae Nat. Curios. Vol. 42. Suppl. 1.
Vratisl. et Bonnae 4841. Der Verf. fügt seinen schönen Mo-
nographien eine Anatomie bei, woraus hier einiges anzufüh-
ren ist. Der Stamm von Melocactus Lehmanni besteht ausser
der Rinde und dem grossen Mark aus Holzbündeln, die nicht
mit einander vereinigt und deren an der Zahl eben so viele
sind, als Kanten des Stammes. Jahrringe führt der Verfasser
nicht an. Die Haare des Schopfes hat R. Brown untersucht
und nach ihm Meyen. Nach des Verf. Beschreibung sind sie
an den verschiedenen Arten, so weit er sie untersucht hat,
von derselben Gestalt, und zwar durchsichtig, meistens flach
gedrückt, unregelmässig gedreht, und wie es scheint an den
Stellen, wo sie gedreht sind, gegliedert. Bei starker Ver-
grösserung sieht man an ihnen Spiralstreifen, und nach die-
sen Streifen löst sich die Röhre des Haares in spiralförmig
gedrehte Platten aus einander. Nie kounte er aber ein gan-
zes Haar auf diese Weise aus einander ziehen. Die Stacheln
sind besonders in der Jugend weich, weisslich, biegsam und
mit dünnen Nebenhaaren besetzt. Der Stachel selbst scheint
hohl und hat inwendig Längsröhren, die micht mit einander
verwachsen sind’ Auch die Nebenhaare scheinen hohl, andere
aber sind sehr flach gedrückt, fast blattartig hin- und herge-
140 3
bogen, und in einigen sieht man eine quer gestreifte Röhre,
wie ein Spiralgefäss.
In demselben Theile der Nov. Act. Ac. Caes. Leopold,
Carol. p. 231 findet sich eine schätzbare Abhandlung von H.
R. Göppert über den Bau der Balanophoren, so wie
über das Vorkommen von Wachs in ihnen und in andern Ge-
wächsen. Voran geht eine Abhandlung über Javanische Bala-
nophoren von Dr. Fr. Junghuhn , worin vier Arten von Ba-
lanophoren und eine neue Gattung aus derselben Ordnung,
Rhopalocnemis, beschrieben sind. Wir müssen diese der be-
schreibenden Botanik überlassen. Hierauf folgt ein Nachtrag
von Nees von Esenbeck und nun als Zusatz die vorliegende
Abhandlung. ‘Der Wurzelstock dieser Gewächse, oder soge-
nannte intermediäre Körper nach Blume und Unger, besteht
aus parenchymatösen Zellen und Gefässbündeln, welche letz-
tere theils dem Parasiten, theils der Mutterpflanze angehören.
Die Parenchymzellen desselben sind sehr gross, im Quer-
schnitt etwas in die Breite gezogen, sechseckig, die Seiten
meistens ungleich. Der grösste Theil derselben ist dicht mit
weissen durchsichtigen Massen erfüllt, jedoch sieht man auch
ganz leere Zellen, wo man deutlich die schwach. gebräunten,
mit ovalen oder rundlichen Punkten oder Tüpfeln besetzten
Wandungen, so wie die dreieckigen Intercellularräume wahr-
nimmt. In den in Weingeist aufbewahrten Exemplaren liegt
das Wachs weniger dicht an den Wandungen, sondern in ei-
nem länglichen Haufen in der Mitte der Zellen, oder an einer
Seite derselben, was wegen der Anwesenheit desselben von
Unger wahrscheinlich übersehen ward. Gegen den Rand hin
werden Jdie Zellen allmälig kleiner, bräunlicher, etwas dick-
rindiger, an Wachs leerer, und bilden so eine Art Rinde,
der jedoch eine eigentliche Oberhaut und Hautporen oder Sto-
matien völlig abgehen. Zehn neben einander liegende Zellen, im
Querschnitt betrachtet, machen dieselbe aus. Stärkmehlkörner,
die nach Unger häufig in den Zellen anderer Rhizantheen,
wie bei Seybalium und Cynomorium vorkommen, konnte der
Verf, in keiner Art, und nur in Balanophora alutacea einfache
rhomboedrische und in Drüsen vereinigte Krystalle wahrneh-
men. Auch fand er in. den Zellen aller Organe noch runde
Zellenkerne, ‘die an irgend einer Wandung seitlich festsitzen,
4141
und zwar gewöhnlich in jeder Zelle nur einen. Jener wachs-
artige Inlıalt der Zellen, welchen Junghuhn sehr richtig als
klebrige, leicht entzündliche Masse bezeichnet, war bisher als
Bestandtheil der Balanophoren oder der Familie der Rhizan-
theen ganz unbekannt, indem man ihm vorzugsweise nur ad-
stringirendes Prineip oder Gerbstoff zuschrieb. Als der Verf.
die Stengel der Pflanze mit absolutem Alkohol kochte, löste
sie sich auf, ‚schied sich aber beim Erkalten in krystallischer,
durchsichtiger Beschaffenheit aus; Wasser nahm nichts davon
auf; mit Aether bildete sie eine klare Auflösung, und verhielt
sich somit ganz entschieden als Pflanzenwachs. Von dem’ ge-
wöhnlichen Wachs unterscheidet sich dasselbe durch seine
mehr klebrige Beschaffenheit, so wie durch geringere Schmelz-
barkeit, indem es: erst bei 90—95° schmilzt, während das
gemeine Wachs bekanntlich schon bei 64° flüssig wird. Es
ist so viel Wachs in diesen Pflanzen, dass man, nach Jung-
huhn, die Knollen sammelt, sie zu einem Brei stösst und
dünne Bambusstäbchen damit bestreicht, die dann getrocknet
zu.Kerzen dienen, und ruhig mit heller Flamme brennen,
ohne einen besondern Geruch zu verbreiten. Die Gefässbün-
del sind von doppelter Art und gehören theils der Mutter-
pflanze, theils dem Parasiten selbst an; die erstern bestehen
aus Gefässen und Prosenchymzellen, die letztern aus gestreif-
ten oder netzförmigen Gefässen und verlängerten Zellen, die
Zellenkerne enthalten. Die Gefässbündel des Parasiten ent-
springen sämmtlich aus dem Holzkörper der Wurzeln anderer
Pflanzen, oder sind vielmehr die Fortsetzung derselben. Man
sieht, dass die Wurzel an der Stelle, wo der Parasit ent-
springt, anschwillt und sie dadurch in ihrem regelmässigen
Wachsthum unterbrochen wird. Es bilden sich nun an der
angeschwollenen Stelle mehrere mit Rinde noch bekleidete
Verlängerungen des Holzkörpers, welche in unbestimmter Zahl
in das zellige Parenchym eindringen, und nun die Rolle eines
Gefässbündels übernehmen, welches allein nur für die vege-
tativen Theile bestimmt ist, während die Zwischenräume dieser
Holzbündel und alle durch diese Bildung entstandenen Uneben-
heiten durch das Parenchym des Parasiten angefüllt sind, so
dass derselbe äusserst fest an der Mutterpflanze ansitzt. Von
den eigenen Gefässbündeln des Parasiten ist hier noch nichts
142
zu sehen, da sie erst 1 Zoll höher erscheinen, und aus einer
kleinen Anhäufung derselben wurmförmig mitten im Zellge-
webe entspringen. Die mit Wachs angefüllten weisslichen Zel-
len des Parasiten liegen hier unmittelbar neben den, einen roth-
„braunen adstringirenden Stoff enthaltenden, etwa um das Drit-
tel kleineren Zellen der Rinde des Mutterkörpers, ohne dass
man einen Uebergang, sowohl der Form als des Inhalts, wahr-
zunehmen vermöchte. Die dem Parasiten eigenen Gefässe ent-
springen, wie erwähnt, mitten im Parenchym, und verlaufen
von hier aus, sich unter spitzen Winkeln in zarte aber nie-
mals anastomosirende Aestchen vertheilend, zum Theil mehr
in die Mitte der Aeste, und gehen allein in die Blüthenknos-
pen und Theile der Blüthe über. — An dem Samen entdeckte
der Verf. ebenfalls weder Testa noch Embryo. Zuletzt eine
vollständige Uebersicht der verschiedenen Arten, wie Wachs
in den Pflanzen vorkommt.
De Coniferarum structura anatomica Seripsit
H. R. Goeppert. Vratislav. 18414. 4. Der Verf. hat diese
Abhandlung vorzüglich mit Rücksicht auf die fossilen Ueber-
bleibsel der Coniferen geschrieben; daher ‘redet er vorzüg-
lich nur von Stamm und Wurzel. Er führt zuerst an, was
er über den Bau der Coniferen bei den Schriftstellern gefun-
den hat und fügt dann seine eigenen Beobachtungen hinzu.
Zuerst vom Samen. Im Albumen fand er keine Spur von
Amylum.“ Er sah zwei keimende Embryonen in demselben Sa-
men.‘ In einem Querschnitt des Embryo sah er vier Schich-
ten von Zellgewebe, welche den Markkanal, Holzkörper, in-
nere und äussere Rindenschicht darstellen. Im Längsschnitt
zeigten die Zellen, welche den Holzkörper bilden, weder Spi-
ralfäden noch Poren. Vom Keimen des Samens. ‘Wenn das
Würzelchen länger geworden ist als der Samen, fängt so-
gleich die Bildung von zwei und drei Spiralgefässen um die
Wurzel an, und indem die Kerne und die körnigen Massen
in den Zellen verschwinden, erscheinen sehr zarte, etwas
schiefe Streifen auf ihren Wänden. Diese Querstreifen wer-
den immer stärker und verbinden sich mit einander, so dass,
wenn das Würzelchen zweimal länger ist als der Same und
seine Bedeckungen, schon eine doppelte Reihe von Gefässen
vorhanden ist und das ganze Leben durch dauert, Die nächst
143
liegenden Zellen verwandeln sich in der Zeit, bis das Wür-
zelchen vier- oder fünfmal so lang wird, wie der Samen, auch
in Spiralgefässe, deren Fasern oder Windungen weiter von
einander entfernt sind, so dass in ihren Zwischenräumen auf
der Wand des Gefässes helle Stellen sich zeigen können,
welche endlich in die Gestalt eines inneren Kreises oder einer
Pore übergehen. Die Windungen verwachsen mit der Wand
des Gefässes und bilden den äussern Kreis der Pore, eine
Veränderung, die in dem oberen Theile des Gefässes schon
vollendet ist, wenn sie im untern Theile erst anfängt. Von
der Rinde. Die Faserzellen der Faserschicht hängen in den
Coniferen meistens nicht zusammen, sondern sind in der Par-
enchym-Substanz zerstreut. Die Harzgänge sind schon in der
keimenden Pflanze zu finden, zwischen der Kork- und Paren-
chymrinde. Sie haben dann eine eigene Haut. Diese reisst
aber, und der Saft schüttet sich zwischen den Zellen aus.
Vom Holz. Die porösen Gefässe oder Zellen stehen in der
keimenden Pflanze ohne Ordnung und sind Parenchymzellen,
d.h. sie treffen mit den Wänden auf einander. Sind aber die
Kotyledonen entwickelt, und wächst der Keim fort, so be-
kommen die Zellen dder Gefässe dicke Wände, ziehen sich
mehr zusammen und ordnen sich in excentrische Längsreihen,
hierauf verwandelt sich die horizontale Lage der Querwände
durch wechselseitigen Druck in eine schiefe oder diagonale,
und die Parenchymzellen gehen nun durch viele Mittelformen
in Prosenchymzellen über. Zuletzt folgen Beschreibungen und
Abbildungen der verschiedenen Holzstructur nach den ver-
schiedenen Gattungen, die dann vorzüglich zur Vergleichung
mit fossilen Baumstämmen dienen können.
Derselbe Verfasser hat in der Linnaea T,. 15 (1841)
p- 747 Bemerkungen über den anatomischen Bau
der Casuarinen gegeben. Die Beschreibungen, welche der
Verf. hier liefert, vermuthlich auch in Rücksicht auf fossile
Baumstämme, von denen er auch ein Stück abbildet, sind ge-
nau, erlauben aber keinen Auszug. Der Bau weicht vom
Baue der Coniferen sehr ab und nähert sich mehr dem Baue
der Amentaceen. Am Ende sagt der Verf. Folgendes: « We-
der bei den Holzzellen, noch bei den Gefässen bemerkt man
rücksichtlich ihrer Beschaffenheit oder ibrer Anordnung irgend
144
etwas, was auf einen Absatz oder Begränzung des jährlichen
Wachsthums bezogen werden könnte, Unwillkürlich wird
man daher veranlasst an jene, von mir-mit dem Namen con-
centrische Markstrahlen bezeichneten Querstreifen zu denken,
die das Ansehen von Jahrringen besitzen. Jedoch zähle ich
‘auf dem grössern mir zu Gebote stehenden Stamm von Ca-
suarina equisetifolia im Durchmesser von drei Zoll nicht we-
niger als 130 solche Ringe, die also unmöglich auf Jahresla-
gen bezogen werden konnten, da die 1775 durch Forster
entdeckten Casuarinen sich überhaupt erst seit dem Ende des
vorigen Jahrhunderts in unsern Gärten befinden. Bei einer
im Jahr 1838 im hiesigen botanischen Garten aus Samen ge-
zogenen, also jetzt dreijährigen Casuarina torulosa fand. ich
nicht weniger als 45. Wiewohl nun die eine oder die andere
Lage etwas stärker erscheint, so lässt sich doch ein: regel-
mässiger Absatz nicht wahrnehmen, und es scheint also in der
That, als. ob die schon in so vieler Beziehung merkwürdige
Familie sich auch dadurch auszeichnete, dass hier keine Jah-
resringe vorhanden sind, was man mit Gewissheit, so viel ich
weiss, noch bei keinem Dikotyledonen-Holzstamme wahrge-
nommen hat. Bevor man aber einen fir die gesammte Phy-
siologie der Gewächse so wichtigen Satz als wohlbegründet
annehmen kann, erscheint es dringend nothwendig, noch Exem-
plare e loco natali zu untersuchen, da sich bei diesen die
Sache wohl leicht noch anders verhalten dürfte, dergleichen
ich mir aber bis jetzt noch nicht verschaffen konnte.»
Dass die Jahrringe der Bäume in unsern Gärten in Un-
ordnung kommen, habe ich in den Grundlehren der Botanik
Th.1. S.259 gezeigt; Stämme von Caetus setzen in den er-
sten Jahren keine Schichten an und Araucaria excelsa, we-
nigstens zehn Jahre alt, hatte nur drei Schichten. Man kann
das Anwachsen der Bäume eben so gut an den Aesten erfor-
schen, als an den Stämmen, und wir haben dafür, dass un-
sere Bäume jährlich einen Jahrring ansetzen, den sichersten
Beweis, wenn wir die Aeste vom jüngsten an betrachten. Ich
habe einen Zweig von Casuarina torulosa vor mir und finde
das Mark excentrisch und auf der einen Seite zwei Jahrringe,
auf der andern gar keinen. Die letzte Schicht ohne Jahrringe
ist von der einen Seite sehr gross und macht die Excentrieität.
145
Der Verf. erwähnt hierbei einer Stelle über Casuarina aus
der Bibl. universelle de Geneve, und ich setze Folgendes aus
Jameson’s Edinburgh N. philosophical Journal T.31 P.2. p. 388
hinzu: «Die Theorie leitet auf die Vermuthung, dass wir in
den Ländern, welche eine gleichförmige Wärme und Feuch-
tigkeit haben, das Alter der Bäume nicht auf dieselbe Weise
berechnen können, als in unsern gemässigten Klimaten, mit
andern Worten, dass es sich nicht durch die Schichten des
Stammes bestimmen lasse. In der That, die Anordnung des
Holzes unserer Waldbäume nach Schichten ist immer so be-
trachtet worden, als sei sie durch eine Unterbrechung in der
Bildung ihres Gewebes entstanden, eine Unterbrechung, die
der kalte Winter hervorbrachte. Es ist wahrscheinlich, dass
die ausserordentliche Trockniss, welche das Abfallen der Blät-
ter von den Bäumen in einigen Gegenden bewirkt, z.B. im
Innern von Brasilien, am Senegal und in Aegypten, eine et-
was analoge Wirkung hervorbringt. Aber auf der andern
Seite müsste das Wachsthum der Bäume in den Wäldern der
tropischen Gegenden, wo Hitze und Feuchtigkeit unveränder-
lich herrschen , regelmässig durch das ganze Jahr sein. Man
bemerkt dieses an Caesalpinia und andern Farbehölzern. Es
ist zu wünschen, dass Personen, welche die Gelegenheit ha-
ben, Beobachtungen von dieser Art zu machen, sich die Mühe
gäben, das Factum an jeder Art von Bäumen besonders zu
berichtigen und zu untersuchen, ob eines vorhanden ist, wo
eine Unterbrechung des Wachsthums keine Jahrringe hervor-
bringt, ohne Rücksicht auf das Klima, wie doch in. kalten
und troeknen Klimaten durch eine äussere Ursache geschieht.
Beobachtungen, welche von H. Leduc zu Galega gemacht und
an H. Decandolle zu Genf geschrieben sind, zeigen, dass
in Oasuarina die Zahl der Schichten gar. nicht mit der Zahl.
der Jahre des. Baumes übereinstimmt, und dass in einem
Baumstamm von acht Jahren nicht weniger als 42 concentri-
sche Schichten gezählt wurden. $. weiter Bibl. univ. de Ge-
neye n. 65. 1841. «Die Jahrringe entstehen »allerdings durch
eine Unterbrechung im Wachsen, aber sie werden dadurch
nicht sichtbar, Bis Ende Juni konnte ich in der Regel nicht
erkennen, was in demselben Jahre angewachsen war, aber
im Anfange Juli erkannte man sogleich die Schicht vom. vori-
Archiv #, Naturgeschichte, VIIL, Jahrg, 2, Ba. K
146
gen Jahre. Sie wurde nun sichtbar und zwar dadurch, dass
sich die äussersten Zellen der vorjährigen Schicht der Länge
nach zusammengezogen hatten, wodurch sie der Breite nach
ausgedehnter wurden. Es kommt also auf diese Art der Zu-
sammenziehung an, dass ein Jahrring kenntlich wird, und es
kann sehr leicht geschehen, dass dieses Zusammenziehen nicht
geschieht, wodurch dann der Jahrring nicht bemerkbar wird,
ungeachtet er sich gebildet hat. Das Beispiel, was ich von
einem Zweige von Casuarina torulosa angeführt habe, be-
weist dieses sehr deutlich. Auf der einen Seite hatten sich
die Schichten zusammengezogen, auf der andern nieht. Ueber-
haupt wundere ich mich, ‘dass man die Zweige nicht mehr
untersucht, wodurch man auf den Stamm sicher schliesst. Dass
in unsern Bäumen jährlich ein Holzring anwächst, ist schwer
zu beweisen, wenn man Stämme fällen will, leicht, wenn man
Zweige durchschneidet. Alles ‚dieses habe ich längst und zu-
letzt in den Grundlehren der Kräuterkunde Th. 1. S.257 — 275
aus einander gesetzt, aber man hat darauf nicht geachtet. —
Die kleinen Schichten in der Casuarina schreibe ich dem Um-
stande zu, dass in einem Jahre viele Glieder der Aeste an-
wachsen; doch will ich dieses nur als Vermuthung gelten lassen.
Farn (Filices).
Eine merkwürdige Beobachtung vom Prof. H. @öppert
finde ich in der Uebersicht der Arbeiten und Veränderungen
der Schlesischen Gesellschaft f. v. C. 1841. S. 9 über die
doppelte Beschaffenheit der Samen’von einigen Ly-
kopodiaceen. Im November 1840, sagt Hr. G., bemerkte ich
auf einem in der Nähe von Lyeopodium dentieulatum stehen-
den Blumentopfe in dem warmen Hause des hiesigen botani-
schen Gartens keimende Pflänzchen, die bei näherer Unter-
suchung und in ihrer weitern Entwickelung sich als Lycopo-
dium denticulatum erkennen liessen. Sie zeigten eine dop-
pelte Beschaffenheit: die einen, welche sich aus dem zarten
pulverförmigen Samen entwickelt hatten, waren von # Linie
Grösse, und schon von dem Würzelchen an mit alternirenden
Blättchen dicht besetzt, theilten sich aber auf die den Lyko-
podien eigenthümliche gablige Weise, erst nachdem sie bis zu
3—4 Linien Länge herangewachsen waren. Die andern wichen
147
in ihrem Aeussern von diesen auffallend ab, und schienen die
grösste Aehnlichkeit mit einer keimenden dikotyledonischen
Pflanze zu besitzen. » Die äussere Hülle der Spore war an
dem Punkte, von welchem sich das 3—4 Linien lange Wür-
zelehen nach unten erstreckte, noch vorhanden, so dass über
die Entwickelung aus derselben kein Zweifel übrig bleiben
konnte, und von jener Hülle setzte sich ein 2— 3 Linien
langer, völlig nackter, über die Oberfläche der Erde hervor-
wachsender Stiel fort, der oberhalb die ersten Blättehen trug,
die aber nicht, wie Samenblätter der Dikotyledonen, einander
gegenüber, sondern abwechselnd standen, wie man freilich
erst bei genauer Betrachtung zu erkennen vermochte, und
darin liegt der Fehler der Abbildungen F.2, 4 u. 5 von 8a-
lisbury (Transact. of the Linnean Soc. Vol.42. tab. 19), der
die Blättchen gegenüberständig darstellt. Oberhalb dieser Blätt-
chen theilte sich nun die Achse in zwei Aeste von gleicher
Entwickelung, so dass also die Dichotomie alsbald hervortrat,
welche bei jenen erst nach Entwickelung von 8—10 Blatt-
wirbeln zum Vorschein kam. Uebrigens waren bei dieser die
Blättchen noch — 2 mal grösser, als bei jener. Dass Brotero
und Salisbury beide Arten von Sporen oder Sporangien , wie
der Verf. sagt, keimen sahen, finde ich nieht, sie sahen ‚es
nur von den dreikörnigen Sporangien (sp. trieoceum). Die-
ses Keimen habe ich immer für einen Knospenauswuchs ge-
halten, das Keimen aber der feinen Körner aus dem zweiklap-
pigen Sporangium für ein wahres Keimen. Das letztere findet
wirklich Statt, wie man daraus sieht, dass man Lykopodien
aus Samen ziehen kann, welche nur zweiklappige Sporangien
besitzen. Was aber das Keimen des spor. tricoceum betriflt,
so gelingt es nicht so leicht als das vorige, und da es ganz
verschieden erscheint, wie die Beobachtungen von Salisbury
und von dem Verf. zeigen, so werde ich dadurch in der Mei-
nung bestärkt, dass sich das sporangium trieoecum, ‘oder viel-
‚mehr dessen receptaculum knospenartig entwickelt hat. Der
innere Bau spricht nämlich dafür, dass letzteres kein wahres
sporangium, sondern ein antheridium ist,
In den Ausgewälilten anatomisch - botanischen Abbildungen,
3. Heft (1841), habe ich auf der ersten Tafel die Anato-
mie von einem Knollstocke von Aspidium molle
K*
148
gegeben. Man sieht hier deutlich, dass dieser Körper eine
Zusammensetzung von verwachsenen Wedelstielen ist. Bedenkt
man, dass in dem Wedelstiele Blatt und Schaft zugleich ent-
halten sind — ich will nicht sagen verwachsen, sondern nur
enthalten, potentia nicht actu — so kann man sie als Knos-
pen (gemmae) betrachten, und ein solcher Knollstock ist also
eine zusammengesetzte Knospe, wie wir sie an manchen Pha-
nerogamen, z. B. an dem allgemein bekannten Knollen von
Selleri finden. Diese Ansicht der Sache scheint mir eine sehr
natürliche. Die baumartigen Farn sind nun wirklich nichts
weiter als eine langgezogene Knospe, wie es der Palmen-
stamm, nämlich von den kokosartigen Palmen, ist, nur mit
dem Unterschiede, dass Blätter und Blüthenstiele an den Pal-
men getrennt, an den Farn vereinigt sind. Auch ‘finden sich
auf dieser Tafel Abbildungen von Wurzelzasern, die, wie ge-
wöhnlich bei den Phanerogamen, in der Mitte ein Holzbündel
von Spiralen und Spiroiden, ohne Mark haben, Man muss
hiervon die auf der Oberfläche sitzenden Haare wohl unter-
scheiden; äusserlich sind sie einander sehr ähnlich. Die zer-
streuten Zellen im Stamm, gefüllt mit einer braunen oder
schwarzen, dicken, trocknen Masse, kommen hin und wieder
in den Farn vor, in denen sich auch allein die braungefärb-
ten Zellenwände, und die letztern äusserst häufig, finden. —
Ein ähnlicher, aber grösserer Knollstock von Polypodium
mollieulum ist auf der fünften Tafel ‘des jetzt erscheinenden
vierten Heftes dieser Abbildungen vorgestellt, woraus die Zu-
sammensetzung aus Wedelstielen ‘noch deutlicher hervorgeht.
Auf der zweiten Tafel desselben Heftes ist ‚auch eine
Anatomie von dem Stamme und den Wedelstielen
von Polypodium (Chrysopteris) phymatodes gelie-
fert worden. Die Aspidien haben meistens einen Knollstock
— unsere einheimischen immer — die Polypodien und Chry-
sopteris-Arten hingegen sehr oft einen wahren Stamm, der aber
unter oder über der Erde kriecht, niemals, so viel ich weiss,
ganz aufrecht ist. Er hat im Ganzen genommen den Bau des
Monokotyledonen- Stammes; die Gefässbündel sind nämlich ge-
sondert, stehen aber nur in einem Kreise, und zwar in vor-
liegendem Falle funfzehn von verschiedener Grösse, worunter
vier kleine, zwei und zwei einander gegenüber. Diese Ge-
149
fässbündel sind, wie gewöhnlich in den Farn, mit einer braun-
gefärbten zelligen Haut umgeben und bestehen aus grossen,
meistens porösen Gefässen, welche in einem ungefärbten lang-
zelligen Gewebe liegen. Die Wedelstiele haben fast densel-
ben Bau, nur stehen weniger Gefässbündel, nämlich fünf, in
einem Kreise herum, ebenfalls von verschiedener Grösse, zwei
nämlich bedeutend grösser als die übrigen drei. Vielleicht
deuten die beiden grossen auf den Blüthenstiel, die drei klei-
nen auf das Blatt. Man könnte also diese Farn mit den Iri-
deen und andern Monokotyledonen vergleichen, welche ein
Rhizom unter der Erde haben und einzelne Stämme mit Blät-
tern hervortreiben. Die Wurzeln sind gebauet wie bei den
Aspidien und bei den Phanerogamen überhaupt.
Auf der dritten Tafel desselben Hefts befinden sich Ab-
bildungen von Antheridien oder antherenartigen
Theilen der Farn. Wenn irgend einige Theile der Farn
den Namen der Antheren verdienen, so sind es gewiss diese.
Zuerst sah sie Sprengel in den Fruchthaufen von Pteris ere-
tica und wollte sogar eine Bewegung gegen die Ovarien be-
merkt haben, auch giebt er eine schlechte Abbildung davon
in Hofimanns phytographischen Blättern. Er fragt an, ob man
diese Theile nicht für Antheren halten könne? Aber in der
Anleitung zur Kenntniss der Gewächse, 2. Aufl., verwirft er
diese Meinung und hält sie für Paraphysen. Lange nachher
sind sie von Blume wieder gefunden und in der Flora Javae
abgebildet worden. Nach ihm spricht Presl von diesen Thei-
len in seiner Pteridographie, sagt aber kein Wort von Blume
und liefert eine Abbildung von einer Anthere, die aber nichts
als ein junges Sporangium ist. Es können also nur Blume’s
und die hier gegebenen Abbildungen von diesen Theilen in
Betracht kommen. Abgebildet sind sie hier aus den Frucht-
haufen von Polypodium eflusum, Adiantum Moritzianum, Ne-
phobolus pertusus, Pteris allosora und Pteris erenata. In der
dritten Abhandlung über den Bau der Farnkräuter, in den
Abhandl. der Berliner Akad. der Wiss. für 1840, habe ich auch
Abbildungen von diesen Körpern aus Cibotium Schiedei und
Woodwardia radicans geliefert. Sie gleichen allerdings den
Paraphysen der Moose gar sehr, haben auch Querwände, sind
aber mit einer körnigen Masse angefüllt, und zuweilen findet
150
sich in den äussersten, meistens kolbigen Gliedern eine dun-
kelgefärbte Masse, wie an Cibotium Schiedei und Polypodium
effusum; an dem letztern liegt die Masse sogar äusserlich auf.
Diese Theile sind von den jungen Sporangien gar leicht zu
unterscheiden, da sich an den letztern schon in der frühsten
Jugend der Ring zeigt. Ich bin keinesweges gesonnen, sie
für wirkliche Antheren zu halten, d.h. für solche Körper, wo-
durch die Befruchtung geschieht, sondern nur für den Antheren
analoge Körper, und so nenne ich sie Antheridien, mit einem,
dünkt mich, von mehren in ähnlicher Bedeutung gebrauchten
Ausdrucke, gewiss von Spring in seiner Bearbeitung der Ly-
kopodiaceen. — Auf derselben Tafel findet sich ein Indu-
sium und ein Fruchtboden, jenes von Diplazium ambiguum,
dieses von Polypodium aureum (Chrysopteris aurea) abgebil-
det. Das letztere besteht aus einem Haufen von Spiralfaser-
zellen, oder wurmförmigen Körpern, die in lange Spiralge-
fässe oder Spiroiden übergehen. Die verdickten Enden der
Nerven, welche man an den Blättern oder Wedeln der Farn
häufig sieht, sind eben so gebaut, und man kann sie daher
für Fruchtboden halten, wo die Frucht fehlgeschlagen.
Das Keimen der Samen oder Sporen von Farn-
kräutern ist zwar längst von dem verstorbenen Nees von
Esenbeck dargestellt worden, indessen habe ich es nicht für
überflüssig gehalten, dergleichen, aber in starken Vergrösse-
rungen, zu geben, und zwar zuerst ebenfalls von Pteris ser-
rulata, dann auch von Gymnogramma (Ceropteris) chryso-
phylla und Aspidium molle. Immer tritt zuerst aus der
Schale des Samens eine blattartige Ausbreitung hervor, welche
aus grossen Zellen mit Chlorophylikörnern besteht, ohne alle
Gefässe, und wo man deutlich sieht, wie eine Zelle sich an
die andere äusserlich anlegt, Diese blattartige Ausbreitung
habe ich prothallium genannt, um nicht den Namen Kotyledon
zu gebrauchen, mit dem dieser Theil zwar manches gemein
hat, in anderer Rücksicht aber verschieden ist. Er hat eine
grössere Selbständigkeit als der Kotyledon selbst der Mo-
nokotyledonen, er treibt für sich Wurzeln und wächst da-
durch weit fort, ehe die Wedel daraus hervorbrechen. Die
Schale des Samens spaltet sich zwar in zwei Theile, als ob
sie zweiklappig wäre, wie hier an Aspidium molle, aber sie
151
wird nicht abgeworfen, sondern sie bleibt sitzen und wird
grün, wächst auch fort. Es ist ein Hauptkennzeichen aller
Kryptogamen, wie es scheint, dafs in den Samen keine beson-
dern Theile sichtbar sind, sondern dass der ganze Same zur
jungen Pflanze auswächst.
Die Wedel der Polypodiaceen tragen bekanntlich die
Früchte auf der Rückseite, und sind daher als eine Verbin-
dung von Fruchtstiel oder Schaft und Blatt: anzusehen. Da-
her nannte sie auch Linne schon frondes und nicht folia; im
Deutschen hat man längst den Ausdruck Wedel dafür ange-
nommen. Durchschneidet man einen Wedelstiel ungefähr in
der Mitte, so sieht man zwei sehr verschieden geformte Holz-
bündel, wovon man einen dem Schaft, den andern dem Blatte
zuschreiben könnte. Gegen die Spitze des Wedels vereinigen
sich ‘die beiden Holzbündel. So sind die Durchschnitte des
Wedelstieles von Aspidium molle Tafel 1. des gedachten Hef-
tes abgebildet. Zuweilen sieht man in der Basis mehr Holz-
bündel in einem Kreise gestellt; immer sind darunter aber
zwei grösser als die übrigen und die letztern sind verschwun-
den, wenn man einen Schnitt durch die Mitte oder gegen die
Spitze macht, wie Taf, 2, zu sehen ist. An dieser Bildung
des Wedelstiels ist also zu erkennen, ob ein Farn den Bau
der Polypodiaceen hat, nämlich einen Wedel, bestehend aus
einem Fruchtstiel oder Schaft, und einem Blatte, beide innig
vereinigt. An den Equisetaceen sind Blätter und Blüthen
ganz von einander getrennt; der Bau derselben würde also
den Gegensatz des Baues der Polypodiaceen machen. Der
Stamm der Equisetaceen besteht aus einer dicken Rinde, worin
sich acht Luftgänge befinden; hierauf folgt der Holzkörper mit
acht von einander getrennten Holzbündeln und statt des Mar-
kes eine Höhlung, welche zwischen die Holzbündel tritt. Die-
sen stehen am nächsten die Ophioglosseae (s. Taf. 1 des eben
erscheinenden vierten Hefts). Sie haben in dem Stengel eine
in drei Busen auslaufende Höhlung, zwischen denen sich die
Holzbündel befinden. Diese Form steht den Equisetaceen
nahe und zeigt, dass ein wahrer Stamm hier vorhanden ist.
Nun folgt Botrychium Lunaria (H.4 T.1). In der Mitte des
Stengels eine völlig unregelmässige Höhlung; an beiden Seiten
derselben zwei halbmondförmige Holzbündel, die oben unter
152
dem Blatte sich in vier theilen. Die Gestalt hat mehr Aehn-
lichkeit mit einem Wedelstiele als mit einem Stamme, wo zwei
und noch dazu grosse gekrümmte‘ Holzbündel ungewöhnlich
sein würden. “Botrychium kann also nicht mit Ophioglossum
in einer natürlichen Ordnung stehen, wohin es gewöhnlich
und auch von mir in den Filices Horti R. Botaniei Berolin.
(1841) ist gestellt worden. Osmunda (H.4 T. 3) zeigt durch
die bogenförmigen, gekrümmten Holzbündel mit eingebogenen
Schenkeln deutlich den Wedelstiel. Damit kommt nun Anemia
(s. H.3 T.4) ziemlich überein; das gekrümmte Holzbündel
hat auf jeder Seite noch zwei kurze Bündel. Man würde also
beide in eine Ordnung zusammenstellen können, aber die
Sporangien sind sehr verschieden, Anemia hat einen Scheitel-
ring am Sporangium, Osmunda eine Rose von Zellen an der-
selben Stelle. Aber sonderbar und ganz abweichend ist der
Bau des Stengels von Lygodium (s. H.4 T.2 F.5). In der
Mitte desselben befindet sich ein Holzbündel, das gleichsam
in drei Lappen getheilt ist. Hierin kommt der Farn mit den
Lykopodiaceen überein, die sich von den übrigen Farn da-
durch unterscheiden, dass sie ein Holzbündel in der Mitte des
Stengels haben, und darin also vielen Wurzeln der Phanero-
gamen gleichen.
Moose
Ueber den Bau einiger Laubmoose von L, C.
Treviranus. Linnaea T.15 (1841) S. 300. Moldenhawer
hat gezeigt, dass die Blätter von Sphagnum aus zweierlei Zel-
len bestehen, aus grössern farblosen, mit Poren und Spiral-
fasern, und aus kleinen, grünen, welche jene in der Fläche
umgeben. Mohl hat dieselbe Bildung an Dieranum glaucum
und Octoblepharum albidum gefunden, Schleiden an Didymo-
don sphagnoides Hooker und der Verf. an Racopilum ano-
malum. Er giebt von den Blättern des letztern Mooses eine
Beschreibung, und einige Zusätze zu Mohls Beschreibung der
Blätter von Dieranum glaucum und Octoblepharum albidum.
Bei dem ersten Moose sah der Verf. die kreisförmigen Figu-
ren, deren Mohl erwähnt, nur an den senkrecht auf die Blatt-
fläche stehenden Zellenwänden; sie erschienen ihm nicht als
Löcher, ‚sondern als areae. Bei dem zweiten waren diese
153
areae ebenfalls auf den vertikalen Zellenwänden; der farblo-
sen Zellenreihen sind drei bis sechs, der kleinen grünen aber
nur eine Schicht. Der Verf. beschreibt ferner die Lamellen
auf der obern Fläche der Blätter von vielen Polytrichum-Ar-
ten, welche Rob. Brown zuerst bemerkte. Sie fangen da, wo
der untere scheidenartige Theil des Blattes in den obern,
mehr ausgebreiteten übergeht, in geringer Zahl an, dann ver-
mehrt sich diese und nimmt gegen die Spitze wieder ab, so
dass die mittlern Lamellen die längsten sind, die seitlichen die
kürzern, und dass das Ganze, von oben betrachtet, eine
bauchige, oben und unten sich zuspitzende Figur bildet. Sie
befinden sich meistens auf den Nerven, doch wenn diese
schmal sind, auch daneben, Die Zahl derselben ist nach der
Breite des Nerven verschieden. Inder Mitte des Nerven ste-
hen sie senkrecht, an den Seiten sind sie mehr geneigt, und
die äussersten liegen zuweilen flach auf. An Lyellia fand der
Verf. diesen Bau ebenfalls, und zwar viele, nämlich 24 La-
mellen. An Gymnostomum ovatum fand er keinesweges ein
mit körniger Materie erfülltes Säckchen auf jeder Seite, wie
einige behauptet haben, sondern nur vier der oben beschrie-
benen Lamellen. Der Verf. frägt an, ob diese Lamellen viel-
leicht dazu dienen mögen, die Feuchtigkeit länger zu erhalten
und ihre Einsaugung von aussen zu verstärken, gleich den
gegliederten Fäden, von denen sich dasselbe vermuthen liesse,
Zuletzt über die Poren der Moose. Sie finden sich bei den
Laubmoosen nur an der Erweiteruhg, welche die äussere
Haut des Fruchtstiels macht, bevor sie sich über den Kapsel-
schlauch fortsetzt, um die vollständige Kapsel zu bilden. Der
Verf. zeigt nun, dass sie sich dem Baue nach von dem Bau
dieser Organe an den Phanerogamen nicht wesentlich unter-
scheiden, wenn man auch ihnen nicht dieselbe Verrichtung
zuschreiben könne,
Ueber das Zellgewebe der Moose, besonders
von Hypnum lucens, von M. Ch. Morren, Bullet. d.
V’Acad, r. d. sc. d. Bruxell. 1841. T.1. p. 68. Die Beobach-
tungen des Verf. sind für den Ursprung der Zellen im Pflan-
zenreiche wichtig. Er nahm einen jungen Trieb (innovatio)
von dem genannten Moose, und untersuchte ein Blatt, so jung
er es erhalten konnte, nämlich nur von 4 oder 4 Millimeter,
154
Es erschien wie eine einfache, fast eylindrische Zelle, ein we-
nig dicker in der Mitte, aber durchsichtig und ohne Zellen im
Innern; man sah dort nur gallertartiges Chlorophyll ohne Ku-
geln, welches’ die Axe einnahm, indem die Wände ganz klar
waren. Hierauf beobachtete er ein Blatt, welches seiner Grösse
und Entwickelung nach etwas, doch wenig älter war. Das
gallertartige Chlorophyll war noch nicht körnig, sondern nur
krümlich (grumeux) geworden. Die Häufchen (grumeaux) zeich-
neten sich schon aus, standen regelmässig, waren nicht um-
schrieben (nuageux), aber gegen die Mitte dichter. Sie bil-
deten Reihen und zwischen ihnen waren helle Stellen, auch
um das ganze Blatt zeigte sich inwendig ein heller, durch-
sichtiger Streifen. Bald sah man, dass die Häufchen Zellen
waren, mit Chlorophyll gefüllt, die hellen Zwischenräume Zel-
lenwände, und dass der Rand aus Zellen bestand, die wenig
Chlorophyll enthielten. Noch war alles so weich, dass es
zwischen zwei Gläsern zu einem Brei gedrückt wurde. Der
Verf. findet zwischen diesen Beobachtungen und denen von
Mirbel über das Cambium viel Analogie. Er beobachtete nun
die Blätter weiter und fand, indem er auf die Grösse der Zel-
len sah, dass die Entwickelung in der Mitte des Blattes ener-
gischer war als gegen die Ränder. Was nun die Veränderung
des Chlorophylis betrifft, so verwandelt es sich aus dem gal-
lertartigen in das körnige. Die Körner sind im Anfange sel-
ten, dann werden sie häufiger. Sie befinden sich noch immer
an den Wänden der Zellen, können aber leicht davon ent-
fernt werden, wie ihm ein Zufall zeigte. Er fand nämlich, als
er ein solches Moos ins Wasser gelegt hatte, in den Zellen ein
Infusionsthierchen, Uvella virescens Ehrbg., welches die Körner
durch einander bewegte. ' Endlich sondern sich die Körner
von den Wänden und ballen sich in der Mitte zusammen zu
einer gallertartigen Masse. Ehe sie sich sondern, enthält je-
des Korn einen Kern von Stärkmehl, nachher nicht mehr. —
Die Zellen in den Blättern von Hypnum lucens theilen sich
oft, indem in ihnen Scheidewände entstehen, und zwar thei-
len sie sich in zwei und zweimal zwei. Als der Verf. die
Pflanze ins Wasser legte, entstanden Würzelchen, und zwar
allein in den Zellen, die sich getheilt hatten, zwei und zwei-
155
mal zwei Würzelchen zusammen. So waren also diese Wür-
zelchen gleichsam in den Zellen präformirt,
Der Verf. führt meine Abbildungen von jungen Blättern
des Sempervivum arboreum (Ausgew. Abbild. H.2. T.6. F.2).
an, Die Papille an der Spitze ist wirklich eine Papille, mit
einem Schlauch in der Mitte, worin sich eine trübe Flüssig-
keit befindet, wie man ihn oft in den Haaren antrifit.. Nie
entstehen Zellen in der Papille, und nie wächst sie aus,
Untersuchungen über das Inenchyme von Spha-
gnum von Ch.Morren. (Bullet. de l’Acad. d. Bruxell. 1841,
T.1. p. 164.) Nachdem der Verf. alle Meinungen über diese
merkwürdigen Zellen angegeben hat, geht er zu seinen eigenen
Forschungen über, die sich hier ohne Hülfe der Abbildungen
nur kurz angeben lassen. Er untersuchte ganz kleine Blätter
und sah zuerst nur runde Stellen, die später zu farblosen
oder Faserzellen wurden, und grüne Zwischenräume, welche
sich in Chlorophylizellen veränderten. Weiter bilden sich die
runden Stellen netzförmig mit viereckigen Maschen aus, die
grüne Materie formt sich in Kugeln, die Wände der Grünzel-
len entstehen, und vier solcher Zellen legen sich am einander,
die fünfte kleinste in der Mitte. Noch ist Alles regelmässig,
aber bald verliert sich diese Regelmässigkeit; die Faserzellen,
worin sich aber noch keine Faser zeigt, werden länger und
ziehen die Grünzellen mit sich fort, wodurch die Gestalt ent-
steht, worin sich die Zellen von Sphagnum gewöhnlich zei-
gen. Nicht alle Blätter enthalten, wie Mohl gezeigt hat, farb-
lose Zellen mit Spiralen und Poren. Nun bemerkte der Verf.,
dass sich in diesen farblosen Zellen, mögen sie Fasern bilden
oder nicht, Scheidewände erzeugen, welche die Zelle in zwei
oder drei Theile scheiden. Dann erst entstehen die Fasern,
die von Anfang an Ringe, Bogen oder Spiralen darstellen.
Die Ringe haben die Poren zu beiden Seiten, die Bogengänge
haben die Poren nur auf einer Seite, die Spiralen wech-
selnde Poren auf beiden Seiten. Auch giebt es gemischte
Fasern aus Ringen, Bogen und Spiralen, mit unordentlicher
Stellung der Poren. Dass diese Poren wirkliche Oeffinungen
sind, hat sich der Verf. überzeugt.
Hierher gehört noch die Abhandlung von demselben
Verf. über die Anatomie und Plıysiologie der Fon-
156
tinalis (Bullet. de l’Acad. d. Bruxell. T.1, p. 222). Zuerst
wird von Hornschuch’s Hypothese gehandelt, dass die Confer-
venfäden die blattartigen Organe der Moose bilden. Er setzt
sogleich hinzu: «Link, der in den letzten Zeiten diesen Or-
ganen den Namen der Blätter gegeben hat, erklärt ihre Bil-
dung nach‘ der Theorie von Hornschuch; an der Basis des
Stammes, sagt er, kommen Reihen von Zellen hervor und
bilden die ersten confervenartigen Primordialblätter, welche
also aus solchen Reihen von Zellen gebildet werden. Zwar
fügt er hinzu, dass er nie gesehen habe, dass solche Reihen
von Zellen, oder solche confervenartige Fäden in den Zu-
stand von Blättern übergegangen wären.» Ich sage: An der
Basis des Stammes der Moose treten Zellenreihen hervor und
laufen ohne Unterbrechung in die confervenartigen Erstlings-
blätter über, welche aus solchen Reihen von Zellen ganz be-
stehen. Hornschuch hat einen solchen Uebergang schon beob-
achtet, aber in die Blätter habe ich diese Zellenreihen oder
eonfervenartigen Fäden nie übergehen bemerkt. Es fiel mir
nicht ein, die Sache nach Hornschuch’s Theorie zu erklä-
ren, ich”gab blos die Thatsache an. Hornschuch bildet aber
die Blätter von Moosen ab, als ob sie aus Confervenfäden zu-
sammengeflochten wären. Das habe ich nie gesehen; niemals
sah ich nämlich jene Fäden in die Blätter übergehen (trans-
ire). Der Verf. beschreibt nun diese conferyenartigen Fäden.
An der Basis sind sie kurz, und in der Mitte der kurzen Glie-
der sieht man eine grüne Binde, die aus klebrig krümlichem
Chlorophyll gebildet ist. Sie schnürt sie endlich ein und bil-
det eine Scheidewand, wodurch neue Zellen entstehen. Er
geht nun weiter fort in der Untersuchung der Blätter, ob: es
Phylloden sein könnten, wofür er aber den Begriff von Phyl-
lode genauer zu bestimmen sucht, Er fasst ihn zuerst auf,
wie ihn Decandolle und andere bestimmt haben, unterscheidet
schon dayon die sogenannten Phylloden der Acacien, die er
Phyllome will genannt haben, und setzt hinzu: Aber Martius,
Hornschuch, Spring u.s. w. betrachten die Blätter der Lyko-
podiaceen und der Moose, als befänden sie sich in einem An-
fangszustande, wo der Vaginaltheil, der Blattstiel und die
Blattplatte noch nicht unterschieden sind, und wo bei der
Nicht- Polarisation der Theile der grüne flache Theil nur ein
157
Organ ist, welches einem Blatte gleicht, olıne ein wahres Blatt
zu sein, daher rathen sie, diese Blätter mit den Phylloden
zu vergleichen. Da nun auch der eben gegebene Begriff sehr
verschieden ist von dem Begriffe eines Phyllodium, so schlägt
der Verf. vor, diese Blätter Phyllidien zu nennen. Er beschreibt
hierauf sehr genau die Veränderungen der Blätter an Fonti-
nalis, wie sie zuerst kleine, -diecke, runde Platten sind, mit
einer gleichförmigen grünen Substanz erfüllt, ohne alle Spur
von Zellen. Dann sieht man grüne Körner in einer grünen
Gallerte, hierauf gegen die Spitze leere Stellen, welche nach=
her Zellen werden, die sich später deutlich zeigen. Es ist
merkwürdig, dass sich diese Zellen von der Spitze gegen die
Basis zu ausbilden, indem die Mitte und Basis ein grünes,
klebrig gallertartiges, körniges Chlorophyll enthalten. Das Or-
gan hat sich also äusserlich schon gebildet, ehe das Innere
seine Gestalt erreicht hat. Hierauf beschreibt er weiter die
Entwickelung der Zellen und des Chlorophylis. — Nun eine
Untersuchung der Wurzeln von Fontinalis. Er sah. das Moos
auf festem Marmor wachsen, wo es eine Ausbreitung (epute-
ment) machte, die nichts als eine Zertheilung des Stammes in
sehr feine Zasern war. Diese Zasern pflanzen sich aber’nicht
in den Stein selbst ein, sondern eine Schicht von Schleim um-
giebt sie und bildet einen Leim, wodurch die Befestigung ge-
schieht. Die Absorbtion des Nahrungssaftes geschieht durch
die freien Enden, die sich nicht an den Stein: festgelegt ha-
ben, aber bald daran festlegen werden. Diese ‚freien Enden
sind von Rosenfarbe. Sie endigen sich durch ‚wahre einzellige
Spongiolen von weisser Farbe und sind durchsichtig, wo die
Wand sichtbar ist, woraus man sieht, dass dieses Endbläschen
geschlossen ist. Die röthliche Färbung fängt etwas höher
durch Kügelchen an, die nachher braun und endlich grün wer-
Jen. Die Kügelchen sind denen ganz ähnlich, die man auf
vielen Haaren sieht, und man kann sie als Glandeln betrach-
ten, welche den Schleim absondern. Uebrigens haben diese
Wurzeln Querwände, wie die Wurzeln von Hypnum, — Zu-
letzt vom Stamme. Der Centralkörper besteht aus einem Zell-
gewebe, worin einige eylindrische Zellen breiter als die übri-
gen sind, Um sie, wie um einen Mittelpunkt, stehen prismä-
tische längere Zellen. Der Centralkörper wird von einem Rin-
158
denkörper umgeben, dessen Zellen diekere Wände haben, braun,
enger und lang werden. Allerdings sieht man hier einen Ueber-
gang zu den Monokotyledonen und zwar zu den Palmen.
Ich sehe nicht den geringsten Grund, warum man die
Blätter der Irideen, der Amaryllideen u.s. w. den Blattstielen
analog stellen will. Die Blattstiele laufen in der Regel nicht
spitz zu, sondern breiten sich an der Spitze vielmehr aus.
Die Blätter der Irisarten sind zusammengelegt und die Seiten
verwachsen. Dass die Blätter der Gräser wahre Blätter sind,
zeigen Pharus und Olyra. Die Blätter der Acacien sind mit
Recht Phylloden zu nennen; der Blattstiel hat das Blatt ab-
sorbirt und ist dadurch dicker geworden. Eben so sind die
sogenannten Blätter von Phyllanthus und Ruscus Phylloden
oder Phyllome, eine Verbindung von Blatt- und Blüthenstiel.
Eben so wenig kann ich einen Grund finden, ‘warum ich die
Blätter der Moose nicht Blätter nennen soll. Das Wort Po-
larisation sagt gar nichts, darum fiel es mir auch gar nicht ein,
bei der Untersuchung der Moosblätter die Frage aufzuwerfen,
ob sie wohl wirkliche Blätter sein möchten.
Lichenen,
Memoires Lichenographiques par Mr. Fee. N.
Acta Academ. Leopoldino-Carolinae T. XVII. Suppl. 1. Diese
Abhandlung, zur beschreibenden Botanik gehörig, führe ich
nur an, weil man darin überall die Sporenschläuche 'beschrie-
ben und gezeichnet findet.
Recherches sur la structure du nueleus des
genres Sphaerophoron de la famille des Lichens vet
Lichina de celle deByssacees parCamilleMontagna.
‘Annal, d. sciene. natur. T. 15. p. 146. Der Verf. beschreibt
zuerst sehr genau und giebt eine Abbildung von den Schläu-
chen und den Sporidien. Zugleich aber wird auch des schwar-
zen Pulvers erwähnt, welches von den Sporidien ganz ver-
schieden ist, und dessen Ursprung der Verf, nicht’ zu kennen
gesteht. Die Thecae der Gattung Lichina, zu den Algen ge-
hörig, sind ebenfalls gut beschrieben und abgebildet.
In den Ausgewählten anatomisch-botanischen Abbildungen,
drittes Heft, sind drei Tafeln den Liehenen gewidmet,
und es ist die Anatomie von folgenden Lichenen, ‚dem Thal-
159
lus und dem Sporangium, oder dem Sporangium allein, gege-
ben: Tab. 5. Cetraria islandica, Euernia fraxinea, Parmelia
parietina, Parmelia saxatilis, Euernia villosa, Euernia ciliaris,
Lobaria pulmonaria. Tab. 6. Collema fasciculare, Collema
saturninum, Roccella tinetoria, Sphaerophorus coralloides, Us-
nea florida. Tab. 7. Pertusaria communis, Verrucaria atrovi-
rens, Lecidea granulosa, Lecidea luteola, sanguinolenta, lu-
eida, tartarea, Verrucaria gemmata, maura, Opegrapha notha,
rimalis, atra, Conioloma eoceineum. Die äussere Schicht des
Thallus, er mag blattartig oder krustenförmig sein, besteht
aus einem häutig zelligen Gewebe. Die Intercellularsubstanz,
wie sie Mohl nennt, tritt hier nicht allein hervor, sondern sie
nimmt auch gar ‘oft den grössten Theil des Gewebes ein. Auf
diese äussere Schicht folgt eine zweite, aus Röhren beste-
hend, die durch Jod oft gefärbt werden. Diese Röhren sind
meistens weit, selten (an Lobaria) zart, und noch seltener
(an Cetraria) in einer äussern Schicht zart, in einer innern
weit, Immer sind diese Röhren gar sehr verwickelt, zuwei-
len auch ästig. In den Soredien tritt diese Schicht äusserlich
hervor. Von diesen Röhren schnüren sich, wie es scheint,
Ringe ab, deren Form mir nicht ganz deutlich ist, indem der
Ring einen Kern von einer körnigen Substanz umschliesst,
die an einigen, z. B. Sphaerophorus, kohlenschwarz ist. Diese
Ringe sind noch nicht beschrieben und abgebildet, ausser von
Montagne in der vorhin erwälnten Abhandlung. Er fand sie
noch blau. An den krustenförmigen Lichenen fehlt ‚diese
Schicht, an den blattartigen ist sie meistens vorhanden. Die
Ringe möchte ich für ein Analogon des Pollen ansehen. Die
Schläuche (thecae) sind von sehr verschiedener Grösse, auch
die darin enthaltenen Sporen, in denen man deutlich eine fein-
körnige gefürbte Masse sieht. Oft findet man junge und äl-
tere Thecae zusammen in einem Sporangium; erstere enthal-
ten nur eine gleichförmige Masse, olıne ausgebildete Sporen.
Oft, nicht immer, sind Paraphysen, aber ungegliederte, vor-
handen.
Algen
Ueber drei verschiedene Systeme der Tangge-
wächse von Dr, Kützing. Linnaea T, 15 p. 546. Die
160
grösseren Conferven bestehen aus einer äussern continuirli-
chen farblosen Röhre, in welcher 2) fadenförmig verwachsene,
dickwandige Zellen von derselben Substanz, welche einzeln
3) wieder andere Zellen beherbergen, die von zarterer, dün-
nerer Substanz sind, und endlich 4) mehr oder weniger grün-
gefärbte Kügelchen, die an der innern Wandung der zarten
Zelle festgewachsen sind. Diesen Bau hat schon Treviranus
erkannt und der Verf. knüpft nun seine Bemerkungen daran.
Die äussere diekwandige Zelle ist im unveränderten Zustande
stets farblos, sie wird nicht von Jod gefärbt, schwache Säu-
ren und verdünnter Weingeist lassen sie unverändert, und ge-
trocknet zieht sie sich zwar zusammen, weicht sich aber im
Wasser wieder vollkommen auf. Sie wird nicht durch Kali-
lauge in Amylumsubstanz umgewandelt. . Der Verf. nennt sie
die Gelinzelle. Die innere dünnwandige Zelle ist entweder
farblos oder gefärbt, sie wird von Jod meist braun gefärbt,
schwache Säure und Weingeist bewirken plötzlich Contraction,
welche auch-durch blosses Trocknen hervorgerufen wird, und
in keinem Falle durch Einweichen im Wasser wieder aufge-
hoben werden kann. Sie wird durch ‚Kalilauge in Amylum-
substanz umgewandelt. Der Verf. nennt ‚sie Amylidzelle. —
Der kugelige oder körnige ‚Inhalt der Amylidzelle besteht ent-
weder aus Stärkekügelchen oder Gummikügelchen, er: wird
durch Jod blau, violet oder braun gefärbt. Der ‚Verf. be-
zeichnet ihn mit dem Namen Zellenkerne oder Gonidien. Ist
nur ein einziger Zellenkern vorhanden, so nennt er..die Zelle
eine monogonimische, und mehrere eine polygonimische. Dies
sind die drei Grundgestalten, die Elementargebilde des Tang-
gewebes und die Mannichfaltigkeit ihrer Form, ihrer Verbin-
dung unter einander und. der Grad ihrer Entwickelung be-
dingt die zahllosen Formen des zusammengesetzten. Tangge-
webes, Die nur zu kurze Beschreibung. ‚dieser Gewebe, so
wie, was der Verf. von den Sporangien sagt, sind‘ keines
Auszugs fähig.
Eine Anatomie von Fucus canaliculatus ist auf
der achten Tafel des dritten Hefts der Ausgewählten anatomisch-
botanischen Abbildungen F.1. 2. gegeben. Den Tang brachte
ich noch ziemlich frisch in einer Büchse von Irland’ nach
Berlin. "Zu äusserst findet sich eine doppelte Schicht von
161
Zellen mit grossen Körnern gefüllt. Das Innere ist ganz und
gar mit verwickelten Röhren angefüllt, wie es in den Lichenen
der Fall ist, nur sind hier die Röhren öfter kolbig, und an
den kolbigen Spitzen mit Körnern gefüllt, auch haben sie eine
gallertartige Consistenz. In den Warzen, wo die Sporangien
sich befinden, treten diese Röhren in die Höhlung hinein und
bilden die Sporenschläuche, wie es scheint. In andern Tang-
arten ist aber der Bau verwickelter.
P-1,1. ze;
Um mit dem Vorigen fortzufahren, setze ich die Anato-
mie einiger Pilze hierher, wie sie auf der achten Tafel
des dritten Hefts der anat.-botan. Abbildungen geliefert ist.
ZuerstDaedalea quercina. Der ganze Pilz besteht aus einem
Gewebe von sehr feinen Röhren, wie das Innere der Lichenen,
ohne jenen Ueberzug, welchen die Lichenen in der Regel ha-
ben. Zwischen diesen Röhren finden sich kleine Körner, die
aus zusammengeschnürten und zerfallenden Fasern zu entste-
hen scheinen, wie in den Lichenen. Sie sind keine Amylum-
körner, Am Rande der Falten sieht man Röhren mit Quer-
wänden, deren äusserste Glieder endlich abfallen und Sporen
darstellen. Dann die Anatomie von Cantharellus eibarius.
Der Strunk besteht aus langen, meistens einfachen aber ge-
gliederten Röhren. Das Innere der Lamellen, so wie des gan-
zen Hutes enthält oft ästig verwickelte Röhren; in dem Rande
der Lamellen bilden diese Röhren parallele Schläuche, die
sich deutlich in Sporen abschnüren, Zwischen diesen erheben
sich andere Schläuche mit kleinern gestielten Körnern auf der
Spitze. Diese gestielten Körner, welche sich auch an Agari-
eus finden, sind nicht die Sporen, wofür man sie wohl ange-
sehen hat, denn diese enstehen aus Abschnürung der letzten
Glieder an den Schläuchen, wie hier aus Fig. 9 deutlich er-
hellt, sondern es sind davon ganz verschiedene Körper, die
ich Antheridien nennen möchte, Eine ähnliche Bildung zeigt
sich auch an den A garicus-Arten, wovon hier A, campestris
und A. alliaceus vorgestellt sind. Das Innere der Lamellen
besteht aus den verwickelten oft ästigen Röhren, wie sie die
Lichenen haben, doch nehmen sie zuweilen eine besondere bläs-
chenartige Form an, die aber durch das Zerfallen der grössern
Archiv 1, Naturgeschichte, VII, Jahrg. 2, Bd. L
162
Röhren zu entstehen scheint, eben so wie in den Lichenen die
ringförmigen Körper aus dem Abschnüren der Röhren entste-
hen. Am Rande der Lamellen drängen sich die Röhren zu-
sammen, werden parallel und erhalten mehr oder weniger deut-
liche Querwände, welche endlich Glieder bilden, die an den
Enden als Sporen abfallen. So habe ich es an einigen be-
merkt, und Fig.13 zeigt es auch deutlich genug. Zwischen
diesen wachsen nun einige Schläuche hervor, auf denen sich
jene Körner zeigen, die ich Antheridien genannt habe. Sie
sind meistens gestielt, kugelförmig oder länglich, oft klein, oft
gross, aber Zwischenformen habe ich nicht gefunden, mei-
stens zu zwei zusammen, doch finden sich auch mehrere zu-
sammen und dann gewöhnlich klein und ungestielt. Dass sie
abfallen, sieht man an den leeren Stielen, welche gar nicht
selten vorkommen.
Der Fenster-Fadenpilz, Torula fenestralis, von
S.H. Schwabe. Linnaea T. 15 p. 279. „Der Fenster-Faden-
pilz, sagt der Verf., wird nun von den meisten Schriftstellern
zu Sporotrichum gezogen, oder von andern zu einem eigenen
Genus, Byssocladium, allein beide Annahmen scheinen auf
einer Täuschung zu beruhen, der auch ich unterlag, indem
ich die getrennten Glieder der Fäden für Sporen hielt. — —
Nach diesen Beobachtungen nun kann der Fenster-Fadenpilz
nicht zu Sporotrichum gezogen werden, weil dieses sehr feine,
zarte, schlaffe und verfilzte Fäden, die wirkliche Sporen her-
vorbringen; auch finde ich umnöthig ein eigenes Genus aufzu-
stellen, da alle Merkmale sehr gut zu Torula passen, und die
kugelförmigen Glieder von T. alta T. herbarum Lk. unter gün-
stigen Umständen eben so zu einem ungefärbten, ungeglieder-
ten Faden auswachsen, wie es bei T. fenestralis geschieht.“
In der Fortsetzung von Willdenow’s Species plantarum
steht folgende Anmerkung unter Sporotrichum p. 1: Sporidia
e cellulis thalli constrietis et delapsis orta vidit Nees. in Sp. laxo.
Eodem modo et in reliquis oriri videntur. Ferner p. 19; Flocei
expansi Byssocladium und Nota Regulari floccorum- expansione
saepe centrifuga dignoscuntur. Der Pilz wurde zuerst von
Roth als Conferva fenestralis beschrieben, dann nannte ich
ihn Byssocladium fenestrale, worin Nees und Martius folgten,
Da man mir aber vorwarf, dass ich zu viel Genera mache,
163
so brachte ich Byssocladium zu Sporotrichum. Mit Torula
hat der Pilz wenig Aehnlichkeit, die feste, dichte, nur durch-
scheinende schwarze Torula, die in verwickelter Masse wächst,
viele Jahre aushält, kann mit Byssocladium, diesem leichten,
zarten, flüchtigen Gewebe nicht in einer Gattung stehen.
Ueber CGonferva Orthotrichi Dillw. von Karl
Müller. Flora 1841. Th. 1. S. 161. Unter €. O., sagt der
Verf., zu der noch die Synonyme ©. museicola Sm. und Pro-
tonema O. Agdh. gehören, begreifen die Algologen dieselben
Gebilde, welche Bruch und Schimper in ihrer Monographie
der Orthötrichen für Würzelchen (radieulae), Bridel u. a. für
Drüsen halten. Diese confervenartigen Auswüchse bestehen
aus eylindrischen Röhren, welche in ihrem Innern immer fä-
cherförmig abgetheilt sind (mit Querwänden versehen). Ihre
röhrige Form ist sehr mannichfaltig, so dass wir sie bald
gleichmässig dick, bald keulenförmig finden. Einfach und fast
immer in vorhergenannter Form besitzt sie O. phyllanthum,
mannichfaltiger hingegen O. Lyellii. Hier sind sie bald ein-
fach, bald so sehr verästelt, dass es unnütz wäre, ihre man-
nichfaltigen Formen hier aufzuzählen. Ihre Fächerform ändert
auch häufig ab, und zwar so, dass sie immer der Dicke der
Röhren proportional bleibt, aber nur in der Länge sehr va-
rüirt. Sehr zerstreut sind sie bei O. Lyellii, äusserst regel-
mässig hingegen an den Blattspitzen des O. phyllanthum, die
sie fast sternartig umgeben, und mit ihrer braunen Farbe
änsserst lieblich auf dem zarten Blattgrün abstechen. Noch
finden sie sich auf O, gymnostomum Bridel und O. obtusifo-
lium Schrad., jedoch in geringer Anzahl. Was die Metamor-
phose dieser Gebilde bei ©. phyllanthum betrifft, so sagt der
Verf. davon Folgendes: Untersucht man diejenigen jungen
Gipfeltriebe, die noch zart sich im Frühlinge oder Herbste
entwickeln, und durch eine hellgrünere Farbe vor den an-
dern Blättern auszeichnen, so findet man in ihrem innersten
Gipfel, d.h. da, wo die künftigen Blätter noch zart sind und
kaum angefangen haben, sich aus dem massenartig zusammen-
gehäuften Zellgewebe des Stammes zu entwickeln, eine Menge
zarter hyaliner, runder oder Jänglicher Kügelchen, die sich
durch Aufschwellung des Zellgewebes jener jungen Blüättchen
gebildet haben, diese sind die künftigen sogenannten Conferven
L*#
164
der Blattspitze. Mit der grössern Ausbildung der jungen Blät-
ter, d.h, nachdem diese angefangen, sich aus dem innersten
Gipfel zu erheben, werden auch sie mit der Blattspitze em-
porgehoben, wo sie sich bald sehr verlängern, und bei dem
Heraustritt an die atmosphärische Luft und das Licht braun
färben. Mit dem Eintritte dieser Farbe bilden sie Fächer.
Der Verf, giebt nun diesem Exanthem, wie er sagt, den Na-
men Phragmidiolum, weil er es mit dem Phragmidium ver-
gleicht, und macht daraus zwei Arten, Phr. simplex und Fhr.
ramosum. Da es mit Phragmidium doch nur eine entfernte
Ähnlichkeit hat, so schlage ich den Namen Phaeocoma (Braun-
haar) vor.
Im Jahre 1844 sind schon mehrere Nachrichten von Pil-
zen, auch Algen, vorgekommen, die auf thierischen Körpern
wachsen. Da nun aber in diesem Jahre sehr viele Untersu-
chungen darüber bereits erschienen sind, und an noch andern
gearbeitet wird, so möchte es vielleicht zweckmässig sein,
jene Anfänge vorläufig zu übergehen,
Morphologie. Varietät. Monstrosität,
Ueber die Morphologie der Pflanzen ist ein wichtiges
Werk erschienen: Legons de Botanique comprenant principa-
lement la Morphologie vegetale, la Terminologie ete. par Au-
guste St. Hilaire. Par. 1841. 8. Die Aufgabe der neuern Mor-
phologie ist, die mannichfaltigen Verschiedenheiten, unter wel-
chen die Pflanze sich darstellt, auf eine Grundform zurück
zu führen, oder sie vielmehr davon abzuleiten. Es ist ein
Verfahren in der Botanik, wie es der Krystallograph in der
Mineralogie anwendet, indem er von mehr oder weniger ge-
nau bestimmten Grundgestalten die verschiedenen Nebengestal-
ten ableitet, welche in der Natur vorkommen. Die Pflanzen
haben aber statt der Krystallflächen wirkliche Glieder, woraus
zuerst die Axentheile bestehen, und auf welchen die Seiten-
theile (appendiculaires) als Glieder sich befinden. Die Mittel,
deren man sich bedient, um jene Ableitung hervorzubringen,
sind nun, dass man die Theile in Gedanken sich vergrössern,
verringern und ganz fehlen (avorter) lässt, ferner sich zusam-
menziehen und ausdehnen, entfernen und nähern, verwachsen
und sondern, zarter und gröber werden u. s. w., wie man sie
465
in der Natur nach Beobachtungen gefunden hat. Besonders
hat man gefunden, dass sich die Seitentheile in einander ver-
wandeln, und dass man die Blätter als die Grundform anse-
hen kann, woraus alle andern Seitentheile bis zu den Umhül-
lungen des Embryo. Dieses ist die Metamorphose der Pflan-
zen, die man jetzt in Frankreich, einer neuen Mode zufolge,
die Goethesche nennt, wie man sie auch zuweilen in Deutsch-
land genannt hat. Sie sollte eigentlich die Linneische genannt
werden, da sie Linne schon vollständig vortrug. Aber die
Anwendung, welche besonders die französichen Schriftsteller
machen, liegt fern von Goethe, der sich darauf beschränkte,
an einer Pflanze diesen Uebergarg aus dem Gröbern in das
Feinere, aus dem Irdischen in das Geistige darzustellen, und
sich nicht darauf einliess, die Mannichfaltigkeit der Pflanzen
daraus zu erklären. Die Morphologie erwartet noch immer
eine philosophische Bestimmung, aber ohne jene Formeln von
Polarität, und wie sie weiter heissen mögen, wodurch Alles
und Nichts erklärt wird. Dass von einem Buche wie dieses
kein Auszug kann gegeben werden, versteht sich von selbst;
es ist reich an einer Menge von sinnreichen und treffenden
Bemerkungen.
Elements de Teratologie vögetale par A.Moquin-Tandon.
Par. 1841, ist ein ähnliches, vortreflliches Werk, welches kei-
nen genauen Auszug erlaubt. Im Ganzen hat der Verf. die-
selben Grundsätze, welche in dem vorigen Werke herrschen,
und er wendet sie nicht allein auf die Monstrositäten, sondern
auch auf die Varietäten an, und in dieser Rücksicht ist das
Werk neu und merkwürdig. Die Varietäten theilt er in drei
Klassen nach der Coloration, villosite, consistance und taille.
Hieraus folgen nun die Ordnungen: Albinisme, chromisme, al-
terations, glabrisme, pilosisme, ramolissement, induration, na-
nisme, geantisme. Eben so werden auch die Monstrositäten
in vier Klassen getheilt: Volume, forme, disposition, nombre,
und daraus folgen die Ordnungen: Atrophies, hypertrophies,
deformations, pelories, metamorphoses, soudures, disjonctions,
deplacements, avortements, multiplications. Mit grossem Fleiss
hat der Verf. gesammelt und selbst beobachtet, nur ist zu be-
dauern, dass er ausser den französischen Schriftstellern keine
andern kennt, Das liegt aber an dem Buchhandel in Frank-
166
reich, denn der Verf. liest deutsch, und würde sich auch ‚sonst
deutsche Werke anschaffen können,
Monstruosites vegetales. 1. Fascicule, par A. P. et
Alph. de Candolle in den Neuen Denkschriften der Allgem.
Schweizerischen Gesellschaft für d. ges. Naturwissenschaft B. 5.
Neuchatel 4841. Folgende Monstrositäten sind hier beschrie-
ben: 4) Viola odorata, monstrosa dieta Bruneau, Die Mon-
strosität bestätigt die Theorie, sagen die Verf,, in einer dop-
pelten Rücksicht, nämlich die Existenz von einer zweiten Reihe
von Blumenblättern und von fünf Karpellen statt dreier. 2)
Monstrositäten durch Aufreissen des Perikarpiums an Solanum
esculentum und an einer cultivirten Melastomacee, deren Na-
men der Verf. nicht angeben konnte. 3) Primula Auricula,
Die Blume war kelchartig. Die allgemeine Centralplacenta ist
aus mehreren genau verbundenen Nabelsträngen im regelmässi-
gen Zustande zusammengesetzt, die sich im monströsen mehr
oder weniger trennen, auch wohl in Blätter auswachsen. 4)
Primula sinensis. Im Ovarium eine kleine Blume statt der
placenta und der Eier. 5) Lepidium sativum mit 4 —Sfächriger
Schote oder Kapsel. 6) Cheiranthus Cheiri. Die Monstrosi-
täten zeigen, dass die Schote eine Kapsel ist mit Samenträ-
gern an den Wänden und falschen Scheidewänden, die mehr
oder weniger über den innern Rand der verwachsenen Kar-
pelle hervorragen. 7) Valeriana montona, Sonderbare Ab-
änderung eines gebänderten Stammes. 8) Maxillaria Deppei
triandra. Merkwürdig.
Ueber einige interessanteMiss- und Umbildun-
gen von Pflanzen, vom Prof, Kirschleger. 4) Miss-
bildungen an Weiden. Weibliche und ‘männliche Blüthen in
einem Amentum kommt oft vor. Aeste, die sich in ein Amen-
tum endigten, eine merkwürdige Missbildung. 2) Missbildun-
gen bei Compositae, Tragopogon pratensis. Das Anthodium
(Peranthodium) war glockenförmig, fast kugelig, das Oyvarium
glatt, eylindrisch eckig, an der Spitze abgestumpft und ohne
Saum; die Haarkrone fünfblättrig, und die Centralblume fast
röhrig. Hypochaeris radicata. Der Blüthenkopf war in eine
Umbelle umgewandelt, die Blüthen-Internodien waren auseinan-
der getreten und hatten sich verlängert.
Remarks on an anomalous form of the plum ob-
167
served in the Gardens of New Brunswick, N. America by
Jam. Robb. Hooker Journ. of Botan. T.3. p.91. Der Verf.
vergleicht zuerst die Frucht überhaupt mit einem Blatt, denn
Goethe’s Vergleichung einer Blattknospe mit einer Blötenkusene
sei doch sehr zweckmässig, und so vergleicht er die untere
Seite des Blattes, oder das hypophyllum mit dem exocarpium,
das Mittel desselben oder das mesophyllum mit dem meso-
carpium, und die obere Seite des Blattes oder das epiphyl-
lum mit dem endocarpium. In dem monströsen Falle war
nun das exocarpium der Pflaume gelb nnd runzlicht, das
mesocarpium war nicht mehr entwickelt als der mittlere Theil
eines Blattes zu sein pflegt, das endocarpium, so gross wie
eine Kaffeebohne, war häutig und voll Gefässbündel auf der
innern Fläche, auch war es durch Gefässbündel an das meso-
carpium befestigt. Zuweilen befand es sich da, wo der Grif-
fel abgefallen war, zuweilen zwischen diesem Punkt und dem
Fruchtstiel. Zuweilen war es leer, zuweilen waren zwei un-
vollkommene Eichen daran, die zum Theil aus drei Hüllen
über einander bestanden und in der Mitte eine Flüssigkeit hatten.
Beispiel einer Antholyse der Blüthen von Tri-
folium repens von F. Schmitz. Linnaea T.15. p. 267.
Der Blüthenkopf war in eine Doldentraube (corymbus) ver-
wandelt, die Kelchabtheilungen in wahre Blätter, Blumenkrone
und Staubfäden hatten wenige Veränderungen erlitten. Am
merkwürdigsten war das Auswachsen des Pistills in ein Blatt,
welches in vielen Fällen an der Basis (im Blattwinkel) eine Knospe
hatte, die zuweilen in ein zweites Pistill verwandelt war.
Missbildung an einer Rosa chinensis, beschrie-
ben von D, F.L.v.Schlechtendal. Linnaea T. 15. p. 408.
Der regelmässige Kelch bestand aus fünf Blättern. Aus die-
sen ging eine Röhre hervor, welche sich. in mehre Theile
spaltete, die äusserlich mit kleinen Blüthenblättern besetzt waren,
auch mit Griffeln, innerlich aber mit grünen Blättern, wie
Kelchblätter. Eine Abbildung ist nicht beigefügt, und so war
mir die Beschreibung etwas undeutlich,
Ein kurzer Nachtrag über die Arbeiten in dem Theile der
physiologischen Botanik, welcher Ernährung der Pflanzen, ihre
Farben, eigenthümliche Bewegungen u. dgl, betrifft, wird noch
nachgeliefert werden,
168
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Amphibien während des Jahres 1841.
Von
Dr. F. H. Troschel,
In der herpetologischen Literatur ist im verflossenen Jahre
eben nicht viel Neues erschienen; indessen haben wir doch
über manches Interessante zu berichten. Ausser einzelnen No-
tizen in Journalen sind besonders als wichtig zu nennen: die Er-
petologie generale von Dumeril und Bibron, Vol. VII, welche
einen Theil der Lurche behandelt und eine Arbeit von Gray
über neuholländische Amphibien. Ich hole hier, da der Raum
es gestattet, ein bereits früher erschienenes Werk nach, und
muss es bedauern, dass wiederum zwei amerikanische Werke,
obgleich schon vom Jahre 1839, mir noch nicht zugänglich
geworden sind, #
Ueber den ersten Band von Holbrook’s »North Ame-
rican Herpetology ete.,« welcher 1836 erschien, ist vom seli-
gen Wiegmann in diesem Archiv 1837. 2. p. 221. sq. berichtet
worden. Im Jahre 1838 sind von demselben Werke der zweite
und dritte Band erschienen, aber in dem Jahresberichte im
Jahrgange 1839 übersehen. Auch mir ist es im vorigen Be-
richte wegen. der älteren Jahreszahl entgangen. Es scheint
mir jedoch zweckmässig, dergleichen lieber etwas spät nach-
zuholen, als ganz zu übergehen; zumal da diese beiden Bände
in dem 8. Bande 1841 von Dumeril’s und Bibron’s Herpeto-
logie generale noch nicht benutzt sind. Was die allgemeine
Einrichtung des Werkes betrifft, so gilt auch über den 2. und
3. Band das, was Wiegmann 1. c. über den ersten gesagt hat.
Es würde schwer sein, nach den Beschreibungen und Abbil-
dungen, ohne die Thiere selbst vergleichen zu können, die
Arten auf die von Dumeril und Bibron zurückzuführen, Wie
169
ich höre, ist auch 1840 bereits der vierte Band, und wahr-
scheinlich 1841 schon der fünfte Band dieses Werkes erschie-
nen. Leider ist von ihnen aber in Berlin noch nichts ange-
kommen. Ich darf daher erst hoffen, in einem der späteren
Berichte darüber zu referiren.
Die Iconografia della fauna italica des Prinzen C. Bo- :
naparte ist nun beendigt, und bildet ein Prachtwerk in drei
Bänden, dessen zweiter die Amphibien enthält. Die Unbequem-
lichkeit, welche bei dem Gebrauche eines jeden Buches, welches,
wie das vorliegende, nieht paginirt ist, entsteht, liess sich bei
der Art des Erscheinens nicht vermeiden. Es ist nun vorn ein
Verzeichniss der Tafeln gegeben, welche eine systematische
Ordnung erhalten haben, und zwischen sie ist der entspre-
chende Text eingeschaltet. Offenbar kann nur nach der Num-
mer der Tafeln eitirt werden. Im Ganzen finden sich nach
diesem Werke in Italien 62 Amphibien, von denen 6 Schild-
kröten, 18 Eidechsen, 18 Schlangen und 18 Batrachier. In
der 30. Lieferung ist nur noch eine Tafel mit Amphibien ent-
halten, auf der Notopholis nigropuncetata, Podarcis taurica,
oxycephala, Psammodromus cinereus, Lacerta viridis (var. stri-
gata) und Ophiomorus miliaris abgebildet sind.
Die Arbeit von J. E. Gray über Neuholländische Amphi-
bien erschien in einem Werke »Journals of two expedi-
tions of discovery in Nordwest and Western Australia, du-
ring the Years 1837, 38 and 39 etc. by George Grey«,
bildet p. 422 des zweiten Bandes einen Theil des naturgeschicht-
lichen Anhanges, und hat den Titel A Catalogue of the Spe-
eies of Reptiles and Amphibia hitherto deseribed as inhabiting
Australia, with a description of some New Species from We-
stern Australia, and some remarks on their geographical distri-
bution. In dem Verzeichnisse werden 107 Arten aufgezählt,
unter denen 63 Saurer, 20 Ophidier, 7 Chelonier und 17 Ba-
trachier. Daran schliesst sich eine Beschreibung der neuen
oder weniger bekannten Gattungen und Arten, deren auch
einige (Ronia catenulata, Aprasia pulchella, Delma Fraseri,
Lialis Burtonii, Soridia lineata, Moloch horridus, Blaps Goul-
dii, Elaps coronatus Schl., Calamaria diadema Schl., Hydra-
spis australis, Chelodina oblonga, Hyla bioculata, Hyla Adelai-
densis, Breviceps Heliogabali, Heleiporus alboguttatus) auf 8
170
Steindrucktafeln abgebildet sind. Diese Beschreibung der neuen
Amphibien ist bereits vorher in den Annals of nat. hist, VII.
p- 86 mitgetheilt (Description of some new Species and four
new Genera of Reptiles from Western Australia, discovered
by John Gould. Leider vermisst man bei dieser Arbeit zu-
. weilen die nöthige Sorgfalt und Genauigkeit. Ein Frosch ist
z.B. abgebildet, von dem im Texte kein Wort gesagt ist.
Reports on the Fishes, Reptiles and Birds of Massachu-
setts. Publies par les ordres de la legislature ete. par MM.
Humphreys Storer et William B.O. Peabody. 1 Vol. 8. fig. Boston
1839. Dieses Werk ist mir nur durch eine Anzeige in der Re-
vue zoologique 4841. p. 319 bekannt geworden. Die Abthei-
lung über Amphibien und Fische ist von Storer bearbeitet,
nimmt 253 Arten ein, und ist von 3 lithographirten Tafeln be-
gleitet, auf der einige neue oder wenig gekannte Arten abge-
bildet sind. Verf. giebt die Charaktere aller Gattungen, und
beschreibt die Arten mehr oder weniger ausführlich, je nach-
dem sie mehr oder weniger bekannt sind. Auch die Synony=
mie ist berücksichtigt und Bemerkungen über ihre Lebensweise
und ihren Nutzen sind eingefügt.
Eine Arbeit über Amerikanische Amphibien von Abm. Sa-
ger (Silliman American Journal Vol. 36. p. 320—324. 1839)
ist mir ebenfalls nur aus einer kurzen Anzeige in der Revue
zoologique bekannt geworden. Leider kommen die Amerika-
nischen Schriften immer erst sehr spät oder gar nicht nach Ber-
lin. Ausser einigen Beobachtungen über Salamander werden
zwei neue Arten Salamandra agilis und Zurida beschrieben;
darauf folgt die Beschreibung einer Varietät des Seineus late-
ralıs Say.
An J. Müller’s Beobachtung einer Bewaffnung des Zwi-
schenkiefers der Embryonen der Schlangen und Eidechsen
(vergl. dies Archiv. VII. 2. p. 115) schliesst sich eine Angabe
von Mayer, nach welcher bei Krokodilen und Schildkröten auf
dem Oberkiefer zahnartige Bildungen sich finden, die einer
ähnlichen Erscheinung bei den Vögeln entsprechen. Derselbe
glaubt, es besitzen die beschuppten Amphibien, welche häu-
tige Eier legen, den von J. Müller entdeckten Zwischenkiefer-
zahn, um die Eihaut zu spalten; diejenigen aber, welche kalk-
schalige Eier legen, wie die Krokodile und Schildkröten,
471
Oberschnabelzähne, um die Eischale durchzureiben. Bei Tejus
monitor ist der Zwischenkieferzahn vorhanden. (Froriep’s Neue
Notizen, XX. p. 69.)
Chelonii.
Hier haben wir nur dreier nener Arten Erwähnung zu
thun, von denen die beiden erstern von Gray als neuhollän-
disch, die dritte von Hollbrook als amerikanisch am ange-
führten Orte beschrieben werden.
Hydraspis australis Gray ist zu unvollständig beschrieben,
als dass man mit Sicherheit danach bestimmen könnte, nach der Ab-
bildung scheint sie zur Gattung Platemys zu gehören.
Chelodina oblonga Gray soll sich von Ch. longicollis be-
sonders dadurch unterscheiden, dass das Brustschild jederseits gekielt
und einfarbig röthlich ist, ohne dunkle Ränder der Platten.
Cistudo Blandingii Hollbr. Kopf ziemlich breit, Oberkie-
fer vorn ausgerandet, Unterkiefer mit einem kleinen Haken; Schild
rundlich, länglich, glatt, ohne Kiel, mit ganzem Rande, Brustschild
vorn ganz, hinten tief ausgerandet. 8”. Illinois.
Sauri,.
Gegen die Bemerkung Mandl’s, dass die Blutkügelchen der Kro-
kodile sehr lang sind (vergl. dies Archiv. 1841. 2. p.115) giebt Gul-
liver an, dass das bei anderen Arten dieser Familie, 2. B. bei Cr.
acutus und Champsa fissipes nicht der Fall sei, so dass also in einer
Familie Verschiedenheiten in dieser Beziehung sich fänden, wovon
auch bei den Vögeln Beispiele vorkommen (Annals VII. p. 556.).
Lüzenberg giebt aus Neu-Orleans Nachricht über die
Art, wie die Alligatoren dortiger Gegend ihre Eier ausbrüten.
(Aus den Bulletins de l’Acad. de St, Petersbourg. Febr. 1841
in Froriep’s Neuen Notizen. XVII, p. 280.)
Diese Thiere bereiten ein Nest von Kräutern, indem sie so viel
davon zusammenbringen, dass ein Kegel von 3 Fuss Höhe und 3 Fuss
Durchmesser am Grunde entsteht. Auf diesen Kegel legen sie ihre
Eier und bedecken sie wieder mit Kräutern. Da der Boden der Prai-
rie, in welcher sich diese Nester finden, gewöhnlich einige Zoll hoch
mit Wasser hedeckt ist, so zielt sich dasselbe in den Kräutern und
Gräsern in die Höhe, wodurch das Nest beständig feucht erhalten
wird, etwa wie ein Misthaufen und in einem Zustande langsamer
Gährung sich befindet. Das Weibchen soll das Nest muthig vertheidigen.
Gray beschreibt 1, c, als neu Grammatophora cristata,
und vergleicht die Art mit G. Gaimardii und Decresii, welche eben-
falls, als aus Australien kommend, beschrieben werden.
Derselbe beschreibt ebenda auch eine neue Gattung aus
der Familie der Agamen, welche er Moloch nennt. Körper
172
niedergedrückt, bedeckt mit unregelmässigen, ungleichen, klei-
nen, körnigen Schildern, jedes in der Mitte mit einem Dorn,
und mit einer Reihe breiter, konischer, convexer, spitzer Dor-
nen; Kopf und Beine mit ähnlichen Schuppen und Dornen be-
deckt. Kopf klein mit sehr breiten Dornen über jedem Auge.
Schwanz mit unregelmässigen Ringen breiter spitzer Dornen;
keine Schenkelporen; Zähne klein, fast gleich. 5 kurze Zehen
an allen Beinen, oben und unten mit gekielten Schuppen be-
deckt; Nägel lang, spitz. Eine Art M. horridus. Allerdings
ein höchst merkwürdiges Thier, welches auch das hiesige zoo-
logische Museum jüngst durch Herrn Preiss aus Neuholland
erhielt.
Auch in der Familie der Sceincoiden stellt derselbe eine
neue Gattung Ronia auf: Kopf etwas abschüssig, mit einem
queren Frontalschilde und zwei breiten Vertebralschildern, das
hintere das grösste, die Rostralschilder breit, mit zwei unglei-
chen Supereiliarschildern. Das Nasalschild dreieckig, zwi-
schen dem Rostralschilde und Frontalschilde, die Nasenlöcher
in der Mitte; zwei viereckige Zügelschilder, Lippenschilder
breit. Nur ein undeutlicher vertiefter Punkt statt des Ohres.
Körper ceylindrisch Schwanz konisch, spitz, Schuppen glatt,
eiförmig, dachziegelförmig, am Bauche sechsseitig. Vorder-
gliedmaassen klein, rudimentär, ungetheilt; Hintergliedmaassen
mässig entwickelt, in zwei sehr ungleiche Zehen endigend, mit
deutlichen Nägeln. Eine Art R. catenulata. Auch diese
erhielten wir durch Herrn Preiss.
Ophidii.
Valenciennes beobachtete das ununterbrochene Brüten
einer weiblichen Schlange (Python bivittata) während zweier
Monate, wodurch sich eine ähnliche in Indien gemachte Beob-
achtung von Lamare Picquot bestätigt (Institut 1841. p. 245. 255.)
Nach mehrmaliger Begattung im Januar und Februar, und nach
einer Häutung am 4. April, legte das Weibchen am 6. Mai 15 Eier,
und zwar im Verlauf von 34 Stunden, Dieselben waren alle getrennt,
schwollen an der Luft etwas an, und waren länglich, nicht hart und
schön weiss. Die Mutter sammelte alle in einen Haufen, legte den
hintern Theil des Körpers um denselben, und rollte sich spiralförmig
so auf, dass ihre Windungen einen Kegel bildeten, in dessen Spitze
sich der Kopf befand. Dadurch wurden die Eier vollkommen einge-
hüllt. Die Wärme blieb während der ganzen Zeit des Brütens 12 bis
D)
173
14° höher als die des Zimmers, in welchem sie sich befand. Nach
56 Tagen begannen die Jungen, von denen sich jedoch nur 8 ent-
wickelten, auszukriechen. Die Schlange frass während dieser Zeit
nicht, trank aber mehrmals begierig Wasser. Am 3. Juli, am Tage
des Auskriechens der Jungen, verschlang sie 5— 6 Pfund Rindfleisch,
jedoch noch die Eier umfassend. Bald nachher jedoch verliess sie
dieselben, und zeigte nicht die geringste Theilnahme mehr für die
Jungen. Diese häuteten sich nach 10—14 Tagen, und frassen dann
erst junge Sperlinge.
Holbroo kstellt zwei neue Artenauf. Coluber taxispilotus,
Kopf oval, verlängert, oben mit breiten Schildern bedeckt, Körper
hell chokolatenbraun, mit dreifacher Reihe fast viereckiger Flecken.
35”. Süd-Carolina. C. elapsoides, Kopf klein; Körper röth-
lich mit schwarzen Ringen, in deren Mitte wieder ein schmalerer
weisser Ring, 11”. Süd- Carolina.
Einige neue Schlangen finden sich auch bei Gray l.c.
Tropidonotus Mairii, olivenfarbig, unterhalb blasser, Rük-
ken- und Seitenschuppen gekielt, in Längsreihen.
Trimesurus olivaceus, olivengrün, Kopf dunkel, jederseits
mit einem schwarzen Streifen.
Calamaria annulata, weiss mit 28 schwarzen Ringen.
Elaps Gouldii, gelblich, die Rückenschuppen mit dunklem Vor-
derrande. — E. Lewisii, olivengrün, Rand der Schuppen schwärz-
lich, Bauch grünlich weiss.
Schlegel beschreibt eine neue Art Trigonocephalus aus
Columbien. T. Lansbergii in Guerin’s Mag. d. zool, pl. 1, Die
Färbung ist gelbbraun mit 22 —24 breiten dunklern schwarz einge-
fassten Binden, der Schwanz ist kurz und ist unterhalb mit ganzen
Platten bekleidet.
Batrachii.
Van der Hoeven eg an, die Blutkügelchen des Cry-
ptobranchus japonicus seien 5 Late, lang, 5 Linien breit.
(Annales des sciences. nat. 2. ser. XV. p. 251.)
In einer Höhlung eines grossen Stückes Steinkohle wurde zu
Lancaster beim Zerschlagen ein munterer Frosch (ohne Angabe der
Art) gefunden. Das Aussehen der Höhlung in der Kohle soll bewei-
sen, dass sie die Behausung des Thieres seit der Bildung des Koh-
lenlagers abgegeben. (Lancaster Guardian; Froriep’s Neuc Notizen.
XV. p. 266.)
Thompson führt Lissotriton palmipes Bell. als zur Fauna von
Irland gehörig an (Annals VII. p. 478).
Von Dumeril und Bibron Erpetologie generale ist im
Jahre 4841 der achte Band erschienen, welcher die Batrachier,
mit Ausnahme der geschwänzten (Urodeles) enthält. Diese wer-
174
den im letzten Bande nebst einer Charakteristik aller Gattun-
gen und Arten folgen, nachdem zuvor die Bände 6 und 7 ge-
liefert sein werden, welche die Naturgeschichte der Schlangen
enthalten sollen. Die Batrachier werden folgendermaassen ein-
getheilt:
4. Unterordnung. Peromeles. Keine Gliedmaassen, Kör-
per schlangenförmig.
4. Familie. Caeciloides.
2. Unterordnung. Anowres. Vier Gliedmaassen. Kein
Schwanz.
a) Phaneroglosses mit einer Zunge.
2. Familie. Aaniformes. Zähne im Oberkiefer, die
Finger am Ende nicht breit.
3. Familie. Aylaeformes. Zähne im Oberkiefer, die
Finger am Ende sehr kreit.
4. Familie. Bufoniformes. Keine Zähne im Oberkiefer.
b) Phrynaglosses. Keine Zunge.
5. Familie. Pipaeformes.
3. Unterordnung. Urode£les. Vier oder zwei Gliedmaassen,
ein Schwanz.
a) Atretoderes. Hals olıne Kiemenlöcher oder Kiemen.
6. Familie. Salamandrides.
b) Trematoderes. Am Halse deutliche Kiemenspalten
oder Köcher. -
7. Familie. Amphiumides. Ganz ohne Kiemen.
8. Familie. Proteides. Mit sichtbaren bleibenden Kiemen.
Die Zahl der neuen Gattungen und Arten ist nicht sehr gross.
In der Familie der Caeciloiden findet sich eine neue Gat-
tung Rhinatrema, welche sich von allen Andern durch das
Fehlen der Gruben an der Schnauze unterscheidet; dahin ge-
hört Caecilia bivittata Cuv. — Unter den Raniformes ist eben-
falls nur eine neue Gattung Leiuperws mit zahnlosem Gau-
men und ovaler Zunge. — In der Familie der Aylaeformes
sind es deren drei. A4eris. Füsse mit Schwimmhäuten, Zähne
am Gaumen, Zunge herzförmig (Rana gryllus und nigrita Le-
conte),. Crossodactylus. Zehen ohne Schwimmhänte, aber
an beiden Seiten mit Haut gesäumt; eine neue Art 0, Gaudi-
chaudü yon Brasilien. PAyllobates. Zehen ohne Schwimm-
häute, ohne Hautsäume, Gaumen zahnlos. P. beolor Bibr.
175
In der Familie Zufoniformes sind mehrere neue Gattungen
aufgestellt: ARhinoderma mit verstecktem Paukenfell und
einer häutigen Verlängerung an der Schnauze; eine neue Art
Rh. Darwinii von Chili. Atelopuws. Paukenfell versteckt, die
vier Zehen der Hinterfüsse mit Schwimmhäuten, Kopf verhält-
nissmässig; eine neue Art Alelopus flavescens aus Süd-Amerika.
Pleetropus, die fünfzehigen Hinterfüsse mit Schwimmhäuten,
Gaumen ohne Zähne; eine Art P. pietus. Uperodon, die
fünfzehigen Hinterfüsse mit Schwimmhäuten, Zähne am Gau-
men (Engystoma marmoratum Cuy.). Rhinophrynus, die
vierzehigen Hinterfüsse mit Schwimmhäuten, Kopf sehr klein ;
eine neue Art A. dorsalis aus Mexiko. — Unter den Pipae-
/ormes findet sich keine neue Gattung.
John Hogg macht in seinem System der nackten Am-
phibien (vergl. dies Archiv 1841. 2. p.123) einige Veränderun-
gen. Er vereinigt seine beiden Ordnungen Abranchia und
Cadueibranchia in eine, der er den letzteren Namen erhält,
und unterscheidet diese beiden Abtheilungen nur als Tribus,
die er Celatibranchia mit verborgenen Kiemenfranzen und
Prolatibranchia mit äusseren Kiemenbüscheln nennt. Sei-
nen Manentibranchien fügt er eine zweite Tribus Fim-
bribranchia hinzu, die durch die Gattung Lepidosiren ge-
bildet wird. Diesen Namen will er in Amphibichthys umän-
dern. (Annals etc. VII. p. 353.)
Neue Gattungen und Arten von Batrachier finden sich bei Gray
und Holbrook aufgestellt. Beim ersteren zwei neue Gattungen,
Uperoleia, Kopf breit, Gaumen zahnlos; Oberkiefer mit klei-
nen dichtstehenden Zähnen; Paukenfell unter der Haut verborgen;
Zehen an Vorder- und Hinterbeinen verlängert, schlank, frei; der
Knöchel mit einem rundlichen äusseren und einem kleinen kegelförmigen
inneren Tuberkel; Zunge klein, länglich, abgerundet, hinten"ganz.
Von Leiuperus Dum, Bibr, durch das verborgene Paukenfell verschie-
den. U. marmorata. — Heleioporus, Kopf kurz, dick; Augen
breit, convex; Gaumenzühne in einer geraden unterbrochenen Binde
zwischen den inneren Nasenlöchern; Zähne sehr klein; Körper dick;
Haut am Rücken fein granulirt, am Bauche glatt, Beine ziemlich
kurz; vorn 4, hinten 5 Zehen, kurz, unten warzig, olne Schwimm-
häute; das innere Handgelenk mit einem breiten, länglichen, zusam-
mengedrückten, innern Tuberkel; die Basis des inneren Fingers mit
einer kegelförmigen Warze, die in einen kleinen, spitzen Knochen-
fortsatz endet; Zunge breit, hinten ganz. H. albopunctatus,
verwandt mit Cystignathus.
176
Derselbe stellt eine neue Art der Gattung Oystignathus auf. C.
dorsalis, graubraun mit dunklen Flecken und mit einem weissen
» Mittelstreifen von der Stirn auf den Rücken.
Ferner zwei Arten der Gattung Hyla: H. adelaidensis und
bioculata. Beide könnten leicht Varietäten einer Art sein; die
Hinterseite der Hinterschenkel ist röthlich braun mit weissen Flecken
bei ersterer Art, gelben bei letzterer.
Breviceps Gouldii Gray l.c. ist glatt, mit einigen zerstreu-
ten, niedrigen Tuberkeln, graubraun, unten gelblich.
Endlich folgen noch die neuen Arten von Holbrook.
Bufo erythronotus. Kopf kurz, ziemlich spitz; Körper ober-
halb rothbraun, unterhalb gelblichweiss, granulirt. 13”. Süd-Carolina,
Rana horiconensis. Schnauze ziemlich spitz, Körper dunkel
olivenfarbig mit unregelmässigen schwarzen Flecken und jederseits
mit einer Hautfalte. 31”. Am See George.
Hylodes ocularis. Schnauze spitz, eine schwarze Binde ver-
läuft über den Oberkiefer, durch das Auge, über die Schulter bis zu
den Seiten des rothbraunen Körpers. 11”. Süd-Carolina u. Georgien,
Salamandra guttolineata. Kopf dick, kurz, stumpf; ober-
halb strohgelb, mit einer schwarzen Scheitellinie, die sich hinter dem
Hinterhaupt gabelt; seitlich eine schwarze Binde, in welcher eine
Reihe weisser Flecken. Carolina. — S. auriculata, Kopf klein, mit
röthlich braunen Flecken am Ohr, Körper und Schwanz cylindrisch,
jederseits mit einer Reihe kleiner röthlichbrauner Flecke. 5”. Geor-
gien. — S.talpoidea. Kopf sehr breit; Körper kurz, dick; Schwanz
kurz, zusammengedrückt; schwarzbraun. 3”. Inseln an den Küsten
von Süd-Carolina. — Dazu kommt noch eine Art, welche dem Verf,
im Manuscript von Storer mitgetheilt worden. S. salmonea. Kopf
breit, flach, Schnauze stumpf, mit einer lachsfarbigen Linie jederseits
zu den Augen; Körper und Schwanz oben gelblichbraun, an den Sei-
ten lachsfarbig. 63”. Massachusetts.
177
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Natur-
geschichte der Fische während des Jahres 1841.
Von
Dr. FE. H. Traschel.
Wie bereits in dem Berichte über Amphibien erwähnt wurde,
ist jetzt die Iconografia della fauna Italica vom Prinzen Be -
maparte vollendet, und der dritte Band enthält die Abthei-
lung der Fische. Die ganze Anzahl der in Italien vorkom-
menden Arten beläuft sich auf 470, unter denen 66 im
süssen Wasser leben. Sie sind auf 160 und einigen Tafeln
abgebildet. In den letzten Lieferungen 28 bis 30 sind ausser
vielen bereits früher bekannten Arten auch zwei neue abgebil-
det, deren Diagnosen unten mitgetheilt werden sollen.
In den Transactions of the zool. soc. of London. Vol. I.
p-349 erschien ein Aufsatz von Sykes: On the Fishes of the
Dukhun. Diese Arbeit wurde bereits am 27. November 1838
der Zool. Soc. mitgetheilt, und ein Auszug von ihr findet sich
in den Proceedings ct. 1838. p.157, der jedoch wegen des
gewöhnlich sehr späten Eintreflens der Proceedings in Berlin
in dem Bericht von 1839 übergangen ist. Jetzt ist die voll-
ständige Abhandlung, begleitet von 8 illuminirten Tafeln, in
Kupferstich erschienen. Leider sehen wir hier ein Beispiel
von dem ungünstigen Verhältniss, welches durch das späte Er-
scheinen der Gesellschaftsschriften entsteht. Im Jahr 1838 zu-
erst vorgelegt, ist die Arbeit zum Theil schon bei ihrem Er-
scheinen (3 Jahre später) veraltet,, weil die inzwischen publi-
eirten Werke nicht mehr benutzt sind. Die Beschreibungen
genügen den neueren Anforderungen nicht ganz, und es hält
I schwer nach ihnen zu entscheiden, in wie weit die Arten mit
/den seitdem an andern Orten aufgestellten übereinstimmen.
Wäre z. B. die Ouvier-Valenciennessche Histoire des poissons
benutzt, so hätten unmöglich mehrere Missgriffe über die der
Familie der Siluroiden angehörigen Arten gemacht werden
können. Der Zahnbau ist hier gar nicht berücksichtigt, und
Archiv 1, Naturgeschichte, VIII. Jahrg, 2, Bd, M
178
man kann daher oft über die Gattung, der die Arten angehö-
ren, nicht klar werden. Anderentheils sind wieder Gattungen
durch Arten bereichert (z.B. Phraetocephalus), die ihnen ge-
wiss nicht angehören, da ihnen die wesentlichen Oharaktere
fehlen. Ueber Einzelnheiten werde ich unten einige Bemer-
kungen hinzufügen.
Von William Yarrells: A history of British Fishes er-
schien eine zweite Ausgabe, welche ich jedoch noch nicht aus
eigener Ansicht kenne.
Im Jahre 1840 erschien ein Werk, dessen wir schon im
vorigen Jahresberichte Erwähnung gethan haben, das uns je-
doch damals nur aus einigen Notizen in andern Zeitschriften
bekannt war. Es ist Bennett’s Narrative of a Whaling Voyage
round the globe et. Der zweite Band enthält in einem An-
hange Ulustrations of the natural history of the tuscan’s Voyage,
und p. 255 die Notizen über Fische, deren einige in Holz-
schnitten in den Text gedruckt sind. Einige neue Arten wer-
den aufgeführt, über die ich mich jedoch jeder Kritik enthal-
ten muss. Deshalb hier nur die Namen:
Squalus fulsens, Lophius Sandwicensis, Balistes Oire von den
Gesellschaftsinseln, Ostracion pentacornis im stillen Ocean, Pegasus
n. sp.?, Leptocephalus sp., Coryphaena socialis im stillen Ocean,
Achirus pellucidus ebenda, Acanthurus subarmatus von den Gesell-
schaftsinseln, Elagatis bipinnulatus im stillen und indischen Ocean,
E.xocoetus nigricans im atlantischen und stillen Ocean und Scopelus
stellatus im stillen Ocean.
Ein neuer Band von «The Naturalist's Library, conducted
by William Jardine» enthält Ichthyology Vol. Ill. Fishes of
Guiana Part. I. by Robert Schomburgk. In der Einleitung
wird manches über die Fischerei Guiana’s beigebracht. Dann
werden die einzelnen Arten beschrieben, und auf 30 Tafeln
mit lebhaften Farben abgebildet. Der vorliegende Band ent-
hält nur Weichflosser. Die Stachelflosser und Knorpelfische
sind einem andern Bande aufgespart. Viele neue Arten wer-
den beschrieben, von denen hier nur die Namen Platz finden
können,
Hypostoma squalinum, Doras castaneo-ventris, Arius oncina,
Pimelodus arekaima, insignis, notatus, Hypophthalmus dawalla, Osteo-
glossum arowana, Chalceus rotundatus, labrosus, nigrotaeniatus,
Anodus notatus, Serrasalmo punctatus, niger, Salmo emarginatus,
Myletes pacu, Tetragonopterus latus, Schomburgkii, Niphostoma ocel-
179
latum, Hydrocyon microlepis, armatus, Prochilodus rubro-taeniatus,
binotatus, insıgnis.
Francis A. Mackenzie theilt in einem Aufsatze (Brief
and Practical Instructions for the Breeding of Salmon and
other Fish artificially, Annals VIII. p. 166) seine Versuche über
die Entwicklung ‘des Laichs in einem mit einem Bache in Ver-
bindung stehenden Bassin mit.
Ueber die zellige Schwimmblase des Lepisosteus finden
wir eine Notiz von Van der Hoeven in Müller’s Archiv ete.
4841. p. 221. — Daran knüpft J. Müller ib. p. 223 Bemer-
kungen über Lungen und Schwimmblasen, und setzt die Ver-
schiedenheit derselben hauptsächlich in das Blut, welches die
Luftsäcke erhalten; ist es dunkelroth, so sind sie Lungen,
sonst nicht.
Thompson führt Scomber maculatus Couch und Silurus glunis
L. als zur Fauna von Irland gehörig an. (Annals VII. p. 479.)
Acanthopterygii.
Die vonSykesl.c. aufgestellte Art der Gattung dmbassis, A.
Barlovi soll sich von A. Commersonii besonders durch die Zahl der
Flossenstrahlen unterscheiden: D. 22. A. 18, P. 10. V.6. 6.27 (anders
in der Abbildung); gelblich silberfurbig, sehr zusammengedrückt.
Thompson macht eine Mittheilung über die irländischen Stich-
linge. On the species of Stickleback ( Gasterosteus Linn.) found in
Ireland. Annals etc. VII. p. 95.
Richardson beschreibt einen Cheilodactylus: Ch. gibbo-
sus: Capite brevi, ore parvulo, dentibus brevibus selaceis; dorso
gibbo, spina quarta longissima; radiis pinnae dorsalis articulatis ra-
dios spinosos numero plus duplo excedentibus. P. 8. VI; D. 17. 36;
V.1.5; A.3.8, Van Diemensland. Gray fand ihn übereinstimmend
mit einer Zeichnung von Parkinson nach einem Exemplar aus dem
Endeavour River, von Cook’s zweiter Reise. Banks Icon. ined. t. 23.
(Annals VII. p. 464; Proc. 1841. p. 21).
Ophicephalus leucopunctatus Sykes ]. c. unterscheidet
sich von OÖ, Marulius Hamilt. Buch, dadurch, dass er 2 Strahlen we-
niger in den Brustflossen und keine Augenflecke in den senkrechten
Flossen hat, sondern zahlreiche weisse Punkte, die auch auf dem
Körper vorhanden sind,
E.Moore spricht von einem Pilotfisch (Nauerates ductor); wel-
cher im süssen Wasser gefangen wurde (Torybach, ein Arm des
Plym). Der Rücken war an frischen Fischen purpurschwärz, die
Binden reichten knapp über die Seitenlinie, die Iris war dunkelbraun,
und die Äussersten Spitzen der Brust-, Bauch - und Schwanzflossen
weiss und durchsichtig, Nach einigen Tagen wurde das schöne me-
M*
180
tallische Blau des Bauches matt eisengrau, die Binden wurden rundum
deutlich, und die braune Iris z0g sich zusammen und liess einen
glänzenden gelben Kreis übrig. (Annals VIN. p. 316.)
Ein neuer Gobius, @. Kurpah Sykes l.c. unterscheidet sich
besonders durch die Zahl der Flossenstrahlen. D.7. 11. P.19. A. 10.
Bonaparte stellt in seiner Iconografia einen neuen Blennius
Zupulus auf: Fusco-olivaceus, atro-maculatus; longitudine altitudi-
nem vix quinquies superante, capite oblique truncato, subbreviore
altitudine corporis; cirro superciliari vix nullo; ano a pinna anali
longinquo; cauda rotundata. D. 29. P.13. V.2. A.18. C. 14,
Malacopterygii.
Die bereits im vorigen Jahresberichte erwähnten Unter-
suchungen über das elektrische Organ des Malapterurus
electricus von Valenciennes sind nun ausführlicher mit-
getheilt in den Archives du Museum. Tome Il. p. 43.
Mehrere Söiluroiden werden bei Sykes in den Fishes
of the Dukhun als neu abgebildet und beschrieben:
Schilbe Boalis Sykes (Silurus Boalis Buchan.) ist ein echter
Silurus, und bei Cuvier-Valenciennes als Silurus Vallagoo Russel
beschrieben.
Ob Hypophthalmus Goongwaree und TaakreeSykes wirk-
lich dieser Gattung angehören, ergiebt die Beschreibung nicht, da der
Mangel der Zähne nicht angegeben ist; der Verf, hat offenbar darauf
nicht geachtet, da er die Nothwendigkeit der Trennung dieser Gat-
tung von Schilbe für zweifelhaft hält, obgleieh schon das Vorhanden-
sein einer kleinen Fettllosse dafür. spricht.
Buagrus YarrelliSykes, besonders durch fadenartige Ver-
längerungen der ersten Stacheln in Rücken- und Brustflossen, und
der Spitzen der Schwanzfllossen auffallend, scheint wohl ein Bagrus
oder Arius zu sein, er hat 8 Bartfäden und ist olivenbraun mit schwar-
zen Flecken. B. Lonah Sykes ist nicht abgebildet, ebenfalls 8
Bartfäden, röthlichbraun mit schwarzen Flecken.
Platystoma Seenghala Sykes scheint, wenn man einige
kleine Unrichtigkeiten in der Abbildung zugiebt, Bagrus Lamarü
Val. zu sein.
Phractocephalus Kuturnee, ItcehkeeaundG@ogra Sykes
gehören bestimmt nicht der Gattung Phractocephalus Agass. an, da
ihnen die eigenthümlichen oberen Knochenstücke der Fettflosse feh-
len; zu welcher Gattung sie gezählt werden müssen, lässt sich nicht
entscheiden.
Pimelodus Seengtee Sykes mag wohl eio Pimelodus sein,
über den Zahnban ist jedoch nichts angegeben.
Ageneiosus Childreni Sykes soll gar keine Bartfäden ha-
ben, könnte also nur allenfalls Silundia gangetica Val. (Pim. silundia
181
Buchan.) sein, bei der die sehr kleinen oberen Bartfäden übersehen
wären, Die Beschreibung passt ziemlich, aber doch nicht ganz; es
kann leicht ein anderer Fisch sein, dem die Bartfäden verloren gingen:
Auch aus der Familie der Öyprizoiden bildet Sykes
mehrere neue Arten ab; leider sind die Schlundzähne nirgends
beschrieben; Verf. beschränkt sich ganz auf äussere Charaktere.
Cyprinus abramioides, ohne Bartfäden, mit gekörnter Nase.
D.20. A,8. P.18. — C\. Potall, ohne Bartfäden. D.13. P.14. A.9.
— C. Nukta, mit zwei kurzen Hörnern zwischen den Augen, wohl
nur Monstrosität von C. auratus. Die beiden letzteren nicht abgebildet.
Varicorhinus Bobree, mit gekörnter Nase, ohne Bartfäden.
D.17. A. 8.
Barbus Muscullah, mit 4 kurzen Fäden und gekörnter Nase
D.12. A.8. P.16. Wird 42 Pfund schwer. — B. Khudree, mit 4
Fäden, blutroth gefleckten Flossen. D.14. A.7. P. 14. Ist nicht ab-
gebildet. — B. Kolus, D.13. A.8. V.10. Schwielige Tuberkeln am
Kopfe, 2 Fäden, ist wohl ein Gobio.
Chondrostoma Kawrus, ohne Seitenlinie und ohne Fäden.
D.12. A.8. P.16. — Ch, Fulungee, D.10. A. 6. P.10. Nicht abge-
bildet. — Ch. Boggut, D.12. A.8. P.15. Ebenfalls nicht abgebil-
det; — Ch. Mullya, D.11. P. 14—16. A.8. — Ch. Wattanah,
D. 11. P.14— 15. V.9—10. A.8. 4) Zoll lang.
Chela Balookee, D.8. A.14. P.12. — Ch. Oweni, D, 1.
P.12. A.19. Schuppen äusserst klein, Rückenlinie fast gerade, wie
bei Pelecus cultratus. — Ch. Jorah, D.10. P.12, A.8, — Ch. Te-
kanee, D.10. P.12. A.14. — Ch- Alkotee, D.S. V.7. A.10. Nur
Ch. Oweni ist abgebildet.
Leuciscus Morar (Cypr. Morar Buchan). — L. Sandkhol,
mit fast cylindrischem Körper; D. 12. P.14. V.10. A.8. — L. Chi-
tul, D.14. P.14. A.8. Röthlichgrau.
Rohtee uov. Gen. Körper rautenförmig, Rücken - und After
flosse ziemlich lang, erstere an dem Winkel des Rückens, der erste
Strahl der Rückenflosse hinten gesägt; Schuppen klein: R. Og.il-
bii, D.12.V.9. A.17 — R. Vigorsii, D.11. V.10. A.28. — R.
Pangut, D.12. P.14—15. A.8; die 3— 4 ersten Strahlen der
Rückenflosse schwarz am Ende, — R. Ticto (Cypr. Tieto Buchan).
Die drei letztern nicht abgebildet.
Von den drei Arten der Gattung Cobitis gehört ©. Mooreh
zur Gattung Cobitis s. str, wegen der keilförmigen Schwanzilosse
und des fehlenden Augenstachels. D.12. A.7. — C. Maya hat eine
keilförmige Schwanzflosse und Augenstachel, ist also eine Acantho-
psis Agass. D.9. A.7.— (. Ruppelli endlich hat eine gabelförmige
Schwanzflosse und keinen Augendorn, gehört also zur Gattung Schi-
stura M’Clelland. D. 13. P. 12. V.8. A.8. Grünlichgelb mit kurzen
braunen Querflecken an der Seitenlinie, Schwanzflosse mit braunen
Hakenbinden.
182 ; s
Ein Aufsatz über indische Cyprinen, von M’Clelland, aus
den Asiatic Researches Vol. XIX, part. I. p. 217, welcher der
Asiatic Society of Bengal am 5. Sept. 1838 übergeben wurde,
findet sich abgedruckt in den Annals of nat. hist. Vol. VII.
p- 35, 108, 192.
Heckel stellte (Annals VII. p. 522) eine neue Gattung
der Cyprinoiden nach einem in Dalmatien aufgefundenen Fisch
auf, die er Jwlopyge nennt.
Diese Gattung zeichnet sich durch einen fleischigen Kanal aus,
welcher der Länge nach mit dem ersten Strahl der Afterfllosse zu-
sammenhäpgt, und einen äusseren röhrenförmigen Anhang des Afters
darstellt, wodurch der After an der Spitze der Afterllosse sich öff-
net; sonst hat der Fisch Ähnlichkeit mit Barbus, ist jedoch ganz
schuppenlos. Die Art heisst A. Hügelü.
Aus der Familie der Sa/monoiden findet sich pur eiue neue
Art, und zwar von Bonaparte in der Iconogralia ct.:
Chlorophthalmus Agassizi altitudine longitudinis sextum
aegante; capite dimidium trunci fere excedente, oculo amplissimo,
smaragdino. D. 12.5. P.19. V.10. A.9, C. 20.
In der Familie der Clupeaceen ist ebenfalls nur eine Art von
Sykes 1, c. aufgestellt, nämlich aus der Gattung Mystws Buchan.
(non Cuv.; Notopterus Lacep.) und M. Badgee genannt. D.7—8.
A.105. Keine Bauchflossen.
Einen neuen Hornhecht beschreibt Sykesl.c. unter dem Namen
Belone Graüi. Schwanzflosse abgerundet und ausgerandet; Unterkie-
fer länger als der Oberkiefer. D. 16. A. 16.
C. J. Sundevall nimmt zwei Arten der Gattung Ze-
pidoleprus Risso, der er den älteren Namen Bloch’s Ma -
erourus erhält, als an der norwegischen Küste vorkommend,
an. [Om de tva Nordiska arterna af fisklägtet Macrourus (Le-
pidoleprus Risso) och bädos förekommande vid Nörrige. K.
Vetensk. Acad. Handl. 1840]. Nach einer vorausgeschickten
historischen Einleitung werden beide ausführlich beschrieben.
Macrourus Fabricii Sund, (Coryphaena rupestris Fahr.;
Macr. rupestris Bl., Reiph.) squamis valde serrato -carinalis; radio
dorsali antico submutico; pinna dorsi secunda ante anum incipiente.
MacrourusStroemiiReinh. (Berglax Ström., Coryphaenoides ru-
pestris Gunn., Coryphaena rupestris Müll.,, Lepidoleprus norvegicus
Nilss., Macrourus Stroemii Reinhardt) squamis planis, crebre spinu-
loso-hirtis; radio dorsali antico valde serrato; pinna dorsi secunda
longius pone anum incipiente.
Trevelyan erzählt von Aalen, welche während 10 .Jah-
ren in einem Teiche gehalten wurden.
183
Im Winter bleiben sie in Erstarrung und nehmen keine Nahrung
zu sich; Ende April’s nehmen sie Würmer, welche man ihnen reicht,
später werden sie sehr gefrässig, so dass sie selbst bei fehlender
Nahrung einander verschlingen können. Sie sollen sehr zahm sein;
Ende August’s werden sie unruhig und sollen in der Richtung des 4
Meilen entfernten Meeres zu entschlüpfen suchen. Über ihre Fort-
pflanzung ist nichts beobachtet (Institut. p. 331).
Widdrington glaubt die Thatsache, dass der Aal sich nur in
dem oberen Theile der Donau bis Ulm herab finde, und weiter unten
fehle, aus der Beschaflenheit des Wassers erklären zu können. Er
giebt an, das Wasser der Donau sei dort oben, so weit es vom.
Schwarzwald stamme, reich an Nahrung, die sich für Aale eigne,
wogegen es unterhalb Ulm, wo sich Alpenströme in dasselbe ergies-
sen, seinen Charakter verändere, und für die Ernährung der Aale
nicht mehr geeignet sei, weniger wegen der Kälte, als vielmehr we-
gen des Mangels an Nahrung, und wegen der schnellen Strömung.
Denselben Alpencharakter hat das Wasser des Rheins bis zum Ein-
fluss der Mosel und anderer Nebenflüsse der linken Seite; und Verf.
fragt, ob die Aale des Main wandern, oder während des Winters in
den oberen Gegenden bleiben. Die Elbe erhält gar keinen eigent-
lichen Alpenzufluss, und es fragt sich, ob die Aale in Böhmen blei-
ben, oder ob sie die Küste der Nordsee besuchen (Annals and Maga-
zine of nat. hist. Vol, VIII. p. 207.
Thompson berichtet, dass am 7—9. Febr. 1841 bei einer star-
ken Kälte viele Aale (Angnilla acutirostris Yarr.) in dem Laganfluss
bei Belfast gestorben und an der Oberfläche geschwommen seien.
Es wehte ein durchdringender Westwind. Vorher fand grössere
Kälte bei Südwind statt, ohne dass die Aale gestorben wären (An-
nals of nat, hist. VII. p. 75).
Richardson beschrieb einen neuen Aal von Vandiemensland:
Anguilla australis maxilla inferiore longiore, pinna dorsi supra
anum incipiente, rictu magno (Annals VIII. p. 465).
Sykes bildet I. c. einen Aal von Dukhun ab: Anguilld EI-
phinstonei, Unterkiefer vorstehend, dunkelgrün mit schwarzen
Flecken.
Jardine kommt auf die Struktur und die Lebensweise
des Lepidosiren annectens zurück (Annals ct. VII. p. 21).
Er fügt die Bemerkung hinzu, dass dieses Thier 18 Zoll tief im
Boden gefunden sei, welcher während 9 Monaten des Jahres völlig
trocken und hart sei, die übrigen 3 Monate liege er unter Wasser;
wenn der Fisch hervorgeholt und in Wasser gelegt werde, schwimme
er sogleich.
Owen fügt den Gründen für die Fischnatur des Lepidosiren
annectens noch die mikroskopische Beschaffenheit der Zühne hinzu
(Annals VII. p. 211).
184 2
Peetognathi.
In der dritten Fortsetzung der Anatomie der Myxinoiden
von J. Müller, Berlin 1841, theilte derselbe p. 78 in einer
Anmerkung die Gattung Tetrodon in vier Untergattungen.
Die eine derselben, Physogaster, hat in der Nasengrube eine
hohle Papille mit Nasenlöchern, die nicht in ein Röhrchen verlängert
sind, und einen Hautkiel am Seitenrand des Bauches von der Kehle
bis auf den Schwanz, diesem Kiel entspricht ein zweiter weiter obew
gelegener Kiel an der Seite des Schwanzes. Dahin T. oblongus,
lenaris. Andere, Chelonodon, haben keine Spur von Nasenlöchern,
und an dieser Stelle einen hautartigen trichterförmigen Pentakel. Noch
andere, Cheilichkthys, haben eine mehr oder weniger lange Nasen-
röhre, mit 2% Nasenlöchern an derselben und keinen Kiel am Bauche.
Endlich noch andere, Arothron, haben statt der Nasen jederseits
ganz solide Tentakeln, in welche der starke Geruchsnerv geht;
diese halen auch einen Ringmuskel um das Auge und eine Art Au-
genlider; dahin T. testudinarius.
Eine anatomische Arbeit über Orthragoriscus mola, welche
sich hauptsächlich auf die Osteologie bezieht, lieferte als In-
auguraldissertation Wellenbergh (Observationes anatomicae
de Orthragorisco Mola. Lugduni Batavorum 1840.
Die Beschreibung des Tbiers, welche vorangeht, sagt nich(s über
die der Gattung Ozodura Ranz. eigenthümlichen Knochen am Rande
der Schwanzilosse, indessen scheinen dieselben in der Abbildung des
Skeletts angedeutet zu sein, und das Thier wäre dann Oxodura
Orsini Ranz.
Richardson stellte eine neue Art Ostraeionauf: Q, lenticula-
ris, inermis, ovali-compressus, dorso ventreque carinatis, P. 12.
D.10. A.10. C. 11. Vandiemensland. (Annals VIll. p. 465.)
Cyelostomi.
Über einen höchst merkwürdigen Fisch (Branchiostom«
Zubricum Costa, Amphioxus lanceolatus \arrell) erhielten wir
von mehreren Beobachtern reichhaltige Aufklärungen. Zu-
erst von Rathke: Bemerkungen über den Bau des Amphioxus
lanceolatus, eines Fisches aus der Ordnung der Cyelostomen.
Mit einer Kupfertafel. Königsberg 1841; dann von Goodsir
in den Annals of nat. hist. VII. p. 346: On the Anatomy, of
Amphioxus lanceolatus of Yarrell; endlich von Joh. Müller
im Monatsbericht der Akademie der Wissenschaften zu Berlin ;
December 1841.
H. Rathke stellte seine Untersuchungen an Exemplaren an,
welche er auf einer Reise nach Norwegen erhielt, mit denen einige
185
mittelmeerische vollkommen übereinstimmten. Die grössten waren
1” 8” lang. Der längliche mit Franzen umgebene Mund liegt vorn
und unterhalb, der After weit nach hinten, hinter der Mündung der
Leibeshöhle. Weit vor dem After ist eine dritte Öffnung, welche in
den freien Raum der Leibeshöhle führt. Kiemenöffnungen fand Verf.
nicht, eben so wenig Organe für Gesicht, Gehör und Geruch. Eine
zusammenhängende Flosse zieht sich vom vorderen Rande des Mun-
des über den ganzen Rücken, um den Schwanz, unten rechts am
After vorbei, bis zur Mündung der Leibeshöhle; sie wird auf dem
Rücken durch einfache tafelartige Strahlen gestützt, unterhalb nur
vor dem After durch Strahlen, welche aus zwei gleichen Seitenhälf-
ten bestehen. Brust- und Bauchflossen fehlen. Die Haut ist glatt,
ohne Schleim, und von rosenrother Farbe, hei einem Exemplare war
der Kopf schwarz. Von innern Theilen spricht Verf. diesem Fische
das Herz, die Leber, die Nieren, ein durch eine besondere Gestalt
sich auszeichnendes Gelirn, die Hirnschale, die Gehörwerkzeuge, die
Nasenhöhle und den Gaumen ab. Die vorhandenen innern Organe
weichen meist auch sehr von denen der andern Cyclostomen ab.
Eine Rückensaite reicht vom vordern bis zum hintern Ende des
Körpers; die sie umgebende Hülle bildet, durch eine Scheidewand
getrennt, über ihr zwei Längshöhlen, deren untere das Rückenmark,
die obere eine mit etwas Fett getränkte Masse von Zellstoff enthält.
Aus der Mundhöhle, die keine Spur von Zähnen hat, geht ein Kanal
geradesweges zum After; die vordere Hälfte desselben ist Athmungs-
organ, die hintere Verdauungsorgan. Ersteres ist ein durch Knorpel-
leistchen gestützter Schlauch, der mit der Rückenseite der Leibes-
höhle verwachsen ist, und an der Verf. nur eine vordere und hintere
Öffaung bemerkte; letzteres ist anfangs dünn, wird dann weit, ist
am Rücken der Leibeshöhle angewachsen, und sondert nach vorn
einen Blindsack ab, den Verf. als Magen ansieht. Eine Reihe von
oblongen Körpern jederseits im Innern der Leibeshöhle sicht Verf.
als Geschlechtsorgane (Hoden oder Eierstöcke) an, denen jedoch
Eierleiter und Samenleiter fehlen. Vom Gefässsystem sah Verf. nur
zwei von hinten nach vorn verlaufende Gefässe in der untern Wan-
dung des Kiemenschlauchs, die sich vorn vereinigen, und so ein drit-
tes Gefüss, dass dicht unter der Rückensaite nach hinten verläuft,
bilden. Zu beiden Seiten desselben befinden sich zwei andere Ge-
füsse (Cardinalvenen). Ausserden wurden einige feinere Gefässe
beobachtet. Endlich werden noch zwei Kanäle erwähnt, die sich
vorn an der Lippe und hinten neben der Öffnung der Leibeshöhle
öffnen, ohne dass eine bestimmte Deutung über sie gegeben würde,
— Was die Stellung im Systeme betrifft, so sieht Verf. dieses Thier
als den Typus einer neuen Familie (Cyelostomata ahyperoota) an,
mit folgendem Charakter: Gaumen und Nase fehlen, die Rückensaite
reicht bis an das vordere Ende des Körpers, das Athmungswerkzeug
ist ein zwischen Mundhöhle und Darmkanal in der Mitte gelegener
186
Kiemenschlauch ohne seitliche Öffnungen und ohne umgürtenden
Knorpel unter der Hautbedeckung, aber mit Kuorpeln in seiner eig-
nen Wandung,
Goodsir erhielt seine Exemplare aus dem irischen Meere. Er
unterscheidet ein Nervenskelett (die Rückensaite) und ein Einge-
weideskelett, das aus 70—8&0 elastischen fadenförmigen Rippen be-
steht (offenbar das Athmungsorgan). Das Gefässsystem besteht nach
dem Verf. aus einem Bauchgefäss, das als Kiemenarterie oder Herz
betrachtet wird, und welches durch feine Gefässe mit einem Rücken-
gefäss, der Aorta, communicirt. Der vordere durch Rippen gestützte
Theil des Darmkanals wird auch vom Verf. als Athmungsorgan an-
gesehen, indem die innere Oberfläche Gefässverzweigungen enthal-
ten, und beim lebenden Thier gewimpert sein soll. Kiemenspalten
wurden nicht beobachtet Wegen des Mangels der Kiemen will Verf,
den Fisch von 'Petromyzon und Myxine (trennen und zur eigenen
Ordnung erheben.
In der Abhandlung von J. Müller (Mikroskopische Untersuchun-
gen über den Bau und die Lebenserscheinungen des Branchiostomn
lubricum Costa (Amphioxus lanceolatus Yarrell) finden sich manche
Berichtigungen der eben erwähnten Arbeiten. Die Beobachtungen
wurden in Gemeinschaft mit Retzius an frischen Exemplaren an-
gestellt. Einen schwarzen kleinen Pigmentfleck am vordern Hirn-
ende sieht Verf. als rudimentäres Auge an; von Geruchs- oder Ge-
hörorgan fand derselbe eben so wie Rathıke keine Spur. Die. Kie-
menhöhle ist nicht, wie die früheren Beobachter angeben, geschlos-
sen, sondern es findet sich zwischen je zwei Knorpelstäbchen an
den Kiemenwänden eine Spalte, so dass bei erwachsenen Individuen
bis 100 und mehr Kiemenspalten in der Seitenwand des Kiemenge-
rüstes liegen, welche durch die Wimpern, mit denen die Schleimhaut
bedeckt ist, sehr eng werden. Das Wasser strömt beständig durch
diese Spalten in die Leibeshöhle, und aus der Öffnung. derselben (po-
rus abdominalis) fort, diese ist also Respirationsöffnung zum Aus-
fluss des Wassers, und die Höhle, in der die Kiemen und der vor-
dere Theil des Darms liegen, ist also Athemhöhle. Zugleich aber ist
sie auch Bauchhöhle. — Eine Wimperbewegung, welche in den Kiemen
statt findet, setzt sich auch in den Darmkanal fort. Der enge Kanal
hinter der innern Kiemenhöhle wird wie von Rathke als Speise-
röhre angesehen, der weitere Theil des Darms und der Blindsack
ist immer grün gefärbt, was von einer grünen drüsigen Schicht (Le-
ber) herrührt; weiterhin ist der Darm hell gefärbt. In diesem Theil
beginnt die Excrementbildung; auch findet sich hier ein Strang brau-
ner, also von Galle gefärbter Materie. Die Beobachtungen über das
Gefässsystem wurden besonders wichtig. Es wurden mehrere Her-
zen entdeckt, die alle röhrenförmig sind: ein Arterienherz unter der
ganzen Länge des Kiementhorax, von dein seitlich kleine Bulbillen,
die Anfänge der Kiemenarterien zwischen den Knorpelstreifen des
|
|
187
Kiementhorax abgehen, und von dem ausserdem das Blut jederseits
durch einen grossen pulsirenden Aortenhogen zur Rückenseite in die
Aorte geht; ein Pfortaderherz, das an der Bauchseite des ganzen
Darms verläuft, und sich auf den Blinddarm begiebt; ein Hohlvenen-
herz an der Rückseite des Blinddarms, Das Blut ist völlig farblos.
Am hintern Theile der respiratorischen Bauchhöhle wurden auch ganz
in der Nähe des Porus abdominalis mehrere drüsige Körper (Nie-
ren) beobachtet.
Plagiostomi.
Von J. Müller erschien eine Abhandlung in den Schrif-
ten der Akademie der Wissenschaften zu Berlin vom Jahre
1840 zwar erst im Jahre 1842, da jedoch dieselbe schon in
den Jahren 1839 und 1840 in der Akademie gelesen wurde,
auch bereits in den Monatsberichten der Akademie darüber
Mittheilungen gemacht sind, so nehme ich sie in diesen Be-
richt auf. Sie handelt über den glatten Hai des Aristoteles
und über die Verschiedenheiten unter den Haifischen und
Rochen in der Entwickelung des Eies, und ist von 6 Kupfer-
tafeln begleitet.
Besonders beschäftigt sich diese Abhandlung mit der verschiede-
nen Art der Entwicklung der Eier der Haien und Rochen. In diesen
Familien kommen nicht nur eierlegende und lebendig gebärende Thiere
vor, wie es bereits bekannt war, sondern es finden sich auch unter
ihnen lebendig gebärende mit einer Verbindung des Eies mit den
Wänden der Gebärmutter (Vivipara cotylephora ) uud lebendig ge-
bärende ohne eine solche (Vivipara acotyledona); ja sogar findet
sich diese Verschiedenheit bei zweien Arten einer und derselben Gat-
tung, Mustelus, was den Verf. darauf führte, die Verschiedenheit
beider Arten, wie es sich denn auch in anderen zoologischen Kenn-
zeichen bewährte, anzuerkennen, Diese beiden Arten sind bereits
in einem Nachtrage zu der systematischen Beschreibung der Plagio-
stomen von Müller une Heule p. 190 angegeben, und als Muste-
/us vulgaris und /aevis beschrieben. Den Mustelus laevis, bei
welchem das Ei mit der Gebärmutter zusammenhängt, ist der Verf.
geneigt für den yuleös Aeros des Aristoteles zu halten; jedenfalls ist
es der von Stenonis beobachtete Haifisch. Der Zusammenhang des
Eies mit dem Uterus ist ausser dem eben angeführten Mustelus laevis
nur noch bei den Carcharias beobachtet, — Bei den Haifischen
ohne Verbindung des Kies mit der Gebärmutter findet sich ausser
dem äusseren Dottersack noch ein innerer, ebenso bei allen Rochen;z
den Cotylephoren scheint der innere Dottersack jedoch immer zu
fehlen. Das Vorhandensein des innern Dottersacks oder sein Fehlen
kann also Aufschluss über die Art der Entwicklung der Jungen geben.
188
Hieran schliesst sich eine Übersicht der Entwicklung bei den
Haien und Rochen.
A. Vivipara acotyledona. Als solche sind bekannt:
a. Haifische: Sphyrna Tiburo, Galeus canis, Saleocerdo tigrinus,
Thalassorhinus vulpecula, Mustelus vulgaris (die andere Art M.
laevis gehört zu den Vivipara cotylephora), Lamra cornubica, Oxy-
rbina gomphodon, Carcharodon Rondeletii, Selache maxima, Alopias
vulpes, Hexanchus griseus, Heptanchus cinereus, Acanthias vulgaris,
Spinax niger, Centrina, Scymnus lichia, Scymnus (Laemargus) gla-
cialis, Squatina fimbriata, Squatina vulgaris.
b. Rochen: Alle, mit Ausnahme der Raja und Platyrbina, welche
eierlegend sind, scheinen hierher zu gehören. Beobachtet sind die
Gattungen Pristis, Rhinobatus, Torpedo, Trygon, Myliobatis, Ce-
phaloptera, Ceratoptera.
B. Ovipara.
a. Haifische: Die ganze Familie der Scyllien. Beobachtet sind die
Gattungen Scyllium, Pristiurus, Chiloseyllium, Ginglymostoma.
b. Rochen: Die Gattungen Raja und Platyrhina.
An jüngeren Embryonen der Gattung Raja wurde eine eigenthüm-
liche Stellung der beiden Rückenflossen auf der Mitte des Schwan-
zes, wie sie Monro abbildet, beobachtet. Bei Fötus von Haifischen,
die später ohne Spritzlöcher sind, wurden Spuren derselben beob-
achtet, namentlich bei Carcharias in den Untergattungen Prionodon
und Scoliodon, bei Carcharias glaucus und melanopterus. Diese wie
die äusseren Kiemenfäden bei vielen Fötus können als Larvenzustand
angesehen werden. — In einem Nachtrage endlich sprieht Verf. noch
über die Kiemenfäden an den Spritzlöchern, die Verlängerungen der
Blätter der Pseudobranchien sind, und über den unpaaren Eierstock,
der bei den Scyllien und bei Mustelus, Galeus, Carcharias und Sphyrna
vorkommt.
Auf der letzten Tafel ist eine Eischale abgebildet, von der es in
der Erklärung der Tafeln zweifelhaft gelassen ist, ob sie der Gat-
tung Callorhynchus oder Chimaera angehört.
Nach Davis ist eine Zygaena Malleus Val. in dem Busen von
Tenby gefangen worden; sie war 10 Fuss lang und enthielt eine
beträchtliche Anzahl Junge von 18 Zoll Länge. (Annals VI. p. 234.)
Richardson, der bereits in einem frühern Bande der zool. Pro-
ceed. 1840. p. 29 einer Narcine Tasınaniensis von Vandiemensland er-
wähnt, giebt diesen Fisch nun als von allen Henleschen Arten ver-
schieden an, und unterscheidet ihn durch folgende Diagnose: dorso
dipterygio, corpore late obovato; valvula nasali obtuse trilobata in-
tegerrima; pinna ventrali disco pectorali approximata. (Annals of
nat. hist. VILL. p. 466; Proc. 1841. p. 22.)
Die unter dem Namen Hieroptera von Fleming aufgestellte
neue Rochengattung ist nichts anders als eine öfters beobachtete Mon-
strosität einer Raja, bei der sich die Brustflossen nach vorn in zwe
189
lange Spitzen ausdehnen, wodurch allerdings dem Thier ein eigen-
thümliches Ansehn entsteht. (The Edinburgh new philosophical Jour-
nal. Vol. XXXT. p. 236.)
-Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Inseeten, Arachniden, Crustaceen und Ento-
mostraceen während des Jahres 1841.
Vom
Herausgeber.
Ueber die Stellung der von Linne unter der Benennung In-
secten bezeichneten Abtheilung in dem Gebiete des Thierreichs
hat Ref. in diesem Archiv (VI. Jahrg. I. Bd. S.1) eine neue
Ansicht ausgesprochen. Man verbindet nämlich seit Cuvier
mit ihnen die gegliederten Würmer zu einer Abtheilung: Glie-
derthiere, welche man durch gegliederten oder geringelten Kör-
per und durch die Form des Nervensystems characterisirt.
Es bestelt aber zwischen den Klassen, welche aus den Linnei-
schen Inseeten hervorgegangen sind, und deren innige Bezie-
hungen zu einander Ref. an anderm Orte (Entomographien)
nachgewiesen hatte, und den gegliederten Würmern eine solche
Kluft, dass ihre Verbindung nur künstlich erscheint. Die Form
des Nervensystems, welche eine scheinbare Übereinstimmung
darbietet, ist durch den gegliederten Körperbau bedingt, und
ist in der Natur keineswegs ein so durchgreifender Character,
als er uns von den Systematikern gegeben wird; die Gliede-
rung des Körpers ist eine wesentlich andere, endlich ist auch
die übrige Organisation durchgreifend verschieden. - Ref.- hat
nun für die Eintheilung der wirbellosen Thiere einen andern
Gesichtspunet aufgestellt. Wir unterscheiden naturgemäss das
Thierreich vom Pflanzenreich durch diedem ersteren zukommende
willkürliche Bewegung. Auf der ersten Stufe des Thierreichs
finden wir zwar eigene Organe für die vegetativen Funetionen,
für die Ernährung und Fortpflanzung, die Fortbewegung aber
geschieht wesentlich durch die Thätigkeit der muskulösen Kör-
perhüllen, Das ganze Thier ist- eigentlich nur Abdomen, —
190
Auf der zweiten Stufe tritt ein System von Bewegungsorganen
hinzu, zugleich gliedert sich der Körper in verschiedene Haupt-
abschnitte: die Organe für die vegetative Thätigkeit sondern
sich in Abdomen ab, der Thorax und Kopf scheiden sich hier,
ersterer für die Bewegungsorgane, der zweite für die Sinnes-
organe. Am vollständigsten treten die Gegensätze der Kör-
perabschnitte bei den eigentlichen Inseeten hervor, bei den
Arachniden hört der zwischen Kopf und Thorax auf, aber der
zwischen Vorderleib und Hinterleib bleibt. Bei den Crustaceen
erhält im Verlauf der Entwickelung der Hinterleib das Über-
gewicht, aber es vermehrt sich zugleich die Zahl der Bewe-
gungsorgane zum Ersatz für die Einschränkung des Vorder-
leibes, des eigentlichen Sitzes der animalen Lebensfunctionen,
— Wenn ich daher zu der Linneischen Eintheilung der wir-
bellosen Thiere in Inseeten und Würmer zurückkehre, geschieht
es weder in Rücksicht auf ein einzelnes Kennzeichen, noch
des äusseren Baues, noch der Form eines einzelnen Organs
künstlicher Weise, sondern in Rücksicht auf die allgemeinsten
Lebens- und Organisationsverhältnisse.
Eine, die ganze Entomologie umfassende Bearbeitung ent-
hält der Cours complet d’histoire naturelle. Libr. Dumenil.
t. XI. —XVIL, unter dem Titel Hist. nat. des animaux arti-
cules, bearbeitet von Lucas, Brulle, Laporte undBlan-
chard.
Der erste Band ist von Lucas, und enthält die Anneliden, Cru-
staceen, Arachniden, Myriapoden, Monomorphen (d. h. ungeflügelte
Insecten ohne Verwandlung, Lepismen und Poduren), und die An-
opluren oder Parasiten (Läuse), die Bearbeitung ist gründlich, mit
umsichtiger Benutzung der Vorarbeiten. Von Brulle ist eine Ein-
leitung in die Naturgeschichte der Insecten, den äusseren und inne-
ren Bau, das Physiologische, die Verwandlungsgeschichte umfassend,
Nichts Neues und Eigenes. Laporte hat in der zweiten Hälfte des
2. und im 3. Bande die Coleoptera bearbeitet. Er hat viel Neues,
neue Gattungen, viele neue Arten, und dürfte so am meisten das In-
teresse der Entomologen in Anspruch nehmen; dabei ist aber die’
Bearbeitung von allen die leichtfertigste und flüchtigste. Die übrigen
Insectenordnungen sind im 4. Bande von Blanchard abgehandelt,
treu den vorhandenen Vorarbeiten folgend. Zur Erläuterung sind eine
Menge von lithographirten Tafeln beigegeben, welche z. Th., nament-
lich bei den Schmetterlingen, recht hübsch sind. Hymenopteren und
Dipteren sind durch unnatürliche Haltung der Beine entstellt. Viele
Abbildungen wären besser weggeblieben, z.B. die eines Midas ohne
191
Fühler, und die Copien mehrerer grosser Scarabaeen aus Drury u. s. w.,
u. a. die eines Hercules-Weibchen mit Hirschkäfertarsen. Man hätte
dafür lieber die neu aufgestellten oder weniger bekannten Gattungen
abbilden sollen. Jedenfalls muss das Werk als eine Buchhändler-
speculation, nicht als eine wissenschaftliche Unternehmung beurtheilt
werden,
Ein ebenfalls allgemeines Werkchen: On the history and
natural arrangement of Insects, by Will. Swainson and
W. E. Shuckard, London 1841, ‚bildet einen Theil der Ca-
binet-Cyelopedia cond. by Rev. D. Lardner.
Die systematische Eintheilung rührt von ersterem Verf. her; sie
ist eigenthümlich, zuweilen selbst wunderlich, wenn u. a. die Dipte-
ren als ungeflügelte Insecten behandelt werden, sie ist aber voll
geistreicher Ansichten, denen man gern manches Verfeblte und Will-
kürliche, besonders in dem mit vorzüglichen Eifer verfolgten Auf-
stellen der Analogien zu Gute hält, Die speciellere Ausführung,
“ grösseren Theils von Shuckard, ist ungleich, Arachniden und Cru-
staceen sind nur flüchtig berührt, andere Abtheilungen, z. B. Hyme-
nopteren, siod mit Vorliebe bearbeitet, im ganzen ist die Darstellung
zwar nicht tief eindringend, aber reich an Material und voll Geist,
so dass man das Werkchen nicht ohne vielfache Belehrung und An-
regung liest.
Inseeten.
Zwei neue periodische Schriften über diese Klasse sind
in London eröffnet worden. Die eine ist
Arcana Entomologica, or lllustrations of new, rare and
interesting exotie Insects. By J. O. Westwood Esq. Lond.
Will. Smith. Sto.
Die Arcana erscheinen in Heften von 4 Tafeln mit dem nöthigen
Texte und enthalten gewissermassen kleine Monographien, in denen
sich Abbildungen und Beschreibungen gegenseitig erläutern, In der
Auswahl der Gegenstände der Bearbeitung zeigt sich ein sehr feiner
Tact, und es ist in der That keine Abtheilung der Insecten unbe-
rücksichtigt geblieben. So eröffnet der Verf. uns die reichen Quellen
zur Kenntniss der exotischen Insecten, welche in den Englischen
Sammlungen enthalten sind, auf eine umfangreiche Weise, und 80
wohl durch die Fülle des Materials, als die Gediegenheit der Bear-
beitung, erhält dies Werk einen klassischen Werth,
Die andere ist:
The Entomologist, eonductel by Edward Newman,
Lond. John Van Voorst, 8to, Es ist dies ein Journal, wel-
ches seit dem November 1840 regelmässig in kleinen monat-
lichen Lieferungen erscheint,
192
Es enthält grossentheils Auszüge aus andern englischen periodi-
schen Schriften, Reisewerken u. s. w., auch literarische Anzeigen
und Recensionen, theils auch Originalmittheilungen von verschiedenen
Seiten, namentlich auch in Bezug auf die britische Fauna, und kleine
Abhandlungen. Eine verzügliche Rolle spielen in den ersten Heften
die „Entomological-Notes” des Herausgebers, kurze Beschreibungen
einzelner neuer Arten oder Gattungen, letztere oft ohne Bestimmung
ihrer natürlichen Verwandtschaft, in der Regel sehr oberflächlich
beschrieben, zuweilen durch eingedruckte Holzschnitte erläutert,
Eine angenehme Zugabe sind Kupfertafeln zur Erläuterung der in
verschiedenen Zeitschriften zerstreuten Monographie der Pteromali-
nen von Walker.
A familiar Introduction to the History of Insects being a
new and greatly improved edition of the Grammar of Ento-
mology. By Edward Newman. Lond. 1841, ist mir nur
aus Anzeigen bekannt.
Nach den Proben, welche der Verf. selbst von seiner Termino-
logie giebt (er bezeichnet z. B. die Mittelbeine mit dem Ausdruck
Mesopedes, die Hinterschenkel, Hinterflügel mit Metafemora, meta-
lae u. s. w.) dürfen wir kein besonderes Vertrauen zu dem wissen-
schaftlichen Geist in diesem Lehrbuche hegen.
Ein Paar grössere die Insectenkunde im allgemeinen be-
treffende Artikel, „Entomologie” und „Inseet” hat Burmei-
ster in der Allgemeinen Eneyclopädie von Ersch und Gruber
geliefert. *)
Todd’s Oyclopedia of Anatomy and Physiology enthält
einen wichtigen Artikel „Insecta” von Newport. Es wird
hier ausführlich die Körperstruetur des Insects, grösstentheils
nach den eigenen sorgfältigen und feinen Untersuchungen des
Verf., theils nach den Untersuchungen Anderer geschildert. In
letzteren ist der Verf, zuweilen irre geleitet worden. Jeden-
falls enthält diese Abhandlung nicht bloss für jetzt die voll-
ständigste und am Tiefsten eindringende Darstellung der In-
secten-Anatomie, die der Verf. um so mehr geben konnte, als
er auf diesem Felde schon Wichtiges geleistet hat, sondern
fördert dieselbe auch durch viele neue Untersuchungen weiter,
*) Die speciellen entomologischen Artikel dieser Encyel. berühre
ich in diesem Bericht nicht weiter, in so fern sie nichts für die Wis-
senschaft Neues enthalten.
193
Leon Dufour (Ann. d. sc. nat. n. Ser. XVI. S.5) hat
die Circulation bei den Insecten einer Prüfung unterwor-
fen, und ist zu dem sehr auffallenden Resultat gelangt, dass
sie keine besitzen. Sie brauchen sie nicht, sagt er, da die
Luft überall zur Säftemasse dringt. (Als ob die Cireulation
des Blutes nur der Respiration wegen bestände!) Er läugnet
die von Strauss Dürkheim so schön dargestellten halbmond-
förmigen seitlichen Oeffnungen, die Kammern, endlich die vor-
dere Mündung des Rückengefässes, es sei an beiden Enden und
überall geschlossen, oft selbst ohne Lumen, die Angabe von
Pulsationen beruhten auf Täuschung, das ganze Organ könne
man höchstens als die Spur eines obliterirten Herzens betrach-
ten, vielleicht habe es aber auch einen andern Zweck, indem
es mit der Bildung und Ernährung der äussern Bedeekungen
in Beziehung stehen möge.
Andererseits werden die bisher vorzüglich in Deutschland
gemachten Erfahrungen über die Blutcirceulation bei den In-
secten von Newport (Todd Cyclop. of Anat. and Phys. I.
S.976) noch erweitert. Er ist nämlich der Ansicht, dass die
Blutmasse nicht frei in den Höhlen des Körpers kreist, son-
dern von eigenen Gefässen eingeschlossen sei. Bei Sphinx
und bei Vanessa Urticae sah er die Aorten-Spitze sich seitlich
in 2 grosse Aeste spalten, jeden über + der Aorta stark, wel-
che jederseits in den Kopf eindringen, und sich jeder in drei,
rückwärts gerichtete Aeste theilen. Sie waren aber äusserst
zart und liessen sich nicht weiter verfolgen. Ebenso entdeckte
er bei Schmetterlingen auf der Oberseite des Hinterleibtheils
der Ganglienkette einen bestimmten Gefässkanal, der zwar schon
von Lyonet gesehen, aber nicht als Gefäss erkannt war. Er
glaubt, dass dies Gefäss dazu diene, um den Strom des Blutes
zum Riickengefäss zurück zu führen. Bowerbank hatte auch
schon bemerkt, dass die Blutströme an den Seiten des Kör-
pers der Insecten von eigenen Gefässen eingeschlossen seien,
wovon sich auch Newport mit Bowerbank’s starkem Mieroscop
überzeugte. Auch den von J. Müller entdeckten Zusammen-
hang der Ovarien mit dem Rückengefäss ist Newport geneigt
für eine Gefässverbindung anzusehen. Diese directen Beobach-
tungen, welche ein neues Licht auf den Blutumlauf der Insecten
werfen, verdienen sehr, weiter geprüft und verfolgt zu werden
Archiv f, Naturgeschichte, VII, Jahrg. 2, Bd, N
194
Newport’s Untersuchungen über die Function der An-
tennen der Inseeten sind jetzt in den Transaet. of the Entomol,
Soc. of Lond. II. S. 229 bekannt gemacht.
Die Resultate derselben stimmen mit der Ansicht überein, welche
ich im Jahresbericht für 1838 (V. Jahrg. 2. Bd. d. Archiv S. 285), auf-
stellte, dass nämlich die Antennen ebenso für den Tast- als den Ge-
hörsinn bestimmt sind. In Bezug auf letztere Function hat N. sich,
wie es sich von einem so tief eindringenden Physiologen auch nicht
anders erwarten liess, von der Ansicht freigemacht, welche die An-
tennen mit‘dem äussern Ohr der Säugthiere identificirt, indess scheint
mir sein Vergleich derselben mit dem Stethoskop (einem Instrument,
welches in der Medicin jetzt gebraucht wird, um Athemgeräusch
u. s, w. zu prüfen) auch nicht ganz passend, in so fern dies nicht
blos als leitender Körper, sondern auch als Hörrohr wirkt. Mit Recht
weist Newport auf die grosse Verschiedenheit in der Antennenbildung |
der Insecten hin, welche bald den einen bald den andern Sinn be- '
günstige. Borsten- und fadenförmige Antennen sind nach seiner
Ansicht vorzugsweise zum Tasten bestimmt, während die Blätter-
keule der Lamellicornen, die kurzen Antennen der Cicaden, Libellen,
Fliegen u. s. w. kaum für diesen Sinn dienen könnten, was auch
von den kammförmigen Antennen der Spinner gilt. Dass die Anten-
nen überall mit dem Gehörsinn in genauer Beziehung stehen, lässt
sich kaum bezweifeln, es ist indess fast zu erwarten, dass noch ein
inneres Organ mit denselben verbunden sei, wie esBrandt’s feine Unter-
suchungen bei den Crustaceen aufgedeckt haben. In Bezug auf den
Tastsinn ist das Verhalten der Antennen aber ein anderes, und zwar
ein sehr verschiedenes bei verschiedenen Insecten, und offenbar ist
hier die Maupigfaltigkeit grösser, als Newport angedeutet hat. Das
eigentliche Tasten, d. h. die Untersuchung der Beschaffenheit eines
Körpers ist Geschäft der Palpen; die Antennen mögen bei sehr vie-
len Insecten nur das Vorhandensein eines Körpers empfinden. So
scheint es auch nach mehreren von Newport angestellten Beobach-
tungen zu sein. Viel mehr aber liegt in den knieförmigen Antennen
der Bienen und Ameisen, welche durch Berührungen mit denselben
eine Art Sprache führen; ebenso scheinen mir die keulförmigen An-
tennen mancher Insecten so gebildet zu sein, dass ihre Spitze wohl
der Sitz eines feineren Tastsiuns sein könnte. Die verschiedene Be-
kleidung der Antennen, der stets dichte und feine Haarüberzug der
Keule sowohl als die einzelnen Borsten sind ohne Frage in enger
Beziehung zu dieser Function. Auch ist das Verhältniss zu den Pal-
pen wohl zu berücksichtigen. Bei Hydrophilus sind die Antennen, },,
da sie viel kürzer als die Palpen sind, schwerlich Organe des Tast-],
sinns. Ebenso wenig sind sie es bei den Fliegen, welche in der
aus den verwachsenen Lippenpalpen gebildeten Rüsselspitze ein sehr
feines Tastorgan besitzen. Bei den Schmetterlingen, wo die Anten-
nen oft sehr wenig Fühler sind, scheint auch im Allgemeinen die
195
Bedeutung der Palpen als Taster sehr untergeordnet zu sein. Bei
den Libellen, wo die Antennen zu klein sind, um als Tastorgane
gebraucht zu werden, fehlen auch die Palpen ganz. Wenn unter den
Hemipteren, denen die Palpen mangeln, die Heteroptera in den An-
tennen noch Fühlorgane haben mögen, so sind diese bei den Ho-
mopteren auch ähnlich verändert wie bei Fliegen, Libellen und Ephe-
meren, so dass diese Abtheilung wieder aller Tastorgane gänzlich
zu entbehren scheint. Man sieht hieraus, dass das Verhalten der
Antennen der Insecten als Tastorgan ein sehr verschiedenes ist, Dass
sie Gehörergane seien, ist eine blosse Annahme, und durch die
Anatomie noch nicht nachgewiesen; das eigentliche Gehörorgan der
Insecten kann möglicher Weise noch einen anderen Sitz haben,
wie es bei den Arachniden sicher der Fall ist, da ihnen die Antennen
gänzlich abgehen. Dass die Fühler Sitz des Geruchorgans seien, wie
es früher von Mehreren, namentlich auch von Latreille, angenommen
war, und wovon sich neuerlich noch Lefebvre durch unmittelbare
Versuche überzeugt haben wollte (vergl. Jahresb. f. 1839. VI. Jahrg.
2. Bd. d. Arch. S. 218) ist von Newport nach seinen Untersuchungen
des innern Baues der Antennen sowohl als in Folge mehrfacher ge-
nauer eigner Beobachtungen gänzlich zurückgewiesen worden. Er
oimmt vielmehr mit Kirby an, dass dieser Sinn im vordern Theil des
Kopfes seinen Sitz in einem noch unbekannten Organ habe.
In der entomol. Societät zu Paris hat die Abhandlung
Newports zu mehreren Erörterungen Veranlassung gegeben.
(Ann. d.l. Soe.X. S.x.) Beachtenswerth sind besonders die
Bemerkungen von Goureau.
Er betrachtet den Fühler als äusseres Ohr, aus zwei Portionen
bestehend, Stiel und Geissel. Die letztere, mag sie nun aus einer
blossen Borste oder einer geringeren oder grösseren Zahl von Glie-
dern bestehen, entspreche dem Trommelfell (in so fern sie nämlich
die Schallschwingungen empfängt), der Stiel mit dem Wendegliede
einer leitenden Kette. Dass sich auch Tastvermögen mit dem Fühler
verbunden fände, sei natürlich, denn das Hören sei auch ein Tasten,
nämlich ein „‚immaterielles.” Das Riechen sei auf dieselbe Weise ein
„immaterielles” Schmecken. Wenn man nun Tast- und Gehörorgaue
bei den Insecten verbunden fände, dürfe man das Geruchorgan nur bei
Geschmacksorganen suchen. So scharfsinnig diese Verhältnisse auf-
I gefasst sind, lässt sich doch noch mauches gegen ihre allgemeine
Gültigkeit einwenden. Bei den Fischen steht das Geruchorgan ia
keiner Verbindung mit der Mundhöhle, ist also von den Geschmacks-
organen abgesondert. Das äussere Ohr hat bei den Säugthieren nie-
mals eigentlich Tastvermögen, welches bei ihnen dagegen selbst in
der Schwanzspitze sich finden kann, und auch bei den Insecten dür-
fen wir nicht die Antennen, sondern die Palpen, welche doch Theile
des Mundes sind, als die hauptsächlichen Tastorgane betrachten.
N#
196
Ueber die Cornea der zusammengesetzten Inseeten-Augen
hat Ashton (Transact. of the Ent. Soc. of Lond. I. S. 253)
interessante Beobachtungen mitgetheilt.
Bei manchen Insecten giebt es grössere und kleinere Facetten,
deren Anordnung bei verschiedenen verschieden ist. Bei den Libellen
(L. vulgata) besteht die obere Hälfte des Auges aus Facetten, welche
5mal grösser sind als die der unteren. Bei einem Syrphus ist ein
Raum, der von oben zungenförmig über die Mitte herabsteigt, bei
Asilus crabroniformis ein schmaler Streif am Vorderrande von den
grösseren Facetten eingenommen. Zwischen den grösseren und klei-
neren Facetten findet kein allmäliger Übergang statt, sondern sie
sind durch eine scharfe Gränze von einander getrennt, daher denn
auch die Facetten auf der Gränze oft eine unregelmässige Form an-
zunehmen genöthigt sind. Diese doppelte Art von Facetten finden
sich nur bei Insecten mit sehr grossen vorragenden, einem intensiven
Lichte ausgesetzten Augen, und nimmt der Raum mit grösseren Fa-
cetten immer den Theil des Auges ein, auf welchen das helle Licht
vorzugsweise fällt,
Wesmael (Bull. de l’Acad. d. sc, et bell. lett. de Brux.
4841. 11. S.34) theilte eine Beobachtung mit, aus welcher er
ableitet, dass die geistigen Fähigkeiten der Inseeten nicht auf
den Instinet einzuschränken seien. Der Fall gehört zu denen,
welche auf Ueberlegung (raisonnement) zu beziehen sind.
Ein Odynerus pariefum fand ein von einem Blattwickler aufge-
rolltes Blatt auf, untersuchte die beiden offenen Enden der Röhre mit
seinen Fühlern, lief dann bis zur Mitte und zwickte die Rolle hier
mit seinen Mandibeln zusammen, eilte dann wieder nach beiden Enden,
untersuchte sie von neuem, und wiederholte das Zwicken und Nach-
sehen, bis das Räupchen sich aus der Mitte an die Oeffnung seiner
Röhre begab, wo es von der Wespe sofort gefangen wurde.
Für die geographische Verbreitung der Insecten sind von
Interesse die Mittheilungen über die Fauna Helgolands
von Banse (Ent. Zeit. S. 77). Sie ist arm, hat einige Cara-
bieinen, Staphylinen, Palpicornen, meist Fleischfresser. Pflan-
zenfresser ‚fehlen oder sind sehr dürftig, wie auch die Vege-
tation der Felseninsel überhaupt nur 20— 25 Phanerogamen,
und keine Bäume enthält. Auffallend war das Vorkommen des
Dasytes nobilis, welcher sonst nur in Südeuropa einheimisch ist.
Nachricht über die Seefelder bei Reinerz in
entomologischerBeziehung von Zeller (ebendas. S. 171
und 178.) Eine sehr anziehende und lebendige Schilderung.
Auf die Verbreitung der Insecten in England beziehen
197
sich manche Mittheilungen in Newman’s Entomologist, von
denen indess keine ein allgemeines Interesse in Anspruch nimmt.
Die Fauna Neapels ist seit einer Reihe von Jahren durch
Oronzio Gabriele Costa unter dem Titel „Fauna del Regno
di Napoli, ossia enumerazione di tutti gli animali, che abitano
le diverse regione di questo regno etle acque che le bagnano,
. eontenente la descerizione de nuovi 0 poco esattamente cono-
seiuti, con figure ricavante da originali viventi et dipinte al
naturale bearbeitet worden. Von Insecten sind die Schmetter-
linge (1832 —36) vollendet, von anderen Ordnungen die Or-
thoptera und Hemiptera seit 1836 angefangen, und seitdem
durch einzelne Kupfertafeln und Textbogen vermehrt. Das
Werk ist erst jetzt bekannter geworden,
Schilderungen des Vorkommens und Lebens der Insecten
von Niedercanada enthält „The Canadian Naturalist a series
of Conversations on the Natural-History of Lower Canada,
B. P.H. Gosse, Lond. Van Voorst.” (Newman Entomologist
S. 81, wo zugleich Proben mitgetheilt sind.)
Ueber die Insectenfauna von Feuerland hat Darwin in
seinen Journ. and Remarks mad. dur. the Exploratory expedit.
of the Adventure and Beagle, Lond. 1839, Mittheilungen im
_ Allgemeinen gemacht, welche im Edinb. new. philosoph. Journ.
1841 und Frorieps N. Notiz. 1841. n. 385 ausgezogen sind.
| Die Fauna ist an Coleopteren arm, trotz der mannigfachen Ab-
wechselung des Bodens und der dichten Vegetation, wahrscheinlich
in Folge des Klima, indem auch im Sommer die Temperatur durch-
gehends niedrig bleibt (in der wärmsten Zeit auf 10° R. kommt und
allerhöchstens auf 12° R. steigt). Die meisten Arten fanden sich über
der Waldregion unter Steinen, vorzüglich kleinere Caraben (8 bis
| 9 Arten) und Heteromeren (4—5 Arten), tiefer liessen sich nur ein-
zelne Rüsselkafer (6—7 Arten) antreffen. Die sonst in Südamerica
in so hohem Maas vorherrschenden Chrysomelen fehlen fust ganz;
D. fand nur eine alpine Haltica. Ausserdem sind die Fam. der Sta-
phylinen, Elateren, Cebrionen und Melolonthen namhaft gemacht, wel-
che je 1 Art lieferten. Wasserkäfer kamen in den Teichen einige vor.
Hymenopteren, Lepidopteren, Dipteren fanden sich sehr wenige,
ÖOrthopteren gar keine. Von der Patagonischen Insectenfauna ist die
von Feuerland im Character sehr verschieden. Je ärmer das Land
an Insecten, nicht allein an Arten, sondern auch noch mehr an Indi-
viduen ist, desto reicher ist die Küste von Feuerland an Crustaceen,
vorzugsweise aus der Fam. Cymothoaden.
Für die neuholländische Inseetenfauna bemerkenswerth ist
198
„Journals of two expeditions of discovery in North West and
Western Australia during the years 1837—39, by George
Grey, Lond. 1841, 2 Vol.”
Unter den naturhistorischen Anhängen findet sieh eine Bearbei-
tung der entomologischen Ausbeute durch Ad. White. Das Material
ist noch zu beschränkt, um einen Blick über das Verhältniss der
Fauna Westaustraliens zu gewähren. Die Mehrzahl der Arten scheint
dem Westen eigenthümlich zu sein, wenn auch die Mehrzahl der
Gattungen, denen sie angehören, sich über ganz Neuholland verbreitet.
Ausnahmen finden sich jedoch einzelne, z.B. ist Staph. erythrocepha-
Zus mit Neusüdwallis, Silpha lacrymosa auch mit Vandiemensland
gemein. In andern Fällen dieser Art ist die Bestimmung noch zwei-
felhaft z. B. bei Saprinus laetus und Bittacus australis, wenigstens
erhielt unsere Sammlung den genannten höchst ähnliche, aber ver-
schiedene Arten von Westaustralien. Auf der andern Seite finden
sich mehrere neue Gattungen aufgestellt, welche wenigstens z. Th.
der Westseite eigenthümlich sein mögen. Die hier beschriebenen
Insecten sivd hauptsächlich (vielleicht aueh ohne Ausnahme) vom
König Georgs-Sund. (Die Beschreibungen der neuen Gattungen und
Arten finden sich im Entomolegist. 1842. Aug. S.346 abgedruckt.)
Eine Uebersicht der Fälle gelegentlichen Vorkommens von
Insecten und Insectenlarven im menschlichen Körper hatHope
(Transact. of the Ent. Soc, of Lond. II. S. 256) mitgetheilt.
Eine für die Forsteultur wichtige Schrift ist: „Die Waldver-
derber und ihre Feinde, oder Beschreibung und Abbildung der
schädlichsten Forstinsecten und der übrigen schädlichen Wald-
thiere, nebst Anweisung zu ihrer Vertilgung und zur Schonung
ihrer Feinde, ein Handbuch für Forstmänner, Oeconomen, Gärt-
ner und alle mit Waldbäumen Beschäftigte, von J. T.C. Ratze-
burg, mit Stahlstichen, Lithographien, Holzschnitten u. s. w.
Der Name des Verf. spricht hinreichend für den grossen pra--
cetischen Werth dieses kleinen Werkes, welches bereits in einer
zweiten vermehrten Auflage, und unter dem Titel: Les Hylo-
phthires et leurs Ennemies, in einer französischen Uebersetzung
vom Comte de Corberon erschienen ist.
Coleopterna.
The Coleopterist’s Manual, by the Rev. W. F. Hope,
3. Prt. Lond. 1840, ist, wie die früheren Bände, bestimmt, über
die von Linne und Fabricius aufgeführten Arten Auskunft zu\
geben, und enthält die Fortsetzung der Erläuterungen über
3 199
Linneische und Fabrieische Arten, von ersteren über sämmt-
liche, von letzteren über die noch nicht abgehandelten Gatt.
des 1. Bandes des Syst. Eleuth. den Nachweis ihrer gegen-
wärtigen systematischen Stellung, mit Bemerkungen über ein-
zelne Arten. Angehängt sind Beschreibung und sehr sorgfäl-
tige und detaillirte Abbildung neuer Gattungen und Arten,
welche der Wissenschaft eine interessante Bereicherung gewähren.
Ein wichtiges Werk für die europäische Ooleopterenfauna
ist The British Coleoptera delineated, consisting of figures of
all the genera of Britisch Beetles, drawn in outline by W. Spry,
edited by W. E. Shuckard. Es enthält auf 94 Tafeln die
Abbildungen der Typen sämmtlicher in der britischen Fauna
vorkommenden Gattungen, in Umrissen, die Sculptur und Be-
haarung leicht angedeutet, so dass der Habitus deutlich her-
vortritt. Dem Anfänger wird hierdurch das Studium unendlich
erleichtert, auch auf dem Oontinent wird dies Werk wesentliche
Dienste zur Bekanntschaft mit der von den Engländern zahl-
reich und zum Theil mit Glück aufgestellten Gattungen ge-
währen, und im Stande sein manche Zweifel zu lösen, welche
durch Stephens’ zum Theil unvollständige, zum Theil unrich-
tige Beschreibungen bedingt wurden. Es muss dies Unterneh-
men bei uns um so mehr Interesse finden, als man auf dem
Festlande jetzt anfängt die Arbeiten der Engländer möglichst
zu benutzen.
Von Schiödte’s Genera og Species af Danmarks Eleu-
therata ist die zweite Hälfte des ersten Bandes, die Dytiscen
und Gyrinen enthaltend, erschienen. Ein klassisches Werk,
welches zwar den meisten Entomologen des Dänischen wegen,
in welchem es geschrieben ist, weniger zugänglich, welches aber
doch auch sie ihrerseits am Ende nöthigen wird, sich mit die-
ser neu aufstrebenden Sprache bekannt zu machen.
Auch von Heer’s Fauna Ooleopterorum Helvetica ist eine
dritte Lieferung erschienen, welche den 1. Band schliesst. Sie
enthält die Clavieornen, Lamellicornen und einen Anhang,
welcher Nachträge und Berichtigungen zum ersten Theile liefert.
Steiermark’s Coleopteren, mit 106 neu beschriebenen Spe-
eies, von K. H. B. Grimmer, Grätz 1844, giebt nicht das,
was der Titel verspricht, eine Übersicht der in Steiermark
vorkommenden Arten, sondern ein Verzeichniss der Dubletten
200
des Verf. Die angeblich neuen Arten lassen sich zum Theil
mit leichter Mühe auf bekannte zurückführen, zum Theil sind
sie zu dürftig characterisirt, als dass man sie erkennen könnte.
Eine Reihe von Curtis (Ann. of nat. hist. V. S. 274)
als neu aufgestellter englischer Arten ist unten im Einzelnen
beurtheilt worden. ö
Ein genaues Verzeichniss der in der Umgegend Stock-
holms vorkommenden Coleopteren hat Nyblaeus in den K.
Vet.-Acad. Handl. för r 1840 mitgetheilt.
Die Kenntniss der Sibirischen Käferfauna bereicherte
v. Gebler (Bull. d. ]. Soc. Imp. des Nat. d. Moscou 1844
5.544) durch Nachträge zu den „Bemerkungen über die In-
secten Sibiriens, vorzüglich des Altai,” welche einen Anhang
zu Ledebour’s Reise in das Altaigebirge u. s. w. bilden,
Käfer von Mamila wurden von Chevrolat (Rev Zool.
S.221) Waterhouse (Ann. of nat. hist. VI. S. 218, 221)
u. A., von den Moluccen und verschiedenen Inseln der Süd-
see von Guerin (Rev. Zool. 120, 186), beschrieben.
Auf eine schon 1839 in Breslau erschienene, bisher von
mir übersehene Dissertation von Matzek „Necrophororum
Monographiae particula prima” kann ich nicht unterlassen auf-
merksam zu machen. Sie beschäftigt. sich hauptsächlich mit
der Anatomie, namentlich der äussern Theile, und ist in dieser
Hinsicht von mehr allgemeinem Interesse. Sie enthält manches
Eigenthümliche und Gute, manches ist aber auch verfehlt,
z.B. der Versuch, die Theile der Beine der Inseeten mit denen
der Rückgraththiere zu identificiren, wonach Hüfte hier Schen-
kel, Trochanter hier Kniescheibe, Schenkel hier Schiene, Schiene
hier Tarse, Tarse hier Metatarsus geworden sind. Die Insecten
sind nach einem ganz anderen Typus gebaut als die Wirbel-
thiere, und so können wir unsere Benennungen der einzelnen
Theile höchstens auf einer Analogie, nicht aber auf einer
Identität begründen. Aufmerksamkeit verdient der Versuch,
den Bau der Unterflügel in nähere Betrachtung zu nehmen,
und die einzelnen Nerven und Zellen genauer zu bestimmen,
indess ist auch hier wieder in dem Vergleich mit Armknochen
und Fingern zu weit gegangen. Eine weniger gezwungene
Terminologie, wie wir für die Vorderflügel hautflügliger In-
secten besitzen, würde sich wohl Eingang verschaflt haben.
201
Burmeister macht in einer Abhandlung über die natür-
lichen Verwandtschaften der Pausiden (Guer. Mag. de Zool.
Ins. p. 176) auf die grosse Wichtigkeit der Berücksichtigung
des Geäders der Unterflügel der Käfer für die systematische
Bestimmung aufmerksam, und behauptet zugleich, dass es bis-
her ganz unberücksichtigt geblieben sei. Guerin weist indess
in einer Note darauf hin, dass er es in den von ihm und Per-
cheron herausgegebenen „Genera Insectorum” beständig abge-
bildet habe, in Deutschland ist es auch nicht ganz vergessen,
Sturm hat es in seinen allbekannten „Deutschlands Insecten”
beständig dargestellt, und es. findet sich im ersten Bande von
Jlligers Magazin eine Abhandlung von Preyssler, welche ledig-
lich zum Zweck hat, die Berücksichtigung des Geäders der
Unterflügel zu empfehlen. Zwei Umstände sind aber vorhan-
den, durch welche das Flügelgeäder eine nur untergeordnete Be-
deutung erhält, nämlich, dass die häutigen Flügeln hei den Kä-
fern nach Individuen, Geschlecht, Arten, Gattungen, ja ganzen
Gruppen und Familien fehlen können, und dass die Mehrzahl
der kleinen Formen, sie mögen Familien angehören, welchen
sie wollen, ungeaderte Flügel haben. Nichts desto weniger
sind die Verschiedenheiten, welche das Geäder der Unterflügel
‚bei den Käfern darbietet, einer grösseren Beachtung werth,
als sie bisher erhalten haben, vorzüglich auch in Bezug auf
das verschiedene Einschlagen unter den Flügeldecken.
Ueber die Larven der Coleopteren hat Ref. (in diesem
Archiv 7. Jahrg. 1. Bd. S. 60) seine Untersuchungen mitzu-
theilen angefangen.
Im Allgemeinen ergiebt sich, dass die Larven in natürlichen Ab-
theilungen wesentlich übereinstimmen, aber nicht immer verwandte
systematische Abtheilungen ähnlich gebildete Larven haben, so wie
von ähnlichen Larven nicht immer auf Verwandtschaft der Käfer zu
schliessen ist. Wichtig ist besonders die Betrachtung der Mundtheile
und des Mundes überhaupt. Bei den Larven mehrerer Familien ist
der Mund scheinbar geschlossen und die Mundtheile stehen frei am
Kopfe. Bei genauerer Untersuchung findet sich eine kleine quere
spaltförmige Mundöffnung in der Fuge zwischen dem Stirorande (die
ÖOberlippe fehlt allen diesen Larven) und der unteren Kopfschale.
Dies ist der Fall bei den Cicindelen-, Caraben-, vermuthlich auch
Gyrinen-, Staphylinen-, Lampyren-, Lyeus-, Histeren- und Hydro-
philen-Larven. Bei den Dytiscen-Larven ist der Mund ebenfalls
| geschlossen, diese haben aber Saugöffnungen un den Mandibeln, Auch
202
in der Bildung der Mundtheile kommen grosse Verschiedenheiten vor.
Auffallend ist. das Verschwinden der Lippentaster bei den Bupresten-,
der Maxillen und Lippentaster zugleich bei den Melasis-Larven. Auch
in der Richtung des Kopfes zeigt sich ein wichtiger Unterschied. Bei
den meisten nämlich ist der Kopf horizontal vorgestreckt, mehr oder
weniger flach, bei anderen ist er wie bei den Schmetterlingsraupen
rund, mit nach unten gerichtetem Munde. Manche Larven sind blind,
andere haben auf jeder Seite des Kopfes 1— 6 einfache Augen, wel-
che in Gestalt und Stellung Verschiedenheiten zeigen. Ausserdem
ist noch die Lage der Stigmen von Wichtigkeit. Man findet immer
9 Paar, von denen das erste entweder dem Pro- oder Mesothorax-
segment angehört, oder in der Fuge zwischen beiden liegt; die an-
dern auf den ersten SHinterleibssegmenten, auf jedem ein Paar, ihre
Stelle haben. Hinterleibssegmente sind gewöhnlich 9 vorhanden, nur
bei den im Wasser lebenden Larven, welche mit dem letzten Hin-
terleibsstigmenpaar von der Oberfläche des Wassers inspiriren, bei
welchen dieses also an der äussersten Spitze des Hinterleibes ange-
bracht ist, fehlt das 9. Segment. (Bei diesen Larven — Dytiscen,
Hydrophilen, — scheinen die übrigen Stigmen zum Ausathmen zu
dienen, denn sie sind sowohl oflen als in Verbindung mit den Haupt-
tracheenstämmen). Dagegen haben viele Larven ein scheinbar zehn-
tes Hinterleibssegment. Es ist dies der ausgestülpte After, wel-
cher bei vielen Larven röhren- oder zapfenförmig ist, und als Nach-
schieber dient. Eigenthümliche gegliederte Anhänge neben dem After
zeigen die Larven der Staphylinen, Histeren und Silphen. Im Ein-
zelnen sind dann hier die bekannt gewordenen Larven, als Typen
natürlicher Familien, nach der Reihenfolge des Latreilleschen Systems
characterisirt. Die Cicindelen, Caraben, Dytiscen, Gyrinen, welche sich
auch als Käfer von den übrigen so scharf absondern, entfernen sich
von den übrigen darin, dass sie zwei Klauen am Fussende haben.
Die Staphylinen-Larven zeigen zwar einige Uebereinstimmung mit
denen der Caraben, schliessen sich aber doch näher denen der Sil-
phen und Histeren an. Die Larven der Bupresten und Melasis ähneln
denen der Cerambycinen, haben aber die oben erwähnte Eigenthüm-
lichkeit; die der Elateren schliessen sich ihnen nicht an, sondern
gleichen denen der Tenebrionen, von denen sie sich durch flachen
Kopf ohne Oberlippe unterscheiden, und ausserdem in der Form der
unteren Mundtheile ein sicheres Kennzeichen besitzen. Die Larve
von Atopa ist eigenthümlich, an die Lamellicornen erinnernd.*) Die
Larven von Lampyris, Lycus und Cantharis kommen darin überein,
*) Die Larven von Cyphon weichen durch ihre langen und viel-
gliedrigen Fühler von denen der übrigen Käfer auf eine sehr auf-
fallende Weise ab. Vermuthlich ist es eine solche, welcher West-
wood (Ann. of nat, hist. VII. 8. 150) als einer muthmasslichen neuen
Myriapoden-Gattung erwähnt.
i
203
dass sie nur 1 Paar Krallen haben, unterscheiden sich aber im Bau
des Mundes. Bei denen von Lampyris wird der Kopf gauz in den
Prothorax zurückgezogen. Die Larven der C/erier scheinen grosse
Übereinstimmung mit denen der Nitidulen zu haben, welche letztere
indess noch nicht recht untersucht sind. Die der Anobien (mit Ein-
schluss der Apate und Lymexylon) stehen in der Mitte zwischen
denen der Lamellicornen und Rüsselkäfer. Von Clavicornen sind hier
noch die Larven der Histeren, Silphen, Byrrhen, Elmis und Hydro-
philen beschrieben.
Cicindeletae, Zwei neue mexicanische Arten von Mega-
cephala machte Chevrolat (Guer. Mag. d. Zool, 1841. pl. 55. 56)
bekannt: M. angustata, der M. mexicana ähnlich, aber von der
gestreckten Form der M. Lebasii, und M. impressa, der M. Brasi-
liensis verwandt.
Aus der Gatt. Cicindela stellte Chevrolat (ebend. pl.57—59)
C. radians, aerea tenuilineata, humeralis, Cristoforii
als neue Arten ebendaher auf: die erste ist der €. Vasseletii auffal-
lend ähnlich, aber vom Verf. scharf unterschieden; bei der zweiten
(aerea) ist die Angabe des Vaterlandes nicht richtig: sie ist aus
Vorderasien und auch nicht neu, sondern €, concolor Dej, Rouxii
Barthel. — Der Marquis de la Ferte-Senectere beschrieb (Rev.
z00l. 8.37) vier neue Arten aus Texas, C.venusta, circumpieta,
togata, severa, und setzte (ebendas, S. 193) die Unterschiede sei-
ner ©. circumpicta von der nahe verwandten nordamericanischen ©.
marginpennis umständlicher aus einander, vereinigte aber (cbendas.
.96) ©. venusta mit ©. Saucyi Guer. — Guerin beschrieb (ebend.
120) ©. @uillouwi als neue Art von Borneo. — Westwood
(Ann. of nat. bist. VIII. S. 203) führte zwei neue Arten von J. Mau-
ritius auf, ©. cupreola, welche der ©. funesta F, ungemein ähnlich
sein muss, und (©. vigilans, aus welcher letzteren er eine Unter-
gattung Megalomma bildete: Kopf gruss, Augen sehr vortretend,
Lefze mit ungezähntem Vorderrande, zweites Glied der Lippentaster
aufgeschwollen, Fühler und Beine sehr lang; beim Männchen die
3 erweiterten Glieder der Vorderfüsse mit keulförmigen Borsten be-
setzt, C. viridula Quens. soll diesem Insect sehr nahe stehen, und
sich vorzüglich durch ganz gelbe Beine unterscheiden; ob er sie zu
derselben Untergatiung rechnet, giebt der Verf. nicht an: sie hat
zwar die Lefze, wie angegeben, aber das 2. Gl. der Lippentaster ist
nur mässig verdickt, andere wie C. Adonis Lap., haben es zwar sehr
stark verdickt, aber die Lefze vorn gezähnt, so dass die Untergatt.
sich kaum recht natürlich abgrenzen mögte.
Zwei neue Arten von Tricondyla, die eine Tr, punctipen-
nis,der T. aptera sehr Ähnlich, von Manila, die andere Tr. cori/iacea
von Ceylan, sind von Chevrolat (Rev. Zool, 8.221) aufgestellt,
Carabiei,. Haliday (Entomologist 8. 185) machte darauf
aufmerksam, dass man behufs der Kintheilung dieser Familie in
Hauptabtheilungen statt der Einlenkung der Enddornen der Vorder-
204
schienen, die Verschiedenheiten in der Bildung des Sternum zum Grunde
legen könne. Der Verf. hat nur die britischen Caraben untersucht,
doch dürfte die Vergleichung der exotischen Formen keine Aende-
rung im Resultat hervorbringen. Es kommen nämlich dreierlei Ver-
schiedenheiten vor, welche eben so viel Abtheilungen geben.
1. Amphibii. Prosternum erweitert und abgestutzt, eine fort-
laufende Fläche mit dem Metasternum (im Text steht irrthümlich Me-
sosternum) bildend: Omophron.
2. Abdominales. Prosternum in eine Furche des Mesosternum
eingreifend, wodurch die Beweglichkeit des ersteren beschränkt, und
die Verbindung beider fester wird. Cychrus, Carabus, Nebria, Lei-
stus, Notiophilus.
3. Pedestres. Prosternumspitze nicht verlängert, und also vom
Mesosternum abstehend: ganz freie Gelenkverbindung, Die Jarpa-
liden (im weiteren Sinne) Scaritiden und Brachiniden.
Die erste Abtheilung stimmt im fraglichen Puncte mit den Ha-
liplen überein, die zweite erinnert an die Dytiscen, die dritte gleicht
hierin den Cicindelen.- Die Abtheilungen würden übrigens mit denen
nach der Insertion der Enddornen der Vorderschienen harmoniren,
wenn nicht die Elaphrinen sich in alle 3 vertheilten, indem Elaphrus
selbst zur 3., Notiophilus zur 2. gehört und Omophron die erste bildet.
Es ist indess noch ein anderer Umstand mit der Insertion der
beiden Enddornen an der Spitze der Vorderschienen oder des einen
höher herauf, verbunden, auf den-ich schon in meinen Käf. der Mark
Brandenb. aufmerksam gemacht habe: ersteren habe ich „„Parapleurae
simplices,” den letzteren ‚‚Parapleurae appendiculatae” zugeschrieben.
Die Parapleurae siod bekanntlich nach Audouins zweckmässigerer
Benennung die Episterna des Metathorax, die sog. Appendices sivd
die Epimera, die bei der ersteren Hauptabtheilung der Caraben zwar
ebenfalls vorhanden, aber von mehr lederartiger Beschaffenheit und
von den Episternen ganz bedeckt sind, während sie bei der zweiten
vollkommen hornig und frei neben den Episternen daliegend, als ein
Anhang derselben erscheinen. Dies nun in Übereinstimmung mit der
Bildung der Vorderschienen theilt die ganze Caraben-Familie in zwei
Abtheilungen, welche durch die vom Verf. zur Sprache gebrachte
Verschiedenheit in der Bildung des Sternum noch ein drittes Merkmal
erhalten; denn alle C. mit ausgeschnittenen Vorderschienen und freien
Epimeren. des Metathorax haben das freie Gelenk zwischen Pro- und
Mesothorax, alle übrigen ©. mit einfachen Vorderschienen und ver-
steckten Hinter-Epimeren haben ein in das Mesosternum eingreifen-
des Prosternum, bis auf die kleine Gruppe der Elaphrinen, welche
sich die Freiheit gelassen hat, eben se viel verschiedene Sternum-
bildungen als natürliche Gattungen aufzuweisen.
Mehrere theils nachträglich aufgefundene, theils neu entdeckte
Arten der Schweiz sind von Heer im Anhange zum 1, Bande der
Faun. Coleopt. Helv. aufgeführt worden.
205
Eine merkwürdige Monstrosität des Carabus lotharingus bildete
Duponchel (Ann. d. ]. Soc. Ent. d. Fr. X. T. 4. II. S. 199) ab, wo
nämlich die beiden seitlichen Hälften des Prothorax so aus einander
getrieben sind, dass sie sich nur noch in einem Puncte berühren.
(Eine ganz entsprechende Monstrosität besitzt unsre Sammlung vom
Nashornkäfer.)
Waterhouse hat zwei neue Gattungen aufgestellt, welche mit
Carabus zunächst verwandt sein sollen. Aplothoraz (Ann. of nat,
hist, VII. S. 145) unterscheidet sich von Carabus dadurch, dass das
Halsschild glatt; ohne aufgeworfenen Rand und ohne Eindrücke an
den Hintereckenu ist; die Fühler sind in der Mitte verdickt, das 3. Gl.
lang; der Kopf gross, fast so breit als das Halsschild, die Flügel-
decken flach, die Vorderfüsse beim Männchen nicht erweitert. d Bur-
chellii, von St. Helena. — Disphericus (Ann, of nat. hist. VI.
8. 298) ausgezeichnet durch die fast sphärische Form des Halsschil-
des und Hinterkörpers. Vorderschienen innen ausgerandet, Vorder-
schenkel verdickt. Wird von Waterhouse als Verbindunglied zwi-
schen Cychrus und Potamophilus (?) betrachtet. D. Gambianus,
aus dem {ropischen Africa, Wenn beide, über welche bis jetzt nur
die Nüchtigen Notizen in den Proceedings der Ent. Soc. vorliegen, erst
durch ausführliche Beschreibungen und Abbildungen erläutert sein
werden, wird sich ihre Stellung eher beurtheilen lassen.
Aus der Brachininen-Gruppe sind mehrere neue Arten auf-
gestellt: Brachinus Deyrolii aus Texas von La Ferte Se-
neetere (Rev. Zool. 8.42.) Lebia civica, lutosa, plana aus
Neuholland (Adelaide) L. russata und Plochionus amandus
aus Ostllorida; Drominus crudelis und tridens aus Neuholland
(Känguru-Ins.) von Newman (Entomol. S. 31). — Die neuholländi-
schen angebl. Lebien möchten wohl, wenigstens z. Th. zu der kurz
gedrungenen, platten Cymindis-Form gehören, welche Neuholland
eigenthümlich ist, aber kaum Charactere zur Aufstellung einer neuen
Gattung darbietet.
Über die Gatt. Carenum bemerkt White (Grey Journ ete, MH.
5.456), dass Eutoma Newm. identisch damit, aber verschieden von
Arnidius Leach sei, lüsst jedoch‘die Unterschiede unerörtert (West-
wood hat später gezeigt, dass diejenigen Recht hatten, welche Ar-
nidius mit Carenum zusammenfallen liessen). White beschreibt .a. a. ©.
eine neue Art (. perplexzum vom König Georgs-Sind, eine an-
dere, C. Spencii stellie Westwood (Ann. of nat, hist, VII, S. 123)
auf, welche auf jeder Flügeldecke drei Reihen runder Gruben hat,
Vaterland nicht genauer als Neuholland angegeben.
Von der Gatt. Promecoderus gab Gu&rin (Rev. Zool. 8. 186)
eine monographische Zusammenstellung der Arten, deren er 7 meist
neuer aufführt, nämlich 1 (P. brunnicornis Dej.) von der Känguru-
Ins., 3 von Vandiemensland, 2 vom Schwanenfluss und 1 (Lottin!
Brull.) von Neuseeland Kiner, P. degener, von Hobarttown weicht
206
von den übrigen dadurch ab, dass der Zahn im Kinn fehlt und die
Färbung nicht metallisch ist. Eine andere dem P. brunnicornis sehr
nahe verwandte Art von Hobarttown, P. gibbosus, ist der von Gray
im Anim. Kingd. als ein africanisches Insect abgebildete Cnemacan-
thus gibbosus. Es folgt daraus, dass Cnemacanthus Gray mit Pro-
snecoderus Dej. synonym ist, und Hr. Guerin spricht sich ferner
darüber aus, dass der Name Unemacanthus der von Brull& 1834 als
solche abgebildeten chilesichen Gattung verbleiben müsse, die später
von Curtis Odontoscelis benannt sei, welchem Namen Waterhouse
in seiner Bearbeitung der Darwinschen Carabieinen mit Unrecht den
Vorzug gegeben. Waterhouse (Ann. of nat. hist. VII. S. 205)
bemerkt dagegen allerdings sehr richtig, dass die Brullesche Bestim-
mung, als auf einem solchen Missgriff, der Arten von verschiedenen
Hauptabtheilungen der Caraben in eine Gattung vereinige, begründet,
auf Autorität nicht Anspruch machen könne. Da indess der Curtis-
sche Name Odontoscelis nieht mehr vacant sei, schlägt er einen neuen
Scaritidea für jene Chilesische Gatt. vor. Dieser Name ist indess
auch nicht zu brauchen, da er die Scariten- Gruppe bezeichnet, es
möchte also wohl am Rathsamsten sein, sich doch zur Beibehaltung
des vacanten Namens Onemacanthus, unter Brulle’s Autorität, zu ver-
einigen.
Eine ausgezeichnete neue Gattung der Harpalen - Gruppe stellte
Guerin (Rev. Zool. 8.213) unter dem Namen Heterodactylus
auf. Körperform im hohen Grade die einer Nebria. Mandibeln nach
aussen erweitert, ähnlich wie bei Plochionus. Taster fadenförmig.
Kinn mit einem abgerundeten Vorsprung in der Ausbuchtung. Beine
schlank, viertes Fussglied zweilappig, der äussere Lappen länger.
Die vier ersten Glieder der vier vorderen Füsse beim Männchen
schwach erweitert, unten mit Filzbekleidung. H. nebrioides von den
„Aucklands-Inseln. Den Namen hat bereits eine Eidechsen - Gattung
in Besitz.
Eine andere neue Gatt. dieser Gruppe errichtete der Marg. de
la Ferte Senectere (Ann. d. l. Soc. Ent. de Fr. X. S. 201) unier
dem Namen Gynandrotarsus. Die grösste Übereinstimmung ist
mit Harpalus, — deon obschon keine Spur eines-Zahns im Kinn vor-
handen ist, den Dejean der Gatt. Harpalus ertheilt, haben doch viele
seiner Arten eben so wenig eine Spur desselben — und das Männ-
chen zeigt auch keinen Unterschied von einem wahren Harpalus;
beim Weibchen aber ist an den Vorderfüssen das erste Glied so stark
erweitert wie bei Gynandropus und Gynandromorphus Dej,, zugleich
unten mit einer Sohle, welche das zweite Glied von unten her völlig
verdeckt. Hierdurch, und durch das weniger kurze und tiefer aus-
geschnittene Kinn, unterscheidet sich die neue Gatt. von den beiden
letztgenannten. @. harpaloides ist eine neue Art aus Texas, +
Harpalus dulcicollis La Ferte Senectere von Texas
207
und Amblygnathus Philippensis Chevrolat von Manila sind
in der Rev. Zool, 8.44 und 221 beschriebene neue Arten. -
Waterhouse hat fortgefahren, die von Darwin in Südamerica
gesammelten Caraben zu bearbeiten, und hat Ann. of nat, hist. VI.
S.120 die Arten von Feronia gemustert. Neu sind F. Dejeandi
von Montevideo und F. submetallica von Maldonado in La Plata,
beide gewissermaassen zwischen F. corinthia und cordicollis Dej. in
der Mitte stehend, F. (Pterostichus) Bonellii von verschiedenen
Puncten der Südwestküste, der F. oblongopunctata nahe stehend,
F. (Steropus) marginata von Chile, von mir bereits in Meyen’s
Reise (und den Act. Leopold.) als F. hlanda beschrieben, F. (Poecilus)
Guerinii von Patagonien?, F. (Poec.) depressa von Montevideo
ist P. planodiscus Perty, F. (Argutor) Patagonica von Monte-
video ist unbedenklich A. Bonariensis Dej., F. (Arg.) Audoninii
von Buenos Ayres scheiut mir nicht verschieden von F. confusa Dej.,
F. A. Brullei ebendaher und F. A. apicalis von La Plata neu.
Eine neue sibirische, der F. oblongopunctata ähnliche Art
beschrieb Gebler (Bull. Mosc. 1841. 8.581) als Platysma fo-
veolatum. n
Rylands (Entomologist 8. 216) hat mehrer@® neue Englische
Amara-Arten aufgeführt, welche aber nicht in solcher Weise cha-
racterisirt sind, dass sich über ihre Rechte urtheilen liesse. Dasselbe
güt auch von Amara septentrionalis Curtis (Ann. of nat. hist.
V. 8.275), während desselben Bradytus marginatus (ebendas.)
unbedenklich für Am. patricia Creutz. anzunehmen ist.
Neu aufgestellte Arten sind ferner:
Drimostoma Mexzicanum Chevrolat (Guer.Mag. de Zool,
1841, Ins. pl.64) aus Mexico.
Antarctia lata Gu&rin (Rev. Zool, S, 190) von Port Fa-
- mine in der Maghellanstrasse.
|
Dicaelus opacus La Fert& Senectere (Rev. Zool. 8.42)
von Texas.
“= Chlaenius Greyianus White (in Grey’s Reise II. S. 458)
vom König Georgs-Sund, sich unserem Chl. 4-sulcatus nahe an-
schliessend.
Calathus sibiricus Gebler (Bull, Mosc. 1841, S. 578) aus
dem Kusnezk-Geb. in Sibirien.
Die Trechen-Gruppe wurde von Gu@rin (Rev. Zool. 8.123)
mit einer neuen Gatlt, Oopterus bereichert, welche er von Trechus
hauptsächlich in der Form der Vorderfüsse der Männchen unterschei-
det, indem die auf die beiden ersten stark erweiterten folgenden
Glieder nicht plötzlich, sondern allmälig an Breite abnehmen. Körper-
form an Dyschirius erionernd. O. clivinoides von den Aucklands-
Inseln.
Einige neue Bembidien aus Texas beschrieb der Marg. de laFerte
Senect&re (Rev.Z001,8.45): Tachys pulchellus, misellus und
208
Notaphus viridicollis. Der erstestehtin sehr naher Verwandtschaft
mit B. ephippiatum Say, welches vielleicht mit B. elegantulum Kl.
von Portorico identisch ist, und diesen schliesst sich auch B. con-
einnum Kl. aus Columbien, welche beiden letzteren, so wie der
dem N, viridicollis nahestehende Notaph. fastidiosus Dej. aus West-
indien, als noch unbeschriebene Arten hier ebenfalls characterisirt sind.
— Bemb. Cumatile Schiödte (Danm. Coleopt.I. 8, 585') ist eine
in Dänemark neu aufgefundene, dem B. tibiale Duft. verwandte Art,
aber durch die einfachen Gruben des Halsschilds (ohne Striche und
Puncte) und die nicht punctirten Streifen der Flügeldecken unter-
schieden. — Tachys minimus Curtis (Ann. of nat, hist. V. 8. 275)
aus England ist nichts als B. bistriatum Duft.
Dytisci. Eine höchst gründliche, musterhafte Leistung ‚ist die
Bearbeitung dieser Familie von Schiödte in Danmarks Eleutherata.
Das Allgemein - naturgeschichtliche derselben, die Verwandlungs-
geschichte, den inneren Bau, hat. der Verf. nach sehr umfassenden
eigenen Untersuchungen dargestellt, und manche Irrthümer, welche
in meiner Dissertation, Genera Dyticeorum, sich fanden, verbessert.
Hinsichts der Larven stimmt meine spätere Darstellung mit der des
Verf. überein. Die dänische Fauna ist sowohl im Umfang als im
Inhalt mit der unsrigen ziemlich gleich. Neue Arten hat der Verf.
drei: Agabus nebulosus, dem conspersus Marsh. (subnebulosus
Aube nec Steph.) täuschend ähnlich, doch dadurch unterschieden, dass
beim Männchen die Vorderklauen ungleich sind (unsere englischen
Ex. des conspersus verhalten sich hierin ganz wie bipunctatus), vom
bipunctatus ausserdem noch durch ungeflecktes Halsschild sich ent-
fernend; der Name kommt indess in Collision mit dem nebulosus Forst.,
der bei den Engländern für bipunctatus F. in Gebrauch ist. — Aga-
bus frigidus, vom guttatus durch mehr Wölbung und kürzere
Klauen des Weibchen unterschieden, vielleicht dem biguttatus Ol.
näher kommend, der indess weniger deutlich als guttatus netzförmig
gestrichelt ist und dem südlichen Europa angehört. — Ilybius
6-dentatus, dem 4-guttatus zunächst verwändt, doch mehr von
der Form des fenestratus, und vorzüglich noch dadurch unterschie-
den, dass beim Männchen ausser allen Vorderklauen auch die äussere
Mittelklaue gezähnt ist.
Babington (ransact, of the Ent. Soc. of Lond. III. S.1) hat
die von Darwin auf seiner Reise um die Erde gesammelten Dytiscen
beschrieben. Die Abhandlung ist schon 1838 vorgelegt, also gleich-
zeitig mit Aube’s Werk vollendet, daher der Verf. auf letzteres kei-
nen Bezug nehmen konnte.
Cybister biungulatas von Maldonado mit zwei gleichen
Klauen an den Hinterfüssen. Der Verf. bemerkt hierbei, dass von
Curtis, Stephens und mir bei Cybister eine einzige Klaue an den
Hinterfüssen angegeben sei; indessen habe ich in meinen Käf. der
M. Brand, 8. 164 nicht blos hierauf, sondern auch darauf aufmerksam
209
gemacht, dass bei denselben Arten (als giganteus und costalis Aube),
der eine Enddorn der Hinterschienen gablig gespalten sei. Dies ist
vom Verf. und auch von Aube übersehen worden. Ersterer hebt
ausserdem noch einige Abweichungen in den Verhältnissen der Ta-
sterglieder und der Form der Mandibeln hervor; seine fernere An-
gabe, dass das Weibchen sich durch grubige Flügeldecken auszeichne,
bedarf einer Berichtigung: dergleichen grubige Flügeldecken sind eine
nur zufällige Bildung, welche auch bei verwandten Arten und bei
beiden Geschlechtern mitunter vorkommt. Die obige Art könnte leicht
€. puncticollis Brull. Aube sein, vorausgesetzt, dass unter gelbem
Rande der Flügeldecken die Längsbinde neben demselben verstanden
ist. — Colymbetes reticulatus von Chile, nigrorematus'von
Patagonien, Chiliensis (ist nigriceps Er. Aube) und suturalis
sind solche, deren Flügeldecken an der Spitze abgestutzt sind; an-
gusticollis von Port St. Julians, rotundicollis von den Feuer-
ländischen Alpen, signatus (einerlei mit C. trilineatus Aube) von
Montevideo und Feuerland (auch Chile), Darwinii, haben die Flü-
geldecken ganz. Col. Ilybius Saulcyi von Callao ist Agabus Pe-
ruvianıs Lap. Aube, aber weder ein Ilybius noch Agabus, sondern
ein Copelatus mit ungestreiften Flügeldecken. Col. punctum von
Valparaiso ist Ag. Gaudichaudii Lap. Aube. Col. Magellanicus
von Feuerland ist ausgezeichnet durch leicht erhabene Längstreifen.
Copelatus elegans von Rio Janeiro, Hyphydrus maculatus
von St. Jagp, Hydroporus Darwinii vom König Georgs-Sund
(Neuholland), I1-/ineutus von Feuerland, obscurus und nitidus
son Rio Janeiro. Die beiden letzten kleinen Arten wären anders zu
benennen gewesen, da ein Paar deutsche Arten von Sturm (1835) so
genannt sind. Hydroporomorpha parallela vou Rio Janeiro;
Die Gattung ist identisch mit Celina Aube, die Art aber von den drei
Aubeschen verschieden. — Anodocheilus maculatus von Bio
Janeiro (auch in Nordamerica) ist Hydroporus exiguus Aube, Die
Gatt. ist durch den Mangel des Zahns im Kinn md die besondere
Grösse des letzten Maxillartastergliedes characterisirt. — Desmo-
pachria nitida, ebenfalls von Rio Janeiro (und auch in Nord-
america), Gehört zu den Hydroporen mit gerandeter Stirn, und zeich-
met sich durch aufgetriebenes letztes Maxillartasterglied und die Füh-
ler mit dickem %, sehr kurzem 4., pfriemförmig zugespitztem letzten
Gliede aus. Soll die Gatt. angenommen werden, muss Hydrop. cu-
spidatus und am Ende auch H, decoratus mit hinein.
Mexicanische Dytiscen sind von Chevrolat (Guer. Mag. de
Zool. 1841) aufgeführt und (Ins, pl. 65) Dyt. habilis Say abgebildet.
Curtis (Ann. of nat. hist. V. 8.276) beschrieb einen kleinen
englischen Wasserkäfer unter dem Namen Hygrotus bisulcatus
als neue Art, welche aber nichts als Hydrop, unistriatus sein wird.
6Gyrini. Die Naturgeschichte der Gyrinenist von Schiödte in
Danmark’s Kleutherata sehr umfassend und gründlich "dargestellt
Archiv f, Naturgescbichte, VINI, Jahrg, 2, Bd, OÖ
210
worden. Im innern Bau haben sie mit den Dyliscen vieles gemein,
sie weichen aber namentlich durch die Vertheilung der Ganglien und
in den Geschlechtstheilen ab. Das Athmen geschieht keineswegs, wie
ich es angegeben hatte, durch Athemröhrchen, sondern durch die
Stigmen, indem die athmosphärische Luft auf ähnliche Weise wie. bei
den Dytiscen unter die Flügeldecken dringt. In der Bestimmung der
Arten ist mehreres zu bemerken, da das Aubesche Werk dem Verf.
nicht zugänglich war.
Der Verf. unterscheidet zwei Arten mit metallischem Unterrande
des Halsschildes und der Flügeldecken, @. Zembus und marinus,
der erstere ist der G. marinus Aube und auch wohl der von Gyl-
lenhal,. da dieser die starken |Punctstreifen besonders. hervorhebt,
der zweite, ‚wo die Punctstreifen ‚der Flügeldecken gegen die, Naht
hin schwächer werden, ist & aeneus Steph. Aube. — @. cenct-
rus des Verf. ist G. natator Ahr, St, der @ natator des Verf.
ist G. mergus Ahr.: man, sollte den Namen natator' ganz unter-
drücken, wenn sich. nicht sicher herausstellt, welche ‚der neuerlich
genauer unterschiedenen Arten Linne vor sich gehabt ‚hat. In Fa-
brieius’ Sammlung findet sich als solcher &. marinus, — G.celox,
dem @. bicolor täuschend ähnlich, aber mit rothbrauner Brust, und
an der Spitze mehr gerade abgeschuittenen Flügeldecken. Er kommt
auch in Deutschland vor und ich finde keinen Unterschied zwischen
ihm und. dem G. Caspius Men. Aube aus dem Öaspischen Meer.
Staphylini. Einen bedeutenden Nachtrag vom schweizer
Staphylinen, darunter eine grosse Anzahl neuer Arten hat Heer am
Schlusse des ersten Bandes seiner Faun. Coleopt. Helvet, gegeben. |
Westwood (Ann. of nat. hist, VII. S. 149) hat die Staphylinen |
der Linneischen Sammlung geprüft. Unter St. mazwillosus finden sich
unser St. maxillosus und O. olens, unter erythropterus der caesa-
reus Cederlh., da indess Linne’s Beschreibung offenbar den St. casta- |
nopterus Gr. bezeichnet, ist zu vermuthen, dass hier, wie so häufig, eine |
spätere Verwechselung stattgefunden hat. Unter St. politus finden
sich nach W’s. Angabe mehrere Arten verwechselt, dass typische |
Ex. wäre aber St. acneus Gr. Gyll. Staph. Tunulatus ist Boletobinis |
atricapillus (Staph. atr. Fah.). Staph. iignorum ist ein Tachinus von
der Grösse des T. subterraneus. St. sanguinens ist eine Aleochara, |
der A. fuscipes ähnlich. Staph. favipes ist Tachyporus hypnorum
(Oxyp. hypn. Fab.), St. fuscipes ist Xantholinus lentus. S?. boleti |
ist nach Westwoods Bestimmung meine Gyrophacna minima, wahr-
scheinlich aber doch wohl die nahe verwandte Al. Boleti Payk. Gyll.
— St. fHavescens, bipustulatus, cantharellus fehlen in der Linneischen
Sammlung.
Ueber die Naturgeschichte der in Ameisennestern lebenden Sta-
phylinen hat Märkel (Germ. Zeitschr. III, S. 203) höchst interessante
Beobachtungen mitgetheilt, und auch dieZahl der als solcher bekann-
ten vermehrt. Dies gilt von dleochara angulatu undıQuedius brevis;
211
auch fanden sich‘ Homalota circellaris, fungi var.? Conurus pube-
scens, Tachyporus saginatus, Heterops praevius, Sunius filiformis, die
aber nicht ausschliesslich ia Gesellschaft der Ameisen leben. Auch
hat der unermüdet thätige Verf. mehrere neue Arten in den Ameisen-
haufen entdeckt und a. a.0. Oxypoda formiceticola und myr-
mecophila, und Leptacinus formicetorum beschrieben. Der
letzte ist von mir mit L. batychrus verwechselt, und ich muss ge-
stehen, dass, obschon ich wenig Zweifel gegen ihre Verschiedenheit
habe, mir noch jetzt ihre wesentlichen Unterschiede nicht ganz klar sind.
Haliday (Entomologist S. 186) theille Notes on Staphylinidae
mit. Er bemerkt, dass meine Unterabtheilungen Staphylinini und Oxy-
porini nicht genügend unterschieden wären, und dass streng genom-
men St. nebulosus und murinus zu den Oxyporinen gehörten. Er
hat darin Recht, und es wird wohl am besten sein, die beiden Unter-
abtheilungen zu vereinigen. Dazu wird aber das Fehlen oder Vor-
handensein des dreieckigen Läppchens hinter den Vorderhüften noch
dienen können, um die Gatt. Philonthus und Quedius zn sondern.
Bei Philonthus bin ich in diesem Puncte sehr aufmerksam gewesen
und ich glaube nicht, dass dort Arten mit jenem Läppchen sich finden.
— Von Boreaphilus hat der Verf. die Charactere vervollständigt:
die Gattung gehört in die Gruppe der Omalinen, hat sehr deutliche
Ocellen, kommt im. Habitus Anthophagus und Lesteua nahe; als
Diagnose stellt er auf: palpi subulati, mandibulae elongatae, falcatae,
tibiae muticae> tarsi articulis 4 primis subaequalibus. Ausser dem B.
henningianus führt er eine zweite Art aus dem Norden von Irland, B.
brevicollis, auf, bei welchem er fragweise Coryphium angusticolle
Steph. citirt. An der von mir als möglich angedeuteten Identität von,
Boreaphilus und Coryphium zweifelt er nicht, aus seiner Angabe geht
auch deutlich hervor, dass Stephens die Maxillartaster, welche mein
Bedenken veranlassten , unrichtig beschrieben hat, Arpedium be-
reichert er mit einer neuen Art, 4. myops, der die Ocellen fehlen; er
vermuthet, dass mein A.humile vielleicht dasselbe sei, was leicht möglich
ist, denn bei diesem sind die Ocellen auch kaum zu bemerken. End-
lich stellt er eine neue Art von Othius, O. 6-punctatus auf,
welche sonst mit O. melanocephalus übereinkommnt, nur dass sie jeder-
seits auf dem Halsschilde 3 Puncte hat,
Ein Paar englischer Arten werden auch von Curtis (Ann. of
nat, hist. V. 8.277) aufgestellt, die eine, Stenus basalis, ist der
von mir beschriebene St, contractus, die andere, Sunius unicolor,
ist mir zweifelhaft,
Ref. (Germ. Zeitschr. III. S. 407) gab eine Beschreibung des
Staph, (Creophilus) ciliaris Steph,, einer ausgezeichneten Art aus
Schottland, welche er früher nach Stephens’ Beschreibung für den
brasilischen St. (Creoph.) variegatus Mann. annehmen zu müssen ge-
glaubt hatte.
o*
212
Taenodema cinetaWestwood (Ann. of nat. hist. VII. 8.205)
ist eine ausgezeichnete neue Art aus Brasilien.
Buprestidae. Die letzten Hefte der Histoire naturelle et
Iconographie des Insectes Coleopteres von De Laporte und Gory
enthalten Supplemente zu den Gatt. Agrilus, Amorphosoma, Eume-
rus, Choraebus, Anthaxia, Euagora, Sphenoptera, Sponsor, Brachys,
Trachys, Aphanisticus. Zu Agrilus sind nicht weniger als 68 Arten
hinzugekommen, so dass die Zahl der dargestellten Arten überhaupt
sich auf 162 beläuft; zu bemerken habe ich nur, dass mir A. auroli-
neatus des Verf. (Navolineatus Dej.) nicht verschieden zu sein
scheint von dem früher mit irriger, Vaterlandsangabe (Brasilien) ab-
gebildeten A. flavolineatus, und Jedenfalls Bup. bilineata Web. ist —
ferner dass A. cupricollis einerlei sein wird mit B. lateralis Say,
endlich dass A.purpureocollis aus Montevideo identisch ist mit A.
versicolor Chevr. — Amorphosoma hat 3 neue Arten erhalten. — Zu
Eumerus ist E. chalybeus hinzugefügt, welcher indess nurb laue
Var. von E. longipes des Verf. oder Rhaeboscelis purpureus Chevr,
ist (der Name Rhaeboscelis ist jedenfalls vorzuziehen, da Eumerus
als Gattungsname bei den Dipteren bereits lange in Gebrauch ist). —
Choraebus, 6 neue Arten. — Zu Anthaxia sind 16 Arten hin-
zugekommen, von denen A. cyanipennis Dej. aus Dalmatien kaum
hinreichend von A. laeta verschieden sein möchte, A. optata aus
Lima unter dem Namen A. concinna Dej. bekannt, A. hilaris Dej.
vom Cap die Bup. marginata Thunb., A. triangularis Dej. vom Cap
vermuthlich eiuerlei mit A. Thunbergii Gory ist. Bei A. Zueidiceps
ist Südrussland als Vaterland bemerkt, das Käferchen ist aber in
Buchara einheimisch, also im Innern von Asien. — Euagora, 2 neue
Arten, von denen indess die Capensische E. sulcipennis von De-
jean richtiger als eine Anthaxia betrachtet ist. Das Männchen hat
verdickte Schenkel wie A. cyanicornis. — Sphenoptera ist mit
17 neuen Arten vermehrt worden, indess ist Sph. Celtiberica Gory
(Carduorum Cheyr.) aus Portugal sicher B. geminata JIl.,, und $Smyr-
neensis aus Kleinasien ganz unbedenklich eben dieselbe in den mei-
sten Küstenländern des Mittelmeers verbreitete Art (zugleich B. rauca
Fab.). Sph. intermedia Dej. vom Cap ist schwerlich verschieden
von der früher abgebildeten Sph. Capensis Gory; Sph. Zoubkoffii
aus Turkestan ist eine alte Pallas’sche Art, und zwar Bup. orichalcea
desselben, welchen Namen sie behalten muss. Endlich Sph. ang‘ o-
lensis Kl. (soll Dongalensis heissen) aus Dongala ist von der in
den Symh. phys. von Klug abgebildeten B. Dongalensis verschieden.
— Die 7 neuen Arten von Sponsor (Oomorpha Dej.) hatte Hr. Güerin
aus Prioritäts-Rücksichten schon früher publicirt (S. Jahresber. für
1840. 8.164). — Brachys ist mit 30, Trachys mit 3, Aphani.
sticus mit 1 Art vermehrt worden. j
Hiermit ist dies Werk vor der Hand geschlossen, es bildet 4 Bde,,
213
von welchem der 2, und 3: die Monographie der Bupresten, der 4.die
Nachträge dazu enthalten. n
Einige kritische Bemerkungen theilte Spinola (Rey. Zool.S.93)
zu den in der eben besprochenen Monographie, abgebildeten Arten
von Scmaeodera mit.
Ausserdem sind als neue Arten aufgestellt: Strigoptera ob-
soleta und inornata Chevrolat (Rev. Zool. S.221) aus Manila,
Anthaxwia quadrata Buqguet (ebendas S.194) von St. Domingo,
Anth-praticola La Ferte Senectere (ebendas. S. 49) aus
Frankreich, einerlei mit A.umbellatarum der Goryschen Monographie,
aber nicht B.umbellatarum F., auch bei uns nicht selten vorkommend, von
A. d-punctata durch’ das Fehlen der 4 eingedrückten Puncte auf dem
Halsschilde unterschieden. Agrilus Littlei Curtis (Ann. of nat.
hist. V. 8.365) aus England.
Löw (Entomol. Zeit. S.34) gab eine Abbildung und anatomische
Darstellung des Nahrungskanals der Larve der Bupr. Mariana. Der
Nahrungskanal ist bis auf eine einfache Schlinge, welche der Dünn-
darm bildet, ganz gerade. Der Zottendarm ist besonders lang, und
die beiden kurzen Gallengefässe münden in seinem vorderen Ende.
Der sog. Kaumagen hat ionen vorspringende Falten, aber keine
Horuleisten.
EHlateridae. Germar und Ref. haben ihre Musterung der
Elateren in der Zeitschrift des Ersteren fortgesetzt.
Germar hat eine umfassende Bearbeitung den Leucht-Ela-
teren, der Gatt. Pyrophorus gewidmet, welche, obschon auf
America beschränkt, einen sehr grossen Reichthum von Arten auf-
zuweisen hat. Die Bestimmung der Arten ist bei der grossen Ein-
förmigkeit derselben schwierig, daher besonders wichtig, sie hier auf
eine natürliche Weise in Unterabtheilungen gebracht zu finden. Die
erste Familie bilden solche, wo die Fühler kürzer als das Halsschild,
das 3. Glied derselben grösser als das 2. und kleiner als das 4. ist.
Hierher P. noctilucus L., mit 8 mehr oder weniger nahe verwandten
Arten. Die zweite grössere Familie umfasst solche, deren Fühler
so lang oder länger sind als das Halsschild, vom 4. Gliede an gesägt.
Bei der einen Unterabtheiluug sind das 2. und 3. Gl. gleich (P. igni-
tus und 8 andere Arten), bei der andern ist das 3. länger (P. lumi-
nosus JU. u. a., zusammen 16 Arten, unter denen eine, P. formosus
aus Brasilien, in ihrer Färbung, welche die der Semiotus ist, vor den
übrigen sich auszeichnet). In der 3. Familie sind die Fühler ebenfalls
länger als das Halsschild, aber schon vom 3. Gliede an gesägt;
hierher 5 neue Arten aus Brasilien. Die 4. Familie enthält Arten,
deren Fühler von der Länge des Halsschildes, dünn und schwach ge-
sägt sind. Bei den ersten 16 Arten, z. B. Janus Hbt., phosphoreus L.
u. #. w. ist der Kopf viel schmäler als das Halsschild, bei den näch-
sten 9 (speculator, lucidulus und lucernula JU. u.s. w.) ist er grösser
und fast von der Breite des Halsschildes, die letzten 4 Arten (hu-
214
plithalmus, raninus Esch.) erhalten durch ihren vortretenden Kopf und
die grossen vorragenden Augen einen eigenthümlichen Habitus, ohne
indessen einen genügenden und durchgreifenden Unterschied von den
übrigen Pyrophoren darzubieten. Im Ganzen sind 69 Arten, und unter
diesen die grössere Hälfte hier zuerst beschrieben. Schliesslich sind noch
10 z. Th. mehr oder weniger zweifelhafte Arten verschiedener Aucto-
ren aufgeführt, so dass man die Zahl der zur Zeit bekannten Leucht-
Elateren auf einige 70 schätzen kann. ‘Die Hauptmasse der Arten
findet sich auf der Ostseite Südamerica’s, namentlich in Brasilien,
wo über 50 Arten einheimisch sind. 6 Arten verbreiten sich nach
Gniana, in andern 'Theilen der Ostseite von Südamerica finden sich nur
® Arten, auf der Westseite ebenfalls nur 2. Auf den verschiedenen
Inseln Westindiens kommen 7 vor, und 2, welche mit dem Continent
von Südamerica (Brasilien) gemeinschaftlich sind (?). Nordamerica
hat nur eine Art, aus Mexico sind 4 bekannt, von denen eine mit
Südamerica gemeinschaftlich ist.
Ref. setzte (Ebendas. 8,77) die Arten der Gatt. Chalcolepi-
dius aus einander, eine Aufgabe, welche trotz der ansehnlichen Sta-
tur der Arten doch ihre Schwierigkeit darin findet, dass bei einzelnen
Sculptur und Bekleidung abändern. Die Flügeldecken ändern nämlich
darin ab, dass die Zwischenräume der Punectstreifen entweder alle
gleich hoch, oder abwechselnd z. Th. oder ganz vertieft sind; die
Bekleidung auf den erhabenen Zwischenräumen besteht in Schuppen,
die. sich in Härchen verändern, so bald diese Zwischenräume vertieft
sind. Auch die Färbung ändert oft sehr bedeutend ab. Auf diese Weise
lässt. sich durch allmälige Übergänge nachweisen, dass E. porcatus L.
und E. virens FE. und .E, striatus L. (porcatus F.) nur Abänderungen
einer und. derselben Art sind. Zu Ch. imbatus Esch. (E. porcatus
Ol.) gehört ebenso E. siriatus F. und zu Ch. zonatus Esch. in äbn-
licher Weise Ch. smaragdulus Esch. als Abart. Der E. sulcatus Hbt.
ist vom gleichnamigen von Fabricius unter dem Namen Ch. Herb-
stil unterschieden worden. Dann sind noch 7 neue Arten beschrie-
ben, von denen eine, Ch. procerus aus Mexico, durch schwächere
Fühler und vorn abgerundetes Schildchen, zwei andere Ch. prasi-
nus aus Brasilien und Ch. attenuatus aus Mexico durch längere,
schärfer gesägte Fühler, mit kürzerem dritten Gliede, von den übri-
gen abweichen. Bei der letztgenannten Art ist das Schildchen auch
vorn abgerundet, während es bei der vorletzten vorn, wie gewöhn-
lich 2spitzig ist.. Im Ganzen sivd 18 Arten aufgeführt,
Ref. hat (Ebendas, S. 88) auch als Elateren mit kammför-
mig gezähnten Krallen die Gattungen Cratonychus, Perothops
und Adrastus monographisch bearbeitet. Ausser der Form der Kral-
len haben sie nichts gemein. Cratonychus (Melanotus Esch. Pe-
rimecus Dillw. Ki by) sonst vollkommen den eigentlichen Elateren
in allen wesentlichen Merkmalen sich anschliessend, zählt hier 40 A.,
von. denen 7 auf Mittel- und West-Europa, 10 auf den Orient (mit Ein-
215
schluss von Osteuropa), 9 auf das tropische Asien, 1 auf das tropi-
sche Africa, I auf Isle de France, 11 auf Nordamerica, 1 auf Mexico
kommen. Eine Art, Or. fwlvipes, ist Europa mit Nordamerica gemein.
Den nordamericanischen Ur. communis (El. simplex G.) erhielt Ger-
“ mar auch aus Südbrasilien, vielleicht ist er mit Holz dahin gebracht,
einheimisch möchte er dort schwerlich sein. — Perothops stimmt
zwar in dem beilförmigen Endgliede der Taster mit den eigentlichen
Elateren überein, entfernt sich aber durch genäherte Fühler, erwei-
tertes, die Lefze überdeckendes Kopfschild, schmale, zwei spitze
Läppchen bildende Zunge, und starke einfach zugespitzte Mandibeln,
wodurch die Annäherung an Cebrio sehr bedeutend wird, Einzige
Art ist der nordamericanische El. mucidus Kn. Schöunh, — Andra-
stus zeichnet sich unter allen eigentlichen Elateren sehr durch seine
zugespitzten Taster aus. Es kommen hier Arten vor mit einem klei-
nen Hautläppchen am 4. Fussgliede (vermuthlich Esthesopus Esch.)
und solche mit ganz einfachen Füssen, Zur ersten Abtheilung ge-
hören 2 südeuropäische (E. terminatus Dahl und E. zutilipennis JI.)
und 5 americanische A., zur zweiten 8 mitteleuropäische, bisher 2. 'Fh.
mit E. limbatus und pusillus F. verwechselte Arten, die hier genauer
unterschieden sind.
Hope hat der Entomologischen Gesellschaft von London eine
Monographie der Gatt. Campsosternus vorgelegt, von welcher in
den Proceedings derselben (Ann. of Nat. hist. VII. S. 453) eine Notiz
gegeben ist. Es sind 14 Arten aufgeführt, sämmtlich aus verschie-
denen Gegenden des tropischen Asien, nämlich E. fulgens F. aus
China, sumptwosus, Proteus und Eschscholtzii von den Phi-
lippinen, rosicolor von Java, aureolus und Leachii von Sin-
ghapur, Latreillii von Cochinchina, ‚Cantori von Assam, Wil-
soni, smaragdinus, Delesserti von Coromandel (Madras und den
Nila Giri’s), Duponti von Malabar, Stephensil von Nepal. Hinzu-
zufügen wäre noch E. splendidus Herbst von Trankebar,
Einzeln beschriebene Arten sind: Campsosternus rutilans
Chevrolat (Rev. Zool. VI. 8.222) von Manila, identisch mit C. sum-
ptuosus H.— Ampedus perpulcher Westwood (Ann, nat. hist,
vis. 8.205. n. 10) aus dem tropischen Africa, gelbroth mit blauen
Schildchen und Flügeldecken, das 2. und 3. Fussglied gelappt, also
kein eigentlicher Ampedus, vermuthlich einer mit Physorhinus sehr
nahe verwandten oder identischen Gattung angehörend, deren afri-
canische Arten nicht den gelben (vielleicht leuchtenden) Kopf der
americanischen haben. — Aplotursus (Limonius) maritimus, an
der englischen Küste vorkommend, und Cardiophorus formosus,
von dem in England ein einzelnes Ind. an Selleriwurzeln gefunden
wurde, von Curtis (Ann. of nat. hist. V. 8.278) beschrieben, sind
mir zweifelhaft geblieben. — Endlich Uryptohypnus canaliecu-
latus Gebler (Bull Mosc. 1841 8, 583) vom Altai-Gebirge.
Zwei neue schweizer Arten von Throscus, Thr.elateroides
216
und pusillüs, wurden von Heer (Faun Col. Helv.1. 8. 443) be=
schrieben. Der Verf. rechnet diese Gatt. zu den Byrrhen.
Lampyridae. Ueber dasLeuchten der Lampyris ita-
lica hat Peters (Müllers Archiv 1841 S.229) seine in Nizza an-
gestellten Untersuchungen mitgetheil. Das Leuchtorgan, auf den
beiden vorletzten Bauchsegmenten liegend, besteht, unter der Lupe
gesehen, aus dicht gedrängten runden Körperchen, unter dem zu-
sammengesetzten Microscop findet man es aus regelmässig gelager-.
ten Kügelchen bestehend, in die je ein Tracheenstämmchen einfritt
und sich darin verzweigt. Nerven konnte P, nicht in dies Organ
verfolgen, schon der Hauptnervenstamm ist sehr fein. Ein Zu-
sammenhang mit den Geschlechtsorganen liess sich auch nicht wahr-
nehmen, auf den man daraus schiessen könnte, dass die Leuchtflecken
bei Männchen und Weibchen oft verschiedene Form und Ausdehnung
haben; indess ist auch die Entwickelung der Leuchtorgane mit der der
Geschlechtstheile nicht verbunden, da bekanntlich schon die Larven
leuchten. Die leuchtenden Theile leuchten auch ausserhalb des In-
sects so lange sie feucht sind, und durch Anfeuchten kann man sie
wieder zum kurzen Aufleuchten brivgen, nachdem sie schon ange-
trocknet waren und ihr Licht verloren hatten. Bei Vivisection dauert
das Leuchten des Thieres fort, wenn man auch alle über dem Leucht-
organe liegenden Eingeweide entfernt hat, hört aber augenblicklich
auf, sobald man den Kopf vom Rumpfe trennt. Hieraus scheint zu
folgen, dass das Leuchten vom Willen des Thieres abhängig ist.
Telephoridae. Zwei neue englische Arten von Cantharis
sind von Curtis (Ann, of nat. hist. V. S. 279) aufgestellt: die eine
C. aethiops scheint auf ©. paludosa Gyll. zurückzuführen zu sein,
die andere, C. unicolor, würde man für C.pilosa Payk. annehmen
können, doch meint der Verf., sie sei davon verschieden, aber seine
Beschreibung ist zu kurz, um darüber ausser Zweifel zu setzen,
Clerii. Spinola (Revue Zool. S.70) hat eine monographische
Bearbeitung dieser Familie angekündigt, und zugleich eine Uebersicht
über die Gattungs-Eintheilung gegeben. Da inzwischen Klug’s Mo-
nographie in den Schriften der Berliner Academie erscheint, mögte
sie bei der weiteren Bearbeitung vielleicht einige Modificationen
erleiden. Die Anordnungen der Gattungen geschieht nicht, wie bei
Klug, nach der Entwickelung der Fussglieder, sondern nach der Ge-
stalt der Augen. Diese sind entweder ausgerandet oder nicht. Im
ersteren Falle befindet sich die Ausrandung entweder an der Unter-
oder an der Innenseite der Augen. Die ersteren, mit unten ausge-
zandeten Augen, theilen sich in zwei Gruppen, Ti/loides mit 5,
Notozxoides mit 4 deutlichen Gliedern der Hinterfüsse. Erstere
enthalten Cyidrus, Tillus, Priocera, Axina u.a., im Ganzen 13 Gatt.,
letztere die verschiedenen auf Kosten von Clerus, Notozus, Tri-
ehodes und Corynetes und 2. Th. von Enoplium gebildeten, im Gan-
217
zen 27 Gatt.; die 3. Gruppe, Jchnoides, mit innen ausgerandeteu
Augen enthält vier Gatt., welche wie Jchnea Lap. sonst mit den
Enoplien übereinstimmen; die 4. Gruppe endlich, C1, hybrides, mit
runden oder elliptischen, nicht ausgerandeten Augen, näher sonst
mit Clerus verwandt, besteht aus 3 Gatt., wie Aydnocera Newm.,
Evenus Lap.
Hope (Coleopt. Manual ll. S. 139.) hat, den Trichoges Ammios
wegen seiner verdickten Hinterschenkel als eigene Gatt, Pachyscelis
abgesondert: da sie aber bei den übrigen Trichodes--Arten ebenfalls
bald stärker, bald schwächer verdickt sind, wo ist der Unterschied?
Newman (Entomologist. S..15) beschrieb 8 neuholländische
Clerus - Arten, nämlich C/. instabilis, carus, splendidus, sim-
plez, obscurus, pulcher von Adelaide, crassus von Sydney,
honestus von der Känguru-Insel. In Bezug auf ihre systematische
Stellung werden alle noch einer Revision bedürfen, denn die erste
Art ist ein Trichodes (Zenithicola Spin.), die letzte, nach der nahen
Verwandtschaft mit fasciculatus zu urtheilen, ein Opilus (Trogoden-=
dron Spin, ). — Später ‚(ebend, 8.35) fügte er 4 neue Arten von
Vandiemensland hinzu: Cl? fatuus, dem der Verf. schon einen eige-
nen Gattungsnamen Pylus giebt, ohneindess dieCharactere aufzustellen.
— Eleale, neue Gatt. mit fadenförmigen Maxillar-, beilförmigem End-
gliededer Lippentaster, 11gl.,keulförm. Fühlern, horizontal vorgestreck-
tem Kopf mit langvorgestreckter Lefze; Verhältnisse der Fussglieder
nicht angegeben. E. aspera. — Hydnocera nitens, durch die
Kühlerbildung, die vom Verf. übersehen ist, von den americanischen
Hydoocera abweichend, der Gatt. Lemidia Spin, entsprechend. —
Hydnocera Malthinus, vielleicht sich ebenso verhaltend.
Ptiniores. Apate sexdendata wird nach Passerini den
Maulbeerbäumen schädlich, greift jedoch keine gesunden Bäume an,
sondern solche, welche durch Krankheit bereits geschwächt sind
(Bev. Zool. S. 354.).
Xenomorphae (Gistl). Eine ganz naturgetreue Abbildung
des merkwürdigen Hypocephalus armatus Desm. (Mesoclastus
paradoxus Gistl) mit zerlegten Mundtheilen hat Westwood (Arcana
Eut. T.10. 5.35) gegeben, welche um so dankenswerther ist, als
die bisherigen Abbildungen ungenügend waren, dasInsect selbst aber
nur in wenigen Sammlungen (in Deutschland vielleicht nur iv der
hiesigen) zu finden ist. Auch theilt W. hier einen Aufsatz von
Burmeister über die systematische Stellung dieses anomalen Insects
mit, über welche zu gleicher Zeit Guerin (Rev. Zool. 8.217.) seine
Ansicht publieirt hat. Beide stimmen darin überein, dass der Hypo-
cephalus ein Bockkäfer sei. Guerin beruft sich darauf, dass die Mund-
theile übereiostimmend mit Cyrtognathus u. ähnl., die Fühler mit
Spondylis gebildet wären, und die einfachen Füsse sich auch schon
bei Amallopodes fänden. Indessen liegt ein sehr wesentlicher Unter-
218
schied in der Tarsenbildung noch darin, dass bei Hypocephalus das
4. Gl. den vorhergehenden gleich gebildet ist, was bei keinem einzi-
gen Bockkäfer und auch bei Amallopodes nicht der Fall ist, welche
alle nur mit 3. Fussgliedern auftreten, inden das 4. Glied sich dem
Klauengliede näher anschliesst. — Burmeister verfolgt‘ die Überein-
stimmungen zwischen Hypocephalus und den Bockkäfern noch weiter,
zeigt, dass nicht nur Mandibeln mit denen von Dorysthenes, sondern
auch die Maxillen mit denen der Prionen überhaupt übereiokommen,
vergleicht feroer die Fühler mit denen von Spondylis, die gezähnten
Vordersckienen mit denen von Cantharocnemus, weist durch das Bei-
spiel von Gnoma nach, dass die Länge des Halsschildes und die damit
in.Bezug stehende verhältnissmässige Kürze der Flügeldecken der
Anuahme nicht entgegen sei, und behauptet endlich, dass eine hlosse
KFlügeldecke hinreiche, um an der Seulptur zu erkennen, dass
man es mit einem Käfer aus der Prionengruppe zu thun babe. — Ein
Anderer köunte ganz mit denselben Gründen, und vielleicht noch bes-
sern beweisen, dass Hypocephalus zu der Fam. Cebrionites Latr. ge-
höre — die Fussglieder können hier kein Bedenken veranlassen — „‚die
Fühler siud wie beiPhysodactylus, die eigenthümliche Einsetzung des
Kopfes wie bei Ptilodactyla, die gezähnten Vorderschienen sind genau
ebenso wie bei den mexicanischen Gebrie, Maxillen und Unterlippe voll-
kommen wie bei Rhipicera. ‘Die Form der Mandibeln erinnert aller-
dings an Dorysthenes und die damit verwandten Gatt., allein dasselbe
Verhältniss hat auch zwischen Rhipicera und Spondylis Statt, es ist
dies eine der mehrfachen Analogien, welche sich zwischen Cebrionen
und Bockkäfern überhaupt finden, und ein Beweis gegen die Affinität. Das
Verhältniss der Halsschildbildung zwischen Hypocephalus und den Cebri-
onen ist dasselbe wie zwischen Cephalotes und Amara, welche beide na-
türlich in einer Gruppe stehen, und hier wie dort durch die Verschie-
denheiten des Aufenthalts unter und über der Erde bedingt. Denn
alle unterirdischen Insecten (Scarites, Bledius, Heterocerus, Gryllotalpa)
haben einen grossen und abgesetzten Prothorax. Endlich braucht ein
einigermassen bewanderter Entomolog nur eiu Stück von einer Flügel-
decke des Hypocephalus zu sehen, um in deren Sculptur auf der Stelle
die nahe Verwandtschaft mit Sandalus zu erkennen!“ Ein Dritter
könnte wieder mit denselben Gründen beweisen, dass Hypocephalus
ein Rüsselkäfer sey, die dicken Hinterbeine von Bruchus, die gezähn-
ten Vorderschienen von Acanthocnemus u.s.w. Wer hat nun Recht?
Keiner. Die ganze Beweisführung ist verkehrt, ein blindes Umher-
tappen, hei allem Prunken mit Philosophie. Das logische Verfahren
ist in solchen Fällen ganz einfach das, die Charactere der fraglichen
Familie zu prüfen und zu zeigen, dass die fragliche Gattung diesel-
ben besitze. In ähnlicher Weise hat sich auch Spinola gegen West-
wood geäussert. (S, dessen Arcan. Ent. S. 111.)
Laporte (Bist. out. d, Ins. Col.11.S.3) und Hope (Coleopt, Manual
111. 8.149.) stellen Hypocephalus neben die Necrophoren, vielleicht auf
219
Grund der Angabe, dass man diesen Käfer am Aase gefunden habe;
dieser Aufenthalt kann aber nur zufällig gewesen sein, die Aaskäfer,
welche ihre Nahrung in weiter Entfernung aufsuchen müssen, können
nicht ungellügelt sein, wie Hypocephalus es ist. Ausserdem entfer-
nen ihn systematische Charactere aus jener, Familie,
Silphates. Hope (Coleopterist’s Manual Ill. 8.149) betrach-
tet die Gattung Necrophorus F. als eine eigne Familie, Necropho-
ridae, mit den Gatt. Necrophorus, Hypocephalus Desm. Cyrtoscelis,
Diamesus. Über die Stellung von Hypocephalus ist eben die Rede
gewesen. Oyrtoscelis (Necroph.vespillo) ist seiner krummen Hin-
terschienen halber allzu künstlich von Necrophorus getrennt, Dia-
mesus (N. osculans Vigors) verbindet sich weit natürlicher mit
Necrodes. Auch die eigentlichen Silphen sind (ebend. S. 150) als
besondere Fam, Si/phoidea behandelt, und mit 2 neuen Gattungen,
Ptomaphila (S. Tacrymosa Schreib.) und Necrobora (S. Ame-
- ricana F.) vermehrt, deren Charactere aber nicht angegeben sind
und hinsichts deren Beurtheilung ich auf meine Käf. der M. Brandenb,
1. 5.226 zurückverweise. Peltis F. und Sphaerites Duft., welche
Hope hier unterbrivgt, lassen sich auf keine Weise an Silpha an-
schliessen.
Über die Gatt, Silpha hat Rob. Schmidt eine Inaugural - Dis-
sertation: Silpharum monographiae particula prima. Vratisl. 1841. ge-
schrieben. Sie enthäjt sehr ausführlich die Geschichte der Gattung,
und Beschreibung der Arten, letztere jedoch in minderer Vollstän-
digkeit. Neue Arten sind nicht aufgestellt. (Einer 1839 in Breslau
erschienenen Diss. über die Gatt. Neerophorus von Matzek ist
oben (8.200) gedacht worden.
Heer (Faun. Col, Helv. S. 388) bereicherte Necrophorus mit
einer neuen Art, N. sepulchralis, welche auf dem St. Bernhard
gefunden ist. Sie stimmt in der Behaarung des Hulsschildes und der
Krümmung der Hinterschienen mit N. vespillo überein, hat aber einen
schwarzen Fühlerknopf, vorn weniger eingedrücktes Halsschild und
feiner punctirte Flügeldecken.
Derselbe (ebendas, 381.382) stellt auch 2 neue Catops-Arten
auf, ©, montivagus, vom C.tristis nur durch schmäleres, längeres
Halsschild verschieden, C.ambiguus, mit dem ©. fumatus bis auf kür-
zere Gestalt und schwächere Fühlerkeule übereinstimmend.
Haliday ( Entomologist S. 190) führt unter den irischen Arten
von Colon, eine neue, Ü. spinipes, auf, welche sonst mit C. den-
tipes übereinzustimmen scheint, nur dass die Hinterscheukel am Un-
terrande nicht gekerbt sind.
Dr. Schaum hat in seiner Inauguraldissertation (in seinen Ana-
lecta Entomologica Hal. 1641 enthalten) die Gattung Scydmue-
nus monographisch bearbeitet, und dabei ein bedeutendes Mate=
rial benutzt. Die von mir aufgestellten Gruppen sind der Eintheilung
zum Grunde gelegt. A. ist meine 1. Gr., und enthält ausser Sc. (0.
220
darti, seutellaris, collaris und pusillus, denSce Chevrieri, eine'von
Heer (Col. Helv. 8. 368) aufgestellte, dem pusillus nahe stehende
schweizer Art, und 2 neue, ‚Sc. Helferi aus Sicilien und Se. per-
foratus aus Pensylvanien; ferner sind als muthmaasslich hierhin
gehörend aufgeführt Gyllenhal’s Sc. Da/manni und Se. gibbosus,
neue Art aus Madagaskar. — 3, meine 2. Gr., enthält ausser angu-
Zatus. und, elongatulus, den Sc. Sparshalli Denny., rubicundus
Kunze, und Sc. Wighumi Denny. (Se. rubicundus ist eine gute
nene Art, dem elongatulus zunächst verwandt; der Verf. hat damit
den. Sc. Sparshalli verwechselt, von welchem sich ein einst von
mir bei Halle gefangenes Exemplar in der hiesigen Sammlung findet,
dieser ist noch kleiner, und hat an der Wurzel des Halsschildes
einen rinnenförmigen Quereindruck, wie Denny es verlangt, ohne
Gruben und ohne, mittleres Fältchen. Denny’s Angabe von Punctirung
auf dem Halsschilde und den Flügeldecken muss auf einer-durch die
Pubescenz veranlassten Täuschung beruhen.) Unter (. ist eine eigene
Gruppe errichtet, mit den vorigen in der Form des Halsschildes und
den Flügeldecken, mit den folg. in der des Kopfes und dem stark
gekielten Mesosternum übereinstimmend: Se. Kımzei Gene, pubicollis
Kunze, odlongus St. — D., meine 3. Gr., enthält Arten mit 4gl, Füh-
lerkeule: Sc. Motschoulskii St., denticornis, ruficornis Denny, bicolor
F., clavipes Say, brevicornis Say, rutilipennis, hirticollis, claviger
und folg, neue: testaceus aus Westindien, cinnamomeus aus
Bengalen, castaneus aus Brasilien, validicornis aus Columbien,
deflexicollis aus Madagascar. Ferner mit 5gl. Keule: Se. cras-
sicornis aus Columbien, und mit 3gl. Keule: Werterhalü (quadratus
Müll.), ewilis (welcher aber von dem Sc. PAR in den Käf d. M. Br,
verschieden und anders zu benennen ist). — E., meine 6. Gr., Sc. Hel-
wigü, rufus, antidetus, und eine neue, Sc. Zimmermanni aus Pen-
sylvanien. — F., meine 5. Gr., enthält Sc. Zarsatus mit vier neuen
Arten aus Columbien. — Eine besondere Gruppe @. mit sehr breitem
Halsschilde, stark gekieltem Mesosternum und einfachen Füssen bil-
det Sc. thoracicus; endlich /. ist meine 4. Gr., mit den beiden von
mir aufgeführten Arten.
Anisotomidae. Eine gründliche Revision der deut-
schen Anisotomen hat Dr. Schmidt in Stettin in Germars Zeit-
schr. f. d. Ent. Ill. 130 mitgetheilt, welche in diese kleine vernach-
lässigte Abtheilung viel Lieht gebracht hat. Man hat sie bisher als
den Heteromeren angehörend und als mit Diaperis nahe verwandt
betrachtet, sie isolirten sich aber unter allen Heteromeren: dadurch,
dass bei 5 Bauchsegmenten des Hinterleibes die Vorderhüften aus
den Gelenkpfannen vorragen. Der Verf. hat nun die wichtige Ent-
deckung gemacht, dass die Anisotomen durchaus nicht alle hetero-
merisch sind, sondern dass. die Zahlenverhältnisse der Fussglieder
theils nach Gattung, zuweilen auch nach Geschlecht verschieden sind.
Das Verhältniss der Agathidien zu den Anisotomen ist nicht berührt.
221
Es ist indess keine Frage, dass beide in der nächsten Verwandtschaft
stehen, wenn auch wicht alle Arten, welche. bei den Auctoren unter
Agathidium aufgeführt sind, dert an ihrer natürlichen Stelle; stehen,
Der Verf..hat die Anisotomen in fünf Gattungen getheilt, Lei-
odes hat beim Männchen die Kussgliederzahl 5. 5. 4., beim Weib-
chen entweder 5. 4. 4. (L. glabra, humeralis, awillaris) oder 4.4.4.
(L. castanea, orbicularis, seminulum. — Des Verf. L. orbicularis ist
mir unbekannt, seine Citate gehören zur folgenden, welche schwer-
lich A. seminulum F. ist. — Anisotoma*) mit der Fussgliederzahl
5. 5. 4. in beiden Geschlechtern, die grösste Zahl der Arten enthal-
tend, deren der Verfasser 29 aufzählt. Einige der kleineren Arten
(4. minuta Ahr., A. subtestacea Gyli., A. pauxilla und femoratu
des Verf., welche letzte von A. minuta nicht durchgreifend verschie-
den ist) weichen von den übrigen darin ab, dass das Mesosteroum
bei ihnen nicht gekielt ist. Ähnlicher Weise stimmt A. dentipes (und
acieulata) mit den übrigen nicht in der Fussgliederzahl überein,
welche bei beiden Geschlechtern 5. 4. 4 ist; beide schienen dem Ref.
auch noch nach anderen Characteren von Anisotoma als Gattungen
abzusondern zu sein, und wird im nächsten Bande der Käfer der M.
Brandenb. die erstere als Cyrtusa, die zweite als Colenis näher
beschrieben. Die Arten d&r eigentlichen Anisotomen "sind ungemein
schwierig festzustellen, hauptsächlich wegen der grossen individuellen
Abweichungen, welche bei den einzelnen in. der Grösse und im Zu-
sammenhaug damit in der eigenthümlichen Form der Hinterbeine der
Männchen vorkommen. Der Verf. hat bei, dem ibm zu Gebote ge-
standenen grossen Material diese Verhältnisse fast überall mit gros-
ser Umsicht berücksichtigt; nur in einigen Fällen haben: mich ‚die
noch reicheren Mittel unserer Sammlung zu anderen Ansichten ge-
führt, welche in meinen Käf. d. M. Brand. näher: aus einander ge-
setzt werden sollen. — Die dritte Gatt. des Verf. ist Jgarico-
phagus, mit der Fussgliederzahl 4. 3. 3. in beiden Geschlechtern;
auf einer neuen Art, A. cephalotes errichtet. — Die beiden letzten
Gatt, zeigen 5 Glieder un allen Füssen; 4. Hydnobius hat die
Sglied. unterbrochene Fühlerkeule der Anisotomen, und enthält: 4.
punctatum St: (spinipes Gyll.), 4. tarsale Riehl (schon früher als
Leiod,. punctatissima von Stephens beschrieben) und eine neue Art;
5. Triarthron zeichnet sich durch seine nur 3gliedr. Fühlerkeule
*) Wollte der Verf. die beiden vorhandenen Namen Leiodes und
Anisotoma benutzen, s0 ‚wäre wohl eher Grund gewesen, die
Bestimmung umzukehren, da Lätreille wenigtens in den Gen. Cr. et
Ins. sich in seiner Beschreibung von Leiodes auf A, picea bezieht,
Fabrieius aber L. humeralis zum Gattungstypus von Anisotoma,
nimmt, Es würde indess nur, neue Verwirrung herbeiführen, wenn
jemand s0 rigorös sein wollte die Bestimmungen unseres Verf. wie-
der umzukehren,
222
sehr aus, die einzige Art Tr. Märkelü ist eine ausgezeichnete Ent-
deckung des Hrn. Märkel und von ihm schon früher (Ent. Zeit.
1840. S. 140) Nachricht davon gegeben. -
Zwei neue englische Arten, Leiodes vittata und latifrons,
sind noch von Curtis (Ann. of. nat. hist, V. 8.276) beschrieben,
welche ich aber nicht zu beurtheilen wage.
Scaphidites. In dieser Familie fasst Heer (Col. Helv. I.
8.371) Scaphidium, Scaphisoma, Leptinus und Trichopteryx (Ptilium
Schüpp.) zusammen. Die letzte Gatt. ist mit mehreren neuen Arten
bereichert worden. T. testacea ist Ptilium apterum Guer. (8. Jalı-
resb. f. 1839. VI. Jahrg. 2 Bd. d. Arch. S.229. — Das Om. microsco-
picum Waltl ist eine zwar nahe verwandle, aber verschiedene Art
mit weit kürzeren Flügeldecken.)
Nitidulariae. Heer (ebendas.) hat in dieser Familie die
Gattungen Nitidula, Cychramus, Cryptarcha (nicht, Cryptarchus)
Cateretes, Ips, aufgenommen, ohne die Missgriffe zu verbessern, welche
sich in der Stellung einzelner Arten, z. B. der /ps 4-notata, abbre-
viata geltend gemacht haben. Die Gatt. Carpophilus ist ihm unbe-
kannt geblieben, die Arten derselben sind theils unter ‚Cateretes —
€. pictus und dimidiatus, letzterer nur Abänderung des C. hemipterus
(fexuosus) — theils unter Ips — I. bipustulatus, rubripennis — un-
tergebracht worden. Sodann sind noch angeschlossen Telmato-
philus (neue Gatt. für Oryptoph. Typhae, Caricis und Sparganü'),
Byturus und Trinodes, die letzte Gatt. wohl durch ein Versehen,
was um so mehr zu vermuthen ist, als die Bemerkung über Vor-
kommen und Schädlickkeit zu Byturus gehört.
Als Fam. Engida stellt Heer (ebend. S. 419)) die Gatt. ‚Peltis,
Thymalus, Colobicus, Sphaerites, Engis, Antherophagus, Cryptophagus,
Atomaria zusammen. Engzs entfernt sich aus dieser Abtheilung
und schliesst sich näher den Erotylen an, Dann fügt er noch als
neue Gattungen hinzu: Psychidium Müll. (Oryptophs brunnipes
und globulus Gyll.), und Pithophilus (Cryptoph. utomus Gyll.):
Erstere 'ist Ephistemus Westw., welche von den Engländern ‚sehr
unzweckmässig zu den Byrrhen gestellt wird: sie schliesst sich gauz
genau an Atomaria. Pithophilus ist einerlei mit Orthoperus Steph.,
gehört zur Fam. der Coceinellen und reiht sich ganz natürlich ebenso
an Corylophus (Clypeaster) als dieses wieder an Scymnus,
Dermestin Zwei neue Gattungen sind von Hope (Co-
leopterist’s Manual III.) in Vorschlag gebracht, Macroprion (8.109)
soll Anth serraticornis F. und verwandte Arten in sich ‚begreifen;
ich weiss diese nicht von Trogoderma zu unterscheiden, deren Männ-
chen eine mehr oder weniger lange sägeförmige Fühlerkeule be-
sitzen. — Pristoderus, Körper oben rauh, Fühler durchblättert,
Halsschild fast halbkreisförmig, Vorderwinkel spitz und vorragend;'
Hinterwinkel gerundet und gesägt. Hierhin Dermestes seaber F. ans!
223
Neuholland, mir unbekannt. — Eine, neue Art stellte Heer (Faun.
Col. Helv. I. 8.438) als Atfagenus sordidus von Genf, Gebler
(Bull. Mose. 1841. 585) eine andere, Att. fuscus (genauer bestimmt
eine Megatoma) aus Sibirien auf, — Douglas (Entomologist, 8.104)
fand die Larve Tiresias serra in Eichenholz.
Byrrhii. Heer (a. a. 0. 8.447. 448) beschrieb zwei neue
schweizer Arten von Byrrhus, B. glabratus und pulc hellus.
Histeroides. Heer (a.a.0.) stellte als neue schweizer
Arten auf: Hister aethiops (S. 454), welcher mir die ungefleckte
Abänd. des H. 4maculatus (gagates JI.) zu sein scheint — der Verf.
scheint den schrägen Schulterstreif als äussern Randstreif gezählt
zu haben. — H. punceticollis (S.457) erinnert sehr an Platysoma
frontale, es soll aber bei ihm Pro- und Mesothorax geradlinig gegen
einander treffen, während bei Pl. frontale die abgerundete Spitze des
Prosternum in eine Ausrandung des Mesosternum eingreift. — H.
distinctus des Verf. könnte vielleicht kleinere Abänderung vonAH. ca-
daverinus sein; der von mir in Klug’s Jahrb. beschriehene H. di-
stinctus Meg. iıat sich als ein Nordamericaner ausgewiesen.
Maerodactyla. Heer (a. a.0. 8.466.) beschrieb als in der
Schweiz vorkommende neue Arten: Parnus striato-punctatus
Dej., Viennensis Dahl, niveus, nitidulus, Georyssus sub-
striatus Chevrier. Georyssus will er von den Elmis entfernt wis-
sen, und stellt sie, meines Bedüukens auch nicht passend, zu den
Hydrophilen.
Palpicornia. Letzner (Arbeit. u, Veränd. d. schles, Ge-
sellsch. für vaterl. Kult. i, J 1840. Ent. Sect. 8.3) theilt Bemerkungen über
die Unterschiede des Hydrophilus piceus und morio (aterrimus) und
die Beschreibung einer auf dem Altvater entdeckten neuen Art, //y-
drobius punctato-striatus, welche dem H. limbatus und pıun-
ctulatus St. verwandt, sich durch vorn verschwindende Punctreihen
der Flügeldecken kenntlich macht, — Heer (a, a. 0.) beschrieb als neue
schweizer Arten: Helophorus alpinus, dem HA. nubilus verwandt,
— Hydraena pusilla, wohl nicht versch. von H..nigrita Müll. —
H. margipallens, bereits von Curtis (Br, Ent. VII. T.307) unter
dem Namen H, testacea sehr schön abgebildet. — Laccobius glo-
bosus, vorzüglich wegen stärkerer Punctirung von L. minutus .un-
terschieden. — Hydrobius nitidus, uoch kleiner als H. margi-
nellus, kürzer, gewölbter, und der Nahtstreif der Naht sehr genähert.
— Sphaeridium striolatum, dem S, scarabaeoides ähnlich, aber
gewölbter und die Flügeldecken neben der Naht gestrichelt. —
Sph. testaceum, klein, gelb, mit einem Nahtstreif auf den Flügel-
decken, — Cercyon castaneum und pulchellum.
Lamelticornia. Reiche (Rev. Zool, 8,211) hat eine syn-
optische Tabelle über die Gattungen der Arenuchen-Gruppe mit-
224
getheilt. Interessant ist die Bemerkung, dass mehrere ungeflügelt
sind, von diesen haben Aulacium Dej. (mit gerade ahgeschnittenem
an den Seiten tief ausgebuchetem Hinterrande und spitzen Hinterecken
des Halsschildes) und Coproecus (mit leicht zu gerundeten Hinter-
rande und stumpfen Hinterecken des Halsschildes) Tarsen an allen
Beinen, bei den übrigen fehlen die Vordertarsen. Zwei Enddornen
an den Mittelschienen haben Circellium Latr. (mit Klauen an den
Füssen) und Eueranium Dej. und G/yphiderus Westw.) mit
klauenlosen Füssen) einen Enddorn an denselben haben Pachysoma
Kirb, und Mnematium M.L. — Die übrigen sind gellügelt, Bei den
“einen ist die Brust vorn aufgetrieben, und die Mittelbeine sind wenig
aus einander gerückt bei Ateuchus mit 1, Sceliages Westw. mit
2 Enddornen der Mittelschienen, beide ohne Vorderfüsse, und bei
Gymnopleurus mit Vorderfüssen. Bei den andern ist, die Brust
flach und die Mittelbeine stehen weit aus einander. Die Flügeldecken
liegen entweder nur dem Hinterleibe auf, wie bei Sisyphus und
Stenodactylus Brull. (einerlei mit Eudinopus Burm., Scar.
dytiscoides Schreib.) oder sie umfassen auch die Seiten desselben,
Bei Hyboma (americanisch, mit 2- oder 4zähnigem Kopfschilde) und
Chalconotus Dej. (africanisch, mit einfach ausgerandetem Kopf-
schilde) fehlen die Vordertarsen, die sich bei den übrigen finden.
Epilissus (Canth.prasinus Kl. von Madagascar) hat den Hinterleib von
den Flügeldecken ganz bedeckt, während bei den übrigen das letzte
Segment frei bleibt. Bei Coprobius sind die hinteren Schienen einfach
gewimpert, während sie bei den folgenden dornig sind. Bei Megu«-
thopa Esch. ist das Schildchen sichtbar, nicht bei Epirhinus De).
und Coeloscelis Reiche (americanisch mit einer weiten Ausran-
dung an der Aussenseite der hinteren Schienen, die bei dem africa-
nischen Epirhinus fehlt. — Der Name Stenodactylus ist schon seit
längerer Zeit bei den Amphibien verwendet, auch gehen Delto-
chilum Esch. für Hyboma und Canthon JIl. für Coprobius als
ältere wohl begründete Namen vor. Die Unterscheidung von Epi-
lissus beruht auf einem Irrthum, denn das letzte Hinterleibssegment
ist ebenfalls frei, nur kleiner und die Flügeldecken sind hinten mehr
abgerundet als bei den americanischen Canthon. Die neu Aufgestell-
ten Gatt. Coproecus (hemisphaericus Latr.) und Coeloscelis sind mir
nicht mit Sicherheit bekannt. i
Klug begründete (Bericht über d. Verhandl.der Acad. d. Wissen-
sch. zu Berlin a. d.J. 1841 S.209) die von ihm in der hies. Sammlung
getroffene Eintheilung der Gatt. Phanaeus in 13 Gruppen. Die vier
ersten haben ein weit ausgerandetes, zweizähniges Kopfschild und
vierzähnige Vorderschienen, in den beiden ersten haben die Weib-
chen Vordertarsen, in den beiden andern fehlen sie beiden Geschlech-
tern. In der 1. Gr. (Ph. laneifer) sind beide Geschlechter gleich, in
der 2. (bellicosus Ol.) ungleich gehörnt, in der 3. (Jasius Ol.) finden
sich am Hinterrande des Halsschilds ein Paar. Gruben, welche der 4.
225
inus St.) fehlen. Bei den übrigen ist das Kopfschild vorn nicht
ausgebuchtet. Dagegen finden sich in der Mitte zwei Zähne mehr
oder weniger deutlich. Bei 5.—12, haben die Weibchen Vordertar-
sen, in der 5.—7. Gr. sind beide Geschlechter gehörnt, in der 5.
(Faunus) haben die Vorderschienen noch 4, in der 6. (Beelzebub?))
mit einem Paar, und der 7, (hustifer, dessen Weibchen Ph. Columbi
M.Leay ist) ohne Grübchen am Hinterrande des Halsschildes, nur
3 Zähne, Bei den andern sind die Weibchen ungehörnt. In der 8.
(Kirbyi Vigors) mit zweizähnigen und der 9. (Menalcas Dej., Neptu-
aus Cheyr.) mit ungezähntem Kopfschilde sind die Vorderschienen 4-,
in der 10. (carnifew, splendidulus u. s, w ) wieder 3zähnig. Bei der
11. (einer neue Art) mit 4zähnigen und der 12, (conspicillatus, festi-
vus) mit 3zähnigen Vorderschienen verlängert sich der sonst nur
stumpfspitzig vortretende Brusthöcker in einen starken Dorn. In
der 13. Gr, endlich (Mimas) sind wieder beide Geschlechter ohne
Vordertarsen, wie in der 3. und 4. Gr. — An Phanaeus schliessen
sich noch 2 Gattungen, bei denen die Fussgliederzahl abnimmt, die
eine derselben, mit 4gl. Füssen, Copris sich annähernd, ist neu, die
andere, Enicotarsus Laporte, Dendropaemon Pexty, Onthoecus Dej.,
bat nur noch 3 Glieder, und auch das dritte gewöhnlich verkümmert.
Von Aphodius beschrieb Gebler (Bull. Mosc, 1841. S. 597)
zwei neue Arten, A. maurus, vom Saisansee, und A. sexpustu-
Zatus von Irtysch. Auch Heer (Faun Col, Helv. 8.514) stellte
eine neue Art aus der Schweiz, Ad. Schmidtii auf, dem A, rubens
und dilatatus Schm. verwandt,
Derselbe (ebendas, 8,531) begründete eine neue Gatt, Psam-
mobius für A. sulcicollis und vulneratus. Der Name nur ist nicht
statthaft, theils seiner Ähnlichkeit mit Psammodius wegen, theils weil
er schon sonst gebraucht ist. Den Namen Psammodius überträgt
der V. mit Recht auf den A. sabuleti, auf welchem Gylienhal diese
Gait. gründete, die der Verf. mit zu den Trogiden stellt, sie hat
hornige Mandibeln und schliesst sich zunächst an Aegialia
Westwood (Ann, of nat, hist, VIII, 8.457) hat mehrere neue
Gattungen der Trogiden - Gruppe aufgestellt, Cryptogenius ist
eine merkwürdige Form, welche sehr an Cremastocheilus erinnert.
Das Kopfschild ist nach unten gebogen, die Lefze so gross, dass sie
bei eingezogenem Kopfe die übrigen Mundtheile ganz verdeckt Füh-
ler 10g1., Körper oben flach, runzlich und borstig, die Beine lang,
mit sügeförmig gekerbten Schienen. Cr, Miersianus aus Südame-
rica (unsere Sammlung erhielt ihn aus Brasilien). — Anuides eben-
falls Dachrückig, sonst näher an Trox stehend, hauptsächlich dadurch
unterschieden, dass die mit der scharfen Spitze hakenförmig einwärts
gekrümmten Mandibeln vorragen. Äussere Maxillarlade lang, borstig.
Fühler 10gl. Halsschild in der Mitte der Länge nach eingedrückt,
hinten breiter werdend. Beine ziemlich lang, sägeförmig gekerbt.
A. fossulatus aus Südamerica (die hiesige Summlung besitzt eine
Archiv 1, Naturgeschichte, VI, Jahrg. 2, Bd. pP
226
kiler ATt aus Parä), — Die dritte Gatt. Si/phodes steht in der
nächsten Verwändtschaft mit Hy bosorus, und unterscheidet sich vor-
züglich durch die ingleichen und unregelmässigen Klauen. Auch
sind die Beine lang und schlank, die Mandibeln sind an der Spitze
zweizähnig, die Lefze ist ausgerandet, S. Sumatrensis von Su-
matra, Phili; Ppinensis von den Philippinen, Gambiensis aus
Senegainbien; W rahrscheinlich ist die Gattung einerlei mit Acallus De).
und die erste Art vielleicht mit Sc. emarginatus Wied; hier sind aber
die Klauen gleich lang, an der Basis stark gekrümmt und gezahnt.
Burmeister hat in der 7. Lief, seiner Genera Insectorum die
Gruppe der Dynastiden einer umfassenden Prüfung unterworfen.
Er unterscheidet sie von der Abth. der Xylophila Latr. durch die
verlängerten Vorderbeine der Männchen, bei denen auch Kopf und
Halsschild immer gehörnt sind. Hierhin die Gatt. Chalcosomu Hope,
Megasoma Kirby *), Nylotrupes Hope, Golofa Hope, Augosoma Burm.,
Dymnastes Mac Leay. Unter Chalcosoma sind die vier bekannten Ar-
ten, Caucasus, Hesperus, Atlas und Chiron aufgeführt, und das Weib-
chen von Atlas abgebildet, bei dem unrichtig Sc. Melampus Ol. citirt
wird; dieser ist das Weibehen von A. Centaurus. Unter Megasoma
zählt der Verf. die 4 Art. Actaeon, Elephas, Typhon und Gyas Jabl.
auf. Unter dem letzten versteht er den Anudis Somm., Hector Gory,
indem er annimmt, dass in den Abbildungen von Voet und Jablonski
das Halsschildhorn in der Verkürzung gezeichnet sei, und deshalb
schmal -erscheine. Dies ist nicht der Fall, jene Abbildungen sind
ganz richtig, und es giebt wirklich einen Käfer mit dem schmalen
Halsschildhorn des Typhon und dem breiten Kopflorn des Anubis,
der auch sonst so in der Mitte steht zwischen diesen beiden, dass
ich früher gar nicht gezweifelt habe, dass Typhon und Anubis durch
ünmerkliche Übergänge in einander verbunden wären (8. im Jahresber.
für 1836 in dies, Archiv 3. Jahrg. 2. Bd, S. 295). Inzwischen scheinen
doch Typhon und Anubis zwei wohl verschiedene Arten zu sein.
Von der ersten habe ich eine grosse Anzahl von Exemplaren gesehen,
welche keine Übergänge zu Anubis zeigten, eben so ist Anubis be-
ständig in seinen Characteren, was auch M. C. Sommer, durch des-
sen Hände alle von Beske eingesandten Exemplare gingen, bestättigt.
Auch sind die Weibchen von beiden constant verschieden. Dann ist
aber Gyas Jabl., /aniger Voet, eine besondere dritte Art, welche von
Neuem wieder aufgefunden werden muss, und von welcher auch
unsere Sammlung nurein Ex. aus älterer Zeit besitzt. Unter Xy/o-
trupes hat der Verf. nur Dichotomus und Gideon unterschieden, es
*) Der Verf. will diesen Namen nach den Regeln der Grammatik
in Megalosoma verändert wissen, da indess die alten Griechen selbst
Wörter wie uesyaduuos gebildet haben, werden wir uns auch mit
Megasoma zufrieden geben können. Nach den grammaticalischen
Regeln müsste das Wort übrigens Megalosomus heissen.
227
"giebt aber in den verschiedenen Gegenden Südasiens verschiedene,
wenn auch dem Gideon nahe verwandte Arten. dugosoma unter-
scheidet sich von den übrigen namentlich durch das verlängerte erste
Fussglied. Die einzige bekannte Art ist Centaurus F., von der Je-
phtha und Ganymedes F. nur Abänderungen des Männchen sind. Das
Weibchen ist, wie oben bemerkt, Sc. melampus Ol.
Hope (Ann. of nat. hist. VII. S. 147) hat den Dynastes Jupiter
(Vergl. Jahresb, f. 1840. 8.172) von Bogota als neue Art aufgestellt.
Ein Exemplar dieses Käfers, welches der hiesigen Sammlung kürz-
lich zugekommen, stimmt in der Gestalt des Halsschildes ganz mit
dem Sc. Neptunus Schönh. überein, und es scheint, als ob dieser
aus dem Sc, Jupiter und Hercules zusammengesetzt sei, Von Dy-
nastes weicht der Jupiter übrigens in ‚mehreren Stücken ab, so dass
er in diese Gatt. nicht eingeschlossen werden kann.
Waterhouse (ebendas. 8.539) führt einen Xylotrupes pu-
bescens aus Manila auf; derselbe ist dem Gideon und Oromedon
verwandt, vom Phorbanta Ol. aber wohl kaum verschieden.
Westwood (Ann, of nat. bist. VIII. S. 454) hielt in der ento-
mologischen Gesellschaft einen Vortrag über einige Gattungen der
Dynastiden, welche mit Cryptodus in nahen Beziehungen stehen
sollen: Rhizoplatus (Untergatt. von Phileurus) hat ein grosses
die Unterlippe und die beiden ersten Glieder der Lippentaster bedek-
kendes Kinn, 3zähnige Maxillarlade, die Klauen der Vorderfüsse un-
gleich, das erste Glied der Hinterfüsse in einen Dorn auslaufend.
Rh. ceribarius, vermuthl. vom Senegal, Wenn in dieser Gattung,
welche ich in einer zweiteu, grösseren Art von Guinea vor mir zu
haben glaube, eine Annäherung an Cryptodus gegeben sein soll,
kann sich diess nur auf die Form des Kions beziehen, diese ist bei
den Dynastiden nicht characteristisch, wohl aber die Form des Kopf-
schildes und der Mandibeln, und hierin entfernt sich Rhizoplatus nicht
im Geringsten. — Actino bolus: Kopfschild vorn in 5 abgerundete
Lappen getheilt; Kinn gross, Lippe und Lippentaster bedeckend, Man-
dibeln hornig, gekrümmt, spitz. 4A. radians aus Brasilien, Mir
unbekannt, da aber ausserdem noch von einem labrum transversum
die Rede ist, ist es mir zweifelhaft, ob das Insect ein Dynastide sein
kann. — Leptognathus findet der Verf. im Bau des Mundes sehr
abweichend von den Dynastiden, das Kopfschild endet mit zwei vor-
springenden aufgebogenen Lappen, die Mandibelu sind wie bei den
Cetonien, die Maxille hat zwei sehr kleine häutige Laden; das Kion
ist gross, die kleine Mundöflnung ganz bedeckend; L. Latreillia-
nus vom Senegal. — Dieser Käfer ist der Cryptodon Senegalensis
des Dejeauschen Catalog, wo er gleichfalls den Dynastiden angeschlossen
ist, Auch in der hiesigen Sammlung war er dort eingeordnet worden.
Hält man aber streng an den systematischen Characteren, so ergiebt
sich eine andere Stellung. Die Gattung gehört nämlich zu den Melito-
p*
228
philen, nicht nur der Mundbildung nach, sondern auch nach den vom
Schulterrande der Flügeldecken ıligaeckten Epimeren des Mesotho-
rax, ein durchgreifender Character der Melitophilen, auf den ich
schon im Jahresbericht für 1839 (6. Jahrg. 2. Bd. d. Archiv S.245)
aufmerksam gemacht habe. Leptognathus würde sich hier noch an
Platygenia anschliessen, und in manchem Betracht sich Genuchus und
den verwandten Formen gegenüberstellen. Der Name Leptognathus
ist indess nicht mehr vacant, Cryptodon collidirt mit Cryptodus,
Klug hatte diese Gatt. schon vor 15 Jahren mit dem Namen Anodus
in. der hiesigen, Sammlung bezeichnet, jetzt ist aber auch dieser
Name schon anderweitig vergeben.
Von der Gatt. Cryptodus wurden 2 neue. Arten aufgestellt,
eine Cr. Tasmannianus aus Vandiemensland von Westwood
(Ann. of nat. hist, VIIL 8. 303), die andere Cr. variolosus vom
König Georgs-Sund durch White in Grey’s Reise Il, 8.459. Die
erstere hat 10-, die zweite 9gliedrige Fühler.
Cheirotonus Mac Leayi (S. Jahresb. f. 1840. 7. Jahrg. 2, Bd.
S. 173) ist von Hope in den Lion. Transact. XVII, t. 40. f. 3 jetzt
abgebildet worden. Es ist ein Weibchen, welches sich von dem des
Euchirus longimanus in keinem wesentlichen Puncte unterscheidet,
daher die Gattung Cheirotonus wieder eingehen muss, und die von
Hope aufgestellten Charactere als blosse Sexuskennzeichen zu beurthei-
lensind..— Waterhouse stellteeinen Euchirus quadrilineatus
von den Philippinen auf (Ann. of nat hist, VII. 8.539), mit welchem
der gleichzeitig publicirte Euch. Dupontianus Burm,. (‚Germ.
Zeitschr. III. $, 227) vermuthlich einerlei ist.
Aus der Rutelen-Gruppe hat Westwood (Ann. of nat, hist.
vım. S. 204 u. 303) eine neue Gatt, Parastasia aufgestellt, die
erste, welche in der indischen Fauna bekannt geworden ist. Der
Körper ist kurz, dick und hoch gewölbt, das Kopfschild zweispitzig,
die Mandibeln mit der Spitze nach aussen gebogen, der Aussenwin-
kel in einen vorspringenden Zahn ausgezogen, Äussere Maxillarlade
3zähnig. Fühler 10g1. Beine kurz, Klauen ungleich, die eine ge-
spalten. Die Arten sind auf den indischen Archipel beschränkt, und
zwar sind P. canaliculata, bipunctata, discolor, nigri-
ceps, confluens von den Philippinen (Entdeckungen Cüming’s),
Westwoodii Waterh. von Sumatra, binotata, Horsfieldii, bi.
color von Java aufgeführt, — Drei neue mexicanische Arten von
Pelidnota, P. ae € Adelaida, auripes sind von Hope
(Amn. of nat. hist. VII, S. 147) mit etwas undeutlichen Diagnosen be-
kannt gemacht.
Aus der Anoplognathen-Gruppe hat White im Anhang zu
Greys Reise (11. S. 460) ein neues prachtvolles Insect von der West-
küste Neuhollands unter dem Namen Brachysternus lamprimo-
ides beschrieben, Nicht glicklich ist es mit der durchaus verschie-
denen südamericanischen Gattung Brachysternus verbunden, näher
| e
229
schliesst es sich an Anoplosternus Gner., weicht aber auch hiervon
in mehreren Puncten ab, namentlich in den Klauen, von denen die
der vordern Füsse alle einfach, vom hintersten Paar aber die eine
ander Spitze gespalten ist. Es wird also der vom Verf. schon in
Bereitschaft gehaltene Gattungsname, Epichrysus nicht überflüs-
sig sein
Die Anomalen-Gruppe hat Hope (Transact, of. the Ent. Soc.
of. Lond,. I, S.65) mit Mimela princeps aus Siam, decipiens,
pyroscelis, glabra aus Assam, Chevrolat (Rev. Zool VII
8.222) mit Euchlora corruscans von Manila bereichert. — Von
Newman ist in der Transact. of. the Ent, Soc, of. Lond, III. eine
Arbeit über die Gatt. Popillia erschienen. Sie enthält 30 Arten,
welche nach der Sculptur der Flügeldecken, geflecktem oder unge-
Decktem Pygidium u. s. w. io 7 Gruppen getheilt sind, Die ersten
5 Gruppen sind aber durchaus nicht scharf gesondert, die beiden letz-
ten, welche mexicanische Arten enthalten, können mit den übrigen,
theils africanischen, theils ostindischen nicht verbunden bleiben, und
entfernen sich in mehreren Stücken, namentlich auch darin, dass bei
beiden Geschlechtern die grosse Klaue der Mittelfüsse gespalten ist,
während bei den eigentlichen Popillien sie beim Männchen einfach
ist, In der sechsten Gruppe stehen die Arten sticticollis, vidua, se-
mirufa, von denen die zweite das Männchen der ersten (beide sind
Anomala dispar Chevr. Dej. Cat.), die dritte vermuthlich vuur Abän-
derung ist. Die beiden Arten der 7. Gruppe, P. Castor und Pollux
scheinen sich unmittelbar an Mel pygmaea F., eine rein americani-
sche Form, anzuschliessen, So bleibt die Gattung Popillia auf Africa
und Asien beschränkt. Unter den hier aufgeführten sind 6 Arten aus
Africa, 19 aus Ostindien. Seit der Abfassung dieser Arbeit, deren
schon im Jahresber, f, 1858 (V. Jahrg. 2. Bd. d. Arch. 8,335) vor-
läufige Erwähnung geschehen ist, sind noch mehrere neue Arten hin-
zugekommen *), und auch im vorigen wieder 3 neue Arten von den
Philippinen, P. scalpta, aemula, atrata von Newman (Ento-
mologist, 8. 222) beschrieben worden. Hope (Transact. of the Linn,
Soc. XVII, 8. 587 t.40. f. 4.) gab eine Abbildung der Popillia gemma
von Assam, und (ebendas. f,5) von der an Popillia sich anschlies-
senden Paracrusis cyanipes eben daher,
Von eigentl. Melolonthiden beschrieb Hope (Transact. of (he
Ent. Soc. of Lond. Il. 8.62) Eueirrus Griffithii, einen gros-
sen der M, siigma F. in der Fürbung ähnlichen Käfer aus Assam,
und Chevrolat (Rev. Zool. 8.222) Leucopholis irroralta, von
*) Ältere Arten sind noch Rutela obliterata Schönh. (Syn. I.
App.) und deren var, ö, welche ‘eine eigene Art, P’.interpunetata der
hies, Samml. ausmacht; ferner P. femoralis Kl. in Ermans Reise, eine
von den vorigen gut unterschiedene Art, und Kut. histeroidea Schönh,
n.a.0
230
der M.rorida F. nur durch stärker ausgebuchtetes Kopfschild unter-
schieden.
Dann sind noch 2 neue Gattungen aufgestellt.
Biphyllocera White im entomol. Anhange zu Grey's Reise
(I. 8. 461): Fühler 9gl, mit 5blätt. Keule, die Blätter beim Männchen
lang, an der einen Seite gefiedert (pinnated ), Vorderschienen
3zähnig, Klauen der Hinterfüsse (auch der vorderen Füsse) gleich,
einfach. (Die höchst merkwürdige, zusammengesetzte Fühlerbildung
wird aus der Beschreibung des Verf. und auch aus der beigegebenen
Abbildung nicht klar, es sind auch nicht 5, sondern 6 Fühlerblätter
vorhanden; jedes derselben, statt solid zu sein, ist nach hinten ih
eine Reihe von Kammstrahlen aufgelöst, welche bald einfach, bald
höher oder tiefer gabelästig getheilt sind. Der Vorderrand jeder
Lamelle ist ganz einfach,) B. Kirbyana ist von Kön. Georgs-Sund,
Pachytrieha Hope (Ann. of nat. hist. VII. 8. 303): Fühler
10g1., Lefze vorgestreckt, zweitheilig, Maxillen an der Spitze mit
einem Haarpinsel, Mandibein gerade, mit stumpfer Spitze, Kinn tief
ausgerandet, Klauen mit 2 Zähnen. Soll in der Mitte stehen zwi-
schen Glaphyrus und Chasmatopterus. (Ich finde bei dem Ex. unsrer
Sammlung die Mandibeln klein, schuppenförmig, die Spitze haken-
förmig einwärts gebogen. Die vorgestreckte Lefze und die Form
der Mandibeln entfernt diese Gattung von dem Melolonthen, und
schliesst sie vielleicht näher an Euchirus.) P. castanea aus Neu-
holland, ein 15° langer, dicker, gewölbter Käfer mit stark zugespitz-
tem Kopfe und vorn am Halsschilde mit einem Dorn auf jeder Seite.
Über Maikäfer-Flugperioden bemerkte Heer (Ent. Zeit. S, 142),
dass sie einen 3jährigen Cyclus hätten, so dass alle 3 Jahre die Mai-
käfer in überwiegender Menge erschienen. Er schliesst daraus, dass
die Entwickelung der Maikäfer vom Ei zum Käfer 3 Jahre dauere.
Die Flugjahre sind in verschiedenen Gegenden verschieden.
In Bezug auf die Melitophilen machte Westwood (Ann. of
nat. hist. VIN. S. 338) die interessante Bemerkung, dass die innere
Maxillarlade mitunter nach dem Sexus verschieden gebildet sei, Zu-
weilen ist sie beim Männchen einfach, während sie beim Weibchen
einen scharfen Haken hat, wie u. a. bei Jumnos Roylü, Eudicellus
und Rhomborhina der Fall ist. In anderen Fällen spitzt sie sich
beim Weibchen nur mehr zu.
Kritische Notizen zur Synonymie der Cetonien theilte Schaum
(Anal. Ent. p.34) mit. Sie beziehen sich hauptsächlich auf die Gory-
sche Monographie, welche allerdings vielfacher Berichtigungen in
diesem Puncte sehr bedarf, -
Aus der Trichien-Gruppe stellte Hope (Ann. of nat. hist. VIH.
8,302) Valgus argillaceus als neue Art aus Ostindien auf, —
Burmeister (Genera Ins. 7. Lief.) gab eine schöne Abbildung der
Platygenia barbata (Zairica) nach beiden Geschlechtern und mit
allen Details. — Dass Westwoods Gatt. Leptognathus hierher zu
rechnen sei, ist oben (S, 227) bemerkt worden.
ae
231
Die Cremastocheilen - Gruppe ist von Burmeister und
Schaum (Germ. Zeitschr. III. S. 243) monographisch bearbeitet wor-
den. Hier wird die Gruppe dadurch charakterisirt, dass der hornige
Theil der Mandibeln mit einer erweiterten und gewöhnlich haken-
förmigen Spitze den häutigen überragt. Später fügte Schaum (Anal.
Entomol.S. 32) hinzu, dass der Bruststachel hier vom Metasternum allein
gebildet wird, während bei den Goliathen und eigentl. Cetonien das
Mesosternum an seiner Bildung Theil nimmt. Die Eintheilung der
Gruppe in Gattungen ist folgende: J. Mit sehr breitem Kinn, welches
den Mund von unten gänzlich schliesst, und trichterförmig bei Cre-
mastocheilus Ko, (4 A., darunter Cr, mexicanus aus Mexico neu)
und Cyclidius Mac-L., fast zapfenförmig ist bei Scaptobius (neue
Gatt., aus dem Cr. Capensis Gory, und einer neuen Art, Cr. Caf-
fee, die erstere mit 4, die letztere mit 5 Fussgliedern, vielleicht nur
Geschlechtsverschiedenheiten von einander) und Hoplostomus M’L.
— II, Mit länglichem Kion, neben welchem die Maxillen sichtbar sind;
einen langgestreckten Körper haben Genuchus Kirby (eruentus mit
den Abänd, sanguinolentus M’L. und hottentotta F., elongatulus Gory,
und /uevis Gory), Centrognathus Guer., und Coenochilus, neue
Gatt, durch schmales, rinnenförmig ausgehöhltes Kinn, zweizähnige
Maxillarladen, zweizähnige Schienen und längere Füsse von Genu-
chus unterschieden, enthaltend Cr. Paulus Gory, ©. sulcatus (Cr.
maurus Gory), (et. ventricosa Schönh. (Cr. Bron Gory), Cr. Sene-
galensis Gory, (et. maura F., Cet. lugubris F. Einen länglichen
Körper haben Ptychophorus (Cymophorus Kirby mit Cr. spini-
venter Gory, C. undatus Kirby, Cr. Brahma und Or. cribrosus Gory
und einer neuen Art, Pt. /eucostictus aus Südafrica) und Macroma
6. P. mit 7 A., darunter zwei neue, M. cognata vom Cap, bisher
vermutblich mit M. scutellata verwechselt (S. Jahresber. f. 1839.
VI. Jahrg. 2. Bd. S. 250 d. Arch.) und M. nigripennis aus China.
Unter gleichen Artnamen stellte Hope (Transact. of the Ent.
Soc. 11.8.6?) eine Art aus Assam auf, welche nach seiner Beschrei-
bung der chinesischen zwar ähnlich, aber verschieden ist. Er nenut
die Gattung Campsiura, weil die Kirbysche Macroma eine andere
sei, da indess die Kirbysche Benennung i. Jitt. geblieben ist, Gory und
Perchı. aber ihre Gatt. wissenschaftlich begründet haben, wird der
von ihuen gebrauchte Name wohl verbleiben müssen. Sonst würde
der Faldermannsche Estenomenus den Vorzug haben.
Nach einer Notiz in Guerin’s Rev. Zool. (8.393) ist Golathus
princeps Hope das Weibchen zu @. Cacicus. Nach den Exemplaren
der hiesigen Sammlung kann ich diese Angabe bestättigen und hinzu-
fügen, dass, nachdem jetzt beide Geschlechter vorhanden sind, es
sich auch ausgewiesen hat, dass G. regius Kl. das Weibchen des
@. giganteus Lam. (Cet. GoliataF. 01.) ist, so dass mit dem @. Dru-
rü Westw. zur Zeit drei Arten, zwei nach beiden Geschlechtern
bekannt sind.
= Are
232
Von einigen ostindischen Goliathen - Formen hat Westwood
(Arcana Ent. I. T.1.) vortreffliche Darstellungen gegeben, und zu-
nächst von den im männlichen Geschlecht stark gehörnten Gattungen
Myeteristes Lap. (Philistina M’L.) und Dieronocephalus Hope. Die
erstere Gatt. enthält den javanischen G. rAinophyllus Wd., von
welchem hier eine sehr kenntliche Abbildung des Männchens mit ge-
nauer Darstellung der Mundtheile gegeben ist. Eine zweite Art von
den Philippinen, welche unter dem Namen M. Cumingii von Wa-
terhouse (Ann. of nat. hist. VII. 8. 221) zugleich bekannt ge-
macht, und hier nach beiden Geschlechtern und ebenfalls mit den
Mundtheilen abgebildet ist, bildet eine eigene Untergatt. Phaedi-,
mus, indem bei sonst grosser Übereinstimmung die Vorderschienen
beim Männchen üngezähnt sind, welche bei rhinophylius aussen 3
Zähne haben. Endlich eine schöne Abbildung des seltenen Dicrono-
cephalus Wallichii, mit allen Details und ein Umriss des D. ET
cius) opalus Dup,
Neue Arten sind in nicht unhedeutender Zahl. aufgestellt: Di-
ceranorhina Nireus von Schaum (Anal. Ent. S. 40 T. f. A. B.),
eine. Eudicella, ferner Goal. (Eudieellus) ignitus, auratus,
/rontalis von Westwood (Ann. of nat, hist. VIN. S. 204)
alle von Guinea, Rhomborhina, Japonica von Japan,
hyacinthina, ‚distineta (nach Westwood, Arc. Ent. p. 118
nicht versch, von Mellii Gory), Cantori (vermuthlich ein Trigono-
phorus, s. Wesitw. a. a. 0. 8.121), Corypha iucunda (da der
Name nicht mehr vacant ist, von Westwood a. a. O0. 8.135 in pun-
etatissima umgeändert), amoena, alle aus Assam vonHope (Trans-
act. of the Ent. Soc. of Lond. III. S.62.). — Dicheros ornatus
von Mysore, Coelor hina concolor von Sierra Leona, @natho-
cera Natalensis von der Weihnachtsbai durch dens. (Ann. of nat.
hist. VII. S.203), G@nothacera trivittata aus Südafrica von
Schaum (Anal. Ent. 8.41.), Agestrata Withillii von Bombay,
A. gagates von Travancur, Macronotavittigera von Mysore
durch Hope (Ann. of nat. hist. VIII. S. 303), M. Philippensis und
nigrocoerulea, Lomaptera cupripes und nigra-aenea von
den Philippinen durch Waterhouse (Ann. of nat. hist. VIII. S.221.),
Gymnetis atropurpurea aus Brasilien von Schaum (a.a. O.
8.43), Schizorhina Thoreyi aus Guinea von dems, (8.42.)
Sch. succinea aus Neuholland von Hope (Ann. of nat. hist. VIII.
S. 302), Ichnestoma Raeuperi Schaum (a. a. 0. 8. 48).
Aus der Gatt. Cetonia haben Chevrolat im Juli- Heft der Revue
7001. (S.223) und Newman im September-Heft des Entomologist
(8.169) sich beeilt die von Cuming mitgebrachten Arten von Manila
zu beschreiben, und damit zu doppelten Benennungen Veranlassung
gegeben. (©. bifenestrata Chevr. ist nämlich einerlei mit ©. ge-
mella Newm., und wahrscheinlich ist ©; Indra Hope (Ann. of
nat. hist. VII, 8.303) nur eine Abänderung dieser in der Zeichnung
233
veränderlichen Art; ©, anowittata Chevr. ist einerlei mit C'hloris
Newm., ©. Manillarum Chevr. vielleicht mit ©. subviridis
Newm.; ©. sybaritica Newm. ist C. ferruginea Esch. @. P., ©.
ambigua Chevr, germana und querulaNewm. kenne ich nicht.
— Schaum (a.a. 0.) beschreibt ferner aus dieser Gatt. €. specta-
bilis von Java, C. Stählini aus Abessynien, iridescens von
Guatimala, vulnerata von Java, thoracica aus Arabien, —
Heer (Coleopt, Helvet. S.552) stellte als eine neue schweizer Art
©. valesiaca auf, welche aber nur eine schwarzblaue Abänderung
der nach Klima und Standort ziemlich veränderlichen C, aurata ist.
Auch bei den Lucaniden nahm Westwood (Ann. of nat.
hist. VIII. S. 121) eine ähnliche Unterscheidung der Geschlechter wie
bei den Melitophilen in der Bewaffnung der Maxillen wahr, indem sie
bei den Weibchen zuweilen mit einem Haken versehen sind, der den
Männchen fehlt. Dies findet statt bei den Gattungen Pholidotus, Scor-
tizus (Lucan. maculatus KI., Pholidot. irroratus Hope) und Lamprima;
hei Chiasognathus, Sphenognathus, Lepidodus, Ryssonotus, Cerato-
gnathus, Syndesus, Ceruchus und Platycerus fehlt der Haken beiden
Geschlechtern, dagegen findet er sich bei beiden Geschlechtern von
Niridius und auch zeigten ihn alle Ind, von Figulus und Cardanus.
Hope hat bei Gelegenheit der näheren Bekanntmachung von
10 neuen Arten aus Assam (Linn. Transact, XVII, 8.592) einige
vortreffliche Bemerkungen über mehrfache Verschiedenheiten inner-
halb der Gattung Lucanus gemacht. Er giebt Arten mit 4, mit 3 und
auch mit 5 Fühlerblättern, Dann ändern die Schienen in ihrer Be-
wallnung ab. Verf. besitzt einen L. aus dem tropischen Africa, mit
gänzlich unbewehrten Schienen, bei andern sind die 4 hinteren Schie-
nen unbewehrt, bei noch andern die hintersten, während die Mittel-
schienen einen einzelnen Dorn haben; endlich findet es sich, dass die
4 hinteren Schienen mit einem einzelnen Dörnchen bewaffnet sind
und noch andere Fälle. (Es scheinen die Verschiedenheiten in der
Bewaffnung der Schienen nicht ohne Bedeutung zu sein, Die oben
näher angegebenen Fälle passen auf die tropischen, vorzugsweise
indischen Arten, während bei denen der gemässigten Zone, d.h. denen
der europäischen und nordamericanischen Fauna die Schienen viel-
dornig si . Arien mit fünfblättriger Fühlerkeule kommen unter bei-
den vor, z. B. L. Rhinoceros Ol. unter denen der indischen, L. Bar-
burössa F. unter denen der europäischen Fauna, solche mit drei-
blättriger Fühlerkeule jedoch unter denen der gemässigten nicht. Ob
diese Verschiedenheiten Werth genug haben, um eigene Gattungen
darauf zu gründen, ‘wie Hope es wenigstens in Betreilf der Fühler-
blätterzahl andeutet, scheint mir doch noch näher zu überlegen
zu sein.) nr
" Verfehlt ist aber, was Hope über die Stellung äussert, welche
die Lucanen in der Oeconomie der Nattır einnehmen. Ersagt: „Da schon
bei uns die Hirschkäfer viel Schaden anrichten, indem sie hartes Holz
234
nach allen Richtungen hin durchbohren, um wie viel mehr müssen es
nicht die indischen thun, da sie so zahlreich an Arten sind und oft
in staunenswerther Zahl der Individuen erscheinen. Auch ist zu
beachten, dass die indischen Arten meist siark bewaffnet sind. Im
Regenmossun dringt der Regen in die Gänge ein, welche die Luca-
nen in das Teak- und anderes hartes Holz gegraben haben, und macht
es faulen, und da die Termiten und andere Insecten das Werk der
Zerstörung fortsetzen, fällt der stolzeste Baum bald in Staub zu-
sammen. So erscheinen die Lucanen bestimmt, die Ueppigkeit tro-
pischer Vegetation in Schrauken zu halten.’ Bei uns bohren die
Hirschkäfer und ihre Larven sicherlich weder in hartem Holze noch in
lebenden Stämmen, die grossen Mandibeln der Männchen haben auch
durchaus nicht die Form, dass damit geschrotet werden könnte, auch
sind die Hirschkäfer keine Holzfresser. Esliegt die Frage schr nahe,
wozu Hirsch- und Nashornkäfer ihre Waffen haben? Zum Einbohren
schwerlich, dazu würden sie eher hinderslich als förderlich sein. Auch
sind die Weibchen, welche, um die Eier abzulegen, in Holz oder Holz-
erde einzudringen haben, unbewehrt, und dafür mit tüchtigen Grabbei-
nen verscheu. Es scheint eher, dass jene anscheinend mächtigen Waf-
fen der Männchen blosser Putz sind, daher können sie auch in
Grösse und öfter auch in Form unendlich abändern, ohne dass das
Thier in seinen Verrichfungen dabei betheiligt wird,
Von den 10 beschriebenen assamesischen Arten haben der T. 40
F. I abgebildete L. Forsteri, in Grösse und Mandibelform an unse-
ren L Cervus erinnernd, und L serricollis eine 5bl. Fühlerkeule.
Der erste und L. curvidens haben die Hinterschienen imbewehrt,
L. Spencii, bulbosus, astacoides, foveatus, serricallis, pun -
ctiger und vermuthlich auch L. Rafflesü, der mit dem L. nepa-
lensis H. (Chevrolatii Chenw), die grösste Uebereinstimmung zeigen
soll, haben an den 4 hinteren Schienen einen einzelnen Dorn, L.
omissus, der mitdem L. castaneus die nächste Verwandtschaft haben
soll, stimmt auch vermuthlich mit diesem darin überein, dass die hin-
teren Schienen ganz unbewaffnet sind. 0
Andere Arten von Lucanus sind ausserdem Aug asle: L.Bur-
meisteri von Hope (Ann. of nat. hist, VIII. 8.302) von Mysore,
L. dux, dem L.alces nahe stehend, von Manila und, L. De Haanii
von Borneo, durch Westwood (ebendas, S. 124). Alle 3 haben die
4 hinteren Schienen unbewehrt, die letzte Art auch die Vorderschie-
nen nur mit einem einzelnen Zahn in der Mitte versehen.
Westwood (a. a. ©.) stellte eine neue Untergatt. iR? 'odus
auf. Mandibeln vorragend, diek,;innen und an der Spitze gezähnt.
Augen von der Stirnkante ganz durchsetzt. Fühlerkeule 3hlättrig.
Vorderschienen 5zähnig, hintere Schienen unbewehrt. Körper punctirt,
mit Schüppchen in den Puneten. L. rotundicollis aus Neuholland.
— Dieser Käfer scheint in naher Beziehung mit Cacostomus squa-
mosus Newm. (Ann. of nat, hist. IV. S. 364) zu stehen.
Von Dorcus beschrieb Chevrolat (Rev. Zool. S. 223) D. eri-
briceps von Manila, Hope (Ann. of nat. hist. VII. S.302) D. Dar-
winii aus Chile. Von Nigidius derselbe (ebendas.) N. grandis
von Sierra Leone und (Ann. of nat. hist. VII. 8.147) von Hexaphyl- '
Zum H. Westwoodi von Bogota. Letzteres ist wohl einerlei mit
HB. aequinoctiale Buq.
Buquet (Ann. d. l. Soc. Ent. d. Fr. X. p. XXI.) hat einen Pho-
tidotus unter dem Namen PA. Dejeanii beschrieben, welcher aber
schon als Cbalcimon Spixii in dem Reisewerk von Spix und Martius
von Perty beschrieben und abgebildet, und unter dem Namen Phol.
Spixii bei uns bekannt ist.
Reiche (Rev. Zool. S.50) beschrieb eine neue Lamprima
vom Schwanenfluss als L. Micardi. Er stellte zugleich die Be-
hauptung auf, dass alle übrigen bekannt gewordenen Arten, wo beim
Männchen der eine Enddorn der Vorderschienen breit beilförmig ist, nur
Ahänderungen seien. Ich habe inzwischen in diesem Archiv 8. Jahr-
gang 1.Bd. S, 108 die Arten näher aus einander gesetzt, worauf ich
bier verweise. Mit L. Micardi, welche jetzt auch der hiesigen
Sammlung zugegangen ist, besitzt dieselbe jetzt 6 wohl unter-
schiedene Arten, von denen 4 den beilförmigen Enddorn der männ-
lichen Vorderschienen der L. aenea, 2 den zugespitzten der L. Mi-
eardi haben.
Percheron hat in Guerin’s Magasin de Zoologie ein Supple-
ment zu seiner Monographie von Passalus gegeben, welcher die
Diagnosen der in dieser beschriebenen Arten mittheilt, und zugleich
einen Nachtrag von neuen Arten liefert. Von diesen gehören P. Neel-
gherriensis Guer. vomNila Giri, australasicus P. aus Neuhol-
land, Zatipennis Dup. aus Java zu solchen mit 6blättriger Fühler-
keule. Bei den übrigen ist letztere 3blättrig, und zwar mit längeren
Lamellen bei P. hostilis unbekannten Vaterlandes, approxzimatus Kl.,
worbillosusKL. von Nadagaka, Timoriensis P. von Timor, agno-
scendusGory von Mexic it gezähntem Kopfschildrande und kah-
len Schultern. — P. a 5 von Guinea, incertus Bug. aus Colum-
bien, mit ungezahntem Kopfschildrande u, behaarten Schultern — P. spi-
nifer unbekannten Vaterlandes, Maillei Dej. aus Columbien, la-
‚aus Guiana, contractus P. aus Mexico, longulusP.
Vaterlandes, mit kablen Schultern — endlich mit kurzen
P.teres P. aus Neuholland, eylindraceus Perty von
L (der P. cylindraceus der Monogr. ist jetzt als P, eden-
t ay aufgeführt), bicanthatus Guer. von Malacca. — Kopf
und von illen diesen Arten sind auf den Taf. 77 — 79 Ins.
dargestellt. Noch eine neue Art, D, fronticornis, aus Thibet,
wurde von Westwood (Ann. of nat. hist, XVIH. 8.124) aufgestellt,
Melasoma, Gebler (Bull, d. 1. Soc. Imp. des Nat. de Mose,
1841 8.569 hat mehrere neue sibirische Arten entdeckt, nämlich Ades-
mia Dejeanii vom Saisansce aus der Pimelien- und aus der
256
Tentyrien-Gruppe: Adnatolica demtieulata und swleiceps
vom Tschuja-Fluss. N “
Die Nyctelien-Gruppe erhielt eine höchst aunsehnliche Berei-
“ cherung durch "Waterhouse’s (Proceed. of the Zool, Soc. 1841
S. 105) Beschreibung der von Hrn. Bridges und Darwin gesammelten
Arten, Von ersteren ist die l.ocalität leider nicht genau bekannt,
vermuthlich ist es aber die Umgegend von Petorca, wo sie gesam-
melt sind; letztere sind von verschiedenen Puncten des Südendes von
America. Aus der Gatt. Nyeteliu lieferten erstere 2, letztere nicht
weniger als 15 Arten, von Patagonien, Port Desire, Cap-Negro, Bahia
Blanca und St. Blasius, Mendoza und St. Cruz. — Epipedonota
ist mit 4 neuen Arten vermehrt, 2 von Petorca, von Montevideo und
Bahia Blanca, 1 von Port Desire, Cerosten«a endlich mit. 1 neuen
Art von St. Cruz. en
Gu&rin (Rev. Zool. 8. 215) machte Scotobius obesus aus der
Tageniten-, und Pruocis depressa aus der Praociten-Gruppe,
beide von Port Famine an der Maghellan-Strasse, als neue Arten
bekannt. sen
Die Gruppe der Zopherites hat Solier (Ann. d. 1. Soc. Ent.
d. Fr. X. p.29 pl.2) gründlich 'beärbeitet. Sie zeiehnet sich durch
längliche Gestalt, Dicke der Hornschale des Körpers, eiförmiges oder
wenigstens nicht merklich beilförmiges Tasterglied und verschwin-
dendes letztes Fühlerglied unter den Collapteriden mit vortreten-
der Zunge aus. Sie hat ihren Hauptsitz in Mittelameriea und ent-
hält nur 3 Gattungen. Noösoderma Dej. hat freie anscheinend 9gl.
Fühler, indem die beiden letzten in das 9. aufgenommen’sind. FünfArten,
von denen N. Dirponchelii aus Cuba, als N. echinatum sich schon
in Guer. Rev. Zool. 1838 p.279 aufgestellt findet, die übrigen aus
Mexico, von denen N. morbillosum und vicinum nur Abänderun-
gen von einander sind. Vermisst werden das nordamericanische N.
inaequale Dej., ferner eine brasilische und eine columbische Art, die
letzteren beiden durch ein ebenes, hikyorn durch ein’ Paar von
Büschelhöckern bezeichnetes Halsschild ausgezeichnet. Zopherus
Griff. mit Rinnen zur Aufnahme der ebenfalls anscheinend 9gl, Fühler.
Vier Arten Z. nervosus, nodulosus, mexicanı vevicollis —
letztere nicht wie der V. angiebt, rein schwarz, sondern alls mit
weissem Überzuge zwischen den Erhöhungen wie die üb ‚en — sind
sehr gut unterschieden. Die hiesige Sammlung besitzt 2 Arten,
Z. chilensis Griff. nicht chilesisch, sondern ebenfalls mexicanische,
und eine diesem verwandte neue Art aus Golumbien, — icero-
deres, die Fühler schlanker, auscheinend 10g1,, indem das und 10.,
beide etwas dicker als die übrigen, deutlich abgesetzt sind, das Hals-
schild mit zwei grossen nach vorn gerichteten Hörnern. Eine neue
Art, D. mexicanus: e
Die Gruppe der Sepidien hat Hope (Col. Manual Ill. S. 116)
mit zwei neuen Gatt. bereichert "Trachelweum schliesst sich an
1 “
237
Oxura und Trachynotus, unterscheidet sich aber durch das nicht
sechseckige, sondern viereckige Halsschild, dessen Vorderecken ab-
gerundet sind, Die 'Flügeldecken haben die Naht und 3 Rippen vor-
springend, die eingeschlagenen Seiten gefurcht. Eine neue Art, Tr.
laticolle vom Cap ist nur genannt. Somaticus (S. rugosum F.)
unterscheidet der Verf. von Trachynotus (S. reticulatum F.) eben-
falls nur durch einige habituelle Merkmale, namentlich durch breitere
Flügeldecken und gewölbte Oberseite derselben wie des Halsschildes.
Abweichungen im Habitus fallen allerdings in die Augen, doch bleibt es
weiteren Untersuchungen vorbehalten solche Gattungen zu begründen,
Die Gruppe der Blaptiden vermehrte Gebler (Bull. Mose.
1841 8.593) mit einer neu entdeckten Art, Blaps Karelini, von
Saisansee. Sie hat ganz den Habitus von Nyctipates, aber gerandete
Flügeldecken.
Auch in der Opatriden-Gruppe hat Hope (Coleop. Manual Ill.
S.110) einige neue Gattungen aufgestellt, welche indess z. Th. schen
von Dejean vorgezeichnet waren, und auch von dem englischen En-
tomologen sehr oberflächlich characterisirt sind. Scleron (Selerum
Dej.) enthält eine Reihe ‚africanischer und ostiudischer Arten (z. B.
O. orientale F.) mit länglichem Körper und breiten dreieckigen Vor-
derschienen. : Trichoton (Epilasium Dej.) eine südamericanische
Form, mit eirundem, gewölbtem, oben und unten behaartem Körper,
und gebogenen, unten (postice!) erweiterten vorderen, geraden Hin-
terschienen, Das von Hope nur namhaft gemachte T. Cayennense
wird wohl einerlei wit, Ep. rotundatum Dej. sein. /sopteron Hope,
eine neuholländische Form mit gestrecktem Körper, ausgerandetem
Kopfschilde, fast halbkreisförmigem, an den Hinterwinkeln aussen
stark eingeschnittenem Halsschilde, grossem Schildchen, gezähnten
Vorder-, verlängerten und unbewehrten Hinterschienen, ist, mir nicht
bekannt.
3
Tenebriones, Die Charactere von Chiroscelis sind von
Hope (Coleopteris’s Manual 111. T.3 F.3) durch frefflliche Abbildun-
gen erläutert. Alsdann sind ebend. mehrere neue Gattungen aufge-
stellt. Prioscelis (8. 128), mit schnurförmigen Fühlero, deren
5 letzte Glieder an Dicke zunehmen, verdickten und ungezähnelten
Vorder- und Hinterschenkeln, stark gekrümmten Vorder- und Hin-
terschienen, letztere innen dicht gesägt. T. serratus F. und eine
neue grössere Art, P. Fabricii von Sierra Leona. — Pachylo-
cerus (8. 186) hat dicke, bis zu den beiden vorletzten Gliedern
schnur ige Fühler, einen undeutlichen Zahn an den Vorderschen-
keln und Mittelschienen, einen deutlichern an den Vorderschienen,
die Hinterschienen fast gerade. Körperfarbe metallisch, Mit dem-
selben Namen hatte unser Verf. schun vor einigen Jahren sehr tref-
fend eine ausgezeichnete Cerambyeinenguttung ‘bezeichnet, da die
Dejeansche Benennung für dieselbe Gattung Iphicerus durchaus nicht
angenommen werden soll, ist der Name später (8. Aun. of nat, hist.
238
IX. 8.65) in Pycnocerus umgeändert worden. Die Art, P. Wester-
manni Hope, ist unbedenklich Ten. serratus Fab. — Taurocerus
(S. 130) entspricht Dejean’s Bucerus, ein Name, der zweckmässig
geändert ist, Hope erinnert, dass die Art schon als T. cornutus hei
Fabricius vorkomme.
Neue Arten sind:
Catapiestus mediocris@u&rin(Rev.Zool. S. 124) vonBorneo.
Uloma insularis Guerin (ebendas. S. 190) vonder Insel Vavao.
Tetratoma pallida Curtis (Ann. of nat. hist. V. 8.226) aus
England — vermuthlich blosse Abänderung des T. fungorum.
Helaeus echidna, eine merkwürdige Art mit drei Stachel-
reihen auf jeder Flügeldecke, und Emcephalus (Cilibe) trico-
stellus White in Grey’s Reise (M. 8. 464), beide vom König
Georgs-Sund.
MHetopii. Vier neue neuholländische Gattungen sind von
Westwood (Arcana Ent. pl. 12 8.43) aufgestellt und durch schöne
Abbildungen erläutert worden. Die ersten drei stimmen darin über-
ein, dass die innere Maxillarlade in einen hornigen Haken ausläuft.
Cyphaleus, länglich eiförmig, mit gewölbten, runzligen, gleich brei-
ten Flügeldecken, Fühler nach der Spitze hin wenig verdickt, Hals-
schild mit abgerundeten Vorder- und scharfen Hinterecken; (©. for-
mosus, iopterus, neue Arten und C. rugosus (Helops? rugosus,
aterrimus Gray.) — Chartopteryx, eiförmig, Flügeldecken nach
hinten allmälig breiter werdend mit scharfer Spitze. Halsschild mit
scharfen Vorderecken. Fühler nach der Spitze hin nicht verdickt,
die vorletzten Glieder nicht länger als dick. Ch. Childrenii, ein
ansehnlicher Käfer, mit durch glatte Felder und Haarlinien Jandkar-
tenartig gezeichneten Flügeldecken. — Hemicyclus halbkugelförmig,
doch den vorigen, und nicht den metallischen Diaperiden sich an-
reihend, Halsschild mondförmig, die 5 Endglieder der Fühler kürzer
aber nicht merklich verdickt. Zwei neue Arten, H. grandis und me-
tallieus. — Lepispilus hat den hornigen Haken an der inneren
Maxillarlade nicht, und ist Pachycoelia Boisd., und der hier abgebil-
dete L. suleicollis identisch mit P. sulcicollis und dem mit grosser
Ausführlichkeit beschriebenen Helops sulcicollis Boisd, in der F'n. de
l’Oceanie. Einen characteristischen Einschnitt der Zunge, welchen
diese Gatt mit Adelium gemein hat, ist vom Verf. übersehen. Es
wäre auch interessant zu erfahren, ob die drei anderen Gatt. jenen
Einschnitt haben.
Eine mit Adelium nahe verwandte neuholländische Gatt. stellte
Hope (Col. Manual Ill. S.189 T.3 F.5) unter dem Namen Thora-
cophorus auf. Sie hat eine andere Gestalt, der Körper ist gestreck-
ter, flacher, das Halsschild mehr scheibenförmig, vorn tief ausge-
randet, seitlich gerandet, von den stark gestreiften Flügeldecken
abgerückt, Der Verf. besitzt 5 Arten, von den Th. Walkenaeriü
abgebildet ist (die hiesige Sammlung hat ebenfalls 5 Arten aus dieser
239
schr markirten Gattung, welche jedoch anders benannt werden muss,
nicht sowohl weil der Name schon gebraucht ist, sondern auch, weil
er sich mit den Regeln der Namengebung nicht verträgt. 8. Jahres-
bericht für 1837. IV. Jahrg. 2 Bd. d. Arch. 8.208).
Eine 6. Gatt. dieser Familie stellte Gudrin (Rev. Zool. 8. 124)
unter dem Namen Pseudhelops auf, welche er zwischen Adelium
und Helops in die Mitte stellt, und von beiden durch die abgesetzt
diekeren 4 Endglieder der kurzen Fühler unterscheidet. Ps. tuber-
eulatus, von den Aucklands-Inseln.
Lagriariae. Eine neue Art ist Lagria pruinosa Che-
vrolat (Rev. Zool. S.224) von Manila.
Anthicides. Auch hier ist eine neue Art beschrieben wor-
den, Anthicus humeralis Dej. von Gebler (Bull, Mosc. 1841
S. 596), bei Loktewsk in Sibirien vorkommend.
Vesicantia. Westwood (Guer. Mag, d. Zool. Ins. pl.85)
errichtete eine neue Gatt. Tmesidera. Sie stimmt im Wesentlichen
mit Zonitis überein, und weicht besonders nur darin ab, dass die
Endglieder der Taster abgestutzt und etwas beilförmig sind. Indess
scheint dieser Unterschied nicht viel zu bedeuten, denn eine andere
Art der hiesigen Sammlung kommt sehr mit der Tmesidera
rufipennis des Verf. überein, hat aber die zugespitzien Palpen
der eigentlichen Zonitis. Das Insect ist aus Neuholland.
Eine neue Mylabris ist von Gebler (Bull. Mosc. 1841 8.598)
unter dem Namen M. smaragdina beschrieben. Sie ist smaragd-
grün mit gelbem Spitzenfleck der Flügeldecken, von M Pallasii durch
stärker gerunzelte Sculptur unterschieden. Einmal am Irtysch gefangen.
Bemerkungen über die Larven der Meloiden von v. Siebold
finden sich in der Ent. Zeit. S. 130, Der Verf. fordert vorzüglich
die Eutomologen auf, der weiteren Entwickelung der Jetzt nur be-
kannten eben aus dem Ei gekommenen Larven nachzuspüren.
Al. Burn machte der Ent. Soc. in London die Mittheilung, dass
in Guzerate (Ostindien) zwei neue Arten als Pflusterkäfer gebraucht
werden. Die eine, Lyita gigas, erscheint im August und September,
Niegt selten, kriecht meist auf der Erde und nährt sich von Gras-
schösslingen. Die andere, Mylabris pustulata Billb., Diegt das ganze
Jahr hindurch und nährt sich von allen essbaren Cucurbitaceen, Hi-
biscus esculentus und cannabinus, und wird dem Gartenbau sehr
nachtheilig.
Lytta verticalis zeigt sich nach Passerini in Italien mitunter
schädlich, indem sie das Kartoflelkraut abfrisst. (Rev. Zool. 8. 354.)
Oedemerites. Leon Dufour (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. V.
8.5) hat die Larve einer Dedemera genauer beschrieben, welche
er in faulendem Fichenholze fand; er erzog daraus (e. seladonia als
Münnchen und ruficollis F. als Weibchen, und vereingt beide als
De. dispar. Es verhalten sich indess sehr viele Oedemeren auf
PT | PR
ähnliche Weise in ihren Geschlechtsdifferenzen, und ausserdem ist
eine andere Art unter demselben Namen, wenn auch nicht beschrie-
ben, doch in den Sammlungen sehr verbreitet, ‚Die Beschreibung und
Darstellung der Larve ist sehr gelungen.
Erfahrungen über Nothus clavipes Meg, bipunctatus Jllig., prae-
ustus Ol. hat Banse (Ent. Zeit. S.162) mitgetheilt. Sie sind einerlei
und nur Geschlechtsverschiedenheiten. In der Färbung ändern beide
Geschlechter sehr ab. Die Mänuchen haben zuweilen verdickte Hin-
terschenkel, aber nicht immer und lassen sich in Jetzterem Falle
stets noch durch schwarzes Halsschild, helleren Hinterleib mit durch-
scheinendem Penis und nach hinten verschmälerten Körper unter-
scheiden.
RAhynchostoma. Curtis (Ann. of nat. hist, V. 8. 261) be-
merkt, dass die Gatt. Lissodema mit Sphaeriestes in der nächsten
Verwandtschaft stände und sich vorzüglich dadurch unterscheide,
dass die Fühlerkeule nur 3gliedrig sei. Somit würde Lissodema La-
treille’s Salpingus (dentatus, cursor) entsprechen.
Cureuliones. Über die in Schlesien von ihm gesammelten
Rüsselkäfer machte Schilling (Arbeit. und Veränd. der schles. Ge-
sellsch. für vaterl. Kultur i. J. 1840) Mittheilungen, die Gattungen
Bruchus, Anthribus, Apoderus, Attelabus und Rhynchites betreflend.
Von den ‚Gattungen der Rüsselkäfer” von Labram und Imhoff
sind das 8. und 9. Heft erschienen, in welchen die Verf. fortfahren,
nicht nur diese schwierige Familie zu erläutern, sondern auch sie
mit neuen Gattungen und Arten zu bereichern,
Von Anthriben sind Uterosomus (verrucosus Ol.), Platyrhinus
(latirostris F.), Analotes (discoideus) und eine neue Gatt. Discote-
nes dargestellt. Charactere der letzten sind runde Augen, in einer
Grube an den Seiten des Rüssels eingelenkte Fühler, das 3—7 I,
langgestreckt und dünn, die 4 letzten eine breite, zusammengedrückte,
dicht gegliederte Keule bildend. D. cvelebs, eine kleine Art aus Bra-
silien. — Von Brenthen sind Arrhenodes corniger var,, Trachelizus
adustus und elavicornis Sch., Ceocephalus Reisii, neue Art aus Guinea,
und Taphroderes striolatus als neue Art aus Brasilien abgebildet;
die letzte stimmt mit Taphr. brevipes Sch., bis auf die Zeichnung,
welche bei diesem erloschen ist, überein, und ist vielleicht nur eine
Abänderung desselben. — Aus der Gruppe der Attelabiden sind
vorgestellt: Cuamarotus marginalis, eine neue südamericanische
Art, Pterocolus ovatus (als Vaterland sind hier Carolina und Mexico
angegeben, wir erhielten aber aus Mexico eine von der nordameri-
canischen verschiedene Art), Attelabus bispinosus, melanocoryphus var,
seutellatus, Apoderus languidus und hystrix, Cybebus rufipennisSchönh.
Goureau (Ann. d. ]. Soc. Ent. d. Fr.X. S.21) schilderte das
Verfahren des Attelabus curculionoides beim Einrollen der Eichen-
blätter, in welche er bekanntlich seine Eier legt. Er beisst das Blatt
241
an der Mittelrippe auf, macht die ganze einzurollende Fläche durch
Einbisse weich, und rollt dann mit den hinteren Beinen unter Bei-
hülfe der Mandibeln und Vorderbeine den zubereiteten Blattzipfel so
auf, dass das zu Anfange der Operation an das Blattende gelegte Ei
in das Iunere der Tüte kommt.
White (Entomologist S. 181), machte eine sehr merkwürdige
Form von Attelabus bekannt, welche er als eine eigene Untergatt,
Lagenoderus aufstellt. Der Käfer gleicht auf dem ersten Anblick
einem sehr langhalsigen Apoderus, es ist hier aber weniger der Hin-
terkopf als das Halsschild verlängert, welches letztere allein länger
als der Hinterkörper, cylindrisch und stark quergerunzelt ist. Füh-
lerkeule 5gl., Vorderschenkel verdickt, unten gezähnt. L. gnomor-
des aus Madagascar.
Chevrolat (Rev. Zool. 8.224) stellte Rhynchites Philip-
pensis von Manila als neue Art auf, dieser Riese in seiner Gattung
ist aber nach Schönherrs eigener Bestimmung dessen Rlı. coelestinus.
Curtis (Ann. of nat. hist. V. S. 281) beschreibt ein Apion als
das ächte A. Curtisii Kirby, unter welchem Namen Stephens eine
Var. einer gewöhnlichen Art aufgeführt habe. Es ist am nächsten
mit A. pubescens verwandt, unterscheidet sich aber durch rostrothe
Fühlerwurzel, kuglige Glieder der Fühlergeissel und glatten Rüssel.
Von Norfolk.
Auch von Gonatoceren beschrieb derselbe (ebendas. S. 280) einige
englische Arten, welche er als nen betrachtet. Anthonomus bran-
nipennis, mit dem Rüssel nur 1” lang, ockerbraun mit hellern
Flügeldecken, kenne ich nicht, Pissodes? pygmaeus ist ein viel-
leicht neuer Mycronyx, Hypera fumipes ist dissimilis Hbst., welche
ebenfalls die 6gl. Fühlergeissel besitzt, die der Verf. an seinem Käfer
bemerkte.
Waterhouse (ebendas. S. 329) beschrieb die von Darwin ge-
sammelten Arten von Lophotus: L. vitulus (Cure. vitulus F.) und
fongipes, als neue Art beschrieben, sind von Feuerland, nodipennes
Hope und Eschscholtzii Schönh. von Chile Die erste Art ist ent-
weder sehr nahe verwandt oder einerlei mit C. leprosus Ol,, die
zweite ist ohne Zweifel ©. strumosus Ol, was dem Verf. wohl ent-
gehen konnte, da Olivier, wie beim ©. leprosus, irrthümlich Mada-
gascar als Vaterland angiebt.
Ders. (Proceed. of the Zool. Soc. 1841 8. 121) bearbeitete die von
Darwin und Bridges in Südamerica gesammelten Arten von Listro-
deres Sch., deren 4 neue, von Petorca, Coquimbo und Montevideo
beschrieben sind. Als eine eigene Galt. Adioristus trennt der Verf.
solche ab, welche lang gestreckte Fühler mit langer deutlich ge-
gliederter Keule, Haarbekleidung statt der Schuppen, und keine Beule
hinten anf den Flügeldecken haben (es scheint indess an Mittelformen
nicht ganz zu fehlen, indem z. B. ©. immunis Esch. in den beiden letzten
Puncten mit Adioristus übereiokommt, und dabei die kurzen Fühler
Archiv 1, Naturgesehichte, VIE, Jahrg, Bid, 2 [R]
242
von Listroderes hat.) Hierher 5 neue Arten, eine von Mendoza, die
andern aus den Thälern von Petorca. — Eine neue Art von Cyli-
drorhinus, C. angulatus aus der Maghellanstrasse, beschrieb
Guerin (Rev. Zool. S. 217).
Die Gattung Pachyrhynchus ist durch Cuming mit einer
grossen Anzahl von meist prächtigen Arten bereichert worden.
Sie sind von Waterhouse (Ann. of nat. hist. VII. S. 218) und
von Chevrolat (Rev Zool. S. 224) durch Diagnosen bekannt ge-
macht, Waterh. führt 20, Chevr. 10 Arten auf, welche, wie es
scheint, mit zwei Ausnahmen nicht zusammenfallen. Nämlich P, rho-
dopterus Ch. ist W’s. P. iugifer, P. mandarinus Chevr. ist
einerlei mit chlorolineatus Wat., zugleich der eigentliche san-
ctus JIl., den Schönherr mit Unrecht zum P. moniliferus zieht. Wei-
ter sind mir die Waterhouseschen Arten nicht bekannt, von den
Chevrolatschen mögten noch P. pretiosus und scintillans, eben
so ardens und globulipennis zusammenfallen, endlich sind P.
eirculiferus und alboguttatus nur abgeriebene Ind. von P.
fimbriatus. — Guerin (Rev. Zool. 1841 8.216 — Mag. d. Zool.
1842. Ins. pl. 95) vermehrt diese Gatt. noch mit einer neuen Art, P,
biplagiatus von den Salomons-Inseln.
Chevrolat (a. a. 0.) beschrieb noch einige andere neue Rüs-
selkäfer von den Philippinen: Apocyrtus Erichsoniti, Hypome-
ces suturalis, Otiorhynchus fusco-femoratus, Copto-
rhynchus(?) setipennis, cyanipes.
Guerin machte in Rev. Zool. mehrere neue Arten von ver-
schiedenen Puncten Polynesiens bekannt. Geonemus insignüs,
von Ternate, Le Guilloni von den Salomons-Inseln (8.125) und
Eupholus Petitii von Neuguinea (8.216). Für die übrigen sind
neue Gattungen errichtet:
Elytrogonus (8.126) zunächst mit Sphaeromus Schönh. ver-
wandt, aber die Fühler sind kürzer, namentlich ist der Stiel kaum
von der Länge des Kopfes, der Rüssel nicht durch eine Furche vom
Kopf getrennt, die Schulterecken der breiten Flügeldecken einen nach
vorn vorspringenden Winkel bildend. E. griseus aus Neuguinea.
Coptorhynchus (S. 191) mit Otiorbynchus verwandt, der
Rüssel aber nach oben zu einer Leiste erhaben, an der Spitze schräg
nach unten abgeschnitten. Hierhin gehört Otiorh. ostentatus Schönh.,
und die neuen: ©. Ternatensis, elegans von 'Dernate, Bomby-
lius aus Neuguinea, auch ©. /uctuosus (Otiorh. luct. Boisd.) eben-
daher, der von den übrigen darin abweicht, dass der Fühlerstiel
schon von der Wurzel an breit ist (darin kommt mit ihm der oben
genannte ©. setipennis Chevr. überein),
Sphaerorhinus (8.127) mit Psomeles ganz nahe verwandt,
durch die Fühler mit deutlicher Keule und den Rüssel oben mit einer
kugligen Verdickung am Ende, unterschieden. SpA. villosulus von
der Insel Vavao.
243
Trigonops (8.128) der vorigen Gattung nahe stehend, von
mehr kugliger Form, der Rüssel oben mit einer kugelförmigen Vor-
ragung, von der Stirn durch einen Eindruck getrennt, vorzüglich
durch die in Kegelform stark vorspringenden Augen ausgezeichnet.
Tr. rugosus von den Salomons-Inseln. (Hierhin scheivut mir der
oben aufgeführte Coptorh. cyanipes Chevr. mit ein paar verwandten
Arten von den Philippinen zu rechnen zu sein.)
Von Borkenkäfern findet sich von Curtis (Ann. of nat. hist.
V. 8.279) Bostrichus Waringii als neue englische Art beschrie-
ben, er ist aber nichts als ein Männchen des B. (Xyloterus) linea-
tus Ol. Gyll.
Xylophaga. Curtis (Ann. of nat. hist. V. S.277) bildete
aus dem Lyetus nitidus Payk. eine eigene Gatt. Teredosoma, wel-
che indess auch unter dem Namen Teredus Dej. bekannt und von
Shuckard in den Coleop. Delin. gleichzeitig abgebildet ist.
Paussidae. Westwood (Ann. of nat. hist. VII. S.532) gab
eine Übersicht über den zeitigen Inhalt der Familie, und fügte neuere
Bereicherüngen ein. Gattungen mit gewissermaassen 2gliedrigen Füh-
lern siod Paussus, Platyrhopalus, Hylotorus, mit 6gl.: Pentaplatar-
thrus, Lebioderus, Ceratoderus, mit 10gl.: Cerapterus. — Paussus ist
am reichsten an Arten, die jetzige Aufzählung enthält 25, darunter neu:
P. fulvus aus Ostindien und t7bialis aus Bengalen, beide aus der
Abtheilung mit durch eine Einschwürung getheiltem Halsschilde und
hinten ausgerandeter Fühlerkeule, P. cognatus aus Bengalen, und
P. Saundersii aus Ostindien, beide aus der Abth. mit ungetheiltem
Halsschilde. Die Gatt. Ceratoderus ist hier aus dem P. bifascia-
tus Koll. neu gebildet, Die Fühler erscheinen als aus 6 Gliedern
zusammengesetzt, die 4 mittleren platt, das letzte halbkreisförmig.
Das abgestutzt-herzförmige Halsschild unterscheidet sie von Penta-
platarihrus und Lebioderus. Die Füsse sind deutlich 5gliedrig.
Die Gatt. Cerapterus hat ders. (Transact. of the Linn. Soc.
XVIM. 8. 561) in einer neuen Übersicht mit einer neuen Art, und
2 nenen Untergatt. bereichert. C. 4-mäculatus von Java gehört
als 3. Art zur typischen Form der Gattung. Homopterus ist eine
neue Untergattung: der Kopf breiter als das Halsschild, die Füh-
ler ziemlich lach mit schwach sägeförmigem Vorder- und geradem
Hinterrande, das Halsschild abgestutzt herzförnig, die Klügeldecken
schmal, die Schenkel und Schienen sehr breit, die letzteren olıne End-
dornen, aber an der Spitze ausgehöhlt zur Aufnahme der schr kur-
zen Füsse, (€. H, Brasiliensis, bei Rio Janeiro entdeckt, die
‚erste Art, welche aus dieser Familie aus America bekannt wird.
Pleuropter us, Untergatt,, wo der Kopf halb so breit ist als das Hals-
‚schild, die Fühler lang, ziemlich Nach, das 2. Glied aussen in einen
spitzen Winkel vorgezogen, das Halsschiid von der Dreite der Flü-
geldecken, mit hinten buchtigem und jederseits ohrfürmig vorgezoge-
nom Seitenrande, die Flügeldecken an der Wurzel mit 2 erbabenen
Q*
244
Rippen, die Beine lang und schlank, -die Füsse breit. € Pl. We-
stermanni, von Java.
Burmeister (Guer. Mag. deZool. 1841, 10e Livr. Ins. pl. 76) hat
die systematische Stellung dieser Familie in Betrachtung gezogen,
nnd ist dabei zu dem unerwarteten Resultat gekommen, dass sie
zunächst den Caraben sich anschliesse und in die Abtheilung der
Raubkäfer (carnassiers) gehöre. Eine Analogie zwischen Ozaena
und Paussus, sowohl in der Lebensweise als der Körperform, nament-
lich der eigenthümlichen Beule an der Aussenecke der Flügeldecken-
spitze, ist bisher nicht übersehen worden, und man hat es, wie West-
wood, als ein Verhältniss der Analogie der Gattung Ozaena zu
der Fam, der Paussiden beurtheilt. Der Verf. findet aber darin eine
nähere, verwandtschaftliche Beziehung, um so mehr, als beiden die
Fähigkeit zu bombardiren gemeinschaftlich sei, und vergleicht alle
Körpertheile der Paussen mit denen der Caraben, um durch Nach-
weis ihrer Übereinstimmung die oben angeführte Ansicht zu begrün-
den. Ich kann diese Übereinstimmung nicht finden. Was die Mund-
theile betrifft, so glaube ich, dass, wenn man die der Paussus als
modifieirte Raubkäfer - Mundtheile betrachtet, es kaum eine Käfer-
familie geben wird, wo man nicht dasselbe mit eben dem Rechte
thun könne. Ferner hebt der Verf. gleiche Eivfügung der Beine bei
den Paussen und Caraben hervor, obgleich sie bei beiden wesent-
lich verschieden ist, bei den Caraben sind nämlich die vorderen
Hüften kugelförmig und von den Gelenkpfannen ganz umschlossen,
bei den Paussen sind sie zapfenförmig und stehen frei hervor, Dann
werden die Trochanteren stützend bei den Paussen genannt, was sie
aber bei ihnen nicht mehr sind als bei anderen Käfern, wo sie es
picht sind. Ferner wird auf die gleiche Bildung des Baues des
Hinterleibes Bezug genommen, indem bei den Caraben (z.B. Cychrus)
sowohl als bei den Paussen 6 Bauchsegmente vorhanden seien, aber
anscheinend nur 4, indem die beiden ersten und die beiden letzten
mit einander verwachsen wären. Mir ist kein einziger Fall bekannt, wo
sich zwei letzte Hinterleibssegmente mit einander verwachsen fänden.
Bei allen Raubkäfern (Cicindelen, Caraben, Dytiscen und Gyrinen) sind
aber die drei ersten Bauchsegmente mit einander verwachsen, so dass
man- an den Seiten wenigstens noch deutlich dieNähte sieht, und die
übrigen drei sind frei. Bei allen von mir untersuchten Paussen finden sich
nur 4 Bauchsegmente, von denen das erste eine kaum merkliche An-
deutung zeigt, dass es aus zwei, aber gewiss nicht drei verwachsenen
Segmenten entstanden ist. Endlich ist ausser Betrachtung geblieben,
dass bei den 4 Familien der Raubkäfer der Prothorax seine Episterna
und Epimera hat, was bei allen übrigen Coleopteren nicht der Fall
ist. Bei den Paussen sind diese Theile nicht nur nicht vorhanden,
sondern selbst das Sternum ist nicht einmal abgesondert. Auf diese
Weise ist eine Verbindung der Paussen mit den Caraben durchaus
nicht möglich, welche auch Marg. de Breme (Rev. Ziool. 1842 S. 61)
’
{ 245
gezwungen findet, ohne indess die Oberflächlichkeit der Untersuchung
zu pr fn.
Eongicornes. Die Prionen-Gruppe hat einen Zuwachs
von mehreren neuen Gattungen erhalten. Baladeva Water-
house (Transact. of the Ent. Soc. of Lond.ll. S.225) gehört zu
der kleinen Abtheilung des Durysthenes mit langen abwärts ge-
krümmten Mandibeln, verlängerten Tastern u. s. w., wird aber von
jener durch einfache Brust unterschieden; näher kommt sie an Cyr-
tognathus, und weicht hiervon nur dadurch ab, dass die letzten
Tasterglieder nicht so beilförmig, die Halsschildsdornen dagegen stark
ausgeprägt sind, auch ist 3. Walkeri, aus Ostindien, eine Riesen-
form im Vergleich mit den verwandten.
Die andern Gattungen sind von Newman (Ann. of nat, hist. V.
S,14) und sämmitlich neuholländisch:
Sceleocantha, Halsschild mit einem krummen Seitendorn,
dann halbkreisförmig ausgeschnitten, hinten zweibuchtig. Schienen
aussen bedornt. S. glabricollis, neue Art aus Vandiemensland,
und Pr. pilosicollis Hope vom Schwanenfluss.
Toxeutes, Halsschild mit zwei spitzen zurückgekrümmten Dor-
nen, Schienen unbewaflnet, P. arcuatus F. (Ich habe, da ich diese
Abhandlung von Newman übersehen hatte, dieselbe Gatt, unter dem
Namen Oncinotus id. Arch, VII. Jahrg. 1. Bd. 8. 219 beschrieben.)
Dorx, Anselhn eines Dorcus, Mandibeln kräftig, gebogen, mit
2zähniger Spitze. Taster lang, mit verdicktem Endgliede. Fühler
von mehr als halber Körperlänge, das 2. Glied klein, die übrigen
gleich lang, zusammengedrückt. Halsschild vorn breiter mit etwas
buchtigen Seiten. Flügeldecken etwas schmäler als das Halsschild,
an der Spitze gerundet. Schienen kantig, mit zwei scharfen End-
dornen und stumpfen Halteren (?) an der Spitze. Das 4. Fussglied
besonders deutlich. D. pentamera, Neuholland.
Pithanotes, Ansehn eines Prionus. Mandibeln kräftig mit sehr
scharfer Spitze und innen mit 2 kleinen Zähnen. Taster kurz, mit
eylindrischem Endgliede, Fühler von mehr als halber Körperlänge,
das 3, Glied so lang als das 4 und 5. zusammen, Halsschild kurz,
rechtwinklig, mit einem scharfen Seitendoru in der Mitte. Schienen
wie bei Dorx. P. falsus.
Neue Arten sind noch Mallodon stigmosum Newman (eben-
das.) aus Neuholland, und Solenoptera Taslei Bugq. (Aun. d. 1.
Soc. Ent. d. Fr.X. S.XXXIX.) aus Luisiand.
Zu der Trachyderiden-Gruppe gehört Callona Water-
house (Transact. of the Ent. Soc, of Lond. I. 8.228) und ist unbe-
denklich eine Stenaspis, C. tricolor W. von Caracas? ist eine
schöne neue Art, welche unserer Sammlung von Hrn. M. C. Sommer
als ein mexicanisches Inseot mitgetheilt wurde. — Newman (Ento-
mologist 8.11) hat seinen Trachyderes venustus, einen Phaedinus
ı Debauvei s. vor. Jahresb. 8. 187) noch einmal beschrieben,
246
Die Gatt. Pteroplatus (8. vor. Jahresber. 8. 188) ist von Buquet
mit 4 Arten vermehrt, so dass die Zahl der von ihm beschriebenen
auf 9 gestiegen ist. Auch die neuen sind aus Columbien, (Ann. d.].
Soc. Ent. d, Fr. X. 8, 151.)
Westwood (Ann. of nat. hist, VIII. S. 124) kündigte eine neue
Gatt. Paristemia an Sie ist mit Lophonocerus verwandt, hat
kurze, dicke Fühler, kleinen Kopf, einen stumpfen Seitendorn am
Halsschilde und die Flügeldecken seitlich rundlich-erweitert. P.pla-
typtera aus dem tropischen Africa.
Neue Cerambicinen - Arten sind: Callichroma semiignita
Chevrolat (Rev. Zool S. 227) von Manila, Niraeus equestris
Newman (Entomologist 8.79) unbekannten Vaterlandes, Xysto-
cera virescens Newman (Aun. of nat. hist. V. 8.19) aus Neu-
holland. Mallosoma fuligineum desselben (Entomologist S. 7)
aus Brasilien ist eine Abänderung des M. elegans Serv. ohne Binde
auf den Flügeldecken.
Buguet (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr.X. S.325) bemerkte zum
Purpuricenus Loreyi, welchen Duponchel in ders. Zeitsch, VI. S.309
beschrieben hatte, dass er der Gatt. Eburia angehören müsse, und
sich zunächst der E. venusta anschlösse.
Eine neue Gattung Bardistus (Newman Entomologist S. 80,
White in Grey’s Reise, II. S. 465) hat das Ansehn einer Aromia,
das 5.-Fühlerglied besonders lang, die Schenkel aufgetrieben und zu-
sammengedrückt, und zeichnet sich besonders .durch die dreilappigen
Augen aus, an denen der eine Lappen nach dem Scheitel, der andere
nach dem Munde, der dritte nach der Kehle gerichtet ist. B. ciba-
rius ist matt gelb mit weichen Flügeldecken, lebt am König Georgs-
Sund im Grasbaum (Xanthorrhoea) und wird sowohl als Larve. wie
als Käfer von den Eingebornen gespeist.
, Ausserdem hat Newman theils in den Ann. of nat, hist., theils
besonders in seinem Entomologist viele Beiträge zur Kenntuiss der
Cerambieinen gegeben, aber meist so aphoristisch und. durch ein-
ander geworfen, dass es schwer hält, sie zu übersehen,
Besondere Berücksichtigung haben die früher unter Stenocorus F.
vereinigten Bockkäfer erfahren. Von. Americanern findet sich (Ento-
mologist 8. 24) eine Aufzählung der Arten der Gatt. Elaphidion
Serv., welche unter 18 elf neue enthalten, und 8. 110 noch mit sechs
vermehrt worden sind. Drei derselben, E. deflen dum (welches schon
von Olivier als Call. notatum abgebildet ist), so brium aus Nordamerica
und amabile aus Mexico würden zur Gatt. Stenosphenus Dej. gehören.
— Mallocera Serv. erhielt 2 neue Arten, M.sericata (Ent. 'S.5)
und M. opulenta (Ent. S. 94) beide von Rio Janeiro. Die zweite
weicht darin vom Gattungstypus ab, dass die Flügeldeckenspitze
unbewehrt, dagegen die hinteren Schenkel an der Spitze mit einem
Stachel versehen sind. — Tröchophorus Serv. erhielt einen Zu-
wachs von 2 Arten: Tr. distinetus (Ent. 8.6) mit Tr. lippus nalıe
i
-
. 247
verwandt, die Beschreibung passt ganz auf Tr. flavosignatus De).
(lippus Serv,) nur dass die Farbe der Zeichnungen weiss angegeben ist
— und Tr. variatus aus Brasilien. Dann ist noch eine neue Gatt.
Nephalius (Ent. S. 93) aufgestellt, von Trichophorus dadurch unter-
schieden, dass die Schenkel einfach sind, und den Fühlern die Haar-
bekleidung fehlt. Körper von eintöniger Färbung, mit feinem Filz
und aufrechten Borstenhaaren. Vier neue Arten von Rio Janeiro:
N. amictus, serius, exzutus, cassus, denen (8.112) eine Ste
bunter gefärbte, ebenfalls brasilianische, N. blandus hinzugefügt
wird. — Endlich belegt N. den Stenocorus garganicus F. mit dem
Gattungsnamen Chion, (Cerasphorus 2. Div. Serv.) und schliesst als
zweite Art Sten. rusticus F. (ebenfalls aus Nordamerica und nicht aus
Ostindien, wie F. angiebt) an, indess ist er wohl nur Abänderung
des ersteren.
Den typischen neuholländischen Stenocorus, so wie die Gatt.
unter diesem Namen jetzt aufgenommen ist, ertheilte Newman (Ann. of
nat. hist. V. S. 19) den Gattungsnamen Phoracantha, und beschrieb
(Ent. 8.2) eine Reihe von Arten derselben, von denen hamata
Abänderung von longipennis Hope, allapsa mit St. assimilis Hope,
senio mit Coptocercus 6maculatus Hope identisch, tricuspis, quwi-
naria, recurva, aberrans neu zu sein scheinen, Als Charactere
der Gatt. hat der Verf. gedornte Fühler, mehr oder weniger eindor-
nige Halsschildsseiten, und mehr oder weniger dornige Flügeldecken-
spitze aufgestellt. So wie aber die Dornen an den Halsschildsseiten
und der Flügeldeckenspitze verschwinden, so scheint dies auch in
dieser Gattuog mit den Dornen der Fühlerglieder der Fall sein zu
können. Von solchen führt Newman (Ent. 8.9) als „N. @. Calli-
dio affine” 2 Arten, piceum und signiferum auf, von denen
das erstere als Call. scutellare mit der irrigen Vaterlandsangabe Am-
boina sich bei Fabrieius beschrieben findet. — Mit Stenocorus ver-
wandte Gatt. sind in den Ann. of nat, hist. V. S. 20 drei beschrieben,
die aber gleichzeitig von Hope unter anderen Namen bekannt gemacht
wurden (s. d. vor. Jahresb. 8.189) und so fallen Didymocantha
obliqua Newm, mit Strongylurus varicornis Hope, Phlyetaeno-
des pustulosa N. mit Trachelorachys fumicolor Hope und Tessar-
omma undatum Newm. mit Meropachys Mac Leayi Hope zusam-
men. In der letzten Gattung hat der Newman’sche Name jedenfalls
den Vorzug, da der Hopesche schon bei den Hemipteren in Gebrauch
ist, Mit Stenocorus (Phoracantha) wieder näher verwandt, scheint
die neue Gatt. Amphirhoe (Entomologist 8.24) zu sein: die Füh-
ler haben das 3.— 5. Gl. bedornt, das Halsschild ist gewölbt, an den
Seiten gerundet, ohne Dorn, die Flügeldeckenspitze abgestuzt, die
Beine lang, die Schenkel an der Spitze plötzlich keulförmig verdickt.
A. decora von Vandiemensland.
Andere Gattungen schliessen sich mehr an Callidium an. Cyl-
tene (Ent, 8.7) gleicht einem Olytus, aber das 3,—6. Fühlerglied
245
sind bedornt, die Halsschildseiten haben hinten einen Zahn, die Flü-
geldeckenspitze ist eindornig, die Schenkel sind einfach. C. spini-
fera von Südamerica (Buenos Ayres). — Phacodes (ebend. S.7)
steht in ähnlichem Verhältniss zu Callidium, hat nämlich das 3.—5. Gl.
freilich in sehr geringem Grade bedornt, die Flügeldeckenspitze ab-
sestutzt und aussen eindornig. Ph. lentiginosus aus Neuholland
ist Galli. obseurum F. Ol. — Unter dem Gattungsnamen Callidium
beschrieb N. C. faber (Ann. of nat. hist. V, 8.18) und C. intor-
tum und ©. vile (Ent. 8.223) aus Neuholland, bemerkt aber von den
beiden letzteren, dass sie vom Gattungstypus sich sehr entfernen.
Curius (Ent. S. 17): Kleine Käfer von Gestalt eines Obrium,
durch die stark verdickten und gezahnten Schenkel sehr kenntlich
C. dentatws hat das 3. Fühlerglied lang gestreckt, das 4. mit glei-
eher Länge von den folgenden; eine zweite Art, C.scambus (ebend.
5,79) hat das 4. Glied merklich kürzer, und auch das 3. noch kür-
zer als das 5. Beide aus Nordameriea. (Dies letzte Verhältniss der
Fühlerglieder haben auch ein Paar Arten von St. Domingo in unse-
rer Sammlung. Auch Call. dentipes Ol, scheint in diese Gattung zu
gehören.)
Thia (ebendas. 8.18) scheint ebenfalls mit Obrium verwandt:
Augen sehr gross, auf dem Scheitel fast zusammenstossend, Fühler
sehr dünn, von doppelter Körperlänge, rauh, 10gliedrig, das gewöhn-
Jiche kurze 2. Glied wird vermisst; Halsschild fast eylindrisch, Flü-
geldecken etwas kürzer als der Hinterleib, Beine einfach, Schenkel
nicht verdickt. TA. pusilla, aus Nordamerica (Ostflorida).
Unter der Bezeichnung ,,N. @. Callidio affine” limum wird
(ebendas.) noch eine kleine nordamericanische Art aufgeführt, mit
41gl. Fühlern von fast Körperlänge, das Halsschild an den Seiten vor
der Mitte mit einer Beule, hinten stark eingeschnürt; Schenkel ein
wenig verdickt. Phyton wird als Gattungsname vorgeschlagen.
Heterachthes (ebendas. 8. 9) steht Ibidion sehr nahe, die Füh-
lerglieder sind vom 3. an lang, das 3.—6. zugleich verdickt (indess
aur beim Männchen) H. ebenus aus Nordamerica.
Eine Reihe anderer neuer Gattungen sind in Betreff ihrer Stel-
Jung nieht näher bestimmt.
Brachytria (Ann. of nat. hist. V. 8.16) Kopf ins Halsschikd
eingezogen, 2. 3. 4. Fühlerglied sehr kurz, Halsschild gerundet, an
den Hinterecken ausgebuchtet, Schildchen schmal, Flügeldecken gleich
breit, an der Spitze gerundet, mit flachem Rücken. Beine kurz,
Schenkel allmälig verdiekt. B. gulosa aus Vandiemenskand. Eine
zweite Art, B. latebrosa, von der Känguru-Insel, ist später (Ent.
S.95) hinzugefügt.
Coptomma (Ann. ofnat. bist. V. S. 18) Kopf bis an die tief ein-
gebuchteten, fast getheilten Augen ins Halsschild eingesenkt. Fühler
beim Männchen viel, beim Weibchen wenig länger als der Körper,
vom 4. Gliede an zusammengedrückt. Flügeldecken nach der ab-
249
gerundeten Spitze hin verschmälert, beim Weibchen den Hinterleib
nicht bedeckend. Hinterschenkel allmälig verdickt. C, virgatum
und /Zexztorium von Neuholland.
Ischnotes (ebendas.) Kopf bis an die grossen, kugligen, kaum
ausgerandefen Augen ins Halsschild eingesenkt. Fühler doppelt so
lang als das Halsschild, das 1. Glied diek, das 2, klein, die übrigen
lang und dünn. Halsschild cylindrisch, 5mal so lang als der Kopf,
hinten die sehr kurzen Vorderbeine. Flügeldecken linienförmig, län-
ger als das Halsschild, hinten gerundet. Beine einfach. I. cylin-
draceus aus Neuholland.
Oemona (Ent. S.8) Ansehn eines Clytus, Kopf vorn verlängert,
bis an die Augen ins Halsschild eingesenkt. Fühler von Körperlänge,
das 3.und 4. Glied etwas kürzer als die folgenden. Halsschild läng-
lich, gleich breit, auf dem Rücken querrunzlig. Flügeldecken nach
der abgerundeten Spitze hin allmälig verschmälert. Beine etwas lang
mit einfachen Schenkeln. Ge. humilis aus Neuseeland.
Oeme (ebendas.) Kopf frei, quer, Fühler kürzer als der Körper,
dünn, haarig und mit kleinen Stacheln. Halsschild fast kugelförmig,
Flügeldecken lang, gleich breit, an der Spitze abgerundet. Beine ein-
fach mit etwas zusammengedrückten Schenkeln. Oe.indecora aus
Nordamerica,
Petalodes (ebendas. 8. 9) Fühler vom 3. Gliede an jedes einen
langen Strahl ausschickend. Augen sehr gross unten erweitert und
fast zusammenstossend, Halsschild und Flügeldeckenspitze unbewehrt,
P. laminosus aus Neuholland.
Hephaestion (ebendas. S.10) Kopf frei. Fühler kürzer als
der Körper, nach der Spitze hin etwas verdickt. Halsschild mit 4 Dor-
nen in einer Querreihe; Flügeldeckenspitze unbewehrt. Beine ein-
fach, dünn, Hinterbeine etwas zusammengedrückt. H. ocreatus und
macer von Chiloe,
Eine Übersicht über den Inhalt der Necydaliden-Gruppe (Ne-
cydalidae) hat Newman im Entomologist S. 19 gegeben. Sie hat
mehr oder weniger abgekürzte Flügeldecken, welche die Flügel
nicht bedecken. Die hierunter aufgeführten z. Th. neuen Gattungen
sind folgende:
Glaphyra (a. a. O.), Kopf gesenkt, Fühler kaum von mehr als
halber Körperlänge, die Gl. vom 6. an kürzer und dicker. Halsschild
Nach, unbewebrt. Flügeldecken stark abgekürzt, an der Spitze ge-
rundet, Hinterflügel unbedeckt. Beine mittellang. Schenkel allmälig
verdickt, Schienen etwas verdickt, rauh. @/. semiusta, ein klei-
ner nordamericanischer Käfer, — Der Gattungsnuame kann neben
Glaphyrus nicht wohl bestehen.
Heliomanes (Ann. of. nat. hist. V. 8.17, Ent. S.20), Fühler
dünn, das 4. Gl, nicht merklich kürzer als die folg. Flügeldecken
länglich, an der Spitze gerundet. Schenkel an der Spitze plötzlich
keulförmig verdickt, Füsse einfach. Hierbin N. minor L., umbella-
250
tarum F., bimaculatus Say und eine neue Art H. Sidus aus Neu-
holland.
Necydalis (a. a. ©.) das 4. Fühlerglied merklich. kürzer als
die folg. Die Schenkel allmälig verdickt, Hinterfüsse breit. N. maior
L. und eine neue Art N. auricomus aus Neuholland (Adelaide),
Hestesis (a, a, 0.) Kopf bis an die Augen eingesenkt, Fühler
beim Männchen länger als der Körper, 12gliedrig, beim Weibchen
kürzer, 1lgl., nach der Spitze hin etwas verdickt, das 4. Gl. kaum
kürzer als die folg., Halsschild breit und gewölbt, Flügeldecken sehr
kurz, viereckig, Schenkel kaum verdickt, Vorderfüsse etwas erwei-
tert, hintere nicht, Hierhin Mol. variegatus F., M. ferrugineus Boisd.,
M. eingulatus Kirby, und eine neue A., M. bizonatus, sämmtlich
neuholländisch.
Tomopterus Serv.
Charis (Ent. S.21) der vor. Gatt. zunächst verwandt, aber die
Hinterschenkel keulförmig, die Hinterschienen rauh, die Flügeldecken
zugespitzt, aber noch so kurz, dass sie den Metathorax nicht überra-
gen. Ch. Euphrosyne, Erato, Aglaia und später (8.90) Ch.
Mneme, Aaede, Melete sämmtlich neue Arten aus Brasilien.
(Auch N. barbierus Kirby würde hierhin gehören.)
‚Sphecomorpha Newm. (Ent. Mag. V. 8.397). -
Odontocera Serv. beschränkt auf O. vitrea und cylindrica Serv.
und Sienopt. gracilisKl. Später (8.91) siod als neue Arten O.Dice,
Eirene, Eunomia, Maia, sämmtlich aus Brasilien, zugefügt.
(Die letzte weicht durch ihre langen, durchaus ungezähnten Fühler
ab, und unterscheidet sich kaum von Stenopt. varicornis Kl )
‚Stenopterus Jill.
Acyphoderes Serv. (Stenopt. aurulentus Dalm. u. St. crinitus Kl.
Callisphyrus Newm. (Ent. 8.1.) Einfache Fühler, ziemlich klei-
ner Kopf, Halsschild an den Seiten mit einem stumpfen Zahn, Flü-
geldecken sehr abgekürzt, in der Mitte eingezogen, und von da
ab sehr schmal. Vorderbeine kurz, einfach, Hinterbeine verlängert,
rauh. C. macropus, ein stattlicher Käfer von der Grösse des Mol.
abbreviatus, aus Chiloe. (Unsere Sammlung besitzt noch eine zweite
kleinere Art ebendaher, bei der die Hinterbeine bei weitem nicht so
zottig sind,)
Colobus Serv. (Stenoc. hemipterus F.)
Die Lamien-Gruppe erhielt nicht so bedeutende Bereicherungen.
Von den prächtigen Arten aus Assam, Lamia Swainsoniü und Mono-
hammus beryllinus (S, vor. Jahresb. S. 190) gab Hope (Linn. Trans-
act. XVII, T, 40. Fig. 6. 7.) schöne Abbildungen. Neue Arten sind
Dorcadion Brundtii Gebler (Bull. Mosc. 1841, S. 610), dem
D. ornatum Fald. ähnlich, an den Flüssen Bekun und Kurtschun in
der Nähe des Saisansees vorkommend, — Monohammus ambi-
guus Chevrolat (Rev. Zool. S. 228) von Manila, — Sternoto-
mis amoena Westwood (Ann. of. nat. hist. VIM. S. 123) der
L, lactator F. sich anschliessend, aus dem tropischen Africa.
Pe
251
Taeniotes Buquetii Tasle (Revue Zool. S.14) aus Mexiko
scheint im Wesentlichen mit L. vittata F. Ol. überein zu kommen
und Lamia ahenea Newman (Ent. S. 11) vom Cap ist nichts als
L. ferrugator F.
Newman stellte (ebendas.) noch ein Paar neue Gattungen auf:
Miecrocleptes. Gesicht breit, dreieckig. Fühler länger als der
Körper, I1gl. Halsschild stark gewölbt, die Seiten gerade mit einem
scharfen Dorn. Flügeldecken sehr gewölbt, die Schultern mit einem
Dorn. Schenkel verdickt, Hinterschenkel die Flügeldecken überra-
gend. Eine kleine, spinnenähnliche Art, M. aranea aus Chile.
Xyloteles. Fühler lang und dünn. Halsschild fast cylindrisch.
Flügeldecken an den Seiten gerundet, mit scharfer Spitze. Schenkel
verdickt. X. /entus aus Neuseeland.
Sehr ausgezeichnet ist eine neue Gattung Doliops, welche
Waterhouse (Ann. of. nat. hist. S.221) aufstellte und Westwood
(Arcana Ent. T.15. F.1. 8.57) nähef erläuterte. Körperform täu-
schend die eines Pachyrhynchus, auch die Beine von ähnlichem Ver-
hältniss. Die Fühler ziemlich kurz, das 3. Gl. sehr lang, an der
Spitze verdickt. D. Curculionoides, metallisch dunkelgrün, mit
14 weissen Flecken auf den Flügeldecken, Manila.
Urocalymma Westwood (Arc. Ent. T.15. F.3. 8.58) ist
eine ausgezeichnete neue Gattung, welche mit Tmesisternus in eini-
ger Verwandtschaft zu stehen scheint, mit langem, schmalem, etwas
flach gedrücktem Körper, einem kleinen Dorn in den Halsschildseiten,
Flügeldecken beim Männchen in einen langen Schwanz verlängert,
beim Weibchen zugespitzt, klaffend. Beine dünn, die hinteren ziem-
lich kurz, die Vorderbeine beim Männchen sehr, beim Weibchen
ziemlich lang. U. /ongiman« von Manila, — Zum Vergleich hat der
Verf. den neuholländischen Enicodes Fichtelii, wo das Männchen
ebenfalls geschwänzte Flügeldecken bat, mit dem bisher noch nicht
bekannten Weibchen abgebildet.
Durch Abbildungen in den Linn. Transact. XVIH. T. 40. F, 8. ist
die Gatt. Stibara Hope (s. vor. Jahresb. S.191) ins Klare gebracht
worden. Es ist eineSaperden-Form, die grösseren Arten von Sphen-
ura Dej. umfassend, durch robuste Gliedmaassen, höckrige Hals-
schildseiten, Nache, an den Seiten mit einer Kante abgesetzte, an der
Spitze abgestutzte Flügeldecken im Habitus von den kleineren un-
terschieden. Typus ist Lam. nigricornis F. (mit Sap. morbillosa
nahe verwandt oder einerlei), der sich ausser mehreren noch unbe-
schriebenen Arten aus anderen 'Theilen Ostindiens, die assamesischen
St. tetraspilota und trilineata des Verf, anreihen.
Noch eine neue Gattung hat Newman (Entomologist 8. 13)
unter dem Namen Phaeca aufgestellt. Vier Augen, 10gl. Fühler.
Ph. Saperda aus Mexico, scheint mit Tetraopes verwandt zu
sein. Neue Arten sind Colobothea leucospilota West-
wood «(Arcan. Ent. T. 15. F, 2. 8:57) von Manila, Saperdua
252
(Oberea) seminigra Chevrolat (Rev. Zool. 8. 228) cbenda-
her, Sap. carissima Westwood (Ann.’of. nat, hist. VI. S.124)
aus dem tropischen Africa, und von Newman (Ent. 8.12) S. cuna
aus Nordamerica, cinerea und /aeta aus Mexico, flammata
(von 8. marginata F, kaum verschieden) aus Nordamerica, duncea
aus Brasilien, Megacera parvula von Bahia. — Callia awil-
laris (ebend. 8.14) ist als Lam. axillaris schon von Dalman und
Germar beschrieben gewesen.
Von Lepturen beschrieb Gehler (Bull. Mosc. 1841. S. 642) drei
sibirische Arten, Lept.erythropus durch die Gestalt derL.maeculicor-
nis vonL. rufipes verschieden, L. extensa, derL. sanguinosa Gyll.
verwandt, aber die Flügeldecken länger und schwarz, L. macu-
lZata,der L. rufiventris ähnlich, aber anders gefärbt. — Newman
(Entomologist S. 68) machte eine ansehnliche Zahl nordamericanischer
Arten bekannt, unter denen TToxotus dives von cylindricollis Say
nicht verschieden, Strangalia emaciata vermuthlich nur Abän-
derung von L. acuminata Ol,, L. interrupta Abänderung von L.
vittata Ol. ist. — Pachyta Jone (ebendaselbst S. 30) ist P. Ser-
villei Serv.
Die neuholländischen Lepturen sonderte Newman (Ent, 8.34)
als eine eigene Gruppe Rhagiomorphidae ab, auf Grund ihres
langen, oft gekrümmten ersten Fühlergliedes, des in eine Schnauze
ausgezogenen Kopfes, der häufig gekielten Flügeldecken, mit gegit-
terten oder stark punctirten Zwischenräumen. Einige haben mehr
die nierenförmigen Augen der Cerambyces. Dahin gehört Rhagio-
morpha Newn. (Ann. of. nat. hist. V. 8,21), auf Stenoc. lepturoides
Boisd., Stenoder. cuncolor MacL. und einer neuenArt Rh. sordida
errichtet, und Tropis (Ent. S.34), durch die deutlich gekielten und
gegitterten Flügeldecken sich den folgenden anschliessend, aus Rha-
giomorpha oculifera Newm. (Ann. of. n. h. V. S.21) gebildet. — Die
andern haben die runden Augen der Lepturen. Hierhin Stenoderus,
ausser dem bekannten Stenor, suturalis, mit einer neuen Art Ste-
nod. grammicus Newm, (Ann. of. nat. hist. V. S.21) von Adelaide,
der später (Ent. 8.95) noch zwei verwandte, St. rectus und deu-
stus, zugefügt wurden; und Macrones (Ent. S.33) durch die sehr
schmalen linienförmigen Flügeldecken von Stenoderus unterschieden,
mit einer neuen A., M. ezilis aus Vandiemensland,
Ausserdem hat Newman (Ent, S.14) noch eine neuholländische
neue Gatt. Pytheus, welche nach ihm in die Abth, der Lepturen gehört,
was indess woll sehr zweifelhaft ist. Der Kopf kaum aus dem
Halsschilde hervorsehend, die Augen fast rund, Fühler nur von hal-
ber Körperlänge, Halsschild unbewehrt, vorn und hinten eingeschnürt,
Flügeldecken flach, gekielt, gleichbreit, mitunbewehrter Spitze. Beine
kurz, Schenkel an der Spitze verdickt. P. iugosus, %” lang,
schwarz, Hinterleib und Flügeldecken rostroth, letztere mit einem
25:
gemeinschaftlichen schwarzen Fleck auf dem Rücker und einem an-
dern an der Spitze
Eupoda. Eine sehr gründliche Monographie der deutschen
Lema- Arten ist von Suffrian (in der Entomol. Zeitung S. 38, 66,
97) mitgetheilt worden. Sie enthält 13 Arten, unter denen 3 nen,
oder wenigstens zuerst beschrieben sind: L. dodecastigma Ziegl,
nur im südlichsten Deutschland vorkommend, aber auch in der Schweiz,
Italien und Ungarn einheimisch, von der L. 12-punctata durch ganz
schwarze Beine u. s. w. unterschieden. L. flavipes Meg., eine
ausgezeichnete kleine blaue Art, mit lebhaft gelben Beinen, und L.
Erichsonii des Verf., der L. cyanella ungemein ähnlich, aber
durch läuglichere Gestalt und auch in der Punctirung von ihr ab-
weichend.
Zwei neue mit Sagra in der nächsten Verwandtschaft stehende
Gattungen sind von Hope in seinem Coleopterist’s Manual II. auf-
gestellt worden. Ametalla (S: 179. T.2. F.5) hat die Statur einer
Donacia, die Hinterschenkel sind aber stark verdickt, mit einem Zahn
bewaffnet, die Hinterschienen sehr gekrümmt. Das Halsschild ist
breiter als lang. Die Flügeldecken enden mit einer Spitze. Die
Fühler sind fadenförmig. Die Färbung ist nicht metallisch (hierauf
bezieht sich der Name) die Unterseite aber mit einem ähnlichen fei-
nen Seidenlilz wie bei Donacia überzogen. A. Spinolae aus Neu-
holland. (Ein Paar andere Arten entdeckte Hr. Preiss am Schwanen-
fluss.) — Mecynodera (8.181. T.2. F.6) der vorigen Gatt. sehr
nabe stehend, sich aber in Grösse und Form mehr an Sagın an-
schliessend, von der sie sich vorzüglich durch borstenförmige Fühler
unterscheidet, auch durch nichtmetallische Färbung abweicht. Unter-
seite mit ähnlichem Haarüberzuge wie bei der vorigen Gatt. Das
Halsschild ist lang und schmal. M. picta, rothbraun mit schwarzen
Zeichnungen ist ebenfalls aus Neuholland (die Ex. der hiesigen Samm-
lung stammen aus dem Innern von Neusüdwallis).
Eine neue Art der Gattung Megalopus hat Hope (ebendas.
8.178, T.2. F.4) unter dem Namen Poecilomorpha Passerinii
bekannt gemacht, indem er darin eine neue Gatt. der Clythren-Gruppe
zu erkennen glaubte. Der Käfer ist von der Sierra Leone, die erste
Art dieser Gattung, welche aus dem tropischen Africa beschrieben
ist. (Mehrere noch unbeschriebene aus Guinea befinden sich in We-
stermanns herrlicher Sammlung.)
COyelica. Von Hispa (im engern Sinne) hat Guerin in sei-
ner Revue Zool. 8. 6 dreizehn neue Arten aus verschiedenen Gegenden
beschrieben. /l. bellicosa, Petitii und subspinosa, sämmtlich
vom Senegal, gehören zu den Arten, deren Fühler am Grunde meh-
rere oder einen einzigen Dorn haben, die übrigen haben unbewehrte
Kübler und zwar H. vanicorensis von Vanicoro, H.cladophora
von Java, armata und nigritula vom Senegal, Perrotetii vom
254
Nila Giri mit Gabeldornen auf dem Vorderrücken des Halsschildes,
H. algeriana vonAlgier, H. pallescens von Pondichery, H.pal-
lida vom Senegal, H. numida von Algier, und wie es scheint auch
H. viridi-aenea vom Senegal mit ungedorntem Halsschildrücken.
Von einigen neuen nordamericanischen Hispen, augenscheinlich
der Gatt. Anoplites Kirby angehörend, theilte Newman (Entomolo-
gist S. 73—78) kurze Beschreibungen mit. Es sind H. Bacchus,
Ariadne, Erebus aus Ostllorida, H. Pluto von den Trenton Falls,
Hecate aus Nordcarolina. H. Erebus, scheint H. excavata Ol. zu
sein. Der Verf. theilt-auch Dr. Harris Beobachtung über die frü-
heren Stände der H. quadrata, suturalis und vittata F. mit, Die
Larven miniren in Blättern, die der H. quadratu in den Blättern der
Weisseiche, die der H. suturalis in den Blättern der Robinia pseud-
acacia, die der H. wittata in den Blättern der Solidago laevigata.
Die ursprüngliche Mittheilung von Harris über diesen Gegenstind
findet sich im Boston Journal of nat. history Vol.I. p.141 (1835),
und da zu seiner Zeit derselben in diesen Jahresberichten nicht ge-
dacht worden ist, mache ich noch nachträglich auf diese interessante
Abhandlung aufmerksam.
Hope (Col. Manual III. p. 174. T.2. F.1) stellte eine neue Hi-
spen-Gattung Estigmena auf, Sie ist mit Alurnus nahe verwandt,
und entspricht der Dejeanschen Gatt. Anisodera, Die Angabe eines
häutigen Labium (worunter offenbar ligula zu verstehen ist) muss
auf einem Irrthum beruhen, da ein solcher häutiger Theil sich an
der Unterlippe gar nicht findet. Der Typus E. Chinensis ist
aus China, andere Arten finden sich in verschiedenen Theilen
Ostindiens.
Alurnus cassideus Westwood (Ann. of nat. hist. VIII. p.204)
ist eine neue ausgezeichnete Art aus Mexico,
Hope stellte im dritten Bande seines Coleopterist's Manual auch
mehrere Gattungen der Gruppen der Imatidien und Cassiden auf, Zur
ersteren rechnet er Prioptera, Calopepla, Hoplionota und
Porphyraspis. Die erste Gatt. ist (S.176) genauer characterisirt
“und (T.2. F.2) mit den Analysen der Mundtheile abgebildet, Sie
entspricht der Dejeanschen Gatt. Basiprionota, ist eine der markir-
testen Formen, welche zwischen Hispen und Cassiden in der Mitte
stehen, rein ostindisch, und auf Cass. S-punctata F. gegründet. Die
hier als solche abgebildete ist indess verschieden durch ungeflecktes
Halsschild u. s. w., und offenbar eine neue Art. — Die übrigen hat
der Verf. 8.52 in so flüchtigen Umrissen hingestellt, dass sie nur
durch die Angabe der dahin gehörigen Arten kenntlich werden,
und genau genommen nicht weiter begründet sind als die Gattungen
von Dejean. Nach der Ansicht des Ref. hätte der Verf. sich ein
grösseres Verdienst erworben, wenn er stutt eine Anzahl neuer
Namen hinzuwerfen, dieselbeu Gattungen unter den bereits sehr all-
gemein gebräuchlichen Benennungen durch Aufstellung ihrer wesent-
255
lichen Charactere wissenschaftlich begründet hätte. Calopepla Hope
(Cass. Leyana Ol.) ist Dejean’s Craspedonta, Hoplionota Hope
(Cassid. echinata F.) entspricht Dejeans Notosacantha, Porphyraspis
Hope (C. erythrocera Germ.) ist Hemisphaerota Dej.
Genauer sind wieder die Cassiden - Gattungen Callaspidea
und O.xynodera characterisirt. Die erste gründet sich auf C. grossa
F. und entspricht der Dejeanschen Gatt. Eugenysa Chevr., die zweite
ist einerlei mit Discomorpha Chevr, und enthält €. palliata F., stri-
gata Hfig. u.a. Ich habe bisher geglaubt, dass die früher von Hope
(8. Jahresb. f. 1839. S. 261) unter dem Namen Dolichotoma aufge-
stellte Form der letzteren entspräche, jetzt bin ich in Zweifel, wie
sie sich unterscheiden, da der Verf. versäumt haf, sie mit einander
zu vergleichen. Nach den mir vorliegenden Abbildungen sind bei
Dolichotoma die 5 letzten Fühlerglieder etwas gestreckter, doch
kann dies unmöglich einen Gattungsunterschied begründen. Omo-
plata (S.159) ist wenigstens dem Habitus nach genau geschildert:
sie gründet sich auf C. marginata L. und entspricht Echoma Chevr.
Dej. Einige andere Gattungen Poecilaspis H. — Botanochara Dej.,
Aspidomorpha H., den ostindischen Arten von Deloyala Dej. (C.
miliaris F.) entsprechend, Thyreaspis H. —= Coptocycla Chevr.
Dej. sind nur mit Augabe der typischen Arten den Namen nach auf-
geführt. Die Bildung der Klauen darf bei Begründung von Cassiden-
Gattungen nicht unberücksichtigt bleiben. Aspidomorpha z. B. wäre
mit der Angabe, dass bei ihr die Klauen kammförmig gesägt sind,
schon hinreichend characterisirt.
Neu aufgestellte einzelne Arten sind Cussida (Callaspidea)
Alurna Westwood (Ann. of. nat. hist. VII. 8.205) aus Mexico,
und C. Il-notata Gebler (Bull. d. I. Soc. imp. d. nat. d. Mosc,
1841. 615. 14.) aus der Umgegend des Saisan-Sees in Sibirien.
Chrysomelinae. Die eigentlichen Chrysomelen hat Hope
in seinem Coleopterist’s Manual II auf gleiche Weise wie die Cassi-
den mit einer Anzahl neuer Gattungsnamen beschenkt. Acasta,
auf einer neuen ostindischen Art, A. formosa Hope gegründet, ist
zwar 8. 177 mit einer ausführlichen Gattungsbeschreibung und T. 2.
F. 3. nebst Analysen sehr schön abgebildet, indess bin ich nicht im
Stande die wesentlichen Unterschiede von Chrysomela, und noch
weniger die von Melasoma (Lina Meg.) anzugeben, weil sie hier
nicht hervorgehoben sind, und ich sie am Thiere noch nicht habe
auffinden können. Die übrigen Gattungen sind nach den unwesent-
lichsten habituellen Merkmalen in sehr unbestimmter Weise geschil-
dert, s0 dass man eigentlich nur aus den angeführten Arten ersieht,
was gemeint ist, Aufgestellt sind: Po/ysticta für Chr. guttata F,,
Gastrocidea für Chr. Polygoni, Chrysochloa für Ch. tristis F.,
Polyspila für Ch. Philadelphica, Calomela für Chr. Curtisii Kirby.
Chrysochloa (Oreina Chevr. Dej.) ist eine durchaus verunglückte
Gattung, dehn es ist unmöglich irgend eine Gränze zwischen ihr
256
und Chrysomela abzustecken. Chevrolat hat sie vermuthlich in
Rücksicht auf die verschiedene Form des letzten Maxillartastergliedes
abgesondert, denn bei den meisten von ihm aufgeführten Arten ist
es weniger dick und mehr zugespitzt, während es bei den eigentli-
chen Chrysomelen dicker und fast beilförmig abgestutzt ist. Allein
auch in diesem Puncte findet hier ein allmäliger Übergang statt.
Hope verwirft die von Dejean benutzten Gattungsnamen, weil ihnen
keine Charactere beigefügt sind. Indess hat Dejean über seine Gattungen
durch Angabe ihres ganzen Umfanges und durch die Übersicht über
das Ganze doch weniger rathlos gelassen, sobald nur nicht von lau-
ter unbekannten Arten die Rede ist.
Ein Paar neue sibirische Arten hat Gebler (Bull. Mosc. 1841.
S. 620) beschrieben: Chrysomela rugulosa aus dem Altai, und
Spartophila Menetriesii aus den Kusnezk - Gebirge.
Chrysomela Sparshalli Curtis (Ann. of nat. hist. V. 282.
S.22.) angeblich in England gefangen, ist einerlei mit der in den Samm-
lungen unter dem Namen Chr. melanostigma Koll. oder Chr. sicula
Dej. verbreiteten sicilischen Art,
Wohlfromm (Preuss. Prov. Blätt. 1841. S. 566) machte auf
Verschiedenheiten aufmerksam, welche bei der Chrysomela collaris L.
vorkommen, und ist geneigt, Chr. salicisF. als eine besondere Art zu
betrachten. Ich habe Exemplare mit verschiedenen Färbungen der
Flügeldecken, mit schwarzen und mit gelben Beinen unter einander
gefangen; die beiden eingedrückten Puncte, welche Fabricius bei Chr.
salicis beschreibt und auf welche der Verf. Werth legt, sind zufällige
Eindrücke. Mir scheinen die zwei Formen, welche der Verf. beschreibt,
nur Abänderungen der Ch. collaris zu sein. Chr. alpina Zett. ist von
einer gleich gefärbten Abänderung der Chr. collaris zu unterscheiden,
Letzuner (Arbeit. u. Veränd. der schles. Gesellsch. f. vater!.
Kult. i. J. 1841. Ent. Sect, S. 4) theilte seine Beobachtungen über
die Abänderungen der Chrys, cerealis L. mit, deren sich zwei Über-
gäugsreihen zu Chr. alternans Panz. hin zeigten, welche der Verf.
daher mit.vollem Recht als eine Var. der ersteren betrachtet. —
Ebend.S.7 beschreibt er die Verwandlungsgeschichte der Chr. fulgidu.
Unter den Eumolpen hat Hope (Coleopterist’s Manual Il,
S. 162) eine neue Gatt. Corynodes eingeführt, welche mit Dejeans
Platycorynus identisch ist. Aus derselben hat Chevrolat (Guer.
Rev. Zool. 8. 228). eine neue Art, Platycorynus indigaceus aus
Manila bekannt gemacht. — Curtis (Ann. nat. hist. V. S.281) hat eine
angeblich englische Art als Eumo/pus Hobsoni beschrieben; die
Angabe des Vaterlandes beruht aber auf einem Irrthum, der Käfer
ist in Nordamerica zu Hause, und ist Colaspis 10notata Say.
Unter den Galerucen hat Hope (Coleopterist’s Manual I,
S.169) zwei Formen als besondere Gattungen aufgestellt. Clado-
cera, mit kammförmigen Fühlern: Cl/ythra pectinicornis Ol. Der
Name ist aber nicht mehr vacant, weshalb wir uns vor der‘'Hand an
’
\ 257
dem Dejeanschen (Polyclada Chevr.) zu halten haben. Agetocera
mit 12gl. Fühlern, das 2. Gl. sehr kurz, das 4. verlängert und er-
weitert, das 4. —7. fast gleich, das 8. verlängert und aufgetrieben,
das 9. difform, so lang als die heiden folgenden, das letzte kürzer.
A. mirabilis Hope von Nepal. In Gray’s Miscellany war die Gatt.
früher durch Druckfehler als Agelocerus aufgeführt gewesen.
Pearson hat im Journ. of the Agricult. Soc. of India ein ost-
indisches Turnips - Insect, Haltieca nigro-fusca, beschrieben.
“Sie ist etwa 1” lang, oval, schwarz mit bläulichem Glanze, das
Halsschild dicht und fein, die Flügeldecken fein in Reihen punctirt;z
Fühler, Schienen und Füsse braun. Sie lebt auf dem Himalajah auf
versch. Kohl- und Rübenarten, denen sie sehr nachtheilig wird. Sie
soll vorzugsweise die beiden Samenblätter angreifen. Auch auf In-
digo war sie bemerkt worden (Calcutta Journ. of nat. hist. I. 8.299),
Cryptocephalus ochraceus, als eine neue englische Art von
Curtis (Ann. of nat. hist. V. 281. 20) beschrieben, ist nichts als
Cr. minutusF., welcher früher mit mehreren andern Arten (S. Schönh.
Syn. II. S. 370) verwechselt wurde. Cr. minutus F. lebt auf dürren
Grasplätzen, wie es auch Curtis von seinem Cr, ochraceus angieht,
Cr. pusillus F. auf Elsen, Cr. gracilis F, auf Weiden. — Neue Arten
von Oryptocephalus sind Cr. biguttulatus Gebler (Bull.
Mose, 1841. S. 618) aus Westsibirien, Or. binominis, quadrifo-
ris, quadruplex, lateritius und sparsus Newman (Entomo-
logist 1841. S.78) aus Nordamerica,
Die der Clythra 4punetata L. zunächst verwandten Arten sind
von Dr. Schmidt in Stettin (Ent. Zeit. S. 146) genauer aus ein-
ander gesetzt worden. Cl. lZaeviuscula Ratzeburg, welche in Deutsch-
land neben der Cl. 4punctata allgemein verbreitet ist — doch so,
dass beide nicht auf gleichen Stellen vorkommen, — in Scandinavien
aber fehlt, hat ein ganz glattes Halsschild und der hintere Fleck ist
mehr nach der Mitte der Flügeldecken hin gerückt. Ol. tetrastigma
(der Name ist von Germar an eine brasilische Art vergeben) neue Art
aus Ungarn, ist doppelt so gross, das Halsschild gelb gerandet und
die Flügeldecken sind äusserst dicht punctirt. C/. 4punctata, welche im
Norden und Osten von Europa die Cl, laeviuscula ersetzt, hat das
Halsschild an den Rändern dicht punctirt, und den hintern Fleck der
Flügeldecken mehr »ach hinten gerückt. Cl. 4signata Märkel
kommt der letzten sehr nahe, ist aber noch etwas stärker punctirt,
und durch braune Grundfarbe der Flügeldecken verschieden, Sie ist
von Märkel in der sächsichen Schweiz, wo ihre Larve in Ameisen-
nestern sich findet, entdeckt, und von ihm auch in Germar’s Zeit-
schrift 111. 8, 223 beschrieben.
Coptocephala Gebleri Dej., eine neue, der Clythr. dmacu=
lata F, nahe verwandte Art vom Saisansee ist vonG@ebler (Bull. Mosc.
1641 8,617) beschrieben,
Westwood (Ann. of nat. hist. VIIL 8.297) legte in der Lond,
Archiv 1, Naturgesebichte, VII, Jahrg. 2, Bd. R
258
Ent. Soc. das wunderlich gebaute gleichsam doppelte Gehäuse einer
brasilischen Chlamyslarve vor, in-welchem diese auch ihre Verwand-
lung besteht. Er zeigte auch die Gehäuse von Lamprosonren-Larven,
welche sich an Baumrinden finden, und täuschend einer abgestorbe-
nen Knospe gleichen, Diese verwandeln sich ebenfalls darin.
Erotylenae. Hope (Rev. Zool. S.109) hat die Erotylen in
eine Reihe von Gattungen zerlegt, Guerin (ebendas. 8. 114 und 153)
hat eine Anzahl von Arten beschrieben. Diese Publicationen sind aber
ohne Bedeutung und Interesse, da sie aus blossen Prioritäts-Rück-
sichten Lacordaire’s Monographie vorausgeschickt wurden, welche
bereits erschienen ist und über welches gediegene Werk im nächsten
Jahre Bericht erstattet werden soll.
Westwood (Ann, of nat. hist. VIIL 8. 123) beschrieb eine neue
Art von Triplatoma, Tr. apicalis, aus dem tropischen Africa,
welche mit Elater coecus F. in der nächsten Verwandtschaft steht.
Die Gatt. Helota, welche bisher nur eine Art aufzuweisen hatte,
ist mit mehreren bereichert worden, nämlich durch Hope (Col. Ma-
nual Ill. S. 187) mit H. Servillei von Puna und Guerinii von
Travancur und durch Westwood (Ann, of nat. hist, 8.123) mit H.
Thibetana aus Tübet. i
Hope (Coleopt. Manual IM. S. 190 T.3 F.6) bildete aus Langu-
ria longicornis Wied. eine neue Gatt. Macromelea, benannte die
erwähnte Art M. Wiedemanni neu, und bemerkt, dass -L. nigripen-
nis Wied. in dieselbe Gattung gehöre. Sie scheint selbst als. Weib-
chen zu der ersten Art zu gehören,
Coceinellae, Junker (Eutomol. Zeit. S. 2) berichtet, dass
Philippi Cynegetis globos« samt der Larve sich von den Blättern
des Seifenkrauts (Saponaria oflieinalis) nährend beobachtet habe. Er
selbst machte dieselbe Erfahrung an Epilachna chrysomelina, welche
sowohl als Käfer wie als Larve von den Blättern der Bryonia dioica
zehrt. Die Larve ist dick, strohgelb, mit 6 Reihen schwarzer ästiger
Dornen auf dem Rücken, unten und an den Seiten mit schwarzen
Puneten, Obgleich die Verwandlung vom Auskriechen aus dem Ei
bis zum Erscheinen des Käfers in 22 Tagen vor sich geht, scheint
doch nur eine Generation im Jahre stattzufinden. Boie (ebendas.
8.79) bestättigt die Erfahrungen an Cynegetis globosa, welche er auf
Lychnis dieica und Cucubalus behen antraf. — Dass Epilachna glo-
bosa sich von den Blättern der Zaunrübe nähre, ist auch schon von
Westwood (Introduet. I. 8. 397) aus Audouins Erfahrungen mitgetheilt.
Eine ähnliche Beobachtung, dass Coccinella hieroglypbica Heidekraut
fresse, hatte Reich schon vor Langem veröffentlicht. Bei so vielen
Erfahrungen ist es keinem Zweifel mehr unterlegen, dass die Familie
der Coceinellen nicht durchweg Blatt- und Schildlausfressend sei.
Hope (Coleopterist’s Manual II. S. 157) hat mehrere neue Gat-
tungen der Coccinellen namhaft gemacht, für welche indess im
Dejennschen Catalog schon auf älnliche Weise gesorgt war. Sele-
259
nis Hope (C. lunata F., also Cheilomenes Chevr.) mögte sich kaum
durchgreifend von Coceinella unterscheiden lassen. Derfür C.globosa Jl.
(also Oynegetis Chevr.) in Vorschlag gebrachte Gattungsname Lasi«@
ist schon anderweitig und mehrfach in Anspruch genommen.
Fungicoli. Gebler (Bull. Mosc. 1841 8.623) hat zur Gatt.
Lyecoperdina eine neue Art, L. pallida aus Sibirien, hinzugefügt.
ZLathridii. Curtis (Ann. of nat. hist, V. S. 277) beschrieb
als neue englische Art Monotoma gracilis, welche indess einer-
lei mit M. longicollis Gyll. ist.
Orthoptera.
Einige Bemerkungen, die Orthopteren betreffend, beson-
ders in Bezug auf Burmeister’s und Serville’s Schriften über
diese Inseetenordnung, von T. v. Charpentier (Germ, Zeitschr,
1. d. Entomologie IV. S. 283) sind für die Kritik der Arten von
Wichtigkeit.
Orthoptera descripta et depieta a T. de Charpentier,
Lips., Leop, Voss. 1841, ist ein treflliches Werk, zur Erläute-
rung dieser Ordnung (im alten Umfange) bestimmt, durch
sehr sorgfältige und genaue Abbildungen und Beschreibungen
theils minder bekannte, theils auch neue Arten und Gattungen
vorzuführen. Der Inhalt der drei ersten im vorigen Jahre er-
schienenen Lieferungen ist unten im Einzelnen angegeben.
Le Guillou (Rev. Zool. S. 292) hat die auf seiner Reise
nach der Südsee gesammelten Orthoptera durch kurze Diagno-
sen vorläufig bekannt gemacht. Sie sind im Folgenden einzeln
namhaft gemacht.
Forficulariae. Einige neue Arten publicirte Le@uillou(Rev.
2001. 8.292) vorläufig, nämlich: Forficesila oceanica von Nu-
kahiva u. 8. w., F. australica, aus Nordaustralien, Forficula
Blanchardi vermuthlich von den Südseeinseln. Die erste Art ist
schwerlich etwas anderes als Forf. morio F. und gehört zur Gatt.
Lobophora Serv,
Blattariae. Auch hier hat Le@uillou (ebendas.) ein Paar
neuer Arten, nämlich Slatta Keraudrenii von Neuguinea, und
Perisphaera laevis von Nukahiva. — Blatta subverrucosa
White (Grey’s Reise U, 8.467), eine grosse ungeflügelte Schabe,
scheint eine Larve, vielleicht selhst einer ungeflügelten Art zu sein.
Mantidae. Westwood hat in seinen Arcan. Ent. (T. 98.33)
eine ausgezeichnete Darstellung der Gatt. Deroplatys gewidmet.
Diese Iınt Kopf und Fühler von Mantis, gelappte Hinterleibsseiten
R*#
260
amd Schenkel, den Hals z. Th. zu abentheuerlichen Formen erwei-
tert, und die Flügel trocknen Blättern ähnelnd. Hierhin 4 Arten:
D. desiccata Westw. von Malacca, lobata (Choeradodis) Guer, D.
angustata W. von Java und D. arida W. von Sumatra, die
letzten beiden neu. 1
v. Charpentier hat in seinen Orthopt. (T.2) zunächst Empusa
Jyalina (Mantis h. Fab., M. foliata Licht,, M. sphingicornis und sub-
foliata Stoll, Vates enemidotus Burm., Theoclytes foliata Serv.), fer-
ner T. 3 Metalleutica violacea (vitripennis und wolacea Burm., Mant.
chalybea Serv.) und T.16 Muntis oratoria L, nach beiden Geschlech-
tern abgebildet und die Synonyme mit sicherer Hand festgestellt.
(Dem Männchen der letzten ist noch M. minima v. Charp, Burm. hin-
zuzufügen.) — Endlich bereichert er die Familie mit einer neuen
Gatt. Chiropacha (T.15). Sie hat einen plumpen Kopf, kurzen,
fast gleich breiten Hals, beim Weibchen mit 2 spitzen Höckern auf
der Mitte, selır dicke Vorderschenkel und auffallend kurze Hinterbeine,
Beim Männchen sind Decken und Flügel so lang als der Leib, beim
Weibchen sind beide so verkürzt, dass sie nur bis auf das 2, Hinter-
leibssegment reichen. Ch. gilva aus Aegypten.
Zwei angeblich neue Mantis-Arten aus Vandiemensland führt
Le Guillou (Rev. Zool. S. 293) auf: M. Hobsoni ist Orthodera pra-
sina Burm,, und zugleich eine alte Fabricische Art, nämlich dessen
M, ministralis (sie findet sich vortrefllich im Syst. Ent, 8.277 be-
schrieben, später in der Mant. und der Ent. Syst. ist die Beschreibung
durch Schreibfehler entstellt),. M. Gunndzi ist nicht zu erkennen,
Phasmidae. v. Charpentier (Orthopt,) bildet aus dieser
Familie ab: T.1 Cyphocrania herculeana (versirubra Serv.)
aus Java und nicht aus Brasilien, wie Serv. angiebt, T,10.11 Phasma
4guttatum und bisbiguttatum Burm. u. D.6 Bacteriu Sayı. — LeGuil-
lou (Rev. Zool, S. 293) stellt als neu auf Buacillus Crowanii von
Hamoa und Cladozerus Davidis von den Salomonsinseln. —
Westwood (Arcan, Ent. T.8 S. 25) errichtete eine neue Gattung
Craspedonia, von Diapherodes Gray dadurch unterschieden, dass
der Scheidendeckel nicht vor der Hinterleibsspitze vortritt, auch sind
die hinteren Schienen an der Innenseite stachlig. Der Verf. bemerkt
Spuren von Decken und Flügeln, welche ich an unserem Exemplar
kaum dafür ansprechen mögte, auch giebt er die Vorderfüsse 4gl. an,
was mir zweifelhaft scheint, da bei verwandten Formen das 4. Glied
undeutlich, aber vorhanden ist. Die abgebildete Art ist mit Unrecht
als Diapherodes gibbosa Burm. bezeichnet, und danach Brasilien als
Vaterland angegeben. Es ist ein africanisches Insect, von dem älın-
lich gebildeten americanischen generisch durch -die oben bemerkten
Charactere verschieden. %
Achetae. v. Charpentier (Orthopt. T.18) bildete beide Ge-
schlechter des @ryllus leucostictus Burm, (elegans Guer. Serv.), ab.
Le Guillou (Rev. Zool. 8, 293) stellte @r. Oceanicus von Taiti und“
261
Nukahiwa auf, eine Art mit ungeflügeltem Männchen, während das
Weibchen Unterflügel besitzt, und White (Grey’s Reise Il. S. 467)
beschrieb Acheta? marginipennis vom König Georgs-Sund mit
kurzen Unterfllügeln und sehr langen Hinterbeinen,
Locustariae. Derselbe (ebend. S. 468) stellte eine eigene
Gatt. Tympanophora auf, welche indess unvollständig und z. Th.
ungenau beschrieben ist. Der Verf. giebt Verwandtschaft mit Oecan-
thus an, mir scheint der beigefügte Holzschnitt eine Locuste darzu-
stellen. Die Art, T. pellucida, ist vom Kön. Georgs-Sund. Eben-
daher ist auch Saga denticulata White (ebendas. 8.469) eine
Form mit Flügelrudimenten beim Männchen. Le Guillou (Rev. Zool.
8.293) führt eine ganze Reihe als neu betrachteter Arten auf: Gryll-
acris nceanica von Hamoa, G. dubia von Viti, Phyllophora
Habasqui von Neuguinea, Ph. Quoyi von Guaham, Ph. Gai-
mardi von Neuguinea, Xiphidion maculatum von Mancassar,
X. oceanicum von Hamoa, Conocephalus Roberti ebendaher,
€. Troudeti aus Nordaustralien und Süd-Neuguinea. — v. Char-
pentier (Orthopt.) bildete ab: T.7, 8 Bradyporus Oniscus, Dasy-
pus, T.9 Megalodon ensifer, T. 12 Leptodera ornatipennis, T,17
Hetrodes spinulosus (Gryll. spinulosus L., Het. horridus Burm.)
Aerydites. Diese Fam. ist mit zwei neuen Gatt, bereichert:
Astroma v. Charpentiier (Orthopt. T. 4) steht in der genauesten
Verwandtschaft mit Proscopia, hat ganz dieselbe Körperbildung, aber
bei fehlenden Decken, sehr kleine, nur 1” lange, ungemein zierlich
gefaltete, metallisch glänzende Flügelchen, und unterscheidet sich
ausserdem von Proscopia durch fehlenden Pulvillus zwischen den
Klauen. A. chloropterum von Chile hat grüne Flügel (ein Paar
Arten unserer Sammlung ebendaher haben stahlblaue Flügelchen).
Trigonopteryzx v. Charpentier (Orthopt. T.5), Systella
Westwood (Arcan. Ent. T.4 8.11) nahe mit Truxalis verwandt,
der Scheitel ebenfalls thurmförmig, aber die Augen nicht an der Spitze
desselben; die Fühler ebenfalls schwerdtförmig. Die Hinterschienen
ebenfalls fein gezähnelt, die Decken an der breiten Spitze schräg
abgeschnitten. Hierhin S. Rafflesii Westw. von den Philippinen,
S. HopeiW. von Chiva, und T. punctata v.Charp., muthmaasslich
von Ceylon, aber, wie es scheiot einerlei mit S. Hopei Westw.
v. Charpentier (Orthopt.) bildete ausserdem 7.13 Pamphagus
marmoratus Burm. ab, und T.14 als neue Art Opsomala fasci-
cwlata mus Sicilien, welche indess schon von Marschall in den Aun.
d. Wien. Mus. Bd, I. als Gryli. cylindricus beschrieben ist. — White
(Grey’s Reise II. 8,470) beschrieb Calliptamus brunneus, eine
neue A, vom König Georgs-Sund, und Le Guillou (Rev. Zool. 8.295)
führt als neu auf: Acrydium Gohieri von Amboina, Oedipoda
liturata von Viti, Oe. maculata von Munkassar, Oe. Pella-
rind aus Nordaustralien,
262
Perlites. Diese Familie hat Pictet zum Gegenstande einer
umfassenden Monographie: „Histoire naturelle gen. et part. des In-
sectes Neuropteres, prem. Monogr., Fam. des Perlides, Geney. etPa-
ris, 1841” gemacht, von welcher die grössere Hälfte bereits erschie-
nen ist, über welche jedoch erst Bericht abgestattet werden kann,
wenn das Ganze vollendet vorliegt.
Libellutidae. Neue südeuropäische Libellen hat de Selys
Longchamps (Rev. Zool. S. 243) bekannt gemacht: Libellula
nitidinervis aus Sicilien, L. rubrinervis ebendaher, auch vom
Senegal, Nordafrica und Syrien, L. trinacria aus Sicilien, L. de-
pressiuscula aus Italien und Südfrankreich, L. meridionalis aus
Sardinien und Sicilien, L. macrocephala von Sicilien, Gomphus
Genei ebendaher, Platyenemis acutipennis aus Südfrankreich.
"Eversmann (Bull. Mose. 1841 S. 351 T. 5) stellte als neue
Arten auf Libellula Hellmanni,.und fallax. Die letztere ist
L. caudalis Charp., die erstere die von Charpentier erwähnte Abän-
derung. Eversmann traf die erstere im Juni 1840 selır häufig am
Glubokoje-See unweit Kasan, doch fast nur Männchen, die letztere
flog mit darunter, aber viel seltener, das Weibchen zwar auch we-
niger zahlreich als das Männchen, aber lange nicht in dem Missver-
hältoiss wie bei der ersteren. (Charpentier hat seine Exemplare aus
Schlesien und von der ersteren nur Weibchen, unsere Sammlung be-
sitzt ein Männchen derselben aus der hiesigen Gegend.) — Jdeschna
spectabilis (ebendas: S. 356 T.6 F.1, 2) scheint mir von Gomphus
serpentinus Charp. nicht verschieden zu sein.
Libellula Pedemontana ist von Wohlfromm (Preuss. Prov.-
Bl. S. 564) auch in Preussen entdeckt worden.
Über das Eierlegen der Agrion forcipula hat v. Siebold in die-
sem Archiv (7. Jahrg. 1, Bd. 8. 205) seine höchst interessanten Beobach-
tungen mitgetheilt.
Neuroptera.
Memerobii. Eversmann (Bull. Mose. 1841 S. 359) hat zwei
Myrmeleon-Arten beschrieben, M. flavomaculatus, vom Cau-
casus und der unteren Wolga und M. tabidus von den Ilekzschen
Salzwerken. Der erste ist ohne Zweifel M. tetragrammicus F., der
zweite vielleicht nicht verschieden von M. murinus Kl., welcher sich von
Österreich bis Syrien und zum Vorgebirge der &. Hoffuung verbreitet.
Über die belgischen Hemerobien hat Wesmael (Bull. d. PAcad.
d. science. et bell. lettr. VII. I. S. 203) eine vortreffliche Arbeit mitge-
theilt. Hinsichts der heutigen Gattungen bemerkt der Verf., dass _
Sysira und Drepanopteryx durchaus nicht bestimmt genug durch die
Zahl der Sectoren von Hemerobius verschieden seien, wo sie sehr
unbeständig ist (hier bei Berlin konimt ein kleiner Hemerob. vor, welcher
nur zwei Sectoren hat, bei andern Arten werden diese ziemlich so
zahlreich wie bei Drepanoptery:); der Verf. zeigt nun, dass Sysira
263
durch die Kürze des vorletzten Wastergliedes, Drepanopteryx da-
durch von Hemerobius verschieden ist, dass die Plantula: in einem
Paar Zähne endigt. Osmylus zeichnet sich auch durch mehrzähnige
Klauen aus. — Von Chrysopa sind 9 Arten aufgeführt, welche nach
dem Flügelgeäder in zwei Abtheilungen gebracht sind. In der ersten,
nur €. perla enthaltend (es gehören aber noch mehrere exotische
Arten dahin), trifft der Theilungsnerv der dritten Cubitalzelle nicht
auf die nächstfolgende Zelle der vorliegenden Reihe, welches bei der
2. Abtheilung der Fall ist; zu dieser gehören Chr, cancellata, abbre-
viata Curt., und eine’ neue Chr. phyllochroma als solche, wo das
2. Fühlerglied schwarz ist, bei Chr. adspersa und 7-punetata, zwei
neuen Arten, ist es blass, der Kopf hat aber schwarze Zeichnungen,
bei Chr. vittata (alba 0). Pz. Burm.?) und ezliata(prasina Burm.?)
ist auch er ungefleckt, endlich bei Chr. capitata (Hem. cap. Fab.)
sind die Fühler bis auf das Wurzelglied schwarzbraun. (Die Ein-
theilung ist sehr übersichtlich und es lassen sich auch die exotischen
Arten gut einreihen; eine 3, Abtheilung bilden noch solche, wo der
Theilupgsnerv der 3. Cubitalzelle sich zwei divergirende Aeste spal-
tet und sie in 3 kleinere Zellen theilt: z. B. Chrysopa italica.) —
Auch Hemerobius ist in Abtheilungen und Unterabtheilungen ge-
bracht, welche die oft schwierige Bestimmung der Arten erleichtern:
1. Abth. Vorderflügel vorn an der Wurzel ausgebuchtet, zwei Stu-
fenreihen von Queradern, letztes Tasterglied allmälig zugespitzt:
H. variegatusF. mit3, H. intricatus neue Art, mit 4 Sectoren. —
2. Abth., Vorderflügel vorn an der Basis gerundet, letztes Taster-
glied mit abgesetzter Spitze: 1 Unterabth., 2 Queradern zwischen
dem ersten Sector und dem unterliegenden Ast des Cubitus: «a. zwei
vollständige Zellen unter der Postcosta (7 Queradern in der zwei-
ten. Stufenreihe): H. humuli, und zwei neue Arten, H. maculatus
und /imbatus, haben 6 Queradern in der ersten Stufenreihe, H.
affinis, eine neue Art hat 7 in derselben, stimmt sonst mit Humuli
überein und ist vielleicht nur Abänderung; — Ö. nur eine vollständige
Zelle unter der Postcosta: H. micans Ol. (Zutescens E.) hat die zweite
Siufenreihe aus 7, H. ochraceus neue Art, nur aus 5 Queradern
bestehend. — 2. Unterabth., 3 Queradero zwischen dem ersten Sector
und dem darunter gelegenen Ast des Cubilus: H. nervosus hat 3 Se-
etoren und 2 Queradern zwischen dem ersten und zweiten Sector,
H. cylindripes (hirtus Burm.) hat 4 Sectoren und 3 Queradern
zwischen dem 1.und 2. Sector, auch sämmtliche Schienen eylindrisch,
— 3, Abih,, Vorderflügel vorn an der Wurzel in starkem Bogen vor-
tretend, 3 Stufenreihen von Queradern, 5 und mehr Sectoren: H. hir-
ius L. F. — Von Sysira ist $. fuscata, und eine neue Art, $. ni-
gripennis aufgeführt, welche durch braune, etwas kürzere und
weniger behaarte Flügel von der ersteren unterschieden wird. Von
Drepanopteryz und Osmylus die bekannten Arten.
Eine Monographie der Gatt, Nemoptera wurde von West-
264
wood (Ann. of nat. hist, VII. 8.376) der Ent. Soc. vorgelegt. Er
theilt sie auf ähnliche Weise als Burmeister in Abtheilungen und Un-
terabtheilungen. — 1. Abth., Vorderflügel sehr breit, gefärbt, mit
doppelter oder dreifacher Zellenreihe im Analfelde. N. Petiveri
(Coa L. F., sinuata O1. Kl.), Coquebertii (Coa Cogq. Ol, Kl. Lusi-
tanica Ramb.), bipennis Jllig. (Zusitanica Leach,), 2, Abth., Vorder-
flügel schmäler, mit einfacher Zellenreihe im Analfelde. «. Hinterflügel
gegen das Ende hin plötzlich erweitert: N. eztensa Ol, dilatata Kl.,
Forskalii Chalterata Forsk.), barbara Kl., pallida 01. — b. Hin-
terflügel ohne Erweiterung, entweder mit (N, 'bacillaris Kl., latipen-
nis Burm,, angulata Westw., costalis Westw., Olivieri (halterata
Ol, costata Kl.) — oder ohne Binde: N. setacea Kl., capillaris Kl.,
aristata Kl., alba Ol., filipennis, neue Art aus Ostindien. — Der Verf.
schreibt Nematoptera, mir scheinen dergleichen Verbesserungen nicht
glücklich zu sein, und man sollte sie picht aufnehmen,
Panorpatae. Auch von dieser Familie hat Westwood der
Ent, Soc. eine Abhandlung übergeben (Ann. of nat, hist. VIII. S. 298),
die die Gatt. Panorpa speciell behandelt, von welcher 19 Arten
aufgeführt sind, 3 europäische (communis, germanica, und rufo-
stigma, neue Art aus Albanien), 6 africanische, unter denen L,
appendiculata vonMadras, Javanica von Java, angustipen-
nis von Java oder Tennasserim, und 10 americanische, unter denen
P. nebulosa, venosa, confusa, debilis und subfurcata,
sämmtlich aus Nordamerica, neu sind. Hierauf folgt eine neue Gatt,
Euphania: Kopf nicht versteckt, in einen mässig langen Rüssel
ausgezogen. Fühler von Flügellänge. Flügel lang-eiförmig, die Vor-
derflügel mit erweiterter Costa ohne Zellen, die Längsnerven fast
wie bei Panorpa, die Klauen nur an der Basis sägeförmig gekerbt,
mit grossem Polster zwischen ihnen, E. /uteola unbekannten Va-
terlandes, — Merope tuber Newm., erwähnt. — Endlich vier neue Arten
von Bittacus: affinis aus Brasilien, punctiger aus Georgien
in Nordamerica, pallidipennis unbekannten Vaterlandes, pilicor-
nis aus Nordamerica.
Hymenopterna,
Im Allgemeinen sind nur zu erwähnen die Bearbeitung
der auf seiner Reise in die Südsee von Le Guillou (Ann. d.
l. Soc. Ent. d. Fr. X, S. 311) gesammelten Hymenopteren, im
Ganzen 30 Arten, und der Fortsetzung der Beschreibung
Cayennescher Hymenopteren von Spinola (ebendas. S. 85).
Von den neuen Arten wird unten im Einzelnen Nachricht ge-
geben werden.
Tenthredinetae. Westwood hat in seinen Arcan. Entom.
F.?7 8,23 interessante Beiträge zur Kenntniss exotischer Tenthreden
265
geliefert. Er giebt eine Abbildung der Perga Lewisii aus Vandie-
mensland, dann von einer neuen australischen Hylotoma, H. Schi-
zocera australis, welche darin eine Unterabtheilung der Unter-
gattung ausmacht, dass, wie bei den typischen Hylotomen, eine cell.
marginal. appendiculata, und an den Hinterschienen Mitteldornen sich
finden. Endlich errichtet er noch zwei nene Gattungen:
Pachylota, von kurzer, dicker Form, mit grossem, viereckigem,
plattem Kopfe. Fübler und Flügelgeäder wie bei Hylotoma, aber die
Beine dick, die Schienen ohne Mittel- und Enddornen, die Füsse
breit, die Maxillartaster nur 4gliedrig. P. Audouinii, vermuthlich
aus dem tropischen Africa.
Dietynna (der Name ist schon an eine Spinnengattung ver-
geben), Flügelgeäder und metallische Färbung von Hylotoma, 2. und
3. Cubitalzelle nehmen jede einen rücklaufenden Nerven auf, dabei
9gl. Fühler und nur Enddornen an den Schienen. D. Zaeta aus
Vandiemensland.
Von Newman (Entomologist S. 90) wurde unter dem Namen
Eurys eine Gattung aufgestellt, welche einerlei mit Dietynna W. ist,
wenn ich anders des Verf. Latein recht verstehe.*) Die Art, E,wera-
tus von Adelaide, ist von der Westwoodschen indess verschieden.
Ebendaher ist auch Perga bella Newman (Ebendas, S. 89.)
Die Naturgeschichte von Nematus grossulariae hat Rusticus
von Goldalming (Entomologist 8. 148) ausführlich geschildert.
Zehneumonidae. Bei den Ichneumoniden istfür die Bestim-
mung der Arten, namentlich in Betrefi der Geschlechtsverhältnisse,
von der Kenntniss der Lebensweise und Entwickelungsgeschichte
noch viel Aufschluss zu erwarten, daher haben alle hierauf sich be-
ziehenden Beobachtungen ein doppeltes Interesse. Boye (Kröyer’s
Naturhist. Tidsskrift, III. S.318) hat interessante Erfahrungen über
diesen Gegenstand bekannt gemacht, J. multiguttatus Gr. zog er
aus Puppen, welche der Noct. psi anzugehören schienen, das Q war
J. centummaculatus Christ. — Trogus alboguttatus Gr. erschien aus
den überwinternden Puppen der B. pudibunda im Juni, es zeigte sich
uw. a. auch eine bemerkenswerthe Abänderung. — Eine "verwandte
neue Art, Tr. affinis B, erhielt der Verf. aus einer nicht ermittel-
ten Puppe; wegen der blauen Farbe und der dreieckigen Mittelzelle der
Flügel, schlägt der Verf. eine besondere Gruppe @oedartia für
diese beiden und die verwandten Arten vor. — Jehn.arctiventris,
in Noct. Airae lebend, wird hier nach / und Q beschrieben. — I. mo-
*) Die Beschreibung der Fühler ist klar und stimmt mit der West-
woodschen, dann heisst es: „‚corpus brevis latus obesus; proalarum
radi-areola 1, cubitareolae 4, quarım 2us et dus nervuram recur-
zentem emiltent.” Ob die Radialzelle eine appendicean sei, darüber
fehlt die Angabe,
266
tatorius Gr. wurde ebenfalls aus N, Airae erhalten, aber auf 509
nur 2 zweifehafte J. — I. stenogaster, neue Art, auf blühen-
den Umbellaten sich findend. — Pimpla stercorator bestättigt sich
als Q von P, Aavipes Gr. — Mesoleptus testaceus Gr. entwickelte
sich aus Puppen von Tenthr. scalaris. — Anomalon ruficorne aus den
Puppen von Bomb. Coryli, ohne besondere eigene Puppenhülle.
Wesmael (Bull. del’Acad, roy. d. sc. de Bruxell.1841 I. 8. 360)
theilt die Bemerkung mit, dass Tryphon pruinosus J' Grav, das Weib-
chen zu seinem Euwceros erassicornis sei; er hat nicht die verdickten
Fühler, welche mithin nur Eigenthümlichkeit des Männchens sind.
Diese Euceros zeichnen sich vor den meisten übrigen Tryphonen
dadurch aus, dass sie kammförmig gezähnte Klauen haben. — Der
Verf, führt noch mehrere Fälle an, wo Gravenhorst die Geschlechter
Einer Art in verschiedenen Gattungen untergebracht hat: Jchn. mon-
ticole ist ein Cryptus g'. Ichm. lanius Gr. ist ein Phygadenon Z,
Ischnus porrectorius ist 5‘ von Orypt. assertorius, Lissonot« murin«
Gr, ist identisch mit Exwetastes albitarsus Gr. — Die Puppenhülle der
letztgenannten Art fand der Verf. aus fünf verschiedenen Schichten
zusammengesetzt,
Eine neue Ichneumonen-Gattung, Osprynchotus, ist von Spi-
nola (Guer. Mag. d. Zool. Ins. pl.75) errichtet. Sie hat den Bau
und namentlich die Hinterleibshildung von Ophionen, aber eine fünf-
eckige Mittelzelle im Vorderflügel, und zeichnet sich ausserdem durch
ein rüsselförmig verlängertes Gesicht aus. Der Legestachel der
Weibchen ist weit vortretend, von der Länge des Hinterleibes, O,
capensis ist nicht selten am Vorgebirge der guten Hoffnung.
LeGuillou (Ann. d. 1, Soc. Ent. d. Fr,X. p. 302) stellt Pimp/a
excavata als eine neue Art von Vandiemensland auf, sie ist aber
von Fabricius schon als Cryptus intricatorius beschrieben.
Braconidae. Aus einem Boletus fuscus Pers, erzog Boye
(Kröyer Nat. Tidsskr. IM, S. 315) unter einer grossen Anzahl. von
Orchesia micans eine A/ysia, welche er als Parasiten der Larve
jenes Käfers betrachtet, und als A. orchesiae beschrieben hat.
„Hymenoptera Britannica: Alysia, auctore A.H. Haliday, 2.Fasc.
Lond. 1841” ist mir noch nicht zugekommen. Nach Westwoods An-
zeige (Rev. Zool. 8.234) enthält es die Beschreibung von 40 Arten,
in die Untergalt. denone, Daenusa, Chorehus, Choenusa und Coeli-
nius vertheilt.
Evaniales. Shuckard (Entomologist 8.45) hat diese Fa-
milie einer sorgfältigen systematischen Prüfung unterworfen, und
verschiedene hierunter vereinigte Formen daraus entfernt. Er be-
schränkt die Fam. Evaniadae auf solche, wo die Einlenkuag des
zusammengedrückten und vom Hinterrücken abgesetzten Hinterleibes
bis dicht ans Schildchen hinaufgerückt ist. Hierhbin Evania mit voll-
ständigem Flügelgeäder, — Brachyguster Leach, nur mit Basalzellen,
und diese vollständig geschlossen, mit E. minuta Ol. und einer neuen
267
Art, Br. zanthops aus Brasilien. — Hyptia I. (nicht: Hyptiam),
auch die Basalzellen nicht vollständig geschlossen, mit E. petiolat«
Fab., und zwei neuen Arten, A. thoracica aus Nordcarolina, ru-
ficeps aus Brasilien. — Foenus.
Unter der Familie dulaeidae, wo der Hinterleib einer die Hin-
terhüften überragenden Verlängerung des Metathorax angefügt ist,
vereinigt der Verf. Aulacus, Trigonalys und eine neue Gatt., Lyco-
gaster; letztere unterscheidet sich von Trigonalys darin, dass das
2, Bauchsegment des Hinterleibes nach hinten vorspringt, der haken-
förmig untergekrümmten Hinterleibsspitze entgegen stehend, mit
einer neuen Art, L. pullatus, aus Nordcarolina. Auch Trigonalys
ist mit einer britischen Art, T. Ang /icana bereichert, welche aber von
der Tr, Hahvii Sp. nicht verschieden ist. Aulacus ist mit 4 Arten
vermehrt: A. niger aus Nordamerica, 4. sigzatus von Ceylon,
4A. lateritius und A. variegatus von Sydney in Neuholland.
Eine dritte, hier sich anreihende Familie Megalyridae bildet
die Gatt. Megalyra. Sie erinnert in mehreren Rücksichten an Orys-
sus, hat den Hinterleib dicht über den Gelenkpfannen der Hinter-
hüften eingelenkt, einen einzigen Enddorn anallen Schienen und einen
einzigen rücklaufenden Nerven.
Westwood legte der Ent. Soc. inLondon eine Arbeit über die-
selbe Familie und einige derselben verwandte Gattungen vor, von
welcher in den Proceedings derselben (Ann. of nat. hist. VII. 8. 535)
eine vorläufige Nachricht gegeben ist. Sie verspricht eine grosse Berei-
cherung unserer Kenntniss. Es werden aufgeführt die Gatt. Evania
(mit Einschluss von Brachygaster und Hyptia, 24 A. enthaltend, dar-
unter 5 neue: E. princeps aus Neuholland, Abyssinica (einerlei
mit E. dimidiata Spin.), E. Tasmanica aus Vandiemensland, E.
Javanica von Java, E. (Brachyg.) bicolor, unbekanuten Vater-
landes. — Pelecinus. — Monomachus Kl. (s. u. die Fam, Pro-
etotrupii). — Foenus, mit 7 neuen Arten: F. Esenbeckii aus
Deutschland, G@uildingii aus Westindien, dorsalis unbekannten
Vaterlandes, terminalis, unguiceulatus, Darwinii,rufus aus
Neuholland. — Aulacus mit 10 neuen Arten: A.obscuripennis aus
Polen, Erichsonii aus derBerliner Gegend, thoraciceus vom Cap,
stephanoides aus Brasilien, hyalinipennis von Mexico, ater,
Abbotii aus Nordamerica, rufus, eingulatus, apicalis aus
Neuholland. — Megalyra.— Trigonalys, mit 2 neuen Arten Tr.
obscura aus Surinam (ist Sphex depressa Degeer) und Tr. Ser-
villei, ohne Angabe des Vaterlandes, — Endlich Stephanus mit
2 neuen Arten, St. bicolor aus Georgien und St. Indicus von Ma-
labar, — Lycogaster Shuck. hült Westwood für das Männchen einer
Trigonalys-Art, und sicher mit Recht, ich zweifle aber, dass wir
überhaupt schon Weibchen kennen. Die Bildung des Hinterleibs ist
nach den Arten verschieden: eine unbeschriebene Art unserer Samm-
Jung Int die Bildung von Lycogaster, indem das 2. Bauchsegment
268
nach hinten vorgezogen ist, bei einer anderen tritt das 3. Bauch-
segment nach hinten vor, bei den übrigen hier vorhandenen Arten ist
der Bauch einfach, Was die Verbindung der Gatt. mit Aulacus be-
trifft, so stimmt dieselbe mit meiner Ansicht über die systematische
Stellung dieser etwas abnormen Gattung nicht überein, ich glaube,
dass sich eher eine Beziehung zu den Oxyuren nachweisen lassen
mögte.
Le Guillou (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X. S. 311) beschrieb
Evania affinis als neue Art von den Schifferinseln (Hamoa),
Cynipsera. Zur Kenntniss der Gallwespen hat Hartig
(Germ. Zeitschr. S, 324) einen neuen Beitrag zur Vervollständigung
des ersten (S. Jahresber. f. 1839 d. Arch. VI. Jahrg. 2.Bd. 8.272)
gegeben. Er führt zuerst die früher schon angedeutete Ansicht wei-
ter aus, dass die echten Gallwespen z. Th. androgynisch seien, und
sucht sie auf anatomischem Wege zu begründen. Es ist indess gegen
Darstellung und Deutung des Verf, manches zu erinnern. Die Eier
werden dargestellt als lose in der Hinterleibshöhle, ohne Verbindung mit
dem Eierstock liegend: das ist nicht der Fall, sie sind, wie bei allen
andern Insecten, in Eiröhren eingeschlossen, welche in den Eileiter
münden: Der Verf. stellt ferner einen keulenförmigenEierstock dar, an
der Spitze mit fadenförmigen Fortsätzen, nach seiner Deutung die
sich bildenden Eier: es ist dies Organ der kurze keulenförmige Darm
mit den Gallengefässen, von der zarten Speiseröhre getrennt. End-
lich bildet der Verf, einen im Grunde des Hinterleibs gelegenen zwei-
theiligen Beutel ab, welcher eine körnige Flüssigkeit enthielt, und
in diesem glaubt er die männlichen Geschlechtstheile zu finden: mir
ist dies Organ zweifelhaft, und jedenfalls fehlt der Beweis, dass die
darin enthaltene Flüssigkeit Samen gewesen sei, da die Anwesenheit
der Spermatozoen nicht nachgewiesen ist. Dirchaus naturgetreu ist
aber die Darstellung der Eier, deren merkwürdige Bildung zu den
interessantesten Erscheinungen in der Physiologie der Insecten gehört,
Interessant und wichtig wäre es, diese Untersuchung fortzusetzen,
und zu erfahren, ob diese Form der Eier nur bei den Gallerzeugern
vorkäme, wie sich die Inquilinen in dieser Beziehung verhalten, und
wie endlich die Parasiten. Der treflliche Verf. hat sich in diesem Puncte
ein grosses Verdienst erworben, zu den reichhaltigsten' Forschungen
ein weites Feld eröffnet zu haben.
Im systematischen Theil seiner Bearbeitung hat bei vermehrter
Artenkenntniss die frühere Gattungseintheilung sich vollkommen ausrei=
chend gezeigt, der Verf. sucht also hier sie noch fester zu begrün-
den, namentlich auch in Rücksicht auf das Flügeläder, von welchem
hier verschiedene Formen durch Abbildung erläutert sind. Die Zahl
der Arten ist theils durch eine Anzahl neu bekannt gewordener be-
trächtlich vermehrt, theils sind die Charactere der schon früher auf-
geführten vervollständigt worden, endlich ist die Übersicht über die
_
269
Arten umfangreicher Gattungen durch synoptische Darstellung ihrer
Merkmale ungemein erleichtert worden,
Chaleididae. Eine wichtige Schrift für die Kenntniss dieser
umfangreichen Abtheilung der Hymenopteren ist Arn. Förster’s
„Beiträge zur Monographie der Pteromalinen, 1. Hft. Aachen 1841.”
Das Studium der unbedingt interessantesten Insectenordnung, der
Hymenopteren, würde bei uns weit mehr Aufnahme finden, wenn der
Anfänger durch instructive Werke hineingeleitet würde. Wenn eine
so umfassende Bearbeitung, wie wir sie durch Meigen für die Dipte-
ren besitzen, für die Hymenopteren nicht vorhanden ist, so ist es um
so wichtiger, dass einzelne Parthien in besonderen Monographien er-
läutert werden. Der Verf. hat sich eine der schwierigsten gewählt.
Eine besondere Erleichterung des Studiums gewährt diese Arbeit da-
durch, dass sie die von Nees v. Esenbeck aufgestellten Gattungen durch
Abbildungen kenntlich macht. Sonst enthält sie Nachträge zu Nees
v. Es. Werke über die Ichneum. adsc,, nämlich nicht weniger als 264 neue
Arten von Pteromalus, deren Auffinden durch eine vorangestellte Tabelle
möglich gemacht ist, 8A. von Eurytoma, 25 von Torymus,1 von Eupelmus,
11 von Cleonymus, eine neue Gatt. Pteroncoma, welche indess mit
Platynocheilus Westw, identisch ist, und von Walker mit unter Ste-
nocera begriffen wird, mit 1 neuen Art, Tetracampe, ebenfalls
neue Gatt., mit 2 Arten, ferner 4 Arten von Phacostomus, 26 von
Chrysolampus, Dicormus, Sphaeripalpus,zwei neue Gatt. mit je
1 Art, 16 Arten von Eluchestus, eine neue Gatt, Stenophrus, mit
1Art, 35 Arten von Euwlophus, 11 von Myina, 5 von Gonatocerus,
1 von Aneure, 3 von Eutriche, 1 von Ceraphron, 1 von Hadroce-
zus (so nennt der Verf. Callicerus Nees v. E., um die Collision mit
Callicera zu beseitigen), eine neue Gatt. Lagynodes mit 1 Art,
endlich je 1 Art von Teleas, Prosacantha, und Platygaster. Schade
dass dem Verf. die Arbeiten der Engländer über diese Hymenopte-
ren-Abtheilung, namentlich die leider sehr zerstreute Monographie
von Walker noch nicht bekannt waren, ohne Zweifel wird uns
der Verf. in der Fortsetzung seines Werkes gründliche Beurtheilun-
gen der britischen Arbeiten geben.
Die Verwandlung von Chalcis ist von Leon Dufour (Ann.
d. 1. Soc. Ent. d. Fr,X. p. 11 pl. 1 6,11.) erläutert worden. Latreille
bemerkte schon, dass die Arten mit ungestieltem Hinterleibe (Bra-
ehymeria Westw.) sich gern auf Excremente setzen, der Verf. er-
zog Ch: Fonscolombei aus den Puppen der Sarcophaga haemorrhoi-
dalis. Dadurch aufmerksam gemacht, besetzte er Fleisch mit eben
aus dem Mutterleibe genommenen Maden derselben, es kam auch noch
eine Lucilia hinzu, welche ihre Eier auf dasselbe Fleisch ablegte,
und als dieses recht stinkend geworden, fanden sich viele der ge-
nannten Chalcis und Ch. minuta ein, welche deutlich ihre Eier in die
Fliegenmaden legten. Bei Öffnung der Fliegenpuppen fand der Verf.
die Chalcis in ihren früheren Ständen, Die Larve ist fusslos, rundlich
270
eiförmig, mit 13 stark gesonderten Segmenten ausser dem Kopfe,
porzelan- weiss, glänzend, glatt, gekrümmt; der Kopf ist in das
1. Segınent eingesenkt und zeigt ein Paar äusserst feiner Mandibeln.
In jeder Fliegenpuppe befindet sich nur immer eine Chaleis-Larve.
Ausgewachsen bleibt die Larve gegen 9 Monate unverändert“im le-
thargischen Zustande, und wird erst im folgenden Sommer zur Nymphe.
Diese bleibt 15 Tage weiss, dann färbt sie sich in 5 Tagen, legt die
Nymphenhaut ab, und bleibt noch 3 Tage unbeweglich, ehe sie zum
Vorschein kommt. Die oben erwähnte Ch. Fonscolombei ist die
von Rossi und Boyer de Fonscolombe als Ch. podagrica F. aufge-
führte Art, welche von der ostindischen und zugleich über einen
grossen Theil von Africa verbreiteten Ch, podagrica F. hei genauerer
Vergleichung einige Unterschiede, namentlich in den Fühlern zeigt.
Walker (Entomologist S. 133, 217) hat eine Anzahl exotischer
Arten beschrieben: Marres ist eine neue Gattung, mit Leucospis in
der Form der Beine und dem Flügelgeäder übereinstimmend, mit 14 Zäh-
nen an den Hinterschenkeln: MM. Dicomas vom Gambia; ferner Leu-
cospis atra F. aus Africa, Smiera maculata F. (Chalc.) aus Nord-
america, Sm. Accila, Enyo,Masus ausBrasilien, Chalcis Teuta
aus Vandiemensland, Ch. Polyctor vom Cap, Ch.Lasus von Cal-
eutta, Ch. Mnestor und Augurus aus Brasilien; Phasgono-
phora sulcata Westw. (An, Kingd.) aus Georgien in Nordamerica
und Ph. Condalus, neue Art aus Brasilien,
Eine zweite Art der Gatt. Lycisc«a Spin, (S. vorigen Jahres-
bericht S. 203) bildete Westwood (Guerin. Mag. d. Zool, 1841, Ins.
pl, 48) als L. Romandi ab, Es ist ein für diese Familie ansehnli-
ches Insect aus Cayenne und Brasilien.
Proctotrupii. Eine monographische Bearbeitung der Gatt.
Peleeinus hat Klug in Germars Zeitschr. f.d. Ent. (IM. 8.377 T.2)
gegeben, Der lange hekannten, fast über ganz America verbreiteten
Art, P. Polyturator (Ichn. polyt. Drury, P. polycerator Fab,), von
welcher drei Abänderungen, mit pnnctirtem und glattem Schildchen
(erstere in Nordamerica und Mexico, letztere in Brasilien) und mit
braunen Beinen (in Columbien) unterschieden werden, reihen sich P.
dichrous Perty, und drei neue, P.rwfus aus Brasilien, thoracicus
aus Mexico, annulatus von Montevideo an. — Den P. clavator der
Eneycl. verbindet Kl. als Männchen mit P. polyturator, Latreille’s
P. clavator ist aber nach Spinola) Rev, Zool. 1841 8. 196, Mag. de
2001. 1842. Ins. pl. 93) ein anderer und zwar das Männchen des P.
dichrous Perty, von dem S$pinola nocha. a. O das Weibchen unter
dem Namen P. clavator beschreibt und abbildet. Von einer 6, Art
P. Guerinii Rom, aus Columbien, giebt ders, (ebendas.) Beschrei-
bung und Abbildung des noch unbekannten Männchen. — Diesen hat
De Romand (Rev. Zool. 1841 8,195, Mag.d, Zool. 1842, Ins. pl. 86)
zwei neue Arten hinzugefügt: P. Duponchelii, aus Columbien,
wahrscheinlich einerlei mit P. polyturator var. ec. Kl. und P. Spi=
; 271
nolae ebendaher, ein einzelnes Männchen, vom vorigen da-
durch unterschieden, dass der Hinterleibsstiel vor der Mitte nicht
verdickt ist.
Die Verbindung zwischen Pelecinus und Proctotrupes vermittelt
die Gatt.Monomachus Kl, von welcher Westwood (Ann. of nat.
hist. VII. S.536) Nachricht gegeben hat. Der Hinterleib ist beim g'
keulförmig, beim Q lang und gebogen, in der Mitte etwas aufgetrie-
ben, Fühler beim / 14-, beim @ 15gl., Vorderflügelmit 1 Rand- und
2 Unterrandzellen. Hierhin gehört Pelec. fuscator Perty und 3 von
Westwood characterisirte Arten aus Brasilien, M. Klugü, la-
teralis, segmentator.
Crabronidae. Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr.X. 8.115
— 120) beschreibt folgende neue Arten aus Cayenne: Hoplisus
scutellaris, cayennensis,Cerceris binodis, dilatata, cri-
brosa, Philant hus petiolatus. Hinsichts des letzten berichtigt
der Verf. noch (ebendas, 8. 309), dass er identisch sei mit Trachy-
pus GomesiiKl., und meint, dass Klug wohl leichtes Spiel gehabt
hätte, Trachypus von Mellinus zu unterscheiden, dass sich aber von
Philanthus- schwerlich Unterschiede finden mögten. Mir scheint die
Gatt. Trachypus sehr natürlich, und sie hat ein ausgezeichnetes Merk-
mal darin, dass der Enddorn der Vorderschienen gabelförmig ist. Die
hiesige Sammlung besitzt zur Zeit 14 Arten. Dass die Spinola’sche
Art zu Trachypus gehöre, leidet keinen Zweifel, dagegen habe ich
Bedenken, sie mit Tr. Gomesii zu vereinigen.
Leon Dufour (Ann. d. science. nat. XV. 8.353) macht uns mit
der Öconomie einer neuen, der C. ornata verwandten Art von Cer-
ceris bekannt. Er nennt sie Ü, bupresticida, weil sie aus-
schliesslich Bupresten einträgt. Sie baut auf’ einem festen Boden
einen Gang von 7— 8’, der im Anfange eine Biegung macht, um
später senkrecht abzusteigen. Er ist immer weiter als der Körper
der Wespe. Am Ende legt sie 5 besondere Zellen für die Brut an,
jede gross genug, um drei Bupresten aufzunehmen. Die Bupresten
waren B.Bgultata, bifasciata, pruni, tarda, biguttata, micans, flavo-
maculata, chrysostiema, $maculata. Die Käfer waren von vorzüg-
licher Frische, und noch vollkommen weich, durch anatomische Unter-
suchung überzeugte sich auch der Verf.,dass sie erst eben aus derPuppe
‚gekommen waren. Er spricht die Vermuthung aus, dass die Wespe den
Moment abpusse, wo die frisch ausschlüpfende Buprestis eben sich
hervorbohrt, um sie durch einen Stich in die Kehlhaut zu tödten.
Dies scheint um so walırscheinlicher, als sich oft der Kopf wie luxirt
zeigte. Vielleicht geschieht das Tödten auch durch einen Biss. Dann
fliegt die Wespe mit der vollkommen lehlosen Buprestis, welche viel
grösser als sie selbst ist, zu Neste, Der Verf. verschaflte sich durch
Ausgraben der Nester zahlreiche und schön erhaltene Exemplare der
seltensten Arten, wie Agril, bifasciatus und pruni, Er führte einen
Grashalm in den Gang des Baues ein, grub das Nest aus, und liess
272
sich dann von dem Halm an die die Käfer enthaltenden Zellen der Brut
leiten. Die oben genannte Art ist nach allen Ständen beschrieben.
Larridae. Spinola (a. a. 0. S.111—114) beschreibt die
Cayennischen Arten: Lyrops Leprieuri, chrysopyga, Larra
distinguenda, Nysson marginatus, Oxybelus america-
nus. — Le Guillou (ebendas, S. 320) bereicherte P’son mit einer
neuen Art P. Lepelletieri aus Nord-Australien.
v. Siebold hat in einer kleinen Gelegenheitsschrift (Observa-
tiones quaedam entomologicae de Oxybelo uniglumi atque Milto-
gramma conica, Erlang. 1841) eine höchst anziehende Schilderung
der Lebensweise des Oxybelus uniglumis, namentlich in Bezug auf
seine Fortpflanzung gegeben. Die Nester werden in der Erde, an
sandigen, sonnigen Stellen angelegt und zwar dauert die Beschäfti-
gung damit vom Mai bis zum Ausgang des Sommers, woraus der
Verf. auf mehrere Generationen im Jahre schliesst. Mit dem Nester-
bau beschäftigen sich nur Weibchen, und zwar hefruchtete, denn
bei allen solchen fand sich die Samentasche voll von lebendigen Sper-
matozoen.*) Die Nester bestehen in 2—3” langen Gängen, jeder für
eine Larve. Sie werden mit den Vorderfüssen gegraben, während
die hinteren Beine den Körper stützen; wenn sie tiefer eindringen,
wird der Sand mit dem Hinterleibe herausgeschoben. Die Zahl der
Nester, welche jedes Individuum gräbt, ist noch unbekannt, viele kön-
nen es aber nicht sein, weil die Zahl der Eier gering ist, denn jeder
Eierstock hat nur 3 Eiröhren, und jede derselben enthält nur 1,
höchstens 2 entwickelte Eier, Zur Nahrung für die Larve werden
verschiedene Fliegen, seltener Dolichopoden eingetragen, und, wie
man es auch bei andern Wespen als Regel findet, in jedes Nest
immer nur Individuen einer Art, ja was noch mehr ist, nur Männ-
chen. Der Verf. fand Anthomyia dentipes, lepida, platura, ciliata,
leucostoma, Eplıydra riparia, Lonchaea chorea, und Dolichopus ungu-
*) Der Verf. bemerkt, dass bei der Mehrzahl der Hymenopteren
die Samentasche ein kleiner Behälter ist, welcher mit einem kleinen
Gange an der hinteren Seite des gemeinschaftlichen Eierleiters mün-
det, häufig sehr klein, und immer so von Fett umgeben, dass sie
leicht übersehen werden kann. Abweichungen bei verschiedenen
Hymenopteren betreffen meist die Anhangsdrüse der Samentasche,
welche, in der Regel paarig, mit einem gemeinschaftlichen Ausfüh-
rungsgange sich in den Gang der Samentasche öffnet. Beim Odyne-
zus quadratus mündet er in die Samentasche selbst, beim Nysson
trimaculatus ist die Anhangsdrüse einfach. — Ganz abweichend ist
die Bildung bei den Tenthreden, wo sich an der ‘Scheide ein Paar
blinddarmähnlicher Anhänge finden, welche nach der Begattung mit
Spermatozoen angefüllt sind, und welche an den Bau bei den Libel-
len erinnern. !
F
273
latus in verschiedenen Nestern vor. Nur zweimal traf er ein Nest
mit verschiedenen Arten von Fliegen, und unter diesen auch.weih-
liche Individuen. Die Fliegen fängt der Oxybelus durch Überfall,
wendet sie auf den Rücken, sticht Seinen Stachel in den Hals, und
Diegt so mit der Fliege davon, der die Flügel auf der Stelle gelähmt
sind und die mit den nach oben gekehrten Beinen sich nicht wider-
setzen kann. So wird die Fliege nicht zwischen den Hinterbeinen,
sondern auf dem Stachel gespiesst zu Neste getragen, der vorsich-
tiger Weise verschüttete Eingang desselben geöffnet, die Beute ab-
gelegt und Jagd fortgesetzt. Wie es unter die Bienen sogenannte
Räuber giebt, so auch unter den Oxybelen: diese Räuber passen den
eintragenden Weibchen auf, entreissen ihnen die Beute in dem Augen-
blick, wo sie sie in ihr Nest ziehen, und ehe die Beraubte sich aus
dem über sie geschütteten Sande hervorgearbeitet hat, ist die Räube-
rin verschwunden, und hat die geraubte Beute in ihr eigenes Nest
getragen. Über die Nachstellungen der Miltogrammen s. u.
Sphegidae. Westwood (Ann. of.nat. hist, VII. S. 152) machte
ein Paar neue Gattungen aus dieser Familie bekannt: 3
Trirogma, mit Dolichurus verwandt, Männchen mit faden-
förmigen Fühlern fast von Körperlänge, einem Stirnhöcker, dreiring-
ligem Hinterleibe, gespaltenen Klauen: T. coerulea aus Nordindien.
Aphelotoma, mit Ampulex verwandt, mit breitem Kopfe, vorn
und hinten sehr verschmächtigtem Mittelleibe, kurzen Flügeln, mit
1 einfachen Marginal- und 4 Submarginalzellen, von denen die erste
appendiculirt ist, und mit unbewehrten Beinen: A. Tasmanica von
Vandiemensland. a
Ders. (ebendas. S. 435) bemerkte, dass die Namen Chlorion und
Ampulex völlig synonym seien, indem Latreille zwar Chi. lobatum
als Gattungstypus aufgeführt, die Charactere aber vom Chl. com-
pressum entnommen habe, welches Jurine später unter Ampulex
begriffen. Von dieser Gattung sind zwei neue Arten beschrieben,
Chl. (Amp.) cyanipes Westwood (a. a. ©. 8.152) vom Vor-
gebirge der guten Hoffnung, und Amp. angusticollis Spinola
(Ann. d. l. Soc. Ent. d. Fr.X. 8.108) von Cayenne, bis jetzt die
einzige aus der neuen Welt bekannte Art.
Saunders (Transact, of the Ent. Soc. of Lond. III, 8.58 T.5
F.1) bat eine prachtvolle Art aus Vorderindien unter den Namen
Pronueus Caumpbelli abgebildet: rothbraun mit blauem Hinter-
leibe, lichtbraunen Flügeln mit dunkler Spitze; es ist richtiger ein
Chlorion F, (typ. Chl. lobatum F.)
Templeton’s (ebendas. 8.56) Sphex aurocapillus, aus Bra-
silien ist Sph. auriflua Perty. — Neu ist noch Sphex coerulescens
Le Guillou (Ann. d. la Soc. Ent. d. Fr.X. 8.320) von Borneo.
Ammophila Tydei Le Guillou (a. a, O. 8.319) von Tene-
rllfa ist auch über das ganze südliche Europa verbreitet, war von
Hoflmannsegg A. psammodes benannt,
Archiv 1, Naturgeschichte, VIIE, Jahrg, Bd. 2, >
274
Smith (Ann, of nat. hist. VII. 8.148) zeigte in der Londoner
Ent. Soc. Individuen von Miscus campestris und Ammophila vulgaris,
welche er in Copula gefangen hatte, und betrachtet auf diesen Grund
die ersten als Abänderung der letzteren, jedoch schwerlich mit
Recht.
Pepsis vermehrte Le Guillou (a. a. ©. 8.319) mit P. fu lwi-
pennis aus Chile, Spinola (a. a. O. 8.104) mit P. viridisetosa
aus Cayenne.
Pompilus bereicherte Spinola (a. a. ©. 8.106) mit P. bitu-
berculatus, varicornis, compressus ebenfalls aus Cayenne.
Über P. femoratus F. bemerkt er, dass die ihm vorliegenden cayenni-
schen Exemplare von dem Typus, wie er in Brasilien vorkommt, darin ab-
weichen, dass auch Schienen und Füsse roth sind (ob auch wirklich die-
selbe Art ?). Zugleich macht er darauf aufmerksam, dass dem P. femora-
tus die Borstenreihe an den Vorderfüssen fehlt, wie bei Ceropales, und
da daraus erhelle, dass das Thier nicht gräbt, hält der Verf. es für
nöthig, ihm eine eigene Gatt, Auplopus anzuweisen. Schiödte hat
für diese Pompili ohne Borsten an den Vorderschienen und ohne Dor-
nen an den Hinterschienen schon die Gatt. Agenia errichtet (S. Jah-
resber. f. 1837, dieses Arch. IV. Jahrg. II. Bd. S. 244). Die Erfahrung
bestättigt indess nicht, dass durch diesen Mangel eine wesentliche
Abweichung in der Lebensweise bedingt werde (S. Westwood. In-
trod. II. S. 187).
Scolietae. Passerini (vergl. Rev. Zool. 1841 S.239, 356,
1842 8.225) hat seine Beobachtungen über die Entwickelungsgeschichte
der Scolia flavifrons (vergl. Jahresh. f. 1839, d. Arch, 6. Jahrg. 2. Bd.
S.250) fortgesetzt und zuletzt die Sache ziemlich ins Reine gebracht.
Die Scolia legt ihr Ei an eine erwachsene Nashornkäferlarve, die
Junge Scolienlarve zehrt sie aussen ansitzend und nur mit dem Vor-
derende des Körpers eindringend aus, wächst in wenigen Tagen her-
an, und spinnt sich dann einen Cocon neben der ausgezehrten Larve.
Der Verf. hat die Scolie in allen Zuständen, als Ei, in allen Larven-
altern u.s. w, beobachtet. Die Nashornkäferlarve war immer paralysirt.
Über die Gatt. Tiphia theilte Spinola (a. a. O0. 8.98) bei der
Beschreibung einer neuen Art, T. Cayennensis, aus Cayenne, und
zweier, T. flavipennisund wlbilabris aus Californien, einige all-
gemeine Bemerkungen mit, besonders über die Geschlechtsdifferenzen.
Er zeigte namentlich, dass beim Männchen der Metathorax kürzer sei,
und fand Schwierigkeit die Thatsache zu erklären. Mir scheint die
Sache so anzusehen zu sein: Das Volumen der Thoraxsegmente ist
durch die in ihnen enthaltene Muskelmasse bedingt: bei den weib-
lichen Tiphien sind die Hinterschienen kräftiger und zum Graben
eingerichtet, sie haben also auch stärkere Muskeln, diese liegen im
Metathorax, daher dessen grössere Ausdehnung.
Mhynmnidae. In dieser Familie sind zwei neue Gattungen
errichtet. OncorhinusShuckard (in Grey’s Reise II.) unterscheidet‘
«
275
sich von dem eigentlichen Thynnus kaum anders als durch grösseren
Kopf und längere, dickere Fühler: 0. zanthospilos, ein stattliches
Insect vom König Georgs-Sund.
Amblysoma Westwood (Guer. Mag. d. Zool. 1841 Ins. pl. 80)
nahe an Scotaena stehend, aber der Hinterleib kurz, eiförmig, kleiner
als der Thorax, an der Spitze unbewehrt, Flügelschuppen gross,
Beine lang, Klauen vor der Spitze mit einem Zalın. Mandibeln vor der
Spitze mit einem sehr grossen, abgeschnittenen Zahn. Die übrigen
Mundtheile nicht beobachtet. A. Latreillei, aus Brasilien.
Von der schon 1835 in den Proceed. zool. Soc. aufgestellten
Gatt. Anodoniyra gab Westwood (ebendas. pl.81) eine sehr schöne
Darstellung. Mit Scotaena zunächst verwandt, aber gedrungener,
mit kürzeren Fühlern, nicht abgesetzten Hinterleibssegmenten, unbe-
wehrter Hinterleibsspitze, zwischen den Mandibeln vortretendem
Kopfschilde, auch sind die Verhältnisse der Maxillartasterglieder ab-
weichend, indem hier die drei ersten Glieder kurz und nur die drei
letzten gestreckt sind. Die einzige bis jetzt bekannte Art ist A. tri-
color Westw. aus Chile.
Mutillariae. Eine Reihe neuer cayennischer Arten von Mu-
tilla beschrieb Spinola (a. a0. 8.85): M. argyra, melana,
zonata, bitaeniata, rectangulum, incerta, singularis.
Die erste ist jedenfalls M. sphegea F. Das Bedenken, welches der
Verf. darin findet, dass F. diese mit seiner M. collaris vergleicht,
welche eine Scolia sei, scheint auf einer Verwechselung mit Tiphia
collaris F. zu beruhen, welche eine Scolia ist; Mutilla coll. F. ist
eine männliche Mutilla. Der Verf. macht bei dieser Gelegenheit auf -
die Verschiedenheiten aufmerksam, welche bei den Mutillen-Männchen
im Flügelgeäder vorkommen: 1) Bei der Mehrzahl sind 1 oder 2? Ra-
dial-, 4 Cubitalzellen, von denen die 2. und 3. jede einen rücklau-
fenden Nerven aufnimmt. So M. europaea, italica, und viele andere
aus allen Localitäten. — 2) Bei andern noch 4 Cubitalzellen, aber
nur ein rücklaufender Nerv, von der 2. aufgenommen. Selten 2 Ra-
dialzellen. Dritte Discoidalzelle oft offen: M. ornata, notata, vestita
Kl. — 3) Nur 3 Cubitalzellen, die 2, den rücklaufenden Nerven auf-
nehmend: M. triareolata, neue Art aus Sicilien. — 4) Eine schmale,
lange, bis zur Flügelspitze reichende Radialzelle, 2 Cubitalzellen, die
1. klein, viereckig, die 2. schr lang, schmal, unvollständig, die beiden
rücklaufenden Nerven aufnehmend: M. scutellaris Kl.
Formicariae. Le Guillou (a. a. ©. 8. 313) stellte eine
Reile neuer Ameisen auf: Formica armata von den Philippinen
(scheint F. carinata F, zu sein), grisea von Neuguinea, affinis
von Borneo', Amyoti von Nordaustralien, arcuata ebendaher und
von Borneo, rubiginosa von Borneo,‘ pallens von den Freund-
schafts-Inseln (Vavao); Ponera araneoides von den Salomons-
Inseln, P. bispinosa von den Molukken (Ternate), P. rugosa von
Borneo,
S#
276
Saunders (Transact. of the Ent. Soc. of Lond. IN. 8. 57 T.5
F.2) stellte eine neue Gatt. Myrmecaria auf. Es ist das Männ-
chen einer Atten-Form (mit 2knotigem Hinterleibsstiel und — wie die
Abbildung zeigt — olıne Enddornen an den Schienen), von den eigent-
lichen americanischen Atta-Männchen dadurch verschieden, dass das
erste Fühlerglied nicht stark verlängert und stielförmig, sondern nur
von der Länge des 3. Gliedes ist. Die Vorderflügel haben ein deut-
liches Stigma, 1 Radial-, 2 Cubital- und 1 Discoidalzelle.: M. brun-
nea, neue Art aus dem nördlichen Indien.
Von grossem Interesse sind Märkel’s „Beiträge zur Kenntniss
- der unter Ameisen lebenden Insecten” in Germ. Zeitschr. III. 8.203.
Man ist in neuern Zeiten mit einer Anzahl von Insecten bekannt
geworden, welche sich z. Th. beständig in den Ameisennestern auf-
halten, und von den sonst so unduldsamen Ameisen gelitten werden.
Ausser Claviger und Pselaphen der Gatt. Batrisus sind es haupt-
sächlich Staphylinen, namentlich Aleocharen, einige Hister, Monotoma,
und die Gatt. Myrmechixenus u. s. w., welche man als beständige
Bewohner der Ameisennester angetroffen hat, Der Verf. richtete eine
besondere Aufmerksamkeit auf die Gäste der Ameisen, und der Schwie-
tigkeit, sie aufzufinden, da sie sich beim Nachsuchen leicht in den
Labyrinthen des Ameisenbaues verbergen, wusste er dadurch zu be-
gegnen, dass er Sandsteine mit rauher Unterfläche auf den Ameisen-
haufen legte, welche, namentlich nach sanftem Regen und bei bedeck-
tem Himmel jenen Insecten zum Versammlungsort dienten, und
gestalteten, sich ihrer in grösserer Zahl zu bemächtigen, ohne die
Ameisencolonie zu zerstören. Die vorliegenden Beobachtungen be-
ziehen sich auf die Gäste der Form. rufa. Diese werden in drei Klas-
sen getheilt: 1) solche, welche nur ihre früheren Zustände in Amei-
sennestern verleben (Celonia aurata, Clythra Asignata) — 2) sol-
che, welche nicht ausschliesslich in den Nestern wohnen, aber von
den Ameisen geduldet werden (die o. 8.211 schon genannten Sta.
phylinen und Omias mollicomus) — 3) solche, welche ausschliesslich in
den Ameisennestern wohnen und deren Existenz von der der Ameisen
abzuhängen scheint. Solche sind: Myrmedonia limbata, humeralis,
funesta, lugens, fulgida, Homalota flavipes, anceps, Oxypoda formi-
ceticola, myrmecophila, Aleochara angulata, Dinarda dentata, Lome-
chusa strumosa, paradoxa, emarginata, Leptacinus formicetorum,
Quedius brevis, Stenus aterrimus, Cryptophagus glaber Gyll. Hetae-
rius quadratus, Dendrophilus pygmaeus, Saprinus piceus, Monotoma
eonicicollis Aube, Ausser diesen Coleopteren bemerkte der Verf. ver-
schiedene Dipteren, überhaupt in Insecten anderer Ordnungen, und’ selbst
eine Art von Spinnen, welche sich beständig in den Gängen der
Ameisen finden, und über welche der Verf. weitere Mittheilungen
verspricht. Dass die genannten Insecten auch ihre Verwandlung im
Ameisenhaufen bestehen, geht schon daraus hervor, dass sich öfter
frisch entwickelte Individuen fanden. Es ist zu vermuthen, dass sich
eine ähnliche Reihe, bei den einheimischen z. Th. wohl von densel-
ben Gästen, in den Colonien anderer Ameisen findet. — Es ist ein
wunderbarer Blick, welchen wir hier in die Natur thun. Wir sehen,
dass der Haushalt der Ameisen, welcher an sich schon zu den in-
teressantesten Erscheinungen des thierischen Lebens gehört, noch
dadurch eine besondere Bedeutung erhält, dass an ihn das Dasein
zahlreicher anderer Geschöpfe gebunden ist. Es kann nicht fehlen,
dass fortgesetzte aufmerksame Beobachtungen uns bald auch über
die Rolle Aufklärung geben, welche jene Gäste im Staate der Amei-
sen spielen.
Vespariae. George Newman (Entomologist S. 106) be-
schreibt das Nest einer Vespa britannica, welches in seiner Constru-
ction nichts abweichendes von andern Wespennestern darbietet.
i der Zellen, waren bereits leer, nur die Randzellen waren noch mit
einem Deckel geschlossen und enthielten ausschliesslich Männchen.
Die Jahreszeit, in welcher dies Nest untersucht wurde, ist nicht
bemerkt.
Den honigsammelnden Wespen hat White (Ann. of nat. hist. VIT,
8. 315 T. 4) eine Abhandlung gewidmet. Azara berichtet schon von
Honigwespen, man hat anfangs eine Verwechselung mit Meliponen
vorausgesetzt, doch bestättigte Aug. St. Hilaire Azara’s Angabe und
Latreille beschrieb die Wespe, deren giftiger Honig von St, Hilaire
gekostet war, als Polistes Lecheguana, welche zur Untergatt. Bra-
chygastra Perty gehören würde. Der Verf. erhielt ein Wespennest
aus Südamerica, auf welches Azara’s Beschreibung des Nestes seiner
Chiguana darin zutrifft, dass es aussen mit conischen Vorragungen
besetzt ist,uund welches der Verf. deshalb derHonigwespe desselben zu-
schreibt. Die innere Architectur des Nestes ist von andern Wespen-
nestern abweichend. Es hat nämlich oben eine kuglige Masse zum
Mittelpunct, um welche sich die Waben concentrisch legen. Die bei-
den nächsten sind noch vollständige Kugeln, die übrigen unteren
bilden von den Nestwänden begränzte Kugelabschnitte. Auch sind
die Waben nicht durch eine mittlere Säule mit einander verbunden, son-
dern an der Seitenwand des Nestes befestigt, so dass nur einzelne
Lücken als Durchgänge bleiben, Die Mündung der Zellen ist, wie
ia den Wespennestern überhaupt, nach unten gerichtet. Für die in
diesem Neste gefundene Wespe errichtet der Verf. eine eigene Gatt,
Myrapetra, welche wohl am meisten mit Epipone Lepell. (nicht
Latr.) übereinkommt, und nennt die Art M, seutellaris. — In einer
Anmerkung ist eine Wespe von verwandter Form als Authreneida
coronata beschrieben: es ist dies Pol. pubescens F., V. mutillata JIl.,
Sumatrae Web. von Sumatra.
Spinola (a. a. O. 8, 123) hat bei Gelegenheit der Beschreibung
neuer Arten aus Cayenne die Gatt. Brachygastra Perty einer
neuen Prüfung unterworfen. Perty hatte die Zunge als Stheilig an-
gegeben, Spinola fand sie, wie gewöhnlich, dreitheilig, den mittleren
277
278
breiten, herzförmigen Theil mit 2, die schmalen seitlichen Theile jeden
mit einem hornigen Punet an der Spitze. Dies hat die Gatt. mit Po-
listes gemein, mit Odynerus dagegen die verlängerten Maxillen, Ta-
ster und Mandibeln. Characteristisch ist für die Gatt. die Bildung des
Hinterrückens. Dieser fällt nämlich steil ab, und wird, wie das
Postscutellum, vom Schildchen von oben her bedeckt. Der Verf. be-
reichert die Gatt. mit 2 Arten, B. bilineolata und velutina aus
Cayenne, und beschreibt eben daher: Odynerus Leprieuri,
Eumenes? nigriceps, Zethus gigas, didymogaster, pyri-
formis, biglumis, globulicollis,
Le Guillou (a. a. ©. S. 321) gab Beschreibungen von 3 neuen
Polistes-Arten, P. Bernardii und Romandi aus Nordaustralien,
P. Lefebvrei von Neuguinea.
Apiariae. Neue Bienen-Arten von Cayenne hat Spinola
(a. a. 0. 8.137—149) beschrieben: Halictus nigro-margina-
tus, Leprieuri,Ceratina lueta, chalcea, punctulata, An-
thidium costatum, bilineolatum, Megachile luctifera,
nigripennis, conica, Coeliowys Cayennensis, Mesocheira
ornata, Hemisia Leprieuri, laticineta, pyropyga, bom-
biformis.
Le Guillou (a. a. 0. $.323) stellte eine neue Honigbiene, Aprs
Gronovii, von Timor auf.
Fr. Smith (Ann. of nat, hist. VII, S. 145) hat die Beobachtung
gemacht, dass Andrena armata und Clerkella Kirb, Männchen der
A. fulva sind.
Über die Structur des Mundes bei Wespen und Bienen hatBrants
(Tijdschrift voor Naturl. Gesch. en Physiolog. VIN. 8.71) sehr ver-
dienstliche Untersuchungen angestellt, die um so wichtiger sind, als
die Ansicht, welche besonders bei den Bienen die lange Zunge als
eine Saugröhre betrachtete, ziemlich allgemein war. Der Verf. prüft
Wespen und Bienen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden
besteht darin, dass bei den Bienen die Lefze (labrum) fsei vortritt,
während sie bei den Wespen vom Kopfschilde überragt und bedeckt
wird. Hinter der Lefze folgt der Epipharynx und zwischen diesem
und dem Hypopharynx ist der Eingang in die Speiseröhre. Unter
diesem entdeckte der Verf. bei den Wespen einen eigenen Behälter,
welcher von einer Einsackung der Haut des Mundes gebildet und
vom Hypopharynx wie von einer Klappe geschlossen wird. Er nennt
ihn Leimhöhle. Die Mündung der Speichelgefässe fand der Verf.
vor derselben am Grunde der Zunge. Bei vorgestreckten Mundthei-
len ergiesst sich der Speichel in die Leimhöhle, bei zurückgezogenen
scheint er durch eine eigene Rinne auf der Oberseite der Unterlippe
hineingeleitet zu werden. Der Zweck dieses Behälters, zeigte sich,
ist der, dass darin die Masse bereitet wird, aus welcher die Wespen
ihre Nester bauen. Der Verf, fand im Inhalt desselben feine Holz-
theilchen, einmal sogar hei einer in seinem Zimmer gefangenen Horniss
279
Abschabsel vom Katiun der Tapetenborte des Zimmers. Bei andern
Hymenopteren, Crabro, Pimpla, ist weder Leimbehälter noch Hypo-
pharynx, bei Apis fehlt auch der letztere, aber es findet sich die An-
deutung eines rudimentären Leimbehälters, bei Eucera giebt Strauss
Dürkkeim den Hypopharynx an, und da dieser die Bedeutung eines
Deckels des Leimbehälters zu haben scheint, kann man daraus auf
die Anwesenheit des letzteren schliessen.
Die folgenden Untersuchungen betreffen die Structur der Unter-
lippe und Zunge. Latreille giebt den Eingang des Schlundes als am
Grunde der Zunge gelegen an, er hat die Mündung des Speichelgan-
ges dafür genommen, welcher, mit einem innern Spiralfaden ver-
sehen, die Unterlippe durchbohrt und sich am Grunde der Zunge
öffnet. (Aus dieser Lage kann man schliessen, dass der Speichel vor-
zugsweise dazu dient, die häutige Zunge feucht zu erhalten.) Die
Zunge der Wespen ist ohne Canal, und wird, wie man bei lebenden
'Thieren sieht, zum Auflecken von Flüssigkeiten gebraucht. Die ein-
zelnen Abtheilungen der Zunge und die Nebenzungen haben an der
Spitze auf der Unterseite Hornpuncte (von Latreille als Drüsenpunete
erwähnt), welche durchaus undurchbohrt sind, und nach Reaumur’s
Ansicht dazu dienen, beim Nesterbau den Mörtel glatt zu streichen.
Zur Stütze wird die häutige Zunge auf der Unterseite von feinen
Horngräten dnrchzogen; bei Odynerus ist es eine einfache Linie,
welche von der Wurzel aus durch jede Abtheilung der Zunge bis
zu dem erwähnten Horppuncte hinläuft, bei der Horniss ist jede die-
ser Linien baumartig verzweigt. — Bei Honigbienen und Hummeln
findet sich an der Rüsselspitze ein ähnliches Horpplätichen, und unter
demselben der Eingang zu einer durch Vereinigung ihrer Ränder
geschlossenen Rinne, welche auf der Unterseite des Rüssels bis zum
Grunde desselben hinabläuft, und welche man ziemlich allgemein
als den Canal betrachtet hat, durch welchen der Honig eingesogen
wird. Er ist nach den Untersuchungen des Verf. am Grunde ge-
schlossen, und führt nicht in die Nahrungswege. Die Leisten, von
denen er gebildet wird, scheinen den beiden Horpgrälen zu ent-
sprechen, welche die Wespenzunge stützen, so dass es auch hier
den Anschein hat, als diente er nur zur Stülze der sonst häutigen
Zunge. Wie aber bei den Bienen mit ihrer langen Zunge das Auf-
saugen des Honigs geschieht, bleibt noch räthselhaft,
Rhipiptera.
Thwaites (Transact of the Ent. Soc. of Lond. II, 8.67) hat
eine Art von Stylops im Freien beobachtet. Er sah (in der ersten
Hälfte des Mai) mindestens zwanzig in einem Garten fliegend, aber
#0 hoch über der Erde, dass er nur wenige erhaschen konnte. Sie
Nlogen sehr zierlich, in Jangen Strichen, als ob sie von einem leichten
Winde getragen würden. Hierdurch und bei ihrer eigenthümlichen
Flügelspannung ist ihr Ansehn von dem anderer fliegender Insecten
250
sehr verschieden. Gefangen sind sie äusserst beweglich, im Glase
auf und niederlaufend und hastig mit Fühlern und Flügeln schlagend.
Ihre Lebensdauer scheint sehr beschränkt zu sein, keine der gefan-
genen lebte über 5 Stunden, und eine, welche am Nachmittage aus
einer Biene ausgelöst wurde, war am andern Morgen todt.
Eine neue Art von Nenos ist von Templeton entdeckt und
(ebendas. 8. 51 T. 4) ausführlich unter dem Namen N. Westwodii
beschrieben. Sie ist aus der brasilischen Sphex auriflua Perty.
(8. 0. 8.273.)
Lepidoptera.
Die Schmetterlingsfaunen von Europa sind vermehrt wor-
den durch:
von Kornatzki und Neustädt, Abbildung und Be-
schreibung der Schmetterlinge Deutschlands in systematischer
Ordnung, Breslau 1841.
British Butterflies, by J. ©. Westwood, With 42 co-
loured plates. Lond. 1841. 4. s
Manuel entomologique pour la classification des Lepi-
dopteres de France. Par l’Abbe Lalanne. 3me edition revue
et augmentee par M. J. Rohmer. Paris et Lyon 1840. 8.
Das Verzeichniss der preussischen Schmetterlinge ist von
v, Siebold (Preuss. Prov. Bl. S. 413) zum Schluss gebracht
worden. Es enthält die Zünsler, Wickler, Schaben, Geistehen
und Nachrichten über neue Entdeckungen. ;
Beiträge zur Schmetterlingskunde Pommerns theilt He-
ring (Ent. Zeit. S. 14, 27) mit.
„Lepidopterologische Nachrichten und Bemerkungen aus
dem Jahre 1840” veröffentlichte Freyer (ebend. S. 52, 90, 107.)
Von vielem Interesse für die Kenntniss der Naturge-
schichte exotischer Schmetterlinge ist das 7. Bändchen der Na-
turalist's Library cond, by Sir W. Jardine, Entomology, ent-
haltend, Exotie Moths, bearbeitet von James Duncan. Es
sind nur wenig neue Arten beschrieben, zuweilen neue Gattun-
gen errichtet, die Charaetere derselben aber mehr angedeutet
als festgestellt, dagegen ist die möglichste Rücksicht auf die
früheren Stände genommen, mit Benutzung der vom Smith
Abbot, Stoll, Lewin u. A. vorhandenen Materialien.
Ratzeburg hat in den Act. Acad. Caes. Leop. Carol,
Nat. Car, Vol. XIX, P.Il. S.391 eine Abhandlung „Zur Cha-
251
racteristik der früheren Zustände und der Verwandlung der
Lepidopteren, besonders der Microlepidopteren” bekannt ge-
macht, welche viel Wichtiges enthält.
Der Verf. macht besonders auf die Wichtigkeit der durch Falten
begränzten Wülste der Körpersegmente und der Beschaffenheit der
Behaarung aufmerksam. Für jene Wülste stellt der Verf. eine be-
sondere Terminologie fest (S.398). Bei den Puppen kommt es auf
die Lagerung und relativen Grössenverhältnisse der Glieder an, vor-
züglich characteristisch ist aber auch die Endigung der Hinterleibs-
spitze, welche nicht allein selbst bei den verwandtesten Arten con-
stante Merkmale, sondern sogar auch Sexusunterschiede zeigt. Nach des
Verf. Beobachtungen nämlich ist bei den männlichen Puppen die After-
öffnung auf den letzten, die Geschlechtsöffnung auf dem vorletzten
Segment durch je eine wulstige Grube angedeutet; beim Weibchen
dehnt sich die letztere auf das drittletzte Segment aus, und die bei-
den vorletzten Segmente sind an dieser Stelle so zusammengezogen,
dass sie fast in einander überzugehen scheinen. Bei den Puppen von
Cossus ligniperda und Sesia apiformis haben die männlichen Ind. auf
den beiden letzten, die weiblichen auf den drei letzten Segmenten
Stachelreihen.
Zur Behandlung der Microlepidopteren hat Sodoffsky
(Bull. Mose. 1841 S. 529) Anleitung gegeben. Es ist das Verfah-
ren des Senators v. Heyden, welches er zur weiteren Kennt-
niss bringt.
Papiliones. Westwood (Arcana Ent.) bildete drei neue
Arten von Papilio aus Assam ab: T.11 P. Gyas, dem P. Peran-
thus nahe stehend, und P. C/oanthus, dem P. Sarpedon nahe ver-
wandt, aber geschwänzt, und T. 16: P. Rhetenor, dem P. Prote-
nor sehr ähnlich. Ebendaselbst giebt er auch eine Abbildung des P.
4gestor Gray Boisd,, als dessen Vaterland Gray Sumatra bezeichnet,
den aber Saunders in Vorderindien erhalten.
Bemerkungen über das Vorkommen der nordamericanischen Arten
von Papilio theilteDoubleday (ebendas. S. 60) mit, P. Aiar kommt
hauptsächlich in den südlichen Staaten vor, liegt rasch (nicht segelnd)
und niedrig, und lässt sich öfter auf die Blüthen von Annona gran-
diflora nieder, von welcher und A. pygmaea sich vermuthlich die Raupe
nährt. — P. Marcellus Boisd., in verschiedenen Staaten, von graciö-
serem Flug, sich auf morastigen Stellen niederlassend, was P. Aiax
nicht thut; bei beiden ist die Farbe im Leben schön hellgrün. Die
Raupe des letzteren lebt auf Uvaria triloba, — P. Asterias, von Mexico
bis nach Canada und Neufundland verbreitet, überall häufig, im Flug
unserm P. Machaon gleich. Die Raupe auf Doldenpllanzen. — Über
die Raupe des Pap. Philenor hat Harris (Entomologist 8.60) Nach-
rieht gegeben. Die junge Raupe hat Form und Höcker mit der der
Ornithoptera Heliacon, später wird sie gestreckter und das erste
282
Höckerpaar länger. Sie lebt auf Aristolochia Sipho, in den mittleren
und südlichen Staaten auf A. serpentaria, gesellschaftlich, und spinnt
Zickzackfäden wo sie kriecht, scheint auch ohne dieselben sich nicht auf
dem Blatt festhalten zu können. P. Asterias, Turnus, Troilus leben
einzeln, der erstere spinnt nicht, die beiden letzteren bespinnen das
ganze Blatt.
Rob. Schomburgk (Ann. of nat. hist. VII. 8.151) erzählt,
dass mehrere Arten von Callidryas sich oft in unglaublicher Zahl auf
nassen Sandufern niederlassen. Am 10. Oct. 1838 sah er eine Wan-
derung dieser Schmetterlinge von S. W. nach N. O.; der Zug muss
aus vielen Myriaden bestanden haben, denn der Verf. sah ihn den
Essequibofluss, den er hinauf fuhr, von 8 Uhr Morgens bis 4, Uhr
Nachmittags, in ununterbrochener Reihe kreuzen. Die Raupen wer- ‘
den von den Indianern gegessen.
P. Feronia macht nach Darwins Beobachtung (Entomologist
8.126) im Fluge ein knarrendes Geräusch.
Über Stellung und Einreihung der P. Lucina im System hat
Freyer (Ent. Zeit. S.50) sich ausgesprochen. Es sind indess nur
die europäischen Schmetterlinge berücksichtigt, und da die genannte
Art der einzige Repräsentant in unserm Welttheil von einer sehr
umfangreichen Abtheilung der Tagschmetterlinge ist, darf man sich
nicht wundern, wenn ihre Stellung verkannt wird. Der Verf, will
sie als eigene Gatt. Hamearis Hü. zwischen Hecaerge und Hesperia
gestellt wissen, sie ist auch unter den Namen Nemeobius Steph, bekannt
und gehört zu der fast auschliesslich in Südamerica einheimischen
Gruppe der Eryciniden, welche sich den Lycaeniden eng anschliesst,
Doubleday (Entomologist 8.209) beschrieb eine neue nord-
americanische Lycaena unter den Namen Po/yomm. Lygdamus.
Sie ist mit L. Acis und Damoetas verwandt. — Eversmaun (Bull.
Mosc. 1841 8.18 T.3) macht ein Paar russische Arten derselben
Gattung bekannt. L. Damone schliesst sich an L. Damon, Rippertii
und Donzelii, stimmt unter diesen am meisten mit L. Rippertü über-
ein, unterscheidet sich aber von demselben darin auffallend, dass das
Männchen eine blaue Oberseite hat, von Damon darin, dass der Strahl
auf der Unterseite der Hinterflügel nicht so deutlich ist. L. Cyane,
dessen Weibchen der Verf. schon 1837 beschrieben hatte, ist hier in
beiden Geschlechtern abgebildet.
Hesperia cribrellum desselben (ebendas. S.25) aus ver-
schiedenen Gegenden des östlichen Russland ist der H. tessellum
äusserst nahe verwandt.
Unter der Benennung. Hesperia? Sophia hat White in Grey’s
Reise (II. S. 474) einen Schmetterling vom König Georgs-Sund be-
schrieben, der im Flügelschnitt und Färbung sehr einer Castnia gleicht
und vielleicht auch in die folgende Familie gehört.
Castniadae. Derselbe (ebendas. S. 475) hat Hecatesia Thy-
ridion Feisth. in beiden Geschlechtern im Holzschnitt dargestellt und
/ 3
*
283
ausführlicher beschrieben, Das Weibchen hat den Glasfleck am Vor-
derrande der Vorderflügel nicht, den das Männchen hat.
Eusemia maculatrixe Duncan (Ent. Libr. VI. 8.88 T.2
F.3) ist eine neue Art aus Assam, der E. lectrix (Bomb. 1. Lin. Cr.)
verwandt.
Chelonidae. Duncan (ebendas. S. 93 T.3 F.3) gab eine
neue Abbildung von Amesia sanguiflua (Phal. sanguifl. Drury), wel-
che sowohl den eigenthümlichen Aderverlauf der Flügel darstellt, als
auch einen richtigen Begriff von dem Schmetterling giebt. Auch ist
Drury’s Vaterlands-Angabe ‚‚Surinam” nicht richtig, der Schmetterling
ist aus Ostindien. Die Gattung stimmt mit Campylotus darin überein,
dass die Flügelnerven an der Spitze wunderlich gekrümmt sind, mit
Eterusia darin, dass der einzelne einfache Nerv fehlt, welcher von
der Spitze der zwischen dem Postcostal- und grossen Mittelnerven
gelegenen Zelle zur Flügelspitze geht.
Mit Limacodes verbindet ders. (ebendas. 8.179) Phal. Micilia
und Cbelestina Cram., auf Grund der von Stoll abgebildeten Raupen.
Diese haben allerdings viel Übereinstimmung mit den Raupen von
Limacodes, die Schmetterlinge schliessen sich aber näher an Glauc-
opis. Von Limacodes trennt der Verf, (S.181 T.3 F.5) Bomb. vul-
nerans Lewin unter dem Gattungsnamen Doratifera. Die Larve: ist
ebenfalls eine schneckenförmige Giftraupe, der Schmetterling scheint
aber zu den eigentlichen Spinnern zu gehören.
Neue neuholländische Arten sind Aglages (Leptosoma Boisd,)
amicus White in Grey’s Reise (II. 8. 482) vom Schwanenfluss,
Hazis Tasmaniae und Chelonia Glatignyi Le Guillou
(Rev. Zoo]. S. 257) von Hobart Town.
„Eine ausgezeichnete Abänderung der Euprepria villica wurde
von Krause (Arb. und Veränd. der schles. Gesellsch. f. vaterl, Kult,
1840. Entomol. Sect. 8.14) beschrieben.
Bombycees. Duncan (a. a. 0. 8.123) zeichnet einige Gat-
tungseintheilungen für grössere Spinnerformen vor. Den Namen
Hyalophora (holl. Spiegeldrager) schlägt er für die Atlas-Form
(Atlas, Hesperus, Cynthia, Cecropia u. a.) vor, Saturnia bleiben
die mit Augenflecken statt der Fenster, Arsenura (B. Erythrinae
F.) hat beim Männchen, Lomelia (B. Epimethea F.) in beiden Ge-
schlechtern einen winkligen Vorsprung an den Hinterflügeln. Die mit
geschwänzten Hinterflügeln bilden drei Gattungen Arctias Leach.
(B. Luna L. F.) mit fast sichelförmigen, Eustera (B. Argus F.)
mit gerundetem Aussenrande, Copiopteryx (B. Semiramis F.) mit
‚gerude abgeschnittener Spitze der Vorderflügel, die letzteren beiden
mit schr langen an der Spitze erweiterten Schwänzen.
Bomb. regalis F. wird (ebendas. 8.161) zum Typus einer eige-
nen Gatt. Dorycampa erhoben: die Raupe hat auf den Körper-
segmenten einzelne borstige Dornen, auf den drei Thoraxsegmenten
sind diese Dornen schr lang, und nach hinten übergebogen. Bei der
254 |
zunächst verwandten Gatt. CGeratocampa Harr: Cerocampa Kirb, (B.
imperialis F.) haben nur das 2. und 3. Segment zwei kurze Hörnchen,
die übrigen einzelne scharfe Spitzen mit Borstenbüscheln.
Von Oiketicus wird als eigene Gatt.Cryptothelea der Oi. Mac
Leayi Landsd. Guild. abgesondert; während Oi, Kirbii L. Guild, sich
an Hepialus zu schliessen scheint, zeigt dieser mehr Annäherung an
Psyche: die Fühler sind der ganzen Länge nach gekrümmt, die
Flügel am Hinterrande gerundet, der Hinterleib die Flügel nicht
überragend.
Über nordamericanische Spinner hatDoubleday (Entomologist)
Mittheilungen gemacht. Die erste (8.55) bezieht sich auf drei neue
Gattungen aus der Gruppe der Notodontiden: 1) Heterocampa,
mit sehr kurzen, feinen Maxillen, kurzen 3gl. Lippentastern, beim 7°
über 3 der Länge stark gekämmten, beim Q einfachen Fühlern,
ganzrandigen Flügeln, einem langen hornigen Lappen an den Vor-
derschienen bei den Männchen, 4dornigen Hinterschienen, kurzem
Afterbüschel, die Raupe mit 2 Hörnchen hinter dem Kopfe, sonst der
von Cerura (vinula) gleichend, der Schmetterling aber hiervon durch
Fühler, von Stauropus durch die 4dornigen hinteren Schienen, 3glie-
drige Taster und längere Maxillen abweichend: H. Astarte neue
nordamericanische Art. — 2) Lochmaeus, der vorigen sehr ähn-
lich, aber die Maxillen von der Länge des Thorax, das zweite Ta-
sterglied verhältnissmässig länger, die Fühler beim Z' nicht so stark
gekämmt; besonders aber durch die Raupe verschieden, der nament-
lich die Hörnchen hinter dem Kopfe fehlen: L. Manteo in Nord-
america, Georgien, auf Pinkneya pubens lebend. Noch 7— 8 andere
Arten wurden vom Verf. gesammelt. — 3) Schizura, mit Noto-
donta zunächst verwandt, aber die Fühler beim Z' über $ der Länge
doppelt gekämmt, beim 2 borstenförmig, die Vorderschienen bei bei-
den Geschlechtern mit einer langen Hornplatte, der After beim ' mit
zweitheiligem, beim Q ohne Büschei: Sch. /pomeae, in Nordamerica,
die Raupe auf Ipom. coccinea lebend.
Die zweite Mittheilung (8. 97) betrifft nordamericanische Sack-
träger: Eine Sackträgerraupe fand sich in Charlestown auf Cupressus
Thyoides in grosser Menge, sie war ohne Afterfüsse, aber die eigent-
lichen Füsse waren sehr stark entwickelt, Kopf und die drei Thorax-
segmente hornig; sie gehörte der Gatt. Thyridopteryx Steph. an,
auch hält der Verf. die Art für identisch mit der Stephensschen, der Sphinz
ephemeraeformis Haw., welche wohl mit Unrecht alsein englisches Inseet
betrachtet ist (Stephens hält es selbst für identisch mit Psyche plu-
mifera O., welche aber nicht einmal in die Gattung Thyridopteryx
gehört). — Die nächste Verwandtschaft hat Thyridopteryx mit Oike-
ticus, welches der Verf. durch Mittheilung einer noch nicht publieirt
gewesenen Abbotschen Zeichnung aller Stände eines dem Oi. Kirbyi
nahe verwandten, auf der Originalzeichnung (fälschlich) P, B. para-
doxa F. benannten Art anschaulich macht. — Über eine dritte Form,
285
Saccophora. Melsheimeri Harris sind die Beobachtungen von
Harris mitgetheilt, Der Schmetterling erinnert im Flügelschnitt an
den Seidenschmetterlivg, auch sind beide Geschlechter geflügelt, die
Raupe ist ausgezeichnet dadurch, dass der Kopf auf jeder Seite einen
langen, fühlerförmigen aber unbeweglichen Fortsatz hat; die Maxil-
lartaster sind ungewöhnlich lang; und das erste Thoraxsegment ist
hornig; die eigentlichen Füsse sind lang, die Afterfüsse klein; diese
Raupe lebt auf Eichen, und frisst deren Blätter.
Freyer (Neue Beiträge 57. Hft.) gab eine Abbildung von Ga-
stropacha Pruni, mit der Raupe,
Neue Spinner-Arten sind Cossodes Lyonetii, Odonestis
Elizabetha, Trichetra (Arcturus Curt.) Isabella White
(Grey’s Reise II. S. 477) von König Georgs-Sund, Cossus per-
sona Le Guillou (Rev. Zool. S.257) von Samarang, und Lasio-
campa Guerinii dess. (ebendas.) aus Vandiemensland.
Über den letzten Raupenfrass der Nonnen in vielen Gegenden
Deutschlands haben Ratzeburg (Preuss, Prov. Bl. S. 221) und
Brehm (Isis S. 348) interessante Mittheilungen gemacht. Ratze-
burg’s Bericht enthält manche beachtenswerthe Thatsachen und
Winke. Die Nonne hatte sich seit 1838 in mehreren Gegenden Deutsch-
lands auf eine höchst bedenkliche Weise vermehrt, und die Wälder
waren von ibr erfüllt. Bei gleicher Stärke des Angrifis litten die
Rothtannnen mehr als die Kiefern, Im Winter 1839 — 40 wurden in
den Neustädter Forsten zehn Centner Eier — 20,000 Eier gehen
auf 1 Loth — gesammelt, ausserdem im Frühlinge 1840 die eben
auskommenden Räupchen getödtet. Die übrigen wurden meist Beute
der Raubkäfer, Ichneumonen und Tachinen. Auffallend war dem Verf.,
dass die wenigen Schmetterlinge, welche sich in diesem Jahre zeig-
ten, grösstentheils Männchen waren, Im nächsten Winter fanden
sich wenige und sehr dürftige Eierhaufen, und auch diese grössten-
theils zerstört, es wies sich aus, dass Spinnen, Raphidienlarven, ver-
schiedene Käferlarven und Tausendfüsse sie verzehrten.
Brehm’s Beobachtungen beziehen sich auf die Reviere von Klo-
sterlaussnitz und Saas bei Eisenberg. Die Nonne war bis zum Jahr
1838 selten. Im folgenden Jahre fanden sich in den genannten Re-
vieren schon 500 Acker Holz angegriffen. Auf Vorschlag des Verf.
wurden Raupen, Puppen und Schmetterlinge gesammelt, wofür nahe
an 1000 Thir. verausgabt wurden, und wodurch anschläglich an 20 Mil-
lionen Nonnen vertilgt wurden. Nichts desto weniger vermehrte der
Schmetterling sich s0, dass im Anfange des nächsten Sommers (1840)
noch über 1000 Acker Kieferwald verwüstet wurden. Inzwischen
endete die Plage plötzlich, indem ein Sterben unter die Raupen kam,
Die wenigen Schmetterlinge, welche sich entwickelten, waren unfruch-
bar. Beachtenswerth ist die Bemerkung von Brehm, dass Vögel diese
Baupen nicht vertilgen, höchstens mögte es der Kukkuk thun; die
Eier werden von Mäusen, Kleibern, Goldhähnchen u. s. w. verzehrt.
286
Folgende Puncte hebt der Verf. noch besonders unter seinen Wahr-
nehmungen hervor: 1)nur gewisse Striche werden heimgesucht, vor-
züglich solche, wo der Boden sehr sandig oder sehr nass ist. — 2)
Fichten litten melır als Kiefern. — 3) Grosse Bäume sind dem Frass
der Nonne mehr ausgesetzt als die Dickigte, der Verf. vermuthet,
weil dieNadeln der hohen Bäume nicht so harzig seien. — 4) Heide-
kraut blieb nicht verschont. — 5) Auch Laubholz, namentlich Eichen
und Birken, wurde angegriffen.
Bemerkenswertl ist in beiden Fällen das plötzliche Aufhören der
Nonnenplage: Ratzeburg bemerkt, dass nach seinen Nachrichten das-
selbe in sehr verschiedenen Gegenden Deutschlands der Fall gewesen
sei. Es wäre interessant und wichtig, die Verhältnisse des |Ver-
schwindens in verschiedenen Gegenden treu und umsichtig geschildert
und zusammengestellt zu sehen, um die Frage erwägen zu können, ob
das Eingreifen der Menschenhand, wie es in den Neustädter Revieren
durch das Vertilgen der Eier auf eine so belangreiche Weise ge-
schehen ist, von wesentlichem Einfluss gewesen sei, oder ob die
Natur überall durch eigene Hülfe das gestörte Gleichgewicht her-
gestellt habe, wie es in den von Brehm beobachteten Revieren sich
gezeigt hat.
MNoctuae, Guenee hat seine Untersuchungen über die Classi-
fication der europäischen Noctuen zu Ende geführt. (Ann. d. 1. Soc.
Ent. d. Fr. X. p. 55, 217). Die 11. Gruppe bilden die Helvothiden,
welche sich durch die in beiden Geschlechtern ganz einfachen Füh-
ler und die mit einer mehr oder weniger bemerklichen schwarzen
Binde bezeichneten Unterllügel kenntlich machen. Sie enthält die Gatt.
Heliothis ©., Trupana) als neue Gattung, deren Larven in den Blu-
mentöpfen der Cichoraceen versteckt leben und deren Weibchen einen
Legestachel haben, aufgestellt, später gegen Anthoecia Boisd. zu-
rückgezogen, Cardu: Hübn., cognata Tr.) Anarta 0. und Heliodes
(neue Gatt., von Anarta durch die Kleinheit des Körpers, Breite der |
Flügel und in Fühlern und Tastern abweichend; auch sitzen sie in
der Ruhe nicht wie Anarta mit übereinander gelegten, sondern mit
ausgebreiteten Flügeln: rupicola Tr., arbutiF.) — Eine 12. hinläng-
lich umschriebene Gruppe sind die Plusi’den, mit den Gatt. Plusia
(Plusia und Chrysoptera Lat.) und Abrostola. Hieran schliesst der
Verf. als 13. Gruppe die Calpiden. Sie haben zwar 16füssige Rau-
pen, werden aber durch exotische Mittelglieder mit den vorigen ver-
bunden; in Europa werden sie durch eine einzige Art, Calpe Tha-
lietri repräsentirt. — Die 14. Gr. Ophiusiden haben wieder meh-
rere Afterfüsse der Raupen verkürzt, sind sehr reich an exotischen
Formen, und weichen von den Catocaliden, mit denen sie Boisduval
verbindet, durch glatte Raupen ab: Cerocala Boisd. (scapulosa Hübn.)
Ophiusa, auf dgira, punctularis, lineolaris, geometrica, stolida, Cai-
lino Lef., illunaris beschränkt) Tozocampa (neue Gattung durch
grossköpfige, auf Leguminosen lebende Raupen unterschieden: eraccae
P
a |
e 287
viciae, limosa, rectangularis, lusoria, pastinum, ludiera), Ophiodes
(ebenfalls neue Gattung, durch die auf der Unterseite flachen und
schwarzgefleckten Raupen der folg. Gruppe sich anschliessend: Zu-
naris, tyrrhaea). — Die 15. Gruppe sind die Catocaliden, auf die
Gatt. Catephia und Catocala beschränkt, deren Raupen mehr oder
weniger ungleiche Afterfüsse und an den Seiten einen Besatz von
langen Haaren haben. — Die 16. Gruppe PAalaenoidi, sowohl durch
spannende Raupen (die vier Mittelbeine sind verkürzt), als durch
grosse Flügelbreite, verkümmerte Taster u. s. w. an die Spanner
erinnernd, enthält die einzige Gatt. Brephos. — Die 17. Gruppe, Acon-
tidi, hat Raupen mit nur 4 Afterfüssen, und besteht ebenfalls nur
aus einer Gatt. dcontia. In der 18. und letzten Gruppe fehlen den
Raupen ebenfalls 1 oder 2 Paar Afterfüsse, die Schmetterlinge nähern
sich aber mehr den Zünslern an: Euweclidia O., Anthophila O. auf
vespertina Tr., Kindermanni Boisd., lavida ©. beschränkt, Micr«,
neue Gatt., welche sich durch gedrungene Form und die trapezoidi-
schen Vorragungen der 12beinigen Raupen von den vorigen unter-
scheidet, bestehend aus purpurina F., rosina Hü., ostrina Hü., parva
Hü., concinnula Boisd., minuta Hü., viridula Guen., Elychrysi Ramb.,
paula Wü.; — Leptosia, ebenfalls neue Gatt., durch die über die
Stirn hinaufsteigenden Taster zünslerartig, da die Raupen aber noch
nicht bekannt sind, in ihrer systematischen Stellung zweifelhaft, aus
mendieularis Tr., velox Hü., Dardouini Boisd. und polygramma An-
derr. bestehend; Erastria O. auf parvula Ramb., venustula Hübn,,
numerica Boisd., candidula Borkh,, atratula Borkh., fuscula Borkh.
beschränkt, Hydrelia, neue Gattung, von der vorigen dadurch
unterschieden, dass bei den 14füssigen Raupen das erste Paar der
‚ Afterfüsse verkürzt und dass beim Schmetterlinge der Leib glatt ist, aus
argentula und unca gebildet; Agrophila Boisd, auf sulphurea einge-
schränkt; Phytometra Steph. (wenea Bork. und Sancti FlorentisBoisd.);
Haemerosia Boisd, (scitula Bamb. albicans Ramb., renalis Hü.), wo-
von als eine neue Gattung Oratoscelis (communimacula F.) wegen
der matten Flügel, breiten Franzen, abgesondert wird; Glaphyra
(der Name collidirt mit Glaphyrus) eine für parallela Boisd., pura
Hübn., glarea Tr., lusitanica Boisd., amoena Hü., obliterata R. neu
errichtete Gattung, endlich Micraphysa Boisd. — Den Schluss macht
eine Übersicht über die ganze Eintheilung,
Donzel (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr.X. 8. 211) hat Noctua vaspi-
dea De Vill. von N. (Miselia) oleagina unterschieden. Die Fühler
sind bei der letzteren beim / stärker, beim 2 schwächer kammför-
mig, bei der ersteren beim / nur gezähnt, beim 2 ganz fadenför-
mig. Die Nierenmakel ist bei oleag. oval und reinweiss, bei zasp.
viereckig, in der Mitte bräunlich; die Raupe der iasp. hat keine Spur
von dem gelben Halsband, welches die der oleag. hat. Beide leben
auf Schlehdorn, die oleag. gehört Deutschland an, die zasp. kommt
in der Umgegend von Lyon vor.
288
Hering (Ent. Zeit. 8. 165) gab von einer neuen bei Berlin ent-
deckten Eule Nachricht. Sie ist eine Xylina und steht in der Mitte
zwischen X, conformis und Zinkenii. — Die grüne, mit gelben Rük-
kenstrichen gezeichnete Raupe lebt auf moorigen Wiesen im Mai
und Juni, macht ein leichtes Gewebe im nassen Moose, in welchem
sie zwei Monate schlafend zubringt, Nach dieser Eigenthümlichkeit
ist die schöne Eule Xyl. somniculosa benannt worden,
Treischke’s Angabe über die Raupe von Diphthera ludifica wird
von Richter (Ent. Zeit. S. 59) dahin berichtigt, dass sie im Septem-
ber und Oktober auf dem Vogelbeerbaum (Sorb. aucup.) lebt und
sich später unter Steinen verpuppt; der Schmetterling erscheint dann
im künftigen Mai und Juni.
Freyer (Neue Beitr. 57. Hft.) hat folgende drei Arten mit den
Raupen abgebildet und ihre früheren Stände ausführlicher beschrieben:
Agrotis multungulum, auf verschiedenen Arten von Galium, Orthosia
miniosa und O. eruda auf Eichen.
Drei neue russische Eulen beschrieb Eversmann (Bull. Mosc,
1841. S.27) Agrotis exclamans, der A. exclamationis ähnlich,
aber etwas kleiner und der Punct unter dem Ausrufungsstrich nicht
durch die verdunkelte Nierenmakel, sondern durch das schwarze Feld
zwischen den beiden Makeln gebildet, — Hadena cana, der H.
convergens ähnlich (vielleicht von H. distans Hübn. nicht verschieden),
und Plusia Eugenia, der Pl. consona verwandt. Alle drei von
den westlichen Vorbergen des Ural.
Eine neue neuholländische Art ist N. (Hadena) padockina
Le Guillou (Rev. Zool. S. 257) von Hobart Town,
Uranides. Eine sehr ausgezeichnete neue Gattung, welche
vermuthlich dieser Familie angehört, wurde von Westwood (Arcan.
Ent. T.5 S. 17) bekannt gemacht unter der Benennung Epicopeiu,
Taster klein, 3gl., Mandibeln klein, Maxillen fehlend (Fühler abge-
brochen, über Ocellen nichts angegeben). Vorderschienen innen, mit»
breitem Dorn, au der Spitze unbedornt, Mittelschienen an der Spitze,
Hinterschienen über der Spitze und an der Spitze selbst je zwei--
dornig. Hinterflügel ohne Haken; Flügelschnitt und Färbung wie bei
mehreren ostindischen Rittern, denen diese Schmetterlinge an Grösse
und überhaupt im Habitus wunderbar gleichen. E. Polydora und
Philenora, sind zwei Arten aus Assam, die erste mit Pap. Poly-
dorus, die zweite mit Pap. Philenor im Verhältniss der Analogie
stehend, welches der Verf. sinnreich in die Namen legte.
Geometrae. Duncan (Nat. Libr. Ent. VIL. $. 209) macht
eine neue exotische Spannergattung, Asthenia Westw., bekannt.
Sie gleicht in Gestalt und den geschwänzten Hinterflügeln der Ura-
pteryx sambucaria, die Fühler sind aber kurz und stark doppelt-
gekämmt. Ausser einer neuen hier abgebildeten Art, A. podali-
riaria Westw. aus Brasilien, gehören dahin G@. machaonaria Guer.
Iconogr. R. A., geminia Cram. aus Ostindien und Zatueina Cram.
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aus Surinam (und Brasilien). Ferner (8.212) ist für Ph. netrix Cram.
_ eine Gattung Macrotes vorgeschlagen, ausgezeichnet durch Jange
Fühler und Beine und gestreckten Hinterleib, und für Ph. Rosalia Cram.
eine eigene Gatt. Eumelea, ebenfalls mit langen Fühlern und Bei-
nen und ziemlich langem Spiralrüssel.
Hierhin scheint mir auch die Gatt, Diehroma Westw. (ebend.
S.224 T.30) zu rechnen zu sein, welche der Verf. als ein Verbin-
dungsglied zwischen den Lithosien und Tineen betrachtet Die Flü-
gel sind im Ruhezustande den Seiten des Körpers angelegt, und die
Vorderflügel haben eine Menge von silberweissen Streifen und Flek-
ken. Die drei verwandten Arten, D. equestralis, histrionalis, arcua-
lis sind sämmtlich vom Cap (die zweite ist Geom. Trofonia Cram.)
Le Guillou (Rev. Zool, S. 257) hat folgende neue Arten von
Hobart Town (Vandiemensland): G. Banksiaria (soll eine neue
Gatt. verwandt mit Chimerina und Ligia bilden), @. (Boarmia) bi-
taeniaria, G. Boisduvalaria (soll mit einigen Javanern eine
neue Gatt. neben Hemithea bilden).
Pyralides, Fischer v. Rösslerstamm (Abbild. z. Bericht.
und Ergänz. der Schmetterlingskunde, 19. Hft.) hat folgende Arten
dargestellt: Scopula elutalis W. Vz., von Treischke u. A. mit S. pru-
nalis verwechselt; Sc, umbrosalis, neue Art aus der Umgegend
von Constantinopel, Sc. murinalis, neue A. aus der Schweiz,
Asopia combustalis (A. lucidalis Tr. nec Hübn., A. rubidalis Du-
ponch. exc. syn.), Pyrausta phoenicealis, neue A. aus Syrmien
und Kärnthen, Nymphula Ramburialis (Bydrocampa Ramburial. Du-
ponch.) aus der Wiener Gegend,
Duncan (a.a.0. S, 220 T.28 F. 1) stellte unter der Benennung
Epidesmia tricolor Westw. einen Schmetterling aus Neusüdwal-
lis vor, welcher zu den grössten Formen in dieser Familie gehört,
und sich als Gattung theils durch Breite der Flügel, theils durch das
Flügelgeäder unterscheidet.
Mortrices. Fischer v Rösslerstamm (a. a. 0. T. 91) hat
Abbildung der Aspis Uddmanniana (Ph. Tort. Uddm. Lin.) ge-
ben, und zugleich die früheren Stände dieses sonst vielfach ver-
chselten Wicklers dargestellt.
Freyer (Neue Beitr. 57. Heft) bildete die mehrfach verwechsel-
ten Tortr. ucutana und Hartmanniana mit den Raupen ab; die erste
lebt auf der gewöhnlichen, die andere auf der Bach-Weide,
— Mineae. Fischer v. Rösslerstamm (a. a. O, T. 94, 95)
bildete Anarsia lineatella Zell. mit der auf verschiedenen Prunus-
rten, als Apricosen, Pflaumen, Schlehen lebenden, besonders aber
den Plirsichen nachtheiligen, im Mark der jungen Triebe boh-
renden Raupe, — An, Spartiella (Tin. Sp. Schrauk) — und Hypsolo-
lemniscellus Zeil, ab.
Stephens (Entomologist S. 202) gab von einer neuen Schaben-
Archiv f, Naturgeschichte, VII, Jahrg. 2, Bd, y
290
gattung Paramesia Nachricht: die in England gefangene neue Art,
- P. transversella hat viel Ähnlichkeit mit Oecophora sulphurella,
aber sie zeigt Gattungsunterschiede, indem die Taster nicht gebogen,
sondern gerade sind, die Fühler an der Wurzel verdickt und behaart,
nach der Spitze hin allmälig dünner werdend,
Duncan (a. a. 0. 8,222 7.28 F.2) bildete einen javanischen
Schmetterling Scopelodes unicolor Westw. ab, welcher viel Aus-
gezeichnetes an sich hat, und eine Riesenform in dieser Familie zu
sein scheint, Die divergirenden Taster sind dick nnd büschlig be-
haart, der Spiralrüssel ist verkümmert, die Fühler kurz und dünn,
die Hinterflügel haben keinen Borstenhaken an der Basis, die Beine,
auch die Füsse sind ungewöhnlich dick und plump, wollig, die
Schiendornen der Hinterfüsse fast versteckt. Die Farbe ist einförmig
gelbbraun, die Grösse des Schmetterlings der einer Odon. pota-
toria gleich.
Pterophoridae. Über diese Familie hat Zeller (Isis S. 755,
827 T.4) eine sehr umfassende wichtige Arbeit geliefert. Die Fam.
theilt sich in zwei Gruppen, eigentl. Pterophoriden (Geistehen),
mit zweispaltigen und Alueitinen (Fächerfalter) mit sechstheiligen
Vorderflügeln, Letztere enthält die einzige Gatt. Alucita, erstere
theilt sich in die Gatt. Addactyla (Agdistis Hü.) mit nur angedeute-
ter Spalte der Vorderflügel und ungetheilten Hinterflügeln, und Pte-
zophorus, mit einer deutlichen Längspalte der Vorderflügel und
fast dreitheiligen Hinterflügeln. Die letzte umfangreiche Gattung ist
aber in mehrere Gruppen oder Untergattungen getheilt: 1) Platy-
ptilus (Platyptilia Hü.) Die Zipfel: der Vorderfl. kaum 4 der Flü-
gellänge betragend, breit, der hintere fast beilförmig; die dritte Fe-
der der Hinterfl. am Hinterwinkel auf den Franzen schwarzschuppig.
— 2) Oxyptilus (Amblyptilia Hü.) die Zipfel der Vorderfl. mehr
als 4 der Flügellänge betragend, schmal, der vordere ohne Hinter-
winkel; die dritte Feder der Hinterflügel linienförmig, vor oder
an der Spitze auf den Franzen schwarzschuppig. Raupein den durch |
Seidenfäden zusammengezogenen Herztrieben der Pflanzen lebend
und sie auszehrend. Puppe borstig, oben mit dornigen Höckerreihen.
— 3) Pterophorus (Stenoptilia Hü.) die Zipfel der Vorderfl, 1 ı der
Flügellänge betragend, ziemlich schmal, der hintere lanzettlich mit
erkennbarem Hinterwinkel; die Federn der Hinterfl. schmal, die mitt-
lere vor der Spitze etwas löflelartig erweitert, die dritte ohne Schup-
penreihe auf den Franzen. Raupen und Puppen nach den Arten verschie-
den. — 4) dciptilus (Aciptila Hü.) die Zipfel der Vorderfl. über
3—+ der Flügellänge betragend, schmal, linienförmig, die Federn der
Hinterfl. sehr lang, dünn, von der Basis aus verschmälert, Die Rau-.
pen lang und dicht behaart, stelzenfüssig, die Puppen mit Reihe
von sternborstigen Höckern und mit kurzborstigen Flügelscheiden,
Die sorgfältig beschriebenen Arten vertheilen sich auf folgend
Weise:
291
Adactyla: 1 A., A. Hübneri Curt. (Al. adactyla Hü.) in ver-
schiedenen Gegenden Deutschlands.
Pterophorus Platyphilus: rhododactylus W.Vz.— capn o-
"dactylus F. R., neue Art aus dem Banat., — ochrodactylus Hü. —
Zetterstedtii Zell. (tessaradactyla Zett., var. gonodactyla W.
Vz., megadactyla Hü.) aus verschiedenen Gegenden von Europa, Fi-
scheri aus Böhmen, Schlesien, Metxneri aus Ungarn, neue Arten,
acanthodacıyla Hü. (var. cosmodactyla Hü.).
Pt. Oxyptilus: tristis Zell. (Isis 1839), pilosellae, obscu-
rus, Hieracii, neue, z. Th. in Europa weit verbreitete Arten, tri-
chodactylus Hü.
Pt. Pterophorus: Ehrenbergianus, neue A. aus Syrien,
phaeodactylus Hü. — miantodactylus F. R. neue A. aus dem Ba-
nat, — microdactylus W. Vz., graphodactylus Tr., fuseus Retz. (pti-
lodactylus Hü. Tr.), — lithodactylus (und septodactylus) Tr. —. pte-
rodaetylus L. — scarodactylus Hü. (icarodact. Tr.) — tephradaety-
Zus Hü., osteodactylus Zell. (var. microdactylus Zett.) auch in Deutsch-
land, carphodactylus Hü., microdactylus Hü., brachydactylus Tr.
Pt. Aciptilus: galactodactylus Hü. — zanthodactylus Tr.
— obsoletus aus Sicilien, zerodactylus aus Ungarn, balioda-
etylus aus Österreich, drei neue Arten, tetradactylus L, Tr. (leuco-
dactylus Hü. — ischnodactylus Tr. — pentadactylus L. — paludum
Zell. (Isis 1839).
Alueita: grammodactylaZell. (hexadactylaHü.?), hexada-
etyla L., polydactyla Hü., dodecadactyla Hü.
Eine Beurtheilung sämmtlicher früher beschriebener Arten macht
den Schluss.
Hier ist noch eines in der Gegend von Constantine gefundenen Insects
zu gedenken, welches als ein Insect unbestimmter Ordnung von Car-
reno (Ann, d, Soc, Ent. d. Fr. X. S, 205) mit grosser Sorgfalt beschrie-
ben und (T.5 F. 1) abgebildet ist. Das Anselhın ist das eines Schmet-
terlings mit verkümmerten Flügeln. Der Körper mit dichter zuweilen
schuppenförmiger Behaarung. Der Kopf klein, in den Prothorax ein-
gesenkt, mit grossen seitlichen Augen und zwei Ocellen, zwischen
diesen die Einlenkung der borstenförmigen, vielgliedrigen Fühler.
Die Mundtheile bestehen in einem verkümmerten Spiralrüssel, welcher
von einem Paar zweigliedriger dicht behaarter Taster scheidenartig
umgeben ist. Prothorax gross, den Kopf z. Th, bedeckend. Vier
rudimentäre Flügel, lederartig, mit Schüppchen bedeckt. Die Patagien
(Pterygodes) wenig entwickelt, sich nicht über die Flügel erstreckend,
Vorderbeine kürzer und stärker als die andern, die Schenkel platt,
sich unter ihre Hüfte einschlagend, die Schienen besonders kurz, au
der Spitze mit drei zahnförmigen Hornblättchen bewaflnet, die hin-
teren Schienen mit je einem Paar Enddornen. Die Füsse Sgliedrig,
Der Verf. prüft zuletzt die Charactere, verkennt zwar den Werth
T#
292
der Übereinstimmungen mit den Schmetterlingen nicht, findet aber
Bedenken in der Form des Prothorax und der Bewaffnung der Vor-
derschienen. Was den Prothorax betrifft, so finden wir allgemein
eine Beziehung seiner Ausdehnung zu den Vorderflügeln, auf welche
ich schon öfter aufmerksam gemacht habe, dass nämlich da, wo die
Vorderflügel zum Fliegen gebraucht werden, der Prothorax kragen-
förmig, und wo sie nur Decken sind, der Prothorax halsschildförmig
ist. Wenn die Flügel verkümmern, kann zweierlei statt finden, ent-
weder der Prothorax bleibt kragenförmig, wie bei den weiblichen
Mutillen, oder er wird breiter und nähert sich der Halsschildform an,
wie bei den Arbeitern der Ameisen. Unter diesen Umständen scheint
die grössere Ausdehnung des Prothorax, wenn sie auch sonst bei
ungeflügelten Schmetterlingen nicht gewöhnlich ist, um so weniger
gegen die Schmetterlings-Natur des fraglichen Insects zu sprechen, als
wir bei den Hymenopteren analoge Verhältnisse antreflen. Der
zweite Punct, die ungewöhnliche Bewaffnung der Vorderschienen,
ist ebenfalls dem Character der Schmetterlinge durchaus nicht ent-
gegen, auch finden sich zuweilen ähnliche Bildungen bei andern
Schmetterlingen, z. B. Asterocopus Cassiniae und nubeculosa. Wenn
nun die Stellung des fraglichen Insects zu Schmetterlingen keinem Be-
denken zu unterliegen scheint, finden sich mehr Schwierigkeiten, ihm
in dieser Ordnung einen passenden Ort anzuweisen. Von Spinnern
und Spannern entfernen es die vorhandenen Ocellen, von den Eulen
die Verkümmerung der Spiralzunge und der Taster; am besten rech-
net man es vielleicht zu den Cheloniern,
Dipterna.
Über den Bau der inneren Geschlechtstheile der Dipteren
hat Loew musterhafte. und reichhaltige Untersuchungen an-
gestellt, und diese in seinen Horae Anatomicae, Posen 1841,
theilweise auch in Germar’s Zeitschr, f. d. Ent. II. S, 386 und
Ent. Zeit. S. 75 mitgetheilt.
Die inneren männlichen Genitalien sind von sehr ver-
schiedenem Bau bei den beiden Hauptabtheilungen der Ordnung. Bei
den mit weniggliedrigen Fühlern bestehen sie überhaupt aus den
meist roth gefärbten Hoden, den beiden Samenleitern (vasa de-
ferentia), dem Samengange (duct. eiaculatorius) und den paarigen
sogenannten Schleimgefässen. Der Hode ist aus einer Menge
kleiner birnförmiger Säckchen zusammengesetzt, in denen die Samen-
feuchtigkeit gebildet wird. In der Gestaltung der einzelnen Theile und
ihren Verhältnissen zu einander hat der Verf. vielfache Verschieden-
heiten beobachtet: sehr Janggestreckt und schraubenförmig aufgerollt
sind die Hoden bei Leptogaster eylindrieus, Asilus germanicus, Da-
sypogon einctus, bei den beiden ersteren sind zugleich Hoden und
Samenleiter undeutlich von einander abgesetzt, eine Abweichung,
Er g=
welche sich im extremen Grade bei Myopa buccata findet. Mit blind-
darmförmigen Anhängen sind die Hoden bei Tachina puparum ver-
sehen. In derForm der Samenleiter weicht Dasypogon cinctus durch
blasenförmige Erweiterung ab, eine Schleife bilden sie bei Beris cla-
vipes, stärker verlängert und zu einem nebenhodenförmigen Knäuel
aufgewunden finden sie sich bei Stratiomys tigrina; nicht neben den
Schleimgefässen, sondern in dieselben münden sie bei Asilus germa-
nicus. Die zahlreichsten Formverschiedenheiten zeigen die sogenann-
ten paarigen Schleimgefässe. Fehlen und Vertretung derselben durch
die Samenleiter beobachtete der Verf. bei Leptis scolopacea (man
kann den Fall vielleicht auch so ansehen, als ob der Samenleiter in
die Spitze des schlauchförmigen Schleimgefässes sich einsenkte), von
besonderer Grösse sind sie bei Beris clavipes, Dasypogon cinctus,
Leptogaster cylindrieus, Dolichopus patellipes, Asilus germanicus,
in geringerem oder höherem Grade verästelt bei Psila rosae und
Trypeta signata. Zuweilen findet sich neben diesen noch ein Paar
entsprechender Organe, welche muthmaasslich eine gleiche Function
haben. Bei Asilus germanicus finden sie sich durch eine blasenför-
mige Erweiterung, bei Sepsis cynipsew durch einen blasenförmi-
gen Anhang angedeutet, vollständig vorhanden sind sie hei Psila
rosae und Trypeta signata; sehr zusammengesetzt sind sie bei Em-
pis opaca, endlich findet sich ihr Vorhandensein mit dem Verschwin-
den der gewöhnlichen Schleimgefässe verbunden bei Hilara gallica,
Cyrtoma atra, Porphyrops diaphanus,
Viel zusammengesetzter ist der Bau bei den Dipteren mit viel-
gliedrigen Fühlern, den der Verf, durch die Anatomie von Scatopse
notata erläutert hat, Die inneren männlichen Genitalien bestehen
hier aus den Hoden, in denen lange, durch einander geschlungene
Spermatozoenbündel durchschimmern, den Samenleitern, an deren
Vereinigungsstelle der Verf. ein eigenes Anhangsgefäss zu beob-
achten glaubte, welches ihm aber selbst zweifelhaft blieb, und in
welchem v. Siebold (Ent. Zeit. S. 170) eine Windung der hodenför-
migen Drüsen erkannte. Hoden und Samenleiter bis zu ihrer Vereini-
gungsstelle sind von einer musculösen Haut, dem Hodenbeutel
koapp umschlossen, und erscheinen so als ein einfaches Organ, in
welchem man leicht die Hoden verkennt, und welches auch schon als
ein Schleimgefäss gedeutet worden ist Hierauf folgt der gemein-
schaftliche Samenleiter, welcher bei Scatopse länger als ge-
wöhnlich ist, und welcher in einen kugligen hornartigen Behälter
mündet, den der Verf. als Samenblase bezeichnet, Von dieser
führt der Samengang zur Ruthe, Unter den paarigen Anhangs-
gefässen machen sich ausser den gewöhnlichen paarigen Schleim-
gefüssen, welche nichts besonderes zeigen, zwei durch ihre Grösse
sehr bemerkbar; sie sind von drüsigem Bau, ähneln in ihrer Gestalt
auffallend den Hoden mancher Dipteren, — sie sind auch öfter für
die wahren Hoden gehalten worden — da ihre Function noch räth-
293
294
selhaft ist, nennt der Verf. sie die hodenförmigen Drüsen, An
ihrer Spitze haben sie einen Auhang, der bei Scatopse klein ist, in
andern Fällen aber der eigentlichen Drüse selbst an Grösse gleich-
kommt, überhaupt die Neigung bat, die Form der eigentlichen Drüse
zu wiederholen, Die Ausführungsgänge dieser Drüse führen in den
Samengang. Der Verf. fand sie von vier äusserst zarten, vielfach
durcheinander gewirrten Gefässen, den accessorischen Ge-
fässen der hodenartigen Drüsen umschlungen, deren Mündung
in den Samengang nicht deutlich war. v. Siebold (a. a. 0.) ermit-
telte indess, dass diese Gefässe nichts als Theile des ausserordentlich
langen, und vielfach verschlungenen Ausführungsganges der hoden-
artigen Drüsen selbst sind.
In die Kenntniss der weiblichen innern Genitalien haben
erst v. Siebold’s Entdeckungen angefangen Licht zu bringen, welches
die Mangelhaftigkeit und die Missdeutungen älterer Beobachtungen auf-
deckte und zu sorgfältigeren, ausgedehnteren Untersuchungen dieser
Theile aufforderte. Solche hat der Verf. mit grosser Sorgfalt an-
gestellt, und die Resultate derselben theils in seinen Hor. Anat.,
theils in Germar’s Zeitschrift (a. a. ©.) mitgetheilt. Als wesentliche
"Theile der innern weiblichen Geschlechtsorgane kommen in Betracht:
die Ovarien, die Eierleiter, der Eigang, die Anhänge dessel-
ben, und zwar der meist dreitheilige Samenbehälter, und die
paarigen, tiefer mündenden Schleim- oder Leimgefässe, Die
Ovarien sind ihrer Form nach sehr häufig büschelförmig (Ephydra
riparia, Cordylura pubera, Tachina puparum) oder ährenförmig,
entweder zweizeilig (Laphria, Thereua anilis) oder vierzeilig (Sce-
nopinus senilis, Piophila Casei)) oder sie sind traubenförmig, indem ent-
weder die Eiröhren ringsumstehen (Dasypogon cinctus) oder nur nach
einer Seite hingewendet sind (Dioctria rufipes), oder sie sind ein-
fach oder doppelt dachförmig (letzteres bei Eristalis aeneus) oder sie
sind endlich schlauchförmig, indem die einzelnen Eiröhren eng mit ein-
ander verbunden sind, so dass erst Zerreissung die Zusammensetzung
aus einzelnen Eiröhren erkennen lässt (Bibio hortulanus, Beris cla-
vipes). — Eine besondere Form der Eierstöcke habe ich bei Oestrus |
pecorum gefunden und darüber in der hies. naturf. Gesellsch, eine
Mittheilung gemacht. Die Eileiter theilen sich an ihrer Spitze in eine
grosse Menge besonderer Eileiter von zarterem Bau, und fest zu-
sammengewoben, eine weite elliptische Höhlung umschliessend, ganz
wie bei den schlauchförmigen Eistöcken, Aussen ist jeder dieser
besonderen Eileiter ziegelförmig mit kurzen Eiröhrchen dicht besetzt,
in deren jedem sich ein einzelnes Ei entwickelt. So erscheint das
Ovarium, welches man dachförmig-schlauchförmig nennen könnte, —
denn es ist eine Combination dieser beiden Formen — als ein grosser,
auswendig mit Eiern dicht besetzter Schlauch, wie bei Meloe, die
einzelnen Eiröhrchen münden aber nicht in die grosse Höhle des
Ovarium, sondern in die besonderen Eileiter. Es_ist dies die Form
2
des Ovarium, in welcher die gleichzeitige Entwickelung der gröss-
ten Menge von Eiern stattfindet.
" Wichtige Verschiedenheiten zeigt der Eiergang bei Eier legen-
den und lebendig gebärenden Dipteren, Bei den ersteren ist es meist
ein einfacher Gang, nur bei solchen, welche bei hoher Wärme leb-
haft genug sind, um dem Geschäft des Eierlegens nachzugehen, Try-
peta, Scenopinus, findet sich eine Erweiterung über dem Samenbe-
bälter, in welchem die legbaren Eier unbefruchtet bis zu einer pas-
senden Zeit verweilen können, Zuweilen kommen auf der Rücken-
seite kleine Blinddarm-ähnliche Anhänge vor (Piophila casei, Dexia
canina, Meromyza saltatrix, Psila bicolor), welche einer Begattungs-
tasche gleichen, für die sie anzunehmen die Lage des Samenbehälters
auf der Bauchseite entgegenzustehen scheint. — Bei den viviparen
Dipteren hat bei den Musciden, der Eiergang unter der Einmündung
des Samenbehälters einen sackförmigen Anhang, in welchen die be-
fruchteten Eier eintreten, und welcher dann sich so ausdehnt, dass
er fast den grössten Theil der Unterleibshöhle ausfüllt; bei den vivi-
paren Tachinerien ist es der untere Theil des Eiergangs selbst, wel-
cher starker Ausdehnung fähig ist, und einen sackförmigen Uterus
bildet, in welchem nach der Befruchtung die Entwickelung der Eier
erfolgt, Die Eier finden sich darin in Spiralen geschichtet, die unteren
in der Entwickelung vorgeschritten, die untersten oft schon ausge- ‘
schlüpft. Die Eihüllen scheinen im Uterus zurückzubleiben.
Der Samenbehälter (receptaculum seminis), dessen Bedeutung
durch v. Siebold zuerst erkannt worden ist, zeigt eine sehr grosse
Mannigfaltigkeit. Er ist meist dreifach, und jeder Theil besteht in
einem kapselförmigen Behälter und einem Ausführungsgange. Die
Kapseln sind meist gefärbt, schwarzroth oder schwarz, seltener hell-
roth u. s. w. Folgende sind die vom Verf, beobachteten Hauptfor-
men dieser Organe. 1) Der Samenbebälter ist einfach (Empis opaca,
Psilopus nervosus, Porphyrops diaphanus, Dolichopus ungulatus, Hi-
lara gallica). — 2) er ist doppelt (Opomyza combinata, Borborus
equinus, Stomoxys calcitrans, Piophila casei, Meromyza saltatriz,
bei welcher letzteren die Ausführungsgänge sehr lang und vielfach
gewunden sind, Madiza glabra, wo sie die grösste Länge erreichen,
indem sie 14 Mal so lang als das Thier selbst, zugleich sehr fein
sind und eine 36— 40 Mal gewundene Schlinge bilden, Psila bicolor,
wo an der Stelle der Kapsel der obere Theil des Ausführungsganges
von einer dicken, mit punetförmigen Drüsen besetzten Muskelschicht
umgeben ist. — 3) Drei Kapseln, von denen zwei einen gemein-
schaftlichen Ausführungsgang haben; diese Form scheint für die Lau-
zaniden characteristisch (Lonchaea chorea, Lauxania aenea, lupu-
tina). — #) Drei Theile, von denen der mittlere eine andere Gestalt
bat, die bei den einen durch geriogere Modilicationen bediugt wird
(Anthomyia bicolor, Laphria atra), bei anderen aber einen so wesent-
lich anderen Bau hat, dass man am einer gleichen Function dieser
295
296
Theile zweifeln mögte (Scenopinus senilis, Thereua anilis). — 5) Drei
gleiche Theile, deren besondere Ausführungsgänge sich zu einem ge-
meinschaftlichen vereinigen, eine Form, welche bei einzelnen Tipu-
larien vorkommt (Tipula ochracea). — 6) Drei gleiche Theile mit
gesonderten Ausführungsgängen, die gewöhnlichste und am weitesten
verbreitete Form, welche aber vielfache Modificationen zeigt, die an
einer grossen Reihe von Beispielen erläutert sind (Leptis scolopacea,
wo die Kapseln fehlen, Bibio hortulanus, Anthomyia leucostieta, Ta-
china (Nemorea) puparum, Cordylura pubera, Sepsis cynipsea, Ulidia
demandata, Trypeta signata, Chrysopilus bicolor, Pyrellia, Tipula
(Pachyrhina) oleracea, Musca (Cyrtoneura) stabulans, Ascia. poda-
grica, Eristalis aeneus, Beris claviyes, Stratiomys chamaeleon, letz-
tere beide mit knieförmiger Biegung der Ausführungsgänge, Chrysops
coecutiens, Tabanus bromius, Asilus germanicus wit hakenförmig um-
gebogener Spitze der Kapseln, Asilus trigonus, wo in den geräumi-
gen Samenkapseln die Spermatozoen nicht frei, sondern in kleinen,
unter sich durch Kanäle verbundenen Kügelchen enthalten sind, Da-
sypogon ceinctus, wo die Kapseln jede in ein spiralig aufgerolltes Horn
auslaufen, Dioctria fuseipennis, mit ähnlicher Endung der Kapseln,
aber die Hörner sehr stark verlängert, und eine aus 7 Spiralwindun-
gen zusammengesetzte Schleife bildend). — 7) Vier Kapseln, die bei-
den mittleren mit gemeinschaftlichem Ausführungsgange (Dexia ca-
rinifrons). —
Die Schleimgefässe finden sich bei allen Dipteren, und scheinen
dazu bestimmt, den Eiern einen klebrigen, wasserdichten Überzug
zu geben. Bei den Viviparen sind sie weniger entwickelt als bei
den Eierlegenden, Sie sind paarige, meist einfache oder keulförmige
Gefässe, zuweilen verästelt (Eristalis aeneus), zuweilen mit einer
blasenförmigen Anschwellung an der Spitze (Trypeta signata, Lau-
zania aenea, Porphyrops diaphanus) oder in der Mitte (Asilus ger-
manicus).
In der Anheftung der Organe in der Körperhöhle mittelst der '
Tracheen stimmen männliche und weibliche Genitalien darin überein,
dass die 'Theile, deren Lage und Ausdehnung sich nicht verändert,
sowohl durch von vorn, als durch von hinten herantretende Luft-
gefässe befestigt sind. Die Theile, welche Grössen-, Form- und
Lagenveränderung erleiden, wie Hoden und Ovarien, erhalten ihre
Tracheen nuır von vorn her, und unter sehr spitzen Winkeln, so dass
diese Organe dadurch nicht behindert sind, bei zunehmendem Umfange
in der Körperhöhle vorzurücken, und doch immer durch die heran-
tretenden Tracheen in ihrer Lage gesichert bleiben.
In der Ent, Zeit. (a. a. 0.) macht der Verf. auf eine eigenthüm-
liche Nervenverbindung aufmerksam, welche zwischen den äussern
und innern Genitalien stattfindet, und welche darauf hinleitet, die
äusseren hornigen Theile, welche aus dem letzten Hinterleibsganglion
einen grossen Nervenreichthum erhalten, nicht allein als blosse Lege-
297
und Haltapparate, sondern zugleich als empfindliche Reizorgane zu
deuten. Die erwähnte Nervenverbindung fand der Verf. bei Asilus
trigonus Q, wo von den starken Nervenstämmen, welche aus dem
letzten Ganglion zur hornigen Legeröhre gehen, ein Ast zurücklä.uft,
welcher sich an das Ovarium verbreitet.
Tipulariae. Dale (Ann. of nat. hist. VIII. 8. 430) hat zwei
vermuthlich neue englische Limnobien, L. (Dieranomya?) fla-
volimbata und L. (Idiocera?) 6guttata, beschrieben.
Gallicolae. Ratzeburg hat in diesem Arch. (7. Jahrg. 1. Bd.
8.233 T.10) die Naturgeschichte der auf der Kiefer lebenden, mehr-
fach mit einander verwechselten Gallmücken, Cecidomyia Pini und
brachyntera erläutert. Die Larve der ersteren lebt äusserlich an
den Kiefernadeln von einem Harzcocon eingeschlossen, und hat auf
dem Rücken und den Seiten des Hinterleibes kegelförmige Fortsätze,
welche wahrscheinlich eine Beziehung zur Bildung des Harzcocons
haben. Stigmen 9 Paare, das erste auf dem Prothorax, das letzte
auf einem eigenthümlichen Anhange der Hinterleibsspitze. Die Larve
der ©, brachyntera lebt an der Wurzel der Kiefernadeln innerhalb
der Vaginula, macht die Nadeln verkümmern, und verpuppt sich zum
Winter an der Erde in der Streu. Sie hat die blasenartigen Fort-
sätze Dicht, und die Stigmen, deren Zahl dieselbe ist, unterscheiden
eich in der Anordnung von der der vorigen dadurch, dass das 9. Paar
auf dem 8. Hinterleibssegment selbst gelegen ist.
Die Metamorphosen von zwei andern Cecidomyien hat LeonDu-
four (Aon., d. science. nat. XVI. 8.257) beschrieben. Die Larve von
€. Pini maritimae L, D. hat eine grosse Übereinstimmung mit der
der €. Pini, nur hat. der Verf. die Oberseite für die Unterseite ge-
nommen und die Fortsätze des Rückens als Afterfüsse betrachtet.
Lebensweise und Coconbildung ganz wie bei C. Pini. — Die Larve
der anderen, (€. Popu/i lebt in faulenden Bastschichten abgestorbe-
ner Pappeln, und hat die Eigenthümlichkeit, ebenso zu springen wie
Käsemaden, Sie ist glatt, das letzte Segment endet wit einem Paar
hakenförmiger Spitzen, welche, wenn sie sich zum Springen krümmt,
in den Vorderkörper eingreifen. Die Zahl der Stigmen giebt der
Verf. auf 11 Paar an, also zwei mehr als Regel sind, indem hier auch
das 2, und 3, Thoraxsegment jedes seine Stigmen hat, Bemerkens-
werth ist, dass Bouch€ bei der sehr nahe verwandten Cecidomyia Sali-
cis eben so die Stigmen abbildet (Naturgesch. d. Ins. T.2 F.16) und
es käme wohl durauf an, dass durch weitere zuverlässige Beobach-
tungen die beiden übereinstimmenden Angaben dieser abnormen Stig-
menzahl bestättigt oder berichtigt würden,
Tabanidae. Saunders (Transact, of the Ent, Soc. of Lond.
Il. 8.59 7.5 F.4) stellte eine neue Tabanen-Gattung Gastroxi-
des auf, Sie steht dem eigentlichen Tabanus am Nächsten, hat aber
Ocellen. Am 3, Fühlergliede ist der Zahn weit vortretend und spitz,
298
Der Hinterleib eiförmig-conisch, zugespitzt. @. ater, schwarz, in
den schwarzen Flügeln mit einem hellen Fleck in der Mitte und einem
andern gegen die Spitze; in Mittel-Indien.
Asiliei. Shuckard (Entomologist S. 141) gab von einer neuen
englischen Art, Dioctria Meigenii, Nachricht. Sie hat die Grösse
der D, oelandica, ist schwarz mit rothen Puncten an den Schultern
und vor dem Schildchen, rothgelber Spitze des 3., 4. 5, Hinterleibs-
segments, rothgelben Beinen mit braunen Füssen und Schienenspitzen,
wasserhellen Flügeln mit gelblicher Wurzel.
Midasii. Westwood (Arcan. Ent. 8.49 T. 13, 14). hat eine
monographische Übersicht über diese Fam. gegeben, und sie mit einer
Menge von neuen Arten bereichert. Die Gatt, Midas zählt 39 Arten,
darunter M. dives und annulicornis aus Südamerica, senilis
und basalis aus Mexico, crassipes, pachygaster und parvu-
Zus aus Nordamerica, auripennis, viduatus und stenogaster
aus Neuholland, ru fipes aus Sicilien? neu. Cephalocera enthält
7 von Wiedemann und Macquart beschriebene Arten vom Cap, und
eine neue (©. maculipennis aus Westaustralien. (Mid. lusitanicus
Meig. gehört eigentlich auch in diese Gatt,) Endlich Apiocera,
eine neuholländische Form, hauptsächlich durch die Fühler abwei-
chend, welche, kürzer als der Kopf, das erste Gl. dick, das 2. klein,
das 3, birnförmig, das 4. klein, stielförmig haben, Drei, nicht ganz
sicher unterschiedene Arten.
XLeptides. Beobachtungen über Xylophagus maculatus hat
Sahlberg (Act. Soc. Science. Fenn. 1. fasc.) mitgetheilt.
Loew (Ent. Zeit. S.26) bemerkte, dass Leptis nubecula Fall.
einerlei mit L. bicolor Meig,, dass L. auricollis und oculata Meig,
Abänderung derselben Art seien, zu welcher auch L. /uteola Ziett.
gehört, und dass L. nubecula Meig. von den beiden vorigen unter-
schieden sei.
Bombylarii. Newman (Entomologist 1841 S. 220) behauptet,
dass die neuholländischen Anthrax-Arten sich weder unsern von An-
thrax noch unsern von Lomatia (Stygia) anschlössen. Er unterschei-
det 3 Formen, von welchen die erste, Anthr. bombyliformis Mac Leay
in Capt. Kings Reise, mit dem Namen Ligyra bezeichnet wird, die
zweite, Neuria, sich durch die auffallend gekrümmten Flügeladern
bemerkbar macht, die dritte zu Lomatia verwiesen wird. Diesen
Bemerkungen muss ich widersprechen. Es giebt in Neuholland Arten
sowohl von eigentlichen Anthrax, welche unsern europäischen zu-
weilen sehr nahe stehen, als auch solche von der Forn Exoprosopa
Macq., und selbst die Neuria des Verf, ist Neuholland weder eigen
thümlich, indem die südamericanischen A. abbreviata, Pegasus Wd.
u. A. nicht davon zu trennen sein würden, noch scharf begränzt, in-
dem Übergänge zu der typischen Form des Flügelgeäders vorkommen.
Der Verf. führt von Neuria 10 Arten auf, von denen sich N. nigre-
299
scens von Sydney, ocellata von Vandiemensland, partita vom
Schwanenfluss, atheria von Adelaide von den oben genannten süd-
americanischen Arten kaum als besondere Gruppe absondern lassen,
N. lateralis von Sydney, murina von Adelaide, maculosa und
corculum vom Schwanenfluss sich dadurch auszeichnen, dass die
zweite Subcostalzelle durch einen Quernerven getheilt ist.
Saunders (Transact. of the Ent. Soc. of Lond. 11. S.59 T.5
F.5) beschrieb als neue Art Anthraxw ruficollis aus Central-
Indien. Sie ist indess einerlei mit A, collaris Wied. Wiedemann hat
irrig das Vorgebirge der guten Hoffnung als Vaterland angegeben,
und $S. hat den oft undeutlichen hellen Fleck im Schwarz am Flügel-
grunde übersehen.
Loew (Ent. Zeit. 8.26) betrachtet Anthrax flavus, eircumdatus,
venustus, cingulatus, concinnus, leucostomus Meig. und A. bimacula-
tus Macgq. als speeifisch nicht verschieden.
Zwei neue neuholländische Arten von Nemestrina hat New-
man (a. a. ©.) unter den Namen Rhynchocephalus gigas und
ales beschrieben.
Stratiomydae. Von Schummel (Arbeit. und Veränd. der
schles, Gesellsch, f. vaterl. Kult. i. J. 1840. Ent. 8.15) ist das Männ-
chen seiner (1836 beschriebenen) Stratiomys paludosa entdeckt wor-
den, welches von dem der St. argentata Meig. durch rothgelben Bauch
mit zwei braunen Querflecken, gelbe Schenkelspitzen und Fehlen des
braunen Puncts im Flügel unterschieden wird. (Der braune Punct im
Flügel ist bei St. argentata bald deutlich, bald erloschen, die übrigen
Differenzen beruhen in der Mangelhaftigkeit der Meigenschen Be-
schreibung.)
Dale (Aun. of nat. hist.) gab eine Übersicht der britischen Arten
von Oxycera, unter denen eine neue, O. longicornis Haliday.
Leon Dufour (Ann. d. science. nat. XVI, S.264 T, 14 F.17—19)
hat die Larve von einem Pachygaster beschrieben und abgebildet,
den er als eine neue Art, P. meromelas, betrachtet, welcher aber
schwerlich von P. ater verschieden sein mögte. Die Beschreibung
der Larve stimmt mit der von Macquart gegebenen, nur dass hier
12 Körpersegmente angenommen sind, indem das letzte kleine als
eigenes gezählt wird. Die Mundtheile bestehen aus einer längeren
vorgestreckten Lefze, einem Paar hakenförmiger Mandibeln, welche
eine sehr beschränkte Bewegung baben, und einer elliptischen Unter-
lippe. Von Tastern und Fühlern keine Spur.
Syrphiei. Eine neue Art von Ceria hat Saunders (Trans-
mei. of the Ent. Soc, of Lond. II. 8.60 7.5 F. 6) als ©. euene-
mioides beschrieben. Sie ist aus Nord-Indien,
Loew (Ent. Zeit. 8.136. 155) hat die Arten der Gatt, Ohry-
sotozum einer Prüfung unterworfen, und den bis dahin bekannt
gewordenen 10 Arten — unter denen Chr, intermedium, sylvarum,
und costale dem Verf. zweifelhaft geblieben sind, — zwei neue hin-
300
zugefügt: Chr. elegans aus Österreich, vom Chr. arcuatum durch
ungefleckte Flügel und Zeichnung des Hinterleibes constant ver-
schieden, und Chr. vernale, ebenfalls dem Chr. arcuatum zunächst
verwandt, aber kleiner, und durch kürzere Fühler mehr abweichend;
diese scheint im östlichen Deutschland häufig vorzukommen und ist
auch bei Berlin nicht selten.
Schummel (Arb, und Veränd. ‘der schles. Gesellsch. f. vaterl,
Kult, 1841. Ent. Sect. 8.18) hat die schlesischen Arten ven Chry-
sotoxum gemustert und darunter eine neue, Chr. monticola ent-
deckt, welche sich vorzüglich durch die Verhältnisse der Fühlerglie-
der auszeichnen mögte, von denen das 1.und2. kurz, und unter ein-
ander gleich, das 3, länger als beide zusammengenommen ist. Die
als Chr. fasciolatum bekannte Art führt der Verf. als Chr. sylvarım
Meig. auf, und nicht mit Unrecht, denn ich glaube, dass Chr. fascio-
latum und sylvarım Meig. identisch sind, ebenso wie Chr. margina-
tum und costale Meig.
Auch über die Gatt. Callicera, Ceria und Microdon erstreckt sich
die Bearbeitung desselben Verf. (a. a, O0. S.14.) Von Callicera
ist eine neue Art bei Breslau entdeckt worden, C. rufa, welche
durch rothe Behaarung, ganz rothgelbe Beine, und die Verhältnisse
der Fühlerglieder — das 2. Gl. ist etwa halb so lang als das erste —
von ©. aenea sich unterscheidet, Von Microdon sind zwei neue
Arten aufgeführt, /M. fuseitarsis, durch dunkelbraune Füsse von den
übrigen Arten abweichend, und M. scutellatus, mit rothgelben Schild-
chen, ohne Erage M. mutabilis Lin. (Meigens M. mutabilis scheint nur
Q seihes M. apiformis zu sein.)
Loew (Ent. Zeit. 8. 25) vereinigte Merodon constans, ferrugi-
neus, flavicans Meig. und rufus Macgq. als Abänderungen mit.M. Nar-
cissi Meig. — Ferner beurtheilt er Helophilus camporum Meig, und
Didea fasciata Meig. als abweichende Individuen von H. pulchri-
ceps Meig.
Derselbe (ebendas. 8, 6) stellte eine neue Art, Syrphus dis-
par, aus der Grafschaft Glatz, auf, welche sich durch die winklich
gebogenen Hinterschienen des Männchens auszeichnet. Sie-hat einige
Übereinstimmung mit 8. tropicus und funeralis Meig., welche ‚von.
Meigen zur Gatt. Cheilosia gerechnet werden, während die neue Art
ein ächter Syrphus ist; dies steht indess ihrer nahen Verwandtschaft
nicht entgegen, denn, wie der Verf. bemerkt, reichen die zur Zeit
aufgestellten Charactere zur Trennung der beiden genannten Gat-
tungen nicht aus.
Conopii. Eine neue Art, Conops aurosa, aus Neuholland,
ist von Newman (Entomologist 8.222) beschrieben.
Museariae. Über die Naturgeschichte der Miltogramma co-
nica hat v. Siebold (Observ. quaed. entomolog.) interessante Beob-
achtungen gemacht. Diese kleine Fliege ist der schlimmste Feind
des Oxybelus uniglumis,. Sie hält sich an den Stellen auf, wo die
301
Oxybelen ihre Nester haben. Sobald ein Oxybelus mit seiner Beute
heimkehrt und sich vor seinem Neste niedersetzt, erhebt sich die
Miltogramma, und schwebt unbeweglich über demselben. Dieser, der
seinen Feind gewahrt, sucht desselben los zu werden, und fliegt,
um ihn von der Spur abzulocken, mit seiner Beute hin und her. Die
Miltogramma verfolgt ihn, setzt sich, so wie der Oxybelus längere-
Zeit still sitzt, auf einen erhöhten Gegenstand, stets ihr Opfer im
Auge behaltend. Selten gelingt es dem Oxybelus die Miltogramma
von der Verfolgung abzulenken, öfter ermüdet er selbst, öffnet sein
Nest und schleppt seine Beute hinein. Sobald er darin ist, stürzt die
Miltogramma ihm nach, erscheint aber gleich wieder vom Oxybelus
hinausgejagt. Die verfolgenden Miltogrammen sind Weibchen; sie
gehören zu den lebendig gebärenden Tachinarien, der Zweck ihrer
Nachstellungen ist kein anderer, als ihre Brut in das Nest des Oxy-
belus zu briogen, wo dieLarve parasitisch auf Kostsn der Oxybelus-
Larve lebt. Die andern Miltogrammen-Arten scheinen eine entspre-
chende Lebensweise zu führen, so beobachtete der Verf., dass M.
punctata auf ähnliche Weise der Ammophila hirsuta nachstellt.'
J. J. Smitt (Vetensk. Acad. Handl. f. ar 1840 8.63) theilt
einen Fall mit, wo sich eine Fliegenlarve unter der Haut auf der
‚Stirn bei einem Kinde gefunden. Die, der einer Tachina ähnliche
Larve ist von Sundevall genau beschrieben.
Robineau Desvoidy (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr.X, 8.274)
bemerkt, dass er Phasia crassipennis zum zweiten Mal mit Ph. ana-
dis in Copula gefangen habe, erstere 9, letztere Z’ sei. Das grössere
Weibchen nimmt das Männchen zwischen die Beine, fliegt mit ihm
davon, hat beim Copulationsact allein eine thätige Rolle, und das
Männchen verhält sich ganz passiv.
Die Larve der Anthomyia Rumiecis Bouch. wurde von Boye
(Kröyer Nat. Tidssk. III. S. 324) in den Blättern von Rumex aceto-
sella minirend gefunden, und Bouche’s Beobachtung bestättigt,
Robineau Desvoidy (Ann. d. l. Soc. Ent. d. Fr.X. S. 269)
stellte eine neue Gatt. Fucellia auf, welche mit Scatophaga zu-
nächst verwandt, sich dadurch unterscheidet, dass dns Weibchen an
der Spitze der Unterseite der Hinterschenkel eine Ausrandung hat,
und dass die Fühler ein wenig kürzer sind, mit nackter Borste,
F. arenaria, findet eich an der Küste bei Havre, wo die Larve
von den vegetabilischen und animalischen Auswürfen der See, Ex-
crementen u. 8, w. sich nährt.
Saunders (Transact. of the Ent. Soc. of Lond.11l. 8.60 T,5
F.3) stellte eine neue Gatt. Dasyneura auf, welche aber mit Da-
eus identisch ist. Die Art, D. zonata aus Ostindien ist mit D. fer-
zugineus F. verwandt,
Trypeta alternata Fall, erzog Boye (Kröyer Naturh. Tidsskr, IH.
8.324) aus den Beeren der Berberizen,
Die Gatt, Saltella bat Loew (Ent, Zeit, 8,192) einer gründ-
302
lichen Prüfung unterworfen. Sie'war von Robineau Desvoidy auf Grund
der kürzeren unbewehrtenBeine, der kürzeren Flügel, des längeren
Schildchens und ungestielten flachen Hinterleibes von Sepsis abgeson-
dert, Das erstere Merkmal passt aber nur auf die Weibchen. Dagegen
findet sich ein anderer Character im Flügelgeäder, indem die obere der
beiden kleinen Wurzelzellen fehlt, und die erste Längsader von der
Hülfsader deutlich gesondert ist, was bei den übrigen Sepsideen nicht
der Fall ist. Die einzige, mit Sicherheit bekannte Art ist Piophila
scutellaris Fall., wozu Anisophysa scutellaris Macq., Saltella nigripes
Rob. Desv. Walk. Macg. Meig., Nemopoda ferruginea Rob. Desv.
Macgq. Meig., Nemopoda scutellata Macq. Meig., Nemopoda ruficoxa
Macgq. Meig. als sichere Synonyme gehören. Eine zweite Art ist in
‚Anisophysa albipennis Macg. zu vermuthen.
Germar (Ent. Zeit. S.127) theilte einen Fall mit, wo die Larven
von Piophila casei im Kochsalze vorkamen, und sich von demsel-
ben zu nähren schienen.
Thyreophila eynophila wurde von Robineau Desvoidy (Ann.
d. 1. Soc. Ent. d. Fr.X. S.275) auf Cadavern von Pferden und Eseln
angetroffen, und zwar im Winter, unmittelbar nach dem Schmelzen
des Schnees.
Ders. (ebendas. 8.263) beschrieb eine neue in Frankreich auf-
gefundene Art seiner Gattung Herbina als H. liliorum, und
nahm Gelegenheit, auf diese und einige verwandte, von Macquartu. A.
unberücksichtigt gebliebene Gattungen aufmerksam zu machen, wel-
che er zu einer eigenen Gruppe, Palomydes, rechnet, welche in der
Afterbildung der Männchen mit den Condyluren, in übrigen Beziehun-
gen mit den Sciomyzen übereinkommen.
Ders. (ebendas. S.251) machte drei neue Arten seiner Familie
Malacomydes bekannt. Dieser Familie schreibt er einen besonders
weichen Körper zu, und eine Anzahl der dahin gehörigen Arten be-
wohnt die Höhlen unterirdischer Thiere. Meigen und Maequart haben
mehrere Arten zu Helomyza und Blephariptera gerechnet. Die hier
beschriebenen Arten sind: Leria melina, welche im Dachshau, und
zwar in der Kammer lebt, wo der Mist abgelegt wird, Leria mu-
stelina, am Eingange der Höhle eines Wiesels aufgefunden, The-
lida vespertilionea, in den Höhlen von Arcy-sur-Eure auf Fle-
dermausmist gefunden.
Loew (Ent. Zeit. S. 26) hat kritische Bemerkungen über einige
Fliegenarten (Coenosia 6notata, Anthomyia posticata, leucostoma,
Opomyza venusta Meig., Melanophora rubescens Maeq., Milichia ornata,
Musca, borealis Zett.) mitgetheilt.
Hemiptera.
Die Artenkenntniss der H, Heteroptera ist in gewohnter Weise”
durch „Die wanzenartigen Insecten (Fortsetzung des Hahns-
en.
j 303
chen Werkes) von Dr. Herrich-Schäffer (V1.Bd.3—6. Hft.)”
bedeutend gefördert worden, Mehrere neapolitanische und siei-
lianische Hemipteren beschrieb Ach. Costa (Ann. d. I. Soc.
Ent. d. Fr.X. S. 279), und Le Guillou (Rev. Zool. S. 261)
machte die auf einer Reise nach der Südsee entdeckten Arten
vorläufig bekannt.
Pentatomidae. Costa (a. a. 0.) gab eine Abbildung der
Coeloglossa Iyncea, der Pachycoris hirta, wie er (S.306) P. ma-
euliventris Germ. genannt wissen will, weil :die Bauchflecke nicht
constant sind, und einer neuaufgestellten Art, Podops siculus
(8. 301) — unsere Sammlung besitzt Exemplare davon vom Senegal,
und sie kann leicht T. tangira F. sein. — Le Guillou (a. a. O.)
stellte als neue Arten Podops cinereus von Samarang, und Call-
idea vulcanica von Banda auf: der erstere könnte indess wohl
mit P. luridus Burm. (in Meyen’s Reise) zusammenfallen. — Plata-
spis bucephalus White (Entomologist 8. 136) ist eine durch den
vorn weit ausgerandeten Kopf ausgezeichnete neue Art von Accra.
Asopus Genei Costa (a. a. ©.) ist eine bei Neapel entdeckte
neue Art. — A. conformis Friv. bei Herrich-Schäffer, aus der
Türkei, scheint mir von nigridens F. nicht verschieden.
Von Cimex hat Herrich-Schäffer eine Reihe von Arten ab-
gebildet: C. debellator, pugillator, albicollis F., ictericus L. und ?y-
phoeus Wolf; C.sordidus und pyrrhocerus (hier fehlen in der
Abbildung die Maasse, auch scheinen mir die Halsschildecken zu scharf
dargestellt zu sein), aus Nordamerica, halte ich für Abänderungen
von ©. ictericus L.; C. haematicus aus Brasilien ist Abänderung
oder entfärbtes Ex. von ©. albicollisF.; neu sind (©. trisignatus Hag.
von Java, dimidiatus Hag. aus Brasilien, t/ransversalis unbe-
stimmten Vaterlandes (unsere Ex, sind aus Mittelamerien, nämlich
Mexico, verschiedenen Puncten Westindiens u. 8. w. — bei diesen
- beiden letzten Arten sind die Abbildungen verwechselt), depressus,
unbekannten Vaterlandes, virgatus Kl. (eine AeliaF.) aus der Tür-
kei, deplanatus aus Brasilien, aereus ebendaher, ornatulus
aus Ägypten, convergens aus Brasilien, apicalis vom Cap, tri-
- angulator, unbestimmten Vaterlandes (aus Brasilien!)
Le Guillou a. a. ©, führt noch auf: Pentatoma Petiti von
Banda, Le Reddi von Neuguinea, Strachia Chamberti, eben-
daher, Rhaphigaster Carrenoi von Zamboagan, mit (Edess)
punetum F. äusserst nahe verwandt, und vielleicht nur Abänderung,
Acanthosoma lutea von den Freundschaftsinseln; Megymenum
Meratii von Timor, erenatum von Neuguinea.
Eine neue Gattung ist Choeroeydnus White (Grey’s Reise II.
8. 472). Es ist ein Cydnus ohne Unterllügel und ohne Membran der
Halbdecken, den man unbedenklich als eine ungellügelte Cydnus-Art
betrachten könnte, wenn nicht auch die Ocellen fehlten, Es steht
304
indess das Verschwinden der Nebenaugen mit dem des Flugvermögens
in naher Beziehung. Ch. foveolatus ist von König Georgs-Sund.
Coreidae, Hier hat Herrich-Schäffer besonders viele
Arten abgebildet: 2
Spartocerus lunatus, laticornis Burm., bicolor, eine neue Art
aus Brasilien, und unter dem Namen geniculatus Kl. ebenfalls eine
neue Art ebendaher, denn die von Burmeister beschriebene Art der
hiesigen Sammlung ist einerlei mit dem vom Verf, auch schon abge-
bildeten H. serrulatus Perty.
Physomerus calcar F. -
Cerbus umbrinus, phyllocnemus B., tragus F., tenebrosus F.Q,
umbilicatus F. Q; tumidipes F. Boerhavii F., und eine neue Art, PA.
erueifer, unbestimmten Vaterlandes (sie ist neuholländisch).
Nematopus meleagris L., rufierus Perty Q, und eine neue
Art, N. angustatus aus Brasilien.
Diactor, zwei neue Arten, die eine als D, alatus Burm. aus
Mexico, von dem sie aber verschieden ist, die andere als D. con-
color aus Cayenne,
Meropachys granosus neue Art aus Brasilien.
Archimerus, drei Arten sind als neu aufgestellt: A. aceutan-
gulus aus Brasilien ist aber Pachymeria armata Lap., triangulum
Spin, Ad. muticus aus Mexico ist alternatus Say, squalus Burm.,
und A. rubiginosus aus Nordamerica scheint diesem sehr nahe
verwandt zu sein,
Crinocerus, drei neue Arten: Cr, triguttatus aus Mexico,
fulvicornis von Demarary, devotus aus Columbien (unsere Ex.
sind von St. Domingo.
Actorus fossularum, mit Darstellung der Gattungscharactere.
Coreus gracilicornis Herr.-Schäffl. d‘. Der Verf. bemerkt, dass
diese Wanze in keine der Gatt. Coreus, Corizus und Pseudophloeus
genau passe.
Gonocerus? abbreviatusHagenb. von Java, ist Lyg. abbre-
viatus Fab., und ein Homoeocerus, G. versicolor, welchen der Verf.
für exotisch hält, scheint mir eine Abänderung des @. Juniperi Dahl.
Le Guillou (a. a. 0.) stellte zwei neue Arten auf: G@onoce-
rus variegatus von den Freundschaftsinseln und Syromastes
tasmanicus von Vandiemensland.
Der abentheuerlich gestalteten Gatt. Phyllomorpha hat West-
wood die zweite Tafel seiner Arc. Ent. gewidmet, Er führt 8 Arten
auf: Ph. paradoxa, vom Cap, von welcher er Ph. paradoxa Guer.
Burm. als zweite Art, unter der Benennung Ph. capieola unter-
scheidet — ich muss bekennen, dass ich mich an unseren Exemplaren
von Wesentlichkeit der Unterschiede nicht überzeugen kann — Ph.
Latreillei Guer. vom Senegal, und Ph. Persica, neue Art aus Per-
sien sind solche, wo das Halsschild hinten abgeschnitten ist; bei den
übrigen ist der Hinterrand des Halsschildes in ein Paar Lappen vor«
e
gezogen: Ph. laciniata de Vill., /acerata Herr.-Schäfl., Algirica
Guer. und eine unbenannte Art vom Balkan, welche Herrich-Schäf-
fer jetzt als Ph. erinaceus (a. a. O.) abgebildet hat.
Hauptm. Meyer (Ent. Zeit. 8.88) stellte eine neue Art von Be-
rytus als B. montivagus auf, welche sich von B. clavipes be-
sonders durch die nicht zugespitzte, sondern abgerundete, mit meh-
reren Randflecken bezeichnete Membran der Halbdecken unterschei-
det. Sie findet sich auch bei uns in Norddeutschland, sowie in Schwe-
den, und scheint bisher nur mit B. clavipes verwechselt zu sein.
Iygaeidae. Herrich-Schäffer (a. a. O.) bildete ab Ly-
gaeus aulicusF. aus Nordamerica, Largus suceinctusF.(Lyg.) eben-
daher, Pyrrhocoris Coqueberti F. aus Ostindien, und als neue Arten
Pyrrhoc. suturellus aus Nordamerica, und Pachymerus ener-
vis (europäisch.)
Costa (a. a. O.) beschrieb Pachymerus parallelus, wel-
_ cher vielleicht Ind. mit vollständig entwickelten Halbdecken von Mi-
eropus Genei Spin. sein könnte, oder wenigstens als nahe verwandte
Art in die Gattung gehört, von Neapel und Sicilien, P. subery-
thropus von Sicilien, als neue Arten, und stellte zwei neue Gat-
tungen auf: Aphanosoma, einem Aphanus Sp. (Pachym. staphyli-
mus) in der Körperbildung gleichend, aber ohne Ocellen: A. /tali-
cum aus den Abruzzen.
| Tritomacera mit Pachymerus übereinkommend, bis auf die
Fühler, welche 3gl. sind, das 3. Gl. so lang als das zweite, mit einer
löffelförmigen Vertiefung und bis auf die stark zusammengedrückten
Mittel- und die etwas gebogenen Hinterschenkel: T. aphanoides
bei Palermo entdeckt.
Capsidae. Hauptm. Meyer (Ent. Zeit. S.82) theilte seine
Erfahrungen über mehrere Arten mit. Er unterschied Capsus ambi-
guus Fall. von holosericeus Hahn, welchen Herr,-Schäfl. mit (©. varia-
bilis Fall. verbindet, und stellte mehrere neue Arten, C. Avella-
nae, dem C. Coryli höchst nahe verwandt, C. varians, Spinolae
fasciatus, Pyri, Phytocoris divergens, bisher mit Ph. Ulmi
verwechselt, auf. Einige derselben, (. avellanue, ambignus Fall.,
varians, fasciatus sind auch von Herrich-Schäffer (a. a. O0.) dar-
gestellt, welcher ausserdem noch C. nigrita Fall., roseus P, (mit wel-
chem er variabilis Hahn und signatipes seines Nomencl. vereinigt),
rufipennis Fall. und als neue Arten C. salicellus, propingquus,
cervinus, bimaculatus Hofl., bidentulus, annulipes, letz-
tere drei aus Südeuropa, Lopus carinatus vou Danzig, abbildet.
Sahlberg (Act. Soc. Science, Fenn. I. 2, fasc.) beschrieb Phyto-
coris flavosparsus als neue Art aus Finnland, auf Chenopodium album
lebend.
Costa (a. a, 0.) stellt Capsus Aetneus vom Ätna, Phytocoris
flavo-marginatus und Passerinii von den Abruzzen als neue
Arten und eine neue Gattung Pachytoma auf, welche in der Küh-
Archiv f. Naturgeschichte, VI, Jahrg. 2. Bd. I
305
306
lerbildung von Halticus abweicht: es ist nämlich das 2, Gl. beson-
ders gegen die Spitze hin verdickt und das 3. und 4. Glied ‚sind. sehr
dünn. Er rechnet Capsus sultator Hahn hierher und eine neue Art,
P. minor, aus der Umgegend von Neapel.
Reduvwini. Costa (a. a.0.) gab eine Abbildung einer neuen,
in den Esercitazioni Accademiche degli Aspiranti Naturalisti 2. Vol.
2. prt. (1839) aufgestellten Gattung Acanthothorazx. Sie'hat die
schmale Form und das bedornte Halsschild und Schildchen von Zelus,
hat aber einfache Klauen und stellt sich neben Holotrichus. Ac.ısi-
culus findet sich bei Palermo auf. Binsen. (Unsere Exemplare sind
von Sardinien und dem Senegal.) — Als neue Arten beschrieb ders.
Holotrichus? denudatus aus dem Neapolitanischen, vermuthlich
im Larvenzustande, und Holotr. Cyrilli, ebendaher.,— Le@uil-
lou (a. a. ©) führt Peirates Servillei ohne Angabe des, Vater-
landes auf. — Herrich-Schäffer (a.a.0.) ProstemmaBuesii,
als neue Art aus der westlichen Schweiz, welche indess mit Pr... bi-
color R:mb. übereinkommt, Arilus amoenus Guer. von Java, A.stra-|
mineus, neue A, unbekannten Vaterlandes, Apiomerus morbillosus E.
aus Peru, Hammatocerus nycthemerus Burm. aus Georgien in Nord-
america, Pirates fulvoguttatus, neue Art aus Spanien, endlich
unterschied er Harpactor griseus (Reduv. gris. Rossi) aus Südeuropa
und H. aegyptius (Red. aeg. Fab.) aus Ägypten und stellte ein voll-
ständig gelügeltes Individuum von Nabis subapterus dar.
Phymatites. Westwood (Transact. of the Ent. Soc: of
London Il. S. 18 T. 2) hat eine Monographie der Gatt MacroceL
phalus Swed. gegeben. Die typische Form hat das Schildchen so
lang als den Hinterleib, an der Spitze abgerundet, und: ist’ durchaus
americanisch. Von 11 Arten sind 3, M. cimicoides Swed.. ($, mani-
cata B.), prehensilis F. und pallidus W. aus dem wärmern-Nord-
america, 3, M. pulchellus Kl, leucographus.Kl., erassimanusF,
von Westindien; die übrigen aus Südamerica, und zwar M, “oa
tus und macilentus aus Columbien, zuberosus Kl, (eigentlich
suberosus) und affinis Guer. aus Brasilien, M..obscurus ohne
genauere Heimathsangabe. Hieran schliessen sich zwei neue Unter-
gattungen: Ambl/lyihyreus hat das Schildchen ebenfalls an deu)
Spitze abgerundet, aber nur bis zur Mitte des Hinterleibes reichendz;
3 neue Arten, von denen M. A. guadratus aus Ostindien, Mr hom-
biventris und angustatus unbekannten Vaterlandes ‚sind, - Viel-
leicht ist diese ganze Form ostindisch. Oxythyreus hat das Schild-.
chen ebenfalls nur bis zur Mitte des Hinterleibes reichend, aber spi
dreieckig: eine neue Art M. O. cylindricornis unbekannten. Va=.
terlandes. — Von Phymata (Syrtis F.) unterscheiden sich alle 3 For,
men darin, dass auf der Unterseite des Halsschildes keine Gruben)
zum Einlegen der Fühler sind. Auch von dieser Gatt. hat der. Verf.
eine neue Art, Ph. integra „unbekannter Heimath, beschrieben, die
durch langgestrecktes, fast geradseitiges Halsschild, gerundete Hin
BE #0 mE er ee re 1 Er u en
307
terleibsseiten, und einfach zugespitzten (nicht zweispitzigen) Kopf
von den Gattungsverwandten abweicht.
Acanthidae. Herrich-Schäffer (a. a. O0.) bildet Sa/da
littoralis L. var., S. pallipes F. und zwei neue Arten, S. /uteipes
und cincta, beide aus Österreich, ab, ferner unter dem Namen
4Acanthia intrusa ein kleines merkwürdiges Insect, von der Kör-
perform einer Salda, auch mit Ocellen, aber mit der Halbdeckenbil-
dung der Capsiden. Es ist europäisch und scheint auf die Rechte
einer besonderen Gattung Anspruch zu haben.
Eversmann (Bull. Mosc. 1841 S. 359 T 6 F. 6) macht eine Art
von Acanthia, A. ciliata, bekannt, welche sich in verschie-
denen Häusern von Kasan gezeigt hat, viel kleiner als die Bettwanze
ist, nichts desto weniger schmerzhafte Beulen sticht. Sie mögte in-
dess kaum etwas anderes als die Schwalbenwanze, A. hirundinum
v. Sieb, hirundinis Jenyns, sein.
Ploteres. Herrich-Schäffer (a.a.0.) stellte Aydroessa pul-
chella Westw. und Hebrus pusillus Fall. mit Analyse ihrer Gattungscha-
ractere dar, In Bezug auf die letztere bemerkt Costa (a.a.0.), dass
man sie mit der Hydrometra stagnorum auf der Insel Ischia an einer
Stelle auf der durch mieroscopische Cryptogamen gebildeten gelati-
nösen Masse finde, auf welcher die heissen Mineralwasser fliessen.
Wotoneetidae. Le Guillou (a.a.0.) führte eine neue Art,
Coriza maculata von Chile auf,
Fulgorellae. Eine neue Gattung ist von Carreno Ann. d.
1, Soc. Ent. d. Fr. X. S. 275 T.5 unter der Benennung Odontoptera
errichtet worden. Sie ist mit Fulgora nahe verwändt, hat eine grosse
Pyramidale Kopfvorragung, und an den Decken die Wurzelhälfte
längsadrig, die Spitzenhälfte klein genetzt. O. specrabilis mit
Zahnförmig ausgezogenem Innenwinkel der Hinterflügel ist ein an-
sehnliches, bisher noch unbeschriebenes Insect, dessen Vaterland der
Verf. nicht mit Unrecht in America vermuthet, Die Excmplare unse-
rer Sammlung sind aus Brasilien.
Als neue Arten sind von Le Guillou (a. a. 0.) aufgestellt:
Eurybrachys maculipennis und Ricania cyanescens, beide
von Nordaustralien.
Membracidae, Ein Paar sehr abentheuerlich geformter neuer
Arten hut Westwood in Guerin’s Mag. de Zool. Ins. pl. 82, 83 ab-
gebildet: Centrotus horrificus und Smilia bifoliata. Sie
ähneln americanischen Formen, sind aber ostindisch, nämlich Theil
der reichen Erndte Cuming’s auf den Philippinen.
Cicadeltae. Von Le Guillou (a. a.0,) als neu aufgestellte
Arten sind Cercopis Boisduvalii ohne Angabe des Kundortes
U#
308
und Aphrophora caput ranae. — Sahlberg (Act. Soc. Sciene,
Fenn. I.) beschrieb drei neue finnische Arten als Cieuda lutea, pietu-
rata, adumbrata, und Burmeister (Genera Ins,) gab eine Darstel-
lung der Gatt. Typhlocyba mit den Analysen und Aufstellung einer
neuen Art, T. stellulata.
Cicadae. Eine neue Art, Cicada microcephala, von
Neuguinea ist von L.e Guillou (a. a. O.) aufgeführt.
Psyllidae und Aphides. Hartig (Germ. Zeitschrift II.
S. 359) hat den Versuch einer Eintheilung der Pllanzenläuse nach der
Flügelbildung mitgetheilt, welcher zur besseren Unterscheidung und
Bestimmung in dieser schwierigen Inseetenfamilie viel beitragen wird,
um so mehr als die Betrachtung sich nicht auf die Flügel beschränkt.
Die ganze Abth. wird in drei Fam. getheilt: Erdläuse (Hypome-
neutes), stets ungeflügelt, ohne Honigdrüsen und Honigröhren, mit
nur aus 3 Facetten zusammengesetzten Augen, an Pflanzenwurzeln
lebend. — Blattläuse (Aphidina) 4 Flügel mit nicht geader-
tem Rande: eine Unterrandader vom Flügelmaal begränzt, schickt
3 schräge Adern zum Hinterrande des Flügels, von welchen die letzte
(eubitus) zuweilen sich dichotomisch theilt. Ein vom Stigma zur
Flügelspitze verlaufender Radius bildet bei den meisten eine Radial-
zelle. — Springläuse (Psyllodes), 4, von einer Randader um-
zogene Flügel.
Die erste Fam. gründet sich auf die Gatt. Rhixobius Burm., der
der Verf. eine zweite, Rhizoterus, mit 5gl. Fühlern hinzufügt, aus
einer neuen Art, Rh. vacca, gebildet, welche von Saxesen in den
Nestern der F, rufa entdeckt ist.
Die zweite Fam. enthält 7 Gatt., von denen 3 vom Verf. neu an-
gestellt sind: Phylloxera Boy. d. F. (Quercus) ohne Radialzelle, Un-
terflügel ohne Schrägader, Fühler 3gl. — Chermes (Ch. Abietis L,,
Laricis Hart.) ohue Radialzelle, Unterflügel mit einer Sehrägader,
Fühler 5gl., Tetraneura n. G. mit 1 Radialzelle, Cubitus einfach,
Unterfl. mit 1 Schrägader, Fühler 6gl., keine Honigdrüsen, leben in
Gallen: T. UlmiL.— Pemphigus, ». G,. mit Radialz. und einfachem
Cubitus, 2 Schrägadern im Unterfl., 6gl. Fühlern, meist in Gallen (4.
bursarius und Populi L.), andere auf Blättern (P. /onicerae, n.A.)
oder auf Trieben (L. pedunculi, n. A. aufEichentrieben) lebend, —
Schizoneura, mit Badialz., einfach gabelf. Cubitus, 6gl. Fühlern:
Sch. lanuginosa, n. A.in grossen beutelförmigen Gallen der Ulme,
Sch. lanigera höchst schädlich auf Äpfelbäumen, costatus,n. A.
auf der Rothtaune, Corni, n.A. aufC. sanguinea. — Lachnus Il. mit
linienförm. Randmaal, kleiner Radialz., 3ästigem Cubitus, 6gl. Füh-
lern, kurzen Honigdrüsen: L. fagi L., pini L., pinetiF,, padi, n. A.
anf Prun. Padus, pruinosus, n. A. und Roboris L.? — Aphis, mit
spindelf. Randmaal, grosser Radialz., 3ästigem Cubitus, 6g1. Fühlern,
deutl. Honigdrüsen. Zahlreiche Arten, denen der Verf. 14 neue, auf
Holzpflauzen beobachtete hinzufügt. 5
309
Die 3. Fam. beschränkt sich auf die Gatt. Aleyrodes mit 2-, Psylla
und Livia mit dästiger Gabelader (cubitus) der Vorderflügel, bei der
letzten von Nebenadern begleitet. Psyl/a ist nach Verschiedenheit
der Kopf- und Flügelbildung in 5 Sectionen getheilt. Bei den 3 ersten
hat der Kopf vorn zwei kegelförmige Spitzen, zwischen welchen ein
einziges grosses Nebenauge liegt (zwei andere liegen hinten auf dem
Scheitel), bei der 1. ist ein Flügelmaal, der Cubitus ist stammadrig
(d. h., da die erste Gabeltheilung vicht unmittelbar an seiner Wurzel
geschieht, haben seine 4 Aeste einen gemeinschaftlichen Stamm.) Ps.
Pyri L. und zwei neue Arten — bei der 2. (Ps. Urticae L. und drei
neuen A,) ist der Cubitus stiellos (d. h. die erste Gabeltheilung ge-
schieht unmittelbar an der Wurzel) und die Unterrandader endigt ohne
Flügelmaal — bei der 3. (Ps. Spartii, neue A.) ist ebenfalls kein
Flügelmaal, aber der Cubitus ist wieder stammadrig — Den übrigen
spricht der Verf. das Nebenauge ab (ich finde aber alle 3, das vor-
dere nur mehr nach unten gerückt, daher von oben nicht sichtbar),
in der 4. Sect. (P. purpurascens, neue A.) sind Stirnkegel noch
angedeutet, auf der Unterseite des Kopfes liegt ein von der Brust
entspringender Zapfen, den der Verf für die Rüsselscheide zu halten
Anstand nimmt (und das mit vollem Recht, denn der Rüssel tritt au
der gewöhnlichen Stelle hinter den Vorderbeinen vor), in der 5. end-
lich (Ps. Abietis) ist die Stirn vorn scharf gerandet, bei beiden Sect.
haben die Vorderfl. ein breites Maal und einen stammadrigen Cubitus.
Boyer de Fonscolombe (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X. S. 157)
hat die in der Umgegend von Aix beobachteten Blattläuse beschrie-
ben, und damit einen nicht unwichtigen Beitrag zur Kenntniss dieser
von den Entomologen bisher so wenig beachteten Insecten geliefert.
Er führt 36 Arten von Aphis auf, in drei Abth., von denen die 1. mit
einem Paar hörnerartigen Fortsätzen gegen das Hinterleibsende der
Gatt. Aphis im Sinne von Hartig entspricht. Sie enthält 25 Arten,
unter denen A. Artemisiae, Isatidis (vom Waid), Lonicerae
(vom Geisblatt), Tulipae (unter der äussern Haut von Tulpenzwie-
bein beobachtet und als Larve beurtheilt; sie hat sehr kurze Honig-
röhren, sonst würde man hierin eine Erdlaus vermuthen), Onobry-
chis (vom span. Klee), Persicae (von Pfirschenblättern), Prund
Mahaleb, Rhamni (von Rh. alpinus), aurantii (auf Orangen-
bäumen in Kübeln), Nerii (vom Oleander), tuberosae (von Tube-
rosen), hibernaculorum (in einer Orangerie auf Daphne indica),
Verbasci (unter den Blättern von V. nigrum) als neu aufgeführt
sind. — Die 2, Abih, mit einem Paar Höcker gegen das Hinterleibs-
ende, entspricht ziemlich Lachnus Jil. und enthält unter 7 Arten A.
viminalis (von Weiden), Populi albae, Filaginis (im Filz
von Filago germanica) als neu, — Die 3. Abth. olıne Röhren und
Höcker auf dem Hinterleibe, umfasst A. Ulmi, Pistaciue, bursaria,
fagi und als neue A. radicum, an Graswurzelo, ohne Frage eine
Erdiaus Von Phylloxzera uuterscheldet der Verf. zwei Arten,
310
seine Ph. Quereus (auf Eichenblättern) und PA. longirostris
(Aph. quercus F. in Rissen der Eichenrinde, auch unter derselben).
Mac Clelland (Calcutta Journ. of nat. hist. I. p. 424) hat Nach-
richt über eine Aphis gegeben, welche im Jessore-Distriet dem Indigo
schädlich wird.
Coceidae. Der Gattung Monophlebus hat Westwood in
seinen Arcan. Ent T.6 S. 21 eine ausgezeichnete monographische
Darstellung gewidmet, welche 8 Arten aufführt. Die beiden ersten
M. Fabricii W. (Chiron. dubius F.) und M. atripennis M, B., Burm.
sind einerlei, und der Verf. ist nur durch Burmeister’s sehr oberfläch-
liche Beschreibung und ungenaue Vaterlandsangabe (Java) zu der Tren-
nung veranlasst worden. Unsere Exemplare sind gar nicht von Java,
sondern von Sumatra, von Daldorf, rühren also aus gleicher Quelle
mit dem Fahricischen Insect her. Sie haben die grösste Übereinstim-
mung mit der 3. Art, M. Leachii Wesw. von Malabar, M. Burmei-
steri W. ist unbekannten Vaterlandes, M. Saundersii wieder
ostindisch, M. Raddoni W. von der Goldküste, M. Jlligeri von
Vandiemensland. Den Schluss macht der hiesige M. fuscipennis. Die
hiesige Sammlung besitzt auch mehrere americanische Arten, so dass
sich die Gattung als überall verbreitet zeigt.
Eine riesenhafte Form von Schildläusen stellte Guerin (Rev.
Zool. S. 129) unter dem Gattungsnamen Callipappus auf. Sie
schliesst sich am nächsten an Dorthesia, die Männchen haben ähn-
liche Borstenbüschel, bei den Weibchen sind die Beine ebenso ent-
wickelt, sie sind aber nackt, Die Fühler beim .g‘ 11gl., länger als
der Körper, beim Q 10gl, kurz. Füsse 1gl. mit einer einzelnen Klaue:;
Flügel des j mit einem einzigen Quernerven durch die Mitte. €.
Westwoodii aus Neuholland, von Schwanenfluss.
Thysanura.
Über die Poduren hatNicolet eine sehr werthvolle und
wichtige Arbeit (Recherches pour sery. a l’hist. des Podurelles,
Neuchatel 1841, aus den Nouv. Mem. d. 1. Soc. helvetig. des’
seienc. nat. 6 Vol. 1842, besonders abgedruckt) veröffentlicht,
welche sowohl die Kenntniss der Arten bereichert, die Gat-
tungen genauer scheidet und feststellt, als auch die innere
Organisation und die Naturgeschichte. dieser bisher wenig
beachteten Thierchen erläutert.
Aus den umfangreichen Untersuchungen des Verf. hebe ich hier
nur Einiges hervor.
Die Poduren bedürfen zu ihrer Existenz eines gewissen Grades
von Feuchtigkeit, eine mässige Hitze tödtet sie schon, dagegen be-
finden sie sich in der Kälte wohl, manche Arten finden sich nur auf
dem Gletschereise und dem Schnee, bei höheren Kältegraden frieren
/
* sie wohl ein, kehren aber aufgethaut zur völligen Munterkeit zurück. —
Die Bier sind zahlreich — der Verf. zählte 1360 bei einem Ind. —
meist mieroscopisch klein, oval, länglich oder kugelrund, meist glatt,
zuweilen durch lange Haare raulh, oder durch fadenförmige Fortsätze
anscheinend stachlig. Zuerst zeigen sich bei der Entwickelung die
Augen, welche zuweilen wie Tuberkeln nach aussen vortreten. Um
diese Zeit zerreisst auch die äusserste Eihaut, und bleibt mützen-
förmig an beiden gegenüberstehenden Seiten aufsitzen. Dann ändert
sich dieForm des Dotters, er wird seitlich zusammengedrückt, unten
erscheinen Querfalteu, die erste Andeutung der Gliederung des In-
sects. Bald ist die ganze Form des Embryo zu erkennen, zusammen -
gekrümmt, auf dem Rücken den Dotter, der sich vom Afterende bis
zum unförmlich grossen Kopfe hin erstreckt. Beine und Fühler er-
scheinen anfangs als blosse Säcke ohne Gliederung, und zwischen
den Hinterbeinen zeigt sich ein Organ, welches Latreille für das
Geschlechtsorgan angesprochen hat, aber 3— 4malso gross als beim
ausgebildeten Insect. Schon vor dem Verschwinden des Dotters zei-
gen die Gliedmaassen zuckende Bewegungen, welche um so häufiger
und stärker werden, je mehr der Dotter allmälig verzehrt wird.
Später breitet sich die Bewegung auch auf die innern Organe aus,
so dass in der letzten Epoche der Embryo in fast ununterbrochener
Bewegung ist. Die Zeit vom Legen bis zur Reife des Embryo dauert
etwa 12 Tage. Die Jungen sind von microscopischer Kleinheit, haben
einen verhältnissmässig grossen Kopf und kurzen Hinterleib. Bei
den nächsten Häutungen hält der Körper seine bleibende Form. Die
Häutungen sind zahlreich und finden etwa alle 12—15 Tage statt.
Die bekleidenden Schuppen und Haare werden jedesmal mit abgelegt.
Die Mundtheile der Poduren bestehen in einer grossen Lefze,
scharf gezähnten Mandibeln, am Grunde mit einer gerieften Kaufläche,
kleinen Maxillen ‘mit einer scharf 5—6zähnigen Lade, ohne Taster.
Die Unterlippe ist gross, hornig, an der Basis mit einem dreieckigen
Kinn, zu jeder Seite desselben ein aus zwei Reihen 10 kleiner drei-
eckiger, jedes in eine Borste auslaufender Blätter zusammengesetzter
Körper, von häutiger Consistenz, weisser Farbe und beständiger Be-
wegung, in welchem der Verf. das Analogon der Lippentaster zu
erkennen glaubt. — Abweichend ist die Mundbildung bei den Acho-
zuten: es finden sich weder Maxillen noch Mandibeln, sondern ein
kleiner zapfeuförmiger Rüssel, welcher unter der vorragenden Stirn
verborgen liegt.
311
Das Nervensystem liess sich bei den schmalen Formen nicht
‚beobachten, bei den kugligen (Sminthurus) fand der Verf. zwei Kopf-
ganglien (das sog. Gehirn und den unter dem Schlunde gelegenen
Knoten, ein einziges Thoraxganglion mitten im Thorax, und ein
einziges Hinterleibsgunglion, im Grunde des Hinterleibes gelegen.
Von diesem gehen drei starke Äste in den Hinterleib, einer in der
"Mitte, einer zu jeder Seite. Der Nahrungskanal ist gerade, ohne
312
Windung, besteht in einer hasrfeinen Speiseröhre, einem birn-
förmig erweiterten Schlund, sehr ausgedehntem, geräumigem Chylus-
magen, welcher den grössten Theil des Verdauungsapparates aus-
macht, einem sehr kurzen trichterförmigen Dünn- und einem eben-
falls ziemlich kurzen birnförmigen Dickdarm. Gallengefässe glaubt
der Verf. sechs ziemlich kurze mit freien Enden beobachtet zu haben.
— Die Stigmen fand der Verf, acht an der Zahl, an den Seiten der
vier ersten Hinterleibssegmente gelegen. Ein Haupt-Tracheenstamm
ist an jeder Seite des Körpers gelegen, nach der Krümmung der
Segmente Bogen bildend, auf dem 2—7 Körpersegment von Jlängli-
chen Luftsäcken begleitet, welche gewissermaassen Schleifen mit ihm
bilden. — Das Rückengefäss zeigt 9 Kammern, deren Seitenöffnungen
sich nicht unmittelbar erkennen liessen, deren Anwesenheit sich doch
durch Strömungen des Blutes dahin kund gab.
Den Blutumlauf betreffend, zeigte sich an jeder Seite des Kör-
pers ein Hauptstrom, vom Kopfe zur Hinterleibsspitze gerichtet, mit
dem zahlreiche Nebenströme in Verbindung standen. Pulsationen
machen sich auf die Weise bemerkbar, dass die Blutwelle in Ver-
hältniss von I zu 3 zurück und vorwärts geht. Diese Pulsationen
stimmen mit den Bewegungen des 9kammerigen Rückengefässes über-
ein. Die Zahl der regelmässigen Pulsationen schätzt der Verf. bei
erwachsenen Ind. auf 60—80 in der Minute, bei jungen Ind. ist sie
beträchtlicher, auch kann sie bei Anstrengung auf 160 steigen. Mit-
unter hört der Blutumlauf auf längere Zeit, selbst auf mehrere Stun-
den auf, vermuthlich bei gänzlicher Ruhe des Thieres.
Die Poduren theilen sich in solche mit linienförmigen, und solche
mit kugligem Körper. Eine 1. Unterabth. der ersteren bilden solche
ohne Springapparat (4 Fühlergl.), dahin 1) Achorutes Templ. mit
4 Ocellen jederseits, und einem Saugmund: A. tuberculatus, neue Art;
— und 2) Anurophorus, neue Gatt. mit 13 —20 Augen auf jeder
Seite, und mit Mandibeln und Maxillen: 4. fimetarius (P. fim. Lin.)
und A. laricis, neue Art unter Lärchenrinde, — Die 2, Unterabth. hat
den Springapparat: 3) Podura behaart, 4gl. Fühler, 8 Ocellen auf
jeder Seite, kurze, untergeschlagene Springgabel; das Prothorax-
segment den übrigen Segmenten gleich: P. aquatica Deg. und 5 neue
Arten. — 4) DesoriaAg., Körper langhaarig, das Prothoraxsegment
wie bei allen folgenden Gatt. sehr kurz, Fühler 4gl., Ocellen 7 auf
jeder Seite, Springgabel lang, gerade: D. glacialis (D. saltans Agas-
siz) auf dem Gletschereise lebend, und 11 andere Arten, unter denen
P. viatica L. und P. annulataF. — 5) Cyphoderus (nicht Cypho-
deirus): Körper beschuppt, Mesothorax nach vorn vorragend, oft über
den Kopf verlängert, das 4. Hinterleibssegment sehr lang, Fühler 4gl.,,
Augen jederseits 8, Spriuggabel lang: 8 Arten, darunter P. Ugnorum
F. und P. pusilla L. — 6) Tomocerus, Körper beschuppt und be-
haart, das 3. Hinterleibssegment sehr lang; Fühler sehr lang, 4gl,,
Ocellen 7 auf jeder Seite; Sprivggabel lang, dahin P. plumbea L. und
313
eine neue Art. — 7) Degeeria: beschuppt oder nur behaart, die
Haare aber immer keulförmig. Fühler ziemlich lang, 4gl., Ocellen
Sauf jeder Seite. Springgabel lang: P. nivalis L. und 10 neue Arten.
— 8) Orchestella Templ.: Fühler 6gl., gebrochen: P. villosa L.
und 5 neue A. — Die zweite Abth. mit kugligem Körper beschränkt
sich auf 9) Sminthurus Latr., mit Sm. signatus, viridis, fuscus,
und 3 neuen Arten.
Arachniden.
Araneae.
Die Kenntniss der Arten, sowohl exotischer als einheimi-
scher, wurde durch Koch’s ‚„Arachniden” (8. Bd. 3—6 Hft.
9.Bd. 1. 2. Hft.) in bekannter gründlicher Weise gefördert.
Englische Arachniden wurden von Blackwall (Transact. Lin.
Soc. XVII. S. 601), einige exotische von White (Ann. of nat,
hist. VIII. S. 471) beschrieben.
Blackwall (a. a. O.) hat seine Ansicht, dass die Haupt-
abtheilungen der Spinnen durch die Zahl der Augen zu be-
stimmen, weiter entwickelt. Es entstehen so die Abtheilungen
Octonoculina, Senoculina, Binoculina. Letztere ent-
hält-nur die Gatt. Nops, welche, die Augen abgerechnet, mit
Dysdera in einer so nahen Verwandtschaft steht, dass beide
nur künstlich in verschiedene Abtheilungen gebracht werden
können. Die sechsäugigen Spinnen, welche bereits Koch als eine
eigene Familie, Zellenspinnen, zusammenfasste, haben nach
Duges’ Untersuchungen Tracheen neben den Lungensäcken,
und sie schienen sich dadurch von den übrigen Spinnen zu
entfernen, bis kürzlich Grube (Müll. Arch. f. Anat. 1842 S.296)
dieselbe Bildung auch bei der Säugigen Argyroneta aquatica
wahrnahm.
Kpeirides, Blackwall (a. a. 0. S.668) beschrieb als neue
Art Epeira celata, White (a. a. 0. 8.474) Epeira (Singa)
eucogramma vonRio Janeiro, und Teiragnatha bicolor von
andiemensland.
‚ Theridides. Koch hat im 4.—6. Hefte des 8. Bandes der
Be: eine grosse Anzahl meist deutscher Arten dieser Familie
et: Bolyphantes 3lineatus (Ar.3lin. Lin.) Z' und die neuen
Arten, D. alpestris, auf den süddeutschen Alpen in der Alpenregion.
B: stramineus bei Regensburg. — Theridium Sisyphus Sund.Z,
Junatum Sund. (Th. Sisyph. Walk.) Q, Th. tepidariorum, neue
in den Glasbäusern des Botan. Gartens zu Erlangen vorkommend,
>14
Th. simileK. S', Th. tenellum, neue A. aus Griechenland, T%. gut-
tatum Wider SQ, Th. triste Hahn Sf 9, Th. coraeinum, neue
A. bei Regensburg, Th. braccatum neue Art, bei Karlsbad häufig:
— Erigone dentipalpis (Therid. dentip. Wid.— ist schon früher als
E. atra von Blackwall beschrieben) ' Q, und zwei neue A, E, l!on-
gimana g Q, serotina 9‘ 9, bei Regensburg, im Herbste mit
ausgebildeten Genitalien, und den ganzen Winter durch zu’ finden,
Die Gattung Erigone Sav, stimmt in der Augenstellung ziemlich mit
Livyphia überein, und characterisirt sich vorzüglich durch das sehr
verlängerte 2. und ebenfalls lange, verkehrt kegelförmige 3. Gl, der
männ]. Taster und die kleinhöckerigen Genitalien. — Micryphan-
tes ovatusK. (Ther. sulcifrons Wid.) g Q, M. erythrocephalus,
neue A in verschiedenen Gegenden Deutschlands, in Nadelwäldern
unter Steinen und feuchtem Moose vorkommend; M. aequalis, neue
Art aus Baieru, M.inuegualis, neue Art von Regensburg, M. cae-
spitumK.(4. rufipes L., Th. bicorne Wid.) g' 9, M. tibialis K.(Ther.
anticum Wid.) $ , M. isabellinus, neue Art von Kissingen. —
Meta fusca (A. fusca Deg.), M. Merianae (Aran. Mer. Scop ),; M.
cellulana (Aran. cell, Clerck), und eine neue Art, M. muraria von
Regensburg.
‚ Eine ebenfalls beträchtliche Anzahl britischer Arten beschrieb
Black wall (a. a. O.), ohne sie jedoch durch Abbildungen zu erläu-
tern: Theridium fuscum, albens, callens, — Walkenaera
(einerlei mit Mieryphantes Koch, und mehrere Jahre früher aufge-
gestellt)punctata,turgida,atra,hiemalis,bifrons,parva,
humilis, apicata, pumila, picina, nemoralis — Neriene
munda,errans, sylvatica,viaria, pulla, gracilis,parva,
rubella, abnormis, variegata, dubia, gibbosa, tuberosa
— Linyphia cauta, vivax, sylvatica, rubea, insignis,
furva, Claytoniae, obscura, gracilis — Manduculus Ü-
matus.
White (a.a.0.)beschrieb Linyphia argyro5bapta und leu-
costernon von Bio, Janeiro,
Drassides. Koch (a. a. O. 8.Bd. 6. Hft) bildete ab'Latro-
dectus mactans Walk. (Aran. mact. F.), L. dotatus (Aran. dot. F.
L. zorille Walk.) aus Pensylvanien, und L. geometricus Muss
Berol. aus Columbien, Y
Blackwall beschrieb als neue Arten Clubiona brevipes und
fucata, und errichtete eine eigene Fam. Cinifloidae: mit 8Spinn-
warzen, die beiden untersten ungegliedert und bis an die Spitzen
verwachsen, der Metatarsıs der hinteren Beine mit einem Kamm
aus zwei parallelen Reihen kleiner diclhtstehender Dornen, Das letzte
Merkmal scheint dem Verf. von grosser Wichtigkeit, da es mit der
Öconomie, und zwar in der Anfertigung der Gewebe in naher Be-
ziehung stehe. Dahin die Gattungen Ciniflo, aus Club. atrox Lair,,
2)
315
gebildet (Amaurobius atrox Koch) und Ergatis Walk. (Dictyna
Sundev. Koch.)
White (a. a. O. 8. 477) beschrieb eine neue Art von Pholcus,
Ph. geniculatus, von Rio Janeiro.
Agelenides. Koch (a. a.0. 8.Bd, 3. Hft.) bildete ab: Tex-
triz Iycosina (Agelen. Iyc. Sund.), T. montana K. und drei neue
Arten, T. torpida aus den bergigen Theilen Süddeutschlands, T.
ferruginea und T. vestita aus Nauplia. — Philoica notata
(Aran. not.L., Club. domest. Wid.) und Ph. advena, neue Art von
Laibach, — Agelena orientalis von Nauplia und A. gracilis
von Regensburg, beide neue Arten, — Argyroneta aquatica gd‘ —
endlich eine neue Gatt. Hahnia, in ihren Characteren mit Agelena
verwandt, die vordere Augenreihe aber gerader, die Augen der hin-
teren Reihe mehr auseinander stehend, die Spinnwarzen verhältniss-
mässig etwas länger, weiter auseinander stehend und von anderem
Längenverhältniss der einzelnen Glieder; die männlichen Genitalien
einfach knotig, nicht gedreht. Die Lebensweise dieser kleinen Spin-
nen noch unbekannt: zwei neue Arten A. pusilla und pratensis.
Blackwall (a. a. 0. S. 614) beschrieb als neue Arten Agelena
elegans, prompta, montana, nava, celans und fügte dieser
Fam. eine neue Gattung Coelotes (früher Cavator genannt) hinzu,
welche auf dem Drass. sawat. des Verf, Amaurobius terrestris Koch
gegründet ist.
Lyeosides. Von Lycosa wurden von Blackwall (a. a.U.
8.609) als neue Arten beschrieben: L. rapax, obscura, latitans,
Cambrica.
Attides. Blackwall (a. a. O. S.616) beschrieb als neue
englische Art Salticus distinctus. — White (a. a. O. S.476)
bildete aus einer neuen Art von Sierra Leona, $. pustulatus, eine
eigene Untergatt. Homalattus, welche sich durch flachen queren
Vorderleib vorzüglich auszuzeichnen scheint. — Westwood (Guer.
Mag. d. 001. 1841. Arachn. pl. 1) gab die Beschreihung und Abbildung
einer ausgezeichneten neuen Art, Salticus manducator aus Nord-
indien, welche der weit vortretenden Mandibeln und der Augenstel-
‚Jans nach sich der Gatt. Pyrophorus Hahn eivreihen würde.
Koch (a. a. ©. 9. Bd. 1. Hft.) bildete Myrmecia, vertebrata
"Walk,, M. nigra Perty, und eine neue Art, M. zanthopus, ab,
sämmtlich aus Brasilien, und errichtete eine neue Gatt. Corinna,
mit Myrmecia nahe verwandt, aber der hintere Theil des Cephalo-
thorax weder vereugt, noch knotig, auch der Hinterleib ohne ver-
längerten Stiel; auf seinem Grunde aber, wie bei Myrmecia, ein
glänzender, horvuiger Schildlleck. Die Taster sind im Wesentlichen
nämlichen. Die Augenstellung ist im Ganzen wie bei Melano-
ora, die vier Mittelaugen stehen bei den beiden ersten der sechs
aus der hiesigen Sammlung abgebildeten Arten, M. rubripes aus
Brasilien, und M. nigricans aus Mexico, in Quadrat, bei den übri-
gen M. memnonia aus Columbien, M. amoena aus Carolina, M.
cingulata und tricolor aus Pensylvanien, im Trapez. Diese bei-
den Gatt. Myrmecia und Corinna sind den Hüpfspinnen wesentlich
fremd, und werden vom Verf. künftig als eine eigene Familie Myr-
mecides abgesondert werden. |
Mygalides. Diese Familie hat Koch (a. a. O. 9. Bd. 2. und
3. Hft,) mit einer grossen Reihe neuer Arten bereichert nämlich My-
gale Klugi, fusca, brunnipes, seladonia, geniculata,
fimbriata, rufidens, scoparia, leporina aus Brasilien,
Erichsonii vonSt. Domingo, macrura von der westindischen In-
sel St. Jean, coracina vom Vorgebirge der G. Hoffnung, olivacea
aus Ägypten, annulipes aus Vandiemensland, Reichii und testa-
cea unbekannten Vaterlandes. Ausserdem wurden M. fasciauta Walk.
aus Ostindien, Walkenaeri und ochracea Perty aus Brasilien abgebildet.
316
Solifugae.
Scorpionides. Koch (a.a. 0.) hat die Abbildungen von fol-
genden meist neuen Scorpionen geliefert: Scorpius Bannaticus
aus dem Banat, Nieaeensis von Nizza — Buthus setosus, im-
perialis ünbekannten Vaterlandes, Bengalensis aus Bengalen,
Caesar aus Ostindien, Ceylonicus (Scorp. Ceylon. Hbt.) — Opisto-
phthalmus latimanus vom Vorgeb. der guten Hoffnung, Bro-
theas angustus aus Südrussland, Androctonus bicolor Ehrenb.
(australis Say.) aus Syrien und 4. 5striatus Ehrenb. aus Ägypten.
Acari.
Über ‚einige Milben theilte Gervais (Ann. d. sc. nat. XV. S.5
T.2) seine Beobachtungen mit:
Bdellides. Diese Familie ist von v. Heyden nach der Zahl
der Augen in die drei Gattungen Cunaxa (Scirus Dug. — 2 Augen)
Cytta (3 Augen) und Bdella 4 Augen) eingetheilt worden, der Verf.
ist aber der Ansicht, dass die Anzahl der Augen hier nur Artchara-
cter ist, er vereinigt also jene drei Gatt. wieder unter Scirus und
fügt noch zwei neue Arten hinzu, Sc. obisium, ohne Augen, und
Sc. Tongicornis, mit sechs Augen.
Gamasides. Dermanyssus Pipistrellae entdeckte der
Verf. auf der Flügelhaut des Vespertil. pipistrellus, wo er nach Art
der Pteroptes sich verbreitet.
Acarides. Eine neue Art von G/ycophag us, welche sich
in den Federn eines in der Menagerie abgestandenen Uhu fand, ist
unter der Benennung @/. cursor abgebildet. Auch an Sceleten }
beobachtete der Verf. sehr ähnliche Milben, welche vielleicht nicht
einmal als Art verschieden sind, f
317
Die Krätz- und Räudemilben sonderte der Verf. in zwei'Gatttun-
gen: Psoroptes, mit Saugnäpfen und Borstenträgern an den hinteren
Beinen, und mit den Arten Ps. equi, cynotis, ovis, cati, — und Sar-
coptes mit rudimentären hinteren Beinen, mit S. hominis, rupicaprae,
denen der Verf. eine dritte Art, S. dromedarii, aus dem Räude-
grind des Dromedar, hinzufügt.
Crustaceem
Decapoda.
Von der Fauna Japonica, auctore Ph. Fr. de Siebold,
Crustacea, elaborante W. DelHaan, Lugd. Bat., fol., ist bereits
die 5. Decas erschienen. In den ersten Jahresberichten hat
Wiegmann nur im Allgemeinen auf dies, namentlich für die
systematische Kenntniss der Crustaceen höchst wichtige Werk
aufmerksam gemacht, der späteren Lieferungen *) ist nicht mehr
gedacht worden, auch Milne Edwards hat diese Arbeit in seiner
Hist. nat. d, Crust. leider unberücksichtigt gelassen, daher die
Resultate der sehr umfangreichen und gründlichen Untersu-
chungen des Verf. noch wenig zur allgemeinen Kenntniss ge-
kommen sind. Der Raum gestattet hier nicht, den Inhalt der
früheren Decaden näher zu erörtern, so wünschenswerth es
auch sein mögte, die Eintheilung des Verf. und die von Milne
Edwards auf einander zurückzuführen. Ich gehe also unmit-
telbar auf den Inhalt der vorliegenden 5. Decas ein.
Brachyura.
Die Errichtung einer eigenen Abtheilung, Anomoura, wie sie M.
Edwards in Ausführung gebracht, verwirft der Verf., und erkennt nur
die Abtheilungen Brachyura und Macroura an. Die Brachyura theilt
er in zwei Hanptabtheilungen, Brachygnatha undOxwystomata,
drei Familien der ersteren, Cancroidea, Maiacea und Dromiaceau sind
in den früheren Lieferungen abgehandelt, hier wird noch eine vierte
Familie Trichidea aufgestellt, welche nur eine einzige Gatt. Tri-
chia enthält, die sich nicht füglich mit einer andern verbinden lässt,
Der Habitus ist etwa der einer Dromia, und mit den Dromiaceen sind
die Übereinstimmungen auch am bedeutendsten, aber die Hinterbeine
sind nicht auf den Rücken gerückt, und sie haben ausserdem noch
neun Kiemen und die Lage der weiblichen Geschlechtsöffnungen im
sog. Steroum, der männlichen in den Hinterhüften mit den Cancroideen
und Maiaceen gemein. Trichia dromiaeformis zeichnet sich durch
= *) Die Iste erschien 1833, die 2te 1835, die 3te 1837, die die 1839,
318
einen langen und dichten Haarpelz aus, welcher den ganzen Körper
und die Beine einhüllt.
Die zweite Hauptabtheilung, die dar Brachyura Oxystomata
wird als eine eigene Abtheilung begründet, und in fünf Familien Do-
rippidea, Calappidea, Matutoidea, Leucosidea, Raninoidea getheilt.
Bei den drei ersten sind die Regiones pterygostomiae an der Basis
vom sog. Sternum abgesetzt, bei den beiden letzten sind sie mit
demselben verschmolzen; auch ist bei diesen die Mundöffnung vom
5. Kieferpaar vollständig verschlossen, DieDorippideen haben das
4. und 5. Fusspaar auf dem Rücken eingelenkt. In der japanischen
See kommen drei Arten, Dorippe quadridens F., und zwei neue, D.
Japonica und D. granulata (sima Edw. auf der Tafel) vor.
Die Calappideen waren schon früher (3. und 4. Dec.) abge-
handelt worden. Die daselbst aufgestellte Gatt. Cycloes ist später
von Pralf als Cryptostoma (s. Jahresb. f. 1840, d. Arch. 7. Jahrg,
2.Bd. S. 251) von neuem bekannt gemacht, und auch die Art, von
den kakliifleeh Inseln, Cr. cristata Br., scheint von der japanischen,
€. granulosa De H., nicht zu unterscheiden zu sein.
Die Familie der Matutoideen ist vom Verf. neu errichtet.
Sie stimmt sonst mit der vorigen überein, mit der sie bisher verbun-
den wurde, hat aber die vom 5, Kieferpaar geschlossene Mundöffnung
und das Fehlen des Flagellum an denselben Kiefern mit der folgen-
den Familie gemein. Hierher die beiden Gatt. Hepatus und Matuta.
In der letzten Gatt. unterscheidet der Verf. nur eine Art, M. wietor
F., aber mit mehreren constanten Abänderungen,
DieLeucosideen bilden eine sehr genau umschriebene Familie,
welche der Verf. mit 7 Arten, Philyra pisum, platycheir, Leu-
cosia longifrons, obtusifrons, unidentata, rhomboida-
lis, Arcania 11spinosa bereichert. Auch ist Myra fugax F. ab-
gebildet.
Die Raninoideen schliessen sich in der Bildung des Mundes
der vorigen Familie an, haben aber bekanntlich das 5. Fusspar auf dem
Rücken eingelenkt. Von Ranina sondert sich Notopus dadurch ab,
dass die inneren Fühler nur bis zum (ungelappten) 2. Gliede der
ziemlich langen äusseren Fühler reichen, dass der Panzer zwar vorn
eben so breit aber nicht gelappt, sondern mehr einfach gezähnt ist
u.s. w., Lyreidus dadurch, dass der Panzer nach vorn hin verschmä-
lert wird, und dass das 5. Beinpaar fadenförmig und beträchtlich schwä-
cher ist als die übrigen. An den japanischen Küsten kommen vor
dentata Ranina Latr. (Albunea scabra F.), Notopus dorsipes De H.'
(Albun. dorsipes F.) und Lyreidus tridentatus De H. n
8
Macroura. ‚a
Die systematischen Verhältnisse dieser Abtheilung sind von ve
Haan (a. a. O0.) mit grosser Umsicht erörtert. Es ist wieder die
Bildung des Mundes zur Bestimmuug der Unterabtheilungen benutzt
319
worden. Bei den Einen (Astacina) sind die Regiones plerygostomiae
mit-dem Epistoma ‚verschmolzen, bei den andern (Carides) sind sie
getrennt; in einem dritten Fall sind sie sowohl vom Epistoma. als
vom Panzenrücken durch. eine Naht gesondert: diese entsprechen den
Anomala Latr., nur dass die Palinuren mit den Astacinen verbunden,
dagegen die Galatheen wieder an sie abgegeben werden, .
Astacina. Die'Astacinen enthalten die Fam. der Eryonidea
(die fossile Gatt. Eryon), die Scylluroidea, Palinuroidea, Astäcoidea
und Megalopidea.
'DieSceyllaroideen haben eine Bereicherung von 3 neuen Arten,
Se. Sieboldi De H., Haanii v. Sieb., ciliatus v. Sieb. erhalten,
eine vierte bei Japan vorkommende Art ist Se. antaretieus F. Der
Verf. erkennt nur eine Gatt. Scyllarus, an, welche er aber in 5 Un-
tergattungen zerlegt. 1]. (Scyllarus $$ Edw.) die Augen mehr nach
innen gerückt, die Mandibulartaster 3gl. u. s. w. — Il. (Ibacus ant-
areticus, Parrae), die Augen in der Mitte zwischen dem Aussenwinkel
und den äusseren Fühlern; Mandibulartaster 2gl.u. s.w. — III (Iha-
eus Peroni'‘ Leach, eiliatus v. Sieb.), die Augen den Fühlern mehr
genähert, die Mandibulartaster 1gl. u. 8, w.— Bei diesen drei-Unter-
gatt. sind 21 Kiemen, und die Taster der 4. und 5. Kiefer haben ein
langes Flagellum. — IV. (Thenus Leach.) 21 Kiemen, die Taster der
3. 4. 5, Kiefer ohne Flagellum. — V. (Seyllarus $ Edw.) 19: Kiemen,
die Taster der 3. 4. und 5. Kiefer ohne Flagellum. Hierhin gehören
Se. Sieboldi und Haamnüi.
Die Palinurideen enthalten die einzige Gattung Palinurus, mit
welcher der Verf. auch die fossile Gatt. Palinurina Münst. vereinigt.
In der japanischen See kommen vor P. trigonus v. Sieb, aus der
Gruppe der'P. commun, Edw. und P, Japonicus v. Sieb., Burger:
de H., fasciatus F. aus der Gruppe der longicorn. Edw.
Mit den Astacoideen verbindet der Verf. die Thalassinien Edw.,
indem das Vorhandensein einer beweglichen Schuppe über den äussern
Fühlero, nach welchen M. Edwards die Astacier absondert, keine
‚scharfe Unterscheidung zulässt, denn bei Homarus ist diese, Schuppe
sehr schmal und dornförmig, bei Axia, wo sie fehlen sollte, ist eine
kurze vorlıanden und hinsichts des Vorkommens von Kiemen über
dem fünften Kusspaar vermilteln die Flusskrebse den Übergang zwi-
schen beiden, indem Ast, Nuviatilis in dem Vorhandensein einer ein-
zelnen Kieme über den 5. Beinen mit den Hummern, A. Bartonii und
aflinis in dem Fehlen derselben mit den Thalassinien Edw. überein-
kommen, Hier ist.als eine neue Art noch Astacus Japonicus
beschrieben, der zwar grosse Übereinstimmung mit A. Dauricas Pall.
hat,aber hinreichend von ihm. unterschieden ist, — Die genauere Be-
schreibung einer neuen mit Thalassina zunächst verwandten Gatt.
Laomedia ist in der nächsten Lief. dieses Werkes zu erwarten.
Audouin undMilnekdwards (Archives du Mus. d’hist, nat, Il,
8.35 T.3) haben eine Beschreibung und Abbildung des Astachs
320
Madagascariensis gegeben, der in Grösse und der Breite des
Vorderkörpers sich südrussischen Arten annähert, in der geringern
Ausbildung der Fühlerschuppe an den Hummer erinnert. Es war schon
früher von dem Verf. eine Diagnose von ihm gegeben worden (vgl.
Jahresb. f. 1839 d. Arch. 6. Jahrg. 2. Bd. S. 331), esist aber unerwähnt
geblieben, dass auch Hr. Guerin in demselben Jahre denselben Krebs
als Astacoides Goudotii publicirt hatte (S. dens. Jahresb, 8. 332).
Über die geographische Verbreitung der Arten der Gatt. Astacus
werden sowohl von diesen Verf. als von De Haan Betrachtungen
angestellt, doch, ist das benutzte Material noch sehr dürftig, indem
weder die verschiedenen wohl. unterschiedenen mittel- und ost-
europäischen Arten gehörig gewürdigt,noch Arten aus Mittel-America
ihnen überhaupt bekannt geworden sind, Auch’ Neuholland ist rei-
cher an Arten.
Carides. Duvernoy (Ann. d. sc. nat. XV. S. 101 T. 4. 5)
hat eine neue Gatt. Aristeus aufgestellt, welche namentlich in der
Form der Kiemen abweicht, die nicht, wie bei den übrigen bisher
untersuchten Cariden, blättrig und gefiedert, sondern verzweigt
sind. Jede Kieme besteht aus einem Hauptstamm, von denen nach
jeder Seite Äste abgehen, welche bis auf die nahe an beiden Enden
gelegenen bogenförmig gekrümmt sind, mit ihren Enden sich an ein-
ander legen, und so eine Röhre bilden. Auf der äusseren Seite sind
alle Äste mit kleinen Büscheln fein zertheilter Ästchen besetzt. Im
übrigen würde die neue Gatt. sich an Peneus reihen, wovon sie sich
auch durch die innern Fühler, von denen die eine Geissel sehr lang,
die andere sehr kurz ist, unterscheidet. Auch haben die Beinean ihrer
Basis keinen tasterförmigen Anhang. Gegründet ist die Gattung auf
dem bisher räthselhaften Peneus antennatus Risso, welcher im Mit-
telmeer ing rossen Tiefen vorkommt,
Isopoda.
Duvernoy und Lereboullet (Ann. d. science. nat. XV.
S.177 T.6) haben eine Arbeit über die Respirationsorgane
der Isopoden mitgetheilt, welche eine beträchtliche Erweiterung
ihrer früheren Untersuchungen (Vergl. Jahresb. für 1839 des
Arch. 6 Jahrg. 2. Bd. S. 334) enthält.
Allgemein sind die Respirationsorgane der Isopoden Kiemen, wel-
che vollständig entwickelt sich in 5 Paaren symmetrisch auf ‘der
Unterseite der 5 ersten Segmente der zweiten Hinterleibsportion an-
geheftet finden, und von denen jede aus einem Stiel und zwei Blät-
tern, einem meist consistenteren deckenden, und einem zarteren ge-
deckten besteht, in welchem letzten die Respiration vor sich geht,
und welches auch zu einer Blase aufschwellen kann. Dazu kommen -
noch äussere Klappen (welche in den mehrsten Fällen als die um-
gestalteten Beine der entsprechenden Segmente zu beurtheilen sind.
321
SuBei den Idoteiden sind die Respiratfionsorgane von einem Paar
Klappen "bedeckt, welehe wie Flügelthüren an einander schliessen,
und welche jede aus zwei Stücken zusammengesetzt sind, von denen
das erste grössere nit den Seiten des Hinterleibes in Gelenkverbin-
dung steht, das zweite kleinere den freien Rand bildet. In der Fıige
zwischen diesem zweiten Stück der Klappe und dem Rinterleibe findet
sich ein kleines gefiedertes Stielchen, vermulhlich dazu bestimmt,
das Eindringen fremder Körper in die Respirationsorgane zu verhin-
‘dern! Diese bestehen aus 5 Paar Kiemen, jede aus einem vierecki-
gen Stiel und zwei Platten von gleicher Consistenz zusammengesetzt.
(Untersucht sind Idotea tricuspidata, linearis, hectica.)
u
Der Kiemenapparat der Aselloten zeigt eine sehr bemerkens-
werthe Modification der typischen Bildung. Es sind nämlich nicht
umgestaltete Füsse, welche die äusseren Klappen bilden, sondern
‚die Deckblätter des dritten Kiemenpaares, welche sich so weit aus-
dehnen, dass sie die ganze hinterliegende Parthie des Hinterleibes
zudecken. Ihrem Grunde ansitzend findet sich unter ihnen das ge-
deckte Blatt in Form eines Bläschens, und dahinter noch zwei Kie-
menpaare, das innere, und häufig auch das deckende Blatt in Gestalt
eines Bläschens, Die beiden ersten Kiemenpaare sind zu Anhängen
der Geschlechtsorgane umgestaltet, und finden sich bei den Männchen
beide Paare, beim Weibchen ist ein Paar ganz verschwubden. (Die
Baeechungen sind an Asellus vulgaris gemacht.)
"Die Respirationsorgane der Onisciden sind in dieser Abtheilung
jeshalb besonders beachtenswerth, weil hier Kiemen zur Luftath-
) mung verwendet werden. Alle haben an den beiden ersten Kiemen-
‘Paaren nur das Deckblatt, das innere Blatt fehlt, dies ist bei den
Männchen zu einem griffelförmigen Copulationsorgan umgestaltet.
ie drei hinteren Paare haben Kiemenblasen unter den Deckblättern.
Porcellio und Armadillo finden sich auf den Deckblättern der beiden
ersten, zuweilen auf allen Paaren zwei weisse oder gelbe baumartig
'weigte Körper, von schwanmigem oder gefässartigem Ansehen.
I Bei Philoscian und Oniscus sind sie nicht vorhanden. Ihre Bedeutung
ist bisher räthselhaft geblieben; mit den Geschlechtsorganen stehen
sie in keiner Beziehung, denn sie verhalten sich bei beiden Geschlech-
| gleich. -Die Verf. vermuthen, dass sie den Zweck haben, Was-
era der feuchten Luft, in welcher die Thiere leben, zu absorbiren,
damit die Kiemen zu benetzen. Früher schon hatten sie am
Rande der Deckblätter, an welchen sich diese sog. weissen Körper
befinden, eine Spalte wahrgenommen, welche sich abwechselnd öffnet
schliesst, und ans welcher eine wässrige Feuchtigkeit zum Vor-
n kommt, jetzt haben sie auch Puncte im Grunde jener Spalte
efunden, welche sie für die Öffnungen der Ausführungsgänge jener
issen Körper hilten. Diese erschienen ihnen als nach innen gerich-
tete Falten der inneren häntigen Platte des Deckblatts. Gefässe Tiessen
sich in den Deckblättern nicht wahrnehmen, söndern dns Blut er&oss
Archiv 1, Naturgeschichte, VII. Jahrg, Bd. 2 X
322
sich augenscheinlich unmittelbar in die Höhlung zwischen der zarte-
reren häutigen innern und der consistenteren äussern Platte des Deck-
blatts. Die Beweglichkeit der Deckblätter ist sehr beschränkt, so
dass sie dem um die Kiemen angesammelten Wasser nicht zu ent-
weichen gestatten, und die Respirationsorgane immer angefeuchtet
bleiben. Eine Wasserathmung ist es nicht, denn die Versuche der
Verf. lehren, dass die Land-Onisciden im Wasser selbst nicht respi-
riren können. Ebenso sterben sie schnell in trockner Luft. Auch
die Entfernung der sog. weissen Körper hatte den Tod in höchstens
18— 20 Stunden zur Folge. ö
Dıe Sphaeromiden haben zwar die gewöhnliche Zahl der
Respirationsorgane von 5 Paaren, allein nur au den beiden letzten
Paaren gestaltet sich das gedeckte Blatt zur Kiemenblase, die übrigen
sind nur Deckblätter.
Bei den Cymothoaden finden sich sehr allgemein die 5 Paare
der Respirationsorgane, jedes derselben aus einer Kiemenblase und
einem Deckblatt bestehend. Bei den Parasiten sind die ersten Deck-
blätter so gross, dass sie alle anderen bedecken, was bei den C. er-
rantes nicht der Fall ist.
Die Epicariden (Isop. sedentarii) haben freie Kiemenblätter
ohne Deckblätter, die zum Schutze der Kiemen auch überflüssig. sind,
da die Thiere unter den Schalen der Krebse, an denen sie wohnen,
vor allen äusseren Einflüssen gesichert sind.
Cymothoadae. Audouin und Milne Edwards (Archives
du Mus. d’hist. nat. I. S.7 T. 1, 2) haben eine ausführliche Mono-
graphie der Gatt. Serolis gegeben. Die Arten sind dieselben, welche
in der Hist. nat. d. Crust. aufgeführt sind, aber genauer beschrieben,
und alle abgebildet.
Epicarides. Duvernoy (Ann. d. sc. nat. XV. S. 110) hat
diese Familie mit einer neuen Gattung Cepon bereichert, welche
zwischen den beiden bisher bekannten, Bopyrus und Jone, in der
Mitte steht. Sie hat 14 Paar Klammerfüsse an den Thoraxringen
(xichtiger an den Segmenten des J'horax und der vorderen Hinter-
leibsportion); 6 Hinterleibssegmente (richtiger Segmente der binteren |
Hinterleibsportion) mit Kiemenlappen; vier Fühler, von denen die
inneren rudimentär sind; keine Augen, wenigstens beiden Weibchen;
Brutplatten bei den Weibchen auf der Brust; viel kleinere Männchen.
Alle Segmente, namentlich die des Vorderkörpers sind deutlich ab-
gesetzt, bei den Weibchen so gut wie bei den Männchen. Die äussern
Fühler sind beim Weibchen 4gl., die innern nur 2gl. Die Mundtheile®
bestehen aus einer Lefze, kleinen Mandibeln, einer Unterlippe, Maxil-
len und einem Paar Kieferfüsse, welches den ganzen Mund bedeckt.
eine halbkugelförmige, mit Papillen besetzte Pelotte, und auch die’
Füsse enden nicht mit einer Klaue, sondern mit einer Art von Haft-
lappen. Die Kiemen bestehen in sechs Paaren blattartiger Anhänge,
323
welche frei an den Seiten; derrSegmente der hinteren Hinterleibspor-
tion stehen. Das Individuum, welches der Verf. als Mäunchen be-
trachtet, ist nur halb so gross, die Kiemen sind stärker entwickelt,
die innern Kieferfüsse haben eine etwas andere Form, die innern Fühler
sind länger, und es finden sich Spuren von Augen. Es könnte dies aber
möglicher Weise auch ein weniger entwickeltes weibliches Ind. sein.
Mit Jone stimmt diese Gattung in der Zahl und Stellung der Hinter-
leibsanhänge, mit Bopyrus in der blattartigen Form derselben, indess
ist durch eine Einkerbung des Randes hier schon die baumförmige
Gestalt angedeutet, welche diese Organe bei Jone haben, — Die Art,
€. typus, erhielt der Verf. mit andern Crustaceen von der InselMau-
ritius, ihr Vorkommen und Wohntbier sind nicht näher bestimmt.
MHyriapoda.
Über die Genitalien der Myriapoden ist eine Dissertation
„De Myriapodum partibus genitalibus, nova generationis theoria
atque introductione systematica adiectis”.von Fr. Stein er-
schienen. Da der wesentliche Inhalt der Abhandlung in J. Mül-
ler’s Archiv für Anat., Physiol. und wiss. Medic. (Jahrg. 1842
S.238T. 12—14) aufgenommen ist, kann ich hier darauf verweisen.
Theil der Abhandlung über die systematische Stellung der
Myriapoden hat der Verf. zurückgenommen, und ich will da-
her auch nicht auf ihn eingehen, umso, weniger als ‚er keine
neuen Thatsachen enthält. Das Verdienstliche der Arbeit beruht
in sehr fleissigen Untersuchungen über die Geschlechtsorgane
der Chilopoden uud Chilognathen; die Beurtheilung der Zeu-
gungstheorie des Verf. gehört nicht in das Gebiet dieses Be-
richtes, dieselbe ist auch wenig geeignet beachtet zu werden,
da die Untersuchungen des Verf. über die Samenflüssigkeit, auf
deren Resultate jene Theorie sich stützt, noch vieler Berich-
tigungen bedürfen.
Über die Reproductionsorgane und die Entwickelung. der
Myriapoden hat Newport der Londoner Royal Society eine
Abhandlung vorgelegt, aus welcher die Hauptresultate in den
Ann. of nat. hist. (VII. S. 389) vorläufig mitgetheilt sind. Von
vorzüglichem Interesse sind die Beobachtungen über die Ent-
wickelung von Julus. Die Eischale platzt schon ehe das Junge
entwickelt ist, der Embryo erscheint also fusslos, noch vom
Amnion umgeben, und mit dem Nabelstrang, der sich auf dem
Rücken des vorletzten Segments einsenkt, — Bei dem späte-
x#
324
ren Wachsthum des Thieres vermehrt sich bekanntlich die Zahl
der Körperringe. Diese Vermehrung findet vor dem vorletzten
Segment statt, wo sich eine Keimhaut befindet, in welcher die
neuen Ringe gebildet werden,
Beobachtungen betreffend die Zunahme der Fusspaare mit
dem: Alter bei Zithobius forficatus wurden von Westwood
der Londoner Ent. Gesellschaft vorgelegt (Ann. of nat. hist.
vn. S. 150).
Entomosiraceen.
Ein grösserer Artikel über die Entomostraca von Bur-
meister ist in der Eneyelopädie von Ersch und Gruber er-
schienen.
Poeeilopoda,
Über einige Puncte der Organisation von , Limulrs,
namentlich den Bau der Kiemen, hat Duvernoy (Ann..d. sc
nat. XV. 5.10 T. 3) seine Untersuchungen mitgetheilt.
Die Abhandlung war vor dem Erscheinen der schönen Monogra-
phie von Van der Hoeven geschrieben, daher sie jetzt kaum noch
etwas neues enthält. Ihre Hauptaufgabe ist zu zeigen, dass die Kiemen
nicht büschlig sind, sondern aus häutigen Blättern bestehen, ‘deren
Zahl der Verf, auf 150 für jedes der plattenartigen Hinterbeine schätzt,
Van der Hoeven (Tijdschr. voor naturl. Gesch. en Phys. VI;
S. 273) hat über die Syneuymie der Limulus-Arten mehrere Be-
richtigungen gegeben, hauptächlich in Bezug auf Arten von Leach,
von welchen der Verf. die Original-Exemplare untersucht hatte. Die
Synopnymie ist folgende: i
1) L. moluccanus Latr., Polyphemus gigas Lam. Lim. hetero-
dactylus Latr. (d, gen. Tachypleus Leach.)
2) L. longispina v..d. Hoev,, L. tridentatus Leach. (jüngere
Individuen).
3) L. rotundicauda Latr., vermuthlich L. Laireillei Leach.
4) L. Polyphemus Latr. Monoc. Polyph. Lin. (excl. Syn.), L
americanus Leach, L. Sowerbi Leach, L. Mac Leayi Leach (junges
Ind.), L, australis Say, Leach.
Phyliopoda.
Über die Anatomie und Entwickelung. des Apus_ cancriz
formis ist eine musterhafte Abhandlung von, Zaddach (De
Apodis cancriformis anatome et historia evolutionis, tab, 4 li
thogr. Bonn. 14841) erschienen, welche den Gegenstand sehr
nn >
325
umfassend und gründlich behandelt, und einen Reichthum von
Details enthält, von den ich hier nur einzelne hervorheben kann.
Die Muskeln sind sehr weich, so dass sie nur im Weingeist er-
härtet sich untersuchen lassen; sie haben das Eigenthümliche, dass
nicht nur die einzelnen Fasern schr eng an einander hängen, sondern
auch die ganzen Muskeln sowohl enger mit einander verbunden sind,
indem einzelne Fasern von einem Muskel iin den andern übergehen, als
auch noch besondere Muskelbündel immer je zwei Muskeln mit ein-
ander verbinden. Ein äusserst kräftiger, in der Mitte schniger Mus-
kel geht von einer Mandibel zum andern, und dient verschiedenen
andern Muskeln zur Anlage, namentlich den Muskeln der Maxillen,
des Ösophagus, auch gehen von ihm ein Paar breite bandartige Bauch-
muskeln aus, welche bis zum 11.Segmente sich in je vier Stränge getheilt
halten, von da ab näher verbunden bis zum Körperende sich erstrek-
ken. Seiten und Rücken sind dicht mit kleinen Längsmuskeln besezt,
welche von einem Segment zum andern gehen, und auf den ersten
6 Segmenten noch durch Schrägmuskeln bedeckt werden. Quermuskel-
bündel finden sich nur im vordern Theile des Körpers. Die Muskeln für
die Beine haben ihren Ansatz an der Bauchseite. — Der Nahrungs-
canal ist sehr einfach und verläuft ganz gerade vom Munde bis zur
Spitze des Körpers. Vorn am vordern Ende des Cephalothorax liegt
eine grosse Speicheldrüse, in welche sich mehrere vom Magen aus-
gehende Caräle hinein erstrecken, und die ästigen Ausführungs-
gänge der Drüse aufnehmen. Andere Absonderungsorgane kommen
nicht vor. — Respiralionsorgane sind das grosse Rückenschild und
die mit den Beinen verbundenen Kiemen. Nicht ganz mit Recht
scheint mir der Verf. auch das Rückenschild als Kieme zu bezeich-
nen, es ist Theil der Körperbedeckungen, und wohl die Mehrzahl der
Entomostraceen athmet lediglich durch dieselben. Das Herz erstreckt
sich durch den ganzen Vorderkörper vom 11. Hinterleibssegiment an-
fangend, ist durch obere Einschnürungen in Il Segmente getheilt,
welche den Hinterleibssegmenten entsprechen, in denen sie liegen;
Klappen zwischen einzelnen Segmenten des Herzens, wie sie bei
den Iusecten vorkommen, sind nicht vorhanden, aber die seitlichen
Spaltöffnungen finden sich, und zwar seitlich in den oberen Ein-
schnürungen. Unter dem Herzen ist eine Membran ausgespannt,
welche die Leibeshöhle in zwei vollständig geschiedene Räume ab-
sondert, unterhalb welcher Nahrungscanal und Ovarien gelegen sind.
Nach hiuten gehen keine Gefässe vom Herzen ab, wach vorn dringt
ein arterieller Kanal in den Oephalothorax, erweitert sich nach vorn
trichterförmig und hat vorn eine oflene Mündung; - Gefässe finden
sich weiter nicht, sondern das Blut circulirt nach den Beobachtungen
des Verf. frei in den Räumen. ‚Mehrere Kanäle driogen in das Rük-
kenschild ein, wo sie verschiedene Windungen ‚machen, aber auch sie
zeigen keine eigenen Wandungen. Die Scheidewand, welche den Raum,
du dem das Horz liegt, von der übrigen Körperhöhle ubsondert, dient
326
vorzüglich dazu, das arterielle Blut von den venösen Strömen ab-
zusondern. Die Zusammenziehung des Herzens ist eine gleichzeitige
fürs ganze Herz, nicht eine abwechselnde der einzelnen Kammern.
— Der Hauptstamm des Nervensystems besteht aus dem Gehirn und
der Gunglienkette, das erste zeigt keine Spur einer Theilung in zwei
seitliche Hälften, die zweite hat das Eigenthümliche, dass wenigstens
vorn die beiden Nervenstränge aus einander stehen, so dass die ent-
sprechenden Anschwellungen beider nicht, wie es sonst der Fall ist,
mit einander verschmolzen, sondern nur durch Queräste mit einander
verbunden sind. Je mehr nach hinten, um so mehr nähern sich die
beiden Nervenstämme, und um so mehr schmelzen ihre Ganglien
zusammen. Auf den Cephalothorax kommen zwei Ganglienpaare, auf
den Hinterleib eben so viel als Fusspaare vorhanden sind, also bei
erwachsenen Ind. 60 Paare, Aus dem 24. und 25, Hinterleibsgauglion
geht ein auffallend langer starker Ast an die Hinterleibsspitze, haupt-
sächlich wie es scheint, an die muthmasslichen männlichen Genera-
tionsorgane, Das Eingeweidenerven-System verbreitet sieh nur an
den Sehlund, nicht an deu Magen, das unpaure und paare System sind
weniger von einander gesondert, sonst ist die Verbreitung derselben
sehr ähnlich wie beim Flusskrebs. — Das Organ, welches man als
ein einfaches Auge gedeutet hat, ist dem Verf, räthselhaft geblieben,
Glaskörper und Linse liessen sich nicht finden. — Die Eierstöcke sind
bekannt; sie münden in das 11. Paar der Hinterleibsfüsse. Männliche
Individuen sind bisher noch nicht anfgefunden gewesen. Der Verf.
glaubt die Spuren männlicher Geschlechtstheile entdeckt zu haben,
welche äusserlich in einem auf dem Rücken des letzten Segments
gelegenen, zurückziehbaren Penis, innen in einem maschig verzweig-
ten Gewebe bestehen, welches an den Seiten des Nahrungskanals fast
bis zur Mitte des Hinterleibes aufsteigt. Die Begründung dieser
Ansicht durch. Nachweis ‚der Samenbildung konnte der Verf, nicht
liefern, und muss sie weiteren Forschungen anheimgegeben werden.
Das Hineintreten der beiden oben beschriebenen starken Nervenäste
spricht allerdings zu Gunsten der Deutung des Verf, Dann würden
diese Thiere Hermaphroditen sein, indem sich bei denselben Ind. auch
Eierstöcke finden. Bekanntlich pflanzen sich die Kiemenfüsse auch
ohne Zuthun eines zweiten Ind. fort, so dass vielleicht Selbstbefruch-
tung statifindet, oder, wie der Verf annehmen mögte, eine Begattung
für mehrere Generationen ausreicht.
Die Entwickelung dieser Thiere-ist im Allgemeinen schon’ durch
Schäffer’s treffliche Untersuchungen bekannt, und von unserem Verf.
auch mit grosser Gründlichkeit verfolgt worden, Sie ist nicht nur
an sich von grossem Interesse, sondern auch ‘für die Deutung der
Theile des ausgewachsenen Thiers belehrend, Der Verf. hat gezeigt,
dass sämmtliche Paare von Kiemenfüssen Hinterleibsbeine sind, dass
ich also mit Unrecht das erste Paar derselben als das hinterste Paar
der Thoraxbeine gedeutet habe, welches am Cephalothorax zu suchen;
327
sei. Er glaubt, dass der von Savigny und mir als Zunge gedeutete
Theil diesem Fusspaar entspreche. Meine frühere Ansicht gebe ich
gerne auf, doch kann ich die des Verf. nicht theilen. Ich glaube
vielmehr das fragliche dritte Fusspaar in einem Theil zu erkennen,
welcher im Lauf der Metamorphose erscheint und wieder verschwin-
det, in einem Theil, welcher in genauer Verbindung mit den Mandi-
bein steht, und welchen der Verf. als deren Processus laciniatus
bezeichnet hat. Bei den Parasiten finden sich die den Hinterbeinen
der Insecten entsprechenden Organe in ähnlicher Lage und ähnlicher
Verbindung mit den Mandibeln, welche aber, wie ich glaube, nur
durch den Zusammenhang ihrer Muskeln bedingt ist.
Siphonostoma.
Thompson (Ann, of nat. hist. V. S. 221) theilte einige Aufzeich-
nungen über einen lebend beobachteten Argulus foliaceus mit, dessen
Färbung und Bewegungen betreffend.
Cirripedia.
Wichtige Untersuchungen über die Schalenbildung der
Balanideen theilte v. Rapp in. diesem Archiv 7. Jahrgang,
1. Bd. S. 168 mit.
Hink’s (Ann. of nat. hist. V. S.333) hat Balanus chelytry-
petes als eine neue Art bekannt gemacht. Sie findet sich auf dem
Panzer der gewöhnlichen Seeschildkröte und durchbohrt denselben
mit der Zeit.
Vorweltliche Inseeten und Urustaceen.
Es sind in den letzten Jahren werthvolle Entdeckungen
aus dem noch sehr beschränkten Gebiet der vorweltlichen In-
seeten und ÜOrustaceen bekannt gemacht worden, auf welche
einzugehen in den letzten Berichten der Raum nicht ‚er-
laubte, und welche ich auch in diesem Jahre nur in der
Kürze berühren kann.
Eine vortreflliche Übersicht dessen, was bisher über vor-
weltliche Insecten bekannt gemacht worden, gab H. v. Meyer in
der Eneyclopädie von Ersch und Gruber (Art.: Insecten, fossile).
Die versteinerten Insecten Solnhofens sind von Germar
(Nov. Act. Leop. Carol. XIX, S.187) beschrieben und ab-
gebildet worden.
Die Arten sind Scarabaeides deperditus (uudeutlich, aber
durch die ziemlich vorliegenden Hinterbeine, namentlich die sehr genau
328 ®
ausgedrückte Form. der Hüften, als ein scarabäenartiges Insect zu
erkennen), Cerambyeinus dubius (eine kurze Lamienform mit
unbedorntem Halsschilde), Chresmoda obscura (der Verf. ver-
muthet eine.-Mantisform mit Springbeinen, mir scheint das ‚Insect eine
Truxalis gewesen zu sein), Locusta speeiosa, prisca, deschna
Münsteri,*) gigantea,'Libellula longialata, Agrion La=
treillei, antiqua, Apiaria antigua (scheint ein Bombus ge-
wesen zu sein), Ricania.hospes, Ditomoptera dubia (ein
merkwürdiges Fossil, augenscheinlich eine Cicade, aber ausgezeich-
net durch die langen Hinterflügel und die viel kürzeren Decken), Be-
lostomum elongatum,, Nepavprimordialis, Pygolampis
gigantea, Sciara prisca, Musca lithophila.
Die Libelluliten kommen.im. Solnhofer Kalkschiefer verhältniss-
mässig häufig vor. Mit Aeschna gigantea kommen eine fossile Aeschna,
welche Leop. v. Buch im „Jura in Deutschland”, und eine andere,
welche v. Charpentier in seinem Werk über die europäischen Li-
bellen abbildete, überein, nur dass die Germärschen breitere Hinter-
flügel haben. An den Exemplaren von Leop. von Buch und v, Char-
pentier sind auch die Geschlechtsunterschiede deutlich ausgedrückt,
und ist ersteres weiblich, letzteres männlich. 'v. Charpentier hat
ausserdem noch die Abdrücke von kleinen Agrionen mitgetheilt.
Sehr bemerkenswerth ist die Nachricht, welche Strickland
(Ann. of nat. hist. IV: 8.301). vom Vorkommen ‚eines ‚Libelluliten im
Lias von Warwickshire, und zwar in einem Lager, welches ausser
den gewöhnlichen Ammoniten: u, 's: w., Ichthyosauren, Plesiosauren,
einige Fischarten, Crustaceen und einige Farn enthält. Es ist der
Abdruck eines Vorderflügels, dem Flügelgeäder naclı einer Jeschna,
doch mit merklicher Annäherung an Libellula. Die Art, de. liasin«a
ist um ein Drittheil grösser als Ae, grandis,
Saporta legte der Ent. Gesellsch zu Paris einen fossilen Schmet-
terling vor, von welchem sich der vollkommen ‚schöne Abdruck; wel-
cher nicht nur den Flügelschnitt, sondern selbst noch, die Zeichnun-
gen erkennen lässt, in einem Mergellager gefunden hatte, welches
reich an fossilen Insecten ist, alle von lebenden verschieden. Der
vorliegende Schmetterling wird von Boisduval'(Ann. d.1:Soc; Ent.
d. Fr..IX. 8.373: D.8) ‚zur Tagfaltergattung Cyllö gerechnet, ist: 0,
sepulta benannt, und stellt sich C. Rohria, Caumas.u. a. zur, Seite;
Ein fossiler Krebs aus der Abth. der Brachyuren ist von Lucas
(Ann. d. 1, Soc. Ent. d. Fr. VII, S. 567 T.20) bekannt gemacht, Er
gehört zu der lebenden Gatt. Macrophthalmus, ist M. Desma-
*) Der Verf. spricht bei dieser und bei den übrigen Libellen von
breiten seitenständigen Fühlern, diese sind aber schwerlich vorhanden
gewesen; bei der ersten Art scheint das Auge zerdrückt und aus-
geflossen, bei den andern scheinen die vorgestreckten: Vorderbeine
mit im Spiel zu sein. -
/ 329
4
restiöi benannt worden 5 und "zeichnet sich durch'seine langen und
kräftigen Beine aus. Er ist in einem festen Kalkstein enthalten, und
sollmus-der Strasse von Malacca herrühren. "
Einen vorzüglichen Beitrag ‘zur 'Kenntniss fossiler Cru-
‚stäceen enthält die Schrift: „Neue Gattungen fossiler Krebse
aus den Gebilden vom bunten Sandstein bis in die Kreide;
gezeichnet und beschrieben von H. v. Meyer. , Stuttg.-1840.
Der Verf. bemerkt im Allgemeinen, dass die Macrouren am frühe-
sten auftreten und zwar im bunten Sandstein, Anomuren. zeigen sich
zuerst in den Oolithgebilden, Brachyuren ‘erst mit der Kreide. Die
neue Gatt. Pemp.hix, hat grosse Übereinstimmung mit Palinurus, und
wurde seither mit dieser Gatt, verbunden, weicht aber durch eigen-
thümliche ‚blasenartige Form der Regionen des Panzers, kürzere und
schwächere Geissel der äussern Fühler u, s. w. ab; ein sehr deut-
liches Unterscheidungsmerkmal mögte auch noch in der Form der
äusseren Schwanzjlosse liegen, welche die Gränze zwischen dem
festen, und häutigen. Theil nicht nahe, der Basis, sondern nahe der
Spitze bat. Hierhin P, Sueuräü (Palin. Suer, Desm., Mucrourites. gibbo-
sus Schübl.) aus dem Muschelkalk (Kalkstein von Friedrichshall), und
P,Albertii, neue Art aus, dem, Wellenkalk von Horgen am Schwarz-
walde, — Glyphea, ebenfalls, mit. Palinurus nahe verwandt, aber
durch die Sculpturen, des Panzers sich entfernend,. vom Verf. schon
früber als eigene Gattung aufgestellt: @, Regleyana (Palin. Regl.
Desm. GI. vulgaris v. Meyer), @. Münsteri (Palin. Münst, Voltz, Gl.
speciosa v. Meyer, Astac. rostratus Phillips, G/yph. rostr. Bronn.),
Gl. Udressieri, neue Art, im Agile ı Chaille aus der Gegend von
Besangon, auch im Coralrag von Derneburg, @. pustulosa neue Art
aus dem Coralrag von Derneburg, @/. liasina, neue Art aus dem
Liasschiefer von Menzigen, @. grandis, Fragment aus dem Lias
von Frittlingen. Die Gattung Glyphea ist für die Oolithgebilde cha-
racteristisch. Die Glypheen des Gr. Münster aus dem Solnhofer Kalk-
schiefer gehören zu einer anderen Gatt., Eryma von Meyer. — Kly-
tia: Panzer wie bei Glyphea durch Quereindrücke in drei Abschnitte
getheilt, diese aber ohne Längsvertiefungen: Kl. ventrosa und Kl.
Mandelslohi, beide früher unter Glyphia begriffen, mit welcher sie
auch das geognostische Vorkommen theilen. — Prosopon, vielleicht
‚eine Anomurenform, dem Oolith angehörend. P. tuberosum, viel-
icht in die Kreide übergehend, P. hebes, P. simplex, P. ro-
stratum. Schliesslich giebt der Verf. noch vorläufige Nachricht
von den Resten langschwänziger Decapoden im bunten Sandstein,
von denen der eine an Gebia, der andere an Galathea erinnert.
Die „Beiträge zur Petrefacten-Kunde, von Herm. v. Meyeı
und Georg Grafen zu Münster, herausgegeben von Georg
Grafen zu Münster, Baireuth 1840, enthalten mehrere
Abhandlungen des lerausgebers über fossile Urustaceen.
330
1) Über einige Isopoden in den Kalkschiefern von
Bayern. Es sind hier vier neue Gattungen, Sculda, Alvis, Urda,
Norna dargestellt, ich habe indess manche Bedenken, ob sie nicht
den langschwänzigen Decapoden angehören, namentlich hat die erste
Gatt. eine grosse Übereinstimmung selbst mit Astacus, vorausgesetzt,
dass die Theile, welche der Verf. als breite Fühler deutete, die’
weniger ausgedrückten Scheeren, und dass die Schwanzflossen unter-
geschlagen sind.
2) Über ein neuesBrachyuren-Genus in den tertiären)
Formationen des nordwestlichen Deutschlands. Es wurde
in Mergelgruben bei Bunde gefunden, hat eine überraschende Über-
einstimmung mit Ranina, und zeigt nur den Unterschied, dass die‘
Schwanzportion des Hinterleibes untergeschlagen ist. Aus diesem |
Grunde bildet der Verf. für diesen Krebs eine eigene Gaft. Hela,
und nennt eine Art, welche der Ranina dentata sehr ähnlich ist, H.
speciosa, eine zweite kleinere H. oblong.a.
3) Über die fossilen Arten von Limulus. Sie unter-
scheiden sich von den lebenden darin, dass der Schwanzstachel nicht
dreikantig und mit einer Stachelkante auf der Oberseite, sondern auf
der obern sowohl als untern Seite gefurcht sind. Die früher bekann-
ten fossilen Arten standen den lebenden an Grösse bedeutend nach,
später ist eine neue Art, L. giganteus, im Solnhofer Kalkschiefer
aufgefunden, welche doppelte Grösse der lebenden gehabt hat.
4) Über die Balanen in den jüngern tertiären Meer-
wassergebilden von Deutschland.
Auf mehrere Arbeiten über Trilobiten kann ich bei dem beschränk-
ten Raum dieses Berichts nicht eingehen.
/ 331
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Annulaten während des Jahres 1841.
f Von
Prof. C. Th. v. Siebold in Erlangen,
Eine allgemeine Übersicht über den inneren Bau der An-
nulaten hat Rudolph Wagner auf der siebenundzwanzigsten
Tafel seiner Icones zootomicae geliefert;*) derselbe ver-
gleicht das Blut der wirbellosen Thiere mit dem Chylus der
Wirbelthiere und erklärt die rothe Farbe des Chylussaftes der
Annulaten nur als eine scheinbare Analogie mit dem wahren
Blute,**) da die Färbung hier nicht, wie bei den Wirbelthie-
ren 'an die Blutkörperchen, sondern‘ an die Flüssigkeit gebun-
den ist; die Körperchen, welche im Blute der Annulaten vor-
kommen, sind ungefärbt und ganz wie bei den übrigen wirbel-
losen Thieren gebildet. Es giebt ganze Familien unter den
Annulaten, z. B. die Aphroditen, welche kein. rothes Blut haben,
Wagner beruft sich zugleich als Beleg für (die Ansicht, dass
das Blut der wirbellosen Thiere nur Chylus sei, auf die That-
sache, dass es bis jetzt Niemandem gelungen ist, besondere
Lymph- oder Chylusgefässe in denselben aufzufinden.
’ Costa bat mehrere neue, im mittelländischen Meere ent-
deckte Annulaten beschrieben und abgebildet, unter welchen
sich zwei neue Gattungen befinden. ***)
" Eine 4 Zoll lange und 4 Lin. dicke Hesione namte er Hes.
Savignii; ihr rosenfarbener Leib, welcher aus 18 Segmenten bestand,
besass parallele Längsreihen von dunkleren Flecken oder Streifen,
der blaugefärbte Kopf war ganz wie bei Hes. splendida Sav, gebildet.
Die Leibessegmente mit Ausnahme des letzten waren mit blassgelben
Fussstummeln versehen, jeder dieser Fussstummeln trug ein Bün-
del schwarzer Borsten, und dunkelrothe Cirren. — Eine mit Sigalion
*) Wagner: Icones zootomicae oder Handatlas zur vergleichen-
den Anatomie 1841, Tab. XXVII.
”) Wagner: Lehrbuch der Physiologie, zweite Abthl. 8, 180.
"*) Annales des sciences naturelles. T. XV. 1841 p. 267. Costa:
description de quelques Annelides nouvelles du golfe de Nuples.
332
Mathilde Aud. et Edw. verwandte Art, welche sich durch einen sehr
langen rüsselförmigen Fortsatz und einen fadenförmigen Schwanz-
anhang auszeichnet, nannte Costa Sigal. Blainvillii, Die Kuss-
stummeln der ersten Segmente dieser Annulate umgeben die mit
sechs Tentakeln versehene Mundöffoung. in.Form eines Fächers. —
Einen mit Euphrosine verwandten Wurm erhob Costa zu der neuen
Gattung Lophonota,*) welche sich von Euphrosine durch den Man-
gel der Kopfkarunkel und der Tentakeln unterscheidet. Lophonota
Audouinii Cost. ist 8 Lin. Jang und besitzt einen zinnoberrothen,
abgeplatteten, aus 32 Gliedern zusammengesetzten Leib, welchen das
'Thier wie ein Chiton zusammenkugeln kann. Am augenlosen Kopf
ragt ein dicker kurzer Rüssel hervor, zwischen den einfachen Fuss-
stummeln stehen auf dem Rücken der Segmente 'gefranzte Cirren in
halbmondförmigen Reihen. j
Eine, zu der’ Abtheilung; der Terebellae phyzeliae: gehörige Te-
rebella trennte Costa unter, dem Namen Tereb, misenensis
von den übrigen Arten wegen ihrer vielen Rücken- und Schwanz-
Segmente. Costa konnte die Bluteirkulation nicht allein in dem
schön hellroth gefärbten Leibe, sondern auch in den gelben Tentakeln
dieses Wurmes unterscheiden, in welchen deutlich ein auf- und 'ein
absteigender Blutstrom zu erkennen war. Diese Tentakeln sind in
die Quere vielfach eingeschürt, wodurch eive Menge Lappen gebildet
werden, welche nach Costa gleichsam wie Saugnäpfe benutzt wer-
den können. Die scharlachrothen verästelten Kiemen finden sich nur
auf dem’ zweiten und dritten Segmente vor. Zu der von Otto’ be-
reits ‚gegebenen Beschreibung des Siphostoma diplochaitos, fügte
Costa Ergänzungen hinzu; Derselbe fand am Kopf nicht, zwei Mund-
Öffnungen, wie Otto behauptete, sondern nur eine. Zwischen ‚den
beiden Häuten, welche die allgemeine Leibesbedeckung ‚bilden, be-
merkte Costa ein eiweissartiges von zarten Fäden netzförmig durch-
zogenes Gewebe, in welchem eine Menge Drüsenbälge' mit langen,
oft vielfältig 'gewundenen Stielen (Ausführungsgängen?)' verborgen
lagen. — Lophiocephala stellte Costa als neue Gattung auf, wel-
che der Gattung Trophonia Aud, et Edw. am nächsten steht. **)ı Der'f
Kopf der. einzigen Art, Lophioceph. Edwardsii, ist, vom. übrigen
Körper, welcher ‚aus 64 Segmenten. besteht, abgeschnürt, und trägt
einen pinselförmigen. Kiemenapparat, zwischen welchem‘der Rüssel
mit der Mundöfluung versteckt ist. Zwischen, den Kiemen, welche‘
nie ganz eingezogen, werden können, ragen zwei, grosse dunkel-
violette Tentakeln hervor,, welche auf ihrer unteren Seite mit, einer
zickzackförmigen Falte besetzt sind; an der Basis derselben ent-.
springen ausserdem noch drei kürzere weisse Tentakeln. Der ganze
*) Comptes,rendus hebdomadaires. «tl. XL. 1841 P..532 und Vin-
stitut; 1.Sect. 1841 p-301. 1
**) Comptes rendus, hebd., und linstitut a. a,,0. I |
{ 333
Körper des Wurms war mit Poren dicht besetzt,. aus welchen ein
Schleim schwitzte, der das ganze Thier einhüllte, , Alle vier und
sechszig Segmente mit Ausnahme der beiden ersten, welche vier sehr
lange Borstenbündel tragen, sind zu beiden Seiten nur mit einem
kürzeren Borstenbündel versehen. Das Blut hat sowohl bei Lophio-
cephala als auch bei Siphostoma‘ eine‘ grüne Färbung, und Costa
sah den Blutstrom vom Bauchgefässe in die Kiemen der Lophiocephala
strömen ınd von da in das Kiemengefäss zurückkekren. Costa hat
auch von Siphostoma und Lophiocephala eine Beschreibung der Ver-
dauungs- und Geschlechts-Werkzeuge geliefert und dieselbe durch
hübsche kolorirte Abbildungen zu erläutern gesucht, allein da der-
selbe bei der Deutung der einzelnen Organe ganz willkürlich zu
Werke gegangen zu sein scheint und da er den Zusammenhang der
einzelnen Theile dieser Systeme weder in der Beschreibung noch in
den Abbildungen, an welchen überdies die, Buchstabenbezeichnung
nicht mit der im Texte übereinstimmt, deutlich darstellt, so trägt
diese Arbeit wenig dazu bei, uns den gewiss sehr interessanten in-
nern Bau dieser beiden Thiere klar zu machen.
Nach Eichwald’s Untersuchungen ist das. caspische Meer
sehr. arın ‚an: Annuläten. *)
Von Nereiden findet sich nur Nereis noctiluca Pall. dort, von
welcher in Sommernächten das Phosphoreseiren der See ausgehen
soll. Von der Gattung. Spirorbis entdeckte Eichwald zwei neue
Arten; Spirorbis serpuliformis Eichw. fand er in Tertiär-
kalk des Vorgebirgs Tükkaragani, Spirorbis ponticus Eichw.
dagegen traf er auf Fucus- Arten und anderen Gewächsen des schwar-
zen Meeres an. Eichwald’ stellte für diese Spirorbis-Art folgende
Diagnose fest: tubulus huc illuc irregulariter contortus, raro regula-
ris, subangulatus, sensim attenuatus, laeviusculus, transversim tenuis-
sime striatus; tubuli ex cinereo-albidi, } lin, lati. Dass nach Gme-
lin’s Angahe Serpula triquetra und conglomerata im kaspischen
Meere vorkommen sollten, hält Eichwald für ungegründet, da er
nirgends lebende Serpulen dort angetroffen habe.
Forbes, beschrieb eine Annulate aus ‘dem ügeischen
Meerbusen,**) welche 3 bis 4 Fuss tief unter ‚dem. Wasser
im Sande lebt, und ihre Anwesenheit durch, röhrenförwige Lö-
‚cher verräth. Wenn das Thier ‚seine Kiemenfäden. ausbreitet,
so glaubt man einen Seeigel auf dem Meeresboden zu. sehen;
bei der Berührung fährt das Thier schnell in den: Sand zu-
rück. Die Hülle, in welcher das Thier lebt, ist gelatinös und
wird von ihm selbst abgesondert, das hinterste Ende derselben
*) Eichwald: Fauna Caspio-Caucasia, Petropoli 18541 8.228.
”) Annals of natural history T, VIIL 1841 8. 244.
334
läuft spitz zu und erscheint massiv gebildet. Der Wurm selbst
besteht aus 140 Segmenten, seine Farbe ist rothbraun mit
zwei schmalen, blassen Querlinien an jedem Einschnitt. Jedes
Segment wird an der Seite von einem kleinen. Borstenbüschel
eingefasst. Der nicht scharf vom übrigen Körper abgesonderte
Kopf trägt weder Augen noch Tentakeln, wird aber von zwei
Kiemenbüscheln kranzförmig umgeben. Jeder Kiemenbüschel
besteht aus 28 langen Fäden, welche an ihrer Basis durch eine
Membran unter einander verbunden sind. Auf. der. inneren
Seite dieser Fäden stehen feinere flimmernde Fäden, welche‘
durch ihre Bewegungen ein Auf- und Abströmen des Wassers
veranlassen. Diese flimmernden Fäden sind sehr beweglich
und winden sich, selbst abgetrennt, noch wurmförmig hin und
her. Einen Namen hat Forbes diesem. Thiere noch nicht
geben wollen.
Audouin, welcher früher über das Phosphoreseiren ge-
wisser Lumbriei zweifelte, überzeugte sich später, dass diese
Würmer in der That Phosphorlicht ausstrahlen können. *)
Demselben fiel es dabei auf, dass die Lumbrici, wie die Sco-
lopendren, die Fähigkeit einen phosphorischen Schein zu ver-
breiten, besonders zur Zeit ihrer Reproduktion besitzen. Die
Regenwürmer, an welchen ‘die Erscheinung des Leuchtens
beobachtet wurde, waren 40—50 Millimeter lang, ihr Licht
glich demjenigen des weissglühenden Eisens. Bei dem Zer-
treten der Würmer verbreitete sich das Licht über den Boden.
Die Thiere zeigten einen ziemlich entwickelten Sattel, was
beweist, dass dieselben erwachsen und brünstig waren. Mo-
quin-Tandon beobachtete, dass das Licht von dem eben
erwähnten Sattel der Würmer ausging und sich nach erfolgter
Begattung verlor.
Von Vogt wurde ein in der Mantelhöhle von Aneylus
aufgefundener Parasit für eine neue Annulaten-Gattung an-
gesehen und von Agassiz mit dem Namen Mutzia hetero-
dactyla belegt.**)
*) Annales des sc. nat. T.XV. S. 253, und Froriep’s Neue Noti-
zen Nr. 408 S. 181.
**) Müller’s Archiv für Anatomie und Physiologie. 1841 S. 36.
Vogt: Zur Anatomie der Parasiten. s
335
Ich erkenne in diesem Wurme den auf fast allen unseren Süd-
wasser-Schnecken sehr verbreiteten Schmarotzer, welcher von Baer
(Nov. Act. Caes. L. €. Nat. Cur. Vol. XI. P. 1. 8.614 Tab. XXIX.
Fig.23) als Chaetogaster Limnuaei beschrieben wurde, und dessen
Nerven- und Blutsystem Gruithuisen (Nov. Act. Caes. etc. Vol. XIV.
P.I. S. 407: Über die Nars diaphana)) sehr ausführlich dargestellt hat.
Der Name Mutzia wird also wieder eingehen müssen, auch der Art-
name heterodactyla scheint mir unpassend gewählt, da die einzelnen
Hornspitzen, welche in gepaarten Haufen beisammenstehend bei den
Naiden den Mangel der Füsse ersetzen, bei dem Aus- und Einziehen
häufig abreissen und verloren gehen, aber auch bald wieder nach-
wachsen und reprodueirt werden, so dass man bei keinem Chaeto-
_ gaster, bei keiner Nais kaum zwei Individuen findet, welche in der
Zahl ihrer Hornspitzen sich einander gleich wären.
Forbes und Goodsir lieferten zur Naturgeschichte der
Thalassemaceen einen Beitrag, indem sie Thalassena Ne-
ptuni und Echiurus vulgaris einer genaueren Untersuchung
unterwarfen. *)
Thalassema Neptuni hält sich an den Küsten von England an
Klippen unter Wasser auf. Dasselbe Thier ist von Pallas als Lum-
bricus thalassema ganz gut, beschrieben worden, und es ist nur hin-
zuzufügen, dass das Thier einen kurzen, zurückziehbaren Rüssel und
ein Mundanhängsel besitzt. Echiurus vulgaris besitzt ebenfalls einen
zurückziehbaren Rüssel, aber ausserdem noch einen nicht zurück-
ziehbaren Anhang, welcher von vielen Naturforschern mit dem Rüs-
sel verwechselt worden ist. Am Anfang des Leibes bemerkt man
bei Echiurus zwei gelbe knorpelige und gekrümmte Borsten, welche
die zurückziehbaren Begattungshaken sind. Der am hintern Ende
auf einer etwas abgeplatteten Scheibe befindliche After ist von zwei
Kreisen horniger Borsten umgeben, Echiurus schwimmt ungemein
lebhaft, ganz nach Art einer Annulate. Die trichterförmige Mund-
öffaung setzt sich als ein weiter, und in Form der Ziffer 8 gewun-
dener Pharynx fort, der in einen sehr muskulösen aber engen öso-
‚phagus übergeht; dieser erweitert sich plötzlich wieder zu einem
sehr zarten Darmkanal, der sich spiralförmig bis zum hinteren Lei-
I besende hinabzieht, dann umkehrt und io ähnlichen Windungen bis
zu zwei Dritteln der Körperlänge hinansteigt und endlich, als eine
) gerade und ziemlich enge Röhre in die Kloake einmündet. Der Darm-
"kanal hängt mittelst zahlreieher zarter und mit winzigen Blutgefässen
vermischter Muskelfassern mit den Körperwandungen zusammen. Von
einer Leber war keine Spur zu finden, Zwei sehr contractile Athem-
säcke öffnen sich zu beiden Seiten des Mastdarms in die Kloake,
U Durch die auf denselben vertheilten zahlreichen Blutgefässe haben
*) Froriep’s Neue Notizen Nr. 392 8.273, und Vinstitut 1841 8. 332.
336
diese Athemorgane eine lebhaft'rothe Farbe. Auf der äusseren Ober-
Näche ‚der ‚Athemsäcke ‚sitzen 'eigenthümliche,, ‚gewimperte Trichter
auf, welchen auf der inneren Fläche ‘der Säcke 'bewimperte Erha-
benheiten entsprechen, in’ welche sich die Trichter ‘zurückziehen
können.. Das Gefässsystem besteht aus zwei Hauptgefässstämmen,
aus einem. Bauchgefässe und einem Gefässe des Darmkanals. Das
Nervensystem wird von einem, den Pharynx 'umschliessenden Ring
gebildet, der einen Bauchnervenstraug bis zum hinteren‘ Leibesende
hinsendet. Von diesem gehen zahlreiche Seitenzweige ohne Symmetrie
ab. Dicht hinter den beiden Begattungshaken und 1 Zoll weiter nach
hinten ‚öffnen sich an der Bauchoberlläche. zwei Paar contraktiler
Säcke, welche bei brünstigen Männchen von einer weissen Flüssig-
keit strotzen. Diese Flüssigkeit wimmelt von lebhaften Spermatozoen,
welche als kugelrunde.Körperchen abgebildet werden, ich 'vermüthe,
dass ein zarter haarförmiger Anhang ‚diese, Bewegungen der Kügel-
chen veranlasst. Die weiblichen Geschlechts-Säcke waren nie in
dem Grade, wie die männlichen, angeschwollen gesehen worden.
Die innere Struktur von Thalassema Neptun: verhielt sich ganz wie
die von Echiurus, nur dass der Nahrungsschlauch nicht in dem Grade
gewunden war. Atıs dieser Struktur ergiebt sich übrigens, dass diese
beiden Gattungen Thalassema und Echiurus eben so gut mit den
Echinodermen als mit den Annulaten verwandt sind.
Nach Guyon’s Beobachtungen spielt die Haemopis
vorax, welche in den Gewässern von Algerien sehr häufig
ist und ‚bei dem Tränken des Vieh’s sehr leicht in die. Ver-
dauungs-. und Respirations-Wege desselben gelangt, ‘bei den
Krankheiten der Hausthiere in Algerien eine grosse Rolle. *)
Die grösseren Thiere, bei denen sich dergleichen Blutegel
vorfanden, waren immer durch die Qualen, welche sie dadurch
erduldet hatten, sehr leidend und abgemagert gewesen. Der
Wurm kömmt sogar auch im Larynx ‚und der Trachea des Men-
chen vor. r
In Bezug auf das Reproduktionsvermögen der Blutegel,
welches von Bosc früher gerühmt worden war, hat Grandoni
zu Brescia direkte Versuche angestellt und das Resultat er-
langt, dass die Blutegel dieses Vermögen, verloren gegangene
Theile wieder zu ersetzen, nicht besitzen.**) ' In Ostindien
wird nach den Nachrichten von Gibson ‘die Blutegelbrütung
schon lange mit vielem Erfolge betrieben, und es werden dort,
*) Comptes rendus hebd. T. XIII. 1841 S. 785, Vinstitut 1841 8. 346
und S. 433 und Froriep’s Neue Notizen Nr. 438 8. 312.
*") Froriep’s Neue Notizen Nr. 434 8.250.
337
- was man recht beherzigen sollte, sogar dıe an: Thieren und
- Menschen gefütterten Egel zur Fortpflanzung benutzt. *)
„Von ı Kröyer ‚wurde auf Caligus eurtus eine grosse
{ er ‚Egelart angetroffen , **) welche 1—2 Lin. lang
Se veisse e Farbe. | besassen, ‚und mit Hirudo Hippo-
"Müll. verwandt zu sein schienen.
„Als Nachträge ; zur Fauna von Irland wurden von Thomp-
son noch folgende Annulaten aufgeführt: #**)
Nemertes gracilis Johnst., N. Zactifera Johnst., Hirudo Hippo-
glossi Müll, (Phydine Binpagioin Lam.), Carinella trilineata Johnst.,
Gordius annulatus Mont., Glossipora tubereulata Johnst.
Nach Fischer von Waldheim’s Aussage lebt der Gor-
dius, der allgemein vom Volke zu Moskau gefürchtet wird,
in den Gewässern der dortigen Gegend sehr häufig.+)
| Über die merkwürdigen selbstständigen Bewegungen der
Dotterzellen von Planarien hat Ref. einige Mittheilungen
gemacht. ++)
© Die Eier, welche die Biearek legen, enthalten eine unzählige
Menge Dotterkügelchen oder Dotterzellen, und keine Spur von Keim-
bläschen. Die einzelnen Dotterzellen bestehen aus einer scharf ab-
gegrenzten blasigen Masse mit feinen Molekularkörnern vermischt,
und aus einem eigenthümlichen grösseren runden Körperchen. Diese
Dotterkugeln bewegen ihren Inhalt peristaltisch hin und her, blähen
sich aber in Wasser auf, erstarren und bersten, wobei ihr Inhalt ins
' Wasser geräth. Durch das Verschmelzen vieler solcher Dotterkugeln
entstehen die Embryonen der Planarien, an welchen sehr bald ein
kontraktiler Schlundkopf erkannt wird.
Einen zu der merkw ürdigen Epizoen-Gattung Mysostomum
Leuck. gehörigen Schmarotzer hat Müller: Cycloeirra Thomp-
sonii genannt und beschrieben. +++)
Derselbe traf ihn häufig auf der Scheibe und an den Armen von
Comatula europaea an. Das Thier läuft sehr schnell olıne Kontraktion
*) Froriep’s Neue Notizen Nr. 366 8. 216.
**) Isis 1841 S. 196.
*") Annals of natural history. T. VII. 1841 S. 482.
+) Bulletin de la soeiet® imperiale des naturalistes de Moscou.
1840 Nr. II. 8, 142.
++) Bericht über die zur Bekanntmachung geeigneten Verhandlun-
gen der Königl, Pr. Akademie der Wissenschaften in Berlin, 1841
8. #3, Froriep’s neue Notizen Nr. 380 8.86, und Vinstitut 1841 8. 213.
ir) Bericht über die Verhandlungen der Berliner Akademie a; a. 0.
8.158, und dieses Archiv 1841 I. 8, 147,
Archiv S, Naturgeschichte, VII, Jahrg, 2, Bd, %
338
des Körpers und scheint einigernfassen mit den Tardigraden verwandt
zu sein. Es besitzt einen scheibenförmigen Leib mit gefranztem
Rande, einen von der Bauchseite ausgehenden Rüssel und einen ver-
ästelten Darm. Zehn mit drei langen Haken versehene Fussstummeln
an der Bauchseite unterscheiden diesen Parasiten auflallend von den
epizootischen Helminthen, zu welchen Leuckart diese Schmarotzer
gerechnet wissen will,
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Hel-
minthologie während des Jahres 1841
von
Prof. €. Th. v. Siebold in Erlangen.
Über die Entstehung der Eingeweidewürmer hat sich
Eschricht in einem sehr ausgedehnten Aufsatze ausgespro-
chen;*) derselbe zeigte in einer historischen Einleitung, dass
man früher die Eingeweidewürmer mit den gewöhnlichen Wür-
mern für identisch betrachtet und die Theorie der generatio
aequivoca in Bezug auf Entozoen als richtig anerkannt habe,
und dass man seit den von Ehrenberg an den Infusorien
gemachten grossartigen Entdeckungen die generatio aequivoca
auch bei den Entozoen ganz läugnen wolle, Eschricht
meint nun, dass, wenn es wirklich noch eine generatio aequi-
voca gebe, diese doch sehr eingeschränkt werden müsse, und
bekämpft hierauf mit vieler Umsicht die in einem zu ausge-
dehnten Massstabe auf die Entozoen angewandte Theorie der
generatio. aequivoca, wobei derselbe auf die gewaltige Ent-
wickelung des Zeugungsapparates der Entozoen grosses Ge-
wicht legt, und sich auf seine früheren an Ascaris- Jumbricoi-
des, Bothriocephalus latus und punctatus angestellten Unter-
suchungen (s. den Jahresbericht für 1840) beruft. Die Ein-
geweidewürmer sollen nach Eschricht in allen Fällen die
Nachkommen anderer Eingeweidewürmer sein, wobei die
*) Froriep’s neue Notizen Nr. 430, 431, 432, 433 und 434, Esch-
richt: Untersuchungen über die Entstehung der Eingeweidewürmer.
339
. die Verbreitung der Helminthiasis sich durch die Fortpflanzung
der Thiere ‘sehr einfach erklären lässt. Diesen Satz will
Eschricht am Coenurus cerebralis erläutern, wo sind
hier aber, frage ich, die ungeheuren Massen von Eiern, da
Coenurus gleich den übrigen Cystieis geschlechtslos ist und
niemals Eier hervorbringt? Vortrefiliche Bemerkungen, das
Problem der Erzeugung der Eingeweidewürmer betreflend, hat
| Valentin in seinen Jahresbericht eingestreut.*)
Mit viel geringeren Beweismitteln ausgestattet, eiferte
Drummond gegen die Annahme einer generatio aequivoca
bei den Helminthen.**) Mit diesen im Widerspruche räumte
' Creplin der generatio aequivoca vielleicht ein zu grosses
Feld ein,***) wenn er bei der Definition der Eingeweide-
würmer den Umstand hervorhob: dass sie in anderen Thieren,
zu einem sehr geringen Theile ganz aussen von ihnen, nicht
allein leben, sondern selbst in diesen, ursprünglich immer
‚ohne Eltern, also durch generatio aequivoca erzeugt werden.”
Creplin berief sich auf das Vorkommen von Eingeweide-
würmern in den geschlossensten Höhlen des thierischen Kör-
pers, in denen des Gehirns, im Auge, aussen an den Organen
der Brust- und Bauchhöhle, in und am Bauchfelle, tief zwi-
- elien den Muskeln, in Knochen u. s. w., wohin sie durch das
| Blutgefässsystem nicht gelangen können, da es erwiesen ist,
dass kein Ei eines bekannten Eingeweidewurms von der Fein-
heit ist, dass es durch die feinsten Kapillargefässe des thieri-
sehen Körpers durchkommen könnte; am schwierigsten wird
von den Anhängern des omne vivum ex ovo Creplin’s Ein-
wand zu beseitigen sein: wie sollen die Cystica entstehen,
“ welche keine Geschlechtstheile besitzen, und keine Eier er-
zeugen? und sollen sie etwa aus Eiern von gewissen anderen
Helminthen entspringen, wie kommen diese Eier an jene ver-
borgenen, nach aussen abgeschlossene Orte? Diesen Betrach-
tungen hat Creplin ausserdem noch eine gedrängte geschicht-
*) Valentin: Repertorium für Anatomie und Physiologie VI. 1841
8500.
A #*+) Annals of the natural history. Vol. VI. 1841 8.101. Thoughts
a of the aequivocal generation of entozoa.
or) Allgem. Eneyclopädie von Ersch und Gruber. 35. Theil, 1841.
Artikel: Enthelminthologie.
Y#
340
liche Übersicht der Entwickelung und Förderung der Helmin-
thologie, sowie eine ziemlich vollständige Zusammenstellung
der neueren auf Helminthologie sich beziehenden Litteratur bei-
gefügt. Den Anhängern der generatio ex ovo und ‚generatio |,
aequivoca stellt sich Stiebel gleichsam als Vermittler ent-
gegen,*) indem er aus seinen mikroskopischen Untersuchungen
folgende Schlüsse ziehen zu dürfen glaubt: ‚es giebt überall
verbreitete lebendige Moleküle oder Keimpünktchen, die sich
jeder organisirbaren Materie zeugend einbilden können, und
welche vielleicht auch den Erklärungsgrund der Entstehung
der Eingeweidewürmer geben.
Dujardin machte von neuem auf die von ihm entdeckte
und mit dem Namen Sarcode belegte Substanz aufmerk-
sam,**) welche nicht allein in den Infusorien, sondern auch
in den Entozoen, besonders in den Taenien und Distomen
enthalten ist und die Eigenschaft besitzt, Aushöhlungen in sich
zu bilden (de se ereuser spontan&ement de vacuoles).
Von Rymer Jones wurde in seinem neuen Handbuche
für vergleichende Anatomie den Helminthen ein ansehnliches |
Kapitel gewidmet, ***) in welchem der innere Bau. dieser |
Schmarotzer unter Benutzung der neusten Litteratur sehr über-|
sichtlich dargestellt und mit schönen eingedruckten Abbildun-
gen erläutert worden ist; letztere sind meist dieselben Kopien,
wie sie sich in der Cyelopaedia of anatomy and phy-
siology vorfinden. Rymer Jones befolgte dabei jene
systematische Anordnung, welche durch M’Leay und Owen
in England ‚eingeführt worden ist. Die Helminthen werden
hiernach in die beiden Ordnungen Sterelmintha und Coel-
elmintha geschieden, welche ganz den beiden von Cuvier
aufgestellten Ordnungen des intestinaux parenchymateux et
cavitaires entsprechen, aber von einander getrennt in zwei
verschiedene Klassen gestellt werden ; so enthält nämlich die}
*) Stiebel: die Grundformen der Infusorien in den Heilquellen.
1841 S. 20.
*%) Dujardin: histoire naturelle des Zoophytes, Infusoires, com-
prenant la physiologie et la classification de ces animaux. Paris.
1841 8. 37. ;
*®) Rymer Jones: a general outline of the animal kingdom and
manual of comparative anatomy. London 1841 8.79 und 9.
341
Klasse Acrita (M’Leay), welche der Klasse Oryptoneura (Ru-
dolphi) analog gebildet ist, die Ordnungen der Spongiae,
Polypi, Polygastrica, Acalephae und als letzte Ordnung die
Sterelmintha, während die Klasse Nematoneura (Owen) mit
der Ordnung der Coelelmintha beginnt, worauf dann die Bryo-
x0a, Rotifera, Epizoa und Echinodermata folgen. Auf der
28. Tafel der Icones zootomicae hat Wagner eine Reihe
von Copien aus bekannten helminthologischen Schriften zusam-
mengestellt.*)
Nematoiden.
Über den Guinea-Wurm hat Me. Clelland eine Abhand-
lung geliefert, **) welche zwar grossentheils Bekanntes ent-
hält, jedoch auch einige eigene Wahrnehmungen mittheilt, von
welchen folgende, auf die Fortpflanzung bezügliche in der
Hauptsache eine Bestättigung schon bekannter Thatsachen sind.
Bei der Durchschneidung eines Wurms, 3” von der Körperspitze,
floss eine bläulich weisse, milchige Flüssigkeit aus, welche bei Ver-
grösserung eine Menge von Jungen enthielt, die durchaus der
Mutter ähnlich waren, nur dass sie eine viel höhere Lebendigkeit
zeigten. Die Zahl der in einem Tropfen der Flüssigkeit enthaltenen
Jungen mochte mindestens tausend sein. In Wasser gethan lebten
die Thierchen so lange, als sie sich noch in ihrer schleimigen Um-
gebung befanden, und starben bald, wenn sie unmittelbar ins Wasser
geriethen. Ein Tropfen der schleimigen Flüssigkeit mit den Jungen
war auf einer Glasplatte eingetrocknet, sie wurde nach 24 Stunden
mit warmem Wasser befeuchtet, und die Thierchen erhielten ihre
Lebendigkeit wieder, ehe das ganze aufgeweicht war, und hewegten
sich mit dem einem Körperende sehr lebhaft, während das andere
angetrocknet war; als sie, um sie vollends zu befreien, über Wasser-
dampf gehalten wurden, starben sie durch die Hitze. Mc. Clelland
meint, dass der Guinea-Wurm seine Brut nicht in dem Ind, ahsetze,
welches er selbst bewohnt, — dieses müsste bei der ungeheuren
Zahl der in einer Mutter vorhandenen Jungen in Kurzem zu Grunde
gehen, — sondern dass er, um seine Brut abzusetzen, sich an die
Oberhaut begebe, hier durch seinen Reiz einen Ahscess veranlasse,
durch welchen die Jungen nach aussen abgesetzt würden. Hier hatte
auch Dr. Duncan diese Jungen gefunden, doch in einem torpiden Zu-
stande, Da die Jungen eintrocknen können, ohne dadurch die Lebens-
*) Rud. Wagner: Icones zootomicae 1841,
**) Remarks on Dracunculus, The Calcutta Journal of Nat. Hist.
cond. by J. M’Clelland. Vol. I. 8.359.
' 342
fähigkeit zu verlieren, könnten sie leicht von einem Ind, aufs andere
gelangen; sie wären nicht grösser als Sonnenstäubehen, deren
Tausende mit jedem Athemzuge in die Lunge gelangen, und es be-
dürfe nichts als der Berührung mit einer feuchten Haut, um ihre Lebens-
thätigkeit zu erwecken: ‚It appears to [me to be great folly to
dispute as to whether such minute particles can enter the human body
by the stomach or by the skin” setzt M’Clelland hinzu. Die Ver-
zauthung, dass der Wurm hermaphroditisch sei, ist nicht begründet; *) I
eben so wenig möchte die Voraussetzung, dass es mehrere Arten dieses
Wurmes gebe, dass namentlich der in Westindien vorkommende von
den in Indien und Afrika einheimischen specifisch verschieden sei,
die Wahrscheinlichkeit für sich haben, da durch den Sclavenhandel
die Übertragung des Wurms von Afrika nach Amerika sehr erklär-
lich ist,
Valentin fand in dem Mesenterium von Oyprinus tinca
bei 'mikroskopischer Untersuchung. zahlreiche grössere und
kleinere Chrysaliden, **) welche innerhalb einer doppelten Hülle
zwei rundliche, durch einen gewundenen Strang verbundene
Gebilde enthielten; neben diesen regungslosen Chrysaliden
existirten zahlreiche, sieh lebhaft bewegende Filarien, Ähn-
liche puppenartige Körper und kleine Filarien sah Valentin
auch zwischen der Muskel- und Schleimheit des Magens und
Darmkanals von Rana esculenta, wobei die Würmer sich theils
ausserhalb theils innerhalb der Puppenhülsen befanden.
Von Mayer haben wir eine ausführliche Arbeit über Zr.-
chocephalus erhalten, ***) welche derselbe mit recht hübschen
Abbildungen begleitet hat. ä
Wenn Mayer von Trichoceph. dispar angiebt, dass der Darm-
kanal bis zur ersten Abschnürung, welchen Absclmitt ich als Öso-
phagus betrachte, aus einem geraden mittleren Kanale und einem
seitlich mit ihm verbundenen, Säcke bildenden Organe bestehe, so
kann dies nur auf einer Täuschung beruhen, der äusserst lange Ösopha-
zus ist nämlich mit einer unzähligen Menge von dicht auf "einander
folgenden Einschnürungen versehen, welche demselben nach vorne
hin einen sägeförmigen und nach hinten hin einen wellenförmigen
”) T.X. F.1 ist die Körperspitze des Männchens mit vorragendem
Penis, F.2 die etwas eingerollte Körperspitze des Weibchens abge-
bildet. Die Figuren sind alle sehr roh.
**) Valentin: Repertorium S. 53.
**%) Mayer: Beiträge zur Anatomie der Entozoen. Bonn 1841 8.4
Tab; I, und U. und Froriep’s Neue Notizen Nr, 396 8. 345, Penis von
Trichocephalus dispar. Fig.3 und 4 auf der Tafel Nr. 392.
343
2 Umriss geben; die Höhle des Ösophagus wird von diesen Einschnü-
‚ zungen nicht getroffen und läuft von der Mundöffnung bis zum Ein-
tritt in den Darm (Magen) gerade und unabgetheilt fort. Mayer
| hat auf einer Hälfte des vorderen Theiles des Wurmes der Länge
nach eine feinkörnige Drüse und an der Stelle, wo der Ösophagus
in den Magen übergeht, zwei ovale gelbliche-Körper bemerkt, von
welchen Organen er das erstere als grosse Speicheldrüse und die
beiden letzteren als Leber. ansehen möchte, Der Hoden beginnt im
unteren Ende des Leibes und läuft als ein schmächtiger darmförmigef
Kanal unter vielen wellenförmigen Windungen bis zu der Stelle des
Körpers herauf, an welcher sich der letztere peitschenschnurförmig
verdünnt, hier biegt der Hode sich um und erweitert sich zu einem
weiten Schlauche, der sich bis zum hinteren Viertel des Körpers
herab erstreckt und durch zwei Einschnürungen in drei längliche
Abschnitte geschieden wird, welche als drei Samenblasen angesehen
werden können, die unterste Samenblase geht in einen engeren Aus-
führungsgang über, der in den Scheidenkanal des Penis einmündet.
Der ungemein lange einfache Penis ist an seiner Wurzel mit einer
starken Muskelmasse, dem retractor et sustentator penis versehen,
und zunächst von einer zarten häutigen Scheide umgeben, welche
vor der Spitze des Penis eine feine Öffnung besitzen soll, woran
Ref, jedoch zweifelt. Diese Scheide schlägt sich an der Wurzel des
Penis nach vorne um, wird viel weiter, und geht dann in eine der-
bere Haut über, welche den Penis als dritte Scheide einhüllt. Diese
letztere ist mit konischen, nach hinten gerichteten Stacheln reihen-
weise dicht besetzt; diese Theile hat Mayer sowohl von Trichoceph.
affınis als auch von Trichoceph, dispar abgebildet, diese äussere
Scheide hat Ref. auch bei Trichoceph. unguieulatus ähnlich gebildet
gefunden, pur standen hier die Stacheln nicht so dicht beisammen,
Ganz unrichtig ist von Mayer der Verlauf des Darms am Hinter-
leibe der männlichen Trichocephalen aufgefasst und abgebildet wor-
den. Der Darm läuft keineswegs, wie Mayer angiebt, in ein kur-
zes verengertes Ende aus, welches schief gegen die Spitze des Kör-
perendes hingehend, daselbst neben der Geschlechtsöffnung mit der
Afteröffnung nach aussen münden soll, Mehlis hat den Verlauf des
Darıns ganz anders beschrieben (Isis 1831 8.86), der Mastdarm ver-
bindet sich nämlich nach Mehlis Beobachtung zunächst mit einem
aus der untersten Samenblase hervortretienden muskulösen Kanale,
der als ductus ejachlatorius betrachtet werden kann, dieser Kanal
mündet weiterhin wiederum in die Muskelscheide des Penis ein, und
diese letztere setzt sich allein bis zum hinteren Leibesende fort, wo
sie mit gemeinschaftlicher Öffnung für Darm und Gesehlechtsorgan
endigt. Creplin hat sich von der Richtigkeit dieser Angabe bei
Trichoceph, dispar überzeugt,*) und Ref. kann dasselhe nicht allein
”) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. 0. 8.81.
344
von Trichoceph. dispar, sondern auch von Trichoceph. unguieulatus
bestättigen. Auch Busk lieferte Bemerkungen über den anatomischen
Bau von Trichoceph, dispar,*) ohne aber viel Neues gegeben zu
haben. Dass die weiblichen Trichocephalen keine gemeinschaftliche
Öffnung für Geschlechts- und Verdauungswerkzeuge, sondern eine
besondere, vom After weit entfernte Vulva besitzen, lehrt Busk
uns nicht als etwas Neues, da Creplin schon längst den hier von
älteren Helminthologen ausgegangenen Irrthum berichtigt hat (s. des-
sen observationes de entozois 1825 8. 8). Die weiblichen Geschlechts-
werkzeuge der Trichocephalen hatMayer sehr ausführlich beschrie-
ben und schön abgebildet. **) Das einfache Ovarium beginnt im hin-
teren Ende des Körpers mit einem Knöpfchen, welches in einen ganz
kurzen geraden Kanal übergeht, der sich bald stark erweitert und
sich wellenförmig bis zur Vulva herauf erstreckt, hier beugt er sich
als dünner Kanal wieder um und verläuft dann gerade gestreckt nach
dem entgegengesetzten Ende des Körpers hin, wo er von neuem
sich umwendet und sehr stark erweitert; diesen Theil, der anfangs
ohne Windung nach vorne verläuft, sich nachher verengert und als-
dann wellenförmig gewunden sich mit der Vulva verbindet, nannte
Mayer Eierleiter, mir scheint es passender, den geraden und wei-
ten Abschnitt dieses Schlauchs als Uterus und den engen gewunde-
nen und dickwandigen als Eierleiter oder Vagina zu betrachten; die
innere Fläche dieser Scheide sah Mayer, wie die äussere Scheide
des Penis mit rückwärts gerichteten Stacheln besetzt. Die in dem
Ovarium enthaltenen Eier haben eine rundliche oder ovale, zuweilen
unregelmässige Gestalt, das Keimbläschen konnte Mayer in ihnen
nur selten deutlich erkennen, auch ich konnte bei Trichoceph. dispar
dasselbe schwer auffinden, während mir es bei den unregelmässig
gestalteten Eiern aus dem Eierstocke von Trichoceph. unguieulatus
sehr leicht in die Augen fiel. Die Eier des Eierleiters (Uterus),
dessen Wände Mayer aus kleinen ovalen Zellchen bestehend er-
kannte, hatten eine eiförmige Gestalt und liessen an beiden Polen
ein kleines Knöpfchen bemerken, die Dottersubstanz nebst dem Keim-
bläschen war im Inneren des Eies von einer besonderen Haut um-
schlossen. Durch diese Beschreibung, so wie durch die von Mayer
gelieferte Abbildung auf Tab. II. Fig. 8 m m bekömmt man noch kei-
nen deutlichen Begriff von dem Verhalten der Eihüllen bei Tricho-
cephalus; mir hat es sowohl bei Trichoceph. dispar als bei Tricho-
ceph. unguiculatus geschienen, als wäre die diekwandige äussere
Eihülle (Chorion) an beiden Enden abgestutzt und als ragte aus den
beiden abgestutzten Stellen die innere Eihülle (Amnion) hervor und
bildete so die beiden vorhin erwähnten Knöpfe oder Zipfel; die von -
*) Annals of (he natural history. Vol. VII. 1841 S. 212. On the -
anatomy of Trichocephalus dispar.
*r) Mayer: Beiträge S.9 Tab, UI,
345
\
Mayer auf Tab. Il. Fig.8 m und rn abgebildeten Eier lassen sich
mit dieser Ansicht recht gut in Einklang bringen, nur dass hier die
an beiden Enden der Eier hervorragenden Zipfel isolirt dargestellt
sind und nicht als Fortsetzung des Amnion’s erscheinen. Die Leibes-
wände von Trichocephalus bestehen nach Mayer aus sechsseitigen
Zellen mit eingeschlossenen Bläschen (Zellenkernen), Mayer sah
also ein auf den Anfangsstufen der Ausbildung stehen gebliebenes,
thierisches Gewebe, liess sich aber verleiten, obgleich er sowohl bei
den männlichen als auch bei den weiblichen Individuen diese Struktur
wird angetroffen haben, jene Bläschen (Zellenkerne) für Keimbläs-
chen anzusehen und zu vermuthen (S.9), das eigentliche Oyvarium
läge hier in der Masse des ganzen Körpers zerstreut. Wenn Busk
behauptet, *) dass bei Trichocephalus sich die Eier erst kurz vor der
weiblichen Geschlechtsöffnung vollkommen ausbilden (become per-
fectly formed), weil sie hier von der Samenflüssigkeit erreicht wer-
den können, so ist dies gewiss unrichtig. Ob die beiden feinen rothen
Kanäle, welche nach Mayer in der Nähe des Magens bei den Tri-
chocephalen beginnen, am Leibe herablaufen und seitlich am After
auszumünden scheinen, wirklich Gefässe sind und Blut enthalten, **)
möchte ich noch, bis genauere Untersuchungen darüber angestellt
worden sind, in Zweifel ziehen. Vom Nervensysteme fand Mayer
keine Spur Derselbe traf den Trichocephalus dispar auch bei Ne-
gern sehr häufig an, wo er sonderbarer Weise schwärzlich gefärbt
war.***) Im Blioddarme von Simia Satyrus entdeckte Mayer eben-
falls Peitschenwürmer,7) deren Männchen gerade gestreckt waren
und nur eine ganz geringe hakenförmige Krümmung am Hinterende
besassen, so dass, da auch am Penis einige Abweichungen zu be-
merken waren, diese leicht einer besonderen Species angehören
dürften.
Von Oxyuris ambigua hat Mayer ein Männchen und das
Schwanzende eines Weibchens abgebildet, an welchem er zu jeder
Seite eine Reihe von kleinen ovalen Bläschen oder Körnern in einem
Saum der Haut eingeschlossen fand. 57) An den Eiern dieses Pfrie-
menwurms, welche Jänglich oval und öfter halbmondförmig eingebo-
gen waren, konnte Mayer zwei Häute und innerhalb des Dotters
ein Keimbläschen erkennen.
Dujardin erklärt die zur Gatt. dnguillula Ehrb,. ge-
gehörigen Thierchen mit Recht für Nematoideen, FF’f) und stellt
*) Annals of the nat. hist. Vol. VIN. 8. 212,
*") Mayer: Beiträge 8. 11.
"r) Ebenda. 8.11.
+) Ebenda, 8. 12.
+4) Ebenda. 8.14 und 16.
++7) Dujardin: Infusoires a. a. 0. 8.675,
346
die ihnen zugeschriebene Eigenschaft, vertrocknet und ange-
feuchtet wieder aufzuleben, nicht, (wie Ehrenberg,) in
Abrede.
Dass Creplin diese Gattung Anguillula, welche in ihrem
inneren Bau mit denNematoideen so sehr übereinstimmt, von den
Helminthen ausgeschlossen haben will,*) dem wird man um so weni-
ger beistimmen, da Creplin selbst die Ähnlichkeit zwischen Anguil-
Iula und den Nematoideen noch ganz besonders darthut, indem
er auf eine grosse feingeringelte, } bis 1 Lin. Jange Anguillula
aufmerksam macht, welche in dem Schmutze einer Dachrinne gefun-
den wurde;**) sie besass drei grosse Kopfknoten, die Männchen
trugen, wie die Männchen der Strongyli, eine mit starken Rippen
versehene bursa caudalis an sich, während bei den Weibchen die
Vulva an der hinteren Körperhälfte weit vom Schwanzende ent-
fernt lag.
Von Hermann in Wien wurden bei einem Pferde zwi-
schen den krankhaft aufgelockerten Häuten der grossen Schien-
beinarterie eine Menge Würmer gefunden, welche nach Die-
simg’s genauerer Untersuchung eine neue Gattung von Ne-
matoideen bilden. ***) >
Die von Hartmann beigefügte sehr mittelmässige Abbildung
ist nicht geeignet, einen Begriff von der Beschaffenheit dieser Wür-
mer zu geben, und man muss sich daher lediglich an die Beschrei-
bung halten, welche Diesing in folgender Art von diesen Schma-
rotzern gegeben hat: Onchocerca Dies. Entozoon ex ordine Ne-
matoideorum. Corpus teres elasticum, utraque extremitate attenua-
tum, feminae spirale, maris magis extensum, gracilius. Caput rotun-
datum, ore centrali minimo. Cauda feminae nttenuata, maris exca-
vata, spieulo (duplici?) lobulis duobus verticalibus excepto; lobulis
singulis supra papilla infra uncinulo parvo. O. reticulata. Longi-
“{udo feminarum 18 linearum et ultra, crassities ! lineae eirciter. Cor-
pus maris (semel tantum reperti) pollicem et dimidium longum, + li-
neae crassum. Feminac corpus annulis validioribus hine inde dicho-
tomis et retieulatim confluentibus. x
Valentin empfiehlt die Trichina spiralis als recht geeig-
*) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. 0. 8.76.
*r) Ebenda. S. 83.
**) Österreichische medicinische Wochenschrift Nr. 9 1841 8.199.
Trichina, bei einem Pferde gefunden. VonHermann. (Diese Über-
schrift muss auffallen, da Diesing, wie er mir brieflich mitgetheilt,
diesen Würmern den Namen Trichina reticulata nur provisorisch
beigelegt und dieselben (8.200) in der Note als besondere Gattung
unter dem _Namen Onchocerca bezeichnet hat.)
347
net, den Vererdungsprocess der Entozoen und Entozoen-
hüllen zu zeigen,*) da offenbar die zwischen der äusse-
ren und der inneren Hülle ihrer Cysten gelegene Körner-
masse, welche an unorganischen Salzen reich ist, als der
erste Anfang dazu betrachtet werden kann. Demselben scheint
es (wie auch dem Referenten, s. dies, Archiv 1837 II. S.255)
ebenfalls sehr zweifelhaft, ob das in der Tyichina von mehre-
ren Forschern beschriebene körnige Organ als Eierstock rich-
tig gedeutet sei.
Über die in den Respirationswerkzeugen und dem Blut-
gefässsysteme des Delphinus Phocaena schmarotzenden Nema- .
toideen haben Quekett und Eschricht Beobachtungen mit-
getheilt. ,
Von Quekett werden die Untersuchungen Kuhn’s (Memoires
du Musdum d’hist. natur. T. XVII, 19829 S. 357) bestättigt**) und
ebenfalls drei in den Lungen des gemeinen Delphins beisammen
lebende Arten von Strongylus, nämlich Strong. inflexus Rud., Strong.
minor K. und Strong. convolutus K. angenommen; auch Eschricht
erkannte die zwischen den grossen Exemplaren des Strong. inflewus
"vorkommenden kleineren Individuen als besondere Art,***) da sie
nicht allein eine verschiedene Gestalt haben, sondern auch stärker
entwickelte Zeugungsorgane, und einen anders gestalteten Penis
besitzen. Den von Eschricht für diese Art vorgeschlagenen Na-
men, Sirong. vaguns, wird man wohl wieder fallen lassen müssen, in-
dem diese kleinen Strongyli höchst wahrscheinlich zu Strong. minor
gehören. Nach Eschrichtz}) bilden bei Strong. inflexus zwei dunkle
S-förmige Körper den Penis; über die Bedeutung zweier runden
augenähnlichen Körper dieses Wurms konnte dieser Forscher nichts
ermitteln; derselbe schreibt die schwarze Färbung des Darms der
zwischen den Wandungen des Nahrungsschlauchs der ganzen Länge
nach verbreiteten und als Leber zu betrachtenden Substanz zu. Die
innere Struktur der weiblichen Geschlechtstheile dieses viviparen
Strongylus soll nach Eschricht genau dieselbe sein wie bei Ascaris
lumbricoides, womit er zu verstehen geben will, dass die Eier die-
ses Wurms in den Ovarien eine keilförmige Gestalt haben und mit
ihren zugespitzten Enden um eine Axe herumsitzen (s. dieses Archiv
*) Valentin: Repertorium a.a.0. 8, 194.
) Annals of nat. bist, Vol. VII. 1842 (Novemb. 1841) 8. 151.
Quekett; on four species of the genus Strongylus from the common
porpoise.
*"") Kroriep's Neue Notizen Nr. 433 8. 231.
+) Ebenda. Nr, 43% 8.214 und Isis 1841 8.704.
348
1841 IT. S. 292). Eschricht sowohl als Quekett haben in tuber-
kelartigen Cysten der Lunge des gemeinen Delphins kugelförmig zu-
sammengeknäulte kleine Würmer gefunden, welche Eschricht für
Junge Strongyli erklären wollte.*) Quekett traf fünf bis sechs‘
Individuen in einer Cyste an,**) auch ich sah stels mehrere (drei bis
vier) Individuen in einer und derselben Cyste eingeschlossen, unter
welchen ich fast immer ein Männchen vorfand. Quekett beschreibt
diese Schmarotzer, an welchen er ebenfalls die viel kürzeren Männ-
chen von den längeren Weibchen unterscheiden konnte, nicht ge-
nauer, legt ihnen aber den Namen Strongylus vaginatus bei; ich
kann versichern, dass diese Nematoideen weder junge Individuen
von einer der vorhin erwähnten drei Strongylus-Arten, noch über-
haupt Strongyli sind. Ihre Geschlechtsorgane habe ich immer voll-
ständig ausgebildet gefunden, bei den viviparen Weibchen sah ich
die Vulva des doppelten Uterus, wie bei der Gattung Filaria, dicht
neben der einfachen Mundöffnung angebracht, weshalb ich diese
Thiere in meinem Tagebuche (im Oktober 1837) als Filaria inflexo-
caudata und nicht als Strongylus verzeichnet habe, den Männchen
fehlt durchaus die bursa caudalis, welche die Gattung Strongylus
characterisirt, auf der anderen Seite besitzen aber jene Schmarotzer
einen doppelten kurzen Penis, was wieder gegen die Gattung
Filaria spricht.
Es ist auffallend, dass der Strong. inflevus in, den Luftwegen
von Delphinus Phocacna fast allgemein und in ungeheuerer, Menge
vorkommt, während Holböll und Eschricht weder die grönlän-
dischen Wallfische noch den Delphinus albicans von diesem Wurm
geplagt fanden. ***)
Yonatt,--) welcher von einem Liebhaber der Federviehzucht
wegen einer Krankheit, durch welche er seit einer Reihe von Jah-
ren viele seiner jungen Hühner verloren, um Rath gefragt. wurde,
fand bei der Sektion Würmer in der Luftröhre der Hühner und er-
innerte sich einer Ähnlichen von Blavette beobachleten Krankheit;
die Würmer sind nicht näher beschrieben worden, mögen aber in
beiden Fällen zu Strongylus trachealis gehört haben,
Unter des Ref. Leitung hat Bagge helminthologische Un-
tersuchungen angestellt, +) welche hauptsächlich auf die Ent-
wickelungsgeschichte der Nematoideen gerichtet waren;
*) Froriep’s Neue Notizen Nr. 433 8. 231.
**) Annals of nat. hist. Vol. VIII. a a. 0.
9) Froriep’s Neue Notizen Nr. 411 8. 233.
+) The Veterinarian. 'Octob. 1840 und Magazin für die gesamte
Tbierheilkunde 1841 S. 500.
++) Bagge: dissertatio inauguralis de evolutione Strongyli auricu-
laris et Ascaridis acuminatae. Erlangae 1841.
349
wir verdanken dem Zeichentalente desselben eine seiner Arbeit
beigegebene ausgezeichnet schöne Kupfertafel, auf welcher der
Düurchfurchungs-Prozess, welchen Ref. schon früher (Burdach’s
Physiologie Bd. II. 1837 S.211) an den Dottern der befruch-
teten Nematoideen-Eier nachgewiesen hatte, an den Eiern von
Strongylus auriceularis und Ascaris acuminata dargestellt ist.
Zuerst giebt Bagge’s Dissertation über die allmälige Ausbil-
dung des Nematoideen-Eies Auskunft: in den äussersten Enden der
Ovarien sind von den Eiern die Keimbläschen mit ihrem Keimflecke
zuerst erkennbar, ıım diese lagern sich bei dem weiteren Fortrücken
in der Eierstocks-Röhre Dotterkörner nach und nach herum; es
grenzen sich später die Dotterhaufen von einander ab, und in die
verengerte tuba Fallopii eingetreten, erhalten sie, in einer einfachen
Reihe hinter einander liegend und weiter vorrückend, eine oben und
unten abgeplattete Gestalt. Im oberen Ende des Eierleiters haben
die Eier alsdann (bei Strong. auricularis) seitlich betrachtet ein
queroblonges, im mittleren Theile desselben ein quadratisches An-
sehen und erscheinen im unteren Ende wieder als Oblonge, stecken
aber hier der Länge nach in der Röhre des Eierstocks-Leiters. So
wie sie aus den Tuben in den fundus uteri hinüberschlüpfen, nehmen
sie sogleich eine ovale Gestalt an. In allen diesen Formen der Eier
leuchtet das Keimbläschen deutlich aus dem Dotter hervor. Diejeni-
gen Eier, welche im Uterus etwas weiter vorgerückt sind, und also
schon einige Zeit länger dort verweilt haben müssen, verlieren den hel-
len Fleck (das Keimbläschen) in ihrer Mitte, noch füllt indess der Dotter
den ganzen inneren Raum der Eihülle aus; nach dem Verschwinden
des Keimbläschens scheinen sich die Dotterkörner dichter in sich zu-
sammen zu drängen, indem die Dottermasse nicht mehr wie früher
die Höhle der Eihülle ganz ausfüllt, sondern an beiden Polen des
Eies einen leeren Raum übrig lässt, ausserdem erscheint jetzt der
ganze Dotterkörper durchaus scharf abgegrenzt, gleich als wenn er
sich mit einer besonderen Hülle umgeben hätte, Von jetzt ab geht
die Durchfurchung des Dotters in bekannter Weise vor sich, und
man sieht bei den Nematoideen deutlich, dass hier die ganze Dot-
termasse nach und nach in den Embryo selbst sich umwandelt. Es
bleiben, wenn der Embryo schon längst gebildet ist, in demselben
noch Dotterkörner übrig, welche zwischen Cutis und Darmkanal in
der Leibeshöhle frei verbreitet liegen. Bei allen erwachsenen weib-
lichen Individuen von Strong. auricularis und Asc. acuminata, welche
Brut bei sich hatten, konnten wir im fundus uteri eine Menge klei-
ner, unbeweglicher und mit einem Kerne versehener Bläschen wahr-
nehmen, durch welche sich die Eier, wenn sie aus den Eierstocks-
Leitern hervortraten, hindurchdrängen mussten. Da sich in jungen
Weibchen diese Körperchen nicht vorfanden, so drängte sich die
Vermuthung auf, ob diese Körperchen nicht Spermatozoen seien,
350
welche nach der Begattung an jenen Ort gelangt sein könnten. Es
konnten die Spermatozoen nur aus den Männchen von Sirongylus
auricularis zur Vergleichung benutzt werden, sie stellten kleine
birnförmige, ebenfalls unbewegliche Körperchen dar, an deren stum-
pfem Ende ein Bläschen mit einem Kerne zu erkennen war, welches
in Grösse und Form mit den in dem ftundus uteri der Weibchen vor-
gefundenen Bläschen übereinstimmte. Wenn auch nicht ganz fest-
gestellt ist, dass jene Körperchen wirklich aus den Männchen in den
Uterus der Weibchen gelangt sind, so ist doch hiemit eine Anregung
gegeben, auch die Samenmasse der Nematoideen einer genaueren
mikroskopischen Untersuchung zu unterwerfen. Die Untersuchungen,
welche ich bisher über diesen Gegenstand angestellt habe, haben mir
das merkwürdige Resultat geliefert, dass die Spermatozoen der Ne-
matoideen in Form und Wesen auffallend von den haarförmigen
und sehr beweglichen Spermatozoen-Fäden der Acanthocephalen,
Trematoden und Cestoideen abweichen, indem sie. bei ihrer Ent-
wickelung meist auf der Stufe einer mehr oder weniger deutlichen
Zellenform stehen bleiben und niemals Bewegungen äussern.
Ausserdem hat Bagge noch ein eigenthümliches Organ .von
Ascaris acuminata abgebildet, welches Ref. bei beiden Geschlechtern
von Asc. acuminata und Strong. auricularis aufgefunden hat. Es
besteht dieses Organ aus zwei (blinddarm-ähnlichen ?)-Röhren, wel-
che am Darme heraufsteigen und unterhalb der Stelle, wo der Darm
mit dem Bulbus des Ösophagus zusammenhängt, sich von beiden Sei-
ten her vereinigen und mit einer gemeinschaftliehen, von einem mus-
kulösen Wulste-umgebenen Querspalte nach aussen münden. Der
Inhalt dieses Organs schien mir, von einer homogenen Flüssigkeit
gebildet zu werden, deren Bestimmung mir bis jetzt noch nicht klar
geworden ist, vielleicht besitzt sie eine ätzende Eigenschaft, und
veranlasst durch ihren Reiz in dem Darme der Frösche eine stärkere
Absonderung von Schleim.
Van Beneden bestättigte die Beobachtungen des Ref,
und erkannte ebenfalls, *) dass die ganze Oberfläche des Dot-
ters bei der Entwickelung der Nematoideen zur Oberfläche
des Embryo sich umbildet.
Eschricht bemerkte bei Ascaris lumbricoides ın
den Hoden eine Längsaxe, um welehe Körperchen von ziem-
lich regelmässiger Gestält herumliegen.**) Sie enthalten ein
der vesicula Purkinjii analoges Bläschen, im weiteren unteren
*) Memoires de l’Academie royale des sciences et belles-lettres
de Bruxelles: Tom. XIV. 1841. Van Beneden: sur Vembryogenie des
Sepioles p. 5. h
*r) Froriep’s Neue Notizen Nr. 434 S. 245.
351
Ende der männlichen Organe zeigten sich kugelförmige Kör-
per, welche mit winzigen Körnchen bestreut waren. Esch-
richt warf die Frage auf, ob diese Körperchen Samenthier-
chen-Säcke seien? ob sie den Eiern der Weibchen analog seien?
Ich sah ebenfalls zellenförmige, eine feinkörnige Masse ent-
haltende Spermatozoen bei dem Spulwurme und berufe mich
auf das vorhin über die Spermatozoen der Nematoideen
Gesagte. Nach Gluge*) zeigte sicli der Eileiter von Ascaris
lumbricoides aus zwei Membranen zusammen ‚gesetzt, deren
äusserste muskulös ist und merkwürdig genug aus querge-
streiften sehr zarten Muskelbündeln bestehen soll,
Mayer lieferte einige Bemerkungen über den Verlauf des
Verdauungskanals und der Geschlechtswerkzeuge von Ascaris
acuminata und. brevicaudata.**)
Derselbe möchte Ase. nigrovenosa für nichts anderes als für dsc.
acuminata halten, welche zufällig durch Einsaugung schwarzer
Pigmentmasse in den Darmkanal schwarz gefärbt ist, was durchaus vor
der Hand gewiesen werden muss. Beide haben fast nicht die ge-
zingste Ähnlichkeit mit einander, Asc. nigrovenosa besitzt einen ziem-
lich einfachen, nach unten nur etwas angeschwollenen Ösophagus,
während letzterer bei Asc. acuminata ganz die Gestalt einer Mör-
serkeule besitzt, was Mayer übersehen zu haben scheint. Die Epi-
dermis von Asc. nigrovenosa ist äusserst charakteristisch und eigen-
thümlich gebildet, sie steht überall von dem Leibe des Wurms weit
ab, besitzt nicht die bekannten Querringeln, sondern bildet eine Menge
langer Querfalten, ‘welche bei dem Pressen der Epidermis zwischen
Glasplatten sich aus einander ziehen und verlieren, Diese Querfalten
geben dem Wurme, wenn man ihn längs den Seiten herab betrachtet,
ein gefranztes Ansehen. Gluge hat sich hierdurch täuschen lassen,
indem er diese Ouerfalten für paarweise gestellte Fäden hielt, die
er sich bewegen sah.***) Derselbe bemerkte bei dieser Ascaride zu
beiden Seiten des Vorderendes des Leibes eine Reihe heller Kügel-
chen, deren Bestimmung ihm unbekannt geblieben ist. Nach Gluge
soll Ascaris nigrovenosa ihren Beinamen nicht von der dunklen Farbe
des Darmes, welcher mit blossem Auge nicht sichtbar sei, erhalten
haben, sondern der Eierstock, welcher da, wo die Eier am gehäufte-
sten sind, einen schwarzen Fleck bildet, habe dem Thiere den Namen
*) Gluge: anatomisch-mikroskopische Untersuchungen zur allge-
meinen und speciellen Pathologie. Jena 1841 8.199. Desselben Ab-
handlungen zur Physiologie und Pathologie ist dasselbe Buch.
*") Mayer: Beiträge a.a. 0, 8. 17.
") Gluge: a.a.0, 8,200,
352 ! L
gegeben; es ist nicht zu begreifen, wie Gluge zu dieser Ansicht
gekommen ist, aber auch kaum der Mühe werth, sie zu widerlegen.
Es war mir interessant, bei Asc. nigrovenosa deutlich zu erkennen,
dass dieser Schmarotzer wirklich Blut in seinen Darm aufnimmt. Es
enthält nämlich der letztere in seinem vorderen Theile eine hellrothe
Flüssigkeit, welche allmälig, nach dem Hinterende des Darmes zu,
eine dunkelbraune Färbung annimmt. In dieser Flüssigkeit schwe-
ben nach vorne eine Menge kleiner Jänglicher Körperchen, welche
»ach hinten nach und nach verschwinden und an deren Stelle eine
dunkle Molekülen -Masse tritt. Diese länglichen Körperchen sind
nichts anderes als die Kerne der Batrachier -Blutscheiben, welche
noch von den zerknitterten und entfärbten Hüllen umgeben werden.
Lässt man diese länglichen Körperchen einige Zeit mit Wasser in
Berührung, so blähen sich die zerknitterten Hüllen wieder auf, und
man überzeugt sich jetzt, mit Wasser behandelte Blutkörperchen von
Fröschen vor sich zu haben, welche ihre rotle Farbe an die Flüs-
sigkeit, in welcher sie schweben, abgegeben haben. Gluge ver-
suchte bei Fröschen die Inokülation dieser Thiere, aber ohne Erfolg;
derselbe hat nicht ein einziges Männchen dieser Schmarotzer ange-
troffen, auch ich suchte bisher vergebens nach einem solchen. Den
Durchfurchungsprozess der Eidotter von Ascaris nigrovenosa hat
Mayer beobachtet und abgebildet,*) wozu auch Bagge einige
Beobachtungen geliefert hat. **)
Nach Fischer v. Waldheim***) soll bei Ascaris Ium-
bricoides zu beiden Seiten der Seitenlinie eine Reihe von vier-
eckigen mit einer zarten netzartigen Haut verschlossenen Öf-
nungen ‚herablaufen, welche er für Athemorgane halten anbchie,
wenn Gefässe an diese Organe heranträten.
Über die angeblichen jungen Aale, welche nichts anderes
als grosse Exemplare von Ascaris labiata waren, hat Creplin
einige Bemerkungen mitgetheilt. 7)
Über das Durchbohren und Verändern des: Aufenthalts-
ortes wurden von Nematoideen verschiedene Beispiele auf:
geführt.
Valentin erwähnt eines Strongylus armatus, 47) welcher in
*) Mayer: Beiträge S. 37.
**) Bagge: Dissertatio S. 10.
**r) Bulletin de la societ€ imperiale des naturalistes de Moscou.
1840 Nr. II, S.139, Notata quaedar de enthelminthis una cum recen-
sione specierum, duarumqgue novarım, aMiram museo academico do-
natarum, auctore Fischer de Waldheim.
Fr) Dieses Archiv 1841. I. S. 230.
++) Valentin: Repertorium 1841 S. 51.
353
dem Blute der scheinbar unverletzten Pfortader eines Pferdes gefun-
den wurde und wahrscheinlich vermittelst seiner Bewaffnung das
Gefäss durchdrungen hat, wo er dann mit dem Blute mehr oder min-
der fortbewegt wurde. Borggreve behandelte ein Kind von fünf
Jahren,*) welches seit vierzehn Tagen über Schmerzen in der Na-
belgegend geklagt hatte; nach einiger Zeit entdeckte er in der Mitte
des geschlossenen Lumen des Nabels, der seit einigen Tagen wund
geworden war, das Rüsselchen eines Spulwurms, welches stets roti-
| rende Bewegungen machte. Er zog, den Rüssel mit der Pinzette
fassend, einen acht Zoll langen Spulwurm hervor, und sahı nach An-
thelminthieis noch 21 grosse Spulwürmer durch den Nabel, und nur
fünf Stück durch den After abgehen. Die im Nabel entstandene
Öffloung schloss sich später wieder ganz von selbst. Bei der Natur-
forscher-Versammlung in Braunschweig kam die Frage zur‘ Spra-
che,**) ob der Darmkanal von Würmern durchbohrt werden könnte,
und wurde von Sachse aus Schwerin bejahend beantwortet, indem
er behauptete, die Bohrversuche der Würmer seien nichts anderes
als Saugversuche. Derselbe erwähnt eines Falles, wo ein 6 Zoll
langer Spulwurm den Nabel einer Frau durchbohrt habe, nachdem -
sich vorher ein furunkelarüger Abscess an dieser Stelle ausgebildet
hat. Die Wunde hatte eine S-förmige Gestalt und bildete eine chro-
nische Fistelöffaung, aus welcher mit jenem Wurme eine chylusähn-
liche Feuchtigkeit getreten war. Einen ähnlichen Fall erzählte Oppen-
heim,***) wobei sich aus einer zwischen Nabel und Symphysis oss.
pubis befindlichen Geschwulst eine Menge Iymphartiger Materie und
zuletzt ein acht Zoll langer Spulwurm entleerte, ohne dass nachher
die dadurch entstandene Fistel heile. Ammon aus Dresden fand in
beiden Fällen einen bestimmten Beweis für die von Spulwürmern
bewirkte Perforation der Gedärme.f) Nach Rokitansky waren in
einem Falle von Wanderungen der Spulwürmer nach den Gallen-
gefässen zwei davon in den Speichelgang des Pankreas gekrochen. FF)
William Thomson spricht die Meinung aus,+47) dass zwei
Gründe die Entozoen verhinderten, sich aus dem Darmkanale nach
den Gallenwegen zu begeben, nämlich 1. weil die Galle ein Element
sei, in welchem kein Entozoon leben könnte, und 2. weil die irrita-
beln Gallengänge und deren Mündung gegen das Eindringen von
*) Medizivische Vereinszeitung, Berlin 1841 8.117.
**) Amtlicher Bericht über die Versammlung der Naturforscher
und Ärzte zu Braunschweig im September 1841 8, 97.
*) Ebenda, 8. 98,
+) Ebenda.
| 4) Bokitansky; Handbuch der pathologischen Anatomie B, Ill,
1841 8.399.
Hr) William Thomson: a practical treatise on the disenses of (he
| liver and biliary passages. Kdinburgh 1841 8.65,
Archiv 8, Naturgeschichte, VII, Jahrg, Bd. 2, L
354
Schmarotzern reagiren würden, das letztere geschehe daher erst
nach dem Tode. Der erste angeführte Grund ist aber nicht haltbar,
wie dies Distomum hepaticum und lanceolatum beweisen, ausserdem
besitze ich in meiner Sammlung drei neue Arten von Distomen, von
denen ich die eine Art in der Gallenblase von Cypselus apus, die
zweite Art in der Gallenblase von Mergus Serrator und Colymbus
septemtrionalis und die dritte Art in den erweiterten Gallengängen
des Delphinus Phocoena angetroffen habe; und ebenso kann ich gegen
den zweiten Grund anführen, dass man bei der Hausmaus nicht sel-
ten eine Taenia mit ihrem Kopfende vom Darme aus, durch den du-
ctus choledochus hindurch, in die Gallenblase hineinragend antrifft.
Einen sehr sonderbaren, auf das Wandern der Helminthen sich
beziehenden Fall hat Böhmi aus der Schweiz mitgetheilt:*) es haben
nämlich bei einem halbjährigen Knaben nach Erbrechen von Spul-
“ würmern, unter Fieberbewegungen und Kongestionen nach dem Kopfe,
sich alle Erscheinungen von Hydrocephalus acutus entwickelt, am
zehnten Tage wurde von dem Kinde ein vier Zoll langer Spulwurm,
der aus dem linken Gehörgange heraushing, mit nachfolgendem Eiter-
„ ausfluss und augenblicklicher Erleichterung für den Kranken entfernt.
Durch den ausgespritzten Gehörgang will Böhmi das durchbohrte
Trommelfell des Kindes, welches jetzt genas, gesehen haben. In der
medizinisch-chirurgischen Gesellschaft, welcher dieser Fall vorge- }
tragen wurde, nahm man allgemein an, dass dem Kinde in der Nacht
ein lebender Spulwurm aus dem Munde gekrochen und daun wieder
durch den äusseren Gehörgang eingedrungen sei, während ein Ent-
zündungsprozess mit' Übergang in Eiterung im linken Ohre Statt
gefunden und sich mit Entfernung des fremden Körpers entleert habe.
Stilling fand’ bei mehreren Fröschen auf den Exsuda-
. ten von Wunden sehr lebhafte, den Ascariden ähnliche Wür-
mer von der Länge einer Par. Lin.,**) an welchen er deutlich
Muskelsystem, Darmkanal u. s. w. unterscheiden konnte, auch
in dem thierischen Stoffe, der sich in dem Gefässe zu Boden
setzte, in welchem z. B. ein Frosch mit amputirtem Schenkel
aufbewahrt wurde, fand Stilling dieselben Thierchen. Wahr-
scheinlich gehörten sie zur Gattung Anguillula oder sind,
wie Hannover vermuthet, aus dem Darmkanale der Frösche
als junge Entozoen entleert worden. ***)
Zu dem früher (s. d. Archiv 1839 II. S. 158) mitgetheil- F
ten Falle, wo eine junge Negerin von zwei unter der Kon-
*) Schweizerische Zeitschrift für Natur- und Heilkunde, Nach
Pommer’s Tode herausgegeb. Nachtrag. Neue Folge, B: III. 1841 8. 156,
**) Müller’s Archiv 1841 S. 314.
**) Ebenda. 1842 8.76.
355
_ junktiva befindlichen Würmern gequält wurde, hat Dr. Blot
noch folgendes hinzugefügt: *)
« Das Negermädchen hätte behauptet, dass diese Würmer von
einem Auge zum anderen gelangten, was sie an dem starken Prik-
keln in den Theilen zwischen den Augen und auf der Nasenwurzel
bemerkte, wirklich sah auch Blot anfangs in jedem Auge einen
Wurm, fand aber nachher, als er zum Estrahiren derselben geschrit-
ten, beide Würmer im linken Auge.
Nach einem von Schwab herausgegebenen Verzeichnisse **)
befindet sich in der Entozoen-Sammlung der Münchner Thierarznei-
Schule ein Strongylus Filaria aus den Bronchien eines Pferdes (1)
und aus der Luftröhre und den Bronchien eines mit schleimiger Lun-
gensucht behaftet gewesenen dreijährigen Schweines (!), letzterer
Schmarotzer ist vermuthlich der von Mehlis beschriebene Strong.
paradozxus.
Von Ascaris lumbricoides equi besitzt dieselbe Sammlung 344 Stüke,
von welchen 12 im Magen, 25im Zwölffingerdarm, 295 im Leerdarm,
9 im Hüftdarm und 3im Blinddarm eines fünfjährigen Weidepferdes
gefunden worden: waren. Schwab fügt hinzu, dass noch weit
grössere Mengen dieses Schmarotzers vorkämen, und dass er einmal
bei einem kachektischen, an Abzehrung leidenden Pferde mehrere
tausend Stücke dieses Spulwurms angetroffen habe.
Ein über Ascaris lumbricoides von Scortegagna her-
ausgegebenes Werkchen ist mir bis jetzt noch nicht zu Ge-
sicht gekommen. ***)
“
Aeceanthocephala.
Ein in der Schweiz geschossenes Exemplar von Otis
houbara besass eine ausserordentliche Menge von Kratzern, F)
welche viel Ähnlichkeit mit Zchinorrhynchus moniliformis hat-
ten, aber nach Miescher’s Untersuchung. eine neue Species
bilden. Bei Cyprinus tinca fand Valentin äusserlich am Darme
"zahlreiche grössere und kleinere Exemplare von Zchinorrh.
*) Froriep’s Neue Notizen Nr. 377 8. 48.
") Schwab: Verzeichniss der anatomisch-pathologischen Präpa-
rate, welche sich in dem Museum der K.B. Central-Veterinär-Schule
zu München befinden, München 1841 8.82,
*") Scortegagna: intorna la facotta della reproduzione vivipara
degli Ascaridi lombricoidi. Pavia 1841.
+) Verhandlungen der schweizerischen naturforschenden Gesell-
schaft bei ihrer Versammlung zu Zürich, 1841 8, 76.
Z#
356
nodulosus in verschiedener Grösse, *) von denen ein Theil freier
lag, ein Theil in der Richtung von, aussen nach innen in die
Darmhäute mehr oder weniger eingebohrt war. Im Innern
des Darmes war keine Spur eines Zchinorrhynchus wahrzu-
nehmen. Grosse Verwunderung musste übrigens der Vor-
schlag Mayer’s erregen, die Gattung Zchinorrhynchus ein-
gehen zu lassen und dieselbe als eine Unterabtheilung der
Gattung Monostomum einzuverleiben. **)
Trematoda.
Mayer beschrieb den Verdauungsapparat und die Ge-
schlechtswerkzeuge von Distomum appendieulatum.***)
Letztere sind von Mayer durchaus verkannt worden. Der aus
mehreren an einander gedrängten schneeweissen Kugeln gebildete
Körper, welchen Mayer als Hoden genommen hat, ist das die Ei-
dotter absondernde Organ, aus welchem ein sich vielfach im Leibe
des Wurmes hin und her windender, ziemlich weiter Eierleiter ent-
springt, dieser enthält anfangs farbelose und weiterhin braungelbe
Eier. Den Anfang dieses Eierleiters (Uterus) hat Mayer als vas
deferens betrachtet, während er das vordere, die reiferen Eier ent-
haltende Ende desselben im hinteren Theile des Körper mit einem
stumpfen Kolben entspringen lässt, den er Ovarium nennt, und der
nichts anderes als eine verkannte Umbeugung des Eierleiters ist. Die
eigentlichen Hoden sah ich als zwei halbdurchsichtige kugelförmige
Körper hinter dem porus posticus liegen, einen ähnlichen Körper er-
blickte ich dicht über dem die Eidotter absondernden Organe, den
ich als das die Keimbläschen enthaltende Organ, welches ich bei den
meisten Trematoden bis jetzt angetroffen, zu betrachten mich veran-
lasst sal. Das am Schwanzende des Distomum appendiculatum aus-
mündende Absonderungsorgan ist von Mayer, wie es scheint, ganz
übersehen worden. Dasselbe steigt von seiner Mündung als ein
ziemlich enges Gefäss sanft wellenförmig bis zum porus posticus
hinauf, hier theilt es sich in zwei Äste, welche am hinteren Saug-
napf vorbei seitlich in die Höhe laufen und sich dicht hinter dem po-
rus anticus bogenförmig wieder vereinigen. Bei der Beschreibung
des Distom. cylindraceum hat Mayer abermals eine Schlinge des
Eierleiters für einen dicken kolbigen Theil gehalten und Ovarium
genannt.) Die eigentlichen Eierstöcke erstrecken sich hier nach
*) Valentin: Repertorium 8. 53.
**) Mayer’s Beiträge a. a. 0.8. 4.
”°%) Ebenda, 8.17.
+) Ebenda. 8. 18.
357
des Ref. Untersuchung zu beiden Seiten des Leibes herab und be-
stehen aus einer Menge schneeweisser vielfach verästelter Blindsäck-
cken; zwischen den beiden Blinddarm-Ästen liegen zwei grössere
und zwei kleinere rundliche Körper, von denen die beiden ersteren
als die Hoden und die beiden letzteren als das Keimbläschenorgan
und als die vesicula seminalis poster. vom Ref. erkannt worden sind.
Miram hat ein im Blinddarme und Mastdarme junger
Hühner zu Wilna aufgefundenes Distomum für neu gehalten
und als Distom. dilatatum mit folgender Diagnose aus-
gestattet: *)
‘Dist. planum, collo angustato, corpore dilatato, postice obtuso.
Diese Diagnose mit der übrigen Beschreibung des Wurmes zusammen-
gehalten, lässt vermuthen, dass der Schmarotzer nichts anders als
Dist, echinatum gewesen ist, welches Ref. ebenfalls in Hühnern
nicht selten angetroffen hat.
Von Mayer ist die Entwickelung der infusorienartigen
Jungen des Distomum cylindracetm verfolgt und abgebildet
worden.**) Wenn derselbe gesehen haben will, dass. das aus-
geschlüpfte junge Distomum in der Eihaut das Keimbläschen
zurückgelassen habe, so spräche dies gegen alle Grundsätze
der Entwickelungsgeschichte. Bei demselben Distomum hat
Mayer fadige Spermatozoen gesehen, welche er aber mit einem
unverhältnissmässig grossen runden Anhang abbildete, der ge-
wiss nichts anderes als eine Öse gewesen ist. ***)
Eine grosse Menge von mikroskopischen Distomen fand
Valentin im Darme der Rana esculenta, F) eine ebenfalls sehr
grosse Zahl kleiner Parasiten, welche vielleicht als Mittelbil-
dungen zwischen den infusoriellen und den späteren mehr ent-
wickelten Thieren anzusehen sind, sah derselbe Naturforscher
in der Harnblase des Frosches. 7f) Sie schienen sich mit
einem schüsselförmigen Mundnapfe an die Harnblasenschleim-
haut angesogen zu haben; hinter diesem Napfe fand sich an
der Aussenfläche des Körpers ein Kranz von Flimmerorganen,
die innere Organisation war nicht klar zu erkennen; es sind
*) Bulletin de la societ© imperiale des naturalistes de Moscou
2.2.0. 8.158.
*") Mayer: Beiträge 8. 26.
”), Ebenda, 8. 34,
+) Valentin: Repertorium 8. 54,
++) Ebenda. 8. 192.
358
diese Parasiten, wie schon Valentin vermuthete, wahrschein-
lich junge Exemplare von Distom. eygnoides gewesen, von
welchen Valentin noch ein Exemplar am Bauchfelle in der
Lebergegend, also vielleicht auf der Wanderung begrifien,
gesehen hat.*) »
Eine genauere Beschreibung von Octobothrium Tanceola-
tum, als wir sie bisher gehabt, hat Mayer geliefert. **)
Der Schmarotzer hängt mit seinen beiden vorderen kleinen Saug-
näpfen an den Kiemenblättchen der Clupea Alosa; hinter der unter-
halb des zugespitzten Kopfendes gelegenen kleinen Mundöffnung be-
findet sich der fleischige flaschenförmige Schlundkopf, von welchem
zwei schwarzgefärbte Blinddärme seitlich bis in. die Schwanzspitze
herablaufen. Beide Kanäle sind in ihrem ganzen Verlaufe mit einer
Menge kurzer Blindsäckchen versehen. Nicht weit hinter dem Schlund-
kopfe erkannte Mayer eine Öffnung, welche in einen muskulösen
Sack führt, der zehn, den Häkchen der Cestoideen ähnliche Zähne
enthält. Da mit diesem Organe die Geschlechtswerkzeuge in Ver-
bindung stehen, so verdient dasselbe wohl nicht eigentlich den von
Mayer gewählten Namen porus ventralis. Einen ganz ähnlichen
muskulösen napfförmigen Körper sah ich an derselben Stelle hinter
der Geschlechtsöffnung von Polystomum integerrimum und ocellatum,
bei ersterem Schmarotzer verbarg jener Napf acht in einen Kranz
gestellte Häkchen won hornartiger Substanz, während derselbe Kör-
per bei Po/yst. ocellatum einen Kranz von 40 Häkchen einschloss.
Den Bau und die Anordnung der Geschlechtstheile hat Mayer von
Octobothrium bestimmt unrichtig aufgefasst. Die Körper, welche
Mayer als Eierchen in Ovarien betrachtet, sind die Dotterhaufen,
welche in den die Eidotter absondernden Organen enthalten sind,
letztere, welche der Kürze halber Dotterstöcke genannt werden
könnten, füllen, wie bei Octobothrium, so auch bei Polystomum
einen grossen Theil des Leibes aus. Der aus diesem Organe ent-
springende Kanal, von Mayer Oviduct genannt, mündet gewiss nicht
in den porus ventralis ein, sondern wendet sich hier wieder um, und
verbindet sich als Dotterstocks-Kanal mit dem Keimbläschen-Organe,
wenigstens sah ich es so bei Polystomum, wo dieses Organ ausser-
ordentlich grosse und deutliche Keimbläschen enthält. Mayer bildet
dieselben Keimbläschen als mehr entwickelte Eier ab (Tab. II. F.9 %k)
und erklärt das Organ, in welchem sie sich befinden, für den vor-
deren "Theil des Eierstocks. Der Gang, welchen Mayer Samengang
nennt (Fig. 9 g), ist die Vagina des Wurms und die gelben ovalen
Körper, welche Mayer in diesem Gange vorfand (Tab. IH, Fig. 9 z.
und Fig. 10 « 5) und mit den Needhamschen Samenschläuchen der
*) Valentin: Repertorium 8. 51.
*#) Mayer: Beiträge 8.19.
359
Cephalopoden vergleicht, *) sind nichts anderes als die Eier des Thiers,
welche sowohl bei Octobothrium als auch bei Po/ystomum, wo sie
Mayer ebenfalls für Samenschläuche angesehen hat,**) unverhält-
nissmässig gross sind. Mayer erwähnt übrigens selbst, dass diese
Samenschläuche den Keimbläschen vergleichbare Bläschen enthielten
und mit einem Deckel dehiscirten, daher es um so auffallender ist,
wie dieser Anatom das eigentliche Wesen dieser Körper so durch-
aus verkennen konnte. Bei Po/ystomum läuft neben der Scheide der
die haarförmigen Spermatozoen enthaltende ductus ejaculatorius her-
auf, ähnlich wird es sich in dieser Hinsicht wohl auch mit Octobo.
thrium verhalten. Die acht Saugnäpfe dieses Parasiten sind nach
Mayer’s Untersuchungen ganz wie die Näpfe) des Polystomum ge-
bildet; auch der zwischen den sechs Näpfen von Polystomum vor-
handene Haken-Apparat fehlt nicht bei Octobothrium, wo er aus zwei
grossen äusseren und zwei kleinen inneren Haken besteht.
Nordmann hat in einem an den Kiemen von Acipenser
stellatus schmarotzenden Dielybothrium Leuck. die Spermato-
zoen gesehen, ihre Gestalt aber nicht genauer angegeben. ***)
Vogt und Agassiz glaubten unter einer Menge von an
Abramis Blieca, Leueiscus prasinus und Gobio fluviatilis ge-
fundenen Diplozoen drei verschiedene Arten unterscheiden
zu können, +)
Von diesen stimmen die von Blicca mit dem Diplozoon para-
doxum des Brachsen überein, während die andere Art von Leuci-
scus prasinus bei weitem grösser ist, einen breiteren lanzettförmigen
Vorderleib und einen verhältnissmässig längeren Hinterleih besitzt,
und die dritte Art von Gobio fluviatilis viel kleiner und schlanker
erscheint. Vogt gewalrte bei einem Diploxoon paradoxum den von
Nordmann als Hoden betrachteten Körper vollständig hervorgetre-
ten und mit seinem ungeheuer langen Spiralfaden um den Leib des
Thieres geschlungen; derselbe Beobachter sah diesen Körper mit
körnigen Kugeln gefüllt, die hervorgepresst im Wasser platzten und
zitternde Körner ins Wasser fahren liessen. Obgleich Vogt durch
das Aussehen jener körnigen Kugeln an Dotterkugeln erinnert wurde,
#0 liess er sich dennoch durch Nordmann’s Deutung verleiten, diese
mit Molekular-Bewegung zitternden Körner für kuglige Spermatozoen
zu halten. Der gelbe, ovale und mit einem langen Spiralfaden ver-
sehene Körper ist aber in der That das Ei und nicht der Hode von
Diplozoon paradozum; auch nicht mit einem Samenschlauch, wie es
*) Mayer: Beiträge 8. 25.
**) Ebenda. 8. 34.
+") Nordmann: Observations sur Ja Faune Pontique 1840 8, 64.
+) Müller’s Archiv 1841 8.33. Vogt: Zur Anatomie der Parasiten.
“4
360
Mayer gethan hat,*) ist dieser Körper zu vergleichen, da sein. In-
halt ganz für ein Ei spricht, und die gelbe feste Hülle desselben in
Farbe und Consistenz sich ganz'wie die Eischalen- der übrigen Tre-
matoden verhält. In Bezug auf die unverhältnissmässige Grösse die-
ses Eies sahen wir bei Octobothrium und Polystomum bereits etwas
ähnliches Statt finden, Der lauge Spiralfaden nützt dem Diplozoen-
Ei gewiss dazu, dasselbe nach dem Legen an die Kiemen oder an
den Wurm selbst zu befestigen, da es sonst durch die Athembewe-
gungen der Fische leicht fortgespült würde. Herr Dr. Vogt hatte
die Güte, mir mehrere Diplozoen von Leuciscus prasinus und Gobio
Quviatilis zu übersenden, an welchen ich, nachdem ich sie mit Dipl.
paradoxum verglichen, sogleich die von ihm angegebenen spezifischen
Unterschiede herausfand, zu gleicher Zeit zeigte sich mir auch das
mit einem langen Spiralfaden versehene Ei der kleineren Species
von den Eiern der beiden anderen Arten sehr verschieden gestaltet,
indem es keine ovale, sondern eine oblonge Form besass. Die von
Vogt im Uterus der Diplozoen vorgefundenen Eier, an denen er,
wie er selbst gesteht, die Dotterkörner ‚vermisste, sind wiederum
die in dem Keimbläschen- Organe eingeschlossenen Keimbläschen,
Vogt’s Abbildung derselben stimmt ganz mit den von Mayer aus
Octobothrium als Eier dargestellten Keimbläschen überein. Wenn
Nordmann das Legen der von ihm ebenfalls für Eier gehaltenen
Keimbläschen gesehen haben will und abbildete (Mierographische Bei-
träge I. 8.75 Tab. VI.), so scheint dieses Heraustreten der Keim-
bläschen durch Quetschen gewaltsam veranlasst worden zu sein,
zumal da Nordmann neuerlichst über die eigentliche Stelle der
Geschlechtsöffnungen bei Diplozoon wirklich zweifelhaft geworden ist
(Lamarck: hist. nat. des animaux sans vertebres T,III. 1840 8. 597).
Die von Nordmann als Ovarien betrachteten verästelten Organe
sind die Dotterstöcke, daher Vogt weder Eier noch Eikeime darin
wahrnebmen konnte; so lange man nicht auf den Unterschied zwi-
schen Keimbläschen-Organ und Dotterstock bei den Trematoden ach-
tet, auf welchen ich vor einigen Jahren (s. dieses Archiv 1836 I.
S. 217, und Müller’s Archiv 1836 8.233) aufmerksam gemacht habe,
und welcher sich, wie mich spätere Untersuchungen gelehrt haben,
fast bei allen Trematoden vorfindet, eben so lange wird man in der
Deutung der Geschlechtswerkzeuge dieser Parasiten Täuschungen
unterwurfen bleiben. Mayer sah bei Diplozoon paradoxum sehr
schöne lebhafte Flimmerbewegungen, **) lJäugnet aber mit Unrecht die
Anwesenheit von Kanälen, in welchen diese Bewegungen nach unse-
ren und Vogt’s Beobachtungen vor sich gehen. ***)
Die aus eigenthümlichen Schläuchen in Wasserschnecken
*) Mayer: Beiträge $. 34.
**) Ebenda. 8.3.
***) Müller’s Archiv 1841 S. 35.
361
entspringenden Cercarien will Creplin von den Entozoen
ausgeschlossen wissen,*) was in keiner Beziehung gerechtfer-
tigt werden kann, meine Gründe darüber werde ich an einem
anderen Orte besonders aussprechen.
Von Müller sind im vierten Gehiruventrikel des Petro-
myzon fluviatilis eine Menge sehr kleiner den Diplostomen
ähnliche Entozoen entdeckt worden, **)
Rymer Jones nimmt bei Zingwatula. taeniodes, deren
Vereinigung mit den Nematoideen mir so wenig wie mit den
Trematoden passend erscheinen will, getrennte Geschlechter
an und betrachtet die kleineren Individuen als die Männ-
chen.***) Derselbe benutzte die Owenschen Abbildungen zur
Erklärung des inneren Baues dieser merkwürdigen Schma-
rotzergattung, folgte aber bei der Deutung der einzelnen
Organe Diesing’s Ansichten.
Cestoiden.
Eine neue Art der Gattung Gymnorrhynchus hat Good-
sir als Gymnorrh. horridus beschrieben. +)
Es wurden mehrere Individuen dieses Parasiten theils auf der
Oberfläche der Leber theils in der Lebersubstanz des Zeus faber in
langen, vielfach verschlungenen Bälgen angetroffen; die Kopfenden
der Schmarotzer befanden sich stets dicht unter dem Peritonäum.
Die Bälge waren an einem Ende kolbenförmig verdickt, am anderen
Ende fadenförmig verdünnt, Jeder Balg bestand aus einer äusseren
rauhen und flockigen, und aus einer inneren glatten und dünnen
Hülle. Die in ihoen eingeschlossenen Würmer lebten noch, obwohl
der Fisch seit einigen Wochen todt war. Der Körper derselben war
weitläuftig, aber doch deutlich gegliedert, ihr Kopfende lag in dem
kolbenförmigen Theile des Balgs, das Schwanzende hingegen er-
streckte sich nicht bis in das fadenförmige Ende des Balgs hinein.
_ Die vier Tentakeln der Thiere waren mit grossen rückwärtsgerich-
teten Haken besetzt, was eher auf einen Tetrarrhynchus schliessen
liesse. Der Kopf konnte sich mit den Rüsseln in eine Erweiterung
des Halses zurückziehen, die 4 Rüssel wurden von vier besonderen
Muskeln eingezogen. Goodsir konnte in keinem Gliede etwas von
einem Nahrungsschlauche oder von Geschlechtstheilen wahrnehmen.
*) Encyclopädie von Ersch und Gruber a.a. 0. 8, 76,
**) Müller: Vergleichende Neurologie der Myxinoiden. 1840 8. 30,
""*) Rymer Jones: comparative anatomy a.a, 0. 8. 99.
+) Froriep’s Neue Notizen Nr.429 8.162 und l’Institut, I, Sect.
1841 8.3332,
362
Voigt behauptete bei einer allgemeinen Charakteristik ,
der Bandwürmer, *) dass die Eierstöcke in jedem Gliede der-
selben durch Platzen die Eier entleeren, was so allgemein aus-
gesprochen sehr ‚gewagt erscheint.
Bei Bothridium Pythonis, welcher Schmarotzer im hinte-
ren Theile des Darmes einer Boa Python in Menge gefunden
worden war, **) ist es Bazin gelungen ein Seitengefäss durch
47 Glieder hindurch mit Quecksilber zu injieiren, bei einem
zweiten Versuche glückte die Injektion des Seitengefässes so-
wohl auf der rechten als linken Seite, wobei ausserdem noch
die Querkanäle mit Quecksilber gefüllt wurden; dass sich da-
bei auch der mittlere Raum der Glieder mit Injektions-Masse
anfüllte, scheint durch Extravasat veranlasst worden zu sein.
Bazin möchte die Anwesenheit von Valveln in jenen Kanälen
vermuthen und sie deshalb mit einem Iymphatischen Gefäss-
systeme vergleichen. Über die Geschlechtsorgane dieses Band-
wurmes giebt er ausserdem einen sehr ungenügenden Auf-
schluss. Valentin fand an mit dem Doppelmesser erhaltenen
feinen Querschnitten des Bothriocephalus latus die Zahl und
Beschaffenheit der verschiedenen von Eschricht aufgefunde-
nen Schichten in den Gliedern bestättigt.***) Derselbe sah
durch Einwirkung von Salzsäure die harte Schale der Bothrio -
cephalen-Eier heller werden und schloss hieraus auf eine
unorganische Hülle dieser Eier. Nach Valentin’s Unter-
suchungen scheinen bei ‚Zotkr. latus die Hautdrüschen des
Praeputium’s vollkommene Follieuli compositi zu sein, da er bei
stärkerer Vergrösserung an einzelnen Stellen derselben Röh-
ren bemerkte, an denen dunkle Körpergebilde, gleichsam Träub-
chen hafteten; auch in den hinteren weissen Hautfalten jedes
Gliedes erkannte Valentin ähnliche Follieuli compositi. Die
von Eschricht erwähnten, sich kreuzenden Muskelfasern des
Bothriocephalus hat Valentin ebenfalls beobachtet und sich
gabelig theilen sehen. Derselbe traf in der Nähe der Bauch-
öffnungen von Bothriocephalus starke breite Fasern an, die
sich zu Längssträngen sammelten und an Nervenfasern erinner-,
*) Voigt: Lehrbuch der Zoologie B. VI, 1840 8. 21.
*") Comptes rendus hebdomadaires T. XII. 1841 8.723 und 831.
**) Valentin; Repertorium a.a. 0. 8. 184 bis 187,
3 363
ten. Nach Valentin’s Aussage*) herrscht an vielen Orten
der Schweiz der Glaube, dass einzelne bestimmte Quellen oder’
Brunnen den Bandwurm erzeugen und selbst ganze Landschaf-
ten und Städte damit anstecken können.
Mayer sah in den Gliedern von Tuenia dispar neben
blasigen Organen kleine gegliederte und bewegliche Körper, **)
welche derselbe für Spermatozoen halten möchte, aber gewiss
etwas anderes gewesen sind.
Von Miram wurde ein neuer Bandwurm aus dem Diünn-
darme des Cygnus olor als Taenia mieroscopica mit folgender
Diagnose beschrieben: ***)
Taen. capite tetragono maximo, rostello acuto inermi, collo lon-
gissimo, articulis anterioribus brevissimis, vix conspicuis, margine
erenatis, posterioribus subquadratis, sensim decrescentibus. Vermes
vix duas lineas longi.
Levacher hat mehrere einem dreizehnjährigen Mädchen
abgegangene Fragmente einer monströsen Taenia erhalten, F)
welche, ähnlich jenen von Bremser (Lebende Würmer. im
lebenden Menschen Tab. Ill. Fig. 12, 13, 14) abgebildeten Mon-
strositäten, drei freie Ränder besassen, indem aus der Mitte
der Glieder der ganzen Länge nach ein zweiter gegliederter
Leib hervorragte. Levacher bestimmte das Alter des Band-
wurms, welchem die.13 Fuss und 4 Zoll langen Fragmente
angehörten, auf 12% Jahr, da mit dem sechsten Monate des
Mädchens zum ersten Male Bandwurmglieder von ihm abge-
gangen waren.
Wawruch hät in Wien unter 3864 Patienten 206 Band-
wurm-Kranke beobachtet. FF)
Von diesen hatten nur drei den Bothriocephalus latus bei sich
gehabt, nämlich ein Lievländer, ein Russe und ein Baier, der lange
in Dorpat gelebt hatte. Unter diesen Kranken waren 71 männlichen
und 135 weiblichen Geschlechts, der älteste Mann zählte 54 Jahre, das
*) Valentin: Repertorium 8. 56.
**) Mayer: Beiträge 8. 34.
”) Bulletio de la sociei€ imp. des natur. des Moscou a.a. 0. S 160,
+) Comptes rendus hebd. T. XII. 1841 8. 661 und Vinstitut 1841
8.329. -
++) Medizinische Jahrbücher des österreichischen Stantes 1841
8.142. Wawruch: allgemeiner Überblick der aus 206 klinischen Band-
wursmfällen resulticenden Ergebnisse.
364
Jüngste Mädchen 31 Jahre. Von diesen Kranken hatten 22 ein
Alter unter 15 Jahren, die meisten aber befanden sich zwischen 15 und
40 Jahren. Nebst einem Koche wurden 52 Köchinnen, mehrere Fleisch-
hacker und 11 starke Fleischesser am Bandwurme behandelt. Nach
Wawruch’s Erfahrung leiden besonders Wurstmacher und Metzger
häufig am Bandwurme, Die meisten Kranken stammten aus dem
Stromgebiete der Donau von Württemberg bis zum Bannat, andere
Personen, welche nicht aus dieser Gegend gebürtig waren, bekamen
erst den Bandwurm, nachdem sie längere Zeit in der genannten Ge-
gend gelebt. Viele dieser Patienten hatten feuchte, dumpfe und tief
unter der Erde gelegene Wohnungen inne. Wawruch beschul-
digte schlechtes Trinkwasser mit als Ursache des Bandwurms. Nur
zwei Fälle waren darunter, wo Mutter und Tochter, Vater und Sohn
am Bandwurm litten. Die Dauer der Wurmkrankheit währte 10, 12,
15, 20 bis 25, einmal sogar bis 35 Jahre, bald nur einige Monate.
Unter den 206 Kranken, bei denen sich nur in 26 Fällen der Band-
wurnm regenerirte, befanden sich nur 3 Jüdinnen. Ein Genfer Gold-
, schmied, welcher in seiner Heimath am Bothriocephalus gelitten, und
lange Jahre davon befreit geblieben war, machte sich in Wien sess-
haft und bekam nachher die Taenia solium. Wawruch sah einmal
einen Jangen Bandwurm bei einer Sektion an der Wand der Gedärme
mit den Randöffnungen so fest angesogen, dass er mit Mühe abge-
löst werden konnte (8.154). Einige Exemplare von Taenia, welche
an einigen Stellen sehr breit, an anderen streckenweise sehr dünne
waren, bestättigten die Vermuthung, dass das Nachwachsen des
Wurms nicht nur durch. die Verlängerung der Runzeltheile am Halse,
sondern auch durch das Ansetzen neuer schmächtiger Glieder am
Schwanzende erfolgen müsse (8. 155.)
Über Cestoideen sind noch die Schriften von Randel,*)
Buch**) und Kramerenkow***) erschienen,
Cystiea.
Nach Debell Bennett’s Aussage kommen im Speck
von Balaena mysticetus viele Blasen von (ysticereus vor. f)
In Bezug auf geographische Verbreitung der Blasenwürmer ist
*) Randel: der Bandwurm. 1841. Enthält in naturhistorischer Hin-
sicht nichts Originelles. ?
*%) Lud. Theod. Buch: de Taenia Solio. Kiliae 1841, Eine Disser-
tation von rein medizinischem Inhalte.
**) J. Kramarenkow: nonnulla de Bothriocephalo lato ejusque
expellendi quibusdam methodis. Dorpati 1841. Ist mir noch nicht zu
Gesicht gekommen,
r) Isis 1841 8. 918.
»
365
zu erwähnen, dass Nordmann auch im südlichen Russland
das Fleisch des Schweins zuweilen von Üysticercus cellulosae
wimmeln sah. *)
Schwab erwähnt des Vorkommens von Üysticercus tenui-
eollis am Magen, an der Milz, der Leber und dem Netze eines
Hasen, wobei wahrscheinlich eine Verwechselung mit Oysticer-
cus pisiformis vorgegangen ist. **)
Fournier beobachtete im Nacken eines sechsjährigen
Kindes eine hühnereigrosse, konische, fluktuirende, rothe, heisse
und schmerzhafte Geschwulst, welche sich erst seit vier Tagen
bemerklich gemacht.***) An der Basis der Geschwulst be-
fand sich eine kleine Öffnung, aus welcher ein kleiner Blasen-
wurm hervorgepresst wurde, durch einen Einschnitt in die
Geschwulst wurden noch 7 bis 8 Blasenwürmer ausgeleert, wel-
che sich deutlich bewegten und als Oysticercen erkannt wurden.
Eine steinige Metamorphose des Cysticercus cellulosae er-
klärt Pappenheim mehrmals beobachtet zu haben.+)
Schwab untersuchte den Schädel eines drehkranken Rin-
des,7r) dessen linker Gehirnventrikel einen Cvenurus cerebra-
dis von der Grösse eines Gänse-Eies enthielt; obgleich dieser
Blasenwurm stark gegen die Hirnschale drückte, so war diese
nicht nur nicht durchlöchert, sondern im Gegentheil um das
dreifache dicker als auf der entgegengesetzten Seite, Schwab
warf deshalb die Frage auf, ob diese Verdickung der Hirn-
schale bei einem drehkranken Rinde Regel sei? Nach Lüder’s
Erfahrung begünstigt eine im Übermasse erweichende- Ernäh-
rung der Schafmütter während der Trächtigkeit und Säugung
die spätere Ausbildung der Traber-Krankheit,+4+) so wie um-
gekehrt eine adstringirende Ernährung der Mütter zu derselben
Zeit bei den Säuglingen Anfälle von Gehirnentzündung und in
Folge dieser die spätere Entwickelung der Hydatiden-Krank-
heit befördert.
*) Nordmann: observation sur la Faune Pontique a. a.0, 8. 64.
**) Schwab: Verzeichniss a. a, O. 8. 84.
*"*) Froriep’s Neue Notizen Nr. 426 8. 128.
+) Neue Zeitschrift für Geburtskunde 1841 Hft. 2 8. 302.
ff) Schwab: Verzeichniss a. a. 0. 8.2.
tr) Bericht über die Versammlung der Naturforscher in Braun-
schweig a.n.0. 8.189.
366
Über Zehinoeoceus hominis sind im vergangenen Jahre viele
Beobachtungen bekannt gemacht worden. Da aber in Bezug
auf Hydatiden-Bildungen noch immer eine grosse Verwirrung
unter den Ärzten und Naturforschern herrscht, so ist es sehr
schwer über ihre Mittheilungen zu berichten, indem man darin
Echinococcus-Blasen und einfache mit lymphatischer Flüssig-
keit gefüllte Höhlen mit einander verwechselt, und Echino-
coccen, Acephaloceysten, Hydatiden, Cysten u. s.w.
durcheinander geworfen findet.
Hasse spricht in einem Kapitel über Cystenbildung in den Re-
spirationsorganen vom Echinococeus hominis, ohne diesen Namen zu
nennen.*) Derselbe sagt:- „wenn die Cysten (in den Lungen) eine
gewisse Grösse erreicht haben, reizen sie das umgebende Gewebe
und werden durch Entzündung und Eiterung losgestossen. Unter
den Erscheinungen einer heftigen und wiederholten Haemoptysis ge-
langen sie in die Bronchien und werden ausgeworfen. Nicht immer
jedoch kommen dergleichen Bälge aus den Lungen, sondern in meh-
reren Fällen hatten sie sich offenbar aus der Leber einen Weg in
die Bronchien gebahnt.” Es können nur Echinococcus-Blasen auf
diese Weise ausgeworfen werden, nicht aber die Cysten, die Bälge,
in deren Höhle sie liegen und welche mit dem Organe, in welchen
sie sich befinden, in einem innigen organischen Zusamenhange stehen,
wie dies Hasse (8.508) ganz richtig beschreibt, dabei aber den
Balg nicht von dem Echinococeus unterscheidet. Derselbe nimmt zwei
Schichten der Wandungen des Balges an, die erstere äussere Schicht
gehöre dem Organe an, in welchem der Balg sich befindet, die zweite
innere Schicht werde von einer dünnen, durchscheinenden Membran
gebildet, welche den serösen Häuten ähnlich ist; zwischen derselben |
und der äusseren Membran entständen auch sekundäre Hydatiden.
Diese zweite Schicht ist offenbar nichts anderes als die Echinococcus-
Blase. Bei weitem klarer handelt Rokitansky den Echinococeus
hominis unter dem Namen Acephalocyst ab,**) derselbe unter-
scheidet ganz bestimmt den Balg, in welchem die Echinococcus-Blasen
frei liegen, von den letzteren. Nach ihm ist der Acephaloeysten-
Balg (in der Leber) anfangs ein seröser Balg, der sich, indem er
bald eine ausgezeichnete äussere fihröse Verstärkungsschicht erhält,
zu einem serös-fibrösen Balge umwandelt. Am häufigsten kommen
nach Rokitansky’s Beobachtungen im rechten Leberlappen Bälge
mit Echinococcus -Blasen vor. Ein solcher Balg kann seinen Inhalt,
die Echinococcus-Blasen, nach verschiedenen Richtungen hin entleeren,
*) Hasse: Specielle pathologische Anatomie B. I. 1841 8.507.
*") Rokitansky: Handbuch der pathologischen Anatomie B. Ill. 1841
S. 118 und 349.
; | 367
entweder in den rechten Pleurasack, in einen Lungenabscess, oder
in die Höhle des Darmkanals, in die Höhle der Gallenwege, selten
in die Höhle eines benachbarten Blutgefässes. Die Echinococeus-
Blasen können in unveränderter Form, aber auch in einem macerir-
Zustande entweder als sulzähnliche Lappen oder völlig aufgelöst
entleert werden. Als besondere ätiologische Momente führt Roki-
tansky mechanische Beleidigungen der Leber und intermittirende
Fieber an, welche in einigen Fällen der Entstehung von Echinococcen
vorausgegangen seien, auch scheint der Echinococcus vor den Puber-
tätsjahren beim Menschen nicht vorzukommen. In der Milz ist der
Echinococcus selten, ebenso in den Nieren, von hier aus kann er
durch den Dickdarm, oder durch das Nierenbecken und die Urinblase
ausgeleert werden, es können die Echinococcen aber nicht bloss
aus den Nieren, sondern auch aus anderen mit den Harnwegen in
eine Adhäsion gerathenen Eingeweiden, z. B. aus der Leber, in die
Urinblase gerathen. Im Uterus hat Rokitansky nur ein einziges
Mal einen Echinococcus-Balg beobachtet. Max Simon beklagt es
ebenfalls, dass die meisten Beobachter dieAcephalocysten (Echi-
nococcen) mit den einfachen Cysten verwechselten und dass des-
halb die meisten Beobachtungen unbrauchbar wären.*) Derselbe er-
zählte einen Fall, in welchem eine Frau an Schling- und Athem-
Beschwerden gelitten und schnell an Erstickungszufällen gestorben
ist, bei deren Sektion sich zwischen beiden Lungen ein ungeheurer
Balg mit einer grossen Zahl von Echinococcus -Blasen gefunden hat;
in diesem so wie in einem anderen Falle, welchen Simon noch an-
führt, waren Stücke von aufgerollten Häuten (geborstene Echino-
eoccus-Blasen) während der Krankheit mit Erleichterung ausgeworfen
worden. Einen ähnlichen von Laferiere beobachteten Fall theilte
Cruveilhier mit.**)
Von Curling wurde bei der Leiche eines 7Ijährigen Mannes
eine 2? Zoll grosse Cyste gefunden,**"*) welche mit dem linken Le-
berlappen in Verbindung stand und den Pylorus nebst dem Anfang
des Duodenum bedeckte. Diese Cyste, deren Wände eine verschie-
dene Dicke hatten und eine fibrös-kartilaginöse Strucktur besassen,
wurde von einer weichen, losen und eiweissartigen Membran aus-
gekleidet, welche eine grosse Anzahl Blasen von Erbsen- bis Kirschen-
Grösse einschloss. Curling erkannte in einigen dieser Blasen ganz
deutlich Echinococcus-Köpfe, von welchen mehrere in Haufen bei-
sammen lagen und in zarten durchsichtigen Bläschen eingeschlossen
*) The medico-chirurgical review, Nr. 69 Jul. 1841 8.194 und in
Schmidts Jahrbücher der in- und ausländischen Medizin 1842 Nr. I.
| 8.40, Ursprünglich im Journal de conaiss. med.-chir. Novbr. 1840.
**) Froriep’s Neue Notizen Nr. 371 8. 299.
”"*) The medico - chirurgical review. Nr, 68 April 1841 8. 336 und
Archives gönerales de medecine T.X. 1841 8, 229.
368
waren. Curling fügte der Beschreibung der Echinocoecus-Köpfchen
hinzu, dass er nichts habe entdecken können, was ihm über die Ent-
wickelung derselben hätte Aufschluss geben können, obgleich er
offenbar ähnliche Entwickelungsstufen der Echinococeus- Köpfchen
vor sich hatte, wie ich sie in Burdach’s Physiologie (B. II. 1837
8.184) beschrieben habe. Die eiweissartige Membran, welche nach
Curling’s Bericht die Cyste auskleidete, kann ich übrigens auch
aur für die Wand einer Echinococeus-Blase halten, welche höchst
wahrscheinlich die Stammmutter, oder die Urblase der übrigen Echi-
nococcus-Blasen gewesen ist. Von einem ungeheuren hydatischen
Leberabscesse, welcher mehrere Echinococcus-Blasen von verschie-
dener Grösse enthielt und mit günstigem Erfolge durch den Schnitt
geöffnet wurde, theilte Portal zu Palermo einen Fall mit. *)
William Thomson unterscheidet die mit Echinococceus-Blasen
gefüllten Bälge der Leber ganz gut von den serösen Cysten, **) bezeich-
net sie aber mit dem Namen Hydatid’Cysts oder Acephalocyst
Cysts, von denen besonders der erstere leicht zu Verwechslungen
Anlass geben kann. Aus Annesley’s Beschreibung geht hervor, dass |
in Indien nicht bloss seröse Cysten, sondern auch Echinococcen die
Leber des Menschen heimsuchen.***) Ein Fall von Vorkommen der
Echinococcen in den Nieren einer 50jährigenFrau, welche eine grosse
Geschwulst zwischen der letzten falschen Rippe nnd der crista ossis
Hii erzeugten und durch einen Einschnitt in diese entleert wurden,
wurde in dem university colleges hospital beobachtet.+) Ebenda
wurde eine ein Hülnerei grosse Geschwulst aus der linken Brust
einer 42jährigen Frau exstirpirt, ++) welche zum Theil aus einer
Cyste bestand, in der mehrere kleine Hydatiden (wahrscheinlich
Echinococcus-Blasen) eingeschlossen waren. Barbier hat 44 Fälle
von Leberhydatiden gesammelt, +++) worunter sich gewiss auch Fälle
von Echinococcen befinden. Derselbe sprach sich zugleich über ein
eigenthümliches Symptom des Übels, über das Hydatiden-Geräusch aus.
Michea machte zwei Fälle bekannt,*+) wo ein 50jähriger Mann
an Hemiplegie, Bewusstlosigkeit und epileptischen Zufällen gelitten
und ein 23jähriger Mann mit chronischem. Gehirnleiden, Abnahme des
Gedächtnisses und des Sehvermögens behaftet gewesen. In beiden
*) Froriep’s Neue Notizen Nr. 366 8. 224,
N) W. Thomson: on the diseases of the liver a.a. 0. S. 52.
”*) Annesley: rechearches into the causes, nature and treatment
of the more prevalent diseases of India. London 1841 S. 304.
+) The Lancet, Vol. II. 1840— 41 Nr. 23 8. 793.
> 3) Ebenda, 8.793.
tr) Barbier: De la tumeur bydatique du foie. Paris 1840 und Fro-
riep’s Neue Notizen Nr. 363 8. 176.
*+) Archives generales de medecine T.X, 1841 S.341 und Schmidt’s
Jahrbücher 1841 Nr. X. 8. 44.
369
Fällen will Michea Acephalocysten in den Furchen des Gehirns
und in, der Substanz der Sehnerven gefunden haben; derselbe be-
schrieb diese Blasen so undeutlich, dass man nicht recht weiss, ob
es Echinococeus-Blasen, Cysticercen ‘oder einfache seröse Cysten ge-
wesen sind. Zwei andere ebenso unvollkommen beschriebene Fälle
von Acephalocysten im Gehbirne eines Apoplektischen und eines
Epileptischen hat Martin Solon mitgetheilt.*) Keber in Bromberg
beschrieb einen Fall von Echinococcus hominis in der vierten Gehirn-
höhle,**) wagte aber die Blase nicht so zu nennen, da er glaubte,
es käme im Gehirne des Menschen kein Echinocoecus vor.
# Einen sehr ausführlichen und mit vieler Litteratur ausgestatteten
Aufsatz über Blasenwürmer im Gehirne des Menschen hat Aran
geliefert,***) wobei derselbe aber mehr die Interessen des Arztes
als des Zoologen berücksichtiget hat. Derselbe unterschied ganz rich-
tig die serösen Cysten von denjenigen Cysten, welche Blasenwürmer
(Echinococcen und Cysticercen) einschliessen. Es wurden 47 ältere
und neue Fälle von Blasenwürmern im menschlichen Gehirne von
ihm aufgeführt und folgende Resultate aus ihnen entnommen. Von
47 Individuen, welche Blasenwürmer im Gehirne besessen, waren
31 männlichen und 16 weiblichen Geschlechts, 3 waren 5—10 Jahre
alt, 6 waren 10—12 Jahre, 2 waren 20— 30 Jahre, 5 waren 30—40,
6 waren 40—50, 6 waren 50—60, 4 waren 60—70 und 3 waren
70 Jahre alt, woraus hervorgeht, dass das jugendliche und männliche
Alter am meisten zu Blasenwürmer-Bildung im Gehirne neigt. Zwei-
mal fanden vor der Entwickelung von Blasenwürmern Kopfkontusionen,
zweimal Kummer und zweimal Unterdrückung von Gicht und Spei-
chelflluss Statt. Die Existenz von Blasenwürmern in Leber und Lunge
prädisponiren zu Blasenwürmer-Bildung im Gehirne, Es können lange
im Gehirne Blasenwürmer vorhanden sein, ohne Symptome zu erregen.
Gluge hat über Echinocoecus hominis einige Untersuchungen
angestellt,7) Zus denen hervorgeht, dass die Echinococcus -Blasen,
welche Echinoeoccus-Köpfchen enthalten (und alsdann als wirkliche
Echinococcen angesehen werden) und diejenigen Echinocaccus-Blasen,
welche keine Köpfe enthalten (und dann Acephalocysten genannt
werden), sich in ihrer Bildung ganz,gleich verhalten und dass beide
_ Arten aus derselben Menge von zarten concentrischen Hautschichten
zusammengesetzt sind, In den Echinococeus-Köpfchen finden sich
") Gazette medicale de Paris. Nov. 1840 und british and foreign
medical review, April 1841 8.524. »
**) Medizivische Vereins-Zeitung: Berlin 1841 8, 103.
”*") Archives generales. D.XU. 1841 8.76, Aran: ‚m&moire sur les
hydatides ou vers v&siculaires de V’encdphale, Und (Schmidvs Jahr-
bücher 1842 Nr,1. S. 194.
+) Gluge: anatomisch - mikroskopische Untersuchungen a.a, 0,
8,195.
Archiv f, Naturgeschichte, VII, Jahrg, 2. Bd, Aa
370
eigenthümliche Körper vor, welche ein concentrisch ringförmiges
Gefüge besitzen und sich nach meinen Erfahrungen in Säuren unter
Aufbrausen auflösen, es sind dies gewiss keine Eier; ähnliche Körper
sah ich auch unter dem zarten Epithelium sitzen, welches die Innen-
fläche der Echinococeus-Blasen auskleiden, Gluge scheint dieselben
Körperchen in den Wänden der Echinococcus-Blasen gesehen zu
haben (vgl. dessen Abbild. Tab. V. Fig. 8 und 9). Die Abbildung, welche
Gluge von den Häkchen der Echinococcus-Köpfchen gegeben hat
(Tab. V. Fig. 7), ist ungemein schlecht; auch die Krystallblättchen,
welche ich ebenfalls in Echinocoecus-Bälgen, aber auch in anderen
Balggeschwülsten häufig angetroffen habe, hat Gluge ganz falsch
dargestellt, sie bilden keine rechtwinkligen, sondern immer rhomhoe-
drische Tafeln und rühren von Cholestearin her; eine ganz voll-
kommen richtige Abbildung dieses krystallisirten Gallenfettes hat
Vogel kürzlich geliefert. *)
Melminthes zeneris dubii.
Van Beneden hat in mehreren Alcyonellen ziemlich
grosse Eingeweidewürmer gefunden, **) welche um den Nah-
rungsschlauch der Polypen herumsassen und vom Entdecker
später beschrieben werden sollen. Die von Forbes im Magen
vieler Cydippen vorgefundenen zungenförmigen Körper sind
nach seiner und Goodsir’s genaueren Untersuchungen als
Parasiten erkannt und mit dem Namen Tretrastoma Play-
feirii, zu Ehren des ersten Finders dieses Wurms, belegt
worden. ***) Dieser Parasit saugt sich mit vier Saugnäpfen
an die Wände des Magens oder der Gefässe an und unter-
bricht die Circulation des Nahrungssaftes. .
Einen sehr merkwürdigen Schmarotzer fand Valentin
im Blute eines Salmo Fario in reichlicher Menge,-F) nur ein
Exemplar dagegen im vierten Gehirn - Ventrikel desselben Fi-
sches. Das Thierchen gehört wahrscheinlich zur alten Gattung
Proteus oder zu Amoeba Ehrb. Von einer inneren Organisation #
konnte Valentin durchaus nichts wahrnehmen; dasselbe
*) Vogel: Beiträge zur Kenntniss der Säfte und Excrete des
menschlichen Körpers. B.I. 1841 S. 294 Taf. II. Fig. 3.
**) Froriep’s Neue Notizen Nr. 366 S.215 und Annales des scienc.
naturelles T. XIV. 1840 8. 223.
*®) Dinstitut 1840 8. 117.
+) Müller’s Archiv 1841 8.435 und Annales des sc. nat, T,XVI.
1841 8. 303. ee
371
bewegte sich sehr lebhaft, meistens mit Hülfe dreier seitlichen
- Fortsätze, welche von dem Thierchen abwechselnd ausgestülpt
wurden.
Pseudo - Helminthes,
Von Voigt werden die Spermatozoen als Thiere betrach-
tet und in die Klasse der Helminthen gestellt, *) ebenso spricht _
' sie Mayer als Thiere an,**) und auch Creplin scheint sie
für wirkliche Thiere zu halten.***) Eschricht erklärt da-
' gegen,f) dass die Spermatozoen keine Thiere sind, und ver-
gleicht die Beweglichkeit ihrer fadenförmigen Anhänge mit
schwingenden Bewegungen der Wimperhaare auf den Epithe-
liumzellen, denselben Vergleich stellt auch Dujardin an.+f)
Eschricht beruft sich, um zu beweisen, welche Vorliebe
gewisse Schmarotzer für gewisse Lokalitäten zeigen, auf die
Needhamia expulsoria des Carus;ffr) dieses Beispiel wird
Eschricht nun fallen lassen müssen, da wir jetzt wissen, dass
diese Needham’schen Körper die Samenschläuche (Spermato-
phoren) der Cephalopoden sind.
Costa hat den eigentlichen Körper, welcher von Delle
Chiaje unter dem Namen Trichocephalus acetabularis und von
Cuvier unter den Namen Hectocotylus Argonautae als Schma-
rotzer betrachtet wurde, untersucht*+) und ist dabei zu der
Überzeugung gekommen, dass dieser Körper kein selbstständi-
ges Wesen sei, da an demselben kein einziges zu einem selbst-
ständigen Leben nothwendiges Organ aufgefunden werden
konnte. Costa hegte daher die Vermuthung, dass dieser Kör-
per, den er überhaupt nur dreimal, aber immer an eierlegen-
den Argonauten-Weibchen angetroffen, vielleicht den Sperma-
tophoren der übrigen Cephalopoden analog sei,
”) Voigt: Zoologie a. a. 0. B, VI. 8, 16.
**) Mayer: Beiträge a.a.0. 8.6.
#4) Encycelopädie von Ersch und Gruber a.a,0, 8. 76,
+) Froriep’s Neue Notizen Nr. 334 8. 245.
++) Pnjardin: Infusoria a. a. O, 8. 677.
+++) Froriep’s Neue Notizen Nr. 434 S. 244.
*+) Annales des sc. nat. T.XVI. 1841 8,184. Costa: sur le pre-
tendu parasite de l’Argonauta Argo. Pl. 13 Fig. 2, 2a, 2b 2c, und
Vinstitut 1841 8.302,
Ant
372
Grosses Aufsehen machte im vorigen Jahre eine Mitthei-
lung, in welcher der längst vergessene Pseudohelminth, näm-
lich Sultzer’s Ditrachyceros rudis durch Eschricht von
neuem als Schmarotzer an’s Tageslicht gezogen wurde.*) Wir
erfuhren bei dieser Gelegenheit durch Lereboullet,**) dass
schon im Jahre 1818 Le Sauvage zu Caen den Sultzer-
schen Wurm wieder gefunden habe, dass aber dessen Schrift
darüber den meisten Helminthologen unbekannt gebliehen sei.
Bremser hatte schon vor 23 Jahren diesen Pseudohelminthen
für Samenkörner erklärt, und auch Diesiug konnte ihn für
nichts anderes halten, ***) Ein von Eschricht eingesendetes
Exemplar des Ditrachyceros liess Diesing von den Botanikern
Endlicher, Unger und Fenzl einer mikroskopischen Un-
tersuchung, unterwerfen, ‚wobei sich der fragliche, Wurm ganz
deutlich als der Same von Morus nigra L. auswies. Die Rich-
tigkeit dieser Angabe erkannte Eschricht auch sogleich an.+)
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Mollusken während des Jahres 1841
von
Dr. F. H. Troschel,
Ausserordentlich zahlreich sind in diesem Jahre die Ar-
beiten über Mollusken, und es ist erfreulich zu sehen, wie das
Material für diesen Zweig der Wissenschaft sich häuft, und
wie dadurch mit raschen Schritten der tieferen Einsicht in den
inneren Zusammenhang dieser interessanten Abtheilung von
Thieren entgegen gearbeitet wird. Freilich beziehen sich die-
E)
*) Müller’s Archiv 1841 $S. 437. Eschricht: über Diceras, und
Annales des sc. nat. T.XVI. 1841 S. 354.
*r) Gazette medicale de Strassbourg 1841 Nr. 23 8. 384.
***) Österreichische medizinische Wochenschrift 1841 Nr. 50 8. 1177.
Diesing: Ditrachyceros rudis Sultz., ein Pseudohelminth,
+) Müller’s Archiv 1842 S. 84.
373
meisten Bereicherungen, über welche hier berichtet wird, auf
Aufstellung neuer, und Berichtigung der Synonyme sowie Ver-
vollständigung der Kenntniss bereits beschriebener Arten; in-
dessen es muss die Kenntniss möglichst vieler verschiedener
Formen unbedingt vorangehen, um darauf ein naturgemässes
System gründen, und dadurch ein Erkennen der Organisation
der Thiere der Klasse im Ganzen gewinnen zu können. Es
ist, wenn meine Ansicht keine falsche ist, jetzt an der Zeit,
Monographien zu bearbeiten, wodurch das in der Literatur so
sehr zerstreute Material zusammengebracht und durch kritische
Vergleichung vereinfacht wird. Hoffentlich geben diese Be-
richte zu diesem Zweck eine angenehme Erleichterung
Zunächst gebe ich vier Arbeiten über Mollusken an, die
mir Jeider woch nicht zugänglich geworden sind, die aber
Pfeiffer bereits in seinen Symbolae ad hist. Heliceorum zum
Theil benutzt hat:
Grateloup in den Actes de la Societe Linneenne de
Bordeaux (6 Livr. Nov. 1840) XI. 1841.
Lea in Proceeding’s of the American phil. Soc. 1841 II.
Lea in Transactions of the American phil. Soc, of Phil-
adelphia Vol. VII. New. Ser. 1841.
Villa, A. et J. O. Dispositio systematica Conchyliorum
terrestrium et Aluviatilium ct. Mediolani 1841.
Unter dem Titel: Kritisches Register zu Martini und
Chemnitz’s systematischem Konchylien-Kabinet, Kassel 1840,
hat L. Pfeiffer bereits im vorigen Jahre ein kleines Buch
herausgegeben. Es enthält die neueren, namentlich von La-
marck und -Gmelin eingeführten Namen der Abbildungen des
genannten Werkes, nach der Reihenfolge der Tafeln, und er-
leichtert daher sehr die Bestimmung der dort abgebildeten
Arten. Vorangeschickt sind die Diagnosen von 8 wenig ge-
kannten Arten:
Murexz Martinianus Pfr, (Mart. III. 1036, 37). — Buceinum vi-
treum Pfr. (Mart, IV, 11772). — Pleurotoma Iyratum Pfr. (Mart. IV.
1221, 22; Buccinum Iyratum Gm. 109). — Cerithium Martinianum
Pfr. (Mart. IV. 1480). — Trochus tranquebaricus Pfr. (Chemn. V.
1595, 96). — Natica Chemnitzii Pfr. (Chemn. V. 1905, 6). — Strom-
bus Chemnitzii Pfr.) Chemn. X. 1485, 86). — Cassis tessellata Pfr.
(Chemn. X1. 1792, 93).
Bemerkungen über Linnesche Conchylien-Arten, welche
374
von spätern Conchiologen verkannt sind, erhielten wir von
Philippi in diesem Archive 1841. I. p. 258.
Die im. Jahre 1841 erschienenen Lieferungen (59 — 71)
von Kiener’s Species General enthalten den Text zu den
Gattungen Turbinella, Cancellaria, Colwmbella, und
den Anfang von Cerithium. Die Abbildungen stellen die
Gattungen Ranella, Cerithium, Columbella und Can-
cellaria dar.. Ausserdem finden sich Text und Abbildungen
als Nachtrag zu den Gattungen Buceinum und Marginella.
Ein ausserordentlich dankenswerthes Unternehmen ist ein
Werk, an welchem ausser der vorzüglich schönen Ausführung
der Abbildungen noch die schnelle und ununterbrochene Voll-
endung zu rühmen ist. Benj. Delessert gab nämlich Re-
eueil de Coquilles ‚deerites par Lamarck dans: son histoire
naturelle des animaux sans vertebres et non encore figurees
heraus.
Es erschien in 4 Lieferungen, alle im Jahre 1841 vollendet, und
enthält auf 40 Tafeln die vortrefllichsten Abbildungen von nahe an
300 Lamarckschen Arten, Der Verf. war als Besitzer der Lamarck-
schen Conchylien - Sammlung derjenige, von welchem einzig dieses
längst entbehrte Werk hervorgehen konnte, und man muss es ihm
‘Dank wissen, dass er es so würdig ausstattete. Wie schwierig es
war, nach den kurzen Lamarckschen Diagnosen zu bestimmen, ist
allgemein genug bekannt, unmöglich war es, wenigstens wo man es
mit Sieherheit wollte, bei den Arten, bei welchen nicht einmal eine
Abbildung citirt war; und gerade für diese ist durch das in Rede
stehende Werk alles geschehen, was man nur wünschen konnte.
Freilich sind als Text nur die Diagnosen Lamarck’s abgedruckt, in-
dessen bei der Treue der Abbildungen kann man wohl eine Beschrei-
bung entbehren. Wünschenswerth wäre es gewesen, wenn zugleich
auf die seit Lamarck zuweilen veränderte Namengebung Rücksicht
genommen wäre, und wenn die neuen Namen, welche durch Ver-
kennen Lamarckscher Arten seitdem entstanden, bei dieser Gelegen-
heit reducirt wären. Während der Herausgabe des Werkes, welches
einmal auf 40 Tafeln berechnet war, wurden einige der für dasselbe
hestimmten Arten in dem Species general von Kiener abgebildet, und
um eine doppelte Darstellung zu vermeiden, ohne die Zahl der Ta-
feln zu verringern, liess der Herausgeber lieber an dem freigewor-
denen Platze einige ausgezeichnete, namentlich von Cuming auf den
Philippinen gesammelte Arten, die jetzt die Zierden der Sammlungen
bilden, einschieben.
Von Lowell Reeve erschien das erste und zweite Heft
375
einer Conchologia systematica or complete system of Concho-
logy et. London 1841.
Sie enthalten ausser den Cirripedien die Gattungen Aspergil-
lum, Clavagella, Fistulana, Gastrochaena, Teredo, Xy-
lophaga, Pholas, Solen, Solecurtus, Panopaea, Glycime-
ris, Solemya, Solenella, Glauconome, Pholadomya, Mya,
Anatina, Thracia, Corbula, Pandora, Anatinella, Myo-
chama, Cleidothaerus, Lutraria, Mactra, Gnathodon,
Crassatella, Mesodesma, Ungulina, Amphidesma, Cu-
mingia, Saxicava. Jede dieser Gattungen ist von einer Tafel
recht hübscher Abbildungen begleitet, auf der sich eine oder einige
Arten finden, die auch ganz kurz als Beispiele für die Gattung im
Texte erwähnt sind, jedoch ohne Beschreibung. Eine Anzeige die-
ses Werkes nebst einer Übersicht des Systems findet sich in den
Proceedings ct. 1841 p. 72,
Hartmann gab das 3. und 4. Heft seiner Erd- und Süss-
wassergasteropoden, St. Gallen 1841, jedes mit 12 Tafeln sehr
sorgfältiger Abbildungen heraus. Vorherrschend sind in die-
sen die Limnaeaceen, von denen er Varietäten und Monstro-
sitäten in Menge darstellt und scerupulös beschreibt. Schade
dass nicht die Varietäten einer Art wenigstens beisammen
stehen, man verliert gar zu sehr die Übersicht, Von Wich-
tigkeit scheint zu sein, dass Verf. sich von den verschiedenen
Beschreibern Originalexemplare verschafft hat, wodurch ihm
eine directe Vergleichung möglich geworden ist.
Unter den Zeitschriften zeichnen sich besonders die An-
nals of natural history und Revue zoologique par
la societe Cuvierienne durch ihren Reichthum an Auf-
sätzen aus, welche die Kenntniss der Mollusken fördern. Von
ersterem, welches in mehreren Exemplaren in Berlin- gehalten
wird, war es mir während der Bearbeitung des vorjährigen
Berichtes nicht möglich den 5. Band zu benutzen, dessen Hefte
sehr unregelmässig eingegangen zu sein schienen, während mir der
6. Band zugänglich war. Es sind dadurch manche interessante
Aufsätze übergangen, welche nachzuholen ich jetzt nicht ver-
fehle. In letzterem werden namentlich viele neue Arten von
Conchylien beschrieben, leider nicht abgebildet, und es ist oft
unmöglich über die Gültigkeit der Art zu entscheiden.
Die Proceedings of the zoological society of London ent-
halten viele Diagnosen neuer Conchylienarten von G. B. So-
werby und Broderip, meist von Cuming auf den Philippi-
376 .
nen gesammelt. Es würde zu weit führen, wollten 'wir alle
diese Diagnosen hier mittheilen, und wir glauben uns um so
mehr davon entbinden zu können, da doch die Proceeding’s
allgemein zugänglich sind, Bei der Bearbeitung des vorjähri-
gen, Berichtes. war in Berlin diese Zeitschrift erst bis zum
October 1840 angekommen, wir müssen also die Stücke. vom
October, November und December 1840 jetzt nachträglich
berücksichtigen.
Der Jahrgang 1841 von diesem Archive verdient hier
wegen. der Menge Aufsätze genannt zu werden, welche für die
Naturgeschichte der Mollusken interessant und wichtig. sind.
Ausser den übrigen Aufsätzen dieses Jahrganges, auf wel-
che an ihrem systematischen Orte aufmerksam gemacht wird,
erwähne ich hier der Aufsätze Philippi’s, welche die Gat-
tungen Fossarus, Eulima, Truncatella, Tornatella,
Pandorina betreffen (p. 42); ferner einige Berichtigungen
über die Gattungen Pandorina, Paludinella, Sigaretus
und Lamellaria.
Von Ramon de la Sagra’s Histoire naturelle de /’Isle
de Cuba erschien ein Theil des Abschnittes über Mollusken,
von d’Orbigny bearbeitet, und zwar die Cephalopoden, Ptero-
poden und von den Gasteropoden die Heteropoden, Nudi-
branchien, Tectibranchien und Pulmonaten.
Es sind hier auch die Mollusken der übrigen Antillen aufgenom-
men. Es finden sich viele neue Arten, deren unten Erwähnung
gethan werden soll, und deren viele mit solchen Arten überein-
stimmen, welche Pfeiffer bereits im Jahre 1839 und 1840 in diesem -
Archive V. I. p. 346 und VI. 1. p. 250 publicirt hat. Da die Abbildun-
gen nur zum Theil erschienen sind, so lassen sich die Arten nicht
immer mit Sicherheit auf die Pfeifferschen zurückführen. Zu den
Heliceen ist von Pfeiffer selbst in seinen Symbolae ct, (s. unten) die
Synonymie berichtigt. Ausserdem werden alle bereits früher be-
kannten Arten mit derselben Ausführlichkeit beschrieben, und es
finden sich manche interessante Bemerkungen eingestreut. Besonders
interessant ist das Werk für die geographische Verbreitung, wenn-
gleich die Aufzählung der Arten keine vollständige genannt werden
darf, da sich viele bei Pfeiffer finden, die in dem in Rede stehenden
Werke fehlen. Von Cephalopoden kommen an den Antillen im
Ganzen 16 Arten vor, von denen 3 den Antillen eigenthümlich sind;
keine neuen Arten. Von Pteropoden leben an den Antillen 17 Arten,
alle dem atlantischen Ocean in weiterer Ausdehnung angehörig. Auch
aus dieser Ordnung werden keine neuen Arten beschrieben, da die
4
877
meisten bereits in des Verf. Voyage dans l’Amerique meridionale
aufgestellt sind. — Aus der Ordnung der Gasteropoden sind im
Jahre 1841 nur die Heteropoden (Nueleobranchiata Blainv. ‚d’Orb,),
die Nudibranchien, die Tectibranchien und die Pulmonaten erschie-
nen. Aus der Abtheilung der Heteropoden sind von Cuba nur 6 Arten,
der Familie der Atlanutiden angehörig, bekannt, die auch in den war-
men Gegenden des grossen und atlantischen Oceans vorkommen;
unter ihnen eine neue Art. — Von Nacktkiemern ist aus Cuba nur
eine Art Glaucus radiatus d’Orb. bekannt. — Unter den 18 Arten der
Dachkiemer sind 13 Cuba und den Antillen eigenthümlich. Eine neue
Bullaea und 10 neue Arten der Gattung Bulla. — Von Pulmonaten
leben 57 Arten auf Cuba, von denen 51 der Insel eigenthümlich sind;
von den übrigen kommen 3 im südlichen, 2 im nördlichen Amerika
vor, eine Art (Physa acuta) findet sich auch in Europa. Im zoolo-
gischen Museum zu Berlin befinden sich Exemplare dieser Art von
Lamare Picquot aus dem Ganges. Mir schien diese Angabe immer
zweifelhaft; es wäre eine merkwürdig weite Verbreitung, Pfeiffer
trennt die Cubanische als eigene Art Physa cubensis (Dies Archiv
1839 I. p.354); die Gangetische ist von der acuta bestimmt nicht
verschieden.
Auch in den Lieferungen‘, welche von d’Orbigny’s
Voyage dans l’Amerique meridionale im Jahre 1841 erschienen,
findet sich der 52. bis 61. Bogen des Textes über Mollusken,
Sie enthalten die Fortsetzung der Familie Trochidae und die
Familien Janthinidae, Cypraeadae, Oliwidae, Strombidae, Volutidae,
Buccinidae, Cassidae, Muricidae, Vermetidae, Crepidulidae, Siphona-
ridae, Haliotidae, Fissurellidae, Patellidae und den Anfang der Chi-
tonidae. ,
Beiträge zur .Molluskenfauna Denschlands, inbesondere
der österreichischen Staaten gab L, Pfeiffer in diesem Archiv
.4841 I. p. 215.
Eine ausführliche Arbeit über die Mollusken des Mittel-
meeres lieferte Contraine in den Nouveaux Memoires de
V’Academie Royale de Bruxelles Vol. XIII. 4841: Malacologie
mediterraneenne et littorale et. Premiere partie.
Ausser. ausführlichen Diagnosen und Beschreibungen enthält die-
selbe interessante Mittheilungen über die Lebensweise und die Ana-
tomie mancher Thiere. Auch die fossilen sind berücksichtigt. Sehr
hübsche Abbildungen auf 5 Kupfertafelna zieren den Aufsatz. Eine
sechste Tafel, auf welche im Text noch nicht Rücksicht genommen
ist, ist zugleich erschienen. Um so mehr dürfen wir hoffen, bald
eine zweite Abtheilung folgen zu sehen.
- Von Eichwald’s Fauna Caspio-Caucasia, Petropoli 1841
mit 40 Tafeln, ist p. 195 bis 227 und tab. 38, 39 und 40 den
378
Mollusken gewidmet. Ich begnüge mich, hier an das zu er-
innern, was ich bereits über den Prodromus zu diesem Werke
(dies Archiv 1839 2. p. 205 sq.) gesagt habe. Die Diagnosen
der Arten der Jetztwelt sind dort abgedruckt.
Unter dem Titel ‚‚Additions to the Fauna of Ireland” lie-
fert Thompson ein langes Verzeichniss von Mollusken. (An-
nals of nat. hist. V. p. 10 und VII. p. 480.) Derselbe machte
(ib. p. 84) einen Aufsatz bekannt: Contributions towards a
knowledge of the Mollusca Nudibranchia and Mollusca tunicata
of Ireland, with Descriptions of some apparently new Species
of Invertebrata. Er enthält Bemerkungen über Verwandtschaf-
ten, Fundort u. s. w. Unten sollen die neu aufgestellten Arten
herausgehoben werden.
Auch Forbes beschreibt in derselben Zeitschrift V. p. 102
einige. neue Arten britischer Mollusken (On some new ‚and
rare British Mollusca). Die beiden letztern Aufsätze sind
von einer gemeinsamen Tafel ‚mit Abbildungen begleitet,
Gwyn Jeffreys führt 21 Arten von Land- und See-
conchylien von den Shetland-Inseln auf, welche in Fleming’s
History of British Animals nicht angegeben sind. Einige neue
Arten werden genannt, aber nicht beschrieben. (Annals VII.
pag. 165.) \
Von Moricand erschienen zwei Supplemente zu seiner
Abhandlung über die Land- und Süsswasserconchylien der
Provinz Bahia in den Memoires de la Soeciet@ de Geneve; das
erstere im 8. Bande p. 139, das zweite im 9. Bande p. 57.
Jedes ist von einer Tafel mit Abbildungen begleitet... Beide-
enthalten theils Bemerkungen über bereits bekannte, theils Be-
schreibungen neu aufgestellter Arten,
Über das Gehörorgan der Mollusken siehe v. Siebold’s
Abhandlung in diesem Archive 1841 I. p. 148.
In der britischen Versammlung zur Förderung der Wissenschaf- _
ten, welche zu Plymouth im Juli und August 1841 gehalten wurde,
sprach Walker über die Veränderungen, welche die Sazicava ru-
gosa im Hafen von Plymouth durch Durchlöcherung der Felsen her-
vorgebracht hat. Dies veranlasste eine Discussion über die Art und
Weise, wie das Durchbohren geschehe. Delabeche glaubt,.es sei
nicht bloss die Sazicava rugosa, sondern auch andere Mollusken,
deren Verwüstungen an Kalkfelsen ihm um so gefährlicher scheinen,
da sie anderen Einflüssen, namentlich der Kohlensäure, eine um so
379
grössere Oberfläche darböten. — Buckland meint, auch der Helix
aspersa müsse ein Theil der Zerstörungen zugeschrieben werden. Er
schreibt das Eindringen der Mollusken in den Stein der Absonderung von
sauren Flüssigkeiten zu, durch welche der Felsen erweicht wird, so
dass es nun leicht wird mit der Schale durch Schaben einzubohren.
— Owen spricht sich gegen das Eindringen der Mollusken durch
auflösende Säuren aus, und ist der Meinung, die Höhlungen werden
durch einen beständigen Wasserstrom um die Schale in Folge von
Wimperbewegung hervorgebracht. — Phillipps sieht die Regel-
mässigkeit der Pholadenlöcher als einen Beweis an, dass dieselben
durch die Schale hervorgebracht werden, nicht durch einen Wasser-
strom. — De la Beche bemerkt, dass freie Kohlensäure den Kalk
in bicarbonate, der in Wasser löslich ist, umwandle, und dass das
’Dhier sehr wohl die Kohlensäure, welche es ausathmet, anwenden
kann, um den Felsen aufzulösen. — Buckland fügt hinzu, die Durch-
bohrungen der Pholaden zu Lyme-Regis seien im innern mit kreis-
fürmigen Streifen versehen, was auf das mechanische Abfeilen mit
der Schale hinweist; die den Helix zugeschriebenen Durchbohrungen
seien jedoch rein chemischer Natur. — Austen endlich spricht gegen
den Einfluss einer Säure-Absonderung, weil auch andere als Kalk-
felsen angebohrt werden. Er hegt auch, wie es scheint sehr ge- _
rechte Zweifel dagegen, dass den Helixarten Durchhohrungen zuge-
schrieben werden können, da diese nur zu gewissen Zeiten an einem
Orte festsitzen, und dann mit einem falschen Deckel ihre Mündung
verschliessen. — Im Ganzen wird also durch diese Discussion kein
neues Resultat gewonnen. Dieser interessante Gegenstand bedarf
noch neuer Thatsachen und directer Beobachtungen, bevor er einer
Entscheidung entgegen sehen kann (Institut 1841 p. 350).
Cephalepoda,
Costa hält einen Körper, welcher sich oft zwischen dem
Mantel und der Schale der Argonauta findet, und den Delle
Chiaje für einen Eingeweidewurm (Trichocephalus) nimmt, viel-
mehr für einen Befruchtungsapparat, entsprechend den Need-
hamschen Körpern bei andern Cephalopoden. Diese Meinung
bedarf jedoch noch der Begründung durch microscopische
_ Untersuchung (Inst. p. 302).
Über die merkwürdige Bewegung der Farbenzellen (Chro-
matophoren) der Cephalopoden und eine muthmasslich neue
Reihe von Bewegungsphänomenen in der organischen Natur
schrieb R. Wagner in diesem Archiv 1841 ]. p. 35.
Von der Histoire naturelle generale et particuliere des
Cephalopodes acetabuliferes vivants et fossiles ct, commencee
380
par MM. de Ferussae et Aleide d’Orbigny et 'continuse par
Aleide d’Orbigny erschienen im Jahre 1839" die zwölfte,
im Jahre 1840 ‘die 13, bis 18. Lieferung. Weitere Lieferungen
sind mir nicht bekannt geworden.
Die genannten enthalten in einer Einleitung das allgemein zo0-
logische und anatomische dieser Klasse, sowie Bemerkungen über
die geographische Verbreitung und die Lebensverhältnisse der hier-
her gehörigen Thiere. Die Ausstattung des Textes, wie der Abbil-
dungen ist sehr schön. Die erschienenen Lieferungen enthalten nur
die Octopidae. und den Anfang der Sepidae. (Gattungen Cran-
chia mit 2, und Sepiola mit 5 Arten, worunter eine neue)... Die
Oectopidae bestehen aus den Gattungen Octopus mit 20 Arten, worunter
2 neue, denen 13 ungewisse Arten angehängt werden, Eledone mit
2 Arten, Philonexis mit 7-Arten, Argonauta mit 3 Arten, Bellerophon
mit 49 fossilen Arten.
In diesem Werke werden einige neue Arten aufgestellt: Octo-
pus indicusRapp Ms. Corpore laevigato, bursiformi, absque tuber-
eulis super oculos; brachiis subelongatis, inaequalibus; ordo longi-
tudinis parium brachiorum 1, 2, 3, 4; membrana umbellae maxima,
orifieiis aquiferis circum buccam atque inter brachium quodque dispo-
sitis, 560 Millim. Celebes. — O. tetracirrhus Delle Chiaje MS.
corpore flaccido, ovali, granulato, lutescente. Neapel.
Sepiola Oweniana d’Orb. verwandt mit Rondeletii aber län-
ger, eiförmig, mit kleineren Flossen, längerem Kopfe; die längeren
Arme länger als der Körper, Fundort unbekannt. 108 Millim.
Vanbeneden machte seine Beobachtungen über die Ent-
wickelung der ‚Sepiolen bekannt (Recherches sur l’embryologie
des Sepioles. Nouveaux Memoires de l’Acad. de Bruxelles.
Tome XIV. 1841.)
Die wichtigsten Resultate daraus sind; das Herz und die Kiemen
liegen anfangs äusserlich, und der Kiemensack bildet sich erst später
durch eine Hauffalte, welche sich von hinten nach vorn entwickelt. :
Die Flossen liegen anfangs vorn, Später am hintern Ende des Kör-
pers, der Körper scheint sich also um sich selbst zu falten, Das
ganze Athmungs- und Cireulationssystem bildet sich durch Verviel-
fältigung der Buchten und Schlingen "zweier Gefässe; jede Kieme
beginnt mit einer Schlinge.
Valenciennes gab in einer ausgedehnten Abhandlung
seine Untersuchungen über das Thier des Nautilus Pompi-
Ziws Lam. heraus (Archives du museum d’histoire naturelle.
Tomell. p. 257 mit 4 Tafeln). In dem Monatsbericht der Aca-
demie der Wissenschaften zu Berlin, Januar 1841, ist bereits
eine Nachricht über diese Untersuchungen mitgetheilt worden.
J. Müller macht ebenda einige Bemerkungen dazu.
x - 881
- —_. Die vielen Arme, welche Owen bei diesem Thiere beschreibt,
werden von Val. nicht als solche angesehen, sondern als Röhren,
welche den Saugnäpfen der andern Cephalopoden entsprechen, so
dass dem Thier nur 8 Arme zukommen. Eine Röhre, in deren In-
nern sich eine gefaltete Haut befindet, nimmt Val. wegen der Ähn-
lichkeit mit dem Geruchsorgan der Fische für Geruchsorgan. Das
Gehörsorgan findet er in einer Furche an den beiden Hörnern des
Koorpels, welcher die Valven des Trichters stützt. Das Pericardium
ist auf solche Art gefaltet, dass es sechs Taschen bildet, deren jeder
sich au der Basis der Kiemen öffnet. Der Sipha hat so viele Ein-
schnürungen, wie er Scheidewände der Kammern durchläuft, und hat
keine Verbindung mit dem Äussern. Die Kiefern sind ganz hornig
und am Rande nicht erenulirt, wie es bei dem Owenschen Exemplar
der Fall war; deshalb besonders ist Verf. geneigt, das Thier für eine
_ andere Species zu halten. Die sogenannte Zunge ist wunderbar ge-
bildet, und weicht ganz von der der übrigen Cephalopoden ab,
Pieropoda,
Durch eine Arbeit von Vanbeneden über die Zima-
cina arctica Cuy. erhielten wir eine noch sehr vermisste
Kenntniss dieses Thieres. (Nouveaux Memoires de l’Acad. de
Bruxelles. Tome XIV. 1841.)
_Die beiden kleinen Fühler sitzen am freien Vorderrande der Flü-
gel, Zwischen den Flügeln in der Mitte liegt vorn ein kleiner Tu-
berkel, neben ihm öffnet sich das Organe excitateur. Im Nacken
etwas rechts liegt die Geschlechtsöffnung. Der After liegt in der
Kiemenhöhle, rechts, nahe dem freien Rande. Das Nervensystem
besteht aus 4 unteren Ganglien, die oben einfach verbundeu sind,
-an den vorderen zeigt sich das Rudiment des Ohres in Form zweier
schwarzen Punkte; nach vorn liegen noch zwei kleine Ganglien.
Die Flügel bestehen aus 3 Muskelschichten, die beiden äusseren sind
Quermuskeln, die mittleren Längsmuskeln. Im Munde sollen zwei
Reihen kleiner Häkchen stehn, jedoch nicht auf einer hornigen Platte;
Speicheldrüsen fehlen, der Darm schlägt sich um die Leber, und sein
letztes Ende ist frei. Die Kiemenhöhle liegt offen am Rücken wie
bei den Kammkiemern, die Kiemen sollen netzartig in der Wandung
_ der Höhle liegen. Der Eierstock liegt hinter der Leber und nimmt
ganz die ersten Windungen ein. Der Eierleiter schwillt zu einem
länglichen Organe an, welches Verf. für den Hoden ansieht, der Aus-
führungsgang dieses führt in einen Sack am Nacken hinter dem Organe
excitateur. Im Innern dieses Sackes, sagt Verf., entdeckt man zwei
Beutel, welche auch ihren Inhalt in diesen gemeinsamen Sack er-
giessen; der obere entspricht der Purpurblase der Gasteropoden, und
die untere wird von denen, welche unsere Deutung nicht billigen,
für den Hoden genommen werden. Das Organe excitateur, unabhän-
382 {
gig vom Geschlechtsapparat, ist hinten angeschwollen, und hängt vorn
an der Haut. Im Grunde dieses Organs findet man einen rundlichen
Körper, der an seinem Gipfel in einen leicht gedrehten Faden ausläuft.
Von Möller ist die Lebensweise der Limacina, nach eigenen
Beobachtungen des lebenden Thieres in Grönland gegeben (Kroyer’s
naturhistorisk Tijdskrift III. p. 481, und daraus Isis 1841 p. 895). Die
Art des Schwimmens unterscheidet sich wesentlich von der der Olione,
indem die Flügel wie die eines Vogels gebraucht werden, das Thier
kann sich in die Schale zurückziehen, indem es die Flügel so zu-
sammen faltet, dass sich ihre untern Theile decken. Die Flügel sind
dünn und in der Mitte fast in einen rechten Winkel gebogen; der
innere Rand des untern Schenkels ist erenulirt und mit einer kleinen
hakenförmigen Vorragung versehen, von der Verf. vermuthet, sie
möchte dem Thiere zum Festhalten dienen. Verf, unterscheidet zwei
Arten folgendermassen: L. arctica testa subglobosa, anfr. 6; spira
parum exserta, apice obtuso; lahio leviter reflexo; umbilico ampliore;
alis majoribus, basi et parte exteriore ejusdem latitudinis. Höhe 1,4”,
Durchm. 1,7”. — L. Balea Möll. n. sp. testa turrita, anfr.7, ultimo
ventricoso ; spira exserta, apice acuto, labio reflexo, umbilico angusto,
alis minoribus, basi angustiore. Höhe 2,0”; Durchm. 1,0”.
Heteropoda.
D’Orbigny beschreibt (Cub.) eine neue Art seiner Galtung He-
licophlegma. H. Candei testa cartilaginosa, suborbiculari, tenui,
diaphana, alba lateraliter carinato-crenulata, dorso bicarinato, carinis
erenulatis; umbilico perforato; apertura lata, angulosa, Jateraliter
sinuosa. 3 Millim. Da Verf. das Thier nicht kennt, so zweifelt er,
ob es nicht, wie die seitlichen Buchten des Mundes anzudeuten schei-
nen, mit zwei Flügeln versehen sein möchte; in diesem Fall wäre
es eine neue Gattung der Pteropoden, welcher er dann den Namen
Brownia geben würde. Weitere Beobachtungen müssen erwartet
werden,
Cantraine bildet (Mal. medit. p. 37) aus der Atlanta Ke-
raudrenii Less. eine neue Gattung, welche er Ladas nennt. Sie
hat eine hornig knorplige, sehr biegsame, spirale, an beiden Seiten
genabelte Schale, mit sehr convexer, in einer Ebene aufgerollten
Windungen, deren letzte allein eine Leiste trägt. Deckel glasig,
Das Thier trägt sehr dicke Augen; die Cornea convex, vor ihr eine
Hautfalte statt des.Fühlers. Die Gattung unterscheidet sich also von
Atlanta durch die knorplige Schale, durch die Augen und durch die
Fühler. Nur die eine Art.
Pulmounnta.
Von Vanbeneden und Windischmann erschien in
Müller’s Archiv 1841 p. 176 eine Abhandlung über die Ent-
383
' wiekelungegeschichte des Limax griseus: Recherches sur
V’Embryogenie des Limaces. Von den Verf. sind bereits früher
(Bull. de l’Acad. de Bruxelles 1838 und Annales des sciences
nat. IX. Zool. p. 366) Mittheilungen gemacht worden, die in
vorliegendem Aufsatze, auf den ich‘ verweise, durch erneuerte
Beobachtungen erweitert sind.
L. Pfeiffer gab unter dem Titel Symbolae ad historiam
Heliceorum. Cassel 1841 und 1842 zwei Hefte heraus.
Das erste enthält Aphorismen über die Eintheilung der Familie;
ein Verzeichniss der Arten der Pfeifferschen Sammlung; die Diagno-
sen von 71 neuen oder minder bekannten Arten; die Synonymie der
Gattungen Helix und Bulimus. Das zweile enthält wiederum
Aphorismen über die Eintheilung der Familie, ein Verzeichniss der
zur Pfeifferschen Sammlung hinzugekommenen Arten; die Diagnosen
neuer und wenig gekannter Arten Nr.72 bis 280, und die Synonymie
sämmtlicher Gattungen der Heliceen. Das zweite Heft ist also eine
Ergänzung des ersten. Das Material, welches Verf. zusammenge-
bracht hat, ist ein selır bedeutendes, und die Arbeit namentlich über
die Synonymie ein sehr grosse und dankenswerthe. Es wäre Schade,
wenn das Versprechen des Verf., eine vollständige Monographie die-
ser so überaus schwierigen Familie herauszugeben, nicht bald. in Er-
füllung givge, sie würde sich [gewiss der Theilnahme des zoologi-
schen Publicums zu erfreuen haben. Die Menge der neuen Arten
bier auch nur dem Namen nach anzuführen, ist unmöglich, und ich
verweise deshalb auf das Werkchen selbst.
Succinea haliotidea Mittre Rev, zool. p. 65. Gelblich, mit
äusserst grosser Mündung und fast ohne Spira; Thier orange mit
schwarzen Augen und Fühlern, Martinique an warmen Quellen. —
S.Sagra d’Orbigny testa oblongo-ovata, ventricosa, tenui, dia-
phana, succinea; spira brevi, anfractibus tribus 'convexis; apertura
ovali. 11 Millim. Cuba.
Vitrina sigaretina R&clusRev. zool. p,70 testa auriformi,
convexo-depressa, supra planulata, longitudinaliter striis tenuissimis
remotis impressa, pellucida, luteo-viridescente; anfractibus tribus,
linea plana discretis, spira retusissima, radiatim tenui-plicata; aper-
tura maxima, labio interiore excavato, acuto, spiram internam atten-
dente. 18 Mill. An den Ufern des Cazamanca im Innern Africa’s,
Helix Boivinii Petit de la Saussaye, Rev. zoo]. p. 184,
kreiselförmig, weisslich mit schwarzbraunen Binden; verwandt mit
H. pileus, aber niedriger und unten rothbraun. 21 Mill. Salomons-
inseln., — In H. (Cochlostyla) sarcinosa Fer. will Broderip ob-
gleich zweifelond, eine von Cuming in vielen Varietäten gesammelte
Art erkennen, ihr bleibt der Name (Proc. 1840 p. 121.), gehört zu
Bulimus. — H. turbinoides Brod. ib. ist eine grosse, schöne Art
584
von 25”, eine Zierde der Sammlungen. — H. Harfordii id. ib.
2} Zoll. — H. (Cochlostyla) Ticaonica id.ib. p.155 mit vielen Va-
rietäten2 3", ist ein Bulimus. — H.cryptica id. 1841 p. 22, kuglig,
mit 3 Windungen, purpurbraun, 2}. — H. latitans wohl nur Va-
rietät der vorigen, 23”. — H. cretata kuglig, mit schwärzlichen
Binden und Linien, mit kreideartiger Epidermis. — H. pan kuglig,
4 Windungen, Spindel weisslich, Mündung, rundlich, bläulich weiss,
11” — H. Reevii id. ib. p.34 eiförmig pyramidal, mit 5 bauchigen
Windungen und bläulichweisser Mündung. Gehört zu Bulimus. —
H. annulata Sowerby (Proc.1840 p.135) oval, gelb mit braunen
Binden 1”.'— H. balteata id. kuglig, Mundrand aussen schwarz 1”.
— H. fenestrata id. braun mit zwei weisslichen Binden, an der
Nath fensterartig, durch Anreiben der Epidermis. — H. monticula
id. ib. p. 167 kreisförmig, Konisch, unterhalb grün, Mundsaum und
Spindel weiss. — H. coccomelos kuglig 1!”.— H. intorta kreis-
förmig, niedrig,.blassgelb, mit drei kastanienbraunen Binden 14”. —
H. monochroa id. Proc. 1841 p.1, kreisförmig, braun mit zwei
dunklern und zwei hellern Binden. — H. chlorochroa id. ib. hell-
braun mit einer weisslichen Binde, ohne Nabel, sonst wie vorige 2”.
— H. sphaerion verwandt mit H. coccomelos 13”. — H. deci-
piens desselben Verf. wird ib. p.3 als mit H. mirabilis Fer. (H, ga-
lactites Lam.) identisch berichtigt, — H. fulgens weisslich mit
kastanienbraunen und schwarzen Binden 14”. — H, chrysocheilus
kuglig, ungenabelt, Mundsaum verdickt, orange. — H. metaformis
Fer. bereichert durch einige Varietäten ib. p.17. — H. cincinni-
formis eiförmig verlängert 1?” ist nach Pfeiffer eine Achatina. —
H. leucophaea eiförmig verlängert (also Bulimus), braun 2”. —
H. columbaria kreisförmig, zuweilen innen am Mundsaum ein
Zahn 3”, — H. coneinna länglich pyramidal, mit brauner, weiss
marmorirter Epidermis. Gehört zu Achatina 1!”. — H. curta länglich,
braun 1!”; ebenfalls zu Achatina. — H. meretriz kreisförmig, gelb-
lich mit braunen Binden und weisslich marmorirt 147. — H. matruelis
id. ib. p. 24 gedrückt kuglig, Mündung trapezoidal, innen an der Spin-
del mit einer Bucht 13”. — AH. setiger kreisförmig, braun, regel-
mässig mit Borsten besetzt 14". — H, vetulina kreisförmig, hell-
braun, mit sammetartigen Haaren 13”. Pfeiffer nennt sie wanthotricha
und zieht sie fraglich zu Nanina Symb. II. p.21. — H. brevidens
hellbraun, mit einer braunen Linie, ein kurzer Zahn am Grunde des
Spindelrandes, zahlreiche sehr kleine Härchen 3”. — H.gummata
unten glatt, oben gestreift und wie mit Firniss überzogen 11”. —
H. sphaerica kuglig, gelb mit einer schwarzbraunen Linie, Mün-
dung mit schwarzem Rande 1”. — H. modesta id. ib. p. 39, spitz-
oval, weisslich mit drei Binden 1”; nach Pfeitfer Achatina? — H. py-
ramidalis Jänglich pyramidal, braun. L. 14”, Br. 2”, Achatina? —
H. acuminata spitz pyramidal, braunschwarz. L. 1!” Br. 3" ist
ein Bulimus, — H. oblonga länglich, cylindrisch, braun, runzlig,
> 355
6 Windungen. 1!”, Ist ein Bulimus. — H. fragilis kuglig, grün mit
2 weissen Binden, 3 Windungen. 1”. — H, brunnea braun mit
weissen und schwarzen Binden 1?”, nach Pfeiffer Symb. — H, mela-
nocheila Val. Grateloup in den Acten der Linneschen Gesell-
schaft zu Bordeaux XI. 1841.
Auch in der Deser. de Cuba Mollusques von d’Orbigny finden
sich mehrere neue Arten der Gattung Helix. H. Ramonis scheint
H. tichostoma Pfeiffer zu sein; d’Orbigny giebt sie als einzige cuba-
nische Art mit Zähnen in der Mündung an, die Pfeiffersche H. palu-
dosa gehört jedoch auch in diese Abtheilung. — H. Petitiana ver-
wandt mit H. auricoma aber mit stark umgeschlagenem und scharfen
Mundsaum. — A. Sagraiana quer gefurcht, genabelt. — H. Par-.
raiana ebenfalls quergefurcht, aber ohne Nabel, fast gekielt, Beide
sind durch die Querfurchen verwandt mit H. circumtexta Fer., eben-
falls von Cuba, — Die HA. marginata Fer. Hist. des Moll. terr. ct.
pl. 63 trennt Verf. in 2 Arten; Fig. 3, 4 nennt er H. marginelloi-
des, Fig. 5,6,9,10 H.marginatoides. — H. pisanoides unter-
scheidet sich von pisana dadurch, dass sie auch im ausgewachsenen
Zustande gekielt ist, und durch die innere Verdickung der Mündung. —
H. pyramidatoides ist turbiniformis Pfr, — H. Auberii mit
voriger verwandt. — H. Lanieriana ist cubensis Pfr. — H. ni-
tensoides—H. OttonisPfr.? — H. Lavalleana kreisförmig, weit
genabelt, glatt. 2} Mill. — H. mauriniana=H. saxicola Pfr.
Die kleinere Varietät von H. perspectiva Wagn. stellt Mori-
cand l.c. als eigene Art H. Coffreana auf.
Ferner sind als neu aufgestellt: Helix Griesbreghtii Nyst
(Bull. de Bruxelles VIM. I. p.343-Fig.) testa orbiculato -convexa,
subdepressa, late umbilicata, rufo-zonata; anfractibus irregulariter
striatis, ultimo rotundato, apertura labro intus albo, reflexo. Mexico.
63 Mill. — H. Carae Cantr.Malac. mediterr. p. 103 testa orbiculato-
convexa depressiuscula imperforta glabra lutescente vermiculata ma-
eulisque fuscis serialibus angulatis pieta; spira prominula aut sub-
plana; apertura ovato-lunata alba macula rosea umbilicali insignita;
labro margine reflexo. Anfr. 5. 11”. Sardinien, — H. Magnettii id.
ib. testa orbiculato-convexa, depressiuscula imperforata glabra alba
zonis fuscis quinque interruptis ornata; spira prominula; apertura
Junato-oblonga, alba vel subrosacea, labro margine reflexo. Anfr. 5.94”.
Sardinien, — H. Petiti id. ib. testa convexo lenticulari, subtus con-
vexiori, subperforata, acute carinata striata irregulariterque granu-
lata, luteo-fulva, fusco superne inferneque unifasciata; apertura
angustata, sublineari, obliqua, lactea intus marginata; Tabio dente vel
callo munito; peristomate simplici. 3). Anfr. 6. Palermo. — Der-
selbe citirt Carocolla limbata Phil. (Helix amanda Rossm.) fraglich
zu H. polymorpha Lowe; letztere ist gekörnt und hat keine Ähn-
lichkeit damit (Philippi).
Petit de la Saussaye bemerkt in der Revue zo0l. p. 98, dass
Archiv 1, Naturgeschichte, VII, Jahrg. 2, Bd, Bb
386
Souleyet Gelegenheit gehabt habe, das Thier einer neuen Art der
Gattung StreptaxisGray zu beobachten und zu Zeichnen; in den
äussern Characteren habe sich nichts gefunden, welches diese Gat-
tung von Helix trenne. Es folgen dann mehrere neue dahin gehörige
Arten: Helix Reclusiana Rev. zool. p.99 testa oblique ovata,
semiglobosa, virescente, vix perforata, superne tenuitur striata, in-
ferne sublaeviuscula; anfractibus 6—7, supernis convexis, aliis de-
pressis, spira convexo-obtusa; apertura semi-lunari, labro reflexo,
17 Mill. Inseln an der Küste von Guinea. — H. Souleyetiana
testa ovata, convexo-depressa, virescente; spira obtusa, anfractibus
6—7, longitudinaliter et oblique striatis, ultimo subtus laeviusculo,
perforato, canali late prolongato; apertura subrotundata, peristomate
subeontinuo; columella versus medium dente lamelloso brevi in-
struecta; labro albido subreflexo. 13 Mill. Seychellen. -- H. Peroteti
testa subglobosa, albida, nitida, substriata, umbilicata; spira promi-
nula; anfr. 6, semiconvexiusculis; apertura personata, labro poste-
rius coarctato, superne emarginato, anterius subtruncato, intus tri-
dentato; columella bilamellata. 8Mill. Ostindien. — H. Troberti
testa subglobosa, albida, polita, Jucida, perforata; spira obtusa, an-
fractibus senis; apertura posterius coarctata; columella lamina alba
intus decurrente insculpta; labro subquadrato, albo, reflexo, basi
dentibus binis parvulis geminatis instructo. 6Mill. Guinea. — H.aber-
rata Souleyet ib. testa ovato-globosa, albido-virescente, tenuiter
striata, umbilicata, spira convexo-obtusa, anfractibus 6—7 convexi-
usculis; apertura subquadrata, anterius rotundata, ringente; columella
dente lamelloso crasso et recurvo instructa, labro reflexo, intus 5 den-
tato, extus reflexo, basi triplicato. 10Mill. Cochinchina.
Broderip stellte eine Reihe von Cuming anf den Philippinen
gesammelter neuer Arten der Gattung Carocolla auf. (Proceedings
1841 p. 36, 44. Annals VIII. p. 536,) Ich gebe hier nur die Na-
men: C. Reginae, papyracea, Dryope, Listeri, parmula,
siquijorensis, Thersites, virgo, dealbata ist wegen des be-
reits von Lowe vergebenen Namens von Pfeiffer Broderipii ge-
nannt, puella, rota, zebuensis mit mehreren Farbenvarietäten.
— Sowerby beschreibt eine Art derselben Gattung ebenfalls von
Cuming gesammelt als ©. semigranosa (ib. p. 26).
Achatina cubiniana d’Orb. Cub. p.166 glatt mit braunen
Längslinien, gehört in die Gattung Glandina (Polyphemus). — A.ory-
sacea d’Orb. ist, Glandina suhulata Pfr. — A. subulatoides ist
4A. ewilis Pfr. — A. consobrina d’Orb. glatt, weiss, pupaförmig,
ist eine Glandina. — A. Michaudiana d’Orb. weiss, längsgestreift,
sonst verwandt mit A. octona, — A. paludinoides d’Orb. 3 Mill
ist eine Glandina,
Bulimus acuticostatus d’Orb. Cub. braun, scharf längs-
gerippt, mit 2 Ouerrippen, gefurcht, 12 Mill. — B, striatieostatus
ist dchatina gracillima Pfr. — B. octonoides ist B.( A.) subula Pfr.
387
Bulimus (Helix) auris muris Morie. l.c. ist sehr verwandt
mit B. (Auricula) auris leporis. — BD. (Helix) Manoelii id. ib. testa
- eonica, perforata, laevi, Jucida, minutissime striata, alba e violaceo
vel roseo nebulosa, ultimo anfractu zonis binis coerulescentibus no-
tato, spira elevata obtusa, apertura ovato rotundata, peristomate albo
subreflexo. — B. (Helix) cinnamomeo-lineata id. ib. testa co-
nica, perforata, septemgyrata, laevi, lucida, minutissime striata, alba,
strigis longitudinalibus rectis cinnamomeis virgata, spira elevata ob-
tusa, apertura ovato-rotundata peristomate reflexo albo.
W. J. Broderip stellt in den Proceedings auch mehrere Arten
der Gattung Bulimus auf: B. Fulgetrum (Proceedings 1840 p. 119)
mit vielen Farbenvarietäten. 2’. — B. Pictor mit braunen Längs-
streifen, Mündung bläulich weiss. 23”. — B. nimbosus 3". — B.
Guimarasensis (ib. p. 156) verwandt mit B. citrinüus aber ohne
Querstreifen 2!”. — B. camelopardalis weisslich gelb mit brau-
nen Längslinien. 2”; ist nach Pfeiffer Symb. eine Achatina. — B. Diana
hellgelb mit weisslichen Streifen. 24”. — B. Calista 12" ist eine
Achatina. — B. Calypso 14”. — B. Dactylus braun mit grauer
Epidermis 227 — B. Boholensis 1” ist eine Achatina.— B. Bul.-
Zula mit milchweisser Linie an den Näthen. — B. maculiferus
(Proc. 1841 p. 14) ist nach Pfeiffer Symb. II. p. 117 B. inversus Brug.
Lam. — B, evanescens 1%. — B.velatus gelblich, an den Näthen
rothbraun gefleckt, in der Mitte der letzten Windung eine dunkle
Binde 15°. — B. Onyx (ib. p.34) die 4 ersten Windungen schmutzig
weiss, die 5. und 6. kastanienbraun, die 7. ebenso mit weisser Basis,
Spindel schwarz, Mündung weiss. — B. Alberti an der Spitze roth-
braun, an der Basis grün, Spindel schwärzlich, Mündung weiss. —
Bulimus Menkei und Angosturensis von Gruner. (Dies Ar-
ehiv 1841 1. p. 277.)
Pupa decollata Nyst. (Bull. de Bruxelles VII. I. p. 344 Fig.)
testa crassa, cinereo-pallida, (urriculato-cylindracea, apice truncata,
basi subumbilicata, anfractibus convexiuseulis, striatis; apertura sub-
orbiculari; columella uniplicata, labro reflexo. Mexico. 75 Mill. —
P. sardoa Cantr. 1. c. p.142 testa parva, ovato -cylindrica, sub-
umbilicata, costulato -striata, corneo-fusca; anfractibus convexis;
apertura semiovata, quinqueplicata; plica una in columella sicut et
in pariete, tribus in labro, quarum infera majori, peristomate re-
flexiusculo, 2”. Anfr, 7. Sardinien. — P. Philippii Cantr. ib. ist
P. caprearum Phil. bei Rossmässler nach Mittheilung meines Freun-
des Philippi. Derselbe erklärt es für einen Irrthum, wenn Verf.
den Bulimus rupestris Phil. für das Junge davon hält. — P. Par-
raiana d’Orb. Cub, testa oblongo-ovata, subcylindrica, perforata,
fusca, laevigata; spira elongata, apice acuminato obtusa, anfractibus
sex convexis; apertura ovali; labro margine lato, reflexo, albo.
Die übrigen von d’Orbigny aufgestellten Arten dieser Gattung
P. Petitiana, brevis (Cyl, brevis Pfr. Symb. I. 47), oviedoiana,
Bb*
388
lavelleana, auberiana und Poeyana gehören in die Gattun
Cylindrella Pfr,
Über die von L. Pfeiffer in diesem Archiv (1840 I. p. 38) auf-
gestellte Gattung C’ylindrella macht Gray einige Bemerkungen.
Zunächst verwirft er den Namen, weil die Gattung bereits von Guil-
ding zuerst Brachypus, später, weil der ebengenannte Name bereits
vergeben war, Siphonostom« genannt sei. Dann macht er auf
einen wesentlichen Charakter aufmerksam, nämlich auf eine Rinne
vorn in der Mündung, wodurch aussen eine Art Kiel entsteht. Fer-
ner will er diese Gattung nicht als mehr unterschieden ansehen, als
die andern von Pfeiffer nicht anerkannten Gruppen: Anostoma, Acha-
tina, Pupa ct. Die Gattung vermehrt er durch zwei Arten: Pupa
purpurea auct. angl. und Helix Maugerae Wood. (Helix ignifera
Fer.). Endlich spricht er sich dagegen aus, das Clausilium, wie es
Pfeiffer will, als analog einem Deckel anzusehn. Die Gründe hier-
für sind, dass es nicht an das Thier, sondern nur an die Schale an-
geheftet ist, dass es erst bei vollständiger Entwickelung des Thiers]
gebildet wird, und drittens, weil die Gattung Clansilia zu einer
völlig deckellosen Gruppe von Thieren gehört. In dem letzten Punkte
hat Verf. gewiss recht. (Annals ct. V. p. 243.)
Bei einigen Clausilien macht Cantr. ]. c. seine früheren Na-
men gegen Rossmässler geltend. So C!. elongata= fimbriata
(Ziegl.) Rossm, — Cl. Deenia=(l, gibbula (Ziegl.) Rossm.; bier-
her zieht er Cl. sericina Rossm. und als Varietät C/ lamellata Rossm,
— Ol. brevis— (Cl. formosa (Ziegl.) Rossm. einschliesslich (1. Schu-
chii (Voith) Rossm. — Cl. elegans—=(!. sulcosa (Meg.) Rossm. mit
Cl. strigillata (Meg.) Rossm. — Cl. acicula = Cl. irregularis (Ziegl.)
Rossm. — Cl. macrostoma—= (Cl. syracusana Phil. Rossm. — Eine
neue Art: CI. tristis testa fusiformi elongata striata, vix rimata,
sordide fusca; anfractibus convexis sutura simpliei disjunetis; cer-,
vice plicatulo; apertura subrotunda aut ovali fuscescente, quinque-
plicata; plica parietali columellarique compressis, subcolumellari
minima, basilari conspicua sicut et suturali; peristomate soluto. 54”,
Aufr. 10. Triest.
Auricula Micheli Mittre Rev. zool. p. 66. Durchscheinend,
weisslichgelb, 7 Windungen, 2 Falten an der Spindel. 8Mill. Toulon.
— A. uniplicata id. ib. fest, weissgelb, fein längsgestreift, 5 Win-
dungen, Spindel am Grunde weiss, mit einer Falte. Senegal. —
A. Jaumei id. ib, glatt, gelblich hornfarbig, Spindel am Grunde mit
zwei weissen Zähnen, Mundrand scharf, innen gezähnt und ge-
furcht. 4”. Virgivien. — A. angulifera Petit de la Saussaye
ib. p. 101 helmförmig, röthlich, kaum genabelt; 8 Windungen, die
letzte oben winklig und mit einer-weissen Binde am Winkel; Mün-
dung fleischfarbig, Spindel dreifaltig; Mundrand aussen verdickt, innen
breit gerandet und gekerbt, in der Mitte gedrückt. Neuholland, — 4.
oliva d’Orb. Cub. scheint nicht mit cingulata Pfr. übereinzustimmen. )
Fr re
359
Physa ludovieiana Mittre Rev. zool, p. 68, thurmförmig,
schwach genabelt, 5 Windungen, die letzte länger als die Spira; am
Grunde der Spindel eine Falte (?), grünlich, Mundrand mit einer
dunkelrothen Linie begrenzt.. 8”. St. Louis am Senegal. — Ph.G@uerind
‚id. bauchig, 5 Windungen, Mündung gross mit stark gebogenem Rande;
hellgrün 5”. Levante, -- Die Art von Cuba, welche Pfeiffer dies
Archiv 1839 I. p.354 als PA. cubensis beschreibt, betrachtet d’Or-
bigny als Ph. acuta Drap. — Ph. striata, d’Orb. ausgezeichnet
durch Querstreifung, die Windungen sind sehr convex, die Spira sehr
stumpf 6Millim. Martinique, Cuba,
Von den vier Planorbis-Arten, welche d’Orbigny Cub. auf-
stellt, stimmt keine so recht mit den vier von Pfeiffer beschriebe-
nen ceubanischen Arten überein. P/!. Terverianus d’Orb. könnte
jedoch leicht havanensis Pfr. und Lanierianus d’Orb. könnte /uei-
dus Pfr. sein. Pl. caribaeus kommt zugleich in Mexico vor; Pl,
cultratus durch die äusserst flache, stark gekielte Schale ausge-
zeichnet, wird vom Verf. nur mit Zweifel als cubanisch aufgeführt.
Ferner stellte Moricand ]l. c. zwei neue Arten dieser Gattung
auf: Pl. cimex testa depressissima, utrinque leviter concava, 6-volva,
ultimo anfraetu subtus plano, supra semi-rotundato. — Pl. depres-
sissimus testa depressissima subtus plana, supra leviter concava,
5-volva, ultimo anfractu in medio acute carinato, Beide in Bahia.
Thompson beschreibt die Amphiplepea involuta (Limneus
involutus) Harvey Ms. (Annals ct. V. p.22). Die Spira ist ganz
von der letzten Windung umhüllt, die sebr breite Mündung reicht
bis zum Apex. Diese Art findet sich in einem kleinen Bergsee im
Cromaylaun-Gebirge, in der Nähe der Seen von Killarney.
Hieran schliessen sich (ebenda) einige anatomische Bemerkungen
über dieses Thier vonG@oodsir, die sich auf das Nervensystem und
die Geschlechtsorgane beziehen. Im ersteren findet Verf. Ähnlichkeit
mit dem von A. glutinosa, wie es Vanbeneden beschreibt. Jederseits
von der Mundmasse liegt ein spindelförmiges Ganglion. Beide sind
oberhalb durch einen Nervenfaden, unterhalb durch eine Reihe von
6 Ganglien verbunden; die vier seitlichen von diesen sind klein, die
beiden mittlern gross. Von. diesen sind die beiden spindelförmigen
Ganglien noch durch zwei grosse Ganglien verbunden, die in keiner
Verbindung mit den sechs hintern Ganglien stehn. Ganz vorn end-
lich entsenden die spindelförmigen Ganglien noch zwei Fäden, welche
nach vorn unter der Mundmasse verlaufen und in kleinen Ganglien
enden, die wieder durch einen Faden verbunden sind. Von diesen
und allen grösseren Ganglien werden Nerven entsendet. Bei deu
Geschlechtsorganen wird das in der Leber liegende als Hoden an-
geschen. Er entsendet einen schmalen Samengang, der kleine seit-
/ liche Forisätze hat, an den Kierstock, und öflnet sich dann in die
Spitze eines langen Sacks, der am weiten Eiergange anliegt. Von
| ihm geht der zweite Theil des Samenganges an die Muskeln u, 5. w
|
390 ö
In dem Delessertschen Werke sind auch zwei Lamarcksche
Arten der Gattung Limnaeus abgebildet, wodurch die Identität der-
selben mit zweien vom Referenten (dies Archiv 1837 I. p. 167) auf-
gestellten erwiesen wird. L. sulcatulus m. nämlich ist L. Zuteola
Lam., und L. amygdalum m. ist L. acuminata Lam,
Über die Anatomie des Ancylus fluviatilis erhielten wir von Vogt
eine Arbeit in Müller’s Archiv 1841 p.25. Ich habe mich nie recht
überzeugen können, dass diese Gattung zu den Limnaeaceen zu
stellen sei, leider bleibt auch Verfasser hierüber in Zweifel. Vieles
in der anatomischen Beschaffenheit des Thieres scheint dafür zu spre-
chdn, auch macht Verf. Versuche bekannt, nach denen diese Thiere
in der That Luft einzuathmen scheinen. Vom Oberkiefer wird ge-
sagt, er sei weiss, fest, und aus zwei Stücken zusammengesetzt.
Das stimmt wenig mit meinen Beobachtungen (dies Archiv 1836 1.
p- 277) überein, welche freilich an einer andern Art 4. lacustris ge-
macht wurden,
Onchidium nanum Phil. s. dies Archiv 1841 I. p. 56.
Cyclostoma Cuvieriana Petit de la Saussaye Rev. zool.
p. 184 kreisförmig, weit genabelt, auf der letzten Windung zwei
lamellenartige Kiele, Mündung rundlich, Mundrand umgebogen, vorn
mit 2 Furchen. 65 Mill. Madagascar.
Von Sowerby dem Jüngeren erhielten wir in den Proc. zool.
Soe. 1841 p.101 die Beschreibung von neun Arten der Gattung Pu-
pina Vignard. Alle sind bereits Sowerby’s Thesaurus Conchyliorum
part 1, der im Mai 1842 erschien, abgebildet. Leider ist mir dieses
Werk nur dem Titel nach bekannt. «) Mit schiefer Axe: P,
Nunezii (Moulinsia Nunezii Grateloup, Ann. Soc. Linn. Bordeaux,
1840) kuglich schief, mit grosser Mündung und stark umgeschlage-
nem gelblichem Mundrande; Einschnitt dreieckig; Spindel concav. 4,
Philippinen. — P. pellucida fast kuglig, durchsichtig, Spindel con-
vex. 4°. Philippinen. — $) Mit fast geradem Gewinde: P. Zu-
dric«@ cylindrisch, am Grunde der Spindelkaum ausgerandet. 4”, Phi-
lippinen. — P.vitrea etwas verlängert, gerade, Windungen rundlich,
mit deutlichem Einschnitt, gelbbraun. 4”. Philippinen. — P. similis wie
vorige aber mit sehr tiefem Einschnitt, so dass man ihn auf dem Rücken
der Schale sieht. 3”. Lugon. — P. exig ua klein, durchsichtig, weiss,
eylindrisch, mit tiefem Einschnitt. — y) Gewinde gerade, Mün-
dung mit zwei Rinnen: P. humilis Jaquenot die Zähne am
bintern Theil der Innen- und Aussenlippe bilden einen Kanal, der
Kanal zeigt sich am Rücken kanalartig, hellgelb. 3”. Vaterland unbe-
kannt. — P. Keraudrenii Vignard, Annales d. sc. 1829.- Manilla.
— P.bicanaliculata oval, weiss, Innenlippe hinten gefaltet, bau-
2
chiger als die vorige 4”. Philippinen.
391
Peetinihbranchina.
Mittre weist in der Revue zool. p. 69 nach, dass die Paludina
Desnoyersü Payr. nur der Jugendzustand von Truncatella trunca-
tula Risso sei, wie bereits Lowe und Deshayes vermutheten.
RissoaHarveyi Thomps. Ann. V. p. 97 soll sich von R. ex-
cavata Phil. durch die grössere Anzahl (24) der Längsrippen und die
schmalere Mündung unterscheiden. 2’, — R.tristriata id. ib. conisch,
53 gerundete glatte Windungen, mit spiralen Reihen schwarzgelber
Flecke, drei Streifen an jeder Windung, dicht an der Nath. 14’. —
R. Balliae id. ib. länglich, weiss, 5 Windungen, mit tiefen Längs-
streifen, die Basis der letzten Windung spiral gestreift. — R. rupe-
stris Forbes ib. p, 107 länglich, weiss, 7 lache Windungen, die
letzte an der Basis gestreift, Näthe gerandet. 2°”, Insel Man.
Littorina dilatata d’Orb. Cub. unterscheidet sich von tu-
berculata durch den erweiterten Mund und durch die breite ausge-
höhlte, oft genabelte Spindel. — L. carinata d’Orb. gestreift, auf
der letzten Windung gekielt, Mündung eng, schwarz. — L. tigrina
d’Orb. ungekielt, Spindel gerade, violett. — L. undulata d’Orb.
Windungen unten gerandet, Mündung innen braun gefleckt. Martini-
que. — L. naticoides d’Orb. ist L. fusca Pfr. —
Eulima bifasciata d’Orb. ib. t. elongatissima, aciculata, po-
lita, alba; spira elongatissima, acutissima; anfractibus undecim pla-
nis, coadnatis, lineis duubus fulvis transversis ornatis, apertura oblonga,
angustata; labro recto, simplici. Guadeloupe, St. Thomas. — E. sub-
carinata testa elongato-conica, alba, polita; spira elongata, co-
nica, apice acuto; anfractibus octonis, planis linea fulva ornatis, ul-
timo subcarinato; apertura ovali, labro tenui. Guadeloupe. — E.in-
certa testa elongata, laevigata, polita, conica, albescente, maculis
albis transversim cincta; spira conica, anfractibus octonis, antice
gradatim scalaribus, ultimo anguloso, antice (ransversim striato;
apertura subrhomboidali; labro tenui. Jamaica,
Chemnitzia pulchella d’Orb. Cub. sehr lang, weiss, längs
gerippt, 12 Windungen, die letzte am Gruhde ‚glatt. Antillen. — Ch.
ornata schmal, weiss, schwach längs gefurcht, quergestreift. Ebenda.
— Ch. modesta schwach längs gefurcht, 6 Windungen. Jamaica. —
Ch. elegans längs gerippt, neun treppenförmige Windungen, Nath
gekörnt. Guadeloupe — Ch. simplex quergestreift, Windungen
unten gerandet, Jamaica. — Ch. pupoides dick, längs gerippt, La-
brum innen verdickt.
Melanopsis brasiliensis Moric, VII. p. 144 testa elongata,
conico turrita, apice acuta, tranversim multisulcata, anfractibus 8— 9
_ plano convexis; epidermide olivaceo lineolis fuseis interruptis saepe
oroato; apertura ovali. Brasilien. — M. creno-carina id. IX. p.6l
testa conoldea, solida, costulis trausversis numerosis scalariformibus
longitudinalibus raris, anfractibus superne angulato planis, margine
carinato erenulato, epidermide brinneo demum nigrescente. Bahia.
392
Recluz beschreibt in der Revue zool. 1841 p. 102, 147
und 178 neue Arten der Gattung Nerifa unter denen mehrere
auf ältere Abbildungen bezogen werden, mehrere ganz neu
sein sollen. Abbildungen sind nicht gegeben. Bei der grossen
Anzahl der hier aufgestellten neuen Arten, kann ich einige
Zweifel über die Gültigkeit derselben nicht unterdrücken.
N. semirugosa (Argenville Conch. t. 7 fig.8; Favanne Conch,
t.X. f.E; Geve Conch. t.22 f.218 a, b) verwandt mit N. undata. —
N. Chemnitzii (Chemn. Conch, 5 t.191 £.1960, 1961) verwandt mit
N. Histrio und mit ihr verwechselt, soll durch die Farbe und durch
zwei Zähne am Labrum unterschieden sein. — N. Deshayesii von
Californien scheint N. ornata von Gray zu sein. — N.chrysostoma
von den Philippinen scheint kaum verschieden von N. undata. —
N. papuana von Neu-Guinea und von den Philippinen soll sich von
N. undata durch die ganz schwarze Farbe, die rundliche Mündung, und
einige kleine Verschiedenheiten in den Zähnen der Mündung unter-
scheiden. — N. antiquata verwandt mit N. polita aber längsge-
furcht, und mit Furchen auf der Spindelschwiele; Philippinen, Wohl
nur Varietät von genannter Art. — N. Mauritiae vonIsle de France
schwarz mit weissen vertieften Flecken, Spindelrand mit 2 Zähnen,
runzlig und schwielig. — N. atropurpurea von Neuholland; das
erweiterte Labrum umgiebt in einem Halbeirkel den Gipfel der Spira,
—N.Orbignyana glänzend, fein längsgestreift; Spindelrand zwei-
zähnig, Labrum innen nicht gestreift; rothes Meer. — N. Rumphii
(N. polita Oceani australis Chemn. 5 f. 2013, 2014; Rumph. Mus. t. 22
f.7; Petiver amb. t. 11 f.23) soll sich von N. polita durch gitter-
artige Längs- und Querstreifen unterscheiden, ist aber wohl nicht
eigene Art, — N. Forskaelii (Nerita cornea Forsk. Verm. p. 128.)
— N. patula quergestreift, Labium schwarz gefleckt, granulirt, La-
brum innen gestreift, zahnlos. Fundort unbekannt. — N. Dombeyi
von Bombay soll sich von bieroglyphica Chemn, durch die kleineren
Streifen und durch die Mündung- unterscheiden, Labium hinten runz-
lig, mitten granulirt, Rand fast zahnlos. — N. radiata scheint nicht
von versicolor verschieden, soll sich durch die glatte, ebene Spindel
und die Ungleichheit der Zähne des Spindelrandes von derselben
unterscheiden. — N. Argus von Brasilien, klein quergestreift, |bräun-
lich schwarz, mit gelblichen Punkten in Längsreihen, die durchschei-
nend sind, wenn man die Schale gegen das Licht hält. 15 Mill, —
N. Yoldii schwarz mit vertieften weissen Zickzackllecken; scheint
mir mit N. exarata Pfr. von Cuba übereinzustimmen. — N. picea
schwarz, glänzend, quergestreift, Spindel glatt, am Rande zweizäh-
nig, innen am Labrum ein gespaltener Zahn. Sandwichinseln. —
N.insculpta breit quergefurcht, dicht längsgestreift. Timor. 15 Mill.
— N, Listeri,(Lister conch. t. 576 £,6.) Stiller Ocean. — N. ory-
zarum glatt, olivenfarbig mit weissen Flecken, Labium granulirt,
393
hinten runzelig. Bombay. — N.G@eorgina, schwach gefurcht, weiss-
lich grau mit drei Binden schwarzer Flecke, Labium glatt, am Rande
dreizähnig, Labrum ganz. Neuholland. — N. flammulata schwach
gefurcht, weisslich grau mit schwarzen Flammen, Labium runzlig,
gelb, Labrum crenulirt, innen gestreift; wohl Varietät von undulataGm.
Südsee-Inseln. — N, Haneti schwarz, glänzend, Mündung rund-
lich, orange, Labium in der Mitte mit 2 Zähnen, Labrum innen und
aussen ganz. Marquesas-Inseln.
Daran schliesst sich ein zweiter Abschnitt des vorigen
Aufsatzes in derselben Zeitschrift p. 273, 310 und von dem-
selben Verfasser, welcher die Neritiner behandelt. Es wer-
den darin 24 neue Arten aufgestellt.
1. Subhemisphaericae Spindel eben, mit Querstreifen.
N. Petitii glatt, grünbraun, 2 Windungen ohne Leiste, Mün-
dupg zimmtfarbig. St. Domingo. — N. Knorr: (Knorr Vergn. 6
pl. 13 £.3, Madagascar. — M. Bruguierei (Encycl. pl. 455 fig. 1a b?).
— N. Beckii schwarz, gegen das Licht einfarbig rothbraun, Spindel
schwarzblau, Gewinde mit einer schmalen Linie umgeben. Woher?
2. Auriculatae (Neripteron Lesson),
- N. Nuttalli schwarz mit gelblichen Dreiecksflecken. Sandwich-
Inseln. —-
3. Spinosae (Clithon Mont£f.).
N. diadema mit 3—4 Windungen, und mit schwarzeingefass-
ten Flecken, auf gelblichem Grunde. Südsee. — N. ruginosa mit
einem kurzen Kiel an der Basis. Sandwich-Inseln. — N. Lessonii
klein, eine Windung. Sicilien. — N. rarispina mit 1—3 Dornen
auf der letzten Windung. Sicilien. — N. Leachii (ohne Dornen?)
Neuholland. — N. /ongispina (N. corona Müll. Lam. non Lion.).
4. Serratae (columella margine erenata).
N. Adansoniana, Senegal. — N. Guerini, Sumatra. — N.
liturata, Philippinen? — N.Michaudi ohne Angabe des Fundorts.
— N. miliacea, Sicilien. — N. guttata, Neuguinea. — N. Pe-
röttetiana aus den Flüssen der Neelgheries-Berge. — N. strio-
lata, Antillen? — N. Roissiana, Neuguinea. — N. cuvieriana,
Guadeloupe, Otahiti. — N. Rangiana (Rang. Bull. d. sc. de Ferus-
sac t. 10 p. 412.) Madagascar. — N. numidica (N. Prevostiana Ter-
ver bon Partsch und Fer.) Nordafrica. — N. anatolica, Smyrna.
— N. succinea, Madagascar, Guadeloupe. rn
Hieran schliesst sich wiederum ebenda p. 343 die Be-
schreibung von 14 neuen Arten von Neriten von Guillou.
N. trifasciata Neu-Guinea, verwandt mit chrysostoma Recl.;
squamulata verwandt mit Patula Rech; Quoyi verwandt mit
Yoldii Recl.; ocellata verwandt mit Argus, Sandal-bay; olivaria,
Mindanao; maculifera; Recluxiana, Taiti; cardinalis, Ar-
rou-Inseln; Tritonensis, Triton-Bay; Keraudrenii, Noukaliva;
394
elliptica, Noukahiva; parvula, Lebouka (Viti); mindima, Nou-
kabiva; Navicellina, Hamoa.
Den Prodromus einer Monographie der-Gattung Navicella
machte Recluz bekannt. Revue zool. 1841 p. 369.
Es werden im Ganzen 15 Arten unterschieden unter denen 10 neue
N. macrocephala Le Guillou, Lebouka (Fidji); Bougainvillei
Recl. ebendaher; Suffreni desgl.; Luxonica Souleyet, Lucon;
Freycineti, Macassar; aplata Le Guillou, Tidji-Inseln; Janelli,
Guam; Urvillei; Entrecastauzi, Neuholland.
Natica reclusiana Deshayes Guerin Mag. de Zool. pl. 37
gross, dick, grau mit weisser Basis, brauner Binde an der Natlı, Na-
belschwiele durch eine Furche ungleich getheilt. Californien. — N.
ianthostoma id. ib. pl.45 kuglig, rothraun, Nabel geschlossen,
Mündung innen violet. Kamtschatka, 50Mill. — N. sanguinolenta
ib. ib. pl. 46 kuglig, grau, Nabel geschlossen, Schwiele roth, Mündung
innen dunkelviolet, am Rande roth. 30Mill. — N. fulva Thomson
Ann. V. p.99 schwarzgelb, Nabel durch eine spirale Leiste getheilt.
Länge 12”, Breite 9”, Youghal.
Tornatella punctata d’Orb. Cub. am Grunde qulergestreift
punktirt, oben glatt.
Trochus luctuosus d’Orb. Voy. schwarz, genabelt, :die ersten
Windungen dreigefurcht, gekielt, die letzte glatt, Spindel mit einem
Zahne. 33 Mill, Chili. — T, microstomus id. ib. conisch, schwärz-
lich, glatt, ungenabelt, Mündung eng mit gezähntem Rande, Spindel
mit drei Zähnen, 20 Mill. Chili. — T. araucanus id. ib, kuglig,
schwach gestreift, ungenabelt, schwarz oder roth, Mündung rund,
weiss, Spindel verdickt, glatt. 21 Mill. Chili. — T. malvinus id.ib,
conisch, dünn, genabelt, gestreift, weiss, letzte Windung winklig,
Näthe vertieft, Spindel scharf. 3Mill. Malwinen.
Turbo digitatus Deshayes Guerin Mag. p.36 kreiselförmig,
die Basis der Windungen mit vorstehenden stumpfen Höckern um-
‘geben, Nabelschwiele durch eine weisse Rippe getheilt. Acapulco.
Turritella fulvocincta Thompson Ann. V. p.98 etwa
11 Windungen, quergerippt, spiralgestreift, weisslich mit einer ein-
zelnen gelben Binde 33’. Dublin,
Janthina umbilicata d’Orb. Voy. eiförmig conisch, glatt,
genabelt. 5 Mill. Atlantischer Ocean.
Marginella Delessertiana Recluz Rev. zool. p.183 Spira
sehr kurz, 4 horizontale Zähne auf der Spindel, Labrum fein ge-
kerbt. 7 Mill. Isle de France — M. punctulata Petit de la
Saussaye ib. p. 185 hellfleischfarbig mit milchweissen Fleckchen,
Labrum weiss, aussen gelblich, schwach gekerbt, Spindel mit 4 Fal-
ten. 15 Millim. Senegal. — M. Cumingiana id. ib. Sehr kleine
schwarze Punkte bilden Quer- und Längsreihen, Labrum dick, ge-
randet, innen weiss, stark gekerbt; 4 Falten auf der Spindel. 24 Mill.
Westküste Afrika’s.
395
Zur Gattung Marginella gehörig beschreibt Kiener 1. c. nach-
träglich neue Arten: M. festiva, fulminata von Bahia, labiata
Val. Ind. Ocean, amygdala Senegal, conoidalis Antillen, dia-
phan« ist pellucida Pfr., sonata, lactea, Largillieri von Bahia.
D’Orbigny theilt in seiner Voyage die Gattung Oliva in drei
Untergattungen, die jedoch mit den von Gray gemachten Abtheilun-
gen nicht in Übereinstimmung gebracht werden können: 1. Olivina
(Olives ancilloides Duclos Monogr.). Ein Deckel, Thier wenig volu-
minös; Fuss kurz, hinten abgestutzt. Schale mit einem Kanal am
Gewinde; Mündung hinten schwielig, vorn erweitert. — 2. Oliva
(Olives cylindroides et Olives glanduliformes Ducl.). Kein Deckel,
Thier voluminös; Fuss lang, hinten zugespitzt, Schale mit einem
Kanal auf dem Gewinde; Mündung hinten wenig schwielig, vorn
wenig erweitert (Oliva peruviana Lam.). — 3. Olivancillaria
(Olives volutelles Ducl.), Kein Deckel; Thier voluminös; Fuss hbin-
ten abgestutzt; ein breiter hinterer Anhang am Mantel, Schale belegt
(encroutee) durch einen Absatz aus dem Mantellappen, ohne Kanal
am Gewinde (Oliva brasiliana und auricularia Lam.). Die beiden
folgenden neuen Arten gehören der ersten Abtheilung an.
Olivina puelehana braunviolett, vorn und hinten mit weisser
Binde, Spira verlängert conisch, Spindel glatt, vorn mit 3 Falten.
12 Mill. Patagonien. — O. tehuelchana schmal, länglich, weiss-
lich), Spira verlängert, Mündung dreieckig; Spindel glatt, vorn mit
einer Falte, 8 Mill. Patagonien.
Die Gattung Voluta theilt d’Orbigny Voy. in zwei Unter-
gattungen. Bei der einen, Volutella, ist der Mantel an der linken
Seite so erweitert, dass er die ganze Schale bedeckt, weshalb diese
stets glatt, und wie Cypraea mit einer Ablagerung des Mantels be-
deckt ist (Voluta augulata Swains,); bei der andern bedeckt der
Mantel nicht die Schale (V. brasiliana Soland., V. magellanica Chemn.,
V. ancilla Soland., V. festiva Lam., V. tuberculata W ood.).
Voluta Largilliertiana d’Orb. Rev. zool. p.210 hell weise-
lich gelb, mit gelben gekrümmten Linien genetzt und mit zwei Rei-
hen gelber Viereckflecken umgeben, 4 Falten auf der weissen Spin-
del. 54 Mill. Indischer Ocean. Verwandt mit V. pallida Gray,
Lovell Reeve beschreibt eine Mitra unter dem Namen M.
Stainforthii von den Philippinen. Sie ist Jängsgerippt, mit vier-
eckigen rothen Flecken auf den Rippen 2)”. (Proc. 1841 p. 93). —
M. inca d’Orbigny Voy. schwarz, granulirt in Längs- und Quer-
reihen, drei Falten an der Spindel. 27 Mill. Peru,
In der Gattung Columbella hat Kiener 53 Arten, nachdem
er die Lamarckschen Arten bixonalis, hebraica, unifasciata zu Mitra
und die zonalis zu Purpura gestellt. Die Abbildungen der Mono-
graphie dieser Gattung von Duclos sind bereits benutzt, obgleich
noch kein Text zu derselben erschienen ist, Leider sind mir noch
396 2
„
keine der vielfach gerühmten Monographien Duclos’s bekannt gewor-
den. An neuen “Arten finden sich bei Kiener C. spongiarum
Duel. vom Senegal, C. ambigua, luteola, eornea, nucleus,
festiva, azora Ducl. von den Sechellen, ziphitella Ducl.,
striata Ducl., fastigata von den Antillen, modesta woher?,
Peleei von Martinique, /igula Ducl., undata Duel., Zugubris
aus dem indischen Ocean, /#ctea Duel. von den Sechellen, a/bin«,
nympha von den Sechellen, zelina Ducl, epamella Duel. Ma-
nila, bicolor, Boivini, arenosa aus dem indischen Ocean, 70-
salia Ducl. ebendaher, coronata von China, citharula Ducl,
lineolata von Chili. Die meisten sind, wie man sieht, von unbe-
kanntem Vaterlande.
Columbella sordida d’Orbigny Voy. länglich eiförmig,
braun, vorn schwach gestreift, Spindel mit vier Falten, weiss. 11 Mill.
Peru. — C. sertularium id. ib. länglich, glatt, braun gefleckt, vorn
schwach gestreift, Mündung eng, Spindel gefaltet. 12 Millim, Pa-
tagonien. .
Die Gattung Buccinum im weiteren Sinne theilt d’Orbigny
in 3 Untergattungen: Buccinum Linne, Nassa Lam. und Buc-
cinanops d’Orb. Letztere unterscheidet sich von den beiden
ersteren durch den stark entwickelten Fuss, durch die langen Fühler
ohne Augen, durch den ovalen Deckel mit seitlichen Ansatzstreifen,
durch die glatte Schale mit einfachem Rande und ohne Zähne an der
Mündung. Zu ihr werden 3. cochlidium Chemn. und B. globu-
losum Kiener gezogen. Sie entspricht offenbar der von Gray vor-
geschlagenen Gattung Bullia. (Vergl. dies Archiv 1840 IT. p: 211.)
Buccinum Triton Lesson Rev. zool. p. 37. Weiss, bauchig,
quergestreift, Windungen in der Mitte winklig und mit konischen
Tuberkeln umgeben; hat das Ansehn von B. undosum. Neu-Seeland.
Kiener]. c. hat folgende neue Arten: Buccinum obscurum
von Chili, od/iqguum vom Senegal, deenssatum von der africani-
schen Küste des atlantischen Oceans, /uteostoma vom Senegal,
tiarula von Madagascar.
Nassa Isabellei d’Orbigny Voy. länglich, längsgefurcht,
quergestreift, weiss, letzte Windung in der Mitte fast glatt. 5 Mill.
Patagonien. — N. Fontainei glatt, blaubraun, mit einer weissen
Binde, Windungen längsgefurcht, hinten knotig, Labrum glatt zwei-
zähnig. 15Mill. Peru.
Terebra patagonica d’Orb. Voy. schwach längsgerippt, an
der Nath zwei durch eine Furche getrennte Reihen Knoten, weiss,
die hintere Knotenreihe rothbraun. 55 Mill. Patagonien.
Purpura Delessertiana d’Orb. Voy. quergestreift, mit zwei
Reihen stumpfer rother Knoten, Mündung weiss mit gelbem Rande.
26 Mill. Peru.
Rousseau beobachtete auf seinen Reisen in den africanischen
und asiatischen Meeren, dass das Thier von Pyrula bezoar sicli
-
.
rR
397
sehr der Gattung Pupura nähere; dass dagegen Pyrula ficus kei-
nen Deckel besitze, und generisch von der vorigen Art zu trennen
sei. (Inst. p. 301.)
Pleurotoma guarani d’Orb. Voy. spindelförmig, schwach
quergestreift, längsgerippt, braun, mit weissen ungleichen Binden,
Windungen hinten wioklig, Nath erenulirt. 5 Mill, Brasilien. — Pi.
patagonica id. ib. thurmförmig, glatt, vorn quergestreift, weisslich,
Windungen hinten etwas winklig. 9 Mill. Patagonien. — P!. Smi-
thiiForbes Ann. V. p. 107 testa fusiformi-turrita, sub lente tenuis-
sime striata, anfractibus 8 convexiusculis, costatis, costis 12; aper-
tura oblongo -lanceolata, spira multo breviore, cauda brevi 0,4”.
Lamlash Bay. — P/. coarctata id. ib. testa anguste fusiformi,
striata, anfractibus 7 convexiusculis, costatis, costis 7, apertura an-
guste lanceolata, cauda mediocri 0,4°. Lamlash Bay.
Fusus Fontainei d’Orb, Voy. länglich bauchig, quergestreift
und gerippt; mit violetten Rippen umgeben, querwellig knotig, La-
brum innen gestreift, gezähnt mit violetten Linien. 70 Miil. Peru. —
Die Purpura fusiformis Blainv. bringt g'Orbieny ib. zu Fusus. unter
dem Namen F. purpuroides.
Die Gattung Turbinella theilt Kiener in vier Abtheilungen,
indem er deu drei vonBlainville vorgeschlagenen eine vierte (bucci-
niformes ou purpuriformes) hinzufügt. In diese setzt er auch La-
marck’s Monoceros eingulatum als T. cingulata. Einige neue
Arten T. ovoidea von Bahia, T. cassiformis Val. ebendaher,
T. erenulata, T. elathrata Val., T. Carolinae, alle drei von
unbekanntem Vaterlande.
Turbinella brasiliana d’Orb. Voy. verwandt mit T\. cin-
gulifera aber ungekielt, mit geringen Knoten und ohne die weisse
Linie; bräunlich, Mündung gelblich. 42 Mill. Brasilien.
Cancellaria multiplicata Lesson Rev. zool. p. 37. Zahl-
reiche quergefurchte Längsrippen; Spindel mit vielen Falten. 20 Mill.
Südliche Meere. — Kiener hat 1. c. drei neue Arten dieser Gattung:
©. teztilis von den Molukken, €. Verreauzxii und (€. purpuri-
formis von unbekanntem Vaterlande,
J. B. Sowerby beschreibt in den Proc. 1841 p. 51, Annals VIM.
p- 538 acht neue Arten der Gattung Ranella, welche bereits in
des Verfassers Illustrations of conchology abgebildet sind. Alle be-
finden sich in der Sammlung des Herrn Cuming. R. vexillum von
Chiloe, eruentata,nana, albo-fasciata, rlrodostoma won
den Philippinen, subgranosa von Manilla, neglecta von Ceylon,
und rugosa mit unbekanntem Vaterlande. — Triton ranelliformis
King wird von d’Orbigny Voy. zu Ranella als R. Kingii ge-
zogen.
Murez macropterus Deshayes Guerin Mag. pl. 38. Varices
in drei Nügelförmigen Reihen, an der letzten Windung vierlappig,
unterhalb schuppig, Kanal geschlossen, lang. 43 Mill. — J. B. So-
398
werby giebt ausführliche Diagnosen von 36 neuen Arten Murex,
welche sämmtlich bereits in seinen Conchological Illustrations abge-
bildet sind. (Proc. 1840 p. 137.)— M.patagonicus d’Orb. Voy. soll
sich von M. magellanicus durch das Fehlen der Querstreifen unter-
scheiden. 50 Mill. Patagonien. — M varians id. ib. ist ebenfalls
vielleicht nur Varietät von M. magellanicus, hat aber eine sehr dicke
Schale, einen weiten Nabel und keine Längslamellen. 80 Mill. Pata-
gonien. — Purpura Sirat Adans, zieht d’Orbigny Voy. zuMurex
als M. Sirat; diese Art lebt an den Küsten Brasiliens uud Africas.
M. monoceros d’Orb. Voy. zeichnet sich durch einen Zahn am
Labrum aus, und verhält sich also zu Murex wie Monoceros zu Pur-
pura; daher gehört sie in die von Conrad aufgestellte Untergattung
Cerastoma, der eine Art von Californien ©. Nutalli beschreibt; sie
ist vielleicht‘ mit dieser identisch. (Vgl. dies Archiv 1838 1. p. 281.)
32 Mill. Peru. — M. Inca d’Orb. Voy. spindelförmig, quergerippt,
mit vielen Varices, Labrum innen gefurcht. 20 Mill. Peru.
Cerithium Montagnei d’Orb. Voy. braun mit weisslichen
Binden, längsgerippt, vorn quergefurcht, Mündung rund. 32 Millim.
Guayaquil. — ©. peruvianum id, ib. thurmförmig, braun, mit drei
Reihen Granula umgeben, Spindel mit einer Falte. 7 Mill. Peru. —
C. guaranianum kurz, braun, mit vier Reihen Granula, Mündung
oval. 3 Mill, Brasilien.
Thompson bildet eine Varietät von Cerithium reticulatum mit
einem sehr erhabenen Kiel ab, für welche er, falls es eine eigene
Art sein sollte, den Namen carinatum vorschlägt.
Vermetus varians d’Orb. Voy. t. irregulariter involuta, lon-
gitudinaliter rugoso costata, vel laevigata, violaceo-fusca. Brasilien.
— F.irregularis d’Orb. Cub. testa fusco nigra, irregulariter
contorta, transversim rugoso-plicata vel longitudinaliter sulcata, glo-
merata. Cuba, Martinique. — V. corrodens id. ib. testa irregulari-
ter contorta, transversim lamellata, longitudinaliter carinata. Cuba,
Martinique.
Pileopsis ungaricoides d’Orb. Voy. unterscheidet sich von
ungarica durch die unter der Epidermis glatte Schale und durch die
weisslich rosenrothe Farbe mit rothen strahligen Binden. 15 Mill, Peru.
Calyptraea (Trochatella) intermedia d’Orb. Voy. niedrig,
durchscheinend, weiss, längsgerippt, innere Platte doppelt, die obere
eben, die untere halb spiral. 12 Mill, Peru. — C. (Trochatella) pi-
Zeolus id, ib. mit spiraler, längsgerippter Spitze, innere Platte spi-
ral, in der Mitte ausgebuchtet, wie genabelt. 13 Mill. Malwinen,
Patagonien. &
Crepidula patagonica d’Orb. Voy. unterscheidet sich von
C. dilatata Lam. durch die niedrigere mehr gerundete Gestalt, durch
die runzlige Oberfläche und durch die seitlich sehr buchtige Platte;
das 'Thier hatıan den Seiten und hinten breite rothe Flecken. 22 Mill,
Patagonien. — (. protea id. ib, niedrig, oval, weisslich glatt, zart,“
399
mit. seitlicher Spitze, Platte gross, nicht eingebogen. 30 Mill, Pata-
gonien, Brasilien, Antillen.
Teetibranchin.
Bullaea Candeana d’Orb. Descr. de Cuba testa ovata, te-
nuissima, depressa, transversim substriata; spira externe obtusissima,
anfractibus duobus; columella intus dilatata, acuta; apertura amplis-
sima, superne dilatata, patula. Mill,
In der Gattung Bulla stellt d’Orbigny 11 auf den Antillen
gesammelte neue Arten auf:
a) Mit verstecktem Gewinde.
.B. Sagra testa oblonga, pellucida, laxe convoluta, depressa,
transversim catenato-striata, alba, antice subtruncata; spira non um-
bilicata; labro tenui erenulato. 3 Mill. Martinique. — B. antilla-
rum testa ovata, laevigata, albida, postice imperforata; apertura
elongata, arcuata, antice dilatata. 7 Mill. St. Thomas. — B. biden-
tata testa ovato oblonga, subcylindracea, crassa, alba, tenuiter
transversim striata; spira umbilicata; apertura angustata, antice su-
bito dilatata; labro suberasso; columella biplicata 2} Mill. — B. acuta
testa oblonga, antice posticeque attenuata, tenui, alba, laevigata,
antice transversim striata, postice acuta, non perforata, transversim
longitudinaliterque striata; apertura angustata, sinuosa, anlice subito
dilatata; columella subacuta. 2 Mill. — B. caribaea testa ovato-
oblonga, tenui, laevigata, alba, antice posticeque transversim striata;
spira subumbilicata, apertura angustata, semilunari; columella acuta.
5Mill. — B. Auberii testa ovato-cylindrica, tenui, pellueida, alba,
antice tenuiter striata; spira subumbilicata; apertura angustata, recta,
antice dilatata. 3Mill. Cuba.
5b) Mit sichtbarem Gewinde,
B. Candei ist B. pusilla Pfeitfer. — B. sulcata testa cylin-
drica, antice dilatata, tenui, pellucida, alba, longitudinaliter sulcata,'
postice truncata, concava; spira manifesta; apertura lineari, antice
subito dilatata. 2Mill. St. Thomas, Guadeloupe. — B. Petitii testa
ovato-ventricosa, tenui, pellucida, virescente, laevigata, postice dila-
tata; spira nulla, imperforata; apertura lata, antice dilatata; colu-
mella simplici. 9 Mill. Cuba. — B. recta testa oblonga, cylindrica,
recta, tenui, alba, lucida, tenuiter transversaliterque substriata; spira
brevi, canaliculata; apertura lineari, recta, antice subito dilatataz
columella edentata. 2 Mill. St. Thomas, Guadeloupe. — B. cana-
liculata testa oblongo -elongata, cylindrica, crassa, alba, trans-
versim minute striata, antice posticeque obtusa; spira convexiuscula,
anfractibus quinis angustatis, canalieulutis; apertura angustata, antice
dilatata; columella crassa, uniplicata. 9 Mill. Cuba,
Eine neue Art dieser Gattung findet sich auch bei Cantraine
1. 0: B. globosa testa ovuto-globosa tenuissima laevi hyalina
40
superne {runcata, sutura submarginata, basi umbilicata, apertur,
magna. 2%”. Golf von Cagliari.
Nudihranchin.
Leuckart macht Prioritäts-Ansprüche auf seinen mit Euploca
mus identischen Namen /dalia. (Dies Archiv 1841 I. p. 345.)
Cantraine zieht I. c. die Gattungen Buplocamus, Polycera und
Doris zusammen und unterscheidet sie nur als Unterabtheilungen,
Zwei Arten Philippi’s bezieht er auf früher von ihm selbst in de
Bulletin’s der Brüsseler Akademie aufgestellte, er nennt nämlich
Euplocamus croceus Phil. Doris ramosa, Doris picta (Schulz)|
Phil. D. elegans. Zwei neue Arten werden aufgestellt: D. Va-
lenciennesii corpore quadrilatero, Jaevi, coeruleo, superne luteo
irregulariter maculato; lateribus immaculatis; pede luteo-virescente
longissimo; radiis branchialibus violaceis immaculatis septem pinna-|
tis. 9”. Sicilien. — D. pustulosa corpore ovali oblongo convexiu-
seulo, superne tubereulis longitudinaliter compressis aut ovalibus
subaequalibus ornato, luteo viride marmorato; pallio limbo lato, ten-
taculis clavatis, ad-apicem viridescentibus; branchiis magbis octo
ramosis luteis nigro punctatis. 74”. Neapel.
Euplocamus laciniosus Phil. Dies Archiv 1841 I. p. 57.
Unter den Nudibranchien sind auch einige neue britische Arten
von Thompson und Forbes in den Annals ct. aufgestellt.
Doris affinis Thomps, Ann.V. p.85. Länglich, an beiden
Enden gleichmässig abgerundet, niedrig, oben eng mit starken ver-
längerten Tuberkeln besetzt, Tentakelöffnungen ohne Scheide; Kie-
men kurz, zahlreich, gefiedert. — D.sublaevis id. ih..convex, breit
oval, glatt, Scheiden am Grunde der Tentakeln, Fuss breit, 8 lange,
feingefiederte Kiemen, weiss. 7” lang, 4!” breit. — D. Maura
Forbes ib. p.103. Länglich, Rücken schwarz blaugefleckt, mit Tu-
berkeln bedeckt, die Fühler tragen am Grunde Tuberkeln, Kiemen
und. Fuss weiss. 11”.
Goniodoris Forbes Nov. Gen. Körper prismatisch, Mantel
seitlich umgebogen, hinten verkürzt, Mundlappen fast wie zwei Füh-
ler; Hinterende spitz, schwanzförmig, Kiemen frei auf dem Rücken.
Dahin werden gezogen: Doris Barvicensis Johnst., Doris pallens
und graciis Rapp. Ausserdem eine neue Art: @. emarginata
ovata, pallio postice emarginato, dorso laevi, sustentaculis ovatis,
acutis. 24”. — @. elongata Thomps. Ann. V. p.88, verlängert,
schmal, eine Reihe Papillen jederseits am Rücken, etwa 10 gefiederte
Kiemen.
Tritonia lactea Johnst. Ann, V. p. 88, milchweiss, jederseits
mit sechs gabligen und verästelten Kiemenanhängen; Mantel vorn in
4 ästige Fortsätze endend. 8.
Euplocamus plumosus Johnst. ib, p:90 sehr verwandt mit
E. elavigera, hat aber nur-drei gefiederte Kiemen.
A er I
; 401
Polycera typica Johnst. ib, p. 92, mit vier Stirnanhängen,
Fühler blättrig, Kiemenanhänge sehr entwickelt 5".
Montagua viridis Forbes Ann. V. p. 106, elongata, alba,
branchiis elongatis viridibus apicibus albis, in seriebus quinque di-
gestis, tentaculis superioribus longioribus X".
IAnferohranchia.
Zur Gattung Pleurobranchus, von der Cantrainel. c,
P:88 sg. fünf Arten aufzählt, theilte mir Hr. Philippi folgende Be-
merkung mit: P/!. de Haanii Cantr. n. sp. ist genau P/. tubercu-
latus Meckel; Delle Chiaje’s Art dieses Namens verdient nicht
einmal als Varietät von dessen P/. Forskaliü, den Cantraine mit
Recht mit einem neuen Namen P/. testudinarius, belegt, getrennt
zu werden. P/, aurantiacus ist nicht die Rissosche Art dieses
Namens, denn Risso giebt die Schale von P/. aurantiacus als ganz
klein an, während sie Cantraine sehr gross, dick und fest nennt;
eher ist Cantraine’s Pl. oblongus der aurantiacus Risso,
Seutibranchia.
Scissurella conica d’Orb. Voy. t. orbiculato-conica, globu-
losa, pellucida, transversim lamelloso-costata; spira elevata; carina
lata; apertura rotundata; umbilico magno. 2Mill. Malwinen.
Rimula conica d’Orb. Voy, t. ovali, conica, albida, longitu-
dinaliter costata; costis inaequalibus; vertice curvo. 4Mill. Malwinen.
Die Gattung Fissurella theilt d’Orbigny Voy. in zwei Unter-
gattungen nach dem Verhältniss der Schale zur Grösse des Thiers. Bei der
ersten (Fissurella s, str.) ist die Schale so gross, dass sich das
Thier unter dieselbe zurückziehen kann, bei der zweiten (Fissu-
rellidea d’Orb. ist die Schale sehr klein, und liegt am Rücken des
Thiers als Rudiment,
Zu der ersten Abtheiluug gehören die bisher bekannten Fissu-
rellen und zwei neue: F. patagonica mit feinem Gitter und wenig
geneigtem Apex, die innere Wulst an der Spalte ist hinten abge-
stutzt, gablig. 38 Mill. — F. Fontainiana mit erhabenen scharfen
Längs- und Querrippen, und grosser Spalte. 20 Mill. Peru. Beide
Arten sind verwandt mit F. graeca, von der Verf. noch die F. ne-
glecta Desh. und F. Listeri d’Orb., letztere von den Antillen, unter-
scheidet.
Zur zweiten Abtheilung gehört F. megatrema dOrb. oval,
niedrig, fast glatt, weisslich mit violetten Strahlen, Spalte oval, gross,
innen breit gerandet. 29 Mill. Patagonien.
In die Familie der Fissurelliden stellt d’Orbigny Voy. vor-
läufig die Gattung Acmaea Eschsch. (Patelloidea Quoy; Lottia
Gray). Auch hier findet sich eine neue Art: A.subrug osa streilig
gerippt, hellgrün mit braunen Strahlen, am Rande gekerbt. 18 Mill
‚Brasilien.
Archiv 8, Naturgeschichte, VII, Jalırg, Bd. 2, Ge
402
Josh. Alder sucht zu erweisen, dass die Lottia pulchella
Forbes der Jugendzustand von Patella virginia Müll. sei; er nennt
demnach die Art Lottia virginea. (Annals VI. p. 406,)
Cyelobranehina.
Patella Pretrei d’Orbigny Voy. kreisfürmig konisch, 17rip-
pig, weisslich mit braunschwarzen Strahlen. 64 Mill. Chili. — P. pa-
rasitica id. ib. eiförmig, niedrig, schwach gestreift, mit grünbrau-
nen Strahlen, innen weisslich braun gefleckt, Rand schwarz gefleckt.
28 Mill. Chili, — P. araucana id. ib. eiföürmig, niedrig, gerippt,
Rand cerenulirt, bräunlich. 30 Mill. Chili. — P. mazıma id. ib. oval,
vorn schmal, oben weisslich, innen glatt mit einem braunen ovalen
Fleck. 172 Mill. Peru. — P. Ceciliana id. ib, mit 13—16 erhabenen
Rippen, Apex ganz vorn, innen weiss, schwarz gefleckt, Rand cre-
nulirt. 16 Mill, Malwinen. — P.ancyloides Forhes(Ann, V. p.108)
testa tenuissima, pellucida, rotundata, gibba, alba, sub lente reticu-
lata, vertice versus marginem inflexo 2”’. Lamlash Bay, Arran.
Siphonaria scutellum Deshayes (Guerin Mag, pl.35) ka-
stanienbraun, strahlig gerippt, Muskeleindruck rechts, zweitheilig.
35 Mill. Insel Chatam. — $. pöcta d’Orb. Voy. mit ungleichen strah-
ligen Rippen, Apex subcentral, braun, innen braun, am Rande mit
weissen Flecken. 17 Mill. Brasilien, Antillen. — $. lineolata d’Orb.
Cub. testa ovato-conica, supra striata, apice elevato, subcentrali,
intus fuscescente, marginibus integris, lineolis nigris, radiantibus
ornata. Cuba.
Von Sowerby findet sich in den Proc, 1841 p. 61 die Beschrei-
bung einiger neuen Chitonen, welche durch Cuming in den Phi-
lippinen gesammelt wurden.
Ch. spiniger mit zwei neuen Varietäten. — Ch,alatus grau-
grün mit braungrünen Flecken, Rand schuppig-granulirt, — Ch.
truncatusHinterschale hinten abgestuzt, Rand glatt 4’. — Ch. in-
eisus Hinterschale hinten mit einem dreieckigen Einschnitt, Rand
breit mit vielen kleinen Büscheln, hinten mit einem Einschnitt 24”. —
‚Ch. coarctatus Schalen nierenförmig, gekielt, raub, Rand glatt. E’
Derselbe beschreibt aus derselben Gatiung ib. p.103 vier neue
von Cuming in den Philippinen gesammelte Arten: Ch. pulcherri-
mus grünlich, mit zwei rothen Rückenbinden, Mittelfelder längsge-
£urcht, Seitenfelder mit drei granulirten Rippen, Rand schuppig, 1’. —
Ch. laqueatus die erste Schale mit fünf Rippen verziert, die mitt- -
leren mit einer Rippe, an den Seiten viereckig 4”. — Ch. floceatus
hellgelb, schwarz, braun, grün und rosenfarbig gefleckt, die mittlern
Felder längs gefurcht, die seitlichen granulirt, am Rande gesägt;
Rand roth oder braun, mit weissen Flecken und Punkten. #'. —
Ch. luxonicus strohgelb mit grünen Längsstreifen, die Mittelfelder
scharf längsgefurcht 4”.
Chiton Inca d’Orb. Voy. Rand fein schuppig, länglich, weiss-
403
lich, fast gekielt, gleichmässig fein gramulirt. 9Mill. Peru. — Ch. bi-
costatus id. ib. weisslich, erste und letzte Schale strahlig gerippt,
die übrigen seitlich mit zwei Rippen, mitten punktirt; Rand fein
schuppig. 7 Mill. Chili. — Ch. tehuelchus id. ib. gekielt, braun mit
zwei Längsbinden, die Seitenfelder der Schalen strahlig gefurcht,
gablig, die mittleren längspunktirt gefurcht. 27 Mill. Patagonien. —
Ch. Isabellei id. ib. braun gekielt, Seitenfelder der Schalen strah-
lig granulirt, Mittelfelder längs körniggestreift. 22 Mill.
Brachiopoda.
Nach einigen einleitenden anatomischen und historischen
Bemerkungen stellt Lovell Reeve drei neue Arten der Gat-
tung Lingula auf, so dass mit Z. anatina, hians Swains.,
Audebardii Brod. und semer Brod. nun 7 Arten bekannt sind.
(Proc. zool. Soc. 1841 p. 97.)
L. ovalis testa angusta, elongato-ovali, glabra quasi polita,
olivaceo-viridi; apice acuminato; valvis utrinque clausis 12,". Va-
terland unbekannt. — L. tumidula testa cornea, tenuissima, rubro-
olivacea, subquadrata, versus apicem parum attenuata, umbonibus vix
prominulis; valvis tumidulis, marginibus irregulariter reflexis 27,;”.
Neuholland. — L. compressa testa cornea, tenuissima, valde com-
pressa, fusco-olivacea, subquadrato-ovali, versus apicem 'attenuata,
umbonibus depressis, indistinctis; valvis utrinque clausis 1°,’ Phi-
lippinen.
E Conchifera.
Valenciennes legte der Pariser Academie seine Beob-
achtungen über die grünen Austern vor. Die grüne Farbe
findet sich nur in den Kiemen und im Darmkanal bis zum
Magen. Chemische Untersuchungen ergeben diese Färbung als
eine animale Materie, die von allen bisher bekannten verschie-
den erscheint. (Comptes rendus etc. 1841 I. p. 345.)
In einer vorläufigen Anzeige (Isis 1841 p. 218) macht
Neuwyler das Resultat seiner Untersuchungen über die Ge-
schlechtsverhältnisse der Urionen und Anodonten, welche man
neuerlich vielfach als getrennten Geschlechts angesehen hat,
bekannt. Er hält diese Thiere für Zwitter, indem er die braune
Drüse, welche Poli als ein den Kalk zur Bildung der Schalen
absonderndes Organ beschrieb, die von Mery und Bojanus als
Lunge, von Oken und den Neueren dagegen als Niere ange-
sehen wurde, für den Hoden nimmt. In den Röhrchen dieser
Drüse entdeckte Verf. die Spermatozoen; aus ihren zwei Öf-
Cc*
404
nungen fliesst, während die Eier durch die Oviduete austre-
ten, ein Schleim, der dieselben nun einhüllt.
Unio (Monocondylea) Franciscana Morie. ]. c. subtriangu-
lari-rotundata, inflata, crassiuscula, creberrime striata, limbo poste--
riori dilatato, margine compressiusculo, sulcis duobus elevatis munito,
fasciis tribus viridi-nigrescentibus signato, anteriori rotundato, epi-
dermide olivaceo, natibus obtusis decorticatis, dente crasso obtuso,
lunula nulla, margarita intus rosea. Brasilien. — U. Delphinus
Gruner s. dies Archiv 1841, T. p. 276.
Duvernoy las in der Pariser Academie eine Abhandlung über
das Thier der Ungulina rubra Daud. Nach der Bildung desMan-
tels, dem die beiden Röhren fehlen, darf das Thier nicht wie bisher
in der Nähe der Gattung Lucina stehen, ebensowenig in der Familie
der Chamaceen, welche drei Mantelöffnungen haben, sondern Verf.
will es in die Familie der Mytilaceen reihen, deren Mäntel vorn offen
und hinten mit einer einzigen Öffoung für den After versehen ist.
Der Fuss ist keulenförmig. (Institut 1841 p. 381; Comptes rendus ct.
1841 2. p. 914.)
CardiumCaliforniense Deshay es Guerin Mag. pl. 47, quer-
oval mit vielen knotigen Rippen. 70 Mill. Californien.
Tellina mezxzicana Petit de la Saussaye Rev. zool. p. 183
testa elongata, depressa, transversim striata, postice recta, angulato-
rostrata, lutescente, pallide nebulosa, radiis fulvis interruptis BRcHR
ornata. 43 Mill. Verwandt mit T. maculosa. Mexico,
Lovell Reeve stellte Proc. 1841 p. 85 eine neue Corbis auf:
€. Sowerbii mit erhabenen Quer)- Lamellen, zwischen denen zahl-
reiche Längsstreifen 12”. Philippinen.
Erycina Eunlenityd Mittre Rev. zool. p. 65 testa parvula,
tenui, pellueida, transversa, subaequilatera, rufescente, inflata, trans-
versim tenuissime striata 3°”. Toulon.
Tunicata,
Thompson führt die ihm bekannt gewordenen britischen
Arten der Mollusca tunicata, 18 an der Zahl, auf (Ann. V. p. 93.)
Die Abhandlung von Milne Edwards Observations sur
les Ascidies composees des cötes de la Manche. 4. Paris 1841,
wovon bereits in den Ann. des sc, nat. XIII. p. 76 eine Anzeige
gemacht war (vergl. dies Archiv 1841 2. p. 280) ist nunmehr
erschienen. Sie ist von 8 Tafeln mit Abbildungen begleitet.
Alle hierhergehörigen Thiere haben ein schlauchförmiges Herz,
von welchem ein Gefäss zu dem gitterartigen Netz der Kiemenhöhle
führt, In dem Herzen wird das Blut durch peristaltische Bewegun-
gen während einiger Minuten zu den Kiemen getrieben, bis sich diese
Bewegung in die entgegengesetzte verwandelt, wodurch das Blut
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405
von den Kiemen auf demselben Wege zum Herzen zurückkehrt,
Durch diese Art der Circulation entfernen sich die Tunicaten von den
eigentlichen Mollusken, und schliessen sich näher an die Zoophyten
an. — Die vordere Öffnung des Körpers bildet den Eingang zu dem
Kiemensack und ist zugleich Mund; während des Lebens der Thiere
steht sie meist offen und trägt am innern Rande grössere und klei=
nere Tentakeln, welche den Zweck haben, wie ein Sieb das Eindrin-
gen grösserer Körper zu verhindern; die längsten derselben stossen
in der Mitte der Öffoung zusammen. Der Kiemensack besteht aus
Quergefässen, welche mit dem Gefässe längs des Kiemensacks an
der Bauchseite (entgegengesetzt dem After), das abwechselnd als
Kiemenarterie und Kiemenvene fungirt, in Verbindung stehen; sie
sind durch viele Längsgefässe gitterartig verbunden. Dadurch ent-
stehen viele Maschen, welche mit Wimpern besetzt sind, und durch
sie tritt das Wasser in die Leibeshöhle, welche den Kiemensack tum-
giebt, von wo es durch den After wieder ausfliesst. — Die Geschlechts-
theile bestehen aus Hoden und Eierstock, welche dicht neben einan-
der liegen; im ersteren fand Verf. Spermatozoen, aus dem letztern
sah er Eier sich entwickeln. Ausser der Fortpflanzung durch Eier
beobachtete derselbe aber auch die Vermehrung durch Knospen, so
dass demnach diese Thiere in der Jugend einfach, im Alter zusam-
mengesetzt wären. — Wegen dieser letztern Eigenschaft, und wegen
der eigenthümlichen Circulation des Blutes will Verf. die Tunicata
von den Mollusken trennen, und sie zwischen den zweischaligen
Mollusken und Polypen eine eigene Klasse bilden lassen.
Die Eintheilung in einfache und zusammengesetzte Ascidien ver-
ändert Verf. in der Weise, dass er eine dritte, zwischen beide einen
Übergang bildende, Abtheilung macht (Ascidiue sociales), die sich von
den A. compositae dadurch unterscheiden, dass die einzelnen Thiere
zwar durch Knospen sich vermehren, aber nicht mehr in organi-
schem Zusammenhange stehen. In die Abtheilung der Ascidiae socia-
les gehört nur die Gattung Clavelina Sav. mit sechs Arten: C. le-
padiformis Sav.; C. Rissoana Edw. mit milchweissen Linien
des Thorax und Magens, (C, Savigniana Edw. mit sehr verlänger-
tem Hinterleibe, 3—4mal so lang wie der Thorax; C. producta
Edw. noch mehr verlängert, Thorax so lang wie breit, nur drei
Querreihen von Kiemenmaschen enthaltend; €. pumilio Edw. sehr
klein, nur 2 Reihen Kiemenmaschen, die vom Rücken nach dem
Bauche an Grösse abnehmen; C. borealis Cuv.
In der Abtheilung der Ascidiae compositae werden drei Familien
unterschieden.
1. Polyeliniens. Der Körper ist deutlich in drei Theile Tho-
rax, Abdomen und Postabdomen geschieden. Herz und Geschlechts-
theile liegen in Letzterem. Hierher die Savignyschen Gattungen S’-
gellina, Polyclinum (eine neue Art P, aurantium Edw.),
Aplidium, Sidnium, Synoicum und eine neue Gattung dm o-
406
roucium Edw., bei denen der After in eine vielen Thieren ge-
meinsame Kloake mündet wie bei Polyelinum, und bei denen das
Postabdomen nicht seitlich an das Abdomen befestigt ist, sondern
eine Fortsetzung desselben bildet wie bei Amplidium. A. prolife-
rum Edw., albicans Edw., Nordmanni Edw., Argus Edw.
2. Didemniens. Der Körper ist deutlich in zwei Theile, Tho-
rax und Abdomen getheilt; Herz und Geschlechtstheile liegen neben
dem Darm. Hierher die Gattungen Savigny’s Distomum und Dia-
zonum, Didemnum (mit einer neuen Art: D, gelatinosum Edw.)
und Eueoelium und die neue Gattung Leptoclinum Edw., wel-
che der Gattung Amoroucium bei den Polyelinien entspricht, indem
sich ihr After in eine gemeinschaftliche Kloake mündet, Mehrere -
neue Arten L. maculosum, asperum, durum, fulgens, gela-
Zinosum, Listerianum (Lister in Philos. trans, 1834 UI. p. 392
p1.12 £.1).
3, Botrylliens. Ohne Abtheilungen des Körpers, die Einge-
weide liegen vorn neben dem Kiemensack. Hierher die Gattung Bo-
iryllus. ‚Verf. bildet daraus zwei Gattungen. Bei der einen (Bo-
zryllus) sind die Thiere um eine einfache Kloake geordnet, der
Körper liegt fast horizontal, bei der andern (Botrylloides) setzt
sich die Kloake in innere Kanäle fort, an deren Seiten die Individuen
in linienförmigen Reihen sich befinden. Botrylloides rotifera,
rubrum und albicans Edw., B. Leachii und rosaceus Sav.
In die Gattung Botryllus gehören: B. gemmeus Sav., viola-
ceus Edw., smaragdus Edw. und bivittatus Edw.
Bericht über die Forschungen in der Pflanzen-
Geographie während des Jahres 1841.
Vom
Prof. G@risebach.
Über den Einfluss des Clima’s auf die Entwicke-
lungszeiten der Vegetation machte A. de Saint-Hi-
laire einige Beobachtungen auf dem Wege von Orleans nach
Trondjem (Nouv. Ann. des voyages. 1841 Dec. p. 288). Er
fand die Bevölkerung bei Orleans am 10. August mit der
Hafererndte beschäftigt, zwischen Beauyais und St. Omer den
23. August, zwischen Hamburg und Lübeck 31. August, zu
Christiania am 6. September und auf dem Wege von Christiania
407
- uld Trondjem in der Mitte dieses Monats. Als.er hierauf
durch Hedemarken nach der Hauptstadt des Landes zurück-
reiste, liess er auch hier, wiewohl er nun nach Süden ging,
die Erndtenden hinter sich zurück, er war den 22. September
noch auf dem Dovrefjeld und doch lag Getraide auf den Fel-
dern, bis er in Christiania wieder anlangte. Diese wider-
sprechende Erscheinung bezieht der Verf. auf das feuchte
Clima von Hedemarken, worüber genauere Beobachtungen nicht
vorliegen. Allein es ist gewiss, dass wegen der Kürze des
Sommers, die alle Feldarbeiten des norwegischen Landmanns
auf wenige Monate zusammendrängt, und wegen der Veränder-
lichkeit des Wetters, die zu stetem Wechsel seiner Beschäfti-
gung zwingt, auch die zur Erndte bestimmte Zeit sich viel
mehr ‚ansdehnt, als bei uns. Länger als vier Wochen hätte
Saint-Hilaire auf demselben Gaard dieselben Bauern ihren Ha-
fer einfahren sehen können, wie es auch in andern Gebirgs »
gegenden schon wegen der verschiedenen Lage der Felder
geschieht. Wäre er hingegen nach Bergen’s Stift gekommen,
so hätte er hier in einzelnen Bezirken die Haferäcker ebenso
früh als in Orleans leer gesehen, ja in einem günstigen Jahre
am Hardanger Fjord noch früher, schon in den ersten Tagen
des August. Bei so complieirten Phänomenen, die von so
verschiedenartigen Ursachen abhängig sein können, vernach-
lässigt er diese gegen einander abzuwägen, Dasselbe Urtheil
muss man fällen, wenn er weiterhin allgemeinere Behauptun-
gen wagt, wie die, dass in der Region der Zwergbirke bei
Roeraas die Vegetation am 14. September denselben Anblick
gewährt habe, wie in Frankreich zu Anfang November: die
Zwergbirke, welche jene Region characterisirt, wächst in Frank-
reich nicht.
In meiner Reise durch Rumelien und nach Brussa (Göt-
tingen 1841. 8) habe ich verschiedene die pflanzengeographi-
sche Theorie betreflende Beobachtungen mitgetheilt. Die Ver-
schiebing der Entwickelungszeiten der Vegetation durch celima-
tische Einflüsse ist auch in Rumelien sehr auflallend. Die
Ulme, die in Neapel schon zu Anfang Februar ausschlägt, war
in Constantinopel noch am 20. April ohne Laub. Die Eichen
und Wallnussbäume entfalteten an der Küste von Bithynien ihre
Blätter erst am Ende der ersten Woche des Mai, So grosse
408
Anomalien, die sich nicht durch ein ungewöhnlich verspätetes
Frühjahr erklären lassen (Il. S. 32),. sind um so auffallender,
als die immergrüne Vegetation an den Ufern des Bosporus
mit der Küstenflora des südlichen Italien in den Grundzügen
übereinstimmt, Ich habe die Vermuthung geäussert, dass die
Ursache in der Jahreseurve der Temperatur liegen möge, je-
doch diese Ansicht aus Mangel an meteorologischen Beobach-
tungen nicht weiter begründen können. Seitdem sind mir
Turner’s und Delmar’s Wärmemessungen in Constantinopel
bekannt geworden, die für jene Meinung sprechen. Die Jah-
reswärme beträgt hiernach 13°, 8 C., entspricht daher der von
Verona, einer Stadt, die beinahe 44 Grade nördlicher liegt,
während Neapel fast unter gleicher Polhöhe eine mittlere Tem-
peratur von 16°, 7 C. besitzt. Aber diese grosse Abnahme der
Wärme nach Osten findet fast nur währehd des Winters statt;
denn die Sommerwärme ist in Neapel 23°, 9C., in Constan-
tinopel 22°, 1C.; die Winterwärme in Neapel 9°, 9C., in
Constantinopel nur 5°, 2C. Wenn nun die Ulme in Paris
zu einer Zeit ausschlägt, wo die tägliche Wärme auf 7° steigt
(20. März), so wird es begreiflich, dass sich in der Entwicke-
lung dieses Baumes eine so ungemeine Verschiedenheit zwi-
schen Constantinopel und Neapel zeigt: denn schon in Rom
ist die Temperatur des kältesten Monats 7°, 3 C., also hinrei-
chend den Saft der Ulme in Bewegung zu setzen. Anderer-
seits hängt das Vorkommen immergrüner Holzgewächse, wie
den Coccuseiche, die sich von der Provence bis nach Bithy-
nien verbreitet, von ganz andern climatischen Bedingungen ab,
z. B. von dem Maximum der Winterkälte, und so können bei
der unendlichen Mannigfaltigkeit der Jahrescurven die Erzeug-
nisse verschiedener Climate an demselben Puncte der Erde
vereinigt werden. — Eine andere, nicht näher erklärte Ver-
schiebung der Entwickelungszeiten beobachtete ich am Scar-
dus, dem albanisch-macedonischen Grenzgebirge. Hier blühte
Castanea vesca, wodurch die unterste Waldregion bei Calcan-
dele gebildet wird, in der Mitte des Julius, nachdem ich die-
sen Baum an der Küste von Thracien, z. B. auf dem Cher-
sones bei Migalgara schon zwei Monate früher blühend ge-
sehen hatte.
Was den Einfluss des Climas auf die Soecialität der Ge-
409
wächse betrifft, so habe ich in dem Wachsthum der süd-
europäischen Gramineen eine Eigenthümlichkeit nach-
gewiesen, die, ohne näher erörtert zu sein, früher Einige zu
der Ansicht geführt hatte, dass in dem Becken des Mittelmeers
die Wiesenformation bereits ganz fehle. Natürlich ist hiebei
nur die Küstenregion im Bereich der immergrünen Gesträuche
gemeint, da bekanntlich die Gebirge den Cyclus der nordi-
schen Formationen vereinigen. Auf der Reise durch Thracien
und Macedonien traf ich in der Region der Coceuseiche
(0°— 1200’) socielle Gramineen in drei verschiedenen Forma-
tionen. 41) Am "häufigsten war die Formation der jähri-
gen Gräser. Diese bilden, entweder aus Individuen einer
Art oder aus verschiedenen Arten zusammengesetzt, weite
Grasflächen, die, weil die Rasenbildung ihnen ganz fehlt, phy-
siognomisch mit Wiesen gar nicht zu vergleichen sind. Solche
Anhäufungen von PAleum tenue bedecken einen Theil des Var-
darbeckens, im Chersones bei Enos sah ich diese Formation
aus Arten von Stipa, Aegilops, Phleum u. a. zusammengesetzt,
Hiebei habe ich nachgewiesen, dass die Küsten des Mittel-
meers überhaupt viel reicher an annuellen Gramineen sind,
als Mitteleuropa; von 85 Arten, die durch ganz Südeuropa
verbreitet sind und diesseits der Alpen fehlen, sind 53 mono-
earpisch, 32 perennirend, während Deutschland unter 171 Gra-
mineen nur 49 monorcarpische und 122 perennirende besitzt.
2) Kräuterwiesen habe ich die an, den südeuropäischen
Küsten gleichfalls sehr verbreitete Formation genannt, wo der
physiognomische Character der Wiesen durch Zunahme von
dicotyledonischen Kräutern verdeckt wird, die nicht bloss in
der Zahl der Arten, sondern auch in der Masse der Individuen
die Gräser übertreffen. Der hiedurch bedingte Gegensatz fällt
sehr in die Augen, wenn man die Hochebene von Chalcidice
besucht. Hier sieht man am Meere Kräuterwiesen, die beson-
ders an Leguminosen reich sind, nach wenigen Stunden er-
reicht man die ausgedehnten Bergwiesen, wo die Gräser sich
ebenso üppig entwickeln wie in Nordeuropa. 3) Endlich findet
man in wasserreichen Niederungen auch wirkliche Wiesen an
an der Küste, wo perennirende Gräser, meist mit kriechen-
dem, Rasen treibenden Rhizom die Hauptmasse der Vegeta-
tion bilden. Eine solche Wiese, aus sideuropäischen Grami-
410
neen und Üyperaceen zusammengesetzt, sah ich am Ufer des
Meers auf Tassos bei Casavi. Von dieser Beschaffenheit sind
auch die berühmten Wiesen im Thalgrunde der süssen Wasser
bei Constantinopel. In grösserm Umfange breiten sie sich an
der Mündung ‘der Maritza aus und hier enthalten sie zum
Theil gemeine Wiesengräser des Nordens, wie Poa pratensis
und Dactylis glomerata.
Man schreibt dem Inselclima allgemein einen Einfluss
auf die Vermehrung der Farn-Arten zu. Ich habe dar-
auf aufmerksam gemacht, dass die Inseln des Archipel hievon
eine Ausnahme machen. Ihr trockener, waldloser Felsboden
erfüllt die Bedingungen der Farn- Vegetation nicht. Unter
26 Arten seiner Flora graeca erwähnt Sibthorp keiner ein-
zigen, die im Archipel heimisch wäre. Bemerkenswerther ist,
dass auch auf der Halbinsel des Hajion-Oros nur 7 Farn-Arten
aufgefunden sind, da diese, dureh Feuchtigkeit und Bewaldung
den Inseln des Archipel entgegengesetzt, die Verbreitung der
Farne auf das Höchste begünstigen müsste, wenn diese wirk-
lich in allen Breiten durch ein Inselelima angezogen würden,
Der Einfluss des Bodens auf die Vegetation ist
seit der Begründung der pflanzengeographischen Forschungen
vielfach untersucht, die Resultate sind entgegengesetzt, so dass
De Candolle jeden Zusammenhang zwischen dem geognosti-
schen Substrat und der Verbreitung der Gewächse leugnete,
während Unger Verzeichnisse von Pflanzen zusammenstellte,
welche nur in Kalk- oder Schiefer-Alpen vorkommen. E, Meyer
hat in dieser Beziehung auf die Umgegend von Göttingen von
Neuem aufmerksam gemacht (Regensb. Flora 18414 S. 495),
ein Gebiet, auf dem der Muschelkalk und bunte Sandstein
sich vielfältig gegen einander abgrenzen und entschieden auf
das Vorkommen der Gewächse einwirken. So wurde auch
gerade hier zuerst, schon vor länger als fünfzig Jahren, durch
Link auf jene Frage der wissenschaftliche Blick gerichtet und
namentlich auf die Abhängigkeit der Steinflechten von der
Beschaffenheit ihres Substrats treffend hingewiesen. E. Meyer
führt an, dass in der Göttinger Gegend z. B. Turgenia lati-
Ffolia, Orlaya grandiflora, Linum tenuifolium fast nur auf
Kalk, andere dagegen wie Herniaria glabra, Nardus stricta,
Sanguisorba offieinalis auf Sandstein vorkommen, Aus einer
411
grossen Reihe von Gewächsen, die hier ihrer Gebirgsart treu
bleiben, sind vom Verf. nur wenige Beispiele herausgehoben,
Link hatte schon die wichtigsten 'Thatsachen gesammelt. So
sehr nun, fährt E. Meyer fort, Muschelkalk und .bunter Sand-
stein durch ihre Vegetation getrennt erscheinen, so wenig. ist
dies der Fall mit dem Basalt, der, von Thonboden bedeckt,
einzelne Berge dieser Gegend zusammensetzt, Dieser ernährt,
wo er verwittert ist, zwar eine üppige, aber keine eigenthüm-
liche Vegetation. Da nun der Thonboden sich so wesentlich
in seinen physikalischen Eigenschaften von andern Bodenarten
unterscheidet, so schliesst der Verf. hieraus, dass der Einfluss
des Bodens auf die Verbreitung der Pflanzen nicht auf seinem
Aggregatzustande, auf-seiner Feuchtigkeit und ähnlichen Ver- .
hältnissen, sondern auf seiner chemischen Qualität beruhe,
Solche Schlüsse müssen durch ein grösseres Gewicht von
Thatsachen begründet werden. Die Gegend um Göttingen for-
dert zu solchen Beobachtungen besonders auf, allein es: würde
mich zu. weit abführen, wenn ich diesen Gegenstand hier wei-
ter erörtern wollte und ich bemerke nur, dass die Vegetation
unserer Basaltberge, mir, wenn nicht reich an seltenen For-
men, doch eigenthümlich und deutlich gegen benachbarte und
mit einer verschiedenen Erdkrume bedeckte Höhen characte-
risirt erscheint. Allein das Terrain des Sandsteins wird auch
sehr häufig von einer thonreichen Erdkrume bedeckt und dann
‚werden freilich für die Phanerogamen die Bedingungen gleich,
während am anstehenden Gestein die Lichenen entweder ihrer
- Gebirgsart folgen oder mit der Änderung des Substrats eine
verschiedene Form annehmen. Dieser Gesichtspunet war es,
den ich im Delta der Maritza durch specielle Beobachtungen
näher zu begründen versucht habe, Das Plateau des Tekir-
daglı unweit der Dardanellen besteht aus Sandsteinen, aus Kalk
und aus Mergelschiefern. Eine sehr einförmige Vegetation
bekleidet den grössten Theil desselben, allein fast überall wird
das Gestein durch einen schweren, rothen Thonboden von den
Pflanzen getrennt. Erreicht man zuletzt die kleine Stadt Rusköi, _
wo der Tlıon in einen sandigen Lehmboden übergeht, olıne
dass. das geognostische Substrat sich ändert, so scheint es, als
beträte ınan einen botanischen Garten: ein solcher Reichthum
von bisher nie bemerkten Kräutern stellt sich plötzlich dem
412
Auge dar. Es ist klar, dass die Bodenbeschaffenheit nicht
allein vom geognostischen Substrat, sondern auch von den
Niveauverhältnissen wesentlich bedingt wird. Bei Enos fand
ich ein wüstes Terrain in der Nähe der Maritzamündung, wo
in Folge der Bewässerung und der Berührung mehrerer geogno-
stischer Formationen eine ganze Reihe verschiedener Boden-
arten, deren Fläche mit Kräutern und Gräsern bewachsen war,
sich gegenseitig scharf begrenzte. Diesen Grenzen entsprachen
mit gleicher Schärfe gewisse Änderungen der Vegetation. Der
sandige Kiesboden trug annuelle Gräser; hierauf folgte ein
humoser Lehmboden, dicht mit kleinen Trifolien von vielerlei
Formen bekleidet (Tv. reclinatum, lappaceum, striatum, Cher-
leri, nidificum) ; die Vegetation eines kiesreichen Lehmbodens
bestand vorzüglich aus Anthemideen; zuletzt bedeckten wieder
annuelle Gräser eine Fläche, die aus humosem Thonboden
bestand, aber diese Gräser waren von denen des sandigen
Kiesbodens durchaus verschieden. Die Grenzen der Vegeta-
tion stimmen nicht mit den Grenzen des Porphyrs, eines san-
digen Comglomerats und des Alluviums überein, welche theils
das feste Substrat der Erdkrume bilden, theils durch ihre Nähe
und weitere Entwickelung auf die Beschaffenheit derselben ein-
wirken. Aus diesen Beobachtungen zog ich den Schluss, dass
der Botaniker nicht mit der geognostischen Charte in der
Hand Beobachtungen über die Verbreitung der Gewächse an- |
stellen, sondern von der Hypothese ausgehen müsse, dass jede
Bodenart eine gewisse Zahl eigenthümlicher Pflanzen besitzt.
Als ich später die macedonischen Gebirge bereiste, hatte ich
Gelegenheit zahlreiche Beobachtungen über die verschiedene
Vegetation von benachbarten Kalk- und Granitbergen zu machen,
So liegen der Nidge und Peristeri sich gerade gegenüber,
‚ jener besteht grösstentheils aus Marmor, dieser aus Grakit.
Es ist bekannt, dass die geognostischen Formationen oft schon
an der äussern Gestalt der Berge, die von ihrer Bildungsweise
abhängt, eigenthümlich ausgeprägt sind. Hierdurch werden
wieder die Bewässerung, der Process der Verwitterung, die
Anhäufung der Erdkrume und manche andere Vorgänge be-
dingt. Man darf daher, wenn man die Pflanzenverzeichnisse
von Kalk- und Granitbergen vergleicht, hieraus nicht sogleich
auf den Einfluss dieser Gebirgsarten vermöge ihrer chemischen
413
Qnalität, ihrer stützenden und ernährenden Wirksamkeit Schlüsse
bauen. Die Vegetation des Nidge ist sehr verschieden von
der des Peristeri, allein jener Berg ist bis zur alpinen Region
bewaldet, dieser ist nackt: dieser ‚Gegensatz rührt vielleicht
von historischen Ereignissen her, aber er ist wichtiger für die
Verbreitung der Gewächse, als die Verschiedenheit des geogno-
stischen Substrats. Im nördlichen Scardus wiederholten sich
diese Erscheinungen. Nur ein geringer Theil der alpinen Ge-
wächse, welche die baumlose Region bewohnen, kommt zu-
gleich auf der Ljubatrin und Kobelitza vor, zwei Bergen, die,
beide über 7000‘ hoch, wenige Stunden von einander entfernt
liegen. Jener besteht aus Kalk, dieser aus Glimmerschiefer,
aber dem Schiefer ist an einigen Orten Kalk nesterförmig ein-
gelagert: dennoch fehlen der Kobelitza Dryas octopetala und
eine Paronychia, die durch socielles Wachsthum breite Gürtel
an der Ljubatrin characterisiren, und von den beiden Bergen
gemeinsamen Alpenpflanzen wachsen an der Kobelitza ebenso
viele auf Schieferboden, als auf Kalk. Hiebei bemerke ich,
dass die botanischen Eigenheiten einzelner Gebirgsgipfel, wie
sie fast jede Alpe mit ihren Nachbarn verglichen darbietet,
bisher in der pflanzengeographischen Theorie ganz unerklärt
gebliebene Phänomene einschliessen.
Martins hat sich mit der allgemeinen Untersuchung der
europäischen Gebirgsregionen beschäftigt. (La delimi-
tation des regions vegetales sur les montagnes du continent
europeen. Paris 1840. 14 pag.8.) Man soll die Grenzen der
Regionen nicht climatisch bestimmen, weil die climatischen
Factoren nicht genau bekannt sind. Man soll socielle Ge-
wächse zur Characteristik der Regionen anwenden. und auch
diese nach gewissen Oautelen auswählen. Es wären hiebei die
Culturpflanzen auszuschliessen, weil ihre verticale Verbreitung
oft durch zufällige Umstände bedingt ist; man soll vorzugs-
weise Gewächse zu diesem Zweck benutzen, deren Tempera-
tursphäre gering ist. Nach diesen richtigen Grundsätzen fällt
es einigermassen auf, dass die Liste von Pflanzen, deren Ni-
veaugrenzen hiernach zunächst zu berücksichtigen wären, von
dem Verf. ziemlich willkürlich entworfen ist und jedenfalls
sehr unvollständig erscheint, Martins schlägt nämlich folgende
Pflanzen zu solchen Vergleichungen vor: Phoenix, Nerium,
414
Pinus Pinea, halepensis, Olea, Lavandula', Thymus vulgaris,
Castanea und Juglans für die warme Region der europäischen
„Flora; Fagus, Pinus sylvestris, Abies, Picea, uneinata, Cembra,
Rhododendron, Betula alba, nana, Alnus viridis, Azalea pro-
cumbens, Ranunculus pyrenaeus und einige andere alpine Pflan-
zen für die obern Vegetationsgürtel. — Ich habe für das süd-
liche Europa drei Regionen angenommen, die nicht bloss durch
einzelne, socielle Gewächse, sondern auch durch den physio-
gnomischen Character der ganzen Vegetation begrenzt sind
und die dem Zweck einer solchen Eintheilung, nämlich zur
Vergleichung verschiedener Gebirge zu dienen, wegen ihrer
Allgemeinheit entsprechen. Übrigens missen in jedem beson-
dern Falle die örtlichen Einflüsse auf die Niveaugrenzen die-.
ser Regionen, die so grossen Änderungen unterworfen sind,
erforscht werden: dies habe ich speciell auf die Erscheinung
angewendet, dass in Südenropa die Baumgrenze überall weit
tiefer liegt, als das Clima erwarten lässt (Bd. 1 S. 354—361).
— Die Küstenregion wird durch die verticale Verbreitung
immergrüner Holzgewächse bestimmt, die Waldregion enthält
die mitteleuropäischen Formen, die alpine Region liegt zwi-
schen der Baum- und Schneegrenze. Von diesem Gesichts-
puncte bin ich bei der Beschreibung der macedonischen Ge-
birgsflora ausgegangen. Freilich zerfällt die mitteleuropäische
Region auf bewaldeten Bergen noch in mehrere Pflanzengür-
tel, die so scharf getrennt sind, dass bei Weiten die Mehr-
zahl aller Gewächse an deren Grenzen gebunden ist. So
folgen sich am Athos die Wälder von @uercus pedunculata,
Pinus Laricio und Pinus Picea, am Nidge Quercus Cerris,
Fagus und Pinus uneinata. Die Änderung des Baumschlags
gu
bewirkt hier einen Wechsel in allen Schattenpflanzen, der es
gestattet eine grössere Reihe von Regionen durch deren Flora
zu unterscheiden und auf das Speciellste zu characterisiren.
Aber der Zweck der Eintheilung würde hiedurch nicht geför-
dert werden: auf unbewaldeten Bergen, wie am Peristeri,
treffen wir diese Gliederung der mitteleuropäisehen Region
nicht wieder. Hier finden nur allmählige Übergänge in der Ve-
getation statt, es fehlen jene Scheidepuncte, die sowohl auf
die Hauptmasse der Gewächse, auf den Wald, als auch auf
alle übrigen characteristischen Formen ihre Wirkungen äussern.
45
Auf unbewaldeten Bergen kann man für viele einzelne Pflan-
zenarten die climatische Skale ihrer Verbreitung beobachten,
Ip
in bewaldeten Gebirgen nur die der wenigen Waldbäume, die
auf die übrigen Gewächse einen zu grossen Einfluss äussern,
als dass dadurch deren Niveaugrenzen nicht enger zusammen-
gedrängt werden könnten, als die natürlicheFolge des Clima’s sein
würde, — Wenn dasselbe Gewächs, frei nach seiner elimati-
schen Sphäre verbreitet, auf entlegenen Gebirgen zugleich vor-
kommt, so ergeben sich aus dessen Grenzen elimatologische
Schlüsse von Wichtigkeit. Ich habe gefunden, dass der Athos
ungefähr in der Mitte steht zwischen dem Ätna und dem Süd-
abhang der Alpen: dieselbe Pflanze kann 700’ höher am Athos
ansteigen, als auf den Alpen, 700° tiefer bleibt sie unter dem
Niveau zurück, das sie am Ätna erreicht. Für Macedonien
habe ich zu diesem Zweck das Niveau folgender Gewächse
angegeben, die sich zu Vergleichungen besonders eignen:
Auercus coccifera W —1200', Qu. Esculus 850'—:1350', Ca-
stanea vesca 4200'—3000' (0' — 3000’: nur zufällig nicht unter
4200 beobachtet), Tilia argentea 1200’ — 1500, Quercus ‚pe-
dunculata und apennina 1200' — 4670', Qu. Cerris 1250' — 2650',
Fagus sylvatica 1200 —5540', Pinus Picea 1700 — 5250', P.
Laricio 3500'— 4500’, P. uncinata 3400’ —5540'?, P. Cembra
2400 — 6100’, Juniperus Oxycedrus 0 — 4600', J. communis
4400°—5540', Berberis eretica 4500 —5250', Pteris aquilina
0 — 4600.
I. Arktische Zone.
“ Die Sammlungen von Vahl und Martins auf Spitzber-
gen haben zu einer vollständigern Kenntniss der Vegetation
jener hochnordischen Insel geführt. Wegen eines besondern
Umstandes, der neuerlich zu Irrungen Anlass gab, ist zu be-
merken, dass die beiden genannten Pflauzenforscher zusammen
reisten und dieselbe Ausbeute besitzen. Ein von Vahl bear-
beitetes, systematisches Verzeichniss derselben ward von Lind-
blom zu einer umfassendern Übersicht benutzt und bei dieser
Gelegenheit vollständig publieirt (Botaniska Notiser 1840 nr. 9
s. vor. Jahresb,). Martins besass dieses Verzeichniss gleich-
falls, traf in den Bestimmungen der Phanerogamen mehrere
Veränderungen und liess es dann bei der Herausgabe seiner
46
Gletscherbeobachtungen mitabdrucken. Durch diese verschie-
dene Bestimmung gleicher Pflanzenarten ist die spitzbergische
Flora scheinbar um mehrere Arten reicher geworden, als dort
bisher ‘gefunden sind. Da nun Beilschmied bereits aus den
beiden genannten Quellen eine Enumeratio locupletior zu-
sammengestellt hat (Regensburger Flora 1842 p. 481), so ist
diese hiernach zu berichtigen. Spitzbergen besitzt nur siebzig
Phanerogamen. Von diesen sind nach Beilschmied 33 auch
auf der amerikanischen Melville-Insel einheimisch, von welcher
R. Brown 67 Phanerogamen bestimmte. Die Vegetation Spitz-
bergens begreift folgende Familien: 4 Ranunceulaceen (Ranun-
eulus); 43 Cruciferen (darunter 6. Drabae); 10 Caryophylleen ;
4 Dryadeen; 11 Saxifrageen; 2 Synanthereen; 3 Polygoneen;
3 Saliceen; 3. Junceen; 12 Gramineen; einzelne Repräsentanten
aus den Papaveraceen, Ericeen, Scerophularineen, Empetreen
und Cyperaceen. Nur sehr wenige unter diesen Gewächsen
sind der Insel eigenthümlich, die meisten sind auch auf den
arctischen Continenten beobachtet. Von den alpinen Pflanzen
des mittlern Europa kommen folgende Arten in Spitzbergen
vor: Ranunculus glacialis, Cardamine bellidifolia, Silene acau-
lis, Spergula saginoides, Cerastium alpinum, Dryas octopetala,
Potentilla nivea, Saxifraga oppositifolia, .caespitosa, nivalis,
hieracifolia Rit., aizoides, cernua, Polygonum niviparum, Oxy-
ria reniformis Hook., Salix retieulata, herbacea, Eriophorum
capitatum Host., Aira subspicata. Aus der Flora der mittel-
europäischen Ebene verbreiten sich nur folgende Gewächse
nach Spitzbergen: Cardamine pratensis, Cochlearia_officinalis,
danica, Cerastium vulgatum, Chrysosplenium alternifolium,
Sarifraga Hirculus, Empetrum nigrum, Calamagrostis stricta
P. B., Poa alpina, pratensis, Festuca ovina, rubra. — Unter
450 von Lindblom aufgezählten Cryptogamen sind: 4 Lycopo-
diaceen, 2 Equisetaceen, 50 Laubmoose, 7 Lebermoose, 62 Flech-
ten, 19 Algen und 9 Pilze.
Die arktischen Carices wurden von dem verstorbenen
Drejer bearbeitet (Kroyer’s naturh. Tidskrift 3. S. 423—480).
U. Europa und Nordasien.
v. Ledebour hat begonnen die Flora des ganzen russi-
schen Reichs synoptisch zu bearbeiten (Flora rossica sive
47
Enumeratio plantarum in totius imperii rossiei observatarım.
Vol. I. Fasc. I. Stuttgartiae 1841. Fasec. II. 1842.) Der Verf.
theilt dieses grosse Ländergebiet in pflanzengeographischer Be-
ziehung in 16 Provinzen, von denen 6 diesseits, 10 jenseits
des Ural liegen. Die Grenzen dieser Provinzen sind folgende:
1. Arctisches Russland bis zum Polarkreise.
2. Nördliches Russland von da bis zur Nordgrenze der
Eiche.
3. Mittleres Russland bis zur Nordgrenze des Weinstocks.
4. Südliches Russland bis zur Südgrenze des Reichs, mit
Ausschluss der Krim und der caucasischen Länder.
5. Krim.
6. Caueasus südlich vom 45° N. Br. und von den Mün-
dungen des Kuban und Kuma.
7. Uralisches Sibirien vom Ural bis zum Ob und unterm
Irtisch.
8. Altaisches Sibirien bis zum 115° O.L. von Ferro oder
bis zur Wasserscheide zwischen Jenisei und Angara.
9. Baikalisches Sibirien im Norden bis zur Lena, im Sü-
den bis über den Baikal hinaus.
40. Davurien, das südöstlich vom vorigen gelegene Gebiet.
11. Östliches Sibirien bis zur Westgrenze des folgenden
Gebiets und Kamtschatka.
12. Land der Tschuktschen.
13. Arctisches Sibirien jenseits des Polarkreises.
14. Kamtschatka.
45. Inseln zwischen Sibirien und America.
16. Americanisches Russland.
Die statistischen Verhältnisse der bisher abgehandelten Fa-
milien, bei deren Begrenzung und Anordnung der Verf. meist
dem De Üandolle’schen Systeme folgt, sind: Ranuneulaceen
228 Arten, am zahlreichsten im Altai und Caucasus; Meni-
spermeen, nur M. davuricum von Davurien bis zum obern
Jenisei; Berberideen 9 Arten, vorzüglich am Caucasus und im
südlichen Russland; Nelumboneen: N, speciosum var. caspieum,
von Oarelin auch im Aral gefunden; Nymphaeaceen 7; Papa-
veraceen 20, von denen 18 am Cauecasus; Fumariaceen 32;
Oruciferen 393, von diesen 187 am Oaucasus, 162 in Süd-
russland, 425 am Altai, 94 im mittlern Russland, 90 in der
Archiv £, Naturgeschichte, VII, Jahrg. 2. Bd. Dd
418
Krim, abnehmend nach Osten und Norden; Capparideen 4 Ar-
ten,alleam Caueasus; Resedaceen 6; Datisceen 1; Cistineen 10,
jenseits des Ural nur Zelianthemum soongoricum; Violarieen 39,
am zahlreichsten am Altai und Baikal; Droseraceen 9, unter
diesen die in Litthauen vorkommende Aldrovanda vesieulosa;
Frankeniaceen 8; Polygaleen 8; Sileneen 147; Alsineen 124;
Elatineen 3; Lineen 19; Malvaceen 28, von denen 24 am Cau-
casus; Tiliaceen 6, bis zum Altai verbreitet, unter diesen auch
die in Podolien und Cherson vorkommende Zilia argentea;
Hyperieineen 24; Acerineen 8, nur vom mittlern Russland zum
Caucasus und bis in das uralische Sibirien verbreitet; Hippo- |
“ eastaneen: desculus Hippocastanum nach Eichwald in Imere-
tien einheimisch; Ampelideen: Fitis vinifera in der Krim und
den caucasischen Ländern; Geraniaceen 53 Arten.
Die von v. Ledebour vorgeschlagene und- auf die Areale
vieler endemischer Pflanzen begründete Eintheilung des russi-
schen Reichs in. phytogeographische Provinzen, findet eine in-
teressante Beleuchtung in der wichtigen Abhandlung des Gr.
v. Cancerin über Russlands climatische: Verhältnisse, die von
Erman übersetzt worden ist. (Dessen Archiv für wissenschaft-
liche Kunde von Russland 1844 S. 702.) Der Verf. entwirft
nach der Verschiedenheit des Clima’s und der Bodencultur
eine Eintheilung des Reichs in acht Zonen. Diese sind fol-
gende:
1. Die Zone des Eisc]ima’s begreift die nördlichsten Theile
von Sibirien und Nowaja-Sem]ja, die unbewohnt sind und nur
zum Zweck der Robbenjagd: und Fischerei‘ besucht werden.
Deren Südgrenze liegt nach Erman unter 74°, 5,
2. Doch geht sie allmählig in die Zone der Remnthier-
moose über. Die von Lichenen über gefrorenem Boden be-
wachsenen Tundry’s characterisiren diese Region, das Renn-
thier macht sie bewohnbar. Fischerei und Jagd auf Polar-
thiere ergänzen den Mangel an Nahrungsmitteln. Die Südgrenze,
durch: das Auftreten der Coniferenwälder bezeichnet, scheint
mit einiger Schärfe nicht angegeben werden zu können, weil
der Übergang von den Tundry’s zu den arktischen Gesträu-
chen, zum Krummholz und weiter zu den Lärchen- und Weiss-
tannen-Wäldern allmählig eintritt.
3. Zone der Wälder und Viehzucht, Im nördlichen Theil
419
- ist die Jagd in ungeheuren Nadelwäldern die Hauptbeschäfti-
gung des Menschen, die Häufigkeit der Eichhörnchen entschei-
det oft über den Werth von einzelnen Gegenden. Südwärts
herrscht die Viehzucht, von der z. B. die meisten Bewohner
des Innern von Finnland leben, im Verhältniss zum Reich-
thum an fruchtbaren Grasflächen vor, bis allmählig der Acker-
bau versucht wird.
4. Die Zone der Gerste reicht südwärts ungefähr bis zum
63°, z.B. bis Jarensk im Gouv. Wologda. Die Physiognomie
der Natur, durch ausgedehnte Wälder, grosse Flüsse und herr-
liche Wiesen ausgedrückt, entspricht der vorigen Zone, Auch
reicht der beginnende Getraidebau noch nicht zur Ernährung
der Bewohner aus.
5. Zone des Roggen und Lein. Sie erstreckt sich ünge-
fähr bis zum 51°. Freilich ist dieses grosse Gebiet rücksicht-
lich seiner Erzeugnisse weder gleichartig noch auf die ange-
gebenen beschränkt, aber die Modificationen des Clima’s, wel-
che diese Verschiedenheiten zur Folge haben, sind nicht be-
deutend genug, um den allgemeinen Character der natürlichen
Hülfsquellen zu verändern. Auch sind sie in einem so ebenen
Lande weniger local, als von geographischen Verhältnissen
abhängig, wie die Gegensätze der Jahreszeiten, die mit dem
Abstande von der Ostsee sich steigern.
6. Die Zone des Weizens und der Baumfrüchte erhält
diesen Namen wie die vorige nach den. beiden wichtigsten Er-
zeugnissen, ohne dass diese auf das Gebiet allein beschränkt
wären. Gr. Canerin nennt diese Zone die Kornkammer des
Reichs, Zugleich schliesst sie aber auch die grossen Steppen
ein, denn die climatischen Gegensätze sind hier weit grösser
als in der vorigen Zone, Die Ursachen des Holzmangels der
Steppen erblickt der Verf. in der ungemeinen Cohäsion der
Erdkrume, deren häufigem Salzgehalt und der Dürre des Gli-
ma’s, die, wie sich nachweisen lässt, auch hier von der Aus-
rottung ehemaliger Wälder mitbedingt ist. Man unterscheidet
sandige, salzige und grasige Steppen. Der physiognomische
Character der letztern wird an einem andern Orte in Erman’s
Journal (S. 693) auf folgende Weise bezeichnet. Von den
Ufern des Dnjepr bis dieht an die Gärten von Sympheropol
findet man nirgends grünenden Rasen von einiger Ausdehnung.
Dd*
420
Die Gräser wachsen nur fleckweise und nur auf einem Dritt-
theile der gesammten Oberfläche, Das Übrige bedeckt sich
nur im Frühlinge mit zarten Kräutern, die bald versengt einen
todten Boden zurücklassen.
7. Die Zone des Mais und der Reben umschliesst Bessa-
rabien, Neurussland, das Land der Donischen Kosaken, Astra-
chan und das Caucasische Gebiet. Ein grosser Theil dieser
Länder besteht gleichfalls aus Steppen. Die Südküste der Krim
gehört zur folgenden Zone.
8. Die Zone des Ölbaums, der Seide und des Zucker-
rohrs begreift das transcaucasische Russland. Das Zuckerrohr
hat man erst wieder angefangen an der Mündung des Kur. |
zu bauen.
Aus dieser Zusammenstellung lässt sich entnehmen, in
wie fern pflanzengeographische Eintheilungen eines Länder-
gebiets, von verschiedenem Standpuncte unternommen, den-
noch in den Hauptresultaten zusammentreffen können.
Um die Vermehrung climatologischer Daten über das rus-
sische Reich haben sich Kupffer und Köppen verdient ge-
macht. Kupffer liess meist aus langjährigen Beobachtungen
die mittlern Werthe für die Temperatur verschiedener Punkte
des europäischen Russland berechnen (Memoires de Y’acad. de
St. Petersbourg 1841 p.215), Köppen mass viele Quellen-
temperaturen in. der Krim (daselbst p. 383). Hiebei wird auch
beiläufig erwähnt, dass die Baumgrenze in der. Krim nach En-
gelhardt’s und Parret’s Messung bei 4050’ liegt, wodurch die
Resultate meiner Untersuchung über die Baumgrenze in. Süd-
Europa bestätigt werden,
Über die Flora der russisch-chinesischen Grenzländer er-
schienen im verflossenen Jahre wiederum wichtige Arbeiten
Der Catalog der auf Carelin’s im vorigen Berichte erwähn-
ten Reise im Altai gesammelten Pflanzen ist bereits publieirt
und enthält 959 Arten (Enumeratio plantarum a. 1840 in regio-
nibus Altaieis et confinibus collectarum. Auctoribus Gr. Ka-
relin et Joh. Kirilow: im Bulletin de la Societe imperiale de
Moscou 1841 p. 369 — 459, 703— 870). Die in diesem Ver-
zeichnisse enthaltenen neuen Beiträge konnte v. Ledebour erst
bei dem zweiten Hefte seiner russischen Flora zu benutzen
anfangen, In dem ersten Hefte sind hieraus folgende Novitäten
421
einzuschalten: Thalictrum micropodum und agreste; Adonis
wolgensis in der Soohgarei; Aquilegia lactiflora, Berberis sphae-
rocarpa, Nymphaea punctata, Corydalis Ledebouriana; Alyssum
micranthum F. M. am Tabargatai; Sysunbrium tenuissimum
und Alavissimum, Isatis frutescens. Stroganowia (Vellea) bra-
ehyota und sagittata. Die meisten dieser neuen Arten sind
vom Tabargatai.
Die im vorigen Jahresberichte schon erwähnte Abhandlung
über die Vegetation der Gegend des obern Irtisch und Saisang-
Nor von Bongard und L. A. Meyer ist jetzt ebenfalls er-
schienen (Memoires de Y’academie imperiale de St. Petersbourg.
Se. natur. 1841 p. 157— 246). Sie gründet sich auf 331 von
Politoff gesammelte Pflanzen. Die neuen Arten, nicht mehr
als 19, sind beschrieben und fast sämmtlich abgebildet. Die
Gegenden, wo der Sammler den Sommer 1838 verweilte,
sind: die beiden Ufer des Irtisch, unterhalb und hierauf ober-
halb des Saisang, den jener Fluss durchströmt, ausserdem
das Land zwischen demselben und dem Tabargatei. Kraut-
artige Pflanzen mit ausdauernder Wurzel (Stauden) sind in
diesen Gegenden vorherrschend. Unter 290 Dicotyledonen
sind 40 kleine oder nur mässig hohe Sträucher. Bäume sind
selten. Die meisten Gewächse kommen zugleich am Altai oder
in der Kirgisensteppe vor. Am zahlreichsten sind die Synan-
thereen (45), unter diesen sind 8 Arten endemisch. Hierauf
folgen die Leguminosen (32), bei Weiten der Mehrzahl nach
(25) Astragaleen, und unter diesen noch 5 neue Formen, wie-
wolil die Hälfte der übrigen erst in der Flora altaica publieirt
worden war. So reich ist Centralasien an Astragalen, ebenso
wie die Oaucasusländer und Anatolien, wo jedoch die strauch-
artigen Tragacanthen vorherrschen, die in der Soongarei ganz
fehlen, Die Crueiferen (29) und Chenopodeen (26) zeigen
meistentheils den Salzboden der Steppe an. Unter den erstern
ist ein grosser Theil monocarp, nur 3 sind endemisch; auch
unter den letztern ist mehr als die Hälfte einjährig, und wie-
wohl sich die meisten bis zu den caspischen Steppen verbrei-
ten, so fehlen doch in der Soongarei die Salsoleensträucher,
die dort mit ihnen vereinigt sind, fast gänzlich. Die übrigen
artenreichern Familien sind: Borragineen (15), Labiaten (44),
Polygoneen (14), grossentheils endemisch und strauchartig,
422
Rosaceen (12), Umbelliferen (10), Liliaceen (12), darunter
9 Arten von Allium und nicht eine Tulipacea. ‚Manche. sonst
in der altaischen Flora reiche Familien sind hier kaum ver-
treten, wie die Rubiaceen, Gentianeen, Saliceen, Irideen u. s. w.
In denselben Gegenden machte im Jahre 1840 im Auf-
trage der russischen Regierung Schrenk eine botanische Reise,
die sich indessen viel weiter ausdehnte und eine reichere Aus-
beute lieferte. Der Reisende ging von Semipalatinsk nach
Süden zum See Balchasch, drang in die chinesische Provinz
lli zum Alatau vor, wo er zwei der höchsten Spitzen dieses
über 12000’ hohen Gebirgs bestieg, wendete sich von da zum
See Alakul, wo er die Nichtvulcanität des bekannten Aral-tube
späterhin nachwies, endlich untersuchte er die Vegetation des
Tabargatai. Die ganze Pflanzensammlung Schrenk’s enthält
gegen 900 Arten, sie wurde von Fischer und €. A, Meyer
bereits systematisch bearbeitet und es ergaben sich nicht weni-
ger als 75 neue Formen, die dieselben vollständig beschrieben
haben (Enumeratio plantarum novarum a Schrenk lectarum a
Fischer et Meyer. Petropoli 1841. 1 Heft von 413 Octavsei-
ten). Im Allgemeinen herrschen auf dem bezeichneten Gebiete
in den Steppen die Pflanzen der. Umgebungen des Saisang-
Nor, in den Gebirgen die des Altai vor. Es treten aber auch
ausser so vielen endemischen noch Formen auf, die auf eine
Verwandtschaft der Flora mit entfernten Ländern von Asien
hinweisen. In dieser Rücksicht heben die Verf. folgende Er-
scheinungen hervor. Gemeinsam mit ‘der Flora der caspischen
und Wolga-Steppen sind: 4pocynum sibiricum, Pterococeus,
Calliphysa, Eremosparton (Spartium) aphyllum, Nitraria, Del-
phinium camptocarpum, Heliotropium dasycarpum , Buchdium
tataricum, Salsola Arbuscula, Scabiosa Olivieri, Orobanche cu-
mana, Passerina vesiculosa, Rumex Marschallianus, Karelinia ;
andere neue Arten erinnern an ähnliche, die jener Flora an-
gehören, wie Oalophaia Hovenii, Alhagi Kirghisorum u. 5. w.
Ähnliche Beziehungen lassen sich zur Flora des Caucasus und
Persiens nachweisen: Beispiele gemeinsamen Vorkommen sind
Lactuca undulata, Centaurea iberica u. a., Scandix pinnatifida,
Rosa berberifolia, Lepyrodielis stellarioides, Verbascum orien-
tale, Dianthus crinitus, Elymus crinitus, Tunica strieta, Al-
lium saxatile, Gentiana umbellata, Polygonum alpestre, Lotus
, 423
strietus, Cerastium inflatum. Einige neue Gewächse sind For-
men des Himalajah ähnlich, wie Myricaria alopecuroides, Wah-
lenbergia clematidea, Corydalis Gortschakovü, Echenais Siever-
sü, Pedieularis rhinanthoides, Aplotaxis sorocephala, Lepto-
rhabdos micrantha, Scabiosasongarica. Zugleich in Japan wächst
Pleuroplitis Langsdorffiana! — Die neuen, in das erste Heft
von Ledebour’s Flora rossica noch nicht eingetragenen Arten
sind: Odontarrhena hirta, Chorispora Bungeana, Physolepidion
repens (Lepidica), Lepidium songaricum, L. desertorum, Cory-
dalis Gortschokovii, Berberis heteropoda, Ranunculus fraternus.
Bunge hat mehrere neue Arten von Jurinea beschrieben,
die in den Steppen zwischen der Wolga und Soongarei ein-
heimisch sind (Regensb. Flora 1841 S. 153).
Die schon im vorigen Jahresberichte erwähnte Arbeit von
Schrenk über’s Hochland ist erst jetzt in den auf Veranlas-
sung der Petersburger Academie von v. Baer und Helmer-
sen herausgegebenen Beiträgen zur Kenntniss des russischen
Reichs publieirt (Petersb. 1841. 4), Ich habe indessen dieses
Werk noch nicht erhalten.
Wichtige Hülfsmittel zur Kenntniss der skandinavischen
_ Flora bieten die Sammlungen getrockneter Gewächse dar, wel-
che Fries besorgt, und wovon bis zum Schlusse des Jahrs
schon 7 Oenturien herausgegeben sind. (Herbarium normale
Sueeiae. Fasc. VII. Upsaliae 1841.) Ebenso hat Areschoug
3 Hefte getrockneter Algen publieirt, welche 84 Arten ent-
halten. (Algae Scandinaviae exsiccatae, Fase, III, Gothen-
burg 1841.)
Blytt beschrieb seine im Jahre 1837 in das südöstliche
Norwegen, besonders in das Thal des Glommen unternommene
botanische Reise (Magazin for Naturvidenskaberne. Ohne An-
gabe des Jahrgangs. 5.241 — 276). Vergleicht man die Ve-
getation dieser sandigen, grossentheils von Fichten und Tan-
nenwäldern bedeckten Gegenden mit der am Christiania-Fjord,
so bemerkt man einen in die Augen fallenden Unterschied, der
keinesweges von der ungleichen Erhebung des Landes, son-
dern allein von dem Unterschiede der geognostischen Forma-
tion herrührt. Im Thal des Glommen oberhalb Kongsvinger
fehlen alle weichlichern Laubhölzer zugleich mit vielen der
auf dem Thonboden des Schiefergebirgs und auf dem Über-
424
gangskalk vorkommenden Gewächse. Dagegen treten wenige
von der dortigen Vegetation verschiedene Arten hier zuerst
auf, nur einige Carices (C. aquatilis und Zivida), Juneus sty-
gius und Malaxis. Die ganze Anzahl der Phanerogamen in
Aggerhuus-Stift beläuft sich auf ungefähr 1000 Arten. Unter
diesen sind etwa 60 Litoralpflanzen, 420 alpine Gewächse,
allein auch von den übrigen fehlen in der Flora von Oudalen
und Solöer (Gebiet des Glommen) nicht weniger ‘als 470, So
enthält das vollständig mitgetheilte Verzeichniss der zwischen
Kongsvinger und Nygaard vorkommenden Phanerogamen nur
350 Arten. Hiemit steht auch der Reichthum an Cryptogamen
im Verhältniss, es fehlen ‘die Laubmoose der Laubwälder, die
Lichenen des anstehenden 'Gesteins, wie die Algen des Meers,
B. spricht allgemein den Grundsatz aus, dass, wo die phane-
rogamische Flora arm sei, auch die Cryptogamen abnehmen:
allein dies ist gerade im Norden von Skandinavien durchaus
nicht der Fall, wie sich z, B. aus der trefilichen Abhandlung
Sommerfeldt’s über den Bezirk von Saltdalen ergiebt. — Die vor-
herrschenden Gräser der Sandformation am Glommen sind wie
in Deutschland: Agrostis spica venti, canina, vulgaris, stoloni-
‚fera, Agropyrum repens var., mehrere Calamagrostis- Arten,
Festuca ovina u. S. w., vereinigt mit Zrigeron acre. Die
häufigsten Sumpfgewächse sind: Carex chordorrhiza,, leporina,
acuta, globularis, Scirpus caespitosus, Baeothryon, Eriophora,
Juncus acutiflorus, rariflorus, bufonius, uliginosus, Scheuchze-
ria, Gymnadenia conopsea, Betula nana, Calla, Alisma, Pota-
mageton, Nymphaea u. s. w. — Beobachtete Pflanzengrenzen
sind: Carex globularis südlichster Standort bei Skydmoe etwa
300' hoch; Aubus arctieus, eine in Norwegen äusserst seltene
Pflanze, findet sich bei 900’ unweit Leuften auf dem Wege
nach Eidsyold, dann erst wieder, so viel ich weiss, in Gul-
brandsdalen; Convallaria multiflora verbreitet sich nord-
wärts bis Braanaas, Galium trifidum südwärts bis Christiania,
— Die interessantesten Pflanzen, die Blytt auf dieser Reise
beobachtete, sind: Coleanthus subtilis auf überschwemmtem
Thonboden am Ufer der Nittedalselv in der Ebene (während
die sehr ähnliche PAippsia algida ähnliche Standorte auf dem
alpinen Plateau von Hardanger bewohnt); Carex Biyttü Fr.
(C. Loliacea var, tenella Bl.) und Glyceria remaota Fr. in
425
Aamodt; ebenda auch in Gesellschaft von Milium die neue
Biyttia suaveolens Fr. (Cinna pendula Trin.), welche zuerst in
Gulbrandsdalen im Jahre 1836 endeckt ward und mit einer
von Bunge am Baikal und von Mertens anf Sitcha gefunde-
nen Cinna für identisch erklärt worden ist.'
Lindblom setzte seine früher in der Linnaea publieirten
Untersuchungen über die skandinavischen Draben fort (Bidrag
til kännedomen af de Skandinaviska arterna af Slagtet Draba.
Stockh. 1840).
Drejer publieirte Beiträge zur Kenntniss der dänischen,
insbesondere auch der jütischen Flora (Nogle Bidrag til den
danske Flora in Kroyer’s naturhist. Tidskrift 3. S. 409 — 422.
Ferner: Endnu et Par Bidrag til den danske Flora: daselbst
S. 496). In dem Kroyer’schen Journal wurden auch Fundörter
seltener dänischer Gewächse von einer ungenannten Gesell-
schaft mitgetheilt (daselbst S. 395— 408). |
Über die Flora der Shetlandsinseln erhielten wir einen
Catalog von Edmonston, der 236 meist durch ganz Mittel-
europa verbreitete Phanerogamen enthält (Annals of natural
history V. 7. p. 287). Ausserdem werden Pinus Picea und
Corylus als ausgerottet angeführt. Die Inseln scheinen jetzt
fast baumlos zu sein, indem nur die Birke und Eberesche
vorkommt. Characteristische Gewächse sind: Pulmonaria ma-
ritima, Anagallis tenella, Ligusticum scoticum, Scilla verna
überall häufig, Erica cinerea, Silene maritima, Draba incana,
Arabis petraea, Pisum maritimum, Carex binervis. Die arkti-
‚sche Vegetation besteht aus folgenden Arten: Alchemilla alpina,
Azalea procumbens, Juncus trifidus und triglumis, Arbutus al-
pina, Saxifraga oppositifolia, Silene acaulis, Arenaria norve-
giea, Cherleria sedoides, Cerastium latifolium, Thalictrum al-
pinum, Saussurea alpina, Carex recurva, Salix herbacea, Rho-
diola rosea.
Balfour und Babington berichteten über die Resultate
einer botanischen Reise nach den Hebriden in der Edinburgher
bot. Gesellschaft (Annals of nat. hist. V. 8. p. 541). Sie unter-
suchten vorzüglich North Uist, Harris und Lewis, wo sie 290
Phanerogamen und 21 vaskulare Uryptogamen fanden. Die
Gebirge des Forest of Harris erheben sich wenigstens zu 3000°
und besitzen doch nur sehr wenige alpine Gewächse, Als
426
characteristische Erzeugnisse dieser Inseln werden erwähnt:
Pinguieula lusitaniea, Thalictrum alpinum, Salix herbacea,
Aira alpina, Saussurea ulpina, Luzula spiecata, Arabis petraea,
Silene acaulis, Juncus balticus und Hymenophyllum Wilsoni
auf der höchsten Felsspitze der Inseln. Auffallend ist die
Menge der Farne, von denen 14 Arten vorkommen, Nur halb
so viel wachsen nach Edmonston auf den Shetlands-Inseln.
Von der zweiten Ausgabe von Sowerby’s English Bo-
tany waren 1840 bereits 332 und vom Supplement sind jetzt
52 Nummern erschienen. — Im Auftrage der botanischen Ge-
sellschaft in Edinburgh wurde ein durch alle neuen Entdek-
kungen vervollständigter Catalog der britischen Flora "von
Balfour, Babington und Campbell herausgegeben (Cata-
logue of British plants 1841). Derselbe enthält 1594 Phane-
rogamen und 55 Farne.
Woodward lieferte ein Verzeichniss von Nachträgen zu
Mann’s Catalog der Flora von Norwich (Annals of nat. hist.
V: 7 p. 201 — 206); Munford einen 722 Phanerogamen zäh-
lenden Catalog des Distriets Marshland im westlichen Norfolk
(daselbst V. 8 p. 171—191); Babington einige neue Bei-
träge zur irländischen Flora (daselbst V. 6 p. 328).
Einzelne Abtheilungen der britischen Flöra wurden in fol-
genden Schriften abgehandelt: 6 }
Wilson, Notes and Notices in reference to British Mu-
seology (Hooker’s Journal of Botany V. 3 p. 374— 387).
Harvey, a Manual of the British Algae. London 1841, 8.
Die Form dieses Handbuchs ist der von Smith’s English Flora
ähnlich. Dasselbe enthält 30 neue Arten. Der Verf. hat die
Algen nicht bloss in Grossbritanien, sondern auch in der war-
men Zone selbst beobachtet und verbreitet sich auch über
Gegenstände, die seinem Werke ein allgemeineres Interesse
verleihen. Unter Anderm spricht er seine Meinung über die
auch in diesem Archiv öfter behandelte Frage nach dem Ur-
sprunge der Sargasso-See aus. Er fand das im offenen Meere
fluthende Sargasso nicht in dichten Massen, sondern streifen-
artig in grosser Länge über den Ocean verbreitet, Ein sol-
cher Streifen war 10—20 Yards breit. Nie habe die Pflanze
zu Sargassum vulgare gehört, wie alle frühern Beobachter
behaupten, sondern stets zu , bacciferum, Die erstgenannte
427
Art wird freilich in vielen tropischen Gegenden an felsigen
- Küsten gefunden, die andern hingegen hat man niemals befe-
stigt gesehen, nur schwimmend auf hohem Meer. ‚Über den
‘ Ursprung derselben weiss man noch immer nichts Bestimmtes,
es ist zwar wahrscheinlich, dass sie losgerissen wird, aber
keine der an den Kisten vorkommenden Formen, von denen
H. so viele systematisch untersucht hat, entspricht dem Sar-
gasso genau. Dass es auf hohem Meere indessen vegitirt und
Äste bildet, ist gewiss: zerreissen diese durch die Bewegung
des Meers, so kann die Zahl der Individuen dadurch unend-
lich vermehrt werden, aber Früchte tragen sie niemals. End-
lich stellt H. die Hypothese auf, dass $, baceiferum vielleicht
nur eine oceanische und unfruchtbare Varietät von S. vulgare
sein möchte; denn ganz ebenso verhielten sich die britischen,
auch nur im schwimmenden und sterilen Zustande gefundenen
Fucus Mackayi und F. balticus zu ihren Stammeltern: F. no-
dosus und F, vesiculosus. — In einer Recension des Haryey-
schen Werks theilt Sir W. Hooker die interessante Notiz mit,
dass die Naturforscher der letzten Südpolarexpedition die Kü-
sten des neuen Continents in jener hohen Breite völlig von
Algen entblösst fanden.
Berkeley setzte seine Beiträge zur britischen Mykologia
fort (Annals of nat. hist. V. 6 p. 355—365 und p. 430—439).
Watson las in der Edinburgher botanischen Gesellschaft
über die geographische Verbreitung der britischen Farne (Ann.
of nat. hist. V. 7 p. 213). Er nimmt an, dass ihre Zahl sich
zu der der Phanerogamen wie 1:35 verhält. Dasselbe Ver-
hältniss ergebe sich aus den britischen Localfloren. Dagegen
schwanke es auf benachbarten Inseln und Continenten zwischen
1:25 und 1:67.
Von systematischen Arbeiten über die niederländische
Flora sind zu erwähnen:
Van Hall, nieuve Bydragen tot de Nederlandsche Flora
(in v. d. Hoeven’s Tijdschrift 1841 S. 203). Enthält Nach-
träge zu des Verf, Flora Belgii septentrionalis.
Von Miquel’s Flora batava, einem Kupferwerke nach
dem Muster der English Botany, erschien die 125. Aflevering.
Die Lieferung enthält 5 Kupferplatten,
Van den Bosch, Enumeratio plantarım Zeelandiae
428
Belgicae indigenarum (in v. d. Hoeven’s Tijdschrift 14841,
S.1— 55). e
Dozy Bydragen tot de Flora leidensis (daselbst S. 260).
Aufzählung der Laub- und Leber-Moose,
Für das Gebiet der deutschen Flora sind zuerst wieder
als die thätigsten Förderer von deren Systematik Koch und
Reichenbach zu bezeichnen. Koch setzte seine Nachträge
zur Synopsis Florae germanicae auch im verflossenen Jahre
fort (Regensburger Flora 1841 S. 417, 513). Von Reichen-
bach’s Icones Florae germanicae erschien die fünfte Cen-
turie, welche die Callitricheen, Euphorbiaceen, Empetreen, Ru-
taceen, Zygophylleen, Coriaceen, Hippocastaneen, Staphylea-
ceen, Acerineen, Malvaceen, Geraniaceen und den grössten
Theil der Alsineen enthält. Von der bei Hofmeister unter
Reichenbach’s Aufsicht herauskommenden Flora Germaniae |
exsiccata war im Jahre 1840 die achzehnte Centurie vollendet. |
Ein die norddeutsche Flora grösstentheils umfassendes Kupfer-
werk ist die Flora borussica von A. Dietrich, von welcher
bis jetzt 9 Bände mit 648 Kupfertafeln erschienen sind.
Langmann publieirte eine Flora der beiden Grossher-
zogthümer Mecklenburg (Neustrelitz 1841. 8). In der Einlei-
tung. behandelt Brückner einige pflanzengeographische Ver-
hältnisse; er unterscheidet in Mecklenburg 5 Vegetationsgebiete
rücksichtlich des Bodeneinflusses, indem er characteristische
Gewächse für den Haide-, Sand- und den Weizen tragenden
Boden, so wie für die Elbufer und die Küste der Ostsee
aufzählt.
. Von A. Dietrich ist die erste Hälfte einer Flora mar-
chica herausgegeben (Berlin 1841. 8), doch soll nach v. Schlech-
tendal’s Zeugniss die Vegetation der Mark Brandenburg noch
keineswegs genau untersucht sein.
Göppert lieferte einen 750 Phanerogamen enthaltenden
Catalog der bei Altwasser‘ unweit Schweidnitz gefundenen
Pflanzen (in Wendt’s Beschreibung der Heilquellen zu Alt-
wasser 1841. 8). Die von @. für das Riesengebirge angenom-
menen Pflanzenregionen weichen von denen, die Wimmer fest-
stellte (s. vor. Jahresbericht), bedeutend ab. @. hat zuerst
eine Region der Ebene bis 1000; diese begrenzt W. erst bei
4500‘, indem er die Verbreitung der Eiche und Kiefer dabei
429
zu Grunde lest. Die Region des Vorgebirgs bei G. entspricht
rücksichtlich der obern durch das Auftreten des Krummholzes
bestimmten Grenze dem mittlern Pflanzengürtel W.'s. Den obern
Gürtel desselben theilt @. mit Recht in die Region des Krumm-
holzes (3600°— 4400') und in die baumlose, subalpine Region
oberhalb 4400‘. Bei der Willkührlichkeit solcher Bestimmun-
gen erscheint es zweckmässiger, von den Verbreitungsbezirken
einzelner Characterpflanzen auszugehen und aus diesem Grunde
dürfte W.’s Eintheilung für die untern Regionen Schlesiens den
Vorzug verdienen.
Die Flora des Bienitz von Petermann (Leipzig 1841 16)
ist der Pflanzencatalog eines kleinen Waldes in der Gegend
von Leipzig, der wegen seines coupirten Terrains durch Man-
nigfaltigkeit der Vegetation sich auszeichnet, indem: daselbst
784 Phanerogamen gefunden sind.
Hampe lieferte einige Nachträge zu seinem Catalog der
Harzflora (Linnaea 4841 S. 377); Böckeler schrieb über
einige im Oldenburgschen vorkommende Gewächse (Regens-
burger Flora 1841 5.210); Arendt publicirte einen zweiten
Nachtrag seiner Scholia Osnabrugensia, worin zu Meyer’s
Chloris hanoverana Standorte Osnabrück’scher Pflanzen hin-
zugefügt werden.
Müller gab eine Flora Waldeccensis et Itterensis heraus
(Brilon 1841 8). Deren Gebiet umfasst namentlich die höhern
Erhebungen des Westerwalds, dessen Vegetation bisher wenig
untersucht war und bei einer mittlern Höhe von mehr als
2000° manches Eigenthümliche erwarten lies. Einige seltenere
Pflanzen dieser Gegend sind: Allium strietum bei Wildungen,
Lilium bulbiferum, Thesium alpinum, Lonicera nigra, Valeri-
ana sambücifolia, Thlaspi montanum (wahrscheinlich ist es
Thl. alpestre), Aconitum Napellus. — Strehler gab eine
Übersicht der um Ingolstadt wildwachsenden phanerogamischen
Pflanzen (Ingolstadt 1841).
Von Localbeobachtungen im Rheingebiete wurde im vori=
gen Jahre Mehreres publieirt: eine Flora bonnensis von
Schmitz und Regel (Bonn 1841 8) nebst einer Einleitung
über die topographischen Verhältnisse der Umgegend von Bonn
und einer Vergleichung der Vegetation mit der von Breslau;
eine Flora des Regierwngsbezirks Coblenz vom Wirtgen
430
(Coblenz 1844); die schon im -vorigen Jahresberichte erwähn-
ten Beiträge zur Oharacteristik der Flora des Nahethals von
Bogenhard (Regensb. Flora 1841 S.145), wo etwa 1800’
hohe Gebirgskuppen auf dem kahlen Gipfel nicht selten mit
einer dichten Vegetation von Digitalis lutea, grandiflora und
Ppurpurea, auch mit hybriden Formen untermischt, bekleidet }
sind; Bemerkungen über einige seltenere Pflanzen des Mittel-
rheins von Bach (Regensb. Flora 1841 S. 715); ein Catalog |
der in der Rheinpfalz gefundenen Phanerogamen von König
(der botanische Führer durch die Rheinpfalz. Mannheim 1841, 8),
Reissek schrieb Beiträge zur Flora Mähren’s (Regensb,
Flora 1841 S. 673). Beobachtete Pflanzengrenzen sind: (le-
matis integrifolia aus Ungarn und Österreich auf den March-
wiesen bis Hradisch; Cimieifuga foetida im mährischen Mittel-
gebirge bei Slaup; Dentaria glandulosa aus dem. nördlichen
Ungarn durch die schlesischen Carpaten bis zu den Gebirgen
des Prerauer Kreises im nördlichen Mähren und von da west-
lich bis zum Gesenke; Trimia Kitaibelii aus Ungarn bis zur
Bojanowitzer Haide zwischen Göding und Mutenitz in der
Nähe der March; Conioselinum Fischeri auf den Felsen des
Carlsdorfer Hochfalls; Zryngium planum auf den Marchwie-
sen; Erythraea linarüfolia aus Ungarn an der March und
Thaia bis Nikelsburg und Muschau; Zurotia ceratoides C. A.M.
bei Znaim. — Auf einzelne Localitäten beschränkte Selten-
heiten der mährisehen Flora sind: Ceratocephalus beide Arten
bei Selowitz; Aconitum Anthora bei Znaim; Xanthium spino-
sum, Verbascum rubiginosum, Orobanche coeruleseens und pro-
cera, Thesium divaricatum, Gagea pusilla.
Von Sailer ist eine Flora Oberösterreichs (Linz 1840, 8)
herausgegeben, bei deren Benutzung die critischen Bemerkun-
gen von Brittinger (Regensb, Flora 1842 Litt. S. 12) nicht
zu übersehen sind. Sauter lieferte Beiträge zur Kenntniss
der Pilze des Oberpinzgaues im Salzburgschen (Regensburger
Flora 1841 S. 305). Von localem Interesse sind die botani-
schen Wanderungen durch die steierischen Alpen von v. Wel-
den (daselbst S. 241).
Das Gebiet der Schweizer-Flora behandeln:
Lagger, neue Entdeckungen im ‚Canton Tessin (Regens-
burger Flora 1841 S. 129).
de
431
Nägeli die Cirsien der Schweiz (Neue Denkschriften der
Schweiz. Gesellschaft für Naturwissenschaft Bd. 5), Diese
scharfsinnige Abhandlung enthält einen’ besondern Artikel über
die geographische Verbeitung der Cirsien, allein da der Verf.
von eigenthümlichen Ansichten über den Speciesbegriff ausgeht
und namentlich verschiedene Arten nicht selten schon deshalb
für Varietäten hält, weil sie nicht auf gleichem Standorte oder
neben einander gefunden werden, so lassen sich seine Resul-
tate nicht wohl mit den hergebrachten Begriffen vereinigen.
Über die französische Flora sind uns im vorigen Jahre
keine besondern Publikationen bekannt geworden. Desma-
zieres fuhr fort die neuerlich in Frankreich aufgefundenen
Cryptogamen abzuhandeln (Ann. sc. natur. V. 15 p. 129—146).
Von Schultz Flora Galliae et Germaniae exsiccata waren
schon im Jahre 1840 vier Centurien ausgegeben.
Von Boissier’s Kupferwerk über die Flora von Gra-
nada (s. vor. Jahresbericht) sind jetzt 20 Lieferungen erschie-
nen). Der Catalog reicht damit schon bis zur Mitte der Gra-
mineen und enthält 1743 Nummern. Leider ist der interessante
Reisebericht, von dem viele pflanzengeographische Resultate zu
erwarten sind, noch nicht weiter fortgesetzt. Die Ergebnisse
der systematischen Abtheilung werden wir erst nach der Voll-
endung derselben zusammenstellen.
Von Bertoloni’s Flora italica ist der vierte Band
vollendet (Bologna, $.), der bis zum Schlusse der zehnten Olasse
des Sexualsystems reicht, Seitdem ist auch das erste Heft
des fünften Bandes herausgekommen.
Schouw legte der dänischen Gesellschaft der Wissen-
schaften eine Abhandlung über die Verbreitung der italieni-
sehen Coniferen vor (Oversigt over det-Selskabs Forhandlinger
i Aaret 1841). Nach den Regionen vertheilen die Species sich
folgendermassen: 1) Immergrüne Region: Pinus Pinea, Pina-
ster, halepensis; Juniperus Oxycedrus, phoenicen, Cupressus
sempervirens. An der Grenze dieser Waldregion P. brutia
Ten. Mit den obern Regionen gemeinsam Jun. communis,
und Orycedrus. 2) Waldregion: P. Laricio, sylvestris, Abies,
Picea, Laric, Cembra; Juniperus Sabina, Taxus baccata,
3) Subalpine Region; Pinus Pumilio und Juniperus nana.
% “nr n
42
Parlatore publicirte Bemerkungen über einzelne italieni-
sche Pflanzen (Ann. se. natur. V. 15 p. 294).
Die Moose der römischen Flora wurden von der Gräfin
Fiorini-Mazzanti untersucht (Speeimen Bryologjae roma- |
nae, Romae 1841 8); die Lebermoose Toscana’s von Raddi |
(Jungermanniographia etrusca, Bonnae 1841).
Bertoloni beschrieb eine botanische Reise nach den
nördlichen Apenninen (Iter in Apenninum bononiensem. Bonon.
4841 4). Ich kenne diese Schrift nur aus der Recension in
der Linnaea. Hier wird angegeben, dass Bertolini in diesem
Gebirge, wo der Corno alle Scale sich zu 5963 erhebt, drei
Regionen unterscheidet, die der Castanie, der Buche und die
baumlose Region, an deren Nordabhang sich der Schnee oft
bis in den Sommer erhält. In dieser alpinen Region findet
man gegen 200 Pflanzenarten: allgemein verbreitet sind daselbst
Nardus strieta und Vaccinium Myrtillus.
In der zweiten Ausgabe von des Grafen Marmora Werk
über Sardinien (Voyage en Sardaigne, 2 Vol. 8. Turin 1839.
4840) ist eine pflanzengeographische Characteristik diesel Insel
enthalten.
Von Biasoletto ward eine Beschreibung der Reise des
Königs von Sachsen in Dalmatien herausgegeben, der ein Ca-
talog der gesammelten Pflanzen angehängt ist (Relazione del
Viaggio fatto nella primavera dell’ anno 1838 dalla Maestä
del Re Frederico Augusto di Sassonia nell’ Istria, Dalmazia
e Montenegro. Trieste 1841 8). Da im gegenwärtigen Jahre
der erste Band der Flora dalmatica von Visiani herausgekom-
men ist, so scheint es angemessen den Bericht über unsere
gegenwärtigen Kenntnisse von der Dalmatischen Flora noch
aufzuschieben.
Die in Griechenland gebauten Culturgewächse sind aus-
führlich, jedoch ohne systematische Specialuntersuchung, von
Fiedler dargestellt (Reise durch Griechenland, Leipzig 1840,
4841 2 Bde. 8). Hier werden auch die griechischen Holzge-
wächse aufgezählt, doch ohne strenge Sonderung der einhei-
mischen und acclimatisirten. Diese Arbeit scheint die Nach-
richten von Sibthorp und von der französischen Commission
nicht wesentlich zu erweitern.
Von Sibthorps Flora graeca war unter Lindley’s-
ä #
433
Redaction 1840 der zehnte Band erschienen, den ich indessen
noch nicht gesehen habe. Hiemit ist dieses Werk, welches die
grösste Zierde der botanischen Iconographie bildet, ohne Zwei-
fel ganz vollendet, da jeder Band 100 Tafeln enthält und nach
den Citaten des Prodromus florae graecae die letzte Tafel die
966ste ist, welche Cheilanthes suaveolens darstellt.
Auf dem Vegetationsgebiete des südöstlichen Europa habe
ich meine eignen Arbeiten zu erwähnen, die in der rumelischen
Reisebeschreibung enthalten sind. Durch die Verbreitung der
immergrünen Vegetation‘ zerfällt die Flora der europäischen
Türkei in zwei elimatische Provinzen, deren Grenzen ich mög-
lichst genau zu bestimmen versucht habe. Bosnien, Serbien
und die bulgarisch-wallachische Ebene, die zwischen den Car-
pathen und dem Balkan zum schwarzen Meere sich ausdehnt,
besitzen keine immergrünen Formen und bilden daher die mit-
teleuropäische Provinz der rumelischen Flora. Südeuropäische
Gewächse zeigen sich am schwarzen Meere zuerst bei Varna
am östlichen Abhange des Balkan. Von hier aus bildet eine
immergrüne Region überall den Küstensaum des Landes, die
mit ihren südlichen Culturgewächsen nur an wenigen Puncten
tief in das Innere von Rumelien einschneidet, weil die Gebirge
und Hochebenen der weitern Verbreitung solcher Gewächse
entgegenstehen. In Thracien und Macedonien reicht oft schon
eine Meereshöhe von 1200’ hin, um die Cultur des Ölbaums,
um die immergrünen Eichen von den vegetabilischen Erzeug-
nissen des Bodens auszuschliessen. Die Thäler der Maritza
in Thracien und des Vardar in Macedonien sind tief gelegene
Einsehnitte in dieses gebirgige Land, in denen die Reiscultur
bis zum 42° N. Br. reicht. Aber am obern Vardar findet man
in dieser Breite die immergrünen Sträucher der Küste nicht
mehr, wiewohl das Becken von Ueskueb nur 5-- 600° über
dem ägäischen Meere liegt. Hier drückt die Kälte des Win-
ters der Vegetation auch in der Ebene das Gepräge höherer
Breiten auf. Ähnliche Verhältnisse zeigen sich auch noch an
der Westseite des Scardus im nördlichen Albanien, wo das
tief gelegene Becken des weissen Drin zwischen dem Scardus
und Bartisens (den Alpen von Ipek) die Formen der heissen
Region von Dalmatien nicht mehr besitzt, die doch an der
nordalbanischen Küste gegen 1500' zu einem ungefähr doppelt
Archiv #, Naturgeschichte, VIII. Jahrg, Bd. 2. be
u +
“ 2
434
so hohen Niveau ansteigen. Denn in. dem Drinbecken liegt |
Prisdren nur 700° über dem adriatischen Meere. Für die süd-|
lichen Provinzen von Rumelien, die ich nicht selbst bereist }
habe, suchte ich die Verbreitung der inmergrünen Sträucher
und der Olivencultur nach literarischen Quellen zu bestimmen
(Bd.2 S. 369— 373), in Thracien, Macedonien und Nordalba- !
nien habe ich diese Grenze meistentheils selbst zu beobachten
Gelegenheit gehabt.
Während der Flussschifffahrt auf der untern Donau fielen
mir einige hervorstechende Eigenthümlichkeiten der dortigen
Flora auf, über die wir fast nur den Catalog von Czihak
als allgemeinern Anhaltspunet besitzen. Dahin gehört die
grosse Verbreitung von Eichensträuchern mit abfallendem
Laube, die schon an den Donauufern im Bannat und Serbien
zu, bemerken ist und die für die ganze Flora von Rumelien
eine grosse Bedeutung hat. Die auf diese Weise sociell über
weite Strecken vereinigten Arten sind verschieden, aber ihr
physiognomischer Typus ist derselbe: Albanien besitzt Quer-
cus pubescens, Macedonien und Thracien R. Zsculus und @.
apennina, Bithynien @. infectoria, überall finden sich auch
Formen von @. pedunculata. Au der Donaumündung werden
die zahlreichen Inseln des Delta oft durchaus von Arundo
Phragmites bedeckt, einer Grasart, die schon in Ungarn ein
viel grösseres Wachsthum. zeigt, als im westlichen Europa.
Es ist auffallend, dass dieselbe Formation auch am caspischen
Meere, namentlich im Delta der Wolga, in ähnlichen grossen
Vegetationsmassen auftritt, worüber Erman einige Nachrich-
ten mittheilte (Archiv für Russland 1841 S.109) und es zu-
gleich wahrscheinlich machte, dass diese Schilfwälder auch dort
aus Arundo Phragmites gebildet werden. Ich mache hier auf
einen historischen Irrthum aufmerksam , der leicht falsche Be-
griffe über die Flora der untern Donawänder hervorrufen
könnte, Bekanntlich hat Willdenow viele neue und seitdem
meist wenig bekannter gewordene Pflanzen von Sestini publi-
eirt und mit dem Vaterland Galatia bezeichnet. Dies sind
entschieden südlich orientalische Formen. Sprengel behauptete,
diese Pflanzen seien bei Galacz an der untern Donau gesam-
melt. Der Catalog der Moldaupflanzen von Czihak enthält
keine derselben und trägt überhaupt das Gepräge der mittel-
F ine:
. europäischen Flora. In den Quellen nachforschend erhielt ich
die Gewissheit, dass Sprengel sich geirrt hat und dass jenePflanzen
ungefähr im Centrum von Kleinasien auf der‘ Reise nach Bas-
sora von Sestini gesammelt sind: hier nennt er das Gebirge
Aladagh ausdrücklich den Olympus Galatiae. Hiernach ist das
Vaterland Maesia in Sprengel’s Systema Vegetabilium überall
zu berichtigen. Die beiden für Pflanzengeographie wichtigen
Reisebeschreibungen Sestini’s, die eine aus dem Jahre 4781
_ von Constantinopel nach Bassora, die andere aus dem Jahre
1779 von Constantinopel nach Bukarest scheinen wenig be-
kannt geworden zu sein.
In Albanien habe ich den nördlichen Theil von der mace-
donischen Grenze bis Scutari und von da nach der Küste von
Dalmatien durchreist und den botanischen Character dieses
Landstrichs beschrieben. Die Küste stimmt im Allgemeinen
ganz mit Süd-Dalmatien überein, sie wird durch denselben
nackten, harten, wild zerrissenen Kalkstein der Kreideformation
gebildet, der eine sehr mannigfaltige Vegetation von im Spät-
sommer verdorrten Felspflanzen ernährt. Die feuchtern Loca-
litäten sind bei Antivari mit Myrtus communis, die dürrsten
Steingefilde mit der sociellen PAlomis fruticosa bewachsen.
Meistentheils erhebt das Land sich rasch nach Osten und so
reicht auch diese Vegetation nicht weit. Jm nördlichsten Theile
Albaniens ist es der über 8000° hohe Bertiscus, der die Kü-
stenflora, die im Becken von Scutari noch sich ausbreitet, be-
grenzt: die Vegetation jenes weitläuftigen Alpengebiets ward
nieht von mir untersucht, doch ist sie nach den Sammlungen
v. Friedrichsthal’s mit der des Scardus sehr übereinstimmend.
' Südwärts vom Drin ‘wird Nordalbanien von einem grossen
Mittelgebirge ausgefüllt, das bei den Alten Candavien hiess
und 2— 3000‘ hoch ist. Dies Gebirge durchreiste ich vom
Fusse des Seardus bis zur Küste, also in der ganzen Breite
von Albanien, und fand es beinahe durchaus von Eichenwäl-
dern bedeckt (Quercus pedunculata var. brutia, Cerris, einzeln
auch A. Aegilops, Acer tataricum); diese Wälder sind an
der Küste durch eine scharfe Niveaulinie von der immergrü-
nen Region getrennt, wo Quercus suber und pubescens vor-
kommen. Nur die höchsten Erhebungen Candaviens besitzen
über ‚dem Eichenwalde noch eine aus Pinus brutia gebildete
Ee*
435
436
Coniferenregion, in welcher Gesträuche von Rhamnus alpina
auftreten. i
An der Grenze von Albanien und Macedonien habe ich
der botanischen Untersuchung des Scardus mehrere Reisen
gewidmet. Die untere Region dieses alpinen Gebirgszuges ist
unter dem 42° N. Br. über einer Basis von 7— 900° bis zu
einer Höhe von 2800‘ grossentheils von Eichensträuchern mit
abfallendem Laube bewachsen (@Quercus Esculus, apennina
nebst Corylus Avellana und Ostrya). Isohypsil sind die Ca-
stanienwaldungen, die nördlich von Calcandele den Ostabhang
des Scardus bedecken. Die zweite Region (2800°— 4500’)
ist gewöhnlich bewaldet und reicht bis zur Baumgrenze, die
hier in Ermangelung des Nadelholzes ungemein tief liegt. Die
Wälder bestehen aus Eichen (Quercus pedunculata var, brutia
Ten.) oder Buchen (Fagus sylvatica). Die alpine Region ist
durch Mangel an Sträuchern ausgezeichnet, sie ist gewöhnlich
mit einer kurzen, trocknen Grasnarbe und mit Alpenkräutern
bewachsen, die ziemlich mannigfaltig sind und manche endemi-
sche Formen enthalten. Das Substrat ist abwechselnd Glim-
merschiefer und Kalkstein. Mitunter kann man nach vorherr-
schenden Bestandtheilen der alpinen Flora mehrere Pflanzen-
gürtel in derselben unterscheiden: so an der Ljubatrin, dem
nördlichsten Vorgebirge des Scardus, wo der untere Gürtel
durch Paronychia serpyllifolia chavacterisirt von 4360‘ bis
6200, der mittlere mit Dryas octopetala bekleidet bis 7300'
reicht und der oberste (— 7900‘) reich an Saxifragen ist. In
der Nähe der Baumgrenze halten sich einige Pflanzen, die den
Anfang der alpinen Formen bezeichnen, namentlich Veratrum
und Bruckenthalie. Am südlichen Scardus habe ich den 7237‘
hohen Peristeri bei Bitolia bestiegen: Dieser Berg ist fast
ganz unbewaldet und zeigt deshalb viele Eigenthümlichkeiten
in seiner Pflanzenbedeckung. Die mitteleuropäische Region -
erstreckt sich von der 1400° hohen Basis bis 5200’. Grosse
Flächen sind in dieser Region dicht mit Pteris aquilina be-
wachsen, der übrige Raum ist theils durch Wiesen und Äcker,
theils durch Gesträuche von Juniperus Oxycedrus und Pinus
Cembra fruticosa, im obersten Theile auch von Juziperus com-
munis und Vaceinium Myrtillus ausgefüllt. Nur die Forma-
tion des Oxycedrus ist pflanzenreich zu nennen : ausser neuen,
endemischen Arten wachsen hier z. B. Hypericum barbatum,
Alsine verna, Trifolium alpestre, Potentilla Tommasü, Sedum
saxatile, Betonica Alopecuros, Achillea pubescens und odorata,
Phyteuma limonifolium, Lasiagrostis Calamagrostis. Bei 5200'
beginnen Alpenwiesen mit zahlreichen Repräsentanten alpiner
Pflanzengruppen, niedrige Gesträuche von Druckenthalia und
Juniperus nana, aber auch einzelne Stämme von Pinus Cem-
bra, die bei 5800° wieder aufhören. Nach dem Gipfel zu ver-
schwinden allmälig die üppigen, feuchten, humusreichen Wie-
sen, eine dürftige, rupestre Formation bekleidet den Granit,
von welcher auf der höchsten Kuppe nur noch Juniperus
nana, Luzula spicata und Seleranthus perennis übrig bleiben.
Die westmacedonischen, ringförmig von hohen Gebirgs-
mauern umschlossenen Ebenen, die den grössten Theil des
Landes vom Scardus bis zum Vardar einnehmen, sind fast
durchaus eultivirt ünd ergeben daher für pflanzengeographische
Untersuchung wenig entschiedene Thatsachen. Sie besitzen
keine immergrüne Sträucher, ihre Physiognomie ist auch bei
Bitolia mitteleuropäisch. Selbst die Platane, die im östlichen
Rumelien überall die Wohnungen des Menschen begleitet, ver-
breitet sich nur bis zum Vardar und hat bei Köprili ihre West-
grenze: von da treten Weiden und Pappeln an ihre Stelle.
Die vorzüglichsten Getraidearten in diesen grossen Cultur-
ebenen sind Weizen, Roggen, Mais und an geeigneten Orten
Reis, im Süden auch Baumwolle.
Im Südosten der Üzernaebene oder des alten Pelagonien
habe ich den alpinen Gebirgsstock des Nidge untersucht. Die-
ser gegen 6000' hohe Berg ist bis zur Baumgrenze (4400')
bewaldet und zeigt daher schärfer abgesonderte Pilanzengürtel,
als der gegenüberliegende, nur durch das erwähnte Tiefland
davon getrennte Peristeri. Der untere Waldgürtel des Nidge
wird durch @Quereus Cerris gebildet (1245' —2650'), hierauf
folgt eine schmale, äusserst pflanzenreiche Gesträuchregion
(2650 — 3000), wo Juniperus Oxycedrus an den sonnigen
Abhängen zerstreut oder auch in dichtern Gruppen vorkommt
in Gesellschaft von Daphne glandulosa. Sodann folgt die
obere Waldregion, aus Fagus gebildet (3000' — 4400'), in wel- -
cher die Marmorblöcke schon mit Saxifragen bewachsen sind.
Isohypsil mit der Buche ist am Westabhange des Bergs Pinus
437
438 )
uncinata der Waldbaum. Die alpine Region, die ich bis 5540’
untersucht habe, stimmt mehr mit der des Peristeri überein.
Verschieden von den westmacedonischen Ebenen ist die
Vegetation im Delta des Vardar, wo der Boden salinische
Theile enthält und die Litoralebene an einigen Orten beinahe
Steppencharacter annimmt. Hier sind wüste Strecken mit 7a-
marix gallica oder mit annuellen Gräsern bewachsen. Ähn-
lich, jedoch nicht salinisch, verhält sich ein grosser Theil des
thraeischen Küstenlandes am Marmormeer. Namentlich wird
Constantinopel selbst von einer Steppe umschlossen, die das
socielle Poterium spinosum bekleidet, eine Vegetation, die den
auffallendsten Gegensatz gegen die Gärten und reich bebauten
Hügelabhänge am Bosporus bildet.
Mittelländische Küstenflora, reicher an Arten als Indivi-
duen, gedeiht an’ den nackten Glimmerschieferhügeln, die von
Chaleidice aus gegen die Bai von Salonichi abfallen. Immer-
grüne Gesträuche dieser Region bestehen aus Quereus cocci-
‚Fera oder Cistus monspeliensis, Berggehänge sind nicht selten
mit Pteris aquilina bewachsen, wüste Gefilde mit Peganum
Harmala oder Marrubium peregrinum, bei 1200' liegt in Chal-
cidice die obere Grenze der Öoccuseiche. Dann beginnen die
Wiesen der Hochebene, die Buchen- und Eichenwälder (@Quer-
cus pedunculata var. brutia), die den Cholomonda, den Ge-
birgsknoten dieses Landes bedecken. Der Athos, das Vorge-
birge der Landzunge Hajion-Oros, erhebt sich zu höhern Re-
gionen, indem er selbst den Nidge an Höhe übertrifft (6438).
Dieser Berg ist nach ‘dem gegenwärtigen Standpuncte der
Kenntniss bei Weitem die reichste Fundgrube für den Bota-
niker in ganz Rumelien, seine Lage ist eigenthümlich und so
scheint er sogar endemische Pflanzen zu besitzen, viele hat
man wenigstens bisher sonst nirgendwo angetroffen. Hajion-
Oros hat eine äusserst üppige immergrüne Gesträuchregion,
die bis auf schmale Saumpfade die ganze Halbinsel bis zu
einer Höhe von 1200’ dicht bedeckt. Verschiedene Sträucher
sind hier gemischt, die ungewöhnlich hoch bis zu 15’ empor-
wachsen: die häufigsten sind Arbutus Unedo, Quercus Ilex,
- Cistus salvifolius, C. villosus, Erica arborea, Spartium junceum,
Cahyeotome villosa und Anthyllis Hermanniae. Ungeachtet des
dichten Wachsthums dieser Gesträuche sind die vegetabilischen
439
Erzeugnisse dieser Region höchst mannigfaltig. Aypericum
olympicum ist eine’ gewöhnliche Pflanze auf steinigem Boden;
an den Abhängen des Athos, wo. durch das Gerölle dieser
steilen Marmorpyramide die Humusbildung beschränkt wird,
tritt an die Stelle des immergrünen Dickichts eine Formation
von Euphorbiasträuchern (EZ. spinosa und Characias), _Der
zweite Pflanzengürtel (1200'— 2000‘) gehört zur Waldregion,
aber er enthält hier noch viele immergrüne Formen, indem
namentlich Auercus Ilex und Q. coccifera hier höher in das
Gebirge als anderswo in Rumelien ansteigen. Dieser untere
Waldgürtel hat keinen einfachen Baumschlag, es ist ein Misch-
wald aus Castanea, Pinus Picea, Quercus pedunculata und Ilex.
Er enthält auch Lex Ayguifolium, an Gesträuchen Auscus aculea-
tus und HAypoglossum, auch zeichnet er sich durch schöne
Lianen aus (Tamus cretica, Smilax nigra). Der folgende Wald-
gürtel am Athos (3000'— 3500), isohypsil mit der Buche in
andern Gegenden der Halbinsel, wird dadurch gebildet, dass
Quercus pedunculata sich von den übrigen Baumarten ausson-
dert und jetzt den Wald allein zusammensetzt. Darüber ver-
breiten sich die Coniferen, wiederum in zwei gesonderten
Waldgürteln. Der untere (3500’—4500') besteht aus Pinus
Laricio, der obere (4500' — 5250 aus ?. Picea, die hier den
höchsten Wald bis zur Baumgrenze bildet, nachdem sie von
3000'—4500' ganz verschwunden war. An der Grenze beider
Coniferengürtel liegt die pflanzenreiche Felsplatte von Panajia,
deren vorherrschende Pflanzen Zerberis eretica, Astragalus
angustifolius und Asphodeline lutea sind. Über der Baum-
grenze bietet der Atlıos ein Chaos von Marmorblöcken an dem
steilen Abhange dar: unter den alpinen Gewächsen dieser Re-
gion bemerkt man vorzüglich Saxifragen, Cruciferen und
Euphorbien, unter den wenigen in Felsritzen verborgenen
Sträuchern: Prunus prostrata, eine Rose und eine Daphne noch
auf dem höchsten Gipfel des Bergs,
Auf der dem Athos gegenüberliegenden Insel Tassos und
au den thraeischen Küsten am ägäischen Meer ist zwar auch
eine reiche Ausbeute zu erndten, aber dem Hajion-Oros steht
deren immergrüne Region doch an Mannigfaltigkeit bei Wei-
tem nach. Das häufigste Gesträuch ist hier Auerous coceifera,
oft mit Paliurus oder mit Cistus villosus vereinigt. Nur eine
440
Reihe von Küstenpwfeten habe ich untersucht. Eine reiche
Erndte an eigenthümlichen Pflanzen verschaffte mir auch das
„Niedrige Plateau des Chersones oder der Tekirdagh. Hier
treten die immergrünen Sträucher auf einem grossen Raume,
der von der Mündung der Maritza bis zum Bosporus reicht,
ganz zurück. Diese Erscheinung ist schwierig zu erklären,
indem an beiden Endpuneten dieser Küstenlinie, in Bithynien
und am Litoral der Rhodope die immergrüne Formation fast
aus denselben Bestandtheilen gebildet wird. Dies ist doch
wahrscheinlich die Wirkung einer sterilen, quellenarmen Thon-
schieferformation, die das ganze Nordgestade des Marmor-
meers bis zu den Ausläufern des Balkan zusammensetzt. Die-
ser Mangel an den characteristischen Formen der mittelländi-
schen Flora giebt dem ganzen östlichen Thracien eine nörd-
lichere Physiognomie, die, wie die bithiynische Flora beweist,
von climatischen Einflüssen unabhängig ist. So bestehen die
Gesträuche bei Rusköi aus Eichen mit abfallendem Laube, aus
Ostrya und Juniperus Oxycedrus; eine sehr: verbreitete For-
mation wird durch einen geselligen Traganth-Astragalus (A.
thracieus m.) gebildet; Gehölze bei Rodosto enthalten @xercus
pedunculata, Acer campestre, Cornus mascula, Populus nigra,
Pyrus salicifolia, Fraxinus Ornus, verschlungen mit südlichen
Lianen Smelnz aspera, Tamus communis und Vitis vinifera:
denn hier ist der Weinstock einheimisch wie in Griechenland
und in der Krim. Den grössten Raum des Landes aber neh-
inen baumlose Ebenen ein, die, spärlich beackert, nur als
Veideland mit wenig Erfolg genutzt werden: denn. es fehlt
die dichte Grasnarbe, Malva, Anthemis und Sinapis enthalten
socielle Arten, die auf der Fläche von Heraelea sehr‘ ver»
breitet sind.
Auffallend ist die Üppigkeit‘ der bithynischen‘ Flora im
Gegensatz zu den thraeischen Einöden. Grosse Landstrecken
sind mit immergrünen Sträuchern bekleidet: Zrica arborea,
Arbutus Unedo und Andrachne, Laurus nobilis, Phillyrea lati-
folia, Quercus coccifera und infeetoria, Cistus villosus und sal-
vifolius, denen sich in den nicomedischen Wäldern erst A4o-
dodendron ponticum anreiht. Grosse Niederungen bei Brussa
und am Meerbusen von Modania sind mit Oliven oder Maul-
beer-Bäumen bepflanzt. Am Olymp, der sieh zu einer Höhe
441
von 6920’ erhebt, besteht der untere Waldgürtel aus Castanea,
mit immergrünen Gesträuchformen; die mittlere Region 2500’
bis 4600') ist gleichfalls bewaldet von Pinus Laricio und Picea.
Isohypsil mit diesen Coniferen tritt in Bithynien auch die
Buche auf.
Der im vorigen Jahresberichte geäusserte Wunsch, dass
die Sammlungen orientalischer Pflanzen von Aucher-Eloy
zusammenhängend bearbeitet werden möchten, ist nun schon
auf zwiefache Weise in Erfüllung gegangen. Nicht bloss, dass
Graf Jaubert sich mit Spach verbunden hat, ein Kupfer-
werk nach diesen und andern Materialien herauszugeben, son-
‚ dern auch Boissier, der vorzügliche Kenner der Gewächse
des mittelländischen Beckens, hat selbstständig begonnen, die
sämmtlichen Eloy’schen Pflanzen synoptisch zu bearbeiten. Die
bisher erschienenen Theile dieser Arbeit setzen durch die
Menge der neuen Entdeckungen in das grösste Erstaunen,
besonders rücksichtlich der Cruciferen, die jedoch erst in die-
sem Jahre erschienen sind. In den Annales des sciences natu-
relles für 1841 finden sich jedoch schon die Charactere von
nicht weniger als 11 neuen Gattungen aus dieser so genau
studirten Familie; der grösste Theil derselben ist sehr natür-
lich, nur einige sind aus den allgemein angenommenen Grund-
sätzen über die Gliederung der Cruciferen hervorgegangen
und würden, wenn man diese aufgäbe, nicht bestehen. Über-
sicht der 1841 daselbst aufgezählten und beschriebenen Arten:
93 Ranunculaceen. Merkwürdige Formen: Thalietrum isopy-
roides C. A. M. von Akdagh, Th. orientale B. (Isopyrum aquwi-
legioides Bory nec, L.) vom Taurus, Aanunculus hybridus vom
Thessalischen Olymp, Zt. dissectus MB. (R, nivalis Fl. graee.)
vom Bithynischen Olymp, mehrere neue Arten von Ztan.. Hel-
leborus vesicarius Auch. aus Syrien, mehrere neue Migellae
und Delphinia: die letztere Gattung enthält über 20 Arten,
während Aconitum fehlt. — 2 Menispermen aus Ägypten. —_
6 Berberideen. — 25 Papaveraceen: neue Arten von Papaver,
Glaueium und Roemeria. — 6 Fumariaceen,
Fellow sammelte auf seinen Reisen in Lyeien und Carien
eine Anzahl von Pflanzen, die von D. Don bestimmt wurden
(Ann, of nat. history V. 7 p. 454). Der Catalog enthält nur
213 Arten. Neu sind darunter nur folgende: Veronica cunei-
442
folia, Ver. grandiflora, Phlomis Iycia und Pinus carica, Diese
Fichte ist indessen vielleicht nur eine Varietät von P. ha-
lepensis.
C. Koch begann einen Catalog der von ihm am Cauca-
sus, in Georgien und Armenien gesammelten Pflanzen zu pu-
blieiren (Linnaea 1841 5.243 —258 und 705— 723). Die
neu aufgestellten Arten sind nur mit kurzen Diagnosen ver-
sehen, bedürfen daher einer genauern Auseinandersetzung.
Diese Sammlung enthält 40 Ranuneulaceen (4 neue A.), 1 Ber-
beridee, 9 Papaveraceen, 1 Cistinee, 8 Violaceen (1 neue A.),
5Fumariaceen (1 neue Corydalis), 2 Capparideen, 91 Crucife-
ren (4 neue A.), 3 Resedaceen (1 neue A.), 2 Tamariscineen,
3 Polygaleen, 62 Caryophylleen (8 neue A.), 2 Oxalideen,
6 Lineen (1 neue A.), 6 Hypericeen, 1 Ampelidee, 4 Acerineen,
1 Tiliacee, 8 Malvaceen, 13 Geraniaceen (1 neue A.), 2 Zygo-
phylleen, 14 Rutacee, 2 Celastrineen, 4 Rhamneen, 2 Terebin-
thaceen, 78 Leguminosen (4 neue A.).
Von einem ungenannten Correspondenten Sir W. Hoo-
ker’s wurden einige interessante Bemerkungen ‘über die Flora
von Khorasan mitgetheilt (Journ. of Botany 3 p.280). Die
Gebirge sind ganz nackt, selbst die Abhänge des Hindukusch
vollkommen baumlos. Gering ist die Verschiedenheit der Ve-
getation zu beiden Seiten dieses Hochgebirgs: nur nehmen
nach der Tatarei die Chenopodeen wegen des salinischen Bo-
dens zu, während die Arten und Individuen im Allgemeinen
sich vermindern. Üppig grünende Stellen sind nur an den
Flussufern zu finden: wo diese nicht cultivirt sind, bilden sich
Dickichte von Hippophaö, Berberis, Tamarix und Rosa. Die
durchaus europäische Vegetation, welche den tiefern Gegen-
den angehört, steht anscheinend im Widerspruch mit den über
die Wirkungen der Wärme ‚aufgestellten Hypothesen: denn
das Clima von Khorasan ist eins der heissesten der Erde und
die europäischen Formen sind hier keineswegs, wie im Nor-
den von Indien, nur annuelle, im Winter blühende Gewächse,
Der Hindukusch wurde von dem Reisenden auf 13000° hohen
Pässen überschritten , die noch 2000’ unter der Linie des
ewigen Schnee’s liegen mochten. In solchen Höhen sind die
Gebirge mit kugeligen Büschen von’ stechenden Statieen, mit
einigen Disteln und Artemisien ‚bedeckt. Nur in feuchten
I
443
Sehluchten wird die Vegetation etwas mannigfaltiger: hier ge-
deihen die Gattungen Carex, Juncus, Euphrasia, Primula,
‚Swertia, Gentiana, Pedicularis, Ranunculus, Silene, Astragalus.
Die auffallendste Erscheinung ist überhaupt die Menge stechen-
der Astragalen und Staticen. Die artenreichsten Familien sind
die Synanthereen, besonders Carduaceen, die Leguminosen,
Labiaten, Boragineen, Umbelliferen, Cruciferen, Sileneen, Che-
nopodeen, Gramineen.
Von v. Siebold’s und Zuccarini’s Flora japonica ist
die Herausgabe des zweiten Bandes begonnen.
1. Tropisches Asien,
Unter den allgemeinern Werken über die Flora von Ost-
. indien, die im vorigen Berichte erwähnt wurden, ist Jacge-
mont’s Voyage dans l'Inde bis zur 41sten Lieferung fortge-
schritten, bis zur Vollendung wird daher wahrscheinlich noch
eine geraume Zeit verfliessen.
In England erschienen mehrere monographische Arbeiten
über einzelne Familien der indischen Flora, Im Februar 1841
wurde in der Linnean Society Nees v. Esenbeck’s Ab-
handlung über die in Royle’s indischem Herbarium enthaltenen
Gramineen und Cyperaceen vorgelesen. Viele neue Arten sind
darin beschrieben; die Charactere der 6 neuen Gattungen, die
der Verf. aufstellte, wurden bereits in den Annals of natural
history V. 7 p. 219— 222 mitgetheilt. In dem achtzehnten
Bande der Transactions of the Linnean Society, welcher 1844
herauskam, sind die schon früher gelesenen, aber erst jetzt
publieirten Arbeiten des kürzlich verstorbenen Professor D. Don
über die Junceen und die Iris-Arten der Royle’schen Samm-
Jung enthalten. Es ist auffallend, dass monocotyledonische
Pflanzen sich häufiger über ‚das Areal mehrerer verschiedener
Floren verbreiten, als Dieotyledonen. Unter 8 Junceen, die
Royle am Himalajah sammelte, sind nur 4 endemische: die
übrigen sind Juneus acutiflorus, bufonius, glaucus und Luzula
spicata, indessen weichen die beiden letztern von der. europäi-
schen Form in einigen Puncten ab, Von Iris fand R. nur
4 Arten, die sämmtlich endemisch zu sein scheinen. Babing-
ton bearbeitete die Polygona der Royle'schen Sammlung
(kLinnean transaet, 18 p.93—1419), die noch einen Nachtrag
444
von 10 neuen Arten zu Meissner’s im dritten Bande von Wal-
lich’s Plantae Asiaticae rariores enthaltenen Publication lieferte.
Unter 37 am Himalajah von R. gesammelten Arten sind nur
zwei europäische Formen und von beiden ist die Identität
zweifelhaft: P. Convolvulus var., P. aviculare?
Meissner publieirte eine Monographie der ostindischen
Thymelaeen (Regensb, Denkschriften3 S. 273— 294). In Wal-
lieh’s Sammlung fanden sich nur 12 Species, darunter die neue
Gattung. Zdgeworthia.
In Bombay gaben Graham und Nimmo eine Local-
flora heraus, welche mit Ausschluss der Zellenpflanzen über
1800 enthält; es ist ein Catalog nach De Candolle’scher Anord-
nung mit Beschreibung neuer Formen (A catalogue of the
plants growing in Bombay and its vieinity, spontaneous, cul-
tivated, or introduced. By John Graham, 1839).
Richard beschrieb die von Perrottet auf den Nielgher-
ries gesammelten Orchideen monographisch (Ann. sc. nat. 15
p-1—20 und 65— 82). In der Einleitung wird der botani-
sche Character jener Gebirge, in denen R. eine Sammlung von
44 — 1500, wahrscheinlich zum vierten Theil neuer Pflanzen-
arten zusammenbrachte, treffend geschildert. Das Terrain die-
ser Forschungen war klein, es liegt zwischen 11° 40" und
41° 32'N. Br., zwischen 76° 59’ und 77° 31 ©. L. von Green-
wich. Das Plateau der Nielgherries ist wellenförmig gebaut,
aufgesetzte Hügel erreichen eine absolute Höhe von mehr
als 8000'. Diese Hügel sind meistentheils baumlos, eine zarte,
gesellige Krautvegetation von blassem Grün, nur einzeln von
niedrigen Baumgruppen unterbrochen, bedeckt sie” Nur in
den Schluchten und Thälern des zerrissenen Randgebirgs sieht
man kräftige Waldungen. Der Übergang ist plötzlich:
sobald der Reisende, der von der Hochebene kommt, in eins
dieser Thäler eintritt, so lässt er jede Spur alpiner Vegetation
zurück, plötzlich umgeben ihn hochstämmige Laurineen, Mi-
chelien, Gordonien oder baumartige Andromedeen, auf denen
Lianen und parasitische Orchideen wurzeln. Die Vegetation
des Plateaus ist alpin; europäische Gattungen, die der indi-
schen Ebene beinahe so fremd sind wie die Arten selbst, tre-
ten hier mit gleichen physiognomischen Characterzügen wieder
auf z. B. Ranunculus, Anemone, Viola, Malva, Hypericum,
445
Fumaria, Potentilla, Gentiana, Rhododendron; aber die Spe-
cies sind durchaus verschieden: für die Alpenrosen der
Schweiz tritt hier Ahododendron arboreum an die Stelle, das,
wie am Himalajah, hoch in die alpine Region ansteigt und das
einzige Gesträuch auf den höchsten Gipfeln der Plateauhügel
bildet. Richard theilt das Vegetationsgebiet der Nielgherries
in vier Regionen:
4) Die unterste Region (0'— 2000’, zuweilen bis 3000’)
zeigt den ganzen Reichthum der tropischen Waldregion, die
Diehtigkeit der indischen Bambusen-Jungles neben dem eigent-
lichen Urwalde, dessen’allgemeiner Character in allen feuchten
Ländern der heissen Zone wiederkehrt.
2) Die Region der Anogeissus-Wälder (—4000'). Cha-
racteristische Gewächse, die sich nicht über das Niveau jener
- Gattung verbreiten: Gmelina arborea, Cochlospermum Gossy-
pium, Acacia, Sapindus, kletternde Arten von Celastrus, Pte-
rocarpus marsupium, Grewia, es Spathodea und an-
dere Bignoniaceen.
- 3) Region niedrigerer EHER (4—5000') z. B. Dom-
beya, Helicteres, Vateria indica, Trichilia, Sterculia, Pterocar-
De Ficus, Croton, Artocarpus incisa. Der Verf. hat hier
mehr Regionen unterschieden, als zum Behuf der Verglei-
chung mit andern Gebirgen zweckmässig ist. Er gesteht selbst,
dass diese 3 Regionen den tropischen Character tragen: in-
dessen ist es nicht minder wichtig zu wissen, wie die tropi-
schen Waldformationen sich mit der Höhe ändern.
4) Alpine Region (5—8000'). Die Holzgewächse des
Plateaus sind; Myrtus tomentosa, Cotoneaster affinis, eine
wahrscheinlich unbeschriebene Acanthacee mit blauen Blüthen,
welche zuweilen ungeheure Landstrecken® heidenartig bedeckt,
Rhododendron arboreum.
Perrottet hat von den Nielgherries 38 Orchideen mitge-
bracht, die 46 Gattungen bilden und von denen nicht weniger
als 32 neu sind. Sie sind meistentheils den europäischen For-
men ähnlich und gehören zu zwei Drittel zu den Ophrydeen
und Neottieen. Eben diese sind es, welche auf dem Plateau
wachsen und daselbst zum Theil ausserordentlich häuflg ver-
breitet sind. So erscheinen bei Otacamund alle Hügel vom
Juli bis September durch das socielle Satyrium Perrotelianum
446
Rich. roth gefärbt. Die übrigen Gattungen, die zu den. Ma-
laxideen und Vandeen gehören, wachsen in der tropischen
Region. Der Verf. macht auf eine auffallende Analogie in-den
Orchideenformen zwischen den Nielgherries und ‚den Inseln
Bourbon und Mauritius aufmerksam. — Verzeichniss der Gat-
tungen: 2 Oberonia, 2 Coelogyne, 2 Liparis, 4 Bolbophyllum,
L Dendrobium, 2 Eria, 1 4örides, 1 Birchea nov. gen., 4 Oeonia,
4 Calanthe. Diese wachsen in der tropischen Region. Auf
dem Plateau dagegen: 4 Ziparis, 3 Peristylus, 10 Habenaria,
4 Satyrium, 3 Spiranthes, 2 Goodyera, 1 Dryopeia.
Über die Physiognomie der Vegetation am See bei Kandy
auf Ceylon schrieb Champion (Journ. of Bot. 3 p. 282).
Seine Mittheilungen haben zur Aufklärung über die heilige
Banyane Anlass gegeben, die bisher mit Ficus religiosa ver-
wechselt worden war. Nur Fieus indica oder die Banyane
treibt Luftwurzeln aus den Zweigen; sie ist den Brahmanen,
nicht aber den Buddaisten heilig; in Poona existirt ein Baum
mit 68 Nebenstämmen, der bei senkrechtem Stande der Sonne
einer Armee von 20000 Mann Raum und Schatten gewähren
würde. F. religiosa dagegen oder der Bo-Baum der Cinga-
lesen, wird von den Buddaisten in Ceylon so heilig gehalten,
dass man zu profanem. Gebrauch nieht einmal die Form der
Blätter nachbilden darf. Dies rührt nicht, wie bei. der Banyane,
von der Idee einer segnenden Fruchtbarkeit her, die der An-
blick einer solchen Fülle des vegetativen Lebens hervorruft,
sondern nur von der Legende, dass Gantama unter einem Bo-
Baume meditirte, als das Gefühl seiner Sendung in ihm erwachte.
Über die Theepflanzungen in Assam berichtete neuerlich
wieder Bruce (Journ. of Botany 3 p. 137).
Neue Arten und Gattungen ‚aus der Flora von Java pu-
blieirte Junghuhn (v. d. Hoeven Tijdschrift 1840 -p. 285).
Eine botanische Reise desselben in das Innere von Java’s Ge_
birgsgegenden ward von de Vriese herausgegeben (daselbst 1841
p. 349— 412). Über dem Amentaceenwalde am Berge Mala-
bar, der vorzüglich aus Castanea Tungurrut besteht, folgen
wieder andere Urwälder, die bis auf den 7900' hohen Gipfel
reichen. Die characteristischen Bäume dieser 'obern Region
sind: 2 Coniferen (Podocarpus, bis zu 100' hoch), 2 Tern-
stroemiaceen 40— 60° (Schima Noronhae: und Dicalyx_ sessili-
u;
447
folius), 1 Melastomacee (Astronia spectabilis), 1 Myrtacee (Jam-
bosa lineata), 4 Laurinee und 4 Farrnbäume, unter denen C4200-
phora lanuginosa, durch einen einfachen Kranz von Blättern
ausgezeichnet, sich 40—50° hoch erhebt. Das Unterholz die-
ses Waldes wird gebildet durch Arten von /tubus, Gaultheria,
Thibaudıa, Viburnum, Myrica javanica und Laurineen. Schat-
tenkräuter sind z. B. Sanicula, Viola, Ranuneulus, aber auch
Vernonia, Plectranthus. Der Boden wird ausserdem durch eine
dichte, feuchte Lage von Gräsern, Moosen, Lycopodien und
Farrn bedeckt. Alle Baumstämme sind gleichfalls dicht mit
Moos bekleidet und Usneen hängen von den Zweigen, beson-
ders des Podocarpus, herab.
In einem tiefer gelegenen Urwalde (unterhalb 5000) auf
dem Wege vom Malabar zum Vulcan Wayang waren die cha-
racteristischen Bestandtheile wegen der Masse der Lianen und
Parasiten nicht so leicht zu übersehen. Namentlich entzogen
sich die höhern Stämme der Untersuchung, wie es den bra-
silianischen Reisenden auch so oft begegnet ist. Denn diese
Bäume, deren 60— 100' über dem Erdboden sich ausbreitende
Laubdecke dicht vereinigt die mindern Gewächse in ewige
Nacht hüllt, verzweigen sich nur in ihrer Krone und blühen
‚ohnehin spärlich, so dass man die Schmarotzer der tropischen
Urwälder überall genauer kennen gelernt hat, als die Haupt-
masse der Vegetation selbst. Es ist sehr auffallend, dass diese
Formation, die in der neuen Welt reich an Leguminosen ist
und sich durch die Vermischung vieler Familien auszeichnet
(vergl. vor. Jahresb. S.462), hier hingegen besonders aus
Amentaceen besteht (Quercus moluccana, costata und pruinosa,
Castanea javanica). Freilich sind mit diesen auch hochstäm-
mige Bäume aus tropischen Familien vereinigt, von denen der
Verf. Cedrela febrifuga, einen Ficus und zwei Ternstroemiaceen
(Schima Noronhae und Saurauja rosea J.) nennt. Allein tro-
pische Formen fehlen, wie oben angeführt ward, selbst dem
obern Walde nicht, in dem die Podocarpen auftreten. Hin-
gegen sind die Bestandtheile der in dem Schatten des Amen-
taceenwaldes vegetirenden Formation. durchaus im Verhältniss
einer feuchten Äquatorialzone: Farrnbäume (Oyathea oligocarpa
J., Chnoophora lanuginosa J., Alsophila extensa, Angiopteris,
erecta), Seitamineen (#lettaria), Musaceen (Musn paradisiaca),
n
448
Palmen (Areca Pinanga), Pandanus, Acanthaceen (Strobilun-
thes), zahlreiche Rubiaceen und Myrtaceen, Aralien, parasiti-
sche Fragraea-Bäume, endlich die Palmlianen (Calamus), deren
Stränge in verschiedenen Richtungen überall zwischen den
Bäumen sichtbar sind. Dass einer solchen Vegetation die
Amentaceen gleichsam zur Stütze dienen, halte ich deshalb
für sehr auffallend, weil es ein der javanischen Flora ganz
eigenthümliches Verhältniss zu sein scheint, Die Darstellung
Junghuhn’s’, woraus diese Thatsache sich ergiebt, verhält sich
zu verwandten Beobachtungen‘ ungefähr auf folgende Weise.
Blume bestritt es überhaupt, dass auf dem javanischen Gebirge
‚sich scharf gesonderte Pflanzenregionen unterscheiden lassen,
er stellte nur. einen allmäligen Übergang der Bestandtheile
des Waldes von der Küste bis zu entschieden alpinen Formen
der höchsten Bergspitzen dar, Schouw glaubte die untere
Grenze der alpinen Region zu 5000‘ annehmen zu dürfen.
Hiemit stimmen J.’s Beobachtungen genau überein. Hier liegt
die obere Grenze der Amentaceen, die untere des Podocarpus,
Überhaupt scheint in allen tropischen Gebirgen gerade bei
5000’ eine schärfe Vegetationsscheide zu liegen, die von unbe-
kannten Ursachen abhängt. Dies ist die untere Grenze der
Cinchonen in den Cordilleren, von Pinus canariensis auf De-
neriffa’s Nordabhang, dies ist die Linie, welche nach Royle’s
Untersuchungen im Himalajah die tropischen Holzgewächse
nicht überschreiten, wo die Amentaceenwälder beginnen und
über welcher aus den der heissen Zone. eignen Familien nur
jährige Kräuter während der Regenzeit erscheinen. Ebenso
liegt in demselben Niveau, wie wir eben sahen, die überaus
scharfe Grenze zwischen den beiden Regionen der Nielgherries.
Aber bei einer so merkwürdigen Übereinstimmung sind ‚die
Gegensätze, welche eine Vergleichung der drei erwähnten in-
dischen Hochgebirge hervortreten lässt, fast noch schwieriger
zu erklären. Die Amentaceen, die ein gemässigtes Clima be-
wohnen, sollte man jenseits des Wendekreises in einem’ tiefern
Niveau erwarten, als am Äquator: aber auf dem Himalajah
beginnen sie erst bei 5000‘, in einer Höhe, in der sie in
Java aufhören und Coniferen Platz machen; an den Niel-
gherries fehlen sie ganz, aber das isohypsile Ahododendron
arboreum wächst hier in gleichem Niveau mit den Eichen-
449
wäldern von Massuri. Während die Amentaceen von Java
eine tropische Vegetation beschatten, sind die Verhältnisse
ihrer Soeialität im nördlichen Hindostan ganz entgegengesetzt.
Ja sogar weit über dem Niveau von 5000' wachsen in Java
noch Farrnbäume, die Puspa (Schima Noronhae) gedeiht so gut
mit den Eichen wie mit den Podocarpus-Arten, tropische Holz-
gewächse begleiten eine Vegetation von europäischen Pflanzen-
gattungen bis auf die höchsten Bergspitzen von Java. Ein
solches Phänomen ist, so viel ich weiss, sonst noch nirgends
auf der Erde beobachtet: es ist eine Eigenthümlichkeit der
javanischen Flora, die Blume’s Ansicht, dieselbe besässe keine °
getrennte Regionen, sehr erklärlich macht. Selbst der Pisang
wächst hier auf feuchten Boden noch in einer Höhe von 6000’
allgemein und in grösster Üppigkeit, und zwar ist dies die-
selbe Species (Musa paradisiaca L), welche zugleich in den
heissen Küstengebirgen, z. B. zwischen 500° und 1000‘ sehr
verbreitet ist. Dies sind lehrreiche Thatsachen, um die ver-
schiedenen Bedingungen des Pflanzenlebens in einem bestän-
dig feuchten Äquatorialgebirge und in den Passatfloren des
indischen Continents zu begreifen, aber Vieles bleibt hier ge-
nauer zu erforschen und durch climatische Verhältnisse zu
beleuchten übrig.
Die von Korthals herausgegebenen Monographieen zur
Erläuterung der Flora des indischen Archipels beziehen sich
in den bis jetzt erschienenen 5 Lieferungen auf Nepenthes, die
Dipterocarpeen, die Ternströmiaceen und einige Gattungen aus
der Verwandtschaft von Zauhinia und Nauelea. Diese aus-
führlichen und durch treflliche Kupfertafeln erläuterten Unter-
suchungen bilden die botanische Abtheilung der Verhandelin-
gen over de natuurlijke Geschiedenis der Nederlandsche over-
zeesche Bezittingen. Leiden 1840—42. Folio.
Die Farne der Philippinen wurden von Smith nach Cu-
ming’s Sammlungen bearbeitet (Journ. of Botany V. 3 p..392%
bis 422). Von etwa 300 Arten sind 100 neu, die indessen
vorläufig nur benannt und noch nicht beschrieben sind. Einige
der artenreichsten Gattungen sind folgende: unter 68 Polypo-
dieen Polypodium (40 sp.), Niphobolus (5 sp.), Drynaria (2 sp.);
25 Acrosticheen Polybotrya (A sp.), Oyrtogonium (4 sp.), @ym-
aopteris (7 sp.); 35 Pterideen Peris (16 sp.), Blechnum (4 sp.);
Archiv 1, Naturgeschichte, VII, Jahrg. 2. Bd, i Ff
450
39 Asplenieen Diplazium (90 sp.), Asplenium (18 sp.), Calli-
pteris (6 sp.); 47 Aspidieen Aspidium (7 sp.), Nephrodium
(12 sp.), Zastrea (11 sp.), Nephrolepis (5 sp.); 55 Dieksonieen
Lindsaea (7 sp.), Mierolepis (5sp.), Davallia (6 sp.), Tricho-
manes (14 sp.), Hymenophyllum (5 sp.); 7 Cyatheen Alsophila
(4 sp.); 6 Gleichenieen; 6 Osmundeen; 3 Marattieen und
3 Ophioglosseen. Hier zuerst neu aufgestellte Gattungen sind:
Dryostachium und Diblemma unter den Polypodieen, Zomo-
gramma, eine Acrostichee und die Dicksonieen /soloma, Sy-
naphlebium, Odontoloma.
IV. Africa.
Das Werk über die eanarischen Inseln von Webb und
Berthelot ist in diesem Jahre nicht viel weiter fortgeschrit-
ten, indem nur 6 neue Lieferungen erschienen sind. Die ganze
Zahl der Hefte beläuft sich daher nunmehr auf 64.
Unter den von Kotschy in Nubien gesammelten Pflan-
zen, die der Würtembergische Reiseverein unter seine Actio-
naire vertheilt hat, finden sich neue Formen, die bereits be-
nannt und beschrieben worden sind, z. B. die neue Liliacee
Eratobotrys aus Kordofan, von Fenzel aufgestellt, die Buto-
macee Tenagocharis, die Euphorbiacee Cephalocroton, die Ver-
benacee Holochiloma, die Scrofularineen CAzlostigma und Ma-
crosiphon und die Acanthaceen Monechma und Polyechma,
sämmtlich von Hochstetter (Regensb. Flora 1841 S. 368).
Mit der Bearbeitung von Schimper’s Sammlungen in
Abyssinien haben sich A. Braun und Hochstetter beschäf-
tigt. Der Erstere hat zunächst die abyssinischen Culturge-
wächse besonders nach den eingesandten Sämereien beschrie-
ben (Regensb. Flora 1841 S.257). Verzeichniss der unter
diesen bestimmbaren Arten, die sämmtlich bei Adoa gebaut
werden, nebst den abyssinischen Namen: Tritieum sativum,
Tr. Spelta, Hordeum distichon (Konzebe), Poa abyssinica (Tat,
Tef, Tief), Zleusine Tocusso (Daguscha), Sorghum sp., Zea
Mays (Mavchilla Bahari), @wizotia oleifera (Nuck), Carthamus
tinctorius (Schuf), Nicötiuna macrophylia (Ferr as mai), Ca-
psicum annuum (Berberi gaije), C. pubescens nov. sp., Ocimum
graveolens nov. sp. (Sessak), Lepidium sativum (Schimpfa),
Sinapis nigra var. (Senafitsch), Linum wsitatissimum (Telba),
451
Coriandrum sativum (Zageda), Trigonella foenum graecum
. (Abacha), Zrvum Lens (Bersen, Mesur), Lathyrus sativus
(Sebberi), Pisum abyssinicum nov. sp. (Ein-Ater), Wieia Faba,
Cicer arietinum (Ater, Schimbera), Phascobus vulgaris (Ada-
gonna). Ausserdem publicirte A. Braun systematische Be-
merkungen über einige der bei Adoa gesammelten und an. die
Actionaire des Würtembergischen Reisevereins vertheilten Ge-
wächse (Ebenda S. 705). Hochstetter beschrieb daselbst
die neuen abyssinischen Gattungen AAyacophila (Lythrariee),
Trigonotheca (Hippocrateacee), Uebelinia (Caryophyllee), Stre-
ptopetalum (Turneracee), Raphidophyllum (Serofularinee), Cra-
terostigma (Cyrtandracee), Nathusia (Oleinee).
Über die Capflöra ist ein sehr wichtiges Werk von Nees
von Esenbeck begonnen worden (Florae Africae australioris
illustrationes monographicae. V.I. Gramineae. Glogau 1841 8).
In pflauzengeographischer Rücksicht ist dieser vollständigen
Monographie der südafricanischen Gramineen die von Drege
herrührende und in E. Meyer’s Commentarien publieirte Ein-
theilung der Colonie in botanische Terrassen und Distriete zu
Grunde gelegt. Hiernach sind von Beilsehmied_ genaue
Tabellen über die geographische Verbreitung der Gräser aus-
gearbeitet. Die zweite Tafel ist besonders geeignet, einen
Überblick über diese statistischen Verhältnisse zu gewähren.
Im Ganzen werden von:’Nees von Esenbeck 359 Gramineen
ausführlich beschrieben. Diese vertheilen sich nach den Re-
gionen auf folgende Weise:
500° 1000’ 2000‘ 3000 über
0-500°—1000'—2000'—3000’—4000'—-4000°
Phalarideen 6sp. 3 1 3 3 1 3
Paniceen 65sp. 37 26 24 17 12 40
Tristegineen 2sp. 4 1 1 _ —_ —
Saccharineen 35 sp. 16 18 21 14 12 10
Phleoideen 4sp. 3 2 4 4 1 1
Agrostideen 18sp. 10 7 7 7 6 5
Stipeen - 22s2p 13 441. 11.140 4 4
Oryzeen 27sp. 413 19 47 14 45 5
Pappophoreen 2 sp. 1 2 2 4 4 1
Chlorideen 2sp. 10 10 5 5 5 6
'Aveneen 80sp. 28 40 39 35 35 18
452
500° 1000' 2000° 3000° über
0-500'—-1000°-2000°-3000'—4000’—4000'
Arundineen 4sp. 3 1 _— 2 —_ —_
Triticeen 5sp. 2 3 — 3 2 2
Festuceen 67sp. 43 31 30 26 33 26
Bambuseen 2sp. 1? _ _ = zer 4
Summa 359 sp. 188 172 166 138 17 92
Über Centra der Verbreitung stellt der Verf. folgende
Hauptresultate seiner Untersuchungen zusammen. Die Paniceen
nehmen gegen Südosten z. B. im Distriet Uitenhagen an Menge
zu, die Stipeen gegen Süden, die Aveneen sind am zahlreich-
sten in der untern Bergregion der westlichen Landestheile,
auch die Saccharineen werden hier häufiger, bis sie an der
Westküste ihr Maximum erreichen. Je häufiger die Paniceen
in der Küstenregion werden, desto mehr nehmen hier die Fe-
stuceen ab. Von diesem Gesetze ist nur Zragrostis ausge-
nommen, die aber auch mit den Paniceen und Saccharineen
im Monat Januar blüht, während die übrigen Capischen
Festuceen ihre Blüthen im November entfalten. Die Chlori-
deen sind von der Südküste fast ganz ausgeschlossen, sie neh-
men in den mittlern Regionen verhältnissmässig an Menge zu,
überhaupt sind die Gebirge aber auch reicher an Gräsern, als
die Ebenen am Meer. Die Oryzeen bewohnen besonders die
mittlern Regionen, die Agrostideen sind gleichförmig durch das
Land vertheilt. Neue Gattungen sind: Chondrolaena, Chaeto-
bromus, Tetrachne, Urochlaena.
Ferner bearbeitete Nees von Esenbeck die Acantha-
ceen der Capflora besonders nach Ecklon’s Sammlung (Lin-
naea 1841 S.351— 376). Dies sind 36 Arten, die zu 14 ver-
schiedenen ‘Gattungen gehören und von denen ungefähr die
Hälfte neu ist: die Genera waren sämmtlich schon früher
publicirt.
Walker Arnott schrieb eine für Systematik wichtige
Abhandlung über einzelne Gewächse der Capflora (Journ. of
Botany 3 p. 147, 251), die besonders den Zweck hat die irri-
gen Bestimmungen in der Drege’schen Sammlung zu berich-
tigen. Seine Untersuchungen beziehen sich vorzüglich auf fol-
gende Pflanzengruppen: Olacineen, Zanthoxyleen, Bixineen,
Anacardiaceen, Sapindaceen, die zweifelhafte Euphorbiacee
453
Dovyalis, die Rhamneen, die sehr ungenau bestimmt waren,
die Celastrineen, Bruniaceen, Grubbiaceen, Cruciferen, die
zweifelhafte Antidesmee Moldenhauera und verschiedene andere
bisher wenig bekannt gewesene Gattungen.
Aus dem von Krauss in der neuen Colonie Natal gesam-
melten Herbarium hat Hochstetter folgende neue Gattungen
beschrieben: ZPodiopetalum und Bracteolaria (Leguminosen),
Monospora (Euphorbiacee), Natalia (Sapindacee), Annularia
(Apocynee) (Regensb. Flora a. a. O.). Die von Krauss gesam-
melten Algen wurden von Hering publieirt (Ann. nat. hist. 8
p: 90). Dies sind 11 neue Arten, unter diesen die neue Gat-
tung Martensia.
V. America.
Von besonderer Wichtigkeit für die Beurtheilung der
pflanzengeographischen Verhältnisse der Nordwestküste von
America sind die meteorologischen Beobachtungen, welche
Tschernych 4 Jahre hindurch zu Ross in Californien an-
stellte und deren ungemeine Anomalie A. Erman entwickelte
(Archiv für Russl. 1841 S. 562). Ross liegt an der Küste
unter 38° 34'N. Br. Die mittlere Wärme beträgt nur’ 9° 27 R.
Die mittlern Temperaturen für die einzelnen Monate sind:
anlr==n7,05:R; Juli = 11°,52 R.
Febr. = 6°,96 — Aug. = 11°,65 —
März = 79,46 — Sept!!= 11° 11h
Aprl= 843 — Oct. = 10,06 —
Mai = 9,64 — Nov: = 89,82 —
Juni = 10,78 — Dec. = 7,73 —
Oder für je drei Monate beträgt die
Mitteltemperatur des,Winters —= 7°,25 R.
—_ — Frühlings = $’,51 —
_ — Sommers = 11°,31 —
_ — Herbstes — 10°,00 —
Endlich betrug die Temperatur des kältesten Tages (4. Febr.)
— 6° ,92, die des wärmsten (5. Aug.) — 11” ,68.
Bis jetzt, bemerkt Erman, ist keine Gegend der Erde
bekannt, in welcher unter gleicher Breite eine so niedrige
Jahrestemperatur herrschte, als in Ross, selbst nicht in den
Meridianen, die in höhern Breiten die kältesten sind. Denn
454 \
die Isotherme von Ross liegt im östlichen Asien unter 409,44‘,
an der Ostküste von America unter 40°,45, im Innern dieses
Continents hebt sie sich auf 41°,16, während sie im westlichen
Europa erst unter 47°,82 N. Br. eintritt. Demzufolge verhält
sich das Clima der Nordwestküste von America hier entgegen-
gesetzt als in höhern Breiten, die wärmer sind, als die be-
nachbarten Continente. Aber von weit grösserm Einflusse auf
die Vegetation, als die ungewöhnlich langsame Wärmezunahme
bei abnehmender Breite, muss der geringe Umfang der Tem-
peraturskale von Ross sein, der nur mit Äquatorialzone ver-
glichen werden kann. Die Unterschiede des kältesten und
wärmsten Monats betragen auf der Isotherme‘ von Ross im
westlichen Europa 16° R., im Innern von Nordamerica (263°
O.L. von Paris) 23°: in Ross (233°,66 O.L.) betragen sie
nur 4°,5. Von diesen enormen climatischen Gegensätzen, die
das Land zu beiden Seiten der Rocky Mountains trennen,
scheint für jetzt noch keine weitere Anwendung auf die Pflan-
zengeographie gemacht werden zu können, weil wir zwar viele
Pflanzenarten aus Californien, aber nicht deren Lebensgeschichte
kennen: inzwischen wird es schon jetzt begreiflich, dass die
californische Flora grösstentheils nur endemische Pflanzen be-
sitzt, deren Organisation im Allgemeinen in einem höhern
Grade von den Bestandtheilen der nordamericanischen Flora
abweicht, als diese von der europäisch sibirischen. Die Nach-
richten über die californische Flora sind fragmentarisch, aber
die hervorstechende Entwickelung einer Familie, wie der Pole-
moniaceen, ist eine Erscheinung, für die es von der Nord-
westküste Europa’s bis zum östlichen Asien, ja vielleicht bis
nach Canada kaum ein Analogon giebt. Genauere Nachrichten
dürfen wir von Nuttall erwarten, der bereits die auf seiner
Reise nach den Sandwichsinseln gesammelten Synanthereen
publieirt hat (Description of new Compositae eollected in a tour
across the continent to the Pacific, a residenee in Oregon and
a visit to the Sandwich Islands and Upper California: in den
Transactions of the American Philosophical Society 1841
p- 283).
Zu den von Drummond in Nordamerica gesammelten
Möosen wurden berichtigende Bemerkungen von Wilson pu-
blieirt (Journ. of Botany V. 3 p. 433 — 441).
; 455
v. Schlechtendal setzte seine Untersuchung der mexi-
canischen Oelastrineen und Rhamneen fort (Linnaea 1841 S.458).
Bertoloni publieirte in den Commentationen der Aca-
demie von Bologna eine Florula Guatimalensis, die Bearbeitung
einer kleinen Sammlung, die er von Velasquez empfing. Sie
enthält nur 79 Arten, unter denen 59 neu sind. Dies sind die
Primitien- einer Flora, die bis jetzt ganz unbekanut geblieben
war und deren Untersuchung eine um so fühlbarere Lücke
ausfüllen würde, weil Guatimala in der Mitte zwischen zwei
so verschiedenartigen Vegetationsbezirken liegt, wie Mexico
und Columbien erscheinen. Die geringe Zahl der von Berto-
loni beschriebenen Pflanzen gestattet keine Schlüsse auf den
Natur-Character dieses Landes: hoffentlich werden von Wien
aus die vom Herrn v. Friedrichsthal herrührenden Pflanzen-
sammlungen aus Guatimala bald einen Bearbeiter finden.
Von R. de la Sagra’s Werke über Cuba sind nun schon
39 Lieferungen erschienen. Da die systematisch botanische
Abtheilung bhiemit gerade einen gewissen Abschluss erreicht
hat, so werden einige Bemerkungen über den Umfang des bis-
her Geleisteten hier an ihrem Orte sein. Von den Orypto-
gamen ist nämlich der erste Band vollendet, der sämmtliche
cellulöse Pflanzen umfasst, Sie sind mit grosser Ausführlich-
keit von Montagne bearbeitet und “durch treflliche Kupfer-
tafeln in Farben erläutert. Das Werk beginnt mit den Algen,
die jedoch nicht mit besonderer Vorliebe gesammelt zu sein
seheinen. Der tropische Character dieser Familie erscheint
dadurch ausgedrückt, dass die Fucoideen gegen die Florideen
zurücktreten, Von den eigentlichen Tangen sind nur 6 For-
men beobachtet, die ohne Ausnahme zur Gattung Sargassum
gehören. Dagegen wurden von den Florideen 15, von den
Ceramieen 7, von den Dietyoteen 8 Arten gesammelt. Auf
die Algen folgen die Byssaceen (Collema, Leptagium), die nach
Fries als besondere Gruppe zusammengestellt sind. Von Li-
chenen enthält diese Flora 64 Arten, die durch das Überwie-
gen geschlossener Sporangien meistentheils zu andern Gattun-
gen gehören, als die Hauptforımen, die der gemässigten und
kalten Zone aus dieser Familie eigen sind. Freilich ist hiebei
auch von Einfluss, dass in der Nachbarschaft von Havanna,
wo der grösste Theil des ganzen Sagra’schen naturbistorischen
456 .
Materials zusammengebracht ist, anstehendes Gestein selten ist
und daher fast nur Rindenflechten erwähnt werden. So ent-
hält die Gattung Lecidea nur 2 Arten, Parmelia 17. Die Zahl
der beobachteten Pilze beläuft sich ungefähr auf 120 Arten
und, so gering diese Ausbeute ist, zeigt sie doch auch schon
eine characteristische Eigenthümlichkeit, so fern andere Gat-
tungen in Cuba artenreich sind, als bei uns. Von’der Gat-
tung Agaricus wird nämlich nur eine einzige Art aufgeführt,
von Polyporus 29; oder hat dies nur seinen Grund in der
grössern Leichtigkeit, die Arten der letztern Gattung aufzu-
bewahren. Dieser Zweifel ist wenigstens bei Sphaeria nicht
zulässig, welche gleichfalls nur mit einer Art aufgeführt wird,
während von Aypoxylon 14 Species. beschrieben sind. Die
Lebermoose entwickeln sich ohne Zweifel sehr üppig in den
tropischen Wäldern der Insel: bis jetzt sind indessen nicht
mehr als 31 Formen beobachtet, unter denen Zejeuzia die mei-
sten Arten (13) zählt. Auch von Laubmoosen Cuba’s ist ge-
wiss erst der geringste Theil beschrieben, indem die Flora
aus dieser Familie nur 27 Arten aus 12 Gattungen enthält.
Inzwischen können wir aus den bisher herausgekommenen
Phanerogamen gewiss mit Recht den Schluss ziehen, dass Cuba
gar nicht eine solche Mannigfaltigkeit in den vegetabilischen
Erzeugnissen besitzt, wie der americanische Continent. Die
Flora wird auf das Ausführlichste und Gründlichste von Ri-
ehard bearbeitet. In De Candolle’scher Anordnung ist das
Werk bis zum Schluss der Thalamifloren gediehen. Die ab-
gehandelten Familien, die in andern tropischen Floren zum
Theil zu den formenreichsten gehören, enthalten nicht mehr
als 200 Arten. Dieses Resultat kann nicht allein durch die
Unvollständigkeit der Herbarien erklärt werden. Ein grosser
Theil der beschriebenen Pflanzen ist gar nicht einmal ende-
misch; von den hieher verbreiteten Gewächsen des Festlandes
ist eine bedeutende Zahl in der Sagra’schen Sammlung ent-
halten. Auch die frühern Untersuchungen Cuba’s lehren, dass
diese Insel keine reiche Flora besitzt. Die v. Humboldt’sche
Sammlung aus Havanna, die Kunth beschrieben hat, enthielt
nur 156 Phanerogamen. Von jener Zeit bis auf Sagra hat
nur Pöppig Herbarien auf Cuba gesammelt. Freilich ist der
östliche Theil der Insel mit Ausnahme der Umgegend von
457
Baracoa noch ganz unbekannt, das Innere enthält undurch-
dringliche Gebirgswäder, allein eine Ausbeute, wie in Java,
ist hier nach den bisherigen Erfahrungen doch nicht zu er-
warten. Verzeichniss der abgehandelten Familien nebst Anzahl
der Arten: 4 Ranunculaceen (Clematis), 4 Dilleniaceen, 12 Ano-
naceen (3 davon cultivirt), 1 Menispermee, 1 Nymphaea, 2 Pa-
paveraceen, 2 Cruciferen (eingewandert), 4 Capparideen, 5 Bixi-
neen, 1 Violariee, 1 Drosera, 6 Polygaleen, 1 Sauvagesia, 2 Ca-
ryophylleen, 45 Malvaceen, 7 Bombaceen, 10 Büttneriaceen, 9 Ti-
liaceen, 3Ternströmiaceen, 1 Olacinee, 2 Aurantiaceen, 3 Hyperi-
eineen, 3 Guttiferen, 1 Canella, 1 Marcgraavia, 1 Hippocratea,
7 Erythroxyleen, 15 Malpighiaceen, 7 Meliaceen, 4 Ampelideen,
30Oxalideen, 4 Zygophylleen, 2 Diosmeen, 8 Zanthoxyleen,
1 Simaruba. i
Bentham hat die im vorigen Jahresberichte erwähnte
Bearbeitung der von Schomburgk im britischen Guiana ge-
sammelten Pflanzen fortgesetzt (Journ. of Botany 1841 V. 3
p- 212 V.4 p.99). Die daselbst bearbeiteten Familien sind:
Rubiaceen (87 sp.), Loganiaceen mit Einschluss der Strych-
neen und Spigeliaceen (7), Apocyneen (35), Capparideen (4),
Polygaleen (17), Droseraceen (1), Violarieen (14), Samydeen
(9), Bixineen (13), Homalineen (1), Turneraceen (8), Malva-
ceen (23), Büttneriaceen (19), Tiliaceen (8). — Von Klotzsch
sind bearbeitet die Proteaceen (4) und die Piperaceen (8 sp.).
Über einige Gattungen der Flora von Guiana hat Bentham
eine Abhandlung in den Linnean transactions publieirt (V. 18
p. 225), namentlich über Symplocos, Seguiera, Anthodiseus. —
Splitgerber bearbeitete die Farne und Lycopodiaceen,
welche er in Surinam gesammelt hatte (v. d. Hoeven Tijd-
schrift 1840 S. 391).
Klotzsch beschrieb die americanischen Proteaceen des
Berliner Museunis (Linnaea 1841 S.51). Die Zalıl der Re-
präsentanten dieser Familie in America ist bekanntlich sehr
gering, die Vertheilung der Gattungen richtet sich nach den
natürlichen Floren. Chile besitzt @uevinia (1 sp.) und Lo-
matia (2 sp.); von Antuco bis zur Magellans-Strasse verbreitet
sich Embothrium (2 sp.); in den peruanischen Anden ist Oreo-
callis (4 sp.) einheimisch. Die grösseren, baumförmigen Gat-
458 f -
tungen bewohnen die Urwälder Süd-America’s auf der Ostseite
der Anden von Brasilien und Peru bis Guiana: 4denostepha-
nus Kl. (2sp.), Andripetalum (3 sp.) und Zthopala (15 sp.) —
Einige neue brasilianische Pflanzen, 15 Arten aus verschiede-
nen‘ Familien, wurden in einem Vortrage an die Linnean
Society vonBunbury beschrieben (Ann. nat. hist. V.7 p. 531).
Von Orbigny’s Voyage dans l’Amerique meridionale
sind jetzt 61 Lieferungen ausgegeben worden.
Von der Flora brasiliensis von Endlicher und y. Mar-
tius erschien 1841 der zweite Fascikel, dem in diesem Jahre
die drei folgenden sich anschlossen. Wir setzen zunächst
unsern Bericht über die Landschaftstafeln for. Der Urwald
in der Serra do Mar (Taf. 6) in der Provinz Rio de Ja-
neiro gehört bekanntlich zu den pflanzenreichsten Formationen
Brasiliens und ist auch"am häufigsten von Reisenden besucht
worden. v. Martius, der hier zuerst die Üppigkeit der bra-
silianischen Vegetation kennen lernte, schildert mit ergreifen-
der Lebendigkeit deren mannigfaltige Gewächsformen, er ver-
weilt bei der Harmonie, mit der sie geordnet, bei der Lebens-
fülle, von der sie beherrscht werden. Übersicht der vorwal-
tenden Familien: die höhern Baumstämme gehören vorzüglich
zu den Leguminosen, Lecythideen, Myrtaceen, Melastomaceen,
Laurineen, Sapoteen, Myrsineen, Diosmeen und Rubiaceen ;
deren Parasiten und Epiphyten sind Aroideen, Orchideen,
Bromeliaceen und Farne, wie in dem äquatorialen Brasilien;
die Lianen bestehen aus Dilleniaceen (Davila), Ranunceulaceen
(Clematis), Euphorbiaceen (Anabaena), Malpighiaceen, Bigno-
niaceen und tauartig ausgespannten Asclepiadeen; das dichte
Gesträuch wird gebildet aus Piperaceen, Leguminosen (Oaxlo-
tretus, Machaerium), Rubiaceen (Tetramerium, Psychotria),
Euphorbiaceen (Croton, Excoecaria), Verbenaceen (Lantana,
4egiphila), Vernonien, Diosmeen (Pilocarpus), Monimieen (Ci-
trosma), Hippocrateaceen (Salacia, Toutelea), Trigonien und
Melastomaceen; endlich die Schattenkräuter, ausgezeichnet
durch grosse, saftreiche Blätter und prachtvolle Blumen, sind
Formen aus dem Scitamineen, Amaryllideen, Begoniaceen,
Gesneriaceen und Acanthaceen, denen sich dann Cyperaceen
(Cyperus, Scleria) und Gramineen (Panicum) anschliessen. Ein
Wald von solchen Bestandtheilen bedeckt die Küstenkette in
459
der Nähe des Wendekreises: eine hohe Temperatur mit gerin-
gen Schwankungen und eine stetige Circulation beträchtlicher
Wassermengen sind die climatischen Bedingungen jedes tropi-
schen Waldes dieser Art. Die Jahreswärme ist in Rio höher
(23°,1 C.) als in Lima, das mehr als 10 Breitengrade nörd-
licher liegt und wegen seiner Lage und seines trocknen Gli-
ına’s keine Urwälder besitzt; die Temperaturskale in Rio vom
kältesten zum wärmsten Monat beträgt etwa 7° C. Die Feuch-
tigkeit wird dem Urwalde der Serra do Mar durch den schwe-
ren, rothen Thonboden erhalten, in welchem derselbe wurzelt,
über granitischen und syenitischen Gesteinen, die eine solche
Bildung der Erdkrume begünstigen. Wie aber das dichte,
ungeheure Laubdach des Waldes hiebei wesentlich sich selbst
gegen die trocknenden Strahlen der Sonne beschütze, lehrt
die Erfahrung, dass, wo Bäume nicht gedeihen, der Boden
hart und trocken ist und nur unansehnliche, socielle Farne,
wie Pteris caudata und Mertensien ernährt. Noch anschau-
licher sind aber in dieser Rücksicht die Verhältnisse, welche
in gesetzlicher Folge nach einer örtlichen Zerstörung des
Waldes eintreten. Diese Änderungen der Vegetation werden
in der Sprache der Tupinambo-Indianer mit besondern Aus-
drücken bezeichnet. Der Urwald selbst heisst Laa-ete oder
auch Mato-virgem d. h. jungfräulicher Wald; brennt derselbe
nieder, so verwandelt sich die Anfangs wüste, dann etwa
20 Jahre lang mit Gesträuch bewachsene Fläche, indem all-
mälig Bäume anderer Art hervorsprossen, in die Formation
des Capoeira d. h. gefüllter Wald. v. Martius rechnet, dass
ungefähr nach einem Jahrhundert der Wald sein ursprüng-
liches Ansehen wiedererlangt, indem die Gesträuche und nie-
dern Stämme allmälig immer mehr durch die hohen Wald-
bäume verdrängt werden, so dass man aus der Menge des
Unterholzes auf das jüngere Alter eines Urwaldes schliessen
kann. Die Bestandtheile des Capoeira gehören namentlich zu
den Urticeen (Celtis, Urtica), Verbenaceen (Lantana, Aegi-
phila), Synanthereen (Conyza, Abatinia, Vernonia), Solaneen
(Aenistus, Solamum, Physalis), Laurineen (Oreodaphne, Nectan-
dra, Cryptocarya), Malpighiaceen (Stigmaphylion, Banisteria);
ferner werden genannt die Gattungen Cordia, Croton, Schinus,
Gouania, Xanthoxylon, Sloanea, Schmidelia, — Weitere Zu-
A
460
gaben zur Characteristik der brasilianischen Urwälder liefern
die Taf. 8 und 9, von denen die letztere, eine Darstellung
uralter Bäume am Amazonas, ein physiologisches Interesse
erregt, die erste aber den Unterschied bildlich zu erläutern
bestimmt ist, den der Waldcharacter zeigt, so bald man über
den Wendekreis hinaus, die Provinz S. Paulo betreten hat.
Allmälig verlieren sich die Lianen, die Formen werden einför-
miger, eine grosse Menge von Farrnkräuter vegetirt im Schat-
‘ten der Bäume.
Die im vorigen Jahresberichte bezeichnete Vegetation der
Campos wird auf Taf. 7 durch ein zweites Bild dieser For-
mation aus der Provinz S. Paulo erläutert, dessen Erklärung
vorzüglich die Stauden berücksichtigt, die zwischen den Gra-
mineen gedeihen. “Unter diesen sind folgende Formen als
characteristisch hervorgehoben: Amarantaceen (Gomphrena),
Apoeyneen (Zchites), Gentianeen (Lisianthus, Dejanira, Schueb-
leria), Asclepiadeen (Oxypetalum, Ditassa), Synanthereen ( We-
delia, Kuhnia, Eupatorium, Mikania, Stevia, Vernonia), Rubia-
ceen (Declieuxia), Melastomaceen (Microlicia, Cambessedesia,
Lasiandra, Marcetia), die Knollen tragende Malpighiacee Ca-
marea; endlich kleine Sträucher aus den Euphorbiaceen (One-
midostachys) und Anonaceen (Anona).
Der systematische Theil des zweiten Heftes der Flora
brasiliensis enthält die Anonaceen von v. Martius.
Eine Fortsetzung von Hooker’s und Arnott’s Contri-
butions towards a Flora of South America and the Island’s
of the Pacific erschien in des Erstern Journal (Vol. II.) und
enthält die Synanthereen. Diese Arbeit, die bereits bis Nr. 2067
reicht, beschäftigt sich vorzüglich mit der Flora der südlich
vom Wendekreis gelegenen Theile Süd-America’s und gründet
sich auf die Sammlungen von Tweedie, Gillies, Bridges, Cu-
ming, Beechey, Mathews, Darwin u. A.
VI. Australien,
Lindley’s Diagnosen zu 76 neuen Arten aus dem Innern
von Neuholland, die in Mitchell’s Three expeditions into
the interior of Eastern Australia (Lond. 1839) vorkommen,
sind in den Annales des sciences V. 56 abgedruckt.
461
Vom Swan River, über dessen Flora die Sammlungen von
Preiss ein grösseres Licht verbreiten werden, sind auch neue
Nachrichten von Drummond bekannt gemacht (Journ. of
Botany v. H. p. 79). Dieser thätige Botaniker berichtet über
eine Reise nach King George Sound, wo die Vegetation schon
einen ganz verschiedenen Character besitzt, und doch nicht
weniger reich zu sein scheint, als in Perth und York. Ein
solcher Wechsel auf kurzen Entfernungen, die hier nur drei
Breitengrade betragen, ist mit den Verhältnissen der Capflora
zu vergleichen. Dr. nimmt an, dass in King George Sound
auf einer morastigen Fläche gegen 1000 Arten wachsen, die
am Swan River nicht vorkommen. Eine entschiedene Vegeta-
tionsgrenze bildet der Fluss Dale, der etwa 80 e. Meilen süd-
östlich von Freemantle erreicht wurde. Denn von hier aus
verschwinden grösstentheils die Xanthorrhoeen, die den phy-
siognomischen Character der Gegenden am Swan River be-
dingen «(s. vorigen Jahresbericht). Von der daselbst erwähn-
ten Vergiftung der Heerden hat sich jetzt herausgestellt, dass
nicht die beschuldigte Lobeliacee, sondern eine Leguminose,
wahrscheinlich ein Gompholobium die Ursache dieser Calami-
tät ist).
Endlicher hat zu der früher begonnenen Bearbeitung
der v. Hügelschen Swan River Pflanzen in den Annalen des
"Wiener Museums noch einen Nachtrag geliefert, worin 30 neue
Arten beschrieben sind.
Nachrichten über Neu-Guinea, welche von Zippelius
herrühren, sind in der geographischen Abtheilung der oben
erwähnten Abhandlungen über die niederländischen Colonieen
enthalten.“ Es waren jedoch erst 4 Lieferungen davon er-
schienen. Wir finden in den Angaben über die Zusammen-
setzung jener dichten Waldungen, welche die ganze Südwest-
küste von Neu-Guinea bedecken, einige schätzbare Anhalts-
puncte, wodurch die Verwandtschaft der Flora der Sundainseln
mit der des tropischen Australien auf's Neue bestätigt wird.
Fast alle Pflanzengattungen, die hier erwähnt sind, kommen
auch im indischen Archipel vor. Einige derselben, wie Casua-
rina, Carissa, Alyssia, Olax, sind auch in Neu-Holland ein-
heimisch, wenige scheinen endemisch. Mehrfach treten die
Euphorbiaceen, Urticeen, Apocyneen, Rubiaceen und Acan-
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thaceen auf. Die Mangrove-Wälder bestehen aus den ost-
indischen Gattungen. Aus allen Mittheilungen geht hervor,
dass Neuguinea nicht zu den Inseln mit einer eigenthümlichen
vegetabilischen Schöpfung, sondern zu denen ‘gehört, deren
Flora durch ihre geographische Lage bestimmt ist. Dies Re-
sultat erscheint viel auffallender, wenn man den Character der
Thierwelt mit dem der Pflanzen vergleicht: denn an eudemi-
schen: Thieren ist Neuguinea reich. Die Schöpfungsheerde
beider Naturreiche scheinen daher nicht überall geographisch
zusammenzufallen.
Zum Schluss ist endlich noch das Reisewerk über die
Weltumsegelung der Bonite zu erwähnen, worin die Pflan-
zen von Gaudichaud bearbeitet sind. Die Tafeln stellen
unter Anderm viele Pandaneen dar. Die Localitäten, wo ge-
sammelt wurde, sind mannigfaltig: namentlich Hinterindien,
Philippinen, China, Sandwichsinseln, verschiedene Küstenpuncte
America’s, besonders am stillen Meere.
Gedruckt bei Gebr. Unger,