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ARCHIV
FÜK
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACIi IN GÖTTINGEN, PROF. von SIE-
BOLD IN ERLANGEN, DR. TROSCHEL IN BERLIN, PROF.
A. WAGNER IN MÜNCHEN UND PROF. RUD. WAGNER
IN GÖTTINGEN,
HERAUSGEGEBEN
Dr. W. F. ERICHSON,
PROFRS.SOU AN DER FRIEDRICH- WILHELMS-UNIVERSIT AT ZU BERLIN.
ZEHNTER JAHRGANG.
Erster Band.
BERLIN 1844.
IN DER NICOLAPSCHEN BUCHHANDLUNG.
Gedruckt bei den Genr. l'ngcr in Berlin.
Inhalt des ersten Randes
Seile.
Ueber den Vegetationscharakter von Hardanger in Bergens Stift.
Von A. Grisebach I
Bemerkungen über die Molluskenfauna Unter-Italiens, in Bezie-
hung auf die geographische Verbreitung der Mollusken und auf
die Molluskenfauna der Tertiärperiode. Von Dr. A. Philippi 28
Ueber das Stimm- und Gehörorgan der Orthopteren. Von Prof.
C. Th. v. Siebold. (Hierzu Taf. I.) . 52
Synopsis generum et specierum familiae Characinorum. Auetori-
bus J. Müller et F. H. Troschel 81
Zur Classification der Annulaten, mit Beschreibung einiger neuer
oder unzulänglich bekannter Gattungen und Arten. Von A. S.
Oersted. (Hierzu Taf. 11. III. Fig. 1 - 26) .... 99
Endozoologische Beiträge. Von Dr. F. C. H. Creplin. Fort-
setzung. (Hierzu Taf. III. F. A.) 112
Beobachtungen über das Wachsthum der Vegetationsorgane in
Bezug auf Systematik. Von A. Grisebach. Zweiter Ab-
schnitt, (Hierzu Taf. IV.) 134
Bemerkungen über die Coryna squamata von Heinrich Rathke.
(Hierzu Taf. V. F. 1 - 6) 155
Ueber einen neuen Wurm Sipunculus ( Phascolosoma) srutatus.
Von J. Müller. (Hierzu Taf. V. F. A- D) . . 166
Ueber die Entwickelung der Seesterne. Fragment aus meinen
„Beiträgen zur Fauna von Norwegen. Von M. Sars. (Hierzu
Taf. VI. Fig. 1-22) . . 169
Beschreibung neuer Ästenden von J. Müller und F. H. Troschel 178
Einige Bemerkungen über die Gattung Serpula, nebst Aufzählung
der von mir im Mittelmeer mit dem Thier beobachteten Ar-
ten. Von Dr. A. Philippi. (Hierzu Taf. VI. F. A — T) . 186
Ueber Lumbricus variegatus Müller's und ihm verwandte Anne-
liden. Von Prof. E. Grube. (Hierzu Taf. VII) . .198
Systematische Uebersicht über die Ordnung der Zecken. Von
C. L. Koch, Kreisforstrath in Regensburg .... 217
Beschreibung einer neuen Art der Gattung Cercolabes. Von J.
T. Reinhardt .... 240
2*206?
Seite.
Mammalium conspectus, quae in Republica Peruana reperiuntur
et pleraque observata vel collecta sunt in itinere a Dr. J. J.
de Tschudi . 244
Beitrag zur Diagnostik der einheimischen Froscharten von A.
Fr. Schlotthauber ... 255
Nachträgliche Bemerkungen zu den Beiträgen zur Fauna Nor-
wegens. Von H. Rathke ........ 257
Avium conspectus, quae in Republica Peruana reperiuntur et
pleraeque observatae vel collectae sunt in itinere a Dr. J. J.
de Tschudi -262
Beschreibung einiger neuer in der Mammuth- Höhle in Kentucky
aufgefundener Gattungen von Gliederthieren. Von Dr. Th.
Teilkampf. (Hierzu Taf. VIR) . .318
Ueber das Leuchten einiger Seethiere. Von Dr. Fr. Will, Pri-
vatdocent in Erlangen 328
Ueber Staurosoma, einen in den Aktinien lebenden Schmarotzer.
Von Demselben. (Hierzu Taf. X. F. 1 — 9) . . . .337
Ueber Distoma Beroes. Von Demselben. (Hierzu Taf. X.
F. 10-13) 343
Nachtrag zu den Beobachtungen über das Wachsthum der Blät-
ter. Von A. Grisebach. (Hierzu Taf. XI) . . . .345
Bemerkungen über die Molluskenfauna Unter -Italiens. Von Dr.
A. Philippi (Fortsetzung) • 348
Ueber Hirudo tessulata und marginata O. F. Müll. Von Friedr.
Müller, Stud. phil. (Hierzu Taf. X. F. 14) . 370
<2t\* * .
Über den Vegetationscharacter von Hardanger
in Bergens Stift.
Von
A. Grisebach.
In der Nähe des 60sten Breitegrades, am Söefjord im west-
lichen Norwegen, hat man mehrmals vergeblich versucht die
Buche anzupflanzen : dagegen ist dies an der äufsern Küste
des Meers mehrere Meilen nördlich von Bergen gelungen, ja
es sollen nach Blytt ') sogar über den 63sten Grad hinaus
einige Bäume noch bei Christiansund fortkommen. Aber dies
sind auch die beiden einzigen Puncte an der ganzen norwe-
gischen Westküste, wo Buchen gefunden werden. Solche Ano-
malien in der Verbreitung der Gewächse verdienen unsere
Aufmerksamkeit, nicht blofs wenn wir die natürlichen Hülfs-
quellen eines Landes darstellen wollen, sondern vorzüglich
bei der Untersuchung der Einflüsse, welche theils das Clima
theils die Gestalt der Erdoberfläche auf die Pflanzen äussern.
In der Provinz Bergens Stift giebt es noch mehr ähnliche
Probleme zu lösen. So will auch die Rothtanne, der vor-
züglichste Baum Tellemarkens, an der Seeküste nicht gedeihen,
und in dem weitläufigen Bezirke des Hardangerfjords , wo
ich mich während des Julius und August im Jahre 18^2 auf-
hielt, habe ich nur an einer einzigen Localität, auf dem Passe
der nach Vossevangen führt, diesen Baum gesehen. Eine der
häufigsten Pflanzen jener Gegend ist Digitalis purpurea, allein,
wenn man von Hardanger nach T ellemarken reist, sieht man
sie nicht mehr, sobald man über den kleinen See Odde-Vand
gesetzt ist. Doch wir wollen zunächst bei der Buche ver-
weilen, wir wollen uns mit der Frage beschäftigen, weshalb
dieser Baum nur an zwei weit entlegenen Puncten aufkommt.
') In Hornemann's Plant elaere. Kiobenhavn. 1837.
Archiv 1. Naturgeschichte. X. Jahrg. I. Bd. 1
2 A. Grisebach. über den Vegetationscharacter
Die Temperatur, innerhalb deren eine Buchen- Vegetation
möglich ist, kennen wir mit hinlänglicher Genauigkeit. Die
meteorologischen Beobachtungen auf der Sternwarte zu Chri-
stiania geben hiezu einen sichern Anhaltspunct: denn wenige
Meilen südlich von dieser physicalischen Station stehen die
letzten Buchen am Fjord bei Holniestrand. In dem Clima
von Christiania selbst hingegen gedeihen sie nicht mehr. Es
ist merkwürdig, dass die Buchenwälder nirgends so üppig und
hochstämmig sind , als in der Nähe von deren Polargrenzen :
so auf den dänischen Inseln unter 56° n. B., da der Baum
in Schweden doch schon unter 57° sehr selten wird, und so
ist auch der einzige grosse Buchenwald Norwegens, welcher
neben der Einfahrt in den Meerbusen von Frederiksvärn liegt
und vom 59sten Breitengrade geschnitten wird, nur 7 Meilen
von jenem Scheidepunct, von Holmestrand entfernt. Es unter-
liegt keinem Zweifel , dass aus der Reihe der die Vegetation
beherrschenden Factoren die Temperatur es allein ist, welche
vom nördlichen Gestade des Christiania -Fjords die Buchen-
waldungen ausschliesst. Die mittlere Wärme beträgt daselbst
nur 5°,4C, noch etwas weniger als zu Stockholm, von wo
man bis zu den nördlichsten schwedischen Buchen schon eine
mehrtägige Reise zu machen hätte. Auch der jährliche Gang
der Temperatur in den beiden scandinavischen Hauptsädten ist
ziemlich derselbe. Vergleichen wir damit die climatischen
Verhältnisse von Gothenburg, wo die Buche noch vorkommt,
so schliessen wir zwischen diesen Werthen die wahre Grenze
des Buchen Climas ein. Zu diesem Zweck ist das arithme-
tische Mittel beigefügt.
Christiania. ' ) Stockholm.2 ) Gothenburg. 3) Mittel.
Mittlere Wärme +5°,2C. + 5n,7C. + 7°,9C. + 6°,2C.
Winterkälte . — 5°,0 - — 3°, 5 - — 0°,3 - — 2°, 9 -
Sommerwärme +15°, 5- +15°, 8- +16°, 9 - 4-16°, 0 -
Kälte des kälte-
sten Monats — 6°, 4- — 4Ü,3- — 1°,1- — 3°,9
') Nach Hansteen in Magazin for Naturvidenskaberne. 1841.
a) Nach Mahlmann's Tafeln in Dove's Repertorium der Physik.
Bd. 4. S. 33.
3) Daselbst S. 33. und 136.
von Hardanger in Bergens Stift. 3
Nehmen wir nun an, dass die Polargrenze der Buche in
Scandinavien durch dieses arithmetische Mittel, d. h. durch
mittlere climatische Werthe zwischen drei in der Nähe der-
selben im Niveau des Meers gelegenen Orten ausgedrückt
wird, so können wir weiter aus den am Ufer des Hardanger-
Fjords angestellten Messungen folgern, ob diese Gegenden,
in denen die Buche nicht einheimisch ist, noch innerhalb des
Buchenclima's liegen oder nicht.
Ullensvang. ')
Mittlere Wärme +7°, 2 C.
Winterkälte — 0°, 1 -
Sommerwärme +15°, 6 -
Kälte des kältesten Monats . . . — 0°, 7 -
Wärme des wärmsten Monats . . + 16°, 9 -
Das Clima am Meeresnfer von Bergens Stift und von Bo-
huslän stimmt daher in den Wärmeverhältnissen beinahe über-
ein: nur ist die Sommerwärme an der norwegischen Küste
o-eringer, aber doch in Ullensvang nur um 0,4° unter den für
die Polargrenze der Buche in Scandinavien gefundenen Werth
gesunken. Liegt nun hierin die Ursache, dass dieser Baum
am Söefjord nicht gedeiht? Solch' ein Schlufs aus spärlichen
Daten würde sehr gewagt sein , indessen ganz unbegründet
stellt er sich dar, wenn wir die Verbreitung der Buche auf
den britischen Inseln berücksichtigen, wo die Wärme der
Sommermonate nach Norden rasch abnimmt und z. B. in Edin-
burgh nur noch 14°, 1 C. beträgt. Ferner ist der Sommer
an der äusseren Meeresküste bei Bergen viel kühler, als in
den inneren Fjorden: dort soll dessen Wärme nur 13°, 2 C.
betragen, und eben dort giebt es Buchen, wie oben angeführt
wurde. Endlich ist es bekannt, dafs die Polargrenze der Buche
in Russland einer lsochione ziemlich parallel läuft: die Ve-
getation dieses Baumes ist daher von der Sommerwärme weit
unabhängiger als von der Kälte des Winters, und diese ist in
Ullensvang geringer als in Gothenburg.
Wir müssen daher jene Erscheinungen aus andern Ur-
sachen ableiten, wir dürfen sie nicht auf die Temperatur be-
ziehen. Die übrigen climatischen Factoren sind zu wenig
') Daselbst S. 31.
1*
4 A. Grisebarh: über den Vegetationsoharaeter
untersucht, allein wir bedürfen deren auch nicht, indem die
höchst merkwürdigen Bodenverhältnisse von Bergens Stift weit
entschiedener unser Interesse in Anspruch nehmen. Von die-
sen wird der Vegetationscharacter der ganzen Provinz bedingt,
nur diesen loealen Eigenthümlichkeiten glaube ich es zuschrei-
ben zu müssen, dass die Buche nicht gedeiht in einem Lande,
wo der Winter so mild ist, dass die schmalen wellenlosen
Flüssen gleichenden Meerbusen nicht einmal gefrieren. Wäre
der Boden ihr günstiger, so möchte sie doch wenigstens in
jenen tief eingeschnittenen, abgeschlossenen Thälern sich an-
siedeln, in denen der Sommer keineswegs !) so übermässig
feucht und durch unaufhörliche Wolkenbilduiig erkältet ist,
wie an der Bergenschen Küste, deren Clima Christian Smith
nicht hinlänglich von dem der Fjorde unterschieden hat.
In den Profilen zu L. v. Biich's nordischer Reise sind
Norwegens Niveauverhältnisse deutlich skizzirt, aber kaum ist
es möglich, sich, ohne das Land zu sehen, eine rechte Vor-
stellung davon zu machen. Und doch wird das Pflanzenleben
durchaus davon bedingt. Es darf hier nicht bloss die Rede
sein von hoher oder tiefer Lage, es hängt der Character des
Ganzen von Verhältnissen ab, die mit keinem andern euro-
päischen Gebirgslande das Geringste gemein haben. Die ge-
wohnten Anschauungen von Bergketten, Thälern, Pässen, Was-
serscheiden mufs man vergessen , um sich in norwegischer
Natur heimisch machen und die Ordnung ihrer vegetabilischen
Decke begreifen zu können. Ich spreche hier nur vom süd-
westlichen, dem eigenthümlichsten Theile des überall merk-
würdigen, wiewohl einförmigen, Landes, von dem einer Ge-
birgswüste vergleichbaren Gebiete zwischen Kongsberg und
Bergen, zwischen der Strasse über den Dovrefjeld und Cap
Lindesnaes. Dieses ganze Gebiet ist ein Tafelland ohne Rand-
gebirge, die engen Thalwege, die von allen Seiten, jedoch in
grossen Abständen, in dasselbe einschneiden, werden nicht
durch Bergketten, sondern durch Hochflächen weit von ein-
ander abgesondert: deshalb gleichen sie entlegenen Oasen der
') So schreibt Herzberg gerade dem Kirchspiel Kinfervig in Har-
danger einen warmen und regenlosen Sommer zu (Budstikker 1818
Nr. 86.).
von Hardanger in Bergens Stift. 5
Wüste , denn die Fjelde , d. h. der ganze Rücken des Landes
ist unbewohnt und wird nur hier und da im Sommer von
Viehheerden beweidet. Dieses Hochland ist von Osten nach
Westen zu drei Gebirgsmassen von verschiedener Structur ge-
gliedert. Die mittlere und oberste Terrasse, Schouw's Oro-
pedion, insgemein die Langfjelde genannt, ist bei einer Meri-
dianlänge von 58 — 62° n. B. fast überall 12 — 15 geograph.
Meilen breit. Diese ganze Hochfläche von etwa 800 □Meilen ist
durchaus oberhalb der Baumgrenze gelegen , eine Steppe mit
schwacher Humusdecke, sparsam mit Alpenkräutern und Cy-
peraceen bewachsen, häufiger von ödem Gneissgerölle bedeckt,
wellenförmig gebaut, ohne alle symmetrische Thalbildung, hier
und da zu isolirten Felsblöcken, den höchsten Erhebungen
des Landes, aufgethürmt, den grössten Theil des Jahres über-
all zugeschneiet, während des Sommers den geschmolzenen
Schnee oder im Torfmoore angesammelten Nebel in den Nie-
derungen zu Seen vereinigend, aus denen auf unsichern Was-
serwegen an den Seitenwänden der Terasse oft in mächtigen
Cascaden die Ströme des tieferen Tafellandes gespeist werden.
Von den Thalern, welche alle diese Gewässer aufnehmen, sind
die beiden untern Terassen tief eingefurcht, durch diese Ein-
schnitte unterscheiden sie sich von den Langfjelden weit auf-
fallender, als durch ihr Niveau. Dadurch allein werden sie
bewohnbar, weil nur in den Thalwegen urbare Ackerkrume
liegt, dadurch stehen sie mit dem Meere in unmittelbarer Ver-
bindung, von hieraus können die Fjelde zur Sennwirthschaft
genutzt werden. Die östliche Seitenterasse ist wieder ganz
verschieden von der westlichen gebaut; sie senkt sich allmäh-
lich unter die Baumgrenze, sie neigt sich minder schroff ge-
gen die Thalwege, weite Abhänge sind mit Nadelholz bestan-
den, so nimmt in Teilemarken das Land den Character eines
waldigen Mittelgebirgs an, aus dem nur einzelne Gipfel, wie
der Gausta, der Liefjeld alpengleich sich erheben.
Ganz anders verhält sich die westliche Terasse, welche
fast bis zum Küstensaume mit den Langfjelden in gleichem
Niveau liegt, und zu den engen Thalwegen äusserst schroff ab-
fällt, Hier erreicht z.B. das grosse Schneefeld des Folgefon
den eine Höhe von 5240', gleich wie die mittlere Erhebung
der Langfjelde 4 — 5000' beträgt, so dafs man über diese hin-
6 A. Grisebach: Über den Vegetationscharacter
weg vom 5400' hohen Horteigen , einem der dem Hardanger-
fjeld aufgesetzten Felsprismen, den Gausta im östlichen Telle-
marken sehen kann. Der äusserste Rand des Hardangerfjelds
liegt nach L. v. Buch's Messung 4292 Par. Fuss ' ) über dem
Thalniveau von Ullensvang und fallt mit einfacher Wandung
zu dem Pfarrhause unter einem Winkel von 35° ab. Die
Breite dieses Thals beträgt daselbst \ geogr. Meile, und gegen-
über erhebt sich der Folgefonden mit gleich starker, oft noch
steilerer Böschung. Dies ist der Character aller Thaleinschnitte
in Bergens Stift. Bei einer solchen Ausdehnung der Hoch-
ebenen ist daher fast die ganze Oberfläche des Landes nur
einer alpinen Vegetation zugänglich, welche hier nicht wie in
den Alpen auf die einzelnen Berge sich einschränkt und zu-
gleich wegen mangelnder Erdkrume jeder Fülle entbehrt. In-
dessen noch weit nachtheiliger für die Mannigfaltigkeit der
Flora dieser Gegenden, so wie für deren Culturfähigkeit ist
der Umstand, dass die Thalsohlen grösstentheils weit tiefer
liegen, als das Niveau der Nordsee, und dafs sie daher ihrer
ganzen Länge nach von Meerwasser ausgefüllt werden. Darin
besteht, wie L. v. Buch höchst treffend ausgedrückt hat 2),
der einzige Unterschied der norwegischen Fjorde von den
Thäleni der Alpen: reichte das Meer in der Lombardei 2000'
höher, so würde aus den südlichen Thälern des Gotthard ein
anderer Sognefjord entstehen. Der Söefjord ist bei Ullens-
vang 1200' tief. Die Fjelde müssten sich daher noch um drei
Viertel ihrer jetzigen Höhe erheben, um fruchtbare Thäler im
westlichen Norwegen hervorzubringen.
Aus diesen beiden Verhältnissen, der hohen Lage des
Landes und der tiefen Bildung der Thäler, ergiebt es sich
von selbst, dass in einem Clima, das beinahe so mild ist wie
in Dänemark, milder als das westpreussische, die spärliche
Bevölkerung ohne Fischfang sich nicht würde ernähren kön-
nen, und nur deshalb, weil es der Cultur an Raum fehlt. Es
giebt kein Vorland, keine culturfähige Ebene von Bedeutung
in der ganzen Provinz. Wie gering die Ackerfläche sei, zeigt
') Budstikker 1820 Nr. 7. 8.
2) Dessen Reise über den Filefjeld in Topographiske statistiske
Samlinger. 1.
von Hardanger in Bergens Stift. 7
zum Beispiel eine der wohlhabendsten Ortschaften, Oppedal
in Hardanger, die aus 15 Gaarden besteht, worin 34 Bauer-
fauiilien ') wohnen. Die ganze Feldbreite am Ufer des Fjords
zählte ich 760 Schritte, von da reicht sie bei einer Böschung
von etwa 20° nur 500' hoch bergan, und die Gerstenfelder
werden noch von den Gehöften, auch von Obstbäumen und
von Gehölz unterbrochen: dieses Laubgehölz aber steht dort
nicht aus Nachlässigkeit, es ist ein wesentlicher Bestandteil
der Wirthschaft, von dessen Laube müssen im Winter die
Viehheerden ernährt werden, die nur während des kurzen
Fjeldsommers auf dem Plateau leben.
Doch selbst jene schmale abschüssige Region an den
Fjordufern wird der Vegetation durch die Beschaffenheit des
Bodens zum Theil ganz entzogen. Theils steigert sich die
Böschung der Thalwände häufig über 45°, theils fehlt es über-
haupt gar zu sehr an Erdkrume. Die Humusdecke über dem
anstehenden Gestein beträgt am Söefjord auf dem Acker 6— 8
Zoll, auf unbebauetem Boden im Durchschnitt nur 3 — 4
Zoll. Dies halte ich für den einzigen Grund, weshalb in Har-
danger weder die Buche noch die Tanne fortkommt. Die
Fjelde tragen ebenso wenig Erdkrume, wie die Fjordufer,
oder noch weniger , so dass dies als ein allgemeines Phäno-
men für die ganze Provinz anzusehen ist. Damit steht der
Character der Vegetation in so naher Beziehung, dafs ich
dessen Bedingungen nachzuforschen mich bemüht habe. Meh-
rere Ursachen scheinen hiebei zusammenzuwirken, unter denen
die Beschaffenheit des norwegischen Felsgebäudes indessen
voransteht. Die ganze Fjeld- Masse wird aus nahezu vertical
gestellten, äusserst festen Gneissschichten gebildet, welche der
Verwitterung durch die Atmosphäre vielleicht ganz unzugäng-
lich sind. Die allgemeine Verbreitung der Diluvial -Schram-
men auf deren Kanten macht es gewiss, dass ihre Oberfläche
sich jetzt noch in demselben Zustande befindet, als zu der
Zeit, da diese seichten Furchen gebildet wurden. Das Was-
ser, welches in andern Gebirgen theils durch die mechanische
Gewalt seines Gefälles, theils durch die in demselben gelöste
') J. Kraft topographisk - statistisko Beskrivelse over Norge.
Vol. 4. p. 568.
g A. Grisebach: Über den Vegetationscharacter
Kohlensäure vornehmlich den Verwitterungsprocefs einleitet,
kann diesen Einfluss auf die Fjelde fast gar nicht ausüben:
drei Vierteljahre fällt es als Schnee herab und , wenn dieser
schmilzt, wenn er sich mit den meist nebeiförmigen Nieder-
schlägen des Sommers vereinigt, so sammelt sich das Wasser
rasch in den Niederungen an, es gleitet auf der Oberfläche des
Plateaus hin ohne in den festen Gneiss einzudringen; die Thal-
wände der Fjelde sind quellenleer, alles Wasser stürzt von oben
zu den Fjorden herab. Mechanische Kräfte sind wegen des gleich-
förmigen Niveaus der Fjelde fast nur an deren Seitenwänden
thätig, und was hier losgerissen wird , was mit den Cascaden,
mit den Schnee- und Felslawinen herabstürzt, sinkt grössten-
theils in die Tiefen der Fjorde, ohne deren Ffer mit gepul-
verten durch die Pflanzenwelt zersetzbaren Mineralfragmenten
zu befruchten. Bringt man nun noch den Verlust in An-
schlag, den die einmal gebildete Erdkrume alljährlich durch
den Ackerbau, so wie durch den Fall der Gewässer an so
steilen Abhängen erleidet, so wird man sich vielmehr darüber
wundern, dass unter den ungünstigsten Verhältnissen die Na-
tur, so sparsam sie in diesen Gegenden mit den Bedingungen
des Pflanzenlebens verfahren ist, sich doch noch in einem ge-
wissen Gleichgewichte erhält: wozu namentlich die ausser-
ordentlich verbreiteten, alle den Fjorden zugekehrten Fels-
wände schwärzenden Hypothallen von Leeideen, so wie viel-
leicht auch auf den Fjelden die Torf bildenden Moose, von
denen viele Niederungen ausgefüllt sind, mitwirken. Allein
dennoch ist dieses Gleichgewicht zwischen gebildeter und weg-
geführter Erdkrume vielleicht nicht ganz beständig. Herz-
berg') sagt: wo Bäume in Hardanger ausgehen, wachsen keine
wieder, die Baumgrenzen sinken immer mehr. Diese That-
sache, bei deren Erwähnung jener vielseitige Kenner seines
Landes Änderungen des Climas im Sinne hatte, würde sich
einfacher daraus erklären, dass der Ackerbau jetzt mehr Erd-
krume verbraucht, als in den Zeiten, da ein alter Baum in
der Wildniss sich besamte : doch erst später werde ich meine
Beobachtungen über gewisse historische Änderungen in der
') Budstikker 1818 8. 651.
von Hardanger in Bergens Stift. 9
Vegetation von Hardanger mittheilen und damit auch diese
Hypothese beleuchten.
Wenden wir uns jetzt zu dem Character der Flora dieses
Districts im Einzelnen. Es erhellt aus der bisherigen Dar-
stellung, dass die Vegetation der Fjelde von der der Fjord-
abhänge ganz geschieden ist. Zunächst will ich die alpinen For-
mationen characterisiren und bemerke, dass die Resultate auf
folgenden Reiserouten gewonnen wurden:
I. Übergang über die Langfjelde, und zwar über den
Hauglefjeld zwischen Gegaarden und Röldal. 9 g. Meilen.
II. über den Hardangerfjeld zwischen Röldal und Sael-
gestad. 3 g. Meilen,
III. Besteigung des Folgefonden bis auf das Schneefeld
von Reissäter aus.
IV. Übergang über den Hardangerfjeld zwischen Ullens-
vang und Morsaeter am Vöringsfossen. 12 g. Meilen.
V. Über den Utnefjeld zwischen Aga und Korsnaes am
Samlenfjord. 3 g. Meilen.
Die Baumgrenze wird an den Seitenabhängen der Fjelde
durch eine glatte Form von Betula pubescens Ehrh. gebildet,
nicht wie gewöhnlich angegeben wird durch Betula alba '),
welche ich in Norwegen nirgends gesehen habe. Das Niveau
der Birkengrenze, wovon es zahlreiche Messungen giebt, wel-
che von Neumann und Blytt gesammelt sind, beträgt an der
Ostseite der Langfjelde im Mittel 3200', an der Westseite
2800'; am Folgefonden sinkt es hier bis zu 1800'. Da nun
die tiefsten Puncte auf dem Rücken der Fjelde, z. B. der
Ulevaa's Botten zwischen Voxlie und Röldal 3200' hoch lie-
gen, so ist die Baumform der Birke vom Plateau ganz aus-
geschlossen. Die obere Grenze der Vegetation an der Schnee-
linie übersteigt selten ein Niveau von 5000', gegen die Küste
hin aber ist sie gleich der Birkenregion tiefer gelegen.
') 1. B. pubescens Ehrh. foliis ovato -rotundatis obtnsatis, se-
mine obovato , ala semiobovata. ß. glabrata : foliis glabratis,
ala seminis latiori. Syn. B. carpatica W.
2. B. alba Aut. foliis rhombeis acutatis, semine elliptico, ala
semiovali.
10 A. Grisebach: über den Vegetationscharacter
Die Alpenpflanzen der Fjelde wachsen demnach meist
zwischen den Grenzen von 3000' und 5000'. Innerhalb die-
ses Raumes ordnen sich die einzelnen Formationen theils nach
der Höhe, theils nach der Feuchtigkeit des Bodens. Der Ein-
fluss der Höhe ist ausserhalb der Wasserwege überall sichtbar:
denn da die ganze Fläche wellenförmig gewölbt ist, so wie-
derholt sich die Abgrenzung der Regionen, so oft man in ge-
rader Linie über das- Plateau hinreisend in die Wellenthäler
hinab oder zu den Wellenkämmen hinauf steigt. Die letztem
begrenzen stets nach allen Richtungen den nahen Horizont,
und doch sind sie gewöhnlich nur einige hundert Fuss höher
als die Niederungen. Vergebens hofft der ermüdete Wanderer
einen culminirenden Punct zu erreichen, unaufhörlich steigt
er auf und nieder, ohne durch irgend eine Fernsicht belohnt
zu werden, der Pfad über den' Hauglefjeld führt ihn nicht hö-
her als bis 4600', nicht tiefer als bis 3200' hinab.
Die am tiefsten gelegenen Gegenden der Fjelde, sofern
sie nicht von Wasser oder Sumpf ausgefüllt werden, sind von
Betula nana L. ziemlich dicht bewachsen. Dieser armhohe
Strauch liefert das Brennholz für die Sennhütten. Eine spär-
liche Vegetation von Cyperaceen, Gräsern, Moosen und von
den kleinern Alpenkräutern wächst zwischen diesem Gesträuch.
An steileren Abhängen, und besonders gegen die Seitenkanten
des Fjelds wechselt diese Formation mit Salix glauca L., einem
Strauche, der bis tief in die Coniferenregion verbreitet und
gleichfalls gesellig aus weiter Ferne an seinem silberfarbenen
Laube kenntlich ist, was gegen das düstere Tiefgrün der Zwerg-
birke anmuthig absticht. Die Neigung des Bodens hindert
übrigens auf dem Rücken der Fjelde die Vegetation nicht,
Alles ist gangbar, nirgends ein schroffer Hang, jedoch jeder
Pfad im Gerolle stets beschwerlich.
Über den Zwergbirken folgen andere, niedrigere Sträu-
cher, welche nicht so gesellig wie jene meist gemischt unter
einander wachsen, auch den krautartigen Gewächsen zwischen
sich mehr Raum lassen. Diese Sträucher sind nach ihrer Häu-
figkeit geordnet: Vaccinium Myrtillus L. , Empetrum nigrum
L. , Phyllodoce taxifolia Salisb. , Juniperus nana W. , Calluna
vulgaris Salisb., Betula pubescens Ehrh. var. fruticosa, Vacci-
nium uliginosum L.
von Hardanger in Bergens Stift. \[
Diese Sträucher werden, je höher man steigt, allmählig
immer seltener, bis zuletzt der Boden, so weit er Erdkrume
trägt, nur noch von alpinen Kräutern und Glumaceen, so wie
von Erdlichenen und Moosen bedeckt ist. In dem folgenden
Verzeichnifs der von mir in dieser Formation beobachteten
Gewächse, von denen die meisten sich abwärts bis in die Re-
gion der Zwergbirke verbreiten, sind die häufigsten Arten
durch gesperrte Schrift bezeichnet; denen, die minder allge-
mein vorkommen, ist der Standort mittelst einer auf die oben-
angeführten Reisen zurückweisenden Ziffer beigefügt.
Phaca astragalina DC. IV.
Trifolium repens L.
Alchemilla alpina L.
vulgaris L.
Dryas octopetala L. IV.
Sibbaldia procunibens L,
Potentilla salisburgensis Hk.
Tormentilla erecta L.
Rubus chamaemorus L.
Geranium sylvaticum L. I.
Lychnis alpina L. III.
vespertina Retz. I.
Cerastium alpinum L.
Alsine biflora Wahl. IV.
Sagina Linnaei Prl.
procunibens L. var. corollata Fzl.
Helianthemum oelandicum DC. var. alpestre. IV.
Cardamine bellidifolia L. III.
Arabis alpina L.
Ranunculus glacialis L. III.
pygmaeus Wahl,
acris L. var. pumilus Lindbl.
Saxifraga rivularis L. II. IV.
caespitosa L.
stellaris L.
Rhodiola rosea L.
Sedum annuum L.
Pyrola minor L.
Arbutus alpina L. 1.
12 A. Grisebach: Über den Vegetationscharacter
Cassiope hypnoides Don. I. IV.
Trientalis europaea L.
Pedicularis lapponica L. IV.
Euphrasia off ic in aus L. var. minima Schi.
Veronica alpina L. III.
Bartsia alpina L.
Gentiana campestris L. IV.
nivalis L. IV.
purp urea L. I.
Campanula rotundifolia L,
Oporinia norvegica nov. sp. ') 111 .
Hieracium alpinum L.
Taraxacum dens leonis Desf.
Saussurea alpina DC.
Erigeron uniflorus L.
Solidago Virgaurea L.
Omalotheca supina DC.
Gnaphalium norvegicum Gunn.
alpinum L.
Rumex Acetosa L.
Oxyria reniformis Hook.
Polygonum viviparum L.
Salix reticulata L.
Habenaria viridis Rieh.
Tofieldia borealis Wahl. IV.
Majanthemum bifoliuni' DC. I.
Luzula nigricans Desv.
spicata Desv.
arcuata Wahl. II.
Juncus castaneus Sm.
trifidus L.
biglumis L.
alpinus Vill.
Carex saxatilis L.
canescens L. var. alpicola Wahl.
') Op. scapo mono - dieephalo apice involucroque atro-villoso,
foliis lineari-lanceolatis glabris remote dentato-runcinatis. — Habitus
Apargiae Taraxaci W., sed pappus Oporiniae.
von Hardanger in Bergens Stift. 13
Carex lagopina Wahl.
- pulla Good. IV.
Vahlii Schk. IV.
Phleum alpinum L.
Anthoxanthum odoratum L.
Agrostis rubra L. ')
Aira caespitosa L.
- montana L. 2)
Poa alpina L. var. vivipara.
Festuca ovina L. var. vivipara.
Nardus stricta L.
Equisetum reptans Mich.
sylvaticum L.
Polypodium alpestre Hp.
Aspidium Filix mas Sw.
Lycopodium alpinum L.
Selago L.
clavatum L.
Weissia crispula Hedvv.
Treniatodon ambiguus Hedw.
Dicranum falcatum Hedvv.
cerviculatum Hedvv. var. pusillum H.
Bryum elongatum Dies. var. alpinum B. S.
nutans Schreb. var. denticulatum B. S.
Ludvvigii Spr.
Duvalii Voit. III.
Conostomum boreale Sw. V.
Polytrichum septentrionale Sw.
Catharinea hereynica Ehrh.
Jungermanniajulacea L.
concinnata Lightf.
Flotowiana Nees.
>) Agr. foliis linearibus planis, ligula oblonga, paniculae ramis
glaberrimis, palea aristata, altera nulla. — Syn. Agr. alpina Hornm.
2) Aira montana L. ab A. flexuosa L. spiculis trifloris purpureis
nitentibus, arista firmiori et panicula contraeta distineta est. Paleae
inferiores in nostra tricuspidatae dentibus brevibus ciliatis, nee quin-
quefidae, quales in descriptione Kunthiana exhibentur.
J4 A. Grisebach: Über den Vegetationsoharacter
Jungermannia acuta Nees.
emarginata Ehrh.
barbata Schreb.
Storeocaulon tomentosum Wähl.
Biatora venia Fr.
Cladonia rangiferina Hoffni.
un cialis Hoffni.
Cetraria islandica Ach.
aculeata Ach.
nivalis Ach.
cucullata Ach.
Evernia ochroleuca Fr.
Man erkennt aus diesem Verzeichnisse leicht, dafs die
dicotyledonischen Familien, namentlich in ihren geselligen For-
men weit gegen die Monocotyledonen zurücktreten. Omalo-
theca supina und Sibbaldia procumbens sind beinahe die ein-
zigen Rasen bildenden, dicotyledonischen Kräuter, und diese
sind nicht grösser als Moos. Weiter aufwärts gegen |die Firn-
grenze verlieren sich nun auch die Cyperaceen und Gräser,
dann würden nur die Cryptogamen übrig bleiben, wenn nicht
noch eine phanerogamische Pflanze mit ihnen vereinigt wüchse,
die Salix herbacea L. , durch welche die vierte und oberste
Region auf dem Plateau bestimmt wird. Diese der Erdkrume
völlig angedrückte Pflanze wächst zwar gesellig, aber sie lässt
doch weite Räume leer, welche entweder von Bryum elonga-
tum und andern Moosen oder von den genannten ErdJichenen
die letzte vegetabilische Bekleidung empfangen.
Diese vier nur vom Niveau abhängigen Vegetationsstufen
sind besonders deutlich auf dem Hauglefjeld zwischen Voxlie
und Röldal ausgeprägt. Hier kann man, gestützt auf Holm-
boe's Höhenbestimmungen von mehreren Localitäten, deren
Bereich etwa folgendermassen schätzen:
1. Formation der Zwergbirke 3200' — 3500'.
2. - der Heidelbeere. Von der Waldregion her
bis 3600'.
3. - der Alpenkräuter 3600'— 4400'.
4. - der Salix herbacea 4400'— 4600'.
Wir wenden uns jetzt zu den durch eine Verschiedenheit
des Bodens bedingten Formationen der Fjelde. Wo gar keine
von Hardanger in Bergens Stift. 15
Erdkrame liegt, sind die Gneissfelsen doch häufig von Steinflech-
ten bedeckt, unter denen Lecidea geographica Fr. den bei Wei-
tem vorherrschenden Bestandtheil bildet. Wenn sich in den
Spalten solcher Felsblöcke Humus ansammelt, erscheint eine
rupestre Formation von Alpenpflanzen und Moosen, welche
indessen nur wenige Arten zählt, und wo sie nicht besonders
vom Tropfenfall begünstigt ist, auch sehr ärmlich vegetirt.
Folgende Arten wurden von mir beobachtet, zu denen ich die
Namen der wenigen Steinlichenen * setze , die ich auf diesen
mühseligen Fjeldreisen zu untersuchen vermochte.
Silene acaulis L.
Draba alpina L. IV.
scandinavica Lindbl.
Saxifraga nivalis L.
cernua L. IV.
oppositifolia L. I.
rivularis L.
Juncus trifidus L.
Agrostis rubra L.
Onoclea crispa Br.
Polypodium phegopteris L.
Racomitrium lanuginosum Brid.
sudeticum Brid. V.
Bartramia ithyphylla B. S.
Jungermannia julacea L.
Lecidea geographica Fr.
contigua Fr. var. silacea.
atroalba Ach.
Parmelia atra Ach.
ventosa Ach.
chlorophana Wahl.
Umbilicaria erosa Hoffm.
polyphylla Hoffm.
Cetraria tristis Fr.
Folgen wir nun endlich noch den reichlich bewässerten
Niederungen, wo überall Torfsiimpfe, Teiche und Seen sich
bilden, wohin von den schmelzenden Schneefeldern oder aus
den Gletschern und vom Firn die reinsten Kiesbäche überall
hinfliessen, so treffen wir hier je nach der mannigfaltigen Ein-
16 A. Grisebach: Über den Vegetaüonscharacter
Wirkung des Wassers noch eine letzte Reihe von Pflanzenfor-
mationen. Wo der Schnee eben geschwunden, wächst auf dem
schwarzen Humus die herrliche Peltigera crocea Wahl. Hier
träufelt das Wasser auf ausgedehnte Moosrasen herab, welche
meist aus Bryum Ludwigii Spr. oder Jungermannia julacea L.
bestehen. Mannigfaltiger wird diese Moosvegetation da, wo
die Tropfen höher herabfallen, wo die rein gewaschenen Gneiss-
felsen den grössern Arten einen Befestigungspunct darbieten.
Alle diese Moose vegetiren während des Julius und August
in ausserordentlicher Fülle und Frische, sie halten das Wasser
lange zurück, wozu die kleinern zwischen Salix herbacea
wachsenden Arten gar nicht fähig sind. Daher sind die höhern
Abhänge im Verhältnifs zu der grossen Masse des im Sommer
gebildeten Wassers sehr trocken, während die Gewächse des
feuchten Bodens theils durch die grofsen Moose theils durch
Sphagnum vor Trocknifs stets bewahrt bleiben. Die Arten
dieser Formation sind folgende:
Bartramia fontana Hedw.
Hypnum aduncum L.
molle Dies.
Bryum Ludwigii Spr.
Dicranum subulatum Hedw. var. curvatum H.
Weissia acuta Hedw.
Jungermannia uliginosa Sw.
scalaris Sehr.
Marchantia polymorpha L.
Von hieraus wird das Wasser gleich zu Bächen aufgenom-
men, deren Ufer gewöhnlich von Saxifraga autumnalis L. dicht
bewachsen sind. Diese Vegetation reicht bis zu den Niede-
rungen herab. Die unter ähnlichen Verhältnissen wachsenden
Arten sind:
Epilobium alpinum L.
origanifolium Lam.
Saxifraga autumnalis L.
Saxifraga stellaris L.
Ranunculus reptans L.
Phippsia algida Br. IV.
In den Niederungen der Fjelde selbst, welche theils Was-
serbecken sind, theils durch Torfmoorvegetation einen Moor-
von Hardanger in Bergens Stift. Yl
grund erhalten, bestellt diese Formation aus folgenden Sumpf-
gewächsen :
Rubus chamaemorus L. Eriophorum capitatum
Epilobiuin palustre L. Host.
Viola palustris L. angustifolium
Stellaria cerastoides L. Rth.
Sagina procumbens L. < a rex lagopina Wahl.
Montia fontana L. - leucoglochin Ehrh.
Comarum palustre L. - dioeca L.
Andromeda polifolia L. - stellulata Good.
Pinguicula vulgaris L. - caespitosa L.
Menyanthes trifoliata I,. - irrigua Sni.
Juncus filiformis L. Scirpus caespitosus L.
castarieus Sm. Jungermannia uliginosa
biglinnis L. Sw.
Ward bisher die Vegetation der den Söefjord in Hardan-
ger unigebenden Fjelde unter einem gemeinschaftlichen Ge-
sichtspuncte dargestellt, so müssen wir jetzt auf den oben
erwähnten Gegensatz in den Niveaugrenzen derselben zurück-
kommen, welcher zwischen den Langfjelden und deren west-
lichen Seitenarmen statt findet. Ich sah in Bergen eine Charte
von Norwegen, auf welcher die Verbreitung des ewigen Schnees
angegeben ist. Ein Blick auf diese Zeichnung überzeugt, wie
gross der schneebedeckte Raum auf der westlichen Küsten-
terrasse des Landes ist, wie hingegen die Langfjelde grössten-
teils weder Firn noch Gletscher enthalten. Hier bleibt der
Schnee nirgends unter einem Niveau von 5000' liegen. Da
nun nur die dem Plateau aufgesetzten Felsmassen eine bedeu-
tendere Höhe besitzen, da diese meistentheils weit auseinander
liegen, zum Theil auch zu steil sind, um Firn zu tragen, so
ist in der That schon zu Anfang August bei Weitem der
grösste Theil des Plateaus schneefrei. Ganz entgegengesetzt
verhalten sich die Fjelde an den Fjorden. Die Jisbraeer zwi-
schen dem Sognefjord und Romsdalen tragen auf einer Fläche
von über 20 g. Quadratmeilen ewigen Schnee, die Firndecke
auf dem Folgefonden ist 6 g. Meilen lang und zwischen f und
2 g. Meilen breit. Nun wissen wir aber, dafs der Rücken
des letztgenannten Schneeplateaus ungefähr in demselben Ni-
veau liegt, wie die Langfjelde. Die Fjeldvegetation reicht auf
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. 1. Bd. 2
|g A. Grisebach: Über den Vegetationseharacter
dem gegenüberliegenden Hardangerfjeld mehr als 1000' höher.
Die untern Vegetationsgrenzen zeigen, wie von der Birke an-
gegeben, einen ähnlichen Unterschied.
Diese Erscheinung, vielfach erwähnt und gewöhnlich als
eine locale Depression der Schneelinie an der Bergenschcn
Küste aufgefafst, hat L. v. Buch in einer besondern Abhand-
lung beleuchtet '). Er zeigt, dafs die geringere Wärme des
Küstensommers hiebei wenig in Betracht komme, weil Früh-
ling nnd Herbst desto wärmer seien, nnd findet die erkältende
Kraft in der Masse des einmal vorhandenen Schnees. Allein
damit ist die Depression der untern Vegetationsgrenzen nicht
erklärt, welche auch in den von den Schneefeldern entfernten
Fjorden tiefer liegen.
Es scheint die erste Frage, worauf es ankommt, ehe an
die Lösung des Problems zu denken ist, hiebei ganz über-
sehen worden zu sein, nämlich ob wirklich die Vegetations-
grenzen der Küstenfjelde durch climatische und locale Ein-
flüsse sinken, oder ob sie nicht gerade auf dem Plateau der
Langfjelde über ihr natürliches Maass erhoben sind. Ist das
Letztere der Fall, so würde die Firnbekleidimg der Provinz
Bergen nichts Auffallendes haben , sondern eben das normale
Verhältniss darstellen. Bedient man sich der vom Kämtz 2)
angegebenen Formel, um die Schneelinie im südlichen Nor-
wegen zu berechnen, so ergeben die Messungen eine bedeu-
tende Elevation derselben im Bereiche des grofsen Plateaus.
Gemessene Schneelinie. Berechn. Differ.
Horteigen 60° n. Br. 3) . 5200' (v. Buch) 4690' 510'.
Filefjeld 61° 10' - . . 5250' (v. Buch) 4380' 870'.
Jötunfjeld 61° 25' - . . 5000' (Keilhau) 4390' 610'.
Dovrefjeld62° 15' - . . 5050' (Hisinger) 4220' 830'.
Demnach liegt die Schneelinie der Langfjelde im Mittel
700' höher, als nach dem climatischen Gesetze ihrer Senkung
gegen den Pol , so weit dasselbe aus den bisherigen Messun-
gen hervorgeht, der Fall sein müsste. So bedeutend ist die
') Gilbert's Annalen Bd. 41. 16.
a) Lehrb. der Meteorol. 2. p. 173.
3) Ich sah diesen Berg, der 5400' hoch ist, schneefrei. Die An-
gabe der dortigen Schneegrenze von Smith (4800') verdient daher
keine Berücksichtigung.
von Hardanger in Bergens Stift. ja
Wirkung der Plateauerwärmung im Gegensatz zu schmalen
Gebirgsketten: denn, dass liievon allein jene Elevation bedingt
sei, lässt sich mit grösster Wahrscheinlichkeit darthun. Es
sind die Verhältnisse Tiibets im Kleinen: Schneegebirge gren-
zen an ein kahles Hochland.
Auf der Bergenschen Seitenterrasse ist die Schneelinie,
so viel mir bekannt, nur an zwei Puncten gemessen, auf dem
Gebirge von Justedal und auf dem Folgefonden.
Gemessen. Berechnet.
Lodalskaabe | gß, 5080' (Bohr) 1
JustedalsbraeJ 5000' (v. Buch)J
Folgefonden 60°
Ostseite 4100' (Naum.)
4340' (Smith)
4800' (v. Buch))
Westseite 3950' (Naum.)
3850' (Smith)
Die Lodalskaabe gehört nebst der damit verbundenen Ju-
stedalsbrae zu dem Plateau der Jisbraeer. Dieses verhält sich
ebenso wie die Langfjelde, die Schneelinie ist daselbst um
700' elevirt, es ist die grösste zusammenhängende Hochfläche
der Seitenterrasse, nur ihrem die Mittelhöhe der Langfjelde
übertreffenden Niveau sind die grossen Firnmassen, die sie
trägt, zuzuschreiben. Die Jisbraeer erreichen eine Höhe von
6400'. Hieniit ist also das Phänomen, von dem wir ausgingen,
so weit es auf Messungen der Schneegrenze beruht, nur auf
den Folgefonden in Hardanger eingeschränkt.
Unter den Messungen der Schneelinie am Folgefonden
habe ich auch die Angabe von L. v. Buch, weil sie häufig an-
geführt wird, nicht übergehen wollen, allein da sie nur auf
einer irrigen Schätzung Herzberg's zu beruhen scheint, ist
kein Gewicht auf dieselbe zu legen. Aus dem Mittel der bei-
den andern Messungen ergiebt sich für die Ostseite des Fol-
gefonden eine locale Depression der Schneelinie um 470', für
die Westseite um 790'. Diese Depression ist daher geringer,
als die Elevation auf den Langfjelden. An der Ostseite dop-
pelt so gering, als sie früher gehalten worden ist, erklärt sie
sich aus den örtlichen Verhältnissen der Lage des Folgefonden.
Dieser Berg ist durch die ihn umschliessenden Fjorde
2*
2() A.Grisebach: Über den Vegetationscharacter
von den nahen Langfjelden vollständig abgesondert, er nimmt
daher an der Erwärmung des Plateaus keinen Aniheil. Nach
allen Seiten schroff abfallend, bildet er oben eine kuppenför-
mige Plattform, welche im südlichen Theile sich ganz all mäh -
lig bis zu 5240' (Naum.) '), also mehr als 500' über die nor-
male Schneelinie hebt. Ein grosser Theil derselben trägt daher
seiner Polhöhe gemäss ewigen Schnee. Überall hangen von
dem Firne in seinen flachen Seitenschluchten Gletscher herab,
zuweilen bis in die Nähe des Meers, wie der von Bondhnus-
Dalen, der erst im Niveau von 1000' endigt. Hiedurch wer-
den die Abhänge des Berges erkältet. Das ringsfliessende Meer
häuft viel Nebel an, die auf den Firn sich niederschlagen und
ihn vermehren. Aber die Nebel sind an der Westseite über
dem Samlenfjord viel häufiger, als da wo der trockne Ostwind
von den Langfjelden herüberkommt: deshalb liegt der Firn
dort mehr als 300' tiefer. Was aber am entschiedensten die
rein örtlichen Wirkungen des einmal gebildeten Firns und
Eises zeigt, ist der Umstand, dass die nördliche Fortsetzung
des Folgefonden gegen Utne bei ganz gleicher Lage und Berg-
gestalt grösstenteils schneefrei ist: denn hier ist der Berg
nach mehrern Messungen von Herzberg und Naumann nur
noch 4500' hoch, also freilich höher als die nunmehrige Firn-
region, aber nicht mehr deren Einflnsse ausgesetzt. Die Lage
des Hardangerfjelds über LUlensvang verhält sich, so nahe die-
ser dem Folgefonden liegt, gerade umgekehrt: er hängt in der
ganzen Breite rückwärts mit den Langfjelden zusammen und
wird gegen den Seewind durch den Folgefonden geschützt.
So muss ich denn in Bezug auf den Folgefonden der
Ansicht L. v. Buch's beitreten , wiewohl diese in Norwegen
keinen Beifall gefunden hat. Aber auch nur in Bezug auf
den Folgefonden halte ich sie für richtig, wo auch die Baum-
grenze so viel tiefer liegt, als an irgend einer andern Fjord-
wand. Denn die allgemeine Depression der Vegetationsgren-
zen gegen die Küste erklärt sich einfach aus der Abnahme
der Sommerwärme.
') Die Messungen Smith's scheinen sich auf den mittleren Theil
des Bergs zu beziehen. Mit Naumann stimmt Herzberg beinahe über-
ein, der dem Folgefonden eine Hohe von 5300' zuschreibt.
von Hardanger in Bergens Stift. 21
Aber eine ganz andere Gestalt gewinnt diese Untersu-
chung, wenn Ilerzberg's Meinung von einer historischen Ab-
nahme der Waldungen, von einer vermehrten Anhäufung des
Schnees gegründet ist. Ich habe oben zu einem andern Zwecke
die Vermuthung geäussert, dass die verminderte Menge der
Bäume wohl von dem Verluste des urbaren Hodens an den
Fjordwänden abhängen könne. Allein diese Ansicht erklärt
die Thatsachen nicht vollständig. Die wichtigste Beobachtung
unter denen, die eine wirkliche Änderung der Baumgrenze
beweisen, besteht darin, dass auf dem Rücken des Plateaus
in den Morästen allgemein Überreste von Bäumen vorkommen.
Diese sind zu häufig, als dass sie durch Menschenhand sollten
dahin gebracht sein können. Ich habe oben auf dem Plateau
des Folgefonden über Aga selbst Holzstämme, die wohl er-
halten sind, aus dem Torf herausschaffen lassen. Ich habe
sie mikroskopisch untersucht und gefunden, dass sie von Pi-
nus sylvestris, also nicht einmal von der Birke waren. Auf
den Schweizer Alpen hört die Kiefer 2600' unterhalb der
Schneelinie auf, die Rothlanne 2300' (Wahlenb.). In Norwe-
gen, wo die Kiefer etwas höher ansteigt als die Tanne, halten
sich diese Bäume gegenwärtig genau in demselben Abstände
vom Firn, wie dort.
Coniferengrenze.
Dovrefjeld (Pin. sylv.) . . 2750' (Naum.)
Filefjeld bei Steppen (Pin.
Abies.) 2700' ( - )
Gaustafjeld (Pin. Abies.) . 2900' (Blytt)
Folgefonden, Ostseite (Pin.
sylv.) ....... 1900' (Schouw) 4220' 2320'.
Norwegen besitzt daher in seinen Gebirgen Coniferenwälder,
so weit deren Vegetation überhaupt möglich ist. Die Wur-
zeln und Stämme der Fichte, die auf dem Folgefonden noch
bei 4000', also nur 200' unter der wirklichen, oder etwa 700'
unter der berechneten Schneelinie gefunden werden, können
unter den jetzigen climatischen Bedingungen dort nicht ent-
standen sein. Es ist eine nothwendige Folgerung aus dem
allgemeinen Vorkommen dieser vegetabilischen, unversteuerten
Überreste der Vorzeit, dass die Temperatur auf dem Fjeld-
plateau einst viel höher gewesen sei. Andere Umstände leiten
22 A. Grisebach: Über den Vegetationscharacter
auf dasselbe Resultat. Es ist eine allgemeine in Uardanger
verbreitete Sage, dass die Fjelde einst bewaldet und bewohnt
gewesen seien. In gewissen Ortsnamen soll die Erinnerung
sich erhalten haben: doch dienen solche Verknüpfungen nur
zum Beweis, dass die Meinung besteht, nicht zu deren Be-
gründung. So nannte man mir eine Niederung bei der Senn-
hütte von Oppedal, welche Finnebue heisst, zum Beleg, dass
hier einst Finnen gewohnt haben , aber Andere sehen in dem
Namen nichts weiter, als dass hier ein Weideplatz gefunden
sei. Viel entscheidender für jene Ansicht sind aber die neuer-
lich , namentlich auf dem Hardangerfjeld entdeckten Ruinen
menschlicher Wohnungen, welche das Gepräge des höchsten
Alterthums tragen und so viele einzelne Merkwürdigkeiten
enthalten, dass ganz abweichende Sitten der einstigen Fjeld-
bewohner daraus erkannt werden. Der Stiftamtmann Christie
wollte in der Zeitschrift Urda ausführliche Nachrichten über
diese Denkmale der ältesten Geschichte des Nordens mitthei-
len. So nahe es übrigens liegt, die Überreste des Waldes
und der menschlichen Cultur aus einer gleichzeitigen Ver-
nichtung des Bestehenden hervorgegangen sich vorzustellen,
so bleibt diese Idee doch ganz hypothetisch. Jahrtausende
können zwischen der Waldperiode und den menschlichen An-
siedelungen liegen. Man findet in jenen steinernen Ruinen
grosse Massen von Rennthierknochen, welche beweisen, dass
die Fjeldbewohner von der Jagd lebten. Wilde Rennthiere
giebt es auch jetzt noch genug auf den südlichen Fjelden für
den, welcher es nicht scheuen wollte, neun Monate des Jahrs
vergraben im Schnee zu leben.
Die Bildungsepoche jener Fichten stamme ist hingegen
nach geologischem Maasstabe in eine unermesslich ferne Vor-
zeit zurückzustellen, wie jede Erscheinung, welche eine grosse
climatische Änderung anzunehmen nöthigt. Das ganze Land
besitzt ja noch jetzt ein so warmes Clima, dass sich nirgends
in Europa die Isothermen so weit nach Norden krümmen wie
dort. Wie sollte es nun unter den Bedingungen der gegen-
wärtigen Erdperiode noch so viel wärmer gewesen sein , dass
es Wälder in einer Höhe von 4 — 5000' besessen hätte, gleich
den Alpen?
Diesen Betrachtungen aber steht die vollkommene mikro-
von Hardanger in Bergens Stift. 23
skopische Gleichheit der Structur zwischen dem damals und
jetzt gebildeten Fichtenholze wiederum entgegen. Auch sind
die Fjeldmoräste, von denen jene Reste eingeschlossen sind,
eine Bildung der jetzigen Epoche. Aber ebenso schreitet die
Erhebung Norwegens aus dem Meere auch in der gegenwär-
tigen Zeit stetig fort. Durch die höchst wichtigen Untersu-
chungen Keilhau's ist es festgestellt, dass der plastische Thon,
welcher die verschiedensten Schalthiere der Nordsee einschliesst,
bis zu einer Höhe von 600' angetroffen wird. Als die Fjelde
noch 600' niedriger waren, lagen die versunkenen Coniferen
dem Niveau ihrer jetzt vegetirenden Nachkommen schon um
die Hälfte näher.
Es ist also wohl zu denken, dass die bildende Natur, die
überall den Hoden mit organischem Leben zu begaben strebt,
auch zuletzt die Fjorde trocken legt, um einen Ersatz für
die allzuhoch gewordenen Fjelde zu bieten. Aber jetzt leben
die Menschen dort in einer traurigen Zeit, wo das Eine längst
geschehen und das Andere nicht geleistet ist. Zu dem We-
nigen , was sie an vegetabilischen Gütern auf ihren Fjordab-
hängen besitzen, wollen wir jetzt die Fjelde verlassend uns
wenden.
Wirft man im Sommer einen Blick vom Hardanger-Fjord
ringsum auf das Gestade, so erscheint ein sehr liebliches,
freundlich hellgrünes, vegetationsreiches Bild, das viel mehr
verspricht, als es wirklich inne hat. Wo von Wald im Nor-
den die Rede ist, denkt man zuerst an düsteres Nadelholz.
Aber in Hardanger sind Laubwaldungen weit häufiger, ent-
weder reine Birkenbestände oder eine aus der Birke und
Esche gemischte Formation. Aus diesen Gehölzen sondern
am Fjordufer sich überall die Gaarde ab, von Obstbaum-Pflan-
zungen umgeben, von denen Wiesen und Gerstenfelder am
Abhang sich hinaufziehen.
Am Söefjord fehlt die Kiefer beinahe ganz, am Eifjord
ist sie häufiger. Die characteristischen Bestandteile des Misch-
waldes, der die untern Abhänge von Hardanger bekleidet, sind
folgende:
Fraxinus excelsior L. Popülus tremula L.
Betula pubescens Ehrl). Corylus Avellana L.
Aln us in can a W. Sorbus hvbrida L.
24 A. Grisebach: Über den Vegetationscharacter
Sorbus aucuparia L. Oxalis Aeetosella L.
Prunus Padus L. Hieracium umbellatum L.
Rubus fruticosus L.
idaeus L.
Rosa canina L.
pomifera Herni.
Digitalis purpurea L.
Melanipyrum pratense L.
Pteris aquilina L.
Equisetum sylvaticum L.
Diese Wälder sind licht. Grosse, mit Liehenen bedeckte
Gneissblöcke liegen in ihnen verstreut. LJber der Eschen-
region (1200') bildet die Birke oder die nordische Erle den
Bestand allein bis zur Baumgrenze. Nach oben wird Digitalis
immer häufiger, an die Stelle der Wiesen treten dort steinige
Weideplätze, besonders von Nardus stricta L. gebildet.
Die meisten Laubhölzer tragen in Norwegen weit gröfsere
Blätter, als im Süden. Sehr auffallend ist dies bei Prunus
Padus, sodann bei der Haselnuss und Espe. Populus tremula
hat in Obertellemarken allgemein Blätter von mehr als 2 Zoll
im Durchmesser. Aber die Vegetationszeit dieser Bäume ist
auch viel kürzer als bei uns. Die Birke schlägt bei Ullens-*
vang Anfangs Mai aus, wie zu Upsala; im September fällt das
Laub ab : in manchen Jahren wird es noch früher durch Dürre
gelb, gleich den Wiesen, die oft verbrennen. Soll während
der Vegetationszeit eben so viel Holz erzeugt werden, wie
im Süden, so müssen die Respirationsorgane um so grösser
sein. Sollten es wohl die langen nordischen Tage sein, wel-
che den Wachsthum des Laubes befördern?
Kann auch diese Frage jetzt noch nicht geradezu beant-
wortet werden , so lässt sich doch so viel nachweisen , dass
in Hardanger die Verkürzung der Vegetation nicht durch den
Lichteinfluss, sondern nur durch die Warme der langen Som-
mertage ausgeglichen wird. Hierüber wurde ich durch die
glücklichen Culturversuche des Sorenskriver Koren zu Heiland
belehrt, der zuerst in einer Höhe von 1200' am Söefjord Ter-
rain urbar gemacht hat, da wo man sonst den Ackerbau nur
bis 600' wagte. Auf seiner Colonie säet man die Gerste schon
Ende April und erndtet sie im letzten Drittel des August,
d. h. ihre Vegetation dauert vier Wochen länger als unten
am Fjord, wo es freilich viel wärmer ist, aber die Sonne doch
nicht länger leuchtet, auf die Sauerstoffentbindung der Pflan-
von Hartlanger in ßergens Stift. 25
zen den gleichen Einfluss hat. Hier rechnet man den 12. Mai
Gerste zu säen, den 24. Junins zur Bliithe entwickelt zu fin-
den und sie den 1. August einzuerndten. Als ich dort war,
in einem trockenen sonnenklaren Sommer, schnitt man die
Gerste schon den 22. Julius auf einigen Feldern. In Sachsen
dauert die Vegetation der Gerste nach der Bliithezeit nicht
länger, aber bis das gesäete Korn Bliithen entfaltet, gehen
länger als 2 Monate hin '). Solche Erscheinungen zu erklä-
ren ist die Theorie des Wachsthums noch weit zurück. Übri-
gens ist auch nicht einmal für den ganzen Hardanger- Fjord
die Vegetationszeit des Getraides im Niveau des Meeres gleich.
Gegen die Küste hin verlängert sie sich ganz ausserordentlich.
Dort giebt es Orte , wo man schon in der Mitte April säet
und erst im September erndtet 2). Wenige Meilen Abstand
am Fjord bedingen hierin schon einen bedeutenden Unter-
schied. Wie die edeln und gemeinen Weinsorten am Rhein
oft dicht neben einander wachsen, so rücken hier in einem
weit grössern Maassstabe verschiedene Climate und Bodenver-
hältnisse nahe zusammen: das ist die Wirkung der engen,
über 4000' tiefen, nach allen vier Weltgegenden gerichteten,
von reverberirten Sonnenstrahlen getroffenen Fjordschluchten.
Von noch grösserer Wichtigkeit als der WTald sind für
Hardanger die herrlichen Bergwiesen, welche vom Ufer indes-
sen eben nicht höher hinaufreichen als die Esche. Beständig
ist der Bauer mit deren Cultur beschäftigt, so oft die übrigen
landwirtschaftlichen Arbeiten ihm im Sommer Zeit lassen.
Die Heuerndte dauert mehrere Monate fort. Das Heu trock-
net man auf hölzernen Gestellen frei in der Luft. Wo es
an Bewässerung fehlt, werden die Wiesen, wie am Eifjord,
künstlich berieselt. In ihrer Zusammensetzung entsprechen sie
dem Character des Nordens: sie bilden eine dichte, freudig
vegetirende Pflanzendecke, die aber nur aus wenigen Arten
besteht. Folgende zeichnete ich bei Ullensvang auf:
Anthoxanthum odoratumL. Molinia coerulea Meli.
Aira flexuosa L. Rumex Acetosa L.
Agrostis vulgaris With. Euphrasia officinalis L.
J) Berghaus geogr. Alm. 1840. Tafeln.
2) J. Kraft a. a. O. p. 449.
26 A. Grisebachj Über den Vegetationscharacter
Alectorolophus minor Rchb. Pimpinella Saxifraga L.
Knautia arvensis Coult. Cerastium vulgatum L.
Succisa pratensis Mch. Silene inflata Sni.
Leontodon autumnalis L. - rupestris L.
hispidus L. Hypericum tetrapterum Fr.
Gnaphalium dioecum L. Tormentilla erecta L.
Campanula rotundifolia L. Lotus corniculatus L.
Galium verum L. Trifolium repens L.
Hiezu kommt noch an einzelnen feuchten, hjumosen Stellen:
Juncus bufonius L. Gnaphalium uliginosum L.
Narthecium ossifragum Mch. Sagina procumbens L.
Am äussersten Räume des Fjords liegt Gerolle mit sehr
spärlichen Litoral pflanzen , namentlich:
Elymus arenarius L. Atriplex sp.
Festuca ovina L. var. glauca. Silene inflata Sm. var.
Plantago maritima L. Ligusticum scoticum L.
Da das Seevvasser im Söefjord wenigstens in seineu ober-
sten Schichten fast trinkbar ist, so fällt es auf, hier sogar Tauge
und andere Meeresalgen angehäuft zu sehen, indessen auch
nur sehr wenige Arten, z. B.:
Fucus nodosus L. SphaerococcuspurpurascensAg.
vesiculosus L.. Ulva Lactuca L.
Dieser Gürtel marinischer Erzeugnisse reicht nur wenige
Schritte vom Ufer. Das Gerolle, welches nicht mehr vom Meer-
wasser bespült wird, dient ausser den meist nur in unausge-
bildeter Form entwickelten Flechten wenigen Gewächsen zum
Substrat:
Alchemilla alpina L. Polypodium Dryopteris L.
Silene rupestris L. - phegopteris L.
Rumex Acetosella L. Aspidium spinulosum Sw.
Poa nemoralis L. - Filix mas Sw.
Polypodium vulgare L. Asplenium septentrionale Sw.
Das ist der ganze dürftige Formenkreis, den die Natur an
diesen Abhängen freiwillig erzeugt hat. Nur wenig hat die
Thätigkeit des Menschen hinzugebracht, aber doch ist erst
durch sie die Physiognomie dieser Gestade freundlich belebt
worden. Manche Bäume verdanken ihr erst ihren Ursprung,
oder, wenn sie einheimisch waren, sieht mau sie jetzt doch
von Hardanger in Borgens Stift. 27
nur in der Nähe der Gehöfte. Dahin gehören Quercus pe-
dunculata und Tilia parvifolia, ganz besonders aber die mittel-
europäischen Obstbäume, welche für eins der wichtigsten Pro-
ducte von Hardanger gelten:
Pyrus Malus L.
communis L.
Ribes rubrum L.
Grossularia L.
Prunus Cerasus L.
Apfel und Kirschen erzielt man am meisten. Die letztern
gedeihen in einem heissen Sommer, wie 1842, zu einer un-
beschreiblichen Fülle, die Apfel, die im Herbste erst reifen,
bedürfen der Juliwärme nicht, so dass, wenn die eine Frucht
nicht einschlägt, auf die andere doch zu rechnen ist. Selbst
Wallnussbäume hat man in Rosendal's Baronie, doch werden
ihre Nüsse nicht reif. Aber auch die andern Obstbäume ge-
deihen nur bis zu einer Höhe von 600'.
Der Ackerbau steht in Hardanger auf einer niedrigen
Stufe, zum Theil aus Gewohnheit, aus Mangel an Betriebsam-
keit. Jahr aus Jahr ein säet man bei LUlensvang Gerste. Es
giebt dort Fehler, die über hundert Jahre beständig gleiche
Frucht trugen. Brache kennt man nicht. Höchstens wechselt
man mit Kartoffeln, wenn die Gerste nicht mehr gedeihen will.
Man erndtet überall von diesem Getraide nur 4 — 5 Körner.
Hafer soll hier gar nicht gebauet werden können , während
dies am äussern Hardanger -Fjord allgemein geschieht: aber
Dllensvang's G'lima sagt man sei zu trocken, die dünne Erd-
krume im Frühling zu wenig gebunden.
An den Grenzen der Waldregion und alpinen Flora von
Hardanger ist zum Schluss noch eine Formation zu erwähnen,
welche fast die üppigste von allen ist. Am Söefjord fehlt sie
fast gartz: dort sind die obern Abhänge grösstenteils von
Salix glauca L. bedeckt. Aber am Hauglefjeld über Röldal
und an der Ostseite dieses Fjelds über Gugaarden ist sie sehr
entwickelt. Man kann sie die subalpine Aconitenformation
Norwegens nennen, denn durch das schlanke, blaurothe Aco-
nitum septentrionale wird sie charaeterisirt. Da wo die Birke
zu einem 8 — 12' hohen Strauche verkrüppelt, wo die Fjeld-
pflanzen sicli allmählig diesem Gebüsch beimischen, pflegen
28 Dr. A. Philip pi: Bemerkungen über die
zugleich folgende Gewächse zwischen engen Höhengrenzen zu
vegetiren:
Vicia sylvatica L.
Geranium sylvaticum L.
Aconitum septentrional e Wahl.
Ranunculus pJatanifolius L.
C'auipanula latifolia L.
Hieraciutn auranliacum L.
Sonchus alpinus Scop.
Bemerkungen über die Molluskeiifauna
Unter -Italiens
in Beziehung auf die geographische Verbreitung der Mollusken
und auf die Molluskenfauna der Tertiärperiode.
Von
Dr. A. P h i 1 i p p i.
Während meines letzten zweijährigen Aufenthaltes in Nea-
pel und Sicilien während der Jahre 1838 und 1839 habe ich
Gelegenheit gehabt meine früheren Untersuchungen über die
Mollusken Siciliens und über die Versteinerungen dieser Thier-
klasse, welche daselbst in so grosser Menge vorkommen , be-
deutend zu erweitern und auszudehnen. Namentlich habe ich
auch die Tertiärversteinerungen des südlichen Calabriens, wel-
ches ich von Capo delle armi bis zum alten Croton in meh-
reren Richtungen durchwandert habe, in den Kreis mefner Be-
trachtungen ziehen können, so dass ich einen zweiten Band
meiner Enumeratio Molluscorum Siciliae habe nachfolgen las-
sen, welcher 814 lebende Molluskenarten und 589 fossile auf-
zählt, während im ersten nur 540 lebende und 367 fossile
vorkommen, also 271 lebende und 222 fossile Arten enthält,
die im ersten Bande fehlen. Abgebildet sind auf 16 Tafeln
258 Arten. Unter den 274 neu aufgeführten Arten sind je-
Molluskenfauna Unteritaliens. 29
doch etwa 95, die ich nicht selbst gesehen habe, oder von
denen es mir zweifelhaft ist, dass sie wirklich in Unteritalien
einheimisch sind, und manche derselben dürften zu streichen
sein. Namentlich befinden sich gewiss unter den zahlreichen
Helieeen, welche in Sicilien von den Herrn Aradas, Calcara,
Maggiore, dem Baron Pirajno de Mandralisca, Testa etc. be-
schrieben, manche, die auszulöschen sein dürften. Da indessen
die Beschreibungen dieser neuen Arten oft ungenügend sind,
so habe ich mich jedes Urtheils darüber enthalten, und be-
gnügt, sie mit den Worten der Autoren anzuführen. Indessen
habe ich aus diesem Grunde auf eine Vergleichung der Fauna
der Land- und Süsswassermollusken mit der Fauna anderer
Länder Verzicht leisten müssen; und mich um so lieber auf
die Meeresbewohner beschränkt, als diese allein in Beziehung
auf die Versteinerungen der Tertiärperiode des südlichen Ita-
liens stehn. Leider besitzen wir von sehr wenigen Gegenden
einigermassen vollständige Molluskenfaunen, und da man sich
auf die allgemeinen Werke, Gmelin und Lamarck z. B., in Bezie-
hung auf die Angabe des Vaterlandes nur selten verlassen
kann, so sind begreiflicher Weise die Resultate der nachfol-
genden Untersuchungen über die geographische Verbreitung
der Mollusken des Mittelmeeres nur sehr unvollständige Bruch-
stücke. Nichts destoweniger wird, hoffe ich, die Mittheilung
derselben nicht überflüssig erscheinen, da die Lehre von der
geographischen Verbreitung der Mollusken in einer Beziehung
weit wichtiger erscheint, als die Kenntniss von der geographi-
schen Verbreitung anderer Thierklassen, nämlich in Beziehung
auf die Geognosie. Die fossilen Ueberreste der Mollusken
werden stets die Hauptrolle bei unseren Untersuchungen über
das Alter und über die Geschichte der Rinde unseres Erdbal-
les spielen, und eine Menge der wichtigsten geologischen Fra-
gen durch ihre Auctorität entscheiden. Dass aber hierbei die
Kenntniss der geographischen Verbreitung derselben in der
jetzigen Periode unseres Erdballs die einzige sichere Grund-
lage abgiebt, bedarf wohl keines Beweises. Ich wende, mich
daher ohne weitere Umschweife zum Gegenstand meiner Be-
trachtungen.
30 Dr. A. Philippi: Bemerkungen über die
Vergleiehung der Fauna Grönlands mit der
Fauna Unter - Itali ens.
Die Fauna Grönlandiae von Otto Fabricius ist lange das
einzige Werk gewesen, das zu meinem Zwecke zu benutzen
war, und bei dem Drucke des zweiten Bandes der Enumeratio
musste ich mich noch hierauf beschränken. Fabricius führt
von Nr. 381 bis 427 nur 46 Arten Schaalthiere auf ; hierzu
kommen 2 Cephalopoden, eine Doris, eine Aeolidia und die
Clio borealis (die Ascidien abgerechnet, die ich auch im zwei-
ten Bande der Enumeratio nicht mit aufgeführt habe). Wir
haben indessen ganz kürzlich ein vollständiges Verzeichniss
der Mollusken -Fauna Grönlands durch Herrn H. P. C. Möl-
ler (Index Molluscorum Grönlandiae, Hafniae 1842) erhalten.
Von den in demselben aufgeführten Mollusken finden sich im
Mittelmeer folgende :
Octopus granulatus Teilina fragilis L.
Area minuta Saxicava aretica L.
Mytilus edulis L. Teredo navalis.
Vergleichung der Fauna Grossbritanniens
mit der Fauna Unteritaliens.
Von keinem Lande ist die Fauna überhaupt, und nament-
lich auch die Molluskenfauna besser gekannt, als von Gross-
britannien, wenngleich die hierher einschlagenden Werke von
Donovan, Montagu u. s. w. auf dem Continente fast unbekannt
sind. Weder Lamarck noch Deshayes haben sie ordentlich
benutzt. Auch kann ich nicht unerwähnt lassen, dass das vor-
treffliche Werk von Montagu in den meisten deutschen Biblio-
theken fehlt, namentlich in Berlin und Göttingen, ich verdanke
die Kenntniss desselben Herrn Hofrath Menke, der es mir aus
seiner reichen conehyliologischen Bibliothek freundlich zur
Ansicht mitgetheilt hat. Eine sehr gute Uebersicht der Engli-
schen Molluskenfauna gewährt Fleming's history of british
animals. Edinburgh 1828. Und obgleich dieser Schriftsteller,
gleichsam als geschähe es absichtlich, die generischen Namen
oft in einem ganz andern Sinne gebraucht, als sie von ihren
Gründern festgestellt sind, so war es mir doch, namentlich
Molluskenfauna Unteritaliens. 31
mit Hülfe von Montagu, leicht, die Namen zu erkennen. —
Fleming zählt 198 Meeresbivalven, 10 Bivalveu des süssen
Wassers, 5 Brachiopoden, 20 nackte Meeresgasteropoden, 191
mit Schalen bedeckte Meeresgasteropoden, 93 Land- und Siiss-
wasser-Gasteropoden, 7 Cephalopoden auf} zusammen 524
Mollusken, (die Pteropoden, Cirripedien und Dentalien fehlen
bei ihm ganz, das wohl zu den Pteropoden gehörige Odonti-
dium rugulosum führt er als eine Orthocera auf!) — diese auf
den ersten Anblick, vielleicht etwas wunderliche Eintheilung
habe ich wegen der Vergleichung mit den fossilen Arten der
Tertiärperiode machen müssen. Aus Unteritalien kenne ich:
188 Meeresbivalven, 11 Süsswasserbivalven, 10 Brachiopoden,
13 Pteropoden, 54 nackte Meeresgasteropoden, 313 mit Scha-
len bedeckte Meeresgasteropoden, 186 Land- und Süsswasser-
Gasteropoden, 6 lleteropoden, 15 Cephalopoden und 18 Cir-
ripedien, oder, rechnen wir die Dentalien, Pteropoden, Cirri-
pedien ab, die bei Fleming fehlen, so kommen in Unteritalien
573 Meeres-, 197 Land- und Süsswassermollusken vor, während
für Grossbritannien diese Zahlen 422 und 103 betragen, es
ist also Unteritalien, wie es zu erwarten war, absolut reicher
an Mollusken als Grossbritannien, und zwar ungefähr im Ver-
hältniss wie 147 : 100. Doch gilt dies Verhältniss nicht für
die einzelnen Ordnungen der Mollusken, sondern die Bival-
veu sind in Grossbritannien sogar in einer etwas grösseren
absoluten Zahl vorhanden.
Folgende Arten sind Grossbritannien und Unter-
italien gemein:
Meeresbivalven.
Teredo navalis L. Solen coarctatus L.
Pholas dactylus L. Solecurtus strigilatus L.
— Candida L. Panopaea Aldrovandi Men.
Solen vagina L. Lutraria elliptica Lam.
— siliqua L. Scrobicularia piperata Gm.
— ensis L. Mactra solida L.
— legumen L. — stultorum L.? ')
1 Die M. stultorum der Nordsee ist weit weniger gewölbt, als
die des Mittelmeeres.
23
Dr. A. Philippi: Bemerkungen über die
Bornia seminulum Ph? (Kellia
rubra Flem.?)
Corbula nucleus Lam.
Pandora obtusa Leacb
Osteodesma corruscans Scac?
(norvegicum ?)
Thracia pubescens Leach
Galeomma Turtoni Sow.
Saxicava arctica L.
Venerupis Irus L.
Psanimobia vespertina L.
— costulata Turt.
— feroensis L.
Teilina donacina L.
— Fabula Gm.
— tenuis Mat. et Rack.
— fragilis L.
— baltica L.
Diplodonta rotundata Mont.
Lucina spinifera Mont.
— commutata Ph.
— radula Lam.
— lactea Poli non L.
Donax complanata Don. l
Mesodesma donacilla Desh.
Cytherea Chione L.
— exoleta L.
— lincta Lam.
Venus casina L.
— verrucosa L.
— fasciata Don.
— gallina L.
— undata Penn.
— radiata Broc.
Venus decussata L.
— aurea Mat. et Rack.
— laeta Poli.
fJardium echinatum L.
— aculeatum L.
— tuberculatum L.
— laevigatum L.
— exiguum Gm.
— edule L.
— parvum Ph. (fasciatum
Mont.?)
lsocardia cor L.
Area Noae L.
— navicularis Brg.
— lactea L.
— barbata L.
Pectunculus pilosus L.
— violacescens? (P. numma-
rius Angl.)
Nucula margaritacea Lam.
— minuta L.
Modiola discrepans Lam.
— barbata L.
— lithophaga L.
Mytilus edulis L.
Pinna rudis L.
— pectinata L.
Avicula tarentina Lam.
Lima subauricula Mont.
— tenera Turt.
Pecten jacobaeus L.
— opercularis L.
— varius L.
— pusio Lam.
1 Es wird auch Donax truneulus L. aufgeführt, allein was ich un-
ter diesem Namen aus der Nordsee gesehen habe, ist eine verschie-
dene Art.
Molluskenfauna Unter Italiens.
33
Ostrea depressa Ph.? (parasi- AnomiamargaritaceaPoli?(squa-
tica Fleni.?; mula)
Anoniia Ephippiuni L. — aculeata Mont.
— polymorpha Ph.
Süsswasser-Bivalven.
Cyclas cornea L. Pisidium obliquum Lam.
— lacustris Müll. — fontinale Drap.
— calyculata Drap. Anodonta anatina L.
Terebratula vitrea L.
Brachiopoden.
Terebratula caput serpentis L.
Nackte Meeres- Gasteropoden.
Doris verrucosa L. Aplysia punctata Cuv.
— argus L. Elysia viridis Mont.? nach Can-
— pseudo-argus Rapp. traine einerlei mit Aphlysio-
— reticulata Schultz? pterus neapolitanus D. Ch.
Aplysia depilans L.
Mit Schalen bedeckte
Chiton laevis Penn.
— fascicularis L.
Patella vulgata L.? •)
Fissurella graeca L.
Emarginula cancellata Ph.
Pileopsis ungarica L.
Calyptraea vulgaris L.
Bulla lignaria L.
— hydatis L.
— truncatula Brg.
— truncata Adams.
Bullaea planciana Ph.
— punctata Ad.
Truncatella truncatula Drap.
Rissoa exigua Mich.
Meeres-Gasteropoden.
Rissoa fulva Mich.
— calathiscus Mont.
— ventricosa Desm.? (labiosa
Flem.?)
Eulima polita L.
— subuluta Don.
Chemnitzia elegantissima Mont.
— pallida Ph.? (unica Angl.?)
— scalaris Ph.? (simillima
Angl.?)
Natica intricata Dou.
— subcarinata Walk.
Janthina bicolor Menke
Coriocella perspicua L.
Haliotis tuberculata L.
1 Es ist mir sehr zweifelhaft, ob diese Art in Unteritalien wirk-
lich vorkommt.
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. I. B<l. 3
34
Dr. \. Philip pi: Bemerkungen über die
Tornatella tornatilis L.
Scalaria communis Lam.
Trochus granulatus Born.
— conulus L.
— crenulatus Hroc.
— striatus L.
— rugosus L. (Turbo) '
— magus L.
Phasianella pulla L.
Turritella communis Ris.
Cerithium fuscatum Costa?
— perversum Lam.
— lima Brg.
Pleurotoma gracilc Mont.
— attenuatum Mont.
Land- und Süss«
Limax rufus L.
Testacella haliotidea F. 13.
Vitrina pellucida Müll.
Succinea amphibia Drap.
Helix pomatia L.
— pisana Müll.
— elegans L.
— ericetorum Müll.
— variabilis Drap.
— carthusiana Drap.
— aculeata Müll.
— nitida Müll.
— rupestris Drap.
— crystallina Müll.
— striata Drap.
— rotundata Müll.
— aspersa Müll.
— arbustorum L.
— nemoralis L.
— hortensis Müll.
Pleurotoma septangulare Mont.
— purpureum Mont.
— lineare Mont.
Fusus echinatus Sow.? (mnri-
ricatus Flem.?)
Murex erinaceus L.
Chenopus pes pelecani f..
Cassis undulata L.
Buccinum reticulatum L.
— ascanias Brg.
— minimum Mont.
— variabile Ph.? (Nassa ambi-
bigua Flem.?)
Marginella laevis Donov.
Cypraea coccinella Lam.
asser-Gasteropoden.
Bulimus acutus Brg.
— obscurus Müll.
— pupa L.
Achatina acicula Müll.
— lubrica Müll.
Pupa muscorum Müll.
— avena Drap.
— antivertigo Drap.
— pygmaea Drap.
— pusilla Müll.
Balea perversa L.
Clausilia bidens Müll.
Cyclostoma elegans Müll.
Limnaeus palustris Müll.
— ovatus Müll.
— minutus Drap.
Physa fontinalis L.
Planorbis marginatus Drap.
— spirorbis Müll.
Valvata piscinalis Müll.
') Die Delphinula calcar der Engländer, welche sehr selten an
den Englischen Küsten gefunden ist, scheint mir nämlich nur der Ju-
gendzustand des Turbo rugosus zu sein.
Molliiskenfauna Unteritalions. 35
Valvata cristata Müll. Ancylus fluviatilis Drap.
Paludina tentaculata L. — lacustris L.
— thermalis L.
Ceplialopoden.
Octopus vulgaris Lam. Sepiola Rondeleti Leach.
Loligo vulgaris Lam. Sepia officinalis L.
— sagittata Lam.
Grossbritannien hat gemein mit Sicilien:
Von 198 Meeres-Bivalven 84 oder 0,41—42
Von 10 Bivalven des süssen Wassers . 6 - 0,60
Von 5 Brachiopoden 2 - —
Von 20 nackten Meeresgasteropoden . 7 - 0,35
Von 191 schalentragenden Meeresgast. . 56 - 0,29
Von 93 Land- und Süsswassergast. . . 45 - 0,48
Von 7 Ceplialopoden 5 —
Sicilien dagegen hat mit Grossbritannien gemein:
Von 188 Meeres-Bivalven 84 oder 0,45
Von 11 Bivalven des süssen Wassers ... 6 - 0,54
Von 10 Brachiopoden 2 - —
Von 54 nackten Meeresgasteropoden ... 7 - 0,13
Von 313 mit Schalen bedeckten Meeresgast. . 56 - 0,18
Von 186 Laud- und Süsswassergast. ... 45 - 0,25
Von 15 Ceplialopoden 5 - 0,30
Man sieht, dass (mit Ausnahme der wenig zahlreichen und
daher keine sichere Zahl gewährenden Ceplialopoden) die Bi-
valven die grösste Übereinstimmung zwischen beiden Ländern
zeigen, darauf folgen die Land- und Süsswassergasteropoden,
und die geringste Übereinstimmung zeigen die Meeresgastero-
poden. Es steht also die geographische Verbrei-
tung der Mollusken gerade im umgekehrten V e r -
hältniss mit ihr er Fäh igk e it, den Ort zu verändern;
ein Resultat welches auch die folgenden Untersuchungen be-
stätigen werden. Bemerken muss ich jedoch hierbei, dass in
dem obigen Verzeichniss der beiden Ländern gemeinschaftli-
chen Land- und Süsswassergasteropoden mehrere Arten vor-
kommen, die ich nie selbst in Sicilien gesehen, sondern auf
3*
36
Dr. A. P hilip p i x Bemerkungen über die
die Autorität Sicilianischer Conchyliologen aufgenommen habe,
und dass Herr Prof. Maravigna seinen Landsleuten den Vor-
wurf maelit, sie gäben oft ausländische Arten für einheimi
«■u-he an.
Es ist aber nicht allein, wie wir oben gesehen haben, die
Zahl der Arten im Mittelmeer absolut grösser, sondern auch
die Zahl der Genera, und somit die Mannigfaltigkeit der For-
men. Obgleich, meiner Meinung nach, noch sehr viele Ge-
nera durchaus vag und unwissenschaftlich begränzt sind, so
will ich doch hier zum Beleg zusammenstellen :
Genera Unteritaliens, welche Grossbritannien fehlen
Montagua
Berücksichtigen wir den Habitus oder die Physiognomie
der Fauna, wenn ich mich so ausdrücken darf, so wie diese
durch die vorwaltend häufigen Arten bedingt wird, so finden
wir den Unterschied zwischen beiden Faunen weit grösser,
als wenn wir bloss auf die Zahl der beiden gemeinschaftlichen
') Kommt an der Küste Grossbritanniens selbst nicht mehr vor,
sondern hört mit den Normannischen Inseln auf.
Molluskenfauna Unter- Italiens. 37
Arten achten. Wir sehen nämlich, dass grade die gemeinsten
Arten Grossbritanniens in Unteritalien entweder gänzlich feh-
len oder doch sehr selten sind, und umgekehrt. So fehlen
z. B. folgende in Grossbritannien genieine Arten Unteritalien
gänzlich, oder sind dort sehr selten:
Von Seethieren: Patella vulgata, pellucida, virginea, Turbo
littoreus, rudis, obtusatus, Trochus cinerarius, Purpura lapil-
lus, Buccinum undatum, glaciale, Fusus antiquus, despeetus,
turricula (Harpula Menke), mehrere Pleurotomata; Pecten ma-
ximus, obsoletus, mehrere Mactrae, Tellina punicea, bimacu-
lata, crassa, mehrere Astartae, Cyprina islandica , Pholas cri-
spata, Mya arenaria etc.
Von Land- und Süsswasser-Arten : Limax agrestis, Helix
pomatia, arbustorum, hortensis, nemoralis, Clausilia rugosa, pli-
catula, Limnaeus auricularius, Physa hy|)norum, Planorbis cor-
neus, contortus, vortex, Paludina vivipara, Unio batavus etc.
Dagegen fehlen folgende, in Unteritalien gemeine Arten
in Grossbritannien gänzlich, oder sind dort sehr selten:
Von Arten des Meeres: Tellina pulchella, depressa, ni-
tida, Lucina pecten, Donax trunculus, venusta, Venus geogra-
phica, Cardium erinaceum, sulcatum, papillosum, Carditae alle,
Chama gryphoides, Lima inflata, squamosa, Pecten Jacobaeus,
polymorphus, hyalinus, Spondylus gaederopus, Chiton siculus,
Patella fast alle Arten, Bulla striata, Nerita viridis, Natica
olla, millepunctata, Trochus fi\7garioides , divaricatus, fanulum,
canaliculatus, Richardi, unibilicaris, Adansoni etc., Monodonta
Vieilloti, Jussieui, Phasianella speciosa, Turbo neritoides L.
(caerulescens Lamk.) Cerithium vulgatum , Fasciolaria lignaria
L. (tarentina Lam.), Fusus corneus L. (lignarius Lamk.), sy-
racusanus, Murex brandaris, trunculus, cristatus, Edwardsii,
Tritonium alle, Cassidaria, Buccinum mutabile, corniculum,
dOrbignyi, pusio L., neriteum, Columbella rustica etc.
Von Land- und Süsswasser-Arten: Helix aperta , vermi-
culata, candidissima, globularis, strigata, pyramidata, conica,
conoidea, Bulimus decollatus, Achatina folliculus, Paludina ru-
bens etc.
38 Dr. A. Philipp i: Bemerkungen über die
Vergleich u ng der Fauna der Ca nari sehen Inseln
mit der Fauna Unter i t ali ens.
In dem Werke von Webb und Berthelot über die Cana-
rischen Inseln, (von dem nur zu beklagen ist, dass es zu lu-
xuriös und theuer ist, als dass es sich viele Privatleute an-
schaffen könnten, und dass es daher der Wissenschaft nicht
den gewünschten Nutzen leistet) finden wir nicht mehr als
196 Arten Mollusken erwähnt, von denen folgende auch in
Unteritalien leben:
Meeresbivalven:
Saxicava aretica L. Pectunculus pilosus L.
Psammobia vespertina L. Modiola costulata Riss.
Lucina Jactea Poli. Chama gryphoides L.
— pecten Lam. Pinna rudis L.
Donax trunculus L. Avicula tarentina Lamk.
Venus verrucosa L. Lima inflata Lamk.
Cardium tuberculatum L. — squamosa Lam.
— edule L. Pecten jacobaeus L.
Cardita calyculata Brg. — pusio Lanii.
— corbis Ph. Spondylus Gaederopus L.
Area Noae L. Ostrea cochlear Poli
— imbricata Poli
Bivalven des süssen Wassers: keine.
Brachiopoden: Terebratula truncata L.
Pteropoden :
Hyalaea tridentata Lam. Cleodora cuspidata Q. et G.
— gibbosa Rang. — acicula Rang.
— trispinosa Lesueur.
Nackte Meeres-Gasteropoden : keine.
Schalentragende Meeres-Gasteropoden :
Chiton fascicularis L. Eulima distorta Desh.
Patella caerulea L. Janthina bicolor Menke
Emarginula elongata Costa — nitens Menke
ChemnitziaelegantissimaMont. Haliotis tuberculata L.
Molluskenfauna Unterhalten«. 39
Sealaria pseudoscalaria Broc. Tritonium scrobiculator L.
Trochus fragarioides Lam. — eutaceum L.
— Richardi Payr. Cassis undulata L.
— Magus L. Dolium galea L.
— rugosus L. (Turbo) Purpura haemastoma L.
Phasianella pulla L. Buccinum mutabile L.
Turritella triplicata Broc. — reticulatum L.
Cerithiuni vulgatum Brg. Columbella rustica L.
— Lima Brg. Mitra Ebenus Lam.
— perversum Laut. Riugicula auriculata Mcn.
Murex brandaris L. Cypraea lurida L.
— trunculus L. — pyrum L.
Tritonium nodiferum L. — spurca L.
Land- und Süsswasser-Gasteropoden :
Testacella haliotidea F. B. Bulimus ventricosus Drap.
UvYix pisana Müll. — pupa L.
— cellaria Müll. — decollatus L.
— maritima Drap. Cyclostoma elegans Müll.
— lenticula Fer. Physa fontinalis L.
Cephalopoden.
Octopus vulgaris Lam. Loligo vulgaris Lam.
— ruber Raf. Sepia officinalis L.
In der Fauna der Canarischen Inseln werden aufgezählt:
34 Meeres -Bivalven, keine Süsswasser-Bivalven , 1 Bracliio-
pode, 16 Pteropoden, 5 nackte Meeres-Gasteropoden, 73 scha-
lentragende Meeres- Gasteropoden, 59 Land- und Süsswasser-
Gasteropoden, 8. Cephalopoden, zusammen 196 Mollusken.
Die Canarischen Inseln haben mit Sicilien gemein:
Von 34 Meeres -Bivalven 23 oder 0,68.
Von 1 Brach iopode 1 - —
Von 16 Pteropoden 5 - 0,34.
Von 5 nackten Meeres-Gasteropoden . 0-0,
Von 73 schalentragenden Meeres-Gasterop. 34 - 0,46 — 47.
Von 59 Land- und Süsswasser-Gasterop. 10 - 0,17.
Von 8 Cephalopoden 4 - 0,50.
40 Dr- A. Philippi: Bemerkungen über die
Unter-Italien dagegen hat mit (Jen Canarischen Inseln gemein:
Von 188 Meeres -Bivalven 23 oder 0,13.
Von 10 Brachiopoden 1 - —
Von 13 Pteropoden x . 5 - 0,38.
Von 54 nackten Meeres -Gasteropoden ... 0 - 0.
Von 313 sclialentragenden Meeres -Gasteropod. 34 - 0,11.
Von 186 Land- und Süsswasser- Gasteropoden 10 - 0,05.
Von 15 Ceplialopoden . r 4 - 0,26.
Unter den zahlreicheren Abtheilungen der Mollusken zei-
gen wiederum die Bivalven eine grössere Übereinstimmung als
die Meeres -Gasteropoden. Sehr gering ist die Übereinstim-
mung zwischen den Land- und Süsswasser- Mollusken, da die
Mehrzahl der Arten den Canarischen Inseln eigenthümlich sind,
nach demselben Gesetz, nach welchem auf den von Continen-
ten weit entfernten Inseln auch die Pflanzen grossentheils
eigenthümlich und anderswo nicht zu finden sind. Wenn auf
den Canarischen Inseln die Zahl der Land -Mollusken sehr
gering, die des süssen Wassers fast 0 ist, so kann uns dies
nicht wundern, allein es erscheint kaum glaublich,, dass die
Zahl der Meeresbewohner in Wirklichkeit so gering ist, als
wir sie angegeben finden.
Es sind verhältnissmässig nur wenige Genera, die Unter-
italien fehlen und dagegen die Ufer der Canarischen Inseln
schmücken, wie z.B. Voluta, Terebra, Crassatella; das tro-
pische Genus Conus zählt unter 73 Meerergasteropoden schon
4 Arten; allein andere tropische Genera Nerita (im engeren
Sinne), Strombus, Pterocera, Tridacna etc. werden noch nicht
angetroffen.
W7ir bemerken , dass viele der gemeinsten Arten Unter-
italiens auf den Canarischen Inseln fehlen, z. B. alle Solen-,
alle Tellina- Arten , Cytherea Chione, exoleta (die doch noch
am Senegal vorkommt), Venus deeussata, geographica, gallina,
Cardium echinatum, aculeatum, erinaceum, papillosum, fast
alle Pecten-, alle Anomia- Arten (es wird keine einzige Art
dieses Geschlechtes angeführt), alle Fissurella-, Calyptraea-,
Crepidnla-, Rissoa-Arten (eine einzige Rissoa wird angeführt);
alle Natica- Arten, alle Vermetus- Arten (es ist keine einzige
aufgeführt), Trochus granulatus, conulus, crenu latus, striatus.
Molluskenfaun " Unteritaliens. 41
divaricatus, fanulum, umbilicaris, Phasianella speciosa, Turbo
neritoides (L. non auct.), Pleiirotoma (es wird keine Art auf-
geführt), Fusus (es wird keine Art aufgeführt), Murex erina-
ceus, cristatus, Edwardsii, Tritonium corrugatum, Chenopus
pes pelecani, Cassidaria, Buccinum variabile, d'Orbigny, cor-
niculum, neriteuni, pusio L., scriptum L., Cypraea coccinella,
Conus mediterraneus. — Helix naticoides, aspersa, vermicu-
lata, strigata, variabilis, Clausula (keine einzige Art kommt
auf den Canarischen Inseln vor) — u. s. w.
Vergleichung der Fauna des Senegals mit der
Fauna U n t e r i t a 1 i e n s.
Adanson hat in seinem bekannten vortrefflichen Werk eine
Aufzählung der Mollusken des Senegals gegeben, die freilich
unvollständig ist, und nur 196 Arten (genau so viel wie die
Fauna der Canarischen Inseln!) enthält. Noch mehr als diese
Unvollständigkeit ist zu beklagen, dass noch eine Menge der
von ihm aufgezählten Arten unbekannt und ohne systemati-
schen Namen geblieben sind, obgleich seine Landsleute seitdem
fast ein volles Jahrhundert hindurch im ungestörten Besitz
der von ihm erforschten Gegenden geblieben sind. Da es mir
indessen von grosser Wichtigkeit erschien, zu bestimmen^ wel-
che Arten des Mittelmeeres sich bis zum Senegal erstreckten,
so habe ich selbst versucht, die Adanson'schen Arten, so gut
es nach den Abbildungen und Beschreibungen anging, zu be-
stimmen, und für meine Zwecke folgende Resultate erhalten:
der Senegal hat mit Unteritalien gemein :
Meeres - Bivalven :
Teredo navalis L. Taret. Cytherea exoleta L. Cotan.
Solen legumen L. Molan. Venus verrucosa L. Clonisse.
Solecurtus strigilatus L. Golar. — decussata L. Lunot.
Donax trunculus L. Gafet. Pectunculus pilosus L.? Vovan.
Lutraria piperata Gm. Calci- Spondylus gaederopusL. Guron.
nelle.
Schalentragende Meeres - Gasteropoden.
Bulla striata Brg. Gosson. Crepidnla unguiformis Lam.
Fissurella craeca L.? Gival. Garnot.
42 Dr. 'V Philippi: Bemerkungen über die
llaliotis tuberculata L. Orniier. Cerithium vulgatum Brg. Gou-
Sigaretus haliotideus L. Sigaret. mier.
NaticamillepunctataLam.Fanel. Cancellaria cancellata L. Bivet.
Fossarus Adansoni Ph. Fossar. Purpura haeniastoma L. Sakem.
Trochus Magus L. Dalat. Cassis saburon Lam. Saburon.
— umbilicaris L. Lonier. Columbella rustica L. Siger.
— fragarioides Lam. Osilin. Mitra lutescens Lam. Gousol.
Monodonta corallina L. Fujet. Cypraea lurida L. Pucelage D.
Nackte Mollusken hat Adanson gar nicht, und von Land-
und Süsswassermollusken nur ein paar aufgeführt.
Von 58 Meeresbivalven des Senegals sind in Unteritalien
10 oder 0,17.
Von 131 schalentragenden Meeres-Gasteropoden 18 oder 0,14.
Es ist also auch hier die Übereinstimmung zwischen den Bi-
valven grösser als zwischen den Gasteropoden. —
Die Fauna des Senegals ist von der des Mittelmeeres
schon weit verschiedener, als die der Canarischen Inseln. Diese
letztern haben mit Unteritalien gemein 0,68 Bivalven, der Se-
negal nur 0,17; die Canarischen Inseln haben mit Sicilien
gemein 0,46 — 47 Gasteropoden, der Senegal nur 0,14. Am
Senegal finden wir mehrere Voluta, Terebra, Strombus, Nerita
im engeren Sinne, zahlreiche Conus, Cypraea, Marginella,
Ostrea etc.; auffallend ist besonders, dass nur eine einzige,
sehr kleine Pecten-Art erwähnt ist, der Esson, der noch un-
bekannt ist.
Vergleich ung der Fauna des Rothen Meeres mit
der Fauna Unteritaliens.
Ich habe im Jahr 1834 die von Hemprich und Ehrenberg
im Rothen Meer und den angränzenden Ländern gesammelten
Conchylien geordnet und beschrieben, von Herrn Prof. Ehren-
berg selbst zu dieser Arbeit aufgefordert, die Bekanntmachung
derselben ist jedoch durch diese Umstände, welche das Er-
scheinen der Symbolae Physicae überhaupt unterbrochen haben,
bis jetzt verhindert worden. Diese Arbeit habe ich bei der
nachfolgenden Vergleichung zum Grunde gelegt. Das Rothe
Meer hat mit den Küsten Unter- Italiens gemein:
Meeres -Bivalven:
Solen Vasina L. Solen legumen L.
Molluskenfauna Unteritaliens.
43
Mactra stultorum L.
— inflata Bronn.
Corbula revoluta Broc.
Diplodonta rotundata Mont.
Lucina lactea Poli.
— pecten Lam.
Mesodesnia donacilla Desh.
Donax trunculus L.
Venus verrucosa L.
— decussata L.
Cytherea exoleta L.
— lincta Lam.
Cardita calyculata Brg.
Area tetragona Poli.
— barbata L.
— diluvii Lam.
Pectunc. violacescens Lam.
Nucula margaritacea Lam.
Chama gryphoides L.
Modiola discrepans Lam.
— Betagnae Scac.
— lithophaga L.
Pinna squamosa L.
— nobilis L.
Spondylus aculeatus Cliemn.
Ostrea cristata Born.
Area Noae L.
Süsswasser-Bivalven: keine.
Brachiopoden sind aus dem Rothen Meer nicht bekannt.
Pteropoden: Odontidium rugulosum Ph. ')
Nackte Meeres -Gasteropoden: keine.
Land- und Siisswasser- Gasteropoden:
Succinea Pfeifferi Ross. Helix lenticula Fer.
Helix pisana Müll.
— striata Drap.
Patella caerulea L.
— lusitanica Gm.
— tarentina Lam"
— fragilis Ph.
Fissurella graeca L.
— costaria Desh.
— rosea Lam.
Bulla striata Brg.
— truncata Adams.
Eulima polita L.
Chemnitzia elegantissima Mont
Trnncatella truncatula Drap.
Paludina rubens Mke.
— thermalis L.
Meeres - Gasteropoden :
Rissoa glabrata v. Miihlf.
Natica Olla M. d. Serr.
— millepunctata Lam.
Nerita viridis L.
Janthina bicolor Menke.
Haliotis tuberculata L.
Tornatella tornatilis L.
Trochus crenulatus Broc.
— striatus L.
— Adansonii Pay.
— värius Gm.
Cerithium vulgatum Brg.
') Ich besitze ausserdem aus dem Rothen Meer Hyalaea qua-
dridentata und H. longirostris.
44 Dr- A. Philippi; Bemerkungen über die
Cerithium mamillatum Riss. Dolium Galea L*
— Lima Big. Buccinum variabile Ph.
— perversum Brg. — mutabile L.
Fasciolaria lignaria L. — gibbosuhim L.
Fusus corneus L. Mitra lutescens Lam.
— syracnsanus L. Marginella clandestina Broc.
— rostratus Olivi. — miliacea L.
Murex trunculus L. — ininuta Pf.
Tritonium variegatuni Lam. Cypraea moneta L:
Ranella lanceolata Mko. — erosa L.
Cephalopoden: Octopus vulgaris.
Im Rothen Meer haben Hemprich und Ehrenberg 127
Meeres -Bivalven, 5 Siisswasser-Bivalven, 3 Pteropoden, 23
nackte Meeres - Gasteropoden , 248 schalentragende Meeres-
Gasteropoden, 7 Cephalopoden, 40 Cirripeden gesammelt. Es
hat daher:
Das Rothe Meer mit Sicilien gemein:
Von 427 Meeres -Bivalven 29 oder 0,23.
Von 5 Siisswasser-Bivalven 0 - 0.
Von 3 Pteropoden 4- —
Von 23 nackten Meeres -Gasteropoden ... 0 - 0.
Von 248 schalentragenden Meeres -Gasteropod. 44 - 0,18.
Von 30 Land- und Siisswasser -Gasteropoden 5 - 0,16.
Von 7 Cephalopoden 1 - —
Von 10 Cirripeden 3- —
Sicilien mit dem Rothen Meere gemein:
Von 487 Meeres -Bivalven 29 oder 0,16.
Von 11 Siisswasser-Bivalven 0 . 0.
Von 13 Pteropoden 1- —
Von 64 nackten Meeres -Gasteropoden . . . o - 0.
Von 313 schalentragenden Meeres -Gasteropod. 44 - 0,14.
Von 486 Land- und Siisswasser- Gasteropoden 5 - 0,02.
Von 45 Cephalopoden 1 - —
Von 48 Cirripeden 3 - 0,46.
Molluskenfauna Untcritaliens. 4f>
Hieraus geht hervor, dass die Fauna des Rothen Meeres
eine grössere Übereinstimmung mit der des Mittelmeeres zeigt,
als die Fauna des Senegal. Der Senegal hat mit Sicilien 0,17,
das Rothe Meer 0,23 Meeres-Bivalven gemein; von den scha-
lentragenden Meeres -Gasteropoden hat der Senegal 0,14, das
Rothe Meer 0,18 Procent mit Sicilien gemein. Auch hier be-
stätigt sich das allgemeine Gesetz, dass die Bivalven weiter
verbreitet sind, als die Gasteropoden.
Sehen wir auf die Physiognomie der Fauna, so ist der
Unterschied freilich bei weitem grösser, als man nach den an-
geführten Zahlen glauben sollte. So fehlen z. B. folgende
Sicilische Genera dem Rothen Meer: Teredo, Pholas, Sole-
noinya, Pandora, Thracia, Mesodesma, Astarte, Isocardia, Ano-
mia, Crepidula, Coriocella, Siliquaria, Chenopus, Cassidaria,
wogegen folgende Genera des Rothen Meeres im Sicilischen
nicht vorkommen: Aspergillum, Sanguinolaria, Anatina, Cyrene,
Tridacna, Crassatella, Aetheria, Crenatula, Perna, Vulsella,
Malleus, Plicatula, Pedum, Siphonaria, Nerita (im engeren
Sinne), Ampuliaria, Melania, Melanopsis, Pyramidella, Oliva,
Ancillaria, Harpa, Ricinula, Terebra, Turbinella, Strombus,
Pterocera. Auch pflegen im Allgemeinen die Genera, welche
in Sicilien reich an Arten sind, im Rothen Meer artenarm zu
sein, und umgekehrt. Im Rothen Meer finden wir 5 Chama,
10 Pinna, 11 Ostrea, 4 Nerita, 19 Conus, 16 Cypraea, 10
Mitra, 6 Terebra, 17 Cerithium , 8 Strombus, in Sicilien 8
Chiton, 10 Natica, 27 Trochus, 18 Pleurotoma, 28 Buccinum.
Es wird uns nicht wundern , dass grade die Arten , wel-
che in Sicilien die gemeinsten sind, im Rothen Meere feh-
len. So z. B. Solen Siliqua; Tellina pulchella, donacina, pla-
nata, tenuis, depressa; Donax venusta; Cytherea Chione, Venus
gallina, geographica; alle Cardium; Cardita sulcata; Isocardia
Cor; Pectunculus pilosus, Modiola barbata, Mytilus edulis,
Lima inflata; alle Pecten , alle Anomia, Pileopsis hungarica,
Crepidula unguiformis, Bulla hydatis, fast alle Rissoa, Natica
millepunctata, intricata, Scalaria communis, Trochus granula-
tus, conulus, fragarioides, rugosus, Fanulum, Magus (was man
dafür gehalten hat, ist der sehr verschiedene Tr. erythraeus
Broc), Monodonta Vieilloti, Jussieui, Turbo neritoides L.
(non auct.); Murex brandaris, erinaceus oder vielmehr taren-
46 Dr. A. Philippi: Bemerkungen über die
tinus, cristatus, Edwardsii; Buccinum d'Orbignyi, corniculum,
neriteum, pusio L. , scriptum L., Columbella rustica, Cypraea
lurida, pyrum, coccinella etc. — Unter den Bivalven zeichnet
die grosse Anzahl der einmuskligen das Rothe Meer aus.
Vergleich uug der Fauna der S e c h e 1 1 e n und A in i -
ranten mit der Fauna U uteri taliens.
Herr Dufo hat in den Annales des Sciences naturelles
2me serie vol. XIV. 1840 ein Verzeichniss der Mollusken je-
ner Inseln gegeben, welches 276 Arten umfasst, nämlich 220
schalentragende Meeresgasteropoden , 11 Landgasteropoden, 2
Siisswassergasteropoden und 43 Meeres-Bivalven. Da sämmt-
liche kleine Arten, alle Cephalopoden, Pteropoden, Brachio-
poden und nackte Gasteropoden ausgelassen sind , so gewährt
dieses Verzeichniss allerdings nur ein sehr unvollkommenes
Bild der dortigen Fauna, indessen habe ich es doch nicht aus
dem Kreis meiner Betrachtungen ausschliessen wollen. Unter
jenen 276 Arten finden sich nur die folgenden ebenfalls im
Mittelmeer :
Modiola lithophaga L. Cypraea annulus L.
Lima squamosa Lam. — moneta L.
Bulla Ampulla L. — helvola L.
Janthina fragilis Lam. ') Dolium Galea L.
Tornatella tornatilis L.
Doch muss ich bemerken, dass Bulla Ampulla, Cypraea
annulus, moneta und helvola zu den allerseltensten und selbst
zu den zweifelhaften Bewohnern des Mittelmeeres gehören.
Vergleichung der Fauna der Vereinigten Staaten
Nordamerikas mit der Fauna Unteritaliens.
Es ist unstreitig ein sehr wichtiger Punkt zu untersuchen,
in wiefern das Atlantische Meer, so wie es die Floren und
die Faunen der Landbewohner scheidet, auch an seinen öst-
lichen und westlichen Küsten verschiedene Mollusken ernährt;
leider ist es mir aber unmöglich gewesen, mir hierzu auch nur
') Ich vermuthe, dass hiermit J. bicolor Menke gemeint ist.
Molluskenfauna Unteritaliens. 47
das notdürftigste Material zu verschaffen. Ich habe einzig
und allein dazu benutzen können das Journal of the academy
of nat. Sciences of Philadelphia vol. I. durch die Liberalität
der Göttinger Bibliothek; vol. II. und V., welche ich selbst
besitze, und Say american Conchology bis zu tab. 50. , wel-
ches letztere Werk ich von der K. Bibliothek in Berlin zur
Ansicht bekommen habe. Die Amerikanische Ausgabe von
Nicholsons Encyclopaedia, so wie die folgenden Bände des
Philadelphisehen Journals habe ich mir nicht verschaffen kön-
nen. Auch sind die Sendungen von Conchylien, welche ich
meinen Nordamerikanischen Freunden, den Herren Lea, Morris
und Griffith, verdanke, an Meereseonchylien sehr arm gewe-
sen. Folgende Europäische Arten finden sich auch in den
Vereinigten Staaten :
Mya arenaria L. (die M. mercenaria Say ist in nichts
verschieden).
Scrobicularia piperata Gm. (Amphidesma transver-
sum Say. Am. Couch, t. 28.).
Cyprina islandica L.
Achatina lubrica L. besitze ich von Pennsylvanien.
Helix fulva Müll. (= H. chersina Say. Journ. Phil II
p. 156.).
— pulchella Müll. (= H. minuta Say. Journ. Acad
Phil. L p. 123.).
Paludina vivipara L.
— porata Say (auf die Autorität von Terver).
— thermal is L. (ich habe zwei verschiedene Arten un-
ter dem Namen Turbo minutus Say bekommen, von denen
ich die kleinere nicht von P. thermalis unterscheiden kann).
Crepidula unguiformis Lam. (= Crepidula plana Say).
Scalaria communis Lam.? (In Nord-Amerika kommt
nur eine kleine, weisse Varietät vor, welche vielleicht eine
eigene Art ist.)
Buccinum undatum L.
Purpura lapillus L.
Von diesen Arten finden sich aber Mya arenaria, Cyprina
islandica, Paludina vivipara, Buccinum undatum und Purpura
lapillus im Mittelmeer nicht vor. [jbrigens enthält obiges Ver-
zeichniss gewiss nur einen kleinen Theil/der beiden Weltthei-
48
Dr. A. Philippi: Bemerkungen über die
len gemeinsamen Arten, denn Say sagt in der American Con-
chology bei Gelegenheit von Faludina vivipara: „dies scheint
eine von den vielen Arten zu sein, die Nordamerika und
Europa gemeinschaftlich angehören."
Vergleich ung der Fauna von C u b a mit der Unter-
italiens.
Zur Vergleichung habe ich mich eines Theils des 289
Arten umfassenden Verzeichnisses Pfeiffer's (s. dieses Archiv
1839 1. p. 346, 1840. p. 250.), theils desjenigen von D'Orbigny in
Ramon delaSagra's histoire physiqueetc. de l'ile de Cuba, welches
letztere ich jedoch nur bis No. 293. benutzen konnte, bedient.
Zwei oder drei Arten habe ich hinzufügen können, welche
mein jüngerer Bruder E. B. Philippi im Jahr 1835 bei Ma-
tanzas gesammelt hat. Die Arten, deren Vorkommen im Mit-
telmeer mir zweifelhaft ist, habe ich mit einem f bezeichnet.
Lucina pecten Lam.? — Pf. Cleodora acicula Rang. — R.
Area Noae L. Pf.
Pectunculus marmoratus L.
(scheint mir mit pilosus
identisch) — Pf.
Chama gryphoides L. — Pf.
Modiola tulipa Lam. — Pf.
— discrepans Lam. — Ph.
— lithophaga L. — - Pf.
Pinna pectinata L. — Pf.
Lima squamosa Lam. — Pf.
Pecten gibbus L. — Pf.
Hyalaea tridentata Gm. — R.
— trispinosa Les. — R.
Cleodora lanceolata Peron. — R
— cuspidata Rang. — R.
— spinifera Rang. — R.
— striata Rang. — R.
Odontidium rugulosumPh. — Ph.
Fissurella graeca L. — Pf.
— costaria Desh.? — Pf.
CrepidulaunguiformisLam. — Ph.
Bulla striata Brg. — Pf. R.
Physa acuta Drap. — R.
Truncatella truncatula Drap. *)
— R
Chemnitzia elegantissima Mont.
— Pf.
Nerita versicolor Gm — R. Pf. f
— viridis L. — R. Pf.
Janthina bicolor Menke. — R.
. — nitens Mke. — R.
" Sigaretus haliotideus L.?
Trochus carneolus Lam.
Pf. f
R.
R.
') D'Orbigny hält alle Cubanischen Truncatellen für Varietäten
der Europäischen; wer die von Pfeiffer unterschiedenen Arten an-
nimmt, muss diese Nummer streichen.
MoJluskenfauna Unteritaliens. 40,
Trochus hippocastanum Lam. Pleurotoma attenuatum Mont.
— R. Pf. t — Pf.
Turbo muricatus L. — R. Pf. f — cinctellum Pf. ? — Pf. 2)
Phasianella speciosa v. Miihlf. Marginella minuta Pf. — Pf.
— Pf- Cypraea annulus L. — R.
Cerithium vulgatum Brg. — Pf. Octopus ruber Raf. — R.
— perversum Brg. — Pf. ') — vulgaris Lam. — R.
— trUineatum Ph. — Pf. Atlanta Peronii Les. — R.
Tritonium variegatum Lam. — Pf.
Das vorliegende Material war noch zu unvollständig, um
Zahlenresultate daraus abzuleiten, ich bemerke nur, dass die
Zahl der Arten, welche den Antillen und dem Mittelmeer ge-
mein sind, überraschend gross ist.
Bei dieser Gelegenheit will ich einen von d'Orbigny be-
gangenen Irrthum berichtigen, ehe er sich weiter verbreitet.
Es sagt nämlich d'Orbigny p. 53.: „Nous reunissons dans la
Familie des Trochoides les Mollusques Gasteropodes, dont le
principal caractere est, d'avoir le dessus du pied pourvu la-
teralement de filets tentaculiformes plus ou moins nombreux.
Nous les divisons ainsi qu'il suit:
Sans appendices ä la base internel^M'RotdIa'So-
destentacules, un opercule corne. ( }™um> DelPhinula>
F ) Phorus?
Des appendices a la base interne des ten-1
tacules, un opercule pierreux. } Turb°' Phasiane»a-
Das Wahre an der Sache ist, dass alle Trochus mit
hornigem Deckel ebenfalls die Stirnlappen, oder
die appendices a la base interne des tentacules zeigen, ebenso
gut und so gross wie Turbo und Phasianella; und wenn Herr
d'Orbigny sie ihnen abspricht, so hat er wohl nicht recht zu-
gesehen. Ich habe sie bei allen 15 Trochus -Arten, deren
Thiere ich nach dem Leben gezeichnet oder in Spiritus mit-
gebracht habe, sehr schön gefunden, und muss daher glauben,
dass, wenn d'Orbigny und Quoy und Gaimard sie nicht ange-
ben, dies lediglich auf mangelhafter Beobachtung beruht.
') Cerithium pusillum Pf halte ich nur für eine Varietät dieser
sehr veränderlichen Art.
2) Pleurotoma rugulosuni Ph. dürfte vielleicht hiermit zusammen-
fallen.
Archii f. Naturgeschichte. X. Jahrg. I. Bd. 4
50 Dr. A. Philippi: Bemerkungen über die
Vergleichung der Fauna der Westküste Neuhol-
lands mit der Fauna Unteritaliens.
Sehen wir das Verzeichniss der 260 von Preiss an der
Westküste Neuhollands gesammelten Mollusken durch, wie es
Menke im Specimen Molluscorum Novae Hollaudiae aufgestellt
hat, so finden wir darin folgende Arten, die auch im Mittel-
meer vorkommen :
Lutraria solenoides Lam. Succinea oblonga Drap.
Mactra helvacea Chemn. Paludina thermalis L.
Area tetragona Poli. Mitra lutescens Lam.
Modiola lithophaga L. Cypraea annulus L. f
Lima squamosa Lam. — moneta L. f
Bulla striata Brg.
Zum Schluss mag ein Verzeichniss derjenigen Arten ste-
hen, welche nach meinen Untersuchungen eine besonders weite
Verbreitung haben.
Solen Legumen L. — Anglia, M. Medit., Senegal,
M. Rubr.
— Vagina L. — Anglia, M. Medit., M. Rubr.
Solecurtus strigilatus L. — Anglia, M. Medit., Seneg.
Scrobicularia piperata Gm. — Anglia, M. Medit.,
Ora Amer. boreal.
Saxicava aretica L. — Grönland, Anglia, M. Medit.,
Canariae.
Psammobia vespertina L. — Anglia, M. Medit., Canar.
Diplodonta ro tun data Mont. — Anglia, M. Medit.,
M. Rubr.
Lucina lactea Poli. — Anglia, M. Medit., Canariae,
M. Rubr.
Donax trunculus L. — M. Medit., Canariae, Senegal,
M. Rubr.
Cytherea exoleta L. — Anglia, M. Medit., Senegal,
M. Rubr.
Venus verrucosa L. — Anglia, M. Medit., Canariae,
Senegal, M. Rubr.
— decussata L. — Anglia, M. Medit., Senegal, M.
Rubr., Molluccae.
Cardium echinatum L. — Grönland, Anglia, M. Medit.
Molluskenfauna Unteritaliens. 5J
Area Noae L. — Anglia (rara), M. Medit., Canariae,
Senegal?, M. Rubr., Cuba.
Pectuiiculus pilosus L. — Anglia, M. Medit., Cana-
riae, Senegal, Cuba.
Chama gryphoides L. — M. Medit., Canariae, M.
Rubr., Cuba.
Mytilus edulis L. — Grönland, Anglia, M. Medit., In-
sula Clnloe (frater).
Modiola lithophaga L. — Anglia, M. Medit., M. Rubr.,
Sechell., Cuba, Nova Holland.
PectenJacobaeusL. — Anglia (rarus), M. Medit., Canar.
Lima squamosa Lam. ') — M. Medit., Canariae, Se-
chellae, Cuba, Nova Holl.
Spondylus gaederopus L. — M. Medit., Canariae,
Senegal.
Chitonfascicularis L. — Anglia, M. Medit., Canariae.
Fissurella graeca L. — Anglia, M. Medit., Canariae,
Senegal, M. Rubr., Cuba.
Crepidula unguiformis Lam. — M. Medit., Senegal,
Amer. bor., Cuba.
Bulla striata Brg. — M. Medit., Canariae, Senegal, M.
Rubr., Cuba, Nova Holl., Nov. Zeland.
Paludina thermalisL. — M. Baltic., Anglicum; therm.
Apon. et Pisan.; M. Medit., Oasis Ammonis in Libya, Civit.
Unitae Amer. bor., Nova Holland.
Chemnitzia elegan tissima Mont. — Anglia, M. Me-
dit., Canariae, M. Rubr., Cuba.
Janthina bicolor Mke. — Anglia, M. Medit., Canariae,
M. Rubr., Sechellae?, Cuba.
Haliotis tuberculata L. — Canalis anglicus, M. Me-
dit., Canariae, Senegal, M. Rubr.
Tornatella tornatilis L. — Anglia, M. Medit., M.
Rubr., Sechellae.
Trochus magusL. — Anglia, M. Medit., Canar., Seneg.
Cerithium vulgatum L. — M. Medit., Canariae, Se-
negal, M. Rubr., Cuba.
') Die Form von den Seehellen, von Neuholland u. s. w. dürfte
wahrscheinlich als Art zu trennen sein.
4 *
52 v. Siebold: Über das Stimm- und Gehörorgan
Cerithium perversunu Brg. — Anglia, M. Medit. , Ca-
nariae, M. Rnbr. , Cuba.
Cerithium Lima Brg. — Anglia, M. Medit., Canariae,
M. Rubr.
Doli um Galea L. — M. Medit, Canariae, M. Rubr.,
Sechellae, Philippinae (frater).
Cypraea annulus L. — M. Medit. (?), Sechellae, Cuba,
Nova Holl. , Tonga -tabu.
Cypraea moneta L. — M. Medit. (?), M. Rubr., Se-
chellae, Nova Holl., Tonga -tabu.
Über das Stimm- und Gehörorgan der Orthopteren.
Von
Professor Carl Theodor von Siebold in Erlangen.
(Hierzu Tafel I )
„ Vielleicht hat man darum das Gehörorgan bei
den Insekten nicht gefunden, weil man es am
Kopfe suchte."
Joh. Müller.
Es giebt wohl kaum eine Erscheinung in dem weiten Um-
fange der Naturgeschichte der Tnsekten, welche so einfach zu
erklären ist, als die Art und Weise, auf welche die zu der
Familie der Acridioideen, Locustinen und Grylloideen gehö-
renden Orthopteren ihre bekannten Töne von sich geben. Je-
der, der unbefangen eine schrillende Locusta oder ein zirpen-
des Acridium belauscht, wird sogleich erkennen, dass bei jener
die Töne einzig und allein durch die Bewegung der Vorder-
fliigel gegen einander und bei diesem durch die Bewegung der
Ilinterschenkel gegen die äussere Fläche der Oberfliigel erzeugt
werden; um so mehr muss es auffallen, dass diese augenfällige
und leicht zu beobachtende Thatsache so lange verkannt wor-
den ist. Fast stände ich an, über einen Gegenstand, von dem
man glauben sollte, er müsse Allen bekannt sein, noch Worte
zu machen, wenn er nicht mit dem übrigen Theile meiner Ab-
handlung sehr nahe zusammenhinge.
der Orthopteren. 53
Bei allen unseren einheimischen schrillenden und zirpen-
den Orthopteren sind es nur die Mannchen, welche einen Ton
von sich geben, und einen besonders dazu eingerichteten
Stimm -Apparat besitzen. Schon hier stosse ich auf einen Irr-
thum, welchen Burmeister begangen hat, indem er behauptet,
dass in der Gattung Gryllus F. (Acridium Latr.) sich bei bei-
den Geschlechtern eine Stimme von gleicher Stärke vorfinde ').
Burmeister hat sich wahrscheinlich zu dieser falschen Annahme
verleiten lassen, indem er das Organ, welches er unrecht-
mässiger Weise für das Stimmorgan der Acridien ansieht, bei
beiden Geschlechtern in gleichem Grade ausgebildet fand.
Das Stimmorgan der Acridioideen ist am einfachsten ein-
gerichtet. Bei vielen dieser Orthopteren wird das Zirpen da-
durch hervorgebracht, dass die Männchen die mit einer Längs-
leiste versehene innere Fläche der Hinterschenkel gegen eine
erhabene Längsrippe an der äusseren Fläche ihrer Flügeldecken
auf und nieder reiben, wodurch diese schwingend einen Ton
von sich geben, der nach der verschiedenen Art des Reibens
sich verschieden modificirt. Das Erschüttern der Flügeldecken
durch das Scheuern der Hinterschenkel gelingt den Männchen
von Gomphocerus besonders leicht, indem die Leiste an der
inneren Fläche dieser Schenkel sehr fein gezähnelt und da-
durch rauh ist. Bei den Männchen von Oedipoda coerulescens
zeigt sich diese Leiste glatt, daher sie nur einen leisen Ton
damit hervorbringen können. Das Männchen von Oedipoda
stridula giebt nur im Fluge die schnarrenden Töne und zwar
durch einen mir noch unbekannten Mechanismus von sich. Da
bei Tetrix die Flügeldecken verkümmert sind, so muss der
schwache zirpende Ton, welchen die Tetrix -Männchen hören
lassen, auf eine andere Weise als wie bei Gomphocerus zu
Wege gebracht werden. Unter den exotischen Acridioideen fin-
den sich gewiss noch manche, welche ein von Gomphoceros
abweichendes Stimmorgan besitzen. So sehe ich an den Sei-
ten des zweiten Hinterleibs - Segments von Pneumora macu-
lata eine grob gezähnelte Leiste schräg herablaufen , welcher
gegenüber eine hornige Erhabenheit an der inneren Fläche der
') Burmeister: Handbuch der Entomologie. Bd. I. pag. 512 und
Bd. II pag. 599.
54 v- Siebold: Über das Stimm- und Gehörorgan
hinteren Oberschenkel angebracht ist, woraus sich errathen lässt,
dass hier ein Ton durch Reiben der Ilinterschenkel gegen das
Abdomen erzeugt wird.
In der an Arten so zahlreichen Gattung Gomphocerus lässt
sich das Zirpen der männlichen Individuen, am leichtesten be-
obachten. Jede Art zirpt spezifisch anders, bei der einen Art
werden die Beine schneller, bei der anderen langsamer gegen
die Flügeldecken gerieben, bei einigen geschieht dieses Scheuern
zitternd und lang andauernd, bei einigen langsam und in Ab-
sätzen , wiederum bei einigen bewegen sich die Flügeldecken
vibrirend mit u. s. w. IVJan kann es daher, wenn man diese
Thiere fleissig im Freien beobachtet, sehr bald dahin bringen,
die verschiedenen Gomphocerus - Arten an der ihnen eigenthüm-
lichen Weise des Zirpens zu erkennen. Es würde mich zu
weit führen , wollte ich mich auf die Beschreibung der Art des
Zirpens bei den einzelnen Gomphocerus- Species einlassen, ich
verweise deshalb auf die Preussischen Provinzial- Blätter, in
welchen ich über diesen Gegenstand einige Bemerkungen nie-
dergelegt habe1), und will hier nur noch erwähnen, dass
manche Gomphocerus -Arten, z. B. Gomph. lineatus cf ausser
dem lange andauernden Zirpen noch andere kurze, gleichsam
knipsende Töne mit ihren Hinterschenkeln aus den Flügel-
decken hcrvorzulocken verstehen. Gomphocerus grossus cf
ist in seinen Tönen sehr beschränkt, diese Heuschrecke kann
nur, indem sie mit der Spitze des hinteren Schienbeins an
dem Vorderrande des Oberflügels entlang streift und dann am
Ende des Flügels mit dem Beine abschnellt, einen einfachen
knipsenden Ton von sich geben , den man im Herbste auf ab-
gemähten Wiesen oft genug vernimmt. Aber auch diese ein-
fachen Töne von Gomphocerus grossus, indem sie von einem
Männchen rastlos wiederholt werden, erfüllen ihren Zweck,
die Weibchen hören sie , eilen herbei , um sich an dieser uns
Menschen eintönig erscheinenden Musik zu ergötzen und durch
sie zur Liebeslust aufregen zu lassen. Es muss dieses Ge-
zirpe der männlichen Acridier, welches seiner Einförmigkeit we-
gen unser Ohr oft unangenehm berührt, auf die Weibchen die-
') Preussische Provinzial -Blätter. 1842. Beiträge zur Fauna der
wirbellosen Thiere Preussens. pag. 545.
der Orthopteren. 55
ser Thiere einen ganz besonderen Reitz ausüben, ihr Gehör
muss äusserst empfindlich dafür sein, denn ich sah oft, wie
die Männchen der verschiedenen Gomphocerus- Arten durch
ihr Gezirpe ihre Weibchen herbeilocken, wie diese sich ganz
in die Nähe ihrer zirpenden Männchen hegeben und ihnen auf-
merksam zuhören, ja mir schien es, als übten diese Töne, in-
dem sie von den Weibchen mit einem ganz eigentümlichen
Vergnügen vernommen werden, auf ihre Geschlechtswerkzeuge
einen spezifischen Reitz aus, denn nicht selten bemerkte ich,
dass, während des aufmerksamen Zuhörens einem solchen Weib-
chen einzelne Tropfen einer klaren Feuchtigkeit aus der Scheide
entschlüpften, was gewiss Folge von sich regender Geschlechts-
lust war, die dann auch oft gegenseitig befriedigt wurde.
Ich bemerke noch einmal, dass ich von Seiten der Gom- .
phocerus- Weibchen niemals ein Gezirpe oder einzelne Lock-
töne ausgehen hörte, dass ich sie auch niemals die Bewegun-
gen dazu machen sah. Sie besitzen zwar dieselbe Längsleiste
an der inneren Fläche ihrer Hinterschenkel und dieselbe Längs-
rippe an ihren Flügeldecken, wie ihre Männchen, jedoch nicht
in dem Grade hervorragend wie bei diesen, und auf keine
Weise konnte ich durch Aneinanderreihen derselben ein ver-
nehmbares Geräusch hervorbringen, während es mir ein Leich-
tes war, das Gezirpe ihrer Männchen nachzuahmen, wenn ich
die Hinterschenkel eines solchen Männchens gegen die Flügel-
decken schnell auf und nieder rieb. Es waren diese Töne
freilich nicht so laut, als wenn sie das Thier von selbst her-
vorgebracht, was sich leicht erklären lässt. Wollen wir näm-
lich einem Gomphocerus- Männchen einen Ton entlocken, so
müssen wir den Körper und die Schenkel des Thieres berüh-
ren, wodurch das Schwingen der Flügeldecken nicht so un-
behindert vor sich gehen kann , auch sind wir nicht im Stande,
die Bewegungen der Schenkel so schnell auszuführen und da-
durch ein rascheres Beben der Flügeldecken zu bewirken.
Es bedarf demnach nicht noch der Unterstützung eines
besonderen Organs, um diese Töne der Acridier zu verstär-
ken, wie dies von Kirby und Spence angenommen worden ist,
welche die dicht über dem Ursprünge der Hinterschenkel ge-
legene, in der Tiefe mit einer zarten Haut versehene Grube
der Acridier für einen Apparat erklären, der, indem er die
56 v. Siebold: Über das Stimm- und Gehörorgan
durch die Reibung der Sehenkel und Flügeldecken hervorge-
brachten Schwingungen auffängt und zurückwirft, den Ton ver-
stärken soll1). Andere Entomologen sind noch weiter gegan-
gen, haben das Reiben der Hinterbeine gegen die Flügeldecken
als Ursache des Zirpens bei diesen Orthopteren ganz in den
Hintergrund geschoben, und die vorhin erwähnte Grube mit
ihrer zarten Haut, welche ich in der Folge „das trommeiför-
mige Organ" nennen will, zu dem eigentlichen Stimmorgane
dieser Thiere erhoben. Degeer beschreibt dieses Organ nur
ganz oberflächlich und fügt zuletzt, ohne weitere Erörterung,
hinzu, dass dieses trommeiförmige Organ vieles zur Hervor-
b ringung und Verstärkung des Tones bei den Heuschrecken
beitrage5). Latreille nannte dieses Organ geradezu organe
musical, setzte aber die Art und Weise, wie in demselben
ein Ton erzeugt werde, gleichfalls nicht näher auseinander3).
Burmeister folgte ganz der Ansicht Degeer's und Latreille's
und ging sogar noch weiter, indem er anatomisch nachzuwei-
sen suchte, wie in diesem trommeiförmigen Organe der Ton
erzeugt werde. Er behauptete nämlich, dass nahe am Vor-
derrande der in der Grube des trommeiförmigen Organes aus-
gespannten Haut (des Trommelfells) ein kleines braunes Horn-
stückchen liegt, an welches sich inwendig ein feiner Muskel
ansetzt, der zu einem Vorsprunge des das Trommelfell um-
gebenden Hornringes hinüberläuft. Durch diesen Muskel wird,
behauptet Burmeister weiter, das Trommelfell in Schwingun-
gen versetzt und dadurch tönend 4). Burmeister hat allerdings
das kleine Hornstückchen am Trommelfelle und den Vorsprung
am Hornringe richtig erkannt, aber der kleine Muskel, wel-
cher das Trommelfell in Schwingungen versetzen soll, mithin
eine Hauptbedingung, feldt. Das, was derselbe als Muskel
betrachtet hat, besteht keineswegs aus kontraktilen Muskelfa-
sern, sondern ist eine von eigenthümlichen Hüllen umschlos-
sene Nervenmasse. Es bewegt sich allerdings das Trommel-
') Kirby u. Spence: Einleitung in die Entomologie. Bd. II. p. 448.
a) Degeer: Abhandlungen zur Geschichte der Insekten. Bd. III.
pag. 470.
3) Memoires du Museum d'histoire naturelle, Tom. VIII. De l'or-
gane musical des Criquets. pag. 123.
a) Burmeister: a. a. O. Bd. 1. pag. 512.
der Orthopteren. 57
feil in dem in Rede stehenden Organe, indem es sich oft ab-
wechselnd nach aussen und innen wölbt; dies rührt jedoch
nur von den Athembewegungen der hinter demselben liegen-
den grossen Tracheen -Blase her und ist nicht mit dem ge-
ringsten Geräusche verbunden, wie man sich bei genauer Be-
obachtung an lebenden männlichen und weiblichen Gompho-
cerus- Individuen bestimmt überzeugen kann. Mithin muss die
Annahme, dass das trommeiförmige Organ, nach Art des Stimm-
organs der singenden Cicaden, durch Muskelbewegung in Töne
verbreitende Schwingungen versetzt werde, ganz aufgegeben
werden. Es neigte sich Burmeister später wirklich zu der An-
nahme, dass das Reiben der Hinterbeine gegen die Flügeldecken
das Zirpen der Acridier erzeuge, konnte aber doch nicht um-
hin, auch das trommeiförmige Organ derselben als Stimmorgan
noch fort zu betrachten und hier also eine doppelte Ursache
des Tones anzunehmen ').
Johannes Müller hat das trommeiförmige Organ bei Poe-
cilocerus hieroglyphicus mit dem ihm eigentümlichen Scharf-
blicke untersucht und demselben eine ganz andere Deutung
gegeben. Es ist zu bewundern, dass man bisher so wenig
Werth auf Miiller's Untersuchung dieses Organs gelegt hat,
und dass noch von keinem Entomotomen diese Untersuchun-
gen weiter verfolgt worden sind , da man voraussetzen durfte,
dass die Andeutungen, welche jener scharfsinnige Physiolog
über das in Rede stehende Organ gegeben hatte, es wohl ver-
lohnten , diesen Gegenstand durch genauere Nachforschungen
auszubeuten. Die Schwierigkeit dieser Untersuchungen mag
freilich Viele abgehalten haben, Miiller's Angaben näher zu
prüfen, denn ich selbst muss eingestehen, dass ich, so weit
ich mit meinen Untersuchungen dieses Gegenstandes vorge-
drungen bin, nicht leicht einen schwierigeren und delikateren
zootomischen Gegenstand unter den Händen gehabt habe, als
eben diesen. Ich habe mich vier Herbste hindurch mit dem
trommeiförmigen Organe der Acridier beschäftigt, und wage
es nun, da ich die Hoffnung aufgegeben habe, den Gegen-
stand zu erschöpfen, die folgenden Fragmente als Resultate
meiner mühsamen Untersuchungen hier niederzulegen.
') Burmeister a. a. O. Bd. II. pag. 599.
58 v. Siebold: Über das Stimm- und Gehörorgan
Ehe ich aber zu der Auseinandersetzung meiner Unter-
suchungen schreite, halte ich es für zweckmässig , das wenige,
jedoch höchst wichtige, Mas Midier über das trommeiförmige
Organ geäussert hat1), hier wörtlich wieder zu geben. Der-
selbe theilte darüber folgendes mit: ,,ßei den Gryllen (Gryl-
lus hieroglyphicus) liegt im hintersten Theile der Brust auf
dem Rücken, auf beiden Seiten über dem Ursprünge des letz-
ten Fusspaares eine Aushöhlung der äusseren Bedeckungen,
wo diese unterbrochen und durch eine feine Membran ge-
schlossen sind. Diese Membran hat fast eine rhomboidalische
Gestalt, bei Gryllus hieroglyphicus an fünf Linien gross, bei
dem Männchen kleiner, ist an keiner Stelle durchbohrt und
zerbricht bei der kleinsten Verletzung. Wenn das Insekt seine
Flügel in der ruhigen Lage hat, sind jene Stellen ganz von
den Oberflügeln bedeckt. An der innern Fläche jener Mem-
bran liegt ein sehr feinhäutiges mit Wasser gefülltes Bläschen
an, welches länglich und über zwei Linien gross, mit seiner
einen Extremität die Membran bedeckt, mit seiner anderen nach
abwärts gerichtet ist. Deutlich ist jenes Bläschen von den
Tracheen zu unterscheiden und bei eigener Ansicht nicht mit
einem Luftsacke zu verwechseln. Das Nervensystem der Grylle
hat seine grösste Anschwellung im dritten Ganglion des Rücken-
marks, das Gehirn selbst ist kleiner als die grösseren Rücken-
marksganglien, und diese sind alle kleiner als der dritte Riik-
kenmarksknoten, der eine platte Scheibe bildet, von deren
hinterem Umfange eine grosse Menge von Nerven für die Brust-
muskeln, für das hintere Fusspaar, für die Bauchtheile ent-
springen. Der fünfte dieser Nerven des dritten Rückenmarks-
knotens auf jeder Seite begiebt sich zu dem beschriebenen
Bläschen und befestigt sich an seinem vordem obern Theile,
wo es an der elastischen Membran anliegt. Sollten diese Theile
das Gehörorgan der Grylle sein ? Nichts widerspricht diesem,
als dass der Sinnesnerve von dem dritten Rückenmarksknoten
entspringt. Vielleicht hat man aber auch darum das Gehör-
organ bei den Insekten nicht gefunden , weil man es am Kopfe
suchte." Diese Beschreibung des Gehörorgans des Gryllus hie-
l) Joh. Müller j Zur vergleichenden Physiologie des Gesichtssin-
nes. Fragment zur Physiologie des Gehörsinnes, pag. 439.
der Orthopteren. 59
roglyphicus hat Müller durch Abbildungen erläutert, aus wel-
chen deutlich hervorgeht, dass ein besonderer Nervenast (ner-
vus acusticus) von dem grossen Brustganglion sich nach dem
trommeiförmigen Organe hinbegiebt ').
Ich habe, durch diese Beschreibung Müller's angeregt,
sehr detaillirte Untersuchungen an Gomphocerus, Oedipoda
und Podisma hier in Deutschland , und an Caloptenus und
Truxalis in lstrien angestellt, wobei meine Aufmerksamkeit
besonders auf folgende Arten gerichtet war, nämlich auf Gom-
phocerus cruciatus, lineatus, viridulus, biguttulus, mollis, apri-
carius, grossus und haemorrhoidalis, auf Oedipoda coerule-
scens, fasciata, coerulans und stridula, auf Podisma pedestre,
ferner auf Caloptenus italicus und Truxalis nasuta. Um das-
jenige, was ich später über das Gehörorgan der Locustinen
zu sagen habe, mit dem Gehörorgane der Acridier in Verbin-
dung bringen zu können, sehe ich mich genöthigt, noch man-
ches andere, was im ersten Augenblick nicht in nächster Be-
ziehung zu dem trommeiförmigen Organe zu stehen scheint,
mit in das Bereich meiner Beschreibung zu ziehen.
Der Thorax der von mir untersuchten Acridioideen be-
sitzt drei Paar Luftröhren -Öffnungen, von welchen das erste
Paar zwischen dem Prothorax und Mesothorax, und das zweite
Paar zwischen dem Mesothorax und Metathorax gelegen ist.
Das erste Stigmen-Paar liegt ganz unter dem Hinterrande des
Prothorax verborgen und ist in der weichen Haut, welche
Vorderbrust und Mittel brüst miteinander verbindet, angebracht.
Das zweite Stigmen -Paar fällt leicht in die Augen, indem es
dicht über der Einlenkung des Mittelbeines frei daliegt und
einen kleinen ovalen Raum einnimmt, den der in einer Nath
dicht aneinanderstossende Mesothorax und Metathorax dort
übrig gelassen haben. Diese vier Stigmen sind von zwei hor-
nigen Lippenwülsten umgeben , durch welche sie verschlossen
werden können. Das dritte Stigmen -Paar des Thorax liegt
hoch über der Einlenkung des letzten Fusspaares hinter dem
Metathorax und steht mit dem trommeiförmigen Organe in
einer so nahen Verbindung, dass ich vorerst die Lage dieses
') Nova Acta Physico-medica Acad. Caes. Leop. Carol. Nat. Cur.
T. XIV. pag. 107. Tab. IX. Fig. 4. 1. und Fig. 6. b.
ßO v. Siebold: Über das Stimm- und Gehörorgan
Organ es genauer beschreiben nuiss, ehe ich die Lage und Bil-
dung dieses dritten Stigmen -Paares deutlich machen kann.
Die Riickenhälfte des ersten Abdominal - Segments besitzt an
beiden Seiten einen eiförmigen Ausschnitt, in welchem eine
eigenthiimliche Haut wie ein Trommelfell ausgespannt ist. Der
Ausschnitt ist von einem hornigen Ringe eingefasst, der nach
den verschiedenen Gattungen und Arten der Acridioideen die
trommeiförmige Haut (das Trommelfell) von oben her bald
mehr oder bald weniger überwölbt. Nach vorne und unten
bildet die hornige Einfassung des Trommelfells eine fast drei-
eckige Verbreiterung, in welcher die runde oder ovale Öff-
nung des dritten Stigmen- Paares, welches man übrigens auch
als das erste Hinterleibsstigmen -Paar ansehen könnte, ange-
bracht ist (Fig. 1. 2. und 3. a.). Diese beiden Stigmen unter-
scheiden sich von den vier vorhin erwähnten Stigmen und
den übrigen Athemlöchern der Acridioideen dadurch, dass ih-
nen die beweglichen hornigen Lippenvvülste fehlen und sie
daher stets offen stehen.
Das ovale Trommelfell besitzt eine weissliche Farbe und
sehr zarte Beschaffenheit; mit der Lupe betrachtet erscheint
das Trommelfell dunkel punktirt, diese Punktirung ist an man-
chen Stellen des Trommelfells so angehäuft, dass dadurch ein
Theil des Trommelfells, genauer betrachtet, eine bräunliche
Färbung erhält. Auf der äusseren Fläche des Trommelfells,
nahe dem Vorderrande desselben fällt ein, in einem stumpfen
Winkel gebogener, dunkelbraun gefärbter Streifen auf, dessen
kürzerer Schenkel nach oben und dessen längerer Schenkel
schräge nach unten und hinten gerichtet ist (Fig. 1. b.). Hin-
ter diesem braunen Streifen gegen die Mitte des Trommelfells
hin bemerkt man ferner noch einen sehr kleinen dreieckigen,
und ganz isolirten dunkelbraunen Fleck ( Fig. 1. c). Beide
Färbungen rühren von hornigen Theilen her, welche auf der
inneren Fläche des Trommelfells liegend an den erwähnten
Stellen durch dasselbe hindurchschimmern. Die hornige Ein-
fassung, welche das Trommelfell umgiebt und dasselbe aus-
gespannt erhält, ist nicht vollständig geschlossen, sondern bil-
det einen nach vorne und unten durchbrochenen Ring. Diese
hornige Einfassung besitzt bei manchen Acridioideen sehr viel
Hornmasse, welche das Trommelfell von oben und hinten her
der Orthopteren. Q\
so überwölbt, dass das Ganze lebhaft an das äussere Ohr ge-
wisser Lacertinen erinnert. Ziemlich frei und unbedeckt fällt
das Trommelfell bei Oedipoda tuberculosa, stridula, coerule-
scens und fasciata, bei Gomphocerus eruciatus, mollis und
grossus in die Augen, vollständig entblösst erscheint es bei
Podisma pedestre und Truxalis nasuta, dagegen findet man
dasselbe bei Gomphocerus dorsatus, haemorrhoidalis, aprica-
rius, bei Caloptenus italicus und Oedipoda coerulans schon
stark, fast bis über ein Drittel überwölbt, und am stärksten
sah ich diese von der hornigen Einfassung ausgehende Über-
wölbung des Trommelfells bei Gomphocerus biguttulus, bigut-
tatus, lineatus und viridulus, wo nur eine schmale Spalte übrig
ist, durch welche man das Trommelfell in der Tiefe liegen
sieht. Unterhalb des Stigma wird der Rand des Trommelfells
von einer kurzen vorspringenden Leiste des Metathorax um-
geben, die sich bei einigen Acridiern z. B. bei Gomphocerus
biguttatus, biguttulus, lineatus und viridulus bogenförmig er-
hebt, und bei Oedipoda coerulans so stark entwickelt ist, dass
sie als ein halbmondförmiger Vorsprung von unten her den
Eingang zum Trommelfelle verengert.
Wenn die Acridier ihre Flügel an den Leib geschlossen
halten , so werden die beiden tro mm eiförmigen Organe von
dem Vorderrande der Flügeldecken meistens bis zur Hälfte,
und nur selten ganz verdeckt.
Untersucht man nun das trommeiförmige Organ auf sei-
ner inneren Seite, so fällt sogleich, nachdem man die Weich-
theile hinweggenommen hat, auf dem Trommelfelle ein kleines
dreieckiges (Fig. 2. c.) und ein grösseres ziemlich complicirt
gebautes Hornstück von brauner Farbe (Fig. 2. b.' b.") in die
Augen. Es sind diese beiden Hornstiicke innig mit dem Trom-
melfelle verbunden und dieselben, welche an den früher er-,
wähnten Stellen durch das Trommelfell nach aussen hindurch-
schimmern. Das grössere nahe am Vorderrande des Trommel-
fells gelegene Hornstück besteht aus zwei ungleichen in einem
stumpfen Winkel zusammentretenden Schenkeln, von denen
der kürzere nach oben, der längere dagegen nach unten und
hinten gerichtet ist. Aus dem stumpfen Winkel dieser beiden
in ihrer ganzen Fläche mit dem Trommelfelle verwachsenen
Hornschenkel ragt ein kurzer zungenförmiger Fortsatz frei in
62 v. Siebold: Über das Stimm- und Gehörorgan
die Höhe (Fig. 2. b'), ist stark nach vorne umgebogen und
auf der hinteren Seite seiner breiten Basis stark ausgehöhlt.
Dieser zungenförmige Fortsatz besteht aus einer viel dichteren
und dunkleren Hornmasse als die beiden Schenkel desselben
Körpers, nur noch die obere stumpfe Spitze (Fig. 2. b") die-
ses zweischenkeligen Hornkörpers zeigt ebenfalls eine starke
Anhäufung von Hornmasse.
An der hornigen Einfassung des Trommelfells bemerkt
man, dieselbe von innen betrachtet, unterhalb des offenen Stig-
ma einen nach unten gerichteten Fortsatz oder' Vorsprung
(Fig. 2. d.), auf welchen schon Burmeister aufmerksam ge-
macht hat.
Ist es gelungen, das trommeiförmige Organ ohne Beschä-
digung der hinteren Fläche des Trommelfells von einem Acri-
dier abzutrennen, so wird man stets durch den Anblick eines
schneeweissen Stranges frappirt, der sich von dem vorderen
und unteren Rande des Trommelfells an der hinteren Fläche
des letzteren in schräger Richtung bis gegen die Mitte hin
erstreckt. Es besitzt dieser schneeweisse Strang eine sehr
unregelmässige Gestalt (Fig. 3. e. und Fig. 4.), welche sich
sehr schwer beschreiben lässt. In der Gegend des zungen-
förmigen Fortsatzes, welcher dem zweischenkeligen Hornstiicke
angehört, bildet jener schneeweisse Strang einen Wulst (Fig. 4.
i.), von welchem nach oben zwei weissgefarbte Fortsätze aus-
gehen, deren kürzerer und stärkerer sich an das obere Ende
des zweischenkeligen Hornstuckes (Fig. 4. f.) inserirt, während
der andere längere aber dünnere Fortsatz in einem sanften
Bogen bis zu dem kleinen dreieckigen Hornstiicke läuft (Fig. 4.
g.). Nach unten begiebt sich derselbe weisse Strang in Form
eines ' breiten Bandes an den hinter dem Stigma gelegenen
Rand des Trommelfells (Fig. 4. h.) und setzt sich zugleich
bis zur Spitze des hier befindlichen Vorsprungs der hornigen
Einfassung fort (Fig. 4. d'.). Es gelingt indessen nicht immer,
diesen so eben beschriebenen schneeweissen Strang aufzufin-
den; ich habe ihn anfangs, ehe ich auf die beim Präpariren
hier nöthigen Cautelen aufmerksam war, oft vergeblich ge-
sucht, bis ich endlich die Ursache errieth, weshalb derselbe
bei manchen Heuschrecken zu fehlen schien. War ich näm-
lich so unvorsichtig, bei dem Präpariren diesen weissen Strang
der Orthopteren. 63
mit der Spitze meiner Scheere oder Nadel zu berühren, so
war er augenblicklich verschwunden , denn der ganze Strang
mit seinen Fortsätzen und Ausläufern ist nichts anderes als
ein äusserst zarthäutiges, mit einer hellen Flüssigkeit gefülltes
Bläschen, welches schon von Müller erwähnt worden ist, und
welches bei der leisesten Berührung berstet. So wie alsdann
die in dein Bläschen und dessen Fortsätzen enthaltene Flüssig-
keit ausgelaufen ist, collabirt der ganze Strang und scheint
plötzlich verschwunden, obgleich er .vorher mit unbewaffnetem
Auge deutlich zu sehen war. Nur mit der Lupe oder dem
Mikroskope kann man alsdann die ausserordentlich zarte Hülle
dieses Wasserbläschens wieder auffinden. Es ist dieses Was-
serbläschen mit dem dreieckigen Hornstücke und mit dem
zweischenkeligen Hornstücke des Trommelfells so fest ver-
bunden, dass es sich ohne Verletzung nicht isoliren lässt.
Nach einiger Übung kann man es aber so weit bringen, dass
man mit einem scharfen Messerchen so viel von dem Trom-
melfelle und dem zweischenkeligen Hornstücke wegschneidet,
um das Wasserbläschen unter dem Mikroskope gehörig über-
schauen zu können. Man erkennt jetzt, dass dieses Bläschen
mit seiner wässerigen Feuchtigkeit eine ansehnliche Nerven-
masse dicht bedeckt, deren äusserst merkwürdige Organisation
im höchsten Grade überrascht. Es begiebt sich nämlich zu
dem unteren Ende des Wasserbläschens ein langer dünner
Nervenast, welcher von der Brust heraufsteigt. Es ist dies
derselbe Nerve, welchen bereits -Müller vom dritten Brust-
ganglion des Gryllus hieroglyphicus hatte abgehen und zu
demselben Organe herantreten sehen. Dieser Nervenast (Fig. 5.
k.) schwillt, während er unter dem Wasserbläschen fortläuft,
nach und nach an, und tritt in der Nähe des zungenförmigen
Fortsatzes plötzlich in ein cylinderförmiges und verhältniss-
mässig grosses Ganglion über (Fig. 5. 6. 1.). Dieses Ganglion
endet vorne, dem Eintritt des Nerven gegenüber, stumpf ab-
gerundet und liegt mit diesem Theile in der Aushöhlung des
zungenförmigen Hörn -Fortsatzes verborgen. Die ganze Gan-
glien-Masse ist von seinem hinteren Ende ab bis weit über die
Hälfte nach vorne hinaus mit einem weissen Pigment bedeckt,
welches bei durchfallendem Lichte schmutzig gelb erscheint.
Durch dieses Pigment, welches wahrscheinlich auch in das
64 v. Siebold: Über das Stimm- und Gehörorgan
Innere des Ganglions eingestreut ist, wird man verhindert,
die feinere Struktur dieses Theils der Ganglien -Masse zu er-
kennen. Ich konnte nur eine Menge rundlicher Körperchen
mit körnigem Inhalte aus demselben hervorschimmern sehen
(Fig 6. 1.). Es waren diese Körperchen wohl nichts anderes
als die Kerne der Ganglionkugeln, deren Umrisse ich, wahr-
scheinlich ihrer Zartheit wegen, nicht unterscheiden konnte.
Der vordere übrige Theil des Ganglion -Cylinders (Fig. 5. 6.
-m.) wird durch keine Pigment-Ablagerung verdunkelt, ist durch-
aus wasserklar und scheint von sehr zartwandigen Ganglion-
kugeln, die leicht ineinander fliessen, zusammengesetzt zu
sein. Ich schliesse dies theils aus der Anwesenheit derselben
rundlichen körnigen Körperchen, welche ich in dem durch
Pigment verdunkelten Ganglientheile angetroffen habe, und
theils aus der Unebenheit, welche der äussere Umriss dieses
wasserhellen Ganglientheiles darbietet. Das auffallendste und
am meisten characteristische, was sich in diesem wasserhellen
Theile des Ganglion-Cylinders erkennen lässt, ist eine Menge
lang gestielter stabförmiger Körperchen, welche in der Sub-
stanz der Ganglienmasse zwischen den Zellenkernen eingebet-
tet liegen (Fig. 6. m.). Diese merkwürdigen Stäbchen, deren
ich im Durchschnitt 30 in jedem Ganglion zählte, besitzen
sämmtlich gleiche Grösse, sind alle mit ihrer stumpfen ver-
dunkelten Spitze nach vorne gerichtet, und gehen am ent-
gegengesetzten Ende in einen zarten geraden Faden über, der
bis in die vom Pigment verdunkelte Ganglien -Masse hinein-
ragt. Bei einer stärkeren Vergrösserung dieser sonderbaren
Stäbchen , welche ich bei keinem Acridier bis jetzt vermisste,
erscheint ihr cylinderförmiger Körper hohl und ihre bei gerin-
ger Vergrösserung dunkel aussehende Spitze massiv (Fig. 7. n.).
Obgleich diese Stäbchen sehr scharfe Conturen besitzen, so be-
stehen sie doch aus einer ziemlich weichen Masse und werden
durch stärkeres Pressen zwischen Glasplatten so zerstört, dass
sie spurlos verschwinden. Wie weit sich die von dem hin-
teren Ende dieser Stäbchen ausgehenden Fäden in die Gan-
glienmasse hineinerstrecken, konnte ich nicht ausfindig machen ;
fast vermuthe ich, diese Stäbchen sind die angeschwollenen
Enden der Primitiv-Fäden des zu dem Ganglion übertretenden
Nervenastes.
Her Orthopteren. 65
Noch imiss ich dos Stigma erwähnen, welches die hor-
nige Einfassimg des Trommelfells durchbohrt (Fig. 1. 2. 3. a.).
Von dieser erstrecken sich mehrere grosse Tracheen -Aste in
die Brust, zugleich entspringt aber aus demselben Stigma eine
sehr ansehnliche Tracheen- Blase, welche sich dicht hinter dem
Trommelfelle ausbreitet und dessen ganze hintere Fläche ein-
nimmt, so dass das vorhin erwähnte Wasserbläschen sammt
seiner Nervenmasse zwischen Trommelfell und Tracheenblase
vollständig eingeschlossen liegt.
Was soll man nun aus diesem Organe machen? Von
einem Stimmapparat kann nicht mehr die Rede sein. Das an-
sehnliche Ganglion und die ganze Anordnung der einzelnen
Theile des Organs muss auf den Gedanken leiten , dass man
es hier mit einem Sinnesorgane und zwar mit einem Gehör-
werkzeuge zu thun habe, wie dies bereits von Müller erklärt
worden ist. Auch Goureau soll dieses trommeiförmige Organ
der Heuschrecken als Ohr betrachtet haben'); ich kenne seine
Arbeit darüber nicht, und weiss daher nicht, auf welche Weise
er seine Behauptung zu unterstützen gesucht hat.
Aus der von mir gegebenen Beschreibung geht hervor,
dass das trommeiförmige Organ der Acridioideen fast alle we-
sentlichen Bestandteile eines Gehörwerkzeuges enthält, we-
nigstens lassen sich die einzelnen Glieder jenes complicirten
Apparats ohne Zwang dahin deuten. Ein dem nervus acusti-
cus entsprechender Nerv ist vorhanden, derselbe steht an sei-
nem Ende, wo sich seine primitiven Bestandteile auflockern
und auseinander breiten, mit einem dem häutigen Labyrinthe
entsprechenden Wasserbläschen in inniger Verbindung, die Ge-
genwart eines Tympanum und einer Ohrmuschel ist am wenig-
sten zu verkennen: selbst die dicht hinter dem trommeiför-
migen Organe angebrachte Tracheenblase mit ihrem stets offenen
Stigma ist ganz geschaffen , die Funktion des Cavum tympani
und der Tuba Eustachii zu vertreten. Nur über die Bedeu-
tung der beiden dem Trommelfelle eingefügten Hornstücke
kann man schwanken, indem man nicht recht weiss, ob man
sie als Andeutungen der Gehörknöchelchen, wofür ihre An-
heftung spräche, oder als Rudimente des knöchernen Laby-
') Annales de la Societe entoniologique de France. 1837. pag. 57.
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. 1. Bd. 5
(36 v. Siebold: Über das Stimm- und Gehörorgan
rinths der höheren Wirbeltliiere ansehen soll. In letzterer
Beziehung entspräche der zungenformige und sehr zarte Fort-
satz des zweischenkeligen Hornstiickes, in dessen Aushöhlung
das Ende des Nervenganglion verborgen liegt, der Cochlea
des Labyrinths.
Nichts widerspricht wohl diesem -Vergleiche, als dass, wie
schon Müller sich einwendet, der Hörnerv hier von dem drit-
ten Brustganglion und nicht vom Kopfganglion entspringt, und
dass das tronunelförmige Organ am Metathorax und nicht am
Kopfe liegt. Es stösst eine solche Anordnung und Stellung
des Gehörorgans einen Hauptsatz der von uns angenommenen
physiologischen Regeln um. Erwägen wir aber, dass vieles,
was an Wirbelthieren als Regel beobachtet worden ist, mit
Unrecht als geltend auch auf die wirbellosen Thiere übertra-
gen worden ist, so werden wir uns auch sagen müssen, dass
dasjenige, was wir über die Lage der Sinnesorgane als Norm
für die ganze Thierwelt aufgestellt haben, nicht für die wir-
bellosen Thiere als allgemein gültig dasteht. Die Wirbeltliiere
besitzen ein Gehirn, eine Centralnervenmasse, von der die
Hauptsinnesnerven ausgehen , und in deren Nähe die Haupt-
sinnesorgane angebracht sind. Eine solche Centralnervenmasse
besitzen die wirbellosen Thiere nicht, dieselbe ist hier in eine
grössere oder geringere, bald regelmässig bald unregelmässig
im Körper vertheilte Menge von Ganglien - Massen aufgelöst.
Von diesen wird gewöhnlich die vorderste Ganglien -Masse
als Gehirn betrachtet, obwohl sich dieselbe von den übrigen
Ganglien durch innere Organisation nicht unterscheidet, auch
nicht einmal durch einen grösseren Umfang sich vor den übri-
gen stets auszeichnet; es besitzen demnach die hinter der er-
sten Ganglienmasse liegenden Ganglien einen nicht geringeren
physiologischen Werth als diese erste, und ein Brustganglion
eines Insekts wird daher auch wohl im Stande sein können,
in einem von demselben ausgehenden Nerven die spezifischen
Kräfte und Eigenschaften eines Sinnesnerven zu unterhalten.
Bei den wirbellosen Thieren ist es gewiss nicht die Stelle,
aus welcher das Wurzelende eines Nerven entspringt, welche
demselben eine so bestimmte physiologische Bedeutung giebt,
wie wir dies bei den Wirbelthieren erkannt haben. Wir ha-
ben die Normen, welchen die Natur in dieser Hinsicht bei
der Orthopteren. (jy
den wirbellosen Thieren gefolgt ist, noch nicht durchschaut,
und müssen uns für jetzt an das peripherische Ende eines Ner-
ven halten, wenn wir über seine Bedeutung als Sinnesnerv
urtheilen wollen ; dort an der Peripherie des Nerven finden wir
denselben auf eine bestimmte spezifische Weise umgewandelt,
dort sehen wir ihn zugleich mit eigentümlichen physikalischen
Apparaten in Verbindung gesetzt, so dass, wenn wir diese
Organisations -Verhältnisse genau durchforscht haben, wir als-
dann ein nicht leicht trügliches Urtheil über die Funktion eines
solchen Nerven aussprechen können.
Wer wollte nicht jene merkwürdigen, wie Smaragden
leuchtende Körper, welche den Saum des Mantels bei Pecten
und Spondylus besetzt halten, für die Sehorgane dieser Mu-
scheln erklären, nachdem Grube und Krohn die feinere Struk-
tur dieser Körper untersucht und an ihnen Theile gefunden
haben1), welche vollkommen einer Cornea, einer Linse, einem
Glaskörper, einem mit einer Pupille versehenen Pigmente, ei-
nem Tapetum, welches das der Wiederkäuer an Pracht über-
trifft, und einem sich zur Retina ausbreitenden Sehnerven ent-
sprechen? Warum sollen diese mit einem vollständigen licht-
brechenden Apparate versehenen Organe nicht Augen sein?
Die ungewöhnliche Lage solcher Augen und der Ursprung der
Sehnerven aus dem Mantelrandnerven können, aus den oben
angeführten Gründen, einer solchen Annahme keinen Eintrag
thnn. Wie sehr wir in unserem Urtheil oft befangen sind und
wie grobe Irrthümer wir uns oft zu Schulden kommen lassen,
wenn wir durch aufgestellte allgemeine Prinzipien, die sich
nur auf mangelhafte Erfahrungen stützen, uns bei der Natur-
forschung allein bestimmen lassen , hierzu liefern uns die Wege,
welche man bei Aufsuchung des Gehörorgans der Insekten ein-
geschlagen hat, den besten Beweis. Immer wollte man, weder
rechts noch links von den allgemeinen Prinzipien abweichend,
den Gehörsinn der Insekten am Kopfe suchen. Treviranus,
der an der Einlenkung der Fühler bei Blatta orientalis einen
weissen Fleck fand, erklärte denselben für das Gehörorgan die-
ser Thiere *), obgleich er hier weiter nichts entdecken konnte,
') Müller's Archiv. 1840. p. 24 und 381.
2) Annalen der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamm
Naturkunde. B. I. Heft 2. pag. 169.
5*
ßft v. Siebold: Über das Stimm- und Gehörorgan
als eine sehr feste elastische Membran, unter welcher eine
abgestumpfte Hervorragung des Gehirns verborgen lag. Ich
untersuchte dasselbe Organ , und fand auch nichts weiter,
konnte aber nicht so genügsam sein, dasselbe nun als Gehör-
organ hinzunehmen; ich stimme vielmehr Burmeister vollkom-
men bei, wenn er diese weissen Flecke für unentwickelte
Nebenaugen erklärt, die sich bei Blatta aegyptiaca zu voll-
ständigen Augen entwickelt haben. Ahnliche weisse Flecke
findet man auch bei den Grylloideen (Acheta), auch tragen
manche Locustinen ein solches Ocellen-Rudiment an der Stirne.
Am meisten hat bei den Entomologen der Gedanke Bei-
fall gefunden, die Insekten möchten wohl mit ihren Fühlern
hören. Noch ganz neuerdings hat es Newport versucht, die
Fühler der Insekten als die Gehörorgane darzustellen '), ohne
jedoch in der inneren Organisation dieser Theile einen dem
Gehörsinne entsprechenden Apparat gehörig nachgewiesen zu
haben. Clarke hat diesen Fehler vermeiden wollen, und einen
höchst complicirten Hör-Apparat an der Fühler-Basis von Ca-
rabus nemoralis Jllig. beschrieben und abgebildet, wobei er
von einer auricula, von einem meatus auditorius externus und
internus, von einem tympanum und einem Labyrinthe spricht 2),
welche Theile sich sämmtlich an dem Grundgliede der Fühler
vorfinden sollen und von welchen Theilen sich sämmtlich in
Wahrheit nichts vorfindet. Ich habe mir vergebliche Mühe
gegeben, an den verschiedensten grösseren und kleineren Ca-
rabiden auch nur eine Spur von jener idealen Beschreibung
des Gehörorgans bestättigt zu sehen. Ebenso hat auch Erich-
son diese Angaben Clarke's nicht bestätigen können 3).
Nachdem ich nun an den Acridiern ein Organ erkannt
hatte, welches vermöge seiner äusseren und inneren Organi-
sation vollkommen geeignet erscheint, die Schallwellen der
äusseren Luft aufzufangen und nach einem pereeptionsfahigen
Nerven hinzuleiten, lag es sehr nahe, auch bei den mit den
Acridiern verwandten Locustinen ein ähnliches Organ zu ver-
') The transaotions of the entomological society Vol. II. pag. 229.
und Cyclopaedia of anatomy and physiology Vol. II. pag. 892. u. 961.
2) Magazine of natural history. 1838. Septemb. und Froriep's
Neue Notizen Bd. IX. pag. 4.
3) Wiegmann's Archiv. 1839. Bd. II. pag. 285.
der Orthopteren. 69
muthen. Au der Stelle, an welcher ieh bei den Acridiern den
Gehörsinn vorgefunden habe, war keine Spur eines äusseren
Ohres zu entdecken. Bei weiteren Nachforschungen fielen
mir die beiden grossen trichterförmigen Tracheen -Öffnungen
auf, welche unter dem Hinterrande des Prothorax bei den
männlichen und weiblichen Locustinen angebracht sind. Diese
leiteten mich, indem ich sie anfangs für die Analoga eines
äusseren Gehörgangs hielt und in die Tiefe verfolgte, zu den
Knieen der vorderen Extremitäten, wo sich die sonderbaren
doppelten Spalten der Vorderschienen befinden. Bei genaue-
rer Untersuchung dieser Stelle unterhalb der beiden vorderen
Kniegelenke der Locustinen stiess ich auf zwei Organe, wel-
che mit den trommelförniigeii Organen der Acridier so viel
Ähnlichkeit besassen, dass ich glauben musste, die Funktion
derselben fiele mit der der letzteren unzweifelhaft zusammen.
Ehe ich diese beiden trommeiförmigen Organe der Lo-
custinen genauer beschreibe, muss ich vorher noch ihrer Stimm-
organe gedenken, da auch diese noch von manchem Entomo-
logen in ihrer Verrichtung verkannt werden. Nach Burmeister
soll das Geschrille der Locustinen dadurch entstehen, dass die
aus den Stigmen hervorgetriebene Luft unter die Flügeldecken
gerathe, und hier auf das sogenannte Trommelfell stossend
dieses in tönende Schwingungen versetze '). Newport ver-
wirft diese Erklärung mit Recht als unrichtig 2). Nach mei-
nen Versuchen schrillen die Locusten nach gänzlicher Zer-
störung des Trommelfells noch eben so laut wie vorher.
Betrachtet man ferner die verschiedenen lang- und kurzgeflii-
gelten Decticus- Arten, so kann man nicht begreifen, wie hier
aus den von dem Rande der Flügeldecken so weit entfernten
Stigmen die Luft unter die Flügel gelangen könne. Die ge-
genseitige Reibung der trockenen Flügeldecken, deren Trocken-
heit an dem rechten Flügel (bei Locusta cantans an beiden
Flügeln) durch die Anwesenheit einer Trommelscheibe noch
besonders vermehrt wird, ist die einzige Veranlassung des
Geschrilles, was so leicht zu beobachten ist, dass ich mich
') Burmeister: a. a. O. Bd. I. pag. 511.
2) Newport: Cyclopaedia of anatomy and physiology. Vol. 11
pag. 928.
70 v. Siebold: Über das Stimm- und Gehörorgan
mindern muss , wie auch Newport sich nicht ganz richtige
Begriffe darüber verschaffen konnte. Die von Goureau be-
schriebenen, feilenartig rauhen Hornleisten, welche sich auf
der unteren Fläche beider Flügeldecken nahe an ihrer Wurzel
befinden '), und welche Burmeister nicht gekannt zu haben
scheint, sollen, wie man bisher angenommen hat, gegenein-
ander gerieben werden und so den schrillenden Ton der Lo-
custinen erzeugen. Es ist dies aber eine ganz unrichtige Be-
hauptung. Diese beiden feilenartigen Hornleisten , von denen
die der linken Flügeldecke stets die bei weitem stärkere ist,
können bei ihrer Lage von den Locustinen niemals gegenein-
ander gerieben werden. Beobachtet man eine schrillende Lo-
custine, so sieht man, dass sie ihre bebenden Flügeldecken
nur etwas gelüftet hält, wodurch der innere abgerundete Win-
kel der Wurzel ihrer rechten Flügeldecke, welcher einen schar-
fen hornigen Rand besitzt, mit der feilenartigen Leiste der
linken Flügeldecke in Berührung kommt. Während der zit-
ternden Bewegungen der Flügeldecken fährt nun dieser hor-
nige scharfe, aber zugleich sehr feste Flügelrand an der feilen-
artigen Hornleiste des entgegengesetzten Flügels schnell auf
und nieder und erzeugt die bekannten schrillenden Töne der
Locustinen. Schneidet man diesen hornigen Bogen der rech-
ten Flügeldecke einer Locusta ab , ohne irgend einen anderen
Theil ihrer Flügel zu zerstören, so setzt das Thier seine mu-
sikalischen Bemühungen zwar nocli fort, bewegt nach wie vor
seine Flügeldecken gegeneinander, ist aber jetzt nur im Stande
einen ganz leisen Ton zu Wege zu bringen, indem der seines
harten Randes beraubte innere Winkel der rechten Flügeldecke
zu weich ist, um heftige Schwingungen der Flügeldecken zu
erzeugen. Die Männehen von Decticus apterus lassen nur
ein ganz kurz abgebrochenes Geschrille hören, indem diesel-
ben während einer einzigen schnellen Bewegung der Flügel-
decken nicht mehr wie einmal mit ihrem hornigen Flügelrande
über die feilenartige Hornleiste hinwegkratzen; auch Decticus
verrueivorus giebt, ausser einem längeren Geschrille, auf die-
selbe Weise solche kurze Locktöne von sich.
') Goureau: Annales de la societe entomologique de France.
1837. pag. 31. und Newport: Cyclopaedia etc. a.a.O. pag. 928 und
Fig. 394.
der Orthopteren. 71
Was die Stigmen des Thorax bei den Locustinen betrifft,
so weichen dieselben von denen der Acridioideen auffallend
ab. Zwischen dem Vorder- und Mittelrücken ist nämlich ein
doppeltes Stigmen -Paar angebracht, von denen das eine so-
gleich in die Augen fällt, da es jederseits mit einer ungemein
weiten ovalen Öffnung an dem Hinterrande des Prothorax
hervorragt (Fig. 12. a.). Eine jede dieser weiten Öffnungen,
welche durch, keine Lippen verschlossen werden können, führt
in einen trichterförmigen Luftröhrengang (Fig. 13. b. b.), der
sich in schräger Richtung nach der Mittellinie der Brustfläche
begiebt; hier berühren sich die beiden Trichter beinahe, beu-
gen sich knieförmig nach unten und aussen um , und treten
als sehr weite Tracheen-Kanäle in die Vorderbeine ein (Fig. 13.
c. c). Dicht vor dem unteren und vorderen Rande dieser
weiten Tracheen - Öffnungen liegen die beiden anderen Stig-
men, sie werden fast immer von dem Hinterrande des Pro-
thorax verdeckt, und sind von der gewöhnlichen Grösse und
Bildung (Fig. 12. d.). Bei Hetrodes pupa F. besitzt der Hin-
terrand des Prothorax nach unten einen halbmondförmigen
Ausschnitt, wodurch nicht nur das grosse, sondern auch das
kleine Stigma ganz frei daliegen. Die beiden kleinen Stigmen
werden von zwei Lippenwülsten verschlossen, von denen der
vordere der grössere ist und bei den lebenden Locustinen
fast ununterbrochen, wie ein Ventil an der kleinen Stigmen-
Öffnung auf- und zuklappt: so sah ich es wenigstens bei Lo-
custa viridissima, bei Decticus verrucivorus, tessellatus, apte-
rus, brachypterus und brevipennis. Die beiden Tracheen,
welche von diesem Stigmen -Paare ausgehen, verbreiten ihre
Zweige im Prothorax und Kopfe, während die beiden trichter-
förmigen Luftröhren keine Äste in ihrem Verlaufe durch den
Prothorax abgeben. Das zweite und dritte Bruststigmen-Paar
verhält sich wie die Hinterleibsstigmen, und werden, wie
diese, von zwei wulstigen Lippen verschlossen. An keinem
aller dieser übrigen Athemlöcher konnte ich das schnelle Öff-
nen und Schliessen der Lippen, wie ich es an dem vordersten
Stigmen Paare beobachtet habe, bemerken.
Verfolgt man die grossen Tracheen, in welche die beiden
trichterförmigen Luftröhren übergehen , durch die Oberschen-
kel des ersten Fusspaares hindurch, so erkennt man, dass
72 v. Siebold: Über das Stimm- nnd Gehörorgan
sie hier verschiedene grössere und kleinere Luftröhren -Aste
abgeben, ohne dabei von ihrem ansehnlichen Kaliber etwas
einzubüssen. Durch das schmächtige Knie hindurchtretend,
werden sie genöthigt, sich etwas zu verengern, erweitern sich
aber nachher sogleich und bilden an der Stelle, wo äusserlich
die beiden Spalten sich in den Vordertibien befinden, eine
längliche blasenförmige Erweiterung, deren eigenthümliche Form
ich etwas später beschreiben werde. Unterhalb dieser Erwei-
terung verengert sich eine jede dieser Tracheen von neuem,
und löst sich bald darauf in mehrere Aste auf.
Was nun das tronimelförmige Organ betrifft, welches bei
den Locustinen unterhalb des Knies in den Vorderschienen
angebracht ist, so sind schon bei der äusseren Betrachtung
desselben die sonderbaren Spalten und Offnungen, welche sich
an dieser Stelle vorfinden, ganz geeignet, die Aufmerksamkeit
auch auf die innere Organisation dieser Theile zu leiten, und
dennoch ist bisher dieses Organ ganz unbeachtet geblieben.
Burmeister war bis jetzt der einzige, welcher jener Spalten
und Offnungen an den Vorder-Knieen der Locustinen gedachte,
indem er in seinem Systeme die zweite Abtheilung der Lo-
custinen in zwei Unterabtheilungen zerfällt unter folgender
Bezeichnung '): 1) tibiae anticae in basi utrinque foramine
aperto elliptico, und 2) tibiae anticae in basi crassiores, li-
neola profunda utrinque in angulis anticis.
Um den sehr merkwürdigen Bau der an den Vordertibien
der Locustinen angebrachten tronimelförmigen Organe besser
überschauen zu können, will ich zuerst ihre äussere und dann
ihre innere Struktur beschreiben.
In Bezug auf den äusseren Bau dieser Organe lässt sich
an jeder Vorderschiene eine doppelte Kapsel und ein doppel-
tes Trommelfell unterscheiden.
Bei der von Burmeister aufgestellten ersten Unterabthei-
lung ist eigentlich nur das doppelte Trommelfell vorhanden,
indem die dicht unter dem Knie angeschwollenen Tibien auf
beiden Seiten in einer flachen Vertiefung eine längs - ovale
Öffnung besitzen, welche durch eine Membran (das Trommel-
fell) verschlossen ist. Jedes Trommelfell besteht aus zwei
') Burmeister: a. a. O. Bd. II. pag. 673.
der Orthopteren. 73
Theilen. Den einen Theil bildet eine dünne elastische und
silberglänzende Membran, welche mit Ausnahme des Vorder-
randes von dem ganzen Umfange der ovalen Öffnung der Ti-
bia entspringt und nach vorne einen halbmondförmigen Aus-
schnitt besitzt, in welchem der andere Theil des Trommelfells
liegt. Dieser stellt eine tlieils schwarz theils braun gefärbte
ovale Scheibe von festem hornartigen Gefiige dar, welche die
zwischen dem Vorderrande der ovalen Öffnung der Tibia und
dem halbmondförmigen Ausschnitt der silberglänzenden Mem-
bran übrig gebliebene Lücke vollständig ausfüllt. Als Objekte
für diese Beschreibung haben mir übrigens Barbitistes autu-
mnalis Charp. (Fig. 8. e.), Meconema varia Fabr., Phaneroptera
falcata Scop. und Phylloptera cassinaefolia Serv. gedient.
In der zweiten Unterabtheilung der Locustinen ist an je-
der Vordertibie eine doppelte Kapsel und ein doppeltes Trom-
melfell vorhanden. Erstere variirt sehr in ihrer Bildung, wo-
durch die Stelle unter dem Vorderknie dieser Locustinen
zuweilen eine ganz auffallende Gestalt erhält. Bei diesen Lo-
custinen der zweiten Unterabtheilung werden nämlich die bei-
den mit einem Trommelfelle, welches übrigens ganz wie bei
Barbitistes, Meconema etc. gebildet ist, verschlossenen ovalen
Öffnungen der Tibien von einer hornigen Schale ganz über-
wölbt, wodurch zwei Höhlen oder Kapseln entstehen, in wel-
chen die beiden Trommelfelle ungesehen verborgen liegen und
zu welchen eine an der Vorderseite der Tibien angebrachte
doppelte Längsspalte den Eingang bildet. Diese beiden Kap-
seln wölben sich bei Pseudophyllus neriifolius Serv., bei Acan-
thodis aquilina Serv. und besonders bei Acanthodis falconaria
De Geer so stark nach aussen , dass dadurch zwei sehr ge-
räumige Höhlen entstehen , deren Eingänge als zwei weite,
nebeneinander liegende längsovale Öffnungen an der Vorder-
seite der Tibien sogleich in die Augen fallen (Fig. 9. g. g.).
Bei anderen hiehergehörigen Locustinen steht die äussere Wand
dieser Kapseln vom Trommelfelle nicht so weit ab, ihre Höhlen
sind alsdann weniger geräumig und besitzen nur zwei schmale
Ritzen |als Eingänge (Fig. 11. g.g.). So sah ich es bei Saga
serrata Charp., Conocephalus tuberculatus Ros., Xiphidium
dorsale Charp., bei allen unseren einheimischen Decticus- und
Locusta -Arten: auch bei Ephippigera perforata Burm. und
74 v. Siebold: Über das .Stimm- und Gehörorgan
Callinemus dasypus Jllig. fand ich die äussere Umgebung der
Trommelfelle ähnlich beschaffen, während Hetrodes pupa Fab.,
deren Trommelfelle nur zum Theil vom hinteren Rande her
überwölbt werden, die Mitte zwischen den beiden Hauptfor-
mationen dieses Organs hält. Von Bradyporus, der vierten
Gattung der von Burmeister aufgestellten ersten Abtheilung
der Locustinen, konnte ich kein Exemplar vergleichen, ich
weiss daher nicht, wie sich hier das in Rede stehende Organ
verhält, vermuthe aber, dass dasselbe, obgleich Burmeister des-
selben nicht erwähnt, eben so wenig wie allen übrigen Lo-
custinen fehlen wird.
Der innere Bau des trommeiförmigen Organs der Lo-
custinen, welchen ich bei Locusta viridissima, cantans, bei
Decticus verrucivorus, tessellatus, brevipennis und bei Meco-
nema varia untersucht habe, ist sehr schwer ausfindig zu ma-
chen , und wird ohne gehörige Übung und Geduld bei dem
Präpariren dieser Theile ihrer ungemeinen Zartheit wegen gar
leicht zerstört und gänzlich übersehen. Es ist daher am rath-
samsten, sich zuerst der grösseren Individuen von Locusta vi-
ridissima, cantans und Decticus verrucivorus, natürlich in ganz
frischem Zustande, zu bedienen. Durch das Einbringen der
Spitze eines scharfen zweischneidigen Messers in die beiden
Öffnungen der Kapseln gelingt es leicht, die äussere Wand
derselben zu entfernen und die beiden Trommelfelle einer
Vorderschiene bloss zu legen ; bei Meconema ist diese Vor-
bereitung natürlich nicht nöthig. Spaltet man hierauf das Knie
rechts und links und hebt die vordere Wand der Schiene von
obenher ab, so wird man gewahr, dass dicht unter dieser äus-
seren Bedeckung der Schienen in der Gegend, wo sich die
beiden ovalen von den Trommelfellen verschlossenen Offnun-
gen befinden, die oben erwähnte blasenfönnige Erweiterung
der grossen Tracheen -Röhre liegt. Diese grosse längliche
Luftblase (Fig. 14. i.) füllt fast den ganzen Raum der Schiene
in dieser Gegend aus, wird zu beiden Seiten von den Trom-
melfellen dicht berührt und gestattet den Muskeln, Nerven und
Sehnen, welche für den unteren Theil der Schiene und für
die Fussglieder bestimmt sind, nur an ihrer hinteren Wand
herabzulaufen. Es lassen sich an dieser Luftblase vier Flä-
chen unterscheiden. Die eine nach vorne gerichtete Fläche
der Orthopteren. 75
ist schmal und der Länge nach kahnförmig ausgehöhlt, die
hintere Fläche dagegen breit und gewölbt, während die beiden
Seitenflächen derselben schräg nach vorne geneigt und der
Länge nach sanft eingebogen sind (Figl4.*). Mit diesen
Seitenflächen der grossen Luftblase stehen die beiden Trom-
melfelle in der nächsten Berührung, so dass dadurch der Raum,
welcher sich zwischen der vorderen Wand der Schiene und
der kahnförmigen Aushöhlung der grossen Luftblase befindet,
von den übrigen in der Tibia vorhandenen Weichtheilen ganz
abgeschlossen ist. Mit der grossen Tracheal- Röhre der Vor-
derfüsse steigen zwei Nerven -Aste herab, welche beide aus
dem ersten Brustganglion entspringen ; sie sind von sehr un-
gleicher Stärke; der stärkere liegt hinter der grossen Trachea,
giebt unterwegs in dem Oberschenkel Nebenäste ab und ver-
zweigt sich unterhalb der grossen Luftblase in dem unteren
Ende der Extremität; der schwächere Nervenast schickt eben-
falls einige Seitenaste im Oberschenkel ab, und wendet sich
am Knie zur Seite, nachdem er vorher einen Ast abgegeben
hat, der seine Richtung gerade nach der kahnförmigen Aus-
höhlung der grossen Luftblase nimmt (Fig. 14.1.). Dieser Ner-
venast breitet sich dicht über dieser kahnförmigen Aushöhlung
zu einem flachen Ganglion aus (Fig. 14. m.), dessen unteres
Ende in Form eines Bandes in die kahnförmige Aushöhlung
hinabläuft (Fig. 14. n.), sich an den unteren Rand derselben
befestigt und hier endigt (Fig. 14. n'.). Der breite Theil des
erwähnten Ganglion ist nur mit wenigem schmutzigweissem
Pigmente bestreut, und enthält eine Menge ovaler körniger
Körperchen, welche als nuclei betrachtet, auf die Anwesenheit
verschmolzener Ganglienkugeln hinweisen dürften. Bei ge-
nauerer Untersuchung entdeckt man im Innern dieser Gan-
glien-Masse zwischen den Zellenkernen zerstreut eine Anzahl
ganz ähnlicher gestielter Stäbchen , wie ich sie in dem Gan-
glion des nervus acusticus der Acridioideen gesehen habe.
Einen noch interessanteren Bau bietet der in der kahnförmi-
gen Aushöhlung der grossen Luftblase ausgespannte bandför-
mige Fortsatz dieses Ganglions dar. Dieses Band, welches
anfangs breit ist und nach unten allmälig schmäler wird, er-
scheint auf seiner der Tracheen-Blase zugekehrten Fläche eben
und auf der entgegengesetzten, nach vorne gerichtetetpu Fläche
76 v. Sicbold: Über das Stimm- und Gehörorgan
wellenförmig uneben (Fig. 14. n.). Die ganze Substanz dieses
Bandes ist nach jener hinteren Fläche bin mit denselben ova-
len körnigen Körperclien durehwebt, wie man sie auch in der
vorhinerwähnten breiten Ganglien-Masse vorfindet (Fig. 16. r.).
Auf der vorderen Fläche dieses Bandes liegt eine einfache
Reihe von Blasen dicht an einander gedrängt, wodurch diese
Fläche der bandförmigen Nervenmasse das wellenförmige An-
sehen erhält. Diese Bläschen, welche in demselben Verhält-
nisse, in welchem die bandförmige Nervenmasse nach unten
hin an Breite abnimmt , sich verkleinern , sind so innig mit
diesem Bande verschmolzen , dass es mir vor der Hand un-
möglich gewesen ist, die Beschaffenheit dieser Bläschen gerade
an der Stelle, wo sie aus der Substanz des Bandes auftauchen,
genau zu erforschen. Deutlicher ist dagegen die Organisation
dieser Bläschen auf der äusseren freien Seite, welche nicht
von Zellenkernen verdunkelt ist, zu erkennen. Hier erschei-
nen sie nun als wasserklare dickwandige hohle Körper, nach
der freien Fläche hin abgerundet und an den gegenseitigen
Berührungsstellen abgeplattet. Aus ihren dicken Wänden schim-
mert oft deutlich ein ovaler Kern hervor (Fig. 16. s.) , und
j.ede einzelne Höhle, welche sie einschliessen, enthält in einer
klaren Flüssigkeit einen den gestielten Stäbchen der Acridioi-
deen analogen Körper (Fig. 16. t. und Fig. 17.). Diese ge-
stielten Stäbchen unterscheiden sich jedoch von denen, welche
in der flachen Ganglienmasse, wie bereits erwähnt, versteckt
liegen. Sie sind nämlich grösser und weniger in die Länge
gezogen, haben im Ganzen eine birnförmige Gestalt, ihr dik-
keres stumpfabgerundetes Ende ist bei allen nach vorne ge-
richtet, während der von ihrer Spitze ausgehende Faden ge-
rade nach hinten in die bandförmige Nervenmasse hineinragt.
Wie und wo hier diese Fäden endigen, lässt sich schwer sa-
gen, und ich werfe noch einmal die Frage auf, ob diese zar-
ten Faden nicht die Primitivfasern des in dem beschriebenen
Ganglion sich ausbreitenden Nervenstammes sein könnten?
So .viel konnte ich deutlich wahrnehmen, dass diese Fäden,
in die von Zellenkernen verdunkelte Masse des Bandes ein-
getreten, nach oben sich umbogen, als wollten sie ihren Lauf
nach dem über der grossen Luftblase gelegenen breiten Gan-
glion einschlagen.
der Orthopteren. 77
Diese gestielten stabförmigen oder vielmehr birnförmigen
Körperchen nehmen, so wie ihre blasenförmigen Körper, in
denen sie eingeschlossen liegen, von oben nach unten an Grösse
allmälig ab, ihre Zahl richtet sich nach der der blasenförmi-
gen Körper, deren ich gewöhnlich zwischen 30 bis 45 zähle.
Gelingt es, die bandförmige Nervenmasse nicht von der Seite
her, sondern von der oberen Fläche aus zu übersehen, so
erscheinen die gestielten birnförmigen Körperchen als eine in
gerader Linie hinter einander liegende Reihe von runden Bläs-
chen, welche alle in ihrer Mitte einen ringförmigen Kern ent-
halten (Fig. 15.); es rührt dieser Anblick von der Höhle im
Innern der birnförmigen Körper her, welche von oben betrach-
tet das Bild eines Ringes liefert. Ich muss übrigens gestehen,
dass mir noch manches in der Struktur der bandförmigen Ner-
venmasse unklar geblieben ist. Man könnte nämlich die bla-
senförmigen Körper, aus welchen die merkwürdigen birnför-
migen Körperchen hervorschimmern, für ausgedehnte Ganglien-
kugeln halten, in diesem Falle müssten sie nach hinten offen
sein, um die von den birnförmigen Körperchen abgehenden
und in die übrige Ganglienmasse eindringenden Fäden durch-
zulassen. Oder rührt die wellenförmig erhobene vordere Fläche
des Nerven -Bandes vielleicht davon her, dass die zu den birn-
förmigen Körperchen angeschwollenen Enden der primitiven
Nervenfäden, umgeben von einer wässerigen Feuchtigkeit, die
vordere Fläche der bandförmigen Ganglienmasse blasenartig er-
hoben haben? Ich muss die Entscheidung hierüber anderen
Forschern überlassen, und bemerke nur noch, dass das breite
Nervenganglion mit seinem bandförmigen Fortsatze bei dem
Herauspräpariren der grossen Tracheenröhre an der blasen-
förmigen Erweiterung derselben gewöhnlich haften bleibt und
dann am leichtesten erkannt wird; dass es aber auch eben so
oft sich davon lostrennt und an der inneren Fläche der Tibia
hängen bleibt, wodurch es alsdann schwer aufzufinden ist.
Überblicken wir nun noch einmal das, was das trommei-
förmige Organ der Locustinen, verglichen mit demselben Or-
gane der Acridioideen, in seinem äusseren und inneren Baue
darbietet, so liegt der Gedanke doch wohl sehr nahe: dass
beide Organe eine und dieselbe Funktion, und zwar die eines
Gehörwerkzeuges zu verrichten haben.
78 v. Siebold: Über das Stimm- und Gehörorgan
An jeder Vorderschiene der Locustinen befindet sich eine
doppelte Grube oder doppelte Hornkapsel, welche wie das
äussere Ohr der Acridier geeignet ist, Schallwellen aufzufan-
gen. Im Grunde dieser Gruben oder Kapseln liegen die einem
Trommelfelle analogen häutigen Ausbreitungen , von welchen
ein Theil eine festere hornige Beschaffenheit besitzt, und so
mit denjenigen Stellen des Trommelfells der Acridier, welche
ebenfalls hornig verdichtet sind, verglichen werden kann. Im
Innern des Vorderknies der Locustinen nähert sich den beiden
Trommelfellen ein besonderer Nervenast, schwillt zu einem
Ganglion an und sendet einen bandförmigen Fortsatz in den
Raum zwischen den beiden Trommelfellen hinein. Diese Gan-
glienmasse enthält eine Menge der gestielten stabförmigen Kör-
perchen der Acridier ganz analoger Körper, welche in einer
klaren Flüssigkeit schweben, und ist dadurch gewiss in den
Stand versetzt, die leisesten Schallschwingungen vermittelst die-
ser Körperchen zu percipiren. Ausserdem steht sowohl mit
dieser einem Gehörganglion entsprechenden Nervenmasse als
mit den beiden Trommelfellen eine grosse Luftblase in näch-
ster Berührung, welche durch eine grosse Tracheenröhre und
sehr weite Stigmen -Öffnung mit der äusseren atmosphärischen
Luft in ununterbrochener Verbindung steht. Es ist also bei
den Locustinen so gut wie bei den Acridiern ein äusseres Ohr,
ein Trommelfell, ein spezifisch organisirter Gehörnerv, ein ca-
vum tympani und eine tuba Eustachii vorhanden. Einen dem
häutigen Labyrinthe entsprechenden Organtheil vermisst man
dagegen, indessen kann man fragen, ob nicht der Raum, wel-
chen die vordere Wand der Tibia und die kahnförmige Aus-
höhlung der grossen Luftblase einschliesst und von dem zarten
Nervenbande des Gehörganglion nicht ganz ausgefüllt wird,
eine dem Labyrinthwasser vergleichbare Flüssigkeit enthalten
könne, welche bei dem Anatomiren dieser Theile leicht über-
sehen werden dürfte? Vielleicht macht auch die klare Flüs-
sigkeit der blasenförmigen Aushöhlungen , in welcher die birn-
förmigen Körperchen suspendirt sind, die Anwesenheit eines
besonderen Labyrinthwassers entbehrlich? Man wird mir ein-
wenden können : dass bei den Locustinen die Gehörorgane auf
eine so ganz abenteuerliche Weise an den Vorderknien und
nicht am Kopfe angebracht seien, dass der nervus acusticus
der Orthopteren. 79
hier vom ersten Brustganglion und nicht vom Kopfganglion
ausgehe, und dass ferner der Gehörnerv mit einem anderen
Nerven zusammenhänge , der in seinem Verlaufe verschiedene
Seitenäste an Muskeln u. s. vv. abgebe, mithin kein spezifischer
Nerv sei; ich kann hierauf nur dasselbe, was ich oben bei
dem Gehörorgane der Acridioideen gesagt habe, antworten.
Da es mir gelungen war, bei zweien Orthopteren -Fami-
lien, deren männliche Individuen mit einem Stimmorgane ver-
sehen sind, einen dem Gehörorgane entsprechenden Apparat
aufzufinden, so versuchte ich es noch bei einer dritten Or-
thopteren -Familie, bei den Grylloideen, bei welchen eben-
falls die Männchen mit einem Stimmorgane ausgerüstet sind,
nach dem Gehörorgane zu forschen. Ich stellte meine Unter-
suchung bis jetzt nur an trockenen Exemplaren von Gryllus
campestris, domesticus und achatinus ßurm. an, und erkannte
an den Vorderschienen dieser Thiere eine Einrichtung, welche
auf die Anwesenheit eines Gehörorgans, ganz wie es die Lo-
custinen besitzen, hinweist. Es zeigt sich bei den drei ge-
nannten Gryllen an der äusseren Seite der beiden Vordertibien
dicht unter den Knien eine in einer länglichen Grube gele-
gene längsovale Öffnung, welche durch eine silberglänzende
Haut verschlossen ist; bei Gryllus achatinus befindet sich auf
der entgegengesetzten inneren Seite der Vordertibien eine ganz
ähnliche, aber viel kleinere verschlossene Öffnung, bei Gryl-
lus campestris ist an derselben Stelle nur eine kleine runde
und verschlossene Öffnung angebracht, während bei Gryllus
domesticus keine Spur irgend einer Öffnung dort zu ent-
decken ist. Ich finde diese eben erwähnten, einem Trommel-
felle analogen Membranen von Burmeister nicht erwähnt, da-
gegen hat Audinet Serville auf dieselben hingedeutet'). Bei
Gryllotalpa habe ich mich vergebens nach einer mit einer Mem-
bran verschlossenen Öffnung umgesehen, die mich auf das
Gehörorgan hätte leiten können. Mit den stummen Blattinen
und Forficulinen ging es mir nicht besser. Sehr neugierig bin
ich, ob sich bei den singenden Cicaden ein dem Gehörorgan
entsprechender Apparat auffinden lässt.
') Serville: Histoire naturelle des Insectes Orthopteres. p. 327.
8() v. Siebold: Über das Stimm- und Gehörorgan
Beschreibung der Abbildungen Taf. 1 .
(Die Gegenstände sind sämmtlich stark vergrössert dargestellt.)
Fig. 1. Das äussere rechte Ohr von Gomphocerus grossus. a. Die
im Hornringe befindliche Stigmen -Öffnung, b. Das durch das Trom-
melfell hindurchschimmernde zweischenkelige Hornstück. c. Das hin-
durchschimmernde dreieckige Hornstück.
Fig. 2. Das rechte Trommelfell mit seiner hornigen Einfassung
von innen betrachtet, a. Die Stigmen - Öffnung, b'. Der zungenför-
mige Fortsatz des zweischenkeligen Hornstücks. b". Der obere kür-
zere Schenkel desselben Hornstücks. c. Das dreieckige Hornstück.
d. Vorsprung an der hinteren Seite des Hornringes.
Fig. 3. stellt denselben Gegenstand dar, nur sieht man noch das
häutige Labyrinth e dargestellt.
Fig. 4. Das häutige Labyrinth, f. Der kurze Fortsatz, g. der
lange Fortsatz desselben, k. Das breite Band des Labyrinths , d' das
untere Ende des letzteren , welches sich an den Vorsprung des Horn-
ringes befestigt, i. Wulst des Labyrinths, unter welchem das Ner-
venganglion versteckt liegt.
Fig. 5. k. Nervus acusticus. /. Gehör- Ganglion, welches unter
dem Wulste des Labyrinths verborgen liegt, m. Ende des Ganglions,
welches von der Aushöhlung des zungenförmigen Hornfortsatzes auf-
genommen wird.
Fig. 6. Gehörganglion, k, Nervus acusticus. I. Der durch Pigment
und mit Zellenkernen angefüllte Theil des Ganglions, m. Oberer was-
serheller Theil dieses Ganglion, aus welchem zwischen Zellenkernen
die gestielten stabförmigen Körperchen hervorschimmern.
Fig. 7. Ein einzelnes gestieltes stabförmiges Körperchen. n. Das
obere freie Ende desselben, n'. der fadenförmige Stiel. Sehr stark
vergrössert.
Die Figuren von 1. bis 7. sind sämmtlich von Gomphocerus gros-
sus genommen. Die auf dem Trommelfelle Fig. 1. 2. und 3. ange-
brachte helle und dunkle Punktirung deutet die weisse und braune
Schattirung dieser Membran an.
Fig. 8. Obere Hälfte einer Tibia vom ersten Fusspaare der Me-
conema varia, von der Seite betrachtet, e. Trommelfell.
Fig. 9. Obere Hälfte einer Tibia vom ersten Fusspaare der Acan-
thodis falconaria, von vorne gesehen, g.g. Die Öffnungen, welche
in die beiden Gehör -Kapseln führen.
Fig. 10. Derselbe Theil von Locusta viridissima, von der Seite
gesehen, f. Ritzförmige Öffnung der Gehörkapsel.
Fig. 11. Derselbe Theil von derselben Locusta, von vorne be-
trachtet, g.g. Ritzförmige Eingänge zu den beiden Gehörkapseln.
Fig. 12. a. Grosse Stigmenöffnung der rechten Seite von Locusta
viridissima. d. Das vorderste kleine Stigma. Die punktirte gebogene
Linie deutet den Hinterrand des Prothorax an.
der Orthopteren. gl
Fig. 13. a,u. Die beiden grossen Stigmenöffnungen. b,b. Trich-
terförmige Eingänge in die c, c. Tracheen der vorderen Oberschenkel.
Fig. 14. h. Die von dem vorderen Oberschenkel in die Tibia
eintretende grosse Tracheen -Röhre. /. Blasenförmige Erweiterung
derselben, von der Seite betrachtet, k. Die aus dieser Erweiterung
hervortretende Trachea der Tibia. /. Nervus acusticus. m. Gehör-
Ganglion desselben, n. Bandförmiger in der kahnförmigen Aushöhlung
der grossen Luftblase herablaufender Fortsatz des Gehörganglions.
n'. Unteres Ende dieses Fortsatzes.
14*. Querdurchschnitt der grossen Luftblase aus der Vorder-
schiene, u. Vordere kahnförmig ausgehöhlte Fläche; v. hintere ge-
wölbte Fläche; w, x. die beiden Seitenflächen.
Fig. 15. Ein Theil des bandförmigen Fortsatzes des Gehörgan-
glions, von vorne gesehen, o. Oberes Ende und p. unteres Ende des-
selben. Die mit einem Kerne versehenen zellenartigen Körper sind
die von oben gesehenen birnförmigen Körperchen.
Fig. 16. Ein Theil desselben bandförmigen Fortsatzes von der
Seite betrachtet und sehr stark vergrössert. r. Die der kahnförmi-
gen Aushöhlung der grossen Luftblase zugekehrte Fläche; s. die vor-
dere Fläche des Bandes; t. gestieltes birnförmiges Körperchen.
Fig. 17. Gestieltes birnförmiges Körperchen; f. oberes freies Ende
desselben; /". der fadenförmige Stiel Noch stärker vergrössert.
Fig. 10. bis 17. sind aus Locusta viridissima entnommen.
Sjnopsis generum et specierum familiac
Cli ara ein or um. 1)
(Prodromus descriptionis novorum generum et specierum )
auetoribus
J. Müller et F. H. Troschel.
Characteres fauiiliae: Pisces malacopterygü abdominales
fluviatiles, lepidoti, capite alepidoto, pseudobranchiis nullis,
maxilla superior niedio osse intermaxillari , lateraliter osse
maxillari formata , dentes pharyngei velutini superiores et
inferiores; stoniachus saeeiformis, raulta coeca intestini; ve-
sica aerea transverse bipartita, ossiculis auditoriis ut in Cy-
') Species a nobis non visas asteri^co * notaviuuis.
Archiv f. Naturgeschiililp, X. Jahrg. I. IM. Q
82 J. Müller et F. H. Troschel:
prinoideis et Siluroideis cum labyrintho conjuneta. Radii bran-
chiostegi quatuor vel quinque. Plurimis pinna adiposa. .
Characini degunt in fluviis Aniericae meridionalis et Africae.
A. Pinna adiposa nulla. Foraniina nasalia ante-
rior a a posterioribus distantia.
Genus 1. ERYTHRINUS Gronov. Müll.
Deutes in osse intermaxillari, maxillari, et niandibula co-
niei, uniseriales, major ibus intermixtis; deutes ossis palatini
velutini aequales. Corpus teres. Squamae maguae. Radii
branchiostegi quinque. Apertura brauchialis magna. Pinna
dorsalis supra ventrales. Pinna adiposa nulla. Pinna caudalis
rotundata. Vesiea aerea cellulosa.
1. Erythrinus unitaeniatus Spix pisc. bras. p. 42.
tab. 19. (Synodus erythrinus Bl. Sehn. p. 397.) Hab. in Bra-
silia et Guiana.
2. Erythrinus salvus Agass. pisc. bras. p. 41. Hab.
in Brasilia et Guiana.
*3. Erythrinus guavinaV &\enc. apud Humboldt Re-
cueil ct. tome II. p. 179. pl. 48. fig. 1. Hab. in lacu Taearigua.
* 4. Erythrinus microcephalus Agass. p. 44. Hab.
in Brasilia.
Genus 2. MACRODON J. Müll.
Dentes in osse intermaxillari, maxillari, et mandibula co-
nici, uniseriales, majoribus intermixtis ; canini inferiores maximi
foveis palatinis recipiuntur: dentes palatini velutini, serie ante-
riore dentium conicorum major um. Corpus teres. Squamae
magnae. Radii branchiostegi quinque. Apertura brauchialis
magna. Pinna dorsalis supra ventrales. Pinna adiposa nulla.
Pinna caudalis rotundata. Vesiea aerea non cellulosa.
1. Macrodon trahira J. Müll. Monatsbericht der
Academie zu Berlin 1842 Juni; Müller's Archiv 1842 p. 309.
(Esox malabaricus Bloch tab. 392. Synodus malabaricus Bl.
Sehn. p. 397. ; Erythrinus macrodon Agass. p. 43. ; Erythrinus
trahira Spix tab. 18.) Hab. in Brasilia et Guiana.
2. Macrodon brasiliensis J.Müll, ib. p.309.; (Ery-
thrinus brasiliensis Agass. p. 15. tab. 20.) Hab. in Brasilia et
Guiana.
Synopsis generum et specierum familiae Characinorum. 83
B. Pinna adiposa. Foramina nasal ia anteriora et
posteriora approximata, valvnla cutanea tan-
tn in sejuncta.
a. Abd om ine non serrato.
Genus 3. ANODUS Spix.
Dentes nnlli, labia carnosa nulla, mandibula niedio acu-
niinata, margo oris acutus. Os parvum, transversum. Radii
branchiostegi quatuor l); apertura branchialis sat magna. Squa-
niae mediocres vcl magnae. Corpus elongatuni, subcompres-
suni, vel coniprcssuin, abdoniine ante pinnas ventrales rotun-
dato. Pinna dorsalis supra ventrales 2).
* 1. Anodus elongatus Spix (p. 61. tab. 40.) Hab.
in Brasilia.
* 2. Anodus latior Spix. (p. 62. tab. 41.) Hab. in
Brasilia.
3. Anodus edentulus Agass. Spix p. 60. (Salmo
edentulus Bl. tab. 380.) D. 12. A. 12. V. 11. Altitudo ad lon-
gitudinem 1 : 3£. Distautia oculorum aequat diametruni oculi.
Abdomen rotundatum. Hab. in Brasilia et Surinam.
4. Anodus cyprinoides Nob. (Salmo cyprinoides L.)
D. 12. radio antico brevissiino, tertio et quarto elongato. A.
13. V. 21. Squamae in linea laterali 52 — 57. Altitudo ad
longitudinem 1 : 3. Distautia oculorum aequat \\ diametri
oculi. Abdomen ante pinnas ventrales lateraliter carinatum.
Hab. in Guiäna.
5. Anodus alhurnus Nob. ?Curimate Gilbert. Quoy
et Gainiard, Freycinet voyage tab. 48. D. 12. A. 10. Squa-
mae in linea laterali 36. Altitudo ad longitudinem 1 : 4. Di-
stautia oculi aequat \\ diametri oculi. Abdomen ante pinnas
ventrales rotundatum. Hab. in Guiana.
') Quinque ill. Agassiz refert, attamen species ab Agassizio de-
scriptae non 5 sed 4 radios branchiostegos ut ceterae species ha-
bent, cujus rei notitiam ab 111. A. Wagner Monacensi accepimus.
2) Charaeteres generis ab Agassizio propositi: processus lonsi
cornei marginis interni arcuum branchialium ad instar clupearum et
squamae minimae nostris in speeiebus omnibus deficiunt: processus
arcuum branchialium internos in nostris semper niolles et breviores
invenimus.
6*
84 J. Müller et F. H. Troschel:
* 6. Anodiis amazonum Nob. (Curimatus amazonum
Valenciennes apud Humboldt Recucil d'observations tom. 2.
p. 164. pl. 45. fig. 2.) Hab. in fluvio Amazonum.
* 7. Anodus taeniurus Nob. (Curimatus taeniurus
Valenciennes apud Humboldt Recueil d'observations tom. 2.
p. 166.) Hab. in fluvio Amazonum.
8. Anodus ciliatus Nob. nov. sp. Dorsum convexum
sine impressione in caput descendens; abdomen ante pinnas
ventrales rotundatum, post pinnas ventrales acute carinatum.
Squamae ciliatae, in linea laterali 57. Altitudo ad longitudi-
nem 1 : 3. Distantia oculorum duplum diametri oculi. D. 12.
A. 11. V. 10. Hab. in Essequibo.
Genus 5. PACU Spix. (Prochilodus Agassiz.)
Labia circularia, mandibula in os dentale et condyloideum
disjunctum; dentes minutissimi in margine labiorum, ad instar
ciliorum, curvati; forma dentium spathuliformis; post seriem
marginalem altera in media parte labii superioris et inferioris
duos formans arcus in medio labio convergentes. Apertura bran-
chialis sat magna. Corpus elongatinri, leviter compressum, ab-
domine post pinnas ventrales subcarinato ; pinnae nudae. Radii
branchiostegi quatuor. Pinna dorsalis supra ventrales.
* 1. Pacu argenteus Spix tab. 38. (Prochilodus ar-
genteus Agass. p. 63.) Hab. in Brasilia.
2. Pacu nigricans Spix tab. 39. (Prochilodus nigri-
cans Agass. p. 64.) Hab. in Brasilia.
* 3. Pacu lineatus Valenc. apud d'Orbigny Voyage
pl. 8. flg. 3. Hab. in America meridionali.
Genus 6. CITH&RINUS Cuv. Nob.
Corpus elevatum, compressum, subrhomboideum, abdomine
carinato post pinnas ventrales; pinnae verticales nec'non adiposa
basi squamis tectae. Dentes uniseriales minutissimi, ad instar
ciliorum, in osse intermaxillari et mandibula. Radii branchio-
stegi quatuor. Apertura branchialis ad lineam mediam usque
fissa. Pinna dorsalis inter ventrales et analem.
1. Citharinus Geo/frot/i Cux. Regne animal edit. 2.
II. p. 313. (Serrasalmo citharus Geoflr. Descr. de TEgypte pl. V.
f. 2. 3.) B. 4. I). 19. A. 28. P. I". V. 11. Squamae lineae la-
teralis 86. Hab. in Kilo.
Synopsis generum et specierum familiae Characiiiomm. 85
2. Githarinus latus Ehrbg. 13. 4. D. 22. A. 26.
P. 16. V. 11. Squamae lineae lateralis 68. Pinna adiposa ma-
jor quam in praecedente specie. Hab. in Nilo.
Genus 7. HEMIODUS J. Müll.
Dentes scindentes, ad instar laminarum rotundarum, uni-
seriales, margine ubique serrati in osse intermaxillari, in nian-
dibula nulli; os parvum. Corpus elongatum, compressum, ab-
domine rotundato, pinnae nudae, squamae in dorso mediocres,
in ventre majores. Radii branchiostegi quinque. Apertura
branchialis magna. Pinna dorsalis supra ventrales.
1. He7niodus unimaculatus Nob. (Gronov. Zooph.
li. 379. Salmo unimaculatus Bl. tab. 381. fig. 3.; Hemiodus
crenidens Müll. Monatsb. der Acad. Juni. Archiv. 1842. 324.)
D. 11. A. 11 bis 12. V. 11. P. 17. Argenteus macula nigra in
medio corporis. Hab. in Surinam et in Guiana.
Genus 8. PIABUCA Cuv.
Dentes scindentes, ad instar laminarum rotundarum, mar-
gine ubique serrati in osse intermaxillari et mandibula, uni-
seriales. Os parvum. Corpus elongatum, compressum, ab-
domine carinato. Pinnae nudae, squamae parvae. Radii bran-
chiostegi 4. Apertura branchialis magna. Pinna analis lon-
gissima, pinna dorsalis post pinnas ventrales, supra analem.
1. Piahuca argentina Cuv. (Regne animal II. p. 310. ;
Piabucu Marcgrav 170; Salmo argentinus Bl. tab. 382. fig. 1.)
I). 10. A. 43. Radii pinnae analis a quarto ad nonum usque
in lateribus hamulo squamiformi ad dorsum verso instructi.
Hab. in Brasilia.
Genus 9. CHILODUS Nob.
Dentes minuti, cylindrici, apice rotundati, uniseriales, mo-
biles in osse intermaxillari et mandibula. Corpus formam
Cyprini simulans elongatum, compressum, abdomine rotundato;
pinnae nudae. Pinna dorsalis ventralibus opposita. Radii bran-
chiostegi quatuor. Apertura branchialis angusta.
1. Chilodus punctatus Nob. Corpore flavo seriebus
novem longitudinalibus punctorum atrorum ornato, Stria late-
86 J. Müller et F. H. Troschel:
rali argenteo nigra, pinna dorsali atro punctata. B. 4. D. 11.
A. 12. P. 14. V. 10. Hab. in lacu Amucu Guianae.
Genus 10. SCHIZODON Agass.
Dentes scindentes, pauci, margine peetinati, uniseriales in
osse intermaxillari et mandibula; os parvuni; corpus elonga-
tum leviter conipressum, abdomine rotundato; pinnae nudae;
squamae magnae. Radii branchiostegi 4. Apertura branchialis
magna. Pinna dorsalis supra ventrales.
1. Schi%odo?i fasciatus Agass. (Spix tab. 36. p. 66.;
Sehomburgk Fish, of Guiana I. p. 252. tab. 26.) Hab. in Brasilia
et Guiana. Annot. Salmo unimaculatus Bl., ad quem Curimatam
IMarcgravii refert Agassizius, quemque tanquam alteram speciem
hujus generis declarat, non huc pertinet, sed ad genus Heiniodus.
Genus 11. LEPORINUS Spix.
Dentes scindentes, inedio acuniinati uniseriales, pauci, in
osse intermaxillari et mandibula; medii majores, antrorsiun versi;
labia carnosa, os parvum; corpus clongatum, leviter compres-
sum, abdomine rotundato; pinnae nudae; squamae magnae.
Radii branchiostegi quatuor. Apertura branchialis angusta.
Pinna dorsalis supra ventrales.
1. Leporinus novemfasciatus Agass. Spix tab. 37.
p. 65. (Salmo fasciatus Bloch, tab. 379.) Altitudo corporis
aequat longitudinem capitis, et quinquies continetur in longi-
tudine corporis. Distantia oculorum dupluni diametri oculi.
Squamae in linea laterali 42. Hab. in Brasilia et Guiana.
2. Leporinus nigrotaeniatusNoh, (Chalceus nigro-
taeniatus Schoiuburgk Fishes of Guiana tab. XIII. male.) Tae-
nia nigra laterali, interdum evanescente, inde a regione pinnae
dorsalis usque ad pinnam caudalem. D. 12. A. 11. P. 16. V. 10.
Altitudo corporis fere aequat capitis longitudinem, vel minor
est, et sexies continetur in tota longitudine. Distantia oculo-
rum duplum diametri oculi. Squamae in linea laterali 42.
Hab. in fluyiis Guianae.
3. Leporinus maculat us Xob, Maculis nigris ma-
gnis in lateribus. D. 13. A. 11. An Varietas L. novemfasciati,
quocum dimensionibus convenit. Squamae in linea laterali 3b.
Hab. in fluviis Guianae.
Synopsis generum et specierum familiae Characinorum. 37
4. Leporinus Friderici Agass. (Salmo Friderici
Bl. tab. 378. Curimatus acutidens et Curimatus obtusidens
Valenciennes d'Orbigny Voyage poissons pl. VIII. fig. 1. et 2.)
D. 12. A. 11. Altitudo corporis superat longitudinem capitis,
et 4^ vicibus continetur in longitudine corporis. Distantia oculo-
rum fere triplum diametri oculi. Squamae in linea Jaterali 38.
Genus 12. ANOSTOMUS Gronov.
Dentes supra et infra uniseriales parvi, quales? Os su-
perum , angustum, verticale , mento prominulo. Corpus elon-
gatum, crassum, abdomine rotundato. Squamae magnae. Ra-
dii branchiostegi quatuor. Apertura branchialis magna. Pinna
dorsalis supra ventrales.
* 1. Anostomus Gronovii Nob. (Gronov. Mus. Ichth.
II. p. 13. tab. 7. fig. 2.) Hab.?
Genus 13. HYDROCYON Agass.
Dentes ossis intermaxilJaris magni, conici, compressi uni-
seriales cum aequalibus mandibulae alternantes. Corpus elon-
gatum compressum, abdomine rotundato. Squamae magnae.
Radii branchiostegi quatuor. Apertura branchialis magna.
Pinna dorsalis supra ventrales. Pinna analis parva.
1. Hydrocyon Forskalii Cuv. Mem. du Mus. V.
p. 354. pl. 28. fig. 1. (Roschal Forsk. 66.; Characinus dentex
Geoffr. Poissons de l'Egypte pl. 4. fig. 1.) Hab. in Nilo.
Genus 14. DISTICHODUS Nob.
Dentes scindentes, apice bifidi, biseriales in osse inter-
maxillari et mandibula. Corpus elongatum, compressum, ab-
domine rotundato; pinna adiposa et caudalis fere usque ad
marginem squamis tectae. Radii branchiostegi 4. Pinna dor-
salis supra ventrales.
1. Distichodus nefasch Nob. (Salmo niloticus Has-
selquist Reise 422.; Characinus nefasch Geoffr. Descr. de
l'Egypte pl. V. fig. 1.) Hab. in Nilo.
Genus 15. GA9TEROPELECU8 Gronov.
Dentes ossis intermaxillaris et mandibulae tricuspidati,
cuspide media longiore, uniseriales ; dentes ossis maxillaris co-
SS J. Müller et F. H. Troschel:
nici uniseriales. Corpus compressissimum, abdomine carinato,
acuto. Squamae magnae. Radii branchiostegi quatuor. Aper-
tura branchialis magna. Pinnae ventrales parvae, dorsalis re-
mota supra analem longissimam.
1. Gasteropelecus sternicla Bloch, tab. 97. fig. 3.
(Salmo gasteropelecus Pallas Spicilegia zoologica VIII. tab. 3.
fig. 4. p. 55. Gasteropelecus Gronov. Mus. Ichthyol. II. p. 7.
tab. 7. fig. 5.) Hab. in Surinam.
Genus 16. ALESTES Nob.
Dentes in osse intermaxillari biseriales, in anteriore scin-
dentes tricuspidati parvi, in posteriore serie molares, corona
cuspidibus cincta; dentes nulli in osse maxillari parvo; dentes
in mandibula duplice serie, in anteriore serie pauci magni cu-
spidati , series secunda ex duobus solummodo dentibus conicis
constat, qui medium tenent. Os parvum. Corpus elongatum
compressum, abdomine rotundato. Squamae magnae. Apertura
branchiarum magna. Radii branchiostegi 4. Processus interni
arcus branchialis primi setacei longi. Pinna dorsalis inter
pinnas ventrales et analem. Pinna analis longa.
1. Alestes niloticus Nob. (Cyprinus dentex Linn.
Mus. Ad. Frid. 2.; Salmo dentex Hasselquist p. 437.; Chara-
cinus niloticus Geoffr. Descr. de l'Egypte p. 49. pl. 4. fig. 2. ;
Myletes Hasselquistii Cuv. Mem. du Mus. IV. p. 449. pl. 21.
fig. 2.) Hab. in Nilo.
* 2. Alestes nurse Nob. (Myletes nurse Riippell Fort-
setzung der Beschr. und Abbild, mehrerer neuer Fische. Frankf.
1832 p. 12. tab. 2. fig. 3.) Hab. in Nilo.
Genus 17. TETRAGONOPTERUS Artedi Cuv.
Dentes in osse intermaxillari multicuspides duplice serie,
perpauci interdum obsoleti in parte suprema ossis maxillaris,
dentes in mandibula unica serie, anteriores multicuspides, me-
dia cuspide longiore, in parte laterali dentes minores conici.
Corpus compressum, abdomine rotundato. Squamae magnae.
Radii branchiostegi 4. Apertura branchiarum apertissima. Pinna
dorsalis inter ventrales et analem. Pinna analis longa.
1. Tetragonopterus argenteus Artedi apud Seba
III. tab. 34. fig, 3.; (Coregonus amboinensis Artedi spec. 44. ;
Synopsis generum et specierum familiae Characinorum. 89
Tetragonopterus argenteus Cuv. Mem. du Mus. tome IV. p. 455. ;
Tetragonopterus chalceus Agass. apud Spix tab. 33. fig. 1. p. 70. ;
? Tetragonopterus rufipes Valenciennes apud d'Orbigny Voyage.
Poissons pl. XI. fig. 1.) Hab. in Brasilia et Guiana.
2. Tetragonopterus bimaculatus Nob. (Gronov.
Mus. ichth. I. 19. tab. I. fig. 5.; Albula maculata Linn. Mus.
Ad. Frid. p. 78. tab. 32. fig. 2. ; Salmo bimaculatus Bloch,
tab. 382. fig. 2. ; Tetragonopterus rutilus Jenyns Voy. of the
Beagle p. 125. pl. 23. fig. 2.; false a Cuvierio ad Piabucas
relatus.) D. 11. A. 33. V. 9. P. 13. macula nigra in parte an-
teriore lineae lateralis, stria argentea longitudinali, laterali,
squauiis in linea laterali 40.; in linea transversali inter pin-
nain dorsalem et ventrales 14. Hab. in Brasilia, Guiana et Suri-
nam. Duo exemplaria e Lima missa in Museo exstant, caeteris
similia, differunt corpore minus alto , altitudine 3^ vicibus in
longitudine contenta, et minore numero radiorum pinnae analis.
Ann. Inter multa duo specimina pinnam analem habent in an-
teriore parte dimidia armatam aculeis multis parvis curvatis
in quoque radio dispositis; an mares?
3. Tetragonopterus melanurus Nob. (Salmo me-
lanurus Bloch tab. 381. fig. 2.) D. 10. A. 30. V. 8. Dentibus
obsoletis in osse maxillari. Argenteus macula nigra in pinna
caudali. In maribus pinnae ventrales et anterior pars analis
aculeis curvatis seriatim dispositis armatae. Hab. in Surinam.
* 4. Tetragonopterus fasciatus Nob. (Chalceus
fasciatus Cuv. Mem. du Mus. V. p. 352. pl. 26. fig. 2.) Hab. in
Brasilia.
* 5. Tetragonopterus scabriptnnis Jenyns Voy.
of the Beagle Vol. IV. London 1842 p. 125. tab. 23. fig. 3.
* 6. Tetragonopterus taeniatus Jenyns Voy. of
the Beagle IV. p. 126. An femina praecedentis?
* 7. Tetragonopterus Abramis Jenyns Voy. of the
Beagle IV. p. 123. tab. 23. fig. 1.
Annot. Tetragonopterus interruptus Jenyns Voy. of the
Beagle IV. p. 127. tab. 23. fig. 4. propter dentes uniseriales
novum genus constituere videtur.
Genus 18. CHALCEUS Cuv.
Dentes in osse intermaxillari multicuspides, duplice serie,
90 J. Müller et F. H. Troschel:
perpauci in parte suprema ossis maxillaris, dentes in mandi-
bula duplice serie, anteriores multicuspides, media cuspide lon-
giore, in parte laterali dentes minores conici; series secunda
ex duobus solummodo dentibus conicis constat, medium te-
nentibus, quibus a Tetragonopteris differunt. Corpus elonga-
tum, compressum, abdomine carinato. Squamae magnae. Ra-
dii branchiostegi 4. Apertura branchiarum apertissima. Pinna
dorsalis inter ventrales et analem. Pinna analis longa.
1. Chalceus angulatus Spix tab. 34. p. 64. Hab. in
Brasilia et Guiana.
Genus 19. BRYCON Nob.
Dentes in osse intermaxillari triplice serie, multiouspidati,
in anteriore serie minores, cuspidibus lateralibus obsoletis:
dentes ossis maxillaris uniseriales, superiores similes in coni-
cos transeuntes, ad totum marginem; dentes mandibulae bise-
riales, anteriores magni multicuspidati, laterales minores conici,
altera series interna dentium conicorum in lateribus, praeterea
duo dentes conici majores in medio. Corpus elongatum, com-
pressum, abdomine rotundato. Squamae magnae. Radii bran-
chiostegi quatuor. Apertura branchiarum magna. Pinna dor-
salis inter ventrales et analem.
1. Brycon macrolepidotus Nob. (Chalceus macro-
lepidotus Cuv. Mem. du Mus. IV. p. 454. pl. 21. fig. 1.) Poste-
rior series dentium mandibulae usque ad duos dentes medios
majores conicos prolongatur. Hab. in Brasilia et Guiana.
2. Brycon amazonicus Nob. (Chalceus amazonicus
Agass. p. 68. Characinus amazonicus Spix tab. 35.) Specimen
nostrum macula nigra in basi pinnae caudalis gaudet. A. 25.
Hab. in Brasilia.
3. Brycon falcatus Nob. nov. spec. Interna series
dentium mandibulae dentes conicos medios non attingit. Den-
tes conici medii internae seriei parvi. D. 11. A. 28. V. 9. P. 15.
Altitudo corporis in longitudine 3£ vicibus continetur. Colore
argenteo. Macula falciformis nigra in pinna caudali. Vitta nigra
in basi pinnae analis. Squamae in lin. lat. 48. Hab. in Guiana
et Surinam.
* 4. Brycon opalinus Nob. (Chalceus opalinus Cuv.
Mem. du Mus. tome V. p. 351. pl. 26. fig. 4.) Hab. in Brasilia.
Synopsis gcncrum et spccierum familiac Charaeinorum. 91
5. BryconSchomburgkii'Roh. nov. spec. D. 11. A.2G.
Altitudo ad longitudinem 1:4. Interna series gentium mandi-
bulae dentes conicos medios attingit. Hab in Guiana.
Genus 20. SALMINUS Agass.
Dentes in osse intermaxillari et mandibula conici biseria-
les, in osse maxillari elongati conici uniseriales. Corpus elon-
gatum, compressuni, abdotninc rotundato. Squamae magnae.
Radii branchiostegi quatuor. Apertura branchiaruni magna.
Pinna dorsalis inter ventrales et analem.
1. Salminus brevidens Agass. (Hydrocyon brevi-
dens Cuv. Mein, du Mus. t. V. p. 364. pl. 27. fig. 1,; Hydrocyon
brevidens Val. d'Orbigny Voy. Poiss. pl. 9. fig. 3.) Hab. in
Brasilia.
Genus 21. EXODON Nob.
Dentes in osse intermaxillari, in osse maxillari et in man-
dibula biseriales. Pauci majores conici in osse intermaxillari
et maxillari antrorsum versi, dentes internae seriei conici mi-
nores, irregulariter dispositi. Dentes mandibulae seriei ante-
rioris conici pauci, irregulariter dispositi, internae seriei conici
minores, reguläres. Corpus compressum, abdomine rotundato.
Squamae magnae. Radii branchiostegi quatuor. Apertura bran-
cliialis magna. Processus interni arcuum branchiarum aculei-
formes. Pinna dorsalis supra ventrales posita.
1. Exodon paradoxus Nob. nov. sp. Dentes duo
conici basi amplificata cornuum ad instar in parte anteriore
ossis intermaxillaris antrorsum versi. Similis dens major et
minor in parte anteriore ossis maxillaris antrorsum et extror-
sum versi. Caeteri dentes inferioribus oppositi sunt, et qui-
dem in osse intermaxillari plures conici irregulariter dispositi;
os maxillare in margin e seriem gerit dentium conicorum, prae-
ter hos in parte superiore interiore dentes aliquot conicos in-
trorsum spectantes. In mandibula dentes majores conici ante-
riorem formant seriem, et quidem irregulariter dispositi; interna
series dentibus numerosioribus minoribus conicis regulariter
dispositis constat. D. 11. A. 20. Macula nigra magna in latere
ante pinnam dorsalem, alia macula magna in basi pinnae cau-
dalis; vitta argentea laterali. Hab. in Guiana.
92 J- Müller et F. H. Troschel:
Genus 22. EPICYRTÜS Nob.
Dentes conici uniseriales in osse interraaxillari, maxillari lon-
gissimo et mandibula; anterioriim aliquot infra et supra majores
canini. Dentes palatini nulli. Os magnum. Corpus elongatum
compressum, abdomine ante pinnas ventrales rotundato, post illas
earinato. Squainae parvae. Radii branchiostegi quatnor. Aper-
tnra branchiarutn apertissinia. Processus arcus branchialis primi
interni longi cornei ut Clupeis, margine interiore subtiliter den-
tieulati. Cingulum scapulare infra pinnas pectorales in aculeum
productum. Pinna analis longissima, non squaniata. Pinna
dorsalis post pinnas ventrales pectoralibus approximatas, supra
pinnam analem.
1. Epicy rtus gibbosus Nob. (Salmo gibbosus Gro-
nov. Museum iclüliyologicum I. p. 19. tab. 1. fig. 4.) Male a Cu-
vierio ad genus Piabuca relatus. Hab. in America meridionali.
G e n. 23. XIPHORH AMPHUS N o b. (Xiphorhynchus Agass. ' )
Dentes ossis intermaxillaris , maxillaris et mandibulae co-
nici, uniseriales, minores, intermixtis maximis caninis. Canini
anteriores mandibulae a fossis palatinis recipiuntur. Ossa
maxillaria longissima, toto margine dentata, ossa palatina den-
tibus conicis uniseriatis. Corpus elongatum modice compres-
sum, abdomine rotundato. Caput antice acuminatum. Squa-
inae magnae vel mediocres. Radii branchiostegi quatuor.
Apertura branchialis magna. Processus arcus primi branchialis
interni cornei aculeiformes. Pinna dorsalis inter pinnas ven-
trales et pinnam analem.
1. Xiphorhamphus falcatus Nob. [Salmo falcatus
Piloch tab. 385.; ?Hydrocyon microlepis Schomburgk Vol. I.
p. 247. pl. 24. (25 a.)] Dentes canini in osse intermaxillari et
in initio ossis maxillaris. D. 11. A. 30. Aciculi internae partis
arcuum branchialium brevissimi. Hab. in Brasilia et Guiana.
2. Xiphorhamphus Odoe Nob. (Salmo Odoe Bl.
tab. 386.) Series majorum dentium in parte anteriore ossis
maxillaris, posteriores dentes minores. D. 9. A. 12. Aciculi
internae partis arcus primi branchialis longi. Hab. in Guinea.
3. Xiphorhamphus falcirostris Nob. (Hydrocyon
') Noincn Xiphorhynchus usurpatum in ornithologia.
Synopsis gencrum et specierum familiao Characinorum. 93
falcirostris Cuv. Mein, du Mus. VT. p. 361. tab. 27. fig. 3.) Hab.
in Brasilia.
* 4. Xiphorhamphus hepset us N ob. (Hydrocyon he-
psctus Cuv. Regne animal II. p. 312. ; Hydrocyon faucille Quoy
et Gaimard Freycinet Voyage pl. 48. fig. 2. ; Hydrocyon he-
psetus Valenc. apud d'Orbigny Voyage ct. pl. 9. fig. 2.; Hydro-
cyon hepsetus Jenyns Voy. of the Beagle IV.. p. 128.) Hab.
in America meridionali.
* 5. Xiphorhamphus argenteus Nob. (Hydrocyon
argenteus Valenc. apud d'Orbigny Voyage pl. 9. fig. 1.) Hab.
in America meridionali.
* 6. Xiphorhamphus humeralis Nob. (Hydrocyon
humeralis Valenc. apud d'Orbigny Voyage pl. 11. fig. 2.) Hab.
in America meridionali.
7. Xiphorhamphus pericoptes Nob. n. sp. Denti-
bus in osse intermaxillari caninis duobus utrinque, in osse
maxillari caninis nullis, dentibus parvis aequalibus, ut in parte
posteriore maxillae inf'erioris. Linea dorsi et capitis recta.
D. 11. A. 33. Aculei internae partis arcus primi branchialis
longt Squamae magnae, in linea laterali 74. Hab. in Brasilia.
Genus 24. HYDROLYCUS Nob.
Dentes in osse intermaxillari, maxillari elongato et man-
dibula conici uniseriati, caninis magnis mixti; dentes anteriores
maximi mandibulae foveis palati recipiuntur. Ossa palatina
dentibus minutissimis granulosis late aspera. Corpus elonga-
tum, compressum, abdomine rotundato. Squamae mediocres.
Radii branchiostegi quinque. Apertura branchialis magna. Pro-
cessus interni branchiarum nulli. Pinna dorsalis inter ventra-
les et analem. Pinna analis longissima, squamata.
1 . Hy dr olycus s comb er 0 ide s N o b. (Hydrocyon scom-
beroides Cuv. Mera. du Mus. tome V. p. 357. tab. 27. fig. 2.)
Cuvierus dentes palatinos neglexit. D. 12. A. 36. Dorsalis
medio inter ventrales et analem, inacula nigra ad scapülam.
Squamae in linea laterali circa 125. Pectore leviter promi-
nente, abdomine non carinato. Hab. in Guiana.
Genus 25. RAPHIODON Agass. (Cynodon Spix.)
Dentes in osse intermaxillari, maxillari elongato et man-
dibula conici, uniseriales, caninis magnis mixti, dentes ante-
94 * Müller et F. H. Troschel.
riores maudibulae foveis palati recipiiintur; dentes palatini
nulli. Corpus elongatum compressum , abdomine carinato.
Squamae parvae. Radii brancliiostegi quatuor. Apertura bran-
cliialis magna. Processus interni areuum brancliialium parva
tubercula ossea sunt, quae in apice aculeis subtil ibus ornantur.
Pinnae ventrales minimae. Pinna dorsalis supra analem. Ana-
lis longissinia, basi squatnata.
* 1. Raphiodon vulpinus Agass. p. TG. (Cynodon
vulpinus Spix. tab. 26.) Tubercula areuum brancliialium in
aculeos numerusiores subtiliores breviores exeunt. Hab. in
Brasilia.
* 2. Raphiodon gibbus Agass. p. 77. (Cynodon gib -
bus Spix. tab. 27.) Tubercula areuum brancliialium apioe in
3 — 4 aculeos subtiles longiores exeunt. Hab. in Brasilia.
Annot. Quae de tuberculis areuum brancliialium diximus
ex litteris Andreae Wagneri, qui petentibus nobis exemplaria
originalia Monachii conservata perlustravit, hausimus.
Genus. 26. XIPHOSTOMA Spix.
Dentes minutissimi numerosissimi uniseriales apice retror-
sum liamati in osse intermaxiilari longissimo, in brevi osse
maxillari et in mandibula, ossa palatina dentibus minutissimis
granulosis aspera. Caput antice acuminatum , supra osseum,
Corpus elongatum, subteres. Squamae medioeres. Radii bran-
cliiostegi quatuor. Apertura branchialis magna. Processus^
interni arciis primi brancliiarum aculeiformes. Pinna dorsa-
lis inter ventrales et analem parvam.
1. Xip hostoma Cuvieri Spix. p. 78. tab. 42. (Xiplio-
stoma ocellatum Schomburgk Fislies of Guiana I. p.245. tab. 23.)
Hab. in Brasilia et Guiana.
* 2. Species dubia: Xip hostoma lucius Nob. (Hy-
dro cyon lucius Guy. Mein, du Mus. V. p. 359. pl. 26. fig. 3.)
b. Abdomine serrato.
Genus 27. PYGOCENTRUS Nob.
Dentes ossis intermaxillaris et maudibulae uniseriales,
scindentes, trianguläres, maximi; os inaxillare minimum, abor-
tivem, immobile, dentes nulli in osse palatino. Corpus com-
pressum abdomine serrato, aculeo duplice ante anum, aculeo
bicuspide ante pinnam analem. Squamae parvae. Radii brau-
Synopsis generum et spccierum familiae Characinorum. 95
chiostegi quatuor. Apertura branchiarum magna. Pinna dorsa-
lis inter pinnas ventrales et analem longissimam ; aculeo re-
cnmbente ante pinnam dorsalem.
1. Pygocentrus piraya Nob. (Serrasalmo piraya Cav.
Mem. du Mus, V. p. 368. pl. 28. fig. 4. Serrasalmo piranha
Spix p. 71. tab. 28.) Spinis carinae abdominalis 26 non emer-
gentibus. D. 18. A. 32. Hab. in Brasilia et Guiana.
2. Pygocentrus nigricansNob. (Serrasalmo nigricans
Spix p. 72. tab. 30.) Spinis carinae abdominalis 28 emergen-
tibus acutissimis. I). 16. A. 31. Processus arcus.primi bran-
chiarum interni molles, longi. Hab. in Brasilia et Guiana
3. Pyg ocentrus niger Nob. (Serrasalmo niger Schom-
burgk. Fishes of Guiana I. p. 225. tab. 18.) Spinis carinae ab-
dominalis 40 non emergentibus D. 18. A.33. Processus arcus
primi branchiarum interni brevissimi latissimi. Hab. in Guiana.
Genus 28. PYGOPRISTIS Nob.
Dentes ossis intermaxillaris et mandibulae uniseriales, scin-
dentes, trianguläres, serrati, maximi; os maxillare mobile, den-
tes palatini nulli. Corpus compressum, abdomine serrato, acu-
leorum duplice serie ad anum, aculeo ante pinnam analem
nullo. Squamae minimae. Radii branchiostegi quatuor. Aper-
tura branchiarum magna. Pinna dorsalis inter pinnas ventra-
les et analem longissimam ; aculeo recumbente ante pinnam
dorsalem.
1. Pygopristis denticulatusNob. (Serrasalmo den-
ticulatus Cuv. Mem. du Mus. V. p. 371.) Altitudo ad longitu-
dinem 1:2~; forma corporis ut in Serrasalinone rhombeo. D.
18. A. 34. Aculei abdominis simplices 30. Hab. in Guiana.
2. Pygopristis fumaritisNob. (? Serrasalmo puneta-
tus Schomburgk tom. I. p. 223. tab. 17.) Dorsum admodum
convexum sine excavatione in caput transiens. Altitudo dimi-
dium longitudinis. D. 18. A. 36. Aculei abdominis simplices 34.
Hab. in Guiana.
Genus 29. SERRASALMO Cuv. Nob.
Dentes ossis intermaxillaris et mandibulae uniseriales,
scindentes trianguläres, non serrati, maximi; os maxillare mini-
niuni abortivum immobile, dentes conici uniseriales in osse pa-
96 J- Müller et F. H. Troschel:
latino. Corpus compressum abdomine serrato, aculeo duplice
ante anuni, aculeo quadricuspide ante pinnam analem. Squa-
mae parvae. Radii branchiostegi quatuor. Apertura branchia-
ruin magna. Pinna dorsalis inter ventrales et analem longis-
simam; aculeo recumbente ante pinnam dorsalem.
1. Serrasalmo rhombeus Cuv, Mem. du Mus. V.
p. 367. (Salmo rhombeus Pallas Spie. zool. Fase. 8. p. 57.
tab. 5. f. 3; Salmo rhombeus Bloch tab. 383.; Serrasalmo mar-
ginatus Valenc. apud d'Orbigny Voy. pl. 10. fig. 1.) Hab. in
Brasilia.
2. Serrasalmo aureus Spix p. 72. tab. 29. D. 15.
A. 35. Altitudo ad longitudinem 1:2. Deutes palatini mutici
pauci. Hab. in Brasilia et Guiana.
Genus 30. CATOPRION Nob.
Deutes ossis intermaxillaris biseriales, conici, dentes man-
dibulae uniseriales, scindentes, trianguläres. Os supermn
mentum prominens. Corpus compressum, abdomime serrato,
aculeorum ad anum duplice serie, aculeo post anum nullo. Squa-
mae parvae. Radii branchiostegi quatuor. Apertura branchia-
rum magna. Processus longi cornei in arcu primo branchia-
rum. Pinna dorsalis inter pinnas ventrales et analem ; aculeo
recumbente ante pinnam dorsalem.
1. Catoprion Mento Nob. (Serrasalmo Mento Cuv.
Mein, du Mus. V. p. 369. pl. 28. fig. 3.) Specimina nostra ra-
diis nonnullis anterioribus pinnae analis elongatis gaudent. Den-
tes ossis intermaxillaris majores conici quatuor in serie prima,
in seeunda serie minores sex, alternantes cum majoribus primae
seriei; dentes mandibulae lati cuspide media, cuspidibus ob-
soletis lateralibus, scindentes. D. 16. radiis seeundo et tertio
in filum longissimum elongatis. A. 40. radiis tertio et quarto
in filum longissimum elongatis. Distantia inter pinnam adipo-
sam et dorsalem duplum pinnae adiposae. Numerus aculeo-
rum abdominis simplicium 29. Errat Cuvierus huic pisci den-
tes palatinos adscribens. Ejus figura ratione pinnae analis et
pinnae adiposae manca. Hab. in Guiana.
Genus 31. MYLETES Cuv.
Dentes ossis intermaxillaris duplice serie, externi pris-
Synopsis Generum et speciemm familiae Characinorum. 97
matici in margine anteriore apicem scindentem gerentes, interni
molares, margine postico scindente; dentes ossis maxillaris
luilli; dentes mandibulae margine anteriore scindente cuspi-
dato. Dentes duo conici medii post seriem dentium man-
dibulae. Corpus compressuni, abdomine carinato, serrato, acu-
leorum ad anuni duplice serie. Squamae mediocres vel par-
vae. Radii branchiostegi quatuor. Apertura branchiarum magna.
Pinna dorsalis inter ventrales et analem, acnleo recnmbente
ante pinnam dorsalem.
* 1. Myletes macropomus Cuv. Mem. du Mus.
tom. IV. p. 453. pl. 21. fig. 3. Hab. in Brasilia.
* 2. Myletes brachypomus Cuv. Mem. du Mus. tom.
IV. p. 452. pl. 22. fig. 1. Hab. in Brasilia.
* 3. Myletes pacu Valenciennes apud Humboldt
Recueil d'Observations tom. II. p. 175. p. 47. fig. 2. Hab. in
fluvio Amazonum.
* 4. Myletes bidens Spix Agass. p. 75. pl. 32. Hab.
in Brasilia.
* 5. Myletes aureus Agass. p. 74. Tetragonopterus
aureus Spix tab. 31. Hab. in Brasilia
* 6. Myletes duriventris Cuv. Mem. du Mus, tom.
IV. p. 451. pl. 22. fig. 2. Hab. in Brasilia.
* 7. Mijletes rhomboidalis Cuv. Mem. du Mus.
tom. IV. p. 449. pl. 22. fig. 3. Hab. in Brasilia.
8. Myletes rubr ipin?iis Nob. nov. sp. forma cor-
poris et pinnarum Myletis rhomboidalis Cuv. D. 26. A. 42.
pinna analis falcata, lobo elongato pinnae analis rubro. Hab.
in Guiana.
9. Myletes S cliomburgkii Nob. (Tetragonopterus
Schomburgkü Schomburgk Fishes of Guiana Vol. I. pl. 22.)
D. 24. A. 37. Pinna adiposa parva, pinna analis falcata. Hab.
in Guiana.
10. Myletes hypsauchen Nob. nov. sp. Corpore
altissimo, altitudine ad longitudinem l:lj; margine pinnae
analis undulato. D. 20. A.43; pinna adiposa longissima, duplo
major distantia ejusdem pinnae a pinna dorsali. Hab. in Guiana
11. Myletes latus Nob. (Tetragonopterus latus
Schomburgk Fishes of Guiana I. p. 142.) Altitudo ad longi-
tudinem l:lf. I). 23. A. 37. Pinna adiposa longa, longitudo
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. 1. Bd. 7
98 I- Müller et F H. Trosehel
aequat distantiam ejusdera pinnae a pinna dorsali; pinna analis
falcata. Deutes conici niedii in mandibula magni. Hab. in
Guiana.
12. Myletes asterias Nob. nov. sp. Altitudo ad
Iongitudinem 1:2. D. 29. A. 40. Pinna adiposa parva; pinna
analis falcata; niacnlis rnbris in corpore sparsis. Dentes co-
nici niedii mandibnlae niagni. Hab. in Guiana.
Genus MYLEUS Nob.
Dentes ossis intermaxillaris biseriales , externi scindentes,
interni molares margine postico scindente; dentes ossis maxil-
laris nulli; dentes niandibulae uniseriales margine anteriore
scindentes cuspidati. Dentes medii conici post serieni den-
tium niandibulae nulli. Corpus compressum, abdomine ca-
rinato serrato, aculeis duplicibus ad anum. Squamae par-
vae. Radii branchiostegi quatuor. Apertura branchiarum magna.
Pinna dorsalis inter ventrales et analem, aculeo recumbente
ante pinnam dorsalem.
1. Myleus setiger Nob. nov. sp. Altitudo ad Iongitudi-
nem 1:2. Dorsi parte anteriore convexa. Dentes posteriores in
osse intermaxillari anterioribus approximati. Radiis nonnullis
in parte anteriore pinnae dorsalis elongatis, filiformibus, radio
quinto longissimo; pinna analis triloba, duplice excisura, radii
lobi niedii simplices, pinna adiposa parva. D. 22. A. 40. Acu-
lei abdominales simplices 33, duplices ad anum 6. Hab. in
Guiana.
2. Myleus oligacanthus Nob. nov. sp. Altitudo ad Ion-
gitudinem 1 : 1|. Dorsi parte anteriore declivi. Dentes posterio-
res in osse intermaxillari anterioribus approximati; dentes
niandibulae cuspide longa. Pinna analis falcata; pinna adi-
posa parva. D. 19. A. 39. Aculei abdominis simplices ante
pinnas ventrales nulli, post pinnas ventrales 7; aculeo uno
utrinque ad anum. Hab. in Surinam.
Characini dubii.
Ad Characinos sine dubio etiam piscis ab Humboldtio de-
lineatus et descriptus, Guapucha de Bogota, Recueil d'Obser-
A. S. Örsted. Zur Classification der Annulaten. 99
vations p. 154. pl. 45. fig. 1. pertinet, quem Valenciennes ad
Poecilias retulit, quaruui propter vesicam aeream transverse
bipartitam esse non potest. Quaeritur, an pinna adiposa re-
vera deficiat.
Zur Classification der Annulaten,
mit Beschreibung einiger neuer oder unzulänglich bekannter
Gattungen und Arten.
Von
A. S. Örsted.
Hierzu Taf. II und 111. Fig. 1—26.
In der Classification der Annulaten vermisst man bei den
Systematikern oft die gehörige Consequenz. In der Ein-
theilung Cuviers, welcher die drei Ordnungen: Tubicoles,
Dorsibranches und Abranches aufstellte, erscheint allerdings
ein richtiges Eintheilungsprincip vorgezeichnet, und wenn hier-
auf Blainville die bedeutende Veränderung vornahm, dass er
die Hirudineen und Planarieen von den Abranches entfernte
und daraus eine eigene Ordnung Apoda bildete, so hat
sich die Eintheilung so gestaltet, dass sie selbst wenig zu
wünschen übrig lässt, was aber den Eintheilungsgrund und
die Namen betrifft, so genügen sie nicht. Ohne Zweifel fühl-
ten dies Audouin und Milne Edwards, indem sie die Benen-
nungen Abranches mit Terricolae, Dorsibranches mit Annulata
errantia vertauschten. Kein Fortschritt war es aber, dass sie
eine vierte Ordnung Hirudinea aufstellten, der von Blainville
eine viel richtigere Stellung angewiesen war. Es leuchtet
hieraus aber hervor, dass ihnen ein richtiger Eintheilungsgrund
nicht hinlänglich klar gewesen ist , welches auch aus den
Gründen hervorgeht, mit denen sie die Cuviersche Benennung
7*
1(K) A. S. Örsted: Zur Classification der Annulaten.
Dorsibranches verwerfen. Dass diese Gründe durchaus nicht
ausreichen, und die Cuviersche Bezeichnung beizubehalten sei,
habe ich schon früher (Grönlands Aunulata dorsobranchiata
beskrevne af Örsted , Acta Hafn. V. X.) nachzuweisen ver-
sucht; denn ohne Frage besteht das Hauptmerkmal dieser
Ordnung darin, dass alle Ringel Kiemen haben, wenn man
auch zugeben muss, dass der Gattungen und Arten nicht we-
nige vorkommen, wo die Kiemen sehr unvollkommen sind oder
auch ganz fehlen. Aber alle typischen Formen, welche auch
der Zahl nach die meisten sind, und von denen sicherlich Ein-
theilungsgrund und Benennung hergenommen werden müssen,
haben sehr vollkommene Kiemen. Wenn Cuvier also einsah,
dass die dieser ganzen Ordnung höchst eigentümliche Wie-
derholung derselben Organe hier sich auch auf die Athmungs-
werkzeuge erstrecke, und ,von dieser Bildung seine Benennung
ableitete, ist diese auch treffend. Jene Schriftsteller hätten
also nachweisen müssen, dass die Benennung nicht von der
Organisation herzunehmen sei, was sie nicht gethan haben.
Hätte Cuvier für Tubicoles eine Benennung gewählt, welche
anzeigt, dass die Kiemen nur am Kopfe vorhanden wären,
Hesse sich nicht das Geringste gegen die von ihm gebrauchten
Namen einwenden.
Ich habe schon früher ausgesprochen, dass bei der Ein-
theilung der Terricolae in Familien das Gesetz zu berück-
sichtigen sei, welches sich mit der Zeit mehr und mehr für die
Eintheilung der Thiere überhaupt geltend machen wird, dass
nämlich die Verschiedenheit des Mediums, in welchem die
Thiere leben, auch eine entsprechende Verschiedenheit des
äusseren Baues zur Folge habe '). Dies Gesetz ist auch auf
die Eintheilung der Annulaten überhaupt anzuwenden, wo die
Verschiedenheit des äusseren Mediums ihren Einfluss haupt-
sächlich auf die Form der Kiemen ausübt. Bei den Einen
(Dorsibranchiata) ist der ganze Körper gleichmässig der Be
rührung des W7assers ausgesetzt: es folgt daraus, dass die
Kiemen, welche ihrer Function nach dem freien Zutritt des
Wassers möglichst zugänglich sein müssen , denselben Bau an
allen Ringeln haben. Bei Andern (Tubicolae) ist der grösste
') Kröyer Naturh. Tidsskr. 4. Bd. 2. Hft. S. 128.
A. S. Ürsted: Zur Classification der Annulaten. 101
Theil des Körpers von einer Röhre umschlossen, daher haben
sie die Kiemen nur am Vorderende des Körpers, wo diese
beständig vom Wasser bespült werden können. Endlich giebt
es Solche ( Abranchiae ) , welche mit dem ganzen Körper in
einem Medium stecken, welches den Zutritt des Wassers be-
hindert, in Folge dessen die Kiemen ganz verschwinden. Wenn
wir also den Einfluss berücksichtigen, welchen das umgebende
Medium auf die Organisation ausübt, haben wir die Annulaten
in drei Ordnungen zu theilen:
1. Maricolae, Meerwiirmer,
2. Tubicolae, Röhrenwürmer,
3. Terricolae, Erdwürmer.
Es fällt leicht in die Augen, dass diese Ordnungen ganz
den drei Ordnungen entsprechen, in welche die Annulaten
nach ihrer Organisation getheilt werden können, nämlich:
J. Dorsibranchiata, Riickenkiemer,
2. Capitibranchiata, Kopfkiemer,
3. Abranchiata , Kiemenlose.
Die ersteren Namen verdienen aber den Vorzug, weil sie
sich auf einen Eintheilungsgrund von höherer Bedeutung be-
ziehen, welcher sich zu dem, auf dem die letzteren Be-
nennungen beruhen, eben so verhält, wie die Ursache zur
Wirkung.
Es ist sicher wohl allgemein anerkannt, dass die Familien-
eintheilung der von mir als Maricolae bezeichneten Unterord-
nung einerseits wenig genüge, dass es aber auch anderer-
seits schwierig sei , etwas besseres an die Stelle zu setzen.
Diese Schwierigkeit hat meiner Ansicht nach grossentheils in
unserer bis jetzt noch mangelhaften Kenntniss der Annulaten
ihren Grund, und es ist zu erwarten, dass durch Entdeckung
einer Anzahl von Zwischenformen viele Schwierigkeiten geho-
ben werden. Dies glaube ich um so mehr annehmen zu kön-
nen, als ich bereits, wie ich unten zeigen werde, neue Gat-
tungen aufgefunden habe, welche einen vollkommenen Über-
gang zwischen den Familien der Aricien und Arenicolen bil-
den, und so eine Lücke im System ausfüllen, indem sie den
Zusammenhang der Arenicolen mit den übrigen vermitteln.
Die Einteilung in acht Familien von Audouin und Milne
Edwards leidet an dem Fehler, dass alle diese Familien nicht
102 A. S. Örsted: Zur Classification der Atmulaten.
durch gleichwertige Kennzeichen von einander unterschieden
worden. So entfernen sich die Peripatien von allen übrigen
Familien dadurch, dass ihnen die Horsten fehlen. Nach meiner
Ansicht miisste man die ganze Ordnung in zwei Unterord-
nungen theilen: Chaetopoda, mit Borsten, und Achaeta, ohne
Borsten. Die letztere besteht aus einer einzigen , die erstere
umfasst alle übrigen Familien. Aber auch diese sind nicht
mit gleichwertigen Merkmalen unterschieden. Ich habe schon
oben bemerkt, dass die Arenicolen und Aricien so eng mit
einander verbunden sind, dass sie in eine Familie vereinigt
werden müssen. In gleichem Verhältniss stehen die Aphro-
diteen zu den Amphinomaceen, und die Euniceen zu den
Nereiden, so dass es nur drei Familien im Ganzen giebt, von
denen jede aus zwei Unterfamilien besteht, welche einander
entsprechende Reihen bilden: in jeder Familie hat nämlich die
eine Unterfamilie vollständig entwickelte ästige, die andere
unvollständig entwickelte Kiemen; zu den ersteren gehören
die Amphinomaceen, Euniceen und Arenicolen, zu den letzte-
ren die Aphroditeen, Nereiden und Aricien. Die Aphroditeen
und Amphinomaceen haben einen platten Körper mit bestimm-
ter Zahl der Ringel, und entsprechen mit ihrem oft ästigen
Nahrungscanal einigermassen den Planarien und llirudineen
unter den Apoden und den Trematoden unter den Entozoen.
Die Euniceen und Nereiden sind die typischen Formen dieser
Ordnung, die Aricien und Arenicolen entsprechen den Terri-
colen. So lassen sich die Maricolae auf folgende Weise ein-
teilen :
iflaricolae.
A. Pinnae setis praeditae. 1. Subordo Chaetopoda.
a) Corpus depressum, segmentorum numerus definitus, tu-
bus cibarius plerumque ramosus.
Chaetopoda tremat odina.
a) Branchiae perfectae arbusculiformes.
1 Amphinomaceae.
ß) Branchiae imperfectae simplices. 2 Jp/trorfituceae.
b) Corpus teres, segmentorum numerus indefinitus, tubus
cibarius simplex, capitis appendices perfectae, plerum-
que maxillae.
A. S. Örsted: Zur Classification der Annulatcn.
103
Chaetopoda Vera,
a) Branchiae perfectae arbusculifornies. 1 Euniceae.
ß) Branchiae imperfectae simplices 2 Nereideae,
c) Corpus teretinsculum, segmentorum numerus definitus,
tubus cibarius simplex, caput ejusque appendices rudi-
mentariae, niaxillae nullae.
Chaetopoda terricolina.
a) Branchiae perfectae arbusculifornies. 1 Arenicolae.
ß) Branchiae imperfectae simplices. 2 Ariciae.
A. Pinnae setis destitutae. 2. Subordo Achaeta.
1 Peripateae.
Ariciae verae.
1 Gen. Artcia.
2 Gen.
3 Gen.
Scoloplos.
Aonis.
Dispositio generimi Aricianmi.
a) Pinnis et branchüs per series dorsales ordinatis.
b) Appendicibus tentacnlaribus nullis
aut rudimentariis.
c) Tentaculis nullis.
d) Pinna inferiore in 20 — 28 an-
terioribus segmentis serie pa-
pillaruni instructa.
dd) Pinna inferiore in 14 — 15 an-
terioribus segmentis papilla
parva instanicta.
cc) Tentaculo rudimentario.
bb) Appendicibus tentacnlaribus dua-
bus longissimis.
c) Pinnis in toto corpore ferme
ejusdem formae.
d) Segmento quinto ceteris multo
longiore, aciculis pectinatis
praedito.
dd) Segmento quarto longitudine
ceteros aequante neque aci-
culis pectinatis instructo.
e) Pinnis lamellis instructis. 5 Gen. JSerine.
ee) Pinnis matuilla parva in-
structis. b" Gen. Spio,
Ariciae iiaidinae.
4 Gen. Leucodorum
104
A. S. Örsted: Zur Classification der Annulaten.
cc) Pinnis in anterioribus et poste-
rioribus segmentis valde discre-
pantibus omnibus lateralibus.
aa) Pinnis et branehiis per series late-
rales ordinatis.
b) Branehiis nullis, pinna unica.
7 Gen. Disoma.
bb) Branchiis distinctis.
c) Branehiis filiformibus.
d) Branehiis in omnibus segmentis
dd) Branehiis tantummodo in seg-
mentis sex anterioribus.
ce) Branehiis ligulatis.
d) Capite in globulum terminato
dd) Capite acuminato.
Ariciae nerideae,
8 Gen. Spaerodor um.
Ariciae lumhricinae.
9 Gen. Cirratulus.
10 Gen. Dodecaceria.
11 Gen.
12 Gen.
cec) Branehiis fascioulatis subramosis. 13 Gen.
Ophelina.
Ophelia.
Eumenia.
Familia Ariciae.
Ariciae verae.
Speeies majores nee pellucidae semicylindricae (ventre con-
vexo, dorso piano). Appendices tentaculares rudimentariae
aut nullae. Pinnae et branchiae per series dorsales ordinatae.
Oculi nulli.
Gen. Scoloplos Blainv.-
Anterior corporis pars depressa, posterior semicylindrica:
in illa utraque pinna lateralis, in hac dorsalis. Os inferum,
anus terminalis. Pinna inferior in 14 — 15 segmentis anterio-
ribus papilla parva et setis ut in ceteris segmentis instrueta.
Cirri nulli. Branchia ligulata in dorso supra pinnam supe-
riorem utramque corporis extremitatem versus regulariter de-
crescens et demum evanescens; setae subulatae, interdum in
anterioribus segmentis clavatae.
Scoloplos armiger Blainv.
Consp. Annult. Dan. Fig. 8. 106. 107. 109.
LUmbricus armiger Zool. Dan. Tab. 22.
Corpore 3 — 4" longo 14'" lato Hueari antice depresso
ceteroquin semicylindrico, rubescente, capite conico-acuminato
A S. Örsted: Zur Classification der Annulaten. 1()5
(Fig. 109.), segmentis nunierosis 4— 5-plo latioribus quam
longis, in 15 anterioribus (segmentis) pinnis Jateralibus, setis
nigrescentibus, branchiis nullis (Fig. 107.), in ceteris pinnis
dorsalibus (Fig. 106.), pinna inferiore apice furcata, superiore
minore acuminata branchiis ligulatis pinnas ter longitudine
superantibus , m argine ciliatis utramque corporis extremitatem
versus regulariter decrescentibus et demum evanescentibus,
setis in omnibus segmentis subulatis, cauda truncata absque
cirris.
Art eine naidinae.
Species minores pellucidae. Appendices tentaculares duae
longissimae. Pinnae et branchiae per series dorsales ordinatae
rarius laterales. Oculi 2 — 6 vel nulli. Haec divisio omnino
eodem modo ad Aricias veras se habet ac Naides ad Lum-
bricos. (Vide Kröyers Tidsskrift 4. B. 2. H. Örsted Conspe-
ctus generum specierumque Naidum.)
Gen. Eieucodorum Johnston.
(Corpus filiforme teretiusculum pellucidum, caput conicum
in rostrum abbreviatum bifidum produetum oculorum paribus
2 vel nulJis et appendieibus tentacularibus duabus longissimis
praeditum , oris apertura subterminalis. Os parum exsertile.
Quintum segmentum ceteris 2 — 3-plo longius, pinnarum loco
acicularum serie (pectinis imaginem referentium) instruetum.
Appendices in ceteris segmentis ut in genere Spionis. Cauda
diseiformis. Tubum arenosum incolens.
Leucodorum ciliatum Johnston.
Conspect. Annult. Dan. Fig. 104.
Spio seticornis Diction. d. scienc. nat. Articl. Vers. p. 441.
Lcucodore ciliatus Johnston Ann. of. nat. hist. Vol. 2. p. 57. PI. 3.
fig. 1-6.
Corpore 7 — 8'" longo \'" lato subhyalino ex segmentis
40—50 constante, segmentis omnibus 3 — 4-plo latioribus
quam longis, rostri lobis rotundatis, appendieibus tentaculari-
bus non acuminatis, oculis quatuor, segmento quinto aciculis
11 — 12 praedito.
Obs. Cum bujus speciei speeimen sub lente posuissem, animal-
cula oculo inarmato inconspicua celerrime circumnatantia animadverti,
106 A. S. Örsted: Zur Classification der Annulaten.
quae pullos hujus speciei esse opinor. Corpus eorum ex segmentis
quatuor distinctis constat; quorum antieum sive caput conicum serie
oculorum quatuor instructum est. Segmentum secundum ceteris paulo
latius fascirulis setarum capillarium longissimarum, duo posteriora
fasoieulis setarum breviorum praedita sunt. Ita haec species, si ani-
malcula illa ad eam revera pertinent, de quo non dubito, metamor-
phosin distinctam subit.
Leucodoj'um coecum Orsd. Tab. II. fig. 13 — 16,
Corpore 1^" longo f" lato rubescente ex 70—80 seg-
mentis constante; anterioribus segmentis 3-plo latioribus quam
longis, posterioribus vero duplo longioribus quam latis, rostro
capitis in duas appendiculas acuniinatas producto, oculis nullis,
appendicibus tentacularibus acuminatis, segmento quinto aci-
culis 6 — 7 praedito.
Gen. Spio Fabr.
Corpus filiforme teretiusculum pellucidum, caput conicum
in rostrum abbreviatum subbilobum productum, appeudices
tentaculares duae longissimae basi capitis affixae, oris apertura
subterminalis, os parum exsertile. Omnia segmenta fere ejus-
deni formae. Pinnae per series dorsales ordinatae mamilla
parva et setis subulatis vel uncinatis praeditae, brancbiae ligu-
latae margin e ciliis vibrantibus obsitae, cauda quadrifurcata.
Tubum arenosum incolens.
Spio seticornis Fabr.
Nereis seticornis Fauna groenl. p. 306.
Spio seticornis Schriften der naturf. Freunde zu Berl. T. VI.
Corpore 8 — 10'" longo \'" lato, duabus oculorum serie-
bus parallelis, appendicibus tentacularibus apicem versus non
attenuatis, segmentis absque punctis nigris, branchüs ligulatis
in medio corpore maximis utramque extremitatem versus eva-
nescentibus.
Sp i o filicomis Fab r .
Nereis filicomis Fauna groenl. p. 307.
Spio filicomis Schriften d. naturf. Freunde zu Berlin T. VI.
Corpore 8'" longo \'" lato, duabus oculorum seriebus
antice divergentibus postice convergentibus, appendicibus ten-
tacularibus apicem versus attenuatis, singuli segmenti margine
A. S. Örsted: Zur Classification der Annülaten. 107
posteriore punctis 4 nigris notato, branchiis lingulatis in ante-
riore corpore maximis, medium versus evanescentibus.
Obs. Ex omnibus spociebus, quae sub hoc aut aliis nominibus
desrriptae sunt, tantummodo duae ad hoc, genus referendae: Spio
crenaticornis Montg (Trans, of the lin. Society Tom. XI. pag. 14.) et
Lumbricus cirramloides Delle Chiaje (Memorie et cet. Tab. 64. f. 16.).
Uujus generis species tubum arenarium habitant. Qui cum iis
ereptus sit, sibi novum celerrime parant per longas appendicos ten-
taculares granis arenariis corpus tegentes et mucorem, quo inter se
gran,a conglutinantur, secernentes Delectabile est videre, quomodo
haec parva voracia animalcula semper insidientur, caput extra tubum,
longis tentaculis extensis, tenentia. Quae in duplicem longitudinem
porrecta semper per aquam torquent, et parvas Naides vel Planarias
iis amplectentes ad aperturam tubi raptas devorant.
Gen. Disoma Örsd.
Corpus lineare subdepressum in duas partes et segmen-
torum et pinnarum indole inter se valde discrepantes divisum.
Caput conicum , appendices tentaculares duae longissimae,
oculi duo , os subterminale. Pinnae omnes laterales, bran-
chiae nullae, in 19 anterioribus brevibus segmentis pinnis va-
lidis longis, in ceteris multo longioribus segmentis pinnis in-
distinctis brevissimis, pinnis in segmento tertio a ceteris valde
discrepantibus, serie acicularum et cirro inferiore instructis.
Cauda?
Obs. Appendices in segmento primo medium locum inter pinnas
et tentacula tenentes fortasse pinnae tentaculares (fig. la. b.) appel-
lari possunt. De Crustaceorum „pieds machoires" monent.
Disoma multisetosum Örsd. Tab. II. fig. 1 — 12.
Corpore 11'" longo \"' lato subdepresso subpellucido
fusco-grisescente ex segmentis 54 — 60 constante, segmentis
anterioribus 3 — 4-plo latioribus quam longis, posterioribus
tantummodo duplo latioribus, capite parvulo conico medio
constricto, duobus oculis minutissimis ad basin capitis, appen-
dicibus tentacularibus longissimis inter basin capitis et pinnas
tentaculares affixis, pinnis tentacularibus acuminatis prorsum
versis et superioribus et inferioribus ejusdem formae; pinnis
secundi segmenti ejusdem formae ac in primo, sed multo mino-
ribus nee prorsum versis. In tertio segmento pinnis connatis,
1()8 A. S. Örstedj Zur Classification der Annulaten.
superiore truncato aciculis 5-6 validis, inferiore longiore
quinquelobo setis ut in ceteris segmentis et ad basin ejus cirro
longo praedito. In reliquis anterioribus segmentis utraque pinna
ejusdem longitudinis, superiore vero apice rotundato inferiore
quinquelobo, in hac setis omnibus capillaribus medio eurvatis,
in illa forma paulo variantibus. In posterioribus segmentis pinnis
ex mamilla parva et duobus setarum fasciculis constantibus, setis
acicularibus hyalinis rectis.
Ariciae nereideae.
Appendices tentaculares rudimentariae, pinna unica late-
ralis. Brancliiae nullae.
Gen. Spltaerodorum Örsd.
Corpus lineare teretiusculum, tentaculorum loco papillis
numerosis in toto margine anteriore capitis , apertura oris in-
fera, os non exsertile absque maxillis. Oculi quatuor, pinna
unica multifida, setae uncinatae, aciculae nullae, brancliiarum
loco corpus globosum papilla parva terminatum , papilla parva
inter quemque globulum, cauda globulis duobus terminata.
Obs. Hoc genus inter Aricias et Nereideas (in primis Glyeereas)
transitum format, ab his ore non exsertili maxillis destituto et aci-
culis nullis differt. Corporum globosorum singularium vera natura
ex speciminibus paucis, quae examini subjeci, non satis perspicua fuit.
Corpuscula vermiformia continere videntur. Num Ovaria sint, poste-
rioribus examinationibus illustrandum est.
Sphaerodorum flavum Orsd.
Annulat. Danicor conspectus p. 43. Fig. 7, 92, 101.
Corpore 1^" longo |"' lato teretiusculo flavescente utrin-
que fere aequaliter attenuato, segmentis 150 duplo latioribus
quam longis, papillarum 12 — 16 in margine anteriore capitis,
duabus paulo longioribus , oculis quatuor quadratum forman-
tibus, pinnis abbreviatis 7 — 8-fidis, setis 5 — 7 uncinatis.
Ariciae lumbricinae.
Species majores nee pellucidae, appendieibus tentaculari-
bus nullis, pinnae duae discretae, branchiae filiformes, ligula-
tae vel fasciculatae subramosae.
A. S. Örsted: Zur Classification der Annulatm. 109
Gen. Cirratulus Lamarck.
Corpus oblongo -lineare teretiusculuni, caput conicum. Os
inferum. In segmentis 2 — 7 anterioribus branchiae nullae aut
minores quam in ceteris segmentis, in segmento tertio vel
octavo serie transversal! branchiarum, in ceteris duabus bran-
ehiis in quoque segmento duae pinnae vel faseiculi setarum
capilJariuin.
Cirratulus borealis Lamarck.
Lumbricus cirratus Miil. Fauna groenl. p. 281.
Cirratulus Medusa (Cir. fuscescens et Cir. flavescens Johnst.) Johnst
Op. cit. Vol. II. p. 71. PI. III. Fig. 7-10
Beskrivelse af Grönlands An. dors. Acta Hafn. X. D. Fig. 98, 102.
Corpore 3" longo \\ — 2'" lato tereti utrinque aequaliter
attenuato fuscescente (interdum sanguineo), oculorum serie in
margin e anteriore capitis, duobus anterioribus segmentis duplo
longioribus quam ceteris appendicibus omnino destitutis , in tertio
serie branchiarum filiformium longissimarum omnino ejusdem
formae atque in ceteris segmentis, setis utritfsque pinnae capil-
laribus.
Gen. Dodecaceria Örsd.
Corpus lineare teretiusculuni, caput conicum, os subter-
minale; branchiae filiformes duae in singulis 5 — 6 anteriori-
bus segmentis, in ceteris nullae, pinnae vel setarum faseiculi
duo discreti , setae pinnae superioris capillares , inferioris
uncinatae.
Dodecaceria ex dwöexa, duodeeim, et xsQaiec, antenna,
Dodecaceria concharum Orsd.
Annul. Dan. conspect. Fig. 99.
Corpore 2" longo 1 — 1™'" lato teretiusculo obscure viridi,
65 segmentorum mediis duplo latioribus quam longis, capite
aeque longo ac quatuor segmenta sequentia juneta, bran-
chiis filiformibus duabus anterioribus paulo longioribus quam
ceteris, setis pinnae superioris 7 — 8 capillaribus, inferioris
5 — 6 validioribus uncinatis.
Obs. Specimen unicum ab aliis in eo differebat, quod in seg-
mento primo duo paria branchiarum, alterum super alterum, affixa
erant, et inferiores multo breviores et crassiores quam ceterae erant.
Fortasse peculiarem speciem constituere debet.
HO A. S. Örsted: Zur Classification der Annulaten.
Ilabitat in ostreariis inter Fredrikshavn et Skagen et prope
Hellebaek. Efficit simulcum Clione celata (vide Kroyer: De
danske Östersbanker p. 22), ut testae ostrearum, quod pisca-
tores „ormstukne" appellant, fiant. Cuniculos enim , quorum
magna copia in nmltis ostreis adest, partim mucore, fortasse
canalis cibarii chymo (qni acidnm muriaticnm conlinet), quem
secernnnt, partim setis uncinatis, quae in posteriore corporis
parte confertae sunt, in testis ad habitandum sibi parant.
Gen. Ophelia Sav.
Corpus teres antice acuminatum postice truncatum. Os
infernm, anus terminalis maximus papillarum serie instrnctus.
Pinnae vel setarum fascicnli discreti, interdum mamillis prae-
ditae. Branchiae lignlatae in Omnibus (?) segmentis. Setae
capillares.
Obs. Ex hoc charactere generico intelligitur organisationem ho-
rum animalium adhuc male explicatam esse, nam dorsum pro ventre
et oris apertura pro ano habita sunt (vide: B. skrivelse af Grönlands
Annul. dorsibr.).
Ophelia mamillata Örsd. Tab. III. Fig. 21— 23.
Corpore 20'" longo 4 — 5'" lato fnsiformi antice acumi-
nato postice trnncato lacteo- grisescente ex segmentis 27 — 28
composito, omnibns segmentis fere ejusdem longitndinis, sed
14 — 15 anterioribns ex 3 annulis minoribus vix conspicnis
compositis, posterioribus vero modo Stria nnica transversali
praedita. In illis pinnis absqne mamillis, in his singulis pin-
nis mamilla parva instrnctis. Branchiis lignlato - filiformibus
sangnineis in omnibns segmentis, utramque vero corporis extre-
mitatem jversns regnlariter decrescentibns, papillis analibus un-
decim minutis omnibus ejusdem longitudinis et secunda quaque
ejusdem latitudinis.
Gen. Oplielina Örsd.
Corpus lineare semicylindricum utrinque fere aequaliter
attenuatum postice compressum et serie longitudinali appendi-
cibus ligulatis praeditum. Caput in globulum terminatum. Pin-
nae vel setarum fasciculi discreti. Branchiae ligulatae in Omni-
bus segmentis. Setae capillares.
Hoc genus ab antecedenti praecique capitis et caudae forma
recedit.
A. S. Örsted; Zur Classification der Annulaten. Hl
Ophelina acuminata Örsd. Tab. III. Fig. 24 — 26.
Corpore 2^" longo 9|"' lato griseo-rubescente semicylin-
drico, dorso convexo a ventre canaliculato-constricto , capite
attenuato dein in globulnrn incrassato, segmentis 55 — 60 in-
conspictiis, branchiis lignlatis acuminatis adrectis plerumque
corporis lateribus adpressis in omnibus segmentis, utramque
corporis extremitatem versus regulariter decrescentibus, cauda
compressa appendicibus longioribus ligulatis conjugatis et Serie
duplo- triplo minorum instrncta.
Gen. Eumenia Örsd.
Corpus teres sub- fusiforrne, segmentorum utrinque regu-
lariter decrescentium quodque ex annulis tribus compositum.
Os inferum , anus terminalis absque appendicibus. Pinnae ex
mamillis cum setarum capillarinm fascicnlis constantes. Bran-
chiae fasciculatae subramosae tantummodo in segmentis ante-
rioribus sex.
Obs. Hoc genus transitum pulcherrimum ad Arenicolam format.
In Museo regio conservatur species generis novi ex Groenlandia,
quae medium locum inter Eumeniam et Arenicolam tenet; habet enim
, oaudam attenuatam ceteroquin cum Eumenia ferme congruens, ita ut
duae familiae Arieiae et Arenicolae per seriem horum generum in-
timo nexu inter se conjunctae tantummodo differentiis minutissimis
distinguantur.
Haec observatio causam sperandi dare mihi videtur, multa nova
genera Anuulatorum inveniri posse, quibus horum animalium distri-
butio systematica illustrari possit.
Eumenia crassa Örsd. Tab. III. Fig. 17 — 20.
Corpore 2" 2'" longo 6'" lato fnsiformi clavato utrinque
aequaliter obtuso, grisescente ex segmentis 35 — 40 brevissi-
mis composito. Pinnarum mamillis rotundatis, setis numerosis
porrectis, branchiis magnis ex trunco majore et filis numero-
sis subramosis compositis.
Explicatio figurarum. Tab. II. et III.
Fig. 1. Disoma multisetosum, magn. auct. a, b pinnae tentaculares.
- 2. Seta ex pinna inferiore anterioris corporis.
- 3. Seta ex posteriore corpore.
. 4 — 7. Setae ex pinna superiore anterioris corporis.
- 8. Acicula ex segmento tertio.
-' 9. Acicula ex pinna superiore anterioris corporis.
112 Dr. F. C. H. Creplim Kndozoologische Beiträge.
Fig. 10. Seta ex eatlem.
- 11. Pinna ex segmento tertio.
- 12. Pinna ex segmento sexto.
- 13. Leucodorum coecum magn. auct. postice truncatum.
- 14. Caput ejusdem infra adspeetum, a palpi rudimentarii.
- 15. Seta ex pinnis ejusdem.
- 16. Acicula ex segmento quinto.
- 17. Eumem'a crassa paululo aucta supra adspecta.
- 18. Eadem a latere adspecta.
- 19. Pinnae ex segmento quinto.
- 20. Pinnae ex segmento undecimo.
- 21. Ophelia mamillata magn. natur. supra adspecta.
- 22. Eadem infra adspecta.
- 23. Branchia filiformis ex eadem.
- 24. Ophelina acaminata magn. natur.
- 25. Posterior corporis pars ejusdem.
- 25 * Sectio transversalis ex eadem.
- 26. Anterior corporis pars ejusdem a latere adspecta (ore ex-
serto).
Kndozoologische Beiträge
von
Dr. F. C. H. Creplin.
(Fortsetzung.)
(S. VIII. Jahrg. 1. Bd. S. 315.)
4. Amphistomum scleroporum mihi. Sp. n.
(Tab. III. Fig. A.)
A. depressiusculuni, elongato- ellipticum, utrinque attenua-
tum obtusissimeque terminatum, rigidum; oris antici, teruii-
nalis, medioeris, rotundati, uti acetabuli in fine caudali semi-
inferi, maximi, ovato-lanceolati margin e tumido suinmeqiie rigido.
Ebenfalls eine Entdeckung Otto's, welcher mir drei von
ihm im — Magen oder Darmkanal — einer Chelonia My-
das gefundene Exemplare übersandt und eines derselben dem
Greifswalder zoologischen Museum überliess.
Die erwähnten Exemplare waren an Grösse ein wenig ver-
schieden; das grösste (dem Entdecker zurückgesendete) war
Dr. F. C. H. Creplin: Eudozoologische Beiträge. jJ3
5','" lang und — etwa in der Mitte — 1~" breit; die Farbe
gelbweisslich; — es ist dies das abgebildete.
Die Gestalt des Körpers war etwas, mehr oder weni-
ger, niedergedrückt und ziemlich verlängert elliptisch, das
Vorder-, wie das Hinterende stumpf, jenes jedoch bei dem
abgebildeten Exemplare durch weite Öffnung des Mundes in's
Abgestutzte übergehend ; bei den beiden anderen Exemplaren
war der Mund mehr geschlossen und bei ihnen das Vorder-
ende völlig stumpf abgerundet. Die Haut lag über den gan-
zen Körper straff angezogen, so dass der Wurm dadurch steif
erschien. Ganz besonders straff war sie auf dem Mundrande
und dem innern Rande des Saugnapfs, wo sie seidenartig schim-
merte. Eben dies war der Fall bei dem in seiner Spitze den
Mund tragenden, hier mehr verschmälerten und wie ein klei-
ner Kegel auf dem übrigen Vordertheile sitzenden Vorderende
des einen der beiden kleineren Exemplare.
Der in der Mitte des Vorderendes liegende Mund war
mittel massig von Grösse, bei dem abgebildeten Exemplare quer
elliptisch, bei allen mit wulstigem Rande, welcher bei jenem
nach innen etwas scharf auslief. Der Saugnapf lag im
Schwanzende nach unten und hinten gerichtet, war sehr gross,
länger als breit, in zweien unserer Specimina mit rundem Vor-
dertheile und von diesem abgehenden, sehr schmalen, — bei
dem einen sich zuspitzenden , bei dem andern (dem abgebilde-
ten) linearen und abgestumpft endigenden — , den Vordertheil
an Länge übertreffenden Hintertheile. Bei dem dritten Exem-
plare war er nach seiner ganzen Weite geöffnet und erschien
folgendermassen : Er war, wie bei den anderen Exemplaren,
ansehnlich tief, die, grosse, Öffnung vorn und an den Seiten
herum gerundet, hinten spitz zulaufend, etwas länger, als breit,
demzufolge ei -lanzettförmig. Die Innenwände seines Randes
waren so dick, glatt und glänzend, dass es aussah, als ob er
aus dickem Leder mit einem scharfen Messer ausgeschnitten
wäre. Die vordere Wand lag so, dass sie sich dem den Wurm
gerade von der Bauchseite ansehenden Auge mit ihrem innern
und äussern Rande zeigte, indem nämlich hier ihr äusserer
scharfer Rand sich nach der Bauchfläche hinaufneigte; in den
Seiten dagegen kehrte sich der äussere Rand mehr abwärts
und zog sich über den innern , ebenfalls scharfen Rand so
Archiv f. Naturgeschichte, X. Jahrg. 1. Bd. g
114 Dr. F. C. II. Cr eplin. Endozoologische Beiträge.
hinüber, dass er diesen bis zum Endvvinkel hin dem Blicke
entzog. Uer Napf wird also in dem Winkel durch das Sich-
aneinanderlegen der beiden äussern Rander geschlossen. Die
den ganzen Napf umgebende Wulst ist viel dicker um die Sei-
ten als um den vordem Bogen desselben. In der Tiefe des
Napfes schienen vier grosse, beinahe die ganze Breite seines
Bodens einnehmende Erhabenheiten durch die den Napf aus-
kleidende Haut durch, drei kugelförmige vorn, neben und an
einander, und eine ei-lanzettförmige, längere, von etwas über
der Mitte dick und zugerundet anfangende und nach dem Win-
kel des Napfs allmählich spitz auslaufende. Ungefähr am Ende
des ersten Körperdrittels stand der ungemein kleine Ge-
sell lechtsporus.
Von den innern Theilen kann ich nichts weiter melden,
als dass ich in zwei Exemplaren den doppelten Darmkanal
nach der Länge des Körpers hinablaufen gesehen zu haben
glaube; er fing mit seinem Bogen in ziemlich grosser Entfer-
nung vom Munde an; die Kanäle waren nicht weit, weiss
von Farbe, und entzogen sich im hintern, ganz besonders un-
durchsichtigen Theile des Wurms zuletzt meinem Blicke. In
einem dieser Exemplare schien auch die Speiseröhre vom
Munde bis zum Darmbogen durchzublicken. Endlich schienen
drei ziemlich kugelförmige Organe hinter dem Darmbo-
gen, zwischen den beiden Därmen in einer Längsreihe liegend,
durch, ohne Zweifel dieselben Geschlechtsorgane, deren
ich beim Distomum veliporum (No. 3 dieser Beiträge) Erwäh-
nung gethan habe.
Bemerkung. Es waren früher keine Amphistomen (dies
Wort im Sinne Diesing's genommen) aus Amphibien bekannt
geworden, als Diesing im Jahre 1839 (Annalen des Wiener
Museums der Naturgeschichte, Bd. II, S. 237 und Taf. XX,
Fig. 25 — 27 l) sein Amphistoma grande beschrieb und skizzirt
abzeichnete, welches Job. Natterer bei 9 Arten brasiliani-
scher Süsswasserschildkröten, meistens im Dickdarme, bei eini-
gen derselben auch im Magen , gefunden hatte. Nach dem,
was ich aus der kurzen Beschreibung und den Umrisszeich-
nungen des Amphistoma grande abnehmen kann , muss ich das
') Die Bezeichnung, Fig. 24 — 2j, auf S. 237, ist nicht richtig.
Dr. F. C. H. Creplin: Endozoologische Beiträge. H5
hier aus der genannten Seeschildkröte bekannt gemachte Am-
phistom für verschieden von jenem halten.
Tafel III. Fig. A.
Amphistomum scleroporum, 5mal im Durchmesser vergrössert.
5. Zweifelhafte Rundwürmer,
a) Nematoideum Bradypodis tridactyli.
Otto sandte mir einen von ihm im Dünndarme des Ai
gefundenen, zwischen 14 und 15 Linien langen und ziemlich
dünnen Rundwurm, weisslich von Farbe, nach dem Vorder-
ende verdünnert, im übrigen Theile ungefähr gleich dick, mit
kurzem, konischem, stumpfem und gebogenem Schwänze. Der
Köpft heil wurde durch die weite Mundhöhlung ein wenig
dicker, als der unmittelbar auf ihn folgende Vorderkörper.
Die in der Mitte des Kopfendes stehende, die Breite dessel-
ben bei weitem nicht einnehmende Mundöffnung war kreisrund
und ragte mit scharfem, geripptem Ringsrande vor; als der
Wurm unter dem Mikroskope ein wenig trocken ward, zeig-
ten sich an der einen Seite des Mundes zwei etwas spitzige
Höckerchen vorragend; der Wurm war aber durch lange Auf-
bewahrung im Weingeiste so undurchsichtig geworden, dass
ich mir das Ganze der Mundbildung nicht deutlich machen
konnte. Viel weniger vermochte ich von inneren Theilen etwas
wahrzunehmen.
Ich vermuthe, dass dies ein weibliches Exemplar des Slron-
gylus leptocephalus R. sein möge, obgleich Rudolphi (Synops.
p. 649) von einem gerippten Mundil) eile , welchen ich bei
jenem Exemplare deutlich als solchen gesehen habe, Nichts
sagt und den Schwanz des Weibchens als etwas spitzig an-
giebt. Er konnte aber keine gute Beschreibung liefern, da er
nur halbmacerirte Specimina zur Untersuchung hatte.
b) Nematoideum aliud Bradypodis tridactyli.
Diesen Rundwurm hatte Otto ebenfalls, und zwar zwi-
schen den Magenhäuten desselben Faulthiers gefunden. Das
einzige Exemplar war in der Mitte durchgeschnitten, übrigens
vielfach zusammengekrümmt und gefaltet. Ich mass es so ge-
nau aus, wie ich konnte, und fand die Länge ungefähr von
7", bei ziemlicher Dünne. Die Farbe war braun. Der in der
Kopfspitze stehende Mund war nur wie ein Punkt, aber inn-
8*
\\Q Dr. F. C. H. Cvcplin: Endozoologische Beiträge.
geben von einem kreisförmigen, ziemlich breiten, weisslichen
Wulste. Der Körper behielt vom Vorder- bis gegen das
Hinterende fast dieselbe geringe Dicke; das letzte Ende wurde
ein wenig dünner, seine Spitze aber wieder etwas dicker, und
schloss sich stumpf. Von der vordem Körperspitze liefen bei-
derseits zwei weissliche , gerade Seitenlinien den Körper hinab,
verflossen aber weiter herab am Körper jederseits zu einer
breiten, so weiterhin fortlaufenden. Diese zwei breiten Sei-
tenlinien wurden jedoch im Hinterkörper so undeutlich, dass
ich nicht recht bestimmen konnte, ob dort noch dieselben Li-
nien blieben , oder ob nicht vielleicht durchscheinende innere
Theile die weisse Farbe verursachten.
c) Nematoidea Dipodis teiradactyli.
Unter den mir von Otto zugesandten Gläsern mit Ein-
geweidewürmern fand ich eines mit mehren Rundwürmern so
bezeichnet: „Entozoa ex cavo abdominis, ventriculo, coeco,
(tria majora) inter parietes ventriculi Dipodis tetradactyli."
Der längste dieser Würmer war schwärzlich und ungefähr
8'" lang, mittelmässig dick, ein anderer-weisslich, etwa 3'"
lang, von bedeutender, und zwar im Verhältnisse zu der ge-
ringern Länge, grösserer Dicke als der des erstem; die
übrigen waren klein und dünn, von 1\ oder 1^ bis 3^'"
lang. In wie fern die verschiedenen Specimina zu einander der
Art nach gehörten, konnte ich nicht völlig ermitteln. Bei je-
nem längsten und dem andern, dicksten, Exemplare stand der
Mund in der Kopfspitze, war gross und ziemlich tief, und
zeigte eine Art von Papillen auf dem ihn umgebenden Rande;
da diese Würmer aber nicht im besten Zustande und die Kör-
perhaut an verschiedenen Stellen ödematös aufgetrieben war,
so weiss ich nicht, in wiefern die Kopfspitze nebst dem Munde
ihre normale Gestaltung beibehalten haben mochte. Der
Schwanz schien bei dem längsten Exemplare feiner zu sein
als bei den übrigen. In allen den kleinen und dünnen
Würmern, welche im Übrigen mit jenen beiden darin überein-
kamen, dass der Hintertheil des Körpers dicker als der Vor-
dertheil war, und dass der kurze Schwanz wenig sich ver-
diinnernd, stumpf zulief, vermochte ich auf keine Weise, in-
dem ich die Würmer von der Seite betrachtete, als auch zwei
abgeschnittene Kopfenden wie Kegel auf den Objektträger des
Dr. F. C. H. Creplin: Endozoologisehe Beiträge. H7
Mikroskopes stellte, so dass ich die Spitze genau betrachten
konnte, den Mund zu entdecken.
Von den kleinen dünnen Exemplaren habe ich in meinem
Tagebuche angemerkt, dass sie mir sämmtlich als weibliche,
und nur eines unter ihnen von 2"' Länge als ein männliches
vorgekommen seien. Da ich aber Nichts über die Veranlas-
sung zu dieser Meinung angezeichnet, für das hiesige Museum
mit Erlanbniss des Entdeckers aber natürlich nur einige der
mir damals als weibliehe erschienenen Specüninä behalten, und
das mir als männliches erschienene nebst den übrigen Wür-
mern aus dem genannten Glase dem Besitzer zurückgeschickt
habe, und mir jene Sache aus dem Gedächtnisse gekommen
ist, so kann ich nun über den etwanigen Geschlechtsunter-
schied nichts weiter sagen.
Mir ist übrigens ausser diesem kein Vorkommen eines
Rundwurms in der Gattung Dipus bekannt, ausser das einer
Ascaris, welche, nach Rudolphi (Synops. pag. 54, Nr. 80)
und nach Westrumb's bekanntem Verzeichnisse, die Wie-
ner Helminthologen im Darme des Dipus Sagitta gefunden ha-
ben, die aber noch nicht beschrieben worden ist.
d) Nematoideum Phacochoeri africani.
Die Ansicht eines im Dünndärme des Phacochoerus afri-
canus gefundenen Rundwurms verdanke ich Otto auch. Das
einzige Exemplar war ungefähr 2'" lang, ziemlich dick, nach
beiden Enden verdünnert. Der in der Kopfspitze stehende
Mund war gross und kreisrund, mit nach vorn ausgezogenem
scharf und nackt erscheinendem Rande. Der Schwanz lief,
allmählich abnehmend, stumpf aus. Der Körper war hier und
da leicht eingeschnürt, und die ziemlich fein geringelte Ober-
haut abnorm aufgetrieben — beides die nicht vorzügliche Be-
schaffenheit dieses Specimens beurkundend. Aus der Ober-
haut ging in einiger Entfernung vom Kopfende beiderseits ein
kurzer, dicker, sehr stumpfer Fortsatz nach aussen und hinten
aus, von dessen Basis durch die aufgetriebene Oberhaut eine
feine Linie zur unterliegenden Hautschicht lief.
e) Nematoideum Vespertilionis serotini.
Redi fand, wie er (De Animalculis vivis etc. Ainstel.
• 17US, j). 222) erzählt, kleine und sehr dünne Würmer an der
mnern Seite der Haut einer Fledermaus („in parte interna
118 Dr. F. C. H. Creplin: Endozoologisohe Beiträge.
pellis vespertilionis"), jeden von ihnen in einer sehr kleinen
„Glandula" eingeschlossen, welche an der Haut fest hing, sagt
aber weiter Nichts von ihnen. Es hat dergleichen, meines
Wissens, sonst Keiner gefunden. Rudolphi meinte (Entoz.
Hist. nat. II. 2, p. 26*2), es wären vielleicht ähnliche Askari-
den, wie die von ihm im Igel und von Goeze im Maulwurf
in Bläschen am Bauchfell entdeckten Ascarides pusilla und in-
cisa gewesen. Dies dahin gestellt sein lassend, will ich hier
eine Rundwurmart beschreiben, welche ich unter der Arm-
haut einer Fledermaus fand, und die, mag sie gehören zu
welcher Gattung sie wolle, wenigstens keine Ascaris ist.
Ich suchte am 25. Junius 1840 nach den Pteropten der
Fledermäuse an einem nicht ganz erwachsenen Vespertilio
serotinus, hatte zu dem Zwecke die Flatterhäute ausgespannt,
und erblickte, indem ich nach jenen Epizoen an der Unter-
seite der Flughaut vergeblich herumschaute, etwas über der
Mitte des rechten Vorderarmknochens die diesen bedeckende
Haut wie von dünnen, kurzen, gekrümmten Strängen oder
Saiten erhoben. Es waren dies drei kleine Rundwürmer,
welche, frei unter der Haut liegend, gleich nach gemachtem
Einschnitte in diese, hervorkamen und sich träge bewegten.
Ganz an derselben Stelle lag, merkwürdig genug, auch am
linken Vorderarmknochen ein solcher Wurm, dessen Gleichen
ich an allen übrigen Stellen der beiden Vorderarmknochen,
wie auch der Finger, vergeblich suchte1).
') Von solchem merkwürdigen Vorkommen von Schmarotzertlüe-
ren an einer ganz beschrankten, einzelnen Stelle der äusseren Glied-
massen der rechten sowohl als auch zugleich der linken Seite eines
Thiers unter der Haut kann ich noch zwei andere Fälle mittheilen.
Erstlich fand nämlich der Hr. Dr. von Hagenow hierselbst
(damals noch in Loitz) am Ende des Oktobers 1828 beim Abbalgen
einer Strix flammea zum Zwecke des Ausstopfens „am Fersenge,
lenke des einen Fusses, zwischen der Strecksehne und dem Schien-
bein eine Menge weisser Punkte, welche wie Fischrogen zusammen-
lagen," und deren einige er heraus nahm, unter das Mikroskop
brachte und für achtfüssige Milben erkannte. Nachdem er die-
sen Fund an dem einen Fersengelenke gemacht hatte, war er neu-
gierig darauf, ob sich auch an dem andern derselbe machen lassen
würde, lö'sete die Haut dort mit Behutsamkeit ab und traf wiederum,
und genau an derselben Stelle wie bei dem zuerst untersuchten Fusse,
Dr. F. C. H. Creplin: Endozoologische Beiträge. U9
Alle vier Würmer waren Weibchen, 2 — 3'" lang und nach
Verhältniss dieser Länge ziemlich stark, glänzend weiss und
einen Milbenhaufen an, welchen er die Güte hatte mir, nebst dem
Knochen, auf welchem derselbe noch im Zellgewebe eingeschlossen
sass, im trocknen Zustande zuzuschicken.
Den zweiten Fund machte ein hiesiger Thierausstopfer, wel-
cher im März 1811, ebenfalls bei Strix flammea, und ebenfalls
am Fersengelenke beider Füsse, zunächst über demselben, im Zell-
gewebe zwischen der, wie er mir ausdrücklich angab, ganz unver-
letzten Haut und der Strecksehne, eine grosse Menge von Ak ariden
angehäuft fand , welche er sammelte und mir in Weingeist zuschickte.
Ich habe die Milben des erstem, wie des andern Fundes an das
zoologische Museum gegeben. Beide sind gewiss von ein und der-
selben Art.
Die vom Dr. v. Hagenow geschickten habe ich nur ganz oben-
hin untersucht. Der Entdecker selbst hatte mir in seinem Briefe den
elliptischen Umriss s iner Thierchen so gezeichnet, wie ich ihn gleich
von den anderen angeben werde. Ich weichte das trockne Präparat
in Wasser auf, nahm danach einige der Thierchen heraus und fand
an ihnen — dies habe ich mir damals angezeichnet — mittelst des
Mikroskops acht Füsse, deren vier vorn am Körper befindlich waren
und vier ziemlich weit nach hinten standen ; die des letzten Paars lie-
fen in eine lange Borste aus.
Die in der zweiten Eule gefundenen Milben betrachtete ich etwas
genauer. Sie sind weiss und ungefähr von der Grösse der Krätzmil-
ben des Menschen und differiren in solcher unter einander wenig.
Ich mass eine aus und fand sie ±^'" lang und ^V" dick. Sie sind el-
liptisch oder auch, ein wenig eiförmig, ganz glatt, ohne Runzeln, Wärz-
chen und Borsten auf dem Leibe, ferner ohne irgend einen vorsprin-
genden Kopftheil, welcher sich aber zeigte, wenn ich ein Thierchen
etwas presste; von Mundtheilen sah ich Nichts; Augen fehlen, wie
bei den Sarkopten. Die vier Vorderfüsse sind ganz vorn am Kprper,
wie bei der genannten Krätzmilbe angebracht und zusammengestellt,
auch eben so dick und kurz, gehen aber, jeder, in drei, an Länge
und Stärke verschiedene Borsten aus, deren längste ansehnlich lang
ist, und der gerade, fingerartige, mit einer Carunkel geendigte Theil
der vorderen Sarkoptenfüsse fehlt. Dagegen sah ich vorn an der
Basis des letzten Gliedes dieser vier Füsse einen ziemlich starken,
cylindrischen, rund zulaufenden, ein wenig gekrümmten, an Länge
etwa dem Gliede selbst gleichkommenden Fortsatz schräg endwärts
abgehen. Die Hinterfüsse gehen wieder, wie bei Sarcoptes hominis,
von den Vorderfüssen weit entfernt, unterwärts vom Bauche aus
(nicht seitlich, wie bei Sarcoptes equi) und sind ebenfalls kurz und
dick. Die des vordem Paares gehen, wie die vier Vorderfüsse, in
drei ungleiche Borsten, die des hintern (letzten) Paars aber, neben
120 Dr. F. C. H. Creplin: Endozoologiscbe Beiträge.
schön durchsichtig. Das Vorder ende war stumpf, der Mund
nicht zu erkennen, jedenfalls sehr klein und ohne alle Spur
von Papillen oder irgend anderen Erhabenheiten. Der Kör-
per nahm nach hinten allmählich an Dicke ab, und der sehr
kurze Schwanztheil verschmälerte sich in schiefer Richtung und
endigte sich stumpf. An der Schwanzspitze eines Exemplars
zeigte sich eine kleine Papille. Ungefähr in der Körpermitte
ragte die weibliche Geschlechtsöffnung wulstig vor.
Von inneren Th eil en zeigte sich im Vorderende derDarm-
kanal deutlich; weiterhin wurde er von den Jungen ver-
deckt , welche den ganzen Körper dieser weiblichen Würmer,
nur mit Ausnahme der Enden, ausfüllten. Sie bewegten sich
aufs lebhafteste unter einander und zeigten mir ihre Gestalt
deutlich, als eines der Muttervyü inner, nachdem diese einige
Stunden lang im Wasser gelegen hatten , platzte und sie aus-
schüttete. Sie waren ganz einfach, durchsichtig und, wie die
Alten , vorn dicker als hinten. Bei den letzteren sämmtlich
sah ich nahe unter der Haut ein Organ liegen, dessen Be-
deutung mir nicht bekannt geworden ist. Es ähnelte einem
ungleichen Faden, war von körniger Structur, weissgelblicher
Farbe , fing etwas hinter dem Kopfende an , lief ziemlich ge-
rade den Körper entlang, endigte sich in einiger Entfernung
vom Schwänze und war an -beiden Enden verdickt. Sollte es
demjenigen, bandförmigen, von einem Längsgefässe durchlau-
fenen Organe analog sein, welches Siebold aus einigen ge-
schlechtslosen Nematoideen (Dieses Archiv IV. 1, S. 310 ff.)
einem kurzen Dorne, in eine sehr lange einfache, schlanke Borste
aus; die cylindrischon Fortsätze wurde ich an den vier Hinterfüssen
nicht gewahr. Die Bases der vier Vorderfüsse stehen nebst dem zwi-
schen den mittleren liegenden (Kopf-)Theile auf einem ähnlichen star-
ken Horngerüste, wie man dies bei Sarcoptes hominis sieht, und so
auch jeder Hinterfuss für sich , wie bei diesem , auf hornartigen Ge-
ripptheilen. Innere Organe konnte ich nicht entdecken; viele Oltro-
pfen füllten den Körper.
Möge diese, wenn gleich unvollständige Beschreibung dazu die-
nen, die Aufmerksamkeit der Forscher auf das Thierchen zu lenken,
wenn es, wie ich vermuthe, noch sonst nicht beobachtet sein sollte.
Es mag vielleicht gar nicht selten vorkommen, ist aber gewiss wegen
seiner Kleinheit eben so leicht zu übersehen wie die Krätzmilbe,
wenn es nicht , wie in den obigen beiden Fällen , haufenweise vorkommt.
Dr. F. C. H. Creplin: Entlozoologische Beiträge. 121
und früher schon Mehlis aus Ascaris spiculigera (Isis 1831,
S. 95 — 96) beschrieben')?
Die Gattung dieser Wurmart ist natürlich nach den nur
gefundenen weiblichen Exemplaren nicht zu bestimmen,
f) Nematoideum Colubri Natricis.
Am 13ten Mai 1833 fand ich in der Lunge zweier Nat-
tern (Coluber Natrix) einige Rundwürmchen weiblichen Ge-
schlechts, von so grosser Dünne, dass sie meinem blossen
Auge kaum sichtbar waren, weiss von Farbe, mit Ausnahme
des Darmkanals, und 2 — 3'" lang. Sie waren cylindrisch und
nur auf eine kürze Strecke gegen den Mund- sowohl, als den
Schwanztheil hin, an Dicke abnehmend. Der ohne Zweifel in
der Kop'fspitze liegende Mund zeigte sich mir als Öffnung
nicht deutlich; die Stelle aber, wo er sich befinden musste,
war von einem wulstigen und breithöckerigen Kreisrande,
welcher die Kopfspitze abgestutzt erscheinen Hess, umgeben.
Eine dünne und höchst durchsichtige Membran lief vom
Kopfende bis zum Schwänze zu beiden Seiten des Körpers
hinab und wurde da, wo der Schwanz anfing, breiter. Der
Schwanz war ziemlich lang, kegelförmig, und ging in einen
ziemlich birnförmigen , vorn nämlich dickern, und zwar an
Dicke selbst den ihm vorangehenden Schwanztheil übertreffen-
den, dann dünnen, etwas stumpf ausgehenden Anhang oder
Ansatz über, an dessen Anfangstheil sich die Seitenmembran
heftete, und wo sie auch aufhörte. Der Nahrungskanal
war gerade und weit, der sehr starkwandige Schiundtheil
sehr durchsichtig, der Darmtheil dunkler, röthlich, von, wie
es schien, netzförmigem Gewebe, und sich vor seinem Aus-
gange in den im Schwänze liegenden After verengernd. Die
vorragende Vulva befand sich in der mittlem Gegend des
Körpers. Die inneren Geschlechts! heile wurden mir
nicht deutlich. Eier zeigten sich in einigen Individuen; sie
waren gross, ziemlich elliptisch und immer geringe an Zahl.
Hier und dort zeigten sich zu den Seiten des Darms körner-
') Es ist auch wohl dasselbe, welches Leuckart in der von ihm
beschriebenen Jscaris Soricis tetragonuri neben dem Darme fand und
— zweifelhaft — für einen Muskel halten möchte, durch welchen sich
ein sehr feiner Nerve (?) hinziehe. (S. dessen zoolog. Bru< bst. 111 ,
Seite 41.)
122 Dr F- C. H, Creplin: Endozoologische Beiträge.
ähnliche, sehr dunkle Körperchen, deren Deutung ich nicht
unternehmen will.
Sollten diese Würmer vielleicht Weibchen der Rundvvurm-
art sein, welche Rudolphi als Strongylus denudatus in seine
Synopsis (p. 34. nr. 14. , Mantiss. p. 263.) gebracht hat? Ich
möchte es nach dem gleichen Vorkommen der beiderlei Wür-
mer in der Lunge eines Coluber, wie nach der ähnlichen
Länge und — der nach Rudolphi mit der des Strongylus
auricularis zu vergleichenden Dünne und dem kreisförmigen,
wulstigen Munde beider vermutheil. Die Seitenmembran könnte
Rudolphi nebst der eigenthümlichen Schwanzbildung in den
von ihm untersuchten, auch nur weiblichen, Weingeistexem-
plaren, deren meiste dazu in der Mitte geplatzt waren, über-
sehen haben. Bloss eine Ähnlichkeit im Habitus mit Stron-
gylus auricularis bewog übrigens Rudolphi, den Wurm gleich-
falls für einen Strongylus zu nehmen; ob er aber wirklich zu
dieser Gattung gehöre, könnte doch nur die Entdeckung mit
Bursa caudalis versehener Männchen ergeben. Übrigens lebt
bekanntlich der Strongylus auricularis auch nicht in den Lun-
gen, sondern im Darme von Amphibien.
g) Nematoideum Pipae dorsigerae.
Ein von Otto im Magen der Rana Pipa L. (nebst meh-
ren, später zu beschreibenden Askariden) gefundener Rund-
wurm. Er war ungefähr 1" lang und danach ziemlich dick,
sehr steif und elastisch, und fest zusammengewickelt, von
Farbe braun. Kopfende und Körper waren nackt, die Ober-
haut am Vorderende etwas ödematös aufgetrieben. Der mas-
sig grosse, im letztern stehende Mund quer, mit wulstigem
Rande, nackt. Der Körper verschmälerte sich nach beiden
Enden wenig und fast gleichmässig. Der Schwanz war
stumpf. Hinter dem Munde liefen nach den Körperseiten
rings herum weissliche Linien herab, welche sich aber bald
wieder verloren. Die Färbung des Hinterkörpers war dunkler
als die des übrigen Wurms.
Mit den in Bläschen eingeschlossenen Nematoideen, wel-
che Rudolphi bei der Pipa fand, (s. Entoz. Hist. nat. , II,
2. p. 267. n. 11.) scheint der obige Wurm Nichts gemein zu
haben.
Dr. F. C. H. Creplin: Endozoologisehe Beiträge. 123
h) Nematoideum Rajae Batis.
Eines der mir von Otto zugesandten Gläser hatte die
Aufschrift: ,,E ventriculo et intestino Rajae Batis." Ich fand
in demselben neben einer einzigen Ascaris succisa Rud. (?)
drei Rundwürmer, zwei grössere und einen kleinern, von nicht
zu bestimmender Gattung. Die beiden ersteren waren unge-
fähr 2\" lang, nach dieser Länge verhältnissmässig ziemlich
dünn und nur von hinten nach vorn allmählich verschmälert,
der letztere nur etwas über 10'" lang, viel dünner als jene,
und nach beiden Enden gleich viel an Dicke abnehmend. Bei
jenen umgab ein vorragender Rand die Kopfspitze, bei diesen
war dieselbe ohne einen solchen Rand und stumpf. Die rechte
Beschaffenheit des Mundes konnte ich mir nicht deutlich ma-
chen; indessen sah ich bei allen zwei Papillen auf der Kopf-
spitze. Der Schwanz ging von dem allmählich wieder ver-
schmälerten Ende des Hinterleibes ohne Unterbrechung ab,
war ziemlich kurz, gerade, stumpf zugerundet ausgehend.
Diese Beschreibung habe ich meinem helminthologischen
Tagebuche vom Jahre 1834 entnommen; ich kann aber, da
ich das der hiesigen Sammlung zu Theil gewordene eine grös-
sere Exemplar näher betrachte, noch Folgendes hinzufügen:
Ich finde jetzt das stumpfe Vorderende mit aufgetriebener,
klarer Oberhaut rings umwulstet. Die Dicke des Wurms un-
mittelbar hinter dieser Stelle beträgt \"'\ von da nimmt sie
allmählich so stark zu, dass sie weniger als 1'" vor dem
Schwanzende, §■'" beträgt, und von dieser Stelle wieder ab
bis zum letztern, welches dem blossen Auge scharf gespitzt
zulaufend erscheint. Recht am Anfange des eigentlichen Schwan-
zes ragt ein schwaches Höckerchen hervor, welches, wenn ich
nicht irre, der After ist; doch kann ich nicht ganz sicher
darüber urtheilen, da mich die geringe Durchsichtigkeit des
Wurms den Mastdarm nicht unterscheiden lässt. Etwa -'"
4
vor diesem After (?) steht die wulstig gerandete, viel grössere
Vulva. In der hintern Körperabtheilung scheinen die Win-
dungen der Eiergänge durch die Haut.
Von Rundwürmern aus Rochen sind meines Wissens
nur fünf bekannt geworden: 1) die von Monro am Ramus
124 Dr. F. C. H. Creplin: Endozoologische Beiträge.
oplithalmicus des Nervus trigeminus bei Raja Batis in Bläs-
chen angetroffenen kleinen Würmchen (Rudolphi, .Synops.
p. 190, n. 37, et p. 560.), 2) der von O. Fabricius in sei-
ner Raja fullonica (= R. radiata Donovan) im Magen ge-
fundene Wurm (Fn. groenl. p. 273. n. 253., Müll. Zool. dan.
II. p. 47. Tab. LXXIV. Fig. 4. et b., Ascaris Rajae), 3) eine
noch nicht beschriebene, von den Wiener Helminthologen in
Raja Pastinaca im Darme entdeckte Ascaris (Rud., Synops.
p. 56. n.103, Asc. Pastinacae), 4) die von G. R. Trevira-
nus im Darme der Raja clavata, und von den Wienern in
dem von Raja Miraletus gefundene Ascaris succisa Rud. '),
') Von Ascaris succisa ist nur das — einzige — von Trevira-
nus gefundene Exemplar durch Rudolphi sehr kurz beschrieben
worden. Die oben erwähnte, ebenfalls einzige, von Otto mir zu-
gesandte Ascaris war über 1^" lang, mittler Dicke, mit ziemlich gros-
sen, vorn gerundeten Mund klappen, schmalen, nicht sehr langen
Seitenmembranen, nach vorn stärker als nach hinten verschmächtig-
tem Körper, dessen gekrümmter Hintertheil so stark niedergedrückt
war, dass die Ränder scharf zuliefen. Der Schwanz war sehr kurz,
viel dünner als das Hinterende des Körpers, ziemlich kegelförmig,
scharf — stumpf geendet.
Prof. Retzius schickte mir zwei Exemplare, deren eines, klei-
neres, durch seine Güte jetzt das hiesige Museum besitzt. Das grös-
sere war über 2" lang und ziemlich dick, das kleinere ist bei einer
Länge von li" sehr dünn. Seitenmembranen sali ich bei diesen
beiden nicht. Ihr Körper war nach vorn weit stärker verschmäch-
tigt als nach hinten, und der Schwanz, viel dünner als das Hinter-
ende des Körpers, ging vom oberu (Rücken-) Tlieile dieses Endes
gerade aus nach hinten. Ich habe das kleinere Specimen eben noch
wieder vor mir. Der Körper verdünnt sich allmählich, aber stark,
nach vorn; nach hinten nimmt nur das Ende etwas an Dicke ab, en-
digt sich ganz stumpf zugerundet, schickt aber aus dem Rückentheile
den dünnen und kurzen, stumpf zugespitsten Schwanz aus. Die Mund -
klappen sind sehr klein, zeigen sich aber bei öOmaligcr Vergrösse-
rung ganz deutlich. Das Hinter ende des Wurms bietet verschie-
dene Merkwürdigkeiten dar: 1) macht es, von der Seite angesehen,
drei deutliche Absätze; der vorderste derselben rührt von dem
vor dem stumpfen Körperende stehenden, stark vorspringenden Af-
ter her, ist abgestutzt und von den drei der schmälste; den zwei-
ten, bei weitem von allen den breitesten, macht das stumpfe Kör-
perende, den dritten und längsten der Schwanz, von der Rücken-
flache ohne Unterbrechung gerade nach hinten auslaufend, mit der
gerundeten Endspitze des Körpers aber ungefähr einen rechten Win-
Dr. F. C. H. Creplin: Endozoologische Beiträge. 125
zu welcher ich hier die von Otto, wie oben bemerkt, in
Raja Batis und eine vom Prof. Retzius (welcher mir seine
Exemplare im Jahre 1836 mittheilte) wiederum in Raja cla-
vata gefundene Ascaris zweifelhaft stellen will; und endlich
5) eine Art einer neuen Gattung, welche Mehlis, nach einem
mir i. J. 1830 von ihm mitgeteilten Verzeichnisse seiner En-
dozoensammlung, im Magen der Raja clavata entdeckt hatte;
er nannte den Wurm Discophorus tenax und hatte jhn an das
Ende seiner Nematoideen unter Ophiostoma gesetzt. Es ist
kel bildend; 2) die Bildung des Schwanzes. Dieser zeigt sich,
von der Seite betrachtet, ziemlieh kegelförmig, stumpf geendigt (bei
60maligcr Vergrösserung), von unten oder oben aber an der Vorder-
hälfte mit zwei starken , kurzen , von vorn nach hinten auf einander
folgenden Verbreiterungen oder Vorsprüngen jederseits, die sieh von
beiden Seiten her gerade gegenüber stehen, und von deren letzterm
Paare die hintere Hälfte des Schwanzes dann einfach kegelförmig
weiter läuft. 3) Das hintere Körperende ist stark eingekrümmt, und
in dieser Krümmung steht jederseits, weiter nach der Bauch-, als
nach der Rückenseite (man sieht sie unter dem Mikroskope im Profil,
wenn man den betreffenden Körpertheil schräg stellt, gar nicht aber,
wenn man denselben gerade von oben oder aber von der Seite an-
schaut) eine gerade Reihe von klaren, sehr kurzen, aber dicken,
stumpf zugespitzten Papillen. Diese fangen eine Strecke vor dem
Hinterende des Körpers an und folgen sich dann in ungefähr eben
so grossen Entfernungen unter einander. Ich zählte ihrer an der einen
Seite vier, an der andern nur drei, indem ich an dieser die erste,
vorderste (welche etwas weiter von der nächstfolgenden abstand, als
die folgenden unter sich und vom Schwanzende entfernt waren) nicht
fand. Diese oder ähnliche Papillen scheint Rudolphi zu meinen,
wenn er in seiner Beschreibung der Ascaris succisa (Entoz. H. nat.
II. 1. p. 187—8.) sagt: „Cauda . . . punctulis rotundis, quasi tuberculis
. . . obsita."
Man sieht, dass die von Otto und Retzius gefundenen Aska-
riden unter sich, wie von der von Treviranus mitgetheilten nicht
wenig abweichen; es wäre aber, meines Bedünkens, dennoch wohl
möglich, dass sie sämmtlich zu einer Species gehörten, welches
aber erst zu bestimmen sein wird, wenn eine hinreichende, grössere
Menge von Exemplaren gefunden ist, und die letzteren mit einander
und den schon bekannten verglichen worden sind. Die von Rudol-
phi nach einem einzigen Exemplare aufgestellte Artbezeichnung kann
nicht zur Norm dienen, und die Ascaris succisa ist somit für jetzt
noch als eine Ascaris dubia zu betrachten.
126 Dr. F. C. G. Creplin: Endozoologische Beiträge.
mir von ihm Nichts weiter über diese Gattung und Art mit-
getheilt worden.
Unser Nematoideum Rajae Batis scheint auf den ersten
Blick von allen diesen verschieden zu sein; indessen dünkt
es mir nicht unmöglich , dass es der Species nach identisch
mit dem eben unter Nr. 2. angeführten Nematoideum R<ij<i",
fullonieae Fabr. sein könnte. Ich kann zwar für diese Iden-
tität nichts weiter anführen, als dass beide Würmer ans einem
Rochenmagen herstammen, und dass bei beiden der Körper
nackt ist und nach hinten an Dicke stark zunimmt (dass das,
was von Fabricius an den citirten Stellen für das Vorder-
ende des Wurms ausgegeben wird, das Hinterende ist, ist klar,
auch schon von Rudolphi Entoz. H. nat. II, 2. p. 271. be-
merkt worden) ; ich spreche aber auch nur von einer Mög-
lichkeit. Sind die Würmer von ein und derselben Species,
so ist der unsrige das Weibchen zu dem von Fabricius ab-
gebildeten Männchen. Einen Haupteinwurf, welchen man ge-
gen die Identität beider machen könnte, scheint ihre sehr ver-
schiedene verhältnissmässige Dicke zu sein. Der Fabricius'-
sche Wurm ist vorn \"\ hinten lf" dick und weniger als 2"
lang. Das dünne Ende ist aber vielleicht gar nicht das wahre,
unversehrte Vorderende; Fabricius nennt die ,,Extremitas . .
quasi abrupta"; so mag die Figur auch wohl ein verstümmel-
tes Exemplar darbieten. Übrigens aber sind auch andere Wür-
mer dieser 74sten Kupfertafel der Zoologia danica (welche
lauter von Fabricius gefundene enthält, denen Müller die
Charaktere und Beschreibungen aus der Fauna groenlandica
im Texte beigefügt hat), wenn ich dieselben anders richtig
deute, nach den Exemplaren, die ich von ihnen kenne, zu
dick im Verhältnisse zu ihrer Länge, abgebildet, und so mag
es auch leicht mit diesem der Fall sein *).
') Es möge mir erlaubt sein, mich hier über die einzelnen Fi-
guren der genannten Kupfertafel näher auszusprechen. Was die
Fig. 1. betrifft, so glaube ich in ihr ein Weibchen der gewöhn-
lichen Ascaris osculata der Seehunde, nur nach dem grössern
Theile der Länge, ganz besonders aber im Hintertheile, zu dick dar-
gestellt, zu erblicken. Dass das von Fabricius als vorderes ange-
gebene Ende das hintere sei, leidet keinen Zweifel. Die Gestalt des
Hinterendes variirt bei der weiblichen Ascaris* osculata, indem es
Dr. F. C. H. Creplin: Endozoologische Beiträge. 127
i) Nematoideum Lepidopodis Peronii Risso.
Aus diesem Fische bekam ich von Otto einige Rund-
würmer, ohne Angabe über das Organ desselben, in welchem
bald länger ausgezogen und spitz, bald kürzer und stumpf erscheint.
Betrachtet man nun ein solches stumpfes Hinterende eines erwach-
senen Exemplars, und zwar vergrössert, so hat man die Fabricius'-
sche Zeichnung dieses Theils vor sich und kann dieselbe erklären.
Fabricius spricht von einer Rima transversalis subtus ad apicem;
in der Figur theilt ein Längsstrich das dicke Ende des Wurms in 2
Theile, deren oberer den untern weit an Länge überragt. Der obere
Theil ist der wirkliche Schwanz der Ascaris, die Spitze des untern
der einen Absatz machende After, und der Strich der durchschei-
nende innere Rand des Mastdarms. Das Vorderende ist in der
Figur nicht deutlich gemacht, und auch aus der Beschreibung ersieht
man Nichts weiter darüber, als dass die „Extremitas magis exacte
acuminata (soll wohl heissen : regelmässiger zugespitzt) simulque
adunca" sei. Die hakenförmige Krümmung des Vorderendes ist zu-
fällig und so bei diesem Spulwurme, wie bei anderen, mitunter vor-
kommend, kann aber kein Unterschiedszeichen einer Species abge-
ben. Was die Dicke des gezeichneten Specimens betrifft, so ist
sie nicht allein — nach der grossen Menge von Würmern dieser Art,
welche ich hier vor mir habe, zu urtheilen — nach dem grössern
Theile der Länge etwas und im Hinterende viel zu stark gezeich-
net, sondern die starke Zunahme derselben nach dem Schwanzende
ist dazu ganz unrichtig. Diese geschieht hier bei den erwachsenen
Weibchen immer vom Vorderende gegen die Mitte des Wurms zu
ganz allmählich und bleibt dann von derselben Dicke bis gegen das
Hinterende, welches wieder ganz allmählich abnimmt und zuletzt mit-
unter wieder so dünn wird wie das Kopfende, gewöhnlich aber ein
wenig dicker bleibt als dieses ist. Die Dicke variirt übrigens ver-
hältnissmässig zur Länge des Wurms nicht wenig. Ich sammelte zwei-
mal aus der Speiseröhre und dem Magen von Phoca Grypus ganze
Massen dieser Ascaris. Die eine derselben, gefunden am 25sten Mai
1839, besteht aus mehr oder weniger dünneren Würmern, deren we-
nige (die dicksten), obzwar von 2", 2" 6'", ja 2" 8'" Länge, eine Dicke
von ^" (— nach den Weingeistexemplaren angegeben — ) besitzen;
die andere, am 12ten Decbr. 1838 gefundene, enthält unter vielen
dünneren auch eine ansehnliche Menge dickerer Individuen. Von
diesen letzteren mass ich, ehe sie in Weingeist gelegt wurden, drei
Weibchen und das grösste Männchen aus. Ein Weibchen war 3" 6"'
lang und 1'" (in der stärksten Körperstrecke) dick, die beiden ande-
ren 3" und einige Linien lang und um ein Weniges dünner ; das Männ-
chen hatte etwas über 2" Länge, und seine stärkste Dicke betrug
c I"'. Ich füge diesen Angaben, um zu zeigen, wie sehr die relative
128
Dr. F. C. II. Creplin: Eiulozoologischo Beiträge.
sie gefunden worden waren. Der grösste von ihnen war un-
gefähr 11'" lang, die übrigen, deren nun auch die hiesige
Dicke liier variirt, eine kleine Zusammenstellung von Maassen hinzu,
welche ich von Weibchen der im Dec. 1838 gesammelten Würmer eben
jetzt, nachdem sie folglich seit einigen Jahren im Weingeiste gelegen,
genommen habe, denen die von einigen Männchen genommenen unten
bei den Bemerkungen zu Fig. 3. folgen werden.
$ Länge. Stärkste Dicke.
5 Achtellinien.
Längere und stärkere Weibchen, als ich sie hier angegeben habe,
sind mir nicht zu Gesichte gekommen. Fabricius hatte seine Wür-
mer in Phoca groenlandica und foetida gefunden. In der Fauna groen-
landica (p. 272. nr. 250.) sagt er: „Longitudo plerumque 3^" et lati-
tudo l"';" diese Messungen stimmen also völlig mit denen des von
mir frisch untersuchten Weibchens überein; wenn er aber hinzufügt:
„Vidi autem 8" longain", so ist mir bisher kein so grosses Specimen
zu Augen gekommen. Das abgebildete Weibchen hat eine Länge
von c. 3" und die gewaltige Dicke von \\'" gegen das Hinterende.
Noch führe ich an, dass Rudolphi von Bremser Askariden dieser
Art aus Phoca groenlandica bekam, von denen er die Länge der
Weibchen zu 18—24" und die Dicke zu 1'" angiebt. Sollte die grön-
ländische Robbe vielleicht verhältnissmässig dickere oder mehre dicke
Spulwürmer in sich erzeugen und ernähren, als andere Phoken, na-
mentlich Phoca Grypus? Die Spulwürmer, welche das hiesige Mu-
seum aus Phoca foetida — von Schilling gesammelt — besitzt,
zeichnen sich in dieser Hinsicht nicht vor denen aus Ph. Grypus aus.
Exemplare aus Ph. groenlandica aber kenne ich nicht.
Fig. 2. ist offenbar das Vorderende eines durchschnittenen Rund-
wurms, wohl auch wieder einer Ascaris osculata, und der aus dem
dicken Ende der Figur vorragende kleine Cylinder das ausgetretene
Ende des durchschnittenen Darms. Rudolphi hat sich hier durch
Fabricius' unrichtige Ansicht täuschen lassen und nach der Figur
das ausgetretene Darmstück für den „Tubulus oris emissilis, laevis",
das Hauptkennzeichen seiner Gattung Liorrhynchus , nehmend, die
Species Liorrhynchus gracilescens (doch nicht zweifelfreien Sinnes)
aufgestellt. Es war dies die vierte Deutung und Benennung jenes
Wurmfragments. Fabricius selbst nannte es Ascaris tubifera Gm e-
lin (im Systema naturae), und nach ihm, jedoch zweifelnd, Zeder
(Naturgesch. S. 160.) Echnorrhynchus tubifer, und im Tableau ency-
Dr. F. C. II. Creplin: Endozoologische Beiträge. 129
Sammlung einige besitzt, waren kleiner, alle ziemlich dünn,
nach beiden Enden gleich viel verschniächtigt, oder auch nach
clopedique et meth. des 3 regnes de la nat. (l'helminthologie p. Bru-
g uiere) heisst es Proboscidea tubifera.
Fig. 3. wird wohl eine Ascaris osculata tf sein, deren Kopf-
ende abgerissen oder sonst verstümmelt war. Die Dicke beträgt
reichlich §•*" und die Länge mehr als 2^". Von einem im frischen
Zustande von mir gemessenen grossen Männchen habe ich schon oben
die Länge und Dicke angegeben; ich mass aber noch ferner, zugleich
mit den Weibchen aus dem Weingeiste, 6 Männchen, die die folgen-
den Dimensionen darboten:
cf
Die starke nnd lange Verschmächtigung und stumpfe Endigimg
der hintern Körperstrecke in der Figur ist mir auffallend, da ich bei
den Männchen der Ascaris osculata immer nur den letzten Theil des
gekrümmten Hinterkörpers etwas abnehmend und schliesslich in den
sehr kurzen, zugespitzten Schwanz übergehend finde. Unmittelbar
vor dem Schwänze treten die beiden Spicula genitalia heraus; in dem
Exemplare, von welchem die Zeichnung genommen worden ist, wa-
ren sie nur zum Theile hervorgeschoben, und zwar das eine mehr
als das andere. Ganz exserirt sind sie sehr lang, wohl wie bei
Ascaris spiculigera, und auch so fein wie bei dieser.
Rudolphi bildete aus Fig. 1. und 3. sein Ophiostoma di'spar,
indem er Fig. 1., deren Schwanzende mit Fabricius für das Kopf-
ende haltend, für das Weibchen, Fig. 3. für das Männchen nahm, un-
eingedenk der Thatsache, dass die Bildung des Kopf- oder Mundendes
eines Rundwurms stets bei dessen Männchen und Weibchen gleich
ist, während hier in dieser Hinsicht, wäre seine Meinung richtig, die
grösste Verschiedenheit herrschen würde. Ich erlaube mir bei dieser
Gelegenheit zugleich zu bemerken, dass das Ophiostoma lepturum R.
auf keinen besseren Gründen beruht, indem Rudolphi auch dort
das Hinterende eines Wurms für dessen Vorderende genommen hat.
Er kannte den Wurm übrigens auch bloss aus Zeichnungen von Ti-
lesius, die er selbst in seiner Entoz. H. nat. Tab. VIII. Fig. 1. 2.
wiedergiebt.
Fig. 4. s. oben im Texte.
Fig. 5. ist auch wieder ein Rund wurm mit dickem Schwanzende
und über den Aftervorsprung hinauslaufendem Schwänze. Rudolphi
stellte ihn, nach O. Fr. Müll er 's Vorgange, zweifelnd zu Echinor-
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. 1. Bd, 9
130 Dr. F. C. II. Creplin: Endozoologische Beitrage.
hinten um ein kleines Wenig mehr. Aus des .Vorderspitze
raste ein sehr stumpfer Theil breit vor; doch ward mir der
rhynehus; aber ein Rundwurm ist er offenbar, vielleicht eine nach
hinten wieder übertrieben dick gezeichnete, vorn verstümmelt gewe-
sene, Ascaris collaris? Rudolphi fand diese bis zu 3" Länge im
Darme von Pleuronectes maximus und Flesus, nicht im Magen
(Fabricius fand seinen Wurm im Magen bei PI. platessoides),
in welchem ich sie jedoch bei Pleur. maximus angetroffen habe.
Schilling fand sie im Schlünde eines Pleuronectes Limanda, dessen
Schlund, Magen und Darm ich nachher weiter untersuchte, ohne
aber ferner Spulwürmer zu finden. Bei Pleur. Flesus fand ich übri-
gens diese Ascaris auch, und zwar (im Novbr.) im dünnen Darme.
Eine Länge von 3" hat von unseren Exemplaren keines. Fabricius
giebt seine „Ascaris Pleuronectis" (Fn. groenl. p. 274. nr. 254.) zu
24" Länge und 1\'" Dicke an; die Figur in der Zool. danica ist etwas
über 2" 1'" lang und hinten volle lf" dick; das Letztere also um
i'" mehr, als er selbst angegeben hat.
Fig. 6. Nach dieser Zeichnung und Fabricius Beschreibun-
gen hat Rudolphi seine Ascaris clavata aufgestellt. Ich zweifle
nicht daran, dass die Zeichnung ein Exemplar dieses von Fabricius
entdeckten Spulwurms sei. Das gezeichnete Exemplar war aber wie-
der ein vorn verstümmeltes — man sieht hier, wie in Fig. 2., das
durchschnittene Darmstück aus dem verstümmelten Körper hervor-
getreten — ; ferner muss ich es, wie die vorigen Würmer (ausser
Fig. 2.), nach den Exemplaren der Ascaris clavata, welche ich im
Magen und Darme von Gadus Callarias (= Gadus Morrhua junior)
im April 1824 gefunden und noch eben wieder vor mir habe, zu ur-
theilen, ebenfalls für viel zu corpulent dargestellt halten.
Fig. 7. nebst Fig. e. Ich winde auch diese beiden Figuren zu
Ascaris clavata bringen zu müssen glauben, wenn mich nicht die bei-
gefügte Fabricius' sehe Beschreibung in dieser Meinung irre machte.
So aber wage ich kein Urtheil über diese Figuren zu fällen. Fa-
bricius nennt den dargestellten Wurm Ascaris versipellis, und Ru-
dolphi stellt diesen zu seinem Echinorrhynchus Acus (Entoz. H. nat.
II. 1. p. 278.), wozu ihn Fabricius verleitet hat, welcher den Wurm
späterhin (in den Danske Nat. Hist. Selsk. Skrivter I 1. S. 155. —
uach Rudolphi a. a. O. S. 281.) zum Echinorrhynchus candidus Mll.
gestellt wissen wollte. Einen Echinorrhynchus aber scheinen mir
jene Figuren gar nicht vorstellen zu können, und die Fabricius '-
sehe, aus der Fauna groenlandica in die Zoologia danica aufgenom-
mene Beschreibung der Ascaris versipellis giebt zu solcher Annahme
ebenfalls keine genügende Veranlassung. Rudolphi citirt auch a. a. O.
die Figuren gar nicht.
Fig. 8. nebst Fig. f. bleiben mir zweifelhaft. Ich könnte auf
Ur. F. C. II. CrepJin: Endozoologisohe Beiträge. \%\
Mund auf keine Weise deutlich; er schien äusserst klein und
von einigen Knötchen umgeben zusein. Der kurze Schwanz
verschmälerte sich wenig und schickte aus seinem sehr stum-
pfen Ende eine äusserst kurze, feine Spitze gerade aus. Der
After stand am Anfange des Schwanzes.
k) Nematoideum Sorteis Aranei.
Am 2lsten Octbr. 1835 fand ich in der Schale, in wel-
cher ich den Abends zuvor geöffneten Körper eines Sorex
Araneus die Nacht hindurch in Wasser aufbewahrt hatte,
zwei, wieder zu stark gezeichnete, weibliehe Exemplare von Ascaris
spiculigera rathen, wenn diese nicht ihren beständigen Aufenthalt in
der Speiseröhre, dem Vormagen oder Magen der sie beherbergenden
Wasservögel hätte und Fabricius nicht in der Beschreibung sagte,
die „Ascaris Alcae" würde bisweilen 4" lang, eine Länge, welche bei
Ascaris spiculigera, nach meinen Erfahrungen, ganz unerhört sein
würde. Mit der von Schilling im Aug. 1826 im Podicipes minor
gefundenen Ascaris (s. meine Novae Obss. de Entozois p. 28), die
ich selbst späterhin im Octbr. 1837 (1 Ex.) auch im Podicipes cri-
status und, im Novbr. 1833, im Podicipes suberistatus (3 Ex.) antraf,
und welche von der spiculigera verschieden ist, kann ich die Fa-
bricius'sehen Würmer eben so wenig zusammenreimen, obgleich
jene, wie diese, im Darme vorkamen. Es spricht übrigens Nichts
dafür, dass jene hier bei uns bisher nur in Steissfüssen vorgekom-
mene Art auch im Alke vorkäme. Wenn, wie ich vermuthe, die im
Darme des Podicipes auritus, cornutus, cristatus und minor von den
Wienern gefundene und als eine Species dubia in ihrem letztern Ka-
taloge aufgeführte Ascaris zu dieser Art gehört*), so möchte man
wohl — falls nicht etwa die in dem eben erwähnten Verzeichnisse
ebenfalls angegebenen Ascarides dubiae Colymbi aretici, ferner Mer-
gorum Alerg unser is et Serratoris intestinales derselben Art wären,
— die in Rede stehende für eine den Steissfüssen eigenthümlichc und
bei Vögeln anderer Gattungen nicht zu Hause gehörende halten dür-
fen, während dagegen Ascaris spiculigera R. (= A. variegata R.)
in den Gattungen Colymbus, Mergus, Pelecanus, Carbo, Alca und
üria angetroffen wird. — Rudolphi hält es für sehr wahrscheinlich,
dass die Ascaris Alcae Fabr. ein Echinorrhynchus sei, zu welcher
Gattung sie Gmelin schon früher gebracht hatte. Aber davon kann
ich mich nicht überzeugen.
*) Ich zweifle nicht, dass auch die von Joh. Natterer im Darme
eines brasilianichen Steissfusses (vielleicht P. americanus Garu.?)
gefundene und von Rudolphi (Synops. p. 664,) kurz beschriebene
Ascaris zu derselben Art gehöre. In dem oben erwähnten Wiener
Verzeichnisse geschieht ihrer keine Erwähnung.
9*
132 ^>r. F- C. G. Creplin: Endozoologische Beiträge.
ein Bläschen, welches einen zusammengerollten Rundwurm
durchscheinen Hess, und ein zweites solches auf dem Brette,
auf welchem ich den Korper zur weitern Durchsuchung nach
Würmern vor mir liegen gehabt hatte.
Die Haut des kleinen Balges war so dünn und durch-
sichtig, dass ich den von ihr umschlossenen Wurm ziemlich
genau durch das Mikroskop betrachten konnte. Die Würmer
bewegten sich beide langsam innerhalb ihres Balges. Ich öff-
nete den einen Balg und Hess den Wurm heraus.
Dieser war 4 — 5'" lang und von massiger Dicke, im vor-
dem Ende sehr wenig mehr als im hintern verdünnert, wo-
gegen aber die (wenig bedeutend) grössere Körperdicke in
die vordere Hälfte des Wurms fiel. In dem sehr stumpfen
Vorderende konnte ich mir den Mund nicht zu Gesichte brin-
gen; ich sah aber eine oder die andere Papille auf dem Vor-
derende stehen, und bisweilen während der Bewegungen des
Wurms sich eine kurze Spitze vorschieben, welche vielleicht
nur die Verlängerung einer solchen Papille war. Der Vorder-
körper war fein gerunzelt (geringelt); weiterhin wurden die
Runzeln allmählich immer gröber, so dass sie auf dem gröss-
ten Theile des Körpers sehr grob waren; da sie zugleich sehr
regelmässig standen, so zeigten sich die Körperränder, durch
das Mikroskop angeschaut, elegant gekerbt. Auf dem Schwänze,
welcher kurz und kegelförmig war und in eine, etwas abge-
setzte, noch viel kürzere Spitze überging , waren die Runzeln
wieder fein. Der Darm lief vom Mundende bis zum Anfange
des Schwanzes gerade durch den Körper, ohne alle Verenge-
rung oder Erweiterung. Spuren von Genitalien zeigten sich
— wie in dieser Species Nematoidei cystici solitarii zu er-
warten war — weder in dem noch in seiner Hülle liegenden,
noch in dem frei gemachten Wurme. Beide setzten ihre Be-
wegungen noch am folgenden Tage des Abends fort, da aber
brachte ich sie in Weingeist.
Nachdem ich diese Beschreibung eben niedergeschrieben
hatte, bekam ich den reichen helminthologischen Beitrag, wel-
chen unser trefflicher — leider vor Kurzem verschiedener —
Leuckart als dritte Abtheilung seiner zoologischen Bruch-
Dr. F. C. H. Creplin: Endozoologisclie Beiträge. 133
stücke im vorigen Jahre herausgegeben hat , durch die Güte
des Verfassers zugeschickt und freute mich nicht wenig, als
ich unter dem vielen Interessanten und Neuen , welches uns
in dem Hefte mitgetheilt wird , auch einen cystischen Rund-
wurm aus einer Spitzmaus, dem Sorex tetragonurus nämlich,
beschrieben und abgebildet fand, welchen — eine Ascaris —
der Entdecker entweder für identisch mit Ascaris incisa Rud.
halten, oder, falls diese Identität sich in der Folge nicht be-
stätigen sollte, als neue Species mit dem Namen Asc. acati-
thura belegen möchte. Das eben von mir beschriebene Ne-
matoideum ist, wenn es auch vielleicht eine Ascaris sein sollte,
welches wohl möglich wäre, ich aber an dem einen Exem-
plare, das ich, aus dem Balge befreit, nur zu untersuchen
hatte, nicht auf's Reine bringen konnte, sicher von der durch
Leuckart beschriebenen Ascaris verschieden, wie sich Jedem
aus der Vergleichung unserer beiderlei Beschreibungen leicht
ergeben dürfte. Ich will hier jedoch noch besonders auf den
Schwanz aufmerksam machen, welcher in jener Ascaris vom
Rückentheile des Hinterendes abgeht und mit einer sehr dün-
nen, scharfen Spitze endigt (vgl. die Figur bei Leuckart
aufTaf. I.). Beides verhält sich bei meinem Rundwurme nicht
so. Bei diesem läuft das Hinterende von allen Seiten her
gleichmässig gerade aus in den Schwanz, und dieser geht wie-
der in die, wenig abgesetzte, kurze, kegelförmige — von der
klaren Oberhaut des Wurms gebildete — Spitze über. Bei
schwächeren Vergrösserungen zeigt die letztere sich sehr scharf,
bei 200 maliger aber ist ihr Ende stumpf abgerundet. — Die
Ascaris (Talpae) incisa ist mir noch nicht vorgekommen, wohl
aber die auch in Bälgen lebende Ascaris (Erinacei) pusilla.
Diese aber ist von den hier abgehandelten Spitzmauswürmern
ganz verschieden.
134 A- Grisebach: Beobachtungen
Beobachtungen über das Wachsthuni der Vege-
tationsorganc in Bezug auf Systematik.
Von
A. Grisebach.
Hierzu Taf. IV.
Zweiter Abschnitt.1)
Über das Wachsthum der Blätter.
Die Ansicht, dass das vollkommen ausgebildete Blatt einer
dicotyledonischen Pflanze nach seiner Anlage aus verschiede-
nen Elementen, der Vagina, dem Petiolus, der Lamina be-
stehe, gehört zu einer Classe von Hypothesen, ohne welche
das System der natürlichen Verwandtschaften nicht, wie es
geschehen, hätte ausgebildet werden können. Will man nicht
anerkennen , dass im Blatte der Genisteen die Lamina fehle
und nur der Petiolus ausgebildet sei, so fällt einer der natür-
lichsten Verwaudtschaftskreise zu zwei entgegengesetzten Ent-
wickelungsformen der Vegetationsorgane aus einander. Die
Hypothese, welche den einfachen Leguminosenblättern die Blatt-
fläche verschwinden und den Blattstiel sich erweitern lässt,
hat den Zweck, die Trennung der Foliola als gemeinschaft-
lichen Plan dieser Familie festzuhalten. Gegen alle Ansichten
dieser Art, die aus einem systematischen Bedürfniss hervor-
gehen, ohne bisher empirisch begründet zu sein, ist Schieiden
auf das Entschiedenste aufgetreten. So leugnet er (Grund-
ziige der Botanik. 2. S. 176.) jeden genetischen Unterschied
von Blattstiel und Blattfläche und erklärt die Behauptung, an
einem Blattstiele könne die Blattfläche fehlgeschlagen 'sein, für
unwissenschaftlich und falsch. Ein Abort bleibt freilich so
lange hypothetisch, bis er durch die Entwicklung nachge-
wiesen ist. Aber ein Organ kann auch fehlen, ohne abortirt
zu sein. Kann man nachweisen , dass eine scharfe Begriffs-
') S. IX. Jahrg. 1. Bd. S. 267.
über das Wachstlium der Vegetationsorgane etc. 135
bestimmung des Petiolus auf das Phyllodium der Leguminosen
passt, so ist der Schluss, dass die Lamina fehle, begründet.
Wenn die Systematik diesen Satz wahrscheinlich macht, ehe
er begründet ist, so kann man die Zeit wohl gewähren lassen,
ob sich nicht vielleicht später Gründe für die Richtigkeit der
Annahme finden würden. Ebenso verfährt man in der Zoo-
logie. Bei den YVirbelthieren entwickeln sich an den Hals-
wirbeln nur die beiden Wurzeln der Rippen, gerade wie im
Phyllodium nur der Blattstiel vorhanden ist. Nach Savigny
fehlt der Kopf der Insecten bei den Spinnen, indem die Fress-
werkzeuge der letztern den beiden hintern Fusspaaren der
erstem entsprechen.. Es ist in der That bedenklich, vom phy-
siologischen Gesichtspunkte die Morphologie des Systematikers
anzugreifen: denn die Vergleichung der Formen führt nicht
selten zu richtigen Ideen über deren Organisation, für deren
Begründung die physiologische Beobachtungsmethode nicht im-
mer schon gereift ist.
Es giebt aber auch Sätze, die man nur physiologisch zu
prüfen nöthig hat, um die Systematik solchen Angriffen gegen-
über zu rechtfertigen. So verhält es sich auch mit der Lehre
von den Bestandteilen des Blatts. Wenn Schieiden dieselben
für identisch erklärt, so rührt dies nur daher, dass ihm die
Morphose des Blatts unbekannt geblieben ist. Die erste Bil-
dung des Blatts in der Knospe beschreibt er mit gewohnter
Genauigkeit, aber erst später zeigt sich ein specifischer Ge-
gensatz im Wachsthum der Blattfläche und deren Stützen. Die
eine oder andere Entwickelungsform ist in der Regel schon
durch das Auxanometer ohne weitere Untersuchung der Zel-
len nachzuweisen. Ein achtes Phyllodium ist ein Petiolus,
dessen Lamina fehlt, wenn es sich nach dem Entwickelungs-
gesetze des Blattstiels bildet.
Wo Petiolus und Basis Laminae oder beim gefiederten
Blatte Petiolus communis und Foliolum terminale sich berüh-
ren, liegt ein sehr merkwürdiger Vegetationspunkt, an wel-
chem die Production neuer Gewebtheile weit länger fort-
dauert, als, abgesehen von der Blattscheide der Gräser, an
irgend einem andern Puncte des Blatts. Die neuen Zellen,
welche hier gebildet werden , dienen theils zur Verlängerung
des Blattstiels, theils lagern sie sich in die Basis der Lamina
136 A. Grisebach: Beobachtungen
ein. Betrachtet man das Blatt als Ganzes, so ist diese Mor-
phose mit keiner der Bildungsvveisen des Stengels zu verglei-
chen. Sie erinnert an das Incrementnm intercalare, insofern
neue Stücke zwischen die gebildeten eingeschaltet werden,
aber die Thätigkeit der Zellen nimmt zu beiden Seiten des
Vegetationspunctes, am Petiolus gegen die Basis desselben
(axipetal), an der Lamina gegen deren Spitze (axifugal)
allmählig ab, wie beim Incrementum continuum. Unter ein-
ander verglichen verhalten sich daher Petiolus und Lamina
entgegengesetzt: der Petiolus wächst vorzüglich an der Spitze,
die Lamina an der Basis. Dies ist in seiner letzten Entvvik-
kelungsperiode die einzige Zellenbildung am Petiolus, während
in der Lamina noch andere Zellen producirende Vegetations-
puncte liegen können.
Um diese Sätze nachzuweisen, würden zunächst die Mes-
sungen mit dem Auxanometer mitzutheilen sein. Allein indem
ich diese Darstellung zum Druck vorbereite, erscheint eine
neue Arbeit von Munter (Botanische Zeitung. 1843. S. 785.)
über das Wachsthum der Blätter, worin die terminale Verlän-
gerung des Blattstiels und die basilare des Medianus der La-
mina übereinstimmend mit meinen Untersuchungen durch Mes-
sungen an einigen Pflanzen dargethan wird. Diese Publication
gestattet mir eine kürzere Behandlung meines Stoffs.
Wachsthum der Lamina.
Das Auxanometer findet bei der Flächenentwickelung der
Lamina eine weit beschränktere Anwendung, als bei dem lon-
gitudinalen Wachsthum des Petiolus und der Vagina. Meine
Untersuchungen über die Morphose der Lamina bestehen in
einer Vergleichung der Blätter von verschiedenen Altersstufen,
jede Blattknospe bietet dazu Gelegenheit dar. Die Stücke
einer getheilten Blattfläche wachsen successiv aus einer primär
gebildeten Lamina matrix hervor. Eine Region, von der ein
solcher Process ausgeht, nenne ich hier, ohne dadurch eine
bestimmte Art des Wachsthums bezeichnen zu wollen, allge-
mein einen Vegetationspunct. Die Vegetationspuncte, von de-
nen ich den an der Grenze des Petiolus und der Basis La-
minae liegenden den primären nenne, bieten durch ihre Zahl
und Lace die trefflichsten Merkmale zur Characteristik ver-
über das Wachsthum der Vegetationsorganc etc. 137
schiedener Blätter dar. Zuerst ist inzwischen nachzuweisen,
dass an solchen Vegetationspuncten wirklich mitten im Ge-
webe des Blatts neue Zellen erzeugt werden können. Zu
diesem Zwecke verglich ich die Grösse der Parenchymzellen
aus unentwickelten und entwickelten Blättern.
I. Phlox paniculata. In der terminalen Stengelknospe
waren Blattpaare von 1'", 2'", 3"' und 5'" Länge durch ein
äusseres Blattpaar (e) von 10'" Länge umschlossen. Die Blät-
ter von 1'" (a) besassen an Gefässbündeln nur den Medianus,
an den Blättern von 5'" (d) war das Venennetz in der Bil-
dung begriffen, völlig schienen die Verzweigungen desselben
auch in den Blättern e nicht geschlossen zu sein. Nun mas-
sen aber die runden Parenchymzellen in a = T^ Millimeter
im Durchmesser. Genau ebenso gross waren die vom
Venennetz eingeschlossenen Parenchymzellen des Blattpaars e.
Es ist demnach, abgesehen vom neu gebildeten Venennetze,
selbst eine dem Medianus parallele Reihe von 200 Zellen wäh-
rend der Entwicklung des Blatts von 1"' zu 10'" in eine
Reihe von 2000 Zellen umgewandelt. Nachdem ich dieses
Resultat micrometischer Vergleichung erhalten, bemühte ich
mich hier durch directe Beobachtung die Mutterzellen der La-
mina von den übrigen zu unterscheiden. Aber die Wand-
cytoblasten, welche mich bei der Bestimmung der Vegetations-
puncte an den Internodien geleitet hatten, Hessen mich hier
ganz im Stich. In dem 10'" langen Blatte, wo die meisten
Parenchymzellen erst kurz zuvor gebildet waren, bemerkte
ich nirgends Cytoblasten. Allein die Zellen in e unterschie-
den sich von deir gleich grossen Zellen in a durch zwei an-
dere Merkmale:
1. Die Parenchymzellen von e zeigten gallertartige Ab-
lagerungen, die an den zarten Zellenwänden von a fehlten.
2. Sehr häufig bemerkte ich im Parenchym von e recht-
winklig gegen den Medianus gestellte Zellenwände, welche
sich durch den Mangel von gallertartiger Ablagerung, so wie
durch grössere Zartheit von den übrigen Zellenwänden unter-
schieden. Zuweilen erschienen die gallertlosen Membranen
auch bei starker Vergrösserung als einfache Trennungslinien
von zwei Zellenhöhlen, während an den übrigen Seiten der
Zelle die doppelte Membran überall leicht zu erkennen war,
J38 A. (JHse'bach: Beobachtungen
Aus diesen Beobachtungen schliesse ich, dass hier das longi-
tudinale Waehsthum der Lamina durch Mohl's Zellentheilung
bewirkt wird.
In gewissen Regionen der Lamina dauert die Bildung
neuer Zellen weit länger fort, als in den übrigen. Dahin ge-
hört namentlich der primäre Vegetationspunct. Oft ist dieser,
wie bei Phlox, der einzige, aus dem sich nach und nach das
ganze Blatt hervorschiebt. Dies gilt allgemein von den ersten
Entwickelungsstufen jedes Blatts, indem die Spitze desselben
immer zuerst aus der Axe hervorwächst. Auch ohne sich des
Auxanometers zu bedienen , kann man jenes Verhältniss in
den Knospen von manchen stiellosen Blättern wahrnehmen,
deren Gestalt am Grunde sich auffallend ändert. Ich führe
ein Beispiel dieser Art an.
II. Terminalknospe des bliithenlosen Stengels von Dtan-
thus iHumarius. Die jüngsten Blattpaare werden durch
a »bezeichnet.
a) Im Mittelpuncte der Knospe stehen drei bis vier Kreise
von halbkugelförmigen Warzen.
b) Diese Warzen, von denen ein grosser Theil sich nicht
zu entwickeln scheint, werden zunächst von einem Blattpaare
von 4'" Länge umschlossen. Blattform oblong.
c) Blattpaar von 1'" Länge. Blattform oblong.
d) Blattpaar von 1\'" Länge. Blattform oblong.
e) Blattpaar von 2~" Länge. Die Blätter sind am Grunde
durch einen membranösen Anhang sehr breit geworden. Die
membranösen Ränder beider Blätter umfassen sich, ohne je-
doch verbunden zu sein. So ist durch Bildung neuer Zellen
an der Blattbasis aus der Forma oblonga eine Forma subulata
geworden.
f) Blattpaar von 5'" Länge. Jetzt sind beide Blätter am
Grunde verwachsen, indem ihre gemeinschaftliche Basis die
Stengelperipherie vollständig einschliesst (Nodus integer). Über
derselben steht der subulirte, am Rande membranöse Theil,
welcher in e noch die Basis selbst bildete.
Wenn die Blattfläche sich theilt , so tritt die Bedeutung
des primären Vegetationspuncts viel entschiedener hervor.
Durch die Productionen dieser Region wird oft erst die Grenz-
linie zwischen Petiolus und Lamina sichtbar. Die Entwicke-
über das Wachsthum der Vegetationsorgane etc. 139
Jung eines Folium trifidum beobachtete ich an dem Seitentriebe
einer Saxifraga, deren Blätter an unentwickelten Internodien
in grosser Zahl zusammengedrängt, jedoch stets alternirend,
gegen ihr Centrum bis zu mikroskopischer Kleinheit abnehmen.
III. Saxifraga hyynoides.
a) Die kleinsten Blätter, die kürzer sind als \'", erschei-
nen in der Gestalt von ungeteilten Warzen.
b) i'" langes Blatt. Die beiden Seitenlappen entstehen
als kleine Wärzchen über der Basis. Zu der Lamina des ob-
longen Blatts verhalten sie sich ihrer Grösse nach wie zwei
Serraturen.
c — g) Blätter von \'", £'", 1'", 1^'", i±'" Länge. An-
fangs wachsen die seitlichen WTarzen stärker als der nun zum
Mittelsegment gewordene Blatttheil. Am Schlüsse dieser Pe-
riode entspricht die Form der Lamina einem Folium tripartitum.
h) Das Folium tripartitum verwandelt sich, bis es seine
völlige Grösse erreicht, in ein Folium trifidum. Es ist klar,
dass dies nur durch einen an der Basis der Lamina länger
als den übrigen Blatttheilen thätigen Vegetationspunct gesche-
hen kann.
Im Allgemeinen kann man aus diesen und ähnlichen Be-
obachtungen den Satz ableiten, dass die mannigfaltigen For-
men sowohl des einfachen als des zusammengesetzten Blatts
theils von der Disposition der Vegetationspuncte, theils von
der zeitlichen Reihenfolge, in der dieselben thätig sind, ab-
hängt. Vielleicht Hessen sich, wenn man die Mutterzellen der
Lamina durch Linien verbinden könnte, diese Verhältnisse
durch Figuren ausdrücken, welche für bestimmte Pflanzenfami-
lien, wie für die Malvaceen, Gramineen, gemeinsame geome-
trische Eigenschaften besässen. Hiebei muss man sieh indes-
sen die Vegetationspuncte nicht als wirkliche Puncte oder
isolirte Mutterzellen denken. Vielmehr giebt es in der La-
mina nur Centra der Zellenproduction , in deren Umkreis diese
Thätigkeit allmählich abnimmt. Denn alles Wachsthum
der Lamina gehört zum Incrementum continuum,
was bei den Blattstützen nicht immer der Fall ist. Dieser
Umstand vermehrt die Schwierigkeit der Untersuchung der
Blattflächenentwickelung ungemein.
So lange es an einer einfachen und sichern Methode, dit
140 A. Griscbach: Beobachtungen
Vegetationspuncte der Lamina zu finden fehlt, muss man sich
mit der Erforschung allgemeinerer Verhältnisse begnügen. Da-
hin gehört der Übergang zum selbstständigen Wachsthum der
Lamina, nachdem sie sich von ihren Stützen gesondert hat.
Iliedurch zerfällt die Entwickelung jedes gestielten oder durch
eine Vagina gestützten Blatts in zwei Perioden:
1. Periode des basilaren Wachsthums bis zur Sonderung
der Lamina von ihren Stützen.
2. Wachsthum der Lamina aus einem an der Grenze von
Petiolus und Basis Laminae gelegenen und andern eigenen
Vegetationspuncten oberhalb der Stützen, während diese selbst
nach ihrem eigenen Entwicklungsgesetz sich entfalten.
Um die Unabhängigkeit des spätem Wachsthums der La-
mina von ihren Stützen nachzuweisen, will ich zunächst von
verschiedenen Blättern die ungleichförmige Verlängerung der
Bestandteile darstellen. Sehen wir, dass die Vagina der Um-
belliferen mit der Lamina in ihrem Wachsthum durchaus nicht
gleichen Schritt hält, so dürfen wir erwarten, dass dies nicht
auf einer zufälligen Ungleichheit in der Zuführung des Saftes,
sondern auf einem verschiedenen Entwicklungsgesetze beruhe.
Die Auxanometermessungen an den Blattstützen werden diese
Schlussfolge weiter begründen. Bei der Erscheinung, dass die
obern Blätter der Umbelliferen, z. B. von Heracleum, fast nur
eine Vagina darstellen, deren Lamina verschwindet, fragt es
sich, ob hier ein Abort der Lamina anzunehmen ist. Findet
sich, dass diese Erscheinung einem frühern Entwickelungszu-
stande des normalen Blatts entspricht, so ist die Erklärung
gerechtfertigt. Die folgende Darstellung der Entwickelung des
Blatts von Peucedanum alsaticum enthält diesen Beweis.
Bedeutung der Buchstaben: F = die Länge des ganzen
Blatts; L = die Länge der Lamina; P = des Petiolus; V =
der Vagina. Von den römischen Minuskeln bedeutet a stets
die erste beobachtete Stufe der Entwickelungsreihe, b die
zweite u. s. w.
IV. Terminale Stengelknospe von Peucedanum alsaticum.
Die Vagina entspringt aus der ganzen Stengelperipherie (no-
dus integer) und umfasst sich selbst mittelst ihrer übergrei-
fenden Ränder, die jedoch mit einander verwachsen. Ehe die
Vagina sich von der Lamina trennt, ist hingegen die Blattbasis
über das Wachstluim der Vegetationsorgane etc. J41
abgerundet und entspringt nur von einem Segment der Sten-
gelperipherie. So geht überall dem Nodus integer ein Stadium
des Nodus partialis voraus.
a) Das jüngste Blatt, welches ich mikroskopisch unter-
suchte, war -|-"' lang, von eirunder Gestalt, nach oben zuge-
spitzt, parenchymatös und ohne eine Spur von Theilung.
b) F = !"'. In der Mitte des einfachen Blatts ist jeder-
seits eine deutliche Serratur entstanden. Eine Linie, welche
gerade unter dem Insertionspuncte dieser beiden Sägezähne
die Mittellinie des Blatts kreuzt, ist in der Folge die Grenze
zwischen Vagina und Lamina. Auf dieser Entwickelungsstufe,
wo zuerst die Absonderung beider Elemente des Blatts er-
folgt, sind sie daher von gleicher Länge. Das Entstehen der
beiden Serraturen ist das erste Zeichen eines Vegetationspun-
ctes an der Basis Laminae. — Zwischen b und c liegt eine
Reihe von Entwickelungsstufen, auf denen die Theile sich
gleichförmig vergrössern.
c) V = -i"'; L = £'". In V sondern sich mehrere pa-
rallele Reihen von prosenchymatosen Zellen aus, die spätem
Gefässbündel. L ist jetzt etwas schmaler als V. Der Media-
nus wird auch in L durch eine Reihe von Prosenchymzellen
angedeutet, welche sich bis jetzt noch nicht zu den inzwischen
rudimentär gebliebenen beiden Serraturen verzweigt.
A 0 f c/\ V S.tu 1'" 4"' 4 1'"- T 1"' V" V"
u> c5 *5 b' y S J 8 > x > x 4 ' ^ 2 > 2 5 2 y
\'". Von d bis g verlängert sich also die Blattscheide allein,
die Lamina bleibt unverändert und behält ihre frühere oblonge
Form.
h) V = 1%'"; L = 2'". Die Lamina beginnt wieder zu
wachsen und zugleich vergrössern sich die seitlichen Serraturen.
i) V = 1±'" ; L. = 1"'. Bei der raschen Vergrösserung
der Lamina auf die doppelte Länge ist die Vagina zurück-
geblieben.
k) V = 2'"; L = li-"'. Dicht unter den beiden Ser-
raturen von L haben sich noch zwei kleinere gebildet. Die
beiden ursprünglichen Serraturen haben sich jetzt so beträcht-
lich vergrössert, dass die Lamina sich zu demselben wie ein
Segmentum terminale verhält: dieses hat ebenso wie jene jetzt
ein Netz von Gefässbündeln erhalten.
1) V = 3'"; L = 2'". Zum zweiten Male erhält die
|42 A. Grisebach: Beobachtungen
Vagina das Übergewicht über die Lamina und dies dauert eine
Zeit lang fort. Wenn jetzt aus irgend einer Ursache die wei-
tere Entfaltung der Lamina verhindert würde, so niüsste das
Resultat dieses Aborts dasselbe sein, was man an den obern
Blättern von Heracleum sieht.
m) V = 4"': L = T". Während die Verlängerung der
Lamina unterbrochen ist, entwickelt dieselbe aus ihrer Basis
neue Serraturen. Auf dieser Entwicklungsstufe sah ich de-
ren jederseits bereits sechs, von denen die untersten noch in
der Bildung begriffen wie zarte Appendices am Grunde der
grössern erscheinen.
n) V = 5'"; L = 3'". Jetzt besitzt die Lamina jeder-
seits sieben Serraturen, von denen die drei obern dem Seg-
mentum terminale an Grösse gleichkommen, die vier untern
nach dem primären Vegetationspuncte hin immer kleiner werden.
o) V = 6'"; L = 4'".
p) V = 8'"; L = 5'". Die Serraturen haben sich im
Verhältniss zur ganzen Lamina vollständig zu Segmenten aus-
gebildet. Die Segmentenpaare fangen nun an auseinander zu
rücken, die untern am Grunde einen stielartigen Theil abzu-
sondern. Die Lamina besteht nun bald aus zwei Elementen,
aus Segmenten und aus einem System von blattstielähnlichen
Stützen (petiolus communis und petioluli). Aber das Wachs-
thum dieser Stützen verhält sich wie das der Lamina selbst,
der so genannte Petiolus communis wird aus dem primären
Vegetationspuncte herausgeschoben. In o lagen die beiden
untersten Segmentenpaare noch dicht zusammen, in p sind sie
durch den jetzt erst 1'" langen Petiolus communis getrennt.
Das Wachsthum desselben zwischen den beiden untersten Seg-
mentenpaaren überwiegt nun so bedeutend, dass er in u nicht
viel kürzer (14'") mehr ist, als der ganze obere Theil der
Lamina (17'")- — Auf den folgenden Entwicklungsstufen be-
deutet ß die Länge des Petiolus communis zwischen den bei-
den untern Segmentenpaaren, als eines Theils von L.
q) V = 10'"; L = 8'" (ß = 2"'). Die Segmente trei-
ben Serraturen, die auf dieselbe Weise aus ihnen hervorwach-
sen, wie ursprünglich die Segmente aus der Lamina. Jetzt
müssen daher ausser dem primären Vegetationspuncte, aus
welchem der grösste Theil der ganzen Lamina nebst ihrem
über das Wachsthum der Vegetafionsorgane etc. 143
Petiolus communis gebildet worden ist, auch secundäre Vege-
tationspuncte zur Formation der Serraturen an den Segmen-
ten thätig werden. Die Serraturen werden später zum Theil
wieder zu neuen Segmenten.
r) V = 12'"; L = 11'" (ß = 3'").
s) V = 14'"; L = 14'" (ß = 4'").
t) V = 19"': L = 23'" (ß = 9'").
u) V = 24'"; L = 31'" (/? = 14'"). Alle Segmente
und Serraturen sind jetzt gebildet. Nachdem die specifische
Form des Blatts hiedurch vollständig gesichert ist, folgt die
Periode der stärksten Ausdehnung, sowohl für die Vagina als
Lamina. Das Wachsthum der Vagina aber findet, wie man
an der Zartheit des Gewebes leicht erkennt, nur an der Spitze
statt, das der Lamina decrescirt von der Basis gegen die
Spitze, wie aus der Vergleichung von L mit dessen Basilar-
theil ß erhellt. Der obere neu gebildete Theil der Vagina
wird in seiner Form ebenso wie der Petiolus communis einem
Blattstiele gleich , aber die Grenze beider zwar gleichgeform-
ter aber in entgegengesetzter Richtung angewachsener Theile
ist durch den lnsertionspunct des untersten in der Folge ge-
stielten Segmentenpaars stets festgehalten
Aus dieser Entwickelungsgeschichte eines Folium pinnati-
sectum ergiebt sich daher unter Anderm ein reeller Unter-
schied desselben vom Folium pinnatum. Man ist De Candolle
nicht allgemein gefolgt, als er so scharf bei keiner Umbelli-
fere oder Ranunculacee ein zusammengesetztes Blatt, sondern
nur getheilte Blattflächen anerkannte. Aber die systematische
Idee, welche ihn hiebei leitete, war morphologisch wohl be-
gründet. Mag ein ausgebildetes Umbelliferenblatt auch noch
so sehr einem zusammengesetzten gleichen, so wird während
der letzten Entwickelungsperiode im ächten Folium pinnatum
der Petiolus communis durch axifugales, im Folium pinnati-
sectum durch axipetales Wachsthum entfaltet. Künftig werde
ich daher den Petiolus communis am Folium pinnatisectum,
um ihn von dem des gefiederten Blatts zu unterscheiden, Sti-
pes communis, dessen Aste Stipites segmentorum nennen, Aus-
drücke, die zu keiner Verwechselung Anlass geben können.
Am Stipes communis sind die untersten Theile, welche an den
144 A' Grisebach: Beobachtungen
Petiolus grenzen, die jüngsten, am Petiolns communis sind
sie die ältesten.
V. Menyanthes trifoliata. Die erste Entwickelung
des Blatts ist hier ganz ähnlich wie bei den Umbelliferen.
Ich habe sie bis zu 2'" langen Blättern verfolgt. Diese be-
stehen zur Hälfte aus der kreisförmigen, mit übergreifenden
Rändern die Axe umfassenden scheidenartigen Stütze, zur
Hälfte aus den drei einem Puncte ihres Randes inserirten
Blattsegmenten. Die seitlichen Segmente wachsen zuerst ans
der Basis Laminae matricis hervor, wie bei Peucedanum. Die
Absonderung des primären Vegetationspuncts trennt auch hier
die zweite Periode der Blattentwickelung von der ersten.
VI. Terminalknospe von Aristolochia Sipho.
a) Warzen von \"' Länge.
b) Eine zusammengefaltete, runde Scheibe von \'" Durch-
messer umgiebt jene Warzen. Der Medianus ist in dieser
Scheibe schon bis zur Mitte angedeutet.
c) Die Scheibe (£"' lang) zeigt jetzt schon die Gestalt
des künftigen Blatts. Ausser dem Medianus sind auch die
Seitennerven sichtbar. Die Basis sitzt der Axe breit auf.
d) Das Blatt ist 1\"' lang, aber noch ganz ungestielt.
e) Das 1\ut lange Blatt hat einen kurzen Stiel. Der Pe-
tiolus ist daher später gebildet als die Lamina. Er erscheint
hier so spät, dass während der zweiten Periode der Blattent-
wickelung die Form der Lamina selbst nicht mehr geändert
wird. Demzufolge hat der primäre Vegetationspunct der La-
mina in diesem Falle zu der Zeit, in welcher der Petiolus
aus der Axe hervorgeschoben wird, nicht mehr eine solche
Bedeutung, wie in den vorigen Beispielen. Denn die über-
wiegende Thätigkeit desselben bedingt nothwendig eine Ände-
rung in der äussern Gestalt der Blattfläche, wie oben bei
Saxifraga hypnoides gezeigt ward. Die fernere Ausdehnung
der Lamina von Aristolochia mit gleich bleibender Blatt-
form kann entweder von einer Vergrösserung sämmtlicher
Zellen oder von einer mit der Blattform symmetrischen Dis-
position von Vegetationspuncten abhängig sein, welcher dieser
beiden möglichen Fälle der wirkliche sei, habe ich nicht zu
ermitteln gewusst. Aber so lückenhaft in Betreff der Vege-
tationspunete der Lamina meine Beobachtungsmethode geblie-
über das Wachst hum der Vegetationsorganc etc. 145
ben ist, so glaube ich es doch als ein sicheres Resultat an-
sehen zu dürfen, dass wenigstens zwei Entwickelungsarten
unterschieden werden müssen: je nachdem die Form der La-
mina sich während ihrer Entfaltung ändert oder nicht.
Über zusammengesetzte Blätter verweise ich auf die Ab-
handlung von Munter. Es geht daraus hervor, dass mit Aus-
nahme der schon erwähnten Eigenthiimlichkeit des gefiederten
Blatts die Entfaltung der Foliola auf dieselbe Weise erfolgt,
wie die der Segmenta partialia von Peucedanum. In den Mes-
sungen Münter's zeigt sich überall die Bedeutung von basila-
ren Vegetationspuncten an den Foliolis. Ich ergänze hier
seine nur auf die spätem Entwickelungsstufen sich beziehen-
den Beobachtungen durch die Darstellung der vorhergegange-
nen Zustände bei einem Folium digitatum.
VII. Terminalknospe von A/npclopsis hederacea.
a) Die Warzen, welche den innersten Raum der Knospe
ausfüllen, sind etwas verschieden geformt, je nachdem sie zu
Nebenblättern oder zu Blättern auswachsen. Das Wachsthum
der Nebenblätter ist Anfangs bedeutender, als das der Blätter.
Während an diesen die seitlichen Foliola aus der Basis des
terminalen Foliolum hervorwachsen , sind sie von zwei Neben-
blättern eingeschlossen, die das Blatt selbst an Grösse über-
treffen.
b) Die beiden Nebenblätter (St.) sind \'" lang, von ova-
ler an beiden Enden abgerundeter Form. Sie schliessen ein
etwa •§' " langes Folium quinquepartitum ein.
c) St. = \,u\ F = f". Die Gestalt der Nebenblätter
entspricht jetzt der Forma ovata, indem sie gegen die Spitze
verschmälert zulaufen. Die Foliola sind fadenförmig.
d) St. = 1'"; F = \'". Es giebt also eine Periode, in
welcher nur die Nebenblätter, die übrigens auf dieselbe Weise
von der Knospenaxe entsprungen sind wie die Blätter selbst,
allein wachsen, so wie das Blatt späterhin allein wächst, nach-
dem die Stipulae ausgebildet sind. Unten wird allgemeiner
dargethan werden, dass die ächten Nebenblätter sich von den
gewöhnlichen Blättern durch eine verschiedene Entwickelungs-
zeit unterscheiden.
e) St. = lf"; F = \"'. Die Vergrössernng des Blatts
auf die doppelte Länge ist nur durch Wachsthum des Foliolum
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. 1. Bd. 10
146 A- Grisebach: Beobachtungen
terminale bewirkt, welches jetzt die übrigen Foliola an Länge
weit übertrifft.
f) St. = 2'"; F = 1'". Die eirunde Gestalt der Ne-
benblätter ist jetzt in die oblonge umgewandelt, welche sie
behalten. Die drei mittlem Foliola sind jetzt gleich lang ge-
worden, die beiden äussern sind weit kürzer, alle zeigen noch
eine lineare Gestalt.
g) St. = 3'"; F ^= 3'". Mit den drei mittlem Folioiis
ist eine grosse Veränderung vorgegangen. Sie sind jetzt der
Länge nach zusammengefaltet, von linien- lanzettförmiger Ge-
stalt und am Rande wachsen die Serraturen hervor. Die bei-
den äussern Foliola sind den übrigen in ihrer Gestalt ähnlich,
jedoch noch etwas kürzer.
h) St. = 3'"; F = 10"'. Zu derselben Zeit, wo die
Nebenblätter aufhören zu wachsen, wird der Blattstiel zwi-
schen Blatt und Axe eingeschaltet. Das mittlere Foliolum ist
jetzt 8'", der Petiolus 2"' lang. In g war das Blatt noch
völlig sitzend gewesen. Die seitlichen Foliola sind bei dieser
Entwickelung zurückgeblieben, sie sind 4 — 6"' lang, unter
sich ungleich, aber der Unterschied zwischen dem äussern
und innern Paar ist aufgehoben.
Diese Darstellung schliesst mit dem Ende der ersten Pe-
riode. Die Messungen Miinter's an derselben Pflanze bezie-
hen sich auf einen Theil der zweiten Periode. Hieraus er-
giebt sich folgendes Schema für die Entwickelung eines Folii
quinati.
a) Incrementum totius folii basilare.
b) Incrementum post petioli formationem. 1. I. pctioli
continuum axifugum. 2. I. laminarum axipetum.
"Wachsthum der Nebenblätter.
Die morphologische Bedeutung der Nebenblätter wird
durch ihre Entwickelung weniger aufgeklärt, als man nach
dem Umstände, dass sie oft so früh verschwinden, erwarten
sollte. Man könnte hieraus schliessen, dass ihre Function an
ein früheres Stadium der Blattentwickelung geknüpft sei. Man
hat in ihnen Segmente des sich bildenden Blatts erkennen
wollen , aber oft wachsen sie erst später aus , wenn das Blatt
sie schon lange an Grösse übertrifft. Die Frage über ihre
über das Wachsthum der Vegetationsorgane etc. 147
erste Entstehung ist für die Systematik viel wichtiger, als für
ihre noch völlig' in Dunkel gehüllte Physiologie. Schieiden
(a. a. O. S. 182.) behauptet, dass die Nebenblätter stets wie
Foliola sich bilden und daher Theile des Blatts sind , zu dem
sie gehören. Zwischen den zu Nebenblättern auswachsenden
Warzen der Blattknospe von Ampelopsis und deren Blattan-
lage habe ich keinen Zusammenhang wahrgenommen (s. oben
VII.). Zwischen dem Lagen verhältniss dieser Warzen zu der
Knospenaxe und dem eines halben sechsblättrigen Blattwirteis
sehe ich keine Verschiedenheit. In andern Fällen ist der Ur-
sprung der Nebenblätter aus der Lamina matrix des Blatts
unzweifelhaft. Dies ist z. B. leicht an den in ihrer Lage Ne-
benblättern entsprechenden Drüsen der Apocyneen zu beob-
achten, deren Entwicklung aus den schon im Nodus integer
vereinigten Blattstielen ich bei Tinea minor verfolgt habe.
Ebenso verhalten sich die vollkommnen Nebenblätter von Salix.
VIII. Blattknospe von Salix viminalis. Jedes Blatt
ist mit den Rändern so nach einwärts gebogen, dass, indem
alle Blätter genau alterniren, das zunächst tiefer stehende über
das obere an beiden Seiten übergreift. Die Länge der ge-
messenen Blätter war: a = j"'; b =s \ut\ c = 1'"; d = 2///;
c = 4c'". — Hier waren die Nebenblätter erst bei c als drii-
senähnliche Warzen sichtbar. Die Blattbasis umfasst zu dieser
Zeit die Axe ungefähr zur Hälfte und wird aus diesem Nodus
partialis herausgeschoben. Indem die Nebenblätter sich jetzt
zuerst an der Blattbasis zeigen, entwickeln sich aus dem Blatt-
rande neben jenen noch einige ganz ähnlich geformte Drüsen,
die sich nur dadurch von den Nebenblättern unterscheiden,
dass sie nicht wie diese blattartig aus wachsen. Das stipulirte
Blatt von Salix kann daher wohl mit einem Folium tripartitum
verglichen werden.
Bei der spätem Entfaltung verhalten sich die Nebenblät-
ter sehr verschieden, indem sie bald eine Zeit lang gleichen
Schritt mit den Blättern halten, bald diesen vorauseilen oder
hinter ihnen zurückbleiben. Diese Verschiedenheiten sind für
das System ohne Wichtigkeit. Unter den hier anzuführenden
Beispielen verhalten sich zwei Leguminosen entgegengesetzt:
bei Lathyrus purpureus wird das junge Blatt von den Neben-
blättern eingehüllt, bei Tliermopais entfalten sich Anfangs beide
10*
148 A. Griscbach: Beobachtungen
Organe gleichzeitig. Die auffallend späte Ausbildung der gros-
sen Nebenblätter von Viola persicifolia spricht entschieden
gegen die Ansicht, dass diesen Organen allgemein die Bedeu-
tung von Schutzorganen für die Knospe zukomme.
IX. Blattknospe von Thermopsis lanceolata. Die
drei Foliola sind während ihrer Entwickelung vom Medianus
aus einwärts zusammengefaltet (Aest. conduplicativa). Ihr
Blattstiel umfasst in Verbindung mit den Nebenblättern eine
Zeit lang die ganze Axenperipherie. So entsteht hier, was
z. B. bei Lathyrus purpureus nie der Fall ist, ein transitori-
scher Nodus integer, und wäre von diesem Zeitpuncte an die
Entwickelung des Blatts und der Nebenblätter dieselbe, so
würde ein dreiblätteriger Wirtel den Stengel umschliessen.
a) St. = £'"; F = £'". Das Blatt besteht schon jetzt
aus drei ungestielten gleich langen Blättchen.
b) St. = 3-'"; F = 14/". Die beiden seitlichen Foliola
sind jetzt nur 1'" lang.
c) St. = 2'"; F = 4'". Die Foliola sind wieder gleich
lang, jedoch noch immer ungestielt.
d) St. = 3'"; F = 9"'. Jetzt werden die Foliola von
einem ±'" langen Blattstiel gestützt.
e)"st. = 4'"; F = 16"'. Der Blattstiel ist 2"' lang.
X. Lathyrus purpureus. Hier kommt ein Entwik-
kelungsstadium in der Blattknospe vor, wo das Blatt kürzer
ist als die Nebenblätter. Zu dieser Zeit besteht das Blatt aus
neun linearen, convolutiv eingewickelten Segmenten, von de-
nen die drei obern jetzt noch mit den übrigen ganz gleich-
geformt sind, späterhin aber nicht Fn die Breite wachsen und
dadurch zu Wickelranken werden.
XI. Viola persicifolia Rth.
a) St. = £"';.F = 1'". Das Blatt ist vom Medianus
aus nach einwärts gerollt (A. convolutiva). Allein es hat ebenso
wie die Nebenblätter noch eine lineare Gestalt.
b) St. = li"'; F = 6'". Noch ist das Blatt linear und
stiellos geblieben. Die Nebenblätter sind hingegen jetzt brei-
ter geworden und entsprechen dem obern Stück ihrer aus-
gebildeten Form.
c) St. = 2"'; F = U'". Der Blattstiel ist von dem
über das Wachsthum der Vcgetationsorganc etc. 14Q
breiter werdenden Blatte abgesondert; die Länge desselben
beträgt \'".
d) St. = 2'"; F = 20'". Die Nebenblätter erleiden
einen Stillstand in ihrer Vegetation, während die Lamina sich
ausbildet und ihre Serraturen treibt. Der Blattstiel ist jetzt
2'" lang, die Lamina 18'". Aus der Anordnung der Säge-
zähne kann man schliessen, dass zwischen c und d die La-
mina nur aus ihrem primären Vegetationspuncte hervorgescho-
ben ist: denn an dem obern schon in c vorhandenen Stücke
fehlen die Serraturen.
e) St. = 7'"; F = 24"'. Das Blatt ist jetzt ausgewach-
sen. Die Nebenblätter erreichen hier also erst zuletzt ihre be-
deutende Grösse, während die meisten Nebenblätter sich frü-
her als das Blatt ausbilden. Sie scheinen wie die Lamina aus
einem an ihrer Basis gelegenen Vegetationspunkte hervorge-
schoben. Der Blattstiel ist nicht länger geworden, als er schon
in d war.
XII. Rulia tinetorum. Die Frage, welche Organe
als die Nebenblätter der Stellaten anzusehen sind, wird durch
die Entwicklungsgeschichte der Lösung näher gerührt. Vier
Blätter im sechsblätterigen Wirtel von Rubia entwickeln sich
synchronisch, die beiden übrigen gehen diesen voraus und
tragen in der Folge allein Axillarknospen. Von unentwickel-
ten Nebenblättern zwischen jenen sechs Blättern habe ich
nichts wahrgenommen.
a) F. (die beiden später Knospen tragenden Blätter)
= y"; St. (die vier übrigen Blätter) = T!8-'".
b) f. = v»j st. = r-
c) F. = 1'"; St. — l"\
d) F. = 3'"; St. = 2'".
e) F. = 5"'; St. = 4'".
f) F. = 10'"; St. = 9"' u. 8"'. — In d, e und f sind
die vier St. nicht mehr regelmässig gleich lang.
Wachsthum des Blattstiels.
Ich unterschied Blattstiel von Blattscheide anfangs nur nach
der äussern Gestalt. Wo aber eine deutliche Blattscheide vor-
kommt, wie bei den Umbelliferen , hatte ich stets die ganze
Blattstütze so genannt, weil alsdann keine scharfe Trennung
150 A. Grisebach: Beobachtungen
zwischen Blattscheide und Blattstiel wahrzunehmen ist. Über-
haupt trennte ich in meiner Untersuchung nur deswegen den
Blattstiel von der Blattscheitle, weil ich erwartete, dass die
Gestalt eine Folge besonderer Entwickelungsverhältnisse sei.
Dass diese Vermuthung begründet war, wird sich ergeben und
dadurch ein morphologischer Unterschied zwischen Petiolus und
Vagina gewonnen. Das Resultat stelle ich gleich voran. Va-
gina und Petiolus kommen nach ihrer neuen Begriffsbestim-
mung nicht zusammen vor. Ein gestütztes Blatt hat entweder
einen Petiolus oder eine Vagina. Alle von mir unter-
suchten Blattstiele entwickelten sich durch Incre-
m ent um continuum von ihren Endpunkten aus,
Blattscheiden hingegen werden frühzeitig durch
I n c r e m e n t u in i n t e r c a 1 a r e v e r 1 ä n g e r t , und zwar ent-
weder an der Spitze oder an der Basis. Die letztge-
nannte Verschiedenheit ist von der ganzen Untersuchung für
Systematik die wichtigste, weil sie einen der schärfsten Fami-
liencharaktere einschliesst, von dem keine Beobachtung früher
irgend etwas hätte ahnen lassen.
Die erste Absonderung des Blattstiels von der Blattfläche
erfolgt jedesmal auf dieselbe Weise, wie sie bei Aristolochia
und Ampelopsis beschrieben ward. Die allgemeine Form der
Lamina ist meist schon bestimmt, wenn der Petiolus sich an
der Axe hervorschiebt. Doch ist dies keineswegs immer der
Fall, wie mehrere Beobachtungen beweisen, in denen die La-
mina zu der Zeit, wo der Petiolus sich bildet, noch eine
lineare, von der spätem Gestalt völlig abweichende, Gestalt
zeigt. (Vergl. oben Viola persieifolia.)
XIII. Terminalknospe von Beta vulgaris. Die klei-
nern Blätter im Centrum der Blattrosette sind vom Medianus
aus rückwärts gefaltet (Aest. reduplicativa) und einem Nodus
partialis inserirt. Die Entfaltung des Blatts von 1'" bis 4'"
Länge ist folgende:
a) F = 1'". Das Blatt stellt eine lineare, ungestielte
Lamina dar.
b) F = 1}'"- Ein rothgefärbter \'" langer Petiolus ist
jetzt deutlich von der linearen Blattfläche abgesetzt. Diese
selbst ist unverändert, 1"' lang und zeigt dieselbe Gestalt
wie bei a.
über das Wachsthum der Vegetationsorgane etc. 151
c) F = 4'". Laniina und Petiolus haben sich gleichför-
mig- verlängert. Der Vegetationspunkt der Larnina liegt dalier
jetzt über dem rothen Petiolus oder an dessen Spitze. Am
Petiolus selbst findet sich dagegen zu dieser Zeit ein Vegeta-
tionspunkt an dessen Basis : denn diese hat sich zwischen b
und c scheidenartig erweitert und umfasst die Axe jetzt zur
Hälfte, was bei dem Nodus partialis von b durchaus nicht der
Fall war. Schon diese Beobachtung, in Verbindung mit der
bereits durch Munter festgestellten Thatsache, dass späterhin
der Blattstiel von seiner Spitze aus sich verlängert (Incr. con-
tinuum axipetum), deutet das allgemeine Gesetz an, dass das
Wachsthum des Blattstiels an sich auf dieselbe Weise erfolgt,
wie in den meisten Internodien. Gerade wie dort sind am
Blattstiel Stadien des Incrementum continuum axifugum und
axipetum zu unterscheiden.
Zur nähern Bestimmung dieses Satzes führe ich einige
Auxanometermessungen an, welche, je nachdem sie die eine
oder andere Entfaltungsperiode umfassen, wie beim Interno-
dium verschiedene Formen des Incrementum continuum am
Blattstiele erkennen lassen. Als der bei Weitem bedeutendste
Vegetationspunkt erscheint hier allgemein der primäre, wel-
cher der Larnina und dem Petiolus gemeinschaftlich angehört
und von dem in den letzten Stadien die Verlängerung des
Blattstiels gewöhnlich allein abhängig ist. In andern Messun-
gen zeigt sich auch 'am Blattstiel das Incrementum continuum
aequale, aber dass es den andern Formen regelmässig wie im
Internodium vorausgehe, glaube ich nicht.
Wachsthum des Blattstiels aus dem primären
Vegetationspunkte.
XIV. Tropaeolum majus.
30. Jnuius. 8. Julius.
a + b = 2"' 4"'
2'" 4,5'"
2"' 5'"
2"' 5'"
2"' 6'"
2'" G,5'"
2'" 6,5"'
152 A. Griscbaoh: Beobachtungen
r = 1'" 3,5"'
Skale = 17'" 48'"~
XV. Cytisus Lalzirnum.
8. August. 12 August.
a + b = 2'" 2'"
2'" 2'"
2'" 2"'
2"' 2"'
2"' 2"'
2'" 3'"
2'^ 4'"
2"' . . . 4"'
Skale = 16"' . . . , . 2p"
Wachsthum des Blattstiels durch gleichförmige
Ausdehnung.
XVI. Polygonum Orientale.
10. Aug. 14. Aug. 18. Aug. 21. Aug.
Skale = 12'" . . 16'" . . . 18'" . . 23'".
Iliebei hatten sich die Theilungsstriche gleichförmig von
einander entfernt. Nur unter der Skale war an der Basis des
Blattstiels ein Stück von 4'" eingeschaltet, welches von den
Beobachtungsfehlern herrühren kann. Merkwürdig ist der Um-
stand, dass hier das gleichförmige Wachsthum bis zur äusser-
sten Grenze der Entwiekelung fortdauert: viele Blattstiele die-
ser Pflanze werden sogar nicht länger als einen Zoll.
XVII. Cticurbita Pepo.
10. Aug. 14. Aug.
Skale = 4'" 10'"
Die Theilungsstriche hatten sich gleichförmig von einander
entfernt, wenn nicht die untern etwas länger waren, als die
obern.
Wachsthum der B 1 a 1 1 s c h e i d e.
Wahre Blattscheiden nach der oben erläuterten Begriffs-
bestimmung kenne ich bis jetzt nur bei zwei natürlichen Fa-
milien, wo sie zum allgemeinen Plan der Vegetationsorgane
gehören, bei den Umbelliferen und Gramineen. Desto merk-
über das Wachsthum der Vegetationsorgane etc. 153
würdiger ist es, dass deren Wachsthum sich in beiden Fami-
lien gerade entgegengesetzt verhält. Die. Vagina der Umbel-
liferen entwickelt sich durch intercalares Wachs-
thum an der Spitze, die der Gräser an der Basis
des Organs. Das intercalare Wachsthum ist hier eben so
bestimmt ausgeprägt, wie an den Internodien von Polygonum.
Wie ungemein gross hier die in das fertige Gewebe einge-
schalteten Stücke sind, ergiebt sich aus den Auxanometermes-
sungen. Bei den Gräsern wird auch die direkte Beobachtung
durch die Lage einer äusserst schmalen und lange Zeit hin-
durch Zellen producirenden Gewebschicht hart am Stengelkno-
ten begünstigt. Wegen der Leichtigkeit Vertikalschnitte zu
machen , welche jedesmal die Mutterzellen in der Basis der
Vagina treffen müssen, sind hier ohne Zweifel die sichersten
Beobachtungen über die erste Bildungsgeschichte der Zellen
zu machen.
Durch die Entwickelung des Blatts von Peucedanum wurde
es bereits wahrscheinlich, dass die Vagina im letzten Stadium
ihrer Ausbildung nur durch Gipfelwachsthum sich verlängere.
Dass dies aber durch intercalares, und nicht wie beim Petio-
lus durch continuirliches Wachsthum aus dem primären Vege-
tationspunkte geschehe, zeigt folgende Auxanometermessung.
XVIII. Messung der Blattscheide von Astrantia major.
20. Juni. 30. Juni. 6. Juli.
Skale = 8'" . . . 8'" . . . 8'"
Ueber der Skale = 0'" . . . 12'" . . . 35'"
Länge der Vagina = 8'" . \ . 20"' . '. . 43'".
In der 43"' langen Blattscheide verglich ich die Grösse
der Epidermiszellen an dem durch intercalares Wachsthum und
an dem schon früher gebildeten untern Stück. Innerhalb der
Skale war die Länge dieser Zellen im Sinne des longitudina-
len Wachsthums = 2 — 3 . ^ Millimeter; über der Skale
= 3 — 5 . ^ Millim. Die Vergrösserung der Zellen hat in-
dessen in der Zellen erzeugenden Schicht an der Spitze der
Vagina einen grössern Einfluss auf das rasche Wachsthum, als
es hiernach scheinen sollte. Denn an einer 12'" langen Va-
gina , wo ich die Epidermiszellen am primären Vegetations-
punkte selbst mass, fan'd ich dieselben = 1 — 2 . ^ Millim.,
|54 A. Grisebach: Beobachtungen
so dass eine neu gebildete Reihe von solchen Zellen sieh nach-
her noch um das Dreifache vergrössert.
Dass das intercalare Wachsthum der Vagina bei den Gra-
mineen sich entgegengesetzt verhält, dass die dem Knoten zu-
nächst gelegenen Stücke die jüngsten sind, während die ein-
mal gebildeten obern Stücke sich nicht weiter ausdehnen, er-
giebt sich aus folgenden Messungen.
XIX. Phalaris canariensis.
30. Juni. 4. Juli. 6. Juli.
Skale = 18'" . . . 18'" . . . 18'"
Unter der Skale = 0'" . . . 20'" . . . 20'"
Länge der Vagina = 18'" . . . 38'" . . . 38'"
XX. Hordeum hexastichon.
8. Juli. 11. Juli.
Skale = 11'" . . . 11"'
Unter der Skale — 0'" . . . 70'"
Länge der Vagina = 11"' . . . 81'".
Es war also bei Hordeum binnen drei Tagen ein über
sechs Mal so langes Stück zwischen dem Knoten und der ur-
sprünglichen Basis vaginae eingeschaltet, ohne dass die höher
gelegenen und früher gebildeten Zellen an diesem Wachsthum
Theil genommen hätten.
Indem ich diese Untersuchung mit einem so eigentümli-
chen Ergebniss beschliesse, kann ein Rückblick auf die bishe-
rigen Ansichten über das Wachsthum der Blätter nur wenig
Stoff zur Vergleichung bieten, weil dieser Gegenstand so höchst
unvollkommen untersucht war. Wir sehen , dass die Meinung,
das Blatt unterscheide sich durch basilares Wachsthum von
der terminal sich entfaltenden Axe der Pflanze, ganz unbe-
gründet ist oder doch nur von den ersten Entwickelungspe-
rioden gilt. Späterhin verhält sich der Petiolus gerade wie
ein Internodium, die Vagina ähnlich wie der Stengel von Po-
h/gonum. Ist nun gleich durch die erste Bildung und durch
die Stellung gegen die Axe eine scharfe Begriffsbestimmung
des Blatts gegeben , so lassen diese Merkmale sich doch durch-
aus nicht unmittelbar auf die Erklärung der Blüthenorgane an-
wenden. Schieiden (Grundz. 2. S. 319) ist hierin so weit ge-
gangen, dass er das Pistill der Leguminosen und Liliaceen für
ein Axenorgan erklärt und unter dem Namen Stengelpistill
über das Wachsthum der Vegetationsorgane etc. 155
von dem Carpophyll unterscheidet, weil es terminal wachse.
Nach diesem Raisonnement würde auch der Blattstiel oder die
Umbelliferenscheide ein Zweig genannt werden müssen, weil
sie bei ihrer späteren Entwickelung sich eben so wie jene
Ovarien verhalten. Aber die späteren Fntwickelungsstufen dür-
fen , wenn es überhaupt auf eine scharfe Begrenzung der Be-
griffe von Blatt und Axe ankommt, mit der ursprünglich ver-
schiedenen Bildung nicht zusammengestellt werden und dem
Lagenverhältniss beider Organe ist alles Uebrige untergeordnet.
Da Phyllodien bei den Leguminosen häufig vorkommen, so
kann es nicht auffallen, wenn ihr Ovarium sich wie ein Phyl-
lodium entwickelt.
Erklärung der Figuren Taf. IV.
A. Phalaris canarientis (XIX).
«) Vagina am 30. Junius.
b) Durch intercalares Wachsthum eingeschaltetes Stück der, Vagina.
B. Astrantia major (XVIII).
«) Vagina am 20. Junius.
b) Eingeschaltetes Stück am 30. Junius.
c) Eingeschaltetes Stück am 6. Julius.
d) Basis des Internodium am 20. Junius.
e) Spitze des Internodium am 20. Junius.
f — e) Ueber der Skale zwischen dem 30. Junius und G. Julius ein-
geschaltetes Stück.
C. Auxanometer.
Bemerkungen über die Coryna squamata
von
Heinrich Rathke.
(Hierzu Taf. V. Fig. 1 — 6.)
Bei Zoppot, einem Badeorte in der Nähe Danzigs, fand
ich am Ende des Juli's einen Haufen von verschiedentlich alten
Exemplaren der Coryna, die sich auf einem Fucus angesiedelt
hatten, und machte an ihnen, während sie noch lebten, einige
156 Heinrich Rathke: Bemerkungen
Beobachtungen, die ich, da sie zur Ergänzung dessen, was
sclion von Andern über die Coryna bekannt gemacht wor-
den ist, dienen können, in den nachstellenden Zeilen be-
schreiben will.
Im völlig ausgebildeten Zustande hat der genannte Polyp
eine Länge von einem halben Zoll und drüber, und besteht
der Hauptsache nach aus 2 Abtheilungen , einem Kopfe oder
vielmehr Rumpfe und einem Stiele. Der Rumpf hat gewöhn-
lich eine länglich- ovale Form, und ist an seinem Mundende
am dünnsten und fast zugespitzt (Fig. 1), mitunter jedoch nimmt
er etwas andere Formen an, wie sich aus den beifolgenden
Abbildungen (Fig. 2 und 3) ersehen lässt. Ueberhaupt aber
vermag er sich, obschon nur langsam, zu verlängern und zu
verkürzen, wie auch bald in seiner Mitte, bald in der Nähe
eines seiner Enden zu erweitern oder aufzublähen. Der wal-
zenförmige und biegsame Stiel erscheint als eine gerade Ver-
längerung des Rumpfes, ist im Verhältniss zu demselben recht
dick, übertrifft ihn ungefähr drei bis vier Mal an Länge, und
hat auf den Querdurchschnitten allenthalben eine ziemlich gleiche
Dicke. Ziemlich schnell kann er sich bis ungefähr auf die
Hälfte seiner Länge verkürzen, nur langsam aber vermag er
nachher sich wieder zu verlängern. Im verkürzten Zustande
zeigt er eine grosse Menge zarter Ringfurchen; sonst aber
erscheint er ganz glatt. Selbst wenn ich den Rumpf abge-
schnitten hatte, zeigte der auf dem Fucus verbliebene Stiel
noch ungefähr 24 Stunden hindurch das Vermögen, sich ver-
längern und verkürzen zu können. — Im Zustande der frühe-
sten Jugend sitzt der Polyp mit dem untern Ende seines
Rumpfes an andern Körpern fest, indem er eines Stieles dann
noch ganz ermangelt: allmählich aber bildet sich auch dieser
und nimmt immer mehr an Länge zu. — Von dem Rumpfe
gehen mehrere ganz einfache, fadenförmig dünne, allenthalben
gleich dicke, und am Ende stumpf abgerundete Tentakeln ab,
die sich schnell bis auf die Hälfte ihrer Länge verkürzen kön-
nen, und dann sowohl der Quere, als auch, doch weniger
stark, der Länge nach vielfach gerunzelt erscheinen, in Folge
davon aber lauter kleine Erhöhungen an ihrer Oberfläche dar-
bieten. Bei sehr jungen Exemplaren zählte ich 5, bei den
ältesten oder grössten 30 Tentakeln. Bei jenen waren sie
über die Coryna squamata. 157
etwas länger als der Rumpf, bei diesen aber waren selbst die
grössten, sogar wenn sie stark sich ausgedehnt hatten , kürzer
als der noch länger gewordene Rumpf. Ihre Stellung ist übri-
gens von der Art, dass sie über den Rumpf ohne eine be-
stimmte Ordnung zerstreut erscheinen, also nicht in einem
oder mehreren Kreisen stehen. — Unterhalb der Tentakeln,
nämlich in der Nähe des Stieles und wo der Rumpf in die-
sen übergeht, befinden sich an den grössern Exemplaren, und
zwar ebenfalls ohne eine bestimmte Ordnung in ihrer Stellung,
doch nahe bei einander, kurze, dicke und ganz glatte Aus-
wüchse des Körpers, die das Aussehen von Knospen oder
Sprossen haben, und deren Zweck sich auf die Fortpflanzung
bezieht. Ihre Zahl ist bei verschiedenen Exemplaren sehr
verschieden, steht aber mit der Grösse derselben im geraden
Verhältnisse, und steigt bis auf ungefähr 40 und noch drüber.
Auch hat, je grösser ihre Zahl ist, derjenige Theil des Rum-
pfes, von dem sie ausgehen, im Verhältniss zu dem übrigen,
oder demjenigen Theile, welcher mit den Tentakeln besetzt
ist, eine um so grössere Länge, so dass er demselben bei
recht grossen Exemplaren darin ungefähr gleich kommt. Fer-
ner sitzen jene Auswüchse meistens in Bündeln von 3 bis 9
Stück an dem Körper an, und die einzelnen Bündel haben
ein etwas verzweigtes Aussehen, indem ein jedes einen sehr
kurzen Stamm und ein Paar oder einige wenige ebenfalls nur
kurze Aeste bemerken lässt (Fig. 4). Einzeln aber für sich
betrachtet haben die Auswüchse sehr verschiedene Grössen und
Formen. Die kleinern stellen kurze Keulen dar, indem sie
an ihrem freien Ende nur wenig dicker, als an den andern
sind. Die grössern dagegen haben fast die Form von ge-
wöhnlichen Destillirkolben oder denjenigen Pilzen, die man
Boviste nennt, bestehen nämlich aus einem dicken rundlichen
Körper und einem im Verhältniss zu ihm nur kurzen, dünnen
und trichterförmig gegen die Basis verjüngten Halse oder
Stiele. An jungen Exemplaren fehlen die eben beschriebenen
Organe gänzlich.
Der völlig runde Mund ist zwar eine im VTerhältniss zum
ganzen Körper nur kleine Öffnung, doch einer massig grossen
Erweiterung fähig. Er führt in eine einfache Verdauungshöhle,
die bis zu dem Stiele des Polypen hinreicht, also durch den
158 H. Rathkc: Bemerkungen
ganzen Rumpf hindurchgeht. In dieser Höhle fand ich bei
mehreren Exemplaren kleine, zum Theil smaragdgrüne Navi-
cellen, von denen einige noch lebten, in einem Exemplare
ausserdem ein sehr kleines cyclopenartiges Crustaceum, und
bei eben demselben, wie auch bei etlichen anderen Exempla-
ren, noch einige kleine Eier, über die ich weiterhin ein Meh-
reres angeben werde. ' ) In den Stiel setzt sich die für die
Verdauung bestimmte Höhle weiter fort und bildet hier einen
nur engen Kanal, der durch den ganzen Stiel hindurchgeht.
Eine Bewegung von Flüssigkeiten aber habe ich so wenig in
ihm, wie in den Tentakeln und in dem Rumpfe bemerken
können.
Die Wandung des Rumpfes ist im Verhältniss zu der Ver-
dauungshöhle nur massig dick. Sie sowohl , wie auch die
knospenartigen Auswüchse des erstem, oder die Geschlechts-
organe, und der ganze Stiel bestehen wesentlich aus zwei an
Farbe und Festigkeit sehr verschiedenen Substanzen, nämlich
aus einer milchweissen , festen, fast lederartigen, die den
Mantel oder die Hautbedeckung des Körpers ausmacht, und
einer rothgelben, weichern, fast gallertartigen, die nach innen
von jener gelegen ist. An dem Rumpfe hat die letztere das
Übergewicht, und es bildet an ihm die erstere bis auf die
Umgebung der Mundöffnung, die nur aus ihr allein besteht,
eine nur sehr dünne Schicht , weshalb denn auch der Rumpf
am lebhaftesten gefärbt erscheint. Am Stiele dagegen hat die
weisse Substanz das Übergewicht und bildet eine dicke Scheide,
die einen nur massig dicken und nur schwach hindurch schim-
mernden hohlen Cylinder der rothgelben Substanz einschliesst.
Auf Querdurchschnitten erscheint, wenn das Thier einige Zeit
in Weingeist gelegen hat, der von diesem Cylinder dargebo-
tene Ring allenthalben kaum zum dritten Theile so dick, als
der von der Scheide dargestellte. Die Tentakeln bestehen
nur allein aus weisser Substanz. Und da nun die Tentakeln
und der Stiel am meisten die Fähigkeit besitzen, sich zusam-
') Wie diese Gegenstände in den Polypen hineingebracht wor-
den waren, ob etwa mittelst der Tentakeln, oder durch eine Bewe-
gung um den Mund stehender Wimpern, blieb mir unbekannt.
über die Coryna squamata. 159
menzuziehen, so dürfte diese Fähigkeit wohl hauptsächlich au
die weisse Substanz des Körpers gebunden sein.
Mikroskopisch untersucht zeigten mir beide Substanzen
bei einer Vergrösserung von 560 Mal in der Linie folgende
Zusammensetzung. Die rothgelbe Substanz enthielt in allen
Körpertheilen , in denen sie vorkam, zerstreut liegende rund-
liche Zellen in grosser Menge, die höchstens jöböö" Zoll un
Durchmesser hatten und einen Kern von yöföö" bis 5f— „
Zoll enthielten. Die zwischen dem Kern und der Zellenwand
befindliche Masse war fast farblos, ohne Granulation, und
ganz klar. Der Kern aber bestand aus einer sehr zarthäuti-
gen geschlossenen Hülle, und einigen wenigen in derselben
eingeschlossenen, scharf umschriebenen, rundlichen Körnern
von sehr dunkel-rothgelber Farbe. Der grössere oder übrige
Theil der farbigen Substanz war hingegen nur sehr schwach
rothgelb und enthielt zahlreiche, doch nicht ganz dicht bei-
sammenliegende Zellen von höchstens -jö^öö Zoll im Durch-
messer, die unregelmässig- rundlich, ziemlich klar, und kaum
merklich granulirt erschienen. Ob diese letztem nur die Kerne
von Zellen, oder vielmehr ganze eigentliche Zellen darstell-
ten, blieb ungewiss. — Die weisse Substanz schien zum
grössern Theil ganz gallertartig und formlos zu sein, und
enthielt in diesem Theile ihrer Masse am Rumpfe, an den
Geschlechtswerkzeugen, am Stiele und in dem untern oder
angehefteten Endstücke der Tentakeln zerstreut liegende runde
Zellen von yöföö bis Töföö" Zoll mi Durchmesser, die deut-
lich einen granulirten Inhalt besassen, aber ausser ihren ziem-
lich grossen und dicht gedrängten Granulationen keinen be-
sondern Kern hatten. Dieser Beschaffenheit halber möchte
ich vermuthen, dass auch die eben beschriebenen Gewebtheile
nur die Kerne von Zellen waren, deren Wandungen sich
nicht gehörig unterscheiden liessen. Verhältnissmässig am
zahlreichsten waren sie in den Geschlechtswerkzeugen. Klei-
nere, höchstens nur Tö£öö Zoll grosse und nur schwach gra-
nulirte, doch im Übrigen den zuletzt angeführten ähnliche
Zellen kamen in beträchtlicher Menge in dem grössern Theile
der Tentakeln vor. Ausserdem aber befanden sich eingebettet
in die weisse Substanz, doch nur hart an der Oberfläche des
Thieres, sehr kleine, ganz klare und scharf begrenzte Kör-
jßO II. Rathke; Bemerkungen
perchen, die meistens länglich -oval, selten beinahe rundlich
waren, und von denen die ovalen höchstens eine Länge von
kaum yölöo ^ü'^ hatten. Am Rumpfe, dem Stiele und den
Geschlechtswerkzeugen kamen sie nur sparsam vor; dagegen
waren sie in den Tentakeln überaus zahlreich und lagen in
denselben sehr nahe bei einander. Ihre Stellung war von der
Art, dass sie mit ihrem einen Ende immer nach aussen ge-
richtet waren. Mehrmals auch bemerkte ich, dass in den Ten-
takeln einzelne solche Körperchen , selbst wenn auf jene Or-
gane kein Druck angewendet worden war, mit ihrem dünnem
Ende über die Oberfläche derselben, wie kleine Stifte, etwas
vorsprangen. Ob nun diese krystallhellen Körperchen etwa
solche Nesselorgane oder Giftorgane sind, wie an manchen
Medusen und Süsswasser- Polypen vorkommen, muss ich da-
hingestellt sein lassen. Einen Faden freilich, der in ihnen
enthalten gewesen wäre und aus ihnen hätte herausgestreckt
werden können, bin ich nicht im Stande gewesen wahrzuneh-
men. Doch dürfte wenigstens so viel gewiss sein, dass sie
im Verhältniss zu ihrer Grösse ziemlich dickhäutige Blasen
sind, die eine ganz klare Flüssigkeit enthalten. Übrigens bil-
deten diese Körperchen mit ihrem Bindemittel an den Tenta-
keln eine Schicht von weicherer Substanz, als die übrige oder
tiefere Masse der Tentakeln, und es Hess sich, nachdem die
Thiere einige Zeit in Weingeist gelegen hatten, durch Pressen
zwischen Glastäfelchen jener erstem Theile, von dem letztem
ziemlich leicht abstreifen. — Von Muskelfasern und Nerven-
fasern habe ich nirgend an der Coryna eine Spur bemerken
können.
Die knospenartigen Organe, welche unterhalb der Ten-
takeln an dem Rumpfe vorkommen (Fig. 4. und 5.) bestehen
in ihrem Jüngern Zustande nur allein aus den beiden Sub-
stanzen, die man im Rumpfe und dem Stiele des Polypen
vorfindet, und es bildet an ihnen die weisse Substanz eine
verhältnissmässig nur sehr dünne Scheide um die andere oder
rothgelbe. Wenn aber ein solches Organ an seinem Ende
immer mehr anschwillt, bildet sich in dem anschwellenden
Theile eine Höhle zwischen jenen beiden Substanzen , so dass
zuletzt, wenn das Organ einen rundlichen auf kurzem Stiele
stehenden Körper darstellt, die rothgelbe Substanz nur in
über die Coryna squamata. \Q[
dem Stiele vorhanden ist (Fig. 4, b.), indess in dem Körper
die weisse Substanz für sich allein als Wandung der in ihm
entstandenen Höhle (Fig. 4, c.) dient. Die Höhle selbst ist
ganz einfach, namentlich nicht von Scheidewänden oder rip-
penartigen Vorsprüngen ihrer Wandung durchsetzt, und eine
äussere Öffnung mag zwar für sie vorhanden sein, ist jedoch
von mir nicht gesehen worden. Als Inhalt jener Höhle fand
Rud. Wagner mehrere kleine Eier, die noch ein Keimbläs-
chen enthielten.1) Unerwartet daher und überraschend war
es für mich, dass ich statt der Eier als Inhalt der Höhle bei
allen grössern Exemplaren der Coryna, die ich nur näher
untersuchte und deren Zahl gegen 20 betrug, in den grös-
sern oder reifern knospenartigen Organen eine weisse, etwas
ins Gelbe ziehende Masse vorfand, die nur allein aus Sper-
matozoen bestand. Mit Seewasser in Berührung gebracht
gingen diese alsbald auseinander und zeigten höchst lebhafte
Bewegungen. Von den meisten hatte der Leib die Form einer
kurzen, an beiden Enden abgerundeten Walze, und war ent-
weder gerade gestreckt, oder schwach gekrümmt: andere wa-
ren an dem einen Ende etwas dicker als an dem andern,
und noch andere waren birnförmig oder oval (Fig 6): von
allen aber war der Leib so klein, dass seine Länge nicht
völlig Yoboo Zoll zu betragen schien. Ein Schwanz war an
ihnen zwar vorhanden, doch wegen seiner ungemeinen Zart-
heit nur undeutlich zu sehen. Die in der Höhle der weniger
angeschwollenen knospenartigen Organe eingeschlossene Masse
geriet!) zwar ebenfalls , wenn sie ausgepresst und mit Wasser
in Berührung gebracht worden war, in Bewegung, doch be-
stand diese nur in einem Ziehen und Dehnen und Zucken in-
nerhalb der ganzen Masse, worauf sich allmählich einzelne
sehr kleine Partien von dem Übrigen ablösten. Die abgelösten
Theilchen aber stellten meistens unregelmässig -runde Körper-
chen dar und bewegten sich in dem Wasser so, als waren
sie mit Cilien versehen gewesen. Bei genauerer Untersuchung
ergab sich darauf, dass sie kleine Haufen von noch nicht rei-
fen Spermatozoen waren, deren Leiber dicht beisammen lagen
') Prodromus histoiia* generationis hominis atque animalium
Lipsiae 1836, p. 5.
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. 1. Bd. \ {
162 H. Rathke; Bemerkungen
und mit einander gleichsam verklebt waren, deren wahrschein-
lich schon vorhandene Schwänze aber nach aussen gekehrt
waren. Überhaupt boten diese Körperchen einen ähnlichen
Anblick und ein ähnliches Verhalten dar, wie ich deutlicher
noch bei einigen Würmern und Süsswasser- Muscheln an den
Spermatozoen bemerkt habe, wenn dieselben noch nicht völlig
ausgebildet waren, indem auch sie dann lauter kleine kugel-
runde Haufen zusammensetzten, an denen die Schwänze wie
Cilien nach aussen gekehrt, die Kopfenden aber dem Cen-
trum zugekehrt waren.
Eier habe ich in den knospenartigen Organen des Rum-
pfes bei keinem der Exemplare, die ich näher untersuchte,
bemerken können. Wohl aber fand ich bei mehreren grösse-
ren Exemplaren, wie schon angeführt, Eier innerhalb der
Verdauungshöhle, nachdem ich den Rumpf quer durchschnit-
ten und zwischen Glastäfelchen leicht gepresst hatte. Sie wa-
ren kugelrund, hatten einen Durchmesser von töVöö ms irVoö"
Zoll und schienen 2 Eihäute zu besitzen: denn an manchen,
die nach stärkerem Pressen ihren Inhalt zum grössern Theile
entleert hatten , kamen an einer mehr oder weniger grossen
Stelle des Umkreises 2 Linien vor, die von einander massig
weit abstanden. Der Inhalt aber, oder der Dotter, war in
seiner Mitte schwach rothgelb, im Umkreise grünlich gefärbt,
und die rothgelbe Farbe seines mittlem Theiles rührte von
einer ziemlich grossen Zahl kleiner Fetttropfen her. Ein Keim-
bläschen konnte ich in den Eie/n nicht bemerken, wie sehr
ich danach auch suchte, und ich muss deshalb glauben, dass
sie schon hinreichend reif für die Bildung eines Embryo's
waren. — Kleinere und noch mit einem Keimbläschen verse-
hene Eier konnte ich in der Wandung des Rumpfes eben so
wenig, wie besondere Organe, die für die Erzeugung der
Eier bestimmt gewesen wären, erkennen. Zwar erschienen
bei mehreren Exemplaren, wenn ihr Rumpf sich stark aufge-
bläht hatte, in der rothgelben Substanz der Wandung dessel-
ben 6 bis 8 dunklere und eben so viele mit jenen abwech-
selnde hellere Längestreifen, so als schimmerten 6 bis 8
schlauchförmige, gegen die Mundöffnung dünner werdende
und sich durch eine dunklere Farbe auszeichnende Schläuche
hindurch: doch bei andern Exemplaren waren die dunklern
über die Coryna squamata. Jfj3
Streifen nicht so regelmässig geordnet, sondern es gingen
einige von ihnen hie und da in einander über. Diesenmach
und weil, wie schon erwähnt, Rud. Wagner innerhalb der
knospenartigen Organe der Coryna squamata noch in der
Ausbildung begriffene Eier gefunden hat, dürfte es wohl kei-
nem Zweifel unterliegen, dass in der Wandung des Rumpfes
nicht die Bildungsstätte der Eier ist, und dass diejenigen
Eier, welche ich in der Verdauungshöhle einiger Exemplare
der Coryna bemerkt habe, in dieselbe ebenso, wie die in ihr
gefundenen Navicellen, von aussen hineingelangt und ver-
schluckt waren. Festgestellt ist es aber auch, wenn ich Wag-
ner's Beobachtungen und die meinigen zusammenfasse, dass
die Corynen getrennten Geschlechts sind, da es nicht glaub-
lich ist, dass ein Thier in denselben Organen einmal Eier
und zu einer andern Zeit männlichen Samen erzeugen wird.
Sonderbar jedoch muss der Umstand erscheinen, dass Wag-
ner, der sich so viel mit den Untersuchungen der Sperma-
tozoen beschäftigt hat, diese also, wo sie ihm vor Augen
kamen, nicht leicht wird haben übersehen können, in den
Geschlechtswerkzeugen der Coryna nur Eier bemerkt hat, ich
hingegen bei ungefähr 20 Exemplaren einer Ansiedlung dieses
Thieres nur männlichen Samen gefunden habe. Zu untersu-
chen wäre daher noch , ob nicht etwa in einzelnen kleinern
Ansiedlungen des in Rede stehenden Polypen alle Exemplare
nur männlichen, und in andern solcher Ansiedlungen alle
Exemplare nur weiblichen Geschlechts sind.
An obige Mittheilungen hätte ich nun noch folgende Be-
merkungen anzuschliessen.
Die bei Danzig gefundene Coryna habe ich mit einer,
die ich aus dem Christinia-Eiorde, einem Meerbusen Norwe-
gens, mitgebracht und in Weingeist aufbewahrt hatte, ver-
glichen, und zwischen beiden in der Grösse und Gestalt
keinen merklichen Unterschied wahrnehmen können. Beide
scheinen mir daher auch zu einer und derselben Species zu
gehören. Doch war bei den Norwegischen Exemplaren der
Rumpf nicht rothgelb, sondern ziemlich dunkel - rosenroth,
und die Gcsehleclüswerkzeuge waren in ihren angeschwollenen
Theilen, wenn ich mich recht erinnere, nicht weiss, sondern
— vielleicht von den in ihnen enthaltenen Eiern — grün ge-
ll*
164 II. Rathkc: Bemerkungen
färbt ' ) Unpassend ist übrigens der dem Thierc gegebene
und von den Geschlechtswerkzeugen hergenommene Beiname
„squamata", da diese Körpertheile nicht sowohl Schuppen,
als vielmehr Knollen oder Knospen darstellen
Bei 2 Arten unverzweigter Polypen des Meeres, die der
Gattung Coryna beigezählt worden sind, nämlich bei C. acu-
leata Wagner2) und C. Fritillaria Steenstrup 3) , bilden sich
ebenfalls unterhalb der Tentakeln, obgleich nur in geringer
Zahl, knospenartige Theile, die für die Fortpflanzung dienen.
Sie erhalten eine Höhle, in der man, wenigstens bei C. acu-
leata, Eier gefunden hat, an dem einen Ende eine weite Öff-
nung, wie überhaupt die Form einer Glocke, und an dem
Rande ihrer Öffnung einige einfache gliedmassenartige Verlän-
gerungen. Noch später aber lösen sie sich von dem Körper,
an welchem sie sich bildeten, ab und schwimmen nun durch
eigne Bewegungen, wie Scheibenqualben, denen sie in mancher
Hinsicht ähnlich sind, umher. Bei C. squamata hingegen sind
weder von R. Wagner, noch auch von mir, an den der Fort-
pflanzung dienenden Gebilden gliedmassenartige Theile und
eine grössere Öffnung der Höhle bemerkt worden4), und es
dürfte daher wahrscheinlich sein, dass an ihnen nur dann erst
eine und zwar nur wenig grosse Öffnung entsteht, wenn sie
die Eier oder den Samen herauslassen. Auch ist an ihnen
soviel mir bekannt, nicht bemerkt worden, dass sie sich end-
lich von dem Polypen ablösten und sich aus eigenen Kräften
') Dr. Z ad dach fing ungefähr um dieselbe Zeit, als ich bei
Danzig, aber an einer andern Stelle, mehrere Exemplare der Coryna,
die nach einer mündlich mir gemachten Mittheilung lebhaft rosen-
roth waren.
2) Oke n's Isis vom Jahre 1833.
3) Über den Generationswechsel. Kopenhagen 1842.
4) Unter der grossen Anzahl aus Norwegen mitgebrachter Exem-
plare habe ich bei sehr vielen die knospenartigen Organe weit grös-
ser angetroffen, als bei den in der Ostsee gefundenen, und es ist
mir daher ziemlich wahrscheinlich, dass bei ihnen diese Organe Eier
enthielten (denn etwas Gewisses konnte ich daran wegen der Ein-
wirkung des Weingeistes nicht erfahren). Allein auch bei ihnen stell-
ten dieselben geschlossene Kapseln dar und Hessen nirgends faden -
oder hörnerartige Auswüchse bemerken.
über die Coryna squnmata. 165
im Wasser fortbewegten. ' ) Ob dies nicht aber mitunter denn
doch geschehe, darauf würden Naturforscher in Zukunft noch
besonders ihre Aufmerksamkeit zu richten haben, um so mehr,
da Ehrenberg und Lovün behauptet haben, dass die er-
wähnten, mit Eiern gefüllten Kapseln der Coryna aetdeata und
die ihnen ähnlichen Gebilde der Gattung Syncoryna nicht
eigentlich besondere Organe, sondern vielmehr aus (präsu-
mirten) männlichen Individuen hervorgesprossene weibliche
Individuen seien3), und auch Steenstrup die an seiner Co-
ryna FritiUarm bemerkten glockenartigen Gebilde für beson-
dere Individuen gehalten hat.
In seinem Werke: Icones zootomicae (Tab. 34), hat R
Wagner aus einer noch nicht bekannt gemachten Abhandlung
Erdl's eine Hydra viridis abgebildet, an der unterhalb der
Tentakeln 2 kleine kegelförmige abgestumpfte Auswüchse vor-
kommen, die mit Spermatozoon gefüllt waren und die deshalb
für die Testikel des Thieres gehalten wurden. Diese Wahr-
nehmung Erdl's und die von mir an C. squamata gemachte
sind, soviel mir bewusst, die einzigen gewesen, aus denen
sich ergeben hat, dass auch bei so einfachen Polypthieren,
wie es die der Ehr enb ergschen Familie Hydrina sind,
Organe vorkommen , die man wohl mit allem Rechte für Te-
stikel ausgeben darf, obgleich dieselben nicht, wie bei an-
dern Thieren, im Innern versteckt liegen, sondern sich an
der Oberfläche des Körpers befinden. Eine der wichtigsten
Aufgaben für die Kenntniss der niedern Polypthiere würde
nun noch diese sein, zu ermitteln, ob auch diejenigen von
') In der Erklärung, die O. F. Müller zu der vierten Tafel des
ersten Theiles der Zoologia Danica gegeben hat, äussert er über die
in Rede stehenden Organe der Cor. squamata zwar auch Folgendes:
„Ova an gemmae essent, diu dubius fui, donec, uti suspicabar, in
fundo deeiduas progerminare viderim"; allein einestheils ist mit die-
sen Worten noch nicht gesagt worden, dass Müller jene Organe
sich wirklich hat ablösen gesehen, und anderntheils hat der sonst
treffliche Forscher die in der ersten Ausbildung begriffenen schon
festsitzenden Jungen der Coryna für weitere Entwickelungen jener
Organe selbst gehalten, was sie aber nach unsern jetzigen Erfahrun-
gen nicht füglich sein können.
2) Dies Archiv, 3ter Jahrg. Bd. 1. S. 321.
166 J. Müller: Über einen neuen Wurm
ihnen, welche an ihrem Körper glockenförmige und mit Eiern
angefüllte Gebilde erzeugen, die sich dann mit der Zeit los-
lösen und aus eignen Kräften fortbewegen, besondere Testikel
besitzen, und wenn dies der Fall sein sollte, wo dergleichen
Organe vorkommen und wie sie geformt sind.
Erklärung der Abbildungen Taf. V.
Fig. 1 bis 3. Drei Exemplare der Coryna. In Figur 2 und 3
ist der Stiel nicht vollständig abgebildet worden.
Fig. 4. Ein Bündel verschiedentlich weit ausgebildeter Hoden.
Fig. 5. Durchschnitt eines stärker entwickelten Hodens, a,a,a
die Schicht der weissen Substanz; b. die in dem Stiele dos Hodens
befindliche rothgelbe Substanz; c. die mit Spermatozoon angefüllte
Höhle.
Fig. 6. Vier Spermatozoon.
Über einen neuen Wurm Sipuneulus (Phascolo-
soma) scut atus.
Von
Joh. M ü 1 1 e r.
Hierzu Taf. V. Fig. A-D.
In einer Sammlung von Seethieren aus Sicilien, die ich
vor einiger Zeit in Wien kaufte, fand sich ein Wurm, der sich
als ein neues Thier aus der Familie der Sipunkeln zu erken-
nen gab. Sein Körper ist, ungerechnet den eingezogenen
Rüssel, einen Zoll lang und an seinem dickern Theil, von
dem der Rüssel abgeht, 2 Linien breit, nach hinten wird er
allmählig etwas dünner, so dass er am hintern Ende, welches
wie scharf abgeschnitten ist, 1 Linie Durchmesser hat. Seine
Haut ist lederartig, von kleinen Wärzchen rauh und darin
stimmt er mit dem Phascolosoma granulatum Leuckart * )
(Sipuneulus vci-rucosus Grube,2) 8. ßemhardus et S. Jo/t/i-
') Breves animalium quorundam descriptiones. Heidelb. 1S28.
a) Actinien, Echinodermen und Würmer des adriatischen und
Mittelmeers. Kö'nijrsb. 1840.
Sipunculus scutatus. |ß7
stoni Forbes ')) überein. Von diesem unterscheidet er sich
aber durch zwei scharf abgesetzte harte, lederartige Schilder.
Das erste liegt an dem Übergang des Körpers in den eben-
falls rauhen Rüssel und zwar über dieser Stelle, sein hinterer
Umriss ist rund, es ist schief von oben nach unten und vorn
gerichtet, wo es schmaler wird. Sein Rand ist hinten und an den
Seiten von der übrigen Haut scharf abgesetzt. Der hintere und
Seitenrand haben auch eine Randfläche, welche mit der obern
Fläche des Schildes einen stumpfen Winkel bildet. Die obere
Fläche des Schildes ist durch Linien eingeschnitten, welche
von hinten nach vorn gegen den schmälern Vortheil des
Schildes und den hier hervortretenden Rüssel gerichtet sind.
Das hintere quer -abgestutzte Ende des Wurms hat ein ähn-
liches Schild , welches aber senkrecht auf die Längsdimension
des Wurms steht und einen scharfen Rand hat. Es zeigt auf
der Oberfläche strahlige Erhabenheiten und die Strahlen sind
gegen ein in der Mitte des Schildes befindliches Knötchen ge-
richtet. Siehe die Abbildungen. Die Schilder bestehen aus
einem verdickten und verdichteten Theil der Haut selbst.
Die Haut des Körpers und Rüssels ist bräunlich feinge-
fleckt, so zwar, dass der Grund heller und die kleinen Wärz-
chen dunkler sind. Die Rauchfläche des Körpers zunächst
hinter dem Abgang des Rüssels ist weisslich, das vordere
Schild ist schwärzlich.
Die Afteröffnung liegt an der Oberseite, sogleich hinter
dem vordem Schilde. Die innern Organe stimmen ganz mit
Sipunculus und Phascolosoma überein. Reide Gattungen un-
terscheiden sich innerlich bloss durch den Ausatz der Mu-
sculi retractores des Rüssels; diese sitzen bei Sipunculus weit
vorn an der Leibeswand; bei Phascolosoma granulatum aber
nahe am hintern Ende. Rei unserm Wurm befestigen sich
die genannten Muskeln an dem Endschilde. Wir ziehen
ihn daher als eine neue Art zur Gattung Sipunculus und
Untergattung Phascolosoma als Sipunculus {Phascolo-
soma) scutatus. Die beiden Genitalschläuche und der gc-
fässartige Strang an der Leibeswand und am Darm verhal-
ten sich ganz wie bei Sipunculus und Phascolosoma granula-
') History of british starfishes. London 1841.
16g J. INI ü Her: Über Sipunculus soutatus.
tum. An unserm Thier ist der grösste Theil des Rüssels
eingezogen.
Von Phascolosoma granulatum Leuck. habe ich 25 Exem-
]>]are, die theils von Hrn. Dr. Schultz in Sicilien gesammelt,
theils aus der oben erwähnten Sicilianischen Sammlung her-
rühren, theils von mir selbst in Neapel zusammengebracht
sind. Ich hatte sie lebend und sah den Rüssel bis zur Ent-
wickelung der Tentakeln, ausgestreckt und abwechselnd
eingezogen. Die Gestalt des Phascolosoma granulatum ist
im Leben sehr veränderlich in Folge der Bewegungen des
Thieres, daher verhalten sich auch die in Weingeist aufbe-
wahrten Exemplare, von welchen manche Einschnürungen an
verschiedenen Stellen zeigen, sehr verschieden. Das spitze
Ilinterende ist bald ausgestreckt, bald verkürzt, bis zur schein-
baren Abrundung. Auch die rauhe Beschaffenheit der Haut va-
riirt sehr, ich habe Exemplare, die beinahe glatt zu nennen,
und es giebt viele Übergänge. Daher ich das Ascosoma Blu-
menbachii Leuck. für identisch mit Phascolosoma granulatum
zu halten geneigt bin. Sipunculus verrucosus Grube gehört
zu demselben Ph. granulatum, ebenso der Siponcle tuler-
cule von Blainville im Dietionnaire des sienc. natur., wahr-
scheinlich auch Sipunculus tigrinus und flavus von Risso.
Identisch sind ferner damit Sipunculus Bernhardus Forbes
und Sipunculus Johnstoni Forbes, welche sich beide bloss auf
die sehr veränderliche Gestalt des hintern, im ausgestreckten
Zustande spitzen Endes beziehen. Ich habe auch ein Phasco-
losoma von Malacca erhalten , das ich nicht von Ph. granu-
latum zu unterscheiden vermag. Den Sipunculus echinorhi/n-
chus von Delle Chiaje halte ich ebenfalls für ein Phascolo-
soma und lasse es zweifelhaft, ob es zu Ph. granulatum gehört.
Erklärung der Abbildungen Taf. V.
Fig. A. Das ganze Thier von der Seite, a. Rüssel, dessen grös-
serer Theil eingezogen ist. b. Schild, c. After, d. Endschild.
Fig. B. Theil des Thiers von oben. «.Rüssel, b. Schild, c. After.
Fig. C. Vorderes Schild von vorn gesehen, a. Öffnung des Rüs-
sels, c. After.
Fig. D. Ansicht von unten, a. Öffnung, aus welcher sich der
Rüssel entwickelt.
M. Sars: Über die Entwickelung der Seesterne. 169
Über die Entwickelung der Seesterne.
Fragment aus meinen „Beiträgen zur Fauna von Norwegen".
Von
M. Sars.
Hierzu Taf. VI. Fig. 1—22.
Da die genannte Schrift, in welcher meine Beobachtun-
gen über diesen Gegenstand vollständig erscheinen werden,
leider eine unerwartete Verspätung erlitten hat, will ich einst-
weilen das Wesentlichste der Ergebnisse meiner Untersuchun-
gen über die Entwicklung des Echinaster sanguinolen-
tus ') (nobis, Asterias sanguinolenta O. F. Müller) und Aster-
acanthion Mülleri (nobis, eine neue mit A. glacialis nahe
verwandte Art) mittheilen:2)
1) Die Seesterne haben männliche und weibliche Gene-
rationsorgane auf besondere Individuen vertheilt. Die Fort-
pflanzung geht im Frühlinge vor sich, und zwar durch Eier,
welche im Eierstocke das Purkinjische und innerhalb dieses
das Wagnersche Bläschen zeigen (Fig. 3 — 6). Diese Eier
entwickeln sich im Eierstocke nach und nach, und werden
in mehreren Brüten in gewissen Zeiträumen geboren, indem
sie sich wahrscheinlich (denn dies ist bisher nicht mit Sicher-
heit ausgemittelt) vom Eierstocke losreissen, in die Körper-
Jiöhle fallen und danach durch besondere Offnungen an der
Bauchseite hervorkommen.
Anmerkung. Dass die Eier nach und nach und in
mehreren Brüten in gewissen Zeiträumen geboren werden,
wird dadurch bewiesen, dass sie in den Eierstöcken höchst
') Es ist ohne Zweifel der weiter unten p. 179 dieses Bandes be-
schriebene Echinaster Sarsii Müll. Trosch., den ich mit der Brut in
der Bruthöhle von Herrn Stiftsamtmann Christie in Bergen erhielt.
Asterias sanguinolenta Retz diss. p. 22 ist nach Untersuchung der Ori-
ginalexemplare Echinaster sepositus M. T. Syst. der Asteriden. Nach-
träge p. 126. A. sanguinolenta O. F. Müller lässt sich nicht feststellen.
Drei Echinaster von dieser Farbe kommen in den nordischen Mee-
ren vor. Anmerkung von Joh. Müller.
2) Auf andere Seesterne will ich diese Satze noch nicht im Ganzen
ausgedehnt wissen; denn es scheint wirklich, dass die Generation die
den meisten Variationen, auch innerhalb der kleineren Gruppen ver-
wandter Wesen, unterworfene Function des thierischen Lebens sei.
170 M. Sars: Über die Entwiekelung der Seesternc.
ungleich entwickelt gefunden werden (Fig. 4, 5), sowie auch
dadurch , dass man zu derselben Zeit sowohl Eier als Jungen
in sehr verschiedenen Entwickelungsstadien in der Bruthöhle
der Mutter antrifft.
2) Die gelegten Eier (Fig. 7), die aus dem Chorion, etwas
Eiweiss und dem Dotter bestehen, welcher letztere bald den
gewöhnlichen , nunmehr in den meisten Thierclassen nachge-
wiesenen Durchfurchungsprozess zeigt (Fig. 8 — 10), fallen
keinesweges sich selbst überlassen in die See hinaus, sondern
werden in eine vermittelst Einbeugung der Bauchseite der
Scheibe und der Arme freiwillig von der Mutter gebildete
Bruthöhle (Fig. 1,2), eine Art, so zu sagen, von auswendi-
gem Uterus, dem Marsupium der Beutelthiere gewissermaassen
vergleichbar , aufgenommen. liier werden die Eier bebrütet,
und die herausgeschlüpften Jungen verweilen hier eine ge-
raume Zeit während ihrer Entwiekelung. Diese Bruthöhle ist,
während die Eier gelegt werden und so lange, bis bei den
Jungen die Anheftungsorgane völlig entwickelt sind, ganz
geschlossen. Während dieser ganzen Zeit kann die Mutter
wahrscheinlich keine Nahrung zu sich nehmen, weil die unten
geschlossene Bruthöhle keine Communication von aussen mit
dem Munde zulässt: auch sassen die beobachteten Seesterne
in dem beschriebenen zusammengebeugten Zustande (Fig. 2)
fast unbeweglich an derselben Stelle wenigstens 11 Tage lang.
Wahrlich ein merkwürdiges Beipiel der Sorgfalt für die Brut
bei einem übrigens auf einer so niedrigen Stufe der Organi-
sation stehenden Thiere !
Anmerkung. Wir kennen auch unter den niederen
Thieren mehrere Beispiele einer Art Bebrütung, welcher die
Eier bedürfen um zur Entwiekelung zu gelangen. So gehen
bei den Medusen die Eier von den Ovarien in die Taschen
der vier grossen Mundarme über, bei den Flussmuscheln
(Fnio, Anodonta) in die äusseren Kiemenblätter, bei den
Krebsen unter dem Bauche oder Schwänze, um an diesen
Stellen einer Brütezeit unterworfen zu werden. ') Es giebt
') Nach dem Zeugnisse von Joly (Memoire sur la Caridina Des-
luarestii, in den Annales des sciences naturelles, 1843, Tom. 19 p. 61)
können die Krebseier binnen einer gewissen Zeit der mütterlichen
Bebrütung nicht ohne zu verderben und zu sterben entzogen werden.
M. Sars: Über die Entwickelung der Seesterne. 171
aber, soviel mir bekannt, kein einziges Beispiel von einer
von der Mutter selbst vermittelst ihres Körpers freiwillig ge-
bildeten Bruthöhle. Der Instinct der Seesterne in dieser Hin-
sieht steht einzig da. — Der Umstand, dass der Seestern
während der Bebrütung der Eier keine Nahrung zu sieh nimmt,
findet seine Analogie in dem ähnliehen Betragen mehrerer an-
deren Thiere, z. B. der Schlangen nach den Beobachtungen
von Valenciennes, zufolge welcher ein Python während der
Bebriitung seiner Eier in 56 Tagen nichts frass. ')
3) Der ganze Dotter wird zum Foetus verwandelt. Letz-
terer hat, wenn er aus dem Ei herausschlüpft, eine ovale
drehrunde Gestalt (Fig. 11) ohne äussere Organe, und schwimmt
vermittelst zahlloser den Körper bedeckender Cilien frei im
"Wasser herum wie Infusorien oder die eben ausgeschlüpften
Jungen der Medusen, €oryneen, Alcyonien etc., denen er
auch in der Form sehr ähnlich ist. Dies ist die erste oder
infusorienartige Bildungsstufe der Seesterne. Nach dem Ver-
laufe weniger Tage fangen an dem Ende des Körpers, das
sich während des Schwimmens als das vordere zeigt, Organe
(Fig. 12 a, a.), welche zur Anheftung dienen, an hervorzu-
wachsen. Diese Anheftungsorgane erscheinen als Warzen,
erst nämlich eine an der einen (Fig. 12), dann zwei kleinere
an der anderen Seite (Fig. 13, 13b., aa.) : später theilt sich
die erstere in zwei, so dass nunmehr vier solche fast gleich
grosse und kolbenförmige Warzen (Fig. 14 — 16, a., a.) und
mitten zwischen ihnen eine kleinere (Fig. 14 — 16, b.) sich vor-
finden. Durch Hülfe dieser Organe heftet sich das Junge an
den Wänden der Bruthöhle fest. Der Körper wird nunmehr
flachgedrückt (Fig. 14 — 17) und kreisrund, und an der einen
der breiten Flächen, welche sich so als die Bauchseite er-
weist, fangen die Tentakeln an hervorzuwachsen wie runde
Wärzchen in zehn von einem gemeinschaftlichen Centrum aus-
strahlenden Reihen, deren je zwei einander genähert sind,
noch nur 2 Wärzchen in jeder Reihe (Fig. 14, c, c). Von
der Stelle, wo es sich festgesetzt hat, losgerissen, schwimmt
das Junge noch vermittelst der vibrirenden Cilien im Wasser
herum, und zwar immer mit den Anheftungsorganen vorn.
') Dies Archiv 1812, 2. Bd. p. 172.
172 M. Sars: über die Entwickelung der Seesterne.
Sonst sitzt es stets und fast bewegungslos fest und verlasst
niemals die Stelle, wo es sich einmal festgesetzt hat. — In
diesem Zustande, dem zweiten Entwickelungsstadium, welches
wir das Crinoidenartige genannt haben, weil wir es mit nichts
besser als den Crinoiden, den einzigen bekannten, wenigstens
in ihrer Jugend festsitzenden Echinodermen, zu vergleichen
wissen, ist der junge Seestern noch bilateral, indem sowohl
durch die Bewegung, während welcher die Anheftungsorgane
immer nach vorn sehen, und durch die eben erwähnten Or-
gane selbst, die sogar an den beiden Seiten nicht völlig gleich
entwickelt sind (Fig. 14, 15, a, a), ein Vorn und Hinten, eine
rechte und linke Seite, bestimmt wird. Die Rücken- und
Bauchseite ist schon durch die Tentakeln gegeben. — All-
mählig aber geht diese bilaterale Form in die radiäre, die dritte
und vollkommene Entwickelungsstufe des Seesterns, über, in-
dem nämlich der Körper fünfeckig wird oder sein Rand in
fünf sehr kurze und stumpfe Arme hervorwächst (Fig. 18, 19).
Die Tentakeln verlängern sich in cylindrische Röhren (Fig.20,
c, c) mit einem Saugnapfe am Ende, und dienen nun zum
Kriechen. An der Spitze der Arme bemerkt man das von
Ehrenberg als Auge betrachtete Organ (Fig. 18, b), der Mund
zeigt sich mitten an der Bauchfläche, und zahlreiche Stacheln
(Fig. 19, 20) wachsen nun aus der Haut des Körpers und der
Arme hervor. Endlich fangen die Anheftungsorgane an nach
und nach in Volumen vermindert zu werden (Fig. 20, a, a)
und zuletzt zu verschwinden, die schwimmenden Bewegungen
haben mit dem Verschwinden der Cilien aufgehört, und der
junge Seestern, nunmehr vollkommen radiär geworden (Fig.
21, 22), kriecht vermittelst seiner noch unverhältnissmässig
langen Tentakeln (Fig. 21, c, c) frei herum. — Diese ganze
Entwickelung ist binnen eines Zeitraumes von 6 — 7 Wochen
vollendet. Doch verweilen die vollkommen entwickelten Jun-
gen, wenigstens bei der einen der untersuchten Arten (Jster-
acantläon Mülleri), noch eine Zeit lang in der Bruthöhle
und werden solcherweise von der Mutter herumgetragen. Bei
der anderen Art, dem Eckinaster sanguinolentus, habe ich sie
mit radiärer Gestalt und noch nicht verschwundenen Anhef-
tungsorganen in der Bruthöhle angetroffen; ob sie aber dort
M. Sars: Über die Entwirkclung der Seesterne. 1 73
länger und wie lange verweilen, ist mir bisher nicht möglich
gewesen durch Beobachtung festzustellen.
4) Die Seesterne sind in ihrer Entwicklung einer Me-
tamorphose oder keiner, je nachdem man dieses Wort in
mehr oder weniger ausgedehnter Bedeutung nimmt, unter-
worfen. Versteht man, wie einige Naturforscher, darunter
einen schroffen Übergang von dem einen zum andern ver-
schiedenen Zustande, sowie die Entwickelung, wenigstens für
die äussere Gestalt, bei den Insekten von der Larve zur
Puppe und von dieser zum vollkommenen Insekt Statt findet,
so sind die Seesterne allerdings keiner solchen Metamorphose
unterworfen. Nimmt man aber das Wort in der gewöhnlicher
angenommenen Bedeutung, welche Lamarck1) so ausdrückt:
„Je nomme metamorphose cette particularite singulare de l'in-
secte de 11 e pas naitre soit sous la forme, soit avec toutes
les sortes des parties qu'il doit avoir dans son dernier etat"
— so muss man gewiss einräumen, dass sie eine Metamor-
phose erleiden. Denn ihre Form ist in den beiden frühesten
von uns angenommenen Entwickelungsstadien bilateral anstatt
radiär zu sein, und sie kommen zur Welt ohne sogar die
meisten der wichtigeren zu ihrer Organisation gehörigen Theilc
(z.B. Mund, Arme, Tentakeln) zu haben, indem diese erst
später nachwachsen. Ferner entwickeln sich an ihnen Theile,
nämlich die oft erwähnten Anheftungsorgane, welche nur für
das jüngere Alter bestimmt sind, und daher später gänzlich
verschwinden. In dieser letzteren Hinsicht ist ihre Metamor-
phose eine sogenannte rückschreitende, und zwar eine solche,
die von Rathke ,, Metamorphosis retrograda per dissolutionem"'
benannt wird. '*) Die Ursache des Verschwindens der Anhef-
tungsorgane ist, dass diese, wegen der nunmehr entwickelten
') Histoire naturelle des animaux sans vertebres. 3. Tom. p.277.
5) Rathke, Reisebemerkungen aus Scandinavien, Anhang S. 123.
Ich muss übrigens bei dieser Gelegenheit bemerken, dass Rathke
mich missverstanden hat, wenn er in dieser Schrift, nach den von
mir in Wiegmanns Archiv 1837 Heft 5 mifgetheilten Beobachtungen,
S. 122 anführt: „Die Seesterne besitzen in frühester Jugend einen
dünnen Stiel, der von der Mitte ihres Rückens ausgeht, und mit dem
sie an andern Körpern sich festsetzen."
L
174 M. Sars: Über die Entwickclung der Seesterne.
Tentakeln, durch welche der junge Seestern eine neue Be-
wegungsweise beginnt und somit in andere Verhältnisse über-
geht, ganz und gar unnütz werden.1)
Anmerkung. Wir sahen oben, dass, so weit wir sie
verfolgen konnten , noch merkbare Spuren von dem Ver-
schwinden der Anheftungsorgane in zwei sehr kleinen, dicht
beisammen sitzenden Wärzchen, welche immer mehr und mehr
an der Riickenseite hinauf zu rücken schienen, übrig blieben.
Ich bin nun , obgleich ich es noch nicht zur völligen Evidenz
beweisen kann, überzeugt, dass die sogenannte Madreporen-
platte bei den erwachsenen Seesternen nichts anders als diese
in ein einziges verschmolzenen W7ärzchen , also ein Über-
bleibsel der Anheftungsorgane, ist. — Joh. Müller und Tro-
schel, indem sie dieser bisher so räthselhaften Madreporen-
platte erwähnen, sprechen sich darüber") so aus: „Auf den
ersten Blick scheint es nicht ganz uneben, wenn man die
Madreporenplatte der Seesterne und Seeigel mit dem Knopf
der Comatulen vergleicht, und da dieser dem Stiele der an-
deren Crinoiden entspricht, so würde die Madreporenplatte
auch letzteren zu vergleichen sein. Ihre excentrische Lage
könnte nicht als Einwurf anerkannt werden , da sie bei den
Clypeastern im dorsalen Pole gelegen ist. Indessen gegen die
Richtigkeit dieser Vergleichung spricht die constante Mehr-
fachheit der Madreporenplatten bei einigen Arten von Seester-
nen, und ihre wahre Bedeutung dürfte vielleicht nur durch
die Entwickelungsgeschichte aufzuklären sein. Nach den Beob-
achtungen von Sars sind die Asterien auch in ihrem Jugend-
zustande frei und nicht am Boden angeheftet."
Wenn nun meine Annahme, dass die Madreporenplatte
nur ein Überbleibsel der Anheftungsorgane sei, richtig ist, so
kann man sie sehr wohl mit dem Knopf der Comatulen und
dem Stiele der anderen Crinoiden vergleichen. Wenn die eben
genannten Verfasser in den von mir in Wiegmanns Archiv 1837
mitgetheilten Beobachtungen ein Hinderniss für diese Verglei-
chung finden, scheinen sie mir viel eher zur Bestätigung der-
selben beizutragen. Die beschriebenen Anheftungsorgane bieten
') Rathke, Reise bemerkungen etc. S. 151.
2) System der Ästenden S. 134.
M. Sars: Über die Entwicklung der Seesterne. 175
nämlich gerade dadurch, dass sie zur Anheftung des Jungen
dienen, die treffendste Analogie mit dem Stiele der Crinoi-
den dar.
Meine Annahme von der Madreporenplatte als Überbleib-
sel der Anheftungsorgane dürfte so auf eine unerwartete und
merkwürdige Weise die geistreiche, von Agassiz gegebene Dar-
stellung des bilateralen Typus der Echinodermen bestätigen.
Denn, ausser dass es durch die Lage der Anheftungsorgane
im Interradialraume schon erwiesen ist, dass die Längenaxc
des Seesternes durch sie fällt, wird auch Agassiz's Bestim-
mung von Vorn und Hinten bestätigt, indem das Ende des
Körpers, mit welchem der junge Seestern sich festsetzt, aller-
dings für das hintere gehalten werden muss. Zwar schwimmt
der Seestern in frühester Jugend gerade mit diesem Ende nach
vorn gekehrt, wesshalb man es wohl als das vordere, so wie
wir oben einstweilen gethan haben, betrachten möchte; allein
die Analogie von ähnlichen bekannten Thierchen, nämlich den
Jungen der Medusen (der ersten Generation oder sogenannten
Ammen) nach meinen1) und der Colonie- Ascidien nach M.
Edwards's2) Beobachtungen, hergenommen, führt uns zu der
Erkenntniss, dass gerade das während des Schwimmens als das
vordere sich zeigende Ende später sieh festsetzt und dadurch
in der Wirklichkeit sich als das hintere erweiset.
Über die mit mehreren Madreporenplatten versehenen Ar-
ten der Seesterne kann in dieser Hinsicht vor der Hand noch
Nichts mit einiger Wahrscheinlichkeit gesagt werden. Viel-
leicht haben sie in frühester Jugend mehrere gesonderte An-
heftuuirsorffane.
Schliesslich wiederhole ich die oben gemachte Bemerkung,
dass man mit dem Generalisiren sehr behutsam sein müsse.
Es darf vielleicht in Hinsicht der Entwickelnng ein grösse-
rer Unterschied zwischen den Gattungen und Arten der See-
sterne, als man wohl vermuthen sollte, Statt finden. Von
Ec/änaster sanguinolentus, dessen Genitalöffnungen an der Bauch-
seite gelegen sein müssen, weicht so z. B. Asteracantläon ru-
') In diesem Archive 1841. Heft 1.
2) Observation sur les Ascidies composees des cotes de la Manche.
176 M. Safs: Über die Entwickelung der Seesterne.
bens bedeutend dadurch ab, dass bei ihm die erwähnten Öff-
nungen, nach Müller und Troschel, an der Rückenseite sich
finden, wesshalb seine Eier wahrscheinlich in die See hinaus
fallen und sich selbst überlassen werden. Dies ist wahrschein-
lich auch der Grund, wesshalb ich, fleissiger Untersuchungen
in den verschiedensten Jahreszeiten ungeachtet, niemals Jun-
gen oder irgend eine Spur von Brutpflege bei dieser Art ge-
funden habe. — Eine andere Art derselben Gattung, Aster-
acanthion Mülleri (nob.), stimmt dagegen, wie wir gesehen
haben, in dieser Hinsicht mit Echinaster sanguinolentus über-
ein. — Noch mehr abweichend scheint die Entwickelung eini-
ger anderen Seesterne zu sein. So ist das von mir ehedem ')
Bipinnaria asterigera genannte Thier, nach meinen neueren
Untersuchungen (die bei einer andern Gelegenheit bekannt ge-
macht werden sollen), wahrscheinlich nur ein sich entwickeln-
der und mit einem grossen Schwimmapparate versehener Seestern.
Endlich kann ich nicht unterlassen zu bemerken, dass die
Entwickelung der Seesterne, so weit wir sie nun kennen ge-
lernt haben, bedeutende Abweichungen von den anderen Strahl-
thieren (Polypen, Acalephen), von denen wenigstens ein grosser
1 Theil durch die eigentümliche Form der Brutpflege, welche
den Namen des Generationswechsels erhalten hat, ausgezeich-
net sind, zeigt. Die Seesterne entwickeln sich ohne solchen
Generationswechsel vom Ei aus zu dem der Gruppe eigen-
thümlichen Typus, und stimmen also hierin mit den Glieder-
thieren und Wirbelthieren, zu denen sie auch die erste annä-
hernde Stufe, sowohl durch ihr eigenthiimliches gegliedertes
Kalkskelet als den merkwürdigen Instinkt, mit welchem sie
ihrer Brut warten, bilden.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. stellt den Echinaster sanguinolentus in natürlicher Grösse
vor, von der Bauchseite gesehen, mit halb geöffneter Bruthöhle, in
welcher man die hochroth gefärbten Jungen sieht.
Fig. 2. Derselbe im Profil gesehen, festsitzend und mit völlg
geschlossener Bruthöhle, a Madreporenplatte.
Fig. 3. Eierstock eines kleineren Individuums, am 22. Februar
untersucht.
') Beskrivelser og Jagttägelser etc. pag. 37. Tab. 15. fig 40.
M. Sars: Ueber die Entwicklung der Seesterne. 177
Fig. 4. Derselbe vergrössert. Man sieht die höchst ungleich ent-
wickelten Eier.
Fig. 5. Ein Schlauch desselben Eierstocks noch mehr vergrössert.
Fig. 6. Eines der kleineren Eier dieses Schlauches, das Purkinje-
sche und Wagnersche Bläschen zeigend.
Fig. 7. Ein eben (am 7. März) gelegtes Ei, Chorion farbelos,
Dotter hochroth und glatt, zwischen beiden wasserhelles Eiweiss.
Fig. 7' nat. Grosse.
Fig. 8 — 10 zeigen die Dotterfurchung an demselben Ei. Fig. 8
am 9. März des Morgens, Fig. 9 am Abend desselben Tages, und
Fig. 10 am 10. März des Abends.
Fig. 11 stellt das herausgeschlüpfte Junge (am 17. März in der
Bruthöhle angetroffen) vor. Es ist drehrund, ohne sichtbare äussere
Organe, und mit Cilien bedeckt. Dies ist der erste oder Infusorien-
artige Zustand der Seesterne.
Fig. 12 — 20 stellen das zweite oder Crinoiden- artige Entwicke-
lungsstadium der Seesterne vor.
Fig. 12 und 13. Junge am 17. März in der Bruthöhle gefunden,
mit hervorwachsenden Anheftungsorganen a, a. Fig. 12 ist sehr wenig
niedergedrückt oder noch fast drehrund , und zeigt den Anfang dieser
Organe in zwei Warzen «, a, deren eine mehr als die andere her-
vorragt, und mit welchen das Junge sich noch nicht festsetzen kann.
Bei Fig. 13 ist die eine dieser Warzen in zwei getheilt, und alle drei
dienen schon zur Anheftung. Fig. 13. h dasselbe Junge von vorn.
Fig. 13' natürliche Grösse.
Fig. 14 — 17 stellen Junge dar, die am 3. April in der Bruthöhle
angetroffen wurden. Sie sind ziemlich flachgedrückt , mit 4 völlig ent-
wickelten keulenförmigen Anheftungsorganen a, a und einer kleineren
Warze b, mitten zwischen ihnen. Vermittelst dieser Organe sitzen
die Jungen an den Wänden der Bruthöhle fest. Fig. 14 von der Bauch-
seite gesehen, wo man schon die wie sehr kleine Warzen in 10 vom
Centrum des Körpers ausstrahlenden Reihen, deren je zwei einander
genähert sind (und zwei Warzen in jeder Reihe), hervorwachsenden
Tentakeln c, c bemerkt. Fig. 15 dasselbe Junge von der Rückenseite,
Fig. 16 von vorn gesehen. Fig. 17 ein Junges mit nur 3 keulenförmi-
gen Anheftungsorganen, von vorn gesehen.
Fig. 18 — 20 stellen den Übergang des bisher bilateralen Jungen
zu dem dritten oder radiären Zustande vor.
Fig. 18. Eines der Fig. 14— 16 abgebildeten Jungen weiter ent-
wickelt (am 15. April) , von der Bauchseite gesehen. Der Körper ist
fünfeckig geworden und mit einer im Zwischenräume der hervorwach-
senden 5 Arme dickeren und mehr eingebogenen Kante rings umge-
ben. Die Tentakeln werden grösser und deutlicher, und am Ende
eines jeden der 5 Arme bemerkt man eine kleine runde Warze b,
welche das von Ehrenberg als Auge betrachtete Organ ist.
Fig. 19. Dasselbe Junge von der Rückenseite dargestellt. Man
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. 1. Bd. 12
178 «J- Müller und F. H. Troschel:
sieht die eireuläre Scheibe durch eine Furche von den Armen un-
terschieden. Auf der Haut wachsen zahlreiche Stacheln hervor.
Fig. 19' natürliche Grösse.
Fig. 20. Dasselbe Junge, am 23. April von der Rückenseite gese-
hen. Die Tentakeln c, c sind in lange Röhren verlängert und dienen
nun zum Kriechen. Die Anheftungsorgane a, a fangen an kleiner
zu werden.
Fig.2t. Dasselbe Junge am 4. Mai, von der Rückenseite. Fig.22
von der Bauchseite. Der Mund ist deutlich, die Anheftungsorgane
sind verschwunden, und das Junge, nunmehr vollkommen radiär ge-
worden , kriecht vermittelst seiner Tentakeln herum. Fig. 22 natür-
liche Grösse.
Am Ende des Monates Mai waren die Arme länger und schmäler
geworden; die Zahl der Tentakeln bis 5 in jeder der 10 Reihen ver-
mehrt, u. s. w.
Beschreibung neuer Asteride n
von
J. Müller und F. II. Troschel.
Astcracaiitltion jpoSypIax Nob. nov. sp.
Sieben Arme. Verhältniss des Scheibenradius zum Arm-
radius wie 1 : 3^. Furchenpapillen in zwei Reihen, in jeder
Reihe eine auf jeder Platte, nach aussen davon ein Zug von
Stacheln, deren jedesmal drei eine Querreihe in Beziehung
auf den Arm auf jeder Platte bilden. Ausserdem an den Sei-
ten und auf dem Rücken noch sieben regelmässige Züge von
Stachelchen. In jeder Reihe gehören meist mehrere zu einem
Plättchen. Pedicellarien in den Zwischenräumen. Die Sta-
cheln sind kurz, cylindrisch, am Ende abgerundet. Drei Ma-
dreporenplatten, um den Zwischenraum von einem oder meh-
reren Armen getrennt.
Farbe: roth.
Grösse: 2 Zoll.
Fundort: Vandiemensland. Im zoologischen Museum zu
Berlin durch Schayer.
Echinaster Sarsil Nob. nov. sp.
Fünf Arme. Verhältniss des kleinen Durchmessers zum
grossen wie 1 : 2^. Die Arme sind conisch, ziemlich spitz.
Auf der Bauchseite stehen quere, schmale Haufen von Sta-
Beschreibung neuer Ästenden. ] 79
chelchen; das Ende jedes einzelnen Haufens wird an der Furche
von einem einzelnen Stachel gebildet, so dass die Furchen-
papillen in die Bauchstacheln übergehen. Alle diese Stachel-
chen sind stumpf und cylindrisch. Nach aussen folgen auf
der Bauchseite noch zwei Reihen von Stachelhäufchen. Auf
dem Rücken stehen viele völlig von einander getrennte Häuf-
chen von Stacheln, die sehr niedrig sind. Zwischen diesen
Häufchen stehen einzelne Poren, wodurch sich dieser Seestern
von allen übrigen Echinastern unterscheidet.
Farbe: blutroth.
Grösse: 1 Zoll.
Fundort: norwegische Küste, Bergen. Im anatomischen
Museum zu Berlin durch Christie.
Diese Art könnte leicht nur der Jugendzustand unseres im
System der Ästenden p. 25 beschriebenen Echinaster Eschrichtii
sein, dem er sehr ähnlich ist, aber das Exemplar von 1" Länge
hat schon Brut in der von Sars beschriebenen Bruthöhie.
Anmerkung über die Gattung Echinaster. Wir
haben eben einen Echinaster beschrieben, der von allen übri-
gen dadurch abweicht, dass er nicht Porenfelder, sondern nur
einzelne Poren zwischen den Stachelhaufen hat. Da er nach
dem Bau der Eierstöcke mit den übrigen Echinastern überein-
stimmt, so glauben wir ihn nicht als neue Gattung trennen
zu dürfen, zumal da er das den eigentlichen Echinastern eigen-
thümliche Stachelchen an den Platten im Grunde der Furchen
besitzt. Es wurde jedoch dadurch nothwendig, die Gattungs-
charaktere von neuem zu prüfen und zu schärfen. Dies wird
besonders nöthig in Beziehung auf die Gattung Cbaetaster,
weil sich diese bisher von der Gattung Echinaster besonders
durch die einzelnen Poren unterschied, während sie in ihrer
innern Organisation und im Habitus sehr auffallend von ihr
abweicht. Die Gattung Chaetaster besitzt nämlich viele Eier-
stöcke , welche sich durch die ganze Länge der Arme erstrecken.
Die Charaktere der Gattung Echinaster sind nach unsern
erneuerten Untersuchungen folgende:
Arme verlängert, conisch oder cylindrisch, in der Haut
ein zusammenhängendes Netz von Balken, aufweichen Sta-
cheln bald einzeln, bald dicht. Haut zwischen dem Netz nackt
mit einzelnen oder vielen Poren. Im Grunde der Furchen
12*
180 J- Müller und 1". II. Troschel:
findet sich stets ein kurzes gekrümmtes Stachelchen an jeder
Platte, welches von der Seitenwand der Furchen entspringt.
Am Rande der Furchen befindet sich auf jeder Platte jedes-
mal nur eine einzige Papille. Keine Pedicellarien.
In diesen Charakteren stimmen die bisher von uns be-
schriebenen Echinaster sämmtlich überein, wenn wir den Eclä-
naster solaris und den neulich beschriebenen Echinaster deca-
nus ausnehmen. Bei der Beschreibung dieses letztern (vergl.
dies Archiv 1843. I. p. 114) haben wir schon unser Bedenken
ausgesprochen, ob derselbe wirklich der Gattung Echinaster
angehöre. Nach den hier aufgestellten Principien muss er in
die Gattung Solaster gebracht werden , die noch näher dahin
zu bestimmen ist, dass der Körper mit Pinselfortsätzen be-
setzt, die Haut dazwischen nackt mit vielen Tentakelporen ver-
sehen ist, dass die Pedicellarien fehlen, dass die Furchenpapillen
auf jeder Platte einen Kamm bilden, und dass das den Echi-
nastern charakteristische Stachelchen im Innern der Furche fehlt.
EcJdnaster solaris Nob. (System der Ästenden p. 25) muss
ohne Zweifel zu einer besonderen Gattung, Echinites Nob.,
erhoben werden, welche sich auszeichnet durch mehrere Papil-
len auf jeder Platte an den Furchen, durch einen bestachelten
Körper, durch die Gegenwart von Pedicellarien. Hierzu kommt
vielleicht auch noch, wenn es nicht ein Speciescharakter ist,
die merkwürdige Vervielfachung der IMadreporenplatten. Die
Art würde den Namen Echinites solaris bekommen.
Ofiliidiaster i>usiI9i2S Nob. nov. sp.
Er gehört zu den Arten mit regelmässigen Tafelreihen des
Rückens. Fünf Arme. Verhältniss des kleinen Durchmessers
zum grossen wie 1 : 5|. Die Furchenpapillen bilden eine Reihe,
je zwei stehen auf einer Platte. Aus der feinen Granulation
der Bauchseite treten jederseits zwei Reihen grösserer Granula
hervor, welche an Zahl mit der der Plattenreihen überein-
stimmen. Diese Granula setzen sich häufig nach dem Rande
der Arme zu in ziemlich regelmässige Reihen grösserer Gra-
nula fort. Die Granulation des Rückens ist gleichförmig. Die
Porenfelder enthalten wenige Poren. Nur eine Madreporenplatte.
Farbe: scheint röthlich gewesen zu sein.
Grösse: 1 Zoll.
Beschreibung neuer Asteriden. 181
Fundort: Philippinen. Im zoologischen Museum zu Berlin
durch Cuming.
Astropecten ecltiimlatiis Nob. nov. sp.
Verhältniss des kleinen zum grossen Radius wie 1 : 3^.
Die Furchenpapillen bilden einen Keil, in welchem vorn drei
Papillen stehen, worauf nach aussen noch zwei folgen; alle
"sind dünn und haben eine rauhe Oberfläche. Die Beschuppung
der Bauchplatten besteht aus sehr feinen echinulirten Stachel-
chen, zwischen denen eine Reihe grösserer, platter, ebenfalls
rauher Stacheln hervortritt, die bis zum Rande an Grösse zu-
nehmen. Die dorsalen Randplatten, 25 an jedem Arme, sind
mit feinen Borsten besetzt, zwischen denen ein kurzer Sta-
chel hervortritt. Diese Platten sind in der Mitte der Arme so
hoch wie breit, das Paxillenfeld ist hier mehr als zweimal so
breit wie die Randplatten. Die Paxillen tragen einen Kranz
von Borsten, welche echinulirt sind. Die Madreporenplatte steht
um ihren Durchmesser von den dorsalen Randplatten entfernt.
Grösse: 2| Zoll.
Fundort : Nordsee. Insel Föhr. Im zoologischen Museum
zu Berlin durch Kölliker.
Astropecteei ÜVIuelleri Nob.
Asterias aranciaca O. F. Müll. Zool. dan. Vol. III. p. 3.
tab. 83. excl. citatis.
Verhältniss des kleinen zum grossen Halbmesser wie 1:3|.
Dorsale Randplatten 25 an jedem Arme. Die Furchenpapillen
nach innen , drei auf einer Platte von gleicher Höhe , die vor-
springende mittlere cylindrisch, die beiden seitlichen platt und
am Ende breiter und abgestutzt; in der zweiten Reihe stehen
zwei ähnliche Papillen auf jeder Platte. Aus der Beschuppung
der Bauchplatten treten stärkere Stacheln hervor; die vorletz-
ten , welche in gleichem Abstände von den Randstacheln eine
Reihe auf den Armen bilden, sind wenig kleiner als diesel-
ben. Die Randstacheln sind platt und spitz. Aus der Granu-
lation der dorsalen Randplatten treten einzelne (2 — 4) sehr
kleine granulaartige Stachelchen hervor, welche eine Querreihe
in Beziehung auf die Arme bilden. Die dorsalen Randplatten
sind auf der Mitte der Arme höher als breit, das Paxillenfeld
182 J- Müller und F. H. Trosclicl:
ist auf der Mitte der Arme dreimal so breit wie die dorsalen
Randplatten. Die Paxillen des Rückens tragen einen Kranz
von einfachen Papillen , welche eine mittlere umschliessen. Die
Madreporenplatte steht um ihren Durchmesser von den dorsa-
len Randplatten entfernt.
Grösse: 2^ Zoll.
Fundort; Nordsee. Insel Fohr. Im zoologischen Museum
zu Berlin durch Kölliker.
Astrogtccteii sffianmntus Nob. nov. sp.
Verliältniss des kleinen zum grossen Radius wie 1 : 3.
An jedem Arme 30 Platten. Furchenpapillen in zwei Reihen,
in der ersten Reihe stehen drei, deren mittlere länger und
etwas vorstehend, alle drei cylindrisch,; in der zweiten Reihe
wieder drei, wovon die mittlere platt, viel länger und breiter
ist, die seitlichen sind mehr cylindrisch. Die Bauchplatten sind
mit Ausnahme derjenigen auf der Scheibe und derjenigen am
Ende der Arme nackt, ohne Stacheln und nur umgeben von
einem Kranze zierlicher Schuppen; am Rande stehen zwei
platte Randstacheln neben einander. Die dorsalen Randplatten
sind granulirt und ohne alle Stacheln; sie sind in der Mitte
der Arme so hoch wie breit. Das Paxillenfeld ist in der Mitte
der Arme doppelt so breit wie die Randplatten. Die Paxillen
sind dicht gekrönt. Die Madreporenplatte steht um ihren Durch-
messer von den Randplatten entfernt.
Grösse: 2 Zoll.
Fundort: Nordsee. Insel Föhr. Im zoologischen Museum
zu Berlin durch Kölliker.
OpEiEOlefftis ScBsayeri Nob. nov. sp.
Verliältniss des Durchmessers der Scheibe zur Länge der
Arme wie 1 : 5. Die Seheibe ist fein einfach und dachziegel-
förmig beschuppt. Nur in der Nähe der Radialschilder wer-
den die Schuppen grösser. Die Radialschilder sind durch viele
Schuppen von einander getrennt, ihre Entfernung von einan-
der betragt anderthalbmal ihre Breite. Die Mundschilder sind
länger als breit, oval. Die Mundpapillen sind dick, drei grössere
an jeder Seite. Die Bauchschilder Tier Arme sind viereckig,
so lang wie breit, die Rückenschilder sind doppelt so breit
Beschreibung neuer Ästenden. 183
wie lang, und ausserdem liegt an den meisten Gliedern nach
aussen von dem Rückenschild noch ein Stück, seltener wird
das Rückenschild in mehrere getheilt. Am Anfang der Arme
sind vier kurze stumpfe, etwas abgeplattete Stacheln auf jedem
Seitenschilde, weiterhin nur drei, von denen der mittelste der
längste, der obere der kürzeste und der breiteste ist. Dieser
letztere ist auffallend platt, und wird gegen das Ende breiter.
Der mittlere Stachel ist doppelt so lang wie ein Bauchschild.
Eine grosse Schuppe am Tentakelporus.
Farbe: dunklere Querbinden auf der Rückseite der Arme.
Grösse: Durchmesser der Scheibe 8 Linien.
Fundort: Vandiemensland. Im zoologischen Museum zu
Berlin durch Schayer.
Opliiacantlia groenlamlica Noh. nov. sp.
Die Scheibe ist überall mit kleinen einfachen Stachelchen
besetzt. Unter den Stachelchen erkennt man ziemlich deutlich
eine Grundlage von Schüppchen, welche aber von der nakten
Haut bedeckt sind. Keine Radialschilder. Die Mundschilder
sind viel breiter als lang, mehr als doppelt so breit. Sieben
Mundpapillen an jedem Mundwinkel, die Zähne sind spitz ab-
gerundet, ohne Zahnpapillen. Die Bauchschilder der Arme
sind siebeneckig, mit einem Winkel nach der adoralen Seite.
Die Seitenschilder verbinden sich in der Mitte zwischen je
zwei Bauchschildern durch eine Nath, die wenig kürzer ist
als die Länge eines Bauchschildes, besonders am dünnem Theil
der Arme. Die Rückenschilder sind dreieckig, mit einer ado-
ralen Spitze. Auch zwischen ihnen verbinden sich die Seiten-
schilder durch eine Nath, die fast so lang ist wie das Rücken-
schildchen. Fünf dünne, mehr oder weniger rauhe Stacheln
an den Seiten der Arme, deren obere mehrmals so lang sind,
wie die Breite der Arme; nach unten zu nehmen sie allmählich
bis zum sehr kleinen ab. Am Anfange der Arme kommen sich
die Stachelreihen beider Seiten auf dem Rücken ganz nahe,
späterhin weichen sie mehr auseinander, aber sie sind überall
doch nicht weit von einander entfernt, weil die Rückenschild-
chen so klein sind. Eine Schuppe am Tentakelporus.
Grösse: 2 Zoll, Durchmesser der Scheibe \ Zoll.
Fundort: Grönland. Im zoologischen Museum zu Berlin
durch Eschricht.
184 J Müller und F. H. Troscliel:
Opliiotlirfx parasita Nob. nov. sp.
Die Scheibe ist ganz mit kurzen Cylinderchen bedeckt,
selbst die Radialschilder. Die Mundschilder klein. Die Bauch-
schilder der Arme sind viereckig, mit fast geradem aboralen
Rande. Die Rückenschilder sind gekielt mit knotiger An-
schwellung in der Mitte des aboralen Randes. An jedem Sei-
tenschilde fünf, am Anfang der Arme bis sieben Stacheln.
Die Stacheln sind sehr lang, mehr als doppelt so lang wie
die Breite eines Bauchschildes, stark echinulirt und nicht keu-
lenförmig angeschwollen.
Farbe: scheint rosenroth gewesen zu sein, mit dunklen
Bändern auf den Armen.
Grösse: 1 Zoll.
Fundort: Neuholland. Sie fand sich zwischen den Sta-
cheln einer durch Preiss an das zoologische Museum zu Berlin
eingesandten Cidaris.
Herr Forbes hat einige Ophiuriden aus dem Ägeischen
Meere beschrieben ( Transactions of the Linnean Society of
London Vol. XIX. pars II. London 1843 p. 143. Er hat lei-
der unser System der Ästenden, welches bereits im Jahre
1842 erschienen ist, nicht gekannt.
Sein Genus Pectinura ist identisch mit unserem Ophia-
rachna. Die Art Pectinura vestita Forbes Tab. XIII.
Fig. 1 — 7. weicht nur wenig, und namentlich in der Gestalt
der Rückenschilder der Arme von unserer Ophiarachna
gorgonia ab, und möchte leicht der Jugendzustand unserer
Art sein.
Forbes beschränkt den Namen Ophiura auf diejenigen
Arten mit beschuppter Scheibe, wo diese am Grunde der Arme
einen Kamm von Papillen trägt. Diese Bildung könnte in der
That zur Aufstellung einer Gattung verleiten, und hätte uns
selbst dazu veranlasst, wenn es ausser der Ophiolepis ciliata
Nob. eine zweite sichere Species gäbe. Forbes nimmt drei
Arten an: Ophiura texturata, albida und abyssicola
tab. X1JI. Fig. 8 — 14. Diese drei Formen sind nichts an-
ders als Altersverschiedenheiten von unserer Ophiolepis ci-
Beschreibung neuer Ästenden. 185
Jiata. Die Zahl der Papillen in den Kämmen am Grunde
der Arme und die Zahl der Stacheln auf den Seitenschildern
der Arme nimmt mit dem Alter zu. Wir haben eine grosse
Anzahl von Exemplaren verschiedenen Alters mit allen Über-
gängen untersucht.
Die Ophiomyxa lubrica Forbes I.e. p. 149. tab. XIII.
Fig. 15 — 22. ist unsere Ophiomyxa pentagona (Ophiura
pentagona Lam.).
Die Gattung Ophiopsila Forbes p. 149 scheint in der
That begründet zu sein. Es handelt sich um ein Thier {Ophio-
psila aranea Forbes tab. XIV. Fig. 1 — 7.) mit nackter leder-
artiger Scheibe ohne Mundpapillen und mit einfachen nicht
echinulirten Stacheln an den Seiten der Arme. Diese Gat-
tung gehört also in die Gruppe der Gattungen ohne Papillen
an den Mundspalten neben Ophiothrix.
Das Genus Amphiura Forbes 1. c. p. 149 ist identisch
mit unserem Genus Ophiolepis. Amphiura neglecta
Forbes ist unsere Ophiolepis squamata Nob. (Asterias
squamata Delle Chiaje). — Amphiura Chiajii ist nicht ver-
schieden von Ophiolepis filiformis. — Die Amphiura
florifera Forbes tab. XIV. Fig. 8 — 13. ist eine neue Art.
Sie hat in der Mitte der Scheibe eine grosse Schuppe, welche
von fünf sich berührenden grossen Schuppen eng umgeben
wird. Drei Stacheln an den Armen. Sie wird also Ophio-
lepis florifera heissen.
Goniaster abbensis Forbes. Annais of natural history
Vol. XI. London 1843 p. 280 tab. VI. ist nichts anders als
As trog oni um phrygianum Nob.
186 Dr. A. Pilippi: Einige Bemerkungen
Dunge Bemerkungen über <lie Gattung1 Serrula,
nebst Aufzählung der von mir im Mittelmeer mit dem Thier
beobaeliteten Arten.
Von
Dr. A. p-.h i .1 i p p i.
Hierzu Taf. VI. Fig. A — T.
Wenige Thiere sind von den Naturforschern so sehr ver-
nachlässigt wie die Serpein, wozu sicli im Verlauf dieser Be-
merkungen mehrere Belege finden werden , und aus diesem
Grunde halte ich für zweckmässig, dem zoologischen Publi-
kum das Resultat meiner an fünf und zwanzig Arten in Be-
ziehung auf die äussere Bildung des Thieres gemachten Beob-
achtungen vorzulegen, indem ich mir eine nähere Begründung
durch ausführlichere Beschreibungen und Abbildungen für einen
andern Ort vorbehalte.
Linne in der zwölften Ausgabe des Systema naturae cha-
rakterisirt p. 1264 die Gattung Serpula also: animal Tere-
bella. Testa univalvis, tubulosa, adhaerens (saepe istlunis
integris intereepta). Durch die Worte „animal Terebella" hat
Linne, wenn er auch, weil ihm die Bewohner unbekannt wa-
ren, viele Vermetus- Arten unter Serpula aufgenommen hat,
doch den Adanson'schen Vermet ausgeschlossen. Die Worte
,, saepe isthmis integris intereepta" beziehen sich allein auf die
Gehäuse von Vermetus, und müssen daher aus der Diagnose
wegfallen. Auch Lamarck führt dieses falsche Kennzeichen
noch an, Blainville hat aber bereits im Dict. des Sciences na-
turelles Vol. XLV11I. p. 550 richtig angegeben, dass gerade
durch den Mangel der Scheidewände das Gehäuse von Serpula
sich von dem Gehäuse der Vermetus- Arten unterscheide.
Meine frühere Vermuthung, dass die porzellanartige Beschaf-
fenheit der Schale Vermetus ausschliesslich zukomme, die
Serpula- Arten dagegen eine kreideartige besässen, muss ich
über die Gattung Serpula otc. |g7
zunicknehmen, da mir eine ächte Serpula mit glasartiger
Schale bekannt geworden.
Die ächten Serpula sind von den Neueren in folgende
Gattungen zerspalten: Serpula Lamk., Vermilia Lamk., Galeo-
laria Lamk., Cymospira Savigny, Blainville, Spirorbis Lamk.,
Filograna Berkeley, Protula Risso, Spiramella Savigny, Blain-
ville. Die Kennzeichen, worauf diese Trennungen beruhen,
sind von verschiedenem Werth. Vcrmilia und Galeolaria un-
terscheiden sich von Serpula lediglich durch die Bildung des
Deckels: Serpula hat nach Lamarck ein operculum pedicel-
latum, infundibuliforme aut clavatum (corneum); denn
einige Zeilen weiter sagt er: Cet opercule, par consequent,
n'est point calcaire. S. ed. I. An. sans Vertebr. V. p. 361.
— Vermilia dagegen hat ein operculum testaceum, orbi-
culaturn, simplex und weiter a dos convexe, le plus
souvent conique. S. ibid. p. 368. — Galeolaria end-
lich ein operculum testaceum compositum, welches nach mei-
nen Beobachtungen aber nicht aus 5 bis 9, sondern aus 15
Stücken besteht. Doch mag die Zahl derselben bei den ein-
zelnen Arten verschieden sein. Die Abbildung im Diction-
naire des Sciences naturelles ist aber wohl jedenfalls schlecht
zu nennen. — Filograna Berkeley soll immer zwei Deckel
haben, was ausnahmsweise bei andern Arten auch beobachtet
ist. Protula Risso und Spiramella Blainv. haben gar keinen
Deckel. Cuvier rechnet sie wunderbarer Weise zu Sabella.
Nach der Zahl der Fäden, in welche die Kiemen zer-
spalten sind, und nach der Anordnung derselben hat man die
Gattungen Cymospira und Spirorbis aufgestellt. Bei Cy-
mospira ist die Kieme jederseits in zahlreiche Fäden getheilt
und spiralförmig aufgerollt, bei Spirorbis besteht sie nur aus
3 Fäden. Allein dieses Kennzeichen ist von sehr geringem
Werth. Die verschiedenen Arten Serpula, die ich mit dem
Thier beobachtet, haben 3, 4, 6, 7, 8, 10, 11, 13, 18, 30, 40
und mehr Faden an jeder Kieme, und je zahlreicher die Fä-
den werden, um so mehr müssen sie eine spiralförmige An-
ordnung annehmen; auch habe ich bei Vet milia trif/uetra, und
Pomatoctros tricuspis (s. unten) bemerkt, dass die Fäden der
Kieme eine Spirale von einer Windung beschreiben, 5* m ne-
benstehender Art, wenn sie ausgebreitet sind. Es scheint mir
I8S Dr. A. Philipp i: Einige Bemerkungen
also zwischen den spiralförmigen und nicht spiralförmigen Kie-
men keine sehr scharfe Gränze Statt zu finden. — Nach
Blainville hätten die Kiemenfäden der Vermilien nur auf einer
Seite Cirren , was ich für einen Irrthum halte.
Auch auf die Art des Wachstluims hat man Rücksicht ge-
nommen, und die spiralförmig wachsenden Arten zu Spirofbis
gebracht, jedoch die ebenfalls auffallend spiralförmig gewun-
dene S. cereolus davon ausgeschlossen, deren Thier noch un-
bekannt ist. Überhaupt haben meine Beobachtungen ergeben,
dass zwischen der Beschaffenheit des Thieres und dem Ge-
häuse keine Beziehung herrscht, es miisste denn beim Genus
Galeolaria sein; freilich ein trostloses Resultat, so kommt
z. B. ein dreikantiges Gehäuse in drei verschiedenen Ab-
theilungen vor, ein drehrundes in noch mehreren; in einer
Abtheilung sind drehrunde glatte, drehrunde mit Längsleisten,
dreikantige, vierkantige u. s. f.
Nach dem Gesagten ist die Beschaffenheit des Dek-
kels das beste Kennzeichen, um darnach die Unterabtheilun-
gen von Serpula zn bilden. Dieses Kennzeichen hat auch noch
den Vortheil, dass man es oft bei den trocknen, in Museen
aufbewahrten Exemplaren noch beobachten kann. Die Bildung
der Deckel ist aber weit mannichfaltiger als bisher angegeben,
und man muss mehr Unterabtheilungen machen, als bisher,
deren Kennzeichen folgende sind.
A. Thier mit Deckel. Zu jeder Seite des Halses eine kurze,
oben breite, unten schmale Membran, welche sieben
Borstenbündel trägt, von denen das oberste meist nach vorn
gerichtet ist. (Von Galeolaria ist diese Bildung nicht be-
kannt.) Serpula Cuv.
a. Deckel hörn artig, flach oder trichterförmig, am Ran de
gekerbt, oben strahlenförmig gestreift; auf einem ver-
kehrt kegelförmigen fleischigen Stiel sitzend. Serpula
im engern Sinn.
b. Deckel kalkig, eine flache Scheibe bildend,
ganzrandig. Placostegus Ph. Dieser Deckel erin-
nert am meisten an einen Gasteropoden -Deckel.
c. Deckel kalkig, kegelförmig, kürzer oder verlängert,
ohne Anhängsel. Vermilia Lamarck.
über die Gattung Serpula etc. jgp,
d. Deckel kalkig, halbkugelförmig mit Fortsätzen
(die innen bohl sind). Pomatoceros Ph.
e. Deckel kalkig? kornartig? aus einer elliptischen flachen
Platte bestehend, welche am hintern Ende zwei ästige Hör-
ner, am vordem Rande aber hakenförmige Borsten tragt;
die Kiemen spiralförmig eingerollt. Cymospira Savigny
Blainv. Die Serpula gigantea Gm., welche diese Ab-
theilung bildet, ist mir nicht aus den Originalabhand-
lungen von Pallas und Home, sondern nur aus Blain-
ville's Dict. p. 559 und der von Blumenbach gegebenen
Copie von Ilome's Figur (Abbildungen naturhistorischer
Gegenstände Nr. 67.) bekannt.
f. Deckel kornartig, fast wie bei a., aber auf der obern
Seite im Centrum mit beweglichen Spitzen versehen, die
(wenigstens bei einer Art) auch hornig sind. Eupo-
matus Ph.
g. Deckel kalkig? schräg abgestutzt? Gehäuse klein, stets
spiralförmig aufgewunden? Kiemen stets? aus wenigen
Fäden zusammengesetzt. Spirorbis Lamarck. (Die Ge-
stalt des Deckels, welche die Abbildung im Dict. des
Sciences nat. I. fig. 2. zeigt, ist, genau wie bei Placo-
stegus, verschieden von der Gestalt, die ich selbst bei
einer andern Art beobachtet habe.)
h. Der Deckel kalkig, aus sehr vielen Stücken zusam-
mengesetzt. Galeolaria Lamk.
B. Gar kein Deckel. Die Seitenmembran bis zur halben Länge
des Körpers fortgesetzt, gleich breit. Apomatus Ph.
a. Die Kiemen spiralförmig. Protula Risso. Spiramella
Blainv. Dict. 48. p. 560. l) (Die Beschreibung, welche
Risso bist, de l'Eur. merid. IV. p. 405 und 406 giebt,
ist ganz abentheuerlich, und stimmt nicht im mindesten
mit den Angaben bei Cuvier Regne animal ed. 2. vol. III.
p. 192, dessen Beschreibung genau mit meinen eige-
nen, gleich unter b. anzuführenden Beobachtungen über-
einkommt.)
') Die Figur des Seba 1. t. 29. fig. 1. 2. stimmt, wie schon Cu-
■uer bemerkt, nicht mit der Charakteristik überein, es fehlt ihr der
disque Cuv. oder der thorax, egalant au moins la moitie de l'abdomen.
]*)0 Dr. A. Philipp i: Einige Bemerkungen
b. Die Kiemen einfach fächerförmig-. Psygmohran-
chus Ph.
Ich kann Cuvier nicht beistimmen, wenn er die letzte
Abtheilung, die ich mit dem Namen Apomatus bezeichnet
habe, zu Sahella bringt. Auf den Umstand, dass die Sabellen
eine hautige oder lederartige Röhre, die Apomatus aber eine
kalkige bilden, würde ich zwar kein so grosses Gewicht legen,
wohl aber auf den Umstand, dass bei den Sabellen alle Kör-
perringe gleich gebildet und mit gleichen Borstenbündeln ver-
sehen sind, während bei Apomatus, genau wie bei Serpula,
die sieben ersten Borstenbündel in einer häutigen Ausbreitung
sitzen , von welcher die von mir beobachteten Sabellen auch
nicht eine Spur von Andeutung zeigen.
Ich gehe jetzt über zur Charakterisirung der einzelnen
Arten.
1* Serpula L. (sensu strictiori).
1. S. echinata Gm. testa teretiuscula, protensa, flexuosa,
rosea, transversim rugosa, carinis denticulatis echinata,
diam. 2'".
animal branchiis albo coccineoque fasciatis, filorum
(in utraque) 30 et ultra, operculo rubro.
Gm. p. 3744. — Gualt. t. 10. R. — Martini I. f. 8.
2. S. pallida Ph. testa teretiuscula, protensa, flexuosa,
pallide rosea, carina mediana conspicua, laterali utrin-
que obsoleta, striisque incrementi tenuibus subaspera.
diam. IV".
animal branchiis albo coccineoque fasciatis, filorum
pauciorum quam in antecedente, operculo albido.
3. S. triquetra L.?? testa triquetra, flexuosa, alba, altero
latere tota adnata. diam. 2".
animal branchiis albo coccineoque fasciatis, filorum
circa 30; operculo coccineo, crenis circa 24 (nach der
Zeichnung: die Zahl der Kerben habe ich zu notiren
vergessen).
Ich glaube nicht, dass dieses die Linneische Art ist.
Linne hat das Thier nicht beschrieben, und nur kleinere
Individuen gesehen; auch die späteren Citationen von
Baster, copirt im Martini, von Gualtieri und andern,
über die Gattung Serpula etc. 191
entsprechen meiner Art nicht ganz, indem sie viel dün-
nere Gehäuse darstellen. Ferner ist zu bemerken, dass
die Gehäuse von Serpula triquetra, Vermilia triquetra
und Pomutoceros tricuspis sich ohne das Thier' schwer-
lich unterscheiden lassen. Wäre es daher nicht besser,
den Namen Serpula triquetra Linne ganz zu streichen?
4. S. vermicularis L.? testa tereti, flexuosa, laeviuscula,
apice libero protensa, rosea; ore patulo; carina denti-
culata dorsali demum obsoleta; diam. 24-'"
animal branchiis omnino coccineis, fdorum multorum;
operculo coccineo , crenis plurimis (Fig. A.).
Mit welcher Kritik die Serpein bearbeitet sind, be-
weist diese Art. Blainville dict. 1. c. p. 553 giebt jeder
Kieme sieben bis acht Finger, in der Abbildung se-
hen wir aber jederseits 26! In der Beschreibung nennt
er den Deckel keulenförmig mit zwei kleinen Hörnern;
so ist aber nach planche I. f. 3. der Deckel von Ver-
milia triquetra, und die Abbildung von Serpula vermi-
cularis I. f. 1. zeigt einen ganz andern, ächten Serpula-
Deckel nach meiner obigen Definition. Kann man sich
wohl grössere Widersprüche zu Schulden kommen lassen !
Dazu kommt, dass nach Blainville's Beschreibung des
Deckels das Thier gar keine Serpula, sondern eine Ver-
milia Lamarck sein muss, welches Genus Blainville an-
nimmt. Auch Cuvier Regne animal ed. 2. III. p. 191
sagt (nach Müll. Z. D.?), der Deckel habe zwei oder
drei kleine Spitzen, in welchem Fall seine und Miiller's
Art ein Pomatoceros ist.
(Möglich wäre es, dass Nr. 1.2. und 4. als blosse Va-
rietäten einer Art zu betrachten sind.)
5. S. aspera Ph. testa teretiuscula, costis circa 7, crenu-
latis ornata, alba; diam. 1'"
animal branchiis fuscescentibus aut rubentibus, filorum
8 utrinque; operculo albido, crenis 16-24 (Fig. B.).
an Vermilia scabra Lam.? Die Figur bei Delessert Re-
cueil etc. ist ganz schlecht, und der Text hilft bekannt-
lich bei diesem Werke gar nichts.
6. £. stil) quadr angula Ph. testa elongata, subquadran-
192 Dr. A. Philipp i: Einige Bemerkungen
gula, angulis crenato-dentatis, carinis tribus, singulis in
niedio laterum liberorum: diam ~".
1 4
an i mal albidum, brancliiis filorum 8 utrinque; oper-
culo basi aucto, fuscescente, crenis admodum profundis,
circa 24 (Fig. C).
Der fleischige Stiel ist am Ende nicht einfach kegel-
förmig verdickt, sondern erst cylindrisch verdickt, und
dann verkehrt kegelförmig.
7. S. vertust a Ph. testa tereti, transversim striata, varici-
bus pluribus ornata; alba; ore patulo; diam. 3'".
animal coccineum, brancliiis filorum frequentium; oper-
culi crenis circa CO.
Die grösste Art, die ich beobachtet und in Spiritus
mitgebracht. Das Thier ist 28'" lang und 3'" dick.
2» JPlacostegus Ph.
1. PL crijstallinus Scac. testa vitrea, triquetra, demum
libera, et carinis omnibus excurrentibus tricuspidata: ca-
rina dorsali serrata; diam. 1^'".
animal album; fasciis duabus fuscis in brancliiis; filis
circa 9 in utraque; pedunculo operculi simplici (Fig. D.).
Serpula crystallina Scac. Catalogo p. 18.
Lebt in grossen Tiefen auf Korallen.
2. PL fimbriatus Delle Chiaje testa teretiuscula, serie-
bus 4-7 longitudinalibus appendicum falcatarum, pectina-
tarum, confertissimarum ornata; diam. 1-1^'".
animal album; branchiarum coccinearum filis utrinque
circa 9, pedunculo operculi appendice aucto. (Fig. F.).
Serpula fimbriata D. Ch. Memorie 111. p. 226 t. 48. f.
19. 20. testa (animal cl. auctori non innotuit).
3. Vermili a Lamk.
1. V. triquetra Lamk. testa triquetra, flexuosa, alba, al-
tero latere adnata; diam. 1'".
animal branchiarum albarum, fusco articulatarum filis
numerosis? (saltem ultra 7); operculo elongato, subcylin-
drico, obtuso; pedunculo utrinque filum gereute (Fig. F.).
Vermilia triquetra Lamk. Nr. 2. „Son opercule est
conique."
über die Gattung Serpula etc. I93
Selten. Über Linne's Serpula triquetra siehe die Be-
merkung oben.
2. V. infundihulum Gm. testa tereti, alba, multoties va-
ricosa, quasi ex infundibulis sese recipientibus couflata;
ore quam maxime patulo; diam. (oris) 4^'".
animal branchiaruni albo coccineoque fasciatarum filis
niultis; operculo elongato-conico. (Fig. G.)
Serpula infundihulum Gm. p. 3745. — Lamk. nr. 9.
excl. var. — Delessert Recueil I. fig. 8. ad specimen
malum.
3. V. clavigera PIi. testa tereti, lineis longitudinalibus
elevatis quinque ornata; diam. £'".
animal operculo valde elongato, subcylindrico.
(Fig. H.)
Das trockne Thier zeigte beim Aufweichen die Kiemen
nicht deutlich.
4. V. calyptrata Ph. testa tereti, crassa, transversim cor-
rugata; diam. ly .
animal fuscescens, collari, lineaque in filis branchia-
runi viridibus, filis branchiarum 11; ciliis rufo-fuscis;
operculo conum obliquum, truncatum referente. (Fig. J.)
5. V. multicristata Ph. testa tereti, lamellis 5, longitu-
dinalibus, plerumque pectinatim incisis cristata; diam. f".
animal albidum; operculo parvo, conico, basi carno-
sae, multo crassiori, subglobosae insidente. (Fig. K.)
Auch von dieser Art hatte ich nur ein getrocknetes
Exemplar, dessen Kiemen sich nicht entwirren Hessen.
6. V. elongataV\\. testa obscure quadraugula, crassa, trans-
versim rugosa, linea impressa dorsaJi; diam. %■'".
animal rubrum; branchiarum utrinque filis 6-8; oper-
culo elongato-conico; pedunculo utriuque filum gereute
£ut in V. triquetra]. (Fig. L.)
7. V. quinque li?ieata Ph. testa tereti, lineis elevatis, lon-
gitudinalibus, laevibus, quinque ornata (ut in VT. clavi-
gera); diam. V"— !'"•
animal branchiarum lutescentium filis utriuque 8, ru-
bro maculatis; operculo conum brevem, obliquum refe-
rente [fere ut in S. calyptrata]. (Fig. IM.)
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. 1. Bd. 13
194 Dr A. Philippi: Einige Bemerkungen
8. V. polytrema Ph. testa triquetra adnata; carinis foris fre-
quentibus perforatis; diam. 1^"'.
animal coccineum, branchiarum filis utrinque c. 6;
operculo forma coni obliqui brevissimi; pedunculo albido
annulis tribus fuscis ornato et utrinque filum gerente \\\t
in nr. 1. et 6/]. (Fig. N.)
Bei VTermilia triquetra und andern dreikantigen Serpein
bestehen die Kiele, wenn man sie durchbricht, auch aus
einer Reihe Zellen, bei dieser Art sind nur, so zu sa-
gen, die Scheidewände der Zellen ausgebildet, und die
drei Kiele, von ihrer Löcherreihe durchbohrt, sehen über-
aus zierlich aus. Der Durchmesser der Röhre ist sehr
klein, indem die seitlichen festgewachsenen Kanten den
grössten Theil des Durchmessers einnehmen.
9. V. emarginata Ph. testa tereti, alba, carinis 3 — 4
saepe in dentes antrorsum directos, dorso incisos ele-
vatis; diam. 1"'.
animal filis branchiarum utrinque 6 — 7; operculo for-
mam coni obliqui truncati referente; pagina superiore
marginata, antice emarginata, obscure bidentata. (Fig. O.)
Das Thier habe ich an einem aufgeweichten Exemplar
in Kassel untersucht.
4. Fomatoceros Ph.
1. P. tricuspis . Ph. testa triquetra, saepe in gyrum con-
torta, alba; diam. 2'".
animal branchiis albo et coccineo, sive albo et fusco
fasciatis; filis ultra 18; operculo hemisphaerico, vertice
cornubus tribus acutis instructo; pedunculo utrinque filum
gerente. (Fig. P.)
Sehr gemein. Dies scheint Serpula triquetra Fr. Hoff-
mann , Verhandl. Berl. Gesell, vol. 3. p. 150. Vielleicht
auch S. triquetroides (!) Delle Chiaje Mem. IV. t. 67. f. 15.
male, ohne Beschreibung. Ob auch S. vermicularis Cu-
vier Regne anim. ed. 2. III. p. 191 hierher gehört? „son
opercule en massue est arme de deux ou trois petites
pointes."
Eine zweite Art scheint die Vermilia triquetra Dict.
des Sc. nat. planches 1. f. 3, deren Deckel, wenn an-
über die Gattung Serpula etc. J95
ders die Figur getreu ist, aus zwei Absätzen besteht,
und einen gegabelten, an beiden Gabelenden stumpfen
Fortsatz trägt.
5. Cymospira Savigny.
Im Mittelmeere kommt meines Wissens keine hierher ge-
hörige Art vor.
€>. Kupomatu* Ph.
1. E. uncinatus Ph. testa tereti, transversim rugosa;
diam. 1'".
animal fuscescens; branchiarum albarum, fusco-fascia-
tarum filis utrinque 13; margine operculi inciso-dentato;
cornubus octo, apice incurvo uncinatis. (Fig. Q.)
Nicht selten. Delle Chiaje bildet Memorie vol. III. t. 48.
f. 21. ein ganz ähnliches Thier mit zwei Deckeln ab,
nennt es aber Sabella euplaeana, und behauptet, es habe
ein aus Sandkörnern bestehendes Gehäuse ! !
2. E.\pectinatus Ph. testa tereti, transversim. rugosa, li-
neisque longitudinalibns obsoletis; diam. -|'".
animal fulvum; branchiarum filis utrinque decem, pun-
ctis coccineis ornatis; operculi margine crenato; cornu-
bus duodecim, rectis, utrinque pectinatis, dentibus tribus
acutis. (Fig. R.)
Ein untersuchtes Exemplar hatte zwei ganz gleiche
Deckel.
7. Spirorbis Lamk.
1. Sp. cornu arietis Ph. testa spirali, tereti, concentrice
striata; anfractu ultimo reliquos abscondente; diam. to-
tius gyri 4'".
animal pallide aurantiacum, branchiarum albarum filis
utrinque quatuor; operculo obliquo, subspathulato, in
parte postica appendice brevi aucto. (Fig. S.)
Der Deckel ist schief auf den Stiel aufgesetzt, wie bei
Cymospira, der untere oder hintere Rand ist dicker und
trägt einen kurzen, schwach zweitheiligen Fortsatz, der
obere oder vordere Rand ist dünn und einfach.
Spirorlis nautiloides Lam. ist äusserst gemein, ich habe
aber nicht Gelegenheit gehabt das Thier zu sehen.
13*
196 Dr. A. Philippi: Einige Bemerkungen
8. Vilogrann Berkeley.
Von dieser Abtheilung habe ich das Thier nicht beobach-
ten können. Nach der kurzen Notiz, ohne Angabe der Quelle,
in Lamk. hist. etc. ed. 2. V. p. 621 ist: „le nombre des ap-
pendices tentaculaires de huit, dont deux garnis d'un oper-
cule infundibuliforme." Sind wirklich acht fiihlerartige An-
hängsel da, anstatt zwei? Das wäre höchst sonderbar. Oder
sind die andern sechs appendices tentaculaires die Kiemen?
O. Protula Risso (ex emendatione Cuvieri).
1. Pr. intestinum Lamk. testa magna, tereti, undato-torta,
laevi, primum repente, deinde libera; diam. 5"\
animal (secundum Cuvier) branchiis atirantiacis.
Selten; ich habe niemals das Thier erhalten können.
Die Synonyme sind: Serpula intestinum Lande, nr. 3. —
Delessert Recueil t. 1. f. 7. bene. — Protula Ruilolphii
Risso hist. eur. merid. IV. p. 406. fDie Beschreibung,
die Risso giebt, ist so verschieden von Cuvier's Anga-
ben, dass man trotz der Autorität Cuvier's, und trotz
der groben Versehn, die so oft in Risso's Beschreibungen
vorkommen, an der Identität zweifeln möchte]. — Sahella
protula Cuv. Regn. anim. ed. 2. III. p. 192.
lO. Psygmohranehus Ph.
1. Ps. protensus Gm. testa tereti, laevi, protensa, elongata,
parum versus finem attenuata; diam. 2^'".
animal flavescens; branchiarum filis utrinque ultra 40,
albis, rubro annulatis; membrana laterali lutea, maculis
Septem rubris.
Serpula protensa Gm. p. 3744. — Rumph. t. 41. f. 3.
— Martini I. fig. 12. A. Wenngleich die Rumplische Fi-
gur eine Art aus Amboina darstellt, so kann ich doch in
der Figur keine Verschiedenheit von meiner Art entdecken.
2.Ps. cinereus Forsk. testa filiformi, glabra, varie flexa;
diam. 4 — 1"'.
animal pallide aurantiacum, branchiarum coccinearum
filis utrinque quatuor.
Serpula cinerea Forsk. fn. arab. p. 128. — Gm. p. 3747.
über die Gattung Serpula etc. 197
3. Ps. intricatus L. testa filiformi, flexuosa, tereti, sca-
bra, medio subcarinata, valde rugosa; diam. ~ — \"\
an i mal aurantiacum ; branchiarum albarum filis utrin-
que tribus.
Serpula intricata L. ed. 12. p. 1265. — Gm. p. 3741.
Sehr gemein.
Zweifelhaft ist mir folgende Art geblieben, da ich nur ein
einziges Exemplar derselben gesehen:
Apomatus ampulliferus Ph. testa transverse rugata,
dorso sulcis duobus longitudinalibus, approximatis bipar-
tito; diam. 1'".
animal operculo nullo; branchiis flavidis, fiKs utrin-
que 7, punctis purpureis ornatis; filo uno in vesicu-
lam sphaericam terminato.
Ich vvi'urde diese wunderliche Bildung ohne Weiteres
für eine Monstrosität gehalten haben, wenn nicht mein
Freund Scacchi ein Paar Jahre früher dasselbe Thier
ebenfalls mit der Blase beobachtet hätte.
Bemerkung. In dem Werke „Actinien, Echinodermen und
Würmer des Adriatischen und Mittelmeeres" von Dr. Grube
findet sich Fig. 1 1, die Abbildung einer Borste von Serpula
latisetosa. Der Name kommt im Inhalt p. 90 gar nicht vor,
wohl aber eine Sabella latisetosa; und in meinem Exemplar
fehlt Seite 57 — 64. Nach dem Verzeichniss p. 90 hat der
Verfasser folgende Arten gesammelt:
Serpula intricata L.
— glomerata L. Die Linne'sche Art ist nach den Ci-»
taten Vermetus triquetra Born.
— plicaria Lam.
— infundibulum Gm.
— vermicularis L.
— proboseidea Gm. Beruht auf 2 Figuren von Martini,
die ich nicht zu deuten wage.
— protensa Gm,
— echinata Gm.
— contortuplieata L.
— decussata Gm. Beruht auf Lister t. 547. f. 4. (co-
pirt Martini 2. f. 17) von Barbadoes, und ist wohl
ein Vermetus. Ich vermuthe, dass Herr Grube unter
198 Ed. Grube: Über den Lumbricus variegatus Müller's
diesem Namen den Vermetus subcancellatus Born,
verstanden hat.
Spirorbis nautiloides Lam.
Erklärungen der Abbildungen Taf. VI.
Fig. A. Der Deckel von Serpula vermicularis L.
B. - aspera Ph.
C. - - - subquadrangtila Ph.
- D. - - Placostegus crystallinus Sc.
E. - fimbriatus D. Ch.
F. - - - Vermilia triquetra Lam.
- G. - - - infundibulum Gm.
- H. - clavigera Ph.
J. - calyptrata Ph.
K. . multicristata Ph.
L. - - - - elongata Ph.
- M. - quinquelineata Ph.
N. - - - polytrema Ph.
O. _ emarginata Ph.
P. - - Pomatoceros tricuspis Ph.
Q- - - - Eupomatus uncinatus Ph.
R. - pectinatus Ph.
S. - - Spirorbis cornu arietis Ph.
- T. - - Vermilia triquetra Blainv. nach dem
Dict. d. Scienc. nat. planches. — Nach der Beschreibung
müsste er der Deckel von Serpula vermicularis sein.
Über den Lumbricus variegatus Müllers und ihm
verwandte Anneliden.
Von
Professor Ed. Grube.
Hierzu Taf. VII.
Die älteren Zoologen umfassten unter der Gattung Lum-
bricus nicht nur diejenigen Ringehvürmer mit Borsten, wel-
chen, wie den eigentlichen Regenwürmern, äussere Athmungs-
organe, Cirren, Antennen, Augen und ein bewaffneter vor-
und ihm verwandte Anneliden. 199
streckbarer Rüssel fehlen, sondern rechneten dazu auch man-
che Thiere, welche weniger in der Gestalt als einigermassen
in der Lebensweise den Regenwürmern ähneln. So führt Pallas
Thalassema und Sipunculus, Müller Scoloplos und Clymene,
Fabricius Arenicola, Glycera und die mit langen Rückenfäden
versehene Gattung Cirratulus als Lumbrici auf. Doch hatte
schon Linne, dem die wenigsten von diesen Thieren bekannt
waren, mindestens die Gattung Sipunculus von Lumhricus ab-
gesondert, Savigny that ein Gleiches mit Thalassema, Areni-
cola und Clymene, noch Spätere folgten ihm mit den übrigen
Gattungen, und so kam man allgemein darin überein, nur für
diejenigen Borstenwürmer die Bezeichnung Lumhricus zu ge-
brauchen, deren Körper ohne alle äussere Anhänge, ohne
Augen und Antennen, dagegen gewöhnlich1) durch eine An-
schwellung mehrerer vorderer Ringe, das Cingulum, ausge-
zeichnet ist, und deren Borsten nicht weit vorragen, sondern
wie die Aciculae der meisten im Meere lebenden Anneliden
gebildet sind, und nur paarweise stehen. So finden wir die
Gattung bei Cuvier und Lamarck festgestellt, obschon beide
unter die aufgeführten Arten einige setzen, auf welche jene
Merkmale nicht passen , indem sie unbeachtet Hessen , dass
Müller, von dem eben diese Arten entnommen sind, die schon
von Linne so hervorgehobene Anwesenheit eines Cingulums
in seine Characteristik nicht aufgenommen hat. Gerade diese
Arten sind es, welche, mit Ausnahme des L. vermicularis,
nicht wie die gemeinhin so genannten Regenwürmer in der
Erde, sondern im Boden der Gewässer leben; und so viel-
fach in neuerer Zeit jene — der Lumhricus terrestris L. —
in Species zerfällt und anatomisch untersucht sind, so wenige
Naturforscher scheint es zu geben, die sich mit den anderen
beschäftigt, und auch nur die von Müller genannten Arten
wieder aufzufinden und mit der Natur zu vergleichen ver-
sucht haben.
Herr Dr. Hoffmeister hat in einer sehr schätzenswerthen
') Das Cingulum scheint sogar nie zu fehlen, wenn anders die
Individuen vollständig geschlechtlich entwickelt sind, wie Hoffmeister
wenigstens von einheimischen Arten nachweist: bei den von mir un-
tersuchten ausländischen habe ich es auch nie vermisst.
200 Ed. Grube: Über den Lumbricus variegatus Müller's
Dissertation1) nicht allein Untersuchungen über Jen L. ter-
restris und Enchytraeus albidus, sondern auch über einen im
Wasser lebenden Borstenwurm mitgetheilt, aus dem er die
Gattung Saenuris bildet. Was den ersten betrifft, so nennt
er, weit entfernt, Duges' Annahme von 35 Arten durchaus zu
billigen — worin ich ihm auch beistimme — vorläufig nur 3
einheimische Lumbrici, den L. agricola, anatomicus und olidus,
in seiner Saenuris aber glaubt er den JLumbricus variegatus
Müller's wiedergefunden zu haben, weshalb er ihr auch den
Beinamen variegata beilegt. Ich bin hierin nicht seiner Mei-
nung, und da ich über den exotischen Anneliden die einhei-
mischen nicht vernachlässigt, im Gegentheil die im Wasser
lebenden mit besonderer Vorliebe studirt habe, so glaube ich
nicht unberufen zu sein, auch meine Ansichten über diesen
Gegenstand zu entwickeln, indem ich zuerst von dem Lum-
bricus variegatus Müller's und Bonnet's sprechen und seine
Nicht -Identität mit Saenuris variegata beweisen, sodann den-
jenigen Wurm, den ich dafür halte und einen ihm ähn-
lichen beschreiben will — beide sind mir seit längerer Zeit
bekannt, scheinen aber den Naturforschern meistentheils ent-
gangen zu sein — auch möchte ich endlich einiges über den
Platz mittheilen, den Saenuris variegata und ihre Verwandten
iu der Reihe der Anneliden einnehmen müssen.
Lumhricus variegatus Müll.
Müller characterisirt den L. variegatus folgendermassen:
Lumbricus rufus, maculatus, sexfariam aculeatus.
Vernimm serpentium, terrestrium etfluviatiliunipulcherrimus.
Corpus ruberrimum, quadratis niinimis fuscis interstinetum.
Si lente vitrea indagetur, linea sanguinea totius corporis me-
dium percurrit, utrinque maculis quadratis pinnata, pellicula
extima pellucida, hyalina.
Animalculum hoc Bonneto eximio nostri aevi philosopho
mihique miranda redintegrationis partium in quantulaeunque
frusta disseetarum in perfectos vermes speetacula praestitit.
In limo aquoso alnetorum et neniorum.
') De vermibus quibusdam ad Genus Lumbricoriun pertinentibus.
i. Berolini 1812.
und ihm verwandte Anneliden. 201
und citirt dazu Bonnet Vers d'eau douce tab. I. Fig. 1-5 (im
Text bezeichnet als premiere Espece p. 119 u. folg.).
Allein diese Abbildungen fördern das Bestreben, uns hier-
über genau zu unterrichten, sehr wenig, wir ersehen aus ih-
nen vorzüglich nur, dass der Kopftheil (das erste Segment)
nicht besonders spitz oder gar fadenförmig verlängert, und
die Aciculae sehr kurz sein müssen, und entnehmen aus der
Beschreibung, dass die Länge 15-16'", mitunter über 2" be-
trägt, die Dicke wie eine Violinseite, die Farbe röthlichbraun,
in der Mitte dunkler als an den Enden, das hintere Ende
gelblich ist, dass sich an der Unterseite der Ringel 4-6 sta-
chelartige Theile befinden, ') dass man in der grossen wellen-
förmig gekrümmten Arterie (dem Rückengefäss) die Blutwellen
vou hinten bis zum Gehirn fortlaufen sehen und auf den
Grenzen der Segmente kleine Gefässe mit mehreren Asten
bemerken kann.
Was wir aber vor Allem festhalten müssen , ist der Um-
stand, dass Bonnet an diesem Wurm vorzugsweise seine Beob-
achtungen und Versuche über die natürliche und künstliche
Theilung des Körpers anstellte: diese Art war es, bei wel-
cher er die Reproductionskraft bis auf einen erstaunlichen
Grad gesteigert fand. Die Ausführlichkeit seiner Darstellung
ermüdet fast, und so sehr ich wünschen musste, alles von ihm
Angeführte zu einer bessern Feststellung der Art zu benutzen,
so kostete es doch mir selbst einige Überwindung, mich durch
dieses Einerlei der Mannigfaltigkeit hindurch zu arbeiten. Meine
Mühe ward für diesen Zweck nicht einmal belohnt, sondern
nur die Überzeugung bestärkt, dass jene ausserordentliche Re-
productionskraft eines von den Kennzeichen sei, welche uns
bei der Wiederaufsuchung der Art besonders leiten müssten.
Was passt nun hievon auf den Bewohner des süssen
Wassers, den Hoffmeister für identisch mit dem Bonnet'schen
Wurm hält?
Von Saenuris variegata zeigen einige Exemplare eine
') Bonnet braucht den Ausdruck „especes d'epines btanehätres",
was Göze übersetzt „4-6 Arten weisslicher Stacheln'* (Hoffmeister
pag. 10. Ich selber kann leider die Gö'se'schc Übersetzung nicht be-
nutzen )
202 Ed- Grube: Über den Lumbricus varicgatus Müller's
weissliehe, andere eine röthliche, unten graue, die Jungen oft
eine orangegelbe Farbe, die Borsten stehen in Bündeln, die
Bündel in 4 Reihen, in den einzelnen Bündeln befinden sich
3 bis 7 Borsten, und die der obern Reihen zeichnen sich in
der vordem Körpergegend durch ihre Länge aus, nähern sich
auch mehr dem Rücken. Was Hoffmeister vom Rückengefäss
sagt, würde zum Theil allerdings auf Bonnet's Wurm bezogen
werden können, indess würde dieser schwerlich die im Vorder-
theil der Saenuris so sehr in die Augen fallende Verbindung
des Rücken- und Bauchgefässes verschwiegen haben, wenn
eben sein Wurm eine Saenuris gewesen wäre. Was aber das
Reproductionsvermögen betrifft, so geht aus Hoffmeisters Dar-
stellung durchaus nicht hervor, dass seine Saenuris dasselbe
in einem hohen Grade besitzt; denn, wenn diese Thiere zwi-
schen Glasplatten gepresst, nachher doch wieder im Wasser
sieh erholen und fortleben, so bekundet dies noch nicht die
Fähigkeit, zerschnitten sich zu ganzen Würmern auszubilden,
und dass sie sich freiwillig zerstückelten, führt Hoffmeister gar
nicht an.
Hieraus schliesse ich, dass Saenuris variegata nicht der
Wurm ist, den Bonnet Tab. I. Fig. 1 — 5 als premiere espece
abbildet, wollte man auch, wie Hoffmeister wünscht, auf die
Angabe der Borstenzahl an den Ringeln kein besonderes Ge-
wicht legen.
Es bliebe noch übrig anzunehmen, dass Müllers L. va-
riegatus und Bonnets ,, erste Art von Würmern" nicht einerlei
wären, und in diesem Fall wäre besonders zu beweisen, dass
Saenuris variegata auch nicht dem Müllerschen Lumbricus ent-
spräche. Allein abgesehen davon, dass Müller in diesen Din-
gen, die ihm so geläufig waren, schwerlich ein falsches Citat
beigebracht haben würde , so stimmt seine Beschreibung in der
That mit Bonnets ganz überein, es sei denn, dass er den Kör-
per nicht bräunlich, sondern roth- und braun -bunt nennt, „cor-
pus ruberrimum, quadratis minimis fuscis interstinctum." Das
von Müller über die Reproductionskraft Gesagte ist nicht etwa
Bonnet nachgeschrieben, sondern eine aus eigenen Beobach-
tungen hervorgehende Bestätigung1), aber ebenso tragt seine
') Naturgeschichte einiger Wurmarten pag. 71. „Wenn man die
und ihm verwandte Anneliden. 203
Beschreibung selbst das Gepräge der eignen Anschauung. So
spricht er z.B. hier nicht von setis, wie man soies schlecht-
weg übersetzen könnte, sondern von aculeis, ein Wort, das
er für diese Organe bei den Regenwürmern gebraucht, wäh-
rend er den Naiden durchweg setae giebt; und die Borsten
(im allgemeinen Sinn genommen) der Saenuris erinnern doch
mehr an manche Naiden, als an Regenwürmer.
Gleichzeitig muss ich eine andere Annahme Hoffmeisters
bestreiten, dass Bonnets Würmer der 2ten und 3ten Gattung
(espece) völlig identisch mit den zuerst beschriebenen, und nur
durch Färbung und Alter von ihnen verschieden seien. So
wenig ich Schweigger beipflichten kann, der in allen Bonnet-
schen Würmern Naiden zu erkennen glaubte , und seine pre-
miere espece Nais variegata nannte, so wenig kann ich jene
3 für dieselben Lumbricus- artigen Thiere halten. Auch hat
die beiden andern Müller nicht zu seinem L. variegatus citirt,
und obgleich Bonnet selbst keinen grossen Unterschied zwi-
schen der ersten und zweiten Art findet, stellt ihn doch die
Angabe der Lebensweise und die Erwähnung der „ poches ou
sacs membraneux attaehes de deux cotes de l'estomac " heraus
(pag. 207).
Während der mehrjährigen Untersuchungen über unsere
einheimischen Anneliden des süssen Wassers bin ich auf zwei
Thiere gestossen , deren (im Allgemeinen) regenwurmartige Ge-
stalt, deren Nadeln und deren ausserordentliche Reproductions-
kraft sogleich an den Lumbrictis variegatus erinnern. Das eine
ist von Müller gar nicht beschrieben; ich nenne es Euaxes
filirostris, das andere halte ich für seinen wahren Lumbri-
cus variegatus , glaube aber, dass es in keinem Fall ein Lum-
bricus (im Sinne der Neueren), sondern entweder auch zur
Gattung Euaxes zu bringen, oder besser zu einer eigenen zu
erheben sei.
langen Würmer des Herrn Bonnet, die zum Geschlecht der Regen-
würmer gehören, in Gläsern aufbewahrt, wird man bald an ihnen
den Schwanz vermissen; selbst in ihrem natürlichen Aufenthalt trifft
man wenige unbeschädigt an, die meisten sind in Begriff einen neuen
Schwanz, andere einen Kopf, noch andere beides zu entwickeln" etc.
Desgl. pag. 41: „Unter meinen Augen zersprang ein Wurm, den ich
auf den Tisch legte, in 3 Stücke, demnach scheint die Zertheilung
ihnen natürlich zu sein" u. s. w.
204 Ed. Grube: Über den Lumbricus variegatus Müller's
Euaxes filirostris Gr.
Mein Euaxes1) filirostris ist einer der schönsten Würmer,
die sich in unsern Gewässern finden. Er erreicht ei-ne Länge
von 9,5C (3" 6'") bei einer grössten Breite von 0,25c (2'"),
ist bJass fleischfarbig, aber dabei so durchscheinend, dass man
eben sowohl den von seinem Inhalt schwarz gefärbten geraden
Darm als die Gefässe durchschimmern sehen kann. Diese
schöne Färbung wird noch durch ein herrliches Farbenspiel
erhöht, welches jedoch nicht immer gleich stark hervortritt,
sondern am meisten, wenn das Thier gereizt wird. Dann
schwingt es seinen Körper in den heftigsten und dabei gra-
ziösesten Krümmungen , und ein wahrhaft leuchtender stahl-
blauer Glanz überfliegt seinen Rücken, am meisten da, wo
die Färbung am dunkelsten und der Darm am dicksten ist, in
der Mitte: nie habe- ich ihn bei den eigentlichen Regenwür-
mern , obwohl sie etwas ähnliches zeigen , so lebhaft gesehen.
Liegt das Thier ruhig unter Wasser in einem Glase zwischen
opaken Gegenständen, so erscheint es graulich mit einem schwa-
chen veilchenfarbigen Schimmer, der mitunter in's Grünliche
übergeht. Der Körper ist nicht ganz cylindrisch ; sondern vier-
flächig (Fig. 1. b), der Durchschnitt ein Trapez, dessen län-
gere Seite dem Rücken, und dessen kürzeste dem Bauch an-
gehört, die Flächen sind aber ein wenig gewölbt, der Rücken
zuweilen, namentlich auch nach dem Tode, coneav. Nach
vorn hin nimmt der Körper an Breite ab, weniger nach hinten,
wo dies nur vom Ende selbst gilt; während er jedoch vorn
seine verhältnissmässige Dicke behält, wird er hinten flacher,
also im Verhältniss zur Dicke, und bei manchen Exemplaren
auch an sich breiter als in der Mitte; bei letztern sieht das
Schwanzende wenig abgerundet, fast abgestutzt aus. Der Darm
wird hinten so dünn, wie ein Faden, misst hier wohl kaum
den 6ten Theil der Körperbreite und erscheint einfach, perl-
artig abgeschnürt durch Dissepimente, die überhaupt nirgends
zu fehlen scheinen, wogegen er im vordem Theil des Körpers
bis gegen die Mitte hin durch seitliche schwarze Organe, ver-
mutlich Darmblindsäcke, gefiedert aussieht. Ganz vorn, etwa
') tcc(i>)g, zerbrechlich.
und ihm verwandte Anneliden. 205
in den ersten 6 Segmenten, bemerkte ich diese Organe eben-
falls nicht; ein besonderer Magen fehlt.
Eine andere, den Euaxes filirostris auszeichnende Eigen-
thümlichkeit ist die Beschaffenheit seines Kopflappens. Der
Mund liegt ganz an der ßauchfläche des ersten Segments, und
der Theil von diesem, der sich über ihn hinaus erstreckt, und
der der sogenannten Oberlippe der Regenwürmcr entspricht,
ist nicht ein abgerundeter kürzerer oder längerer Lappen, wie
dort, sondern setzt sich in einen äusserst dünnen und be-
weglichen, durchsichtigen Faden fort (Fig. 1. a.); eine Bildung,
welche nur mit der Nais prohoscidea verglichen werden kann.
Der Faden kommt an Länge etwa den folgenden 3 — 4 Seg-
menten gleich, ist im Leben glatt, nach dem Tode unregel-
inässiger oder regelmässiger am Rande eingekerbt und gerin-
gelt, aber die Ringel nicht beständig, wie an den Fühlern der
meisten Eunice- und der Syllisarten. Wegen dieser sonder-
baren Gestalt des Vorderendes habe ich den Beinamen filiro-
stris gewählt.
Der Körper ist in eine sehr grosse Menge (gegen 160
— 170) kurzer, wenig oder gar nicht von einander abgesetz-
ter Segmente getheilt, deren jedes im hintern Theil des Kör-
pers etwa 3 Mal, vorn etwa 2 Mal so lang als breit ist und
4 Paar Nadeln trägt; Iloffmeister hat für diese Theile bei den
Regenwürmern die "Willis' sehe Benennung pedicelli wie-
der eingeführt, da sie aber in der That am meisten den Aci-
culis oder Nadeln der übrigen Anneliden entsprechen , und
diese eben so gut durch Muskeln bewegt werden als jene,
so sehe ich keine Nöthigung, den obigen Ausdruck dafür an-
zuwenden. Die Nadeln sind hier leicht S förmig geschweift,
sehr wenig vorragend, und öfters ragt von einem Paar über-
haupt nur eine hervor, während die andere in der Körper-
wandung verborgen ist. Ihre Reihen nehmen die Kanten des
Körpers ein (Fig. 1. a. b. c).
Von Gefässen schimmern durch: ein starkes, mitten auf
dem Darm liegendes, sich contrahirendes Rückengefäss und 2
zarte Stämme zu beiden Seiten des Nervenstranges (wahr-
scheinlich sind es nur die Säume eines von ihm verdeckten
Stammes). Von dem Rückengefäss geht in jedem Segment
gegen die obern Borsten hin rechts und links ein Zweig ab,
206 E(*- Grube: Über den Lumbricus variegatus Müller's
der, wie man an mehreren Stellen sehr deutlich sieht, wie-
derum durch senkrecht auf ihm stehende Zweigelchen gefie-
dert ist (Fig- 1« d.)j die Enden der nächst vorderen und hin-
tern Reihe derselben erreichen fast einander und verbreiten
sich so über den ganzen Rücken, wie eine Art rechtwinkli-
ches Netzwerk. Es würde hier zu weit führen, genauer in
den Blutlauf einzugehen, doch muss ich noch einiger anderer
gleichfalls durchschimmernder Theile erwähnen, nämlich klei-
ner hochgelber runder Flecken (Bläschen) , welche an der un-
tern Reihe der Nadeln stehen, und weisser ovaler Körper,
die man etwa in der zweiten Hälfte vom vordersten Drittheil
des Leibes (bei einem Exemplar z.B. vom 22sten bis 56sten
Segment) und nur zu einer gewissen Zeit findet; wahrschein-
lich bilden sich in ihnen die Eier; aber zu keiner Zeit des
Jahres konnte ich einen Gürtel, nie auch jene 2 Vulven der
Regenwürmer entdecken.
Die Reproductionskraft dieses Wurmes ist eben so gross
als seine Reizbarkeit; Selbstzerstückelung habe ich oft ohne
besonders sichtbaren Anlass beobachtet, sie erfolgte aber auch
wenn man den Körper hart berührte, und besonders beim Ein-
setzen in Weingeist. Seine gallertartige Substanz bricht dann
bei den heftigen Windungen wie Glas, bekommt an einer oder
mehreren Stellen Risse, und überall dringt hier der Inhalt
der Blutgefässe tropfenweise durch die Haut durch, zuweilen
auch der Darminhalt. Sehr häufig bemerkt man Individuen
mit reproducirten Schwänzen, die man in der Regel an ihrer
geringern Breite, vollkommnern Durchsichtigkeit und der Kürze
ihrer Segmente erkennt.
Hiernach würden sich die Hauptmerkmale so zusammen-
fassen lassen: Corpus vermiforme, trapezoideo-cylindricum,
hyalinum, antice attenuatum, postice complanatum, acicularum
geminatarum seriebus 4 armatum. Os inferum. Segmentum
primuni (capitale) in filum longum productum. Organa interna
conspicua, intestini pars media sacculis paribus, vas dorsuale
ramulis pinnatis munitum. Cingulum nulluni. Vis sese red-
integrandi insignis.
Ich fand dieses Thier in der Ufererde des vom Pregel
gespeisten grossen Grabens aus Fort Friedrichsburg, in dem
milden Winter 1842 selbst noch im December in mehreren
und ihm verwandte Anneliden. 207
Exemplaren. Herr Oberlehrer Menge, dem die Wissenschaft
höchst belehrende Beobachtungen über die Spinnen verdankt,
schickte mir auch Exemplare aus Danzig zu, und wahrschein-
lich wird man es, wenn man ernstlich nachsucht, auch an vie-
len andern Orten entdecken. Einige Individuen hielt ich meh-
rere Tage lang unbeschädigt in meinen Gläsern, gewöhnlich
aber verlieren sie ganze Körperstücke. Sie unversehrt zu
tödten und in Weingeist zu bewahren, wollte mir anfänglich
durchaus nicht gelingen. Wenn es aber auch glückt, so biissen
sie ihr Ansehen und ihre Färbung ein, es schwindet das Far-
benspiel, welches sich doch bei den meisten damit ausgestat-
teten Anneliden des Meeres erhält, es schwindet die Durch-
sichtigkeit, und der fadenförmige Rüssel bricht leicht ab.
Von allen Würmern, die Bonnet und Müller beschreiben,
passt auch nicht einer auf diese Art; denn wären ihnen viel-
leicht die übrigen Merkmale minder wichtig erschienen, so
hätten sie wohl gewiss nicht den fadenartigen Rüssel mit Still-
schweigen übergangen ').
Lumbriculus variegatus Gr.
L. variegatus ist in allen Verhältnissen kleiner als Euaxes
filirostris; er wird nur 4 — 5C ("2") oder etwas drüber lang bei
einer Dicke von noch nicht voll 0,lc (also etwa wie eine Violin-
saite). Seine Farbe ist gegen die Mitte hin dunkler als am
Hinterende und ganz vorn, aber überall gemustert, indem grau-
braune oder schwärzliche Stellen mit fast ganz durchsichtigen
abwechseln, und auf dem Schwärzlichen das lebhafte Roth der
Blutgefässe hervortritt. Die Flecken sind durchaus regelmässig.
Nie habe ich an diesem Wurm eine Spur von dem herrlichen
Farbenspiel bemerkt, durch welches sich die vorige Art so
sehr auszeichnet. Die Gestalt des Körpers nähert sich dem
Stielrunden, doch scheint mir die Rückenfläche stärker convex
als die Bauchfläche (Fig. 2. d.), an der sich nur die Mitte etwas
') Hr. Dr. Hoffmeister hat in dem mir vorliegenden 4. Heft des
9. Jahrganges (1843) dieses Archivs einen Wurm beschrieben, der die-
sem äusserst nahe steht, seine Rhynchelmis Limosella. Ich wage nicht
zu behaupten, dass die Abweichungen Beobachtungsfehler seien, sollte
es sich aber dennoch so verhalten, so würde ich den Namen der älte-
ren und umfassenderen Beobachtung zu respectiren bitten.
Den 26.Decbr. 1843.
208 Ed. Grube: Über den Lumbricus variegatus Miiller's
bebt, das Ilintcrende ist nicbt flach, das Vorderende nicbt so
merklich dünner, wie bei L. filirostris, die Zahl der Segmente
bei grossen Exemplaren sehr beträchtlich, 160 und mehr, oft
aber auch nur halb so gross, wenn das Individuum nämlich
durch Ablösung von einem grössern kurz vorher entstanden
ist, die Segmente haben im gestreckten Zustande etwa dieselbe
Länge und Breite, nur nach hinten hin nimmt erstere ver-
hältnissmässig ab; sie sind im Leben wenig oder gar nicht ab-
gesetzt, so dass der Körper nicht geringelt erscheint, was
jedoch bei der Aufbewahrung in Weingeist geschieht. Auch
hier liegt der Mund an der Unterfläche des ersten Segments,
dessen vorderer Theil sich über ihn in Gestalt eines gewölbt-
eonischen Lappens mit stumpfer Spitze fortsetzt (Fig. 2. a.),
aber nicht die mindeste Ähnlichkeit mit der Rösselbildung des
E. filirostris verräth.
Die Nadeln stehen in 4 Reihen, und zwar paarweise; es
würde also der Character Miiller's „sexfariam aculeatus" streng
genommen hier zwar auch nicht passen, indessen lässt sich die
Abweichung doch leichter als bei Saenuris erklären, da auch
hier von den Paaren nicht selten eine Nadel allein aus der
Haut hervorragt, die andere darin zurückbleibt, auch öfters,
zumal in den obern, seitlichen Reihen, die eine die andere
deckt. Die Gestalt der Nadeln ist lang S-förmig, die Spitze
einfach (bei sehr starker Vergrösserung zeigt sie noch oben hinter
dem Schnabel und auf seiner Basis ein Köpfchen Fig. 2. c), und,
wie bei den eigentlichen Regenwürmern, wenig hervortretend.
Die Wandung des Körpers ist auch bei Lumbriculus va-
riegatus so durchscheinend, dass man durch sie hindurch die
Organe gut erkennen kann, wodurch eben das hübsche Mu-
ster entsteht. Vorzüglich gilt dies vom Darm, der, wie man
mit einer schwachen Loupe sieht, in jedem Segment einen
rechten und linken schwärzlichen, fast bis zum Rande gehen-
den, viereckigen Fleck bildet, in der Mitte zwischen beiden
läuft das dicke hochrothe Rückengefäss, die Leibesränder selbst
erscheinen wie zwei fast farblose durchsichtige Säume. Wer
würde hierin Miiller's Worte nicht wieder erkennen: „Corpus
ruberrimum quadratis minimis fuscis interstinetum. Si lente
vitrea indagetur, linea sanguinea totius corporis medium per-
currit, utrinque maculis quadratis pinnata" etc.
und ihm verwandte Anneliden. 20!)
Untersucht man noch genauer, so wird man finden, dass
der Dann an sich ein mittleres einfaches, gerades Rohr dar-
stellt, dass aber an ihm in jedem Segment, mit Ausnahme der
etwa 6 bis 11 vordersten, deren dunkle Zeichnung mehr in
der Haut zu liegen scheint, rechts und links ein schwärzli-
cher Anhang hervortritt; eine stärkere Vergrösserung lehrt,
dass dieses anfänglich einfach aussehende Säckchen gefingert
oder gefiedert ist, dass in diese Finger vom Rückengefäss Blut
hineintritt, und dass sie, wie dieses selbst, sich ausdehnen und
zusammenziehen, wobei ihre Enden, weil sie frei in die Kör-
perhöhlung hineinhängen, sich noch wurmartig zu krümmen
pflegen; man glaubt die äusserlichen Kiemen der Arenicolen
und ihr Spiel hier im Innern des Leibes zu erblicken (Fig. 2. b.).
Ich bin noch nicht im Stande mit völliger Gewissheit diese
Bildung zu erklären, halte aber dafür, dass jene Anhänge
wirklich dem Darm angehören, dass die Gefässe nur auf ihrer
Wandung sich verbreiten, und ihre Contraction von der der
Gefässe herrührt, dass sie drüsig sind, und ihr Secret in den
Darm ergiessen oder Stoffe aus ihm aufnehmen und in das
Gefässsystem führen.
Übrigens finde ich diese für das Gefässsystem der Wür-
mer höchst interessante Beobachtung auch von Treviranus an-
gegeben:1) er bezeichnet gleichfalls die Annelide, an welcher
er dies gesehen , als den Lumbrieus variegatus JMüller's , ob-
schon er keine nähere Beschreibung hinzufügt.
Ein Bauchgefässstamm und seitliche Gefässe an den Gren-
zen der Segmente lassen sich auch wahrnehmen, minder deut-
lich der Nervenstrang. Einen deutlichen Magen konnte ich
nicht bemerken.
Die Reproductionskraft ist bei dieser Art nicht minder
gross als bei der vorigen : Exemplare mit einem neu ange-
setzten Schwanz sind sehr häufig, und Bildung von Kopfenden
erinnere ich mich auch öfters gesehen zu haben.
So würde sich denn diese Annelide folgendermassen cha-
racterisiren lassen :
') G. R. Treviranus: Beobachtungen aus der Zootomie und Phy-
siologie, nach dessen Tode herausgegeben von L. C. Treviranus.
Bremen 1839. pag. 59.
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. 1. lid. 14
210 Ed. Grube: Über den Lumbricus variegatus Müller's
Corpus vermiforme, quasi teres, subaequale, hyalinum,
rubro-nigroquo variegätum, acicularum geminarum seriebus
4 armatum. Os inferum, lobulo conico obtuso superatum.
Organa interna conspicua, vas dorsuale ramis pinnatis contra-
ctilibus dilatatum. Cingulum nulluni. Vis sese redintegrandi
insignis.
Diesen schönen Wurm fand ich in Teichen und Gräben,
und zwar eben sowohl in ihrer Erde oder ihrem Bodensatz,
als zwischen den Blättchen der Lemna minor, mit denen ihre
Oberfläche bedeckt war, mochten sie nun frisch, oder wie im
ersten Frühjahr, wenn kaum die Eisdecke geschmolzen ist, ab-
gestorben sein. Er hält sich selbst in übelriechenden Pfützen
auf, in denen sonst nur Wasserasseln, Cyclopsarten und
schwarze Blutegel zu bemerken waren. So theilte ihn mir
Herr Medizinal rath Rathke aus einem sumpfigen Bassin mit,
Herr Professor Hagen gab ihn mir öfter aus Gläsern voll Gra-
benwassers, die den Winter über in seinem Zimmer gestanden
hatten. Seine Bewegungen sind nur auf äussere Reize leb-
haft, er schlängelt sich dann in heftigen raschen Windungen,
sonst kriecht er langsam am Boden oder zwischen den Wür-
zelchen der Lemna. Zwei Vulven wie bei den Regenwürmern
habe ich bei diesen Thieren nie gesehen.
Schliesslich entsteht die Frage, ob man besser thäte,
die beschriebenen beiden Würmer zu derselben Gattung zu
rechnen? Obgleich sie manche gemeinsame Merkmale von
Lumbricus unterscheiden, und sie auch sonst unter einander
mehrfach äusserst nahe verwandt sind, so glaube ich doch,
dass die Abweichungen des Gefässsystems und des Darmka-
nals, sowie der Gesamintgestalt des Körpers, mich berechti-
gen, daraus 2 Gattungen zu bilden, die sich von Lumbricus
durch folgende Kennzeichen entfernen:
Gen. Euaxes: Corpus vermiforme, trapezoideo- cylindri-
cum, postice complanatum, hyalinum, paene fragile, acicula-
rum geminarum seriebus 4 armatum. Os inferum: lobulus
labrum referens a segmento sequente haud distinetum. Inte-
stinum rectum, postice tenuissimum, in media parte saeculis
simplieibus, vas dorsuale ramulis pinnatis, minus contracti-
libus munitum. Cingulum nulluni. Vulvae insignes nullae. Vis
sese redintegrandi maximä.
und ihm verwandte Anneliden. 211
Gen. Lumbriculus: Corpus vermiforme seil filiforme,
quasi teres, hyalinum, acicularum geminarum seriebus 4 ar-
matüra. Os Ulferum, lobulus labrum referens a segmento se-
quente band distinetum. Intestinum rectum, per totam fere
longitudinem saeculis digitatis, vas dorsuale ramis amplis, con-
tractilibus iis respondentibus, dilatatum. Cingulum nulluni;
Vulvae insignes nullae. V7is sese redintegrandi maxima.
Bei beiden Thieren geschieht die Fortpflanzung durch Eier,
welche mehrere Dotter enthalten, ich habe sie von beiden im
Frühjahr gesammelt, und die Entwicklung der Jungen ver-
folgt, von der ich an einem andern Ort ausführlicher handeln
werde. Hier führe ich nur an, dass sie einander sehr ähn-
lich sehen : das Ei , welches Hoffmeister (tab. I. Fig. 25.) ab-
bildet und als ein Ei von Saenuris bezeichnet, scheint mir von
einem der obigen Thiere zu sein: wäre die Grösse angegeben,
so würde dieser Zweifel leichter gehoben sein, so aber kann
ich nur nach der Gestalt urtheilen, welche von den mir wohl-
bekannten Saenuris- Eiern abweicht.
Saenuris variegata Hoff in.
Nachdem ich bewiesen zu haben glaube, dass ein ande-
res Thier als Saenuris variegata der Lumbricus variegatus
Müller's sei, entsteht nun die Frage, ob der von Hoffmeister
beschriebene Wurm nicht auch schon den altern Forschern
bekannt gewesen sei.
Unter Bonnet's Würmern kann man mit Recht auf ihn die
3te und 4te Art (pag. 219) beziehen, von denen er sagt: sie
Seien weiss! ich e Würmer, welche, wenn man sie verstümmelt,
sterben: (mir wenigstens ist es bisher nicht gelungen, mich
von der Reproductionskraft der Saenuris oder ihrem langem
und kräftigen Weiterleben nach einer Zerreissung zu überzeu-
gen, wenn ich auch das Gegentheil nicht geradezu bestreiten
mag); ferner, sie seien noch schlanker als die erste und zweite
Art, statt beim Berühren sich hin und her zu krümmen, roll-
ten sie sich knäuelartig ein, sie seien weniger lebhaft, und
hielten ihr Hinterende gewöhnlich zu dem Loche heraus, in
welchem sie sässen , indem sie damit unaufhörliche Schwin-
gungen machten. Dies ist gerade das Eigenthümliche der Saen-
uris, und Hoffmeister hat sehr bezeichnend und hübsch dar-
14*
212 Ed- Grube: Über den Lumbrieus variegatus Miiller's
nach diesen Namen gewählt. Da jedoch Bonnet sich nicht
auf eine sehr genaue Beschreibung einlässt, kann man sich
auch von der Identität beider Thiere nicht versichert halten,
obgleich sie mindestens sehr verwandt zu sein scheinen.
Müller nennt 2 Lumbrici , von denen man jeden in eini-
gen Beziehungen mit Saenuris vergleichen darf: L. tubifex
und Uneatus.
}iL. Uneatus: L. albus, linea longitudinali rubra. Corpus
pallidum pellucidum, intestino longitudinali supra et subtus
rubro vel exactius arteria dorsi lata, vena ventris media an-
gusta rubra, canalis alimentarius arteriae incumbit (kann wohl
nur heissen: liegt an). Arteria lutea est, liquor vero in eo
contentus ruber. Vena caput versus bifida, hinc (?hic) san-
guis ex arteria per duas venulas in venain magnam intrat.
Setas brevissimas raro exserit, in mortis agone microscopii
ope conspicuas.
Ovarium album, quartam corporis partein ab ore remo-
tum, Majo ovulis fartum reperi."
Die Beschreibung des Gefässsystems stimmt ganz mit Saen-
uris überein, wer dies nur einmal bei einer Saenuris auf-
merksam mit einer stark vergrössernden Loupe betrachtet, kann
unmöglich die so in die Augen fallende Gabeltheilung der
grossen Stämme am Vorderende übersehen, auch hat sie Iloff-
meister sehr sorgfältig abgebildet (Tab. II. Fig. 4.). Von den
Schwingungen des Schwanzendes sagt Müller nichts, sondern
nur „partem posticam semper in spiram torquet" — eine
Stellung, welche meine Exemplare von Saenuris auch sehr
oft annahmen, wenn sie sich nicht eingebohrt hatten — , und
da überdies jenes Thier am Gestade der Ostsee, nicht im
süssen Wasser vorkommt, so gehört es vermuthlich derselben
Gattung an , ist aber eine andere Art.
Rathke beschreibt eine Annelide aus dem Schlamm des
Meeres von Norwegen,1) welche er möglicherweise für den
L. lineatus Miiller's hält: sie hat kein Cingulum, eine ziem-
lich weit vorspringende, dicke, vorn abgerundete Oberlippe,
etwa 80 eben so lange als breite Ringel, an denen jederseits
vorn 4 in einer senkrechten Reihe stehende, aus einer Falte
') Acta Acadeiniae Leop. Natur. Curiosorum. Vol. XX. P. I. pag. 231.
und ihm verwandte Anneliden. 213
hervorragende, weiter nach hinten nur 2 Borsten vorkommen,
ganz hinten schienen sie gänzlich zu fehlen. Diese Anord-
nung der Borsten würde allerdings mit der andern Saenuris
nicht übereinstimmen.
Häufiger besprochen und citirt ist der andere Lumbricus:
L. tubifex. Alles, was Müller von der Lebensweise dessel-
ben sagt, passt auf Saenuris. Iloffmeister hat zwar nicht be-
merkt, dass seine Saenuris auch Röhren aus Erdtheilehen baut,
allein bei den von mir beobachteten Thieren der Gattung habe
ich gefunden, dass, wenn man ihnen nur längere Zeit Ruhe
lässt, und der Bodensatz des "Wassers fein genug ist, sie sich
selbst in Gläsern oder Tassen kurze Röhrchen machen. Bei
allem dem vernichtet Müller's Zusatz „bifariam aeuleatus",
den er in seiner weitern Beschreibung noch besonders aus-
führt ,,nec aculeus nee Verruca, ne quidem valde aueta raagni-
tudine aliquamdiu se conspici praebet, ininutorum tarnen in-
tervallo ruga intersectionis segmentorum in verrueulam infla-
tur, aculeusque brevissimus seu mucro ex ea exseritur", die
Möglichkeit den L. tubifex auf Saenuris zu beziehen , worin
ich Iloffmeister durchaus beistimme.
Die Abbildung von Trembley, ') welche Müller zu seinem
L. tubifex citirt, zeigt nichts als eine Menge aus dem Boden
hervorragender Körperenden von sehr dünnen Würmern, ohne
instruetive Vergrösserung ihrer einzelnen Theüe , und wird
durch den Text so wenig ergänzt, dass von hier aus nicht
ein Lichtstrahl mehr auf das Seltsame der Müller'schen Be-
schreibung fällt, dass nämlich wirklich nur eine Reihe von
Nadeln jederseits vorhanden sei.
Doch hat Duges neuerlich zwei Anneliden als Tubifices
beschrieben : T. gentilianus und T. uncinarius, welche in der
That, der eine (T. gentilianus) durchweg, der andere im gröss-
ten Theil des Körpers nur eine Reihe Nadeln jederseits be-
sitzen sollen : allein auch bei jenem stehen sie nicht einzeln,
sondern bilden Büschel, können also nicht der wahre Liini-
bricus tubifex sein, obschon sie die Wahrscheinlichkeit, dass
') Trembley Memoires pour servir ä l'histoire des Polypös d'eau
douce. 4. Leyden 1744. pl. VII. fig. 2.
214 Ed. Grube: Über den Lumbricus variegatus Müller's
Müller in der Zahl der Borstenreihen sich nicht geirrt, offen-
bar erhöhen.1)
Übrigens fügt Müller ausdrücklich hinzu, dass mit L. tu-
bifex zusammen noch einige andere, kaum von ihm zu un-
terscheidende Würmer lebten , und citirt als eine solche Art
Schäffers „kleinen Wasseraal", den er sogar als ß zu sei-
nem Lumbricus tubifex rechnet — befremdend genug, da der-
selbe sehr lange in Bündelchen stehende Borsten besitzt, Bor-
sten , deren hervorragender Theil an manchen Stellen der
Breite des Körpers gleichkommt. Wenn sich aber die Ver-
muthung über die Identität irgend einer der eben besproche-
nen Anneliden mit Saenuris variegata begründen lässt, so ist
dies bei dem Schäfferschen Wurm der Fall. Herr Dr. Hoff-
meister scheint seine Abhandlung und die dazu gegebenen Fi-
guren nicht gekannt zu haben, ich glaube aber, dass, wenn
er sie vergleicht, er meiner Ansicht nicht abgeneigt sein wird.
Die einzigen Zweifel, die dagegen erhoben werden könnten,
sind die Gestalt des Darms und die Zahl der Borstenreihen.
Jener ist gerade, aber an einigen Stellen des Körpers wellen-
artig gekrümmt dargestellt: inJessen habe ich ihn bei den
Contractionen meiner Thiere wirklich öfters so gesehen , in-
dem sich das einem einzelnen Segment entsprechende Darm-
stück bei dessen Verkürzung S-förmig krümmt, und finde nur,
dass die Auslassung der Dissepimente in Schäffers Abbildung
einen etwas fremdartigen Character hineinbringt. Die Serpen-
tine des dünneren Bauchgefasses ist richtig aufgefasst, ich habe
es auch stärker gekrümmt gefunden als das Rückengefäss. Die
Zahl der Borstenreihen giebt Scbäffer auf 2 an, und Müller
bezieht sich darauf; allein hier haben wir wohl ein Recht,
Schäffer's Genauigkeit nicht zu hoch anzuschlagen, da, wie er
selber sagt, es ihm nicht einmal gelang, die Mundöffnung zu
entdecken, und in der That die untern Borsten bei gefülltem
Darm schwer zu sehen sind.
Ehe ich diese Bemerkungen schliesse, muss ich noch die
') Annales des scienees naturelles. Seconde Serie. Tome VIII.
pag. 32. pl. I. fig. 26.
2) Abhandlungen von Inseeten. Regensburg 1764. Ed. I. pag. 307.
Tab. III. Fig. 1-3.
und ihm verwandte Anneliden. 215
Frage erörtern, ob die von mir untersuchte Saehuris dieselbe
sei, die Hoffmeister beschreibt: ich hatte sie von vorn herein
mit Ja beantwortet, bin aber später aus folgenden Gründen
zweifelhaft geworden:
1) die Acicnlae der untern beiden Reihen haben eine ge-
spaltene oder mit einem Zahn versehene Spitze, wovon Hoff-
meister bei seiner S. variegata nichts erwähnt, und in den
oberen beiden Reihen stehen eben solche neben den haarför-
nrigen, langen Borsten, welche die Breite des Körpers nicht
selten an Länge übertreffen: die letzteren kann ich sehr weit
nach hinten verfolgen.
2) Die weiblichen Genitalien münden am 9ten Borsten-
bünde], Hoffmeister giebt das Ute Segment an.
3) Hoffmeister sah die Geschlechtsorgane besonders deut-
lich gegen Ende Juli oder Anfang Augusts: meine Würmer
hatten schon im Juni ihre Eier gelegt. Sollte S. variegata den
ganzen Sommer hindurch Eier legen?
4) Dass S. variegata Röhrchen baute, konnte Hoffmeister
nicht bemerken: bei meinen Würmern habe ich mich davon
überzeugt.
Saenuris und die im äussern und innern Bau ihr ver-
wandten Anneliden nehmen nach meinem Dafürhalten eine
Mittelstufe zwischen Lumbricus und Nais ein, stehen aber den
Naiden näher: ich möchte sie eine höhere Ausbildung des
Naidentypus nennen.
Bei Saenuris sowohl als bei Nais sind die Segmente ge-
streckt, nicht kurz, nicht ringförmig und so stark abgesetzt
als bei Lumbricus, die Körperwandung äusserst durchsichtig,
die harten beweglichen Theile derselben eher Borsten (setae)
als Nadeln (aciculae) zu nennen, — wenigstens gilt dies von
den haarförmigen — und meistens zu mehr als zweien zu-
sammenstehend, beide leben im Wasser und zeigen einen
durchaus ähnlichen Bau in den Athniungsorganen, dem Darm-
kanal und den Geschlechtsorganen. Die weiblichen hat Hoff-
meister von Saenuris beschrieben (Tab. II. Fig. 23.), die männ-
lichen, die er nicht mit Sicherheit nachweisen konnte, sind
mir bekannt: sie liegen um ein Segment weiter nach vorn als
die weiblichen, und bestehen in zwei ansehnlichen, nach ihrem
Grunde zu erweiterten Blindsäcken, welche jeder durch einen
216 Ed. Grube: Über den Lumbricus variegatus Müller's
besondern, ziemlich kurzen Kanal nach aussen münden. Ich
fand darin ein paar wurmartige, im Verhältniss grosse Körper
mit einem stark erweiterten, Scheiben- oder kugelförmigen
Ende, welche wohl nichts anderes als Massen von Samen-
thieren, wahrscheinlich in eine durchsichtige Hülle eingeschlos-
sen, gewesen sind. Da diese Beobachtung vor einer Reihe von
Jahren gemacht und später nicht wiederholt wurde, so möge
man damit die Unbestimmtheit meiner Darstellung entschuldi-
gen. Was endlich das Gefässsystem anlangt, so ist seine An-
lage in beiden Gattungen übereinstimmend, bei Saenuris aber
seine Ausführung vollkommner, vor allem die Blutfarbe inten-
siv roth, nicht gelblich oder fast farblos, wie bei Nais.
Aber die hohe Reproductionskraft, mit welcher die Nai-
den ausgestattet sind, und welche sich bei ihnen auch in frei-
williger Theilung zeigt, fehlt Saenuris. Schärfer erzählt, dass
wenn er seine kleinen Wasseraale mit einer scharfen Schere
zerschnitt, er nach einigen Wochen solche Individuen wieder-
fand, welche allerlei Knoten an ihrem Leibe zeigten, einer
bekam zwei Schwanzenden; wahrscheinlich ist auch die Jahres-
zeit auf solche Versuche nicht ohne Einfluss.
Auf der andern Seite schiebt sich zwischen Nais und
Lumbricus die Gattung Enchytraeus ein, welche mit jener
vieles in der innern Organisation und die Blutfarbe, mit die-
sem manches Andere in jener Beziehung und die Lebensweise
gemein hat.
Zwischen Lumbricus und Saenuris endlich stelle ich meine
neuen Gattungen Euaxes und Lmnbriculus; ihre sehr zusam-
mengesetzte Organisation erlaubt uns nicht, ihnen einen nie-
drigeren Platz anzuweisen , obschon ihre erstaunenswürdige
Reproductionskraft sich erst auf einer viel tieferen Stufe, in
den Naiden, in demselben Grade wiederholt.
Königsberg, November 1843.
Erklärung der Abbildungen Taf. VII.
Fig. 1. Euaxes filirostris Gr. bei einer fast dreimaligen Vcr-
grösserung.
Das Thier ist nach dem Leben und zwar in einem ge-
reizten Zustande gezeichnet, in welchem ein blauer Schim-
mer über den mittleren Theil des Rückens läuft.
und ihm verwandte Anneliden. 217
Fig. 1. a. Die vordersten Segmente desselben Wurms, seitlich ange-
sehen, um die Mundöffnüng und die Borstenreihen zu zeigen.
1. b. Ein senkrechter Leibesdurchschnitt, aus der hintern Hälfte:
der Kücken ist hier concav gebogen dargestellt, wie er
oft erscheint.
1. c. Ein Paar Nadeln.
1 d. Ein kleines Stück aus der mittleren Partie des Körpers,
von oben gesehen. Hervorgehoben sind hier der Darm und
die ihn umfassenden Dissepimente, die einfachen Blindsäck-
chen, die auf dem Darm liegen, und das Rückengefäss mit
seinen paarigen, gefiederten zarten Ästen.
Lumbriculus variegatus Gr., bei einer etwa fünfma-
ligen Vergrö'sserung.
Seitenansicht der vordersten Segmente und des Mundes.
Senkrechter Durchschnitt des Leibes.
Ein Paar Nadeln.
Ein Paar Segmente aus der Mitte, von oben betrachtet;
man sieht den Darm, die ihn umfassenden Dissepimente
und das starke Rückengefäss mit seinen ansehnlichen Ästen,
welche mit contractilen, blinden Ausläufern enden. Der
dunkle Saum, den man an diesen Gefässausläufern wahr-
nimmt, deutet darauf hin, dass die Gefässe sich auf beson-
dern, ähnlich gestalteten Organen (vermuthlich Darman-
hängen) verbreiten.
Sjstematiscbe Übersicht über die Ordnung der
Zecken.
Yon
C. L. K o c h,
Kreisforstrath in Regensburg.
Die Arachnidenordnung der Zecken schwingt sich zu einer
der reichern empor, wenn nicht sowohl die bisher bekannten
Arten, als vielmehr jene , womit die Museen in neuerer Zeit
geschmückt sind, in Betrachtung genommen werden. Ich ver-
danke dem Herrn Geh. Rath Klug, Director des Berliner Mu-
seums, die zuvorkommende und sehr gefällige Mittheilung
eines reichen Vorrathes dieser Thierchen, wodurch ich in den
218 C. L. Koch: Systematische Übersicht
Stand gesetzt worden bin , Beiträge zu einer Übersicht zu
sammeln, die sich liier abgekürzt zusammengestellt findet, aber
weiter ausgeführt und mit Abbildungen versehen in dem vier-
ten Hefte der Übersicht des Arachnidensystems mit der Zeit
erscheinen wird.
Die Zecken lassen sich , ohne gegen das Prinzip der Clas-
sification zu fehlen, nicht mit einer der bekannten Arach-
nidenordnungen vereinigen, und ebenso wenig mit der Ord-
nung der Acariden, wohin sie bisher gezählt worden sind,
mit welchen sie nur jene Charactere gemein haben, welche
überhaupt der Thierklasse der Arachniden zukommen.
Die eigenthümlichen Merkmale zur Bildung der Zecken-
ordnung liegen in den Formen und in dem Vorhandensein
gewisser Organe der Ernährung, der Fortpflanzung und der
Respiration. — Es wird hier genügen, der zwei letztern im
Wesentlichen zu erwähnen.
Dass in beider Hinsicht einige Verwandtschaft mit den
Spinnen sich aufdrängt, ist nicht zu verkennen.
Schon Degcer hat beobachtet, dass grössere Zecken vor-
kommen, an deren Unterseite sich eine kleinere angeklam-
mert hatte, von welcher der Rüssel in eine Öffnung der grös-
sern eingesenkt war.
Dieser Zustand kommt häufig vor und ist nichts anderes
als die Copulation. Wird ein solches Pärchen in Weingeist
gebracht, und wird, wenn sie todt sind, das kleinere Männ-
chen mit Behutsamkeit von dem grössern Weibchen hinweg-
gezogen , so zeigt sich die auf der Brust des letztern befind-
liche weibliche Narbe als eine Querklappe, an dem Rüssel
des Männchens aber keine besondere Veränderung, welche
das Organ der männlichen Genitalien sehen lässt, und es wird
daher, bis zur nähern Erforschung, bloss mit Gewissheit an-
zunehmen sein, dass sich die Genitalien des Männchens in
den Kinnladen oder in den Kinnbacken, oder in der verlän-
gerten Lippe, oder an dem Saugrüssel befinden müssen, aus
welchen Theilen der Rüssel zusammengesetzt ist. Die Taster
treten damit in keine Verbindung, weil diese bei der ziem-
lich lang dauernden Copulation unbeweglich seitwärts gerade
ausgestreckt aufliegend, keinen Antheil an dem Geschäfte neh-
men können, auch keine Spur von einem Geschlechtsorgan
über die Ordnung der Zecken. 219
daran zu sehen ist, welches Organ bei dem vollständig aus-
gebildeten Spinnenmännchen dem Auge nicht entgeht.
Die Respirationsorgane bestehen äusserlich in einem Luft-
loch oder Luftritze, umgeben mit einem hornartigen Schild-
chen, sowohl Ritze als Schildchen in verschiedenen Formen;
sie befinden sich standhaft, und zwar nur eines an der Seite
des Hinterleibes, aber nicht so weit vorn als bei den Spinnen,
entweder in der Mitte der Länge oder etwas hinter derselben.
Diese Ordnung zerfällt, nach leicht zu erkennenden Cha-
racteren, mit Hinzufügung der dahin zu ziehenden Arten, in
nachstehende Familien und Gattungen:
Erste Familie.
irgasiden.
Der Kopf klein, auf der Unterseite des Vorderleibes.
Der Rüssel sehr kurz.
Die Taster klein, dreigliedrig, kegelförmig.
Zwei Augen an der Unterseite des Vorderleibes auf einer
Schwiele, wenn solche da sind.
Gatt. I. Omitftodoros.
Augen: vorhanden, gross, deutlich.
Arten:
1. 0. coriaceus. Schuhsohlenförmig, aufgeworfen dick-
randig, grob chagrinirt, gelblich, rostroth fleckig, die Bein-
glieder auf dem Rücken gezähnelt. Länge 4^-"'.
Vaterland: Mexico.
2. 0. Savignyi.
Walck. Suites ä Buff. t. 31. f. 2D.
Gatt. II. Ar gas*
Augen: fehlen.
1. A. reflexus.
Latr. Gen. crust. et ins. I. p. 155. t. 6. f. 3.
Acarus marginatus Fab. Ent. syst. IV. p. 427. n. 11.
Acarus reflexus ebendas. n. 7.
2. A. miniatus. Eiförmig, scharfrandig, fein gerieselt,
mit vertieft liegenden kleinen Narben, röthlich - ockergelb, un-
regelmässige Züge auf dem Rücken schwärzlich. Länge 2f ".
Vaterland: Demarara.
220 C. L. Koch: Systematische Übersieht
Sehr wahrscheinlich gehören in diese Gattung :
3. A. Fische ri Sav.
Walck. S. ä Buff. t. 33. f. 4 D.
4. A. Hermanni Sav.
Walck. S. a Buff. t. 33. f. 5 D.
5. A. Persicus Fisch.
Walck. S. ä. Buff. t. 33. f. 6 D.
Alle drei mir unbekannt.
Zweite Familie.
Ixodiden.
Der Kopf frei über den Körper vorstehend, in einem
Ausschnitte des Thorax eingelenkt.
Der Rüssel so lang oder etwas länger als die Taster.
Der Taster lang, walzenförmig.
Die Augen an den Seiten des Thorax, wenn solche vor-
handen sind.
Gatt. 111. MMijalomma.
Augen: vollständig, kugelig, bernsteinhell.
Taster: so lang oder etwas länger als der Kopf, breit
walzenförmig.
Luftschild: gross, dreieckig.
Luftloch: schmal, länglich, ritzenförmig.
1. H. Dromedarii. Länglich, hinten stumpf, rostroth,
ein schmaler Saum und das mittlere Ilinterrandschildchen weiss,
ein Seitenfleck gelblich. Beine rostroth, der Spitzenrand der
Glieder, ein Längsstreif auf solchen und ein Ring in der Mitte
der Tarsen blassgelb. Länge 2£"\ Männchen.
Ebenso, aber der Hinterleib einfarbig rostroth. Länge 3'".
Weibchen.
Vaterland: Kleinasien, Ägypten.
2. H. grossu?n. Kopf und Thorax dunkelrothbraun, letz-
ter etwas kurz und grob eingestochen punktirt. Der vollge-
sogene Hinterleib sehr gross, eingetrocknet dunkelbraunroth.
Taster und Beine dunkelrostroth. Länge 8'". Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Kleinasien.
3. H. Anatolicum, Kopf und Thorax dunkelrostbraun.
über die Ordnung der Zecken. 221
beide vorn in's Gelbe übergehend. Taster rotli. Beine hell-
zimmtroth, die Gliederspitzen bellgelb. Länge 6£". Weibchen.
Männchen: unbekannt.
Mit II. grossum nahe verwandt.
Vaterland: Kleinasien.
4. H. mar g in a tum. Eiförmig, glatt, grob eingesto-
chen punktirt, dunkelrothbrann, breit gelb gesäumt. Beine
dunkelrothbraunroth, die Gliederspitzen fein gelb. Länge 2'".
Männchen.
Weibchen: unbekannt.
Vaterland: Italien.
5. H. impressum. Röthlichschwarz, dicht punktirt, der
Hinterleib hinten an den Seiten eingedrückt, ein schmaler Saum
rundum weiss. Beine dunkelrostroth, die Gliederspitzen breit
blassgelb. Länge lj'". Männchen.
Eben so, der Hinterleib dicht runzlig, der Seitenrand
trüb gelblich. Eben so gross. Weibchen.
Vaterland : an« Senegal.
6. //. truncatum. Dicht fein punktirt, der Hinterleib
hinten kaum etwas eingedrückt, röthlichschwarz, ein sehr fei-
ner Saum weiss. Beine rostroth mit gelbem .c pitzenrand der
Glieder. Länge lf". Männchen.
Vaterland: am Senegal.
Mit dem vorhergehenden in naher Verwandtschaft.
7. IL rufipes. Breit eiförmig, ohne Seiteneindruck am
Ilinterleibe, grob punktirt, dunkelweinroth , ein feiner Saum
rundum weiss. Beine rostroth, mit weissgelbem, feinem Spitzen-
rande der Glieder. Länge 2'". Männchen.
Gleichfarbig dunkelweinroth , der weisse Saum des Hin-
terleibes fast erloschen, der Thorax im Mittelfelde heller. Beine
wie oben. Länge 2'". Weibchen.
Vaterland: Südafrika.
8. H. latum. Breit oval, nicht sehr dicht feinpunktirt,
einzelne Punkte grösser; dunkelweinroth, eine feine Einfas-
sung, Seitenflecken und der Rand der Hinterrandschilde hell-
gelb. Beine dunkelrostroth, ein Rückenstreif und der Spitzen-
rand der Glieder hellgelb. Länge 2'". Männchen.
Weibchen : unbekannt.
Vaterland: Südafrika.
222 C. L. Koch: Systematische Übersicht
9. //. Syriacum. Oval, glatt, mit vereinzelten Punkt-
griibchen, dunkehveinroth , ein ziemlich breiter Saum gelblich-
weiss. Beine weinroth, der Spitzenrand der Glieder fein hell-
gelb. Länge lf'". Männchen.
Weibchen: unbekannt.
Vaterland: Syrien.
10. H. excavatum. Länglich eiförmig, glänzend, vor
«lein Hinterrande ein grosser, etwas viereckiger Eindruck, wein-
roth mit hellgelbem Saume, das mittlere ilinterrandschildchen
weiss. Beine hell zimmtroth, mit breitem, weissgelbem Spitzen-
rande der Glieder. Länge lf ". Männchen.
Weibchen: unbekannt.
Vaterland: Aegypten.
11. H. His partum. Länglich eiförmig, am Ilintcrrand
stumpf, mit Längsfalten auf »lern Hinterleibe, fein punktirt, dun-
kehveinroth, ein schmaler Saum rundum gelblichweiss. Beine
rostroth, der Rücken der Schenkel, Schienbeine und Fersen
mit dem Spitzenrande weissgelb. Länge lf". Männchen.
Eben so, der Hinterleib stark runzlig, schwarzroth, der
Seitenrand heller. Länge 2f ". Weibchen.
Fabr. Ent. syst. IV. p. 426. n. 5.
Vaterland: Portugal, Spanien.
12. H. Lusitanicitni. Zerstreut punktirt, weinroth, ein
schmaler Saum rundum weiss. Beine rostroth, braunroth be-
spritzt, der Spitzenrand der Glieder breit hellgelb, ebenfalls
braunroth bespritzt. Länge lf". Männchen.
Eben so, der grob punktirte Thorax vorn ins Gelbe über-
gehend; der runzlige Hinterleib dunkehveinroth, an den Sei-
ten trüb gelblich. Beine wie oben. Länge lf". Weibchen.
Vaterland: Portugal.
13. H. Aegyptium.
Linn. Syst. nat. I. II. p. 1022. n. 2.
14. H. Forskaolii.
Sav. Desc. de l'Egyptc tab. IX. f. 13.
15. H. Fabricii.
Sav. Desc. de l'Egypte t. IX. f. 11.
16. H. devium. Breit-oval, rostroth, der Thorax weiss-
gelb, Saumflecken, zwei geschwungne schmale Streifen und
über die Ordnung der Zecken. 223
Ilohlpunkte schwarz. Beine weinroth, der Spitzenrand und
der Rücken der Glieder wcissgelb. Länge 2V". Weibchen.
Männchen: unbekannt.
Vaterland: Südafrika.
Gatt. IV. Mtaemalastor.
Kopf: ganz frei, stumpf kegelförmig.
Taster: sehr lang, etwas länger als der Rüssel.
Hinterbeine: sehr lang, viel länger als die andern.
Nur eine Art.
1. H. longirostris. Länglich eiförmig, hinten stumpf,
in den Seiten an den Hinterrandwinkeln etwas eckig, leder-
gelb, Thorax und Beine braunrot!) , auf ersterm ein durchzie-
hender, in der Mitte rautenförmig erweiterter Fleck und der
Spitzenrand der Beinglieder gelb. Länge 3'".
Vaterland: Brasilien.
Gatt. V. A.mblyomtna.
Augen: flach, matt, weiss oder gelblich.
Taster: ~\
Luftschild: l wie bei der vorhergehenden Gattung.
Luftloch: J
Die mitunter sehr schönen Zeichnungen, die überhaupt
bei der vorhergehenden Gattung nicht wahrgenommen werden,
geben hier nicht unwichtige Merkmale für die Gattung; es be-
finden sich nämlich auf dem hellfarbigen, gelben oder gelbli-
chen Körper dunkelfarbige Flecken, standhaft in folgender Lage
oder Stellung: drei am Hinterrande, davon der mittlere streif-
oder strichförmig, drei an den Seiten, getrennt, oder auch an
einander hängend und sich in einen mit der hohlen Seite aus-
wärts liegenden Bogen vereinigend; auf dem Rücken, da wo
der Thorax endigt, zwei schief liegende, hinten erweiterte.
Die Weibchen haben einen mit weissem oder gelbem
Schmelze bedeckten, dunkelfleckigen Thorax, und einen fast
einfarbigen Hinterleib.
Diese Gattung ist reich an Arten.
1. A. humerale. Kurz eiförmig, linsenförmig gewölbt,
glänzend, massig grob punktirt, dunkelbraun, die Charakter-
flecken nur dunkler angedeutet, ein Schulterfleck und Rand-
224 C. L. Koch: Systematische Übersicht
fleckchen hellgelb. Taster und Beine rostgelb. Länge 2^ bis
3'". Männchen.
Weibchen : unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
2. A. denticulatum. Etwas kurz eiförmig, flach, am
Hinterrande nach der Zahl der Schilde perlfarbige, gerundete
Zähnchen; der Thorax gelb, Furchen und Punkte braun, ver-
tieft; Hinterleib dunkelrothbraun, am Seitenrande schmal weiss.
Beine rostgelb, die drei vordem Glieder auf dem Rücken und
an der Spitze weiss. Länge 1|'". Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
3. A. varium. Eiförmig, grob punktirt, ohne Rand-
furche, mit länglichen Hinterrandschilden, gelb, die Charakter-
flecken dunkelbraun, gross und zusammenhängend, die Einfas-
sung rundum ockergelb. Beine braunroth mit gelbem Spitzen-
rande der Glieder. Länge 3^'". Männchen.
Weibchen : unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
4. A. 7/iarmoreum. Eiförmig, mit rundum ziehender
Randfurche, grob punktirt, gelb, alle Charakterzeichnungen
dunkelbraun. Beine dunkelrothbraun, mit gelbem Spitzenrande
der Glieder. Länge 3^'". Männchen.
Weibchen: unbekannt.
Vaterland: Südafrika.
5. A. venustum. Breit, nicht viel länger als breit,
orangegelb, grün gesäumt, auf dem Thorax zwei Längsstrei-
fen, hinter diesem ein grosser Querfleck, ein grosser halb-
ovaler Seitenfleck, zwei Flecken und ein feiner Strich auf dem
Hinterleibe und die Hinterrandschilde schwarz. Beine rostroth,
mit gelben Gliederspitzen. Länge '2\'". Männchen.
Weibchen : unbekannt.
Acutus variegatus Fabr. Suppl. Ent. syst. p. 572.?
Vaterland: am Senegal.
6. A. punctatum. Thorax flach, glänzend, vorn grob,
hinten fein punktirt, hellgelb, die Punkte roth; Hinterleib oval,
über die Ordnung der Zecken. 225
dickrandig, trüb ockergelb, grob punktirt. Beine rostroth, mit
hellgelben Gliederspitzen. Länge 2*'". Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: ?
7. A. triguttatum. Oval, flach, durchaus grob punk-
tirt, dunkelblutroth, auf dem Thorax drei Flecken, einer an
den Augen, einer hinten hellgelb. Beine roth, der Spitzen-
rand der Glieder schmal gelb. Länge 2\"\ Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Neuholland (Schwanenfluss).
8. A. Hippopotami. Flach gewölbt, breit eiförmig, ein-
zeln punktirt, gelblichweiss , die Charakterzeichnungen schmal,
gleich Schriftziigen, dunkelbraun. Beine dunkelbraun, die Glie-
der oben und an der Spitze weiss. Länge 2f"\ Männchen.
Ixodes Hippopotamensis Denny Ann. nat. hist. XII. 313. 2.
T. 17. f. 2.
Flach, oval, Vorderleib gelblichweiss, Hinterleib braun-
roth mit zwei erhöhten, runden, siegellackrothen Tropfen.
Beine wie oben. Länge 3-f' ". Weibchen.
Ixodes bimaculatus Denny ebeadas. 302. 1. T. 17. f. 1.
Vaterland: das innere Südafrika.
9. A. hebraeum. Gewölbt, kurz eiförmig, sehr breit,
schwefelgelb, die Charakterflecken schmal, vollständig, schwarz,
die mittlem hinter dem Thorax ein feines Hufeisen beschrei-
bend. Beine rostroth mit gelbem Spitzenrande der Glieder.
Länge 2^'". Männchen.
Weibchen : unbekannt.
Vaterland: Südafrika.
10. A. dissimile. Kurz eiförmig, gewölbt, dunkelocker-
gelb, zerstreut braun punktirt, die Charakterzeichnungen klein,
dunkelbraun, blos angedeutet, auf dem Hinterrande ein brau-
ner Winkelfleck. Beine rostbraun , mit schmalem gelbem Spitzen-
rande der Glieder. Länge 2^'". Männchen.
Flach ; der Halsschild gelb , braun eingestochen punktirt,
zwei etwas geschwungene Längsstreifen und ein Seitenfleck rost-
braun. Hinterleib zimmtroth. Beine und Grösse wie oben.
Weibchen.
Vaterland: Mexico.
11. A. irroratum. Kurz eiförmig, gewölbt, ockergelb,
Aithiv F. Naturgeschichte. X. Jahrg. 1. IM. 15
226 C. L. Koch: Systematische Übersicht
zerstreut eingestochen rostroth punktirt und rostroth gefleckt,
drei Flecken vorn an dem Seitenrande schwarz. Beine dun-
kelrostgelb mit hellgelbem Spitzenrande der Glieder. Länge
lf". Männchen.
Weibchen : unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
12. A. Inf es tum. Kurz eiförmig, flach gewölbt, etwas
weitschichtig grob punktirt, ockergelb, die Punkte und Charak-
terzeichnungen gelbbraun, der Mittelstreif auf dem Hinterleibe
kegelförmig, mit der Spitze nach hinten zu liegend und mit
einem Bogenstreif am Thorax zusammentreffend, auf den Ilin-
terrandschilden ein gelbbrauner Winkelfleck. Beine gelbbraun,
der Spitzenrand der Glieder schmal hellgelb. Länge 2^"'.
Männchen.
Kaum etwas länger, eiförmig, flach, etwas gröber punk-
tirt; Thorax gelb, braunfleckig. Hinterleib gelblich mit brau-
nen strahlenförmig liegenden Flecken. Beine wie oben. Länge
2f"'- Weibchen.
Vaterland: Bin taug (Hinterindien).
13. A. testudinarium. Kurz eiförmig, flach, grob
punktirt, ockergelb, alle Punkte und die Zeichnungen dunkel-
rostbraun, die gewöhnlichen Flecken undeutlich, ein Anker-
fleck auf dem Rücken und ein Winkelfleck auf den Hinterrand-
schilden dunkelbraun. Beine ockergelb, unten dunkler. Länge
3j"\ Männchen.
Vaterland: Java.
14. A. adspersum. Kurz eiförmig, flach gewölbt, zer-
streut grob punktirt, gelb, die Charakterzeichnungen schmal,
hellrostroth. Beine rostgelb, mit weissgelbem Spitzenrande der
Glieder. Länge 1-g-'". Männchen.
Flach, der Thorax weitschichtig grob punktirt, rostroth,
das Mittelfeld hinten gelb, roth punktirt; Hinterleib zimmt-
roth. Beine wie oben. Länge 2'". Weibchen.
Vaterland: Columbien.
15. A. Cajennense.
Fab. Ent. syst. IV. p. 427. n. 13.
Das von Fabr. nicht beschriebene Weibchen ist flach, des-
sen Thorax gelb, rostbraun fleckig und roth punktirt, dessen
Hinterleib grober punktirt, von Farbe dunkelrostroth, heller
über die Ordnung der Zecken. 227
fleckig, am Saume unrein gelblich. Die Beine sind gelblich-
weiss, vor der Spitze und unten bräunlich, der Spitzenrand
der Glieder weiss.
Vaterland : Brasilien, Cajenne.
16. A. teiiellum. Eiförmig, flach gewölbt, glänzend,
etwas weitschichtig massig fein punktirt, weisslichgelb , die Cha-
rakterzeichnungen rostgelb, deutlich und etwas breit. Behje
gelb. Länge 1"'. Männchen.
Weibchen: unbekannt.
Vaterland: Mexico.
17. A. mixtum. Kurz eiförmig, gewölbt, massig grob
punktirt, gelb, die Charakterzeichnungen etwas breit, rost-
gelb, rostbräunlich eingefasst. Beine gelblieh,» vor der Spitze
dunkler, der Spitzenrand der Glieder weiss. Länge 1 }"'.
Männchen.
Der Thorax weitschichtig fein punktirt, gelb, an den Sei-
ten rostbraune Flecken, im Mittelfeld rostrothe Punkte; Hin-
terleib kurzborstig, rostgelb, braun gefleckt. Beine wie oben.
Länge lj". Weibchen.
Vaterland : Mexico.
18. A. maculatum. Länglich eiförmig, gewölbt, weit-
schichtig fein punktirt, weissgelb, die Charakterzeichnungen
gross, dunkelrostgelb, die Hinterrandschilde oben rostgelb, ab-
wechselnd mit einem weissen Fleck. Beine rostgelb, der
Spitzenrand der Glieder schmal weiss. Länge lf". Männchen.
Weibchen : unbekannt.
Vaterland: Carolina.
19. A. tigrinum. Länglich eiförmig, gewölbt, ziemlich
stark massig grob punktirt, weissgelb, die Charakterzeichnun-
gen hellrostroth, lang, so breit als die Zwischenräume. Beine
dunkelrostgelb mit weissgelbem Spitzenrande der Glieder. Länge
l-§-'". Männchen.
Weibchen: unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
20. A. ovale. Länglich oval, flach gewölbt, grob punk-
tirt, der Rand breit, ebenfalls punktirt, hellgelb, die Charak-
terzeichnungen rostroth, eben so die Punkte. Beine rostfar-
15*
228 c L. Koch: Systematische Übersicht
big, vor der Spitze und unten dunkler, der Spitzenrand der
Glieder weissgelb. Länge \\ bis 2"'. Männchen.
Weibchen : unbekannt.
Vaterland : Mexico.
21. A. rubripes. Länglich oval, an den Seiten aufwärts
eingedrückt; Thorax hellgelb, weitschichtig massig grob punk-
tirt, ein Streiffieck auf dem Mittelfeld, und .ein solcher über
dem hellem Saume am Vorderrande rostroth; Hinterleib voll-
gesogen dunkelockergelb. Beine gelbroth mit feinem weissen
Spitzenrande der Glieder. Länge 2^ bis 21'". Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
22. A. ovatum. Eiförmig, massig grob punktirt, flach
gewölbt, weisslichgelb, die Charakterzeichnungen rostgelb, etwas
breit, breiter als die Zwischenräume. Beine hellrostgelb, mit gelb-
lichweissem Spitzenrande der Glieder. Länge l\'"> Männchen.
Weibchen: unbekannt.
Vaterland: Montevideo.
23. A. oblongogtittatum. Etwas kurz oval , der Ilals-
schild massig fein punktirt , rostbraun, vorn heller, zwei lange
und hinten ein dreieckiger Tropffleck hellgelb ; Hinterleib grob
punktirt, hellrostroth. Beine rostgelb, der Spitzenrand der
Glieder fein gelblichweiss. Länge lf". Weibchen.
Männchen: unbekannt.
Vaterland: Brasilien, Surinam.
24. A. in/umattuti. Flach, breit oval; Thorax hell-
gelb, zerstreut grob punktirt, zwei geschwungene Längsstrei-
fen, der Saum und die Punkte dunkelbraun; Hinterleib sem-
melgelb, dunkler gestreift. Beine dunkelgelbbraun, der Spitzen-
rand der Glieder weissgelb. Länge 2 bis 2~/;/. Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
25. A. striatum. Länglich eiförmig, fast länglich oval,
massig fein punktirt, etwas flach, gelb; die Charakterzeich-
nungen schmal, strichförmig, hellrostroth. Beine bräunlichgelb,
vor der Spitze dunkler, der Spitzenrand der Glieder sehmal
weissgelb. Länge lf". Männchen.
Weibchen: unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
über die Ordnung der Zecken. 229
26. A. ohlongmn. Flach, länglichoval ; der Thorax
grob punktirt, gelb, zwei schmale geschwungene Längsstrei-
fen, ein Saum an den Seiten, ein Bogenfleckehen zwischen
diesen und die Punkte rostbraun. Hinterleib grob punktirt,
rostgelb, mit dunklern Längsflecken. Beine gelbbraun, vor
der Spitze verdunkelt, der Spitzenrand der Glieder weissgelb.
Länge 2"'. Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland. Brasilien.
27. A. confine. Flach, oval; der Thorax ziemlich dicht,
sehr grob punktirt, rostbraun, ein Seitenfleck und das Mittel-
feld gelb, letzteres roth bespritzt; Hinterleib rostrotli, sehr
grob punktirt. Beine gelbbraun, vor der Spitze dunkler, der
Spitzenrand der Glieder gelb. Länge 2'". Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
28. A. triste. Flach, oval; Halsschild etwas weitschichtig
braun -punktirt, zwei geschwungene Längsstreifen und Seiten-
flecken dunkelbraun, ein Längsstreif im Mittelfeld heller braun;
Hinterleib runzlig, dunkelbraun. Beine gelbbraun mit weiss-
gelbem Spitzenrande der Glieder. Länge 1-f' ". Weibchen.
Männchen: unbekannt.
Vaterland: Montevideo.
29. A. rotundatum. Kurz eiförmig, fast kreisrund;
Halsschild ungleich grob punktirt, hellgelb, zwei geschwun-
gene Längsstreifen, Seitenflecken und die Punkte hell rostrotli ;
Hinterleib hellrostroth, ein Seitenfleckchen über dem Luftloch
gelb. Beine rostgelb, gegen die Spitze der Glieder etwas ver-
dunkelt, der Spitzenrand fein weisslicli. Länge 1^'". Weibchen,
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
30. A. Americanum.
Linn. Syst. nat. I. II. p. 1022. n. 5.
Linne hat bloss das Weibchen beschrieben. Das Männ-
chen ist kurz eiförmig, nur wenig länger als breit, gewölbt,
glänzend, sehr fein punktirt, hellrostroth, ohne gelben Fleck;
die Beine sind etwas dunkel rostgelb. Länge 1,'/".
Vaterland: Nordamerika.
230 C. L. Koch: Systematische Übersicht
31. A. clephant intim.
Linn. S. nat. I. II. p. 1022. n. 1.
32. A. In dum.
Linn. S. nat. p. 1022. n. 4.
33. A. sanguisugum.
Linn. S. nat. p. 1022. n. 5.
34. A. Iguanae.
Fabr. Ent. syst. IV. p. 427. n. 12.
35. A. lineatum.
Fabr. Ent. syst. IV. p. 428. n. 14.
36. A. aureolatwm.
Fabr. Ent. syst. IV. p. 428. n. 15.
37. A. histrio.
Fabr. Suppl. Ent. syst. p. 571.
Die Arten Nr. 32. — 37. sind mir nur aus den Beschrei-
bungen bekannt; es ist daher ungewiss, ob sie richtig ein-
gereihet sind.
38. A. annulipes. Kurz, flach gewölbt, vorn geschul-
tert, hinten gerundet, dunkelbraun, ein grosser Querfleck hin-
ten auf dem Thorax , zwei grosse zweilappige Flecken auf
dem Ilinterleibe und ein Seitenfleck gelb. Beine braunroth
mit gelbem Spitzenrande der Glieder. Länge 2-]-'". Männchen.
Durchaus schwarzbraun, der Thorax auf der Hinterhälfte
gelb mit zwei geschwungenen braunen Längsstreifen und einem
braunen Fleck zur Seite. Beine braunroth, die Gliederspitzen
breiter gelb. Länge 3{-'". Weibehen.
Vaterland: Südafrika (Weihnachtsbai).
39. A. helvolum. Flach, fast viereckig mit abgerun-
deten Ecken ; Thorax dunkelweinroth mit drei weissgelben
Flecken, zwei vorn, einer hinten; Hinterleib erdfarbig ocker-
gelb, aufs blass Mennigröthliche ziehend. Beine gelbbraun.
Länge 2}'". Weibchen.
Männchen: unbekannt.
Vaterland: Manila.
40. A. decoratum. Flach gewölbt, fast viereckig, mit
gerundeten Ecken, fein punktirt, dunkelweinroth, zwei Flecken
am Vorderende, ein grosser am Seitenrande, zwei zusammen-
hängende am Ilinterrande hellgelb. Beine weinroth. Länge 1\"'.
Männchen.
Weibchen : unbekannt.
über die Ordnung der Zecken. 231
Vaterland: Philippinische Inseln.
41. A. ex or nat um, Fast viereckig, mit gerundeten Ek-
ken, deutlich punktirt, zimmtroth , auf dem Thorax drei
Flecken, auf dem Hinterleibe sechs, zwei lange an den Seiten
und zwei etwas viereckige vor den Ilinterrandschildern gelb.
Beine zimmtroth. Länge 1|"\ Mannchen.
Thorax zimmtroth mit den drei gelben Flecken wie beim
Mannchen; Hinterleib gelbbraun, am Rande heller. Beine
zimmtroth. Länge 1|'". Weibchen.
Vaterland: Südafrika (Weihnachtsbai).
42. A. fimlriatum. Gestalt des vorigen, massig grob
punktirt, dunkelweinroth, fast schwarz, der Rand rundum
gelblichweiss. Reine zimmtbraun. Länge 1'". Männchen.
Weibchen: unbekannt.
Vaterland: Manila.
43. A. latujn. Kurz, so breit als lang, der Vorderleib
gegen den Vorderrand abwärts gedrückt, glatt, glänzend, von
Farbe rostroth; Hinterleib dunkelrostgelb. Beine von der Farbe
des Hinterleibes, etwas dunkler. Länge 1}'". Weibchen.
Männchen: unbekannt.
Vaterland: Südafrika (Weihnachtsbai).
41. A. Rhinocerotis.
Degeer Übers. VII. p. 66. n. 2. t. 38. f. 5. 6.
45. A. sylvaticum.
Degeer Übers. VII. p. 66. n. 3. t. 38. f. 7.
46. A. Rhi?iocerinus.
Denny Ann. nat. bist. XII. p. 313. n. 3. t. 17. f. 3.
47. A. Hydrosauri.
Denny Ann. nat. bist. XII. p. 314. n. 4. t. 17. f. 4.
Gatt. VI. lacodes h a t r.
Augen: keine.
Taster: lang, schmal, mehr oder weniger säbelförmig
gebogen.
Luft Schild: klein, kreisrund.
Luftloch: punktförmig, klein, rund.
Keine Charakterzeichnungen.
Eine an Arten zahlreiche Gattung.
1. /. Ricinus.
Linn. Syst. nat. I. II. p. 1023. n. 7
232 C. L. Koch: Systematische Übersicht
Degeer Übers. VII. p. 44. n. 5. t. 6. f. 1. 2.
Linne zitirt Frisch Ins. 5. 1. 19, welche Zecke gegenwärtige
Art bezeichnet; also ist das Degeer'sche Zitat bei Fab.
unrichtig.
2. /. Reduvius.
Linn. Syst. nat. I. II. p. 1022. n. 3.
Degeer Übers. VII. p. 42. n. 4. t. 5. f. 16. 17.
3. 7. thoracicus. Vorderleib und Beine dunkelrost-
braun, auf dem Thorax ein grosser ovaler Fleck hellgelb;
der vollgesogene Hinterleib sehr gross, hochgewölbt, kurzoval,
gelbbraun. Länge 6^'". Weibchen.
Männchen: unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
4. /. obliquus. Thorax fein punktirt mit vier schiefen,
Furchenstrichen, dunkelrothbraun; der vollgesogene Hinterleib
länglich eiförmig, dunkelolivenbraun. Beine dunkelrothbraun,
der Spitzenrand der Glieder sehr fein gelb. Länge 4'". Weibchen.
Männchen: unbekannt.
Vaterland: Griechenland.
5. I. Vespertilionis.
Koch Deutsch. Crust. Myr. u. Arachn. H. 37. n. 9.
6. I. flavipes.
Koch D. C. M. u. A. H. 39. n. 2.
7. I. Sciuri.
Koch D. C. M. u. A. H. 5. n. 11. mas, H 37. n. 8. fem.
8. I. fuscus.
Koch D. C. M. u. A. H. 39. n. 3. mas, n. 4. fem.
9. I. brunneus. Thorax sehr fein nadelrissig punktirt,
dunkelbraun, das Mittelfeld der Länge nach heller, der voll-
gesogene Hinterleib lang, an den Seiten etwas eingedrückt
braun, mit einem gelben Längsstreifchen. Beine gelbbraun.
Länge 2\'". Weibchen.
Männchen: unbekannt.
Vaterland: Nordamerika.
10. I. luteus. Thorax flach, glänzend, kaum sichtbar
punktirt, hellbräunlichgelb; der vollgesogene Hinterleib lang,
an den Seiten etwas eingedrückt, braungelb. Beine pomeran-
zengelb. Länge lf". Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Südafrika.
über die Ordnung der Zecken. 233
11. I. flavidus. Thorax weitschichtig deutlich punktirt,
gelb mit bräunlichem Anfluge; der vollgesogene Hinterleib
dick, sackförmig, gelblichweiss. Beine gelb. Länge 1 •§-"'.
Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Rio Janeiro.
12. /. humanus. Thorax etwas grob punktirt, rost-
braun; der vollgesogene Hinterleib länglich sackförmig, oli-
vengelb. Beine bräunlichgelb. Länge 1-f '". Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Brasilien, an Menschen.
13. /. sexpunctatus.
Koch Deutschi. C. M. u. A. H. 39. n. 5, 6.
14. /. ruf us.
Koch D. C. M. u. A. H. 39. n. 7.
15. /. crenulatus.
Koch D. C. M. u. A. H. 39. n. 8. mas, n. 9. fem.
16. I. pilosus. Thorax flach, rostroth; Hinterleib dunkel-
blutroth, gelb behaart. Beine roth. Länge lf"'. Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Südafrika.
17. I. fuscipes. Thorax dicht fein punktirt, dunkelbraun
mit gelblichem Seitenrande; Hinterleib hellsemmelgelb. Beine
dunkelrothbraun. Länge 1-f'". Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
18. /. pygmaeus. Kurzoval, flach; Thorax weitschich-
tig massig grob punktirt, mennigroth, vorn heller, Hinterleib
röthlich gelb. Beine dunkelockergelb. Länge •§■'". Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Mexiko, Brasilien.
19. /. stilcatus. Thorax eiförmig, am Hinterrande ge-
rundet, über dem Seitenrande eine deutliche gerade Furche,
dunkelolivenbraun; der vollgesogene Hinterleib der trockenen
Thierchen weislich, mit olivenfarbigem Anstriche. Beine gelb-
braun. Länge |'". Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Deutschland. Auf dem Goldammer.
234 C. L. Koch: Systematische Übersicht
20. /. pallipes.
Fabr. Eni syst. IV. p. 426. n. 4.
Koch Deutschi. C. M. u. A. H. 39. n. 10.
21. /. Lacertae.
Koch Deutschi. C. M. u. A. H. 39 n. 11.
22. I. Lipsiensis.
Fabr. Ent. syst. IV. p. 427. n. 10.
23. /. holsatus.
Fabr. Ent. syst. IV. p. 428. n. 16.
24. I. Viperarum. Sehr glänzend, olivengell), Deine
heller als der Körper. Länge f "'. Larve.
Vaterland: Griechenland. Auf Vipern.
25. I. plumbeus.
Panz. Faun. Ins. Germ. II. 90. n. 22.
Auf der Feldlerche.
26. 7. lividus.
Ixodes plutnbeus Leach Isis 1824. II.
Auf der Uferschwalbe.
27. I. Pari.
Leach ebendas.
Auf der Kohlmeise.
28. I. frontalis.
, Panz. Faun. Ins. Germ. H. 59. n. 23.
Auf der Kohlmeise.
29. I. tristriatus.
Panz. Faun. Ins. Genn. H. 59. n. 24.
Auf der Kohlmeise.
30. L hexagonus,
Leach Isis 1824. IL
Auf dem Igel.
31. I. megatliyrcus.
Leach ebendas.
Auf dem Igel.
32. /. autumnalis.
Leach ebendas.
Im Herbste auf Hunden.
Dritte Familie.
RlilpiStomitlen.
Der Kopf wie bei der vorhergehenden Familie.
Der Rüssel sehr kurz.
über die Ordnung der Zecken. 235
Die Taster sehr kurz, fast dreieckig, zusammen an ein-
ander geschlossen fächerförmig.
Die Augen unvollständig oder fehlend.
Gatt. VII. Derma cent or.
Augen: klein, flach, ziemlich hell, weiss oder gelb.
Taster: sehr kurz, breit, fast oval, die Glieder kaum
halb so lang als breit.
Luft schild: klein, fast rund, oben mit einer geschwun-
genen Ecke.
Luftloch: punktförmig, in einem ovalen Mittelschildchen.
Die Charakterzeichnungen wie bei der Gattung Amblyomma.
1. I). electus. Länglich eiförmig, gewölbt, weitschiehtig
grob punktirt, hellgelb, die Charakterflecken, Hinterrandschilde
oben, Kopf, Taster und Beine blutroth, der Spitzenrand und
ein Rückenfleck auf den Beingliedern gelblichweiss. Länge 1|-'".
Männchen.
Thorax flach, hellgelb, das Mittelfeld bis über die Hälfte
und hinten lappig roth ; Hinterleib blutroth mit zerstreuten
Hohlpunkten. Taster und Beine wie oben. Länge lf".
Weibchen.
Vaterland: Pensyl vanien.
2. D. reticulatus.
Fabr. Ent. syst. IV. p. 428. n. 17.
Latr. Gen. Crust. et Ins. I. p. 157. n. 3.
Beide Autoren beschreiben nur das Männchen. Das Weib-
chen ist flach, der Thorax hellgelb, weitschichtig ungleich
punktirt, ein Fleck auf dem Mittelfelde roth, ein länglicher
Fleck am Seitenrande rothbraun, der Hinterleib röthelroth,
grob punktirt. Die Beine sind braunroth, die Glieder auf
dem Rücken und der Spitzenrand gelblichweiss. Länge 2'".
Vaterland: Frankreich. Die Exemplare, die ich vor mir
habe, sind aus Portugal.
3. D, pardalinus. Eiförmig, etwas weitschichtig grob
punktirt, gelblichweiss, die Charaktcrfleckcn gross, dunkel-
rostroth. Beine dick, rostroth, der Spitzenrand der Glieder
schmal, gelblich, das Endpaar unten gezähnt. Länge 2'".
Männchen.
Weibchen: unbekannt.
Vaterland: ? — wahrscheinlich Ungarn.
236 C. L. Koch: Systematische Übersicht
4. D. dentipes. Flach, glänzend, rothbraun, in den
Falten dunkler. Beine roth, das Endpaar unten gezähnt.
Länge 2'". Männchen.
Weibchen : unbekannt.
Vaterland: Banat.
5. D. albicollis. Eiförmig, flach; Thorax glänzend, gelb-
lich weiss; Hinterleib rostroth, in den Falten schwärzlich. Beine
dunkel mennigroth. Länge 2///. Weibchen.
Männchen: unbekannt.
Vaterland: ?
6. D. clathratus. Eiförmig, hinten etwas stumpf, glän-
zend, rostgelb, die Charakterzeichnungen schmal, strichartig,
gitterförmig zusammengeflossen. Beine rostgelb, die Glieder-
spitzen schmal gelblich, Länge l^'"- Männchen.
Weibchen : unbekannt.
Vaterland: ?
7. D. ferrugineus. Flach, länglich eiförmig, hinten
etwas stumpf, der Thorax einzeln punktirt, blassgelb mit ro-
then Längsflecken; Hinterleib röthelroth, grob punktirt. Beine
hellroth, der Spitzenrand der Glieder schmal gelblich weiss.
Länge lf". Weibchen.
Vaterland: ?
Vielleicht das andere Geschlecht des vorigen.
8. D. puncticollis. Thorax klein, flach, dicht punk-
tirt, dunkelrothbraun ; der vollgesogene Hinterleib sehr gross,
beim trocknen Thierchen braunroth. Länge des vollgesogenen
Weibchen 6±'".
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Griechenland.
9. D. parabolicus. Thorax glänzend, vorn runzlig
punktirt, dunkelrothbraun, das Mittelfeld gelblich, mit einem
hinten kegelförmig auslaufenden rotheil Längsstreif; Hinterleib
sehr lang, in den Seiten etwas eingedrückt, bräunlich -ocker-
gelb, dunkler gemischt. Beine roth, der Spitzenrand der Glie-
der schmal, gelblich. Länge 3'". Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Bei Orowitza im Banat.
10. D. cruentus. Ziemlich eiförmig, hinten stumpfrund ;
Thorax glänzend, etwas runzelig punktirt, dunkelroth, in der
übet die Ordnung der Zecken. 237
Mitte heller; Hinterleib weniger glänzend, braunroth, der
Rand rundum heller. Beine roth, die Gliederspitzen fein
gelblich. Länge t\'". Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Bei Orowitza im Banat.
Gatt. VIII. MKaemaphysalis*
Augen: fehlen.
Taster: sehr klein, fast breiter als lang, dreieckig, der
Ilinterrand des zweiten Gliedes seitwärts aufgeworfen.
Luftschild: klein, fast rund, oben mit einem runden
Eckchen.
Luftloch: punktförmig.
Keine Charakterzeichnungen.
1. H. rosea. Eiförmig, hinten etwas schmal, sehr glän-
zend, undeutlich sehr fein gepünktelt, hinten drei Längsgruben
nebeneinander, gelbroth, fast rosenroth. Beine gelb. Länge ^'".
Männchen.
Thorax länglich, blutroth, vorn im Mittelfelde ein Fleck
feuerroth; Hinterleib vollgesogen sehr gross, mit denselben
Längsgruben, röthlich- olivenfarbig. Beine etwas dunkler gelb.
Länge 2|///. Weibchen.
Vaterland: Westindien.
2. H. cinnaharina. Länglich eiförmig; Thorax dicht
fein punktirt, bräunlichroth; Hinterleib durchaus punktirt, gelb-
lichroth. Beine roth, die Gliederspitzen schmal, hellgelb.
Länge lf". Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
3. H. sanguinolenta. Thorax länglich, etwas gewölbt,
nadelrissig punktirt, blutroth; Hinterleib vollgesogen sehr gross,
fein wellenfurchig, dunkelolivengelb. Beine roth. Länge des
vollgesogenen Weibchens 5^"'.
Männehen : unbekannt.
Vaterland: Brasilien.
4. H. concinna. Länglich eiförmig, durchaus punktirt,
gewölbt, die Hinterrandschildehen lang, rostgclb mit schwar-
zen, vielleicht zufälligen Strahlenstrichen. Beine von der Farbe
des Körpers. Länge 1-}'". Männchen.
238 C. L. Koch: Systematische Übersicht
Halsschild rostroth, heller fleckig, fein nadelrissig punk-
tirt; Hinterleib oval, mennigroth. Beine rostgelb. Länge 1\'".
Weibchen.
Vaterland: ?
Gatt. IX. Bfiipicephalus.
Augen: flach, trüb, gelb oder weiss.
Taster: kurz, so breit als lang, mit einem Seiteneckchen.
Luft schild: ziemlich gross, fast rund, schief nach oben
in einen geschwungenen Fortsatz verlängert.
Luftritze: punktförmig, in einem kleinen, ovalen Mit-
telschildchen.
Der Kopf standhaft hinten verengt, vorn fächerförmig er-
weitert.
Keine Charakterzeichnungen.
1. R. Linnei.
Savigny Desc. de l'Egypte t. 9. f. 12.
2. R. sanguineus.
Latr. Gen. Crust. et Ins. I. p. 157. n. 2.
3. R. Capensis. Eiförmig, flach gewölbt, 'lederartig dicht
ziemlich grob punktirt, dunkelblutroth. Beine gelbroth. Länge
2'". Männchen.
Weibchen : unbekannt.
Vaterland: Vorgebirge der guten Hoffnung.
4. R. simus. Eiförmig, glatt, glänzend, mit verein-
zelten Hohlpunkten, dunkelweinroth, vorn heller. Beine blut-
roth. Länge lf". Männchen.
Weibchen: unbekannt.
Vaterland : Südafrika.
5. R. rutilus. Flach, oval; Thorax sehr fein punktirt,
roth; Hinterleib etwas dunkel mennigroth. Beine rostroth. Länge
iy". Weibchen.
Männchen: unbekannt.
Vaterland: Aegypten.
6. R. Se?iegalensis. Flach, etwas länglich oval; Hals-
schild glatt, weinroth; Hinterleib dunkel weinroth, iii den Fal-
ten heller. Beine blutroth. Länge 1\"'. Weibchen.
Männchen : unbekannt.
Vaterland: am Senegal, auch Aegypten.
über die Ordnung der Zecken. 239
7. R. decoloratus. Flach, oval, glänzend, ockergelb,
der Rand rundum heller. Beine hellgelb. Länge Y". Weibchen.
Männchen: unbekannt.
Vaterland: Südafrika.
8. R. limbatus. Eiförmig, gewölbt, glänzend, sehr fein
punktirt, hinten drei Grübchen neben einander, rostroth, der
Saum rundum gelb. Beine rostgelb. Länge \'". Männchen.
Weibchen : unbekannt.
Vaterland: Aegypten.
9. R. Siculus, Gewölbt, glatt, mit einzelnen Höhepunk-
ten, vorn schmal, hinten eiförmig erweitert, an den Seiten des
Hinterrandes eine Ecke, rotli, der Saum rundum ockergelb.
Beine gelbroth. Länge lf". Männchen.
Der Thorax zerstreut punktirt, etwas dunkelroth; Hinter-
leib oval, etwas grob punktirt, röthlichschwarz. Beine gelb-
roth. Lauste lf-'" Weibchen.
Vaterland: Sicilien.
Gatt. X. Rhipistoma.
Augen: fehlen.
Taster: kurz, sehr breit, das erste Glied versteckt, das
zweite sichelförmig seitwärts gebogen, beide Taster aneinandei
geschlossen einen breiten, kurzen Fächer vorstellend.
Keine Charakterzeichnungen.
1. R. Leachii,
Savigny Desc. de l'Egypte t. 9. f. 9.
2. R. ellipticum. Elliptisch, glänzend, sanft gewölbt,
durchaus massig grob punktirt, hinten ein geglätteter Kiel, der
ganze Körper, Kopf, Taster und Beine rostroth. Länge lf".
Männchen.
Weibchen : unbekannt.
Vaterland: Vorgebirge der guten Hoffnung.
Acorus undatus Fabr. Ent. syst. IV. p. 427 ist eine Zecke
aus Neuholland, die wahrscheinlich zu keiner der hier vorgetra-
genen Gattungen gehört. Die gegebene Beschreibung beschränkt
sich blos auf die Zeichnung und erwähnt der Formen nur in
so weit, dass das Thierchen kreisrund sei.
240 J. T. Reinhardt: Beschreibung
Beschreibung einer neuen Art der Gattung
Cercolobes.
Von
J. T. Reinhardt.
In dem bekannten Werke Hernandez's: nova plantarum,
animalium et mincraliummexicanorumhistoria wird
unter dem Namen Iloitztlacuatzin eines Stachelschweins er-
wähnt, das später von keinem Naturforscher untersucht wor-
den zu sein scheint. Brisson und Pennant nahmen dieses Thier
in ihren Werken als eine eigene Art unter den Namen Hy-
strix novae Hispaniae und mexican porcupine auf.
Die neueren Schriftsteller führen es theils als Synonym zu der
südamerikanischen Hystrix prehensilis L. hin, theils gedenken
sie seiner als einer zweifelhaften, noch gar zu unvollständig
bekannten Art, über welche man fernere Erläuterungen ab-
warten müsse.
Mein Freund und Landsmann, der Botaniker Herr Lieb-
mann, brachte vorigen Sommer bei seiner Rückkehr von einer
dreijährigen Reise im tropischen Mexico , unter andern interes-
santen zoologischen Gegenständen auch zwei vorzügliche Exem-
plare dieses Hoitztlacuatzins mit, welche bei genauerer Unter-
suchung sich als zur Gattung Cercolabes gehörig, aber auch
als eine eigenthümliche, sehr charakteristische Art bildend er-
wiesen, deren Beschreibung er mir überlassen hat.
Beide Exemplare sind, wie es die Zähne und Schädel
hinlänglich beweisen, erwachsene und alte Thiere ; das eine
ist bei Mirador, einem Landgute am östlichen Abhänge des
Vulkans Orizaba, ungefähr 25 Leguas von Vera Crux ent-
fernt, geschossen, das andere wurde dem Herrn Liebmann von
Indianern aus der wenige Meilen von Mirador gelegenen Stadt
St. Francisco Tenainpa lebendig gebracht. Der Hoitztlacuatzin
ist ein völliges Nachtthier, und lebt nach Angaben des Herrn
Liebmann auf der ganzen Ostküste , ungefähr zwischen dem
22sten und 16ten Grade N. B. bis auf eine Höhe von 4000
Fuss, doch vorzugsweise in dem Gürtel von 2000 bis 4000
Fuss, also in Tierra templada. Er wird noch heut zu Tag
einer neuen Art der Gattung Cercolabes. 241
mit dem Namen benannt, unter welchem Hernandez seiner er-
wähnt, und ist aus der Gattung die einzige, den Einwohnern
bekannte Art, welche in diesen Gegenden lebt.
Die lose Anheftung der Stacheln, von der Azara bei
dem Cuiy aus Paraguay spricht, hat Herr Liebman auch bei
der mexicanischen Art bemerkt; als nämlich ein Hund auf das
angebundene Thier losgehen wollte, fielen bei der Contraction
der Haut, indem das Thier vor Schrecken zusammenfahrend
die Stacheln aufrichtete, einige davon zur Erde, und als der
Hund es unvorsichtiger Weise biss, wurden sein Maul und
Schnauze mit Stacheln dicht besetzt.
Da der ältere Name, unter welchem Brisson den Hoitztla-
cuatzin aufnahm, theils ohne hinlängliche Kenntniss der Art
gegeben, theils von mehreren Zoologen als Synonym des
Cercolabes prehensilis angeführt worden ist, scheint es mir
besser, einen neuen zu wählen, weshalb es mir erlaubt sein
mag, das Thier nach dem Wiederentdecker, dem wir eine ge-
nauere Kenntniss desselben verdanken, zu benennen.
Ich gehe nun zu der speciellen Beschreibung der Art
über, für welche folgende Diagnose gelten kann:
Cercolabes Liebmani Reinh.
pilosissimus, nigro-fuscus, aculeis flavis apice nigro, nisi in
capite, pilis omnino fere occultis.
Diese neue Art ist auf dem Vorderhalse mit Stacheln ver-
sehen, und auf dem Unterleibe finden sich steife Borsten der
übrigen Haarbekleidung sparsam eingemengt; sie muss daher
zu der Untergattung Syneth er es gehören, weicht aber durch
die reiche Haarbekleidung, welche die Stacheln beinahe gänz-
lich verbirgt, von den zwei vom Professor Brandt aufgenom-
menen Arten1) auffallend ab, und es entsteht daher zwischen
den 2 Subgenera der Gattung ein Parallelismus, indem bei
einigen Arten dieser beiden eine reiche und dichte, bei an-
dern eine sparsame und schwache Haarbekleidung vorhanden
ist, die die Stacheln nicht verbergen kann.
Die Schnauze ist mit kurzen und steifen schwarzen, spar-
') Mammalium exotieorum novornm vel minus rite cognitorum
Musei academici zoologiei descriptiones et icones. Petropoli 1835.
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. I. Hd. 16
242 * T. Reinhardt: Beschreibung
sam vorhandenen Haaren bekleidet. Die an den Seiten der
Schnautze, über den Augen und an den Backen stehenden
Schnurren sind zahlreich und lang, oft bis auf 5 Zoll; sie
sind schwarz, bisweilen etwas heller gegen die Spitze. Die
Stacheln sind auf dem ganzen Körper von derselben -Farbe,
sie sind nämlich strohgelb oder gelblichweiss mit einer schwar-
zen Spitze, die selbst an den längsten kaum 4 Linien lang
ist. Sie sind beinahe ganz gerade und ungefähr von derselben
Dicke bis an den Anfang der schwarzen Farbe, von wo sie
dann plötzlich sehr spitzig zulaufen. Ihr gelber Theil ist
glänzend und glatt, der schwarze rauh und scharf anzufühlen,
und ist mit einer Menge abwärts gerichteter lanzettförmiger
Widerhaken versehen. Die Stacheln sind ziemlich kurz; am
Hinterrücken, da wo sie am längsten sind, haben sie eine
Länge von etwa anderthalb Zoll. Hernandez irrt sich, wenn
er die Stacheln 3 Zoll lang angiebt. An der auswendigen
Seite der Glieder gegen die Füsse hinab, an den Seiten des
Rumpfes gegen den Unterleib hinab und an der oberen Seite
des Schwanzes gegen seine Mitte hin gehen die Stacheln, all-
mählich feiner werdend, in steife Borsten über, die die Farbe
der Stacheln behalten, sie sind nämlich an den Spitzen schwarz
und am Grunde gelblich.
Wie schon oben erwähnt worden, ist die Haarbekleidung,
ausgenommen am Kopfe, wo die Haare sowohl kurz als dünn
und sparsam sind, sehr dicht, und wird aus langen, glänzen-
den, sehr weichen und leicht gekräuselten Haaren gebildet,
welche am Rücken, wo sie am längsten sind, und eine Länge
von etwa 3^ Zoll haben, die Stacheln, wenn diese nicht em-
porgerichtet sind, ganz verbergen. An der obern Seite des
Rumpfes und an der auswendigen der Glieder sind die Haare
am Grunde rothbraun , werden aber darauf schwarzbraun, oder
bei einigen Individuen beinahe schwarz, so dass die herr-
schende Farbe eine tief Bräunlichschwarze ist, und nur wenn
man die Haare emporhebt oder sie zur Seite legt, kommt die
rothbraune Farbe zum Vorschein. Am Unterleibe und an der
inwendigen Seite der Glieder ist die Farbe der Haarbeklei-
dung etwas heller als auf der oberen Seite; die Haare sind
hier viel sparsamer und kürzer, und einige steife Borsten von
der Farbe der Stacheln sind darunter eingemengt. An der
einer neuen Art der Gattung Cercolabes. 243
auswendigen Seite der Glieder finden sich, wie bei den übri-
gen Arten, hier und da zwischen den Haaren lange, nach
hinten gerichtete Borsten, die von schwarzer Farbe sind, bis-
weilen etwas heller am Grunde und gegen die Spitze hin.
Die Vorder- und Hinterfiisse sind mit kurzen, glänzen-
den, anliegenden Borsten von schwarzer Farbe bekleidet. Die
Klauen sind hornfarbig.
Der Schwanz ist ziemlich kurz, verhältnissmässig kürzer
als bei den zwei bekannten Arten der Untergattung. Seine
ganze untere Seite ist mit schwarzen , ausserordentlich steifen
Borsten von etwa -| Zoll Länge bekleidet; auf der oberen
Seite finden sich, von der Wurzel ab in einer Länge von un-
gefähr sechs Zoll, Haare, denen des Rückens ähnlich, welche
Stacheln von der gewöhnlichen Farbe verbergen, die nach
hinten allmählich dünner werden und in Borsten übergehen.
Darauf folgt ein 2 Zoll langes Stück, wo die weichen Haare
fehlen, und die Bekleidung nur von denselben schwarzen Bor-
sten gebildet wird, welche die untere Seite des Schwanzes
bekleiden. Endlich hat der nackte schuppige Theil eine Länge
von 3\ Zoll.
Länge von der Schnautzenspitze bis
zum Schwanzende .... 2 Fuss 10 Zoll.
Länge des Schwanzes .... 1 ,,
Der Schädel dieser Art weicht bedeutend von dem des
Cercolabes prehensilis ab, nach den Schädeln der beiden ein-
gesandten Exemplare zu urtheilen, an denen die Nähte zwi-
schen den Hirnschädelknochen fast alle schon gänzlich ver-
schwunden sind, so dass man annehmen kann, dass sie ihre
völlige Ausbildung erreicht haben. Die ausserordentlich starke
Aufschwellung der Stirnregion, welche in der Regel den Schä-
del des Cercolabes prehensilis auszeichnet, findet sich bei der
mexicanischen Art nicht, wo nur eine ziemlich unbedeutende
Wölbung von dem hinteren Ende der Nasenbeine und dem
vorderen Theile des Stirnbeins gebildet wird. Ausserdem sind
bei der letztgenannten Art die Nasenbeine verhältnissmässig
länger, und folglich der Processus nasalis des Zwischenkie-
fers breiter. Schliesslich ist noch die vordere Öffnung der
Nasenhöhle höher. Die Zähne zeigen nichts Besonderes.
16*
244 Dr- J- J* de Tschudi:
Mammalium conspectus
quae in Republiea Peruana reperiuntur et pleraque observata
vel collecta sunt in itinere
a
Dr. J. J. de T s c h u d i.
Ord. I. Quadruniaiia. Blumenb. 1791.
Fam. Platyrrhini. Geoffr. 1812.
I. Trib. Helopitheci. Geoffr. 1S12.
1. Gen. AUeles. Geoffr. An. Mus. 1806.
* Pollice nullo.
1. 1. A.marginatus. Geoffr. 1. c. p. 90.
Simia marginata Humb. Rec. Obs. I. p. 354.
Chuva Indig. in prov. Bracamoras.
2. I.A.ater Fr. Cuv. Geoffr. Mam. fasc. 39.
3. S.A.paniscus. Geoffr. I.e. p. 105.
A. ater et A. pentadactylus Wagn. Schreb. Säug. Suppl.
T. 1. p. 197.
Maquisapa et Marimonda Indig.
** Pollice brevissimo unguiculato.
4. 4. A. pentadactylus. Geoffr. An. Mus. VII. p. 267.
Simia chamek Humb. 1. c. I. p. 353.
Chamek et marimonda Indig.
2. Gen. Xmgothriac. Geoffr. An. Mus. 1812.
5. l.L.Humloldti. Geoffr. Au. Mus. XIX. p. 107. 2.
Simia lagothricha Humb. I.e. I. p. 354.
Gastrimargus olivaceus Spix Sim. Vesp.Bras p. 39.tab.28.
Caparro Indig. Columbiae.
Mono oki indig. peruanorum.
6. 2.L.canus. Geoffr. I.e. p. 107. 1.
Simia cana Humb. I.e. p. 354.
Gastrimargus infumatus Spix Sim. Bras. p. 41. tab. 29.
Habitat in sylvis ad flumen Huallaga apud Yurimaguas in
provineia Maynas. Auet. Poeppig.
Mammalium conspectus. 245
3. Gen. Mycetes. Jllig. Prodr, 1811.
Stentor Geoffr. An. Mus. 1812.
7. 1. M.itrarnineui Desm. Kühl Beitr. p. 29. 3.
Coro Indig.
8. 2. M. rufimanus. Kühl La p. 37. 7.
Cebus Belzcbul ErxI. Syst. p. 44. 1.
Mycetes discolor S p i x 1. c. p. 48. tab. 34.
9. 3.M./lavicaudatus. Kühl. I.e. p. 30. 5.
Simia flavicaudata Humb. 1. c. p. 343. 3.
Cotto mono Indig.
4. Gen. Cebus. ErxI. Syst. Natur. 1777.
10. i.C.robustus. Kühl. 1. c. p. 33. Prinz Max. Abbild.
Beitr. II. p. 82.
C. macroeephalus Spix 1. c. p. 3. tab. 3.
Macaquito Indig.
11. 2. C.capuci?ius. ErxI. I.e. p. 48. 8.
C. cucullatus Spix. 1. c. p. 9. tab. 6.
Miquito Indig. apud flumina Ucayacu et Tullumayo.
12. 3. C.albifrons. Geoffr. 1. c. p. 111. 6.
Simia albifrons Humb. 1. c. p. 356. 19.
Inter flumina Yanayaou et Machayacu.
5. Gen. Chrysothriac. Kaup Thierr. 1835.
13. 1. C'/i. sciureus. Kaup I.e. p. 50.
Cebus sciureus ErxI. 1. c. p. 51. 8.
Callithrix sciureus Kühl. p. 38. 1.
Fraylecito Indig.
II. Trib. Geopitheci. Geoffr. 1812.
6. Gen. Callithrix. ErxI. Syst. Reg. 1777.
Saguinus Lacep. Tab. 1803.
14. i.C.personatus. Geoffr. 1. c. p. 113.2.
Simia jtersonata Humb. Obs. Zool. p. 357. 2.
Saguinus personatus Less. Mam. Man. p. 56. 91.
C. nigrifrons Spix I.e. p. 216. tab. 15.
15. 2. C.amictus. Geoffr. I.e. p. 114.
Simia amieta Humb. 1. c. p. 87.
Sag ui/ius amictus Less. 1. c. p. 57. 93.
In provineia Maynas ad flunien Moyobamba.
246 Dr. J. J. de Tschudi:
7. Gen. HTyctipithecus. Spix Sim. Bras. 1823.
Aotus Humb. 1811. Nocthora F. Cuv. 1824.
16. 1. N.trivirgatus. Iteng. Paraguay p. 58.
ISyctipitheais felinus Spix 1. c. p. 24. t. 18.
Miriquina Azar. Ess. 11. p 243.
Tocon Indig. peruan.
8. Gen. JPithecia. Dcsm. Dict. sc. nat. 1804.
17. l.P.Satanas. Kühl. I.e. p. 42. 1.
Cebus Satanas Hoffmansegg. 1. e. p. 93.
Simia Sata?ias Humb. I.e. p. 315. tab. 27.
Simia chiropotes Humb. 1. c. p. 312. •
III. Trib. Arctopitheci. Geoffr. 1812.
9. Gen. Mitlas. Geoffr. An. Mus. 1812.
18. i.M.rufimanus. Geoffr. I.e. p. 121. 1.
19. I.M.chrysomelas. Kühl. I.e. p. 51.4.
Hapale c/irysomelas Pr. Max. Beitr. II. p. 153. 5.
20. Z.M.laliatus. Geoffr. An. Mus. XIX. p. 121.
M. mystax, M. nigricollis , M. fuscicollis Spix 1. c. tab.
20. 21. 22.
Pinchechillo Indig.
Ord. II. Cliiroptera. Blum. 1779.
Sect. I. Ch. Istiophora. Spix 1823.
A. Ch. pentadaetyla.
Digitus index phalange una ossea.
1. Gen. Phyllostoma, Geoffr. Cuv. Tabl. elem. 1797.
Phyllostomus Jllig. Prodr. 1811. Vampyrus Spix part.
1. Subgen. Phyllostoma. Geoffr.
21. i.Ph.elongatum. Geoffr. An. Mus. XV. p. 182. tab. 9.
22. 2.PA.hastatum. Geoffr. I.e. p. 177. tab. 11.
Vesp. perspicillatus Schreb. Säugeth. I. p. 160. Tab. 46. A.
Hatummasu Indigen.
23. 3. Ph. innominatuni. — vide Poeppig. Fror. Notizen
XXXIII. p.149.
2. Subg. Artibeus. Leach.
24. \.Ph.pusillum. Natt. Wiegin. Arch. 1843. I. p. 366. 5.
3. Subg. Sturnira. Gray.
25. h.Ph.erythromos. Tsch. Fauna peruan. cum fig.
26. 6. Ph.oporaphilum. Tsoh. Fauna peruan. cum fig.
Mammalium conspectus. 247
2. Gen. Olossophaga. Geoffr. An. Mus. 1806.
1. Subg. Glossophaga. Geoffr.
27. l.G.amplexicaudata. Geoffr. Mein. Mus. IV. p. 418.
2. tab. 18. A.
2. Subg. Choeronycteris. Lichtenst. Mus. Berol.
28. 2. G.peruana. Tsch. Fauna peruan. cum fig.
Sect. II. Ch. Anistiophora. Spix. 1823.
Digitus iudex phalange una ossea.
3. Gen. Vespertilio. Lin. Syst. nat. 1735.
l.Subg. Vesper us. Keys. Blas.
29. 1. V. innoxius. Gerv. Zool. Bonitc p. 35. tab. 11. f. 7—9.
2. Subg. Vespcrugo. Keys. Blas.
30. 2. V.velatus. Fisch. Syn. Main. p. 118.
Plecotus velatus Geoffr. Guer. Mag. 1832 No. 2. et 3.
B. Ch. tetradaetyla.
4. Gen. Woctilio. Lin. Syst. nat. 1766.
31. i.N.unicolor. Pr. Max. Beitr. II. p. 223-.
N. americanus Lin. Syst. nat. p. 88. 1.
N. ruf us Spix. Sim. Vesp. Bras. p. 57. tab. 35. f. 1.
32. 2. N. äff inis. D'Orb. Voy. dans l'Am. Mcrid. pl. 10. f. 1.
. sine descriptione.
5. Gen. Molossus. Geoffr. An. Mus. VI. 1805
Dysopes Jllig. Temm.
33. l.M.naso. Tsch.
D. naso Wagn. Schreb. Säug. Suppl. T. I. p. 476.
Nyctinomus brasiliensis Geoffr. An. scienc. nat. 1. p. 243.
t. 22. f. 1-4.
D. nasutus Temm. Monogr. p. 233. tab. 24. f. 2. 3.
31. 2. M.velox. Horsf. Zool. joum.
35. 'd.M. fumarius. Spix 1. c. p. 60. tab. 35. f. 5. 6.
36. 4. M. anonymus. Vide Poeppig. Fror. Not. XXXII. p. 230.
37. 5. M.ferox. Poeppig I.e. p. 230.
38. 6. M. long imanus. Tsch.
D. lo»gima?ius Wagn. Wiegm. Arch. 1843. I. p. 367.
39. 7. M.myosuros. Tsch. Fauna peruan. cum fig.
248 Dr. J. J. de Tschudi:
Ord. III. Kapacia, Wagn. 1841.
Sect. I. Oninivora.
Fam. 1. Ursina. Gray Ann. Phil. XXVI. 1825.
1. Gen. TTrsus. Lin. Syst. nat. 1735.
40. l.U.ornatus. F. Cuv. Main. fasc. 50.
41. 2. U.fructilegus. Tsch. Fauna peruan.
Hucamari Indigen.
2. Gen. JVasua. Storr Prodr. Meth. Auim. 1780.
42. l.N.socialis. Pr. Max. Beitr. II. p. 283.
N. rufa Desm. Mam. p. 170.
Viverra nasna. Lin. Syst. nat. XII. I. p. 64.
Achuna Indig.
43. I.N.montana. Tsch. Fauna peruan. cum fig.
Mishash. Indig.
3. Gen. Cercoleptes. J 1 1 ig. Prodr. 1811.
Potos Cuv. Leg. Anat. comp. 1800.
44. X.C.caudivolvulus. Jllig. Prodr. p. 127.
Lemur flavus Schreb. Säug. I. p. 145. tab. 42.
Cushumbi Indig.
Sect. II. Carnivora.
Fam. 2. Mustelina. Gray An. Phil. XXVI. 1825.
4. Gen. Galicti*. Bell Zool. journ. II. 1836.
Gulo Storr 1780.
45. 1. G.barhara. Wagn. Schreb. Säug. Supp. II. p. 214.
var. peruana. Tsch. Fauna peruan.
Omeyro Indig.
5. Gen. Mtistela. Lin. Syst. Nat. 1735.
16. 1. M.agilis. Tsch. Fauna peruan.
6. Gen. MepJiitis» Cuv. Lee. Anat. comp. 1800.
Thiosmus Lichten st. Abhandl. Berl. Acad. 1838.
47. 1. M.mapurito. Less. Man. Mam. p. 151. 407.
Viverra putorius Mutis Act. Holm. 1769. p. 68.
Gulo mapurito Humb. Rec. Obs. I. p. 350.
Zorrillo Indig.
48. 2. M./urcata. Wagn. Sclireb. Supp. IL p. 129.
M. chilensis Fr. Cuv. Dict, seienc. nat. X11I. p. 126.
Anish Indig.
Mammalium conspectus. 249
49. S.M.amazonica. Lichtenst. I.e. p. 275.
?Conepatus Humboldt i var. Gray Loud. Mag. 1. p. 581.
7. Gen. XiUtra. Lin. Syst. Nat. 1735.
50. l.L.Chilensis. Beim. Proc. 1832. p. 1.
Waterhouse Zool. Beagle I. p. 22.
L. peruviensis. Gervais l'Instit. 1841. p. 401.
51. I.L.montuna. Tsch. Fauna peraan.
Fam. 3. Canina. Gray An. Phil. XXVI. 1825.
8. Gen. Canis. Lin. Syst. Nat. 1735.
52. 1. C./amiliaris. Lin. Syst. Nat. XII. p. 56.
53. I.C.caraibicus. Less. Man. Main. p. 163. 29.
54. 3. C. Ingae. Tsch. Fauna peruan.
55. 4. C. Azarae. Pr. Max. Beitr. II. p. 338.
Waterhouse Zool. Beagle. 1. p. 14. tab. 7.
C. vetulus Lund. Vide Wiegm. Archiv 1843.
Farn. 4. Fei i na. Gray An. Phil. XXVI. 1825.
9. Gen. Felis* Lin. Syst. Nat. 1735.
56. 1. F.concolor. Lin. Mantis. plant, p. 522.
F. discolor Schreb. tab. 104. B.
F. Puma Shaw. Gen. Zool. I. 2. p. 358. t. 89.
Poma Jndigen. Leon Hispan.
57. I.F.Onza. Lin. Syst. Nat. XII. p. 61.
F. Panthera Schreb. tab. 99.
F. nigra Erxl. Syst. p. 512. 8.
Choque chinca et Yana choque Indigen,
Tigre Hispanorum.
58. 3.F.Macrura. Pr. Max. Beitr. II. p. 371.
F. elegans Less. Cent. Zool. p. 69. tab. 21.
59. 4. F. celidogaster. Temna. Monog. I. p. 140.
F. chalybeata Griff. An. King. 11. p. 437.
Ose olle Indigen.
60. h.F.Pardalis. Lin. Syst. Nat. XII. p. 62.
F. armülata F. Cuv. Mam. Livr. 65.
F. Catenata Griff. 1. c. II. p. 478.
excl. F. Pardalis Pr. Max. Beitr. II. p. 361.
Uturunco Indigen.
61. 6. F. Yagiiarundi. Desm. Mam. p. 230.
F. Darwmi Mart. Proceed. Z. S. V. p. 4.
62. 7. F. domestica. Briss. Regn. Anim. p. 261.
Gato Hispanorum.
250 Dr. J- J- de Tschudi:
Sect. III. Piscivora.
Fam. 5. Phocina. Gray An. Phil. XXVI. 1825.
10. Gen. Otaria. Peron Voy. Ter. Austr. III. 1807.
Vlatyrhynchus et Arctocephalus F. Cuv.
63. 1. O.jubata. üesm. Mam. p. 248. 380.
O. leonina. Peron 1. c. p. 113.
nee Phoca leonina Lin. Syst. nat. XII. p. 5£>.
04. 2. O. TJlloae. Tsch. Fauna peruan. cum fig.
Ord. IV. JYIarsupialia. Jllig. Prodr. 1811.
1. Gen. Didelphys. Lin. Syst. Nat. 1735.
65. 1. D. Azarae. Temra, Mongr. I. p. 30.
D. marsupialis Pr. Max. Beitr. II. p. 387.
D. aurita Pr. Max. 1. c. p. 393.
Mucainuca et Jarachupa Indig.
66. 2. D.myosuros. Temin. Monogr. I. p. 38.
D. nudicaudata Desm. Mam. p. 257.
67. S.D. opossum. Lin. Syst. Nat. XII. I. p. 72.
68. l.D.murina. Lin. Syst. Nat. XII. I. p. 72.
69. 5. D.ornata. Tsch. Fauna peruan. cum fig.
70. 6. D. noctivaga. Tsch. Fauna peruan. cum fig.
71. 7. D.impavida.T seh. Fauna peruan. cum fig.
Ord. V. Rodentia. Harn. Smith. Griff. An. King. 1827.
Fam. 1. Sciurina. Blumenb. Handb. Naturg. 1779.
1. Gen. Sciurus. Lin. Syst. Nat. 1735.
Macroxus F. Cuv. Dict. Sc. Nat. X. 1818.
72. 1. Sc.variabilis. Is. Geoffr. Guer. Mag. 1832. Tsch.
Fauna peruan. cum fig.
73. 2. Sc. stramineus. Eydoux Zool. Bonite p. 37. tab. 9.
Prope Amatope.
74. S.Sc.aestuans. Lin. Syst. Nat. XII. I. p. 88.
75. \.Sc.tricolor. Poeppig in nonnullis Museis.
Fam. 2. Chinchillina. Wagn. Wiegm. Arch. 1841.
Lagostomi Wie gm. Handb. Zool. part.
2. Gen. Kriomys. Lichten st. Darst. 1831.
Chinchilla Gray Spie. Zool. 1830.
76. 1. E. Chinchilla. Licht. I.e.
Ch. laniger Gray Spie. Zool. p. 11. tab. 7.
Mammalium conspectus. 251
Lagos tomus laniger Wagl. Isis 1831.
Lag. Chinchilla Meyen Nov. Act. Acad. Leop. XVI. II.
p. 586.
3. Gen. MJagidium. Meyen Nov. Act. Acad. Leop.
XVI. II. 1833.
Lagotis ßenn. Proc. Z. S. 1833.
77. 1. L.peruvianum. Meyen I.e. p. 578. tab. 41.
Lagotis Cuvieri Benn. Transact. of Zool. Soc. I. p. 46.
tab. 4—6.
Fani. 3. Psainmoryctina. Wagn. Wiegm. Arch. VII. I. 1841.
4. Gen. Octadon. Benn. Proc. Z. S. Lond. 1832.
Dendrobius Meyen Nov. Act. Leop. XVI. 1833.
78. 1. 0. Cu?nmingii. Benn. Transact. of the Zool. S. II. I.
p. 81. tab. 16.
Dendrobius degus Meyen 1. c. XVI. II. p. 601. tab. 44.
5. Gen. JEchinomy*. Wagn. Münch. Acad. Abh. III. 1841.
Echimys Geoffr. Bull. Soc. Phil. 1809.
79. 1. E.leptosoma. Wagn. Schreb. Suppl. III. p. 341.
Loncheres myosuros Lichtenst. Abhandl. Berl. Acad.
1820. p. 129. tab. 1.
Echimys longicaudatus R e n g g e r Paraguay p. 236.
E. cayensis Pictet Mem. Gen. 1841. X. 1. p.145. tab. 3. 4.
E. setosus Geoffr. Desm. Mam. p. 293.
Farn. 4. Muri na. Jllig. Prodr. 1811.
a. Mures.
6. Gen. Mus. Lin. Syst. Nat. 1735.
80. 1. M. decumanus. Pall. Glir. p. 91.
81. I.M.musculus. Lin. Syst. Nat. XII. I. p. 83.
7. Gen. Aleotlon. Meyen Nov. Act. Leop. XVI. II. 1833.
82. l.A.boliviense. Meyen 1. c. p. 600. tab. 43. f. 1.
b. Sigmodontes.
8. Gen. JOrymomys. Tsch.
83. 1. D.parvulus. Tsch. Fauna peruan. cum fig.
9. Gen. Hesperomys. Water h. Zool. Beagle. 1839.
Mures americani Auetor. Scapteromys, Habrothrix, Cal-
lomys, Phyllotis. Waterh. Zool. Beagle.
1. Subg. Hesperomys. Waterh.
84. 1. H. Darwini. Wagn. Schreb. Supp. III. p. 537.
Mus Darwini Waterh. Proc. Z. S. V. p. 28.
Phyllotis Darwini Waterh. 1. c. p. 64. tab. 23
252 Dr. J. J. de Tschudi:
85. I.H.destructor. Tsch. Fauna peruan. cum fig.
86. 3. H.7nelanostoma. Tsch. Fauna peruan. cum fig.
2. Subg. Rhipidomys. Wagn. in litt. 1844. Tscli.
87. 1. H.leucodactylus. Tsch. Fauna peruan. cum fig.
Farn. 5. Castorina. Gray An. Phil. XXVI. 1825.
10. Gen. Myopotamus. Geoffr. An. Mus. 1805.
88. l.M.Coypus. Is. Geoffr. üict. Class. XI. p. 374.?
M. Coypus Molina Chile p. 255.
Mastonotus Poppelari Wesm. Inst. 1841 p. 341. !
Guillmomys chilemis L e s s. !
test. indig.
Farn. 6. Hystricina. Waterh. Mag. Nat. Hist. 1839.
11. Gen. Sphingurus* Leibl. Grundz. Übers. Thierr. 1839.
Sphiggurus Geoffr. Mam. Mus. IX. 1822. Cercolabes.
Brandt Hystr. Mus. Act. Petr.
89. l.Sp.bicolor. Tsch. Fauna peruan. cum fig.
Farn. 7. Subungulata. Jllig. Prodr. Syst. 1811.
12. Gen. JDasyprocta. Jllig. Prod. 1811.
Chloromys F. Cuv. An. Mus. XIX. 1812.
90. X.D.aguti. Jllig. Prodr. p. 93.
91. 2. D.variegata. Tsch. Fauna peruan. cum fig.
Cutspi sive Cushpi Indig.
13. Gen. Coelogenys. Jllig. Prodr. 1811.
Coelogenus F. Cuv. An. Mus. 1807.
92. 1. C.fulvus. F. Cuv. An. Mus. X. p. 203. tab. 9. f. 1. 2.
Cavia Paca Schreb. Säug. tab. 107.
14. Gen. JEydrochoerus. Briss. Regn. Anim. 1756.
93. 1. H. Capybara. Erxl. Syst. p. 193. 2.
Sus Hydrochoerus L i n. Syst. Nat. XII. I. p. 103. 4.
15. Gen. Cavia, Klein Quadrup. 1751»
94. 1. C.Cobaya. Marcgr. Bras. p. 224. c. f.
95. 2. C.Cutleri King Ben. Proc. Z. S. 1834. p. 191.
Cuy del monte Indig.
Farn. 9. Duplicidentata. Jllig. Prodr. 1811.
16. Gen. JLtpus. Lin. Syst. Nat. 1735.
Mammalium conspcctus. 253
96. 1. L.brasilienais. Lin. Syst. Nat. XII. I. p. 78. 4.
Conejo Indigenorum (fide Poeppig. ).
Ord. VI. Bvuta. Lin. Syst. Nat. 1766.
Edetüata Cuv. Tab. elem. 1797.
Sect. I. Phyllophaga. Owen An. sc. nat. 1S42.
Farn. 1. Tardigrada. JUig. Prodr. 1811.
1. Gen. ßradypus. Lin. Syst. Nat. 1735.
Choelopus J lüg. part. Acheus F. Cuv. 1825.
97. i.B.infuscatus. Wag]-. Isis 1831. p. 611.
98. I.B.lorquatus.lem. An. gen. Sc.phys. Vl.p.512.tab.l9.
Sect. II. Pantophaga. Tsch.
Farn. 2. Loricata. Vicq. d'Az. Syst. Anat. des Anim. 1792.
2. Gen. Basypus. Lin. Syst. Nat. II. 1740.
99. 1. D.9cincttis. Lin. Syst. Nat. XII. I. p. 54. 6.
D. longicaudus Pr. Max. Beitr. II. p. 535 4.
100. I.D.tatuay. Desm. p. 369. 585.
D. gymnurus Pr. Max. Beitr. II. p. 529. 3.
Quirquincho Indigen.
Sect. III. Entomophaga. Tsch.
Fam. 3. Edentata. Cuv. I. c.
3. Gen. Myrmecophaga. Lin. Syst. Nat. IT. 1740.
101. \.M.tetradactyla. Lin. Syst. Nat. XII. p. 52. 4.
102. I.M.didactyla. Lin. Mus. Ac. Fried. I. p. 8.
Ord. VII. Soliduiigula. Jllig. Prodr. 1811.
1. Gen. Kquus. Lin. Syst. Nat. 1735.
103. 1. E^caballus. Lin. Faun. Suec. II. p. 15. 48.
104. I.E.asinus. Lin. Syst. Nat. XII. I. p. 100.2.
Ord. VIII. Pacltydermata. Cuv. Tabl. elem. 1797.
Fam. 1. Tapirina. Gray Ann. of Philos. XXVI. 1S25.
1. Gen. JOapirus. Briss. Regn. Anim. 1756.
Rhinochoems YVagl. Syst. Amph. p. 17.
105. 1. T.americanus. Desm. Main. p. 410. 645.
T. suyllus Blumenb. Handb. Nat. 5te Ausg. p. 123.
106. I.T.villosus. Wagn. Schreb. Fortsetz. VI. p. 292.
254 Dr- J J- de Tschudi:
T. pitichaque R oul in An. scienc. nat. XVIII. p. 26 t.l — 3.
T. Routini Fisch. Syn. Mam. add. p. 606.
Fam. 2. Suina. Gray Ann. Philos. XXVI. 1825.
2. Gen. &u#. Lin. Syst. Nat. 1735.
107. l.S.scrofa. Lin. Faun. Suec. 2. p. 8. 21.
3. Gen. Dicotyles. Cuv. Regn. Anim. 1817.
108. 1. D.torquatus. Cuv. Regn. Anün. Ed. I. p.237.
Sus tajassu Erxl. Syst. Regn. Anim. p. 185.3.
Aper americanus Briss. Regn. Anim. p. 111.
Cochino del monte Hispan.
109. 2.D.labiatus. Cuv. Regn. Anim. I.e. p. 238.
D. albirostris Jllig. Lichtenst. Doubl. Verzeichn. 1823.
Ord. IX. Ruiuinaiitia. Cuv. Tabl. Elem. 1797.
Fam. 1. Tylopoda. Jllig. Prodr. p. 103.
1. Gen. JLuchenia. Jllig. Prodr. p. 103.
Lacma Tiedem. Zool. 1838.
110. i. A.Lama. Brandt Abbild, u. Beschreib, merkwiird.
Säugeth. I. Tab. 1. 2.
Camelus peruanus Briss. Regn. Anim. p. 56.
Lacma peruana Tiedem. Zool. 1808.
Llama Indigenorum.
111. 2. A. Huanaco. Hamilt. Smith Griff. Anim. King. VI.
p. 55. Meyen Nov. Act. Ac. Leop. XVI. 2. p. 552. tab.40.
Huanaco Indigenorum.
112. Z.A.Paco. Desm. Mam. p. 42C.
Lama Pacos Fisch. Syn. Mam. p. 437.
Alpaco Indigenorum.
113. 4. A. Vicunia. Fisch. Syn. Mam. p. 437.
Camelus Vicugna Lin. Syst. Nat. XIII. I. p. 171.
Vicunia Indigenorum.
Fam. 2. Bovina. Gray An. Phil. XXVI. 1825.
2. Gen. Hos. Lin. Syst. Nat. 1735.
114. l.B.taurus. Lin. Faun. Suec. 2. p. 15. 46.
Fam. 3. Caprina.
3. Gen. Capra. Lin. Syst. Nat. 1735.
115. 1. Chirons. Lin. Faun. Suec. 2. p. 15.44.
Mammalium conspectus. 255
4. Gen. Ovis. Lin. Syst. Nat. 1735.
116- 1. 0. Aries. Lin. Faun. Suec. 2. p. 15. 44.
Farn. 4. Cervina. Wiegm. Handb. Zool. 1832.
5. Gen. Cervus. Lin. Syst. Nat. 1735.
117. l.C.ru/us. F. Cuv. Dict. Scienc. nat. VII. p. 485.
118. 2. C.nemorivagus. F. Cuv. Dict. Sc. nat. VII. p. 485.
Var. peruana. Tsch. Fauna peruan.
Liucho Indigen.
119. 3.C.a?itisiensis. D'Orb. Dict. univ.d'hist. nat. III.p.328.
Tarush sive Taruga Indigen. Tsch. Fauna peruan.
cum fig.
Ord. X. Cetacea. Blumenb. Naturg. 1779.
Hujus ordinis specierum, quae in mari Peruano obveniunt,
enumeratio integra difficillima est, cum haec animalia aegre
capiantur et observentur, praeeipue Phocaenae et Delphinapteri.
Haec sine dubio enumerare possumus: Catod. macroeepha-
lum Lac, Balaenam mysticetum L., B. lunulatam
Lac. et Balaenopteram pu?ictatam Lac. Observavimus
novam Balaenopterarum speciem, maxilla inferiore supe-
riorem vix superante, capite dorsocjue ex cinereo fuscis, ab-
domine albicante; pinnis albo-terminatis, fascia alba ab ocu-
lis ad corporis medium porrigente. Long. tot. 38'.
Berolini, Mens. Decemb. 1843.
Beitrag zur Diagnostik der einheimischen
Frosch arten
von
A. Fr. S c h 1 o 1 1 h a u b e r.
Bei einem Aufenthalte in Hamburg wahrend der Sommer-
und Herbstmonate dieses Jahres beobachtete ich in der Nähe
und Umgegend der Stadt bis auf 6 Stunden Entfernung einen
Frosch, der zumal in Mehrzahl und in verschiedenem Alter
256 A. Fr. Schi ott ha über: Beitrag ?.ur Diagnostik
von gleicher interessanter Färbung und Zeichnung vorkom-
mend, sogleich meine grösste Aufmerksamkeit anregte. Diese
Zeichnung ist nämlich von der Beschaffenheit, dass sie die bis-
herigen Diagnosen der beiden einheimischen Arten in allen
Werken unbrauchbar macht, weil diese von mir neu aufge-
fundene, konstante Varietät die zeither für genügend gehalte-
nen Charaktere beider Species mit einander verbindet.
Es hat diese sehr hübsche Varietät die gewöhnliche mitt-
lere Grösse des braunen Landfrosches, auch eine gleiche Ge-
stalt und sonstige Beschaffenheit. Dagegen scheint mir der
Rücken beiderseits schärfer gekielt, höckriger und eckiger zu
sein. Die Zeichnung und Färbung aber hält so ziemlich das
Mittel zwischen beiden einheimischen Arten und deutet auf
eine hybride Entstellungsweise, zumal ich dieselben nur in der
Nähe von stehenden Wassern und unmittelbar bei solchen an-
getroffen habe. Im Allgemeinen ist die Färbung oberwärts oliven-
braun, unterwärts gelblich weiss; durch die Augen bis ober-
halb der Mundkante läuft derselbe geradlinigte dunkelbraune
breite Längsstreifen, wie bei dem gemeinen, ist aber, so wie
die übrigen Flecke, Schenkelbinden und Schattirungen des
Rückens weit dunkler als bei dem gemeinen, fast schwärzlich
braun. An der Vorderseite der Vorder -Oberarme, zunächst
dem Leibe, befindet sich jederseits ein dicker Strich und jen-
seits der Vorderfüsse am Bauche zu beiden Seiten bis nach
den Weichen hin zwei parallele zusammengeflossene zackige
Fleckenreihen , deren Flecken zumal in der untern nur bis zur
Mitte des Bauchs reichenden, kürzeren Reihe mehr abgeson-
dert und im Umfange zackenstrahliger erscheinen. Der dun-
kele scharfbegränzte Augen- und Backenstreif, welcher in
seinem ganzen Umrisse fast sehr langgezogen schmal rhom-
boidal erscheint, wird, wie die Bauchseiten -Fleckung durch
ihren grellen Abstich gegen den sehr hellgelblichen und noch
heller getüpfelten Grund, so jener unterwärts durch einen sehr
reinen und hellgelben Längsstreifen hervorgehoben, welcher
dann wiederum durch einen schmalen Kantenstreifen des Ober-
kieferrandes begrenzt ist. Die Querbinden der Hinterschenkel
sind wie bei dem gemeinen, aber dunkler; der sehr dunkel-
olivenbraun gefärbte Rücken ist mit drei rein hellgelben Längs-
streifen geziert, wovon der mittlere bis 2'" (paris. Mass) breit
der einheimischen Froscharten. 257
und jeder Seits auf der tiefdunklen Kante mit einer hellen,
unterbrochenen, höckrig gekielten, schmalen Längsstreifen-Reihe
noch mehr hervorgehoben ist. Die beiden äussersten Streifen
bezeichnen genau die Seitenränder des Rückens, sind ebenso
hell als der obere Mundkantenstreifen und kaum in die Quere
unterbrochen. Hierdurch hat offenbar diese überaus schöne
und wichtige Abart des Landfrosches die Merkmale des Was-
serfrosches sich zugeeignet und diese verwerflich gemacht. Ich
werde daher die Diagnosen beider Arten rücksichtlich dieser
konstanten Varietät nunmehr so geben:
1) Rana esculenta, grüner Wasserfrosch, der Name
Röling ist ein Provinzialismus, der den Tritonen (taeniatus,
cristatus etc.) zukommt und keinesweges den Fröschen gebührt.
R. supra olivaceo- viridis, obscure maculata; infra fiavescens
alba; vittis oculorum cruriumque nullis.
2) Rana temporaria L. , der braune Landfrosch. R. su-
pra olivaceo -fusca, vitta rhomboideo-lanceolata oculorum, zo-
nisque crurium fuscis: infra fiavescens pallida.
Varietas B. R. t. forsan esculento-temporaria
hybrida: vittis dorsalibus tribus pallide flavidis: media lata,
utrinque linea angusta interrupta, gibboso-carinata terminata;
lateralibus angustis subcontinuis aliaque marginis maxillae su-
perioris continua argute determinata, lucide flavis.
Hamburg, im Herbst 1843.
Nachträgliche Bemerkungen zu den Beiträgen
zur Fauna Norwegens.
Von
H. R a t h k e.
1. Während der Zeit, da eine von mir verfasste und be-
reits in den Verhandlungen der Kaiserl. Leopold. Carol. Aka-
demie der Naturforscher (Bd. XX. Th. 1.) erschienene Ab-
handlung, die den Titel: Beiträge zur Fauna Norwegens führt,
Archiv f. Naturgesch. X. Jahrg. 1. Bd. 17
258 H. R.nthke: Nachträgliche Bemerkungen
gedruckt und die zu ihr gehörigen Knpfertafeln gestochen
wurden , sind einige von den Thieren , die ich in dieser Ab-
handlung beschrieben habe, schon von andern Zoologen und
unter andern Namen dein Publikum vorgeführt worden. Leicht
nun aber könnte in Hinsieht des einen oder des andern von
ihnen , weil es jetzt unter 2 verschiedenen Namen beschrieben
ist, der lrrthnm entstehen, als wären damit auch 2 verschie-
dene Thierarten gemeint worden. Einem solchen Irrthum vor
zubeugen, soll hauptsächlich der Zweck der nachstehenden
Zeilen sein.
Unter den 7 von mir aufgeführten Arten der Gattung
Hippolyte befinden sich 4, die schon Kröyer in seinem
Werke: Monografisk Fremstelling af Slaegten Hippolytes nor-
diske arter ( Kiöbenhavn 1842) ausführlich beschrieben hat.
Es ist nämlich
meine H. vittata einerlei mit Kröyer's H. pusiola,
H. Lovenü - H. inutila,
H. lentiginosa - H. Gaimardii,
H. varians Leach - - H. smaragdina.
Herr Dr. Kröyer hatte die Güte, mir ausser einer Menge
andrer Crustaceen auch fast von allen denjenigen Arten der
Gattung Hippolyte, welche von ihm in dem erwähnten Werke
verhandelt worden sind , ein Paar Exemplare zum Geschenk
zu geben, und ich habe dadurch Gelegenheit gehabt, von jenen
oben genannten 4 Arten die Exemplare, welche von Kröyer
und von mir zu den Beschreibungen benutzt worden sind,
mit einander vergleichen zu können. Übrigens aber möchte
ich noch bemerken, dass der Beinamen smaragdina, den
Kröyer der einen Hippolyte gegeben hat, nicht füglich ste-
hen bleiben kann , weil die Farbe bei den einzelnen Exem-
plaren dieser Art ungemein verschieden, am seltensten jedoch,
so viel ich darüber erfahren habe, grün ist, und dass es da-
her wohl am passendsten sein dürfte, für sie den Namen H.
varians beizubehalten.
Ferner sind von den Würmern, die ich in den genannten
Beiträgen als neue Arten aufgestellt habe, 2 unlängst auch
von A. S. Orsted in seiner Schrift: Groenlands Annulata
dorsibranchiata (Kiöbenhavn 1843) beschrieben worden. Denn
Orsted's Heteronereis arctica ist einerlei mit meiner Nereis
zu den Beiträgen zur Fauna Norwegens. 259
grandifolia, und seine Ophelia mamillata einerlei mit meiner
Ammotrypane oestroides.
Ein dritter Wurm , den ich Octobothrium digitatum ge-
nannt habe, ist von Leuckart unter der Benennung Octobo-
thrium palmatinn in dem dritten Hefte von dessen zoologischen
Bruchstücken (Freiburg 1842) beschrieben worden.
2. Zur Bestimmung der verschiedenen Arten von Hip-
polyte hat Kröyer einige Organisation - Verhältnisse dieser
Thiere benutzt, die ich nicht beachtet hatte. Da sie mir jetzt
aber, nachdem es sich ergeben hat, dass jene Gattung gar
reich an Arten ist, von nicht geringer Wichtigkeit erscheinen,
so will ich sie noch nachträglich für diejenigen der von mir
aufgestellten Arten angeben, welche als neu stehen geblie-
ben sind.
Hippolyte Subula hat an dem hintersten Paar der Kie-
ferfiisse eine Palpe und eine Geissei (FJagellum), an den 3
vordersten Beinpaaren eine Geissei, und an dem vordem
Rande des Rückenschildes nur einen Zahn, und zwar dicht
unter dem Auge: an den innern Fühlhörnern ist der innere
Ast ein wenig länger als der äussere.
Hipp, recurvirostra hat an dem hintersten Paar der
Kieferfüsse eine Palpe und eine Geissei, an den beiden vor-
dersten Beinpaaren eine Geissei , und an dem vordem Rande
des Rückenschildes nur unter dem Auge einen Zahn: an den
innern Fühlhörnern ist der innere Ast nicht unbedeutend län-
ger als der äussere.
Hipp. Retzii hat an dem hintersten Paar der Kiefer-
füsse eine Palpe und eine Geissei , an den beiden vordersten
Beinpaaren eine Geissei, und an dem vordem Rande des
Rückenschildes einen Zahn unter dem Auge und einen zwei-
ten, aber viel kleinern, an dem Übergänge des vordem Ran-
des in den untern Rand jenes Schildes: der innere Ast der
innern Fühlhörner ist nicht unbedeutend länger als der äussere.
Ferner hätte ich Folgendes zu bemerken. Ahnlich der von
mir aufgestellten Art Podocerus calcaratus ist dasjenige Crusta-
ceum, welches Kröyer in seiner Naturhistorisk Tidsskrift
(Bd. 4. Heft 2. S. 163, Kiöbenhavn 1842) unter dem Namen
Podocer. Leachii beschrieben hat. Von beiden Arten besitzen
die Männchen an der Hand des zweiten Beinpaares einen Sporn,
17*
26() II Rattike: Nachträgliche Bemerkungen
bei der erstem Art aber ist dieser am Ende stumpf, bei der
andern Art dagegen, wie ich an zwei mir von Hrn. Kröyer
zugesendeten Exemplaren sah , spitz und ausserdem auch kür-
zer oder überhaupt kleiner. Am meisten jedoch unterscheiden
sich beide dadurch, dass an der mit dem Sporn versehenen
Hand bei Kröyers Art der Pollex oder die Klaue aus 2
Gliedern , bei meiner hingegen nur aus einem Gliede besteht.
Sehr ähnlich auch einander sind Orsted's Nephthys coeca
und meine Nephthys ciliata, doch gehören sie wohl ohne Zweifel
nicht einer und derselben Art an , sondern sind 2 verschie
dene Arten. Denn wenn ich gleich bei verschiedenen Exem-
plaren der von mir beschriebenen Art die blattartigen Theile
der Ruderplatten verschiedentlich gross fand, so erschienen sie
doch bei keinem von so beträchtlicher Grösse als bei N. coeca,
und namentlich reichen an dem obern Aste der Ruderplatten
die Blätter über den borstentragenden Theil entweder gar nicht,
oder nur sehr unbedeutend hinaus. Dagegen reichen an bei-
den Asten die Borsten über die Blätter hinaus und zwar viele
von ihnen bedeutend weit. Ferner ist bei N. ciliata der bor-
stentragende Theil des obern Astes unregelmässig dreieckig,
nicht aber allenthalben fast gleich breit und am Ende abge-
rundet, daher auch der Raum oder der Ausschnitt zwischen
den beiden Asten der einzelnen Ruderplatten von einer andern
Form und scheinbar höher als bei N. coeca ist. Überdiess
sind bei N. ciliata die Borsten anders beschaffen als bei N.
coeca, so weit sich hierüber nach den von Orsted gegebe-
nen Abbildungen und der Beschreibung urtheilen lässt : bei
jener nämlich sind die kürzern und geraden Borsten 2 bis 3
Mal dicker, als die längern, in ihrer Mitte beinahe spatelför-
mig und an einer Seite mit kurzen scharfkantigen Querleisten
versehen; bei der andern Art dagegen sind sie dünner als die
längern, pfriemenförmig und glatt: die längern oder gekrümm-
ten Borsten aber sind bei der erstem Art nur an ihrer hin-
tern kleinern Hälfte, und zwar an der konkaven oder innern
Seite derselben mit Zähnchen versehen , an der andern Hälfte
glatt und sehr zart, und mitunter 3 Mal länger als die gera-
den Borsten: dagegen sind sie bei N. coeca an der convexen
Seite und fast nach ihrer ganzen Länge mit Zähnchen besetzt
und nur wenig länger als die geraden Borsten. Der Rüssel
zu den Beiträgen zur Fauna Norwegens. 261
ist bei beiden Arten in sofern gleich beschaffen, als an ihm,
wenn er stark angeschwellt worden ist, die auf ihm befindli-
chen Papillen so von einander entfernt sind, dass sie 24 ein-
fache Längsreihen darstellen. Eine- jede solche Reihe aber soll
bei N. coeca ans 6 Papillen bestehen, indess ich sie bei meh-
reren Exemplaren von N. ciliata höchstens aus 5 bestehend
sah. Augenlos sind übrigens beide Arten.
Auch von Orsted' s Nephthys Imigosetom scheint meine
N. ciliata verschieden zu sein. Die Form der Ruderplatteu
ist bei beiden im Ganzen ziemlich gleich , nur ist — worauf
ich jedoch nicht viel Gewicht legen möchte — der borsten-
tragende Theil des untern Astes der Ruderplatteu an seinem
Ende bei der erstem Art fast zugespitzt, bei der letztern
breit und abgerundet, der blattartige Theil desselben Astes
bei der erstem Art etwas kürzer als bei der letztern, und
die Borsten, zumal des obem Astes, hei jener noch länger,
als bei dieser. Bestimmt aber würden beide verschiedenen
Arten angehören, wenn bei N. Jongosetosa , von der Örsted
nur zwei ziemlich schlecht erhaltene Exemplare untersuchen
konnte, alle Borsten, wie es nach dessen Angabe der Fall zu
sein scheint, nur haarförmig sind.
Die meiste Ähnlichkeit aber in Hinsicht der ganzen Form
der Ruderplatten und der Länge ihrer Borsten findet Statt
zwischen meiner N. ciliata und einer Nephthys, von der Ör-
sted nur eine Ruderplatte unter Fig. 78. der sechsten Tafel
seiner Schrift abgebildet und dabei geäussert hat, es sei ihm
zweifelhaft geblieben, ob jenes Thier nur als eine Varietät von
N. coeca oder als eine besondere Art angesehen werden dürfe.
3. Gelegentlich möchte ich hier noch ein Paar in meiner
oben erwähnten Abhandlung vorkommende Druckfehler, die
noch nicht berichtigt sind, anzeigen.
Es muss nämlich heissen :
Seite 10 Z. 1 von unten „der äussern" statt ,,der innern"
13-9 - oben „non attingente" „attingente".
262 Dr. i. i de Tschudi:
Avium c o n s p e c t u s
buae in Republica Peruana reperiuntur et pleraeque obser
vatae vel collectae sunt in itinere
a
Dr. J. J. de Tschudi.1)
Ordo I. Accipitres Lin. Syst. Nat. 1735.
Farn. 1. Vulturtdae C. Bonap. Saggio 1831.
1. Gen. &arcorampftus Dum. Zool. anal. 1806.
Gypagus VieilL 1816.
1. 1. S. condor Dum. 1. c. p. 32.
Vultur gryphus Lin. Syst. Nat. Gmel. XIII. I. p. 245. 1.
Cathartes gryphus Temm. pl. col. 133 mas; pl. 408
fem. juv.
Sarcoramphus gryphus Goldfuss Natura. Atlas tat». 107.
Condor et Buytre Hispan. Cuntur Indigen.
2. 2. S.papa Dum. 1. c. p. 32.
Vultur papa Lin. Gmel. XIII. 1. p. 246. 3.
Iriburubicha Azar. Apunt. Nr. 1.
2. Gen. Cathartes Jllig. Prodr. 1811.
Catharista Vi ei 11. 1816.
3. 1. C.foetens Jllig. Prodr. p. 236.
Vultur atratus Wils. Amer. Ornith. pl. 45. fig. 2.
Cathartes jota Bonap. Synops. p. 23.
Vultur jota Molin. Hist. nat. Chile p. 235.
Iribu Azar. Apunt. Nr. 2.
Gallinazo Incol.
4. 2. C. aura Jllig. Lichten st. Doubl. Verzeichn. 1823.
Nr. 663.
Vultur aura L i n. Gmel. XIII. I. p. 246. 5.
Urubu Marcg. Bras. p. 207.
Iribi — Acabiray Azar. Apunt. Nr. 3.
Gallinazo a cabeza colorada Incol
') Genera quaedam nova, quae hoc in conspectu obveniunt, pro-
posita sunt a Dom. J. Cabanis, Assist, Mus. Zool. Berol, qui ad con-
stitucndam hanc enumerationem observationes suas benevole mecum
rommunicavit.
Avium conspeotus. 263
Fam. 2. Falconidae C. Bonap. Sagg. 1831.
3. Gen. JPolyborus Vieill. Anal, d'une nouv. Ornith.
syst. 1816.
Carucara C uv. 1817. Milvago S p i x 1824. Phalcoboenus
d' Orbig. 1837.
5. 1. P. vulgaris Vieill. et Oudart Gall. des Ois. p. 23.
tab. 7.
Falco cheriway Jacq. Beitr. p. 17. Nr. XU. tab. 4.
Falco brasiliensis Lath. Syn. p. 63. 74.
Polyb. Caracara Spix Av. Bras. 1. tab. la.
Caracara Marcgr. Bras. p. 214.
6. 2. P. megalopterus Cab.
Aquila megaloptera Meyen Reise III. p. 188. tab. XVII.
(foem.).
Phalcoboenus niontanus d' Orbig. de La fr es. Synopsis
Avium etc. in Guerin Mag. Zool. 1837. p. 2. Voyage
dans l'Amer. merid. Ois. p. 51. tab. 2. fig. 1. 2.
Huarahuau Indig.
7. 3. P.chimango Vieill. Encyel. Metli. III. p. 1180.
Aquila pe%oporus Meyen I.e. p. 186. tab. XVI.
8. 4. P. tae?iivrus Tsch.
F. supra ex fusco cinereus; tectrieibus superioribus non
nullis maeulis dilutioribus; remigibus primi seeundique or-
dinis faseiis transversis nigris ; gula pectoreque flavis stri-
olis nigris; abdomine obscuriore faseiis transversis spadieeis;
eanda permültis (23) faseiis fnscis; rostro coeruleo-corneo;
pedibus flavis, unguibus nigris; iride flava.
Longit. tot. 1' 8".
4. Gen . Mypomorphntis C a b a n i s.
Rostrum Bnteonis sed longins minusqne arcuahmi ; nares
puncto osseo, minus conspicuo quam in I'olyboris, instruetae;
loro deplumato. Alae medioeres, breviores quam in Huteonibus.
Cauda medioeris, subaequalis. Pedes Buteonis, tarsis autem
longioribus, digitis unguibusque brevioribus. Color praeva-
lens niger aut rufus. Cauda nigra, fascia alba.
(Typus: Falco urtibitinga Lin. Gmel. Falco rutilans
Lichtenst.)
i). 1. H. urubitinga Cab.
Falco urubitinga Lin. Gmel. X1I1. 1. p. 265. 7. Temm.
pl. col. tab. 55. jun.
264 Dr. J- J- <lc Tschudi:
Falco longipes Jllig. Mus. Berol.
Aqidla ])icta S p i x Av. Bras. tab. 1 c.
Urubitinga Marcgr. Bras. p. 214.
Gavilan mixto negro Az a r. Apunt. Nr. 20. Gavilan mixto
chorreado ibid. Nr. 17. Gavilan mixto pintado ibid.
Nr. 18.
10. 2. H. rutilans Cab.
Circus rufulus Vi ei 11. Encycl. meth. III. p. 1216.
Falco rutila?is Lichtenst. Doubl. Verz. Nr. 627.
Buteo rutilans Less. Man. Ornith. I. p. 104.
Falco rutilans Temin. pl. col. 25.
Gavilan de estero acanelado Azar. Apunt. Nr. 11.
11. 3. H. unicinctus Cab.
Falco unicinctus Temm. pl. col. 313.
Falco llarrisii Audubon Ornith. Biogr. V. p. 30.
Nisus unicinctus Less. Trait. p. 61.
Astur unicinctus d'Orbig. La fr es. Syn. 1. c. p. 5.
Gavilan mixto oscuro y canela Azar. Apunt. Nr. 19.
5. Gen. Buteo Cuv. Leg. Anat. comp. 1800.
12. 1. B. aguya Cab.
Falco aguya Temm. pl. col. 302.
Spizaetus mclunolcucus Vieill. Encycl. III. p. 1256.
Haliaetus aguya Less. Trait. p. 42.
//. mclanoleucus d'Orbig. de Lafresn. Syn. I.e. p. 3.
Aguila oscura y blanca Azar. Apunt. Nr. 8.
13. 2. B.pterocles Less.1)
Falco pterocles Temm. pl. col. 56. adult. — pl. 139. junior.
Buteo pterocles Less. Trait. p. 80.
Buteo tricolor d'Orbig. deLafres. Syn. 1. c. p. 6. Voy.
p. 106. tab. 3. fem. adult. — Buteo unicolor d'Orb.
de Lafres. Syn. 1. c. p. 7.
Aguila coliblanca Azar. Apunt. Nr. 10.
6. Gen. Circaetus Vieill. Orn. Anal. 1816.
14. 1. C. solitarius Tsch.
C. ardesiacus; liypochondriis femoribusque nigricantibus;
reinigibus nigris; canda fascia lata alba in medio et altera an-
') Differt. ab hac specie Buteo braccatus nob. (Aquila
braccata Meyen Reise III. p 189. Tab. 18. Buteo tricolor d'Orbig.
Voyage tab. 3. fig. 1. mas) Republicae cliilensis incola. Dom. D'Or-
bigny Aquilam braccatam perperam Buteoiiis tricoloris marem esse
putat.
«Avium conspectus. 265
gusta in apice; cera flava, rostro nigricaiite : pedibus flavis;
nnguibns nigris.
Long-, tot. 2' 3".
7. Gen. Ictinia Vieill. Orn. Anal. 1816.
15. 1. I.plumbea Vieill. Encycl. meth. III. p. 1208.
Falco plumbeus Lin. Gmel. X11I. I. p. 282. 117. Teram.
pl. col. 130. juv.
8. Gen. JSKorphnus Cnv. Regn. anim. I. 1817.
Harpyia Cuv. Thrusaetos G. R. Gray. 1840.
16. 1. M. harpyia Gab.
Falco harpyia Lin. Gmel. XIII. I. p. 251. 34.
Falco destructor Daud. Temm. pl. col. 14.
Harpyia maxima Vieill. Encycl. III. p. 1249.
H. ferox L e s s. Trait. p. 50.
Harpyia destructor d'Orbig deLafres. Syn. 1. c. p. 4. 1 .
9. Gen. JVisus Guv. Leg. Anat. comp. 1799.
17. 1. N.pileatus Less. Man. d'Ornith. I. p. 98.
Avis adult. Falco pileatus Prinz Max. Beitr. HI. p.
107. Tem. pl. col. 205.
Nisus pileatus Less. Trait. p. 57.
Esparvero azulejo A z a r. Apunt. Nr. 26.
A v i s j u n i o r. Falco poliogaster N a 1 1. T e m m . pl. col. 264.
Nisus poliogaster Less. Trait. p. 62.
Avis juven. Falco poliogaster Temm. pl. col. 265.
? Esparvero pardo y goteado Azar. Apunt.
" Nr. 24.
18. 2. N. leucorrhöus Cab.
Falco leucorrhöus Quoy et Gaim. Zool. de l'Uranie
pl. 13.
Daedalion leucorrhöus Less. Trait. p. 66.
19. 3. N. magnirostris Less. Trait. p. 57.
Falco magnirostris Lin. Gmel. XIII. I. p. 281. 115.
Falco insectivorus Spix Av. Bras. p. 17. tab. 8a.
10. Gen. Clitnacocercus Cab.')
Brachypterut Less. 1837. Micr astur G.R.Gray 1841.
20. 1. C. roncentricus Cab.
Falco concentricus Jllig. Mus. Berol.
Nisus concentricus Less. Trait. p. 60.
') Hujus Generis typus est: Falco brachyptertis Temm.
266 Dr. J. J de Tsohudi:
11. Gen. WEarpagus Vig. Zool. Journ. 1824.
Bidens Spix 1824. Diodon Less. 1831. Diplodon
Nitzsch 1840.
21. 1. H.hidentatus Vig. Sket. of Ornith. in Zool. Jonrn.
I. p. 338.
Diodon brasiliensis Less. Trait. p. 95.
Mas adult. Falco diodon Temm. pl. col. 198.
Bidens femoralis') Spix 1. c. tab. 8. et B.
cinerascens Spix 1. c. p. 15.
Avis junior (an fem.?): Falco bidentatus Lath. Temm.
pl. col. 38.
Falco rufiventer Spix 1. c. tab. 6.
Avis juven. Falco bidentatus Temm. pl. 228.
Bidens albiventer Spix 1. c. tab. 7.
12. Gen. Valco Lin. Syst. Nat. 1748.
22. 1. F. femoralis Temm. pl. col. 343. mas adult. tab.
121. Av. jun.
Alconcillo aplomado Azar. Apunt. Nr. 39.
23. I.F.sparverius Lin. Gmel. XIII. I. p. 284.
Cernicalo Incol.
13. Gen. Circus Lacep. Mem. Inst. 1800.
Circns et Strigiceps Bonap.
24. 1. C. poliopterus Tsch.
C. supra nigro - fuscus, dorsi plumis concoloribus, ca-
pitis tectricibusque alaruin superioribus pogoniis rufo-ma-
culatis; remigibus cinereis, pogonio interno fasciis transversis
nigris; tectricibus inferioribus albis rufo - maculatis ; cämpterio
albo; regione parotica e ferrugineo et nigro variegata; pectore
fusco, fasciis numerosis transversis albis; abdomine albo fa-
sciis rufis; crisso abdomine concolore; cera flava; rostro ni-
gro; pedibus flavis, unguibus nigerrimis.
Long. tot. 1' 9|".
Fam. 3. Strigidae. Svvain. 1837.
( Strixideae d' O r b i g. ! )
14. Gen. UToctua Savigny Mem. Ois. d'Egypt. 1809.
25. 1. iV. melanota Tsch.
An Strix hylophila Temm. hujus speciei juven. ?
') Bidens femoralis Spix ad haue speciem pertinet neque ad
Falconem femoralem Temm. ut Lesson putat et D'Orbigny repetit.
Avium conspectus. 267
N. capite dorsoque saturatc fuscis: alis «lilutioribus , fa-
sciolis transversis albicaritibus ; tectricibus alanun superioribus
dorso concoloribus, inferioribus rufescentibus; supercilüs et
eollari albis; pectore ex ferrugineo - fusco rufomaculato: abdo-
niirie fasciis transversis variis fuscis et albis; hypochondriis
erissoque flavescentibus ; eauda sa tu rate fusca, fasciis angustis
et aj>ice albis: oera flava, rostro luteo; pedibus fulvis; iride
sulphurea.
Long. tot. \' 8^".
26. 2. N. dominicensis Cab.
Stria: do?m?iiccnsis Lin. Gmel. XIII. I. p. 29b. 40.
Suinda Azar. Apunt. Nr. 45.
27. 3. N. urucurea Less. Trait. p. 103.
Striae grallaria Temm. pl. col. 146.
Noctua grallaria Less Trait. p. 102.
Athene cunicularia B on ap. List of the Birds etc. p. 6. 31.
Noctua cunicularia d'Orb. de La fr. Syn. I.e. p. 8. 3.
Strix cunicularia M o 1 i n a.
Urucurea Azar. Apunt. Nr. 47.
2N. 4. A. ferruginea Cab.
Strix ferruginea Prinz Max. Beitr. III. p. 234. Temm,
pl. col. 199.
15. Gen. Scops Savig. Mein. Ois. d'Egypt. 1809.
29. l.Sc.choliba d'Orb. de Lafr. Syn. p. 8. 1.
Strix choliba Vi ei 11. Encycl. III. p. 1279.
Strix decussata Lichten st. Doubl. Verz. Nr. 615,
Strix crucigera Spix 1. e. tab. 9.
Choliba Azar. Apunt, Nr. 48.
16. Gen. Mubo Cuv. Regn. Anim. I. 1817.
30. 1. B. virginianus Less. Trait. p. 115.
Strix virginiana Lin. Gmel. XIII. I. p. 287. 13.
Bubo magellanicus d'Orb. de Lafr. Syn. I.e. p 9.
Nacurutu Azar. Apunt. Nr. 42.
Chushec Indig.
17. Gen. Otus Cuv. Anat. comp. 1799.
31. 1. 0. braehyotus Less. Trait. p. 111.
Strix ulula et braehyotos Lin. Gmel. XIII. I. p. 289.
IS. Gen. Striae Lin. Syst. Nat. 1748.
32. 1. St. per/ata Lichtenst. Doubl. Verz. Nr. 613.
268 Dr- J- J- de Tschudi:
St. perlata Prinz Max. Beitr. 111. p. 263.
Lechuza Azar. Apunt. Nr. 4G.
Ordo II. Passeres L in. Syst. Nat. 1735.
Farn. 1. Caprimulgidae C. Bonap. Syn. Vert. 1837.
1. Gen. JVyctibius Vieill. Anal. nonv. Orn. 1816.
33. 1. N. cornutus de Lafres. Guer. Mag. 1837.
C. corjiutus Vieill. Nouv. Dict. X. p. 245.
C. jamaicensis Lin. Gmel. XIII. I. p. 1029. 6.
Urutau Azar. Apunt. Nr. 308.
34. 2. N. longicaudatus Tsch.
Caprimulgus longicaudatus Spix Av. Bras. II. t. 3. fig. 1.
2. Gen. Caprimulgus Lin. Syst. Nat. XII. 1766.
35. 1. C. ocellatus Tsch.
C. nigro - fuscus, innumerabilibus lineolis transversis nigru>
et griseis varins; semitorque albo, pectore albo-maculato:
remigibns primi et secundi ordinis nigricantibus, pogonio
externo ferrngineo maculato, tertii ordinis dorso concolori-
bus, apice macula subrotunda zona ferruginea eincta ornatis;
tectricibus alarum superioribns apice albo maculatis; inferiori-
bus nigro-fumosis, striis duabus albescentibus ; rectricibus inter-
mediis fasciis transversa nigricantibus, externis obscurioribus
apice albis; rostro brunnescente, apice nigro; pedibus colore
carneo; iride flava.
Long. tot. 9".
36. 2. C decussatus Tsch.
C. capite cinereo, plumis nigerrimis intermixtis, dorso
lineis transversis ex fusco et nigro vario; remigibus primariis
nigro-fumosis fascia alba notatis, secundariis ferrugineo-macu-
tis; parapteris medio nigerrimis pogoniis rufescente- notatis;
tectricibus alarum superioribus pogonio externo macula albi-
cante, inferioribus rufescentibus nigro-vittatis ; rectricibus late-
ralibus fascia et apice albis ; semitorque albo ; abdomine ex
albo -rufescente transversim nigro - striato : crisso rufescente;
rostro nigro; pedibus fuscis; iride fusca.
Long. tot. 9" 6'".
37. 3. C. p ruinös us Lichten st. Mus. Berol.
C, supra cinerascens, numerosis lineolis transversis non
Avium conspectus. 269
nullisque lorigitudinaliWs nigris varius; remigibus cinereo-fu-
scis fascia alba; subtus ex albo flavescens, permultis fasciis
augustis nigris; gula alba, pectore dorso concolore, cauda
fasciata, aequali; vibrissis brevissiniis, mollibus; rostri parte
plumis denudata brevissima, nigra; pedibus fuscis.
Long. tot. 7" 6'".
38. 4. C. climacoccrcus Tsch.
C. supra lineolis transversis alternis helveolis et nigris
vai'ius, remigibus nigris albo- fasciatis, parapteris tectricibusqne
superioribus pogonio externo ex rufo, albicante-marginato;
rectrieibus intermediis duabus et externis eadem longitudine
caeteris gradatim brevioribus, intermediis dorso concoloribus,
sed fasciis transversis incompletis nigris, externis pogonio
interno albo, externo nigro et fusco notato; gula alba; pe-
ctore dorso dilutiore; abdomine albo; rostro nigro, pedibus
rubris; iride flava.
Long. tot. 11", cauda 6".
39. b.C. trifurcatus Nat. Mus. Vin.
Farn. 2. Hirundineae d'Orb. de Lafres. Syn. Av. I.e. 1837.
3. Gen. Mirundo Lin. Syst. Nat. 1735.
40. 1. H. andecola d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 69.
41. 2. H.purpurea Lin. Gmel. XIII. I. p. 1020. 5.
Golondrina dornest ica Azar Apunt. Nr. 300.
Palomita de Santa Rosa Incol.
42. 3. H. leueoptera Lin. Gmel. XIII. I. p. 1022. 26.
Golondrina de la rabadilla hlanca Azar. Apunt. Nr. 304.
43. 4. H. melanopyg a Lichtenst. Doubl. Verz. p. 57. 593.
H minuta Prinz Max. Beitr. III. I. p. 369. Temm. pl.
col. 209. fig. 1.
Golondrina de los timoneles negros Azar. Apunt. Nr. 303.
Farn. 3. Ampelidae C. Bonap. Sagg. 1831.
4. Gen. Ampelis Lin. Syst. Nat. 1748.
44. 1. A. maynana Lin. Gmel. XIII. I. p. 840. 5.
Cotinga maynana Briss. Av. II. p. 341. 2. tab. 34. fig. 2.
45. 2. A. viridis d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 40. 3.
46. 3. A. elegant Tscb. Wiegm. Arch. 1843. I. p. 385. 1.
A. aureopectus de Lafres. Guer. Mag. 1843. livr. VII.
p. 39 (foemin. fig. aecur.).
97() Dr. J. J. de Tschudi:
47. 4. A.cincta Tsch. Wiegrin Arch. I. c. p. 385. '2.
48. 5. A. rvfaxilla Tsch.
A. fronte superciliisque viridi-cinereis, pileo plumis elon
gatis rubris, nonnullis nigris intermixtis, facie gulaque ex albi-
cante ferrugineis; collo pectoreque griseo - viridibus; dorso
parapterisque obscurioribus , striis lougitudinalibus nigricanti-
bus; remigibus nigro -fuscis; tectrieibus alarum superioribus
rufis, inferioribus pectori concoloribus; rectricibus nigris;
abdomine sulphureo, striis lougitudinalibus nigerrimis; rostro
nigro, basi maxillae inferioris coerulescente; pedibus viridi-ni-
gris, iride colore igneo.
Long. tot. 8" 40'".
5. Gen. Vtilogonys Svvains. Zool. Journ. 18'21.
Hypothy?nis Boje 1826.
49. 1. Pt. leucotis Tsch.
Pt. cinnamomeus, pileo cerviceque nigris; dorso, uropygio
tectricibusque alaruin superioribus cinnainomeis, parapteris di-
lutioribus; fascia lata alba a rostri angulo ad auriculas porri-
gente; gula, peetore, abdomine crissoque nigerrimis; hypo-
chondriis rufis; remigibus primariis nigris, pogonii interni
basi alba, secundariis pogoniis externis rufescentibus, interjiis
nigricantibus ; rectricibus sex intcrnis nigris: externis apiceal bis;
maxilla superiore nigra, inferiore flava; pedibus nigerrimis;
iride colore igneo.
Long. tot. 9 ".
50. 2. Pt. griseiventer Tsch.
Pt. supra ex olivaceo-rufeseens, fronte cinerea, pileo oli
vaceo nonnullis maculis rufescentibus, tectrieibus alaruin su-
perioribus nigris, pogonio externo apiceque rufo- terminatis;
remigibus primariis fuscis pogonio externo olivaeeis, secunda-
riis basi pogonii interni albis; crisso rufo: rectricibus alarum
duabus intermediis dorso concoloribus, duabus externis parte
pogonii interni postica albis, caeteris nigris apice albis ; subtus
griseus; tectrieibus caudae inferioribus dilute öliyaceis; albo
variegatis; rostro pedibusque fuscis; iride nigrieante.
Long. tot. 7".
Avium eonspectus. 271
6. Gen. Procntas Jllig. Prodr. 1811.
Ter sin a Vieill.
51. 1. P.ventralis Jllig. Prodr. p. 229.
Jmpelis tersa Lin. Gmel. XIII. I. p. 841. 7.
Ters. coerulea Vieill. Nouv. Dict. d'hist. nat. XXIV. 1818.
Proc ci/anotro/n/s Pr. Max. Reisenach Bras. B. I. p. 187.
7. Gen. Cephalopterus Geoffr. St. H. An. Mus. XIII.
1809.
Coracina Temm. Man. Ornith. 1820.
52. 1. V. ornatus Geoffr. An. Mus. I.e. tab. 15.
Coracina cephaloptera Temm. pl. col. 255.
Coracina ornata Spix Av. Bras. I. tab. 149. (fig. non
aecur. ).
Tunqui negro Indig.
Fam. 4. Pipridae de Lafres. Revue Zool. 1839.
8. Gen. Uupicola Briss. Ornith. 1760.
53. 1. R. peruviana Ch. Duniont. Dict. Scienc. nat. XLVl.
p. 453.
Tunqui colorado Indig. (mas). Tunqui mulata
Indig. (foem.).
9. Gen. Vipra Lin. Syst. Nat. XII. 1766.
54. 1. P. filicauda Spix Av. Bras. II. p. 5. tab. 6. fig. 1. 2.
mas et foem.
55. I.P.chloris Natt. Temm. pl. col. 172. fig. 2.
56. 3. P. chloromeros Tsch.
P. nigra, pileo, nucha facieque coccineis ; tibiis stramineis;
rostro flavo ; pedibus coeruleis ; iride coerulea.
Long. tot. 3".
67. 4. P. coeruleo - capilla Tsch.
P. nigra, pileo uropygioque coeruleis; rostro pedibnsque
nigricantibus; iride fusca. Differt a Pipra coronata Spix uro-
pygio coeruleo.
Long. tot. 2" 9"'.
Fam. 5. Muscicapidae Less. Trait. Orn. 1831.
10. Gen. Vsaris Cuv. Regn. Anim. I. 1817.
Pachyrhynchus Spix.
272 Dr. J. J. de Tschudi:
58. 1. P. semifasciatus Jard. et Selby Jllust. Orn. part.
IV. Synops. Nr. 3.
Pachyrhynchus semifasciatus Spix Av. Br. II. tab. 44. fig. 2.
Titura personata J ard. et Selb. Jllust Orn. Part. II. tab. 24.
11. Gen. ScaphorTtynchtis Prinz Max. Beitr. 1831.
59. 1. Sc. au dax Ts'ch.
Muscicapa audax Lin. Gmel. XIII. I. p. 934. 34.
Tyrannus solitarius Vieill. Nouv. Dict. III p. 88.
Tyrannus audax Vieill. Enc. Meth. II. p. 846. 1823.
Suiriri chorreado todo Azar. Apunt. Nr. 196.
60. 2. Sc. chrysocephalus Tscli.
Sc. supra ex cinereo-virescens, pileo plumis elongatis,
citrinis, apice virescentibus; fronte occipiteqne cinereis, snper-
ciliis albis, inacnla nigra ante oculos; facie nigricante, fascia
alba a rostri angnlo ad auriculas porrigente ; remigibus rectri-
cibusque fuscis, pogonio externo einnainomeo- terniinatis , in-
terne- flavicante-limbatis; rectrieibns fuscis margin« dilutioribns;
subtus flavus, gula Candida, pectore rufescente, tectrieibus
alarurn inferioribus abdomini concoloribus; rostro nigro; pe-
dibus chalybeis; iride coccinea.
Long. tot. 9" 3'".
12. Gen. Vyranmis La Cep. Mein. Mus. 1799.
61. 1. T.melancholicus Vieill. Nouv. Dict. XXXV. p. 48.
(1819).
Muscicapa despotes Lichtenst. Doubl. Verz. Nr. 567a.
M. furcata Spix Av. Bras. II. tab. 19.
Tyrannus crudelis Swain.
Suiriri guazü Azar. Apunt. Nr. 198.
Papamosca Incol.
62. 2. T. Cinchoneti Lichtenst. Mus. Berol. 1844.
T. supra virescens fronte superciliisque flavis; remigibus
fuscis; subtus flavus; rostro pedibusque nigris.
Long. tot. 6" 6'".
13. Gen. Myiarchus Gab. l)
Muscapa et Tyrannus Auctor. part. Tyrannula Swain.2)
1827. Pyrocephalus Gould. 1838.
') pvia musca, ctQ/og prineeps.
2) except. Muscicapa barbata Gmel. et aliae species eidem si-
miles, quae ad genus Myiobius Gray speetant.
Avium conspectus. 273
63. 1. M.ferox Cab.
Muscicapa ferox Lin. Gmel. XIII. I. p. 934. 32.
Tyrannus ferox Vieill. Tabl. encycl. et meth. II. p. 845.
64. 2. M. rufiventru Cab.
Tyrannus rvfiventris d'Orb. de Lafr. Syn. 1. c. p. 45. 12.
id. Voy. Ois. p. 312. tab. 32. fig. 3. 4.
65. 3. M. nigricans Cab.
Tyrannula nigricans Swains. Phil. Mag. N. S. I. p. 367.
Muscicapa nigricans Audub. Ornith. Biogr. V. p. 302.
id. Birds of Amer. pl. 434. fig. 6.
66. 4. M. ferrugineus Cab.
Todus ferrugineus Lin. Gmel. XIII. I. p. 446. 12.
Tyrannus bellicosus Vieill. Nouv. Dict. XXXV. p. 74.
Platyrhynchus hirundinaceus Spix Av. Bras. II. p. 11.
tab. 13. fig. 1.
Platyrhynchus rupestris Pr. Max. Beitr. 111. 2. p. 977.
Hirmidinea bellicosa d'Orb. de Lafr. Syn. I.e. p. 46.
Suiriri roxo osct/ro Az-ar. Apunt. Nr. 189.
67. 5. M. coronatus Cab.
Muscicapa coronata Lin. Gmel. XIII. I. p. 932 25.
Muscipeta coronata d'Orb. de Lafr. Syn. 1. c. p. 47. 3.
Pyrocephalus coronatus Gould Zool. of Beagle. 1838.
Curiitchekza,r. Apunt. Nr. 177.
Putilla colorada Incol.
68. 6. M. atropurpureus Cab.
Muscicapa atropurpurea Lichtenst. Mus. Berol.
Putilla mulata Incol.
M. atrofumosus nonnullis plumulis coccineis intermixtis;
capite nigricante; abdoniine purpureo - lavato; rostro pedi-
busque nigerrimis.
Long. tot. 5" 6"'.
14. Gen. Muscarthnmis Prinz Max. Beitr. 1831.
69. 1. E.pileatus Tsch.
E. supra viridis, pileo rufo-fusco; remigibus rectribusque
nigris externi pogonii niargine viridibus; subtus flavescens,
guttnre cinereo; rostro nigricante, mandibnla inferiori alba;
pedibus plumbeis, unguibus flavis; iride fusca.
Long. tot. 3" 9'".
70. 2. E. ru/ipes Tsch.
E. supra olivaceus, pileo cinereo; remigibus tectrieibusque
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. l. Bd. |g
274 ür- J J- de Tschudi:
nigris margine pogonii externi virescentibus; subtus albicans,
gutture candido; tectricibus alarum inferioribus flavescentibus ;
rostro majori quam in specie praccedenti, fusco; pedibus ru-
fis; iride fusca.
Long. tot. 3" 6'".
15. Gen. Copurus Strick). An. of Zool. 1841.
Platyrhynchus Spix pari.
71. 1. C.filicauda Strickl. 1. c. p. 427.
Muscicapa tnonacha Lichten st. Doubl. Verz. Nr. 550.
Platyrhynclms filicauda Spix Av. Bras. II. p.12. tab. 14.
Colon Azar. Apunt. Nr. 180.
16. Gen. Minen ia Sundevall Vetensk. Acad. Handling.
for ar 1835.
Paroides Less. 1837. Muscipeta d'Orb. deLafr. 1837.
72. 1. E. cay anensis Cab.
Muscicapa cayanensis Lin. Gmel. XIII. I.'p. 937. 12.
Muscipeta cayanensis d'Orb. deLafr. Syn. 1. c. p. 47. 1.
Muscicapa similis Spix Av. Bras. II. tab. 25.
73. 2. E. obscura Cab.
Muscipeta obscura d'Orb. de Lafr. Syn. I.e. p. 48. 6.
74. 3. E. modesta Tsch.
E. supra cinereo fusca, pileo plumis elongatis albis, apice
fuscis; remigibus rectrieibusque fuscis margine dilutioribus ;
subtus cinerea, ventrealbo; tectricibus alarum inferioribus, hy-
pochondriis crissoque dilute flavicantibus ; mandibula superiori
fusca, inferiori albicante; pedibus nigris ; iride fusca.
Long, tot 5" 10'".
75. 4. E. brevirostris Tsch.
E. supra ex cinereo olivacea, pileo obscuriore; remigibus
rectrieibusque fuscis ; tectricibus alarum superioribus fuscis
apice pogonü externi albo-maculatis; subtus fiavescens; gut-
ture albo; rostro brevi, fusco ; pedibus nigris ; iride fusca.
Long, tot 5" 10'".
76. 5. E.viridiflava Tsch.
E. supra virescens, capite griseo; remigibus tectrieibusque i
nigricantibus margine viridi - flavis ; rectrieibus fuscis, viridi-
marginatis; subtus fiavescens; gula albicante ; pectore ex cinereo
Avium conspectus. 275
flavescente ; alarum tectricibus inferioribus dorso concoloribus;
rostro pedibusque nigris; iride fusca.
Long. tot. 4" 6'".
17. Gen. Mionectes Gab.')
Rostrnm capite brevius, subrectum, latius quam altum, cul-
mine vix distincto, apice parum deflexum, incisulum; nares late-
rales, rotundae, cartilagine instructae. Vibrissae fere nullae.
Alae metliocres, remigibus primariis interdum praecipue versus
apicem angustatis, acuminatis ut in Tyrannis, earum secunda
linearis vel filiformis ut in Fsaridibus et Ampelidibus non-
nullis. Cauda mediocris , aequalis. Pedes mediocres. Sunt
hujus generis species parvae, liabitu Lipangis similes.
Typus: M. poliocephalus Tsch. — Muscicapa oleaginea
Lieh tenst.
77. 1. M. poliocephalus Tsch.
M. supra prasinus, pileo facieque coeruleo-cinereis; re-
migibus nigro-fuscis pogonii externi margine viridibus, interni
helvis; subtus sulphureus, gutture cinereo, albo - striato ; pe-
ctore dorso dilutiore; alarum tectricibus inferioribus helvolis;
rectrieibus remigibus concoloribus; rostro basi fusco, apice
nigro; pedibus fuscis; iride fusca.
Long. tot. 5" 6'".
18. Gen. Jjeptojtogon Gab.2)
Rostrum medioere, vix latius quam altus, subrectum, apice
deflexum parum emarginatum; nares laterales, oblongae. Vi-
brissae longae, tenues. Alae, cauda pedesque mediocres. Hoc
genus transitum a Muscicapis ad Sylvias facit. Sunt aves par-
vae, habitu coloribusque Regulis similes.
Typus: Leptopogon super ciliar is Tsch. — Muscicapa
ventralis Natt. Temm.
78. 1. L. super ciliaris Tsch.
L. supra viridis, pileo saturate cinereo, superciliis griseis;
remigibus fuscis pogonio externo viridi- marginatis, interno
basi albicantibus ; alarum tectricibus superioribus pogonio ex-
') nuovixir]s damnum faciens.
l) lenToi tenuis, ncöycov barba.
18'
276
I)r J. J. de Tschudi:
terno apice albo-maculatis-, subtus viridi- albus, gula cinera-
scente; rectricibns fuscis margine viridibus; rostro nigro,
mandibula basi alba; pedibus nigricantibus; iride fusca.
Long. tot. 5" 2'".
79. 2. L. einer eus Tsch.
L. supra cinereus, pileo nigricante, remigibus saturate
fuscis; tectrieibus alaruui superioribus apice albo limbatis; cauda
nigerrima; subtus dorso dilutiore; rostro pedibusque nigro-
fuscis; iride coccinea.
Long. tot. 4".
19. Gen. Setophaga Swains. Zool. Journ. 1827.
80. 1. S. verticalis d'Orb. de Lafr. Syn. 1. c. p. 50. 2.
Voy. tab. 35. fig. 1.
81. 2. S. melanocephala Tsch.
S. supra ex coeruleo - cinerascens, pileo nigerrimo, fronte
et regione opbthalmica aureis ; macula nigra ante oculos ; re-
migibus nigris; rectrieibus intermediis 4 nigris, lateralibus albis;
subtus aurea; alarum tectrieibus albis; crisso flavicante; ro-
stro pedibusque nigris ; iride flavicante.
Long. tot. 5" 9"'.
82. 3. S. chrysogaster Tsch.
S. supra colore Linariae viridis, pilei plumis basi aureis;
remigibus fuscis, viridi -marginatis; subtus lutea; rostro fusco;
pedibus flavescentibus ; iride fusca.
Long. tot. 5"
20. Gen. Culicivora Swains. Zool. Journ. 1827.
83. 1. C.reguloides d'Orb. de Lafr. Syn. 1. c. p. 57. 2.
id. Voy. Ois. pl. 36. fig. 1.
21. Gen. JPtyonura Gould. G.R.Gray Gen. of Birds.
1840.
Lessonia Swains. 1831. Muscisaxicola d'Orb. de Lafr.
1S37. Ptionura(?) Gould. 1840.
84. 1. Pt albifrons Tsch.
Pt. supra ex olivaceo cinerea, pileo subfusco, fronte fa-
cieque ante oculos candidis; remigibus bruneis apice dilu-
tioribus: subtus grisea; rectrieibus nigricantibus, lateralibus
Avium conspectus. 277
margine apiceque albieantibus; rostro pedibusque nigerrhnis;
iride fusca.
Long. tot. 9".
85. 2. Pt.ru/ivertex Cab.
Muscisaxicola rufivertex d' Orb. de La fr. Syn. I.e. p.66.
1. id. Voy. Ois. pl. 40. fig. 2.
86. 3. PL mentalis Cab.
Muscisaxicola mentalis d'Orb. de La fr. Syn. 1. c. p. 66.
2. id. Voy. Ois. pl. 40. fig. 1.
22. Gen. Ochthites Cab.')
Muscigraüa d'Orb. de La fr. 1837.
87. 1. 0. brevicauda Cab.
M. brevicauda d'Orb. de Lafr. 1. c. p. 61. 1. id. Voy.
Ois. pl. 39. fig. L
Farn. 6. Laniadae d'Orb. de Lafr. Guer. Mag.
Zool. 1837.
23. Gen. Cyclorhis Swains. Zool. Journ. 1824.
Laniagra d'Orb. de Lafr. 1837.
88. 1. C. guayanensis Swains. Zool. Journ. F. p. 30.
Tanagra guayanensis L i n. Gmel. XIII. I. p. 893. 30.
Lanius guayanensis Lichten st. Doubl. Verz. Nr. 527.
Lanius superciliaris Vieill. Tabl. encycl. et meth. 11.
p. 737.
Thamnophilus guayanensis Pr. Max. Beitr. 111. p. 1016.
Laniagra guayanensis D'Orb. de Lafr. Syn. 1. c. p. 9.
id. Voy. Ois. p. 160.
Lindo verde freute de canela Azar. Apunt. Nr. 97.
24. Gen. Thamnophilus Vieill. Meth. 1816.
89. 1. TL major Vieill. Tabl. encycl. et meth. 11. p. 744.
Lanius stagurus Licht. Doubl. Verz. Nr. 487.
Thamn. albiventer Spix. Av. Bras. II. p. 341.
Thamn. stagurus Pr. Max. Beitr. III. p. 990.
Batard major Azar. Apunt. Nr. 211.
90. 2. TL doliatus Prinz Max. Beitr. III. p. 995.
Lantus doliatus Lin. Gmel. XIII. 1. p. 309. 16.
Thamn. radiatus Spix Av. Bras. 11. p. 24. tab. 35. fig. 2.
tab. 38. fig. 1. fem.
Thamn. radiatus Vieill. Tabl. encycl. et meth. p. 746. *
Batarä listado Azar. Apunt. Nr. 212.
') in ripa degens. ox&i\ ripa.
278 Dr J J de Tschudi:
91. 3. Th.lineatus Spix Av. I3ras. II. tab. 33.
Thamn. fasciatus Swains. Zool. Journ. II. p. 88.
Lantus palliatus Lichten st. Doubl. Verz. Nr. 492. 493.
Thamn. palliatus Pr. Max. Beitr. 111. p. 1010.
92. 4. Th. luctuosus Tscli.
Th. nigerrimus , tectricibus alaruui superioribus rectrici-
busque apice candidis ; uropygii plumis basi albis ; rostro pe-
dibusque nigris; iride coccinea.
Long. tot. 6".
93. 5. Th. mentalis d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p.12. 15.
id Voy. Ois. p. 177.
Myiothera mentalis Temm. pl. col. 179. fig. 3.
Myiothera poliocephala Pr. Max. Beitr. III. p. 1098.
94. 6. Th. olivaceus Tsch.
Th. supra olivaceus, pileo rufo - fusco ; remigibus nigrican-
tibus, pogonio externo fuscis; tectricibus alarum superioribus
nigris apice olivaceo - limbatis; subtus flavescens, gula albi-
cante; pectore cinereo; carapterio albicante; cauda fusca; ro-
stro nigerrimo; niandibula inferiore subtus linea coerulescente;
pedibus plumbeis; iride subfusca.
Long. tot. 4" 9"'.
95. 7. Th. axillaris Tsch.
Th. supra cinereo -virescens, capite rubello- fusco, super-
ciliis albis; tectricibus alarum superioribus nigris uiargine semi-
circulo albo - limbatis, remigibus fuscis, olivaceo margiuatis;
rectricibus nigris apice et lateralibus attamen margine pogonii
externi albis; subtus subflavus; rostro nigro, niandibula infe-
riore albicante; pedibus coerulescentibus; iride fusca.
Long. tot. V 10'".
25. Gen. Formicivora Swains. Zool. Journ. 1824.
96. 1. F.atra Menetr. Myotheres Nr. 29.
Drymophtta atra Swains. Zool. Journ. VI. p. 153.6.
Thamnopltilus aterrimus d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c.
p. 11. 10.
Formicivora atra d'Orb. Voy. Ois. pl. 5. fie. 2.
Farn. 7. Myiotherinae Swains. 1837.
26. Gen. Vithys Vi eil 1. Anal. Nouv. Ornith. 1816.
97. 1. P. leucophrys Tsch.
P. ardesiacus, fronte superciliisque candidis, pileo obscu-
Avium conspectus. 279
riore; reniigibus rectricibusque schistaceis; gula nigra; rostro
nigro; pedibus fuscis; iride ignea.
Long. tot. 5" 2'".
27. Gen. Conopophaga Vieill. Anal. Nouv. Orn. elem.
1816.
98. 1. C. ardesiaca d'Orb. de La f res. Syn. 1. c. p. 13. 3.
id. Voy. Ois. p. 188:
28. Gen. Corythopis Sun d eval Vet. Acad. Handl. 1835.
99. 1. C. torquata Tsch.
C. supra ex olivaceo- fusca, pileo laetiore; tectrieibus
alarum superioribus minoribus cinereis, reliquis, remigibus re-
ctricibusque nigricantibus; subtus alba, gula Candida; pectore
fascia nigra; liypochondrüs tibiisque subfuscis; raandibula su-
periore nigra, inferiore albicante; pedibus flavescentibus ;
iride fusca.
Long. tot. 5" 10'".
29. Gen. Tinactor Prinz Max. Beitr. 111. 1831.
Oxypyga Menetr. 1834.
100. 1. T.fuscus Prinz Max. 1. c. p. 1106.
Myiothera longirostris Cuv. Gal. Paris.
Thamnophilus caudacutus Vieill. Nouv. Dict. II. p. 742.
Myiothera wnbretta Lichtenst. Doubl. Verz, Nr. 471.
Oxypyga scansor Menetr. Myioth. tab. 11.
30. Gen. Cinclus Bechst. Naturg. Deutschi. 1802.
Sturnus Lin. part. Hydrobata Vieill. 1816.
101. 1. C. leucocephalus Tsch.
C. nigricans; capite, gutture peetoreque albis; rostro ni-
gerrimo; pedibus flavicantibus ; iride fusca.
Long. tot. 7".
Jacupishu Indig.
31. Gen. Chantaeaa Vig. Zool. Journ. 1825.
Grallaria Swains. Myioturdus Prinz Max. part.
102. 1. Ch. olivacea Tsch.
Ch. meruloidi affinis, sed differt longitudine tarsorum, co-
lore pectoris rostrique.
Ch. supra olivacea, pileo obscure fusco; remigibus con-
280 Dr. J. J. de Tsrhudi:
coloribus nigricantibus; rectricibus intermediis ferrugineis, la-
teralibus fuscis ante apicem fascia nigra, apice helvolis; subtus
helva, gula pectoreque ferrugineis plumis nigro-marginatis; crisso
rufescente; rostro valido, nigro; pedibus fuscis; iride fusca.
Long. tot. 8" 6'".
32. Gen. Grallivria Vi ei II. Anal. Nouv. Ornitb. elem.
1816.
Turdus Lin. Gmel. Lath. part. Myioturdus B o j e 1826.
Myrmothera Vi ei 11. 1816.
103. 1. G. fusca Vi eill. Gal. d'Ois. pl. 154.
Turdus rex Lin. Gmel. XIII. I. p. 828. 100.
Myioturdus rex Prinz Max. Beitr. III. p. 1027.
104. 2. G. tinniens.
Turdus tinniens Lin. Gmel. XIII. I. p. 827. 96.
Farn. 8. Turdidae Bonap. Syn. Vert. Syst. 1837.
33. Gen. Turdus Lin. Syst. Nat. 1748.
105. 1. T. serranus Tsch.
T. supra obscure fuscus, pilei plumis scapis ferrugineis,
remigibus rectricibusque nigricantibus ; subtus ex olivaceo fu-
scus, pectore ferrugineo-fusco; crisso saturiore; rostro nigro
culmine dilutiore; pedibus flavis; iride strarainea.
Long. tot. 11".
Chihuaco Incol.
106. 2. T.fuscater d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 16. 1.
id. Voy. Ois. p. 200. tab. 9. fig. 4.
107. 3. T. Wilsoni Bonap. Syn. p. 76.
T. mustelinus Wils. (nee Gmel.) Amer. Ornith. V. p. 98
tab. 43. fig. 2 (nee fig. 3. ut saepe citatur).
34. Gen. Mimus Boje Isis 1826.
Turdus Lin. part. Orpheus Swains. 1827.
108. 1. M. longicaudattis Tsch.
M. supra ex cinereo fuscus, alis saturatioribus, albo vittatis,
cauda longa, fusca, apice alba; subtus albicans, pectore dorso
concolore; rostro nigro; pedibus fuscis; iride fusca.
Long. tot. 11" 6'".
Avium concpectus. 281
35. Gen. Opetiorhynchus Tennn. Man. Ornitl). 1815.
Furnarius Vieill. 1816. Figulus Spix 1824.
109. 1. 0. ruficaudus') Prinz Max. Beitr. III. p. 671.
Merops rufus Lin. Gmel. XIII. 1. p. 465. 20.
Turdus badius Lirhtenst. Doubl. Verz. Nr. 451.
Furnarius rufus Vieill. Tabl. encycl. et meth. II. p.513.
Figulus albogularis Spix Av. Bras. I. tab. 78.
36. Gen. Vitium* Cab. 2)
Furnarius Less. part. Opetiorhynchus Kittl. Uppu-
certhia d'Orb. de Lafres. Cinclodes G.R.Gray
1840.
110. 1. C.palliatus Tsch.
C supra ex ferrugineo-fuscus, capite cerviceque cinereis,
alis nigris, fascia alba; cauda nigricante apice alba; subtus al-
bus; rostro pedibusque nigerrimis; iride fusca.
Long. tot. 11" 6'".
111. 2. C. montanus Cab.
Uppucerthia montana d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c.
1838 p. 22. 4. (vide notam 1!) — id. Voy. Ois. tab.
56. fig. 1.
112. 3. C. nigrofumosus Cab.
Uppucerthia nigrofumosa d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c.
p. 32. 6. id. Voy. Ois. tab. 57. fig. 2.
Farn. 9. Troglodytinae Swains. 1837.
37. Gen. JPteroptochus Kittl. Mem. Ac. Petersb. 1837.
Megalonyx Less. 1830. Leptonyx Swains. 1832. Myio-
thera Prinz Max. part. Malocorhynchus Menetr.
part. Platyurus Swains. part.
113. 1. Pt. femoralis Tsch.
Pt. supra ardesiacus, pileo, alis caudaque nigris; subtus
laetior, uropygio, hypochondriis femoribusque fasciis trans-
') Celeb. Meyen in „Reise um die Erde Tom. III. p. 205 (1834)
novum avium deseripsit genus nomine Ochethorhynchus speciemque
O. rußcaudus nee Oppetiorhynchus ruficaudus , ut Dominis A. d'Or-
bigny et A. de Lafresnaye in Synops. Avium parte altera p. 22. Guer.
Mag. Zool. 1838 scribere placuit.
2) xiXXovyos nom. prop.
282 Dr J J de Tschudi:
versis ferugineis et nigris variis; rostro nigro; pedibus fla-
vescentibus; iride fusca.
Long. tot. 5" &".
114. 2. Pt. acutirostris Tsch.
Praecedenti similis sed minor, rostro tenui, acuto; tarsis
longioribus.
Pt. supra ex cinereo - nigricans ; uropygio subfusco ; alis
nigro-fuscis : subtus cinereus; rostro fusco; pedibus flavescen-
tibus; iride fusca.
Long. tot. 4".
38. Gen. Cyphorhinu« Cab. ')
Habitus et characteres fere ut in Merulaxidibus , rostrum
vero multo magis compressum, mesorhinium culminatum, gib-
bosum; nares non fornicatae (ut in caeteris hujus familiae
generibus) sed patulae, rotundae, membrana circumdatae ; po-
dotheca non squamata vel reticulata, sed caligata.
115. 1. C. thoracicus Tsch.
C. supra fuscus dilute ferrugineo-lavatus, fronte laetiore,
facie nigricante; tectricibus alaruni superioribus remigibusque
nigris, ferrugineo-limbatis; subtus fuscus, gula, regione auri-
culari pectoreque intense ferrugineo - rufis ; rostro nigricante;
pedibus dilute fuscis, unguibus corneis; iride fusca.
Long. tot. 5" 9'".
39. Gen. Vroglodytes Vieill. Ois. Am. Sept. 1806.
116. 1. Tr.tecellatus d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 25. 4.
id. Voy. Ois. p. 232.
117. 2. TV. audax Tsch.
Cucarachero Indig.
Tr. supra ex cinereo - fuscus , tectricibus alarum superio-
ribus, remigibus pogonio externo, rectricibusque ex rufo-
fuscis nigro fasciatis; uropygio ferrugineo; subtus rufescens,
facie gulaque griseis; rostro nigro, mandibuia inferiori albi-
cante; pedibus brunescentibus; iride fusca.
Long. tot. 4" 6"'.
118. 3. Tr. leucophrys Tsch.
Tr. supra cinnamomeus ; capite nuchaque ex olivacco ni-
') xv<fog gibba, qIv nasus.
Avium conspeetus. 283
gricantibus; superciliis candidis; tectricibus alarum superioribus
dorso dilutioribus; remigibus nigris pogonio extemo rufo-
marginatis; rectricibus brevibus, fuscis: gula ex albo et nigra
varia; pectore cinereo; campterio griseo ; abdomine crissoque
dorso laetioribus; rostro nigro: pcdibus bruneis; iride rufa.
Long. tot. 4" 8'".
Farn. 10. Sylviadae d'Orb. de Lafres. Guer.
Mag. Zool. 1S37.
40. Gen. Symilaacis Vieill. Nouv. Dict. Sc. Nat. 1819.
Sphaenura Lichtenst. part. Parulus Spix 1824.
119. l.S.ruficapilla Vieill. Nonv. Dict. Scienc. Nat.
XXXII. p.210.
Sphaenura ruficeps Lichtenst. Doubl. Verz. p. 42.
Parulus ruficeps Spix Av. Bras. II. tab. 86.
41. Gen. Anthus B ech st. Gemeinnutz. Naturg. d. Vög.
Deutschi. 1802.
Alauda Lin. part.
J20. \. A. Chii Vieill. Nouv. Dict. Sc. Nat. XXVI. p. 490.
Chii Azar. Apunt. Nr. 146.
42. Gen. Wyiodioctes Audub. Syn. of the Birds of
North Am. 1839.
121. 1. M. coronatus Tsch.
M. supra olivaceo-virescens; pileo ex flavo rufescens,
striis duabus nigris longitudinalibus a rhinariis ad occiput por-
rigentibus; superciliis, nucha facieque griseis; remigibus rectri-
cibusque fuscis, pogonio -externo viridi-limbatis; subtus citri-
nus, gula albicante; tectricibus alarum inferioribus virescentibus;
rostro nigricante; pedibus bruneis; iride fusca.
Long. tot. 5" 6'".
122. 2. 31. tristriatus Tsch.
M. supra virescens; pileo nigro; fronte, superciliis fa-
sciaque longitudiuali in capitis medio albicantibus, hac initio
flavescente; remigibus rectricibusque ut in specie praecedente;
subtus stramineus, regione auriculari et anteorbitali nigris,
facie alba; rostro bruneo, mandibula inferiori albicante; pe-
dibus roseis ; iride brunea.
Long. tot. 5" 4*".
284 Dr. J. J. de Tschudi:
43. Gen. Sylvia (Lath.) d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c.
1837.
123. 1. S.concolor d'Orb. de Lafres. Syn. I. c. p. 20 5.
id. Voy. Ois. p. 216. tab. 18. fig. 1. fide d'Orbign.
44. Gen. Kylophilus Temm. Planen, color. 1838?
124. 1 . H. frontalis T s c h.
H. supra virescens, fronte helvola: tectrieibus alarum su-
perioribus dorso concoloribus, inferioribus olivaeeis; remigi-
bus nigro-fnscis pogonio externo olivaceo-, interno albicante-
marginatis; rectrieibus bruneis; subtus ex viridi flavescens,
gula Iaetiore; pectore crissoque subrufis ; rostro fusco; pedi-
bus coeruleis; iride brunea.
Long. tot. 6" 3'".
125. 2. H. olivaceus Tsch.
H. affinis H. thoraeico. Temm. pl. col. 173. fig. 1.
Supra olivaceus cinereo lavatus, superciliis flavis; remi-
gibus ardesiacis pogonio externo olivaceo -limbatis; campterio
stramineo; subtus flavus, crisso albicante; rostro roseo; pedi-
bus carneis, unguibus flavicantibus ; iride fusca.
Long. tot. 4" 6"'.
Farn. 11. Tanagridae C. Bonap. Syn. Vert.
Syst. 1837.
45. Gen. Xuphonia Desra. Hist. Nat. Tangr. 1805.
126. 1. E. chlor otica. Licht. Doubl. Verz. p. 29. 315.
Tanagra chlorotica Lin. Gmel. XIII. I. p. 890. 5. ß.
Lindo axul y oro • ) A z a r. Apunt. Nr. 393.
127. 2. E. viridis Cab.
Tanagra viridis Vieill. Temm. pl. col. 36. fig. 3.
46. Gen. JProcnopis Cab.2)
Genus Callospizae simile, sed Iiabitu graciliore, rostro bre-
viore, magis depresso, basi latiore, alis longioribus, cauda ae-
quali vel subaequali, pedibus parvis; ptilosi molliore.
Typus: P. atrocoerulea Tsch. T. vittata Temm.
pl. col. 48.
') Lindo axul y oro ad hanc Speciem neque ad Emphoniam vio-
laceam spectat.
2) TtQÖyyr] hirundo, w\p facief:.
Avium conspectus. 285
128. 1. P. atrocoerulea Tsch.
P. supra atra, capite colloque viridi- coeruleis, sincipite
macula dilute straniinca, nitente; tectricibus alarum superiori-
bus tergo uropygioque coeruleis; remigibus rectricibusque ni-
gris ex violaceo coeruleo - marginatis ; subtus coerulea: gutture
cinereo lavato; rostro pedibusque atro- coeruleis; iride fusca.
Long. tot. 6".
129. 2. 1\ arg ent ea Tsch.
P. supra e coeruleo- cinerea, splendore argenteo; pileo
nigerrimo ; remigibus rectricibusque pogonio extern o coeruleo-
Hmbatis; subtus niger, gutture stramineo-fusco; hypochondriis
dorso concoloribus; rostro pedibusque nigro fuscis; iride flava.
Long. tot. 5" 6"'.
47. Gen. Callospixa G. R. Gray List of Gen. of Birds
1840.
Tanagra Lin. part. Calliste Boje 1826. Aglaia Swains.
1827.
130. 1. C.pulchra Tsch.
C. fronte aurantio, pileo, collo abdomineque luteis, plumis
rostri basi et regione parotica nigerrimis; dorsi plumis niger-
rimis, citreo-marginatis ; remigibus atris ; pogonio interno albo-
marginatis; tectricibus alarum superioribus minoribus aureis,
mediis et majoribus nigris, viridi-cinctis; campterio nigerrimo;
tectricibus alarum inferioribus niveis ; gutture ex aurantio-fusco;
terge uropygioque auratilibus; rectricibus nigerrimis; rostro
atro, mandibula inferiore fusca; pedibus coeruleo -plumbeis;
iride fusca.
Long. tot. 6" 3".
131. 2. C. xanthocephala Tsch.
C. pileo aurantio, regione parotica citrea; fronte, facie
gulaque nigris; auchenio nigro, dorsi plumis, tectricibus ala-
rum superioribus, remigibus rectricibusque atris ex coeruleo
viridi - cinctis ; tergo, uropygio, thorace hypochondriisque vi-
ridi-glaucis, resplendentibus; abdomine tectricibusque alarum
inferioribus ex albido silaceis; rostro nigerrimo; pedibus atro-
coeruleis: iride subflava.
Long. tot. 5" 3'".
286 Dr J J de Tschudi
132. 3. C. yeni Cab.
Aglaia chilensis Vig. Procecd. Z. S. 1832 p. 3.
Aglaia yeni d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 31. 1.
Tanagra yeni d'Orb. Voy. Ois. p. 270. tab. 24. fig. 2.
Siete color Incol.
133. 4. C. Schrankii Cab.
Tanagra Schrankii Spix Av. Bras. IL p. 38. tab. 51. fig.
1. 2. mas et foem.
Aglaia Schrankii d'Orb. de Lafres. Syn I.e. p. 31. 3.
134. 5. C. calliparaea Lichten st. Mus. BeroJ.
C. viridis, fascia, tergo tectrieibusque caudae inferioribus
smaragdineis, vertice, regione auriculari, tectrieibusque caudae
superioribus ex aurantio fuscis: remigibus rectrieibusque ni-
gris, viridi -marginatis; gutture atra, thorace hypochondriisque
viridibus; abdomine coeruleo; rostro nigro; pedibus corneis.
Long. tot. 5".
135. 6. C.gyrola Cab.
Tanagra peruviana viridis Briss. Av. III. p. 23. 13. tab.
4. fig. 1.
Tanagra gyrola Lin. Ginel. XIII. I. p. 891. 7.
Aglaia gyrola d'Orb. de Lafres. Syn. 1 c. p. 32. 10.
13C. 7. C. cyanicollis Cab.
Aglaia cyanicollis d'Orb. de Lafres. Syn.I. c. p. 33. 11.
Tanagra cyanicollis d'Orb. Voy. Ois. p. 271. tab. 25. f. 1.
137. 8. C. punctata Cab.
Tanagra punctata Lin. Gmel. XIII. 1. p. 897. 21.
48. Gen. Tanagra Lin. Syst. Nat. XII. 1766.
Thraupis Boje 1826.
138. 1. T. Sayaca Lin. Gmel. XIII. I. p. 897. 20.
T. episcopus Lin. Gmel. XIII. I. p. 896. 19.
139. 2. T. olivascens Lichtenst. Doubl. Verz. p. 32. 351.
T. palmar um Prinz Max. Beitr. 114- p. 489. 11.
140. 3. T.frugilegus Tsch.
Frutero Incol.
T. supra olivacea, capite, collo, gutture et tectrieibus ala-
rum superioribus coeruleis ; plumis basi rostri et regione oph-
thalmica nigris; remigibus et rectrieibus atris pogonio externo
e cinereo -coeruleo marginatis; pectore, abdomine uropygioque
aurantiis; crisso laetiore: tectrieibus alarum inferioribus vi-
Avium conspectus. 287
ridi-cinereis; tibiis albis; rostro nigro, niandibula inferiore albi-
cante; pedibus fuscis; iride brunea.
Long. tot. 7" 7'".
141. 4. T. analis Tsch.
T. supra viridi- cinerea, auchenio coeruleo-lavato; pileo
ardesiaco; fronte, facie et regione parotica nigerrimis; tectri-
cibus alarum superioribus remigibusque nigris viridi -coeruleo-
marginatis; rectricibus atro - fuscis pogonio externo cinereo
linibatis; subtus ex albido helvola, gutture aurantio; hypochon-
driis olivaceis; tectricibus alarum inferioribus abdoiuini conco-
loribns; crisso ferrugineo; rostro albicante, culmine atro; pe-
dibus coeruleo- fuscis; iride subflava.
Long. tot. 6" 9 '.
142. 5. T.igniventris d'Orb. Voy. Ois. p. 275. pl. 25.
fig. 2.
Aglaia igniventris d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 32. 5.
49. Gen. JRampftocelus Desra. Monog. Tangr. 1805.
Ramphopis Vieill. 1816.
143. 1. R- atrosericeus d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p.
34. 1. id. Voy. Ois. p. 280. tab. 25. fig. 1.
50. Gen. Phoenisotria Swains. Nat. bist, of Birds 1837.
Tanagra Lin. part. Pyranga Vieill. 1807. Saltator
Vieill. part.
144. 1. Ph. Azarae Gab.
Mas Saltator ruber Vieill. Tabl. encycl. et meth. II. p. 792.
Tanagra missisipensis Lichtenst. (nee Gmel.) Doubl.
Verz. Nr. 333.
Pyranga missisfpensis d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p.
33. 1.
Pyranga Azarae d'Orb. Voy. Ois. p. 264.
Habia punxo A z a r. Nr. 88.
Foem. Saltator flavus Vieil.l. Tabl. encycl. et meth. II. p. 791.
Tanagra Sai'ra Spix Av. Bras. I. p.35. tab. 48.
Habia amarilla Azar. Apunt. Nr. 87.
145. 2. Ph. ardens Tsch.
Ph. coccineum, fronte scapulisque nigerrimis; remigibus
atris pogonio interno albo- linibatis: tectricibus alarum supe-
rioribus minoribus albis, mediis pogonio externo apice albo-
288 Dr J- J de Tschudi:
maculatis; canda nigra; rostro atro-coeruleo; pcdibus coeru-
leo-plnmbeis; iride fusca.
Long. tot. 6".
Mas juv. Supra viridi- flavus; subtns citreus.
51. Gen. Vachyphonu» VieilJ. Anal. nouv. Orn. elem.
1816.
146. 1. T.flavinucha d'Orb. deLafres. Syn. I.e. p.26.2.
id. Voy. Ois. p. 279. tab. 21. fig. 1.
52. Gen. Saltator Vi ei 11. Anal. nouv. Ornith. elem.
1816.
Tanagra Lin. pari. Spermagra Swains. 1837.
147. 1. S. coerulescens Vieill. Nouv. Dict. XIV. p. 105.
id. Tabl. encycl. et meth. II. p. 791.
Tanagra superciliaris Spix Av. Bras. II. p. 44. tab. 57.
fig. 2.
Habia de la ceja blanca Azar. Apunt. Nr. 81.
148. 2. S. olivaceus Vieill. Gal. Ois. tab. 77.
Tanagra magna Lin. Gmel. XIII. I. p. 890. 26.
149. 3.«!?. similis d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 36. 5.
id. Voy. Ois. p. 290. tab. 18. fig. 2.
150. 4. S. elegans Tsch.
S. ex prasino smaragdineus, tectrieibus alarum superio-
ribus laetioribus , nitidis; reniigibus primariis nigris pogonio
externo viridi -marginatis, seeundariis pogonio externo viridi-
bus, interno nigro-fnmosis ; fronte, facie, gula crissoque ex
ferrugineo fuscis, hoc dilutiore; rectrieibus intermediis dorso,
reliquis remigibus concoloribus; rostro pedibusque ex auran-
tio rubris', unguibus flavicantibus; iride coccinea.
Long. tot. 9".
151. 5. S. melanopis Vieill. Nouv. Dict. XX. p. 194.
Tanagra melanopis Lath. Syn. 11. 1. p. 222. 10.
Tanagra atru Lin. Gmel. XIII. I. p. 898. 39.
Saltator atra d' O r b. de Lafres. Syn. 1. c. p. 36. 7.
53. Gen. ii ei Inj Ins Cuv. Mus. Par. Regu. Anim. 1. 1817.
Cissopis Vieill. 1816.
152. 1. B. picatus Cuv.
Lantus picatus Lath. Syn. I. p. 192.49.
Lantus leverianus Lin Gmel. XIII. I. p. 302. 31.
Cissopis bicolor Vieill. Nouv. Dict. XXVI. p. 417.
Pallar Indig.
Avium conspcctus. 289
54. Gen. Arremon Vieill. Nouv. Anal. Ornith. 1816.
153. 1. A. rufinucha d'Orb. Voy. Ois. p.283. tab.27. fig.2.
Embernagra d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 34. 4.
Differunt hujus speciei aves, quas in republica peruana
reperimus, ab iis a Dom. d'Orbigny in Bolivia collectis, colore
notaei olivaceo, pileo silaceo , et facie collique lateribus ni-
gris, concoloribus.
154. 2. A. frontalis T seh.
A. snpra olivaceus, pileo ferrugineo-rufo, fronte niger-
rima striis tribus albis; superciliis, facie et regione parotica
atris, remigibiis rectricibusque nigro-fuscis pogonio externo
olivaceo-raarginatis, campterio flavo ; snbtus albus, gutture can-
dido, semitorque nigerrimo, pectoris lateribus hypochondriisque
cinereis; tectricibus caudae inferioribus olivaceis; rostro niger-
rimo, pedibus fortibus, atris, unguibus fuscis; iride brunea.
Long. tot. 8".
Farn. 12. Fringillidae C. ßonap. Sag. 1831.
55. Gen. Xtnberiaa (Lin.) d'Orb. de Lafres. 1837.
155. 1. E.fulviceps d'Orb. de Lafres. Syn. p. 77.9.
id. Voy. Ois. tab. 46. fig. 2.
Fide d'Orbigny.
56. Gen. l'Jiytotoma Molina Sag. Ist. Nat. Chile 1782.
156. 1. Ph. rara Moli na Hist. nat. du Chile p. 235.
Ph. silens Kittl. Vögel von Chile p. 3. tab. 1. fig. 1. 2.
Ph. Bloxhami Jard. et Selby Jllust. of Ornith. I. tab. 4.
Ph. Molina Less. Instit. 1834. Nr. 72. p. 316. 2.
57. Gen. Xonotrichia Swains. Hist. nat. of Birds. 1837.
Emberixa Vieill. Passerina Vieill. part. Cynchramis
Boje part. 1826.
157. 1. Z. matutina Cab.
Fringilla matutina Lichten st. Doubl. Verz. p. 25. 246.
Fr. chilensis Meyen Reise III. p. 212.
Pyrgita peruviensis Less. Inst. 1834 Nr. 72. p. 316. 3
Gorrion Incol.
58. Gen. Phrygilus ') Cab.
Genus inter Euspizas et Fringillas (Struthus Boje) locum
') (fovyilog Aristotel.
Archiv f. Naturgcst-h. X. Jahrp. 1. B«l, J9
290 Dr •'■ J tle Tschudi:
habcns. Differt ab illis statura graciliore, rostro longiore, magis
compresso, maxilla basi parum sinuata, ab his vero maxilla
minus sinuata, tuberculo palati nullo ; alis brevioribus; cauda
brevioro, minus emarginata, rectricibus emarginatis.
Typus: Fr. Gayi Eyd. Gerv. — Emherha guttata Meyen.
158. 1. Ph. Gayi Gab.
Fr. Gayi Eyd. et Gerv. Guer. Mag. Zool. 1834.
Emberiza Gayi d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 75. 7.
159. 2. Ph. atriceps Gab.
Emberiza atriceps d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p.79. 16.
id. Voy. Ois. tab. 47. fig. 2.
160. 3. Ph. unicolor Gab.
Emberiza unicolor d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 79 10.
161. 4. Ph. p leb ejus Tsch.
Ph. supra ex cinereo brunescens striis longitudinalibus
fuscis; remigibus rectricibusque nigricantibus, albo-margina-
tis; tectricibus caudae superioribns coerulescentibus; subtil«
dilute griseus, gutture crissoque albis; rostro fusco, mandi-
bula inferiore albicante ; pedibus bruneis; iride fusca.
Long. tot. 5" 9"'.
162. 5. Ph. rusticus Gab.
Fringilla rustica Lichten st. Mus. Berol.
Ph. coeruleo-cinerascens, uropygio dilutiore; remigibus
rectricibusque ardesiacis pogonio externo margine ex oliva-
ceo-cinereis; subtus griseus; abdomine albicante.
Foem. et juv. Ph. supra olivaceus; subtus ex olivaceo-
griseus; rostro fusco; pedibus plumbeis; unguibus fuscis.
Long. tot. 4" 9'".
59. Gen. Chrysomitris B o j e Isis 1828.
Fringilla Lin. part. Spinus (Moehr.) Brehm. part.
163. 1. Ch. magellanica Bonap. List, of Birds p. 33. 227.
Fringilla magellanica Vi eil 1. Nouv. Dict. XII. p. 168.
Fr. icterica Lichtenst. Doubl. Verz. p. 26. 259.
Fr. campestris Spix Av. Bras. p. 48. tab. 61. fig. 3. mas.
Carduelis magellanicus d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c.
p. 83. 1.
Gaffaron Azar. Apunt. Nr. 134.
Avium conspeetus. 291
60. Gen. Si/calis Boje Isis p. 324. 1828.
|64. 1. S. luteocephala Cab.
Emberixa luteocephala d'Orbig. de Lafres. Syn. 1. c.
p. 74. 4. id. Voy. Ois. tab. 44. fig. 2.
165. 2. S. luteoventris Cab.
Fringilla luteoventris Meyen Reise III. p. 211. tab. 22.
fig. 3.
61. Gen. Spiza Bonap. An. Lyc. of New -York 1828.
Emberixa Lin. part. Passerina Vi ei 11. part. Loxi-
gilla L ess. part.
166. 1. Sp.jacarina Cab.
Tanagra jacarina Lin. Gmel. XIII. I. p. 890. 4.
Passerina jacurini Vi ei 11. Nouv. Dict. XXV. p. 14.
Fringilla splendens Vie.ill. Nouv. Dict. XII. p. 173.
Euphorie jacarina Licbtenst. Doubl. Verz. p. 30. 319.
Emberixa jacarini d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p 81. 23.
Volatin Azar. Apunt. Nr. 138.
62. Gen. Sporopliila l) Cab.
Pyrrhula Tem. part. Spermophila Swains. 1827.
167. 1. S. luctuosa Cab.
Pyrrhula luctuosa Lichten st. Mus. Berol.
S. supra atro-nitens; remigibus primariis et secnndariis
basi albis apice nigris; subtus Candida, gntture dorso con-
colore; rectricibus nigro - fumosis ; rostro albido, basi niandi-
bnlae inferioris coeruleo ; pedibus nigricantibus.
Long. tot. 4" 7-|"'.
168. 2. S. Telasco Cab.
Pyrrhula Telasco Less. Zool. de la Coq. tab. 15.
169. 3. S. alaudina Cab.
Pyrrhula alaudina d'Orb. de Lafres. Syn. I. c. p. 88. 9.
63. Gen. Callyrhynchus Less. Rev. Zool. 1842.
170. 1. C.peruvianus Less. Rev. Zool. 1842 p. 209.
Fide Lesson.
64. Gen. l'ithijlus Cuv. Regn. Anim. I. 1817.
Loxia Lin. part.
171. 1. P. olivaceus Less. Instit. 1834 Nr. 72. p. 316. 4.
Fide Lesson.
') anoQOi spcrma.
19*
292 t>r J J de Tschudi:
172. 2.P,luteus Less. Instit. 1834 Nr. 72. p. 316. 5.
Fide Lesson.
65. Gen. Coccoborus Swains. Hist. nat. of Orn. 1837.
Loxin Lin. part. Guiraca Swains 1S27. Pithylus Less.
part.
173. 1. C chrysogaster Cab.
Pithylus chrysogaster Less. Cent. Zool. pl. 67.
Fam. 13. Sturnidae Vig. Zool. Journ. 1825.
66. Gen. Icterus Briss. Ornith. 1760.
Psarocolii hymeniorhini Wagl. Syst. Av. 1827. Agelaius
Vieill. Passer ina Vieill. part.
174. 1. I.hrevirostris d'Orb. de Lafres. Syn. 1838 p.7. 12.
Chopi jun. Nosrda apud Azar. Apunt. Nr. 62. p. 282.
175. 2. /. militaris d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 4. 3.
Icterus guayaneusis Briss. Orn. II. p. 107. tab. 11. fig. 2.
Oriolus guayaneusis Lin. Gmel. XIII. 1. p. 388. 9.
Oriolus americanus Lin. Gmel. XIII. 1. p. 386. 29.
Tanagra militaris Lin. Gmel. XIII. I. p. 895. 17.
Agelaius militaris Vieill. Nouv. Dict. XXXIV. p. 554.
Psarocolius militaris Wagl. Syst. Av. 11.
176. 3. /. persicus Lichtenst. Doubl. Verz. Nr. 179.
Tanagra bonariensis L i n. Gmel. XIII. 1. p. 898. 38.
Passerina discolor Vieill. Nouv. Dict. XXXIV. p. 552.
Icterus fringillarius Spix Av. Bras. I. tab.65.fig. 1. foem.,
fig. 2. juv.
Icterus minor Spix Av. Bras. II. tab. 63. fig. 2.
Psarocolius sericeus Wagl. Syst. Av. 31.
Tordo comun Azar. Apunt. Nr. 61.
177. 4. I. jamacaii Ts eh.
Oriolus jamacaii Lin. Gmel. XIII. I. p. 391.39.
Xanthomos brasiliensis Briss. Ornith. II. p. 120. 24.
Pendulinus jamacaii Vieill. Nouv. Dict. V. p. 319.
Agelaius longirostris Vieill. 1. c. p. 319.
Icterus jamaicensi! 7 d'Orb. de Lafres. Syn. I.e. p.6. 9.')
Jamacaii Marcgr. Bras. p. 190.
67. Gen. Stur Hella Vieill. Anal. nouv. Ornitb. elem.
1816.
Sturnus Auetor part.
178. 1. St. militaris Vieill. Nouv. Dict. XXXII. p. 206.
Sturnus militaris Lin. Gmel. XIII. 1. p. 803. 6.
') An Icterus jamaiscensis aut forsan I. jamacaii?
Avium conspeetus. 293
Tordo dcgollado primero Azar. Apunt. Nr. 68.
Tordo degollado segundo Azar. Apunt. Nr. 69.
68. Gen. Cassicus Cuv. Regn. Airini. I. 1817.
Cacicus Briss. part. Oriolus Lin. part. Psarocolii gy-
mnorhini Wagl. Syst. Av. 1827.
179. 1. C. icteronotus Vieill. Nouv. Dict. V. p. 365.
Oriolus persicus Lin. Gmel. XIII. I. p. 388. 7.
Psarocolius icteronotus Wagl. Syst. Av. 5.
180. 2. C.palliatus Tsch.
Oriolus oryzivorus Lin. Gmel. XIII. I. p. 386. 30.
Cassicus ater Vieill. Nouv. Dict. Z p. 363.
Psarocolius palliatus Wagl. Syst. Av. 7.
Tordo grande Azar. Apunt. Nr. 60.
Chivillo Indig.
181. 3. C.ytiracares d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 2. 3.
id. Voy. Ois. tab. 51. fig. 1.
182. 4. C. atrovirens d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 2. 2.
id. Voy. Ois. tab. 51. fig. 2.
IIujus speciei aves quas in montibus peruanis reperimus,
ab iis a Dom. d'Orbigni in provincia Yungasensi Republicae
bolivianae collectis fronte luteo differunt.
183. 5. C. cristatus Vieill. Nouv. Dict. V. p. 357.
Oriolus cristatus Lin. Gmel. XIII. I. p. 387. 33.
Yapu Azar. Apunt. Nr. 57.
Chihuaco grande Indig.
Farn. 14. Corvidae C. Bonap. Sagg. 1831.
69. Gen. Garrulus Briss. Ornith. 1760.
Corvus Lin. part. Pica Wagl. 1827. Garrula T e m m. 1838.
184. 1. G. peruvianus d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 9. 2.
Corvus peruvianus Lin. Gmel. XIII. I. p. 373. 37.
Pica chloronota Wagl. Syst. av. 12.
Quienquien Indigen.
185. 2. G. viridi- cyanus d'Orb. de Lafres. Syn. I. c.
p. 9. 4. id. Voy. Ois. tab. 33. fig. 1.
Farn. 15. Certhiadae Less. Trait. d'Ornith. 1831.
70. Gen. Conirostrum, d'Orb. de La fr. Syn. 1. c. p.25.
186. 1. C cineretim d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p.25. 1.
id. Voy. Ois. tab. 59. fig. 1.
Fide d'Orbigny.
294 T>r. J. J. de Tschudi:
71. Gen. Jßacnis Cuv. Regn. anim. 1. 1817.
Certhia Lin. part. Coereba Vi ei 11. part. 1817.
187. 1. D. cyanater Less. Trait. d'Ornith. p. 458.
Motacilla cyanocephala Lin. Gmel. XIII. I. p. 990. 163.
Sylvia cyanocephala Lath.
Coereba coerulea Vieill. Nouv. Dict. XIV. p. 46. Prinz
Max. Beitr. 111. p. 766.
Nectarinia cyanocephala Swains. Zool. Jllust. II. tab. 117.
Dacnis cyanater d'Orb. de Lafres. Syn. 1. c. p. 21. 2.
Dactu's cyanocephulus d'Orb. Voy. Ois. p. 221.
188. 2. D.plumbeus Gab.
Sylvia plumbea Lath.
72. Gen. Certhiola Sundev. Vet. Acad. Handl. 1835.
Certhia Lin. part. Coereba Vieill. part.
189. 1 Cflaveola Vet. Acad. Handl. 1836 p. 99.
Certhia fiaveola Lin. Gmel. XIII. I. p. 479. 18.
Coereba ßaveola Vieill. Gal. p. 288.
Nectarinia flaveola Swains. Zool Jllust. 111. pl. 142.
73. Gen. JDiglossa Wagl. Isis 1832.
Campylops Lichten st. 1837. Serrirosl?-um d'Orb. de
Lafres. 1837. Dendroma Swains. 1837. Agrilo-
rhinus Eonap. 1838. Uncirostrum de Lafres. 1839.
190. 1. D. 7/ielanopis Tsch.
D. coerulescens fronte facieqne nigerrimis ; remigibus
rectricibusque atris pogonio externo coeruleo-marginatis; hy-
pochondriis crissoque dilntioribus; rostro nigro, pedibus fu-
scis; iride rubra.
Long. tot. 6" 3'".
74. Gen. Xenops Jllig. Prodr. 1811.
Certhia Lin. part.
191. 1. X. rutilus Lichtenst. Doubl. Verz. p. 17. 158. j
Temm. pl. col. 72. fig. 2.
75. Gen. Anahat es Temm Man. d'Ornith. 1820.
Philydor Spix 1824
192. 1. A. auritus Lichtenst. Mus. Berol.
A. supra olivaceo fuscus, striis longitudinalibus flavican-
tibus; pileo nigro; tectricibus alaruiu superioribus atris apice
fulvo-marginatis; remigibus pogonio externo rufo-fuscis, in-
Avium conspectus. 295
terno nigricantibus ; regione parotica nivea plumis elongatis;
subtus albescens plumis nigro -Iimbatis, hypochondriis, tibiis
crissoque helvolis; tectricibus ferrugineis; rostro nigro, man-
dibula inferiore albicante, pedibus plumbeis.
Long. tot. 9".
193. 2. A. montanus Tsch.
A. supra olivaceus, pileo obscuriore, uropygio dilutiore;
superciliis albescentibus, regione parotica nigricante; remigi-
bus pogonio externo dorso coneoloribus; iuterno nigro-fuscis,
basi helvolo-marginatis; rectricibus dilute ferrugineis; subtus
ex viridi albicans, gula albida; facie juguloque aliquantulum
testaceis; rostro bruneo, mandibula inferiore flava; pedibus
coerulescentibus; unguibus flavis; iride rufa.
Long. tot. 7" 2"'.
194. 3. A. oclirolaemus Tsch.
A. supra ex olivaceo fuscus, pileo nigro -fusco; crisso
rufo; remigibus ex ferrugineo fuscis pogonio externo nigri-
cantibus et basi interni helvolo-marginatis; rectricibus ferru-
gineis; subtus dorso laetior, gutture ochroleuco, facie fulva;
tectricibus caudae inferioribus rufescentibus; rostro bruneo;
inandibula inferiore albicante; pedibus nigro-fuscis; iride brunea.
Long. tot. 7" 10'".
195. 4. A. m e lano r h //?i c /ius Tsch.
A. supra fuscus, pileo nigricante, striis longitudinalibus
ochroleucis, uropygio rufo, rectricibus ferrugineis; remigibus
nigro-fuscis pogonio externo dilutioribus et basi interni liel-
volis; subtus ochraceus, gutturis plumis dilute nigro -margi-
natis; tectricibus alarum inferioribus fulvis; rostro nigerrimo;
pedibus fuscis; iride fusca.
Long. tot. 9" 6 ".
76. Gen. üendrocolaptes Jllig. Prodr. 1811.
196. 1. D. Chunchotambo Tsch.
I). supra olivaceo-fuscus, pileo nuchaque nigris, hac albi-
cante -striato, illo guttato; remigibus primariis fuscis pogonii
interni apice nigricantibus,. basi et secundariis ferrugineis;
crisso rufo; rectricibus intense ferrugineo -fuscis; subtus oli-
vaceus, gula albicante, jugulo testaceo, pectore striolato,
296 Dr. J. J. de Tschudi:
tectricibus alarum inferioribus ochroleucis; rostro corneo, man-
dibula inferiore albicante; pedibus nigro-fuscis; iride brunea.
Long. tot. 9".
197. 2. D. validus Tsch.
D. supra ex olivaceo fuscus, striis albicantibus longitu-
dinalibus et maculis nigris ornatus , supereiliis testaceis ; te-
ctricibus alarum superioribus scapis rufis et macula parva
rotunda nigra; reinigibus ferrugineis, primariis apice nigro-
fuscis; crisso intense rufo; rectricibus ferrngineo - fuscis ;
subtus ochraceus, striis transversalibus nigris notatus, gula
testacea, pectore olivaceo plumis in medio Stria longitudinali
albicante lata, utrinque angusta nigra notatis; tectricibus infe-
rioribus abdomini concoloribus; rostro valido, fusco, apice
et mandibula inferiore albicante; pedibus ex fusco -plumbeis;
iride brunea.
Long. tot. 11" 6".
Faui. 16. Troclülidae C. Bonap. Sagg. 1831.
77. Gen. TrocMlus Lin. Syst. Nat. 1748.
1. Subgen. Polytmus Briss.
198. 1. Tr. pygmaeus Spix Av. Bras. I. p. 78. tab. 80. fig. 1.
199. 2. Tr. apicalis Lichtenst. Mus. Berol.
Tr. supra viridis nitens; reinigibus chalybeo-nitidis; tectri-
cibus caudae superioribus albo-marginatis; rectricibus duabus
intermediis acuminatis, elongatis, apice niveis; subtus cinereo-
lavatus, gula rufescente, crisso dilutiore; rostro angulato, ni-
gro; mandibula inferiori aurantiaca; pedibus fuscis.
Long. tot. 6" 6'".
2. Subgen. Cynanthus Swains.
200. 3. Tr. chrysurus Cuv. Gal. Mus. Par. et Regn. Anim.
I. p. 436.
Tr. spargurus Shaw Gen. Zool. of Birds p. 291. 11.
Omismya Sapho Less. Man. Ornith. II. p. 83.
Orlhorhynchus chrysurus d'Orb. de La fr es. Syn. 1. c.
p. 26. 3.
3. Subgen. Coeligena Less.
201. 4. Tr.Annis Less. Rev. Zool. 1838 p. 315.
Avium conspectus. 297
202. 5. Tr.furcatus Lin. Gmel. XIII. I. p. 486. 26.
Ornismya furcata Lcss. Ois. mouch. tab. 18.
4. Subgen. Platurus Less. Heliothrix Boje part.
203. 6. Tr. platurus Vieill. Tabl. encycl. et meth. II. p. 569.
Ornismya platura Less. Ois. mouch. tab. 40.
Cynanthus platurus Swains. Zool. Journ. III. p. 357.
5. Subgen. Phaetornis Swains.
204. 7. Tr. Cora.
Orthorhytichus Cora Less. Garn. Zool. Coq. pl. 31. 4.
Ornismya Cora Man. Ornith. II. p. 82.
6. Subgen. Lophornis Less. Petasophora G.R.Gray.
205. 8. Tr. petasophorus Prinz Max. Reise nach Bras. II.
p. 191. id. Beitr. IV. p. 76. Temm. pl. col. 203.
%. 3.
Ornismya petasophora Less. Man. Ornith. IL p. 78.
Trochilus janthinotus Natt. in nonnullis Museis.
Colibri coipus Spix Av. Bras. p. 81. tab. 1.
7. Subgen. Lampornis Swains.
206. 9. Tr. Amaxilia.
Orthorhynchus amaxilia Less. Garn. Zool. Coq pl 31
fig. 3.
207. 10. Tr.amethysticollis Tsch.
Orthorhynchus amethysticollis d'Orbig. de Lafresn.
Syn. 1. c. p. 31. id. Voy. Ois. tab. 60. fig. 2.
Specimina, in Republica Peruana a nobis reperta, niagni-
tudine et torque albo a Boliviensibus, quae a Dom. d'Orbigny
1. e. descripta et depicta sunt, differunt.
208. 11. Tr.phoeopygus Lichtenst. Mus. Berol.
Tr. supra viridi- aureus, resplendens; remigibns violaceo-
micantibus; rectricibus chalybeis; subtus cinereus; gula sma-
ragdinea nitida; hypochondriis splendore aureo; rostro pedi-
busque nigris.
Long. tot. 3" 1|'".
209. 12. Tr.leucogaster Tsch.
Tr. supra viridis, nitens, fronte splendore aureo; remi-
gibns subfuscis violaceo -nitidis, rectricibus aequalibus, suba-
cutis, aeneis, pogonio interao , duabus intermediis exceptis,
albis; subtus albus, hypochondriis viridi -micantibus; rostro
298 Dr- J- J- de Tschudi:
subarcuato, nigro; inandibula inferiori straminea, apice nigra;
pedibus fuscis; iride brunea.
Long. tot. 4" 4'".
210. 13. Tr. opacus Lichtenst. Mus. Berol.
Tr. nigro - fuscus , splendore cupreo; reniigibus aeneis,
camptcrio rufo ; rectricibus magnifice aureo-purpurino resplen-
dentibus, aequalibus, rotundis; abdoniine crissoque plumulis
cinereo - marginatis ; rostro recto pedibusque nigerrimis.
Long. tot. 5".
211. 14. Tr.insectivorus Tsch.
Tr. viridis, resplendens; reniigibus violaceo-nitidis, rectri-
cibus interniediis dorso concoloribus, caeteris albis, apice vi-
ridibus; gula abdomineque smaragdineo-nitidis, pectore can-
dido; rostro recto, longissinio, nigro; pedibus stramineis, un-
guibus fuscis; iride subflava.
Long. tot. 6".
212. 15. Tr. Otero Tscb.
Tr. supra viridis, resplendens, fronte coeruleo-nitido;
reniigibus ex violaceo-nigricantibus; rectricibus interniediis
brevioribus aeneo-micantibus, caeteris e nigro coeruleis; sub-
tus dorso aliquantulum dilutiore, pectore smaragdineo-nitente;
rostro recto, latiusculo, nigro; pedibus nigris, unguibus fuscis;
iride rufescente.
Long. tot. 5" 6'".
Fam. 17. Momotidae Trinz Max. Beitr. 1S31.
78. Gen. JPrionites Jllig. Prodr. 1811
Momotus Briss. 1760. Baryphontis Vi ei 11. 1816. Cry-
jiticus Swains. 1837.
213. 1. P.lrasiliensis Jllig. iCuv. Regn. Anim. 1. p. 443.)
Momotus hrasiliensis Lath. Syn. I. 1. p. 338. 1. tab. 10.
Ramphastos momota Lin. Gmel. XIU. I. p. 357. 8.
Baryphontis cyanocephalus Vieill. Nouv. Dict. XXI.
p. 215.
Frayle Incol.
214. 2. P. ruft icapi Uns Jllig. Lichtenst. Doubl. Yerz.
p. 21. 206.
Tutu Azar. Apunt. Nr. 52.
Avium conspectus. 299
215. 3. P. Martii Spix Av. Bras. II. p. 64. tab. 60. (fig. non
satis accurata).
Crypticus plaiyrhynchus Jard. et Selby Jllust. Ornith.
tab. 106.
Crypticus Martii C. Bonap. Proceed. Z S. 1837. p. 119. 1.
Fam. 18. Halcyonidae V7ig. Zool.
Journ. 1825.
79. Gen. Alcetlo Lin. Syst. Nat. 1766.
216. 1. A. americana Lin. Gmel. XIII. I. p. 451. 23.
Martin -pescador verde obscuro Azar. Apunt. Nr. 421.
217. 2 A. torquata Lin. Gmel. XIII. 1. p. 452. 8.
Martin -pescador Celeste obscuro Azar. Apunt. Nr. 417.
218. 3. A. amazona Vieill. Nouv. Dict. XIX. p. 399. Tabl.
encycl. et meth. 1. p. 229. 25.
Martin -pescador obscuro dorado Azar. Apunt. Nr. 419.
Martin -pescador de garganta roja Azar. Apunt. Nr. 420.
Ordo III. Scansores JUig. Prodr. 1811.
Fam. 1. Galbulidae C. Bonap. Sagg. 1831.
Galbulcae Less. 1831. Jacamaciridae Prinz Max. 1832.
1. Gen. fialbula Mo ehr. Gen. Av. 1752.
219. 1. G. tombacea Spix Av. Bras. I. p. 55. tab. 58. foem.
Fam. 2. Cuculidae C. Bonap. Sag. 1831.
2. Gen. Coccysus Vieill. Anal. nouv. Orn. elem. 1816.
220. 1. C. cayanus Temm.
Cuculus cayanus Lin. Gmel. XIII. I. p. 417. 14.
Tingazü Azar. Apunt. Nr. 353.
Huic hrao Indig.
3. Gen. CrotopJiaga Lin. Syst. Nat. XII. 1766.
Crotophagus Briss. 1760.
221. 1. C. major Lin. Gmel. XIII. I. p. 363. 3.
Annd-güazü Azar. Apunt. Nr. 348.
222. 2. C. Casasii Less. Garn. Zool. de la Coq. Ire I'art.
2. p. 19. Cent. Zool. tab. 11.
C. sulcirostris Swains.
Guarda Cavallos Incol.
300 Dr. J. J. de Tschudi.
4. Gen. Trogon Mo ehr. Gen. Av. 1752.
223. 1. Tr. heliothrix Tsch.
Tr. supra viridi- aureus, resplendens, pileo uropygioque
coeruleo smaragdineo-nitidis; remigibus nigris, pogonio ex-
terno albo-inarginatis; tectricibus alarura superioribus lineolis
innumerabilibus albis et nigris variis; rectricibus duabus inter-
mediis dorso aliquantulum obscurioribus, caeteris apice albis
et fasciolis transversis albis et nigris variis; subtus carmi-
neus; fronte, facie guttureque nigris, semitorque albo; rostro
vitellino; pedibus plumbeis; iride flava.
Long. tot. 11".
Farn. 3. Bucconidae Prinz Max. Beitr. 1832.
5. Gen. JLypomiay Wagl. Syst. Av. 1827.
224. 1. L. rufa Wag]. Syst. Av. 5.
Bucco ruf us Spix Av. Bras. I. p. 52. tab. 40. fig. 1 (fig.
non satis accurata).
225. 2. L. ruf icapilla Tsch.
L. supra ex olivaceo-cinerea; pileo rufo, nucha dilute ci-
nerea, remigibus primariis nigro - fuscis , secundariis pogonio
externo flavicante-marginatis, omnibus basi pogonii interni
helvolis; rectricibus ex cinereo- fuscis; subtus ex flavicante
rufa, crisso dilutiore; facie collique lateribus griseis, alarum
tectricibus inferioribus helveolis; rostro nigro, basi mandibu-
lae inferioris albicante; pedibus virescentibus; iride fusca.
Long. tot. 5" 9'".
6. Gen. Capito Vieill. Anal. nouv. Ornith. elem. 1816.
Bucco Lin. part. Micropogoti Temm.
226. 1. C macrorhynchus Wagl. Syst. Av. 1.
Bucco macrorhynchus Lin. Gmel. XIII. I. p. 406. 5.
Le Vaill. Ois. Parad. II. p. 92. tab. 93.
227. 2. C. c t/p hos Wagl. Syst. Av. 1.
Cyphos macrodactylus Spix Av. Bras. I. tab. 39. fig. 2.
228. 3. C. collaris.
Bucco capensis Lin. Gmel. XIII. I. p. 406. 1.
Bucco collaris Lath. Syn. I. 2. p. 497. 2.
229. 4. C. elegans Vieill. Tabl. encyel. et meth. 111. p. 14.
24. 4.
Bucco elegans Lin. Gmel. XIII. I. p. 406. 4.
Avium conspectus. 3Q|
ßucco maynanensis Briss. Av. IV. p. 102. 5. tab. 7. fig. 3.
Buff. Enlum. Nr. 330.
230. 5. C. mela?iotis Tenim. pl. col. 94.
Bucco chacuru Vieill. Tabl. encycl. et meth. p. 1320.
Bucco strigilatus Lichtenst. Doubl. Verz.
Chacuru Azar. Apunt. Nr. 261.
231. 6. C. senilis.1)
Bucco senilis P o e p p i g. Mus. Llps.
232. 7. C. glaucogularis Tsch.
C. supra prasinus, pileo nuchaque viridi-flavis; remigi-
bus nigricantibus pogonio externo viridi-olivaceis, basi po-
gonii interni flavescentibus, rectricibus olivaceo - viridibus;
subtus stramineus striis longitudinalibus viridibus, fronte, facie
guttureque glauco - coeruleis, regione parotica nigra, semi-
torque intense vitellino, pectore coeruleo-viridi, campterio
stramineo , tectricibus alarum inferioribus helveolis ; rostro
basi viridi, apice toniiisque flavis; pedibus viridi-pluuibeis;
iride flava.
Long. tot. 6".
Fani. 2. Ramphastidae C. Bonap. Sag. 1831.
7. Gen. Mamphastos Lin. Syst. Nat. 1748.
233. 1. R. vitellinus Jllig. Mus. Berol.
Levaill. Ois. Parad. tab. 17. p. 19. Swains. Zool.
Jllustr. Nr. 10. tab. 56.
234. 2. R. carinaius Swains. Zool. Jllust. I. tab. 45.
R. piscivorus Lin. Gmel. XIII. 1. p. 355. 4.
R. tucanus Shaw. Gen. Zool. p. 362.
R. callorhynchus Wagl. Syst. Av. 6.
R. poecilorhynchus Mus. Berol.
235. 3. R. Cuvieri Wagl. Syst. Av. 5.
236. 4. R. ambiguus Swains. Zool. Jllust. Nr. 34. tab. 108.
R. tocard Vieill. Nouv. Dict. XXXIV. p. 281.
Tocard Levaill. Ois. Par. tab. 9. p. 25.
R. Swainsoni Gould Monogr. of Ramph.
8. Gen. tteroglossus Jllig. Prodr. 1811.
1. Subgen. Pteroglossus Jllig.
237. 1. PL A%arae Wagl. Syst. Av. 3.
Ramphastos Amrae Vieill. Nouv. Dict. XXXIV. p. 282.
') An forsan Lypornix?
302 Dr- J- J de Tschudir
238. 2. Pt. pluricinctus Gould Proceed. Z. S. 1835 p. 157.
239. 3. Pt. castanotis Gould Proceed. Z. S. 1835 p. 159.
2. Subgen. Aulacoraniphus G. R. Gray. Aulacorhyn-
clius Gould.
240. 4. Pt. Derbianus Gould Monogr. der tunkanartigen
Vögel, deutsch übersetzt von Sturm.
Aulacorhynchus Derbianus Gould Proc. Z. S. 1835. p. 49.
241. 5. Pt. atrogttlaris Gould Monogr. der tunkanartigen
Vögel, deutsch übersetzt von Sturm.
242. 6. Pt. coeruleo - cinctus Tsch.
Aulacorhynchus coerulei-cinctus d'Orb. Voy. Ois. tab. 66.
fig. 2. sine descriptione.
Pteroglossus Lichtensteini Gould Monogr. der tunkanar-
tigen Vögel, deutseh übersetzt von Sturm.
3. Subgen. Selen idera Gould.
243. 7. Pt. Gouldli Natt. Proceed. Z. S. 1837 p. 44.
Selenidera Gouldü Gray List of Birds p. 50.
244. 8. Pt. Langsdor/ii Wagl. Syst. Av. 12.
Farn. 3. Picidae Vig. Zöol. Journ. 1825.
9. Gen. JPicuntnus Tem. Man. d'Ornith. 1820.
245. 1. P. albosquamatus d'Orb. Voy. Ois. tab. 64. fig. 2.
sine descr.
10. Gen. Picus Lin. Syst. Nat. 1748.
1. Subgen. Dryocopus Boje.
246. 1. P. albirostris Vieill. Nouv. Dict. XXVL p. 69
P. comatus Jllig. Mus. Berol.
Carpintero de lomo blanco Azar. Apunt. Nr. 249.
247. 2. P. lineatus Lin. Gmel. XIII. I. p. 425. 4.
Ipecu Marcgr. Bras. p. 207.
Carpintero negro Azar. Apunt. Nr. 248.
248. 3. P. haematogaster Tsch.
P. pileo, nucha, colli lateribus et uropygio coccineis, no-
taeo stramineo, tergo fasciis transversalibus nigris, fronte et
regione parotica atris, fascia ab oculi angulo posteriore et
altera a rostri basi ad auriculas porrigentibus, alis caudaque
nigerrimis, remigibus pogonio interno albo-binotatis, pogonii
externi apice albis; campterio tectricibusque alarum inferiori-
Avium conspectus. 303
bus flavescentibus; gastraeo coccineo; rostro nigricante apice
tantummodo albicante; pedibus ardesiaeis; iride coccinea.
Long. tot. 1' 2" 6".
2. Subgcn. Picxis Lin.
249. 4. P. passe rinus Lin. Gmel. XIII. I. p. 427. 6.
P. rujice/js Spix Av. Bras. I. tab. 56. fijr. 2.
P. maculifrons Spix Av. Bras. 1. tab. 5G. fig. 1. mas juv.
P. haematostigmu Natt, in nonnullis Museis.
250. 5. P. pti?icticeps d'Orb. Voy. Ois. tab. 64. fig. 1. sine
descr.
251. 6. P. fumigatus d'Orb. Voy. Ois. tab. 63. fig. 1. sine
descr.
3. Subgen. Gecinns Boje Isis 1831.
252. 7. P.cactorum d'Orb. Voy. Ois. tab. 62. fig. 2. sine
descr.
253. 8. P. canipileüs d'Orb. Voy. Ois. tab. 63. fig. 2. sine
descr.
11. Gen. Colaptes Swains. Nat. Hist. of Birds 1837.
254. 9. C.rupicola d'Orb. Voy. Ois. tab. 62. fig. 1. sine
descr.
Fam. 4. Psittacidae Vig. Zool. Journ. I. 1825.
12. Gen. JPsittacus Lin. Syst. Nat. 1748.
Amazona Less.
255. 1. P. mercenarius Tscb.
A. supra sordide viridis plumis cinereo-cinctis, sincipite,
facie gnttureqne prasinis; subtus ex flavo viridis, plumis ob-
scure marginatis; crisso flavescente ; remigibns nigerrimis po-
gonio externo basi viridi; remigibus secundariis pogonio ex-
terno viridibus basi ignea, apice cyaneo et nigro, pogonio
interno nigris; tectricibns alarum superioribus et scapularum
aus prasinis; campterio luteo; tectricibus inferioribus viridi-
flavis, rectricibus intermediis obscure viridibus, caeteris po-
gonio interno macula rotunda ornatis, externis pogonio ex-
terno cyaneis, omnibus apice flavescentibus; rostro corneo
basi flavescente; pedibus coeruleo -cinereis; iride subflava.
Lonar. tot. 1' 6".
304 Dr. J. J. de T sc hu dir
255. 2. P. tumultuosus Tsch.
A. supra prasinus, infra nielino -viridis, sincipite gulaque
rubris ; remigibus viridibus prima et secunda fascia longitudi-
nali nigra, omnibus apice albicante-marginatis; carapterio luteo;
rectricibus intermediis dorso concoloribus, caeteris pogonio
iiiterno rubro-notatis; crisso aurantio-rubro; rostro flavo
tomio mandibulae superioris angulo recto exciso ; pedibus coe-
ruleis; iride fusca.
Long. tot. 11".
13. Gen. Conurus Kühl Monogr. Psitt. 1820.
Psittacara Vig. 1825.
257. 1. C. Jlligeri Tsch.
Psitt actis fuscat ns Jllig. Mus. Berol.
Psitt acus Jlligeri Kühl.
Arara purpuro-dorsalis Spix Av. Bras. I. tab. 24.
Psittacara Jlligeri Bourjot St. Hilaire et Werner
Hist. nat. des Perroq. 1837. 38.
258. 2. C.mitralus Tsch.
C. supra viridis; subtus laetior, sincipite regionibus oph-
thalinicis et paroticis nonnullisque corporis maculis sanguineis;
remigibus viridibus pogonio interno olivaceo-marginatis, re-
ctricibus dorso concoloribus; rostro albido; pedibus robustis
flavescentibus; iride fusca.
Long. tot. 1' 1".
259. 3. C. rupicola Tsch.
C. supra prasinus, fronte fusco, pileo plumis spadiceis,
apice albicante marginatis, ornato; nucha smaragdinea; remi-
gibus atris pogonio externo viridi-cyaneis; campterio tectrici-
busque alarum superioribus primariis coccineis scapis albis,
reliquis viridibus; rectricibus dorso obscurioribus ; subtus me-
lino viridis, gutture helveolo, pectore fasciis transversal ibus fu-
scis et flavicautibus vario; tectricibus caudae inferioribus vi-
ridi-cyaneis; rostro fusco, apice coerulescente; pedibus niger-
rimis; iride flava.
Long. tot. 10" 9"'.
2G0. 4. C. sitop/iagus Tsch.
C. supra viridis, remigibus pogonio externo cyaneis, in-
Avium conspectus. 305
terno atris, tectricibus alaruin inferioribus nigris; rectricibus
dorso aliquantulum saturatioribus; fronte, gula, pectore ab-
domineque luteis, hypochondriis crissoque viridi-flavis; rostro
albescente; pedibus flavescentibus; iride flava.
Long. tot. 7" 3'" (caudae 3" 6'").
Haec species valde affinis est Psittaco (Lathamo) anri-
fronti, Novae Zeelandiae incolae, a Dom. Lesson in Cent.
Zool. p. 63 descripto et tab. 18. depicto.
Ordo IV. 4 «In ml» ae Temm. Man. Ornith. 1815.
Fani. Columbidae C. Bonap. Sag. 1831.
Gyrantes Bonap.
1. Gen. Columha Lin. Syst. Nat. 1748.
1. Snbgen. Columba.
261. 1. C.fasciata Say Long. Expedit. Vol. II. p. 10.
2. Subgen. Turtur Ray.
262. 2. C. meloda Tscli. Wiegm. Arch. 1813. I. p. 385. 4.
3. Subgen. Peristera Swains.
263. 3. C cinerea Temm. Hist. nat. Pig. et Gall. p. 126.
tab. 28.
Perist era cinerea Swains. Zool. Journ. III. p. 360.
261. 4. C. jamaicensis Lin. Gmel. XIII. I. p. 782. 25.
C. rufaxilla Richard et Bernard Act. Soc. Hist. nat.
Paris. I. P. 1. 1772 p. 118. 74.
C. frontalis Temm. pl. col. tab. 10.
Leptotila rufaxilla Swains. Hist. nat. of Birds.
Paloma parda tapadas rojas Azar. Apunt. Nr. 320.
4. Subgen. Chaemepelia Swains.
265. 5. C.passerina Lin. Gmel. XIII. I. p. 787. 34.
Temm. Hist. nat. Pig. et Gall. p. 24. tab. 13 et 14.
Fide Lesson.
266. 6. C. talpacoti Temm. Hist. nat. Pig. et Gall. p. 22.
tab. 12.
Columöina Cobacolo Spix Av. Bras. II. tab. 75. fig. 1.
Paloma roxixa Azar. Apunt. Nr. 323.
267. 7. C. monticola Tscli.
C. erythrothorax Meyen Reise III. p. 222. tab. XXVI.
268. 8. C.gracilis Tscli. Wiegm. Arch. 1843. I. p. 385. 3.
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. I. Bd. 20
306 Dr- J- J- de Tschudi:
5. Subgen. Zenaida Bonap.
269. 9. C. aurita Temin. Hist. nat. Pig. et Call. p. 60. tab.25.
C. martinicana et C. leucoptera Lath. Ind. Ornith. II,
p. 599.
Zenaida amahüis C. Bonap. Amer. Ornith. pL 17. fig. 2.
Columba Zenaida C. Bonap. List of Birds p. 41.
Paloma parda manchada Azar. Apunt. Nr. 322.
6. Subgen. Starnoenas Bonap.
270. 10. C.melancholica Tsch.
C. supra rufo-fusca, pileo ex violaceo fusco; fronte fa-
cieque helvolis; remigibus ardesiacis pogonio externo et apice
dilute ferrugineo marginatis; tectricibus alaruni superioribus
violaceo -ferrugineis, majoribus apice rufescente-notatis; re-
ctricibus ferrugineo - fuscis ; subtus rufescente - albida; gula
albicante; pectore violaceo -lavato; tectricibus alarum inferio-
ribus helveolis; rostro basi coeruleo, apice et mandibula in-
feriori flavis; pedibus flavescentibus; iride sulphurea.
Long. tot. 9" 6'".
271. 11. C./renata Tsch. \Yiegm. Arch. 1843. I. p. 386. 5.
Ordo V. Ilagores Jllig. 1811.
Gallinaceae Keys, et Blas.
Fatn. 1. Chionidae C. Bonap. Sag. 1831.
1. Gen. OPhinocorus Eschscholtz Zool. Atlas 1829.
272. 1. Th. lngae Tsch. Wiegin. Arch. 1843. I. p. 387. 8.
Farn. 2. Tetraonidae C. Bonap. Syn. Vert.
Syst. 1837.
2. Gen. Odontophorus Vieill. Anal. nouv. Ornith.
meth. 1816.
273. 1. 0. speciosus Tsch. Wiegm. Arch. 1843. 1. p. 387. 10.
274. 2. O.pachyrhynchus Tsch.
Odonthophoro guayanensi shnilis, sed differt coloribus,
praecipue gastraei, saturatioribus, abdomine fasciolis nigris et
fuscis vario, pedibus validioribus, digitis longioribus et rostro
multo altiore.
Long. tot. 11".
Avium conspectus. 307
Farn. 3. Crypturidae C. Bonap. Sag. 1831.
Tinamidae Gray 1840.
3. Gen. OrtygU Jllig. Prodr. 1811.
Turnix Bon. 1790 part.
275. 1. 0. ocellata Meyen Reise 111. p. 225. tab. XXVII.
4. Gen. Crypturus Jllig. Prodr. 1811.
Tinamus Lath. 1790. Cryptura Vi ei 11. 1816. Pezus
Spix 1824.
276. 1. C. tataupa Lichtenst. Doubl. Verz. p. 68.
Tinamus tataupa Temm. Hist. nat. Pig. et Gall. 111. p.
590. pl. col. 4.
Cryptura tataupa Vieill.
Pezus Aiambu Spix Av. Bras. II. tab. 78a.
Tataupa Azar. Apunt. Nr. 329.
277. 2. C. noctivagus Wagl. Syst. Av. 6.
Tinamut noctivagus Prinz Max. Reise nach Bras. I.
p. 160 id. Beitr. IV. p. 504. 2.
Pezus Zabale Spix Av. Bras. II. tab. 77.
278. 3. C. adspersus Lichtenst. Doubl. Verz. p. 68.
Tinamus vermiculatus Temm. pl. col. 369.
Crypturus vermiculatus Wagl. Syst. Av. 4.
279. 4. C. einer eus Wagl. Syst. Av. 6.
Tetrao cinerea Lin. Gmel. XIII. I. p. 768. 64.
Tinamus cinereus Lath. Syn. II. p. 726. 2. Temm. Hist.
nat. Pig. et Gall. 111. p. 574.
Cryptura cinerea Vieill.
280. 5. C. obsoletus Lichtenst. Doubl. Verz. p. 68.
Tinamus obsoletus Temm. Hist. nat. Pig. et Gall. III.
p. 588. pl. col. 106.
Cryptura coerulescens Vieill.
Ynambü azulado Azar. Apunt. Nr. 330.
281. 6. C. atro - capillus Tsch.
C. supra ex violaceo fuseufi, perniultis fasciolis nigris
et rufofuscis in auchenio obsoletis varius; pileo atro, fronte
fusca, niacula rufa postorbiculari ad auriculas porrigente, te-
ctrieibus alarum superioribus parapterisque dorso dilutioribus
pogonio externo maculis subflavis signatis; reniigibus ardesia-
cis pogonio externo fuscisj subtus ex rufo flavescens, gula
lulva, gutture et epigastrio ferrugineo-rufis, crisso dilutiore,
20*
OQg Dr. J. J. de Tschudi:
pectore et hypochondriis ex fusco-plumbeis, innumerabilibus
lineolis nigris vermiculatis ; tibiis fasciis transversis nigris et
flavidis variis; tectricibus alaruni inferioribus albis ; rostro ni-
gro, mandibula inferiori flava; pedibus fiavis; iride fusca.
Long. tot. 1' 1".
282. 7. C. Kleei Tsch. Wiegm. Arch. 1843. 1. p. 387. 9.
5. Gen. Tinamol ix Vig. Proceed. Zool. Soc. 1836.
Eudromia d'Orb. et Geoffr. 1832.
283. 1. T. Pentlandii Vig. Proceed. Z. S- IV. p. 79.
Fam. 4. Cracidae G. R. Gray Gen. of Birds 1840.
6. Gen. Crax Lin. Syst. Nat. 1748.
284. 1. C.alector Lin. Gmel. XIII. I. p. 735. 1.
C. Guyatiensis Briss. Av. I. p. 298. 12. tab. 29.
Mitu A z a r. Apunt. Nr. 338.
285. 2. C. Temminchii Tscb.
Crax peruvianus Briss. Av. I. p. 305.16. Variete de la
femelle du Hocco de la Guayane. Bonat. Tabl.
encycl. et meth. Ornith. 174. var. c.
Crax rubra b) Lin. Gmel. XIII. I. p. 736.
Crax spadicea, collo annulis alternis nigris albisque
vario. L ath. Syn. II. 2. tab. 63.
Crax rubra Temm. Hist. nat. Pig. et Gallin. III. p. 21.
et p. 687. foem.
La para grande Incol.
7. Gen. Ouraac Cuv. Regn. Anim. 1. 1817.
Pauxi Temm. 1813.
286. 1. 0. galeata Cnv. Regn. Anim.
Crax galeata Lath. Ind. Ornith. II. p. 614. 4.
C. pauxi Lath. Ind. Ornith. p. 624.
Crax mexicanus Briss. Av. I. p. 302. 14.
287. 2. O.mitu Temm. pl. col. 103.
Crax mitu Lin. Gmel. XIII. I. p. 736. ß.
Crax brasiliensis Briss. Av. I. p. 276. 11.
Fam. 5. Penelopidae C. Boiiap. Sag. 1831.
8. Gen. Venelope Lin. Syst. Nat. XIII. 1788.
1. Subgen. Salpiza Wagl.
288. 1. P. cristata Lin. Gmel. XII. I. p. 733. 2. Temm-
Avium concpectus. 309
Hist. nat. Pig. et Gall. III. p. 46. Guan Edwards
Glean. of Nat. Hist. tab. 13.
Meleagris cristata L i n. Syst. Nat. XII. I. p. 269. 2.
Gallopavo brasiliensis Briss. Ornith. I. p. 162.
P. jacapemba Merrem Beitr. 2. p. 42. tab. 11.
P. jucuacu Spix Av. Bras. II. tab. 68.
289. 2. P. marail Lin. Gmel. XIII. I. p. 734. 5.
Marail Bonat. Tabl. encycl. et meth. Ornith. p. 171.
tab. 83. fig.4.
Maraye Bajon Mem. sur Cayenne 1. p. 383. tab. 3 et 4.
Penelope jacucaca Spix Av. Bras. II. tab. 69. var.
2. Subgen. Penelope.
290. 3. P. aburri Goud. Less. Man. Ornith. II. p.215.
Pava aburri da Incol.
291. 4. P.pipile Lin. Gmel. XIII. I. p. 734. 4. Lath. Ind.
Ornith. II. p. 620. 2.
Penelope cumanensis Lath. Ind. Ornith. II. p. 620. 2.
Crax cumanensis Jacq. Beitr. Vög. p. 25. tab. 10.
Yacou B aj o n Mem. Cay. I. p. 398. tab. 5.
Penelope leucolophos Merr. Icon. p. 45. tab. 12. fig. accur.
P. Jacutin ga Spix Av. Bras. II. tab. 70. fig. accur.
3. Subgen. Ortalida Merr.
292. 5. P. adspersa Tsch. Wiegm. Arch. 1843. I. p. 386. 7.
293. 6. P. rufiventris Tsch. Wiegm. Arch. 1843.1. p.386.6.
Ordo VI. Cwrsores Jllig. Prodr. 1811.
Farn. Struthionidae Vig. Zool. Journ. 1835.
1. Gen. Mhea Moehr. Gen. Av. 1752.
294. 1. Rh. americana Lath. Vieill. Gal. pl. 224.
Rhea Briss. Ornith. V. p. 8. 1.
Struthio rhea Lin. Gmel. X11I. I. p. 727. 3.
Ordo VI!. Grallatores Jllig- Prodr. 1811.
Farn. 1. Charadridae C. Bonap. Sag. 1831.
1. Gen. Oedicnemus Temm. Man. Ornith. 1815.
295. i. Oc. superciliar is Tsch.- Wiegm. Archiv 1843. I.
p. 387. 11.
310 Dr. J. J. de Tschudi:
2. Gen. Charadrius Lin. Syst. Nat. 1748.
296. 1. Ch. virginiacus Borkh.
Charadrius pluvialis Lin. Gmel. XIII. I. p. 688. 7. var. y
Briss. Av. V. p. 48. 3. tab. 6. fig. 1.
Charadrius pectorulis Vieill. Nouv. Dict. XXVII. p. 145.
Charadrius marmoratus Wagl. Syst. Av. 42.
Mbatiutui del pecho listado Azar. Apunt. Nr. 389. Av. jun.
Mbatiutui del pecho de marmol Azar. Apunt. Nr. 390.
Avis adult.
297. 2. Ch. brevirostris Prinz Max. Beitr. IV. p. 769.
Chorlito Incol.
298. 3. Ch. Winterfeldti Tsch. Wiegm. Archiv 1843. I.
p. 388. 12.
299. 4. Ch. resplendens Tsch. Wiegm. Archiv 1843. I.
p. 388. 13.
Fraylesr o Incol.
3. Gen. Strepsilas Jllig. Prodr. 1811.
300. 1. St. collaris Tettim. Man. Ornith. II. p. 553.
Tringa interpres W'ils. Am. Ornith. VII. p. 32. tab. 57.
fig. 2.
Arenaria interpres Vieill. Gal. pl. 237.
Strepsilas melanocephala Vig. Zool. Journ. IV. 1829 p.356.
Fani. 2. Ardeadae Swains. Hist. nat. of
Birds 1837.
4. Gen. Alrdea Lin. Syst. Nat. 1748.
Egretta C. Bonap. 1831.
301. 1. A. egretta Wils. Ornith. VII. p. 111. tab. 61. 4.
A. leuce Jllig. Mus. Berol.
Egretta leuce C. Bonap. List of Birds p. 47.
Garza blanca mayor Azar. Apunt. Nr. 350.
302. 2. A. alba Lin. Gmel. XIIL I. p. 639. 24.
A. Candida Briss. Av. V. p. 428. 15.
A. egrettoides S. Gmel. Itin. II. p. 193. tab. 25.
Garza blanca mediana Azar. Apunt. Nr. 351.
303. 3. A. candidissima Jacq. Beitr. p. 18. 13.
Egretta candidissima C. Bonap. List of Birds p. 47.
Garza blanca chica con cäpa Azar. Apunt. Nr. 349.
304. 4. A. cocoi Lin. Gmel. XIII. I. p. 629. 14.
Ardea palliata Jllig. Mus. Berol.
Avium conspectus. /311
A. maguari Spix Av. ßras. 11. p. 171. tab. 90.
Garza aplomada Azar. Apunt. Nr. 347.
305. 5. A. agami Lin. Gmel. XIII. 1. p. 629. 35.
306. 6. A. tigrina Lin. Gmel. XIII. I. p. 638. 55.
Garza jaspeada Azar. Apunt. Nr. 353.
5. Gen. JVycticoraac Steph. Gen. Zool. 1819.
Ardea Auct. pari
307. 1. N. americanus C". Bonap. List of Birds. p. 48.
Ardea nycticorax Lin. Gmel. XIII. I. p. 624. 9.
A. Hoactli Lin. Gmel. XIII. 1. p. 630. 37.
A. mexicana cristata Briss. V. p. 418. 11.
Tayazu-Guirä Azar. Apunt. Nr. 357.
Av. juven. Ardea Gardeni Lin. Gmel. X11I. I. p. 645. 87.
Ardea maculata Frisch Av. II. tab. 9. neque Ar-
dea maculata Vieill.
Foem. adult. Ardea Jamal censis Lin. Gmel. XIII. I. p. 625. 29.
6. Gen. Mycteria Lin. Syst. Nat. XII. I. 1766.
308. 1. M. americana Lin. Gmel. XIII. I. p. 616. 1.
Ciguena del collar roxo Azar. Apunt. Nr. 343.
7. Gen. Vlatalea Lin. Syst. Nat. XII. I. 1766.
309. 1. PL Ajaja Lin. Gmel. XIII. I. p. 614. 2.
Platea rosea Briss. Av. V. p. 356. 2. tab. 30.
Espatula Azar. Apunt. Nr. 345.
Farn. 3. Tantalidae C. Bonap. Sag. 1831.
8. Gen. Tantalus Lin. Syst. Nat. XII. I. 1766.
310. 1. T.loculator Lin. Gmel. XIII. 1. p. 647. 1.
Cangui Azar. Apunt. Nr. 122.
9. Gen. Mbis Cuv. Regn. Anim. 1817.
1. Subgen. Ibis.
311. 1. I.plumbea Temm. pl. col. tab. 235.
/. coerulescens Vieill. Nouv. Dict. XVI. p. 18.
Curucaü aplomado Azar. Apunt. Nr. 363.
12. 2. /. Ordi C. Bonap. List of Birds p. 49.
Tantalus mexicanus Ord. nee Lin. Gmel.
Tanlalus et Ibis falcinelhis Auetor. part.
312 Dr. J. J. de Tschudi:
2. Subgen. Theristocus Wagl.
313. 3. /. melanopis Forst. MS.
Tantalus melanopis Lin. Gmel. XIII. I. p. 653. 19.
Mandurria o Curucaü Azar. Apunt. Nr. 362.
Bandurria Indig.
Fain. 4. Scolopacidae C. Bonap. Sag. 1831.
10. Gen. Tringa Lin. Syst. Nat. 1748.
314. 1. Tr.fuscicollis Vieill. Nouv. Dict. XXIV. p. 461.
Tr. minutilla Vieill. Nouv. Dict. XXXIV. p. 466.
Tr. campestris Lichtenst. Doubl. Verz. p. 74. Nr. 764.
11. Gen. Actitis Boje (JUig. 1811).
315. 1. A.macularius C. Bonap. List of Birds p. 51.
Tringa macularia Wils. nee Totanus macularius Prinz
Max. Beitr. IV. p 727.
12. Gen. ÖDotanus Bechst. Gemeinnutz. Naturg. d. Vö"\
Deutschi. 1802.
316. \.T. chloropygius Vieill. Nouv. Dict. VI. p. 401.
Tabl. encycl. et meth. III. p. 1100. 20.
Tringa solitaria Wils. Am. Ornith. VII. p. 53.
317. 2. T.flavipes Vieill. Nouv. Dict. VI. p. 410. Tabl.
encycl. et meth. III. p. 1106. 39.
Scolopax flavipes Lin. Gmel. XIII. I. p. 659. 31.
Chorlito pardo picado de blanco Azar. Apunt. Nr. 396.
13. Gen. Scoloptuc Lin. Syst. Nat. 1766.
Gallinago Steph. 1824.
318. 1. Sc.frenata JUig. Mus. Berol. Lichtenst. Doubl.
Verz. p. 75. 770.
Scolopax Gallinago Wils. Amer. Ornith. VI. p. 18.
Gallinago Wilsoni C. Bonap. Syn. p. 330.
Becasina segunda Azar. Apunt. Nr. 388.
14. Gen. Mhynchoea Cuv. Regn. Anim. I. 1817.
319. 1. R. Hilaerea Val. Gal. de Paris. Less. Trait.
d'Ornith. p. 557.
Farn. 4. Rallidae C. Bonap. Sag. 1831.
15. Gen. JUillus Lin. Syst. Nat. 1766.
320. 1. IL nigricans Vieill. Nouv. Dict. XXVIII. p. 560.
Avium conspectus. 313
321. 2. R. caesius Tsch.
Gallinula cacsia Spix. Av. Bras. II. tab. 95.
Rallus nigricans Prinz Max. Beitr. IV. p. 782.
16. Gen. Creac Bechst. Gemeinnutz. Naturg. der Vögel
Deutschi. 1802.
.322. 1. C. facialis Tsch. Wiegm. Arch. 1843. 1. p. 388. 14.
323. 2. C.femoralis Tsch. Wiegm. Arch. 1843. 1. p. 388. 15.
17. Gen. Gallinula Briss. Ornith. 1760.
324. 1. G.galeata Prinz Max. Beitr. IV. p. 808.
Crex galeata Lichtenst. Doubl. Verz. p. 80. Nr. 826.
Yahana Azar. Apunt. Nr. 379.
325. 2. G.pileata Prinz Max. Beitr. IV. p. 802.
326. 3. G.plumbea Vieill. Nouv. Dict. XII. p. 404. Tabl.
encycl. et meth. I. p. 344. 12.
Gallinula Sarracura Spix Av. Bras. II. p. 75. tab. 98.
Chiricote aplomado Azar. Apunt. Nr. 369.
18. Gen. Fulica Lin. Syst. Nat. 1748.
327. 1. F. gigantea Souleyet. Voy. de la Bonite p. 102.
tab. 8 (fig. medioc. ).
Auash sinqui Indig.
32S. 2. F. ardesiaca Tsch. Wiegm. Arch. 1831. I. p. 389. 17.
Fam. 6. Recurvirostridae C. Bonap.
Sag. 1831.
19. Gen. Kimantopus Briss. Ornith. 1760.
329. 1. H. mexicanus Wils. Am. Ornith. VII. p. 52. tab. 58
%. 2.
Fam. 7. Phoenico pteridae C. Bonap.
Sag. 1831.
20. Gen. Vhoenicopterus Lin. Syst. Nat. 1748.
330. 1. Ph.ignipalliatus Is. Geoffr. St. Hil. An. Sc.
Nat. XVII. p. 454.
Ph. ruber Wils. Amer. Ornith. VIII. p. 360. tab. 60.
Ph. ruber Lin. Gmel. XIII. I. p. 612. 1. part.
Ph. chilensis Molina Hist. nat. Chile p. 214.
Flamenco Azar. Apunt. Nr. 348.
Parreona Incol.
3J4 Dr. J- J- de Tschudi:
Ordo VIII. IValatores Jllig. Prodr. 1811.
Ansercs Lin. 1735.
Fam. 1. Laridae C. Bonap. Sag. 1831.
1. Gen. Sterna Lin. Syst. Nat. 1748.
Phaetusa Wagl. 1831.
331. 1. St.magnirostris Ltchtenst. Doubl. Verz. p. 81.
835. Spix Av. Bras. IL tab. 104.
Phaetusa magtiirostris Wagl. Isis 1832 p. 1224.
Hutis de la cabexa negra Azar. Apunt. Nr. 413.
332. 2. St. erythrorJnjnchos Prinz Max. Beitr. IV. p. 857.
333. Z.St.Inca Less. Zool. de la Coq. tab. 47.
334. 4. St. acutirostris Tsch. Wiegtti. Archiv 1843. I.
p. 389. 18.
335. 5. St. exilis Tsch. Wiegln. Arch. 1843. I. p. 389. 19.
2. Gen. Mhynchop* Lin. Syst. Nat. XII. 1766.
336. 1. R. nigra Lin. Gmel. XIII. I. p. 611. 1.
R.fulva Lin. Gmel. XIII. 1. p. 614. 2. Barr. Av. 20.
Pescador lncol. et navigat.
3. Gen. JLarus Lin. Syst. Nat. 1748.
337. 1. L. modestus Tsch. Wiegm. Arch. 1843. I. p. 389. 16.
338. 2. L. serranus T seh.
Quiulla Indig.
L. candidus capite nigro; alis dilute cinereis; remigibus
nigris ante apicem nigrum albo notatis; scapis albis; rectrici-
bus niveis; rostro pedibusque purpureis; iride fusca.
Long. tot. 1' 2".
4. Gen. Procellaria Lin. Syst. Nat. 1748.
Daption Steph. General Zoology 1825.
339. 1. P. capensis Lin. Gmel. XIII. I. p. 565. 5.
Pintado lncol. littor. et navigat.
340. 2. P. glacialoides Smith Jllustr. Zool. South Al'ric.
Tab. 51. Mas.
') Nequaquam ad hanc speciem Hatis del pico corto Azar. Apunt.
Nr. 310, ut Dom. Lichtenstein Doubl. Verz. p. 81 putat, referenda.
Avium conspectus. 315
5. Gen. Felecanoides Laccp. Mein. Inst. 1800.
Procellaria Lin. part. Ilaladroma Jllig. 1811. Puffi-
nusia Les s. 1828.
§41. P. Garnoti Tsch.
Puffinusia Garnoti Less. Man. Ornith. II p. 394. id.
Voy. de la Coquille tab. 46.
Haladroma Berardi Quoy et Gaimard Voy. de l'A-
strol. autour du monde tab. 37. Temm. pl. col. 517.
Fam. 2. Anatidae (Leach.) C. Bonap.
Sag. 1831.
6. Gen. jZnser Briss. Ornitli. 1760.
Snbgen. Chloephaga Eyton.
342. 1. A. anticola Tsch.
A. montana Tsch. Wiegm. Arch. 1843. I. p. 390. 21.
7. Gen. Anas Lin. .Syst. Nat. 1748.
4. Subgen. Cairina Flemm. Carina Eyton.
343. 1. A. moschata Lin. Gmel. XIII. I. p. 515.16.
Anas silvestris Marcgr. Bras. p. 213.
Pato gründe 6 real Azar. Apunt. Nr. 427.
2. Subgen. Poecilonetta Eyton.
314. 2 A. bahamensis Lin. Gmel. XIII. 1. p. 516.17.
Anas Bahamensis Briss. Ornith. VI. p. 358. 12.
Poecilonetta bahamensis Eyt. Monogr. anat. p. 116.
Pato de pico roxo y aplomado Azar. Apunt. Nr. 433.
3. Subgen. Dendroeygna Swains.
345. 3. A. vi du ata Lin. Gmel. XIII. I. p. 536. 38.
Pato de la cara blanca Azar. Apunt. Nr. 435.
4. Subgen. Querquedula Steph.
346. 4. A. oxyptera Meyen Reise III. p. 245. tab. 36.
347. 5. A. Puna Lichtenst. Mus. Berol.
A. supra ex fusco et albido varia; pileo nuchaque atro-
virentibus; tectrieibus alarum superioribus dilute plumbeis;
speculo alae viridi-nitente duabus faseiis albis cineto; parapte-
ris fuscis, splendore pupureo-violaceo, faseiis longitudiualibus
albicantibus; crisso tectrieibusque fuscis striolis transversa] i-
bus albis; subtus cinerea, permultis striolis transversalibus
316 F>r. J. J- de Tschudi:
fuscis; gutture colliquo lateribus albis; pectore dilute ex albo
brunescente, maculis subcordatis, fuscis, tectricibus alarum
inferioribus albis; hypochondriis fasciis transversalibus albis
et fuscis variis; rostro viresceute, eulmine tomiorumque niar-
gine nigris ; pedibus purpureis.
Long. tot. 1' 8".
8. Gen. JErismatura C. Bonap. Sag. 1831.
348. 1. E. leticogenys Tsch.
Anas leueogenys Tsch. Wiegm. Arch. 1843. I. p. 390.22.
Farn. 3. Pelecanidae C. Bonap. Sag. 1S31.
9. Gen. Pelecanus Lin. Syst. Nat. 1748.
Onoer otalus Mo ehr. 1753.
349. l.P.thajus1) Molina Hist. Nat. de Chile p. 212.
Alcatraz incol. lit. et navigat.
10. Gen. £t«I« Briss. Ornith. 1760.
Pelecanus Lin. part. Dysporus Jllig. 1811. Morus
Vieill. 1816.
350. 1. S. variegata Tsch.
Dysporus variegatus Tsch. Wiegm. Archiv 1843. I. p.
390. 20.
11. Gen. Vhalacrocoraac Briss. Ornith. 1760.
Pelecanus Lin. part. Corvus Ray part. Carlo Meyer.
Lacep. 1800. Halieus Jllig. 1811. Hydrocorax
Vieill. 1816.
351. 1. Ph. Gaimardii Tsch.
Carbo Gaimardi Less. Man. Ornith. II. p. 373.
Pelecanus Gaimardi Less. Voy. de la Coq. tab. 48.
352. 2. Ph. albigula Tsch.
Carbo albigula Brandt.
12. Gen. Wregata (Ray) Cuv. Leg. Anat. comp. 1800.
Pelecanus Lin. part. Halieus Jllig. part. Tachypetes
Vieill. 1816.
*) Diffcrt haec specios a Pelecano fusco Lin. et ab Onocrotalo
Hemandezä'Wagl. Isis 1832 p. 1233, qui ad Pelecanum fuscum spectat.
Avium conspectus. 317
353. 1. F. aquila Cuv. Regn. Anim. I. p. 563.
Fregata Ray Av. p. 153.
Pelecamts aquitinus Lin. Gmel. XIII. I. p. 572. 2.
Halieus aquilus Jllig. Prodi-, p. 279.
Tachypetcs aquilus Vieill. Gal. tab. 274.
13. Gen. rhaeton Lin. Syst. Nat. 1766.
Lepturus Briss. 1760.
354. i.Pk. aethereus Lin. Gmel. XIII. I. p. 581. 1.
Rabijuncos Ulloa Viage II. p. 305.
14. Gen. Plotus Lin. Syst. Nat. 1766.
355. 1. P. anhing a Lin. Gmel. XIII. I. p. 580. 1.
P. melanogaster Lin. Gmel. XIII. I. p. 580. 2. Vieill.
Gal. pl. 278.
Zarmagulf on chorreado Azar. Apunt. Nr. 424.
Fani. 4. Colymbidae Less. Man. Orn. 1827.
15. Gen. Vodiceps Lath. Ind. Ornith. 1790.
356. 1. P. calipareus Less. Voy. de Ia Coq. Zool.
tab. 47. Pernetty Voy. II. p. 15.
Fam. 5. Alcadae Svvains. Nat. Hist. of
Birds 1837.
16. Gen. Sjtheniscus Briss. Ornith. 1760.
Diomedea Lin. part. Aptenodytes Forst, part. Eu-
dyptes Vieill. 1816.
357. 1. Sph. Humboldtii Meyen Reise III. p. 234. tab.
XXXI.
Berolini Mens. Januar. 1844.
318 Dr- Th. Tellkampf: Beschreib, einiger neuer in der
Beschreibung einiger neuer in der Manimuth-flölilc
in Kentucky aufgefundener Gattungen von
Gliedertliieren.
Von
Dr. Th. Tellkampf.
Hierzu Taf. VIII.
Ueber das Vorkommen thierischer Organismen in den aus-
gedehnten unterirdischen Räumen der Mammuth-Ilöhle in Ken-
tucky habe ich in J. Miiller's Archiv für Anat. u. Physiolo-
gie ') sowohl im Allgemeinen Nachricht gegeben als auch
einzelne näher erläutert. Im Folgenden habe ich die a. a. O.
nur angeführten neuen Gattungen genauer zu beschreiben ver-
sucht, und bin hierbei meinem Freunde Dr. O. Kohl rausch
für seine gefällige Mitwirkung dankbar verpflichtet.
Atlelops hirtus. (Fig. 1—6)
Insecta. Coleoptera. Clavicornia.
Zunächst mit Catops verwandt 2).
Fühler llgliedrig, nicht so lang als Kopf und Brust-
') 1844. 4. H. S. 384.
2) Die Verkümmerung des Auges ist es vorzüglich, welche Ade-
lops von Catops unterscheidet, Mir scheint es nicht bedenklich,
den vom Herrn Verf. mit grosser Scharfsichtigkeit erkannten weis-
sen Fleck als ein Augenrudiment anzunehmen, da ein ganz ahnliches
bei vielen Obisiden vorkommt. Ausser der obigen Art, welche der
Herr' Verf. der hiesigen .Sammlung einverleibte, besitzt dieselbe noch
zwei andere Arten; eine in Sicilien von Herrn Melly ebenfalls in
einem einzelnen Exemplar entdeckte, die andere von Herrn Schmidt
in Laibach mitgetheilt. Ueber die Weise des Vorkommens dieser
beiden europäischen Arten ist mir Näheres nicht bekannt geworden.
In systematischer Beziehung ist diese neue Gattung Adelops noch
von besonderem Interesse, weil sie ein Bindeglied bildet zwischen
Catops und dem bisher noch keiner Familie mit Sicherheit zuge-
wiesenen Leptinus Müll. Herausgeber.
Mammuth-HÖhle in Kentucky aufgefundener Gliederthiere. 319
schild zusammen, nach vorn verdickt, die ersten 6 Glieder
dünn, walzenförmig, die 5 letzten allmählig dicker werdend,
eine längliche Keule bildend; das 8te Glied sehr kurz; alle
behaart.
Oberlippe breit, ziemlich kurz, am Vorderrande kaum
merklich ausgeschweift, die Ecken abgerundet, behaart. Fig. 3.
Kiefer (mandibula) gebogen, an der Spitze schräg abge-
schnitten.
Unterkiefer (maxilla) hinten hornartig, vorn behaart,
so dass Lade und Zunge nicht zu erkennen waren. Fig. 4.
Unterlippe breit, trapezoidisch , am Vorderrande leicht
ausgeschweift. Fig. 4.
Kinnladentaster (von denen nur 3 Glieder sichtbar
waren , wie bei Catops). Das vorletzte Glied kolbenförmig,
behaart, das letzte kürzer, pfriemenförmig. Fig. 4.
Lippentaster (wovon nur 2 Glieder zu sehen waren)
walzenförmig, das letzte Glied abgestumpft. Fig. 4.
Kopf kurz, dreieckig, im Nacken quergekielt; seitlich hin-
ter den Fühlern eine tiefe, hochgerandete, hinten runde, nach
vorn spitz auslaufende Impression. In dieser Grube, am hin-
teren Stande derselben , war ein runder weisslicher Fleck
sichtbar von 4V" Durchmesser. Ob dieser runde, weissliche
Fleck bei seiner Lage für ein Auge, oder für ein Rudiment
desselben anzusprechen sei, war selbst bei Anwendung von
lOOfacher Vergrösserung nicht mit Gewissheit zu entscheiden,
da eine Structur daran nicht zu erkennen war. Fig. 2. u. 4.
Thorax gross, stark gewölbt, breiter als lang, kurzbor-
stig behaart.
Flügeldecken oval, nach hinten verschmälert, in den
vordem f zusammengewachsen, kurzborstig behaart.
Flügel fehlen.
Die Vorderschenkel an dicken und langen Hüften
Fig. 5. etwas nach oben gebogen.
Farbe graubraun, durch die Behaarung matt.
Ganze Länge i\4".
Dies Exemplar, das einzige, welches ich gefunden habe,
fand ich unter einem Steine in einem der tiefern Arme der
Höhle, ungefähr 5 engl. Meilen vom Eingange der Höhle
entfernt.
320 Dr. Th. Tollkampf: Beschreib, einiger neuer in der
Plialangodes armata. (Fig. 7 — 10.)
Araclmida. Opilionides.
Diese Spinne unterscheidet sich von den mir bekannten
riialangiern durch die armirten Fiihlerfiisse (palpi) und durch
den Mangel der Augen.
Brust und Hinterleib sind nicht getrennt, letzterer
deutlich geringelt.
Oberkiefer (mandibula) scheerenförmig, vorn behaart
(Fig. 5), Unterkiefer nicht stark hervorragend.
Fiihlerfiisse ögliedrig mit langen, zum Theil geglieder-
ten, dornförmigen Faden bewaffnet. Das letzte Glied in eine
scharfe Spitze auslaufend. (Fig. 9).
Augen fehlen.
Beine 4 mal so lang als der Körper; am vorderen Fuss-
paare ein einfaches Häkchen (Fig. 10), an den beiden letzten
Fusspaaren (die 2ten fehlten an unserm Exemplare) drei
Häkchen, durch eine Membran verbunden, welche bei der
Stellung (Fig. 11) einen hohlen Beutel bildet; die hinterste
Klaue ist aber beweglich, wie ich bei einigen Füssen sah, wo
dieselbe nach vorn, zwischen den beiden seitlichen Häkchen
eingeschlagen war, wodurch dann die dazwischen liegende
Membran eine Fläche bildete.
Bei dieser Anordnung kann die Membran, nach Analogie
der Saugwarzen wirken , wenn nämlich die drei Häkchen in
einer Ebene aufgelegt und dann das hintere erhoben wird;
liegt der Rand der Membran fest, so entsteht dadurch ein
luftleerer Raum.
Körper kurz eiförmig, unten ziemlich stark behaart.
Farbe weiss.
Länge des Körpers {'".
Länge der Beine 2'".
Die Länge der Beine differirt wenig, die vordersten sind
zwar etwas kürzer als die beiden hintersten Paare, aber die
Differenz ist doch nur 195 : 205. Obwohl die Kleinheit des
Thieres die Vermuthung erwecken könnte, dass die Augen
übersehen sind, so bin ich doch von deren Mangel überzeugt,
da die helle Farbe des Thieres eine sehr gute Beleuchtung
von oben gestattete, so dass eine Vergrösserung von 100 mal
Alamimith-Höhle in Kentucky aufgefundener Gliederthiere. 321
im Durchmesser mit grosser Deutlichkeit angewandt werden
konnte.
Antltrobia moiiiiioutltia. (Fig. 13—17.)
Arachnida. Araneae. Mygalides?
4 Spinnwarzen. Kieferhaken eingeschlagen.
Augen fehlen.
Brust und Leib hängen durch einen schmalen Stiel zu-
sammen.
Oberkiefer klauenförmig; Haken nach innen eingeschla-
gen, vorn behaart.
Unterkiefer ziemlich verlängert, unten behaart.
Fühlerfüsse (palpi) ögliedrig, beim Weibchen schlank,
beim Männchen das letzte Glied kolbenförmig verdickt, mit
seitlichem Dorn; bei beiden Geschlechtern, beim Männchen
aber stärker behaart.
Beine ziemlich gleich lang, das vordere Paar um ein ge-
ringes kürzer.
Bruststück nach vorn verengert, halbbretzelförmig, un-
ten behaart.
Leib oval, hinten wenig zugespitzt, vorn auf der Ober-
seite kurz-borstenförmig, aber sparsam behaart; hinten dichter
mit längern und dünneren Härchen besetzt.
Farbe weiss.
Ganze Länge des Körpers kaum \'" (tW")-
Triura cavemicola. (Fig. 18)
Crustacea. Malacostraca.
Character. 10 Fusspaare, von denen die vorderen 2 Paare
in Palpen verwandelt sind. Drei Schwanzspitzen.
Kopf und Bruststück getrennt. Kopf oben gepanzert,
unten frei. Augen vorn, nahe der Mitte, so dass sie sich
mit ihrem inneren Rande berühren, nicht gestielt.
Ein Paar Fühler unter dem Kopfschilde eingelenkt,
lang, aus einem ersten einfachen und darauf folgenden unzäh-
ligen Gliedern bestehend, sparsam behaart.
Kiefer füsse 2 Paar. Das erste Paar aus 6 Gliedern
bestehend, lang, das letzte Glied in ein Häkchen endend.
Alle Glieder etwas, die beiden letzten stark behaart.
hiv f. Naturgesch. X. Jahrg. 1. Bd. 21
322 Gurlt: Uebcr Häutung und Metamorphose
Brust aus 2 Schildern bestehend, wovon 3 Paar 4 glie-
driger Beine, deren letztes Glied in 2 scheerenartige Klauen
endet. Das letzte Glied von der Seite etwas abgeplattet,
stark behaart.
Baue hrin gel 10 nach hinten an Breite zu-, an Umfang
abnehmend mit 9 Paar Afterfiissen, welche nicht gegliedert,
nach vorn stark bewimpert sind; an jedem Ringe ein Paar,
nach hinten allmählig an Lange zunehmend. Der Leib endet
in 3 Schwanzspitzen, von denen die mittlere bei weitem
die längste ist. Alle drei bestehen aus unzähligen , ringför-
migen Gliederchen, wie die Fühler. Der Körper ist nach
vorn übergebogen, nicht seitlich zusammengedrückt, die Bauch-
seite flach, die Ringe an den Seiten einen scharfen etwas aus-
gefranzten Rand bildend. Der Leib läuft allmählig nach hin-
ten spindelförmig zu und geht ohne Unterbrechung in die
Schwanzspitze über.
Farbe weiss.
Ganze Länge !{'", davon der Körper 3^'", die mittlere
Schwanzspitze 3'", die Fühler (welche abgebrochen sind) 1'".
Ueber Häutung und Metamorphose von Slron-
gjlus armatus.
Von
Gurlt.
Hierzu Taf. IX. Fig. 1 — 4.
Es ist nichts Neues, was ich hier mitzutheilen beabsichtige,
sondern nur eine Bestätigung dessen, was Mehlis schon 1831,
bei Gelegenheit der Anzeige von Creplin's novae observatio-
nes de Entozois, im 1. Hefte der Isis gesagt hat. Hier heisst
es S. 79: „Strongylus armatus der Pferde und Esel ist in
der Jugend sicherlich unbewehrt, und erhält das bewehrte
von Stronjrylus armatus. 323
Maul erst nach einer späteren Häutung, bei welcher die Männ-
chen schon 6 — 7 Linien, die Weibchen bereits 8 — 9 Linien
lang sind; freilich aber ist bis dahin sein Mund eng und von
einem ganz anderen Baue, die hornige Mundblase überall
noch nicht vorhanden, der männliche Schvvanzbeutel noch
nicht gebildet und die Ausbildung der Genitalien überhaupt
noch zurückstehend."
Ganz so finde ich es bei der kleinen Varietät von
Strongylus armatus, welche in der aneurysmatischen Gekrös-
Arterie des Pferdes so oft vorkommt. Die Würmer sind
6 — 7 Linien lang, wenn die Oberhaut abgestreift wird. Vor
der Häutung ist um die enge Mundöffnung eine sehr zierliche
Rosette (Fig. 3.), von der hornigen Mundblase und den Zähn-
chen noch keine Spur zu sehen. Aber eine kleine, häutige
Mundblase ist vorhanden, sie setzt sich in die Speiseröhre
fort und wird mit einem Theile der letzten bei der Häutung
abgeworfen, während die hornige Blase mit den Zähnchen
fertig gebildet und durch die dünne Haut hindurch sehr schön
zu sehen ist (Fig. 1).
Das Schwanzende des Weibchens verändert sich nach der
Häutung weniger, als das des Männchens; bei jenem ist das
Ende der abgestreiften Haut etwas mehr verschmächtigt, als
das später gebildete (Fig. 2). Bei den Männchen hingegen
ist die Metamorphose sehr auffallend, denn das Schwänzende
geht erst in eine Spitze aus und hat vor dieser eine deutliche
Auftreibung (Fig. 4), so dass es dem Schwanzende des Weib-
chens von Strongylus paradoxus Mehlis mehr ähnlich ist, als
dem Schwanzende, eines männlichen Strongylus, denn der
dreilappige Schwanzbeutel bildet sich erst später und ist deut-
lich zu unterscheiden , wenn die Oberhaut eben abgeworfen
werden soll.
Diese Thatsache dürfte bei Bestimmung neuer Arten oder
sogar Gattungen nicht zu übersehen sein, denn der ursprüng-
liche Mundbesatz (vor der Häutung) und der später entstan-
dene haben nicht die mindeste Aehnlichkeit, als dass man
daraus ein und denselben Strongylus erkennen sollte. Eben
so kann das Männchen leicht mit dem Weibchen verwechselt
werden, denn in dieser Zeit haben die letzten noch keine
Eier im Eierschlauche.
21*
324 Dr. Aug. Krohn: Ueber eine neue Pteropodenart
Erklärung der Abbildungen auf Taf. IX.
Fig. 1. Das Kopfende von Strongylus armatus var. minor;
20mal vergrössert.
a. Die Haut, welche abgestreift werden soll.
b. Die sehr enge Mundöffnung.
c. Die häutige Mundblase, von welcher
d. die Speiseröhre (welche aber jetzt sehr zusammengefallen ist)
sich fortsetzt.
e. \ Die hornige Mundblase mit den Hornzähnchen , welche nach
/./dieser Häutung bleibend sind.
Fig. 2. Das Schwanzende des Weibchens derselben Art, in der-
selben Vergrösserung.
a. Die Haut, welche abgestreift werden soll.
b. Das Schwanzende, wie es nach der Häutung erscheint.
c. Der After.
Fig. 3. Der abgeschnittene Mundtheil, wie er vor der Häutung
ist; von vorn gesehen, bei 80 maliger Vergrösserung.
a. Die enge Mundöffnung.
b. Der rosettenförmige Mundbesatz, welcher häutig zu sein scheint.
c. Abschnitt von der nach hinten fortgesetzten Haut.
Fig. 4. Das Schwanzende des Männchens desselben Strongylus;
20 mal vergrössert.
u. Die Haut, welche abgeworfen werden soll.
b. Der fast ausgebildete dreilappige Schwanzbeutel.
Ueber eine neue Pteropodenart (Tiedemannia
creniptera).
Von
Dr. Aug. Krohn.
Hierzu Taf. IX. Fig. A.
Im verflossenen Spätherbst erhielt ich zu Messina einen
Pteropoden, den ich mehrerer auffallender Abweichungen we-
gen, "mit keiner der bekannten Arten, soweit ihrer in der
neuesten Bearbeitung von Lamarck's Werk Erwähnung ge-
schieht, in Uebereinstininiung zu bringen wusste. Indess
blieb es mir nicht lange zweifelhaft, dass das Thier den Cym-
(Tiedemannia creniptera). 325
bulien nalie stehe, was sich auch bei der Zergliederung eines
zweiten mir später zugekommenen Individuums bestätigte.
Auf Ansuchen meines Freundes, Dr. Anastasius Cocco, theilte
ich eine Notiz darüber in einer Zeitschrift mit, die unter Mit-
wirkung dieses Gelehrten in Messina erscheint, und nannte
es vorläufig Cymbulia proboscidaea. Erst bei meiner Rück-
kunft in Neapel ergab es sich, dass das Thier zu der von
della Chiaie aufgestellten Gattung Tiedemannia gehöre, deren
erster Repräsentant (T. neapolitana) schon vor einigen Jahren
(1830) in dem dortigen Golf von ihm entdeckt, aber erst in
seinem neuen Werke (Animali invertebrati della Sicilia cite-
riore. Nap. 1841. Tom. 1. p. 96. Tab. 32. f. 4. 5. 6. 7.) aus-
führlicher beschrieben worden ist. Es ist die nämliche Spe-
cies , deren Structuriibereinstimmung mit Cymbulia Peronii
Hr. Vanbeneden (Exercises zooton), p. 21. PI. 2. in dem 12.
Bande der Nouveaux mein, de l'Acad. de Bruxelles) so ein-
leuchtend hervorgehoben hat, dass man jetzt nicht anstehen
kann, die beiden Genera unter einer eignen Familienbenen-
nung zu vereinigen.
Die Gattung Tiedemannia unterscheidet sich von Cymbulia
dadurch, dass beide Flossen, welche hier noch ziemlich deut-
lich nachzuweisen sind, dort in eine einzige ausgedehnte
Scheibe verschmolzen sind. Nur am Vorderrande der letztern
bemerkt man noch eine Andeutung der Trennung in Form
einer Einbuchtung, von welcher ein langer frei beweglicher
Fortsatz ausgeht, der wie ich unten zeigen werde, für einen
Rüssel zu halten ist. Dieser fast cylindrische Fortsatz ruht
mit breiterer Basis auf der untern, beim Schwimmen gewöhn-
lich nach oben gekehrten Fläche der Flosscngcheibe, es ist an
seiner freien Extremität mit zwei ansehnlichen scheibenförmi-
gen Lappen versehen, deren Umkreis von einer Furche seiner
ganzen Ausdehnung nach tief ausgehöhlt ist. Mitten auf die-
ser Extremität und zwischen den Lappen, die Vanbeneden als
lippenförmige Wülste bezeichnet, befindet sich der Mund, in
welchen die Furchen der Lappen unmittelbar übergehen. l)
') Cymbulia Peronii besitzt ähnliche in den Mund führende Fur-
chen. Da aber der Miujd mit den Flossen in demselben Niveau
liegt, so ist auch die Lage beider Furchen anders. Jede ist nämlich
326 Dr- Aug. Krohn: Ueber eine neue Pteropodenart
Zwei, als kurze Vorsprünge erscheinende von d. Chiaie über-
sehene Tentakeln stehen auf der Basis des Fortsatzes. Der
die Eingeweide masse einschliessende Kiemen- oder Mantelsack
hat eine ähnliche Lage und Beschaffenheit wie bei Cymbulia,
ruht auf dem Vordertheil der obern Fläche der Schwimm-
flosse und ragt mit seiner vordem Portion etwas über sie
nach aussen. Ich kann daher Herrn d. Chiaie nicht Recht
geben, wenn er diesen Theil für eine Art Schale (disco el-
moideo — massa subeymbiformis) ansieht, aber eben so we-
nig Herrn Vanbeneden, der diese der Tiedemannia ganz ab-
spricht. Eine zur Zeit noch unbekannte Schale überwölbt,
meiner Ueberzeugung nach, den Kiemensack sicher, der Um-
stand, dass sie sowohl bei T. neapolit. als auch bei der neuen
Species vermisst wurde, macht es wahrscheinlich, dass sie
mit dem Thiere nur schwach zusammenhängt und auf gering-
fügige Veranlassungen sich ablöst.
Was die Bedeutung des Fortsatzes betrifft , so ist hierbei
die anatomische Thatsache zu beachten, dass der Mund auf
seiner Extremität sich befindet, und in seinem Innern kein
anderes wichtiges Organ als die Speiseröhre enthalten ist.
Er ist demnach dem Rüssel vieler Gasteropoden (Ctenobran-
chien) analog, nur mit dem Unterschiede, dass er nicht wie
letzterer durch Invagination in den Leib des Thiers zurück-
gezogen werden kann. Für diese Deutung spricht ausser der
Lage der Tentakeln, auch die des Schlundnervenringes , der
hier wie dort an der Uebergangsstelle der Speiseröhre in den
Magen sich befindet.
Vergleicht man nun die neue Species mit der T. neapolit.
so ergeben sich folgende Unterschiede: Jene ist um Vieles
grösser als diese. Ihre Flosse stellt ein etwa 2^ Zoll breites
und zwei Zoll langes Blatt dar, dessen Umkreis jederseits
mit fünf vorspringenden Läppchen versehen ist. *) Letztere
in den vordem Rand der entsprechenden Flosse eingegraben, und
zwar in der Gegend, wo dieser Rand sich mit einer leichten Krüm-
mung gegen den Mund umbiegt. Diese Furchen sind wahrscheinlich
jene Theile, welche Vanbeneden (Abhandl. über Cymbul. 1. c. p. 7.
u. 14. pl. 1. f. 4.) Lippen nennt. Bei lebenden Thieren zeigen sie
deutlich Flimmerwimpern.
J) Diesen Läppchen scheint keine sonderlich wichtige Function
(Tiedemannia creniptera). 327
fehlen an der Flosse der T. neapolit. Beide Arten kommen
zwar darin überein, dass beide Flossenflächen mit farbigen
Flecken versehen sind, aber die Disposition und Farbe der-
selben ist bei jeder verschieden. Bei T. neapolit. sind die
Flecken rosenroth und erstrecken sich in Form strahlenför-
miger Streifen von der Basis des Rüssels gegen den Umkreis
der Flosse, während sie bei der neuen Art gelbbräunlich er-
scheinen und ohne so regelmässige Anordnung, vorzüglich
um den Flossenrand stärker angehäuft sind. Ausserdem geht
dieser Species der farbige (ebenfalls rosenrothe) Saum ab,
der bei T. neapolit. nicht nur die Ränder der beiden schei-
benförmigen Lappen des Rüssels, sondern auch den Umkreis
der Flosse seiner ganzen Ausdehnung nach, umgiebt.
Ich nenne die neue Spec. T. creniptera, um hiermit
die am meisten in die Augen fallende Eigentümlichkeit der-
selben, nämlich die durch die vorragenden Läppchen hervor-
gebrachte Zähnelung an den Seitenrändern ihrer Flosse, eini-
germaassen anzudeuten. Ihre speeifischen Merkmale lassen
sich in folgender Phrase zusammenfassen:
T. creniptera. maxima; alae utraque superficie ad marginem
maculis discretis creberrimis, colore flave-
scenti-fnsco aspersa; alae perimetro utroque
latere lobulis quinis prominentibus crenulato.
Das Thier bewegt sich, indem es die beiden Hälften sei-
ner Schwimmscheibe auf die Weise wie andere Pteropoden
ihre beiden Flossen, hebt und senkt. Hierbei ist der Rüssel
stark nach hinten geneigt, stellt sich aber zuweilen ganz auf-
recht, besonders wenn das Thier ruht, und scheint sich über-
haupt nach mehreren Richtungen krümmen zu können. Die
scheibenförmigen Lappen seiner Extremität sah ich öfter ein-
ander genähert und von einander entfernt werden.
Die nach dem Leben entworfene Zeichnung zeigt das
Thier in natürlicher Grösse, mit der untern Flossenfläche
nach oben gekehrt. Der Rüssel ist nach hinten geneigt. Der
zuzukormnen , da sie aus einander kreuzenden feinen Faserbündeln
bestehen, von denen mehrere Fortsetzungen der in der Flosse ver-
breiteten Fleischbündel sind Endzweine der Hossennerven dringen
deutlich in die Läppchen.
328 Dr- Friedrich Will:
den Vorderrand der Flosse etwas überragende, grösstenteils
aber durch dieselbe hindurchschimmernde Tlieil soll den Um-
fang des Kiemensackes andeuten. Das Uebrige bedarf keiner
Erläuterung.
Ueber das Leuchten einiger Seethiere.
Von
Dr. Friedrich Will,
Privatdoccnten in Erlangen.
Wiewohl über das räthselhafte Phänomen des Leuchtens
mancher Thiere schon ein ausserordentlich grosser Reichthum
von Beobachtungen vorliegt, so scheint doch die Sache noch
nicht spruchreif zu sein. Durch die genaueren Untersuchun-
gen aus der jüngsten Zeit werden wir mit so verschiedenen
Verhältnissen , unter denen das Leuchten stattfindet, bekannt
gemacht, dass es schwer ist, eine genügende physiologische
Erklärung davon zu geben. Es dürfte daher nicht ohne eini-
ges Interesse sein, wiederholt Beobachtungen mitzutheilen,
welche eine oder die andere Seite dieses Phänomens in ein
besseres Licht stellen. Auch bleibt es immer wünschenswerth,
die Untersuchungen auf möglichst viele Thiere auszudehnen
und da, wo es die Beschaffenheit des Objektes erlaubt, die
Erscheinungen des Leuchtens selbst, um so zu sagen, zu zer-
gliedern.
Ich hielt während meines Aufenthaltes in Triest wir-
bellose Seethiere jeder Art Tage, oft Wochen lang in Glä-
sern und beobachtete fast jeden Abend diejenigen, welche
leuchteten. Mit Ausnahme der punktförmigen Lichterschei-
nungen, welche jedes frisch geschöpfte Seewasser bei der
Bewegung zeigte, fand ich nur bei Eucharis multicornis, Beroe
rufescens, Pholas daetylus, Phallusia intestinalis und Chaeto-
pterus pergamentaceus Lichtentwicklung.
Gegen das Ende des Oktobers zeigte das Wasser im
Uebor das Leuchten einiger Seethiere. 329
ganzen Hafen, wenn man es in Bewegung; setzte, eine so
ausserordentliche Menge von leuchtenden Punkten, welche
nur auf Augenblicke erschienen, dass ich in der Hoffnung
Eier oder Junge von den Rippenquallen, welche kurz zuvor
gelaicht hatten, zu finden, wiederholt Wasser schöpfte und
davon Uhrgläser voll, worin sich gewöhnlich mehrere Leucht-
punkte gezeigt hatten, unter ziemlich starker Vergrösserung
nach und nach untersuchte. Ausser einigen kleinen Crusta-
ceen fand ich jedoch nichts, dem ich die Lichtentwickelung
zuschreiben konnte. Das Leuchten selbst unter dem Mikro-
skop zu beobachten, ist mir nicht gelungen. Es lässt sich
also wohl nicht mit aller Gewissheit behaupten, dass es von
den Crustaceen herrührt, doch wird es durch den Mangel
anderer Substanzen oder Thiere, von denen das Licht hätte
ausgehen können, und durch den Umstand, dass wenn das
Wasser matt geworden und die Crustaceen abgestorben waren,
sich durchaus keine Lichtpunkte mehr zeigten, im höchsten
Grade wahrscheinlich gemacht. So konnte ich auch umge-
kehrt mit Sicherheit schliessen, dass das Wasser untauglich
zur Aufbewahrung von Seethieren sei, wenn sich bei der Be-
wegung in ihm keine Lichtpunkte mehr entwickelten. In Be-
zug auf die Art dieses punktförmigen Leuchtens kann ich nur
die Beobachtungen früherer Forscher bestätigen. Es trat am
stärksten bei der ersten Berührung des Glases hervor und
zwar immer nur auf Augenblicke. Je öfter und schneller
man die Bewegung des Wassers nach einander wiederholte,
desto vereinzelter und schwächer wurden die leuchtenden
Punkte. Liess man das Glas einige Zeit ruhig stehen, so
erschienen sie bei der ersten Berührung wieder in der ur-
sprünglichen Menge und Stärke.
Ueber das Leuchten von Eucharis multicornis und Beroe
habe ich schon an einem anderen Orte l) meine Beobachtun-
gen veröffentlicht.
Pholas dactylus leuchtete von selbst, ohne dass das Thier
berührt oder das Wasser, in welchem es sich befand, ge-
schüttelt wurde, so stark, dass man nicht nur die Umrisse,
') Horae Tergestinae oder Beschrcibim«; uru\ Anatomie der im
Herbste 1S43 bei Triest beobachteten Akalephen. Leipzig 1841. S. 57.
330 Dr. Friedrich Will:
sondern alle einzelnen Tlieile des Thieres genau sehen konnte.
Nahm ich die Muschel aus dem Wasser, so floss aus den
Mantelrohren das eingeathmete Wasser mit unzähligen äusserst
kleinen Lichtpunkten vermischt heraus. Das ausfliessende
Wasser hatte, in einer gewissen Entfernung gesehen, wo man
die einzelnen Lichtpunkte nicht mehr unterscheiden konnte,
eine milchige Farbe, leuchtete aber ausser in den kleinen
Punkten nicht. Brachte ich dasselbe an die Finger, so leuch-
teten sie mehrere Minuten lang sehr lebhaft, in Seewasser
dauerte jedoch das Leuchten oft eine halbe Stunde und dar-
über, wobei sich die Lichtpunkte allmälig zu Boden setzten
und nach und nach erloschen. In einem Tropfen des abflies-
senden Wassers Hess die mikroskopische Untersuchung abge-
stossene Epithelialzellen, Cilien und hie und da Schlammpar-
tikelchen mit undeutlichen Krystallen, wahrscheinlich Kalkkry-
stallen , erkennen. Soviel sich unter dem Mikroskop bestim-
men Hess, schien das Licht an die abgestossenen thierischen
Theile gebunden zu sein. Der Schlamm mit den Krystallen
war auch im Verhältniss zu der grossen Anzahl der Licht-
punkte in zu geringer Menge vorhanden , als dass man den-
selben für den Träger des Lichtes hätte halten können. Das
Thier selbst leuchtete in seiner ganzen Substanz mit einem
grünlichen Lichte, besonders stark an den Stellen, wo sich
die Schliessmuskeln ansetzen. Mit den Contraktionen der
Muskeln vermehrte sich die Intensität des Lichtes .und hielt
Viertel- ja halbe Stunden lang fast in gleicher Stärke an.
Abgerissene Stücke der Mantelröhren leuchteten ebenfalls in
ihrer ganzen Substanz mit gleicher Stärke. Ich konnte nir-
gends ein Organ entdecken, von welchem eigentlich das Licht
ausgeht; dasselbe war vielmehr gleichmässig im ganzen Thier
verbreitet und nahm nur da an Stärke zu, wo sich die Mus-
keln zusammenzogen. — Auf die neben den Pholaden im
Glase befindlichen Aplysien, Doriden und Aeolidien schien
das mit Leuchtpunkten vermischte Wasser nachtheilig einzu-
wirken; sie wurden unruhig und manche starben während der
Nacht, wenn ich sie nicht in frisches Wasser setzte.
Bei Phallusia intestinalis ist das selbstständige willkür-
liche Leuchten so unbedeutend, dass man es nur bei beson-
derer Aufmerksamkeit bemerkt. Ich habe gewöhnlich zwei
Ueber das Leuchten einiger Seethiere. 331
Exemplare, ein älteres, undurchsichtigeres und ein jüngeres,
durchsichtigeres, nebeneinander in eine flache Glasschale ge-
legt und mir bei der Entfernung des Kerzenlichtes genau die
Lage derselben gemerkt. Liess ich zuerst den Thieren so
lang Ruhe, bis sie ihre Röhren geöffnet hatten, so erschien
jedes Mal, wenn man sie durch Berührung des Wassers oder
nur der Glasschale zur Zusammenziehung veranlasste, in dem
Winkel, wo die beiden Röhren zusammenstossen , genau an
der Stelle, an welcher das Ganglion liegt, ein länglich runder
schwach bläulich leuchtender Fleck. Das Licht desselben
erschien nach und nach und verschwand wieder ebenso, nach-
dem es oft nur einige Sekunden, oft aber auch ohngefähr eine
Minute lang angehalten halte. Am übrigen Körper konnte
ich, so lang er nicht unmittelbar mit dem Finger gereizt oder
gedrückt wurde, keine leuchtende Stelle bemerken. Strich
ich dagegen mit den Fingern in der Länge des Thieres hin
und wieder oder drückte ich nur eine Stelle mehrmals schnell
hintereinander, so leuchtete zuerst das Ganglion", aber nur
kurze Zeit, dann begann die Stelle, auf welche ich den Druck
ausübte, zu leuchten und leuchtete so lang, als ich den Reiz
fortsetzte. Auf diese Weise ' konnte ich das ganze Thier
leuchten machen, ohne ihm einen Schaden zuzufügen. Bei
den jüngeren, durchsichtigeren Thieren schien das Licht des
Ganglions etwas mehr hervorzutreten, dagegen war es am
übrigen Körper nicht so leicht hervorzurufen, ich habe mich
zuweilen statt der Finger eines Scalpelheftes oder eines glat-
ten Eisenstabes zum Drücken bedient, dabei wurde zwar auch
Licht hervorgerufen, aber nie in so grossem Umfange, weil
mittelst dieser Instrumente keine so grosse Stelle als mit dem
Finger zusammengedrückt werden konnte.
Einen sehr schönen Anblick gewährt das Leuchten von
Chaetopterus pergamentaceus. ') Bekanntlich haben die drei
') Ueber das Vorkommen dieses interessanten Borstenwurmes
im adriatischen Meere bemerke ich vorläufig nur Folgendes: Schon
vor mehreren Jahren fand mein Freund Heinrich Ko ch eine Röhre
mit Bruchstücken an einem Convolut von Area Noae. Während mei-
ner Anwesenheit in Triest fanden wir denselben zuerst auf dem
Fischmarkt, nicht eben selten an Austern und Pecten Jacobaeus
oder zwischen Ascidia microcosmus und Area Noac. Spater erhielt
332 Dr- Friedrich Will:
Abtheilungen des Leibes von Chaetopterus eine so verschie-
dene Form, dass man, ohne missverstanden zu werden, von
einem Vorder-, Mittel- und Hinterleib sprechen kann. Auf
der Rückenfläche des Vorderleibes liegt eine schwammige
Drüse, welche durch ihre weisse Farbe gegen die gelbliche
Körpersubstanz hinreichend absticht, um in ihrem ganzen
Umfang genau erkannt werden zu können ; sie erstreckt sich
nach vorn, wo sie sich etwas verschmälert, bis nahe an den
Mund, läuft an beiden Seiten bis an die Basis der Fussstum-
mel und bildet fast allein die vordere Hälfte der Scheide des
flügeiförmigen Borstenbündels am Ende des Vorderleibes.
Der obere Rand der linsenförmigen Segmente des Mittelleibes
ist ebenfalls mit einer solchen drüsigen Substanz versehen;
ebenso sind die Fussstummeln des Hinterleibes ganz mit der-
selben Masse eingehüllt. Oeffnet man eine Röhre, welche
längere Zeit aus dem Meere genommen und aus der das
Wasser schon abgeflossen ist, so findet man sie durch das
Herumkriechen des Wurmes inwendig ganz mit einem durch-
sichtigen Schleim überzogen. Der Wurm hat sich in das
eine Ende derselben auf einen kleinen Raum zurückgezogen
und ist ebenfalls völlig in Schleim eingehüllt. Dieser Schleim
leuchtet überaus stark und man erkennt den Wurm nur als
eine glänzende Masse, die sich durch intensiveres Licht und
durch die zufälligen Bewegungen von der übrigen leuchtenden
Schleimmasse unterscheidet. Um mit dem Wurme selbst Ex-
perimente anstellen und das Leuchten nach seiner ganzen
Entwickelung beobachten zu können, nahm ich das Thier
mehrere Stunden vorher aus der Röhre, spülte es mehrmals
mit reinem Wasser ab und vermied bis am Abend jede stär-
kere Erschütterung des Behältnisses. Das Thier setzte ohne
Unterbrechung die eigenthümlichen Bewegungen der Segmente
des Mittelleibes fort, welche offenbar dazu dienen, eine immer
neue Säule frischen Wassers durch die an beiden Enden
ich ihn in ausgezeichnet schönen Exemplaren , von denen eins eine
Röhre von 2 Fuss Länge und 1 Zoll Durchmesser hatte, durch
Fischer, welche an der istrisohen Küste, besonders in der Nähe von
Rovigna fischten, lieber die Struktur dieses Anneliden, besonders
über die Augen, die Geschlechtstheile und das Gefässsystem werde
ich bei einer anderen Gelegenheit berichten.
Ueher das Leuchten einiger Seethiere. 333
offene Röhre durchzuschieben. Auch bewegte es sich durch
starke Krümmungen des Leibes, wiewohl langsam und mit
Anstrengung, da es sich trotz der vielen Ilakenborsten an
dem Boden der flachen Glasschale, in welcher es sich befand,
nicht festhalten konnte, von einer Stelle zur anderen. Un-
geachtet dieser mitunter heftigen Bewegungen leuchtete doch
keine Stelle des Leibes. Berührte man jedoch irgend eine
Stelle, so fing dieselbe sogleich an zu leuchten. Liess man
es dann bei der Berührung dieser einen Stelle bewenden, so
beschränkte sich die Absonderung des leuchtenden Schleimes
gewöhnlich nur auf dieselbe, besonders wenn man unterliess,
eine andere zu berühren, bis die erste aufgehört hatte, Schleim
abzusondern. Berührung des Thieres in seiner ganzen Länge
oder fortgesetzter Reiz einer und derselben Stelle machte
natürlich alle mit der oben beschriebenen Drüsenmasse ver-
sehenen Körperstellen leuchten. Das Licht ist intensiv grün,-
entsteht auf den angebrachten Reiz allmälig und verschwindet
ebenso nach und nach. Durch öftere Berührung wird es
eher lebhafter, denn schwächer. Es ist selbst bei ziemlich
starkem Kerzenlicht sichtbar; erscheint aber dann blau. Die
Drüsen, welche aus flaschen- oder birnförmigen , mitunter
polyedrischen Bälgen bestehen, sondern dabei einen Schleim
ab, der eine ausserordentlich grosse Menge von leuchtenden
Pünktchen enthält. Letztere bestehen aus einer feinkörnigen,
krümlichen Masse, welche man bei der Untersuchung der
Drüsen allenthalben in den Bälgen findet. Das Leuchten der-
selben dauert Stunden lang an und erlischt nur allmälig.
Man würde mir mit Recht Voreiligkeit vorwerfen können,
wollte ich auf diese wenigen Beobachtungen hin eine Theorie
über das Leuchten überhaupt aufstellen, aber es möge mir
doch erlaubt sein, zu prüfen, ob die voranstehenden Beob-
achtungen sich mit Hülfe der bereits aufgestellten Theorien
erklären lassen. — Die Ansicht, nach welcher das Leuchten
eine organische Bewegung im Nervensystem sei, hat sich in
der jüngsten Zeit immer entschiedener geltend gemacht. Ver-
steht man aber darunter nur, dass das Nervensystem das Er-
regende, dass es den Anstoss zur Lichtentwicklung giebt, so
wird damit nicht mehr entschieden , als dass das Leuchten
eine Lebenserscheinung, nicht ein bloss chemischer oder phy-
334 Dr- Friedr. Will:
sikaliseher Vorgang sei, und die Frage, auf welche Weise
dasselbe zu Stande komme und wodurch es bedingt sei, wird
nur weiter hinausgeschoben. Bestimmter umgrenzt und näher
bezeichnend ist die von Coldstream1) ausgesprochene An-
sicht, nach welcher ,,das Licht Folge der Entwicklung eines
imponderablen Agens durch das Nervensystem selbst ist."
Es ist nicht zu leugnen, dass man durch die Beobach-
tung des punktförmigen Leuchtens, welches wahrscheinlich
von kleinen Crustaceen herrührt, dann durch das Erscheinen
der Lichtpunkte am After von Eucharis und Beroe, haupt-
sächlich aber durch das mittelst Druck an jeder Stelle des
Leibes hervorzurufende Leuchten der Ascidien, ferner durch
die in ihrer ganzen Substanz leuchtenden Pholaden und end-
lich durch das Leuchten der Muskeln mancher Anneliden,
was Quatrefages beobachtete, vor Allem auf die obige An-
sicht geführt werden wird. Bei keinem der oben genannten
Thiere ist ein eigentliches Leuchtorgan nachgewiesen, und ge-
setzt auch, es könnten an den Rippen von Eucharis solche
Organe noch aufgefunden werden, sa lässt doch die Art des
Leuchtens bei Ascidia und Pholas dazu gar keine Hoffnung,
weist vielmehr klar darauf hin , dass Lichtenhvieklung auch
ohne ein besonderes dazu bestimmtes Organ an jedem Theil
des Körpers stattfinden könne. Auf der anderen Seite deuten
aber die Stellen, an welchen bei den Rippenquallen und den
Ascidien das Licht zuerst erscheint, klar auf das Nervensy-
stem hin.
So leicht sich auf diese Weise die Lichtentwicklung ohne
ein besonderes Organ erklären lässt, so schwer scheint diese
Art der Erklärung da in Anwendung kommen zu können, wo
bestimmte Organe vorhanden sind, welche das Licht entwik-
keln; und noch schwerer scheint sich damit das Leuchten der
abgesonderten Materien oder das Leuchten mancher Theile
noch einige Zeit nach dem Tode des Tliieres vereinigen zu
lassen. Coldstream wird, um diese Erscheinungen zu er-
klären, seiner oben bezeichneten Ansicht bis zu einem ge-
wissen Grade untreu, indem er für wahrscheinlich hält, „that
') Cyclopaedia of anatomy and physiology. Art. Animal lumi-
nousness.
Über das Leuchten einiger Seethiere.- 335
a pliosplioric substance really does enter into the composition
of the light-giving Organs," obgleich er noch hinzusetzt, diese
Substanz scheine nicht das Ilauptagens bei der Lichtentwick-
lung zu sein. Man darf, glaube ich , consequenter zu Werke
gehen, ohne den Thatsachen Gewalt anthun oder mehr Ein-
wendungen, als bei der eben gegebenen Erklärung fürchten
zu müssen. Sind wir einmal genöthigt, zuzugeben, dass das
Licht ein vom Nervensystem entwickeltes, imponderables Agens
ist, so liegt es am nächsten, in den Leuchtorganen eine Con-
densation desselben , wodurch ein stärkeres und anhaltenderes
Leuchten nothwendig gegeben ist, anzunehmen. Es kann uns
nicht irre machen, dass das Licht an die ganze Substanz des
Leuchtorgans oder an dessen Sekrete gebunden ist, denn wir
finden es z. 15. bei Pholas an die ganze Körpersubstanz, bei
Anneliden (nach Quatrefages) an die Muskeln gebunden. Es
erscheint vielmehr als ein Beweis für unsere Ansicht, dass
das Licht nur in den Sekreten oder Effluvien auftritt, welche
organische Theile, wie Cilien, Epitheliumzellen oder derglei-
chen enthalten. Hinge das Leuchten von der Secretion einer
phosphorischen Substanz ab, so dürften wir wohl mit grosser
Wahrscheinlichkeit annehmen, dass das Sekret gleichmässig
und nicht bloss in den einzelnen organischen Theilen , welche
in demselben enthalten sind , leuchten würde.
Eben so wenig kann uns irre machen, dass die Leucht-
organe oft noch nach dem Tode des Thieres leuchten. Über-
haupt ist in vielen Fällen schwer zu entscheiden, wann bei
manchen Thieren der Tod, d. h. das vollkommene Aufhören
aller organischen Thätigkeit, eingetreten ist. Wir wissen viel-
mehr aus Erfahrung, dass einzelne Organe oder Gewebe viel
länger, als andere, Reizempfänglichkeit, d. h. Spuren des ihnen
inhärir enden Lebens beibehalten. Warum sollte nicht die Sub-
stanz der Leuchtorgane zu dieser Klasse von Geweben gehö-
ren? — Die Flimmerbewegung dauert Stunden und Tage lang
fort, wenn das Thier decapitirt oder „getödtet" worden ist.
Freilich wird man mir einwenden, dass gerade diese Bewe-
gung in keinem direkten Zusammenhang mit dem Nervensy-
stem zu stehen scheint. Valentin, ') der mit gewohntem
■) R. Wagner's Handwörterbuch der Physiologie. Art. Flimmer-
bewegung.
33G Dr Friedr. Will:
Scharfsinn alle Verhältnisse dieses Phänomens beleuchtet hat,
sucht allerdings nachzuweisen, dass die Flimmerbewegung mit
dem Nervensystem in keinem direkten Zusammenhang stehe.
Den Beweis stützt er auf die lange Dauer der Flimmerbewe-
gung nach dem Tode des Thieres , muss aber doch gestehen,
dass sich eine absolute Unabhängigkeit nicht definitiv beweisen
lasse. Ich habe in meinen Horae Tergestinae (S. 12. ff.) nach-
zuweisen gesucht , dass die Schwingplättchen der Rippenqual-
len mit den Cilien des Flimmerepitheliiims in eine Kategorie
zu stellen seien. Sollte ich auch darin vielleicht zu weit ge-
gangen sein, so thut dies doch dem Zwecke, zu welchem ich
hier diesen Gegenstand zu benutzen gedenke, nicht den min-
desten Eintrag. Es ist auf der einen Seite ausgemachte That-
sache, dass die Schwingplättchen, vom Körper getrennt, un-
aufhörlich fortschwingen, bis sie in Faulniss gerathen und
zerfallen. Dies dauert unter verschiedenen Umständen 12 bis
36 Stunden. Sie gleichen hierin ganz den Cilien des Flimmer-
epitheliums und scheinen also ebenfalls unter gar keinem oder
einem nur sehr entfernten Einfluss des Nervensystems zu ste-
hen. Auf der anderen Seite lehren uns die Beobachtungen
früherer Forscher, was ich aus eigener Erfahrung nur bestä-
tigen kann, dass die Bewegung der Schwingplättchen ganz
von der Willkür des Thieres abhängt. Sie kann beschleunigt
oder verlangsamt, plötzlich unterbrochen und eben so schnell
wieder fortgesetzt, sie kann nur auf einzelne Rippen be-
schränkt oder auf alle ausgedehnt werden. Der Einfluss, den
das Nervensystem auf sie ausübt, muss daher gewiss ein eben
so unmittelbarer und bedeutender sein, wie der, welcher z. B.
auf die Muskeln ausgeübt wird. Vielmehr legt uns diese Er-
scheinung die Annahme sehr nahe, dass gerade diese Organe
intensiver vom Nervensystem influenzirt werden oder dass sie
die ihnen zukommende Ladung mit Nervenfluidum trotz des
Verbrauches durch die unausgesetzte rasche Bewegung länger
in sich erhalten als andere. Zugleich leuchten die Rippen von
Eucharis multicornis, so lange die Plättchen schwingen, unter
den in den Horae Tergestinae näher besprochenen Verhält-
nissen. Das Leuchten nach dem Zerfallen derselben hängt
aber gewiss von ganz anderen Ursachen ab, denn es tritt
z. B. an den Rippen von Beroe' erst nach dem Zerfallen ein,
Über das Leuchten einiger Seethiere. 337
und muss daher genau von dem durch den Einfluss des Ner-
vensystems bedingten geschieden werden. Eben so wenig ge-
hört die Beobachtung hieher, dass völlig getrocknete Leucht-
organe, welche bereits aufgehört haben zu leuchten, durch
Befeuchtung mit Wasser wieder zur Lichtentwicklung gebracht
werden können.
Sowie also den Rippen von Eucharis noch lange nach
der Trennung vom Körper Nervenfluidum inhärirt, was wir
neben der Lichtentwicklung an der Bewegung der Schwing-
plättchen erkennen, ebenso lässt sich dies mit aller Wahr-
scheinlichkeit auch bei anderen Leuchtorganen und den leuch-
tenden Sekreten derselben annehmen. An ihnen ist freilich
gewöhnlich das noch inwohnende Leben nur aus dem Leuch-
ten zu erkennen, weil andere Erscheinungen desselben, wie
Bewegungen, Contraktionen u. dergl., nicht stattfinden. So
lange nun die Entwicklung einer eigenartigen, lichtgebenden
Substanz in den Leuchtorganen nicht chemisch nachgewiesen
werden kann, ist es, wenn nicht wahrscheinlicher, doch we-
nigstens ebenso wahrscheinlich, dass das Licht vom Ner-
vensystem entwickelt wird, bei gewissen Thieren aber nur an
bestimmten Orten, in den Leuchtorganen nämlich, zur Er-
scheinung kommt.
Erlangen im Mai 1844.
Über Staurosoma, einen in den Aktinien lebenden
Schmarotzer.
Von
Dr. Friedrich Will,
Privatdocenten in Erlangen.
Hierzu Taf. X. Fig. 1 — 9.
Bei der genaueren Untersuchung von Actinia viridis, welche
bekanntlich an den Mittelmeerkiisten sehr häufig zu Markt ge-
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. l.ßd. 22
338 Dr. Friedr. Will: Über Staurosoma,
bracht wird, fielen mir runde, härtliche Kugeln auf, welche
an den Scheidewänden sitzen, die sich zwischen dem Magen
und der Körperhaut befinden. Dieselben sind äusserlich ganz
glatt , weisslich oder schwach röthlich - gelb und treten , wenn
das Thier trocken im Korbe liegt, nicht selten zur Mundöff-
nung heraus, besonders wenn sich der ohnedies nach unten
offene Magen mehr oder weniger herausstülpt ; häufiger jedoch
ziehen sie sich an die Basis der Arme zurück und bilden
äusserlich auf der Scheibe nur schwache Erhöhungen, die ge-
wöhnlich dem Auge des Beobachters entgehen. Man kann sich
jedoch ohne Schaden für das Thier von dem Vorhandensein
dieser Kugeln überzeugen, wenn man einen Finger in den
Magen einführt und mittelst gelinden Druckes die ganze Ak-
tinie untersucht. Manche Exemplare enthalten nur ein einziges,
andere aber oft 6 — 8 solcher Kügelchen, deren jedes einen von
den sogleich zu beschreibenden Schmarotzern einschliesst.
Die Kugeln oder richtiger Säckchen sitzen sehr fest an
den Muskeln und sind eigentlich nur eine Wucherung der
Körpersubstanz. Ausserlich sind sie, wie die ganze Innen-
fläche der Aktinien mit Flimmerepithelium überzogen; unter
diesem liegen einzelne Muskeln. Die eigentliche Substanz des
Säckchens aber besteht aus einer zellig -körnigen Masse. Sie
sind durchschnittlich 3 — 4 Linien lang und 3 Linien breit. An
manchen Stellen sind sie zwar sehr dünn, so dass sie leicht
zerreissen, aber eine eigentliche constante Öffnung konnte ich
nicht finden.
Äussere Beschreibung. Das Thier ist 8 — 10 Linien
lang, von rosenrother oder schwach gelblich -rother Farbe
und erscheint wie gegliedert oder aus verschieden grossen
Bläschen zusammengesetzt. An dem dickeren Theil liegen
jederseits 2 Extremitäten, die aus je 3 Gliedern bestehen.
Diese Glieder sind aber, sowie die des Körpers, genau ge-
nommen nur durch Einschnürungen der äusseren Haut her-
vorgebracht. Der Körper zerfällt nach seiner ganzen Länge
in 8 solche Glieder oder Abtheilungen. Am 2ten und 3ten
sitzen neben die Arme; am 6ten auf der Bauchseite ein ge-
stieltes Bläschen. Obwohl die einzelnen Glieder sich einan-
der sehr wenig gleichen, _ so sind sie doch mit Ausnahme des
ersten und letzten ziemlich genau nach einem Typus gebildet.
einen in den Aktinien lebenden Schmarotzer. 339
Sie tragen sämmtlich auf der Rückenseite eine und auf der
Bauchseite zwei warzenförmige Hervorragungen. Das erste
Glied, der Kopf, hat nach vorn zwei länglich runde, nach
oben zwei kugelrunde und nach unten eine längliche Warze.
Vor der letzteren liegt der Mund (Fig. 2. a). Am lezten
Gliede ist die Rückenwarze kurz, abgestuzt; die beiden Bauch-
warzen sind sehr klein und verlieren sich in einen dünnen,
etwas gekrümmten, mit stumpfer Spitze endenden Fortsatz.
Das Thier liegt immer so zusammengekrümmt in dem Säck-
chen, dass das gestielte Bläschen in der Nähe des Mundes
liegt und die stumpfe Spitze des letzten Gliedes etwas über
dem Kopf hinausragt.
V er dauungs organe. Der Mund befindet sich, wie
schon bemerkt, vor der kleinen Warze, welche an der un-
teren Seite des ersten Gliedes liegt. Er ist rund und von
einer kleinen Falte umgeben, die sich als Lippe betrachten
lässt. In der Lippe liegt ein nieren- oder bohnenförmiges
Hornplättchen, welches beiläufig \'" lang und {•'" breit ist.
Es besteht aus prismatischen Hornsäulchen, welche -si-w'" lang
un(j ^1^"' dick sind. Die Endflächen der einen der nach der
Mundhöhle gekehrten Seite haben eine kleine Erhöhung oder
Warze. Dieses Hornplättchen vertritt wohl die Stelle eines
Kiefers. Nach vorn hat die Mundhöhle zwei Ausstülpungen,
welche den zwei am ersten Gliede, nach oben gelegenen
Warzen entsprechen. Der weite Verdauungskanal nimmt fast
die ganze Leibeshöhle ein; er erstreckt sich auch in die er-
sten Glieder der vier Extremitäten. Gegen das Ende des
Körpers wird er etwas enger, hat eine der stumpfen Spitze
des letzten Gliedes entsprechende Ausstülpung und geht mit
telst eines dünnen Mastdarmes durch das gestielte Bläschen,
welches an der Bauchseite des 6ten Gliedes sitzt. Der After
befindet sich an dem freien Ende des Bläschens. Die Magen-
haut besteht aus vielfach verschlungenen, gewellten Fasern,
die zwar glatt und platt, aber mit vielen feinen dunklen
Punkten bedeckt sind. Die Fasern sind j^ — 40V" dick.
Ihre Lagerung genau zu ermitteln ist äusserst schwierig, da
am Magen sehr viele undurchsichtige weissliche Zellen von
-gV" Dchm. sitzen. Die Zellen scheinen einfache Drüsenbälge
zu sein. Man kann an ihnen deutlich eine äussere feine Haut
22*
oaq Dr. Friedr. Will: Ucber Staurosoma,
und einen körnigen Inhalt unterscheiden. Die Molekülen des
Inhalts sind rund, haben einen Durchmesser von j^ Linie
und einen sehr starken Randschatten. Diese Zellen können
leicht für Eier gehalten werden; sie unterscheiden sich von
den Eiern aber durch die grösseren Molekülen des Inhalts
und durch den Mangel des Keimbläschens.
Geschlechtsorgane. Zu beiden Seiten des Magens
liegen die bandförmigen, durch ihre weisse Farbe ausgezeich-
neten Eierstöcke. Sie münden auf der Spitze der seitlichen
Warzen am 6ten Glied. Hier sah ich jedes Mal die weissen
Eierschnüre anhängen, welche im ausgedehnten Zustande 2 — 1\
Mal so lang, als der ganze Körper sind. Gewöhnlich bilden
sie aber mehrere Windungen und Schlingen um den Körper
selbst oder um die Arme. Die Eier in den Eierschnüren mes-
sen i_ — J^ Linie. — Für Hoden halte ich zwei Schläuche
(Fig. 4. b. c.) , welche neben dem Mastdarm in dem gestielten
Bläschen liegen. Sie sind an ihrem geschlossenen Ende etwas
aufgetrieben und gewunden, darmähnlich; das übrige Stück
ist gerade und dünner. Ehe sie neben dem After nach aussen
münden, schwellen sie zu länglichen Bläschen (Samenbläschen)
an. Der ganze Hoden mit Ausnahme der Samenblase steckt
in einer weiten Hülle. Der Inhalt desselben bestand zu der
Zeit als ich meine Untersuchungen anstellte (Ende Novem-
ber) aus cylindrischen, -*-" langen und -^q'" dicken Kör-
perchen, welche an beiden Enden etwas dünner sind (Fig. 6).
Einen feinen haarförmigen Anhang glaubte ich einige Mal zu
sehen konnte aber darüber zu keiner entscheidenden Gewiss-
heit kommen. Dennoch halte ich diese Körperchen für Sper-
matozoon.
Wo das gestielte Bläschen am Körper festsitzt, liegen auf
jeder Seite zwei einfache, fiaschenförmige Drüsen. Sie sind
mit einer körnigen, weissen, wenig durchsichtigen Masse an-
gefüllt. Die einfachen, ziemlich weiten Ausführungsgänge
münden in der Nähe der Wärzchen, auf denen sich die Oeff-
nungen Tür den Austritt der Eierschnüre befinden. Zunächst
am Stiel des Bläschens liegt ferner ein braunes Hornplättchen
mit einem dünnen aufgebogenen Stiel (Fig. 7. a. ). Das
Plättchen besteht aus dünnen übereinander gelagerten Schich-
ten die von verschiedener Grösse sind. Ihre dunklen Gren-
einen iu den Aktinien lebenden Schmarotzer. 341
zen bilden concentrische Streifen auf der Oberfläche des
Plättchens. An dem Ende des aufgebogenen Stieles fand ich
gewöhnlich drei unregelmässige, weiche Lappen, welche eine
graulich-weisse Farbe haben. Wahrscheinlich sind es die ab-
gerissenen Enden von Muskeln.
Vom Gefässsystem konnte ich keine Spur finden. —
Vom Nervensystem fand ich über dem Schlund ein breites
bandartiges Ganglion , von welchem nach beiden Seiten meh-
rere Fäden abgingen. Einer dieser Fäden auf jeder Seite
schwillt an der Seite des Schlundes zu einem kleineren rund-
lichen Ganglion an. — lieber die Muskeln Hess sich nichts
Bestimmtes ausmitteln. Man sieht zwar dunklere Streifen,
welche in der ganzen Länge des Thieres verlaufen und an-
dere, welche in die Extremitäten gehen, aber es ist mir nicht
gelungen, einzelne Bündel zu isoliren oder auch nur ihre
Struktur zu erkennen. — Die Haut dieses Thieres ist glatt
und weich und besitzt weder Fasern, noch Zellen. An man-
chen Stellen sitzen in ihr kleine einfache Drüsen, welche mit
ihrem engen Ausführungsgang nach aussen münden und einen
durchsichtigen homogenen Inhalt haben.
Bei zwei Aktinien fand ich neben den oben beschriebe-
nen Kugeln oder Säckchen eine zweite Art von solchen Ge-
bilden, die sich von den ersten, denen sie in der Gestalt,
Grösse und Struktur gleichkommen, nur durch eine bräun-
liche Farbe und starke Runzeln auf der Oberfläche unter-
schieden. Ich fand in ihnen das oben beschriebene Thier
nicht, dagegen dicke braune Fäden, ähnlich den Eierschnüren.
Diese Fäden sind hohle Cylinder, welche eine ausserordent-
liche Menge mikroskopischer, brauner Krebschen (Fig. 9.)
enthielten. So lang sicli diese Krebschen in den Fäden be-
fanden, bewegten sie sich wenig, kamen sie aber ins Wasser,
so schwammen sie darin munter umher. Sie sind \'" lang
und TV" breit; haben ein einfaches, ungegliedertes, ovales
Schild , an dem die Stirne etwas vorsteht und sich neben
jederseits zwei kleine Uervorragungen befinden. In der Mitte
der Stirne scheint ein Auge zu liegen. Der Fusspaare sind
4 vorhanden; die Gliederung derselben ist kaum augedeutet.
Das Endglied trägt Borsten und zwar das des lsten und 4ten
Paares 2, das der beiden mittlem 3 und 4. An der hinteren
342 Dr- Friedr. Will: Ueber Staurosoma.
Spitze des Schildes sieht man eine kleine Hervorragung, ne-
ben welcher jederseits eine feine Borste steht. Das unter
der Schale befindliche Pigment ist dunkelbraun. Alan sieht
nur undeutlich , den in seinem Anfang etwas angeschwollenen
Darmkanal durch dunkle Linien begrenzt.
Ob diese zweite Art von Säckchen mit den braunen
Faden oder Schnüren auch dem oben beschriebenen Thiere
angehören, ob vielleicht die Krebschenschniire weiter entwik-
kelte Eierschniire sind, oder ob beide Arten von Säckchen
nur nebeneinander bestehen, sind Fragen, die auch nur annä-
herungsweise zu beantworten, mir die Unvollständigkeit mei-
ner Beobachtungen , welche durch den Mangel an passenden
Objekten und an Zeit bedingt war, nicht erlaubt. Ebenso
enthalte ich mich deshalb, die systematische Stellung des oben
beschriebenen Schmarotzers zu besprechen. Ich würde für
dasselbe den von der Gestalt des Thieres hergeleiteten Namen
Staurosoma (von 6 atavQog das Kreuz) vorschlagen. — Der
Zweck dieser kurzen und fragmentären Mittheilung erscheint
mir als erreicht, wenn sich dadurch einer oder der andere
Forscher veranlasst fühlt, diesem Gegenstande, der für die
Metamorphose des Schmarotzers interessante Resultate zu
geben verspricht, einige Aufmerksamkeit zu widmen.
Erklärung der Abbildungen. Taf. X.
Fig. 1. Das Thier in natürlicher Grösse, von der Rückenseite.
Das Säckchen ist geplatzt und das Thier hat sich mit dem vorderen
Theil des Körpers herausgewunden. «. Die Eierschnüre.
Fig. 2. Ein grösseres Exemplar von der Bauchseite, a. Die
Warze, hinter welcher der Mund liegt; b. das gestielte Bläschen;
cc. Stücke der Eierschnüre.
Fig. 3. Das Schwanzstück mit dem gestielten Bläschen von
der Seite, vergrössert. a. Die hintere Ausstülpung des Darmkanales.
Fig. 4. Das gestielte Bläschen, stark vergrössert. a. Mastdarm,
mit einer körnigen Masse gefüllt; bb. die Hoden mit den Samen-
bläschen cc.
Fig. 5. Ein Hoden, a. Der eigentliche Hoden; b. vas deferens;
c. die Hülle; d. das Samenbläschen.
Fig. 6. Spermatozoon.
Fig. 7. Das gestielte Hornplättchen « Dessen Stiel
Dr. Friedrich Will: Ueber Distoma Beroes. 343
Fig. 8. Die Ganglien am Schlund,; a. das obere; hb. die seit-
lichen.
Fig. 9. Ein Krebschen aus den braunen Fäden.
Erlangen im Mai 1844.
Ueber Distoma Beroes.
Von
Dr. Friedrich Will,
l'rivatdoccnten in Erlangen.
Hierzu Taf. X. Fig. 10-13.
Es lag anfänglich in meinem Plane, den Horae Tergesti-
nae einen Artikel über Entozoen und Epizoen der Rippen-
quallen einzuverleiben. Allein ich gab später diesen Gedan-
ken wieder auf, weil mir die Beobachtungen zu fragmentär
und dürftig erschienen und grösstentheils nur bereits Bekann-
tes umfassten. Nachträglich gebe ich hier die Beschreibung
und Abbildung von einem Distoma, welches ich in den Was-
sergefässen von Beroe rufescens fand. Dasselbe war in allen
Wassergefässen dieser Rippenqualle anzutreffen und zwar
ziemlich häufig. Mehr als die Hälfte aller Beroen, welche
ich untersuchte, beherbergten es; in einzelnen fand ich über
12 Stück.
Der Körper desselben ist mehr cylindrisch, als platt,
\ Linie lang und T'T Linie breit. Die Mund- und die Bauch-
scheibe sind ziemlich gleich gross. Letztere liegt im Anfang
des zweiten Drittels der ganzen Körperlänge. Der Rand der
Mundscheibe ist mit 8 Wärzchen besetzt. Der Leib besteht
aus beiläufig 150 Ringen, von denen 50 — 60 zwischen der
Bauch- und der Mundseheibe liegen. An der Schwanzspitze
lassen sich keine Ringe erkennen. Gewöhnlich ist der Leib,
ehe er in die Schwanzspitze ausläuft, etwas angeschwollen.
Letztere kann in ihrer ganzen Länge in den Leib zurückge-
zogen werden. (Fig. 12.) Die Farbe ist gelblich weiss.
344 Dr- Friedlich Will: Ueber Distoma Bero'es.
In Bezug auf die Anatomie dieses Thieres konnte ich
Weniges ermitteln. Die Höhle hinter der Mundscheibe ist
grösser, als die hinter der Bauchsclieibe; der Schlund eng;
der gabelig getheilte Darm ist gewöhnlich auf der einen Seite
etwas langer , als auf der anderen. Die darmartigen Ge-
schlechtstheile (?) zwischen der Bauchscheibe und der Schwanz-
spitze waren zu wenig entwickelt, als dass ich ihre Struktur
erkennen konnte, oder eine Deutung derselben wagen durfte.
Auf der Rückenseite des Thieres läuft vom Kopfende bis zum
Schwanz ein doppelter dünner Schlauch, der gewöhnlich ganz
dicht mit wenig durchsichtigen runden , ^^ — Toi/" grossen
Kügelchen angefüllt ist. Ueber der Mundscheibe beginnen
diese Schläuche in einer Spitze, laufen dann fast um die
ganze Breite des Körpers von einander entfernt bis in die
zweite Hälfte des Leibes. Hier legen sie sich wieder an ein-
ander und münden mittelst eines dünnen Ausführungsganges
an der Schwanzspitze nach aussen.
Neben diesen Distomen fand ich in einigen Beroen eben-
falls in den Wassergefässen gelbe Körperchen, welche die
Form einer dreiseitigen Pyramide oder besser eines kurzen
Räucherkerzchens mit abgestumpften Spitzen hatten. Sie waren
l — \'" gross und bestanden aus einer durchsichtigen, ziem-
lich derben Haut und einem körnigen Inhalt. In den Spitzen
fehlte letzterer, weshalb sie ganz durchsichtig waren. Ich
konnte weder thierische Bewegung, noch Organe an oder in
ihnen finden. Waren es vielleicht Eier eines Schmarotzers?
Erklärung der Abbildungen. Taf. X.
Fig. 10. Distoma Beroes von der Rückenseite.
Fig. 11. Dasselbe, von unten.
Fig. 12. Das Schwanzende mit der eingezogenen Schwanz-
spitze a.
Fig. 13. Das vordere Kö'rperstück in halbschematischer Dar-
stellung, a Mund-, b Bauchscheibe, c Darm, d Geschlechtstheile (?).
Erlangen im Juni 1844.
A. Grisebach: Nachtrag zu den Beobachtungen etc. 345
Nachtrag
zu den Beobachtungen über das Wachsthum der
Blätter.
Von
A. Grisebach.
Hierzu Taf. XI.
Da es mir gelungen ist, an den S. 153. d. J. erwähnten
Vertikalsclmitten den Vegetationspunkt der Gramineen-Scheide
genauer als früher darzustellen, so bin ich jetzt im Stande
die Lage desselben und die Bildung der neuen Zellen durch
eine nach meinem Präparat verfertigte Zeichnung zu erläutern
und dadurch das Ergebniss meiner Messungen schärfer zu
begründen. Nach meinem Dafürhalten lässt die graphische
Darstellung an Naturtreue nichts zu wünschen übrig und ent-
hält zugleich die sinnlich wahrnehmbaren Theile des Objects
vollständig, mit Ausnahme des formlosen Eiweiss- Gerinseis
welches in den meisten Zellen des Vegetationspunkts nach
der Befeuchtung mit Jodtinctur sichtbar wird.
Dieser Vertikalschnitt ist fünf Stunden nach Sonnenauf-
gang an einer in rascher Entwickelung stehenden Phalaris ca-
nariensis gemacht worden. Die Figur II giebt eine Vorstel-
lung von der Lage des Objects, welches dem durch den Aus-
schnitt b bezeichneten Theile der Blattscheide entspricht. Die
schräg laufenden Prosenchymzellen in Figur I gehören zu
dem in das obere Internodium übergehenden, äussern Gefäss-
bündel der Axe. Die obern, vertikal gestellten Prosenchym-
zellen in Figur 1 bilden die Basis eines Gefässbündels der
Blattscheide und gehen weiter nach oben zum Theil in Ge-
fässe über. Zwischen diesen beiden durch ihre Richtung un-
terschiedenen Gefässbündeln liegt der Vegetationspunkt, dessen
jüngste Theile sich in unmittelbarem, organischen Verbände
mit den untern Prosenchymzellen befinden.
Gewisse Entwickelungszustände lassen sich an den Zellen
346 A. Grisebach: Nachtrag zu den Beobachtungen
des Vegetationspunkts unmittelbar wahrnehmen: wie aber der
eine in den andern übergeht, lässt sich nicht erkennen. Es
sind daher verschiedene Hypothesen über die Zellenbildung
ohne Widerspruch in den Beobachtungen möglich.
Drei Stufen der Entwicklung sind in dem vorliegenden
Vegetationspunkte deutlich zu unterscheiden:
1) Im Safte von Mutterzellen eingeschlossene, frei schwim-
mende Zellenanfänge (Zß), welche sich von den Tochterzellen
(Zß) durch ihre Kleinheit und ihren punktförmigen Kern
(Cyt. a) unterscheiden. Sie finden sich nur in den untersten
Mutterzellen, dem Axengefässbündel zunächst.
2) In Mutterzellen schwimmende Tochterzellen (Zß),
häufig in derselben Zelle mit den erstem (Zö) eingeschlossen.
Sie sind an zwei concentrischen Conturen kenntlich. Wenn
man die äussere derselben für die Zellenmembran, die innere
für die Contur des Cytoblasten (Cyt. ß) erklärt, so würde
der letztere auf dieser Entwickelungsstufe keinen Nucleolus
enthalten.
3) Parenchymzellen (Zy), welche einen einzigen Cy-
toblast (Cyt. y) und zwar nicht im Zellensafte, sondern in
der Wandung enthalten. Diese Zellen, welche ich für die
selbstständig gewordenen Tochterzellen halte, sind auch daran
kenntlich, dass ihr Cytoblast körnig ist und einen Nucleolus
enthält. In manchen, wahrscheinlich altern Zellen fehlt der<
Cytoblast. Der Form nach sind alle diese Zellen den tiefer
gelegenen Mutterzellen gleich, die sich durch ihren Inhalt,
durch ihr Produktionsvermögen von ihnen unterscheiden und
in ihrer Wandung keinen Cytoblast zu besitzen scheinen. —
Zwischen der zweiten und dritten Stufe ist offenbar die Lücke
in der Entwickelungsgeschichte gross, sie umfasst nämlich die
Resorption der Mutterzellen, die Vergrösserung der Tochter-
zellen und die Veränderung des Cytoblasten.
Um diese drei Entwickelungszustände unter einander zu
verknüpfen, scheint mir die einfachste Annahme folgende. Die
untersten Zellen der Blattscheide besitzen das Vermögen, aus
ihrem Zellensafte neue Zellen zu erzeugen, wozu das benach-
barte Gefässbündel ihnen stets das Material herbeiführt.
Zuerst bilden sich in einer Zelle zwei bis fünf Körper (Z«),
welche Cytoblasten ähnlich sind, indessen durch Jod wenig
über das Wachsthum der Blätter. 347
verändert werden. Diese vergrössern sich im Zellensafte
nach und nach zu Tochterzellen , indem ihre ausser« Contur
zur Zellenmembran, ihr dem Nucleolus entsprechender Punkt
zum Cytoblast der Tochterzelle (Cyt. ß) auswächst. Bald
indessen wird dieses Wachsthum ungleichförmig und, wenn
die Tochterzellen nach der Resorption der Mutterzellen diesen
an Grösse gleich geworden sind, nehmen die Cytoblasten
(Cyt. y) nur einen kleinen Raum in der Wand ein und wer-
den vor ihrer eigenen Resorption körnig. Ein Theil der
Tochterzellen verliert seine Cytoblasten noch früher und wird
zu einer neuen Schicht von Mutterzellen. Hört diese Aus-
scheidung von neuen Mutterzellen auf, so wird die Blatt-
scheide sich wenig mehr verlängern.
Bei dieser Entwickelungsgeschichte wird es als wesent-
lich angesehen, dass stickstofflose und stickstoffhaltige Mole-
küle (Z « und Cyt. a) gleichzeitig im Safte der Mutterzellen
sich präeipitiren , und von Anfang an organisch verbunden
eine Zeitlang gleichartig anwachsen , bis das Wachsthum der
erstem überwiegt. Diese Hypothese scheint mir einfacher
und manchen Erscheinungen entsprechender, als diejenige
welche durch Schieiden in die Physiologie eingeführt ist. Al-
lein es ist klar, dass die dargestellte Reihe von Entwicke-
lungsstufen der Blattscheide -Zellen sich nach Schleiden's
Theorie ebenfalls erklären lässt, indem man Z a als den pri-
mären Cytoblasten deutet, an dem sich in Z ß erst die Zel-
lenmembran erhebt, während der Nucleolus verschwindet.
Welcher Ansicht man folgen will, scheint mir von geringer
Wichtigkeit zu sein, während ich mich freue, in den That-
sachen selbst Schleiden's Entdeckungen über Phytogenese
auch an einem vegetativen Organe auf eine so unzweideutige
Weise glänzend bestätigt zu sehen.
Göttingen, den 30. Juni 4844.
348 Dr. A Philipp i: Bemerkungen über die
Bemerkungen über die Molluskenfauna Unter-
Italiens.
Von
Dr. A. Philippi.
Fortsetzung ').
Vergleichen wir jetzt die Molluskenfauna der Sicilischen
Meere mit derjenigen Fauna, welche zur Zeit der Tertiär-
periode die Meere enthielten , aus denen ein grosser Theil
Siciliens und Calabriens emporgestiegen ist, so drängen sich
uns hauptsächlich folgende Fragen auf: 1) Waren die Meere
zur Zeit der Tertiärperiode überhaupt reicher oder ärmer an
Mollusken als gegenwärtig? 2) Wie viele jetzt lebende Arten
existirten damals bereits, und sind bei den Katastrophen ver-
schont geblieben, welche die Tertiärperiode von der der Ge-
genwart scheiden? wie viele Arten sind denselben unterlegen?
3) Zeigen die Arten, welche beiden Perioden gemeinschaftlich
sind, Verschiedenheiten in Beziehung auf relative Häufigkeit,
auf Grösse und andere Kennzeichen, die zwar an und für
sich erheblich, aber doch nicht bedeutend genug sind, um
eine speeifische Trennung zu rechtfertigen? 4) Wie verhalten
sich die einzelnen Lokalitäten, welche Versteinerungen dar-
bieten? Haben sie alle ein gleiches Alter? Lassen sich in
der Tertiärformation Unter-Italiens Unterabtheilungen machen?
5) In welchem Verhältniss steht die Tertiärformation Unter-
Italiens zu andern Tertiärformationen?
Diese letzte Frage kann ich aus Mangel der nöthigen
Hülfsmittel nicht genügend beantworten , in Beziehung auf die
übrigen haben meine Untersuchungen aber die nachfolgenden
Ergebnisse geliefert.
I. Zahl der Mollusken in der Gegenwart und in
der Tertiärperiode.
In den tertiären Bildungen Unter -Italiens kommen fast
') S. 52.
Molluskenfauna Unter-Italiens. 349
nur Meeresconchylien vor, und es ist einleuchtend, dass von
nackten Mollusken keine Ueberreste angetroffen werden. Zie-
hen wir diese so wie die Land- und Süsswasser- Mollusken
von der Gesammtzahl der beobachteten lebenden Mollusken
ab, so bleiben
188 Meeresbivalven
10 Brachiopoden
11 Pteropoden
313 Meeresgasteropoden mit Schale
15 Cirripeden
537 Mollusken, welche versteinert vorkommen könnten. Die
Anzahl der aufgefundenen fossilen Mollusken beträgt aber:
231 Meeresbivalven
13 Brachiopoden
5 Pteropoden
322 Meeresgasteropoden mit Schale
5 Cirripeden
576^
Das Meer war also zur Zeit der Tertiärperiode nur um
ein weniges reicher als gegenwärtig. Wir müssen zugeben,
dass wahrscheinlich die Zahl der Versteinerungen durch spä-
tere Untersuchungen bedeutenderen Zuwachs erhalten wird
als die der lebenden Arten, auf der andern Seite aber berück-
sichtigen, dass die Tertiärperiode sehr viel länger gedauert
hat, und während derselben Arten verschwunden und neue
hinzugekommen sind, so dass es hiernach höchst wahrschein-
lich erscheint, dass zur damaligen Zeit das Meer eben so
reich, nicht ärmer und nicht reicher, als jetzt gewesen ist ').
Die Vertheilung unter die Hauptordnungen war damals
etwas verschieden von der gegenwärtigen ; es betrugen nämlich
in der Tertiärperiode : in der Gegenwart :
die Meeresbivalven 0,40 0,35
die Brachiopoden 0,02£ 0,02
') Nehmen wir diesen Grundsatz an, und unterscheiden wir nur
Tertiärformation, Kreide, Jura, Altes Flötzgebirge, Uebergangsge-
birge, so beträgt die Zahl der fossilen Arten wenigstens fünfmal so
viel wie die der lebenden, und schlägt man diese gering zu 8000 an,
so beträgt sie etwa 40,000 Arten!
350
Dr. A. Philippi Bemerkungen über die
in der Tertiärperiode : in der Gegenwart :
die Pteropoden 0,01 0,02
die Meeresgast, mit Schale 0,56 0,58
die Cirripeden 0,01 0,03.
Es waren demnach friiherhin die Bivalven und Brachio-
poden überwiegender als gegenwärtig, gegenwärtig sind die
Gasteropoden und Cirripeden zahlreicher als ehedem. Hier-
nach kann man , glaube ich , schliessen , dass zur Zeit der
Tertiärperiode weniger Küsten vorhanden gewesen sind, und
der jetzt in Festland verwandelte Meeresgrund hauptsächlich
aus Untiefen bestanden habe.
II. Verhältniss der ausgestorbenen Arten zu den
lebenden.
Unter der Zahl der 537 Meeresconchylien, welche im
fossilen Zustande vorkommen könnten, habe ich folgende 169,
die nicht ganz den dritten Theil betragen, unter den Verstei-
nerungen nicht angetroffen :
Bivalvia.
Ciavagella balanorum Scac.
— angulata Ph.
Teredo navalis L.
— Bruguieri D. Ch.
— palmulata D. Ch.
Pholas Candida L.
Solen legumen L.
Panopaea Aldrovandi Men.
Scrobicularia piperata Gm.
— Cottardi Pay.
Erycina ovata Ph.
Bornia seminulum Ph.
Solenomya mediterranea Lam.
Corbula revoluta Broc.
Pandora flexuosa Sow.
Thracia ovalis Ph.
— fabula Ph.
Galeomma Turtoni Sow.
Venerupis decussata Ph.
Teilina Fabula Gm.
— Costae Ph.
— baltica L.
Lucina? bipartita Ph.
Scacchia elliptica Scac.
— ovata Ph.
Venus geographica G.
— laeta Poli.
— aurea Mat.
— Beudanti Pay.
— nitens Ph. et Sc.
Cardium scabrnm Ph.
— parvum Ph.
Area scabra Poli.
— imbricata Poli.
Pectunculus lineatus Ph.
Modiola costulata Riss.
Pinna truncata Ph.
— rudis L.
Molluskenfauna Unter-Italiens.
351
Pinna pectinata L.
— muricata Pol.
— marginata Lam.
— vitrea Gm.
Lima iuflata Lam.
Pecten sulcatus Lam.
— Testae Bivon.
— gibbus Lam.
Orthis lunifera Ph.
— neapolitana Sc.
Spondylus aculeatus Chemn.
Anomia aspera Ph.
— scabrella Ph.
— pectiniformis Poli.
— elegans Ph.
— margaritacea Ph.
— aculcata Mont.
Brach iopoda.
Orthis anomioides Ph. et Sc.
Thecidea mediterranea Riss.
Pteropoda.
Hyalaea gibbosa Rang. Cleodora striata Rang.
— vaginella Cantr. — acicula Rang.
Cleodora cuspidata Q. et G. — zonata D. Ch.
Gast
Chiton pulchellus Ph.
— Polii Ph.
— Rissoi Pay.
— laevis Penn.
— variegatus Ph.
— cajetanus Poli.
Patella Ronxii Pay.
— coerulea L.
— fragilis Ph.
Emarginula Huzardi Pay.
Fissurella rosea Lam.
Pileopsis militaris Pult.
Thyreus paradoxus Ph.
Crepidula gibbosa Dfr.
Bullaea planciana Ph.
Bulla vestita Ph.
— ovulata Broc.
— Ampulla L.
— diaphana Ar. et Mag.
Rissoa elata Ph.
eropoda.
Rissoa violacea Desm.
— similis Scac.
— Auriscalpium L.
— clathrata Ph.
— coronata Sc.
— radiata Ph.
— rudis Ph.
— gracilis Ph.
— cingulata Ph.
— tenera Ph.
— subsulcata Ph.
— fulva Mich.
— labiata v. Miihlf.
— soluta Ph.
Truncatella littorina Desh.
— ? fusca Ph.
— atomus Ph.
Chemnitzia scalaris Ph.
— oblicpuata Ph.
f Nerita versicolor Lam.
352
Dr. A. Philippi: Bemerkungen über die
Natica marochiensis Lam.
— helicina Broc?
Ianthina bicolor Mke.
— nitens Mke.
— patula Ph.
Sigaretus haliotideus L.
Vermetus semisurrectus Biv.
Scalaria pulchella Biv.
— crenata L.
Delphinula exilissima Ph.
Solarium discus Ph.
Trochus granulatus Born.
— dubius Ph.
— pumilio Ph.
— unidentatus Ph.
— villicus Ph.
— leucophaeus Ph.
— Racketti Pay.
— pygmaeus Ph.
f — carneolus Lam.
Turbo neritoides L.
— littoreus L.
— obtusatus L.
— muricatus L.
Scissurella plicata Ph.
— striatula Ph.
Cerithium laevigatum Ph.
Pleurotoma purpureum Mont.
— costulatum Riss.
Pleurotoma multilineolatum
Desh.
— pusillum Scac.
— plicatum Lam.
— taeniatum Desh.
— Bertrandi Pay.
— laevigatum Ph.
— secalinum Ph.
— Laviae Ph.
Pyrula squamulata Ph.
f — Santangeli Mar.
Murex tetrapterus Bronn.
Tritonium variegatum Lam.
— scrobiculator L.
— cutaceum L.
Chenopus sirresianus Mich.
Cassidaria depressa Ph.
Dolium galea L.
Buccinum Scacchianum Ph.
— candidissimum Ph.
— Tirei Mas.
— Lefebvrii Mas.
Terebra aciculata Lam.
Ovula carnea L.
f Cypraea annulus L.
f — moneta L.
— erosa L.
— helvola L.
Dentalium rubescens Desh.
Cirripedia.
Coronula bissexlobata Blain.
Anatifa laevis Brg.
— striata Brg.
Pollicipes Scalpellum L.
Baianus intermedius Ph.
— hemisphaericus Brg.
— galeatus L.
Acasta Spongites Poli.
Chthamalus glaber Poli.
Nach der Tertiärperiode sind also im Meer aufgetreten:
Von den 188 Meeresbivalven 35 oder 0,19
10 Brachiopoden 4 0,40
Molluskenfauna Unter-Italiens.
353
Von den 11 Pteropoden 6 oder 0,58
- 313 Meeresgast, mit Schalen 97 0,31
15 Cirripeden 9 0,60
Dagegen sind unter den 576 fossilen Arten Meerescon-
chylien folgende 193, oder fast genau £, welche im heutigen
Meere nicht mehr vorkommen:
Bivalvia.
Aspergillum maniculatum Ph.
Ciavagella bacillaris Desh.
— sp.
Pholas vibonensis Ph.
Solen tenuis Ph.
Solecurtus multistriatus Scac.
Panopaea Faujasii Men.
— Bivonae Ph.
Anatina oblonga Ph.
— pusilla Ph.
Scrobicularia tenuis Ph.
Erycina pusilla Ph.
— angulosa Bronn.
— longicallis Scac.
— similis Ph.
Corbula crispata Scac,
— costellata Desh.
Thracia ventricosa Ph.
— elongata Ph.
Tellina pusilla Ph.
— pleurosticta Ph.
ovata Sow.
— elliptica Broc.
— strigilata Ph.
Diplodonta Lupinus Broc.
Lucina transversa Bronn.
— albella Lam.
Scacchia inversa Ph.
Astarte laevigata v. Miinst.
Cytherea fragilis Ph.
Venus senilis Broc.
Archiv f. Nalurgosrh. X. Jahrg. 1. IM,
Venus vetula Bast.
— ? miliaris Ph.
Cardium multicostatum Broc.
Hippagus acutecostatus Ph.
Area mytiloides Broc.
— Breislaki Bast.
— aspera Ph.
— obliqua Ph.
— pectuneuloides Scac.
Pectunculus variabilis Sow.
— auritus Broc.
— minutus Ph.
— pygmaeus Ph.
Nucula placentina Lam.
— .excisa Ph.
— striata Lam.
— pusio Ph.
— glabra Ph.
— cuspidata Ph.
— dilatata Ph.
— pellucida Ph.
— deeipiens Ph.
Chama dissimilis Bronn.
Modiola grandis Ph.
— phaseolina Ph.
— sericea Bronn.
Mytilus antiquorum Sow. (?)
Arcinella laevis Ph.
Perna Soldanii Desh.
Pecten cristatus Bronn.
— Alessii Ph.
23
354
Dr. A. Philip pi: Bemerkungen über die
Pecten latissimus Broc.
— palmatus Lam.
— scabrellus Lam.
— rimulosus Ph.
— antiquatus Ph.
— fimbriatus Ph.
— pygmaeus v. Miinst.
— semicostatus v. Miinst.
Hinnites laeviusculus Ph.
Plicatula mytilina Ph.
Ostrea bellovacina Lam.
— praegrandis Ph.
— longirostris Lam.
— foliosa Broc.
Anomia striata Bror.
Brachiopoda.
Terebratula grandis Blum. Terebratula septata Ph.
— bipartita Broc. — euthyra Ph.
— biplicata Sow. Orthis eusticta Ph.
— sphenoidea Ph.
Gas
Emarginula decussata Ph.
Brocchia sinuosa Broc.
Bulla convoluta Broc.
— laevis Ar. et Mag.
Aplysia? deperdita Ph.
— ? grandis Ph.
Melania? soluta Ph.
Valvata? striata Ph.
Rissoa sculpta Ph.
— reticulata Ph.
— textilis Ph.
— areolata Ph.
— substriata Ph.
' — oanaliculata Ph.
Eulima Scillae Scac.
— affinis Ph.
— Bulimus Scac.
Chemnitzia pusilla Ph.
— Terebellum Ph.
Natica undata Ph.
— tigrina Dfr.
Scalaria trinacria Ph.
— plicosa Ph.
t e r o p o d a.
Scalaria crispa Lam.
Delphinula nitens Ph.
— elegantula Ph.
Bifrontia? zanclaea Ph.
Solarium reticulatum Ph.
— pseudoperspectivum Broc.
Trochus crispus Kön.
— millegranus Ph.
— parvulus Ph.
— bullatus Ph.
— patulus Broc.
— gemmulatus Ph.
— filosus Ph.
— glabratus Ph.
— crispulus Ph.
— euomphalus Ph.
— strigosus Gm.
— suturalis Ph.
— marginulatus Ph.
— Ottoi Ph.
— cinctus Ph.
Scissurella aspera Ph.
Turritella tornata Broc.
Molluskenfauna Untejvltalienß
355
Turritella vermicularis Broc.
— subangulata Broc.
Cerithium calabrum Fh.
— tricinetum Broc.
Scaea stenogyra Ph.
Pleurotoma cataphractum Bro.
— torquatum Ph.
— dimidiatum Broc.
— galeritum Ph.
— pygmaeum Ph.
— noduliferum Ph.
— sigmoideum Bronn.
— harpula Broc.
— columnae Scac.
— comiiia Sow.
— Imperati Scac.
— decussatum Ph.
— semiplicatum Bronn.
— Tarentini Ph.
— Payrandeaui Desli.
— Maggiori Ph.
— Turricula Broc.
— Renieri Scac.
— carinatum Biv. fil.
Cancellaria hirta Broc.
— coronata Scac.
Fusus longiroster Broc.
— clavatns Broc.
— scalaris Broc.
— rudis Ph.
— politus Ren.
Murex vaginatus De Cr. et J.
— mnltilamellosus Ph.
Chenopus pes graculi. Bronn.
— desciscens Ph.
Strombus coronatus Dfr.
Cassidaria striata Sow.
Purpura cyclopum Ph.
Bucciniura serratum Broc
— musivum Broc.
— .granulatum Ph.
— spinulosura Ph.
— acutecostatum Ph.
— pusillum Ph.
— exile Ph.
Columbella Greci Ph.
Mitra cupressina Broc.
Voluta rarispina Lam.
Ancillaria obsoleta Broc.
Conus Brocchii Bronn.
— demissus Ph.
Dentalium sexangulum Gm.
— multistriatum Desh.
— sulcatum Lam.
— substriatum Desh.
— tetragonum Broc.
— incertum Desh.
— coarctatum Lam.
— striatum Lam.
— triquetrum Broc.
— Ovulum Ph.
Chthamalus gigas.
Cirripedia.
Pollicipes carinatus.
Es sind also von den
231 Bivalven der Tertiärperiode ausgestorben 77 oder 0,29
13 Brachiopoden 7 - 0,54
5 Pteropoden 0 - —
23*
356 Dr. A. Philipp i: Bemerkungen über die
322 schalentragenden Gasteropoden 108 oder 0,31
5 Cirripeden 2 - —
576 194 oder 0,33
Unter den fossilen Arten kommen mehrere vor, welche
nicht im Mittelmeere Unter-Italiens, sondern in andern Meeren
leben, nämlich :
Mya truncata L. Grönland, im ganzen nördlichen Atlanti-
schen Ocean, in Toskana nach Brocchi.
Lntraria solenoides Lam. An den Küsten Frankreichs etc.
Tellina crassa L. In der Nordsee.
Lucina columbella Lam. Am Senegal.
— pensylvanica L. An den Amerikanischen Küsten.
Cyprina islandica L. In der Nordsee, Island, Canada.
Cardium hians Broe. In den heissen Meeren, bei Algier.
Lima bullata Turton. In der Nordsee.
Pecten medius Lam.? Im Rothen Meer.
Ostrea edulis L. In der Nordsee.
Patella vulgata L. In der Nordsee.
Niso Terebellum Chemn. Bei den Nikobarischen Inseln.
Vermetus intortus Lamk. Antillen.
Trochus strigosus Gm. An den Küsten von Marocko.
Fusus contrarius L. Im nördlichen Atlantischen Ocean.
Buccinum undatum L. Desgleichen.
Terebra fuscata Broc. Am Senegal.
Dentalium elephantinum L. Im Indischen Meer.
— multistriatum Desh. Im Indischen Meer?
— coarctatum Lamk. Im Englischen Kanal.
Von 382 Arten, welche der Tertiärperiode und der Ge-
genwart gemein sind, sind also nur 20 Arten nicht dem, Un-
ter-Italien bespülenden, Mittelmeer angehörig, d. h. nur etwa
2 Procent! Schon hieraus lässt sich mit grosser Sicherheit
der Schluss ziehen , dass zur Zeit dieser Periode das Klima
nicht sehr verschieden von dem gegenwärtigen gewesen sein
könne. Aber vielleicht wird dieser Schluss von den 194 aus-
gestorbenen Arten umgestossen, und haben dieselbe einer in
neuen Zeiten erfundenen Eisperiode, oder auch umgekehrt
einem heissen Klima angehört? Es genügt das oben gegebene
Verzeichniss flüchtig anzusehen, um sich zu überzeugen, dass
keines von beiden der Fall war. Allerdings sprechen Asper-
Molluskenfauna Unter-Italiens. 357
gillimi maniculatum, Ferna Soldanii, Plicatula mytilina, Strom-
bus coronatus, Terebra fusca und duplicata, Voluta rarispina,
Ancillaria obsoleta auf den ersten Augenschein für ein wär-
meres Klima, da diese Genera nicht in den Meeren der nörd-
lichen gemässigten Zone vorkommen , auch ist nicht zu ver-
schweigen, dass Cytherea multilamellosa ihre nächste ver-
wandte Art in C. cygnus hat, welche bei Canton, (und nicht
im Mittelmeer, wie Deshayes vermuthet), lebt. Allein die
Anzahl der lebenden und ausgestorbenen Arten, welche für
ein ehemaliges wärmeres Klima sprechen , ist im Verhältnis
zur Menge der übrigen Arten höchst unbedeutend , und es
stehen ihnen andere Arten entgegen , welche gegenwärtig auf
kältere Meere beschränkt sind, wie Mya truncata, Cyprina
islandica, Fusus contrarius, so dass wir es wohl als eine un-
umstössliche Thatsache annehmen können, dass zur Zeit
der Tertiärperiode in Unter-Italien das Klima we-
der viel wärmer noch viel kälter war, als gegen-
wärtig. Hiergegen ist schwerlich der Umstand als ernstliche
Einwendung zu betrachten, dass gleichzeitig oder später, (wir
werden weiter unten sehen, dass die paläontologischen Ver-
hältnisse wenigstens keine Scheidung der Tertiärperiode von
der Diluvialperiode und von der Alluvialperiode erlauben)
auch Elephanten , Nashörner und Nilpferde in Sicilien gelebt
haben, da diese Thiere, andere Arten als die jetzt in der
heissen Zone lebenden, sehr wohl in dem jetzigen Klima Si-
ciliens leben konnten.
Betrachten wir die relative Häufigkeit der Arten, wodurch
so zu sagen, die Physiognomie der Molluskenfauna ent-
steht, so finden wir zwar, dass nicht wenige Arten in der
Jetztwelt und der Tertiärperiode gleich häufig gewesen sind,
dass aber auch eine Menge früher sehr häufige Arten selten
geworden, ja ganz ausgestorben sind, letztere sind in der
Folge immer mit gesperrter Schrift bezeichnet, und um-
gekehrt jetzt eine Menge Arten sehr gemein sind, die früher
selten waren oder ganz fehlten.
In beiden Perioden waren gemein :
Cardium echinatum, Cardium papillosum.
— tuberculatum. Pectunculus violascens.
— edule. Nucula margaritacea.
358
Dr. A. PhiHppi: Bemerkungen über die
Trochus magus.
Turritella communis.
Cerithium vulgatum.
— Lima.
Buccimim mutabile.
Dentalium Dentalis.
— rugosus. — Entalis.
In der Tertiärperiode häufig, jetzt im Mittelmeer selten
oder ganz ausgestorben waren:
Pecten Jacobaeus.
-- opercularis.
— varius.
Natica millepunctata.
Trochus conulus.
— crenulatus.
Solen coarctatus.
Psammobia feroensis.
Diplodonta rotundata.
Lucina radula.
Venus radiata.
— vetula.
P e c t u n c u 1 u s m i n u t u s.
Natica sordida.
Trochus crispus.
Trochus millegranus.
Fusus rostratus.
Pleurotoma d i m i d i a t u m etc.
Murex vaginatus.
Buccinum semi Stria tum.
Marginella auriculata.
Dentalium Stria tum.
— elephantinum.
— strangulatum.
Gegenwärtig häufig, zur Tertiärperiode gar nicht vorhan-
den (diese Arten habe ich hinten mit einem f bezeichnet)
oder sehr selten, sind:
Pholas dactylus.
Solen legumen.
Mactra stultorum.
Pandora flexuosa. f
Psammobia florida.
Tellina planata.
— tenuis.
Lucina lactea.
Donax trunculus.
— semistriata.
— venusta.
— complanata.
Venus gallina.
— decussata.
— geographica, f
— laeta Poli. t
Cardita calyculata.
— trapezia.
Chama gryphoides-
Modiola barbata.
Mytilus minimus.
Lima inflata.
— squamosa.
Pecten hyalinus.
Spondylus gaederopus.
Patella scutellaris Blainv.
— caerulea L.
— tarentina O.
Gadinia Garnoti.
Fissurella rosea. f
— gibba.
Bulla striata.
Rissoa violacea. f
— auriscalpium. f
— fulva. f
Haliotis tuberculata.
Molluskenfauna Unter-Italiens. 359
Janthina bicolor. f Pleurotoma taeniatum f etc.
nitens. f Fasciolaria lignaria.
Trochus granulatus. f Tritonium nodiferum.
— fragarioides. — cutaceum. f
Familum. Buccinum variabile.
— canaliculatus. — Pusio.
— Richardi. — d'Orbignyi.
— Adansoni. Columbella rustica.
— umbilicaris. Cypraea lurida. f
Turbo neritoides L. f — rufa.
Pleurotoma purpureum. — pulex. f
Dabei bemerken wir, dass gerade die aller häufigsten
Arten, Venus geographica, laeta Poli, Turbo neritoides L. etc.
in der Tertiärperiode gar nicht existirten.
Im Allgemeinen kann man behaupten, dass die Verschie-
denheiten, welche zwischen lebenden und fossilen Exemplaren
derselben Art beobachtet werden, nicht grösser sind, als sie
zwischen Individuen derselben Art auch vorkommen, ja es
ist gar nicht selten, dass man in Verlegenheit kommt, zu
sagen, ob ein Exemplar fossil sei oder nicht. Dies gilt na-
mentlich von den Exemplaren, welche im Thon von Abbate
bei Palermo vorkommen, vom Meer ausgewaschen werden,
und sehr häufig den Einsiedlerkrebsen zur Wohnung dienen.
Diese Arten sind oft erstaunlich wohl erhalten, und so ver-
dient es Entschuldigung, wenn sie wirklich als lebend ange-
führt werden. Dies scheint z. B. denjenigen Conchyliotogen
begegnet zu sein, welche mit Linne, dem Dentalium elephan-
tinum Sicilien als Vaterland zuschreiben, so wie Herrn Kie-
ner, wenn er den Murex vaginatus als lebend aufführt, wobei
es nur im höchsten Grade zu tadeln ist, dass er sich erlaubt
hat die Namen zu ändern. — Auffallend ist es indess, dass
einzelne Arten in früheren Zeiten sehr viel grös-
ser geworden zu sein scheinen, als gegenwärtig.
Besonders merkwürdig sind in dieser Beziehung: Lucina Ra-
dula, fragilis, Cytherea rudis Poli, Venus radiata, Cardium
Deshayesii, papillosum, Mytilus edulis (man müsste denn die
fossilen Formen mit Sowerby u. a. für verschiedene Arten
halten) Pileopsis ungarica, Turritella communis und triplicata.
Diese Liste könnte ich noch sehr vermehren, (in der Enume-
360 Dr- A. Philippi: Bemerkungen über^die
ratio habe ich allemal die Masse der fossilen und lebenden
Formen besonders angegeben , wenn sie verschieden waren),
allein die Mehrzahl der Arten stimmt auch in der Grösse
vollkommen iiberein, und, was sehr merkwürdig ist, einzelne
Arten sind zur Zeit der Tertiärformation constant
kleiner gewesen als gegenwärtig, doch ist ihre Zahl weit
geringer. Besonders hervorzuheben sind in dieser Beziehung:
Bulla lignaria , und Terebratula vitrea, welche damals kaum
die Hälfte der Grösse erreichten, die sie gegenwärtig zeigen,
und nächst ihnen Corbula nucleus. — Man kann aus diesen
Thatsachen weiter nichts folgern , als dass damals die Ver-
hältnisse, Lokalitäten, Meeresgrund etc. für die Entwickelung
und das Wachsthum einzelner Arten günstiger, für die Ent-
wickelung sehr weniger Arten aber auch ungünstiger waren,
und dass, im Allgemeinen, diese Verhältnisse damals ähn-
lich waren, wie sie noch heutigen Tages sind.
IV. Welches ist das Verhältniss zwischen den lebenden
und ausgestorbenen Arten an den einzelnen Lokalitäten? Ha-
ben die letzteren alle ein gleiches Alter? Lassen sich Unter-
abtheilungen in der Tertiärformation Unter- Italiens machen,
und welche?
Im Allgemeinen sind es Thone, Mergel und Muschelsand,
welche die Versteinerungen besonders reichlich enthalten; es
hat für den Zweck gegenwärtiger Abhandlung aber keinen
Nutzen, wenn ich die petrographische Beschaffenheit der ein-
zelnen Lokalitäten beschreiben wollte, um so mehr, als die-
selben Versteinerungen im Thon und im Muschelsand, und
selbst im festen Kalkstein vorkommen, wie dies z. B. bei Pa-
lermo so deutlich zu sehen ist; ebenso wie auch heut an
sandigen Ufern dieselben Arten (im Ganzen) vorkommen, wie
an schlammigen u. s. w. Zudem sind die geognostischen Ver-
hältnisse, so weit sie Sicilien betreffen, von meinem verstor-
benen Freunde Fr. Hoffmann auf das Vollständigste geschil-
dert, (siehe dessen Geognostische Beobachtungen, gesammelt
auf einer Reise durch Italien und Sicilien. Berlin 1839). Die
Verhältnisse der Tertiärformation Kalabriens denke ich bald
selbst ausführlicher zu schildern , über die Verbreitung der-
Molluskenfauna Unter-Italiens.
361
selben gibt die Karte ein sehr anschauliches Bild, welche
Herr von Tschikalschoff mit vollständiger Genauigkeit nach
meinen Originalzeichnungen copirt hat. Siehe dessen Coup
d'oeil sur la Constitution geologique des provinces meridiona-
les du royaume de Naples.
Fangen wir mit Sicilien an, so können wir die Gegenden
von Buccheri, Caltagirone, Caltanissetta, Castrogiovanni, Gir-
genti, Piazza, Sortino, Melilli, Syracus zusammenfassen. Hier
haben wir folgende Versteinerungen gefunden ').
Solen Siliqua Buc.
— coarctatus Buc.
Solecurtus strigilatus Buc.
Panopaea Faujasii Sort.
Caltanis. Piaz.
Corbula nucleus Buc. Sort.
Girg. Syr. Caltanis.
Mactra solida Caltanis. Cast.
Giov.
— inflata Caltagir.
— triangula Girg. Caltagir.
Teilina donacina Syr.
— pulchella Caltagir.
Lucina spinosa Buc.
— Columbella Sort. *
— pensylvanica Buc. *
— transversaBuc. Caltagir.
Donax semistriata Castrogiov.
Astarte incrassata Girg.
Cyprina islandica Caltanis. *
Cytherea exoleta Girg. Sort.
— rudis Caltagir.
— Cyrilli Girg.
— lincta Girg. Buc. Caltanis.
— multilamella Caltanis.
Girg. Caltagir.
Venus senilis Buc. Caltanis.
— verrucosa Girg. Caltanis.
Piaz.
— gallina Girg. Caltanis.
— radiata Girg. Syr.
Cardium tuberculatum Buc.
Caltanis.
— rusticum Caltanis.
— ciliare Syr. Buc. Caltanis.
Caltagir. Sort.
— laevigatum Girg.
— echinatum Caltanis. Girg.
Piaz.
Isocardia cor. Buc. Syr.
Cardita sulcata Syrac. Buc.
Girg. Caltanis. Piaz.
— aculeata Syr.
Area diluvii Buc. Caltanis.
Melilli.
— Noae Sort.
— barbata Sort.
— mytiloides Caltanis.
Caltagir. Piaz.
— Breislaki Caltanis.
Pectunculus glyeymeris Buc.
Girg.
') Die ganz ausgestorbenen Arten sind mit gesperrter Schrift,
diejenigen, welche nicht in dem Unter-Italien bespülenden Theil des
Mittelmeers leben, hinten mit einem * bezeichnet.
362
Dr. A. Philippi: Bemerkungen über die
Pectunculus pilosus Buc. Girg.
Piaz.
— violascens Piaz. Caltanis.
Caltagir. Girg.
— auritus Girg.
Nucula placentina Girg.
— sulcata Girg.
— emarginata Buc. Syr.
— margaritacea Buc. Girg.
Caltauis.
Chama gryphoides Buc. Syr.
Avicula tarentina Buc.
Modiola iucurvata Caltauis.
Pinna sp. Caltauis. Piaz.
— - sp. Caltauis.
Pecten latissfmus Asaro.
— Alessii Castrogiov.
— Jacobaeus. Girg. Syrac.
Castrogiov. Sort.
— opercularis Caltanis. Girg.
Piaz. Syr.
— aspersus Piaz. Syr.
— varius Buc. Syr.
— pusio Buc. Syr.
— cristatus Buc. Castro-
giov. Syr.
Anomia Ephippium Caltanis.
— polymorpha Girg.
Ostrea plicatula Girg.
— cristata Caltanis.
— cochlear Syr.
— lamellosa Castrogiov. Mel.
— bellovacina Sort.
— longirostris Syr.
Terebratula grandis Syrac.
Caltagir.
— bipartita Syr.
Bulla striata Buc.
— laevis Caltagir.
Crepidula unguiformis Girg.
Calyptraea vulgaris Caltanis.
Niso Terebellum Buc. Calta-
niss. *
Natica millepunctataPiaz. Buc.
Caltanis. Caltagir. Girg.
— sordida Buc. Caltanis. Girg.
Piaz. Sort.
Scalaria planicosta Girg.
Trochus patulus Sort.
— JVlagus Sort.
— rugosus Buc. Syr. Piaz.
Monodonta corallina Sort.
Turritella connnuis Buc. Girg.
Syrac.
— triplicata Caltagir.
— tornata Girg.
— vermicularis Girg.
— subangulata Buc.
Cerithium pulchellum Sort.
Fleurotorna cataphractum
Buc.
— Turricula Buc. Sort.
Cancellaria hirta Caltanis.
Fusus syracusanus Sort.
— politus Buc.
— lignarius Buc. Sort.
Murex brandaris Buc. Calta-
nis. Girg. Piaz.
— trunculus Caltanis.
Tritoniuin corrugatum Buc.
Chenopus pes graculiBuc.
— pes pelecani Girg.
Strombus coronatus Buc.
Purpura cyclopum Sort.
Buccinum gibbosulumCaltanis.
— s e m i s t r i a t u m Buc. Cal-
tanis. Girg. Caltagir.
— Ascanias Buc. Piaz.
Molluskenfauna Unter-Italiens. 363
Buccinum prismaticum Buc. Conus Brocchit Bac.
— senatum Caltanis. Piaz. — demissus Sort.
— reticulatum Girg. Dentalium sexangulumBuc.
— mutabile Buc. Girg. — Dentalis Caltanis.
— scriptum Girg. — Entalis Syr.
Terebra duplicata Buc. — elephantinum Buc. Girg» *
Mitra cornea Sort. — striatum Syr.
Voluta rarispina Buc. BalanusTulipaGirg. Cast.giov.
Ringicula auriculata Buc. — perforatus Caltanis.
Ancillaria obsoleta Sort. — balanoides Syr. Girg.
An den genannten Lokalitäten, die ich kurz das Innere,
Sicilien nennen will, finden sich zusammen 124 Arten.
Von diesen 124 Arten kommen im M. Meer nicht mehr vor
40 Arten oder 0,32, ganz ausgestorben sind 35 oder 0,28.
Betrachten wir die Lokalitäten einzeln, so hat
darunter nicht im M. Meer ausgestorben
Buccheri 41 Arten
Caltagirone 14 Arten
Caltanissetta 36 Arten
Girgenti 40 Arten
Sortino 18 Arten
Syracus 21 Arten
Bei Palermo finden sich 279 Arten fossil, welche im Ein-
zelnen namhaft zu machen hier der Raum nicht gestattet, daher
ich auf das Verzeichniss Enumeratio vol. IL 258, 259. verweise.
Es findet danach unter den Palermitaner Versteinerungen
folgendes Verhältniss Statt :
fehlen im M. Meer ausgestorben sind
Von 135 Bivalven 39 d.i. 0,29 34 d.i. 0,25
4 Brachiopoden 2 — 2 —
5 Pteropoden 0 — 0 —
- 135 Gasteropoden 29 0,21 27 0,20
Von 279 Mollusken 70 0,25 63 0,23
Bei Messina sind, hauptsächlich von Herrn G. O. M. R.
Otto, 166 Arten gesammelt worden.
364 Dr- A. Philippi: Bemerkungen über die
(Siehe deren Verzeichniss Enunieratio vol. II. p. 259. 260.)
Das Resultat dieses Verzeichnisses ist wiederum:
fehlen im M. Meer ausgestorben sind
Von 56 Bivalven 9 d.i. 0,16 9 d.i. 0,16
6 Brachiopoden 2 — 2 —
- 100 Gasteropoden 16 0,16 15 0,15
4 Cirripeden 2 — 2 —
Von 166 Mollusken 29 0,17 28 0,17
Bei Militello kommen vor, sowohl im Basalttuff, als in
der Cava di Foschega, Cava de Monaci, zwischen Militello
und Palagonia, 132 Arten.
(Siehe das Verzeichniss Enunieratio vol. II. p. 260. 261.)
Wir ziehen hieraus folgendes Ergebniss:
fehlen im M. Meer ausgestorben sind
Von 61 Bivalven 8 d. i. 0,13 7 d. i. 0,11
2 Brachiopoden 2 — 2 —
69 Gasteropoden 10 M& 9 0,13
Von 132 Mollusken 20 0^15 ~18 0,14
Bei Sciacca habe ich 65 Mollusken gesammelt.
(Siehe das Verzeichniss Enunieratio vol. II. p. 261.)
Von diesen fehlen im Mittelmeer 7 d. i. 0,11; ausgestorben
sind 4 d. i. 0,06.
Zu Cefali , dicht bei Catania , kommen 109 Arten fos-
sil vor.
(Siehe das Verzeichniss Enunieratio vol. II. p. 262.)
Daraus folgt:
fehlen im M. Meer ausgestorben sind
Von 43 Bivalven 3 d.i. 0,09 2 d.i. 0,06
- 66 Gasteropoden 6 0,09 6 0,09
Von 109 Mollusken 9 0,09 8 0,08
Molluskenfauna Unter-Italiens. 365
Zu Nizzeti, nicht weit von Aei Castello, haben wir 76
Arten gesammelt.
(Siehe das Verzeichniss Enumeratio vol. 11. p. 262.)
Die daselbst vorkommenden Arten verhalten sich danach
so, dass
im M. Meer fehlen ausgestorben sind
Von 26 Bivalven 1 d. i. 0,04 0 d. i. 0
- 50 Gasteropoden 4 0,08 4 0,08
Von 76 Mollusken ~5 0^06 4 0,05
Bei Melazzo habe ich 98 Mollusken gesammelt.
(Siehe das Verzeichniss Enumeratio vol. II. p. 263.)
fehlen dem M. Meer ausgestorben sind
Von denselben 4 d. i. 0,04 3 d. i. 0,03
und zwar
- 32 Bivalven 1 — 0 —
- 64 Gasteropoden 2 — 2 —
Zwischen Stilo und Monasterace in Calabrien, jedoch
näher an Monasterace, habe ich in der Eile 22 Arten ge-
sammelt.
(Siehe das Verzeichniss Enumeratio vol. II. p. 264.)
Von diesen sind 17 ausgestorben oder 0,77.
In der Gegend Calabriens, welche zwischen Catanzaro
und dem alten Croton liegt, habe ich bei Cutro, S. Mauro,
Sta. Severina, Scandali, Cotrone selbst, 69 Arten ge-
sammelt.
(Siehe das Verzeichniss Enumeratio vol. II. p. 263. 264.)
Von diesen fehlen dem Mittelmeer 32 d. i. 0,46; ausgestor-
ben sind 30 oder 0,43.
Oberhalb Reggio, bei dem Ort ai Nasiti, und beim Dorf
Terreti, etwa 2 bis 3 Stunden vom Ufer, und theils 1500,
3G6 Or. A. Philippi: Bemerkungen über die
theils 1800 Fuss über dem Meer, habe ich 24 Arten ge-
funden :
(Siehe das Verzeichniss Enumeratio vol. IL p. 264.)
Von diesen fehlen dem Mittelmeer 11 d. i. 0,50; ausgestor-
ben sind 9 d. i. 0,40.
Im Thal des Lamato, unterhalb Tiriolo, hart an der
Chaussee, habe ich 107 Arten aufgefunden (mit Hinzufiigung
von 28 Arten, welche ich bei Herrn Scacchi ohne weitere Be-
zeichnung als: Golfo di S. Eufemia gesehen habe.
(Siehe das Verzeichniss Enumeratio vol. 11. p. 264. 265.)
Es folgt hieraus:
fehlen im M. Meer ausgestorben sind
Von 52 Bivalven 19 d. i. 0,37 19 d. i. 0,37
3 B räch iop öden 3 3 —
- 52 Gasteropoden 19 0,37 18 0,35
Von 107 Mollusken 41 0,38 40 0,38
Bei seiner Vaterstadt Gravina in Appulien hat Herr
Scacchi 173 Arten gesammelt: l)
(Siehe das Verzeichniss Enumeratio vol. II. p. 265.)
fehlen im M. Meer ausgestorben sind
Von 91 Bivalven 19 d.i. 0,20 16 d.i. 0,17
- 82 Gasteropoden 24 0,30 22 0,27
Von 173 Mollusken 43 0,25 38 0,22^
Bei Pezzo, ein paar Stunden nördlich von Reggio und
Messina gegenüber, habe ich 82 Mollusken aufgefunden:
(Siehe das Verzeichniss Enumeratio vol. II. p. 266.)
') S. Notizie intorno alle conchiglie ed a' zoofiti fossili etc. an-
nali cibili etc. 1835. Das obige Verzeichniss enthält noch ein paar
seitdem hinzugekommene Arten.
Molluskenfauna Unter-Italiens. 367
Von denselben fehlen im Mittelmeer 15, die ausgestorben
sind, oder 0,18.
Etwa anderthalb Stunden von Reggio an einem, alle Car-
rubbace genannten Ort habe ich 129 Arten gefunden:
(Siehe das Verzeichniss Enumeratio vol. II. p. 266.)
fehlen im M. Meer ausgestorben sind
Von 65 Bivalven 8 d. i. 0,125 7 d.i. 0,10-11
64 Gasteropoden 7 0,11 7 0,11
Von 129 Mollusken 1(5 0,12 14 Ö~Tl
Bei Monteleone, in den Sandgruben östlich von der Stadt,
etwa 900 Fuss über dem Meere fanden sich 59 Mollusken:
(Siehe das Verzeichniss Enumeratio vol. II. p. 267.)
Von denselben fehlen im Mittelmeer 6 d. i. 0,10; ausgestor-
ben sind 5 d. i. 0,085.
Bei Tarent haben wir, Herr Scacchi und ich, 162 Arten
gefunden.
(Siehe das Verzeichniss Enumeratio vol. II. p. 267. 268.)
fehlen im M. Meer ausgestorben sind
Von 62 Bivalven 1 d. i. 0,02 1 d. i. 0,02
96 Gasteropoden 7 0,07 7 0,07
Von 162 Mollusken 9 0,055 9 0,055
Auf der Insel Ischia haben wir, Herr Scacchi und ich,
156 Arten gefunden. ')
(Siehe das Verzeichniss Enumeratio vol. II. p. 268. 269.)
fehlt im M. Meer ausgestorben ist
Von 60 Bivalven 0 0
1 Brachiopode 1 1
') S. Philippi in Leonh. u. Bronn's N. Jahrb. f. Mineral. 1837.
p. 288, und Scacchi in Antologia di Scienze naturali. Napoli 1841.
p. 36 sq.
ogc Dr. A. Philippi: Bemerkungen über die
fehlt im ausgestor-
M. Meer beh ist
Von 93 Gasteropotlen 1 1
2 Pteropoden 0 0
Von 156 Mollusken 2 2 d. i. 0,013.
An dem Ufer von Pozzuoli, nicht weit vom Monte Nuovo,
in einer Höhe von 70 bis 80 Fuss über dem Meere, ist eine
Reihe von Arten vorgekommen, und von Herrn Scacchi Anto-
logia di Scienze naturali p. 46 verzeichnet worden, zu denen
ich, aus meinem dort gesammelten Vorrath, noch einige Arten
hinzufügen konnte.
(Siehe das Verzeichniss Enumeratio vol. II. p. 269.)
Von diesen 99 Arten ist keine einzige ausgestorben, und
nur eine, die noch dazu zweifelhaft ist, Pecten medius, ist
nicht im Mittelmeer gefunden , sondern kommt im Rothen
Meer vor. Dennoch war die Beschaffenheit des Meeres da-
mals ziemlich abweichend von der gegenwärtigen ; so war
Teilina serrata damals dort häufig, welche jetzt selten ist;
Lucina spinosa war weit häufiger und grösser; Lucina fragi-
lis, die jetzt selten und kaum 6 Linien gross ist, erreichte
damals die enorme Grösse von 14'", und war sehr häufig;
Ostrea lamellosa Broc, die bei Neapel nicht mehr gefischt
wird, lebte damals und wurde so gross, dass eine untere
Valve 5 Zoll 9 Linien lang, 4 Zoll breit, anderthalb Zoll
dick und 264 Unzen schwer wurde.
Endlich fanden sich in der Stadt Pozzuoli selbst, als die
Fundamente des Hospitals im Jahre 1832 gelegt wurden, in
einer Höhe von 25 Fuss über dem Meer und 22 Fuss unter
der Oberfläche des jetzigen Bodens 103 Arten ').
(Siehe deren Verzeichniss Enumeratio vol. 11. p. 270.)
Unter diesen 103 Arten findet sich keine ausgestorbene
Art, und keine die nicht auch im Mittelmeere lebte; dennoch
war die Beschaffenheit des damaligen Meeres nicht völlig
') S. Leonh. u. Bronn N. Jahrb. f. Mineral, etc. 1837. p. 286.
Molluskenfauna Unter-Italiens. 369
übereinstimmend mit der gegenwärtigen; Corbula nucleus,
Diplodonta rotundata (welche letztere ich nie bei Neapel be-
kommen), waren weit häufiger als jetzt; Venus laeta Poli
(non L.), Donax trunculus, Mytilus minimus und andere Ar-
ten scheinen seltener gewesen zu sein als heut zu Tage.
Stellen Mir jetzt alle die einzelnen Lokalitäten neben
einander, und ordnen wir dieselben nach dem Verhältniss der
ausgestorbenen Arten zu den Lebenden, so dass wir den
Anfang mit den Lokalitäten machen, welche die meisten aus-
gestorbenen Arten enthalten, und endigen mit denjenigen, wo
die wenigsten vorkommen ; so bringen wir sie offenbar in die
Ordnung ihres relativen Alters, denn wir müssen wohl die
ersten für die ältesten, die letzten für die jüngsten erklären.
370 Friedrich Müller: Ueber Hirudo tessulata
Melazzo
Die Insel Ischia
Die Küste beim Monte Nuovo
Pozzuoli
Wir selten also augenscheinlich , dass der Uebergang
aus. der Tertiärperiode in die Gegenwart ganz allmählig Statt
gefunden hat; ohne dass irgend eine grosse Revolution einen
Abschnitt machte, sondern nach und nach sind einzelne Arten
ausgestorben, andere hinzugekommen, bis sich die jetzige
Fauna gebildet hat.
Wir können keine Unterabtheilungen in den Tertiärgebil-
den Süd-Italiens machen, da wir ja nicht ein Mal die Tertiär-
periode von der Diluvialperiode, und von der Periode der
Gegenwart abgränzen können ; und namentlich können wir
auf die Bildungen Süd -Italiens die Abtheilungen in aeocaen,
pleocaen, meocaen , sofern sie blos auf dem Verhältniss der
ausgestorbenen Arten zu den lebenden sich gründet, nicht an-
wenden, die auch für andere Gegenden als unsicher und
willkührlich sich herausstellen dürfte.
Wir können endlich mit grosser Sicherheit schliessen,
dass die tertiären Bildungen Unter -Italiens nicht mit einem
Male aus dem Meeresgrunde emporgestiegen sind, sondern
dass dies die Folge von zahlreichen, wiederholten Hebungen
gewesen ist, welche sich bis in die historische Zeit fortgesetzt
haben.
Ueber Hirudo tessulata und marginata O, F. Müll.
Von
Friedrich Müller,
Stud. phil.
Hierzu Taf. X. Fig. 14.
Seit man Linne's Genus Hirudo in kleinere Gattungen
getheilt hat, finden sich O. F. Müller's Hirudo tessulata und
und marginata O. F. Müll. 371
marginata l) von den verschiedenen Schriftstellern den ver-
schiedensten dieser neugebildeten Gattungen zugerechnet.
Hirudo tessulata wurde von Blainville 2) zu Erpo-
bdella (Nephelis Sav.), von Audouin 3) zu Clepsine gezählt, und
von Moquin-Tandon 4) als Synonym zu seiner Piscicola
tessellata gezogen. Ja Blainville5) führte sie später gleich-
zeitig unter Ic/ilfn/obdella (Piscicola Lani.) und als Varietät
von Erpohdella (A'cp/telis) vulgaris auf.
Hirudo marginata stellten Blainville undAudouin
früher zu Clepsine 6), nachdem aber Gare na sie als Hir.
cephalota beschrieben und als wahrscheinlich zu Haemocharis
Sav. {Piscicola Lam.) gehörig bezeichnet, und nachdem Mo-
quin-Tandon 7) die Benennung in Piscicola marginata ge-
ändert, traten auch sie dieser letztern Ansicht bei. 8)
Schon eine genauere Vergleichung der von O. F. Mül-
ler und Braun 9) gegebenen Beschreibungen beweist, dass
beide Arten nur zu der Gattung Clepsine gehören können.
Kein anderer der bekannten Blutegel trägt seine Jungen un-
term Bauche mit sich, wie es Müller von H. tessulata,
Braun von H. marginata (variegataRrsLXxw) beobachtet hat;
bei keinem andern Blutegel ist ein gefiederter Darmkanal von
aussen sichtbar.
Dass H. tessulata von Blainville zu Nephelis gestellt
worden ist, beruht lediglich auf der Uebereinstimmung in der
Zahl der Augen; allein die acht Augen von H. tessulata
stehen in zwei Längsreihen, eine Stellung, die gerade der
Gattung Clepsine eigenthümlich ist; die Augen von Nephelis
') Histor. vermium Tom. I, pars II. p. 45 u. 46.
2) Dictionn. des Sc. nat. Tom. 47. p. 261.
3) Dict. classique d'hist. nat. Tom. 4. p. 208, Tom. 15. p. 109.
*) Monogr. de la Fam. des Hirud. p. 133.
5) Dict. des Sc. nat. Tom. 57. p. 558, 564.
6) Blainville, 1. c. Tom. 47. p. 266. Audouin, 1. c. Tora. 4. p. 208.
7) Mem. dell. Accad. di Torino, Vol. XXV. p. 298, 316; Vol.
XXVIII. p. 336.
8) Monogr. p. 132.
9) Blainville, 1. c. Tom. 57. p. 558. Audouin, 1. c. Tom. 15. p. 110.
,0) Braun, Systematische Beschreibung einiger Egelarten. Berlin,
1805. p. 56, 61.
24*
372 Friedrich Müller: Ucber Hinido tessulata
bilden dagegen, wie die von Sanguüuga, Haemopis , u. s. w.
einen Halbkreis. Zu Piscicola hat man beide Arten stellen
zu müssen geglaubt wegen der deutlichen Sonderung des
Kopfes; allein selbst der Kopf, der hier aus mehreren Ringen
zusammengesetzt ist, hat keine Aehnlichkeit mit dem aus
einem einzigen Stücke bestehenden Mundsaugnapf von Pisci-
cola geometra.
Uebrigens ist Moqui n - Tand on's Piscicola tessellata
weder, wie er meint, die Hir. tessulata O. F. Müll., noch
auch eine Piscicola, denn sie hat weder acht Augen, noch
einen aus einem Stück bestehenden, sondern aus zahlreichen
Ringen zusammengesetzten Kopf. Die Vergleichung der von
Sa int- Am ans ') gegebenen Beschreibung und Abbildung, die
Moqui n-Tandon nur excerpirt und copirt hat, hat es mir
sehr wahrscheinlich gemacht, dass es nichts anderes ist, als
H. marginata.
Soviel ergiebt sich aus dem, was über beide Arten bei
den verschiedenen Schriftstellern vorliegt; um jedoch ihre Stel-
lung unter der Gattung Clepsine noch fester zu begründen,
will ich noch einige ihrer für diese Gattung bezeichnendsten
Eigenthümlichkeiten hervorheben. Beide Arten kommen näm-
lich um Berlin vor, und ich habe so Gelegenheit gehabt, sie
sowohl lebend zu beobachten, als zu zergliedern. H. margi-
nata findet sich gar nicht selten zwischen den Blättern der
Wasserpflanzen (besonders Sparganium und Stratiotes) in allen
Seen, wie auch in den Gräben des Thiergartens; H. tessulata,
die seit O. F. Müller im erwachsenen Zustande nicht wie-
der beobachtet zu sein scheint, (Braun sah nur ziemlich
junge Individuen), fand ich nur selten in leeren Anodonten-
schaalen und an faulenden Aesten im Tegler See.
Der Körper beider Arten ist bei erwachsenen Individuen
verhältnissmässig kurz, breit und nach vorn stark verschmä-
lert; bei jüngeren Exemplaren von H. marginata, und nach
O. F. Müller auch von H. tessulata ist er schmaler, vorn
') Hirudo oscillatoria Saint-Amans, Mein, de la Soc. Linneenne
de Paris. Tom. 111, p. 193, Vol. VIII. (besonders Fig. 5, wo auch die
Augen, obgleich vom Verf. als solche nicht erkannt, deutlich ge-
zeichnet sind-
und marginata O. F. Müll. 373
und hinten ziemlich gleich breit. Er ist ungemein flach, wo-
durch die den Clepsinen eigenthiimliche Fähigkeit, sich in
eine Kugel einzurollen, bedingt wird. Die Zahl der Ringe
ist gegen 60.
Die Nervenknoten des Bauchstrangs, die sich in gleicher
Anzahl, wie bei Nephelii und Piscicola finden, schicken jeder-
seits einen einzigen Nervenfaden aus, der sich dann ohne be-
merkbare Anschwellung verästelt. J) Die einzelnen Ganglien
liegen um je drei Ringe von einander entfernt, während bei
Piscicola in jedem Ring, bei Nephelis , Sanguisuga, u. s. w.
in jedem fünften Ring ein Ganglion liegt. Daher bei gleicher
Anzahl von Ganglien bei Piscicola 20, bei Clepsine 60, bei
Nephelis 100 Leibesringe gezählt werden. Ebenso wiederholen
sich alle in der Mehrzahl vorhandenen Organe, wie Darman-
hänge, Gefässklappen, Hodenbläschen, von drei zu drei Rin-
gen, wie sich denn auch in der Zeichnung äusserlich dieses
Zahlenverhältniss geltend macht. (Segmens fernes, Savigny).
Der Verdauungs-Apparat der Clepsinen ist theils durch
einen in dem dünnhäutigen Oesophagus gelegenen vorstreck-
baren fleischigen Rüssel, theils dadurch ausgezeichnet, dass
nicht nur der Magen, sondern auch der Darm mit seitlichen
Blindsäcken versehen ist, was sich meines Wissens bei keinem
andern Blutegel findet. Diese grosse Verästelung des Nah-
rungskanals erreicht nun gerade ihr Maximum in H. tessulata
und marginata. Der Magen hat bei beiden Arten 7 Paar
seitlicher Anhänge, von denen das letzte sich zu beiden Sei-
ten des Darms bis in die Gegend des Saugnapfs erstreckt,
und an der äussern Seite 5 secundäre Blindsäcke trägt. Bei
H. tessulata sind alle diese Anhänge ungetheilt, bei H. margi-
nata hat jeder der zwölf vordem Anhänge drei, jeder der
zehn Nebenanhänge des letzten Paares zwei, oft mannichfach
ausgebuchtete Zweige. Der zwischen den beiden letzten Ma-
') Auf diesen Bau des Nervensystems hat zuerst Audouin bei
Clepsine complanata aufmerksam gemacht; ich habe ihn bei allen
von mir untersuchten Clepsinen gefunden. Bei Albione, wo auch
jedes Ganglion nur ein Nervenpaar ausschickt, schwellen diese Ner-
ven vor ihrer Theilung in ein sehr deutliches Ganglion an, nach
Audouin (Dict. classique d'hist. nat. Tom. 15. p. 115) und R. Wag-
ner (Isis 1834, p. 131.)
374 Friedrich Müller: Ueber Hirudo tessulata
genanhängen gelegene Dann hat jederseits vier Blindsacke,
die nach den Seiten über die Magenanhänge hinweggehen ').
Ausser diesen Anhängen , die sie mit den übrigen einheimi-
schen Arten der Gattung Clepsine geinein haben , besitzen H.
tessulata und marginata noch ein besonderes System von
Blindsäcken, nämlich vier Paar vor dem Magen gelegener An-
hänge, von denen das vordere nach vorn, die mittleren seit-
lich , das hintere nach hinten gerichtet ist. Diese Anhänge
sind selten mit Nahrungsstoff gefüllt und deutlich von aussen
wahrnehmbar; wenn sie es sind, so zeigen sie meist eine von
der des Magens verschiedene Färbung. Dass sie ein beson-
deres, dem eigentlichen Magen nicht zuzuzählendes System
bilden, scheint mir theils aus der oft verschiedenen Farbe
ihres und des Mageninhalts, theils aus der von den Magen-
anhängen abweichenden Gestalt, theils aus der Richtung des
vordersten und hintersten Paares wahrscheinlich; denn auch
bei den Magen- und üarmanhängen der meisten Arten ist das
vorderste Paar nach vorn, das hinterste nach hinten gerichtet.
Vor diesen Anhängen beginnt der Rüssel, der bei den übrigen
Arten sogleich vor dem Magen anfängt; dadurch wird er na-
') Filippi, der neuerdings die Clepsinen zum Gegenstand
einer speciellen anatomischen Untersuchung gemacht hat, betrachtet
die beiden letzten langen Magenanhänge als Coeca, den zwischen
ihnen liegenden Theil des Dannkanals als Rectum. (Lettera del
Dott. F. de Filippi al Sign. Dott. M. Rusconi sopra 1'anatomia
e le sviluppo delle Clepsine. Pavia 1839. p. 12). Ich glaube nicht,
dass man diesem letzten Paare eine andere Bedeutung beilegen kann,
als den übrigen Magenanhängen ; sein Inhalt ist stets dem der andern
ganz gleich; selbst in der Form ist es bei einer der Clepsine com-
planata Sav. nahe stehenden, wahrscheinlich neuen Art kaum davon
verschieden, indem es sehr kurz ist, und noch vor dem zweiten Paar
der Darmanhänge endet. Der von Filippi als Rectum angespro-
chene Theil scheint mir gerade der Hauptsitz der Verdauung zu
sein, während der Magen hauptsächlich als Reservoir des Nahrungs-
stoffs dienen mag. So sah ich den Mageninhalt bei einer H. mar-
ginata durch sechs Monate (Oktober bis April) unverändert dieselbe
Farbe behalten; sobald er dagegen in den Darm getreten ist, wird
seine Farbe geändert. Auch sieht man ihn im Darme der fast farb-
losen Clepsine hyalina Moqu. Tand, durch eine deutliche peristalti-
sche Bewegung umhergetrieben; ein sehr schönes Schauspiel, das
mich oft Stunden lang gefesselt hat.
und marginata O. F. Müll. 375
türlich hier auf ein verhältnissmässig weit geringeres Volumen
reducirt. Namentlich ist diess bei H. tessulata der Fall, wo
er bei einem 1\ Zoll langen Exemplare kaum länger als bei
einer 4 Linien langen Clepsine hyalvna war.
Das Blut der H. tessulata und marginata ist, wie bei
allen Clepsinen, farblos '); das von Nephelis und Piscicola
bekanntlich roth.
Die Geschlechtstheile , die ich bei der grossen H. tessti-
lata genauer untersuchen konnte, bieten zwar im Einzelnen
manche Abweichungen von denen der Clepsine complanata,
sind aber nach ganz demselben Typus gebaut. Dass H. tes-
sulata und marginata, wie die übrigen Clepsinen, ihre Jungen
unterm Bauche mit sich tragen, habe ich schon früher angeführt.
Nach allem diesem scheint mir kein Zweifel über die
systematische Stellung beider Arten zu bleiben, denn die ein-
zigen bedeutenderen Unterschiede, von den andern einheimi-
schen Clepsinen bestehen in der deutlichen Sonderung des
Kopfes, dem verhältnissmässig grossen Saugnapf und der An-
wesenheit der vor dem Magen gelegenen Anhänge des Nah-
rungskanals.
Schliesslich mögen hier noch die Diagnosen beider Arten
und ihre zahlreichen Synonyme Platz finden; eine ausführ-
lichere Beschreibung scheint mir durch die von O. F. Müller
gegebene, an der nichts wesentliches zu ändern wäre, unnöthig
gemacht.
') Das Gefässsystem hat Filippi ganz übersehen; was er als
Seitenstämme beschreibt, ist eine längs des Randes verlaufende Höhle
ohne scharfe Conturen, welche sich, wenn das Thier stark zwischen
zwei Glasplatten gedrückt wird, durch Zerreissung der Darmhaut
mit dem Darminhalt füllt. Ich sah ein dünnhäutiges mit Klappen
versehenes contractiles Rückengefäss, ein Bauchgefäss, und jeder-
seits, doch bis jetzt noch nicht deutlich in ihrem ganzen Verlaufe,
zwei Seitengefässe. Somit bedarf auch wohl Filippi's etwas aben-
teuerliche Ansicht (1. c. p. 10) von einem unmittelbaren Uebergang
des Nahrungsstoffs aus dem Darmkanal in das Gefässsystem keiner
besondern Widerlegung. Die Contractionen des Rückengefässes las-
sen sich bei den kleinern durchsichtigen Arten und bei den Jungen
der grössern unterm Mikroskop beobachten; die Klappen Öffnen sich,
wenn der hinter ihnen, und schliessen sich, wenn der vor ihnen ge-
legene Theil des Gefässes sich zusammenzieht.
376 Friedrich Müller: Ueber Hirudo tessulata etc.
Clepsine tessulata.
Corpus gelatinosum, mollissimum, dilatatum, cinereo-viride,
dorso macularum flavescentium seriebus 2 — 6 notato, margine
cinereo flavoque tessulato. Caput subdistinctum. Oculi 8, in
series duas longitudiuales antice coiiYergentes dispositi. Long.
18 — 20'", Lat. 4 — 5'".
Hirudo tessulata. O. F. Müll., Hist. verm. Tom. I, pars II, p. 45.
Hirudo tessulata, Der Spion. Braun, Syst. Beschreibung eini-
ger Egelarten p. 56. Tab. VI. Fig. ß — 10.
Hirudo (Erpobdella) tessellata. Blainville, Dict. des Sc. nat.
Tom. 47. p. 261.
Erpobdella vulgaris rar. tessulata. Id. Ibid. Tom. 57. p. 564.
Ichthyobdella tessellata. Id. Ibid. Tom. 57. p. 558.
Clepsine mar ginata.
Corpus subcartilaginosuni, dilatatum, fusco-viride, dorso
macularum flavescentium seriebus quatuor, linearum ejusdem
coloris serie media notato, margine flavo-albofuscoque tessu-
lato. Caput distinetissimum. Oculi 4, postici majores, magis
inter se distantes. Long. 10'", Lat. 2 — 2\"\
Hirudo marginata. O. F. Müll. Hist. vermium Tom. I, pars II,
pag. 46.
Hirudo variegata. Der gesellige Egel. Braun, Syst. Be-
schreib, einiger Egelarten, p. 61. Tab. VII. Fig. 1 — 6.
Hirudo cephalota. Carena, Mem. dell. Accad. di Torino. Vol.
XXV. p. 298, 316; Tab. XII, Fig. 19. Vol. XX VIII, p. 336.
Hirudo oscillatoria. Saint-Amans, Mem. de la Soc. Linn. de
Paris. Tom. III, p. 193, pl. VIII.
Piscicola marginata. Moqu. Tand. Monogr. de la Farn, des
Hirud. p. 132. Tab. VII. Fig. 2.
Piscicola tessellata. Id. Ibid. p. 133. Tab. VII. Fig. 3. (excl.
Synon. Hir. tessulata O. F. Müll.)
Hirudo (Glossobdella) cephalota. Blainville, Dict. des Sc. nat.
Tom. 47, p. 266.
Ichthyobdella marginata. Id. Ibid. Tom. 57, p. 558.
Erklärung der Abbildung Taf. X.
Fig. 14. Nahrungskanal von Clepsine marginata.
a. Oesophagus.
b. Rüssel.
c. Die vier Paar vor dem Magen gelegener Anhänge.
d. Die sieben Paar Magenanhange.
e. Die vier Paar Darmanhänge.
f. Rectum.
Taf. f.
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