ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VOK A. F. A. WIEGMANIT.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN, PROF. von SIE-
BOLD IN ERLANGEN, DR. TROSCHEL IN BERLIN, PROF.
A. WAGNER IN MÜNCHEN UND PROF. RUD. UTAGNER
IN GÖTTINGEN,
HERAUSGEGEBEN
Da. W. F. ERICH SON,
PROFE.SSOR AN DER FRIEDRICH- WILHELMS-UNIVERSITÄT Zu BERLIN.
ZEHNTER JAHRGANG.
Zweiter Band.
BERLIN 1844.
IN DER NICOLAI'SCHEN BUCHHANDLUNG.
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite,
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botanik in
den Jahren 1842 und 1843. Von H. F. Link . . . . i
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säug-
thiere während des Jahres 1843. Vom Prof. Andr. Wagner
in München 133
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel
während des Jahres 1843. Von Demselben. . . 185
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Herpetologie wäh-
rend des Jahres 1843. Von Dr. F. H. Troschel . . .217
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Ichthyologie wäh-
rend des Jahres 1843. Von Demselben 226
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen in der Naturge-
schichte der Insecten, Arachniden, Crustaceen und Entomostra-
ceen während des Jahres 1843. Vom Herausgeber . . 249
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Naturgeschichte der
Mollusken während des Jahres 1843. Von Dr. F. H. Troschel 347
Bericht über die Leistungen in der Pflanzengeographie während
des Jahres 1843. Vom Prof. Grisebach . . .366
Die Berichte über die Leistungen in der Helminthologie und
über die Echinodermen, Acalephen, Polypen und Infusorien werden
im nächsten Jahrgange nachgeliefert werden.
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische
Botanik in den Jahren 1842 nnd 1843.
Von
H. F. Link.
li*s ist nicht zufällig, dass in diesem Bericht zwei Jahre zu-
sanimengefasst werden. Einige Gegenstände, namentlich die
Pilze in und auf thierischen Körpern , waren im Jahre 1842
nur angeregt worden, wurden aber im Jahre 1843 genauer
und au'ifiihrlicher untersucht, und eben dieses war auch der
Fall mit dem Erscheinen der Pilze in faulenden Körpern,
üeberhaupt war das Jahr 1842 weniger reich an Untersuchun-
gen, als es das nun verflossene geworden ist. Ich gehe so-
gleich zu den besondern Gegenständen , indem die allgemeinen
aus diesen erst hervorgehen.
Innerer Bau der Gewächse.
Ich fange mit dem Streit an , welcher zwischen Herrn
von Mirbel und Herrn Gaudichaud in der Pariser Akademie
geführt worden ist. Die Abhandlung von Mirbel über die
Dattelpalme erschien in denComptes rendus von 1843,
1. B. S, 1214 und nachher in den Annales des Sciences
naturelles Ser. 2. T. XX. p. 5. Sogleich nach der Vor-
lesung, Compt. rend. a. a. 0. S. 12.35, protestirte Gaudi-
chaud gegen Mirbels Theorie in wenigen Worten, und zwei
Sitzungen nachher erschienen seine Premier es Notes s.
Compt. rend. a. a. 0. 1379. Zuerst von Mirbels Abband-
lung. Mirbel wurde im Jahre 1839 nach Algier geschickt,
um dort den Dattelbaum nach seiner Natur zu studiren. Er
Archiv- f, Naturgeschichte, X, Jahrg. 2, Bd. ^
2 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
suchte nach einem grossen Dattelbaum , fand aber sogleich
keinen, und um nicht miissig zu sein, untersuclito er einen
Stamm vom Agave americana. Zuerst kam es ihm darauf an,
das Herablaufen der Faden (filets, Holzbündel) im Stamme
(stipe) zu verfolgen. Er fing mit den Fäden an der Basis
der Blätter, die zu seiner Rechten waren an , und es gelang
ihm , nach vielen vergeblichen Versuchen , sie zu verfolgen,
ungeachtet ihrer vielen Windungen, bis da wo sie sich zu
seiner Linken in der peripherischen Region, etwas über der
Basis des Stammes anhefteten. Er sah dann deutlich, dass
sie keine directe Verbindung mit der Wurzel hatten. Bald
nach diesen Untersuchungen bekam er durch den Baron von
Vialar einen grossen Dattelbaum zur Untersuchung, den ein-
zigen, der in dessen Garten befindlich war. Die untern und
harten Theile dieses Stammes konnte er zu Hause in Paris
untersuchen, aber die obern, zarten Theile der Knospe unter-
suchte er dort mikroskopisch. Nachdem der Verfasser dieses
von dem Entstehen seiner Arbeit mitgetlieilt, geht er zu dem
Historischen über und erzählt, m ie eine Bemerkung von Des-
fontaines, die dieser mit seiner gewöhnlichen Bescheidenheit
und Behutsamkeit geäussert, sogleich seine Naclifolger zu der
Behauptung gebracht habe, dass die IMonokotylen-Stänune
nach Innen zu anwüchsen, so wie die Dikotylen -Stäimne
nach Aussen, worauf dann die Eintheihuig der Pflanzen über-
haupt in Exogenes und Endogenes folgte. Es wird ferner
angegeben, wie Moldenhawer sich dieser Theorie zuerst ent-
gegensetzte, und daiui was die Untersuclunigen von Mohl, der
immer Molh genannt wird, und Meneghini ergeben haben.
Hierauf kehrt er zu seinen Untersuchungen über den Dattel-
baum zurück. Poiteau hatte schon früh an einem Palmbaum
der Antillen die Bemerkung gemacht, dass die erste ursprüng-
liche Wurzel vergehe, und dass der Baum nur durch die
Hülfs- oder Nebenwurzelu ernälirt werde, eine Bemerkung,
die an vielen andern Monokotylen bestätigt wurde. Mohl
stellte nun die auflallendc Behauptung auf, dass diese Ncbon-
Wurzcln nur in der ersten Jugend des Baums eine directe
Verbindung mit den Fäden des Stammes hätten. Ueber diesen
Gegenstand tlieilt Mirbel Folgendes mit: in dem Innern des
anwa( lisonden Staimucs, nicht weit vom Umfange, /wisrhen
für physiologische Botanik. 3
den Holzbiindeln, die sich an die Basis der Blätter ansetzen,
bemerkt man hier und da kleine halbkuglichte Haufen von
jungen und zahlreichen Zellen, Diess sind «He ersten An-
fänge der Hülfswurzeln, die gar keine organische Verbindung
mit den Blättern haben. Die flache Seite, oder wenn man
will, die Basis dieser Häufchen ist gegen das Innere des
Stannnes gekehrt und folglich die gewölbte Seite nach Aussen,
nach dem Umfange. Diese letzte Seite wird dicker, verlängert
sich , bahnt sich einen Weg von Innen nach Aussen , indem
die erste Seite nur breiter wird , ohne sich zu verlängern,
und in den Stanun divergirende Fäden schickt. Die Fäden,
die aus dem Centrum oder dessen Nachbarschaft kommen,
nehmen ihre Richtung nach dem Iiuiern des Stammes, schlü-
pfen zwischen den alten Fädeji, die sich in den Blättern en-
digen, durch, werden dünner, so wie sie sich mehr von ihrem
Ursprünge entfernen, und verlieren sich in der Menge (foule),
ohne dass man bemerken kann, wo sie sich endigen. Die
Fäden, welche von den peripherischen Stellen des Häufchens
kommen, krümmen sich schnell, einige gegen den obern Theil
des jungen Baumes, andere gegen den untern. Es scheint,
als ob die letztern zu der Bildung der Schösslinge beitrügen,
welche an der Basis «les Stammes vom Dattelbaum und Cha-
maerops hervorkommen. Was die Fäden betrifft, welche ge-
rade in die Höhe steigen, um nach den Theilen in der Nähe
der Oberfläche zu gehen, so möchten sie wohl in ihrer Jugend
mit den Blättern in Verbindung gewesen sein. Durch diese
Bemerkung , setzt Mirbel hinzu , will ich die schönen Bemer-
kungen von Mohl nicht widerlegen , sondern sie nur gehörig
einschränken. Der Verf. beschreibt nun diese Hülfswurzeln,
wie sie in den Palmen vorzukommen pflegen.
Wenn man den Längsdurchschnitt eines Dattelbaums be-
trachtet, fährt der Verfasser fort, so sieht man eine solche
Menge von verwirrten Fäden, dass man nicht weiss, wie man
sie gehörig entwickeln soll. Die erste Frage ist, woher kom-
men diese Fäden; entstehen sie aus den Blättern und gehen
sie zu den Wurzeln, wie de la Hire, Diipctit-Thouars und
Gaudichand behaupten, oder kommen sie aus den Wurzeln
nnd gehen sie zu deji Blättern nach der alten Meinung? Der
Verf. nimmt keine von diesen beiden Meinungen an. An
A*
4 H, F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
zwei Längsschnitten sah er leicht, dass zahlreiche Fäden sich
mit ihrem obern Ende an die Basis der Blattstiele befestigt
hatten, aber kommen diese Fäden von den Blättern oder von
dem untern Theile des Stammes? An jedem Schnitt konnte
man bemerken, dass die Fäden in dem Zellgewebe fast in
derselben Menge vertheilt waren, und dass man deji Stamm
wohl cylindrisch nennen konnte. Diese Gestalt ist aber erst-
lich nicht möglich, wenn man annimmt, dass alle Fäden von
luiten kommen. Denn da alle Fäden überhaupt zu den Blät-
tern gehen, so müssten alle diejenigen, die noch zu den Blät-
tern gehen, oder zu den abgestorbenen gegangen sind, im
untern Theile des Stammes vereinigt, ein sehr grosses
Bündel machen und den Stanuu verdicken. Dasselbe würde
nun auch der Fall sein , wenn die Fäden von den Blättern
zur Wurzel gingen , denn auf diese Weise würden sie eben-
falls von den jetzigen und den abgestorbenen Blättern zu-
sammen im untern Theile des Stammes ein grosses Bündel
machen und auf eine gleiche Weise den Stamm verdicken.
Es giebt aber im Gegentheil Palmenstämme, die an ihrer Basis
dünner werden, was nach den bis jetzt gegebenen Theorien
sich nicht erklären lässt. Nach der Theorie des Verf. ist
dieses leicht. Die Faden wachsen von unten bis oben in dem
ganzen innern Umfange des Stamujes überall hervor. Als der
Stamm sich bildete, war die V^egetation schwach, und folglich
der Stamm ebenfalls, so wie er aber heranwuchs, bildeten
sich mehr Fäden im Innern und der Stamm wurde dick. Um
dieses noch mehr darzuthun, suchte der Verf. die Zahl der
Blätter, welche an dem Dattelbaum gewesen waren, heraus-
zubringen, welches wegen der überbleibenden Ansätze der
Blattstiele leicht ist, und fand auf die Länge eines Meters 337
Blätter, welches für den ganzen Baum ungefähr 6268 Blätter
machte. Dann suchte er die Anzahl von Fäden zu schätzen,
die in einen Blattstiel hineingingen, deren er ungefähr 644
fand. Dieses würde für den ganzen Stamm die grosse Summe
von 4,036,592 Fäden machen, wenn sie alle aus der Wurzel
gekommen oder dahin gegangen wären, auch, wenn er die
Fläche eines solchen F'adens oder Bündels mass, einen Diirch-
niesser von 2,01 Meter und einen Umfang von 6,33 Metern,
da doch der Stanun an seiner Basis wirklich nur 25 Centi-
für physiologische Botanik. 5
nieter im Umfang haue. Dieses besteht niclit mit Mohls Theo-
rie, der die Fäden aus den Blättern bis an die Wurzeln rei-
chen lässt.
üer Verf. geht nun zu dem oberen krautartigen Theil
des Stammes über, den er den Phyllophor nennt. Der Gipfel
des Stammes, wo die jungen Blätter entspringen, bildet eine
eingedrückte Halbkugel, und die jüngsten Blätter befinden sich
beim Mittelpunkt, die altern im Umfange. Unter den jüngsten
Blättern in der Mitte des Gipfels , findet man ein äusserst
zartes Zellgewebe. Dieses Zellgewebe ist der Mittelpunkt
einer unaufhörlichen Reproduction. Kaum fangen die Zellen
an sich zu ent\vickeln, so sind sie schon durch andere jün-
gere Zellen ersetzt, die wiederum andern ähnlichen weichen.
Sie gehen, zufolge eines spiralen, centrifugen und aufsteigen-
den Triebes gegen den Umfang, der nun anwächst, und nach
der Spitze, die dadurch erhoben wird. Eine zahllose Menge,
von fast dem (blossen) Auge unsichtbaren Fäden, gehen von
dem ganzen innern Umfange des Stammes aus, und erheben
sich gegen den centralen Theil des Phyllophors. Sie verlän-
gern sich und nähern sich an ihrem obern Ende der Basis
der Blätter, mit denen sie bald in eine directe Verbindung
kommeji. Zuweilen ertappt man diese Fäden in dem Gewebe,
das den Grund des Eindrucks begränzt, indem sie zu den
feinen Streifen der Blätter übergehen, die njan nur mit star-
ken Mikroskopen sieht. Man entdeckt dann in dem Zellge-
webe, unmittelbar unter dem eingedrückten Gipfel, zwei pa-
rallele und horizontale Spalten, die das Zellgewebe in zwei
Lagen theilen, die dicht über einander liegen. Jede Lage ist
ein entstehendes Blatt. Die obere ist die älteste, auch ent-
wickelt sie sich zuerst, dann kommt eine zweite, und oft
eine dritte. Indem diese Blätter anwachsen und stärker wer-
den, kommen andere hervor. Was eben von dem Anwachsen
des ersten Blattes gesagt worden ist, lässt sich auf alle an-
dern anwenden. Dies Zellgewebe, welches das Blatt bei seinem
Ursprünge bildet, erhebt sich in Gestalt einer Blase, und bald
nachher trennt es sich, vermittelst eines halbkreisförmigen
Risses, grösstentheils von dem unterliegenden Zellgewebe.
Das vom Phyllophor nicht getrennte Stück wird der Blattstiel.
Das Blatt gleicht im Anfange einem Löffel und geht dann
g H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
durch niaiinichfaltige Veränderungen zu dem ausgebildeten,
gefiederten Blatte über. Die (zerrissene) Scheide, meint der
Verf., entstehe von der Wunde, welche das Blatt macht, indem
es sich vom Phyllophor trennt. Die Fäden oder Holzbündel
wachsen, nach dem Verf., von unten nach oben, denn man
darf nur einen Blick auf den jungen Trieb des Dattelbaumes
werfen, um zu bemerken, dass die obern Fäden sehr zart und
jung sind im Verhältniss zu den untern. Entständen sie aus
den Blättern, so müssten sie dort älter und dicker sein. Sie
entstehen aber, wie schon oben gesagt worden, an der
Innern Peripherie des Jüngern Theiles des Stammes, und so
wie der Theil des Stammes alt wird, hört das Vermögen,
solche Holzbündel zu erzeugen, auf.
Der Verf. wendet sich zu den Theilen unmittelbar unter
dem Phyllophor. Hier ist schon Vieles verändert, das vorige
Zellgewebe ist nicht mehr vorhanden, an dessen Statt sieht
man eine Menge einfacher mehr oder weniger sphärischer
Zellen (utricules), die in den Berührungsstellen leicht zusam-
menhangen. Diese Zellen bleiben so viele Jahre hindurch;
der Stamm fährt fort, sich am Gipfel zu verlängern. Die
neuen Fäden, welche aus den untern Theilen entspringen,
bahneji sich einen Weg durch die Zellen und werfen sie auf
einander, so dass diese gleichsam einen Stuck (ciment) machen,
der die Zwischenräume erfüllt und alle Fäden von mehr oder
weniger neuem Ursprünge umhüllt. Die Fäden werden ferner
genau beschrieben und in feine und dickere eingetheilt, die
letztern enthalten Gefasse. Durch die Maceration wurde der
Gang der Fäden in dem gespaltenen Stamme untersucht.
Viele von diesen Fäden haben eine fast vertikale Richtung,
und kommen, wie gesagt von der innern Peripherie des Stam-
mes. Ein zarter Faden geht von einem Centralfaden aus, in
schief aufsteigender Richtung, um zu einem Blatte zu gelan-
gen. Der Verf. nennt diesen feinen Faden Vorläufer (pre-
curseur). Auf ihrem Wege vereinigen sie sich mit einigen
Hülfsfäden, die sich um sie herumwinden und jnit dem V^or-
läufer zu den Blättern gehen. Diese Fäden werden inuiier
feiner, je näher sie den Blättern koiumen. Da wo der Vor-
läufer von dem vertikalen Fadon sich onffernt, giobt er einen
Ast oder auch mehr ab, die eine V(M-tikale Richtung nehmen
für physiologische Botanik. 7
und deren Ende iMirbel nicht erreiclite. Folgt man dem Vor-
läufer weiter nach unten, so sieht man, dass nachdem er das
Central biindel in einem kleinen Theile seiner Länge durch-
laufen ist, er nun in einer schief absteigenden Linie bis zu
dem Blatte auf der entgegengesetzten Seite des Stammes geht.
Da sich also diese Biindel in der Mitte des Centralbiindels
kreuzen, so bilden sie zwei Kegel, einen geraden und einen
umgekehrten , die nach der Länge des Stammes in einander
stecken. So erklärt nun der Verf. aus der V^erlängerung der
V^orläufer und des Centralbiindels, das vermuthlich nur aus
Vorläufer-Fäden besteht, und der Erweiterung der Zellen das
Anwachsen des Stammes.
Als Mirbol diese Abhandhing vorgelesen hatte, bat Gau-
dichaud sogleich um das Wort, in der Absieht, wie er sagte,
gegen alle theoretischen Theile dieser Arbeit zu protestiren,
weil er diese Theorien für der Wissenschaft schädlich (facheu-
ses) hielte. Er protestirte überdiess gegen alle Theorien,
welche Mirbel auf die Untersuchung von Cambium gegründet
habe, und versprach mehrere Abliandlungen darüber vorzu-
lesen. Diese Protestation geschah in der Sitzung der Akade-
mie vom 7. Juni 1843; in der Sitzung vom 26. Juni las
Gaudichaud seine Premieres notes über diesen Gegenstand
vor, die in den Comptes rendus von 184.3 T. 1. p. 1379 ab-
gedruckt sind, so wie in den Annal. d. Scienc. naturell. Ser.
2. T. 20. p. 33, Er beklagt sich über einige Ausdrücke in
Mirbels Abhandlung, wie preoccupations d'esprit, les influences
d'idees precon(;ues, les fautes de mieux savoir, les observa-
teurs novices etc., die an ihn besonders gerichtet wären. Dann
fügt er hinzu, Mirbel habe seine Theorie in der Organogra-
phie vegetale nicht widerlegt; er, Gaudichaud habe seine Be-
merkungen zuerst an amerikanischen Gewächsen, und nachher
an einheimischen gemacht, Mirbel habe dagegen in seiner Ab-
handlung Materialien gebraucht , die mit den seinigen nichts
gemein hatten, er thue, als ob seine, Gaudichaud's Theorie,
die ihm so viele Nachtwachen, so viele mühsame Untersuchun-
gen, so viele Aufopferungen gekostet, nicht einmal verdient
habe, geradezu angegriffen zu werden, sondern er suche sie
nur nebenbei umzustossen. ,,lch will", ruft er aus, „meine
Herren, iiulem ich mich vertheidige, Herrn von Mirbels Ar-
g H. F. Link: «Jahresbericht über die Arbeiten
beiten über die Organographie und Physiologie der Pflanzen
freiniiithig angreifen, ihre Irrtliiinier nnd ihre Gefahren für die
Wissenschaft zeigen, und nicht eher aufhören, als bis die
Wahrheit für ihn oder für mich entschieden hat." Er stellt
dann Mirbels Theorie mit wenigen Worten , und allerdings
mangelhaft dar, denn auf die Gründe, womit Mirbel darthut,
dass der Stannn der Palmen an der Basis ausserordentlich
dick sein müsste, wenn dort alle Gefässbündel aus den Blät-
tern zusammen kämen , erwiedert er nichts. Er stellt dann
seine eigene Theorie auf. Alle organischen Körper fangen
mit einer Zelle an. Die organisirte Zelle bringt ein Anfangs-
Wesen (etre rudimentaire) hervor, welches sich nachher ent-
wickelt. Dieses gilt für Thiere und Pflanzen. Die thierischen
Individuen bleiben, bis auf einige Ausnahmeji, isolirt, die ve-
getabilischen pfropfen sich von ihrem Ursprünge an, eines auf
das andere, und bilden so sehr zusammengesetzte Vereine.
In den Monokotyledonen besteht der einfachste Embryo (l'em-
bryon le plus reduit), das einfache Phyton aus einem Stamm-
Knotenstück (merithalle tigellaire) aus einem Stiel-Knotenstück
(mcrithalle petiolaire) und ein Saum - Knotenstück (merithalle
limbaire), welche sich von der Vegetabilie sondern, sobald
sie ihre Verrichtung erfüllt haben. Das Stamm -Knotenstück
bleibt stehen, und an seiner Spitze bildet sich eine Knospe,
an seiner Basis eine Wurzel, die Knospe besteht aus den An-
fängen der Blätter (feuilles rudimentaires), welche über ein-
ander liegen, und aus einer belebten Zelle entstehen. Beim
Keimen oder bei der Entwickelung des Embryo verlängern
sich alle Theile oben, so wie bei den Thieren, welche sich
nach allen Richtungen entwickeln. An einigen Monokotyle-
donen (Phoenix, Xanthorrhoea, Allium Porrum) bleibt das
Stamm- Knotenstück sehr kurz.; an den andern (Flagellaria,
Joinvillea, Calamus, Bambusa und den übrigen Gramineen)
wird es lang, in jenem stehen die Blätter dicht zusammen, in
diesem weiter von einander. Da das erste Individuum , der
Embryo, eine Wurzel hat, so ist kein Grund vorhanden,
warum die andern, die sich nach und nach in der Knospe
entwickeln, keine haben sollten. Die Entwickelung einer Mo-
nokotyledone geschieht in die Höhe durch Uebereinanderlegen
der Stamm-Knotonstücko (morithallos tigellaircs) so klein und
für physiologische Botanik. 9
iiiannichfaltig sie auch sein mögen; in die Breite, durch An-
setzung des Wurzelgewebes aller l'hytons-Gewebe, worunter
sich auch vaisseaux laticiferes finden, und endlich durch das
verschiedene Zellgewebe. Nachdem nun Gaudichaud dieses
angegeben hat, rühmt er sein System wegen der Einfachheit
und sagt, er suche alles zu vereinfachen, Mirbel hingegen
suche alles zu verwickeln und da die beiden Systeme einan-
der schnurgerade entgegengesetzt wären, so müsse einer von
ihnen im Irrthum sein. Ein drittes ist möglich, dass nämlich
beide irren.
Es ist wohl kein Zweifel, dass Mirbel im Ganzen das
bewiesen hat, was er beweisen wollte, lieber den Ursprung
der Gefässbündel aus der innern Peripherie des Stammes ist
er dunkel. Entspringen sie an unbestimmten, oder an be-
stinmiten Stellen von andern Holzbündeln, die sich verästeln
oder aus dem Zellgewebe, primitiv? Gehen sie alle nach der
entgegengesetzten Peripherie über oder nicht? Es scheint,
als ob die Untersuchung eines jungen Stammes eben so nütz-
lich, vielleiclit nützlicher gewesen wäre, als die Untersuchung
eines alten. Auf alle Fälle wäre es sehr zweckmässig gewe-
sen, die Untersuchung eines jungen Stammes daneben zu
stellen.
Gaudichaud stellt dagegen in seinen Premieres No-
tes, Annal. d. Scienc. natur. 2 Ser. T. XX. p. 32., statt
aller Antwort seine Hypothese auf, wovon er etwas mittheilt,
wie oben angeführt ist. Sie gründet sich auf folgenden Schluss:
Da das erste Individuum des Embryo eine Wurzel hat, so ist
kein Grund vorhanden, warum die andern, die sich nach und
nach in der Knospe entwickeln , keine haben sollten. Dass
dieser Schluss nicht bündig ist, fällt sogleich in die Augen.
Durch diese Wurzeln lässt er nun den Stanmi sich verdicken.
Doch es ist nöthig, dass wir einen Blick werfen auf die Re-
cherches generales sur la Physiologie et Organo-
genie des vegetaux, 2 de et3mepartie. Comptes
rendus 1842. I. 973; der erste Theil, der in Paris 1841 als
ein Anhang zur Organographie des Verf. erschien, ist im vo-
rigen Jahresbericht S. 113 folg. aufgeführt und beurtheilt.
Von diesem zweiten und dritten Theil ist in der Botanischen
Zeitung von Mohl und Schlechtendal 1843 Nr. 17 ein Auszug
jO H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
mit einer Beurtlieilung erschienen. In dem Eingange entvvik-
kelt der Verf. einen selir richtigen und scharfsinnigen Gedan-
ken. Er vergleicht die Physiologie der Tliiere mit der Phy-
siologie der Pflanzen. Die Thierc, sagt er, haben ein Herz,
Arterien und Venen zum Hlutunilauf, Lungen zum Atheju-
holen, Magen und Eingeweide zum Verdauen u. s. w. Ist
dieses mit den Pflanzen derselbe Fall? Müssen wir nicht
immer fragen, was bei ihnen Organ ist, und von welcher 7\rt
ihre Verrichtungen sind? Kann man sagen, dass es in den
Pflanzen physiologische Verrichtungen (fonctions) giebt, die
nicht zugleich organogenisch und folglich auch organographisch
wären? Sehr wahr. Ich habe auch wohl aufmerksam darauf
gemacht, dass in den Pflanzen der Zweck nicht hervortritt,
aber Gaudichaud setzt noch bestinunter und trefl'ender hinzu,
dass jedes Organ auch organogenisch sei. Er kommt dann
auf die Frage, ob die verschiedenen Stoffe, z. B. Strychnin,
Morphin, Jalapin ii. s. w. aus der Erde in die Pflanzen kom-
men, und schliesst mit Recht aus <iem Umstände, dass sie bald
in den Blättern, den Wurzeln u. s. w. vorkommen, dass die
besondere Organisation der Tiieile sie hervorbringe. Er kommt
ferner auf die Metamorphoso der Pflanzen, die von der thie-
rischen Metamorphose ganz verschieden sei, denn hier würden
Theile entzogen, dort neue gebildet, die sich gleichsam auf
einanderpfropfen. Dann kommt er zu einigen Voraussetzungen
(suppositions , Hypothesen), und die erste ist die oben bereits
angeführte von einer lebenden Zelle. In ihr lässt er sich
den ersten Saft bewegen und die Kügelchen, welche derselbe
enthält, in Zellen verwandeln. Von den verschiedenen Strö-
mungen des Safts hängen auch die fünf Klassen von Pflanzen
ab, die von ihrem fabelhaften Ursprünge befreit, meiner Mei-
nung nach sehr richtig sind, und die ich als Kryptophyten,
Moose, Farm, Monokotylen und Dikotylen unterschieden
habe. Es folgt nun eine Menge von wahren, halbwah-
ren und falschen Sätzen, die allerdings eine gewisse
Fruchtbarkeit des Geistes bekunden, aber nicht hier Platz
finden können. So sagt er z. B. nicht ganz unwahr, die Mo-
nokotyledonen beständen aus einer Grundpflanze oder Phyton,
die Dikotyledonen hingegen aus zwei oder mehreren durch
das Mark verbundenen. Als zweite Voraussetzung sagt der
für physiologische Botanik. f{
Verf.: In jedem Theile, wo Knospen entstehen können, wird
das Leben zwar eine Zeitlang fortdauern können, aber sich
doch endlich erschöpfen, wenn sich nicht ein erregendes Or-
gan entwickelte, wenn nicht eine Zelle in ein Phyton sich
verwandelte, welches dann nach oben Blätter, nach unten
Wurzeln treibt, die sich dahin erstrecken, wo sie die meiste
Nahrung bekommen ; diese neuen Phytons pfropfen sich gleich-
sam den altern auf. Unter der Aufschrift dritte Voraussetzung,
fragt der Verf., wie geht es zu, dass eine Zelle so belebt
wird, dass sie ein Phyton erzeugen kann? Dann setzt er
hinzu : Je mehr ich darüber nachgedacht habe , desto mehr
werde ich geneigt zu glauben, dass in den verschiedenen Fäl-
len des Knospentriebes und selbst der Befruchtung, das Phä-
nomen der Zellenbelebung nur durch eine überflüssige Endos-
mose oder Ernährung kann hervorgebracht werden. Die vierte
Voraussetzung ist endlich, der Anfang der ganzen Pflanze sei
die belebte an der Placenta hängende Zelle, der Embryosack.
Der Verf. setzt hinzu, was er hier als blosse Hypothese an-
kündige, sei für ihn ausgemachte Wahrheit.
In den Senondes Notes relatives a la protesta-
tion faite a l'Academie des Sciences dans Ja
seance du 12 juin 184.3. Annal. d. Scienc. naturell.
T. 20. p. 199 gellt Gaudichaud, nachdem er wiederum im
Kurzen seine Theorie von der ersten belebten Zelle vorge-
tragen, mehr zur Sache selbst über. Zuerst will er beweisen,
dass die Gefässe, welche die Blätter bilden, nicht aus dem
Stanuiie kommen. Eine seiner Beobachtungen wollen wir
doch mit den Worten des Verfassers anführen, da es zu weit-
läuftig sein würde, alle herzusetzen. ,,Ich schnitt einen jungen
Stamm von Dracaena unter den Blättern an seinem Gipfel
quer durch, Hess aber die Basis im Boden. Vierzehn oder
zwanzig Tage nachher hatten sich, nahe am Gipfel des abge-
schnittenen Stammes, im Centrum der Narben von den abge-
fallenen Blättern, Knospen gebildet. Ich zerstörte diese
Knospen bis auf eine sehr kräftige, welche sehr schnell einen
jungen Trieb gab. Ich schnitt den obern Theil von diesem
Stamm mit seinem kleinen Seitenzweig ab, und Hess alles
maceriren. Die Art von knorpliger Rinde, welche diesen
Stamm umgab, löste sich vermittelst einiger Längseinschnitte
j2 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
ab , und dasselbe war der Fall mit dein darunter liegenden
Zellgewebe, auch geschah es später juit einer ebenfalls zelli-
gen, aber harten und dichten Rindenschicht, die unmittelbar
das Holz umgiebt und die Rinde inwendig in den Dracaena-
Arten begränzt, wie es in allen holzigen Älonokotyledonen,
so viel ich beobachtet habe, der Fall ist. In einem noch
nicht herausgegebenen Werke über die Anatomie der Pflanzen,
nenne ich diese wichtige Schicht pt'rixyle (perixylon). Dieses
Stamm perixyle unigiebt die aufsteigenden Gefässe, von allen
Internodien des Stammes, so wie die absteigenden. Wenn
diese bis zum Umfange gekonnnen sind, verbreiten sie sich
von oben nach unten, auf der innern Fläche dieses Körpers.
Unter dieser letzten Umhüllung findet man das Wurzelgewebe
der Knospe. Eine sanfte Bürste von Dachshaaren diente dazu,
die Wurzelgefässe von dem Zellgewebe zu treiuien, welches
sie bedeckte, und so erhielt ich das Stück, welches ich der
Akademie vorlege." Hierbei sind die Abbildungen aus der
Organographie des Verf. citirt. Die Dracaena - Arten , meint
Gaudichaud, wären den Dikotyledonen sehr ähnlich, Aeste,
Stämme und Wurzeln wüchsen im Durchmesser auf dieselbe
Weise. Wenn man behauptet, sagt er, dass die Gefässe, die
ich Wurzelgefässe genannt habe, aus dem Stamme in die
Knospe steigen, so folgt nothvvendig, dass die später erschei-
nenden etwas tiefer entspringen, und so alle andern, die nach-
her kommen , weil der Stamm in allen seinen Theilen an-
wächst, besonders an der Basis. Wüchse nun der Stannn auf
diese Weise an , so müsste er oben dicker sein als unten.
Der Verf. geht nun zweitens zu dem Beweise über, dass die
Gefässe an der Basis nicht dicker sind als oben. Um dieses
zu beweisen, sagt er, darf man nur einen Blick auf einen
macerirten Stamm von Carludovica werfen, um zu sehen, dass
die Gefässbündel oben dicker sind als unten. An einem
Stamme von Chamaerops humilis sieht man deutlich, in der
Mitte, alle Internodien -Enden der Holzbündel (tous les som-
mets merithalliens des faisseaux vasculaires), im Umfange, alle
W^urzelbasen ; die Enden im Centrum sind sehr dick, verhält-
nissmässig zu den Basen im Umfange, die immer mehr und
mehr haarförmig werden. Die Enden haben auch ihre feinern
Spitzen, setzt er hinzu, aber das kommt von einer Ursache,
für physiologische Botanik. 13
die ich in meiner Antwort erklären will. Zuletzt will er noch
beweisen, dass die Wurzeln keine Gefasse in den Stamm
schicken , sondern sie aus diesem empfangen. Dieses wird
ihm leicht, und Mirbel mag auch nicht daran gezweifelt haben,
aber ich zweifele sehr, dass Mirbel von Gaudichauds Meinung
überzeugt worden ist, und ich muss gestehen, ich finde mich
auch nicht überzeugt. Was auch Gaudichaud sagen mag, ohne
genaue Anatomie ist es nicht möglicli , den Streit zu lösen,
was auch Mirbel , ohne Vergleichung junger Individuen mit
alten, ebenfalls nicht leistet.
Ein sonderbares Gemisch giebt uns übrigens Gaudichaud
von geistvoller, dichterischer Auffassung, von vorgefassten,
man möchte sagen, eingewachsenen Meinungen, und von kränk-
licher Empfindlichkeit und Heftigkeit, womit er jeden Angriff
aufnimmt und womit er seine Meinung geltend zu machen
sucht. Er fühlt sich zurückgesetzt und wird nun oft unange-
nehm anmassend. So können seine Abhandlungen nur er-
regend wirken, aber selten belehrend.
Ueber die Zusa mmensetzung des Cambium, und
die Rolle, die es in der vegetabilischen Organisa-
tion spielt, von H.H. von Mirbel und Payen, s.
Compt, rend. 1843. I. 98. u. Annal. d. Scienc. natu-
rell. T. 19. p, 193. Die kugelicht zellige Materie, die der
Erscheinung der Zelle vorangeht, und die man beständig fin-
det, wo die Vegetabilie im Wachsthum ist, das Cambium
nämlich, enthält seiner Elemental- Zusammensetzung nach,
Stoffe, welche mit denen analog sind, woraus die thierische
Materie besteht; es ist also stickstoffhaltig. Dasselbe befindet
sich aber neben andern nicht stickstoffhaltigen Materien, die
aus Kohlenstoff und Wasser bestehen, wie Dextrin, Gummi,
Amylum, Zucker, Glykose, Mannit u. s. w. In dem Augen-
blicke, wo die Vegetation sich durch die Entwickelung von
Zellen kundgiebt, entsteht auch der Zellstoff (cellulose), ein
neues, unmittelbares Princip, aus Kohlenstoff und Wasser be-
stehend. Der Zellstoff vermehrt sich durch neue Schichten,
die einander in ihrer chemischen Zusammensetzung gleichen,
zuweilen kommen auch andere Materien hinzu, wie die, welche
die holzigen Theile oder das Holz bilden (lignose). Aus die-
ser Verdickung des Zellstoffs wird erklärlich, warum das Holz
J^ H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
im Innern dicker Stämme wenig Stickstoff enthält, indem die
Spongiolen, die Knospen, die heranwachsenden ovula, zehn
bis zwanzigmal so viel enthalten. Die chemische Analyse
kann Schritt für Schritt der stickstoffhaltigen Materie in den
verschiedenen Epochen der Bildnng folgen, nämlich von der
Peripherie zum Centrum, im Splint und im Holz, oder auch
vom Innern zum Aeussern im Bast und in den Rindenlagen,
Mit Hülfe der Analysen kann man die Mengen der stickstoff-
haltigen Materie bestinunen; sie vermindert sich von dem
äussersten Ende der Zweige bis da, wo sie am Stamme sitzen.
Dasselbe Resultat erhält njan, wenn man das untere Ende der
Wurzel mit ihren altern Theilen vergleicht. Der oberfläch-
liche Theil der Blätter und der jungen Zweige, die in unmit-
telbarer Berührung mit der Atmosphäre sind, ist mit einer
stickstoffhaltigen Materie imprägnirt, die sich über die Spalt-
öffnungen verbreitet und mit der Luft bis in die Lufthöhlen
dringt. Das Cambium ist eine aus vier Bestandtheilen (qua-
ternaire) zusammengesetzte, weiche, feuchte, fast flüssige Sub-
stanz, von einer so verschiedenen Elementarzusammensetzung,
wie die unzähligen vegetabilischen Bildungen; es findet sich
in kleinen Haufen in den Höhlungen der Zellen und der
Röhren, und überzieht ihre Wände; es sondert nicht allein
den Zellstoff, die mineralischen Substanzen und Krystalle ab,
sondern auch den holzigen Stoff, Zucker, die fetten und flüch-
tigen Öle, Gummi, Harze, Farbestoff, sind Produkte der
Lebenskraft.
Wenn diese chemischen Angaben sich bestätigen, was aller-
dings nöthig ist, so sind sie sehr merkwürdig. Aber das
Wort cambium ist hier oflenbar so unbestimmt gebraucht,
dass n»an nicht weiss, was die Verf. darunter meinen. Das
weiche, körnig zellige Cambium ausser den Zellen hat sich
bei mir, und so auch bei andern Beobachtern ganz in Zellen
aufgelöst, oder es war ein ausgeschwitzter Saft, der sich nicht
in Zellen verwandelt. Das Cambium in den Zellen ist von
sehr verschiedener Natur, und was hier davon gesagt ist, er-
fordert genauere Bestinnnungen.
Zellenbildung in der Spitze der Wurzeln. Na-
ge li in Linnaea T. 16. p. 252. Der Verf. sagt: „Wenn in
dem punctum vogotationis, wo die verschiedenen Schichten
für physiologische Botanik. 15
der Wurzel wie in einem Brennpunkt zusamnientreflPen , mög-
lichst feine Sclmitte gemacht, und daraus durch Zerreissen
einige Zellen isolirt werden, so sind darunter: 1) Zellen mit
einem Cytoblasten, 2) Zellen mit zwei Cytoblasten, 3) Zellen
n)it zwei Cytoblasten und einer Scheidewand dazwischen.
Diess sah ich gewöhnlich, wenn ich eine wirklich im Wachs-
thum begriffene Wurzclspitze von Lilium , Tulipa, Iris unter-
suchte. Einmal sah ich hier einen grossen länglichen Kern,
der eben in Thcilung begriffen schien; ein andermal innerhalb
einer Zelle zwei junge Zellen jede mit einem Kern, die noch
nicht so weit angewachsen waren, um durch die Vereinigung
der Menjbranen eine Scheidewand darzustellen. Zufolge die-
ser Thatsachen sehe ich mich veranlasst, ganz bestimmt aus-
zusprechen, dass in der Wurzelspitze dieser Pflanze, das
Wachsthum in der Weise vor sich geht, dass in einer Mutter-
zelle zwei Zellenkerne, und um jeden dieser Zellenkerne eine
Zelle entsteht. Unger stellt überhaupt als den gewöhn-
lichen Vorgang bei der Entstehung der Elementarorgane die
Bildung von Scheidewänden in den Zellen, d. h. die Theilung
derselben, auf — die Bildung neuer Zellen in bereits vor-
handenen beschränke sich auf wenige Fälle, die Entwicklung
der Zellenkerne zu Zellen konnte er nicht beobachten." Ich
auch nicht. Helle Kugeln in jenen Wurzelzellen sah ich
auch, zuweilen mit einem Hof umgeben , aber ich möchte be-
stimmt aussprechen, dass nie wahre Zellen daraus entstehen.
De cella vitali scripsit Dr. H. Karsten Berol. s. a.
(1843) 8. Der Verf. hat manche genaue Untersuchungen an-
gestellt, nicht allein über die Zellen der Pflanzen, sondern
auch der Tliiere. Er zielit aus seinen Forschungen folgende
Resultate : 1) Jede Zelle entsteht innerhalb eines lebenden
Organismus; nie wird eine Zelle in zwei andere, durch Längs-
oder Querwände, oder durch eine Proliferation in zwei Indivi-
dua getheilt. Dieses haben Untersuchungen an Phragmotri-
chum, an Saccharomyces cerevisiae und Spirogyra ergeben.
2) Die Entwickelung einer Zelle hängt nicht von vorher-
gehender Bildung eines Kerns ab, sondern von einer homo-
genen Flüssigkeit. 3) Die Zelle lebt, d. !i. sie wächst durch
Intussusception und sondert durch ihre Lebenskraft in ihrem
Innern manche Stoße ab. 4) Die Kleniejitarzelle bestellt aus
16 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
einer Reihe in ihr entwickelter Zellen; das Glied, welches
sich zuweilen dazwischen befindet, ist eine Secretionszelle.
5) Der Organismus besteht potentia aus einem solchen System
von Zellen, einer Reproductionszelle, actu aus Zellenreihen,
die aneinander gelegt sind, wovon eine jede wieder eine Re-
productionszelle sein kann , nie aus einer einfachen Zelle.
Nach den Abbildungen möchte man doch meinen , der Verf.
habe die grossen mit kloinen Körnern gefüllten Kugeln für
innere Zellen angesehen.
Beiträge zur E n t \v i c k e 1 u n g s g e s c h i c h t e der
Pflanzen von Dr. Th. Ilartig. lierliu 1843. 4. Erster
Abschnitt, die Bildung der einzelnen Zelle und der Oberhaut
der Pflanzen betrefl"end. Die Zelle, sagt der Verf., besteht
aus drei von einander verschiedenen Gebilden, aus einer
äussern Schicht (Eustathe), die aber zwei einander sich be-
rührenden Zellen gemeinschaftlich angehört, aus einer das
Lumen der Zelle begrenzenden Innenhaut (Ptychode) und end-
lich aus einer zwischen beiden abgelagerten Zwischensubstanz
(Astathe). Die innere Haut hält er für die primitive Zelleji-
haut. Um die drei Schichten gut zu erkennen, legt er dünne
Schnitte einige Minuten in eine sehr verdünnte Lösung von
Jod in Alkohol, bringt sie dann auf eine Glasplatte, lässt sie
austrocknen, bedeckt sie mit einer dünnen Glastafol und lässt
zwischen die Tafeln einige Tropfen verdünnter Schwefelsäure
einziehen. Die Astathe quillt nun auf, zersprengt die Eustathe
lind drängt die fältig zusammengelegte innerste Haut nach
dem Innern der Zelle hin. Es folgt nun ein Versuch einer
Entwickelungsgeschichte der Pflanzenzelle, wovon der V^erf.
selbst sagt, „dass er keinen Anspruch auf Vollständigkeit
mache , auch nicht frei von Hypothesen sei. Die Zelle ent-
stehe im Innern einer Mutterzelle, und ihr Leben könne man
in vier Stadien theilen, das der Zellenniehrung, der Zellen-
festigung, die Splintperiode und die Verholzungsperiode. In
der zweiten Periode erzeugt sich die Astathe, und bald nach
den ersten Schichten eine davon ganz verschiedener Zwischen-
kitt, die Eustathe. Die Ptychoden benachbarter Zellen, als
ursprünglich einfache Zellhäute, berühren sich unmittelbar in
frühester Jugend, und vereinigen sich stellenweise, in einer
mehr oder weniger unterbrochenen Spirallinie. Durch die
für physiologische Botanik. 17
Ausscheidung und Ablagerung der Astatho und Eustathe, tre-
ten die ursprünglichen Zcllenhäute aus einander, bleiben aber
an den V^ereinigungsstellen in Verbindung; es entsteht, wenn
die WMbindinig in der S|>irale auf kleine riuidliche Stellen
sich beschränkt, der Tüpfel und der Tüpfelkanal, liildct der
Tüpfelkanal einen vollkaninienen Cylinder, so zeigt er sieh in
der Vogel -Perspective als ein einfacher Kreis, als einfacher
Tüpfel. Vereinigt sich <ler Tüpfelkanal vor seiner Ausniün-
dung, so erscheinen in der Aufsicht zwei Kreise, der äusserste
den Umfang des Tüpfels, der innerste die Verengerung vor
der Ausniündung bezeichnend. Diess ist der einfache Hof-
Tüpfel. Sind die in der Spirale liegenden Tüpfel sehr ge-
dehnt, die Vereinigungsstellen der Ptychoden in der Spirale
lang und schmal, so zeigt sich das unabrollbare gestreifte
Spiralgefäss. Sind die V'ereinigungsflächen weniger lang, aber
breit, so entstehen die netzförmigen oder Treppengefässe.
Sind die Vereinigungsstellen breit und zugleich lang, so ent-
steht die einfache unabrollbare Spiral- oder Ringfaser, die
besser jnit dem Ausdrucke einfache Hautfalte bezeichnet würde.
Vom Tüpfelkanale mit verengter ^Jündung, oder, was gleich-
bedeutend, vom Tüpfelkanale mit erweiterter Basis ausgehend
entwickelt sich die Reihe der sogenannten abrollbaren Spiral-
gefässe, allein durch, in der Spirale uiuinterbrochen fortlau-
fende Vereinigungsflächen »ind durch gleichzeitig zunehmende
Erweiterung derselben in der Breite, bis zur Abschnürung.
Der V^erf. hat alles dieses durch Figuren erläutert. Ich habe
die Darstelliuig des V^erf. mit seinen eigenen ^^'orten gegeben,
und will nur den Leser auf das hinweisen, was Mohl im
15. Stück der Botanischen Zeitung von 1S4 1 darüber ge-
sagt hat.
Unterschiede der P flanzenmcnib ran von den
Häuten der Insekten und Crustaceen, von Payen.
Compt. rend. 1843.11.227. Diese chemischen Unterschiede
bestehen in Folgendem: 1) Schwefelsäure mit 1,5 Atome Was-
ser, löst in einem Augenblicke die Bedeckung der Insekten
auf, greift aber in einigen Stunden die Oberhaut der Vegeta-
bilien kaum an; Schwefelsäure mit 3 At. Wasser zerstört
(disagrege) in einigen Stunden das thierische Gewebe, indem
die Pflanzenepidermis länger als 11 Tage widerstand. 2) Ge-
Archiv- f. Natuigesch. X. Jabig. 2. Bd. B
18 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
meine Salpetersäure mit 4 At. Wasser, löst sogleich in der
Kälte ungefähr ein gleiches Volumen von den Bedeckungen
der Insekten auf, indem es dem vegetabilischen Iläutchen, län-
ger als einen Monat, seine Structnr und seine äussern Formen
lässt. 3) Salzsäure zu 21 Graden, oder mit 6 At. Wasser,
durchdringt in einigen IMinuten die Bedeckungen der Insekten,
zerstört sie und löst sie auf, wirkt aber sehr langsam auf die
Epidermis der Fflauzen. 4) Alle diese Auflösungen von thie-
rischen Theilen mit einer auflösbaren Basis neutralisirt, g^en
einen häufigen Niederschlag mit Gerbsäure; dieser Nieder-
schlag gewaschen und getrocknet, giebt alkalische Dämpfe bei
der Calcination; nichts von allem diesem geschieht unter den-
selben Umständen mit der Pflauzenmembran. 5) Eine fast
gesättigte, im Kalten gemachte Auflösung von pulverigem Kalk-
chlorür in Berührung gebracht mit beiderlei Substanzen, dann
einige Sekunden aufgesiedet, zerstört und verbrennt schnell
die Bedeckiuigen der Insecten , indem sie die Epidermis von
Cactus peruviainis nur langsam angriff, auch das Häutchen
mehr verschonte, als den darunter liegenden Zellstoff. Bei der
Elementaranalyse fand sich Folgendes : Haut von Krebsschalen
gab 8,935 p. f'. Stickstofi", Bedeckung dpr Seidenwiirmer
9,050 St., Epidermis von Kartoffeln 2,531 St., Epidermis von
Cactus peruvianus, einjährige 2,059, zweijährfge 0,906 St.,
Oberhaut (cuticule) desselben 2,551 St. — Die grössere Menge
des Stickstoffs i.st doch auch nach diesen sehr schätzbaren
Untersuchungen auszeichnend für das Thierreich.
Ueber die cuticula der Gewächse von Hugo
Mohl. Linnaea B. 16. S. 401, ist eine mit grosser Genauig-
keit, wie man sie von dem Verf. gewohnt ist, angestellte Un-
tersticliung. Es ist nothwcndig, sie ganz und itn Zusammen-
hange zu lesen, da sich nicht wohl ein Auszug davon geben
lässt, der nicht fast so gross sein würde, als die Abhandlung
selbst. Daher mag es hiiueicheu, ein Paar Stollen daraus an-
zuführen, welche die Meinung des Verf. noch am besten dar-
stellen. Wenn man den Querschnitt einer Epidermis mit Jod
behandelt, sagt der Verf., so bleiben in den meisten Fällen
die Wandungen der Epidermiszellen ungefärbt, und lun- in
einzelnen Fällen, z. B. au llakea pachypliylla ueluncn sie eine
mehr oder weniger tiefe, gelbe Färbung an, immer wird da-
für physiologische Botanik. 19
gegen eine auf der Oberflache clor Epidermis liegende dünnere
oder dickere Schicht durch Jod tief gelb oder braun gefärbt.
— Bei der Epidermis des Stanuues von Kleinia neriifolia
fehlt, wie bei Hoya carnosa, die innere ungefärbte Scliicht,
welche so leicht für die ganze Epidermis/elle gehalten wird,
un<l es zeigt sich die äussere, verdickte, von Jod braun ge-
färbte Membran, sehr deutlich aus vielen über einander liegen-
den Schichten zusannnengesetzt, welche auf der äussern Wan-
dung der Zellen in der Zellenhöhlung abgelagert sind , und
durch welche die Fortsetzung der Seitcnwandungen der Epi-
dermis, als zusammenhängende Älembran bis zur äussern
Fläche sich hinzieht. Dieselbe Erscheinung tritt bei der Epi-
dermis des Blattes von Hakea pacthyplijlla ein (bei welchem
jene innere Schicht zwar vorhanden ist, sich aber jnit Jod,
wie die eigentliche cuticula gelb färbt, und sich durch ihre
Tüpfel als secundäre Substanz ausweist), wenn die Epidermis
mit Schwefelsäure behandelt wird, indem sich nun ebenfalls
eine deutliche Scliiclitung in der, in der Zellenhöhle abgela-
gerten Masse zu erkennen giebt. — Was der Verf. hier deut-
lich sah, sucht er nun auch in andern Fällen, wo es weniger
deutlich ist, darzuthun , und hieraus das Erwähnte als allge-
mein über die cuticula zu bestimmen, nach welchem sie aus
den Epidermiszellen besteht, deren Wandungen gegen den
Umfang diu'ch inwendig angelegte Schichten verdickt sind.
Hiemit wollen wir verbinden: Einige Bemerkungen
über den Bau der getüpfelten Gefässe von Hugo
Mohl. Linnaea T. 16. S. 1, eine Abhandlung, die ebenfalls
ein Muster von Gejiauigkeit ist. Der Verf. hat die Verschie-
denheit der Tüpfel nach den anliegenden Tiieilen zum Gegen-
stande der Untersuchung genonmien. Jn dieser Rücksicht
führt er folgende Verschiedenheiten auf: A. Am vollständig-
sten entwickelt sich der eigenthündiche Bau der getüpfelten
Gefässe bei solchen Gewächsen, bei welchen die Gefasswan-
dungen keine Abweichungen zeigen , sie mögen mit andern
Gefässen oder mit Zellen in Berührung stehen, bei welchen
sie daher gleiclimässig mit Tüpfeln, die mit einem Hofe um-
geben werden, besetzt sind, z. B. Elaeagnus acuminata, Cle-
matis Vitalba, Broussonetia papyrifera. B. Hieran schliessen
sich die Gefässe, bei welchen diejenigen Seiten der Gefässe,
B*
20 H. F. Link. Jahresbericht über die Arbeiten
welche mit prosenchyuiatischen Zellen in Benihriing stehen,
zwar ebenfalls mit tlen gleichen mit Höfen versehenen Tüpfeln
versehen sind, wie die an ein anderes Gefass anstossenden
Wandnngen , bei welchen aber der Einflnss , den die benach-
barten Zellen ausüben, sich darin ansspricht, dass die Tüpfel
der an die Zellen angrenzenden Wandnngen weitlänftiger ge-
stellt sind. Solche Gcfässe finden sich an Bixa Orellana,
Acacia lophantha, Sophora japonica. C. Bei stärker ausge-
sprochener Abhängigkeit der Gefässe von den Zellen bleiben
zwar die an andere Gefässe anstossenden Wandungen ganz
dicht mit Tüpfeln bedeckt, allein die an prosenchymatose
Zellen anstossenden Wandungen sind mit sehr entfernt stehen-
den Tüpfeln besetzt, oder auch, wenigstens auf grösseren
Strecken ganz frei von denselben. Die an Markstrahlen an-
grenzenden Stellen besitzen endlich Tüpfel ohne Hof, Solche
Gefässe finden sich an Sambucus nigra , Betula alba n, a. m.
D. Bei noch stärker hervortretendem Einflüsse der anliegen-
den Zellen, welche alsdann gewöhnlich mehr die Form von
parenchymatösen als prosenchymatosen Zellen besitzen, zeigen
endlich nur noch die an andere Gefässe anliegenden W^andun-
gen Tüpfel, welche von einem Hofe umgeben sind, alle an
Zellen anstossende Wandungen dagegen häufige und grosse
Tüpfel ohne allen Hof, daher ganz von der Form der Tüpfel
in parenchymatösen Zellen, z, B, an Cassyta glabella, Bombax
pentandrum, Hernandia ovigera, E. Eine blosse Modification
dieser Bildung, welche jedoch ein sehr eigenthümliches An-
sehen besitzt, ist die Form, bei welcher die an ein anderes
Gefäss anstossenden Wandungen die Form von Treppengängen
besitzen, indem die Tüpfel zu Spalten, welche die ganze
Breite der Gefässwandnngen einnehmen, ausgedehnt sind, wäh-
rend die an Zellen anstossenden W^audungen mit grossen
Tüpfeln ohne Hof besetzt sind. Chilianthus arboreus, Cynan-
chum obtusifolium. Die Gefässe, von denen bis jetzt die Rede
war, haben zwischen den Tüpfelreihen glatte Wandungen, die
folgenden aber Spiralfasern, welche an der Innern Wandung
verlaufen. Diese Gefässe nun kann man unter folgende Ab-
theilungen bringen, F, Sämmtliche Gefässe sind mit Tüpfeln,
die einen Hof besitzen, bedeckt; die grössern besitzen glatte
Wandungen, bei den kleinern laufen zwischen den Tüpfeln
für physiologische Botanik. 21
Spiralfasern durch. Monis alba, Ulmus campestris, Clematis
Vitalba. G. Sänmitliche Gefässe sind enge getüpfelt, zwischen
den Tiipfelreihen verlaufen schmale Fasern, Ilakea oleifolia.
H. Die grössern Gefdsse sind mit Tüpfeln besetzt, den klei-
nern fehlen die Tüpfel. Die Wandungen von beiderlei Ge-
fässen sind auf der iiinorn Fläclie mit Spiralfasern besetzt.
Daphne Mezereum u. a. J. Die Gefässwandungen, welche au
andere Gefässe anstossen , sind getüpfelt, die an Zellen au-
stossenden Wandungen mit sehr entfernt stehenden Tüpfeln
besetzt oder ganz frei von denselben, sämmtliche Gefässwan-
dungen mit Fasern besetzt. .Samara pentandra, Tilia parvi-
folia u. a. m. Um die wahre Beschaffenheit dieser Tüpfel zu
erkennen, fahrt der Verf, fort, eignet sich vorzüglich Cassyta
glabella, weil die Tüpfel sehr gross sind. Hei dieser Pflanze
kann man sich auf zarten Quer- oder Längenschnitten mit der
grössten Deutlichkeit davon überzeugen, dass der Hof dieser
Tüpfel von einer Höhlung, \velche z\vischen den an einander
liegenden Gefässwandungen liegt, herrührt, und dass der Tü-
pfel selbst ein von dem Innern des Gefässes gegen diese
Höhlung zuführender und an seinem innern Ende von einer
zarten Haut verschlossener Kanal ist. Etwas schwieriger ist
es diesen Bau bei andern Pflanzen zu erkennen, doch gelingt
es gar wohl bei solchen, wo die Tüpfel nicht zu klein sind.
Doch wer einen richtigen Begriff von der Bildung dieser Tü-
pfel haben will, niuss die Abhandlung selbst nachlesen. Was
die Genesis betrifft, so vermisst man Darstellungen dieser Ge-
fässe nach dem verschiedenen Alter der Theile , worin sie
sich befinden. Die genaue Kenntniss dieser Tüpfel oder so-
genannten Poren, die wir dem Verf. vorzüglich verdanken,
zeigt uns, dass wir davon, sofern sie zur Organisation der
Pflanze gehören, nichts wissen.
O n f i b r e b y M a r t i n B a r r y. P h i 1 o s o p h i c al T r a n s-
actions f. 1842. P. I. p. 89. „In dem reifen Blutkörperchen,
sagt der Verf., sieht man oft einen flachen Faden (filament)
oder ein Bändchen, welches mit dem Blutkörperchen zugleich
gebildet ist. In den Säugthieren, den Menschen mit einge-
schlossen, ist dieses Bändchen häutig ringförmig, zuweilen ist
der Ring an einer bestimmten Stelle getheilt, und zuweilen
legt sich ein Endo über das andere. In Vögeln, Amphibien
o
22 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
und Fischen ist es oft so lang, dass es gewickelt erscheint.
Dieses Bändchen wird nun gewöhnlich Fiber genannt. Von
Pflanzen, fahrt er fort, unterwarf ich einer mikroskopischen
Untersnchung Wurzel, Stamm, Blattstiele inid Blatt, ausser
verschiedenen Theilen der Blume, und allenthalben, wo ein
faseriges Gewebe existirte, fand ich Fäden von derselben Art.
Diess war in Phanerogamen. Als ich nachher Theile von
Farn, Moosen, Pilzen, Lichenen und Seetangen untersuchte,
traf ich dieselben Fäden überall verthcilt an. Es ist bekannt,
dass die Spiralform dieses Fadens im Pflanzengewebe vor-
l<ommt, in den Thieren aber, wie man meint, nicht. Ich habe
aber solche Gebilde in den Nerven, Muskeln, in kleinen Blut-
gefässen und in der Krystailinse gefunden. Flachs hat die
grösste Uebereinstimmung-, nicht allein in der Structur, son-
dern auch in der Art der Reproduction zwischen der thieri-
schen und vegetabilischen Fiber gezeigt. Wir sehen hier die-
selbe Theilung der Fäden in kleinere und wiederum in noch
^kleinere. Man sieht auch das Zusammenwachsen von Spira-
len, um eine Membran zu bilden, wie in den Muskeln, einige
Pflanzenhaare zeigen die Fäden, wie die Thierhaare sehr deut-
lich ; ich habe sie in der Ilaarkrone vieler (Jompositae gefun-
den. Als ich eine Auflösung von Sublimat in Weingeist auf
Spiralen aus dem Blattstiele einer Erdbeere brachte, fand ich,
dass nach einiger Zeit der l'adcn sich in zwei theiltc, wie es
in den Muskeln geschieht, die sicii in zwei und vier durch
Selbstzertheilung trennen. Die Spiralen in den Pflanzen
scheinen sich oft mit einander zu verflechten und diuch ihre
Berührung die Querspaltcn und elliptischen Poren und Tüpfel
hervorzubringen."
Es gelingt nicht, wenn man ohne Zusannnenhang und
ohne das Ganze zu übersehen, sich in ein fremdes Fach wagt.
Was die flachen Faden in den thierischen Theilen sind, lasse
ich dahin gestellt seni; die meisten Beobachter haben sie nicht
gefunden; im Pflanzenreiche findet man solche nur in den
Spiralgefässen und den Spiralzellen, in den Pilzen, Lichenen
ujid Algen durchaus. Im Flachs sind die Baströhren unstrei-
tig Röhren; die Spiralgefässe bilden keine Membran, auch
nicht einmal den Anfang dazu. Die Haare in den Compositae
auch an Aon llaarkrnuen bestehen aus prosenchymatischen
für pliysiologisclie Botanik. 23
Zellen. Die Abbildiiiigeii sind sehr iiiidentlich, und für die
öOOinalige Vergrösserinig itii Diircliniesser sehr klein. Der
Verf. scheint sich, ehe er dieses schrieb, durchaus niclit mit
Pflanzen-Anatomie beschäftigt zu haben, auch nichts von dein
zu kennen, was darüber geschrieben ist.
Es liess sich erwarten, dass diese Abhandlung in Eng-
land Aufsehen erregen würde. Jn den Annais and Maga-
zine of Natural Ilistory T. 9. p. 448 befindet sich eine
Abhandlung von Dr. Willshire, Remarks on some parts
of vegetable strncture, der die bekannten Körper in dem
31ilchsaft der Euphorbien für die Primär-Körpcr des Zellstoffs
hält, nach Analogie von Barrys Fiber, dcini , meint er, man
könne nicht annehmen, dass die Fiber immer die Primärform
von Entwickelung im Pflanzenreiche sei. Zwar unterstütze
Manches Barry's Theorie, wobei der Verf. die Faserzellen
anführt, doch nicht Alles. Dann spricht er von den Tüpfeln
der Gefässe, wobei er doch gesteht, dass ihm Mohls Meiiuing
niclit recht klar sei, wegen der fremden Sprache. Das Ganze
ist nicht bedeutend. Es ist schlimm, dass wenn jemand etwas
Neues gesagt, andere sogleich, ohne es genauer zu prüfen,
darüber herfallen, um etwas daran zu ändern, zu verbessern,
zu verdrehen und dadurch die Wissenschaft mit unnützen
Dingen zu erfüllen.
Hierauf bezieht sich auch eine Abhandlung von Dr.
Griffith über die Tüpfel in den Gefässen der Pflan-
zen, Observations on the formation of the pitted
tissue of p lautes. Annais and Magazine of Natur.
History T. 11. p. 95. Sie ist gegen die oben angeführte
Meinung von Dr. Barry gerichtet, welcher die Poren von den
Spiralfasern herleitet, die sich um einander winden. Dr. Grif-
fith sagt sehr ri(;htig, indem er von den Gefässen mit schein-
baren Querspalten spricht: In allen solchen getüpfelten Ge-
fässen sieht man Spuren von Spiralbildung oder Spiralfasern;
die Gefässe lassen sich spiralförmig abrollen, und wenn man
sie zerreist, findet man die Tüpfel als Zwischenräume zwischen
den vorspringenden Zähnen der Fasern. Die Fasern laufen
niemals nach der Länge der Axe der umgebenden Röhre,
sondern immer spiralförmig. Folglich, da dieses der Fall ist,
müssten die beiden Fasern, die sich um einander winden.
24 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Zwischeiiräujue lassen , welclie der Axe des Gefässes beinahe
parallel wären , und die Tüpfel niiissten auch in dieser Rich-
tung liegen. Dass dieses aber nicht der Fall ist, braucht
nicht gesagt zu werden. Der Verf. giebt daiui seine Meinung
von der Entwickelung dieser Gefilsse durch den Druck der
umgebenden Zellen und Gofässo. Weini , sagt er, ein Spiral-
gefäss in einer jungen Pflanze gebildet ^vorden, so macht der
rasche Anwuchs des Stammes, das? ein Druck der Theile auf
einander geschieht ; die convexen Theile der umgebenden Zel-
len oder Gefässe, die dem Spiralgefäss entgegengesetzt sind,
werden stark daran godriickt, indem die Jntercellular- oder
Intervasciilar- Räume einen weit geringern Druck veranlassen.
Die Faser innerhalb des zusanunongedriickten Spiralgefasses
wird also dort einwärts gebogen , wo eine Zelle oder ein
Gefäss anliegt; den Intercellular- und Intervascular- Räumen
gegenüber, d. i. wo sich die F'asern biegen, hängen die letz-
tern fest an der Membran, die sich nun verdickt, und mit den
Fibern oben nnd unten verbunden ist. Diese verdickten Por-
tionen machen die Linie , die zwischen den Reihen von Tü-
pfeln hinläuft, die Tüpfeln selbst werden von Zwischenräumen
gebildet, zwischen den Portionen der Fasern, die der Con-
vexität der umgebenden Zellen und Gefässe entgegengesetzt
sind. — Woher konnnt es aber, dass zuweilen vollkommene
Spiralgefässe , und solche Tüpfelgefässe dicht neben einander
liegen unter denselben Umgebungen? Woher kommt es, dass
in diesen Fällen die Theile auf einander drücken, da in an-
dern, wo oflfenbar neue Theile zwischen alten entstanden sind,
ein solcher Druck nicht geschieht? Die Erklärungen des Verf.
sind viel zu mechanisch. Ich übergehe einige andere Aeusserun-
gen, die der Verf. macht, z. 13. dass der Anschein von dop-
pelten, einander umschlingenden Fasern, von scharfen ange-
wandten Stoffen herrühre , welches wohl der Fall nicht sein
kann, da solche Stoffe die Fasern nicht in andere trennen
würden, wenn diese nicht vorher gewesen und nur zusammen
geleimt wären.
Entwickelung der Hautdrüsen zellen von D.
Karl Nägel i, Linnaea B. 16. S. 237. Der Verf. stellte
seine Untersuchungen vorzüglich an Fritillaria imperialis, Li-
linm tigriiMim und Allium Opa an. In ihrem jüngsten Zu-
für physiologische Botanik. 25
Stande enthält die Epidermis kleine viereckige Zeilen von glei-
cher Grösse, jede niit einem Cytoblasten angefüllt. Während
nun die übrigen Zellen wachsen, bleiben einzelne klein und
werden nur in rjio Breite grösser. Von dem Kerne, der der
Wandung dieser Driisennnitterzellen anliegt, gehen meist Saft-
strömungen aus, die sich als Faden oder als Ringe darstellen.
Nachher sieht man Zollen, in denen zwei Kerne liegen; es
ist aber dem Verfasser nicht gelungen, die Art ihrer Entste-
hung zu beobachten, nur so viel scheint ihm gewiss, dass sie
nicht ans dem ursprünglichen Kerne etwa durch Selbsttheilung
liervorgehen. Nachdem die zwei Zellenkerne entstanden sind,
tritt bald eine Scheidewand auf, die zwischen ihnen durchlau-
fend, die ursprüngliche Zelle in zwei Hälften theilt (?). Diese
Scheidewand ist nichts anders, als die an einander stossenden
Membranen zweier neuer individueller Zellen, Die beiden
Hautdriisenzellen wachsen nun fort, ihre Cytoblasten werden
resorbirt ; der feinkörnige Inhalt ist meist nach der äussern
Zellenwand hin zusammengedrängt. IMitten zwischen den bei-
den Zellen wird ein Bläschen Gas ausgeschieden, das grösser
werdend, die Spaltöffnung erzeugt {':). Darauf erscheint der
Inhalt gleichförmig in den Zellen vertheilt, und es geht in
ihm die Umwandlung in Amylum und Chlorophyll vor sich.
Hierauf folgt: die En twickelun g der Hau tdrüsenzel-
l e n und Spaltöffnungen bei ]M a r c h a n t i a p o I y nj o r p h a
(8. 241). Lhitersuchungen über das Auftreten der Athendiöhlen
luid Hautdrüsen zeigten dem Verf. bei einem Längsschnitte
durch das Ende der wachsenden Frons kleine Systeme von
je drei Zellen , die über hohle Räume gespannt sind. Diese
hohlen Räume sind seitlich je durch eine Zelle von einander
geschieden; sie ruhen auf dem Parenchym der Frons und
bilden die Anfänge der Athemhöhlen. Die mittelste jener drei
Zellen wird grösser als die übrigen, sie wird zur Mutterzelle.
Diese Mutterzelle theilt sich in mehr oder weniger Zellen, so
dass aus ihr eine Partie von Zellen entsteht, die zu drei bis
sechs horizontal bei einander liegen und ebenfalls zu drei bis
sechs vertikal auf einander stehen. Sie bilden zusammen den
Spaltöffnungskanal, der also im günstigsten Falle von 36 Zel-
len umgeben sein kann. Wenn aus der Mutterzelle , die für
den einzelnen F'all specifische Zahl von Hautdrüsenzollen
25 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
liervorgegangen sind, so scheiden sie nach dem Ceiitrutn ein
Bläschen Gas ans und weichen dadurch zu einem Intercellu-
Jarraum aus einander. Dieser Raum ist rings von Zellen um-
geben , und sowohl von der äussern Luft als der Athemhöhle
abgeschlossen, so dass das denselben erfüllende Gas nicht
wohl einen andern lJrsj)riing haben kann, als durch Secretion
aus den Hauptzellen selbst.
Aufsteigen der Säfte in den Pflanzen, überhaupt,
Bewegung derselben.
Examen chimique de la seve de quelques vege-
tanx par M. Langlois. Compt. rend. 1843, 11. 505.
Untersuchung des Safts vom Weinstock. Er wurde am 30sten
März 1843 von einem Weinstock genommen, der sich im bo-
tanischen Garten des Militär* Hospitals in Strassburg befand.
Er war vollkommen flüssig, ohne Farbe und ohne Geruch,
von einem etwas sauren Geschmack, auch röthete er die Lak-
mustinctur. Er enthielt, der cliennschen Untersuchung zufolge,
freie Kohlensäure, vveinsauren Kalk, salpetersaures Kali, alka-
lische milchsaure Salze (lactatos alcalins), salzsaures vXmmo-
niak, schwefelsaures Kali und phosphorsauren Kalk. Ein Ki-
logramm enthielt ungefähr 10 Cubikcentimeter Kohlensäure,
1,25 Gramm weinsauren Kalk, 0,02 Gramm Salpeter und sehr
wenig von den andern Salzen. Von einem Weinstock, der
im Freien bei Strassburg wuchs, erhielt man später mit Mühe nach
und nach 300 Grammen eines trüben Saftes, der das geröthete
Laküuispapier bläuete. Dieser Saft hielt keinen Salpeter und
das Ammoniak, was man bei der Destillation erhielt, war un-
streitig aus der Zersetzung des Eiweissstoffes entstanden. —
Untersuchung des Safts vom Nussbaum. Der Saft wurde vom
Stamm Ende April gesannnelt, war ohne Farbe, Geruch und
durchsichtig, schmeckte süss und angenehm und röthete etwas
die Lakmustinctur. Er enthielt freie Kohlensäure, Pflanzen-
eiweiss, Gunmii, Fett, milchsauren Kalk, Ammoniak und Kali,
äpfelsauren Kalk, salzsaures Ammoniak, Salpeter, schwefel-
saur(!n und phosphorsauren Kalk. — Untersuchung des Safts
von Linden. Da der Verf. den Saft auf die gewöhnliche
Weise nicht erhielt, so entrindete er junge Zweige und spühlte
das Cambium mit kaltem, destillirton Wasser ab. Er ont-
für physiologische Botanik. 27
liielt eiiuMi gähriingsfahigoii Zucker, dein Rohrzucker analog,
Pflan/.eiiciNvoiss, (lUinini, luolir Sal/.e, besonders salzsaures
Ammoniak und essigsaiu'cs Kali, auch freie Kohlensäure. —
JJiot macht zu diesen Lhitersuchungen einige Bemerkungen
(das. S. 519), worin er die Verschiedenheik-n von seinen
i'riihern IJcobachtungen darin suclit, dass der Saft zu einer an-
dern Zeit gesauunelt sei; so habe Langlois in dem Saft vom
ISussbaum keinen Zucker gefunden, wie l?iot. Auch war
allerdings die Art, wie Langlois den Saft von Linden gewann,
nicht die zweckmässigste.
Ixainey (Procecdings of the Royal Society 1842.
132., aucli Ann als of Natural History Vol. XI. 383.)
sucht zu beweisen, dass Lebenskraft nicht die Ursache von
dem Aufsteigen des Safts in den Pflanzen sei. Ein Zweig
von Valeriana rul)ra in einer Auflösung von Quccksilberbi-
chlorid (Sublimat) gestellt, starb von unten ab. inul die ober-
sten Zweige grünten und blühten noch immer fort, nachdem
der untere Theil sclion todt war. Der N'erf. schliesst daraus,
dass alles Wasser, \velche8 die obern Theile nährte, durch die
abgestorbenen untern Theile ohne llinderniss gegangen sei.
Das ist allerdings sehr richtig, aber konnte hier nicht die
Flüssigkeit wie in Haarröhrchen aufsteigen, da oben der Le-
bensprozess wirksam war, etwa wie in einem Docht ()l auf-
steigt, weil es oben verbrennt. Nur in den abgestorbenen
Tlieilen war Sublimat in Kalomel, Chbir und Wasser zersetzt,
in den blicndcn war kein Sublimat. Der Verl, jiahm dünne
Schnitte \on IMlanzen, welche (^uecksilberbichlorid aufgesogen
hatten, und setzte Jodkalium hinzu. Eine mikroskopische
Lhitersuchung ergab, dass nur in den Intercellular- und Inter-
vascular-Räumen sich das unauflösliche Biniodid gesetzt hatte,
nicht in den Zellen uiul Gefässen selbst. Eine sehr unvoll-
kommene Art, solche Versuche anzustellen.
Die Beobachtungen von Rainey über die absteigen-
den Flüssigkeiten in den Pflanzen und besonders
das Cambium in den Annais of Natural History
Vol. XI. 383. sind so unvollkonunen erzählt, dass sich nichts
daraus ziehen lässt.
Versuche über die Saftführung der Gefasse,
von C. L. Honninger in Tübingen. Botani.scho Zei-
28 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
tuiig 1843. n.St. Eine sehr interessante Abhandlung. Der
Verf. untersuchte zuerst Reben im Friihlinge und sah auf
Scluiitten durch die Loupe deutlich den Saft in den Gefässeu
aufsteigen, ohne alle Luftblasen, sondern wo diese erschienen,
waren sie nur zufällig. Im Sonjmer fand er die meisten Ge-
fässe leer, nur in den innersten Theilen war noch Saft vor-
handen, auch waren die Prosonchynizellen des Holzes noch
saftvoll. Durch Cyaneisenkalium und schwefelsaures Eisen
fand er auch an Zweigen von Lycium barbarnm, dass die
äussersten Schichten von Gofiissen meistens blau gefärbt wa-
ren, die mittlem leer, die innersten aber durchaus blau. Der
Verf. hat ferner Versuche mit vielen Pflanzen angestellt, die
er zuerst Cyaneisenkalium einsaugen Hess, dann aber abschnitt,
und in eine Auflösung von schwefelsaurem Eiseji setzte, weil
er dieses eben so sicher und viel bequemer Hind, als wenn
er sie, wie ich vormals, die letztere Auflösung einsaugen Hess.
Auch nahm er die Auflösungen viel verdünnter, als ich vor-
mals, und mit Recht ; man muss aber bedenken , dass ich ab-
sichtlich trockene und harte Gewächse zu den Versuchen
aussuchte. Das Resultat, welches der Verf. aus seinen Ver-
suchen zieht, ist: 1) dass den Zellenpflanzen ohne centralen
Strang von verlängerten Zellen ein besonderes Organ für die
F'ortleitiu)g des Safts abgehe. Der Verf. machte die Versuche
nur mit Flechten, nicht mit andern Zellenpflanzen ; mir ist es
aber auch mit diesen nie gelungen. 2) Dass bei allen Gefäss-
pflanzen aber der Saft allein durcii die Gefässe in die Höhe
geführt werde. Die Gründe für diesen letzten Satz sind so
überwiegend, dass man ihn als einen ausgemachten wird an-
sehen köiHien.
Die Versuche von Boucherie, Baumstämme mit färbenden
und erhaltenden StoflFen zu tränken, wovon bereits in dem
Jahresberichte von 1840 Nachricht gegeben wurde*), hat
M o h 1 mit h o 1 z s a u r e m Eisen nachgemacht, s. Bota-
nische Zeitung T.Stück. ,, Ich verwendete, sagt der Verf.,
zu diesen Untersuchungen Holz von der Eiche, Birke, Föhre,
*) Durch einen mir völlig unbegreiflichen sinnlosen Druck- oder
Schreibfehler steht dort Braiinkohlentheer (S. 29) statt holzsaures
Eisen, /um Glück aber pyrolignite de fer in Klammern.
für physiologische Botanik. 29
Schwarzföhre und Weisstanne, welche auf die Weise jnit dem
holzsauren Eisen getränkt waren, dass den abgesägten noch
lebenden Pflanzen die Auflösung zur Aufsaugung- gegeben
wurde. Die IJirke, ein 6 Par. Zoll dicker Stamm und die Na-
delhölzer waren vollständig gefärbt, bei der Eiche waren nur
die äussersten 8 Jahrringe von der Salzauflösung durchdrun-
gen. Das Eichen- und Birkenholz hatte eine graue, die Na-
delhölzer hatten eine schwarze Farbe angenonuuen, bei den
erstem waren besonders die Älarkstrahlen und ein Theil der
Gefässe schwarzbraun gefärbt, was von coagulirten, in den-
selben befindlichen Sto0"en herrührte. Wurden Längs- und
Querschnitte dieser Hölzer in eine Auflösung von Blutlaugeu-
salz gelegt, und eine freie Säure zugesetzt, so färbte sich
sowohl der geroiuiene Inhalt der Zellen und Gefässe, als
auch die Substanz der Zell- und Gefässnjembranen prachtvoll
blau, zum deutlichen Beweise, dass das Eisen die gesannnte
organische Substanz der Pflanze dnrchdrungen und sich mit
ihr verbunden hatte." Es ist zu verwundern, dass man in
allen den französischen Untersuchungen über Boucherie's Ver-
suche nicht eine einzige genaue mikroskopische L'ntersuchung
findet. Noch \väre zu untersuchen, ob die eindringende Flüs-
sigkeit geradezu in die Zellen dringe, oder ob sie ihren Weg
erst durch die Gefässe nehme. In dieser Rücksicht müsste
man die Holzstücke untersuchen, nachdem man sie erst kurze
Zeit in die Flüssigkeiten gestellt hatte, mit denen man den
Versuch anstellen wollte.
lieber den IMil(;hsaft und seine Bewegung von
Hugo Mohl. Botanische Zeitung 33. 34. 35. Stück.
Gegen die Theorie von C. H. Schultz. Zuerst von der Or-
ganisation des Milchsafts. Der Verf. hat sich chemisch mi-
kroskopischer Futersuchungen bedient, welche ihm ein g&n:t
anderes Resultat gaben, als Herrn Schultz. Bringt man einen
Tropfen Aether mit einem Tropfen des Milchsafts zusammen,
so schwellen die Kügelchen des letztern auf, gehen zusammen
und lassen nach dem Verdunsten eine fadenartige Materie
zurück. Rührt man einen Tropfen Aether mit einem Tropfen
Milchsaft unter einander, so schwindet die Milchfarbe und
nach dem Verdimsten des Aethers sieht man auf dem von
Kügelchen befreiten Saft eine Haut, die ganz die Eigenschaften
30 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
von Kautschuk zeigt. Alkohol hingegen mischt sich mit dem
Milchsaft und scheidet sogleich aus demselben weisse Häute
aus. Was nun die Bewegung des IMilchsafts betrifft, so hält
der Verf. die Beobachtungen im blendenden Sonnenlicht für
täuschend, die am Tageslicht, meint er, rührten von dem Aus-
flusse des Safts aus der Schnittfläche her. Um dieses genauer
zu prüfen, brannte er die Blätter von Chelidonium an der
Trennungsfläclie an, und bemerkte dann auch eine Bewegung
des Milchsafts in den Gefässen, aber diese sciu-eibt er dem
Druck zu, der auf ein Blatt nuiss angewendet werden, wenn
man es unter den» Älikroskop beobachten will. Zuletzt noch
gegen die Vergleichung des Milchsafts mit dem Blut, als er-
nährende Flüssigkeit. Der Verf. spricht es Jiicht bestin)mt
aus, ob er die Bewegung in den Milchgefässen, mag sie sich
zeigen, auf welche Art man will, für eine vitale, oder für eine
völlig leblose halte. Das letzte kann aber der Fall nicht
sein, denn in diesem Falle könnten die Ströme nur nach der
Schnittfläche zufliessen, und das sonderbare Kreisen derselben
in unbestimmten Richtungen könnte keinesweges Statt finden.
Man sehe mir, was ich nach der Natur aus dem Kelche von
Chelidonium habe abzeichnen lassen in den Ausgewählten
anatom. botan. Abbibl. H. 2, T. 8. F. 1., wo der Zeichner die
Richtung der Ströme, so wie er sie gesehen, durch Pfeile
bezeichnet hat. Es ist auff'allend, wie mannichfaltig und un-
bestimmt die Richtungen der Ströme sind, so dass sie allein
durch den Ausfluss aus der Stelle, wo das Kelchblättchen
anhing, nicht konnten hervorgebracht werden. Es ist nicht
selten, weiui man einen Längsschnitt aus dem Holze von Acer
platanoides untersucht, dass der Milchsaft in dem einen der
beiden Gefässc hinauf-, in dem andern hinabsteigt, welches
besonders Meyen zu seiner Darstellung des Kreislaufes bewog;
ein Umstand, welcher sich nicht mit dem Ausfliessen nach
einer Richtung verträgt, ohne Hülfe von Lebensbewegungen.
Dass in der Pflanze ohne Ausflussöff"nungen der Milchsaft sich
bewege, beweiset Mohl selbst in dieser Abhandlung. Er
schreibt dieses dem Drucke zu, der auf das Blatt ausgeübt
wurde, als man es unter das Mikroskop brachte. Aber wie
waren die Bewegungen? lune Itloss mechanische, leblose Be-
wegung durch einen solchen Druck veranlasst, kann doch nur
für physiologische Botanik. 3j[
sehr unbedeutend und augenblicklich sein. Es scheint mir
keinem Zweifel unterworfen, dass die Bewegung des Milch-
safts in der Pflanze eine vitale ist, und ich pflege sie in die-
ser Rücksicht mit der Bewegung des Safts in den Zellen von
Vallisneria zu vergleichen. Doch ich habe meine Meinung
über die Cyklose des Herrn Schultz bereits im vorigen Jahres-
bericht von 1841, auch in meinen Vorlesungen über die Kräu-
terkunde S. 129 umständlich geäussert.
Gegen diese Abhandlung ist folgende gerichtet: Zur Be-
richtigung von Hugo Mohls Aufsatz: Ueber den Milchsaft
und seine Bewegung (in der Berliner Botanischen
Zeit. 1843. 33. 34. u. 35. Stück) von Prof. C. H. Schultz
in Berlin. Flora 1843. 721. Diese Abhandlung bedarf
keines Auszuges, da der Verf. seine in Schriften geäusserten
Meinungen nur auseinandersetzt, und zu zeigen sucht, dass
Mohl seine Theorie nicht gehörig gekannt habe. Da der Verf.
sich mancher Aeusserungen bedient, die Mohl mit Recht übel
nehmen konnte, da er iiberdiess eine Kritik der Mohlschen
Abhandlung in den Blättern für wissenschaftliche Kritik eiligst
nach Grätz schickte, wo Mohl gerade zum Vorsitzenden der
botanischen Sectiou ernannt war, so folgte darauf eine sehr derbe
Erklärung von dem Letztern in der Botanischen Zeitung
1843. 48. St.
Eine interessante Abhandlung: Ueber die Capillar-
A c t i V i t ä t der äussern I u t e g u m e n t e einiger P f 1 a n -
z e n v o n J. .1. F. A r e n d t i n Osnabrück imdei sich in Flora
1843. Nr. 10., auch übers, in den Annal. d. Scienc. na-
tur. Bd. 19. Diese Eigenschaft besteht darin, dass verschie-
dene Pflanzen , vermittelst iiirer äussern Bekleidung, das sie
umgebende Wasser in die Höhe an den Stengel hinauf ziehen,
es über die benachbarten Theile, Blattstiele und Blätter ver-
breiten, und das an der Spitze derselben gesammelte Wasser
wieder abtröpfeln lassen. Es wurde ein Stengel von Urtica
dioica oben und unten glatt abgeschnitten, nur mit zwei Blät-
tern versehen ins Wasser gestellt, so dass die Blattstiele mit
der Oberfläche des Wassers einen Winkel von 30 bis 40"
machten, der Stengel selbst aber einen rechten Winkel. So
stieg das Wasser in der Riiuie der obern Seite des Blatt-
stiels in die Höhe, folgte dem Hauptnerven und tropfte an der
32 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Spitze des Blattes herab. Mit der Urtica iirens gelingt es
nie so gut; das Wasser verbreitet sich auf der Oberfläche
des Blattes, verschwindet dort und tropft nicht lierab. Eine
noch grössere C'apillar-Activität, als Urtica dioica, zeigte Bal-
lota nigra , wo das Wasser nicht nur an dem Blattstiele und
auf dem Blatte, sondern auch in den Rinnen des Stengels
selbst in die Höhe stieg. Beide Pflanzen, Urtica dioica und
Ballota nigra, übertraf an Capillar-Activität ein Syngenesist,
den der Verf. als Ageratuni coeruleum eriiielt, vennuthlich
Coelestina ageratoides, sowohl an Schnelligkeit des Aufsaugens
als an Quantität des aufgestiegenen Wassers. Physalis Alke-
kengi zeigte diese Pflanzen - Capillarität zwar auch, aber nur
kurze Zeit. Clinopodiuin vulgare und Betonica stricta Ait.
zeigten eine schwache Capillarität, bei Galeobdolon luteum
Smith verlor sich das Wasser schon auf der Mitte der Lamina;
bei Galeopsis ochroleuca Lam. konnte die Flüssigkeit kaum
die Basis des Blattes erreichen. Was die Erklärung dieses
Phänomens im Allgemeinen betriff't, sagt der Verf., so lässt
sie sich füglich aus der Theorie der Haarröhrchen ableiten,
indem die mehr oder minder dicht stehenden , längern oder
kürzern Haare, die sich neigen, zu einander biegen, sich
krümmen und durch Anfiillen mit Wasser, sofern das Blatt-
parenchym gar nicht oder wenig" hydroi>athisch ist, näher an
einander rücken, und auf diese verschiedene W^eise äusserst
geringe Zwischenräume lassen, welche gleichsam enge Röhr-
chen bilden, wodurch das Wasser angezogen und fortgeleitet
wird. Tür das Aufhören dos Abtröpfelns, meint der Verf.
wird wohl der einfachste Grund darin gesucht werden können,
dass durch die, vermöge der Absorption erzeugte Anschwel-
linig und Ausdehnung des Parenchyms und der umhüllenden
Epi<lernüs alle Theile aus einander getrieben und folglich auch
die Haare, als die Träger der Capillarität, weiter von ein-
ander entfernt werden, wodurcli alsdann eine Störung in der
Capillarität erfolgt.
Hiemit will ich verbinden L. F. Gärtner Pflanzen-
physiologische Untersuchungen, besonders über
das Tropfen aus den Blattspitzen der Calla aethio-
pica L. in Flora 1842. Beibl. 1. 1, Nach einer geschicht-
lichen Einleitung folgt ein genaues Tagebuch dieser Erschei-
für physiologische Botanik. 33
iiuiig an Pflanzen der Calla , welche der Verf. unter Augen
hatte. Dann eine cheniisclie Untersuchung der abgetropften
Flüssigkeit, welche selir wenig feste Hestandtheile enthält; es
zeigte sich in dem Rückstände beim Abdampfen vorherrschend
Scldeim und Salzsäure, Ferner von der Organisation der
Blätter, wo sich ergiebt, dass die Gefasse nicht bis ans Ende
des pfriemenförmigen Fortsatzes an der Spitze des Blattes
gehen, sondern dass hier nur Zellgewebe vorhanden ist. Die
Absonderung geschieht an dem äussersten Ende des Fortsatzes
in einer Länge von 1 bis 1,5'" auf eine kaum sichtbare Art,
bis sich die Flüssigkeit in einen Tropfen sammelt. Nach dem
Absterben des Fortsatzes überninnnt der Blattrand der äusser-
sten Spitze der Blätter selbst diese Function. Das eigent-
liche Organ des Ausschwitzens der Feuchtigkeit scheinen die
länglichen Foren der Oberhaut zu sein, auch scheint das Ein-
saugen der abgesonderten Feuchtigkeit, welches zuweilen be-
merkt wird, durch dieselben zu geschehen. Das Licht hat
keinen bedeutenden Einfluss auf das Tropfen der Blätter.
Auch Wärme allein wirkt nicht besonders darauf, wohl aber
wenn sie mit Tränken durch Wasser verbunden wird. Am
schwächsten war die Excretion des Morgens; gegen Mittag
trat sie wieder ein; war Nachmittags gegen 2 bis 5 Uhr
Abends am stärksten, und nahm dann in der Nacht wiederum
ab, doch ist diese Periodicität nicht genau bestimmt. Es ist
wohl keinem Zweifel unterworfen , dass dieses Tropfen von
einem Ueberschusse an Feuchtigkeit, über das zur Nahrung
nöthige Wasser herrührt. Das Tropfen hört auf bei Entwik-
kelung der Spatha und der Zeugungsorgane. Der Wasser-
verbrauch der Pflanze war am stärksten wälu-end der Nacht,
und besonders bei Entvvickelung der Spatha. Ein Nachtrag
(S. 88) giebt ein Tagebuch über die wässrige Absonderung
der Blätter von Canna angustifolia, indica und latifolia. Die
Absonderung der wässrigen Feuchtigkeit geschieht bei Canna
nicht aus der Spitze der Blätter wie bei Calla, sondern aus
der Spitze der am Rande der Blätter sich endigenden paral-
lelen Hauptribben, und zwar gewöhnlich mehr an denen, die
der Spitze der Blätter näher sind als an den der Basis näher
gelegenen. An diesen Endigungen der Ilauptblattribben ganz
nahe am Rande, wo sie sich in einem feinen Netz verlieren
Archiv f, Naturgeschichte, X, Jahrg. 2, Bd. Q
34 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
oder vertheilen (selten in der mittlem Fläche des Blattes)
schwitzt znr Abendzeit und bei Nacht unmerklich eine klare
vvässrige Feuchtigkeit ans , welche sich in Tropfen und Plat-
ten auf der obern Fläche, wie auf der untern, der Blätter
sammelt, und auf denselben abläuft und zuweilen, aber selten,
in so reichlicher Menge als von den Spitzen der Calla aethio-
pica abtropft. Die Temperatur der Luft steht wenigstens in
keiner nähern Beziehung zu dieser Absonderung. Sie wird
durch das Wachsthum der Blätter allein eher befördert als
gehindert; ganz anders verhält es sich aber, wenn die Pflanze
in Stengel und Blumen treibt. Dann hört diese Absonderung
gewöhnlich für immer auf. Mit einer solchen Genauigkeit,
wie hier, ist selten ein Gegenstand der Pflanzen -Physiologie
untersucht worden.
Neue Beobachtungen über den llolzsaft und
dessen Umbildung in Lebenssaft von C. H. Schultz,
Prof. in Berlin. Flora 1842. S. 49. Der Verf. hat che-
mische Untersuchungen über den Saft von Weinreben, Betula
alba, Acer platanoides, Carpinus Betulus zu verschiedenen
Zeiten des Frühjahrs angestellt. Aus diesen Beobachtungen
ergiebt sich , dass die Ilolzsäfte Anfangs Gummi enthalten,
das später in Zucker umgebildet wird. Dieser Zucker ist
häufig Traubenzucker, und selbst wo Rohrzucker vorhanden
ist, wie bei den Ahornen, ist er inuner noch mit Trauben-
zucker verbunden. Das Gummi gleicht dem Stärkegummi
oder Dextrin. Von der Umänderung des Ilolzsafts in Lebens-
saft, sagt der Verf.: ,,Ks war mir von grossem Interesse zu
finden, dass das Gummi und der Zucker in dem Serum der
Lebenssäfte sich chemisch eben so wie das Gummi und der
Zucker in den Holzsäften verhalten. Aus dem zur Syrups-
dicke eingedickten Birkensaft und Ahorjisaft wurde durch
Aetzkali Ammoniak entwickelt."
Stamm. Wurzel. Blätter. >
Ueber das Drehen der St am nie nach dem Lichte
findet sich der Auszug aus einer grössern Abhandlung
von Payor in Comptes rondus 1842. II. 1194. Wenn
mau Kresse auf ein Tuch säet, und dem Lirlit von einer
Seite aussetzt, so biegen sich die keimenden jungen Stänune
für physiologische Botanik. 35
dem Licht gerade zu, ohne alle Krümmung. Eine Krümmung
entsteht nur, wenn die Stämme schon gerade in die Hölie
gewachsen sind, und das Licht sie dann erst von einer Seite
trifft. Auch ist es gar niclit nöthig, dass der Punkt der
Kriimnnnig von einigen Lichtstrahlen getroffen werde. Diese
Bemerkungen sind gegen die Theorien von Dutrochet und
de Candolle gerichtet. Beide hatten eine mechanische Theo-
rie ersonnen, wodurch die Krümmung des Stammes geschehen
sollte. Sie dachten aber nur an die Krünnnung des Stannnes,
ohne zu bedenken , dass eine solche Krünnnung oft nicht
Statt findet. Als eine allgemeine Regel kann man festsetzen,
sagt der Verf., dass die Neigung der Stämme gegen das Licht
desto grösser ist, je weniger intensiv das Licht ist, oder wenn
es von unten kommt. Wurden die keimenden Saamen in eine
Büchse eingeschlossen , die auf derselben Seite zwei Oeffnun-
gen hätte, durch welche das Licht einfiel, so folgten die
Stämme, wenn die Intensität des einfallenden Lichts durch
beide Oeffnungen gleich gross war, der Resultante beider
Richtungen, sonst aber immer dem stärkern Licht. Befanden
sich die Oeffnungen einander gegejiüber, und war die Inten-
sität des Lichts von beiden Seiten gleich stark, so änderten
die Stämme ihre natürliche Richtung nicht, war sie aber un-
gleich, so folgten sie dem stärkern Licht. In den rothen,
orange, gelben und grünen Strahlen verhalten sich die Pflan-
zen wie in völliger Dunkelheit, dagegen biegen sie sich gegen
die blauen und violetten, und zwar, wenn diese von verschie-
denen Seiten einfallen, mehr gegen die blauen als gegen die
violetten Strahlen.
Der Rapport über diese Abhandlung von de
Mirbel, Dutrochet und Becquerel der ihn verfasst hat,
findet sich in Compt. rend. 1843. I. 986. Er ist billigend
und sogar dankend. Man bedauert, dass Payer nicht Ver-
suche mit den dunkeln Strahlen über die Grenze des Farben-
bildes hinaus angestellt habe, räth auch die Versuche mit dem
gefärbten Licht auf andere Gegenstände auszudehnen, z. B.
Ausdünstung, Schlaf u. s. w. Es Vies?' sich erwarten, dass
Herr Dutrochet mit diesem Rapport nicht zufrieden sein
würde , und dieses ist w irklich der Fall , wie man in den
Compt. rend. 1813. 1. 1120. findet. Er beklagt sich dar-
C*
36 H. F. Link: Jaliresbericht über die Arbeiten
über, dass Herr Payer geeilt habe, um die Abhandlung von
ihm (Dutrochet) weg zu Becquerel zu bringen. Das liätte
ich auch gethan. Dutrochet verweiset auf seine Abliandlung
über diesen Gegenstand, redet von seinen experiences exactes
11. dergl. ni., weiter findet sich nichts in diesem Aufsatze.
Ueber die Neigung der Wurzeln das Licht zu
fliehen, von Payer. Comptes rendus 1843. 11. 1043.
An den Wurzeln von Kohl und weissem Senf bemerkt man
diese Neigung sehr deutlich, wenn man den Samen dieser
Pflanzen auf Baumwolle säet, die in einem Glase voll Was-
ser schwimmt. Wie die Stämme sich gegen das Licht biegen,
wenden sich die Wurzeln vom Licht abwärts, so dass die
Pflanze ein S darstellt. Es giebt aber auch Wurzeln, wie
die von Sedum Telephium , welche vom verbreiteten Licht
(lumiere diffuse) sich nicht abwenden, wohl aber vom directen.
Auf die Wurzeln der Kresse wirkt aber weder das verbreitete
noch das directe Licht. Wo aber das Licht auf die Wurzeln
•wirkt, ist doch der Neigungswinkel der Wurzeln immer klei-
ner, als der Neigungswinkel der Stäunne. Je stärker das
Licht, desto stärker auch dieser Neigungswinkel. Nur die
blauen und violetten Strahlen im Farbenspectrum wirken auf
die Wurzeln (die Strahlen zwischen F und H). Es giebt
aber einen Punkt in dem Raunie , den diese Strahlen einneh-
men, wo die Wirkung am stärksten sich zeigt, dieser Punkt
ist verschieden für verschiedene Pflanzen, aber einerlei für
Stamm und Wurzel derselben Pflanze.
Lieber die Neigung der Stämme gegen das ge-
färbte Licht von Dutrochet. Compt. rend. 1843. 11.
1085. D. bestätigt zuerst die Beobachtung von Payer, dass
rothes Licht keinen Einfluss auf die Neigung der Stämme
habe, wenigstens nicht auf die Stämme der Kresse (Lepidium
sativum). Wohl aber bemerkte er, dass die Stämme von Al-
sine media sich gegen das rothe Licht bogen und dann fand
er, dass dieses der Fall mit allen jungen Pflanzen war, die
einen dünnern Stannn als die Kresse hatten. Er schreibt
diesen Erfolg iriit Recht der verschiedenen Erleuchtung durch
die gt'färbtou Gläser zu, und meint, dass wenn die blauen
und viuletti'u Gläser so dunkel wären, als die rothcn, so
für physiologische Botanik. 37
würden sich die Stämme nicht gegen das Licht biegen, wel-
clies dadurch einfallt.
Beobachtungen über das sogenannte Ueber-
vvallen der Tannenstöcke für Botaniker und Forst-
männer, von Prof. Goeppert zu Breslau. Bonn J842.
eine kleine aber interessante Abhandlung über eine merkwürdige
Erscheinung in der Holzbildung. Wenn nändich ein Baum, wie
gewöhnlich, nicht hoch über der Erde abgehauen wird, so über-
zieht sich zuweilen der Stumpf mit einer neuen Holz- und
Rindenmasse , welches die Forstn)änner Ueberwallen nennen.
Der Verf. hat die Entstehung dieser Holzmasse genau beob-
achtet. Bald nach dem Abhauen des Stanunes, sagt er, be-
ginnt am gewöhnlichen Orte, nämlich zwi.schen Holz und
Rinde, die Ablagerinig einer neuen Holzlage im ganzen Um-
fange der Wurzel und des untern Theils des Stumpfes. Int
Anfange bedeckt die Rinde des Stumpfes diesen neuen An.satz,
TUid es vergeht oft eine lange Zeit, ehe man ihn wahrnimmt,
indem mit jedem Jahre sich ein neuer nur wenig höher hin-
auf reichender Holz- und Rindenring bildet. Endlich zeigt
sich auf der Oberfläche des Stumpfes, in dessen Umfang eine
aus jungem Holz und junger Rinde bestehende wulstförmige
Erhebung, die sich allmälig nach der Mitte zu überwölbt, und
bis diese erreicht wird , von Jahr zu Jahr in dieser Richtung
fortschreitet. War die Oberfläche des Stumpfes gleichförmig,
so zeigt sich auch die Ueberwallung gleichförmig. Im ent-
gegengesetzten Falle folgt sie wie eine sich ergiessende, zähe
Flüs.sigkeit allen Unebenheiten der Oberfläche, doch so, dass
sie dieselben durch ihre grössere oder geringere Dicke aus-
gleicht. Gewöhnlich wird der Stumpf oben hohl und nun
krümmt und überwölbt sich die neue Rinde mit ihrem stets
etwas kürzern neuen Holz in Form von Stäben, schliesst
dadurch die Mündung der Höhle, gleicht auch die trichterför-
mige Vertiefung der Mitte allmälig aus und bildet endlich
einen vollkommen convexen Ueberzug, gleichsam wie ein
Kuppeldach über die alte Wandfläche, das sich bei längerer
Fortdauer des Wachsthums immer höher wölbt. Nur an
einigen Abietinen hat man diese Ueberwallung beobachtet, am
häufigsten an der Edeltanne (Abies pectinata), seltener an der
gemeinen Tanne (Picea excelsa), sehr selten an der gemeinen
38 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Fichte (Pinus sylvestris) iiml nur einmal an einer der Krumni-
liol/Jichte (Piniis Piiniilio) nahe stehenden Art (Pinus huTiiilisI').
Diese Bemerkung zeigt deutlich, dass Holz und Rinde unter
den gehörigen Umständen nach allen Richtungen anwachsen
können. — Uebcr diesen Gegenstand findet sich eine
Abhandlung in den Preussischen P rovinzial-Blät-
tern. N. Folge. 1843. 1. von E. Meyer. Da das Wachs-
thunj der Baume nur durci» den niedersteigenden Rindensaft
bedingt wird, so glaubt der Verf., dass hier das Anwachsen
durch einen andern Baum bedingt werde, dessen Wurzeln
sich den Wurzeln des Stumpfes gleichsam eingeimpft hatten.
— Im Ganzen, stimmt II. Mohl in der Botanischen Zei-
tung "184.3. .St. 13. dieser Meinung bei, und macht nur einige
Bemerkungen. Er habe das L'eberwallen an der Weiss- oder
Edeltanne (Abies pectinata) oft bemerkt, und es müsse dieser
Baum die weiter nicht zu erklärende Eigenschaft haben, den
Rindensaft umzukehren und ihn in die Höhe zu führen, da
er sonst gewöhnlich absteigt. Es ist bekanntlich nicht selten,
setzt er hinzu, dass Tannenbäume sicli gabeln, und wenn der
eine Stamm einen oder ein I'aar Fuss oberhalb der Gabel-
theilung abgesägt war, bemerkte er, dass der stehen geblie-
bene, aller beblätterten Zweige entbehrende Stumpf der
Weisstanne fortvegetirte und neue Holzlagen absetzte, der
Stumpf der Rothtanne hingegen es nicht that; die Weisstanne
führe also ^\•eit leichter den Rindensaft in einem blattlosen
Stanane in die Höhe, als die Rothtanne,
Recherches sur la croissance du Pin sylvestre
dans le Nord de l'Europe par A. Bravais et Ch.
Martins. Aus den Memoir. de l'Academie R. des
Brux alles. T. XV. besonders abgedruckt. Als die Verfasser
sich zu Kaafiord in Finmarken unter 69" 57' N. B. u. 20"
40' Ö. L. aufhielten, fiel iiinen die geringe Dicke der Holz-
schichten in den gefällten Fichtenstämmen auf; sie maassen
solche in mehreren Bäumen, und nahmen sich vor, ähnliche
Beobachtungen an andern Orten damit zu vergleichen. Es
geschah dieses von ihnen zu Pcllo (66" 48' N. B. 21» 40'
O. L.) einem Dorfe am L'fer des Torneoflusses, wo IMauper-
tuis seine Triangulirung anfing; zu Gefle in SchMcdcn (60"
40' N. B. 14" 50' (■).!..; zu Halle, wo sie die Stümpfe im
für physiologische Botanik. 39
jiiedergeschlageiHMi Walde von Giobichenstoiii untersuchten (51"
30' N. n. 9» 10' Ö. L.) und endlich zu Ilagnenau am Medor-
rhein (18" 43' N. B. 5" 27' Ö. L.), ^vo ein geschickter Forst-
mann, Herr Millot, solche Beobachtungen anstellte. Ueber
diese Messungen werden Tafeln niitgetheiJt, nach dem Alter
der Bäume und der Dicke der Schichten von zehn zu zehn.
Hieraus ist nun die n)ittlere Dicke einer Schicht bestinnnt und
den Tafeln beigefügt. Um die Fortschritte des Wachsthums
leichter zu übersehen, sind Curven nach den fünf Oertern
der Beobachtungen construirt, deren Ordinalen nach zehn und
zehn Jahren des Alters, und deren Abscissen nach den Cen-
linjetern des Anwuchses in der Dicke genommen wurden. Man
sieht hieraus, dass die Bäume in wärmerii Gegenden viel
schneller in der Dicke zunehmen, die (Jurve für Haguenau
nähert sich fast einer geraden Linie. Für diese Curven wird
nun folgende Gleichung angenommen r = — j — r — wo r den
Durchmesser (n)ittlern) der Bäume, n die Zahl der Jahre be-
zeichnet; a ist eine Grösse beständig für jede einzelne Curve,
aber verschieden für die andern Curven. Aus der Verglei-
cliung der Formel mit den Beobachtungen finden die V^erfas-
ser, dass der Coefficient a beinahe den mittlem Halbmesser
der Holzschicht des ersten Jahres bedeutet. Schwieriger ist
es, den Werth des Coefficienten b zu bestimmen. Mit dem
Klima kommt er nicht überein; eher muss man annehmen,
dass er vom Boden abhängt. Nimmt man den mittlem von
den gefundenen Werthen für b — da er die einzige unbe-
kannte Grösse in der Formel bleibt, also leicht gefunden
wird — so kommt man auf b = 0,005. Die Differenzen der
gefundenen mittlem Dicke der Schichten von den hiernach
berechneten sind auf der Tabelle angegeben, und es werden
darüber manche Untersuchungen angestellt. Wir müssen den
V^erfasser für diese mühsamen Beobachtungen und seine rei-
chen Untersuchungen danken; sie geben die Grundlinien an,
um welche die Natur niannichfaltig spielt. Zuletzt noch zer-
streute Beobachtungen. — Die Fichtenstämme sind selten ge-
nau centrirt, wie man es auch an andern Bäumen bemerkt;
bei der grössten Excentrität verhielt sich der kleine Durch-
messer zum grössten , wie 9:19. — Die Trennnng zwischen
40 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Splint iimi vollkoninjenem HoIä ist in den Stämmen der nörd-
lichen Bäume deutlicher angezeigt als in den Bäumen der
gemässigten Zone. — L'eber das Wachsen der Bäume in die
Höhe sind einige Beobachtungen angestellt. Die Bäume bil-
den, indem sie aufwärts wachsen, einen Kegel, und es folgt
aus den Beobachtungen , dass die äussere Oberfläche der
Schichten an einem Baunie immer denselben Neigungswinkel
mit der Axe des Stammes macht. — Die Fichten im Norden
gabeln sich oft, und dieses entsteht, wenn die Spitze des
Baumes abgebrochen wird, entweder durch Sturm, oder durch
den Auerhahn, der sich auf die Spitze der Bäume setzt, auch
wie es scheint , wenn die Tortrix Buoliana Fabr. und T. tu-
rioniana die Spitzen zerstören. Es wachsen dann zwei gegen-
überstehende Aeste des Stammes besonders stark an, und so
bildet derselbe beim Fortwachsen eine Gabel. Was die geo-
graphischen Bemerkungen betrifft, so muss man erwägen, dass
es verschiedene Arten von Fichten giebt, welche Pinus syl-
vestris sehr nahe stehen , inid oft damit verwechselt werden.
Dieses macht die Nachrichten der Schriftsteller sehr zweifel-
haft, auf deren Angaben man sich stützen muss. In meiner
Abhandlung über die Abietinae (Linnaea T. XV.) habe ich die
Abarten (oder vielmehr Arten) von I'inus sylvestris aus einan-
der gesetzt.
Beobachtungen über das Wach stimm der Pflan-
zen von P. Hartingh, Tydschrift voor natuurlyke
ge schied enis s en Physiologie T. 9. p. 296. Eine ge-
naue und ausführliche AbhandliM)g. Der Verfasser wählte den
Hopfen (Humulus Lupulus) zum Gegenstande seiner Unter-
suchungen, wie er sagt, aus einem dreifachen Grunde, erst-
lich wegen des schnellen Wuchses, zweitens, wegen der Ge-
stalt der gemnia terminalis, welche erlaubt, die Länge des
Stengels mit grosser Genauigkeit bis zu 0,5 Millimeter zu
bestinniien, und drittens, wegen der späten Blütezeit, so dass
man wenigstens fünf Monate lang Beobachtungen über das
Wachsthum machen kann ; wozu noch konnnt, dass der Sten-
gel in deutliclie Zwischenknoten abgetheilt ist. Die Beobach-
tungen selbst sind in Tabellen geordnet, mit umständlichen
Erläntcrnngen und mit Rücksicht auf die meteorologischen
Verhältnisse. Wir wollen die Resultate hieher setzen, i) Es
für physiologische Botanik. , 41
sind allein die 2 — 3 obersten Zvvisclienknoten, welche in der
Länge zunehmen; alle übrigen wachsen nicht mehr, selbst
dann niclit, wenn durcli Abbrechen der Endknospe die Bil-
dung von neuen Zvvischenknoten verhindert wird. 2) Der
Einfluss der gemma terminalis auf die Verlängerung des Sten-
gels beschränkt sich allein auf die Bildung von neuen Zwi-
schenknoten. 3) Jeder Zvvischenknoten nimmt vorzüglich au
seinem untern Ende zu. 4) Das Wachsthum der besonderu
Stengel von einer und derselben Pflanze, obgleich vollkommen
gleichen äussern Einflüssen ausgesetzt, ist nicht allein nicht
gleich, sondern man ninnnt auch kein regelmässiges Verhalten
in ihrer täglichen Verlängerung wahr. 5) Es findet im An-
fange des Wachsthums eine täglich zunehmende Beschleuni-
gung des Wachsens Statt, die von äussern Einflüssen unab-
hängig ist; die Beschleunigung hat ihr Maximum erreicht un-"
gefahr im Anfange des Juni, und es entsteht dann eine täglich
zunehmende Abnahme des Wachsthums , die besonders beim
Erscheinen der Bliithenknospen merklich wird; nach dem Auf-
brechen der Blumen nimmt das Wachsthum mehr und mehr
ab, und hört in der Zeit der Befruchtung ganz und gar auf.
6) Wenn man die 24 Stunden des Tages von 7 LlJir des Mor-
gens bis zu 7 Uhr des folgenden Morgens in drei gleiche
Zeiträume theilt, so iibertriff't das Wachsthum im Anfange,
während der ersten acht Stunden (von 7 — 3 Citr), die Suttnne
des Wachsthums von den beiden andern Zeiträumen; aber so
wie der Stengel länger wird , vermehrt sich das Wachstlium
in diesem letztern und vermindert sich in dem ersten, so
dass endlich, im Anfang des Juni, die Zeit des stärksten
Wachsthums in den zweiten Zeitraum (von 3 — 11 Uhr)
fällt *). 7) Von allen äussern Einflüssen auf das Wachsthum
ist die Luftwärme bei weitem die bedeutendste. Alles Uebrige
gleichgesetzt, hält die Luftwärme mit dem Wachsthum gleichen
Schritt, doch so, dass die Wärme jiicht uiunittelbar , sondern
mittelbar das Wachsthum befördert. Im Anfange fällt das
grösste Wachsthum mit der grössten Wärme des Tages zu-
sammen, aber so wie der Stengel länger wird, also der Nah-
rungssaft einen längern Weg bis zur Stelle des Wachsthums
*) Im Original steht durch einen Druckfehler 7 — 4 Uhr.
42 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
liat , folgt aucli das Wadisthiim immer später und später auf
die Wärme. 8) Der Eiiifluss der Liiftwärnie auf das Waclis-
thum steht in einem bestimmten Verliültnisse, so dass für
jeden Wärmegrad eine bestimmte Verlängerung des Stengels
Statt findet, und der Quotient von dem täglichen Wachsthum,
dividirt durch die mittlere tägliche Temperatur, drückt das
unreine Wachsthum für jeden Grad auf diesen Tag aus.
9) Aus der Vergleichung des auf diese Weise berechneten,
unreinen täglichen Wachsthums wird es sehr wahrscheinlich,
dass wenigstens in den Monaten Mai und Juni das wahre
Wachsthum eine arithmetische Reihe bilde, deren Differenz
die tägliche Beschleunigung und in einer spätem Jahreszeit
die tägliche Verzögerung des Wachsthums anzeigt. Durch
die Reihe des Mahren Wachsthums, verglichen mit der Reihe
des unreinen, bekommt man ein Mittel, um zu berechnen,
welchen Antheil, positiven oder negativen, die übrigen Ein-
flüsse ausser der Luftwärme an dem Wachsthum gehabt haben.
Nennt man die bekannte Luftwärme auf einen gewissen Tag
t, das Wachsthum an demselben Tage a und verlangt mau zu
M'isscn, wie viel ilcr wahrscheinliche Anwuchs A in einen
Zeitraum beträgt, der d Tage von dem ersten entfernt und
dessen mittlere Temperatur t ist, so findet man es durch die
Formel A = t f — drj, wo r die tägliche Vermehrung
des Wachsthums bedeutet. 10) Die BeschleuniguJig des
Wachsthums mit der zunehmenden Luftwärme ist doch nicht
uneingeschränkt; es besteht eine Temperatur, die für das
Wachsthum der Pflanzen die vortheilhafteste ist, so dass jeder
höhere Wärmograd, statt der Beschleunigung, Verzögerung
hervorbringt. Diese günstigste Temperatur ist für den Hopfen
ungefähr 20" C, doch es scheint, dass dieser I'unkt bei
feuchter Luft erhöht, bei trockner hingegen erniedrigt wird.
11) Der Kinfluss der Temperatur der Wurzel auf das Wachs-
thum des Stengels ist nicht merkbar. 12) Wahrscheinlich
ist t!ine trockene Luft im Allgemeinen zuträglicher für das
Wachsthum als eine feuchte. Auch scheint es, dass eine
äusserst trockene, so wie eine äusserst feuchte Luft nachthei-
lig auf das Wachsthum wirken. 13) Höherer Luftdruck
seheint im Allgemeinen einen günstigen Einfluss auf das
für physiologische Botanik. 43
NVaehsthuiii lu liabeii. 14) lieber den Eiiifliiss des Windes
oder der Windstille auf das Wachsthuni geben die Beobach-
tinigen keinen sicliern Anfschluss. 15) Regen in irgend einer
bedeutenden Menge verniindert immer das Waclisthum des
Hopfens.
Beobachtungen über das Wachsthuni verschie-
dener Ffl an zentheile, von F. Munter. Botanische
Zeitung 1843. 5 — 8. St. Der Verf. hat sich schon früher
rühmlich mit diesem Gegenstande beschäftigt (s. Jahresbericht
für 1841. Archiv für 1842. S. 121.) und fahrt auf dieselbe
Weise fort. Zuerst über den Gang des Wachsthums mehrerer
Internodien neben einander. Die Beobachtungen wurden an
Dahlia variabilis angestellt. Das in jener Abliandlung für das
Waclisthum von Phaseolus gegebene Gesetz wird bestätigt.
Jndess ist es docli auffallend, setzt der Verf. hinzu, dass das
oberste Endstück niclit absolut die grösste Länge zeigt, wah-
rend es doch fast stets die längste Zeit hindurch wuchs. Im-
mer sind mehr Internodien in Wachsthuni begriffen , doch
wachsen die obersten mehr aus, luid an einjährigen Pflanzen
wie an Zweigen steht ein Theil in Rücksicht auf Waclisthum
ganz still, indem der darüber befindliche sich in voller Thä-
tigkeit befindet. Die untern Internodien übertreffen die fol-
genden in ihrer Länge, doch gilt dies nur von den ober-
halb der Mitte des Zweiges oder der ganzen Pflanze gele-
genen Internodien, denn die Internodien von den Knospen-
schuppen oder von den Kotyledonen bis zur Mitte verhalten
sich in Bezug auf die Länge gerade umgekehrt, d. h. sind so
im Zunehmen wie jene im Abnehmen begriffen. In Bezug
auf das Verhältniss zwischen Internodien und Blatt, fand der
Verf., dass das Wachsthuni des Internodiums durchaus von
dem des Blattes nicht abhängt. Hierauf folgt eine Tabelle
über das Waclisthum des Wedels von Aspidiiuii molle. Die
Resultate sind: 1) Der Wedelstiel und dessen Fortsetzung
als Mittelrippe wächst wie das Internodium oder der Stamm
der dikotylen Pflanzen. 2) Die Pinnen wachsen wie die
Blätter der Dikotylen und vieler Monokotylen, d. h, sie hören
an der Basis und an der Spitze früher auf zu wachsen, als
in der Mitte. .3) Die pinnulae verhalten sich wie die Seiten-
ribben eines einfachen Blattes. Die Peripherie, also auch die
44 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Spitze, hört früher auf zu wachsen als die Basis. Der Verf.
meint, dieses könne für meine Behauptung sprechen, dass der
Wedel eine Pflanze für sicli darstelle. Das habe ich nie be-
liauptet, sondern nur, dass der Wedel der Epiphyllospermeu
und einiger anderer Farn eine Verbindung von Blatt und
Blüthenstiel sei, wie man auci» deutlich sieht; Verbindung ist
aber nicht blosses Zusannnenwachseji, wie man mir wohl un-
tergeschoben hat. Ueber das Wachsthuni monokotyler Blätter
hat der Verf. Beobachtungen an Calla palustris und Aruin
viviparum angestellt, und beiläufig berichtigt er einen Irrthuui
über die Blätter von Sagittaria sagittifolia in seiner Dissertat.
Linnaea XV. p. 228, wo gesagt wird: Mediae partes primum
desunt crescere u. s. w. Zufolge der jetzigen Beobachtun-
sen, heisst es, sowohl in Hinsicht auf Dauer als auch in Hin-
sieht auf die nach dem Aufhören sich herausstellenden Längen-
verhältnisse zeigt sich, dass die obersten Regionen des Blatt-
stiels und die untersten der Mittelrippe alle übrigen überragen,
dass also die Maxima der Dauer und der Länge um die Ver-
bindungsstelle des Blattes und des Blattstiels liegen, während
die Minima an der Blattstielbasis und an der Blattspitze sich
befinden, von den Maximis zu den Minimis ist der Uebergang
allmählig. Ueber das Wachsthum dikotyler Blätter bestätigt
er, was er früher für die Blätter von Phaseolus gefunden
hatte, dass nämlich: 1) die Blätter anfangs in allen ihren
Theilen ausgedehnt werden; 2) in verschiedenen Zeiten die
producirten Stücke, weini sie auch anfangs gleich lang waren,
verschieden lang sind; 3) dass sie dann aber zuerst an der
Spitze, später au der Peripherie und omilich an der Basis zu
wachsen aufhören, woraus folgt, dass das Wa(;hsthum concen-
trisch aufhört; 4) die Blattstiele dagegen hören durchgängig
centrifugal auf zu wachsen. Beiläufig Bemerkungen über die
Wirkungen des Lichts auf die Blätter, woraus sich ergiebt,
dass Entziehung des Lichts die Blattstiele verlängert, indem
das Blatt selbst zurückbleibt. Ueber das Wachsthum des
Blüthenstiels. Beim pedunculus connnunis nimmt man das
Wachsthum anfangs in allen Abtheilungen wahr, dann, indem
es nach aufwärts stärker fortschreitet, hört es in den untern
Tlieilcn allmählig auf. Nach dem pedunculus communis ent-
wickeln sich erst die pcdicelli.
für physiologische Botanik. 45
In dem 44 — 47. Stück der Botanischen Zeitung
liefert Herr Dr. Munter den dritten Beitrag zur Lehre
vom Wachsthum der Pflanzen. Zuerst macht der V^eif.
Bemerkungen über Hartinghs oben angezeigte Abhandlung,
wovon die Resultate in der Botanischen Zeitung 6. Stück
übersetzt waren. Er äussert sich besonders gegen das dritte
von Hartingh gegebene Gesetz, dass nämlich jedes Internodium
besonders an seinem untern Ende wachse und versichert, dass
es seinen Erfahrungen ganz widerspreclie. Da ich ebenfalls
von dem Gegentheil durch eigene Beobachtungen überzeugt
war, so las ich die hielier gehörigen Stellen in Hartinghs Ab-
handlung mehrmals nach , aber fand keinen deutlichen Beweis
für dieses Resultat. Nun folgen Beobachtungen über das
Wachsen der Internodien. Es zeigte sich nach den Beobach-
tungen an Acer Pseudo-Platanus, Vitis vinifera und Sambucus
nigra, dass die Extension der Internodien anfangs in allen
Theilen vor sich geht, alsdann in der Basis zuerst Jiachlässt,
während die übrigen Jnternodientheile forlfahren sich zu ver-
längern, und dass die allmälig nach oben fortschreitende
Stockung der Extension zuletzt in dem obersten Theile ein-
tritt. Wenn eine Störung des VA'achsthums vorfällt, welche
z. B. starkes Licht hervorbringt, so kann es kommen, dass
der untere Theil des Internodiums mehr anzuwachsen scheint,
als der obere, welcher aber durch die Dauer des Wachsthums
dieses ersetzt, /.uletzt giebt der Verf. Beobachtungen über
das Anwachsen der Blätter, von Corylus Avellana, Vitis vini-
fera und Ampelopsls quinquefoiia, woraus folgt, dass der
Blattstiel nach dem System der centrifugal in der Extension
nachlassenden Pflanzentheile wächst, während die Mittelrippe
und die Seitenrippen, sei es eines einfachen Blattes, wie bei
Corylus, oder eines einfachen, fünflappigen Blattes, wie bei
Vitis, centripetal aufhören zu wachsen, und eben so verhalten
sich die getrennt auftretenden Seitenlappen von Ampelopsis
quinquefoiia. Beobachtungen an Fraxinus excelsior und Rhus
typhinuni zeigten, dass soweit die Mittelrippe eines gefiederten
Blattes sich erstreckt, dieselbe dem centrifugal nachlassenden
Wachsthum folgt, und dass soweit das Endblatt reicht, dies
eben so wie die Seitenblättchen, im Sinne des centripetal
nachlassenden Wachsthums sich verlüngert. Es ergiebt sich
4ß H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
aber aucli , dass das Soiteiiblättchen ganz unabhängig- von der
Hauptrippe noch fortfährt sich zu verlängern, während die
Hauptrippe an der Insertionsstelle des Seitenblättchens bereits
aufhörte zu wachsen. Die secundären Hauptrippen vielfach
gefiederter Blätter, wie Acacia lophantha, wachsen ebenfalls
centrifugal nachlassend.
Eine wichtige Abhandlung ist die in diesem Archiv
1843. S. 267. befindliche Abhandlung: Beobachtungen
über das Waclistluini der Vegetationsorgane in Be-
zug auf Systematik, von A. Grisebach. Ich werde
daraus nur die Ilauptresultate erwähnen, da es mir sonderbar
scheint, in derselben Zeitschrift eine andere Abhandlung um-
ständlich auszuziehen. Zuerst giebt der Verf. ein Instrument
an, wodurch die Ablheilungslinien (die Skale) an der Pflanze
abgedrückt werden, welches er Auxanometer nennt. Aus sei-
nen Messungen zieht er folgende Resultate. Bei gewissen
Pflanzen zerfällt die Entwickelung des Stengelgliedes in vier
Perioden, die gesetzmässig von einander getrennt sind. Zu
dieser Eintheilung berechtigen z. B. die Beobachtungen an
verschiedenen Caryophylleen. Diese Perioden sind: 1) Das
Stengelglied dehnt sich der ganzen Länge nach gleichförmig
aus. Periode der gleichförmigen Ausdehnung (Incrementnni
continuum aequale). 2) Die Skalenabschnitte werden nach
der Basis der Glieder zu grösser, lias Wachsthum ist daher
im untern Theile des Gliedes stärker als im obern. Eine
scharfe Grenze zwischen wachsenden und ruhenden Theilen
findet dabei ganz und gar nicht Statt. Betrachtet man die
Terminalknospe als das Centrum der Vegetation des Stengels,
so kann man diese Periode Incrementum continuum centri-
fugum nennen. 3) Die Skalenabschnitte werden nach der
Spitze des Gliedes zu grösser, so dass zuerst die obern den
untern gleich werden und sie zuletzt an Länge übertrefi'en.
Das Wachsthum ist daher im obern Theile des Gliedes stär-
ker, als im untern. Periode der centripetalen Ausdehnung
(Incrementum continuum ccntripetum). 4) Zwischen einem der
beiden, gewöhnlich dem untern Knoten und der Skale wird
ein Stück eingeschaltet. Dies geschieht indessen, wenn alle
vier Entwickelungsweisen an einer Pflanze vorkonuiion , mei-
stcntlioii'^ während die zweite oder dritte Periode noch
für physiologische Botanik. 47
innerhalb der Skale fortdauert. Zuweilen ist die Periodicität
aber auch ganz scharf, namentlich wenn die vierte Periode
gleicli auf die erste folgt, z. B. bei Polygonuni Orientale.
Periode des intercalaren Wachsthutns ( Increnientum inter-
calare). Gleidiförniiges Wachsthum für sich allein kommt in
allen Familien vor, z. B. Azalea pontica, Scabiosa atropur-
purea; die Entwickelungsform, wo das zweite Stadium
fehlt, ebenfalls, z. B. Lupinus versicolor, Rosa centifolia; die
Entwickelungsform, wo dem ersten das zweite,, dem zweiten
das dritte Stadium folgt, ist mit Sicherheit an Umbelliferen,
Caryophylleen, Synanthereen und Cucurbitaceen beobachtet.
Intercalares Wachsthum neben ungleichförmigem findet sich an
Astrantia; intercalares an der Basis des Stengelgliedes, wel-
()hes auf das gleichförmige folgt, und von grösserer Intensität
ist an Polygonum Orientale. Zuletzt über das Wachsthum in
Rücksicht auf die Zellen nur kurze Bemerkungen j der Verf.
glaubt aus andern Beobachtungen schliessen zu dürfen, dass
das Stadium des ungleichförmigen Waehsthums, nur von Vcr-
grösserung der Zellen abhänge. — Das gleichförmige Wachs-
thum habe icli (Ref.) nicht beobachten können, immer war es
mehr oder weniger cejitrifugal , wie ich lieber sagen möchte,
als centripetal, welclfes der Verf. gebraucht. Das intercalare
Wachsthum scheint mir nicht hieher zu gehören.
lieber das Wachsthum des Bl ü thenstieles von
Littaea gemiuiflora finden sich Bemerkungen von
H. Gräfe zu Nymphenburg, in Flora für 1843. S. 35.
Das Wachsthum war an verschiedenen Tagen sehr ungleich.
Die Temperatur, worin die Pflanze war, ist nicht beigefügt.
Ungeachtet die Morphologie nicht eigentlich der Gegen-
stand dieses Jahresberichts ist, so will ich doch einige der
«lahin gehörigen Abliandlungen hier kurz anführen.
Prof. Wydler in Bern über die Verzweigung
der Caryophylleen in der Botanischen Zeitung 1843.
13. St. Die Zweige stehen, wie bekannt, wechselnd in den
Winkeln der entgegengesetzten Blätter, das oberste Blattpaar
ausgenomnien, wo die Zweige ebenfalls gegenüber stehen.
Der Verf. bemerkte aber auch gegenüberstehende Zweige an
Gerast in m arvense, Stellaria graminea, Spergula nodosa, doch
war immer einer derselben schwächer. Auch ist in» Blüthen-
48 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Stande der Caryophylleen der dem ersten Vorblatt angehörige
Zweig stets der minder entwickelte, der des zweiten Vorblat-
tes aber der kräftige und mehr verzweigte. Der Verf. setzt
liinzu, dies sei die äussere Erscheinung, der innere Grund
bleibe uns verborgen, doch könne es möglich werden, ihn
zu finden, wenn wir die Pflanze nicht als einen fertigen, son-
dern als einen werdenden Gegenstand betrachten. — Alle
Physiologen liaben das gethan, und ich kenne imr beschrei-
bende Botaniker, welche die Pflanze als fertig betrachten und
nur betrachten können. Daran liegt es aber nicht, sondern
nur daran, dass wir nicht das ganze Pflanzenreich übersehen,
und das ganze Streben der Natur betrachten, um aus dem mehr
verbreiteten vegetabilischen Leben zum mehr zusammengezo-
genen , concentrirten , animalischen und so zum Bewusstsein
zu kommen.
Derselbe über accessorische Zweige. Botani-
sche Zeitung 1843. 14. St. Der Verf. bemerkt zuerst,
dass der dem Normal zweige zunächst stehende accessorische
Zweig nicht sowohl von der Ilauptaxe, sondern vom Normal-
zweig seinen Ursprung nehme. Die Anordnung, fährt er fort,
der accessorischen Zweige ist, wie bekannt, eine seriale; die
Geradwüchsigkeit dauert aber nur einige Zeit. Mit der suc-
cessiven Entfaltung verändern sie ihre ursprüngliche Lage,
sie werfen sich wechselnd rechts und links, und dieses wird
durch die Wendung des Normalzweiges bestimmt , welcher sich
ebenfalls bald rechts bald links wendet. Dieses Hin- und Herwen-
den der von einander abstannnenden accessorischen Zweige
steht in genauester Beziehung zu der Wendung ihrer Blatt-
spirale. In der Regel haben die accessorischen Zweige keine
Wurzelblätter , doch fand der V^erf. solche an Aristolochia
Sipho. Im Allgemeinen sind ferner die dem Normalzweige
zunächst stehenden accessorischen Zweige die ausgebildetsten.
Es kommen aber auch Ausnahmen vor, wo sich unter die
Bliithen ein accessorischer Laubzweig mischt, wie der Verf.
an Manulea oppositifolia sah. Zuletzt noch ein Verzeichnis?
der Pflanzen mit accessorischen Zweigen, welche der Ver-
fasser beobachtete.
L'ebor die Stellung der Biälter mid Bracteen am Stanune
und den Blüthenstielen ist seitSchimper sehr viel geschrieben wor-
für physiologische Botanik. 49
den, (Joch sind wenig mathematische Untersuchungen, deren
dieser Gegenstand wohl fähig ist, darüber erschienen. Jetzt
hat ein um die Lehre der mathematischen Krystallographie
sehr verdienter Naturforscher, Herr Naumann, eine Abhand-
lung geliefert: Ueber den Quincunx als Grundgesetz
der Blattstellung im Pflanzenreiche, in Poggen-
dorf. Annal. d. Physik u. Chemie. 2 Reihe B. 26. (1842)
S. i. Den Verf. machte zuerst die regelmässige Anordnung
der Schilder an den fossilen Pflanzen, den Arten von Lepi-
dodendron und Sigillaria auf diesen Gegenstand aufmerksam.
Er gesteht kein Botaniker zu sein, auch kennt er nur, was
Karl Schimper und Alex. Braun über diesen Gegenstand ge-
leistet haben, er liefert also nur allgemeine Betrachtungen,
die aber doch wichtig sind. Denn die Natur arbeitet zwar
im organischen Körper nicht genau nach Zirkel und Winkel-
maass, wohl aber liegt ihren Bildungen immer eine Geometrie
zum Grunde. Uebrigens lässt sich von einer solchen Abhand-
lung, wo eines aus dem andern genau und buchstäblich folgt,
kein Auszug geben , sondern es sind nur die Hauptandeutun-
gen mitzutheilen. Eine quincunciale Anordnung, sagt der
Verf., findet allemal da Statt, wo parallele (oder auch radiale,
unter gleichen Winkeln geneigte) Reihen (Zeilen) von aequi-
distanten Punkten in der Weise gegeben sind, dass die Punkte
einer jeden einzelnen Reihe gegen die Punkte der Nebenrei-
hen um einen bestimmten Theil der Punktdistanz verscho-
ben sind. Setzt man die Distanz der Punkte innerhalb einer
jeden Reihe = a, den Abstand oder das Intervall der einzel-
nen parallelen Reihen =b, und ist — ein Bruch, dessen
m
Zähler höchstens halb so gross werden kann, als der Nenner,
so ist der Quincunx dadurch gegeben, dass alle Punkte der
zweiten Reihe gegen die der ersten Reihe um — a verscho-
m
ben sind. Der Verf. handelt zuerst von dem parallel reihigen
Quincunx. Diese ganze Anordnung wird in m Zeilen einen
Cyclus vollendet haben, und sonach ist der Neinier des Bru-
ches — als die eigentliche cvklische Zahl des Quincunx zu
m ° • ^
betrachten. Um die schrägen Linien, welche Schimper Wendel
Aichiv f. Nalurgescb, X. .lalirg, 2. Bd, D
50 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
nannte, und ^velclle unser Verf. Stroplten nennt, zu bestimmen,
legt er zwei rechtvvinklichte Coordinaten durch eine Figur,
welche die Fläche eines Cylinders mit dem Quincunx auf eine
Ebene projicirt darstellt. Die eine Seite der Ordinaten kann
man die positive, die andere Seite die negative nennen. Wenn
man nun irgend einen Punkt in der Linie der Ordinaten mit
dem nächst gelegenen Punkte der Nebenreihe verbindet, wel-
cher gegen ihn um — a verschoben ist, so erhält man eine
Linie, in deren weiterm Verlaufe eine ganze Reihe von Punk-
ten gegeben ist , auch hat man ein ganzes System von der-
gleichen unter einander parallelen Reihen. Diese Reihen sind
die ersten und wichtigsten Strophen; der Verf. nennt sie da-
her Archistrophen, und bezeichnet sie als erste, zweite, dritte
u. s. w. Archistrophe. Zieht man nun von den Anfangspunk-
ten der Coordinaten gerade Linien nach allen Punkten der
Archistrophen, so erhält man die secundären Strophen und
der Verf. nennt die durch Punkte der zweiten Archistrophe
bestimmten Strophen Protostrophen, so wie durch Punkte der
dritten Archistrophe Deuterostrophen u. s. f., auch werden sie
nach der Zahl der Punkte in jeder Archistrophe, mit Strophe
der ersten, zweiten, dritten Ordnung u. s. w. benannt. Die
um 1 verminderte Ordinalzahl derjenigen Archistrophe, nach
welcher irgend eine secundäre Strophe läuft, bestimmt also
die Klasse und die Ordinalzahl des Punktes in solcher Archi-
strophe beslinnnt die Ordnung der Strophe. Der Verf. nennt
diesen Punkt den Bcstimmungspunkt der Strophe und wenn
seine Coordinaten x und y allgemein mit cc und ß bezeichnet
werden, so folgt leicht, dass der pte Punkt der (q — l)ten
. ,• ,^ ,• , P» — q'i' 1
Archistrophe durch die Coordniaten a =: ■ — a und
^ m
/S = pb bestimmt wird. Diese beiden Gleichungen liegen der
Untersuchung des parallel reihigen Quincunx zum Grunde.
Die Anwendung und weitere Entwickelung derselben muss
man aber bei dem Verf. selbst nachsehen. In der zweiten
Abtheilung handelt derselbe von dem kreisförmigen oder con-
centrisclion Quincunx, wo nämlich die Blätter oder ähnliciie
Tlieile auf einer Kngeifläche stoiien, der indessen im Pflanzen-
reiche si'ltoiier vorkommt. — Ich habe in meinen Griindieh-
für physiologische Botanik. 51
ren »1er Kräuterkunde, 2. Aufl. Th. I. S. 446. 447 folg. eine
mathematische Darstellimg der Sache gegeben, die mir sehr
leicht scheint, und die sich darauf gründet, dass die Blätter
oder Bracteen aus ihrer wirtelförniigen Lage in eine Schrau-
benlinie hinaufgezogen sind. Diese Veränderung der Lage
zu bestimmen, habe icl» die Winkel genommen, um welche
die Nebenreihen von einer gerade aufsteigenden Hauptreihe
entfernt sind. So kann ntan aus dem Winkelabstande der
Wendel oder Stroplien von der Hauptlinie die Zahl der Um-
läufe finden, welche die Blätter oder Bracteen /wischen zwei
in gerader Linie auf einander treffende Blätter oder Bracteen
machen. Es dient hier die Rechnung überhaupt nur zur
Uebersicht der verschiedenen Fälle, die Zählung und Messung
muss doch an der Pflanze selbst geschehen, da die organischen
Abschweifungen von der zum Grunde liegenden Form keine
genaue Messungen erlauben.
Bemerkungen über einige entgegengesetzte
Blätter, welche durch Verwachsung wechselnd
werden, von Ad. Steinheil. Aniial. d, Scienc. natu-
rell. 2 Ser. T. 19. p. 321. Das Verwachsen zweier Blätter
mit einander hat zuerst Ch. Bonnet beobachtet, und nach ihm
de Candolle. Der Verf. beobachtete eine solche Monstrosität
früher an Salvia verbenaca und jetzt wieder an Eucalyptus
pulverulenta, Betonica stricta ujid Urtica dioica. Die fünf
Stammblätter der Betonica waren wechselnd und zweizeilig,
das unterste einfach, die drei folgenden zweigablicht, das
fünfte wiederum einfach; die Blätter unter dem ersten Wirbel
standen aber wiederum gegen einander über. Der Verf. wen-
det diese Beobachtungen von Monstrositäten auf die Morpho-
logie an, wie er schon frülier in einer Abhandlung in den
Annales von 1835 gethan. Er unterscheidet wechselnde Blät-
ter par la soudure ou par la dissociation; zu dem ersten
hatte er in der eben erwähnten Abhandlung die Blätter des
Epheus gerechnet, wo die Stammblätter schon verwachsen
sind. Die wechselnden Blätter par dissociation lassen sich
dadiu'fli unterscheiden, dass die untersten Blätter zwar gegen-
überstellend sind, dass aber von dem dritten an die Stellung
etwas ungleich wird, und dass ein Blatt sich eher als das an-
D*
52 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
dere entwickelt. Docli gestellt der Verf., dass die Unterschei-
dung nicht selten schwierig sei.
Beobachtungen über den Ursprung und den
Zweck der Stipeln, von E. Regel. Linnaea B. 17.
S. 193. Der Verf. nimmt den Ausdruck in einer ganz eigen-
thiimlichen Bedeutung, wie sogleich aus dem Folgenden er-
hellen wird. Er stellt zwölf Sätze auf, die er der umständ-
lichem Untersuchung voranschickt, von denen wir das ^Yesent-
liche anführen wollen. 1) Alle blattartigen Organe der pha-
neroganischen Gewächse zerfallen in zwei gänzlich von ein-
ander getrennte , nänilich in die Stipel- und Blattbildung. 2)
Die stlpuläre Blattbildung überwächst die in Warzenform sich
aus dem Knospenkern erhebende Achsenspitze, von der Basis
der letztern aus, als eine in den einfachsten Formen bestän-
dig einfache StipelhüUe. Die Umhüllung der Achsenspitze
durch dieselbe ist jedoch nie vollständig. 3) Die ausgebil-
deten Stipelformen entstehen, wenn sich in der die Achsen-
.spitze überwachsenden StipelhüUe statt einer, zwei oder viei*
oder selten nocli mehr Längsspalten bilden, wodurch natürlich
eben so viele Stipelblättcben sich hervorbilden. 4) Da die
Stipeln aus der Basis der Achsenspitze hervorwachsen, so
empfangen sie auch ihre Nerven direct aus dem Stengel. 5)
In allen Fällen dienen die Stipeln zur Umliüllung der Achsen-
spitze, die unter ilirem Schutze fortwächst. 6) Ueberall wo
sich an der I'flanze Theilo hervorbilden , entsteht zuerst das
Achsengebilde des neuen Individiums, das zunächst von einer
oder mehreren Stipelhüllcn überwachsen wird. Alle in der
Pflanzenwelt zur Umliüllung verwendeten Organe gehören
nicht der Blatt-, sondern der Stipelbildung an. Hierzu gehö-
ren die Hüllen der Knospen, einige Ausnahmen abgerechnet,
die Eihülle, dieCotyledonen und die Fruchthüllen. 7) Die Stipeln
sind deshalb insofern als eine der Blattbildung vorausgehende
Bildung zu betrachten, insofern sie, bei sich neu entwickelnden
Individuen, schon vor der Blattstelluiig auftreten. 8) Hinsicht-
lich der zu einem Knoten gehörigen Stipeln und Blätter
linden wir einen dojipelten Unterschied, indem im ersten Falle
der Sti})elkr<'is höher, und in andern tiefer als das Blatt steht.
9) Die iiinenständigeii Stipeln besciiützen die Ausbildung des
fulgfiidiii Knotens und Blattes. Sie haben die Achsenspitze
für physiologische Botanik. 53
schon vollständig uitihiillt, wenn sich \on ihr das Blatt des
nächsten Knotens zn scheiden beginnt, so dass die Bildung
derselben gänzlich unter ihrem Schutze vor sich geht. Das
Blatt desselben Knotens dagegen, an dessen innerer Basis sie
stehen, entwickelt sich etwas früher oder gleichzeitig. 10)
Die Hervorbildung der anssenständigen .Stipeln geht dagegen
der Entwickelnng des Blattes desselben Knotens voran. 11)
Da die Stipeln zum Schutze bestimmter Theile bestimmt sind,
so können sie auch keine Axillarknospen haben; nur da, wo
keine wirklichen Blätter vorhanden sind, findet sich eine Axil-
larknospe an der Basis der Stipel. 12) Die eigentliche Blatt-
bildung wächst excentrisch von einer Seite der Basis der
Achsenspitze aus. — Ich habe diese Sätze mit des Verf. eige-
nen Worten hergesetzt, nur hin und wieder abgekürzt. Ich
sehe nicht ein, was den Verf. zu dem sonderbar aufgefassteu
Begriff von Stipel berechtigt, auch nicht, wie man Stipeln,
Kotyledonen, Fruchthiillen , Scheiden und Blatthäutchen unter
eine Klasse bringen kann. Die Achsenspitze ist an den Diko-
tyledonen immer mit einer oft grossen Anzahl von Blatt-
anfängen umgeben, die nachher zu wahren Blättern auswacli-
sen; keine andere Hülle ist vorhanden.
Blüthenstand. Blüthe. Befruchtung. Frucht.
Was über Blüthenstand und Blüthe in den verflosseneu
Jahren erschienen, geiiört ganz in die Morphologie, welche,
wie schon gesagt, nicht eigentlich ein Gegenstand dieses Jah-
resberichts ist. Jedoch wollen wir auch hier einige bedeu-
tende Abhandlungen kurz anführen.
Ueber dichotome Verzweigung der Blüthen-
axen (cymose Inflorescenz) dikotyledo nischer Ge-
wächse, von H. Wydler, Prof. in Bern. Linnaea Th. 17
S. 113. Der Verf. hat, wie er sagt, die Beobachtungen von
Schimper mit denen von Bravais in Verbindung gebracht, und
so eine Reihe von Sätzen entworfen, die er hier mittheilt.
Wir wollen im Folgenden nur auf das besonders Rücksicht
nehmen, was Aveniger allgemein bekannt ist. Wie bei oppo-
nirten Stengelblättern eine Succession in ihrer Entstehung
nachweisbar ist, so auch bei opponirten Vorblättern (Bracteen)
und es ist daher stets ein erstes (unteres) und ein zweites
54 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
(oberes) Vorblatt anzunehmen. Die sogenannten opponirteu
Vorblatter sind selten wirklich opponirt, machen selten mit
einander einen Winkel von 180", gewöluilich bilden sie unter
sich zweierlei Divergenzen, auch liegt am häufigsten die grosse
Divergenz nach vorn, nach dem IMutterblaft der Bliithenzweige,
die kleine hingegen nach hinten, nach der Abstannnungsaxe
der Zweige. Mit den Vorblättern beginnt die am Bliithen-
zweige sich weiter fortsetzende Blattspirale, welche zuerst
den Kelch als den ersten Cyklus der Bliithe umfasst. Am
häufigsten zeigt der Kelch dikotyledonischer Gewächse die
Blattstellungs-Briiche von |, ^, f ; der erste Fall ist der häu-
figste, der letzte dv.v seltenste. Die auf die Vorblätter fol-
gende Kelchspirale kann in Beziehung auf ihre Stellung zwi-
schen Axe und Mutterblatt hint- oder vornundäufig sein. Im
ersten als dem häufigsten Falle kommt bei pentameren Kelchen
das erste Kelchblatt nach vorn, etwas reclits oder links über
dem Mutterblatte zu stehen; das zweite unpaarige hingegen
median nach hinten vor der Abstammungsaxe. Es Jässt sich
dieses Stellverhältniss durch die Formel # ('^) ausdrücken.
Die Achseln der Vorblätter sind entweder fertil oder steril.
Im ersten Fall geht aus jeder Blattachsel ein Zweig hervor;
sind die Zweige von gleichmässiger Ausbildung, so erhält die
Verzweigung ein gabeliges Ansehen (cynia triflora Auct,). Wie-
derholt sich diese Verzweigung aus den Vorblättern der bei-
den Seitenzweige mehrere Male auf dieselbe W^eise, so ent-
steht eine stets nach zwei Seiten hin fortgesetzte dichotome
Verzweigung, vvelche Schimper Dichasium nennt. Man
unterscheidet daran y\xen (Zweige) und ebenso Vorblätter des
zweiten, dritten Grades u. s. f. Das merkwürdige Grundgesetz
aller der Achseln zweier Vorblätter gleichen Grades entspros-
sende Zweige besteht in ihrer stets sich symmetrisch entgegen-
laufenden Blatt- (Kelch) Wendung, d. h. die beiden Zweige
sind unter sich anlidrom. Geht nämlich die Blattwendung an
dem einen Z\veige rechts, so geht sie am andern links. Von
den beiden Zweigen ist ferner die Blattspirale des einen Zwei-
ges mit der Abstammungsaxe (dem centralen Bliithenzweige)
gleichläufig , das andere gegenläufig. Der Verf. unterscheidet
nun am Dichasium einen untern und obern Zweig, und giebt
die verschiedenen Verhältnisse der Blattstclhnig an, nachdem
für physiologische Botanik. 55
sie mit der Abstammungsaxe gleiclilaufeml (lioiiiodroner Zweig)
oder ihr entgogeiigesetzt sind (antidromer Zweig). Bilden
sich die honiodronicii Zweige eines Dichasiunis aus, so nennt
es Schimper einen Sehr au bei (bostryx), bilden sich blos
die antidromen aus, so nennt es Scliimper einen Wedel (ein-
cinnus cicinus). Der Verf. geht zuletzt die verschiedenen
natürlichen Ordnungen durch, die er in Rücksicht auf diesen
Klüthcnstand untersucht hat. — Wir müssen es dem Verf.
Dank wissen, dass er die nicht klar geschriebenen Abhand-
lungen von Schimper und Bravais zu einer klaren Uebersicht
gebracht hat. Wenn man auch der Blattspirale den Werth
nicht beilegt, den viele Alorpholügen ihr zuschreiben, so ist
doch die Untersuchungen derselben zur vollständigen Kennt-
niss der Pflanze nöthig.
Examen organograp hique des Nectaires par
M. L. Bravais. Annal. d. Sc. nat. T. 18. p. 152. Linne
nannte Nektarien Theile der Bliithe, welche einen süssen Saft
absondern, brachte aber nicht allein viele Theile dahin, an
denen man eine solche Absonderung nicht bemerkte, sondern
er rechnete auch zu den Nektarien, was nicht Kelch, Blume,
Staubgefäss oder Staubweg und Fruchtknoten ist. Der Wis-
senschaft fehlt ein Ausdruck, sagt der Verf., um einen Theil
des Androceums oder auch einen Kreis von Theileu zu be-
zeichnen, welche Nektarsaft absondern oder nicht. Die mei-
sten angegebenen Ausdrücke erfüllen ihren Zweck nicht. In
Ermangelung von bessern wählt der Verf. die Ausdrücke
noctarium und discus, den ersten nach der Linneschen Be-
stiiinnung, den zweiten in dem Falle, wo die Nektarien einen
Kreis oder einen Wirtel bilden. Es folgen die Eintheilungen
der Nektarien, und zwar nach der Stelle, wo sie sich finden,
also: 1) Kelch -Nektarien. I lieher gehören die Kelchdrü-
sen vieler Malpighiaceen, einiger Euphorbiaceen, der Sporn an
Impatiens Balsamina, auch das Nektarium, welches an der Ba-
sis und iinierhalb der Kelchblätter der Malvaceen sich befin-
det, wie an manchen Arten von Malva, an Lavatera trimestris
u. s. w. Es bildet eine weissliclie und rauhe Wulst (bourre-
let). 2) Hypopetale Nektarien. Nur ein Beispiel ist dem
Verf. bekannt; ausserhalb und an der Basis der Blume von
Chironia decussata befindet sich ein gelber, nektarführender
56 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
gekerbter Ring. 3) Corollen-Nektarieii. Sie finden sich an
den meisten Blumen, besonders an dem untern Theile der
Blumenblätter, und bilden Gruben, Rinnen, Sporen und dgl.
4) Hyposteraone Nektarien, zwischen der Corolle und den
Staubfäden. An sechszehn natürlichen Ordnungen bemerkte
sie der Verf.: Capparideae, Resedaceae, Hippocastaneae, Am-
pelideae, Geraniaceae, Oxalideae, Sapindaceae, Terebinthaceae,
Passifloreae, wo sie zahlreiche Fäden machen und nektarfiih-
rende Höhlungen, Loaseae, (wo ich sie Parastemones genannt
habe), Cucurbitaceae, Asclepiadeac, die Krone derselben, (die
ich paracorolla nannte). 5) Staubfäden-Nektarien. Der Verf.
beschreibt hier mehre dergleichen, z. B. an einer gefüllten
Acklei, an Veilchen, Fumaria, Corydalis, Dianella, den Lauri-
neen, Vinca, Phaseolus, Alsine media. 6) Eingeschobene Nek-
tarien zwischen den Staubfäden, wie an Melianthus major und
minor, Tropaeolum, vielen Cruciferen, Sibbaldia procumbens.
7) Disci zwischen den Staubfäden und dem Fruchtknoten,
(mein perigynium). Sehr häufig, und fast an der Hälfte der
Dikotylcdonen zu finden. 8) Pistill -Nektarien. Selten, an
einigen Euphorbiacecn. Linnö rechnete hieher die drei Glan-
dulae an der Spitze des Fruclitkjiotens in den Hyacinthen.
9) Nektarien auf dem Blüthenboden. Gehören meistens zu
den vorigen, doch sind in dieser Rücksicht die Schuppen in
der Blüthe von einigen Crassulaceen zu untersuchen. Es
giebt ^>ber viele Blumen, die einen Nektarsaft absondern, au
denen man keine besondere Nektarien bemerkt. Die mikro-
skopische Untersuchung der Nektarien zeigt nur Zellen ver-
schiedener Art oft mit Saft gefüllt, keine Spiralgefasse, doch
bemerkt man solche an Campanula Rapunculus, aber man ist
auch hier nicht siclier, ob nicht etwas vom Blüthenboden mit
abgeschnitten wurde. Unter der Abtheilung Symmetrie des
nectaires beschreibt der Verf die I^age derselben in verschie-
denen Blüthen. Dann unterscheidet er an jedem Blatte des
Androceums vier Theile, support, nectaire, anthere, limbe, und
führt dieses mit vielem Scharfsinn an einzelnen Pflanzen aus;
die meisten Nektarien sind Theile, an denen Anthere und
Saum fehlen. Er wendet dieses auch auf die Pistillarblätter
an, wo der Fruchtknoten mit der Unterlage (support), der
Griffel mit dem Nektarium und die Narbe mit den Anthereu
für physiologische Botanik. 57
verglichen werden. Zuletzt kommt er auch auf die Stamiii-
blätter, an denen, nach unserni Verf., die Basis des Blattstiels,
oft sehr verdickt, dem support entspricht, der Blattstiel, oft
mit Glandeln bedeckt, den» nectaire, und die Platte der An-
there. Ueber den Nutzen des Nektarsaftes weiss der Verf.
wenig zu sagen; er meint, dass er in manchen Pflanzen re-
sorbirt werde, und vermuthlich zur Ernährung der Eichen
diene. — Die Unterscheidung von discus und nectarium nach
der Stellung im Kreise oder nicht, ist niciit zweckmässig, da
es deutliche Nektarien giebt, die im Kreise stehen, wie die
Gruben auf den Blumenblättern von Fritillaria imperialis L.
und vielen andern. Eben so begreift, was der Verf. discus
nennt, so verschiedene Theile, dass man sie wohl nicht mit
demselben Namen bezeichnen kann. Ich bleibe bei meiner
einmal gegebenen Terminologie, die wenigstens leicht verständ-
lich ist, wo man Paracorolla, Parapetala, Parastemones gar
leicht an Stellung und Gestalt unterscheidet. Perigynium be-
zeichnet alle um das Pistill stehende Theile, deren Verschie-
denheit sich leicht durch ein Beiwort angeben lässt; P. disci-
forme ist der grosse discus, der in vielen Blumen das Pistill
umgiebt, die einzige Form, wofür das Wort discus verständ-
lich ist. Das Wort glandulae mag immer bleiben, auch wenn
diese Theile keinen Saft absondern , erstlich weil es von fjist
allen Pflanzenbeschreibern angenouunen ist, und dann, weil
auch die Anatomen den Ausdruck da behalten liaben, wo
keine Absonderung Statt findet, z. B. glandulae conglobatae.
Der Name nectarium mag immer beibehalten werden als all-
gemeiner Name; in den Beschreibungen wird es aber besser
sein zu sagen fossae nectariferae u. s. w.
Ueber die involucra bei Cynosurus und bei
Setaria von Dr. II. Koch in Jever. Botanische Zei-
tung. 1843. St. 15 — 17. Dass bei Cynosurus das sogenannte
involucrum aus unfruchtbaren Aehrchen besteht, fällt in die
Augen und ist schon von Vielen erkannt worden. Die soge-
nannten setae -an Setaria sind Bliithenstiele, deren Bliithe nicht
zur Ausbildung gelangt. Der V'erf. zeigt dieses umständlich
und redet dann von den Unterschieden der Setaria viridis,
italica und verticillata. Zuletzt sagt der Verf.: Einfaches Al-
terniren liegt bekanntlich bei den Gräsern zum Grunde, von den
53 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Blättern bis zu den Staiibgefässen, welche sich fast immer zu
drei stellen. Unsere Setarien , fahrt er fort, haben das inter-
essante, dass der Uebergang, das Schwanken zwischen beiden
Zahlenverhältnissen (der Zweizahl und Dreizahi) nicht wie
bei den andern Gräsern , in dem Gegensatze zwischen Blatt
und Bliithe stehen bleibt, sondern schon in der Stellung der
Aeste erscheint. Obgleich hier das Bestreben, die Divergenz
l zur Herrschaft zu bringen, deutlich genug ausgesprochen
ist, so kann es doch nicht ganz dazu kommen, sie zu fixiren;
denn nicht allein, dass häufig bei Anfang und Ende der
Aehre die Hauptäste wieder in die Divergenz \ zurückfallen,
so sind vollends die Nebenäste bis zu den letzten , den Blii-
thenstielen hinzu, wieder im Uebergange von i zu y begriffen
und die letzte Divergenz setzt sich dann, wie gewöhnlich in
der Doppelbliithe und deren Theilen weiter fort, so dass die
Setarien zweimal ihre Stellungsgesetze wechseln, während an-
dere Gräser es meistens nur einmal thun. — In den Blattern
der meisten Gräser sehen wir schon die Stellung zu drei,
denn die wechselnden Blätter sind überhaupt nur aus einander
gezogene Wirtel. Bei der Inflorescenz, welche die Blüthen-
stiele machen, kommt noch ein anderer Umstand hinzu, die
Prolepsis, das frühere und spätere Hervorkommen, worauf
der Verf. nicht geachtet hat. Der Ausdruck Divergenz ist
sehr unzvveckmässig, und der V^erf. redet selbst von der zu-
fälligen Grösse der Winkel. Die meisten Morphologen ver-
wechseln die Terminologie für die Beschreibung mit der mor-
phologischen Terminologie, die ein ganz anderes Feld hat.
Involucrum bezeichnet die Stellung von Theilen ausser und
unter der Blüthensphäre um eine Bliithe oder um mehrere.
Von welcher Art die Theile morphologisch genommen sind,
ist nicht immer bereits untersucht worden, und dann auch
oft noch zweifelhaft, erfordert aucli nicht selten eine genaue
anatomische Untersuchung, die der Beschreiber nicht anstellen
kann, so wie der, welcher die Beschreibung zur Erkennung
der Art benutzen will. Nach diesen Gründen lässt sich der
Ausdruck Involucrum für Setaria wohl rechtfertigen, und der
Zusatz setosum ebenfalls, denn die Fäden sind selbst steif
und bürstenartig. Was seta sei, ist sehr verschieden bei den
Botanikern bestimmt, und der Beschreiber kann nur auf die
für physiologische Botanili. 59
fadenförmige Fonu und Steifigkeit einer Thierborste Riicksieiit
nehmen. Cynosurus hat kein involuoruni , auch habe ich im
Hort. bot. Berol, gesagt, spicuhte fultae bracteis pinnatifidis,
denn als Bracteen stellen sich diese Theile dar, wenn sie
auch zusammengewachsene Bliithenbälge sein mögen.
Bemerkungen über den Bau der Pollen körn er,
besonders in Rücksicht auf Classification von Ar-
thur Hill Hassall, in Annais and Magazine ofNatu-
ral History. T. 8. p. 92. Der Verf. gesteht, dass er die
Schriften von Purkinje, (der von den Spiralzellen der Anthe-
ren allein handelt), von Fritzsche und Mohl nicht geradezu
kenne, sondern nur aus Lindley's Angabe ihrer Meinungen.
Zuerst von den Pollenkörnern überhaupt. Die cylindrischen
oder beinahe cylindrischen Körner, welche vor der Benetzung
mit einer Flüssigkeit horizontal liegen, richten sich auf, wer-
den breiter, wenn die Benetzung mit einer Flüssigkeit ge-
schieht, die weniger dicht ist als die Foville, und verändern
ihre Gestalt in eine dreieckige. Der Verf. glaubt, dieses ge-
schehe durch eine Endosmosc, sonderbar genug, da hier die
Hauptbedingung einer Endosmose, nämlich zwei Flüssigkeiten,
die durch eine Membran durchgehen, um ihre Plätze zu ver-
tauschen, durchaus nicht Statt findet. Dass die Pollenkörner
meistens zwei Häute haben, ist bekannt; zu denen, an welchen
man drei beobachtet hat, setzt der Verf. noch die Pollenkör-
ner vieler y\rten von Banksia und Dryandra, von Fuchsia
u. s. w. , doch glaubt er, dass in den letztern eine vierte
Haut sein möge, die Fritzsche an vielen Onagrarien fand und
der Verf. selbst an Clarkia elegans. Die sonderbare Form der
Pollenkörner von Saponaria viscida wird beschrieben. Um-
ständlich redet der Verf. von den Furchen, welche man in
vielen Pollenkörnern bemerkt, und erklärt sie als eine Lücke
(deficiency) in der äussern Membran, wodurch das Austreten
der Pollenschläuche erleichtert wird. Die äussere Haut be-
steht meistens aus Zellen , die durch eine organische Linie
zusammengehalten werden. Auch in den stachlichten Körnern
kann man jene zellige Haut erkennen. Zuweilen erscheint
die Oberfläche des Pollenkorns körnig, aber dieses rühre nur
von Körnern in der Fovilla her, welche durch die äussere
Haut durchscheinen. Die Pollenkörner, besonders die stach-
ßO H. F. Link. Jahresbericht über die Arbeiten
lichten oder borstigen, sind mit einer dicken, zähen Masse
umgeben, die der Verf. nicht von einer Absondernng oder
von einem Ausschwitzen , sondern von der Zelle ableitet,
worin das Pollenkorn zuerst entwickelt wurde. Die Pollen-
körner sind oft vereinigt; und zwar durch eine zähe Masse,
oder durch Fäden vom zerrissenen Zellgewebe, also unbe-
ständig und nur auf einige Zeit, oder auch beständig und
organisch. Das erste findet sich bei Epilobium (ausser angusti-
foliuni) , das letztere bei den Ericaceen. Es sind oft viele
Körner zusammen verbunden, 12 in Acacia decipiens, 16 in,
Acacia linearis. Die verschiedene Grösse der Pollenkörner
wird angegeben ; die kleinsten fand der Verf. bei Myosotis
palustris und Mimosa marginata, die grösste bei Cobaea sti-
pularis. Die Farbe der PoUenkönier ist sehr verschieden.
Die Pollenschläuche sind Verlängerungen der Innern Haut,
mit der Foviila angefüllt; da sich aber keine Haut so stark
ausdehnen kann, als Avir es bei manchen Pollenschläuchen
finden , so muss man sie wohl Auswüchse nennen. Die sich
bewegenden Moleküle in der Foviila hält der Verf. für flüssig,
da sich ihre Gestalt gar sehr verändert. Die verschiedenen
Wirkungen von Säuren und Salzauflösungen auf die Pollen-
körner werden angegeben. Nun folgen die verschiedenen
Mittel, welche die Natur anwendet, um das Befruchtungs-
geschäft zu erleichtern, die meistens bekannt genug sind.
In dem nennten Bande dieses Journals S. 544 wird die
Abhandlung über die Pollenkörner fortgesetzt. Der Verf. be-
schreibt die Gestalt der von ihm beobachteten Pollenkörner
nach den natürlichen Ordnungen, indem er von den Cypera-
ceen und Gramineen anfängt, auch werden 158 Figuren dazu
gegeben. Der Verf. macht nun allgemeine Bemerkungen über
die Gestalt der Pollenkörner. ,,Der Unterschied," sagt er,
,, zwischen dem Pollen der Exogenen und Endogenen ist so
gross, dass er allein einen Character darbietet, um dadurch
sogleich zu bestimmen , zu welcher Klasse eine Pflanze ge-
hört. Das Pollenkorn einer Endogene (Monokotyle) kann
auf folgende Weise characterisirt werden. Es ist entweder
sphärisch, oval oder elliptisch; gewöhnlich, wenn nicht immer,
aus zwei Membranen zusammengesetzt, die selten mehr als
einen Pollenschlauch enthalten , und eine einzige Ausnahme
für physiologische Botanik. 61
abgerechnet, nie mehr als zwei. Diese Ausnahme kommt an
Limnocharis Huniboldti vor, an der das Pollenkorn sphärisch
ist, und die äussere Haut (extine) durchbohrt mit 6 — 7 Löchern,
um die Pollenschläuche auszulassen. Die elliptische Gestalt
der Körner kommt an den Monokotyledonen am häufigsten
vor; sie wurde an 44 Gattungen beobachtet unter den 73,
die man einer mikroskopischen Untersuchung unterwarf. Das
Pollenkorn einer Exogene (Dikotyle) kann auf folgende Weise
definirt werden. Im Allgemeinen zeigt es eine mehr zusam-
mengesetzte Organisation; die Zahl der umhüllenden Membra-
nen ist zwei, drei oder vier, die Gestalt verschieden, meistens
entweder dreilappig, sphärisch, oder dreieckig, mit Pollen-
schläuchen, die an Zahl sehr verschieden sind, und zwar drei
Ausnahmen abgerechnet, von drei zu fünfzig. Von diesen
Formen konnnt die dreilappige am häufigsten vor, und ist,
nach des Verf. Erfahrungen charakteristisch für eine Exogene,
da sie in 187 Gattungen von den 332 untersuchten sich fin-
det. Die gedachten Ausnahmen konuuen in den Gattungen
Acanthus, Dryandra und Magnolia vor; die letzte Gattung ist
so bestinunt dikotyledonisch , dass kein Zweifel darüber sein
kaim, und doch hat, sonderbar genug, das Pollenkorn die
elliptische Gestalt, die in den Monokotyledonen so häufig ist.
Das Polleukorn von Dryandra, ob es gleich nur zwei Pollen-
schläuche hat, ist krinmu und hat drei deutliche Häute. — Das
liess sich erwarten und ist nicht sonderbar, denn nach einem
von den drei Naturgesetzen für die IMannichfaltigkeit der
Pflajizen läuft jeder Theil seine Reihe vom einfachen zum zu-
sammengesetzten durch, indem ein anderer Theil auf dersel-
ben Stufe der Entwickeluiig stehen bleibt. Doch kommen die
zusammentrefTonden Formen, was Einfachheit und Zusannuen-
setzung betrifft, am häufigsten vor. Die Coniferen und Taxus
stellt der Verf. nach seiner Ansicht zwischen die Monokoty-
ledonen und Dikotyledonen, doch sei das Pollenkorn mehr
zusammengesetzt, als in den Monokotyledonen. Diese Stel-
lung scheint richtig, weil sie eine ganze Ordnung betrifft,
aber wenn er Nymphaea des Pollenkorns wegen zu den Mo-
nokotyledonen stellt, so entscheidet dieses für eine einzelne
Gattung nicht, weil gerade in solchen die Verbindung von
Theilen auf sehr ungleichen Stufen dor Entwickelung Statt
02 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
finden kann. Zuletzt ist von Mohls Behauptung die Rede,
dass nämlicli die Gestalt des Pollenkorns veränderlich sei,
und verschieden in derselben Familie, derselben Gattung und
sogar derselben Art. Das erste gesteht der Verf. ein , das
zweite sei aber höchst selten der Fall, und nur zwei Aus-
nahmen sind davon dem Verf. bekannt, nämlich bei Linuni
usitatissimum und L. africanum, ferner bei Viola tricolor und
Viola montana oder V. odorata. Das dritte läugnet der Verf.
durchaus und behauptet, dass, wo dieses der Fall scheine,
das Pollenkorn monströs oder übel gebildet sei, und zwar
durch IMangel (subtraction) oder Lleberfluss (addition). Bei-
spiele führt der Verf. aus mehreren Pflanzen an, besonders
häutig konnnen sie in hybriden Pflanzen vor, z. B. Fuchsia
Standishii, und dieses möge der Grund sein, warum hybride
Pflanzen oft unfruchtbar sind, eine Bemerkung des Verfassers,
welche Aufmerksamkeit verdient.
Hiezu gehört: Kritische Ujiter suchung von Mohls
Ansichten über die Natur des Pollenkorns, von
Arthur Hill Hassall. Annais and Magaz. of Natural
History. T. 9. p. 93. Mohl meint, sagt der Verf., dass die
Zellen in der äussern Membran des Pollenkorns das Öl ab-
sondern, welches sich im Pollen befindet. Nach unserm Verf.
rührt es, so wie die klebrige Materie, die das Korn überzieht,
von der ersten Zelle her, worin sich das Pollenkorn bildet,
denn es findet sich am häufigsten an den Pollenkörnern, die
eben der Anthere entschlüpft sind. Mohl irre sich, wenn er
behaupte, dass die Pollenkörner mit Stacheln keine Zellen in
der äussern Membran hätten , aber auch Adolph Brongniart,
wenn er behaupte, dass in jeder Zelle ein Ausführungsgang
sich befinde. Der Verf. sagt ferner, er habe behauptet, dass
die körnig erscheinende Oberfläche der Pollenkörner von den
activen kleinen Körnern herrühre, welche durchscheinen, auf
alle Fälle bleibe er bei der Meinung, dass jenes Ansehen nur
sclieinbar sei. Die Stacheln und warzenförmigen Hervorra-
gungen auf der äussern Haut wären nicht eine Verlängerung
der Körner der äussern Membran, sondern eine Hervortrei-
bung der innern Haut. Von einem solchen Hervortreten der
innern Haut, verbunden mit einem Riss der äusserji, rühren
für physiologische Botanik. 63
die Banden lier, welche man an den Pollenkörnern mit Fur-
chen sieht, wenn sie benetzt aufschwellen.
Ueber die S tructur und Verrichtung des Pollen,
von J. Aldridge in Hook er' s Journal ofBotany. T. 4.
p. 86. In dem Jahresberichte für 4841 S. 128 gab ich eine
Nachricht von Aldridge's Lhitersuchungen über den Blüthen-
staub, nach dem zweiten Bande S. 428 von Hookers Journal
und setzte über die vorliegende Abhandlung nur sehr wenig
hinzu, da die Schriften von 1842 nicht mehr zum Bereich
des damaligen Jahresberichts gehörten. Der Verf. vertheidigt
sich zuerst gegen den Vorwurf, als sei ihm Fritzsche in sei-
nen Behauptungen schon zuvorgekommen. Aldridge hatte
nämlich in jener Abhandlung behauptet, das Stigma sondere
eine Säure ab, diese Säure maclie den Blüthestaub aufsprin-
gen, und coagulire die Flüssigkeit in derselben, welche die
Fovilla umgiebt. Es wird ihm leicht zu zeigen, dass Fritzsche
die Säure auf dem Stigma nicht gekannt habe, wie man ihm
vorgeworfen hatte. Der Verf. geht nun weiter. Die Fovilla
bestehe aus mucus, Ol und Stärkmehl. Der mucus schwillt
im Wasser an, und dieses Anschwellen ist die Ursache des
Hervordringens der Pollenschläuche; er wird von Jod braun
gefärbt, und Säuren verwandeln ihn in eine graue zälie Masse.
Der andere Bestandtheil, der jiie fehlt, ist das Öl, welches
von Jod nicht gefärbt wird, da hingegen die Stärkekörner
vom Jod, wie bekannt, blau gefärbt werden. Die Körner in
den Oltropfen sind es, welche sich in den Pollenschläuchen
bewegen.
Auszug aus der 1 n a u g u r a 1 - D i s s e r t a t i o n über
d i e B i 1 d u n g des Embryo und über d i e S e x u a I i t ä t
der Pflanzen, von Dr. Gelesnow aus Petersburg.
Botanische Zeitung. 184-3. 49 St. „Meine Beobachtun-
gen," sagt der Verf., „bestätigen der Hauptsache nach die
des Herrn Schieiden über die Art der Entstehung des Em-
bryo, dass dieser nämlich sich aus dem Pollenschlauche bil-
det, der in die Höhle des Embryosackes gelangt. Von der
Richtigkeit dieser Erscheinung kann man sich bei solchen
Pflanzen am entschiedensten überzeugen, bei welchen die Ein-
stülpung* des Embryosacks geschieht und letzterer lange Zeit
unaufgelöst bleibt. Diesen Fall habe ich am deutlichsten an
64 H. F. Link: Jahresberioht über die Arbeiten
der Pfirsich beobaclitet, — Diese Einstülpung des Einbryo-
sacks findet sich nicht bei allen Pflanzen. Bei Iberis z. B.
(Ib. amara und unibellata) ist das nnkropyle Ende des Eni-
bryosacks sehr zugespitzt, so dass der Durchmesser seiner
Spitze nicht viel grösser ist. als der des Pollenschlauchs.
Hier geschieht die Embryobildung auf folgende Weise: Indem
der Pollenschlauch in Berührung mit dem Embryo kommt,
löst sich die berührte Stelle des letztern auf und der Pollen-
schlauch dringt förmlich in die Höhle des Embryosacks ein;
bei den genannten Pflanzen dringt er sogar sehr tief ein.
Der gebildete Embryo wird also hier Jiicht von den umge-
schlagenen Wandungen des Embryosacks umhüllt, wie bei der
Pfirsich, sondern sowohl er, als sein langer Keimträger wird
von der eigenen Membran des Pollenschlauches gebildet. In
diesem Falle wird es oft weit schwieriger zu entscheiden sein,
ob wirklich der innerhalb des Embryosacks befindliche Em-
bryo mit seinem Träger blos eine Verlängerung des Pollen-
schlauches ist, oder ob sie auf irgend eine andere Weise ent-
standen sind." — Es wäre zu wünschen gewesen, dass der
Verf. eine vollständige UebersetzuHg seiner russisch geschrie-
benen Abhandlung gegeben, oder wenigstens die dort ange-
hängten Resultate wörtlich wieder gegeben hätte. In diesem
Auszuge bleibt der Verf , besonders was Iberis betriflft, nicht
bei der blossen Beobachtung stehen, wie dort, sondern er
geht darüber hinaus zur Theorie.
Neue Theorie der Befruchtung der Pflanzen,
von Dr. Theodor Hartig. Braunschweig, 1842. 4.
Nachdem der Verf etwas über den gegenwärtigen Standpunkt
der Befruchtujigslehre der Pflanzen gesagt hat, geht er im
ersten Abschnitt zur Endogenen -Empfängniss, oder zur Em-
pfängniss im Innern des Fruchtknotens über. Hier gelangt
nämlich ein Pollenschlauch oder Ballschlauch, wie der Verf.
sagt, bis zum Ei, dringt in die Keimöfl'nung ein, durchwächst
das Zellgewebe des Bofruchtungskegels bis zur Stelle, wo
sich der Keim bilden soll. An den Zapfenbäumen geht nach
unserm Verf der Blumenstaub selbst in das Keimloch der
nackten Eier, setzt sich auf dem Befruchtungsei fest, und
schickt einen kurzen Schlauch in das Zellgewebe desselben,
in Folge dessen eine Reihe merkwürdiger Bildungen beginnt,
für physiologische Botanik. 65
deren Endglied der bei den Nadelhölzern mit zweijähriger
Samenreife nach mehr als Jahresfrist entstehende Keim ist,
wie schon im vorigen Jahresbericht (S. 133) nach des Verf.
Lehrbuch angeführt wurde. Allerdings habe man das Eindrin-
gen der Schläuche in das Ei in vielen Familien wahrgenommen;
dass die Befruchtung aber nicht immer auf diese Weise geschehen,
sei der Zweck des Verf. zu zeigen. Hierauf folgt die Empfängniss
des Mutterkuchens. Bei einer nicht unbedeutenden Anzahl
lassen sich die Pollenschläuche bis in den Eierstock, mitunter
bis auf den Grund desselben verfolgen, während man in der
Keimöflfnung der Eier vergebens danach sucht, wie bei vielen
Oenotheren. Bei allen Pflanzen, fährt der Verf. fort, denen
ein tieferes Eingehen der Schläuche überhaupt eigen ist, win-
det sich der Schlauch auf dem kürzesten Wege dem Zellge-
webe der Narbe zu, durchdringt Oberhaut, Aussenzellen, Rin-
denzellen bis zum centralen Gefässbündel , und verläuft von
da ab parallel mit letzterm bis zum Griffelende, wo er aus
dem Zellgewebe der Narbe in die leitenden Fasern des Grif-
felkanals übergeht. Wo der Schlauch nicht auf dem kür-
zesten Wege in das Zellgewebe der Narbe eingeht, sondern
in grösserer Erstreckung auf der Narbenoberfläche frei ver-
läuft, da findet in den meisten Fällen Eindringen des Schlau-
ches gar nicht Statt, wie man an Clarkia pulchella sieht. Der
Verf. betrachtet nun das Eindringen der Folienschläuche in
den Griffelkanal , wo sie den leitenden Fasern folgen. Die
leitenden Fasern des Griffelkanals entsprechen, ihrem Baue
nach, wie der Verf. sagt, den Saughaaren der Narbe; in den
meisten Fällen ist das Saughaar nichts anderes, als die äus-
serste Zelle einer Reihe leitender Fasern, welchen letztern
jedoch die Oberhaut fehlt. Die leitenden Fasern bestehen
stets aus zwei in einander liegenden Häuten einer Schleimhaut
lind einer Schlauchhaut. Die Schläuche durchbohren oft da,
wo ein offener Kanal sich findet, dennoch die Oberhaut und
dringen in das Innere. Wenn man die Schläuche bis in den
Eierstock, aber nicht weiter verfolgen kann, so geschieht ein
Uebergang des befruchtenden Stoffes aus den dem Mutter-
kuchen genäherten Schläuchen in das Zellgewebe desselben,
und eine Fortleitung zum Eie durch die Zellen oder Fasern
der Nabelschnur. Dieses sucht der Verf. dadurch zu bewei-
Archiv f. Naturgeschichte, X. Jahrg. 2, Bd. E
66 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
sen, dass bei Pflanzen mit vielsamigen Fruchtknoten die Zahl
der Eier oft in grossem Missverhältniss zu der Zahl der
Schläuche stehe. Bei Oenothera longiflora z. B. enthalte der
Eierstock ungefähr iOOO Eier, wovon etwa 250 — 300 zur
Vollkommenheit gelangen. Die gemeinschaftliche Durch-
schnittskreisfläche von 300 Schläuchen sei = 0,00785 Qua-
dratlinien, der Grifi'elkanal aber dicht über dem Fruchtknoten
habe nur eine Fläche im Querschnitt von 0,00785 Quadrat-
linien, er würde also nur, wenn er nichts als Schläuche ent-
hielte, nur j der zur Befruchtung nöthigen Schläuche fassen
können, auch zähle man in den tieferen Theilen des Griff'el-
kanals dieser Pflanzen meist weniger als 50 Schläuche. Auch
zeigten sich die Pollenschläuche, wo sie in die Eier gehen,
immer von grosser Dauer, hier aber, bei Oenothera longiflora
nämlich, habe der Verf. nie einen Schlauch in einem Eie ge-
funden. Da der Schlauch gewöhnlich so gross ist, dass der
Ball (das Pollenkorn) woraus er entsprang, ihn nicht wohl
lassen konnte, so hält es der Verf. für wahrscheinlich, dass
der von der Narbenoberfläche absorbirte, ins Zellgewebe ein-
getretene Befruchtungsstoff" aller nicht zur Schlauchbildung
vorgeschrittenen Bälle von den Schläuchen aufgenommen und
gemeinschaftlich mit dem eigenen Inhalte an den Ort der
Empfängniss geleitet werde. Im zweiten Abschnitte ist von
der epigynen Empfängniss die Rede, wohin der Verf. diejeni-
gen Fälle rechnet, in denen Grifl'el, Narbe, oder die Saug-
haare der Narbe als Ingestionsorgane bei der Befruchtung
auftreten. Zuerst von der Befruchtung durch den Grifl'el und
zwar durch die merkwürdigen Haare des Griff'els von Cam-
panula. Der Verf. sah Pollenkugeln oder Bälle in den Haa-
ren des Griff'els zuweilen in bedeutender Menge. Er hält es
fiir ausgemacht, dass die Befruchtung durch diese Haare ge-
schehe, auch könne die Einstülpung des Haares nur dazu
dienen, den Blnthenstaub den langgestreckten Zellen des cen-
tralen Spiralgefässbündels zu nähern. Wenn nach dem Aus-
einandertreten der Narbenarme, Blütestaub auf die mit Haa-
ren besetzte Innenseite der Narbenarme gelangt, so entwickeln
sich dort Pollenschläuche, doch kann die Befruchtung dadurch
nicht geschehen, da es nur selten der Fall ist. Auch bestrich
der Verf. die Narbe \ov der Entfernung der Arme von ein-
für physiologische Botanik. ß7
ander mit Gunimiaiiflösung und doch geschah eine Befruch-
tung. Zur Empfängniss der Narbe rechnet der Verf. alle
Fälle, in denen auf einer nackten, d. h. nicht mit Haaren be-
deckten Narbe, Schlauchbildung der Staubbälle nicht kann
nachgewiesen werden, wie an Petunia, Nicotiana, Atropa u. a.
Der Blütestaub fällt hier auf eine Schleimdecke, deren Schleim
von besonders gebildeten .Schleimzellen hervorgebracht wird.
Die Empfängniss der Saughaare der Narbe, oder der Papillen
auf derselben findet bei vielen Pflanzen Statt, z. B. bei Mat-
thiola annua u. a. Die Papillen bestehen aus drei Häuten,
die mittlere nennt der Verf. die Schleimhaut, sie ist mit einer
zarten Oberhaut überzogen und umfasst einen innern Schlauch,
dessen körniger Inhalt durch Jod braini gefärbt wird. Hier
ist nun zu unterscheiden die Empfängniss durch Eindringen
der Schläuche in die Mittelhaut des Haares, indem die Ober-
haut hier fehlt, wie der Verf. im dritten Heft seines Lehr-
buchs an Matthiola annua gezeigt hat. Ferner: Empfängniss
der Saughaare durch Eindringen der Schläuche in die Ober-
haut der Saughaare, wie bei Glaucium violaceum; Empfäng-
niss der Saughaare durch Ansaugung, namentlich an Capsella
Bursa pastoris, ein sehr häufig vorkommender Fall; Empfäng-
niss der Saughaare durch Berührung, wie an Clarkia pulchella.
In allen diesen Fällen findet eine Schlauchbildung Statt.
Nicht selten , besonders häufig in solchen Blüten , deren Nar-
ben mit grossen Staubmassen sich bedecken, sieht man, dass
nur diejenigen Bälle zur Schlauchbildung gelangen, welche
durch die tiefer liegenden Staubschichten von der Berührung
der Narbenoberfläche oder der Haare zurückgehalten werden,
während die den letzten unmittelbar anliegenden Bälle, ihren
Inhalt der Narbe übergeben, ohne eine Spur von Schläuchen
zu entwickeln ; ein Beispiel giebt Eschscholtzla cristata. End-
lich gehört noch zur epigynen Empfängniss diejenige, welche
ohne Schlauchbildung geschieht; so bemerkte der Verf. eine
solche nie an den meisten Compositen, Umbelliferen , Lobe-
liaceen u. s. w. Der dritte Abschnitt handelt von der Peri-
gynen- Empfängniss. An der Aussenseite des Fruchtknotens
von Reseda odorata, sagt der Verf., ziehen da, wo der in-
nern Seite die Eier angeheftet sind , genau dem Verlaufe des
Mutterkuchens entsprechend, schmale, kammförmig erhobene
E*
ßg H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Streifen papillenartig hervortretender Aussenzellen vom obern
Vereinigungspunkte der Fruchtblätter bis nahe zur Basis des
Fruchtknotens geradlinig herab. Untersucht man die Blüte
dieser Pflanze kurz nach erfolgter Bestäubung, so sieht man
den Kämmen eine Menge Blütenstaub angeheftet, der sich zuui
Theil seines Inhaltes ohne Schlauchbildung entleert hat, und
in nicht seltenen Fällen mit einem feinen Schlauche die Ober-
haut durchdringt, so dass eine perigyne Empfängniss bei die-
ser Pflanze kaum in Zweifel zu ziehen ist. Im vierten Ab-
schnitte ist von der hypogynen Empfängniss die Rede. Der
Strahlenkranz der Passifloren scheint den Zweck zu haben,
die Befruchtung zu vermitteln. Er ist mit Papillen bedeckt,
wie die Narbe, die Staubbeutel öfi"nen sich gegen ihn, wie es
gegen die empfangenden Organe zu geschehen pflegt. Zuletzt
bemerkt der Verf., dass nicht immer Pollenschläuche sind,
welche als solche erscheinen, selbst wenn sie aus dem Eie
hervorhängen, wie in den Cruciferen , wo sie Verlängerungen
der leitenden Fasern sind und in den Cupuliferen, wo sie dem
Eie angehören. Jene sind vor der Bestäubung vorhanden,
auch sind sie gegliedert, und die Mittelkammer ist mit einem
hellen Saft angefüllt, worin grüne Körner liegen; diese ent-
stehen oft lange nach der Bestäubung, wie dieses an Quercus
rubra der Fall ist.
In den Beiträgen zur Entwick elungsgeschichte
der Pflanzen s. oben S. 16 hat der Verf. sich gegen die
Angrifi"e vertheidigt, welche Schieiden in seinen Grundzügen
einer wissenschaftlichen Botanik gegen das eben ausgezogene
Werk gemacht hatte. Die Vertheidigung des Verf. hat
Schieiden bereits in einer kleinen Schrift beantwortet: Die
neueren Einwürfe gegen meine Lehre von der Be-
fruchtung als Antwort aufDr, Th. Hartigs Beiträge
zur Entwickeln ngsgeschichte der Pflanzen. Leip-
zig 1844. Aus solchen Streitigkeiten, besonders wenn sie
mit einiger Heftigkeit geführt werden, kommt für die Wissen-
schaft nichts Erspriessliches heraus. Herr Hartig irrt, wenn
er glaubt, er müsse sich, als ein jüngerer Schriftsteller, durch
Kampf Anerkennung verschafi'en. Da er mich dabei anführt,
so mag ich die Erlaubniss haben zu sagen, dass ich als ein
noch gar nicht alter Mann über meine Grundlehre der Ana-
für physiologische Botanik. 69
tomie und Physiologie der Pflanzen von vielen Seiten ange-
griflFen wurde, doch Hess ich mich nie in einen Kampf dar-
über ein. Die Folgezeit hat mir Gerechtigkeit wiederfahren
lassen, die meisten Sätze jenes Buchs sind angenommen, und
Manches ist in die Wissenschaft übergegangen , ohne dass
man meinen Namen nennt, worauf es auch nicht ankommt ').
Ich habe Irrthümer vorgetragen, meistens verleitet durch die
schlechten Mikroskope, die man damals nur bekommen konnte;
ich habe sie theils bald, theils später verbessert, auch wohl
in der Absicht zu verbessern , Manches schlecliter gemacht,
was M^iederum zu verbessern war; aber nie habe ich mich
geschämt, meine Meinungen öffentlich aufzugeben, obgleich es
oft schwer ist , sich von einem Vorurtheile loszumachen , was
man einmal für richtig erkannt hat. Ich mag mich in den
') So z. B. dass sich Stärkmehl in den Zellen schon gebildet,
als kleine Körner finde. Ich selbst habe nicht darauf geachtet, bis
mir neulich zufällig eine Stelle in Treviranus Beiträgen zur Pflanzen-
Physiologie, Götting. 1811. S. 3. auffiel. Treviranus sagt; „Meine
Meinung von Entstehung der Blasen, Melche in ihrer Gesammtheit
das Zellgewebe ausmachen, aus den Körnern, welche man in den
Zellen findet, ist nach Mirbels Ausspruche ein Gespinnst der Einbil-
dungskraft. Gerechter ist Link, indem er sie bezweifelt, und die
Gründe seines Zweifels angiebt (Grundlehren d. Anat. u. Physiol. d.
Pfl. Götting. 1811. S. 29). So wenig entscheidend diese sind, so we-
nig bin ich geneigt, jener Meinung die überredende Kraft der Wahr-
heit beizumessen ; es ist und bleibt vielmehr nur eine sehr wahr-
scheinliche Vermuthung." Nun führt er es aus, dass diese Körner
doch zur Erzeugung der Zellen dienen könnten, wenn sie aufgelöst
würden, wie man in den keimenden Samen sähe. Meine Gründe, die
entscheidend genug waren, widerlegt Ti*. nicht, führt sie nicht ein-
mal an. In jenen Grundlehren §. 8. S. 32. habe ich umständlich den
Beweis geführt, dass jene Körner Stärkmehl sind, auch der Auflösung
in den keimenden Samen erwähnt, wodurch die Ernährung des jun-
gen Keims bewirkt werde. Davon sagt Tr. kein Wort, Ich meine
also der erste gewesen zu sein, der es bewiesen hat, dass jene Kör-
ner aus Stärkmehl bestehen. Jod kannte man damals noch nicht
Auf Alles dieses habe ich nichts geantwortet, als Folgendes (Nach-
träge zu den Grundl. d. A. u. Ph. d. Pfl. 2 H. S. 8. Götting. 1812):
Ich zweifle nicht, dass die Körner von Stärkmehl zur Bildung der
Zellen beitragen , wenn sie zuvor aufgelöst werden und eine Flüssig-
keit machen. Aber davon war nicht die Rede, sondern ob das Koru
von Stärkmehl die junge Zelle sei. Vergl. Treviranus Beiträge S. 3.
70 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Streit unserer beiden Verf. nicht einlassen, da ich glaube
nicht genug Beobachtungen zu besitzen , um darin etwas ent-
scheiden zu können. Doch seheint mir Hartig zu rasch, be-
sonders in seinem Urtheile, ich habe in gar vieleji Pflanzen
keine Pollenschläuche gesehen , und wenn ich sie sah , doch
nicht übergehend in das Ei , aber ich habe mir nie zugetraut
zu behaupten, dass ihnen die Pollenschläuche fehlten oder
dass man nicht ein anderes Mal den Uebergang in das Ei
beobachten könnte, ich habe das Eindringen der Pollenkörner
in die Grifi'elhaare von Campanula oft gesehen, vielleicht frü-
her als der Verf., aber ich habe nie gewagt und wage noch
nicht zu behaupten, dass die Befruchtung dadurch geschehe.
Daran hat das Alter keinen Antheil; ich konnte mich in mei-
ner Jugend von Hedwigs Beobachtungen nicht entfernen-, die
Faser in den Spiralgefässen der Pflanzen musste wenigstens
eine Rinne sein; so wenig traute ich mir selbst.
In Hookers London Botanical Journal 1842. 601
ist eine Abhandlung von Wilson über die Griffel-
haare von Campanula. Er sah, dass Pollenkörner in
die Höhlung der Haare gedrungen waren, und fand Spuren
einer Oefi'nung am Ende des Haares. Ja sie drangen noch
neiter in die Höhlungen des Griff"els, in welche sich die Haare
ejidigen. Hassall hatte Bemerkungen über diese Abhandlung
gemacht und gemeint, Wilson rede von Pollenschläuchen, wel-
ches dieser in den Annais of Natur. History. XI. 182
rügt. Debrigens ist nichts Unbekanntes in diesen Abhandlun-
gen enthalten.
Bemerkungen über die Bildung des Embryo in
Pinus Lariccio und sylvestris, Thuya orientalis und
occidentalis und Taxus baccata von Herrn von
Mirbel und Spach, Annal. des Sciences naturelles
T. 20. (1843) p. 257. auch Compt. rend. 1843. 11. 931.
Zuerst reden die Verf. von dem, was früher über die Ent-
Wickelung des Embryo der Cycadeen gefunden war. Man
wusste, sagen sie, schon vor 1810, dass der Embryo von
Cycas und Zamia in der A\e des Samens in einem dicken
Eiweisskörper liegt, dass er verkehrt ist, zwei Kotyledonen
hat, und dass sein Würzelchen sich nicht weit von der Spitze
des Eichens endet. Aber man wusste niciit und erfuhr es
für physiologische Botanik. 71
erst durch eine Abhandlung von 1810, dass dieses Wurzel-
cheu des Embryo von Cycas sich in einen dünnen, röhren-
förmigen, 12—14 Centimeter langen Faden endet, der gleich-
sam in einen Knäuel gewickelt ist; das Mittel, wodurch das
männliche Organ mit dem entstehenden Embryo in Verbin-
dung kommt, ferner dass zwischen dem Wiirzelchen und der
Spitze des Eichens eine Höhle in dem Eiweisskörper sich be-
finde, und dass dort vier bis fünf eiförmige Schläuche (utri-
cules) liegen, von denen sich jeder in einen röhrigen zusam-
mengeschlagenen Faden endet. Diese Schläuche und diese
Röhren hielt der Verf. jener Abhandlung (Mirbel) für aboi-
tirte Embryonen, und die Folge hat dieses bestätigt. Brown's
Untersuchungen machten aufmerksam auf die Aehnlichkeit
zwischen den Cycadeen und den Coniferen, und in dieser
Rücksicht unternahmen die Verfasser eine Untersuchung der
Zapfen der Abietinen. Zwei oder drei Wochen nach dem
Anfange des Mais im zweiten Jahre hört der Kern (nucelle)
des Ovariums auf ein vollkommen homogenes Gewebe zu
sein. In der Mitte sieht man nun, denn dieser Kern ist
durchscheinend, eine kugelförmige Blase, worin man die An-
fänge von Zellgewebe bemerkt. Die Blase wird grösser und
je grösser sie wird, desto mehr verringert sich die Masse deg
Kerns und wird endlich ganz absorbirt, ohne dass man genau
weiss, wo sie geblieben ist. Nun nimmt die Blase, die nichts
anderes ist als der Embryosack, den ganzen Kern ein, ver-
wächst unten mit der Wand des Ovariums und man erkennt
jetzt, dass das Gewebe, welches sich in diesem Sack befindet,
nichts anderes als der Eiweisskörper ist, der spater beim Kei-
men in eine milchige Flüssigkeit zerfliesst, um den Embryo
zu nähren. Hierauf folgt eine andere Reihe von Thatsachen.
Im Innern des Eiweisskörpers, nahe am Gipfel erscheinen
einige Bläschen (vesicules), von länglicher Gestalt, um die
Centralaxe gestellt. Die Anzahl ist verschieden in verschie-
denen Arten; drei in Abies alba und Pinus Lariccio, vier iii
Abies canadensis, fünf in Larix europaea und sechs in Cedrus
Libani, sie hängen nur schwach an dem Eiweisskörper, und
stellen nach Meinung der Verf. einen zweiten Embryosack,
für jedes Bündel von Embryonen vor. Sie enthalten ein
gelbliches, sehr feines Zellgewebe, welches drei Viertel der
72 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
ganzen Höhlung einnimmt: das vierte Viertel wird von fünf
rosenartig gestellten Bläschen (vesicules) eingenommen, welche
nichts weiter sind als der Anfang der Aufhängefäden (suspen-
seurs). Später zerreissen die Bläschen an der Basis und
lassen die Aufhängefäden heraus, die sich nun verlängern und
in eine Höhlung in der Mitte des Eiweisskörpers hinabsteigen.
Man bemerkt in ihrem Innern Körner von verschiedener An-
zahl. Bald sind diese röhrenförmigen Bänder getrennt und
von einander unabhängig, bald sind sie zu zwei, drei und
mehr mit einander verbunden, ja fast zusammengeleimt. Sie
endigen sich in ein kleines Knöpfchen , bestehend aus einer
oder mehr Zellen, worin sich oft viele Körner befinden. Die
Verf. beschreiben nun besonders die Bildung des Embryo in
Thuya orientalis und setzen Folgendes hinzu: An der Spitze
des Eichens sieht man kleine häutige Auftreibungen (bour-
souflures membraneuses). Liegt der Grund davon in dem
Pollenschlauche? Wir glauben es nicht, denn ob wir gleich
sehr wohl wissen, dass in vielen Arten der Schlauch in das
Innere des Ovariums und selbst des Eichens dringt, so scheint
es uns doch nicht, dass dieses für die Coniferen der Fall sei.
Die Beschreibung der Bildung des Embryo von Taxus baccata
bestätigt die Meinung der Verf in Rücksicht auf die Auf-
häugefaden. — Die Abhandlung ist von grosser Wichtigkeit
und besonders von Bedeutung für die Befruchtung durch Pol-
lenschläuche, die gar leicht mit den Aufhängefäden können
verwechselt werden, und wie es scheint, schon verwech-
selt sind.
Beiträge zur vegetabilischen Embryologie nach
Bemerkungen über den Ursprung und die Entwik-
kelung des Embryo in Tropaeolum majus von Her-
bert Giraud in den Transactions of the Linnean
Society Vol. 19. P. 2. p. 161. (1843), auch im Auszuge in
den Annais of Natural History T. 9. (1842) p. 245. Der
Verf. wählte diese Pflanze zur Untersuchung , weil sie einsa-
mige Früchte und verhältnissmässig grosse Eichen hat. In
der ersten Periode oder kurz vor der Oeffnung der Knospe
•wurde ein Längsschnitt durch das Carpellum von dem Rücken
gegen die Axe des Pistills gemacht. Der Schnitt theilte das
Eichen und zeigte, dass dieses schon seine anatropische Ent-
für physiologische Botanik, 73
Wickelung erhalten habe. Ein festes und dichtes Zellgewebe,
welches ein Bündel von Gefässen einschloss, stieg von der
placenta herab, und nachdem es mit ihr die raphe gebildet,
endigte es sich in der Basis des Eichens. Der Kern (nu-
cleus) hat nur eine Umhüllung, an dessen Spitze sich die Exo-
stome oder Mikropyle befindet, dicht neben dem Anheftungs-
punkte. Das leitende Zellgewebe des Griffelkanals Hess sich
in die Carpellarhöhlung bis zur Exostome verfolgen. In der
zweiten Periode, während welcher die Knospe sich entfaltet,
und die Antheren sich öffnen, also vor der Befruchtung, zeigt
sich eine kleine elliptische Höhle neben der Spitze des Kerns,
überzogen mit einer zarten Membran, welche von den Wän-
den der umgebenden Zellen gebildet wird. Diese Höhlung
ist der Embryosack und mau sieht einen kleinen Kanal, der
von .ihm zur micropyle geht. Die Spitze des Embryosacks
umschliesst eine Quantität von Schleim, worin sich viele kleine
Körperchen befinden. In der dritten Periode neigt sich die
Spitze des nucleus und seiner Umhüllung etwas gegen die
placenta. Der Embryosack ist langer und weiter geworden;
der Schleim ist verschwunden und hat einer langen und durch-
sichtigen Zelle, Mirbels utricule primordiale, Platz gemacht,
worin sich eine Menge von Kügelchen befindet. Die Primor-
dialzelle entwickelt sich im Embryosack, von welchem sie
deutlich verschieden ist. Die vierte Periode folgt auf die Be-
fruchtung. Die Pollenschläuche erstrecken sich nicht bis in
die Carpellariiöhlung, aber die Fovilla mit ihren Körnern
findet sich häufig in dem Uebergange vom Griffel zur Exo-
stome. Mit der vermehrten Entwickelung des Embryosacks
verlängert sich die Primordialzelle und wird deutlich zellig
durch die Entwickelung kleiner Zellen im Innern, indem sie
sich neben der Basis des nucleus in eine sphärische Masse
voll kugelförmiger Zellen endigt. Die Primordialzelle nimmt
zu dieser Zeit den Charakter des Aufhängefadens (suspenseur
von Mirbel) au, und das sphärische Ende bildet die ersten
Spuren des Embryo. In der fünften Periode neigt sich der
nucleus mit seiner Umhüllung mehr gegen die placenta; das
sphärische Ende des suspensor wird grösser und es zeigt
sich deutlicher, dass es die Anlage des Embryo ist. Unter-
dessen wird der ganze suspensor länger dadurch, dass sich
»7^ H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
die Zellen in ilnn niehrcn , und das obere Ende desselben
dringt durch die Spitze des Embryosacks, die Spitze des
nucleus und die Mikropyle. Die übrigen Perioden der Ent-
Wickelung mögen wir übergehen. Der Verf. folgert daraus,
dass da der Enibryosack und auch die Primordialzelle sich vor
der Befruchtung zeigen , sie also nicht aus einem Pollen-
schlauch entstehen können, ferner dass die Befruchtung ver-
muthlich durch die Fovilla geschehe, da die Pollenschläuche
die Mikropyle nicht erreichen. — Die Abhandlung wurde mit
vielen Abbildungen der Linneischen Societät zu London vor-
gelegt, und verdient die grösste Aufmerksamkeit.
William Griffith beschreibt in einem Briefe
aus Serampor in den Annais of Natur. Hist. V. 9.
p. 243. das Eichen von Santalum und Osyris. Das Ovulum
von Santalum besteht aus einem nucleus und dem Embryo-
sack, der über die Spitze und die Basis des nucleus verlän-
gert ist. Das Albumen und der Embryo entwickeln sich iu
dem hervorstehenden Theile über den Septum; die Masse
des Embryo entwickelt sich geradezu aus dem Bläschen, wel-
ches das Ende eines Pollenschlauches ist; der Same (albu-'
men) hat keine andere Bedeckung als den obern einverleibten
trennbaren Theil des Embryosacks. In Osyris besteht das
Ovulum nur aus einem Nucleus und dem Embryosack, der
eben so wie in Santalum verlängert ist, aber doch nicht so
sehr nach oben (anteriously), dieser obere (anterior) Theil
gleicht völlig dem unveränderten Theile des Sacks von San-
talum unter dem Septum, Das Albumen und der Embryo
bilden sich ausserhalb des Sacks und sind völlig nackt, und
welche Bedeckung sie haben mögen, so gehört doch diese
nicht zum Ovulum.
Ueber die gegenseitige Lage der Abtheilungen
des Stigma und der Wand-Placenten im zusammen-
gesetzten Ovarium bei den Pflanzen von Robert
Brown. Botan. Zeit. 1843. St. 12. ist ein Auszug aus
R. Brown's Account of Cyrtandreae in dem zweiten Theile
von Horsfield's Plantae javanicae rariores, Lond. 1840. und
befindet sich im Original in den Annais of Natur, llist. T. XL
p. 35. Einzelne Abdrücke wurden schon 1839 ausgegeben.
Man ist gegenwärtig, sagt der berühmte Verf., allgemein daria
für physiologische Botanik. 75
übereingekommen, ein vielsaiuiges Legumen als den Zustand
des einfachen Ovariums zu betrachten, welcher am besten die
allgemein angenonnnene hypothetische Ansicht von der Bil-
dung dieses Organs erläutert, nämlich dass es in der Modifi-
cation eines nach Innen gefalteten und an seinen Rändern
verwachsenen Blattes besteht, welche in den meisten Fällen
die einzigen Theile des Organs sind, woran Ovula hervor-
kommen, oder wo diese Productionskraft nicht durchaus auf
die Ränder beschränkt ist, da beginnt sie in der Regel au
denselben oder umfasst sie. Die Ausnahmen sind von einer
doppelten Art ; entweder wo die ganze innere Fläche der
Fruchtblätter Ovula trägt, oder wo die Erzeugung der Ovula
auf den äussern Winkel des Faches, also auf die Axe des
vorausgesetzten Fruchtblattes beschränkt ist. Der Verf. be-
trachtet besonders den letztern Fall, und sucht zuerst die
Ausnahme an verschiedenen Arten von Mesembrianthemum
zu beseitigen, dann die, welche Lindley an den Orchideen
bemerkt hat. Es lässt sich erwarten, dass der Verf. mit vie-
lem Scharfsinn den letztern Fall auf die gewöhnliche ange-
nommene allgemeine Regel zurückzuführen sucht. Aber diese
allgemeine Regel hat mir immer nicht bloss zweifelhaft, son-
dern völlig unrichtig geschienen. Denn wo koumien aus dem
Rande wahrer Blätter Knospen hervor? Am Rande läuft nie
ein Gefässbündel herum, woraus Knospen oder junge Triebe
hervorkommen könnten und der einige Aehnlichkeit mit dem
Gefässbündel hätte, woraus die Ovula in den Fruchtgehäusen
hervorkommen. Führt man Bryophyllum calycinum an, so
dient zur Antwort, dass die Knospen nicht aus dem Rande,
sondern nur in der Nähe, in den Winkel der Kerben hervor-
kommen, wo mehrere feine Nerven sich verbinden. Oder
Phyllanthus; so lässt sich leicht darauf antworten, dass hier
die sogenannten Blätter nur erweiterte Blattstiele sind, wie
die kleine Schuppe unter ihnen zeigt, welche das wahre Blatt
vorstellt. Die Annahme, dass die Ovula aus der Mittelrippe
eines metamorphosirten Blattes hervorkommen, ist weit natür-
licher, und erklärt die Formen der Fruchtgehäuse besser,
wenn man nur Zurückbiegtuigen und leichtes Verwachsen der
Ränder annimmt. Endlicher hat diese Meinung zuerst vorge-
tragen (Linnaea T, 7. p. 1), welchem sich Fenzl angeschlossen
i^g H. F. Link. Jahresbericht über die Arbeiten
hat. Ich mache hierbei auf des Letztern vortreffliche Unter-
suchung von Rhigo/um dichotouium Burchell in den Denk-
schriften der K. Bayerischen Botanisclien Gesellschaft zu Re-
gensburg B. 3. S. 205 aufmerksam, wo man das Geschicht-
liche über diese Meinung finden wird. Doch scheint mir eine
andere Theorie, von der sogleich die Rede sein wird, noch
vorzuziehen.
Ueber einige bisher unbemerkte Sonderbarkei-
ten in der Structur der Kapseln der Papaveraceae
und über die Natur des Stigma der Cruciferae.
Von J. W. Howell, Annais of Nat. Hist. Vol. 10. p. 248.
Die Sonderbarkeit besteht darin , dass in Papaver die Straleu
des Stigma den Scheidewänden entgegengesetzt sind, indem
sie in den Nyniphaeaceae nach der allgemeinen Regel damit
wechseln. Auf die Erinnerung, dass Kunth in seiner genauen
Beschreibung von Papaver in der Flora berolineusis schon
darauf geachtet habe, erwiedert der Verf. in Annais of Nat.
Hist. V. 11. p. 42 er habe seine Bemerkung bereits 1832
gemacht, da hingegen Kunths Flora erst 1838 erschien. Aber
es kommt darauf an, wer die Bemerkung zuerst öflfentlich
bekannt macht; man kann oft selbst nicht für Gedächt-
nissfehler in dieser Rücksicht stehen. Die anomale Bildung
bei den Papaveraceae erklärt er oder führt zur Regel zurück,
auf folgende Weise: Jeder Stigmastral ist doppelt, gebildet
von den aneinanderliegenden Seitentheilen der Stigmate zweier
sich berührenden Karpellen ; die beiden Stigmatheile jeder
Karpelle bei den mehr zusammengesetzten (complex) Kapseln
der höhern Arten sind durch eine dazwischen tretende (inter-
vening) Membran gesondert, z. B. Argemone, Papaver. Da
sich eine ähnliche Anomalie bei den Cruciferen, wie bei den
Papaveraceen findet, so erklärt er diese durch folgende An-
nahme : Es ist sehr wahrscheinlich , dass die Schote der Cru-
ciferen aus zwei Karpellen zusammengesetzt ist, deren ein-
wärts gebogene Ränder zwei aus einer doppelten Platte be-
stehende Seitenplacenten bilden, die scheinbar anomale Stel-
lung der Stigmate entsteht dadurcli, dass sie aus zwei Seiten-
hälften gebildet werden, wovon jede der entsprechenden dar-
unter stehenden Karpelle gehört. — Es ist höchst wahrschein-
lich, dass die Samen, wie alle andern Theile aus dem Axen-
für physiologische Botanik. 77
gebilde entspringen und zwar hier aus dem Axengebilde des
Bliitenstiels. Es ist nie einfach , sondern spaltet sich zuletzt
in mehrere Abtheilungen, in Lateraltheile. Diese bleiben
nun entweder zusanmien, und durchlaufen verbunden die
Frucht, in welchem Falle die Samen nacli der Axe hin ange-
heftet sind, oder die Abtheilungen trennen sich von einander,
ehe sie in die Frucht eindringen und dann stehen die Samen
an den Wänden , oder die Axe hört ganz auf und nur Kar-
pellarblätter bleiben, welche an ihrem Mittelnerven die Früchte
tragen, z. B. Delphinium, Aconitum u. s. w. Diese Form der
Früchte ist meiner Meinung nach keinesweges die Normal-
form, sondern wirklich die anomale und die Kapsel mit einer
freien Centralplacenta die einfache. Die Karpellarblätter, so
mögen wir die Blätter nennen, woraus das Pericarpium be-
steht, entspringen unter der Frucht, und sind entweder mit
den Rändern an einander gewachsen, oder sie biegen sich an
den Rändern um und sind so mit der Axenabtheilung ver-
wachsen, oder auch ohne diese unter sich allein, wie Aconi-
tum, Delphinium, alle Multicapsulares und Leguminosae. Die
Scheidewände gehen in der Regel von der Mittelrippe des
Karpellarblattes aus und da in der Blüthe alles wechselt, so
wechseln auch die Karpellarblätter mit den Abtheilungen des
Axengebildes und den Fortsetzungen derselben, den Stigmaten.
Daher die allgemeine Regel, dass die Stigmate mit den
Scheidewänden wechseln. Die Fruchtbildung von Papaver ist
sehr richtig vom Verfasser erklärt, wovon man sich leicht
überzeugen kann, wenn man eine junge unreife Kapsel von
Papaver somniferum eintrocknen lässt, weil sich die Theile
der Stigmate dann ganz auseinander ziehen. Die Frucht der
Cruciferen hingegen scheint mir eine Mittelform zwischen den
Früchten, wo die Axe aufhört und denen wo sie sich nur
theilt; es ist nämlich ein Karpellarblatt mit der Mittelrippe
an die Abtheilung des Axengebildes angewachsen, und die
Scheidewand bildet sich also wie gewöhnlich zwischen der
Mittelrippe des Blattes und der gegenüberstehenden Placenta,
die aber nun neben einander liegen. Die Abtheilungen der
Griflfel sind eine Fortsetzung der Abtheilungen des Axenge-
bildes, wie gewöhnlich, und fallen also hier mit der Scheidewand
zusanmien. Der Wechs^el der Karpellarblätter mit den Ab»
78 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
tlieilungen des Axengebildes sind an PapaVer vortrefflich zu
sehen. Durch diese Darstellung der Früchte wird der Natur
keine Gewalt angethan, wie durch die hypothetische Entste-
hung der Samen an Blatträndern.
On the existence of spiral cells in the seeds
of Acanthaceae by Mr. Richard Kippis. Tr. of the
Linnean Soo. V. 19. P. 1. p. 65 (1842). Auf den Samen
eines Acanthodium, welches dem Acanthodium spicatum nahe
steht, aus Ober-Aegypten bemerkt man angedrückte schein-
bare Haare, die in Wasser anschwellen, sich ausbreiten, und
dann deutlich aus Büscheln von 5 bis 20 langen, cylindri-
sehen, durchsichtigen Röhren bestehen, die bis zu ein Drittel
ihrer Länge zusammenhängen, uud eine, zwei oder auch zu-
weilen drei Spiralfasern enthalten, welche fest an der Mem-
bran der Röhren hängen. Die Fasern sind zuweilen durch
Ringe unterbrochen. In dem unteren Theile, wo die Röhren
zusammenhängen, findet man die Fasern netzförmig, gegen
das Ende gehen die Gewinde auseinander, und in der Mitte
sind sie durch zarte Aeste der Hauptfaser verbunden. Die
Entwickelung der Haare ist mit einer starken Ausladung von
Schleim verbunden. Die Zellen der Testa sind sechseckig;
ähnliche Zellen aber mehr verlängert umgeben die Basis des
Haars und gehen darin über. Aehnlich verhalten sich die
Haare auf den Samen von Blepharis boerhaaviaefolia, Bl.
raolluginifolia und Bl. rubifolia. Einzeln stehende Haare mit
Spiral- oder Ringfasern sieht man an den Samen von Ruellia
formosa und R. repens. Schleim fliesst in ftlenge aus dem
Ende der Röhre. An fünf Arten von Hygrophila hatten die
Samen ähnliche Haare, so auch an Dyschorista ceruna, D.
littoralis und Oechmanthera tomentosa. An den Samen von
Strobilanthes, Stenosiphonium und Aetheilema befinden sich
solche Haare nur am Rande des Samens. Aber die Haare
der Samen von Strobilanthes timbriata und Strobilanthes
Wallichii haben keine Spiralfaser, so auch die Haare der
Samen von Dipteracanthiis patnins und D. crectus; sie er-
giessen viel Schleim aus der Sj)itze. In den Haaren der
Samen von D. dejeetus ist eine Spiralfaser. Die Samen von
Blechinn Brownei haben einen schmalen weisslichen Rand
aus cylindrischen Zcllon ohne Fasern. Die Zellen delincn sich
für physiologische Botanik. 79
durch den Schleim, den sie enthalten, im Wasser aus, und
nehmen endlich die Form von weiten, stumpfen und geboge-
nen Haaren an, ohne Faser. Der Verf. beschreibt zuletzt die
mannichfaltigen Haare und Ansätze an den Samen der Akan-
thaceen , die aber keine Spiralbildung zeigen. Heber den
Schleim, der mit Spiralfasern aus den Samen hervordringt, s.
meine Vorlesungen über die Kräuterkunde S. 94 folg.
Ausartung. Monstrosität.
Vollständiger Bericht über einige bei verschie-
denen Pflanzen beobachteten Ausartungen, von E.
V. Berg, Neu brandenburg, 1843. Aus dem Practischen
Wochenblatte für Landwirthschaft, Gartenbau, Hausvvirthschaft
und Handel besonders abgedruckt. — So wie von Zeit zu
Zeit eine Abhandlung über die Quadratur des Zirkels und
das Perpetuum mobile bei den Akademieen eingeschickt wird,
so kommt von Zeit zu Zeit ein Oekonom und behauptet, die
Verwandlung von Trespe und Hafer in Roggen, von Roggen in
Weizen und andere dergleichen Verwandlungen zu Stande
gebracht zu haben. Unser Verf. gehört auch zu diesen Oeko-
nomen. Im Anfange dieser kleineu Abhandlung erzählt er
uns, was er bereits von solchen Ausartungen öffentlich be-
kannt gemacht habe, zuerst anonymisch mit — g unterschrie-
ben, endlich unter seinem Namen. Er behauptet, Raps könne
sich in Thlaspi arvense, die letztere Pflanze in Leindotter
(Camelina sativa) und diese wiederum in Täschelkraut (Cap-
sella Bursa pastoris) verwandeln, auch zog er aus einem Sa-
menkorne von Tlilaspi eine dem weissen Senf ähnliche Pflanze,
die durch wiederholte Aussaat dem weissen Senf immer ähn-
licher wurde. Das hat alles der Verf. schon bekannt gemacht.
Jetzt erzählt er uns , wie er Trespe (Bromus secalinus) in
Roggen verwandelt. Er liess ein Pfinid Samen von Trespe
im Jahre 1839 aus Hamburg kommen; es wurde davon der
eine Theil noch in demselben Frühling gesäet, und zwar in
einem Versuchsgarten, der Rest aber im nachfolgenden Herbst
ins Land. Zuerst wurde Roggen gesäet, dann Trespe. Die
Trespe wie der Roggen ging bald nach der Aussaat auf, es
dauerte nicht lange, so nahmen die Trespen-Pflanzen das An-
sehen des Roggens an, und brachten auch im folgenden Jahre
80 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Roggen und zwar so allgemein, dass nur ein Halm Trespe
darunter war, u. s. av. u. s. w. S. auch Botan. Zeitung von
1843. St. 30.
Some further Observations on the Nature of
the Ergot in the grain by Edwin J. Queckett. Tr. of
the Linnean Society V. 19. P. 2. p. 137. s. auch An-
nais of Nat. Hist. V. 11. p. 461. Der Verf. hat in einer
frühem Abhandlung B. 18. Th. 3 dieser Transaction zu zei-
gen gesucht, dass Mutterkorn von einem Pilz entsteht. Um dieses
zu beweisen, hat er Versuche angestellt. Körner von Rog-
gen, Weizen und Gerste wurden in einem Gefässe mit destil-
lirtem Wasser zum Keimen gebracht, dann wurden die Kör-
ner auf der äussern Oberfläche von Mutterkorn mit einem
Pinsel in demselben Gefäss und Wasser abgebürstet, und das
Ganze einige Zeit zum Fortwachsen der Körner hingestellt,
hierauf die jungen Pflanzen verpflanzt. Zugleich mit diesen
Körnern liess man andere ohne Mutterkorn keimen. Als die
Pflanzen herangewachsen waren , hielten die beiden zur Voll-
kommenheit gediehenen Pflanzen vom angesteckten Roggen-
samen, jede eine Aehre mit Mutterkorn, die Pflanzen von
unangestecktem Samen nicht. Aber die angesteckten Samen
von Weizen und Gerste hatten kein Mutterkorn. Der Verf.
meint, diese Versuche würden entscheidend sein, wenn Wei-
zen und Gerste auch Mutterkorn gehabt hätten. Doch waren
zu wenig Roggen -Pflanzen zur Vollkommenheit gediehen, um
einen sichern Beweis zu geben. S. auch den Jahresbericht
f. physiolog. Botanik im Jahre 1840. S. 418.
Beschreibung einer tetramerischen Orchis-
blüte von Dr. Moritz Seubert. Linnaea B. iß. S. 389,
An einer Orchis palustris waren alle Blüthen wohlgestaltet,
bis auf eine der untern, welche sogleich durch zwei Labella
auffiel. Unter diesen beiden war ein accessorisches Perigo-
nienblatt. Der Verf. meint, aus der dreifachen Zahl sei die
Blüte in die vierfache übergegangen, und so rechnet er:
Vier äussere Perigonienzipfel, mit Hinzutreten des accessori-
schen, und vier innere mit den beiden Labellen.
Die folgenden Monstrositäten sind nach den natürlichen
Ordnungen angeführt, auch stehen die vorigen eben desswegen
voran.
für pliysiologische Botanik. Öl
Thesium intermedium. Beitrag zur Teratogno-
sio der Thesienblü the von Siegfr. Reissek. Lin-
naea T. 17. p. 641. Von dieser genauen und interessanten
Abhandlung sind nur die Resultate anzugeben , da die Be-
schreibung der Deutlichkeit wegen ganz miisste hierher gesetzt
werden. Die Monstrosität war an einer Pflanze von Thesium
intermedium bemerkt worden, und zwar an einem mit dem
Aecidium Thesii bedeckten Exemplar. Sie zeigte folgende
Abweichungen von der typischen Form. Erstlich Verände-
rungen im Karpellarkreise mit regelmässiger Bildung der übri-
gen Kreise; zweitens Veränderungen im Staub- und Karpellar-
kreise mit regelrechter oder wenig abweichender Perigonial-
bildung; drittens Veränderung in sämmtlichen Kreisen mit
einfacher Blatterzeugung, und viertens Veränderung in sämmt-
lichen Kreisen, mit hinzutretender, centraler Bliitenverjüngung.
Aus der Vergleichung der monströsen Pflanze in ihrer Total-
erscheinung mit den verwandten, normalen Formen ergiebt
sich ihre morphologische Bedeutung. Es folgt, dass das durch
Aecidium verbildete Thesium intermedium in der Stammbil-
dung eine relativ höhere Entwickelungsstufe einnimmt, und
den suflFrutescireuden Theilen und Osyren hierin am nächsten
kommt; dass ferner dasselbe auch in der Bliithenerzeugung
theilweise auf einer höhern Bildungsstufe steht, und sich hierin
den neuholländischen Formen nähert. Aus der Conformation
der monströsen Blüten folgt: Erstlich, dass das Perigon
einer allmähligen Transformation in vegetative Blätter fähig
ist, Staub- und Kapillarwirbel aber mit grosser Festigkeit ihre
Natur zu erhalten streben, und eher eingehen als sich in ve-
getative Blätter verwandeln. Zweitens, dass der Discus beim
Fehlschlagen der Staubgefässe verschwindet, und nicht als
Ausbreitung oder Rand um die im Innern des Perigons er-
erzeugte Knospe zurückbleibt, somit entweder keine beson-
dere Ausbreitung der Axe ist, oder im Falle das Statt findet,
die Ausbreitung constant mit der Axenfortsetzung verschmilzt.
Plantago botryophylla Kirschleger. Notice
sur quelques faits de Teratologie vegetale in
Mem. de la Soc. du Museum d'Histoire naturelle
de Strasbourg T. 3. p. 12. Jede Abhandlung dieser Me-
moires ist besonders paginirt. Die Bracteen an Plantago major
Archiv f. IVaturgesrliichte. X. Jahrg. 2. Bd. t'
QO H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
waren in folia subspatulata ausgewachsen. Eine in gutem Bo-
den gar nicht seltene Monstrosität.
Peucedanun» Oreoselinum Kirsch leg er a. a. O.
p. 8. Am Stamm sah man in einer gewissen Höhe eine
Menge von Doldenstralen 30 — 40, welche in einem Wirtel
um den Stamm herum standen , die Hüllblätter waren in zu-
sammengesetzte Blätter verwandelt. Der verlängerte Stamm
trug eine viellappige Bractee, aus deren Winkel eine einzige be-
sondere Dolde hervorkam. Der Gipfel des Stammes endigte sich in
eine gewöhnliche zusammengesetzte Dolde. Der Verf. glaubte
demnach, dass in den Dolden immer ein Stral die Axe darstelle.
Primula sinensis. Beschryving eener volledige
Vergroening van Primula sinensis Lindl. Tyd-
schrift voor natuurl. Geschieden, en Physiol. T. 10.
p. 355. Eine genaue und umständliche Beschreibung dieser
merkwürdigen Monstrosität, die einen stufenweise fortschrei-
tenden Uebergang der Blütentheile zur Blattbildung zeigte.
Ein Auszug daraus lässt sich nicht wohl geben. Alle Theile
der Blume waren grün geworden. Der Kelch, statt unten
bauchig zu sein, wurde es erst nach oben; die Blumen-
krone, statt abzufallen, war unten mit dem Blütenboden ver-
wachsen , die Abtheilungen zeigten ausser der grünen Farbe
nur an einigen Blüten geringe Einschnitte, die Staubgefässe
waren angewachsen, die Staubbeutel fleischig und ohne Blü-
tenstaub, der Fruchtknoten gestielt und nach oben verdickt,
so, dass er aus der Blüte herausstand. Am aufifallendsten
waren die Veränderungen, welche die Eichen oder noch mehr
der Samenträger erlitten hatten, sie waren in einigen Frucht-
anlagen wenig verändert, nur dass die micropyle (eimond),
statt neben der Anheftungsstelle zu liegen, ihr gegenüber lag.
In andern Früchten waren die Eichen durch fleischige, 3 bis 5
lappige Blättchen umgeben; einige sind dann ganz mit den
Blättchen bedeckt, andere haben an der Basis noch gehörig
geformte Eichen, andere wiederum, an der Basis mit Blättchen
besetzt, haben an der Spitze lang gestielte Eichen. Die an
der Stelle der Eichen hervorkommende Blättchen sind eiför-
mig, in den Blattstiel herablaufend, zugespitzt und behaart.
Eine Entwickelung der Eichen selbst zu einer jungen Pflan/e
bemerkte der Verf. nicht.
für physiologische Botanik. g3
Priinula Auricula. . Kirschleger a, a. O. p. 11.
Jede Blume hatte statt des Fruchtknotens eine sehr gut ent-
wickelte Blutenknospe.
Pelorie von Calceolaria crenat iflora, beschrie-
ben von E. Meyer. Linnaea T. 16. p. 26. Die Pelorie
dieser Pflanze zeigte eine glockenförmige Röhre und einen
umgekehrt trichterförmigen viertheiligen Saum. Das Pistill
war vollständig und ohne die mindeste Abweichung vom nor-
malen Zustande entwickelt. Aber die Staubfäden fehlten ganz,
und ohne die geringste Spur der Stelle, wo sie sich hätten
bilden sollen. Der Verf. erklärt nun die Pelorie folgender-
massen: In der natürlichen Krone stehen die beiden Staub-
fäden unter der kurzen Oberlippe; die Unterlippe scheint
deshalb grösser und lebhafter gefärbt , weil aus ihr keine
Staubfäden entspringen. Jetzt nehme man die Staubfäden
ganz weg und das Gleichgewicht unter beiden Lippen muss
sich wiederherstellen. Die Pelorie besteht nun aus dem voll-
ständigen zur Krone verschmolzenen Blattkreise, und zeigt
in dem Grunde ringsum Flecke, weil ringsum keine Staub-
fäden zur Ausbildung gekommen. Endständig war keine der
beiden Pelorien. Der Stiel der einen war sogar mit dem
Stiele einer ganz normal gebildeten Nachbarblume seiner gan-
zen Länge nach so zusammengewachsen, dass die Kelche bei-
der mit dem Rücken gegen einander standen, und beide Kro-
nen fast horizontal sich ausbreiteten.
Linaria vulgaris. Monströ se Blumen, beschrie-
ben von E. Heufler. Linnaea T. 17. p. 10. Allerdings
eine sonderbare Monstrosität und desswegen merkwürdig,
weil sie aus dem gewöhnlichen Kreise der Veränderung her-
ausgeht. Die Oberlippe der Blüte zeigte nichts beson-
deres, als das Rudiment eines Sporns an der Rückseite. Die
Unterlippe war bedeutend grösser, durch einen oder zwei
unförmliche Lappen vermehrt, der Gaumen mehr aufgetrieben
und sehr gerunzelt. Die vier Staubfäden hatten sich in trom-
petenförmige Röhren verwandelt. Jede einzelne Röhre stand
in mannichfaltigen Krümmungen über den Rachen hinaus.
Der unterste Theil glich einem Sporne, der mittlere Theil
war mit orangefarbenen Haaren besetzt, der oberste war wie-
derum glatt und öffnete sich auf die verschiedenste Weise.
84 H. F. Link: Jahresbericht übe-r die Arbeiten
Der Saum schief nach Aussen geschlagen, und bei jedem ein-
zelnen Stück anders geformt. Das Rudiment des fünften
Staubfadens war ein ähnliches röhrenförnjiges Blatt geworden,
welches von der innern Fläche der Oberlippe an frei war,
und über die Blume hinausragte. Dieser verwandelte fünfte
Staubfaden war äusserst zart gebildet; ganz kahl und durch-
sichtig, von gewässerter schM'efelgelber Farbe. Manchmal
waren Spuren eines sechsten und siebenten Staubfadens vor-
handen , entweder in Gestalt einer wasserhellen Spitze oder
als ein zartes Stielchen, eine gelbliche, blattartige Schale
tragend. Statt des Pistills zeigte sich eine mehr oder weni-
ger entwickelte zweite Blume. — Man sieht aus der Be-
schreibung dieser Pelorie , dass sie kein Rückschritt zu einer
regelmässigen Blüte, sondern ein Fortschritt zu einer höher
ausgebildeten Blüte ist.
Veronica sibirica fasciata. Kirsch leger a. a. 0.
p. 10. Beschreibung einer solchen Veronica mit einem ge-
bänderten Stamme, der sich oben in zwei Theile theilt. Von
dem innern Baue sagt der Verf. nur, dass der Stamm im
Querschnitt ein einfaches Mark zeigte. Einige wenige Worte
über die Entstehung dieser Misbildung konmien darauf hinaus,
dass doch eine Verwachsung zweier oder noch mehr Stämme
möge Statt gefunden haben. Das müsste sich doch durch den
innern Bau zeigen.
Campanula persicif olia. Kirschleger a. a. O.
p. 3. Die Blätter der Pflanzen wurden nach oben zu immer
mehr blütenartig. Die Blätter 9 — 13 am Stamme waren wel-
lenförmig kraus, die Blätter 13 — 18 blau gefärbt, die Blätter
19 — 23 wurden immer kleiner von einer grünlich blauen, sehr
blassen Farbe, einige hingen an den Rändern zusammen.
Einige Cyclen von halbblumenblattförmigen Blättern entwik-
kelten sich, ehe die fünf wirtelförmigen Staminalblätter er-
schienen. Jedes dieser letztern trug an der obern und vor-
dem Hälfte eine zweifächerige wohl entwickelte Anthere, deren
Fächer aber mit noch nicht staubförmigem Blütenstaub gefüllt
waren. Jedes Fach gehörte der Hälfte des Blattes an, die
von einander durch die Mittelrippe getrennt waren. Die Pol-
lenmasse schien auf beiden Flächen, der vordem und der
hintern, durch eine epidermische Membran bedeckt; jedes
für physiologische Botanik. 35
Fach war in zwei läiigliclie Concamerationeu getheilt, die am
Rande, da wo die Anthere sich öffnet, eine Einbiegung hatte.
An der, Spitze der Axe fanden sich drei freie Karpellarblät-
ter; Spuren von Eichen waren nicht zu sehen. Die Monstro-
sität schien durch einen Insektenstich veranlasst.
Tragopogon pratensis. Kirschleger a. a. O.
p. 5. Die äussern Blümchen, viel grösser als die Innern,
zeigten einen Kelch von fünf linienförmigen Blättchen; eine
gelblich grüne, an der Spitze schwach fünfgezähnte Blumeu-
krone, an einer Seite bis au die Basis gespalten; fünf freie
Staubfäden; zwei lange, spitze, grüne Karpellarblätter, und
zwischen ihnen ein neues Calathidium aus dreissig Blümchen
bestehend. Die Schlüsse sind leicht zu ziehen.
Rosa gallica prolifera. Kirschleger a. a. O.
p. 7. Den Kelch stellten fünf gefiederte Blätter vor, das
Endblättchen war dreilappig an einigen. Die Axe setzte sich
durch den Kelch in derselben Dicke fort, dann folgten fünf
gewöhnlich gebildete Blumenblätter, aber die Axe fuhr fort
und war nun nackt. Hier zeigte sich ein kleines Blatt, wel-
ches nur durch das Endblättchen repräsentirt wurde, dessen
Rachis zwischen den beiden Stipeln eine Rosenfarbe hatte.
Die beiden Stipeln waren von zarter Consistenz und von
Rosenfarbe. An der Spitze stand eine gefüllte Rosenknospe
mit vielen Karpellen.
Philadelphus coronarius. v. Schlechtendal Lin-
naea T. 16. p. 463. Der Kelch aus vier gestielten Blättern,
von denen die zwei untern länger waren, die zwei obern
kleiner und sehr ungleichseitig, indem die eine Hälfte fehlte.
Acht Blumenblätter; die Staubgefässe fast normal. Pistill
frei, sonst normal. In der Achsel des obern kleinen Kelch-
blattes standen noch zwei kleine, verschieden gebogene Blu-
menblätter und zwischen diesen zwei kurze Staubgefässe, von
denen das eine eine wohlgebildete Anthere, das andere eine
missgebildete trug. Eine andere Blume zeigte den Uebergang
der normalen Blumenbildung in die oben beschriebene ab-
norme. Noch eine andere Blume hatte einen normalen Kelch,
vier Blumenblätter, mit denen jedoch noch andere vier offen-
bar aus Staubgefässen entstandene Blumenblätter wechselten.
Eine vierte Blume hatte einen in vier Theile getheilten Kelch,
Qg H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
zwei derselben waren normal , das dritte stellte ein gestieltes
Blatt dar, das vierte war viel kleiner, fast halbseitig und spiralig
gedreht. In beiden Achseln der obern Kelchtheile befand sich
eine unvoUkomniene Blume. Hier ist, sagt der Verf., eine
Vereinio-ung der Blumenbildung mit der Inflorescenz.
Berberis articulata Loiseleur Kirschleger a. a.O.
p. 1. Der Verf. fand eine Monstrosität von Berberis vulga-
ris mit Blättern, deren Stiele an der Spitze gegliedert waren.
Er schliesst daraus, dass die Blätter der Berberis eigentlich
nur die Endblätter eines gefiederten Blattes sind, wie die ver-
wandten Arten zeigen. Willemet in seiner Flore de Nancy
sah diese Monstrosität, und da er bei Linne keine andere Ber-
beris fand, als B. vulgaris und B. cretica, so musste es B.
cretica sein. Sein Neffe Soyer Willemet sah diesen Fehler
ein und nannte die Pflanze B. vulgaris monstrnoso-petiolata.
Loiseleur (Dictionn. d. sc. naturell. T. 56. p. 318) erkannte
wohl, dass diese Pflanze nicht B. cretica sei, doch beschrieb
er sie als eine neue Art unter dem Namen B. articulata.
Hierher gehört auch B. provincialis Audib, , welche in den
Reliquiae Schraderianae Linnaea 1838. p. 381. charakterisirt
ist, auch hat es Steudel in seinem Nomenclat. botan., wie K.
erinnert, nicht verbessert. Wenn er aber, gleichsam tadelnd,
sagt, dass noch immer in den Beschreibungen der Ausdruck
Spina gebraucht werde, so hat er sehr unrecht, denn in der
Beschreibung muss zwar die Stelle des Theils angedeutet
sein, aber die morphologischen Ansichten, die sehr verschie-
den sein können, dürfen die Benennung des Theils nicht be-
stimmen.
Delphinium Consolida. Kirschleger a. a. O.
p. 4. Die coroUa (Linne's nectarium) war ausgewachsen, fiinf-
blättrig, und fast regelmässig, die obern Blätter in spornartige
Fortsätze verlängert und diese Blumenblätter wechselten mit
den Kelchblättern. Ein Beweis für Jussien's Ansicht dieser
Blume. Zwar ist die letztere allgemein angenommen.
Ich füge hier die Anzeige einer Abhandlung bei, weil sie
sich ebenfalls auf Umbildungen oder Monstrositäten stützt:
Ueber das Wesen der Keimknospe von Sieg fr.
Reissek, Linnaea T. 17. p. 657. „Ist die Keimknospe
eine wahre Knospe, sagt der Verf., so entspricht der Nucleus
für physiologische Botanik. 87
dem Nucleus der Blattknospe, die Integumente den äussern
Blättern derselben. Bei der gewöhnlichen Blattknospe gilt
es als Gesetz, dass die äussern, respective untern Blätter die
ältesten sind, die Innern Blätter, welche den Nucleus zusam-
mensetzen, die jüngsten, somit der Nucleus selbst der jüngste
Theil. Au der Keimknospe ist stets der Nucleus der älteste, das
äussere Integument der jüngste Theil. Es findet demnach hier das
Umgekehrte Statt. Aus diesem Verhalten ist ersichtlich, dass
die Keimknospe, da sie so wesentlich abweicht, ihrer Vegeta-
tion nach keine Knospe sein könne. Die Anlagerung neuer
Partien nach ans- und abwärts findet aber gesetzmässig am
Blatte Statt. Die Keimknospe ist deshalb ein Blatt. So wie
die Bildung der Lappen am Blatte, so schreitet auch die Bil-
dung der Integumente der Keimknospe nach Aussen fort."
Ich muss diesem geradezu widersprechen. Der Nucleus der
Blattknospe ist keinesweges aus Blättern zusammengesetzt;
er ist das abgerundete Ende eines Astes und ist der erste,
der älteste Theil der Knospe, durch das Hervordringen des
Markes gebildet. Ich könnte dem Verf. viele Abbildungen
darüber zeigen, eine oder einige werde ich bald in meiner
Anatoraia plantarum vorlegen. Dieser Nucleus sprosst neue
Blätter hervor, löset sich aber gar nicht in Blätter auf. Die
Anlagerung neuer Partien nach aus- und abwärts findet aber
gesetzmässig an der Blattknospe Statt, und nicht am Blatte,
welches sich nach allen Richtungen ausdehnt. Die Keimknospe ist
also kein Blatt, wohl aber mit der Blattknospe zu vergleichen.
Es würde zu weitläuftig sein, mich über die folgenden ein-
zelnen Sätze des Verf. zu äussern, da ich fast immer auf die
entgegengesetzten Resultate gekommen bin.
An diese allgemeinen Betrachtungen von Monstrositäten
— die vorhergehenden betreffen nur einzelne Fälle — schlies-
sen sich auch die Missbildungen gesammelt von Pr.
v. Schlechtendal an, in Botan. Zeitung St. 29. S. 492.
Der viertheilige Saum der Blumenkrone, sagt der Verf. von
Syringa vulgaris, zeigt häufig einen Lappen mehr, welcher
dann meist nicht von gleicher Grösse mit den übrigen ist.
In solchen Fällen mehrt sich auch wohl die Zahl der Staub-
gefässe um eins, und zwar ebenfalls durch Theilung des einen,
dessen Staubfaden sich biegt und an dieser Biegung eine
g3 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Pollen entwickelnde kleine Stelle zeigt. Seltener sind Blu-
men, und namentlich kommen sie bei der weissblnmigen Art
besonders vor, deren Kronensaum in eine Menge Lappen ge-
tlieilt ist, 13 — 25 sieht man zuweilen. Staubgefässe smd in
der Mehrzahl da, und zwei neben einander im Grunde der
Blume stehende Pistille zeigten, dass wenigstens zwei ver-
einigte Blumen den Grund zu dieser eigenthiimlichen Bildung
gelegt hatten. An Arctotheca repens fand der Verf. drei
Blümcljen der Scheibe mit einander vereinigt.
Aeusserst häufig, sagt v. Schlechtendal daselbst, findet
sich der Pflanzenstengel, auch wohl die Blätter spiralförmig
gedreht, gewöhnlich wenn irgend ein Hinderniss bei der Ent-
wickelung Statt fand. Oft kommt dieses Drehen mit dem
Flachwerden zugleich vor. An Triticum repens bemerkte der
Verf. auch eine Drehung des obersten Blattes, die hier genau
beschrieben wird. An den Wurzeln sah ich nicht selten eine
solche Drehung ebenfalls.
Pflanzenbeschreibungen mit Rücksicht auf den
inneren Bau.
1. Phanerogamen.
Monographia Cycadearum. Scripsit F, A. G.
Miquel. Traj. ad Rhen. 1842. fol. Eine vortreffliche Mo-
nographie. Voran geht eine Untersuchung des Innern Baues
dieser Pflanzen, historisch und nach eigenen Ansichten. Zuerst
eine genaue Beschreibung des innern Baues der Wurzeln,
wie sie sonst nicht gegeben worden, und darum wäre es sehr
wünschenswerth, dass der Verf. Figuren davon mitgetheilt
hätte. Merkwürdig sind die gemmae radicales, welche der
Verf. mit Recht mit Zwiebeln vergleicht. Man kann aber
auch den ganzen Stamm mit seinen Schuppen, als eine Zwie-
bel über der Erde betrachten. Der Verf. führt die Beobach-
tung von Faldermann im K. Botanischen Garten in St. Pe-
' tersburg an, welcher aus den Schuppen abgestorbener Stänune
junge Pflanzen erzog. Die Schuppen sind die Blätter, aus
dener) man, wie aus den Blättern der Aloearten, so lange sie
noch einigermassen frisch sind, junge Pflanzen erziehen kann.
Die sogenannten Blätter nennt der Verf. mit Linne frondes,
für physiologische Botanik. gg
iiikI die einzelnen Blättchen , nicht damit übereinstimmend,
foliola. Es sind Aeste, wie ich in einer noch ungedruckten,
in der Akademie (1842) vorgelesenen Abliandlung (wovon
aber der Bericht erschienen ist), gezeigt habe, und wie der
Verf. es p. 11 selbst andeutet. Er sagt hier, die weiblichen
spadices von Cycas waren offenbar frondes, die Ovarien ver-
änderte Blätter, und so folge daraus, dass man die frondes
für Aeste halten müsse. Die Schuppen unter den frondes
sind ein weit mehr überzeugender Beweis, dass jene Aeste
sind. Die Blättchen der amerikanischen Cycadeen sind durch
angeschwollene Basis an die rachis befestigt, gleichsam arti-
culirt, die der indischen und afrikanischen gehen aber gerade
in dieselbe über. Das Ovarium von Cycas revoluta wird ge-
nau beschrieben. Es ist länglich, und in eine Röhre zuge-
spitzt. Es besteht zu äusserst aus einer Zellenschicht von
kleinen, dichten und festen, mit einer gelben färbenden Materie
erfüllten Zellen und Gummigängen. Dann folgt eine harte
Holzschicht aus Spiralfasern, die nach unten zusammen gehen
und endlich eine innere Haut aus einem braunen flockigen
Zellgewebe, welche der Verf. für den zelligen Theil des Na-
belstranges, oder die Placenta hält. Diese drei Theile rech-
net der Verf. zum Pericarpium, in welchem das Ovulum liegt.
Es hat ein deutlich geöffnetes Exostomium. Die testa besteht
aus einem dicken , festen Zellgewebe und ihre Höhlung wird
vor der Befruchtung bis auf ein Drittel oder ein Viertel mit
Zellgewebe angefüllt, wovon der äussere Theil häutig erscheint,
der innere hingegen dicht und sphärisch den Nucleus dar-
stellt." Mit der Zeit wächst dieser Nucleus an und bildet das
Albumen, die Testa fliesst mit dem flockigen Gewebe zusam-
men. Nach der Befruchtung zeigen sich mehr Embryonen in
einem Stamme, doch wird nur einer entwickelt, der in der
Axe des Albumens liegt. Das Wurzelchen tritt ein wenig an
der Spitze hervor. Es wird durch ein Filum Suspensorium
mit der Membran verknüpft, welche die Spitze des Albumens
bedeckt, dort frei ist, unten aber zum grössten Theil mit dem
Placentarkörper und dem Endokarpium verwächst. Die Nuss
oder das Putamen ist inwendig von der Testa überzogen und
damit durch ein Placentargewebe verbunden, welches gleichsam
eine glatte und. trockene Membran darstellt, mit ästigen, von
gO H. F. Link. Jahresbericht über die Arbeiten
der Basis divergirenden Gefässbiindeln (raphe). In den Za-
mien fällt das mittlere Placentargewebe fast ganz weg, und
dann sieht man ganz deutlich, wie die Basis der Testa durch
Gefässfasern ganz mit der Basis der Nuss verbunden wird.
Uebrigens erklärt der Verf. die Bauerschen Abbildungen von
der Frucht der Cycas media, und fügt eigene Bemerkungen
von der Frucht der javanischen Varietät von Cycas circinalis
hinzu. Auch die männlichen Geschlechtstheile beschreibt der
Verf. Die Frucht von Encephalartus spinulosus sah er im
Amsterdamer Garten keimen; vergleicht seine Beobachtungen
mit der Beschreibung, welche Petit Thouars vom Keimen einer
Cycas madagascariensis gegeben hat, und zeigt die Unter-
schiede kurz an. Zuletzt ist von den Verwandtschaften der
Cycadeen die Rede; er zeigt ihre Unterschiede von allen den
Familien, in deren Nähe mau sie gestellt hat. Wenn auch
Richard den Habitus palmenartig gefunden hat, sagt der Verf.,
so ist doch der Unterschied sehr gross. Der innere Bau des
Caudex ist ganz verschieden und dikotyledonenartig, die Blät-
ter sind nicht scheidenartig , sondern von einander getrennt,
und zwischen dem Baue der Geschlechtstheile ist keine Aehn-
lichkeit. Aber der Bau der Geschlechtstheile bei den Palmen
ist ausserordentlich verschieden; die Schuppen der Cycadeen
sind die wahren Blätter und scheidenartig, der innere Bau des
Stammes ist ganz wie bei Phoenix und verwandten Palmen,
die ich als Cocoideae längst von den Arecaceae in meinen
Vorlesungen geschieden habe. Doch darüber in der Folge
mehr. Hierauf folgt nun die Beschreibung der einzelnen Gat-
tungen und Arten.
De Encephalarto Lehmanni scr. G. H. de Vriese.
Tydschrift voor naturl. Geschied. T. 10. St. 1. p. 59.
Dieser in sehr gutem Latein geschriebene Brief (ein seltener
Fall unter den jetzt lebenden Botanikern) an Miquel enthält
eine genaue Beschreibung der eben genannten Pflanz und
ihre Geschichte. Der Verf. bemerkte, dass im Herbst, nach-
dem die Pflanze abgebliihet hatte, neben dem übrig gebliebe-
nen Blütenstiele neue Blätter hervorkamen, wodurch die
Narbe des Blütenstiels an die Seite getrieben wurde. Es
wäre also in dem blühenden Zapfen eine evolutio terminalis,
worauf eine evolutio lateralis von Blättern folgte, und der
für physiologische Botanik. * gj
Verf. lueint, dass auf diese Weise die Verästelung der Cyca-
deen, die man an alten Stämme zuweilen benterkt hat, geschehe.
Ein ebenfalls sehr gut lateinisch geschriebener Brief von Mi-
quel an de Vriese in derselben Zeitschrift p. 68 handelt de
Cycadeis Loddigesianis.
Die Observations s. 1. Musacees, les Scitaminees, les
Cannees et les Orchidees p. M. Thera. Lestiboudois in den
Ann. des scienc. natur. T. 17 p. 205 u. 257 enthalten nur
Beschreibungen, wobei der Verf. auf die Ansichten Anderer
wenig Rücksicht genommen hat.
Recherches litteraires sur le lis de St. Jaques,
suivies d'observation sur l'anatomie et la physio-
logie de cette fleur par Ch. Morren. Bulletin de
l'Academie royale des scienc. T. 9. P. 1. p. 302. Es
ist die Rede von der Amaryllis formosissima Linn., die man
jetzt Sprekelia formosissima nennt; ein Name, wie der Verf.
mit Recht sagt, an den sich keine Erinnerung knüpft, und
der nicht einmal eine vernünftige Etymologie gestattet. Simon
de Tovar, Arzt zu Sevilla, erhielt im Jahre 1595 Zwiebeln
von dieser Pflanze aus Mexico, die auch bei ihm blühte, und
sandte davon an den Grafen von Aremberg, durch den sie in
die Gärten der Liebhaber kam. Linne wollte an dieser Pflanze
die Bemerkung gemacht haben, dass die Narbe einen Saft
periodisch absondere und auch wieder resorbire; der Verf.
fand aber, dass dieser Saft nicht aus dem Stigma, sondern
aus dem Boden des Perianthium hervordringe, dass auch keine
Periodicität dabei Statt finde und dass er nicht resorbirt
werde, sondern austropfe. Der Verf. kommt nun auf den
Metallglanz der Blume. Er entsteht von dem üeberzug
(derme), der einen besondern Bau hat, wo die Zellen mit
einem durchsichtigen rothen Saft gefüllt sind, und zweitens
von den unzähligen Luftblasen, die sich in den Intercellular-
gängen unter jenem Ueberzuge befinden; diese kleinen Luft-
kissen stellen einen Spiegel vor, in welchem das Rubinroth
der Zellen im Ueberzuge reflektirt wird. Die beiden Ueber-
zuge, der obere und der untere, sind aus einem Zellgewebe
mit konischen Zellen gebildet, die einige Anatomen fälschlich
(warum?) Papillen genannt haben. Die konischen Zellen sind
kurz, au der Basis sechseckig, und in der Mitte konisch
92 * H- F- I-ink: Jahresbericht über die Arbeiten
erhaben. Diesem Kegel gegenüber, erhebt sich in der Höh-
lung ein grosser körniger Cy toblast, von einer weisslich gel-
ben Farbe, und übrigens ist die Zelle mit einer schön rothen
Flüssigkeit gefiillt. An der Luft ändert diese Flüssigkeit ihre
Farbe, und wird bläulich grün. Auf der obern Fläche sind
die kegelförmigen Erhebungen ausgezeichneter als auf der
untern. — Die erwähnten Luftblasen scheinen mir zu dem
Glanz nichts beizutragen. Schon längst habe ich behauptet,
dass der eigenthümliche Sammtglanz der Blumenblätter und
der Moosblätter von Papillen, nämlich jenen konischen Erhe-*
bungen der Zellen herrührt; je grösser die Papillen, desto
grösser der Glanz. Fehlen die Papillen, so erscheint die
Blume ohne allen Glanz wie an Plantago. — Der Verf. setzt
noch einige Bemerkungen über das Schwanken der Antheren
hinzu , und über die Gestalt der Pollenkörner. Die äussere
Haut sei ohne Zellen, gegen Mohl; durch sie sehe man die
Körner im Innern. Die grossen Pollenschläuche treten in
die länglichen Zellen des Stigma, und folgen der Mitte des
Griffels, wo man ihrer eine Menge sieht.
Recherches sur l'ivoire vegetal par M. Charl.
Morren. Bulletin de l'Academ. R. d. scienc. d. Bru-
xelles T. 9. P. 2. p. 362. Das vegetabilische Elfenbein ist
das dichte Alhumen einer Nuss, woraus mancherlei zierliche
Sachen gedrechselt werden; eine Anwendung, die man zuerst
in England gemacht hat. Diese Nuss ist schon lange bekannt,
und kommt von einem Baume, der den Palmen oder wie
Endlicher will, den Pandaneen nahe steht, und von Ruiz und
Pavon Phytelephas, von Willdenow aber Elephantusia genannt
wird. Er wächst, nach Humboldt, im Innern von Süd -Ame-
rika am Magdalenenflusse und bei Ibague in Süd- Amerika,
und nicht auf den Mascara- Inseln, wie Morren sagt. Von
diesem erhalten wir eine genaue anatomische Untersuchung
der Nuss. Sie besteht zu äusserst aus vier Umhüllungen von
verschieden geformtem Parenchym, dann folgt das Albumen,
das eigentlich sogenannte vegetabilische Elfenbein, welches
äusserst dicht und weiss ist, von einem merkwürdigen Bau.
Man findet nämlich gegen den Umfang Höhlungen von unre-
gclmässiger Gestalt, dann werden sie sechseckig und von
jeder Ecke (im Durchschnitt gesehen) laufen kurze gerade
für physiologische BotaniJt. 93
Kanäle aus. Die Höhlungen stehen im Verbände (in quin-
cunce). Alles übrige erscheint selbst unter starken Vergrös-
serungen als eine dichte Masse. Wenn man aber einen
Tropfen kanadischen Balsam darüber bringt, so sieht man
deutlich, dass die dichte Masse aus Parenchym besteht,
und dass die Höhlungen mit den breiteren Spitzen ihrer Aeste
in einandergreifen. — Der innere Bau gleicht denen der Was-
serpflanzen, und die abweichende Dichte und Festigkeit möchte
wohl von der Zartheit des zusammengedrängten Parenchyms
herrühren.
Systema Piperacearum. Exposuit F. A. Guil.
Miquel. Roterod. 1843. 8vo. Fase. 1. Ein schätzbares
Buch. Die Einleitung handelt von dem Innern sowohl als
dem äussern Bau der Piperaceen. Hier können nur einige
Sätze des Verf. angeführt werden. Der Stamm aller Pipera-
ceen hat einen angeschwollenen Knoten, sagt der Verf., und
ist dadurch gegliedert, aber der Ursprung dieser Knoten ist
verschieden. An den Peperomieen befindet sich eine End-
knospe, welche den Stamm fortsetzt, nebst vielen Seitenknos-
pen, woraus die Aeste hervorgehen; an den Piperaceen aber
ist das Wachsthum in die Länge an jedem Knoten unterbro-
chen und wird durch eine Seitenknospe fortgesetzt. Eine
solche Seitenaxe wird mit ihrem ersten Blatte von einer stipula
oppositifolia umgeben, die morphologisch betrachtet, ein Abor-
tivblatt der Axe ist (?). Mit dem Kätzchen ist bei diesen
Pflanzen die Axe beendigt, daher sind die Kätzchen zuerst
aufrecht, nachher aber, wenn die Seitenaxe anwächst, zur
Seite gebogen. — Die Darstellung des Verf. ist sehr richtig.
Diese Art der Inflorescenz findet auch bei manchen Dolden-
gewächsen Statt, wo ich sie inflorescentia axillaris genannt
habe, so bei Sium angustifolium und Sium nodiflorum, indem
Sium latifolium die gewöhnliche Inflorescenz behält. Die Pi-
peraceen stehen in der Mitte zwischen den Monokotylen und
Dikotylen in aller Rücksicht, und man kann die Stipula als
den Anhang eines scheideartigen Blattstiels als eine ligula
bipartita ansehen. — Der Stamm hat den innern Bau der
Dikotylen, sagt der Verf. ferner, worin alle Botaniker über-
einkommen , doch ist das Holz nicht in vollkommen couceu-
trische Schichten getheilt, sondern nur durch Markstrahlen in
q* H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Abschnitte gespalten, und zerstreute Holzfasern laufen ohne
Ordnung durch das Mark. In einem zweijährigen Aste von
Peperomia magnoliaefolia kann man weder ein wahres Mark,
noch Holzschichten unterscheiden, sondern nur ungefähr 25
Holzbündel, unregelmässig, kaum in Kreisen gestellt, von denen
die äussern 9 dicker sind, die Innern stufenweise dünner
werden, und in der Mitte so dicht zusammen stehen, dass
man kein Mark unterscheiden kann. In den älteren Zweigen
ist das Mark wohl vom Holz unterschieden und enthält zer-
streute Holzfasern; das noch weiche Holz aber ist keineswegs
in concentrische Schichten getheilt, sondern nur durch weite
Medullarstralen stralenweise getrennt. In mehreren krant-
artigen Arten sind die Holzfasern so unregelmässig getheilt,
dass man keine Medullarstralen unterscheiden kann. — Diese
Form steht ebenfalls in der Mitte zwischen der Monokotylen-
und Dikotylenform Ausser den Piperaceen findet sie sich
noch bei den Amaranthaceen, vielen Chenopodeen, Nyctagi-
neen u. a. Man muss aber diese Form nicht mit der Form
in den Cucurbitaceen, Umbelliferen und vielen andern Kräu-
tern verwechseln , wie oft geschehen ist, wo nur die Holz-
schicht mit Markstralen in mehrere Abschnitte durch Zellge-
webe getrennt wird. — Bei den Blättern bemerkt der Verf.,
dass die entgegengesetzten Blätter nur dadurch entstehen,
dass die Knoten sich zusammengezogen haben, und dadurch
die beiden Blätter genähert sind, dass aber an jedem Glied
nur ein Blatt sich befindet; auch kommen die beiden Blätter
nicht zugleich hervor, sondern eines entwickelt sich nach dem
andern. Er rechnet übrigens die Piperaceen zu den Diko-
tylen, weil nur der Embryosack seitwärts hervortritt und aus
ihm sich der Embryo entwickelt. Aber da der Embryo sehr
klein ist und nur als gemma biloba, wie der Verf. sagt, sich
zeigt, so möchte auch wohl das Keimen zwischen dem der
Monokotylen und Dikotylen in der Mitte stehen.
Observations anatomiques et organogen iques
sur la Clandestine d'Europe (Lathraea clandestijia
L.) par M. P. Duchartre. Compt. rendus de l'Acad.
d. Sc. a Par. 184 3. P. 2. p. 132S. Von dieser anatomi-
schen Beschreibung der Pflanze wollen wir nur das Ende an-
führen, wo von der Frucht und dem Samen die Rede ist.
für physiologische Botanik. 95
Die Pflanze ist merkwürdig dadurch, dass sich die Kapsel bei
der Reife schnell öffnet, und die beiden Klappen mit einer
solchen Elasticität sich zusammenrdllen , dass die grossen
Samen bis auf 60 — 90 Centimeter fortgeschnellt worden. Der
Grund dieser Erscheinung liegt nach dem Verf. darin, dass
im Perikarpium sich zwei Schichten befinden, eine äussere,
dicke, fast fleischige aus grossen von innen nach aussen ver-
längerten Zellen , die gewöhnlich an dem vom Centrum der
Frucht abgekehrten Ende weiter werden, und eine innere,
dünne, fast lederartige, aus kleinen, ovalen Zellen, deren
grosse Axe mit der Oberfläche der Kapsel parallel ist. Das
Aufschwellen der Zellen in der ersten Schicht macht, dass
jede auf die neben ihr liegende drückt, woraus die Totalwir-
kung in jeder Klappe entsteht, dass sie sich nach innen zu
krümmt. — Der Verf. hat hier vermuthlich eine Erklärung
nach Dutrochets Weise geben wollen. Die doppelte Schicht
von Zellgewebe findet sich fast in allen Perikarpien,
die doch nicht mit Gewalt aufspringen. Auch entsteht ein
Anschwellen der Zellen im Pflanzenreiche nie plötzlich, und
kann daher eine plötzliche Wirkung nie leicht veranlassen. —
Der Same, sagt der Verf. ferner, ist im erwachsenen Zustande
von einer sehr dünnen testa oder spermoderme umgeben, die
unter zwei einfachen zelligen Lagen aus drei Schichten von
Faserzellen besteht. Dann folgt nach innen ein grosses,
weisses, dichtes Albumen mit grossen Zellen, die sich durch
die Dicke der Wände und durch die Tiefe ihrer Tüpfel
(ponctuation) auszeichnen. Endlich der sehr kleine Embryo,
der in einer Höhle des Albumens liegt, die er ganz ausfüllt;
diese Höhle befindet sich gegen den Rand des Samens, nahe
beim Nabel. Er hat die Gestalt einer kleinen Kugel, woran
äusserlich eine kleine Warze, die radicula sitzt (mamelon ra-
diculaire); gegenüber befinden sich die beiden etwas unglei-
chen Cotyledonen, und zwischen diesen eine kleine Erhöhung,
der Anfang einer gemmula.
Rapport sur un Memoire de Mr. Payer intitule:
Etudes morphologique sur les inflorescenses ano-
males et un Memoire de Mr. Naudin intitule: Etudes
sur la Vegetation des Solanees, la disposition de
leurs feuilles et leurs inflorescenses, Compt. rend.
9ß H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
1842. P. 2. p. 147. lii einigen natürlichen Ordnungen kom-
men die Aeste nicht immer aus dem Blattvvinkel oder Brac-
teenwinkel hervor, sondern stehen frei. St. Hilaire erklart
diese Anomalie durch ein Verwachsen der Blattbasis mit dem
Aste. Die zu kurz gefasste Erklärung haben nun Naudin
und Payer genauer auseinandergesetzt und angewandt. Nur
die Resultate sind kurz angeführt. Naudin redet bloss von
den Solaneen, Payer von den Crassulaceen, Borragineen und
Cistineen. Beide nehmen ausser dem V^erwachsen noch das
Aufhören des Hauptstammes an, statt dessen die Aeste seine
Stelle einnehmen oder usurpiren, und daher ranieaux usurpa-
teurs heissen.
Die Anatomischen Bemerkungen über den Bau
der Melocacten von P. F. A. W. Miquel, Linnaea
V. 16. p. 465 enthalten nur die Bestätigung älterer Beobach-
tungen nebst einigen Berichtigungen, und sind ohne Abbil-
dungen.
Bydragen tot de Anatomie der Cacteen door
P. Harting. Tydschrift voor naturlyke Geschieden.
T. 9. p. 181. S. auch Botanische Zeitung 6. St. S. 97.
Da die Abhandlung bloss Bestätigungen älterer Beobachtungen
enthält und Widerlegung anderer, so kann füglich auf das
verwiesen werden, was in der Botanischen Zeitung gesagt ist.
Ceree de Napoleon ou observations sur l'ana-
tom'ie et la physiologie de cette fleur par Mr. Ch.
Morren. Bulletin de l'Acad. R. de scienc. de Bru-
xelles T. 9. P. 2. p. 210. Der Cereus Napoleonis wird in
den Gärten gewöhnlich als die grössere Abänderung von Ce-
reus triangularis bezeichnet. Zuerst liefert der Verf. eine
äussere Beschreibung dieser Pflanze und ihrer schönen Blüte,
welche selten erscheint. Dann redet er vorzüglich von dem
Stigmakanal. Indem er von dein Gerüche spricht, führt er ein Paar
Versuche an, wo er eine Aehre von Orchis bifolia unter
Wasser tauchte, so dass er den Duft nur durch das Wasser
riechen konnte, und dennoch verbreiteten sie in der Nacht
einen angenehmen Duft, zum Beweise, dass die Ursache,
warum die Pflanzen den Duft nur in der Nacht verbreiten,
nicht darin liegt, dass der ausgehauchte durch die Kühle der
Nacht mehr verdichtet werde.
für physiologische Botanik. 97
Etudes siir ranatomie du raisin et la colora-
tion des viiis par Ch. Morren, Bullet, de l'Acad.
roy, d. scienc. d. Bruxell. T. 9. P. 2. p. 511. Der Verf.
untersuchte die Traube, welche man um Liittich vorzüglich
bauet, und Morillon noir nennt, doch hat er auch Rücksicht
auf die Trauben aus Italien und Portugal genommen. Das
Epikarpium oder die äussere Haut der Beere besteht aus
zwei Schichten, die äussere ist aus prismatischen oder octae-
drischen ungefärbten Zellen zusammengesetzt, ohne Kugeln
oder Kerne (cytoblastes), in den itiilienischen, spanischen und
portugiesischen Trauben besonders dick; die innere Schicht
aus ähnlichen Zellen von rother Farbe, welche einen kleinen,
weisslichen Kern enthalten, umgeben von einem rothen Saft,
worin kleine Kiigelchen sich befinden. Das Sarkokarpium
oder das Fleisch der Beere ist roth, da wo es an das Epi-
karpium gränzt, sonst aber ungefärbt. Die Zellen sind eiför-
mig oder zuweilen prismatisch. Es ist von Gefassen durch-
zogen, welche zwei Systeme ausmachen, ein centrales und ein
peripherisches, welches unter der äussern Haut ein zierliches
Geflecht bildet. Die Zellen des Sarkokarpium gehen stralen-
weise vom Centrum nach der Peripherie. Der merkwürdigste
Theil des Sarkokarpium ist der, welcher sich von dem Ge-
ftissnetz zum Epikarpium erstreckt, und zu äusserst rothe,
dann grüne und endlich weisse Zellen enthält, mit kleinern
Kügelchen und einem Kern oder Chlorophyll erfüllt. Aber
ausserdem findet man unter dem Epikarpium eine grosse
Anzahl von dunkelrothen, platten, scheibenförmigen Körpern,
die der Verf. coreses nennt, von dem griechischen xoQt], pu-
pilla. Genaue Untersuchungen zeigten, dass sie ausserhalb
der Zellen , und nicht in ihnen lagen. Befreiet man sie von
den Zellen, so sieht man leicht, dass sie aus rwnden Körnern
wie Chlorophyll bestehen, mit kleinen Körnern in ihrem
Innern, und dass sie rothe, violette oder bläuliche Flüssigkeit
absondern, welche sie wie eine Wolke umgiebt. — Eine
solche regelmässige Absonderung zwischen den Zellen ist
noch nicht wahrgenommen worden. Sollten aber diese Kör-
ner nicht in einer dichten Haut umschlossen sein, wie die
Raphiden ?
Uebor die anatomische Structur einiger Magno-
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. 2, Bd. Q
98 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
liaceen von H. R. Göppert, Linnaea T. 16. p. 135.
Wir wollen hier nur das Resultat dieser Untersuchung ange-
ben: dass nämlich bei genauerer Untersuchung die vielleicht
auch nur vennuthete Uebereinstimmung der Tasniannia- und
Drimys -Arten mit den Coniferen ganz und gar nicht Statt
findet, und sich nur auf eine allerdings merkwürdige Aehn-
lichkeit rücksichtlich der ziemlich gleichförmigen Zusammen-
setzung des Holzkörpers aus porösen Parenchymzellen be-
schränkt, in diesen selbst aber, der abweichenden Form der
Markstralen gar nicht zu gedenken, sich auch noch so viele
Unterschiede darbieten, dass eine Verwechselung derselben
mit den Coniferen gar nicht Statt finden kann.
2. F a r n.
On the dotted vessels of Ferns. By J. W. Grif-
fith, Annais of Natur. History T. 10. p. 169. Der
Verf. beschreibt die getüpfelten Gefasse der Farn , welche im
Wesentlichen von den getüpfelten Gefassen der Phanerogamen
nicht verschieden sind. Oft sehe man beim Zerreissen die
Ueberhleibsel einer Membran, welche die Tüpfeln erfüllte, zum
Beweise, dass die Gefasse aus zwei Umhüllungen (coats) be-
stehen, einer sehr zarten, und einer aus den vereinigten Fa-
sern bestehenden. Darüber sind wir in Deutschland längst
übereingekommen. Die Röhren sind nicht wahre saftfiihrende
Gefasse (ducts), da sie sich abwickeln, ohne zu zerreissen,
und Luft enthalten; sie können auch nicht betrachtet werden
als eine Form des Holzgewebes, aus der letzterwähnten Ur-
sache, auch weil die Tüpfel spiralförmig gestellt sind. Der
Verf. glaubt nun, "dass sie veränderte Spiralgefässe sind und
dieselbe Function haben. Es sind poröse Gefasse, die gar
oft spiralförmig reissen und eine spiralförmige Stellung der
scheinbaren Porfen, auch oft Luft enthalten, zu andern Zeiten
aber den Nahruugssaft; sie gehören ohne allen Zweifel zum
Holzgewebe. Der Verf. glaubt, die Spiralgefässe möchten nicht/
auf einerlei Weise entstehen und kommt hier auf die Schleim-
ausflüsse mit Spiralen aus den Samen der Akanthaceen. Man
sieht aus diesen Angaben, dass der Verf. seinen Gegenstand
nicht übcrsielit. *
Ben»erkungcn über Bastardfarn von E. Regel.
für physiologische Botanik. 99
Botanische Zeitung 1843. 32. St. S. 537. 538. Der Verf.
zählt hier die verschiedenen Formen auf, welclie in unsern
Gärten als Bastarde gezogen werden, doch ohne sie genauer
zu beschreiben oder ihren Ursprung zu erklären. Sie kom-
men allein in der Gattung Gymnogramma vor und zwar nur
in der Untergattung oder Abtheilung, die ich Ceropteris ge-
nannt habe. S. Filicum species in Hort. Reg. botanico Bero-
lin. 1841. Diese dem Verf. bekannt gewordenen Formen
sind: 1) Zwischen G. chrysophylla und G. peruviana ist G.
L'Herminieri (Filic. sp. p. 164). 2) Zwischen G. chrysophylla
und G. distans eine Form (C. Massoni, Fil. sp. p. 143).
3) Zwischen G. chrysophylla und G. dealbata steht G. Mar-
tensii. 4) Zwischen G. chrysophylla und C. calomelanos
zwei Formen. (Eine ist G. Martensii Fil. sp. p. 143). 5)
Zwischen G. calomelanos und G. distans eine Form. 6) Zwi-
schen G. dealbata (G. tartarea) und G. calomelanos ebenfalls
eine Form. Es ist wohl kein Zweifel, dass diese Mittelformen
nicht zu den Bastarden, sondern zu den Varietäten müssen
gerechnet werden. Bekanntlich sind manche Gattungen, und
in diesen manche Arten mehr als andere Ausartungen unter-
worfen, wie wir an den Weidenarten sehen, unter denen auch
z. B. Salix aurrita weit mehr der Abänderung unterworfen
ist, als Salix pentandra. In der Gattung Ceropteris kommt
noch die veränderliche Wachsausschwitzung hinzu, die bald
gelb, bald weiss ist, sogar an einer und derselben Pflanze
gelb und weiss. So häufig die künstlich erzeugten Bastarde
jetzt sind, so selten sind die von der Natur oder vielmehr
in der Natur erzeugten, und am wenigsten kann man sie
unter den Kryptogamen vermuthen, wo der männliche Blüten-
staub so versteckt ist, dass er sich nicht weit verbreiten
kann, wenn er überhaupt vorhanden sein mag.
3. Algen.
F. T. Kützing, Die Umwandlung niederer Algen-
formen in höhere, so wie auch in Gattungen ganz
verschiedener Familien und Klassen höherer Cry-
ptogamen mit zelligen, in Natuurk undige Verhan-
delingen van de Hollandsch. IMaatschappy d. We-
tensch. Tweed. Verzamel. 1 D. Haarlem 1841. p. 1.
G*
■[QQ H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Es ist nöthig diese Preisschrift, welche fast den ganzen Band
ausmacht, hier noch anzuführen, da sich der Verf. in dem
folgenden Werke darauf beruft. Es ist die Entwickelung von
Algen, von Lichenen und Laubmoosen aus dem Protococcus.
Es wäre sehr mirecht, wenn man diese genauen und sorg-
fältigen Beobachtungen von vorn herein verwerfen, und die
Schlüsse, welche darauf gegründet sind, für falsch erklären
wollte. Der Verf. hält den Protococcus für ein Urgebilde,
durch eine generatio originaria oder aequivoca entstanden.
Er weist nun nach den' Uebergang der Protococcus -Körner
in manche Algen und durch die Conferva tenerrima in die
Moose, auch die Entwickelung von Lichenen aus Körnern
dieser Art. Wegen der generatio originaria wird er diejeni-
gen, welche die Atmosphäre als eine Sammlung von Keimen
aller Art ansehen, nicht befriedigen. Sie werden sagen, dass
die Sporen keinesweges die Samen sind, sondern diese erst
entfalten, und darin möchten sie wohl oft Recht haben. Aber
allerdings wird die Analogie mit den Phanerogamen endlich
hypothetisch und die Wahrscheinlichkeit hat der Verf. wohl
mehr für sich als gegen sich. Dagegen kann man fragen,
wie ist die Verschiedenheit von Arten der Lichenen, die auf
einem Stein oder an einem Baumstamme, oder wenn der Verf.
hier verschiedene Arten läugnen wollte, wie sind die ver-
schiedenen Arten von Moosen, die nicht selten neben einander
wachsen, aus einer und derselben Art von Protococcus, oder
einer und derselben Conferva tenerrima zu erklären? Wird
der Verf. uns überzeugen, dass zwei Körner des Protococcus,
aus denen verschiedene Arten von Algen, Lichenen oder
Moosen hervorgegangen sind, oder die zarten Conferven, für
mancherlei Moose keine Unterschiede hatten, wenn sie auch
unsern bewaffneten Augen keine zeigen? Finden wir Unter-
schiede in den seit einigen Tagen bebrüteten Embryonen der
Hühnereier? Und doch sind wir überzeugt, dass die Verschie-
denheit der Anlage zu der bestimmten Varietät schon in
ihnen vorhanden sein müsse , denn die bestimmten Varietäten
der Hühner pflanzen sich fort. Geschieht dieses bei so sehr
entwickelten Thieren, wie vielmelir wird dieses bei den weni-
ger entwifkolton Kryptoganion der Fall sein. Wenn wir auch
keine l'raformation in der Strenge annehmen, wie sie einst
für physiologische Botanik. |0|
von Bonnet umJ seinen Anhängern angenommen wurde, so
müssen wir doch bestimmte Anlagen annehmen, oder bestinnnt
verschiedene Richtungen jener Anlagen, weil sich sonst die
Beständigkeit der Arten und selbst der Spielarten nicht er-
klären Hesse. Wir wollen übrigens die Beobachtungen des
Verf. als Grundlagen ansehen, worauf weiter zu bauen wäre,
und die erste Aufgabe möchte sein, die Verschiedenheit oder
Aehnlichkeit und Gleichheit der Protococcus-KÖrner und ihre
verschiedene Entwickelung in Rücksicht auf die verschieden
daraus hervorgehenden Arten und Abarten zu erforschen. —
Die Ueberhäufung mit Kunstwörtern macht das Lesen dieser
Abhandlung unangenehm.
Phycologia generalis oder Anatomie, Physio-
logie und System künde der Tange von Dr. Fried r.
Aug. Kützing, Leipz. 1843. 4, 458 S. u. 80 farTsig ge-
druckte Tafeln. Ein Werk, welches in der Kenntniss der
Algen Epoche macht, und welches die Wissenschaft einen
bedeutenden Schritt weiter thun lässt. Es war nothwendig
das Einzelne zusammenzufassen, um zu einer Uebersicht zu
gelangen, und das ist hier vorzüglich nach eigenen Untersu-
chungen , doch nicht ohne Rücksicht auf andere Forschungen
so geschehen, dass wir dem Verf. für seine Bemühungen
Dank sagen müssen. Es kann hier kein Auszug aus dem gan-
zen Werke gegeben werden, nur einzelne Andeutungen mögen
genügen. Der Verf. sagt mit Recht, dass oflFenbar Mittelge-
schöpfe zwischen den Thieren und Pflanzen vorkommen, und
ich hätte nichts dawider, wenn man viele derselben in beiden
Reichen zugleich aufführte. Andere mögen dahin gestellt
werden,! wohin sie die Mehrheit der vegetabilischen und ani-
malischen Eigenschaften bringt. Zu den wahren Mittelge-
schöpfen gehören die Diatomeen. In einer Abtheilung der
Diatomeen, den Desmidieen, fand der Verf. Amylum , welches
er für charakteristisch für das Pflanzenreich hält. Man kann
dieses als einen Nebengrund gelten lassen, aber nicht zu den
Hauptgründen zählen. Einige Arten von Hygrocrocis sind
vielleicht Monadenstöcke, meint der Verf., die Oscillatorien
und die Corallineae werden mit Recht zu den Algen gebracht,
aber Alcyonidium dem Thierreiche zurückgegeben. Dass der
Verf. Spongia zu den Thieren rechnet, scheint nicht ganz
102 H. F. Liuk: Jahresbericht über die Arbeiten
zweckiuässig; die Gattung mag in beiden Reichen zugleich
aufgeführt werden. Das erste Buch handelt von den Bestand-
theilen der Tange. In dem Kapitel von den unorganischen
Bestandtheilen der. Algen wird besonders von den Farbestoflfen
geredet, und der Verfasser unterscheidet ausser Chlorophyll
noch Phykokyan, Phykoerythrin und Phykohämatin. Das Phy-
kokyan findet sich in Leniania torulosa, Thorea ramosissima,
mehreren Oscillatorien , besonders Oscillatoria princeps und
einigen Vaucherien, und entsteht durch eine Art von Gährung
in den genannten Algen, wenn sie dicht auf einander liegen,
und immer benetzt werden , wobei sich eine blaue Flüssigkeit
sammelt. Alkalien, nämlich Kali, Natrum, Aetzammoniak ver-
ursachen sogleich Entfärbung der Flüssigkeit, aber Säuren
stellen sie wieder her. Das Phykoerythrin ist in Callitham-
nion und Griffithia, überhaupt in den Delesserieen enthalten,
und zeigt sich beim Eintrocknen als eine rothe Flüssigkeit.
Wasser, Weingeist, Aether, Oele und Säuren ziehen die rothe
Farbe aus den trockenen Algen nicht aus, wohl aber Ammo-
niak , worauf die Algen eine scinnutzig violette oder violett-
grüne Farbe annolunen. Säin-en stellen die ursprünglich rothe
Farbe wieder her. Digerirt man die mit Ammoniak behan-
delten Algen mit absolutem Weingeist oder Aether, so färben
sich diese Flüssigkeiten grün, und lassen beim Abdampfen,
Chlorophyll zurück, Sonnenlicht bleicht das Phykoerythrin,
und die Farbe ist auf keine Weise wieder herzustellen. Das
Phykohämatin hat man bis jetzt nur in Rhytiphloea tinctoria
gefunden ; es löst sich durch Digestion mit Wasser auf, und
wird durch absoluten Weingeist niedergeschlagen. Zu den
organischen Bestandtheilen der Pflanzen rechnet er erstlich
den Schleim oder die Intercellularsubstanz nach Mohl, wie in
Klammern umgeschlossen beigefügt wird; ferner das Phytoge-
lin, welches durch Kochen mit Wasser in Pflanzengallerte
sich verwandelt. Der Verf. unterscheidet weiter gallertartiges,
knorpelartiges und hornartigcs Gelin. Bei manchen palmel-
lenartigen Gebilden, sagt er, haben sich die weichen Gelin-
zellen so mit einander vereinigt, dass sie nur eine einzige,
homogene Masse zu seii> schienen. Endlich das Amylid und
die Zelleiikiigelchen (Gonidien Wallroth, Chromatidium Lk.).
In dem zweiten Buche ist die Anatomie und Physiologie der
für physiologische Botanik, 103
Tange enthalten. Zuerst von den Gelinzellen, welche aus
einer doppelten Membran bestehen, und dann von den Amy-
lidzellen. Die meisten Gelinzellen schliessen nach dem Verf. noch
eine besondere zarte Zelle ein, deren Substanz von der Ge-
linsubstanz abweicht, und die Amylidsubstanz genannt wird.
An ihr entwickeln sich die feinen Körncheji , welche in den
Zellen enthalten sind. Zuweilen ist diese Substanz von dem Zel-
lenkerne nicht zu unterscheiden, wie bei den Gattungen Nostoc,
Palmella, njehren Oscillarien u. a. zuweilen aber ist sie deut-
lich unterschieden, und kann bei den grossem Conferven,
den Spirogyra- Arten u. ni. a. gut beobachtet werden. Dann
ist von gonimischen Zelleninhalt die Rede, und zwar von dem
kryptogonimischen, monogonimischen und polygonimischea
Zelleninhalt; es ist nämlich nur eine Flüssigkeit vorhanden,
oder ein Zellenkern oder mehre. In dem Zellensafte mancher
Tange findet man sehr kleine, freischwimmende Gonidien, die
eine lebhafte, selbstständige Bewegung haben; man sieht sie
besonders an Oedogonium vosicatum und capillare. Es folgt
nun die Entvvickelungsgeschichte der Elementarorgane, wobei
es störend ist, dass der Verf. nicht die Zellen von dem In-
halte, den Amylidzellen nämlich oder seinem Exenchym und
dem, wie er es nennt, gonimischen Gewebe oder Parenchym
scharf trennt, sondern alles zusammen betrachtet. Die Zellen
sind ein ganz anderes, mehr bestimmtes Gebilde, als die häu-
tige oder körnige Substanz , die sich innerhalb jener Zellen
befindet. Wir wollen daher nur von dem eigentlichen Zell-
gewebe oder Tanggewebe, wie der Verf. sagt, seine Beobach-
tungen anführen. Die Entwickelung dieses Gewebes geschieht
1) durch Theilung der Zellen ; 2) durch Conjugation schon
fertiger Zellen; 3) durch Zwischenlagerung, wenn zwischen
schon vorhandenen und theilweise verbundenen Zellen sich
einzelne neue erzeugen ; 4) durch Einwachsen von Zwischen-
fäden in ein schon bestehendes Zellgewebe; 5) durch Um-
wachsung, welches nicht wie das vorige von der Peripherie
zum Centrum, sondern vom Centrum zur Peripherie geht;
6) durch Apposition; wo der Anfang der Bildung mit einem
Kiigelchen oder Bläschen beginnt, welches sich an der Aus-
senfläche einer altern Zelle erzeugt, vergrössert und mit der-
selben in Verbindung bleibt; sie zeigt sich besonders bei den
104 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten '
quirlförniigen Raniificationen. Man sieht leicht, dass diese
Entwickelungsarten ihrer Natur nach sehr von einander ver-
schieden sind. Die verschiedenen Formen des Tanggevvebes
müssen im Werke selbst nachgesehen werden. Hierauf fol-
gen die zusammengesetzten Organe und zwar zuerst Tang-
oder Algenkörper (Phycoma). Warum hat der Verf. nicht
den Ausdruck Thallus beibehalten, der äusserst treffejid die
Grundlage der ganzen Pflanze darstellt, und die drei sehr
verwandten, schwer scharf zu trennenden Familien: Algen,
Lichenen, Pilze vortrefiflich zusammenstellt. Hier ist der Aus-
druck Phycoma wiederum unterschieden in Trichoma, Phyl-
loma u. s. vv. Der Verf. geht nun die Formen des Thallus,
das Phyllom und Caulom durch, die doch wenig von einander
verschieden sind, redet dann von der Ueberhaut, den Sclileim-
gefässen, den Luftbehältern und den Fasergriibchen. Viele
Tange haben auch Wurzeln (aber diese sind in ihrem innern
Bau durchaus nicht von dem übrigen Thallus verschieden).
Der wesentlichste Theil der Tangfrucht, sagt der Verf., ist
der Same (spermatium, spermatidium). Manche Früchte be-
stehen nur daraus und diese nennt er Nacktfrüchte ( gymno-
carpia), andere sind von einer besondern Hülle umgeben, und
heissen dann Hüllenfrüchte (angiocarpia), die Hülle selbst
Fruchthülle (spermangium). Sie schliesst stets mehre Samen
ein. Wo indessen wieder eine Vereinigung mehrer Hüllen-
früchte Statt findet, da entsteht ein Fruchtlager, Fruchtkörper
(carpoma). Also wiederum , wie es Acharius machte , neue
Kunstwörter für eine einzelne Familie, die gar leicht mit an-
dern zusammenzustellen ist. Die folgende Eintheilung, da
sie nicht Eintheilung der besondern Organe, sondern der Ar-
ten ist, gehört aber zu den sehr zweckmässigen. Der Verf.
fährt nämlich fort: Alle Früchte sind sich in der Bildung und
Structur ihrer Samen gleich , auch in der Art und Weise,
M'ie sich ihre Samen entwickeln; aber in der Fruchthülle und
in der Anordnung der Samen in Zalil und Form konunen
gewisse Verschiedenheiten vor. Die Frucht tritt nämlich bei
einer Hälfte der Tange in einerlei Weise auf und entwickelt
sich dann auf allen Individuen gleichartig — diese Tange
heissen Gleiclifrüchtigc (Isocarpeae) — bei der andern Hälfte
tritt feie dagegen stets in zwiefacher Form auf verschiedenen
für physiologische Botanik, 105
Individuen auf, diese heissen Uugleichfrüehtige (Iieterocarpeae).
Die wahren reifen Samen, setzt der Verf. hinzu, sind lose,
hologonimische Aniylidzellen, welche gewöhnlich von einer
mehr oder weniger dicken, bald einfachen, bald doppelten
Gelinmembran umgeben sind. In einem Nachtrage stellt der
Verf. die verschiedenen Kunstwörter für die Organe der Al-
gen zusannnen , welches ihn hätte behutsam machen sollen,
neue zu ersinnen. Bald wird ein anderer kommen, der seine
unnöthigen Kunstwörter zu Synonymen macht. Schade um
das treffliche Werk. Die Fortpflanzung der Tange ist bei
den verschiedenen Formen nach eigenen Beobachtungen genau
beschrieben, die überhaupt genommen in einer gar einfachen
Entwickelung besteht. Die Fortpflanzung durch Urbildung
wird auch hier angenommen. Die Ernährung der Tange ist
ein noch wenig bekannter Gegenstand, worüber doch hier
aber einige trefi'ende Bemerkungen vorkommen. In dem
zweiten Theile der Systemkunde sind alle bekannten Gattun-
gen und Arten der Algen aufgeführt, und man erstaunt über
die Menge von neuen Arten, womit der Verf. unsere Kunde
bereichert hat.
Die Pflanze im Momente der Thierwerdung
beobachtet von Dr. Fr. Unger, Wien 1843. 8. 98 S.
und ein Kupfer. Mit jenem liebenswürdigen Enthusiasmus,
der an die schönen Zeiten der Naturbeobaclitung erinnert,
wo die Forscher von den wunderbaren Kunsttrieben der
kleinen Thiere ergriffen wurden, erzählt der Verf. in Briefen
an Endiiclier eine merkwürdige Erscheinung, die er an einer
Alge, an der Vaucheria clavata (Ectosperma clavata Vaucher.)
beobaclitete. Diese kleine Pflanze besteht aus einem ver-
zweigten ungegliederten Schlauche, der seine grüne Farbe
wie gewöhnlich von Chlorophyllkiigelchen hat. An der Spitze
der Endtriebe erscheint unter den gehörigen Uiriständen eine
Querwand, und in der dadurch entstandenen obern Abtheilung
geht aus einer ungefärbten, schleimig körnigen Substanz die
Bildung eines au die ursprüngliche Haut sich anschmiegenden
Schlauches vor sich, der aus einem Flimmerepithelium gebil-
det wird. Im Schlauche selbst, oder im Innern der soge-
nannten Sporidie ist nur eine geringe Spur von Organisation
zu erkennen. Durch Anschwellung der reifenden Sporidieu
i06 H. F, Link: Jahresbericht über die Arbeiten
gleiclizeitig mit der Verdiinming der Spitze des Mutterschlau-
ches durch Resorption ( Ausdeluiung) berstet diese und die
Sporidie drängt sich durch die enge Oeffnung eigenmächtig
und endlich sogar in drehender Bewegung heraus. Dieser
Vorgang dauert wenige Minuten. Die Sporidie ist ein ovaler
oder elliptischer Körper, der vom Mutterschlauche befreit,
sich nach allen Richtungen frei im Wasser bewegt und zwar
in rotirenden Bewegungen von links nach rechts und zugleich
fortschreitend. Ein mit schwingenden Cilien gleichförmig be-
setztes Epithelium bringt diese Bewegungen hervor. Momente
der Ruhe wechseln nach Willkür mit Bewegungen ab, die im
Ganzen durch zwei Stunden dauern. Mit dem Aufhören der
Bewegungen verändert sich das Ellipsoid in die Kugelgestalt,
die grüne Färbung vertheilt sich gleichförmiger, und die glas-
artige Durchsichtigkeit des Epitheliums verwandelt sich in eine
zarte homogene Pflanzenmembran. In weniger als zwölf
Stunden verlängert sich die Blase durch unmittelbare Aus-
sackung an einer oder an zwei Stellen zugleich und es treten
damit die Erscheinungen des Keimens ein. Die Entwickelung
der Schläuche fährt rasch fort. Es bildet sich einerseits ein
Wurzelgebilde, wodurch das Pflänzchen sich festsetzt, während
der andere Fortsatz sich verlängert, verzweigt und innerhalb
vierzehn Tagen zur gleichen Sporenbildung gelangt. Dieses
ist der Verlauf der merkwürdigen Erscheinung, zum Theil mit
des Verf. eigenen Worten dargestellt. Im Anfange derSchrift sagt
er: „Die Beweglichkeit der Algensporidien und namentlich
die der Vaucheria wurde für keine sehr absonderliche Er-
scheinung, am wenigsten für eine thierische gehalten, Link,
Oken, Schlechtendal, Meyen, R. Brown, Valentin, Ehrenberg
u. m. a. haben sich dafür ausgesprochen. Ungeachtet ich
mich in guter Gesellschaft befinde, so muss ich doch eine
Stelle aus den Propyläen der Naturgeschichte anführen, die
überdiess hierher gehört, s. S. 279. ,,Eine merkwürdige Er-
scheinung ist, dass die Eier von manchen Thieren sich bewe-
gen , und zwar von solchen Thieren , welche selbst ihren Ort
nicht verändern. Grant hat dieses an den Spongien, an Gor-
gonia verrucosa, Caryophyllaea calycularis, Plumularia falcata
u. a. beobachtet. Wenn dieses auch schon ausgeschlüpfte
Junge wären, wie die Flimmerbewegung an den Eiern von
für physiologische Botanik. 107
Cainpanularia dichotouia zu zeigen scheint, so bleibt es doch
immer sehr merkwürdig, dass ein solches Junge in seinem
ersten Zustande von einem Orte zum andern sich bewegen
kann, indem das erwachsene Thier festgewachsen ist. Auch
an den Keimkörnern einiger Algen liat man solche Bewegun-
gen beobachtet, die zu manchen Hypothesen Veranlassung ge-
geben haben. In der Pflanze steigert sich das Leben zur Zeit der
Befruchtung, und so könnte man wohl erwarten, dass gerade
im Uebergange von dem Thiere zur Pflanze die höchste Stei-
gerung im Samen und im Eie Statt finde." An einem andern
Orte ist gesagt, dass schon im Blatte eine mehr thierische
Entwickelung Statt findet, als im Stamme; das Blatt entwickelt
sich wie ein thierischer Theil , indem es vom Anfange an in
seinem Umrisse erscheint, der Stamm nicht. Zuletzt fragt der
Verf. nach dem Zweck und sagt: „Die Pflanze kann thier-
erzeugend auftreten, das ist sicher, und wenn sie diess kann,
was hindert mich zu sagen, dass sie dieses Werk nicht öfter
that und öfter thut ; was hindert mich zu vermuthen , dass
endlich das ganze Thierreich und selbst der Mensch eine
Ausgeburt der Pflanzenwelt sei?" Aber die Pflanze konnte
dem Samen nur eine vorübergehende Thierheit geben und
keine dauernde. Alles geht in der Natur in stufenweiser Ent-
wickelung weiter luid diese Art der Entwickelung hat den
Zweck, die Mannichfaltigkeit hervorzubringen, die zuletzt zum
Selbstbewusstsein führt, dem höchsten Streben der Natur.
So habe ich meinen Glauben in den Propyläen der Naturge-
schichte dargestellt.
Recherches sur les organes locomoteurs des
spores des Algues par M. Gustave Thuret. Annal.
des scienc. naturell. 2 Ser. T. 19. p. 266. Diese Ab-
handlung schliesst sich an die Schrift von Unger an, und
nimmt darauf Rücksicht. Zuerst Beobachtungen über die
Sporen von Conferva glomerata und rivularis. Sie sind sich
einander völlig gleich in diesen beiden Arten ; ihre Gestalt
ist kräuseiförmig, das verdünnte ungefärbte Ende, der Schna-
bel , hat zwei fadenförmige tentacula , welche länger sind als
die Spore, wodurch sie sich bewegt. Bei dieser Bewegung
ist der Schnabel nach vorn gekehrt und die Spore dreht sich
im Wasser mit einer Art von zitternden Bewegungen. Von
108 ^'- P- Link: Jahresbericht über die Arbeiten
Zeit zu Zeit kehrt sie plötzlich zurück und dreht sich um
ihre Axe. Nur wenig Opiuniextract hemmt sogleich die Be-
wegung , worauf man die Tentacula besser sieht, auch
wenn man etwas verdünnte Jodtinctur hinzusetzt, und die
Sporen zwischen zwei Glasplatten trocknen lässt. — Chaeto-
phora elegans var. pisiformis : die Sporen, die kleiner sind und
schwer zu beobachten, haben vier Fühlspitzen — Prolifera
rivularis und Candollii Leclerc (Mem. du Mus, T. 3. p. 462)
haben ovale Sporen; der Schnabel ist zugerundet und trägt
einen Kranz von fadenförmigen Tentakeln, wodurch sie sich
sehr schnell bewegen. Wenn die Sporen anfangen zu keimen,
so befestigen sie sich mit dem Schnabel an Alles, was im
Wasser schwimmt und schicken wurzelartige Verlängerungen
oder Haken aus, womit sie sehr fest anhängen. Oft geschieht
dieses an den Fäden der Alge selbst, und diese übel verstan-
dene Erscheinung hat zu dem Namen Prolifera Gelegenheit
gegeben. — Nun kommt der Verf. zu Vaucheria clavata, redet
von Ungers Beobachtung über diese Alge und fügt seine
eigenen hinzu. Die grüne Materie verdichtet sich in dem
keulenförmigen Ende des Fadens, so dass dieser schwärzlich
aussieht. Dann erscheint an der Basis der Keule ein leerer
Raum, als ob der Schleim sich gleichfalls verdichte und die
grünen Kugeln nach oben und nach unten zurückstiesse (Un-
gers Scheidewand). Weiui man etwas Karmin in das Wasser
streut, so sieht man den Wirbel, den die Cilien im Wasser
machen. Wasser über Jod gestanden hemmt sehr rasch die
Bewegung, Jodtinctur muss sehr verdünnt sein. Uebrigens
kommen die Beobachtungen des Verf. mit Ungers Beobach-
tungen sehr überein. Die Pflanze, setzt er hinzu, besitzt in
allen ihren Theilen die Fähigkeit sich zu reproduciren. Zu-
weilen gelingt die Befreiung der Spore nicht, und sie keimt
auf der Mutterpflanze, welches sonderbare Formen giebt. An
den Chlorophyllkügelclion in der Alge sah er keine Bewegung,
ausgenommen wenn ein Faden reisst, wo dann die Körner
stossweise herauskommen.
Bemerkungen von Hassall über Algen. Entero-
morpha intestinalis. Annais of Nat. Hist. T. 11.
p. 2.33. In der Jugend besteht diese Alge aus einer Reihe
von Zellen. Jede dieser Zellen wird durch eine Längslinie
für physiologische Botanik. 109
in zwei Theile getheilt (bisected), worauf mehre parallele Li-
nien folgen, so dass die Originalzellen in mehre getheilt wer-
den, von denen jede breiter und wieder getheilt wird. Zu-
letzt legen sie ihren Conferven - Character ab, werden hohl
und cylindrisch. Ferner beobachtete er, dass in den Zellen
dieser Alge oft, wenn sie noch sehr klein sind, ein Kern ent-
steht, der noch in der Mutterzelle keimt und gegliederte Fä-
den hervorbringt, so dass, wenn die Mutterzelle zerreisst,
parasitische Conferven darauf zu sitzen scheinen.
lieber die ästigen Süsswasser- Conferven, das.
S. 359. Die Zellen wachsen nicht allein in die Länge, son-
dern auch mit der Zeit in die Breite, so dass die Fäden gegen
die Spitze abnehmen. Die reproductiven Zellen sind aufge-
blasen. Auch sagt der Verf. etwas von den Zoospores, was
wir jetzt besser wissen. Die Gattungen Bulbochaete und Mi-
crospora, neue Gattungen, werden charakterisirt. S. aucli
S, 463. Die Querwände sollen durch ei^en Riss in den Wän-
den der Zellen und durch Einbiegung der Ränder entstehen,
nicht, wie Morren wollte, durch Sonderung des Inhalts in
zwei Theile.
Observation s on some points in the anatoray
and physiology of the freshwater Algae, by Arthur
Hill Hassall. Annais of Natur. Hist. V. 12. p. 20.
Zuerst: On cytoblasts in the Algae. Die Cytoblasten
in den Gattungen Zygnema und Vesiculifera sind das Central-
organ, welches Meyen in der Gattung Spirogyra entdeckt hat
und welches Schieiden einen Cytoblast nennt; eine zufällige
Uebereinstimmung, da unser Verf. weder Meyen noch in die-
ser Beziehung Schieiden kennt, wenigstens sie gar nicht an-
führt. In Zygnema ist der Bau sehr zusammengesetzt, sagt
er. Jeder Cytoblast ist einzeln und ninnnt gewöhnlich den
Mittelpunkt der Zelle ein. Er besteht aus zwei, zuweilen
drei Membranen; die innere stellt einen Kern vor, und die
beiden äussern sind durch eine Flüssigkeit von einander ge-
trennt. Die äussere Membran giebt viele röhrenförmige Ver-
längerungen ab, die sich in den Spiralfäden endigen. Der
Verf. liält den Cytoblast für den Magen, welcher die aufge-
nommenen und verdauten Stoffe durch die Verlängerungen
den Organen znfüln-t, wodurch sie assimilirt werden. Wenn
110 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
die Zelle ihre Grösse erreicht hat, so schwinden diese röhren-
förmigen Verlängerungen, aber der Körper wächst noch fort,
und nun glaubt der Verf., diene er zur Befruchtung der hel-
len Körner, die sich in den Spiralfäden befinden. Hypothe-
sen! Observation s on the genus Zygnema theilt die
Arten dieser Gattung in zwei Abtheilungen, in der einen sind
die Zellen, welche ihre Reife erlangt haben, in einander ge-
steckt, in der andern nicht, lieber die Verbindung hat schon
Mohl gehandelt, auch hat der Verf. Rücksicht darauf genom-
men, und eine unbedeutende Bemerkung zugefügt. Obser-
vations on the genus Vesiculifera. Einige Zellen sind
zum Theil mit regelmässigen Ringen umgeben. Der Verf.
meint, dass diese Ringe dazu dienen, die Samen herauszulas-
sen, indem sie sich zusammenziehen, und dadurch die Häute
der Zellen von einander reissen.
Observation s on the genus Mougeotia, on two
new gener a of fresh water Algae, and on Tyndari-
dea with description of species, by A. H. Hassall.
Daselbst p. 180. In den allgemeinen Bemerkungen über
Mougeotia, sagt er, die Arten, deren Fäden sich nicht verbin-
den, geben einen Beweis, dass die Verbindung zweier Zellen
nicht nöthig sei, um die Art fortzupflanzen. Er beschreibt
dann Mougeotia ericetorum, die ganz gewiss dieser Gattung
fremd ist, auch führt er die Unterschiede selbst an, ohne sie
doch für genügend zu halten, was sie gewiss sind. Das
Uebrige gehört zur beschreibenden Botanik.
In demselben Journal p. 188 ist eine Note von Edw.
Forbes gegen Hassall eingerückt, meistens Zoophyten betref-
fend und das Vorkommen von Pilzen auf lebendigen Körpern,
wo H. nicht gewusst hatte, was über einen Gegenstand bereits
geschrieben war. Allerdings ist Hassall ein guter Beobachter,
nur kennt er selten und nie genau, was Andere, besonders
Ausländer über einen Gegenstand bereits bekannt gemacht
haben.
En twickclungsgcschich te der Chaetophora tu-
berculosa, Karl Müller, Flora 1842. 513. Merkwürdig
und auch schon von Hassall zur wiederholten Untersuchung
empfohlen. Die Algo hat golronnte Geschlechter auf derselben
Pflanze. Die mäiuiiiclie Kapsel ist sitzend, seitenständig, rund,
für physiologische Botanik. Hl
roth und hat deutlich entwickelte Pollenkörner. Die weibliche
ist endständig, gestielt, rund, gross, zuerst mit durchsichtigen
Kiigelchen gefüllt, dann zellig. Zur Befruchtung nähert sich
die nächste männliche Kapsel der weiblichen, indem sie sich
verlängert, wächst mit der weiblichen gleichsam zusammen,
entleert ihre Pollenkugeln in dieselbe, und fällt darauf ab.
Die weibliche Kapsel enthält deutlich die zuerst ungefärbten
Pollenkörner, wird dann grün und die grünen Körner ballen
sich in Häufchen, gewöhnlich in fünf, zusammen. Nun schwillt
sie an, die Körner in ihr entfärben sich und dringen aus der
zerplatzten Kapsel nach allen Seiten heraus. Von jedem der
hervorgedrungenen Körner kommt ein heller durchsichtiger
Faden hervor, der die Alge fortpflanzt.
Ba trachosp ermum moniliforme von Nägeli
beobachtet, Linnaea T. 16. p. 264. Eine genaue Be-
schreibung dieser Alge, die keinen Auszug erlaubt. Merkwür-
dig scheint besonders die Bildung von Zellen, doch nicht
überall in dem Faden , der als charakteristisch für die Gattung
angegeben wird.
Spirogyra Hornschuchi beschreibt Herr mann Kar-
sten in diesem Archiv d. Naturgesch. Jahrg. 9. S. 338.
Zuerst einige Bemerkungen über den Bau dieser Algen. Der
Faden bestellt aus drei verschiedenen Membranen. Die äus-
sere überzieht gleichmässig die ganze Pflanze und umschliesst
die in ihrem Innern von der zweiten Membran gebildeten eng
an einander gereihten Zellen , deren sich berührende Wände
die Querwände bilden. In jeder dieser Zellen findet man die
dritte innerste Membran, eine höchst zartwandige Zelle, die
überall gleiclunässig der Mutterzelle anliegt. — Die beiden
ersten Membranen unterschied schon Roth bei den meisten
Algen mit Querwänden. — Der Verf. vereinigt nun, wie schon
mehre gethan, Spirogyra quinina und princeps, unterscheidet
aber eine (von ihm bei Berlin entdeckte Art) Sp. Hornschuchi
genannt, dissepimentis patelliformibus.
Note relative aux caracteres distinctifs qui se-
parcnt les vegetaux des animaux et aux secretious
minerales dans les plantes, Compt. rend. 1843. P. 2.
p. 16. Eigentlich nur über die Korallinen. Der Verf zeigt
zuerst, dass der Kalkabsatz nur äusserlich sei, dann analysirte
112 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
er eine Koralline und fand darin 6,7 p. C. Stickstoff, gerade
so viel als diese niedern Pflanzen zu haben pflegen. Nach-
dem er den kalkigen Ueberzug durch verdünnte Salzsäure
getrennt hatte, sah er in dem darunter liegenden Gewebe
Amylumkörner, wie die Prüfung mit Jod angab. Die Koral-
linen gehören also zum Pflanzenreich. — Was in Deutsch-
land darüber schon längst geschehen ist, weiss der Verfasser
nicht. Ist auch in den Annales des Scienc. natur. II. Ser.
T. 20. p. 65 und in dem Werke abgedruckt, worin alle Ab-
handlungen des Verf. zusammengestellt sind, unter dem Titel:
Memoires sur les developpemens des Vegetaux, par M. Payen
Par. 1842. 4.
4. P i 1 z e.
Die drei Ordnungen der krjptogamischen Pflanzen, Liche-
nen, Algen, Pilze unterscheiden sich zwar so aufi'allend von
den übrigen Kr^q^togamen, nämlich den Moosen und den
Farn, dass man daraus eine besondere Klasse bilden muss,
die ich längst unter dem Namen Kryptophyten unterschieden
habe, sie gehen aber so in einander über, dass sie äusserst
schwer durch bestimmte Charaktere zu trennen sind. Man
pflegt daher wohl die Algen von den Pilzen dadurch zu un-
terscheiden , dass jene in Flüssigkeiten wachsen , diese nicht.
Aber der weisse flockige Thallus von Penicilliun» glaucum,
einem Pilze ohne allen Zweifel, findet sich gar oft in Auflö-
sungen von Zucker, verdünnten Auflösungen von Weinstein-
säure u. s. w. Umgekehrt wächst Trentepohlia Jolithus, eine
Alge, auf Steinen am Gebirge und nie im Wasser. Ich kenne
nur zwei Unterschiede, welche auf den Gränzen beider Ord-
nungen leiten können, erstlich die Farblosigkeit der im Was-
ser wachsenden Pilze, und zweitens, dass die Pilze oder
Schimmel von niederer Bildung, ihre Fructification mehr aus-
wärts tragen, die Algen mehr innerlich, oder sie doch in
Masse ausschütten, was die Algen nicht zu thun pflogen. Sehr
viele Pilze, noch dazu unentM'ickelte, befinden sich unter den
Algengatlungen Ilygrocrocis, Leptomitus u. s. w.
liier ist nun zuerst von den Vegetabilien die Rede,
welche in und auf lobendigen Thioren vorkommen, deren Un-
tersuchung zwar nicht neu , aber doch in den letzten Jahren
für physiologische Botanik. 113
mit grösserer Genauigkeit angestellt ist, als es vorher
geschah .
Wir müssen zurückgehen zur Abhandlung: Ueber eine
contagiöse Confer venbildung auf dem Wassersala-
mander von Ad. Hannover, in Müllers Archiv für
Anatomie, Physiologie u. s. w. 1839. S. 338. Zu die-
ser Abhandlung hat bereits Meyen in seinem Jahresbericht f.
1839. S. 63 die selir richtige Bemerkung gemacht, die Pflanze
sei Achlya prolifera Nees, die sich auf manchen abgestor-
benen thierischen und auch vegetabilischen Theilen finde.
Die Contagiosität hält er ebenfalls mit Recht für ein gewöhn-
liches Fortpflanzen dieser niedern Gewächse durch Körner
oder Sporen. Nees v. Esenbeck hat in dem Zusatz zu der
Abhandlung von Carus in den Nov. Act. Acad. Natur. Cur.
T. 11. P. 2. p. 493 von den zwischen Algen und Pilzen in
der Mitte stehenden Pflanzen (Hydronemata) geredet, wozu
der vorliegende Pilz gehört. Er unterscheidet solche Pflan-
zen mit Querwänden , die er Saprolegnia , und ohne Quer-
w'ände, die er Achlya nennt. Zu den ersten zählt er ein
Gewächs, welches Gruithuiseu auf einer abgestorbenen Was-
serschnecke (Valvata branchiata) fand, und Conferva ferax
nannte , zu den zweiten , die von Carus beschriebene Schim-
mel- oder Algenbildung. Nachher hat man beide Gattungen
vereinigt, luid Kützing führt die Achlya prolifera in der oben
erwähnten Phykologie S. 157 als Saprolegnia ferax auf. Ich
möchte dies Gewächs zu den Pilzen rechnen ; die Fäden selbst
sind ungefärbt, die Sporen oder Sporidien bläulich grau, ge-
rade wie am gewöhnlichen Schimmel Penicillium glaucum,
auch werden die Körner an der Spitze der Fäden schnell
hinter einander ausgeleert.
Ueber contagiöse Confe rvenbildung aufleben-
den Fröschen und über den Einfluss der Nerven
auf die Blutbewegung in den Capillargefässen, von
Dr. Stilling zu Cassel, in Müllers Archiv für Anat.
1841. S. 279. Nach einer grossen aber wieder zugenähten
Wunde, wobei die untere Hälfte des Rückenmarkes aus dem
Kanal genommen war, lebten die Frösche oft noch einen
Monat. Die Spitzen der Zehen wurden weiss, und es erzeugte
sich an ihnen eine sogenannte Conferve, die sich weiter
Archiv f. Naturgeschichte. X. Jahrg. 2, Bd, ü
114 H. F. Link: Jahresh dicht über die Arbeiten
verbreitete. Die Beschreibung- und besonders die Abbildung
des Gewächses zeigt ohne /weifel Acldya prolifora, die Be-
wegung der Sporen ist beobachtet, aber falsch gedeutet. Es
gelang dem Verf., das Gewächs auf lebendigen und todten
Thieren fortzupflanzen. Ungeachtet der Verf. das Gegentheil
behauptet, so ist doch wohl kein Zweifel, dass die Theilo,
worauf dieser Schinnnel entstand, im Absterben begriffen wa-
ren. S. auch die folgende Abhandlung.
Fernere Erläuterung der contagiösen Confer-
venbildung auf Fröschen und Wassersalaniandern,
von Ad. Hannover in Müllers Archiv 1842, 73. Gegen
Stillings Abhandlung, der jenes Gewächs zu den Thieren
rechnen wollte. Der Verf. zeigt, dass man nicht selten die
Körner oder Sporen von Conferven (auch Pilzen) sich bewe-
gen gesellen habe, und die Thierchcn, welche Stilling an den
Fäden des Schimniels beobachtet hatte, hält er mit Recht für
zufällig parasitisch. Nach <ler Beschreibinig und Abbildung
ist der Pilz deutlich gegliedert und ^väro demnach Sapro-
legnia ferax.
On the Conferva which vegetatos on thc skin
of a Gold fish. By J. Goodsir, Annais of Nat. Hist.
T. 9. p. 333. Eine gute Beschreibung der Saprolegnia ferax
oder Achl^^i prolifera, besonders sind die Veränderungen des
letzton Gliedes, ehe die Sporen hervorbrechen, gut beschrieben,
auch das Keimen der Sporen. Das Bläschen, sagt er, ver-
längert sich, und erscheint doppelt, das heisst, aus zwei Zellen
bestehend; dann verlängern sich beide Zellen, und bekonunen
neue (additional) Zellen an dem obern Ende. Er beschreibt
deutliche Gliederung, also auch Saprolegnia ferax. Gegen das
untere Ende eines jeden Gliedes sal» er ein Bläschen im In-
nern. Zuletzt sagt er, das Gewächs habe Aehnlichkeit in
inan(-hor Hinsicht mit dem, was von Hannover und Slilliug
bescln-ieben sei. Die Beweginig vor dem Heraustreten der
Sporen sah er wohl, aber nicht nacli dem Heraustreten.
In der Abhandlung: Heber das Vorkommen und
die Natur der Entophyten und Epiphyten des lo-
benden Organismus in Kleucke's Neuen physiologi-
schen v\biiandlu ngcn, Leipz. 1843. 8. findet sich S. 36
<lie Beschreibung einer Conferve, wie der Verf. sagt, welche
für physiologische Botanik. 1I5
der Verf. im Ausflüsse eines rotzkranken Pferdes gefunden
hat. Es ist nach den Abbildungen und der Beschreibung-
selbst kein Zweifel, dass diese Conferve die Achlja prolifera
war. Das Hervordringen der Sporen aus deiu letzten Gliede
und die Bewegung nachher wird genau bescin'iebcn.
Einiges zur L e b e n s g e s c h i c h t e der A c h 1 y a pro-
lifera, von F. Unger. Linnaoa Th. 17. S. 129. Der
Verf. fand dieses Gewächs an kränkelnden Goldfischen. Er
giebt davon eine sehr genaue Beschreibung, und da er, ein
vortrefflicher Beobachter, nur ungegliederte Fäden oder
Schläuche sah, so möchte man glauben, dass die Pflanze mit
gegliederten Fäden, welche Gruithuisen und nachher andere
beschreibe)], wirklich verschieden sei. Der körnige Inhalt des
Schlauches ist in beständiger Bewegung und hat ausser der
fortschreitenden Bewegung, die ihnen durch Strömung mitge-
theilt wird, noch eine besondere Molecularbewegung. Wenn
das Ende des Schlauches sich durch Vermehrung des Inhalts
zu einer Keule verdickt hat, wird es durch eine Querwand
abgesondert, deren Entstehung hier beschrieben wird. Der
Endschlauch erhält nun eine netzförmige Oberfläche; die
scheinbaren Zellen entstehen aber von der gallertartigen Sub-
stanz, die von den Körnerhaufen sich gesondert hat, und nun
durch gegenseitigen Druck eckig wird. Sie verschwindet; die
früher zusammengepressten Körnerhaufen oder Sporidien wer-
den länglich und indem die Körner sich mehr nach hinten
sammeln , wird die Spitze durchsichtig. Nun kommen die
Sporidien in Bewegung, dringen eines nach dem andern aus
dem Frnchtschlauche hervor, bewegen sich wie die Sporidien
von Vauclicria clavata, doch konnte der Verf. keine Flimmern
entdecken, setzen sich fest und keimen. Diese ausführliche
Darstellung macht den Schlussstein zu den Untersuchungen
über dieses merkwürdige Gewächs.
Merkwürdig ist in Klencke's kurz vorher angeführtem
Buche die Beschreibung eines Pilzes (S 62), welchen er auf
der Haut eines wassersüchtigen Unterschenkels fand, auch
nachher noch zweimal, nämlich am Rande einer Gangraena ex
decubitu und an den Zehen eines gelähmten Mannes. Der
Pilz bildet einen Rasen, der sich den blossen Augen als ein
H*
U6 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
weisslicher Puder zeigte, unter dem V^ergrösseruiigsglase aber
aus weissen kleinern und grössern gelbbräunlicli gefärbten
Fäden bestand, die gabelförmig gespalten und gegen einander
gebogen waren. Auf der innern Seite dieser Fäden wuchsen
birnförmige Sporangien gegen einander gerichtet, die sobald
sie sich berühren, ihre Sporen in einander ausleeren. Dieser
Pilz ist offenbar eine Art der Gattung Syzygites, die Ehren-
berg, als er hier in Berlin studirte, im Thiergarten fand und
sowohl in seiner Inaugural - Dissertation als in den Verhand-
lungen d. Naturforsch. Frde, Th. 1. S. 91. t. 2. 3. beschrieb
und abbildete. S. auch meine Fortsetzung von Willdenow's
Spec. plant. T. 6. P. 1. (Berol. 1824) p. 94. In diesem
Buche findet sich auch p. 93 eine Pilzgattung Sporodinia
charakterisirt, an welcher die Sporen aus dem Faden des
Thallus in das Sporangium in deutlicher Bewegung übergehen.
Diesem mögen wir anknüpfen:
Ueber die freie Bewegung der Sporen von Ne-
maspora incarnata Pers. vom Prof. Göppert in Mül-
lers Archiv 1842. S. 145. Als der Verf. die rothen gal-
lertartigen Fäden dieses Pilzes in Wasser brachte, löste sich
die einhüllende Gallerte auf und die ausserordentlich kleinen,
länglichen an beiden Enden zugespitzton, ziemlich durchsich-
tigen Sporen wurden frei, bewegten sich und rotirten nicht
blos in horizontaler, sondern auch in vertikaler Richtung. '
Es war oben von Achlya und Saprolegnia die Rede,
Pilzen, welche äusserlich auf kranken lebenden thierischen
Körpern vorkommen; es ist nun noch anzuführen, was von
Pilzen innerhalb vegetabilischer und animalischer Substanzen
gesagt worden.
Pilze im Innern, beob. von K. Nägeli. Linnaea
T. 16. p. 288. In den Wurzeln mehrer Irisarten, von denen
nicht gesagt wird , ob sie ganz gesund waren, fand <ler Verf.
Pilze, die er beschreibt und abbildet. Zwei Arten erhebt er
zu einer besondern Gattung Schinzia, und nennt die eine Seh.
cellulicola, die andere Seh. pcnicillata. Jene scheint mir ein
noch nicht reifer Aspergillus, diese ein noch nicht reifes Pe-
nicillium; die dritte Art, der traubenförmige Pilz, ist allerdings
eine sonderbare Form. Die Unterscheidung, ob etwas inner-
für physiologische Botanik. j [^
halb der Zellen oder ausser denselben liege, gehört wegen der
durchscheinenden Wände zu den gar nicht leichten.
Die Kartoffel-Epidemie der letzten Jahre von
Dr. C. Fr. Ph. v. Martius, München 1842. 4. mit drei
Taf. Abbild. Ich führe diese Schrift hier an, weil die ge-
nannte Krankheit der Einwirkung eines Pilzes vorzüglich zu-
geschrieben wird. Unstreitig ist diese Schrift die beste über
eine Krankheit, die eine Zeit hindurch die Oekonomen gar
sehr beschäftigte, und ich möchte sagen, ein -Muster für solche
Untersuchungen. Nach einer literarischen Einleitung über die
Kartoflfelkrankheiten im Allgemeinen folgt ein Bild der Krank-
heit, welche die trockene Stockfäule der Kartoffeln genannt
wird, und zugleich eine Beschreibung des Pilzes, welcher
immer darin vorkommt. Er bringt ihn mit Recht zur Gat-
tung Fusisporum als eine noch nicht beschriebene Art, die er
F. Solani nennt und folgendermassen charakterisirt: Erum-
pens, pulvinatum; floccis erectis ramosis parce septatis, spo-
ris ellipticis aut cylindricis obtusis septatis facile decidentibus.
Eine zweite, durch ihre beträchtliche Streckung in die Länge
lind durch den Verlust der grossen cylindrischen Sporenkör-
ner bemerkbare Form lässt sich als Varietas ß sporitrichoides
bezeichnen. Sie entsteht aus derselben Unterlage (hyphasma)
ujid ist also gewiss nur eine Abänderung. Selten bemerkt
man an dieser Abart, die zweite Form von kleinen, rundlichen
und nicht mit Scheidewänden versehenen Keimkörnern als das
Resultat einer eigenthümlichen Abschnürung. Hierauf folgt
die Beschreibung der Kartoflfelräude, wobei auch der Pilz
beschrieben wird, welcher in ihr sich immer findet. Wall-
roth nannte ihm Erysibe, weil er für den Namen Caeoma
den altern schon bei Theophrast vorkommenden Erysibe in
Anspruch nimmt, und was die andern Erysibe nannten, Al-
phitomorpha genannt hat. Ob Theophrast Puccinia von Caeoma
schon unterschieden hat? Unser Verf. nennt ihn mit Unrecht
Protomyces, da dieser Name auf einer Hypothese beruht, die
gar zweifelhaft ist. Nun geht der Verf. mit grosser Umsicht
die äussern und innern Ursachen durch, welche eine Race-
Verschlechterung oder Prädisposition zur Krankheit hervor-
bringen können, worauf dann die Ansteckung als bestimmende
Ursache hinzukommt. Hierbei äussert er einen sinnreichen
113 H. F. Link. Jahresbericht über die Arbeiten
Gedanken. Er vergleicht die Contagiosität der Pilze mit der
Impfung der Krankheiten im thierischen Körper. Der orga-
nische Stoff, sagt er , welcher dem zugefügten Contagium zu-
nächst liegt , reagirt gegen dasselbe und erleidet eine After-
organisation, welche mit mehr oder weniger individuellen und
sclbstständigem Ausdruck unter denselben physischen Erschei-
nungen hervortritt, wodurch sich der ursprünglich ergriffene
Organismus als Träger des Contagiums charakterisirte. Aller-
dings eine generatio aequivoca und hypothetisch wie diese,
aber ist es nicht noch hypothetischer die Atmosphäre, oder
das Wasser für eine reiche Sammlung von zarten Pilzsamen
zu halten, wozu noch die Eiersammlung von Infusorienthier-
chen und dergl. kommt? Als Mittel gegen die Krankheit
wird besonders die Reinigung der Saatkartoffeln von anhän-
genden Keimkörnern der Pilze empfohlen.
Zu den Pilzarten in lebendigen Thieren gefunden, gehören
noch folgende Nachrichten.
Cryptogames developpees pendant la vie ä la
surface interne des poch es aeriennes d'un canard
Ei der (Anas raollissima) p. M. Eides D eslongchamps
Compt. rend. 1841. P. 1. p. 1110. Das Thier starb am
schweren Athemhohlen. In den Luftsäcken fand man die
Wände mit Platten (plaques) von Schimmel besetzt. Diese
Platten waren rund, besonders in der Mitte erhaben. Der
Pilz bestand aus durchsichtigen, niclit gegliederten, wenig oder
gar nicht verästelten Fäden, die einen Filz bildeten. An der
Basis, wo sie angeheftet waren, hatten sie kaum 0,02 IMilli-
meter im Durchmesser, weiterhin aber noch einmal so viel
und darüber. Ueberall sah man in diesen Fäden kugelför-
mige oder eiförmige Bläschen von weisser oder grünlich
grauer Farbe. An einigen Stellen ragten aufrechte Fäden
aus dem Filz hervor, welche einen Haufen von grünlichen
Sporen an der Spitze trugen, und nachdem die Sporen abge-
fallen, eine Scheibe zeigten. — Ein der Gattung Aspergillus
nahe stehender Pilz, wenn nicht eine Art dieser Gattung.
Diese Nachricht ist mitgetheilt in den Ann. of Nat. Hist.
T. 8. p. 229 und zugleich wird ein ähnlicher Fall aus dem
Philosoph. Magaz, 1833. V. 2. p. 74 angeführt, wo sich ein
schininielartiger Pilz in den Lungen eines Flamingo fand,
für physiologische Botanik, ]j[9
Noch ein älterer Fall aus Montagu's Supplement to liis Or-
nithological Dictionary von 1813 im Artikel Scaup Duck wird
von Yarrell in den Ann. of Nat. Hist. T. 9. p. 131 angege-
ben, wo es lieisst: „die Ursache des Todes (bei diesem Weib-
chen) schien in den Lungen zu sein und zwar in der Mem-
bran, welche die Lungen von den andern Eingeweiden schei-
det; diese letztere war verdickt, und die ganze Höhlung
inwendig mit einem Mucor oder blauen Schimmel überzogen."
Ueber die Pilzbildung in den Lungen der Vögel findet
sich eine genauere Beobachtung von J. Müller in dessen
Archiv 1842. S. 198. Er sah in Stockholm im Anatomi-
schen Museum ein Präparat von einer Strix Nyctea, die an
schwerem Athemhohlen starb. Gelbe, zähe und dichte, runde,
platte, auf der Oberfläche concentrisch geringelte, in der Mitte
vertiefte Körper besetzen die Schleimhaut der Lungen und
aller Lnftsäcke, auch die Knochen des Beckens, soweit sie
von den Luftsäcken berührt werden. Ein anderer Fall wurde
in Berlin an einer Rohrweihe, Falco rufus, beobachtet, wo
sich solche Körper auf den Nieren fanden, auch in den Luft-
säcken der Brust, Diese Körper sind rund, von J- — 2 Lin.
im Durchmesser und darüber; die Oberfläche ist glatt, in der
Mitte vertieft; an den Jüngern napfförniig ausgehöhlt, an den
altern sieht man concentrische erhabene Zonen; die untere
Fläche ist platt und angeheftet, doch lässt sie sich, ohne die
darunter befindliche Schleimhaut zu verletzen, abschälen. Den
Schimmel, der die Oberfläche dieser Körper au dem Präparat
zu Stockholm bedeckt, hält der Verf. für eine Nebensache,
auch fehlte er an den zu Berlin beobachteten Körpern. Im
Durchschnitte sah man aber hier bei einer Vergrösserung von
6*00 im D, feine, ungegliederte, verästelte und anastomosirende
Fäden, auch ausser diesen Fäden, viel dickere, rundliche oder
unregelmässige Körper in der Masse eingestreut, und nicht
selten zu vielfach aufgetriebenen kürzern oder längern Strän-
gen verlängert, die sich zuweilen gablicht theilen. Abbildun-
gen dieser Fäden, und der mit ihnen zugleich gefundenen
Körperchen, sind beigefügt. — Ich habe diese sehr merkwür-
digen tellerförmigen Körper gesehen, wie der Verf. erwähnt
hat. Ganz möchte ich den Schimmel nicht für Nebensache
halteji. Sollten die Fäden, die sich im Innern jener Körper
120 H- F- Link; Jahresbericht über die Arbeiten
befinden, nicht die Anfänge von dem Schimmel sein, den man
an der Oberfläche späterhin zuweilen wahrgenommen hat? Ich
kam auf den Gedanken, indem ich die Pilze auf faulen Früch-
ten untersuchte, wo die Fäden der darauf befindlichen Schim-
nielarten sich tief durch das Zellgewebe ziehen, und oft
schon vorhanden sind, wenn man ausserhalb kaum etwas be-
merkt. So war der Schimmel an dem zu Berlin gefundenen
Körper vielleicht noch nicht entwickelt. Die tellerförmigen
Körper selbst scheinen von thierischer Substanz zu sein.
Ueber Entophyten auf den Schleimhäuten des
todten und lebenden menschlichen Körpers von
Adolph Hannover, Müllers Archiv 1842. S. 281. Die
mikroskopische Pflanze besteht aus feinen, geraden Fäden,
die wasserhell sind, oder inwendig kleine Kügelchen zeigen,
zuweilen auch einen neblichten Inhalt, der in Zellen abgetheilt
scheint, obgleich keine wirklichen Scheidewände vorhanden
sind. Die Fäden sind stark verzweigt, ohne bestimmte An-
ordnung und ohne dass die Zweige dünner als der Stamm
werden. Sporen im Innern (aber doch Kügelchen) und im
Aeussern hat der Verf nicht bemerkt. Er fand diese Fäden
zuerst in der Speiseröhre eines Kranken, wobei er Langen-
becks Beobachtung von solchen Fäden in der Speiseröhre
einer Typhusleiche in Froriep's Notiz. 1839 Nr. 252 anführt,
doch bestanden hier die Fäden aus Zellenreihen, mit wasser-
hellen Zellen (Sporen?) an den Aussenflächen, die oft eine
grünliche Färbung gleich den Schimmelsporen liatten.
Bennett fand einen Fadenpilz mit gegliederten Fäden und
Sporen in den Lungen eines Mannes, der an einer Knoten-
Schwindsucht gestorben war, auch bemerkte man ihn in dem
Auswurf, als der Mann noch lebte. Bennett vergleicht den
Pilz mit Penicillium glaucum sehr trefi"end. Sonderbar, dass
man die äusserst häufige Entstehung dieses Schimmels in ve-
getabilischen Flüssigkeiten so wenig beachtet hat. S. Trans-
act. of the R. Society of Edinburgh V. 15 p. 2, auch im
Auszuge in Annais of Nat. Ilist. T, 11. 126.
History of a case in which a fluid periodically
ejected from the stomach contained vege table Or-
gan ism of an undescribed form. Bj J. Goodsir.
Ann. of Nat. Ilist, T. 11. p. 125. Ein junger Mann,
für physiologische Botanik, 121
19 Jahre alt, der schon seit vier Monaten an Magenbeschwer-
den litt, gab des Morgens eine saure Flüssigkeit aus dem
Magen, ohne Anstrengung zum Erbrechen, von sich. Durch
das Mikroskop erkannte man darin kleine viereckige oder
längliche Platten, die der Verf. für vegetabilisch hält, Sarcina
nennt, und folgende Gattungskennzeichen davon giebt: Leder-
artige, durchsichtige Pflanzen, die aus 16 oder 64 vierzelligen,
viereckigen Stücken bestehen, welche parallel neben einander
in einer viereckigen durchscheinenden Matrix liegen. — Ohne
Zweifel eine Infusorie, und zwar ein Gonium, vielleicht das
bekannte Gonium pectorale selbst. Die Beobachtung ist übri-
gens merkwürdig, und ich habe sie deswegen hier angeführt,
ungeachtet sie nicht in ein Jahrbuch der physiologischen Bo-
tanik gehört.
Die Entdeckung des Gährun gspilzes fällt in das Jahr
1826, wo Desmazieres ihn in einer besondern zu Lille er-
schienenen kleinen Schrift beschrieb und abbildete, die nach-
her in den Annal. d. Scienc. naturell. T. 10. p. 59 abge-
druckt worden. Er nannte ihn Mycoderma nach einer Gat-
tung von Persoon, von der Desmazieres nicht allein, sondern
auch Persoon selbst sagt, dass sie von zweifelhafter Natur
sei. Es werden darunter von Persoon häutige Verfilzungen
oberflächlich beschrieben, die man in Kellern um Flaschen
u. s. w. gefunden hat. Desmazieres bestimmt die Gattung
von Neuem, rechnet sie zu den Infusorien, begreift darunter
kleine Thiere, die sich mit einander verbinden und auf der
Oberfläche des Wassers oder feuchter Körper eine Haut dar-
stellen. Den Gährungspilz nennt er Mycoderma cerevisiae.
Nun machte Biasoletto auf die kleinen Pilze aufmerksam,
welche sich in manchen Auflösungen und Aufgüssen erzeugen,
s. Di alcune alghe microscopiche Venetia 1834; Kützing
fand schon zu gleicher Zeit in einer wässrigen Rhabarber-
tinctur eine Alge, die er Cryptococcus infusionum nannte
(Journal f. prakt. Chemie 1834. S. 475). Turpin beschäftigte
sich mit der Hefe auf seine bekannte Weise, aber noch Nie-
mand hatte an die Gährung gedacht, als schnell hinter einan-
der Abhandlungen erschienen, welche jene mikroskopischen
Organismen als das Wesentliche in der Hefe betrachteten.
Die erste war von Cagniard Latour, wovon die Nachricht
122 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
sich in der Zeitschrift L'Institut 23. Nov. 1836 befindet; die
zweite von Schwann, in Poggendorffs Annalen der Physik
und Chemie 13. 41. S. 184; die dritte von Kiitzing im Jour-
nal für praktische Chemie 1837. B. 2. S. 385. Schwann
widerlegt die Meinung, dass dieses organische Wesen eine
Infusorie sei, bringt es auf Mejens Rath zu den Pilzen und
will es Zuckerpilz (Saccharamyces) genannt wissen. Da nun
auf diese Weise die Sache unter die Chemiker kam, so wurde
sie bald von Berzelius und Liebig verworfen, auch in den
Annalen der Chemie und Pharmacie auf eine spasshafte Weise
dargestellt. Doch nahm sich Mitscherlich der Physiologen und
Botaniker an, und ich ziehe aus dem Berichte der Akademie
der Wiss. zu Berlin für den Februar 1843 Folgendes aus:
,,In der Bierbrauerei kann man zwei Hefearten mit Bestimmt-
heit von einander unterscheiden, die Unterhefe und Oberhefe,
jene vermehrt sich bei einer Temperatur, die +7° nicht
übersteigen, aber nicht bis 0** sinken darf; sie ist das Gäh-
rungsmittel beim Bayerischen Bier; die am schönsten ausge-
bildete Oberhefe ist die des Weissbiers, sie vermehrt sich bei
einer Temperatur von ungefähr -+- 25". Die Unterhefe be-
steht aus einzelnen Kiigelchen von den verschiedensten Di-
mensionen ; der Verf. hat fast nie bemerkt, dass sich an irgend
einer Stelle eines grössern ein kleineres Kiigelchen bildete;
die kleinern sind stets in der Flüssigkeit vertheilt. Bei der
Oberhefe bemerkt man fast nie einzelne kleine Kügelchen,
sondern nur grosse, an deren Enden kleinere sich entwickeln,
wodurch Verästelungen gebildet werden. Diese vermehren
sich durch Knospenbildung, die Unterhefe dagegen, indem
kleine Kügelchen in der Flüssigkeit isolirt wachsen. Bei der
altern Hefe kann man am deutlichsten eine Hülle und einen
granulösen Inhalt unterscheiden, vrelcher noch deutlicher her-
vortritt, wenn man sie mit wässriger Jodlösung übergiesst.
Der Verf. hält es für sehr wahrscheinlich, dass bei der Unter-
hefe die Kügelchen platzen und dieser granulöse JuhaU her-
austritt; die Unterhefe würde sich demnach durch Sporen
fortpflanzen." Kützing führt in seiner oben angezeigten Phy-
kologie S. 148 den Gährungspilz unter Cryptococcus Fer-
nientum auf, und sagt Folgendes davon: „Die Hefe ist eine
Alge auf der niedrigsten, aber ein Pil/^ auf ihren höhern Ent-
für physiologische Botanik. 123
vvickelungsstufen. Stellt man nämlich Hefe in einem flachen
Gefässe mit der Gährungsflüssigkeit an die Luft, so begeben
sich einzelne Ilefekiigelchen an die Oberfläche. Diese ver-
längern sich, reihen sich an einander und verwachsen auch
endlich. In den verlängerten Hefenzellen bilden sich alsdann
2 — 3 punktförmige Kerne (wie in den Sporen mancher Pilze)
aus und endlich entsteht durcli Verlängern und innigeres Ver-
wachsen der Zellen ein geglieder Faden, dessen Glieder cy-
lindrische Form haben. Bei noch weiterer Entwickelung deh-
nen sich die Fäden entweder zu sehr dünnen Faserchen aus,
oder sie erweitern sich zu grössern langgestreckten Zellen,
welche endlich zu blasenförmigen Kugeln anschwellen, in de-
nen sich kleine sehr zahlreiche Kiigelchen (Sporidien) erzeu-
gen; in diesem Stadium gleichen sie dalier völlig einem Mu-
cor." Ich bin überzeugt, dass die meisten Pilze, welche in-
nerhalb animalischer und vegetabilischer Körper vorkommen,
nur der Thallus (das Kraut gleichsam) von mehr ausgebil-
deten Formen sind, die sich erst an der Luft entwickeln, wie
der Hausschwamm Merulius Vastator eine Menge Rhizomor-
phen bildet, und erst, wo er Gelegenheit hat an der Luft
auszuwachsen, die Frucht, das sporangium hervorbringt. Für
den Gährungspilz muss der Name Cryptococcus bleiben; mit
Tornla herbarum Pers., einem lauge dauernden, festen, schwar-
zen Pilz ist keine Aehnlichkeit, mit Oidium aureum weit
mehr, doch wächst dieses auf Baumstämmen, und die Glieder
sondern sich erst im Wasser ab, gleichen aber dann in Grösse
und Gestalt auff"allend den einzelnen Gliedern vom Gäh-
rungspilz.
Schön lein hat zuerst auf die Pilze in Hautkrank-
heiten aufmerksam gemacht, s. Müllers Archiv 183.9. S. 82.
Er fand dergleichen in der Porrigo lupinosa Willan. ; er giebt
aber davon keine Beschreibung und eine Abbildung, an der
nicht viel zu erkennen ist. Gruby liefert in demselben Ar-
chiv 1842. S. 22 eine Beschreibung von Pilzen in der Tinea
favosa. Ii]nerhalb des epidermatischen Ueberzuges findet sich
eine amorphe Schicht, die eine Kapsel darstellt, welche in
zwei Hälften getheilt ist, in der sich die Parasitenpflanze be-
findet. Sie hat die grösste Aehnlichkeit mit einer Mvcoder-
Biis (ma). Die Wurzeln und Stämmchen der Mycodermis
124 '^^ ^' I^i"'^- Jahresbericht über die Arbeiten
sind glatte, cylindrische, durchsclieinende Röhrchen, die zu-
weilen sich mehrfach dichotomisch spalten ; ihre Hülle ist
glatt, ihr Inhalt entweder moleculös oder granulös, oft sieht
Jüan die charakteristischen Scheidewände der Pflanzenzellen
in ihrem Gefiige. Die Endzweigehen, die im Centruni der
Kapselhöhle sich befinden , haben gefurchte Ränder. Die oft
rosenkranzartig an einander gereihten Keimkörner sind an
den Endtheilen der Zweigchen zu finden; sie sind oft unre-
gelmässig an einandergehäuft, von gelblich weisser Farbe,
jedes Sporkörnchen ist vollkommen glatt, rund oder oval,
durchscheinend und aus homogener Substanz gebildet. — Die
Beschreibung ist offenbar von einem der Sache Unkundigen
gemacht, und im Ganzen unverständlich. Derselbe Verf.
hat einen Pilz in der Porrigo decalvans gefunden, s. Compt.
rend. 1843. 11. p. 301, wo er eine Scheide um den untern
Theil der Haare bildet, so dicht umgiebt er sie. Er besteht
aus Aesten, Stämmen und Sporen. Die Aeste (branches)
entstehen in der Substanz der Haare (le tissu des cheveux)
und bilden die innere Schicht der Scheide, indem die Sporen
(sporules) die äussere Schicht bilden. Die Stamme (tiges)
haben eine wellenförmige Gestalt (forme ondulee) und folgen
der Richtung der Haarfibern (des fibres des cheveux). Sie
sind durchsichtig, ihre Dicke beträgt nur 0,002 bis 0,003 im
Durchmesser; sie enthalten im Innern keine Molekülen. Sie
theilen sich zuweilen in zwei Aeste unter einem Winkel von
30 — 50". Die Stämme und die Aeste sind übrigens von dem-
selben Durchmesser. Der Verf. nennt den Pilz Microsporium
und Audouin zu Ehren (!) M. Audoini. — Was der Verf.
luiter tiges versteht, weiss ich nicht. Seine Beschreibung
zeigt nicht, dass er die Befugniss hat, neue Gattungen ,unter
den Pilzen zu machen. Endlich hat auch Günsburg in der
Plica polonica Pilze gefunden, die er geradezu Mycodermes
nennt, s. Compt. rend. 1843. 11, p. 250. Sie entstehen aus
dem Bulbus der Haare; die Zellen, woraus der Stamm be-
steht, sind im Anfange sehr deutlich geschieden, werden es
aber immer weniger, je älter der Pilz wird. Die Stämme der
nahe stehenden Pilze vereinigen sich zu einem Netz. Die
Sporen sind oval, genabelt, und mit dem Stamm durch einen
Nabel oder einen feinen Faden verbunden, meistens stehen
Tür physiologische Botanik. 125
sie zu zwei. Zuweilen stecken diese Mycodermen ganz in
der Scheide, die das Haar nmgiebt, und sind mit einer dicken
Schicht von Sporen bedeckt, meistens durchbohren sie diese
Scheide gegen die Basis des Haares. Einige sind völlig aus-
serhalb der Scheide, und diese vereinigen sich zu einem dich-
ten Netz. — Aus dieser verständlichen Beschreibung geht
hervor, dass der Pilz sehr nahe der Gattung Botrytis steht,
vielleicht dazu gehört. Auch sind vermuthlich die von Gruby
beschriebenen Pilze diesem ähnlich, so viel sich aus der ver-
wirrten Beschreibung entziffern lässt. Zu derselben Gattung
würde auch noch Botrytis Bassiana oder die Muscardine
gehören.
Ein wichtiger Aufsatz über die Entwickelung einer
Vegetabilie in eiweisshaltigen Flüssigkeiten von
Andral und Gavarret befindet sich in den Compt. rend.
1843. 1. 266. Wenn man Blutserum mit sehr verdünnter
Schwefelsäure behandelt, so dass es etwas sauer reagirt, und
dann mit noch einmal so viel Wasser verdünnt , wird die
Flüssigkeit trübe und lässt einen Bodensatz fallen, der aus
Eiweiss besteht, klärt sich aber dann wiederum auf. Wenn
man nun nach 12 Stunden ungefähr die Flüssigkeit mikro-
skopisch untersucht, so fnidet man sphärisch-ovale, elliptische
völlig von einander gesonderte Bläschen, durchsichtig, oder
mit einer amorphen Materie (semis) oder auch mit Kügelchen
im Innern. Nur an der Oberfläche, wo die Flüssigkeit mit
der Luft in Berührung ist, erscheinen diese Bläschen. Bald
nacliher sieht nnin auf den Bläschen Keime, die in Stämme
auswachsen, welche sich verästeln, und auch in ihrem Innern
eine amorphe Materie oder Kügelchen zeigen. Aber es ent-
steht noch ein anderes verschiedenes Gebilde. Die Bläschen
reihen sich an einander, verlängern sich und bilden hohle
Stämme, die im Anfange noch äusserlich Absätze zeigen,
nachher aber nnr eine Röhre mit Querwänden. Bringt man
das, wie gesagt behandelte Serum in eine Atmosphäre von
Kohlensäure oder Wasserstoffgas, so entstehen keine solche
Vegetationen. Nicht allein Schwefelsäure, sondern auch Es-
sigsäure bringt dieselbe Wirkung hervor. Eiweiss auf eine
ähnliche Weise behandelt, liefert Vegetation derselben Art,
ferner thaten dieses folgende pathologische Flüssigkeiten:
126 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
1) Seröse Flüssigkeit im Peritonaeum bei einer Leberkrankheit,
2) Serosität aus einer Hjdrocele. 3) Die Serosität aus der
Blase eines Blasenpflasters, 4) die Flüssigkeit, welche mau
aus dem Eiter durch Filtriren erhält.
Die Frage über generatio aequivoca ist durch alle diese
Untersuchungen aufs Neue zur Sprache gekommen, und nicht
durch Absprechen zu beantworten. Besonders aber ist es
nothwendig , diese niedern Organisationen genau zu unter-
suchen, und sie nicht als unvollkommene Wesen zu ver-
achten und zu vernachlässigen. Dagegen konnte Ehrenberg
nur in Rücksicht auf die Infusionsthiere eifern, die Untersu-
chungen über generatio aequivoca abschneiden konnte, und
wollte er nicht.
Wenn Mitscherlich sinnreich, ich möchte sagen, Linneisch
behauptet: Niedere Thiere machen Fäulniss, niedere Gewächse
Gährung, so ist nichts mehr zu wünschen, als ruhige Unter-
suchungen dieses Gegenstandes. Die Chemiker sind, wie die
Botaniker in der Physiologie und Anatomie der Pflanzen aus
dem Geleise gekommen und ins Wilde gerathen.
B e w e g u n g.
Des mouvemens revolutifs spontanes qui s'ob-
servent chez les vegetaux, par Mr. Dutrochet.
Compt. rend. 1843. 11, 989. Eine merkwürdige Abhand-
lung, worin D. nicht von Endosmose und Exosmose redet,
sondern von innern und äussern Ursachen der Bewegungen
im Pflanzenreiche, wovon jene dem Leben zugeschrieben wer-
den, und sogar einer Gewohnheit. Zugleich theilt er Beob-
achtungen mit über die Bewegungen der Ranken mancher
Pflanzen, oder vielmehr er geht von ihnen aus. Da D. etwas
weitläuftig in seiner Darstellung, so will ich eine Stelle hie-
her setzen , welche die Sache am leichtesten übersehen lasst.
Die Beobachtungen sind an Pisum sativum angestellt. „Ich
habe oben gesagt, dass Stammglied und Blatt, welches das
Stammglied endigt, (merilhalle ist bekanntlich das abscheuliche,
sprachwidrige Wort der französisclien Botaniker für Stamm-
glied), beide zugleich in der Luft eine ellipsoidische Curve
beschreiben. Diese Theile erzeugen nämlich durch ihre Be-
wegung eine Art von Kegel, dessen Spitze sich am imtern
für physiologische Botanik. 127
Theile des Zwischengliedes befindet, die Basis aber an der
Curve, welche die Spitze des Blattstiels in der Luft beschreibt,
da, wo die beiden ßlättchen angefügt sind. Ich fange die
Beobachtung des Drehens in dein Augenblicke an, wo die
Spitze des Blattstiels gegen das Fenster oder gegen Süden
gerichtet ist. Das Zwischenglied und der Blattstiel, welcher
ihm folgt, haben dann dieselbe Krümmung, mit der Concavität
gegen das Fenster. Die einfache Ranke hatte sich eben ver-
tikal gegen den Himmel gekehrt; nun dreht sich langsam das
gekrümmte Stammglied mit dem Blatte gegen Südwest und
zwar mit der Krümmung gegen diese Himmelsgegend. So
wie nun diese Bewegung anfängt, verlässt die Ranke ihre
Richtung gegen den Himmel und dreht sich nach Nordwest,
so dass die Spitze das Licht vom Fenster her flieht. Die
Concavität der Krümmung des Stammgliedes und Blattstiels
wendet sich nach und nach von Süden und vom Fenster ab,
bis sie gegen Westen steht, aber die Krümmung ist dann
nicht so stark als gegen das Fenster oder gegen Süden. Die
Spitze der Ranke, welche das Licht flieht, geht dann dem
Blattstiele voran, ohne jedoch dessen Krümmung anzunehmen.
Stammglied und Blattstiel fahren nun fort sich zu drehen
bis gegen Norden, wo aber die Krümmung im Minimum ist.
Jetzt kehrt die Ranke um, wendet sich zuerst gegen den
Himmel, dann gegen Norden, so dass sie dem Blattstiel die
Spitze zukehrt, wobei sie das Licht vom Fenster her flieht.
Das Stammglied mit dem Blattstiel fahren fort sich zu dre-
hen von Nord durch Osten bis Süden , wobei die Krümmung
immer zunimmt. Die Ranke, welche beständig hinter dem
Blattstiel zurückblieb, kehrt ihre Richtung in Rücksicht auf
den Blattstiel um, fäfirt fort das Licht zu flielien und geht
dann vor dem Blattstiel her, der seinen zweiten Umlauf ange-
fangen hat. Die Zeit, worin diese Umläufe geschehen, hängt
von ^Yärme und Alter ab, schneller geschehen sie in der
Wärme und der Jugend, das Licht trägt nicht allein zu dieser
Bewegung nichts bei, sondern ist ihr auch entgegen und ver-
mehrt es die Krümmung, wie der Verf. umständlich zeigt.
An Bryonia alba und Cucumis sativus hat der Verf. ähnliche
Beobachtungen gemacht. Auf eine etwas künstliche Weise
bringt er auch die Bewegung von Hedysarum gyrans dahin.
J28 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
In den thierischen Bewegungen ist Wille, sagt er am Ende,
in den Pflanzen nicht, aber hinter diesem unintelligenten We-
sen befindet sich die schöpferische Intelligenz, welche diese
bewundernswürdigen vegetabilischen Maschinen geschaffen hat,
Ist die Bewegung des Herzens willkürlich? Haben die Thiere
sich etwa selbst geschaffen?
Recherches sur le mouvement et l'anatomie du
labelluni de Megaclinium falcatum p. Ch. Morren.
Annal. d, scienc. natur, T. 19. p. 19. Auch im Auszuge
im Bullet, d. 1. Soo. R. d. Bruxell. 1841. P. 1. p. 385. Eine
genaue : Anatomie der Blüte dieser Orchidee und Darstellung
der Bewegung der Lippe. Sie ist doppelt, mechanisch und
vital, die erste rührt von der Elasticität des Untersatzes des
Labellum her, und diese wiederum von der Beschaffenheit der
Zellen in der Haut (derme) jenes Untersatzes; die letztere
bemerkt man an dem Erheben und Sinken des Labellum auf
seinem Untersatze, doch muss man sich hüten, dass man nicht
selbst die Bewegung- durch einen Athemzug veranlasst. Die
Zellen, welche die Elasticität hervorbringen, sind sphärisch
und von einer weissen und durchsiclitigen Substanz, M'ie Per-
gameu, doch sieht man kaum Spuren von angewachsener
Schichte.
Notice sur la motilite des fleurons dans les
Cynarees, par Ch. Morren. Bulletin de la Soc. R. d.
scienc. d. Brux. 1842. P. 2. p. 47. Der Verf. unterschei-
det fünf Beilegungen an diesen Blüten. 1) Wenn man die
Blümchen vor dem Hervorkommen der Stigmate leicht be-
rührt, so machen sie eine Bewegung nach dem Mittelpunkte
der zusammengesetzten Blüte und zurück. 2) Dann geschieht
ein Herauswerfen des Pollen, 3) Die Stigmate dringen her-
vor. 4) Berührt man nun leicht die Blüten oder die Stig-
mate, so machen sie eine drehende Bewegung. 5) Reizt
man endlich die Stigmate, so zieht sich die Antherenröhre
nieder und steigt dann wieder aufwärts. Die erste Bewegung
rührt von einer Verkürzung der Innern Fäden der Staubfäden
her, die an das Blümchen angewachsen sind, und das Blüm-
chen mit dem Pistill fortziehen. Die zweite und dritte wer-
den durch das Nacliwachsen des Griffels hervorgebracht; die
vierte ist ebenfalls eine Folge der Verkürzung der angewach-
für physiologische Botanik J29
senen Staubfäden, die nach einander erfolgt, und so ist es
auch die fünfte. In allen diesen Fällen sind es also die
Staubfäden, welche durch ihre Reizbarkeit die Bewegungen
hervorbringen.
Einige Beobachtungen über die Rotationsbe-
wegung in den Pfl an zenz eilen, vom Prof. Czer-
mak, s. Verhandlungen der K. K. Gesellschaft der
Aerzte zu Wien. Wien 1842. S. 125. Der Verf. sagt:
„Ueberblicken wir nun die angegebenen Corollarien , welche
aus meinen tausendfach wiederholten Reobachtungen und Ex-
perimenten fliessen, so könnten wir folgenden Schluss ziehen:
Der Verdunstungsprocess des Zellensaftes ist die vorzüg-
lichste Ursache der Bewegung der Chlorophyll- Kiigelchen.
Er wird durch die Erwärmung erhöht und dadurch die Bewe-
gung der Kügelchen beschleunigt j mit dem Sinken der Tem-
peratur werden beide zugleich vermindert. — Mögen wir uns
docli an ein allgemein bekanntes Phänomen der Bewegung
der Staubtheilchen im erwärmten Wasser, an das Sinken und
Steigen derselben erinnern , so ist uns der Schlüssel zur Er-
klärung der Rotationsbewegung gegeben." Die Versuche des
Verf. .sind schätzbar; auffallend ist es, dass Oel sogleich die
Bewegung hemmt. Aber die Bewegungen im erwärmten Was-
ser rühren allein daher, dass von unten erwärmtes Wasser
steigt, weil es ausgedehnt und dadurch specifisch leichter ge-
worden ist, das obere kältere, schwerere sinkt. Sollte man
wohl hier dergleichen annehmen können, wo die Bewegung
in derselben Ebene im Kreise geht?
Ernährung und Einsaugung der Pflanzen.
Es liess sich erwarten, dass Lieb ig 's Buch: Die orga-
nische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Phy-
siologie, von welcher im Jahresbericht von 1840 eine Nach-
richt gegeben wurde, die Aufmerksamkeit der Naturforscher
auf sich ziehen würde, nicht allein wegen der Neuheit man-
cher Gedanken und Darstellungen, sondern auch wegen der
Schärfe, man möchte sagen, der Keckheit, womit er sie dar-
stellte, und der Angriffe auf alle, die ihn auf seinem Wege
begegneten. Zuerst schrieben Gruber und Sprengel dagegen,
denen Liebig in den Annalen der Pharraacie und Chemie
Archiv f. Naturgesch. X. Jahrg. 2. Bd. 1
J30 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten
B. 38. S. 216 antwortete. Eben so geschah es mit Illubeck
in derselben Zeitschrift B. 41. S. 358. Darauf griff Schieiden
Liebig an und dieser wurde von Winkelblech vertheidigt;
Sclileiden erwiderte in einem offenen Sendschreiben, dem eine
Duplik von Winkelblech folgte. Die Schrift von H. Mohl
gegen Liebig (1843) blieb im Felde der Chemie fast allein,
und suchte besonders Saussure's Theorie der Ernährung der
Pflanzen geltend zu machen. Diese Theorie ist in den An-
nalen der Pharmacie B. 42. S. 275 durch neue Versuche un-
terstützt worden, denen , aber Liebig Rechnungen daselbst
S. 291 entgegengesetzt. Ich übergehe, was in den ökpnomi-
schen und ähnliclien Schriften über, gegen und für Liebig
gesagt worden. Wichtig ist auch Liebig's Abhandlung: „Die
W^echseiwirthschaft" in denselben Annalen B. 46. S. 58, worin
besonders auf die unorganischen Stoffe Rücksicht genommen
wird, welche die Pflanzen aufnehmen, auch sind viele Ver-
suche über diesen Gegenstand beigefügt. Nimmt man aber
alles zusammen , was über die Ernährung der Pflanzen nach
Liebigs Lehren geschrieben worden, so kann man keinesweges
sagen, dass irgpnd etwas entschieden wäre und dass die Wis-
senschaft durch den Streit grosse Fortscitritte gemacht hätte.
Ueber die anorganischen Bestandtheile der Pflanzen, eine
Preisschrift von A. F. Wieg mann und Polstorff, Braun-
.schweig 1842, auf welche Liebig in seiner Abliandlung über
Wechselwirthschaft schon Rücksicht genommen hat. liiemit
ist zu verbinden die Abhandlung von Wiegmann in der Bo-
tan. Zeit. 47. St. , dessen Versuche doch im Ganzen darauf
hinauskommen, dass Pflanzen mit organischen Stoffen gedüngt
und in Wasser mit solchen Stoffen vermengt, besser wachsen,
als in kohlensaurem Kalk und kohlensauren Salzen mit koh-
lensaurem Wasser begossen. Iliebei ist an Thaers bekannten
Satz zu erinnern, dass nur die Feldfrüohte, welche reifen
Samen tragen müssen, um benutzt zu werden, den IJoden
aussaugen, dass dieses aber nicht, wenigstens nicht in einem
bedeutenden Grade geschehe, wenn man sie vor der Reife des
Samens benutzt.
So wie dieses Liebig's Theorie zu widersprechen scheint
— auch waren die letztern Versuche von Wiegmann durch
Möhls Schrift veranlasst — so sprechen auf der andern Seite
für physiologische Botanilc. 131
die Versuche mit Ammoniak und Ammoniaksalzen, wodurch
die Fruchtbarkeit vermehrt wird, für jene Theorie. Dahin
gehört die Bearbeitung des Düngers mit schwefelsaurem Eisen,
wodurch schwefelsaures Ammoniak entsteht, nach Schatte-
manns Versuchen, Compt. rend. 1842. 1. p. 274, auch das.
1843, 11. p. 1128 und Kuhlmanns Untersuchungen das. p. 1121.
Eine Gardenia radicans, welche im November beim Begiessen
jedesmal drei Tropfen kohlensaures Ammoniak (liquor am-
mon. carbon. Pharm.?) bekam, behielt ihre Blätter viel länger,
als andere, welche diesen Zusatz nicht erhielten.
Ungers Versuche über die Ernährung der Pflanzen, siehe
Flora 1842, eigentlich, wie der Verf. sagt, eine Wiederholung
des Versuchs, welchen Hartig bereits angestellt hatte, zeigen,
das humussaures Kali den Pflanzen eher schädlich als nütz-
lich sei.
Die Untersuchungen über den Dünger von Boussingault
und Payen, s. Compt. rend. 1841. I. p. 323 und 1842. II.
p. 657, sollen beweisen, dass die Kraft des Düngers in ziem-
lich geraden Verhältnissen zur Menge der stickstofi"haltigen
Materien in demselben steht.
Die Abhandlung über die Ernährung der Pflanzen von
Scheideweiler, übersetzt iii Flora 1843. S. 621, enthält eine
sehr gute Uebersicht der verschiedenen Meinungen über diesen
Gegenstand, doch sind die Resultate, welche er zieht, nicht
alle so zweifelsfrei, als der V^erf. sie darstellt.
Die Versuche über die Absorption der Salze
durch gesunde mit unversehrten Wurzeln verse-
hene Pflanzen, von A. Vogel in München, im Jour-
nal f. praktische Chemie 1842. 1. Allerdings ist es
zweifelhaft, ob die Wurzeln bei diesen Versuchen unversehrt
M'aren, wie die Botanische Zeitung 1843. St. 30 rügt. Aber
die Versuche sind doch sehr wichtig, weil sie das Resultat
geben, dass die Metalloxyde in manchen Salzverbindungen
und in manchen Pflanzen desoxydirt werden. In dieser Rück-
sicht kommt wenig darauf an, ob die Wurzeln unversehrt
waren oder nicht. Es ist sehr zu wünschen, dass mehr Ver-
suche ganz allein in dieser Rücksicht mögen angestellt werden.
De l'action qu'exercent sur les vegetaux les
produits organiques ou inorganiques qui sont des
132 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten etc.
poisons pour lesaniinanx, par Bouchardat. Compt.
rend. 1843. 11. p. 112. Es sind schon sehr viel Versuche
dieser Art von Jäger und manchen andern angestellt worden,
doch ist hier manches, was sonst nicht bemerkt wurde. Die
grosse Schädlichkeit aller Quecksilberverbindungen, selbst in
den geringsten Mengen wird hier bestimmt gezeigt. Das dop-
pelte Jodkalium ist viel wirksamer als das doppelte Chlorka-
lium. Schwefelsaures Kali wirkt viel stärker als schwefel-
saures Natrum und Magnesia. 0];»iumextract wirkt viel stär-
ker, als eine gleiche Menge salzsaures Morphium. Dieses
nur als Beispiel von den oft merkwürdigen Erfolgen dieser
Versuche. Der Verf. hat zugleich Nebenversuche an kleinern
Thieren, meistens Fischen, gemacht.
133
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Säugthiere während des Jahres 1843.
Vom
Prof. Andr. Wagner
in München.
Unter den Leistungen allgemeinerer Art ist als Rückstand
vom vorigen Jahre her zuerst zu erwähnen: An Introduction
to tlie Mammalia, by Lieut.-Col. Charles Hamilton Smith.
Edinb. 1842 (als Vol. Xlll. der Mammalia in Jardine's Werke:
the Naturalist's Library).
Nach einer kurzen Einleitung in die Klasse clor Säugthiere folgt
die Charakteristik der Ordnungen, Familien und Gattungen, mit An-
führung einer oder etlicher Arten von jeder der letzteren. Diese
Arbeit ist zunächst auf die vielen Dilettanten berechnet, die in Eng-
land an der Zoologie Geschmack gefunden haben, und kann deshalb
einen eigentlichen Avissenschaftlichen Wcrth nicht ansprechen. Auch
hat es sich der Verf. mit ihrer Abfassung allzuleicht gemacht, und
ist bei der Ausführung sehr flüchtig zu Werke gegangen. Auf an-
dere als englische und französische Arbeiten ist ohnediess keine
Rücksicht genommen.
Schreber's Säugthiere, fortgesetzt von Andr. Wag-
ner. Supplementband. .3te Abtheilung. (Schluss 1843).
Die 3te Abtheilung des Supplementbandes ist mit der ersten
Hälfte der Nager geschlossen worden, wobei ich gelegentlich erwähne,
dass die 4te Abtheilung, welche die andere Hälfte der Nager, ferner
die Zahnlücker und die sänimtlichen Hufthiere enthält, im Laufe des
Jahres 1844 ebenfalls fertig geworden ist, so dass jetzt nur noch die
Meeres -Säugthiere (Robben und Walle) im Rückstand sind und das
Werk also bald seiner Beendigung entgegen geht.
Schinz, Monographien der Säugthiere. Mit Abbildungen
nach der Natur luid den vorzüglichsten naturwissenschaftlichen
Werken gezeichnet von Kuli. Zürich 1843. 2 Hefte. 4.
Der Verf. beabsichtigt monographisch in Beschreibungen und
kolorirten Abbildungen die Säugthier- Arten darzustellen. Das Iste
Heft behandelt die Gattungen: Macroscelides, Ailurus, Thylacinus
und Myrmecobius ; das 2te Heft: die Nashorn -Arten. Beide Hefte
Archiv f. Nafurgescliichte. X. Jahrg. 2, Bd. K
134 Andr. Wagner: Bericht über »Ue Leistungen in der
enthalten nichts Neues; die Abbildungen, meist Kopien, sind gut aus-
geführt. Wenn das Unternehmen gesicherten und raschen Fortgang
gewinnt, so kann es zur Erleichterung der Bestimmung in den Samm-
lungen erspriessliche Dienste leisten.
Chr. V. Trautwetter versuchte in seinem „Novum systeroa
theriologicum" auch eine neue systematische Anordnung der Säug-
thiere und Vögel (Bullet, de la Soc. de Moscöu 1843. p. 448).
Lessoii, moeurs, instinct et singularites de la vie des
aiiimaiix mainniiferes. Par. 1842.
Diese Schrift will blos auf diejenigen Arten Rücksicht nehmen,
welche Buffon unbekannt waren oder über welche er nur unrichtige
Nachrichten hatte. Mehr als die gewöhnlichsten Quellen sind hier-
bei nicht benutzt; und mit Scheitlin's Thierseelenkunde hält es frei-
lich keinen Vergleich aus.
Observations oii the Classification of the Maimiialia. By
G. R. Waterhou.se (Ann. of nat. hist. XII. p. 399).
• Die Säugthier- Ordnungen sind durch Kreise dargestellt, welche
Waterhouse so zu gruppiren sucht, dass sie den verwandtschaftlichen
Beziehungen der Abtheilungen untereinander entsprechen. Ich lege
auf solche schematische Darstellungen kein sonderliches Gewicht, da
sie ihren Z^eck doch nicht vollkommen erreichen. So grenzen hier
z. B. Fleischfresser und Dickhäuter zusammen, obschon durch das
Schwein, welches als Verbindungsglied bezeichnet wird, nichts weni-
ger als ein Uebergang hergestellt ist; dagegen sind die ersteren von
den Beutelthieren weit getrennt, obschon zu diesen ein deutlicher
Uebergang besteht. Da jede Ordnung nach verschiedenen Seiten hin
sich verkettet, ist es nicht möglich die wirklichen Affinitäten oder
auch nur Analogien, die zwischen diesen Abtheilungen stattfinden, im
bildlichen Ausdruck ohne Verwirrung darzustellen. Dies kann mit
Klarheit und Vollständigkeit doch nur durch die Rede geschehen.
Series of Propositions for rendering the Nonienclature of
Zoology uniform and permanent, being the Report of a Com-
niitteo for the considcration of the subject appointed by the
british Association for the Advancenient of Science (Ann. of
nat. hist. XI. p. 259).
Nachdem in England und Frankreich die zoologische Nomencla-
tur in den grössten Verfall gerathen war, indem insbesondere unter
den Verehrern und Pflegern der Ornithologie gar manche sich fan-
den, die keiner Kegel sich fügen wollten und überdiess, da sie nicht
durchgängig hinreichende Kenntniss der alten Sprachen besassen, bei
Aufstellung neuer generischer Benennungen die lateinische und grie-
chische Sprache so barbarisch misshandelten, dass man sich der von
ihnen gegebenen Namen, ohne sich nicht selbst des Barbarismus
mitschuldig zu machen, durchaus nicht bedienen konnte, so ist es
Naturgeschichte der Saugthicre -währeiul des Jahres 1843. 135
gut und löblich, dass die British Association es sich vorgesetzt hat,
diesem groben Unfuge zu steuern. Die Regeln, welche die Gesellschaft
giebt, sind übrigens keine neuen, sondern sie sind der Hauptsache
nach, obschon es nicht besonders hervorgehoben wird, schon vor
mehr als dreissig Jahren von Jlliger aufgestellt, der sie nach den
Vorschriften von Linne's Philosophia botanica auf die Zoologie über-
trug und in seinem ,,Prodromus systematis Mammalium et Avium
additis terniiuis zoographicis utriusque classis eorumque versione
germanica" seit dem Jahre 1811 in Anwendung brachte. Als Motiv
zu seiner Arbeit führt Jlliger an , dass sich „unter den Gattungs-
namen, wegen Vernachlässigung der von Linne festgestellten Regeln,
eine solche Menge verwerflicher allmählig eingeschlichen habe, dass
man mit ihrer Hinausschaffung nicht zaudern dürfe, wenn wir nicht
abermals die alte Barbarei, von der uns jener grosse Aiann befreit
hätte, hereinbrechen sehen wollten." Hätten unsere Nachbarn jen-
seits des Rheines und über dem Kanal diese von Jlliger aufgefrisch-
ten Regeln Linne's eben so befolgt, wie vnr Deutsche und die uns
anverwardten gormanischen Stämme tins ihnen fügten, so wäre die
Nomenclatur uicht zu einem Augiasställe geworden, dessen Reinigung
jetzt allerdings keine leichte Aufgabe ist. Uebrigens kann ich bei
dieser Gelegenheit nicht umhin, den schon im vorjährigen Berichte
eegebenen Rath zu wiederholen, dass die englischen und französischen
Therologen und Ornithologen sich in genauere Bekanntschaft mit
dem erwähnten Prodromus setzen möchten, da er als klassische Ar-
beit das Recht hat, normgebend aufzutreten.
Die geographische V'erbreitung der Säugthiere, dargestellt
von Dr. A. Wagner, erste Abtheilung (Abhaudl. der matheni.-
physikal. Klasse der k. bayerisch. Akadem. der Wissensch. IV.
Abth. 1).
Die geographische Verbreitung der Säugthiere hat zuerst Zim-
mermann zur speziellen Aufgabe gewählt und mit Geist und Sach-
kenntniss durchgeführt. Dreissig Jahre später nahm Jlliger denselben
Gegenstand mit gleichem Talente auf, und nach abermals dreissig
Jahren habe ich mir ihn zur Aufgabe gestellt. Meine Abhandlung
zerfällt in zwei Abtheilungen, von denen einstweilen die erste er-
schienen ist; die zweite wird bald nachfolgen und ihr sollen die zur
Erläuterung dienlichen Karten beigegeben werden.
Lehrbuch der Zootoniie von Dr. Rudolph Wagner.
2te völlig umgearbeitete Aufl. 1843. Iste Lieferung: Säugthiere
und Vögel.
Giebt eine höchst übersichtliche und genaue Schilderung der ana-
tomischen Beschaffenheit des thierischen Baues , diessmal nicht nach
den organischen Systemen, sondern, was sehr zu loben ist, nach den
Thierklassen. Da die anatomische Charakteristik der Klassen fort-
während auf die von demselben Verfasser herausgegebenen Icones
K*
136 '^- Wagner: Bericht über die Leistungen in der
zootomicae verweist, so ist hierdurch das Verständniss wesentlich
erleichtert.
Mit ziemlicher Ausführlichkeit behandelt Graven hörst 's „ver-
gleichende Zoologie", Bresl. 1843, die Klassen der Säugthiere und
Vögel nach äussern und Innern Merkmalen, so wie nach Nutzen und
Schaden, und wird als Einleitung in diese Klassen sehr gute Dienste
leisten.
Von Blainville's Osteographie sind das 12. und 13. Heft, die
Gattungen der Katze und des Hundes behandelnd, erschienen.
An ailgejneinereii zootoniisclien Arbeiten, die in den Be-
reiclj dieses Berichts fallen, sind noch zu erwähnen:
Recherches sur le developpement des os et des dents, par Mr.
Flourens (Archives du Mus. d'hist. nat. II. p. 315). — Eine sehr
ausführliche und genaue Arbeit, die von 12 ausgezeichnet schönen
Tafeln begleitet ist.
Supplement au Memoire sur les dents des musaraignes et auti'cs
mammiferes, par Mr. üuvernoy (Compt. i-endus XVII. p. 98). —
Nach dem Comniissionsbericiite (ebend. S. 341) soll die ausführliche
Abhandlung mit den Abbildungen in die Memoires des Savans etran-
gers aufgenommen werden, bis wohin l\ef. seinen Bericht über diese
interessante Arbeit verspart.
Observations on the Semen and Seminal Tubes of Mammalia
and Birds, by G. Gulliver (Ann. of nat. bist. XI. p. 514). — Am
Menschen, vielen Säugthieren und Vögeln hat der Verf. Messungen
der Samengefässe vorgenommen und Bemerkungen über den Zustand
des Samens und den Hoden in verschiedenen Jahreszeiten beigefügt.
Additional Measuremints of the Blood- Corpuscles or Red Par-
ticles of Mammalia and Birds, by G. Gulliver (Ann. of nat. hist.
XII. p. 367). — Nachträge, welche der Verf. seinen Beobachtungen,
die er in der englischen Uebersetzung von Gerler's Anatomie nieder-
legte, zufügt
Bemerkungen über die Entwickelung der Gräthe des Schädels
bei den Säugthieren und über die Entwickelung und Function der
Knochenhöhlen, vou Georg Jäger (Müller's Archiv für Anatomie
1842. S. 433).
An Berichten über die Verhandlungen der zoologischen
Gesellscliaftcn und Versammlungen sind dem Ref. mehrere
noch nicht zugekommen.
Amtlicher Bericht über die '21ste Versammlung deutscher
Naturforscher und Aerzte in Grätz im September 184.3. Her-
ausgegeben von den Geschäftsführern derselben, Dr. Langer
und A. Schröter. Grätz 1844.
Zoologisches ist überhaupt in dieser Versammlung wenig vorge-
kommen. Eine interessante Mittheilung gab Kröyer über das Ver-
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1843. 137
hältniss zwischen dem thierischen Leben in den Polar- und Tropen-
meeren (S. 178).
Neunter Jahresbericht des Mannheimer Vereins für Natur-
kunde. Mannh. 1843.
Kilian hat wieder mehrere urweltliche üeberreste beschrieben
und mit .Abbildungen erläutert: Schädel eines Mammuths, Unterkiefer
von Elephas yrimigenius, Schädel von RJiiiioceros tichorhintis, Schä-
del der Hyaeita spelaea , Rennthiergeweih.
Actes de la Societe helvetique des sciences naturelles,
reunie a Lausanne les 24, 25 et 26 Juillet 1843. 28e session.
Lausaiuie 1843.
Wieder ein erfreuliches Zeugniss von der grossen Thätigkeit der
schweizerischen Naturforscher. Ausser den Verhandlungen in der
allgemeinen Sitzung sind auch die der Kantons-Gesellschaften in Ba-
sel, Bern, Genf, Neuenburg, Waadt und Zürich im Auszuge mitge
theilt. Luzern und Freiburg lassen wieder nichts auf diesem Gebiete
von sich hören; an Wallis ist ohnediess nicht zu denken.
Report of the 13 nieeting of the British Association for
the advancement of science. 1844.
Für uns bemerkenswerth ist hauptsächlich das Palaeontologi-
sche; Owen hielt einen grössern Vortrag über die englischen Herbi-
voren.
Reports of the Council and Auditors of the Zoological
Society of London , read at the annual general nieeting April
29, 1843. Lond. 1843.
Die Einnahmen der Gesellschaft betrugen im Jahre 1842 die
Summe von 10,087 Pfund Sterling, und die Ausgaben 9721 Pfund. Im
Vergleich mit dem vorhergehenden Jahre hatten sich die Einnahmen
um 1523 Pfund verringert, theils durch Verminderung der Zahl der
Mitglieder, theils durch Ausfall in den für die Zulassung in den Gar-
ten erhobenen Eintrittsgeldern. Dieser Nachlass wird dadurch er-
klärlich, dass anfänglich Neugierde und Mode mehr Besucher herbei-
gezogen, so dass erst jetzt ein mehr ständiges Publikum sich gebil-
det hat. Für Förderung der Zoologie, zumal für Kenntniss des In-
nern Baues seltener oder wenigstens kostspieliger Thiere, ist dieser
Garten von höchster Bedeutung, daher ihm das beste Gedeihen zu
wünschen.
Atti della quarta riunione degli Scienziati italiani tenuta in Pa-
dova nel settembre del 1842. Padov. 1843.
Congres scientifique de France (redige par Hepp). Strasb. 1843.
Von beiden Versammlungen, so wenig als von der skandinavi-
schen, sind mir Berichte zugekommen.
American Philosophicai Society, held at Philadelphia, for
I
138 A. Wann er: Bericht über tVie Leistungen in der
proiiioting" itsefiil knowledge. Celebration of tlie hundreth
anniversary. Philadeliili. 1843.
Zur Jubelfeier ihres hundertjährigen Bestandes veranstaltete die
American Philosophical Society am 25. Mai eine grosse Versamm-
lung ihrer Mitglieder und vieler eingeladener Gäste in Philadelphia.
Die Sitzung wurde durch Dr. Ludlow mit einem kurzen, passenden
Gebete eröffnet, worauf Dr. Patterson die Geschichte der Gesell-
schaft in ziemlicher Ausführlichkeit schilderte. Ausserdem wurden
noch vom 26. bis 30. Mai acht Spezial- Sitzungen gehalten, welche
lediglich wissenschaftlichen Vorträgen gewidmet waren.
An Beiträgen zur Kenntniss der Spezial-Faunen sind mir
nachstehende bekannt geworden:
Fauna der in Krain bekannten Säugtliiere, Vögel, Repti-
lien und Frische. Von Heinrich Frey er. Laibach 1842.
Diese im vorigen Jahre mir nur dem Titel nach bekannte Fauna
von Krain habe ich nunmehr durch den Buchhandel erlialten. Ihr
Verfasser ist Custos des Landes-Museums zu Laibach, Sie ist nach
Cuvier's System angeordnet, gicbt bei jeder Benennung zuerst den
systematischen, dann den deutschen und zuletzt den krainischen Na-
men. .4m Schlüsse folgt ein dreifaches Register sämnitlicher syste-
matischer, deutscher und krainischer oder slavischer Namen. An
Säugthieren sind, mit Inbegriff der gezähmten, 50 Arten aufgeführt;
es mögen aber wohl unter den Fledermäusen und kleinen Nagern
späterhin noch etliche aufgefunden werden. Als merkwürdigere Thiere
sind zu bezeichnen der Bär, Luchs, .'\lpenhase und die Gemse.
Reise im europäischen Russland in den Jahren 1840 und
1841, von J. H. Blas ins. Ister TheiL Reise iui Norden.
Braunschw. 1844.
Eine der interessantesten Reisen, die mit Geist und Sachkennt-
niss die Natur des Landes wie seiner Bewohner schildert. Obschon
die russische Fauna späterhin vom Verfasser in spezielle Erörterung
gezogen werden soll, so hat er doch auch bereits in dieser Reise
zweckdienlich hin und wieder auf sie Rücksicht genommen, und na-
mentlich von S. 255 — 266 vortreffliche Bemerkungen über die Fauna
des nordöstlichen Russlands mitgetheilt.
Ray, catalogue de la Faune de l'Aube ou liste methodique des
animaux vivans et fossiles (vertebres) qui se rencontrent dans cettc
partic de la Champagne. Paris 1843. Ist mir nur dem Titel nach
bekannt.
Note sur quelques petits Mammiferes du midi de la France. Par
E. de Selys Longchamps. (Rev. zool. 1843. p. 129). — Unter
einem Schock kleiner Säugthiere, die der Verf. von Saint -Zacharie
(Dep. du Var) erhielt, fanden sich folgende Arten: Crocidura arunea,
Myuxus glis, Myoxus avellanarius , Mus si/fvat/ciis, Mus mcertus
Naturgesrlüchte der Säiigtliiore wälirenil des Jahres 1843. 139
Savi, Ml/s tectorin// , .trv/cofa destructor? Arvicola incerlus SelyS
und Crocidura ctrusca, letztere von den Ufern der üiirance.
In der Isis 1843 .S. 470 wird auf eine schon ältere, bei uns aber
nicht in Verbreitung gekommene Schrift: Cenni zoologici etc. da
Costa, aufmerksam gemacht, welche sich mit der Aufsuchung und
Bestimmung neapolitanischer Thiere befassl. Bezüglich der geogra-
phischen Verbreitung sind dit; daselbst genannten Säugthiere bemerk-
lich zu machen, nämlich Kr/tiftceus eii/opüeus, Taffia coera , Meles
taxus, Mustela martes und foiiia, Caiiis /ujnis und vufiics, Felis cutus,
Myoxus gliü, iiitcJa und uveUanarms , Hysirix cristata, Lepus timi-
diis, Sus scrofa, Capra hirctts. Die Tali)a europaca fehlt im ganzen
Königreich Neapel.
V^erhaiideliiigen over de natuurl. geschieÜL'nis der Nederl.
overzeesche l)ezittingen. Zoologie.
Von diesem wichtigsten aller neueren Reisewerke ist aus unse-
rer Abtheilung im Jahre 1843 Heft 8 und 9 erschienen, mit vielen
Abbildungen von 8äugthieren; vom Texte zu dieser Klasse ist nichts
geliefert worden.
A. Smith, lllustrations of the Zoology ol South Africa.
Lond. 1843.
Hiervon sind im Laufe des Jahres Heft 17, 18 und 19 erschienen,
welche nur 3 Säugthier- Abbildungen enthalten.
Harris Portraits of the Game and Wild Auimals of
Southern Africa.
Mit diesem Hefte, dem 5ten, ist das prachtvolle Werk geschlos-
sen. In diesem letzten Hefte sind dargestellt: tab. 25. Redunca ca-
preolus imd Tragulus i'upestris ; tab. 26. Tragulus sylvaticus? Me-
lunotis nebst Cephalophus coeruliis; tab. 27. Phacochoerus africanus ;
tab. 28. Felis leopardus und jubatns; tab. 29. Felis Leo; tab. 30
Hyaeita crocuta, fusca und venutica.
The Highlands of Aethiopia. By W. C. Harris. In three
volunies. Lond. 1844.
Kaum hatte Harris seine süd- afrikanische Reise vollendet, so
schickte er sich an, als Vorstand einer englischen Gesandtschaft
nach Schoa sich zu begeben, wo er 18 Monate verweilte. Als Natur-
forscher befand sich Dr. Johannes Roth aus München bei die-
ser Expedition , und er fügte in einem besonderen Appendix zum
2ten Theile seine Bemerkungen über die Geognosie, Botanik und
Zoologie der süd-abyssinischen Hochländer bei. üeber die Säug-
thiere sind von ihm sehr werthvolle Notizen mitgetheilt.
Om Professor J. Hedenborgs insamlingar af Däggdjur i
Nordöstra Africa och Arabien, af Carl J. Sundevall (K. V.
Acad. Handl. Stockh. 1842. p. 189—244).
Ein sehr wichtiger Beitrag (der mir durch gefällige Mittheilung
140 ^- Wagner: Bericht über die Leistungen in der
des Verf. noch vor Ausgabe des ganzen Bandes in einem Separat-
Abdrucke zugekommen ist) zur Kenntniss der Säugthier- Fauna der
Nilländer, namentlich des Sennaars und nebenbei auch des peträi-
schen Arabiens. Mit bewundernswerther Ausdauer hat Hedenborg
diese und andere Gegenstände gesammelt, und mit grösster Genauig-
keit Sundevall die Bestimmung der Säugthiere vorgenommen. Die
Sammlung enthält nachstehende Arten, wovon die ohne Angabe des
Fundorts aus dem Sennaar herrühren, a) Affen: Si?fiia siibviridis
Fr. Cuv. (S. griseo viridis rec), jiyrrhonotus und Atiubis. Otolicnus
Teng Hedenb. n. sp. (von Bahr el Abiad). — b) Handflügler:
Ptei-opns stramineuSj Megaderma frons (Bahr el Abiad), Nycteris
thehaica (ebend.), Dysope^ Midas Hed. n. sp. (ebend) — c) Fleisch-
fresser; Felis maniculata (Bahr el Abiad), chaus (Aegypten) und
caracal (Nubien). Hyuena striata. Canis variegatus , lupaster , ni-
loticus (Aegypten) , famelicus (Sinai), pallidvs, Zerda Bahr el Abiad.
Viverra getietta var. dovgalana Bahr el Ab., var. setiegalensis Fr.
Cuv. Herpestes Ichneumon Aegypten und leucurus Bahr el Abiad.
Ldpotus (Gulo) viellivorus. Ictonyx frenata n. sp., Mustela Boccamela
Kairo. — d) Insektenfresser: Erinaceus heterodactylus n. sp. u.
platyotis n. sp. Aegypten. Sorex Hedenborgi n. sp., sericeus n. sp.
xinA fulvaster n. sp. — e) Nager: Sciurtts leucomhrinus. Mus decu-
inanus, alexandrinus s. tectorum Kairo und Alexandrien, rattus
ebenda, albipes, macrolepis n. sp. Bahr el Azrak, orientalis Kairo
nebst var. subtus albus. Isoniys variegutns Aegypten und testiada-
ris n. sp. Bahr el Abiad. Acomys cahirinns Alexandrien, id. var.
M. dimidiaiiis ^ und russatus Sinai. Meriones gerbi/lus Bahr el Ab.,
venustus n. sp. ebenda, murinus n. sp. ebenda und crassus n. sp. Si-
nai. T'sammoinys obesus Alex. Dipus hirtipes und aegyptiiis Aegyp-
ten. Lepus sifiaificus unbekannten Fundorts und acthiopicus. — f)
Zahnlücker: Orycteropus aetliiopicus n. sp. Bahr el Abiad. Mo-
nis Temrninckii ebenda. — g) Dickhäuter: Ilippopotamvs amphi-
bius Nil. Hyrax syriacns und babessinicits? — h) Wiederkäuer:
Camelopardalis Giraffa. Oryx leucoryx. liubalus lunatus. Anti-
lope Dujiia, Soeninierringii, Dorcas und Kevella. Capra Beden Si-
nai und Jiircus var. dorn, sennaariensis.
Verzeichniss der in Labrador befindlichen Landsäugthierc,
niitgethoilt vom Ilofr. v. Schubert (Äliinclin. gel. Anzeig.
XVni. S. 417).
Die Missionaro der Brüdergemeinde«, die auf Labrador sich unter
den Eskimos niedergelassen, haben schon etliche Mal der Akademie
in München meteorologische Beobachtungen und auch werthvolle
zoologische und botanische Sammlungen zugesendet. Das letzte Mal
iiaben sie auf unser Ansuchen ein Verzeichniss der in Labrador be-
findlichen Landsäugthierc und der bekanntesten Wasservögel einge-
schickt; Mittheilungen, die zur Kenntniss der geographischen Vor-
Nattirgesrliirlite dor Säiigthiere während des Jahres 1843. 141
brcitiing dieser Arten sehr wichtig sind. Im nachstehenden Verzeich-
niss der Landsäugthiere füge ich den Landesnamen die systematischen
bei, was nur in wenigen Fällen mir nicht möglich geworden ist. a)
Hand flügler: 1. Innerlugak, die Fledermaus, sehr selten und nur
in den tiefen, landeinwärts gehenden Buchten. — b)Raubthiere:
2. ükjung narvik, die Spitzmaus. 3. Aklak, der schwarze Bär, nicht
zahlreich, flieht meist vor dem Menschen, im Winter nicht sichtbar,
soll sich zu dieser Zeit in Höhlen aufhalten und schlafen. Ist der
UrsHs americanus; eine Abart hat einen weissen Ring um die Nase
und weisse Brust. 4. Kapvik, der Dachs, von sehr starkem Knochen-
bau und raubt oft die unter schweren Steinen vergrabenen Vorräthe.
Fabricius vermuthet, dass der Kappik, wie er grönländisch den Na-
men schreibt, der Vielfrass, Mustela Gulo, sein möchte; nach der
Bezeichnung der Missionare, die ihn einen Dachs von starkem Kno-
chenbau nennen, ist er aber sicherlich Meles labradoria. 5. Terriak,
das Wiesel, dem russischen Hermelin ähnlich, im Sommer grau, im
Winter weiss. Richardson schreibt den eskimoischen Namen Ter-
reeya; es ist darunter Mustela Erminea verstanden. 6. Kapviaitsiak,
der Marder, hält sich meist im Busch auf. Entweder Mustela Vi'sofi
oder wahrscheinlicher M. Martes (M. Euro). 7. Ammarok, der Wolf,
mit demselben Namen von Richardson aufgeführt, ist noch seltener
als der Bär, dem Menschen nicht gefährlich, wohl aber den Renn-
th-eren. 8. Kingmek, der Hund, bei Fabricius Kemraek v. Kremmek.
9. Terrienniak, der Fuchs. Die hiesigen Füchse theilen sich in 2
Arten: die schwarzen und rothen kommen von Einem Wurfe, die
weissen aber sind kleiner und paaren sich nicht mit den anderen.
Diese Unterscheidung beruht auf sehr guter Beobachtung: die erstere
Art ist der Canis fulvus, die andere der Caiiis lugopus, der von Fa-
bricius mit gleichem Namen Terienniak bezeichnet wird. 10. Per-
tukserak, der Luchs, sehr selten; wahrscheinlich Felis borealis. '—
c) Nager: 11. Sigsik, das Eichhorn, selten und kleiner als das
europäische; die fliegenden heissen ebenso, sind aber noch seltener
und kleiner. Die erstere Art ist Sciurus hudsonius; die fliegenden
Eichhörnchen mögen zu Pteromys sobrinus gehören. 12. Kigiak, der
Biber; äusserst selten. 13. lllakosek, das Stachelschwein, nicht
häufig, nährt .sich hauptsächlich von der Rinde der Tannenbäume; ist
Hystrix dorsata. 14. Kivgaluk, die Wasserratte, riecht stark nach
Moschus; nicht näher bestimmbar, ob Fiber %ibethicus oder, was
wahrscheinlicher, eine der grösseren Arten von Hyptidaeus. 15. Nun-
nivakak, die Maus im Allgemeinen, bezeichnet auch speziell die
Hausmaus mit weissem Bauch und langem Schwänze, Nach einge-
sandten Exemplaren ist diess eine neue Art von Hesperomys, der ich
den Namen Hesperomys municulatus beigelegt habe. 16. Avingak,
eine grosse Landmaus, kurzschwänzig, stellt sich auf die Hinterbeine
zur Gegenwehr. Nach dem eingeschickten Exemplare ist diese Art
der Myodes {Lemmus) groenlandicus. Unter dem eskimoischen Na-
142 '^^ Wagner: Bericht über die Leistungen in der
men Owingak bezeichnet Richardson dieselbe Art, und der bei den
Hundsripp- Indianern übliche Name Awinnak, den er auf Arvkola
horeaUs anwendet, ist die nämliche Bezeichnung, nur hier, wahr-
scheinlich erst von den Zoologen, auf ein anderes, wenngleich ver-
wandtes Thier übergetragen. 17. ükjungnak, eine kleine Art Mäuse;
eine neue Art Hypudaetis , von mir H. hypoleucos benannt. 18. ük-
kalek, der Hase, im Sommer graublau, im Winter weiss mit schwar-
zen Ohren. Nach einem eingesandten Exemplare ist es der Lepus
glacialis, den Fabricius mit demselben Namen Ukalek bezeichnet,
fälschlich aber ihn mit L. timidus identifizirt. 19. Ukkalaitsiak , das
Kaninchen; wahrscheinlich der Lepus america7ius Erxl, der dort den
Namen Kaninchen führt, d) Wiederkäuer: 20. Tuktu, der allge-
meine Name des Rennthiers, das nach Grösse, Alter u. s. w. noch
besondere Benennungen führt. 21. Umingmak, der Bisamochse, ein
sehr seltenes Thier, nur durch Ueberlieferung bekannt, von allen
Einwohnern Nains hat es noch keiner gesehen; vor vielen Jahren
sah ein Eskimo von Okak ein solches Thier im Innern des Landes
und dachte, es wäre der Teufel., Der Name kommt von Umik, Bart,
und mäk gross oder lang. Ist ßos moschatus , der bei Fabricius
und Richardson unter dem nämlichen eskimoischen Namen vorkommt.
Natural History of New -York. By Authority. Vol. 1.
Zoology by James E. De Kay. Part. 1. Maninialia. New-
York 1842. 4. mit 33 lith. Tafeln.
Unter Autorität des Staates New -York erscheint eine Naturge-
schichte dieses Landes, von der De Kay bereits die Säugthiere bear-
beitet hat. Er zählt 59 Arten Landthiere, 2 Arten Robben und 8
von den Wallen auf. Die Beschreibungen sind nach der Natur ent-
worfen und zeugen von grosser Genauigkeit; leider fehlte es öfters
dem Verf. an Gelegenheit die verwandten europäischen Arten zu
vergleichen, um den Streit über ihre spezifische Identität oder Ver-
schiedenheit zu schlichten. Die Tafeln sind meist in Kupfer ge-
stochen und in der Ausführung vortrefflich, nur hat der Künstler die
Formfehler, die der Ausstopfer bei den präparirten Exemplaren sich
zu Schulden kommen Hess, nicht immer zu verbessern gewusst. Die
äussere Ausstattung ist höchst splendid; für deutsche Offizinen ein
Mu,sterbild.
Affierican Natural HLstory by John D. Godman. Pliij-
adelph. third edit. 1842. 8.
Das vollständige Verzeichniss der darin beschriebenen Säugthier-
Arten ist in der Isis 1844 S. 446 mitgetheilt , worauf ich verweise.
Nach einer Ankündigung soll von Audubon und Bach man ein
Werk unter dem Titel: the viviparous quadrupeds of North America
im Erscheinen begriffen sein , doch habe ich auf Anfrage noch keine
sichere Auskunft erlangen können.
Naturtreschichte der Säugthiere während des Jahres 1843. 143
Diagnosen neuer Arten brasilischer Handfliigler von A.
Wagner (Archiv 1843. S. 365).
Am angezeigten Orte habe ich die Diagnosen von 19 neuen Ar-
ten Handflüffler aus den Gattungen PhyllostoTiia, Chilonycteris , Eni-
ballonura und Dysojies mitgetheilt.
Durch Lund sind ebenfalls einige neue brasilische Arten be-
schrieben worden (Det K. D. Videnskabernes Selskabs naturv. og
mathem. Afhandlinger. IX. Deel. Kjöbenh. 1842 und Oversigt over det
K. D. Vidensk. Selskabs Forhandl. 1843. p. 77). In unserem Archive
1843. 1. S. 347 habe ich hiervon einen Auszug gegeben und Bemer-
kungen über die unter dem Namen Caiiis Azarae mit einander con-
fundirten Arten, sowie über Schädel- und Zahnbau von Canis juba-
tns beigefügt.
Dieffenbach, Travels in Neu Zealand, with contribu-
tions to the Geography, Geology, Botany and Natural History
of thnt country. Lond. 1843. Vol. 1. u. II. 8.
Die Säugthiere sind von F. E. Gray bearbeitet. Es ist ein höchst
merkwürdiger Umstand, dass auf Neuseeland ursprünglich gar keine
Säugthiere vorgekommen sind, wenn nicht vielleicht eine Fledermaus
und Ratte, die jedoch auch später eingewandert sein können. Die
letztere ist durch die eingeführte englische Ratte (nicht die Wander-
ratte) so selten geworden, dass D. sich kein Exemplar verschaffen
konnte. Die Hausmaus soll ebenfalls eingeschleppt worden sein.
Alle anderen Landsäugthiere sind eingeführt. Den neuseeländischen
Hund benennt Gray als Cmiis Dhigo; Dieffenb. dagegen sagt, dass
er nicht der australische Dingo , sondern eine viel kleinere Varietät
sei, dem Schakal ähnlich und von schmutzig gelblicher Färbung.
Da die Eingcbornen ihren Hund auch bisweilen mit dem spanischen
Namen Pero bezeichnen, so wäre es möglich, dass noch vor Tasman
spanische Seefahrer ihnen den Hund gebracht hätten. Die Hauskatze
ist von den Kolonisten eingeführt und zum Theil verwildert. Auch
die Schweine kommen in manchen Gegenden in grosser Menge ver-
wildert vor, imd scheinen den Eingebornen, wie auf andern Inseln,
schon vor der Ankunft der Engländer bekannt gewesen zu sein. Aus
der neuesten Zeit stammen Pferde, Esel, Ochsen, Schafe und Ziegen
her. Mehr Arten als das Land hat das Meer, doch hat von letztern
D. keine Exemplare mitgebracht. Lieber die Wanderungen der Wall-
fische und ihren Fang hat D. beachtenswerthe Angaben mitgetheilt.
Aus verschiedenen Gegenden, hauptsächlich aber aus
Amerika, sind die Materialien gesammelt zur: Zoology of the
Voyage of H. M. S. Sulp hur under the conimand of Cap-
tain Sir E. Belcher. Mammalia by J. E. Gray. Lond. 1843.
2 Hefte.
Vom grössten Theil der Arten hat Gray schon früher die Dia-
144 ^^- Wagner: Bericlit über die Leistungen in der
gnosen mitgetheilt, und sie sind bereits in unserem vorigen Berichte
zur Sprache gebracht worden. Jetzt folgen ihnen Beschreibungen
nach, denen freilich öfters grössere Ausführlichkeit zu wünschen
wäre. Die Abbildungen sind vortrefflich ausgeführt. Die Saugthicre
sind mit diesen beiden Heften beschlossen.
Als Beiträge allgemeineren Inhalts zur Fauna der urwelt-
lichen Saugthicre sind in der Kürze anzuführen:
H. V. Meyer, summarische Uebersicht der fossilen Wirbelthiere
des Mainzer Tertiär -Beckens (Jahrb. für Mineralog. 1843. S. 379);
dann Bemerkungen über die fossilen Säugthiere der Braunkohlen des
Westerwaldes, der Mardolce- Hohle in Sizilien und der Diluvialge-
bilde von Mosbach (ebenda S. 581), ferner über Säugthierreste aus
verschiedenen Gegenden (S. 698). — Owen 's Berichte über die fos-
silen Säugthiere Englands (Instit. 1843. p. 55) erscheinen nun in einem
besonderen Werke, wovon der nächste Bericht zu sprechen hat. —
Pomel über die fossilen Säugthiere der Auvergne (Instit. 1843.
p. 218). — Memoria per servire all' illustrazione dei grandi Mam-
miferi fossili, esistenti nell Gabinetto di Santa Teresa in Milano p.
G. Balsamo Crivelli. Milano 1842 (im kurzen Auszuge in der
Isis 1843. S. 629). — A. v. Nordmann, „über die bis jetzt mir be-
kannt gewordenen Fundorte von fossilen Knochen in Südrussland"
(Bullet, de la Classe physico -mathematique de l'Academ. des sc. de
St. Petersbourg I. 1843. p. 197). — J. H. Cooper, über fossile, bei
Anlegung des Neubraunschweigschen Kanals in Georgien gefundene
Knochen (Ann. of nat. i\ist. XII. p. 70). Im aufgeschwemmten Lande
lagen beisammen die Knochen von Mep;atheriit7n zugleich mit denen
von Mastodon gigmiteum, Hippopotomtis , Mammuth und Pferd. Die
Knochen waren nicht abgerieben und viele von demselben Skelete
fanden sich zusammen gruppirt. — Lund's neueste Beiträge zur
vormaligen und gegenwärtigen Fauna Brasiliens hat Ref. in diesem
Archive S. 347 im Auszuge mitgetheilt und mit einigen Bemerkungen
versehen.
Die „Literatur über Fährten und Fährten- Abdrücke urwelt-
licher Thiere in den Gesteinen der festen Erdrinde" hat R. Bern-
hardi mit grosser Vollständigkeit in der Halleschen Literaturzeitung
1843. Ergänzung-sblätter S. 441 zusammengestellt.
Lieber ein pathologisch verändertes Oberschenkelbein eines
Höhlenbären von Ph. Fr. von Walt her (Journ. für Chirur-
gie und Augenheilk., von Dr. Pii. v. Walther und v. Aunnon
1843. S. 161).
Der berühmte Verf. dieses Aufsatzes hatte schon im Jahre 1825
in dem damals von ihm und Gräfe herausgegebenen Journale der
Cliirurgie VIU. Heft 1 an einer nicht geringen Anzahl pathologisch
veränderter Knochen die meisten Formen der jetzt bei dem Men-
schen vorkommenden Knochenkrankheiten, Necrose, Anchylose, Exo-
Nafurgesohichto der Säiigthiero -während des Jahres 1843. I45
stose, Caries etc. nachgewiesen. Das erwähnte Oberschenkelbein
ist schon von Esper und dem Ref. früherhin beschrieben w^orden.
Nach des Verf. Erklärung ist die heutzutage bei Menschen vorkom-
mende KnochenUrankheit, welche der am erwähnten Oberschenkel-
bein des Höhlenbären analog und correlativ ist, von Scarpa als bös-
artige Exostose von Expansion des Knochengewebes, von Astley
Cooper als innere fnngöse Exostose der Markhaut beschrieben wor-
den. Da jedoch beide den Namen Exostose in zu grosser Breite ge-
brauchen, so ist die Erläuterung beigefügt, dass „soll die vorliegende
Knochenkrankheit als Exostose bezeichnet werden, so gehört sie
jedenfalls unter die fungösen , nicht cartilaginösen Exostosen, und
zwar unter jene des zelligen Knochengewebes oder der Markhaut,
nicht des Periostes oder der Knochenrinde". Diese Krankheit ist
eine der seltneren, und abermals ein merkwürdiger Beleg von dem
V'orkommen der Knochenkrankheiten bei den urweltlichen Thieren
ganz in denselben Formen und in der gleichen Gesetzmässigkeit wie
noch gegenwärtig.
Als Anleitung zum Ausstopfen hat in England grossen Beifall
gefunden: K. Lee, Taxidermy or the Art of Collecting, Proparing
and Mounting Objects of Natural History. 6. edit. 1843.
Desoription de.s Manimiferes nouveaux 011 imparfaitement
connus de Ja collectioii du Mus. d'hist. nat. et remarque.s .sur
la Classification et les caracteres des IVlammiferes. Premier
Älemo're. Familie des Singes, par M. Is. Geoffroy- Saiut-
Hilaire (Archives du Mus. d'hist. nat. II. p. 185).
In dieser, der pariser .\kademie im Laufe des Jahres 1843 vor-
gelegten Abhandlung (Compt. rend. XVI. p. 1236 u. XVII. p.280) gibt
Is. Geoffroy zuerst Bemerkungen über die systematische Eintheilung
und Charakteristik der Ordnung der Affen. Er kritisirt die in die-
ser Hinsicht gemachten Arbeiten der Franzosen und Engländer, wo-
bei meiner vor vier Jahren im Druck ausgegebenen Monographie
der Affen mit keinem Worte gedacht ist. Ueberhaupt haben sich
die englischen und französischen Zoologen, mit geringer Ausnahme,
wie durch gemeinsame Verabredung so gestellt, dass sie sich zwar
gegenseitig berücksichtigen, von den deutschen Leistungen aber keine
weitere Notiz nehmen. Männer, wie Owen, G. R. Gray und Pri-
chard , die eine umfassende Kenntniss der ganzen Literatur besitzen,
sind jetzt in England und Frankreich seltene Erscheinungen. Abge-
sehen hiervon giebt die erwähnte Abhandlung bei dem Reichthume
der pariser Sammlungen höchst ansehnliche Beiträge zur genaueren
Kenntniss der Affen.
Is. Grdffroy theilt die Ordnung der Affen (bei ihm Primates be-
nannt) in 4 Unterordnungen: Singes, Lemurides, Tarsides und Chei-
146 ^- Wagner: Bericht über die Leistungen in der
romydes, von denen jede der beiden letzteren nur eine Gattung ent-
hält. Die Iste Unterordnung (die Singes) vertheilt er in 4 Sippen
(tribus), nämlich 1) Pithecina mit 5 Backenzähnen, kurzen Nägeln
und längern Vorder- als Hintergliedern; hieher Troglodytes , Pithe-
cus und Hylohates. 2) Cynopithecina, mit 5 Backenzähnen, kur-
zen Nägeln und längern Hinter- als Vordergliedern; hieher die an-
dern altweltlichen Affen. 3) Cebina, mit 6 Backenzähnen und kur-
zen Nägeln; hieher alle amerikanischen Affen mit Ausnahme der fol-
genden 4) Hapalina, mit 5 Backenzähnen und Krallen; hieher
blos die Gattung Hapale. — Hinsichtlich dieser Sippen will ich hier
nur bemerklich machen, dass ich die Trennung der altweltlichen
Affen in Pithecina und Cynopithecina nicht billigen kann, da, wie ich
in meiner Monographie nachgewiesen habe, im Knochengerüste zwi-
schen den Gibbons und Orang Utans eine zu grosse Differenz be-
steht, als dass sie sich in eine so nahe Verwandschaft, wie Is. G.
will, bringen Hessen. Wenn er ferner behauptet, dass die Pithecina,
„s'ils ne sont pas bipedes ä la maniere de l'Homme, ne sont pas non
plus quadrupedes ä la inaniere des autres S^inges," so hat die ana-
tomische Untersuchung, wie die Beobachtung der Lebensweise den
vierfüssigen Gang als den einzig naturgemässen auch für die Orang-
Utans nachgewiesen. Wie S. Müller dargethan hat, ist die Vorstel-
lung von einer aufrechten Haltung dieses Thieres, wobei es nur auf
den beiden Hinterbeinen gehen würde, ganz und gar unrichtig.
Is. G. geht hierauf zur Beantwortung der Frage über, ob man
mit Recht die Affen als vierhändige Thiere bezeichnen dürfe. Er
findet diese Benennung nur alsdann begründet, wenn man unter Hand
nicht ausschliesslich eine mit entgegenstellbarem Daumen begabte
Extremität, sondern überhaupt eine solche verstehen will, die mit
gestreckten, tief getheilten, sehr beMCglichen und sehr biegsamen
und deshalb zum Fassen zwischen sich und der Hohlhand tauglichen
Fingern versehen ist. Diese Bemerkung ist allerdings richtig, aber
nicht neu. Durch die osteologi.sch - myologischen Untersuchungen
von Ilg, Ernst Burdach, Sandifort, Vrolik und mir (ich habe hierzu
die Gattungen Cercopithecus, Cebus und Ateles gewählt) ist die Ei-
genthümlichkeit der Affenhand und ihre grosse Verschiedenheit von
der menschlichen nun hinlänglich gekannt, und wie selbst bei den
altweltlichen Affen die Vorderhand an Geschicklichkeit dieser weit
nachsteht, was übrigens schon Galen wusste. — Was die Unterschei-
dung zwischen Affen der alten und neuen Welt anbelangt, so habe
ich in der Beschaffenheit des knöchernen äussern Gehörgangs ein
Merkmal gefunden, das schärfer als alle andern diese beiden Fami-
lien von einander trennt.
^imiae cisatlanticae. Is. Geoffroy besteht darauf,
(a. a. O. S. 526) seinen Pithecus hicolor als selbststÄndige Art
gelten zu lassen.
Naturgeschichte der Säiigthiere während des Jahres 1843. 147
Ich wiederhole meine vorjährige Eriilärung, dass auf ein einzel-
nes junges Thier, dessen Färbung und Schädelform mit dem Alter
bedeutend sich ändert, eine neue Art mit Sicherheit nicht gebaut
werden kann. Auf die kritischen Bemerkungen, die Is. G. über die
bisherigen Beschreibungen von Orang-Utans abstellt, halte ich es für
überflüssig näher einzugehen, da von Salomon Müller's und Schle-
gel's Arbeiten hierüber, so wie von denen Heusinger's und meinen
eigenen ihm noch im Jahre 1843 keine Kunde zugekommen zu sein
scheint.
J. Macartney, on the minute structure of the Brain in
the Chimpanzee and of the human Idiot, compared with that
of the perfect Brain of Man (Tran.sactions of the Royal
Irish Academy XIX. 2. Dublin 1843).
Vergleichung des Gehirns des Schimpanses mit dem zweier Idio-
ten, woraus hervorgeht, dass das Gehirn der letztern einen noch
niedrigeren Grad der Organisation aufzuweisen hat, als jenes Thier.
Vom Gehirn des Schimpanses sagt übrigens der Verf, dass „die
äussere Form eine so grosse Aehnlichkeit mit dem menschlichen Ge-
hirne hat, dass, die Differenz in der Grösse ausgenommen, das eine
mit dem andern verwechselt worden könnte. Die Windungen waren
eben so bestimmt markirt und die Verhältnisse des kleinen zum
grossen Hirn genau wie beim Menschen." Die corpora candicantia
waren sehr unbestimmt, Pyramiden und Oliven nicht sehr entwickelt;
die Aeste des Lebensbaumes vielleicht nicht so stark, aber eben so
zahlreich als beim Menschen. Dem corpus fimbriatum fehlt der ge-
zackte Rand; die glandula pincalis gross. Das vordere Paar der
Vierhügel ist das kleinere u. s. w. Abgebildet ist das Gehirn des
Schimpanses und eines Idioten.
Zur Kenntniss der Gibbons hat Is. Geoffroy meiirere
Beiträge geliefert.
Hylobates enteUoides ist von ihm sowohl in Jacquemont, voyage
dans rinde, 46. 47 livrais. 1843. p. 13 und in dem Archiv, du Mus.
n. p, 532 ausführlich beschrieben und in den letzteren auch in einer
schönen Abbildung (tab. 1) dargestellt worden. Von den lichten Ab-
änderungen des H. albimanus unterscheidet er sich a) durch die Ver-
einigung des Zeig- und Mittelfingers der Hinterhand längs des ersten
Gliedes, b) durch breitere weisse Stirnbinde, die allmählig in diie
Scheitelfärbung übergeht, während jene bei H. albimanus wegen der
steifern Haare, aus denen sie besteht, von denen des Scheitels mehr
abschneidet; auch sind bei den lichten Abänderungen des H. albi-
manus die Augenbrauen schwarz, während sie bei H. entelloides
roth sind.
Ueber Hylobates Hulock und concolor Harl. giebt Is. G. in
Jacquemont's Reise S. 8 blos etliche Notizen. Letzteren charakteri-
sirt er dadurch: „Pelz überhaupt schwarz" und bezeichnet Borneo
"148 ■^- Wagnor: Boricht übor die Lpistungon in der
als Heimath. Dann bemerkt er, dass ihm von Leyden 2 Exemplare
unter dem Namen H. roncolor oder unicolor zugekommen seien, in
der Färbung sehr ähnlich dem H. agilis, so dass er fragt, ob sie
nicht etwa diesem angehörten oder einer von H. concolor Harl. ver-
schiedenen Art, welcher der von Martin voi-geschlagene Name H.
Miilleri sollte conservirt werden. Die holländischen Naturforscher,
meint er, könnten allein diesen Zweifel lösen. Ich sehe hieraus, dass
es Is. G. mit dieser Art nicht besser als mir früherhin ergangen ist,
doch finde ich jetzt nach den Angaben, die S. Müller über seinen
H. concolor in den Verhandel. S. 48 gemacht, aber Is. G. nicht be-
achtet hat, dass der von Harlan und mir beschriebene H. concolor
verschieden ist von dem Müllerschen und dass zu diesem die beiden
von Is. G. erwähnten Exemplare gehören; für letztere dürfte daher
allerdings der Name H. Miilleri in Anwendung kommen.
Lieber die Gattung Semnopithecus hat Is. Geoffroy eben-
falls mehrere Aufschlüsse gegeben.
Von seinem Semnopithecus Dussumieri hat er sowohl in Jacque-
mont's Reise (a. a. O. S. 17) als in den Archives (S. 538) eine aus-
führliche Beschreibung, in den letzteren auch eine schöne Abbildung
(S. tab. 2) mitgetheilt. In beiden Werken hat er auch den Unter-
schied von S. cucullatus aus einander gesetzt und diesen genauer als
früher charakterisirt. Aus der beigefügten Note ersehe ich auch,
dass von meinem S. jubatns, dessen Beschreibung (Schreb. Suppl.
I. S. 305) ihm noch immer nicht bekannt ist, ein Exemplar im brit.
Museum unter dem Namen S. Johnii steht, wobei ich jedoch bemer-
ken muss, dass John's Beschreibung der Kopfbehaarung seines „Affen
aus Tellicherie" durchaus nicht auf meinen S. jubatus passt. — Den
S. flavimanus hat Is. G. in beiden Werken ausführlich beschrieben.
Alsdann charakterisirt er in den Archives p. 546 eine
neue Art unter dem Namen Semnopithecus nigrinumus.
„Auf dem Kopf lange Haare, einen mittlem, zusammengedrückten
Kamm oder Schopf bildend. Oberseite, Aussenseite der Arme und
Vorderarme, Unterschenkel grau, etwas ins Bräunliche ziehend; untere
Theile, Innenseite der Arme und Vorderarme, Innenseite und der
grösste Theil der Aussenseite der Schenkel weiss; die vier Hände
und fast der ganze Schwanz schwarz." Untertheil und Innenseite der
Hinterbacken weiss. In der Färbung besteht einige Aehnlichkeit mit
S. leucoprymnus, insbesondere durch die weisse Färbung der Hinter-
backen; doch sind sie bei S. nigrimanus nur zum Theil weiss. Am
nächsten steht S. mitratus, bei dem jedoch „die Unterseite des Schwan-
zes weiss, der Kamm schwarz, die Hinterbacken und die Schenkel
grau, und die Hände graulich oder weisslich sind." — Aus dieser
Schilderung geht klar hervor, dass der S. nigrimanus nichts weiter
als der von S. Müller und Schlegel schon im Jahre 1841 aufgestellte
S. siamensh ist. — Vom S. fulvo - griseus Desm. erinnert Is. G.,
Naturgeschichte der Säugthiere Mährend des Jahres 1813. 149
dass Desmoulins die Beschreibung nach einem S. leucoprymnus, die
des Skelets nach S. comatus entworfen hat, ferner dass vom S. albo-
cinereus kein Exemplar im Museum existire, und dass der in der
Bonite beschriebene der S. obscurus sei. — Nasalis unterscheidet er
von Semnopithecus, dass bei jenem die Nasensrheidewand schmal,
bei diesem breit ist. Vom S. comatus hat schon Blainville darge-
than^ dass dem hintersten untern Backenzahn der fünfte Höcker fehlt.
Von Semnopithecus mitratus , melulophos und mmirus wurden in
den Nederl. Verbände!. Zool. tab 12 bis, die Köpfe abgebildet.
Für d'Orliigijy's Dict. univers. d'iiist. iiat. IV. p. 110 hat
Is. Geoffroy den Artikel Colobus bearbeitet.
Fragweise schreibt er dem Stummelaffen noch Backentaschon zu^
während ich sie in meiner Monographie ihnen abgesprochen habe
nach den an C. Guereza gemachten Beobachtungen, was Owen nun
auch für C. ursinus bestätigt hat. Is. G. theilt sie folgendermassen
ab: a) Pelz sehr lang, schwarz, oder weiss und schwarz.
1. C. vellerosus (s. bicolor s. leuco7neros) , 2. C. Guereza, 3. C. poly-
comos, 4. C. ursinus, 5. C. satanas. b) Pelz massig lang, vom
lebhaft Rothen bis zum Olivenfarbigen wechselnd.
6. C. fuligiuosus , 7. C. ferrugineus , 8. C Pennautii, 9. C. verus. —
Hinsichtlich der C. polycomos und ursinus meint Is. G., dass es
„beim gegenwärtigen Stand der Wissenschaft gleich vermessen sein
würde, die spezifische Differenz dieser beiden Stummelaffen zu be-
haupten, oder die eine von den beiden Arten als nominal einzuzie-
hen." Ich habe jedoch schon im Jahre 1839 (Schreb. Suppl. I. S.
307) nach eigner Vergleichung des Pennant'schen Original-Exemplares
von C. polycomos nachgewiesen, dass C. ursinus mit ihm identisch
ist, was neuerdings auch Owen bestätigt hat. Ebenso hat mich die
Ansicht des Pennant'schen Originals zum C. ferruginosus belehrt,
dass dieser mit dem C. fuliginosus zusammen gehört (Schreb. a. a. O.
S. 308). Vom C. verus macht Is. G. bemerklich, dass man ihm mit
Unrecht eine robuste Gestalt zugeschrieben habe.
Die friiherhin von Is. Geoffroy nur kurz charakterisirte
Gattung- Miopithecus hat er nun ausführlich beschrieben (Ar-
chiv. II. p. 549).
Als Art gehört hieher nur die Simia Talapoin. Eine 2te, die er
unter dem Namen M. cupillatus aufstellte, nimmt er nun selbst zu-
rück, da sie nur auf ein schlecht präparirtes Fell begründet war.
Ebenso hat Is. Geoffroy a. a. O. die umständlichere Beschreibung
von Cercopit hecns labiatus, leucampyx , monoides y Lalandii, pygery-
thrus und ruf o -viridis mitgetheilt.
Abgebildet ist überdiess letzterer (tab. 4) nebst C. monoides
(tab. 3). Die Unterscheidung von C. pyrrhonotus und ruher will er
beibehalten wissen, schon deshalb, da bei jenem die Nase weiss, bei
diesem schwarz ist.
Archiv f. N.Tlin-iiO.srli. X. .ralir^. 2. äM. L
150 A Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Derselbe Gelehrte sucht neuerdings die spezitische Selbst-
ständigkeit seines Macacus aureus zu rechtfertigen (Archiv.
II. p. 566).
Den M. aureus in der Bonite hält er nicht für den ächten, auch
stimmt er nicht für seine Identität mit ]\l. carbonurius. Eben so ist
er geneigt einen Albino (tab. 5) von den Philippinen als von einer
besondern Art abstammend anzusehen, die er einstweilen Macactis
philippinensis nennt-, ein anderes Exemplar von daher will wieder
nicht recht zu M. cyiiomolgus oder aureus passen. Ich erinnere, dass
die von Cuming auf den Philippinen angetroffenen Farbenabänderun-
gen wieder anders sind als die eben erwähnten und diese grosse Ver-
änderlichkeit in der Färbung spricht zu Gunsten der zuerst von
Schlegel, dann von mir und bald hernach von S. Müller ausgespro-
chenen Meinung, dass alle diese Färbungen in den grossen Kreis der
Abänderungen gehören, welche der Inuus cijHomolgus darl)ietet.
In wie fern Macactis arctoides und vianrus identisch oder nicht
sind, hat Is. G. noch nicht zur Gewissheit bringen können. Vielleicht
ist der letztere von der nämlichen Art, die ich in Schreb. Suppl. I.
S. 148 charakterisirt habe.
Seine Untergattung Cynopitltecus hat Is. GeofiVoy jetzt
zur eignen Gattung erlioben (Archiv. II. p. 574).
„Körper kurz, mit ziemlich langen Gliedmassen, Hände verlän-
gert, äusserer Daumen ziemlich lang, kein Schwanz. Schädel massig
geräumig, Augenbrauen -Leisten sehr entwickelt; Schnauze sehr ver-
längert, breit und verflacht, ihre Seiten im rechten Winkel mit der
Oberfläche. Augen massig. Nasengruben sehr erweitert, Nase platt,
Nasenlöcher nicht röhrig und nicht endständig. Gefässschwielen aus-
gedehnt." Schneidezähne geneigt, die mittlem im Oberkiefer sehr
breit, der letzte untere Backenzahn fünfhöckerig. Ich habe zu be-
merken, dass die Angabe point de queue dahin zu berichtigen ist,
dass der Schwanz nur ein ganz kurzer Stummel ist. Als einzige Art
führt Is. G. den Cynocephulus tiiger Desm. an, den ich an den
Schluss der kurzschwänzigen Makaken gestellt habe; eine eigene
Gattung für ihn halte ich nicht nöthig.
Für den Macacus Gelada Ilüpp. will Is. Geoffroy eine
eigne Gattung Theropithecus errichtet wissen (Archiv,
II. p. 576).
Er unterscheidet diesen Affen von den Pavianen daciurch, dass
die Nasenlöcher nicht ganz endständig und die Schneidezähne fast
senkrecht sind; Merkmale, die meines Bcdünkens nicht ausreichen
generisch von Cynocephalus zu scheiden.
Zur genauem Keinitniss des Cynocephalus Jiahuin hat
derselbe Zoolog einen schätzbaren Beitrag geliefert (a. a. O.
S. 579 tab. 6).
Naturgeschichte der Säugthiere -während des Jahres 1843 151
Buffons petit Papion gehört nach ihm nicht hieher, sondern
gleich dem grand Papion zu C. Sphinx. Ferner behauptet er, dass
sowohl Fr. als G. Cuvier fälschlich das Gesicht fleischfarben ange-
geben hätten, während es fast ganz schwarz sei. Den wahren Un-
terscheidungsfliarakter find.t er in den Haaren, die anstatt wie bei
C. Sphinx fein gelb und schwarz geringelt zu sein, durch sehr aus-
gedehnte, aber wenig zahlreiche Ringe gefärbt sind. Den C. Anubis
hält er für sehr zweifelhaft. Schliesslich macht er nnrh auf den
Umstand aufmerksam, dass in der Jugend die Paviane sehr schlank
und leicht sind, während sie im Alter untersetzt und schwerfällig
werden.
Verwandte Formen unterscheidet Ogilby (.Ann. of nat. bist.
XII. p. 446) unter dem Namen Cyv ocephalus Thoth und Cho-
rus, beide nach lebenden Exemplaren. Ersterer ist am Vordörthöli
länger behaart als hinten; die Farbe der Oberseite ist dunkel oliven-
grün und der Unterseite licht gelblicii-grün; Brust, Vorderhals, Kinn,
die untere Hälfte des Backenbartes silbergrau; Gesicht schmutzig
oliven-fleischfarbig; Gefässschwielen fleischfarbig, die nackten Hüften
jederseits derselben dunkel purpur- oder violet-braun ; Hodensack
braun. Scheide des Penis fleischfarbig. Durch graue Behaarung der
Finger, dunkle Farbe der Hüften und den braunen Hodensack will
er diesen C. Thoth von C. Anubis und Sphinx unterscheiden , bei
^^elchen die Schwielen prächtig blutroth und der Hodensack bloss
fleischfarbig ist. In Färbung soll er sich mehr dem C. Sphinx als
Anubis annähern, doch das schöne Gelblichgrün durch ein schmutzig
Braun und die schlanke Form von Sphinx durch eine massive er-
setzt sein. Ogilby hält diesen Thoth für identisch mit den beiden
von Rüppell aus Abyssinien mitgebrachten Exemplaren; im Katalog
hat letzterer sie als C. Anubis (der Babuin) bezeichnet. — Die an-
dere Art, C. Chorus, beruht auf einem halberwachsenen Männchen
von der Nigerexpedition, mit langen flatternden dunkel rostbraunen
Haaren, jedes Haar rostbraun nnd sch%^iirz geringelt, Gesicht, Augen-
kreis, Finger, Gesäss und Hodensack dunkelbraun, nur die obern
Äugenlicder fleischfarbig. Von C. Anubis durch die Färbung des
Pelzes, Mangel eines licht fleischfarbigen Kreises um die Augen und
das dunkelbraune Gesäss verschieden. Die Differenz in der vor-
stehenden Beschreibung zeigt sattsam, dass wir uns so bald noch
nicht an einzelnen Exemplaren in Sammlungen und Menagerien be-
friedigende Aufschlüsse über das Verhältniss des C. Babuin zu den
mit ihm verwandten Formen einholen werden, sondern dass diess
nur durch Beobachtungen in der Heimath dieser Thiere erwartet
werden darf. Ich bemerko nur, dass ich kürzlich in einer wandern-
den Menagerie Gelegenheit hatte ein Männchen und Weibchen zu
sehen, ganz so wie Is. G. seinen Babuin beschreibt, und dass ich
hiermit das von mir Schreb. Suppl. I. S. 157 beschriebene Exemplar
(das ich erst nach seinem Tode erhielt und dessen Gesichtsfarbe mir
L*
152 ^- Waener: Bericht über die Leistungen in der
als lichter im Leben angegeben wurde) für eine und dieselbe Art
betrachte.
Sitniae transatlanticae. Im ersten Hefte der Zoo-
logy of the voy. of Sulpliur hat Gray die Abbildungen von
Brachijteles frontatus , Pithecia Pogo?iias , leucocephnla (bloss
Kopf) und irrotata, ausserdem noch eine Notiz über Cehis
hypoleucos mitgetheilt.
Ich verweise hierüber auf meine Bemerkungen im vorigen Jahr-
gänge und füge noch bei, dass P. irrotata Gray nicht anders als
die P. hirsuta und sehr gut abgebildet ist. Ueber die Gattung Cebus
will ich hier nur vorläufig erinnern, dass ich durch Natterer's Mit-
theilungen über die geographischen Begrenzungen jetzt im Stande
bin, mehr Arten, als die früher angenommenen beiden, zu unterschei-
den, während ich über andere, wo mir solche Angaben fehlen, noch
eben so rathlos bin wie früher.
Von den Nachtaffen und Saimiris initerscheidet Is. Geof-
froy mehr Arten als bisher angenommen wurden (Instit.
1843. p. 178).
Jeder Gattung legt er 4 Arten bei, nämlich 1) Nycttpithecus
felinus Spix, 2) A^ lemurinus Is. G. aus Neugranada, 3) iV.
trivirgatus Hunib., 4) A^. vociferans Sp. Hinsichtlich des N.
felinus und trivirgatus kommt demnach Is. G. auf dasselbe Resultat,
das Ref im vorigen Jahre aussprach. Die 4 Arten von Saimiris
(Chrysothrix) sind: 1) S. sciu?-eus, 2) 5. notus Is. G-, 3) S. Iti-
nulatus von Humboldt entdeckt, und 4) S. entomophagus. In
der Zoologie zur Reise der Venus sollen die neuen Arten ausführlich
beschrieben werden; alsdann mehr hiervon.
Jacchus rufiventer wurde als neue Art der Seiden-
affen von J. E. Gray aufgestellt (Aiui. of nat. hi.'it. XII. p. 398).
„Schwarz, gesprenkelt durch die weissen Spitzen der Haare,
welche an den Weichen und Schenkeln häufiger sind; Brust, Innen-
seite der Beine, Unterleib und ein Fleck in der Mitte des Scheitels
kastanienbraun; Schwanz lang und schwarz; Ohren gross und unge-
pinselt. Von Mexiko. Ist allerdings von Hapale melanura sehr ab-
weichend und scheint eine eigne Art zu sein , die schon M'egen ihrer
Heimath merkwürdig ist.
Auf eine eigenthümliche Vertheilung der Arteria radialis, crura-
lis und Sacra media bei Lagothrix Hiimboldti machte v. Tschad i
in Müller's Archiv 1843. S. 471 aufmerksam.
FrosintH, Der hemur coronatus ist nunmehr von Gray
a. a. O. abgebildet und giebt sich als eigne Art zu erkennen.
P. Gervais hat im Dict. univ. d'hist. nat. 111. unter dem Artikel
Cheirogaleus den mit Ch. Milii nahe verwandten Lemur furcifer
Blainv. näher charakterisirt. Von Lesson's 4 Gattungen: Cebiigale,
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1843. 153
Myscebus, Gl/scchus und Myoxicehus sagt er: ils doivent etre consi-
deres comme noii aveiuis, puisqu' ils fönt tous double emploi.
Otolicnus Teng Hedenb. ist von S undevall (K. V.
Acad. Handl. 1842. p. 201) als neue Art aus dem Sennaar
erklärt worden.
„O. cinereus, subtus albus, cauda cinereo - nigricante; digiti
posteriore quaito longiore." Bei O. Moholi soll, wie S. angiebt,
der Schwanz kürzer, blass und besonders der 3te und 4te Finger der
Hinterhand gleich lang und den 5ten -wenig überragend sein. O. se-
negalis soll durch die oben, unten und am Schwänze falbliche Farbe,
so wie nach Smith durch Einfarbigkeit der Bauchhaare differiren.
Durch Dr. Pruver hat unsre Sammlung ebenfalls etliche Exemplare
aus dem Sennaar erhalten, die von den Hedenborgschen dadurch ab-
weichen, dass sie unten nur wenig Weiss, sondern mehr und ziem-
lich lebhaft Gelb haben; bei einem ist selbst der Rücken mit einem
leichten gelblichen Tone überflogen, der jedoch dem Schwänze immer
fehlt. Die Zehenlänge ist übrigens ganz so, wie sie S. angegeben.
Da demnach die Färbung an den Exemplaren aus Obernubien ver-
änderlich, die Zehenlänge an trocknen Exemplaren nicht immer ge-
nau zu entnehmen ist, so bleibe ich immer noch der Meinung, dass
zwischen O. Teng, Moholi und senegalensis kein spezifischer Unter-
schied besteht, zum wenigsten noch nicht evident nachgewiesen ist,
Fräser bemerkt (Ann. of nat. bist. XII. p. 437), dass sein Ex-
emplar von Galago auf Cape Coast (Westafrika) auf einem Tama-
rindenbaum geschossen Morden sei und dass sich gegen den Gipfel
sein Nest, aus losen Blättern errichtet, in der Gabel eines Astes ge-
funden habe. Die Augen waren gross und vorragend; die Bewegun-
gen des Thieres langsam.
C li 1 r o p t e 1* a.
Wrugivora, In der Zoology of the voyage of Sulphur
p. 28 hat J, E. Gray eine Synopsis der Gattungen gegeben,
die er seinem Tribus Pteropina zutheilt, wie folgt:
a) Schwingen von der Seite des Rückens; Kopf sehr
lang, zugespitzt; kein Schwanz: 1. Macroglossus, unte-
res Gelenk des Daumens gestreckt. Schwingen am Fussrücken, bis
zur Zehenwurzel.
b) Schwingen wiea; Kopf verlängert; Zeigefinger be-
krallt: 2. Pteropus, kein Schwanz, unteres Daumengelenk sehr
kurz. — 3. Epotuophorus Benn., kein Schwanz, Hals jederseits
mit Haarbüschel; unteres Dauniengelenk sehr lang, verbunden {E,
Whitit, E. gambiunus). — 4. Bleut her ura Gray, Schwanz kurz,
frei, in der Kerbe an der Mitte der schmalen Schenkelflughaut; un-
teres Daumengelenk — ?; Hals ohne Drüsen an den Seiten (E. hot-
tentotta). — 5. Xantharpyia Gray, Schwanz mit der Wurzel in
154 ^- Wagner: Bericht über die Leistungen in der
der Unterseite der Sehen kclflughaut eingeschlossen; Hals ohne Drü-
sen; unteres Daumengelenk ziemlich lang (Pteropus aniplexicaudatus
Geoffr.)
c) Schwingen wie a, Kopf kurz, geschwollen, Nasen-
löcher röhr ig, Backenzähne 4 — 5: 6. Cynopterus (Pachy-
soma) , Schwanz kurz, in die Schenkelflughaut eingeschlossen; unte-
res Daumongelenk verlängert. Schwingen fast bis zur Zehenwurzel
angeheftet. — 7. Megaera, kein Schwanz, unteres Daumengelenk
sehr kurz, Schwingen -wie bei 6.
d) Schwingen von der Mitte des Rückens, Kopf und
Nasenlöcher wie c, Zeigefinger bekrallt; 8. Harpyia.
e) Schwingen wie d, Kopf gestreckt, konisch; Zeige-
finger nicht bekrallt: 9. Cephalotes.
Kurz charakterisirt ist Pteropus argentatus Gray und Xanthar-
pyia amplexicaudata.
Isfiopfiora. Eine ähnliche Zusamnienstellimg der Gat-
tungen hat Gray (a.a.O. S. 15) von seinem Tribus Ph y Ho-
ste nii na gegeben, mit mehreren neuen Gattungen:
a) Ohren üb er der St ins e zu s am men s tossend; Stirn e
mit ziemlich tiefer Grube; Nasenblatt lanzett, aufrecht;
Schwanz verläntrert bis über die Schenkelflughaut.
Schwingen voni Knöchel; unteres Daumengelenk massig:
Indien und Afrika: 1. Rhino ponia.
b) Ohren gross, durch ein Q u e r b 1 a 1 1 über der S t i rn
vereinigt; Stirne einfach, convex; Nasenblatt wie a.
Kein Schwanz; Schenkelflughaut und Schwingen gross;
Schwingen vomFuss; unteres Daumengelenk verlängert:
2. Megaderma, Nasenlöcher einfach. Indien. — 3. Li via Gray,
Nasenlöcher jedes bedeckt durch eine häutige, klappenartige, läng-
liche Falte. Afrika.
c) O h r e n , ,S t i r n e um! N a s e n b 1 a 1 1 wie b ; Kinn mit tie-
fer, schmaler Grube. Südamerika: 4. Macrotus Gray, Schen-
kelflughaut gross, abgestutzt; Schwanz über die Haut verlängert,
Hayti.
d) Ohren getrennt, an den Kopfseiten; Stirne einfach,
CQnvcx; Nasenblatt lanzett, convex; Kinn vorn mit
schmaler, tiefer, dreieckiger Grube; Zunge und Gesicht
lang. Südamerika: 5. P hyllop hora Gray, Schcnkelflughaut gross,
abgestutzt; Schwanz kurz, eingeschlossen, Spitze oben. — 6. Glos-
sophaga, Schcnkelflughaut tief ausgeschnitten; kein Schwanz. —
7. Atioura Grhy , Schenkelflughaut sehr schmal; die Beine einsäu-
mend; kein Schwanz. — 8. Moiipphyllus , Schenkelflughaut deut-
lif:,fj, tipf aijsgeschnitten; Schwanz kurz, eingeschlossen, Spitze oben.
V ..e). Ohren, Stirne, Nascublatt wie d; Kinn vorn mit
b,:!r<|i|fcvr, dreieckiger, kahler Stelle; Zunge und Gesicht
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1843. |55
massig. Südamerika: 9. Macrophyllum Gray, Sclienkelfliighaut
gross, abgestutzt; Schwanz lang, eingeschlossen, bis zum Rande der
Haut reichend. Schwingen vom obern Theil des Fersengelenks. —
10. Vamp yr US Geoffr , Schenkelflughaut gross, abgestutzt, mit
drei divergirenden Linien; kein Schwanz; Gesicht ziemlich gestreckt.
Schwingen von der Zehenwurzel. — 11. Carollia Gray, Schenkel-
flughaut gross, abgestutzt; kein Schwanz; Gesicht kurz. Füsse frei
bis zum Hintertheil des Fersengelenks; Daumen lang, mit zwei glei-
ciien Gelenken; vordere Schwinghaut breit. — 12. Phyllost onia^
Schenkelflughaut gross, abgestutzt; Schwingen vom Fersengeleiike;
Schwanz massig, eingeschlossen, Spitze oben. — 13. Arctibeus,
Schenkclflughaut tief ausgeschnitten, Daumen mit kurzem und lan-
gem Gelenk; kein Schwanz; Schwingen fast an der Zehenwurzel an-
geheftet. — 14. Sturnira Gray, Schenkelflughaut sehr schmal,
saumartig; kein Schwanz; Daumen mit unterem kurzen und oberem
langen Gelenke.
f) Ohren, Stirnc und Kinn wie e; Nasenblatt kurz,
einfach oder zweispaltig, mit tiefer Grube dahinter;
Kopf massig. Südamerika: 15. Brachyphyllum Gray. Schen-
kelflughaut kurz, tief ausgeschnitten, zweistrahlig; Schwanz sehr kurz;
Nasenblatt eiförmig; hinten von einer tiefen Grube umgeben. — 16.
Stenoderma, weder Schenkelflughaut noch Schwanz; Nasenblatt
klein, vorn gekerbt; Daumen verlängert, dick, frei bis zur Wurzel;
Füsse frei (nach Waterhouse ohne ächte Backenzähne).
Gray bemerkt hierbei, dass er nicht wisse, wie Desmodus , Eti-
dostoma , D/'phy/lta von dieser Gattung sich unterscheide.
Als Arten aus dieser Gattung hat Gray besonders, aber unge-
bührlich kurz, charakterisirt: P /lyllop/iora megalotis (tab. 5,
fig. 2) und nigra (tab. 5, fig. 1), Monophy litis Leachii, Phyl-
lostoma hastatum und elongatum Gray (tab. 8, fig. 2), Ca-
rollia verrucata Gray (tab. 8, fig 3), Sturnira spectrum
(tab. 6, fig. 1). — Ein Macrotus Waterhousii findet sich von ihm
in den Ann. of nat. bist. XUI. p. 69.
Von Phyllo Stoma habe ich in unserem Archive S. 365 die
Diagnosen von 7 neuen Arten aus Brasilien aufgestellt.
Gyninorhinn» Auch über seine Tribiis Noctilio-
niiia hat J. E. Gray eine Zusannuenstellung der Gattungen
mitgetheilt:
a) Schwanz kurz, mit der Spitze auf der Oberseite
der grossen Schenkelflughaut; Ohren seitlich, getrennt.
«) Kopf konisch, Stirne flach, Lippen einfach: 1. Mosia Gray,
Nase einfach, abgestutzt; Lippen ziemlich geschwollen, Nasenlöcher
2 • 2
einfach, Schenkelflughaut abgestutzt, Schneidezähne —^- — 2. My.
stacina. Gray, Nase ziemlich vorgestreckt, an der Basis mit einer
156 '^- Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Reihe kurzer, steifer Borsten umgeben, Schenkelflughaut abgestutzt;
Schneidezähne f , obere gross. — 3. Aello, Kopf etwas konisch,
Schenkelflughaut gross, abgestutzt, Schwanz verlängei-t, mit einem
Bande von der Spitze, Schneidezähne f (bedarf neuer Prüfung). —
4. Emballonura, Nase ziemlich vorgestreckt, Nasenlöcher röhren-
2 • 2
förmig, Schenkelflughaut abgestutzt, Schneidezähne •— tt-. — 5. Ceti-
trony cteris Gray, Nase und Nasenlöcher wie 4, Schenkelflughaut
abgestutzt. Sporen sehr stark. — 6. Urocryptus , Nase
und Nasenlöcher wie 4, Schenkelflughaut abgestutzt, Schneidezähne
— — — — 7. Diclidurus. /?) Kopf und Lippen wie «, Stirne mit
tiefer Grube: 8. Tap ho%ous. — — y) Kopf konisch, Stirne ein-
fach, Lippen gross, hängend, warzig: 9. Noctilio — — S) Kopf
konisch, Nase und Kinn mit Hautfalten verziert: 10. Phyllodia
Gray, Nase abgestutzt, Rand scharf, oben mit fleischigem, blattähn-
lichen Fortsatz; Nasenlöcher unten. Kinn am Vorderrande mit querer
Hautfalte; Ohren seitlich. Schenkelflughaut abgestutzt, Schwanz kurz,
Füsse frei (F. Pariiellii i&ma\\L&). — IL Chiloiiyct eris , Nase ab-
gestutzt, oberer Kand gefranzt, Nasenlöcher unten; Kinn mit zwei
queren Hautfalten am Vorderrande. Ohren seitlich, schmal, spitz,
am Aussenrande mit einer Kerbe. Schenkelflughaut gross, abgestutzt,
Schwanz lang. — 12. Mormoops, Nase und Kinn mit complizirten
Hautfalten verziert; Ohren gross, breit, fast vereinigt. Schenkelflug-
haut gross, abgestutzt, Füsse frei.
b) Schwanz über das Ende der konisch vorgestreck-
ten Schenkelflughaut vorragend; Schwingen nur an
einer schmalen Linie längs des Rückens befestigt: 13.
Pteroiiotus Gray, Ohren seitlich, Kinn mit zwei queren Hautfal-
ten (P, Davyi, Trinidad).
c) Schwanz dick, verlängert, über das Ende der quer-
gefalteten Schenkelflughaut hinausragend: 14. Myopte-
ris? Geoffr. , Ohren getrennt an den Seiten, gross; Schnautze kurz,
stumpf, Schneidezähne |. — 15. Chirofueles, Ohren wie 14, Schnautze
schief abgestutzt; Schneidezähne ^ — 10. Nyctinomus, Ohren
gross, zusammenstossend, an der Stirne a1)wärts gefaltet; Schnautze
schief abgestutzt; Lippen gross, quer ausgehöhlt. — 17. Molossus ,
Ohren wie 16, Schnautze gerundet; Lippen goschwollen, glatt oder
behaart.
d)? Kein Schwanz, Schenkelflughaut deutlich, tief
eingeschnitten, Kopf gerundet; Gesicht durch knorpe-
lige Falten entstellt. Schwingen breit. (Vielleicht zu Phyl-
lostomina?): 18 Ceiiturio Gray.
Alsdann folgt die Beschreibung von Mosia nigrescens (tab. 6,
fig. 2 — 2A und 2B), Diclidurus Freyreissi und albus (tab. 8,
fig. 1 und lA), Ce7iturio senex (tab. 7), der wahrscheinlich nicht
Naturgeschuhto der Säiigtliiere ^^äIlrelul des Jahres 1843. 157
von Amboina, sondern von Brasilien sein wird. Myst acina tu-
ber culnt n hat Gray im Appendix zu Dieffenl)ach's Travels cha-
rakterisirt.
Von Chi lo7iy et eris habe ich (im Archive S. 367) drei und von
Emballonur a zwei neue Arten durch Diagnosen festgestellt; eben-
so 7 Arten von Dysopes.
Dysopes Midas Hedenb. ist eine von Sundevall (a. a. O.
S. 207 tab. 2, fig. 7) beschriebene neue Art aus dem Sennaar, mit
der Diagnose: „supra nigrofuscus, subtus grisescens; membrana ad
latera dorsi, ventre infimo artubusque nudis." Kotschy hat die näm-
liche Art im Sennaar gefunden.
Beschreibung einer zur Gattung Tliyroptera gehörigen
Fledermaus von H. Rasch (Nyt Maga/,. for Naturvidensk.
IV. Heft 1).
Ref. hat im Archive 1843 S. 261 diese Beschreibung im Auszuge
übersetzt und mit Bemerkungen begleitet.
Ueber die Verbreitung und Wanderung von Vesperugo Nilssonü
hat Blasius in seiner Reise im europ. Russland S. 264 interessante
Bemerkungen mitgetheilt. — Gray stellte in den Ann. of nat. bist. XI
p. 117 eine Kerivoula brasiliensis auf: „schwärzlich, Haare
mit bräunlichen Spitzen, unten merklich blasser; Ohren gross, spitz,
rückwärts gebogen."
IiBsectivora.
Eine vortreffliche Monograpliie der Gattung Sorex hat
Sundevall in den K. Vet. Acad. Hand). 1842 p. 174 publi-
zirt und sie zugleich mit 3 neuen Arten vernieiirt.
Die neuen Arten sind: 1) Sorex {Crocidurd) Hedenborgi
Sund., „totus rufescenti - niger, magnus." Aus dem Sennaar. Von
ebenda hat Kotschy diese ausgezeichnete Art an das Wiener Museum
geschickt, wornach ich die Abbildung im Schreber'schen Werke fer-
tigen liess. — 2) Sorex fulvaster Sund., „pallide griseo-fulve-
scens, subtus cinereo-albus; dentibus intermediis supra 3, secundo
tertioque aequalibus; cauda longit. \ corporis." — 3) Sorex (Cro-
cidura) sericetis Hed., saturate cinereus nitidus, supra rufescente
fuscus; dentibus intermediis supra 3, secundo tertioque aequalibus:
cauda ultra ^ corporis. Dieselbe Art hat Kotschy in Kordofan
gefunden.
Mit Hinweisung auf meine Monographie im Schreber'schen Werke
füge ich noch etliche Bemerkungen bei. Sorex crassicaudus Licht,
Ä. indicus Auct. (wenigstens zum Theil),^. crassicaudus Duv. , S.
gigmiteus Du\. und S. sacer Ehr. halte ich nur für eine Art. Lich-
^ tenstein's Original -Exemplar von S. crassicaudus habe ich mit den
unseren verglichen und völlige üebereinstimmung im Gebisse gefun-
den; in der Färbung ist ein leichter rostbräunlicher Anflug auf dem
158
A. Wagner: Bericht über ilio Leistmigen in der
lUickcn und besonders dem Kopfe deutlicher als an unsern Exem-
plaren während er an miserm S. indirus noch merklicher hervor-
tritt In der Färbung kommt S. crassicaudus Duv. mehr mit den
hiesigen Exemplaren iiberein; wenn Duvernoy ihm nur 3 Lucken
Zähne beilegt, so wird der 4te kleine wohl nur ausgefallen sem-
Das Wandelbare dieses Zahnes zeigen Duvernoy's Angaben von sei-
nem S. giganteus. . ^ .
VoiiSorex et ruscus hat Selys Longch amps em Exemplar aus
dem südlichen Frankreich von den Ufern der Durance erhalten (Rev.
Zool. p. 131). — Von Fernando Po erhielt Fräser (Ann, of nat. hist.
XII p. 436) eine neue Art: S. (Crocidura) poensJs, „obscure fu-
scus, corpore subtus cinereo, pedibus nigrescentibus; auribus parvu-
lis d'istinctis; cauda corpore breviore pilis obscuris adpressis et
setis longioribus adspersis." Körper 3" 3'", Schwanz 1" 10".
Eine neue Gattung Otisorex hat De Kay aufgestellt
(Natural History of New York I. p. 22).
Ihre Merkmale sind: „Ohren gross und aus dem Pelze vorragend,
Nase verlängert, Schwanz vierkantig, Zähne 32." Ist keine eigne
Gattung oder Untergattung, sondern da 5 obere Lückenzähne vorhan-
den die untern Schneidezähne gezackt, die Zahnspitzen gefärbt und
der'schwanz ohne lange Haare ist, so gehört sie zur Untergattung
Sorex Wagl. (Amphisorex Duv.).
Die dazu gehörige Art nennt De Kay O. plutyrrhlnns, dun-
kelgrau, mit trübem Roth überlaufen, unten aschgrau; Körper 2,5",
Schwanz 1,6". New York.
Zwei Exemplare von Gymnura aus Borneo unterscheiden sich
von G. Raffltsii dadurch, dass ihr Pelz, anstatt schwarz zu sein, mit
eingemengten längern weissen Haaren, ganz gelblichweiss ist; nur
einige der längern Haare sind schwarz. Sonst gleichen sich die
Exemplare von Borneo und Sumatra so vollkommen, dass Water-
house sich nicht für berechtigt ansieht, sie spezifisch zu scheiden
(Ann. of nat. hist. XI. p. 529). ^ , . , o^ «
Hylomys sniUus wurde in den Nederl. Verhandel. tab. 25, fig.
4-7 (Schädel) 26 (Tliier) abgebildet; cbendascUist tab. 26, fig. 2 — 5
Hylogalea tana, ferru-/nea, javamca und murina, ferner von diesen
tab. 27 Schädel und Füsse.
Carnivora.
Im Dict. univ. d'hist. nat. III. p. 177 hat 1 s. Geoffroy
allgen.eino Betrachtungen über die Carnivoren angestellt.
Uebcr den Grundtypus, der dem Zahnsysteme der Fleischfresser
untergelegt ist, hätte der Verf. weit conciser und schärfer sich aus-
sprocUen können, wenn er Wicgmann's klassische Arbeit hierüber
benutzt hätte. Die Widerlegung der Meinung, als ob die bicisch-
fresscr in einer fortlaufenden Reihe systematisch angeordnet werden
Nattirgesrhiclite der SäugHiiero während des Jahres 1843. 159
könnten, halte ich für ganz überflüssig, da Mohl kein Zoolog mehr
in der gegenwärtigen Zeit eine solche Ansicht hegen kann, indem es
hier, M:ie in jeder andern Ordnung, auf- nnd absteigende Formen giebt,
die nach sehr verschiedenen Seiten hin uiknüpfungspunkte darbieten,
öfters so viele, dass auch eine mehrreihige Anordnung sie nicht
vollständig darlegen kann.
WTrsina. Burmeister will in der Halleschen Literatur-
Zeitung 1843. S. 514 die oumivoren Raubthiere dadurch cha-
rakterisirt wissen, dass ihnen der Reiss/ahn ganz fehlt und
dass deshalb der erste Mahlzahn auch nicht eijunal seiner
Stellung nach als Repräsentant desselben angesehen werden
dürfe.
Ich bin hiermit nicht einverstanden, denn wiewohl der Reisszahn
der Omnivoren seiner Form nach nicht von den Mahlzähnen erheb-
lich verschieden ist, so findet doch von den Viverrinen aus durch
Paradoxurus ein so entschiedener Uebergang im Zahnsysteme zu den
Omnivoren durch Arctictis statt, dass man, um wissenschaftlich die
Einheit des Grundplanes in der Anordnung des Zahnbaues festzuhal-
ten, sich nach einem Repräsentanten des Reisszahnes auch bei den
Omnivoren umsehen muss. Hierzu kommt nun noch, dass im Milch-
gebiss von Procyon der obere Reisszahn ganz nach dem Tj^ius der
eigentlichen Carnivoren gebaut, hier also auch der Form nach seine
Deutung nicht zu verfehlen ist.
An die interessanten Beobachtungen über die Setzzeit und Ab-
änderungen unserer Bären von St. K. v. Siemuszowa-Pietruski
in unserem Archive S. 369 brauche ich nur zu erinnern.
Nach Erlangung neuer Materialien glaubt Lund, dass die fossi-
len Ueberreste, auf welche er seinen Ursus brasiliensis gründete,
eher Verwandtschaft mit dem Cuati zeigen und schlägt für sie jetzt
den Namen Nasua ursina vor (Archiv S. 356).
Von Procyon Fsora hat Gray eine Abbildung gegeben (Sulphur
p. 32. tab. 11 u. 17. Fig. 1-3).
JBEustelina, Gray hat 3 neue Arten von Mustela in
den Ann. of nat. bist. XI. p. 118 charakterisirt.
1) Mustela Horsfieldii, einförmig dunkel schwärzlichbraun,
unten sehr Avenig blasser; Mitte des Kinns und Unterlippe weiss,
Schnurren schwarz; Schwanz dünner, schwärzer, halb so lang als der
ganze Körper. Var.? Vorderhals mit grossem weissen Fleck, Kinn
ganz weiss. Von Butan in Indien. — 2) M. Hodgsoni; Pelz gelb-
lichbraun, unten merklich blasser; Obertheil und Kopfseiten viel
dunkler; Gesicht, Lippen, Kinn und Vorderhals mit Weiss gescheckt;
Schwanz verlängert, ziemlich buschig, mehr als der halbe Körper
lang. Var. viel dunkler, das Weisse bis zwischen die Augen ausge-
dehnt. Vom Himalaya. — 3) M. xanthoß enys, hell ka.stanienbraun,
unten goldgelb; Kinn, kleiner Fleck über dem Mundwinkel und Füsse
IßO ^' Wagner: Bericht über die Leistungen in der
woiss-, ein gelbliclnveissor Fleck unterm Ohre; ein Fleck hinter dem
Mundwinkel gegen den Hals kastanienbraun; Schwanzende schwarz.
Von Kalifornien, merklich grösser als M. erminea, im Sulphur tab. 9
zugleich mit dem Kopf von M. frenata abgebildet M, brasiliensis
Sewast. könnte zur nämlichen Art gehören, Seba's M. javanica viel-
leicht ein Junges davon sein.
All Wieseln unterscheidet De Kay (Nat. bist, of New
York I. p. 34) 3 Arten:
Zwei von ihnen, Mustela pusilln und fusca, stellt er dem Gebisse
nach zu den eigentlichen Mardern, die 3te, Ptttorins noveboracensts,
zu den Iltissen. Die Diagnose von Mustela pusilla lautet: Farbe
die nämliche wie die von P. noveboracensis im Sommerkleid, aber
kleiner, nicht ändernd; Schwanz \ der ganzen Länge. Länge 12—13
Zoll." Schwanz an der Spitze um einen Ton dunkler; Zähne in ty-
pischer Anzahl. Nicht selten, wahrscheinlich mit Richardson's M.
vulgaris, aber nicht mit der europäischen einerlei. — Von M. fusca
Bachm. sagt er: „oben braun, unten rein weiss; Schwanz | der
ganzen Länge; Fiisse mit langen Haaren. Länge 12 Zoll." — Pu-
torins noveboracensis ist die von andern amerikanischen Zoo-
logen als M. erminea beschriebene Art; unterscheidende Charaktere
von unserem Hermelin sind nicht angegeben.
Sundevall macht in den K, V. Acad. Handl. 1842
p. 215 darauf aufmerksam, dass die aus Kairo eingesandten
Exemplare der Mustela sulpalmata ganz mit der von Bona-
parte gegebenen Beschreibung der M. Boccamela iiberein-
konnnen.
,,An Grösse und Färbung sind sie nicht vom Hermelin verschie-
den, ausser in dem kürzern, ganz dem Rücken gleichfarbigen Schwanz,
der nicht einmal an der Spitze schwarze Haare hat. Die Zehen sind
in derselben Weise wie bei allen Mustelen durch eine Haut vereinigt.
Körper 10 Zoll, Schwanz 3^, mit Haaren 4 Zoll". — Nach Ansicht
zweier, im Wiener Museum aufgestellten Exemplare, ebenfalls aus
Aegypten, habe ich von dieser Art folgende Notiz aufgezeichnet:
„sehr kenntlich durch die grosse behaarte Spannhaut zwischen den
gleichfalls stark behaarten Zehen. Färbung ähnlich der des kleinen
Wiesels, aber das Thier so gross als der Hermelin. Farbe schön
licht rostfalb; Unterkiefer (mit Ausnahme einiger falben Flecke),
ganzer Vorderhals und Brust weiss, was hinter den Vorderbeinen in
einem sclimalen Streif längs des Bauches verläuft, worauf jedoch
falbe Haare eingemengt sind. Schwanz der Aussenseite gleichfarbig,
am Ende dunkler rostroth. Körper 1Ü| Zoll, Schwanz mit Haaren
fast 5 Zoll." Ist wohl identisch mit M. africana Desm.
Die vom Ref. anfgestellto Art: R/iabdogale multicittata
hat durch Sundevall verlässige Bestätigung erhalten.
Naturgeschichte der Säugthiero wahrend des Jahres 1843. iQ]
Er nennt sie a. a. O. S. 212 Ict onyx frenat a mit der Defini-
tion: „lineis dorsi nigris antice confiisis; fascia frontali, caput am-
biente labiisque albis; cauda breviore." Körper 8j Zoll, Schwanz
3t Zoll. Auf Tab. 4 Fig. 1 hat S, diese Art abgebildet; ich habe von
ihr im Schreb. Werke eine .Abbildung publizirt.
Die Ottern tlieilt Gray (Ann. of nat. hist. XI. p, HS)
folgenderniassen ab:
a) Hinter- und Vorderfüsse an Grösse ähnlich; Schwanz sich
verdünnend, spitz, verlängert.
1) Lontra. Muffel behaart, Sohlen der Hinterfiisse halb nackt;
Krallen deutlich. L. canademis (??), L. braüUensis. — 2. Ltttra,
Muffel kahl, oblong, quer; Krallen deutlich. Sohlen halbnackt. L.
vulgaris, indica und chinensis. — 3. Aonyx, Muffel und Sohlen
wie 2, Krallen rudimentär. A, Horsfieldü, aurolrunnea, indlgitata
und Lalandii. — 4. Latax, Muffel kahl, gross, oblong, dreieckig,
oben winkelig; Krallen deutlich, Sohlen behaart. L. lataxina.
i) Hinterfiisse gross.
5. Ellhydra und 6. Pterontira.
Eine neue urweltliche Art hat von Pomel den Namen Lntra
Bravardt erha,U('u\ sie stammt aus den vulkanischen Alluvionen der
Auvergne (Instit. 1843 p 14ü).
Viverrltiti. Scliädel und Gebiss von Prmiodgn graci-
lis {Viverra s. Linsang gracilis) ist genau von Waterhou.se
beschrieben worden (Ann. of nat. hist. XI, p. 529).
Der Schädel hat mehr Aehnlichkeit mit Paradoxurus als mit
Viverra, das Gebiss kommt am meisten mit dem der Genetten über-
ein, nur fehlt, wie schon Horsfield angegeben hat, der letzte Backen-
zahn des Überkiefers, so dass die Zahnformel lautet: \ Lückenzähne,
I Eckzähne, | Backenzähne.
Fossile Arten aus den Gattungen Viverra und Herpestes zählt
Laurillard 4 auf (Dict. univ. d'hist. nat. III. p. 727).
Burmeister (Hallesche Literaturzeitung 1843 S. 522) findet es
auffallend, dass ich Geoffroy's Ichneumia nlbescens zu Herpestes leuc-
'irui gezogen habe, „da sie doch der Abbildung nach zu Cynictis
penicUlata gehört." Hätte B. sich nicht mit einem Blick auf die Ab-
bildung begnügt, sondern meine Beschreibung von H. kncurus und
Ichneumia albescens (namentlich auch im Zahnbaue) mit einander
verglichen, so würde er erstlich sich überzeugt haben, dass beide
eine Art ausmachen, dann aber auch hätte er bei mir auf S. 303
folgende Anmerkung lesen können: „Is. Geoffroy's Angabe der Fär-
bung (von /. albescens) passt ganz auf H. leucurus; dagegen muss
das Kolorit seiner Abbildung von einer völlig verschiedenen Art,
wahrscheinlich von H. {Cynictis) penicillatus, genommen sein."
Canina. Eine Monographie der Hunde hat Boitard
im Dict. univ. d'hist. nat. III. p. 536 geliefert.
j()2 A. Waenor. Bericht über die Leistiuigon in der
Eine canz oberflärlilicho Compilation, ohne Kenntniss der neue-
ren ausländischen Leistungen; von meiner Fortsetzung des Schreber-
schen Werkes ist ihm gleich andern seiner Landsleute noch keine
Notiz zugekommen.
Histoire du Chien chez tous les peuples du monde, d'apres
la Bible, les Peres de Teglise, le Koran, Homere, Aristote,
Xenophon, Herodote, Phitarque, Pausanias, Pline, Horace,
Virgile, Ovide, Jean Cajus, Pauliini, Gesner etc., par Elzear
Blaze. Paris. 1843. 458 S. 8.
Der Verfasser, der sich Auteur du Chasscur au chien d'arret,
du Chasseur au chien courant etc. nennt, versichert, dass dieses
Buch die Frucht zwanzigjähriger Arbeit sei. Für seinen Gegenstand
ist er leidenschaftlich eingenommen und setzt seine Vorzüge noch
über die der Menschen. Die verschiedenen Beziehungen des Hundes
zum Menschen und alle seine Eigenschaften werden umständlich er-
örtert und mit einer Menge Anekdoten ausgestattet, so dass die
Hundeliebhaber an diesem Buche ihre Freude haben Merden.
Lund hat eine Uebersicht der brasilischen Arten ans der
Familie der Hunde entuorfeii.
Als in unserem Archive (1843 S. 353) von mir mitgetheilt, brauche
ich nur daran zu erinnern, dass er 5 lebende und 7 ausgestorbene
Arten unterscheidet. Unter letzteren bildet er die Gattungen Pa-
laeocyon, Speotlios und Abat hmudon. Unter den lebenden
Arten stellt er als neu auf den Icticyon (früher von ihm Cynogale
benannt) venat icus , den Uebergang zu den Mardern bildend, denen
ihn Lund früherhin zuzählte. Man muss die ausführliche Abhandlung
abwarten, um hierüber sich ein eignes Urtheil bilden zu können.
Ueber den Schädel und Zahnbau des Catn's jubatus, so wie über
die unter dem Namen Coii/'s Jzarae mit einander confundirten Arten
habe ich im Archive 8. 356 eine Mitthoilung gemacht. Letztere sind
der C. melampus Wagn., 6'. vetiihis Lund, (C Azarae Neuw.)
und C. ?/ielaiiostofnus Mus. Vindob.
Der Can?'s virginicmus Gm. et Harl. (Grey Fox Catesb.)
scheint niui <loch wieder restituirt worden zu müssen.
De Kay giebt von ihm in der Nat. bist, of New York I. p. 45
folgende Be.'chreil)ung: Kleiner als C. fulvus, im Allgemeinen silber-
grau, was vom Widerriste an bis zum Hintertheile dunkler wird;
die Haare sind an der Wurzel bleifarben, dann schmutzig weiss, all-
mählig weiss werdend, und die Spitze schwarz. Kopf grau; Ohren
innen gelblich, um die Wurzel röthlich gefärbt; Spitze dunkelbraun,
gelblich hinterwärts; zwischen Auge und Nase jedcrseits ein dunkler
Fleck. Schnautze sciiwarz, oben jederseits auf eine kloine Strecke
gelblich; Ilalsseitcn falblich (tawny), Unterkiefer schwarz. Brust
mitunter weiss gefleckt; Unterseite hellfarbig, Schwanz von der Farbe
Naturgeschichte dor Saiigthioro während des Jahres 1843. Iß3
des Körpers, uiiton schwach mit Roth überlaufen, an der Spitze mit-
unter dunkler. Körper 18—25 Zoll, Schwanz mit Haaren 9— 12 Zoll.
Häufiger in den südlichen als nördlichen Grafschaften , sehr häufig
auf Long Island, geht nicht weit über den 42" n. Br. und seine süd-
liche Grenze reicht bis nach Florida.
Den Canis ochropus (Cojote) hat Gray in der Reise des Sul-
phur p. 32 tab. 10 abbilden lassen. Beschreibung und Maasse fehlen.
Gray sagt nur, dass an diesem Exemplar Ohren und Gesicht be-
trächtlich länger und die Färbung dunkler ist als an einem Exem-
plare des Prairien-Wolfes.
Von C. Lupaster und Anthus macht Sundevall, wie ich schon
früher, die Bemerkung, dass sie von C. aureus kaum differiren (K.
V. Acad. Handl. 1842 p. 210.
Vulpes flavescens aus Perslen ist als neue Art von Gray Ann.
of nat. bist. XI. p. 118 aufgestellt: „blass gelblich, Rücken merklich
dunkler; Gesicht und Aussenseite der Vorderbeine und Schwanzwur-
zel blass falb; ein Fleck vor den Augen, Kinn, Vordertheil der Vor-
derglieder, ein runder Fleck am Obertheil des Hinterfusses und die
Spitzen der Schwanzhaare schwärzlich; Ohren aussen schwarz;
Schwanzende weiss." Wodurch sich dieser Fuchs von den lichten
Abänderungen des unsrigen unterscheidet, ist nicht gesagt.
Fossile üeberreste eines Hundes aus den Alluvioncn der Auvergne
sind von Pomel als Cavis megmnastoides beschrieben worden (In-
stit. 1843 p. 60).
lEyaenina» Luiid hat jetzt .seine frühere Angabe des
Vorkommens einer urweltlichen Hyäne in den Höhlen ßrasi-
Jiens berichtigt (Det K. Danske Vidensk. Sel.skabs naturvidensk.
og niatheniat. Afliandl. IX. 1842. p. 121).
Er hatte zuerst nur die Vorderzähne gekannt, die er mit denen
der Hyäne übereinstimmend fand. Später entdeckte er Eckzähne,
die ganz anderer Bildung sind, nämlich sehr zusammengedrückt, vor-
mid rückwärts mit schneidendem Rande und sehr wenig gekrümmt.
Unter den lebenden Thieren zeigen nur die Eckzähne des Cuatis
hiermit Verwandtschaft, aber die des ausgestorbenen Thieres über-
treffen Alles an Grösse, was man von dieser Art von Zähneu kennt.
Ein Sprungbein hält in seiner Form das Mittel zwischen dem der
Katze und des Bären; etliche Mittelhandknochen zeigen im Detail
ihres Baues auffallende Aehnlichkeit mit denen der Katze, während
sie an Plumpheit nur mit denen des Bären verglichen werden kön-
nen, ferner einige Phalangen, ganz wie die des Bären und daher frü-
her von Lund diesem zugewiesen. An Grösse muss sich dieses
merkwürdige Raubthier mit den grössten Arten der Katzen und Bä-
ren gemessen haben. Luiid legt ihm jetzt den Nam.en Smilodon
bei. Ueber die systematische Stellung sagt er nichts; die Eckzähne
erinnern aber an Felis (Stenodon s. Ursus) cultridens.
164 ^' Wagner: BerioTit übor die Leistungen in der
Welinn* Ueber die von Boitard im Dict. univ. d'hist. nat.
111. p. 406 bearbeitete Monographie der Gattung Felis kann Ref. kein
anderes als das schon bei Canis gefällte ürtheil aussprechen. Die
fossilen Arten hat, wie gewöhnlich, Laurillard kurz angeführt.
Werthvolle Beiträge zur genauem Kenntniss der Katzen
hat Is. Geoffroy in Jacquemont's voyage dans Finde. 46
und 47 livrais. 1843. Mammif. p. 34 geliefert.
Er nimmt 4 Gattungen an: 1) Cynaihirtis, Krallen nicht zurück-
ziehbar. 2) Felis, Krallen wie beim Tiger, aber die Pupille bei
Licht schmal zusammengezogen. Die Gaumenbeine zeigen nicht, wie
bei diesem, hinter den Backenzähnen die sehr ausgebreitete und con-
stante Verlängerung. Die Schneidezähne sind in gerade Linie ge-
stellt und die äussern wenig entwickelt. Die Eckzähne sind innen
mehr oder weniger abgeplattet und niemals, zumal im Oberkiefer,
dick und konisch wüe bei den Tigern. 3) Lynx, Ohren verlängert,
schmal und mit Pinsel; Schwanz sehr kurz, oben nur 3 Backenzähne,
indem der erste Lückenzahn fehlt. (Es bemerkt jedoch Is. G. selbst,
dass er ursprünglich vorhanden ist, aber zeitig ausfällt) auch gesteht
er zu, dass sowohl die vom Zahnbau als von der äussern Beschaf-
fenheit hergenommenen Merkmale für diese Gattung nur von gerin-
ger Bedeutung wären, d. h. mit andern Worten, dass sie als Gattung
nicht haltbar ist, was auch von den 3 andern gilt. 4) Tigris, Kral-
len zurückzielibar, Pupille rund, oben 4 Backenzähne. Hieher Felis
Jard., Leo Leach und Puma Jard.
Is. Geoffroy weist p. 45 nach, dass Güldenstädts Felis Cliaits
identisch ist mit den von seinem Vater und Fr. Cuvier beschriebenen
ägyptischen, und dass die Schwanzlänge zu der des Körpers bei allen
dieselben Verhältnisse zeigt.
Felis caligata Temni. und F. caffra Desni. trennt Is.
Geoffroy p. 49 als 2 verschiedene .Arten.
Mit Unrecht, sagt er, zählt Temminck hieher den Lynx botte
von Bruce und die F. caffra von Desmarest; übrigens könne seine
Beschreibung, die kaum einige von letzterer entlehnte Elemente ent-
halte, als eine gute Beschreibung der F. caligata angesehen werden,
welche man bisher lediglich in Indien gefunden habe. Von F. Chaus
unterscheidet er diese F. caligata hauptsächlich durch Färbung der
Ohren und des Schwanzes. Bei F. Chaus nämlich ist zwar auch ein
Theil der Ohren röthlichbraun, aber bei F. caligata ist die ganze
Aussenseite roth, mit Ausnahme der kurzen schwarzen gepinselten
Endspitze. Ferner ist der Schwanz bei dieser länger, mit 3—4 Rin-
gen, wovon die beiden letzten vollständig sind; F. Chaus hat 2 Ringe.
F. caffra unterscheidet Is. G. von F. caligata dadurch: 1) nicht
blos die Hinterseite der Füsse, sondern auch zum Theil des Unter-
schenkels und ein Theil der Aussenseite des Vorderarms ist schwarz
(bei F. caligata ist die Unterseite der Füsse bloss schwärzlich).
Natiugescliichte der Siiiigdiii-ro walireml des Jahres 1813. j()5
Die Aussenseite der IJeine hat mehrere schwarze Querstreifen. 3) Die
Ohren sind rothbraun, mehr oder weniger kastanienbraun, oben ins
Schwarze übergehend ; die schwarzen Haare schwach über den Rand
vorstehend. 4) Der Schwanz ist in der obern Hälfte unten röthlich,
an den Seiten grau, aussen schwärzlich mit Spuren von Ringen. Die
untere Hälfte ist schwarz und weiss geringelt, mit 3 schwarzen Rin-
gen und schwarzer Spitze. 5) Der Schwanz ist viel länger als bei
den beiden andern Arten; hier 22 Wirbel, bei F. caligata nur l'l
Bios in Südafrika.
Derselbe unterscheidet ferner S. 56 eine Felis lihycd Vw
Cuv. von F. nianicnlata.
Während er nämlich bei 2 Exemplaren aus dem Sennaar, die er
der F. maniculata zuschreibt, die Stichelhaare kurz und die Woll-
haare selten findet, ist dagegen der Pelz der F. libyca sehr reichlich,
dicht, mariiig und merkwürdig durch die Menge uud Länge der Woll-
haare. Von letzterer kennt er 3 Exemplare: eins aus Tanger, das
andere aus Oran und ein drittes wahrscheinlich aus Abyssinien. Die
beiden Exemplare der hiesigen Sammlung, welche aus dem oberen
Nubien herstammen, würden nach diesen Angaben eher zu F. libyca
als maniculata gehören; ich glaube jedoch, dass hier eine spezifische
Verschiedenheit nicht besteht, sondern jene den Winter-, diese den
Sommerpelz trägt.
Eine neue Art bezeichnet Is. Geoffroy S. 59 nach einem
Exemplare als Felis Jacqtten)ontii.
Von Kursali im Himalaya, wohl nicht weniger als 2600 Meter
überm Meere. Anfangs von ihm nur für eine Varietät von F. cali-
gata angeschen, mit etwas längerem Pelze. Am ausgezeichnetsten
sind die Ohren, deren .Aussenseite bis zur Spitze, an der allein einige
schwarze Haare sich zeigen, lebhaft roth ist; das schwarze Dreieck,
welches bei F. Chaus und caligata an der Ohrspitze sich zeigt, fehlt
hier. RÖthlichfalb sind die Seiten des Kopfs und Rumpfs, Unterleib,
Innenseite der Beine, die Tarsen sowohl vorn als hinten und die
Unterseite der Schwanzwurzel. Schwanz am Ende schwarz, durch
einen weissen Ring von einem schwarzen, der zwar breit, aber
schlecht umgrenzt ist, getrennt. Körper 0,6 Meter, Schwanz über 0,2,
doch nicht vollständig.
An einem jungen Exemplare von Lyncliiis erythrotus Hodgs.
getraut Is. G. nicht mit Sicherheit zu bestimmen, ob er mit F. cali-
gata identisch ist oder nicht.
Nach einem von Sierra Leone eebrachteji Felle ohne
Kopf und Fiisse bestimmte Waterhouse eine neue Art:
Felis rutila (Ann. of nat. bist. XII. p. 58):
„F. pilis brevibus adpressis; corpore supra ferrugineo, ad latera
indistincte maculato, maculis parvulis, subtus albido maculis rufo-
nigricantibus ornato; cauda brevi, Immaculata, supra obscure rufa,
Arrlilv f. Naliirgcsrliirhte. X. Jahrg. 2. Bd. M
|(jß A. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
subtus pallidiore." Körper ohngofähr 36", Schwanz 10". Nähert
sich durch Kürze des Schwanzes und einförmige Färbung den Luchsen.
Felis mitis will Lund als besondere Art von F. niacrura und
pardalis unterschieden wissen (Det K. D. Vidensk. Selsk. Afh. IX.
p. 121). — üeber den letzten in Thüringen geschossenen Luchs
theilte Brehm (Isis 724) einige Notizen mit.
Vinnipetlia* Den 2 Arten von Stenorhyndiics fügte
Owen (Ann. of nat. hist. XII. p. 3-31) eine neue bei, und
definirt die Gattung mit ihren Arten folgenderniassen :
Genus Stenor hynclius, Schneidezähne f, Eckzähne i, Backen-
zähne |. Backenzähne etwas zusammengedrückt, in drei oder mehr
Lappen tief gespalten; vordere Backenzähne mit einer Wurzel, die
andern mit zwei. Kopf klein, Schnautze mehr oder weniger verlän-
gert, Krallen klein. Alle im südlicfien Ocean.
1. St. leptoiiyx Fr. Cuv. Backenzähne dreilappig, Lappen
spitz; Schnautze schmächtig und gestreckt. — 2. St. VVeddellti
Less. Backenzähne dreilappig, Lappen stumpf; Schnautze breit und
weniger verlängert. — 3. St. serride7is Ow., die 3 vordem Backen-
zähne vierlappig, die 2 hintern fünflappig, Lappen stumpf; Schnautze
massig lang und schmächtig.
Von Phoca vitulina unter.«;cheidet De Kay (Nat. liist. of
New York. Maiiini. I. p. 53) eine Phoca concolor.
„Einförmig dunkel schiefergrau; Junges ganz hellgelb. Länge
4 Fuss." Ehemals häufig an den Küsten des Staates New-York, jetzt
verhältnissmässig selten.
Einen Seehund, an der Insel Oleron gefangen, will Lesson (Rev.
zool. 1843 p. 256) als Phoca Isidorei von Ph. nionachus durch die
Grösse und die Anzahl der oben wie unten auf 2 reduzirten .Schneide-
zähne, von der gemeinen Robbe durch die mit ganzen Schwinmihäu-
ten versehenen Hände, sowie dadurch unterscheiden, dass die Pha-
langen ganz in die Schwimmhaut eingehüllt sind.
Stannius hat in IMiiller's Archiv 1842 S. 390 eine au.s-
fiihrliche Untersuchung vorgenonuiien : ,,iiber Gebiss und Schä-
del des Walros.'^e.s, unter Beriicksiclitigung der Frage, ob
die Verschiedenheiten im Baue des .'Schädels zur Unterschei-
dung mehrerer Arten der Gattung Trichecus berechtigen.
Die meisten der von ihm verglichenen Schädel gehörten offenbar
einer und derselben Art an; nur einer unterschied sich von allen
andern in mehreren Punkten so erheblich, dass nach ihm auf eine
zweite Art geschlossen werden dürfte, doch will er nicht absprechen,
ob diese Verschiedenheiten wirklich genügend sind, um die Aufstel-
lung einer eignen Art zu rechtfertigen. Einstweilen bezeichnet er
diese abweichende Bildungsform als Trichecus dubiics.
Naturffeschichte der S'äugthiere während des Jahres 1843. 167
SEarsupialia.
Mapacia. In der Bestimmung der brasilischen Arten
von Didelphys hat Liind einige Aenderungen vorgenom-
men (Det K. Danske Vidensk. Selsk. natiirv. Afh. IX. p. 135).
Nachdem er Temminck's Monographie erhalten, meint er, dass
die 7 in Brasilien lebenden Arten von den darin beschriebenen ver-
schieden seien. Die von ihm früher für D. murina angesehene benennt
er jetzt D. clegans; ebenso findet er immermehr die von ihm als
D. tricolor bestimmte Art sehr verschieden von ihr und mehr der
D. b r achynra Pall. , unter deren Namen er sie nun aufnimmt, sich
annähernd, von welcher sie sich jedoch als Art dadurch zu unter,
scheiden scheine, dass die Seiten nicht rostroth, sondern b!ass ocker-
gelb seien. Es sind genauere Beschreibungen abzuwarten, bevor
diese beiden Arten hiit den von Natterer und mir neu aufgestellten
Arten in Verffleicti gebracht werden können.
Was die aus dieser Ordnung untergegangene Gattung betrifft,
welcher er früher den Namen Thylacotherhim gab, so zieht Lund
sie jetzt ganz zurück, indem er erwartet, dass neue Auffindungen
ihm hierüber mehr Klarheit gewähren dürften.
Unter Thieren aus Neu- Granada erklärte Roulin eines für die
echte Didelphys brachyiwa von Pallas (Instit. p. 53).
Dasyurus hallticatus ist von Goiild als neue Art
erklärt worden (Ann. of riat. hist. XI. p. 232):
„D. supra flavescenti-fusrus, nigro-penicillatus, maculis albis or-
natus; corpore infra albo; cauda Immaculata ad apicem nigra." Kör-
per 11", Schwanz 9". Von Port Essington. Kleiner als D. Geoffroyi
und der Daumen mehr entwickelt.
Mit den triftigsten Gründen hat Owen gegen Blainville dar-
gethan, dass Thylacotherium und Fhascolotherium nicht blos zu den
Säugthieren, sondern insbesondere auch zu den B( ufelthicren ge-
hören. Der schon früher in den Proceed. of the geol. soc. hierüber
im Auszuge eingerückte Vortrag ist nunmehr ausführlich erschienen
in den Transact. of the Geol. Soc. of London VI. 1. Lond. iS41.
p. 47 mit tab. 5 utul 6 Beigefügt ist die Beschreibung einer neuen
Art, Thyla cot hei'Ui7n Broderipii.
Vom Hafen Adelaide stainnit die von Waterhouse neu
beschriebene Art von P kasc ologalc alhipes (Ann. of nat.
hist, XI. p,,307).
,,Ph. pilis brevibus et permoUibus; corpore supra nigro et fla-
vescenti-irrorato, iufra albo; pedibus albis; cauda longa, supra fusce-
scente, infra fusco-alba." Körper 3" 9'", Schwanz 3" 2'". — Phascog.
melas wurde in den Nederl. Verhandel. tab. 25 abgebildet.
Ein anderes, von W'aterhouse bestinimtes und vom näm-
M*
168 '^- VVaüner: Bericht über die Leistungen in der
liclioii Fundort staiTimeiides Beuteltliier ist Per amelei Har-
re tji (a. a. O. S. 307):
,,P. pilis molliljus; corpore supra fusco alboque irrorato , infra
albo; cauda longa, supra fusca, infra et ad apicem sordide alba."
Eine zweite neue Art ist Gould's Pernmeles macrouru^
(a. a. O. S. 232) : „P. corpore supi-a nigro et flavescenti-albo penicil-
lato , infra sordide albo; pilis rigidis obsito; cauda pilis parvulis
parce tecta, longitudine dimidio corpoiis aequante, supra nigra, infra
fuscescenti-alba; auribus mediocribus." Körper Ifi" 3'", Schwanz
7" 3"'. Von Port Essington. Sehr ähnlich P. nasuta, aber der
Schwanz ist länger.
Hinsichtlich der von mir früherhin aufgestellten Art aus dieser
Gattung: l'erameles niyosiiros habe ich zu bemeiken, dass ich seit-
dem ein zweites und im besten Stande befindliches Exemplar erhal-
ten habe, an welchem ich ersehe, dass erstlich am ersteren der
Schwanz alle Haare verloren hatte und sonst verunstaltet war, indem
am zweiten Exemplaie derselbe mit kurzen weissen Haaren dicht
besetzt ist; ferner habe ich, nachdem ich jetzt, statt der ungenauen
Beschreibung von Gray, die genaue von Waterhouse benutzen konnte,
gefunden, dass beide Stücke mit P. Guiniii identisch sind.
Ueber die Lebensweise von Tarsipes gab Grey, Gou-
venieur von Süd-Australien , einige Aufschlüsse (Ann. of nat.
bist. XI. p. 76).
Ein Exemplar hielt sich bei ihm mehrere Monate, wo es dann
entfloh. Es wurde mit Fliegen und ähnlichen Insekten gefüttert, die
es bei den Flügeln ergriff und nur den Körper verzehrte; Getränk
sah man es niemal nehmen. Während des Tages schlief es gewöhn-
lich und rollte si( h wie ein Ball zusammm, zur Nachtzeit aber
wurde es sehr lebendig und kletterte gerne auf Zweige; es hing sich
mit seinem Schwänze an einen Zweig und sprang plötzlich auf einen
andern. — Ein mir seitdem von Dr. Preiss zugekommenes Exemplar
dieses Tarsipes bestätigt meine im vorjährigen Jahresbericht ausge-
sprochene Ansicht über die systematische Stellung dieser höchsti
merkwürdigen Gattung. "
Vhiftophnga, l'etaunis wurde von Gould (Ann. ofl
nat. bist. X, p. 404) mit einer neuen Art vermehrt, von ihmi
Belided Ariel benannt.
Sie kommt von Port Essington, nähert sich in Grösse und Ver-
hältnissen am meisten der B. brevireps, unterscheidet sich aber leirhti
durcli seine blasse (lichtgraue) Färbung und besonders durch dem
lichtgelben Ton der Unterseite.
Vier neue Arten Kängurus, Macropus melauops (Annal.s ofl
nat. hist. X. p. 4(13), Hahnatnrus Bi'no'e (XI. p. 386), I'etro^ale\
inornata (X p. 39'.)) und Petrogale. concimia (XI. p. 385) wer-
den von Gould in seiner Monographie au.sführlicher erläutert werden.
Naturgeschichte der Sä'iigthiere während des Jahres 1843. 169
IRotlentia.
^clurina. Die Gattung der Kichhörucheii hat diesmal
keinen solche.) ansehnlichen Zugang wie im vorigen Jahre er-
halten.
Als neue Art bezeichnet Gray (Zool. of the voy. of Sulphur. I.
p. 34 tab. 13 Fig. 2, 18 Fig. 7 und 12) seinen Sc/urus gri'seocau.
datus von der Westküste Amerikas und unterscheidet ihn von allen
amerikanischen Arten durch die deutliche schwarze und weisse Fär-
bung der Oberseite des Schwanzes, und die gelben und schwarzen
Ringe der Haare, aus welchen er besteht und die allein auf der Un-
terseite gesehen werden. Letzteres Merkmal untersclieidet ihn von
Sciunts Boothiae Gray (früher Sc. R/chardsouü von ihm be-
nannt), der viel dunkler ist, mit schwarzen Füssen, weissem Unter-
leib, schwarzen Schwanzhaaren, ausser an der Spitze. Auch diesen
hat er tab. 13 Fig. 1 abgebildet; ausserdem noch Sc/urus Belcheri
(tab. 12 Fig. 2) und Tarnius Hindsii (tab. 12 Fig. 1).
Waterhouse hat von Sciurus Stangen', rufohruchialus und
erythrogenys , sämmtlich von Fernando Po, ausführlichere Beschrei-
bungen als früher vorgelegt. (Ann. of nat. bist. Xll. p. 55). Derselbe
beschrieb (a. a. O. XI. p. 531) eine Abänderung des Sc. Kafflesii s.
Preioslii von Borneo.
Ein neues indisclies Flughörnchen ist der Pteromijs in-
ornatiis Is. Geoffr.
Is. Geoffroy hat dasselbe in Jacquemont's voy. dans l'Inde. 46
und 47 livrais. Mamni. p. 62 tab. 4 charakterisirt. Als Diagnose kann
man stellen: Pt. supra nigello-griseus, albo-punctulatus et strigillatus,
subtus albus, postice rutilo-lavatus; cauda sordide rutilo-cana, apice
nigra. Körper 0'>',28, Schwanz mit Haaren 0,34. Aus dem Thale
von Sind, in einer Meereshöhe von ohngefähr 2500 M. Zur Unter-
scheidung von Sciuropterus (richtiger Pteromys) magiiificus und ele-
gans bemerkt er, dass ersterer zwar ebenfalls eine schwarze Schwanz-
spitze und einen srhwai'zen Kinnfleck hat, dass dagegen er oben
lebhaft kastanienfarben, unten goldroth und von andern Grössever-
hältnissen ist. Gleich gross ist Pt. elegans, aber die weissen Stri-
chelchen stehen auf rein schwarzem Grunde, der Unterleib ist schön
roth und der ganze Schwanz schwarz.
Im Instit. 1843 p. 68 ist die etwas schwer glaubliche Nachricht
zu lesen", dass ein Trupp von Vteromys volucella neuerdings in der
Gegend von Digne ( Basses -Alpes) soll gesehen worden sein; ein
Exemplar soll dem Museum in Marseille mitgetheilt werden, was
zur Verifikation der Angabe allerdings nothwendig sein dürfte. —
Eine ausführliche Beschreibung von Pteromys üra/ lieferte Tic kell
im Calcutta Journ. of Nat. Hist. 1840 (Isis 1843 8. 832).
Jacqueniont entdeckte in dem .3500 Metre? hoch liegen-
170 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
den Thale dos Gombiir ein Murmeltliier , das Is. Geoffroy
als Arctomys caudattis (a. a. O. p. 66 lab. 5) bezeichnete.
Oben schwärzlich, unten falb; Schwanz | der Körperlänge, oben
lichtfalb, unten schwärzlich, an der Spitze ganz schwarz; die Vor-
derzähne weiss. Das mitgebrachte Exemplar ist nicht grösser als
unser Alpenmurmelthier, doch versichert Jacquemont um ein Drittel
grössere gesehen zu haben. — Ref. erinnert, dass diess wohl die
nämliche Art ist, welche Vigne bei seiner Reise nach Kleintibet auf
dem hohen Tafellande von Drotsuh fand.
Aus dem Altai hat Brandt eine neue Ziesel -Art erhal-
ten, der er den Namen SperviopJiilus hi'evicauda bei-
legte (liullet. de St. Petersb. I. 1843. p. 364):
,, Habitus Sp Eversmanni. Cauda admodum brevis. Rostri dor-
sum, supcrcilia, area triangularis sub oculis, pedum anteriorum an-
terior facies , . regio analis et crurum posterior facies pallide ferru-
ginea. Pectiis et abdomen albida, ferrugineo lavata. Dorsum sor-
dide et pallide ferrugineo, nigricante et albido mixtum. Cauda supra
ejusdem fere coloris, infra ferruginea , apice alba, parum fasciculata.
Auriculae minimae." Körper 11" 2'", Schwanz mit Haaren 2".
Ausführlicher als früher charakterisirte Waterhouse (Ann. XII.
p. 52) seine Gattung Anoriialiinis , ohne sich jedoch bestimmt auszu-
sprechen, ob sie noch den Sciurinen oder bereits den Myoxinen zu-
zut heilen sei.
]lKyo3cina. Bnrnieister (liaHoscln' Literaturzeitnng
1843 S. 524) will die Myoxinen uirkt als eigene Familie an-
geselien, sondern der der Mäuse untergeordnet wis.sen.
Als Grund führt er an, dass der Schädelbau, das Augenhöhlen-
loch, der Dornfortsatz des 2ten Rückenwirbels und die untere Ver-
wachsung des Schienbeins mit dem Wadenbein sich bei den Schläfern
wie l)ei den Mäusen verhalte. Diess ist richtig , obschon ich auf
die beiden letztgenannten Merkmale kein Gewicht lege, dagegen ist
bei den Schläfern die Anzahl, um nicht von der Form zu sprechen,
der Backenzähne von der der typischen Mäuse verschiede ) , ferner
ein anderer Habitus, und was die Hauptsache, während bei allen
andern Nagern der Blinddarm übermässig entwickelt ist, fehlt er bei
den Schläfern ganz und gar. Auf letzteres Merkmal lege ich das
Hauptgewicht, um aus den Myoxinen eine eigene Familie zu bilden,
die in der Mitte zwischen der der Mäuse und Eichhörnchen steht.
Dass auch bei Myoxns üryits der Blinddarm fehlt, habe ich
neulich zu untersuchen Gelegenheit gehabt. Dom Gebiss nach gehört
derselbe zur Abtheilung Glis, das Stirnbein ist aber wie bei M. Ni-
tela, und der Unterkiefer hinten mit einem Loch, während er bei
Glis undurchbohrt ist. Wirbel habe ich im Ganzen 51 gezählt, näm-
lich: 13 Rückenw, 6 Lendenw., 3 Kreuzw. und 25 Schwanzwirbel.
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1843. 171
Vom Graphiuriis capeus/s ist durch A. Smith (lUustrat. of the
Zooi. of Southalr. XVII. tab. 39 eine genauere Beschreibung als die
bisherigen erschienen.
Chinchillinn, P. Gervais hat für das Dict. univ. d'hist,
nat. 111. p 5B4 den Artikel Chinchilla bearbeitet, Aveiss aber noch
immer nichts davon, dass seit 1835 durch Wiegmann 2 Arten unter-
schieden worden.
Vsuninioryctina *. Orycterina. B ii r iii e i s t e r will
a. a. O. Pscüiinwryctes von dieser Gruppe entfernen und .sie
daf'egen den Wurfmänsen zutheilen.
Der kurze Schwanz, meint er, und die nach hinten kleiner vv^er-
denden Barkenzahne widersprechen dem Typus der Schrotmäuse.
Ich habe, als ich diese Familie festsetzte, von Psammoryctes kein
Exemplar zur eignen Ansicht gehabt und musste mich mit den An-
gaben Anderer behelfen. Seitdem ich jedoch ein solches mit dem
herausgenommenen Schädel besitze, sehe ich allerdings, dass Psamm-
oryctes keineswegs als Mittelpunkt der Schrotmäuse genommen
werden darf, sondern dass er eine Uebergangsform ist, die von letz-
teren unmittelbar zu Georhychus führt. Mit diesem kommt die Form
des Schädels und der Schneidezähne am nächsten überein; auch er-
weitert sich schon das enge Augenhöhlenloch der Wurfmäuse (Cuni-
cularia) merklich bei Georhychus und führt dadurch zu Psammo-
ryctes, wo es noch mehr vergrössert ist und dadurch in üeberein-
stimmung mit dem der Schrotmäuse kommt. Abgesehen von diesem
allei-dings wichtigen Umstände finde ich in der Annäherung zu Geo-
rhychus, in der Kürze der Ohren und des Schwanzes, und, wie mir
scheint, in der kräftigeren Entwickelung der Vorder- gegen die Hin-
terglieder Momente, die mich jetzt bestimmen Psammoryctes auf die
Grenze der Wurfmäuse zu stellen. Mit der Ausscheidung dieser
Gattung aus den Schrotmäusen muss aber deren Familiennamen ge-
ändert werden, weshalb ich statt Psammoryctina jetzt Orycterina
in Vorschlag bringe.
Eine genaue, von schönen Ahbildungen begleitete Be-
schreibung zweier neuer brasilischer Schrotniäuse, Nelomys
pictus und Echinomys inermis benannt, hat Pictet in den
Mem. de !a .Societe de Physique et d'Hist. nat. de Geneve. X.
Ire partie 1843 gegeben. Beide stimmen darin iiberein, dass
sie der Stacheln ermangeln; sie wurden vor Bahia eingeschickt.
a) Nelomys pictus (p. 203 tab. 1 und 2); Füsse ganz wie bei Ne-
lomys; obere Backenzähne fast ganz wie bei Dactylomys, untere
völlig wie bei Nelomys, Ohren gerundet, so breit als lang. Schwanz
dick mit ziemlich grossen Schuppen, die von den langen und gedrängt
stehenden Haaren verdeckt sind. Färbung sonderbar bunt aus Braun
und Weiss. Kopf, Nacken und übriger Hals schmutzig w^eiss; auf
172 A. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
dem Scheitel ein länglicher brauner Fleck, der sich gegen die Nasen-
spitze auskeilt. Rücken dunkelbraun , was sich in einer Binde bis
auf den Vorderarm herabzieht. Seiten, Unterleib und Hinterfüsse
schmutzigweiss. Körper 10", Schwanz 12", Hinterfüsse 1" 9"'.
b) Echinomys inermis (p. 207 tab. 3 und 5 Fig. 1—8); Cebiss ähn-
lich dem von Nelomys, Ohren gross, am Aussenrande etwas aus-
geschnitten, Füsse massig lang; Schwanz mit Schuppen wie die der
Ratte, aber durch die langen und häufigen Haare fast ganz verdeckt;
Behaarung weich. Ganze Oberseite fahlbraun mit dunkelbraun ge-
sprenkelt; Unterseite und Innenseite der Beine gelblichweiss; Schwanz
schwarz, in der ersten Hälfte der Unterseite weisslich. Körper 7^",
Schwanz %\", Hinterfuss 1" 8'".
In den Verhandlungen der Schweiz, naturf. Gesellsch. zu Altdorf
1842 findet sich S. 192 die Notiz, dass Pictet einige aus Bahia ein-
gesandte Nager vorgezeigt habe. „Drei von diesen Thieren schienen
ihm ziemlich scharfe Charaktere darzubieten, um die Errichtung
dreier neuer Gattungen zu erheischen: 1) die Gattung Platythrix
mit Echimys verwandt; 2) die Gattung Poecilonit/s, mit üactylo-
mys verwandt; 3) die Gattung Orycteromys, die von den Ratten
nur durch einige Details im Zahnbau und starke Nägel an den Vor-
derfüssen abweicht."
Seinen ISelo/nys snl(;idens sieht Lund (Danske Vidensk. Selsk.
.\fh. IX. ]). 135) jetzt für eine Art von Aul ncodiis an und legt ihm
den Namen A. Teinminckii bei: diese Zusammenstellung scheint
mir sehr zweifelhaft.
JBTurina. Biirnieister meint in der Ilalieschen Lite-
radirzeiinng 1813 S. 524, dass ich bei der (Charakteristik der
Familien blos die Scliädel berücksichtigt nnd dadurch bei den
Mäusen 2 wichtige Merkmale des Skelets, nänd eh die enorme
Verlängerung des Dornfortsatzes am 2ten Rückenwirbel nnd
die Ver\\ac])snng der beiden l'nterschenkelknochen am Grunde,
übersehen hiitte.
Ich gestehe gerne, da'^s es mir mit den Skeleten der überaus
zahlreichen Arten, ja selbst Gattungen aus der Familie der Mäuse
nicht viel besser wie dein Fuchse mit den Trauben geht , indem ich
der meisten nicht habhaft werden konnte, doch ersehe ich aus den
sehr spärlichen Nc^tizen, die Andere über den Skeletbau dieser Thiei-e
geben, dass auch in grössern Sammlungen als der hiesigen noch kein
Ueberfluss hieran besteht. Nun aber habe ich eine gewaltige Scheu
aus einzelnen isolirten Beobachtungen gleich allgemeine Gesetze fol-
gern zu wolleil, indem die grössten Missgriffe hieraus hervorgehen
können, wie gleich Burmeister selbst einen solchen begangen hat.
Icji habe nämlidi aus .\nsicht der in hiesiger Sammlung aufgestellten
Skelete von Myodes Lemmas und groenlandicus, Hypudacus, amphi-
bius, terrestris, alpinus und hypoloucos gefunden, dass ihnen allen
Naturgescliichte der Säugtliiere während des Jahres 1843. 173
die erwähnte Verlängerung des Dornfortsatzes ganz abgeht, da über-
haupt alle diese Fortsätze sehr kurz sind. Es müssten daher eines
solchen geringfügigen Merkmales halber die Arvicolinen, vielleicht
alle, von der Familie der Mäuse ausgeschlossen werden, was ganz
unnatürlich wäre, zumal man nicht weiss, ob sich in dieser Bezie-
hung nicht noch andere Gattungen anreihen könnten. Auch die von
Burnieister sonst noch den Mäusen zugestandenen Charaktere: „ab-
gerundete, mehr oder weniger nackte Olu-en, beschuppte oder bor-
stig dazwischen behaarte Schwänze, vorn wie hinten 5 Zehen", haben
keine allgemeine Gültigkeit, obschon ich aus Versehen die beiden
letztern Merkmale ebenfalls in die Definition der Familie aufgenom-
men hatte.
Aus Neuhollaiid sind 5 neue Arten aus der Gattung Mus
bekannt gemacht worden :
Drei davon durch Gould (Ann. of nat. bist. X. p. 405), nämlich
1) Mus jienicillatus, „griseo-fuscus, vellere fere ut in M. decu-
mano; corpore subtus pedibusque albis flavo-lavatis; auribus medio-
cribus, postice subemarginatis; cauda gracili dimidia apicali pilis
longis nigris vestita." Körper 7" 3'", Schwanz 1" 9'". 2) M. hir-
sutus, „vellere hirsuto, corpore supra fuscescente pilis nigris crebre
commixtis, subtus fulvescens, fusco rufoque tincto ; auribus medio-
cribus; cauda longa pilis nigris, aliquanto longis, vestita, dimidia
apicali pilis longioribus, his ad apicem caudae rufescentibus." Kör-
per 10" 4'", Schwanz 13". 3) M. delicatulus, ,, supra pallide fusco-
flavus; corpore ad latera flavescente, subtus albo; cauda mediocri
supra fusca, subtus ad basin albescenti; auribus parvulis; pedibus
gracilibus albis." Körper 2" 5'", Schwanz 2" 2"'.
Waterhouse's beide Arten sind (Ann. XII. p. 134): 1) Mus
castaneiis, „intense castaneus, corpore subtus pallidiore; cauda
corpore cum capite longiore; auribus mediocribus." Körper 2" 1'",
Schwanz 3". 2) M. Novae-Hollandiae (ein sehr übel gewählter
Name), ,, supra canus flavescente lavatus; corpore subtus pedibusque
albis; auribus mediocribus; cauda quoad longitudinem corpus fere
aequante." Körper 3", Schwanz 2".
Als eingeführte Arten in New York bezeichnet De Kay
(Nat. liist. of New York. Maniui. p. 79) Mus decumimus, rat-
tus und musculus; als neue Art bezeichnet er Mus ameri-
canus.
„Oben schwarz, unten bleifarben, Ohren höher als breit, Schwanz
kürzer als der Leib, Länge 15 Zoll." Körper 9" 4"', Schwanz 6".
Von M. rattus unterscheidet er diese Maus durch Gebiss, relative
Ohrlänge und Schwanz. Gehört offenbar nicht zu Mus, sondern
höchst wahrscheinlich zu Hesperomys.
Selys Longchanips bezweifelt jetzt in der Rev. zool.
174 *'^- Wagner: Bericht über die Leistungen in der
1843 p. 129 die von ihm zuerst behauptete Identität von 31ns
tectornm Sa vi und M. alexandrimis Geoffr.
Indem er anführt, dass er aus dem südlichen Frankreich Mus
tectortim Savi erhalten habe, setzt er hinzu: „diese Dachratte, von
Savi in Toskana entdeckt, und seitdem durch Pictet, der sie M. len-
cofraster nannte, bei Genf gefunden, scheint sehr gemein in den Gär-
ten der Provence zu sein. Ich hatte geglaubt, dass sie die nämliche
Art als M. alexandrinns Geoffr. wäre, aber das Exemplar des Mu-
seums in Paris, welches ich so eben examinirt habe, scheint von M.
tectorum verschieden durch die grauliche Farbe des Untertheils des
Körpers und der Füsse, Theile, die rein weiss sind bei M. tectorum."
Diese Bemerkung ist eben nicht sehr geeignet, Aufklärung zu
bringen, denn während Selys M. tectorum und leucogaster identifi-
zirt, hat Pictet sie spezifisch geschieden; auch wird von M. tectorum
der Unterleib gewöhulich nicht als rein weiss, sondern als gelblich
weiss angegeben.
Zahlreiche Beiträge zur weiteren Kenntniss der Familie
der IMäuse hat Sundevall geliefert in den K. V. Aead.
Handl. 1842. p. 217.
Von Mus trennt er erstlich eine Gattung oder vielmehr Unter-
gattung ab: Isomys, die er von der ersteren dadurch unterscheidet,
dass a) die seitlichen hinteren Zehen gleich lang sind, indem der
äussere wie die zweite Zehe an das Ende des Metatarsus des fol-
genden reicht, wälirend bei den übrigen Mäusen die äussere viel
länger ist; b) dass der unvollkommene hintere Höcker an den beiden
ersten obern Backenzähnen fehlt. Ilieher rechnet S. den Mus varie-
^><i///* Brants und eine neue Art, die er Isom^x t e s t icularis nennt,
mit der Diagnose: ,,griseo-flavescens, subtus labiisque albidus; rostri
apice pallide fulvo." Körper U",15, Schwanz 0,12. Vom Bahr el
Abiad.
Ausführlich mit einander verglichen werden die S Äxten der Un-
tergattung Acomys, nämlich J. cahin'nus , diniidiutus und russatus,
(S. 222). Alsdann beschreibt er 4 Arten von Mert'oues, sämmtlich
wie die vorhergehenden von Hedenboru: gesammelt. Diese Arten sind
1) Mcrioues Gerbillus Oliv, (nee TUipp), ,,niagnitudine Muris
musciili, macula ante et pone aures alba, cauda corpore longiore,
supra fusca, postice longius nigro-pilosa." Körper 3" 4'", Schwanz ohne
Haare 4" 1'". Hieher zählt S. den Gerbillus aegyptius Desm. luid Fr.
Guy., schliesst aber den M. Gerbillus Rüpp. aus und verbindet die-
sen mit Gerbillus pygargus, der grösser ist. 2) M. veiiustus n. sp.
,,luteo - fulvus, gastraeo maculisque pone oculos et aures niveis;
cauda corpore longior, griseo-fiavescens, supra apiceni elongato-ni-
gropilosa." Körper 4", Schwanz ohne Haare 4" U)'". Vom Bahr el
Abiad. S. findet ihn dem M. pygargus sehr ähnlich, mit dem ich ihn
für identisch halte, auch immer noch der Meinung bin, dass es der
Natiirgoschichto der Säugthicre wahrend des Jahres 1843. I75
ganz erwachsene Stand des vorigen sein mochte. 3) M. murin ns
sp. n. „supra fiilvescens, fusco-inixtus, naso cristato productissimo!
auriculis rotundato-oblongis; caiuia corpore longiore, postice undi-
qiie nigrirante pilosa " Körper 5j", Schwanz ohne Haare fast 6".
Vom Bahr el Abiad. Wie S. selbst sagt, ist diese Art sehr ähnlich
dem Gerbillus pyramidum, doch weicht die Abbildung, die Fr. Cuvier
vom Schädel giebt, davon ab, worauf ich übrigens kein Gewicht lege,
da diese Zeichnungen nicht sehr exakt sind. 4) 3f. crassus n. sp.
,,pallide fulvescens, vollere quoque laterum basi cinereo; cauda bre-
viore, planta brevi." Körper über 5", Schwanz ohne Haare 3" 3'".
Aus der sinaitischen Wüste Letztere Art, die bereits zu Rhombo-
mys gehört, ist meinem Rhombomys pallidus sehr ähnlich, unter-
scheidet sich aber schon durch die auffallende Kürze des Schwanzes.
Eine dritte Art von 0 xyviy ctarus hat Pictet in Jon
Mein, de Genev. X. 1. (1843) p. 211 tab. 4 nnd 5 fig. 9 — 14
unterschieden.
Er nennt sie O. Ju'spidus, oben lebhaft roth, schwarz gespren-
kelt, unten graulichbraun mit Gelb beflogen, Schwanz viel länger als
die Körperhälfte. Körper 6", Schwanz 4" 2". Nach Vergleichung
mit O. rostellatus und nasutus finde ich diesen O. hispidus von bei-
den spezifisch verschieden.
Den Artikel C a m p a g n 0 1 (Jrvicoht) hat Q u a t r e f a g e s für das
Dict. univ. d'hist. nat. III. p. 95 bearbeitet, aber freilich nicht so, wie
es der gegenwärtige Zustand der Therologie erheischt.
Von soineni Jrvicola incertns sagt Selys (Rev. Zool. 1843),
dass er ihn aus dem Departement du Var und von Montpellier er-
halten hätte. Wenn er ihn aber von A. Savii nur dadurch zn unter-
scheiden meint, dass der Pelz von A. incertus minder dunkel als bei
diesem sei und durch seinen gelblichen Ton an den Seiten mehr dem
arvalis und socialis sich annähere, so hat diese Differenz gar kein
Gewicht, da Pecchioli angiebt, dass nicht nur bei A. Savii überhaupt
die Seiten in's Gelbliche übergehen, sondern die Jungen einen gelben
Pelz haben, der allmählig erst in's Aschgraue übergeht. Eine sehr
ausführliche Beschreibung, zumal der Lebensgeschichte, von diesem
A. Savii hat Pecchioli geliefert (Isis 1843 S. 688).
In den Annal. des sc. nat. hat nunmehr Martins seinen Arvi~
cola nivalis ausführlich beschrieben, woraus dessen Identität mit mei-
nem Hypudaeus alpinus hervorgeht.
De Kay hat in der Nat. bist, of New York L 2 neue nordameri-
kanische Arten ^iov\ Arvicola unterschieden: 1) A.rufescens, ,,oben
hell röthlichbraun, unten schicferfarben, Schwanz länger als der
Kopf." Körper 3", Schwanz 2". 2) A. Oneida, „oben amberbraun,
unten dunkel aschgrau, Daumenkralle dreieckig, Hinterfüsse sehr
lang" Körper 3, 2", Schwanz 1, 3".
Castorintu Auf die interessanten Angaben von Dierbach
176 •^- Wagner: Bericht über die Leistungen in der
über die Kenntnis«, welche die Alten vom Bibergeil hatten, glaube
ich hier aufmerksam machen zu müssen (Isis 1843 S. 373).
Lereboiillet erliielt mehrere Exemplare des Myapota-
imis Coypus in Branntwein, die er zu anatomiren Gelegenheit
hatte (Instit. 1843 p. 372) nud denen Ackermann noch
einige Bemerkungen über die äussere Beschaffenheit und Le-
bensweise beifügte (Compt. rend. XVII. p. 1236).
L. fand nur an einem Weibchen die Zitzen, obschcn er vier dar-
auf untersuchte; erwähntes Weibchen war trächtig und hatte 5 Junge
im Leib, seine Zitzen waren 12—14 Millim. (5 — 6'") lang. Diese
Zitzen führten zu Brustdrüsen, die unmittelbar unter dem Hautmus-
kel lagen und aus langen, schmalen und dünnen Bändern zusammen-
gesetzt waren, deren Struktur man leicht mit Hülfe einer einfachen
Loupe exkennen konnte. Der Darmkanal war 16 mal so lang als
der Körper; der Blinddarm ausserordentlich entwickelt. Die Leber
bestand aus einem in drei Portionen getheilten Hauptläppchen, einem
rechten Lappen, einem rechten Läppchen und einem linken Lappen
ohne Läppchen.
A.culeata* Ans Hystrix subspinosus Lieht, hat Gray
eine eigne Gattung Chaetomi/ s errichtet (Ann. of nat. bist.
XIIL p. 69).
Er stützt sich hierbei auf Schädel- und Zahnbau, von dem er in
der Reise des Sulphur p. 36 tab. 18 fiof. 1—6 auch eine Abbildung
lieferte. Schädel breit, convex (ohne Stirnbuckel), Jochbögen aufge-
trieben, Gaumen zusammengezogen." Jeder obere Backenzahn hat
2 hauptsächliche gefaltete Schmelzplättchen und eiue kleinere Quer-
falte zwischen ihnen. Die untern Backenzähne sind länglich; der
erste zeigt zwei rundliche Schmelzringe, deren joder eine innere Falte
und der hintere Ring überdiess eine kleine Falte am Vordertheil der
Aussenseite hat. Jeder der andern untern Backenzähne hat 2 buch-
tige Falten an der Innenseite und eine an der Mitte des Aussenran-
des. — Eine weit genauere Beschreibung dieses Thieres hat Pictet
(Rev. Zool. 1843 p. 225) geli( fert und aus ihm ebenfalls eine eigne
Gattung Plc et rochoerns errichtet, von der er bald darauf (a. a.
O. S. 319) selbst erkannte, dass sie mit Gray's Chaetoniys identisch
wäre. Als Speziesnamen hatte Pictet den von Fl. Moric andi ge-
wählt; es ist jedoch diese Art mit Ch. subspinosus einerlei.
Dass Hystrix cristata auf Sizilien einheimisch ist, wird von Mal-
herbe in seiner Faune ornithologique p. 9 erwähnt.
Subutiffulata» Von Dasy/j?ortu punctata und »tgra hat
Gray in der Reise des Sulphur tab. 15 und 16 Abbildungen liefern
lassen, ausser Wiederholung der Definition aber keine Beschreibung
oder Vergleichung mit andern Arten, was so nothwendig gewesen
wäre, beigefügt.
Naturgeschirhte der Säiigthiere während des Jahres 1843. 177
nttpliaitlentatfi. Derselhe hat a. a. O. tab. 14 eine Ab-
bildung von Lepus liennittii und zugleirli S. 35 eine genauere Be-
schreibung mitgetheilt,
E d e II t a t a.
Anatomisclie Untersuchungen über die Edentaten. Von
W. von Rapp. Tübing. 1843.
In klarer, umsichtiger Weise giebt diese Monographie eine all-
gemeine Darstellung des innern Baues der Edentaten, indem sie so-
wohl die vorliegenden Erfahrungen benutzt, als auch zahlreiche
eigene und höchst genaue Untex-suchungen vorlegt, wodurch die
Kenntniss dieser Thiere bedeutend gefördert wird. Die Monotremen
sind ausgeschlossen, die übrigbleibenden Zahnlücker in pflanzenfres-
sende und insektenfressende getheilt. Neun lithographirte Tafeln,
eben so schön als genau ausgeführt, erhöhen den Werth dieser aus-
gezeichneten Monographie.
Description of the Skeleton of . an extinct gigantic Sloth,
Mylodon rohvstus Owen, with observ. on the osteology,
nat. affinitio.'; anti ])robab]o habits of the Megatlierioid Qua-
driipcds in general. I3y R. Owen. Lond. 1842.
Wieder eine höchst wichtige Arbeit des berühmten Verf., die
nicht blos eine der merkwürdigsten Formen der Urwelt uns vorführt,
und auf 24 wunderschönen Tafeln zur Anschauung bringt, sondern
überdiess durch Vergleichung derselben mit verwandten ausgestorbe-
nen und noch lebenden Typen einer ganzen Gruppe von Thieren
ihren richtigen Platz im Systeme feststellt. Das Skelet wurde 1841
im Diluviallande bei Buenos-Ayres entdeckt, und zwar fast vollstän-
dig; es ist von gigantischen Dimensionen (ganze Länge 11) und über-
aus massiven Formen. Owen meint, dass Mylodon sowohl als Me-
galonyx und Megatherium gleich den Faulthieren vom Laub der
Bäume sich genährt haben, wobei jenen urweltlichen Thieren die
gewaltigen vordem Gliedmassen zum Umstürzen der Bäume gedient
haben möchten. Diese und verwandte Formen nennt er laub fr es-
sende Zahnlücker mit den Merkmalen: „Zähne spärlich, aus
dem Pfropfe, der harten Zahnsubstanz und dem Cement zusammen-
gesetzt, wobei der Pfropf die Achse ausmacht. Jochbein mit abstei-
gendem Fortsatz; Acromion mit dem Hakenfortsatz verwachsen."
Die weitere Abtheilung ist :
Mrste Watnilie, Tardigrada; Gliedmassen lang, schlank,
die vordem mehr oder minder länger als die hintern; Hände 2 oder
3 zehig; Hinterpfoten 3 zehig ; Zehen umhüllt mit Sichelkrallen. —
Jochbögen offen, Schwanz sehr kurz.
I. Gattung Bradypus. — II. Gattung Choloepus.
Xweite Ffitnilie. Gravig radw, Gliedmassen kurz, sehr
robust, gleich oder fast gleich; Vorderfüsse 5 oder 4 zehig; Hinter-
j78 A. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
füsse 4 oder 3 zehig; 1 — 2 äussere Zehen unbewehrt, zum Stützen
und Gehen taudich, die übrigen mit Krallen. — Jochbogen geschlos-
sen; Schlüsselbeine vollständig; Schwanz massig, dick, stützend.
5.5?
III. Gattung Megalonyx; Zähne -r — j', fast elliptisch, in der
Mitte der Krone ausgehöhlt, mit vorspringenden Rändern; Vorder-
beine länger; Schien- und Wadenbeine getrennt; Fersenbein lang, zu-
sammengedrückt, hoch; Krallen gross, zusammengedrückt.
1) M. Jeffd-souii Cuv. (.1/. laqueatus W&r\.).
5 • 5
IV. Gattung Megatheriuni; Zähne - — r^, angrenzend, vier-
seitig, auf der Krone quergefurcht. Vorderfüsse 4 zehig; hinteye
3 zehig; zwei äussere unbewehrt. Krallen gross, verschiedenartig,
am mittlem Finger sehr gross und zusammengedrückt. Oberschen-
kelbein mit ganzem Kopf; Schien- und Wadenbein an beiden Enden
vorwachsen; Sprungbein auf der Aussenseite oben ausgehöhlt; Fer-
senbein lang, dick.
1) ü/. Cuvieri {^Bradypits giganteiis Fand.)
5.5
V. Gattung Mylodon {(Jrycterotherium Harl.); Zähne - — j,
getrennt; im Oberkiefer der erste fast elliptisch, von den andern
massig entfernt, der zweite elliptisch, die andern dreieckig, innen
gefurcht; im Unterkiefer der erste elliptisch, vorletzter viereckig,
letzter sehr gross, zweilappig. Gliedniassen gleich, vorn 6, hinten
4 Zehen; beide äussere Zehen unbewehrt, die andern mit grossen
halbkegcligen ungleichen Krallen. Oberschenkelkopf durch das runde
Band eingedrückt; Schien- und Wadenbein getrennt; Sprungbein oben
auf der Vorderseite verflacht; Fersenbein lang, dick.
1) M. Danvinü Owen. — 2) M. Harlani Ov;. {Megalonyx laquea-
tus Harl., Orycterotheriuin mi'siuriense Harl.). — 3) M. robustus Ow.
VI. Gattung Sceiidot herium. Ow. {Megah uya: Lund); Zähne
■■ y , entweder angrenzend oder in gleichen Zwischenräumen geschie- ^
den; obere dreieckig; von den untern der Iste dreieckig, der 2te
und 3te etwas gedrückt, der letzte, sehr gross, zweiappig. Ober-
schenkelkopf eingedrückt; Schien- und Wadenbein getrennt; Sprung-
bpin vorn mit 2 Aushöhlungen. Fersenbein lang, dick. Krallen
gross, halbkegelig.
1) S. leptocephahini Om'. — 2) S. Cuvieri Ow. (Meg. Cuvieri
Lund). — 3) S. Bucklandi Ow. {Meg. Bucklatidi L.). — 4) S. mivu-
tum Ow. {Meg. minutus L.)
4 • 4
VII. Gattung Coelodon laind; Zähne ^ — 5.
VIII. Gattung Spheii odon Lund.
Zweifelhaft bleibt Owen, ob der später von Lund vorgeschlagene
Name Platyonyx auf Scelidotherium zu beziehen sei. Für wahr-
Naturgeschichte der Säiigthiere während des Jahres 1843. 179
scheinlich hält er es, dass die Zähne, auf welche Lund seinen Sphen-
odon begründete, nur der jugendliche Zustand von denen des Sceli-
dotheriums sein dürften.
Bemerkungen über seine Feststellung von Mylodon gegenüber
der Meinung von Harlan hat Owen in Sillim. American Journ.
XLIV. p. 341 niedergelegt.
Auch Lund hat abermals höchst bedeutende Beiträge
zur Kenntniss der urweltlichen Edentaten Brasiliens geliefert
(Det K. Danske Vidensk. Selsk. naturv. Afhandl. IX. 1842
p. 137). Er theilt sie in folgende Familien:
a) Zahnlose. Von den urweltlichen Ameisenfressern unter-
scheidet Lund jetzt 2 Arten, deren wenige Ueberreste von den gleich-
namigen Knochen der Myrmecophuga jnbata und telrudactyla nicht
differiren.
b) Gürtelthiere. Zu Dasypus hat L. 2 neue Arten zugefügt,
dagegen von Chlamydotherium sich überzeugt, dass ein Theil der
Ueberreste nicht hieher, sondern zur Familie der
c) Faulthiere gehört und eine eigene G&ii\iw% Oenot he riutn
ausmachen, indem die Backenzähne aussen mit einer Lage von Rin-
densubstanz versehen sind, die allen Gürtelthieren mangelt. Sehr
scharfsinnig bespricht dann L. ausführlich die Stellung, welche Me-
gatherium und Platyonyx, der allerdings mit Scelidotheriura iden-
tisch ist, im Systeme einzunehmen hat, und widerlegt in schlagender
Weise, ähnlich wie Owen, Blainville's Meinung, als ob die Zusam-
menstellung des Megatherium mit den Faulthieren verfehlt, dagegen
die mit den Gürtelthieren begründet wäre. Lund kommt gleich Owen
zum Schlüsse, dass Coelodon, Megalonyx, Platyonyx und Megathe-
rium keinen andern Platz als in der Familie der Faulthiere einneh-
men können.- Ausführlicher habe ich hierüber in den Münch. gel,
Anzeig. XVIL S 597 berichtet.
Von diesen urweltlichen wendet sich nun Ref. zu den
lebenden Edentaten,
AU man machte am Dasypus sexcinctus die Entdeckung,
dass er mit ähnlichen Wundernetzen, wie das Faulthier, der
zvveizehige Ameisenfresser und der Lori versehen ist ( Instit.
1844. p. 118).
Eine vortreffliche Monographie der Gattung Manis hat
Sundevall in den K. V. Acad. Hand). 1842. p. 245 mitge-
theilt und die Arten sehr gründlich auseinander gesetzt.
Da ich diese Arbeit bereits meiner Beschreibung der Gattung
Manis im Schreber'schen Werke zu Grunde gelegt habe, so beziehe
ich mich wegen des Weiteren auf letzteres.
Derselbe hat (a. a. O. S. 236) das von Hedenborg im
1§0 A. Wagner: Bericlit übt'r ilic Leistungen in clor
Sciiiu^ar oiittJeckte Er<Jsch\vein genau beschrieben und als
Ori/ cternpus aet hiopicus vom kapischen unterschieden.
Auch diese Beschreibung habe ich bereits in meine Fortsetzung
aufgenommen, m orauf ich verweise.
Soli tlungti l a,
Gut gearbeitet ist der von Quatrefages verfasste Artikel Che-
val im Dict. univ. d'hist. nat. 111. p. 176.
Im Jardin des Plantes scheint es ausgemachte Sache zu sein, die
dort gehaltenen Kulans für den Hemionus gelten zu lassen. Q. fügt
die Beschreibung der beiden dort geborenen Jungen bei, die auch im
Instit. 1843 p. 30 aufgenommen ist.
Savi gab einige Bemerkungen über den anatomischen Bau und
die Entwickelung des Kosshufes (Isis 1843 S. 412).
Pachi/flerniata.
Owen wies nach, dass Tetracaulodon nur den jugond-
liclieii Zustand von Mastodon giganteuni darstelle, und dass
das Missurium ebenfalls dieser Gattung angehöre (Ann. of
nat. hist. XI. p. 147).
Grant dagegen bleibt bei der Trennung von Mastodon und Te-
iracanlodon stehen und theilt ersterem 13, letzterem (i Arten zu
(ebenda S. 479). — Auch Hays unterscheidet fortwährend beide
als Gattungen (Proceed. of the Americ. phil. Soc. 1843 p. 44).
A. v, Klipstein und Kaup I3eschreibung und Abbil-
dungen von dem in Rlieiniiessen aufgefundenen kolossalen
Schädel des Dinothen'i gigantei. Giessen 1843.
Sehr schöne Abbildungen mit genauen Beschreibungen des ko-
lossalen Schädels; zugleich mit geognostischen Erläuterungen derV
knochenführenden Bildungen des mittelrheinischen Tertiärbeckens.
Der Streit, ob das Dinotherium zu den Dickhäutern oder pflan-
zenfressenden Wallen gehöre, ist nun auf einmal entschieden worden,
indem auf Neuiiolland mit einem Kieferstück und Zähnen ein Obei--
schenkelknochen gefunden und an den beiden ersteren ein Dinothe-
rium von Owen (Ann. XI. p. 7 und 329) erkannt Murde. Es wird zu
den Rüsselträgern zu stellen sein.
An Kaup 's ,, Bemerkungen über die drei Arten Mustodo7i und
die drei Arten Tetracaulodon des Herrn Isaak Hays" brauche ich,
als in unserem .\rchive S. 168 pul)lizirt, nur zu erinnern.
Ueber die geognostischen Einlagerungsverhältnisse des Mastodon
giganteum und anderer fossiler Ueberreste zu Bigbone Lick, Ken-
tucky und andere Lokalitäten in den Vereinigten Staaten und Kanada
theilte Lyell seine Beobachtungen mit (.Ann. XII. p. 125).
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1843. Jßl
Durch mikroskopische Untersuchung der Stosszähne von Masto-
don giganteu7ii, Tetracaulodon Godniani^ Kochii und tapiroides, und
vom Missuriiim hat Nasmyth (Ann. of nat. hist. XI. p. 502) bei
allen Verschiedenheiten wahrgenommen, doch will er es unentschie-
den lassen, ob hierin spezifische oder blos individuelle Differenzen
liegen. — Hays bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass jeder Stoss-
zahn des Missuritim aus drei Stücken zusammengesetzt und es kei-
nesweges gewiss war, dass sie alle demselben Thiere angehört hätten,
weshalb von Nasmyth eigentlich jedes Stück zu untersuchen gewesen
wäre (Proceed. of the Americ. phil. Soc. 1843. vol. 11. p 265).
Die Heimath des von mir beschriebenen Rhinoceros cucul-
latus ist durch Harris und Dr, Roth im südlichen Abyssinien,
wie ich es vermuthete, ausfindig gemacht worden (Harris, the High-
lands of Aethiop. H p. 425).
Von den Schweinsarten des indischen Archipels wurden in den
Nederl. Verbände! abgebildet: Sus timon'etisfs tab. 31 Fig. 1—3, S.
barbatus Fig. 4 und 5 (Schädel), S. Vit latus tab. 29, S. celebensis
tab. 28, S. verrucosus tab. 28, S. barbatus tab. 30.
Der Tapirus villosus (Tapir riiichaque) -i.st neuerdings
wieder von Goudot beobachtet worden (Instit. p. 44).
Er macht bemerklich, dass die Jungen Livree tragen, dass diese
Art auch die mittlere Kette der Anden bewohnt und die kalte Region
vorzieht, dass das Weibchen ebenfalls schwarz ist und dass man
keinen nackten Fleck auf der Kruppe an jungen Thieren wahrnimmt.
Aus den anatomischen Bemerkungen, die Eudes-Deslong-
champs über den gewöhnlichen amerikanischen Tapir bei-
brachte, ist hervorzuheben, dass die tiefe breite Rinne auf der äus-
seren Fläche des Schädels zwischen Nasen- und Stirnbein nicht, wie
angenommen wurde, zur Befestigung des Rüssels dient, sondern von
einem faserknorpeligen Sack eingenommen wird, dessen Grund in
eine Halbspirale gedrehtf ist. Er comniunicirt durch eine längliche
Oeffnung mit der Nasenhöhle. Es sind die in der Lage veränderten
Nasenflügel. Die Rüsselmuskeln und die eigenthümlichen oberen und
unteren Retraktoren des Penis werden beschrieben; abgebildet sind
die Rüsselmuskeln, Gehirn, männliche Geschlechtstheile, Magen und
Blinddarm (Mem. de la Soc. Linn. de Normandie 1842, daraus in
Müller's Archiv 1843. S. CCLIX).
'Rumittantia»
Vylopoüa. Unter dem Artikel Chameau hat Quatre-
fages im Dict. univ. d'hist. nat. 111. p. 378 eine Uebersicbt
über diese Familie gegeben.
In der glücklichen Unbckannts<haft, in der der Verf mit der
deutschen Literatur lebt, bringt er noch das Mährchcn vom NVasser-
vorrath der Kameele vor, die deshalb bei Wassermangel von den
Archiv t. IVatiirgosrh. X. .lalirg. 1. Bd. N
132 A. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Karavanen geschlachtet würden. Eben so provozirt er noch auf Un-
tersuchung des Gebisses an jungen Thieren, während dies schon
längst von uns aus geschehen ist, und steht in der guten Meinung,
dass wir erst auf Duvernoy hätten warten müssen, um die Beschaf-
fenheit des Lamainagens kennen zu lernen , mit dem übrigens der
Verf. noch gar nicht recht bekannt zu sein scheint.
Stannius hat am neugebornen Lama die interessante Beobach-
tung gemacht, dass dieses gleich dem jungen Kameele, von dem Ref.
es zuerst angab, im Oberkiefer mit 4 Schneidezähnen versehen ist
(Job. MüUer's Arch. für Anat. 1842. S. 388).
Cervina» Ausführliche anatomische Untersuchungen über
das javanische Moschusthier hat Rapp in unserem Ar-
chive S. 43 mitgetheilt.
Gleichzeitig mit Leuckart ( Müller's Arch. 1843 S. 24) ist von
ihm der Mangel des Blättermagens nachgewiesen worden, so dass
das javan. Moschusthier gleich dem Lama und Kameel nur 3 Mägen
hat, und also blos der Pansen, Netzmagen und Labmagen vorhan-
den ist.
Die Frage über die Zeit der Rehbrunft und des Trächtiggehens
der Rehe ist jetzt durch Ziegler in seiner interressanten Schrift:
„Beobachtungen über die Brunft und den Embryo der Rehe, Han-
nov. 1843" zur völligen Entscheidung gebracht. Er fand bereits in
der Mitte Augusts geplatzte Graafsche Bläschen; die Eierchen brau-
chen aber 3 Monate, bis sie durch die engen Eileiter in den Frucht-
hälter gelangen. — Einige bestätigende Beobachtungen brachte Th.
L. Bischoff in Müller's Archiv 1843. S. CLXXVl bei.
Bemerkungen über das Vorkommen der Hirscharten im nörd-
lichen Russland finden sich in Blasius Reise im europ. Riissland
L S. 262.
Soweit die durch französische und durch die gewöhnlichen eng-
lischen Arbeiten geförderte Kenntniss der Hirschgattung reicht, kann
man mit dem Artikel Cerf im Dict. univ. d'hist. nat. HL von Fa-
ch er an verfasst, zufrieden sein; nur darf man darin nicht eine Be-
nutzung der Arbeiten von Wiegmann, S. Müller, Rengger und dem
Prinzen von NeuNvied erwarten. Ueber die fossilen Arten hat da-
selbst Laurilliard eine gute Uebersicht entworfen. — In den Nc-
derl. Verhandel. erschienen die Abbildungen von Cervus equinns und
Russa (tab. 42 und 43). — Ueber eine von ihnen für neu angesehene
Ilirschart im nördlichen Bengalen gaben Kapt. Guthrier und Eid
Nachricht (Calcutt. journ. L p. 501, IL p. 415, daraus in der Isis S. 816
und 835). Entweder Cervus Wallichn oder doch diesem verwandt,
heisst Sungraee (grosser Hirsch). Der Hauptunterschied besteht
in der besondern Gestalt des untern Zinkens, der nicht unter einem
Winkel abgeht, sondern allmälilig ab^\ärts gekrümmt ist und über
die i\ugen vorspringt, so dass er sie fast bedeckt. Zinken finden
sich gewöhlich 6—10, aber auch 16.
Naturgeschichte der Säugthiero während des Jahres 1843. 183
An einem fossilen Unterkiefer, gefunden zu Issou-dun, Dep. de
rindre hat Duvernoy (Instit. p. 177 und 406; Connpt. rend. XVI.
und XVII. p. 1227) nachgewiesen, dass er der Giraffe angehört, und
zwar einer von der lebenden verschiedenen Art. Beides hat Owei^
bestätigt und daran erinnert, dass Cautley und Falconer im Himalay^
2 Arten fossiler Giraffen in der Miocenbildung zugleich mit Fluss-
pferd, Mastodon, Sivatherium etc. entdeckt hätten und dass er sich
durch Vergleichung der fossilen Stücke von der Richtigkeit der Be-
stimmung überzeugt hätte. Duvernoy nennt seine fossile Art Came-
lopardalis Biturigum. . .' .'
Cat>icornia. Im Dict. iiiiiv. d'hist. nat. IM. p. 5(yi fin-
det sich eine Monographie der Ziegen von Ronlin.
Höchst vortheilhaft unterscheidet sich dieselbe von den meisten
andern in diesem Wörterbuche niedergelegten therologischen Artikeln,
indem sie eine gründliche, durchdachte, auf umfassende Autopsie be-
gründete Arbeit ist, auch in besserer Kenntniss der auswärtigen Li-
teratur sich hält, obschon der Aegoceros Falconeri und Aeg. Pallasii
von Rouillier noch nicht aufgeführt sind.
Unter den von den Sivalikbergen stammenden fossilen Ueber-
resten fand Blyth Stücke vom Schädel und den Hornzapfen einer
grossen Art von Schafen, genau verwandt, wenn nicht selbst iden-
tisch , mit Ovis Ammon aus Sibirien ; eben so eine korrespondirende
Portion eines ächten Steinbocks, allem Anschein nach identisch
mit Capra Sakeen, die noch im Himalaya vorkommt (Ann. of nat.
bist. XI. p. 78).
Seine frühere Beschreibung von Antilope Ogilbyi hatte Water-
house Gelegenheit zu vervollständigen (Ann. XII. p. 57).
Tab. 36 — 39 der Nederl Verhandel. wurden Bos sondaictis,
tab. 40, 41 Bos Bubalus abgebildet; auf Tab. 40 und 41 der lUustrat.
of the Zool. of South -Afr. wurde Antilope Ureas dargestellt.
Cetncea»
Von Zeuglodon Ow. (Basilosaurus Har].)" ist ein fast voll-
ständiges Skelct in Alabama gefunden worden (SiiJim. Amerie^
journ. XLIV. p. 409).
In einem mergeligen kalkigen Boden, w'enige Fuss unter der
Oberfläche, lag das Skelet von Zeuglodon (fälschlich Zygodon ge-
schrieben), und zwar ,so, dass die ganze Wirbelsäule vom Kopf an
bis zum Schwanzende in einer fast uiiunterbrorhenen Reihe sich
zeigte; die volle Länge mit Inbegriff des Schädels beträgt fast 70 Fuss.
Die Säugthiernatur dieser Gattung hat Owen in den Transact. of
the Geolog. Soc. 1841. p. 69 nachgewiesen.
Eijie neue Gattung der Urwelt hat Brandt Cetothe-
N*
184 A. Wagner: Bericht ü. d. Leistungen i. d. Naturgesch. etc.
rium benannt (Bullet, de la classe physico-niath. de St. Pe-
tersb. I. p. 145; Instit. 1843. p.241, 270).
Mit Balaenoptera verwandt, aber doch generisch abweichend.
Hieher gehört das von Rathke beschriebene Schädelfragment aus
Kertsch und noch andere Knochen, worauf Brandt sein C. Rathkii
begründete. Eichwald's Ziphius priscus hält er für eine noch zwei-
felhafte Art dieser Gattung.
An die umfassenden wichtigen Untersuchungen Eschricht's
über die nordischen Wallfische, die nun auch in der Isis 1843
S. 276 mitgetheilt sind, brauche ich nicht zu erinnern; ebenso sind
die von Dieffenbach in seinen Travels in New-Zealand gemachten
Erfahrungen über die südlichen Walle beachtenswerth.
Gegen Schlegels Annahme, der nur 2 Arten von Finnfischen gel-
ten lassen will, behauptete Job. Müller in seinem Arch. für Anat.
1842 S. CCXXXVIU, dass Balaenoytera musculns eine ganz bestimmte
Spezies ist, wozu nun noch der von Kröyer und Eschricht beschrie-
bene Finnfisrh von Bergen kommt.
Ueber die Augennerven des Delphins wurden von Stannius
(ebenda S. 378) höchst genaue und umfassende Untersuchungen an-
gestellt.
Bemerkungen über einen an der englischen Küste gestrandeten
Hyperoodon hat Bellingham (Ann. of nat. bist. XI. p. 414) mitgetheilt;
über eine bei Marseille gefangene Phocaena rissouiia findet sich eine
kurze Notiz in der Isis 1843. S. 414. ~ Die rechte Hälfte des Magens
von Hyperoodon enthält, wie Eudes-Deslongchamps angab, 7—8 Ab-
theilungen, die durch Duplicaturen der Schleimhaut getrennt sind
(Mem. de la Soc. Linn. de Normandie. 1842, daraus in Müllcr's Ar-
chiv 1843. S. CCLX).
Delphi7ius leucopleurus wurde von Rasch als n:'uo
Art aufgestellt (Rev. zool. p. 369).
„D. corpore supra coex'ulescente nigro, infra niveo, lateribus
macula longitudinali magna, obliqua, alba griseoque brunoo ornatis;
rostro breviori, maxilla inferiori longiori, dcntibus conspicuis .supra
infraque utrinque 28—35 acutis, incurvis." Länge 2,29 — 2,75 (wahr-
scheinlich Meter). — In der Bucht von Christiania wurden 23 Stück
gefangen.
185
Bericht über die Leisiiiiigen in der Naturgeschichte
der Vög'el während des Jahres 1843.
Vom
Prof. A n d r. Wagner
in München.
Mit Freude begriissen wir die Ankündigung eines Wer-
kes, das bestimmt ist, einem der dringlichsten Bedürfnisse in
der Ornithologie entgegen zu kommen. Es fülirt den Titel:
The Genera of Birds. By G. R. Gray, llhistrated with
abniit 350 platps by D. W. Miteheli. Lond. seit 1844. kl. Fol.
Obsrhon nur die Ankündigung von diesem Werke noch in das
Jahr 1843 hineinfällt — das erste Heft ist erst im Mai 1844 ausge-
geben — so ist es doch eine allzu bedeutsame Erscheinung, als dass
nicht Kcf. schon jetzt auf dasselbe aufmerksam machen sollte. Der
Zweck dieses Werkes ist, das ganze weit umher zerstreute ornitho-
logische Material zu sammeln und geordnet in Vorlage zu bringen.
Demgemäss sollen alle Gattungen und Untergattungen ausführlich
charakterisirt und bei jeder die ihr angehÖrigen Arten mit Namen
aufgeführt und die eine oder die andere Autorität citirt werden.
Jede Gattung wird abgebildet und dazu in der Regel eine noch nicht
abgebildete Art gewählt; ausserdem werden auf andern Tafeln die
einzelnen charakteristischen Theile besonders bildlich dargestellt.
Das ganze Werk soll nicht übei* 50 Monatshefte hinausgehen und
ohngerähr 350 Tafeln enthalten. Jedes Heft kostet 10 s. 6 d. Obschon
eine genauere Analyse dieses Werkes dem nächsten Jahresberichte
vorbehalten bleiben muss, so kann Ref. doch schon nach Ansicht
der ersten Hefte versichern, dass das Unternehmen in keine bessern
Hände als in die von Gray und Mitchell hätte fallen können. Text
wie Abbildungen sind gleich vortrefflich bearbeitet und bei der um-
fassenden Kenntniss der Literatur, die R. Gray besitzt, darf man auf
möglichst vollständige Bewältigung des Ungeheuern Materials rech-
nen. Dies ist ein Werk, das keiner Bibliothek fehlen darf; ein Zoo-
log wenigstens, der sich in Kenntniss des neuesten Standes der Or-
nithologie halten will, kann ohne dasselbe nicht mehr auskommen.
Ornitologia povvszechna, czyli opisande ptaköw wszy-
stkich czfsci swiata przez Hr. Konstantetogo Tyzen-
hauza. Wilno. 1842. I. CXXVIII. und 509 S. 8.
igfi A. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Graf Tysenhaus, ein ausgezeichneter Ornitholog, beabsichtigt in
dieser, in polnischer Sprache verfassten Ornithologie eine Schilderung
aller hauptsächlichen Gattungen, einheimischer wie ausländischer,
liebst ihren wichtigsten Arten. Die Anordnung hält sich an das Sy-
stem \on Temminck; der erste Band umfasst dessen Ordnungen der
Raubvögel, Omnivoren und Insektivoren.
Da im Polnischen eine ähnliche Arbeit noch nicht existirt, so.
ist es von dieser zu erwarten, dass sie unter den Polen einen leb-
hafteren Eifer für Ornithologie erregen wird. Nach dem Leben vor-
trefflich abgebildet ist Strix micropthalmos Tys., wie der Verf. sehr
treffend die Strix lapponica benennt.
Zasady Ornitologii albo nauki o ptakach. Przez Hr.
Koiistantogo Tyzenhauza. Wilno 1841. 165 S. 8.
Das Hauptverdienst dieser Schrift besteht in der Uebertragung
der Jlliger'schen Terminologie für die Klasse der Vögel in die pol-
nische Sprache, mit Beigabe von 6 gut gearbeiteten Tafeln zum bes-
sern Verständnisse der Kunstausdrücke. Zur Herstellung einer Gleich-
förmigkeit in der Terminologie wäre es sehr zu wünschen, dass ähn-
liche Arbeiten auch von englischen und franz.ösischen Ornithologen
imtemommen werden mochten.
Ovographie ornithologique, par W. O. De.s Murs (Rev.
zool. 1843 p. 'JSS).
Fortsetzung der früherhin schon erwähnten Arbeit, und zwar
diesmal von der Farbe der Eier im Allgemeinen und ihren Ursprung
handelnd. — Von Berge's Fortpflanzung der Vögel ist die 12te Lief,
angekündigt. — Hewitson's coloured lllustrations of the Eggs of
British Birds, with Descript. of the Eggs and Nests. Lond. part 12.
price 2 s. 6 d .
Mehr praktischer Tendenz sind die Zusätze und Nachtrage zu
Brehm's Handb. für den Liebhaber der Stuben-, Haus- und alle*
der Zähmung werthen Vögel." (Isis 1843 S. 484). Die Zusätze rüh-
ren theils von Brehm, theils vom Grafen G ourcy-Droitaum on t,
theils von Dr. Richter her, und beruhen auf vielfachen, bewährten
Erfahrungen genauer Beobachter. - Ueber den Nutzen der Vögel in
der Oekonomie der Natur etc. von St. K. v. Siemuszowa-Pie-
truski (Isis S. 585). — Andrea, die vorzüglichsten Sing- oder Stu-
bcnvögel Deutschlands. Naturgesch. und Fang der Vögel, Behandlung
derselben nebst Anleitung eine Canarienvögel- Hecke emzunchten.
Erf. 1843.
''[ Sehr reichlich sind wieder die Spezialfaunen mit Bei-
trägen versehen worden.
An die Spitze der europäischen Faunen ist zu stellen:
„die Vögel Europa's. Gezeichnet und in Stahl gestochen von
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1843. 187
Joli. Conr. und Ed. Suse mihi." Text bearbeitet von Dr.
Schlegel. Stuttg. Balz.
Die Fortsetzungen sind jetzt im rascheren Zuge begriffen.
Bei den Raubvögeln wird weiter von diesem Werk die
Rede sein.
Catalogo nietodico degli Uccelli Europei di Carlo L.
Bon aparte, Principe di Canino. Bologna. 1842.
Sehr brauchbare Uebersicht der europäischen Arten, mit Angabe
der Synonymen und der geographischen Verbreitung.
Naumann' s Naturgesch. der Vögel Deutschlands ist im
raschen Fortgange, und im Jahre 1844 kommt dieses ausge-
zeichnete Werk zum Abschluss.
Beiträge zur Ornithologie Griechenlands, von Heinricl»
Graf von der Mühle. Leipz. 1844. 152 S. 8.
Der Verf. benutzte seinen Aufenthalt als Offizier in Griechenland
zum fleissigen Sammeln und Studiren der dortigen Vögel und giebt
in diesem Buche ein Verzeichniss der von ihm in Griechenland beob-
achteten Vögel mit vortrefflichen Bemerkungen über die Unterschiede
der minder bekannten, so wie über ihre Lebensweise. Im Ganzen
führt er 321 Arten auf, doch meint er selbst, dass diese Ziffer wohl
auf 350 sich erhöhen dürfte. Der Verf. zeigt sich durchgängig als
guter Beobachter und mit der Literatur wohl vertraut.
Früher erscliien , obschon der Graf von der Mühle sie
nicht mehr benutzen konnte, eine ähnliche Arbeit: „die Vögel
Griechenlands von Dr. Ant. Lindermayer in Athen" (Isis
1843. S. 321).
Zählt 263 Arten auf und giebt ebenfalls sehr schätzbare Bemer-
kungen über einzelne Arten, besonders über Lebens und Brüteweise.
Obschon L. 58 Arten weniger als M. anführt, so hat er doch 12 Ar-
ten, die von diesem nicht erwähnt werden. Zählen wir diese 12 zu
den 321 Spezies, die Graf M. als griechische Vögel angiebt, so stei-
gert sich deren Gesamratbetrag bereits auf 333 Arten.
Faune ornithologique de la Sicile, avec des observations
sur l'habitat ou l'apparition des oiseaux de cette ile soit dans
le reste de l'Europe, soit dans le nord de l'Afrique, par Al-
fred Malherbe. Metz 1843. 242 8. 8.
Sizilien, zwischen dem europäischen und afrikanischen Konti-
nent situirt, hat für den Ornithologen eine sehr glückliche Lage, da
hier die Vögel beider Welttheile zusammentreffen. Der Verf , seinem
amtlichen Berufe nach Jurist, aber in der Ornithologie wohl erfah-
ren, füllt eine grosse Lücke in der Kenntniss der geographischen
Verbreitung der Vögel durch diese Fauna aus, die mit grossem
JgQ A. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Fleisse und tüchtiger Erfahrung bearbeitet ist, und noch ein beson-
deres Interesse dadurch gewinnt, dass sie auf die Fauna der umlie-
genden Länder fortwährend Rücksicht nimmt. Der Verf. zählt auf
Sizilien 318 Arten auf, von denen jedoch 35 zweifelhaft sind.
An diese Beiträge zur Kenntniss der geographischen Verbreitung
der Vögel längs des Mittelmeerbeckens schliessen sich noch 2 andere
an: Drummond, Katalog der auf Korfu und den andern ionischen
Inseln, so wie an der Küste von Albanien gefundenen Vögel, mit
Bemerkungen von Strickland (Ann. ofnat. bist. XIL p. 412). Drum-
mond sammelte vier Jahre und brachte 200 Arten zusammen, von
denen 157 mit England gemeinsam sind, doch ist hierbei zu bemer-
ken, dass gleichwohl die Physiognomie dieser beiderlei Faunen weit
differenter ist als es diese Zahl vermuthen lässt, indem viele auf den
ionischen Inseln ganz gewöhnliche Arten, wie z. B. Cathartes per-
cnopterus, Falro rufipes, Glareola torquata u. s, w. in England nur
selten und zufällig vorkommen. — Von demselben Beobachter rührt
das Verzeichniss der während eines zweimonatlichen Aufenthaltes
wahrgenommenen Vögel auf der Insel Kreta her, das Strickland eben-
falls mit einigen Bemerkungen begleitet hat (Ann. XII. p. 423). Der
Aufenthalt dauerte vom 27. April bis 18. Juni 1843. Aufgezählt sind
105 Arten, darunter 84 auch in England. Alle wurden ebenfalls auf
den ionischen Inseln gefunden, mit Ausnahme von Arcentor alpinus,
Anthus Richardi, Fringilla cisalpina und Platelea leucorodia.
An sonstigen Beiträgen zur europäischen Vögelfauna sind er-
schienen: H Bouteille, Ornithologie du Dauphinc Grenoble 1843.
— E. Canivet, catalogue des oiseaux du dcpartement de ]a Manche.
1843. — Die Vögel Sirmiens, von Ch. L. Landbek (Isis 1843 S. 2
und 83). Sehr reichhaltig an eigenen genauen Beobachtungen, und
zählt 278 Arten auf, unter denen jedoch 10 zweifelhaft sind. — Die
irischen Vögel von W. Thompson (Ann. ofnat. bist. XI. p. 283,
XII. p. 31). Fortsetzung der schon früher begonnenen .Arbeit; dies-
mal die Tauben und den Anfang der Hühnervögel enthaltend. — Ver-
zeichniss und Bemerkungen über die in Norwegen vorkommenden
Vögel von H. Rasch (Nyt Magaz. for Naturvidenskaberne. Christia-
nia I. S. 356).', In der Isis sind die Namen der Arten angegeben.
Norwegen zählt 218 Arten, und Christiania 194, Schweden (nach
Nilsson) 269. — Skandinaviska Foglar, af M. Körner. 9 Haftet.
Stockh. 1843. — Brandt, Verzeichniss der von Herrn Bystrow in
Mesen an das zoolog. Museum der Akademie eingesandten Säugthier-
und Vögelbälge (Bullet, scientif. de l'Acad. de Petersb. X. 1842.
p. 350). Zählt 5 Arten Säugthiere und 62 Arten Vögel auf, aus der
Gegend von Mesen am weissen Meere herrührend auf; darunter Em-
berixa pusilla Pall. , die hiermit in die Reihe der europäischen Vö-
gel tritt.
Mit der asiatischen Fauna befassen sich:
Brandt's Bemerkungen über einige von Latham beschriebene.
Naturgeschichte dor Vögel während des Jahres 1843. 189
bisher aber ungenügend bestimmte, sibirische Vögel (Ann. of nat.
Iiist. XI. p. 113). — Illustrations of Indian Ornithology, a series of
fifty coloured lithographic Drawings of Indian Birds, accompanied
by descriptive Letterpress. By T. C. Jerdon. Madr. 1843. —
E. Blyth, Verzeichniss der in der Gegend von Calcutta vom Sep-
tember 1841 bis März 1843 erhaltenen Vögel (Ann. Xll. p. 90 u. 165).
rührt 274 Arten auf. Einige Zusätze nnd Berichtigungen folgen auf
S. 229. Schon früher hatte er in den Ann. XI. p. 477 ein Verzeich-
niss der Vögel geliefert, die sich sowohl in Indien als Europa finden.
— Eine Liste von Vögelbälgen, in den nordwestlichen Theilen von
Bengalen gesammelt, findet sich ebenda S. 476. — Gute Bemerkun-
gen zu Gould's Werke über die Vögel des Himalayas thoilte Brehm
mit (Isis 1843. S. 886). — Ein kleines Verzeichniss chinesischer, um
Kanton gesammelter VÖgel maclite Strickland bekannt (Ann. XU.
p. 22Ü). — Nr. 6 und 7 der Land- en \'olkenk. der NederJ. Verband,
sind reich an Aufschlüssen über die Vögel des indischen Archipels
und viele neue Arten daselbst von S. Müller und Schlegel auf-
gestellt.
Die afrikanische Vögel - Fauna i.st die.?nial spärliclier be-
dacht worden.
Zu des Ref. Kenntniss ist gekommen: A. Smith, illustrations
of the zoolog. of South -Africa. Nr. 17, 18 und 19. — Harris, the
riighlands of Aethiopia. Vol. 11. app. p. 418 mit Bemerkungen über
die Vögel von Dr. Roth.
Reichlicher .«^ind die Beiträge zur anierikani.schen Fauna:
Reinhardt, Mittheilungen über einige bisher in Grönland nicht
angetroffene Vögel (Isis 1843 S. 59). — Verzeichniss der bekanntesten
Vögel in Labrador (Münchn. gel. Anzeig. XVllI. 8. 421), von den
Missionaren der Brüdergemeinde gefertigt, doch sind die Vögel nur
nach den Landesnamen aufgeführt. — Richard son, Liste von 12
Vögelarten, die am Mackenzie unter 62" n. Breite gesammelt wurden
(Ann. of nat. bist. XI. p. 484). — Linsley, Katalog der Vögel von
Connecticut (Sillim. Americ. journ. 1843. p. 249). Es sind 302 Arten
aufgezählt und werthvoUe Bemerkungen beigefügt. — J. v. Tschudi,
Diagnosen einiger neuer peruanischer Vögel (in unserem Arch. 1843.
I. S. 385). 22 Arten, deren ausführliche Beschreibung mit Abbildun-
gen in der Fauna peruana geliefert werden wird.
Auch die australische Vögelfauna ist nicht leer ausge-
gangen :
G. R. Gray, Verzeichniss der auf Neuseeland, Chatham und
Auckland gefundenen Vögel (Dieff eub acii , travels in New Zealand
II. p. 186). Im Ganzen 84 Arten, worunter mehrere, die bisher nur
auf diesen Inseln wahrgenommen wurden; die Namen habe ich in
den Münchn. gel. Anzeig. XVII. S. 58 mitgetheilt. — Strickland,
Bemerkungen über eine Sammlung australischer Vögelzeichnungen
190 A. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
im Besitz des Grafen von Derby (Ann. XI. p. 333). Ferner G. R.
Gray, Berichtigung der Nomenclatur australischer Vögel (ebenda
p. 189). Nach Zeiclinungen, die White, der Hei-ausgeber des „Jour-
nal of New South Wales" von australischen Vögeln fertigte, hatte
Latham viele Arten publizirt, jedoch in ungenügender Weise, so dass
es Dank verdient, dass Strickland und Gray, denen sich auch noch
Gould beigesellte, durch Vergleichuug mit den Originalgemälden die
Lathamschen Arten genauer zu bestimmen unternahmen. — Von
Gould's Prachtwerke: „The Birds of Australia" sind im Laufe des
Jahres 1843 Heft 10, 11, 12 und 13 erschienen.
An allgemeineren anatomischen Arbeiten sind zn beachten:
W. V. Rapp, über die Tonsillen der Vögel (Müller's Arch. für
Anat. 1843 S. 19). Es ist ihm gelungen , die Tonsillen auch bei den
Vögeln zu finden. — Stannius, über Lymphherzen der Vögel
(ebenda S. 449). Er hat sie beim Storch, Strauss, indischen Kasuar,
Gans, Schwan, Colymbus und Alca aufgefunden und quergestreifte
Primitiv-Muskolbündel an diesen Gebilden wahrgenommen.
Unter den urweltlirhen Fährten versichern sich die Geologen
nicht blos immer mehr des Vorkommens von Vogeltritten, sondern
sie sind jetzt bereits so weit gekommen, dass sie die Spuren urwelt-
lichen Regens nachzuweisen sich getrauen. Im rothen Sandsteine
von Connecticut ist es hauptsächlich, wo Hitchcock, Vanuxem, Lyell,
Mantell u. A. nicht blos die Fussstapfen von Vögeln, sondern auch
die Spuren urweltlioher Regentropfen erkennen wollen ( Ann. of nat.
bist. XI. p. 322, .^13). Bei solcher immer mehr sich steigernder
Scharfsinnigkeit im Beobachten kann es zuletzt kommen, dass die
Geolog.n auch noch das Gras wachsen hören.
JLccipitr es.
Schlegel hat seine Darstellung der europäischen Tag-
raubvögel im vorhin genannten Werke beendigt.
Eine höchst verdienstliche Arbeit, wie sie nur einem Ornitho-
logen von solchen umfassenden Kenntnissen und dem eine so reiche
Sammlung als die Leydner zu Gebote steht, möglich ist. In der Kri-
tik scheint mir der richtige Mittelweg zwischen den beiden Extre-
men: der zu grosser Vervielfältigung oder Zusammenziehung der)
Arten, gUirklich eingehalten zu sein. Sehr lol)enswerth ist die be-
ständige Rücksichtsnahine auf verwandte ausländische Formen, wo-
durch häufig eine Zurückführung auf bekannte Arten möglich wird.
Die Tafeln sind vortrefflich gezeichnet und gestochen, aber das Ko-
lorit dürfte lebhafter sein, was leicht zu bewerkstelligen ist und auch
dem Werke mehr Liebhaber gewinnen wird. Unter allen ornitholo-
gischen Leistungen, die vom Jahre 1843 vorliegen, erkennt Ref. diese
als die bedeutendste an. Ein grosser Vorzug von ihr ist auch das
gewählte Format, was eben so die bequeme Benutzung erhöht, als
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1843. 191
die Kosten ungemein verringert. Luxuswerke, wie die Gouldschen
und Audubon'schen, sind nicht zur Verbreitung und Förderung der
Wissenschaft geeignet, sondern müssen nothwendig ihrer unnöthigen
Kostspieligkeit halber, den Kreis der Naturforscher, die zu ihrer
Benutzung kommen können , immer enger ziehen und gereichen da-
durch der Ornithologie am Ende nur zum Verderben.
Ueber die Raubvögel, welche in der Gefangenschaft gehalten
werden können, hat Brehm gute Bemerkungen beigebracht (Isis
S. 511).
Lindermayer (Isis S. 523) stellt zwar noch Vultur
/ulvus und V. alhicollis als besondere Arten nebeneinander,
allein seiiie eigenen Angaben beweisen die Einheit der Art.
Er sagt nämlich selbst, dass 1) V. albicoUis sich in seiner Le-
bensweise nicht vom V. ßiivus unterscheide, 2) dass er sich nur in
Gesellschaft desselben finde, 3) dass seine Geier so viel Verschieden-
heiten darbieten als Exemplare sind , und dass insbesondere von der
Halskrause des F. fnlvus zu der des F. albicoUis alle möglichen
Nüancirungen vorkommen, und 4) dass die Eier des F. albicoUis
ebenfalls braunroth gefleckt, nur weniger dicht als die des F. fulvus.
Die Eier des V. cinereus, von deren Beschaffenheit man bisher
nichts Sicheres wusste, bezeichnet L. als ganz weiss, ohne Flecken.
Malherbc dagegen sagt, dass sie gegen das dicke Ende braun gefleckt
und hellroth gewässert seien. Umgekehrt legen andere dem F. ful-
vus einfarbige Eier bei. Bei diesem Widerstreit der Angaben, aus
Verwechselung der Nester beider Arten entstanden, möchten wohl
die von L. die meiste Autorität für sich haben. — Vom V. aurictt-
laris , der nach Schlegel und Temminck in vielen Exemplaren von
Griechenland aus versandt worden sein soll, ist hier weder von L.,
noch vom Graf von der Mühle getroffen worden.
Falco rußpes ist von L. nur auf dem Durch/.uge im Frühling
um Athen gesehen worden; dabei weit mehr alte Männchen als Weib-
chen. In der Morea ist er dagegen vom Graf v. d. Mühle auf dem
Hin- und Rückzuge häufig gesehen; auf letzterem jedoch nur Weib-
chen und Junge. Einzelne bleiben nach seiner Angabe auch zum
Brüten.
Falco arcadicns als neue Art von Lindermayer aufgeführt
und tab. 1 abgebildet, scheint, wie er selbst vermuthet, doch nichts
anders als der jüngere Zustand von V. concolor Temm. oder F. Eleo-
norae Gene zu sein, welche beide letztem sich sehr ähnlich, doch
noch zu wenig gekannt sind, um ihre s])ezifische Identität mit Sicher-
heit auszusprechen.
An griechischen Falkenarten führt Graf von der Mühle folgende
6 Arten auf, nämlich: Falco Haliaetus, Bouelli, laniarius , jiennuius,
melanopterus und parasiticus, die bei L, nicht genannt sind.
h . Aussereuropäische Arten, als neu aufgestellt oder doch neu ab-
192 A. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
gebildet sind: Falco subniger , unbekannter Heimath, F. guttatus
und Astur cristatns ; beide letztere von den Philippinen (Gray,
Ann. XL p. 371). — Haliaetos unicolor Gray scheint nach Brandt
identisch mit Falco leucoryphos Lath (Ann. of nat. bist. XL p. 113).
— Haliastnr leucostenius Gould und Hatinstur? (Milvus) spheiiurus
Vieill. hat Gould abgebildet in seinen Birds of Austral. part 11. —
Ebenda: Astur Novae HoUattdiae Lath. im grauen, so wie im weissen
Albinokleide (part. 12); Tinnunculus cencroides Vig., Circus assimilis
Jard. und C. Jardinü GoulA (part. 10); Pandion leucocephalm GomXA
(part. 13). — Neue von Gould aufgestellte Arten sind noch: Astur
cruentus und Elanus scriptus ; beide von Australien (Ann. XL p. 528
und 401).
Polyboroides (Nomina generica in oides desinentia e foro
releganda sunt. Philosoph, bot. §. 216) typicus Smith {Falco gy-
timogenys T^amm.) ist von A. Smith in seinen lllnstrat. of the Zool.
of South Afr. tab. 81 und 82, alt und jung, abgebildet und ausführlich
beschrieben worden.
Eine Uebersicht über die allgemeinen Verhältnisse der
Eulen hat Gerard im Dict. univ. d'hist. nat. HL p. 631
unter dem Artikel chouette geliefert.
Gehört zu den besten ornithologischen Artikeln, die in diesem
Theile enthalten sind. Mit Recht betrachtet G. die angebrachten
Abtheilungen als blosse Untergattungen; auf die Arten geht er nicht
ein. Da in einem Wörterbuche die Artikel leicht zu finden sind,
auch in den vorliegenden meist nicht sonderlich ins Detail eingehen,
wird Ref. sie für gewöhnlich nicht besonders anführen.
Hinsichtlich des Sommer- Aufenthaltes von St rix brachyotus hat
Malherbe eine sehr abweichende Angabe von der Linder-
mayer's, Graf v. d. Mühle und Drummond's. Nach letzteren
wird er in Griechenland und auf Korfu niemals während des Som-
mers, sondern nur auf dem Zuge und im Winter gesehen; nach Mal-
herbe dagegen ist er sehr gemein im Sommer in den Gebirgswal-
dungen Siziliens, was Folge der hohen Lage ist. — Merkwürdig ist
es, dass Strix Teiigmahni (s. dasypus) nach L. bis nach Griechen-
land geht; er nennt diese Art „sehr selten und nur in Olivenwäldern."
Zwei abyssinische Eulen beschrieb Guerin-Meneville unter
dem Namen Bubo ciuerascens und Ottis abyssiuicus (Rev.
zool. p. 321).
Passerinae»
Corvinae* Die seit Kurzem ziemlich allgemein gewor-
dene Annahme, dass Rabenkrähe {Corvus corone) und Ne-
belkrähe {Corvus cornix) nur Varietäten einer und dersel-
ben Art seien, fängt bereits wieder an als ziemlich unhaltbar
I
Naturgeschichte der Vögel wahrend dos Jahres 1843. 193
zu erscheinen, wenigstens ist es gewiss, dass ihre Farben-
verschiedenheit nicht auf Rechnung klimatischer Einwirkungen
(der grössern oder geringern Hitze) gebracht werden darf.
Nach Gloger soll die schwarze Krähe hauptsächlich dem Süden,
die graue dem Norden angehören. Dies ist insofern richtig, als in
Franken und Bayern die Nebelkrähe nur im Winter und da z'. B. um
München in manchen Wintern höchst selten gesehen wird. Dagegen
erklärte es schon Gloger als etwas Sonderbares, dass die Nebelkrähe
auch in Toskana, Dalmatien, Sardinien u. s.w. viel häufiger als die
schwarze, oder gar nur allein vorgefunden wird, ja selbst einigen
griechischen Inseln nicht fehlen soll. Diese Thatsache hat sich in
neuerer Zeit immer mehr bestätigt. Lindermayer führt zwar die
Nebelkrähe nur als Wintcrvogel an, dagegen ganz im Widerspruche
damit sagt Graf v. d. Mühle von ihr: „findet sich das ganze Jahr
hindurch in Griechenland, zumal bei Lamia, Patras und um Athen,
was merkwürdig ist, nur in Gesellschaft von Kohlraben, wie von c!
corone", obschon diese ebenfalls häufig ist. Malherbe hat auf Sizi-
lien die Rabenkrähe so wenig als Benoit gefunden; für ihr Vorkom-
men bezieht er sich nur auf Galvagni, der sie in seiner Fauna des
Aetna angiebt. Die Nebelkrähe dagegen ist nach M. in Menge auf
Sizilien vorhanden. Eben so hat Drummond auf Korfu die Raben-
krähe gar nicht gesehen, während die Nebelkrähe daselbst gelegent-
lich und in Albanien sehr häufig vorkommt, hier auch brütet. Von
Kandia führt er ebenfalls blos die Nebelkrähe an, und zwar als sehr
zahlreich und hier brütend. Landbck belehrt uns in der Isis 18i2
S. 185, dass in Ungarn und Siebenbürgen die Nebelkrähe häufig, die
schwarze sehr selten ist. Ref will noch bei dieser Gelegenheit be-
merklich machen, dass aus Hofraths v. Schubert Heise in der hiesi-
gen Sammlung ein Exemplar der Nebelkrähe aus Kairo steht; auch
Rüppell führt unter den abyssinischen Vögeln nur die.se, nicht die
sch-warze Krähe an. Schon diese Angaben genügen, um zu zeigen,
dass graue und schwarze Krähen nicht nach Nord und Süd ausein-
ander geschieden, sondern fheiis vermengt mit einander theils in ab-
wechselnden Complexen getrennt von einander im Norden wie
im Süden vorkommen. Diese seltsame Verbreitunirsweise spricht
eher für spezifische Gesondertheit der Nebel- und Rabenkrähe; we-
nigstens erweist sie, dass ihre Farbenverschiedenheit nicht von der
Temperatur und sonstigen atmosphärischen Einflüssen abhängig ist.
Die etlichen Fälle, die man von Verpaarung der Nebel- und Raben-
krähen kennt, entscheiden für ihre spezifische Vereinigung so wenig
als analoge Fakta Pferd und Esel als eine einzige Art ausweisen.
Erst wenn der Nachweis geliefert ist, dass die Blendlinge unter sich
eme permanent fruchtbare Nachkommenschaft mit einander zu er-
zeugen vermögen, erst dann und nicht eher ist die Nothwendigkeit
Nebel- nnd Rabenkrähe unter einer und derselben .Art zu vereini-^cn
unwidersprechlich dargelegt. ^ '
194 ^^' Wagner: Bericht über die Leistungen in der
In der Angabe der Wohnörter von Corvus Pyrrhocorax und C.
Graaihis scheint Lindermayer die Namen zu verwechsehi, denn wie
Graf V. d. Mühle angiebt, ist die in den Schhichten Tripolitzas vor-
kommende Art C. Pyrrhocorax und die auf dem Hymettus und Pen-
telikon ist C. Gracuhis. — Den C. (Garrulits) melatiocephalus , der
nach Temminck in Griechenland gemein sein soll, haben weder L.
noch Graf v. d. Mühle daselbst angetroffen, sondern nur den C. glan-
dari'us; auch Drummond hat auf Korfu nur diesen gefunden, so dass
Temminck's Angabe auf einem Irrthum beruhen muss.
Ueber die Lebensweise einer schon seit zwölf Jahren auf eiheni
Hofe gehaltenen Saatkrähe Hess D. Landsborough einige Bemer-
kungen in die Ann. of nat. hist. XL p. 275 einrücken. — Struthidea
cinerea von Neuholland hat Gould in den Birds of Austral. part. id
abgebildet.
Auf die sehr eigenthümliche Luftröhrenbildung des Cephalopterus
machte Tschudi aufmerksam (MüUer's Archiv 1843 S. 473).
A^tnpelitlae» Zur Gattung Ampelis siiul mehrere neue
Arten gekommen.
Lafresnaye errichtete 2 Arten: Ampelis aureopecttis von
Santa-Fe de Bogota (Rev. zooL p. 68, Magas. de Zool. tab. 39) , und
A. arcuata (Rev. p. 98) aus Columbien. Beide gehören zu den
grünen Arten mit rothem Schnabel, zu welcher Abtheilung auch die
von Tschudi (in imserm Archiv S. 385) aufgestellte A. e leg ans
vom Tullumayo-Flusse zu rechnen ist, während seine ^. czwc?« au»
den Wäldern von Pangoa durch den schwarzen Schnabel abweicht.
Gould hat seinen Pardalotiis quadraghitus von Vandiemens-
land in den Birds of Austral. part. 12 abgebildet. Davon haben S.
Müller und Schlegel ihren P. obsolet us von Timor als beson-
dere Art unterschieden (Verh. Land- cn Volkenk. p. 174).
J. Goudot hat ausführlich die Rupicola peruviana, auch ihr
Nest und Eier beschrieben (Rev. zool. p. 1; Mag. de zool. tab. 37
Ei). — Pipra linearis Bonap. und P. vitellina Gould aus Central-
Amerika wurden in der Zoology of the voy. of Sulphur. Birds p. 40,
41 tab. 20 und 21 abgebildet.
Neu aufgestellt wurden von Gould: Pachycephala fal-
cata, melanura und Simplex aus Australien (Ann. of nat. hist.
XILp. 61).
JFringillidae* Ueber die geographische Verbreitung
von Frivgilla domestica, dsalphia und hispaniolensis sind ge-
nauere Anhaltspunkte gegeben worden.
Graf V. d. Mühle liat F. cisalpina nie in Griechenland gesehen;
der dortige Haussperling unterscheidet sich in gar nichts von dem
deutschen; als grösste Seltenheit daselbst gicbt er F. hispaniolensis
an. Auch Lindermayor sagt, dass sich der griech. Hauss])erling nicht
von dem deutschen unterscheide, dagegen behauptet er das Vorkom-
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1843. I95
mcn von F. cisalpina, „im Frühjahre und Sommer selten", wenn dies
nicht etwa auf Verwechselung mit F. hispaniolensis beruht. Drum-
mond hat auf Kandia nur F. cisalpina gefunden, aber nicht F. do-
mestica, während diese in Menge auf den ionischen Inseln vorkommt,
wo dagegen F. cisalpina ganz fehlt. Auf .Sizilien hat Malherbe F.
cisalpina und hispaniolensis beisammen gefunden, ohne dass sich
beide vermengen ; F. domestica fehlt dagegen. Ref. hält sowohl F.
cisalpina als hispaniolensis nur für lokale südliche Abänderungen der
F. domestica, wobei F. hispaniolensis mehr den westlichen Gegen-
den zufällt.
Fringüla coelebs kommt, nach Drummond, zu Anfang Oktobers
auf Korfu an, ist gemein während des Winters, und verschwindet zu
Ende Februars, während sie dagegen zahlreich auf Kandia brütet,
worüber sich D. wundert, was aber wohl nur von den hohen bewal-
deten Gebirgen herrührt, wodurch die Temperatur auf letzterer Insel
gemässigt wird. — Wenn Drummond dagegen die F. montium als
Standvogel für beide Inseln angiebt, so ist dies offenbar ein Schreib-
fehler und darunter F. tnotitana gemeint, die er mit diesem Namen
nicht in seinem Verzeichnisse aufführt, während sie doch daselbst
nicht fehlen wird.
Landbek hat eine ausführlichere Beschreibung seines Sumpf-
hänflings {Fringilla palustris) in der Isis S. 597 entworfen. Er
steht in der Gestalt und Farbe mitten zwischen F. cannabina und
montium, ist im Elsass beobachtet wordin, und sind weitere Beob-
achtungen über ihn zu gewältigen, bevor man sich mit Sicherheit
über seine Stellung zu den andern Arten aussprechen kann.
Aus dem Fasser arctons Pall. bildete Brandt (Bullet, scientif.
de l'Acad. de Petersb. X. p. 251) 3 besondere Arten, von ihm Frin-
gilla {Linaria) Gebleri, hrxinneonnch a und griseonucha
benannt. Nachdem er noch mehr Exemplare aus Sibirien erhalten,
überzeugte er sich, dass F. Gebleri vollkommen mit Passer arctous
var. a Pal), übereinkommt, daher er den Namen in Fringilla
arctoa umänderte, wogegen er nun (in den Bullet, de la classe
phys. de Petersb. I. p. 363) die Benennung F. Gebleri auf eine
vierte , der vorigen anverwandte Art übertrug. Ausserdem stellte
Brandt daselbst noch eine neue sibirische Art auf: Vyrrhula {Co-
rythvs) rhodochlamys, in Grösse und Färbung der P. rosea ähn-
lich, al)er ohne die beiden weissen Flügelttecken , während hierin
und in der Schnabelforni sie sich dem Corythus ruticilla nähert.
Gould hat in der Reise des Sulphur 3 dieser Familie angehö-
rige Vögel abgebildet: Fringil/a (Linaria?) coccinea p. 41 tab. 22
von den Sandwichs-Inseln, Leucosticte griseogenys Gould p 42 tab. 23
aus dem russischen Nordamerika, und Cactornis inornatus Gould
p. 42 tab. 25 von der Bow-Insel. — Carduelis colombianus .
Fringilla analis, Sper mop hila luctuosa und olivaceo-
^96 A. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
flava, alle aus Columbien, hat Lafresnaye als neue Arten aufge-
stellt (Rev. zool. p. 291).
Passer puiillus Pall. wurde von Brandt nach beiden Geschlech-
tern genau charakterisirt und ihm sein Platz unter Pyrrhula {Dryo-
spixa) angewiesen (Bullet, de la classe phys. de Petersb. 1. p. 366).
Die von Coccothraustes unnöthiger Weise abgetrennte Gattung
Guiraca hat Lafresnaye mit einer Art: G. cinerea von den Gal-
lopagos- Inseln bereichert (Mag. de zool. tab. 30), und halt bereits
einen neuen Gattungsnamen Piexotina in Bereitschaft, falls zu den
von der äussern Beschaffenheit hergenommenen spezifischen Merk-
malen auch noch etwa in der Lebensweise ein oder das andere hin-
zukonmien sollte. Dauert dies Unwesen mit der Gattungsmacherei
so fort, so werden wir bald nicht viel weniger Gattungen als Arten
haben. — Catamblyrhynchus diadema wurde von ihm im Mag. de
Zool. tab. 34 abgebildet.
Von der Niger-Expedition charakterisirte Fräser (Ann XI. p. 131
und 133) mehrere neue Arten Fringilliden: Ploceus collarls,
Eiiplectes rufo-velatus, Coccothraustes oliv aceus^ Nt-
grita ftisco -notus^ Amadina jioensis und bicolor. Ni-
grita ist ein neuer Name, den Fräser in Vorschlag für Aethiops
bringt, weil dieser bereits an einen Affen vergeben sein soll, wobei
er jedoch im Irrthum ist, indem dieser in der Therologie nur als
spezifischer, nicht als generischer Name verwendet, die Aenderung
also völlig überflüssig ist. — Amadina Lathami Vig. und A. casta-
notis Gould sind in den Birds of Austral. part. 13 abgebildet. —
Ploceus tnelanotis von Guerin als neue Art aus Abyssinien auf-
gestellt.
IVlit Errichtung zweier überflüssiger Gattiiiigen Emhlvina
und Poephild hat Gould diese Familie beschwert (Ami.
XI. p. 144).
Die Definitionen lauten: 1) Emhlema „rostrum fere quam Ca-
put longum, conicum (ut in genere Ploceus). Alae mediocres, re-
mige prima parvula, 4 proximis inter se aequalibus; tertiariis elon-
gatis. Cauda niediocris et fere quadrata paululum rotundata. Pedes
plantigradi, digitis gracillimis; digito intermedio externis longiore,
illis inter se aequalibus." Hiehcr E. picta von Ncuholland. —
2) Poephilu, ,, rostrum ad basin tumidum et igitur tam latum et
profundum quam longum. Alae mediocres, remige prima parvula,
2—5 inter se fere aequalibus; digitis gracilibus, medio externis lon-
giore, illis inter se aequalibus; digito postico medio valde breviore.
Cauda cuneiformis, rectribus 2 intermediis productis." Typus: Ama-
dina achticauda. Als neue Spezies hat Gould P. persouata von
der Nordküstc Neuhollands beigefügt.
Ans Sibirien crliieii IJrandl eine nent; Animer-Art, von
Naturgeschichte der Vögel wahrend des Jahres 1843. I97
ihm Emherixa cioides benannt (Bullet, de Petersb. I. p..363;
Instit. p. 349).
„Habitus et colorum distributio fere ut in E. Cia, cui simillima.
Rostrum brevius quam E. Ciae. Froiis, capitis latera cum superciiiis,
mentum, gula et genae alba. Macula parotica latior quam in E. Cia.
Vertex castaneus, cinerascente vel albicantc subimbutus. Pectus
torque plus niinusve laete castanea. Abdomen niedio albidum, late-
ribus paljide ferrugineum. Reliqua ut in E. Cia." — Brandt macht
ferner in den Ann. of nat. hist. XI. p. 114 bemerklich, dass seine E.
bruniceps von E. rutila verschieden sei.
Landbeck hat in der Isis S. 599 von seiner Alauda anthi-
rostris nähere Nachricht gegeben: „Sie unterscheidet sich von der
ihr Sfhr ähnlichen Haidelerche (A. arborea ) vorzüglich durch ihren
gestreckten, etwas gebogenen Schnabel, der dem des Wasserpiepers
sehr ähnlich ist, während er bei ihren Gattungsverwandten kegelför-
mig, kurz und gerade zugespitzt ist, den höhern Scheitel und längern
Sporn." Bewohnt nur die höchsten Plateaus der schwäbischen Alp.
Wenn diese Lerche, meint L., keine selbstständige Art bildet, so
muss sie mindestens als standhafte Varietät betrachtet werden.
Die Alauda Diiponti Vieill. soll auf Sizilien geschossen worden
sein, doch hat Mal herbe kein Exemplar gesehen. Es Märe zu
wünschen, dass die Ornithologen, Melche hierzu Gelegenlieit haben,
die Anmerkung in Keys, und Blasius, europ. Wirbelth. S. XXXVL
beachten möchten, nach welcher A. Duponti nur eine monströse
Ausartung der A. arvensis sein dürfte. — Brandt machte bemerk-
lich, dass A. mongoUca Pall. eine sehr gute Art sei, zur Untergat-
tung MeUmocoryiiha gleich der A. tntarica, Icucoptera und biniacu-
tata, gehörig (Ann. of nat. hist. XL p. 114).
Im 19ten Heft der Illustrat. of the Zoo), of South Afr. hat A.
Smith als neue Arten beschrieben und abgebildet: Alauda Coelea
und Lagepa, Mirafra africana, africanoides (sie!), .9«-
bota und cheiiiana, Certhilauda africana Vieill. und iub-
coronat a.
Siturnitlae. Wie Mal herbe angiebt, ist Sturnus uni-
color häufig in Sizilien, wo er niemals, seinen Geburtsort ver-
Jiisst, während die gemeinen Staare im März iliren Zug nach
dieser Insel antreten.
Graf v. d. Mühle und Lindermayer haben in Griechenland nie-
mals den St. unicolor M'ahrgenommen, der dagegen in Algier ebenso
häufig ist als der St. vulgaris, mit welchem er sich in zahlreichen
Banden vereinigt. Von Korfu berichtet Drummond, dass St. vulgaris
im Winter gemein ist, aber niemals im Sommer gesehen wird.
Cassicus uropygialis ist von Lafresjiaye als neue Art
aus Columbien bezeichnet worden (Rev. zool. p. 290).
Archiv f. IVaturgcschirlitc. X.J.ihrg. 2. Bil. Q
198 A. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
jDentirostres, Die europäische Fauna ist durch eine
Art, den Lantus 7iuUcus Licht. (L. personatus Temm. O. col.
216. 2) erweitert worden.
Dieser bisher nur aus Nubien und Arabien bekannte Vogel ist
zuerst von Lindermayer als europaischer Vogel unter dem Namen
L. personatus bezeichnet worden. Er fand ihn in Griechenland als
Zugvogel, der dort sehr spät, erst Ende April, Anfangs Mai, an-
kommt. Gleichzeitig hatte Hartlaub aus Griechenland einen Würger
erhalten, von dem er eine Zeichnung an Lafresnaye überschickte, in
der letzterer den L. nubicus s. personatus eriiannte (Rev. zool.p. 159).
Nicht lange hernach fand Hartlaub, dass Lindermayer schon diese
Art in der Isis als griechisch nachgewiesen hatte (Rev. p. 211). Bald
hernach gab Graf v. d. Mühle von ihr unter dem Namen L. leu-
co 7« efo;>oM Nachricht, überzeugte sich aber gleich nach Empfang
der Isis, dass derselbe mit Lindermayers L. personatus identisch ist.
So ist denn fast gleichzeitig von drei Seiten her der L. nubicus der
europäischen Fauna zugestanden worden.
Zwischen Lanius aethiopiciis Lath. Gm. imd Levaillant's Pie-
grieche Boubou will Guerin spezifische Unterschiede gefunden ha-
ben, daher er letzteren als Lanius Boubou abtrennt (Rev. zooL
pag. 161).
Sonstige Arten sind: Collurio Smithii von Cape Coast (Frä-
ser Ann. XII. p. 478). — Dicrurus bracteatus {D. balicassius)
Horsf. nee Lath.) aus Neuholland von Gould (Ann. XII. p. 59). —
Oreoica (Falcunculus) gutturalis Horsf. von Gould in den
Birds of Austral. part, 12 abgebildet. — Derselbe charakterisirte
einen Artamus leucopygialis aus Neuholland (Ann. XL p. 143).
Zur Kenntniss der bisher sehr verwirrten indischen Ar-
ten von Ceblepijris haben S. Müller und Schlegel in den
Verhandel. Land- en Volkenk. p. 189 einen wichtigen Beitrag
geliefert, indem sie kritisch die bisher aufgestellten Arten
musterten und 8 neue zusetzten.
a) Untergattung Campephag a: 1) C. melas r\. s^. Neu-
guinea 2) C. cinnamomea n. sp. ebenda, 3) C. plumbea n. sp.
ebenda und Timor, 4) C. morio n. sp. Celebes, 5) C. fimbriata
Temm. Java, Sumatra, Bbrneo.
b) Untergattung Lalage: 6) C. orientalis Temm. Java, Su-
matra, Borneo, Celebes, Timor, 7) C. aurea Temm. Celebes, 8) C
ttmoriensis n. sp. Timor.
c) Untergattung Graucalus: 9) C. vielanops Lath. (G. me.
lanotis Gould), Neuholland, Neuguinea, Timor, 10) C. atriceps n.
sp. Celebes, 11) C. personata n. sp. Timor, 12) C. larvata n
sp. Java, 13) C. Novae GttineaeL&ih. Sumatra, 14) C >m?m Horsf.
(Rüppell's Beschreibung gehört zu C. fimbriata, dagegen die des
Weibchens von C. papuensis hieher) Java, 15) C. papnensts Lath.
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1843. 199
Banda, Ternate, Celebes und Neuguinea, 16) C. Temmtnckii n. sp.
Celebes, 17) C. hicolor Temm. Celebes.
Zu den Muscicapiden sind hinzugekommen:
In der Rev. zool. 1843 die Muscicapa fumigata Guerin
aus Abyssinien (p. 161), M. cinnamomeiventris , fusco-capilla
und M. (Todirostrum?) ruficeps sämmtlich aus Columbien und
von Lafresnaye bestimmt (p. 291). — Tchitrea Ferre ti Gue-
rin aus Abyssinien (p 162). — Vireo versicolor^ Myiobius
diadema und pyrrhopterus, Todirostrum granadetise,
sämmtlich aus Neugranada und von Hartlaub bestimmt (p. 289). —
Pachyrhynchus squamatus, Querula fusco - cinerea und
Setophaga nigro-cincta aus Columbien und von Lafresnaye
aufgestellt (p. 291 und 292).
Ferner in den Ann. of nat. hist. die Tchitrea rufa Gray
von den Philippinen (XI. p.371), Muscipeta {Tchitrea) tricolor
Fräser von Fernando Po (XII. p. 441). — Rhipidura Dryas
Gould von Neuholland (XII. p.59); Microeca flavigaster Gould
eben daher (XII. p. 60). — Platysteira castanea und leucopy-
gialis Fräser, von Fernando Po (XII. p. 131). — Eopsaltria
australis Lath. und griseogularisGouXA wurde in den Birds of
Austral. part. 13 abgebildet.— S. Müller und Schlegel bereicher-
ten in den Verhandel. Land- en Volkenk. p. 184 die Gattung Rhipi'
dura mit nicht weniger als 9 Arten aus dem indischen Archipel: Rh.
semicollaris, squatnata, phoenicura, threnothor ax, ru-
fiventris , gularis, ochrogastra, euryura und perlata.
SuhuUrostres. Der deutschen Fauna hat v. Ho-
meyer eine neue Art Drossel, von ihm mit dem Namen
Turdus atrocyaneus belegt, zugefügt (Isis S. 604).
Sie wurde auf Rügen am 1. Oktober 1842 gefangen, ist etwas
grösser als die Singdrossel, schön schieferblau, was am Bauch am
hellsten ist. Ein Streif durch das Auge ist weiss; After, Bauchmitte,
Spitzen der 5 äussersten Steuerfedern, innere Deckfedern der Flügel
(mit Ausnahme der dunkel schieferblauen Spitze), so wie die Innen-
fahne der grossen Schwungfedern in ihrer Mitte sind ebenfalls weiss,
wodurch auf der Unterseite der Flügel 2 weisse Binden entstehen.
Schnabel dunkelbraun, an der Wurzel des Unterkiefers gelblich;
Füsse hellbraun. H. bemerkt selbst die Aehnlichkeit dieser Drossel
mit T. leucocillus Pal!.; es weicht jedoch die Beschreibung von
Pallas erheblich davon ab.
In einer Drossel aus Kaschmir, die im Mus. Senckenberg. steht,
erkannte Brehm seinen Turdus Seiffertitxii (Isis 887). — Von Tur-
dus Wkitei wurde ein Exemplar in Irland gefangen (Ann. XI. p. 78).
— Als neue Arten wurden von Guerin Cossypha gutturalis
und nigrocapilla aus Abyssinien unterschieden (Rev. zool. p. 162);
später erkannte er, dass letztere mit Petrocinclu semirufa Rüpp.
200 A- VVagntr: Bericht über die Leietungen in der
identisch ist (ebenda p. 322). — Zu Grallaria fügte Lafresnaye
eine lOte Art: G. rufula aus Columbien (Rev. p. 99). — Tiirdus
fumidus n. sp. aus Timor in der Land- en Volkenk. p. 199; ebenda
Geocichla rubiginosa von Timor p. 172.
Zur genauem Kenntniss der siid- europäischen Sylvien
sind erhebliche Beiträge geliefert worden.
Lindermayer stellte (Isis S. 342) eine neue Art auf: Sylvia
(Salicarid) elaeica. Gleicht an Grösse der S. atricapilla, an Ge-
fieder aber der S. orphea, ist jedoch um die Hälfte kleiner und un-
terscheidet sich vor Allem durch den ungemein grossen Schnabel,
vermöge dessen sie nur mit S. hypolais grosse Aehnlichkeit hat.
Ihr Ankommen und ihre Brütezeit in Griechenland (Ende Mai's) be-
zeichnen sie als einen Bewohner der Aoquatorialländer. Scheint
allerdings eine bisher unbeschriebene Art zu sein.
Sylvia olivetornm, welche Drummond im Jahre 1836 aufKorfu
entdeckte, wo sie während des Sommers sehr häufig ist, ist von Lin-
dermayer und Graf v. d. Mühle in Griechenland aufgefunden wor-
den. Ersterer belehrt uns über Lebensweise, Gesang und Nestbau;
letzterer macht darauf aufmerksam, dass sie jnit Küppell's Sylvia
crassirostris identisch ist.
Noch glaubt Lindermayer eine zweite neue Art in seiner
Sylvia ochrogeuioii entdeckt zu haben, die er von den andern
Arten hauptsächlich durch einen gelben Kinnfleck unterscheiden will,
ihm aber nur in einem einzigen Exemplare bekannt ist. Graf v. d.,
Mühle hat jedoch gegen mich die Bemerkung gemacht, dass diese!
neue Art nur auf dem Weibchen von S. melanocephala beruhe, das
von den Früchten der Cactus opuntia gefressen habe, die eine so
beissende gelbe Farbe führen, dass sie auch andern Vögeln, z. B. der
S. atricapilla, das Kinn schön gelb färben ; er selbst sei anfänglich in
diesen Irrthum gerathen.
Malherbe machte (S. 78) auf eine von Gerbe neu aufgestellte
Art, Sylvia angusticauda, aufmerksam: „Schnabel auffallend
mehr niedergedrückt und verdünnt als bei den verwandten Arten
(S. Fitis, rufa); Schwanzfedern sehr schmal." Ganze Länge 116 Mil-
lim., Schwanz 45. Um Paris und in verschiedenen andern Gegenden
Frankreichs gefunden. M. bemerkt, dass er aus Algerien eine S. rufa
erhalten habe, die ihm die S. angusticauda zu sein scheine, so dass
er letztere nur als eine Varietät der ersteren vermuthe, wobei es
wohl sein Bewenden haben wird.
Landbeck behauptete neuerdings (Isis S. 600) die Selbststän-
digkeit seiner Sylvia (Curruca) rubricapilla. Nachdem er jedoch
selbst kein Exemplar auftreiben konnte, sondern nur die Angaben
seines Vaters wiederholt, so wird sie doch wohl nur als zufällige
Varietät der S. atricapilla anzusehen sein, bei der der Scheitel der
Männchen länger oder für immer die Jugendfarbe behielt.
Eine Sylvia badiceps Ton Fernando Po charakterisirte
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1843. 201
Fräser (Ann. XII. p. 133), so wie eine Sylvicola iuji er ciliar is,
\on daher (p. 440). — Zoster ops ahy s sinica unterschied Gue-
rin (Rev. zool. p. 162), und Gould bildete in den Birds of Austr.
part. II. Zoslerops dorsalis mit dem Neste, Intens und ihloroiiotus
ab. — Im 17ten Hefte seiner Illusfrations hat A Smith folgende Ar-
ten von Drymoica geschildert: D. ocithtris, pectorulis, cupensis^ sub-
riißcapilla, affinis , cherina, aberraiis, chiuiana und natalensis. —
Gleichzeitig charakterisirte Fräser 7 Arten von Drymoica aus
West- Afrika, nämlich: D. mentalis, Strangei, lateralis, rnficapilla,
riifa, rufügularis und uropygiulis (Ann. X\\. p. 478), die genauer ge-
kannt sein müssen, bevor sie mit Sicherheit mit den vorigen ver-
glichen werden können. — Cincloramphus cantatoris, neue
Art von Gould aus Neuholland (Ann. XII. p. 63).
Für die spezifische Verscliiedenlieit von Saxicola aurita
und stapa%ina sind neuerdings Gewälirsniänner aufgetreten.
Lindermayer, Malherbe, Graf v. d. Mühle und Drummond tren-
nen beide Arten und die zwei letzteren führen auch Gründe dafür
auf. Wenn Strickland meint, dass S. aurita nur das Winterkleid von
S. stapazina sein könnte, so widerspricht der Umstand, dass beide
in Griechenland und Sizilien zusammen vorkommen.
Von der Saxicola lencura unterscheidet Guerin eine 5". lencti-
roides, „tota atra, cauda basi uropygioque imo rufescente albidis"
aus Abyssinien (Rev. zool. p. 162). — Saxicola pyrrhonotus
auf Timor ist als neue Art in der Land- en Volkenk. p. 207 auf-
geführt.
Motacilla melanocephala wird sowohl von Lindermayer als von
Graf V. d. Mühle und Malherbe als selbstständige Art angesehen.
Nach Drummond wird der schwarze Kopf im Winter grau. Wie
Sundevall (Isis S. 288) bemerkt, ist M. flava gemein im mittlem
und südlichen Schweden, scheint dagegen in Lappland und Norwegen
gar nicht vorzukommen, sondern wird hier durch S. melanocephala
ersetzt.
Aus dem Altai hat Brandt einen neuen Fliievogel erhal-
ten, den er Jccentor altaicus benennt (Bullet, de Petersb.
1. p. 3ß5).
,, Rostrum nigrum. Caput supra cum cervice griseum. Genae
ejusdem coloris, sed albo fuscoque longitudinaliter strrolatae. Gula
alba, sparsira nigro - fasciolata. Pectoris superioris partis pennae
medio ferrugineae, albo limbatae, inferioris cum pennis hypochon-
driorum, crissi et tectricibus caudae medio fuscae, ferrugineo parum
imbufae, albo limbatae. Abdomen medio album. Tectrices alae in-
feriores albo et griseo fasciolatae. Dorsi superior pars ferruginea
fusco-nigro maculata, ob pennas medio fusco-nigras, margine ferru-
gineas. Dorsi posterior pars grisea. Remiges primariae et rectri-
202 A. Wagner Bericht über die Leistungen in der
ces fusco-nigricantes, margine extemo albo limbatae." Ganze Länge
5" 3".
Grallina australis hat Gould in den Birds of Austral. part. 11
abgebildet.
Als eine neue Meisenart bezeichnete E. de Selys Long-
champs seinen Parus borealis (Rev. zool. p. 212).
„P. supra cinereo-griseus, pileo atro, temporibus albis; subtus
albidus , lateribus vix saturatioribus , gula late nigricante." Länge
4" 10'", Schwanz 2" 4—5"'. Wurde von der französischen Expedition
aus Island mitgebracht; ein Exemplar kommt aus Norwegen. —
Zweifelhaft stellt S. noch eine 2te Art als P. frigoris auf, die an-
geblich aus Island stammen soll, so gross als P. borealis ist und
deren Schwarz an der Kehle minder ausgedehnt als bei P. atricapil-
lus, der Rücken minder rein grau, mehr olivenfarbig ist. Könnte,
■wie er meint, auch nur ein älterer Zustand oder das Hochzeitskleid
von P. borealis sein.
Parus leuconotus und Parisoma Galinieri aus .Abyssi-
nien sind von Guerin als neu angekündigt (Rev. p. 162).
Zu Pttta brachte Hartlaub als neue Art seine P. cucullata
von Malakka; er zählt jetzt 16 Arten von dieser Gattung auf (Rev.
zool. p. 65).
Als neu creirte und sämmtlich überflüssige, auf keinen
haltbaren Merkmalen beruhende Gattungen sind die nachste-
henden zu erwähnen.
Smicrornis, von Gould errichtet: „rostrum parvulum et in-
star grani tritici, fere cylindraceum, a basi incurvatum. Nares basa-
les oblongae et operculo obtectae; ad basin rostri pili tenuissimi
admodum pauci. Alae modice longae, alula brevissima, primariae
3, 4, 5 longissimae et inter so fere aequales. Cauda brevis et qua-
drata. Tarsi modici; digiti perbreves; digitus posticus cum inter-
medio fere coaequalis. Ungues admodum adunci et ad haerendum
aptati. Mit Gerygone nahe verwandt, welcher Name jetzt statt Psi-
lopus in Anwendung gebracht wird. Neue Arten sind: Smicornis
flavescetis , Gerygone magnirostris und chloronotus,
sämmtlich von Neuholland (Ann. XII. p. 60 und 61).
Hylacola trennte Gould als Gattung von Acanthiza ab, und
wies ihr die A. pyrrhopygia und eine neue H. cauta zu (Ann. XII.
p. 62 und Birds of Austral. part. 13).
Eine andere Gattung ist von ihm Eryl hrodryas benannt -wor-
den, die so wenig von Petroica abweicht, dass Ref. es nicht der
Mühe werth findet ihre Merkmale anzugeben. Gould rechnet hieher
die Petroica rhodinogaster Jard. und seine P. rosea (Ann. XI. p. 528).
Unter den drosselartigen Vögeln errichtete Lafresnaye eine
eigene Gattung Ramph ocinclus (Rev. zool. p. 66), mit 3 Arten
von den Antillen, ausgezeichnet durch die Länge des schwach gebe-
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1843. 203
genen Schnabels und ein schwärzlichbraunes Gefieder. Typus ist der
Turdus brac/ii/urws Vieill., wozu L. noch 2 von ihm unterschiedene
Arten: R. tremulus und gutttir alis bringt. Lafresnaye sollte
jedoch nicht lange die Freude, eine neue Gattung aufgestellt zu ha-
ben, ungestört geniessen, denn unmittelbar nach ihrer Publikation
machte sich Lesson in derselben Zeitschrift (p. 325) darüber, sie
wieder zu zertrümmern, indem er R. tremulus und gutturalis zu
Thriothorus verwiess, und nur den Turdus hrachyurus bei Rampho-
cinclus belassen wissen will.
Certhiaceae. Neue Arten: Synallaxis striaticollis,
uniruf US, fuliginosus, brachyurus, giilaris und cinnamo -
tneus, sämmtlich aus Columbien und von Lafresnaye bestimmt
in der Rev. zool. p. 290. — Ebendaher Diglossa albilatera
Lafr. Rev. p. 99 und Dendrocolapt es triangularis Lafr. im
Magas. de zool. tab. 32. — Ptilotis flava, versicolor und uni-
color, My%omela obscura, G lyctp hila fasciat a, Entomo-
phila? rufogiilaris und albogularis , Climacteris ?nelan-
ura; alle aus Australien und von Gould bestimmt in den Ann. of
nat. bist. XII. p. 63, 64 und 65. — Ferner hat derselbe in den Birds
of Austral. abgebildet: Meliphaga Novae Hollandiae Lath. und seri-
cea Gould, Glyciphila fulvifrons Vig., albifrons Gould und fasciata
(part. 10); Myzomela satiguinolenta Lath. und erythrocephala Go\i\A,
Acanthorhynchus tenuirostris Lath. und superciliosus Gould (part. 11);
Zanthomyxa phrygia Lath., Entotnophila picta Gould, albogularis
G. und rufogularis G., Myxomela pecloralis G. (part. 12).
Eine Charakteristik der 4 Arten von Conirostrum entwarf L a-
fresnaye und gab von C. albifrons eine Abbildung (Mag. de zool.
tab. 35).
Den Nectarinien haben S. Müller und Schlegel 6 neue Arten aus
dem indischen Archipel beigesellt, nämlich: Nectarina vulne-
rata, Botet, siniplex, hypogrammica, frenata und Tem-
minckii (Verhandel. Land- en Volkenk. p. 172). — Nectarinia
flavigastra Gould auf Neu-Irland gefunden (Zool. of the voy. of
Sulpbur, Birds p. 43 tab, 24).
Merulaxis orthonyx Lafr. aus Columbien mag einstweilen
seinen Platz hier nehmen; ein merkwürdiger Vogel, indem er den
Uebergang von Merulaxis zu Megalonyx bildet.
JKirunüinaceae. Drumniond sah am 17. April 1836 bei
Patras einen beträchtlichen Flug von Hirundo rufula (H. alpestris
Pall. daurica Linn.) ; später erlegte er auf der Insel Fano bei Korfu
von 2 Exemplaren, die er sah, das eine (Ann, of nat. bist. XII. p. 419).
Weder Lindermayer noch Graf v. d. Mühle führen diesen Vogel von
Griechenland an. Malherbe bemerkt, dass er sich gelegentlich auf
Sicilien, in Italien und Frankreich zeige. — Brandt erwähnt, dass
Kittlitz ihn von Manilla gebracht habe, und Strickland fügt die Be-
merkung bei, dass H. erythropygia wohl die nämliche Art sei.
204 A. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Guerin sagt von seiner Htrundo abyssinica: „affinis H.
capensi, sed multo minor. Supra nigro-cyanea, alis nigris. Pileo
uropygioque rufo-ferrugineis. Corpore infra albo, nigro- guttäte.
Rectricibus nigris, intus ad apicem albo-maculatis, duabus exteriori-
bus longioribus. Long. tot. 15 cent."
Vicomte deTarragon erzählt als Augenzeuge den interes-
santen Fall, dass Fenstersehwalben ein Sperlingsweibchen, welches
ein Schwalbennest eingenommen und darin brütend über den Eift-n
sass, im Verlauf von nur ein Paar Sekunden unter grossem Lärm
eingemauert hatten, so dass der Sperling umkam. Der Erzähler be-
wahrte dies Nest zugleich mit dem todten Vogel längere Zeit auf
(Rev. zool. p. 323).
Hirundo neoxena aus Australien unterschied Gould als be-
sondere Art von H. javanica imd orientalis (Ann.XlL p.58).
Clamatores.
JiKacrochires» In den südlichen Theilen Australiens heimisch
ist die von Gould beschriebene Colocalia Ariel (Ann. XU. p. 59).
Bourcier, von dem so viele neue Arten Kolibris aufgestellt
wurden, beschrieb als solche in der Rev. zool. den Trochilus
Prunellei, cupripennis , antophihis, Giiimeti, Guerini,
und Barroti (p. 70), Prevos tii, cyanifrons^ Goudoti, chry-
sog aiter , cyanotiis, Geoffroyi, Leadbeateri, fallax,
Riefferi und viridigaster (p. 99 — 103), alle aus Columbien;
ebendaher Ornismya Poort mavni (p. 2). — Noch eine Art aus
Guatimala, Ornismya Helenas fügte Delattre bei (Rev. p. 133).
Capriniulginae* Weil die Eier von Steatornis cari-
pensis die nächste Aehnlichi<eit mit denen der Eulen und ins-
besondere der Strix flamniea haben, will O. DesMurs (Rev.
zool.) den Guacharo in näheren Anschluss mit den letzteren,
als es meist bisher geschehen ist, gebracht wissen.
Es ist hierauf zu bemerken, dass die anatomische Untersuchung
von Joh. Müller, von der Des Murs nichts zu wissen scheint, dem
Guacharo bereits seinen Platz unter den Caprimulginen gesichert
hat, obgleich sie ebenfalls seine in manchen Stücken stattfindende
Annäherung an die Raubvögel hervorhob, welche letztere durch die
Form der Eier vermehrt ist. Durch den Steatornis hat die Ordnung
der Wiedvögel einen Typus, vermittelst dessen sie in Verbindung
mit den Raubvögeln tritt.
Vodidae. Merops Lafresnayii ist von Guerin als
eine neue abyssinische Art unterschieden worden:
,, Supra viridis, infra pallide cinnamomeus. Gutture flavo, postice
late nigro cyaneo marginato. Remigibus secundariis flavo -ferrugi-
neis apicc nigris. Cauda pallide cinnamomea apice nigra; duobus
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1843. 205
rectricibus mediis subbrevioribus oninino viridibus. Long. tot. 20
cenlim."
Eurystomus australis Swains. wurde von Gould in den Birds
of Austral. part. 12 abgebildet.
jLipoglossae* Ueber die Verwandtscliaftsbeziehungen
zwischen Upupa und Irrisor (Levaiilant's IMoqueur) und über
die Stelle, die beide im Systeme einzunehmen haben, erging
sich Strick] and in weitläufigen Discussionen (Ann. of nat.
hist. XII. p. 238).
Nach äusserlicher Vergleichung beider Gattungen findet er, dass
sie zu einander mehr Verwandtschaft zeigen als jeder von ihnen zu
irgend einer andern Gruppe und dass sie also in eine und dieselbe
Gruppe, die Upupidae, vereinigt werden müssen. Nun frage es sich
aber, welchen Platz diese Upupidae einzunehmen hätten? Wie St.
meint, könne diese Frage noch nicht zur Genüge beantwortet wer-
den, bevor nicht mehr Thatsaehen hinsichtlich der Nahrung, Sitten
und Anatomie dieser Gruppen vorlägen. Es dürfte jedoch vermuthet
werden, dass sie in einer Richtung durch Epimachus oder Astrapia
mit den Paradiseidae, in einer andern durch Merops mit den Alce-
dinidae, in einer dritten durch Lamprornis mit den Corvidae ver-
wandt seien. So tappt der gute Mann rathlos im Nebel herum, weil
es ihm gänzlich unbekannt ist, dass Nitzsch dem Wiedehopf wie
dem Moqueur schon längst ihre festen Plätze im Systeme angewie-
sen hat, wobei er allerdings auf mehr als auf den äussern Anschein
Rücksicht nahm. Aber freilich muss man sich, um dies zu wissen,
mit den deutschen Leistungen bekannt machen, an denen ein grosser
Theil der englischen und französischen Zoologen es in der Ordnung,
wenigstens bequem findet, Umgang zu nehmen. Selbst wenn Strick-
land nur die Jahresberichte in unserem Archive beachtet hätte, hätte
er sich nicht mit Fragen bios gestellt, die schon längst und für im-
mer abgemacht sind.
Wie S. Müller und Schlegel nachweisen, lassen sich
alle indischen Eisvögel und wie es ihnen scheint auch
alle übrigen hinsichtlich ihres Habitus , ihres Aufenthaltortes,
ihrer Lebensweise und Nahrung selir natürlich in 3 Gruppen
vertheilen (Verhandel. Land- en Volkenk. p. 175).
a) Eigentliche Eisvögel (Jlcedo), oder die Arten, welclie
sich stets beim Wasser aufhalten. Zu ihnen gehören die kleinsten,
aber mit den frischesten Farben gezierten yVrten ( auch die dreizehi-
gen), die meist nahe am Boden leben, in Erdhöhlen nisten und haupt-
sächlich von kleinen Fischen sich nähren, b) Halcyon, mit verhält-
nissmässig grösserem, zumal dickcrem und minder eckigem Schnabel
findet man dagegen sehr unregelmässig, bald in der Nähe des Was-
206 A. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
sers, dann wieder entfernt davon in trockenen bergigen Gegenden,
jedoch stets auf mehr oder minder offenen Plätzen , nicht in dichten
Waldungen, noch minder am Grunde an düstern Orten, sondern im
Gegentheil hauptsächlich auf massig hohen Bäumen. Sie lassen eine
sehr gellende Stimme hören, nisten in Baumlöchern und ihr Futter
besteht in Heuschrecken, Haften und andern Insekten, bei einigen
auch in kleinen Fischen und Krustenthieren. Hieher gehören Hal~
cyon collaris, sanctus, omrn'color , atricapillus , coromaiidtis, leucoce-
phalus etc. c) Dacelo, unterscheiden sich noch mehr durch Lebens-
weise, Schnabelform und Beschaffenheit der Federn von den eigent-
lichen Eisvögeln. Sie bewohnen Wälder, zumal gebirgige, verrathen
ihre Anwesenheit selten durch einen Laut, nisten nieder am Boden
in Höhlen von alten Baumstämmen, Felsenspalten etc. und nähren
sich von allerlei Insekten und kleinen Conchylien. Hieher gehören
vom indischen Archipel: Dacelo concreto, pulchclla, cyanotis, dea^
syma und einige neue Arten von Celebes und den Molukken — Wie
dieselben Schriftsteller erinnern, ist D. buccoides das Weibchen von
D. pulchella.
Neue Arten: Halcyon coronatus S. Müll, et Schleg. von
Timor (a.a.O.), H. platyrostris Gould von den Schiffer -Inseln
und H. sordidus Gould von Neuholland (Ann. XI. p. 394), H. leu-
cogaster Fräser von Fernando Po (Ann. XIL p. 441), H. sauro-
phaga Gould von Nenguinea (Sulphur. Birds p. 39 tab. 19).
Xygodactyli*
Cuculinae» Der sogenannte Cuculus rufus ist neuer-
dings wieder zur Verhandlung gekommen.
Lindermayer sagt in der Isis S. 337, dass unter vielleicht tau-
send C. canorus, die in Athen auf den Markt kommen, sich nur ein
C. rufus befand, dass also deshalb wohl die Ansicht, dass C. rufus
nur Weibchen oder Junges sei, ganz -wegfalle. Hieraufhat Brehm
(Isis S. 890) geantwortet, und unter allen Ornithologen mag er ge-
rade in diesem Punkte am meisten competent sein. Er bemerkt,
dass die rothen Kuckuke überhaupt selten sind, dass mitunter auch
ältere als einjährige Weibchen das rothe Kleid tragen, und dass er-
wiesenermassen ebenfalls aus jungen rothen Männchen graue wer-
den. Brehm sieht daher den rothen Kuckuk für nichts anders als
zufällige Ausartung an, welche bei den alten, d. h. vermauserten Vö-
geln nur im weiblichen Geschlechte gewöhnlich ist. Dass L. nur
einen rothen Kuckuk sah, erklärt Brehm aus dem Umstände, dass
erstlich die Weibchen später wandern und vielleicht, wie die alten
Herbstvögol und die Jungen, einen ganz andern Zug nehmen, dann
aber auch, weil die rothen Kuckuke überhaupt selten erbeutet wer-
den, wie er denn in 30 Jahren nicht mehr als 4 Stück alte rothe
Weibchen bekommen habe. Die Weibchen mancher Arten sind
schwer und auf dem Zuge fast gar nicht zu erbeuten.
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1843. 207
Den Cuculus himalayanus erklärte Brehm a. a. O. für eine Sub-
species des C. canorus oder, wenn man lieber wolle, des C. tenui-
rostris.
Ein Exemplar des Cuculus glandarius wurde in der Grafschaft
Galway in Irland erlegt (Ann. XII. p. 149).
Neue Arten des indischen Archipels sind: Cuculus sepulcra-
li's, tymboiioimis, fasciolat as und lattceolatus, Eudyna-
mis, picatus und nielanor liyiichus (Verhandel. Land- en Vol-
kenk. p. 176-178).
Das Ei von Crotophaga Ani hat O. des Murs im Mag. de
zool. tab. 36 abgebildet.
Bucconidae» Ueber die Lebensweise von Trog oti pavo7nnus hat
Delattre einige Notizen in der Rev. zool. p. 163 bekannt gemacht.
— Bucco suösulphureus von Fernando Po ist von Fräser auf-
gestellt (Ann. Xn. p. 441).
Bamphastiflae. V^om vorigen Jahre her hat Ref.
noch nachträglich den Inhalt des 3ten Heftes von Gould's
Monographie der Ramphastiden, übersetzt, mit Zusätzen und
einigen neuen Arten vermehrt von F. Sturm und W. Sturm,
anzugeben,
Ram///ias(os Toco, carinatus , vitbllinus^ Temminckit und dicolo-
rus. Pteroglossus hypoglaucus , Sfurmä, Humboldtt, i/iscri//tus und
derbianui. Unter diesen ist Pt, Sturmii eine neue, von Natterer
unterschiedene Art, welche sich von dem sehr ähnlichen Pt. bitor-
quatus durch den ganz schwarzen Unterkiefer, die dunkelbraune Iris,
die dunkel blaugraue nackte Haut um die Augen und den blassgelben
Halbmond am Ende des Vorderhalses unterscheidet. — Nahe ver-
wandt hiermit ist Gould's neue Art Pt. erythropygius (Ann.
XII. p. 477).
JPicinae. Vom grossen Buntspecht unterschied Mal-
herbe einen Picus numidus aus der algierischen Provinz
Bona als besondere Art (Faune de la Sicile p. 144 und Mem.
de I'Acad. de Metz, 1842—1843).
Unterscheidet sich vom Picus major hauptsächlich dadurch, dass
die schwarze Binde, welche bei diesem vom Schnabel auf jede Seite
der Brust herabgeht, ohne sich zu vereinigen, bei P. n. einen nicht
unterbrochenen breiten Halskragen bildet, der ganz von lebhaft rothen
Federn bedeckt ist; ferner dass der weisse Halsfleck, das Weisse der
Schulterfedern, der mittlem Deckfedern und die weissen Flecken des
Schwanzes bei P. n. weniger Ausdehnung haben und dass das Kar-
minroth des Bauches und der Schwanzdeckfedern lebhafter ist. Die
Männchen sind um 14 Millim. kleiner als die des P. major.
Den Picus leuconotus zerfällte Brehm in 3 Subspecies, über
die er gute Bemerkungen beibrachte (Isis S. 728). — Von seinem
208 Andr. Wagner: Bei-icht über die Leistungen in der
Picus jubatus machte Lafresnaye die Erfahrung, dass er nur das
Weibchen von P. magellanicus King sei. Sonderbar ist es, dass
einzig bei dieser Art das Männchen einen viel minder langen Schopf
als das Weibchen hat (Mag. de Zool. tab._31 Abbild, des Weibchens).
Ein auffallender Umstand ist es, dass, w^ie Drummond angiebt,
Yunx torquilla zur Zugzeit auf Malta so zahlreich ist, dass er korb-
weise zu Markte gebracht wird (Ann. XU. p. 418).
Vsittacinae» Fortwährend vermehrt sich die Anzahl
dieser ohnediess schon so zahlreichen Abtheilung von Vögeln.'
Psittacus (Plati/cerctis) hypophoiiius von Gilobo und
Ps. (Psit t acula) stig malus von Celebes (S. Müll. u. Schleg.
Verhandel. Land- en Volkenk. p. 181). — C alyy torby nchus ma-
crorhynchus und Cacatiia sanguinea aus Australien von
Gould (Ann. XX. p. 65). — In den Birds of Austrat, hat Gould ab-
gebildet: Cacatua galerita Lath., Leadbeuteri Wagl. und sa7iguiiiea
G. , Trichoglossus chlorolepidotus Kühl (part. 10); Platycercus semi-
torqiiatus Quoy, Baueri Temm. und Barnardi Vig. (part. 11); Tri-
choglossus concinnus Shaw und pusillus Lath. (part. 13). — Cory-
philus Dryas Gould von den Marquesas- Inseln (Sulphur. p. 44
tab. 26).
Von einem sehr verständigen Papagei ist in der Isis S. 527 die
Rede.
Coltmthinae»
Während noch Wagler, der doch sonst gerne auf Tren-
nung der Gattungen einging, die 113 Tauben -Arten, welche
er beschrieb , sämmtlich unter einer einzigen Gattung begriff,
haben neuere Ornithologen eine Schaar von Gattungen für
sie ausgeheckt. Zwei solcher völlig unhaltbaren Gattungen
hat uns wieder Gould vorgeführt: Geophajis und Ocy-
phaps (Ann. XI. p. 146).
a) Geophaps; „rostrum perbreve et robustum. Oculi cute de-
nudata circumdati. Alae perbreves et rotundatae, apicibus latis.
Tarsi mediocres digitis longiores. Digitus internus paululum caeteris
longior." Hieher G. plumifera n, sp. — b) Ocyphaps ; „Caput
crista occipitali elongata. Alae paulo brcves, remigc tertia gradatim
ad apicem coarctata. Cauda mcdiocriter elongata et rotundata.
Tarsi et digitus intermedius eadem longitudine. Digitus internus ex-
ternus brevior." Typus C. lophotes.
' Abgebildet hat Gould in den Birds of Austrat, an Tauben: Pc-
trophassa albipennis G. (part. 10) ; Curpnphaga leucomela Temm. und
luciuosa T. (part. 12); Ocyphaps lophotes T., Peristera chalcoptera
Lath. und elegans T., Chulcopliaps chrysochlora Wagl., Leucosarcia
picata Lath. (\^avt. 13). — Peruanische Arten sind von Tschad i in
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1843. 209
unserem Archive S. 385 aufgestellt worden: Columba gracilis,
meloda nnAfrenata.
üeber seine Coltimba caesia und luguhrts, die beide als
gesonderte Arten von C. Turtur angesehen werden sollen und im
Elsass gefunden wurden, hat Landbeck (Isis 601) Notizen seines Va-
ters beigebracht, die jedoch zu einem sichern Urtheil nicht genug
Anhalt darbieten. Sonderbar, dass man von diesen angeblichen Ar-
ten, die als Zugvögel doch auch anderwärts sich zeigen müssten,
nichts weiter gehört hat, denn Brehm's C. dubia kann doch nur sehr
zweifelhaft auf die C. caesia bezogen werden.
Qallinaceae»
^yrrhaptidacm Aus der Reise des Sulphur stammt Gould's
Pterocles persofi atus, doch ist die Heimath nicht benannt (Ann.
of nat. hist. XII. p. 478).
Gallinae. Ueber die Berechtigung des Rakelhahn.s
als eigene Art angesehen zu werden, theilte Wilson der k.
Societät von Edinburg seine Erfahnuigen mit (Instit. p. 298).
Der Rakelhahn kommt hier und da im nördlichen Schottland
vor, aber nur in solchen Gegenden, wo Auer- und Birkhuhn vorhan-
den sind. In Gegenden, wo man neuerdings das Auerhuhn einführte,
während das Birkhuhn bereits in Menge da war, zögerte die Mittel-
form nicht sich einzustellen, woraus Wilson schliesst, dass sie nicht
eine besondere Art, sondern nur ein Bastard ist. Dieser Vogel, sagt
er, war früher inS(hottland unbekannt, wenigstens seit unserer Zeit;
von Aussen ist er nicht eingeführt, und man trifft ihn jetzt in densel-
ben Distrikten, die von den beiden andern Arten bewohnt werden.
Brandt, indem er \on Per dix caucasica und altaica nä-
here Nachricht gab, lieferte zugleich eine Charakteristik der
Untergattungen von Perdix, (Bullet, de la classe physico-
mathein. de l'Acad. de Petersb, I, p. 278).
Er nimmt Perdix in dem Sinne von Bonaparte und schliesst also
Starna {Perdix cinerea) davon aus. Seine Eintheilung ist folgende:
I. Subgenus Perdix; valvulae nasales calvae vel in margine
basali ad mediam usque area angusta, subuniseriata, acuminata pen-
nularum obsessae. Remigum prima septima longior, sextae sub-
aequalis vel brevior. Digiti et ungues longiores et angustiores.
Squamarum dorsalium digitos obtegentium apicalis reliquis subaequa-
lis. Caudae rectricibus 14—16 composita.
«) Gymnorrhines (Lerwa Hogds. ); valvulae nasales calvae; hy-
pochondriorum pennae acuminatae vel subacuminatae. Hieher Per-
dix Heyi Temm., P. griseogularis Brandt und andere Arten.
ß) Pterorrhines {C/iacura Eodgs.); valvulae nasales area angusta
uniseriata pennarum ad medium usque extensa vestitae; hypochondr.
210 ^' Wagner: Bericht über die Leistungen in der
pennae in adultis dilatatae, truncato-roiundatae. Hieher: Perdix
graeca (s. saxatilis), P. rubra, P. petrosa, P. melanocephala Rüpp.
und andere.
II. Subgenus Megaloperdix Brandt {Tetraogallus Gray,
Chourtka Motchoulski); valvulae nasales basi totae areola arcuata
angusta pennularum pluriseriatarum obsessae. Remigum prima sexta
longior. Digiti et ungues breviores et latiores. Plantae latiores.
Squamarum dorsalium digitos obtegentium apicalis reliquis paulo
longior. Pennae hypochondriorum subelongatae, plus minusve acu-
minatae. Cauda e pennis 18 — 24 composita. — Grosse Arten, die
sich in den Hochgebirgen in der Nähe des ewigen Schnees aufhalten.
Spec. 1. Perdix altaica Gebl. (P. caucasica Eversm); cau-
dae rectricibus 22 vel 24 medio cinereis, apice nigris composita.
Nucha cinerea, postice fascia atra terminata. Pectoris superior pars
pallide cinerea albo nigroque maculata, inferior cum abdominis an-
teriore parte alba. — Ganze Länge 23" 10'". Bewohnt die höchsten
altaischen Alpen.
Spec. 2. Perdix caucasica Brandt {Tetrao caucasica'PaW.,
Chourtka «//>/«« Motchoulski); cauda e rectricibus 18, basi cinereis,
inde a medio nigris , apice ferrugineis composita. Nuchae inferior
pars albido nigroque subtenere undulata. Pectoris superior pars al-
bido nigroque transversim fasciolata, inferior pars cum abdomine
nigricante- cinerea, pallide ferrugineo striata et tenuissime punctata
et fasciolata. — Ganze Länge 22". Bewohnt die höchsten Gipfel
des Kaukasus.
?.Spec. 3. Perdix Nigelii {Lophophorus Nigelli Jard., Te-
traogailus Nigelii Gray); noch nicht ganz sicher festgestellt, der
Perdix caucasica wenigstens sehr ähnlich, so dass Jardine's Tab. 76
ein junges Weibchen sein könnte, während Tab. 141 und die von
Gray eine andere Art anzeigen dürften.
Hierüber giebt nun G. R. Gray (Ann. XL p. 523) Aufsrhluss,
in solcher Weise die Arbeit von Brandt ergänzend. Er bemerkt,
dass mit Tab. 76 von Jardine ein aus Nordpersien gebrachtes leben-
des Exemplar übereinkomme und dass beide höchst wahrscheinlich
mit Tetrao caucasica Pall. identisch seien. Ferner bezeichnet er die
Tab. 141 und die von J. E. Gray unter dem Namen Tetraogallus
Nigelii gegebene Abbildung in der Ind. zool. als von einer andern
Art herrührend, von der er viele Exemplare aus dem Himalaya ge-
sehen hätte und sich unterscheide durch seidenweissen Hals und
Brust, durch eine kastanienbraune, abwärts laufende, und zum Theil
die Basis des Halses umgebende Linie und durch vorn schwarz ge-
fleckte Brust. Gray will diese Art Tetraogallus himalayensis
genannt wissen, was unnöthig ist, da ihr der Name Perdix Nigelii
bleiben kann.
Brandt verwirft die Gattung Tetraogallus, weil sie weder mit
den Hühnern , noch den Auerhühnern eine markirtc Verwandtschaft
Natiirffeschichte der Vögel während des Jahres 1843. 211
darbietet. Von Lophophorus bemerkt er, dass er grosse Analogie
mit Perdix zeige.
Mit Perdix griseogularis sehr nahe verwandt, Menn nicht selbst
identisch, ist Caccabis Bonhami aus den Bergen von Persien.
(Gray in den Ann. of nat. bist. XI. p. 372).
Von seiner Perdix griseogularis entwarf Brandt (a. a. O.
S. 365) folgende Diagnose: „Habitus fere P. Heyi. Rostrum minus
robustum. Dorsum, pectus et abdomen magis cinerascentia et cine-
reo irrorata. Tectrices alarum inferiores tenuissime atro vermicu-
latae. Frons et Stria supra oculum atra. Mentum cum Stria pone
et ante oculum album. Gula cum genis et capitis superiore facie
cinerea. Colli latera albo fuscoque transversim fasciolata. Dorsum
et pectoris initium cinereo, fusco et ferrugineo fasciolata." Länge
9" 3'". Von Karelin aus seiner Reise nach Turcomanien und Persien
eingeschickt.
Nach dieser Arbeit von Brandt beantworten sich nun die Fragen
von selbst, welche Gerard in seinem Artikel Chourtka im Dict.
univ. d'hist. nat. III. p. 642 aufwarf.
Cookson erwähnt eines Rebhuhns, das in seinem Vogelhause
36 Eier legte, von welchen zwei Haushennen 30 Junge aufbrachten.
Er hatte diesen Vogel erhalten, als er ohngefähr 3 Wochen alt war,
und nach der Mauser nahm er ganz das männliche Gefieder an, so
dass er auch für ein Männchen gehalten wurde, und man sich ver-
wunderte, dass es mit einem wild eingefangenen Männchen sich ganz
gut vertrug. Bei der Mauser des nächsten Jahres nahm er das weib-
liche Gefieder an, und legte im nächsten Frühling die erwähnte Zahl
Eier (Ann. of nat. bist. XII. p. 453. — Ueber Lebensweise und Brut-
geschäfte des Frankolins lieferte Mal herbe interessante Notizen;
in Griechenland ist er so wenig als auf Korfu und Kandia angetrof-
fen worden.
Als neue Art stellte A. Smith in seinen lllustrat. of the Zool.
of South Afr. auf: Francolinus garieperisis tab. 83und84, und
gab von Fr. Levaillantii Temm. eine Abbildung auf tab. 85. — Zu
Ortyx fügte Gould 4 Arten: O. nigrogularis von Mexiko, O,
■pectoralis von ebenda, O. cast anea aus Südamerika und O.
stellata aus Brasilien (Ann. XII. p. 284). — In den Birds of Austral.
part. 12: Synoicus {Coturm'x) australis Lath. und chinensis Lath.
Aus Peru brachte Tschudi als neue Arten: Odontophorus
specio suSj Penelope rtifiv entris und adspersa, Thinoco-
rus Ingae (Archiv S. 386),
S. Müller und Schlegel machten darauf aufmerksam, dass
der Gallus aeneus (pl. col. 374) nichts anders als ein Bastard von
G. furcatus und einer zahmen Henne ist (Land- en Volkenk. p. 210).
Eine eigenthümliche Bildung des Penis fand v. Tschudi an Pe-
nelope abumtida (Müller's Archiv 1843 S. 472), wobei Joh. Müller
bemerkt, dass er nach eigener Untersuchung von P. cristata gefunden
212 ^- Wagner: Bericht über die Leistungen in der
habe, dass bei ihr der Penis ebenso und ganz wie bei den dreizehi-
gen Straussen beschaffen sei, daher Penelope mit diesen, und nicht
mit den hühnerartigen Vögeln, zusammen gehöre.
Crypturid,tte. Hemipodins cast anotus aus Neuholland
von Gould aufgestellt und in seinen Birds of Austral. pari 13 ab-
gebildet. — Cryptnrus Kleei von Tschudi in unserem Archiv
S. 387.
Cursore s»
Die wichtigste Entdeckung, die in diesem Jahre gemacht
wurde, ist die Nachweisung eines riesenhaften Vogels aus der
Ordnung der Kurzflügler, Dinornis, von Owen benannt und
auf Neuseeland gefunden.
Aus dem Fragment eines auf Neuseeland gefundenen Oberschen-
kelknochens hatte Owen schon vor drei Jahren geschlossen, dass
daselbst ein straussartiger Vogel von der Grösse des Strausses exi-
stirt habe oder vielleicht noch daselbst lebe. Jetzt sind genauere
Nachweisungen gegeben. Missionar Williams nämlich, auf jener In-
sel stationirt, hat viele dieser Knochen gesammelt und eine Sendung
davon an Buckland Übermacht, der sie zur Bestimmung Owen zu-
kommen Hess. Die Knochen, die keineswegs petrefizirt sind, wur-
den im Schlamme von Strömungen, die aus den Hochgebirgen kom-
men, ausgegraben und sind ganz gut erhalten. Ein vollständiger Fe-
mur hat fast dasselbe Verhältniss der Dicke zur Länge wie beim
Strauss, ist aber weniger zusammengedrückt; von dem des Apteryx
differirt er, dass er im Verhältniss zur Dicke kürzer ist. Von dem
Femur des Strausses und Emeus -weicht er in dem wichtigen Um-
stände ab, dass ihm das Luftloch am Rücken des Halses fehlt, folg-
lich im Innern des Knochen Mark der Luft substituirt ist. Er ist
11" lang und hat in der Mitte einen Umfang von 54", während letz-
terer an einem andern Exemplare 7i" beträgt. — Eine Tibia ist
2' 4V lang und correspondirt mit dem grössern Femur. Sie differirt
von dem gleichnamigen Knochen des Apteryx und aller grossen Stru-
thioniden durch einen vollständigen knöchernen Kanal für den Durch-
gang einer Strecksehne in der vordem Concavität oder den endstän-
digen Gelenkfortsätzen. — Der instruktiveste Knochen ist ein Meta-
tarsal- Knochen, welcher zeigt, dass der gigantische Vogel drei-
zehig war, Modurch er sich gleich von Apteryx und der Dronte
unterscheidet. Aus diesen Untersuchungen geht hervor, dass der
grosse neuseeländische Vogel unter den Kurzflüglern eine besondere
Gattung ausmacht, die Owen Z>inor?u'* benennt, mit der spezifischen
Bezeichnung D. Novae Zealandiae. An Grösse übertrifft er den
Strauss und ist daher der riesenhafteste Vogel. Lebend ist er noch
nicht gesehen worden (Ann. of nat. bist. II. p. 438 und 444).
Naturgeschichte der Vögel Mährend des Jahres 1843. 213
Owen vollendete seine wichtige Monographie über die
Gattung Apteryx (Ann. XI. p. 213).
Die Schliiss-Abtheihmg enthält die ausführliche Beschreibung
des Muskelsystemes dieses merkwürdigen Vogels.
Ueber Aufenthalt und Lebensweise des Apteryx gab Dieffeu-
bach in seinen Travels in New-Zealand I. p. 230 weitere Aufschlüsse,
die Ref. auch in den Münchn. gel. Anzeig. XVII. S. 582 mittheilte.
D. konnte sich nur ein Exemplar verschaffen, in vielen Gegenden ist
der Kiwi bereits ausgerottet.
Die Auffindung eines Drontenschädels in der Sammlung zu
Kopenhagen wurde durch Reinhardt bestätigt (Isis S. 58).
Messungen der Blutkügelchen vom Straus, Emeu und der Rhea
sind von Gulliver vorgenommen worden (Ann, XII. p. 130).
€rr all a e»
AlectoviAes* Ueber die Lebensweise einer im Thiergarten
des Grafen von Derby gehaltenen Falamedea cristata theilte Mar-
tin einige Nachrichten mit (Ann. of nat. hist. XI. p. 141).
fulicariae. Die europäische B'auna liat an der Fulica
cristata Guiel. einen Zuwachs erlialten.
Wie Mal herbe angiebt (p. 198), ist dieser in Algerien gemeine
Vogel in der Provence, mehrmals auf Sardinien und neuerdings auch
auf Sizilien erlegt worden.
Neue Arten: Fulica ardesiaca, Crex facialis imdfemo-
ralis aus Peru von Tschudi im Archiv 8.388. — Rallus Rou-
getii aus Abyssinien von Guerin Rev. zool. p. 322. — Por%ana
fluminea von Neu -Südwallis und P. palusti'is aus Vandiemens-
land von Gould (Ann. XII. p. 66); beide abgebildet in den Birds of
Austral. part. 10, so wie auch Parra gallinacea Temm.
Xrodii» Eier und Nest der Eurypya phalaenoides wurden von
poudot in der Rev. zool. p. 1 und im Mag. de Zool. tab. 38 be-
schrieben und abgebildet. — Abgebildet hat A, Smith in seinen
lllustrat. die Ardea atricollis Wagl. tab. 86 und gutturalis Smith
tab. 91.
Gruinae, Nach Malherbe 's Angabe erscheint Grus pavo-
ni/ius sehr zufällig an den südlichen und östlichen Küsten Siziliens;
nach Swainson soll er in diesen Gewässern nicht selten sein, nament-
lich auf der kleinen Insel Lampedosa bei Malta.
JLiniicolae. Neue Arten von Regenpfeifern sind: Chara-
drius Winter feldti und resplendens, Ocdicnemus super-
ciliaris aus Peru von Tschudi im Archiv S. 387 und 388. — io-
bivaneUus persoiiatus aus Neuholland von Gould in den Ann.
XI. p. 528. — Eiidromias australis Gould in den Birds of
Austral. part. 13. i
Archiv r. Kalurgcsch. X. Jahrg. 2. Kd. P
214 -^- Wagner: Bericht über die Leistungen in der
P edionovius 7nicrurus unterschied Gould als 2te Art der
von ihm errichteten Gattung (Ann. XI. p. 146).
Unsere Strandreuter brachte Brehm in 5 Subspecies (Isis
725). Dass Totaiius glottoides Gould aus dem Himalaya von im-
serm T. Glottis sich nicht spezifisch trennen lasse, -wies Brehm
(a. a, O. S. 894) befriedigend nach.
Unter den griechischen Brachvögeln will Graf von der
Mühle einen Numenius syngenicos unterscheiden (Beitr.
S. 111).
Für die Selbstständigkeit der Art ist es ein misslicher Umstand,
dass sie nur auf einem Exemplare begründet ist, und dass der von den
3 andern europäischen Arten auffallend verschiedene Habitus gleich-
vvohl „ ein auffallend charakteristisches Kennzeichen nicht an sich
trägt." Grösse, Gestalt und Füsse des N. phaeopus, Schnabel schwä-
cher und kürzer, Kopfzeichnung ganz Mie bei N. arquata. Weichen
ohne schwarze Schaftflecke, schwarze Schaftflocke des Unterkörpers
nicht Mie bei N. tenuirostris herz-, sondern lanzettförmig; Schäfte
der 3 ersten grossen Schwingen weiss; seitliche Befiederung des Un-
terkiefers nicht über die des Oberkiefers vorreichend.
Glareola will Blyth (Ann. XII. p. 74) zu den Caprimulgiden ge-
zählt wissen.
IdOngipennen» Gould hat aus Australien 4 Arten See-
schwalben bekannt gemacht: Sterna velox, Hydrochelidon
fluviatilis, Thalasseus Torresii und Sternula Nereis
(Ann. of nat. bist. XII. p. 67). — Aus Peru von Tschudi: Stern/t,
acutiroslris und exilis^ so wie Lurus modestus (Archiv
S. 389).
UDuMnares. Einen Zugang hat die europäische Fauna
durch eine neu aufgestellte Art: Procellaria {Thalassi-
droma) melitensis erhalten (Ann. XII. p. 422).
Diesen Namen scheint Schembri gegeben zu haben, von dem
Drummond sagt, dass er die P. melitensis auf Malta entdeckt
habe, wo sie an dem Felsen von Filfola in grosser Anzahl brütet,
während T. pelagica nicht vorkommt. D. meint, dass sie dem Mit-
telmeere cigenthümlich sein möchte und bemerkt, dass er auf seiner
Heimreise sie in Menge gesehen, dass sie aber, nachdem er die
Strasse von Gibraltar passirt hätte, durch die P. pelagica abgelöst
worden wäre. Beide Arten sind, wie D. sagt, leicht zu unterschei-
den: P. melitensis ist etwas kleiner, und die untere Hälfte des
Schwanzes ist wie der Bürzel weiss. IMalherbi; erwähnt desselben
r'elson von Malta, giebt aber <laselb.st /'. pclw^ica an, von der er
auch sagt, dass sie nach Sizilien konmic. Ob er Exemplare zur
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1843. 215
eigenen Untersuchung vor sich hatte, kann aus seiner Angabe nicht
entnommen werden.
Vnguirostves» G. R. Gray machte den Vorsclilag,
den Waglerschen Gattungsnamen Mulacorhi/nchus mit dem
von Hymenolidmus zu vertausclien (Ann. XI. p. 369).
Aus Forster's Anas malacorhynchus von Neuseeland hatte Wag-
ler in der Isis 1832 S. 1235 die Gattung Malacorhynchus gebildet
imd ihr auch noch die hautschnäbelige Ente von Neuholland beige-
fügt, für Mclche kurz vorher Swainson gleichfalls eine besondere
Gattung und zwar unter der nämlichen Benennung Malocorhynchus
errichtet hatte. Gray zeigt nun, dass beide Arten nicht zur näm-
lichen Gattung gehören, indem bei der neuholländischen die Hinter-
zehe ungelappt, bei der neuseeländischen dagegen gelappt ist. Jener
soll der Name Malacorhynchus Swains. gelassen werden, daher dann
dieser ein neuer zu geben ist, als welchen er den von Hi/menolai-
mus gewählt hat.
Neue peruanische Arten von Tschudi sind: Anas leucoge-
nys und Anser niontana (Archiv S. 390). — Bemerkungen über
eine zahme Ente, welche die Farbe und das Aussehen des wilden
Entrichs angenommen hatte, legte Nilsson vor (Isis S. 218).
Als eine merkwürdige Thatsache ist es hervorzuheben, dass so-
wohl Graf v. d. Mühle als Lindermayer den Cygnus musicus als
Standvogel auf Griechenland angeben, der in den dortigen Seen und
Sümpfen brütet; nach Ersterem sogar in nicht geringer Anzahl.
^teganopotles* Ueber den Aufenthalt und die Brüte-
weise des Pelecanus crispus hat Graf v. d. IMiiiile in seinen
Beitr. /. Ornithol. Grieclienl. S. 132 interessante Notizen niit-
getlieilt.
In Griechenland sehr häutig das ganze Jahr hindurch und an
manchen Seen und Sümpfen sind weit ausgebreitete Brutkolonien
desselben, P. onocrotalus ist dagegen äusserst selten in Griechen-
land, ja Graf M. glaubt kaum, dass er dort brüte, sondern dass sich
im Winter nur einer oder der andere dahin verstreiche. Linder-
mayer giebt nur den P. onocratalus daselbst an xmd sagt, dass sich
unter andern ganze Familien fortwährend am Lycari-See finden.
Diese Angabe beruht jedoch auf einer Verwechselung mit O. crispus,
da nur, wie Graf M. bemerkt, letzterer allein es ist, der am gedach-
ten See sich aufhält.
Vckcaniis rufcscens wurde, wie Fräser anführt, von der Niger-
Expedition in grossen Schaaren bei Egga im Oktober angetroffen
(Ann. XII. p. 133).
p*
210 •^' ^VagJler: Bericht ü. d. Leistungen i. d. Naturgesch. etc.
Dysporus varieg atus Murde von Tschudi als neue Art an
den Küsten und Inseln des stillen Ozeans entdeckt (Archiv S. 390).
Vhalacrocorax hypohuctis Brandt, /euconaster Gould u. tiiehino-
feucos Vieill. wurden von Gould in den Birds of Austral. part. 11
und 12 abgebildet.
Vyqopoiles» Von Pod/ceps gu/aris G. und jmliocephuhis
Jard. lieferte Ciould in den Birds of Austral. part. 12 die .Xbbil-
dungen.
217
l?L'ritlit über die Lcisiuiigei» im iiahlctc der Iler-
petolo^ic »iilueiid des Jahres 1843.
Von
Dr. F. H. Troschel.
Die Abbildungen neuer oJer unvollständig bekannter Am-
phibien, nach der Natur oder dem Leben entworfen, heraus-
gegeben nnd mit einem erläuternden Texte begleitet von H.
Schlegel, Düsseldorf 1837 — 1844, deren erste Lieferung
bereits in diesem Archiv 1838. H. p. 359 angezeigt ist, ist
nunmehr vollständig erschienen und besteht aus einem Atlas
mit 50 colorirten Tafeln in Folio und einem Bändchen Text
in Octav. Es muss hier genügen die abgebildeten Arten auf-
zuzählen.
Emys vulgaris japonica, picta ; Trionyx japonicus; — Crocodilus
biporoatus; Gymnodactylus marmorattis ; Galeotes lophyrus; üraco
viridis, fimbriatus, lincatus, haematopogon-, Monitor exanthematicus
capensis, chlorostigma, bivittatus javan. , /^raiv«?«,- Scincus Mülleri,
smaragdinus; Typhlops lumbricalis, squamosus, biUneatus, Eschrich-
t/f, Lalundei, nigricans, Mülieri, lineatus, ater, po/i/gramnn'cus, ?md-
tilineutns; Pseudotyphlops oxyrhynchus; Tortrix scytale, rufa, eryx
aegyptiaca, pseudoeryx, xenopeltis , boa; Calaniaria Linnaei, oligo-
don; Xenodon purpurascens; Coluber iiielainirus javanica, Korros,
subradiutus, Corais, winiatus: Herpetodryas oxycephaliis javan., ca-
rinatiis, dipsas, margaritiferus , psammopJüs, dendrophis; Psanuno-
j)liis j)ulvcriilenta, moniliger Var. aegyptiaca, seychellciisis, elcgans;
Uondrophis ornata; Dryophis Catesbeji, prasina, Langaha; Dipsas
Drapiczii, dendrophila var. javan., multimaculata, Gaimardii, aegy-
ptiaca, colubrina, carinata; Homalopsis herpeton; Boa melanura, mii-
rina, Dussumieri, oarinata; Python bivittatus javanicus; Acrochordus
javauicus; Elaps furcatus, surinamensis, coUaris, coronatus^ psanimo-
piiis, lemniscatus, bivirgatus var. javanica; lUingarus annularis, semi-
fasciatus; iS'aja tripudians sondaica, porphyrea, claps, bungaroides,
rurta; Hydrophis hylrida; Trigonocophahis rhodostoma, punioeus;
— Hyla chulconotus^ cyanca, erytliraea, aurifasciatu, Reinwardtii,
leucomystax, Bürgeri; Ceratophrys cornuta, tnonta/ia, turpicola;
Bufo asjier, scaber; Salamandra pleurodoles, naevia, Genei, subcri-
stata, scutata, nebulosaj Caccilia hypocyanea,
218 Troschel: Bericht über die Leistungen im
Von Andrew Smith Ulustrations of the Zoology of
South Africa sind im Laufe der letzten Jahre, seit sie zuletzt
in diesen Berichten besprochen sind, die Lieferungen 13 — 19
erschienen, und zwar im Jahre 1841 die Lief, 13—15, 1842
nur die 16, Lief., und 1843 die 17, bis 19, Lief. Die 13te
enthält von Amphibien die Abbildung von Bucep/mhis capetisis
Sm. (Dendrophis colubrina Schlegel). — Die I5te Coluber
uanus Merr. — Die löte Naja liajc Sm. (Echidna flava Merr.
— Die 17te Lycodon geometricus Schlegel und Lycodoti gut,
tatus Sm. n, sp. — Die 18te Cordylus microlepidotus Cuv,
(wol)in Smith seinen C. montanus, melanotus, algoensis und
subviridis zieht), C. fasciatus (C. microlepidotus Dum. Bibr.),
C. capensis ( Zoniirus capensis Dum. Bibr,), C. polyzonus
(Zonurus polyzonus Dum, Bibr.); C. griscus Cuv,, C, cata-
phractus Gray; auf einer besondern Tafel sind die Köpfe und
Schenkel der verschiedenen Arten dargestellt. — Die 19to
Vipera cornuta auct. , V. lophophrys Cuv., Naja haemachates
(Vipera haemachates Daud., Naja capensis Sm.).
Von S, Nilsson's Scandinavisk Fauna erschien der
dritte Theil, welcher die Amphibien enthält, Lund 1842, Die
Amphibienfauna stimmt fast gaui^ mit der des nördlichen
Deutschlands iiberein, denn es werden eine Schildkröte: Emys
lutaria (europaea), drei Echsen: Lacerta agilis, vivipara und
Anguis fragilis, drei Schlangen : Coluber natrix, laevis (austri-
acus) und Vipera Berns, neun schwanzlose Batrachier: Hyla
viridis, Rana temporaria, esculcnta, arvalis nov. sp. s. unten,
Bond^inator igneus, Pelobates fuscus, Bufo vulgaris, variabilis
und calamita, und endlicli drei geschwänzte Batrachier: Triton
cristatus, alpcstris und punctatus aufgezählt, also im Ganzen
19 Amphibien, initer denen eine neue Art.
Bereits im Jahre 1842 erschien der dritte Band der Zoo-
logy of New- York or the New- York Fauna von James de
Kay, Albany 1842. 4., welcher die Amphibien enthält. Es
werden 161 Arten als in den vereinigten Staaten vorkonnnend
aufgezählt, von denen 64 Arten von New -York beschrieben
und abgebildet sind. I<:s sind dies J7 Schildkröten (Chelonia
mydas; Sphargis coriacca; Trionyx ferox; Chelonura serpcn-
tina-; Emys palustris, terrapin, picta, guttata, insculpta, ru1)ri-
ventris, Muhlenbergii, geographica, pseudogcographica; Kino-
Gebiete der Herpetologie -wahrend des Jahres 1843. 219
stenion penpyhanicuiu; Steniotliaeriis gcograplücus; Cisdido
Carolina, J>IainJingii); nur 2 Echsen (Scinciis fasciatns und
Tropidolepis undulatns) ; 15 Sclilangen (Coluljer constrictor,
alleghaniensis, getulus, exiniius, punctatus, vernalis; Tropido-
notus sipedon, taenia, leberis, Dekayi; Laptop his saurita; Ca-
lamaria amoena; Heterodou platyrhinos; — Trigonocephalus
coutortrix; Crotalus durissus) und 30 Lurche, worunter 12
ungeschwänzte (Rana pipiens, horiconensis, fontinalis, palustris,
halecina , sylvatica; Scaphiopus solitarius; 13ufo aniericanus ;
Ilylodes Pickeringi, Gryllus; Hyla versicolor, squirella) und
18 geschwänzte (Salaniandra symmetrica, subviolacea, crythro-
iiüta, picta, salmonea, fasciata, longicauda, granulata, bilincata,
rubra, coccinea nov. sp. s. unten, glutinosa; Triton tigrinus,
niilJepunctatus, niger, porphyriticus; Monobranchus lateralis;
Menopoma alleghaniensis). Nur eine neue Art der Gattung
Salamandra ist aufgestellt. Sämmtliche genannte Arten sind
auf 23 Steindrucktafeln abgebildet.
The Zoology of the Voyage of H. M. S. Beagle under
the Coininand of Captain Fitzroy during the Years 1832 — 1836.
Part. V. Reptiles by Thomas Bell. London 1843. 4. Die
in diesem Werke besproclienen Amphibien sind mit wenigen
Ausnahmen südamerikanisch; viele Arten werden als neu be-
schrieben; alle sind auf 20 Steindrucktafeln abgebildet. Ausser
den Beschreibungen ist jede Art mit lateinischer Diagnose
versehen. Die der neuen Arten, so wie die der beiden hier
aufgestellten Echsengattungen und 5 Batrachiergattungen sind
unten aufgenommen.
Von John Edw. Ilolbrook's North American Herpetology;
or a üescription of Ihe Reptiles inhabiting the llnited States
ist zu Philadelphia 1843 eine neue Ausgabe in Octav erschie-
nen. Leider ist mir dieselbe noch nicht zugänglich geworden,
da sie, so viel mir bekannt, noch Jiiclit in Berlin angekom-
men ist.
De Filippi giebt im Giornale dell" Istituto Lombardo
di scienze, Tomo VL Milano 1843 p. 407 die Beschreibung
einiger Amphibien: Aga7na rmpta n. sp., Herpetodryas cursor
Schi, und Boa Iracldiira (Gundlach dies Archiv. 1840. \. p. 361).
Ein Brief von Rusconi an Prof. Oken. Sur les vais-
seaux lymphatiquos des reptiles (Giornale dell' Istituto Lom-
220 Troschel: Bericht über die Leistungen im
bardo. Tonio VI. p. 158) ist in Miiller's Archiv 1843 p. 241
abgedruckt. Daran schliessen sich in Miiller's Archiv: Einige
historische Notizen, die Lyinphgefässe der Amphibien betref-
fend, von demselben Verfasser.
C li e 1 o n 1 1.
Ueber die Struktur der Netzhaut der Schildkröte, von
Adolph Hannover. (Miiller's Archiv 1843. p. 314).
i$ a u r i*
Mehrere neue Gattungen und Arten sind in dieser Ab-
theilung in den bereits oben angeführten Werken aufgestellt:
Chamaeleo rhinoceros Gray. Annais XI. p. 46. Rücken und
Bauch mit einem gezähnten Kiel, Occiput niedrig, prismatisch, mit
einem mittleren Kiel, Nase mit einem breiten dreieckigen Vorsprung,
mit einem einzelnen Kiel an seiner Unterseite, und zwei gezähnten
Kielen, getrennt durch eine tiefe Grube, an seiner obern Fläche.
Dunkel, weiss gefleckt, ein heller Streifen jederseits. Madagascar?
Von der Reise des Schiffs Sulphur.
Von der Gattung Proctotrettis beschreibt Bell in der Voyage
of thc Beagle 14 Arten, unter denen vier neue: P. gracilis corpore
gracili, capitis squamis laevibus, non imbricatis, aurium margine an-
teriore minute bi-tridentato, collo vix plicato, squamis imbricatis,
Serie unica squamarum supralabialium, fcmorum facie posteriore
omnino granulosa. Patagonien öj Zoll. — V. Bibronii capite squa- .
mis laevibus subconvexis; auribus ovalibus, margine anteriore uni- |
dentato; squamis temporum collique rotundatis laevibus imbricatis;
colli minimis; serie unica squamarum supralabialium; squamis dorsi
rhomboideis, carinatis, postice acuminatis; abdominis squamis Om-
nibus integris; femorum facie posteriore omnino granulosa. Patago-
nien h\ Zoll. — P. Kingii squamis capitis neque imbricatis nee ca-
rinatis; supralabialibus in scric unica; aurium margine anteriore
granuloso, interdum unidentato; squamis dorsalibus carinatis, postice
acuminatis, femorum facie posteriore praecipue granulosa, sed por-
tione parva, caudam versus, squamis parvis rotundatis imbricatis
tecta. Patagonien 6^ Zoll. — P. Darivinii corpore subdepresso;
capite squamis numerosis parvis, subelevatis, laevibus non imbrica-
tis; aurium margine anteriore integro; temporibus colloque granu-
latis; Serie unica squamarum supralabialium; facie posteriore femo-
rum partim granulosa, partim squamis imbricatis tecta. Nord -Pata-
gonien. 5?^ Zoll.
Eine neue Gattung Diplolaemus stellt Bell 1. c. in der Nähe
von Leiosaurus Bil)r. auf; Caput breve, latum, subtriangulare. Aures
parvae, ovatae, margine laevi. Nares magnae rotundae. Collum in-
Gebiete der Herpetologie während des Jahres 1843. 221
fra transverse, ad latera longitudinaliter plicatiun. Corpus subde-
pressum, noti cristatum. Cauda teres, breviuscula, laevis. Pedes
breves, robusti. Squamae capitis mimerosae, jjarYao, rotundatae,
non imbricatae — corporis atque caudae supra minimae, laeves,
convexae, paulo imbricatae, infra laeves, planae. Pori femorales et
praeaiiales in utroque sexu nuUi. Dentes palatini nulli. D. Darwi-
7»V squamis capitis convexis; cauda corpore cum capite longiore. 1".
— D. Bihronii squamis capitis plauis; cauda corpore cum capite
breviore. IV'. Beide von Patagonien, Port Desire.
Leiocephalus (Holotropis Bibr.) Grayn 'BeW 1. c. crista dorsali
elevata, cauda subcompressa; squamis ventralibus rhomboideis, lae-
vibus; margine anteriore meatus auditorii quadridentato ; squama
occipitali magna. 9A Zoll. Galapagos-Inseln.
Bell stellte ferner eine neue Gattung Centrura zwischen
Oplura und Doryphorus: Caput breve, trianguläre. Aures magnae,
antice cutis plica haud dentata partim celatae. Nares magnae rotun-
dae. Gula transverse subplicata. Collum atque corpus haud cristata,
hoc depressum, latum, cute longitudinaliter plicata. Cauda teres,
basin versus subdepressa, squamis fortibus spinosis verticillatis.
Squamae capitis numerosae, parvae, rotundatae, non imbricatae —
corporis minimae, rotundae, subconvexae, laeves. Pori femorales et
praeanales nulli. Dentes palatini. Eine neue Art C. flagellifer 7^".
Woher?
Naultitius Grayii Bell omnino viridis; fronte subconcavo; squa-
mulis capitis planis. Neu-Seeland.
Ameiva lo?tgicmida Bell squamis suprahumeralibus rhomboideis,
imbricatis; subfemoralibus transversim hexagonis; abdominalibus in
Seriebus decem longitudinalibus dispositis; cauda, corpore cum ca-
pite plus quam duplo longiore, squamis medio carinatis, et ad mar-
ginem subcarinatis. 7.r". Patagonien.
Jgatna nujita de Filippi 1. c. capite muricato, squamis dorsi
Omnibus aequalibus, carinatis; lateralibus laevibus minutissimis; cauda
subverticillata; gula flavo coeruleoque marmorata. Von Osculati
auf den Ruinen von Persepolis gefangen.
Guyon beobachtete in Algerien den Ziireig, welcher ihm
der Jaculus der Alten zn sein scheint; es ist eine neue Art
Seps, welcher drei Zehen an jedem Fuss hat; er ist oberhalb
broncefarbig-, unterhalb weissgrau, und von ungemeiner Scluiel-
ligkeit; er trank täglich (Comtes rendus XVI. p. 1011).
Sei* peilt es.
J. J. Bächtold schrieb unter dem Präsidium von W.
V. Rapp als Inaugural- Dissertation: Untersuchungen über die
Giftwerkzeuge der Schlangen. Tübingen 1843. 4, Auf zwei
222 Troschel: Bericht über die Leistungen im
Stcindriicktafeln sind die Wirbelzäline von Deirodon scaber
Owen, die Zähne un<l Giftdrüse von Ilydrophis pelanüs und
die von Reinhardt entdeckte ausserordentlich lange Giftdrüse
von Naja rhonibeata Schlegel abgebildet. Die Frage, ob die
Schlangen mit Furchenzahnen giftig seien, wird nicht ent-
schieden.
J. Th. Reinhardt publizirte in dem lOten Bande der
Schriften der dänischen Gesellschaft der Wissenschaften meh-
rere neue Schlangen (Reskrivelse af Nogle nye Slangearter).
Der Aufsatz ist von drei lithographirten Tafein begleitet, auf
welchen die Köpfe der beschriebenen Arten , und sonstige
Charaktere abgebildet sind. Die Diagnosen sind hier niit-
getheilt.
Calamaria um'cohr Reinhardt. Capite indistincto, scuta fron-
talia et anteriora et posteriora praebente; scutis loreis et ocularibus
anterioribus nullis ; dente postremo maxillae anterioribus longiorc;
corpore tote fusco , unicolore , nitido. Scuta abdom. 179. Scutella
caudalia 38. Guinea. — C. meleagris id. capite vix distincto, scu-
tum frontale et anterius et posterius unicum praebente; supra coe-
ruleo-nigra, squaniis singulis versus apicem puncto pallido ornatis;
subtus albida. Sc. abdom. 142—170. Scutella caud. 22—34. Guinea.
Lycodon gtiffatus Smith 1. c. gelbbraun, oben mit braunen
Tropfenflecken, am Kopf braune Linien, zMei Längsflecke hinter dem
IVacken. — L. lineattis Reinhardt cauda scutata; notaeo ex gri-
seo fusco ad latera obscuriore, supra spinam dorsi linea obscura, (
a fronte distincta incipiente deinde diffusa, notato; gastraeo flave- *
scente, scutis singulis in angulis externis maculis obscuris ornatis.
Sc. abd. 154. Sc. caud. 42. Manilla.
Piammophis oxyrhytichus Reinliardt capite distincto; rostro
adunco, conico; dente postremo maxillae sulcato et valde elongato;
notaeo fusco-cancscente, gastraeo pallidiorc. Sc. abd. 169—178. Sc.
taud. 95—96. Guinea.
Deiidrophis Chenonii \\ einher Ai dentibus elongatis et sulcatis
nullis, squamis laevibus per 15 series dispositis; corpore toto laete
viridi. Sc. abd. 164-177. Sc. caud. 108-126. Guinea.
Dipsas varicgata Reinhardt capite distinctissimo; squamis
laevibus per 19 series dispositis; notaeo canesccnte, fuliginosis ma-
culis irregularibus, maculam cancscenteni rursus includeiitibus, huc
et illuc in taoniani confluentibus, notato ; gastraeo albido maculis
l)arvis, fuliginosis ornato. Sc. abd. 218. Sc. caud. 07. — D. hippo-
crepis id. capite distinctissimo; notaeo brunneo-rubescentc, anteriora
versus obscuriore; occipite macula albida ferri equini formam imi-
tante ornato ; gastraeo flavescente. Sc. abd. 178. Sc. caud. 43. Guinea,
Gebiete der Herpctologie välircnd des Jahres 1843. 223
Boa inornata Reinh. capite sciitis irregularibus tecto; oculis
et iiarilnis latcralibus, scutis labialibiis planis; obsolete fiisca, in par-
tibus posterioribus diffiisis maculis irregularibus notata. Sc. abd.
26i— 271. Sc. caud. 67—69. Portorico.
Xenodtrmus javanicxis wird von Reinhardt 1. c. umständlich
beschrieben. (Vergl. dies Archiv 1837. I. p. 136).
ElufS irregularis Reinh. corpore toto coeruleo-fusco. Sc. abd.
230. Sc. caud. 26. Guinea.
Bungarus flaviceps id. squamis laevibus per 13 series dispositis;
cauda subtus scutis scutellisque obtecta; trunco supra coeruleo, sub-
tus flavescente, capite et cauda flavescentibus. Sc. abd. 219. Scuta
et scutella caud. 49. Java.
Naja nigricoUis id. scutis ocularibus anterioribus duobus; supra
obscure olivacea, subtus lurida maculis fuscis confluentibus, gula et
coUo nigerrimis. Sc. abd. 203. Scutella caud. 64. Guinea.
Zuletzt wird noch von Reinhardt], c. Vipera nasicornis Daud.
beschrieben.
Lapemis loreatus Gray Annais XI. p. 46 verwandt mit L. Ilard-
wickii Gray, aber sie ist grösser, liat keine Zügelschilder, und ein
kleineres viereckiges vorderes Augenschild. Vaterland unbekannt.
Von der Reise des Schiffs Sulphur.
Batrachia.
T. Wriclit beobachtete in Hindostaii einen Frosch (the
Jarge yellow ram frog), welcher mit einem vier Fuss weiten
Sprunge einen Sperling ergriff uiul verschlang. (Mc. Clelland
Calcutta Journal 111, p, 284).
Ratia arvalis Nilsson 1. c. p. 92: Schnauze spitz, Stirn
zwischen den Augen flach, Nasenlöcher vor der Schnauzenspitze, ein
schwarzer Fleck durch die Ohrengegend , in einen schwarzen Strich
durch die Nasenlöcher fortgesetzt; oben schwarz marmorirt und mit
drei blassen Längsbinden. Hinterzehen mit 2i bis 3 Gliedern aus
der Schwimmhaut vorstehend.
Zwischen Rana und Cystignathus stellt Bell 1. c. seine neue
Gattung Lininocharis: Lingua ovalis, integra, margine posteriore
libcro. Denies palatini utrinquc in fasciculis duobus dispositis, quo-
rum alter ad marginem anteriorem narium interioruin, alter pone
nares inferiores, prope arcum maxillarem. Nasus terminalis, trun-
catus, ultra labium productus. Tympanum conspicuum, circulare.
Cutis omnino laevis. Digiti anteriores liberi, posteriores ad basin
tantum palmati. Eine Art L. fnscns von Rio Janeiro. \" i'". Hin-
torbeine 1" 8"'.
Borborocoetfis Bell nov. gen. bei Cystignathus. Lingua ovata,
postice libera, rotundata, antice subacuniinata. Dontes palatini in
fasciculis binis plus minusve obliquis, pone nares posteriores positi,
224 Troschel: Bericht über die Leistungen im
Tynipanum celatuni. Digiti anteriores haud palmati, posteriores ad
basin tantum cute connexi. Glandulae cutaneae nullae. Sacculi vo-
Calcs (maris) utrinquc siib lingua nasccntes. ß. Bi'hronü dcntibus
palatinis in fasciculis distantibus obliqiiis pone nai-es posteriores po-
sitis, palmis bituberculatis. 1" 5'"; Hinterbeine 2" 6'". Chiloe und
Valdivia. — B. Graijii dcntibus palatinis in fasciculis subcontiguis
paulo obliquis, pone narcs posteriores positis; palmis non tubercu-
latis. Valdivia.
Bell findet die Trennung der Gattung Pleurodema Tschudi von
Cystignathus Wagler gerechtfertigt, und beschreibt drei neue Arten:
P Darwinii von Maldonado, elegans von Chiloe und Chili, und bufo-
junum von Patagonien.
Leiuperus salarius Bell 1. c. supra nigricans, lumbis maculis
3 vel 4 nigris, albo-raarginatis. Patagonien.
Al&odes Bell nov. gen. Caput convexum. Lingua antice acute
producta, postice rotundata et libera. Dentcs palatini inter nares
posteriores. Tympanum celatum. Aperturae Eustachianae haud con-
spicuae. Digiti anteriores ad basin tantum, posteriores usque ad
phalangem tertiam membrana connexi. In der Nähe von Scaphiopus.
A. monticola von den Chonos-lnseln.
Litoria glandulosa Bell femoribus postice glandulosis; digitis
posticis breviter palmatis. Chile.
Batrachyla Bell nov. gen. Lingua suborbicularis, postice li-
bera. Deutes palatini in fasciculis binis obliquis inter nares poste-
riores dispositi. Tympanum distinctum , parvum, rotundum. Digiti
depressi, ad apicem pauUo dilatati, truncati. Anteriores ad basin
tantum, posteriores paulo plus palmati. B. liptopiis. Valdivia.
Hylorina Bell nov. gen. Caput subrotuudum planum. Lingua
magna circularis, postice libera. Dentes palatini in linea transversa
parum interrupta dispositi. Tympanum distinctum. Digiti subde-
pressi, ad apicem obtusi, haud expansi; anteriores fere liberi, poste-
riores ad basin membrana connexi, et marginati. Femora multo
glandulosa. Verwandt mit Hylodes. H. sylvatica. Chonos-lnseln.
Aus der Gattung Hyla beschreibt Bell 1. c. zwei neue Arten:
H. Vauterii Bibr. M. S. und //. ugrcstis Bell, beide von Mal-
donado.
Uperodon ornafum Bell capite multo latiore quam lougiore.
Dorso olivaceo , maculis fuscis, albo marginatis. Buenos Ayres.
Salatnandra coccinea de Kay 1. c. scharlachroth mit drei hoch-
rothen, schwarzgcrandeten Augenflecken an jeder Seite des Kückens;
der Schwanz beträgt die halbe Längo des ganzen Thieres. Bis sechs
Zoll. In der Nähe des Sees Pleasant, Hamilton county.
Joly beobachtete, dass ein Salamander (Salaniandra nia-
fMilosa) in einem Tage 2.5 lebendige .Tnnge gebar ( Comtes
rendus XVI. p. 461).
Gebiete der Herpetologie während des Jahres 1843. 225
Nouvelles recherches sur la configiiration, la structure
et les rapports de la vesicule proligere ou gerniinative diez
les Salatnandrcs aquatiques von Martin Saint-Ange finden
sich in der Revue zoologique 1843. p. 327.
Mauro Rusconi machte Beobachtungen über Proteus
anguineus in Beziehung quf die beiden Bläschen , welche den
Lungen der übrigen Amphibien entsprechen. Er lebt nur im
Wasser. Aus diesem genommen gaben diese Thiere Zeichen
von Unbehaglichkeit, und fingen nach einer Stunde an, aus
der ganzen Oberfläche einen Schleim abzusondern, und be-
fanden sich in Agonie. (Giornale dell' Istituto Lombardo. VI.
p. 288. Froriep's Neue Notizen XXVI. p. 295).
226
Bericht über die Leistungen im Gebiete tler,
Ichthyologie während des Jahres 1843.
Von
Dr. F. II. Troschel.
Ilöclist wichtig- für Systematik ist die Abhandlung von
J. Müller: Beiträge zur Kenntniss der natürlichen Familien
der Fische (Monatsberichte der Akademie der ^Yissenschafteu
zu Berlin August 1843; dies Archiv 1843. I. p. 292) und
Nachträge dazu (dies Archiv 1843. I. p. 381).
Die neueren Lieferungen von Smith 's lUustrations of
the zoology of South Africa (vergl. oben p. 218) enthalten
einige neue Fische, welche unten angegeben sind. Ausserdem
sind abgebildet in der 14. Lief.: Otolithus aequidens Cnv.
Val. und Dentex rupestris Cuv. Val. ; in der löten Sciaena
hololepidota Cuv. Val. und Rhinobatus (Syrrhina) annulatus
Müll. Ilenle. ; in der 16ten Ostracion bicuspis Bhimenb. (O.
stellifer Bl. S.).
Der vierte Band der Zoology of tlie Voyage of H. M. S.
Beagle under the Command of Captain Fitzroy during the
Years 1832—1836. London 1842. 4. enthält die Fische, bear-
beitet von Leonard Jenyns. Die vielen neuen Arten, unter
denen auch mehrere neue Gattungen, sind unten angeführt,
da wohl vorausgesetzt werden darf, dass das Werk zu den
schwerer zugänglichen gehören wird. Auch von manchen be-
reits bekannten Fischen sind genauere Beschreibungen und
interessante Angaben hier niedergelegt. Es ist nicht eine be-
stinuntc Fauna hier behandelt, sondern die Einheit des Wer-
kes beruht nur darin, dass die Fische gerade auf einer Reise
gesamtoeit sind , sie stanuncn aus den verschiedenen Gegen-
den der Erde. Die Abbildungen linden sich auf 29 Tafeln in
Steindruck.
Von der l'auna Jciponica von v. Siebold ist die zweite bis
vierte Lieferung erschienen, welche Fische, bearbeitet von
Bericht ü. d. Leist. i. Gebiete d. Iclitliyologic wäiir. d. J. 1843. 227
Temminck und Schlegel, enthalten. Diese Lieferungen ent-
halten Fische aus den Familien der Pereoiden, Panzerwangen,
Sciaenoiden und einige Sparoiden. Unter einer grossen Zahl
von neuen Fischen, sind auch viele bereits früher beschrie-
bene abgebildet, und es wird durch mancherlei interessante
Angaben und genauere Beschreibungen die Kenntniss dieser
Thiere erweitert. An den litliographirten Abbildungen ist be-
sonders zu rülmien, dass die meisten nach frischen Exempla-
ren angefertigt sind, was wegen der Färbung so sehr wichtig
ist. Mehrere neue Gattungen sind aufgestellt, diesen sind
aber die Speciesnamen noch vorenthalten.
Von der Zoology of New- York or the New -York Fauna
by James de Kay, Albany 1812. 4, enthält der vierte Band
die Fische. Es werden darin 440 Arten als den vereinigten
Staaten angehörig genannt, die in 156 Genera und 32 Fami-
lien vertheilt sind. Von ihnen kommen 294 Arten im Staate
New-York und den anliegenden Gewässern vor, sie sind ge-
nau beschrieben und auf 79 Steindrucktafeln abgebildet.
Es sind 30 Pereoiden, 5 Perca, 5 Labrax, worunter 2 neue, 1
Huro, 1 Pileoma nov. Gen., 2 Lucioperca, worunter einer neu, 1 Bo-
leosonia nov. Gen., 1 Serranus neu, 1 Centropristes , 1 Grystes,
3 Centrarchu.s , unter denen einer neu, 2 Pomotis (P. vulgaris und
P. appcndix (Labrus appendix Mitch.), 1 Dules, 1 Aphredoderus,
1 Uranoscopus, 1 Sphyraena neu und 1 Lepisoma nov. Gen.); — 20
Trigliden (1 Trigla, 3 Prionotus, 1 Dactylopterus, 4 Cottus, 1 Hemi-
tripterus, 2 Scoi-paena, 1 Sebastes, 1 Uranidea nov, Gen,, 1 Aspido-
phorus, 1 Cryptacantliodfs, 4 Gasterosteus); — 16 Sciaenoiden
(1 Leiostomus, 1 Otolithus, 5 Corvina, von denen eine neu, 1 Um-
brina, 2 Pogonias, 1 Micropogon, 3 Haeniulon, 1 Pristipoma, 1 Lo-
botes); ~ 5 Sparoiden (3 Sargus, worunter einer neu, 1 Chryso-
phrys, 1 Pagrus); — 3 Squamipennen (2 Ephippus, i Pimelepterns);
— 27 Scombroiden (3 Scomber, 1 Thynnus, 1 Pelamys, 1 Cybium,
1 Trichiurus, 1 Xiphias, 1 Naucrates, 1 Elacate, 1 Lichia neu, 2
Trachinotus, 1 Palinurus nov. Gen., 3 Caranx, worunter einer neu,
1 Blepharis, 2 Argyreiosus, 1 Vomer, 1 Scriola, 1 Tcmnodon, 1 Co-
ryphaena, 1 [.ampugus, 2 Rhombus); — 1 Tcuthiden ( Acanthurus);
— 2 Atherina; — 4 Mugil; — 8 Gobioiden (1 Blennius, 1 Pholis,
1 Chasniodes, 1 Gunuellus, 2 Zoarces, 1 Anarrhichas, 1 Gobius); —
7 Lophiden (1 Lophius, 2 Chironectes, 2 Malthaea, 2 Batrachus,
unter denen einer neu); — 3 Labroiden (2 Ctenolabrus, 1 Tautoga);
also zusanmien 126 St ach elflo sser.
Ferner 6 SiUiroiden (l Galeirhtliys, 1 Arius, 4 Pimelodus, wor-
unter zwei neue); ^ 27 Cyprinoidcn (2 Cyprinus, 1 Abramis neu,
228 Troschel: Bericht über die Leistungen im
5 Labeo, wovon zwei neu, 7 Catostomus, unter denen zwei neue,
1 Stilbe, 11 Leuciscus, wovon vier neu); — 7 Cyprinodonten (1 Le-
bias, 3 Fundulus, wovon einer neu, 3 Hydrargira, wovon einer neu);
— 9 Esoeiden (4 Esox, worunter einer neu, 1 Belone, 1 Scombere-
sox, 3 Exocoetus); — 2 Fistularia; — 11 Salmoniden (5 Salmo , 1
Osnierus, 1 Bajone nov. Gen., 1 Scopelus, 3 Coregonus); — 18 Clu-
peaceen (7 Clupea, 6 Alosa mit einer neuen Art, 1 Chaetoessus neu,
2 Hyodon, 1 Elops, 1 Amia neu); — 2 Lepisosteus, wovon einer
neu; — 1-i Gadoiden (4 Morrhua, 1 Merlnccius, 3 Lota mit einer
neuen Art, 3 INlerlangus einer neu, 1 Brosmius, 2 Phycis); — 9 Pleu-
ronecten (1 Hippoglossus, 6 Platessa, wovon zwei neu, 1 Pleurone-
ctes (Rhombus), 1 Achims); — 1 Cyclopterus; — 3 Echeneis; —
7 Aale (4 Anguilla, 1 Conger, 1 Ophidium, 2 Aramodytes, davon
einer neu, der eine neue Gattung bilden muss in der Familie der
Scomberoiden s. unten); also zusammen 115 Weichflosser.
Es folgen dann 3 Lophobranchii (2 Syngnathus, einer neu, und 1
Hippocampus); — 18 Plectognathi (4 Diodon, 3 Tetrodon, 1 Acan-
thosoma nov. Gen., 1 Orthagoriscus ; 4 Mouacanthus, einer neu, 1
Aluteres, 1 Balistes neu, 3 Lactophrys nov. Gen., wozu Ostracion
Yalei Storer, Ostr. sexcornutus Mitchell und eine neue Art); — 3
Acipenser; — und 27 Knorpelfische (13 Haifische, 9 Rochen und 5
Rundmäuler, Movon 1 Petromyzon und 1 Ammocoetes neu). Das
Buch scheint sehr sorgfältig gearbeitet, ist vortheilhaft ausgestattet,
und ist für die Bestimmung nordamerikanischer Fische unentbehrlich.
In den Abbildungen und Beschreibungen neuer und sel-
tener Thiere und Pflanzen in Syrien und im westlichen Tau-
rus gesammelt von Th. Kotschy, herausgegeben von Fenzl,
Heckel, und Redtenbacher enthält die erste Textlieferung
(Stuttgart 1843) die Fische Syriens von Jacob Heckel voll-
ständig, und die erste Lieferung des Atlas seclis Tafeln Abbil-
dungen, welche nach den Angaben im Text etwa auf das Dop-
pelte anwachsen müssen. 57 Arten Fische wurden von Kotschy
in den Flüssen Orontes und Euphrat eingesammelt, und von
denen ergeben sich 50 Arten als neu. Es ergiebt sich, dass
in Syrien, so wie auf der ganzen südlichen Hälfte. Asiens die
Cyprinen vorherrschend unter den Siisswasserfischen sind.
Salmonen kommen gar nicht vor. (Salmo orientalis in den
Nebenflüssen des Oxus! dies Archiv 1843. U, p. 11.3). Verf.
sagt: ,,lm Allgemeinen sind die süd- asiatischen Süssvvasser-
fische durch ihre Organisation mehr auf eine vegetabilische
Nahrungsweise angewiesen, ja es scheint überhaupt, dass Mam-
malion und Süssvvasserfische als die beiden heterogensten Ge-
bilde unter den Vertebratcn im umgekehrten Verhältnisse zu
Gebiete der Ichthyologie während des Jahres 1843. 229
einamier auftreten, so dass in Länderstrecken, wo die Rapa-
ces unter den einen vorherrschen , diese unter den andern
abnehmen. Eine grosse Anzahl Siisswasserfische im tropischen
Asien, dem Sitze der grimmigsten Raubthiere, nähret sich mit
zahnlosem ÄJnnde, zarten zugosciiärften Lippen und fadenför-
mig verlängertem Darmkanale ausschliesslich von vegetabili-
schen Substanzen, während im tropischen Amerika, das so
arm ist an reissenden Säugethieren, unter den Fischen nicht
ein ptlanzenfressender sich hefindet. Im Gegentheile leben
dort Schaaren raubgieriger Salmoniden, die mit scharfem Ge-
bisse und seltener Verwegenheit grosse Hausthiere, ja sogar
Menschen anfallen, die genöthigt sind, einen Fluss zu durch-
schwimmen." Offenbar hat diese geistreiche Bemerkung viel
Wahres, nur muss man es auch nicht allzu genau nehmen.
Unter den raubgierigen Salmoniden sind die Characinen (vgl.
dies Archiv 1844 lid. 1 p. 81) gemeint, von denen die mei-
sten mit grimmigem Gebiss bewaffnet sind; indessen unter
ihnen finden sich auch Gattungen aus denselben Gegenden,
die nur äusserst zarte Zähnchen besitzen, eine sogar (Anodus),
die ganz zahnlos ist. Diese sind natürlich auch nicht auf
Thiernahrung angewiesen, sondern sie leben theils von Vege-
tabilien, theils nur von Schlamm, der mit organischen Sub-
stanzen geschwängert ist. — Unter den 57 Arten Syrischer
Fische, welche Heckel beschreibt, sind 45 Cyprinen, 5 Cobi-
tis , 2 Cyprinodonten, 3 Siluroiden, 1 Mastacembelus und 1
Mugil. Leider enthält das Werk viele Druckfehler in den
Nanien, selbst einige in den Fundorten.
In den Transactions of the zoological Society of London
Vol. in. Part. 2. p. 133 findet sich eine Abhandlung von John
Richardson: Description of Australian Fish, mit 5 Kupfer-
tafeln, auf denen einige Arteii abgebildet sind. Die meisten
hier beschriebenen Fische sind schon in den Proc. zool. Soc.
4839—1841 aufgestellt, nur zwei neue Arten sind hinzugefügt.
Die Fortsetzung und der Beschluss der Beiträge zu der
Ichthyologie von Australien von John Richardson (vergl.
den vorjährigen Jahresbericht p. 103) findet sich in den An-
nais XI. p. 22, 169, 352, 422, 489. Diese Beiträge sind ganz
in derselben Weise behandelt, wie die früheren. Sie beziehen
sich besonders auf die Familie der Scomberoiden, Teuthyer
Archiv f. Maturgeschichte. X..Iahrg. 2. Bd. Q
9*^0 Troschel: Bericht über die Leistungen im
und l.abroiden , und enthalten wieder niajiohe interessante
Aufklärungen über F'orstersche, Bankssche und Solandersche
Frische.
Von Henrik Kroyer's Danniarks Fiske, Kopenliagen 8.
ist im Jahre 1843 das erste Heft des zweiten Handes erscliie-
nen (die früheren Hefte sind mir nicht /u Gesichte gekom-
men). Der Text ist dänisch , und die Fische sind in Holz-
schnitt abgebildet.
Dieses Heft enthält: Gadus Morrhua, Aeglefinus, minutus, Iiiscus;
Merlangus vulgaris, Carbonarius, Pollachius; Merluccius vulgaris;
Lota Molva, raptor, abyssorum, vulgaris; Motella Mustela, cimbria,
tricirrata; Phycis furcatus; Brosmius vulgaris; Raniceps fuscus ; —
Platessa vulgaris, Flesus, Limanda und microcephalus.
The Naturalists Library conducted by William Jardine.
Ichthyology Vol. V. enthält Fishes of Guiana Vol. II. by Ro-
bert Schomburgk. Edinburgh 184-3. 8. Die Beschreibun-
gen der Fische sind wie im ersten Bande nach den Abbil-
dungen und Notizen des Reisenden von einem ungenannten
Verfasser bearbeitet , dessen Incognito ich ehren zu müssen
glaube. Im Allgemeinen sind die Beschreibungen ungenügend,
und es liält schwer oder ist unmöglich die Frische , welche
das Berliner Museum aus denselben Gegenden empfing, da-
nach zu bestimmen. Noch weniger sind die Abbildungen, auf
30 Tafeln, geeignet die Bestimnuing zu erleichtern.
Icones piscium or plates of rare Fishes. By J. Richard-
son. London 1843. 4. Part 1.
History of the Fishes of Madeira. By Richard Thomas
Lowe. London 1843. 8.
Diese beiden letztgenannten Werke sind mir noch nicht
zugänglich geworden.
Lieber Hausenblase fiiulen sich einige ausgedehnte Auf-
sätze in dem 3ten Bande von McClelland's Calcutta Jour-
nal of natural history 1813: Troduction of Isinglass on the
Coasts of India, with a notice of its Fisheries, By J. For-
bes Royle. p. 7(). — On East Indian Isinglass, its introduc-
tion to, and manufacture for, the European Market. By .Mo
Gl e Hand p. 157. — Extract of a letter from E. O'Reiley
p. 287. 289.
Bemerkungen über die äussern Athemmuskeln der Fische
von Robert Remak (Müller's Archiv 1843. p. 190).
Gebiete der Ichthyologie während des Jahres 1843. 231
Ueber die C'aiidal- und Kopf-Sinuse der Fische und das
damit znsanirncnhängendr' Seitengefäss - System von Hyrtl.
(Miiller's Archiv 1843 p. 224).
Acanthopterysli*
In dieser Abtheilung ist eine grosse Zahl neuer Arten
aufgestellt.
P e r c a c e i.
Perca laevis Jenyns Beagle, schwarzbraun punktirt, Schnauze
vor den Naslöchern nackt, Schuppen des Rumpfes glatt; verwandt
mit P. trucha Va!. D. 9—1 11, A 3.9. Patagonien.
lAibrax nigricavs de Kay, dunkel mit einem Stich ins Gelbe,
erste Rückenflosse höher als die zweite. D. 10. 1. 12, A. 3. 8. New-
York. — L. nlbidus id. bläulich weiss, mit einigen schmalen dunklen
Linien. D. 9. t. 13; A. 3. 12. Erie-See
Zur Gattung Labrax, welche Schlegel zur Familie der Pan-
zerwangen stellt, beschreibt derselbe eine neue Art L. agrammus
mit einfacher Seitenlinie, sonst sehr ähnlich mit L. hexogrammus.
Pileoma nov. Gen. de Kay, verwandt mit Huro. Zwei ge-
trennte Rückenflossen, Praeoperculum glatt, Operculum mit einem
schwachen platten Dorn. Bauchflossen mit 5 weichen Strahlen.
Zähne gleich gross. P. semifasciatnm olivengrün mit vielen dunklen
Querbinden. D. 13. 15; A. 12. 2 Zoll. See Champlain.
Lnciopercu grisea de Kay: grau, keine Flecken auf der ersten
Rückenflosse. D. U. 1. 17; A.'l3. Ohio.
Bo leosoma nov. Gen. de Kay. Zwei Rückenflossen, Praeo-
perculum am Rande glatt, Operculum schuppig mit einem Dorn,
sechs Kiemenstrahlen, Nacken gedrückt, zusammengezogen. B. tes-
sellatum bräunlich mit viereckigen Flecken an Rücken und Seiten.
3 Zoll. D. 9. 14; A. 10. In den Flüssen von New-York.
Sei'raiins ulbomaciilntus Jenyns Beagle: eine Reihe weisser
Flecken an den Seiten, Kiefer schuppenlos. D. 10. 13; A. 3. 7. Gala-
pagos-Inseln. — S. aspersus id. oben dunkel grün, unten heller, an
den Seiten hell smaragdgrün gesprenkelt. D. 11. 15; A. 3 8. Cap Ver-
dische Inseln. — S. labriformis id. Praeoperculum kaum gezähnelt,
Schuppen unter der Seitenlinie ciliirt, über ihr glatt. D. 11. 17; A. 3.
8. Galapagos- Inseln. — S. oljax id. kleine Lappen an der Spitze
der Rückendornen, zwei Dornen am Deckel, alle Schuppen glatt.
D. 11. 18; A. 3. 11. Galapagos-lnseln. — S. erythrogaster de Kay,
oben olivenbraun, unten roth, die senkrechten Flossen sind blau
eingefasst und dunkel gerändert. D. 11. 16; A. 2. 10. 2 Fuss. Florida,
New-York.
Q*
232 Troschel: Bericht über die Leistungen im
Jenyns stellte Zoology of the Voyage of Beagle eine neue
Gattung von Sciaenoiden auf, die ganz der Gattung Serranus gleicht,
und der nur die Gaumen- und Vomerzähne fehlen; er stellt sie in
eine Gruppe mit Haemulon , Pristiponia und Diagramma, von denen
sie jedoch durch den Mangel der Poren an der Symphyse verschie-
den ist. Die Gattung heisst Prionodes , die Art P. fasciatits von
den Galapagos- Inseln. D. 10. 12; A. 3. 7. Im Anhange sieht er das
Fehlen der Gaumenzähne als Missbildung an, und zieht die Gattung
wieder ein.
Plectropoma patachonica Jenyns Beagle, nur zwei Dornen am
unteren Rande des Praeopercuhims. D. 13. 15 oder 16; A. 3. B oder 9.
vielleicht nur Varietät von P. brasilianum. Patagonien.
Jenyns bildet aus Centropristes goorgianus Cuv. Val. eine
eigene Gattung. Sie soll sich durch häringsartige Gestalt, gezähnten
Suborbitalknochen, schuppigen Kiefer, kleine Brustflossen und tief-
gegabelte Schwanzflosse unterscheiden; ausserdem haben die Schup-
pen statt des gewöhnlichen Fächers divtrgirender Streifen an ihrem
Basaltheile einen dreieckigen Raum mit äusserst feinen dem Rande
parallelen Streifen. Die Gattung heisst Ärripis. Vielleicht gehört
auch Centropristes truttaceus Cuv. Val. hierher.
Centrarchus obscurus de Kay, grünlich braun. 8 Zoll. D. 9. 1. 12;
A. 3. 12. Verf. meint, Cichla minima sei vielleicht diese Art im Ju-
gendzustande. Onondaga- Bucht. Wegen der geringen Anzahl von
Stacheln in der Afterflosse scheint der Fisch nicht zur Gattung Cen-
trarchus zu gehören.
Dilles leuciscus Jenyns Beagle ist vielleicht D. malo Val.
Helotes octolineatus Jenyns Beagle, mit 8 schwarzen Längs-
linien, die senkrechten Flossen braun gefleckt. D. 12. 9; A. 3. 7.
Neu-Holland.
Pingtiipes fasciatus Jenyns Beagle, mit 12 kastanienbraunen
Querbinden, wenigen Gaumenzähnen, stachelförmigen Schlundzähnen,
Bauchflossen genau unter den Brustflossen. D. 7. 27; A. 1. 24.
Zu der Gattung Aphritis beschreibt Jenyns 1. c. zwei neue Ar-
ten: A. nndulatus mit schwarzen Querbinden und welligen Längs-
linien. 3 Zoll. B. 6; D. 8. 25. A. 1. 22. Chonos-Inseln. — A. porostis
mit schwärzlichen Querbinden, mit Reihen von Poren am Unterkie-
fer, Präoperculum und Suborbitalknochen. 2| Zoll. D. 8. 25; A. 1. 22.
Patagonien.
Sphyraena borealis de Kay, oben grünlich, Seitenlinie gelb,
Deckel mit einer Spitze. D. 5. 1. 9; A. 1. 9. New-York. — S. nigri-
piimis Schiegel 1. c. die Entfernung der beiden Rückenflossen von
einander beträgt [ des ganzen Fisches, alle Flossen schwarz. D. 5
— 1. 9; A. 1.9.
Acropoma nennt Schlegel Fauna japonica einen Fisch, der
mit MuUus in der Körpergestalt grosse Aehnlichkeit hat, der sich
aber durch den Mangel der Bartfäden von ihm unterscheidet; der
Gebiete der Ichthyologie während des Jahres 1843. 233
After liegt weit entfernt von der Afterflosse, nahe den Bauchflossen;
die Kiefer sind mit spitzen Zähnen besetzt, deren vordere Hunds-
zähne sind , von Gaumenzähnen ist nichts angegeben. 5 Zoll. B. 7-
D. 7-1-1. 10; A. 3. 7.
Mehrere neue Arten der Gattung üpeneus Cuv. Val. beschreibt
Schlegel 1. c, indem er ihnen den Gattungsnamen MuUus lässt:
M. chrysopleuron blutroth, mit einem goldgelben Streifen längs der
Seitenlinie. 1 Fuss. D. 8—1. 11; A. 1. 7. — M. Bensasi ein Dorn am
Kiemendeckel, braunroth, larkrofhe Flecke am Kopf, einer vor der
Basis der Brustflosse und zwei jederseits am Körper, die Rücken-
flosse und die obere Schwanzflosse haben rothbraune Binden, Bart-
fäden citrongelb. 6". D. 7—1. 9; A 1. 7. — M subvütatus wurde
von Cuv. Val. nach einem Langsdorffschen Fisch für Varietät von
vittatus gehalten; der Körper ist höher, die Schnauze kürzer, die
Stirn viel gewölbter, aber fast flach zwischen den Augen. D. 7—1. 8;
A. 1. 7. — M. dubltis Kieferzähne in einer Reihe. D. 7 — 1. 8; A. 1. 6.
Lepiso7tia nov. Gen. de Kay. Körper und Flossen schuppig;
fleischige Fäden längs der Grundlinie des Kopfes und an den Augen;
eine Kückenflosse Sechs Strahlen in der Kiemenhaut. Zähne in den
Kiefern, am Vomer und an dem Gaumen. Bauchflossen vor den
Brustflossen. L. cirrhosum. 6| Zoll. D. 18. 12. V. 3 (?) A. 19. Florida.
Scleropar ei.
Tn'gla Bürgert Schlegel 1. c. vorn an der Schnauze jederseits
ein nach aussen gewendeter Fortsatz. 9 Zoll. D. 9— 16; A. 16. — T.
hemisticta id. Augen sehr gross, zwei Dornen am Vordeckel. D. 7
— 11; A. 11.
Peristedion Orientale Schlegel I. c. unterscheidet sich von der
europäischen Art durch das Fehlen der drei Dornen über der
Schnauze. 7 Zoll.
Prioitotus miles Jenyns Beagle, von den Galapagos- Inseln und
verschieden von allen bisher bekannten Arten, die sich nur auf der
Ostseite Amerikas finden.
Uranidea de Kay nov. Gen. Kopf breit, niedrig; Körper ohne
Schuppen; zwei Rückenflossen, Bauchflossen mit drei Strahlen, Augen
fast vertical, Operculum glatt, Vordeckel mit einem einzigen Dorn,
Zähne in den Kiefern, am Vomer und auf der Zunge. TJ. quiescens
olivenbraun, 3 Zoll, D. 7. 16; V. 3; A. 13. Round lake und Pleasant
lake, Hamilton County.
Cottus intermedius Schlegel 1. c. der grosse Dorn des Vor-
deckels hat 4 oder 5 Spitzen. D. 9 — 13; A. 14. — C xmcinatus id.
der grosse Dorn des Vordeckels ist an der Spitze hakenförmig in
die Höhe gebogen. 3 Zoll. D. 8-19; A. 17.
Aspidophorus chiloensis Jenyus unterscheidet sich von den bis-
her bekannten Arten durch das Vorhandensein von Vomer- und Gau-
234 Troschel: Bericht über die Leistungen im
menzähnen; Fäden am Kinn und an der Kiemenhaut, die Rücken-
flossen getrennt. D. 8—7; A. 8. Länge 2" 7'". Chiloe.
Platycephalus inops Jenyns Beagle, verwandt mit P. laevigatus
Cuv. Val. aber die erste Rückenflosse hat hinten einen grossen
schwarzbraunen Fleck, die zweite Rückenflosse, die Schwanzflosse
und die Brustflossen haben kleine braune Flecken, die Afterflosse
und die Bauchflossen sind fast ganz sch-warz. D. 8-12; A. 12. Neu-
Holland. — PL sjn'vosus Schlegel Fauna japon. D. 9— 12; A. 12.
Bemhras curtus Schlegel 1. c. D. 9 — 1. 8; A. 3. 5.
Scoipaena histrio Jenyns Beagle, roth, Flossen heller, mit klei-
nen schwärzlichen Flecken, Kojif zum grossen Theil schuppenlos,
Kopf und Seiten überall mit kleinen Hautlappen, vier gefranzte über
den Augen, von ihnen die hintern die grössten. Galapagos-Inseln. —
Sc. neglecta Schlegel 1. c. 9 Zoll. Dornen des Kopfes zeigen
einige Verschiedenheit von den übrigen Arten.
Pelor aurantiacum Schlegel 1. c. unterscheidet sich von P.
japonicum Cuv. Val. ausser kleinen Abweichungen leicht durch orange
gelbe Färbung, kleine schwarze Punkte sind über den ganzen Kör-
per zerstreut.
Pterois hmulata Schlegel zeichnet sich durch die Kleinheit
der Lappen über den Augen und durch die Grösse der ScliManzflosse
aus. D. 12-1. 11; A. 3. 7.
Sebastes pachycephalus Schlegel, die Stacheln des Kopfes sind
sehr dick und stark. D. 12—1. 12; A. 3. 6; P. 19, von denen 12 ein-
fach. — S. ventricosus id. Körper ziemlich hoch, Kopf klein, spitz,
Mund wenig gespalten. D. 12—1. 15; A. 3. 7. P 16, wovon 7 einfach.
Apistiis ruhripinnis Schlegel 1. c. D. 14. 7. V. 1. 4; A. 3. 4.
Minous jmsillus Schlegel, der Zwischenraum zwischen den
.'\ugen ist schmaler als bei den andern Arten. 2i Zoll. D. 9. 11;
A. 1. 8.
Eine neue Gattung Aplo actis ist von Schlegel nach einem
Fisch aufgestellt worden, der die Mitte hält zwischen Cottus, Synan-
ceia, Apistus und Agriopus. Alle weichen Strahlen der Flossen sind
unverzweigt. 3 Zoll. B. .^; D. 14. 11; A. 12; V. 1. 2.
Sciaenoidei.
Sciaena japonica Schlegel. D. 10— 2. 26; A. 2. 8. wird bis 5
Fuss lang,
Otolithus analis Jenyns 12 Zoll. D. 9— 1.24; A. 1.16. Peru.
Corvina oxyptera de Kay. Deckel obsolet gesägt, mit zwei
Dornen, Präoperculum gezähnt, Brustflossen lang und spitz. D. 10.
19; A. 3. 7. New-York.
Unihritia ophicephala Jenyns Beagle, ausgezeichnet vor allen
andern Arten durch die verlängerte Körperforin. D. 12—1. 22; A. 1.
9. Chile.
Gebiete der Ichthyologie während des Jahres 1843. 235
Pogonias nigripinnis Schlegel, sehr hoch, Stirnprofil concav.
D. 11. 15; A. 5. 9.
Pristipoma cantharintitn Jenyns Beagle. Rückenflosse überall
fast gleich hoch, bläulich silberfarbig, der Deckel schwarz gerandet.
D. 12. 15; A. 3, 12. Galapagos-Inseln.
Diagratlima ciiictum Schlegel I. c. D. 12. 16; A. 3. ö. braun-
grau, oberhalb mit kleinen runtlon Flecken besäet, zwei schiefe
braune Binden steigen vom Kücken nach der Bauchseite.
Einen Fisch, der sich unter den Sciaenoiden durch die Kleinheit
des stachligen Theils der Rürkonllosse auszeichnet, und von dem
nur eine Zeichnung des Herrn Bürger nach Europa gekommen ist,
nennt Schlegel Glaucosom,a. Poren am Unterkiefer sind nicht
angegeben; die Stacheln der Rückenflosse werden nach hinten zu
länger. B. 7. D. 9. 11; A. 3. 9. graublau. 2 Fuss.
Latilus princeps- Jenyns Beagle, Kopf vor dem Auge nackt,
Bauchflossen genau unter den Brustflossen. D 8. 26; A. 2. 26. Ga-
lapagos Inseln.
Scolopsides inermis Schlegel I. c. verwandt mit taeniopterus
hat aber grössere Schuppen, und einen kaum bemerklichen Dorn am
Suborbitalknochen. D. 10. 9; A. 3. 6. Hellroth mit sechs dunklern
Binden.
S p a r o i d c i.
Sargus arenosus de Kay, mit Querbinden, vor der Rückenflosse
ein liegender Stachel. 6 Zoll. D. 1. 12. 11; A. 3. 12. Long Island.
Detitex griseus Schlegel 1. c.
Chrysophrys tavrina Jenyns Beagle. Nur drei Reihen Mahl-
zähne im Oberkiefer, ähnlich mit Ch. aculeata, aber ohne liegenden
Dorn vor der Rückenflosse. Galapagos-Inseln. — Ch. aries Schle-
gel. Profil stark gebogen, oben 5, unten 3 Reihen Mahlzähne. D. 11.
13; A. 3. 11. graugrün. — Ch. Uimifrons id. Das Profil des Kopfes
fällt fast senkrecht ab. D. 12. 11; A. 3. 10. rotli. — Ch. viajor id,
D. 12. 10; A. 3 8. Roth.
Scomberoidei.
Cybium ßavo-brunneum Smith. JH. 17. oben 5, unten 4 falsche
Flossen. 24 Zoll.
Lichia Carolina de Kay: die Höhe verhält sich zur Länge, wie
1:2, der erste Strahl der zweiten Rückenflosse und Afterflosse sehr
lang. 1 Fuss. D. 1. 6. 25; A. 2. 20, Küste von Carolina.
Paropsis ist eine von Jenyns aufgestellte neue Gattung,
welche sich von Lichia nur durch den gänzlichen Mangel der Bauch-
flossen unterscheidet. Der Name ist bereits bei den Käfern längst ver-
geben. Die einzige Art P. signata stammt von der Nordküste Pa-
tagoniens, das Berliner zoologische Museum besitzt ein Exemplar
von Brasilien.
236 Troschel: Bericht über die Leistungen im
De Kay bildet aus Coryphaena perciformis Mitchili, (Trachi-
notus argenteus Storer) eine neue Gattung Pa/hiurtis: die Stacheln
vor der Rückenflosse sind nicht frei, sondern durch niedrige Haut
verbunden, vorn an der Afterflosse ein Dorn, Vordeckel und Deckel
gesägt. Der Name ist bei den Krebsen vergeben, wie Verf. selbst
bemerkt, warum hat er keinen andern erfunden? Der gesägte Deckel
scheint diesen Fisch aus der Familie der Scomberoiden zu entfernen,
indessen der ganze Habitus ihn leicht als hierher gehörig erken-
nen lässt.
Caranx (Trackurus) decHvis Jenyns Beagle, die Seitenlinie der
ganzen Länge nach mit 82 hohen Platten bewaffnet. D. 8 — 1. 35;
A. 2 — 1. 30. Gegen 8 Zoll. Neu -Holland. — C. torvus id. Seiten-
linie vorn mit kleinen unbewaffneten Schuppen, hinten mit 36 Plat-
ten bedeckt. D. 8— 1.26; A. 2-1.22. Tahiti.
Caranx defensor de Kay die Höhe des Körpers beträgt ein
Drittel der ganzen Länge, ein liegender Dorn vor der Rückenflosse;
keine falschen Rückenflossen, ein schwarzer Fleck am Deckel. 9 Zoll.
D. 7. 1. 20; A. 2. 17. New-York.
Capros australü Richardson Annais XI. p. 170. D. 7 — 18;
A. 2—17. 10 Zoll. Vandiemensland.
T e u t h y e s.
Amphacantkus gynmopareius Richardson Annais XL p. 174
dunkel rothbraun. — A. notostictus id. schwarze Flecken an den
Seiten, eine schiefe Binde läuft nach vorn und unten vom hintern
Theil des Auges. Port Essington
Acuiithurtis gra7mnoiitilus Wic\\Si.vA%oxi Annais XL p. 176. D. 9. <
26; A. 3. 24. Port Essington.
INl u g i 1 o i d e i.
Mugil Abu Heckel Fische Syriens p. 107 (1Ü97). D. 4-1. 8;
A. 3. 8.
Atherina microlepidola Jenyns Beagle, Schuppen klein, in 18
Läng.sreihen. D. 5- 1. 11; A. 1. 17. Vier Zoll. Valparaiso. — A. in-
cisa id. Schuppen mittelmässig in 12 Längsreihen. 2^ Zoll. D. 5—1.
18; A. 1. 17 bis D. 6 — 1. 10; A. 1. 19. Chili. — A. hepsetoides Ri-
chardson Annais XL p. 178. D. 9— 1. 11 ; A. 1. 14. Port Arthur. —
A. presbyteroides id. D. 9. 11; A. 1. 12. ebendaher. — A. nigrans id.
D. 1. 4—1. 12; A. 1. 18. Port Essington.
Blennioi«! ei.
ßlenecJtis fasciatus Jenyns Beagle 2\ Zoll. D. 13. IG; A. 20.
V. 2. Chili. — B. ornatus id. 2 Zoll. D. 12. 11. A. 20. Chile.
Clinus crinitus Jenyns Beagle, die Augenlidtentakeln bestehen
, Gebiete der Ichthyologie während des Jahres 1843. 237
aus acht vom Grunde aus getrennten Haaren. 6$ Zoll. D. 26. 11;
A. 2. 24. V. 3. Chile.
Jenyns stellt in die Nähe von Clinus eine neue Gattung Acan-
thocltuu s, welche sich von Clinus durch eine grössere Zahl von
Stachelstrahlen in der Afterflosse, eine Längsbinde kleiner Zähne
auf der Zunge, die Lage der Bauchflossen unter den Brustflossen,
und das Vorhandensein von drei Seitenlinien unterscheidet. A. fu-
scus B. 6. D. 20. 4. A. 9. 4. V. 1. 2. Neu-Seeland. Vielleicht gehört zu
dieser Gattung der Clinus littoreus Cuv. Val. ebenfalls von Neu-
Seeland.
Tripterygion capito Jenyns Beagle, die Seitenlinie reicht wenig
über die Brustflossen hinaus. 2k Zoll. D. 6. 20. 14. A. 25. Neu-
Seeland.
In der Familie der Blennioiden stellt Jenyns Voy. ofthe Beagle
p. 165 zwei neue Gattungen auf. Beide stimmen darin überein, dass
sie einen glatten hinten comprimirten Körper haben, dass im Ober-
kiefer zwei grössere conische Zähne vor den übrigen vorhanden sind,
dass sie im Vomer einige spitze Zähne, am Gaumen zwei Reihen
Zähne haben, dass die Bauchflossen sehr klein sind, und dass die
Kücken- und Afterflosse mit der Schwanzflosse verschmelzen. Die
eine aber, llnocoetes (I. fimbriatus von Chiloe) hat in jedem Kie-
fer eine Reihe Zähne, fünf Strahlen in der Kiemenhaut, und die
Kiefer, Suborbitalknochen und Vordeckel sind mit häutigen Röhren
gewimpert. — Die andere Phncocoet es (Fh. lalilans von den
Falkland-Inseln) hat eine Reihe Zähne im Oberkiefer, 2 oder 3 Rei-
hen im Unterkiefer, sechs Strahlen in der Kiemenhaut, nur Poren
statt der häutigen Röhren.
Gobioidei.
Bell am y zeigt an, dass ein Anarrhichas lupus bei Plymouth
gefangen wurde. Er war 3 Fuss lang, und hatte Krabben, Pecten
opercularis und Fusus corneus in seinem Magen. (Ann. XIL p. 298).
Gobius lineatus Jenyns Beagle. D. 6 — 1. 9; A. 1.8. Galapagos-
Inseln. — G. ophicephalus D. 8—1. 16; A. 1. 13. Chiloe.
Discoboli.
Zwei neue Gattungen aus dieser Familie Murden von J. Müller
und Ref. aufgestellt: Cotylis und Sicyases. (Dies Archiv 1843. I.
p. 297).
Gobiesox marmoratus Jenyns, die vordem Zähne grösser, oben
konisch, unten schneidend, Deckel hinten mit stumpfer Spitze. 2^ Zoll.
B. 6; D. 13; A. 11. Chiloe. — G. poecilophthalmus id. die vorderen
Zähne grösser, oben und unten schneidend. Deckel hinten mit
spitzem Dorn. 1" 10'". B. 6. D. 7. A. 7. Galapagos-Inseln. Es lässt
sich nicht entscheiden, ob diese beiden Arten der Gattung Cotylis
angehören, da die Zahl der Kiemen nicht angegeben ist.
238 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen im
C arpop terygii.
Lofihius npsi'cejihalus Smith Jlhistrations Part. 13, supra pallido
flavo-briinneus, subtiis piirpureo griseus, flavo-brunneo tinctus; orulis
iucide viridi-albis. 28'/'- ü. 7 vel8; P. 16; A. 7. Cap. bonae spei.
Cheironectes polifiis Richardson Transact. zool. Soc. dorso
bipinnato, corpore laevi, glabro, rubicundo, piinctiilato. 2\ Zoll.
Port .Arthur.
Balrachus cefatiis de Kay, Operculnm mit zwei Dornen, Riik-
kenflossen getrennt, Körper mit dunklen Querbinden. 1 Zoll. D. 3.
28; V. 3; A. 23. New- York. Er ist als Fischregen im Jahre 1824 zu
New -York in den Strassen gefunden. — B. diemensis (Le Sueur?)
Richardson D. 2 — 18; h. Ifi. Port Essington.
Pliaryiisoguatlti.
Diese Ordnung der frische wurde von J. Müller in deni
oben erwähnten Aufsatze über die natürlichen Familien der
Fische gegründet. (Vergl. dies Archiv 1843 1. p. 305).
Labroidei cycloidei.
Labrus Go«/rf« Richardson Ann. XI. p. 353 scheint verwandt
mit L. macrodontus. D. 11. 10; A. 3. 10. West- Australien. — L. cya-
nodus id., ebenfalls verwandt mit macrodontus, keine Hundszähne
am Mundwinkel D. 13. 7; A. 3. 10. Port Essington.
Cassyphus Darmni Jenyns, Praeoperculum ungezähnt, und ohne
Schuppen an den vertikalen Flossen. D. 12. 10; A. 3. 12. Galapagos-
Inseln.
Cheiiio rmnosus Jenyns Beagle, Flossen einfarbig hellbraun.
D. 9. 13; A. 3. 12. Japan?
Scarus chlorodon Jenyns, verwandt mit Sc. variegatus C. V.,
aber die Schwanzflosse ist etwas ausgeschnitten. D. 9. 10; A. 3. 9.
Indischer Ocean. — Sc. lepidus id. verwandt mit Sc. globiceps Val.
Tahiti.
Labroidei ctenoidei.
Amphiprion juponicus Schlegel. Zwei weisse Querbinden,
Schwanzflosse gelb, Bauch- und Afterflosse schwarz gerandet. D. 10.
15; A. 2. 13.
Heliases notatus Schlegel 1. c. braunroth, ein weisser Fleck
dicht hinter der Rückenflosse, ein schwarzer Fleck am Grunde der
Brustflossen.
Mit dem Namen Caprodov bezeichnet Schlegel 1. c. einen
Fisch, dessen Zähne hcchelförmig in beiden Kiefern sind, vor denen
eine Reihe grösserer steht, die drei vordem im Oberkiefer jederseits
sind grosse Schneidezähne, der vorderste im Unterkiefer ist sehr
gross, und nach aussen gerichtet, hinter ihm ein etwas kleinerer.
Gebiete der Ichthyologie während des Jahres 1843. 239
auf der Mitte des Unterkiefers steht wieder ein grosser nach hinten
gebogener Zahn, hinter ihm folgen keine hecheiförmigen Zähne mehr.
B. 5; D. 10. 20; A. 3. 9. Rosenfarbig, am Kopfe gelbe Züge, einige
unregelmässige schwarze Flecke in der Mitte der Rückenflosse.
Rückenflosse und Afterflosse sind mit Schuppen bedeckt wie bei den
Squamipennen. Schlegel stellt den Fisch zu den Sciaenoiden, ich
vermuthe nur wegen der Strahlenzahl in der Kiemenhaut, dass er
hierher gehören möchte.
Jenyns stellt 1. c. eine neue Gattung Steg astes in die Fami-
lie der Squamipennen. St. iinhncalus von den Cap Verdischen In-
seln. Im Nachtrage erkennt er den Fisch für Glvphisodon luridus
Cuv. Val.
C h r 0 m i d e i.
Chromis facetus Jenyns D. 15. 10; A. 6. 8. Rio Plata.
Scomberesoces.
Couch legte der Linnean Society einen kleinen Fisch von \'L<A\
Länge, der in Cornwall gefangen war, vor, und den er für eine neue
Gattung in der Nähe von Hemiramphus hält. Der Unterkiefer stand
beträchtlich vor, und erschien mehr knorplig, Rücken- und After-
flosse hinten. Für Aufstellung der Gattung ist eine genauere Be-
schreibung nöthig, die wohl anderen Orts gegeben werden wird.
Leicht könnte es der Jugendzustand eines bereits bekannten Fisches
sein. (Annais of nat. bist. XI. p 232).
M a 1 a c o |> t ei* y g i i.
S i 1 u r o i d e i.
Silnrus triostegus He ekel Fische Syriens, Kopf verlängert, erste
Strahl der Brustflossen stark, gesägt, D. 1. 2; A. 3. 86. im Tigris bei
Mossul.
Heckel beschreibt I.e. den Silurus Cous Linn. (Pimelodus cous
Val.) als Jrius Cous, indem sich am Gaumen zwei Haufen sammt-
artiger Zähne finden.
Phnelodus pnlliis de Kay, Brustflossen spitz, Schwanzflosse aus-
gerandet. 11 Zoll. D. 1. 5; V. 8; A. 17. Nördliche Seen von New-
York. — P. atrarius id. schwarz, Fettflosse schmal und hoch,
Schwanzflosse ausgerandet, abgerundet. 5 Zoll. D. 1. 6. V. 8. A. 20.
In Nebenflüssen des Hudson. — P. exsudans Jenyns. Sechs Bart-
fäden, der Maxillarfaden erreicht die Afterflosse nicht, Fettflosse
nicht ganz doppelt so lang wie die Rücken- und Afterflosse. D. 1. 7.
A. 13 bis 14. Brasilien.
Calliclithys pnleatus Jenyns, verwandt mit C. punctatus Val.,
aber er besitzt ausser den 4 gewöhnlichen Fäden noch 2 Lippen-
fäden, und die Maxillarfaden reichen nur bis auf die Mitte des Auges.
Ist wohl nicht eigene Art. Südamerika.
240 Troschel: Bericht über die Leistungen im
Cyprinoidei.
In Hockeis oben erwähnter Arbeit über Syrische Fische
ist der grösste Theil den Cyprinen gewidmet, und Verf. legt
mit Recht einen hohen Werth auf die Bildung der Schlnnd-
zähne. Die erste Tafel der Abbildungen stellt die verschie-
denen Formen derselben dar, und es ist in der That leicht,
mit dieser Hülfe, Cyprinen zu bestimmen, namentlich ist dies
bei denen gelungen, welche das Berliner Museum durch Prof.
Koch aus Syrien erhalten hat. Die Schlundzähne werden in
vier Hauptabtheilungen gebracht:
1) Hohlzähne (dentes excavati) mit hohlkehlenartiger Ver-
tiefung an der Rückseite; sie zerfallen in Löffelzähne und
Schaufelzähne.
2) Kauzähne (dentes masticatorii) mit nach aufwärts ge-
richteten Kauflächen ohne Haken ; sie zerfallen in Pflaster-
zähne, Mahlzähne, Becherzähue, Meisselzähne, Kammzähne,
Messerzähne.
3) Hakenzähne mit Kauflächen (dentes uncinato- submo-
lares) mit schmalen nach innen zu in einen Haken auslaufen-
den etwas concaven Kauflächen ; sie zerfallen in Keulenzähne,
Drückzähne und Greifzähne.
4) Hakenzähne ohne Kauflächen (dentes uncinato -sub-
conici) langgestreckt mit rückwärts gewendetem Haken; sie
zerfallen in Fangzähne und Würgezähne.
Die beiden erstem gehören Cyprinen mit langem Darm-
kanal, die beiden letzteren solchen mit kurzem Darmkanal an.
Die 54 Gattungen, welche Verf. annimmt, und unter denen
28 Heckeische, werden demnächst in zehn Tribus getheilt,
und sämmtlich vollständig charakterisirt; auch werden in die-
ser Uebersicht sämmtliche Arten namentlich angeführt mit den
nöthigen Citaten und Angabe des Vaterlandes. In Beziehung
auf die Gattungscharaktere sehe ich mich genöthigt, auf das
Buch selbst zu verweisen, dessen Studium für die Naturge-
schichte der Cyprinoiden unentbehrlich ist. Bei manchen Gat-
tungen kennt Verf. den Bau der Schlundzähne nicht, weil ihm
das Material fehlte, und eine grosse Anzahl von Arten bedarf
aus demselben Griuide noch der Untersuchung, so dass diese
Familie noch immer nicht ganz, aufs Reine gebracht ist. Die
neuen Arten aus Syrien sind folgende:
Gebiete der Ichthyologie während des Jahres 1843. 241
Barbns l.acerta , pectoralis, pertiiciosus, Cry/nis, Scinciis, Raja-
norum, Kersin ; Labeobarbns Kotschyi; Luciobarbus xanthopterus,
esocinus, Scheich; Scoph/orloti Truffa, fratercuJa , Umbla, soctalis,
percgrinorum ; Syslomus luteus, albus; Phoxinellus Zeregi; Cypri-
nion macrostomus , Kais., Cypris: Discognathus variabilis, rufus,
obtusus; Tylognathus nattus; Acaiithohrama ceiitisquama, Marmid,
Jrrhada, cupida: Chondrochilus regius; Squalius Berak , lepidus,
cephalopsis , spurius; Aspius twrax; Alhurnus Sellal, microlepis, coe-
rufeus , hehes, niossuleiisis, capito, paUidus; — Cohitis freiiata, Pa7i-
thera, itisig/iis, Tigris, Leopardus.
Wenn gleich der 17te Band der Histoire naturelle des
Poissons von Cuvier und Valenciennes erst im Jahre
1844 erschienen ist, so scheint es mir dennoch angemessen,
ihn bereits an diesem Orte zu besprechen. Valenciennes
beschliesst in diesem Bande die eigentlichen Cyprinoiden ohne
Zähne. Im Allgemeinen befolgt er ein ganz anderes Princip
als Heckel. Während dieser danach strebt, durch constante
Charaktere zu sondern, zu unterscheiden, was vielleicht zu-
weilen zu einem mehr künstlichen, als natürlichen Systeme
führen mag, so strebt Valenciennes danach zu vereinigen, und
lieber verwandte Formen in grossen Gruppen bei einander
zu lassen. So zieht der letztere eine grosse Menge von Cy-
prinoiden in eine Gattung Lenciscus zusannnen, die bei Heckel
in etwa 16 verschiedene Gattungen vertheilt sind. Es mag
recht schwer sein , nach der Valenciennes'schen Arbeit einen
Fisch dieser Abtheilung zu bestimmen. Ausserdem folgen
dann die Gattungen Chondrostoma, Catla (Gibelion Heckel),
Catostomus, Sclerognathus (Catostomus Cyprinus Lesueur)
scheint mit Rhitidostomus Heckel iibereinzustinnrien , Exoglos-
sum. Auf die vielen neuen Arten kann unmöglich hier ein-
gegangen werden.
Einige neue Cyprinoiden aus der Gattung Barbus werden von
Smith Jll. South Africa 14. abgebildet und in Untergattungen ge-
bracht. Heckel hat sie bereits berücksichtigt: Chetlobarbus capensis,
16^ Zoll. D. 10; P. 16; V. 8; A. 7; C. 19. — Ch. marequensis unter-
scheidet sich vom vorigen etwas in der Form.
Pseudobarbus Burchellü, 4 Zoll, die Flossen am Grunde roth.
D. 8; P. 12; V. 6; A. 7; C. 19. - Fs. paUidus D. 7; P. 14; V. 6 ; A. 7;
C. 17.
Abrostomus utnbratus, röthlich grau mit gelben Flecken. D. 10;
P. 12; V. 10; A. 6; C. 21. — A. capensis D. 11; P. 16; V. 9; A. 6;
C. 18.
242 Troschel: Bericht über die Leistungen im
l.uheo elegans de Kay, oben bläulich, Kopf grünlich, Rücken-
flosse oben abgerundet. 8 Zoll. D. 12; P. 15; V. 9; A. 8. New-York.
— L. esopus i d. Rücken erhaben, Schuppen länglich, Seitenlinie un-
deutlich. 10 Zoll. D. 12; P. 16; V. 9; A. 7. New-York, aus dem In-
nern des Staats.
Abramis versicolor de Kay, silberfarbig mit grün, blau und gold
variirt. 7 Zoll. D. 9; P. 14; V. 9; A. 14. In den Flüssen Connecti-
cut und Hudson.
Catostomus oneida de Kay, Rücken höckerig, zwei kurze Sta-
chelstrahlen an der Rückenflosse, Kopf glatt, mit zahlreichen Schleim-
poren. 12 Zoll. D. 2. 13; P. 15; V. 9; .\. 8. See Oneida. — C. pal-
lidus id. Seiten blass, die beiden Abtheilungen der Schwimmblase
durch eine weite Oeffnung vereinigt. 10 Zoll. D. 13; P. 16; V. 8;
A. 8. bei Peekskill.
Leuciscus nitidus de Kay Körper silberweiss, Kopf mit Schleim-
poren, Schwanz tief ausgerandet, nicht gegabelt. 10 Zoll. D. 8;
P. 16; V. 10; A. 9. See Champlain. — L. chrysopterus id. Eine grosse
Schuppe am Grunde der Bauchflosse, Rückenflosse ausgerandet,
6 Zoll. D. 9; P. 19; V. 9; A. 10. Hafen von New-York. — L. vittu-
tus id. olivengrün mit goldenem Rückenstreif, unten silberfarbig mit
einem Stich ins fleischfarbige. 4 Zoll. D. 9; P. 15; V. 8; A. 8. Mo-
hawk. — L. pt/gmaeus id ein oder mehrere Augenflecke am Schwanz.
1 Zoll. D. 14; P. 16; V. 6; A. 13. In Bächen bei Tappan, Rockland
County.
Cyprinodontes.
Poecilia decemmaculata Jenyns, zehn schwarze Flecke in einer i
Längsreihe an jeder Seite. D.8. A. 10. 1', Zoll. Maldonado.
Lebias lineata Jenyns, jederseits sieben schwarze Längslinien.
2 Zoll. D. 9; A. 9. Maldonado. — L. muUidentata id. Zähne drei-
spitzig, aber in mehreren Reihen. 3 Zoll. D. 9; A. 9. Monte Video.
Wird vielleicht eine eigene Gattung bilden müssen. — L. tnento
Heckel Fische Syriens, mit vorspringendem Kinn. D. 2. 10; A. 2. 9.
— L. cypris Jd. Rückenflosse weiter vorn. D. 2. 9; A. 2. 8. Beide
von Mossul.
Fmiduhis %ebra de Kay, gegen zwanzig senkrechte Linien über
den Körper, Rücken- und Afterflosse, weiss punktirt. D. 10; P. 17;
V. 6; A. 10. In Salzwasserbuchten bei New-York.
Hydrargira atricauda de Kay, olivenbraun mit einem schwar-
zen breiten Streifen am Schwanz. 4 Strahlen in der Kiemenhaut.
3.} Zoll. D. 15; P. 15; V. 6; A. 10. See Champlain.
Zu den Cyprinodonten stellt .lenyns eine neue Gdiinng Mesites,
welche sich, wie es scheint, nicht von Galaxias Cuv. unterscheidet.
Verf. beschreibt drei neue Arten : M. niaculatus und alpinus von
Tierra del Fuego und M. attenuatus von Neu- Seeland. Von allen
wird als Grösse 2\ Zoll angegeben.
(Jebiete der Ichthyologie während des Jahres 1843. 243
Characin i.
Die von Jenyns Voy. of the Beagle aufgestellten Arten der
Gattung Tetragonopterus sind schon in der Arbeit über Characinen
( siehe oben Vol. 1. p. 81 ) berücksichtigt worden T. rutilus scheint
nicht verschieden von Tetrag. bimac. Müll. Tr. ; (Saliiio bimaculatus
Bl.), T. Abramis und scnbripiiniis sind neu, hieniatus scheint das
Weibchen von scabripinnis zu sein. T. interrni>tus wird wegen der
abweichenden Zahnbildung ein neues Genus bilden müssen. Alle
sind aus Südamerika.
8almo nes.
Hi.'itoire naturelle de.«; l'oissoiis «J'eaii donce de l'Europe
centrale par L. Agassiz. Embryologie des Saluiones par
C. Vogt. Nenchatel 1842. 8. Die Untersuchungen sind an
Coregonus palea Cuv. angestellt.
Young stellte Beobachtungen über das Wachsthuni der
Salmen an. So lange die Fische im süssen Wasser bleiben,
stiiiniit Young ganz mit Shaw iiberein; im Salzwasser wach-
sen sie weit: schneller. Er zeichnete viele Fische beim Ab-
gange ins Meer und viele wurden bei ihrer Rückkunft wieder
eingefangen, so dass es keinem Zweifel unterlag, er habe e.s
mit denselben Individuen zu thun. So beobachtete er den
üebergang in die verschiedenen Alterszustände. Im April
nnd Mai 1837 zeichnete er absteigende Smolts, welche als
Grilse im Juni und Juli wiedergefangen wurden; sie wogen
mehr oder weniger nach der Länge der Zeit, die sie im Meere
zugebracht hatten. Ein in) April gezeichneter wog am 25.
Juli 7 Pfund , ein anderer im Mai gezeichneter wog am 30.
Juli 3i Pfund. Ein Grilse von 4 i^fund, gezeichnet im Ja-
nuar 1842 wurde im Juli als Salnion von 9 Pfund wieder-
gefangen. (Annais of nat. Iiist. XI. p. 157).
John Shaw stellte ebenfalls wieder Beobachtungen über
das Wachsthum an Saimo trutta an. Am ersten November
1839 wurden die Eier befruchtet, die Jungen verliessen das
Ei in 75 Tagen; sie erlangten in zwei Jahren eine Grösse
von 7 Zoll und wurden Siuolts. Daiui observirte er an
Smolts in den Flüssen. Sie kehrten im Juli und August als
Herlings (Salmo albus Flem. ) zurück mit einer Zunahme
ihres Gewichts von 7 — 8 Unzen. Sie gingen später wieder
in See und kehrten im Mai und Juni zurück mit einem durch-
244 Troschel: Bericht über die Leistungen im
schnittlichen Gewicht von 1^ Pfund. Nach der dritten Wan-
derung in die See erschienen sie wieder im nächsten Som-
mer mit einem Gewicht von 4 Pfund. Nach dem vierten
Seegange wogen sie im nächsten Sommer 6 Pfund , also im
sechsten Sommer ihres Lebens. (Annais of nat. hist. XI. p. 384).
Auch John Blackwall giebt Bemerkungen über Sal-
mon, die er im Conway-Flnsse beobachtet hatte. Die jungen
Männchen mit den Charakteren des Parr haben ihre Milch
bereits stark entwickelt, während die Eier der Weibchen noch
weit zurück sind; diese Männchen entleeren ihre Milch in
den nächsten Wintermonaten; die Salmon -Smolts haben ihre
Milch bereits vor der Seewanderung entleert, obgleich die
Roggen der Weibchen noch sehr klein sind ; Smolts erhalten
das Ansehen von Parr's, wenn man vorsichtig die Silber-
schuppen abnimmt. — Verf. tadelt es, dass Young bei seinen
Wägungen nicht zugleich Rücksicht auf Maasse genommen
habe , da es beim Gewicht sehr auf die BeschaflFenheit (con-
dition) ankäme. Freilich lässt eine so bedeutende Gewichts-
zunahme, wie sie Young in so kurzer Zeit angiebt, auf einen
guten Fütterungszustand schliessen. (Annais nat. hist. XI.
p. 409).
Griffith bildet den Salmo orientalis (vergl. dies Archiv 1843.
II. p. 113) ab; er fand ihn in einer Erhebung von 11000 Fuss in den
Flüssen, die in den Bameanfluss fallen. (Mc Clelland Calcutta Jour-
nal III. p. 283).
Unter den Lachsen stellt de Kay eine neue Gattung Bajone
auf: eine Reihe gleicher Zähne im Oberkiefer, eine kürzere Reihe
im Zwischenkiefer und am vordem Theil des Vomer, eine Reihe
langer krummer Zähne um den Rand der Zunge. Zehn Strahlen in
der Kiemenhaut. Fettflosse hinter der .\fterflosse; Schuppen sehr
klein, ß. fontinalis, sechs bis acht senkrechte schwarze Binden an
den Seiten; zwei Zoll. D. 8; P. 12; V. 7; A. 9. lebt in klaren Bächen
und Quellen.
Jenyns stellt ebenfalls eine neue Gattung der Salmonen Ap lo-
cht ton auf: ganz schuppenlos, kleine Zähne in beiden Kiefern in
einer Reihe, auf der Zunge und am Vomer zwei Längsreihen, keine
am Gaumen. Drei Strahlen in der Kiemenhaut. Leben in süssem
Wasser. A. Zebra mit schwarzen Qucrbinden. 9^ Zoll. D. 11;
A. 2. 14. Falkland -Inseln. — A. taeniatiis mit braunen Punkten be-
sprengt, an den Seiten mit einer silbernen Längsbinde. 4 Zoll. D. 12;
A. 2. 13. Terra del Fuego.
Gebiete der Ichthyologie während des Jahres 1843. 245
E s o c e s.
Esox fasciatus de Kay, grünlich gelb mit dunklen senkrechten
Streifen an den Seiten. 10 Zoll. D. 15; P. 15; V. 9; Ä. 14, Long Island
Clupeoidei.
Bei Jenyns 1. c. sind drei neue Heringe angeführt: Clupea fue-
gensis 3 Zoll. D. 18; A. 19. Terra del Fuego. - Cl. arcuata 4 Zoll.
D. 18; A. 23. Bahia blanca. — 67. sagax lOi Zoll. D. 11; A. 18-19.
Lima.
Alosa teres de Kay, cylindrisch, Bauchflossen hinter der Rücken-
flosse. 7 Zoll. D. 19; P. 15; V. 10; A. 12. Hafen von New-York. —
A. pectinata Jenyns, Bauchflossen vor der Rückenflosse, Schuppen
mit kammartigem Rande. 12 Zoll. D. 16; A. 21; P. 17; V. 7 Ba-
hia blanca.
Engraulis ringens Jenyns Beagle D. 15; A. 19. Peru.
Chaetoessus signifer de Kay, Rücken mit 3 oder 4 dunklen Li-
nien, ein runder schwarzer Fleck hinter der Kiemenöffnung, After-
flosse deutlich. 12 Zoll. D. 19; P. 18; V. 8; A. 21. New-York.
Amia occidentalis de Kay, dunkelbraun, verlängert, Seitenlinie
röhrig, kein Schwanzfleck. 2 Fuss. D. 46; V. 9; A. 11.
Säur oidei.
Lepüosteus platyrhynchus de Kay, Kiefer breit, verlängert, der
Oberkiefer dreimal so lang als breit am Grunde, Schuppen glatt.
2 Fuss. D. 7;V. 6;A. 8. Florida.
Gad oidei.
Lota inortiata de Kay, Bauchflossen mit fadenförmigen Spitzen,
der erste Strahl zum Theil frei, beide Rückenflossen fast gleich hoch.
2 Fuss. D. 9. 71; V. 7; A. 63. Hudson.
Merlangus leptocephalus de Kay, grün über der Seitenlinie.
D. 12. 19. 19; V. 6; A. 27. 20. New-York.
Pleuro nectae.
Platessa pusilla de Kay, Augen rechts, oliveubraun, kein After-
stachel. 11 Zoll. D. 67 — 69; P. 11; V. 6; A. 50. - P. ocellaris,
Oberseite mit Augenflecken, Schwanz gerundet, Augen links. 18 Zoll.
D. 95; P. 12; V. 6; A. 72.
Htppoglossus Kingii Jenyns Beagle, Augen links, Seitenlinie
vorn bogig. D. 18. 48; A. 51; P. 11; V.'ö. Valparaiso.
Rhombus lentiginosus Richardson Annais XL p. 495. Augen
links, elliptisch, Schwanzflosse rhombisch, Bauchflossen unter sich
und von der Afterflosse getrennt, Schuppen gewimpert. D. 73; A. 59.
Port Essington.
Solea liturata Richardson Transact. zool. Soc. of London.
Corpore lituris exiguis geminatis, sparse sed irregulariter variegato;
Archiv f. Natiirgesch. X. Jahrg. 2. tid, R
246 Troschel: Bericht über die Leistungen im
piiina ventrali dextra cum anali conjuncta; pinna caudae soluta.
Australien. 6 Zoll.
Anguillares.
Muraena lentiginosa Jenyns 1. c. rothbraun, mit kleinen gelben
Zirkelflecken. 20^ Zoll. Galapagos- Inseln. Ausserdem beschreibt
Verf. zwei Arten dieser Gattung ohne Artnamen, die eine von den
Cap Verdischen Inseln, die andere von Tahiti.
Cotiger punctus Jenyns mit rothbraunen Querbinden und engen
grauen Zwischenräumen ; viele kleine Punkte auf der Haut. 3 Zoll
3 Lin. Terra del Fuego.
O p h i d i n i.
Richardson beschreibt (Annais XII. p. 175) einen Fisch von
Port Essington in Neuholland als neue Gattung, die er in die Nähe
von Ophidium stellt, unter dem Namen Machaerinm. Er stellt
die Gattungen Ophidium, Machetes, Echiodon und Fierasfer als be-
sondere Familie in die Nähe der Gadoiden, wohin er auch die Blen-
nioiden ziehen will. Die Gattung Machaerium charakterisirt er fol-
gendermassen: Piscis malacopterygius, apodus, ensiformis, squamo-
sus. Apertura branchialis satis magna sub gula extensa. Radii
membr. branch. sex. Opercula conspicua. Os modice extensivuni.
Dentes parvi, uniseriales in ossibus intermaxillaribus et in maxilla
inferiore, quae rictum efficiunt, ordinati. Genae et regiones supra-
scapulares squamosae. Pinnae verticales coalitae, radiis spinosis
nullis. Pinna dorsi per totum fere dorsum regnans. Linea lateralis
brevis super anum desinens. M. subducens B. 6; D. 70; A. 59; P. 10;
V. 0.
De Kay beschreibt als neue Art der Gattung Ammodytes einen
Fisch: A. vittatus, der sieben Dornfortsätze vor der Rückenflosse
hat, die Kieferzähne fehlen, und am Vomer finden sich zwei Knochen-
fortsätze, die kaum für Zähne genommen werden können; keine
Schwimmblase. Dieser Fisch scheint eine eigene Gattung der Scom-
broiden bilden zu müssen, in der Nähe von Lepidopus. Er hat einen
breiten Silberstreifen an den Seiten. D. 7.54; P. 15; A. 28.
liOiiliobraiichii.
Syngnathus viridesceiis de Kay, oben dunkel olivengrün, unten
gelblich. 7 Zoll. D. 40; P. 14; A. 3. — S. acicularis Jenyns, gelb-
braun, etwas mehr zusammengedrückt als Acus, über 40 Strahlen in
d. r Rückenflosse, 1 oder 2 in der Afterflosse, Brustflossen sehr klein.
() Zoll Valparaiso. — 5". conipicillatus id. grau mit braunen Quei--
binden. 4.J Zoll. D. 31; A. 32; P. 14. Tahiti. — S. crinitus id.
grau , Bauch und Deckelfleck schwarz, zwei Fäden über den Augen,
keine Afterflosse, Brustflossen sehr klein. 3j Zoll, Patagonien.
Gebiete der Ichthyologie wahrend des Jahres 1843. 247
Pectog-iiatlii.
Gymnod 0 ntes.
Diodon fuliginosus de Kay, oben olivenarün, unten orange, mit
dreiecldgen Dornen bedeckt, drei Dornen über jedem Auge, Schwanz-
flosse lanzettlich. 2 Zoll. D. 14; P. 22; A. 8. — D. verrucosus id.
mit rundlichen Feldern, von welchen biegsame Dornen entspringen.
H Zoll. D. 11-, P. 22; A. 10. Hafen von New-York.
Unter dem Namon ^c«?« /Ao*o/«« unterschied de Kay I. c. eine
neue Gattung, welche von Diodon darin abweicht, dass die Rücken-
Schwanz- und Afterflosse vereinigt sind. Eine Art A. carinatiim.
(Diodon carinatus Mitchill) 1 Zoll lang. D. f C. f A. 52. P. 12.
Tetrodon aerostaticus Jenyns 1. c. wie lineatus Bl., aber die
Seitenlinie fehlt, Rücken und die oberen Seiten gefleckt. 2\ Zoll.
D. 11; A. 10; P. 11. — T. implutus id. olivenfarbig mit weissen Zir-
kelflecken, Nasenlöcher röhrig, gabiig. 5 Zoll. D. 10; A. 10; P. 16.
Indischer Ocean. — T. antmlatus id. oben schwai-zbraun mit schwar-
zen Zirkelflecken, Nasenlöcher cylindrisch mit zwei seitlichen Oeff-
nungen. 9 Zoll. D. 8; A. 7; P. 15. Galapagos-Inseln. — T. angusti-
ceps id. oben dunkelgrün, mitten auf dem Rücken zwei Girren, Na-
senlöcher röhrig mit zwei seitlichen Oeffnungen. 9 Zoll. D. 8; A. 7;
P. 15. Galapagos-Inseln.
Scierodermi.
Ostracion tindecim - acule'atv s Smith Jll. South Africa 16. vier-
kantig, 5 Dornen am Rücken, 6 an den Seiten des Bauches. Cap.
hon. spei.
Von der Gattung Ostracion trennt de Kay eine Gattung Lacto-
phrys ab, zu welcher er Ostracion Yalei Storer und Ostracion sex-
cornutus Mitchill zählt, und in der er ausserdem eine neue Art auf-
stellt. Der Körper ist dreikantig, mit kräftigen, rückwärts gerich-
teten Dornen vor der Afterflosse, über den Augen Dornen. Bei der
neuen Art L. camelinus ist der Rücken in einen Dorn erhoben,
ausserdem acht Dornen. 34^ Zoll. D. 9; P. 10; A. 10.
Baiist es fuliginosus de Kay: Schwanzflosse doppelt ausgerandet,
ein einzelner Dorn zwischen der ersten und zweiten Rückenflosse.
12 Zoll. D. 2. 1. 28; P. 14; V. 7; A. 26. Hafen von New-York.
Moiiacanthus setifer de Kay: einige der vordem Strahlen der
Rückenflosse in Fäden verlängert. 7 Zoll. D. 1. 33; P. 13; A. 33.
Hafen von New-York.
Aleuteres velutinus Jenyns, hellbraun mit vier dunklern Längs-
binden, rauh. 8 Zoll. D. 2. 33; A. 31. Georgs-Canal.
Plagiostoitii.
Matteucci stellte neue Versuche am Zitterrochen an
248 Troschel: Bericht ü. d. Leistuneen i. Gebiete d. Ichthyol, etc.
(Annais XI. fh 406; Conite.s rendus XVI. p. 455; Frorieps No-
tizen XXV. p. 184).
In einer kleinen Schrift ( Spicilegium observationum ana-
toniicaruni de Organo electrico in Rajis anelectricis et de
Haeniatozois. Memoriani sacrain regi.s augustlssimi beati Fri-
derici Guilielnii III. indicit A. F. J. Carolus Mayer. Bon-
nae 1843). zeigt der Verf., das.«^ anch die nicht electrischen
Rochen mit einen» Rudiment eines electrischen Organs ver-
sehen sind. Er sieht dafür ein kaum haselnussgrosses drüsi-
ges Organ an, welches an derselben Stelle liegt, wo beim
Zitterrochen das electrische Organ sich befindet. Er vergleicht
es mit der Parotis. Es wurde bei Raja clavata, batis und
Schultzii beobachtet. (Vergl. auch Froriep's Notizen XXVII.
p. 121).
Humphreys Storer erhielt am Cape Cod und von New -York
einen electrischen Fisch, den er für identisch mit Raja nobiliana
Bonap. erkannte. (Silliman American Journ Jan. 1843; Annais ct.
XI. p. 326).
Eleutlierobranclftl.
Ueber den Bau des Gehirns des Störs schrieb Stannius
(Müller's Archiv 1843 p. 36).
Cyelostoiiii.
Petromyzon appendix de Kay: Rückenflossen zusammenhängend,
gelb, Afterflosse vorn mit einem fadenartigen Anhang. 6 Zoll. Hudson.
Ammocoetes unicolor de Kay, einfarbig, mit einer Rückenflosse.
5 Zoll. See Champlain.
Myxine australis Jenyns. Zwei Kiemenlöcher etwas hinter dem
vierten Theil der ganzen Länge; eine Reihe Poren an jeder Seite
des Bauches. 11^ Zoll. Tierra del Fuego. Kann mit dem Schwanz
voran schwimmen.
Das Geruchsorgan bei Amphioxus fand Kölliker (Mül-
ler's Archiv 1843 p. 32). Es ist unpaarig und weist von
neuem dem Thier die unterste Stelle unter den Cyclostomen an.
249
Bericht über Jie wissenschaftliclien Leistungen in
der Nahirgeschiclite der Insecten, Aracliniden, Cru-
staceen ii. Entomostraceen wälirend des Jahres 1843.
Vom
Herausgeber.
Die Leichtfertigkeit, mit welcher die Naniengebung in
allen Theilen der Zoologie immer mehr und mehr, vorzüglich
aber von den Franzosen und Engländern behandelt wird, ist
zu umfangreich geworden, als dass sie nicht Bedenken hervor-
gerufen hätte. Es sind denn auch gleichzeitig von zwei Sei-
ten her Schritte geschehen , um ihr zu begegnen und sie wo
möglich zu tilgen.
In England ist eine Auswahl von Zoologen für diesen Zweck
zusammengetreten, welche ihre Vorschläge im Report of the 12th.
Meeting of the Brit. Assoc. of the advance of Science held in Man-
chester. June 1842. Lond. 1843. p. 105 — 121 niedergelegt hat; auch
sind sie in den Ann. of nat. hist. XI. p. 259 veröffentlicht woi-den.
Sie bestehen 1) in Regeln zur Verbesserung bereits gegebener feh-
lerhafter Namen, 2) in Andeutungen für die lüchtige Bildung neuer
Namen. Im Allgemeinen ist der Entwurf ganz verständig, mir scheint
aber nur das verfehlt zu sein, dass nicht auf Linne zurückgegangen ist,
der die heutige Nomenclatur geschaffen, und sie in der Philosophia
botanica geregelt hat. Die Regeln sind, wie die Nomenclatur, in
beiden organischen Reichen wesentlich dieselben, und ihre Anwen-
dung aus der Phil. bot. auf die Zoologie ist ganz einfach. Bei feh-
lerhafter Namenbildung liegt übrigens meist der Grund darin, dass
den Namengebern die nÖthigen Sprachkenntnisse mangeln, selbst bis
zu dem Grade , dass sie nicht einmal die griechischen Buchstaben
kennen, und unter solchen Verhältnissen ist kaum zu erwarten, dass
die Arbeit des englischen Zoologen-Ausschusses ihre Früchte tragen
werde.
Mehr Erfolg ist von einer Unternehmung zu erwarten, welche
auf dem Festlande von Agassiz' vielseitiger und glücklicher Thä-
tigkeit ins Leben gerufen ist, und in welcher er von einer namhaf-
ten Zahl europaischer Zoologen unterstützt wird: Nomenciator Zoo-
Archiv r. NatiirEfcscIi. X. .falirg 2. IJ<I. S
250 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
logicus, continens nomina systeniatica generum Animalium tarn vi-
ventium quam fossilium secundum ordinem alphabeticum disposita,
adjectis autoribus, libris in quibus reperiuntur, anno editionis, ety-
mologia et familiis, ad quas pertinent, in variis classibus. Aiictore
L. Agassiz. Solodur. Die Einrichtung des Werkes erhellt aus dem
Titel. In der Entomologie sind die Crustaceen mit Einschluss der
Entomostraca unter Mithälfe von Prof. Burmeister, die Ins. Hemiptera
unter Mithülfe von Prof. Germar im J. 1843 erschienen. Nach Voll-
endung der einzelnen Abtheilungen wird eine allgemeine Uebersicht
über alle Namen in der Zoologie, mit Angabe der Jahreszahl und
Nachweis der Klasse und Ordnung gegeben werden. Auf diese Weise
wird auf der einen Seite dem grossen Uebelstande, welchen die mehrfache
Benutzung eines und desselben Namens hervorbringt, für die Zukunft vor-
gebeugt, auf der andern Seite durch die Einrichtung des Buches auch ein
üeberblick über die bereits aufgestellten Gattungen und andern sy-
stematischen Abtheilungen gegeben, so dass in doppelter Beziehung
sich dies Werk jeden Zoologen unentbehrlich macht, und wesentlich
dazu beitragen wird, die Zahl der Synonymen für die Zukunft zu
verringern.
Werthvolle Untersuchungen über den Innern Bau der In-
secten im weiteren Sinne hat Newport in den Philosoph,
Transact. Roy. Soc. of Lond. 1843. S. 24.3 „On the Structure
Relations and Development of the Nervous and Circulatory
Systems, and on the Existence of a Complete Circulation of
the Blood in Vessels, in Myriapoda and Macrourous Arach-
nida. — First Series." niedergelegt, wel«;he, wenn sie sich
auch zunäclist auf ein paar bestimmte Gruppen beziehen, doch
auf alle Klassen ihre Anwendung finden.
Dies gilt zunächst von den Untersuchungen über den Bau der
Ganglienkette. Der Verf. hatte schon vor neun Jahren gezeigt, dass
die Nervenstränge zwischen den Ganglien jeder aus zwei Säulen be-
stehen, und darin die Unterscheidung in Empfindungs- und Bewegungs-
nerven gefunden. Jetzt hat er mehrfache Uebergänge von Fasern
aus der einen Säule in die andere erkannt, doch fällt es ihm auf,
dass die untere Säule allein die Ganglien bilde, während die
obere denselben ohne merkliche Erweiterung aufliegt. Das Gang-
lion wird theils durch Anschwellung der Nervenfasern selbst, theils
durch zwisohengelagerte, mit einem Kern versehene Zellen gebildet.
Ausserdem finden sich im Ganglion noch Bündel von Querfasern, und
zwar eben so viele als Nerven auf jeder Seite abgegeben werden,
so dass sie Commissuren zwischen den einander entsprechenden
Nerven bilden. Mit dem Gehirn und andern Nerven haben sie kei-
nen unmittelbaren Zusammenhang. Ihre Function ist daher auf den
Nervenreflex zu beziehen. Eben so sind die Nervenfasern zu be-
Natiirgescli. der Insecten etc. während des Jahres 1843. 251
trachten , welche an der Aussenseite des Nervenstrangs liegen , und
keinen Zusammenhang mit dem Gehirn haben (Verstärkungsfasern).
Er unterscheidet demnach vier Schichten von Nervenfasern im Bauch-
mark: 1) Bewegungs-, 2) Empfindungsnerven, beide ins Gehirn füh-
rend, die eine Knoten bildend, die andere knotenlos-, 3) die Verbin-
dungsfasern, 4) die Verstärkungsfasern, beide unabhängig vom Ge-
hirn, die erstere den Reflex in querer, die letztere in der Längs-
richtung vermittelnd.
Seine Entdeckungen über das Gefässsystem hat der Verf. bei
den Myriapoden und Scorpionen beträchtlich erweitert (vergl. Be-
richt für 1841 S. 193). Es ist gelungen hier ein vollkommen abge-
schlossenes Gefässsystem nachzuweisen. Zuerst entspringt aus jeder
Kammer des Rückengefässes, auf jeder Seite eine kleine Arterie (sy-
stemic art.) und geht zu den Körperseiten. Die Aorta ferner ver-
zweigt sich im Kopfe so, dass Arterienstämme zu allen Organen
gehen, ausserdem aber noch ein Gefässring um den Schlund gebildet
wird, indem zwei an den Seiten desselben herabsteigende Aeste
sich unter demselben vereinigen, um ein grosses Gefäss (supraspinal
art.) zu bilden, welches der Oberseite der Ganglienkette aufliegt,
vor jedem Ganglion zu jeder Seite einen Ast abgiebt, der sich in so
viele Zweige spaltet, als Nervenstränge vom Ganglion ausgehen,
welche sie zu den Theilen begleiten. Ebenso theilt sich diese Arte-
rie auf dem letzten Ganglion in, den von demselben ausgehenden Ner-
vensträngen entsprechende Zweige. Beim Scorpion ist ein auf der
Unterseite der Ganglienkette liegender Venenstamm nachgewiesen.
Von demselben geheu Aeste zu den Lungensäcken, von wo aus sich
das Blut, in Sinus angesammelt, wieder im Körper verbreitet, um
zum Herzen zurückzugelangen. — Im Jugend- (Larven-) Zustande des
Thiers ist das Gefässsystem noch minder entwickelt.
Lassaigne ( Conipt. rend. Fror. N. Notiz. 27. B. S. 7.
hat über seine chemischen Untersuchungen der Körperbedek-
kungen der Insecten berichtet. Einen ihnen eigeiithiimlichen
Stoff, den Odier bereits als Chitine bestimmt hatte, will er
lieber Entoniaderm genannt wissen. Er ist den Insecten, im
weiteren Sinne, eigenthiimlich, namentlich findet er sich auch
bei den Spinnen, während er bei den Ringehvürmern (Regen-
wurm u. s. vv.) vermisst wird.
In den zusammengesetzten Augen fand Will (Müll. Arch.
S. 349) eine Vorrichtung von feinen, y^Vö^ — T2V0"' starken
F^'äden, welche sich von der gemeinschaftlichen Sehnervenschicht
bis an das Pigment erstrecken , welches die Pupille bildet.
Der Verf. vermuthet, dass sie Bewegungsfäden sind und zur
Erweiterung und Verengerung der Pupille dienen. J. Müller
S*
252 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
machte in einer Anmerkung auf den merkwürdigen Bau der
Anschwellungen der Sehnervenfäden des Flusskrebses auf-
merksam.
Mn s € et e n,
lieber die Malpighischcn Gefässe der Insecten hat Leon
Dufour (Ann. d. sc. nat. XIX. p. 147. pl. 6-9. Fror. N.
Notiz. 26. Bd. S. 257) eine umfassende Abhandlung veröffent-
licht, welche einen reichhaltigen Ueberblick über die verschie-
denen Formen dieser Organe, nach den verschiedenen Ord-
nungen giebt, durch zahlreiche Abbildungen erläutert.
Der Verf. spricht sich für die Ansicht aus, welche diesen Or-
ganen die Gallenbereitung zuschreibt, und stützt sich hierin beson-
ders auf ihre Einmündung in den chylusbereitenden Theil des Darras.
Noch mehr hätte diese Ansicht begründet werden können, wenn auf
die grosse Uebereinstimmung der Malpighischcn Gefässe der Heu-
schrecken mit der Leber der Krebse hingewiesen wäre. Auch ist
der Verf. in den feineren Bau der betreffenden Organe nicht einge-
gangen. Abgesehen von den Fällen (bei einer grossen Anzahl von
Coleopteren), wo eine scheinbare zweite Insertion der Malpighischcn
Gefässe in den Mastdarm stattfindet, fand der Verf. bei vielen He-
mipteren, dass diese Gefässe in eine eigene Aussackung des Mast-
darms zu münden schienen, bei genauerer Untersuchung ergab sich
aber, dass diese Aussackungen nicht dem Mastdarm, sondern dem
vorhergehenden Darmtheile angehöre, der bei Astemma (Pyrrhocoris)
apterum sogar noch eine ganze Reihe vorhergehender Blindsäckchen
zeigte.
Das Farbenspielen der Insectenfliigel hat Goureau zum
Gegenstande seiner Untersuchungen gemacht, und gezeigt,
dass es sich fast allgemein, in geringerem oder höheren Grade
bei den durchsichtigen, nicht selten auch bei den gefärbten
Flügeln finde. Er führt es auf die physicalische Erscheinung
der Farbenkreise zurück. (Ann. d. 1. soc. ent. d. Fr. 2. Ser.
I. p. 201).
Ueber das Vorkommen der Fadenwürmer in den Insecten hat
V. Siebold (Ent. Zeit. S. 78) seine Nachforschungen fortgesetzt.
Als Arbeiten über einzelne Faunen sind hier zu erwähnen:
Esposizione sommaria delle osservatione raccolte durante
l'anno 1842 intorno allo sviluppo ed apparazione successeva
degli insetti nei contorni di Napoli, Di Achille Costa, in
den Annali dell' Accademia degli Aspiranti Naturalisti.
Für deutsche Localfaunen finden sich ipehrere Beiträge
Naturgeschichte der Insocten wahrend des Jahres 1843. 253
in der Entoiiiol. Zeitung: Aphoristische Rlittheüiingen über die
Umgebungen von Bad Ems in entomologischer Beziehung, von
Suffrian (S. 283. 292). — Entomologisclie Excursionen im
Monat Juni 1842 in der Umgegend des Bades Kissingen von
Weiden bach (S. 125). — Ueber Insecten die an den Sali-
nen leben von v. Ileyden (S. 227). — Auf die schlesische
Fauna beziehen sich IMittheilungcn von v. Uechtritz und
Schummel in der Uebersicht d. Arb. u. Veränd. d. schles.
Gesellsch. f. vaterl. Kultur i. J. 184.3.
Redtenbacher Bemerkungen über die in Syrien von
Theodor Kotschy gesammelten Käfer in Russeggers Reisen in
Europa, Asien und Africa, I. FJd. 1843.
In den allgemeinen Betrachtungen erkennt der Verf. sehr richtig
die grosse Uebereinstimmung der Fauna mit der Mittelmeerischen
überhaupt und mit der der griechischen Halbinsel insbesondere. In
dieser Einleitung sind die bereits bekannten Arten namentlich auf-
geführt, und ihre Verbreitung überall näher bestimmt, das Material
war indess zu dürftig, als dass der Verf. auch die wichtigen Ver-
hältnisse würdigen konnte, in welchen die Syrische Fauna zu denen
Mittelasiens, des Persischen Hochlandes einerseits und des Euphrati-
schen Thalgebietes andererseits steht.
Beitrag zur Insectenfauna von Angola, in besonderer Be-
ziehung zur geographischen Verbreitung der Insecten in Africa,
vom Ref. in diesem Archiv, 9. Jahrg. 1. Bd. S. 199. — Ueber
die Insectenfauna von Congo nach den Sendungen von Cur-
ror und Cranch gab Ad. White (Ann. nat. hist. XII. p. 262)
einige Nachrichten.
Eine Zusanuiienstellung der von Neuseeland bekannt ge-
wordenen Insecten wurde von Ad. White und Ed. Dou-
bleday in D ieffenbach 's Travels in New-Zealand II. Bd.
S, 265 raitgetheilt.
Der grössere Theil der aufgeführten Arten ist auf den Banks-
schen Reisen entdeckt und schon von Fabricius beschrieben worden.
Coleoptera,
Ueber die noch so wenig beachtete Flügelfaltung der
Coleoptoren hat Heer (Entom. Zeit. S. 47) wichtige Unter-
suchungen angestellt, welche um so grössere Beachtung ver-
dienen, als die Art des Einschiagens der Flügel unter die
Flügeldecken für die Systematik nicht ohne Bedeutung ist,
254 Ericlison: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
indem sie, wie der Verf. mit Recht sagt, „wenigstens seciin-
däre Familiendiaraktere hergiebt."
Der Verf. unterscheidet drei Fälle: 1) Grad läufige Flügel
(alae orthotropae) , ohne alle Querfaltung und ohne Bruch (Molor-
chus, Atractocerus, Lycus — der Verf. führt auch Carabus an, und
beruft sich darauf, dass bei Carabus granulatus ziemlich lange Flü-
gel sich unter den Flügeldecken finden, allein diese sind nicht voll-
ständig ausgebildet und können daher nicht in Betracht gezogen
werden; wenn sie sich ungewöhnlicher Weise vollkommen entwickeln,
nehmen sie bei der genannten Art die dritte Form an). — 2) Gegen-
läufige Flügel (alae anatropae), gebrochen, ohne Querfaltung
(Trichopteryx, Scaphidium, Catops, und die untersuchten verschie-
denen Curculioniden), — 3) Querläufige Flügel (alae plagiotro-
pae), gebrochen und zugleich eingefaltet, so dass der Vorderrand des
Flügels beim eingeschlagenen Flügel einen mehr oder minder spitzen
Winkel bildet, während beim gegenläufigen Flügel der Vorderrand
übereinander gebrochen wird. Dieser dritte Fall ist der bei weitem
häufigste, und zeigt mannigfaltige Abstufungen, die in ihren Haupt-
zügen auf eine sehr übersichtliche Art geschildert sind.
Ders. (ebendas. S. 51. T. 2) hat auch die Gliederung des
Hinterleibes der Coleopteren einer üborsichtiiclien Prüfung
unterworfen.
Er bemerkt mit Recht, dass sich allgemein bei den Larven 9
Hinterleibsringe vorfinden, dass man die Zahl neun auch beim aus-
gebildeten Käfer als die gesetzmässige für die Segmente des Hinter-
leibs annehmen müsse, und dass diese Zahl sich nur dadurch schein-
bar verringere, dass entweder an der Wurzel oder an der Spitze ein-
zelne Halbringe zurückgezogen oder verdeckt werden. Dies ist mehr
auf der Bauchseite als der Rückenseite der Fall, daher die Halb-
ringe des Bauches sich mehr von der gesetzmässigen Zahl entfernen
als die des Rückens. Ausser der blossen Zahl der Halbringe des
Rückens und des Bauches sind auch ihre Verhältnisse zu einander
in Betracht zu nehmen. Der Verf. unterscheidet hier folgende vier
Fälle: 1) Jedes Bauchsegment entspricht einem Rückensegmente, nur
das erste setzt sich häufig nicht auf die Bauchseite fort (Brachely-
tren, Silphiden, ächte Lamellicornen). — 2) Die ersten Bauchseg-
mente liegen einzelnen Rückensegmenten gegenüber; es setzen sich
die ersten Bauchsegmente unmittelbar in einzelne Rückensegmente
fort, allein dem letzten Bauchsegmente liegen 2 bis 3 Rückenseg-
mente gegenüber (Carabiden, Lucaniden , Elateriden, Byrrhiden). —
3) Den ersten Bauchsegnienten liegen 2 bis 3 Rückensegmente, den
übrigen Bauchsegnienten aber nur einzelne Rückensegmente gegen-
über, das letxte ist aber in der Regel in das vorletzte zurückgezo-
gen. Dieser Fall ist häufig, z. B. bei den Longicornen. — 4) Dem
ersten Bauchsegmente und ebenso dem letzten liegen zwei Rücken-
,. Naturgeschichte der Insectcn wahrend des Jahres 1843. 255
Segmente gegenüber (Hetcroceridcn, Hydrophiliden, Sphaerididen). —
Ziuvcilen sind auch die entsprechenden Segmente der Bauch- und
Rückenseite gegen einander verschoben, wie bei den Calandren und
Histeren. — Der Verf. ist in diesen Untersuchungen allerdings auf
einem richtigen Wege vorgeschritten, und die Ergebnisse derselben
enthalten vieles, was beachtet werden muss, allein sie bedürfen noch
oft der Berichtigung. Der Verf. hat nur trockene Exemplare unter-
sucht. Ferner dürfen die Stigmen nicht ausser Acht gelassen wer-
den. Es sind an der Larve immer die ersten 8 Hinterleibsringe mit
Stigmen versehen; danach sind auch beim Käfer die Rückenseg-
mente, welche sie enthalten, zu bestimmen. Im Allgemeinen ist die
Zahl derselben in demselben Grade wie die Zahl der Segmente ver-
ringert, so dass wir auch beim Käfer ein (letztes) Segment mehr als
Stigmenpaare finden, doch kommen hierin einige Ausnahmen vor.
Nie aber kommt ein stigmenloses erstes Segment vor, wie es der
Verf. bei Staphylinus (S. 52) annimmt. Auch müssen die Käfer mehr
mit ihren Larven in Vergleich gestellt werden. So haben die Dy-
tiscen- und Hydrophilen-Larven nur 8 Hinterleibsringe. Für die Sy-
stematik ist die genauere Kenntniss der Zusammensetzung des Hin-
terleibes der Coleopteren von Wichtigkeit, weil sie im Allgemeinen
in derselben Familie durchgreifend ist; seltene und auffallende Aus-
nahmen bieten die Trichopterygier und Lymexylen dar.
G 11 er in hat unter dem Titel ,,Species et Iconographie
generique des Animaux articules, ou representation des genres
avec ]a description abregee de toutes les especes de cette
grande division du regne animal, ouvrage forniant une serie
de Monographies completes. Ire partie, Insectes Coleopteres"
ein Werk angefangen, welches bestimmt ist eine umfassende
Bearbeitung dieser Ordnung zu werden. Der Verf. hat mit
den IMonographien solcher Gattungen begonnen, welche deren
am bedürftigsten sind, den Malacodermen.
Ueber die wenigen, welche mir bis jetzt zugekommen sind, werde
ich unten berichten. Es ist ein grosser Uebelstand, dass die franzö-
sischen Werke häufig in so kleinen Lieferungen wie das vorliegende,
und so ungeregelt erscheinen , und es für uns kaum möglich ist, ein
solches vollständig zu erhalten. Für die Zukunft hoffe ich durch
unmittelbare Mittheilung des Herausgebers in den Stand gesetzt zu
sein, vollständig über den Fortgang des Unternehmens zu berichten.
Catalog der Käfersammlung von Jacob Sturm. Mit 6
ausgemalten Kupfertafeln. Nürnberg 1843.
Es ist dies das vierte Verzeichniss seiner Sammlung, welches der
verdienstvolle Verf. seit 48 Jahren herausgegeben hat. Das vorlie-
gende zeichnet sich vor allen ähnlichen dadurch aus, dass bei bereits
beschriebenen Arten die Zitate zugefügt sind, was, je mehr das Ma-
256 Erichson: Bericht über die wissenscli. Leistungen in der
terial wächst, desto nöthiger wird. Es wird in dieser Beziehung
zum Nachschlagen von sehr grossem Nutzen sein. In einem Anhange
ist eine Auswahl zum Theil neuer Arten beschrieben und durch
Abbildungen erläutert, welche beweisen, dass der Verf. sich noch
heute wie seit mehr als 50 Jahren auf dem Gipfel der Kunst befindet.
Leop. Heinr. Fischer hat in seiner Inauguralschrift
,,Diss. inaug. zool. sist. Enumerationein Coleopterorum circa
Friburgum Brisgoviae indigenarum. Frib. Brisg. 1843" eine
sorgfältige, für die Kenntniss der Verbreitung der Käfer in
Deutschland werthvolie Arbeit geliefert.
Beiträge zur Kenntniss der Käferfauna Finnlands gab
Mannerheim, indem er seine Beobachtungen aus dem Jalire
1842 über dieselbe auf eine anziehende Weise zusammenstellte,
und die neuen Arten genauer beschrieb (Bull. Mose. p. 70,
88). Eine besondere Aufmerksamkeit widmete der Verf den
Myrmecophilen.
Die von Dr. Schrenk in den Steppen und Gebirgen der
Songarei aufgefundenen neuen Arten wurden von Gebier
(Bull. Physico-Math. de l'Acad. d. St. Petersb. I. p. 3(5) be-
kannt gemacht,
Hope (Ann. nat. bist. XI. p. 364) setzte seine Auflfüh-
rung neuer Arten aus dem tropischen Africa fort, die gegen-
wärtige betrifft die Wasserkäfer, Elateren und Cerambycinen.
Beitrag zur Käferfauna der aleutischen Inseln, der Insel
Sitkha und Neu-Californiens von Graf Manner heim (Bulf.
Mose, p. 175). Eine umfassende Zusammenstellung aller bis-
her in jenen Strichen beobachteten Arten, von denen ein
grosser Theil von Eschscholtz u. a. entdeckt war, welche aber
mit einer beträclitlichcn Zahl neuer vermehrt sind. Da die
Fauna der Aleuten und Sitkha's so wenig innern Zusammen-
hang mit der von Californien hat, wäre es vielleicht zweck-
mässiger gewesen beide gesondert und in sich abgeschlossen
zu behandeln.
Eine Anzahl neuer Arten aus Neu- Granada, Entdeckun-
gen von J. Goudot, machte Guerin (Revue Zool. p. 12)
bekannt.
Hope (Proceed. Ent. Soc. p. 76) setzte seinen Bericht
über die Käferfauna von Port E.ssington (Nord- Neuholland)
fort; bei der Unzulänglichkeit der flüchtig entworfenen Dia-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 257
gnosen, bei der Unsicherheit der Gattiingsbestimniungen (es
sind u. a, Tagenia und Asida aufgefülirt, welche unmöglich
in Neuholland zu finden sind), verspare ich mir den Bericht,
bis die Abhandlung mit etwas mehr Gründlichkeit und Ge-
wissenhaftigkeit in den Transactions erschienen ist. Dasselbe
gilt von einer Anzahl von dems. (ebendas. p. 71) aufgestell-
ter Arten aus Siidwest-NeuhoUand.
Cicindeletae. Diese Familie ist mit zwei neuen Gat-
tungen bereichert worden.
Myrmecoptera Germar (Guer. Mag. d. Zool. Ins. pl. 124.)
wird vom Verf. als in der Mitte stehend zwischen Dromica und Apte-
roessa betrachtet, indem sie mit der ersteren in der Form der Lefze,
mit der letzteren in dem verdickten zweiten (nicht dritten) Gliede der
Lippentaster übereinkomme. Indess ist auch bei allen Arten von Dro-
mica das 2te Gl. der Lippentaster — bei Dr. coarctata und vittata so-
gar sehr stark — verdickt. Auch die sehr breiten, zusammengedrückten
Fühler, welche die Myrmecoptera besonders auszeichnen, finden sich,
wenn auch in geringerer Ausbildung, bei einigen Arten von Dromica,
z.B. D. clathrata, so dass ein recht durchgreifender Unterschied der
neuen Gattung von Dromica noch vermisst wird. Die neue Art, M.
egregia, ist aus Mittelafrica (Fasogl.).
Callidema Guer in (Revue Zool. p. 12) verbindet mit dem
Ansehn von Iresia und Euprosopus die kurzen Lippentasterstämme
(angeblich das Ite Gl der Lippentaster) von Oxygonia. Der Name
fällt wesentlich mit Calodema Lap. zusammen. C. Boussignatiltii
wurde von Goudot in Neu-Granada hoch in den Cordilleren entdeckt.
Die Larve gleicht der von Cicind. campestris, und unterscheidet sich
angeblich darin, dass sie nur 2, nicht 3 Ocellen auf jeder Seite
hat. Die Larve von Cicindela hat aber eigentlich 4 Ocellen, zwei
grosse und zwei kleine, und vermuthlich sind bei jener Larve nur
die kleinen Ocellen übersehen worden. Die Lebensweise der Larve
wie die von Cicindela. Der Käfer fliegt nicht.
Der Gatt. Oxycheila fügte Guer in (ebendas. S. 14) zwei neue
Arten hinzu: O. aquatica., schwarz mit gelben Beinen und unge-
fleckten Flügeldeken, wurde von Goudot in Neu-Granada in einer
Höhe von 1400"^ auf Steinen mitten im Flusse Chipalo gefunden. O.
P ine im aus Brasilien, unterscheidet sich von O. tristis durch klei-
neren Fleck und breit abgestutzte Spitze der Flügeldecken.
Oxygonia Mannerh. wurde von Germar (Guer. Mag. de Zool.
Ins. pl. 124.) mit einer zweiten, neuen Art, 0. dentijiennis, aus
Bi-asilien vermehrt.
Loew (Entom. Zeit. S. 339.) beschrieb zwei Arten y on Cici7idela
aus Vorderasien, von denen die eine, C. quadrimaculat a aus
Kleinasien, zu den ausgezeichnetsten neuen Entdeckungen gehört —
95S Erichson; Bericlit über tlio wisscnsch. Leistungen in der
der Name ist von Sturm schon gebraucht, — die andere, C. ^pun-
ctata von der Ins. Rhodus, mir nicht verschieden von C. Fischeri
Ad. zu sein scheint. Ausserdem erwähnt der Verf. schöner Abän-
derungen von C. littoralis und C. campestris: — Gebler's (Bull.
Acad. Petrop. I. 36,1) Cicindela grannlat a aus den Thälern des
Alatau- Gebirges, gleicht der C. sylvatica, ist düster schwarz, die
Flügeldecken fein gekörnt, ein Schulterpunct, ein schräger aussen
breiterer Querfleck in der Mitte und ein hinterer Punct weiss.
Aus Californien erhielt Menetries (Bull. Acad. Petersb. II. S. 52)
Cicindela \2gultata und eine neue Art, C. californica.
Als neue Arten beschrieb Chaudoir (Bull. Mose. p. 674.) Apte-
7na denticotlis von Kordofan, Meg acephala latipennis aus
Brasilien?, M. laevigata, vermuthlich einerlei mit M. Chilensis
Lap.; Odont 0 cheila distingnen da, c ogn ata, spinipennis aus
Cayenne, Cicindela miranda aus Brasilien, linearis \on Ma-
dagascar, assimiiis, angeblich aus Aegypten (??), Reichet, api~
calis aus Mexico, longicollis vom Senegal, Madagascarien-
sis von Madagascar, rectilatera von Mexico, oculata von Ma-
dagascar, Colliuris filiformis von JavJ.
Cartthici* Mit neuen Gattungen ist diese Familie iu
jiicht unbedeutender Zahl bereicliert worden, vorzüglich durch
Chaudoir (Genres nouveaux de Ja fam. de Carabiqnes, cout.
Bull. d. 1. Soc. Imp. dos Nat. d. Moscou 1843. p. 383). Der
leichteren Uebersicht halber zähle ich sie in systematischer
Reihenfolge auf.
Aplothorax Waterhouse, schon früher angezeigt, (vergl.
Jahrb. f. 1841 S. 205) jetzt genauer beschrieben und abgebildet (Trans-
act. Ent. Soc. Lond. III. S. 267. T. 12. F. 1), wird jetzt mit mehr Recht
als blosse üntergatt. von Carabus angesehen, von welchem sie haupt-^
sächlich die Form des Halsschildes ohne aufgeworfenen Rand unter-
scheidet. Die Vorderfüsse sind schwach erweitert, die vier ersten
Glieder unten mit Haarfilz bekleidet. A. Burchellii, von der Grösse
des Procrust. coriaceus, ist auf St. Helena zu Hause.
Disphericus (richtiger: Disphaericus) Waterhouse, eben-
falls früher schon angezeigt (s. cbendas.) und zwar als eine mit Cy-
chrus verwandte Gatt., jetzt a. a. O. S. 210. T. 12. F. 2. genauer be-
schrieben und abgebildet, weist sich als eine mit Tefflus und Pana-
gacus verwandte Gatt. aus. Die Endglieder an beiden Tasterpaaren
bcilformig. Das Kinn vorn ausgerandct. Das Halsschild fast kugel-
förmig. Die Vorderschenkel etwas verdickt. Die Vorderfüsse beim
Männchen schwach erweitert. Am meisten gleicht der Käfer einem
Eurysoma, es hat das Halsschild aber keine Spur von Eci^en und
ist stärker abgerückt. D. Gambianus , glänzend schwarz, mit ti6f
punctirt gestreiften Flügeldecken, vom Gambia.
Bclonognatha Chaudoir (Bull. Mose. 1843. S. 383) weicht,
Naturgi'scilichte der Insectcn während dos Jahres 1843. 259
^'\G der Verf. sehr richtig bemerkt, mit Nycteis (Beleopterus Kl.)
Jarin von den übrigen Pericalli den, denen sie einzureihen ist, ab,
lass die Klauen gezähnelt sind , stimmt ferner auch darin mit Nycteis
iberein, dass das Kinn keinen Zahn in der Ausrandiing liat, und
iveicht nur darin ab, dass Lefze und Mandibeln etwas gestreckter
>ind und den Flügeldecken der Endstachel fehlt. B. pusiulat a,
Mne kleine, neue Art von Madagascar.
Pe?itfiiis Chaudoir (Bull. Mose. S. 387) gehört zur Ditomi-
Icn- Gruppe, über welche der Verf. hier folgende Uebersicht giebt:
1. Flügeldecken frei: a) Kinn mit starkem Zahn: Aristus, Ditomus,
Odogenius — b) Kinn einfach ausgebuchtet: Penthiis; — 2 Flügel-
lecken verwachsen: a) Kinn ungezahnt; «) Halsschild hinten vorge-
:ogen: ChUatomns; — /3) Halsschild hinten abgeschnitten: Pachyca-
'i/s; — b) Kinn gezahnt; Mi/stropterus. — Was Pe?ithus betrifft, so
irheiiit mir diese neue Gatt, in die zweite Abth. , mit verwachsenen
"lügeldecken zu gehören, und sie würde sich hier nach der Form
les Halsschilds an Pachycarus anschliessen , wovon sie sich durch
trweiterte Vorderfüsse des Männchens absondert. Die Art, Pen-
'/tiis tetiebricosus, aus der Gegend von Constantinopel, ist schon
'om Wahl Isis 1838 als Ditomus tenebrioides beschrieben.
Der Harpaliden-Gruppe kommen folgende zu:
Anisoctiemus Chaudoir, Bull. Mose. (S. 391), an Acinopus
erinnernd, das Kinn ohne Zahn in der Ausbuchtung, die Vorderschie-
len etwas erweitert, am Aussenrande stumpf gezackt; eine neue Art:
A. fiah'dus Kl. aus Columbien.
Trichopselaphus Chaudoir (ebendas. S. 399), eine sehr aus-
[ezeichnete neue Gatt., welche Paramecus nahe steht, aber ohne
^ahn in der Ausrandung des Kinns, das Endglied der Lippentaster
iiförmig verdickt, ringsum behaart. T. suhiridescens^ aus Bra-
;ilien, ein Weibchen; die hiesige Sammlung besitzt von ders. Art
sbenfalls nur ein W'eibchen, von einer andern Art aber ein Männchen,
nit stark verdickten, unten mit einem starken Zahn bewaffneten Hin-
erschenkeln, und stark gekrümmten, inuen sägeförmig gekerbten
linterschienen, ähnlich wie bei dem Javanischen Hypharpax Mac L.,
las Endglied der Älaxillartaster, welche dem Ex. des Verf. fehlten, ist
jbenso gebildet als das der Lippentaster.
Diapheromer US Chaudoir (ebendas. S. 402) auf Harp. me-
'anarius Dej.? gegründet, von Harpalus durch gestrecktes erstes Fuss-
flied, schwammige Bekleidung der erweiterten Fussglieder und die
lie Zunge überragende Nebenzungen unterschieden.
Ct enomerus Chaudoir (ebendas. S. 408), eine Ophonen-Forni,
nit schwach erweiterten vorderen Füssen, das erste Gl. der Vorder-
üsse innen etwas gerundet, deutlich kammförmig, alle unten kämm-
örmig beborstet. Ct. crenulatus , neue Art aus Kordofan.
JD«cÄe?>MJ (Esch.) Mannerheim (Bull. Mose. S. 211) eben.
260 Erich so n: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
falls eine Ophonen-Form, den Ilurp. dilatutus und bruimeus Dej.
enthaltend, welche wegen ihrer verdickten Vorderschenkel und zwei
Dornen an der Spitze der Vorderschienen von den übrigen abgeson-
dert werden.
Cyphogenius Chaudoir (ebendas. S. 395) ist sicher einerlei
mit Cratognathus Dej., so wie Cyph.paliipes Chaud. (eben-
das.) vom Cap mit Cr. mandibularis Dej. Ref. (dies Arch. 1843. I.
S. 205) hat bei diesem Käfer die irrige Dejeansche Vaterlandsangabe
berichtigt, und zugleich die Gatt. Eucephalus Lap. und Daptomorphus
Chaud. so wie den Harp. xanthorhaphus Wied. Dej. unter Cratogna-
thus vereinigt.
Pteroglossus Chaudoir (a. a. O. S. 405.) bietet mir keinen
Unterschied von Harpalus dar, selbst die Zunge, auf deren ver-
meintliche Eigenthümlichkeit der Verf. Gewicht zu legen scheint, finde
ich nicht so wie er sie beschreibt, sondern der von Harpalus, z. B.
des H. ferrugineus ähnlich. Die als neu betrachtete Art: Pt. stitu-
ralis ausKordofan, ist nichts anderes als Harp. fulvus Dej., wel-
cher sich von Oberägypten bis nach Guinea verbreitet. Da die Gat-
tung nicht bestehen kann, fällt der Anstoss, den der für eine Vögel-
gattung so bekannte Name giebt, mit fort.
Zur Pterostinen-Gruppe:
Simodontus Chaudoir (Bull. Mose. p. 412). Der Zahn in der
Ausbuchtung des Kinnes kurz, eingebogen, anscheinend gespalten;
so ist es bei vielen Dejeanschen Feronien, von welchen sich für
diese Gattung aus der sehr ausführlichen Beschreibung auch weiter
keine genügenden Unterschiede entnehmen lassen. S. aeneipcnnis
aus Neuholland, fragweise vom Verf. iwc Fer. austraUsH^]. gehalten.
Oxycrepis (Dej.) Reiche (Rev. Zool. S. 78), mit flach drci-
lappigem Kinn, die drei ersten erweiterten Glieder der Vorderfüsse
beim cT schief nach innen erweitert, unten mit lappigen Sohlen und
Borsten bekleidet. 0. leucocera aus Columbion, hat das8teund9te
Fühlerglied weiss.
Jgaosoma Menetries (Bull. Acad. Petersb. II. p. 63) fällt
mit Stenomorphus Dej. zusammen.
Die folgenden beiden Gattungen schliessen sich vielleicht den
Pterostichinen an, ohne indess ganz genau in diese Gruppe hinein
zu passen.
Lissopterus Water hon se (Ann. nat. bist. X\. S. 281) hat
etwa die Körperform des Omaseus melanarius, weicht aber von den
Pterostichinen darin ab, dass an den Vordeifüssen des ^T ^^^ vier
ersten Glieder stark erweitert sind. L. A/iotatus, schwarz, die
Flügeldecken sehr undeutlich gestreift, jede mit zwei kleinen rothen
Flecken am Aussenrande; auf den Falklandsinseln.
Axinidium Sturm (Catal. S.51. T. 1. F. 4.) ist eine neue Gatt.,
welche nach meiner Ansicht sich Eripus zur Seite stellt, wovon sie
sich vorzüglich durch stark bcilförmiges Endglied der Maxillartaster
Naturgeschichte der Inserton während des Jahres 1843. 2G1
unterscheidet, auch ist die doppelte Ausbuchtung des Kinns nach der
Abbildung tiefer als sie bei Eripus ist. A. africanum, neue muth-
masslich africanische Art, doch ohne genauere Bestimmung des Fund-
orts, kommt auch in der Glätte der Oberseite mit Eripus überein,
nur dass die Flügeldecken jede drei tiefere Puncte haben.
Zur A n c h 0 m e n i n e n - Gruppe :
Oxyglossns Chaudoir (Bull. Mose. p. 424), mit Anchomenus
(Agonum) im Allgemeinen sehr übereinstimmend^ die Mandibeln ge-
streckt, schmal, und die Klauen zeigen am Grunde eine feine kamm-
artige Zähnelung. O. subcy niieus , neue Art aus Brasilien.
Stenognathus dess. (ebendas. S. 421) aus dem Anchomemis
mela?iarius Dej. gebildet, weicht von Anchomenus in mehreren Pun-
cten ab. Die Mandibeln uisd Lefze sind mehr gestreckt, erstere
schmal und spitz, die Vorderfüsse beim (J' kaum etwas erweitert;
das 4. Fussgl. ausgi^randet.
Meg alonychns dess. (ebendas. S. 418) hat täuschend das An-
sehn eines Agonum Dej., weicht aber durch die auffallende Länge
des Klauengliedes der Füsse ab, welches auf dem Rücken nahe der
Spitze eine Borste trägt. Die Unterseite der erweiterten Fussglieder
des cT haben eine filzartige Bekleidung (nach des Verf. Angabe).
Eine neue Art: J/. Madagascarieiisis aus Madagaskai-,
Oxyspelaphus dess. (ebendas. S. 415) hat die spitzen Taster
von Olisthopus, kommt aber in dem vorhandenen Zahn in der Aus-
randung des Kinns mit Anchomenus überein. O. pullidus aus Tur-
kestan, hat das Ansehn des Anchom. fuliginosus.
Camptot oma Reiche (Rev. Zool. S. 40). Die Taster gross,
dick, gewimpert, das 2te Glied gebogen, ausserdem durch schnurför-
mige Fühler und feiste Form von Anchomenus abweichend. C. Le-
basii aus Neu -Granada.
Jnchon oderus dess. (ebendas. S, 38), wird von Anchomenus
durch nicht flachen Körper, längere Fühler mit cylindrischen Glie-
dern, herzförmiges Halsschild mit nicht aufgebogenen Hinterecken,
abgerundete nicht buchtige Spitze und gekörnte Zwischenräume der
Flügeldecken unterschieden, und dahin Aiichom. eximius Dej., ele-
gans Brülle, dimidiaticoniis Dej , elegans Dej. und mehrere neue co-
lumbische Arten gerechnet. Mir scheint sie in naher Verwandtschaft
mit Lachnophorus zu stehen.
Eine Monographie der Gatt. Callisthenes wurde von Menetries
der Petersb. Acad. vorgetragen (Bull. Acad. Petersb. \. p. 341). Sie
umfasst 5 Arten: C. Panderi Fisch, aus der Kirgisensteppe, C. bre-
viusculus {Carab. brev. Mannerh.) von Beiburt in Armenien, C. orbi-
culalus {Carab. orb. Motsch. Cullisth. Motschouhkü Fisch.) von den
Gebirgen von Alaguez und Diligan an der Nordgränze Armeniens,
C. Fischen' Men. aus Nordchina, C. Reichei Guer. aus Persien. Der
Verf. findet alle diese Arten in ihrem eigenthümlichen Habitus so
übereinstimmend, dass er dadurch die Selbstständigkeit der Gatt. Calli-
2G2 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
sthenes für verbürgt betrachtet. Aus seiner Zusammenstellung dei
Charactere von Carabus, Calosoma und Callisthenes ergeben sicli
für letztere: stark zusammengedrücktes drittes Fühlerglied (bei Calo
soma schwach zusammengedrückt), ein zweilappiger Zahn am Innen-
rande der Mandibeln (fehlt bei Calosoma), die stark abgerundeten
Flügeldecken und der beständige Mangel der Flügel.
Chaudoir (Bull. Mose. p. 671) hat eine grosse Menge neuei
.\iten aus verschiedenen Gattungen und den verschiedensten Erdthei-
len aufgestellt, welche ich noch nicht näher habe prüfen können, da
mir das Heft, welches sie enthält, erst spät zugegangen ist. Mii
will es scheinen, als sei mit der Beschreibung neuer Arten in einei
im Ganzen wenig verbreiteten Zeitschrift, wenig gewonnen, und es
wäre wohl besser, wenn der Verf. Nachträge zu Dejeans Werke lie
fern will, sie besonders erscheinen zu lassen. Es wird dadurch, dass
das Material überall zerstreut wird, das Studium elier erschwert als
erleichtert. Ueberhaupt ist die Entomologie jetzt in einem solcher
Stande, dass das Beschreiben neuer y\rten , ohne weiteren Zweck —
an sich eine geistlose Arbeit — wenig fördert. Um über den Inhal!
der vorliegenden Abhandlung eine Andeutung zu geben, kann ich nui
die beschriebenen Arten namhaft machen: Casno?ita picta, Cali-
fornion; Drypta cyanella von Madagascar; Galerita cordi-
collis Nordamerica, longicollis desgl., tristis Kordofan; Ilel
Ino erythropus {rußpes Brüll.) Südamerica, Lebia reflexicol
li's, Columbien, a b d o ?n ni a l /s ,l^ordamenca, Aptpiiiscordicollis.
nördl, Türkei, Pheropsophus iptistulafiis , Java, hifulcatus.
Senegal, longipennis desgl., humer aUs, Madagascar, pictus.
Surinam; Brachiinn cruciger , Kordofan, undiilatus, Senegal,
parallelus, Kordofan, parvulus , Cap, oxy gojius, Nordame-
rica; Graphipterus rot undipennis , Kordofan, parvicoliis.
Cap, lutescens, Cap, Anthia atra, Cap, St'agoiia sulcicol-
l/'s, Kordofan, picea ebendaher, angustata desgl., rufa, Ber-
berei, bicolor, Kordofan, »l/c/ae?* m 5 clongatus ebendaher, Sca-
Tita ^puHctalus^ Algier, nitidus, Kordofan, Dregei, Cap,
cribripennis , Madagaskar, oblongus, Aegypten, qtiadricollis^
Brasilien, alternans , Cuba, e^/ciwwf , Neu-Orleans, rfe«??co///f ,
desgl., quadriceps , Nordamerica, sub cylindricus, Aegypten,
subdepressus , Cayenne, Faldermanni^ Brasilien, ovipennis,
Cap, Clivina basalis, Neuholland, elofigata, Cayenne, Dys-
chirius semicrenatus^ Guadeloupe, huiner alis^ Neu-Orleans,
$nbangust attis desgl., oxygtiaihus, Cayenne, Leprieuri
desgl., rufo-aeneuiy Sicilien, rotundipeniiis, Steyermark; Di-
tomus spinicollis , Algier, Odogenius rufipes, Türkei und
Persien, Carabusplanatus, woher?, Calosoma scabrosum
Kordofan, crassipes desgl., affine, Mexico, Leistus rufipes^
nördl. Türkei, Nebria Parrey ssii , woher?, snbacuminal a,
deiig\., barbara, \]g\cr,femoralis, Gallicicn, Gaugeri^vioher'',
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 263
■ä
turcica, Türkei, Chlaeiiiiis plagtaius , Sencga], longicornt's,
Kordofan, loiigicollis, Neu-Orleans, oxygonus AcsgX., vireris,
desgl., smaragditius, desgl., distingiiendiis , Algier, Epotnis
brevicollis , Aegypten, Dinodes laticollis, Türkei, Oodes ni-
gri'ta., Kordofan, \lLstriatus, Neu-Orleans, brasi'lienst's, Bra-
silien, cupreui, Neu-Orleans, Licnius dahnat inus, Dalmatien,
Calal lius deplanatus, nördl. Türkei, Ancliome7ius dt st in -
ctns, Schweiz, deplanatus, Neu-Orleans, obscurattis, Nord-
America, Agonum foveicolle, Neu-Orleans, coHvexiusculum,
Smyrna, Megalostylus saphirinus , laticollis, minor, Neu-
Orleans, Poecilus micans, desgl., Triramviatus aiigustatus,
Peru, Hypherpes chalybeipennis , Neuholland, Ort homus
acrogonus , Türkei, Steropus convexus, woher?, Lissot ar-
sus canaliculatus, Sicilien , Lyperus acutangulus, Neu-Or-
leans, Molops gr aeciis, Griechenland, rufipes desgl , subtriin-
catus, Schweiz, Eucaiuptognat hus angustatus , Madagaskar,
Leirus borealis , Polargegenden, Leiocnemis ? latiuscula,
Steyermark, Masoreus laticollis , Aegypten, afftnis, desgl.,
Paramecus parallelus , Chile, Seletiop korus foveolatus,
woher?, {Pangu s) imputictiis , Kordofan, a?i gtilat us , woher?,
Brachyb aen US oxyomus, Kordofan, Hypolithits iridescens,
Guadeloupe, Opliomis longicollis, nördl. Türkei, H arpalus
acuininatus, Cap, rufocinctus, desgl., maculicornis , Neu-
Orleans, nitidiilus , desgl., fulvip enniSy Cap, St e?iolophiis
terminalis, Madagaskar.
Die übrigen neu aufgestellten Arten lassen sich am leichtesten
nach ihrer geographischen Verbreitung übersehen.
Aus der Songarei sind von Gebier (Bull. Acad. Petersb. I.
S. 36. 37) beschrieben: Cymiiidis Mantier keimii aus den Thä-
lern des Tarbagatai-Gebirges, C. sellata vom y\lakul-See, Lebia
pimctat a, stahlblau, Kopf und Halsschild düster, Flügeldecken
glänzend, ebendaher, Dromius cingulatus, ebendaher, Nebria
Schrenkii aus den Thälern des Alatau-Gebirges, Sphodrus tho-
racicus vom Alakul-See, Omasetis Mellyi, häufig am Ajagus-
Flusse.
Aus Syrien und Cypern sind die von Redt enbacher (Russ-
egger Reise 1. S. 979) beschriebenen Cymindis seriepunctata,
adusta von CyT^ern, Scarites punctat ostriatus, desgl., Ma-
rio oiympicus, desgl., Procerus Syriacus, aus Syrien, Cara-
biis paphius von Cypern, Prist ony chus crenatus und qua-
dricoliis , so wie Feronia punct at a, ebendaher. — Interessant
ist vorzüglich die Entdeckung eines Morio im Gebiet der europäi-
schen Fauna.
Vom Senegal ist Stenidia Edwardsii Castelnau (Guer.
Mag. d. Zool. Ins. pl. 119) eine ausgezeichnete neue Art, welche in
Gestalt und Färbung der Drypta ruficoUis Dej. gleicht.
204 Erichs on: Bericht über die \vissensch. Leistungen in der
Aus Angola hat Ref. in diesem Archiv 1. 8.211—219, 25 neue
Arten beschrieben, nämlich 1 Calleida, Q Br achnius, 1 Helluo,
2 Anthta, 1 Scarites, 1 Clivt'na, 1 Cratognat /lus, 4 Ste-
nolophus, 1 HispaliSj 5 C hlaenius, 1 Oodes, 1 Vogonns.
Die Fauna von Sitkha und Californien ist durch Manner-
heim (Bull. Mose. a. a. O.) und Menetries (Bull. Acad. Petersb.
II. S. 49) erläutert, und mit einer Anzahl neuer Arten bereichert
worden. Sitkha enthält 2 Cychrus , ^ bebrüt, 1 Nofiophilus, 1 Lei-
sfifs {/erruginosns Mann., ferrugineus Esch.), 1 Lon'cera, 2 Har-
pa/iis,9 Pteroslichus (Feronia) — darunter Pt. hcrculeanus Mann.
(S. 201) der F. valida Dej. ähnlich, Pt. seriej)unctatus^\sLXiVLQx\\.
(S. 204) der F. adstricta Dej. ähnlich, neu — 1 Äniara^ 1 Palrobus,
4 ßembidium, nämlich B. ■i>laniuscuhi7n , Kwpr anovll, biim-
jiressum, quadrifoveolatnm (Mannerh (S. 216), alle dem B.
Pfeiffei verwandt.
Reicher 'ist Californien: 3 Cychrus, unter denen C. veluti-
nns und i7it erruptusMQXietr. (S. 53) neu, iCahsoma, \Mttrius,
1 JSebria, neue Art, N. Eschscho Itzü (Menetr. (S. 55) 1 Elaphrus,
ebenfalls neue Art, E. californicus Mann. (S 190) Men. (S. 55),
1 I^otiophilus, 1 Loricera, 1 Badister, 1 Galerita, neue, der G. Ja-
nus nahe verwandte Art: G. Californica Mannerh. (S. 183), Men.
(S. 52), 1 Cymindis, 1 Calleida, neue, der C. decora ähnliche Art,
C croceicollis Menetr. (S. 53), 2 Dj'omius , Dr. biplagiatus Dej.
und Dr. nigrimis Esch. Mann. (S. 184), 1 Lebia, 1 Brachinus,
1 Ani'sodactylus, 4 Dicheirus (s. oben) unter denen bei Menetries
(S. 61) zwei neue Arten, D. picevs und hirsutus, 2 Harpalus,
unter denen H. albioniciis Mannerh. (S. 213) neu, 1 Stenolophus,
1 Bradycellus (Jcupalpus), 1 Erfpiis, 1 Stenomo?-phus, neue Art, näm-
lich Agaosoma calt/or}u'cu?fi Menetr. S. 63), 8 Pterostichns
{Feronia) unter denen neu Pt. ricinus Mann. (S. 200), der F. ca-
lifornica Dej. verwandt, F. (Platysm.) cast anipes und congesta,
F. (Percus) Lama Menetr. (8.59); 4 Amara, 2 Calathus, unter
denen C. Behrensii Mannerh. (8. 145), Men. (S. 56) neu, 15 An-
chomenus, (incl. Ag07ium) unter denen neu A. ovipennis Es^h.,
rugiceps, brunneoviarginatus Mannerh. (S. 196), Ancli.
marginatus, micans, Ag. deplanatum, favielicuniMe-
netr. (8.56), 5 Chlaenius, von denen Chi. asper u Ins Menetr.
(S. 55) neu, 1 Lachn ophorus , neue Art, L. eleg antulus Man-
nerh. (8.215) vermuthlich eine Calybe, endlich 2 Be7nbidium.
Reiche hat in der Revue Zool. 8. 37. 75. 141. 177 seine Beschrei-
bung neuer Columbischer Carabicinen fortgesetzt (s. vor. Ber.
S. 169), und zwar sind beschrieben 1 Chlaenius, 1 Oodes, 6 Anchono-
derus , 1 Coptotomu, 3 Anchomenus, 7 Agomwt, 1 Oxycrepis , 1 Ba-
rysomus, 9 Seleuophorus , 1 Hypolithus, 3 Harpalus , 2 Acupalpus,
2 Tetragonoderus, 2 Lachnophorus. — Zwei neue Arten von Pelecium
aus Neu-Granada wurden von Guerin (ebendas. S. 15) beschrieben.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 265
Sturm hat in seinem neuen Catalog (S. 325. T. 1. F. 1—3) drei
ausgezeichnete Lebien aus Brasilien unter der Benennung Lia
fasetat a, multijninctata, iOpunctata als neue Arten abge-
bildet, welche im Dejeanschen Werke allerdings fehlen, aber von
andern Seiten her nicht unbeschrieben geblieben sind: es ist nämlich
die erste Chelonodema elegans Mannerh. Bull. Mose. 1837. 11. S. 32,
die zweite Chelonodema scripta Laport. Etud. Ent. S. 50, notata
Brülle Hist. d. Ins. 1. S. 219, die dritte Ch. affinis Lap. a. a. O. — Ebenfalls
aus Brasilien ist Ct ettodactyla bicolor Ca st ein au (in Guer.
Mag, d. Zool. Ins. pl. 119 beschrieben), welche eben so wenig neu,
sondern mit Ct. Langsdorfii Klug Jahrb. einerlei ist.
Fairmaire (Ann. Soc. Ent. d. Fr. 2 ser. 1. p. 11. pl. 1) be-
schrieb als neue Art, Chlaenius o phonio ides aus Neuholland,
dadurch ausgezeichnet, dass der Flügeldeckeiirücken eine gelbliche
Färbung hat, und Anchomenus IS ov ae Ze I aiidi ae von Neu-
seeland; das vorletzte Fussglied ist tief zweilappig, es kann also
kein eigentlicher Anchomenus sein, der Verf. müI auch eine eigene
Gatt. Cteiiognathus daraus bilden, deren Hauptmerkmal ,,machoi-
res pectinees" ist. Die Abbildung stellt den Innenrand der Mandibeln
kammförmig vor, und das in solcher Weise, dass es den Anschein hat,
als ob das Kammförmige von der unter der Mandibel liegenden in-
neren Maxillarlade herrühre.
Einen interessanten Zug aus der Naturgeschichte des Carabus
aitratus erzählte Klingelhofer (Ent. Zeit. S. 89).
Jtytisci. Von Cybister wurden durch Ormancey (Rev.
Zool. S. 331 ) zwei neue Arten aufgestellt, der eine C. prosterno.
viridis (sie!), der andere C. aeiiens benannt Der letzte aus Bra-
silien , der erste muthmasslich ebenfalls.
Von Hydnliais durch Hope (Ann. nat. hist. XI p. 364) eine
neue Art, H. discoidalis aus dem westlichen Afrika.
Zu Dytiscus wurde von Mann er heim (Bull. Mose. S. 218) eine
neue Art, D. anxius, von Sitkha, dem D. circumcinctus Ahr. sehr
ähnlich, hinzugefügt. — Westwood (Transact. Ent. Soc. Lond. III.
p. 203. pl 11. f. 2) machte eine Missbildung bei einem männlichen
Dytiscus marginalis bekannt, an welchem die Geschlechtsauszeich-
nungen, namentlich die Erweiterung der Füsse, weniger ausgebildet
waren.
Ein Colymbetes coriaceus mit missgebildetem Fühler wurde von
Lucas Ann. d. la Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. I. p. 55. T. 1 abgebildet.
Auf die eigenthümliche Bildung der vordem Krallen bei den
Männchen des Agabiis- biptistiilatus machte Suffrian (Ent. Zeit.
S. 332) aufmerksam. Der Verf. lässt die Ansicht durchblicken, dass
es verschiedene ähnliche Arten mit verschiedener Klauenbildung geben
möchte, da von Mehreren, namentlich von Degeer und mir, jene Bil-
dung nicht angegeben sei. Was mich betrifft, so ist sie von mir nur
Archiv f. Naliiif,'csrh. X. .Jahrg. 2. Bd. T
266 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
aus dem Grunde übergangen , weil sie mir zur Charakteristik eines
so leicht kenntlichen Käfers unnöthig erschien.
Als eine neue schlesische Art beschrieb Letzner (Uebers. der
Arb. u. Veränd. der schles. Gesellsch. i. J. 1S43) Agabus sile-
siacui, dem A. guttatus zunächst verwandt, indess etwas gewölbter
und an beiden Enden mehr zugespitzt, auf den Flügeldecken nur ein
Fensterfleckchen hinter der Mitte. In klaren Bächen des Altvater-
gebirgs. Neue Arten von Sitkha sind: Agab. du lins und hypo-
vielas Mannerheira (Bull. Mose. p. 221).
Aus Angola führte Ref. (a. a. O. S. 220) zwei neue Wasserkäfer
auf, Hy dr 0 canthtis notiila und Hydroporus turgidus. Der
letztere ist zugleich in Aegypten einheimisch.
Suffrian (Ent. Zeit. S. 94) bemerkt, dass der wahre Hydrop.
parallelogrammus des Ahrens nicht die matte, sondern die stark
punktirte glänzende Form dieses Käfers sei. Der Name H. nigro-
Uneatus Seh., meint der Verf., müsse als zweideutig wegfallen, da
die Stevenschen Käfer dieses Namens Ahrens als //. ennengrammus
zuerst beschrieben habe: es wird aber doch wohl nöthig sein, Ste-
ven's eigene viel frühere Beschreibung in Schönh. Syn. zu berück-
sichtigen, da sie so deutlich ist, dass die gemeinte Art, trotz der
irrthümlich dazu gekommenen Abbildung nicht zu verkennen ist. —
Mulsant (Ann. d. 1. Soc. roy. d'agric. d Lyon. VI. p. 276) stellte eine
neue Art, Hydroporus Anbei, aus Frankreich auf.
Chfrinit Nachträgliche Bemerkungen zu seiner früheren Bear-
beitung der deutschen Gyrinen lieferte Suffrian (Ent. Zeit. S. 25.369).
^taphylini. Die Untersuchung der Ameisennester liefert noch
immer Ausbeute an neuen .Arten, vorzüglich aus dieser Familie. Mehrere
in der Oberlausitz neu entdeckte Myrniecophilen wurden von v. Kie-
senwetter (Ent. Zeit. S. 306) beschrieben, ü xypoda familia-
riSy Dinar da Märkelii (die grössere bisher unter D. dentata
begriffene Form, welche der Verf. specifisch von der kleineren tren-
nen zu müssen glaubt, auf welche die Gravenhorstsche Lom. dentata
zu beziehen ist), Othius niyrviecop liilus, Scopaeus pusillus.
— In Finnland richtete Graf Mannerheim besondere Aufmerksam-
keit auf die Ameisengäste, und beobachtete unter einer Anzahl be-
kannter auch mehrere neue Arten: Homalota fossigera, Oxy-
poda niyrine cobia, latiusc ula, Oligota tantilla, Tachy-
por US pulchell US , Stenus formicetorum, (Bull. Mose. p. 77).
Chevrolat (Rev. Zool. p. 42) stellte eine neue Art auf: Myr-
mednnia nigriventris von Calais, wo sie am Meeresufer lebt.
Aubc (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser, L p. 90) berichtigt, dass sie
zur Gatt. Homalota gehöre.
Aube (ebendas.) beschrieb zwei interessante neue südeuropäi-
sche Arten: Oedichirus unicolor von Badajoz in Andalusien,
und Bledius tristis von Sicilien.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 267
Kellner (Ent. Zeit. S. 31) beschrieb Qnedius riparins, neue
Art aus dem Thüringer Walde. i. f /. . n \ hP
Mehrere neue Arten aus Angola wurden von Kef. (a^ a. O. be
schrieben: Myrmedonia satclles, snturahs, Phzlonthus
holpes, CryvtobUun tricolor, Vaederus Angolensrs.
Opdichirus terminatus.
Mannerheim (Bull. Mose. p. 224) führte als neue Arten aus
Sitkha auf: Homalota maritima, picipennis, Aleochara
castaneipennis, .ulcicollis, Tachinus nigricorms, pro-
pinquns. Othins californicus , Staphylinus t^r.ahs
Siegwaldii, Quedins plagiatus, brunnipenms Oxy eins
fuscipennis, Jn.t hophagus laticollis, Jrpedu,m testa-
cern^nacrlicoUe, Omalium plagiatnm, Anthobrumpo
tlos- ferner aus Californien P/Ülonthns ca/iformcus und
albioiiicus.
JBupremaes. Einen Beitrag -^/f 7^f,^,f Jf/^o' 12n
nro-ten lieferte Pecchioli (Guer. Mag. de Zool 1843 pl. 120. 121),
Felder Naturgeschichte der B. Fabricii , über -Iche wxr a..h
von Bertolini eine Abhandlung besitzen (s. vor. Jahresb.) und der
TmarLa zum Gegenstande hat. Larve und Nymphen der letzteren
f„ abgebildet. Eme Nachricht "ber Vorkon.men und Larve v^^n
Dicerca berolinensis theilte Klingelhofer (^nt Zeit. S. 87) mit.
Sirverwandlungsgeschichte des ^^n7,. Yi^Ttt eZl
von.i ^Ann d 1. Sog. Ent. d. Fr. 2. ser. L S. 23. 1. 2) als etwas
Neues indess hat Ratzeburg seiner schon in seinen Forstinsecten
erwähnt. Die Larve gehört zu denen mit einer Horngabel an der
"''mS^^dlung hat einen Streit hervorgerufen zwischen Leon
Dufour und Goureau (ebendas. S. 253. 257), dadurch veranlasst
da G den für einen so sorgfältigen Beobachter sehr auf^a lenden
M^sgHff beging, den Prothorax als Kopf zu beschreiben (Ich habe
übrigens nur an meine Abhandl. über Käferlarven ,m Archiv f. 1841.
1 Rd (S 82') zu erinnern. ..
Eine üebersicht der bereits vorhandenen Beobachtungen über
Bnprestidenlarven theilte Blanchard (Ann. d. 1. boc. Ent. d. tr.
2. ser. 1. p. 221) mit.
Neu aufgestellte Arten dieser Familie sind -
Sternocera lanifica des Ref., dies Archiv 9. Jahrg^l. Bd.
S.223 von Angola. Sternocera litnrata var. Currorz ^hxi^
Ann. nat. bist. XII. p. 266 vom Zaira (Congo) könnte e.cht dieselbe
sein, es hat sich der Verf. aber über die Sculptur des Halssclnlds
nicht geäussert; die Stammart, St. liturata Burch. vom Gap ist offen-
bar St. Orissa Buq. - Eine zweite durch ihre längsgerunzelten Flü-
geldecken sehr ausgezeichnete Art vom Zaira (auch vom Gaboon)
ist St. feldspathica (sie!) White (ebendas. S. 267).
JnlodisClouei Buquet (Revue Zool. S. 22) von ^Socotora (In-
268 Erich son: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
sei an der Arabischen Küste), eine ausgezeichnete Art, von der der
Verf. in den Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. 1. S. 97. T. 4 die Ab-
bildung eines lud mit missgestaltetem Fühler gegeben hat, ferner
Julodis Rothii Sturm Catal. S. 328. T. 1. F. 5 von Jerusalem,
J. intricat a und sulcata Redtenbacher (Russeggers Reis. 1.
S. 982) aus Syrien.
White (Ann. nat. bist, XII. p. 342) führt 4 Arten von Chryso-
chroa auf: Ch?-. {Cat ox an t ha) opulenta Dej. var. p iir purea
Wh. von den Philippinen, von der Stammart dadurch unterschieden,
dass die Grundfarbe purpurroth, und auch die Brust von derselben
ist-, Chr. fraelonga Wh. neue Art von den Philipp. Ins.; Chr.
subiineata Wh. aus Bengalen ist Chr. mutabilis Ol. (marginata
Gory); Chr. o cell ata var. ephippigera Wh. unbedeutende Ab-
änd. von Chr. ocellata. Wenn erst die Abänderungen eigene Namen
erhalten, wird man auch bald dahin kommen, jedes Ind. damit zu
beehren. — Chrysochroa Edwardsii Hope Transact. Lin. Soc.
XIX. S. 109. T. 10. F. 4, von Sylhet, der Chr. Perrotetii. Guer. zunächst
verwandt.
Chalcophora quadriocnlat a Redtenbacher (a. a. O.
S. 983) aus Syrien.
Buprestis Langii Mannerheim (Bull. Mose. p. 237. n. 132)
von Sitkha. — Buprestis viridiaxurea White Ann. nat. bist.
XII. p. 267 vom Zaira, soll der B. limbalis Jll. nahe stehen.
Hy per antha (Poecilonota) vit taticollis aus Brasilien und
stigmaticollis von Cordova in Südamerica, durch Desmarest
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. I. p. 17. T. 1).
Stigmodera gratiosa Chevrolat (Revue Zool. S. 201) aus
Neuholland. — St. funerea White (Ann. nat. bist. XII. p. 344)
vom K. Georgs-Sund ist eine unbedeutende Abänderung von St. Kei-
chei Gory, St. consp icill ata desselb. (ebendas.) vom Schwanen-
fluss, eine schöne neue Art.
Anthaxia facialis des Ref. (dies Archiv 9. Jahrg. I.
S. 224) von Angola.
Sucnetnide«. „Revue critique de la tribu des Eucnemides
par M. Guerin-Meneville", Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. I.
p. 163. Diese Abhandlung ist wichtig, vorzüglich weil sie eine Menge
der „unbegreiflichsten Irrthümer" von Laporte berichtigt, und zwar
nach denselben Ex., welche Laporte vor Augen gehabt hatte. Ausser-
dem mustert Verf. die in den Pariser Sammlungen befindlichen Gat-
tungen und Arten. Seine Eintheilung ist folgende:
1. Füsse einfach, ohne Ilautläppchen.
1. l'ühler frei, entweder
a) ohne Rinnen auf der Unterseite des Halsschilds: 1. Melasis Ol.;
2. Tliarops Lap. {Isorhipis Lacord.); 3. Nematodes Latr.; 4. Xy-
lobius Latr. {Xylophilus Mann. Xyloecus Serv.); 5. Epiphanis
Esrh.; 6. Hypocoelus Esch. (procerulus Mann.); 7. Hylochares
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 269
{buprestoides , unicolor , j/ielasmus); 8. Calyptocertts neue Gatt.;
9. Etiiathiou Lap. (Sjjhaerocepha/us Esch.) — oder
h) mit seichten Rinnen am Prosternum : 10. Microrhagiis Esch.
{pygnmeus, Saklbergii).
2. Die Fühler sich iii Rinnen unter dem Seitenrande des Hals-
schilds einlegend,
a) mit cylindrischen Gliedern: 11. Fornax Lap. {Dirhagus Esch.);
12. Encalosomn I.ap. (Khigmaphorus Dej.).
b) mit sägeartigen Fühlern; 13. Eitcuemis SX\x.\ 14. Gastrmdacus
{Galba Latr.).
r) mit Medelförmigen Fühlern : 15. Galhodema Lap.
IL Füsse mit langen Hautläppchen auf der Unterseite: 16.
Galba Ksch.; 17. Pterotarsus Esch.
Von Melasis ist die Larve beschrieben und abgebildet, doch
hat der Verf. ihre vorzüglichste Eigenthümlichkeit, den Mangel der
Maxillen, nicht bemerkt, obschon ich sie schon vor mehreren Jahren
beschrieben habe (S. dies Arch. 7. Jahrg. I. S, 84). Es ist auch ganz
unrichtig, wenn der Verf. sie als in der Mitte stehend zwischen den
Larven von Bupresten und Elateren betrachtet; mit den letzteren
hat sie nichts gemein. — Die Gatt. Hypocoebis Esch. und Hylochares
Latr. fallen eigentlich zusammen, der Verf. wendet aber beide Namen
an, und zwar Hypocoelus für Eucn. procerulus , den Eschscholtz
unzweckmässig als Typus von Nematodes betrachtet, Latreille mit
unter Hylochares begriffen hatte. Hylochares umfasst beim Verf.
Eucn. cruentattis Mann., unicolor Latr. (vermuthlich einerlei mit
buprestoides Rossi oder alticollis Rond. , also Arhipis Dej.), ferner
melasinus Latr. und Eucn. senegalensis Lap., eine neue Art H. sub-
acutus aus Mexico, und H. Lanieri Guer. von Cuba. Nahe ver-
wandt mit dieser Gattung ist der Sileyitis? javanicus Lap., welcher
sich durch seine nach der Spitze hin etwas verdickten Fühler und
das ungelappte vorletzte Fussglied unterscheidet, und daher als eigene
Gatt, mit dem von Laporte schon bereit gehaltenen Namen Eudorus
anerkannt wird. Nematodes beschränkt der Verf. auf El. filum., mir
ist aber noch nicht klar, wie sich Emathion Lap. davon unterschei-
det, dem Laporte mit Unrecht Fühlerrinnen zugeschrieben hatte, und
wohin E. cylindricum Lap., E. Marinerheimii Chevr. {Galba inexi-
cana Lap.!), Galba Lepn'eurt La.p.[ und zwei neue Arten E. cunea-
tum Chevr. von Bahia, und E. Buqnetii aus Columbien gerechnet
werden. Da die neue Gatt. Calyptocerus freie Fühler hat, scheint
der Name wie lucus a non lucendo sich zu verhalten. Sie ist übri-
gens ausgezeichnet durch grosses kapuzenförmiges Halsschild mit
jederseits tief ausgeschnittenen) Hinterrande, etwas spindelförmige
Fühler mit dicht an einander schliessenden Gliedern , löffeiförmiges
Endglied der Taster, und zweilappiges vorletztes Fussglied. Eine
neue Art C. Leboucherii von Cayenne. Unter Fornax führt der
Verf. 12 Arten auf, F. grandis aus Brasilien (ist Eucn. sericatus
270 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Mann.), madag ascariensis aus Madagascar, obrutus Ciiev. aus
Mexico, Petita ebendaher, ruficolUs Lap. aus Cayenne, sangui-
neo-signatus aus Columbien, opi'fea: Dej. aus Cayenne, Chevi'o-
latii-, unbekannten Vaterlandes (aus Brasilien), endlich Dirhagns
testaceus, lurtdus, tinndus, longuhis Dej. — Die letzte Art wenig-
stens weicht von den übrigen dadurch ab, dass das Männchen Kamm-
fühler hat, sollte also nicht einmal in dieser Abtheilung (s. o) stehen.
— Enniemis zählt 5 Arten: E. Wicardi {Gulba Wie. Lap.), orien-
talis (Galba or. Lap), capuciniis Ahr. , und zwei neue, E.fulvi-
cornis und foveolatus von Cayenne. — Gastraulacus Guer., wel-
cher wohl den Latreilleschen Namen Galba behalten sollte, ist mit
zwei neuen Arten, G. atratus aus Mexico, und G. Leprieuri
aus Cayenne vermehrt. — Galbodema beschränkt sich auf G. Jlabel-
licornis und Mannerheimii Lap. — Galba (Esch. Guer.) unterschei-
det sich von Purotarsus darin, dass die Fasse bei G. 3, bei Pt. 4 Haut-
läppchen an den Füssen haben , und die Fühlerrinnen bei G. am Sei-
tenrande des Halsschilds, bei Pt. am Prosternum liegen. Galba ent-
hält: G. niarmorata Guer., nmrina Dej. und zwei neue Arten G.
f lavic ornis "aus Nordamerika und bovihycina, aus Columbien-,
bei der vorletzten legen sich die Füsse in die Schienen ein, der
Verf. bringt daher eine eigene Gatt. Dendrocharis in Vorschlag.
Endlich Pteiotarsus enthält: Mel. tuberculata Dalm. , histrio Guer.
(mit den Abänd. testaceus und brasiliensis Lap.), bimaculatus Lap.
Saund., Esc/ischoltzii L^p,, rugosns Blanch, und Walke naerii, neue
Art aus Brasilien.
Silenus Latr. entfernt der Verf. aus dieser Familie und zeigt
zugleich, dass er der eigentliche Anelastes Kirby, {Sil. bru/nieus
Latr. = An. Drurii Kirby) sei.
Xilaterides, Hope's Monographie der Gatt. Campsosternns
Latr. ist etwas mehr ausgeführt in den Transact. Ent. Soc. 111. p. 286
erschienen. (S. Jahresber. f. 1841. S. 215).
Neue Arten wurden folgende aufgestellt:
Ludius anxiiis Gebier (Bull. Acad. Petersb. 1. p. 38) aus
dem Tarbatai-Gebirge, dem L. melancholicus ungemein nahe stehend.
Anipedns Suvagei, cy an ocepliahis , aurtpeunis, Iris,
cyanicollis, auricollis, Alans? interruptus, Agryp/ius
tropicus, laticoliis Hope (Ann. nat. bist. XI. p. 365) aus Gui-
nea. Was die Gattungsbestimmungen betrifft, darf man unter den
ersten G Arten keinen Ampedus erwarten, es wäre wohl rathsam ge-
wesen, den Leser nicht durch eine nähere Gattungsangabe über diese
durch Farbenpracht sehr ausgezeichneten Elatercn irre zu leiten.
Monocrepidiiis plancus, Atractodes cavlfrons, Aeolus
i7iscriptus, üraste?-ius utnb rosus, Cardiophorus fulvi-
cornis des Ref. (a. a. O.) aus y\iigola.
Diacanthtis angnsticollis und AI kons paliidipennis
Mannerheim (a. a. O.) von Sitkha.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 271
Cardiophortis californicus ^ t unt illus , Cryptohypnus
puöerulus, Diacaiit hus serricornis Desselb. (ebendas.) von
Californien.
Jgryp7ius pictipes Chevrolat (Guer. Mag. d. Zool. Ins.
pl. 107. 108. p, 7) aus Mexico.
Wihipicerites. Die zweite Lief, von Guer in 's Anim. Artic.
enthält eine Monographie der Gatt. Simdalus Kn. , womit der Verf.
Ptyocerus Thunb., Microrh/p/s Guer., Pti'oceriis Lap., Megarhipis Lap.
verbindet. Die Arten sind 1. S. Knochii Guer., Rhipic. rnfipennis
Latr. cT, Sand, niger Kn. 9 aus Nordamerika, —2. S. brunneus, Me-
garh. brunn. Lap., aus Brasilien, — 3. S. Goudotii, neue Art aus
Columbien, — 4. S. petrophya Kn., Rhip. fulva Lap., Rhip. proser-
pina Newm., aus Nordamerika, — 5. S. mystacmus, Melas. mystacina
F., Ptyoc. myst. Thunb., Microrhip. Dumerilii Guer. Mag. Zool. I,
vom Cap.
In der fünften Lief, desselben Werkes ist Ptyocerus Lap. bear-
beitet, und CS sind vier Arten aus einander gesetzt: 1. Pt. Goryi
Lap., — 2. uttennatus Lap., — 3. neb ulosus Kl., — 4. capetisis
Reiche, alle vom Cap, die beiden letzten hier zuerst beschrieben,
die letzte von den andern durch gestreckte Taster mit cylindrischem
Eiidgliede abweichend.
Cryptostomites* Westw ood stellte in der 8. Lief, von
Guerin's Anim. art. eine neue Gatt. Basodonta auf, welche mir mit
Cryptostoma verwandt zu sein scheint, und auf einer neuen Art,
B. iiigTicornis, aus Neu-Granada, gegründet ist.
Atopites. Guerin (Rev. Zool. S. 193) stellte für diese Fa-
milie, welche er lieber Dascillidae genannt wissen will, ein Kenn-
zeichen in der mehrfach gelappten Zunge fest. Zugleich giebt er
eine Uebersicht über die Gattungen: Octog lossa Guer., Dascillus
Latr., Cladutoma Westw,, Odontonyx G., Bradytoma G., A71-
chy tarsns G. , Cneoglossa G. Ueber den Inhalt der neuen Gat-
tungen ist noch nichts angegeben.
Cyphonites» Eine Monographie von Encinetus Schupp.
(Nycteus Latr.) lieferte Guerin in der vierten Lief, der Anim. art.
Die Gattung beschränkt sich noch auf zwei Arten E. haemorrhoida-
lis Germ, und E, vuridionalis Lap.
MJtM/mpyriAae. Ueber die leuchtende Substanz der Lmnpy-
ris italia hat Matteucci in einem Schreiben an Dumas der Pariser
Akademie die Ergebnisse seiner Untersuchungen mitgetheilt. Im Jo-
hanniswurm ist ein Stoff, welcher ohne merkbare Wärme ein Licht
verbreitet, ohne dass zugleich Integrität oder selbst Leben des Thiers
dabei erforderlich wäre. In der Kohlensäure und im Wasserstoff
hört der Leuchtstoff nach 30 — 40 Min. zu leuchten auf, wenn die
Gase rein sind. Im Sauerstoff ist das Licht entschieden lebhafter.
272 Erich so n{ Bericht über die wissensch. Leistungen in der
als in der atmosphärischen Luft, und hält dreimal länger an, sowohl
an den abgetrennten leuchtenden Segmenten als am ganzen Käfer.
Wenn der Leuchtstoff im Sauerstoff oder der atmosph. Luft leuchtet,
verzehrt er einen Theil Sauerstoff, Avclcher von einem entsprechen-
den Theil Kohlensäure ersetzt wird. Wärme bis zu einem gev\issen
Grade erhöht das Leuchtvermögen, Kälte im Gegentheil. Zu hohe
Wärme verändert den Leuchtstoff, dasselbe findet auch in der Luft
und andern Mitteln statt, wenn der Leuchtstoff vom Thier getrennt
ist; es kann aber auch das Leuchtvermögen vor dem Tode des In-
sects aufhören. (Compt. rend. Fror. N. Notiz. 27. Bd, S. 168. Ann.
nat. hist. XIL p. 373).
Phengodes pnlchella, Ronlinii, Megalop hthaltiius
collaris Guerin (Rev. Zool. p. 17) sind neue Arten aus Neu-
Granada.
MdyciUae, Mannerheim (Bull. Mose. p. 88) entdeckte in
Finnland Dictyojitei-a hybrida, eine neue Art, welche zwischen
D. aurora und affinis in der Mitte steht, der ersteren näher verwandt,
aber durch die unten tiefschwarze, oben mehr blutrothe Färbung,
durch die doppelt so breite, rautenförmige Mittelzelle des Halsschilds
und die breiteren Zwischenräume der Flügeldecken unterschieden ist.
— Von Sitkha führte Ders. (ebenda S. 245) D. hamatus und
simpiicipes Esch. auf.
Lycus appendiciilatus Sturm (Catal. S. 329. T. 1. F. 6)
vom Senegal ist Laporte's L. africanus.
Telephorid,a€. Schummcl ( Arb. und Veränd. der schles.
Gesellsch. i. J. 1843. S. 193) entdeckte in Schlesien zwei Arten von
Cavtharis , von denen die eine, C. melanoceros, ohne Zweifel
einerlei mit C. barbara F. ist; die andere, C. denticoUis , schwarz,
ganzes Halsschild und Beine roth , Füsse an der Spitze schwärzlich^
2|"' lang, wird von C. fulvicollis Gyll. durch ganz schwarzen Kopf,
kürzere schwarze Fühler, und unten einfarbig gelbrothen Mittelleib
unterschieden. Die Hinterecken des Halsschilds ragen als ein spitzes
Zähnchen vor. — Mann er he im (Bull. Mose. p. 89) hat in Finnland
mehrere neue Arten aufgefunden, von denen die erste, Rhugo-
nycha fugax, wieder einerlei mit C. barbara F., ist (und zwar
eine Abänderung derselben mit gelben Schienen), die anderen sind:
Canth. Schönherri Dej. wnA f ig iir ata M. — Ferner sind neue
Arten: Cantharis not ata aus Californien und Siiis pallida
Esch. von Sitkha von Mannerheim (Bull. Mose. p. 246), Tele-
phorus heros aus Neugranada von Guerin (Rev. Zool. p. 18) und
Mall hinns analis aus der Snngarei von Gebier (Bull. Academ.
Pctcrsb. I. p. 38).
Melyritlae, Neue M alachien sind ; Apalnchrus nohilis
des Ref. (a. a. O.) aus Angola, Malachius reflexico llts Gebier
(Bull. .\cad. Petcrsb. I. p. 38) aus dem Alatau-Gcbirge, Mal. epliip-
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1843. 273
ptger IJ ed t en hach er (Kussegg. Reis. 1. S. 983) aus Syrien. Die
Dasyten wurden vermehrt von Suffrian (Ent. Zeit. S. 334) mit zwei
deutschen Arten, D. scaber und virens Müll., von R ed t en b ach er
(Hussesrs;. Reis. 1. S. 984) mit D. vulpinus aus Syrien, von Man-
nerheim (Bull. Mose. p. 247) mit D. laticoUis, parifico llis
M., canescens Esch. aus Californien.
Clerii, ,,Description de 24 nouvelles especes de Terediles,
pour faire suite a la monographie des Clairons de M. le doct. Klug,
par M. Chevrolat" (Ann. d. 1. Soc. ent. d. France, 2. ser. I. p.31).
Die beschriebenen Arten sind Tilhis {Cymat hodera) Boscii
aus Nordamerika, Clerns {T h fi7ift sinnt s) marginicolHsy ob-
lique-fascjat US , einet iv ent ris aus Brasilien, The an o cru-
ciatus aus Columbien, C ladiscns strangulatus von den Phi-
lipp. Inseln, Eiioplinin piin et atissimiitn aus Nordamerika, se-
niinigrnm (scheint mir von E. semipunctatum Kl. nicht abzuwei-
chen) aus Columbien, E. niveuin^ fimbriolutum aus Brasilien,
E. {Epip hloetis) pant herinu7ii, dem E. 12maculatum Kl. nahe
stehend, aus Cayenne, hnlteatnni aus Brasilien, E. (Ichtiea?) divi-
sum, calceat um aus Brasilien, ö/v/Z/zä^" e ?■/««?< j/i' aus Norddeutscli-
land (schwerlich etwas anderes als eine Abänd. des O. domesticus),
Trichodes Olivieri Chev. aus Persien, hält der Verf. für verschieden
von dem von Klug, Trich. affitiis, hafert ei, viridi fascia-
tus aus dem Orient, scheinen mir alle drei Abänd. von Tr. favarius
zu sein, Tr. Careelii aus Kleinasien ist einerlei mit Tr. nobilis Kl.,
Tr, laviinat HS aus Kleinasien, Tr. angustns von Amadan; Tri-
chodes? (Zenit hico la?) fulgens aus Neuholland (ein Clerus,
zur Abth. des Cl. intricatus Kl. gehörend); endlich Corynetes
marginellus aus Californien. — Cladiscus ist eine neue Gat-
tung, mit beilf. Endgl. der Taster, die Fühler llgliedrig, jedes Gl. vom
3ten an einen langen Ast aussendend , Halsschild hinter der Mitte
tief eingeschnürt; 4tes Fussglied unten vorgezogen, das Klauenglied
mit vier, gedoppelten, Klauen.
Die neuen mexikanischen Arten seiner Sammlung hat ders. Verf.
in Guer. Mag. de Zool bekannt gemacht: Cymathodera palli-
dipennis , dis coidali s ^ Phonius sanguinipennis (pl. 107),
Derostenus ^lineatus, Clerus assif/iilis, venustus, ni-
gromacu latus, Silbermanni, i-notatns, xehra, albofa-
sciatus, nitidus. — Phonius und Deros lentis sind als neue
Gattungen aufgestellt, die erstere dürfte aber wohl mit Clero-
nomus Kl. übereinkommen, die letztere, welche der Verf. zu Eury-
pus, der aber kein Clerier ist, stellen möchte, gehört nach den vom
Verf. angegebenen Merkmalen zu den Tillus mit einfach gezahnten
Klauen , und dürfte sich von Cleronomus nur Avenig unterscheiden.
Mannerheim (Bull. Mose. S. 248) führte eine neue Art, Clerns
eximius auf, der auf einem von Californien abgesegelten Schiffe
gefangen wurde, imd wahrscheinlich diesem Lande angehört.
274 E rieh 80 n: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Lucas hatte aus algierischem Reisig in Paris erzogen Opi-
Ins dorsalis {Notox. dors. Dej. — sonst nur vom Senegal bekannt)
und Cylidrus agilis Luc. (Ann. d. 1. Soc. ent. d. Fr. 2. ser. L
XXIV.). Die erste könnte wohl Notox. dimidiatus Lap. sein, die
letztere scheint nichts als Cylidrus albofasciatus, und zwar die von
Charpentier abgebildete Abänd. mit schwarzem Gesicht zu sein.
Dass Cylidrus albofasciatus (Tillus albof. Charp. St.) neuerdings
in Deutschland, und zwar vom Pfarrer Schmitt bei Mainz in einem
Kiefernwalde wieder aufgefunden sei, ist von Suffrian (Ent. Zeit.
S. 123) mitgetheilt worden.
Ptiniore«, Schilling (Arb. u. Veränd. d. schles. Gesellsch.
i. J. 1843. S. 175) erhielt aus den Steinsalzgruben von W'ieliczka in
Galicien, Salzstücke mit Käfern, welche sich als Ptinus ergaben.
Der Verf. hält sie für eine neue Art, welche er Ptimis sali7iiis
nennt. Wir haben hier vor Langem ebendaher Steinsalz mit Käfern
erhalten, welche nichts als Pt. crenatus F. waren, und mit ihren
Larven sich nicht im Holzwerk der Gruben, sondern im Menschen-
koth aufhalten sollten.
Mann er heim (Bull. Mose. p. 93) entdeckte in Finnland zwei
neue Arten von Anobiuni, das eine, A. excistivi^ dem A. denticoUe
Pz. verwandt, das andere, A. ex-planatum , dem A. molle nahe
stehend.
Die Verwandlungsgeschichte des Xyletinus hederae Duf.
llaevis Latr. Cardiii Dej.) wurde von Leon Dufour (Ann. d. 1. Soc.
Ent. d. Fr. 2. ser. L p. 321) beschrieben. Die Larve lebt in trocke-
nen Epheuzweigen.
Ueber das Vorkommen der Apate varia theilte Klingelhöfe r
( Ent. Zeit. S. 86 ) seine Erfahrungen mit. — Drei Arten aus Algier
erzog Lucas (Ann. d. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. I. p. xxv) aus Reisig,
welche er als neue bestimmte, J. rnfiventris, nigriventris ^
humer alis. Die letzte kommt auch in Südeuropa vor, und ist
unter gleichem Namen in Dejean's Catalog aufgeführt; die zweite findet
sich in Olivier's Ent. als Bostr. capucinus abgebildet, ist im Text
auch mit derselben verwechselt, ist aber weder Abänderung der A.
capucina, noch selbstständige Art, sondern Abänd. der A. luctuosa.
miphales» Klingelhöfer (Ent. Zeit. S. 88) theilte die
hübsche Bemerkung mit, dass JSecrophorus gerrnanicus lebende Geo-
trupes stercorurius anfällt und fortschleppt. Dr. Schmidt bestätigte
die Thatsache. Ich habe den N. germanicus auch nie im Aase, son-
dern immer in der Nähe von Koth gefunden.
Neue Arten sind: JSecrophorus nigrita M. aus Californien,
iV. maritimus Esch. aus Sitkha, Silpha cervaria^ califor-
«icaEsch. aus Californien, Necrophilus hydr ophiloidesEsclh,
Catops cadave.rinns Esch. von Sithka von Mannerheim (Bull.
Mose. p. 251).
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 275
Nccrofles analis Chevrolat ( Guerin Mag. d. Zool. Ins.
j)!. 107. 108. |). 26) aus Mexiko scheint die über Südamerika verbrei-
tete Silpha cayennensis 8t., discicollis BruU. zu sein.
Xisteres» Neue Arten dieser Familie sind: fj/'ster heros
des Ref. (a. a. O.) von Angola, Sapriiius equestris von den Ins.
des Grünen Vorgebirges (nicht von Angola) und S. intricntiis von
.Angola, von Denis, (a. a. O.) S. culifornicus, sulcifrons Man-
nerheim (Bull. Mose. p. 259) aus Californicn.
Abraeus rombophorus Aube (Ann. d. 1. Soc. ent. d. Fr.
2. ser. 1. p. 75. pl. 1. IV. f. 2) von Paris, gleicht dem A. nigricornis,
von dem er sich vorzüglich durch blasse Fühlerkeule und erweiterte,
aussen abgerundete Vorderschienen unterscheidet.
Trichopterygia. Heer (Ent. Zeit. S. 39) hat den Bau von
Trichopteryx in Untersuchung genommen, und daraus den Schluss
gezogen, dass sie als eigene Gruppe ,,Ptilina" den Staphylinen ein-
zureihen sei. Meine eigenen Untersuchungen, namentlich der Mund-
theile, stimmen wenig mit denen des Verf. überein, auch finde ich so
viele Eigenthümlichkeiten, dass die Bildung einer eigenen Familie
wohl zu rechtfertigen sein wird. Da meine Untersuchungen in ganz
Kurzem in meiner deutschen Fauna niedergelegt erscheinen werden,
scheinen weitere Erörterungen hier überflüssig zu sein. Die bei die-
ser Gelegenheit mitgetheilten schätzbaren Forschungen des Verf. über
Flügelfaltung und Zusammensetzung dts Hinterleibs bei den Käfern
sind oben besprochen worden.
Mannerheim (Bull Mose. p. 84) entdeckte eine neue Art,
Trichopt er y X piciconiis , im Ameisenhaufen von F. rufa.
JVitidulariae» Nit idnla termiiiat aMa.nnev\\eim (Bull,
Mose. p. 95) in Finnland am austräufelnden Birkensaft gesammelt,
unterschied ders. von N. limbata F. darin, dass sie kleiner ist, und Hals-
schild und Flügeldecken einen breiteren Rand haben. — Derselbe
(ebenda p. 255. 300) führte als neue Arten auf: Stro7igyltis? tin-
ctus, aus Californien , Nitidiila convexitiscula, ambiguu^
Rhixophfigus dimidiat US von Sitkha, Trogosita clilorodiu,
viridicy anea von Californien, T. pusillima von Sitkha.
CryptophagiUae* Mann er heim (Bull. Mose. p. 256) be-
reicherte Cry ptophagus mit zwei amerikanischen Arten: Cr.
californicus aus Californien und Cr. quadridentatus von
Sitkha.
Jterntestini, Eine neue Gattung Telopes wurde von Red-
tenbacher (Russegg. Reis. I. S, 984) durch kurze Körperform,
durch die Gestalt der Maxillen und undeutliche Paraglossen von
Attagenus unterschieden. Die (neue) Art dieser Gatt. T. dispar
aus Syrien, gehört zu einer Reihe der dem Att. obtusus Dej. ver-
276 Erirlison: Uericht über die wissensch. Leistungen in der
wandten Arten, wcirhe durch ihren gedrungenen Bau, ihre gewim-
l)orten Körperränder, ihre stark bedornten Schienen, kurzen Fiisse
als eine eigenthümliche Form dem ersten Blick erscheinen, eine ge-
nauere Vergleichung mit verschiedenen eigentl. Attagenen zeigt aber,
dass zu dieser Form ein allmählicher Uebergang stattfindet, wie auch
in den Mundtheilen, in der Länge der Taster und der Maxillarladen
bei den verschiedenen Arten nicht unbedeutende Verschiedenheiten
vorkommen. Indess sind alle diese Verschiedenheiten nur relativ.
Freie Nebenzungen finden sich auch bei anderen Attagenus nicht.
Daher bin ich der Ansicht, dass die Gatt. Telopes mit Attagenus
vereinigt werden müsse.
Neue, von Mannerheim (Bull. Mose. p. 257) aufgeführte Arten
sind Dermestes lupinus und talpintis Esch., und Anlhrenus
apicalis M. von Californien. Der zweite, den Dejean als Abänd.
von D. catta Panz. aufführt, ist eine eigene Art, dagegen halte ich den
ersten für nicht verschieden von dem Dermestes, welcher über die
ganze Erde durch den Handel verbreitet wird, und dieser, nicht aber
der bei uns einheimische, ist der wahre D. vulpinus F.
Reiche (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. L p. xxvin) hat den
Versuch gemacht, die etwas verwickelte Synonymie der europäischen
Anthrenus - kxiew zu ordnen, doch finde ich mit wenig Glück. Ich
werde in Kurzem in der deutschen Fauna versuchen, dieselbe zu be-
richtigen, indess kann ich mein Befremden darüber nicht zurückhal-
ten, dass der Verf. beim A. glabratus bemerkt „an scrophulariae
var.?", da diese Art nicht einmal in die Gatt. Anthrenus passt, son-
dern eine eigene bildet, welche ich mit der Benennung Orphilus
aufstellen werde.
JlEacrodactyli. Guerin (Rev. Zool. p. 18) bereicherte Po-
tatnophilus mit zwei von Goudot in Neugranada entdeckten Arten:
P. Goudot ii und Cordillerae. Sie fanden sich zusammen auf
Steinen mitten im Chipalo -Flusse, dicht über dem Wasserrande, so
dass sie beständig von den kleinen Stromwellen benetzt wurden.
Monographie du genre Georyssns Latr. par Vict. Motschoulski
(Bull. Mose. p. 644). Es sind 11 Arten im Ganzen aufgeführt, von
denen G. maior am Ufer des Kur, G. integrostriatus trifos-
snlatus, an den Ufern des Alasan in Georgion, G. tejiuepvncta-
tiis im Caucasus, G. spinicollis in der Caucasischen Steppe, G.
mntilatus am Irtysch, G. bisulcatus in Lievland Entdeckungen
des Verf sind.
MydrophiUaae. Ref. (dies Arch. L S. 229) stellte eine
neue Gatt. Amphiops auf, welche dadurch ausgezeichnet ist, dass
sie wie Gyrinus zwei Augen oben, zwei unten hat: dahin Hydroph.
gibbiis JH., und A. globns und lucidus des Ref. von Angola. Neue
Arten ebendaher (ebcndas.) sind Uydropliilus angoletisis, IJy-
drobiux di In t tt s, Ber osus cuspidatus, Globaria suhaenea.
Naturgeschichte der Insfcten wahrend des Jahres 1843. 277
Hope (Ann. nat. hist. XI. p. 36i) führte Hydrous ruf o - fe-
in ora tu s und distinctus als neue Arten aus Guinea auf,
Sturm (Catal. S. 330. T. 1. F. 7) bildete einen bei Cassel von
Herrn Riehl aufgefundenen Hydrophilus als eine neue Art, H. sub-
striatas ab; allem Anschein nach ist es indess nur eine Missbil-
dung des H. caraboides.
Mannerheim (Bull. Mose. p. 260) stellte zwei neue Arten von
Cercyon auf, C. limbatum und C. adutnbratum , beide von
Sitkha.
JLatnellicornia» Coprophagi Ateuchns prodigiosus,
Gy?nHOpleurus virens und sericatus des Ref. (a. a. O ) sind
neue Arten von Angola.
Drei Mexicanische Vhanueus wurden von Sturm (Catal.) abge-
bildet, Vh. Pegasus (T. 1. F. 8. 9) P h. palliatiis (T. 2. F. 1. 2)
und Ph. laevipennis (T. 2. F. 3, 4). Nach (Chevrolat Rev. Zool.
1844. p. 198) der erste einerlei mit Pli. Dämon, der zweite als Ab-
änd. [?] mit Ph. Neptunus, der dritte mit Ph. Evippus des Dejean-
schen Catalogs, die letzte auch unter dem Namen Ph. custos Kl. ver-
breitet, welcher in der hiesigen Sammlung zurückgezogen ist, nach-
dem Say diese Art im Bost. Journ. 1835 als Copris quadridens be-
schrieben hat.
Oiithophagus vermehrte Red tenba eher (Russegger Reis. I.
S. 985) mit zwei syrischen Arten, O. centrotnaculatus und
aleppensis, von denen der letztere indess Sc. Nemaeus. Ol. ist. —
Ref. (a. a. O.) beschrieb aus Angola: O. prasinus, plancvs,
venustulus, stellio, vinctus: der dritte auch in Aegypten und
am Senegal einheimisch, der letzte inzwischen auch von der Weih-
nachtsbai eingesendet.
Neue Arten von Aphodius sind A. paraUelns Mulsant (Ann.
d. 1. Soc. roy. d'agric. etc. de Lyon ^ I. p. 277) , in Frankreich bei
Nismes entdeckt, dem A. plagiatus ähnlich, aber kleiner, ganz schwarz,
durch eine äusserst feine, zusanimenfliessende, nur bei stärkerer Ver-
grösserung sichtbare Punktirung von allen anderen Arten verschie-
den. — Aph. sutnralis Redtenbacher Russegg. (Reis. I. S. 986)
aus Syrien, — Aph. flagraus, tiirbidus, des Ref. (a. a. O. )
aus Angola, — Oxy omus cadaverinus Esch. iNlannerheim
(Bull. Mose. p. 261) aus Californien.
Geotrupides. Ueber die Gatt. Athyreus und Bolboceras las
Klug in der Acad. der Wissensch. zu Berlin (Bericht über die Ver-
handl. S. 228). Beide Gatt., welche sich hauptsächlich durch die
Einlenkung der Mittelbeine von einander unterscheiden, kommen
darin überein, dass die innere Maxillarlade zwei Zähne hat, von
denen der obere gespalten, der untere einfach ist. Unter der Be-
nennung Odoniaeus M'erden O. mobilicornis F. und O. fiUcornis Say
(beide mit beweglichem Kopfhorn) von Bolboceras entfernt, indem
bei ihnen der obere Zahn der Maxillarlade einfach ist. Dagegen ist
278 Erichs Oll: Boricht über die wissensch. Leistungen in der
Efephastof/iiis, wie Ref. es vorgeschlagen hatte, mit Bolboceras ver-
einigt.
Mulsant (Ann. d. I. Soc. roy. d'agricult. de Lyon XV. p. 280)
beschreibt aus dieser Gruppe zwei Arten, von Algerien, Bolboceras
fiss icornis, und Geotrnpes dentifroiis, beide sind indess
nicht mehr neu, der erstere ist B. Bocchus des Ref., der zweite G.
Siculus Dahl, G. Douei Gory. Auf einem Versehen beruht es auch,
wenn der Verf. beim letzteren einen der seitlichen Fortsätze der
Mandibeln des Männchens der Lefze zuschreibt.
Westwood (Proceed. Ent. Soc. p. 68) vermehrte seine Gatt.
Sil/ihodes (s. Jahresber. f. 1841. S. 226) mit drei neuen Arten S. /«-
dica ans 0%\mA'i^n, Ma da gase firieiLsis von Madagascar, dubia,
unbekannten Vaterlandes.
Trogides. Zwei neue Arten von Angola sind Trox varico-
sus und radula des Ref. (a. a. O.).
Dynastidae. Einige mexicanische Dynastiden wurden von
Chevrolat (Guer. Mag. d. Zool.) erläutert. Sc. (Megusoma) Ele-
phas F. (pl. 109. 110) ist in Mexico aufgefunden und hiermit Mittel-
amerika als seine Heimath nachgewiesen. Nach des Verf. Angaben
wurde er am Seeufer im Mangrovegehölz gefunden. Die preuss.
Reisenden in Guatemala, Reg. Rath Felle ebner und Dr. Müller
erhielten ihn aber nach mündlicher Mittheilung nur von Mahagoni-
bäumen, — Dynastes Hyllus Chev. (pl. 111. 112) ist schon von
Panzer als Sc. Iphiclus gut abgebildet, — Enema Lupercus
Chev. und E. Endymion Chev. sind nur beschrieben, der erstere
ist nur eine Abänderung von E. Fan ohne Zahn am Hörn, wie sie
sich gleichfalls in Brasilien , so wie die Stammart in Mexico findet.
Unter der Benennung Scarabaeus Peliveri Er. lieferte Sturm
(Catal. T. 2. F. 5) eine herrliche Abbildung des Golofa Portori Hope.
Ich muss hierbei bemerken, dass, als ich im Bericht f. 1837 darauf
aufmerksam machte, dass der alte Petiver diesen Käfer schon abge-
bildet habe, und vorschlug ihn Petiveri zu nennen, ich ihn vom Geotr.
Aegeon F. verschieden glaubte; jetzt bin ich der Ansicht, dass die
Art, welche gegenwärtig für Aegeon gilt, es nicht ist — es ist dabei
zu beherzigen, dass er bei Lima einheimisch ist, einer Gegend, wo-
her Drury und Fabririiis Nichts kannton — sondern dass Aegeon F.
Dr. auf ein kleines Männchen des G. Porteri Hope, mit schwach ent-
wickelten Hörnern bezogen werden müsse. Fabricius' Beschreibung
ist ganz gut, Drury's Abbildung aber sehr ungenügend, um so mehr
als sie den Käfer mit Hirschkäferbeinen darstellt.
Rutelid ae. Eine Anzahl mexicanischer, zur Gattung Chrysina
Kirby gehörender Arten wurde von Sturm (Catal. T. 3) abgebildet
unter den Namen: Velidnota aerw^inosa anioenu, modesta,
latipeiniis, laiu' 7'Cii Iris , psittncinu, or?/ atissi?na. Die
beiden ersten, sowie die 4te und 5te sind indess als 9 U"fl cT z" ^^i'-
einigcn; die vorletzte ist als Chr. auripes von Gray in Ann. Kingd.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 279
abgebildet, und die letzte von Ilope als Pal. Adclaida, wenn auch
nur dürftig bezeichnet worden.
IVlel olonthid ae. Monosraphie du genre Ela/ihoccra. Par P.
Rambur (Ann. d. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. 1. ]). ■'}2y). Diese auf den
drei Halbinseln von Südeuropa und den davon abhängigen Inseln so
in Nordafiika heimische Gatt., zahlt hier 16 Arten. A. Kopfschild
schwach oder gar nicht ausgerandet: 1. E. ßcdeaui Ya-. häufig an
der Bai von Cadix in den Dünen, im Februar; wie bei Cebrio findet
die Begattung nur während eines Kegengusses statt, ausserdem halten
.sich die Käfer im Sande versteckt; 2. E. Maiiri tunica K. von
Algier, 3. E. Mulaceensis von Malaga, 4. E. Numidica von .Al-
gier, 5. E. longitumis JH. Er., G. E. Iit'etiiulis Er., 7. E. obscura
Gene, Er., 8. E. dilatata Er. — B. Kopfschild vorn mehr oder we-
niger tief ausgerandet: 9. E.. graiutteusis aus Granada, 10. E. bar-
bura von Algier, 11. E. sardoa von Sardinien, 12. E. hispalen-
sis von Sevilla, 13. E, by%n.nt ina aus der euroj). Türkei, 14. E.
chvrianeiisis von Malaga, 15. E. curteiensis an der Gibraltar
gegenüberliegenden spanischen Küste (Sararoque), 16. E. ^racilis
Wahl. Er. — Mit der letzten fällt die K. byzantina des Verf. zusam-
men. — Ilinsichts der Stellung von Elaphoccra meint der Verf., dass
die von mir in den Entomogr. aufgestellte Gru])pe der Pachypoden
nicht naturgemäss sei, und er betrachte die geringere Ausbildung des
Mundes nur als secundären Charakter; „man müsste Scsia apiformis
dann ja auch von Sesia trennen und eine eigene Gattung daraus
machen", sagt er. Das ist ja längst geschehen! Und wenn der Verf.
aufstellt, dass Elaphoccra mit Leocaeta, Lagosterna, Dasysterna
u. s. w. eine natürliche Gruppe bilde, so geschieht dies ganz ins
Gelag hinein, denn er giebt nicht im Geringsten die Kennzeichen die-
ser Gruj)pe an, nicht einmal ihre .Xbgränzung.
In einer Anmerkung beschreibt Rambur (a. a. O.) zwei vermeint-
lich neue Gattungen, welche nach seiner Meinung sich an Elaphoccra
anschliessen. Die eine, Dasysterna Dej. ist indess von mir, in
Mor. Wagner's Reisen in Algier, bereits alsPhlexis aufgestellt, und
vermuthlich fällt auch Tanyproctus Fald. hiermit zusammen, we-
nigstens, wenn auch Faldermann's Beschreibung dadurch ganz un-
brauchbar ist, dass die wesentlichsten Punkte: Zahl der Fühlerblät-
ter u. s. M., nicht berührt sind, ist uns die von mir a. a. O. als Phl.
Eversmanni bezeichnete Art aus Petersburg als T. scarabaeoides
Fald. mitgetheilt worden. Von den 3 aufgestellten Arten, halte ich
1. ü. bar bar a Dej. aus der Berberei für Melol. hirticollis Fab.;
2. D. canariensis Ramb. ist vermuthlich eine der drei von Brülle
in den Isl. Canar. beschriebenen Arten, welche ich im Jahresber. f.
1840 S. 174 als Phlexis- Arten bezeichnet habe, 3. D. Reichii, von
Athen ist noch neu. — Die zweite Gatt. Artia ist \on der vor. nur
dadurch unterschieden, dass beim Weibchen alle Füsse einfach sind.
280 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
während sie in jener die Vorderfiisse erweitert haben. Dahin eine
neue Art, J. car t hagineiisis , von Tunis.
Eine neue, mit Pachypus verwandte Gatt. Met ascelis wurde
von West wo od (Proceed. Ent. Soc. p. 68) aufgestellt: ungeflügelt,
Flügeldecken an der Spitze klaffend, Kopfschild den Mund ganz be-
deckend, Fühler kurz, 9 gl., das 4te Glied kurz, nach innen erweitert,
das 5te und 6te Glied mit kürzeren, das 7 — 9te mit längeren Blät-
tern; Maxillarladen verkümmert-, Halsschildseiten gerundet, Hinter-
beine ziemlich kurz und sehr dick. M. _flexilis, unbekannten Va-
terlandes.
Miiiiela Pas serinii Hojie (Transact. Lin-Soc. XIX. p. 108)
ist eine neue Art aus Sylhet.
Ancistrosoma riißpes {Melol. ruf. Latr.) von Goudot am obern
Theil des Magdaleneiiflusses wieder aufgefunden, und zwei neue Ar-
ten, Macr 0 dactylus tenuilineatus \xwA flav olineatus yow
den Cordilleren Neugranada's sind von Guerin (Kev. Zool. p. 19)
beschrieben.
Eine Abbildung von Pachytriclüa castanea Hope (V. Jahresber.
f. 1841. S. 230) ist in den Transact. Ent. Soc. Lond. 111. pl. 13. F. 4
geliefert worden. West wo od spricht sich dabei in einer Note
(p. 283) für die Stellung der Gattung zu den Glaphyriden aus, und
meint, dass sie von Euchtirus die gestreckte zweitheilige Lefze und
die zahnlosen Maxillen und die Gestalt des Kinns entfernen. Ich
bin indess noch immer der Meinung, dass die Gattung zu Eucheirus
die meiste Verwandtschaft hat, von den Glaphyriden entfernt sie der
kräftige Körperbau, die kräftigen Füsse mit gezähnten Krallen und
der Mangel häutiger Nebenzungen.
Glaphyridae. Zwei neue syrische Arten von Amphicomu
sind A. syriaca und cii pri peniiis Redtmbacher (Russegger
Keis. 1. S. 19). Die letzte fällt mit der gleichzeitig aufgestellten A.
papaveris Sturm (Catal. S. 342. T. 2. F. 8) zusammen.
Cetoniidae. Zwei neue Goliath -Formen wurden von West-
w«(id (Are. Ent. p. 71. pl. 47) erläutert. 1. Amaurodes, eine Un-
tergatt, von Ccratorhina: </, Vorderschienen innen gezähnelt, aussen
wie die vier hinteren Schienen glattrandig. Kopfhorn gespalten.
Farbe matt. A. Passer in ii, von Mosambik, nach einer Zeichnung des
Herrn Passcrini. Vermittelt offenbar den Uebergang zu Mecynorhina,
so dass das Künstliche der gegenwärtigen Unterscheidungen recht
augenfällig ist. — 2. Ast henorhina, von Heterorhina hauptsäch-
lich durch die verdickten, unten zweizähnigen Vorderschenkel unter-
schiedoi); Vorderschienen mit einem schwachen Zahn: A. T urner i
aus dem tropischen Afrika.
Hope (Linn. Transact. XIX. p. 107. T. 10. F. 1) stellt eine neue
Gatt. Diplnjllocera auf, welche unter dem Namen Anomalocera
bereits in vor. Jahresber. S. 197 erwähnt ist.
In den Transact. Ent. Soc. Lond. III. ist eine Anzahl Cetonien
Naturgeschichte der Insecteii während des Jahres 1843. 281
von Bainbridge (p. 214), Saunders (p. 234) und Hope (p. 280)
beschrieben, welche indess alle aus den Proceed. Ent. Soc. (Ann.
iiat. bist.) schon in früheren Berichten aufgeführt sind.
Lucanidae. Einige ausgezeichnete Arten dieser Gruppe wur-
den von Sturm (Catal. ) meisterhaft abgebildet: Ri/ssoiiotus nebulo-
sus, Chiasognathus Grantii, Coryptius capetisis Dej. {Xiphodoyitns
Antilope Westw.) und Lucanus turcicus St., neue Art von Kon-
stantinopel, vom L. cervus durch 6 Fühlerblätter unterschieden: ich
vermuthe jedoch, dass sie nur auf besonders grossen und ausgebil-
deten Ind. von L. tetraodon Thunb. beruhe.
Mehrere Lucanen von Sylhet sind von Hope (Transact. Lin.
Soc. XIX. p. 104) beschrieben, Hexaphyllus Parryi und Odou-
tolahis Cuvera durch Abbildung kenntlich gemacht, die übrigen:
Od. Baladeva, Dorcus Westermanni, Dehaanii, Lucanus
Br ahminus, Buddha nur dürftig bezeichnet. Worauf die beiden
hier zuerst namhaft gemachten Gattungen, Hexaphyllus und
Odontolabis sich gründen, ist nicht angegeben: die erste hat nach
der Abbildung 6, die zweite 3 Fühlerblätter. — Ders. gab in den
Transact. Ent. Soc. 111. pl. 13. F. 3 eine Abbildung von seinem Lu-
canus Burnieisteri von Mysore.
Tenehriones» Erodites. Eine neue Art von Zophosis aus
Angola wurde von Ref. (a. a. O.) beschrieben.
Tentyrites: Eine neue Gatt. Gnophota mit 3 Arten, ferner
1 neue Art von Mcsostena und 2 Arten von Oxycara von Angola
(die letzten indess ve^rmuthlich von den Inseln des grünen Vorgebires),
wurden von Ref. (ebendas.) bekannt gemacht.
Macr op odites: Gu erin (Rev. Zool. S. 261) ?>i&\\iQ Ädesmia
Langii, Ref. (a. a. O.) 1 Stenocara und 2 Metriopus von Angola
als neue Arten auf.
Eurychorites: Ebendaher sind je 1 neue Art von Etirychora,
Pogonobasis, Psai-yphis ; die letzte Gatt, ist neu, und enthält noch
eine zv\'eite noch unbeschriebene Art vom Cap.
Praocites. Ebenfalls von Angola eine neue, auffallend grosse
Art von Cryptochile.
Molurites ebendaher 1 neue Art von Molaris.
Blapidae. Mannerheim (Bull. Mose, p.266) führte 17 Arten
von Eleodes aus Californien auf, unter denen 7 neue. Von diesen
sind E. gigantea, s ulcipennis , pivieloides zugleich in Guer.
Mag. d. Zool. 1843. pl. 127—29, E. grandicollis ebendas. 1844.
pl. 130 abgebildet, E. reflexicollis, producta, int ricata vor-
läufig durch ausführliche Diagnosen erläutert.
Drei neue Arten von Gyriosomus beschrieb Waterhouse (Ann.
nat. bist. XII. p. 258), nämlich G. Bridgesii, tnartnoratus, e lon-
ga tus, alle aus der Nähe von Coquimbo.
Ref. (a. a. O.) stellte zwei neue Gatt, auf: Drosochrus mit
einer Art von Angola und 2 Arten vom Cap, und Stizopus, in
Archiv f. Nalurgesch. X. Jahrg. 2. Bd. V
282 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
naher Verwandtschaft mit Gonopus, Heteroscelis Latr. und Blenosia
Lap., mit einer neuen Art von Angola.
Opatridae. Die Fauna von Angola lieferte auch hier zwei
neue Gatt. Ammidium und Emmalus , jede mit einer neuen Art;
ferner 8 Arten von Opatrum, welche zum Theil auch in Afrika wei-
ter verbreitet sind, zum Theil aber sich später als den Ins. des Grü-
nen Vorgebirges angehörig ausgewiesen haben, wie O. melanariutn
und aeqtiale. Wahrscheinlich werden auch O. tenehricosum^ pa-
Iruele, prolixuvi, virgatum als auf der Ins. St. Vincent gesam-
melt aus der Fauna von Angola zu löschen sein.
Tenebrionidae. Ueber Westwood's Abhandlung: Descrip-
tions of some Coleopterous Insects from Tropical Africa, belonging
to the section Heteromera (Transact. Zool. Soc. Hl. p. 207) ist nach
dem Auszuge in den Proceed. Z. S. bereits in vor. J. das Wesent-
lichste berichtet worden. Daher nur noch einige Bemerkungen. Die
von Klug abgebildete Chii-oscelis digitata kommt mit Ch. bife-
nestrella des Verf. überein. — Nyctobates conjusus ist, wie der Verf.
p. 221 mit Recht vermuthet, Helops s'muatus F. Die Gatt. Ogcoo-
soma ist mit Amatodes Dej. einerlei, und 0. g?'a?iularis Westw. ist
eine der Pim. gemmata F. nahe verwandte Art.
Drei neue Gattungen dieser Gruppe aus Californien hat Man-
nerheim (Bull. Mose. p. 279) aufgestellt. Alle drei sind mit üpis
nahe verwandt, aber ungeflügelt. 1. Cent rz'optera, (auch in Guer.
Mag. d. Zool. 1843. Ins. pl. 126 abgebildet) hat das Kopfschild vorn
gerundet, die Schenkel unten tief ausgehöhlt, die Flügeldecken an
den Seiten hinten mit drei Reihen von DÖrnchen. Eine neue Art:
C. caraboides. — 2. Coelocn em is (auch in Guer. Mag. d. Zool.
1844. Ins. pl. 133 abgebildet) hat das Kopfschild vorn gerade abge-
schnitten, die Schenkel unten tief ausgehöiilt, alle Schienen an der
Innenseite mit einer tiefen Längsrinne; zwei neue Arten, C. call-
fornica und C. dilat icollis, — 3. Cibdelis. Kopfschild vorn
leicht gerundet. Beine ohne Auszeichnung; eine neue Art: C.
Blaschkti. Neue Arten ebendaher sind ISyctobates serrata
und inermis Esch. (ebendas. p. 284).
Tenebrio stibrugosus Dej. vom Senegal, Guinea und Angola
wurde von Ref. (a. a. O.) beschrieben.
Diaperiales. Die Verwandlungsgeschichtc von Boletophagus
{Eledona) agaricola und von Diaperis Boleti ist von Leon Dufour
(Ann. d. scienc. nat. X. p. 284. 290. T. 12) beschrieben worden. Die
Larven haben eine wesentliche Uebereinstimniung von Tenebrio (mit
welchen ich im 8ten Jahrg. dieses Archivs I. S. 366 bereits beide
verglichen habe), in ihrer Lebensweise zeigen beide die Eigenthüm-
lichkeit, dass sie in dem Schwamm, den sie bewohnen, ein rundliches
Stück ausbeissen, dasselbe aushöhlen, und sich darin verwandeln,
nachdem sie die Oeffnung mit Spänen geschlossen haben.
Neue Arten sind llloma pulla des Ref. (a. a. O.) von Angola
Naturgosrhic/ito clor Insorten walirend des Jahres 1843. 283
und Phaleria picta Esch. Mann er heim (Bull. Mose. p. 277)
von Sitkha.
Helopii. Neben einer neuen Art, Helops californicus
Esch. stellte Mann er he im (Bull. Mose. p. 286) eine neue Gattung
Eucyphus auf, mit unter das Halsschild gezogenem Kopfe, stark
gewölbten Flügeldecken , und einem Hautläppchen unter dem dritt-
letzten Fussgliede; die Art, Eucyphus hybosoroides ist ebenfalls
aus Californien.
Ref. (a. a. O.) beschrieb die Gatt. Himatismus (Imatt'smus
Dej.) und zeigte, dass sie auf der einen Seite mit Epitragus, auf
der andern mit Trictenotoma in der nächsten Verwandtschaft steht.
Eine neue Art, H. mandibularis von Angola, erinnert schon
durch die weit vortretenden Mandibeln an Trictenotoma.
Helops tomentosus Mannerh. Gebier (Bull. Acad. Peterb.
I. p. 38) von den sandigen Ufern des Balchaseh -See scheint eine
eigene Gatt, bilden zu müssen , wenigstens weicht er durch Körper-
form u. s. w. auffallend von Helops ab.
Jttordellones. Neue Arten sind Anaspis sericea M. und
pallescens Esch. Mannerheim (Bull. Mose. p. 288) von Sitkha.
Pyrochroides* Ebendaher ist Pyt ho Sahlbergii Mnr\-
nerheira (Bull. Mose. p. 285).
Anthicitles» Neue Arten aus der französischen Berberei,
deren Selbstständigkeit indess noch zu prüfen ist, indem sie leicht
mit solchen aus Südeuropa übereinstimmen möchten, sind von Lu-
cas (Rev. Zool. p. 145) aufgestellt: Moiiocerus numidicus. An-
thictis vittatus , insignis, bicolor, fumosus ^ matiritani-
cus , imaculatus. Der Verf. rechnet auch Psmntnoecus hierher,
und beschreibt als neue Art Ps. Boudieri; dieser Käfer kommt
auch auf Sicilien vor, und scheint nur eine südliche Abänderung des
Ps. bipunctatus zu sein, von welchem er im Wesentlichen nur durch
lichtere Färbung unterschieden ist.
Mannerheim (Bull. Mose. p. 97) entdeckte in Finnland Ah-
thicus nigriceps , dem A. rufipes ähnlich, aber kleiner, das Hals-
schild hinten mehr verengt, die Flügeldecken stärker punktirt, runz-
lig, die Behaarung länger, rostgelb, Kopf, Brust und Hinterleib
schwarz, und Euglenes feii7iicus, dem E. oculatus nahe verwandt,
aber grösser, stärker punktirt, und durch die Verhältnisse der Füh-
lerglieder verschieden.
Vesicantia. Neue Arten sind: Mylabris coeruleo-ma-
culata und 6 //o/a/« Redtenbacher (Russegg. Reis. I. S. 987)
aus Syrien, M. liquida, tincta, phalerat a, tortuosa, Vlgut-
tata, decor ata, iucunda, chi'y somelina, Lytta c haly bea,
vellicata, thoracica, Oenas melafitwa des Ref. (a. a. O.)
von Angola, Epicauta pnnct icollis Mannerheim (Bull. Mose.
284 Eriohson: Bericht über die wissonsrh. Leistungen in der
p. 288) aus Californien, Tetr aonrjx ff avipe7inis Guerin (Kev.
Zool. p. 22) aus Neu-Granada.
OetlemerUles, Guerin (ebendas. p. 21) beschrieb eine
neue Art, Oed. {Nacerdes) viarginata aus Neu-Granada.
Ctirculiones. Von Schönherr's grossem Werke „Genera
et species Curculionidum" liegt der 7te (3te Supplement) Band zum
Berichte vor, die Kurzrüssler mit graden Fühlerrinnen {Phyllohides,
Cyclomides, Oliorhyiichides) , und die erste grosse Abtheilung der
Langrüssler (Erir/utiides) umfassend. Die Zahl der Gattungen ist
vorzüglich durch neue Entdeckungen beträchtlich erweitert. Hinzu-
gekommen sind zur Gruppe Phyllobides: Aptolemus mit 1
neuen Art aus Brasilien; Aphrastus, aus dem Fhyllob. taeniutus
Say gebildet; Eustyltts 2 columbische Arten, Hormotrophus 1
neue Art von St. Domingo, Styliscus den Cure, armatiis Thunb.
vom Cap, Vlatytrachelus 1 neue Art aus Slam enthaltend; auch
ist Macrops Kirby Faun. Bor. Am. hier eingereiht. — Die Cyclo-
mides gehören recht eigentlich in Südafrika zu Hause, daher auch
von dort die grösste Zahl (11) der neuen Gattungen; Occylotra-
chelus, Bust omus , Porpacus, Lalagetes, Lobet orus ,
Cladeuterus, Pie%oderus , Symp iezorhyyichus , Ellime-
iiistes^ Cy cliscus , Fhaulomer int hns, — ausserdem 1 Ca-
talalus aus Madagascar, — 2 aus Europa: Cat hormioccrtis
(Spanien, England), Chiloneus (Sicilien); — 1 aus Sibirien: My-
lacus; — 1 aus Kleinasien: Ep iphaneus; — 3 aus Ostindien:
Aca7it ho trache lus , Pyi-gops, Isovierinthus; — 3 aus Neu-
holland: Bot Jiynorhynchus , Pcmtopoeus, Merimnet es; —
2 aus Nordamerika: P/iy;re/«.y, Cercopeus; — 1 aus Südamerika:
Scotoeborus. — Die Otiorhynchides sind mit den Gattungen
Ernbrit es aus Südafrika, Siteutes (O. vndticai'inatus und cirri-
collis Seh. IL), Catergus vom Cap, Caterectus ebendaher und
von Ostindien, Nastus {Otiorh. humatiis Germ.) vermehrt worden.
— Die Erirhinides haben einen Zuwachs erhalten durch Cera-
topus aus Mexiko, Pter oporus und Tranes aus Neuholland,
Colabus vom Cap, Vileophorus aus Brasilien, Laccoproctus
aus Mexiko, Pteracant hus (S/nidtii F. aus Südamerika), Hypse-
lus aus Buenos-Ayres, Eutechens von Madagascar, P liyt otribus
von Cayenne, Phyllotr o x aus Südamerika, Peribleptus vom Hi-
nialajah , Acanthovierus vom Cap, Ctenomerus ebendaher,
Frist imerus aus Brasilien, Iloplit opnles vom Cap, Mene-
machus ebendaher, Odontomaches desgl., Storeus aus Neuhol-
land, Cnemopachus aus Madagascar, Echinocnemiis (Erirh.
squameus Seh. IIL von Canton), Cen temer us von Cayenne, Ephi-
mervs von Jamaica, Spermologus aus Brasilischen Samen, Ba-
lanephagus ebenfalls aus Brasilien, Technites aus Südafrika,
Cycloteres aus Madagascar, Elassonyx aus Südafrika, Orimus
Naturgeschichte der Insocten während des Jahres 1843. 285
ebendaher. Auch ist Petulochilus Seh. 111. dieser Gruppe zugewiesen
worden. Eingegangen sind dagegen Hoploparochus und Pelororhinus,
erstercr mit Acallopistes, letzterer mit Rhinaria verbunden.
Von Labram und Im ho ff „die Gattungen der Rüsselkäfer" ist
ein Utes Heft erschienen, welches die Gattungen Tanaos (sa/igut-
neus), Eiigtiamptus {collaris) , RliinojJiacer {attelaboides) , Diody-
rlujnchns {austri'acus), Beins {sntnralis , T/iehinocephahi.s) , lloinalo-
rerus {Ii/ciformis), Ithycenis {citrculioiioides), Etiihynchus {scabrioi)
darstellt. Hinsichts des Rhinomacer ntfelaboides habe ich schon im
Jahresber. v. 1839. S. 255 darauf aufmerksam gemacht, dass nach
den von Schönherr aufgestellten Kennzeichen Rh. lepturoides allein
ein Rhinomacer, Rh. attelaboides aber ein Diodyrhynchus ist, und
zwar Männchen zu ü. austriacus.
White (Dieffenb. Trav. 11. p. 275) stellte eine neue Gatt. Pse-
f ho lux auf: sie ist mit Gronops und Aterpus verwandt; der Rüssel
kurz, senkrecht abwärts gerichtet, an der Spitze etwas erweitert;
die Fühler an der Rüsselspitze am Ende einer tiefen Rinne, 12glie-
drig, das Iste Glied so lang als die folgenden 7 zusammen, mit der
Spitze beinahe, jedoch nicht ganz bis zum Auge reichend, allmählich
dicker werdend, das 2te Glied klein, die 5 der Keule vorhergehenden
etwas schnurfÖrmig, die Keule gross, eiförmig zugespitzt, fein behaart.
Die Augen rundlich. Halsschild hinten so breit als die Flügeldecken-
wurzel. Flügeldecken hinter der Wurzel am breitesten, gerippt.
Die Beine etwas kurz, die Schenkel verdickt, die des ersten Paars
buchtig, und mit breitem stumpfen Zahn; Mittelschienen mit einem
starken Zahn nahe der Spitze. Eine neue Art, Ps. sulcatus über
4'" lang, von Neuseeland.
Waterhouse's Monographie der Philippinischen Arten von
Pachyrhynchus ist in den Transact. Ent. Soc. of Lond. 111. p. 310
erschienen. Die zum Theil schon früher durch Diagnosen bekannt
gemachten Arten belaufen sich auf 23. Die von Chevrolat beschrie-
benen Arten (s. Ber f. 1841. S. 242) hat der Verf. nicht erwähnt,
ausser den a. a. O. angezeigten fallen nur noch orbifer Wat. und
ßmbriatus Chev. zusammen. Die Mehrzahl der Chevrolatschen Ar-
ten verbindet der Verf. aber als Abänderungen mit seinem P. orbi-
fer, wenn ich auch nicht zweifle, dass dies mit P. circnliferus und
albnguttatus Ch, der Fall ist, und auch wenig Bedenken trage, P.
geuirnans , pretiosus , scintillans , ardens und globulipennis Ch. zu einer
Art zu vereinigen, kann ich mich doch nicht überzeugen, dass bei
der verschiedenen Lagerung der Schüppchen dieselbe auch mit P.
orbifer vereinigt werden könne. Der Verf, geht aber noch weiter,
indem er schliesslich die Ansicht äussert, dass auch noch P. monili-
feriis und chlor olineatus in den Kreis dieser Abänderungen zu ziehen
und als durch örtliche oder sonstige Einflüsse bedingte Rassenver-
schiedenheiten einer und derselben Art zu betrachten sein möchten.
•Desselben im vorigen Jahresbericht schon erwähnte Monogra-
286 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
phie von den Philippinischen Apocyrtus ist (in den Ann. nat. hist.
p. 247) beendet worden. Von den 17 früher beschriebenen Arten
werden zunächst A. metallicus und laevicollis als Abänderungen zu-
sammengezogen, ebenso werden A. gibbirostris und subfasciatus un-
ter A. Erichsonü Chevr. vereinigt, und dann, ausser den drei von
mir in Meyens Reise aufgeführten Arten, noch 8 neue hinzugefügt,
so dass im Ganzen 26 Arten von den Philipp. Inseln bekannt sind.
Piaromias Seh. vermehrte Gebier (Bull. Acad. Petersb. 1. p. 39)
mit zwei neuen Arten, P. Karelinii und inauratus ^ beide aus
den Steppen der Songarei.
Als neue Rüssellcäfer beschrieb Redtenbacher (Russegg. Reis.
I. S. 988): Bruchus signatus , P hytonomus picttis von Cy-
pern, Tychius alb oguttatiis und Monony chus syriacus aus
Syrien. — Der erste ist Bruchus öguttatus Ol.
Neue Arten von Angola sind Dereodus acuminatus, Tany-
Tuecns hnmilis, Siderodactylus cuspidatus, Aleides leu-
cogrammus , B aridius alcyoneus des Ref. (a. a. O.)
Mannerheim (Bull. Mose. p. 289 — 298) führte an Rüssel- und
Borkenkäfern folgende neue Arten auf 1. aus Californien: Apion
troglodytesüch., Stto?ies seniculus , Lixns poricollis^mo-
desttis, Heilipus scrobiculatus, Anthonomus brunnipen-
nis, Sphe nophorus discolor, subc arinal us , Bostrichus
terminalis\ 2. von Sitkha: Apion cuprescens, Rhyncolus
brunneus Esch., Hylurgus sericeiis, ohesiis Esch., rugipen-
tiis, pu7nilus, Bostrichus cainfrons, septentrioiiis , niti-
dulus.
Die Verwandlungsgeschichte ist von mehreren Rüsselkäfern beob-
achtet wordin. — 1. Von Choragus Sheppardi durch Leon Dufour
(Ann, d. 1. Soc. Ent. d. Fr. L p. 313); lebt in dürren Zweigen des
Weissdorn (Crataegus oxyacantha). — 2. Apion apricans Hbt., durch
Guerin (ebendas. p. 65); lebt in dem Samen des Klee (Trifol. pra-
tense). Als Parasiten sind der Braconid Calyptus macrocephalus
(Eubaz. raacr. Nees) und der Pteromaline, Pteromalus pionc Walk,
beobachtet. — 3. Lixus titrbatus Gyll. durch Eversmann (Bull.
Mose. p. 530), lebt im südl. Ural, in Angelica archangelica. — 4.
Ceutorhyncfms macula alba, durch Klingelhöfer (Ent. Zeit. S. 88);
lebt in den Köpfen aller Mohnarten. — 5. Cio7ins Scropkulariae
durch Hub er (Mem. d. 1, Soc. d. Phys. et d'hist. nat. d. Gencve X.
I. p. 15). _ 6. Hylesinus Hederae Schmitt (Ent. Zeit. S. 108),
eine neue, dem H. rhododactylus vorwandte Art, aus trocknen
Epheuzweigen erzogen.
Robert (Ann. d. sc. nat. XIX. p. 12) hat über den Schaden ge-
schrieben , welcher vorzugsweise vom Scolytus pygmaeus an Ulmen
und Eichen angerichtet wird. Die Ulmen-Alleen an den Kunststras-
sen in der Nähe von Paris sind namentlich den Angriffen dieses Kä-
fers sehr preisgegeben. Der Verf. schlägt zu ihrer Erhaltung zweier-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1&43. 287
lei Mittel vor, -welche beide etwas abentheuerlich erscheinen. 1.
Den Bäumen einen luftdichten Ueberzug (z. B. von Kautschuck) zu
geben, damit die darin befindlichen Käfer nebst den Larven ersticken.
2. In die Rinde in gewissen Zwischenräumen, Längs- oder Schräg-
einschnitte zu machen und diese vernarben zu lassen, weil der Verf.
beobachtet haben will, dass der Scolytus solche Narben verschont.
ColyaU. Aube (Ann. d. 1. Soc, Ent. d. Fr. 2. ser. L p. 93. pl. 4)
stellte eine neue Gattung Philothermus auf, welche mit Cerylon
in der nächsten Verwandtschaft steht , und sich hauptsächlich durch
die deutlich llgliedr. Fühler mit 2gliedr. Knopfe unterscheidet. Auch
die Mundtheile sind sehr übereinstimmend mit denen von Cerylon,
bis auf die Zunge, welche in Konsistenz und Form abweicht. Ph-
Montandonii ist in Frankreich in Lohbeeten gefunden worden;
unsere Sammlung besitzt verschiedene amerikanische Arten.
Guerin (ebendas. p. 69. pl. 2) machte eine in Ananas-Treibhäu-
sern aufgefundene neue Art von Myrmecixenus, M. vaporariorttm
bekannt. Sie kommt auch in Deutschland vor.
Mannerheim (Bull. Mose. p. 300) gab eine kurze Beschreibung
der Rliagodera tuber culata Esch. aus Californien; die Merk-
male dieser mit Sarrotrium zunächst verwandten Gattung sind indess
noch nirgends festgestellt.
Neue Art ist ferner Cis vitulus Mannerheim (ebend. S. 299)
von Californien.
Paussili. Westwood (ArcanaEnt.pl. 49.50. 58) hat eine neue
Monographie dieser Familie angefangen, deren vorliegende Abtheilungen
die Gattung Cerapterus (mit den Untergattungen Cerapterus , Ortho-
pterus, Artliropteriis Phymatopterus, Homopterusy Pleuropterus), Ce-
ratodertis, Lebioderus , Hylotorus umfasst. Eine als neu aufgestellte
Art, Cerapt. Arthropterus Hopei von Port Philip halte ich
für nicht wesentlich von C. Mac Leayi Don. verschieden. — Schätz-
bar sind die zahlreichen Abbildungen, mit denen die verschiedenen
Arten, so wie die Kennzeichen der Gattungen und Untergattungen
erläutert sind. Vorzügliche Aufmerksamkeit hat der Verf. auf die
Mundtheile verwendet, um durch genaue Darstellung Missgriffen in
der Deutung derselben zu begegnen.
Cucuiipes» Mannerheim (Bull. Mose. p. 303) führte als
neue Arten von Sitkha auf: Cucuius puniceus Esch. und Lae-
tnophloeus longtcornts.
Tjongicornes* Eine Uebersicht der bis jetzt von Neuseeland
bekannt gewordenen Bockkäfer gab Westwood (Arcan.Ent.n.p.25).
Prion ii. Eine neue neuseeländische Gatt, ist Pr in o plus Wählte
(Dieffenb. Neuseel. IL S. 276, auch Westw. Arcana Ent. T. 56. F. i).
Die Augen oben und unten sehr genähert, die Mandibeln kurz, die
Fühler von mehr als | Körperlänge, das 3te — 8te Glied jedes mi^
288 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
einem Dorn an der Spitze. Das Halsschild mit ^Yolliger Behaarung
und einem Dorn an jeder Seite; die Schenkel mit zwei Zähnchen
an der Spitze. Eine Art Pr. reticularis Wh.
Chevrolat (Guer. Mag. d. Zool. pl. 113) erläuterte seine, in
Dejean's Catalog aufgeführte Gattung Trichoderes. Sie hat mit
Aegosoma viel Aehnlichkeit; das Halsschild mit zwei Seitendornen;
vorzüglich ausgezeichnet durch das Endglied der Maxillartaster?
welches beim Weibchen einfach, beim Männchen stark erweitert und
quergezogen ist, was aber weder in der Beschreibung bemerkt, noch
in der Abbildung richtig dargestellt ist. Tr. pt?it Ch. lebt im Hoch-
lande von Mexiko, unter Fichtenrinde. Die Larven werden von den
Eingebornen gegessen.
Die Gattung Tonieutes Reich ist mit zwei Arten vermehrt. Bu-
quet (Rev. Zool. p. 229) beschrieb neben dem Weibchen des T.
pallidipeimis Reich, eine neue Art, T. Bouchantii, vermuthlich
ebenfalls aus Buenos Ayres, und Guerin (ebendas. p. 300. 352) fügte
eine dritte, T. obscurus, aus Patagonien, hinzu, welche sich von
der ersten durch geringere Grösse und deutlich punktirte Flügel-
decken unterscheidet.
Ueber Ctenoscelis theilte Buquet (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr.
2. ser. L p. 231) eine „notice monographique" mit. Er beschreibt
4 Arten, Ct. ater {Pr. ater Ol.) aus Cayenne, Ct. Dyrrhachus
neue Art ebendaher. Ct. N ausit hous Buq. aus Bolivien und Ct.
acanthopus {Pr. acanth. Serv. ) aus Brasilien. Bei den drei ersten
Arten sind die Fühler des Männchens von der Länge des Körpers,
bei der letzten kürzer. — Den Ct. tuberciilatiis Serv. {Pr. tub. Ol.)
aus Cayenne verweiset der Verf. zu der von ihm aufgestellten Gatt.
Mecosarthron.
Eine an der arabischen Küste aufgefundene neue Art von Mallo-
don ist von Buquet (Rev. Zool. S 330) als M. Ar ab i cum nach
beiden Geschlechtern beschrieben. Mallodon Doiv7iesii \on Fer-
nando Po, so wie Acanthophorus Palinii, longipennis von
Sierra Leone sind von Hope (Ann. nat. bist. XL p. 3G6) aufgestellt.
Spoiidylis upiformis Esch. von Sitkha und Asemum
atrum Esch. aus Californien wurden von Mann er heim (Bull.
Mose. p. 304) vorläufig durch Diagnosen bekannt gemacht.
Cerambycini, EineArbeitvonHope: ObservationsonthcSteno-
choridae of New Holland, with Descriptions of New Genera and Spe-
cies of that Family", welche ihrem wesentlichen Inhalt nach aus den
Proceed. Zool. Soc. schon im Jahresb. f. 1840 S. 189 angezeigt wor-
den ist, ist jetzt in den Transact. Zool. Soc. HI. p. 187 erschienen.
Auf der ihr beigegebenen Tafel sind Piesarthrius margmellus, Stron-
gylurus scutellatus, Coptopterus cretifer, Coptoccrcus unifasciatus,
Stenochorus rubripcs Boisd., gf'gns, uniguttutus, Mttchellüy trimacu-
latits abgebildet. Einige Anzeichnungen von Mac Leay über das
Vorkommen verschiedener Arten sind in einer Anmerkung mitge-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 289
theilt: Stenochorus latus Hope findet sich im Herzen des Stammes
von Casuarinea, St. semipunctatus F. unter Eucalyptus-Rinde, Mero-
pachys Mac Leayi auf den Blüthen von Leptospermum, Uracantha
triaiigularis gemein zu Ulladolla an der Küste auf Blüthen.
Eine Abbildung der neuen Gattung Zo7ioptertis Hope ist in
den Transact. Lin. Soc. XIX. p. HO. T. 10. F. 7 erschienen. Es ist
eine Callichromen-Form, theils an Pachyteria und Niraeus, theils an
Promeces erinnernd, mit einem wie bei Callidium scheibenförmigen
Halsschilde. Z. flavit arsis H. ist von Sylhet. — Ebenda F. 6 ist
auch Purpur iceiius rubripennis Hope, ebendaher, abgebildet.
Hope (Ann. nat. bist. XI. p. 366) stellte eine neue Gatt. PhyU
lart hrhis auf, welche mit Paristemia und Amphidesmus in naher
Verwandtschaft steht, sich aber durch vom 4ten Gliede an blättrig
ästige Fühler, an den Seiten gerundetes unbedorntes Halsschild
U.S.W, auszeichnet, mit 2 neuen Arten Ph. africanus und unicolor
aus Guinea. Ebendaher sind die neuen Arten: Hamaticherus signa-
iicollis, viridipennis , pilosicollis, glabricollis, Jontho-
des amahilis , Callichr oma assimile, laetum, atripenne,
igiieicolle, Promeces carbonari'us, Euporus amalilis,
chryso collis.
Westwood (Arcana Ent pl. 64) erläuterte seine früher (s. Jah-
resber. f. 1841 S. 246) angezeigte Gattung Paristemia durch Ab-
bildung, und fügte der früheren P. platyptera, eine zweite .'^rt, PL
apicalis hinzu. Beide aus dem tropischen .\frika.
Sturm (Catalog) hat zwei neue Arten dieser Gruppe abgebildet.
Der eine, Purpuricenus dalmatinus, eine schöne, dem P. Des-
fontainii verwandte Art, dürfte wohl einen andern Namen erhalten
müssen, da der Käfer nicht in Dalmatien , sondern in Kleinasien zu
Hause ist. Der andere, Oxodes Mexicamis St. aus Mexiko, ist
nach Chevrolat (Rev. Zool. 1844. p. 199) Trichophorus argentipictus
Dej. Cat., Tr. Chevrolati Guer. Iconogr. Regn. an. text.); ob er aber
besser in der letzteren Gattung steht, will ich dahin gestellt sein
lassen.
Ref. (a. a. O.) beschritb als neue Art aus Angola Callidium
Angolense.
Mannerheim (Bull. Mose. p. 305) gab Diagnosen von Opsi-
tu US quadrilineatu s Esch. von Sitkha, ohne indess die noch un-
beschriebene Gattung näher zu bestimmen, und Clytus nautictis,
muthmasslich von Californien.
West wo od (Arcan. Ent. pl. 56) bildete zwei neue neuseeländi-
sche Arten ab: Ceramhyx strigipeniiis , allem Anschein nach
der neuholländischen Gattung Tracheloihachys Hope (Phlyctaenodes
Newm.) sich einreihend, und Obriuvi guttigerttm Westw.
Die Verwandlungsgeschichte des Callidium sanguineum wurde
von G oureau (.\nn. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. I. p. 99. pl. 4), die der
290 Erich so n: Bericht über die wisscnsch. Leistungen in der
Gracilia pygmaca und Aes Anisarthron barbipes von Schmitt (Ent.
Zeit. S. 105) beschrieben.
Lamiariae. Eine neue Gattung Eunidia wurde von Ref.
(dies Archiv 1843. 1. Bd. S. 2G1) aufgestellt. Es ist dies eine schlanke
Saperdenform, von welcher mehrere Arten in Südafrika einheimisch,
die beschriebene E. nebulosa hat Angola mit dem Kaffernlande
gemein.
Eine andere südafrikanische Saperdenform, Nemotragus Kl.,
ist von Westwood (Arcan. Ent. pl. 64. F. 4) erläutert worden, die
Abbildung ist aber durchaus verunglückt. Der Käfer Nemotragus
hetvolus Kl. zeichnet sich bei seiner langgestreckten Form, seinen
langen und feinen Fühlern, mit sehr langem, keulförmigen ersten
Gliede, durch auffallend kurze Hinterbeine und ein nach vorn all-
mählich so verengtes Halsschild aus, dass der viel breitere Kopf
diesem, ähnlich wie bei Vesperus, mit einem engen Halse eingefügt
ist; von diesen Eigenthümlichkeiten zeigt aber die Abbildung so we-
nig, dass ich, wie der Verf. als ein sicherer Zeichner bekannt ist,
nie zugeben würde, dass sie den wahren N. helv, vorstellen konnte,
wenn nicht der Verf. bemerkte, dass er den Käfer von Klug selbst
erhalten habe.
Von neuen Arten sind folgende aufzuführen: Dorcadion to-
mentosum und Saperda graeca Sturm (Catal. S. 355. T. 6.
F. S.u. 6) beide von Nauplia, merkwürdig wegen ihrer übereinstim-
menden Färbung. Chevrolat (Rev. Zool. 1844. p. 199) bemerkt, dass
das erstere nicht wohl ein Dorcadion sein könne, da es geflügelt
sei, ich kann mich indess an dem von Herrn Sturm selbst mitgethcil-
ten Exenipl. der hiesigen Sammlung nicht davon überzeugen, dass
diese Angabe Grund habe.
Stenidia Tr ober ti und Pliytoecia flavescens Mulsant
(Ann. d. 1. Soc. roy. d'agricult. etc. de Lyon VI. p. 283) die erstere
aus Algier, die letztere von Hyeres; diese letztere ist der Ph. vire-
scens zunächst verwandt, unterscheidet sich aber durch kürzeres
Halsschild, ein Paar kahle Punkte auf demselben, an der Wurzel
breitere, kürzere Flügeldecken mit mehr ins Gelbliche fallendem
Haarüberzuge.
Monohamnius sulphtirifer und Colobot hea rubricol-
lis Hope von Sylhet, in den Transact. Lin. Soc. XIX. S. 109. 111.
T. 10. F. 5 u. 8 abgebildet.
Sternodonta Valinii^ princeps und amabilis Hope
(Ann. nat. hist. XL p. 368), die erste von Sierra Leone, die anderen
beiden aus dem Lande der Aschanti.
Lamia obesa Westwood (Arcana Ent. pl. 64) aus Südafrika
(ist eine Phryneta, und zwar einerlei mit Phr. Dregei Dej. Cat.)
Saperda curissitna Westwood (cbcndas.) aus dem tropi-
schen Afrika — Sap. {Sphenura) busalis des Ref. aus Angola
(a. a. O.)
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1843. 291
Von Neuseeland bildet Westwood (Arcan. Ent. pl. 56) ah La-
711 ia ■pulverulenta, neue Art, und Xyloteles gr/seus, Sap. griseaF.
Lepturetae. Eine neue Gattung Heteropalpus wurde von
Buquet (Guer. Mag. d. Zool. pl. 118) aufgestellt. Sie schliesst sich
zunächst an Distenia, der Hinterkörper ist aber etwas kürzer, die
Flügeldecken haben keinen Dorn an der Spitze und die Maxillar-
taster sind von wunderlicher Bildung, indem das 2te und 4te Glied
lang gestreckt, und das letztere am Grunde mit einem langen
hakigen und haarigen Fortsatz versehen ist; H. pretiosus, glänzend
grün, mit rothen Schenkeln, ist aus Cayenne. — Der Gattungsname
ist eine vox hybrida.
Eine andere neue Gattung, welche dieser Gruppe einzureihen
sein möchte, ist Calliprason White, welche der Verf. als Unter-
gattung von Callichroma, Promeces nahe stehend betrachtet, West-
wood als Stenoderus aufführt, welche mir aber am nächsten mit
Rhagiomorpha Newm. verwandt zu sein scheint. Die Augen sind
rundlich und kaum ausgerandet, die Fühler mit verlängertem keul-
förmigen ersten Gliede, das Halsschild an den Seiten mit einem star-
ken Dorn, die Flügeldecken nach hinten verschmälert, die Beine lang
und dünn, die Schenkel keulförmig. C. Sinclairii White (Dief-
fenb. Neuseel. II. 277. 80, auch von Westwood Arcan. Ent.ll. p. 27-
pl. 56. F, 3 als Stenoderus Sinclairii abgebildet.
Von Letzner (Arb. u. Veränd. der schles. Gesellsch. i. J. 1843.
S. 173) wurde in Schlesien, im Gesenke, eine neue Leptura entdeckt,
L. lineata, noch etwas gestreckter als L. hirida, die Flügeldecken
gelbbraun, die Naht, der Seitenrand und eine mittlere Längsbinde
schwarz; Länge 5'"; an den Fühlern das 2te, 3te und 4te Glied zu-
sammen nur so lang als das fünfte.
Pachyta serricornis Gebier (Bull. Acad, Petersb. I. p. 39)
ist eine neue der P. variabilis verwandte Art aus der Steppe am
Alakul-See.
CKrysonielitnie» Eupoda. Als eine neue Gattung wurde
von Sturm (Catal. S. 357. T. 6. F. 7) Mes ophalacrtis aufgestellt,
welche indess mit Mecynodera Hope (Col. Man. III.) zusammenfällt.
Auch die Art M. Spinolae Sturm aus Neuholland ist mit M. picta
Hope einerlei. — Hope (Linn. Transact. XIX. S. 112. T. 10. F. 9)
bildete Sagra carbii7iculus, eine kleine neue Art von Sylhet ab.
— Matz (Ent. Zeit. S. 364) beschrieb beide Geschlechter von Orso-
dacue nfgricollis Ol.; das Weibchen ist einfarbig hellgelb. — Suf-
frian (ebendas. S. 122) theilte noch einige Bemerkungen über ein-
zelne Arten von Lema mit. — Neue Arten aus Sitkha sind Dona-
cia Germari) flavipennis^ Syneta carinata Esch. Man-
nerheim (Bull. Mose. S. 306).
Cassidariae. Eine neue Gatt. Vlatyatichenia wurde von
Sturm (Catal. S. 358. T. 6 F. 8) beschrieben und durch eine ausser-
ordentlich schöne Abbildung erläutert. Sie ist mit Alurnus verwandt,
292 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
hat aber erweiterte Ränder des Halsschilds und der Flügeldecken
und zeichnet sich vorzüglich durch kuglig aufgetriebenes Endglied
der Maxillartaster aus. Daher hat Dejean diese Gattung Sphaero-
palpus genannt. PI. lim data aus Brasilien ist einerlei mit Sph.
cinctus Dej. und ist auch bereits in Guerins Iconogr. Kegn. An. ab-
gebildet.
Von Californien sind folgende neue Arten: Odotitota i-iibro-
lineata., Coptocycla anrisplen den s Esch., Cassida 9macu- ,
lata Mannerheim (Bull. Mose. p. 307).
Chrys omelariae. Ein Paar neue Arten aus der Songarei sind
Clirysomela Songarica und Gastrophysa viresceiis Geb-
ier (Bull. d. l'Acad. d. Petersb. 1. p. 39). Bemerkungen über schle-
sische Chrysomelen theilte Schummel (Arb. u. Veränd. der
schles. Gesellsch. i. t\ 1843. S. 195) mit. Chr. seneciom's Köhler wird
als eigene Art festgehalten, ausserdem werden noch zwei neue Arten
aufgeführt, C lir. fiisco. aenen und alpes tris , von welchen die
erste vielleicht eine .Vbänderung der Chr. speciosa sein möchte.
Die ersten Zustände von Clirysomela {Lina) populi und tremulae
F. wurden von Klingelhöfe r (Ent. Zeit. S. 85) beobachtet.
Cryptocephalidae. In Russeggers Reis. (1. 989) wurde von
Redtenbacher Clythra Aleppensis und Labidostomis li-
neola als neue Arten, beide aus Syrien, beschrieben, die erste ist
indess einerlei mit Cl. 9 punctata Ol.
Neue Arten von Angola sind Clythra stricto., ang us lata ,
discors, hyact?ithina und Cry pto cephalus attgolensis des
Ref. (a. a. O. S. 263).
Mannerheim (Bull. Mose. p. 311) stellte als neue Arten auf:
Chlamys conspersa, P achybrachis sign at iJ'ro7is und Cry-
pt 0 cephalus chalconatus, alle von Californien.
Fairmaire (Ann. d. 1. Soc. Ent. 2. ser. 1. p. 13. T. 1) stellte eine
neue Gattung ßrachycaulus auf. Sie hat das Ansehn von Chla-
mys, aber alle Kennzeichen von Cryptocephalus, nur dass die Fühler
kürzer und vom 6ten Gliede an schwach gesägt sind. (Die Abbil-
dung stellt sie unrichtiger Weise lOgliedrig dar), ßr. ferrugi-
tieus, aus Neuholland.
Galerucitae. Die Geschlechtsunterschiede der einheimischen
Galeruccn wurden von Suffrian (Ent. Zeit. 8.91) erörtert. Neue
Arten sind: Gal. thoracica Redtenbacher (Russegg. Reis. I.
989) aus Syrien, G. delata und G. (Monolepta) panperata
(Dej.) des Ref. (a. a. O.) aus Angola, G. flavolimbat a, puncti-
pennis , Diabrotica'ivit tat a'S\&x\WQ\:\\Gim (Bull. Mose. p.308),
aus Californien.
Aube (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. 1. p. 5) unterschied drei
der H. oleracea nahe stehende Arten, deren Artverschiedenheit
durch die Verschiedenheit des Vorkommens sicher begründet wird.
Die eigentliche H. oleracea lebt vorzugsweise auf Cruciferen. H.
Lylhri, auf Lythr. Salicaria lebend, ist etvas grösser, hat län-
Naturgesrhichte der Insecton %v;ilir('nd des Jahres 1843. 293
gere Fühler und ist beständig blau, weniger glänzend, die Qiierfiirche
auf dem Halsschilde weniger tief. //. Hippophaes, auf den Alpen
und dem Jura auf Hippoph. rhamnoides vorkommend, unterscheidet
sich von der vorigen durch äusserst feine, fast unmerkliche Punkti-
rung, dagegen ungewöhnlich tiefe Halsschildsfurche (diese scheint
mir mit H. consobrina Duft, zusammenzufallen). H. Ei-ucae OL,
auf Eichentrieben, leicht kenntlich durch eine erhabene Falte am
Aussenrande der Flügeldecken.
Neue Halticen sind: H. Graptodera pyritosa des Ref.
(a. a. O.) von Angola, Gr aptod. plicipennis, californica,
Disonycha maritima Manner heim (Bull. Mose. p. 310) aus
Californien.
Voccinellue, Eine Monographie der österreichischen Cocci-
nellen lieferte Ludwig Redtenbacher in seiner Inaugural-Disser-
tation: Tentamen dispositionis generum et specierum Coleopterorum
Pseudotrimerorum Archiducatus Austriae. Vind. 1843, auch im 5teu
Bande von Germars Zeitschr. f. d. Ent. abgedruckt. Die Dejeanschen
Gattungen sind der Mehrzahl nach vom Verf. angenommen, die Be-
gründung derselben durch Angabe der Kennzeichen beschränkt sich
jedoch auf eine Uebersichtstafel. Zwei vom Verf. neu aufgestellte
Gattungen sind sehr gut: Exocho?nus, enthält C. kpustulata L.
und aurita Scr. , ist von Chilocorus durch einfachen Vorderrand des
Kopfes unterschieden, sie weicht aber auch noch ferner in dem Bau
der Beine ab. Platynaspis enthält den Sc. bisbipustidatus, wel-
cher sich den beiden ebengenannten Gattungen durch den vor den
Augen erweiterten Kopfrand anschliesst, von Scymnus ausserdem
durch llgliedr. Fühler verschieden ist. Dass bei Scymnus die Füh-
ler nur lOgliedr. sind, hat der Verf. nicht beachtet. Ferner be-
schränkt mit Recht der Verf. Änisosticta auf C. i'd punctata, und
bezeichnet sie durch einfache Klauen, weniger mit Recht verbindet
der Verf. die; übrigen länglichen Formen mit Coccinella; die Gattung
Hippodamia Dej. ( C nmtabilis, Idpimctata, Imaculata) weicht
durch die hinter der Spitze gespaltenen Klauen von den eigentlichen
Coccinellen ab, welche unmittelbar an der Wurzel der Klauen den
Zahn haben. Die von Dejean aufgeführten amerikanischen Arten von
Änisosticta (iOniaculata u. s. w.) stimmen zwar in der Gestalt der
Klauen mit Coccinella überein, sie haben aber ein Merkmal mit Hip-
podamia gemein, welches beide zugleich von Cocc. absondert, näm-
lich die stark verengte Wurzel des Kinnes, Cocc. M. nigrnvi, bei
Dej. eine Änisosticta, ist eine ächte Coccinella. — Für Rhizobius
Steph. nimmt der Verf. den Namen ISundina an, weil jener schon
früher (1835) für eine Blattlausgattung gebraucht sei, indess ist der
von Stephens schon 1829 aufgestellt und 1831 in den lllustr. Brit.
Ent. begründet. Endlich ist Cynegelis Dej. auf C. impunctata be-
schränkt, indem C. globosa als Epilachna angenommen wird. — Eine
ausgezeichnete für die deutsche Fauna neue Art ist llyperaspis
^maculata Redt., welche aus Ungarn und Vorderasien schon län-
294 Erichs on: Bericht über die wisscnsch. Leistungen in der
gere Zeit bekannt ist, weniger glücklich ist der Verf. mit einer Reihe
als neu aufgestellter S'f'yffiwMJ-Arten, indem seiner, äff tut s = hon-
talis $, Sc. flavicollis vermuthlich Abänd. von Sc. marginalis J*,
Sc. quadrillum z=iic. frontalis var. 9. Sc. öisbisignatus = Sc.
frontalis var. cf , endlich Sc. Äa*a//* = marginalis var. sind. Cocci-
nella ist mit drei neuen Arten vermehrt, C. magnifica Ziegl. , di-
stincta Meg., und alpin a Redt, von denen indess bei den beiden
ersten die Unterschiede von C. Tpunctata L. aus der dürftigen Be-
zeichnung nicht recht hervorgehen. — Corylophus {Clypeaster) schliesst
der Verf. wegen der eigenthümlichen Bildung ihrer Mandibeln aus
der Familie der Coccinellen aus , durch aussereuropäische Arten
wird aber nicht nur ein fast unmerklicher Uebergang von Scymnus
dahin gebildet, sondern nach des Verf. eigener Angabe stimmt auch
die Larve mit denen der Coccinellen überein.
Suffrian (Ent. Zeit. S. 93) machte eine noch unbeschriebene
deutsche Art von Hyperaspis mit ungefleckten Flügeldecken unter der
Benennung Cocc. concolor bekannt. Ferner (ebendas. S. 330) er-
örterte er die mannigfachen Abänderungen des Scynmvs Jrontalis.
Neu aufgestellte aussereuropäische Arten sind Hipp odaviia
scalaris aus dem Alatau-Geb., und Micraspis lineola von Ala-
kul und Saisan-See durch Gebier (Bull. Acad. Petersb. L p. 39). —
Cocc. effusa, 7iassata, Chilocorus nigripennis aus Angola
durch Ref. (dies Archiv \. S. 266). — Eippodamia vittigera,
Coccinella californica, Scy?nnusmarginicollis aus Cali-
fornien durch Mannerheim (Bull. Mose. p. 312).
JEntlontychidae. Diese Familie wurde vonRedtenbacher
(a. a. O.) mit bearbeitet, ohne dass jedoch neue Gattungen und Arten
aufgestellt wären.
Eine hübsche Monographie der Gattung Calyptobium Vill. ist
von Aube (Ann. d. 1. Soc Ent. d. Fr. 2. ser. L p. 241) ausgeführt
worden. Die Gattung umfasst hier vier Arten, C. Villae Rond. von
Mailand, C. caularum, in Frankreich in Mistbeeten in Menge ge-
sammelt, C. Kunxei, von Kunze in Brasilischen Pilzen gefunden, C.
7iigrum, von Melly auf Sicilien entdeckt. (Die letzte wurde uns
von Sardinien in lichterer Färbung von Gene mitgetheilt; ausserdem
besitzt unsere Sammlung noch mehrere Arten). Ueber die Stellung
der Gattung ist der Verf. nicht im Reinen, er möchte sie an Cholo-
vocera Motsch. anschliessen; mir scheint sie am natürlichsten in
dieser Familie zu stehen. Guerin (Rev. Zool. 1844. p. 33) bemerkte
mit Recht, dass die Gattung schon 1833 von Curtis als Holopara-
mecus aufgestellt sei, und dass Cal. Villae mit H. dei)ressus Gurt,
zusammenfalle, Calyptobium, ebenso früh aufgestellt, aber nicht
beschrieben, empfiehlt sich indess durch Wohllaut.
Tjathriilii. Aube (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. L p. 73
pl. 1) fügte der Gatt. Monotomn eine neue Art, M. piinctat icollis zu.
Naturgesoliichte der Insecten während des Jahres 1843. 295
welche im Mist von Schafställen aufgefunden wurde; sie unterschei-
det sich von M. quadricollis durch deutlichere Punktirung des Hals-
fchildes. Zugleich bemerkt der Verf., dass .^[ott. Blaivli Guer. Rev.
Zool. 1839 sich als nicht verschieden von M. brevicollis ausgewie-
sen habe.
Mannerheim (Bull. Mose. p. 299) führte drei neue Arten von
Lathridius von Sitkha auf: L. quadricollis, protensicollis,
cordicollis.
Orthoptera,
Eine vortreffliche Inaugural-Dissertation „Symbolae ad Orthopte-
rorum quorundara oeconomiam" ist von Fr. Goldfuss in Bonn
vertheidigt worden. Die Untersuchungen des Verf. betreffen haupt-
sächlich auch die Ernährung der Orthopteren und namentlich der
Locusta viridissima und der Oedipoda migratoria, und in dieser Be-
ziehung hat der Verf. Gelegenheit gefunden, durch seine Beobach-
tungen einige ziemlich allgemein verbreitete Irrthümer zu beseitigen.
Der eine Punkt betrifft die Nahrung der Locusten; man hat einige
ältei-e Angaben übersehen, und diese Familie ziemlich allgemein mit
den Acridiern zu den Pflanzenfressern gerechnet; der Verf. zeigt,
dass sie bei vegetabilischer Nahrung, welche sie allerdings nicht ver-
schmähen, allein nicht bestehen, sondern nebenbei vom Raube leben,
imd in ihren Vorderbeinen eine grosse Geschicklichkeit im Fliegen-
fangen haben. Ein zweiter Punkt betrifft den Proventriculus , den
man, namentlich wo er mit Hornleisten und Zähnen besetzt ist, als
Zerkleinerungs- Apparat betrachtete und daher „Kaumagen" nannte.
Ich habe mich längst darüber gewundert, wie man mit der Natur so
rücksichtslos verfahren konnte; denn es ist wirklich schwer, den Um-
stand zu übersehen, dass der sogenannte Kaumagen allein bei den
Fleischfressern, aber bei solchen Insecten, welche nur von harten
vegetabilischen Theilen sich nähren, nicht sich findet. Dies ist na-
mentlich bei den Orthopteren auffallend, wo z. B. die Mantis den
sogenannten Kaumagen haben, die Phasmen nicht, ebenso die Lo-
custen ihn haben, die Acridier nicht. Auch kann man bei der Scc-
tion leicht bemerken, dass bei den Insecten mit dem sogenannten
Kaumagen der Inhalt des Schlundes schon flüssig ist, so dass der
Kaumagen nichts mehr zu kauen findet. Der Verf. thut durch seine
Beobachtungen dar, dass im Vergleich zum Schlünde die Muskelthä-
tigkeit dieses Theils sehr unbedeutend ist, und läugnet demnach die
zerkleinernde Thätigkeit desselben. Auf die Functionen der ver-
schiedenen Darmabschnitte bezieht sich ein grosser Theil der vor-
liegenden Untersuchungen. Die Magenanhänge haben sich als Ab-
sonderungsorgane ausgewiesen. Eine auffallende Erscheinung war
bei Loc. viridissima die, dass, wenn sie mit Insecten gefüttert war,
zuweilen der Nahrungskanal und in einem Falle selbst die Tracheen
29G Erich so n: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
roth gefärbt wurden. Auch das Stridulationsorgan einiger Locusten
ist vom Verf. sorgfältig beschrieben.
Von V. Charpentier's „ Orthoptera descripta et depicta sind
drei folgende Hefte (7 — 9) erschienen, deren Inhalt unten näher an-
gegeben werden soll.
Der Schluss der im vorigen Bericht aufgeführten Arbeit von
De Haan: Bijdragen tot de Kennis der Orthoptera, ist in der lOten
Lief, der Verhandl. over de natuurlijke Geschied, der Nederlandsche
overzeesche Bezittingen, Zoologie, enthalten. Wenn auch die ge-
nannte Lieferung erst 1844 ausgegeben viorden ist, scheint es doch
MÜnschenswerth, den Bericht schon jetzt damit zu vervollständigen.
JForficulariae. Die neuen Arten dieser Familie, welche von
De Haan (a. a. O.) bekannt gemacht worden sind, sind: Apachya
cliar acter ea von Borneo, Sumatra; Py gidicrana pallidi'pen-
nis von Borneo; Psalidophora fuscipetinis und alhomargi-
nata, von Sumatra; Echinosoma sumatrana von Padang, ge-
sellig in faulem Holz lebend; Forficula longipes , forcipa ta,
brachynot avoiiSumatra, tnsig7iisUa.g. und t e fi e II aUag. von Java.
J^Kantides. Eine sehr ausgezeichnete neue Gattung wurde
von Westwood (Arcana Ent. IL p. 52. T. 62. F. 2) bekannt gemacht:
Körper und Flügel sind schmal, der Kopf mit einem breiteren Hörn
zwischen, und einem schmäleren zweispitzigen vor jedem Auge; die
hinteren Schenkel gelappt, die Hinterleibsfäden lang, blattartig, nur
an der Wurzel gegliedert. Das Insect, Stenophylla corntgera
Westw. ist aus dem Innern Brasilien.
Ausserdem sind (ebendas.) noch PhylJo er ania insignis
Westw. von Sierra Leone, eine der Capensischen nahe verwandte
neue Art, und Mantis met aUica, eine sehr hübsche neue Art aus
Sylhet abgebildet.
v. Charpentier (Orthopt. 7. fasc. ) stellte dar: Mantis sublo-
bata Serv. aus Brasilien nach beiden Geschlechtern (es ist nämlich
(J' M. pilipes Serv., 9 M. sublobata Serv. brachyptera Burm.), M.
nndata F. {Theoclyt. ntidata Serv.) vom Cap, M. xebrata, neue
Art, ebendaher, M. fenestruta F. ebendaher, nach beiden Geschlech-
tern (cf ^1- fenestrata F. Burm., vitrata Serv., $ M. prasina Burm.,
nana Stoll.).
Guerin (Rev. Zool. p. 41) stellte nach einer südfranzösischen
Art, P. Allibertti, welche nichts weiter als Mant. decolor Charp.
zu sein scheint, eine neue Gattung Per lainantis auf, welche sich
hauptsäclilich darauf gründet, dass alle vier Flügel häutig sind, ein
Umstand, der sehr vielen Männchen, namentlich der Abtheilung,
welcher die genannte Art angehört, zukommt. (Die Weibchen haben
dagegen lederartige kurze Deckenstummel). Somit möchte also diese
Aufstellung als verfehlt zu betrachten sein.
Ueber das Eidechsenfressen der Mantis Carolina hat Zimmer-
mann in diesem Archiv (1843. L S. 390) nähere Auskunft gegeben.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 297
Spectra. Eine besondere Form dieser Familie machte
J. Goudot (Guer. Mag. d. Zool. Ins. pl. 125) bekannt. Sie ist in
beiden Geschlechtern iingeflügelt, von gedrungener Form, und da-
durch von den übrigen abweichend, dass die Vorderbeine am Grunde
nicht ausgebuchtet sind. Auch entfernen die Thiere sich in ihrer
Lebensweise darin, dass sie bei Tage unter Steinen und dergl. ver-
steckt sind und bei Nacht umherstreifen. Der Verf. vereinigt diese
Form noch mit Bacteria, sie verdient aber schon in Rücksicht auf
die fehlende Ausbuchtung der Vorderschenkel als eigene Gattung ab-
gesondert zu werden. Er hat 3 Arten in Neugranada entdeckt: 5
Bogotensis, häufig und gesellschaftlich bei Bogota unter Steinen
an feuchten Stellen, glänzend schwarz, 4 Höcker an der Stelle der
Flügel beim (^ roth, beim 2 gelb; B. Ron Uni, ähnlich der vori-
gen, aber mit rothen Schenkeln, in höher gelegenen Gegenden, sel-
tener, und B. quindensis , ganz matt braun, in der kalten Region
der Cordilliere, einzeln unter Baumstämmen. Bei der ersten Art
findet sich im Thorax zu jeder Seite eine Drüse, welche mit einem
Ausführungsgange in einem Höcker mündet, welcher am Vorderende
des Prothorax auf jeder Seite gelegen ist, und aus welcher das In-
sect eine milchige scharfe Flüssigkeit fussweit ausspritzen kann. Die
beiden andern Arten haben die Drüsen ebenfalls , aber die Höcker
fehlen. (Guer in bemerkt am Schluss, dass diese drei Arten zu
Anisomorpha Gray gehörten, aber kaum mit Recht, da diese noch
eine, wenn auch nur schwache, Ausbuchtung an den Vorderschen-
keln hat).
V. Charpentier (a. a. O.) bildete ab: As cepasma inftimata
von Java, und Pliasma ornatum Burm., (welche wahrscheinlich Ph.
Tithomix Gray ist) aus Brasilien.
Westwood (Arcaiia Ent. pl. 61) stellte zwei Arten von Dia-
pherodes dar: die eine D. {Cranidium) pumilio, muthmasslich
aus Mittelafrika, ist neu und zeichnet sich durch einen Kamm auf
dem Rücken des Mesothorax aus. Die andere D. {Cranidium)
serrico llis "Westw. unbekannten Vaterlandes, ist dagegen das wahre
Cranidium gibbosum Hffgg., Diapherod. gibb. Burm. aus Parä. Das
früher unter dieser Bezeichnung abgebildete Insect hat der Verf. jetzt
Diapli. {Craspedo7iia) undulata benannt.
AcTietae. Die von De Haan (a. a. O.) beschriebenen Arten
dieser Familie sind: Gryllus brachypterus und platy xiphus
von Java; Gr. Eneoptera hef/ieli/trus Hag. und concinnus von
i?L\A, fasciatus von Celebes und Java, cinereus von Neuguinea
und Java, pnnctatus von Java; Gr. Scleroptems, (neue Unter-
gattung, welche aber mit Trigonidium Serv. übereinstimmen wird).
coriaceus Uag. von Java; Gr. Platydactylus Novae Guineae
von Neuguinea, Java, Gaimardii aus Neuguinea und Banjermas-
sing, vittatus von Padang, quadratus von Java; Gr. Phalan-
gopsis marmorattis von Japan, pilosns von Borneo und Java,
Archiv f. Naturgcsch. X. Jahrg. 2. IUI. W
298 Erichson: Bericht über die wisBensch. Leistungen in der
microcephalus von Japan, Sumatra, Buquetii von Java, Japan,
iaponicus von Japan; Gr. Oecanthus ^racilis von Celebes,
Gr. Gryllotalpa longipennis von Borneo; Gr. Xy a iaponi-
cns von Japan.
liocustariae* Westwood (Arcana Ent. pl. 63) bildete das
im Brit. Mus. aufbewahrte Bruchstück einer sehr merkMÜrdigen Heu-
schrecke ab, welche in hohem Grade das Ansehn eines Phasma hat,
und M'elche der Verf. als eine denselben analoge Form dieser Fami-
lie betrachtet. Sie ist ungeflügelt, der Kopf klein, vorgestreckt, der
Prothorax lang, die Legeröhre lang und gerade; die vorderen Beine
lang und unbedornt, die Vorderschienen „absque operculo". Fühler
und Hinterbeine fehlen. Das Insect, Phasniodes ranatriformis
benannt, ist vom Kön. Georgs -Sund in Neuholland. — Zugleich hat
der Verf. eine Abbildung von Prochilus australis Brüll, gegeben.
V. Charpentier ( a. a. O. 8. fasc. ) bildete aus dieser Familie ab:
Copiophora cornuta Deg. aus Brasilien, Cayenne, Rhaphidophora pal-
pata ( Locust. palp. Sulz. Phalangops. araiieijorm. Burm. ) aus Süd-
europa, Hetrodes long ipes , neue Art aus Benguela (Niedergui-
nea), Polyancistrus serrtdatus Palis. Beauv. aus St, Domingo.
Acritlii, Ein Paar Proscopien-Formen sind von Westwood
(Arcana Ent. pl. 63) abgebildet. Die eine derselben, mit dem Namen
Proscopia occidentalis belegt, in Chile einheimisch, fällt durch
ihren gedrungenen Bau und die buckeiförmige Auftreibung des Hin-
terrückens auf, und wird unfehlbar eine eigene Gattung bilden müs-
sen, für welche ich den Namen Hybusa in Vorschlag bringe. Sie
unterscheidet sich von Proscopia ausser der Körperform noch durch
einen Umstand, den der Verf übersehen hat: es ist nämlich an den
Füssen eine Klaue verkümmert, so dass nur noch eine Klaue
zur Seite des deutlich vorhandenen Pulvillus bemerkt wird. — Die
andere, Proscopia {Cephalocoema) suüaptera, mit kleinen,
freien Decken, und kleinen unter den Decken verborgenen schwarz-
metallischen Flügeln, angeblich aus Brasilien , stehe ich nicht an für
ein Astroma Charp. zu halten. Hinsichts der Decken hat der Verf.
sich wahrscheinlich getäuscht, indem er den breiten lederartigen
Vordersaum der Flügel, unter welchem der metallische Theil dersel-
ben sich fächerartig einfaltet, für Decken genommen hat. Wären
wirklich Decken vorhanden, so wäre es bei ihrer Kleinheit und der
Länge des Mesothorax — da sie am Vorderende des Mesothorax
ihre naturgemässe Stelle hätten — durchaus unmöglich, dass sie die
Flügelchen bedecken könnten, wie der Verf. es verlangt. Die Flü-
gelchen von Astroma sitzen nicht, wie W. hier angiebt, am ersten,
sondern, wie Charpentier (Orthopt. descr. et dep. L t. 4) es sehr
deutlich abbildet, am zweiten Ringe nach dem Prothorax. Endlich
zeigt W.'s Abbildung, wenn auch seine Beschreibung darüber
schweigt, die von Charp. so richtig dargestellte Klauenbildung von
<!
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 299
Astroma, mit fehlendem Pulvillus. Die Angabe des Vaterlandes be-
ruht ohne Zweifel auf einem Irrthum. Ebendas. giebt der Verf. noch
die Diagnose des neuen Mas tax äff int's aus Assam.
V. Charpentier (a. a. O.) hat diese Familie mit drei neuen
Gattungen bereichert.
Hyalopteryx (8. fasc. t. 46) mit Truxalis verwandt, die Fühler
ebenso schwertförmig, der Kopf aber nicht thurmförmig, die Flügel
beim Männchen mit einer Reihe sehr grosser viereckiger Spiegelzel-
len, H. r ufi pennt s aus Brasilien.
Br achy pephis (9. fasc. t. 51) ohne Kehlzapfen, mit sehr klei-
nen Deckenrudimenten, vom gedrungenen Bau der Oedipoda hystrix,
mit grossem, weit nach hinten reichendem Prothorax und auffallend
langen Hinterfüssen. Br. vires cens aus Mexiko.
D actylotum (9. fasc. t. 52) mit dickem Kehlzapfen, sehr wal-
zenförmig, mit tief eingeschnittenem Prothorax, netzförmig gegitter-
ten Deckenrudimenten von der Länge des Prothorax, geringer Flü-
gelspur, beim Männchen die untere Afterdecke gross, kahnförmig,
innen mit einer sich in regelmässige Querfalten zusammenlegenden
Haut. D. bicolor aus Mexiko.
Ausserdem hat der Verf. (ebendas. fasc. 8. 9) abgebildet: Rho-
inalea microptera Serv. aus Nordamerika, Acridium herbaceum Serv.
vom Cap, A. plorans Charp, von 8üdeuropa bis zum Cap verbreitet,
Oedipoda hisignata Charp. desgl., Oe. longipes neue Art, aus Si-
cilien und der Türkei, von Oe. insubrica, der sie sonst sehr gleicht,
durch die an der Wurzel hellgelben Flügel unterschieden.
„Ueber die schädlichen Heuschrecken" hat Keferstein
(Ent. Zeit. S. 167, 21!^, 232) geschrieben.
Perlariae» Rambur (Hist. nat. d. Ins. Neuropt. ) hat diese
Familie bearbeitet, indess mit geringer literarischer Kenntniss, daher
die neu aufgestellten Arten zum Theil wieder eingehen werden, um
so mehr als inzwischen Pictet's vortreffliche Monographie erschienen
ist. Die neu aufgestellte Gatt. Lepto?neres, mit langem vorletz-
ten imd feinem Endgliede der Maxillartaster fallt vielleicht mit
Isopteryx Pict. oder selbst Chloroperla Newm., oder auch mit bei-
den zusammen.
JPsocides. Hub er (Mem. d. 1. Soc. d. Phys. et d'hist. nat.
d. Geneve X. I. p. 35) theilte über mehrere Psocus-Arten seine Beob-
achtungen mit, die von Interesse sind. Der Verf. sah, dass sie ihre
Eier auf Blätter ablegen und diese überspinnen; und zwar machen
verschiedene Arten auch ein verschiedenes Gewebe. Diese Thatsache
ist nicht neu, wohl aber die Entdeckung des Spinnorgans, welches
am Rande der Oberlippe als ein Paar länglicher Körpörchen sich
befindet •). Eine Art mit gefleckten Flügeln hält sich immer unter
') Ich erinnere mich, auch beim Hydrophilus piceus ein Paar
300 Erich so n: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Fäden auf, welche sie von einem Rande des Blattes zum andern
spinnt. Als Nahrung der Psocen beobachtete der Verf. Rost (Uredo),
welcher vorzugsweise in Folge der Stiche der Blattläuse entsteht.
WAhelltUinae. Rambur (Hist. nat. des Ins. Neuropt.) hat
diese Familie mit einer grossen Anzahl neuer Arten nicht allein, son-
dern auch neuer Gattungen bereichert. Was die Arten betrifft, so
ist es auffallend, dass der Verf. von Charpentiers grossem Werk über
die europäischen Libellen nichts weiss, überhaupt werden die neuen
Arten, welche grösstentheils aussereuropaisch sind, noch einer be-
sonderen Prüfung unterworfen werden müssen. Die neuen Gattungen
sind in der Libelluliden-Gruppe: Nunnophya, mit einer neuen Art
unbekannter Heimath, Acisoma mit 2 neuen Arten von Ostindien
und Madagascar, Zy xonuna, mit einer neuen Art von Ostindien,
Uracts, mit einer neuen Art von Buenos-Ayres, Polynetira (der
Name ist nicht mehr frei) mit Lib. sophronia und fulvia Drury,
Palpoplenra mit Lib. dimidiata L., yortia Dr., marginata F., lu-
cia Hr., fasciata L.; Diastatops mit Lib. ptiUata, obscura Burm,;
Macromia mit mehreren neuen Arten. Von den Aeschniden son-
dert der Verf. als eigene Gruppe die Gomphides ab mit meist aus
einander stehenden Augen, mit den Gattungen: Gomphiis Leach,
(z. B. L. forcipata L.), Diaslatomma Charp. (z. B. Ae. davata F.);
Ictinus neue Gattung mit drei neuen Arten, Lindenia, Flienes,
neue Gattung mit einer neuen Art aus Chile; CorduJegaster Leach,
Petalura Leach {gigantea Leach). Die Aeschniden beschränken
sich aui Atiax, Aeschna, Gynacant ha neue Gattung, mit exoti-
schen Arten. Die Agrioniden- Gruppe hat einen Zuwachs erhalten
von folgenden neuen Gattungen: Rhino cypha mit A. ftilgidipennis
Guer. und perforata Perch., Microtuerns mit Calopt. lineata
Burm., Argia, mit Agr. australe Guer., Mecistogast er mit M.
Lucretia Dr. u. a. , Microstigma mit zwei neuen Arten, Mega-
loprepus mit L. coernlata Dr.
Pictet (Guer. Mag. d. Zool. Ins. pl. 117) stellte eine neue Art,
Cordulia splendens, aus Süd -Frankreich auf, zu der Selys
Longchamps (ebendas., ferner Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. L
p. 108, so wie auch Rev Zool. p. 131) das Männchen beschrieb, und
dabei bemerkte, dass sie von den übrigen Cordulien sich entferne,
und durchaus zu der auf indischen und nordamerikanischen Arten
gegründeten Gattung Macromia Ramb. gehöre, welche durch voll-
ständig gespaltene Klauen, und doppelte Zahl der Aederchen im
ersten Costalraum von jenen abweiclit, ausserdem noch das kleine
accessorisrhe Auge deutlicher hat als jene. Gestalt und Färbung
wie bei Cordulia. Selys - L ongchamp s (Ann. S. E. Fr. p. 107,
kleiner längliclier Körperchen auf der Unterseite der Oberlippe be-
merkt zu haben, und da die Hydrophilen ebenfalls spinnen, könnte
es wohl sein, dass dies gleichfalls das Spinnorgan wäre.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 301
Rev. Zoo], p. 158) beschrieb ferner das Männchen der Lindenia te-
traphylla und unterschied eine zweite europäische Art, Cordule-
gaster bident at us von C. annulatus Latr. {haiii/atus Charp.).
White (Dieffenb. New Zealand p. 281. n. 97) beschrieb eine neue
Art, Petalura Carovei \on Neuseeland, welche sich von P. gi-
gantea Leach durch breitere gelbe Zeichnungen auf dem Mittelleibe
unterscheidet; die erweiterten Afteranhänge sind etwas gerundet, der
Vorderrand und die Spitze der Flügel, besonders die Spitze der
Hinterflügel dunkel.
liepismenae. Gervais (Hist. nat. d. Ins. Apteres.lII. p. 449)
theilte Lepisma in zwei Untergattungen, Lepismina und Leptsma,
erstere die Arten mit kurzem herzförmigen Körper und breitem Pro-
thorax enthaltend.
Templeton ( Transact. Ent. Soc. Lond. III. p. 304. pl. 16. F. 1
bis 7) stellte eine neue Art, Lepisma niveo-fas data, von Cey-
lon, auf, welche dort die alten holländischen Bücher in den Biblio-
theken benagt.
Westwood (ebendas. S. 231 ) lieferte die genauere Beschrei-
bung eines kleinen ungeflügelten Insects, welches unter Kraut auf der
Erde lebt, und welches er schon 1840 der Ent. Gesellsch. (S. Pro-
ceed. E. S. p. 14) vorgelegt hat. Es ist gegen 2'" lang, schmal,
flach, weich, 13ringlig; mit ziemlich grossem Kopfe, vielgliedrigen
Fühlern, ziemlich langen seitwärts gerichteten Beinen, zwei Klauen
an dem einzelnen Fiissgliede, und zwei langen behaarten Borsten am
letzten Hinterleibssegment, weisslich von Farbe, sehr beweglich und
rasch. Der Verf. betrachtet es als eine neue Gattung dieser Familie,
welcher er den Namen Campodea beilegt. Auch Gervais (a. a. O.)
hat es aufgefunden, und betrachtet es ebenso. Mir scheint es noch
sehr ungewiss, ob es nicht doch irgend eine Larve ist.
Neuroptera.
Histoire naturelle des Insectes, Nenropteres, par M. Ram-
bur, Paris 1842, bildet einen Theil der Suites ä Buffon-
Roret, die Bearbeitung erstreckt sich auf die Neuropteren
im Latreilleschen Sinne, der Verf. ist auch in einer solchen
Unbekanntschaft mit der ausserfranzösischen Literatur, dass
ihm die neueren deutschen Arbeiten völlig ausser Gesicht ge-
blieben sind. Ebenso wie weder Charpentier's grosses Libel-
lenwerk noch Hagen's Synonymie der Europ. Libellen berück-
sichtigt sind, hat sich auch der Verf. weder um Klug's Mo-
nographie der Panorpaten noch meine der Mantispen geküm-
mert, und ebenso fremd ist es dem Verf. geblieben, dass ich
nachgewiesen habe, wie der Theil der früheren Neuropteren,
302 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
bei welchen unvollkominene Verwandlung ist, die Ordnungs-
charaktere der Orthopteren habe, und mit diesen zu vereinigen
sei, die übrigen aber eine eigene Ordnung bilden, welche
wenigstens unter den Begriff keiner anderen zu bringen ist.
Die äusserst beschränkte Rücksicht auf die Literatur ist denn
auch auf die Bestimmung der Arten nicht ohne Einfiuss ge-
blieben, und es wäre um so mehr wiinschenswerth, als das
Buch in der That gute Beobachtungen enthält, dass ein Hagen
durch kritische Sichtung der Synonymie das Werk nutzbar
machte.
ttemerohii, Rambur hat hier eine Anzahl neuer Gattungen
gebildet, grösstentheils durch Zerlegung früherer grösserer Gattun-
gen. Ascalaphus F. zerfällt in Ascalaphus (longicornis L. etc.), The-
leproctophylla (australis F.), Fuer Lef. (maculatus Ol.) — Bubo —
Vogelgatt.! — (capensis F.); Ulula — Vogelgatt.! — (senexBurm.)
Cordulecercus (surinamensis F.); Colobopterns — Käfergatt.!
(2 neue Arten); Byas, (1 neue Art); Haplogenius Burm.; Azesia
Lefebr. — Myrmeleon F. ist zerlegt in Paipares (libelluloides L.
etc.), Acant haclisis (occitanica VilL), Myrmeleon, Megist opus
(eine neue Art mit besonders langen vorderen Beinen; das unbe-
stimmte Vaterland des M. hisignat iis ist Brasilien. — He?ne-
robius im Sinne der Neuern ist in drei Gattungen geschieden: Mi-
cromus (mit drei Arten: lineosus (=paganus L.) variegatus F.,
und tendinosus R. (= intricatus Wesm.) — Megalomus mit H.
(Drepanopteiyx) phalaenoides h., M. t ortri'coides R. (=hirtusF.)
und zwei neue Arten — Mucropalpus mit H. lulescens F. und 5
angeblich neuen Arten, welche noch einer näheren Prüfung bedürfen.
— Den Namen Hemerobius hat der Verf. für Chrysopa der Neuern
wieder in Gebrauch genommen. — Endlich sind als neue Gattung
N euromtis von Corydalis solche .Arten abgesondert, deren Männ-
chen einfache Mandibeln haben.
Schneider lieferte in seiner in Breslau erschienenen Inaugu-
ralschrift eine treffliche Monographie von Raphidia. Es sind 7 Ar-
ten beobachtet, und mit den früheren Ständen abgebildet: 1. R.
ophiopsis Schumm.; 2. R. xuiithostigma Schumm., unter welcher
jedoch noch zwei Arten verwechselt sind, welche sich in den Ocel-
len und vorzüglich im Fliigelgeäder unterscheiden; die eigentliche
R. xanthostigma ist von Schummel, die andere Art hier sehr kennt-
lich abgebildet; 3. R. affin is, neue der vorigen verwandte Art,
4. R. media Burm , 5. R. viaior Burm., welche ich unbedenklich für
Rh. megacephalus Leach halte; 0. R. notata F. — 7. R. crassicornis
Schumm., für welche der Verf. eine eigene Untergattung Inocefiia
errichtet, welche weniger durch das Fehlen der Ocellen, die auch
Naturgeschichte der Insecten Mährend des Jahres 1843. 303
bei einigen Arten eigentlicher Raphidien schon verschwinden, als
durch die Kürze des Halsschilds sich absondert.
Grube's trefflicher „Beschreibung einer auffallenden, an Süss-
wasserschwämmen lebenden Larve" (in diesem Archiv 1843. 1. Bd.
S. 331. T. 10) ist bereits im vorigen Jahresbericht S. 235 Erwähnung
geschehen.
JPhrffganides* Rambur (Hist. nat. d. Ins. Neuropt.) hat
diese Familie mit mehreren neuen Gattungen vermehrt: Ölig otri-
cha, durch die fast glatten Flügel von Phryganea abweichend, Phr.
reticnlata und phalaenoides L. und zwei angeblich neue Arten ent-
haltend; Enoicyla, Mundtheile wie bei Limnephila, die vier hin-
teren Schienen nur mit einem Spornenpaar; E. sylvatica, neue
Art, im Herbst häufig bei Paris in Wäldern; Monoceiitra, die vier
hinteren Schienen mit einem einzelnen Dorn in der Mitte, die Flügel
mit Härchen und Schüppchen bekleidet; sonst namentlich in den
Tastern und im Flügelgeäder mit Limnephilus übereinkommend; M.
lepidoptera, aus Sardinien. Die vier folg. Gatt, gehören zur Gruppe
Sericostomidae Steph. , welche Rambur Trichostomides nennt:
Pogonostoma (der Name gehört einer Käfergattung) mit 1 Sporn-
paar an den Mittelschienen und an den Hinterschienen mit einem
einzelnen Sporn an der Stelle des obern Paars: P. vernum gemein
im Frühjahr an der Seine in Paris; Dasy Stoma, an allen vier hin-
teren Schienen mit einem einzelnen Spornpaar, Fühler gezähnelt:
D. ■pulchelluni aus Spanien; Lasiostoma vielleicht mit Silo
Curt., Lepidost oma mit Goera Hoffgg. übereinkommend, endlich
Set ödes, von Mystacida dadurch unterschieden, dass die Unter-
flügel nicht gefaltet sind , z. B. Phr. punctata F. — Es ist ebenso
wunderbar, dass die neuen Gattungen des Verf. so wenig mit denen
von Stephens und Curtis zusammenfallen, als dass ihm in Paris
die Arbeiten von beiden, namentlich der vor fast 10 Jahren erschie-
nene 6te Band von Steph. Illustr. Brit. Ent. Mand. unbekannt bleiben
konnte.
Mymenoptera»
Eine umfassende Bearbeitung dieser Ordnung ist von
Dahlbom unter dem Titel „Hymenoptera Europaea,
praecipue Borealia, formis typicis nonnullis specieruin ge-
nerurave exoticorum aut extraneorum propter nexum syste-
maticum associatis, per Familias, Genera, Species et Varietates
disposita atque de scripta" unternommen, und die erste
Lieferung bei C. A. Koch in Greifswald erschienen, welche
einen Theil der Linneischen Gattung Sphex umfasst, und auf
deren Inhalt demnach unten näher einzugehen ist.
304 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Ziii- Kenntniss der Spanischen Hymenopterenfauna lieferte
Spinola (Ann. d. 1. Soc, Ent. d. Fr. 2. ser. I. p. 111) einen
Beitrag ,, Notes sur quelques Hynienopteres peu connus, re-
cuellis en Espagne pendant l'annee 1842, par M. V. Ghiliani,
roy. nat.", welcher sicJi indess darauf beschränkt, die als neu
erkannten Arten zu beschreiben. Waltl's Reise nach Spanien,
in welcher die Hymenopteren von Klug und mir bearbeitet
sind, hat der Verf. niclit gekannt, es sind indess nicht viele
Arten, welche dort schon beschrieben waren.
Eine Anzahl russischer Hymenopteren ist von Fischer
V. Wald heim (Guer. Mag. d. Zool. Ins. pl. 122) bekannt
gemacht worden.
Wenn die hier aufgestellten Arten zum Theil schon von alten
Zeiten her bekannt waren, zum Theil auch hier ungenügend be-
schrieben sind, so ist es immer doch des Dankes werth, dass der
Verf. die Aufmerksamkeit der Russischen Entomologen auf diese
Ordnung richtet, indem dieselben seit Pallas' Zeit mit der ehrenvollen
Ausnahme, welche Eversmann bildet, den Käfern ihre ausschliessliche
Aufmerksamkeit zugewendet haben. Das von Pallas gesammelte Ma-
terial liegt hier noch zur Bekanntmachung bereit, und wird nicht
verfehlen, wenn es ans Licht tritt, künftigen Forschungen russischer
Entomologen einen sichern Anhalt zu geben.
Venthredinetae. Spinola (a. a. O.) beschrieb eine Reihe
neuer spanischer Arten: Te7i t hr edo i'vfimana^ xanthopus,
baetica, limb alis , erythi-ogaste?-, Cephns Parrey ssii,
Tarpa hispanica. Die letzte ist einerlei mit T. bucephala Kl.
Entom. Monogr.
Fischer's v. W. (a. a. O.) Ten t hredo nyctea ist sicher
nichts als die eigentliche T. blanda L. , und T. Grossulariae ist
mir nach der Beschreibung räthselhaft, nach der Benennung viel-
leicht eine Abänderung der T. (Nematus) Ribesii Sehr, (ventricosus
Kl. Hart.).
WTrocerata* Spinola hat eine in Padua bei der Gelehrten-
versammlung vorgetragene Abhandhing ,,Considorazioni sopra i co-
stumi degl' Imenotteri del g. Sirex F., e sopra il miglior posto dei
Sireceti nel methodo razional(>, Genova 1843 veröffentlicht, in Mel-
cher er die von Lepelletier de St Fargeau neuerdings aufgenommene
Ansicht, dass die Holzwespen Parasiten seien, nach Art der Schlupf-
wespen, durch einen Fall bekräftigt, in welchem ein Sirex gigas aus
einer Puppe von Papilio Machaon ausgeschlüpft sein soll. Indess
ist der Verf. mit Lepell. darin, dass dieser die Holzwespen von den
ßlattwespen trennen und den Schlupfwespen anschliessen will, nicht
einverstanden, und dies mit um so grösserem Recht, als bei uns hin-
Naturgeschichte der Insccten während des Jahres 1843. 305
reichend festgestellt ist, dass die Sirex-Larvcn selbst im Holze boh-
ren, und die oben angeführte Beobachtung durchaus nur auf einem
Irrthum beruhen kann.
Ichneumonides» Blackwall (Report on the 12. Meeting
of Brit. Assoc. hold in Manchester 1842 p. 68, ausführlicher Ann. nat.
bist. XI. p. 1, Fror. N. Notiz 25. B. S. 113) gab über eine Ichneumo-
nenlarve Nachricht, welche sich bei mehreren Spinnen, namentlich
Epeira antriada und cucurbitina u. a. äusserlich auf dem Rücken des
Hinterleibes findet. Er erzog daraus eine Schlupfwespe, welche Hr.
Stevens als Polysjthincta carbonaria Gr, bestimmte. Als die Ichneu-
monenlarve die Sjjinne verlassen hatte, um sich am Kork der
Flasche, in der sie gehalten wurde, einzuspinnen, starb die Spinne.
Letztere war in unerwachsenem Zustande und ein bemerkenswer-
ther Umstand war, dass sie sich nicht häutete.
Als neue spanische Ichneumonen beschrieb Spinola (a. a. O.)
Bassus hispanicus , Pinipla Ghiliatiii, Cryptus andulu-
sicus, Ichneumon melanopterus^- nigricornis , baeticus,
erythr^iriis, unifasciatus.
Srnconides* Ebendaher sind Bracon baeticus, hico-
lorator, Agathis baetica Spinola (a. a. O.). Die letzte ist
Ag. caesa Kl. in Waltl's Reise. Ein unbestimmter Braconid, aus Cal-
lidium sanguineum erzogen, wurde von Goureau beschrieben (eben-
das. S. 104. T. 4).
Svaniales» Westwood's schon früher (Jahresb. f. 1841.
S. 267) angezeigte Abhandlung ist jetzt in den Transact. of the Ent.
Soc. of Lond. III. p. 237; ,,0n Evania and some allied Genera of
Hymenopterous Insects" erschienen und mit vielen Zeichnungen er-
läutert. Die Gattung Evaiiia enthält in der gegenwärtigen Aufzäh-
lung 30 Arten, unter denen eine neue E. antennalisy<l . von Bom-
bay. — Foenus hat einen Zuwachs an F. gracillimus aus Deme-
rara erhalten, und dem F. dorsnlis W. ist das Vaterland Spanien
bestimmt worden. — Aulactts ist ebenfalls mit einer neuen Art, A.
c 071 geil er, unbekannten Vaterlandes bereichert worden.
Einige Bemerkungen zu Eva?i/a sind von Guerin (Rev. zool.
p. 333) mitgetheilt w orden. Die von Spinola bemerkte Gabelung des
Metasternum fand der Verf. bei allen eigentlichen Evanien mit voll-
ständigen Flügelzellen Hyptia und Brachygaster haben dagegen eine
einfache Vorragung. Zwischen E. appendigaster und laevigata fin-
det sich auch ein Unterschied in der Gestalt der Randzelle, und zur
letzteren Art gehören E. appendigaster Blanch. als 9 und E. Des-
jardinü Blanch. als ^. Endlich beschreibt der Verf. noch zwei
neue Arten, E. Poeyi aus Cuba, und E. Servillei von St. Domingo,
Beide gehören zur Untergattung Hyptia, welche der Verf. wunder-
licher Weise „Hyptiam" nennt, vermuthlich weil Jlliger zufällig
den Namen im Accus, einführt. (Fn, Etr. II. p. 82: „ . . genus . , .,
306 Erich son: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
quod Hyptimn voco. — Dass E. thoracica Blanch. einerlei mit E.
rufipes F. sei, wie der Verf. a. a. O. angiebt, ist von ihm später
(Rev. Zool. 1844. p. 39) zurückgenommen.
Chalcidiae» Die Bearbeitung der von Darwin gesammelten
Chalcidien hat Walker in den Ann. of nat. hist. vol. XI. fortge-
setzt. Von Conception (S. 30) sind 8 Arten, nämlich je eine von
Lamprotatus^ Gastranctstrus, Pleromaliis, Deroste7ius, Closterocerus,
Beller US Halid. (neue Gattung zu den Eulophides gehörend, mit
12gliedr. ? schlanken, schnurförmigen, wirteiförmig behaarten Fühlern,
deren drei letzte Glieder eine spindelförmige Keule bilden) — und
2 A. von Tetrastichus Halid. (s. u.). — Von Lima (S. 115) sind je
1 Art von Dicyclus, Pachylarthrus, Pteromalus, Entedoii ; die letzte
ist als neue Gatt. Horisvientis Halid. angezeigt, ohne dass jedoch
ihre Merkmale hervorgehoben wären. — Von der Insel Chonos
(S. 184) sind je 1 Larnprotntus, Pteromalus?, Entedon, Closterocerns,
von Coquimbo (S. 185) 2 Lamprotatus , 1 Gastrancistrus, i Platy-
terma s. Pteromalus, 1 Tetrastichus. — Im 12ten Bd. S. 45 sind noch
zwei Arten hinzugefügt: Thoracantha Latreillei Guer. aus Brasilien
und ein Micronielus von Mount Wellington.
Die von Guilding auf der Insel St. Vincent gesammelten Chalci-
dien sind von dems. (Ann. nat. hist. XII. S. 46) beschrieben, nämlich
je 1 Art von Decatoma, Pteromalus , Lelaps, Idarnes , Encyrtus,
Euplectrus , Paphagus. Die drei neuen Gattungen Lelaps Halid.
Idarnes, und Paphagus sind genauer beschrieben, ohne dass
sich jedoch der Verf. über ihre systematische Stellung geäussert
hätte.
Ferner ist von Dems. die Bearbeitung der von E. Doubleday
und R. Forster in Ostflorida gesammelten Chalcidien in den Ann.
d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. I. S. 145 niedergelegt worden: 1 Smicra,
2 Hooker ia, 1 Ormyrus, 2 Callimone, 5 Eurytoma, 1 Micronielus,
4 Lamprotatus, 1 Pachyneuron, 2 Norbanus (neue, aber nicht näher
erläuterte Gattung), 1 Metopon.
Endlich theilte Ders. (Ann. nat. hist. XII. S. 103) Beschreibun-
gen verschiedener neuer Arten mit: Isosofna hör d ei Harr, parasi-
tisch in Cecidomyia in Nordamerika, /. Laothoe von Edinburg,
Perilampus Entellus in Ohio, Callimone Aea von New-York,
Trichogramma Carina aus dem Walde von Fontainebleau.
Beiträge zur Eintheilung der Chalcidien von Haliday (Trans-
act. Ent. Soc. Lond. IIL S. 295) enthalten zuerst Aufstellung einer
eigenen Gruppe Pireniani , mit 5gliedr. Füssen, einfachen Beinen,
am Munde eingelonkten lOgliedr. Fühlern; der Metacarpus der Flü-
gel äusserst kurz, fast fehlend; dahin die drei Gattungen Calypso
(1 Art) mit 4gliedr. Tastern und auseinanderstehenden Augen, Macro-
glenes (3 Arten) mit 4gliedr. Tastern und beim J" genäherten Augen,
und Pirene (4a.) mit 2gliedr. Tastern. Dann wird die Gruppe der
Eulophini auf folgende Weise eingetheilt: 1. Füsse 4gliedr. Füh-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 307
1er 7— llgliedr. A. Der Subcostalnerv mit einer leichten Krümmung
gegen die Costa gewendet: 1. Elasmns Westw. , 2. E /liclerus Hai.
Ant. Hart, mesothoracis parapsides discretae, scutellum integrum,
transverse impressum; Abdomen petiolatum; metacarpus productus,
radius brevis. {Entedoii Vurujas Walk.). — 3. Euplectrus Westw. —
4. Elachestes Spin. — 5. Loiihocomus Hai: Ant. cf lOart., nodo-
sae, verticillatae, 2 9art., ulna mediocris, radius longus {Cirrospil.
Anaitis Walk.) — 6. Ettlophns Geoffr. — 7. Cirrospilns W^estw. —
B. Der Subcostalnerv plötzlich verdickt und gleichsam gebrochen,
schräg gegen die Costa gerichtet: 8. Tetrustichus Hai.: Ant. o^
9art., 2 8art.; mesothoracis parapsides discretae, postice incisae;
scutellum convexum, lineis 4 elongatis parallelis exsculptum; abdomen
subsessile; radius ab alae apice quam longissime remotus . metacar-
pus evanescens. (C/rrosp. Attaliis Walk.). — 9. Euderus Hai.: ant.
9 9art., capitulo 3art. mesothor. parapsides discretae, postice acute
incisae; scutell. integrum; metacarp. productus; radius brevissimus;
alae subglabrae; abdomen subsessile. i^Ent. Ainphis Walk.). — 10.
Entedon Dalm. {E. Amanus Walk.). — 11. Pteroptrix West. — II.
Füsse 3gliedr. Trichogrumma Westw. — Ferner werden noch neue
Gattungen Agamerion (Miscogasler Geh Walk.) und Ophelimus
{Euloph. Ursidius , Sahella, Cirrosp. Vannins Walk.), drei Arten von
Lei ups (s. o.) und endlich ein neuer Enlnplms beschrieben.
Ueber die Caprification der Feigen hat Loew (Ent. Zeit. S. 66)
höchst anziehende Nachrichten gegeben. Er beobachtete sie auf
Leros. Natürliche Caprification kommt auf den kultivirten Feigen-
bäumen gar nicht, oder nur sehr einzeln vor; sie werden daher mit
caprificirten Feigen, welche an der nicht geschlossenen Oeffnung der
Frucht kenntlich, von wilden Feigensträuchen gesammelt werden, be-
hangen. Es geschieht dies im Juni, wo die natürlich caprificirten
Feigen das Insect bereits vollkommen entwickelt erhalten. Der Verf.
hat die wahrscheinlich sehr richtige Ansicht, dass das Insect im na-
türlichen Verlauf seiner Entwickclung bis zum September in der
Frucht verweilen werde, dass aber durch das Austrocknen der abge-
flückten wilden Feigen sein Hervorkommen und seine Fortpflanzung
beschleunigt, und so auf künstliche Weise eine Caprification der cul-
tivirten Feige bewirkt werde. Das Insect war Blastophaga grosso-
rum Grav., welche Westwood nach Linne's Sammlung für dessen
Cynips Si/comori angenommen hatte; der Verf weist indess auf eine
sehr gründliche Weise nach, theils nach Linne's, theils nach Hassel-
quist's des Entdeckers dieser Insecten, Beschreibungen, dass das In-
sect der (ägyptischen) Sycomore, die Sycophaga crassipes Westw.,
nichts anderes sei als Cyn. Sycomori L., das Insect der (südeuropäi-
schen) essbaren Feige aber, Blastophaga grossortim Gr., die wahre
C. Psenes L., dass also das erstere Sycophaga Sycomori, das letztere
Blastophaga Psenes zu benennen sei.
Proctotrupii. Die Gattungen Pelecinus und Monomachus
308 Ei'ichsonj Bericht über die wissensch. Leistungen in der
sind von Westwood in seiner Arbeit über Evania (s. o.) mit erläu-
tert; die erstere zählt zur Zeit 8 Arten, die zweite 7, von denen in-
dess nur drei vom Verf. besclmeben, die vierte, 3J. fuscato?- von
Perty aufffenommen, die übrigen drei (nebst den beiden ersten aus
der hiesigen Sammlung) nur namentlich aufgeführt sind. Alle diese
Arten sind südamerikanisch; die hiesige Sammlung hat neuerdings
auch Arten aus Neuholland erhalten.
Einige neue Oxyuren sind von Walker mit Chalcidien be-
schrieben worden; Telenomus Äpitius von der Insel St. Vincent
(Ann. nat. bist. Xll. p. 48). Platy gaster Sylea von Coquimbo,
und Omuloderus i?itrepidus ebendaher, (ebendas. XI. p. 188).
Die letzte neue Gattung ist als Bethylo affinis bezeichnet und hat im
Vorderflügel 3 Cubital- und 2 Subcubitalzellen.
Chrysiditles» Zwei neue spanische Arten sind Chrysis
crassitnargo und Hedychrutn aulicum Spinola (a. a. O.);
das letztere zeichnet sich vor allen andern Arten durch eine erha-
bene Längslinie über die drei Hinterleibssegmente aus.
^phecidae, Dahlbom (Hym. Europ. S. 1—29) bereicherte
diese Familie mit einer Anzahl neuer aussereuropäischer Arten, und
brachte zugleich einige neue Gattungen in Vorschlag, welche in sei-
nem Conspectus noch fehlen, über welche ich aber, da Merkmale
hier nicht beigefügt sind , zum Thcil nichts näheres angeben kann.
Unter Chalybion sind die blaugefärbten Pelopoeus abgesondert,
als PefS. violacea F. und Sph. cyanea L.; eine andere Gattung Eiio-
dia wird irrthümlich der Encyclopedie zugeschrieben, sie ist in der
hiesigen Sammlung aufgestellt, und auf Grund einer hornigen, in der
Mitte nach Art eines Carabenkinnes ausgeschnittenen Lefze von
Sphex abgesondert. Unter den vom Verf. dahin gezählten beiden
Arten steht Sph. albisecta Enc. demnach bei uns unter Enodia, E.
canescens\id\\\\i., aber welche Peps. pubescens F. ist, unter Sphex.
Dagegen haben wir Peps. Thomae F., aus welchem der Verf. eine
eigene Gattung Priononyx bildet, unter Enodia begriffen. Ueber
die neuen Arten des Verf., da das Buch unfehlbar in den Händen
aller derer ist, welche sich mit dieser Ordnung beschäftigen, nur
einige Bemerkungen: Miscus arvensis aus Nordamerika, ist von
uns zu Ammophila gerechnet, weil alle unsere Exempl. das Flügel-
geäder von A. haben, das Exempl. des Verf. scheint also eine zufäl-
lige Abart im Flügelgeäder zu sein, welche auch bei anderen Arten
vorkommt, und es folgt daraus nur, dass Miscus als Gattung nicht
haltbar ist, indem unmöglich eine Art in zwei Gattungen stehen kann.
— Pelop. fignlus ist nicht in Südfrankreich, sondern in Südame-
rika einheimisch, und der folg. Pel. assimilis des Verf. scheint
nicht davon verschieden. — Sphex cinerascens des Verf. ist
Peps. obscura -F. — Mit Prion. Thoniae sind zwei Arten verwech-
selt, welche in verschiedenen Theilen Amerika's vorkommen, nämlich
Enod. rtalica Nob. in Nordamerika, Enod. pugana Nob. in Südbra-
Sl
Naturgeschichte der Insocten während des Jahres 1843. 309
_ilien, dacegen ist dem Verf. entgangen, dass Peps. Criicis F. das
Weibchen seiner P. Tliomae ist. — Die Gattung Trachypiis Kl. ge-
hört nicht in diese Familie (s. Jahresl)er. f. 1841 S. 271) ebenso we-
nig möchte ich l'seu und Miiiiesa hierher rechnen.
Fischer v. W. (a. a. O.) beschrieb Ämmo phila elongata,
nitida und Sphex oüscura aus Südrussland. Die letzte ist mir
räthselhaft, da der Hinterleibstiel zweigliedrig angegeben ist.
Guerin (Mag. d. Zool. Ins. pl. ll(i) bildete als Sphex Pauli-
nieril einen neuen Chlorion ab, und beschrieb ebendas. A?n7iio-
phila cyaniventris als neue Art, beide vom Senegal.
AmpulicUlae. Dahlbom (Hym. Eur. p. 29) erhebt die
Gattung Ampiihx zu einer eigenen Familie, ohne jodoch die Merk-
male derselben festzustellen. Er fügt der Amp. compressa eine neue
Art, A. Gnerinii zu, deren Vaterland (nicht angegeben) Mittel-
afrika ist. Allerdings bildet Ampulex mit einigen verwandten For-
men eine ganz eigenthümliche Gruppe, welche Westwood zunächst
in einer schon in Proceed. E. S. von 1840 angezeigten, jetzt in den
Transact. Ent. Soc. Hl. p. 223 vollständig erschienenen Abhandlung
erörtert, später die Kenntniss derselben in den Arcana Ent. pl. 65
vervollständigt hat. Der Inhalt der Gruppe ist nach diesen beiden
Abhandlunsen folgender: Ampulex Jui*. (der Verf. nennt die Gattung
Chlorion Latr., indem Latreille ursprünglich die Gattung nach Amp.
femorata beschrieben, obgleich er Chi. lobatum als Typus aufführte;
da Latreille aber später selbst die Gattung Ampulex aufgenommen
hat, und Chi. lobatum immer als Chlorion gegolten hat, scheint es
mir sicherer Latreille's eigener Bestimmung zu folgen) mit 7 bekann-
ten Arten, von denen Chi. cyanipes Westw. in den Tr. E. S. p. 230
genauer beschrieben, Chi. purpureum. Westw. in den Are. aufge-
stellt und abgebildet ist. — Trirogma Westw. (vergl. Jahresber. für
1841. S. 273) coerulea , aus Ostindien, das (/ in den Tr. , das 9 i»
den Are. abgebildet; das erstere zeigt drei Ilinterleibsringe, das letz-
tere die gewöhnliche Zahl (6) — Aphelotoma (s. Jahresber. f. 1841.
S. 273) tasmunica von Vandiemensland, das cT '" ^^^ Are, das 9 in
den Tr. abgebildet. — Endlich noch eine vierte neue Gattung Rhin-
opsis in den Are, mit spitz vorgezogenem Kopfschilde, nur 3 Cu-
bitalzellen, gelapptem 4ten Fussgliede, und einer neuen Art, Rh.
Abbat tii aus Georgien in Nordamerika.
Vompiliit Dahlbom (Hym. Europ.) beschreibt eine nam-
hafte Anzahl sowohl europäischer als exotischer Arten, welche unter
folgende Gattungen vertheilt sind: Dolichurus Spin., Ceropales ¥.,
Salius F., Entypus Dahlb., Planiceps Latr., Aporus Spin., Pompilus
F., Agenia, Schiödt. , Priocuemis Schiödt., Pepsis F., Hemipepsis
Dahlb. Charaktere sind für die neuen Gattungen Entypus und He-
vii pepsis nicht angegeben, und ich weiss auch nicht, worauf sie
beruhen mögen: die erstere enthält eine neue Art, E. ochrocerus
310 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
von Algier, die letztere den Pomp, flavus F. und zwei neue Arten.
Als Saliiis betrachtet der Verf. den Pomp, sanguinolentus F., mit
Unrecht, denn die Fabricischen Arten bilden eine sehr eigenthüm-
liche Form.
Fischer v. W. (a. a. O.) beschrieb Po?npilus sesquialle-
rus und P. alienus, den ersten von der untern Wolga, den zweiten
aus Siidrussland.
Guerin (Mag. d. Zool. Ins. pl. 114. 115) stellte drei Arten von
Pompiliis auf, von denen P. Paulinieri vom Senegal neu, P.
Brentonii vom Senegal und Sicilien, nichts anderes als P. croci-
cornis Kl. ist, endlich P. Graellsii von Barcelona, unbedenklich
mit P. luteipennis F. einerlei ist, obschon Fabr. nicht der schwarzen
Schenkelwurzel erwähnt, woran der Verf. Anstoss nimmt.
Xiarratae. Dahlbom (Hym Europ.) begriff unter dieser
Familie die Gattung Palarus Latr., Tachytes Panz., Ltri's F., Larra
Latr. , Astnta Latr. Die Gattungen Tachytes und Larra dürften
schwer aus einander zu halten sein, was schon daraus hervorgehen
mag, dass Tachytes pagaiia Dahlb., eine über einen grossen
Theil von Amerika verbreitete Art, nächste Verwandte von Larra
anathema ist. Ausserdem nur noch die Bemerkung, dass Tachy-
tes tricinct a des Verf., nicht in der hiesigen Sammlung, wie er
es angegeben, benannt, sondern Liris tricincta Fab. (und das Weib-
chen Liris varians F.) und dass Liris orichalcea des Verf. eben-
falls eine Fabricische Art, nämlich Pomp, haemorrhoidalis F. ist.
Spiuola (a. a. O.) stellte eine neue Gattung Dryudella auf,
welche von Larra und Liris dadurch abweicht, dass die Radialzelle
eine grosse Nebenzelle hat, wie bei Dimorpha, von dieser dadurch,
dass die dritte Cubitalzelle mondförmig, wie bei Lyrops ist. Wie
die Ocelien sich verhalten, ist nicht angegeben. Der Verf. rechnet
dahin Dimorpha cincta Pei-ris, und eine neue spanische Art, Dr.
G hilianii.
Auch stellte Ders. (ebendas. ) eine neue Art von Oxybelus auf,
O. aiidalusiacus , und bemerkt dazu, dass derselbe vielleicht eine
Abänderung seines O. Savignii sein mÖgte; bei aller nahen Verwandt-
schaft scheint mir die südeuropäische Art von der ägyptisclren un-
terschieden zu sein.
JVyssonii. Dahlbom (Hym. Europ.) rechnet in diese Fam.
Alyson, mit einer neuen europäischen Art A. Ratzeburgii, Har-
pactiis, Stizus Lestiphorus, Hoplisiis mit zwei neuen Arten H. se mi-
nig er aus Brasilien und //. Behni, durcli glatten Hinterrücken
ausgezeichnet, in Fabricius' Sammlung unter Crabr. fossorius stek-
kendj Gorytes, Nysson. — Stizus dürfte in der folg. Familie an sei-
ner natürlichen Stelle bleiben.
JSembecides, Dahlbom (Hym. Europ.) bildete aus der
Sphex speciosn Drury eine eigene Gattung Sphecius, wie sich diese
aber von Stizus unterscheide, ist nicht angegeben.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 311
ScoUetae, Shuckard (Transact. Ent. Soc. Lond. III. p. 222
berichtigte die Beschreibung der Scolla fulva in Griff. Ann. Kingd.
und bemerkte zugleich, dass das Insect nicht, wie es dort heisse,
aus Südamerika, sondern aus Neuholland sei.
Fischer v. \V. (a. a. O.) stellte drei russische Scolieten auf,
von denen in Scolia rufiventris die Sc. rubra Jur. sich erken-
nen lässt, Myzine spinosn zwar unverkennbar eine ächte My-
zine, aber als Art nicht zu bestimmen ist, My%ine arcuuta end-
lich ein Scolien- Männchen, und zwar vermuthlich das der Scol.
5cincta F. ist, welche sich bis tief nach Sibirien hinein verbreitet.
Spinola (a. a. O, ) beschrieb zwei neue Arten von Myzine,
welche der M. haemorrhoidalis Guer. vom Cap sich zunächst an-
schliessen, und mit ihr ein rothes letztes Hinterleibssegment gemein
haben: M. hispanica aus Andalusien und M. Ghilianii aus Si-
cilien.
JIKutillariae. MutiUa bereicherte Spinola (a. a. O.) mit
mehreren südeuropäischen Arten, M. Qmaculat a, Ghilianii,
fasciaticollis , atigusticollix aus Spanien, M. triarcolata
aus Sicilien und M. Rondani von Parma. — Nur die erste, M.
Smaculata ist schon von Klug als M. 9guttata Kl. in Wtl's Reise
beschrieben.
Eine Arbeit über die neuholländischen Arten von Mutillu lieferte
Westwood (Arcana Ent. II. p 17. pl. 53. 54) mit vielen Abbildun-
gen. Es sind im Ganzen 11 Arten, von denen 4 bei Fabricius auf-
geführt, die übrigen vom Verf. aufgestellt sind. Die M. dorsigera
Westw. halte ich für einerlei mit M. Australasiae F. — Die hiesige
Sammlung besitzt zur Zeit 11 neuholländische Arten dieser Gattung,
von denen nur drei sich unter den von Westwood aufgeführten finden.
JPhynnidae» Derselbe (ebendas.) lieferte eine Abbildung
von Psamatha chalybea Shuck. und Diamma hicolor Westw. von
Vandiemensland. Beide werden doch wohl als Männchen und Weib-
chen zusammen gehören.
Vespariae. Als eine neue Art, Eumenes venusta, wurde
von Fischer v. W. (a. a. O. ) eine Wespe nach beiden Geschlech-
tern abgebildet, welche sich schon bei Christ als Sphex tripunctata
vorgestellt findet.
White (Ann. nat. bist. XII. p. 268) fügte seiner früheren Abhand-
lung über die Honigwespe (Ann. VII. p. 315) einige Bemerkungen des
Einsenders des Nestes, Herrn Hawkins, zu.
Milne Edwards (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. I. p.xxxiv)
beschrieb das Nest der Epipone tatna (Pol. morio F.). Es ist nur
von Kartenstärke, aber fest, um einen Baumzweig gebaut und gleicht
in seiner Form und durch die Ringe seiner Oberfläche dem Panzer
eines Gürtelthieres (Tatu), daher der Name der Wespe.
Spinola veröffentlichte eine kleine Schrift: Osservazioni sopra
312 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
caratteri naturali di tre faniigli d'Insetti Imenotteri cioe le Vesparie,
le Masari e le Criside, Genova, 1843, welche hauptsächlich gegen
Lepelletier's wunderliche Eintheilung gerichtet ist, welche die gesell-
schaftlichen Wespen von den einzeln lebenden M^eit absondert. Der
Verf. macht namentlich darauf aufmerksam , dass bei den Wespen
ausser den längsgefalteten Flügeln durch den Bau des Hinterrückens
die Fähigkeit bedingt sei, den Hinterleib in die Hohe zu richten,
die Masariden verbinden damit auch die, den Hinterleib unterzu-
schlagen, welche die Chrysididen auszeichnet, die indess die erstere
nicht haben.
Jtpiariae* Zu den von Spinola (a. a. O. ) beschriebenen
spanischen Bienen ist Mehreres zu bemerken. Andrena lanugi-
710 sa Spin, ist meine Andr. pruinosa (in Waltl's Reise). — Sphe-
codes collaris Spin., neu, (gelegentlich werden hier zwei andere
neue Arten beschrieben Sph. rubripes von Bombay, und Sph.
cribosus aus Südafrika). — Dasypoda baetica Spin, ist nach
den von llossi mitgetheilten Typen dessen wahre D. discincta. —
Campt opoeuni nennt der Verf. eine neue Gattung, welche die Pro*-
opis frontalis F. {Puiiurgus nasutus Spin.) aufzunehmen bestimmt
ist, und der eine neue spanische Art C. interruptum zugefügt ist,
welche indess vielleicht x von meinem Panurg. venustus (Waltl's
Reise) ist. — Amviobates fiiuticus Spin, möchte schwerlich von
A. rufiventris Latr. verschieden sein: der Verf. nimmt daran Anstoss,
dass bei der Latreilleschen Art die Schienen und Füsse, bei seinem
nur die Füsse roth sind, bei dem Exempl. unserer Sammlung sind
die Schienen halb roth, woraus hervorgeht, dass dieser Unterschied
nicht viel bedeutet. — Osmia baetica. Spin, stimmt in vielen
Punkten mit meiner O. rutila (Waltl's Reise) und ist vielleicht nur
Abänderung: O. rutila hat den Hinterleib dunkelroth, auch sind die
Beine ganz roth. — Megachile Ghilianii Spin., mir unbekannt.
— Xylocopa sinuatifrons Spin, ist X. Cantabrica Lepell., so
wie X hellenica Spin. (a. a. O.) aus Griechenland einerlei mit X.
Olivieri Lepell. ist.
Fischer v. W. (a. a. O.) stellte auf: Melecta fascicnlata
und iipuiictata, beide vom obern Ural, Bombiis melinoides
von Irkutsk, vom B. Sibiriens F. nur durch das Fehlen der rothen
Binde auf dem Mittelleibe unterschieden; Apis daurica, eben-
daher und aus Südrussland, schwerlich mehr als örtliche Abänderung
der A. mellifica.
F. Smith (Transact. Ent. Soc. IIL p.293) beobachtete Nomada
Schäfferella (zu der N. connexa Kirby als ^ gehört) als Parasiten
von Eucera longicornis. Die Bienen schwärmten im Juni zusammen,
und als er im März die Nester aufgrub, traf er die Nomaden in den
Nestern der Eucera bereits entwickelt. Es ist hiermit ein Anfang
zu genaueren Beobachtungen über das Verhältniss der Parasiten
gemacht.
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1843. 313
Ueber die Wachsbereitung bei den Bienen haben Dumas und
Mi Ine Edwards (Ann. d. sc, nat. XX. p. 174) Untersuchungen an-
gestellt, welche denen von Huber und Gundelach widersprechen, in-
sofern diese sich durch ihre Versuche überzeugt zu haben glaubten,
dass das Wachs in dem Körper der Bienen aus der vegetabilischen
Nahrung nur abgeschieden werde. Durch gründliche und umsichtige
Versuche haben dagegen obige Verf. dargethan, dass das Wachs eine
thierische Absonderung sei, zu welcher der Fettkörper den Stoff
hergebe.
Das Geschlechtsverhältniss bei den Meliponen ist von Klug
(Ber. ü. d. Verband!, d. Arad. d. Wiss. z. Berlin 1843. S. 219) erläu-
tert worden. Er spricht sich entschieden dahin aus, dass im Stocke
nur ein fruchtbares Weibchen vorkomme, es weicht durch Grösse,
Länge des Hinterleibes u. s. w. von den Männchen und Arbeitern ab,
und würde ohne Zweifel von den einsichtigen Reisenden, v. Olfers
und Sellow in grösserer Zahl eingesandt worden sein, wenn sie es
in Mehrzahl in den Nestern angetroffen hätten. Es sind von diesen
Reisenden indess unter einer grossen Zahl von Arbeitern und vielen
Männchen nur von drei Arten einzelne Weibchen gesammelt, näm-
lich von der Manduri-Biene (M. liturata n. sp.) der Wora-Biene
(J\I. claripes, Centr. claviyes F.) und der Jetahi-Biene (M. angustula
Latr.).
^trepsiptera.
Auf V. Sieb cid 's wichtige Arbeit über Strepsiptera (in diesem
Archiv 1843. l.Bd. S. 137. T. 7) ist schon im vor. Jahresberichte auf-
merksam gemacht Morden.
MJepidoptera,
Eine neue wichtige Uiiternehniiing im Gebiet der euro-
päischen Schmetterlingskunde ist Her rieh- Seh äffer's ,, Sy-
stematische Bearbeitung- der Sclinietterlinge von Europa als
Text, Revision und Supplement zu J. Hiibner's Sammlung
europäischer Schmetterlinge, mit Kupfertafeln von Geyer.
Die Tafeln enthalten im Hiibnerschen Werke noch nicht ab-
gebildete Arten und Abarten, der Text giebt eine systemati-
sche Uebersicht über die europäische Schmetterlingsfauna. Bei
der Eintheilung sind aber nur die europäischen Arten berück-
sichtigt, und vielleicht weil sie zu vielfach gegliedert ist, ge-
währt sie keine leichte Uebersicht. Dass in der Aufnahme
der Arten nicht überall Kritik angewendet ist, geht daraus
hervor, dass auch hier eine künstlich geschwärzte Deile-
phila Euphorbiae als D. Esulae abgebildet ist. Sehr zweck-
Archiv f. Naturgesch. X. Jahrg. 2. Bd. X
314 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
massig sind die Darstellungen der Gattungskennzeichen in be-
sonderen Unirisszeichnungen. Aus 1843 liegen zwei Lieferun-
gen, jede mit 10 Tafeln, vor, das Werk ist aber im raschen
Fortschreiten begriffen.
Heber den Inhalt der im J. 1843 erschienenen Lieferun-
gen von Freyer's „Neue Beiträge zur Schmetterlingskunde"
ist bereits im vor. Jahre berichtet.
Ueber die Falter der Reinthal- oder Schlückenalpe bei Reutte
in Tirol berichtete Freyer (Ent. Zeit. S. 153. 162).
Nachricht über eine lepidopterologische Excm-sion voft Wien aus
in die Steyrischen Alpen (ebendas. S. 144).
Entomologische Notizen von Kok eil (Isis 1843. S. 139) betreffen
einige bei Laibach beobachtete Schmetterlinge.
Hering (Ent. Zeit. S. 6. 343. 354) setzte seine Aufzählung der
pommerschen Falter fort.
Oberlehrer Dr. H. R. Schmidt in Danzig (Preuss. Prov. Blatt.
S. 316) gab einen kleinen Nachtrag zu v. Siebold's Verzeichniss der
Schmetterlinge Preussens. Unter den 13 hinzugefügten Arten befindet
sich u. a. Doritis Mnemosyne, von Herrn Kaspari aufgefunden.
British Moths and their Transformations. With 56 coloured
Plates by Humphreys and descriptions by J. O. Westwood Vol. L
Lond. 1843. 4.
Eversmann (Bull. Mose. p. 535) hat eine Anzahl neuer Schmet-
terlinge vom Ural und Altai beschrieben und zum Theil abgebildet,
welche unten näher angegeben werden.
Untersuchung der Heine der Schmetterlinge. Ein Beitrag
zur Systematik. Von Dr. Adolph Speyer und Otto
Speyer (Isis S. 161).
Diese Abhandlung bildet eine Fortsetzung der vortrefflichen und
musterhaften Arbeiten, welche die Verf. ebenda 1838 und 39 über
den Bau der Fühler und das Vorkommen der Nebenaugen ausgeführt
haben. Die Beine der Schmetterlinge sind bisher weniger beachtet
worden als sie es verdienten, gleichwohl bieten sie für das System
treffliche Merkmale dar. Die Verf. haben hier einen Schatz von
Beobachtungen niedergelegt, und es ist nur zu bedauern, dass ihnen
nicht vollständigere Sammlungen, namentlich auch aussereuropäischer
Schmetterlinge zu Gebote standen, deren Untersuchung zu durch-
greifenderen Ergebnissen geführt haben würde. Dies ist von den
Verf auch überall gefühlt worden. Doch haben sie auf Vieles auf-
merksam gemacht und diese Abhandlung verdient im höchsten Grade
die Aufmerksamkeit der Lepidopterologen; nur auf einzelne Punkte
kann ich im Folgenden aufmerksam machen.
In Bezug auf die Häutung der Raupen bestättigte Ashton (Trans-
act. Ent. Soc. of Lond. 111. 157) die Beobachtungen von Svvammerdam
und Bonnet, nach welchen mit der äussern Haut zugleich die inner-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 315
sten Häute des Nahrungskanals und der Tracheen abgelegt wer-
den, gegen Herold, welcher dies m Abrede stellt. Ashton stellte
seine Untersuchungen an der Raupe von Sphinx Ligustri an, auch an
der abgelegten Kaupenhaut hinter der Puppe fand er die innere
Darmhaut vor, und konnte durch Einweichen in Wasser die feinen
Verästelungen der Tracheen darstellen.
Zwei hermaphroditische Schmetterlinge wurden von Zeller
(Ent. Zeit. S. 299) beschrieben: Hipparchia Janira und Geometra
hcheuaria. Den letzteren erhielt der Verf. frisch aus der Puppe
aufgespiesst legte er eine Menge unbefruchteter Eier. Schade dass
dieser Schmetterling nicht anatomisch untersucht wurde!
Papiliones, Eine neue, der Rittergruppe angehörende Gat-
tung Teitiopalpus wurde von Hope (Transact. Lin. See. S. 131)
errichtet, und auch von Westwood (Arcana Ent. XV T 59 60)
erläutert. Flügelschnitt und Flüaelgeäder, sowie die ausgebildeten
Vorderbeine von Papilio, die Stirn aber kegelförmig vortretend und
die Taster, wie bei den Nymphaliden, vorgestreckt, die Fühler kurz
die Keule allmählich verdickt. Zwei ansehnliche, prächtig gefärbte
Arten, T. imperialis und Parryae, sind in Sylhet einheimisch
vielleicht, wie die Verf vermuthen, die Geschlechter einer Art'
welche Annahme bei wirklich grosser üebereinstimmung dadurch
bedenklich gemacht wird, dass die erste {^) einfach, die zweite (Q)
doppelt geschwänzte Hinterflügel hat.
Aus der Gattung Papilio hat West wo od in seinen Are. Ent.
wieder mehrere Arten abgebildet und zwar von indischen den P
Glycerion Gray (pl. 55) von Semiah, Jgetes Westw. (ebendas.)
muthmasslich aus Sylhet, Astorion Westw. und Chara Westw. {Va-
rima White) aus Sylhet. (T.66). - Ueber die neuholländischen Ar-
ten ist im ISten Heft eine üebersicht gegeben, und mit dem P. Ana-
ctus MacL. eine neue Art, P. Capaneus Westw. abgebildet. —
White (Ann. nat. bist. XII. p.262) machte eine neue Art, P. Rid-
leyanus vom Zairefluss bekannt.
Eversmann (Bull. Mose. S. 539) unterschied drei neue Arten
von Dorttis aus den südlichen Vorbergen des Altai: D. Clarius
(T.9. F. 1), D. Actius (T.9. F. 2) und D. Delphins (T. 7. F. 1).
Herrich-Schäffer (a. a. O.), indem er sämmtliche Tagschmet-
terhnge mit Ausnahme der Hesperien Papilionides benennt, bringt
für die Rittergruppe die Bezeichnung Equitides in Vorschlag, welche
bei ihrer hybriden Bildung unmöglich Beifall finden kann.
In der Pieriden- Gruppe machten A. und O. Speyer (Isis
S. 178) darauf aufmerksam, wie P. Crataegi von den übrigen Arten
abweiche, und eine eigene Gattung bilden dürfe. Aus der Verglei-
chung der aussereuropäischen Arten kann es jedoch sich erst er-
geben, ob die bemerkten Unterschiede standhaltig sind.
Eine neue Art ist Pontia Leucodice Eversmann (a. a. O.
X*
316 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
S. 541. T. 7. F. 2) aus den Kräutersteppen am Nor Saisan. Sie ist
der P. Bellidice zunächst verwandt.
In der Nymphalid en-Gruppe bemerken A. und O. Speyer
(Isis S. 170), dass sich Argyiinis von Melituea standhaft dadurch
unterscheidet, dass bei letzterer nur die Unterseite, bei ersterer auch
die Oberseite des Fusses , und meistens auch der Schiene mit Sta-
chelborsten besetzt sind. Arg. Ino hat beim rj' ganz kahle lange
Putzpfoten eigenthiimlich.
Jos. Mann (Ent. Zeit. S. 62) suchte durch mikroskopische Un-
tersuchung der Schuppen die Verschiedenheit von Apatura Clytie
und Ilia nachzuweisen. Mir scheint damit die Sache noch nicht
entschieden zu sein, denn es kann die Schuppenform im Zusammen-
hang mit der Färbung abändern, wie ich ein solches Verhalten bei
beschuppten Elateren nachgewiesen habe (s. Germ. Zeitschr. S. 78).
Zwei neue Arten von Charaxes aus Sylhet, Ch. Delphis und
Eudamippus wurden von Ed. Doubleday (Ann. d. 1. Soc. Ent. d.
Fr. 2. ser. I. p. 217. pl. 7. 8) beschrieben und abgebildet.
Satyrides. Zwei neue Arten sind von Eversmann (a. a. O.
S. 538) entdekt worden; Hipp. Ocnus, der H. Manto imd H.
Sujibecca, der H Phryne zunächst verwandt, die erste vom Hoch-
gebirge, die zweite aus der Steppe am Nor Saisan.
Lycaenides. Durch ihre gründliche Untersuchung des Fuss-
baues haben A. und O. Speyer die hübsche Entdeckung gemacht,
dass diese Gruppe mit den Eryciniden und Hecaerge in die Abthei-
lung der Heteropoden gehört, deren Vorderbeine nämlich nach Ge-
schlechtern verschieden gebildet sind. Bei Hecaerge und den Ery-
ciniden haben die Männchen bekanntlich Putzpfoten, bei den Lycae-
niden besteht die Verschiedenheit darin, dass den Männchen an den
Vorderfüssen die Klauen fehlen: das Klauenglied endet jedoch selten
stumpf (bei L. llicis), sondern läuft gewöhnlich in eine scharfe
Spitze aus.
Eversmann (a. a. O.) stellte drei neue sibirische Arten auf.
L. coelestina und Fi schert aus den Vorbergen des Ural und L.
Pheretiades vom Nor Saisan.
Lyc. Edno Doubleday (Dieffenb. Trav. II. p. 283. n, HO) ist
eine neue Art aus Neuseeland.
Sphinqes. Notice of the occurence of Hybrid Individuais oc-
curring in the Genus Smerinthus. By Mr. Henry House. In a
Letter addressed to W. Raddon Esq. (Transact. Ent. Soc. Lond. IlL
p 193). _ Description of a Hybrid Smerinthus, with Remarks on
Hybridism in general. B. J. O. Westwood ( ebendas. S. 195). —
Hr. House erzielte Blendlinge von Sm. Populi 9 und Ocellatus cT.
welche zwischen beiden Eltern die Mitte halten, aber an der Schön-
heit beider nur geringen Antheil haben. Es fehlt ihnen auch die
Zeugungskraft, sagt der Verf., vollkommen, und sie stehen offenbar
auch zwischen beiden Geschlechtern mitten inne. Westwood hat
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 317
eine genauere Beschreibung des Blendlings beigefügt, welche ergiebt,
dass er in den Vorderflügeln mehr dem S. Populi, im Uebrigen mehr
dem S. ociellatus sich anschliesst.
Chelonidae» Eversmann (a. a. O. T. 10. F. 1 u. 4) bildete
zwei schöne neue Arten von Euprepia aus den südlichen Vorbergen
des Altai ab: E. intercalaris , der E. fasciata ähnlich, aber mit
rothen Hinterflügeln, und E. Glaphyra, der vorigen ähnlich aber
klein, und in den Vorderflügeln mit der Zeichnung der E. maculosa.
Graells (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. I. p. 359. pl. 12)
theilte seine Beobachtungen über Betragen und Verwandlungsge-
schichte der Cheloiiia LatreiUei mit. Die Raupe lebt vorzugsweise
von den Blättern der Plantago lanceolata. Das Männchen des
Schmetterlings kommt im Betragen mit denen von Trichiosoma über-
ein, namentlich fliegt es, wie diese, wild im Sonnenschein.
Guenee (ebendas. S. XLV) berichtete, dass er Zygaena balea-
rica Boisd., ganz mit der spanischen übereinstimmend, im Westen
Frankreichs angetroffen habe ; ob sie eigene Art sei oder nur Abänd.
von Z. Sarpedon, wofür Rambur sie ausgebe, würde erst aus der
Kenntniss der Raupe sich ergeben.
Sonihyces, Beobachtungen über die in Krain und Kärnthen
vorkommenden Saturnien {S. Pyri, Spüii, coecigenä) theilte Kok eil
(Isis S. 134) mit.
Satur7iia Perrot et ii Guerin (Mag. d. Zool. Ins. pl. 123)
von Pondicheri, ist der S. Paphia ähnlich, aber ohne Fensterfleck,
dagegen mit einem ziemlich kleinen rothen Auge auf der Mitte jeden
Flügels. — Eine andere indische Art ist S. Zuleika Hope (Trans-
act. Lin. Soc. XIX. p. 132. T. 11. F. 5) aus Sylhet. — Satnrnia
Helena und Janetta White (Ann. nat. bist. XII. p. 344) sind neue
australische Arten. — Bombyz Mariana Dess. (ebendas. S. 264)
vom Zairefluss,
Gastropacha bereicherte Eversmann (a. a. O. p. 542. T. 10.
F. 2) mit einer neuen Art, G. Ev ersmaTt?it Kind., welche sich der
G. Medicaginis und Trifolii anschliesst, und deren Raupe in den
Vorbergen des Ural und Altai auf Caragana frutescens lebt. — Ueber
die Zucht der G. Dumeti machte Daniel (Ent. Zeit. S. HO) eine
Mittheilung
Psyche hirtella Eversmann (a. a. O. p. 542) lebt in den
Vorbergen des Ural. Die Raupe findet sich sehr häufig an Eichen-
und Birkenstämmen. — Die Naturgeschichte der Ps. albida wurde
von Merck beschrieben. (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. I. p. 81).
Lithosia lurideola Zinck. wurde von Fischer von Rössler-
stamm (Ent. Zeit. S. 118) in ihren Artrechten gegen Freyer verthei-
digt, welcher sie mit L. complana verbinden will.
Von Neuseeland ist Hepialus virescens Doubleday (Dief-
fenb. Trav. 11. p. 284. n. 114).
318 Erichson: Bericht über die wissenscli. Leistungen in der
JSToctuae* Einige neu entdeckte sibirische Eulen vurden von
Eversmann (a. a. O. p. 545) beschrieben: Episema dcplanata
aus den Verbergen des Ural, Am phipyra phantasma aus den
südl. Vorbergen des Altai, Mamestr a sylvicola aus den südl.
Vorbergen des Ural, Apamea moderata, Xylina Ictcrius,
Leucania Hellmanni^ Cncullia praecana alle aus den Vor-
bergen des Ural, Catocala deducta (T. 10. F. 3) aus den südl.
Vorbergen des Altai.
Plusia ertosovia Doubleday (Dieffenb. Ti-av. II. p, 285.
n. 117) ist eine neue Art aus Neuseeland.
Geometrae» Neue Arten von Eversmann (a. a. O. S. 550)
sind Larentia taeniotata, Cidaria Burgaria , Idaea cul-
minaria, alle aus den Vorbergen des Ural.
Doubleday (Dieffenb. Trav. 11. p. 285) führt Aspilates? sub-
ochraria, Cidaria rosearia, C.? einer aria, Acidalia pul-
chraria, Ptychopodariihraria, rubr opunctaria als neue
neuseeländische Arten auf.
Die Raupe von Gnophos variegata wurde von Bruand (Ann. d.
1. Soc. ent. d. Fr. 2. ser. I. p. 249. pl. 10) beschrieben und abgebildet.
JPyralifles» Zell er (Ent. Zeit. S. 140) beschrieb einen neuen
Zünsler aus Lievland, Asopia Lienigialis , welche von der deut-
schen A. farinalis sich durch dunklere Farbe, schmälere Vorderflügel
u. a. m. unterscheidet. Bei der grossen Uebereinstimmung der schwe-
dischen und liev- und kurländischen Fauna Hesse sich fast erwarten,
dass diese Art auch in Schweden vorkommt, und dann würde sie
die ächte Linneische Ph. Pyr. farinalis sein, welchem die Beschrei-
bung in der Fn. suec. auch durchaus nicht widerspricht.
Eversmann (a. a. O. S. 553) beschreibt 2 neue Arten: Enny-
chia alborivularis aus dem Orenburgischen, und E. cacujni-
nalis, von den Vorbergen des Ural.
Neue neuseeländische Arten sind: Diasemia grammalis,
Margaritia flavidalis, M. quadralis, M.? cordalis Dou-
bleday (Dieffenb. Trav. II. p. 287).
Vortrices* Guenee (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. I.
p. xuii) macht darauf aufmerksam, dass Carpocapsa coniplana Hü. zu
Millionen in allen Wäldern Frankreichs zu finden sei, wo die Raupe
in Eicheln lebt.
OPineae, Ders. (ebendas. p. xu) berichtet, dass er Crambus
pediolellus Duponch., später als Cr. sptirieUiis von Geyer abgebildet,
in den Dünen der Bretagne angetroffen habe, die Raupe lebt dort in
einem aus Seide und Sand bereiteten Sack an den Wurzeln des
Triticum. — Zeller (Ent. Zeit. S. 142) stellte eine neue Art von
Crambus auf, nach der Entdeckerin, Frau Past. Lienig, Cr. Lieni-
g teil HS benannt, und in Lievland einheimisch.
Ders. (ebendas. S. 281) wies nach, dass Linne unter T. xylo-
Naturgeschichte der Insecten M'ährend des Jahres 1843. 319
Stella zwei Arten vermengt habe, von welcher die eine T. harpella
auf Lonic. xylosteum, die andere, T. xylostella auct., auf welche
Linne's Beschreibung hauptsächlich zutrifft, auf Cruciferen lebt. Der
Verf schlägt daher vor, die letztere mit T. cruciferarum zu be-
zeichnen und den Namen xylostella ganz eingehen zu lassen.
Depressaria Gossypiella, eine den Baumwollenpflanzungen
in Indien schädliche- Schabe, ist von Saunders (Transact. Ent. Soc.
III. p. 284) beschrieben.
Doubleday (Dieffenb. Trav. II. p. 288) führt mehrere neue
Schaben von Neuseeland auf: Crambus ramosellus^ flexuo-
sellus, vitellus; Argyrosetia stilbella.
JD ip t er a»
Ueber die Bedeutung des sogenannten Saugmagens bei
den Zweiflüglern hat Loew (Ent. Zeit. S. 114) seine Beob-
achtungen mitgetheilt.
Die gewöhnlich angenommene Ansicht von Treviranus, dass das
Organ durch Luftverdünnung das Aufsaugen von Flüssigkeiten be-
wirke, wird auf das Entschiedendste zurückgewiesen. Angemessener
hatte Ramdohr diesen Theil als Speisesack bezeichnet. Bei frisch
ausgeschlüpften Insecten fand der Verf. ihn leer und zusammengefal-
tet. Leer blieb er auch, wenn das Insect ohne besondere Gier Nah-
rung zu sich genommen hatte; hatte es aber vorher länger gefastet,
oder war die Speise besonders wohlschmeckend, so fand sich im
gesättigten Insect nicht nur der Magen, sondern auch der sogenannte
Saugmagen voll Speise, mochte es eine Flüssigkeit oder Pollen sein.
Durch Druck des Hinterleibes und wahrscheinlich auch durch Thä-
tigkeit der muskulösen Wandungen wird dann später diese Nahrung
allmählich in den Mund zurückgepresst, und dann in den wirklichen
Magen geschluckt. Luft fand sich nur sehr ausnahmsweise in dem
sogenannten Saugmagen.
Ueber die Schwinger (halteres) der Dipteren hat Gou-
reau (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. L p. 299) Versuche
angestellt, durch welche die Ansicht bekräftigt wird, welche
dieselben als den hinteren Flügeln entsprechend betrachtet.
Die Spitze des Schwingers bildet einen luftgefüllten Kolben,
welcher bei grösseren Zweiflüglern nur mit hörbarem Knacken zer-
drückt wird. Dies aber, so wie Abtragung beider Schwinger, ob-
schon sie auf einer Seite ohne merkliche Störung geschehen kann,
beeinträchtigt zunächst das Flugvermögen, und hat beständig inner-
halb 6 — 8 Stunden den Tod zur Folge. Die nahe Verbindung der
Schwinger mit den Athmungsorganen erklärt diese Erscheinung.
Mehrere Hymenopteren, denen beide Hinterflügel abgeschnitten wur-
den, zeigten ein gleiches Verhalten. Der Verf. folgert daraus, dass
320 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
die Schwinger der Dipteren umgebildete Hinterflügel, aber keine
Stummel derselben, sondern zur Fortbewegung und zum Leben selbst
nothwendige Organe seien.
Zetterste (J ts ,,Diptera Scciiulinaviae'' sind im regel-
mässigen Fortschreiten begriffen, lui Jahre 1S43 ist der
zweite Band erschienen, welcher die Familien der Doliclio-
poden und Syrphici umfasst.
Macquart's ,,Dipteres Exotiqnes" sind mit der dritten
Abtheilung des zweiten Bandes geschlossen worden.
Vipulariae» Zur Verwandlungsgeschichte einiger Dipteren
aus der Abtheilung der Nemoceren, und über ihre Stellung im Sy-
steme, von Loew (Ent. Zeit. S. 27).
1) Der Verf. beobachtete die Entwickelung von Ceratopogon
bipunctatus Meig. Die Larve lebt unter feuchter Baumrinde und in
den Spalten im Wasser stehender Pfähle-, die Nymphe zeigt das
sehr Bemerkenswerthe, dass sie in der letzten Larvenhaut bleibt. —
2) Lasioptera und Sciara zeigen in ihren früheren Standen grosse
Uebereinstimmung, stehen überhaupt in so naher Verwandtschaft mit
einander, dass Sciara nur neben Lasioptera an ihrer natürlichen
Stelle steht.
Macquart (Ann. d, 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. l. p. 59. pl. 3) be-
schrieb eine neue Gattung Blepharicera , welche er in die Nähe
von Anisomera gestellt wissen will, mir scheint sie indess näher mit
Simulium verwandt. Die Augen stossen beim cf zusammen. Der
Rüssel wird von einer hornigen spitzen Lefze überragt. Die Beine
sind lang und zart. Die Fühler etwa lögliedrig, vorn fein behaart.
Die Gattung scheint nahe verwandt mit Asthenia W'estw. (s. vorigen
Jahresber. S. 257), wenn sie überhaupt verschieden ist. BL limbi-
pennis Macq. ist in Südfrankreich, im Thal der Loire in grosser
Menge beobachtet.
Rondani (ebendas. p. 263.) lieferte eine Monographie einer
von ihm 1840 in einer kleinen zu Parma erschienenen Schrift auf-
gestellten Gattung Hebetomus, welche zugleich eine eigene Gruppe
Hebetominae bildet. Fühler bei beiden Geschlechtern fast von Kör-
perlänge, etwa 14gliedrig, dicht behaart, die Haare kurz, nicht Avir-
telförmig, Augen rund, bei beiden Geschlechtern aus einanderstehend.
Kopf schnautzenförmig vorgezogen, der Saugrüssel noch etwas länger
als die Schnautzo, dick, die Taster 4gliedr. , das letzte Glied lang,
dünn, biegsam. Die Flügel dicht behaart, mit zahlreichen Längsner-
ven. Drei Arten: H. papatasii, Tip. pap. Scop., in Mittel-Italien,
H. minutus, neue Art, aus der Ebene Parma's, H. molesfus
(Ci/niph. fiiolesta Costa) aus dem Neapolitanischen, unter 1" klein,
aber durch ihre Stiche sehr lästige Insecten.
JBntpiaes. Schummcl (Arbeit, u. Veränd. der schles. Ge-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 321
sellsch. S. 189) glaubte als neue schlesische Art, Rhamphoviyiu
nlpestris durch die grössere Länge des Rüssels von Rh. anthracina
Meig. unterscheiden zu müssen; es ist indess die Rüssellänge zur
Unterscheidung der Arten hier ein unsicheres Merkmal, da sie sich
nach Umständen ändert.
Jtolichopodes. Zetters tedt 's Dipt. Scandinav. enthalten
eine Anzahl neuer Arten; es ist indess noch die Monographie der
dänischen Dolichopoden von Stäger (s. vor. Jahresber. S. 259) zu
vergleichen, welche noch nicht benutzt worden ist.
^yrphici* Eine neue Gattung Spaxigaster stellte Ron-
dani (Rev. Ent. p. 43) auf: An den Fühlern die beiden ersten Glie-
der kurz, das dritte rundlich, die Fühlerborste kurz behaart, Gesicht
höckrig, Mund nicht vortretend. Augen kahl Vierter Längsnerv
der Flügel gerade. Hinterleib spateiförmig, zusammengedrückt (com-
pressum), an der Wurzel eingezogen. Beine einfach: Sp. Apeiiniiii
schwarz, Hinterleib in der Mitte roth, Flügel rauchig. Von den Ap-
peninen. Ebendaher ist Merodon armipes Rondani (ebendas.).
Zwei neue schlesische Arten wurden von Schummel (Arbeit.
u. Veränd, der schles. Gesellsch. S. 190) aufgestellt, Syrphiis al pi-
co la (zur Untergattung Platycheirus Enc. gehörend, und Eristalis
nigra. antennatus , dem E. pratorum, similis u a. verwandt.
Zetterstedt's Diptera Scandinaviae enthalten zahlreiche neue
Arten: Brachy opa Vit lata aus dem Norden, der B. ferruginea
sehr ähnlich, Do2-os decoratus , dem D. festivus und ornatus
sehr ähnlich, Scaeva nigrit nrsis , diaphana, melunost oma,
nitens, lineola, vittigera, hilaris, 7uacularis, lasioph-
thalma, maculicornisy trianguiifera, cinctella, angu-
stata; Sphaerophoria nigricoxa, von Sph. scripta durch
schwarze Hüften u. s. w. unterschieden, Sph. flavicauda, Loetvii;
Eristalis (der Verf. begreift unter dieser Benennung, abweichend
von der gewöhnlicheren Bestimmung die Cheilosia Meig., während
er Meigens Eristalis ,,Syrphus" nex\ni) proxima, praecox , in-
nupta, coracina, r ostrat a, melanopa , soror, latifrons,
Schmidtii, Pipi%a luteitarsis, v ana, morionella, fulvi-
manu, geniculata, Rat%eburgi, Heringi, Psilota rufi.
coriiis, Paragus ruficauda, Etimerus flavitarsis,Xylota
confinis.
Die europäischen Arten der Gattung Chrysogaster sind von
Loew (Ent. Zeit. S. 204,240,258) sorgfältig auseinandergesetzt wor-
den. Neue Arten sind Chr. longicornis aus Kleinasien, simplex,
ijicisa, von Posen, Macquarti ebendaher , hirtella, insignis,
plumbago , brevicornis , front alis, fumipeimis , die beiden
letzten wieder aus Kleinasien.
Die schlesischen Arten von Sphegina sind von Zell er (Ent.
Zeit. S. 302) gemustert worden. Es ist vom Verf. eine neue, Sph.
322 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Loewii entdeckt worden, ausserdem komnnen Sph. clum'pes, nigra
Meig. und elegans Schumm. vor.
Conoparii. Eine Anzahl neuer aussereuropäischer Arten
von Conops beschrieb Macquart (Dipt. exotiq.), nämlich 1 vom
Senegal, 2 aus Ostindien, 4 aus Süd-, 3 aus Nordamerika und 2 un-
bekannter Heimath.
Oestritles, Clark hat in den Transact. Lin. Soc. XIX. S. 81
einen Nachtrag zu seinen bekannten Arbeiten über diese Familie ge-
geben, in welchem ausser dem neuerlich auch in England aufgefun-
denen Oe. jiictus Meig. zwei neue, Oe. Libyens aus Aegypten, und
Oe. Clarkii Shuck. (wunderliches Compliment!) aus Südafrika, be-
schrieben werden. Ausserdem noch mehrere Bemerkungen und Be-
richtigungen, aus denen wir folgende hervorheben. 1. Oe. Trompe
(stimu/ator Cl.) ist der Verf. geneigt für Männchen des Oe. Tarandi
zu halten, da beide in gleichen Gegenden vorkämen und von Oe.
Tarandi nur 9 vorkommen, alle Oe. Trompe aber cT zu sein schei-
nen. Diese Ansicht ist nicht neu. Modeer sagt, „vielleicht ist
Trompe ^ von Curbma (Oe. Tarandi) oder der Rennthiere Nasen-
bremse". Das letztere scheint mehr Wahrscheinlichkeit für sich zu
haben, wenn man das verschiedene Vorkommen beider berücksich-
tigt: Oe. Trompe findet sich auch in Deutschland, wahrscheinlich
im Rothwild lebend, während Oe. Tarandi hier nie gesehen ist.
(Das Rothwild hat bekanntlich auch eine Hautbremse, welche noch
nicht ermittelt ist: sollte sie einerlei mit der Rinderbremse sein?)
2. Oe. Ericetormn Leach erklärt der Verf. für cf von Oe. Bovis.
3. Oe. pecornm F. will der Verf. als Abänderung mit Oe. veteri-
nus vereinigen, er ist aber 9 einer ihm unbekannten eigenen, im
Pferde lebenden Art. — 4. Oe. Clarkii Leach hat der Verf. als lichte
Abänd. des Oe. veterinvs befunden. — 5. In Folge nachlässiger Com-
pilation, bedauert d et Verf., in den Werken Meigens, Megerle's (sie!)
u. a, den Oe. lineatus De Vill. als eigene Art aufgeführt zu finden:
es sei unzweifelhaft Oe. Bovis. — 6. Geht der Verf. zu weit, wenn
er es unter der Würde des Menschen hält, eine eigene Bremse zu
besitzen, und damit das Dasein des alten südamerikanischen Oe. ho-
minis in Abrede stellt '). Endlich 7. erklärt der Verfasser einen
wider seine Ansicht der Salubrität der Magenbremsen angeführten
') Trotz der etwas gezwungenen Erklärungen und der Spässchen,
mit welchen der Verf. den Oestrus hominis zu beseitigen sucht, ist
dessen Vorhandensein, d. i. das Vorkommen einer Larve in Hautge-
schwülsten von neueren Reisenden bestättigt worden. Schomburgk
hatte auch das Insect mitgebracht, welches als Urheber der Ge-
schwülste gilt, CS war dies aber ein kleiner Tabanus, dem sicherlich
die Larve nicht angehört. Die Sache ist also noch weiterer Auf-
klärung bedürftig.
Naturgeschichte ilor liisecten während des Jahres 1843. 323
Fall, wo ein mit Bremsenlarven besetzter Magen durchlöchert gefun-
den wurde, damit, dass dieser Magen sich bei genauerer Untersuchung
als brandig ausgewiesen habe. Woher aber der Brand? Am nächsten
liegt es, ihn als aus Ueberreizung durch die Bremsen entstanden an-
zunehmen.
JHuscariae» Diese Familie hat durch Macquart (Dipt. ex.)
einen namhaften Zuwachs an neuen Arten erhalten. Die Eintheilung
ist im Wesentlichen die alte in den Suit. ä Buff., nurdass hier eine
Reihe von Gattungen von Kobineau Desvoidy und auch von Meigen
(Suppl.) aufgenommen ist. Neue Gattungen sind in der Tachinen-
Gruppe: Hystricia, durch gerades drittes Fühlerglied von Jurinea
abweichend, die T. pyrrhasjns Wd. und drei neue amerikanische
Arten enthaltend; Blephuripexa, mit Eurygaster verwandt, die
Hinterschienen dicht gewinipert, mit einer neuen Art aus Mexiko;
Trichoprosopus, mit haarigem, schrägen Untergesicht, behaarter
Fühlerborste, nackten Augen und breiter Stirn bei beiden Geschlech-
tern, mit einer neuen Art aus Chile; — in der D ex ien- Gruppe:
Megaprosopns , mit verlängerter vortretender Stirn, tiefer als das
Untergesicht herabsteigenden Wangen, sehr kleinen Fühlern, mit
einer neuen Art aus Mexiko; Micr ophthalma, mit sehr geneigtem
Gesicht, kleinen Augen, cylindrischem Hinterleibe, mit einer neuen
Art aus Nordamerika; Cordyligaster, auf D. petiolata Wied. ge-
gründet, welche durch verlängerten, dünnen, stielförmigen ersten
Hinterleibsring sich auszeichnet, und Trichoditra, aus D. anceps
Wd. gebildet, welcher auffallend lange Borsten auf dem Schildehen
und Hinterleibe, sowie eine lange Legeröhre (2) eigenthümlich sind;
— in der Muscien-Gruppe: V achymyia {Stom. vexans Wd. )
durch beiderseits befiederte, Gigamyia {Stom. gigantea Wd.) durch
nackte Fühlerborste von Stomoxys abweichend, Silboniyia (3/.
micans und fiisdpenm's F.) durch schlanke Form von Amenia ab-
weichend, DiapliaHta und Amp liibolia^ beide aus neuen neuhol-
ländischen Arten gebildet, und sehr nahe an Rutilia stehend, mit
kurz behaarter Fühlerborste, bei der letzten jedoch nur an der Wur-
zel; B lepharicneniu, von Lucilia durch dicht gewimperte Hinter-
schienen abweichend, mit einer neuen Art unbestimmter Heimath; —
in der Helomyzen- Gruppe: Curtonotum (H. gibha Wd.) durch
den buckligen Mittelleib u. s. w. von Helomyza abweichend; — in
der Ortaliden-Gruppe Oxycep hala durch die scharf zugespitzte
Stirn ausgezeichnet, mit einer neuen Art unbekannten Vaterlandes;
Camptoneiira, aus Trypeta picta und obscura Wd. gebildet;
Eniconeura mit einer neuen ostindischen Art, Lamprogaster
eine neuholländische Gattung, welche ich eher zu den Anthomyien
zählen würde, weil sie kleine Flügelschuppen besitzt; Crnphiocera
mit einer neuen Art aus Neuguinea; — in der Tephritiden-
Gruppe: Odontomera mit Sepsis-artiger Form, und unten gezäh-
nelten Schenkeln, auf einer neuen Art unbestimmter Heiraath ge-
324 Erich son: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
gründet; Campylocera, mit unten gerundetem dritten Fühlergliede,
mit einer neuen Art vom Senegal; Acanthineura, durch stach-
liche Flügelnerven ausgezeichnet, mit einer neuen Art aus Bengalen;
— in der Sespi d en-Gruppe: Omaloceiihala , durch einen flachen
hinten verschmälerten Kopf bemerkbar, mit einer neuen Art aus
Guyana; — in der Leptopod en-Gruppe: Cardiacephala (Ca-
lob. lovgipes F. Wd. ); — in der Hydromyzid en-Gruppe: ßle-
pharitarsis, mit einfachen Vorderschenkeln und gewimperten Hin-
terfüssen, mit einer neuen afrikanischen Art.
Goureau (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. I. p. 77) erzog aus
Helix conspurcata eine Fliege, welche er unter der Benennung Me-
lanophor a helicivora beschrieb. Die Larve ist vermuthlich die-
selbe, welche in derselben Schnecke schon von Rudolphi beobachtet
wurde. Sie hatte in einem Fühler ihren Sitz.
Guerin (Rev. Zool. p. 262) theilte eine „note monographique"
zur Gattung Rutilia Hob. mit, in welcher er zuerst die Musca mi-
rabilis der Voy. d. 1. Coquill. als eine eigene neue Gattung Formo-
sia absondert, welche in befiederter Fühlerborste mit Amenia
Rob. (M. leonina F. Wd.) übereinkommt, aber durch zusammenstos-
sende Augen des Männchens, schmale Füsse mit sehr langen Klauen
und sehr gestreckten Haftlappen, gebogene (nicht gerade) Querader
an der Flügelspitze und breiten, an der Spitze etwas ausgerandeten
Hinterleib sich absondert. Rutilia entfernt sich durch einfache
Fühlerborste. Von dieser Gattung führt der Verf. 14 Arten auf: 1.
jR. regalis Guer. ; 2. R. itnperialis G. , neue Art; 3. R. formosa
Rob.; 4. R. decora, neue Art, indess wohl kaum von 5. R. splen-
dida (Muse. spl. Don.) verschieden, mit welcher der Verf. M. Austral-
asiae Griff, vereinigt; 6. R. lepida, neue Art; 7. R. inornata,
ist Tachina inusta Wied.; 8. R. Desvoidyi (R. vivipara Rob.); 9.
R. Durvillei Rob.; 10. R. vivipara {Tach. vivipara F. Wd.); 11. R.
sinuata {Muse, simiata Don.); 12. R. speeiosa Er.; 13. R. fulvipes
Guer., welche indess von der vorigen nicht verschieden ist, da die
vom Verf. hervorgehobenen Unterschiede theils individuell sind,
theils auf einem Missverständniss beruhen, indem G. den vor der
den Muscarien eigenthümlichen Quernaht gelegenen Theil des Mittel-
rückens als Prothorax betrachtet; 14. R. vidua, welche indess von
den übrigen in mehreren Punkten sich entfernt, wie Macquart rich-
tig erkannt hat, der daraus eine eigene Gattung, Amphibolia valen-
tina, bildet.
Als Musea (Sareophaga) laemiea bezeichnete White
(Dieffenb. Neuseel. IL 291. n. 136) eine neue Fliege: schwarz mit
grünlichem Hintorleibe, gelben Beinen und gelbem Kopf.
Eine Uebersicht der schlesischen Arten der Gattung Tsila Meig.
wurde von Schummel (Arb. u. Veränd. der schles. Gesell. S. 186)
gegeben; es sind darunter zwei neue: Vs. dispar, mit beim Männ-
chen gekrümmten und keulförmigen Hinterschenkcln, und Ps. ab-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 325
dof/n'/t alis, 3" laiiff, rostgelb, mit schwarz geflecktem Kopf und
Mittelleibe, und schwarzem Hinterleibe.
Monosraphie d'un genre de Museides, uomme Ceratitis , par M.
Guerin - M en evill e (Rev. Zool. p. 191). Der Verf. setzt 5 Arten
auseinander, 1. C. Catoirei (C. citriperda M. Leay Zool. Journ.) von
der Insel Mauritius, 2. C capitata {Tryp. ca/>. Wied.) von Madera,
3. C. hispanica Breme; 4. C. Bremei neue Art vom Senegal; 5. C?
dentipes neue Art aus Neuholland. Die letzte "weicht namentlich
durch eigenthiimliche Vorragungen auf dem Kopfe des ^, welche
mit denen der andern Arten nichts gemein haben, ab, und dürfte
wohl eine eigene Gattung bilden, für welche der Verf. den Namen
Lenopliila in Bereitschaft hält. Die 4te Art ist mir unbekannt,
hinsichts der drei ersten verweise ich auf meine im vorigen Berichte
(S. 2f)3) geäusserte Meinung zurück.
Die Gattung Milichia Meig. unterwarf Loew (Ent. Zeit. S. 310.
322) einer gründlichen Prüfung, und fügte ihr eine neue bei Posen
entdeckte Art, M. formosa zu.
Pupipara. Denny (Ann. of nat. bist. p. 314. pl. 17. F. 5)
beschrieb eine vom Pteropus edulis gesammelte neue Art: Lipo-
ptena Pteropi.
ApTiattiptera. Derselbe (ebindas. S. 315. F. 6) gab eine
Beschreibung und Abbildung des Flohs der Echidna hystrix aus Van-
diemensland: Pul ex Ec hidnne.
Eine Zusammenstellung aller bisher beobachteten Arten und auf-
gestellten Gattungen dieser Familie ist von Gervais (Hist. nat. d.
Ins. Apteres III. p. 362) gemacht worden.
nentiptera.
Ein neues sehr brauchbares Handbuch für diese Ordnung ist
„Histoire naturelle des Insectes Hemipteres par M.M. Amyot et
Äudinet-Serville. Paris. 1843", einen Theil der von Roret her-
ausgegebenen Suites ä Buffon bildend. Die Verf. sind von dem
Grundsatz ausgegangen, ,,qu'un genre n'est pas autre chose qu'une
division methodique venant immediatement au-dessus du dernier de-
gre de division, qui est l'espece, comme l'espöce est elle-meme im-
mediatement au-dessus de la variete". Demgemäss haben die Verf.,
wo sich bei ihren Vorgängern nur irgend Unterabtheilungen ange-
deutet fanden, Gattungen daraus gemacht, daher die Zahl derselben
sehr beträchtlich geworden ist. Manche derselben sind gut, und
werden Bestand haben, andere werden bei tiefer blickenden Syste-
matikern, welchen der Begriff der Gattung ein mehr bedeutender ist,
wieder zu dem Range der blossen Unterabtheilung hinabsteigen, aus
dem die Verf. sie erhoben haben. Für die Benutzung ist die Weise
der Verf. allerdings die bequemere, da bei allzu vielfacher Gliede-
rung durch unter- und Unter -unterabtheilungen alle Haltung in der
326 Eric h so n; Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Eintheiliing verloren geht. Da dies Werk unfehlbar in den Händen
derjenigen Entomologen ist, welche sich mit dieser Ordnung beschäf-
tigen, ist ein näheres Eingehen auf den Inhalt desselben überflüssig.
Herrich-Schäffer's „die wanzenartigen Insecten" sind mit
den beiden ersten Heften des 7ten Bandes fortgesetzt. Im zweiten
ist eine Revision der Pentatomiden angefangen, über welche ich mir
den Bericht erspare, bis dieselbe vollendet ist oder wenigstens ein
grösserer Theil vorliegt. Der übrige Inhalt wird nach den einzelnen
Familien näher angegeben werden.
Peiitatomides, Die schlesischen Wanzenarten der Gattun-
gen Pentatoma imd Cydnus wurden von Schilling (Arb. u. Veränd.
der schles. Gesellsch. im J. 1843. S. 179) auseinandergesetzt. Es
findet sich darunter eine neue Art: Cydiins tiotatus: „schwarz,
Aussenrand der Flügeldecken weiss, Membran braun; letztes Fühler-
glied grau haarig. Länge 1|"'. Einmal bei Landeck gefunden.
Coreides» Von Herrich-Schäffer (a, a. O.) sind folgende
zum Theil neue Arten abgebildet: Copius intermedius Burm. aus
Brasilien (ist Latreillei Serv. Enc), Chariesterus moestus Burm. aus
Mexiko, Nematopus gallus F. aus Cayenne, Anisoscelis fastuosus,
dt'v/sus aus BrasiWen, pulve?'ule?itus aus Mexiko, serrulatus
aus Brasilien, tibialis (nur beschrieben) aus Nordamerika, Hypse-
lonotus pulchellus aus Brasilien, Gonocerus pu7icticornis aus
Cuba.
Ijygaeites, Herrich-Schäffer (a. a. O.) bildete folgende,
grösstentheils neue Arten ab: Lygaeus gutta., alternans, costa-
lis, hamntus aus Mexiko, L. lanio aus Java (ist hospes F.);
Vyrrhocoris sutiiralis F. aus Westindien, jtoecilns aus Java, Sole-
tiis aus Manila (nicht verschieden von KönigüF.), P. obliquus aus
Mexiko, P. pyrrhomelas von Java, Largiis cinctus aus Mexiko,
L. bicolor (nur beschrieben) aus Brasilien; Ophthalmicus dispar
Waga von Warschau.
Microphysa pselaphiformis Westw. wurde von Meyer in der
Schweiz aufgefunden. Er sammelte .sie an eichenen Zaunpfählen.
(Mittheil. d. naturf. Ges. zu Bern. 1843. S. 47).
Capsini. Verzeichniss der in der Schweiz einheimischen
Rhynchoten, von Meyer. Erstes Heft. Die Familie der Capsini.
Mit 7 col. Steintafeln, Solothurn 1843. Eine werthvolle Arbeit, nicht
sowohl ein Verzeichniss als eine gründliche Auseinandersetzung der
schweizer Arten dieser Familie, zu deren Erläuterung die schönen,
nach den Zeichnungen des Verf. von Nicolet lithographirten Tafeln
wesentlich beitragen. Es enthält diese Aufzählung: AJiris 7 Arten,
Lopus 5 A. , Phytocoris 3 A., Capsiis 109 A., Cryptostemma 1. A. —
Neue Arten sind Capsus lucoru?n, hrevicolliSy parallelus,
hortennis, brunnipannis, modestus, Verbasci, al omarius.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1843. 327
salicelhis , coccineiis, hortulanns, solit arius , elegantu-
hfs, citrvipes, ticinensis, nitidus.
Vhyntatites* II errich-Sch äffer (a. a. O.) bildete neben
der Syrtis nervosa F. aus Südamerika, eine neue Art ab: S. forti-
ficata Kl. aus Brasilien.
Uteütivitti» Ders. (a. a. O.) bildete ab: Harjiactoi- haemor-
rlioidalis F. aus Südeuropa, H. niger neue Art aus Ungarn, Redii-
vius maurus F. aus Italien. — Westwood (Proceed. Ent. Soc.
Lond. p. 74) stellte zwei neue grosse Arten vom Palmencap (Guinea):
Ectrichodia imperialis und Platynierns diicalis, sowie
eine neue Gattung Ectinoderus auf: Mit sehr grossem, vorn über
der Einlenkung der Vorderbeine erweitertem, hinten über der Wur-
zel der Halbdecken in zwei Lappen vorgezogenem Halsschilde, sehr
verlängerten Vorderbeinen, mit dicken Schenkeln und geraden Schie-
nen. Fühler 4gliedrig, das Iste Glied lang, die andern allmählich
kürzer und dünner, in den beiden ersten Gelenken kleine Zwischen-
glieder. Hinterleib rundlich, flach, mit unbedeckten Seiten. Ob die
vorderen Schienen Sohlen haben oder nicht, und wie die Klauen be-
schaffen sind, ist nicht angegeben; E. Jonginiaiius von Singhapur?
— Eine neue Art von Neuseeland ist Pirates ephippiger White
(Dieffenb. Trav. II. p. 283).
Galgulites» Guerin (Rev. Zool. p. 112) zeigte, dass Nau-
coris rugosa Desjardins ein Mononyx sei, mit in der Naht verwach-
senen, die Flügel nicht bedeckenden Decken, und dass die Angabe
von Serville und Brülle, dass dieser Theil das Schildclien sei, auf
einem Irrthum beruhe. Für den Fall, dass man eine eigene Gattung
aus dieser Art bilden wolle, schlägt er den Namen Peltophorus vor.
Ferner beschreibt er als neue Arten Pelog onus indicus von den
Nilgherries, P. Perboscii von der Campechebai, Mononyclius
fuscipes aus Columbien, M. laticollis aus Neuguinea.
Vulgorellae» Hope (Transact. Lin. Soc. XIX. p. 132) be-
reicherte diese Familie mit einer Anzahl neuer Arten aus Sylhet,
welche den Gattungen Aphana {amabilis, anrora^ Lystra
{Westwoodti, dimidiat a, puiiicea), Euryhrachis {basalisy
pulverosa, reversa, i^isignis) und Coret hrnra {fuscovaria
angehören, und alle durch schöne Abbildungen von Westwood erläu-
tert sind. Die neue Gattung Corethrura, nach dem langen Flok-
kenschweif an der Hinterleibsspitze benannt, hat ähnlich breite Vor-
derbeine wie Eurybrachis, aber ein schmales, zusammengedrücktes
Gesicht mit hohen Kielen.
Westwood (Arcana Ent. pl. 57) stellte ein Paar neuer indischer
Fulgorellen dar: die eine ist eine Lystra {tricolor) aus Assam,
die andere bildet eine neue Gatt. Cyreiie, eine kleinere Form, mit
kegelförmiger Kopfvorragung, auf welche sich die Seitenkiele der
328 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Stirn fortsetzen, ohne Ocellen, mit sehr breiten, wagrecht getra-
genen, derb lederartigen Decken, deren Hinterwinkel in eine Spitze
ausgezogen ist. C. guttulat a W. ist von Sumatra (die hiesige
Sammlung besitzt eine zweite Art aus dem Sund von Singhapur.
^tridtilantes. Einige Arten sind von Westwood (Arcan.
Ent.) abgebildet; Cicada imperatoria, eine riesenhafte neue Art
aus Ostindion (pl. 51), C. pulchella W. vom Hinialajah, C. Snotata
W. eine schön gefärbte neue Art aus Assam.
j^phidii* Monographie der Familien der Pflanzenläuse (Phy-
tophthires) von K alten b ach. 1. Theil. Die Blatt- und Erdläuse,
(Aphidina et Hypomeneutes), mit erläuternden Abbildungen. Aachen
1843. Eine sehr gründliche Arbeit, um so schätzenswerther, als sie
auf eigenen Erfahrungen beruht. Hinsichts der Fortpflanzung der
Blattläuse ist noch manches Räthsel zu lösen, welches sorgsamen
anatomischen und physiologischen Forschungen vorbehalten bleibt.
Ohne Zweifel wird auch die Aufmerksamkeit der beobachtenden En-
tomologen durch die vorliegende Arbeit um so mehr auf die Erfor-
schung der merkwürdigen Naturgeschichte dieser Familie gelenkt
werden, als durch genaue Beschreibungen sämmtlicher, dem Verf.
bekannt gewordener Arten, die Bestimmung von Blattläusen gegen-
wärtig leicht gemacht ist. Die Eintheilung des Verf. ist folgende:
I. Geflügelte Pflanzen lause, Blattläuse, Aphidina.
A. Vorder fl ügel m it 2gab 1. Cubit US. 1. Jphis L., Fühler Tgl.
meistens so lang oder länger als der Körper; 119 Arten. 2. Lachnus
JH., Fühler Ggliedr. nicht länger als Kopf und Thorax; 13 Arten. —
B. Vorderflügel mit Igabl. Cubitus. 3. Sc/n'zotieura Hart.,
Fühler 6gliedr., Flügel dachartig getragen, Hintorflügel mit 2 Schräg-
adern; 6 A. — 4. Vacmia v. Heyd., Fühler ögliedr., Flügel horizon-
tal getragen, Hinterflügel mit 1 Schrägader; 2 A. — C. Vorderflü-
gel mit einfachem Cubitus. a. Fühler Ggliedr., Vorderflügel
mit 4 Schrägadern: 5. Pemphigus Hart., Hinterflügel mit 2 Schräg-
adern; 7 A. — 6. Tetranenra Hart., Hinterflügel mit 1 Schrägader.
1 A. — b. Vordcrflügel mit 3 Schrägadern: 7. Chermes L., Fühler
ögliedr., Flügel dachartig getragen; 4 A. — 8 Phylloxera Yonsc,
Fühler Sgliedr. , Flügel horizontal getragen; 1 A.
II. Ungeflügelte Pflanzenläuse, Erdläuse, Hypome-
neutes. a. Fühler Ggliedr., 9. Rhixobiits Biirm. (der Name kann
nicht bleiben , da Stephens ihn schon früher für eine Käfergattung
gebraucht hat. S. o. S. 293), letztes Fühlerglied stumpf, länger als
das vorletzte; 2 A. — 10. Forda v. Heyd., {Rhizoteres Hart.) letz-
tes Fühlerglied spitz, viel kleiner als das vorletzte; 1 A. — b. Füh-
ler 7gliedr., letztes Glied sehr klein. — 11. Tratim v. Heyd., Hinter-
füsse lang, ungegliedert ; 1 A. — 12. Paracletus v. Heyd., Hinterfüsse
2gliedr.; 1 A.
Die Lebensweise der einzelnen Arten ist mit musterhafter Ge-
Naturgeschichte der Insocten während des Jahres 1843. 329
nauigkeit angezeichnet worden. In Bezug auf die Fortpflanzung son-
dert der Verf.: 1. vivi-ovipare (Jph's, Lac/iniis), — 2. ovipare
(C/icr?nes, P/it/lloxera, Vacuna?), — 3. vivipare (Tefraneurn, Pem-
phigus, Schixonenra, und höchst wahrscheinlich auch die Erdläuse:
Forda, Rhizobiu.s, Vuracletns, Trama).
Ratzeburg (Ent. Zeit. S. 201) zerlegte Chertnes Abietis L. in
zwei Arten, Ch. viridis und coccineus. Die letztere fällt mit Ch.
strobilobius Kaltenb. zusammen, während die erstere dessen Ch.
Abietis ist.
CoccitJes. Ratzeburg (a. a. O. S. 202) gab von einer neuen
Schildlaus, Coccus racemosus, Nachricht, deren Weibchen auf
Fichtenästchen, oft so dicht wie Traubenkörner beisammensitzen,
anfangs gelblich, später dunkler braun. Das Männchen hat grosse
Aehnlichkeit mit dem von Coccus Cacti.
Thysiinura,
Eine Zusammenstellung der neueren systematischen Arbeiten
über diese Ordnung, namentlich derer von Nicolet und Bourlet, ist
von Lucas (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. I. p. 269) unternommen wor-
den. Da mir die Abhandlungen von Bourlet in den Schriften der
landwirthschaftlichen u. s. w. Gesellsch. zu Lille und des Dep. du
Nord nicht zugänglich gewesen sind, um seiner Zeit darüber zu be-
richten, theile ich hier die Synonymie der Gattungen mit, so wie sie
von Lucas festgestellt ist. I. Podurides Bourl. 1. Tomocerus Nie.
1841. (Macrotoma Bourl. 1839. — gleichnamige Käfergattung). — 2.
Lepidocyrtiis Bourl. — 3. Orchesella Tempi. (Heterotoma, Isotoma,
Aetheocerus Bourl.) — 4. Podiira auct. (Isotoma Bourl.) _ 5. De-
ioria Nie. — 6. Cyphoderus Nie. — 7. Degeeria Nie. (Isotoma, Po~
dura Bourl.) — 8. Achorutes Tempi. Nie. (Hypogastrtira Bourl.) —
9. Lipiira Burm. (Annrophorus Nie. Adicraiins Bourl.). Bei der
letzten Gattung bemerkt der Verf., dass sie nach Waga aus unent-
wickelten Individuen von Achorutes gebildet sei. — II. Sminthuri-
des Bourl. — 10. Sminthurus Latr. 11, Dicyrloma Bourl. (1842).
Eine andere Bearbeitung der Thysanuren, welche die oben er-
wähnten Untersuchungen von Nicolet und Bourlet zum Grunde legt,
ist von Gervais in der Hist. nat. d. Insectes Apteres, par M.M.
Walkenaer et Paul Gervais. III. p. 379 niedergelegt worden, in wel-
cher folgende Gattungen und Untergattungen angenommen sind: I.
Smitithurus Latr. mit der Untergattung Dicyrtosoma Bourl. II. Po-
dtira, mit den Untergattungen 1. Macroto?na Bourl. (Tomocerus Nie).
2. Lepidocyrtus Bourl. (Cyphoderus Nie). 3. Orchesella Tempi. (He-
terotoma und Aetheocerus Bourl.). 4. Heterotoma Bourl. (mit
Aetheocerus Bourl). 5. Isotoma Bourl. (Desoria und Degeeria Nie).
6. Achorutes Tempi. (Hypogastrurus Bourl. Podura Nie). 7. Lip-
ttra Burm. (A?iurophorus Nie, Adicraims Bourl.). 8. Anoura Gerv.
(Achorutes Nie).
ArilnV f. Katmucsrh. X. Jahifr. 2. Bd. Y
330 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Varasita,
Eine handbiichmässige Bearbeitung dieser Ordnung lieferte Ger-
vais in der Hist. nat. d. Ins. Apteres. III. p. 290— 361.
A.rachitiden.
Araneae.
Eine umfassende Arbeit „lieber die Lebensweise der
Aracliniden" wurde von A. Menge in den Neuesten Schrif-
ten der Naturf. Gesellsch. in Danzig. 4. Dd. 1. Hft. nieder-
gelegt.
Es umfasst diese Abhandhing: 1. Entw icke hing. Vor der
ersten Häutung sind die jungen Spinnen nackt, unbestimmt gefärbt,
und verweilen gleichsam erstarrt am Geburtsorte, bis sie nach der
Häutung, behaart, bestimmt gefärbt und thätig werden; auch entvvik-
keln sich dann erst die Spinnwarzen. Spätere Veränderungen bezie-
hen sich nur auf Grösse, Färbung, Form des Hinterleibes, und beim
Männchen Gestalt der Taster. 2. Aufenthaltsort. 3. Bewe-
gung. Interessante Beziehungen der Fussbildung zur Art der Fort-
bewegung. 4. Ernährung. Dieser Abschnitt enthält auch anato-
mische Entdeckungen von grosser Wichtigkeit, namentlich über die
Athmungsorgane. Da es dem Verf. geglückt war, bei Argyroneta
neben den Lungensäcken Tracheen aufzufinden, welche hier genau
beschrieben und abgebildet sind, untersuchte er auch andere Spinnen,
und traf sie bei Salticus und Micryphantes, nicht aber bei Epeira,
Tegenaria, Linyphia, Lycosa und Thomisus. Die Tracheen von Sal-
ticus und Micryphantes münden am Hinterleibsende, nahe den Spinn-
warzen, und liegen büschelförmig im Hinterleibe, auf den sie be-
schränkt bleiben. 5. Webekunst. Lehrreiche Schilderung des
Verfahrens bei Anfertigung des Gewebes nach den verschiedenen
Familien. 6. Fortpflanzung. A.Begattung. Dem Verf. war es
vorbehalten, das physiologische Räthsel zu lösen, welches dieselbe
bisher gewesen war. Die löffelförraigen Taster der Männchen sind
allerdings die Copulations- Organe, mit welchen sie aus der am
Grunde des Hinterleibes befindlichen Ocffnung der Samengänge, den
Samen aufnehmen, und in die weibliche Geschlechtsöffnung übertra-
gen. Das Verfahren ist bei verschiedenen Spinnen sorgfältig geschil-
dert. B. Nesterbau und Sorge für die Jungen. Die befruch-
teten Eier werden in mehreren Fristen gelegt. Alle Spinnen umge-
ben ihre Eier mit einem Gespinnst. Die ausgekrochenen Jungen
werden bei vielen von der Mutter gehütet und selbst gefüttert. 7.
Herbstliche Wanderungen. Der Verf. bezieht die Erscheinung
des sogenannten fliegenden Sommers darauf, dass die Spinnen, welche
sich an feuchten Orten aufhalten, sich mittelst der von ihnen aus-
geschossenen Fäden an passendere Orte zum Ueberwintern begeben.
Naturgeschichte der Arachnidon uiihreiul des Jahres 1843. 331
8. SinnesMahrnehmungen. Der Verf. hat sich nicht überzeugen
können, dass Töne auf die Spinnen Eindruck machen. Auch der all-
gemein verbreiteten Meinung tritt er entgegen, -welche den Spinnen
ein Vorgefühl künftiger Witterung zuschreibt, und theilt hierüber
seine Dem widersprechenden Erfahrungen mit. 9. Alter, Krank-
heit, Feinde. 10. Schaden und Nutzen.
Max Rosenheyn erinnerte, in Bezug auf die eben besprochene
Abhandlung, an seine vor mehreren Jahren geäusserte Ansicht vom
Einfluss der Electrizität auf das Fädenschiessen und auf das Segeln
der Spinnen auf ihren Gespinnsten (Preuss. Prov. Bl. S. 388).
Lettre sur les Araignees aeronautes du genre Lycose,
par P. Hub er (Mem. d. 1. Soe. d. Phys. et d'hist. natur. de
Geneve X. I. p. 1). Ausführlich dargelegte Beobachtungen an
I.ycosen über Fadenschiessen und Fortfliegen mittelst desselben.
Black wall hat mehrere allgemeine Mittheilungen über
diese Ordnung gemacht:
,,0n the Palpi of Spiders" (Report on the 12. Meeting of Brit.
Associat. for the advanc. of science, held in Manchester 1842, Lond.
1843). Der Verf. schildert namentlich den Gebrauch, den die Spin-
nen von ihren Tastern machen. Sie dienen theils zum Sammeln der
losen Fäden, theils — wie bei Dolomedes — zugleich mit den Man-
dibeln zum Festhalten der Eiersäcke; bei den Salticiden, wo sie
stark behaart sind, zum Putzen der Augen.
„Notice of several cases of defective and redundant Organisa-
tion observed among the Araneidea". (Ann. of nat. bist. XI. S. 165,
Fror. N. Notiz. 25. B. S. 273). Die aufgeführten vom Verf. beobach-
teten Missbildungen betreffen hauptsächlich überzählige oder man-
gelnde Augen; auch ein Fall von einem überzähligen Tarsus.
,,A Catalogue of Spiders not previously recorded or little
known as indigenous to Great Britain'', (Transact. Linn. Soc. XIX.
p. 113) enthält zwar fast ohne Ausnahme bereits bekannte Arten,
aber schätzbare Bemerkungen sowohl über Vorkommen und Lebens-
weise als über die Synonymie.
JEpeirides. Koch (Arachn. X. Bd. 5. Hft.) bildete Jtea in-
certa, eine neue Art, wahrscheinlich aus Ostindien, ab, und White
stellte in Dieffenb. Trav. II. 272. 42. Tetragnatha {^Deina-
g nat ha) D andridgii aus Neuseeland, auf.
Vheridites. Neriene graminicolens ist von Black -
wall (Linn. Transact. XIX. p. 125) als neue englische Art aufgestellt,
welche der N. trilineata Koch gleicht bis auf einfarbige, ungeringelte
Beine. (Die Gattung Neriene Blackw. Phil. Journ. 1833 entspricht
Bolyphantes Koch).
JDrassides. Aus der Gattung Clotho bildete Koch (Arachö.
X. 5. Hft.) 5 Arten ab: Cl. Goudotii Latr. aus Aegypten, und Vier
Y *
332 Erich so n: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
neue: Cl. cycacea aus Italien, Cl. f^nttata zweifelhaften Vater-
lands, Cl. st eil ata aus Portugal, und Cl. limbata aus Arabien.
— Die Gattung Enyo wurde ebendas. 4. Heft mit 2 Arten, E. germa-
nica (früher Lucia germ.) Koch aus Deutschland, und E. graeca,
neue Art aus Griechenland, erläutert.
At/elenides. Von Koch (Arachn. X. 5. Hft.) wurden aus
dieser Familie abgebildet: Hersilia caudata Sa.\., ferner Tegenaria
atrica, neue deutsche Art, Philoica iinotina, neue Art aus
Baiern, Agelena Syriaca KL, neue Art aus Syrien, Ag. Pensyl-
vanica, neue Art aus Pensylvanien.
Westring (Kroy. Naturh. Tidsskr. IV. S. 349) beobachtete, dass
das Männchen von Asagena serratipes einen ähnlichen zirpenden
Laut von sich giebt als die Bockkäfer, Reduvien, u. s. w. Bei ge-
nauerer Untersuchung fand er, dass das Schild des Vorderleibes am
Rande fein gekerbt, auf der Fläche fein lederartig gerunzelt ist, am
Grunde, der Einlenkung des Hinterleibes gegenüber* mit einer glatten
Stelle, und die Hinterleibswurzel mit einer gekerbten Leiste umge-
ben, durch deren Reibung an den Vorderleib der Ton erzeugt wird.
Kti/fffilides» Saunders (Transact. Ent. Soc. of Lond. IlL
p. 160. pl. 9) beobachtete auf den Jonischen Inseln eine neue der INI
caementaria verwandte Art, Mygale Jonica, welche in einem san-
digen Thonboden ihre Höhren baut, welche die Eigenthümlichkeit haben,
dass 1. der Deckel über dem Schloss einen Vorsprung bildet, wel-
cher nicht gestattet, dass der Deckel sich über einen rechten Winkel
hinaus öffne, und auch dazu dient, durch einen leisen Druck darauf
den Deckel zu öffnen; 2. dass auch das untere Ende der Röhre einen
ähnlichen aber kleinern Deckel zeigt. In einem Nachtrage (ebendas.
S. 165) theilt der Verf. seine ferneren Versuche mit, sich über den
Bau der Röhren und die Verfertigung der Deckel zu unterrichten.
Westwood (ebendas. S. 170. pl. 10) beschrieb eine neue nord-
afrikanische Spinne dieser Familie Actinopus aedificatoi'ius,
mit ihrer Deckelröhre.
nysderides. Koch (Arachn. X. 5. Hft.) bildete aus dieser
Familie ab: Ariadne pallida, neue Art aus Nordamerika, Sege-
stria Bavarica neue Art aus der Regensburger Gegend, und Dys-
dera Hombergi {Aran. Homb. ^co\>. Dysd. gracilis yVid.) ebendaher.
Zwei neue Spinnen unbestimmter Familie wurden von Koch
(a. a. O.) nach mangelhaften Exempl. aufgestellt. Poltys illept-
dus aus Ostindien ist eine merkwürdige Form, mit nach vorn ver-
schmälertem und fast zugespitztem Vorderleibe; auf dessen Vorder-
fläche stehen vier Augen im Quadrat, auf dem Rücken zu jeder Seite
noch zwei Augen hinter einander. Am meisten ist die Gattung mit
Mithras verwandt, und der Verf. ist geneigt, aus beiden eine eigene
Naturgeschichte der Arachnidcn während des Jahres 1843. 333
kleine Familie der Mithraden zu bilden. — Gea sj)inipes, eben-
falls eine kleine ostindische Spinne, hat die Augen in zwei Reihen,
die mittleren Augen der hinteren Reihe weit zurückstehend.
Solifugae.
VJtrynifles. Phrynus erhielt durch Koch (Arachn. X. 5.Hft.)
einen Zuwachs durch eine Art aus Ceylon, Fhi-. Ceylonicus, vom
nalie verwandten Phr. lunatus durch kürzere und anders bedorntc
Taster nnterschieden. Gervais (Apt.) hat im Ganzen neun, darunter
vier neue Arten, Vhr. sc ah er von den Sechellen und Mauritius,
Vh. cheiracauthus von Guyana, Fh. (irayi von den Philippinen,
Ph. Whitei aus Bengalen.
Während Gervais (Apteres) von Thehjplionns nur die Arten der
Lucas'schen Monographie aufführt, bereicherte Koch (Arachn. X.
2. Hft.) diese Gattung mit einer Reihe von neuen Arten aus sehr ver-
schiedenen Theilen der Erde: Th. Br asilianns aus Brasilien, Th.
Manillanus von Manila, Th. Antillanns von St. Domingo, Th.
Linganus von der Insel Linga (Hinterindien), Th. Australianns
von Neuholland. Zugleich wurden Abbildungen von Th. giganteus
Luc. aus Mexiko (nach beiden Geschlechtern), Th. rufipes Luc. aus
Java und Th. proscorjn'o Latr. ebendaher gegeben. Durch ein Ver-
sehen scheinen bei den beiden ersteren die Citate der Lucas'schen
Monographie ausgefallen zu sein.
^corpionides. Eine Anzahl neuer Arten dieser Familie ist
von Gervais (a. a. O.) aufgeführt, da sich derselbe jedoch auf eine
Abhandlung in den Archiv, d. Mus. d'hist. nat. IIL bezieht, welche
ausführlichere Beschreibungen und Abbildungen enthalten soll, ver-
spare ich den Bericht, bis dieselbe vorliegt.
Ohisides. Koch ( Arachn. X. Bd. 3. 4. Hft.) vervollständigte
die Kenntniss dieser Familie mit einer Anzahl neuer Arten: Cheli-
fer granulattiSy graiidimanus, ixoides, Patixeri, Widert,
Reussii, Fabricii, Hah7iii, Schaff eri, depressuSy Ohi-
sitim sylvaticum, fuscimanum, dninicola, cur ciiioides,
tenellum, elifiiatum, gracile, dubium, alle aus Deutschland;
ferner wurden zwei neue Gattungen dargestellt: Chthonius , mit
den beiden Arten Ch. trofiibidiot'des {Chel. tromb. Latr., ischnochelus
Herrm.) und Ch. orthodactylus (Obis. orthod. Leach), die Kennzeichen
der Gattung sind indess hier nicht angegeben; Pelorus mit einer
neuen Art: P. rufimanus aus Brasilien, nach des Verf. Angaben
mit der Fussgliederung von Chelifer und den Augen von Obisium;
da der Verf. aber nur ein sehr mangelhaftes Exempl. untersuchen
konnte, hat er sich in dem letzten Punkte getäuscht: es sind näm-
lich nicht vier Augen vorhanden, sondern nur zwei, und auch diese
nur durch einen hellen Punkt der Hornbedeckung des Vorderleibes
angedeutet: da ähnliche unausgebildete Augen auch bei einigen ächten
334 Erich so n: Bericht über die wisseiisch. Leistungen in der
Chelifer vorkommen, bedarf also diese Gattung, welche eine grössere
Zahl von Arten besitzen würde, noch einer genaueren Bestimmung.
Galeodides, Ueber die Lebensweise eines indischen Galeo-
des theilte Capt. Hutton (Ann. of nat. hist.XIL S. 81, Fror. N. Notiz.
28. Bd. S. 49), seine Beobachtungen mit. Er ist durchaus nächtlich und
sehr räuberisch, selbst grosse und hartschalige Käfer packt er mit
seinen gewaltigen Mandibeln und beisst sie mit der grössten Leich-
tigkeit in Stücke. Auch eine Eidechse, ohne Schwanz 3" lang, ward
vom Galeodes gepackt und bis auf geringe Reste verzehrt, er M'ar
dann aber auch so vollgefressen, dass er 14 Tage regungslos blieb.
Eine andere Eidechse erhielt von einem Galeodes einen Biss in die
Seite, blieb aber bei der Wunde am Leben, woraus der Verf. den
Schluss zieht, dass der Biss nicht giftig ist. Ein junger Sperling
ward vom Galeodes todt gebissen, aber nicht gefressen. Dergleichen
Thiere beisst der Galeodes dicht hinter dem Kopf. Die eigentliche
Nahrung besteht aber in Insecten aller Art, welche nicht blos aus-
gesogen, sondern förmlich gekaut werden. Unter einander schonen
sie sich nicht, sie kämpfen auf Leben und Tod, und der Besiegte
wird von seinem Gegner aufgefressen. Dagegen hütet die Mutter
ihre Jungen mit der grössten Sorgfalt. Der Verf. hatte ein Weib-
chen eingesperrt, welches (über 50) weisse Eier legte, die es regungs-
los bewachte. Nach 14 Tagen kamen die Jungen aus, welche 3
Wochen hindurch bis zur ersten Häutung ohne Bewegungen blieben,
dann umherliefen, zusehends wuchsen, ohne dass es dem Verf. gelang
zu sehen, dass sie Nahrung zu sich nahmen. Im Freien findet sich
der Galeodes unter Steinen und in Erdlöchern, das gefangene Weib-
chen grub sich auch gleich mit den Mandibeln und Beinen einen
Gang. Der Verf. schlägt für die Art den Namen G. vorux vor, es
ist indess sehr leicht möglich, dass sie von dem Herbst'sclien G. fa-
talis nicht verschieden ist.
O p i 1 i o n e s.
Eine treffliche Arbeit über die Anatomie iles Piialangiuni
opilio lieferte Tulk (Ann. of nat. hist. XII. p. 153. 243. 318.
pl. 3-5).
Aus den umfassenden Untersuchungen des Verf., welche die von
Treviranus über denselben Gegenstand eben so vervollständigen als
sie in den Hauptsachen bestättigen, hebe ich hier nur einige Punkte
hervor. Das darmförmige Organ, welches Treviranus als zu den
männlichen Geschlechtswerkzeugen gehörend betrachtete, obschon
er keine unmittelbare Verbindung mit denselben gesehen hatte, blieb
auch Herrn Tulk seiner Bedeutung nach zweifelhaft. Er verfolgte
die Ausführungsgänge desselben um die Haupttrachecnstämme herum
bis fast an die Athmungsöffnung und vermuthet, dass sie dort nach
aussen münden. Am Nervensystem, dessen Centralthcile bekanntlich
Naturgeschichte der Arachhiden wahrend des Jahres 1843. 335
nicht aus einer Knotenreihe, sondern aus mehreren zerstreuten, aber
symmetrisch gelegenen Ganglien bestehen, Hess sich keine Spur
einer Zusammensetzung aus Bewegungs- und Empfindungsnerven nach-
weisen. Besonders eigenthümlich sind den Phalangien einige Mus-
kelpaaro, welche sich an das Ganglion des Cephalothorax ansetzen
und es vor- und rückwärts, auf- und abwärts zu bewegen vermögen-
Bemerkungen über die Geschlechtswerkzeuge der Phalangien
sind von Westring (Kröy. Naturh. Tidsskr. IV. S. 354) mitgetheilt.
A c a r i.
Von Koch's Uebersicht des Arachnidensystems, 3. Heft,
ist die dritte Abtheiluiig erschienen, welche die Fortsetzung
der Eintheilung der Milben liefert.
Die zweite Familie der Laufmilben: Bdellides , Schnabel-Mil-
ben, ist so weit erkennbar vieräugig, mit kegel- oder nadeiförmigem
freien Rüssel, freien an den Seiten des Kopfes eingelenkten, seitwärts
beweglichen Tastern, und enthält die Gattungen Bdella Latr,, Arn-
vionia K. , Sa'rtts Herrm., Eupalus K. , Cheylettis Latr. — Die dritte
Familie G amaszdes, Thiermilben, ohne sichtbare Augen, mit auf
einer Röhre vor- und rückwärts beweglichen Mundtheilen, freien,
deutlich gegliederten, spindelförmigen Tastern; auf Thiercn, auch in
Modererde lebend, umfasst die Gattungen Dei'manysms Dug. , Gama-
sus Latr., Laelaps K., Zercon K., Sejus K., Notaspis Herrm., Eutnaeus
K. (früher Ipht's K.). — Die vierte Familie Carabodides Käfermil-
ben, käferförmig, mit deutlich abgesetztem Vorderleibe, und mit ver-
steckten, selten vortretenden Tastern, auf der Erde und auf Pflanzen
lebend, besteht aus den Gattungen Oribates Latr., Zetes K., Ere-
maeus K. , Pelops K., Cephevs K., Oppia K., Damaeus K., Ca7-abodes
K. , Celaeno K. , Hy pocht honius K. , JSothrus K., Miircia K. , Hoplo-
phora K. — Die fünfte Familie endlich, die Sarcopt ides, Lausmil-
ben, lausartig, mit ganz verborgenem Saugrüssel, und zum Theil
oder fast verborgenen Tastern, meist sehr ungleichen Beinen, mit
und ohne Krallenbläschen, begreift die Gattungen Acarus L., Homopus
K., Sarcoptes Latr., Dermaleichtis K., Pteroptus Duf., Uropoda Latr.,
Hypoptis Dug. Mit Ausnahme der ersten bewohnen alle Gattungen
dieser Familie Thiere.
Denny (Ann. nat. bist. XIL p. 312. pl. 17) macht einige neue
Ixodes-kxiGn bekannt, nämlich /. bimaculatns (Weibchen des fol-
genden), /. Hippopotamensis vom Nilpferd, in Südafrika. /. rhi-
nocerimis vom Rhinoceros bicornis, ebenda, /. Hy drosauri,
von Hydros. Gouldii? aus Vandiemensland.
Die von Simon entdeckte Hautmilbe ist auch in England aufge-
funden worden. Wilson wird darüber eine eigene Abhandlung in
den Phil. Transact. Roy. Soc. erscheinen lassen; er will nähere Auf-
schlüsse über den inneren Bau geben, und auch die Eier und Ent-
336 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Wickelung kennen lehren. Er nennt das Thierchen Ento%oon fol-
liculorum (Ann. nat. hist. XII. p. 222). Inzwischen hat auch Owen
den Gattungsnamen Demodex vorgeschlagen. Tulk zeigte der Mi-
croscop. Society im Decemb. 1843 ein ähnliches Thier aus Haut-
pusteln eines Hundes vor, welches eine zweite Art zu sein scheint.
(Ann. nat. hist, XIII. p. 75). Endlich belegte Gervais (Hist. nat. d.
Apteres III. p. 282), der einen Auszug aus Simon's Beschreibung mit-
theilt, die Gattung mit dem Namen Simonea, so dass diese Milbe
schon nicht weniger als 4 Gattungsnamen ei-halten hat. Vergl. den
vor. Jahresber. S. 278.
Pycnogonides.
Philippi theilte in diesem Archiv (1843. 1. Bd. S. 175. T. 9)
seine Beobachtungen über die neapolitanischen Pycnogoniden mit,
imter denen drei neue Arten zur Errichtung von zwei neuen Gattun-
gen Veranlassung gaben.
Crustaceen,
Die Kalk,?chale der Crustaceen ist im Vergleich mit den
Kalkschalen der Mollusken und Echinodermcn von Carpenter
ihrem feinern Baue nach untersucht worden. (Ann. nat. hist.
XII. p. 386).
Die Kalkschale der Crustaceen ist auf der Oberfläche, welche
in eine Menge kleiner warziger Erhabenheiten vortritt, mit einer
Schicht Pigmentzellen bedeckt, welche jene Erhabenheiten freilassen,
so dass die Epidermis, welche das Ganze überzieht, den Spitzen der-
selben aufliegt. Die Kalkschicht, von elfenbeinartiger Masse, ist von
feinen buchtigen Röhrchen durchzogen.
„Ueber das Gehörorgan bei den Crustaceen", von Ar-
thur Farre (Philos. Transact. of the Roy. Soc. of London.
1843. p. 233).
An der Wurzel der äusseren Fühler, sagt der Verf., ist ein Or-
gan, an der Wurzel der inneren Fühler ein anderes; das erstere gelte
gewöhnlich für das Gehörorgan der Krebse, aber sicherlich mit Un-
recht, seiner Lage und seinem Bau nach sei es wahrscheinlich, dass
es das Gcruchorgan sei. Das eigentliche Gehörorgan liege aber an
der Wurzel der Innern Fühler. Der Verf. beschreibt es nun richtig
und genau, es scheint ihm aber entgangen zu sein, dass dies Organ
durch Roscnthal, der es als Geruchorgan gedeutet hat, längst be-
kannt ist. Der Verf weist es nach beim Hummer, Flusskrebs, bei
Pagurus strcblops, und Palinurus, dagegen hat er es bei Squilla und
den Brachyurcn vermisst. Die äussere Ocffnung dieses Organs dient
nach der Ansicht des Verf. dazu, damit Wasser hineindringen könne,
welches das Gehörwasser ersetze; ferner finden sich Steinchen in
Naturgeschichte der Crustacecn während des Jahres 1843. 337
der Höhlung des Organs, welche kerne Otolithen sind — da sie mit
Säuren nicht aufbrausen — sondern Sandkörnchen, feinere hei sol-
chen mit engen, gröbere bei solchen mit m eiteren äusseren OefTnun-
gen: diese Sandkörnchen, glaubt der Verf., treten an die Stelle der
Otolithen. Ich habe mich nicht davon überzeugen können: bei einem
durch einen Schnitt durch die vorderen Ganglien frisch getödteten
Flusskrebse fand ich das Häufchen Sand im Grunde der Höhlung des
fraglichen Organs stillliegend, während Otolithen hin und her schwin-
gen müssten. Ich kann daher auch die Ansicht des Verf. über dies
Organ nicht theilen.
Rathke's „Beiträge zur Fauna Norwegens" (Act Leo-
pold. XX. Bd. 1. Th.) sind für die Kenntniss der Crustacecn
von Bedeutung. Das einzelne Neue wird unten im Beson-
deren angezeigt werden.
Thompson (Ann. nat. hist. XI. p. 102) hat seine Auf-
zählung der irischen Crustacecn fortgesetzt.
Die südafrikanischen Crustacecn, eine Zusammenstellung
aller bekannten Malacostraca, Bemerkungen über deren Le-
bensweise und geographisclie Verbreitung, nebst Beschreibung
und Abbildung mehrerer neuen Arten von Dr. Fcrd. Krauss.
Stuttgart 1843 mit 4 lith. Taf.
Eine verdienstliche Arbeit, welche besonders werthvoll durch
die anziehenden Bemerkungen ist, welche der Verf. nach eigener
Anschauung über die Verhältnisse des Vorkommens und die Lebens-
weise der südafrikanischen Crustacecn macht. Die neuen Arten sind
unten aufgeführt worden.
Die Bearbeitung der südamerikanischen Crustacecn im d'Orbig-
nyschen Reisewerk durch Milne Edwards und Lucas ist 1843
zum Theil veröffentlicht, aber erst 1844 abgeschlossen worden. Ich
verspare mir demnach diese Arbeit für den nächsten Bericht.
Decapoda.
Zur Kennlniss der Entwickelung der Decapoden hatJoly
(Ann. d. scienc. nat. XIX. p. 34. T. 3. 4, Froriep. N.Notiz.
25. Bd. S. 337) einen Beitrag von vorzüglicher Wichtigkeit
geliefert: Etudes sur les moeurs, le dcveloppement et les me-
tamorphoses d'une petite Salicoque d'eau douce (Caridina
Desmarestii) suivies de quelques reflections sur les metamor-
phoses des Crustaces Decapodes cn general.
Eine Erwähnung dieser Arbeit ist schon im vor. Jahresb. S. 281
nach den Anzeigen französischer Blätter geschehen, die Abhandlung
selbst giebt viel mehr als jene Ankündigung versprach. Die Att^ an
338 Erich son: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
welcher die Beobachtungen gemacht sind, ist die in Frankreich im
Süsswasser lebende Hippolyte Desmarestii Millet, von welcher der
Verf. nachweist, dass sie eher zur Gattung Caridina Edw. gehöre,
und sie deshalb Caridina Desmarestii nennt. Die Entwickelung des
Embryo im Ei wird mit der des Flusskrebses (nach Rathke's frü-
herer Arbeit) verglichen. Während beim Flusskrebs Fühler, Lefze,
Mandibeln gleichzeitig mit dem Hinterleibshocker erscheinen, geht
hier das Auftreten desselben dem der Mandibeln, Lefze und Fühler
voraus. Beim Flusskrebse zeigen sich die Kiefer früher als die
Beine; hier umgekehrt. Während beim Flusskrebse Kieferpaare und
Gangfüsse schon beim Embryo sich so bilden, wie sie später sich
finden, zeigen sich hier nur drei Kieferpaare und drei Paar Spalt-
füsse, welche letzteren später Kieferfüsse werden, und die spä-
teren Gangfüsse fehlen noch ganz. Die Ordnung des Auftretens der
Augen, des Herzens, des Darms und des Panzers ist bei beiden ziem-
lich gleich. Wenn das Junge aus dem Ei kommt, gleichen seine
Augen denen des Erwachsenen, sie sind aber noch ungestielt und
auffallend gross. Die Fühler sind kurz, wenig-gliedrig. Am Panzer
ist das Rostrum noch wenig entwickelt. Der Schwanz im Verhält-
niss lang, 6gliedrig, die Spitze zweilappig oder spateiförmig. Beine
findet man nur an der Brust und zwar drei Paar Spaltfüsse. Im
Munde eine fleischige Lefze, ein Paar Mandibeln denen der Erwach-
senen ähnlich, und zwei Paar mehrlappiger Maxillen. Von Kiemen
noch keine Spur; sie bilden sich erst später und verhältnissmässig
langsam aus, und zwar je mehr nach hinten um so später. Der
Nahrungskanal ist einfach, der Magen eine blosse Erweiterung, ohne
Spur des Knorpelgerüstes, welches sich bei den Erwachsenen findet.
Die Leber, welche beim Erwachsenen aus zwei Massen, jede aus
einer Menge blind endigender Gallengefässe gebildet, besteht, er-
scheint hier noch als eine körnige Masse, welche den Anfang des
Nahrungskanals umgiebt.
Das Junge der Porcellana longico7'nis wurde von Du-
jardin beobachtet (Rev. Zool. p. 187).
Es ist eine Zoe-Form, dem Jungen der Pagurus ähnlich. Es
hat zwei Paar Fühler, im Munde drei Kieferpaare, nämlich ein Paar
ausgebildeter Mandibeln und zwei Paar Maxillen, die beiden letz-
teren mit Tastern, ferner am hinteren Theil des Cephalothorax zwei
Paar Spaltfüsse, welche gleicli den Fühlern mit äusserst zarten Fie-
derborsten besetzt sind, denen ähnlich, welche die Entomostraceen
an ihren Ruder- und Kiemenfüssen tragen, und welche der Verf.
demnach als die Athmungsorgane der jungen Krebse betrachtet.
Endlich hat der hintere Theil des Cephalothorax noch zwei seitliche
nach hinten gerichtete lange Fortsätze, welche dem Rückenstachel
der anderen Zoen entsprechen.
Erdl ,, Entwickelung des Iluiuuiereies von den ersten
Naturgeschichte der Crustaceen wahrend des Jahres 1843. 339
Veränderungen im Dotter an bis zur Reife des Embryo."
München 184-3.
Ausser der Darstellung der allmählichen Ausbildung des Embryo
giebt der Verf. schliesslich noch eine Uebersicht über die Verschie-
denheiten, -welche sich in dieser Rücksicht bei dem ebenfalls beob-
achteten Carcinus Maenas und beim Flusskrebs finden. Beim C. Mae-
nas sind die Augen beträchtlich grösser, die Leber bildet sich früher
aus, Füsse und Mundtheile aber später. Beim Flusskrebs sind die
Augen kleiner als beim Hummer, obgleich das Ei grösser ist, dage-
gen entwickeln sich die Fühler schon früh zu beträchtlicher Länge,
und die Schwanzfüsse finden sich schon in frühen Stadien. Beim
Hummer entwickelt sich der Schwanz früher als beim Flusskrebs.
Brachyura. Aus den verschiedenen Familien der kurz-
schwänzigen Krebse sind von Kr aus s a. a. O. folgende Arten als
neue aufgestellt: Platyonychus rugulosus, Aegle (De Haan)
Rüppellii; Xantho De Haanii, bdentatus; Galene (De
Haan) nat alensis; Pilumnns xanthoides; MenipjieMar-
tensii; Telphusa depressa; Sesarma longipes; Acantho-
nyx Mac Leayi, ideiitatus; Visa fascicularis.
Ausserdem sind von White zwei neue Arten beschrieben wor-
den: Fort U71US catharus, dem europäischen P. marmoreus ähn-
lich, indess breiter und mit vier Zähnen auf dem Stirnrande, aus
Neuseeland (Dieffenb. Trav. IL p. 265) und Atelecyclus spinu-
losus von den Falklands-Inseln, dem chilesischen A. chilensis Edw.
nahe verwandt (Ann. nat. bist. XII. p. 345).
Auf einen eigenthümlichen Bau der Kiemen bei den Landkrabben
machte J. Müller in der Gesellsch. naturf. Fr. zu Berlin aufmerk-
sam. Die Kiemen haben nämlich harte Fortsätze zwischen den ein-
zelnen Blättern, welche das Zusammenbacken derselben verhindern,
und deren Mangel allein den Fischen ausserhalb des Wassers tödt-
lich zu w erden scheint. (Fror. N. Notiz. 28. Bd. S. 265).
JLnomtirii* Pagunis virescens so wie Porcellana
natulensis und DeHaanii sind neue Arten von Krauss (a.a.O.)
von der Natalküste; die beiden letzten leben auf den Madreporinen-
Bänken.
JLstacini. Krauss (a. a. O.) traf in der Tafelbai häufig eine
G'ebt'a, welche er nach der Abbildung in der Fauna Japon. als G,
major De Haan bestimmt, wegen einiger Abweichungen jedoch als
var. capensis bezeichnet. Bei genauerer Vergleichung wird sich
wahrscheinlich finden , dass sie eine eigenthümliche Art ist.
Cariües. Eine Anzahl neuer Arten von der Norwegischen
Küste ist von Rathke (Verhandl. d. Kais. Leop. Acad. d. Wiss. XIL
S. 6— 18) aufgestellt und genau beschrieben: Fa/aemo7i Fabricii,
Hippolyte subula, vittata (pusiola Kröy.), recurvirostris ,
340 Er ich so n: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Lovenii (nmülaKr.), lentiginosa (Gaimardü Kr.), Ret%ii, Pau-
li altis brevirostris. Nachträgliche Bemerkungen dazu in diesem
Arch. 1844. I. S. 258. 259.
Die Gattung Cwoto Edw. wurde auch von Goodsir (Edinb. New
Philos. Journ. 34. Bd. S. 119) als ausgebildete Form nachgewiesen,
indem er Weibchen mit Eiern antraf. Auch ist die Stellung der
Gattung unter den Decapoden festgestellt. Die kammförmigen Kie-
men liegen nämlich unter dem Panzerschilde, über den Beinen, die
Geschlechtsorgane der Männchen sind nicht sichtbar, die der Weib-
chen gleichen denen von Mysis. Die gestielten Augen sind sehr
klein, und unter dem Panzerschilde versteckt, (daher rührte es auch
wohl, wenn Kröyer — s. vor. Jahresber. S. 283 — sie nicht fand).
Drei Arten beobachtete der Verf. um Frith of Forth : C. Edward-
sii n. sp., C. Audoutmi Edw., und C irispitiosa n. sp. In wie
weit diese mit den Arten von Kröyer zusammenfallen, muss aus einer
näheren Vergleichung der Beschreibungen hervorgehen, zu bemerken
ist aber, dass der Verf. , wie Edwards, ausser dem Kopftheil 4 Vor-
derleibsringe beschreibt, während Kr. bei seinen neuen Arten 5
zählte. — Zum Unterschiede von zwei neuen, verwandten Gattungen,
stellte Goodsir die Merkmale von Cuma so fest: Obere Fühler
Igliedrig, schuppenförmig, untere Fühler 5gliedrig, die doppelten
Endstücke der Schwanzstiele zweigliedrig, das letzte Glied das
kleinste. Die beiden neuen Gattungen sind 1. Alauiia; obere Füh-
ler bestehend aus einem Stiel und vielgliedr. Faden, untere Fühler
8gliedr.; die drei ersten Beinpaaro zusammengesetzt; das innere
Stück des Schwanzstiels aus drei Absätzen bestehend, das äussere
aus einem: A. rostr ata, neue Art. — 2. liodotria; die 5 ersten
Schwanzringe jedes mit einem Paar von Spaltfiissen versehen; die
beiden Endstücke der Schwanzstiele ungegliedert: B. arenosa,
neue Art.
Sto mapo da.
Caridioides. Ilathke (a. a. O. S. 18) gab eine genauere
Beschreibung von Mpi's ßexuosa {Canc. /lex: Müll.) und stellte eine
neue Art, M. inermis auf.
A m p h i p o d a.
Rathke (a. a O. S.60. 85) bereicherte diese Ordnung mit zwei
neuen Gattungen: 1. Liriope, aus einem kleinen kaum 1'" langen
Crustaccum, L. pyi^tnaea gebildet, welches in mehreren Individuen
lebend in der zugleich als Bruthöhle dienenden Verdauungshöhle des
Peltogaster Paguri, eines auf dem Pagiirus Bernhardus schmarotzen-
den Wurms gefunden wurde: die inneren Fühler klein, mit einem
grossen Haarbüschel an der Wurzel, die äussern Fühler lang, viel-
glicdrig. Der Kürpur länglich, oben gewölbt. Die vier ersten Füsse
Naturgeschichte fler Crustaceen während des Jahres 1843. 341
mit anscheinend klauenlosen Schceren, die beiden letzten in einen
einfachen Stiel ausgehend, die übrigen längere Gangfiisse; die After-
füsse (6 Paar) platt, in zwei Aeste getheilt und in lange Borsten
auslaufend; zwei dünne, drehrundliche, gegliederte, mit langen Bor-
sten am Ende besetzte Schwanzanhänge.
2. Ip himedia, der Gattung Leucothoe insofern zunächst ver-
wandt, als die Beine des ersten Paares auch bei ihnen in eine
Scheere auslaufen, die des 2ten Paares aber solche Hand besitzen,
wie etwa bei Gammarus und Amphithoe; unterschieden dagegen da-
durch, dass der Pollex seiner Scheerenfüsse nicht aus 2 sondern 1
Gliede besteht, dass die Stämme der Fühler nicht aus 2 Gliedern,
sondern der der obern aus 3, der der untern aus 4 Gliedern zusam-
mengesetzt sind, und dass die obern Fühler nicht länger sondern
kürzer sind als die untern. /. obesa, häufig bei Christianssund.
Neue Arten der Norwegischen Küste (ebendas.) sind: Gamma-
rus anomalus, Sundevallii, poecilurus, Kröyeri, angn-
losus, %ebra, — Amphithoe tenuicornis , podoceroides,
Prevostii Edw.? norvegica — Podocertis cupillatus , cal-
cur atu s.
Die Ordnung der Laemodipoda wurde von Kröyer in einer
Abhandlung „Beschreibung neuer Arten und Gattungen der Caprel-
iina, mit einleitenden Bemerkungen über die Laemodipoda und deren
Stellung im System" (Naturhist. Tidsskr. IV. S. 490) aufgehoben, und
mit den Amphipoden verbunden. Es ist dies ganz naturgemäss, denn
sie haben selbst den wesentlichen Charakter mit den Amphipoden
gemein, dass die vorderen 7 Körpersegmente Kiemenblasen haben,
nur mit der Einschränkung, dass hier nicht Beine und Kiemenblasen
zugleich vorhanden sind, sondern in der Regel, wo die letzteren
vorkommen, die ersteren fehlen und umgekehrt. Hierdurch, und
durch die Verkümmerung der Schwanzportion sondern sie sich als
eine eigene Familie ab, welche der Verf. als Laemodipoda be-
zeichnet, und in zwei Gruppen, Caprellina und Cyamea zerlegt.
In der Gruppe der Caprellina fügt der Verf. den beiden Gat-
tungen Lepto?/tera Latr. und Caprella Lam. zwei neue zu: 1. Cer-
cops, der 2te Körperring mit Beinen und Kiemenblasen wie bei
Leptomera, Schwanzportion deutlich, ögliedrig, mit 4 längeren 2glie-
drigen Anhängen. — 2, Aegina., das 2te Segment mit Beinen, aber
ohne Kiemenblasen; Schwanzportion deutlich, 2gliedrig mit 4 Anhän-
gen. Mandibeln mit dreigliedrigem Taster.
Beschrieben hat der Verf. (a. a. O. S. 499. 585) Leptomera pe-
data Abildg. aus dem Sund, Cercops Holbölli Kr. aus Grönland,
Aegina longicornis Kr. ebendaher, Caprella Januar ii Kr.
C. dilatata Kr. beide von Rio Janeiro, C. septentrionalis in
der Nordsee von Grönland bis zum Kattegat, C. lobata {Squill. lob:
Müll.), C. hystrix Kr. vom Christianssund.
Rathke (a. a. O. S. 94) setzte die an der norwegischen Küste
342 Erich so 11 : Bericht über die ^Yissensch. Leistungen in der
beobachteten Arten der Caprellinen genau aus einander, nämlich
CaitreUa Phasma Lam. , C. acvminifera Leach? C. scolopendroides
Lam. und Leptomera jiedatu Lam.
Die Gattung Cyamus wurde von Kröyer (Naturhist, Tidsskr,
IV. S. 474) mit den zwei Arten C. Ceti L. und C. crraticus Rouss.
d. V. erläutert.
I s o p 0 d a.
Mdoteides» Neue Arten von Idotea sind: /. Lichtenst ei-
vii Krauss (a. a. O.) vom Cap (Tafelbay) und /. granulosa, 1.
br evicornis Rathke (a.a.O.) von der Norwegischen Küste; auch
wurde /. tridentata Latr. , welche häufig ebenda vorkommt, genauer
beschrieben und von /. Basteri And. unterschieden.
Asellota, Eine neue Gatt. Cr os sums errichtete Rathke
(a. a. O.): Vier etwas dicke Fühler, die äussern länger als die innern.
Körper gestreckt, oben gewölbt. Schwanz von zwei Halbbinden von
einer Menge Haare wie Fransen , an der Spitze mit kurzen geglie-
derten Anhängen. Das erste Paar stark verdickte Scheerenfüsse, die
übrigen dünne Gangbeine. Sechs Kiemenblätter mit gleichgebildeten
Deckblättern. Cr. vittatus, 2'" lang, bei Molde auf Austern ge-
funden.
Oniscitles* Eine ausführliche Beschreibung des äussern und
innern Baues des Ligidinm Persooni Brandt hat Lereboullet
(Ann. (I. sc. nat. XIL p. 103. pl. 45) gegeben.
Tylos wurde von Krauss (a. a. O.) mit zwei neuen Arten, T.
granulatus und capensis , aus der Tafelbai, bereichert.
^phaerofniiles. Derselbe (ebendas.) führte unter 5 süd-
afrikanischen Arten von Sphaeroma eine neue Art auf, Sph. macro-
cephala Kr. von der Natalküste. — White (Ann. nat. bist. Xll.
p. 345) beschrieb Sphaeroma gigas var. lanceolata von den Falk-
lands-Inseln.
Zwei neue fossile Formen wurden von Mi Ine -Edwards (Ann.
d. sc. nat. XX. p. 326) vorläufig bekannt gemacht. Die eine Pa-
laeonisctcs Brongiartii, aus dem grünen Mergel der Pariser
Gegend, gehört entschieden den Sphaeromiden an, ohne jedoch einer
der jetzt lebenden Gattungen eingereiht werden zu können. Die an-
dere, Archeoniscus (Brodii) von Brodie in Wiltshire in England
gefunden, scheint eher den Cymothoaden anzugehören, namentlich
schliesst sie sich in manchen Punkten an Serolis an.
Cyvnothoada» Eine ausführlichere Beschreibung des äusse-
ren und inneren Baues von Jega bicarinata Leach theilte Rathke
(a. a. O.) mit.
JKpicaritlejf. Derselbe (a. a. ü.) stellte eine neue Gattung
dieser Familie, P/tryxus, auf, welche mit ßopyrus nahe verwandt
Naturs;eschichte der Crustaceen während des Jahres 1843. 343
ist, sich aber durch die grossen zweilappigen Kiemen des Weib-
chens unterscheidet. Zwei Arten leben auf Krebsen , nämlich Phr.
Hippolytes auf Hipp, lentiginosa K., und Phr. Paguri auf P.
Bernhardi. Die erstere Art ist einerlei mit Kröyer's Bopyrus abdo-
minalis (S. Jahresber. f. 1840), welcher die Theilung der Kiemen
übersehen, die spätere Entwickelungsgeschichte aber so schön darge-
stellt hat, während von R. die frühere Bildungsgeschichte innerhalb
der Bruthöhle der Mutter weiter verfolgt ist.
Myriap od a.
Newport's Abhandlung über Nerven- und Gefässsystem der
Myriopoden ist im Eingange besprochen worden.
Chilognatha * Lucas (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. I.
p. 43) stellte eine neue Gattung Plat ydesmus anf, welche in der
Form der Leibesringe Polydesmus gleicht, aber durch kleinen drei-
eckigen Kopf, vorhandene Augen und saugende Mundtheile abweicht;
die neue Art, PL jioly desmoides ist von Guatemala.
Newport stellte zwei neue englische Arten Jiilus Sandwi-
censis (Proceed. Ent. Soc. Lond. p. 66) «und /. pilosns (ebendas.
p. 69), ferner Sjiirotreytus antipodarum (Dieffenb. Trav. II.
p. 270) von Neuseeland, auf.
CJiilopodn. Eine kleine Arbeit über Cermatia theilte Tem-
pleton (Transact. Ent. Soc. Lond. 111. p. 306) mit. Er sondert sie
in zwei Gruppen: a. Körper gestreckt, in der Mitte deutlich breiter:
1. C. araneoides Pall. , 2. C. longicorni's Hardw. von Bengalen, 3. C.
nobilis neue Art von Mauritius und Indien, 4. C. coleoptrata Lam.
aus Südeuropa, 5. C. capensis neue vom Cap. — b. Körper kurz
und fast gleich breit: 6. C. longipes Lam.
Als neue Art ist Scolopendra rubriceps aus Neuseeland
von Newport (Dieffenb. Trav. IL p. 270) aufgestellt.
Mntomostraceen,
Goodsir (Edinb. New Philos. Journ. XXXV. p. 102) untersuchte
in Firth of Forth Das, was die dortigen Fischer „Maidre" nennen.
Er besteht in ungeheuren und zusammenhängenden Massen lebender
Thiere, unter denen Amphipoden, Cirripedien und Acalephen zahl-
reich vorkommen, deren Hauptbestandtheil jedoch Entomostraceen
bilden. Hierhin kommen nicht allein unermessliche Heerden von
Köhlern (coal-fish), und kleine Schaaren von Heringen, sondern selbst
Cetaceen, namentlich Delphine, Meerschweine, und gelegentlich lässt
sich auch der Rorqual blicken. Der Verf. meint, dass diese Walle
nicht den Fischen folgen, um sich von ihnen zu nähren, sondern
mit ihnen das Mahl des Maidre theilen, denn nie habe er einen
Fisch im Magen eines Delphins oder Meerschweins gefunden. Auch
Fand er bei einem Besuch der genannten Insel im Mai das Wasser
344 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
in weitem Umkreise roth gefärbt, und dies rührte von einem Ento-
mosfracon her, welches sich als Cetochilus ergab. So scheint das
massenhafte Auftreten der fast unsichtbaren Entomostraceen die Exi-
stenz der ungeheuren Fischheerden sowohl als der riesigen Meeres-
säugthiere zu bedingen.
Cladocera.
Baird (Ann. nat. bist. XI. p. 81 ) in der Fortsetzung seiner seit
melireren Jahren unterbrochenen Naturgeschichte der britischen En-
tomostraceen hat die Gattung Lynceus Müll, einer gründlichen Prü-
fung unterworfen. Zunächst bedurften die Charaktex-e der Gattung
einer Berichtigung, die von allen Schriftstellern unrichtig gefasst sind,
und welche der Verf. so aufstellt: Ruderarme zwei, gewöhnlich sehr
kurz, ästig, jeder Ast dreigliedrig. Ein einzelnes Auge; vor demsel-
ben ein schwarzer Fleck, Beine 5 Paar. Darm gewunden, Schwanz
eingelenkt. Der Verf. sondert die britischen Arten in 8 Untergattun-
gen: 1. Macrothrix, vorderer Ast der Ruderfüsse mit einer sehr
langen Borste au der Wurzel des zweiten Gelenks; Fühler hängend,
an der Rüsselspitze: M. laticoi-nis (Mofi. lat. Jur.). — 2. Enrycer-
cus: fast viereckig, Schwanz sehr breit, eine flache Platte bildend,
dicht gesägt: E. lamellatns {L. la?ji. Müll.). — 3. Chydorus Leach:
Fast kuglig, Rüssel sehr lang und spitz, meist mondförmig gekrümmt;
Ruderarm sehr kurz: Ch. sjthuericus (L. sjih. Müll.) und eine neue
Art, Ch. g /obostis. — i. Campt ocercus: eiförmig, Schwanz lang,
dünn, sehr biegsam, gesägt: C, macroiirus (L. fiiacr. Müll.). — 5.
Acropertis, etwa leierförmig, unten am vorderen Rande in einer
stumpfen etwas vortretenden Spitze endend, Ruderbeine etwas lang:
A. Iiarpae (L. harp. Baird.) und eine ueue Art A. ?iaiius. — 6.
Alona: Schale viereckig, gestreift, Arme kurz: A. qiiadrangniaris
(L, quadr. Müll.) und eine neue Art, A. retten lata, — 7. Vleitr-
oxus: Vorderrand vorragend im obern Theil, der untere Theil ab-
gestutzt, oder gerade abgeschnitten, erstes Fusspaar sehr gross: Fl.
trigonellm (L. trig. Müll.) und VI. humatus (L harn. Baird.), — 8.
Peraca7it hti: eiförmig, das untere Ende der Schale leicht rück-
wärts gekrümmt, und gleich dem oberen Ende des Vorderrandes mit
starken hakigen Dornen besetzt: P. trmicata (L. triinc. Müll).
Ostracoda.
Eine Cypris wurde von Dieffenbach aus Neuseeland mitgebracht
imd von Baird (Dieffenb. Trav. II. p.2G8) beschrieben: C. Novae
Zelandiae; eiförmig, verlängert, an beiden Enden gleich zu gerun-
det, etwas aufgetrieben, und in der Mitte des Vorderrandes leicht
ausgebuclitet, glatt, glänzend, ganz unbehaart; der C. dctecta Müll,
ähnlich, bei der indess die Schale nicht aufgetrieben ist.
Naturgeschichte der Entomostraceen während des Jahres 1843. 345
Copepoda.
Philipp! (Archiv 1843. I. S. 54) hat seine ferneren Beobachtun-
gen über die Copepoden des Mittelmeers mitgetheilt. Eine für die
Systematik der Ordnung wichtige Abhandhing. Es sind sieben neue
Gattungen aufgestellt: Euchaeta, Idya, Metis, Aenippe , On-
caea, Euryte, Idometie, jede mit einer nevien Art. — Cyclopsina
Edw, beschränkt der Verf. auf C. castor, und verweist staphylüins
und fiircatits zu Nauplius, von welcher Gattung er 14 Arten aufführt.
Goodsir (Edinb. New Phil. Journ. 25. Bd. S. 336. T. 6) beschrieb
eine neue Art von Cetochilus , welche sich vom C. australis durch
je eine lange Borste am 22sten und 23sten Fühlergliede, auch in der
Form der Füsse unterscheidet, und welche der Verf. C. septen-
trionalis nennt; ferner (ebendas. S. 337) eine neue Gattung Ire-
naeus mit folgenden Kennzeichen: „ein grosses röhriges Organ,
welches von der Bauchseite des Körpers abgeht, trägt an der Spitze
das Gesichtsorgan; der rechte P'ühler über der Mitte stark verdickt;
10 Kaufüsse." Die Art /. splendidus zeichnet sich durch den Me-
tallglanz der Farben, in denen Saphir und Smaragd vorherrschen,
aus. Beide finden sich im Maidre (s. o. ) bei Firth of Forth, der
letztere einzeln, der Cetochilus massenweise.
Siphonostoma.
Wichtige genauere Untersuchungen über einige Arten der Nord-
see hat Rathke (Verhandl. d. Kais. Leop. Akad, XII. S. 98) ange-
stellt. Es sind Caligus curtiis , C. diaphatins Nordm., C. hippoglossi
Kröy., Nicothoe Astaci Aud., Chondracanthus Lophii {gihbosus Kröy.),
Lernaea brachialis L. beobachtet. Der innere Bau ist von Caligus
curtus, Nicothoe astaci, Chondracanthus Lophii, Lernaea brachialis
erforscht worden. Als vorzüglich wichtig sind die Beobachtungen
über die Entwickelung der Nicothoe Astaci hervorzuheben. Es findet
hier nämlich keine Verwandlung statt, wie sie sonst in dieser Ord-
nung angetroffen wird, sondern das Junge kommt in ähnlicher
Form, wie sie die Eltern haben, aus dem Ei. Nur die grossen flügei-
förmigen Fortsätze des Vorderkörpers des Weibchens fehlen: diese
enthalten die Geschlechtsorgane, und entwickeln sich also erst später
mit denselben, wodurch die Gestalt des Vorderleibes eine andere
wird, ferner sind die Klammerfüsse in ähnlicher Weise vorhanden,
und ausser diesen kommen bei reiferen Larven noch zwei Fusspaare
vor, bei Erwachsenen fünf; endlich haben die Jungen zMei Ringel
weniger als diese. — Erwachsene Männchen hat der Verf. nicht
beobachtet, dagegen beobachtete er unter den Embryonen eine be-
sondere Form, welche sich durch kleinere, schmälere Gestalt, län-
gere Fühler und kürzere Beine von der anderen unterschied, und
welche deshalb als männliche, letztere als weibliche Embryonen an-
zunehmen zu sein schienen.
Archiv f. Maturgesch. X. Jahrg. 2. Bd. Z
346 Erichson: Bericht ü. d. wissensch. Leist. i. d. Naturg. etc.
C i r r i p e d i a.
Goodsir (Edinb. New Philos. Journ. 25. B. S. 88) hat eine Ent-
deckung gemacht, welche die Kenntniss dieser Ordnung in einem
wesentlichen Punkte vervollständigt, nämlich die Männchen. Der
Verf. hatte sich die Meinung gebildet, dass die Cirripedien getrenn-
ten Geschlechts seien, und dass die Männchen ähnlich wie bei den
Lernaeen, in ganz abweichender Form auf den Weibchen zu finden
sein würden. Nach langem vergeblichen Suchen war er endlich im
Mai 1843 so glücklich, auf dem Balamis balaenoides, und zwar un-
mittelbar über den Ovarien ein Thierchen angeheftet zu finden, wel-
ches er nicht Bedenken trägt, als das Männchen zu betrachten. Der
vorder« Theil des Körpers ist hartschalig, und besteht aus sechs
Ringeln. Das erste derselben ist halbkreisförmig, und enthält ein
Paar gestielter Augen, zwei Paar fühlerartiger, ein Paar kammförmiger
Klammer -Organe und den Mund; der letztere scheint ein Saugmund
zu sein und ist seiner Zusammensetzung nach noch nicht näher un-
tersucht. Die übrigen fünf Ringel haben jeder ein Paar mit einer
einfachen Klaue bewaffneter Beine; an der Wurzel des letzten Fuss-
paars finden sich die äussern Geschlechtsorgane. Der hintere, weiche
Theil des Körpers besteht aus drei Theilen, welche durch Einschnü-
rung geschieden werden: der erste ist vorn in drei Lappen getheilt,
und überragt den hartschaligen Vorderkörper, so dass derselbe ganz
von demselben verdeckt wird , der zweite hat an jeder Seite einen
armartigen, nach hinten gerichteten Fortsatz, der dritte endet mit
drei ähnlichen Fortsätzen. Das ganze Thierchen hat etwa eine Linie
im Durchmesser, in einzelnen Fällen wird es aber vergrössert, wenn
sich nämlich in seinem weichen Theil ein 4'" langes Schmarotzer-
krebschen, zur Isopoden- Familie der Jonier gehörend, zuweilen in
grosser Zahl eingeschlossen findet. — Auch die Larven von Baianus
halanoides und tintinnabulum hat der Verf. beobachtet und ebendas.
(S. 97. 99) beschrieben.
Elminius plicatus Gray: Schalen gelb, stark gefaltet, vor-
züglich an der Wurzel, Deckelplatten dick," ist in Dieffenb. Trav. IL
269. 26 aufgestellt.
Sowerby der Jüngere (Ann. nat. hist. XIL p. 260) machte einen
merkwürdigen fossilen Cirripeden Loricnla pulchella aus dem
obern Kalk von Rochester bekannt, welcher gewissermassen in der
Mitte zwischen Balanen und Lepaden zu stehen scheint. Der Stiel
ist an der Wurzel eng, ringsum mit ineinandergreifenden Reihen
grosser Schuppen gepanzert. Es scheinen sechs Schuppenreihen zu
sein. Ob vier oder fünf Deckelstücke vorhanden sind, ist nicht
deutlich.
347
Bericht über die Leistungen im Gebiete der JVatnr-
gescbicbte der Mollusken während des Jahres 1843.
von
Dr. F. II. T rose hei.
Von solchen Werken, die danach streben in getreuen
Abbildungen die ganze Summe der jetzt bekannten Conchy-
lien-Arten zu liefern, sind vier im Gange, und es scheint da-
durch eine ermunternde Concurrenz entstanden zu sein
welche Verfasser und Verleger antreibt, ihr Möglichstes zu
thun. Leider müssen sie zu so grossem Umfange anwachsen,
dass es wohl nur wenigen Privatgelehrten möglich ist, sich
in ilu'en Besitz zu setzen. Freilich miissten sie sich, wenn
sie vollendet werden sollten, zum grossen Theil wiederholen
da sie eben alle Arten abbilden wollen. Die Zahl derselben
ist in neuerer Zeit ins Ungeheure gewachsen, und wenn ein
Autor die Zahl der bisher beschriebenen Arten einer Gattung
vervierfacht, ja versechsfacht, so ist es wohl zu verzeihen,
wenn man in die Gültigkeit derselben einiges Misstrauen setzt.
Viele Arten werden gewiss als Varietäten in eine zusammen-
fallen, wenn ein anderer Forscher dasselbe Material unter die
Hände bekommt. Entfernt von diesen reichen Materialien
enthalte ich mich natürlich jeder Kritik. Die vier Werke, auf
die ich so eben hingewiesen, sind folgende:
Illustrations conchyliologiques ou Description et figures
de toutes les coquilles connues Vivantes et fossiles, classees
suivant le Systeme de Lamarck ct. par Chenu. Livr. 1. 2.
Fol. Paris 1843.
Lovell Reeve Conchologia iconica a complete Reper-
tory of species, pictorial et descriptive Number 1. 2. London
1843. 4. Die Diagnosen der Arten mehrerer Gattungen sind
in den Proceedings zool. soc. of London gegeben.
Sowerby Conchological Illustrations. London.
Kien er Species general. Von diesem Werke erschienen im
Z*
348 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Jahre 1843 die Lieferungen 83—92 , welche den Text zu den Gat-
tungen Murex und Strombus enthalten , so wie die Tafeln zu
den Gattungen Strombus, Pterocera, Rostellaria und Ancillai-ia.
Von Lamarck's Histoire naturelle des animaux sans ver-
tebres erschien während des Jahres 1843 in der von Deshayes
bearbeiteten zweiten Ausgabe der neunte Band. Er enthält
die Janthinen, Macrostonien (Sigaretus, Stoinatella, Stoinatia,
Haliotis), Plicaceen (Tornatella, Pedipes, Pyramidella), Scala-
rinen (Vermetus, Scalaria, Delphinula), Turbinaeeen (Solarium,
Bifrontia, Rotella, Trocluis, Monodonta, Turbo, Littorina, Pla-
naxis, Phasianella, Turritella), Canaliferen (Cerithiuni, Pleuro-
toina, Turbinella, Cancellaria, Fasciolaria, Fusus, Pyrula,
Struthiolaria, Ranella, Murex, Triton) und die Alata (Rostel-
laria, Chenopus, Pterocera, Strombus). Wie die früheren
Bände ist auch dieser ausgezeichnet durch die vielen Bemer-
kungen über die Organisation der Thiere, wobei vorzugsweise
die reichen Beobachtungen von Quoy und Gaimard in der
Voyage de l'Astrolabe benutzt sind. Damit verbinden sich
vielfache Berichtigungen über die Stellung der Gattungen im
System ; natürlich musste hier noch die oft unpassende La-
marcksche Reihenfolge beibehalten werden. In der Synonymie
finden sich bedeutende Vervollständigungen und wichtige Be-
richtigungen. Endlich gewinnt das "Werk ungemein an Brauch-
barkeit durch die Hinzufiigung einer grossen Zahl solcher
Arten, die in neueren Schriften bekannt gemacht und hier
durch viel ausführlichere Behandlung kenntlicher gemacht wor-
den sind, als dies bei der ersten Ausgabe des Lamarckschen
Werkes der Fall war.
Lamarcks species of shells, comprising the whole of the
recent additions in Deshayes last french edition with nume-
rous species not noticed by that Naturalist, accompanied by
accurate delineations of almost all the shells described and
forming the last edition of the Index testaceologicus. The
letter press by Sylvanus Hanley; the lllustrations by W.
Wood, London 1843. Roy. fol. Ist mir nur aus der Anzeige
bekannt.
Küster's Fortsetzung des Martini -Chemnitzschen Con-
chylienwerkes erfreut sich eines guten Fortganges. Ich ver-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1843. 349
weise auf den dein fünften Hefte dieses Jahrganges beigege-
benen Bericht der V^erlaiishandlung.
Von einem englisclien Werke: Figures of Molluscous
Aniinals, .selected from varioiis Authors; etched for the use
of Stiidents. 13y Maria Emma Gray Vol. 1. London 1842.
8. kenne ich nur eine kurze Anzeige in den Annais XI. p. 56.
Zu den Fortsetzungen bereits früher begonnener Werke
gehört auch die zweite und dritte Lieferung von Philippi's
Abbildungen und Beschreibungen neuer oder wenig bekannter
Conchylien. Kassel 1843. Es sind hier Arten aus den Gat-
tungen Helix , Bulimus , Melania, Neritina, Trochtis , Unio,
Arcdy Venus, Tellina und Solen dargestellt. Die neuen Arten
sind unten angeführt.
Von Hart man n's Erd- und Süsswasser-Gasteropoden
erschien im Jahre 1843 das 7te Heft, es enthält die Abbil-
dungen von Pupa bigranata, Heterostoma semitecta (Helix
paupercula Lo\ve), Helix (Chromocochlea) Tahitensis, (Colum-
plica) dolinm und uniplicata, Varietäten von Helix fruticum,
nemoralis, lucifuga und arbustorum luid endlich Sealariden
von Planorbis dubius. Der Text bezieht sich theils noch auf
Abbildungen des 6ten Hefts, des 7ten und greift auch schon
in das 8te über. Dieses ist erst im Jahre 1844 erschienen;
da jedoch mit demselben der erste Band geschlossen wird,
so mag seiner hier gleich erwähnt werden. Er enthält Ab-
bildungen von ausgebesserten und linken Helix arbustorum,
Sealariden von Valvata planorbis, Carocolla Zebuensis Lowe,
Helix rota Sow., Neritina virginea Lam., Varietäten von Helix
rhodostoma, Helix montana und sylvatica, einige Abnormitäten
von Clausilien und einige Sealariden von Helix poniatia.
Der Band ist wie gesagt somit geschlossen und es ist Titel
und Inhaltsanzeige beigegeben. Seite 189 verspricht Verf. für
den zweiten Band eine ganz geordnete Uebersicht dessen,
was die Schweiz von Gasteropoden enthält. Es wird also
einen zweiten Band geben.
H. Scholtz gab eine Schrift heraus: Schlesiens Land-
und Wasser -Mollusken, systematisch geordnet und beschrie-
ben. Breslau 1843. 8. Dieser dankenswerthe Beitrag zu
der Fauna Schlesiens zeigt, dass Verf. keine Mühe gescheut
hat, eine möglichste Vollständigkeit zu erreichen. Es werden
350 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
in diesem Werkchen 128 Mollusken beschrieben, unter denen
zwei neue (Helix Charpentieri und Pisidium roseum). Bei
jeder Art ist der lateinische und deutsche Name, eine deutsche
Diagnose, die Synonyme, eine Beschreibung der Schale und
des Thiers, und genaue Angaben über den Aufenthalt gegeben.
Häufig sind auch die Eier beschrieben. Abbildungen sind
nicht beigegeben.
Einen schätzenswerthen Beitrag zur Molluskenfauna von
Neuholland lieferte Menke: Molluscorum Novae Hollandiae
specinien ct. Hannnover 1843. In dieser Schrift zählt der
Verf. 263 Mollusken -Arten auf, welche Preiss in dem süd-
westlichen Neuholland sammelte, und unter denen 64 Arten
als neu aufgeführt sind. Diese sind kurz beschrieben; Abbil-
dungen sind nicht beigegeben. Später giebt Menke selbst in
seiner Zeitschrift für Malacozoologie eine Kritik , in der er
nach Vergleichung einiger Conchylienwerke 12 seiner neuen
Arten als schon beschrieben angiebt, so dass nur 48 neue
Arten bleiben.
Carpenter theilte der Royal Society einen Aufsatz über
den mikroskopischen Bau der harten Theile der Evertebraten
mit, deren erste Abtheilung sich mit den Schalen der Mollus-
ken beschäftigt. Er fand Schalen mit prismatischer Zellenbil-
dung, wie Pinna, welche aus einer Menge flacher sechsseitiger
Kalkprismen zusammengesetzt sind, andere die aus häutiger
Schalensubstanz bestehen ohne Zellgewebe, drittens solche,
welche Perlmutterstruktur haben, und endlich Schalen mit
röhriger Struktur. Die letzten Abschnitte des Aufsatzes be-
schäftigen sich mit der Epidermis und der färbenden Substanz
der Schalen. Annais XI. p, 380.
Eine weitere Ausführung dieser Untersuchungen findet
sich Annais XII. p. 377. General results of Microscopic In-
quiries into the niinute Structure of tlie Skeletons of Mol-
lusca, Crustacea and Echinodermata. By William B. Car-
penter.
Kölliker hat beobachtet, dass die Bewegung der Ge-
börsteinchon bei den Mollusken von Wimpern abhängig ist,
welche die innere Fläche der Bläschen bedecken. Er hat sie
bei Tritonia thethydea, Thctliys fimbria, Pleurobranchaea
iMeckelii, Diphyllidia. lineata und Ilyalaea tricuspidata gesehen,
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1843. 351
am besten bei Thethys und Diphyllidia (Froriep's Neue Noti-
zen 1843. Vol. 25. p. 134).
Joly machte die Beobachtung an Mollusken (Paludina
vivipara Lam., und Anodonta cygnea Lam,), dass sie in Eis
einfroren, ohne daran zu sterben. Einige Paludinen gebaren
sogar kurz nach dem Einfrieren Junge. (Comtes rendus 1843.
XVI. p. 460).
Cephftlopoda.
A. Kölliker fand bei den Cephalopoden in der Nähe
der Augen Grübchen, zu welchen ein vom Augennerv ent-
springender Nervenfadi'u geht; er iiält dies für Geruchsorgan.
(Froriep's Notizen. Vol. XXVI. p. 166).
Vrolik theilt die Resultate einer Untersuchung des Äau-
tilus Pornpüius , von welchem die Akademie zu Harlem zwei
Exemplare aus der Bai von Amboina erhielt, mit. Annais
XII. p. 174.
Es sind folgende: 1) Die Kammern enthalten nur Luft, welche
reich an Stickstoff ist, und keine Kohlensäure enthält. 2) Das Thier
ist nur durch den Sipho an der Schale befestigt. 3) Die Struktur
und die Lage der innern Theile stimmt mit der Beschreibung Owen's
überein. 4) Die Kiefer sind hornig, aber mit einer bläulichen Kalk-
masse bedeckt. 5) Die Zahl und Beschaffenheit der Taschen am
Herzbeutel ist wie es Valenciennes beschreibt. 6) Der After liegt
nicht, wie Valenciennes ihn abbildet, sondern in der halbmondförmi-
gen Spalte des blättrigen Organs, welches Owen in Beziehung zum
Oviduct bringt. 7) Es ist eine deutliche Oeffnung im Herzbeutel
vorhanden, wie es Owen beschreibt und Valenciennes leugnet.
Ebenfalls in den Annais XII. p. 305 macht Owen einen
Aufsatz über die Tentakeln des Nautilus Pompilius bekannt,
in welchem er seine frühere Deutung, gegen die Valencien-
nessche Erklärung, dass die vielen Tentakeln den Saugnäpfen
au den Armen der andern Cephalopoden entsprechen, und
dass sich eigentlich nur 8 Arme vorfanden , vertheidigt.
JPteropodam
Eine interessante Abhandlung zur Anatomie, Physiologie
und Naturgeschichte der Pteropoden gab Souleyet in d-en
Coniptes rendus des seances de l'Academie des sc. de Paris
XVII. p. 662, Froriep's Notizen XXVIII. p. 81 u. 97.
352 Troschel: Bericht über die Leistungeii im Gebiete der
Die nackten und schalentragendeA Pteropoden unterscheiden sich
durch stark und -wenig entwickelten Kauapparat und durch andere
anatomische Unterschiede. Alle Pteropoden sind Zwitter, die Ruthe
ist von den übrigen Geschlechtsorganen getrennt, nur Reizorgan.
Das Auge soll allen Pteropoden fehlen. Der Nervenring hat nur
unter dem Oesophagus Ganglien. Verf. unterscheidet am Nervenringe
der Mollusken drei Abtheilungen: Die beiden oberen Ganglien, die
sich berühren oder soweit von einander getrennt sein können, dass
sie unter den Sclilund treten, geben die Nerven für die Sinnesorgane;
die beiden unteren Ganglien, welche sich wieder berühren oder so
weit von einander entfernen können, dass sie über dem Schlund
liegen, dienen der Locomotion und dem Gemeingefühle; ausserdem
findet sich am untern Theil des Nervenringes noch eine veränderliche
Zahl von Ganglien, welche durch Commissuren mit einander verbun-
den sind, ihre Nerven sind nie völlig symmetrisch und verzweigen
sich über die Kiemen und Eingeweide. Das Verkehrt- Schwimmen
wird durch die Lage der Eingeweidemasse im obern Theil des Kör-
pers erklärt, und die Vermuthung ausgesprochen, dass eine stete
schwimmende Bewegung, wie man allgemein glaubt, nicht wirklich
stattfinde, sondern dass die Thiere theils ruhig auf der Oberfläche
treiben oder sich auch anheften könnten. Was die Stellung im Sy-
stem betrifft, so hält Verf. eine Trennung von den Gasteropoden
nicht für naturgemäss, er weist ihre Stellung neben Bulla, Gastero-
pteron und Aphysia an. Der zweite Theil der Arbeit enthält die
Beschreibung der Gattungen und Arten.
Gasteropoda*
A. Paasch machte seine sorgfältigen und lehrreichen
Untersuchungen über das Geschlechtssystem und über die
Harn bereitenden Organe einiger (einheimischer) Zwitter-
schnecken, so wie der Paludina vivipara in diesem Archiv IX.
I. p. 71 bekannt,
P u 1 m o n a t a.
Clark c zälilt in den Annais XII. p. 333 die in Irland
lebenden Arten der Gattung Limax auf und bildet sie auf 3
Tafeln ab.
Es sind F.. maximus L., glaitci/x n. sp. (arboreus Bouchard
Chantereux). Mantel hinten vorgezogen, mit concentrischen Streifen,
weissgelb, Rücken und Schild mit zwei dunklen Binden, Tentakeln
dunkel, flavus Drap, agrestis L., Sowerbii Fer,, Gagates Drap.
Limax 7-ustica Millet Guerin Magasin pl. 63. Schild glatt,
weiss rothbraun, beiderseits mit schwarzer Linie; Körper gekielt mit
zwei schwarten Binden, die Seitenöffnung nach hinten zu gelegen
(subpostica). Frankreich.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1843. 353
Helix Charpentieri Scholtz 1. c. verwandt mit faustina Ziegl.
und Cornea Drap. Schlesien. — H. Sotverii/ana, fulvida, ■porphyria,
iiidistiiicta, mexicuna, oajacensis, Wiiiteriana und />ow«wm Pf eiffer,
sämmtlich bereits in seinen Symbolae Heliceorum aufgestellt, sind
bei Philippi im zweiten Heft abgebildet. Dasselbe gilt von H. bi-
chtctu, Gueritii, detecta, lusitanica Pfeiffer im dritten Heft des
Philippischen Werkes. Ebenda sind auch H. Cumingü (Proc. zool.
soc. 1842) paludosa und fragilis Pfeiffer (Wiegm. Archiv 1839)
abgebildet. — H. plana Dunker ib. scheibenförmig mit einem
schwieligen Zahn auf der Spindel. Ostindien? — H. Zeus (Proc.
zool. soc. 1842), calaviechroa und distorta Jonas, die beiden letz-
tern von Guinea ebenda, — H. {Helicella) uiistralis Menke 1. c.
verwandt mit H. irrorata Zgl.
CurocoUa subpJanala Petit von Neu-Qranada. Rev. zool. p. 238
ist sehr verwandt mit Helix plicata Born, aber kleiner und flacher,
sie ist auf pl. 68 in Guerin's Magasin abgebildet.
BuUnms subsemiclausus, Poivisianus und Goudoti Fetit von Neu-
Granada. Rev. zool. p. 239. Dieselben sind in Guerin's Magasin
1843. pl. 65 — 67 abgebildet und ausführlicher beschrieben. — Das-
selbe gilt von ß. maUeatus und fulguratus Jay von Südamerika,
welche bereits in der Rev. zool. 1842 aufgestellt worden sind.
B. bicinctiis Recluz. Rev. zool. 1843 von Socotora. — Bei Phi-
lippi sind aus dieser Gattung im dritten Hefte abgebildet: B. lul-
hüa Brod., B. simplex (Proc. 1842), pallens und gtuneensts Jonas,
die beiden letztern von Guinea, ^c//7/* Brod., calobaptus Jonas
(Proc. 1842) und folgende Arten, die von Pfeiffer schon andern
Orts (Proc, Symb., und dies Archiv) aufgestellt sind: B. Cumingit\
truncatus, siilcosus, fulricans, Schiedeanus, cammarensis, turricula,
pachychilus , Bridgesii und eburneus. — Von Nyst wurden in den
Memoires de la Societe Royale des sciences de Liege. Tom. 1.
1843 et 1844. p. 261. pl. 7 zwei Arten aus Columbien abgebildet und
beschrieben: B. f ulmin ans testa ovato-oblonga, imperforata, rugu-
losa, ventricosa, fulvo-brunnea, strigis flexuosis castaneis, suturapal-
lescente; longitudinaliter sulcata, ultimo anfractu magno; apertura
oblonga labro incrassato, repando, reflexo, atro-fusco. 60 Mil]. —
B. Funclcii testa ovato-oblonga, medio ventricosa, sublaevigata,
crassa, fusco-nigra anfractibus convexis; apertura ovata, intus fusce-
scente-, columella subtorta, labro reflexo, incrassato, marginato, pal-
lide rufo. 90 Mill. — B. indutus Menke 1. c. durchbohrt, 6 Win-
dungen, die letzte länger als die Spira , Labrum scharf, gelblich.
18 Lin. — B. bulla id. durchbohrt, 6 Windungen, grüngelb mit brau-
nen Binden und Streifen. 7 Lin.
Pupa Jehennei und arata Recluz. Rev. zool. Socotora, abge-
bildet in Guerin's Magasin pl. 75 und 76.
Petit stellte (Proc. zool. soc. 1843. p. 2) eine neue Gattung in
der Familie der Heliciden auf, deren Arten auf den Inseln des stillen
354 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Oceans leben: EI astnatina testa ovata seu turrita, fragilis, pellu-
cida; columella uni-vel pluridentata, dentibus lamelliformibus; labrum
tenue, acutum. Vier neue Arten E. subulata, Cumingiana, Recln-
slana und globosa.
W. H. Benson beschreibt eine neue Gattung in der Familie der
Lymnaeaceen, welche den üebergang zu Ancylus vermitteln soll.
Er nennt sie Campt oceras: Testa elongata sinistrorsa, anfractibus
paucis productis, haud connexis, spira saliente subrecta; apertura
oblonga, libera, integra; peristomate acuto, continuo. Animal tenta-
culis duobus filiformibus obtusis munitum; oculis magnis inter ten-
'tacula sitis; proboscide mediocri; pallio labia testae haud transeunte.
Pede brevi longitudinem aperturae vix superante. Die einzige Art
C. terebra hat drei Windungen mit zwei Winkeln. Bengalen. (Cal-
cutta Journal III. p. 465).
Auricula {Cassidula) rngata Menke mit 7 Windungen, längs
gefaltet, Labrum verdickt, drei orangefarbige Spindelzähnc. 15 Lin.
Am Victoriafluss.
Scarabus Cur/ihigianus Petit Proc. p. 3 von der Zebu-Insel.
Cyclostoma nuticoides Recluz. Rev. Zool. Socotora. — Cycl.
clathrattila id. ib. an juv. species praecedentis? Beide sind in Gue-
rin Mag. pl. 73. 74 abgebildet. Erstere zeichnet sich durch eine
dicke Schwiele, ähnlich wie bei einigen Natica- Arten aus, letztere
hat einen offenen Nabel. — C. hildhrc Menke 1. c. ungenabelt, mit
doppeltem Mundrand, der äussere umgeschlagen. Südküste Neuhol-
lands. — 12 neue Arten von Sowerby Proc. 1843. p. 29. C. sxitti^
rale von Demerara, rvgiilosum von Jamaica, se?nistriatiim von Ost-
indien, translucidnm , brasilien.se , giganteum von Panama, corrvga-
tiim von Jamaica, dathratnlimi von Arabien, tigrijium, pileiis und
linguiferum , die drei letzten von den Philippinen, Listeri Gray von
Mauritius. — C stramineum Hinds. Proc. p. 46 von Merida. —
Ferner 28 Arten dieser Gattung von Sowerby Proc. p. 59, die
sämmtlich in dessen Thesaurus abgebildet sind.
Pectinibranchia.
Paludtfia dedpietis Millet Guerin Mag. pl. 63. Fünf bis sechs
gewölbte Windungen mit tiefen Näthen, letzte Windung bauchig und
durch eine grosse Nabelspalte von der vorigiMi abgesetzt. Frank-
reich. Die Abbildung' scheint nicht gut zu sein. Es könnte mög-
licherweise die von Paasch beschriebene Pal. Troschelii sein. Frank-
reich. — V. gi-aiium Menke 1 c. durchbohrt, glatt, 5 Windungen,
Schlund gelb. 1| Lin. Schwanenfluss.
Aus der Gattung Melania sind bei Philipp i 12 Arten abgebil-
det, unter denen die Hälfte neu: coffea Phil, von Java? Hügelii
Ph. von Neuholland? siccuta v. d. Busch von Java, Largillierti
Ph. von Central- Amerika, Schiedeuna Ph. von Mexiko, strigilata
D unk er ohne Angabc des Vaterlandes, — M. lirata Menke thurm-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1843. 355
förmig, gelbgrün, die letzte Windung mit feinen Furchen umgeben,
Spindel mit schiefen Falten. 8^ Lin. Avonfluss.
Benson stellte in der Nähe von Melania eine neue Gattung
Tricula auf: Testa spira elongatiuscula, apertura obliqua, ovata,
integra superne angulata; peristomate continuo, subreflexo; anfractu
ultimo subumbilicato. Animal Melaniae simile, proboscide elongata,
antice emarginata, tentaculis filiformibus duobus oculos postice prope
basin gerentibus; pede mediocri ovato, antice subquadrato. Oper-
culo corneo subspirali. T. montana im Fluss bei Bhimtäl.
Truncatella striatula Menke thurmförmig, durchbohrt, quer-
gestreift. 5 Lin. Westküste Neuhollands.
Recluz beschreibt mehrere Arten Rissoa von der französischen
Küste in der Rev. zool. p. 5: R. souleyetana, lilacina, arata, minu-
tissima Mich. Var., Guerini, jwirva (Turbo parv. Maton), canceUata
(Turbo canc. Lam., Rissoa lactea Mich.), costata (Turbo costatus
Montagu, R. carinata Phil.), matoniana, striatula (Turbo striat. Mon-
tagu), vittata (Turbo vitt. Donovan, Turbo cingillus Mont.), unifa-
sciata (Turbo unif. Mont., Rissoa fulva Mich.). Es folgen dann
p. 104 R. cyclo7nostomata, Deshayesiana, jtraeusta.
Hinds stellte 8 neue Arten Sealarien auf Proc. p. 124. Sc. gla-
brata, Dianae , veslalis , sutural/'s, aciculina, creberrima , porrecta,
vulpina.
Richard Brinsley Hinds beschreibt (Annais XI. p. 16) 29
neue Arten der Gattung Triphoris Desh. , kleine linksgewundene Ce-
rithien. Er theilt die Gattung wieder in drei Untergattungen:
1) Ino testa cylindrica, elongata, acuminata; dahin Triphoris
gigas von Neu-Guinea, Concors, sculptus, vittatns, bilix von Malacca,
Metcalfeii aus dem stillen Ocean, cancellattis, corrugatiis, maxillaris,
von Malacca, micajis, asperrlmus von Neu-Guinea, marmoratus von
Westindien, elegans von Malacca.
2) Sychar testa elongata, anfractus rotundati, apex mamillaris;
dahin Tr. vitreiis von Malacca.
3) Mastonia testa acuminata, circa medium tumida; dahin Tr.
vidpinus von Neu -Irland, monilifer von Malacca, Grayii aus dem
Mittelmeer, ruber von Neu -Irland, affinis, castus von Westindien,
coelebs, aemulans , conciiinus aus dem stillen Ocean, tristis ohne
Angabe des Vaterlandes, clemens von Malacca, carteretensis von
Neu-Irland, rosetis, catididus und hilaris aus dem stillen Ocean. Dass
von diesen vielen Arten manche als Varietäten einer und derselben
Art zusammenfallen werden, lässt sich wohl erwarten. Die Ver-
schiedenheiten beziehen sich besonders auf die Zahl der Windungen
und auf Zahl und Farbe der Höckerreihen. Dazu kommen von dem-
selben Verf. Proc. p. 22 T. (/wo) pagodus und T. (Mastonia) collaris
von den Philippinen.
Natica sagittata Menke kuglig, mit gebogenen Längslinien, an
der Nath eine Reihe runder Flecke, auf der Mitte der letzten Win-
356 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
düng drei Reihen pfeilförmiger Flecke; Nabel durch eine weisse
Schwiele verengt. — N. sertata id. halbkuglig, an der Nath längs-
gefurcht, auf der letzten Windung zwei Reihen brauner verästelter
Flecke. Beide von der Westküste Neuhollands. — Recluz be-
schreibt Proc. p. 204 31 Arten dieser Gattung, von denen die mei-
sten als neu angegeben werden. — N. Cookii Recluz Proc. p. 197
von den Comoren.
Von der Gattung Narica, welche mit Velutina, Fossarus und viel-
leicht Neritopsis eine eigene kleine Familie Velutinidae zwischen
Blainvilles Coriocellen und den Neriten bilden soll, zählt Recluz
Proc. p. 136 die bisher bekannten 9 Arten auf und fügt ihnen 8 von
Cuming auf den Philippinen gesammelte Arten, und 4 Arten aus
seiner Sammlung hinzu.
Im zweiten Hefte des Philippischen Werkes stellt eine Tafel 14
Neritinen dar. Darunter sind als neu beschrieben : A'. elegantina
Busch (N. purpurea Cuming) und 6 Arten desselben Verf. von Java,
rugosa, fuliginosa, flavovirens , inconspicua, bella und nubila; ater-
rima Koch mit unbekanntem Vaterlande und lugubris Phil, von
den SandM'ichlnseln. Ausserdem sind abgebildet granosa Sow., %ic-
%ac Lam., melanoalotna Trosch., sandwicheiixls Desh. ? baetica Lam.
Am Schluss ist bemerkt, dass N. hamuligera Trosch. = N. Smithii
Gray (Sow. Conch. 111. F. 36) ist, der erstere Name ist also zu kas-
siren. — Recluz stellt -wieder 10 Arten der Gattung Nerita auf
Proc. p. 71 und ferner 11 Arten ebenda p. 198. Von der letzten N.
Ruwjihü unterscheidet er 32 Varietäten.
Lovell Reeve giebt in den Proc. p. 141 die Diagnosen von
10 Arten der Gattung Delphinula, die in seiner Conchologia iconica
abgebildet sind.
Der Gattung Trochus im weitesten Sinne des Worts sind bei
Philippi zwei Tafeln gewidmet, eine im zweiten und eine im drit-
ten Hefte. Auf der ersten Tafel sind 8 Arten abgebildet: Tr. triiim-
phans Ph. (Guilfordiae Reeve), llanleyanus Reeve, Antotüi Koch
verwandt mit Tr. granulatus Born, perspeclivus Koch verwandt mit
dem fossilen euomphalus Ph., agrestis Ph. erinnert an Tr. conulus,
vinctiis Ph. ist nach späterer Bemerkung Tr. bicingulatus Lam., Tr.
mitiiulHS Anton, Tr. {Turbo) d/i^/tatus Desh, von Acapulco. Die
neuen Arten sind sämmtlich ohne Angabe des Vaterlandes. Auf der
zweiten Tafel finden sich 11 Arten dargestellt: Turbo Fokkesn Jo-
nas von Californien, Tr. cicutricosus Jonas von Neuholland, Tr.
carmattis Koch von Central- Amerika, Tr. rubroßamimdatus Koch,
Monodonta Duuleri Koch, Mon. Philippn Koch, Tr. corrugatus Koch,
die vier letzteren ohne Angabe des Vaterlandes, Tr. chlorostomm
Menke von Neuholland, Tr. strigilatns Anton von Californien, Tr.
tuberosusVUW. verwandt mit Tr. caelatus, Tr. iorulosus Fh'\\. beide
ohne Angabe des Vaterlandes.
Philippi jicigt zu einer völligen Zusammeuziehung der
Naturgeschichte der Molhisken während des Jahres 1843. 357
Gattungen Trochus, Monodonta, Turbo, und spricht sicli da-
hin aus, dass auf Verschiedenheit des Deckels nicht viel zu
geben sei. Nach meinen Untersuchungen ergeben sich höchst
wichtige anatomische Unterscliiede, besonders in der Bildung
der Mundtheile, welche die Annahme einer ganzen Reihe von
Gattungen in dieser Familie nothwendig machen. Es giebt
Arten mit hornigem und mit kalkigem Deckel, mit Kiefer und
ohne Kiefer, mit Kiel und ohne Kiel, auch das Vorhandensein
oder Fehlen so wie die Beschaffenheit des Nabels wird hier
von Wichtigkeit, die Eigenthümlichkeiten der Schalenmiiudung
dürfen auch nicht übersehen werden. Erst wenn ein hinrei-
chendes Material die anatomische Untersuchung vieler Arten
gestattet hat, lasst sich eine sichere Aufstellung von Gattungen
bewirken. Die Gattungen Trochus, Monodonta und Turbo
reichen freilich nicht aus, und sind als solche nicht zu unter-
scheiden.
Trochus Philberti und agathensis Recluz Rev. zool. an der
Küste von Cette. — T. nassaviensis Chemn. ib. p. 107. — T. sub-
carinata (Helix subcar. Montagu) ib. — Bei Menke 1. c. sind Tr.
prasinus, ciliarts, viridulus, chlorostomus (bei Philippi abgebildet),
Preissü, Lehmmmi (vielleicht Phasianella elegans Lam.) impervius,
vitiligineiis von der Westküste Neuhollands als neu beschrieben.
Monodonta suis Recluz Rev. zool. Cette. — Bei Menke M.
melanoloma, baccata, crenulata, rtugens, maxillata, virgata von
der Westküste Neuhollands. M. lupina und turrita sind vom Verf.
selbst später (Zeitschr. für Malacozoologie) für M. denticulata und
conica Gray erkannt worden; M. apicina ist Trochus irisodontes
Quoy und Gaimard.
Turbo Lehmanni Menke 1. c. mit hornigem dünnen Deckel,
bunt, gehört zu den Margariten Leach.
Phasianella pulchella Recluz Rev. zool., weissgelb, mit dunkel
purpurvioletten Linien. Atlant. Ocean. — Ph. brevis Menke 1. c.
von der Südküste Neuhollands. Ph. Lehmanni und Preisii desselben
Verf. sind nach dessen späterer Angabe (Zeitschr. ct.) Varietäten von
Ph. bulimoides, und als solche bei Quoy und Gaimard Voy. de
l'Astrolabe abgebildet.
Phos Veraguensis Hinds Annais XI. p. 257 von der Küste von
Veragua. — Ph. crassus id. von Panama.
Gaskoin beschreibt zwei neue Cypraeen Proc. p. 23. C. Sanlae
und leucostoma von den Philippinen.
Marginella liturata Menke 1. c. gelbgrau mit winkligen punk-
tirten braunen Längslinien.
Conus marchionatus Hinds Annais XL p. 256 weiss, braun
358 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
winklich genetzt, gefurcht. Marquesas-Inseln. — C. patriciits id. ib.
gekrönt, gestreift, oben faltig. Golf von Nicoya, Central-Amerika. —
C. coelebs id. ib. mit erhabenen Linien, Basis der Spindel und Apex
violett. Feejee-Inseln. — Cotiits Delessertii Recluz Rev. zool. p. 2
von Socotora im Kothen Meer mit stark ausgezogener Spira; ist in
Guerin's Magasin pl. 72 abgebildet. — C. rutilus Menke 1. c. —
Von Lovell Reeve Proc. p. 12 C. Staivjorthii , l/gnarius, magui-
ßcus und Nepttiuus , sämmtlich von den Philippinen und bereits in
des Verf. Conchologia iconica abgebildet. — Ebenso C. vidua und
furviis Reeve Proc. p. 79. — Desgleichen 51 Arten von Reeve
Proc. p. 168.
Mitra Belcheri Hinds Annais XI. p, 255 milchweiss mit schwar-
zer Epidermis, vier Falten an der Spindel. Westküste von Central-
Amerika.
Voluta reticiilata Reeve Proc. p. 144 gleicht in der Gestalt der
V. pallida, aber ist fein braun genetzt auf gelbem Grunde, das Netz
verviirrt sich zu zwei breiten Binden. Neuholland.
Terebra albula Menke 1. c. milchMeiss, längsgefaltet. — Hinds
zählt 108 lebende und 24 fossile Arten dieser Gattung auf, unter
denen 50 neue, und zwar 16 aus dem Indischen Ocean , 6 aus Afri-
kanischen Meeren j 12 von Amerikanischen Meeren und 5 aus dem
stillen Ocean; 11 sind unbekannten Fundorts. Es ist nicht möglich
auch nur die Namen anzuführen. Proc. 1843. p. 149.
Buccimmi acnniinutum Menke langspindelförmig, glatt, an der
Basis gestreift, rothbraun mit schwarz und weiss articulirter Binde
unter der Nath. — B. fasciculare id. durchscheinend, weiss mit fei-
nen braunrothen Linien. Beide von der Westküste Neuhollands.
Vlanaxis atropurpurea Recluz Rev. zool. p. 261 glatt, an der
Basis mit drei Streifen. Südsee.
Columbella bidentata Menke 1. c. weiss mit dichten braunen
Längslinien genetzt, zwei Falten an der Spindel. Westküste Neu-
hollands.
Cassis paucirugis Menke 1. c. unterscheidet sich von C. pyrum
durch den innen gezähnten Lippenrand.
Murex antUlariim^ ceutrijtiga, festivus, foveolatus, ananas, Bel-
cheri, californicus , ha?natus, cirrosi/s, gravi'dus, radicati/s und peri-
ttts Hinds Proc. p. 126. — M. Boivinii Kien er 1. c. ohne Angabe
des Vaterlandes, alveatus desgl., exiguus desgl. alle drei mit mehr
als drei Varices, calcar desgl. mit blattartigen Varices.
L. Pfeiffer giebt in der Rev. zool. p. 134 eine Nptice critique
ä une monographie du genre Tritonium Cuv., in welcher 89 Arten
aufgezählt werden, indem die Gattung Ranella mit Tritonium ver-
einigt wird. Es ist besonders der Zweck, die Synonymie aufzuklä-
ren, und den Namen nach der Priorität Gerechtigkeit wiederfahren
zu lassen. — Menke beschreibt 1. c. eine neue Art: T. rutilum von
Neuholland.
Naturgeschichte der MolUisken während des Jahres 1843. 359
Ranella californica H i n d s Annais XI. p. 255 mit einer Höcker-
roihe, quer körnig gestreift, die letzte Windung mit vielen Höcker-
reihen. Californien.
Hinds giebt drei neue Arten der Broderipschen Gattung Tri-
chotropis aus der Sammlung des Capitain Belcher auf dem Schiff
Sulphur, Proc. p. 17. T. cancellata^ inermis vmAßavida, die beiden
ersten von Sitka.
Derselbe beschreibt ib. aus derselben Sammlung Ti/phis qua-
dratus aus der Bai von Guayaquil, T. arcitatiis vom Cap, und T.
nitens von Macassar.
Fusus ventricosiis und exilis Menke 1. c.
Lovell Reeve stellt Proc. p. 31 zehn neue Arten Pleurotoma
auf, die demnächst in seiner Conchologia iconica abgebildet werden
sollen. P. Garnonsü (babylonia Var. Kiener), spectahilis, beide von
den Philippinen , exaspei'ata, arcuata von Central- Amerika, ficta
Beck Ms. von Panama, papalis (mitraefornüs Var. Kiener), obesa
virginea Beck Ms. von der Mündung des Gambia, annulata und
catena. — Ebenda p. 36 finden sich 8 Axicn dieser Gattung von
Brinsley Hinds die auf der Reise mit dem Schiff Sulphur gesam-
melt wurden. P. fiobilis von Mexico, gemmata von Californien, y/<-
bata von China, stolida und gravis vom Cap, inermis von Califor-
nien, violacea von Neu-Guinea. Diese Arten gehören zu der Abthei-
lung der Gattung, welche einen langen Kanal besitzt; von ihnen
trennt Verf. die Abtheilung Clavatula Lam. mit kurzem Kanal, zu
der er 49 neue Arten beschreibt, die in den verschiedensten Meeren
gesammelt wurden. Zur dritten Abtheilung Maiigelia Leach, von
der der Mangel des Deckels als wahrscheinlich angegeben wird, sind
demnächst 5 Arten beschrieben: cinnumomeu, coroiiata, vittata,
orixa und cetebensis, sämmtlich von Macassar. — Ebenda p. 181 fol-
gen noch 30 Arten von Reeve, die in der Conchologia iconica ab-
gebildet sind.
Hinds stellt in den Annais AI. p. 256 eine neue Gattung Cyr-
tulus in der Familie der Pyruliden auf: testa fusiformis; anfractus
ultimus et penultimus turbinatus; spira per saltum ascendens •. aper-
tura linearis in canali brevi effuso desinens; columella valde arcuata,
superne callosa, labium externum acutum; umbilicus parvus. Epi-
dermis laevis. C. serotinus. Marquesas-Inseln.
Hinds beschreibt Proc. p. 47 zehn neue Cancellarien: C. ven-
tricosa , urceolata, albida , cremata, corrugata , data, fimiculata
sämmtlich von der Westküste Amerika's, bicolor von Macassar, la-
mellosa aus verschiedenen Punkten des Indischen Oceans, antiqnata
von Neu-Guinea.
Pomatobranchia.
Recluz beschreibt in der Rev. zool. die Ovula triticea
Blainv. als Bvlla blainviUeaTia. Atlant. Ocean.
3G0 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
N u d i b r ä n c h i a.
AI der und Hancock beschrieben eine neue britische Callio-
paea C. dendritica. Annais XI. p. 233. Dieselben scliliessen daran
vier neue Arten Eolis: E. stipata, pellucida, cnrta und conciinia
sämmtlich britisch.
Dieselben V^ er fasser machen ihre Beobachtungen
über die Entvvickelung von Eolis, Melibaea und Tritonia be-
kannt, die sich unmittelbar an die Beobachtungen von Sars
anschliessen. Zur Entvvickelung der Eier gehören etwa 14
Tage. Sie beobachteten bei Eolis ein ähnliches Gefässsystem,
welches mit dem Nahrungskanal in Verbindung steht, wie es
Milne Edwards bei Calliopaea fand, nur dass nicht zwei
Längsgefässe vorhanden sind, sondern nur eins, welches Zweige
zu den Papillen sendet. Am Ende jeder Papille ist innen ein
eiförmiges Bläschen, welches mittelst eines durchsichtigen Ge-
fässes mit seiner centralen Röhre zusammenhängt. Durch eine
Contraction dieses Bläschens werden kleine Körper zuweilen
aus dem Ende der Papille ausgestossen. Auch die Gehör-
organe wurden beobachtet. Als Geruchsorgan wollen die
Verf. mit Blainville die Riickententakeln ansehen.
De Quatrefages las in der Akademie zu Paris über
ein neues IMolIusk Eolidina paradoxa, welches in man-
chen Punkten einen IJebergang zu den Annulaten bilden soll.
Eine genauere Darstellung nmss erwartet werden. Comptes
rendus. Vol. XVI.
Aspidobranchia.
Haliotis scabricosta Menke mit schuppigen Rippen. Mistakon-
island. — H. semiplicata id. vorn längsgefaltet.
Die französischen Arten der Gattung Emarginula werden von
Recluz in der Rev. zool. beschrieben, und die Synonymie aufgeklärt.
Es sind folgende Arten: E. fissura Lam., laevt's, rosea Bell, Huxardi
Payr. , elongata Costa, fissurata Sow. , franciscana Recl. n. sp.
Fissnrella reticulata wird von Recluz als Species von F. gracca
unterschieden. Rev. zool. p. 110. — F. occitanica id. ib. — F. oblonga
Menke rosenfarbig.
Ft'ssurella {Riniula) striata Recluz Rev. zool. p. 228.
Cyclobranchia.
Patella onychitis und insignis Menke, letztere ist nach des
Verf Angabe die veigessene P. cruciata Linn.
Chiton biradiatus Öowerby von den Philippinen. Proc. p. 102.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1843. 3G1
Conchifera»
(l'Orbigny machte Betrachtungen über die Stellung der
zvveischaligen Mollusken. Linne, Bruguiere und Laniarck
stellen die Wirbel nach unten, Blainville umgekehrt die Wir-
bel nach oben, Deshayes stellt die Röhren nach unten, den
Mund nach oben. D'Orbigny will nun bei den symmetrischen
Muscheln die letztmögliche Stellung einführen, nämlich die
Röhren nach oben und den Mund nach unten, weil in der
natürlichen Stellung die Thiere sich in dieser Lage befänden.
Allerdings strecken die Muscheln im Leben die Röhren nach
oben, den Mund in die Tiefe, aber doch nicht so, dass eine
senkrechte Stellung dadurch entsteht, sondern die Röhren sind
nach oben und hinten gerichtet. Ich kann daher der Meinung
DOrbigny's nicht beistimmen; es hält die natürliche Stellung
der Muscheln die Mitte zwischen der senkrechten und hori-
zontalen Lage. Beim Fortschieben im Sande mittelst des flei-
schigen Fusses nähert sich die Lage weit mehr der horizon-
talen, so dass offenbar, wenn man nicht die Genauigkeit bis
auf eine schiefe Lage, den After nach hinten und oben ge-
richtet, treiben will, die Blainvillesche Darstellung den Vor-
zug verdient, welcher die Wirbel nach oben wendet. Von
den unsymmetrischen Muscheln sagt V^erf. sehr geistreich, sie
verhalten sich zu den symmetrischen wie die Pleuronecten zu
den übrigen Fischen, so dass sich nicht eine rechte und linke
Schale, sondern eine obere und untere unterscheiden lassen.
Sie liegen auf der Seite, (Comtes rendus XVL p. 561. 1843;
Froriep's Notizen XXVH. p. 193). Ein Angriff gegen diese
Neuerung d'Orbigny's macht Deshayes Comptes rendus
XVII. p. 1333, wogegen d'Orbigny wiederum ebenda
p. 1364 sich vertheidigt.
Templeton berichtet, dass Avicu/a radiata Leach die Pearl
Oyster von Ceylon ist. Sie ist abgebildet. Annais XI. p. 325. pl. 7.
Menke beschreibt 1. c. eine neue Plicatula, F. imbricuta, deren
Falten beschuppt sind.
Lima Cumingü und atigulata Sowerby Proc. p. 23, beide in
dessen Thesaurus abgebildet.
Pecten bifidus Menke die Rippen der convexen Schale durch
eine Furche getheilt.
Zwei neue Arten der Gattung Pinna stellt Menke I.e. auf; P.
virgata und deltodes, letztere an der Mündung des Victoriaflusses.
Archiv f. Naturgesch. X. Jahrg. 2. Bd. A a
362 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Küster kämpft in der Isis 1843. p. 565 fiir die gefähr-
liche Behauptung, dass in Europa zahlreiche Arten von
Unionen und Anodonten unterschieden werden raüssten. Mög-
lichst genaues Studium und recht viele Unterscheidung wird
gewiss recht nützlich sein, aber die zahlreich aufgestellten
europäischen Arten lassen sich nach meiner Ansicht nur als
Lokal-Varietäten weniger Arten (species) ansehen. Diese An-
sicht weiter auszuführen, ist hier nicht der Ort; es soll hier
nur referirt werden.
Vnio bigerrensis Millet (Guerin Mag. pl. 64) testa pseudo-elli-
ptica, crassa, non hiante, posterius bicolorata, oblique truncata;
radiis viridibus aut rufescentibus divergentibiis; natibus decorticatis
erosissimis; dentibus cardinalibus brevibus, crassis, sulcatis et den-
tatis non regulatim, laterali acute lamelloso. — Z7. mmica id. ib.
testa oblongo-reniformis, natibus prominnlis, non decortiratis, undato
rugosis. Beide aus Frankreich. U. Panacoeiisis v. d. Busch bei
Philippi Heft 2. ist eine schöne grosse Art aus dem Fluss Panaco
bei Tampico.
Castalia Duprei Recluz Rev. zool. p. 305 und Guerins Mag.
pl. 77. 78 aus den grossen Seen von Para in Brasilien.
Die Gattung Area ist bei Philippi Heft 2 um eine sehr eigen-
thümliche Art A. Hemicardium Koch bereichert , welche vorn vom
Wirbel herab gerade abgestutzt ist; die hintern Schlosszähne sind
hakig, und bilden einen nach hinten offenen Winkel. Diese Art
möchte leicht der Typus fiir eine neue Gattung sein. Das Vaterland
ist nicht angegeben, sie stammt jedoch von Peru, v»o sie Herr Dr.
V. Tschudi gesammelt hat. Auf derselben Tafel sind ferner A. tu-
berculosa Sow. , brasiliana Lam. und pexata Say abgebildet.
Pecttmculus gigmiteus von Californien, raripictus, aurifluus und
holosertcus, alle ohne Angabe des Vaterlandes von Lovell Reeve
Proc. p. 33. — Derselbe beschreibt ebenda p. 79 P. bicolor von
Californien, palliuni von Zanzibar, tiodosus von Ceylon, Uneatus von
Westindien, obliquus vom Schwanenfluss , tellinaeformis von Rio Ja-
neiro, tenuico Status von Australien, — und ferner p. 190 noch 12
Arten: spurcns, pertusus, ocufatus, cancellaltis, morum, Siculus, per-
dfx, spadiceus, formosus, sericatus, lividus und Delessertii.
Die Gattung Nucula wird von Hinds um 23 neue Arten aus den
Sammlungen von Belcher und Cuming bereichert. Proc. p. 97.
Chamo spondylodes Menke 1. c. verwandt mit Chama aspe-
rella Lam.
Menke stellte drei neue Arten der Gattung Cardita auf, von
denen er später in seiner Zeitschrift angiebt, dass C. rubicunda bei
Reeve als incrassata ß und Frejissii unter diesem Namen abgebildet
sei; tridacnoides erklärt er ebenda fiir crassicostata Lam. — Koeve
beschreibt Proc. p. 191 noch 21 .\rten dieser Gattung.
Natiirgesrhichto der Mollusken wahrend des Jahres 1643. 363
Lovell Kecve giebt 7 neue Arten der Gattung Cypricardia an,
die in der Conch. icon. abgebildet sind: C. serruta^ decussata, velli-
catUy incarnata, laminata, ohesu, solenoides. I*roc. p. 195.
Auf der Tafel des zweiten Heftes des Conchylienwerkes von
Philippi , welche der Gattung Venus gewidmet ist, sind V. nndnlosa
und tristis Lam. abgebildet, ferner semkancellata Koch von Java,
Y. KochüY\\\\. ohne Vaterland und F. africana v. Miihlfeld vom
Vorgebirge der guten Hoffnung. — Menke beschreibt 1. c. V. gra-
vescens und coelata als neu.
Cytherea scalaris und vaginalis Menke 1. c.
Die bereits in der Rev. zool. 1842 von Recluz beschriebene
Lncina cristata ist in Guerin's Magasin 1843. pl. 60 abgebildet. —
L. corrugala Deshayes Guerin Mag. pl. 82 testa orbiculari, lenti-
formi, ventricosa, transversim et irregulariter sulcato-lamellosa, li-
neolis squalide fuscis radiata, intus extusque alba; cardine incrassato
edentulo. California.
Pisidium roseuin Scholtz 1. c. durchscheinend, mit undurch-
sichtigeren Querbinden, Wirbel etwas nach hinten gekrümmt. Thier
rosenroth. Schlesien in den Teichen am Eingange in die Schnee-
gruben. — P. set/ien Menke vom Scliwanenfluss.
Teilina Ugamenlina Deshayes Guerin Mag. pl. 81 testa ovato-
oblonga, depressa, tenui, fragili, alba^ hiante, subaequilatera, postice
subangulata, subinaequivalvi; cardine angusto, unidentato; nymphis
incrassatis, profundis. Patria? — Bei Philippi enthält im dritten
Hefte eine Tafel T. (Solen) constricta Brug. (Psammobia cayennen-
sis Lam.), und ausserdem vier Arten als neu: T. sericina , fruncafa
und hippopoidea Jonas von China und T, pellucida Phil ohne An-
gabe des Vaterlandes.
Donax Powisiana Recluz Rev. zool. p 261 unbekannten Fund-
orts. — D. srilcarius Menke 1. c. — Fünf neue Arten beschreibt
Hanley Proc. p. 5. D. semisulcata, punctato-striata, carinata, den-
iifera und pulchella, letztere Art von Westindien, von den übrigen
ist das Vaterland unbekannt.
Zu der Gattung Corbula beschreibt Hinds 22 neue Arten, theils
auf der Reise des Capt. Belcher, theils durch Cuming gesammelt,
die meisten von den Philippinen, einige von der Westküste Amerika's.
Mactra decussata Menke 1. c. von der Westküste Neuhollands.
Mesodesma lata Deshayes Guerin Mag. pl. 80 testa ovafo-tri-
gona, depressa, solida, laevigata, transversim substriata, subaequila-
tera; latere postico breviore, antico latiore; marginibus integris;
apice minimo; cardine angusto; foveola ligamentali profunda. Pa-
tria? — M. triqtietrum und planum Hanley. Proc. p. 101.
Recluz stellt in der Rev. zool. p. 166 eine neue Gattung Po-
ronia zwischen Erycina und Amphidesma mit folgenden Charak-
teren auf: „Animal fere ignotum, pallio postice bilobo; siphonibus
duobus, disjunctis; pede piano, acuto. Testa ovata seu subrotunda,
Aa*
364 Troschel: Bericht über Jio Ldstnngon im Gebiete der
regiilaris, transversalis, aoquivalvis, inaequilatera, clausa. Apices
mimiti, antice recurvati. Liiiuila areaqne niillae. Cardo dcntibus
cardinalibus diiobiis in utraqiie valvula, apicali minima ante auctam,
antica majori apicalem approximata, transversali, concava, ad mar-
ginem supei-am inflexa et in valvula dextra inserta; fossula interpo-
sita, clongata, oblique valde transversali, sub dente laterali decur-
rente, ligamentum magnum, cartilagineum, unicum ferente; dente
laterali unica, postica, remota, in valvula sinistra triangularia, in
dextra inserta. Impressiones musculares ovales, aequales. Sinus
palliaris nuUus." Dahin 3 Arten: P. Adansofiia (Le Poron Ad ans)
vom Senegal, P. Petit lana von Peru, P. rubra (Cardium rubrum
Montagu, Kellia rubra Turt.) von den Englischen Küsten.
Recluz theilt in der Rev. zool. p. 292 und 359 die Gattung Am-
phidesma (nach Abzug der Alten mit einfachem Ligament) in zwei
Gattungen. Der ersten, zu welcher Amphidesma variegata Lam.
und Amph. relicnlata Sow. (Luoina ret. Lam.) die Typen sind,
bleibt der Name Amphides ma; die andere, -welche die Amph.
Boysii, prismatica, tenuis, nucleola und puriiura.tceits Lam., Erycina
Renieri 'Rvonn, und Amph. segmentum Costa enthält, bekommt
den Namen Syndosmya. Dazu eine neue. Art S. occitanica. Alle
diese Arten sind Europäisch und .sehr klein. Mantel weit offen, nur
in eine kurze Rohre für die Siplionen vereinigt; die Siphonen ge-
trennt, der obere kürzer, Fuss lang, zusammengedrückt, gekrümmt
Schale frei, ungleichseitig- Zwei kleine Schlosszähne unter dem
Apex rechts, einer links, dahinter ein Grübchen für das innere Li-
gament, zwei dreieckige Seitenzähne rechts. Ein äusseres und ein
inneres Ligament. Mantelbucht gross.
Mya. semistriata Hanley Proc. p. 6 ist nach einer einzelnen
Schale aufgestellt.
Potamomya nimbosa Hinds aus dem Rio de la Plata und
ocreata H i n d s aus Süsswasserströmen Brasiliens.
E. Forbes stellt zu den beiden bekannten Arten der Gattung
Neaera Gray zwei neue aus dem Acgäischen Meere auf N. attenuata
und abbreviaia. Proc. p. 75. — Daran schliesst sich die Beschreibung
> von 17 Arten dieser Gattung von Hinds, unter denen sich Corbula
costellata Desh., Anatina costata Sow., Mya rostrat a Chemn.
und TeUitia cuspidata befinden.
Eine Tafel im zweiten Hefte des Philippischen Werkes stellt
Solen dar und zwar S. abbreviatiis Phil. (Solen vagina Var. abbr.
Lam), trtincut HS S ow., vaginoides Lam., intermedius Koch (S.
Vagina Var. a Lam.), Vagina Linn. und S. marginatus Koch von
Afrika, welche sich von Vagina durch das schmalere und abgerun-
dete hintere Ende unterscheidet. — Drei Arten beschreibt Hanley
Proc. p. 101: S. philippinarum von den Philippinen, acinaces und
cylindraceus ohne Angabe des Vaterlandes.
Pholus dilatatn Souleyet von Maniila Rev. zooJ. p. 176. —
Naturgeschichte der MoMusken während des Jahres 1843. 365
Ph. spathulata Deshayes Guerin Mag. pl. 79 quer blättrig, längs
gestreift, hinten glatt, vorn geschnäbelt. Chili.
Caillaud theilt in Guerins Magasin pl. GQ — 71 intere.s-
sante Beobachtungen über Gastrorhaena modiolina mit, welche
zu Malta angestellt wurden. Das Thier hat eine Kalkröhre,
in welcher auf ein Drittel der Lange zwei Leisten verlaufen,
welche die Siphonen unvollständig trennen, indem sie sich
nicht vereinigen. Die ganz kleinen Tliiere bohren äusserst
feine Löcher in den Stein, von denen zwei innner dicht ne-
ben einander aber noch völlig getrennt liegen. Verf. behaup-
tet, das Thier müsse vor seiner völligen Entwickelung die
Gestalt eines fadenförmigen Wurmes haben , welches bis zu
einer Tiefe von 20 Millim. je nach der Härte des Steins sich
einbohrt, dann eine Wendung macht, und so ein zweites Loch
parallel dem ersten bohrt, bis es eine zweite Oeffnung erzeugt
hat. Verf. hat Fälle beobachtet , wo der zweite Theil der
Röhre nur zur Hälfte vollendet war. Dieser Vorgang muss
schnell vor sich gehen, weil die beiden äussern Oeffnungen
gleich an Grösse sind. Während sich nun das Thier weiter
entwickelt und die Röhren vergrössert, wird die Scheidewand
durchbrochen. Verf. glaubt nach Vergleichung der Grösse
der Röhren annehmen zu müssen, dass das Thier dreimal die
Röhre wechsele, bis es zu seiner völligen Grösse gelange.
Uebrigens ist die innere Höhlung völlig rund, so dass das
Thier wohl bei der Vergrösserung sich dreht, wie Pholas.
Bei Modiola lithophaga findet keine Drehung \\\\\ die Axe
statt, die Höhlung ist oval.
366 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Bericht über die Leistungen in der Pflanzengeo-
grapliie während des Jahres 1843.
Vom
Prof. Grisebach.
Das wichtigste Werk des verwichenen Jahres im Gebiete
der allgemeinen Climatologie ist v. Ilumboldt's Central-
Asien (Asie centrale. Recherches sur les oliaines de mon-
tagnes et Ja climatologie comparee. Paris 1843. 3 Vol. 8.).
In den beiden ersten Bänden werden die Lagen- und Niveau-
Verhältnisse des zwischen dem Altai und dem Himalayah ge-
legenen Theils von Asien aus einer erneuten Zergliederung
aller vorhandenen Quellen abgeleitet. Namentlich wird nach-
gewiesen, dass die bisherigen Vorstellungen über die Höhe
und Ausdehnung des central-asiatischen Hochlandes sehr über-
trieben gewesen sind. Dass das chinesische Gouvernement
Thian -schan-pelu oder das Land zwischen Altai und Thian-
schan zu der Depression der caspisch-sibirischen Steppen ge-
höre, ist schon früher nachgewiesen worden. Ebenso aber ist
auch das Gouvernement Thian - schau - nanlu zwischen Thian-
schan und Kuenlün von dem Hochlande auszuschliessen, weil
hier unter italienischen Polhöhen Baumwollen-Production blüht,
weil in Jarkand Weintrauben gedeihen und in Khotan vor-
trcfTliche Seidenzucht getrieben wird (3. p. 20). Die Wüste
Gobi hat nach den Messungen von Fuss und Bunge, auf deren
Reise nach Peking, eine mittlere Höhe von 4000' und steht
daher dem Plateau von Persien gleich (1. p. 9). Nur die be-
rühmte Hochebene von Klein -Tibet erreicht das Niveau des
Sees von Titicaca (12000') und ihre mittlere Höhe ist wahr-
scheinlich niedriger ( s. vor. Jahresb. 8. 103). — Im dritten
Bande sind einige der wichtigsten Abhandlungen v. Hum-
boldt's über allgemeine Climatologie neu bearbeitet und
mit den neuern, zum Theil hier zuerst publicirten Messungen
PflaiiEengeographie während des Jahres 1843. 367
bereichert. Dahin gehören die Untersuchungen über die Ur-
sachen der Biegungen der Isothermen, und über die Schnee-
grenze. Auszug aus der Tafel über säunntliche Messungen
der Schneegrenze in Toisen:
I. Nördliche Hemispliäre.
Mageröe 11^" = 370 T.
Norwegen 70"— 70}« = 550 „ (v. Buch)
— 67"— 67^»= 650 „(Wahlenb.)
— 60« -62« = 800 „
Island 65» = 480 „ (Morcks u. Olafsen)
Aldankette
I 60° 55' = 700
in Sibirien
Ural 59« 40' =- 750 „ ?
Kamschatka 56« 40' = 820 „ (A. Erman)
Unalaschka 53« 44' = 550 „ (Lütke)
Altai 491«— 51« =1100 „ (v. Ledeb. u. Bunge)
Alpen 45|^«— 46« =1390 „
Caucasus 43« 21' = 1730 „ (Kupfer)
— 42« 42' = 1660 „ (Dubois)
Ararat 39« 42' = 2216 „ ? (Parrot)
Argaeus 38« 33' = 1674 „ (Hamilton)
Bolor 37i« =2660 „(Wood)
Hindu - Kho 341« = 2030 „ (Burnes)
Himalaya
N.Abhang. f=2600 „
S. Abhang! 1=2030 „
Pyrenäen 421«— 43« = 1400 „
SierraNevada37« 10' =1750,,?
Aetna 37^« = 1490 „
Abyssinien 13« 10' = 2200 „ (Rüppel)
Mexico 19«— 191« = 2310 „ (Humb.)
S. Amerika 8« 5' = 2335 „ (Codazzi)
4« 46' =2397 „(Humb.)
— 2" 18' = 2405 „ (BoussaingauU
\h Aequator. Quito =2475 T. (Humb.) '
III. Südliche Hemisphäre.
Quito 0«— 11« =2470 T. (Humb.)
ala
368 Griscbacli: Bericht über flie Leistungen in der
Chile
Oestl. Cord.l 14i« f= 2490 T. (Pentland)
Westl.Cord.i 18M=2897 „(Pentland)
Chile 33" =2300 „ (Gillies)
— 410—44'^= 940 „(Darwin)
Maghellanstr. 53" -54" = 580 „ (King).
Die Tafeln, welche v. Hiuiiboldt's berühmte Abhandlung
über die Isothermen begleiteten, sind ebenfalls durch alle
neuere Messungen ergänzt und von Mahl mann für das v.
Huniboldfsche Werk bearbeitet. Sie umfassen 315 Orte, vor
denen die mittlere Temperatur, die Temperatur der vier Jah-
reszeiten und des wärmsten und kältesten Monats angegeben
ist. In den letztern Beziehungen sind diese Tafeln daher
reichhaltiger, als die zunächst vorhergegangene Arbeit von
Mahlmann (in Dove's Repertorium Bd. IV. 1841.), wo von
700 bis 800 Orten nur die mittlere Wärme und, wo dies
möglich war, die Sonmier- und Winter -Wärme verzeichnet
ist. V. Humboldt theilt auf die jetzigen im Vergleich zu sei-
ner Abhandlung von 1817 um das Fünffache vermehrten Da-
ten sich gründend die Erdoberfläche in 8 Wärmezonen, deren
Bereich durch folgende Grenzen nn'ttlerer Temperatur bestimmt
werden.
I. -18» biso» C. z.B. Melville-lnsel -18»,7 (74»,8N.B.),
NaininLabrador— 3'',6(57°,2N.B.)
II. -f0»,lbis5« C.z.B. Uleaborg -f 0°,7 (65" N. B.), Que-
bek 3",1 (46«,8N.B. u. 300' Höhe).
III. 5",lbis 7",5C. z.B. Upsala 5",3 C59",9 N. B.), Utika
7",4 (43",1 N. B. und 450' Höhe).
IV. 7",6bislO"C. z.B. Orkney-Inseln 8« (58",9 N. B.),
Berlin 8",6 (52'',5 N. B. und 108'
Höhe), Fort Providenoe 8", 5
(41",8 N. B.)
V. 10",1 bis 15" C.z.B. Metz 10",3 (49" N. B.), St. Louis
12",9 (38",6 N. B.)
VI. 15", 1 bis 20" C.z.B. Florenz 15",2 (43",8 N. B. und
200' Höhe), New- Orleans 19",4
(30" N. B.)
Vll. 20", 1 bis 25" C. z. B. Cairo 22",3 (30" N. B.), Macao
22", 5 (22", 2 N. B.)
I
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 369
VUI. 25",lbis31°,5C.z.B. Calcutta 25",7 (22»,6 N. B.), Gua-
yaquil 26» (2",2 N. B.), Pondichery
29", 6 (11°,9 N. B.), Massahua
31»,5 (15»,6N.B.)
Beobachtungen über die periodischen Erscheinungen in
der V^egetation werden jetzt unter der Leitung von Quetelet
nach einem zusammenhängenden Plan in England, Frankreich,
Deutschland, Italien, der Schweiz, Belgien und Holland ange-
stellt und vom J. 1843 an in den Memoiren der Brüsseler
Akademie publizirt.
E. Meyer hat eine einfache Bezeichnungsweise vorge-
schlagen, um bei der Aufzählung der Pflanzen eines Floren-
gebiets diejenigen zu unterscheiden, welche in demselben ihre
Arealgrenze irgendwo berühren (Bot. Zeit. 1843. S. 209).
Die gewählten Zeichen sind folgende:
Endemische Gewächse der Flora ; * Gewächse, die darin
ihre Nordgrenze berühren ; [ ^ , ^ | , ^^ : ebenso für die West-,
Ost- und Süd-Grenze.
Ueber das Zahlenverhältniss der Monokotyledonen zu den
Dikotyledonen giebt E. Meyer (Drege's Dokumente s. u.
S. 28) an, dass das von Schouw entwickelte Gesetz der Ab-
nahme der Monokotyledonen gegen mittlere Breiten (35" — 45"
N. B.) für die Gebirge nicht gelte, wo die Dikotyledonen in
der Nähe der Schneegrenze zunehmen. Die Feuchtigkeitsver-
hältnisse der Atmosphäre sollen diese Erscheinungen erklären
und die alpine Region, welche über den Wolken liegt, in der
Heiterkeit des Sommers mit dem mittelländischen Becken
übereinstimmen, wo die Monokotyledonen am entschiedensten
abnehmen.
Von mehreren Pflanzenfamilien sind im verflossenen Jahre
die geographischen Verhältnisse monographisch abgehandelt,
von Watson für die Ranunculaceen , Nymphaeaceen , Papa-
veraceen (the geographica! distribution of British plants. s. u.);
von A. Jussieu für die Malpighiaceen ( Monograpliie des
Malpighiacees. Paris 1843); von Frankenhein für die Rosa-
ceen; von Miquel für die Piperaceen (Systema Piperacea-
rum. Roterod. 1843. 8.). Da die bei solchen Untersuchungen
370 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der 1
erhaltenen Zahlenverhältnisse grossem Wechsel unterworfen
sind, so führe ich nur einige allgemeinere Resultate an.
Raniinculnceen. In Steudel's Nomenciator sind 830 sp.
aufgezählt. Auf allen Polarreisen angetroffen, nehmen sie von
der gemässigten Zone gegen die Tropen an Artenzahl ab oder
rücken in die obern Regionen der Gebirge. Verglichen mit
der Summe der Phanerogamen sind sie in 3er Polarzone am
zahlreichsten, aber die absolute Zahl der Arten ist in der ge-
mässigten nördlichen Zone am grössten. Es sind gefunden
im arktischen Amerika 22 sp. , im britischen Nord- Amerika
-zählt Hooker 74, in den Vereinsstaaten Pursch 73, in Schwe-
den Wahlenberg 44, in Deutschland Koch 109, in Griechen-
land Sibthorp 60, in Nord -Afrika Desfontaines 30 und auf
den Anden v. Humboldt 20 sp.
Nymphaeacee7i. Bei Steudel 57 sp., davon besitzen Asien
20 sp., Nordamerika 14, .Südamerika 9, Europa 8, Afrika 7,
Westindien 2 , Madagaskar und Java 1 oder 2 : " bei Steudel.
Aber dieser Vertheilung stellt W. entgegen, dass Torrey und
Gray nur 5 sp. in den Vereinsstaaten kennen und Hooker
nur ebenso viel im britischen Amerika.
Popaveraceen. Man trennt von dieser Familie mit Ein-
schluss der Fun)ariaceen etwa 170 sp. In die arktische Zone
verbreitet sie sich und erscheint auch unter den Tropen,
jedoch selten. Am zahlreichsten ist sie im wärmeren Theile
der nördlichen gemässigten Zone,
Malpighiaceen. Von dieser Familie besitzt Amerika 528
sp. und zwar Brasilien 290, Mexiko 61, Westindien 56, Co-
lumbien 45, Guiana 42, Peru 31 ; die alte Welt hingegen nur
55 sp., von diesen Indien 14, Madagaskar 11, Westafrika 9,
Sunda-Inseln 9, Ostafrika 5, Australien 3, Arabien 2, China 2.
Dass Malpighiaceen die Wendekreise überschreiten, hat man
nur wenig Beispiele: in Nordamerika wiächst Hiraea septen-
trionalis doch nicht über 26" N. B. hinaus, Hiptage in Nepal
nicht über 28**, aber in der südlichen Hemisphäre giebt es
einen Acridocarpus bei Port Natal (30") und Higmaphyllon
litorale reicht bis Buenos -Ayres. In den mexikanischen An-
den steigt die Familie nicht über 6000' oder überschreitet
diese Grenze tropischer Vegetation kaum. Bis zu gleicher
Pflanzengeographie während des Jahres 1843, 371
Höhe ist sie auch am Aequator angetroffen. In NeuhollanJ
fehlt sie bis jetzt ganz.
Rosaceen. Gegen 1100 Arten nimmt der Verf. an. Von
diesen besitze Mittel - Europa 175, fast ebenso viel Nordame-
rika, Siideuropa 92, der Himalayah 74, die Alpen 61, die tro-
pischen Anden 85: jedoch mit Einschluss der Chrysobalaneen.
Piperaceen. Am artenreichsten ist diese Familie im tro-
pischen Amerika: viermal geringer ist die Zahl der asiatischen
und nur einzelne Arten sind auf den Südsee-Inseln, ebenfalls
wenige in Afrika gefunden. In der nördlichen Hemisphäre
verbreiten sie sich mit wenigen Ausnahmen kaum über den
Wendekreis: in Afrika nur bis 14" N. B. am Senegal, aus
Arabien ist nur eine Art: Peperomia arnbica (bis 22") be-
kannt, am Himalayah giebt es einige bis 30^", in China bis
22,-, in Amerika wächst die einzige Enckea californica bei
Monterey bis 38". In Quito steigt Piper peploides bis zu der
Höhe von 1590 Toisen. • In der südlichen Hemisphäre über-
schreiten die Piperaceen den Wendekreis .am weitesten: sie
gedeihen am Cap unter 35" S. B., ein Maciopiper in Neu-
seeland bis 45" S. B.
I. Europa.
Die in dem v. Humbol dt' sehen Werke über Central-
Asien enthaltenen, neuen Daten über das Klima des europäi-
schen Russlands weichen bedeutend von den frühern, weniger
genauen Angaben ab. Auf Messungen in Petersburg, Moskau
und Kasan gegründet, geben sie ein umfassendes Bild von
den klimatischen Verhältnissen Osteuropa's.
Petersburg. (As. centr. 3. p. 56). Die Messungen sind
von Wisniewsky imd waren schon früher bekannt,
aber nicht genau berechnet.
Winter = — 7",4 C. Sommer = 16" C.
März = — 3",7 - September = + 10",5 -
April = +2",6 - Oktober = -f ^",1 -
Mai = -|-8",7 - November = — 0",8 -
Frühling =" +2",5 C. Herbst = + 4",8 C.
Jahrestemp. = 3", 9 C
372 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der '^
Moskau, (ib. 3. p, 554). Die Messungen sind von Spaski
und in den Bullet. Mose. 1842 enthalten. Meeres-
höhe = 400'. ,
Winter -= — 90,5 C. Sommer = + 17",4 C. ]
Frühling = -|- 4",5 - Herbst = -f 4%1 -
Jahrestemp. = 4",! C.
Kasan, (ib. 3. p. 555). Die Messungen sind von Knorre
und ebenda publizirt. Höhe über dem schwarzen
Meere = 240'.
Winter = — W ,3 C. Sommer = +160,2 C.
Frühling = + 3", 2 - Herbst = -j- 2",7 -
Jahrestemp. = 1",9 C.
lieber die Verbreitung der organisclien Natur im euro-
päischen Russland hat Blasius eine tretTliche Darstellung ge-
geben, welche in botanischer Rücksicht eine allgemeine Be-
gründung und Charakteristik der von v. Ledebour vorgeschla-
genen und im Jahresbericht für 1841 erwähnten Provinzen
enthält (Reise im europ. Russland in den Jahren 1840 und
1841. 2 Bde in 8. Braunschweig). Vom nördlichen Russland
hat der Verf. besonders die Gegenden des Onega-Sees und
den südlichen Theil des Gouvernements Wologda untersucht.
Das mittlere Gebiet kennt er in grösserem Umfange von Ja-
roslaw an der Wolga durch die Gegenden an der Oka bis
zur Düna und zum Dnjepr, und vom Süden hat er die Ukraine
bis in die Steppen durchreist.
Das nördliche Russland ist von dem mittlem Gebiete
vorzüglich durch seinen geschlossenen Wald unterschieden,
wo Pin7is sylvestris L. und P. Abies L. die herrschenden
Baumarten sind und deren gewaltige Bestände nur durch
Sümpfe unterbrochen werden oder in der Nähe der Flussthä-
1er vom Menschen gelichtet und zerstört sind. Unter die
Kiefern und Tannen mischen sich hin und wieder Alnus in-
cana L. und Betula puhescens Ehrh., die in einigen Gegenden
grosse Waldungen selbstständig zusammensetzen. Namentlich
werden durch Erlengestrüppe die Grenzen der Kultur und
Wildniss überall bezeichnet. Ausser diesen sind die Laubholz-
formen auf Populus Ircmula L., Sorbus aucupnria L. und Pru-
nus Padus L. beschränkt. Die Kiefern und Tannen bilden
zwei gesonderte Waldformationcn, durch Verschiedenheit des
Pflanzengeographie walirend des Jahres 1843. 373
Thoiigehalts im Boden geschieden. Die thonreichen, oft mo-
rastigen Niedernngen des allen rothen Sandsteins werden von
dichten Tannenwäldern bedeckt, zwischen denen sich Espen
nnd Erlen einfinden; die sandigen Diluvialhiigel tragen Pinits
sylvestris L. nnd Betnla puhcscens Ehrh. nnd vergegenwärtigen
den Waldcharakter der norddeutschen Ebene, deren lioden
gleichzeitig gebildet worden ist. Auf diesem Diluvium, wo
der Thon in der Erdkrume fehlt, giebt es auch Haiden von
Calluna (Bd. 1. S. 102), die man auf den silurischen Ebenen
und Flötzgebilden nicht antrifft. Jedocii ist auch der Dilu^
vialboden nicht ganz frei von Sümpfen, wo Ledum und An-
ilromeda calyculata L. gedeihen, aber auch hier wächst nicht
die Tanne, sondern die Kiefer, indem sie das Wasser nicht
scheut, sondern nur lockern Sandboden fordert (S, 161). —
Charakteristische Gewächse der nordrussischen ConifereiiM äl-
der sind: Ruhus nrcticus L. , saxatilis L., Chamaemorus L. —
Vaccinium Myrtillvs L., uliginosvm L., Oxycoccos L. — Ru-
hus idaeus L., Rosa canina L. , cirinamomea L. — Lmnaea
horealis L. — In den Kiefer- und Birkenwäldern, vorzüglich
Cetrarien oder Ante7inaria dioeca Br, — Waldwiesen sind an-
gefüllt von Ranunculus reptans L. Auf dem Bergkalk wach-
sen Peristylits alhidus Bl. und viridis Bl., und am Onega-See
auf das Ueppigste Aconitum septentrionale Maxi. (A. Napellus
Blas.).
In den nordrussischen Mooren der thonigen Niederungen
unterscheidet B. zWei Pflanzenformationen. 1. Form der
Zwergbirken, lieber der unsichern Tiefe ruht ein dichter,
schwankender Teppich von Syhagnum mit Vaccinium Oxycoc-
cos L. , aus welchem sich überall 3 — 5 Fuss hohe Sträucher
von Betnla nana L. und fruticosa Pall. erheben. In deren
Gesellschaft wachsen verschiedene Ericeen , nordische Ruhi
und Salices: Ledum palustre L., Andromeda poli/olia L. und
calyculata L. , Arctostaphylus uva ursi Spr. , Vaccinium Vitis
idaea L. und uliginosum L., Ruhus arcticus L., Cliatnaemorus
L, und saxatilis L. ; Salix hicolor Ehrh., limosa Wahl., glauca
L. , myrtilloides L, und rosmarinifolia L. 2. Form der Erio-
phoren und Riedgräser. Der Boden ist mit Wasser bedeckt,
aber am Grunde desselben fester und thonhaltiger, als unter
den Birkensträucheni, nnd ohne Sphagnum-Decke. Rasen von
374 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der I
Riedgräsern stehen auf der Fläclie dicht zusammen, man zählt
einige 30 Arten von Carex und aus diesen erheben sich die
gedrängten weissen Köpfe des Eriophorum (Bd. 1, S. 43).
Holzgewächse fehlen, aber Calla und Pedicularis geben einigen
Wechsel. — Die offnen Wasserflächen und Seen, welche die-
sen Sümpfen angehören, entwickeln fast dieselben Formen,
wie in Deutschland: Nymphaea alba L. , Nuphar luteum Sm.
und inanilum Sm., Stratiotis aloides L., Hydrocharis , weiss-
bliuuige Ranunkeln und Caltha (p. 252).
Die Ackerfläche bildet nur Oasen in diesen unermess-
lichen Flächen, die vom weissen Meere bis zu den Wasser-
scheiden gegen das Wolgagebiet überall von diesen vier For-
mationen bedeckt sind. Nur durch die Flussthäler wird das
Land auf eigenthümliche Weise gegliedert. Diese schneiden
tief und mit breiten, ungeregelten Wasserwegen in die grosse
Ebene ein , die übrigens nur sclivvache Wellenbiegungen be-
sitzt. Die höchsten Erhebungen scheinen sich etwa 300 — 400'
über das Niveau der Flüsse zu erheben. So liegt Ustjng
weliki an der Dwina 330' über dem AJeere, das höchste Pla-
teau der Waldfläche in deren Nachbarscliaft durchgängig 600'.
Die weiten Rücken des Landes an den Wasserscheiden sind
es vorzüglich , wo die Sümpfe sich meilenweit erstrecken.
Gegen die Flüsse fällt die Fläche gewöhnlich schroff ein inid
bildet unterhalb des Waldes zwei Terrassen, welche den weit-
läuftigen Thalweg ausfüllen. Die untere ist ganz horizontal
und wird von den Ueberschwemmungen des Stroms erreicht.
Sie ist unbewohnt und entwickelt fruchtbare Wiesen oder
öde, vegetationslose Dferstrecken und Inseln. Die Wasser-
strasse liegt durchgängig reciits, hart am Fusse der steilen
obern Terrasse (Bd. 1. S. 238). Auf den \vüsten Sandufern
wächst durch ganz Russland bis zu den südlichen Steppen
Salix acutifolia W. und bildet^ nnt 40 — 60' langen Wurzel-
stöcken im losen Boden ein dichtes Geflecht. Der darüber
vom Flusse abgesetzte Thon und Mergel giebt zur Entstehung
der Wiesen den Anlass, die alljäinlich von selbst überrieselt
und gemergelt, die üppigste Grasnarbe besitzen. Die Dünen
am Onega-See tragen hingegen Callima mit Empetnim, —
Die obere Terrasse liegt gegen 40 — 60' über dem Thalwege.
Sie ist wellenförmig gebaut und reicht bis an den Fuss des
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 375
bewaldeten Diluviums. Bewohnt und grossentheils beackert
enthält sie trockene, abhängige Wiesen, bliithenreich von Or-
chideen , Labiaten und Synanthereen , die abwärts in Sümpfe
übergelien, so wie auch alle Vertiefungen des Bodens, beson-
ders längs des ^Valdrandes, von Sumpfwiesen ausgefüllt sind.
Nach der BeschaflFenheit der Erdkrume ist das Land überall
zur Kultur sämmtl icher mitteleuropäischer Cerealien geeignet,
aber das Klima steht dem Ackerbau im Wege, — Zwar haben
die Waldverwüstungen, die dem mittlem Russland so verderb-
lich wurden, hier den Charakter des Landes bisher nur wenig
und nur in der Nähe der Flussthäler zu verändern vermocht,
aber doch sind zwei der edelsten und brauchbarsten Holzarten
seit Menschengedenken aus diesen Gebieten fast ganz ver-
schwunden. In Gegenden, wo Pallas noch grosse VValdstrek-
ken von Pimis Larix L. sah, zählte Blasius auf 60 bis 80
Meilen kaum ein halbes Dutzend Stämme. Ebenso ist P.
Cernhra L., die russische Ceder, früher weiter westwärts ver-
breitet gewesen, während sie jetzt zuerst an der mittlem Wit-
schegda östlich von der Dwina gefunden wird. Die schönsten
Wälder traf B. längs des Stromlaufs der Suchona im Gouv.
Wologda. Hier steigen die Stämme der Tannen und Espen
zu 100 bis 150 Fuss auf, und die Birken erreichen nicht
selten eine Höhe von mehr als 100 Fuss (Bd. 1. S. 164).
Mit grosser Genauigkeit hat Blasius die Naturgrenzen des
nördlichen und mittlem Russlands bezeichnet. Mit scharfen
Gegensätzen folgen sie dem Rücken des Waldai, das heisst
der Linie der Wasserscheiden zwischen den nördlichen und
südlichen Strömen. Deren Niveau liegt nur 200' höher, als
die höchsten Erhebungen des Nordens, es kann durchschnitt-
lich zu SOO' angenommen werden (z. B. bei Grjansowez zwi-
schen Wologda und Jareslaw beträgt die gemessene Meeres-
höhe 760'): und doch trennt dieser niedrige Kanmi überall
deutlich zwei grosse Vegetationsgebiete. Es ist die Südgrenze
für Alnus incana DC. und die Nordgrenze der Obstkultur und
mannigfacher Laubhölzer, namentlich für Detula corticifraga,
die Anfangs noch mit Betula pubescens Ehrh. gemischt wächst,
aber weiter südwärts allein die Birkenwälder zusammensetzt.
Die Nadelwälder nehmen ab, Populus tremula L. wird häu-
figer und bildet geschlossene Wälder. Die Birken und Espen
376 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
streiten mit der Kiefer um das Uebergowicht, bis die Eiche
ersclieint und von nun an gemischte Laubwälder vorherrsclien.
Bei Jareslaw treten zuerst Fraxinus excehior L. , Tilia und
Quercus itedunculata Ehrh. auf. <?, Rohur L. hingegen ist
Mittelrussland fremd und scheint ostwärts Jiiclit einmal den
Dnjepr zu erreichen. Niedrige Gehölze bestehen aus Corylus
Avellana L., zuweilen untermisclU mit Evonymus europaeus L.
und verrucosus Scop. , mit lihamnus Frangula \-.. und cat/tar-
tica L. Ferner war Jareslaw für folgende Gewächse die
Nordgrenze: für Berteroa incana DC, Lninaria rediviva L.
Lavatera thuringiaca L,, C/iaeiop/ii/lluTn (tromaticum L., Eryn-
gitim lilanum \,., Scrofularia vernalis L. u. a. An die Stelle
der nordischen Sumpfweiden treten Salix fusca L., cinerea L.,
Caprea L,, Alnus glutinosa G. ersetzt J. incana DC. — So
nehmen fast alle Pflanzenformationen einen andern Charakter
an, aber noch weit auffallender ist die Physiognomie des gan-
zen Landes durch die Zunahme des Ackerbaus geändert. Feld
und Wald stehen in Mittelrussland im Gleichgewicht: es ist
das Gebiet der Gross-Russen, die die Wälder gelichtet haben.
An der Oka, wo die Waldungen aus mit Eichen gemischten
Espen und Birken bestehen, sind sie meist schon auf die Nähe
der Flüsse und deren Seitenthäler und Thalschluchten be-
schränkt, wodurch die Baumlosigkeit der Steppen sich allmä-
lig vorbereitet. Hier sieht man bereits auf trocknen Anhöhen
eine dichte Vegetation von Artemisien {A. scoparia Kit., vul-
garis L. , campestris L. und Äbsinthium L.), w-elche an die
Weidengebüsche des Flussufers reicht , wo nun Salix acuti-
folia mit mehreren andern Arten gemischt wächst, als S. alba
L. , fragilis L. , viminalis L. u. a. —^ Geognostisch ist das
mittlere Russland dadurch bestimmt, dass an der Nordgrenze
auf dem alten rothen Sandstein sich vorherrschend Dolomite
einfinden, weiterhin ist dessen Naturcharakter an den Mergel-
boden des Jüngern rothen Sandsteins, den Bergkalk oder an
die Kreidemergel gebunden, die streckenweise ziemlich frei
zu Tage treten. Der Norden hingegen besitzt die Sand- und
Thonschichten des alten rothen Sandsteins und mächtiger Di-
luvialbildungen. Am Osero greift mit dem Kalkboden die
mittlere Region eine Strecke weit in die nördliche ein, zwi-
Pflanzengeographie während dos Jahres 1843. 377
sriien Diina und Dnjppr rcichon die iiordisclien Pflanzenfor
niationeii unter nnigekelirton l>edingnngon weiter nach Süden.
Das südliche Russland beginnt da, wo ausgedehnte Dilu-
vien die Kreide und die tertiären Bildungen bedecken , und
wo zunächst jener humose Boden über dem Dilnvialsande
sich ausbreitet, den man die sclivvarzo Erde, Tschernon Sem,
nennt. An» Dnjepr liegt deren Nordrand in der Nähe von
Tsclicrnigof, von da zieht sich die Grenzlinie dnrch den süd-
lichen Tlieil des Gouvernements Kursk und erreicht in der
Nälie von Simbirsk die Wolga, wo die Sandbedeckung der
Kreide bis an den Jüngern rothen Sandstein des Nordens un-
mittelbar reiclit. Aus diesen geognostischen Verhälfnissen
wird es erklärlich, dass die Steppenvegetation ebenso scharf
von dem Gebiet der Laubhölzer sich absondert, wie diese
von den nordischen Nadelwäldern. An der Desna, die bei
Kiew in den Dnjepr fällt, treten zuerst die wilden Obstbäume,
Pyrus communis L. inid Malus L. nebst Prunus Cerasus L.
auf und mit diesen beginnt das südliche Vegetationsgebiet.
Mit krausen, gedrängten Zweigen und dunkler Rinde zeichnen
sie sich aus der Feme vor den übrigen Laubhölzern aus, die
Apfelbäume zertheilen sich schon über einem mannshohen
Stamme in gleichmässige Aeste (Bd. 2. S. 221). Aber die
ganze Fläche des Landes ist durchaus baumlos. Nur in den
Sumpfniederungen und in der Tiefe der Flussthäler, den ein-
zigen Stellen, die im Norden gelichtet sind, kann hier eine
Baumvegetation gedeihen, aber auch hier sind nirgend zusam-
menhängende Wälder, so weit das Diluvium an der Ober-
fläche liegt. Schon lange ist das Nadelholz ganz verschwun-
den und von den Laubbäumen tritt die Birke bald zurück.
Die Eiche ist der häufigste Baum und niemals fehlen die
Obstbäume in deren Gemeinschaft: so werden schmale Wald-
streifen gebildet, die gegen die Grösse, der Steppe von gerin-
ger Bedeutung sind. An die fruchtbare, schwarze Erde, den
äussern Steppengürtel , ist der Ackerbau gebunden. Dieser
schmale Landstreifen reicht am Dnjepr nicht völlig bis Kre-
nientschug, wo B. die Nordgrenze des Weinbaus fand. Hier
beginnt die Steppe zunächst mit hohen Stauden, Arten von
Artemisia, Verhascum, Ächillea, Euphorbia und Cynareen, die
dem hohen, dürren Grase eingemischt sind und, weil sie zur
Archiv f. Naturgesch. X. Jahrg. 2. BU. B b
378 Grisebacli: Bericht über die Leistungen in der
Feuerung dienen, Brennstaiiden (Bnrian) genannt werden. In
der Steppe breitet der F^-iililing zwar einen leichten Bliitliea-
teppich aus, aber nach wenig Älonden hat die schattenlose
Sonne alles Lebendige wieder vernichtet und versengt: im
kurzen Herbste wiederholen sich noch einmal die dichten
Nebel, denen jene Pflanzen entsprossen waren, aber bald fol-
gen Schneestürme und unter der tiefen Schneedecke muss die
öde Fläche den langen Winter ausharren (S. 269).
Die eigentliche Ukraine oder das Gouvernement Charkow
bildet ein eigenthiimliches Uebergangsglied zwischen der Steppe
und dem mittlem Russland. Dies ist ein Hügelland, indem
die Kreide aus dem Diluvialsande hervorragt. Hiedurch wer-
den Wälder hervorgebracht, die einen bedeutenden Theil die-
ses fruchtbaren Landes bedecken. Wenn man aus der Fläche
von Poltawa nach Charkow geht, sieht man an der Wasser-
scheide der Gebiete des ünjepr und Don bei Walki die
schwarze Erde an Mäclitigkeit verlieren und hier zeigen sich
bald die ersten Wälder. Sie bestehen aus Eichen, Linden,
Espen, Pappeln, Eschen und Jcer tataricum L. , aber stets
mit wilden Birnbäumen gemischt. Das Unterholz wird be-
sonders von Conjhis gebildet. Das unbewaldete Erdreich
wird hier von Steppensträuchern 2 — 3' hocli dicht bekleidet,
namentlich von Cytisus supinus, Caragana und Zwergkirschen,
{Priinus Chamaecerasus Jacq.). Die Flora dieser Provinz ist
eine entschieden südrussische und dies macht es walirschein-
lich, dass das Klima einen allgemeinern Einfluss übt als der
Boden, der in der Ukraine den Kalk von Mittelrussland
besitzt.
Am Südabhange des taurischen Gebirgszuges fand M.
Wagner von Alupka bis zum Aju-Dagh die Wälder durch
F. haricio MB. gebildet, deren Region sich von 600' — 3000'
erstreckt. Auf dem nördlichen Abfall, wo die Winterkälte
grösser ist, wird sie durch die Buche ersetzt. Arhutus A?i-
drachne L. kommt nur an der Südseite von der Küste bis
1200', jedoch sehr vereinzelt vor, und scheint durch Zug-
vögel aus Anatolien angesiedelt. (Augsburg. Zeitung 1843. ■
Nr. 47. 48).
Von v. Ledebour's Flora rossica (s. Jahresb. für 1841.
S. 416) erschien 1843 das dritte und vierte, 1844 das fünfte
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1843. 379
Heft (Vol. I. Fase. III. Vol. II. Fase. IV. V.). Die statistischen
Verhaltnisse der seit dem frühem Berichte abgehandelten Fa-
milien sind: Balsamineen 3; Oxalideen 2; Zygophylleen 10,
in den europäischen Steppen jedoch nur Zi/g. Fahago L. und
an der Uralmiindung Zyg. Eichwaldii QhM.; Biebersteinieen 2;
Rutaceen 14, darunter 2 Tetradictis-Arten , eine Gattung, die
vielleicht zu den Crassnlaceen gehört; Diosmeen 1; Celastri-
neen 6 und 1 Staphylea; 10 Rhamneen und 1 Nitraria; Ju-
glandeen 2 , beide im Caucasus einheimisch ; Anacardiaceen 3 ;
Papilionaceen 568, darunter Astrogalus mit 168, Oxytropis
mit 61 Arten, auf Asien beschränkte Gattungen nur Therm-
opsis, Leohordea, Güldenstädtia, H(dimode?idro7i , SphaerO'
physa, Eremospnrton , Lespede%a, Ammodendron , Gleditsclda,
sämmtlich mit einzelnen oder wenigen Arten; Mimoseen 2,
nämlich Lagonycldum. Stephanianujn MB. und Acacia ftiUhris-
sia W.: beide nur in den caucasischen Provinzen; Amygda-
leen 18; Rosaceen 155, darunter Sjnraea mit 18 Arten, Po-
tentüla mit 60, von Rtibus 16, von Rosa 17 Arten unter-
schieden: asiatische Formen Coluria, Dryadatithe, Chamaerho-
dos, Hulthemia; Pomaceen 42, namentlich 19 Arten von Pyrus
und Sorlus; Punica 1; Onagrarien 23; Halorageen 2; Hippu-
rideen 3; Callitrichineen 5; Ceratophylleen 3; Lythrarieen 15,
nämlich 2 Peplis - kxiQW und Middendorfia z. B. am Dnjepr,
2 Amniannien und Ameletia in Caucasien ; die übrigen Lythra;
Tamariscineen 15, grösstentheils asiatisch, doch auch in den
südrussischen Steppen 5 Arien; Reaumuriaceen 3, nämlich
Reaumuria vom Caucasus bis zum Asovvschen Meer, Eich-
waldia an der Ostseite des Caspischen Sees und Hololachna
in der Soongarei; Philadelpheen 1; Cucurbitaceen 9, nament-
lich am Caucasus einzelne Repräsentanten von Lagenaria,
Cucumis, Cucurbita und Sicyas angulatus L. von da westwärts
bis Podolien; Portulaceen 16, indem in Ostsibirien 11 Arten
von Claytonia vorkommen; Sclerantheen 2; Paronychieen 17;
Crassnlaceen 59, z. B. 12 Umhilicus-kvtQn, grösstentheils vom
Caucasus und Ural; Grossularieen 18, meist sibirisch; Saxi-
frageen 70, ausser 57 Saxifragen und 6 Chrysosplenien in
Ostasien einzelne Arten von Leptarrliena , Mitella, Teilina,
Tiarella und Heuchera ; Umbelliferen 331 , am zahlreichsten
in Caucasien, in Ostsibirien fast ganz verschwindend, doch
Bb*
380 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
am Altai noch 92 Arten : die artenreichsten Gattungen in
Russland sind Hcracleum 23, Peucedanum 21, Seseli 18, Bu-
yleurum 18 und Ferula 15; Araliaceen 2, nämlich Hedera und
Panax liorridus auf den Kodjak-Inseln; Hamamelideen 1: Par-
rotia in Talüsch; Corneen 5; Loranthaceen 3; Caprifoliaceen
23; Rubiaceen 77, darunter in Caucasien die Hedyotidee Ka-
ramyscheivia und die Spermacocee Gaillotiia, beide mit einer
einzigen Art; Valerianeen 41, darunter in Sibirien 4 Patri-
nien, in Armenien 1 Du/resnea; Dipsaceen 36 mit Marina
parvißora Kar. am Alatan.
Die Flora von Finland haben Nylander (Spicilegium
plantarum fennicarum. Helsingf. 1843. Centur. I. 31 Seit. 8.
1844. Cent. IL 38 Seit. 8. — Ferner: Stirpes cotyledoneae
paroeciae Pojo. Das. 1844. 22 Seit. 8) und Wirzen (Pro-
dromus Florae fennicae. Das. 1843. 32 Seit. 8.) zu bearbeiten
angefangen. Das Spicilegium enthält kritische Bemerkungen
über zweifelliafte Arten, namentlich über Carices. Die Arbeit
von Wirzen folgt dem Sexualsystem und reicht erst bis zu
den Gräsern.
Nylander bereiste 1842 das russische Lappland von
Uleaborg bis Kola am arktisclien Meer und 1843 das östliche
Finland und die Gouvernements zwischen dem Ladoga und
dem weissen Meere. Verzeichnisse der auf der ersten Reise
gesammelten Merkwürdigkeiten finden sich in Lindblom's Zeit-
schrift (Botaniske Notiser 1842. 1844).
Lund beschrieb seine botanische Reise nach Nordland
und Finmarken (Reise igjennem Nordlandene og Vestfinmar-
ken i Sommeren 1841. Cliristiania 1842. 8.). Er besuchte
Tromsöe, wo Ende August das Birkenlaub bleichte, sodann
Alten, Ilammerfest, Mageröe bis zum Nordcap und einige an-
dere Punkte. Seine Cebersicht der finmärkischen Flora ent-
hält 402 Phanerogamen aus 50 Familien, während er auf ganz
Norwegen nach Blytt's Angabe 84 Familien mit ungefähr 1100
Phanerogamen rechnet. Die artenreichsten Familien in Fin-
marken sind folgende: Cyperaceen 51 ; Gramineen 42; Synan-
thereen 33; Caryophylleen 27; Cruciferen 19; Rosaceen 18;
Junceen 17; Ranunculaceen 16; Ericeen 15; Scrophularineen
15; Saliceen 15. Dann folgen 12 Leguminosen und 12 Or-
chideen. — Interessantere Pflanzen sind; Viola ejnpsila Led.
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 381
bis in die Nähe des Nordcaps, Lychnis affinis Vahl, Poteti-
tilla nivea L. bei Tronisöe, Conioselinum tataricum Blytt (an
Fisch.?) bei Alten, Galium trißorum Mich. — Die beobach-
teten Polargrenzen der Ilolzgewäclise sind: 1. Bei Alten:
Rubiis idaeus L., Rihes rubrum L., Myricaria germanica Desv.»
Menziesia caerulea Sni., Amlromeda tetragona L., Arctosta-
p/tylos uva nrsi Spr., Rhododendron lapponicum Wahl., Ledum
palustre L., Salix pentandra L., Arhuscula L., hastato-heihacea
Laestad., Populus tremula L., Alrms iticana DC. 2. Bei Ham-
inerfest: Prunus Padus L. 3. Pimcs sylvestris L. bis 70" N.
Br. , d. h. bis 1^ g. Meilen südöstlich von Kistrand am Per-
sanger Fjord, 4. Auf Mageröe selbst finden sich noch: Sor-
bus aucuparia L., (^alluna, Andromeda hypnoides L. , A. poli-
folia L., Arctostaphylos alpina Spr., Azalea procumbens L.,
Vaccinittm Myitillus L. , V. uliginosum L., V. Vitis idaea L.,
Empetrum nigrum L., Diopensia lappo?iica L., Salix glauca L.,
S. lapponum Wahl., S. Myrsiniles L., S. reticulata L., S. her-
bacea L., Betula pubescens Ehrh., (glutinosa Ld.), B. nana L.,
Juniperus commuiiis L.
Beurling, welcher in der Versammlung der scandinavi-
schen Naturforscher im J. 1842 über die Physiognomie der
Gegend von Stockholm sprach, hat 184-3 eine Reise durch
Schweden gemacht, deren botanische Ergebnisse in die Ver-
handelungen der Stockholmer Akademie werden aufgenommen
werden. — Zetterstedt's botanische Reise durch Jemtland
im J. 1840 ist in der botanischen Zeitung für 1844 übersetzt
worden. Dieser Bericht enthält Verzeichnisse von Standorten,
jedoch ohne allgemeinere Charakteristik der Vegetation dieser
schwedischen Provinz. — v. Düben beschreibt eine im J.
1841 gemachte Excursion in Bohuslän (Lindblom's Botaniske
Aviser 1843, S. 75). Von Gaymard's Voyages en Scandi-
iiavie sind die ersten Lieferungen erschienen. Die Kupfer-
tafeln geben anschauliche Darstellungen des nordischen Natur-
charakters, aber der erläuternde Text dazu ist noch nicht
publizirt.
Von Hartman n's scandinavischer Flora wurde bereits
die 4te Auflage herausgegeben (Haudbok i Skandinaviens Flora
innefiittande Sveriges och Norrige's Vexter, tili och med Mes-
sorna, Stockh. 1843). — Eine unbedeutende Compilation ist
382 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Högberg's Svensk Flora. (Oerebro 1843). — Anders-
son's Observationes stirpium circa Christinehamn provenien-
tiuin (Upsala 1842. 4.) enthält einige neue Fundorte. —
Kröniugsvärd schrieb eine Flora dalekarlica (Fahlun 1843.
8. 66 Seit.) — Torssel publicirte ein Verzeichniss der
skandinavischen Lichenen (343) und Byssaceen (43): Enume-
ratio Lichenum et Byssacearum Scandinaviae hucusque cogni-
torum (Upsal. 1843. 12). — Von Fries' Normalherbariuin
(Jahresb. für 1841) wurde die 8te Centurie ausgegeben; von
der Flora danicä das 40ste Heft.
Die statistischen Verhältnisse der britischen Flora haben
Watson zu neuen Arbeiten Veranlassung gegeben. Die erste
Abtheilung eines grossen Werks über diesen Gegenstand (The
geographical distribution of British plants. London 1843. 8.)
erstreckt sich nur auf die Ranunculaceen, Nyniphaeaceen und
Papaveraceen und enthält deniohngeachtet nicht weniger als
259 Seiten. Dies ist die ausführlicliste Sammlung von Fund-
orten, die wohl jemals zusammengetragen wurde, und hori-
zontale und vertikale Verbreitung jeder einzelnen Pflanzenart
werden auf einer schon in diesem Bande 40 Mal wiederholten
Charte versinnlich t. Beils chmied hat eine Uebersicht die-
ser speziellen Resultate in der Regensb. Flora gegeben (1843.
S. 641). Von allgemeinerem Interesse sind nur die einleiten-
den Betrachtungen über die Verbreitung der drei genannten
Familien auf der ganzen Erde, wovon oben die Rede war.
Die Vegetation der westlich von den Hebriden im atlan-
tischen Meere gelegenen Felsinsel S. Kilda (58" N. Br.) hat
Mac Gillivray geschildert (Edinb. N. Philos. Journ. 1842.
p. 47 — 70 u. 178 — 180. Auch extrah. von Beilschmied in
Regensb. Flora 1843. S. 455). Dieses Eiland, etwa ^ g. M.
lang und kaum halb so breit, bildet einen 1380' hohen Preisen,
der aus Trappformationen und Syenit besteht und zum Tlieil
Weidegrund besitzt mit schottischer Vegetation : doch sind
nur einige 50 Phanerogamen einheimisch. Charakteristische
Arten: Cochlearia danica L. , Siktie maritima Willi., Sediim
unglicujn liuds., Rhodiola rosea L. , Ligusticum scoticum L.,
Änagallis tenella L. , Salix herhacea L., Carex rigida Good.
— Salix hcr.hacca L. kommt hier in niedrigerem Niveau vor
als in Schottland , wo sie von Watson nicht unter 1850' ge-
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 383
fluiden ist. Der Winter ist selir milde. Gerste und Hafer
werden gebaut.
Dickie untersuchte die geographischen Verhältnisse der
Vegetation in Aberdeenshire (Notes on the distribution of the
plants of Aberdeenshire in Hooker's Loncion Journ. of Botany.
2. p. 131—135 und 355—358). Es ist dies ein Nachtrag zu
der im vor. Jahresbericht dargestellten Arbeit von Watson
über die Grampians und es ergeben sich daraus folgende Ver-
besserungen und Zusätze zu den Niveaugrenzen der Holz-
gevvächse :
Quercus Rohur L. 0' — 1500'
Lonicera Periclymenum L. 0' — 1500'
Rosa canina L. 0' — 1860'
— spinosissima L. 0' — 2000'.
Ausserdem ist die obere Höhengrenze für eine bedeutende
Zahl von Pflanzen der untern Region bestimmt. — Für das
Verzeiohniss der Alpenpflanzen giebt der Verf. folgende Ver-
besserungen :
Arahis yetraea Hook. 1740' (auch herabgeschweramt
bis 800').
Cerastium latifolium L. 1740'.
Ruhus chamacmorus L. 1000'.
Saxi/raga oyitositifolia L. an der Küste bei Aberdour.
Cornus suecica L. 1200'.
Veronica alpina L. 2300'.
Salix reticuluta L. 2000'.
Juncus castuneus Sm. 2300'.
— triglumis L. 1200'.
Carex rupestris All, 2000' — ?
— lagopina Wahl, (leporina Ant.) 3560'.
Eine nach dem Vorbilde von Koch's Synopsis bearbeitete
britische B'lora hat IJabington herausgegeben (Manual of
British Botany, containing the flowering Plants and Ferns,
arranged according to the Natural Orders. London 1843. 8.)
— Von Withering's British Plants (corrected and Condensed
by Mac Gillivray. Aberdeen 1843) erschien die fünfte Auf-
lage. — Von getrockneten Sammlungen britischer Gewächse
sind zu erwähnen: Salicetum britannicum exsiccatum, contai-
ning dried specimens of the British Willows, edited by Leefe
384 Griscbach: Bericht über die Leistungen in der
(Fase. 1. 1842. fol. mit 32 Formen); Berkoley's British
Fungi (4 Fase, of dried specimons. London 1813).
Die Flora batava (s. Jaliresb. für 1841) riiekte 1843 fort
bis znr 130, Aflevering. — Dozy lieferte Nachträge zu sei-
ner daselbst erwälinten Aufzählung der bei Leiden gefundenen
Laub- und Leber-Moose (in v. d. lloeven's Tijdschiift 1843.
S. 108 — 114). — Kickx hat im 13ten Bande der Memoiren
der Brüsseler Akademie die erste (Jenturie einer flandrischen
Cryptogamen-Flor, grössentheils Pilze enthaltend, herausgege-
ben (Recherches pour servir a la Flore cryptogamique des
Flandres. Bruxelles 1840. 46 pag. 4.).
lieber die Pflanzen des obern Maassthals veröfi"entlichte
de la Föns einige Bemerkungen (Ann. sc. nat. 19. p. 317
bis 319), welche nur lokales Interesse besitzen.
Von Reich enbach's Icones Florae germanicae erschie-
nen die 6 letzten Dekaden der sechsten Centurie, mit dem
Schluss der Caryophyllecn, den Celastrineen, Tiliaceen und
einem Theil der Lineen; die Flora Germaniae exsiccata ent-
hält jetzt 25 Centurieii. — V^on Sturm 's Flora Deutsclilands
ist das 21ste und 22ste Heft aus der dritten Abtlieilung er-
schienen, Pilze von Rostkovius enthaltend. — Das im vor.
Jahresberichte erwähnte Kupferwerk von v. Sc hl echten dal
und Schenk gedieh 1843 bis zur zeiinten Lieferung des vier-
ten Bandes, das über Thüringen bis zum 47sten Hefte, so
wie auch von dem ersteren eine neue Auflage begoiuien ist.
■ — Die daselbst erwähnten Publikationen von Lincke sind
beide bis zur 33sten Lieferung weiter geführt. — D. Die-
trich begann ein Kupferwerk über Deutschlands Cryptogamen,
wovon das erste Heft 26 illum. Tafeln Farnkräuter uriifasst
(Deutschlands kryptogamische Gewächse. Jena 1843. 8.).
Koch gab die zweite Auflage seiner berühmten Synopsis
Florae germanicae heraus (Frankf. 1813), welche durch zahl-
reiche Special -Untersuchungen und Zusätze veriuehrt worden
ist. Eine abgekürzte Ausgabe dieses Werks erschien 1844
(Tasclu'nbuch der deuisclien und schweizerischen Flora von
Koch. Leipzig. 12.). — Auch von Kittel's deutsclier Flora
wurde eine zweite Aufiagc veranstaltet. — Scheele schrieb
kritische Bemerkungen über einzelne deutsche Pflanzen, jedoch
Pflanzengeographie während des Jahres 1813. 385
ohne hiiilangliche literarische Ilülfsmittel (in Regensb. Flora
1843. S. 296. 421. 557).
Von Rabeiihorst's Sammlung getrockneter Pilze der
ileulschen F'lora sind die 5te und 6te Centurie ausgegeben.
Deutsche Provinzialtloren und ähnliche Werke; Lange-
thal üher das nördliche Deutschland (die Gewächse des n.
D. für Landwirthe u. s. w. Jena 1843. S.) ; Schmidt über die
Provinz Preussen (Preussens Pflanzen. Danzig 1843. 8.);
Roeper über Mecklenburg (Zur Flora M.'s Th. I. Rostock.
1843. 8.), die Gefässcryptoganien enthaltend, reichhaltig für
.Morphologie; Scholtz Flora der Umgegend von Breslau
(Breslau 1843. 8.); Grabowski Flora von Oberschlesien
(Breslau 1843. 8.); Doli rheinische Flora (Frankf. 1843. 8.)
die Vegetation des Rheinflussgebiets vom Bodensee bis zur
Mosel und Lahn umfassend und fiir Systematik wichtig; Hackl
I^flanzenverzeichniss für den südlichen Theil des Leitmeritzer
Kreises in Böhmen (in den medic. Jahrb. des österr. Staats
1843. S. 105 etc.). — Speciellere Abhandlungen von Johu
über einige Pflanzen der Berliner Gegend (in der bot. Zeit.
1843. S. 6S9 — 692); von Preuss über einige Fundorte von
Pflanzen in der Oberlausitz (in der Regensb. Flora 1843.
S. 671 — 72); von \V immer über die schlesischen Hieracien
(in der Uebers. der Arbeit der schles. Gesellsch. für 1843);
von Hampe neueste Nachtrüge zur Harz-Flora (in der Lin-
naea 1843. S. 671 — 674); von Traunsteiner über die Sa-
lices Tirol's (in der n. Zeitschr. des Ferdinandeums 1842).
Unter diesen Arbeiten zeichnet sich die oberschlesische
Flora von Grabowski durch Angabe der Niveaugrenzen aus.
Im Gesenke (vergl. Jahresb. für 1840) sind nach G.'s Mes-
sungen die obern Höhengrenzen der Holzgewäch^e folgende:
1. In der Tannenregion (1500' — 3600' nach Wimmer)
steigen Pinns Ahies L. und Picea L. — 4000'; Juniperus naiia
W\ — 4500'; Betula pubescens Ehrh. und Sorbus auaiparia
L. — 3900'; Populits tremula L. — 3800'; Pinus Larix L.
— 3000'; Juniperus communis L. — 2600'; Betula alba L.
— 2500'; Acer pseudoplatanus L. — 2400'; Prunus Ihidus L.
— 2300'; Pyrus communis L. — 2200'; Fagus sylvatica L.
— 2000'; Alnus glutinosa G. — 1800'; Prunus avium L. —
1700'.
386 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
2) In der Eichen- nnd Kiefer-Region: Quercus Rohvr G.
— 1500'; Fraxirms excelsior L. — 1480; Vlmus campestris
L. und Pinus sylvestris L. — 1300'; Taxus haccota L. —
1200'; Populus alba L. — 1000'. — Die Kultur des Weizens
und der Gerste reicht bis 1000', des Roggens bis 1800', des
Hafers durchschnittlich bis 2000'.
Die in der Gäa von Sachsen enthaltene Abhandlung von
Reichenbach über die VegetatlonsverJiältnisse dieses Landes
ist mir noch nicht bekannt geworden. — Eine botanische
Skizze des Kyifhäusers in Thüringen von Ekart ist nur eine
Zusammenstellung von Pflanzenverzeichnisseu an diesem aus
Wallroth's Schriften bekannten Fundorten (Regensb. Flora
1843. S. 169—182). — Kirsch leger verglich die Vegeta-
tion des Schwarzwalds, des Jura und der Vogesen (Congres
scientif. 1842 und übersetzt in der Regensb. Flora 1843.
S. 186 — 194). Da die allgemeinern Einflüsse des Klima's auf
die Vegetation in diesen drei Gebirgen dieselben sind, um so
mehr als der südlich von Neufchatel gelegene Theil des Jura
ausgeschlossen wird, so leitet der Verf. mit Recht die bedeu-
tenden Vegetations-Verschiedenheiten, welche er darstellt, von
den Bodenverhältnissen ab. Die Gebirgsregion von 2400' bis
4800' zeigt diese Gegensätze am entschiedensten. Der Jura
besitzt in diesem Niveau 116 Phanerogamen, die auf dem
Schwarzwald und den Vogesen fehlen. Diese haben dagegen
52 Arten, die nicht im Jura einheimisch sind. So viel pflan-
/enreicher ist der Jurakalk, aber viel trägt auch die grössere
Nähe der Alpen bei. Charakteristische Formen desselben sind
neben vielen Alpenpflanzen folgende: Ertjsimum ochroleucum
DC, Thlaspi motitanum L., Saponaria acymoides L., Arenaria
granJißora All., Linum montanum Schi., Hyperichum Richeri
Vill., Acer opulifolium Vill>, Ge?iista Halleri Reyn., Heracleum
alpinutn L., (Jentranthus angusti/olius DC, Hieracium rupestre
All., Prenantlies tenuifolia L. , Sideritis hyssopifolia L., Fri-
tillaria Meleagris L. Die Vogesen besitzen wiederum eine
viel eigenthümlichere Vegetation als der Schwarzwald. Cha-
rakteristische Formen dieser beiden Gebirge, welche dem Jura
fehlen und auch nicht zu den übrigens weit verbreiteten ge-
hören: JSIasturliwn pyrenaicurn I3r!, Brassica C/icirant/iusWW.,
Hypericum eludes L. in Lothringen, Angelica pyrenuea Spr.,
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 387
Galinm tenerum Schi., Carlina longifolia Relib., 'Hieracium
longijoliwn Schi., Sonchus Plumicri L., Caminmula hederacea
L., Pyrola media Sw., Digitalis imrinirea L. und deren Ba-
starde!, Einpogium aphi/llum Rieh. Von diesen kommen je-
doch nur die beiden mit ! bezeichneten auf dem Schwarzwalde
vor, die übrigen nur auf den Vogesen. — Die Vegetation der
untern Region zeigt gleichfalls nach der geognostischen For-
mation entschiedene Gegensätze. Der Jurakalk nebst dem
Basalt und Trachyt des Kaiserstuhls steht den Sandsteinen
und Graniten bestimmt gegenüber. Jurakalkpflanzen des Rhein-
thals und der Vorberge — 2400', z. B. Tlialictrum montanum
Wallr., Hutchimia yetraea Br., Althaea hirsuta L., Alsine
fasciciilata MK., Trinia vulgaris DC, Bunium Bulhocastanum
L., Artemisia cainphorala Vill., Crepis ptdchra L., Melittis
Melissophyllum L., Euphorhia verrucosa Lam., E. falcata L.,
Gymnadenia odoratissima Rieh., Himantoglossmn hircinum Spr.,
Orchis simia Lam. , Ophnjs aranifera Huds., api/era Huds.,
Aceras aiithropophora Br. , Allium rohindum L. — Pflanzen
des Granits und Sandsteins sind z. B. Sisymhrium pannoni-
ciim Jaq., Mönchia erecta G., Potentilla recta L., F. inclinata
Vill., Lactuca virosa L.
Heufler versuchte die Pflanzenregionen Tirols zu cha-
rakterisiren (Tiroler Bote 1842. Nr. 19 — 27), doch ist die
botanische Darstellung zu allgemein gehalten, und die Niveau-
grenzen können nur für approximative Schätzungen gelten.
Eine immergrüne Vegetation von Quercus Hex und Phillyrea
media kommt nur im Sarcathale vor. — Die Vegetation der
Reichenauer und Flatnitzer Alpen an der Grenze von Steier-
mark und Kärnthen schilderte Pacher (Regensb. Flora 1843.
S. 803—811); dieser Aufsatz ist nur von lokc\Iem Interesse.
In dem geognostischen Werke von Fuchs über die ve-
netianischen Alpen (Solothurn 1843. fol.), welches mir nodi
nicht näher bekannt geworden ist, behandelt ein Abschnitt die
Vegetationsgrenzeu der südlichen Alpen. — Bemerkungen über
die Baumvegetation in den Schweizer Alpen hat 11. v. Mohl
mitgetheilt (Bot. Zeit. 1843. S. 409 u. f.). Sie reihen sich den
im vor. Jahresb. erwähnten Beobachtungen von Martins au.
Der Verf. berichtigt einige Angaben von Wahlenberg, die
zwar für die nördliche Schweiz gelten, jedoch nicht für die
388 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Centralketfe, welche von W. unvollständig untersucht war.
P. Äbies tritt hier in der obern Waldregion zurück und wird
häufig durch P. Larix und P, Cemhra ersetzt. Bei Zerniat-
ten, wo die Rothtanne das Niveau von 5000' nicht erreicht,
liegt die Baumgrenze, durch die beiden letztgenannten Coni-
feren gebildet, erst bei 7000'. Ebenso verschwinden Buchen
und Eichen auf der Centralkette in einem tiefern Niveau, als
in der nördlichen Schweiz, jene im Oberhaslithal bei 3000',
diese bei 2460'. Liessen sich diese und ähnliche Unterschiede
in der Bewaldung der Kalk- und Schiefer- Alpen gleich von
dem geognostischen Substrat ableiten, so sei diese Erklärung
nicht auf die Kulturgewächse anzuwenden, von denen v. M.
ähnliche Verhältnisse nachweist.
Nördl. Schweiz Centralkette.
nach \Yahlenb.
Kirschbäume bis 2900' 44S0' im Matterthal.
Apfelbäume - 3000' 3400' —
Wallnussb. - 2000' 3600' im Lauterbrunnerthal (Kasthof.).
NVeinstock - 1700' 2500' bei Stalden.
Cerealien - 2700' Weizen 5400'| bei f(Gaudin).
local— 5000', Gerste 610Ü'JZermattl(Martins).
H. V. Mohl ist geneigt, diese Diifercnzen von klimatischen
Ursachen abzuleiten. Er glaubt, dass die Vertheilung der
Wärme auf die Jahreszeiten gerade die entgegengesetzte Wir-
kung erwarten lasse, dass dagegen in Beziehung auf die at-
mosphärischen Niederschläge, wenigstens auf deren Zunahme
im Sommer (?), so wie auf den Feuchtigkeitszustand der Luft
(?) die grössere Erhebung des Landes in der südlichen
Schweiz ein continentaleres Klima besitze, als die von Wah-
lenberg untersuchteji Gegenden. Gewiss nähert sich die Cen-
tralkette der Alpen den klimatischen Verhältnissen eines Pla-
teaus mehr, als die steilern, schmälern Kalkalpen: doch scheint
mir der grösste Theil der von v. M. hervorgehobenen Er-
scheinungen durch die verschiedene Gestaltung der Thäler im
Schiefergebirge erklärlich, wäiu-enil die Kultur des Bodens
durch die Bildung der Oberfläche in den Kalkalpen und Con-
glomeraten beschränkt wird. — Aus einem Aufsatze von O.
Heer über die Forstkultur in den Schweizer Alpen (Schweiz.
Zeitschr. für Land- und Gartenbau 1813) ergeben sich die
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 389
bedeutenden Lokalverscliiedenheiten in den Nivoangrenzen der
Bäume gleichfalls. Die Extreme sind in folgender Tafel zu-
sammengestellt.
Nördl. Schweiz. Siidl. Schweiz.
Fagus sylvatica bis 4250'
An nördl. Abhängen bis 3900'i ,^„„, . „,
- siidl. - - 4550 J
Acer pseiuloplafaniis bis 4800' — —
An nördl. Abhängen bis 4700'
- siidl. - - 5000'
Pinus Picea L. bis 5000'
- Abies L. - 5500' — 5100 bei Airolo.
Im Ober-Engadin steigt sie dagegen bis 6100', im Unter-
Engadin bis 6600'.
Pinus Larix L. bis 6000' — 6500' in Graubündten.
Im Engadin steigt sie gleichfalls höher, am höchsten an
der Südseite des Passes zwisciien Scarl und Miin-^ter-
thal in der Nähe des Wormser Jochs bis 7150'.
Pinus Cemhi-a L. bis — — 6500'.
Im Engadin höher, am höchsten in der Nähe von Stolvio
bis 7280'.
. Pinus sylvestris L. bis 5500' — 6000'.
Pumilio IIK. - 6200' — 6750' in Graubündten.
f5000' im Engadin.
^^^"^"^ . ~ ~ 16000' im Albiguathal.
Durch diese Thatsachen erhält man einen Maassstab für
den Einfluss der Oertlichkeit auf die Verbreitung der Ge-
wächse in der Schweiz, ein Einfluss, welcher hier so viel
verschiedene, durch die Lage, Neigung und Oberflächenbildung
der Thäler und Höhen bestimmte Kliniate diclit an einander
rückt. Nur durch die vollständige Analyse aller dieser Ver-
hältnisse kann hier eine einzelne abnorme Erscheinung erklärt
werden. 7\ber im Grossen gleichen diese Lokalverhältnisse
sich aus, und die von v. Mohl dargestellten Eigenthümlichkei-
ten des berner Oberlandes und Wallis verlieren an allgemei-
ner Bedeutung, weiui man sie mit dem Engadin vergleicht,
einem Thale, welches gleiclifalls zum Systeme der Centralkette
gehört und nach Nordosten auslauft.
Systematische Schriften über die Schweizer Flora: Ha-
390 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
genbach Siipplementmn FJorae basilecnsis (Basel 1843. 8.);
J. B. Brown Catalogue des plantes qiii croisseiit naturelle-
ment dans les environs de Tlioune et dans la partie de l'Ober-
land Bernois qui est le plus soiivent visitee par les voyageiirs
(Thun 1843, 8.): Catalog der Phanerogamen und Moose mit
deren Standorten; Rapin le gnide du botaniste dans le can-
ton de Vaud, comprenant les descriptions de toutes les plan-
tes vasculaires qui croissent spontaneinent dans ce Canton
(Laus. 1843. 8.); Blancliet essai sur Tlüstoire naturelle des
environs de Vcvey (1843. 8.) : mir nicht bekannt geworden ;
Reuter Supplement au catalogue des plantes vasculaires qui
croissent naturellemeut aux environs de Geneve (Geneve
1841. 8.): 51 pag. mit Abbild, der Arabis hybrida R. — Die
seitnern Gewächse bei Pfäfers zählt Kaiser auf (die Heil-
quelle zu Pf. — St. Gallen 1843). — Schaerer's Lichenes
helvetici exsiccati sind bis zum 18ten Hefte gediehen luid ent-
halten 450 sp. Das letzte Heft ist vom Schluss des Lichenum
helveticorum Spicilegiun) begleitet.
Kirsch leger giebt eine Uebersicht der Vegetationsver-
hältnisse der Umgegend Strassburgs (Congres scientif. a. a. O.).
Er zälilt auf diesem grösstentheils kultivirten Alluvium 960 sp.,
die er in folgenden Formationen eintheilt: in arvis: 230 sp.,
in pratis: 300 sp. , in campis (incultis etc.): 120 sp., in syl-
vis: 280 sp., in paludibus: 80 sp. , in aquis: 110 sp., in ripa
Rheni: 20 sp. Von mehreren Botanikern in der Normandie
(Hardouin, Le Clerc, Fourneaux und Eudes-Des-
lonchamps) wird die Wiesenvegetation an der Orne vom
Dorfe Louvigny (südlich von Caen) bis zum Meere geschil-
dert (Mem. de la soc. Linneenne de Normandie. Vol. 7).
Diese Arbeit zeigt den Einfluss des Bodens auf die Verthei-
lung der Wiesenpflanzen. Wo regelmässige Ueberschwem-
mungen stattfinden, ersetzt Agrostis vulgaris die übrigens vor-
züglich aus Hordeum secalinum und Ci/nostirus gebildete Gras-
narbe, oder wo die Fluthen des Meers zweimal monatlicli
übertreten, wechselt die Agrostis mit Glyceria maritima und
Festuca rtihra var. maritimn.
Von Schultz Flora Galliae et Germ, exsiccata sind jetzt
6 Centurien ausgegeben. Die französische Flora behandeln
folgende Schriften: Cosson, Germain et Weddel Intro-
Pflanzengeograpliie während des Jahres 1843. 391
dnction a nne Flore analytiqiic et descriptive des environs
de Paris (Paris 1842. 12.); von denselben Verf. Snpplement
au catalogue raisonne des plantes de Paris (Paris 484.3. 12.);
eine neue Auflage erschien von Bautier Tableau analytique
de la Flore Parisienne (Paris 184.3), so wie auch von Merat
unter dem Titel Revue de la Flore Parisienne (Paris 1843):
die letztere in Opposition gegen die exactere Arbeit von Cos-
son u. s. w.; Godron Flore de Lorraine: begreift die Dep.
IMeurthe, Moselle, Meuse luid Vosges (Nancy 1843. 3 Vol.
12.); von demselben Verf. Monographie des Rubus, qui crois-
sent naturellement aux environs de Nancy (ib. 1843, 8.);
Desmazieres dixieme notices sur quelques plantes crypto-
games-recemraent decouvertes en france (Ann. sc. nat. 19.
p. 335 — 373): enthält neue Pilze, besonders Pyrenomyceten
und einige Pezizen; Tulasue beschreibt die unterirdischen
Lycoperdaceen der Gegend von Paris mit mehreren neuen
Arten und den neuen Gattungen Hydnobolites und Delastria
(Ann. sc. nat. 19. p. .373 — 381).
Massot hat eine Tafel über die Vegetationsgrenzen am
Canigou in den Pyrenäen publizirt (Comptes rendus v. 17,
auch abgedruckt in der Regensb. Fl. 1844. S. 84 und in der
Bot. Zeit. 1844. p. 427). Für die alpinen Pflanzen sind diese
Messungen von Bedeutung. Die Holzgevvächse erscheinen vom
Gipfel aus, der 2785 Meter hoch liegt, abwärts in folgender
Ordnung :
Rhododendron ferrugineum L. (1322"') — 2540"'.
Genist a purgans L. „
Pinus Äbies L. (1500*") — 2415.
Samhucus racemosa L. 206.3.
Betida alba 1987.
Pinus Picea L. 1950.
Sorhus Aucuparia L. 1838.
Poj)ulus tremula L. 1640.
Amelanchier vulgaris Mch. „
Kulturgrenze der Kartofi'el und des
Roggens: Erndte Auf. Septemb. „
Fagus sylvatica L. 1623.
Corylus Avelkma L. „
Lonicera Xylosteum L. „
392 Grisobach: Bericlit über die Leistungen in der
So7-hus Aria Cr. 1566"",
Kubus fruticosus L. 1322.
Crataegtis Oxyacunllui L. 1250.
Primus spinosa L. 1050.
Hex Aqnifoliuin L. .987.
Cornus sangnhiea L. ,,
RoggenerntUe Miüe Juli.
Caxtanea vescn G. 800.
Alnus glntinosa G. 800.
Sarothumiius scopan'us ^V. G. „
Kiilturversiiclie des \Vein.stock.s 750.
Acer monspessnlanum L. 700.
Evonymus europaens L. „
Ergiebige Weiiikultur 550.
Olivenkiilhir 420.
Nacl) Bory ist die auf den Gebirgen Andalusiens einhei-
mische Eiche Quercus laetica Webb, identisch mit Q. Robur
Desf. und in Algerien weit verbreitet. Der Erstere hat sie
Q^. Mirhechü genannt. (Comptes rendns. v. 17).
Systematische Bemerkungen über einige siideuropäische
Gramineen hat Link mitgetheilt (Linnaea 184.3. p. .385 — 407).
Eine interessante Abhandlung über den Vegetationscha-
rakter von Neu-Castilien hat Reuter in der Genfer Gesell-
schaft für Naturkunde vorgelesen (Essai sur la Vegetation de
la iiouvelle Castille. Geneve 1843. 4. 34 pag.) Das über
2000' hohe Plateau von Madrid wird nach N. von der Sierra
de Guadarrama begrenzt, den Rlts. Carpetano-Vetoniques (bei
Boissier), welche 8 Monate mit Schnee bedeckt bleiben. Die
mittlere Wärme scheint in Madrid (2050') = 15" 0. zu be-
tragen (v. Humb.), die des Sonmiers =24'',8, des Winters
= -j- 6",1 (Schouw): doch fällt das Thermometer im Winter
regelmässig unter den Gefrierpunkt, so dass man fast jedes
Jahr auf dem Teiche von Retiro Schlittschuhe läuft; selten
sinkt es tiefer als — 6", doch hatte man im J. J830 — 10**,
im Jahre 1802 — 11,25" C. Im Sommer steigt das Thermo-
meter bei stiller Luft im Schatten zuweilen auf 37" bis 41".
Nur im Winter und Frühling finden atmosphärische Nieder-
schläge statt bei vorherrschenden Nordwinden, welche durch
das Gebirge abgekühlt werden. Im Frühlinge wechseln diese
Pflanzoncrposrnphio whlirond dos Jahros 1843. 3f)3
Luftströmungen mit westlichen und südlichen, welche den Som-
mer charakterisiren und von heiterem Himmel und grosser
Trockniss begleitet sind. Auch der Herbst ist durchaus hei-
ter bis zum December. Die Epochen der Vegetation scheinen
um einen Monat früher einzutreten, als in Genf: Ende März
waren die Bäume schon ausgeschlagen, Kirschen luid Syringa
blühten. Die Vegetation der Kräuter beginnt Anfang März
uud ist Ende Junius bis auf einige der Dürre widerstehende
Stauden völlig geschlossen (p. 12). — Das Plateau, durch
niedrige Hügelreihen wellenförmig gebaut, in der Nähe der
Hauptstadt grossentheils mit Weizen- und Gerste-Feldern be-
deckt, von Wald und sogar von Gesträuch fast vollständig
entblösst, bietet den einförmigsten Anblick dar und wiederholt
überall denselben eingeschränkten Horizont. Die Pflanzenfor-
niationen werden durchaus vom Boden bestimmt und zerfallen
hiernach in 4 Klassen, die des Thons, des Gyps, des Sandes
und Granits. Der Thonboden erstreckt sich südwärts von
Madrid über den grössten Theil der Mancha. Die Hügel des-
selben z. B. von Aranjuez bis Alcala bestehen aus salzhalti-
gem Gyps, von dessen Quellen das Kochsalz efflorescirt und
Halophyten genährt werden. Nördlich und westlich von Ma-
drid wird die Fläche bis zum Gebirge aus grobkörnigem,
steinlosem Sande gebildet, der durch die Dürre fast wie der
Thon einen hohen Cohäsionsgrad erhält. Der granitische
Boden endlich bildet die Sierra de Guadarrama selbst und die
Blöcke derselben sind auch über den Sandboden zerstreut.
Diese Gebirge erreichen eine Höhe von 7 — 8000' und die
Pässe nach Alt-Castilien liegen zwischen 4500' und 5500'. —
Der Kalk findet sich in der Nähe von Madrid nicht; zuerst
zeigt er sich ostwärts gegen Cuen(ja und mit ihm erscheinen
hier sogleich die grossen Gesträuciiformationen Cataloniens,
welche dem Plateau von Neu-Castilien fremd sind.
Das Getreide des Sandbodens ist ärn)licb, auf dem Thon
wird es wohl 4' hoch. Als Futterkräuter baut man besonders
Garbanzo's {^Cicer arietinum) und Algarroba's {Ervum moncm-
thos). Nur in geschützter Lage kommen Weinstock und Oel
bäum fort, aber die Oelbäume bleiben klein und dürftig.
Wiesen fehlen gänzlich ; selbst die Kräuterwiesen am Manza-
nares bestehen nur aus jährigen Gräsei-n und Leguminosen,
Archiv f. Natiireesch. X. Jahrsr. 1. Bd. Cc
394 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
die gegen den Sommer bald von dornigen Stauden verdrängt
werden, z. B. Centaurea Calcitrapa, Eryngium campestre, Ono
nis spinosa, Xanthium spinosum, oder, wo sie sumpfiger wer-
den, grossen Rasen von Juncus acutus und Scirpus holoschoe-
nus Platz machen. — Nach alten Chroniken sollen einst auf
der Hochfläche von Madrid Wälder gestanden haben (p. 13)
und Ueberreste derselben aus verkrüppelten , weitläuftig ge-
sonderten Eichen, besonders Querais Hex, sieht man noch
auf den Sandhiigeln der Casa del Campo und des Pardo ver-
eint mit blattlosen Genisteen (^Retama sphaerocarpa , Saro-
thamnus ^coparius) , allein diese nebst den Uferbäumen der
Flüsse {Salix, Popuhis, Ulmus, Fraxinus angustifolia Vahl)
und einigen Sträuchern {Tamarix gallica, Crataegus, Rosa,
Rulus, Rhanmus, Osiris) sind auch die einzigen Holzgewächse
des Plateaus. Es lässt sich nachweisen, dass der Holzmangel
nur Folge der Trockenheit ist: dies beweisen die hochstäm-
migen Pflanzungen im Thalwege des Tajo bei Aranjuez, so
wie die in neuerer Zeit gepflanzten und durch Begiessung
unterhaltenen Alleen in Madrid. — Uebersicht der Pflanzen-
formationen :
1) Thonboden. An den Aeckern erscheinen zuerst Bras-
sica Orientalis, Lathyi'us erectus Lag., Turgenia, Glaucium
corniculatum,. Polygonum Bellardi; diese werden später durch
dornige Synanthereen verdrängt: Ficnomon, Scolymus, Xan-
thium, Onopordon nervosum Boiss. ; Ende Sommer bleibt nur
noch Ecballion übrig, das zuletzt seine Früchte entwickelt,
auch Cro%opho7'a ist häufig. — Die unbebauten Flächen und
Hügel (campi) sind mit aromatischen Kräutern bewachsen,
einer Formation, die in Spanien nach dem Thymus (Tomillo)
den Namen Tomillares führt. Hier besteht die Vegetation aus
Thymus tenuifolius, Teucriuin capitatuin und Sideritis hirsuta,
denen verschiedene das Land charakterisirende Gewächse bei-
gemischt sind, z. B. Queria, Minuartia, Astragalus macror-
rhizus und narbonensis, Echinops strigosu^ , Cynosurus Lima,
Stipa barbata. — Uferpflanzen: Althaea o/ßcinalis, Lavatera
triloba, Coc/dearia glastifolia, Gypsophila per/oliata, Sonchus
crassifolius. — Halophyten, am üppigsten entwickelt am Teich
von Ontigola bei Aranjuez: Spergularia marina, Frankenia
pulverulenta , Erythraea spicata, Atriplex , Suaeda setigera,
Pflanzenffeo^raphio wälirond des Jahros 1843. 395
fruticosa iiiul maritima, Salicornia, Hordeum maritimum und
kultivirt wird Salsola Sorla.
2) Gyps. Dessen Vegetation ist auf gleichem Substrat
auch durch ganz Arragonien verbreitet. Die steilern Abhänge
sind mit Rasen von Frankenia tliymifolia bewachsen und
diese begleiten : Peganum, Lepidium suhulatum und Cardaini-
nes, Helianthemum squamatum, GypsopJula struthium, Zolliko-
feria, Salsola vermiculata. — Uebrige Charakterpflanzen:
Vella pseudocijtisus, Iheris suhvelutina Guss., Heniiaria fruti-
cosa, Ce7itaiirea hyssopi/olia, Stutice dichotoma Cav. — V^oni
südlichen Spanien bis Aranjuez verbreitet ist, die Krone der
Hügel bekleidend, die gesellige und vielfältig benutzte Stipa
tenacissima; mit dieser wachsen mehrere Cisteen, Pimpinella
dichotoma, Rosmarinus, Fritillmia. — Selvr isolirte Gesträuche
aus Quercus coccifera mit Rhamnus lycioides , Retama sp/iae-
rocarpa und Bupleurum /rutescens.
3) Der Sandboden wird durch zahlreiche Cruciferen cha-
rakterisirt, die vielleicht nirgends ebenso mannigfaltig an Ar-
ten und gesellig in ihren Individuen sind wie hier, und im
Frühling die Ackerfliiren gelb färben. Mit dieser vorherr-
schenden Farbe mischen sich dann blaue iJoragineen und
weisse Anthemideen : Diplofaxis catholica und virgata, Sisym-
hrium contortum und hirsutum Lag. , Brassica laevigata und
valentina, Sinapis heterophylla Lag.; Anchusa vndulata und
italica, Echium violaceum; Antliemis mixta, pubescens und
arvensis; ferner Malcolmia patula, Hypecourn grandißorum
und pendulum, Roemeria hybrida, Cerastium dichotomum, Ve-
ronica digitata, Aphanes cornucopioides und mehrere Linaria-
Arten, namentlich die höchst gesellige L. ramosissima Boiss.,
sodann L. hirta und spartea. Wenn diese reiche Vegetation
verschwunden ist, werden die Aecker von Tanacetum micro-
phyllum DC. überzogen. — Ausgedehnte Flächen nehmen die
Tomillares ein, welche hier aus Thymus tenuifolius und Ma-
stichina, Santolina rosmarinifolia und Lavandula pedunculata
bestehen. Unter diesen sieht man im Frühling eine mannig-
faltige Vegetation von jährigen Kräutern und Gräsern: meh-
rere Cisteen, namentlich Hei. sanguineum Lag. und aegyptia-
cum, Astrolobivm durum, Campatiula Loefflingii, Myosotis
lutea, Pyreth'um pulveruletitum , Prolongoa pectinata; Aira
Cc*
396 Grisebach: Bericht über die T>eistiiii£ren in der
involucrata, minuta, lendiger a und arti'culnta, Holcus srtiglu'
mis, liromus ovdhis , Psiluvus anistdfus , Hordeum crinUum.
Nachdem diese Gewächse verschwunden sind, erscheinen grös-
sere Stauden, besonders Unibelliferen : Tluipsia villosa, Mnr-
gotia lascrpitioidfs , Davcus crinitus, Magi/dnn's panucinu,
Pinqmiella villosa; Verlas cum simiatum und pulverulefitum,
Ruta montana, Onopordon üli/ricum, Cejitaurea ormita.
4) Auf den Granit der Sierra de Guadarrama verbreiten
sich diese Toniillares bis etwa zu 4000', nach und nach sich
mit andern Gewächsen vermischend. Die stärkere Bewässe-
rung des Bodens bringt hier manche mitteleuropäische Pflan-
zen zur Entwickelung, — Weitläuftige, vor den Schaflieerden
geschützte Weidestrecken (Dahesa) für Rindviehheerden sind
mit Gestrüpp von Querct/s Toza inid fagmea bedeckt; an
Felsen stehen Gesträuche von Jasminum fruticans , Lonicera
etrusca, Daphne Gnidium , htniperus ÖJcycedrus. Hier treten
auch zuerst Cistus-Rosen auf: C. ladaniferus und laurifolhis.
Mehrere neue Pflanzenarten wurden in dieser, übrigens vom
Plateau wenig verschiedenen Region von R. entdeckt, z. B.
Ranu7iculus carpetaims , Paeonia Broteri, Siletie Agi-ostemma,
Hispidella; ferner wachsen hier CaucaUs hispanica Lam., Di-
gitalis Thapsi, Dianthus lusitanicus , Aniirrldnum hispanicvm
Chav. , Macrochloa arenaria, einige Orcliideen , Irideen; im
Schatten der Eichensträucher; Arenaria montana, Bunium
demidatmn, Valeriana tuberosa, Scilla nutans. — Die obere
Region des Gebirgs über 4000' ist die der Geinsten, indem
sie fast vollständig von Genista purgaiis bekleidet wird. Ein-
zeln kommen Sträucher von Juniperus und Adenocarpus Id-
spanicus vor, auf dem letztern lebt die echte Cantharide. In
dieser Strauchregion wachsen Arabis Bori/i Boiss. , Linaria
delphinoides Lag., saxatilis Chav. und rdvea Boiss., Senecio
Tourne/ortii inid Ihiriaei Gay, Narcissus apodantiws. —
Einige höhere Gipfel erheben sicii über die Ginsterregion und
tragen eine dichte, harte Grasnarbe von Festuca curvi/olia
Lag., vermischt mit Armeria 'junipcrifolia W. Von alpinen
Pflanzenarten giebt es luir wenige Andeutungen z. B. Saxi-
fraga nervosa und hi/pnoides, Sedum Idrsutum und hrevifolium,
aber zugleich wachsen selbst hier noch die aiuiuellen Sand-
pflanzen der Ebene von Madrid. An den Gebirgsbächcn wird
Pll;iiizcii<r('ngra])liio wälireiul des Jahres 1843. 397
die Urasnarbo von Äanlus stn'cfa g(>biIdot mit Pedicularis
s/jlvaü'ca, Jasione carpetana und Veronica serpyllifolia.
Nur auf dem nördlichen Abhänge der Sierra kommen
Wälder von einer /.weiiiadeligen Fichte vor {P. sylvestris R.)
nnd hier werden grosse Ränme von Pteris bedeckt. — Die
Sierra de Credos, die westlichste und höchste Erhebung die-
ser Kette, lüiterscheidet sich wenig in ihrer Vegetation und
ist in noch höherm Grade pflanzenarm und einförmig. — In-
teressanter scheinen die von R. in zu später Jaiu-eszeit be-
suchten Gebirge südlich von Toledo. Diese weitläuftigen, ab-
gerundeten Höhen gehören zu der W'getationsform des IMonte
Baxo, worunter der Spanier die gesellig wachsenden Eichen-
sträucher versteht. — Aber weit grösser ist der Gegensatz
der Sierra Nevada: denn alle Gewächse, welche dieser und
der Guadarrama gemeinsam sind, wachsen ohne Ausnahme
zugleich in Asturien und auf den Pyrenäen.
Reuter hat überhaupt 1250 Pflanzenarten in Neu-Castilien
gesammelt. Die neuen Arten (gegen 50 sp.) sind in Verein
mit Boissier von ihm in der Bibliotheque universelle de Ge-
neve (1840) publicirt. Die artenreichsten Familien dieser
Sanmdnng sind folgende: 14.3 Synantliereen , 123 Gramineen,
110 Leguminosen, 76 Cruciferen, 61 Caryophylleen , 54 La-
biaten, 52 Scro])hulariiieen, 38 Rosaceen, 33 Ranunculaceen,
38 Jioragineen. — Merkwürdig ist die Wiederkehr einer Reihe
von castilischen Pflanzen in der Krim, ohne dass sie die zwi-
schenliegeuden Länder irgendwo besitzen. R. erklärt diese
merkwürdige Thatsache durch die Analogie des excessiven
Klimas und des geognostischeu Substrats, namentlich im festen
Thonboden und salzhaltigen Gyps hervortretend. Die Pflanzen,
welche zu dieser Erklärung auffordern, sind: Lepidium pcr-
foliatum, Meriioriis lm(/'olius , Mollugo Cerviana, Minuartia
dichotoma, Queria hispanica, Callipeltis, Campanula /astigiata,
Veronica digitata, Acinos graveokfis, Rochelia stellulata, Plan-
tago Loefingii.
Schriften über die italienische Flora. Von Bertoloni's
Flora italica ist der fünfte Band erschienen, welcher die 11.,
12. und 13. Klasse enthält (Bologna 8.). — Von Moris'
Flora sardoa, einem für die Systematik der südeuropäischen
Pflanzen unentbehrlichen Quellenwerke, der zweite Band, wel-
cher nach De Candolle's Familienanordnung die Rosaceen bis
398 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
zum Soliluss der Ericeeii von Nr. 411 — 779 nebpt Taf. 73
bis 9.3 begreift (Turin 1840— 43. — 4.) — Puccinelli Syn-
opsis plantarnni in agro Liic-oensi sponte nascentiuni (Lucca
1842). Desselb. Additanientuni ad Synops. Lucc. ( Giornale
bot. Ital. fasc. 1). — Gussone Synopsis Florae siciilae (1842):
eine neue Bearbeitung seines Prodronnis, — Todaro Orchi-
deae siculae (1842). — Gasparrini nonnullaruni plantarnni
descriptiones (Rendiconto accad. Nap. 1842, extrali. in Bot.
Zeit. 1843. S. 643): 1 Geranium und 1 Fumaria aus Cala-
brien, 1 Cerinthe von Neapel, 1 Sedum von den Nebroden.
Ball hat einige Bemerkungen über seine botanische
Reise in Sicilien publizirt und bei diesem Anlass einen sehr
vollständigen Catalog der sicilianischen Gramineen (240 sp.)
ausgearbeitet (Ann. nat. bist. 11. p. 338 — 351).
Die Angabe im vor. Jahresb. (S, 391), als ob Schouw
in Pompeji Opuntia und Agave nachgewiesen hätte, scheint
nach der Bot. Zeit. (1844. S. 581) nur auf fehlerhafter Ueber-
.setzung seines Vortrages in Stockholm zu beruhen.
lieber die Vegetation um Pola in Istrien sind einige nur
Bekanntes enthaltende Bemerkungen von v. Heufler in der
Regensb. Flora abgedruckt (1843. S. 76'7).
Zanardini hat in einer neuen, systematischen Schrift
seinen Catalog der dalmatischen Algen bis auf 272 Arten ver-
vollständigt (Saggio di classificazione della Ficee. Venezia
1843. 64 pag. 4.).
In dem Werke von Davy über die jonischen Inseln
(Notes on the Jonian islands and Malta. London 1842. 2vol. 8.)
sind zweijährige Beobachtungen über das Klima von Konstan-
tinopel enthalten, aus denen ich die für die Vegetation wich-
tigsten Werthe aushebe (2, p. 400).
Mittlere Wärme.
Max. derTemp. -f 31",7 = +32»,7 C.
Min. - - -- 1«,7 -= - 4",4 -
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 399
MIttl. Wärme = +13",3 = 14»,7 C.
Vorherrschende \\'indesrichtung Nordost (215 und 199
Tage), Südwest (99 und 113 Tage). Regentage = 102 und
122. Regenmenge 1840 = 31,65"; fast regenfrei Mai, Juni,
Juli, August; zwischen 1" und 2" im November; zwischen
2" und 3" im Februar und April; zwischen 3" und 5" im
Mai, September, Oktober, December; über 6" im Januar.
Nach Davy's Messungen schwanken die Quellentempera-
turen auf den jonischen Inseln im Niveau des Meeres zwi-
schen 16» und 18» C. — Die mittlere Wärme von Malta
(1. p. 261) beträgt = 17»,8 C, das Maximum der Temperatur
= 31»,1, das Minimum = -|- 5» C.
Dasselbe Werk enthält eine nicht unbedeutende Reihe
von Beobachtungen über den Salzgehalt und die W^ärme des
mittelländischen Meeres. Die gewöhnliche Annahme, dass es
specifisch leichler und wärmer sei, als das atlantische Meer,
wird hierdurch keineswegs unterstützt.
Bei den Untersuchungen von Forbes über die Verbrei-
tung der niedern Thiere im ägäischen Meere sind auch die
Algen, wiewohl nur im Allgemeinen, berücksichtigt (Report
on the Mollusca and Radiata of the Aegean Sea: from the
Report of the British Association for 1843). In den von
Forbes angenommenen 8 Regionen von 0' — 1380' Tiefe ver-
breiten sich die vorherrschenden Algen in folgendem Ver-
hältniss :
1. 0'— 12'.
a. lieber der Ebbelinie Dictyota dichotoma und Corallina
officinalis.
h. Unter der Kbbelinie, Die charakteristische Fucoidee ist
Padina pavonia.
2. 12' — 60'. Der Schlamm ist gewöhnli(;h grün von
400 ürisebach: Bericht übt'i- die l.eistungeu in der
Cmderpa prolifera. — Der Sandboden ist reich an Zostcra
oceanica.
3. CO' — 120'. Cavlerpa und Zostera nehmen allniäldig
an Masse ab.
4. 120' — 210'. Fucoideen sind häufig', besonders Di-
ctyomenia voluhilis , Sargassmn satirifolium , Codium Bursa
und ßahelUforine, Cystosira. Corallinen nehmen zu. — Nulli-
poreji und Spongien in Menge.
5. 210' — 330'. Die Fucoideen nehmen ab; Dicti/omenia
voluhilis ist selten , liaufiger liytiphloea tinctoria und Chrysi-
menia uvnria. — Der Seeboden besteht grösstentheils aus
Nulliporen und Thiersclialen.
6. 3,30' — 474'. Fucoideen kommen nur noch äusserst
selten vor. Der Seeboden besteht aus Nulliporen. — Wie-
wohl in dieser Tiefe die höhern Algen kaum noch gedeilien,
leben hier doch noch viele Pflanzen fressende Testaceen, wo-
durch die Meinung, dass die Nulliporen Pflanzen sind, eine
neue, sehr erhebliche Stütze erhält.
7. 474' — 630'. Die Algen sind mit Ausnahme der Nulli-
poren, welche noch gewöhnlich den IMeeresboden bilden, völ-
lig verschwunden.
8. 630'— 1380' Hier scheinen auch die Nulliporen zu
fehlen : denn der Meeresboden besteht von hier an aus gelbem
Schlamm mit Resten von Foraminiferen.
Von meinem Spicilegium Florae rumelicae et bithynicae,
worin gegen 2000 Gewächse systematisch bearbeitet werden,
erschien der erste Band (Braunschw. 8.), die Polypetalen,
fast die Hälfte des Ganzen, enthaltend. Nach dem Schlüsse
dieser Arbeit werde ich auf dieselbe zurückkommen.
Der Bericht C. Koch's über seine Donaureise nach
Konstantinopel (Bot. Zeit. 1843. S. 605) scheint ohne Vor-
wissen des Verf. gedruckt und muss wegen der Unsicherheit
der Pflanzennamen (z. B. Pinus Cembra und Ammodendron
am Bosporus) übergangen werden.
Tenore hat Bemerkungen zu Sibthorp's Flora graeca
publicirt, wcbriic bei der Vergleichung der italienischen und
griechischen Flora \\\v\\{. zu übersehen sind (llendioonto ac-
cad. Nap. 1842, exirah. in Bot. Zeit. 1843. S. 877). —
Schultz hat eine bedeutende Anzahl von neuen, griechischen
Pflanzengeographic wiihroiul des Jaliios 1843. 401
Orobanchen aufgestellt (Regensb. Fl. 1843. S. 125): allein die
I5eschreibimgeii sind mangelhaft und die Arten ohne Zweifel
grösstentheils unhaltbar.
11. A s i e n.
Aucher-Eloy's orientalische Tagebücher sind vom Gr.
Jaubert herausgegeben (Relations de voyages en Orient de
1830 —1838, par Aucher-Eloy, revues par le Cte. Jaubert.
Paris 1843. 2 Vol. 8.). Der wissenschaftliche Gehalt dieses
Werks ist nicht bedeutend, allein die Wichtigkeit von des
Verf. jetzt bereits g;rösstentheils bearbeiteten Sammlungen ver-
leiht selbst einem einfachen Itinerar, wonach sich die Lokali-
tät und Bliithezeit der meisten Pflanzen feststellen lässt, ein
grosses Interesse. Der Uebersicht dieser Reisen schicke ich,
da A. E. keine llöhenbestimmungen gemacht hat, eine Bemer-
kung von Ainsvvorth voraus, die in dessen neuestem Reise-
werke vorkommt (Travels and Researches in Asia Minor,
Mesopotamia, Chaldea and Armenia. London 1842. 2 Vol. 8.:
daselbst 2. p. 374) und wodurch die Niveauverhältnisse eines
Theils der von A. E. besuchten Gegenden nach eigenen Mes-
suno-en treffend charakterisirt werden. Klein -Asien ist ein
Hochland, von einem flachen oder hügeligen Litoral umgürtet,
welchem an der Nordseite eine zweite Terrasse von niedrigen
Ebenen folgt, z. B. die von Duzcha östlich von Nicomedien
250', von Boli 570', von Vezir Köpri oberhalb der Mündung
des Kizil-lrmak 800' u. s. w. Hierauf beginnt südwärts die
Erhebung des von Persien gegen das ägäische Meer -stufen-
weise gesenkten Plateaus, bei Angora 2700', selbst bei Ka-
stamuni in der Nähe des schwarzen Meeres südwestlich von
Sinope noch 2400' hoch, aber bei Erzerum sich in einer
Höhe von 6000' behauptend. Dieses Plateau mit seinen un-
regelmässig zerstreuten Bergkegeln, von denen der höchste,
der Argäus bei Kaisaria nach Hamilton 12809' misst, schliesst
zahlreiche Becken ohne Wasser-Abfluss ein: namentlich Ak-
Scher 2300',- Konia 2900', den grossen Salzsee Koch-Hissar
südlich von Angora 2800', Erekli am nördlichen Fusse des
Taurus 2600', Kara-Hissar bei Kaisaria 3420', den See Van
5460' und Urmia 4300'. Der Taurus oder die südliche Rand-
kette dieses grossen Hochlandes fällt nach Süden schroff theils
402 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
ziini Litoral, theils zu tien Ebenen von Assyrien und Meso-
potamien ab, von denen die letzteren nirgends über 700'
Meereshölie besitzen.
Die erste Reise Aucher-Eloy's dauerte vom November
1830 bis Oktober 1831. Sie berührt Aegypten, wo er vom
Dezember bis März, und Syrien, wo er die Monate April bis
Juli zubrachte; den August widmete er der Bereisung von
Cypern. — Das unvollständige Journal von 1832 zeigt, dass
A. E. in diesem Jahre Smyrna und Rhodos besuclite, worauf
er über Moylah und Guzel-IIissar zurückkehrte. — Die dritte
Reise umfasst das Jahr 1834. Im Mai gelangt er von Kon-
stantinopel über Nicomedien und Angora bis Kaisaria; im
April über Tarsus nach Skanderun und Antiochien; im Mai
untersucht er die Gegend von Aleppo und Aintab: zwisclien
Antiochien und Aleppo bemerkt er den plötzlichen Uebergang
von der mittelländischen zu der syrischen Vegetation (Vol. 1.
p. 84); im Jinii geht er über die Taurus- Pässe nach Malatia
am Euphrat und folgt diesem Strome aufwärts bis in die Nähe
von Arabkir; ferner im Juli über Erzingan nach Erzerum. —
Vierte Reise im Jahre 1835. Februar: Konstantinopel, Brussa,
Kutaja, Ophium-Karahissar, Ak-Scher; März: Konia, Adana:
Crocus , Hyacinthus , Anemone coronaria und andere in Blüthe
den 9. März am Südabhang des Taurus, — Skanderun : Phoe-
nix zahlreich an der Küste, Gebüsche von Mt/rtus, Lanrus,
Styrux und Aihutus Amlrachne gegen Antiochien, — Aleppo:
Vegetationszeit der Steppe dauert von Ende Februar bis Juni
(ib. p. 177); April: I3ir, Mardin , Mossul: als vorherrschende
Steppenpflanzen zwischen den beiden letztern Städten werden
genannt Serratula cerinthefolia D(J. , Sinajm Oliveriana, Ave-
nue sp. (ib. p. 191); Mai:, längs des Tigris nach Bagdad:
Ufer des Flusses bedeckt mit Tamarix gallica, Populus
euphratica Oliv., Capparis leucophylla , Sinajns laevigafa, un-
terhalb Dor (34" N. B.) beginnen die Dattelpalmen häufiger
zu werden, bedeutende Palmenwaldungen bei Hilla und Ker-
bela, vorherrschende Gewächse der Salzsteppe: Tamarix py-
cnocarpa Decaisn., gallica, Chenopodium fruticomm , Zygo-
pkyllum Simplex, Peganum, Fagonia Bruguieri, Cucumis sp.
Ajnga elongata MB., Savignya aegyptiaca (ib. p. 227); Juni:
Kermanschah: Grenze von Phoenix gegen Persien bei lladschi-
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1843. 403
Kara-Khani, südwestlich von Elliian (ib. p. 231), — Hamadan,
Besteigung des Elvvend; Juli: Scheschnau, Ispahan-, August:
Exciirsion nach den» südwestlich gelegenen Gebirge Zerdaku
(.32" N. B.), dessen Höhe A. E. auf mehr als 10000' schätzt,
— Fortsetzung der Reise über Kaschan bis Teheran; Septem-
ber: Excursion nach dem Demawend, Kasbin, Tawris. Die
Kette des Elbruz besitzt keine Coniferen-Region. Die Wälder
bestehen aus Quercus , Fagus, Ubnus, Celtis, Diospyros, Gle-
ditschia caspica, Aracia Julihrissin^ Platanus. Darüber folgen
Gesträuche von Paliurus und Juniperus hispanica A. E. , in
der alpinen Region ein anderer Juniperus, Rosa und Berheris
(ib. p. 335).
Fünfte Reise 1836: Smyrna, Chics, Syra, Athen, Parnass,
Enböa, Thessalien, Olymp, Hajion-Oros, Skyros, Lemnos, Im-
bros, Hellespont, Brussa. — Sechste und letzte Reise 1837
und 1838. März: Nicomedien, Angora; April: Tokat, Baibut;
Mai: Erzerum, Koi, See Urmia; Juni: Tawris, Ardebil, Küste
von Ghilan, Rescht; Juli: Erzevil am Südabhang des Elbruz;
August, September: Untersuchung dieses Gebirgs, zweite Be-
steigung des Demawend; September bis December: Aufent-
halt in Teheran; Januar: Ispahan, Schiras: Frühlings- Vegeta-
tion beginnt Mitte Januar mit einem Bulhocodium (^Colchicum
crocifolium Boiss.) und im Februar ist die Gegend mit Blü-
then bedeckt, die einzige Regenzeit dauert vom 15. Januar
bis 15. März, — Buschir am persischen Golf; Febr.: Dschar-
run, Lar: Mimosen werden häufig, — Bender -Abassi; März:
Ueberfahrt nach Maskate: die Küste ist bei Sohar mit Palmen-
wäldern bedeckt (V. 2. p 545), Excursion ins Innere bis zum
Gebirge Akadar (etwa 5000' hoch); April: Ueberfahrt nach
Bender- Said und zurück nach Bender- Abassi; Mai: Fors:.
Darap: Grenze der Palmenvegetation zwischen D. und Fasa
(ib. p. 600), — Schiras; Juni: Rückreisenach Ispahan. Tod
des Reisenden daselbst im Oktober.
Ainsworth (a. a. O, V. 2. p. 131) schildert den jährlichen
Verlauf der Vegetation in der Umgegend von Mossul. Wäh-
rend des feuchten Februars, dessen mittlere Temperatur =:10"C.
betrug, keimten die Frühlingspflanzen, welche den einzigen
Schmuck der Steppe bilden, Anfang März blühten Anemone
und Narcissus; in der 2ten Woche dieses Monats Ranunculus-
404 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Arten, Feigen und Aprikosen schlugen aus: in der 3ten Woclie
blühende Cruciferen und Orchideen, Hanunculm asiaticus und
Traganth-Astragalus. Gegen den April standen etwa 20 Pha-
neroganien in Bliithe, namentlich Gladiolus, Sternhergia, Trol-
lius asiaticus inid eine kleine Antheinidee; Mandelbäunie ent-
falteten die Uliiinen , Wassermelonen keimten. In der letzten
Hälfte dieses IMonats betrug die mittlere Temperatur = IS" C.
Mit dem Mai begann die trockene Jahreszeit; auf die Früh-
lingsgräser folgten jetzt andere Arten von C/iri/surus , Dact;/-
lacteniuin u. a. ; unter den Phanerogamen herrschten Euphor-
bien und Synanthereen ; die Getraide-Erndt'e dauerte von der
Mitte bis zum Ende des IMonats, zu welcher Zeit die mittlere
Temperatur bis 30" C. stieg. Jetzt begannen alle Phaneroga-
men zu verdorren , nur ein weisses Trifolinm und Nigella
damascena blühten noch. Nur die vorherrschenden Gewächse
der Steppe Artcnnsia-KxXQW und Mimosa bleiben zuJetzt übrig.
Im Juli steigt die Hitze auf 40° C, und von nun an dauert
der Winterschlaf der Vegetation bis zum nächsten Frühjahr.
— Als die häufigsten PflanzL-n der mesopotamischen Steppe,
deren leichte, rothe Erdkrunie nach Aucher-Eloy auf einer
Kalkformation ruht und mit deren Gerolle gemischt ist^ be-
zeichnet Ainsworth (ib. p. 177) Artemisia fragrans und
Absint liium; hier und da finden sich andere socielle Pflanzen,
z. ß. Allium , Roemeria, Silcne , Erigeron {Aster pulchellus
Ainsw.), Anthemideen u. a. Wo der Boden weniger trocken
ist, herrscht eine Avena meilenweit, nebst einigen anderen
Gräsern und Synanthereen: Chnjsafithemum , Gnaphalivm,
Crepis, Ccntaurea. Ganz pflanzenleer ist die Steppe nirgends,
aber nackte Strecken sind oft nur von Eichenen bedeckt, be-
sonders von einer grauen Lecidea mit schwarzen Apothecien,
einer Cetraria und einigen Verrucarien.
Die Region der Eichenwälder im Hochgebirge von Kur-
distan bei Amadia reicht von 1500' — 2500' nach den Mes-
sungen von Ainsworth (ib. ji. 194).
Am See von Urmia besteht die Stepj)envegetation fast
aus denselben Gewachsen, wie iiri Tieflande von IMesopota-
mien und Babylon, ungeachtet des um fast 4000' höhern Ni-
veaus (il). |). 301). Nur werden die Artemision grossentheils
durch Traganth-Astragalus Arten vertreten: A. verus luid tra
Pflanzengeographie während dos Jahres 1843. 405
gacanthoidi's. Wo die Stoppe salzfrei ist, wachsen Nigella
damascena mit Cappans spinosa und ovafa,^w\e bei Mossnl,
oder die F'läche ist mit Ononis und einem MesembryantJie-
nium bedeckt, weiches wie bei Hilla vegetirt. Die Vegetation
der Salzsteppe am Urmia besteht aus ( Mienopodeen: Salsola,
Salicof7iia.
M. Wagner bestieg den grossen Ararat und fand die
Baumgrenze, von einigen Birkengrnppen gebildet, in der I'ar-
rot's Bestinniiung entsprechenden Höhe von 7S00'. Indessen
sind die Gebirgsabhänge Armeniens fast ebenso baumlos, wie
die Hochfläche, In gegenwärtig völlig kahlen Gegenden wurde
die ehemalige Existenz von Wäldern dem Reisenden von Ein-
gebornen versichert. (Augsb. Zeit. 1843. Nr. 2U).
Die systematischen Arbeiten über die vorderasiatische
Flora sind auch im verflossenen Jahre bedeutend weitergeführt
worden. Von Boissier's Diagnoses plantarum orientalium
(s. vor. Jahresb.) erschien das 2te und 3te Heft und diese
wichtige Publication wurde 1844 mit dem 4ten und 5ten Hefte
beschlossen. Die darin beschriebenen neuen Arten gehören
zu folgenden Familien: 5 Rhannieen aus Persien, Kurdistan
und Cilicien; 1 Rhus aus Mascate; gegen 180 Leguminosen,
darunter 54 persische, grösstentheils Astragali (39), 2 Arten
von Taverniera, 1 Crotalaria von Bender- Abassi und 1 Te-
phrosia, — die übrigen grösstentheils aus der asiatischen
Türkei, gleichfalls gegen 40 Astragali, dann folgen Trifolium
(11), Trigonella (10), Onobrychis (9): aber viele Arten noch
nicht hinlänglich gesichert, mit Sibthorp'schen und Willdenow-
schen zu vergleichen; 10 Rosaceen: grösstentheils Potentillen
aus Anatolien, 1 Cotoneaster auf dem bithynischen Olymp von
Boissier gefunden, 2 Amelanchier- Arten; 5 Paronychieen mit
der neuen Gattung Sclerocephalus (Paron. sclerocarpa De-
caisn.), am Sinai und bei Mascate einheimisch; 1 Reaumuria-
cee: Eichwaldia persica vom persischen Steppenplateau; 6
Crassulaceen, darunter 3 Dmbilici aus Persien und Babylon;
6 Saxifragen vom Cadmus, bithynischen Olymp, Taygetus und
Parnass; die zahlreichen ümbelliferen sind in den Ann. sc.
nat. für 1844 publicirt; etwa 45 Rubiaceen, von denen jedoch
viele reducirt werden müssen , die ausgezeichnetsten sind die
von Kotschy in Kurdistan entdeckte Wendlandia und die neue
406 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Gattung Mericarpaea aus Mesopotamien; 8 Valerianeen; 13
Dipsaccen; über 40 Synanthereen, am zaiilreichsten Antliemis
(9) und Centaurea (8), jedoch mit mehreren nicht haltbaren
Arten, eine neu aufgestellte Gattung Cephalorrhynchus vom
Habitus der Crepis pulchra von Boissier in Lydien entdeckt;
6 Campanulaceen aus Anatolien; 1 Primulacee; 2 Asclepia-
deen; 1 Convolvulacee; 17 Borragineen; 47 Scrophularineen,
am zahlreichsten Verbascum (18) grösstentheils aus Anatolien,
Scrophularia (9), Veronica (9), bemerkenswerth 1 Gynmandra
bei Erzerum, 1 Wulfenia bei Seleucis ; 1 Acanthacee aus Ca-
rien; 65 Labiaten, darunter für Persien charakteristisch Salvia
(7), Nepeta (5), Phlomis, 2 Otostegien, 1 Lagochilus und die
beiden neuen Gattungen Zataria und Sestim'a; 3 Polygoneen;
3 Santaleen ; 3 Aristolochien; 7 Euphorbien; 1 Orchis; 15
Liliaceen mit der neuen Gattung C/no?iodoxa, in der alpinen
Region des Tmolus bei Sardes von Boissier entdeckt; 4 Col-
chicaceen; 13 Gramineen mit den neuen Gattungen Rld%oce-
phalus aus Mesopotamien und Nephelochloa aus Carien. Im
Anhange sind enthalten: 1 Fumariacee aus Spanien (Aplec-
trocapnos), 5 Cruciferen, 4 Caryophylleen, 1 Linee, 2 Ruta-
ceen, 1 Leguminose, 1 Dipsacee, 3 Gentianeen, darunter eine
persische, auch von mir im Prodromus von De Candolle pu-
blicirte Swertiee.
Das im vorigen Jahresbericht erwähnte Kupferwerk von
Fenzl führt den Titel: Illustrationes et descriptiones planta-
rum novarum Syriae et Tauri occidentalis (Stuttgart 1843.
Fase. I. mit 14 lithographirten Tafeln in 4.). Diese Lieferung
enthält ausserdem vollständige Beschreibungen der im Pugillus
publicirten Arten : 12 Leguminosen mit der neuen Gattung
Hammatolobium vom Taurus; 2 Rosaceen (Potentilla); 1 Ge-
raniacee; 1 Euphorbia; 4 Hypericineen ; 18 Caryophylleen,
vorzüglich Arten von Silene und Dianthus; 4 Violaceen; 7
Cruciferen; 1 Ranunculacee; 3 Crassulaceen; 10 Umbelliferen.
Die Illustrationes plantarum orientalium von Gr. Jau-
bert und Spach (s. vor. Jahresber.) rücken rasch fort. Der
erste Band von 100 Tafeln wurde 1843 vollendet und schon
ist der zweite mit der elften Lieferung begonnen. Ausführ-
lich bearbeitete Gattungen sind: Argyrolobüim, Cicer, Hyperi-
cum, Gmllonia, Stafice, Quercus. In der Folge muss ich
Pflanzengeographie während des Jalires 1843. 407
aiisfülirlither auf dieses Werk zurnckkomnien. — In den An-
nales des sc. nat. hat Spach gleichzeitig mehrere orientali-
sche Gattungen abgehandelt: namentlich Spartiujn, Leohordea,
Argyrolobium , Ebenus, Atni/gdnhis, Gaillonia und die Section
Armerinstrum von Statice.
V. Schlech tendal hat einige von Kotschy in Kurdistan
gesammelte Pflanzen beschrieben (Linnaea 1843. p. 124 — 128):
3 Umbelliferen mit der neuen Gattung Pohjcyrtus , 1 Feilia,
1 Althaea, 1 Hyoscyamus. — 7 neue Umbelliferen aus der-
selben Quelle hat Fenzl beschrieben (Regensb. Flora 1843.
S. 457 — 463): darunter die neuen Gattungen Callistroma,
Elaeosticta, Anisopleura, Uloptera.
Die Flora von Cypern hat Pöch zusammengestellt und
dieser Arbeit namentlich ein im Herbst 1840 von Kotschy
auf dieser Insel gesammeltes Herbarium zu Grunde gelegt
(Enun)eratio plantarum hucusque cognitarum ins. Cypri. Vin-
dob. 1842. 8. 42 Seiten). Im Ganzen sind 310 Arten aufge-
zählt, darunter 4 als neu: Pteroceyhalus 7nultißoriis, Teticrium
Kotschyanum, Quercus alni/olia, Crocus veneria. Die Diagno-
sen derselben sind in der Regensb. Flora 1844. S. 454 abge-
druckt. — Einige auf Cypern gesammelte Lichenen hat v.
Flotow bestimmt (Linnaea 184.3. S. 18 — 20).
C. Koch 's Reise in den Caucasus ist mir leider noch
nicht zugegangen. Sein Catalog caucasischer und armenischer
Pflanzen ist wie früher fortgesetzt worden (Linnaea 1843.
S. 31 — 50. u. S. 273 — 314). Folgende Familien wurden im
verflossenen Jalire abgehandelt: 5 Caprifoliaceen , 21 Rubia-
ceen (neu 1 Galium), 7 Valerianeen (neu 1 Du/resnea, 1
Valerianella) , 16 Dipsaceen (neu 2 Scabiosae'), 178 Synan-
thereen (neu 1 Centaurea, 3 Cirsia, 1 Carduus, 1 Anthemis,
1 Pyrethrum , 2 Senecio-Arieu, 1 Antennaria, 2 PodosperrnUy
1 Scor%onera, 1 Lactu ca, 2 Crepis - kxiQw , 2 Mulgedia), 16
Campanulaceen, 2 Cucurbitaceen, 7 Ericeen, 1 Diospyros,
1 Hex, 2 Oleineen, 2 Asclepiadeen, 2 Apocyneen, 10 Gen-
tianeen , 3 Convolvulaceen, 10 Solaneen, 67 Scrophularineen
(neu 2 Verbasca, 1 Celsia, 2 Scropkulariae, 1 Linaria, 3 Ve-
ro7iica , 1 Gymnandra, 1 Odontites , 1 Pedicularis) , 10 Oro-
bancheen (neu 1 Phelipaea, 2 Orobanc/ie-A.rten) , 1 Sesamum,
1 Glohularia, 1 Verbena, 81 Labiaten (neu 2 Ziziphora, 1 Sa-
408 Grisebach: Berirlit übor die Leistungen in der
tureja, 1 Mioomeria^ 1 Lamhaji'), 43 Boragineen (neu 1
Omphalodcs, 1 Caccinia, 1 Onosma), 16 Priimilaceen, 5 Plaii-
tagineen, 1 Laurinee, 2 Thynielaeen, 3 Elaeagneen, 2 Santa-
leen , 24 Chenopodeen (neu 1 Spmaci'a, 1 Halimocnemis und
die neue Gattung Halanthhnn vom Araxes).
Trigonometrische Höhenbestimmungen des Caucasus über
dem Niveau des schwarzen Meeres von Fuss, Sabler und
Savvitsch weichen bedeutend von den früheren Angaben ab.
Für 3 der bekanntesten Berge sind sie von v. Humboldt
(Asie centr. 2. p. 57) mitgetheilt. Der westliche Pic des Ei-
bruz misst 2882 t. (18493 engl. Fuss), der östliche 2880 t.;
der Kasbeck 2585 t. ; der Beschtau 710 t.
Basiner giebt eine gedrängte Darstellung der Herbst-
vegetation am Aral-See auf seiner Reise von Orenburg nach
Chiwa (Bullet. Petersb. 2. p. 19.9 — 204). Ust-Jurt wird die
Steppe zwischen dem caspischen Meere und dem Aral genannt,
welche B. durchreiste inid welche nach dem Berichte von
Tschihatscheff ein 500' über der Flärihe von Orenburg gele-
genes, ausgedehntes Plateau bildet (Humb. Asie centr. 3.
p. 558). Der letztgenannte Officier, welcher den unglücklichen
Feldzug der Russen gegen Chiwa begleitete, gab Nachrichten
über das exQessive Klima dieser Gegend, wo die Winterkälte
bis zu — 43°, 7 C. stieg, während im Sommer -f- 46*',2 C.
beobachtet sein sollen. Als Basiner auf demselben Wege mit
einer Gesandtschaft von Orenburg nach Chiwa zog , \varen
die Steppen schon von der Sommerwärme verbrannt. Die
Fläche zwischen Orenburg und dem Aral sah er an mehreren
Stellen meilenweit von Sabola Arhusciila und Atraphaxis spi-
nosa bedeckt. Am felsigen Abhango des Ust-Jurt über dem
Aral wuchsen mit diesen andere Chenopodeen. Auf den Sand-
hügeln war besonders Pterococcus aphyllus häufig, durch
schlanke , blattlose Zweige und an fadenförmigen Stielen hän-
gende Früchte sehr ausgezeichnet. Zwischen den muschel-
reichen Tertiär -Felsen am Aral vegetirten zwei Sträucher:
Tamarix ramosissima Led. und der oft genannte Saxaul (A/ia-
basis Ammodemlron CAM.), der einem grün angestrichenen
Bündel Reiser gleicht. Weiter südwärts traf B. bei Aibugir,
nordwestlich von Kunä-Urgendsch ein grosses luid ziemlich
dichtes Saxanl -Gebüsch , in welchem Stämme von 15' Höhe
J
Pflaiizengeographie wahrend des Jahres 1843. 409
vorkamen. Dies war seit dein Heck der erste Wald, aber
ein Wald ohne Laub oder Nadeln, wiewohl grün und blü-
hend. Die übrigen den Ust-Jurt charakterisirenden Gewächse
stimmen mit den gewöhnlichen Formen der südrussischen
Steppen iiberein und diese reichen auch bis Chiwa. In Chiwa
allgemein verbreitete Pflanzen sind Karelinia caspia Led., Al-
hagi camelorum Fisch, und nicht selten sind Salsola subaphi/lla
CAM. und Halimocnemis sclerosperma CAM. Oft war indes-
sen auch der salzhaltige Lehmboden Chiwa's ganz pflanzen-
leer. Die im Orient gerühmten Wiesen des Chanats entstehen
nur durch künstliche Bewässerung und dann wetteifern Poa
jnlosa, Setaria glauca, Melilotus luid Plantago mit den Cheno-
podeen Kochia liyssopifoUa und Atriplex Hermanni, — Den
Rückweg nahm die Gesandtscliaft mitten im Winter am west-
lichen Dfer des Amu-Deria, den eine Gebüschformation ein-
fasst aus Elaeagnus angustifolia L., Halimodendron argenteum
DC. , Ttunarix ramodssima Led. und Populus diversifolia
Schrk. — Zum Schluss werden 3 neue Arten beschrieben:
1 Asperula, 1 Lepidimn und die Friiciite von Sium cymi-
nosvm, welches in Chiwa kultivirt wird und die Stelle des
S. Sisivrum vertritt.
An den Grenzen der nahbaren Welt bewegt sich auch
die merkwürdige Reise von Middendorf im nördlichsten
Sibirien fast bis zum Vorgebirge Taimyr (Erman's Archiv für
Russland 1843. II. 3.) Den Fluss dieses Namens hinabschif-
fend kehrte der Reisende^ erst unter dem 76 Breitegrade um,
indem er das- ofi'ene, arktische Meer unter unsäglichen Schwie-
rigkeiten beinahe erreicht hatte. Dann lag er 18 Tage krank
und von seinen Begleitern verlassen während des Septembers,
im Schnee vergraben am See Taimyr, und wurde mit Mühe
gerettet. Der letzte Reisende in dieser Gegend war Laptiew
gewesen (1739 — 1743), der bis 77" 29' vordrang und von
dessen Zuge M. die Spuren aufi"and. Die ganze Halbinsel am
See Taimyr wird nur von 2 Saniojeden- Familien bewohnt,
die dort im Sommer ihre Rennthierheerden weiden und im
Winter südwärts ziehen. Die unter 74" zusammengebrachte
Sammlung von Naturalien ist noch nicht bearbeitet, Baum-
Vegetation fand M. noch über den 70" hinaus.
In der Versammlung skandinavischer Naturforscher zu
Archiv f. Naturgesch. X. Jahrg. 2. Bd. D d
410 Grisebach; Bericht über die Leistungen in der
Stockholm (1842) gab Eichwald Nachrichten über eine als
Nahrungsmittel dienende Alge der Aleuten: BromicoUa aleu-
tica. Sie bildet auf Unimah ein 2" dickes Lager von Nostoc-
ähnlichen Massen, welches von einer Gramineenvegetation be-
deckt ist. So oft die Fischnahrung den Bewohnern ausgeht,
werden diese Algen gesammelt und gegessen.
Systematische Arbeiten zur Flora von Nord -Asien.
Schrenck hat die Gegenden am soongarischen Steppenflusse
Tschn initersucht. Die neuen Arten, welche «^r entdeckte,
sind bereits publicirt (Bullet. Petersb. 2. Nr. 32. 37). Sie
gehören zu folgenden Gattungen : Lepidiuni, Diplotaxis, 3 sp.
Silene, Zi/gopht/llum, Euphorbia, 5 sp. Astritgalus, Oxytropis,
Rosa, 2 sp. Lythruvi, Ruhia, Microp/n/su (nov. gen. Stellat.),
Cousinia, Apocynum, Pedicularis , üiplolomu (nov. gen. Bora-
gin.), Solenant/ms, Echinospemmiin , Plaut ago, Jhachylepis,
Rheum, Allium, Juncus. Zu diesen kommen ausserdem noch
9 Chenopodeen (mit den beiden neuen Gattungen Pterocalyx
Sehr, und Halostachys CAM.) und 2 Staticeen, welche in den
Bulletins der Moskauer Akademie beschrieben sind (1843.
.Mars). — Eine Monographie der sibirischen Rosaceen Gattung
Chainaerrhoilos von Bunge findet sich in den Ann. sc. nat.
(Vol. 19. p. 176 — 178). — Sehr wichtig für die Kenntniss
der Steppenvegetation ist die erst jetzt gedruckte Älonogra-
phie der Artemisien von Besser (Mem. Petersbourg. Divers
savans. V. 4. 1843).
Kützing charakterisirt die von Tilesius an der Küste
von Japan gesammelten Fucoideen, welche bereits in seine
Phycologia generalis aufgenommen sind (Bot. Zeit. 1843.
S. 53 — 57).
In den Souvenirs d'un voyage dans l'lnde par Deles-
sert (Paris 1843. 4.) sind Nachrichten über das Klima der
Nielgherries theils nach eigenen , theils nach Baikie's Messun-
gen enthalten. Die beiden englischen Stationen heissen Ko-
tagherry und Ootacamund, die erstere liegt 1983"',5 über dem
Meere, die letztere 2255"', beide unter 11"— 12° N. B.
Mittl. Temp. Unterschied des Max. u. Min.
Kotagherry = 16'*, li ^^
Ootacamund = 14", 4j
Eine bedeutende systematische Arbeit hat ßentliam an-
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 411
gefangen, welche sich auf alle Leguminosen Ostindiens, so
wie des tropischen und südlichen Afrika's ausdehnen soll
(Hook. Lond. Journ. of Bot. 1843. p. 423—481 u. 559—613).
Diese Monographie beruht hauptsächlich auf den Sammlungen
von Wallich, Royle, Wight, Jaquemont, Griffith, Helfer u. A.
aus Indien, von Schimper, Kotschy, Heudelot und Vogel ans
dem tropischen Afrika, von Burchell und andern Reisenden
am Cap. Bis jetzt sind die Podalirieen, die Liparieen und
ein Theil der Genisteen , namentlich die Crotalarien publicirt,
bereits gegen 300 Arten. Unter diesen sind vom Cap etwa
100 Genisteen, 37 diadelphische Genisteen (Liparieen) und
27 Podalirieen; indisch sind etwa 80 Genisteen und 3 Poda-
lirieen vom Himalayah; dem tropischen Afrika gehören unge-
fähr 40 Genisteen an.
Griffith hat folgende neue Gattungen beschrieben: Jen-
kinsia (Thymelaee) aus Assam, Enkleia (Thymelaee) aus Ma-
lakka, Leptonium aus Assam inid Champereia von Malakka
(beide Uebergangsglieder von den Santaleen zu den Olacineen),
Plagiopteron von Silhet ( Eu\i\\ovh\&ce e "^ ), Siphonodoti (llici-
nee) von Malakka (Calcutta Journ. of nat. Hist. vol. IV.
1843), auch in der Regensb. Flora 1844. p. 432). — In dem-
selben Journale, welches mir nicht zugänglich ist, sollen auch
Jack 's botanische Arbeiten über Sumatra u. s. w. zusammen-
gestellt sein.
Das grosse Kupferwerk über die Flora von Java, wel-
ches Blume unter dem Titel Rumphia herausgiebt ( Lugd.
Batav. fol.), ist 1843 bis zum Schlüsse des zweiten Bandes
geführt, der besonders ' von den Palmen handelt. — Eine
zweite Arbeit von Hasskarl, welche mit der im vorigen
Jahresbericht erwähnten in gar keiner Verbindung steht, i^t
in V. d. Hoeven's Tijdschrift (1843. p. 115—150) abgedeckt.
Sie enthält systematische Bemerkungen über javanische und
einige japanische Pflanzen und die Beschreibungen von neuen
Arten ans folgenden Familien : 1 Farn, 2 Cyperaceen von der
neuen Gattung Pandanophyllum (neben Chrysitrix), 1 Xyridee,
1 Commelinee, 1 Melanthacee, 1 Amaryllidee, 1 Canna, 1 Ar-
tocarpus, 4 Labiaten, 1 Begonia, 1 Malvacee, 1 Meliacee,
4 Euphorbiaceen , 1 Connarus, 1 Rubus, 2 Leguminosen.
Junghuhn 's Reisen in Java (s. Jahresber. für 1841)
Dd*
412 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
sind in weiterer Ausfiilirnng durch Nees v. Esenbeck's Vor-
mittelung- herausgegeben (Lüdde's Zeitschr. für vergleich. Rrd-
kunde. Bd. 2. 3.). Bei der Untersuchung der javanischen Ge-
birgsvegetation war der Reisende durch seinen Wohnort in
Djocjokarta am südlichen Fusse des über 8000' hohen Vul-
kans Merapi begünstigt. Diesen Borg bestieg er /u wieder-
holten Malen und schildert dessen Vegetation. Die Wälder
der untern Region (Bd. 2, S. 457) bestehen aus Hunderten
von Baumarten, doch vorherrschend sind Ficus- Arten und
andere Urticeen, sodann Magnoliaceen, mit Unterholz von
Melastomaceen und Scitamineengebüsch. Dann folgen die
Eichen, besonders Qiiercus pruinosa Bl., bis 100' hohe Stämme,
bis zum Gipfel mit Orchideen und andern Parasiten, mit fuss-
langen Usneen und Moosen bekleidet. In diesen Wäldern ist
die F*almenform durch Äreca humilis W., die der Farnbäumo
durch Qmoophora glauca Bl. vertreten. — Auf dem Merapi
fehlt der Coniferengürtel. Ueber dei* Eiclienregion wird der
Wald von einer Celtis gebildet, welche Angring lioisst, und
diese beschattet Rubus- Arten, wie sie auf andern Gebirgen
mit Podocarpus verbunden sind {Bub. javnnicus Bl., molucca-
nus L. , lineatus Reinw.). In dieser Region giebt es schon
grosse, vulkanische Gerolle, welche über 5000' überall in
Java von Polypodium vulcanicum bekleidet sind. An andern
Abhängen des !\lerapi wird die Celtis von Acacia montana
vertreten (Bd. 3. S. 68), oder Rubus durch Gavltheria und
Thihaudia. — Diese Ericeen bilden nebst andern Sträuchern
hier eine alpine Region über der Baumgrenze, eine Forma-
tion, welche an den obern Trachyt- Abhängen hinaufreicht.
Am häufigsten ist Gaultheria punctata Bl. und ein holziges
Gnaphalium (G. javanicum Bl.). Diesen beigemischt wachsen
Thihaudia varingifolia Bl. , Rhododendron tubiflorti7n Bl. und
andere Ericeen, ferner Hypericum javanicum, Polygonum pa-
niculatum. Bis zum Kraterrande fand J. Gaultheria repens
mit Lycopodien, einigen Moosen und Polypodium vulcanicum.
Die Schilderungen der südlichen Küste von Java sind
nicht hinlänglich geordnet, um anschaulich zu werden: aber
wenig Reisende haben bis jetzt das Talent entwickelt, eine
üppige Tropenvegetation darstellen zu können. Ein beson-
derer Kenner ist J. von den Pilzen, einer Familie, aus wel
Pflanzcngeoüniphie während des Jalires 1843. 413
clier er viele javanische l"oniieii zuerst beschrieben hat. Von
deren Vegetation lumdelt er in der Beschreibung des Znider-
Gebergte, einer längs der IJai Pashitan an der Südkiiste ver-
laufenden, waldigen Hügelkette. Hier wechseln mit den feuch-
ten Urwäldern lichte Haine von Tectonia grandis, Emblica
officinulis und niedrigen Leguniinosenbäutnen, deren Zwischen-
räume von einem Dickicht hohen Grases, dem Allang- allang
des Javaners, ausgefüllt werden. Der hochgewölbte Urwald
aber ist es, der hier einen Reichthum von Pil/.en verbirgt
(2. S. 358). In dieser Aequatorial Flora ist ihre Erscheinung
an keine besondere Jahreszeit gebunden. Die atmosphärischen
Niederschläge dauern, namentlich in den Gebirgen, das ganze
Jahr fort. Der fette Humusboden ist beständig durchweicht
und schwammig. Selbst die einzelnen Pilz -Arten sind an
keine Zeit gebunden und die Erscheinung derselben Species
wiederholt sich nnaufhörlich. Auf der andern Seite sind die
grossen Pilze hier nicht so gesellig, wie in der gemäs.sigten
Zone. Zu allen Zeiten entstehen sie nur vereinzelt, eine
Folge ihres Wohnorts auf kranken Bäumen : denn an die
Stelle der Agarici des Nordens treten hier parasitische Poly-
porus- Arten.
In den waldähnlichen Pflanzungen von Batavia und Wel-
tevreden sind die häufigsten Bäume folgende (das. 2. p. 89):
Garcinia Mangostcma, Mangifera indica, Artocarpus , Nephe-
Ihim lappaceiim, (Jitrus , Averrhoa, Moiinda, Eugenia, Anona,
Persea, Durio %ibethinus , Carica, Cocos , Areca, Tarnen indus,
CuTiarimn, Morus, Hilisctis tüiaceus, Musa paradisiaca, Bcmi-
busa arundifiacea , Bixa. Ursprüngliche Wälder giebt es auf
der Fläche von Batavia nicht mehr, nur Gesträuche von Psi-
dium , Mvssue?ida glabra und Melastoma malabaricum. Die
Erdkrume besteht hier aus einem röthlich- braunen, fetten
Thonboden, der nach dem Seestrande zu an Hunnisgehalt zu-
nimmt, bis er zuletzt in den reinen Humus oder Schlamm der
Rhizophorenformation übergeht. In diesen Morästen mischt
sich das Wasser der Flüsse mit der See. Eigentliche Rhizo-
phoren giebt es hier nicht, aber Bruguiera cari/ophylloides
Bl. , B. Rliedü Bl. und Aegiceras-k\'\.GW, mit Lianen von Ipo-
moea maritima Br., Verbesina und Borassus, mit Loranthaceen,
414 Grisebach: Bericht über die Leistungeii in der
oder vor einem Strauchdiokicht zurücktretend von Nipa fru-\
ticosa und Acanthus ilicifolius (das, 2. p. 141),
Botta (s. vor. Jahresber.) hat eine Darstellung von sei-
ner Reise im glücklichen Arabien als Einleitung zur Bearbei-
tung der von ihm gesanunelten Pflanzen besonders mitgetheilt
(Archives du Museum d'histoire nat. V. II. p, 63— 88). Der
Reisende begab sich von Hodeida (15" N, B,) nach Zebid und
untersuchte die Gebirge in der Gegend von Taas, namentlicli
den auch zu Forskäl's Zeiten wegen seines Fflanzenreichthums
gerühmten Berg Saber. Dies ist eine hohe, steile Trachyt-
masse, an dessen nördlichem Fusse die Stadt Taas liegt. Die
Fläche von Taas, etwa zur Hälfte niedriger gelegen als die
Gebirge, ist wegen der bürgerlichen Zerrüttung von Yemen
gegenwärtig wüst und mit fleischigen Euphorbien bewachsen.
Auf dem Berge Saber hingegen, der leicht zu vertheidigen
ist, blüht neben dem Ackerbau von Weizen und Hafer die
Kultur des Celastrus edulis (Cät), dessen Knospen und in der
Entwickelung begrifi'enen Zweige ohne weitere Zubereitung
gegessen werden und eine leichte, angenehme Erregung der
Nerven hervorbringen. Der Handel mit diesen» Produkt ist
in Yemen bedeutender sogar als der Kafi"ee- Handel. Eine
Person kann davon täglich für 5 Francs an Werth verzehren.
Kaffee- Plantagen finden sich nur an der Südseite des Saber:
im Lande wird fast nur die Pulpa der Kafi"eefrucht gebraucht,
den Aufguss der Bohnen schätzt man gering. Der Saber ist
ferner reich an den verschiedensten Früchten sowohl der tro- ,
pischen als gemässigten Zone, die hier kultivirt werden: Ba- !
nanen, Anonen, "Weintrauben, Amygdaleen, Pomaceen. Bei]
der Besteigung des Gipfels sah B. zuletzt auch europäische
Pflanzenformen {Ihibus, Gera7iium) auf die tropische Region
folgen, für welche er dornige Solaneen und Orchideen cha-
rakteristisch nennt. In bedeutender Höhe finden sich Gehölze-
von einem baumartigen Ju?iiperus, in deren Schatten doch
noch tropische Aroideen {Arisaema) und Labiaten {Coleus)
vcgetiren. Vom Gij)fel des Saber, der über die andern Ge-
birg(,\ Yemens weit emporzuragen schien, erblickte B, zugleich
das rothe IVIeer und den Golf von Aden, V^on hier kehrte
er an die Küste zurück und überstand zu Mokka eine lang-
wierige Krankheit. Die gesanunelten l'flanzen sind von denen
Ptlanzongeograpliie wälueiid des Jahres 1843. 415
Forskal's grosseiidieils verscliiedeii : zwar in derselben (bie-
gend, aber in einer andern Jahreszeit (Oiaober und Novem-
ber) und zum Tlu'il in hohem Gebirgstheilen zusammenge-
braciit, vervollstandiucn sie die Flora Süd- Arabiens nach der
Meinung des Reisenden in soleheni Grade, dass hier wenig
mehr zu erforschen übrig bliebe (p. 81). Wir wollen wün-
schen, dass das Material nur vollständig bearbeitet werden
möge. Bei der Skizze der Ptlanzenregionen , welche B. sei-
nem Berichte beifügt, vermisst man die, systematische Kennt-
niss der gesammelten Formen, doch ist die Darstellung der
Kulturverhältuisse ansprechend. Der niedrige, bald zu der
Breite einiger !\leilen erweiterte, bald eingeengte Kiistenstrei-
fen West- Arabiens, von den Eingebornen Tehama genannt,
ist nicht überall kulturfähig, sondern sandig und wüst: doch
kann das Land durch künstliche Bewässerung sehr fruchtbar
gemacht werden. Die allgemeinen Kulturgewäclise sind Mais,
Doura und Indigo. Auch findet man hier die grossen Dattel-
baumpfianzungen. Die Wälder bestehen durchaus aus ver-
schiedenen Acacien und haben viele Gewächsformen mit dem
Sennaar gemeinsam: Indigofera, Aristoloclda mdica, Capparis,
Amyris, Cissus, Cadaba, Asclepiadeen und dornige Solaneen.
Die Haloph)ten der Küste bestehen aus Hahola und Simeda.
— Von der Erhebung der Gebirge hat B. einen hohen Be-
griff, er schätzt den Saber weit höher als 8000'. Die Regen-
zeit derselben fällt in die Monate Mai oder Juli bis Oktober,
während es im Tehama heiter ist, dessen atmosphärische Nie-
derschläge auf die Wintermonate vom December an beschränkt
sind und von den Moussons des arabischen Golfs abhängen.
Decaisne hat zwar angefangen, die von Botta in Yemen
gesammelten Pflanzen zu bearbeiten, allein , bis jetzt liegen
nur die dyptogauien vor (a. a. O. p. 89 — 199 mit 7 Tafeln).
Die ganze Sammlung besteht nach den Vorbemerkungen je-
doch nur ans 500 Arten und mehr liess sich in zwei Monaten
auch wohl nicht erwerben. Ob hierunter die Algen des rothen
Meeres mitbegrifi"en sind oder nicht, wird man erst aus der
Fortsetzung der Decaisne'schen Arbeit entnehmen können, die
sich für jetzt fast nur auf die Algen beschränkt, von denen
Botta 53 Arten gesendet bat: z. B. 7 sp. Caulerpa, 3 sp.
Dichfota, 12 sp. Sargassum n. s. w, auf das Erschöpfendste
416 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
vom V^erfasser dargestellt. Hierauf folgen 13 Farne, unter
denen 5 europäisch und 2 neu: endlich 2 Ly(;opodiaceen von
Spring- redigirt.
III. Afrika.
Heber die Flora von Algier hat Bory de St. Vincent,
als Vorstand der in den Jahren 1840 — 42 dahin gesandten
wissenschaftlichen Expedition, nach seiner Rückkunft einen
Vortrag in der französischen Akademie gehalten (Comptes
rendus. V. 16). Das gesammelte Herbarium enthalte gegen
3000 Arten, von denen nur etwa 60 sp. unbeschrieben seien:
überhaupt stimmen sie' grossentheils mit den Produkten Spa-
niens und Portugals überein. Die Zahl der gesammelten Cry-
ptogaraen betrage 400 sp. — Die Wälder des kleinen Atlas
sind verwüstet; Kastanien, immergrüne Eichen, Laurus sind
selten geworden ; syrische Cedern finden sich an einzelnen
Abhängen und sollen am grossen Atlas sehr häufig sein. —
Bory unterscheidet 3 Vegetationsgebiete, das numidische, mau-
ritanische und tingitanische. Das- östliche oder numidische
erstreckt sich von Biserta bis Collo; La Cala liegt in der
Mitte; die Landschaften sind waldreich und enthalten viele
Pflanzen Älitteleuropa's. Im Mittelpunkt des mauritanischen
oder mittlem Gebiets liegt Algier, in dessen Umgebungen die
südeuropäischen Pflanzen vorherrschen und die Banane reife
Früchte trägt. Das tingitanische oder westliche Gebiet reicht
vom Cap Tanes bis Marokko; es besitzt entschiedener afrika-
nische Formen, wohin jedoch die als Beispiel angeführte Sta-
pelia von Oran nicht zu rechnen ist.
Die im vorigen Berichte erwähnte Charakteristik der
Flora von Kordofan ist aufs Neue von Brunn er (Regensb.
Flora 1843. S. 473) und von A. Braun (das. S. 498) erwei-
tert und berichtigt. Die erstere Arbeit ist ohne Bedeutung,
die letztere bezieht sich nur auf zwei Alismaceen und enthält
schätzenswerthe Bemerkiuigen über diese Familie.
A. Braun hat auch eine nxmierische Uebersicht der von
Seh im per aus Abyssinien gesendeten Pflanzen mitgetheilt
Cdas. S. 749 — 752). Diese Herbarien bestehen aus 1250 sp.,
von denen zwei Drittel neu sind. Hierunter sind die beiden
ersten Sendungen Schiniper's begriffen. Nach der Artenzahl
Pflaiizengeographie während des Jahres 1843. 417
folgen die Familien in naclistehender Ordnung: Gramineen
(141), Synanthereen (140), Leguminosen (116), Cyperaceen
(60), Acanthaceen (46), Malvaceen mit Einschluss der Tilia-
ceen (42), Labiaten (40), Scrophularineen (33), Rubiaceen
(26), Umbelliferen (26), Urticeen (25), Euphorbiaceen (24).
Hierauf 18 sp. Cruciferen und JJoragineen, 16 sp. Terebin-
thaceen und Orcliideen, 15 sp. Amarantaceen, 14 sp. Ranun-
eulaceen, 13 sp. Convolvulaceen und Asclepiadeen, 11 sp,
Combretaceen, Crassulaceen und Solaneen, und 10 sp. Cap-
parideen und Verbenaceen. Einbegriffen in obige Zahl sind
gegen 100 Cryptogamen, nämlich 27 Farne, 50 Moose, 17 Li-
chenen u. s. w.
Neue abyssinische, von Feret und Galinier gesammelte
Pflanzen sind von Raffeneau-Delile beschrieben (Ann. sc.
nat. 20. p. 88 — 95): bis jetzt nur 16 sp. , aber darunter meh-
rere neue Gattungen: Teclea (Zanthoxylee), Lanneoma und
0%oroa (Terebinthaceen) , Feretia und Galiniera (Rubiaceen).
— Die von Schimper gesammelten Lichenen hat v. Flotow
bestimmt (Linnaea 1843. H. 1): wenige Arten sind neu. —
Hochstetter stellte folgende neue afrikanische Gattungen
auf (Regensb. Fl. 1843. S. 69— 83): JTy/oMera von Port Na-
tal (Bixinee), Candelabria ebendaher (Samydee), Diotocarpus
dgl. (Rubiacee): Kurria des vor. V>qx. = Hymenodictyon'^sW.,
Haplcmthera, Monothecium und Tyloglossa aus Abyssinien und
Nubien (Acanthaceen), Lachnopylis aus Abyssinien (Logania-
cee?), Pterygocarpus dgl. und Apoxyanthera von Natal (As-
clepiadeen).
** E. Meyer hat eine sehr wichtige Abhandlung über die
Flora des Caplandes bekannt gemacht, die sich auf Drege's
vollständige und hier zugleich mit abgedruckte Standorte
gründet. (Zwei pflanzengeographische Dokumente von Drege,
nebst einer Einleitung von E. Meyer: als besondere Beigabe
zur Regensb. Flora 1843. Enthält 230 S. und eine Charte).
Das Herbarium von Drege enthält gegen 7000 verschiedene
Arten (6595 Phanerogamen und 497 Cryptogamen) und ist
auf einem Gebiete von kaum 4000 Quadratmeilen gesammelt.
E. Meyer sc!. ätzt die Zahl aller bisher aus der Capcolonie
bekannt gewordenen Phanerogamen auf 9000 sp. und aller
überhaupt in den von Drege bereisten Distrikten einheimischen
418 Grisebach: Bericht über die Leistimgoii in der
auf 11500. Er hält enge Verbreituiigsbezirke der einzelnen
Species für einen Grundzug der Capflora, das Areal der mei-
sten sei 5 mal beschränkter, als in der europäischen P'lora
wo das mittlere Areal nach Schouw 10 15 Breitegrade um-
fasst. Gesellige Pflanzen giebt es im Verhältniss zur Masse
der Vegetation nur sehr wenige und selbst diese sind gröss-
tentheils bei Weitem nicht so gesellig, wie die Wiesengräser
oder Waldbäume Europa's. Zu den geselligen Formen rech-
net D. einige Proteaceen, kleinblumige Ericeen, auf den Kar-
ro's den grosse Strecken bedeckenden Elytropappus rhinoce-
rotis {ßtoehe Th.). Galenia und in der östlichen Karro-Fläche
ist eine der geselligsten Pflanzen des Landes Mesemhnjanthe-
muin spinosum. Ziemlich häufig sind ferner die Cliffortien,
Prosopis elepha7itinci , Acacia horrida an den Karro -Flüssen,
einige Bruniaceen, Oxalideen, Asclepiadeen, Aloe- Arten; auf
dem Giftberge an der Westküste Toxicodendi'on capense; bei
Port Natal die Rhizophoren und Hyphaene coriacea; endlich
die gesellige Wasserpflanze Prionium serrahim (Juncus Th.).
Die capischen Gattungen, wie sie gegenwärtig begrenzt
sind, enthalten im Durchschnitt 6 bis 8 sp.: um so merkwür-
diger ist der ungemein grosse Artenreichthum einzelner für
die Flora charakteristischer Gattungen. So sammelte D. von
Senecio 151 sp., Pelargonium 148 sp., Ey'ica verhältnissmässig
wenig: nur 139 sp., von Helichrysum 108 sp., von Aspalathus,
Hermannia, Oxalis und Restio zwischen 80 und 90, von Me-
semhri/a7ithemum, Crassula, Eup/iorbia und hidigofera zwischen
60 und 70, von Polygala, Muraltia, R/ms, Clijffortia, Anthe-
ricum luid Heliopkila zwischen 50 und 60 u. s. w. *
Die statistischen Verhältnisse der Familien stellt E. M.
sehr gründlich dar und legt dabei Endlicher's Genera zu
Grunde. Die Monocotyledonen vertheilen sich in 21, die Di-
cotyledonen in 125 Familien. Von diesen scheinen 38 in
Neuholland zu fehlen, während dieser Kontinent wiederum 18
besitzt, welche am Cap nicht vertreten sind. Die artenreich-
sten Familien bilden in Drege's Saumdung folgende Reihe:
1110 Synanthereen, d. h. fast 17 Proc, 510 Leguminosen,
312 Gramineen, 286 Irideen, 264 Liliaceen, 191 Restiaceen,
184 Cyperaceen, 170 Scrophularineen, 169 Geraniaceen, 167
Erice'en, 157 Proteaceen, 135 Euphorbiacoen, 122 Orchideen,
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1843. 419
112 Polyo-aleen, 108 Cfassulaceon, 1Ö4 Asclepiadeen, 104
Uinbelliferen, 99 Byttneriaceen, 88 Rubiaceen, 87 Cruciferen,
83 Oxalideen, 79 Labiaten, 75 Thyiuelaeen, 75 Campanula-
ceeu, 71 Rosaceen, 69 Mesembryanthemeen, 69 Selagineen,
68 Malvaceeii, 66 Acanthaceen, 65 Anacardiaceen. — Als
charakteristisch sieht E. M. ferner folgende, schwächere Fami-
lien an: Lobeliaceen (56), Rhamneen (56), Smilaceen (51),
Zygophylleen (44), Celastrineen (40), Bruniaceen (38), Hy-
poxideen (37), Cucurbitaceen (35), Ebenaceen (27), Penaea-
ceen (11), Cycadeen (9), Stilbeen (4). — Einige Familien
sind nur über einen Theil der Capcolonie verbreitet: die
Ericeen, von denen Bentham bereits 455 sp. vom Cap be-
schreibt', sind von Drege weniger gesammelt, weil sich die
meisten auf die Gebirge des äussersten Südens beschränken;
keine Proteacee. entfernt sich über 30 Meilen von der Küste,
aber auch hier verbreitet sich diese Familie nicht bis zu den
Grenzen der Colonie; die Crassulaceen bewohnen vorzüglich
die grosse Karro- Fläche, die Hermannien den Norden des
Gebiets, die Heliophila-Arten die Westküste zwischen 30" und
34» S. B., die Rhus-Arten den Osten, ebenso die Hypoxideen.
— Vier Familien sind für die Capflora endemisch: die Sela-
gineen, Bruniaceen, Penaeaceen und Stilbeen.
Physiognomisch ist die Capflora charakterisirt durch den
Reichthum an ^rossblumigen Monocotyledonen mit gefärbtem
Perigon, duich die Succulenten und Erikenforra. Von der
letztern 'kommen in den meisten grössern Familien wenigstens
einzelne Gattungen vor, z. B. Stoebe unter den Synanthereen,
Aspalathus unter den Leguminosen, einige Proteen, unter den
Rhamneen Phytica: ferner gehören ausser den Ericeen selbst
dahin die meisten Diosmeen, Bruniaceen, Stilbeen, Penaeaceen,
Thymelaeen. Die Succulenten enthalten z. B. die Crassula-
ceen, Mesembryanthemeen, die Stapelien, viele Euphorbiaceen,
mehrere Portulaceen und Aloe.
Bekanntlich fehlen die höhern Baumformen, wie die ge-
schlossenen Wälder ganz. D. entwirft folgendes Verzeichniss
sämmtlicher über 20' hoher Holzgewächse, von denen einige
eine Höhe von 50' erreichen: 3 Coniferen (3 sp. Podocarpus
= Geelhout), die Urticee Ficus Licldensteinii , die Laurinee
Ocotea bullcUa, 3 sp. Olea cYserhout: unter diesen 0. exaspe-
420 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
rata der stärkste Baum der Colonie, aber nur ungefälir 30'
hoch), die Araliacee Ctisso?iia paniculata, einige Meliaceeii
{Trichilia), 1 Tiliacee {Gretvia) , die Celastrinee Curtisia fa-
ginea, Ilex crocea, die Rhamnee Olinia acuminata, die Dios-
niee Calodendron capetise, die Myrtacee Jambosa cymifera und
eine Leguniinose: Virgilia grandis. — Von parasitischen Di-
cotyledonen hat D. 42 sp. gesammelt: darunter 17 Loran-
theen , 5 Cassyten , 1 Cactee, 12 Orobancheen, 3 Cytineen,
1 Balanophoree, 3 Cuscuteen.
Die Monocotyledonen der Drege'schen Sammlung verhal-
ten sich zu den Dicotyledonen wie 1 : 3,2, ebenso wie in
gleicher Breite von Neuholland. Von den Küsten gegen die
Hochflächen des Innern nehmen Anfangs die Monocotyledonen
zu, dann entschieden ab und auf der höchsten Terrasse wie-
der zu, wovon das letztere Verhähniss mit dem oben ange-
führten Gesetze von E. Meyer nicht übereinstimmt. Der un-
teren Terrasse des Landes schreibt er eine mittlere Höhe
von 500' zu, der mittlem von 2000', der obern von 3500',
worüber sich sodann die Gebirge, auf denen die Monocotyle-
donen wieder zunehmen, noch bis zum Niveau von mehr als
8000' Meereshöhe erheben. E. M. sucht diese Gegensätze in
der Verbreitung der Monocotyledonen aus den atmosphäri-
schen Niederschlägen zu erklären, deren Zunahme eine Zu-
nahme der Monocotyledonen bewirke. Nach Drege regnet es
nirgends häufiger und stärker, als an der Südwestküste der
Colonie. Von Stufe zu Stufe aufwärts vermindern sich die
atmosphärischen Niederschläge, in demselben Verhältniss wie
die Dicotyledonen sich vermehren. Aehnliche Verschieden-
heiten zeigen sich auch an der Küstenlinie. An der Mündung
des Gariep sollen die Winterregen des Cap fast ganz auf-
hören und die Sommerregen selten fallen, an der Ostküste
hingegen macht sich der Einfluss der Passate durch den Ge-
gensatz eines trocknen Winters und tropisch feuchten Som-
mers geltend, wodurch sich die eigenthümliche Vegetation von
Port Natal erklärt. Sclion an der Algoabay nehmen die Verbena-
ceen undAcanthaceen zu. Für Natal sind sodann charakteristisch:
tropische Leguminosengattungen, Myrtaceen, Rubiaceen, zwei
Palmen und andere Gewächse der heissen Zone,, wiewohl diese
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 421
Ansiedelung unter dem SO'' S. B., d. h. südlicher als die Miin-
dinig des Gariep liegt.
Bunbury (s. vor. Jaliresb.) hat die Berichte über seine
botanischen Wanderungen im Caplande fortgesetzt (Hook.
Lond. Journ. of Bot. 2. p. 15 — 41), Er beschreibt seine Reise
von der Capstadt nach Graliamstown, In der Kiistenregion
findet er eine deutliche Vegetationsgrenze an der Mündung
des Gaiiitos -Rivier, hier beginnt gegen die Algoabay ein Di-
strikt, den die fleischigen Euphorbien und andere Succulen-
ten , so wie auch Schotia speciosa (Boerboontje) charakterisi-
ren. Etwas weiter westwärts bis zum Kronuiie- Rivier kom-
men die Zamien zuerst vor, von denen E. JNIeyer irrthümlich
angiebt, dass sie erst in Albany auftreten. Die ganze Reise
wurde übrigens in 17 Tagen gemacht und gab daher wenig
Anlass zu Beobachtungen, aber weitere Nachrichten sind 1844
hinzugekommen.
Die systematischen Beiträge zur Capflora, besonders auf
die Herbarien von Krauss gestützt, von Meissner sind in
derselben Zeitschrift fortgesetzt (p. 53 — 105 und 527 — 559).
Diese zweite Abtheilung begreift folgende Familien: 2 Tilia-
ceen, 1 Aitonia, 30 Oxalideen, 7 Zygophylleen, 1 Ochnacee
von Natal, 1 Rhamnee, 1 Bruniacee, 166 Leguminosen, 10
Rosaceen, 1 Portulacee, 1 Cunoniacee, 28 Umbelliferen, 1
Hamamelidee, 1 Cornee, 3 Loranthaceen, 5 Rubiaceen, 1 Lo-
beliacee, 1 Jasminee, 1 Apocynee, 25 Asclepiadeen, 1 Scro-
phularinee, 1 Orobanchee, 10 Amarantaceen, 6 Chenopodeen,
12 Polygoneen, 28 Thymeleen, 3 Penaeaceen, 4 Euphorbia-
ceen. — 22 neue oder nur durch Eckion bekannt gewordene
Diosmeen hatBartling ausführlich beschrieben, darunter die
neue Gattung Gymnonychium (Linnaea 1843. p. 353 — 382). —
Einige neue Cappflanzen hat B>nzl publizirt (daselbst, p. 323
bis 334) : die neue Amarantaceengattung Sericocoma mit 3 sp,,
die neu aufgestellte Asclepiadee A7iisotoma und 1 Veronica,
sämmtlich aus Dreges Sammlung. — 55 capische Lichenen
hat V. Flotow bestimjnt und die neuen beschrieben (daselbst
p. 20 — 30), 31 Pilze nach Zeyher's Sammlungen Berkeley
(Journ. of Bot. p. 507—524).
Neue Pflanzen von den im Südosten von Afrika gelege-
nen Inseln hat, wie im vorigen Jahre, Bojer wiederum be-
422 Giisebach: Bericht über die Leistungen in der
schrieben (Ann. sc. nat. 20. p. 53—61. n. 95 — 106). Darunter
sind 1 Anonacee, 2 Menispermeen, 8 Capparideen, 4 Polyga-
leen, 2 Fittosporeen, 1 Linee, 6 Tiliaceen, 2 Leguminosen
mit der neuen Dalbergiee Chadsia.
IV. Inseln des atlantischen Meeres.
Auf die interessante Charakteristik der Azoren von Seu-
bert und Hochstetter, mit welcher der diesjährige Jahr-
gang des Archivs beginnt, habe ich hier nur zu verweisen. —
Gleichzeitig hat Watson über seine botanische Reise nach
den Azoren berichtet (Hook. Lond. Journ. of Bot. 2. p. 1 — 9,
125— 131. u. 394— 408). Die endemische Vegetation fand W.
ausserhalb des kiiltivirten Bodens von Fagal zuerst zwischen
Horta und Flamingos, wo die Hügel am Strande von Myrica
Faya und Myrsine retusa bewachsen sind: mit diesen wächst
Erica a%orica Höchst. {E, arhorea S. H. p. 21) zusammen,
welche nach W. jedoch nur eine Varietät von E. scoparia L.
sein soll. Bei Flamingos kommen hiezu noch zwei europäi-
sche Ericeen : Men%iesia Dahoeci DC und Calluna. Es wird
durch diese Darstellung wahrscheinlich, dass die Region des
Lorbeerwaldes (1500' — 2500'), welche fast aus denselben Holz-
gewächsen besteht wie die Kiistenformation bei Flamingos,
ursprünglich überall bis zum Meere herabreichte. Der Wald
über Flamingos besteht aus Erica scoparia, Myrica Faya,
Myrsine retusa und Juniperus Oxycedrus S. H., den W. für
eine verschiedene, endemische Art hält: mit diesen gemischt
sind Vaccinium maderense Lk. (dessen kleinblumige Var. V.
cylindraceum Sm., V. longißorum Wickstr. und V. padifolium
S. H. sein soll), ferner Rubus Hochstetterorum S., Ilex Perado,
Viburnum Tinus, Persea a%orica S. {Laurus canariensis S. H.)
und Euphorbia stygiana W. {E. mellifera S.) — Der Krater-
rand von Fayal liegt 3170' über der See und senkt sich nach
innen zu einem eingeschlossenen See von nur 1670' Höhe.
Diese feuchte Schlucht, deren Durchmesser etwa eine e. Meile
beträgt, ist dicht mit Farnen und den endemischen, immer-
grünen Sträuchern bedeckt. Die Phanerogamen sind grossen-
theils dieselben, wie an der Aussenseito des Kraters, aber die
endemischen Arten sind hier weit mehr zusammengedrängt.
Allein die Wasserpflanzen am See sind wieder europäisch. —
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 423
Die Hoschreibung Jes Piks von Pico stimtiit völlig mit der
Darstellung von S. und H. iiberein. Die Höhe des Pics
wurde zu 7616 engl. F. barometrisch gemessen und hiernach
reichen die obern Grenzen für einige Gewächse in ein höhe-
res Niveau, als S. und H. annehmen. Auf dem Gipfel wuch-
sen nur Thymus micans und eine unbestimmte Art von Agro-
stis mit einigen Moosen und Lichenen. Obere Grenze für
(Jalluna: 7000', für Erica scoparia 6000'.
Der jüngere Hook er besuchte auf seiner antarktischen
Reise die Cap-Verd- Inseln (Journ. of Bot. p. 250). Das
Innere von S, Jago, dessen Küsten völlig wüst sind, besitzt
eine üppige Vegetation, auf den Bergen Formen des Atlas
und Süd-Europa's, in den Thälern tropische Gattungen. Es
ist erst wenig von dieser Flora bekannt; die Gebirge würden
nach des Reisenden Urtheil unmittelbar nach der Regenzeit
die reichste Ausbeute geben. Wer sie untersuchen wolle,
müsse sogleich von Porto Praga nach S. Domingo sich wen-
den, da mehrere Meilen rings um die Hauptstadt alsdann kein
Gewächs mehr zu sehen ist. Foyo, dessen Vulkan 7000'
hoch sein soll, möchte jedoch interessanter sein, als S. Jago.
Auch S. Antonio ist mit Wald bedeckt und Sal eine salzhal-
tige Ebene,
Auf den S. Paul-Felsen (0" 58' N. B.) wurde H, nicht
ausgeschifft, aber Darwin, der sie besuchte, bemerkt (Journ.
of research, p, 10), dass, wiewohl mehrere Insekten und Spin-
nen einheimisch sind, doch keine einzige Pflanze, nicht ein-
mal eine Flechte, zu finden ist, nur Algen in grösster Man-
nigfaltigkeit,
S. Helena hat seine endemische Flora nun bereits gros-
sentheils verloren (ib. p. 582). Der grosse Wald der Hoch-
fläche, der zu Anfang des vorigen Jahrhunderts bestand, ist
ausgerottet imd mit ihm ohne Zweifel viele Gewächse, die
nun gleich den Erzeugnissen der Vorwelt auf der Erde ver-
schwunden sind. D. schreibt diesen Wechsel nach Beatson's
Vorgange der Einführung der Ziegen zu, welche die Siimlinge
des Waldes nicht aufkommen Hessen. Statt der endemischen
Flora haben sich nun grossentheils europäische Gewächse auf
dem Boden von S. Helena ausgebreitet. Der häufigste Baum
ist jetzt die Kiefer (Scotch Fir), aber zugleich bemerkt Hoo-
424 Grisobach: Bericht über die Leistungen in der
ker (a.a.O. p. 252) P. Daniniara, Casuarina, Acacien und
Pittosporeen aus Neu- Seeland, Eucalyptus aus Neu -Holland,
Scitamineen, Aroideen u. s. w. aus Ostindien.
V. Amerika.
Nuttall hat die Beschreibung der auf seiner Reise durch
Nord -Amerika nach den Sandwich Inseln gesammelten Pflan-
zen (s. Jahresb. für 1841) fortgesetzt (in den Transactions
of the American Philosophical Society. 1843. p. 251). Diese
Abhandlung enthält die Campanulaceen , Lobeliaceen, Ericeen
und verwandten Familien : mehrere grosse Gattungen sind von
dem Verf. getheilt worden, z. B. Vaccinium, Andromeda. —
Engelmann hat eine ausgezeichnete Monographie des nord-
amerikanischen Cuscuteen herausgegeben (Silliman's American
Journal of Science. Vol. 43. p. 333—345. — 1842. Extrahirt
im London Journ. of Botany. 1843. p. 184 — 199). — In dem-
selben amerikanischen Journal ist auch eine Fortsetzung von
Dewey's Caricograpliie erschienen (Vol. 43. p. 90 — 92 mit
5 Abbildungen). — Bruch und Schimper haben Drum-
mond's canadische Moossanmilung untersucht und die Resul-
tate sind von Schuttleworth bekannt gemacht (Journ. of Bot.
p. 663 — 670).
Eine pflanzengeographische Schilderung des mexikanischen
Vulkans Orizaba von Lieb mann wurde der Versamndung
skandinavischer Naturforscher in Stockholm 1842 mitgetheilt
(auch übersetzt in der Bot. Zeit. 1844. S. 668 u. f.). 1)
Heisse Region (0' — 3000'). Die geneigten Savanen im
Westen von Veracruz werden jenseits S. Fe bei 200' Höhe
von einem \A'alde unterbrochen, dessen Baumforn)en durch
Miinosa, Bomhax, Citrus, Coinbrctum bezeichnet sind. Dann
folgt ein äusserst fruchtbarer, von ausgeschleuderten Porphyr-
blöcken des Orizaba getrofi"ener Mergelboden, dessen Wälder
prächtige Gruppen der unbeschriebenen Palma real enthalten.
Von hier bis zu einer Höhe von 3000' reicht wieder die
schräge Gras-Savane mit Mimosengesträuch und der Tern-
stroemiacee Wittelsbachia , einem Convolvulus und einer JH-
gnonia. — 2) Warme, feuchte Region (3000' — 6000').
Bei 3000' beginnen die feuchten Gebirgsvvälder, in denen die
Eiche in zahlreichen Formen auftritt und mit diesen 6 Arten
Pflanzengeographic während des Jahres 1843. 425
von Chamaedorea , theils aufgerichtete, theils sclilingende Pal-
men, wachsen. Dies ist die pflanzenreichste Region IMexikos,
wo bei einer mittlem Temperatur von 21" C. und einer 8
bis 9 Monate dauernden Regenzeit z. B. 200 Orchideen ein-
heimisch sind. Hier beginnt ein eisenhaltiger, harter Thon-
boden, der sich bis 11000' über dem vulkanischen Gestein
hinauflagert. Die Eichen wachsen am üppigsten zwischen
4000' und 5000', es kommen einige 20 Arten vor und meh-
rere sind auf diese Höhen eingeschränkt. Wie auf Java wach-
sen diese Eichen in einem dichten tropischen Walde von
Laurineen, Myrtaceen, Terebinthaceen, Malpighiaceen und Ano-
naceen. Das Unterholz wird gebildet von Melastomen, Farn-
bäumen, Mimosa, der Monimiee Citrosma, Bambusa, Yucca,
Jatropha und Croton, Triumfetta, Magnolia, baumartigen Syn-
anthereen, Symplocos, Aesculus, Araliaceen u. a. Die Lia-
nen bestehen aus Smilaceen, Sapindaceen, Cissus, Apocyneen,
Asclepiadcen, Bignoniaceen, Passifloren, Leguminosen und
Cucurbitaceen. In diesen Wäldern berührt man die obere
Grenze der Kaff'ee- und Baumwollen-Kultur bei 4 — 5000', die
des Zuckerrohrs und Pisangs bei 5500'. — 3) Region der
Eichenwälder (6000'-7800'). Bei 6000' erreicht man den
Fuss der Cordillere, wo ein anderes Klima und andere Ge-
wächsformen beginnen. In der Nähe der Stadt Coscomatepec,
wo mit dem Mais die europäischen Obstbäume und Südfrüchte
gezogen werden, wo die fruchtbaren Ebenen des Plateaus be-
ginnen, sind die häufigsten Bäume: Yucca gloriosa, Crataegus
jmbescefis, Sambucus bipinnata, Clethra tinifolia, Persea gra-
tissima, Cornus: die Lianen werden hier von Convolvulus,
Vitis und Rubus gebildet. Die Palmen haben schon bei 5000'
aufgehört, aber im innern Hochlande treten wieder andere
Arten bis 8000' auf. Die Farnbäume sind gleichfalls der Cor-
dillere fremd und wachsen nur zwischen 2500 und 5000'.
Ebenso kommen die letzten strauchartigen Myrten bei 4800'
vor. — Der Orizaba selbst ist ein dem Rande des Plateaus
aufgesetzter 17000' hoher Pic Der Reisende besuchte ihn
mitten in der Regenzeit, im Sei)tember. Der untere Wald-
gürtel (6000'— 7800') besteht hauptsächlich aus Quercus-kvten:
die übrigen Bäume sind Lacepedea pinnata, Ulmus, Alnm,
Arthiv f. NatuvgescL. X. Jahrg. 2. B<l. E C
426 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Clethra, eine Verbenacee und Araliacee; Waldgesträuche aus
Cornus toluccetisis, Viburnum, Tritimfetta, Ruhus; Lianen aus
Vitis, Ipomoea Purga, einem Bidens und Cuscuta, Alstroeme-
rien; parasitische Farnkräuter, Viscitm , Orchideen, Piper in
3 kleinen Formen, Cereus ßagelliformis. Offene Flächen sind
mit Cassia- und i1/?/woj«- Gebüschen bewachsen, Kräuter und
Gräser sind fornienreich, charakteristisch z. B. Ranunculus,
Thalictrum, Aiiada, Hypericum, Drymaria, Oxalis, Geranium,
E-uphorbia , Desmodium , Rhexia, Lope%iay Cuphea, Georgina,
Lobelia, Salvia, Ert/titraea, Iresine, Cyperus, Panicum, Paspa-
lus, Festuca, Vilfa, Lycopodiimi; Farnkräuter, auch Moose
und Flechten sind schon ziemlich häufig. — Schon gegen
7000' ändert sich die Vegetation bedeutend. Vaccinium,
Gtialt/teria ^ Andromeda werden häufig, namentlich ein neuer,
baumartiger Arbutus, Fuchsia micropInjUa ; unter den Kräu-
tern : Cldinaphila, Dracocephalum, Tagetes, Carduus, eine Gen-
tianee , mehrere Orchideen, Ferraria und Conmielyneen. —
4) Region der Goniferenw älder (7800— 11000'). — Bei
6800' wachsen die ersten Coniferen: Pinus leiophylla, bei
7800' aber erst werden die Eichen vom Nadelholze verdrängt.
Hier sind kräftige Stämme von Pinus Motitexmnae vorherr-
schend mit jiarasitischen Tillandsien und Usneen. Bei 9000'
beginnen die Wälder der Oyamel-Tanne {Abies religiosa), aber
P. Monte%umae bildet wieder den obern Gürtel des geschlos-
senen Tannenwaldes bei 11000', einzeln oder verkrüppelt
steigt sie bis 14000' an der Nordwestseite des Hics. In einer
Sennhütte der Coniferenregion , in der Vaqueria del Jacal
(10000') verweilte der Reisende zwei Wochen. Die mittlere
Temperatur betrug zu dieser Zeit 11" C Im Spätherbst geht
die Regenzeit in Schneefall über und der Schnee bleibt vom
November bis März liegen. Die Einförmigkeit des Nordens
herrscht in diesen Nadelwäldern nicht. Eingemischt kommen
überall Laubbäume vor: Eichen und Erlen, die Schattenkräu-
ter bleiben mannigfaltig, eine üppige Vegetation ernähren die
Thalschluchten (Barranca's), ganze Bergseiten sind kahl und
mit hoher Grasnarbe nebst alpinen Kräutern bedeckt. Die
Gewächse der Coniferenregion sind überhaupt höchst mannig-
faltig in ihren Formen, ein reichhaltiges Verzeichniss entwirft
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1843- 427
Liebmanu, Zu den charakteristischen Familien gehören fol-
gende: Leguminosen {Luphius), Umbelliferen, Ericeen {Clethra^
Vaccinium , Pyrola etc.), Synanthoreen {Eapatorium , Stevia,
Bidens , Bacharis^ Aster etc.), Scrophularineen {Chelone, La-
mou%ouxia , Gei-ardia, Castilleja') , Labiaten (Scdvia, Stachi/s),
Verhena, Orchideen {Spirantlies , Serapias), Ve/atnirn, Irideen
{Sisyrinchium) , Farnkräutern u. v. a. Gesträuche von Lauri-
neen, Rhanineen, Tüia, Vihnrnum, Cornus, Synanthereen, Sa-
lix findfu sich neben den Ericeen. In einer Barranca traf
L. bei .9500' ein ßambusengehölz, während diese Pflanzenforixi
übrigens schon bei -3000' verschwunden war. — 5) Region
der S tevien (11000' — 13600'). Niedrige Synanthereensträu-
cher {Stevia piirpurea, arhutifolia u.a.) vertreten die sub-
alpine Erikenform ebenso wie auf der südamerikanischen Cor-
dillere, wo statt der Stevia die Gattung Baccliaris auftritt.
Docli reichen sie nicht wie dort bis zur obersten Vegetations-
grenze. Ein häufiger Strauch im untern Theil der Region
ist Spiraea nrgentea. Uebrigens wachsen hier grösstentheils
alpine Gattungen im Gerolle der vulkanischen Felsblöcke,
welches nun an die Stelle des Thonbodeiis getreten ist. Cha-
rakteristische Formen: Cruciferen {Draha, Nasturtium) , Al-
sineen, Viola, Lupinus , Rosaceen { AlcJiemilla , Potentilla),
UmbeHifiTi-n (Ert/ngium , Seseli, Oenafithe) , Tiarella, Pedicu-
laris, Litltospennum, Stachi/s, Synanthereen {Erigeron, Hiera-
cium, Hi/pochoeris), Veratrum, Sisijrinchium , Serapias, Jun-
ceen, Carex. — 6) Alpine Gebirgsebene (13600 — 14800').
Der Boden der höchsten Fläche unter dem Krater, aus vul-
kanischem Sande mit Asche gemischt, trägt eine Gramineen -
Vegetation , deren Arten mit den von Humboldt auf dem Ne-
vado de Tolucca gefundenen übereinstinnnen: Festuca toluc-
censis, Bromus lividus, Avena elongata, Deyeuxia recta, Crypsis
stricta, Agrostis und andere Festuca-Arten. An die Stelle der
Stevien treten hier dickblättrige, silberhaarige Gesträuche von
Senecio. Kleine Kratere sind von Mahonia ilicina und Juni-
perus mexicana bedeckt. Unter den Gramineen wachsen meh-
rere Synanthereen {Cony%a, Heliclirysum, Carduus, Saussurea),
Gaultheria ciliata und von den übrigen alpinen Gattungen
reichen bis hieher Cerastium , Viola, iJruba. Der aufgethaute
E e*
428 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Schnee ernährt eine Formation von liammculus und Poten-
Ulla, in deren Gesellschaft einige Glumaceen und V^eronica
wachsen {Lu%ula, Carex, Phleum , Agrostis). Moose und
Flechten sind häufig, und unter den letztem namentlich auch
die nordischen Umbilicarien {V. pushdata 10 — 14000', U.vel-
lea 13—14000', U. cylindrica wwA probosa den 14000'— 14800').
Der Fuss des grossen über 30" geneigten Kraters liegt 14300'
hoch und ist mit schwer zu ersteigendem Gerolle bedeckt.
Hier wachsen die letzten, von Schiede grösstentheils nicht
mehr beobachteten Phanerogamen : 1 Hydrophyllee {PhaceUa
lactea Liebm.), 1 Castilleja, Saussurea, Carduus fn'mlis. Are-
naria, Chcrleria, Draba vulcanica Liebm., eine der strauch-
artigen Senecio - KviGW und der grössere Theil der erwähnten
Gramineen. Die letzten Phanerogamen beobachtete der Rei-
sende in einer Höhe von 14600'. Die grössern Felsblöcke
bleiben von hier aus noch bis 14800' mit Cryptogaraen be-
deckt: ausser den Umbilicarien sind es TortuJa ruralis, Par-
melia Ehrharfi, Lecidca atro-alha, citrina, geographica, Ceno-
myce pyxidata und als die letzte von allen, 50' höher als
die übrigen Parmelia elegans, eine Flechte, die Agassiz gleich-
falls unter den höchsten auf der Schweizer Jungfrau fand
(s. vor. Jahresb. S. 389). — Ungefähr bei 15000' ist am Ori-
zaba die Grenze des ewigen Schnees anzunehmen.
Grosse Erwartungen darf man von der Bearbeitung der
Liebmann'schen Sammlungen für die Systematik der mexika-
nischen Flora hegen und der Reisende hat sie unter Anderm
durch die Vorträge erhöht, welche er nach seiner glückliehen
Rückkehr in der 1843 zu Christiania gehaltenen Versammlung
skandinavischer Naturforscher gelesen hat. Inzwischen sind
anderweitige Bereicherungen der niittelamerikanischen Flora
gleichzeitig in England und Belgien publizirt werden. Ben-
tham hat ein zweites und letztes Heft seiner Plantae Hart- ,
wegeanae (London 1842. 8.) herausgeben. Dieses reicht von
Nr, 518 — 631, von denen der grösste Theil nicht mehr in
Mexiko, sondern in Guatimala gesammelt ist. Die neuen
Gattiuigen sind: Hcmichaena (Scrophularinee), Ldndenia (Ru-
biacee), Oxylepis (Heliauthee), Qäoseris (Trixidee), Lampra
(Commelinee). — Sehr reichhaltig ist die Enumeratio syno-
i
Pllanzengeocraphic während des Jahres 1843. 429
ptica plantariiiu a Galeotti in Mexico leotanini, welche von
Martens iin«l Galeotti begonnen und schon ziemlich weit
geführt worden ist. Diese Arbeit ist in den Bulletins der
Brüsseler Akademie enthalten (1843. Vol. X. P. I. p. 110. 208.
341. — . P. II. p. 31. 178. 302. — 1844. Vol. XI. P. I. p. 121.
227. 355). Die bisher bearbeiteten B'aniilien mit zahlreichen
neuen und ausführlich beschriebenen Arten sind folgende:
7 Irideen, 1 Haemodoracee, 2 Hypoxideen , 14 Amaryllideen,
10 Bromeliaceen, 4 Scitamineen, 1 Najade, 4 Aroi<leon, 1 Ty-
phacee, 3 Palmen, 11 Coniferen, 24 Piperaceen, 2 Myriceen,
35 Cupuliferen, 2 Betulineen, 2 Plataneen, 8 Saliceen, 5 Che-
nopodiaceen, 14 Amarantaceen, 12 Polygoneen, 10 Nyctagi-
neen mit der neuen Gattung Tincintia, 4 Laurineen, 2 Thy-
melaeen, 13 Valerianeen, 83 Rubiaceen, 5 Caprifoliaceen mit
der neuen Gattung Vetalea, 15 Apocyneen, 40 Asclepiadeen,
17 Gentianeen mit der als neu betrachteten Gattung Arem-
bergia und grossentheils neuen Arten, 8 Spigeliaceen und 205
Leguminosen mit den neuen Gattungen Mikelertia und Ro-
hynsia. — Ferner erschienen schon früher die Ericeen und
Vaccinieen unter dem Titel: Notice sur les plantes des famil-
les des Vacciniees et des Ericacees, recueillies au .^lexique
par H. Galeotti, et publiees par Martens et Galeotti (daselbst
1842. p. 526). — V. Schlechtendal's neue Mittheilungen
über die mexikanische Flora (s. Jahresb. für 1840) betreffen
die Burseraceen, besonders Elaphrium (Linnaea 1842. H. 6.
und 1843. S. 245), sodann die Dioscoreen (das. S. 602).
E. Otto hat die Ergebnisse seiner amerikanischen Reise
(s. Jahresb. für 1840) jetzt zusammengestellt (Reiseerinnerun-
gen an Cuba, Nord- und Südamerika 1838 — 1841. Berlin
1843. 8.) Von Caracas aus besuchte er das Orinoko-Gebiet.
Die Bemerkungen von Jameson über die Flora von
Ecuador (Lond. Journ. of Bot. 2. p. 643—661) sind bis jetzt
noch zu fragmentarisch, um näher darauf eingehen zu können,
doch werden sie, wenn, wie versprochen ist, der Verf. sie
fortsetzt, nicht ohne Bedeutung bleiben. Von Bentham's
Bearbeitung der in Guiana von Schomburgk gesammelten
Pflanzen sind folgende Familien erschienen: Euphorbiaceen
von Klotz seh (32 sp. mit den neuen Gattungen Sc/äsmatü-
430 Grisebach: Bericht über die Leistunsen in der
pera, Dftcti/lostemo?i , Tragant /tu s , Brachystachys ^ Geiseleria,
Discocarjms , die beiden vorletzten von Croton abgesondert);
von Benthani selbst Dilleniaceen (1 sp.), Anonaceen (9 sp.),
Myristiceen (1 sp. ), Menispernieen (2 gp.), Nympliaeaceen
(1 sp.), Caboinbeen (1 sp.), Sarraceniaceen (1 sp.), Ternstroe-
miaceen (10 sp. mit den beiden abweiciienden, neuen Gattun-
gen Catostemma und Oc/tthocosmus) Guttiferen (8 sp.), Marc-
graviaceen (i sp.), Hypericineen (3 sp.), Erythroxyleen (6 sp.),
Trigoniaceen (3 sp.), Huniiriaceen (4 sp.), Olacineen (3 sp.,
wobei B. die neue Gattung Ptijchopetalum aus Cayenne auf-
stellt), Rhizoboleen (Isp.); von Lindley die Orchideen
(66 sp.). Die Zahl der bis jetzt publicirten Arten beträgt
846. (Ilooker's London Journ. of Bot. 1843. p. 42 — 52. —
p. 359—378. — p. 670—674).
In verschiedenen Zeitschriften hat Miquel von Neuem
Pflanzen aus Surinam publicirt, besonders nach Herbarien von
Focke: im ersten Hefte der Annais of natural bist, für 1843,
welches uns zufällig vom Buchhändler nicht geliefert ist; fer-
ner in der Linnaea inid in v. d. Hoeven's Tijdschrift. Der
Aufsatz in der Linnaea (1843. S. 58 — 74) enthält Arten aus
verschiedenen Familien und wenig Neues: nändich 1 Cypera-
cee, 1 Xyridee, 2 Pontedereen , 1 Smilacee, 1 Haemodoree,
1 Aroidee, 4 Synanthereen, 4 Rubiaceen (darunter die neue
Gattung Bnnnsmania). Die Animadversiones in herbarium
surinamense, quod in colonla surin. legit H. C. Focke, auct.
Miquel (Tijdschr. voor natuurlijke Geschiedenis. 1843. p. 75
bis 93) begreifen folgende Familien: 1 Cactee (ohne neue
sp.), 2 Portulaceen (1 sp. nov.), 1 Phytolaccee, 7 Malvaceen
(2 sp. nov.), 1 neue Byttneriacee, 3 Guttiferen (1 sp. nov.),
1 neue Marcgraaviacee, 1 Hypericinee, 6 Malpighiaceen (1 sp.
n.), 1 neue Erythroxylee, 2 neue Sapindaceen, 1 Polygalee,
1 Euphorbiacee, 1 Anacardiacee, 1 Myrtacee, 16 Leguminosen.
Focke in Paramaribo hat ein systematisches V^erzeich-
niss sämmtlicher in Surinam gebauter Kulturgewächse durch
Miquel publiciren lassen (v. d. Hoeven's Tijdschrift a. a. O.
p. 373 — 385). Auszug der holländischen Namen für die wich-
tigsten tropischen Produkte: Aiiona muricata L. (Zuurzak),
A. squaniosa L. (Kaneolappel), Terminalia. lati/olia (Amandel-
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 431
bootri, Tafelboom), Eugenia pimenta DC. (Bayberrytree), Jam-
bosa vulgaris DC. (Poniine de rose), /. malaccensis DC.
(Schanibo), Passißora qtiadrangularis L. (Marquisade, Greiia-
dille), Mammen nmericana L. (Manimi), Carijocar tomentostim
W. (Bokkeiioot), Hihiscus esculentus L. (Okro), H. Rosa si-
nensis L. (Engeische Roos), H. Sahdariffa L. (Roode Zuring),
Spondias dulcis Forst. (Pomtiie de Cythere), Ricinus commu-
nis L. (Krapatta), JanipJia Loefflingii Kth. ( Zoete Cassave),
/. Manihot Kth. (Bittere Cassave), Malpig/da glahra L. (Sure
Kers), Averrhoa Bilimbi L. (Bilambi), Abrus precatorius L.
( Weesboontje), Erythrina corallodendron L. (Koffij -niama),
Arachis Injpogaea L. (Pienda), Poinciana pulcherrima L. (Sa-
binabloem) , Parkinsonia aculeata L. (Jerusalernsdoren), Äna-
cardium occidentale L. (Cachou), Mangifera indica L. (Manja),
Jrtocarpus incisa L. (Broodboom), Persea gratissima G. (Ad-
vocaat), (Joccoloba uvifei-a L. (Zeedriiif), Achras Sapota L.
(Sapotille), Chrysophyllum Cainito L. (Starappel), Sesamum
Orientale L. (Abonjera), Crescentia Cujete L. (Kalebasboom),
Justicia picta L. (Portretboom), Lycopeisicum escule?itum Dun.
(Toinati), Solanum ovigerum Dun. (Antroeri), Plumeria rubra
L. (Franglpane), Cycas revoluta Th. (Sayo). — Amomum
granum paradisi L. (Malaguetsche Peper), Musa paradisiaca
L. (Banane), M. humilis L. (Dwerg-Banane), M. sapientum L.
(Bakove, Bakoeba), Agave foetida L. (Ingi-sopo), Yucca stricta
Ker (Bajonet), Bambusa arundinacea W. (Guinea-Gras).
Die im vorigen Jahresbericht erwähnten Herbarien von
II off mann aus Surinam hat Steude! zu bestimmen angefan-
gen (Regensb. Flora 1843. S. 75.3 — 765). Die als neu be-
schriebenen Arten gehören zu folgenden Familien: Anonaceen
(3 sp.), Sterculiaceen (2), Tiliaceen (2), Sapindaceen (1), Ho-
malineen (1), Leguminosen (21), Rosaceen (5), Combretaceen
(2), Myrtaceen (3), Paronychieen (1), Umbelliferen (1), Ru-
biaceen (2), Solaneen (2), Verbenaceen (1), Spigeliaceen (2),
Gentianeen (2), Die Diagnosen sind kurz und Beschreibun-
gen nicht zugefügt.
Von Pöppig's Kupfervverk über die auf seiner südame-
rikanischen Reise gesammelten Pflanzen (Nova genera etc.
Lips.''l843. 4.) erschienen die 5te und 6te Dekade des drit-
432 Grisebarh: Bericht über die Leistungen in der ,
ten Bandes. — Orbigny's Reisevverk ist regelmässig fort-
gesetzt worden bis zur Lief. 74. — Casaretto hat 8 Deka-
den brasilianischer Pflanzen herausgegeben: eine Arbeit, die
mir noch nicht zu Gesicht gekommen ist (Novarum stirpium
IJrasiliensium Decades. Genuae 1842 — 44. 8. 72 S.).
Meyen's Nachlass von getrockneten Pflanzen, welche
er auf seiner Reise um die Erde gesammelt hatte, ist durch
vereinte Kräfte bearbeitet und in den Schriften der Leopol-
dinischen Akademie publizirt worden (Nov. Act. Natur. Cu-
riosor. Vol. 16. Suppl. secund. Vratisl. 1843). Diese Samm-
lung umfasst etwa 1500 Arten und die Zahl der neuen ist
verhältnissmässig nicht gross. Die Leguminosen hat der ver-
storbene Vogel bearbeitet, Nees v. Esenbeck die Gluma-
ceen , Philydreen , Acanthaceen , Solaneen und in Verbindung
mit Lindenberg und Gottsche die Lebermoose; Meyen
selbst mit Flotow die Flechten; Klotzsch die Euphorbia-
ceen und Pilze; Schauer die Myrtaceen, Apocyneen, Ascle-
piadeen und übrigen Monocotyledonen; ich die Gentianeen;
Walpers die übrigen Dicotyledonen und Goldmann die
Farne. Der grösste Theil der gesammelten Pflanzen stammt
aus Südamerika, besonders Chile und Peru, aber ein grösseres
Interesse bieten die Herbarien von Manila (etwa 200 sp.) und
von Macao (etwa 220 sp.) dar.
Gardner' s Publicationen über die brasilische Flora (s.
vor. Jahresb.) sind fortgesetzt worden. Er beschreibt 4 neue
Gattungen von den Orgelbergen bei Rio: Jfmvrnama (Nassau-
viee) , Leucopholis (dgl.) , Horkinia (Gentianee) , Napeanthus
(Cyrtandree) (Hooker's Lond, Journ. of Bot. 2. p. 9 — ^15).
Die Fortsetzung des geographisch geordneten Catalogs seiner
Sammlung enthält 125 sp. von den Orgelbergen, unter denen
viele neue Arten und die neue Gattung Isodesmia (Hodysaree)
(ib. p. 329 — 355). — 39 von Gardner gesammelte Pilze sind
von Berkeley bestimmt und beschrieben (ib. p. 629 — 643).
Darwin, dessen geistreiche Schilderung der Naturver-
hältnisse von Südamerika und von den Südsee -Inseln ein so
vielseitiges Interesse <larbieten , beschäftigt sich mit dem Pro-
blem, die Waldlosigkeit von Montevideo bis Patagouien zu
♦•rklären (Journ. of Ilcscarches p. 53). An den Ufern der
Pflanzeilgeographie wälirend des Jalires t843. 433
grossen Ströme in Montevideo kommen Salices vor und man
spriclit von einem Palmenwalde bei den Arroyo-Tapes. Eine
einzelne Palme sah der Reisende unter 35" S. B. Aber dies
sind die einziehen Ausnahmen von der Baumlosigkeit eines
Landes, in welchem die Pflanzungen von europäischem Obst
sehr gut gedeihen. Ebenen, wie die Pampas von Buenos-
Ayres, sind durchaus baumlos, was von den herrschenden
Luftströmungen und den davon abhängigen Feuchtigkeits-Ver-
hältnissen bedingt scheint. Aber diese Bedingungen fehlen in
Montevideo, dessen hügelige, felsige Oberfläche die verschie-
densten Bodenarten besitzt, wo es an thonhaltiger Erdkrumc
und Bewässerung nicht fehlt. Hier ist im Winter eine regel-
mässige Regenzeit und auch der Sommer ist nicht übermässig
trocken. Bei Weitem trockener ist Neuholland südwärts vom
Wendekreise und doch an den Küsten allgemein bewaldet.
Deshalb kann man die Waldlosigkeit Montevideos nach D.'s
Urtheil nur von geologischen Momenten, von einer ursprüng-
lichen Eigenthündichkeit dieses vegetabilischen Schöpfungs-
heerdes herleiten. Waren von diesem Akte die grössern
Ilolzgewächse ausgeschlossen, so konnten sie sich in der Folge
nicht leicht von andern Schöpfungsheerden hieher verbreiten:
denn die brasilischen Bäume erfordern ein tropisches Klima
und kein anderes Waldland ist diesen Küsten nahe. Ueber-
haupt hat Südamerika nur in weit feuchtern Gegenden Wald,
an der Westküste südwärts von 38° S. B., wo die westlichen
Winde der Südsee vorherrschen, und in Brasilien, so weit
der südöstliche Passat reicht. So verhalten sich die Gebiete
diesseits und jenseits der die Winde brechenden und austrock-
nenden Cordillere sowohl innerhalb als ausserlialb der tropi-
schen Zone entgegengesetzt. Den brasilischen Urwäldern
liegt die Westküste gegenüber, die von 4» —32" S. B. wald-
los und wüst ist, der waldigen Küste von Chiloe zum Feuer-
lande auf gleiche Weise die ärmliche Vegetation Patagoniens.
Hiernach könnte man schliessen, dass Montevideo für südame-
rikanischen Baumwuchs ein zu trocknes Klima habe, wenn
auch nicht in Vergleich mit andern bewaldeten Erdtheilen. —
Debrigens sind auch die Falklands -Inseln baumlos, wiewohl
sie unter ganz ähnlichen klimatischen und geognostischen Ver-
hältnissen stehen, wie die Wälder des Feuerlands,
434 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Die Siidgrenze der Pampasvegetation bildet der Rio Colo-
rado, dessen Mündung unter 40" S.B. liegt (ib. p. 87). Hier
ändert sich der Boden und mit ihm der Vegetationscharakter
der Steppe. Zwischen dem Rio Negro und Colorado trägt
ein trockner Kiesboden Rasen von Gras mit niedrigen Dorn-
büschen, und dies bleibt der Typus der Flora längs der gan-
,zen patagonischen Küste. Ebenso besteht von der Maghel-
lans -Strasse bis zum Colorado die ganze Oberfläche des Lan-
des aus Kiesboden: die Kiese sind grösstentheils Porphyr und
stammen von der Cordillere. Nördlich vom Colorado werden
sie allmählig kleiner und so gehen sie in den kalkhaltigen
Thonboden der Pampas über, der von hier bis zu den Gra-
niten von Montevideo ein grosses, gesteinloses Becken aus-
füllt. Das Klima nördlich vom Colorado bleibt nicht minder
trocken und unfruchtbar, allein der Boden trägt mannigfache
Kräuter und Gräser, während die dornigen Sträucher sich
zugleich mit den Kiesen verlieren. — Anfang September
herrschte in den Pampas von Bahia blanca um die weisse
Bai noch Winterschlaf (p. 115), aber in der Mitte dieses Mo-
nats bedeckte sich die Ebene mit Blumen, so wie in allen
Steppen der neuen und alten Welt das blüthenreiche Früh-
jahr sich ungemein rasch zu entwickeln scheint. Ehe die
Pflanzen sprossten, war die mittlere Tagestemperatur =10", 6
gewesen, jetzt hob sie sich auf = 14'',4 C, d.. h. zu einer
Höhe, bei welcher in Montevideo noch Winterschlaf herrscht.
Hieraus könnte man auf eine verschiedene Reizbarkeit beider
durchaus durch den Plata getrennter F'loren schliessen : allein
vielleicht kommt bei diesem Problem auch die Feuchtigkeit
der Atmosphäre in Betracht, welche in Montevideo länger als
in den heitern Pampas die Evaporation der Pflanzen, die
Quelle ihrer Saftströmung im Frühlinge, verhindert. — Weit
üppiger als in diesen südlichen Grenzdistrikten wird die Step-
penvegetation der Pampas vom Rio Salado bis Buenos Ayres,
aber vermuthlich nur in Folge der grössern Weidebenutzung
(p. 137). Mit den verwilderten Pferden und andern Haus-
thieren, die seit der ersten Colonisation im Jahre 1535 sich
so weit über diese Steppen verbreitet haben, sind auch euro-
päische Gewächse eingewandert, haben die endemische Vege-
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 435
tation auf grossen Strecken völlig verdrängt und verleihen
vom Plata bis zur Cordillere verbreitet in vielen Gegenden
dem Lande seinen heutigen Naturcharakter, gerade wie die
Opuntien und Agaven an den Küsten des Mittelmeers. Wo
jetzt nur aus Europa stammende Pferde existiren, hat D. die
Reste eines fossilen, einlieimischen Pferdes aus der jüngsten
Erdperiode aufgefunden und gerade ebenso hat sich neben
einer endemischen Distel, welche grosse Strecken am Plata
bedeckt, die europäische Cynara Carclunculus auf weit grös-
sern Räumen des Bodens bemächtigt. Diese hohe Distelvege-
tation ist vermöge höchst geselligen Wachsthums für Men-
schen und Thiere vollkommen undurchdringlich. D. kennt
kein Beispiel von einer vegetabilischen Einwanderung in grös-
serm Maassstabe und findet diese Formation auf weiten Land-
reisen häufig wiederkehrend, er sieht sie selbst den Plata
überschreiten und viele Quadratmeilen in Montevideo von
dieser Distel dicht bedeckt.
In Süd-Patagonien fuhr Darwin , nachdem er bereits eine
Reihe von Kostenpunkten untersucht hatte, den S. Cruz (50"
S. B.) bis zum Fuss der Cordillere hinauf. Ganz Patagonien
bildet bis zu den Anden eine allmählig sich erhebende terras-
senförmig 1200' tief gegen das Meer abstürzende, tertiäre
Ebene. Die gerundeten Kiese, welche sie bedecken, ruhen
auf einer weisslichen Erdkrume, dem thonhaltigen Porphyr-
detritus, in welchem die Pflanzen wurzeln. Unter den wenigen
Erzeugnissen dieses Bodens ist Opuntia Darwinü Hensl. cha-
rakteristisch. Oft werden die Terrassen von flachen, jedoch
wasserleeren Thalwegen eingeschnitten und hier häufen die
Dorngesträuche sich an. Das Klima ist so trocken, dass man
Tage lang reisen kann, ohne einen Wassertropfen anzutrefi'en.
Den entschiedensten Gegensatz gegen diese Steppen bil-
den die doch hart an sie herantretenden Thonschiefer Berge
des Feuerlands, die überall bis an den Rand des Meeres mit
einem einzigen, düstern Walde bekleidet sind (p. 227). Die
Thäler dieses Gebirgslandes liegen, wie in Norwegen, tiefer
als das Niveau des Meeres und sind Fjorde. Die Hauptmasse
des Waldes besteht aus Fagus hetuloides Mirb. {Betula ant-
arctica Forst.), indem die übrigen Buchenarten und Drimys
436 Orisebach: Bericht über die Leistungen in clor
nur in unbedeutender Anzahl vorkonnnen. Der Wald reicht
an den steilen Abhängen, wo fast nirgends ein Fleck ebenen
Bodens zu erblicken ist, bis zur Höhe von 1000' bis 1500',
dann folgt die Region der Alpenkräuter, welche auf Torfboden
wachsen und sich bis zur Linie des ewigen Schnees (3500')
erstrecken. Torfbildung ist auch in der Waldregion gemein,
unter einer Wildniss von gefallenen und noch vegetirenden
Baumstämmen. Hierdurch und durch das gelblich braune Grün
des im Winter nicht abfallenden Buchenlaubes erhält die Land-
schaft einen diistern Charakter, auch wird sie nicht oft von
den Strahlen der Sonne belebt. Die Torfbildung (p. 349),
welche nordwärts bis zum Chonos- Archipel (45") reicht und
in Chiloe nicht mehr bemerkt wird, beruht in offenen Gegen-
den vorzüglich auf der geselligen Astelia pumila Br. {Anthe-
ricum trifarium Sol.), einer den Junceen verwandten Gat-
tung, welche daher hier das im System unmittelbar daran
grenzende Narthecium der Emsmoore vertritt. Mit der Aste-
lie wachsen Myrtus mimmularia, Empetrum ruhrum und Jun~
cus grandißorus und nehmen an der Torferzeugung Theil.
Auf den Falklands-lnseln verwandeln sich auf entsprechendem
Boden alle Gewächse in Torf, namentlich die Gräser. — Bei
der östlichen Einfahrt in die Maghellans-Strasse greift die pa-
tagonische Steppe hinüber auf die Küste des Feuerlands, im
Innern schneidet die Meerenge beide Floren ziemlich scharf
ab (p. 263), womit <lie analogen Gegensätze von Jütland und
Norwegen verglichen werden können. Die Ursache dieses
merkwürdigen Gegensatzes an der Südspitze von Amerika
sucht D. \\\ den atmosphärischen Niederschlägen. Auf den
ersten Blick scheine ein solcher Unterschied im Landschafts-
charakter auf 4 g. Meilen Entfernung fast wunderbar, aber
ebenso entgegengesetzt verhalte sich das Klima: die abgerun-
deten Berge von Port Famine unaufhörlich getränkt von Re-
gengüssen und Nebeln, welche die stürmische Bewegung der
Atmosphäre versammelt, und 12 Meilen von da an der Gre-
gory-Bay ein heiterer, strahlend blauer Ilinnnel über der trock-
nen, wüsten Ebene Die mittlere Temperatur von Port Fa-
mine beträgt wahrscheinlich = 5" ,3 C, die des Sommers
= 10", des Winters = -4~0",6 (nach King und Darwin).
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 437
Dr. Hook er beschreibt seinen VVinteraufenthalt auf den
Falklands -Inseln (Journ. of Bot. 2. p. 280 — 305). Urville
zählt in seiner Flora dieser Inseln 217 sp. II. vermehrt die-
ses Verzeichniss besonders durch Cryptogainen. Die einzigen
Sträucher sind Chiliotrichum amelloides, Empetrum rubrum
und Pernettia empetrifolia , auf der westlichen Insel Veronica
decussata. Das beriihnile Tussakgras {Dactylis caespitosa
Forst. = Festuca fiahdlata Lani.), welches sich in breiten 6'
hohen Rasen über dem Torfboden erhebt, und das mtM. seiner
grossen Nahrungskraft wegen in Irland zu accliniatisiren im
Begriff ist, beschränkt sich doch nur auf geeignete Standorte
und steht an Wichtigkeit fiir die Viehzucht der viel allgemei-
ner verbreiteten, gleichfalls sehr nahrhaften Festuca Alopecurus
Urv. nach, von denen jeder Torfsumpf bedeckt ist.
Die westlich von Cap Hörn gelegene Hermite- Insel ist
der südlichste Punkt, wo H. auf seiner antarktischen Reise
Baumvegetation sah (ib. p. 305). Ein Herbarium von 84 Pha-
nerogamen stianut mit den F'ormen des Feuerlands und der
Falklands überein: der Baum ist Darwin's immergrüne Buche,
zu welcher H. als wahrscheinliche Synonyme ausser den oben
erwähnten noch Fagvs Forsteri Hook, und F. dubia Mirb.
hinzufügt.
Die Wälder von Chiloe vergleicht Darwin (Journ. p. 270)
mit den tropischen an Ueppigkeit ihrer Vegetation. Verschie-
dene immergrüne Arten , namentlich Laurineen und Drimys,
sind gemengt und mit parasitischen Monocotyledonen beladen,
in ihrem Schatten grosse, mannigfaltige Farne und baumartige
Gräser. Diese Vegetation grenzt an der Westküste des Kon-
tinents unter dem 45° S. B. an die einförmigen Wälder, welche
sich hier an der Westseite der Anden bis zum Feuerlande
fortsetzen. Sie verdankt ihren Ursprung in so hoher Breite
der ungemein grossen Feuchtigkeit des Klimas. Es regnet
auf Chiloe im 'Winter, wie im Sommer, und der Reisende
glaubt, es sei kein anderes Land in beiden gemässigten Zonen,
wo so viel atmosphärische Niederschläge fallen. Die Luft-
strömungen sind gewöhnlich stürmisch und der Himmel ist
fast beständig von Wolken bedeckt. Schon in Valdivia än-
dert sich der Waldcharakter merklich (40"), die immergrünen
438 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Bäume nehmen ab und bei Valparaiso (33**), wo den Sommer
hindurch regenloser Südwind herrscht und die atmosphärischen
Niederschläge sich fast nur auf drei Wintermonate einschrän-
ken, giebt es fast keinen Baum mehr.
VI. Australien und oceanische Inseln.
Von den Gallopagos, deren endemische Flora noch fast
ganz unbekannt ist, giebt Darwin eine allgemeine Schilde-
rung des Vegetationscliarakters (a. a. 0. p. 453). Von zahl-
losen Krateren bedeckt, erheben sich die Inseln zur Höhe von
3000' — 4000' und besitzen wegen der eigenthiindich niedrigen
Temperatur des benachbarten Meeres, wiewohl unter dem
Aequator gelegen, kein sehr heisses Klima. An der Küste
regnet es selten, aber die Wolken hangen niedrig an den
Bergen und mit ihnen tritt im Niveau von etwa 1000' au die
Stelle der wüsten Küstenregion eine ziemlich üppige Vegeta-
tion. Die an den Abhängen verbreiteten neuern Laven sind
jedoch ganz pflanzenleer. Sowohl Thiere als Pflanzen deuten
grossentheils auf eine endemische Schöpfung. Die Giewächse
zeichnen sich durch geringe Entwickelung der Blätter aus und
lassen durchaus nicht auf die aequatoriale Lage der Inseln
schliessen. Holzgewächse sind sparsam, in der untern Region
am häufigsten ein Euphorbiaceenstrauch mit kleinen, bräun-
lichen Blättern, ferner eine Acacie und die baumartige Opun-
tia galopagea mit grossen, ovalen, zusammengedrückten Glie-
dern, die aus dem cylindrischen Stamme entspringen; in der
Gebirgsregion ein Synanthereenbaum, sodann Farne und Grä-
ser, aber keine Farnbäume , keine Palmen.
Die Flora der Fidji- Inseln u. s. w. (s. vor. Jahresb.) hat
Bentham nach den Sammlungen von Hinds und Barclay zu
bearbeiten fortgefahren (Journ. of Bot. p. 211 — 240). Dieser
Catalog von nicht völlig 200 sp. scheint jetzt geschlossen und
enthält die neuen Gattungen Vavaea von den Freundschafts-
Inseln (verwandt mit der zweifelhaften Cedrelacee Ixionanthes),
Cardiophora von Neu-Irland (Terebinthacee), Lasiostoma von
Neu-Guinea (Rubiacee), i^iaetosus ebendaher (Apocynee), Leu-
cosmia von den Fidji's (Aquilarinee).
Lhotsky hat einen Versuch gemacht, gewisse Distrikte
Pflanzengeograplne wahrend des Jahres 1843. 439
der Ostkiiste von Australien durch ihre Erzeugnisse zu olia-
rakterisireii (Some data towards tlie Botanica! Geography of
New Holland ib. p. 135 — 141). Er unterscheidet folgende
Formationen: 1) Kiistenvegetation von Sidney südwärts bis
zum lllawarra. Flugsand oder Sandsteinfelsen mit schwacher
Erdkrume: häufig Lagunen von salzigem oder brackischem
Wasser. Von Bäumen nur Eucalyptus; dichte Gebüsche von
Epacrideen, Proteaceen, Podalirieen, Boronia und Comesperma;
socielle Xanthorrhoeen und Xerotes. Diese Gesträuche bilden
fast undurchdringliche Massen und sind zu keinem ökonomi-
schen Zweck zu nutzen. — 2) Bewässerte Felsenthäler längs
der Küste. Dies scheint der einzige Standort für die beiden
Palmen von Neu-Süd-Wales: Corypha australis und Sea/ort/da
elegatis. Hier wächst die baumartige Amaryllidee Doryanthes,
ein Farnbaum {Alsophüa) , die Magnoliacee Tasmania, ferner
einige Malvaceen, Rubiaceen und Callicojria. — 3) Vegetation
des Thonbodens. Diesen bedeckt auf weite Landstrecken der
lichte, durch R. Brown's berühmte Skizze charakterisirte Euca-
lyptus-Wald, der nur wenig Unterholz besitzt, aber trefilichen
Weidegrund von den mannigfaltigsten Kräutern einschliesst.
— 4) Die Vegetation der Minero-Downs begreift die grossen
Weidestrecken längs des Fusses der Blue Mountains. Mit
Ausnahme von HaJcea und Brunonia fehlen die Holzgewächse
auf diesen Ebenen ganz. Im November bekleiden sie sich
mit einer üppigen Frühlingsvegetation, welche in der Sommer-
hitze verdorrt und vom April an eine gelbgefärbte Steppe
zurücklässt: aber die Hauptmasse der Pflanzen besteht aus
Gräsern und Cyperaceen. Auf den Downs, die übrigens von
der Formation des Thonbodens nicht scharf gesondert schei-
nen, beruht die Viehzucht, der Reichthum der Kolonie. — 5)
Vegetation der Blue Mountains. Die obern Abhänge des von
L. bestiegenen Mount William the fourth, auf dessen Gipfel
der Siedepunkt = 196° F. war, sah er mit einem 12' bis 20'
hohen Eucalyptus bedeckt.
Die australischen Gräser der Lindley'schen Sammlung hat
Nees von Esenbeck bestimmt und ausser mehreren neuen
Arten bei diesem Anlass die Gattungen Gamelythrum und
Amphihromus aufgestellt (Journ. of Bot. 2. p. 409 — 420). — =
440 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
lieber die von Preiss am Swaii-River gesammelten Myrtaceen
(178 sp.) berichtet Schauer (Regensb. Flora 1843, S. 405
bis 410). — 8 neuholländische Charen, grösstentheils von
Preiss, beschreibt A.Braun: sie sind sämmtlich ohne äussere
Zellenschicht. (Linnaea. 1843. S. 113--119).
In Vandiemensland erscheint seit 1842 ein Journal (The
Tasmanian Journal of Natural Science, Agriculture etc.) mit
botanischen Beiträgen vonGunn undOolenso. Nach einem
Auszuge des ersten Bandes (Bot. Zeit. 1844. S. 140) hat der
Erstere Bemerkungen über die Flora von Geelong, Port Phi-
lipp, publizirt, der Letztere einige Farne aus Neu- Seeland
beschrieben.
Dieffenbach spricht in seiner neu-seeländischen Reise
über die statistischen Verhältnisse der dortigen Flora (Travels
in New-Zealand. London 1843. — 1. p. 419 — 431). Bis
jetzt sind erst etwa 630 Arten von Neu-Seeland bekannt ge-
worden und diese geringe Zahl rührt nach des Reisenden
Meinung nicht von unvollständiger Untersuchung, sondern von
der Armuth der Flora her, von welcher ihm der grösste Theil
bereits bekannt erscheint. Hauptfamilien: 94 Farne, welche
nicht bloss durch die Mannigfaltigkeit der Formen, sondern
vorzüglich durch die Masse der Individuen den Charakter der
Flora bestimmen, indem die Farnkräuter, als Stellvertreter
für die Gräser anderer Floren, unermessliche Strecken oflfnen
Landes bedecken; 3 Farnbäume {Cyathea meAlullaris und
dealhata, Dicsonia squarrosa^ werden 30' bis 40' hoch und
wachsen auch in grösserer Zahl beisamjnen tief im Walde ; —
24 Gramineen; 20 Cyperaceen; von Junceen Repräsentanten,
unter denen der europäische J. filiformis gesellig und weit
verbreitet eine geringe Stärke urbarer Erdkrume über un-
fruchtbaren Thonschichtan andeuten soll; von Palmen nur
Areca sapida, aber in dichtem Waldungen nicht leicht fehlend;
gewisse Lilienformen für die offnen Gegenden charakteristisch:
Phormium fast xihevtaW,' Dracaena «//j^mZ/y Jungle-Waldung an
Flussufern bildend ; von den Smilaceen Ripog07min parvißorum
Br. , nebst einer Pandanee {Fr ey einet ia Banksii) die häufigste
Liane des Waldes; Orchideen sparsam, jedoch 3 Epiphyten;
Typhu angustifolia bedeckt in der Regel die Sümpfe, wie in
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 441
Europa; 2 Piperaceeii allgemein; 11 Coniferen, unter denen
die wichtigste, die Kaurifichte {Dammara australis) auf die
Nordspitze der nördlichen Insel beschränkt ist und die übri-
gen {Dacrydium, Podocarpus, Phyllocladus), keine geschlosse-
neu Bestände bilden, sondern zerstreut in den Wäldern vor-
kommen; 9 Epacrideen; einige Araliaceen von auffallender
Gestalt {Panax, Aralia Schefleri vi. Si.)\ mehrere Cunoniaceen,
unter denen Leiospermum racemosum grosse Wälder in ganz
Neu-Seeland bildet; 20 Onagrarien; 13 Myrtaceen, sehr ver-
breitete Waldbäume einschliessend (2 sp. Leptospermum, 9
Metrosideros , Eugenia und die auch in Chile einheimische
Myrtus lullata); 6 Pimelea- Arten, aber nur 2 Pro^eaceen
{Persoonia tora und Knightia excelsa; 3 Laurineen: 2 dersel-
ben sind verbreitet und bilden Ufergehölze, Laurus tawa be-
deckt die obere Region der Berge an der Cooks-Strasse; von
den Atherospermeen Laurelia, ein massiger Baum; 12 Scro-
phularineen mit 9 zum Theil strauchartigen Veronica-hvien\
von Cyrtandraceen nur RhaMothaimms Solandri; von den
Myoporineen Avicennia tomentosa, welche die Mangrove-Wäl-
der Neu-Seelands bildet; von Verbenaceen der wichtige Baum
Vitex litoralis, die New-Zealand-oak der Ansiedler.
Die südlich von Neu-Seeland gelegenen Lord-Aucklands-
Inseln (51" S. B.) hat Dr. Hook er mehrere Wochen lang in
der günstigsten Jahrzeit (Nov. Dec.) untersucht und, ohne die
Algen zu rechnen, ein Herbarium von 120 sp. gesammelt.
Die Flora ist, wie auch Dieffenbach anführt, wahrscheinlich
nicht endemisch, sondern von Neu-Seeland abzuleiten. Dafür
spricht der Umstand, dass selbst in dieser hohen Breite noch
wirkliche, wiewohl nur einen niedrigen Stamm bildende Farn-
bäume vorkommen. Ueber diesen gebirgigen Archipel ver-
theilen sich ziemlich gleichförmig Wald, Gesträuchformationen
und offner Weidegrund. Vom Seestrande bis zum Walde
fanden sich besonders europäische Gattungen bei herrschen-
dem Farnkraut, welches auch in den Waldungen sehr zahlreich
ist. Die Bäume des Waldes sind stark mit Unterholz ge-
mischt: die höhern Stämme gehören zu Veronica, einer Ara-
liacee, zu Myrtaceen und Epacrideen und diese Bäume stehen
oft so dicht, dass sie den Boden vollständig beschatten. Die
Archiv i. Naturgesch, X. Jahrg. 2. BiJ. F f
442 Grisebach: Bericht übei- die Leistungen in der
stammbildemlen Farne gehören zu Aspidium. Ueber diesem
Walde folgt eine Gesträuchregion , in welcher der Veronica-
Baum fehlt und die Bestandtheile des Unterholzes in kleinere
Formen nach und nach verkümmern. Ueber dem Gesträuch
folgt eine Gramineenregion , wo die Bergwiesen aus Bromus
und 1 Hierochloa nebst einigen Kräutern , z. B. 2 Umbelli-
feren bestehen, und streng durch verschiedene Vegetation von
tiiesen geschieden, nimmt eine alpine Region die Gipfel der
Berge ein mit europäischen Gattungen und Äcaena. — Cha-
rakteristische Formen : ein sehr geselliger Asphodelus mit gold-
gelben Blumen, Veronica, Gentiana, Coprosma, Dracophyllum,
Astelia u. s. w. — Mit der Flora des Lord-Auckland-Archipel
stimmt auch die benachbarte Campbell -Insel iiberein, sogar
bis .auf die beiden baumartigen Farne (52:^ S. B.), mif ist
die Südwest- oder Wind -Seite des Eilands ganz ohne Holz-
gewächse.
Auf den durch Darwin 's Untersuchungen über die Co-
rallen-Inseln berühmt gewordenen Keeling-lslands (12" S. B.),
welcho von angesiedelten Cocos- Palmen auch den Namen
Cocos - Inseln führen, sammelte jener Reisende einige 20
Pflanzeu, worauf die dortige Vegetation sich beschränkt (Journ.
p. 541). Nach Henslow's Untersuchung gehören 20 Arten zu
19 ver.'jchiedenen Gattungen und 16 natürlichen Familien, so
wie die^e auch säuinitlich von Java oder Neuholland angespült
sind und die Corallenriflfe keine einzige, endemische Art er-
zeugt haben.
Kerguelens-.Land (50" S. B. im indischen Ocean) war
eine lange Wintesrstation auf Dr. Hook er' s Reise (Journ.
of Bot. 2. p. 257 — 263). Er sammelte dort viele Cryptoga-
men und brachte ein Herbarium von 130 sp. zusammen, unter
diesen 30 Lichenen, die in grossen Massen die 2000' hohen
Berge bedecken. Eine Eigenthümlichkeit des Klimas scheint
es möglich gemacht zu haben, dass H. auch die wenigen Pha-
nerogamon grossentheils in bestimmbarem Zustande hat sam-
meln können. Folgende Gattungen kommen vor: Agrostis
und 4 andere Gräser, 1 Juncus, 1 Rmiu?iculus, 1 Callitriche,
1 grosse kohlähnliche ('rucifore, 1 gesellige Umbellifere {Bo-
lax wahrscheinlich), 1 Acacna, 1 Silcnei', 1 Portulacee, Ru-
Pflanzengeographie während des Jahres 1843. 443
biacee und Synantheree und 3 Phanerogamen, deren Verwandt-
schaft ungewiss ist. Ferner von Cryptogamen noch 1 Farn,
2 Lycopodien, 23 Moose meist arktischen Formen entspre-
chend, 10 Jungermannien, 1 Marchantia , 10 Conferven und
39 andere Algen, 1 Pilz. Diese grosse Armuth der Flora
kann nicht als eine Folge des Klimas, welches zwar stür-
misch, aber übrigens nicht so sehr rauh ist, angesehen wer-
den, sondern würde geologisch zu erklären sein.
Die französischen Kupferwerke, welche in Folge der ant-
arktischen Reise Dumont d'Urville's, so wie über die
Expedition des Schiffs Venus herausgegeben werden, enthal-
ten botanische Abtheilungen, sind jedoch der Vollendung
noch fern.
Gedruckt bei den Gebr. Unger in Berlin.