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FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. I'. A. WIEGMANN,
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR GRISEBACH IN GÖTTINGEN, PROF von SIE-
BOLD IN FREIBÜRG, DR. TROSCHEL IN BERLIN, PROF.
A. WAGNER IN MÜNCHEN UND PROF. RUD. WAGNER
IN GÖTTINGEN
HERAUSGEGEBEN
VON
Dr. W. F. ERICHSON,
l'ROPKVSOK AN DER FRIEDRICH- W IJLH EEMS-UN I VERS IT Ä T ZU BERLIN.
E1LFTER JAHRGANG
Zweiter Band.
BERLIN 1845.
N DEB NIGOLAI'SCHEN BUCHHANDLUNG
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säug-
thiere während des Jahres 18i4. Vom Prof. Andr. Wagner
in München 1
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel
während des Jahres 1844. Von Demselben . . . 44
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen in der Naturge-
schichte der Insecten, Araehniden, Crustaceen und Entomo-
straceen während des Jahres 1844. Vom Herausgeber . 67
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Herpetologie wäh-
rend des Jahres 1844. Von Dr. F. H. T rose hei . . 182
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Ichthyologie wäh-
rend des Jahres 1844. Von Demselben . . . . 188
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Helminthologie
während des Jahres 1813 und 1844. Vom Prof. C. Th. v.
Siebold 202
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Wür-
mer, Zoophyten und Protozoen während des Jahres 1843 und
1844. Von Demselben 256
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mol-
lusken während des Jahres 1844. Von Dr. F. IL Troschel 297
Bericht über die Leistungen in der Pflanzengeographie während
des Jahres 1844. Von Dr. A Grisebach . . 329
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Säugthiere während des Jahres 1844.
Vom
Prof. Andr. Wagner
in München.
Tür die beiden Klassen, über welche sich unser Jahres-
bericht erstreckt, einen neuen Schematismus zu entwerfen,
hat J. J. Kaup in seiner „Classification der Säugthiere und
Vögel", Darmstadt 1844, versucht.
Es ist dies eine naturphilosophische Classification nach Oken-
schen Prinzipien mit einigen Abänderungen. „Die heilige Fünfzahl
ist", wie uns der Verf. eröffnet, ,,das noth wendige Ergebniss
seiner Untersuchungen und stützt sich auf die Fünfzahl der Sinne,
die als die Blüthenorgane der fünf anatomischen Systeme zu betrach-
ten sind." Der anatomischen Systeme giebt es, wie er uns weiter
versichert, gerade so viele als wir Sinne haben; ,,alle übrigen, die
Oken bildete, müssen als Unterordnungen von diesen betrachtet wer-
den." Es ist aber „das Aug die Blüthe der Lebensorgane oder Ner-
ven, das Ohr die Blüthe der Athmungsorgane oder Lungen, die Nase
die Blüthe der Erhaltungsorgane oder (!!) Knochen, die Zunge die
Blüthe der Verdauungsorgane oder (!!) Muskeln, die Vermehrungs-
organe die Blüthe der Haut oder Gefühlsorgane." Nach dieser Fünf-
zahl und der Rangordnung der Blüthenorgane wird nun weiter klas-
sifizirt und der Verf. hofft, dass „dem planlosen Systematisiren von
der Zeit an, wo das Richtige dieser Anordnung erkannt wird, ein
für allemal abgeholfen" ist. Ref. würde zwar dem Verf. beistimmen,
wenn diesem es nur beliebt hätte, die Beweise für seine Behauptun-
gen beizubringen. So aber hat er den Nachweis seiner Prinzipien
ganz für sich behalten, und man müsste deshalb hinsichtlich ihrer
Richtigkeit dem Verf. nur aufs Wort hin glauben, wozu in einer
Zeit, die dem Glauben selbst da, wo sein eigentliches Gebiet ist,
keine Berechtigung einräumen will, sich nicht sonderlich viele Na-
turforscher verstehen möchten. Vor der Hand erblicken wir in die-
sem Systematisiren nichts als ein unfruchtbares Fantasiespiel, das
ausser seinem Urheber wohl Niemandem weiter sonderlichen Spass
machen wird. Die Fünfzahl ist für Kaup das Bett des Prokrustes:
Archiv f. Naturgeschichte. XI.. Jahrg. 2, Bdf A
2 An dr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
was zu viel, wird willkürlich verkürzt, und was zu wenig, wird eben
so unbarmherzig gestreckt, so dass allerdings bei solchem Verfahren
der Verf. sich rühmen kann: „bis hieher ist mir noch keine Aus-
nahme vorgekommen, welche die Fünfzahl beeinträchtigt hätte, und
ich fordere die Zoologen auf mir solche nachzuweisen." Sieht man
sich im Einzelnen dieses Schematismus um, so findet man überall
grosse Willkürlichkeit. So z. B. sind Nager, Insektenfresser, Beutel-
thiere, Fledermäuse und Halbaffen in eine einzige Ordnung zusam-
mengeworfen; die Fleischfresser mit den Cetaceen vereinigt; bei den
Vögeln ist die ganze Arbeit von Nitzsch mit ihren grossen Resul-
taten unberücksichtigt geblieben. So gerne Ref. das Verdienstliche
und Bedeutsame von Kaup's palaeontologischen Leistungen anerkennt,
so muss er dagegen die vorliegende Arbeit für eine verfehlte erklä-
ren. Eine weitere Polemik will Ref. bis dahin verschieben, bis die
grossen Sammlungen sich anschicken werden, ihre Säugthiere und
Vögel nach der neuen Classification umzustellen.
Anderer Art ist das „systematische Verzeichniss aller bis
jetzt bekannten Säugthiere oder Synopsis Mammalium nach
dem Cuvierschen Systeme von Dr. Heinrich Schinz. So-
loth. 1844. Ister Band.
Zu Grunde gelegt ist die Anordnung von Cuvier und dieser fol-
gend sind im ersten Bande die Ordnungen der Affen, Handflügler,
Raubthiere und Beutelthiere abgehandelt. Die Anfertigung einer sol-
chen Synopsis kann gegenwärtig keine grosse Schwierigkeit machen,
nachdem des Ref. Arbeiten im Schreberschen Werke vorliegen, fer-
ner von den Beutelthieren die vortreffliche Monographie von Water-
house und von den Robben die von Nilsson erschienen ist. Neues
ist in dieser Synopsis wenig zu finden; selbst die vorliegende Lite-
ratur dürfte mitunter genauer berücksichtigt seyn. So z. B. ist auf
Nilsson's vorzügliche Arbeit fast gar keine Rücksicht genommen,
daher auch bei Schinz die Robben-Arten nicht gehörig gestellt sind.
Phoca proboscidea und cristata, die ihrem ganzen Baue nach not-
wendig nebeneinander gehören, sind an die beiden Enden der Gat-
tung vertheilt worden. Auf Phoca vitulina und caspica folgt unmit-
telbar Ph. barbata und dann erst die Ph. annellata, was ganz verfehlt
ist, da die Ph. barbata durch die Beschaffenheit des Zahnsystemes,
des Schädels, der Schnurrborsten und der Füsse von den 3 andern,
die unter sich höchst ähnlich sind, so auffallend verschieden ist, dass
sie zwischen ihnen gar keine Stelle findet. Die kritische Sichtung,
welche Nilsson bei den Otarien vorgenommen, ist ganz übersehen^
daher hier noch eine Menge Nominalarten figuriren. Bei der Gat-
tung Nasua muss Schinz etwas flüchtig die Beschreibung des Ref.
gelesen haben, indem er angiebt: „Wagner vereinigt die beiden -be-
kannten Arten in eine und sagt, dass der Prinz von Wied und Reng-
ger derselben Meinung seyen, was aber durchaus unrichtig ist." Ref.
Naturgeschichte der Saugthiere während des Jahres 1844. 3
dagegen sagt (Schreb. Suppl. II. S. 166): der Prinz von Neuwied un-
terscheidet als 2te und grössere Art eine Nasua solitaria; — —
Rengger erkennt diese 2te Art an.".
Schreber's Saugthiere, fortgesetzt von Audi*. Wagner.
Supplementband. 4te Abtheilung [Schluss 1844],
Diese 4te Abtheilung bringt den Schluss der Nager, alsdann fol-
gen die Zahnlücker, Einhufer, Dickhäuter und Wiederkäuer. Für
den letzten Band sind bereits die Robben bearbeitet und die Ceta-
ccen folgen nach.
Die geographische Verbreitung der Saugthiere, dargestellt
von Dr. A. Wagner, zweite Abtheilung (Abhandl. der ma-
them. physikal. Klasse der k. bayerisch. Akadein. der Wissen-
schaften IV. Abth. 2).
Die erste Abtheilung schildert, nach Vorausschickung einer all-
gemeinen Einleitung, von der nördlichen Thierzone 2 Provinzen: die
Polarprovinz und die gemässigte Provinz. Die 2te Abtheilung be-
fasst sich mit der dritten oder der gemässigten Provinz von Nord-
Amerika und wendet sich der mittlem oder tropischen Zone zu, de-
ren erste oder südasiatische Provinz sie abhandelt. Der Druck die-
ser Abtheilung ist längst beendigt; ihre Herausgabe wird hoffentlich
noch gegen Schluss dieses Jahres erfolgen können.
Von Blainville's Osteographie ist uns Heft 14 und 15 zuge-
kommen, Hyaena und Manatus behandelnd.
Eine sehr ausführliche vergleichende Schilderung des Schädels
hat Otto Köstlin in seinem Werke: der Bau des knöchernen
Kopfes in den vier Klassen der Wirbelthiere. Stuttg. 1844, geliefert.
Eine rühmliche Erwähnung verdienen die Disquisitiones recen-
tiores de arteriis mammalium et avium auctore L. Barkowio in
den Nov. act. acad. nat. cur. XX. 2 (1844) p. 607.
Mit Auszeichnung ist hier zu nennen die neue Ausgabe von
Gurlt's anatomischen Abbildungen der Haus-Säugthiere, die bis zum
14ten Heft vorgeschritten ist.
Ein sehr interressanter Bericht über die naturwissenschaft-
lichen Anstalten am Rhein wurde in der Isis S. 245 abgestattet.
Er erstreckt sich über die Sammlungen von Strassburg, Mann-
heim, Kaiserslautern, Dürkheim a. d. H., Mainz, Neuwied, Wiesbaden,
Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg, Karlsruhe, Freyburg und Constanz.
List of the Specimens of Mammalia in the British Mu-
seum. Printed by order of the Trustees. Lond. 1843.
Obschon uns bereits die später erschienenen Abtheilungen des
ornithologischen Verzeichnisses zugekommen sind, fehlt uns noch
immer das von den Säugthieren.
De Diergaarde en het Museum van het Genootschap Na-
tura Artis Magistra te Amsterdam. In afbeeldingen voorge-
A*
4 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
steld en beschreven door H. Schlegel. Amsterd. 1842. 209
S. gr. 8. mit 25 Tafeln.
Auf Ansuchen der Direktion des zoologischen Gartens zu Am-
sterdam hat H. Schlegel diese gut gelungene Arbeit unternommen.
Er hat mit glücklichem Takte populäre Darstellung und wissenschaft-
lichen Inhalt mit einander zu verbinden verstanden, so dass dieses
"Werk ebenso angenehm zum Lesen als auch belehrend für den Mann
vom Fache ist. Die Mehrzahl der Abbildungen ist vortrefflich aus-
geführt, und der Westerman'schen Buchhandlung muss man es rüh-
mend zuerkennen, dass sie für eine schöne und solide Ausstattung
bestens gesorgt hat. Nachfolgend genannte Thiere sind in diesem
Thiergarten beschrieben und abgebildet. I. Säugthiere: Sitnia sa-
tyrus, Hylobates leuciscus, Ursus tibetanus, Felis leo, Felis tigris,
Felis Pardus Temm., Felis concolor, Hyaena crocuta, Elephas indi-
ciiSy Cervus tarandus, Antilope gnu, Bos taurus indicus, Halmaturus
derbyanus. — II. Vögel: Vultur fulvus, Aquila fucosa, Stria: bubo,
Phasianus pictus, Stritt hio camelus, Anser aegyptiacus , Pelecanus
onocrotalus. — III. Amphibien: Chelonia viridis, Crocodilus lucius,
Boa constrictor , Naja tripudians , Salamandra maxima.
Vom zoologischen Atlas des auf Staatskosten erscheinen-
den Reisevverkes : Voyage autour du Monde sur la Fregatte
Ja Venus, pendant 1836 — 1839, par Mr. A. Du Petit-
Thouars, sind uns bisher 6 Lieferungen, jedoch ohne Text,
zugekommen.
Von Säugthieren enthalten sie in der 3ten Lieferung: Skelet vom
Ursus f er ox tab. 5, Sciurus aureogaster Fr. Cuv. Var. tab. 10; Sciu-
rus Nebouxii Is. Geoffr. tab. 12, Neotoma floridana tab. 13. — 4te
Lieferung: Cercopithecus Lalandii Is. Geoffr. tab. 1, Procyon lotor
var. tab. 6, Felis albescens Puch tab. 8. — - 5te Lieferung: Sciurus
aureogaster var. tab. 11, Köpfe und Schädel von Nyctipithecus lemu-
rinus und felinus tab. 3, Schädel und Gehirn von Callithrix, Chry-
sothrix und Hapale tab. 2. — 6te Lieferung: Ursus arctos var. camt-
schatk. tab. 4, Felis rufa tab. 9.
Die Spezial-Faunen sind in nachfolgend benannten
Arbeiten behandelt worden:
Moselfauna oder Handbuch der Zoologie, enthaltend die
Aufzählung und Beschreibung der im Regierungsbezirke Trier
beobachteten Thiere, mit Berücksichtigung der Angrenzung des
Moseldepartements und Belgiens, von M. Schäfer, Trier
1844.
Dieser erste Band umfasst die Wirbelthiere, von denen nicht
blos die einfache Aufzählung der Namen und des Wohnortes, sondern
auch eine Charakteristik der Arten und Bemerkungen über ihre Le-
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 5
bensweise mitgetheilt wird, woraus man ersieht, dass der Verf. von
seinem Gegenstand gut unterrichtet ist. Unter den bemerkenswer-
then Säugthieren ist zu nennen der Wolf, der gar nicht selten ist
und in manchen strengen Wintern sich selbst vor den Thoren Triers
zeigt. Vom Jahre 1816 bis incl. 1842 wurden im Regierungsbezirke
Trier nicht weniger als 1550 Wölfe getödtet. Die Wildkatze
kommt ebenfalls vor; der Hamster bewohnt die Gegenden von
Achen; Myoxus nitela und avellanarius sind häufig, glis dagegen sel-
ten. Das Wildschwein ist gemein in den grossen Waldungen;
das Reh ist häufig, aber der Edelhirsch wird immer seltener.
Zweiter Jahresbericht der Pollichia. Neust, a. d. Hardt,
1844.
Enthält ein Verzeichniss der in dem Gebiet der Pollichia vor-
kommenden Naturgegenstände. Der Katalog der Säugthiere und Vö-
gel ist von Spannagel angefertigt; bemerkenswerth ist das Vor-
kommen der WTildkatze und des Hamsters.
Catalogue d'une Faune du departement de la Charente-
Inferieure par Lesson (in den Actes de la Soc. Linneenne
de Bordeaux XII. p. 4). — Ferner Catalogue d'une partie
des animaux vivants dans le dep. de la Charente par A. Tre-
meau de Rochebrune. (Ebenda p. 211).
Dieser Katalog ist hinsichtlich der Verbreitung unserer europäi-
schen Arten bemerkenswerth: Rochebrune hat ihn für den obern
Lauf der Charente, Lesson für den untern geliefert; die kleinen
Arten sind aber von beiden nicht genau untersucht. Ref. theilt beide
Verzeichnisse mit, wobei er bemerkt, dass wo kein Autor am Ende
des Namens bezeichnet ist, Lesson und Rochebrune gemeinschaftlich
die Art anführen; wo ein L. steht, ist die Art blos von Lesson, wo
ein R. beigefügt ist, ist sie blos von Rochebrune angegeben.
Vesper tilio noctula L., serotinus L., pipistrellus, murinus R.,
auritus, barbastellus L. — Rhinolophus unihastatus.
Erinaceus europaeus. — Sorex araneus , fodiens. R. —
Talpa europaea, coeca L. (seltener als die andere).
Meles vulgaris, — Mustela vulgaris, erminea, vison L., foina,
Maries L., putorius, furo (Hausthier). — Lutra vulgaris. — Canis
lupus, vulpes. — Viverra genett a. — Wildkatze kommt nicht
vor. — Phoca vitulina L. (1 Exemplar an der Insel Aix gefangen).
Sciurus vulgaris. — Myoxtis nitela, avellanarius L. — Ar-
vicola amphibius, arvalis. — Mus decumanus , rattus , musculus,
sylvaticus, campestris Fr. Cuv. (mulot des bois Daub.) L. — Lepus
timidus, cuniculus (häufig wild).
Sus scrofa ferus , nur zufällig.
Delphinus santonicus L., pkocaena L. — Balaenoptera
acuto- rostrat a L., borealis L.
6 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Faune meridionale ou description de tous les animaux
vertebres vivans et fossiles, sauvages et domestiques qui se
reiicontrent tonte l'annee ou qui ne sont que de passage dans
la plus grande partie du midi de Ja France. Par J. Crespon.
Montpell. 1844.
Ist mir nur dem Titel nach bekannt geworden.
Die Aufzählung der Säugthiere und Vögel in der Lombardei von
G. Balsam o Crivelli in den Notizie naturali e civili su la Lom-
bardia. Milano 1844, kenne ich nur aus der kurzen Notiz hierüber
in der Isis 1845. S. 469.
Allgemeine Bemerkungen über die Fauna der Ukraine und
der Steppe am Dnieper finden sich in der „Reise im südlichen
Russland von Blasius." IL S. 314 u. 285.
Die Thierwelt der Ukraine ist dadurch ausgezeichnet und reich-
haltig, dass die Arten der mittel- und südrussischen Fauna vereint
hier vorkommen. So wie von der einen Seite Bär und Elenn hier
ihre Südgrenze erreichen, so andere zahlreiche Arten, die mehr dem
Süden angehören , ihre Nordgrenze. Der Hauptstamm besteht nur
aus Thieren, die sich im mittlem Europa nordwärts der Alpen finden.
Das Reh stimmt vollkommen mit unserem überein ; sein Vorkommen
ist auffallend, da man es Östlich bis zum Ural und westlich bis nach
Volhynien und Lithauen nicht antrifft. Myoxus dryas ist hier keine
Seltenheit; von Zieseln kommen mehrere Arten vor, unter denen
Spermophilus guttatus. Arctomys bobac wird häufig gezähmt gehal-
ten. Arvicola glareola ist in den "Wäldern eben so häufig als arva-
lis in den Feldern. Während bis Petersburg im Norden nur eine
einzige Fledermaus vorkommt, zeigen sich hier fast alle Arten
des mittlem Europa's. Unter den Raub thieren ist Mustela sarmatica
charakteristisch. Wenngleich die meisten der charakteristischen Ar-
ten, von denen der Süden und die Steppe belebt wird, erst weiter
nach Süden und Südosten hin auftreten, so hat doch die Fauna des
Südens und der Steppe mit den Spring- und Blindmäusen eben
so bestimmt begonnen, wie im Norden die Polarfauna mit den Lem-
mingen. Die 3 von Nordmann aufgestellten Arten von Spalax kom-
men alle in der Ukraine vor und gehören sämmtlich zu Sp. typhlus.
Wenn man sich im Norden geneigt fühlen könnte , als naturhistori-
sche Grenze zwischen Europa und Asien die Dwina anzunehmen, so
müsste man im Süden das Gebiet der unbebauten Steppe bis zur
Nordküste des schwarzen Meeres, über die Mündung des Dniepr
hinaus nach Westen, zu Asien zählen.
Bericht über die Expedition in das nordöstliche Sibirien
während der Sommerhälfte des Jahres 1843 von Dr. A. Th.
v. Middendorff (Bullet, de la Classe phys. math. de l'Acad.
de Petersb. III. p. 150).
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 7
In diesem höchst interessanten Berichte ist von S. 289 an ein
Verzeichniss der von dem Reisenden beobachteten Säugthiere, Vögel
und Fische, hie und da mit besondern Bemerkungen, enthalten. Im
Taimyrlande wurden beobachtet 2 Arten Lemminge, von denen
später ausführlicher die Rede seyn wird. Arv. oeconomus als einzige
Art dieses Geschlechts, die an der Boganida (71 \°) häufig vorkam,
aber am Taimyr- Flusse bei 73° n. Br. fehlte. Arv. amphibius die
Landplage am Jenissei und der Lena, so weit nur der Anbau von
Feld- und Gartenfrüchten reicht; doch geht sie darüber hinaus, am
Jenissei bis zum 70°. Mus musculus bis nahe an den Polarkreis.
Sciurus vulgaris verirrt sich den Zapfen nach bis an die äusserste
Baumgrenze. Sorex araneus und eine andere noch unbestimmte
wurden unter 71 1° gefangen. Canis lag opus; Canis lupus so weit
Rcnnthiere gehen. Mustela sibirica verschwindet erst innerhalb des
Polarkreises. Ursus aretos und Gttlo borealis machen Streifzüge in
die Tundra. Die Rennthiere stellen jährlich grosse Züge an.
Der Seehund im Meerbusen ist wahrscheinlich Phoca barbata.
Fauna japonica auetore Ph. F. de Siebold. Mammalia
elaborantibus Temminck et Schlegel. Dec. 2 u. 3.
Die zweite Dekade reicht in dem von Temminck gearbeiteten
Texte bis zum Anfange der Beschreibung von Nyctereutes viverrinus;
zugleich liefert sie die noch rückständigen Tafeln mit Abbildungen
von Landsäugthieren. Die dritte Dekade, in welcher Schlegel den
Text verfasst hat, beschäftigt sich blos mit den in den japanischen
Gewässern vorkommenden Ruderfüssern und Wallen, und bringt auch
nur von diesen beiden Abtheilungen Abbildungen.
Verhandelingen over de natuurl. geschiedenis der Nederl.
overzeesche bezittingen. Zoologie. N. 10.
Im Laufe des Jahres 1844 ist uns aus unserer Abtheilung von
diesem schönen Werke nur das lOte Heft bemerkenswert!!, da es die
von S. Müller und H. Schlegel gemeinschaftlich verfasste Be-
schreibung der den indischen Archipel bewohnenden Eichhörn-
chen bringt.
Beiträge zur Säugthier- Fauna von Kaschmir von A.
Wagner in Baron von Hügels Kaschmir IV. S. 567.
Ref. hat, soweit die Materialien zureichten, eine Schilderung der
Säugthier -Fauna von Kaschmir versucht und als neue Arten Mega-
derma spectrum und Herpestes pallidus aufgestellt. Abgebildet sind
Megaderma spectrum, Lepus macrotus und Capra Falconeri.
A. Smith, Illustration« of the Zoology of South Africa.
Lond. 1844.
Von diesem Werke, das überaus langsam vorschreitet, sind im
vorigen Jahre nur 2 Hefte : Nr. 20 u. 21 erschienen.
Untersuchungen über die Fauna Peruana auf einer Reise
g Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
in Peru während der Jahre 1838 — 4842 von Dr. J. J. von
Tschudi. St. Gallen 1844. 2 Lieferungen enthaltend Säug-
thiere.
Eine der bedeutendsten naturhistorischen Reisen, da sie uns über
die Fauna eines Landes Aufschluss giebt, die bisher ausserordent-
lich wenig bekannt war, gleichwohl der Vergleichung wegen mit der
brasilischen ein hohes Interesse erregte. Zum Erstenmale erhalten
wir nun über diese merkwürdige Fauna befriedigende Aufschlüsse
und Ref. gesteht gerne, dass ihm noch wenig Reisewerke so viel
Freude und Belehrung gewährt haben als vorliegendes. Im vergan-
genen Jahre sind hiervon 2 Lieferungen erschienen, welche mit einer
geographischen Skizze von Peru und einer auch in unserm Archive
S. 244 mitgetheilten systematischen Aufzählung aller bis jetzt be-
kannten peruanischen Säugthiere beginnen, worauf dann die Beschrei-
bung der Affen und eines Theils der Handflügler folgt. Die Be-
schreibungen sind mit musterhafter Genauigkeit und scharfer kriti-
scher Sichtung der Arten gefertigt; Lebensweise und geographische
Verbreitung sehr ausführlich berücksichtigt; die Abbildungen getreu
und schön. Die äussere Ausstattung ist gefällig, mit lobenswerther
Vermeidung alles unnöthigen Luxus.
In der Isis S. 83 wurde von einem unbekannten Manne in Suri-
nam eine Uebersicht der in dieser Kolonie vorkommenden Säug-
thiere mitgetheilt, die zwar den wissenschaftlichen Anforderungen
keineswegs entspricht, gleichwohl sehr beachtenswerthe Angaben,
besonders hinsichtlich der geographischen Verbreitung der Arten,
enthält.
Zur Kenntniss der Ueberreste nrweltlicher warmblütiger
Thiere sind mehrere Arbeiten allgemeineren Inhalts erschienen.
Unter dem Artikel Petrefaktenkunde lieferte H. von Meyer (in
der allgemeinen Encykl. der Wissensch. u. Künste von Ersch und
Gruber) eine interessante Uebersicht über die urweltliche Flora und
Fauna mit besonderer Berücksichtigung der Säugthiere.
Eine ähnliche Uebersicht gab Ref. in seiner „Geschichte der
Urwelt", Leipzig 1844 und 45 im 2ten Abschnitte: das Thier- und
Pflanzenreich der Urwelt, wobei er ebenfalls den Säugthieren grös-
sere Aufmerksamkeit widmete.
Traite elementaire de Paläontologie ou histoire naturelle
des animaux fossiles consideres dans leurs rapports zoologi-
ques et geologiques par F. J. Pictet. Geneve 1844. Tom. I.
Mit dieser Arbeit beabsichtigt Pictet ein Lehrbuch der Palaeon-
tologie, doch nur in Bezug auf das Thierreich, zu liefern und man
muss ihm Dank wissen für die vortreffliche Ausführung desselben.
Der erste Band befasst sich mit den urweltlichen Säugthieren und
Vögeln, die sehr gut geschildert sind. Zur Erläuterung sind 18- Ta-
feln in demselben Oktavformat beigegeben.
Naturgeschichte der Säugthierc wahrend des Jahres 1844. 9
A History of British Fossil Mammalia and Birds. By
Richard Owen. Lond. 1844. Part. I— VI.
Eine klassische Arbeit, wie man sie von Owen gewohnt ist. Sie
begnügt sich nicht blos mit einer einfachen Aufzählung der auf den
britischen Inseln vorkommenden urweltlichen Ueberreste von Säug-
thieren und Vögeln, sondern ist reichhaltig an eigenthiimlichen Un-
tersuchungen und kritischer Sichtung der aufgestellten Arten. Im
Laufe des Jahres 1844 sind 6 Hefte erschienen, von denen das letzte
in der Beschreibung von Mastodon angustidens abbricht. Eine Menge
ausgezeichneter Holzschnitte sind zur Erläuterung eingedruckt.
Weiter reicht bereits desselben Verfassers Report on the British
Fossil Mammalia. Part. II. Ungulata im Report of the thirteenth
Meeting of the Brit. Association held at Cork. Lond. 1844. p. 208.
Hier ist die Abtheilung der Hufthiere bereits zu Ende gebracht.
A Catalogue of British Fossils; comprising all the genera
and species hitherto described, vvith references to their Geo-
logical Distribution and to the Localities in which they have
been found. By John Morris. Lond. 1843. 222 S. 8.
Umfasst sowohl die Pflanzen als Thiere, von denen der Species-
name, ein oder das andere Citat, wo die Art beschrieben und abge-
bildet ist, ferner die Gebirgsart und die Lokalität angegeben ist.
Dieser Katalog ist mit grossem Fleisse ausgearbeitet und da die geo-
logische Gesellschaft in London zweimal dem Verfasser zur Bearbei-
tung des vorliegenden Verzeichnisses den Wollastonschen Unterstüz-
zungsfonds zugewiesen hat, so darf man auch von dessen Genauig-
keit überzeugt sein.
Grateloup, considerations gene'rales sur la Geologie et
la Zoologie fossile (!) de la commune de Leognan pres Bor-
deaux (Actes de la Soc. Linn. de Bordeaux. XI. p. 335 u. 344).
Im Meeressandstein, einer Art Molasse, findet man zahlreiche
Knochen grosser Schildkröten aus der Familie der Chelonier, Wirbel
und Rippen grosser Cetaceen, Haizähne von gigantischer Grösse,
Kiefer grosser Delphine und Gaviale und anderer Saurier; hier
kommt auch der Squalodon vor. Die Formation wird für Meeres-
bildung angesehen. — Die Molasse von Fronsadais an den Ufern der
Jlle dagegen ist Süsswasscrbildung. Hier finden sich in Menge Kno-
chen von Landsäugthieren und Süsswasser- Reptilien, als Valaeothe-
rium mag/uirn, medium, crassum und minus und verschiedene Arten
von Emys und Trionyx. Diese Knochen trifft man ohne Meermu-
scheln oder letztere doch nur selten; auch kommen weder Cetaceen
noch Haizähne vor. — Bei Salles hat der Meeressandstein sehr zahl-
reiche fossile Knochen: Mastodon angustidens und minutus zugleich
mit Knochen grosser Cetaceen, als Wallfische, Delphine, Lamantine
u, s. w. Hier wurde auch das humatile Skelet eines Menschen ent-
10 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
deckt, doch war das letztere nicht wirklich fossil, weil es durch
Lagen, jünger als die Meeresformation, durch eine Art Travertin
oder concretionirten Kalk eingehüllt worden war.
In derselben Zeitschrift (Vol. XIII. p. 149) führt Pedroni aus
den Steinbrüchen von Leognan 4 Cetaceen-Wirbel, 2 Fragmente von
Schildkrötenpanzern und ein Stück eines Hirschgeweihes an.
Bei dieser Gelegenheit will Ref. erwähnen, dass F. Robert die
Akademie in Paris benachrichtigte, dass er im Kalkmergel von Alais
fossile Menschenknochen entdeckt habe (lnstit. 1844. p. 195), dass
jedoeh Marcel de Serres bald hernach nachwiess, dass man des
Fundortes derselben nicht versichert sey (Rev. zool. p. 281).
H. v. Meyer hat die fossilen Knochen aus dem Tertiärgebilde
des Serro de San Jsidro bei Madrid , so wie aus den Hohlen im
Lahn-Thale beschrieben (Jahrb. f. Min. S. 289 u. 431), auch über die
Vorkommnisse von Oeningen, Weisenau, Mombach, Flonheim und
Georgensgmünd und etlichen andern Punkten weitere Nachrichten
mitgetheilt (ebenda S. 329 u. 564).
Die Beispiele von angeblichen urweltlichen Fährten hat
King mit mehreren neuen vermehrt (Proceed. of the Academy
of Nat. Sciences of Philadelph. 1844. p. 175).
Diese angeblichen Fährten finden sich in einem grobkörnigen
Sandstein, der ungefähr 800 Fuss unter der höchsten Schicht der
Kohlenformation in der Grafschaft Westmoreland in Pennsylvanien
vorkommt. Zwei solcher Eindrücke sehen aus als wie von Sumpf-
vögeln hervorgebracht und werden von King mit dem Namen Or-
nühichnites gallinuloides und Culbertsonii bezeichnet. Fünf andere
solcher Eindrücke bestehen aus einem grössern rundlichen Ballen,
um den auf die Hälfte oder Zweidrittel seines Umfangs 5 andere
Eindrücke herumstehen, die in zwei Fällen eine lanzettartige, in den
drei andern aber eine unregelmässig rundliche oder ovale Form
haben. Die den beiden ersteren Fällen angehörigen Eindrücke schreibt
King Sauriern zu, denen er den Namen Thenaropus leptodactylus und
paehydaetylus giebt. Ganz ungewiss über die Klasse ist er bei den
andern Fährten, die er auf Digitigraden, einigermassen auf Fluss-
pferde, beziehen möchte; provisorisch will er die Thiere, von denen
sie herrühren sollen, Thenaropus sphaerodaetylus und ovidaetylus
genannt wissen. Ref. gesteht gerne, über diese seltsamen Eindrücke
gar keine Meinung sich bilden zu können. Auf einer andern Sand-
steinplatte fanden sich 12 — 14 sehr deutliche und mehrere undeut-
liche Eindrücke, die King einem Beutelthiere zuschreibt. Vor-
der- und Hinterfüsse sind verschieden, ersterer mit 4 Zehen und 4^
Zoll lang, letzterer mit 5 Zehen und 5^ Zoll lang. An jedem Fusse
ist die eine Zehe wie ein Daumen abstehend. Vorder- und Hinter-
Fährten sind nur durch einen Zwischenraum von ungefähr 2 Zoll
von einander geschieden.
Anleitungen zum Präpariren sind mir zwei bekannt geworden;
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 1 (
Streubel, der Conservator oder Anleitung Naturaliensammlungen
anzulegen und zu erhalten. Berl. — Leven, Anweisung zum Abbal-
gen, Ausstopfen und Conservircn der Vögel, Säugthiere, Fische und
Amphibien. Heidelb.
£ I m i a e.
Simiae catarrhinae. lieber die Zergliederung eines
weiblichen Orang-Utans, der im Garten der zoologischen
Gesellschaft in London starb, theilte Owen einige kurze No-
tizen mit.
Das Thier mochte zwischen 5 — 6 Jahre alt sein und wog 41
Pfund; das Hervorbrechen der bleibenden Zähne war seit einem
Jahre im Fortgange. Die Laryngealsäcke reichten bis zu den Schlüs-
selbeinen und der Schultergelenkung. Owen erhielt Eier von meh-
reren Graafschen Bläschen, von denen eines zwei Eier fasste; sie
gleichen sehr den menschlichen und haben eine dicke durchschei-
nende Dotterhaut, welche die kleinen körnigen Contenta und Keim-
bläschen enthält; ihr Durchmesser beträgt ^^ Zoll.
Unter dem Namen Cercopithe cus Sama?igo hat Wahl-
berg eine neue Art Meerkatzen aufgestellt (Hornschuch , Ar-
chiv skandinav. Beitr. z. Naturgesch. I. S. 179).
Sie gehört unter die grössten Arten und wird folgendermassen
charakterisirt: „C. cinereus; pilis flavescente variegatis, capite nigro,
pallide punctato, absque fascia frontali pallescente; brachiis
totis nigris. — Mas adultus longitudine ad basin caudae 0n),59; cau-
dae longit. 0,77. Facies nigricans genis totis dense pilosis, colore
corporis. Labium superius usque ad nasum et inferius cum mento
sparse albidopilosa; macula ante genas nigra. Aures intus et mar-
gine albidopilosae. Gastraeum pallescens. Pili gulae et juguli la-
nati, densi , breves, albidi. Antipedes tantum in antica humerorum
parte variegati. Pedes posteriores extus obscure cinerei, albido-va-
riegati. Manus omnes nigri. Cauda a basi ad medium albida, linea
superiore fusca; dein sensim nigra. — Femina parum minor, simi-
lis mari." — Von Wahlberg in Haufen zu Amazulu im Kaffernlande
einwärts von Port Natal gefunden.
Ueber den bums sinicus theilte Tenipleton (Ann. of
nat. bist. XIV. p. 361) nach Beobachtungen an Ort und Stelle
gute Bemerkungen mit.
Findet sich allenthalben in den westlichen und südlichen Küsten-
provinzen von Ceylon und ist vom Toque (Inuus radiatus) leicht zu
unterscheiden durch die helle Lohfarbe (tan hue) des Gesichts und
den schwarzen Rand der Unterlippe. Die Verschiedenheiten nach
Alter und Geschlecht werden genau geschildert.
12 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Sintiae platyrrhinae. J. v Tschudi hat in Peru
9 Gattungen von Affen mit 20 Arten nachgewiesen (Fauna
pernana S. 23).
Alle diese Affen sind auch durch andere Länder Südamerikas ver-
breitet, jedoch kann man mehrere als eigenthümlich für Peru fest-
stellen, weil sie ihr Maximum in diesem Lande erreichen und sich
so zu sagen von ihm aus weiter verbreiten. Hierher rechnet Tschudi
besonders Lagothrix Humboldti nebst Ateles ater und marginatus,
welche sich von Peru nach Norden und Osten nach den angrenzen-
den Ländern hin erstrecken; die übrigen Arten kann man aber von
diesem aus eingewandert betrachten.
Von Ateles führt v. Tschudi in seiner Fauna Peruana
4 Arten auf: A. marginatus, ater, paniscus und pentadactylus.
Den A. marginatus hat er nur einmal gesehen, den A. ater desto
häufiger. Bei letztcrem geht die Gesichtsfarbe vom tief Schwarzen
bis zum Kupferfarbigen über und lässt sich dann schwer von A. pa-
niscus unterscheiden. Als Unterscheidungsmerkmale giebt Tsch. für
A. ater an: Augen weiter auseinander stehend, Schnautze mehr ab-
gerundet, die 5 Extremitäten im Verhältnifs zum Körper viel länger,
Leib schlanker, Pelz intensiver schwarz. Diese Merkmale, die in
Sammlungen kaum wieder aufzufinden sind, würden mich nicht ab-
halten auf der Vereinigung von A. ater und paniscus zu bestehen,
wenn nicht Tsch. beifügte, dass bei ersterem die Jungen von Geburt
an schwarz, bei letzterem dagegen schmutzig olivengrün sind. —
Nach einem im Weingeiste aufbewahrten Exemplare, das an der rech-
ten Vorderhand keinen Daumen, wohl aber an der linken besitzt,
hatte ich A. paniscus und pentadactylus mit einander vereinigt, wras
jedoch Tsch. nicht gelten lässt, weil beide verschiedene Verbrei-
tungsbezirke hätten, ihm auch nie ein ähnlicher Fall vorgekommen
wäre, daher er die Vermuthung aufgestellt, jenes Exemplar mochte
erst durch Verletzung den einen Daumen verloren haben. Dies ist
nun freilich nicht der Fall, wie aus der Besichtigung der rechten
Vorderhand hervorgeht; der Daumenmangel derselben ist ein ange-
borner. Gleichwohl will ich jetzt auf diesen Umstend nicht mehr
so viel Gewicht als früher legen, seitdem ich aus Tsch. Angaben
weiss, dass beide Klammeraffen sehr verschiedenartige Verbreitungs-
bezirke haben, was mir auch von Natterer schon früherhin be-
merklich gemacht wurde, indem er zwar auf seinen Reisen den
A. paniscus, aber niemals den A. pentadactylus antraf.
Von Lagothrix unterscheidet Tschudi gleich dem Re-
ferenten nur 2 Arten, deutet aber die Synonymie anders.
Die L. cana Geoffr., hält Tsch. nach Vergleichung des pariser
Exemplares, nicht für identisch mit Gastrimargus olivaceus Sp.,
sondern mit dessen G. infumatus. Wenn dies richtig ist, so wäre
sowohl der Name als die von Geoffroy und Desmarest gelieferte Be-
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 13
Schreibung ihres L. cana völlig unrichtig, da L. infumata eine ganz
andere Färbung hat. Um bis zur definitiven Erledigung dieser Be-
denklichkeiten keine Verwirrung zu veranlassen, behalte ich für
letztere den von Spix gegebenen Namen bei, während sein Gastri-
margus olivaceus unbedenklich als L. Humboldti, wie sie jetzt Tsch.
beschreibt, zu bezeichnen ist.
Aus Peru führt uns derselbe Reisende 3 Arten von Brüll-
affen auf, nämlich Mycetes stramineus , rufimanus und flavi-
caudatus.
Ich hatte diese 3 Arten mit dem Caraya vereinigt, weil sie sämmt-
lich sehr mangelhaft und nur nach dem einen und andern Individuum
bekannt waren. Nachdem ich jedoch von Natter er erfahren, dass
er in ganz Brasilien nie ein Exemplar gesehen, das mit dem in unse-
rer Sammlung aufgestellten M. stramineus übereinkäme, so betrach-
tete ich es seitdem als Repräsentanten einer eigenthümlichen Art.
Ebenso erfuhr ich von Natterer, dafs der bisher nur in einem Exem-
plar gekannte M. rufimanus häufig von ihm in Truppen gefunden
worden sei und dass Weibchen und Junge nicht wie beim Caraya
gelb, sondern gleich dem Mannchen kohlschwarz sind. Hierdurch
sehe ich mich genöthigt auch den 31. rufimanus als eigne Art auf-
zustellen. Für Anerkennung beider Arten spricht sich nun auch Tsch.
aus; von M. stramineus hat er übrigens nur ein Exemplar beobach-
tet, bei M. rufimanus hat er ebenfalls die Weibchen schwarz gefun-
den, von den Jungen sagt er nichts. Ob er den M. flavicaudatus
selbst im Freien beobachtet, findet sich nicht angegeben; seinem
Verbreitungsbezirke nach, dürfte er allerdings als eigenthümliche Art
angesehen werden.
In der sehr schwierigen Gattung Cebus unterscheidet
v. Tschudi 3 Arten für Peru.
Sie sind der C. robustus Neuw. , capucinus und albifrons, von
denen die spezifische Berechtigung des ersteren mir noch immer
zweifelhaft bleibt. Gelegentlich bemerke ich, dafs ich ausser dem
C. hypoleucos nun auch nach Vergleichung mehrerer von Nattcrer
mitgebrachten Exemplare den C. gracilis Sp. als besondere Art ab-
sondere; ebenso den C. xaiithosternus Neuw. (xanthoeephalus Sp.),
der nur den Küstengegenden anzugehören scheint, so wie einen C.
nigrivittatus , den Natterer vom obern Rio branco mitbrachte. Nur
genaue Ermittelung der Verbreitungsbezirke dieser Affen kann uns
dazu helfen, sie in Arten oder doch wenigstens in constante lokale
Varietäten zu trennen; in Sammlungen ohne genaue Angabe der Fund-
örter bleibt man auf blosses Rathen angewiesen. Mit den Rollaffen
werden wir übrigens noch lange zu thun haben, bis ihre Arten fest-
gestellt sind.
Aus der ziemlich artenreichen Gattung von Callithrix
14 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
hat v. Tschudi nur 2 Arten in Peru gefunden: C. personata
und amicta.
C. nigrifrons Sp. sieht Tschudi nur für ein altes Individuum von
C. personata an, worin ich ihm jedoch, nach Vergleichung von 14
unter sich ganz übereinstimmenden Exemplaren, wovon Natter er
13 mitbrachte, nicht beipflichten kann. Im Gegentheil sehe ich jetzt
C. nigrifrons , nachdem ich besser mit ihr bekannt geworden bin,
für eine eigenthümliche Art an, welche den südlichen Provinzen Bra-
siliens eigentümlich ist und charakterisire sie durch folgende Dia-
gnose: C. brunescens; taenia frontali lata manibusque nigris. An
ihre Stelle tritt im nordöstlichen Brasilien C, Gigot Sp., sordide
canescens, stria angusta frontali manibusque nigris. Unsere Exem-
plare und die beiden im Wiener Museum stammen von Bahia und
sind unter sich ganz gleich, so dass C. Gigot als eigenthümliche Art,
oder doch wenigstens als constante Varietät von C. nigrifrons ange-
sehen werden muss. C. melanochir , den ich aus Autopsie nicht kenne,
da ihn weder die bayerischen, noch die österreichischen Reisenden
gefunden haben, unterscheidet sich von den beiden andern durch den
kastanienbraunen Unterrücken. Von allen diesen, wie von C. per-
sonata spezifisch verschieden, ist C. cinerascens Sp. sowohl durch
geringere Grösse und kürzere Behaaruug als durch seinen Verbrei-
tungsbezirk an der peruanisch -brasilischen Grenze. Man kann ihn
folgendermassen charakterisiren: C. cinerascens, dorso dilute fer-
rugineo-brunescente, manibus griseis, cauda nigricante; statura
C. cupreae.
Chrysothrix und Nyctipithecus werden von v. Tschudi
aus Peru angeführt, doch hat er selbst keine Art dort beobachtet.
Von den Schweifaffen hat er daselbst nur Pithecia satanas ge-
funden; von Seidenaffen Midas rufimanus, labiatus und chry-
somelas. — Von Basale rufiventer hat J. E. Gray in der Zoolygy
of the voy. of Erebus N. 4 Tab 18 eine Abbildung geliefert.
Martin St. Ange hat am Fötus eines Seidenaffen gefunden,
dass die Placenta aus zwei gleich grossen Kuchen besteht, die ein-
ander gegenüber liegen und durch eine ohngefähr 2 Centimetres breite
Zone des Chorions getrennt sind (Rev. zool. p. 73).
Vrosintii, Bydragen tot de kennis van de Lemuridae
or Prosimii door J. van der Hoeven (Tijdschrift voor na-
tuurl. geschied. XI. p. 1).
Unter diesem Titel hat van der Hoeven eine Monographie der
Halbaffen geliefert, deren Arten-Auseinandersetzung noch immer nicht
im Reinen ist, wozu er aber werthvolle Beiträge geliefert hat. Er
giebt folgenden Conspectus der Arten:
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 15
I. Unguis indicis podariorum solus incurvus subulatus.
A. Dentes incisivi tt, canini y, molares -^-. Le-
in ur Geoffr.
Tarsus non elongatus; cauda longissima undique pilosa; auricu-
lae breves rotundatae.
a) capite elongato, rostro acuto.
LEMÜR Auct.
*) Cauda albo nigroque annulata: 1. L. catta.
**) Cauda unicolore, corpore subtus nigro: 2. L. ma-
caco. — 3. L. ruber.
***) Cauda unicolore, abdomine dilutiore: 4. L. mon-
gox L.; griseo bruneus, genis et collari flavescentibus (Mongous Fr.
Cuv.). — 5. L. mgrifrons Geoffr.-, rufo griseus, nucha humerisque
eanis, gula alba, fascia nigra transversa frontali. — 6. L. bruneus
Hoev. (L. fulvus Geoffr., L. mgrifrons Fr. Cuv.); griseo-bruneus,
abdomine dilutiore, flavescente, facie tota nigra. — 7. L. albifrons
Geoffr. — 8. L. rufus Geoffr. — 8. L. coronatus Gray. —
10. L. rufifrons ßenn.
b) capite abbreviato, spatio interorbitali nasoque
c o n v e x i s.
CH1ROGALEÜS Geoff.
11. Lemur griseus Geoffr. (Audeb. Mki Fig. 7); griseo-bruneus,
infra pallide cinereus, cauda corporis longitudine. — 12. Lemur
(Chirogaleus) MUH Geoffr. (Myspithecus typicus Fr. Cuv.)
STENOPS Jllig.; tarsus non elongatus; cauda nulla aut brevis-
sima; auriculae breves rotundatae; oculi magni opproximati.
a) Cauda nulla: 1. St. gracilis.
b) Tuberculum caudale brevissimum: 2. St. tardigradus. — 3. St.
javanicus.
PERODICTICUS; tarsus elongatus; cauda brevis; manus indice
brevissimo; auriculae breves rotundatae; oculi laterales.
1. P. Potto.
OTOL1CNÜS; tarsus elongatus, cauda longissima; auriculae
nudae magnae.
1. O. galago. — 2. 0. Allem. — 3. 0. crassicaudatus. — 4. O.
madagascariemii (Microcebus Geoffr.)
4 1 5
B. Deutes incisivi -^, canini y, molares -E-,
L1CHANOTÜS.
a) Cauda brevissima: 1. Lichonotvs Indri.
b) Cauda elongata: 2. L. Avahi (Habrocebus lanatus).
PROP1THECÜS.
1. P. diadema.
16 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
II. Ungues digili 2 et 3 podariorum incurvi subulati.
TARS1ÜS spectrum.
Abgebildet sind auf Tab. 1 die Schädel von Chirogaleus griseus,
Lemur albifrons , Perodicticus Potto, Stenops gracilis, Lichanotus
lndri und Avahi, Tarsius spectrum. Auf Tab. 2 ist die Abbildung
von Perodicticus Potto und auf Tab. 3 die von Lichanotus Avahi
gegeben.
Der innere Bau der Loris ist durch eine umfassende
anatomische Untersuchung von Vrolik erläutert worden.
Sie ist aufgenommen in die Nieuwe Verhandelingen der erste
Klasse van het K. Noderl. Instituut van Wetenschappen te Amster-
dam. X (1843) p. 75. V. untersuchte zunächst den Stenops tardigra-
dus im frischen Zustande, ausserdem aber noch den St. gracilis und,
wie er angiebt, den St. javanicus; bei allen fand er grosse Ueber-
einstimmung im innern Bau, irn Gegensatz zu Seh öder van der
Kolk, der von letzterer Art erhebliche Differenzen angeführt hatte,
die V. auf Rechnung des jugendlichen Zustandes und des langen Lie-
gens in Weingeist von dessen Exemplar bringt. — Die Hemisphären
des grossen Hirns bedecken nur die vordere Partie des kleinen Hirns;
die Furchen sind nicht zahlreich und die Windungen zeigen grosse
Symmetrie. Die Vierhügel bestehen nicht, wie Sehr, angegeben hatte,
blos aus einem, sondern aus 2 Paaren. An der Zunge ist das Merk*
würdigste eine halb knorpelige, halb häutige Scheibe, die auf der
Unterseite und nicht weit von der Spitze der Zunge angebracht und
mit feinen Zacken geendigt ist; V. fand diese Scheibe bei allen 3 Arten.
Die rechte Lunge hat 4, die linke 2 Lappen. Ausführlich beschreibt
V. die bekannten Gefässgeflechte in den Extremitäten, die nicht blos
von den Arterien, sondern auch von den Venen gebildet sind. Die
Einschnürungen des Darmkanals, welche Sehr, von St. javanicus an-
gegeben hat, so wie das Vorkommen eines besondern Wurmfort-
satzes, bestreitet V. für alle 3 Arten. Die dünnen Därme fand er
durchgängig von fast gleicher Weite, ausgenommen, dafs sie sich
etwas erweiterten, um sich im Dickdarm fortzusetzen; der Blinddarm
endigt sich in eine stumpfe, etwas verlängerte Spitze, die sich nicht
plötzlich, wie es ein Wurmfortsatz thut, zusammenzieht, sondern
von gleicher Weite mit dem Darme ist. Sehr ausführlich werden
zuletzt noch das Knochen- und Muskelsystem beschrieben. Drei
schöne Tafeln sind zur Erläuterung beigegeben; auf der ersten ist
Fig. 1 eine kolorirte Abbildung des Kopfes von St. tardigradus im
frischen Zustande mitgetheilt.
Den tadelnden Bemerkungen Vrolik's liess Schröder
van der Kolk eine Antwort in der Tijdschr. voor natuurl.
gesch. XL (1844) p. 123 folgen.
Während Sehr, zu seinen frühern Untersuchungen nur ein Jugend-
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 17
liches, überdies langein Brantwein aufbewahrtes Exemplar von Sten-
ops javanicus hatte benutzen können, erhielt er diesmal den fri-
schen Rumpf eines erwachsenen Thieres der nämlichen Art dazu.
An demselben zeigte sich aber in Bezug auf die Eingeweide das näm-
liche Verhalten wie am Jüngern Exemplare: dieselben Darmein
schnürungen, ein langer wurmfö'rmiger Fortsatz und eine Verenge-
rung des Dünndarms gegen seine Einmündungstelle. Man darf nur
die beiden scheinen Abbildungen Schröders von den eben erwähnten
Theilen des Darmkanals mit denen Vroliks vergleichen, um die auf-
fallende Differenz zwischen beiden mit einem Blicke wahrzunehmen,
und man wird alsdann wohl der Meinung v.on Sehr, beitreten müssen,
dass V. gar keinen St. javanicus vor sich hatte, sondern ein Exem-
plar von St. tardigradus hierfür ansah. Die Abweichung in den An-
gaben ist also nicht Beobachtungsfehlern, sondern der Artverschie-
denheit zuzuschreiben. Diese Differenzen ergeben sich auch noch in
andern Momenten; so z. B. ist bei St. javanicus die linke Lunge in 3,
bei St. tardigradus blos in 2 Lappen getheilt; ferner ist die Leber
bei letzterem in 2 Lappen gespalten, wovon nur der rechte in 3 Läpp-
chen zerfällt, während der linke ungetheilt ist, dagegen ist bei St.
javanicus der rechte Lappen in 5 und der linke in 3 Läppchen ge-
theilt. Zu den äussern Unterschieden zwischen beiden Arten kom-
men demnach noch erhebliche innere hinzu. Schliesslich ist zu be-
merken, dass Sehr, ebenfalls den plexus sacralis in den Blutgefässen
aufgefunden hat und dass auch hier der plexus venosus anwesend ist.
Templeton lieferte in den Ann. of nat. hist. XIV. p. 362 einige
Bemerkungen über in der Gefangenschaft gehaltene Individuen von
Stenops gracilis. Er ist sehr gemein im Flachlande auf der Ost-
und Westseite von Ceylon und ausser ihm kommt keine andere Art
von „Stenopidae" daselbst vor.
Chiroptera,
J. v. Tschudi entwirft in seiner Fauna pernana S. 57
von dieser Ordnung- folgendes Schema:
1. Tribus Istiophora. II. Tribus Anistiophora.
A. Dentibus m olaribus tub erculatis.
I. Sectio. Ch. pentadaetyla.
a) indice completo.
vacat. 1 Farn. Pteropina.
B. Dentibus molaribus cuspidatis.
b) indice incompleto.
2. Farn. P/>t/l!ostomina. 3. Farn. Noctilwm'na.
II. Sectio. Ch. tetradaetyla.
4. Farn. Rhinolophina, 5. Farn. Vespcrtilionina.
Die durch Cuming von den Philippinen mitgebrachten Handflüg-
ler wurden von Waterhouse bekannt gemacht (Ann. of nat. hist.
XIII. p. 302). — In der Zoology of the voy. of Erebus N. 4 hat
Archiv f. Naturgesch, XI. Jahrg. 2. Bd. ß
18 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
J. E. Gray die Abbildungen (ohne Beschreibung) von Scotophilus
Gouldii, moiio , pnmilus und Greyi'i, Nyctophilus Geoffroyii und ma-
jor, Mystacina tuberculata und Molossus norfolcensis mitgetheilt.
Mttiophora» Von Phyllostoma stellte v. Tschudi
a. a. O. 2 neue Arten aus Peru auf: Ph. erythromos und opo-
raphilum.
1. Ph. erythromos (Tab. 1); „supra brunescens, subtus ex
fusco canescens, intra scapulas et'auriculas pilis elongatis densis fer-
rugineo-rufis ; prosthemate lanceolato." — 2. Ph. oporaphilum
(Tab. 2); „supra ex fusco canescens, lateribus uropygioque obscu-
rioribus; subtus albido-canum. "
Die Gattung Glossophaga wurde von demselben Natur-
forscher in seiner Fauna peruana in 2 Untergattungen: Glos-
sophaga und Choeronycteris Licht, getheilt.
a) Glossophaga; „dentes incisores superiores contigui, medii
majores; lingua apice utrinque fimbriata, longissima, extensilis; cauda
distincta; patagium anale magnuin vel imperfectum." — Typus:
G. amplexicaudata.
b) Choeronycteris; dentes incisores superiores parvuli, per
paria dispositi, lacuna intermedia distincti, compressi, hebetes, medii
minores; rostrum tenue, valde productum; lingua mollis, subglabra,
haud fimbriata; cauda nulla. — Hierher stellt Tsch. 2 neue Arten:
1. Ch. peruana (Tab. 3 Fig. 1 — 2); „supra saturate fuliginoso-
fusca, pilis basi albidis apice fuscisj subtus bruneo-canescens, pilis
basi canis apice bruneis; prosthemate parvo, trigono-lanceolato;
alis nigris; antibrachio longitudinis usquam ad dimidium piloso; pa-
tagio interfemorali nullo; unguibus bruneo-flavescentibus." Am Ost-
abhange der peruanischen Cordillera. — 2) Ch. mexicana (Tab. 3
Fig. 3); ,, supra bruneo-canescens, subtus dilutior, alis fuscis; pros-
themate elongato triangulari; patagio interfemorali lato, brevi,
exciso; unguibus nigris." Aus Mexiko. — Ref. macht bemerklich,
dass nach seinen Untersuchungen zu dieser Untergattung auch G.
ecaudata gehört.
Macrotus ist eine neu von J. E. Gray in den Ann.
of nat. bist. XIII. p. 68 aufgestellte Gattung oder vielmehr
Untergattung der Blattnasen.
Sie kommt am meisten mit der Untergattung Macrophyllum
überein, unterscheidet sich aber dadurch, dass das letzte Schwanz-
glied über den Rand der grossen Schenkelflughaut vorsteht. Ein
anderer Unterschied ergiebt sich aus der auffallenden Grösse der
Ohren und ihrer Vereinigung auf dem Scheitel. — Als neue Art ge-
hört hierher M. Wat erhousit: „colore murino, abdomine palli-
diore, prosthemate lanceolato." Körper 2|", Schwanz 1" 2"', Ohren
V 2"'. Von Hayti. Auch auf Jamaika ist die Gattung Macrotis ge-
funden worden (Ann, of nat. hist. XIII. p. 224).
Naturgeschichte der ßäugthiere wahrend des Jahres 1844. 19
Zu Megaderma sind 2 neue Arten hinzugekommen.
1) M. spectrum Wagn.; supra schistaceo-cinereum, subtus
albidum; prosthemate verticali , mediocri, ovali; trago lanceolato,
intus appendicula ovata aucto; unguibus albidis." Von Kaschmir
(Baron v. Hiigel's Kaschmir IV. S. 569 mit Abbild.)— 2) M. philippi-
wenfeWatcrh.; ,, supra cinereo-fuscum, subtus cinereum; prosthemate
verticali fere ovali, ad apicem subtruncato, horizontali paulo minori,
cordiformi; auribus permagnis; trago elongato, attenuato, acuto, ad
basin antice lobo mediocri acuto instructo." (Ann. of nat. hist.
XIII. p. 304).
Gymnorhina. Chüonycteris ist durch Gray mit einer
Art vermehrt worden:
Ch. fuliginosus-, „supra fuliginosus, fusco-tinctus, subtus
fuscescens, gula femoribusque ad basin rufescentibus; auribus elon-
gatis, attenuatis, acutis." Von Hayti (Ann. of nat. hist. XIII. p. 68).
Weitere Erläuterungen von seiner Gattung Pkyllodia gab
ebendaselbst (S. 224) Gray und charakterisirte die einzige
bekannte Art:
Ph. Parnellii; „auribus magnis subacutis; vellere cinerascenti-
fusco, pilis ad apicem obscurioribus." Von Jamaika.
Den ansehnlichsten Zugang haben die Kammnasen er-
halten :J
1) Rhino lophus gtgas Wagn. „maximus, fuliginosus, capite,
dorsi lateribus gastraeoque albidis; auriculis elongatis augustis; cauda
brevi." Aus Benguela (vergl. unser Archiv 1845 S. 148). — 3. Rh.
Mart ini Fräs., ausgezeichnet dadurch, dass der Hautapparat der
Schnautze der Länge nach getheilt ist. Von Westafrika (Ann. of
nat. hist. XIII. p. 73). — 3) Rh. pygmaeus Wat.; „prosthemate
superiore semicirculari; corpore supra nigricante (pilis ad basin albe-
scentibus), subtus cinerascente; auribus acutis ad latus exterius di-
stincte emarginatis. — 4) Rh. philippin ensis Wat., nahe mit
Rh. euryotis verwandt, aber durch die viel beträchtlichere Grösse
des accessorischen Ohrlappens und die abgestutzte Form des vor-
dersten der Nasenblätter verschieden. Beide letzte Arten von den
Philippinen (Ann. of nat. hist. XIII. p. 303).
Nilsson zeigte, dass Linne's Vespert Mo murinus der Neueren
V. discolor ist (Förhandl. vid de skand. Naturf. 1843 p. 436; Isis
1845 S. 436).
Insectivora»
Temminck hat in der Fauna japonica, mammal. dec. 2
seine Beschreibung der japanischen Spitzmäuse beendigt.
Er charakterisirt den Sorex indicus , S. Dsi-Se%ii?ni und S. n?n-
brinus, deren beide erstcre auch abgebildet sind. Bei S. indicus
B*
20 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
bemüht sich T. um Sichtung der sehr verworrenen Synonymie und
macht die Bemerkung, dass man in den systematischen Verzeich-
nissen den S. myosuros von Pallas ganz unterdrücken müsse, weil
er nur auf ein Albino-Exemplar einer der 4 grossen Arten, die ge-
genwärtig unter den Namen S. giganteus, serpentarius , indicus und
crassicaudatus bekannt sind, begründet sei. In dieser Beziehung hat
sich jedoch Temminck geirrt, wie die von Pallas oder mir gelie-
ferte Beschreibung von S. myosuros ausweist, Sein S. indicus ist
identisch mit S. myosuros und letzterer Name, als der ältere, daher
beizubehalten.
A. Smith giebt in seinen Illustrations of the Zoology
of South Africa N. 21 und 22 die Beschreibungen und Abbil-
dungen von 4 südafrikanischen Arten der Spitzmäuse.
Drei von diesen Arten: Sorex capensis Geoffr. , S. ßavescens
Geoffr. und S. varius S m u t s sind schon bekannt; die 4te S. mari-
quensis ist von Smith neu aufgestellt und gehört zur Unterabthei-
lung Crocidura; ihre Oberseite ist bräunlichroth, die Unterseite von
derselben Farbe, nur lichter und mit perlgrauem Anfluge; Haare am
Grunde graulichschwarz. Körper 3" 4"', Schwanz 1" 10'". — Es wäre
zu wünschen, dass die Diagnosen bei Smith genauer und sprachrich-
tiger abgefasst wären und dass insbesondere die Farbenzeichnungen in
beiden Sprachen in bessere Concordanz kämen. So z. B. heisst es
bei ihm von S. flavescens auf der Oberseite broccolibrown, distinctly
tinted with light yellowish-brown , was in der lateinischen Diagnose als
rufo-flavus gegeben wird; ferner die Unterseite heisst im Englischen
wood-brown, im Lateinischen flavo-cinereus, so dass man nach der
Diagnose fast auf eine andere Art als die in der Beschreibung ge-
meinte schliessen dürfte.
Die europäische Fauna hat durch Nilsson einen Zuwachs
an einer neuen Spitzmaus -Art, Sorex pu?nilus, erhalten
(Hornschuchs Archiv, skand. Beitr. I. S. 145).
Dieser S. pumilus ist noch kleiner als S. etruscus und gehört
2u derselben Gruppe wie S. vulgaris L. Schwanz dünn, mit länge-
ren Haaren belegt, zwischen welchen keine kleineren vorkommen
und endigt mit einem spitzen Haarpinsel. Kopf beinahe so lang als
der ganze übrige Körper. Farbe oben rostgraubraun, unten weiss.
Körper 1" &%'" schw. M.; Schwanzrübe 1" 2%///. Bis jetzt nur in
einem einzigen Exemplare im nordöstlichen Schonen gefunden. In
dieser Provinz ist nunmehr auch S. pygmaeus wahrgenommen wor-
den und Nilsson vermuthet, dass bei weiteren Vergleichungen sich
selbst ergeben könnte, dass die für S. rusticus angesehene Spitzmaus
aus Jemtland als S. pygmaeus zu erklären wäre.
Palaeospalax ist eine Gattung, die .von Owen auf
einen fossilen Unterkiefer begründet wurde. (Hist. of Brit.
foss. mammal. p. 25).
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 21
Er wurde mit Ueberresten vom Mammuth, Hirschen und Rehen
an der Küste von Norfolk gefunden, zeigt die nächste Verwandtschaft
mit den Würfen, ist aber so gross wie der eines Igels. Owen be-
zeichnet ihn als P. magnus.
Auf einen andern fossilen Unterkiefer von Hordwell hat Wood
eine Gattung urweltlicher Insektenfresser, die er Spalacodon nennt,
begründet, von der mir jedoch bis jetzt nichts weiter als der Name
bekannt ist (Ann. of nat. hist. XIV. p. 350).
L. Jacobson theilte einige Beobachtungen über die Verände-
rungen mit, welche bei der Trächtigkeit und dem Gebären, wie auch
nach denselben, in der Symphysis ossium pubis beim Igel vorgehen
(Förhandl. vid de skand. Naturf. Stockh. 1843. p. 704; Isis 1845 S. 459).
Carnivor a.
TTrsina, Von einer Albino- Varietät des Ursus arctos
aus den Pyrenäen hat Bazin Nachricht gegeben (Actes de la
Soc. Linn. de Bordeaux XIII. p. 143 mit Fig.).
Wurde 1841 in den Gebirgen um Bagneres de Luchon erlegt.
Ein Weibchen, 1'" 27 lang, gelblichweiss oder rahmfarben, dunkler
unterm Halse und am Unterkiefer, was sich am Vordertheil der
Schultern und auf den Wangen ausdehnt und erlöschend bis zu den
Augen geht. Aeussere und Vorderseite des Arms und Vorderarms
gelblich; Hinterbeine inwendig fast isabell, aussen schmutzigweiss.
Bauch mit mehreren unregelmässigen, ziemlich dunklen gelblich-
weissen Flecken. Augen roth, Krallen gelblichweiss.
Gleich mir haben Owen (Brit. foss. Mamm. p. 77) und Pictet
(Palaeontolog. I. p. 146) sich auch nunmehr gegen Blainville's
Ansicht, dass Ursus arctos ein verkümmerter Nachkömmling des
V. spelaeus wäre, ausgesprochen. Owen kennt übrigens nach ge-
wöhnlicher englischer Manier meine Arbeiten über den Höhlenbären
und überhaupt über die muggendorfer HÖhlenthiere nicht, obgleich
sie in diesem Archive und in der Isis mitgetheilt sind.
Ueber die auf den japanischen Inseln vorkommenden Bä-
ren hat nunmehr Temminck in der Fauna japonica p. 29
genauere Nachrichten mitgetheilt.
Er zählt 3 Arten auf: 1) Ursus Jerox, dunkelbraun, seltener
schwärzlich, bei einigen Individuen am Kopf und Vordertheil heller,
bei andern mit einer gelblichen, von den Schultern ausgehenden
Binde, wie bei dem sibirischen Halsband-Bären; eine andere Varietät
ist mehr falb. Bis jetzt hat man nur Felle ohne Schädel und Fuss-
knochen erhalten-, daher mir die Bestimmung der Art noch nicht
ganz sicher erscheint; eines dieser Felle hatte eine Länge von ohn-
gefähr 8 Fuss. In den gebirgigen Gegenden der Inseln Jozo und
Karafto, greift Pferde und Hirsche und selbst Menschen an, wird
aber auch häufig in der Gefangenschaft gehalten, um ihn zu mästen
22 An dr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
und dann zu verzehren. — 2) U. tibctanus, häufig in den gebirgigen
Theilen der japanischen Inseln und lebt gewöhnlich von vegetabili-
schen Substanzen; v. Siebold sah auch einen Albino. — 3) U. Mari-
timus; im Jahr 1690 sollen sich mehrere Eisbären (?) an den Küsten
der Provinz Jetsigo (zwischen 37 und 38° n. Br.) gezeigt haben;
v. Siebold meint, dass sie auf Eisblöcken herbeigeführt worden
sein möchten.
Mustelina» Derselbe Zoolog hat auch a. a. O. einen
japanischen Dachs und 3 Marder- Arten beschrieben: Meles
Anakuma nebst Mustela melampus, brachyura und Itatsi.
Meles Anakuma , ohne die markirten Zeichnungen auf dem Kopfe,
welche bei unserm Dachse und dem nordamerikanischen vorkommen.
Form des Schädels, Zahl, Form und Stellung der Zähne ganz so
w7ie bei unserm Dachse.
Mustela melampus hat schon Ref. in Schreber's Suppl. be-
schrieben und abgebildet; von T. erfahren wir hier, dass Winter-
und Sommerpelz sehr verschieden gefärbt sind. M. brachyura
ist nur nach Fellen ohne Kopf bekannt. M. Itatsi kommt in Form
und Grösse mit unserm lltiss überein, aber ihr Pelz ist kürzer und
anders gefärbt.
Auch unsere Lutra vulgaris kommt, wie dies die Vergleichung
des Skelets und vieler Felle ausweist, häufig auf Japan vor. Enhy-
dris marina ist jetzt ausserordentlich selten, so dass ein Fell zur
Zeit, wo v. Siebold sich in Jedo aufhielt, auf 800 bis 1500 Francs
zu stehen kam.
In dem schon erwähnten Kataloge der Fauna des Departements
der Charente-Inferieure führt Lesson auch eine Mustela vison (Le
vison Buff. XIII. pl. 31 et pl. col. 232) an, und setzt hinzu: „ziem-
lich gemein in den grossen Waldungen von Schize und der Grenze,
die la Saintonge und Poitou trennt, mit Unrecht für ein amerikani-
sches Thier gehalten; ein in allen französischen Faunen vergessenes
Thier. " In seinem Nouveau tableau du regne animal führt Lesson
diese M. Vison gleich nach M. martes und foina auf und setzt als
synonym bei: le Vison Buff. pl. col. 232 bei. Bei Putorius lutreola
citirt er aber auch nochmals le Vison Buff., so dass man also nicht
sagen kann, was diese M. Vison bei Lesson für eine Spezies sein
soll; zum Glück, dass man weiss, dass man es bei ihm mit der Ge-
nauigkeit nicht so strenge nehmen muss.
Die Feststellung der Thiere, welche die Alten mit dem
Namen cu'XovQog, yaXrj und yalewTrjg bezeichneten, ver-
suchte Bazin in den Act. de la Soc. Linn. de Bord. XIII. 91).
Seiner Deutung zufolge bedeutet ctRovQoq die Hauskatze, rctlij
bezeichnet die Mustela vulgaris, doch scheint dieser Name auch den
meisten Thieren der Gattung Mustela gegeben worden zu sein.
r«Ä£oac%, ycdMrjs und yaXe(öxr\q können als Synonyme betrachtet
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 23
werden und bedeuten musteliformis; sie wurden auf alle Thiere an-
gewendet, deren Form und Gewohnheiten mit dem kleinen Wiesel
ycd)j übereinkamen. Der yaktutijg des Aristophanes ist eine Eidechse,
die aber nicht zu Cuvier's Galeotes gehört. Der yaXttorijs des Poly-
bius ist ein Schwertfisch.
Vivcrrina. Ref. hat darauf aufmerksam gemacht, dass
mau unter den Mungos vielleicht 2 Arten oder doch Rassen
unterscheiden müsse (Baron v. Hügel' s Kaschmir IV. S. 570).
1) Herpestes pallidus Wagn., „major, ferrugineo-lutescens,
pilis e ferrugineo-fusco et pallide luteo annulatis; pedibus saturatio-
ribus." 17" 2'". — H. Malaccensis s. Mungos Fr. Cuv.; '„minor,
fusco-lutescens, pilis e nigro et pallide luteo annulatis*, pedibus pal-
lidioribus." 13" 9'". Beide aus Indien.
Von der Viverra genetta berichtet Lesson im angeführten Ka-
taloge, dass sie ziemlich gemein ist in den Eichenwaldungen von
Fourras und dass kein Jahr vergehe, wo man nicht etliche Stücke
erlegt. Vom Departement der Charente giebt Rochebrune a. a. O.
an, dass er von der Genettkatze nur 3 zu Markte gebrachte Indivi-
duen gesehen habe, und dass sie in den grossen Waldungen zwischen
Larochefoucault und Confolens, aber selten, vorkomme.
Canina* Temminck hat in der 2ten Dekade der Fauna
japonica die Schilderung der japanischen Hunde begonnen.
Nach den Angaben von Fr. v. Siebold unterscheiden die Japane-
sen 3 Rassen des zahmen Hundes. Die eine ist der Jagdhund,
erkenntlich an seinen geraden Ohren, spitzer Schnautze und schlan-
ker Gestalt; Behaarung gewöhnlich kurz und glatt, von verschiede-
ner Farbe, meist gelblichroth oder weiss, mit hellbraunen oder
schwarzen Flecken. Seine Nahrung besteht wie die der andern Ras-
sen in Fischen; er wird zur Jagd gebraucht. Die andere Rasse ist
der Strassenhund, der nicht einem Einzelnen, sondern ganzen Strassen-
abtheilungen angehört. Er ist weniger schlank als der andere, der
Kopf dicker, die Ohren hängend, der Pelz länger, der Schwanz zu-
rückgekrümmt und sehr behaart; er findet sich von allen Farben,
darunter auch fuchsrothe. Der eigentliche Haushund ist aus China
eingeführt.
Der wilde japanische Hund, Jamainu der Chinesen (Ca?iis ho.
dophylax Temm.?) ist unserm Wolfe ähnlich, aber kleiner und kurz-
beiniger. Der Pelz ist kurz und glatt, aber der Schwanz ist mit
längern Haaren bekleidet; die Beschaffenheit dieses Pelzes, so wie
seine Färbung differirt wenig von der des Wolfes. Der Körper misst
2' 9", der Schwanz ohngefähr 1', die Schulterhöhe 1'4", Ohren 3".
Seine Lebensweise ist die unseres Hundes. — Der auf Japan sehr
häufige Fuchs ist nach T. mit Catiis vulpes identisch.
E. v. Baer theilte neue Belege für die Auswanderung
von Füchsen nach Süden mit (Bullet, de la classe physico-
mathem. de l'Acad. de Petersb. 1844. II. p. 47).
24 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Im Jahre 1842 wurde in der Nähe von Petersburg ein neues
Individuum lebendig gefangen, und in Kurland zwei andere, ein
Männchen und ein Weibchen, an der Gränze von Lithauen, fast unter
dem 56° Br. erlegt. So weit der Berichterstatter es in Erfahrung
bringen konnte, sind sämmtliche Individuen im Frühjahre betroffen
worden.
Ueber die Hundswuth erschien eine bemerkenswerthe Arbeit:
Renner und Schenk, die Hundswuth und Berichtigung der lrr-
thiimer u. s. w. Jena 1844. 36 S.
Wyaenina. Die Osteologie der Hyäne, in Verbindung
mit Auseinandersetzung- der fossilen Arten, ist von Blain-
ville in der 14. Lieferung seiner Osteographie bearbeitet
worden.
Den Proteles, welchen Ref. mit der Hyäne in eine Familie zu-
sammen stellte, bringt Blainville, wie es mir scheint mit weniger
Recht, zu den Hunden. Bei der ganz anomalen Beschaffenheit seines
Gebisses ist es am Ende am besten, aus ihm eine besondere Familie
zu bilden. Hyaena brunea vereinigt B. mit H. striata zu einer Art;
ich habe jedoch die Berechtigung der ersteren, als eigne Spezies zu
gelten, bereits vor zwei Jahren in den Abhandl. der Akadem. der
W7issensch. zu München aus der Beschaffenheit des Schädels und
Zahnbaues nachgewiesen, wozu noch die eigenthümliche Behaarung
und Färbung des Pelzes kommt. B. hatte von der H. brunea nur
den einzigen Schädel vor sich, dessen schon Cuvier und H. Geoffroy
gedenkt, und sie alle geben an, dass an demselben der untere Reiss-
zahn einen innern Zacken wie die H. striata aufzuweisen hätte. An
zwei Schädeln, die ich hier vergleichen konnte, habe ich denselben
aber ganz vermisst, nur an dem einen war eine leise Andeutung da-
von vorhanden ; eben so wenig habe ich an einem dritten Exemplare
in Wien einen solchen Zacken wahrnehmen können, so dass der in
Paris aufbewahrte Schädel entweder gar nicht der H. brunea, son-
dern der striata entnommen ist, oder dass der innere Zacken blos
als eine zufällige Anomalie bei demselben auftritt.
Sundevall erwähnte eines Schädels von Proteles mit vollzäh-
ligen Backenzähnen, nämlich 5 oben wie unten. (Förhandlinger vid
de skand. Naturf. Stockh. 1843 p. 642; Isis 1845 S. 436).
Feiina, Auf ein gutes Merkmal zur Unterscheidung der
Schädel des Tigers und Löwe n hat Owen aufmerksam
gemacht (Brit. foss. Mamm. p. 163).
Er besteht darin, dass beim Löwen die Nasenfortsätze des
Oberkieferbeins bis zu derselben Querlinie, welche von den obern
Enden der Nasenbeine erreicht wird, sich erstrecken, während bei
dem Tiger die Nasenfortsätze des Oberkieferbeins von jener Quer-
linie \ bis | Zoll entfernt bleiben, wo sie in ein stumpfes oder abge-
stutztes Ende ausgehen, indess dieses beim Löwen zugespitzt ist. Owen
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 25
fordert nun auf, an den Schädeln der Felis spelaea nachzusehen,
wie es sich bei ihnen hinsichtlich jenes Merkmales verhalte. Ref.
kann dieser Aufforderung entsprechen, indem mit der Münsterschen
Petrefaktensammlung der Gipsabguss eines Schädels der F. spelaea
hierher gekommen ist, welcher vollständig in allen Theilen erhalten
ist. An diesem Schädel aber bleiben die Nasenfortsätze des Ober-
kieferbeins nicht blos nicht hinter jener Querlinie zurück, sondern
reichen sogar über sie noch etwas hinaus. Die Felis spelaea ist
demnach nicht mit den Tigern, sondern mit den Löwen zusammen
zu stellen, obgleich sie von der lebenden Art ebenfalls spezifisch
verschieden ist. Noch will Ref. bei dieser Gelegenheit bemerklich
machen, dass am gedachten Schädel auch die Alveole für den ersten
Lückenzahn vorhanden ist.
Auf einen untern Reisszahn aus dem Red Crag von Newbourn
begründete Owen die Felis pardoides (a. a. O. S. 169).
Felis Geoffroiji wurde als besondere Art von D'Or-
bigny und Gervais (Instit. p. 189 und Magas. de Zool.
n. 39 tab. 58) unterschieden.
In gewisser Hinsicht dem Ocelot, Chati und Marguay ähnlich,
etwas grösser als letzterer, minder untersetzt als alle drei und be-
sonders durch die kleinen, zahlreichen, punktförmigen und schwärz-
lichen Flecke, welche diese Art auf dem Leibe, den Schultern und
einem grossen Theile der Schenkel hat, verschieden. Diese Flecken
sind voll, in schiefen Reihen, bereit scheinend- sich linienförmig fort-
zusetzen, ohne doch dazu zukommen; sie bilden keine Einfassungen
wie bei jenen erwähnten Arten. Am Kopf und Halse werden sie
durch Linien ersetzt; es giebt 2 Wangenbinden, ein deutliches Hals-
band und darunter 4 andere Querbinden. Der Unterleib hat einige
minder dunkle Binden; der Schwanz ist geringelt. Das Ohr hat hin-
ten einen grossen weissen Fleck. Länge des Körpers 0,55, des
Schwanzes 0,32. D'Orbigny brachte 3 Exemplare vom Rio Negro in
Patagonien mit.
Mit andern Höhlenthieren fanden sich in der Kentshöhle
die eines Machairodus zusammen, welchen Owen als neue
Art erkannte und ihr den Namen M. latidens gab (Brit.
foss. Mamm. p. 174).
Die Eckzähne messen nach der Krümmung 6" und sind an der
Basis der Krone 1" 2'" breit; das Thier dem sie angehörten, konnte
an Grösse der Felis spelaea nicht nachgestanden haben.
War su p i a li a,
Owen machte die unerwartete Entdeckung, dass bei
Thylacinus die Beutelknochen nicht als Knochen existiren,
26 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
sondern nur durch zwei kleine, längliche, platte Faserknor-
peln repräsentirt sind (Ann. of nat. hist. XIV. p. 62).
Diese Knorpel sind eingelagert in den Pfeilern des Bauchrings
und jeder erscheint als ein verdickter Theil der Sehne des äussern
schiefen Bauchmuskels, welcher die obigen Pfeiler bildet. Die Länge
des Marsupial -Faserknorpels ist 6 Linien, seine Breite 3 — 4, seine
Dicke 1,} Linien. Von solcher Beschaffenheit fanden sich die Rudi-
mente der Beutelknochen bei 2 erwachsenen Weibchen und einem
Männchen; bei einem vierten grossen und alten Männchen waren
einige Partikeln von Knochenkernen in der Mitte des Faserknorpels
abgelagert, die beim Querschnitt mit dem Messer ein Knirschen
veranlassten.
Von 3 Arten der Gattung Antechinus , nämlich A. Sivainso?iii,
leueogaster und affinü gab Gray in der Zoology of the voy. of
Ereb. Mamm. tab. 25, Abbildungen.
Aus Südaustralien erhielt Gould eine neue Känguru-Ratte, die er
unter dem Namen Bettongia campe st ris in den Ann. of nat.
hist. XIII. p. 389 publizirte. Textur und Färbung des Pelzes hat viel
Aehnlichkeit mit der unseres Hasen. — Ferner charakterisirte er
3 andere neue Arten: Halmaturus Houtmafinii, und Halm.
Dama und La gor ehestes hirsutus (Ann. XIV. p. 446).
Ueber die Lebensweise von Lagorchestes albipilis , Macropus
oeydromus und Halmaturus manicatus theilte Gilbert seine Beob-
achtungen mit (Ann. XIV. p. 447).
Erst während der Abfassung dieses Berichts kommt uns
das 2te Heft von Gould's Monograph of the Macropodidae
zu, obwohl es als Datum den 1. Mai 1842 angiebt.
Die Gegenstände desselben sind: Macropus fuliginosus ; Halma-
turus ruficollis, ualalatus, Yarryi, agilis und Thetidis\ Osphr anter
antilopinus\ Petrogale penicillata, lateralis und inornata; Dendro-
lagus ursinus und inustus; Lagorchestes conspicillata; Bettongia
cuniculus und fasciata.
Motlentia,
Sciurina, Betrachtungen über die verschiedenen Arten
von Ziesel in Russland, mit Bemerkungen über die Anordnung
und geographische Vertheilung der Gattung Spermophilus , so
wie über die Klassifikation der Familie der Eichhörnchen;
von J. F. Brandt.
Unter diesem Titel hat Brandt in dem Bulletin de la Classe
physico-mathematique de l'Acad. de Petersb. II. (1844) p. 357 einen
ausgezeichneten Beitrag zur genauem Kenntniss der Familie der
Sciurinen geliefert; im Auszuge ist er auch im Inst. p. 299 enthalten.
Er theilt zuerst diese Familie in 2 Tribus : Campsiurina und Arcto-
Naturgeschichte der Säugthiere wahrend des Jahres 1844. 27
myina; ersteren die Gattungen Sc/urus, Ptcromys, Sciuropterus und
Tamias, letzteren die Gattungen Arctomys und Spermophilus zuwei-
send. Seiner Meinung nach dürfte es in Russland, ausser dem Bai-
bac, noch 2 diesem und Arctomys Monax verwandte Arten geben,
nämlich das schon von Pallas als A. Baibac varietas camtschatica
erwähnte Murmelthier (? A. camtschatica) und ein anderes, neuer-
lich in den Gegenden des Altai entdecktes und diesem sehr ähnliches
Thier, das vielleicht als A. baibacina ebenfalls eine eigne Art con-
stituiren könnte.
Alsdann geht Brandt zur Auseinandersetzung der Arten
der Gattung Spermophilus über, wobei ihm freilich ein
ungleich reicheres Material als mir zu Gebote stand. Er theilt
die Gattung in 2 Untergattungen.
Subgen. I Colobotis\ ,,molarium superiorum primus seeundo
et tertio duplo vel vix duplo minor, apice sub -3 — 4 lobatus et acie
compressa, transversa, subobliqua, satis lata, truncata, acuta in-
struetus. Molarium superiorum 2, 3 et 4 coronae cuneato-triangula-
res, facie interiore compressae, valde angustae et acuminatae. Plicae
centrales longitudine subaequales, valde elevatae, in margine coronae
externo parallelae, in margine coronae interno autem angulo plus
minusve acuto introrsum conniventes et parte interna conjunetae.
Auriculae truncatae vel subtruncatae, brevissimae, interdum fere
marginiformes. Plantae nudae vel pone digitorum basin ad calca-
neum usque vel in calcaneo tantum pilosae. " — Hierher alle euro-
päischen und asiatischen Ziesel, sowie alle russischen.
a) Plantae adultis totae nudae (in calcanei lateribus tarnen pilis
rigidiusculis ineumbentibus limbatae et ex parte teetae); auriculae
submarginiformes truncatae; cauda submedioeris vel brevis, podario
longitudine subaequalis. — a) oculorum ambitus capitis lateribus
concolor. 1) Sp. fulvus Blas, et Keys. — 2) Sp. rufescens K. B.
(A. undulatus). — ß) oculorum ambitus albus vel albidus, a capi-
tis lateribus colore pallidiore distinetus. 3) Sp. erythrogenys
Brandt; , »capitis superior facies, apice rostri excepto, griseo,
nigricante et albido mixta; cauda circiter \ — } corporis longitudinis,
pilis ferrugineis nigris plerumque mixtis, patentibus, subdistichis
obsessa." Körper 9 — 13", Schwanz mit Haaren 2" 3"' — 3". — 4) Sp.
brevicauda Brandt (Sp. mugosaricits Eversm.); „capitis superior
facies cum rostri dorso fere tota subsordide ferruginea, vix nigro
mixta; cauda \—\ corporis longitudinis, ultra medium et in lateribus
pilis subadpressis, ferrugineis, apice albis obsessa." Körper 8"— 94'"
Schwanz mit Haaren 1" 6"'. Brandt will diese Art von Lichtensteins
Sp. mugosaricus, der bisher nur nach dem Berliner Exemplare be-
kannt ist, durch das Vorhandensein des Daumenmangels und die
Färbung, durch den einfarbigen flachen Schwanz und deutlich gerin-
gelte Haare des Körpers unterscheiden.— 5) Sp. mugosaricus Licht.
28 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
— 6) Sp. musicus Men., vielleicht mit Citillus xanthoprymna Beim,
identisch.
b) Plantae adultorum in calcaneo plus minusve largiter pilosae';
auriculae brevissimae; cauda elongata, podario triplo vel duplo lon-
gior, cum pilis circiter k corporis longitudinis aequans. — 7) Sp.
Parryi Rieh. — 8) Sp. Eversmanni Brandt (Arctomys altaicus
Ev.); facies supra nigro albido et ferrugineo mixta; cauda disticha
cum pilis corporis dimidiam longitudinem superans." Körper 9 — 11%",
Schwanz mit Haaren 5 — 6".
c) Plantae pone digitorum basin et in calcaneo in adultis pilo-
sae; auriculae breves, sed distinetissime marginatae; cauda medioeris
vel submedioeris \ vel { corporis longitudinis. — 9) Sp. guttatus
Temm. — 10) Sp. Citillus; von dieser Art hat Ref. ein Exemplar
von Wien, ein anderes von Konstantinopel und etliche angeblich aus
Böhmen erhalten.
Species dubiae Faunae Rossicae. — 11) Sp. i?itermedius? 2 Exem-
plare vom Balkasch-See, das Mittel zwischen Sp. erythrogenys und
brevicauda haltend. — 12? Sp. jacutensis, von Gmelin erwähnt, viel-
leicht Sp. Eversmanni. — 13? Sp. leueostictus ; gleich der nachfol-
genden auf Varietäten, die Pallas erwähnt, begründet. — 14? Sp.
dauricus.
Spermophili peregrini. — 15) Sp. concolor Is. Geoffr. , wahr-
scheinlich mit Sp. fulvus identisch. — 16) Sp. Franldini. — 17) Sp.
Hoodii. — 18) Sp. Richardsoni.
S üb gen II. Otospermophilus. Molarium superiorum pri-
mus seeundo circiter triplo minor, conicus, acuminatus apice antice
rotundato laevigato , postice parum oblique truncato et fossula mi-
nima impresso. Molarium 2, 3 et 4 coronae fere subrhomboidae,
facie inferiore parum angustatae, subsemilunares et rotundatae. Plani
mastucatorii plicae centrales parum elevatae, subparallelae, longitu-
dine inaequales, anteriore longiore, posteriore in crure interiore im-
pressa. Auriculae medioeres vel submedioeres, circiter \ capitis
longitudinis. Cauda elongata. Plantae pone digitos pilosae. — Hie-
her 19 — 25): Sp. Beecheyi, Douglasii, macrourus, lateralis, gram-
murnsy Clarkii und mexicanus. Es ist nicht gesagt, wie viel Arten
auf das Gebiss untersucht sind.
So höchst ausgezeichnet durch ihre Gediegenheit diese Arbeit
von Brandt über die Familie der Eichhörnchen ist, eben so ober-
flächlich und schülerhaft dagegen ist der Artikel Ecureuil von Boi-
tard im Dict. univ. d'higt. nat. V. p. 207 gearbeitet. Den Systema-
tikern, welche der Beschaffenheit des Schädels ein grosses Gewicht
beilegen, meint Boitard, müsse es sehr verdriesslich sein, dass die
Form des Unteraugenhöhlenlochs die Eichhörnchen den Elephanten
annähere, denn dies sei sehr bizarr. Er meint weiter, dass wenn
man auf eine mehr philosophische Weise die Familie der Eichhörn-
chen studiren würde, die 104 Arten, welche in ihr enthalten sein
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 29
sollen, auf 12 oder höchstens 15 sich reduziren Hessen. Diese Be-
hauptungen genügen als Beweis, dass Boitard noch gar nicht befä-
higt ist, ein Urtheil in der Therologie sich zu erlauben.
S. Müller und H. Schlegel haben die Beschreibung
der auf den Inseln des indischen Archipels vorkommenden
Eichhörnchen geliefert.
Sie findet sich in dem lOten Hefte der Verhandel. over de na-
tuurl. Geschied, der Nederl. overzeesche bezitt. Zoologie. Meine
Arbeit über die Eichhörnchen im Schreberschen Werke, obwohl um
zwei Jahre früher erschienen, ist noch nicht benutzt, was ich um so
mehr bedauere, als manche darin angeregten Bedenklichkeiten durch
Müller und Schlegel hätten erledigt werden können, denen natürlich
ein ungleich reicheres Material als mir zu Gebote stand, so wie
Beobachtungen über Lebensweise und Verbreitungsgrenzen, die mir
ganz abgingen. Die 15 Arten von Eichhörnchen, welche sie für den
indischen Archipel annehmen, vertheilen sie in folgender Weise, a)
Grosse Arten ohne Seitenstreifen; Schwanz sehr lang,
stark zweizeilig, mit sehr langen Haaren; Schädel breit
und kräftig; Schnautze kurz, breit und gewölbt; oben wie
unten jederseits nur 4Backenzähne: Sc. bicolor, hypoleucus
und ephippium. — b) Arten mittlerer Grösse, gewöhnlich
mit Längsstreifen an den Leibesseiten; Schwanz dicht
behaart, doch minder deutlich zweizeilig als bei a und
länger als der Körper; vor dem ersten eigentlichen Bak-
kenzahn noch ein sehr kleiner: Sc. hippurus, rubriventer n.
sp., Rafflesü, vittatus, nigrovittatus, leucomus n. sp. , modestus und
murinus n. sp. — c) Arten sehr klein, Schwanz kürzer als
der Körper; Backenzähne wie bei b: Sc. exüis und melanotis.
d) Arten mittlerer Grösse; Schwanz kürzer als der Kör-
per; Schnauze mehr oder minder verlängert; Backen-
zähne wie bei b; meist auf oder nahe an der Erde lebend;
Farbe düster, Schwanz wenig zweizeilig: Sc. insignis und
laticaudatus. — Mit Ausnahme der 3 neuen Arten sind die übrigen
bereits beschrieben; von jenen, die Celebes angehören und unter der
Autorität von Forsten angeführt werden, sind blos die Diagnosen
mitgetheilt, wie folgt. 1) Sc. rubriventer; „Grösse, Form und
Färbung im Allgemeinen wie bei Sc. hippurus, aber die Ohren grös-
ser und viel stärker mit schwarzen Haaren bedeckt, welche sehr
lang sind und deshalb weit über die Ohren hervorragen. Das Roth-
braun der Untertheile erstreckt sich nicht allein über die Innenseite,
sondern auch über die Aussenseite der Pfoten. Schwanzhaare
schwarz, gegen die Spitze mit breiten, schwach rothbraunen Ringen.
— 2) Sc. leucomus; „Grösse und Form wie Sc. vittatus und nigro-
vittatus; Ohren innen mit bräunlichgelben, hinten mit langen, schwar-
zen, weit über die Ohren vorragenden Haaren besetzt. Farbe der
Obertheile und Aussenseite der Füsse olivenbraun j die Haare meist
30 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
mit rostgelben Ringen und zum Theil mit schwarzen Spitzen. Schwanz
mit den genannten 3 Farben gescheckt; hinter den Ohren ein gros-
ser weisser Fleck; Unterseite des Leibes rostfarbig, ins Rothbraune
ziehend." — 3) Sc. murinus\ „Ansehn und Form wie bei Sc. mo-
destus, aber etwas kleiner, der Schwanz etwas kürzer, Ohren minder
behaart und die Färbung einförmiger: oben weissgrau und die Haare
mit weisslich gelben Spitzen; unten aschgrau."
Wenn die Verfasser (S. 91) Sc. auriventcr für identisch mit Sc.
Finlaysonit angeben, so hat Ref. dagegen zu bemerken, dass bei bei-
den nicht Mos die absolute Grösse des Körpers, sondern auch das
Verhältniss des Schwanzes zum Körper, zufolge der vorliegenden
Beschreibungen, solche Differenzen zeigt, dass so lange solche nicht
ausgeglichen sind, eine Identifizirung beiderlei Thiere mir nicht ge-
rechtfertigt erscheint.
Ueber die Lebensweise von Tamias striatus theilte Eversmann
ausführliche Nachrichten mit (Bullet, de la Classe phys. math. de
l'acad. de Petersb. II. p. 123).
Myoccina, L ortet hat Beobachtungen über den lethar-
gischen Schlaf der Haselmaus („Mi/oxus muscardinus) mitge-
theilt (Annales des sc. phys. et natur., d'agriculture et d'in-
dustrie, publiees par la soc. roy. d'agriculture etc. de Lyon.
VII. 1844. p. 153. u. 430).
Die Beobachtungen sind an einem einzigen Individuum angestellt,
in der Art, dass die Thermometer -Kugel zwischen die Bauchfalten
geschoben wurde. Sie beginnen von Oktober 1843 und erstrecken
sich über ein ganzes Jahr. Am 25. Oktober fiel das Thier in den
lethargischen Schlaf, aus dem es mehrmals erwachte. Bis zum näch-
sten Juni waren die längsten Schlafzeiten und die dabei beobachtete
Temperatur (nach hunderttheiligem Maasstab) folgende:
Lufttem- Temperatur
Vom 29. Nov. bis 6. Dez. .
„ 10. „ „ 15. „ . ■
„ 17. „ „ 24. „ . ,
„ 15. „ „ 15. Januar
„ 17. Jan. „ 6. Febr. .
Am längsten wach war das Thier:
vom 7. bis 9. Jan
• „ 15. „ 27. Febr. .
„ 16. „ 27. März .
Bis Mitte Juli war der Schlaf fast immer lethargisch, mit be-
trächtlicher Erniedrigung der Temperatur, und das Thier brauchte
nur wenige Augenblicke, um in denselben zu fallen, ohne dass es in
einen Schlaf, ähnlich dem anderer Säugthiere, d. h. ohne Wärmever-
minderung und ohne Erlangsamung oder Unregelmässigkeit der Ath-
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 31
mung, gerieth. Vom 20. Juli an befand sich das Thier fortwährend
im wachenden oder schlafenden Zustande, ohne dass es Symptome
des lethargischen Schlafs zeigte. Der erste lethargische Schlaf wurde
am 15. Oktober 1844 beobachtet, also fast zur nämlichen Zeit wie
im verflossenen Jahre.
Ißipotla. Bemerkungen über die Klassifikation der Sprin-
ger, hauptsächlich hinsichtlich der in Russland vorkommenden
Arten, mit einer Uebersicht der systematischen Anordnung der
Arten im Allgemeinen , ihrer Verwandtschaft und geographi-
schen Verbreitung wurden von Brandt mitgetheilt (Bullet, de
la Ciasse phys. math. de l'Acad. de Petersb. II. 1844. p. 209).
Brandt theilt zuerst die Familie der Springer in 3 Unterfamilien:
1) Dipodina s. Tylarodactyli , 2) Merionina (blos den nordamerika-
nischen Jaculus umfassend), 3) Pedetina. Die Dipodina vertheilt
er wieder in 2 Sektionen mit 3 Gattungen nebst Untergattungen und
Unteruntergattungen, wie folgt:
Sect. A. Dentes incisorii superiores sulcati; pedes
postici tridaetyli. Dipodes genuini.
I. Gen. Dipus Fr. Cuv. mit 2 Untergattungen.
Subg. 1. Scirtopoda Brandt; molares f; molarium supe-
riorum primus facie externa 2—3 plicatus, interna biplicata; seeun-
dus et ultimus facie utraque biplicati etc. Pedum posticorum digitus
medius lateralibus fere subaequalis vel paulo longior, articulo suo
apicali laterales superans. Dentes incisores albi. — a) Halticus
Brandt; molarium sup. primus extus triplicatus, intus biplicatus;
seeundus et tertius utrinque biplicati. Mandibulae molarium primus
et seeundus utrinque triplicati etc. Schwanz ohne schwarze Pfeil-
zeichnung und ohne weisse Spitze. Als Art zählt B. hierher blos
den D. Telum Licht, und meint, dass D. halticus JH., welcher ledig-
lich auf Mus Jaculus var. media von Pallas begründet ist, ebenfalls
hierher gehöre, weshalb B. den Namen D. halticus für diese Art be-
gründet wissen will. Ref. findet diese Zusammenziehung höchst ge-
wagt, da Pallas seine Var. media mit dem Jaculus, also mit einer
özehigen Art vereinigt und bei seiner Genauigkeit es schwer anzu-
nehmen ist, dass er sich in diesem Punkt versehen haben sollte. —
b) Haltomys Brandt; molar, sup. 1, 2 u. 3 utrinque biplicati.
Mandibulae molarium primus utrinque biplicatus, seeundus extus tri-
plicatus, intus biplicatus etc. Schwanz mit Pfeilzeichnung. Hierher
2) D. aegyptius, 3) D. lärtipes , 4) D. macrotarsus und 5) D. mau-
rüanicus. Letztere beide Arten hält B. gleich dem Ref. für unsicher.
Subg. 2. Dipus Brandt; molares |; molar, sup. primus mi-
nimus simplex, caeteri extus subtriplicati, intus biplicati etc. Pedum
posticorum digitus medius lateralibus angustior, longitudine iis sub-
aequalis vel vix brevior. Dentes incisores aurantiaci. — Hierher 6)
D, sagitta, 7) D. Jagopus.
32 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Sectio B. Dentes incisorii superiores laevigati. pe-
des posteriores 5-dactyli, rarius 4-dactyli. Scirtetides.
II. Gen. Scirtetes Wagn.; dentes molares f ; cauda pictura
sagittiformi ornata.
Subg. 1. Scirtomys Brandt; pedes postici 4-dactyli. 1) Sc.
tetradactylus Licht, ; leider hat uns auch Brandt über die Osteologie
und das Zahnsystem dieser merkwürdigen Art keinen Aufschluss ge-
währen können.
Subg. 2. Scirteta Brandt; pedes postici 5-dactyli. Hierher
2) Sc. Jaculus, von dem B. folgende Abänderungen unterscheidet:
var. a) macrotis = D. Jaculus Auct., und zwar subvar. a) nigricans
= D. decumanus Licht., und subvar. ß) flavescens = D. vexillarius
Ev. ferner var. b) brachyotis = Z). spiculum Licht. Auf mehr als
30 Exemplare gestützt, bringt hier B. 4 Arten in eine zusammen,
und er mag in dieser Beziehung Recht haben, da man auch aus an-
dern Beobachtungen jetzt weiss, dass die Länge der Ohren und des
Schwanzes, so wie die Färbung verschiedenen Schwankungen unter-
worfen ist. Schon Blasius machte die Bemerkung, dass D. vexilla-
rius nicht wesentlich von D. Jaculus verschieden ist und Eversmann
bezweifelte die Richtigkeit der Unterscheidung zwischen letzterem
und D. decumanus. — 3) Sc. Acontion. — 4) Sc. elater, nach B.
wahrscheinlich einerlei mit voriger Art, da er von ihr nur in solchen
Merkmalen abweicht, welche bei D. jaculus als veränderlich gefun-
den worden sind. — 5) Sc. indicus Gray. — 6) Sc. arandinis. — 7)
Sc. aulacotis.
III. Gen. Platycercomys Brandt; dentes molares |; cauda
pictura sagittiformi privata. — 1) PI. platyurus = D. platyurus
Licht. Von dieser Art giebt B. eine ausführliche Beschreibung.
Chinchillina. Durch Bridges sind wir benachrichtigt
worden, dass Lagotis pallipes die Ostseite der chilischen An-
des bewohnt (Ann. of nat. hist. XIV. p. 56).
Er fand diese Thiere in einer Erhöhung von 4000 — 5000 Fuss
zwischen Villavicencia und Uspallata in einem felsigen Thale.
Orycterina. Octodon gliroides ist eine von P.
Gervais und A. d'Orbigny neu aufgestellte Art (Rev. zool.
p. 123).
Farbe und Beschaffenheit der Haare erinnern an die von Myoxus
glis und der Chinchilla. Haare weich, oben aschgrau, unten weiss;
Schwanz unten schwärzlichbraun, mit derselben Farbe geendigt und
etwas pinselartig (en balai). Von O. Cumingii, dessen Grösse sie
hat, unterscheidet sich die neue Art durch etwas weniger gestreckte
Backenzähne, besonders des vierten, der minder schiefe Falten hat,
die obern mehr dreieckig und die untern mehr von der Form der
arabischen; Acht, mit Ausnahme des hintern, dessen Kronentheil
stabartig ist (la partie eburnee est virguliforme), mit äusserem Ein-
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 33
schnitte und nicht mit innerem wie bei O. Cumingii. Bei diesem ist
derselbe Zahn und sein entsprechender im Oberkiefer nach Form
und Umfang weniger von den vorhergehenden als bei O. gliroides
verschieden. Die neue Art kommt von der Höhe der bolivischen
Andes, bei La Paz, wo sie hauptsächlich auf Cactus lebt.
Bei dieser Gelegenheit erinnere ich, dass mir noch eine andere
neue Art von Octodon, also die 3te der Gattung, aus Chili zugekom-
men ist, der ich den Namen Octodon pallidus beilege, mit der
Diagnose: O. lutescens, infra pallidior, pedibus apiceque caudae sub-
penicillato albentibus.
Ueber Aufenthalt und Lebensweise von Octodon Cumingii, Schi-
%odon fuscus und Po'ephagomys ater brachte Bridges einige Auf-
schlüsse bei (Ann. of nat. hist. XIV. p. 54).
Cunicularia. Statt an der durch genauere Untersu-
chung des Schädels und Gebisses gewonnenen sichern Unter-
scheidung der Gattungen dieser Familie sich zu erfreuen, sucht
P. Gervais, wenn es noch möglich wäre, diese wieder zu
verwirren.
Im Dict. univ. d'hist. nat. IV. p. 443 vereinigt er nämlich mit
Ctenomys nicht blos Poephagomys, sondern selbst Octodon und Schi-
xodon, also höchst verschiedenartige Gattungen, wobei er es unent-
schieden lassen will, ob man sie als eine kleine Familie oder als
eine einzige Gattung betrachten möge.
Eversmann machte in den Bullet, de Petersb. II. p. 124 be-
merklich, dass Ellobius talpinus in den fruchtbaren Steppen an den
südwestlichen Vorgebirgen des Urals unglaublich häufig sei.
Murina. Von Mus minutus hat man gefunden , dass
sich sein Verbreitungsbezirk viel weiter nördlich ausdehnt als
man bisher dachte.
Sundevall führt nämlich an, dass W. v. Wright, welcher un-
längst von einer Reise nach Finnland zurückkehrte, in der Gegend
von Kuopio den Mus minutus auffand, wobei Hornschuch bemerkt,
dass er auch in Neu-Vorpommern nicht gar selten vorkommt (Archiv
skand. Beitr. z. Naturgesch. 1. S. 140).
Vom Cricetomys gambianus machte Fräser bemerklich, dass
er gemein auf der Insel Fernando Po ist, unter dem Boden lebt,
aber auch Bäume der Früchte wegen besteigt und bei den Eingebor-
nen als grösste Delikatesse bei Hochzeitsfeierlichkeiten gilt (Ann. of
nat. hist. XIII. p. 225).
Kurze Bemerkungen über die Lebensweise von Hesperomys lon-
gicandatus und longipilU legte Bridges in den Ann. of nat. hist.
XIV. p. 53 nieder.
Die schwedischen Wühlmäuse (Lemmus Geoffr.) ord-
Archiv f. Naturgeschichte. XI. Jahrg. 2, Bd, Q
34 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
nete Nilsson in folgender Weise an (Archiv skand. Beitr. I.
S. 146) :
a) alle Backenzahnfurchen im Zikzak.
1) Hypudaeus-, mittelster Backenzahn oben mit 3 Seitenkan-
ten auswärts, 2 noch grösseren einwärts, ohne Spur einer dritten.
Sie theilen sich in: «) Erdratten: alle 3 gedachte Seitenkanten
gleich gross und scharfwinklig; hierher Lemmus amphibius Linn. und
L. medius Nilss. — ß) Erd mause: die vorderste äusserste Seiten-
kante am gedachten Zahne viel kleiner als die andere; hierher L.
glareola und rutilus.
2) Arvicola; mittelster Backenzahn oben mit 3 Seitenkanten
auswärts, 3 einwärts, von welchen zwei den äusseren gleich, die
dritte viel kleiner ist. Hierher L. insularis Nilss. und L. agrestis
Linn. Arvicola arvalis ist bisher noch nicht in Schweden gefunden
worden, gehört aber nach der Bildung des mittlem obern Backen-
zahns zu dieser Unterabtheilung.
b) Furchen des hintern Backenzahns beinahe parallel, die der
übrigen im Zikzak.
3) Myodes; Schwanz sehr kurz, ungefähr von halber Kopflänge,
kürzer oder gleich dem Hinterfuss. Hierher L. norvegicus Nilss. und
L. schisticolor Lilj.
Seinen Lemmus medius charakterisirt Nilsson a. a. O. S. 146
folgendermassen: „ähnlich L. agrestis, aber etwas grösser und dunk-
ler, mit etwas längerm Schwänze und ganz ohne die hintere kleine
überzählige Schmelzfalte auf dem mittelsten obern Backenzahn. Von
Lappland und den Alpen um das Guldbrandsthal." Vom Lemmus
i?isularis heisst es: „noch mehr L. agrestis ähnlich und mit glei-
chen Zähnen wie dieser, aber mit längerm Schwänze (If bis 2") und
etwas grössern Ohren. Von N. auf den ostgothischen Scheeren ge-
funden." — Die Berechtigung dieser Arten, zumal der letzteren,
scheint Ref. nach diesen kurzen Angaben noch nicht erwiesen.
Myodes schisticolor wurde von Liljeborg (a. a. O. S. 144)
aufgestellt: „aschgrau, mit einem rothbraunen grossen Fleck auf dem
hintern Theil des Rückens. Aus dem nördlichen Theil von Guld-
brandsthal in Norwegen.'' Sundevall, der ein in Dalekarlien gefun-
denes Exemplar dieser neuen Art vorzeigte, bemerkte hierbei, dass
die Zähne dieselbe Form wie bei Mus Lemmus besitzen, dass aber
die Vorderkrallen, gleichwie bei den Arten von Hypudaeus, nicht
grösser als die hintern sind; bei Mus Lemmus sind die vordem Nä-
gel viel grösser als die hintern. Zwei Junge von derselben neuen
Art wurden auch bei Kuopio in Finnland gefunden.
T-li. von Middendorff gab einen vorläufigen Bericht
von den auf seiner Reise im nordöstlichen Sibirien beobach-
teten Lemming-Arten (Bullet, de Ja classe phys. math. de Pe-
tersb. III. p. 289).
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 35
Statt die Zahl der Arten zu vermehren, hat M. dieselbe vermin-
dert, indem er sämmtliche im Taimyrlande beobachtete Lemmingc
auf 2 Spezies zurückführte und hierdurch auch in diesen Thieren die
grosse Gleichheit des gesammten höchsten Nordens durch die Welt-
theile hindurch nachwies. Die Vervielfältigung der Arten hatte ihren
Grund in der grossen Verschiedenheit desselben Thiers an Grösse
und Farbe je nach dem Alter und der Jahreszeit; Verschiedenheiten,
deren richtige Zurückführung auf die Einheit der Art nur aus der
Beobachtung in der Natur sich ergeben kann. Die beiden im Tai-
myrlande vorkommenden Arten sind, der Ueberzeugung Middendorff s
zufolge, durchlaufend durch den ganzen Norden Asiens und Ameri-
ka's , und zwar:
1) My ödes hudsonzas Forst, und Rieh., zu dem als Syno-
nyme gehören Mus torquutus Pall, Leinnus ungulatus Baer und
Myodcs groenlandicus Traill. Geht von der Ostküste des weissen
Meeres an durch Sibirien und Nordamerika hindurch, ist mithin
ein Thier, welches die arktischen Gegenden des Erdballs vollständig
umkreiset, und reicht von etwa dem Polarkreise soweit nach Norden,
als nur Festland vorhanden ist. Er geht nicht bis zur Baumgrenze
herab, und nimmt gleich allen ächten arktischen Eingebornen im
"Winter das weisse Kleid an. Selbst die Doppelkrallen gehören in
ihrer vollsten Ausbildung, wie es scheint, nur alten Männchen im
Winterkleide an.
2) Myodes obensis Brants, zu dem M. als Synonyme zieht:
Hyp. migratorius Licht., Arv. helvolus Rieh, und Georh. luteus Ev.
Eine südlichere Art als die vorige, die M. nicht weit über den 74°
hinauf gehen sah, niedrige und selbst waldige Flächen bewohnt und
auf den ganzen Ural herab bis zu seinen südlichen Verzweigungen
vorzukommen scheint. Wird im Winter nicht weiss, doch ist der
Farbenwechsel sehr ansehnlich; im vollen Sommerkleide dem M.
norvegicus gleichkommend. Den Rückenstreif besitzen die Jungen
von M. hudsonius und obensis; bei den ausgewachsenen findet er
sich nach den verschiedenen Kleidern bald sehr entschieden, bald
gar nicht.
Castorina. Ueber den Myopotamus Coypus in Chili theilte
Bridges einige unbedeutende Bemerkungen mit (Ann. of nat. bist.
XIV. p. 54).
Trogontherium Cuvieri ist von Owen in England nachgewiesen
worden (Brit. foss. Mamm. p. 184).
jäculeata» Einen neuen Greifstachler Cercolabes
Liebmani, hat Reinhardt in unserem Archive S. 240 auf-
gestellt.
Eine entschiedene neue Art aus Mexiko, die aber nicht, wie R.
meint, der Untergattung Synetheres angehört, sondern ihrer reich-
lichen Haarbekleidung und ihres Schädelbaues wegen zu Sphingurus
C*
36 An dr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
gestellt werden muss, von deren bisher bekannten Arten sie sich
gleich durch ansehnlichere Grösse unterscheidet.
JDuplicidentata, Die Identität des Lepus hihernicus
mit L. variabilis ist nun festgestellt worden.
Schon Blasius hatte nach Ansicht eines Exemplares vom iri-
schen Hasen erklärt, dass dieser sich nicht vom veränderlichen un-
terscheiden lasse. Thompson zeigte nun der englischen Naturfor-
scher-Versammlung zu Cork Exemplare vom L. variabilis aus dem
schottischen Hochlande und vom irischen Hasen vor, und wiess aus
der äussern und innern Uebereinstimmung deren Identität nach (Re-
port of the 13 meeting. of the Brit. Assoc. p. 68).
Sowohl Nilsson als Sundevall sind nunmehr geneigt
die beiden Formen von Hasen, welche in Skandinavien leben,
als getrennte Arten zu betrachten (Arch. skand. Beitr.I.S. 172).
Nilsson hatte sie früher in den Jlluminerade Figurer tili Skand.
Fauna blos als 2 Varietäten beschrieben, führt sie aber nun unter
folgenden Namen auf: 1) Lepus borealis Jll. Fig. tab. 19; wird im
Winter ganz weiss; nur die Spitze der Ohren ist schwarz; das Fell
am Grunde weiss oder bleich. — 2) Lepus canescens Jll. Fig.
tab. 22; wird im Winter blaugrau, unten w7eiss; die Ohren an der
Spitze und dem grössern Theile des hintern Randes schwarz; das
Fell am Grunde grau. — Sundevall machte hierbei die Bemerkung,
dass er etliche Jahre hindurch ziemlich viele Exemplare von beider-
lei Hasen verglichen und sie so konstant gefunden hätte, dass kein
Uebergang zwischen ihnen zu bemerken gewesen wäre, weshalb er
sie ebenfalls als 2 Arten betrachten will. Bei L. borealis ist das
Schwarze der Ohrenspitze ungefähr 10 Millim. breit und läuft nur
etwa £" weit am vordem Rande, aber nicht am hintern herab; bei
L. canescens ist es ungefähr 20 Millim. breit und läuft bis unter die
Mitte des hintern Randes und etwa 1" am vordem herab. L. bo-
realis findet sich durch ganz Skandinavien, aber auf der schonischen
Ebene nur als seltener Flüchtling; gegen Norden geht er bis ans
Eismeer. L. canescens ist die gemeine Art in Schonen, findet sich
im ganzen GÖthalande neben der vorigen, wird nordwärts seltener,
aber dennoch bis an den StorsjÖ in Jemtland angetroffen. Nach des
Ref. Bedünken dürften diese beiderlei Hasen doch wohl als constante
Varietäten angesehen werden, von denen die eine im Norden, die
andere im Süden ihren Hauptsitz hat. Vom L. glacialis unterschei-
det S. seine beiden Hasen, dass jener nur einen Büschel von schwar-
zen Haaren auf den Ohrenspitzen (was auch bei unsern beiden Exem-
plaren des L. glacialis, wovon das eine aus Labrador abstammt, der
Fall ist), an der Spitze breite, stumpfe, herabgedrückte Krallen und
um etwa 1 Zoll kürzere Hinterfüsse hat. Beigefügt sind genaue
Ausmessungen von 17 Exemplaren des L. borealis und von 8 des L.
canescens.
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 37
JEdent ata.
Gray stellte in den Ann. of nat. bist. XIII. p. 70 eine neue Art
von Schuppenthieren, Monis multiscutata, nach 2 Exemplaren
von Westafrika auf, die sich von M. tetradactyla (M. longicaudata)
durch kürzeren Schwanz (von i| Körperlänge), durch doppelt grosse
Anzahl von Schuppenreihen (23) und durch spitzere dreizackige
Schuppen unterscheidet. Ref. hat hierbei zu erinnern, dass diese
Art identisch mit M. tricuspis Sund., und der letztere Name für
sie in Anwendung zu bringen ist. Zwei andere Exemplare derselben
Art wurden von Fräser, der sie von Fernando Po erhielt, nach
England gebracht (Ann. XIII. p. 227). Er hielt sie einige Zeit leben-
dig und hatte dadurch Gelegenheit einige Bemerkungen über ihre
Lebensweise mitzutheilen.
Soli dun g ul a.
Interessante anatomisch-physiologische Bemerkungen über
die Zehe des Pferdes wurden von Tscherning vorgelegt
(Förhandl. vid de skand. Naturf. Stockh. 1843. p. 693; Isis
1845. S. 454). .
JPachydermata.
lieber Elephas primigenius hat Owen eine ausführliche
Arbeit in der Hist. of Brit. foss. mamm. p. 218 geliefert.
Sie beschränkt sich nicht blos auf die in England gefundenen
Ueberreste, sondern giebt zugleich im Allgemeinen eine kritische
Erörterung der Eigenthümlichkeiten dieses merkwürdigen Geschöpfes
der Urwelt.
In den Bullet, de l'Acad. de Petersb. II. p. 16 ist die Notiz ent-
halten, dass 1840 am Ufer des Tas-Flusses ein vollständiger, frischer
Mammuth- Leichnam im gefrornen Zustande gefunden und nach To-
bolsk transportirt worden ist. Das Labyrinth des Elephanten unter-
suchte Fick (Müller's Archiv f. Anat. S. 431), wobei er fand, dass
die Schnecke so flach ist, dass die Kuppel derselben nur ganz wenig
über die Ebene der grössten Schneckenwindung hervorragt und dass
ein achtes Schneckenfenster zur Paukenhöhle hier vollkommen fehlt.
Nicht minder ausgezeichnet als den Artikel über das Mam-
muth bearbeitete Owen a. a. O. S. 271 den über Mastodoti
angustidens.
Er weist hierbei nach, dass M. avernensis und longirostris mit
angustidens identisch sind.
Derselbe gab in den Ann. of nat. hist. XIV. p. 268 Nach-
richt von einem auf Neuholland aufgefundenen Mastodon
australis.
38 An dr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Die neue Art beruht nur auf einem einzigen untern Backenzahn,
der am nächsten dem von M. angustidens kommt, aber doch etliche
Differenzen darbietet. — Owen berichtigt bei dieser Gelegenheit einen
von ihm früher begangenen Irrthum, dass nämlich das in Gemein-
schaft mit einem grossen fossilen Oberschenkelknochen ihm zuge-
kommene Backenzahn -Fragment, nicht dem Dinotherium angehört,
sondern nach vollständigeren Exemplaren seinem Diprotodon , einem
gigantischen Beutelthiere zuzuweisen ist. Von dieser Gattung, sowie
von einer andern, Nototherium benannt, will er demnächst weitläu-
figer handeln.
C. Ranzani Hess den von J. Montius zu Anfang des vorigen
Jahrhunderts bei Bologna gefundenen Unterkiefer, den Cuvier dem
Rhinoceros tickorhinus zuwiess, auf 3 Tafeln schön abbilden und be-
gleitete diese mit einigen Bemerkungen (Novi commentarii Academ.
scientiar. Instituti Bononiensis. „VI. 1844. p, 295).
Tapirus helveticus hat sich nach H. v. Meyer's Bestimmung,
nunmehr auch in der Braunkohle der Molasse von Greit am Hohen
Rohnen gefunden (Jahrb. f. Min. S. 566).
Derselbe stellte (a. a. O. S. 298) unter dem Namen Anchithe-
rium eine neue, mit Rhinoceros, Anoplotherium und Palaeotherium
verwandte urweltliche Gattung auf. Die ihr angehörigen Ueberreste
wurden bei Madrid gefunden und von H. v. Meyer mit dem Spezies-
Namen A. Exquerrae bezeichnet.
Morton sprach die Vermuthujig aus, dass man eine 2te
Art von Flusspferden als Hippopotamus minor unterschei-
den dürfe (Proceed. of the Acad. Nat. Sc. of Philad. 1844.
p. 185 und Ann. of nat. bist. XIV. p. 75).
Seine Vermuthung stützt sich auf 2 Schädel, welche er von Mon-
rovia in Westafrika erhalten und von Flusspferden aus dem St. Pauls-
flusse herrühren. Der eine Schädel ist von einem ganz alten Indivi-
duum, an welchem die Suturen völlig obsolet und die Zähne stark
abgenutzt sind, gleichwohl beträgt seine Länge vom Vorderrande bis
zur Auskerbung zwischen den Gelenkköpfen des Hinterhauptbeins
nur 12,3". Dazu kommt noch die einförmige Wölbung des Schädel-
daches sowohl von einer Augenhöhle zur andern, als zwischen dem
Hinterhaupt und den Nasenbeinen, während bei der gewöhnlichen
Art die Augenhöhlen auffallend erhöht und der Zwischenraum ausge-
höhlt ist. Die Augenhöhlen sind ferner bei H. minor in die Mitte
zwischen Hinterhaupt und Schnauze gestellt, während sie bei der
grossen Art ungefähr ein Drittel vom ersteren entfernt sind. End-
lich hat der H. minor nur 2 Schneidezähne im Unterkiefer, die Lük-
kenzähne sind den Eckzähnen genähert und die Basis der Jochbeine
liegt in gleicher Fläche mit dem Oberkiefer. — Ref. gesteht nach
Vergleichung dieser Angaben mit 3 Schädeln der grossen Art, dass
sie alle Beachtung verdienen und allerdings auf das Vorkommen einer
2ten Art schliessen lassen.
Naturgeschichte der Säugthiere während des Jahres 1844. 39
W. Vrolik bearbeitete mit grosser Ausführlichkeit die
Anatomie des Babyrussa' nach 2 männlichen Exemplaren.
Seine Abhandlung findet sich in den Nieuwe Verhandelingen der
ersten Klasse van het K. Nederl. Instituut van Wetensch. etc. te Am-
sterd. X (1844) p. 207 und ist von 5 ausgezeichnet schönen Tafeln
begleitet. Zuerst betrachtet er das Knochensystem und vergleicht es
mit dem des Schweins und des Nabelschweins. Rückenwirbel sind
13 vorhanden, Lendenwirbel 6. Das Kreuzbein besteht beim Schwein,
Babyrussa und Pekari aus 4, 5 oder 6 Wirbeln; die Zahl der
Schwanzwirbel ist bei diesen drei Thieren sehr veränderlich, scheint
aber nicht 24 zu übersteigen. Bei dem Muskelsysteme nimmt V.
zugleich das des Gnus und Tapirs mit in Betracht. Das Gehirn un-
terscheidet sich in keinem wesentlichen Stück von dem des Schweins.
Eigenthümlich sind ein Paar Luftsäcke, die weder beim Schwein
noch dem Pekari vorkommen. Sie finden sich in der obern Parthie
des Halses hinter dem Pharynx und da sie aneinander gewachsen
sind, so öffnen sie sich im Isthmus des Schlundes mit zwei Oeffnun-
gen, vUe von der Mundhöhle durch eine Verlängerung des Gaumen-
segels geschieden sind. Nach hinten endigen diese Säcke blind. Am
obern Iheil des Pharynx fand sich bei dem einen Exemplare noch
eine zweite Erweiterung, die jedoch wohl nur als pathologische Ab-
weichung angesehen werden darf, da sie dem andern Individuum
fehlte. Im Herzen zeigt sich am Septum, an der Basis der halb-
mondförmigen Klappen, eine Verknöcherung. Die linke Lunge wird
nur von einem einzigen Lappen, die rechte von zweien gebildet, von
denen der untere noch einen accessorischen Lappen besitzt. Der
Magen ist in 2 Säcke getheilt, wovon der eine mit dem Pförtner, der
andere mit der Cardia in Verbindung ist; letzterer hat einen beson-
dern Anhang, der sich von links nach rechts wendet, indem er sich
umschlägt. Beim Schwein ist die Magenbildung einfacher, bei den
beiden Nabelschweinen aber zusammengesetzter. Der Blinddarm ist
nicht sehr gross, aber sehr breit. Es giebt keine Samenblasen, aber
wohl eine Vorsteherdrüse, die aus zwei Lappen gebildet und aus
einer grossen Menge kleiner Läppchen zusammengesetzt ist.
In den tertiären Ablagerungen der Siwalik-Berge in Ost-
indien fanden Fal coner und Cautley eine neue Art von
Anoplotherium auf, die sie A. sivalense nennen (Ann. of
nat. bist XIV. p. 146).
Sie lag daselbst mit Ueberresten von Sivatherium, Camelus si-
valensis, Antilope, Krokodil u. s. w. zusammen, und ist auf 2 Ober-
kiefer begründet, die ein Thier anzeigen von der Grösse zwischen
Pferd und dem sumatranischen Nashorn.
Auf einen beschädigten fossilen Schädel und ein Unter-
kiefer-Fragment begründete Wood eine neue Gattung Mi-
crochoerus (Ann. of nat. hist. XIV. p. 349).
40 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Sie wurden ausgegraben in den Süsswasser- Ablagerungen bei
Hordwell in Hampshire, zugleich mit Ueberresten von Palaeotherium,
Alligator und etlichen anderen Thieren. Die neue Gattung kommt
hinsichtlich der Beschaffenheit der Zähne sehr nahe dem Hyracothe-
rium, aber ihre Grösse konnte kaum die des Igels übertroffen haben.
Der Spezies-Namen ist M. erinaceus.
Muminnntin.
Verrinn. Unter der Benennung Cervus dimorphe
giebt HÖ dg son von einem Hirsche Nachricht, den er für
eine neue Art ansieht (Ann. of nat. hist. XIV. p. 74).
Er bekam ihn aus der Saul- Waldung von Morung; das Thier
mochte damals "2 Jahre alt sein und H. hielt es lebendig; bei Ent-
werfung der Beschreibung war es ungefähr 3 Jahre. „Thier mit
massigem blassen, glatten Geweih, im Allgemeinen nach dem Typus
der Axis, aber die Stange in der Mitte mehr gebogen, mehr diver-
gent und nur mit einem einzigen, stark vorwärts gerichteten Spros-
sen an der Basis. Thranenfurche klein oder massig und vertikal;
Interdigital -Gruben; Ohren ausgebreitet, Schwanz kurz. Statur und
Ansehn das Mittel zwischen der Axis und Rusas. Jung hell falb-
roth; mit dem Alter schwärzlich -braun, mit schwärzlichem Nacken
und Unterleib; um die Schnautze ein dunkler Saum, Kinn weiss,
Gliedmassen blass." — Wenn H. selbst nicht weiss, welcher Gruppe
von Hirschen er dieses Thier zuweisen soll, so wird Ref. um so
eher hierüber sein ürtheil zurückhalten können, bis vollständigere
und vergleichende Beschreibungen uns zugekommen sind.
Brandt hat die Meinung ausgesprochen, dass man den
Cervus pygargus eher als besondere Art, denn als Varietät
vom gewöhnlichen Reh anzusehen habe (Bullet, de l'Acad. de
Petersb. III. p. 280).
Er giebt zur Unterscheidung folgende Merkmale an. 1) Cervus
pygargus; statura C. Damae. Caput et cornua fere ut in C. elapho
(?) formato. Cornua ima basi roseiformi §" inter se distantia, dein
extrorsum versa et angulo satis acuto reclinata, inde a medio forti-
ter extrorsam arcuata, apicibus summis valde magisque quam parte
media distantibus sursum, partis apicalis interna facie autem suban-
trorsum directa. Labii superioris latera margine toto alba. Ungulae
latiores et breviores quam in C. capreolo; Cauda paulo longior. —
2) Cervus eapreolus; statura Cervo Dama inferior. Cornua pe-
culiaria etc. Labii superioris margines lateribus nigri; cauda sub-
nulla.
Naturgeschichte der Säugthiere wahrend des Jahres 1844. 41
C. pygargus. C. capreolus.
Von der Schnauze zum After . 55" 3" 46" 3"'
Länge des Kopfs 13 3 11 3
der Hörner 13 0 10 3
Entfernung der Spitzen ... 12 3 36
Im Allgemeinen, meint B., „kann der C. pygargus als ein Reh
von grösserer Gestalt betrachtet werden, mit dem Kopf und den
Hörnern eines gewöhnlichen Hirsches, dem er sich übrigens einiger-
massen durch die Form des Schwanzes, welcher etwas voluminöser
als beim gewöhnlichen Reh ist, annähert." — Wie B. die Hörner des
C. pygargus mit denen des Edelhirsches vergleichen kann, sehe ich
nicht ein, denn wäre dieser Vergleich wörtlich zu nehmen, so wäre
die spezifische Differenz zwischen C. pygargus und capreolus ausser
allem Zweifel gesetzt. Uebrigens bleiben doch noch einige erheb-
liche Differenzen übrig, um beiderlei Thiere, selbst wenn sie auch
nur constante Lokalvarietäten ausmachen sollten, nach den von
Brandt angegebenen Merkmalen zu unterscheiden.
Dr. Fal coner und Capitain Cautley unterscheiden
jetzt unter den in den Siwalik- Bergen vergrabenen urwelt-
lichen Giraffen -Ueberresten 2 Arten: Camelopardalis si-
valensis und affinis (Ann. of nat. bist. XIV. p. 146).
1) C. sivalensis ist auf den dritten Halswirbel begründet, der um
\ kleiner ist als bei der lebenden Art und sonst noch Differenzen
zeigt. 2) C. affinis kommt in Form und Grösse der Zähne u. s. w.
sehr nahe unserer lebenden Giraffe und ist auf 2 Fragmente vom
Oberkiefer und ein anderes vom Unterkiefer begründet.
Die Anatomie einer zu Toulouse zu Grunde gegangenen Gi-
raffe unternahmen Joly und Lavocat und theilten vorläufige Be-
merkungen mit (Instit. p. 54). Owen's Arbeit scheinen sie noch nicht
gekannt zu haben. Die Gallenblase fehlte ihrem Exemplare, was
auch bei 2 von Owen untersuchten der Fall war, während bei einem
dritten sie nicht blos sehr gross, sondern auch gedoppelt vorkam.
Das Verhalten des sog. dritten Horns haben sie gerade so wie Ref.,
Owen und Rüppell gefunden.
Cavicornia. Die Beispiele vom Vorkommen fossiler
Ueberreste von urweltlichen Thieren aus dieser Abtheilung
fangen allmälig an sich zu mehren.
In den losen Ablagerungen der Gegend von Issoire wurden ver-
schiedene fossile Ueberreste gefunden, die Pomel einer urweltlichen
Ziege zuschreibt und sie Capra Roxeti benennt (Rev. zool. p.284).
Brehm erinnerte in der Isis S. 484 die Zoologen daran, dass
dem pyrenäischen Steinbocke der Name Capra pyrenaica zuerst von
Bruch und nicht von Schinz beigelegt worden sei.
42 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Unter dem Artikel Daim lieferte Roulin sehr ausführliche
gründliche und lehrreiche Betrachtungen über den Ursprung und die
Rassen der Hausziege (D'Orbigny dict. univ. d'hist. nat. IV. p. 577).
Von einem milchenden Bocke theilte Schlossberger in Mül-
ler's Archiv f. Anat. S. 439 eine Nachricht nebst Analyse der Milch
desselben mit. Der Bock lebt auf dem Gute Neuhof bei Giessen,
hat vollkommen ausgebildete Hoden, Ruthe und Hörner, und durch
Erzeugung mehrerer Jungen unzweifelhafte Beweise seiner männ-
lichen Kraft gegeben. Die 2 Euter liegen an der Stelle, wo sie sich
bei den Ziegen auch befinden und haben wohl die Grösse einer Faust.
Mit einiger Gewalt Hess sich aus ihnen eine Flüssigkeit ausdrücken,
die durchaus die Farbe, Consistenz und den Geschmack einer guten
Milch hatte.
Pi nnipedla.
Die in den japanischen Gewässern vorkommenden Flos-
senfüsser hat Schlegel in der 3ten Dekade der Fauna japo-
nica bearbeitet.
Diese Arbeit ist ein wichtiger Beitrag zur näheren Kenntniss
dieser Thiere. Unter den ungeöhrten Robben unterscheidet er eine
neue Art, die Phoca nummulär ia^ deren schon Pallas erwähnt
hat. Ausführlich beschreibt er die Otaria Stelleri und weist nach,
dass sie auch in den südlichen Gewässern vorkommt, und hält es
für sehr wahrscheinlich , dass die O. chilensis und Lamarii von
J. Müller ihr ebenfalls angehören, was allerdings viel für sich hat.
Von noch allgemeinerem Umfange ist J. E. Gray 's Ar-
beit, indem sie sich überhaupt über die Robben der südlichen
Hemisphäre erstreckt.
Sie findet sich in der Zoology of the Voyage of H. M. S. Ere-
bus et Terror, edited by Richardson and J. E. Gray. Bis jetzt
sind 2 Hefte dieser Abtheilung erschienen. Als Einleitung ist eine
systematische Anordnung der ganzen Ordnung der Flossenfüsser nach
Gattungen und Arten gegeben , wobei diese ziemlich zahlreich be-
dacht worden sind. Im Allgemeinen folgt Gray bei der Anordnung
der Gattungen der ausgezeichneten Arbeit von Nilsson, was sehr zu
billigen ist, nur kommt dadurch das Wallross zwischen die ungeöhr-
ten und geöhrten Robben zu stehen, was Ref. als verfehlt erklären
muss, da jenes Thier nach der Beschaffenheit seines Schädels, Ge-
bisses und selbst der Hinterfüsse von den übrigen Seehunden sich
auffallend unterscheidet, daher als besondere Familie von ihnen ge-
trennt werden muss. Auf diese Arbeit soll, sobald sie uns vollstän-
dig vorliegt, ausführlicher eingegangen werden.
Ueber die Stellung und Deutung der Zähne des Wallrosses
lieferte G. Jäger einen keinen Aufsatz in Müller's Archiv S. 70. Er
schliesst sich den Ansichten von Rapp und Stannius an und macht
Naturgeschichte der Säugthiere -wahrend des Jahres 1844. 43
auf eine Verschiedenheit in der Form des Unterkiefers aufmerksam,
indem dessen Aeste bald eine mehr gerade Richtung, bald eine über-
einstimmende Ausschweifung zeigen.
C e t a c e a.
Ueber das Geruchsorgan der Walle im Allgemeinen und
des Delphin us Delphis und Tursio insbesondere lieferte A.
Alessandrini eine Abhandlung in den Nov. Commentar.
Acad. scient. Instituti Bononiensis. VI. (1844) p. 141).
Sie enthält eine ausführliche Schilderung des Geruchsorgans.
Hinsichtlich des Streites, ob bei den Wallen und insbesondere bei
den Delphinen ein eigentlicher Geruchsnerve vorhanden ist oder
nicht, erklärt sich A. mit Bestimmtheit für erstere Annahme und
zeigt, woher es komme, dass bei Zergliederungen dieser Nerve nicht
selten übersehen wurde.
Von Balaejioptera rostrata gab Lesson eine Beschreibung nach
einem jungen Thiere, das im Jahre 1835 an den Ufern der Charente
strandete (Actes de la Soc. Linneenne de Bordeaux XII. p. 16).
E sehr ich t setzte seine interessanten Untersuchungen über die
nordischen Wallfische fort (Förhandlingar vid de skand. Naturf.
Stockh. 1843. p. 203, übers. Isis 1815. S. 419). Er glaubt jetzt mit
ziemlicher Gewissheit die Existenz von 2 grossen und 2 kleinen
Furchenfinnfischen im Norden behaupten zu können. — Ebenderselbe
theilte a. a. O. (Isis 437) seine Beobachtungen über den Schnabel-
wallfisch (Hyperoodon) mit und setzte bei der Gelegenheit auch die
verwirrte Synonymik aus einander.
Fitzinger's Beschreibung des Haltt herium Christoll wurde im
Auszuge in den Jahrb. für Min. S. 382 mitgetheilt.
H. Schlegel benutzte in seinen Abh. aus dem Gebiete der Zoo-
logie und vergl. Anat. , 2tes Heft, die Gelegenheit, welche ihm die
Strandung eines Delphrnus orca und einer Balaenoptera aretica an
der holländischen Küste gab, von beiden genaue Beschreibungen und
vollkommen naturgetreue Abbildungen zu liefern.
44 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Vögel während des Jahres 1844.
Vom
Prof. Andr. Wagner
in München.
Schon in unserem vorigen Berichte haben wir das Er-
scheinen eines Werkes angekündigt, das dem Ornithologen
zur Orientirung in seiner Literatur und zum Bestimmen der
Arten von der grössten Wichtigkeit ist, und das wir jetzt
gleich im Eingange ausführlicher zu besprechen haben. Es
führt den Titel: The Genera of Birds. By George Robert
Gray. Illustrated vvith about three hundred and fifty plates
by D. W. Mitchell. London seit 1844.
Dieses Werk hat im Mai 1844 begonnen und soll jeden Monat
ein Heft erscheinen, doch sind uns aus dem vergangenen Jahre erst
5 derselben vorliegend. Es bindet sich an keine systematische Ord-
nung, sondern stellt die verschiedenartigsten Gruppen zusammen, wie
z. B. gleich im ersten Heft Buteoninae, Ploceinae, Oedicneminae und
Glareolinae neben einander vorkommen. Daher sind auch weder
Tafeln noch Text paginirt, und die Beschreibung jeder Gruppe
schliesst in der Weise ab, dass nach Beendigung des ganzen Werkes
dasselbe nach Anleitung der „List of the Genera of Birds" der darin
befolgten Anordnung gemäss gebunden werden kann. Die Charaktere
der Familien, Unterfamilien, Gattungen und Untergattungen sind aus-
führlich angegeben; von den Arten aber nur die Namen aufgeführt
und eine oder die andere Autorität und Abbildung citirt. Da Gray
nach der neueren englischen und französischen Weise den Untergat-
tungen den Werth der Gattungen beigelegt, und sie also vollständig
charakterisirt hat, so erspart man sich bei Benutzung seines Werkes
die grosse Mühe, die Merkmale dieser über alle Gebühr zersplitter-
ten Gattungen in den verschiedenartigsten Schriften aufzusuchen, und
erfährt überdiess zugleich die Zahl der Arten , die einem solchen
Genus angehören nebst Verweisung auf die Schriften, in denen sie
beschrieben und abgebildet sind. Zur Bestimmung in den Sammlun-
gen leistet daher dieses Werk die wichtigsten Dienste. Von jeder
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1844. 45
der bei Gray überaus zahlreichen Unterfamilien wird eine oder die
andere Gattung in einer kolorirten Abbildung dargestellt; ausserdem
auf besondern schwarzen Tafeln von allen Gattungen Kopf, Schnabel
(von der Oberseite), Fuss und Schwingen abgebildet. Text und Ab-
bildungen sind mit grösster Genauigkeit ausgearbeitet; das Kolorit
vortrefflich, überhaupt die ganze äussere Ausstattung elegant; der
Preis massig. Es steht zu hoffen, dass diese Arbeit einen raschen
Fortschritt einhalten und also innerhalb fünf Jahren uns vollständig
vorliegen wird. Höchst wünschenswerth wäre es, wenn ein Ornitho-
log, der mit dem nöthigen literarischen Apparat ausgerüstet ist, sich
die Species avium zum Gegenstand der Bearbeitung wählen würde,
damit man das weit und breit zerstreute Material wieder einmal bei-
sammen hätte und die Ornithologie, die der immer zahlreicher wer-
denden Luxuswerke wegen auf einen fortwährend sich verkleinernden
Kreis beschränkt wird, dadurch von Neuem zum Gesammtgut aller
Zoologen gemacht würde.
J. E. Cornay hat der Academie des sciences de Paris
eine neue, auf die Beschaffenheit der Gaumenbeine begründete
Klassifikation der Vögel vorgelegt (Instit. p. 21).
Es erhellt aus seinen Angaben, dass allerdings die Beschaffenheit
des Gaumenbeins sehr brauchbare Merkmale für die Systematik ab-
giebt; wenn man jedoch hiernach den Flamingo neben die Enten-
vögel, den Kukuk neben die Mandelkrähe zu stellen hätte, so ist er-
sichtlich, dass eine consequent durchgeführte Klassifikation nach
einem einzelnen Merkmale nothwendig öfters zu naturwidrigen Zu-
sammenstellungen führen würde. Man hat ja in der Botanik mit
dem Linneischen Systeme dieselbe Erfahrung gemacht, obgleich die-
ses auf ein ungleich bedeutsameres Organ, als dies bei den Vögeln
die Gaumenbeine sind, begründet ist.
Ornitologia powszechna, czyli opisanie ptakow wszystkich
cz$sci swiata przcz Hr. Konstantego Tyzenhauza. Wilno.
1844. Tom. II. 602 S.
Den ersten Theil dieser für die Emporbringung der Ornithologie
in Polen vortrefflich geeigneten Arbeit hat Ref. schon im vorigen
Berichte angezeigt und es freut ihn, dass dieselbe einen so guten
Fortgang hat. Der zweite Theil, gleich dem ersten die Temminck-
sche Anordnung einhaltend, schliesst mit den Tauben ab. Beigege-
ben ist eine kolorirte Abbildung von Steatornis caripensis.
Ovographie ornithologique par Bf. O. Des Murs (Rev.
zool. p. 75, 129, 161, 209).
Weitere Fortsetzung seiner interessanten Arbeit über die Eier
der Vögel. Der Verf. bespricht erstlich den Einfluss der Nahrung
auf die Färbung der Eier, dann den Einfluss des Klimas darauf, fer-
ner die färbende Materie derselben nnd den Einfluss der Bebrütung
46 An dr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
auf die Entwicklung dieses Stoffs an der Oberfläche der Schale,
endlich das Verhältniss, das zwischen der Form und der allgemeinen
Anordnung der Flecken an der Oberfläche der Schale der gefärbten
Eier und der Art ihres Ausgangs aus der Kloake stattfinden kann.
Meyer, coloured Ulustrations of British Birds, with the Eggs
of each Speeres. Lond. 4to, sind mir nur aus der Ankündigung
bekannt.
An die vielen ornithologischen Artikel in D'Orbigny's Dict.
univ. de l'hist. naturelle. Tom. IV. soll hier nur erinnert werden.
Waterton's Essays on Natural History chiefly Ornithology.
Fifth edition. Lond. 1844 braucht ihrer fanatisch radikalen Tenden-
zen wie ihrer ungeordneten Vorlage wegen als wissenschaftlicher
Beachtung unwürdig hier nicht weiter besprochen zu werden.
Genauere Bestimmung einiger Muskeln an den Vordergliedmassen
der Vögel wurden von Retzius vorgelegt (Förhandl. vid de skand.
Naturf. Stockh. 1843. p. 659; Isis 1845. S. 440). — Ebenderselbe han-
delte a. a. O. (Isis 1845. S. 455 vom Bau des Magens der Vögel.
Bemerkungen über die Theorie des Vogelflugs finden sich im
Voy. autour du monde sur la Fregatte la Venus X. Physique V,
p. 107 u. 268.
Mit Spezialfatinen sind wir diesmal nicht so reichlich wie
das vorigemal bedacht worden.
Zuvörderst ist zu erwähnen, dass Naumann's ausgezeichnete
Naturgeschichte der Vögel Deutschlands nunmehr zum Ende gekom-
men ist. — Schlegel's und Susemihl's Bearbeitung der Vögel
Europa's, so wie Zander's Naturgeschichte der Vögel Mecklenburgs
(5tes Heft) sind in der Fortsetzung begriffen.
Kritische Uebersicht der europäischen Vögel von H.
Schlegel. Leid. 1844. Auch unter dem Titel: Revue critique
des oiseaux d'Europe.
Eine sehr verdienstliche kritische Aufzählung der europäischen
Vögel. Zuerst werden die Arten mit ihren hauptsächlichsten Syno-
nymen und ihren Wohnstätten aufgeführt; alsdann in einer besondern
Abtheilung kritische Erörterungen über noch nicht sicher festgestellte
oder leicht verwechselbare Arten beigefügt, wodurch diese Arbeit
einen Hauptwerth erlangt und als ein wichtiger Beitrag zur Förde-
rung unserer Kenntniss der europäischen Fauna, so wie als notwen-
diges Supplement zu Temminck's Manuel anzusehen ist. Da sie in
deutscher und französischer Sprache zugleich (in neben einander
fortlaufenden Spalten) verfasst ist, so ist dadurch dieser wichtigen,
jedem Ornithologen unentbehrlichen Arbeit eine weite Verbreitung
gesichert.
Die Vögel Europa's. Eine systematische Uebersicht der
synonymen Gattungen uud der einzelnen Arten nach ihrer
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1844. 47
natürlichen Verwandtschaft zusammengestellt von L. Selliers
von Moranville. Wien 1844. 57 S. 8.
Der Verf., Amanuensis der k. k. Hofbibliothek., hat seine Auf-
gabe gut gelöst, beschränkt sich jedoch auf blosse Angabe der Na-
men ohne weitere Erläuterungen.
Die Wanderungszeit der gewöhnlichsten Zug- und Strichvögel im
Amte Idstein im Jahre 1842 wurde von Chr. ünzicker angegeben
(Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogthum Nassau
Wiesb. 1844. S. 101).
Ein Verzeichniss der von ihm im nordöstlichen Sibirien gesam-
melten Vögel publizirte Th. v. Middendorf in dem Bullet, de la
Classe phys. math. de PAcad. de Petersb. III. p. 295.
Blyth's List of Birds from the vicinity of Calcutta ist in den
Ann. of nat. bist. XIII. p. 32, 113, 175 und XIV. p. 34, 108 fortgesetzt
worden. Besondere Bemerkungen dazu lieferte Strickland a. a. O.
XIII. p. 204.
Von den Verhandelingen over de natuurl. Geschiedenis der Ne-
derl. ovezeesche Bezitt. ist im Jahre 1844 keine Fortsetzung des
ornithologischen Textes, sondern nur 4 Tafeln Abbildungen in N. 10
der zoologischen Abtheilung erschienen.
Fauna japonica auetore Ph. Fr. de Siebold. Animalia
vertebrata elaborantibus Temminck et Schlegel. Aves.
fasc. 1.
Dieses erste Heft enthält den Anfang der von den holländischen
Reisenden auf Japan beobachteten Raubvögel, und zwar folgende:
Falco communis, F. tinnunculus japonicus , Astur nisus, Astur gu-
laris , Spizaetos o?'ientalis, Circus uliginosus , Haliaetus pelagicus,
Pandion Haliaetus orientalis und albicilla, Milvus melanotis , Buteo
japonicus, Buteo hetnilasius, Buteo polyogenys, Pernis apivorus. Von
ausgezeichneter Schönheit und naturgetreuer Auffassung des Habitus
sind die beigegebenen Tafeln, die ihrer genauen Detailausführung
wegen selbst noch den Gouldschen vorzuziehen sind. In diesem
ersten Hefte sind abgebildet: Falco tinunculus japonicus, Astur gu-
laris, Milvus melanotis, Buteo vulgaris japonicus , Olus semitorques,
Otus scops japonicus , Hirundo alpestris japonica, Caprimulgus jo-
takaf Muscicapa hylocharis.
Avium conspectus quae in Republica Peruana reperiuntur et
pleraeque observatae vel collectae sunt in itinere a Dr. J. J. de
Tschudi. Als in unserm Archive S. 262 enthaltend keiner weitern
Anzeige bedürftig.
Die von Bridges aus Chili mitgebrachten Vögel wurden von
Fräser bestimmt und ihr Verzeichniss, mit Bemerkungen versehen,
mitgetheilt (Ann. of nat. bist. XIII. p. 498.)
Eine Bearbeitung der neuseeländischen Vögel ist von G. R.
Gray in der Zoology of the Voyage of H. M. S. Erebus et Terror
48 An dr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
begonnen worden. Es sind bisher 2 Hefte erschienen, von denen
das 2te den Text des ersten nochmals ungearbeitet hat; die Abbil-
dungen sind vortrefflich.
Von Gould's Werke, „the Birds of Australia" ist während des
Jahres 1844 Heft 14, 15, 16 und 17 erschienen.
Der zoologische Atlas von Du Petit Thouars voy.
autour du monde sur la Fregatte Venus enthält bis jetzt in
seinen 6 Lieferungen von Vögeln folgende Abbildungen :
lste Lieferung: Grallaria squamigera tab. 3, Grallaria gnati-
malensis tab. 4, Pyrgila biarcuata tab. 6, Columbi-G allina gallopa-
goejisis tab. 8, Stolida cinerea tab. 9. — 2te Lieferung: Hemignathus
olivaceus tab. 1 , Ornismya Costa tab. 2 , Tanagra ruficervix und
labradorides tab. 5, Columba Dupetit -Thouarsii tab. 7, Larus für-
catus tab. 10.
List of the Specimens of Birds in the British Museum.
Part. 1. Accipitres. 1844. 58 S. 8. Part III. Gallinae, Grallae
and Anseres. 1844. 209 S. 8.
Bios diese beiden Abtheilungen sind uns bisher zugekommen,
die Zeugniss von dem grossen Reichthume der ornithologischen
Sammlung des britischen Museums geben und zugleich den Besuchern
desselben gute Dienste leisten. Die Einrichtung dieses Verzeichnis-
ses ist sehr zweckmässig, indem die Verschiedenheiten nach Alter,
Geschlecht, Jahreszeit, so wie auch der Wohnort und die etwaigen
Geber bezeichnet sind.
Zur Kenntniss der fossilen Vögel knochen sind mir
nur wenige Beiträge bekannt geworden.
P. Gervais lieferte im Instit. p. 293 Bemerkungen über urwelt-
liche Vögel und theilte ein hauptsächlich Frankreich betreffendes
Verzeichniss derselben mit. — H. v. Meyer machte im Jahrb. für
Min. S. 331 bekannt, dass der von Karg abgebildete versteinerte Vo-
gelfuss von Oeningen einem Vogel von der Ordnung der Strandläufer
angehörte. Den Vogel aus der Glarner Kreideformation bezeichnete
er ebendaselbst S. 338 als Protornis Glarniensis. Aus dem
mittelrheinischen Tertiärbecken erhielt er die fossile Ellenbogenröhre
von einem Vogel (S. 565). Der im Leonhardschen Taschenb. f. Min.
1808 beschriebene OrnithoUthus von Oeningen wurde von H. v.
Meyer als ein Frosch {Latonia) befunden.
Accipitres»
Heber die Stellung und Unterscheidung mehrerer Raub-
vögel theilte Brehm in der Isis S. 488 seine Bemerkungen mit.
Sie betreffen die Condore, . Vultur fulvus, Gypaetos, Halia'etos,
Aquila, Pandion, Circaetos und Eulen. An den Condoren hat er die
Naturgeschichte der Vogel wahrend des Jahres 1844. 49
wiederholte Bemerkung gemacht, dass das Männchen bedeutend grös-
ser als das Weibchen ist. In Bezug auf Vultur fulvus Linn. unter-
scheidet er die beiden Varietäten Schlegels als Subspecies und wirft
die Frage auf, ob die bänderartigen Federn der Halskrause im Alter
wirklich in die wollige Krause übergehen oder bis zum Tode des
Vogels bänderartig bleiben.
IL Schlegel et A. II. V erster van Wul verhörst,
traite de Fauconnerie. Livr. 1. Leyd. 1844.
Nachdem die Falkenjagd neuerdings wieder in Aufnahme kommt,
ist es auch in der Ordnung, dass sich die Literatur wieder mit ihr
befasst. Uebrigens ist uns dahier dieses Heft noch nicht zugekom-
men und muss also der Bericht auf das nächstemal verschoben wer-
den; aus dem ausgegebenen Prospectus geht jedoch hervor, dass die-
ses mit kostbaren Abbildungen gezierte Prachtwerk dem Jagdfreunde
wie dem wissenschaftlichen Ornithologen gleich wichtig werden wird,
indem es sich nicht blos auf den Jagdbetrieb beschränkt, sondern
auch eine umfassende Geschichte dieser Art des edlen Waidwerkes,
nebst einer ausführlichen Naturgeschichte der hierbei verwendeten
Vögel liefert.
In Gray's Genera of Birds sind von der Ordnung der
Raubvögel bereits abgehandelt die Vulturinae n. 2, Gypaetinae
n. 5, Gypohierax n. 3, Buteoninae 11. 1, Polyborinae n. 4.
Die Vulturinae enthalten die Gattungen Vultur mit 3 Arten,
Otogyps mit 1, Gyps mit 3 Arten. — Die Gypaetinae bestehen aus
der einzigen Gattung Gypaetos mit 1 Art. — Die Gypohieracinae
haben ebenfalls nur eine Gattung Gypohierax mit 1 Art aufzuweisen.
-— Die Buteoninae bestehen aus 2 Gattungen: Buteo mit 32 und
Archibuteo mit 3 Arten. — Die Polyborinae begreifen 3 Gattun-
gen: Ibycter mit 3, Milvago mit 5, Polyborus mit 1 Art.
Von den Habichten hat Strickland den Falco gracilis
Temm. unnöthiger .Weise als Gattung Isclmos celes abge-
trennt (Ann. ofnat. bist. XIII. p. 409).
Als Motiv bezeichnet er die Schmächtigkeit der Läufe und das
Verhältniss der Zehen , indem die äussere kürzer ist als die innere.
Ueber den Nestbau, die Eier und Lebensweise von Falco pere-
grinus lieferte Hardy in der Rev. zool. p. 289 einige Bemerkungen;
Gerbe ebenda S. 440 über ein Ei, das muthmasslich dem Goldadler
gehören könnte. — Falco rupicoloides ist eine neue, von A. Smith
in den Illustr. of the Zool. of South Africa beschriebene und tab. 92
abgebildete Art; ebendaselbst Accipiter rußventris tab. 93.
H. Schlegel lieferte in seinen Abh. aus dem Gebiete der Zoo-
logie und vergl. Anat. 2tes Heft, die Beschreibung von Falco Feldegg i
und F. tanypterus Licht. (F. biarmieus Temm.), von ersterem auch
2 schöne Abbildungen. In seiner kritischen üeb ersieht der europ.
Vögel macht er jedoch auf S. 11 bemerklich, dass F. Feldeggi der
Archiv f. Naturgesch. XI. Jahrg. 2. Bd. £)
50 An dr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
ächte Lannerfalke der Falkoniere ist und legt ihm daher den Namen
F. lanariut bei, während er dem F. lanarius von Temminck und
Naumann den alten Namen F. sacer restituirt.
Fasserinae.
In dem von Retzius und Loven erstatteten Bericht
über die demnächst erscheinende „Beschreibung der Vogel-
fliigel von Sundevall" finden sich weitere Erläuterungen
über die Unterschiede, die in dieser Hinsicht zwischen den
Singvögeln und den andern Gattungen stattfinden (Hornsch.
Archiv skand. Beitr. I. S. 156).
Als Resultat der ganzen Untersuchung ergiebt sich, dass die
Singvögel, d. h. diejenigen Vögel, deren unterer Kehlkopf mit 5 Paar
Muskeln versehen ist, in jeder Hinsicht eine eigene Bildung zeigen,
von der nur einige Abweichungen vorkommen und dass alle die übri-
gen Vögel: Wasservögel, Wadvögel, Hühner, Raubvögel, Papageien
und kukuksartige Vögel, wie unähnlich sie auch im äussern Habitus
scheinen mögen, doch eine bestimmte eigene Grundform zeigen,
welche sich der der Singvögel blos durch einige, den kukuksartigen
Vögeln zunächst stehende Uebergangsformen annähert, unter denen
die wichtigste die Spechte ausmachen. Bei den Singvögeln ist selbst
der fleischige Theil an der äussern Seite des Unterarms von Federn
entblöst und wird nur von den kleinen Federn überdeckt, die auf
der losen Haut sitzen, voran über dem Armbein. Die grossen Deck-
federn sind so kurz, dass sie blos die halbe Länge der Armschwung-
federn erreichen oder noch kleiner; von den untern Flügeldeckfedern
fehlt die erste von den zw^ei umgekehrten Reihen, und die übrigen
sind an Zahl weit geringer als bei den andern Vögeln. Die erste
Schwungfeder zeigt eine allgemein vorkommende Tendenz zur Ver-
kürzung, und ist rudimentär oder wird bei ungefähr der Hälfte der
bekannten Arten vermisst; Cubitalfedern (Schwungfedern 2ter Ord-
nung) sind 9, selten mehrere. Eine eigene Form der Armmuskeln,
welche zugerundet, gleichsam aufgeschwollen sind mit langen Sehnen,
und eine eigene Biegung des grösseren Armknochens (Ulna), so wie
einige andere Eigenheiten in den innern Theilen, geben dem ganzen
Arm eine eigene Gestalt, die leicht wieder erkannt wird, sogar ohne
dass die Federn ausgerupft werden. Die übrigen Ordnungen haben
3_5 vollständige Federreihen auf der fleischigen Aussenseite des Ar-
mes-, ihre grössern Deckfedern gehen weit über die Mitte der
Schwungfedern 2ter Ordnung; von den untern Deckfedern findet man
immer die erste Reihe umgekehrt. Die erste Schwungfeder Ister
Ordnung findet sich immer und ist nur selten verkürzt, so dass diese
Vögel immer wenigstens 10 Schwungfedern der lsten Ordnung haben;
einige wenige Formen besitzen deren 11. Schwungfedern 2ter Ord-
nung sind mit wenigen Ausnahmen mehr als 9, aber im Uebrigen an
Zahl höchst verschieden; die Ulna ist bogenförmig, nicht S förmig,
Naturgeschichte der Vögel wahrend des Jahres 1844. 51
gekrümmt, und die Armmuskeln sind gleich dick mit kurzen Sehnen,
und zeigen in mehrfacher Hinsicht eine der der Singvögel entgegen-
gesetzte Form. (Vergl. auch die FÖrhandl. vid de skand. Naturf.
Stockh. 1843. p. 685; übers. Isis 1845. S. 452).
Corvinae» Eine neue Art aus Guatemala wurde von Hart-
laub in der Rev. zool. p. 215 unter dem Namen Garrulus (Cya-
nocorax) melanocy aneus aufgestellt. In den Birds of Australia
wurden von Gould abgebildet: Gymnorhina tibicen und leuconota
n. 17.
impeUilae. Pipra vitellina wurde als neue Art von
Gould in den Ann. of nat. hist. X11I. charakterisirt; sie stammt von
Panama. — Pardalotus ptmctatus und striatus wurden von demsel-
ben in den Birds of Austral. n. 15 abgebildet.
Tanagridae* Diese Familie wurde von G. R. Gray
im 3ten Hefte seiner Genera of Birds bearbeitet.
Zu Emberizoides zählt er 2 Arten, zu Pipilo 9, zu Arremon 17,
zu Embernagra 11, zu Pitylus 18, zu Cisxopis 1, Lamprotes 3, Sal-
tator 19, Rhamphopis 9, Pyranga 17, Lanio 3, Tanagra 21, Stepha-
nophorus 1, Tachyphonus 24, Nemosia 7, Tanagrella 2, Calliste 30,
Euphonia 23, Cypsnagra 1; im Ganzen also 218 Arten.
An der übermässigen Zersplitterung der Tanagriden sich
noch nicht begnügend, hat Strickland eine neue, Ort ho -
gonys benannt, zugefügt (Ann. of nat. hist. XIII. p. 421).
Die Tanagra viridis Spix ist es, welche die ganze neue Gattung
begreift und von den andern unterschieden wird durch gestreckten
Schnabel, sehr gebogene Firste und die ganz gerade Dillenkante.
Auch Hartlaub gab sich die undankbare Mühe, eine
neue Gattung unter dem Namen Poecilor?iis zu creiren
(Rev. zool. p. 369).
Typus ist Arremon rufivertex. Als Grund zur Trennung von
Arremon führt er erstlich die prächtige Färbung bei P. an, dann die
Form des Schnabels und der Flügel, die bei A. kaum die Schwanz-
wurzel erreichen, bei P. fast bis zur Schwanzmitte gehen. Ferner
ist bei A. äussere und innere Zehe gleich lang, bei P. die äussere
beträchtlich länger als die innere.
Als neue Arten sind zu bezeichnen: Saltator magnoides (!)
und ict eropkrys, beide von Lafresnaye aus Mexiko (Rev. zool.
p. 41), ferner von demselben Salt at or g uade lupensis a. a. O.
S. 167. — Arremon Abeillii aus Guayaquil von Lesson in der
Rev. zool. p. 435. — Von Strickland in den Ann. of nat. hist.
XIII. p. 419: Tachyphonus saucius und rufieeps, Calliste
thalassi/ta, Nemosia fulvescens, Embernagra longt-
cauda. — Von La?nprotes albicristatus hat Lafresnaye im Mag.
de Zoolog, tab. 50 eine Abbildung geliefert.
D*
52 An dr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Vringilliüae* In den Genera of Birds pari. 1 erwei-
terte G. R. Gray seine Unterfamilie Ploceinae in folgender
Weise.
Textor mit 5 Arten, Hyphantornis (neuer Name) mit 28, Sy co-
li us 8, Ploceus 26, Philetaerus 1, Nigrita 2, Plocepasser 2, Vidua
10, Cheva 1; im Ganzen also 83 Arten.
Die Unterfamilie Coccothraustinae wurde von Gray a. a.
O. part. 2 in folgender Weise angeordnet:
Spermospixa (neuer Name für Spermophaga) mit 1 Art, Pyrene-
stes mit 2, Guiraca 6, Calamospixa 1, Cardinalis 5, Coccothraustes
8, Geospi%a 8, Camarhynchus (Piezorhina?) 3, Cactornis 3, Certhi-
dea 1; im Ganzen 38 Arten. — Die von Gould in den Ann. of nat.
hist. XIII. p. 474 aufgeführte Cactornis inornata ist bereits in
dieser Zahl mit einbegriffen; dagegen ist Spermophaga von Strick-
land mit einer 2ten Art, Sp. margaritata bereichert worden
(Ann. XIII. p. 418. tab. 10).
Die Emberizinae hat Gray a. a. O. part. 4 aufgeführt.
Euspixa mit 14 Arten, Emberixa mit 31, Gubernatrix mit 1,
Fringillaria mit 12 und Plectrophanes mit 4; im Ganzen also mit
62 Arten.
Als sonstige neue Arten aus der Familie der Fringilliden sind
zu bezeichnen: Tiaris cruentus aus Guayaquil von Lesson in
der Rev. zool. p. 435. — Leucos ticte griseogenys Gould in
den Ann. of nat. hist. XIII. p. 474. — Am ad in a Gouldiae, von
Gould in den Ann. XIII. p. 363 und in den Birds of Austral. n. 15
dargestellt; eine der schönsten Arten, die Gould nach seiner liebens-
würdigen, nunmehr bereits verstorbenen Gattin, welche in seinen
ornithologischen Arbeiten eifrigen Antheil genommen hatte, benannte.
— Amadina squamifrons von A. Smith in den Illustrat. of the
Zool. of South Africa tab. 95.
Den Nestbau von Emberixa quelea beschrieb der Vicomte de
Tarragon in der Rev. zool. p. 83.
Die systematische Vertheilung seiner Passeres {Fringilla, Loxia
und Emberixa setzte Sundevall aus einander (Fö'rhandl. vid de
skand. Naturf. Stockh. 1843. p. 691; Isis 1845. S. 452).
Sturnidae, Das Junge von Icterus diadematus Temm. wurde
von Lafresnaye in der Rev. zool. p. 42 beschrieben. Es unter-
scheidet sich vom Alten durch olivenschwärzliche Färbung, durch
gelben Fleck auf dem Zügel u. s. w. — Pendulinus californi-
cus aus Californien von Lesson in der Rev. zool. p. 436.
JDentirostres» Eine neue, wahrscheinlich mit Lepto-
rhynchus Menetr. identische Gattung errichtete Strickland
unter dem Namen Holocnemis (Ann. of nat. hist. XIII. p. 415).
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1844. 53
Durch den verlängerten Schnabel, kurzen Schwanz und das ganze
acrotarsium unterscheidet St. seine Gattung von Formicivora und
Myrmeciza; durch letzteres Merkmal ferner, sowie durch grössere
Schwanzlänge von Urotomus und durch die grössere Freiheit der
äussern Zehe von Pithys. Hierher stellt St. den Turdus cinnamo-
meus Gm. und fügt ihm eine neue Art bei, Holocnemis flam-
mata (tab. 13), wahrscheinlich aus Amerika.
Ebendaselbst beschrieb Strickland noch einige andere ver-
wandte Arten: Suiriri? icterophrys Vieill. (tab. 12); Euscarthmus
cinereus Strickl. und Myrmeciza melanura Strickl. — Hartlaub
stellte einen Brachypteryx albigularis und malaccensis
in der Rev. zool. p. 401 u. 402 auf; von ersterer Art vermuthet er
selbst, dass sie mit Malacopterum macrodaetylum Str. (Ann.
of nat. hist. XIII. p. 417 identisch seyn könnte. — Ebenda p. 370 un-
terschied Hartlaub einen Tinactor guatemalensis von T.
fuscus Wied.
Andere neue Arten: Tyrannvia Tschvdii aus Bahia von
Hartlaub in der Rev. zool. p. 369; ebenda S. 80 Tyrannvia
ardosiaca aus Columbien von Lafresnaye. — Den Tyrannvs (Mil-
vulus) monachns Hartl. in der Rev. zool. p. 214 erklärte Lafres-
naye in der nämlichen Zeitschrift S. 324 für das Junge von Milvu-
lus savana (Muscicapa tyrannus Gm.). — Derselbe brachte a. a. O.
S. 78 noch einige Berichtigungen bei. Er findet, dass seine Musci-
capa fvsco-capilla identisch ist mit Myiobius diadema Hartl. und
behält daher den letzteren Namen bei. Dagegen weist L. nach, dass
Hartlaub's Myiobius pyrrhopterus einerlei Art ist mit der Muscipeta
cinnamomea d'Orb. et Lafr. Endlich gesteht er ein, dass seine Se-
tophaga nigro-cineta das Weibchen von Myiodioctes canadensis Aud.
ist, der eigentlich der nachfolgenden Familie angehört.
Setophaga flaveola wurde durch Lafresnaye von S. or-
nata unterschieden Rev. zool. p. 81. — Piezorhynchus nitidus von
Gould in den Birds of Austral. N. 14 abgebildet. — Muscipeta
Smithii aus Westafrika wurde von Fräser in den Ann. of nat.
hist. XIII. p. 135 charakterisirt. — Den Vireo versicolor will La-
fresnaye zu Pachyrhynchus s. Pachyramphus gestellt wissen (Rev.
zool. p. 40). Pachycepkala la?ioides, von Gould in den Birds of
Austral. N. 17 abgebildet, nähert sich den Würgern dermassen an,
dass er ihn nur deshalb nicht zuweisen will, weil kein ächter Lanius
bisher in Australien gefunden wurde. Ref. sieht nicht ein, warum
denn dieser nicht der erste sein sollte?
V on Tamnop/älus charakterisirte Lafresnaye 3 neue
Arten ans Columbien (Rev. zool. p. 82).
Sie heissen Th. albicans, multistriatus und brevirostris
in einer 4ten Art vermuthet er den Lanius undulatus Natt.
Falcunculus und Cyclarhis möchte derselbe Ornitholog ihrer
Befiederung und Zehenform wegen unter dem Namen der Mesanges
54 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Pies-Grieches mit den Meisen verbunden wissen (Rev. zool. p. 169),
wogegen freilich die Schnabelform spricht,
Telophonus trivirgatus aus Südafrika wurde von A. Smith
in seinen Illustr. of the Zoolog, of South Africa tab. 94 als eigene
Art aufgestellt.
Atrichia ist eine neue Gattung, die Gould in dieser
Familie errichtete. (Ann. of nat. bist. XIV. p. 360).
Als grosse Eigentümlichkeit, welche diese Gattung von allen
andern der bezeichneten Familie unterscheidet, bezeichnet er den
gänzlichen Mangel von Borsten an der Schnabelwurzel. Man kennt
erst eine Art aus West -Australien, die Gould ihrer lauten Stimme
wegen A. clamosa nennt und sie in seinen Birds of Austral. N. 14
abgebildet hat.
Zu Turdus brachte Lafresnaye 2 neue Arten, Hart-
laub eine (Rev. zool. p. 167 u. 214).
Lafresnayes Arten stammen aus Guadeloupe und heissen T. mon-
tanus und V Her minier i-, die von Hartlaub kommt von Guate-
mala und führt den Namen Turdus rufitorques.
Andere neue Arten: Merula infuscata aus Mexiko von La-
fresnaye (Rev. zool. p. 41). — Pomatorhinus superciliosus
und rubeculus aus Australien von Gould in den Birds of Austral.
N. 16. — Timalia pyrrhophaea aus Malakka und Sumatra, fer-
ner Garrulax bicolor S. Müll, aus Sumatra, beide von Hart-
laub charakterisirt in der Rev. zool. p. 402. — Ixos phaeocepha-
lus aus Malakka von demselben a. a. O. S. 401 aufgestellt. — Von
Strick land wurden unterschieden in den Ann. of nat. bist. XIII.
p. 411: Criniger? icterinus , Pycnonotus Finlaysoni,
Pycn. crocorrhous {Turdus haemorrhous Horsf. vom gleichnami.
gen Vogel Gmelins durch safranfarbigen Steiss verschieden), Pycn.
flavirictus und Hypsipetes philippensis. Derselbe gab von
Hartlaub's Pitta cucullata eine Abbildung auf tab. 11. p. 410.
Ueber 3 neue Arten aus den Gattungen Saxicola und
Accentor theilte Brandt seine Bemerkungen mit (Bullet, de
la Classe phys. math. de Petersb. II. p. 139).
1) Saxicola albifrons Brandt = Motacilla stapazina Pall.
aus Sibirien. % 2) Accentor montanellus Temm. = Motacilla
montanella Pall. Brandt bemerkt, dass Temmincks und Naumanns
Beschreibung, so wie die Abbildung des Letzteren, nicht genau auf
ein altes männliches Exemplar passen, welches auf Rücken und Flü-
gel keine röthliche Farbe hat und keine Brustnecken zeigt. Er ver-
muthet daher, dass der von Temminck und Naumann beschriebene
Vogel eine Varietät oder eigene Art sein dürfte, die man mit dem
Namen Accentor Temminchii bezeichnen könnte. 3) Accentor
atrigularis Brandt von Semipalatinsk in Sibirien.
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1841. 55
Von Gould wurden in seinen Birds of Austral. abgebildet:
Acanthixa chrysorrhoca n. 16, Acanthixa diemenensis und Ewingii
n. 17; ferner Xerophifa leucopsis n. 15, Pyrrholaemus brunncus n.
17, Sericornis citreogularis n. 14. — Die Gattung Jora wurde durch
Hartlaub mit einer 4ten Art, J. Lafresn ayeiy vermehrt (Rev.
zool. p. 401).
Levaillant's le Pätre wurde von Strickland als eigene Spezies,
Pratincola pastor, von P. rubicola getrennt (Ann. of nat. hist.
X11I. p. 410). — Calamanthus fuliginosus wurden von Gould in den
Birds of Austral. n. 16 abgebildet. — Aus Guatemala rühren die bei-
den Vögel her, welche Hartlaub in der Rev. zool. unter dem Na-
men Hylophilus leucophrys (p. 81) und Parus melanotis
Sandb. (p. 216) charakterisirte.
Sundevall machte bemerklich, dass bei Gothenburg ein Exem-
plar der Motacilla alba mit schwarzem Rücken geschossen worden
und die nämliche Varietät sei, die von den englischen Ornithologen
als M. Yarrellii bezeichnet werde. Psophodes ist durch Gray mit
einer 2ten Art, Ps. nigrigularis bedacht wrorden (Ann. of nat.
hist. XIV. p. 363 und Gould's Birds of Austral. n. 15.
Certhiaceae. Von Troglodytes zählte Lesson (in der
Rev. zool. p. 434) 18 Arten auf.
Hierbei fügte er eine 19te, aus Peru abstammend, hinzu und gab
ihr den Namen T. murinus.
Andere Arten dieser Familie, die von Gould in seinen Birds of
Austral. abgebildet wurden; sind : Sittella chrysoptera, leucoptera und
pileata 11. 14; Climacteris melanura ebenda; Melicophila picata n. 15;
Acanthogenys rufogularis und Anthochaera inautis (identisch mit
A. carunculata Vig.) n. 16; Ptilotis cratitius n. 16 und Ptäotis auri-
comis n. 17; My%antha garrula, lutea und obscura n. 15; Entomyxa
albipennis n. 17,
Nectarinia flavigaster wurde von Gould in den Ann. of
nat. hist. XIII. p. 474 charakterisirt. — Co?iirostrum supercilio-
8 um aus Guatemala von Hartlaub in der Rev. zool. p. 215.
Aus Columbien stammt Dendrocolaptes Perrotii, von La-
fres,naye in der Rev. zool. p. 80 beschrieben. — Ebenda S. 433
charakterisirte Lesson einen Picolaptes cinnamomeus aus
Guayaquil.
Gegen Lesson rechtfertigte es Lafresnaye in der Rev. zool.
p. 43, dass er der Gattung Ramphocinclu.s ihren Platz unter den
Troglodytinen angewiesen habe.
Mirundinaceae. Fr. Boie lieferte in der Isis S. 164
eine übersichtliche Darstellung seiner Familie Hirundinidae.
Mit den eigentlichen Schwalben werden die Segelschwalben ver-
bunden, was Ref. nicht billigen kann, da durch den Singmuskelappa-
rat und das Skelet hinreichende Differenzen gegeben sind. Der Verf.
56 And r. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
charakterisirt ausführlich die Gattungen , und weist jeder die ihr an-
gehörigen Arten an.
Menurinae. Nach Untersuchung der auf der Menura
lebenden Parasiten hat H. Denny ihr ihren Platz unter den
Insessores angewiesen (Ann. of nat. hist. XIII. p. 313).
Denny erhielt von 5 Exemplaren der Menura die Parasiten, wor-
unter er die beiden Gattungen Nirmus und Menopon erkannte, von
denen der erste fast ausschliesslich den Insessoren, Sumpf- und
Schwimmvögeln eigen ist. Ein oder zwei Arten von Nirmus werden
auch bei Raubvögeln und ungefähr dieselbe Zahl bei Sumpfvögeln
angetroffen, aber diese sind für letztere keineswegs charakteristisch,
wie es dagegen entschieden mit Goniocotes, Goniodes und Lipeurus
der Fall ist, von denen nicht einer die Menura zu belästigen scheint,
Der Nirmus wird von Denny für den N. marginalis Nitzsch. ange-
sehen und nähert sich sehr dem der Meruliden. Er meint daher,
dass wenn man der Beständigkeit des Parasitismus gewisser Gattun-
gen auf bestimmten Familien der Vögel ein Gewicht beilegen wolle,
so müsse die Menura zu den Insessoren gezählt werden.
Clamatores*
ßtacrochires* Ein Beitrag zur Berichtigung der ver-
wirrten Synonymik der Gattung Ornismya (!) wurde von
Loddiges in den Ann. of nat. hist. XIII. p. oll mitgetheilt.
Demnach ist O. vestita = Trochilus uropygialis Fräs.; O. hete-
ropogon Boiss. = T. coruscus Fräs.; O. microrhyncha Boiss. = T.
brachyrhynchus Fräs.; O. ensifera Boiss. =t T. derbianus Fräs.; O.
Bonapartei Boiss. = T. aurigaster Lodd.; O. Temminckü Boiss. =
T. cyanopterus Lodd.; 0. Guerini Boiss. = T. parvirostris Fräs.;
O. Lafresnayi Boiss. = T. flavicaudatus Fräs.; O. Allardi Bourc.
= O. Paulinae Boiss. = T. tyrianthinus Lodd.
Eine O. Felieiana wurde von Lesson in der Rev. zool.
p. 434 beschrieben; als Vaterland ist circiter Guayaquil angegeben.
Caprimulginae. In den Birds of Austral. lieferte Gould
die Abbildungen von Podargus phalaenoides n. 14, Aegotheles leuco-
gaster n. 16 und Caprimulgus macrurus n. 17.
Xiipoglossae* Lafresnaye bemühte sich nachzuwei-
sen, dass man den Wiedehopf bei den Passerinen und zwar
bei den Tenuirostres, jedoch als eigene Familie Uppupidee,
einreihen müsse (Rev. zool. p. 172).
Wie er sagt, müsse man mit Erstaunen bemerken, dass man bis
auf diesen Augenblick in allen ornithologischen Werken den Wiede-
hopf mit Epimachus vereinige, da er doch den dünnschnäbligen Pas-
serinen angehöre. Leider ist jedoch weder die eine, noch die andere
Naturgeschichte der Vögel wahrend des Jahres 1844. 57
Behauptung richtig. In der Pterylographie von Nitzsch ist schon
im Jahre 1840 nachgewiesen worden, dass üpupa und Epimachus
nicht neben einander gestellt werden dürfen, sondern der letztere mit
den Paradisiden zu vereinigen sei, während er für den Wiedehopf
schon zwanzig Jahre früher den rechten Platz unter den Wiedvögeln
ausgemittelt hatte. Wenn Lafresnaye nur einigermassen mit den
deutschen Leistungen, ja selbst nur mit diesen Jahresberichten sich
bekannt machen wollte, so hätte er sich eine unnothige Mühe er-
spart. Wir haben im vorigen Jahresbericht gesehen, dass es Strick-
land mit dem Wiedehopf nicht besser ergangen, als es, diesmal mit
Lafresnaye der Fall ist. Beide Herren hätten sich bei Berücksich-
tigung der Arbeit von Nitzsch auch überzeugen können, dass weil
die Ornithologie doch nicht ausschliesslich in der Kenntniss der Vo-
gelbälge, sondern des ganzen Organismus der Vögel besteht, es er-
spriesslich sich erweise, wenn bei der Klassifikation noch etwas mehr
als das blosse Exterieur in Betracht gezogen wird.
Lafresnaye sprach die Vermuthung aus, dass Gould's Halcyon
platyrostris identisch sein möchte mit seinem Todiramphus recurvi-
rostris (Rev. zool. p. 322). — Gould's neue Art: Halcyon sauro-
phaga stammt von Neu -Guinea (Ann. of nat. hist. XIII. p. 473).
Dacelo gigantea und cervina wurden von demselben in den Birds
of Austral. n. 15 abgebildet.
Xygodactyla,
Ueber die Beziehungen der Spechte zu den übrigen Klet-
tervögeln in Betracht des Skeletbaues legte K. Kessler in
Kiew höchst beachtenswerthe Beobachtungen vor (Bullet, de
Moscou 1844. p. 331).
Zur Vergleichung hatte Verf. die Skelete von Pi'cus, Psittacus,
Bucco, Psilopogon, Centropus, Coccyzus, Phoenicophaeus, Crotophaga,
Cuculus, Trogott. Nur 2 von diesen Gattungen, Bucco und Psilopo-
gon, kommen im Knochengerüste noch einigermassen den Spechten
nahe; besonders grosse Aehnlichkeit findet sich in der Form des
Beckens, Brustbeins und des letzten Schwanzwirbels. Die starke
Ausschneidung fast aller Halswirbel, das Vorkommen kammartiger
unterer Dornen an allen Brustwirbeln, so wie das Schädelgerüste
unterscheiden übrigens die Bartvögel generisch von den Spechten. —
Die Gattungen Centropus, Coccyzus, Phoenicophaeus, Crotophaga und
Cuculus scheinen ebenfalls eine besondere natürliche Gruppe auszu-
machen, die vorzüglich durch den Bau der Halswirbel, des Beckens
und des Brustbeins charakterisirt wird. — Was Trogon und die vom
Verf. damit in Verbindung gebrachten Gattungen Caprimulgus und
Cypselus anbelangt, so gleichen sie im Knochengerüste eben so wenig
den Spechten als die Gattungen der vorhergehenden Gruppe. Unter
einander bieten sie grosse Aehnlichkeit in der Bildung des Kopfge-
rüstes und des breiten abgerundeten Beckens dar, doch besitzt auch
58 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
wieder jede der 3 Gattungen Charaktere, die ihr eigenthümlich sind
und durch die sie gleichsam isolirt dasteht. — Die Papageien end-
lich entfernen sich von allen Klettervögeln und nähern sich den Tag-
raubvögeln.
Cuculinae. Zu Geococcyx glaubte Hartlaub eine
zweite neue Art bringen zu können, die er als G. affinis
in der Rev. zool. p. 215 bezeichnete.
Ich habe jedoch bemerklich zu machen, dass ich diese Art schon
seit länger als zehn Jahren von G. viaticus unterschieden und in
den Miinchn. gel. Anzeig. III. (1836) S. 95 auch als Cuculus (Geo-
coccyx) velox nach einem vom Baron Karwinski aus Mexiko
mitgebrachten Exemplare beschrieben habe.
Aus Grimm's deutscher Mythologie sind in den Ann. of nat.
hist. XIII. p. 403 die unter dem Volke umlaufenden Meinungen über
den Kukuk als Propheten- und Glücksvogel zusammengestellt.
Von den Kokos- Inseln im nördlichen stillen Meere wurde eine
neue Art mitgebracht, die Gould in den Ann. of nat. hist. X11I.
p. 475 als Coccy%as ferrugineus unterschied.
Mthamphastiilae. Den Pfefferfressern sind abermals
2 Arten und zwar durch Gould zugegangen.
Sie heissen Rhamphastos citreolaemus und Pteroglos-
sus poecilosternus; beide von Santa Fe di Bogota (Ann. of nat.
hist. XIV. p. 61).
JPicinae» Beiträge zur Naturgeschichte der Spechte lie-
ferte K. Kessler in den Bullet, de la soc. des naturalistes
de Moscou 1844. p. 285 — 362.
Eine sehr umfassende gründliche, hauptsächlich osteologische
Arbeit über die Spechte. Zuerst giebt der Verf. eine sehr ausführ-
liche Beschreibung des Knochengerüstes im Allgemeinen, dann eine
Eintheilung der europäischen Spechte in 3 Gruppen: Grünspechte,
Schwarzspechte und Buntspechte, deren osteologische Verschieden-
heiten im Detail auseinander gesetzt werden. Von auswärtigen
Spechten konnte der Verf. nur die Skelete von Picus ßavescens und
die Schädel von P. campestrvs , melano chlor us % rubricatus, candidust
/lavifrons, albirostris, lineatus und passer inus vergleichen, daher
diese Abtheilung der Arbeit noch unvollständig ist. Er unterscheidet
unter letzteren eine Gruppe der braungelben Spechte mit dem Typus
P. ßavescens, wozu der Schnabelbildung nach P. fiavicans, tinnan-
culus und jumana gehört; ferner eine Gruppe der dunkelrückigen
Spechte nach P. candidus und flavifrons. Der Verf. macht bemerk-
lich, dass unter diese 5 Gruppen, soweit nach äussern Kennzeichen
entschieden werden kann, die 68 Arten des petersburger Museums
sich bringen Hessen, obwohl es allerdings darunter einige giebt, bei
denen" es schwer fällt zu bestimmen, welcher Gruppe namentlich sie
Naturgeschichte der Vö'gel während des Jahres 1844. 59
beigezählt werden müssen und welche als Verbindungsglieder der
Gruppen anzusehen sind, daher es auch nicht zu billigen ist, wenn
letztere als besondere Gattungen getrennt werden, wie Swainson sol-
cher nicht weniger als 20 errichtete. — In der zweiten Abtheilung
handelt der Verf. von der Befiederung der Spechte und fügt einige
Bemerkungen über die Bürzeldrüse, die Schleimdrüsen und den Zun-
genapparat bei.
Neue Art: Colaptes mexicanoides (!) von Lafresnaye
aufgestellt in der Rev. zool. p. 42. Eben da p. 81 setzte derselbe
Ornitholog die Geschlechts-Verschiedenheiten bei Picus melanopogon
auseinander. — Hartlaub machte ebenda p. 402 bemerklich, dass
die Heimath von Hemicircus rubiginosus Swains. nicht Senegambien,
sondern Malakka ist.
Psittacinae» Neue Arten von Fräser: Psittacus Tim-
neh von Sierra Leone und Ply ctolophus citrino - cristatus
(Ann. of nat. hist, XIV. p. 452). - Ebenda XIII. p. 475 von Gould:
Psittacus flavinuchus aus Südamerika. — In den Birds of
Austral. bildete derselbe ab Euphema pulchella und petrophila n. 14,
Platycercus Brownii n. 16.
Brehm's Monographie der Papageien ist bis zum 4ten Hefte
vorgerückt.
Columbinae»
Naturgeschichte der domesticirten Thiere in ökonomischer
und technischer Hinsicht von Buhle. 5tes Heft: die Taube
und ihre Verwandten. Halle 1844.
Von zweien seiner Unterfamilien der Tauben : Columbinae
und Trerorinae gab Gray in den Genera of Birds n. 5 u. 4
eine Charakteristik der Gattungen mit Angabe ihrer Arten.
Zu Columbinae zählt er Carpophaga mit 30 Arten, Lopholai-
711US mit 1, Columba mit 34, Ectopistes mit 2, Geopelia mit 4, 3/a-
cropygia mit 8, Oena mit 1, Turtur mit 12 Arten. — Bei Treroninae
führt er auf: Ptilonopus mit 25, Treron mit 18 Arten.
Neue Arten: Treron crassirostris von Fräser in den Ann.
of nat. hist. XIII. p. 135. Ebenda XIV. p. 502 Geopelia pla-
cida und tranquilla aus Australien von Gould. Abgebildet wur-
den von ihm in den Birds of Australia Pti/inopus superbus n. 14,
Geopelia humeralis n. 15 und Macropygia phasianefla n. 17.
\\ ahlberg machte bemerklich, dass nach sichern Angaben in
Lulea Lappmark Turteltauben vorkommen, doch verdiene es noch
nähere Untersuchung, ob sie zu Columba turtur oder zu der mit ihr
nahe verwandten Art, die das Reichsmuseum aus dem nördlichen
Schweden erhielt, gehören (Arch. skand. Beitr. I. S. 138).
60 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Galt inaceae.
Gray führte in seinen Genera of Birds n. 3 seine Un-
terfamilie der Penelopinae mit 3 Gattungen Ortalida mit 14,
Penelope mit 10 und Oreophasis mit 1 Art auf.
Penelope leucogaster unbekannter Heimath wurde von
Gould in den Ann. of nat. hist. XIII. p. 475 als neue Art aufgestellt.
Nach den Parasiten versuchte H. Denny der Talegalla
ihre Stellung im Systeme anzuweisen (Ann. of nat. hist. XIII.
p. 313).
Swainson hatte diese Gattung zu den Geiern gestellt, während
die übrigen Ornithologen sie zu den Hühnervögeln brachten. Letz-
terer Meinung tritt auch Denny bei nach Untersuchung der Para-
siten, die 2 Gattungen, Goniodes und Lipeurus angehören, von denen
die erstere, wenn nicht beide, fast jeden Hühnervogel belästigen.
Die letzte Gattung findet sich zwar auch auf Raub-, Sumpf- und
Schwimmvögeln, aber niemals die erstere.
Von Tetrao hylridus lagopoides Nilss. gab Sundevall
eine Charakteristik der Alters- und Geschlechts -Verschieden-
heiten (Arch. skand. Beitr. I. S. 160).
Nilsson machte uns zuerst mit der rechten Natur der Bastarde
vom Birkhuhn und Schneehuhn, Riporre benannt, bekannt. Früher
kannte man nur Männchen, Sundevall erhielt aber neuerdings auch
ein Weibchen aus Helsingland. Es ist etwas kleiner als eine Birk-
henne, welcher es in der Form des Schwanzes gleicht, hat aber rau-
here Zehen und weissliche Farbe.
Lagopus ferrugineus ist eine neue mexikanische Art, die
Fräser in den Ann. of nat. hist. XIV. p. 452 aufstellte.
Nach Exemplaren, die Karelin vom Altai einschickte, hat
sich jetzt Brandt versichert, dass Perdix (Megaloperdix)
Mgelli wirklich der russischen Fauna angehört.
Vergl. Bullet, de la classe phys. math. de PAcad. de Petersb. III.
p. 188. Zugleich theilt Brandt die Diagnosen der 3 Arten von Me-
galoperdix mit, nämlich: M. altaica, Nigelli und caucasica.
Eine mit Perdix Heyi nahe verwandte Art charakterisirte Frä-
ser in den Ann. of nat. hist. XIII. p. 305 als Perdix Bonha?ni;
sie kommt aus Teheran in Persien. Zugleich macht er bemerklich,
dass Tetraogallus (Megaloperdix) Nigelli von derselben Lokalität
eingesandt wurde.
A Monograph of the Ortyginae or Partridges of Ame-
rica. By J. Gould. Lond. 1844.
Unter diesem Titel kündigte Gould eine Monographie der Gat-
tung oder vielmehr nur Untergattung Ortyx an, die in 3 Theilen er-
scheinen soll, jeder zu 2 L. 10 s. mit 10 Tafeln, so dass das Ganze
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1844. 61
nicht weniger als 1\ Pfund Sterling kostet, wobei alle längst abge-
bildeten Arten nochmals vorgelegt werden. Da sich die Luxuswerke
in der Ornithologie ins Ungemessene mehren, und unnöthiger Weise
immer grössere Ausgaben verlangen, die für Zweckmässigeres ver-
wendet werden könnten, so wird dem wissenschaftlichen Ornitho-
logen bald nichts weiter übrig bleiben, als solche Bilderwerke voll-
ständig zu ignoriren und sie den Dilettanten, für welche zunächst sie
gefertigt werden, zu überlassen.
Bemerkungen über die verschiedenen Arten Fasane der
russischen Fauna wurden von Brandt in den Bullet, de la
classe phys. math. de l'Acad. de Petersb. III. p. 49 vorgelegt.
Es sind 3 Arten , die hier aufgeführt werden : Phasianus colchi-
cus, inongolicas und albotorquatus Bonn. (PA. torquatus Temm.). Die
zweite Art hat Brandt aufgestellt; sie ist aber schon von Pallas be-
schrieben und zwar als Varietas mongolica vom Ph. colchicus.
Die Muskeln, welche den Schwanz und die Schwanzdeckfedern
des Pfaues bewegen, erläuterte Heming in den Ann. of nat. hist.
XIV. p. 357).
Hemipodins tackydromus wurde in 2 Exemplaren in England am
29. Oktober 1844 erlegt (ebenda S. 460).
Cursore**
Ueber Diu ornts, eine ausgerottete Gattung dreizehiger
Straussenvögel, mit Beschreibung der Knochenüberreste von
5 Arten, welche früher auf Neuseeland lebten. Von R.
Owen (Transact. of the zool. Soc. of Lond. Vol. III. Part. 3
p. 235—275 mit Tab. 18 — 30).
Das ganze 3te Heft des dritten Bandes der angeführten Trans-
actions ist mit dieser höchst wichtigen Abhandlung von R. Owen
angefüllt. Die schon im vorigen Jahrgange erwähnten kurzen Be-
merkungen über die aufgefundenen Knochen sind hier in grosser Aus-
führlichkeit erörtert und durch 13 vortrefflich gezeichnete Tafeln
erläutert. Meinen frühern Angaben füge ich aus dieser Abhandlung
noch folgende bei. Hinsichtlich des Beckens weicht Dinornis am
weitesten vom Straussentypus ab und bildet den nächsten Uebergang
zu den dreizehigen Sumpfvögeln. Obschon bisher keine Knochen
von den vordem Gliedmassen eingesendet wurden, so lassen doch
die übrigen Theile des Skelets vermuthen, dass dem Dinornis das
Flugvermögen abging. Owen unterscheidet nunmehr 5 Arten: Din-
ornis giganteus , ingens, struthoides, dromaeoides und
didiformis. Die Höhe von D. giganteus schätzt er auf 10£ Fuss,
von D. ingens auf 9', von D. struthoides nicht über 7', von D. dro-
maeoides auf 5', von D. didiformis auf etwas unter 4'. Im Vergleich
mit den Fährten, welche Hitchcock im New Red Sandstone im Con-
necticut-Thale auffand, und die er, weil er sie einem riesenhaften
62 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
Vogel zuschrieb, Ornit hichnites giganteus benannte, sind die
Fusstritte des Dinornis giganteus noch grosser. Nach Taylor's che-
mischer Untersuchung sind in einem frischen Schienbein des Straus-
ses 26,51 und in einem Oberschenkelknochen des Dinornis didifor-
mis 25,99 Theile organischer Substanz unter 100 Theilen enthalten.
Day untersuchte den Oberschenkelknochen des Strausses und des
Dinornis struthoides, und fand bei ersterem 34,86 organische Sub-
stanz und 65,65 unorganische Substanz; bei Dinornis 37,86 organi-
sche Substanz und 62,94 unorganische. Der Ueberschuss an thieri-
scher Materie bei letzterem rührt davon her, dass bei ihm der Fe-
mur ein Markknochen ist, während er beim Strausse Luft enthält.
Aus dieser chemischen Beschaffenheit der Knochen schliesst Owen,
dass die Ausrottung des Dinornis von einem verhältnissmässig neuen
Datum ist.
An diese Abhandlung reihen wir die Notizen, welche W. Co-
lenso (in den Ann. of nat. hist. XIV. p. 81) über den Moa, wie
der Dinornis von den Eingebornen genannt wird, nach Untersuchun-
gen an Ort und Stelle selbst mittheilte. Theils in Gemeinschaft mit
dem Missionar Williams, durch welchen Owen die meisten Kno-
chen erhalten hatte, theils allein stellte er allenthalben Nachforschun-
gen bei den Eingebornen an. Sie hatten zwar alle Kunde von diesem
riesenhaften Vogel, aber keiner von ihnen hatte je einen zu Gesicht
bekommen. Auch Colenso erhielt die Knochen nur aus Flussbetten
und er meint, dass der Moa entweder vor oder gleichzeitig mit der
Einwanderung der jetzigen Rasse von Neuseeländern ausgerottet wurde.
Hitchcock, der überhaupt eine etwas lebhafte Fantasie hat,
meint, dass auch bereits das Nest des Dinornis gefunden sei und
dass er noch an der Küste von Neuholland leben dürfte (Ann. of
nat. hist. XIV. p. 310). — Zur Unterstützung seiner Behauptung be-
ruft er sich auf Cooks und Flinders Angaben. Ersterer hatte auf
den Eidechsen -Inseln an der Nordostküste von Neuholland ein Nest
auf dem Boden angetroffen, das 26 Fuss im Umfange und 2' 8" in
der Höhe maass. Zwei ähnliche Nester traf Flinders in der König
Georgs-Bay an der Südküste Neuhollands an. Hitchcock ist nun der
Meinung, dass solche Nester ihrer Grösse nach keinem anderen Vo-
gel als dem Dinornis angehörig sein könnten, der demnach noch an
den genannten Punkten lebend zu finden sein müsste; allein in beiden
Stücken befindet er sich sicherlich in grossem Irrthum, indem wir
wissen, dass solche und noch weit grössere Nester vom Megapodius
angelegt werden (vergl. meinen Jahresbericht vom Jahre 1842 S. 85).
Ueber die Evidenz der früheren Existenz von straussarti-
gen, von der Dronte verschiedenen Vögeln auf den Inseln bei
Mauritius handelt ein kleiner Aufsatz von Strickland in
den Ann. of nat. hist. XIV. p. 324.
Leguat, der von 1691 — 1693 auf der Insel Rodriguez bei Mau-
ritius (Isle de France) wohnte, giebt die Beschreibung eines Vogels,
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1844. £3
den er le Solitaire nennt und auf den Gmelins Didus solitarius be-
gründet ist. Nach Leguat's Beschreibung und Abbildung unterschei-
det sich der Solitaire von der Dronte (Didus) in folgenden Stücken:
1) der Schnabel gleicht dem eines Truthahns, nur ist er viel ge-
krümmter, 2) der Schwanz ist fast fehlend, 3) der Solitair ist hoch-
beiniger als der Truthahn, 4) der Hals ist länger als bei diesem und
wird gerade getragen, 5) die Flügel, obwohl untauglich zum Fliegen,
scheinen mehr entwickelt gewesen zu sein als bei der Dronte, 6)
das Weibchen hat eine Art Binde am Obertheil des Schnabels. Die-
ser grosse Vogel von Rodriguez ist seitdem nicht wieder gesehen
und also ausgerottet worden.
Es liegen aber noch weitere Angaben vor, nach denen es wahr-
scheinlich ist, dass auch auf der Insel Bourbon früher hierher gehörige
Vögel lebten. In der Bibliothek der Zoolog. Society findet sich
nämlich ein von Telfair aus Mauritius eingesandtes Manuskript, be-
titelt: „Journal et Relation des Voyages faits par le Sr. D. B. aux
iles Dauphine ou Madagascar et de Bourbon ou Mascarene" 1669.
Der Verfasser spricht darin von den Landvögeln auf Bourbon, wo-
von Folgendes bemerkenswerth ist. „Solitaires: ces oiseaux sont
nommes ainsi, parce qu'ils vont toujours seuls. 11s sont gros comme
une grosse Oye et ont le plumage blanc, noir ä l'extremite des ailes
et de la queue. A la queue il y a des plumes approchantes de Cel-
les d'Autruche, ils ont le col long, et le bec fait comme celui des
becasses, mais plus gros, les jambes et pieds comme poulets d'Inde.
Cet oiseau se prend ä la course, ne volant que bien peu. — Oiseaux
bleus, gros comme les Solitaires, ont le plumage tout bleu, le bec
et les pieds rouges, faits comme pieds de poules, ils ne volent point,
mais ils courent extremement vite, tellement qu'un chien a peine
d'en attraper a la course; ils sont tres bons." Dieser Solitaire ist
offenbar verschieden von dem auf Rodriguez und die Oiseaux bleus
differiren gleichfalls von beiden wie von der Dronte. Jetzt sind
diese Vögel auf Bourbon ebenfalls verschwunden. Zur Bestimmung
derselben wäre es von grosser Wichtigkeit, wenn noch Ueberreste
von Knochen oder andern Theilen gefunden würden. Nach Quoy
sollen die angeblichen Drontenknochen im pariser Museum nicht von
Mauritius, sondern von Rodriguez gekommen sein, daher sie dem
Solitaire des Leguat angehören konnten. Etliche Knochen von Ro-
driguez sind durch Telfair an die zoologische Gesellschaft in Lon-
don eingesandt worden und im Andersonsehen Museum zu Glasgow
finden sich sogenannte „Drontenknochen von Mauritius". Es wäre
zu wünschen, dass alle diese Ueberreste einmal genau mit einander
verglichen würden.
G r a 1 1 a e.
Fulicariae, Gould errichtete unter den Ralliden eine
besondere Gattung Eulabeor?iis (Ann. of nat. bist, XIV.
p. 503).
64 Andr. Wagner: Bericht über die Leistungen in der
„Rostrum capite longius, fere rectum et leviter incurvum, latera-
liter compressum; naribus elongatis, apertis, singulis in sinu per
mandibulae tres fere partes a basi excurrente positis. Alae paulo
breves atque debiles, valde rotundatae; tertiariis elongatis, fere ad
apicem alae. Tarsi paulo longi et robustiores quam in genere Ral-
lus, digitis attamen brevioribus. Cauda longa cuneiformis, pogoniis
laxis et effusis." — Die neue Art, auf welche diese Gattung begrün-
det ist, heisst E. castaneoventris und ist in den Birds of Austrat«
n. 17 abgebildet.
Erodii. Nach der Beschaffenheit des Eies suchte Des-
murs im Mag. de Zool. n. 36 dem Notherodius guarauna
seinen Platz anzuweisen.
Da das Ei nach der Form mit dem der Reiher, nach der Fär-
bung mit dem der Kraniche übereinkommt, so meint er, dass ihm
sein rechter Platz zwischen diesen beiden anzuweisen sei und dass
man ihm den Namen Ardea geranos geben könne. Abgebildet ist
das Ei auf tab. 46. — Bei Ardea helias findet dagegen Desmurs das
Ei (tab. 47) mehr dem der Rallen ähnlich.
Ardea rectirostris stellte Gould in den Ann. of nat. hist.
XIII. p. 70 als neue Art auf nach einem wahrscheinlich unerwach-
senen, dem gemeinen Reiher sehr ähnlichen Exemplare.
In den Birds of Austrat, n. 17 bildete Gould ab: Geronticus
spinicollis, Threskiorms strictipennis und Falcinellus igneus.
Xtiinicolfie. Die Glareolinen wurden von Gray in
den Genera of Birds n. 1 behandelt.
Er stellt sie als 3te ünterfamilie zu seinen Charadriden, mit der
einzigen Gattung Glareola, bei der er 7 Arten aufzählt. Die letzte
von diesen Arten wurde erst von Fräser in den Ann. of nat. hist.
XIII. p. 74 als Glareola cinerea aufgestellt; sie findet sich in
Westafrika.
Zu den Cursorinen, die seine 2te Unterfamilie der Cha-
radriden ausmachen, stellt Gray a. a. O. n. 3 die Gattungen
Pluvianus mit 1 , Cursorius mit 7 und OreopMlus mit 1 Art.
— Zu den Oedicneminen zählt er a. a. O. n. 1 die Gattung
Oedicnemus mit 6 und Esacus mit 2 Arten.
Glottis glottoides wurde von Gould in den Birds of Austral.
n. 16 abgebildet.
Odontoylossae* Desmurs will den Flamingo wegen
der Ähnlichkeit, die sein Ei mit dem der Pelecaniden hat,
zu den Schwimmvögeln gestellt wissen (Rev. zool. p. 241).
JVa tatores,
Mtongipennes. Eine systematische Einteilung seiner
Familie Sternidae mit Aufzählung der Arten legte Fr. Boie
in der Isis S. 178 vor.
Naturgeschichte der Vögel während des Jahres 1844. (55
Seine Gattungen sind: Hydrocecropis, Thalasseus, Stemula, Hy-
drochelidon , Gygis, Pelecanopus, Sylochelidon , Gelochclidon, Anous,
Planet is, Hnliplana, Naenia, Rhynchops , Gavia, Xema, Larus und
Catarrkacta.
Neue Arten: Latus brachyr hync hus aus dem russischen
Amerika von Gould in den Ann. of nat. hist. XIII. p, 476. -— Ueber
die Brüteweise von Anous stolidus theilte Gilbert einige Notizen
mit (ebenda XIV. p. 450). — In den Birds of Austral. n. 14 wurde
Stemula Nereis abgebildet.
Tuhinares, Von den Procellariden hat Gray in den
Genera of Birds n. 2 die Uebersicht über seine erste Unter-
familie, Procellarinae geliefert, nämlich Pelecanoides mit 3,
Puffinus mit 13, Thalassi droma mit 11, Procellaria mit 25
und Prion mit 2 Arten.
Schembri's Thalassidroma melilensis wurde von Strickland
als identisch mit Th. pelagica nachgewiesen (Ann. of nat. hist. XIV.
p. 348).
Wichtige Beiträge zur Unterscheidung und zur Kenntniss
der geographischen Verbreitung der Vögel dieser Familie
nebst der Charakteristik von 12 neuen Arten lieferte Gould
in den Ann. of nat. hist. XIII. p. 360.
Die neuen Arten heissen: Diomedea gibbosa (identisch mit
D. nigripes Audub.) und olivaceo - rhyncha-, Procellaria at-
lantica, Solandri, mollig, leucoptera und flavirostrisy
Puffinus brevicaudus, cameipes und sphetiurus-, Tha-
lassidroma tropica, melanogaster und leucogast er. —
Ebenda XIV. p. 503 wiederholte er die Charakteristik von Puffi-
nus cameipes , Procellaria Solandri und leucoptera.
In den Genera of Birds n. 2 behandelte Gray die Dio-
medeinen mit der einzigen Gattung Diomedea, der er 10 Ar-
ten zuweist.
Gould hat in den Birds of Austral. abgebildet: Prion turtur
und vittatus n. 16, Puffinaria nrinatrix n. 15, Diomedea exulans
und melanophrys n. 14, Diomedea chlororhyncha und cauta n. 15.
Tfnguirostre*. Von| dieser Familie behandelte Gray
in den Genera of Birds die Fuligulinae n. 4, Erismaturinae
und Merginae n. 5.
Die Fuligulinae zählen an Gattungen: Braut a mit 1 Art, Fit-
ligula mit 7, Nyroca mit 7, Clangula mit 5, Uarelda mit 1, Hyme-
nolaimus mit 1, Campt olaimns mit 1, Micropterus mit 1, Eniconetta
mit 1, Somateria mit 2, Oidemia mit 4 Arten. — Die Erismaturi-
nae enthalten die Gattungen Thalassiornis mit 1, Biziura mit 1,
Erismatura mit 7, Nesonetta mit 1 Art. — Zu den Merginae die
Archiv f. Naluvgesch. XI( Jahrg. 2. ßd, E
66 Andr. Wagner: Bericht, ü. d. Leist. i. d. Naturg. d. Vö"g. etc.
Gattungen: Merganetta mit 1, Mergus mit 7 (darunter 3 zweifel-
haft), Mergellus mit 1 Art.
Anser aegyptiacus wurde an verschiedenen Orten in Frankreich
erlegt (Rev. zool. p. 441).
Anas ßavirostris , sparsa und Rhynchaspis capensis wurden von
A. Smith in seinen Illustrat. of the Zoolog, of South Africa n. 21
beschrieben und abgebildet.
Von Gould wurden in den Birds of Austral. abgebildet: Ta-
dorna radjah und Cäsar ca tadornoides n. 14, Strepera gracnlina
n. 15, Bixiura lobata und Erismatura australis n. 16.
Vygopodes. G. R. Gray hat nachgewiesen, dass unter
Aptenodytes patachonica 2 Arten confundirt sind (Ann. of nat.
List. XIII. p. 315).
Pennants patagonischer Penguin (in den Phil. Trans. LVI1I. 91)
ist die Originalfigur, die aber verschieden ist von Shaw's Apteno-
dytes patachonica, der nach Forster's Zeichnungen abgebildet ist.
Letztere Art wird von den Reisenden der Emperor, die Pennantsche
der King genannt. Beide unterscheiden sich folgendermaassen:
Emperor King
Von der Schnabelspitze zum 44".
Schwanzende 50".
Von der Schnabelspitze bis 4|".
zum Rachen 5".
Basis des Unterkiefers nicht er- erweitert,
weitert.
Das Gelb der Kopfseiten im- Das Gelb der Kopfseiten ge-
merklich in das Weiss der Hals- sättigt und plötzlich in lebhaft
Seiten übergehend, wo es durch Orange an der Gurgel übergehend,
eine vorragende Spitze von der- was allmählig an der Brust weiss
selben Farbe wie der Rücken wird,
getheilt wird.
Das Schwarz unter der Kehle Das Schwarz unter der Kehle
kurz und vorn in der Mitte durch in eine stumpfe Spitze an der
eine Spitze der weissen Gurgel- Gurgel endigend,
federn getheilt.
Um in der Zukunft Verwirrung zu vermeiden, schlägt Gray vor,
den Emperor als A. Forstert und den A. King als A. Penn an tu'
zu bezeichnen.
Eine neue Art, Aptenodytes undina, kleiner als A. minor,
von Vandiemensland stellte Gould in den Ann. of nat. hist. XIV.
p. 504 auf.
Von demselben wurden in den Birds of Austral. abgebildet:
Splieniscus minor n. 16 und Podiceps australis n. 17.
67
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen in
der Naturgeschichte der Insecten, Arachniden, Cru-
staceen und Entomostraceen während des
Jahres 1844.
Vom
Herausgeber.
Agassiz's Nomenciator Zoologicus, ein Unternehmen,
welches in keinem besonderen Felde der Zoologie ein drin-
genderes Bedürfniss war "als in der Entomologie, ist in ste-
tigem Fortschreiten begriffen, und sieht mit dem Jahre 1845
seinem Schlüsse entgegen.
Recherches sur les transformations des appendices dans
les Articules, par M. Brülle. Ann. d. scienc. nat. 3. ser. I.
p. 271.
Diese ausführliche Arbeit behandelt denselben Gegenstand,
mit welchem Savigny in seinen Mem. sur les an. sans vert. und
Ref. in seinen Entomographien (Zool. Charact. der Ins., Arachn. u.
Crust.) sich beschäftigten. Die letzte, schon vor 5 Jahren erschie-
nene Arbeit ist dem Verf. nicht bekannt geworden, sie hätte ihm
vielleicht einige Irrwege erspart, auf welche er gerathen ist. Einer
derselben ist der, dass der Verf. die Fühler als den Beinen und Kie-
fern analog betrachtet. Dass die Kiefer und Beine nur verschiedene
Gestaltungen gleichartiger Organe sind, steht seit Savigny's Unter-
suchungen hinreichend fest : die Fühler sind aber bisher noch nicht
mit denselben in gleiche Reihe gestellt worden, so lange der wesent-
lichen Bedeutung der Theile Rücksicht geworden ist. Denn die Füh-
ler sind einzig und allein Sinnesorgane: daher erhalten die Fühler
auch ihre Nerven aus dem Gehirn, während Mundtheile und Beine
sie aus den unteren Ganglien empfangen. Die Oberkiefer der Arach-
niden deutet der Verf. nach dem Vorgange Latreille's u. A. als Füh-
ler, hauptsächlich darauf sich stützend, dass diese Theile so hoch über
der Mundöffnung angebracht sind. Indess ausser allen Gründen, welche
eine vergleichende Betrachtung dieser Organe für ihre Deutung als Ober-
kiefer hergiebt, ist ein anderer, ziemlich schlagender Beweis dafür
E*
68 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
auch der, dass bei den Spinnen und Solpugen die Speichelgefässe
(Giftgefässe) in ihnen münden, und entscheidend dafür endlich der
Umstand, dass sie ihre Nerven nicht aus dem Gehirn empfangen. —
Ein anderer Missgriff, zu welchem der Verf. gekommen, ist der, dass
er an der Unterlippe der eigentlichen Insecten die Zunge und Neben-
zungen als den Maxillarladen entsprechend betrachtet. Ich habe in
meiner oben angeführten Abhandlung gezeigt, dass nur bei den Or-
thopteren solche Theile an der Unterlippe vorkommen, dass diese
aber der Zunge und den Nebenzungen der anderen Insecten nicht
entsprechen, da die eigentliche Zunge ausserdem vorhanden ist. Eben
so wenig darf das Kinn als den Stämmen der Maxillen entsprechend
angenommen werden. Die Lippentaster und ihre Stämme sind es
allein, welche den Maxillen zu vergleichen sind. Aus diesem Grunde
geht der Verf. zu weit, wenn er, auf analoge Bildung der Unterlippe
sich stützend, auch die Oberlippe als aus einem verwachsenen Kie-
ferpaare entstanden deutet. (Eine kürzere Anzeige über diese Arbeit
in Compt. rend. XV11I. p. 233, Froriep N. Notiz. 31. Bd. S. 309).
Ueber die Wiedererzeugung verlorener Glieder bei My-
riapoden und eigentlichen Insecten hat Newport lehrreiche
Untersuchungen angestellt. (On the Reproduction of lost parts
in Myriapoda and Insecta. Transact. of the Royal Soc. 1844.
p. 283).
Die Fähigkeit, verlorene Gliedmassen wieder zu ersetzen, war
bei den Crustaceen und Arachniden bekanntlich schon längst wahr-
genommen, und auch unter den Insecten mit unvollkommener Ver-
wandlung war sie namentlich bei Phasmen beobachtet worden. Der
Verf. hatte früher einmal der Entomol. Gesellsch. eine Scolopendra
vorgelegt, an welcher ein Bein der einen Seite kleiner war als das
entsprechende der anderen, und es hatte nicht entschieden werden
können, ob das kleine ein wiedererzeugtes oder in seiner Entwicke-
lung gehemmtes ursprüngliches Bein sei. Um hierüber Aufschluss
zu gewinnen, stellte der Verf. folgende Versuche an. Ein junger
Julus wurde an Fühlern und Beinen verstümmelt und mit anderen
eingesperrt. Nach einigen Wochen, als sie sich gehäutet hatten,
konnte der Verstümmelte nicht wieder herausgefunden werden. Dar-
auf wurden drei andere, nicht ganz erwachsene, nachdem jedem ein
Fühler und einige Beine abgeschnitten waren, zusammen eingesperrt;
nach mehr als drei Monaten zeigte sich keine Spur von Wiederer-
zeugung, bis sie, Mitte Juni, sich jeder eine Höhlung in der Erde
machten, um bis Ende Juli ihren Sommerschlaf zu halten. Gegen
das Ende dieser Zeit häuteten sie sich, und als die verstümmelten
Individuen wieder zum Vorschein kamen, waren die verlorenen Füh-
ler und Beine wieder erzeugt, aber kürzer, kleiner und von zarterer
Farbe als die unverletzten. Von Chilopoden beobachtete der Verf.
einen Lithobius, welcher einige Beine verloren hatte. Bei der nach-
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1844. 69
sten Häutung waren sie wiedererzeugt, und zwar ohne zuerst als
Stummel hervorzutreten wie die neugebildetcn Beine, aber sie waren
sehr zart und viel kleiner als die andern. Sie wuchsen aber noch
eine kurze Zeit nach der Häutung. Bei der folgenden Häutung wur-
den sie noch merklich grösser, indess blieben sie noch hinter den
übrigen Beinen zurück, eben so nach der dritten Häutung, nach der
vierten waren sie von den ursprünglichen Beinen nicht mehr zu un-
terscheiden. Der Versuch an Insecten mit vollkommner Verwand-
lung wurde am Vanessa Urticae gemacht. An einer Anzahl nicht
ganz erwachsener Raupen wurden einige Brustfüsse ganz oder zum
Theil abgeschnitten. Bei einer jungem Raupe erzeugte sich ein ab-
geschnittenes Bein schon nach der Häutung wieder, welche sie noch
zu bestehen hatte. Von 28 Raupen erhielt der Verf. 13 Schmetter-
linge. Bei vier zeigte sich gar keine oder nur eine geringe Spur
von Wiedererzeugung, bei den übrigen war sie ziemlich vollkommen,
indem bald das ganze Bein vollständig aber kleiner, bald die Fuss-
glieder kürzer als gewöhnlich waren, in einem Falle war die Schiene
vollständig wieder erzeugt, aber ohne Enddornen. Aus diesen Beob-
achtungen geht hervor: 1) dass eine Wiedererzeugun^ verlorener
Glieder auch bei Myriapoden und bei Insecten mit vollkommener
Verwandlung statt hat, 2) dass sie gleichzeitig mit der Häutung
eintritt.
Zur Entwicklungsgeschichte der Maulwurfsgrille (Gryllo-
talpa vulgaris) hat H. Rath ke (Miiller's Arch. f. Anat. u. s. w.
1844. S. 27. T. II. F. 1 — 5) Bemerkungen mitgetheilt, welche
von hohem und allgemeinerem Interesse sind, indem sie die
neue Thatsache zeigen , dass beim Embryo eines Insects ein
zeitweiliges Organ auftritt, welches die Verrichtung einer
Kieme zu haben scheint.
1. Das Ei der Maulwurfsgrille vergrössert sich während der Ent-
wickelung des Embryo bis um ein Drittel seines Umfanges, vermuth-
lich indem es aus der feuchten Erde, in welcher es lagert, Wasser
aufnimmt. Ein Gleiches fand der Verf. auch bei den Eiern anderer
Insecten, z. B. Phryganeen und vieler Crustaceen. — 2. Das Ei zeigt,
wenn es eben gelegt worden ist, zwei Häute, eine durchsichtige
äussere (Chorion) und eine zarte innere (Dotterhaut), sie liegen ganz
dicht an einander, und schliessen eben so genau den Dotter ein, wel-
cher aus einfachen Zellen und Fetttropfen besteht. Um den Dotter
herum bildet sich der Embryo, so dass jener ganz in den letzteren zu
liegen kommt. In der zweiten Hälfte des Fruchtlebens sammelt sich
zwischen Embryo und Eihäuten eine klare Flüssigkeit, welche kein
von aussen eingesogenes Wasser ist, denn sie enthält viel Eiweiss
und gerinnt, so wie sie mit Wasser oder Weingeist in Berührung
kommt. Sie schwindet auch zu der Zeit ein, wo der Embryo zur
Reife kommt. — 3. Die innere Eihaut vergeht in der zweiten Hälfte
70 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
des Fruchtlebens völlig, und die äussere wird auch dünner und durch-
sichtiger. — 4. Das Embryo krümmt sich allmählich so zusammen,
dass er am Thorax eine starke Biegung erhält und der Kopf unter-
geschlagen wird; die Beine sind so angelegt, dass Schenkel und
Schiene gleichsam eine Schlinge darstellen. — 5. Die Seitenwand des
Hinterleibes schlägt sich da, wo sich die Stigmenreihe bildet, zu
einer niedrigen Falte um. — 6. Unter dieser Falte und dicht hinter
der Anheftungsstelle des dritten Fusspaars, an der Stelle des ersten
Hinterleibsringes tritt auf jeder Seite ein Organ auf, welches nur für
das Fruchtleben von Bedeutung ist, und beim Auskriechen abgestreift
wird. Es besteht aus einer runden Scheibe, welche auf einem mas-
sig langen Stiele steht. Es hat eine sehr zarte Oberhaut, bleibt un-
gefärbt und selbst halbdurchsichtig und die etwas gewölbte äussere
Fläche der Scheibe ist der Eihaut dicht angedrückt. Der Verf. be-
gründet die Vermuthung, dass dies bis jetzt noch an keinem andern
Insect bemerkte Organ zur Athmung der Frucht diene. — 7. Das
Schleimblatt der Keimhaut wird, wie bei andern eigentlichen Insec-
ten gänzlich zur Bildung des Darmkanals verwendet, und bei solchen
Embryonen, welche über die Mitte des Fruchtlebens hinausgelangt
sind, findet man die noch beträchtliche Dottermasse im Magen ent-
halten, nicht in einem besonderen Dottersack, wie man ihn unter
den Crustaceen bei den Decapoden findet. — 8. Nach Beobachtungen
an verschiedenen andern Insecten, bildet sich das Schleimblatt der
Keimhaut nur in den Magen um, denn die Speiseröhre und der Darm
wachsen erst allmählich aus demselben hervor. — 9. Gegen das Ende
des Fruchtlebens hat der Nahrungskanal einen kleinen kugelförmigen
leeren Anhang, Kropf, einen grossen mit Dotter gefüllten Magen und
4 Malpighische Gefässe. Kurz nach dem Auskriechen fand der Verf. bei
den Larven den Kropf grösser und gefüllt mit einer Masse, welche
vom Dotter verschieden, nur durch den Mund eingenommene Speise
sein konnte, den Muskelmagen, welcher beim Embryo leicht ange-
deutet war, stärker entwickelt, den Hautmagen kleiner, zweizipflig,
die Dottermasse in ihm verringert, die Malpighischen Gefässe bereits
um zwei vermehrt.
Descriptiones Animalium, quae in itinere ad maris australis
terras per annos 1772, 1773 et 1774 suscepto collegit obser-
vavit et delineavit Jo. Rein. Forster, nunc demum editae
auctoritate et impensis academiae litterarum regiae Berolinae
eurante H. Lichtenstein. Berl. 1844.
Der entomologische Inhalt in diesem interessanten Werke ist
nicht umfangreich, und beschränkt sich fast auf die Beschreibung
einiger auf den westlichen Inseln von Afrika aufgefundenen Insecten.
Von vielem Interesse sind die Mittheilungen, welche Dr.
Teil kämpf über das thierische Leben in der Mammuthhöhle
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1844. 71
in Staate Kentucky in Nordamerika gemacht hat (Müll. Arch.
f. Anat. S. 381 und dies Archiv I. S. 318).
Ausser einem oder zwei eigentümlichen Formen von Fischen
und einer Anzahl von Infusorien in einem 5 Meilen vom Eingange
der Höhle entfernten und über 1 Meile langen unterirdischen See,
finden sich von Crustaceen ein neuer Astacus und eine neue Amphi-
poden-Gattung Triura, von Arachniden zwei neue Gattungen Anthro-
bia und Phalangotles, von Insecten zwei neue Käfergattungen Anoph-
thalmus und 'Adelops, eine Art von Phalangopsis und Fliegen zur
Gattung Anthomyia gehörig. Bemerkenswerth ist der Umstand, dass
bei den meisten dieser Thiere die Augen entweder ganz fehlen
(Anophthalmus, Anthrobia, Phalangodes) oder wenigstens sehr zurück-
treten (Adelops, Astacus). Da die Thiere von denen auf der Ober-
fläche der Erde lebenden fast durchgängig entweder als Arten oder
selbst auch als Gattungen abweichen, so ergiebt sich das Vorhan-
densein einer eigenthümlichen unterirdischen Fauna, deren bis jetzt
noch sehr beschränkte Kenntniss durch die beiden vorliegenden Bei-
träge eine wichtige Erweiterung gewinnt. Mit den in den Höhlen
von Krain beobachteten Thieren zeigen die der Mammuthhohle im
Ganzen wenig Uebereinstimmung, nur die Gattung Anophthalmus,
welche gleichzeitig in einer anderen sehr ähnlichen Art in der Lueg-
ger Grotte entdeckt worden ist, ist den Höhlen beider Erdhälften
gemein, und vielleicht auch die Gattung Adelops, aus welcher wenig-
stens die hiesige Konigl. Sammlung zwei europäische Arten besitzt,
von welchen aber die Verhältnisse, unter welchen sie leben, noch
unbekannt sind.
I n s e c t «•
Eine lehrreiche Abhandlung von Platner „Mitteilungen
über die Respirationsorgane und die Haut bei den Seiden-
raupen" (Müll. Arch. f. Anat. S. 38. T. 3) beschäftigt sich zu-
nächst mit der Bildung der Tracheen.
Den Spiralfaden glaubt der Verf. nicht aus Zellenfascrn, sondern
Kernfasern bestehend, d. h. aus Fasern, welche nicht aus Zellen,
sondern aus Zellen kernen gebildet werden. In der Regel bildet
eine neue Spiralfaser sich zwischen zwei alten, woraus sich erklärt,
dass jeder Tracheenast mit einem neuen Spiralfaden anfängt. Die Ver-
zweigung der Tracheen ist indess im Allgemeinen nicht reiserförmig,
sondern meist spaltet sich ein Ast in zwei neue. Oefter löst sich
auch ein Ast in eine Menge feiner Fasern auf. Der Verlauf der
Tracheen ist sehr gewunden, besonders der der feinen Fasern, in welche
zuletzt alle ausgehen, und welche einer auseinandergezogenen Spiral-
feder gleichen. Diese feinen Fäden gehen nie in einander über. Der
Durchmesser dieser feinen Fäden kommt dem des Spiralfadens in
72 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
den Tracheen selbst ziemlich gleich, und der Verf. schliesst daraus,
dass die feinen Enden der Tracheen von ihrem Spiralfaden selbst
gebildet werden, und dass die Tracheen nur so lange einen Kanal
bilden, als die Windungen des Spiralfadens an einanderschliessen
Ferner ist der Verbreitung der Tracheen an das Nervensystem eine
besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Jedes Ganglion erhalt von
unten her rechts und links einen starken Tracheenzweig, welcher
von einem Blutgefäss begleitet wird — (der Verf. ist über das Blut-
gefäss zweifelhaft geblieben, Ref. muss die Anwesenheit desselben
aber bestattigen: es mündet dann in den die Ganglienkette begleiten-
den Hauptstamm). Einzelne Tracheen lösen sich in Fasern auf,
welche ein so dichtes Geflecht um das Ganglion bilden, dass die
Nervenmasse davon völlig eingehüllt wird. — In der Haut der Sei-
denraupe entdeckte der Verf. in Gestalt sternförmiger Zellen Kno-
chenkörperchen, den menschlichen ganz gleich.
Leon Dufour (Compt. rend. XIX. p. 188) beharrt dabei, es für
eine "Verirrung zu erklären, wenn deutsche Naturforscher bei den
Insecten einen Blutumlauf beobachtet haben wollen, während selbst
ein geschlossenes Gefässystem auch bei den Insecten mit Tracheen-
athmung bereits ausser Zweifel gestellt ist.
Küster erklärte die Fühlhörner für die Riechorgane der
Insecten. (Isis S. 647)>
Diese Ansicht ist auf folgenden Versuchen gestützt. Es wurden
einige Tropfen reinen Terpentinöls auf Papierstückchen gegossen,
diese in Cylindergläser gebracht und gefangene Insecten hineingethan.
Nach einigen Minuten zeigten dieselben grosse Unruhe, putzten dabei
viel die Fühler, auch waren die Mundtheile in Thätigkeit, und die
mit einem Rüssel streckten denselben weit vor. Allmählich wurde
die Bewegung langsamer, die Fühler, welche nach und nach, beson-
ders bei langfühlerigen Arten, am Vorderende schlaff herabhingen,
konnten zuletzt nicht mehr aufgerichtet werden; endlich trat der
Tod ein, nachdem die Insecten 10 — 12 Stunden betäubt gelegen hat-
ten. Der Verf. theilt dann eine Reihe von Beobachtungen über die
verschiedene Empfindlichkeit der verschiedenen Insecten gegen den
Terpentingeruch mit, stets mit Rücksicht auf die Ausbildung ihrer
Fühler. Oft steht sie mit der der Augen im umgekehrten Verhält-
niss, wie bei den Cicindelen und Caraben; dem entsprechend zeigten
auch die Caraben eine grössere Reizbarkeit gegen den Terpentin,
geruch, und ihre Fühler erschlafften, so weit der feine Haarüberzug
an ihnen reicht, sehr bald. Eben so die der Cerambycinen. Sehr
unempfindlich sind die Bupresten, sehr empfindlich dagegen die Ela-
teren, vorzüglich die Männchen mit kammförmigen Fühlern. Beson-
ders überzeugend für seine Ansicht findet der Verf. die Fühlerbil-
dung der Hymenopteren, welche sich im Terpentindunst auch sehr
empfindlich zeigten. Bei den Spinnen möchte der Verf. die sehr aus-
gebildeten Taster der Männchen für ein zum Aufspüren der Weib-
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1844. 73
chen verstärktes Geruchsorgan deuten, indess ist bereits festgestellt,
dass diese Theile eine andere Verrichtung haben. (S. vor. Jahres-
ber. S. 330). Wenn aus diesen Versuchen hervorgeht, dass die Füh-
ler gegen den Einfluss starker Gerüche sich empfindlich zeigen, so ist
damit noch nicht festgestellt, dass dieser Einfluss ein unmittelbarer
sei, und es fehlt somit dafür, dass das Riechorgan im Fühler wirk-
lich seinen Sitz habe, der Beweis. In dieser Beziehung dürfte der
zarten Haarbekleidung der Fühler eine besondere Aufmerksamkeit
zu schenken sein.
Ueber das Gehörorgan einiger Orthopteren hat v. Sie-
bold seine Untersuchungen mitgetheilt. (Ueber das Stimm-
und Gehörorgan der Orthopteren, dies Archiv 1844. 1. Bd.
S. 52).
Das trommeiförmige Organ über den Hinterbeinen bei den Acri-
diern, die mit einer ausgespannten Haut geschlossenen Oeffnungen
der Vorderschienen der Locusten und Acheten sind es, welche der
Verf. durch Darlegung anatomischer Verhältnisse als Gehörorgan
nachweisen zu können glaubt. Es ist auch durchaus nicht in Abrede
zu stellen, dass diese Organe alle Bedingungen zu einem Gehörorgane
enthalten. Man fragt aber mit Recht, wo haben die anderen Inse-
cten ihr Gehörorgan? Bei allen anderen Thieren steht das Gehör-
organ in unmittelbarer Verbindung, bei den Wirbelthieren mit dem
Gehirn, bei den wirbellosen mit den Nervenknoten des Schlundrin-
ges. Ich habe diese Einwendung schon gegen Goureau gemacht,
welcher auf theoretischem Wege zu einer ähnlichen Ansicht als
v. Siebold gekommen war. (S. Jahresber. f. 1837. S. 198).
Ueber die Stridulationsorgane der Insecten hat West-
ring (Kröyer Nat. Tidsskr. Ny Räkk. I. S. 58) Untersuchun-
gen mitget heilt, welche zu dein allgemeinen Ergebniss geführt
haben, dass, wo bei den Insecten durch Reiben zweier Kör-
pertheile gegen einader ein Ton erzeugt wird, immer beide mit
gerunzelten oder chagrinirten Flächen in Berührung kommen,
oder die eine mit einer erhabenen Kante über die gerunzelte
oder geriefte Fläche der andern streicht.
1. Geotrupes stercorarius, sylvuticus, vernalis haben an der Hin-
terseite der Hinterhüften eine quergeriefte Kante, gegen welche der
zweite Hinterleibsring mit seinem scharfen Hinterrande reibt. Die
Kante der Hinterhüften ist hier das passive, der Hinterleib das
active Stridulationsorgan. — 2. Coprit lunaris hat am Vorderrande des
Pygidium eine etwas erhöhte Leiste, und auf der Unterseite der
Flügeldecken neben dem Nahtrande eine quergestreifte Kante, welche
etwa bis zu einem Viertel der Länge der Naht hinaufreicht, und
über welche bei Bewegung des Pygidium, die Kante desselben streicht.
3. Die Ceramby einen und Leptureten reiben bekanntlich mit dem
74 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Hinterrande des Halsschilds gegen den Gelenktheil des Mesothorax,
welchen Goureau indess irrig als glatt angegeben hat, denn er ist
quergerunzelt oder quergerieft. — 4. Bei den Necrophorus - Arten
finden sich auf dem Rücken des vierten Hinterleibsringes zwei pa-
rallele, über die ganze Länge desselben laufende Längskanten, welche
dicht quergerieft sind, und gegen eine vorstehende Querleiste unter
der Flügeldeckenspitze gerieben werden; somit bilden hier die ge-
kerbten Leisten das active Organ. — 5. Cychrus, Trox, Lema, Cry-
ptorhynchus Lapatht haben an der Innenseite der Flügeldecken, dicht
am Rande eine erhabene Kante, gegen welche die gekörnten Hinter-
leibsseiten reiben. — 6. Bei Reduvius hat Goureau unrichtig ange-
geben, dass der Ton, den sie hören lassen, von der Reibung des
Halses gegen den Vorderrand des Prothorax herrühre ; es ist dies
nicht glaublich, da der Hals glatt ist, und es ist auch nicht der Fall.
Dagegen zeigt sich die Rinne des Prosternums fein gerieft, und der
Ton wird dadurch erzeugt, dass die Rüsselspitze, in einem Winkel
von 45° aufgesetzt, darüber Einstreicht. — 7. Bei Mutilla hat Gou-
reau bereits richtig erkannt, dass der Ton dadurch erzeugt wird,
dass der Hinterrand des zweiten Hinterleibsringes auf einen dunklen
Fleck an der Wurzel des dritten reibt, unrichtig beschreibt aber G.
diesen Fleck als glatt, er ist fein querrunzlig. — 8. Die Stridula-
tionsapparate von Acheta, Locusta und Gryllus sind schon mehr-
fach untersucht und beschrieben. — 9. Pneumora. Der blasige Hin-
terleib hat an den Seiten 10 — 12 erhabene Hornleisten, die Hinter-
schenkel an der Innenseite eine feingesägte Längskante, welche über
jene Leisten streicht. — Schiödte (ebendas. S. 69) fügte hinzu,
dass bei Lema {brunnea) das active Stridulationsorgan in zwei etwas
convergirenden, flach erhabenen und fein quergestreiften Leisten auf
dem letzten Rückensegment bestehe.
Boheman legte der Akademie zu Stockholm seinen Be-
richt über eine im Jahre 1843 nach Lappland unternommene
Reise vor (Öfversigt af K. Vetensk. Acad. Förhandl. I. p. 95,
übersetzt in Hornschuch's Archiv skandinavischer Beiträge I.
2. Hft. S. 299).
Diese Reise ist von grossem Interesse für die Kenntniss der
nordischen Insectenfauna. Es wurden gegen 11,000 Insecten einge-
sammelt, und über 100 neue Arten entdeckt. Die Reise wurde am
24. Mai von Stockholm aus angetreten; das Hauptziel der Reise war
Quickjock, eine Alpengegend, welche am 27. Juli erreicht wurde. Die
Flora Mar herrlich und mannigfaltig. Die Artenzahl der Insecten
zeigte sich in den höheren Gebirgsgegenden abnehmend, so dass bei
einem sechswöchentlichen Aufenthalt zu Quickjock nur gegen 200
Arten von Coleopteren gesammelt wurden. Der im Flachlande allge-
mein vorkommende Geotrup. stercorarius wurde vermisst, von Ca-
rabus fand sich nur C. glabrattis. Orthopteren sind nicht zahlreich
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1844. 75
und nur Gryllus pedestris geht bis auf die Höhe des Gebirgs. Von
Hemipteren finden sich zwar einige ausgezeichnetere Formen, aber
wenig Arten; von Schmetterlingen kommen Tag- und Nachtfalter nur
in geringer Artenzahl vor, dagegen sind die Gebirgsgegenden an Micro-
lepidopteren reicher. Hymenopteren sind mit Ausnahme der Hum-
meln und der Parasiten im Ganzen selten; die Dipteren machen die
grösste Menge aus. Sind der Arten weniger, ist dagegen die Zahl
der Individuen unerhört, wie von den so lästigen Mücken {Culex
cantans, pipiens, silvaticus) und Simulia repta?ts, nana, Ceratopogon
pulicarius. Von zwei kleinen Cicaden, C. abdominalis und pallens
enthielt der Kescher oft mehrere Tausende, welche die Untersuchung
des übrigen Inhalts behinderten. Auf der höchsten Spitze des Gebirgs,
in der Nähe der Schneegränze fanden sich Nebria nivalis , Cychrus
rostratus, Leiochitum areticum, Amara alpina, Patrobus septentrio-
nis, Lina alpina, Argynnis Pales, Psodos trepidaria, Geometra po-
laria vel n. sp., Chilo furcatellus, Oestrus trompe, Echinomyia alpina,
Anthomy%a n. sp., Tipula nubeculosa. Ausserdem fanden sich auf
dem Alpengebirge Colymbetes dolabratus , Hydroporus Lapponum,
striola, Anthophagus rotundicollis, Omalium n. sp., Silpha lapponica,
Podabrus alpinus, Lina lapponica, Gonioctena alpin a , Argynnis
Freija, Erebia Manto , Norna (var. Hilda) Lycaena n. sp. (nächst
Pheretes), Zygaena exulans , Anarta melaleuca, melanopa, Psodos
fuscaria, nebst dessen bisher noch unbekannten Weibchen mit Flügel-
stummeln, u. s. w. , ferner Bo?nbus nivalis, Lapponum, eine ausge-
zeichnete Tenthredenform mit gesägten Fühlern; Tabanus borealis,
alpinus , Thereua fuscinervis, Oestrus tarandi u. s. w. Die auf den
Gebirgsabhängen aus ziemlich schlanken Rothtannen (P. Abies) be-
stehenden Wälder und die kleineren Thäler um die von den Alpen-
Gebirgen herabrinnenden Bäche enthielten viele bemerkenswerte
Arten, als Syntomium aeneum, Aphod. Lappomun , piceus, Cetonia
aenea, Trichius fasciatus, Elater bifasciatus, Ampedus nigrinus, Di-
cfyopterus aurora, Anthocomus Cardiacae, Pachyta borealis, margi-
nata, sfnaragdula, Argynnis Thore u. a. m. Die mit kleinen Wei-
denbüschen bewachsenen Sümpfe und Flussufer waren reich an Di-
pteren, auch fanden sich dort Elaphrus Lapponicus , Pelophila bo-
realis, Agonum consimile, mehrere Omalinen, Tachinus elongatus,
Hylobius areticus; ferner Colias Palaeno, Argynnis Pales, Hesperia
fritillum u. s. w. Endlich auf den üppigen, von Poa pratensis und
Aira caespitosa gebildeten und durch natürliche Hecken von Weiden,
Erlen u. s. w. eingeschlossenen Wiesen flogen Pieris Bryoniae, Pla-
sia divergens u. s. w. , Tabanus albomaculatus , borealis, auripilus,
confinis, Chrysotoxum fasciolatum, und viele andere Dipteren, auch
fanden sich Amara torrida, Quenselii, Simplocaria pieipes, mehrere
Anisotoma und Hydnobius so wie Catops und Colon, ferner Pachyta
interrogationis, Gmaculata, Coccinella trifasciata.
76 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Die Insectenfauna von Kaschmir und dem Himalejagebirge
ist von Kollar und Red tenba eher geschildert worden.
(Aufzahlung und Beschreibung der von Freiherrn C. v. Hügel
auf seiner Reise durch Kaschmir und das Himalejagebirge ge-
sammelten Insecten in v. HügePs Kaschmir. IV. S. 395.)
Diese Fauna bietet sehr eigentümliche Verhältnisse dar. In
der gesammten Fauna und Flora des Himalejagebirges ist es näm-
lich eine auffallende Erscheinung, dass die tropisch-indischen Formen
auf dem Südabhange der Gebirgskette sich bis zu deren Hohen hin-
auf verbreiten. Dies erklärt sich aber aus der Richtung der Ge-
birgszüge, welche die kältenden Ost- und Nordwinde abhält, während
der Südabhang den heissen Luftströmungen aus Süd und Südwest
zugänglich ist, unter deren Einfluss die nach Süden geöffneten Thä-
ler durchaus tropische Formen hervorbringen. Andererseits macht
sich aber auch das Gesetz geltend, welchem die übrigen Hochländer
Indiens unterworfen sind, dass nämlich das gemässigte Klima solche
Formen erzeugt, welche denen Mitteleuropa's unter gleichen Isother-
men entsprechen. Unter diesen Bedingnissen finden sich hier die
tropischen Formen mit solchen gemischt, welche durchaus das Ge-
präge der gemässigten Zone an sich tragen. Von 185 in Kaschmir
und dem Himaleja gesammelten Schmetterlingen haben 107 Arten den
Charakter der tropischen, 78 den der gemässigten Zone, bei den
Coleopteren ist das Verhältniss 79 zu 37, bei den Orthopteren (die
als Neuropteren aufgeführten Libellulinen eingerechnet) 20 zu 16,
bei den Hemipteren 44 zu 22, bei den Hymenopteren 32 zu 17, bei
den Dipteren 3 zu 21. Es ergiebt sich hieraus, dass in den meisten
Ordnungen die tropischen und nur bei den Dipteren die der gemässig-
ten Zone angehörenden Formen das Uebergewicht haben. Unter den
Schmetterlingen findet sich unter rein tropischen Formen, von denen
Papilla Protenor, Polyctor, Sarpedon, Cloanthus, Jgestor und P#-
nope, Pieris Valeria, Phryxe, Horsfieldii, Epicharis, Mesentina, Coro-
nis, Gliciria, Thestias Aenippe, Marianne, Pirene, Callidryas Philip-
pina, Pyranthe, Minna , hilaria, Alcmeone, Loxura Atymnus, Poty-
ommatus Vulcanus, Danais similis, Limniace, Euploea Coreta, Nym-
phalis Lisianassa, Liria, Aconthea, Limenitis Leucothoe, Strophiay
Charaxes Bernardus, Athamas, Argynnis Niphe, Phalanta, Vanessa
Charonia, Orythya, Oenone, Limonia, Almana, Hippocla, Libythea
Myrrliaj Cethosia Cyane , Biblis Protogenia, Satyrus Europa, Leda^
Banksia, Macroglossa Picus, Chalcosia Tiberina, Erebus crepuscula-
ris und retorta über einen grösseren Theil Ostindiens oder selbst
der alten Welt verbreitet sind, selbst eine grössere Reihe europäi-
scher Arten wieder: Papilio Machaon, Pieris Brassicae, Rhodocera
Rhamni, Colins Myrmidone und Hyale, Lycaena Baetica, Amyntas%
Argiolus, Agestis, Polyommatus Phloeas, Limenitis Aceris, Argynnis
Latonia , Liparis chrysorrhoea, Lithosia pulchra, Triphaena sub-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 77
sequa, Trachea atriplicis , Noctua C, m'grum, Plusia gamma und
ChalcitiSy Urapteryx Sambucaria , Nymphula interpunctalis nnd po-
tamogalis. Geringer ist die Zahl der mit den Europäischen über-
einstimmenden Arten unter den Coleopteren, indem sie sich auf Co-
lopholia italica, Lema bpunctata und Entomoscelis Adonidis be-
schränken, während Anisoteles bimaculatus Hope, Hister melanarius
Er., Gymnopleurus sinuatus Ol., Xylotrupes Oromedon F., Protaetia
alboguttata Vig., Mylabris Sidae F., Batocera Smaculata F., Podon-
tia Wpunctata F. über einen grösseren Theil Indiens und zum Theil
Südasiens verbreitete, und Onthophagus rubricolUs Hope, Euchlora
Horsßeldii Hope, Popillia cyanea Newm., Jumnos Roylii Hope, Co-
ryphocera nigritarsis Gory, Lucanus lunifer Hope und L. Chevro-
latii Chenu als dem Himalejagebirge eigenthümlich bereits bekannt
gewordene Arten sind. — Zu den Tropischen Formen der Orthopte-
ren gehören Acridium rußcorne und peregrinum Ol., zu denen der
Hemipteren Scutellera nobilis, Belostoma annulatum, Cicada pul-
chella Westw. und PoJyneura ducalis Westw. , während die Wasser-
wanzen der Gattung Ranatra, Nepa, Notonecta, Corixa, Hydrometra
durchaus europäisches Gepräge haben. Bemerkenswerth sind die
Hymenopteren durch Tenthredineten aus den Gattungen C/mbex, Hy-
lotoma, Tenthredo, so wie einen Bombus mit europäischem Gepräge,
während Sphex urgent ata, Polistes Macaensis, Eumenes co?iica}
Vespa cincla F. und Xylocopa latipes durchaus südasiatische Formen
sind. Unter den Dipteren stimmen Tipula scurra, Eristalis cam-
pestris und tenax so wie Hippobosca equina mit europäischen über-
ein, während andere sich solchen nahe anschliessen und nur eine
Pe?ithetria, eine Pangonia und ein Asüus tropischen Formen ange-
hören. — Die Lepidopteren und Coleopteren sind ausführlicher be-
arbeitet, und auf 28 Tafeln zum grössten Theile abgebildet.
Von D'Orbigny's Voyage dans PAmerique meridionale ist der
entomologische Theil etwas weiter vorgeschritten, so dass jetzt über
die Bearbeitung der Familien der Clerier, Melyriden und Telephori-
den berichtet werden kann. Das Erscheinen der Tafeln ist dem des
Textes weit voraus.
Die Kenntniss der eigentümlichen Fauna der Anieisen-
nester hat durch vielseitige Bemühungen bereits einen nam-
haften Umfang gewonnen.
Eine Zusammenstellung alles bisher Bekanntgewordenen hat
Märkel (Germar's Zeitschr. V. S. 193) gegeben, welche alle Arten
aufführt, die unter Ameisen beobachtet worden sind, wobei solche
Arten, welche nicht ausschliesslich in Ameisennestern leben, beson-
ders bezeichnet sind. Die Zahl der aufgeführten Arten beläuft sich
auf 284, von denen allein 100 ausschliessliche Gefährten der Ameisen
sind. Die meisten Myrmecophilen haben Formica rufa und fuligi-
nosa aufzuweisen, von ersterer sind bereits 100 derselben, von letz-
terer sogar 150 bekannt-, bei weitem weniger hat F. fusca, zahlrei-
78 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
eher sind sie wieder bei F. eunicularia; F. nigra, flava, so wie Myr-
mica caespitum und rubra geben wenig Ausbeute, bei den übrigen
ist noch nichts gefunden worden. Unter den Coleopteren sind die
meisten Ameisenfreunde unter den Staphylinen, (allein 159 Arten
unter 41 Gattungen), sodann die Histeren, die Pselaphen, die übri-
gen Familien zeigen theils nur einzelne Myrmecophilen, theils nur
solche Arten auf, deren Vorkommen unter den Ameisen als gelegent-
lich zu betrachten ist. An Hemipteren, Dipteren und Hymenopteren
kommt eine nicht unbedeutende Anzahl von Arten unter den Ameisen
vor, bisher sind deren erst einzelne angezeichnet worden. Eben so
lebt eine Menge von Arachniden, Myriapoden, Thysanuren in den
Nestern der Form. rufa. Die Entscheidung der Frage, welche Rolle
die Myrmicophilen im Staate der Ameisen spielen, ist ihrer Lösung
noch nicht nahe. Der Verf. ist geneigt aus seinen Beobachtungen
den Schluss zu ziehen, dass eine grosse Zahl der Myrmecophilen,
namentlich die Staphylinen und Histeren, den Excrementen der Amei-
sen nachgehe (?).
Ueber die in Dänemark beobachteten Myrmecophilen gab
Schiödte (ebendas. S. 473) eine kurze Nachricht. Unter denselben
verdienen Scydmaenus exilis Er., truncatellus Er. und claviger JH.,
welche der Verf. ausschliesslich in den Nestern der Form, rufa fand,
und zwei Arten Maltlunus besonderer Erwähnung.
In Schweden richtete Boheman seine Aufmerksamkeit auf die
Myrmecophilen ( Öfversigt af Kongl. Vetensk. Acad. Förhandl. 1844.
p. 155). Er sammelte in den Nestern der Form, rufa 26 Arten, welche
zwar sämmtlich auch in Deutschland u. s. w. sich finden, von denen
indess 13 für die schwedische Fauna neu waren.
In Finnland hat Mannerheim seine Nachforschungen in den
Ameisennestern fortgesetzt (Bull. Mose. 1844. p. 176) und die Myr-
mecophilen um eine nicht unbedeutende Zahl vermehrt, auch meh-
rere neue Arten entdeckt. Die reichste Ausbeute gaben die Nester
im Frühling; im Juli und August fand sich fast nur Myrmecoxenus
subteri'aneus, dieser aber zu Tausenden. Er hält sich nicht in der
Tiefe, sondern vorzugsweise in den obersten Schichten des Nestes
auf. Bemerkenswerth ist ferner, dass einzelne Arten in einem Neste
massenweise vorkommen, in anderen gar nicht (so verhält es sich auch
mit Myrmecoxenus subterraneus, den Ref. in der Nähe von Berlin nur
in einzelnen Nestern, in diesen aber zu Tausenden angetroffen hat).
Endlich theilte noch v. Motschoulsky „Bemerkungen zu dem
im Vten Bande der Zeitschr. f. d. Entomologie von Herrn Märkel
gegebenen Beiträge zur Kenntniss der unter Ameisen lebenden Insek-
ten" mit (Bull. Mose. p. 812), in welchen er angiebt, auf seinen frü-
heren Reisen im Russischen, wie im Auslande zu wiederholten Ma-
len Ameisenhaufen untersucht, aber bei Weitem nicht die von Herrn
Märkel geschilderte Ausbeute erhalten zu haben. Das vom Verf.
gegebene Verzeichniss der von ihm beobachteten Arten ist von kei-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 79
nem Werth, weil die meisten derselben angeblich neu aber meist
gar nicht oder nur in der flüchtigsten Weise kenntlich gemacht sind.
Während die vorstehenden Untersuchungen sich auf die Ameisen-
freunde beziehen, hat Cornelius die Aufmerksamkeit auch auf die
Ameisenfeinde gelenkt (Entomologische Erfahrungen. Verhandl. des
Naturhistor. Vereins der preuss. Rheinlande, I. Jahrg. S. 50). Es
sind besonders Caraben, welche sich am Rande der Ameisennester
aufhalten, und der Brut, namentlich den Ameisenpuppen nachstellen.
Pterostichus cupreus, Harpalus ruficomis, Carabus ca?icellatus, gra-
nulatus, Procrustcs coriaceus, Taphria vivalis sind die Arten, an
welchen der Verf. die Beobachtungen gemacht hat. Auch Gryllus
ca?npestris, welche der Verf. in der Nähe von Ameisennestern antraf,
verschmähte in der Gefangenschaft Ameisenpuppen nicht, weshalb
der Verf. geneigt ist, auch ihn für einen Ameisenfeind zu halten.
Des märest hat die Fälle zusammengestellt, wo Metalle
von Insecten durchlöchert wurden. (Ann. Soc. Ent. d. Fr. N.
Ser. II. Bull. p. xx, xxiv, xxxu, Revue Zool. p. 90).
Es ist nur weiches Metall, woran man dergleichen wahrgenommen
hat, gewöhnlich Blei, in einem Falle Schriftgut, und gewöhnlich unter
solchen Umständen, wo das Insect sich den Ausgang aus seinem
Puppenlager durch dasselbe zu bahnen hatte. Die besprochenen
Fälle sind im Kurzen folgende: Audouin erhielt eine Bleiplatte von
der Bekleidung eines Schiffes, in welche Callidienlarven zahlreiche
und tiefe Höhlungen genagt hatten; Emy hatte zu Rochelle ganze
Stücke eines Bleidaches gesehen, welches von Bostriehen nicht nur
angenagt, sondern auch völlig durchlöchert war; Stephens fand Bal-
ken von den Larven des Callidium baiulus ganz zerfressen trotz
ihrer Bekleidung mit Blei, und auch Locher in der letzteren, welche
er für Bohrlöcher von Callidien hielt; Marq. de Breme zeigte der
Entomol. Gesellsch. zu Paris mehrere Patronen aus dem Arsenal zu
Toulon vor, an deren einem Ende das Papier durchlöchert und die
Bleikugel bis zu einer Tiefe von 4 — 5 Millim. angenagt war. Es
war eines der Fässer stark zerfressen, doch als es geöffnet wurde
zeigte sich keine Spur von Insekten mehr. Du Boys theilte aus Li-
moges einen Schriftsatz mit, in welchen zwei tiefe Gänge gebohrt
waren, worin man Apate capucina fand. Endlich sperrte Desm. zwei
Callidium sanguineum in dünne Bleigefasse, so dass beide durch den
Boden des einen Gefässes getrennt waren, und dieser fand sich nach
einigen Tagen durchlöchert, und beide Käfer neben einander. Schliess-
lich ist noch ein durch Blainville mitgetheilter, von Dr. Piccioni auf
Corsica angeblich beobachteter Fall mitgetheilt: Cetonia Cardui Dej.
nämlich drang in die Bienenstöcke des Herrn P. und verzehrte Wachs
und Honig; dies zu verhindern, wurden Bleiplattcn vor die Stocke
gelegt, mit so kleinen Oeffnungen, dass nur die Bienen durch konnten,
allein bald sah er, dass die Insecten sich an das Blei machten, die
Fluglöcher erweiterten, und wieder in den Stock eindrangen. Dann
80 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
wurden Zinkplattcn vorgelegt, und diese waren den Cetonien zu hart.
Hr. Desmarest bezweifelt mit Fug, dass die Cetonien mit ihren weichen
Mandibeln auch am ßlei etwas ausgerichtet haben. — Herrn Desm.
wrar die Frage aufgeworfen worden, ob die Insecten in solchem Fall
von dem Metall frässen. Um sich darüber Sicherheit zu verschaffen,
veranlasste er eine chemische Analyse einer der in Schriftgut gefun-
denen Apate, und es fand sich keine Spur von Blei.
Coleop tera.
Ueber den Bau des Hinterleibes der Käfer hat Schi öd te
(Germ. Zeitschr. V. S. 474) einige Bemerkungen mitgetheilt.
Der Verf. zeigt vorzüglich, dass, wenn die Gliederung des Hin-
terleibes als systematischer Charakter angewendet werden solle,
man die Kloakdecken von den eigentlichen Hinterleibsringen aus-
schliessen müsse, obgleich sie eigentlich umgebildete Hinterleibs-
ringe seien. Kloakdecken werden die Hinterleibsringe aber dann,
wTenn sie nach der Willkür des Thieres bald hervorgestreckt, bald
zurückgezogen werden können. Diese Bestimmung scheint mir aber
nicht ausreichend, um in jedem Falle Kloakdecke vom eigentlichen
Hinterleibsringe zu unterscheiden, und es tritt öfter der Fall ein,
wo man den Theil so oder so deuten kann mit gleichem Rechte,
Den sichersten Anhalt giebt immer die Beobachtung der Stigmen,
wie ich bereits im vorigen Berichte (S. 255) ausgesprochen habe.
Auch in Betreff der ersten Hinterleibsringe kann ich mit dem Verf.
nicht derselben Ansicht sein. Ich habe bei den Staphylinen angege-
ben, dass das erste Rückensegment kein entsprechendes Bauchseg-
ment habe, der Verf. sagt, dass alle Rückensegmente ihre entspre-
chenden Bauchsegmente hatten. Anatomisch ist allerdings ein dem
von mir als ersten Rückensegment angenommenen Halbringe ein ge-
genüberstehendes Bauchsegment nachzuweisen, allein es hat keine
Bedeutung als Segment, und erst das folgende gliedert mit der Brust.
Später habe ich mich durch vergleichende Untersuchungen verschie-
dener Familien sowohl als auch der früheren Stände überzeugt, dass dies
Segment eigentlich das zweite ist, und dass das erste, ebenfalls ohne
entsprechenden Bauchhalbring noch davor liegt, und zwar ist es der
Theil, welcher gewöhnlich als Rückenplatte des Metathorax betrach-
tet wird und welchem die grossen Stigmen angehören, die bis jetzt
allgemein (auch von mir noch in den Staphyl.) als Metathorax-Stig-
men betrachtet wurden. Obgleich diese Stigmen durch ihre Grösse
und Form mehr den Thorax- als den übrigen Hinterleibsstigmen glei-
chen, ergiebt doch die Beobachtung der Verwandlung, dass sie keine
anderen Theile sind, als die Stigmen des ersten Hinterleibsringes der
Larven. Auf diese Weise haben die Käfer im Allgemeinen zwei
Rückensegmente vor dem ersten Bauchsegment, von denen zuweilen
das zweite mit dem dritten dem ersten Bauchsegment gegenüber liegt.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 81
Etwas Aehnliches findet auch in andern Insectenordnungen Statt, wo
ein verwachsener Hinterleib vorkommt, doch pflegt hier nur ein
Rückensegment dem ersten Bauchsegment gegenüberzustehen.
Von Guerin's Species et Iconographie generique des
Animaux articules ist mir ausser den im vorigen Bericht
(S. 255) angezeigten Lieferungen bis jetzt Nichts zugegangen.
Die Käfer Europa's, nach der Natur beschrieben von Dr.
H. C. Küster. Mit Beiträgen mehrerer Entomologen. Erster
Band. Nürnberg. 1844. Verlag von Bauer und Raspe.
Ein zweckmässig angelegtes Unternehmen, indem die einzelnen
Arten sehr ausführlich, aber ohne bestimmte Reihenfolge auf einzel-
nen Blättchen beschrieben werden, welche nach Belieben geordnet
werden können. Die Erfahrung lehrt zwar die Nothwendigkeit, eine
Reihe verwandter Arten auch im Zusammenhange abzuhandeln, da-
mit theils die Artunterschiede recht klar hervortreten, theils eine
verwickelte Synonymie gesichtet werden könne. Die zwanglose Form
des Werkes gestattet aber auch diesem Bedürfniss nachzukommen.
Auf der andern Seite erlaubt dieselbe, Entdeckungen von Interesse
gleich in die Oeffentlichkeit zu bringen. Dies kann bei einem Werke
dieser Art den höhern wissenschaftlichen Werth aufwiegen, welche
eine Bearbeitung im systematischen Zusammenhang einer Fauna ge-
währt. In Bezug auf geographische Abgränzung bietet die europäi-
sche Fauna einige Schwierigkeiten dar. Der Verf. dehnt sie über
das ganze Mittelmeerbecken aus, und schliesst derselben also die
Küsten des schwarzen Meeres, Kleinasien, Syrien, Aegypten, die Ber-
berei, Madeira und die Canarien ein. Die Nordafrikanische Fauna
hat aber unter Vielem, was ihr mit Südeuropa gemein ist, auch viele
sehr eigenthümliche, und zwar acht afrikanische Arten aufzuweisen,
und würde ganz fremde Elemente in die Europäische Fauna bringen,
z. B. Graphipterus, Steraspis. Hier scheidet das Mittelmeer noch
hinreichend. Schwieriger ist die Abgränzung der Europäischen Fauna
nach der Asiatischen Seite hin, denn durch ganz Nordasien findet sich,
keine natürliche Begränzung derselben, so dass die Fauna Dauriens
und selbst Nordchina's sich weniger von der Europa's abscheidet,
als die der Berber ei.
Catalogus Coleopterorum Europae. Zusammengestellt auf
Veranlassung des Entomologischen Vereins zu Stettin (vom
Geh. Reg. Schmidt). Stettin 1844.
Nach der mündlichen Mittheilung des Verf. wurde dieses Ver-
zeichniss, welches keinen weitern Zweck hat, als den Sammlern den
gegenseitigen Verkehr zu erleichtern, nur mit der grössten Eile zu-
sammengestellt; nichts destoweniger sind dabei die neueren mono-
graphischen Bearbeitungen, wo solche vorhanden waren, umsichtig
benutzt. In vielen Theilen sind die Catalog- und brieflichen Namen
Archiv f. Naturgcsch, XI, Jahrg. 2. Bd, F
82 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
solchem Verzeichniss eine grosse Last, welche aber immer mehr
einschwinden wird, je weiter eine wissenschaftliche Bearbeitung durch
Monographieen und Faunen vordringt. Bei der gegenwärtigen Thä-
tigkeit in dieser Beziehung dürfte schon jetzt eine neue Ausgabe des
Cataloges durch die Hand desselben Verf. sich um Vieles vollendeter
gestalten.
Von Sturm's Deutschlands Fauna ist das 15te Bänd-
cheu ausgegeben worden, welches die Fortsetzung der Bear-
beitung der Nitidularien und die neue Caraben - Gattung
Anophthalmus enthält.
Grundlage zu einem Verzeichnisse der Käfer des Harzes
und seiner Umgebungen, entworfen von E. G. Hornung.
Erste Abth. Die Lauf- und Schwimmkäfer, Aschersl. 1844.
Der naturwissenschaftliche Verein des Harzes hat sich die be-
stimmte Aufgabe gestellt, die Naturprodukte des Harzgebietes sorg-
lich zu erforschen. Der Verf. hat die Hand an die Käferfauna gelegt,
und liefert hiermit den ersten Beitrag. Das Harzgebiet umfasst eine
Ausdehnung von 16 Meilen in die Länge und 10 Meilen in die Breite,
und bietet bei einer grossen Abwechselung in der absoluten Hohe,
der Bodenbeschaffenheit und der Vegetation unstreitig eine der inter-
essantesten und reichhaltigsten Faunen in Norddeutschland, welche
wie der vorliegende Theil des Verzeichnisses nachweist, sorgsam
untersucht ist. Das Vorkommen ist bei jeder Art angezeichnet, öfter
sind auch kritische Bemerkungen beigefügt.
Catalogo dei Coleopteri della Lombardia, compilato dai
fratelli Antonio e Gio. Battista Villa. Milano 1844. Ein
einfaches Verzeichniss, welches aber bei seiner Reichhaltigkeit
sicher einen sehr vollständigen Ueberblick über die Käferfauna
der Lombardei gewährt.
Excursion Entomologique dans les montagnes de la vallee
d'Ossau par Leon Dufour (Bull. d. ). Soc. des Sciences
lettr. et arts de Pau) verzeichnet 768 Käferarten, welche
auf diesem Ausfluge gesammelt sind. Es ist eine Anzahl neuer
Arten aufgestellt worden, welche sich zum Theil wohl auf
bekannte zurückführen lassen, zum Theil aber nach den kur-
zen Diagnosen nicht zu bestimmen sind.
Die Kenntniss der Finnländischen Fauna ist von Män-
nern ei m durch ein Paar kleiner Abhandlungen in den Bull.
Mose, bereichert worden: Memoire sur la recolte d'Insectes
Coleopteres faite en 1843 (p. 160), und Description de quel-
ques nouvelles especes de Coleopteres de Finlande (p. 189).
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1844. 33
Spicilegiuin Entomographiae Rossicae, auctore G. Fischer
de Waldheim (Bull. Mose. 1844. p. 3). Enthält Beschrei-
bungen einer grossen Zahl meist neuer Arten aus dem Rus-
sischen Reiche sowohl, als aus benachbarten Ländern.
Note dun viaggio nella Persia e nelle Indie orientali
negli anni 1841, 1842, di Gaetano Osculati. Monza 1844.
Dem Reisebericht des Verf., welcher hin und wieder naturge-
schichtliche Bemerkungen enthält, ist ein Verzeichniss der auf der
Reise gesammelten Käfer beigefügt, und im Anhange sind 6 neue Ar-
ten durch die Diagnosen bezeichnet, welche ich unten mittheilen
werde, da die kleine Schrift vielleicht nicht überall zugänglich ist.
Einen Beitrag zur Kenntniss der Fauna von Assam lie-
ferte Parry durch Aufstellung einer Decade neuer Arten,
von welcher zur Zeit in den Proceed. Ent. Soc. Lond. (Ann.
nat. hist. XIV. p. 454) nur die Diagnosen mitgetheilt und die
ausführlichen Beschreibungen noch zu erwarten sind.
Einige neue Käfer aus Hongkong erörterte White (Ann.
nat. hist. XIV. p. 422).
Lucas (Rev. Zool. p. 262) beschrieb einige neue nord-
afrikanische Käfer, aus der Gegend von Biskra, 55 Lieus süd-
lich von Constantine gelegen. Die Fauna dieser Gegend
scheint auffallend von der des Küstenstrichs abzuweichen, denn
jene Arten haben ein rein afrikanisches Gepräge. Die auf
dem Zuge nach Biskra von Herrn v. Faremont gesammelten
Insecten bestehen hauptsächlich aus Melasomen."
Hai de man theilte Diagnosen mit von 49 neuen nord-
amerikanischen Arten aus den Gattungen Cymmdis, Dromius,
P/oc/iionus, Lebia, Cop toder a, Pasimachus , Clivina, Badister,
Anchomenus, Agonum , Omaseus, Amara, Selefiophorus, Opho-
nus, Harpalus, Stenolop/ius, Acupalpus, Notaphus, Leia, Pery-
phus, At/ious, Char actus, Mycterus, Lytta, Hoplia, Chhmiius,
Coprobius, Aphodius, P/iileurus, Bothrideres , Ichthydion und
Anthicus. Philadelph. Proc. I. p. 298. (Bohem. Arsber. p. 43).
Ein Paar kleiner Beiträge gab Guerin (Rev. Zool.) zur Kennt-
niss der Fauna von Mexiko (p. 253) und Neugranada (p. 8).
Water house Contributions to the Entomology of Sou-
thern portions of South America. (Ann. nat. hist. XIII. p. 41).
Der Verf. bemerkt mit Recht, dass die Vaterlandsangabe Chile
um so unbestimmter sei, als Chile in seinen verschiedenen Breiten
ein sehr verschiedenes Klima, und demnach eine sehr verschiedene
84 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Bodenbeschaffenheit zeige. So ist der nördliche Theil äusserst trok-
ken und dürr, fast regenlos, im Allgemeinen sandig und steinig, reich
an Cactus; der südliche Theil dagegen, mit Regenfülle, ist bewaldet,
oft mit dem üppigsten Pflanzenwuchs. Der nördliche dürre Bezirk
schliesst die Provinzen Coquimbo und Copiapo, der südliche Chiloe,
Valdivia und Conception ein. In der Mitte liegen Valparaiso , Acon-
cagua und San Jago, wo auch das Klima ein mittleres ist, mit perio-
dischen Regen während der Monate Mai bis August, der Boden in
den Thälern ziemlich baumreich, an den Bergseiten mit niedrigen
Büschen bewachsen. Von Interesse ist demnach die Mittheilung der
Aufzeichnungen des Herrn Bridges über Fundort uud Vorkommen
einer Reihe chilesischer Coleopteren.
Curtis legte der Linnei'schen Gesellschaft zu London:
„üescriptions of the Insects collected by Capt. P. P. King,
in the Survey of the Straits of Magellan" vor, als Fortsetzung
seiner im 18ten Band der Transact. der Gesellschaft nieder-
gelegten Arbeit.
In den Ann. of nat. hist. XIV. p. 218 ist ein Auszug aus dieser
Arbeit mitgetheilt, welcher indess nur die Diagnosen der neuen Ar-
ten enthält, deshalb ich den Bericht darüber bis dahin aussetze, wo
die Abhandlung selbst in den Transact. Lin. Soc. erschienen ist. Sie
umfasst die Familien Histeridae , Hydrophilidae, Scarabaeidae, Luca-
nidae und sämmtliche Heteromera.
Von den auf der Erdumseglung der Bonite gesammelten
neuen (20) Arten der Coleopteren theilte Le Guillou vor-
läufig die Diagnosen mit (Rev. Zool. p. 220).
Graf Mannerheim (Bull. Mose. p. 845) stattete über
eine Reise nach Schweden, Dänemark und Norddeutschland
Bericht ab, welcher viele interessante Bemerkungen enthält
und in welchem zugleich mehrere neue Arten beschrieben sind.
Cicindeletae» Folgende neue Arten sind in dieser Familie
aufgestellt :
Meg acephala obscurata Chaudoir (Bull. Mose. 1844.
p. 454) aus Mexiko oder Columbien.
Pseudoxycheila lateguttata Chaudoir (Bull. Mose.
p. 455), aus Columbien, nach einem einzelnen Stück, wie es scheint,
von einem einzelnen Stück der O. bipustulata übereilt unterschieden.
Cicindela Bur meist er i und Kirilowii Fischer v. W.
(Bull. Mose. p. 6) aus der Songarei, C. Syriaca Buquet (Ann. Soc.
Ent. de France. 2. ser. II. Bull. p. xxxvi) aus Syrien; C. Himaleyica
Kollar und Redtenbacher (v. Hügel's Reis. S. 497. T. 23. F. 1),
der C. margineguttata Dej. ähnlich, von Kaschmir; C. posticalis
White (Annais nat. hist. XIV. p. 422) von Hongkong; C. Nietii
Guerin (Rev. Zool. p. 254) aus Mexiko.
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1844. 85
Dromica gigantea (Melly) de Breme (Ann. Soc. Ent. d.
Fr. II. p. 289. pl. 7. f. 3, von der Weihnachtsbai.
Tricondyla g lobicollis, vict'na, conicicollis Chaudoir
(Bull. Mose, p 456) von Manila, Tr. pulc/i r/'pes White (Ann. nat.
bist. XIV. p. 422) von Hongkong.
Colliuris attenuata Kollar und Redtenbacher (Hügel's
Reis. S. 498) von Kaschmir.
Von Callidema Boussignaultii Guerin ( S. vor. Bericht S. 257)
ist im Mag. de Zool. 1844, Ins. pl. 144 eine Abbildung geliefert, und
der Gattungsname zugleich in Eu colli a umgeändert.
Eine Abbildung und ausführliche Beschreibung der seltenen und
wenig bekannten Cicindela lugubris Dej. vom Senegal hat de Breme
in Ann. d. 1. Soc. Ent. d. France II. p. 288. pl. 7. f. 1. 2 gegeben.
Carabici* Ein genaues Verzeichniss der Laufkäfer des Har-
zes gab Hornung (Grundlage zu einem Verzeichnisse der Käfer
des Harzes und seiner Umgebungen). Es enthält mit Einschluss der
vier Cicindelen 276 Arten. — Einen Beitrag zur Kenntniss der Ver-
breitung der Caraben in Dänemark, zur Vervollständigung seiner
Danm. Eleutherat. theilte Schiödte mit (Krö'yer Nat. Tidsskr. Ny
Räkke I. p. 46.
Neu aufgestellte Gattungen sind:
Pleurosoma Guerin (Rev. Zool. p. 8, Mag. d. Zool. Ins. pl.
136), mit Dyscolus zunächst verwandt, und hauptsächlich durch ha-
bituelle Merkmale: breiteres Halsschild und gewölbte, an den Seiten
gerundete, tiefer gefurchte Flügeldecken, welche an Eurysoma er-
innern, unterschieden. Eine neue Art, PI. sulcatum Guer. aus Neu-
granada.
Rhytiderus Chaudoir (Bull. Mose. p. 470), aus Dromius
lQptmctatus (Buq.) Reiche, Rev. Zool. 1842, gebildet, welcher aller-
dings kein Dromius ist, sondern zur Gattung Sericoda Kirby Faun.
Bor. Amer. gehört, mit welcher also Rhytiderus zusammenfallen wird.
Philophloe us desselb. (ebenda. S. 472) aus Cymindis austra-
li's Dej. gebildet, welche durch Form, Gattungscharaktere und Le-
bensweise (unter Baumrinden) von den eigentlichen Cymindis ab-
weicht, und nach des Verf. Meinung sich mehr den Thyreopterus
annähert.
Anophthalmus Sturm (Deutschi. Ins. XV. S. 129. T. 303) eine
höchst ausgezeichnete Gattung, zunächst mit Trechus verwandt, wo-
von sie hauptsächlich durch Verhältnisse der Tasterglieder und vor
Allem durch gänzlichen Mangel der Augen sich unterscheidet. Die
Gattung ist unterirdisch. Eine Art, A. Schmidtii Sturm wurde
von Herrn Ferd. Schmidt in der Luegger Grotte in Inner-Krain , eine
zweite A. Tellkampfii des Ref. (Müller's Archiv f. Anat. u. s. w.
1844. S. 384) Note von Dr. Teilkampf in der Mammuthhohle im Staat
Kentucky in Nordamerika entdeckt. Die letztere unterscheidet sich
86 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
von der ersteren durch den eiförmigen Umriss des Halsschildes und
schmalere Flügeldecken.
Die Arten der Gattung Procerus hat v. Motschoulski (Guer.
Mag. Zool. Ins. pl. 149. 150) zu erläutern gesucht und dieselben um
drei vermehrt: Pr. Bosphoranus aus Rumelien, Pr. Colchicus
aus Mingrelien und Pr. Aegyptiacus, angeblich aus Aegypten.
Eine vierte angeblich neue Art Pr. Sommeri aus Rumelien hat
Mannerheim (Bull. Mose. p. 868 Not.) aufgestellt. Ich habe mich
noch nicht, überzeugen können, dass unter den in Rumelien und
Kleinasien vorkommenden Procerus verschiedene Arten sich befinden.
Die Gestalt des Halsschildes zeigt zwar, wenn man zwei einzelne
Stücke vergleicht, sehr namhafte Unterschiede, sowohl im Schnitt,
als im Verhältniss der Länge zur Breite, diese Unterschiede zerflies-
sen aber, wenn man eine grössere Reihe von Individuen neben ein-
ander hält. Eben so kommen individuelle Verschiedenheiten vor in
Körperform, Sculptur und Färbung. Unter solchen Verhältnissen
könnten nur Untersuchungen an Ort und Stelle, oder der Vergleich
einer sehr grossen Anzahl von Individuen zur Aufstellung von Arten
berechtigen. Ich zweifle hier um so mehr daran, dass der Proc.
scabrosus Ol. (Olivieri Dej.) in verschiedene Arten aufzulösen ist,
als wir die verschiedenen Formen oder Abänderungen in denselben
Sendungen erhielten, und Olivier selbst verschiedene derselben ge-
sammelt hat, ohne sie zu unterscheiden. (Die hiesige Sammlung be-
sitzt ein von Olivier herrührendes Stück, welches ziemlich mit Pr.
colchicus Motsch. übereinkommt; ein anderes, welches Dejean an
Herrn Schüppel mittheilte, und welches eins von denen ist, welche
er bei seiner Beschreibung vor Augen hatte, stimmt mehr mit Pr.
Sommeri Mannerh. und Bosphoranus Motsch. überein).
Die europäische Fauna ist mit mehreren neuen Arten bereichert
worden.
Mannerheim entdeckte in Finnland Dyschirius riparius
(Bull. Mose. p. 189). Küster (Käf Europ. 1. 1) beschrieb Ptero-
stichus aterrimus St. aus Südfrankreich, dessen Artname wegen
der gleichnamigen Fabricischen Art nicht füglich bestehen kann. —
Boudier (Guer. Mag. d. Zool. Ins. pl. 152) bildete Feronia (Pte-
rostichus) excavata als einen in den Wäldern bei Montmorency
gefundenen Käfer ab, welchen Wlarq. de la Ferte für eine Missbil-
dung der Fer. nigrita erklärt hatte, welche auch hier öfter vorkommt,
mit aufgetriebenen Schultern und eingedrückter Gegend des Schildchens.
Von Gaubil sind einige neue Arten aus Frankreich und Alge-
rien beschrieben: Feronia (Argntor) maritima, der F. verna-
lis ähnlich, bei Beziers am Meeresufer ; Amara floralis, ebendas.
aufwiesen (der Verf. bezeichnet sie als Celia, sie gehört aber zur
Gruppe der eigentlichen Amaren mit dreizackigem Enddorn der Vor-
derschienen)-, Harpalus mauritanicus aus der Provinz Constan-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 87
tine; Bembidium (Tachys) Guerinii aus dem Departement
des Aveyron.
Aus dem südlichen Kussland und dem nördlichen Asien haben
Fischer v. \V. und Chaudoir eine Reihe neuer Arten aufgestellt.
Der erste beschreibt in seinem Spicilegium Entomographiae Rossicae
(Bull. Mose. p. 11, 135) von Carabus 16, Nebria 3, Chlaenius 2,
Pristonychus 1, Acinopus 3 Arten. Chaudoir (Supplement ä la
faune entomologique de la Russie et des pays limitrophes, Carabi-
ques nouveaux, Bullet. Mose. p. 435) beschrieb folgende Arten: C y-
mindis crenata aus Abasien, Lebia femoralis, nach einem
einzelnen Stück nicht mit Sicherheit von L. eyanoeephala unter-
schieden, aus der Crim, Morio colchidicus, aus Abasien, Cara-
bus granosus, irgendwo aus Sibirien, Blethisa aurata Esch.,
Notiophilus rufipes aus Abasien, Badist er Xanl homus von
Kiew, ist nach des Verf. eigener Erklärung die vom Ref. erwähnte
grosskö'pfige Form des B. humeralis, welche der Baron Chaudoir für
eine eigene Art hält, weil ich keine Uebergänge wahrgenommen habe;
der Umstand aber, dass ich beide untereinander gefunden habe,
spricht mehr für meine Ansicht; Patrobus lapponicus, wieder
nach einem einzelnen Stück von P. septentrionis abgesondert, Pa-
trobus assimilis, von Petersburg, ebenfalls nach einem einzelnen
Stück von P. rufipes unterschieden, Feronia {Agonodemus) ele-
gantula, von Trebisond, Feronia (Glypt opterus) lacunosa
ebendaher, Pelor tauricus aus der Crim, Amara nigrita von
Irkutzk, A. assimilis von Kiew, Bradytus brevipennis, Br,
cor die ollis , Br. microderus, Br. longipennis, alle vier vom
Altai, Harpalus rotundatus, cyclogo?ius, violaceus aus
Sibirien, H. ovatus und Bungii vom Altai, Trechus latipen-
nis von Trebisond, Peryphus Nordmanni, Leia bisulcata
von Kiew.
Chaudoir hat ferner Corrections et additions au Catalogue des
Carabiques recueillis dans la prov. de Mazenderan pres d'Astrabad,
par M. de Kareline " (Bull. Mose. p. 415) mitgetheilt. Ein grosser
Theil dieser Berichtigungen zu dem im Bericht f. 1842. S. 168 er-
wähnten Verzeichniss ist dem Verf. vom Grafen Mannerheim mitge-
theilt worden, von welchem auch eine Zahl neuer Arten eingefügt
wird: Odacantha puncticollis M., Brachinus subnotatus
Ch., C allist us gratiosus M., Chlaenius latit horaxM., an-
gusticollis M., Epomis Karelinii Mann., Agonum longi-
penne M., Zabrus ovipennis Ch., propinquus Ch., vicinus
M., Stenolophus persicus Dej. M., Peryphus astrabaden-
sis M.
Osculati (Coleopteri raecolti nella Persia, lndost. etc. p. 72)
hat folgende 'Arten als neu bezeichnet: Carabus Osculati Villa:
Oblongo- ovatus, subdepressus, niger, opacus, thorace subquadrato,
brevi, margine rotundato; elytris granulis pluribus oblongis elevatis,
88 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
inaequalibus, per seriem dispositis. — Affinis Car. Kruberi. Hab. in
Persia occidentali. (Vielleicht einerlei mit C. Paphius Redtenb. —
2. Carabus Orientalis: Oblonge- -ovatus, subdepressus, niger,
thorace quadrato , rugoso , elytris foveis excavatis per series dispo-
sitis, tres quarum foveis crassis, quarta marginalis brevior, foveolis
medioeribus, primis et ultimis obsoletis. — Affinis Car. cribrato et
Orsinii; differt tarnen convexitate minori, elytrorumque sculptura.
Fem. minor, magis attenuata, opaca. — Habitat in Armenia, in monte
Ararat. — 3. Sphodrus Armeniacus: Apterus, niger, elongatus,
capite laevi, oeeipite biimpresso, thorace oblongo, subcordato, late-
ribus marginato, in medio linea longitudinali sulcato, elytris oblon-
gis, subovatis, striatis, striis vage punetatis. Affinis Sph. elongato.
— - Habitat in Armenia in sylvis humidis, non frequens. Die beiden
ersten Arten sind auch abgebildet.
Vom Taurusgeb. ist Carabus luxuriosus M otschoulsky
(Guer. Mag. Zool. Ins. pl. 151. f. 3).
Von Kollar und Redtenb acher (v. Hüg. Kaschmir. S. 498)
sind Cymindis Immaculata (T. 23. F. 3), Carabus Caschmi-
rensis (T. 23. F. 4), Chlaenius ianthinus, Calathus angu-
status, Selenophorus quadricollis von Kaschmir und Fero-
nia (Omaseus) Himalejica von Massuri im Himalaja beschrie-
ben worden. — Von Hongkong ist Helluo (Acanthogenius)
asteriscus White (Ann. nat. hist. XIV. p. 422).
Ausgezeichnete neue südafrikanische Arten sind Graphipte-
rus Westiooodii, Anthia Melly und A. alveolata Reiche
(An. Ent. Soc. d. Fr. 2. ser. II. p. 291. pl. 7. f. 6, 5, 4), alle von der
Weihnachtsbai.
Neue Amerikanische Arten sind Onypterygi* Thoreyi Man-
nerheim (Bull. Mose. p. 869 not.), so wie Morio Lafertei und
Calosoma peregrinator Guer in (Rev. Zool. p. 254) aus Mexiko
und Cordts tes arcuatus und C. Lafertei Guerin (ebendas.
S. 9) aus Neugranada.
Von Dems. (Mag. d. Zool. Ins. pl. 140) wurde Sphallomor-
pha nitiduloides , eine ausgezeichnete neue Art aus Neuholland,
abgebildet.
Schliesslich ist noch einer Abhandlung von Chaudoir (Obser-
vation sur quelques especes de Carabiques de ma collection, avec
la description de quelques especes nouvelles (Bull. Mose. p. 454) zu
erwähnen, welche ausser den oben bereits aufgeführten Gattungen
noch allerlei neue Arten bekannt macht: Drypta e long ata vom
Senegal, (Abänd. von Dr. dorsalis Dej.), Galerita pallidicornis
Reiche^ macrodera, aequicollis , von Columbien, Calleida
bicolor vom Senegal, C. erythrodera desgl., C. mar ginicollis
vom Cap, C. cyanipennis ohne Angabe des Vaterlandes, C. in-
terrupta von Brasilien, nigrieeps desgl., C. e leg ans Kl. von
Cuba, von der C. rubricollis Dej. unterschieden, Anthia oxygona
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1844. §9
vom Cap; Aristus punctulatus aus Syrien. Ferner die Bemer-
kungen, dass Calleida splendida Gory == auricollis Lap., dass Cy-
chrus interruptus Men. von Californien, der wahre C, ventricosus
Esch., und der von Men. unter diesem. Namen aufgeführte eine neue
Art sei, welche der Verf. als C, striato-punctatus beschreibt,
dass Anchomen. validus Lafert. zur Gattung Stenognathus Chaud.
und dass Anck. micans Men. zur Gattung Scaphiodactylus Chaud.
JDytiscidae. Dr. Schaum (Entom. Zeit. S. 195) theilte Be-
merkungen über die Synonymie einiger Arten von Hydroporus mit:
1. H. nigrolineatus Stev. = enneagrammus Ahr., dagegen H. nigro-
lineatus Seh. = parallelus Aub. = Schönherri {consobrinus Zett. )
$, und H. nigrolineatus Kunze = H. parallelogrammus. — 2. //.
affinis St. = frater Kunze = assimilis Payk. — 3. H. lorealis Gyll.
Aube = alpinus Duft. = septentrionalis Heer = Daviesii Curt.; —
//. septentrionalis Gyll. = alpinus Kunze. — 4. H. castaneus Heer
= ovatus St. — 5. //. melanocephalus St. = pubescens Aube. — 6.
H. foveolatus Heer = nivalis Heer (mit zufälligen Eindrücken). —
7. H. suturalis Müll. (Germ. Mag. IV. p. 225) = granularis-,. 8. H.
delicatulus, neue Art aus Oesterreich, wo er mit H. minutissimus
verwechselt wurde.
Ferner sind als neue Arten aufzuführen*. Trochalus rugulo-
sus und Colymbetes lineatus Kollar und Redtenbacher
(v. Hüg. Kaschm. S. 502, der letztere Taf. 23. F. 5), beide aus Kasch-
mir, und Laccophilus Yvietae Le Guillou (Rev. Zool. p. 220)
aus Chile. Endlich Haliplus lineo latus und pictus Manner-
heim (Bull. Mose. 190. 2. 3) aus Finnland.
Dytisciden des Harzes zählte Hornung (Grundlage zu einem
Verzeichnisse des Harzes) mit Anschluss der Gyrinen 100 Arten auf,
so dass in dieser Familie das Harzgebiet mit der Schweiz und
Schweden ziemlich auf gleicher Stufe in Betreff des Artenreichthums
steht. Eine für die deutsche Fauna neue Art ist der bei Strassfurth
in salzigem Wasser aufgefundene Agabus conspersus ( Dyt. consp.
Marsh., Colymb. consp. Steph., C. subnebulosus Steph., Agab. sub-
neb. Aub., A. nebulosus Schiödt).
Mupre*tides. Neue Buprestiden von Algier hat Lucas (Rev.
Zool. p. 49 und 87) bekannt gemacht, nämlich Julodis Setifensis
Buprestis Levaillantii, mauritanica, Sphenoptera vit-
tatico lliSy Acmaeodera mauritanica, tristis, niultipun -
data, melanosoma, flavopunctata, rubro - maculax f«,
flavovittata, Anthaxia vittaticollis. Auf einige Bemerkun-
gen über diese Arten von Chevrolat (ebendas. S. 134) erfolgte eine
Replik von Lucas (S. 206) und eine Duplik von Chevrolat
(S. 239), aus welchen Verhandlungen sich ergeben hat, dass Anthaxia
vittaticollis mit A. Ferulae Gene (aus Sardinien) zusammenfällt;
90 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
auch ist Chevr. wohl nicht mit Unrecht der Meinung, dass Sphenoptera
vittaticollis Luc. von B. rauca F. nicht verschieden sei. — Bupre-
stt's (A?icy loche ira) Levaillantii Luc. scheint mir nach der Erinnerung
der B. sanguinea F., welche ich vor 11 Jahren in der Copenha-
gener Sammlung gesehen habe, sehr ähnlich zu sein, wenn sie nicht
eine Abänderung derselben ist, was nach der Beschreibung von Fab.
allerdings zweifelhaft bleiben muss.
Neue Arten sind ferner Sternocera dasypleur os und Agri-
lus Caschmirensts Kollar und Redtenb acher (v. Hüg. Kasch-
mir. S. 504), die erstere vom Himalaja, die andere aus Kaschmir,
und Agrilus blandulus Guerin (Rev. Zool. p. 256) aus Mexiko.
Die Naturgeschichte der Bup. (Chalcophora) mariana ist von
Lucas (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. II. p. 315) geschildert worden.
Ueber die Stellung der Stigmen der Bupresten-Larven, in Bezug auf
den im vorigen Berichte (S. 267) berührten Streit, habe» Ders.
(ebendas.) und Leon Dufour (ebenda S. 204) weitere Untersuchun-
gen angestellt.
Mlateriües. Ger mar (Zeitschr. V. S. 133) setzte seine Un-
tersuchungen über die Elateriden fort, wobei sich indess die Schwie-
rigkeit, scharf und deutlich begränzte Gruppen zu erhalten, immer
fühlbarer machte und sich die Ueberzeugung immer mehr befestigte,
dass eine naturgemässe Eintheilung der Elateren auf ganz anderen
Grundlagen, als die bisher gebrauchten, beruhen müsse. Diese
Grundlagen sind aber nur durch ein umfassendes und tief eindringen-
des Studium der ganzen Familie zu gewinnen, und um so mehr sind
wir dem Verf. für die Arbeit verpflichtet, welche er auf sich ge-
nommen hat.
Die gegenwärtige Abhandlung bezieht sich auf eine ziemlich na-
türliche Gruppe der Elateren, deren Füsse einfach, ohne Hautläpp-
chen, deren Stirn nach vorn herabgebogen aber vorn gerandet ist
und die Wurzel der Lippe überragt, und deren Schenkeldecken sich
nach innen erweitern. Vier Gattungen: 1. Cryptohyp?ius, mit
fadenförmigen Fühlern, langem und aufgetriebenem Wurzelgliede der-
selben und langborstigen Füssen umfasst ausser den eigentlichen 0*y-
ptohypnus (früher Hypolithus) Esch. mit breitem Schildchen (17 Ar-
ten) noch die Gattung Oopliorus Dej., mit eiförmigem Schildchen,
mit denen noch Drasterius Esch. vereinigt ist (12 Arten). — 2. Am-
pedus, mit vom 4ten Gliede an schwachgesägten Fühlern und unten
einzeln borstigen Füssen, mit 40 Arten, von denen A. limbalis Hbt.
durch seine deutlich gesägten Fühler und A. dorsiger (Drast. dor-
sig. Dej.) durch die unten dicht und lang geborsteten Füsse von den
übrigen abweichen, und A. semiflavus zu Melanoxanthus gerechnet
werden dürfte. 3. Is chnodes, neue Gattung, aus dem El. sanguini-
collis Pz. gebildet, bei dem die Fühler schon vom dritten Gliede
gesägt sind. 4. Aphanobius, von der vorigen durch deutlich 12gl.
Fühler abweichend, mit 11 Arten. — Schliesslich erörtert der Verf.
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1844. 91
noch mehrere Elateren, welche dieser Gruppe sich anschlicssen,
aber Hautlappen an den Füssen haben. EL acuticornis Germ. Spec.
gehört hierher, er hat einen Hautlappen am dritten Fussgliede und
das vierte ist klein, sonst stimmt er mit Ischnodes überein. Am]),
signaticollis Dej. kommt ihm nahe, aber das 2te und 3te Fussglied
sind schon breiter und fast dreieckig. Amp. fulvus Redtenb. kommt
sonst mit Ampedus überein, nur hat das 3te Fussglied einen grossen
Hautlappen, und das 4te ist sehr klein. Endlich beleuchtet der Verf.
die Gattung Melanoxanthus Esch. und zeigt, dass das, was Esch-
scholtz von ihr sagt, auf die von ihm angeführte Art, El. melanoce-
phahis F., nicht zutreffe, namentlich das, dass das erste Fussglied
wenig länger als das zweite sei. Ich glaube, dass diese Gattung,
welche mit Ampedus nahe verwandt ist, ihren Charakter vorzüglich
in den sehr schmalen Schenkeldecken und den vom vierten Gliede
an sehr stark zusammengedrückten Fühlern hat. 31. melanocephalus
F. und 4 gut tat us Er. haben langgestreckte, Amp. semi/lavus Germ,
kürzere Füsse, ausserdem stimmt diese letzte Art recht wohl mit
den beiden ersten zusammen, und mochte in dieser Gattung wenig-
stens besser stehen als unter Ampedus.
Neue Arten sind Dima dalmatina Dej. Küster (Käf. Europ.
I. 13) aus Dalmatien, Lacon brachy chaetus, Ludius Kasch-
mirensis, Cardiophorus vicinus und consent aneus KoHar
und Redtenbacher (v. Hüg. Kaschmir S. 506) aus Kaschmir, —
Monocrepidius Chazali Le Guillou von Nukahiva, M. Leluti
und Eveillardi Dess. von Nordaustralien, M. Cordte ri D ess.
von Hobart Town, Dicrepidius Tastui Dess. von Hamoa (Rev.
Zool. p. 220). — Eu campt us imperiales Chev. (Pericall. cory-
phaeus Dej.); Semiotus regalis, Jlligeri, Schaumii, sela-
donius, Lin?iei, Germarii, Chalcolepidius Bomplandii\
Erichsonzi, gossypiatus Guerin (Rev. Zool. p. 15) aus Neu-
granada, — Lissomus flavipennis Guerin (ebendas. S. 257)
aus Mexiko.
Cebrionites. Guerin machte zwei neue Arten von Cebrio
bekannt: C. Chevrolatii (Rev. Zool. p. 255, Mag. Zool. Ins. pl. 145)
aus Mexiko und C. Guyonii (Rev. Zool. p. 403) aus Algier.
Cyphonides. Eine neue Art, Cyphon Bohemani , von
Mann er heim (Bull. Mose. 196 6) auf der Insel Oeland von Bohe-
man entdeckt und auch in Finnland von Mannerheim aufgefunden,
unterscheidet sich von C. lividus durch etwas schmälere Form, stär-
kere Punktirung, dunklere Farbe, und stärker aufgebogenen Vorder-
rand des Halsschilds.
Mjampyrides» Küster (Käf. Europ. I. 17) bereicherte Lam-
pyris mit einer neuen europäischen Art, L. Germari, bei Cattaro
in Dalmatien gefunden, der L. splendidula zunächst verwandt, von
welcher sie sich vorzüglich dadurch unterscheidet, dass der Leucht-
92 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
fleck nur den vorletzten Hinterleibsring einnimmt. — Le Guillou
(Rev. Zool. p. 222) stellte zwei neue Arten auf, L. Bardelii von
Chile, und L. Bremeri aus Nordaustralien.
In dem Art. Drilus in D'Orbign. Dict. univ. d'hist. nat. beschreibt
Duponchel eine neue Art Dr. mauritanicus, welche von Lucas in
Algier entdeckt wurde, wo die Larve Cyclostoma Wobstianum lebt.
Jjycides» Als neue Arten sind Lycus suturalis Kollar
und Redtenbacher (v. Hüg. Kaschm. p. 508) aus Kaschmir, und
L. Bremeri und Goryi Le Guillou (Guer. Rev. Zool. p. 221)
von Hobart Town in Vandiemensland aufgestellt; der L. Bremeri ist
aber einerlei mit dem Anarhynchus scutellaris des Ref. (dies Archiv
VIII. I. S. 146), der L. Goryi scheint dem Porrostoma discoideum
des Ref. (ebendas.) nahe zu stehen.
Telephoridae. Le'tzner (Arb. der Schles. Gesellsch. S. 72)
theilte einige Bemerkungen zu Canth. melanoceros und denticollis
Schumm. mit, und stellte zugleich eine neue schlesische Art, C. rufo-
testacea auf, „rufo-testacea, pilosa, thorace subquadrato, elytris,
pedibus abdomineque rufo-testaceis , tarsis nigrescentibus ; L. 4 — 4^
lin", von C. pilosa durch bedeutendere Grösse, kürzeres Halsschild
und hellen Unterleib verschieden; im Gesenke.
Vier neue Arten von Podabrus aus Südrussland und der Songa-
rei sind von Fischer v. W. (Bull. Mose. p. 33) beschrieben.
Cantharis coeruleo-maculat a und Anis oteles bima-
culatus (Hope) aus Kaschmir sind von Kollar und Redten-
bacher v. Hügel's Kaschmir (S. 509. T. 23. 24) abgebildet; von der
letzteren ist zugleich eine Gattungsbeschreibung geliefert: der von
Dalman (Anal. Eni) schon 1825 vorgeschlagene Name Tylocerus
dürfte indess dem obigen Hopeschen vorzuziehen sein. \
Zu den Telephoriden rechnen dies. Verf. eine als neu von
ihnen aufgestellte Gattung Deromma, welche aber mit Idgia Lap.
zusammenfällt, und wohl richtiger unter den Melyriden steht, wo sie
sich zunächst an Epiphyta Dej. (Prionocerus Perty) anschliesst, wo-
mit sie Dejean selbst verbunden hat. Es sind von dieser Gattung
nunmehr drei Arten beschrieben: 1. /. terminata Lap. (melanura
Dej.) vom Senegal, 2. Canth. dubia Schö'nh. aus Ostindien, und De-
romma melanura Koll. und Redt. (v. Hüg. Kaschm. p. 512. T. 25.
F. 6) aus Kaschmir.
Eine grosse Reihe südamerikanischer Arten, so wie eine neue
Gattung sind von Blanchard (D'Orbign. Voy. p. 104) beschrieben
worden. Die letztere, Psilorhynchus, kommt mit Chauliognathus
(Callianthia Dej.) überein, bis auf die Form des Halsschilds und des
Kopfes. Der letztere ist nach hinten verschmälert, so dass er an
der Wurzel nur 1ialb so breit als das Halsschild ist, und unterhalb
der Augen und oberhalb der Fühler in einen Rüssel verengert; Man-
dibeln und Maxillen lang und schmal, Taster mit vollkommen eiför-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 93
migem Endgliede; Fühler dünn, fadenförmig, etwas kürzer als der
Körper. Halsschild nach vorn verschmälert; Ps. bifasciatus, neue
Art von Corrientes. Die neu aufgestellten Arten sind: Chaulio-
gnathus plagiatus von Rio Janeiro, Ch. signaticollis ,
ochraceus, pallens, circumdatus , sulcaticollis, gracilis
von Bolivien, Telephorus luteus , flaviventris , denticornis
aus Brasilien, T. ruficeps, ianthinipennis aus Bolivien, Siiis
plana, armaticollis , simplicicollis ebendaher, S. pallens ,
laeta, amoena aus Brasilien, Malthinus fuscescens, sella-
tus, variegatipennis aus Bolivien.
Eine von Le Guillou (Rev. Zool. p. 223) aufgestellte Art ist
Telephorus Magellanicus, von der Magellanstrasse.
Melyrides. Fischer v. W. (Bull. Mose. p. 35) sonderte
den Mal. cornutus und bipustulatus als eigene Gattung Ceratistes
von Malachius ab, welche mir indess nicht hinreichend begründet
erscheint, da sie auf der Fühler- und Kopfbildung beruht, in welchen
die verschiedenen Arten von Malachius jede ihre Eigentümlichkeiten
zeigen. — Malthinus equestris Fisch, (ebendas. S. 37) scheint nur
durch ein Versehen unter die neuen Arten gerathen zu sein, da er
nach der Diagnose nichts anders ist als Malachius equestris F. —
Dasytes analis Fisch, (ebendas. S. 38) ist eine neue Art aus der
Songarei.
Die Gattung Atelestus vermehrte Küster (Käf. Europ. 1. 20)
mit einer zweiten, auf der Insel Lissa in Dalmatien entdeckten Art
A. Erichsonii.
Die von Blanchard (D'Orbign. Voy.) beschriebenen Melyriden
sind: Epiclines b asalis aus Chile (Valparaiso), Dasytesflavo-
fasciatus (ist Das. antis Perty Lap.), D. rühr 0 fas ciatus (ist
D. cyanerythrus Perty, bifasciatus Lap.) von Rio Janeiro, D. atro-
maculatus ebendaher?, D. vittaticollis aus der Gegend von
Chuquiseca, D. patagonicus aus Patagonien, D. cincticollis
von St. Hilaire an der Mündung des Uruguay gesammelt, D. luteus
und ?noestus von Chile (Valparaiso), flavomaculatus von Chu-
quiseca, D. x an t hur us von Maldonado an der Mündung des
Piatastroms.
Clerii. Blanchard (a. a. O. S. 92) stellte eine neue Gattung
Eurymetopum auf, welche unter den allgemeinem Begriff von
Clerus gehört, in sofern das Endglied der Lippentaster beilförmig,
das erste Fussglied stark verkürzt ist, als Untergattung sich aber
durch einfache Klauen, 3gliedr. Fühlerkeule, vorn abgerundete Lefze,
breite flache Stirn, vorragende Augen, und langes walziges Halsschild
kenntlich macht. Es scheint dies eine durchaus chilesische Form
zu sein, von der der Verf. drei Arten aufstellt: E. maculatum,
pallens, fulvipes, alle von Valparaiso. — Neue Arten aus dieser
Familie sind ferner Cl, nigriventris und minutus von Corrien-
94 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
tes, Cl. triplagiatus (trifasciatus auf der Taf.) und Cl. eine,
reopilosus von Rio Janeiro, Tillus abdominalis von Bolivien
(eine Priocera, vielleicht Abänd. von Pr. spinosa F.). Enoplium
terminatu7ii und E. (Platynoptera) vittieeps von Rio Ja-
neiro und E. obsoletum aus Bolivien. — Endlich Trichodes bi-
xonatus aus Chile, welche mir indess einerlei mit Calendyma vi-
ridifaseiata Dej. zu sein scheint, und in diesem Falle weder zu Tri-
chodes noch in diese Familie gehört.
Fischer v. W. (Bull. Mose. p. 39) beschrieb Trichodes axil-
laris als neue Art aus der Songarei.
Die Gattung Erymanthus bereicherte De Breme (Ann. Soc.
Ent. d. Fr. II. p. 294) mit einer zweiten Art, E. variolatus, vom
Senegal.
Suffrian (Entom. Zeit. S. 27) weiset die Verschiedenheiten
nach, welche sich zwischen unsern beiden blauen Corynetes- Arten,
C cyanellus And. und violaceus L. in den Mundtheilen finden, und
kommt zu dem Schluss, dass die erstere Art eine eigene, zwischen
Corynetes und Trichodes einzureihende Gattung zu bilden habe.
Dieser Vorschlag findet sich schon ausgeführt von Stephens, welcher für
die erstere Form den Namen Corynetes , für die letztere Necrobia an-
wandte. Die etwas verwirrte Synonymie der beiden erwähnten Ar-
ten ist von Klug in seiner Abhandlung über die Clerier gesichtet.
Der Name C. cyanellus And. kann zu keiner Geltung gelangen, da
der Käfer der Clerus coeruleus Degeer ist. Mit Unrecht betrachtet
ihn der Verf. als Sturm's Coryn. violaceus, dieser ist nichts Anderes als
Demi, violaceus L., und also auch einerlei mit dem C. chalybeus St.;
darin scheint indess der Verf. vollkommen Recht zu haben, wenn er
den C. ruficomis St. als Abänderung mit dem C. coeruleus (cyanellus
And.) verbindet.
Staphylittii. Eine sehr werthvolle Arbeit für die Kenntniss
der deutschen Staphylinen ist die Staphylinen - Fauna von Leipzigs
Umgegend, von H. v. Kiesenwetter. (Entom. Zeit. 307. 340. 372),
sowohl wegen der vom Verf. neu entdeckten Arten, als auch beson-
ders wegen der sorgfältigen Beobachtungen des Verf. über Vorkom-
men und Lebensweise.
In der Umgegend von Leipzig herrscht der Wiesenboden vor,
auch fehlt es weder an stehendem noch fliessendem Wasser, und die
Ueberschwemmungen veranlassen oft eine ungeheure Anhäufung von
Insecten unter dem angespülten Gerolle, unter denen manche aus
weiterer Entfernung herbeigeführt werden. Es herrschen daher die
auf Wiesen oder in der unmittelbaren Nähe des Wassers lebenden
Formen vor. Beobachtet sind Aleocharinen 140, Taphyporinen 41,
Staphylininen 85, Paederinen 33, Steninen 44, Oxytelinen 34, Phloeo-
charinen 1, Omalinen 23, Proteininen 7, Piestinen 1, im Ganzen 410
Arten. Folgendes ist als neu oder beachtenswerth hervorzuheben:
Tachyusa chalybea Rudd., an den Ufern der Elbe und Mulde, oft
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 95
häufig; T. lata, neue Art von noch breiterer Form als T. atra, auf
nassen Lehmufern umherlaufend: Homalota ripicola, der H. la-
bilis ähnliche neue Art, von der sie. sich durch reine, bläulich
schwarze Färbung ohne grauen Schimmer unterscheidet, nach Art
der Tachyusen an sandigen Flussufern umherlaufend. H. lugens,
neue Art, der Oxypod. cuniculina ähnlich, Oxypoda leporina
neue Art, der O. longiuscula verwandt; Aleochara rußpennis, an
sandigen Flussufern. Si/usa rub/ginosa, am ausfliessenden Safte der
Küstern und Buchen, Myllaena grandicollis, neue Art, welche stets
von rothgelber Färbung vorkommt, Philonthus rubripennis,
dem Ph. fulvipes ähnlich; unter Lathobium elongatum hat der Verf.
Männchen gefunden, aufweiche Gyllenhal's Beschreibung genau passt;
er betrachtet sie als eine zweite Form, da keine weitern Unter-
schiede bemerkbar sind; L. quadratum und terminatum spricht der
Verf. als zwei Arten an, für welche indess noch ein durchgreifender
Unterschied aufzustellen ist; bei Sterins sah der Verf. schon bei le-
benden Stücken die Speiseröhre vorgestreckt, ohne darüber schon
im Reinen zu sein, ob sie auch wieder zurückgezogen werden könnte.
— Thino bius , neue Gattung zunächst mit Trogophloeus verwandt,
und hauptsächlich dadurch unterschieden, dass die Flügeldecken an
der Naht klaffen, und so eine dreieckige Stelle die Flügel unbedeckt
lassen; Th. ciliatus, an Ufern (von Herrn Grimm auch bei Berlin
gefunden). — Die Trogophloeus- Äxten leben alle auf feuchtem Boden, an
Ufern, nach Art der Bledien grabend. Tr. riparius und bilineatus
will der Verf. vereinigt wissen, dagegen sondert er als Tr. obesus
eine Art ab, welche noch seitliche Eindrücke auf dem Halsschilde
besitzt, und führt auch Tr. inquilinus wieder als eigene Art auf;
Acrognathus mandibularis und palpaUs kommen auf feuchten Wiesen
öfter in Menge vor, aber erst mit untergehender Sonne. Lesteua
bicolor und Anthophagus plagiatus haben einen öligen Ueberzug,
welcher das Wasser gleich ablaufen lässt, Megarthrus- Arten hat
der Verf. nur in Pilzen gefunden.
Ein Paar neuer Arten vom Salzsee bei Eisleben hat der Verf.
bei dieser Gelegenheit mit beschrieben: Philonthus salin us,
dem Ph. fulvipes sehr ähnlich, und Trogophloeus halophilus.
Die deutsche Fauna wurde ferner mit einigen neuen Arten aus
dem Thüringer Walde von Kellner (Entom. Zeit. S. 413) bereichert:
Oxypoda infuscata (ist einerlei mit 0..pellucida Männern., und
zwar ist O. infuscata nach stärker, O. pellucida nach minder ausge-
färbten Stücken beschrieben), Oxypoda simih's, der O. fumida
ahnlich, mit der sie unter Buchenrinde lebt; Lathrobium denta-
tum, ausgezeichnete Art. Der Verf. bestättigt zugleich das Vorkom-
men des Quedius dilatatus in Hornissnestern.
Eine Reihe neuer Arten hat wieder eine ausgedehntere Untersu-
chung der Ameisennester zu Tage gefördert. Unter den von Märkel
(Germ. Zeitschr. V. S. 199-242) aufgeführten haben die der Form.
96 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
fuliginosa die Mehrzahl geliefert: Myrmedonia similis, Boli-
tochara bella, Homalota validicornis , divisa, confusa,
hospita, Oxypoda spectabilis, Aleochara gentilis; unter
Form, cunicularia fand sich Euryusa linearis und wahrschein-
lich auch coarctata, so wie Sunius neglectus; endlich ist Myr-
medonia memnonia eine neue, der M. canaliculata verwandte Art,
aus Sicilien. Mann er heim (Bullet. Mose. 1844. p. 178) entdeckte
noch unter Form, rufa einige neue Arten: Homalota parallela
(einerlei mit Homal. talpa Heer), Oxypoda gilvipes und Tachy-
porus crassicornis.
Ders. (ebendas. S. 195) bereicherte die Gattung Euaesthetus
mit einer neuen Art aus Finnland: E. laeviusciflus, welche von
E. scaber dadurch, dass die Punktirung weitläufiger ist, wie beim
E. ruficapillus, von diesem dadurch, dass die eingegrabenen Striche
auf dem Halsschilde gerade sind, wie beim E. scaber, sich unter-
scheidet. (Der Käfer ist inzwischen auch bei Berlin von Hrn. Grimm
aufgefunden).
Eine Anzahl neuer Staphylinen aus Neu-Granada ist von Guerin
(Rev. Zool. p. 10) beschrieben worden, darunter zwei neue Gattun-
gen, Thyreocephalus und Latona. Thyreocephalus beruht auf
dem Xantholin. lynceus des Ref. und einer neuen Art Th. Jeckelii
Cuer. , und unterscheidet sich von Xantholinus durch die ganz hor-
nige vielzähnige Lefze. Latona ist zunächst mit Cryptobium ver-
wandt; das Endglied der Maxillartaster spitz, um die Hälfte kürzer
als das vorhergehende Glied, und an der Wurzel fast eben so dick;
der Fühlerstiel kurz, die Vorderfüsse erweitert; die beiden Arten,
L. Spinolae und Erichsonii Guer. sind vermuthlich nur dem
Geschlecht nach verschieden.,— Die übrigen gehören bekannten Gat-
tungen an: Xantholinus punetieeps, impressifrons , nigri-
ceps, Cryptobium maxillosumy anale, P hilonthus suc-
cinetus, zur 5ten, Ph. cupreus, amoenus, cyanescens zur
7ten — Ph. antennatus , cupripennis zur 8ten Gruppe (nach
der Eintheilung des Ref.) gehörend.
Eine von Kollar und Redt enb acher (Hügel's Reise S. 504
T. 23. F. 6) aufgestellte Art, Staphylinus cinetus, ist einerlei mit
dem Staph. leucomus des Ref. Staph. p. 362.
Vselaphii. Revision de la famille des Pselaphiens, par le
Dr. Aube (Ann. d. 1. Soc. Eni d. Fr. 2. ser. II. p. 73). Eine wich-
tige Arbeit, welche diese Familie nicht nur mit vielen neuen Arten,
sondern auch mit mehreren neuen Gattungen vermehrt. Die letztern
sind 1. Hamotus , mit Tyrus zunächst verwandt, durch ein spindel-
förmiges Endglied der Maxillartaster und in einer Seitengrube der
Stirn eingelenkte Fühler unterschieden. 2. Phamisus, Endglied der
Maxillartaster beilförmig, wie bei Bythinus, aber an den Füssen zwei
gleiche Klauen, wie bei Tyrus; die Fühler auf einem Stirnhöcker
eingelenkt. 3. Faronus, grosse Übereinstimmung mit Euplectus,
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 97
aber die Fühler sind auf einem Stirnhöcker eingelenkt, und die Füsse
haben zwei gleiche Klauen. Die Arten führt der Verf. in folgender
Weise auf:
A, Fühler llgliedr. A. Füsse mit 2 ungleichen Klauen. I. Met-
opias Gory (Marnax Lap.) 1. curculionoides , Cayenne. — II. Ba-
trisus Aub. i. formicarius Aub. bei Paris unter Form, emarginata.
2. Germart', neue Art, Brasilien, 3. Dregei, n. A., Südafrika, 4.
albionicus Aub., Nordamerika, 5. riparius (Psel. ri'p. Say.), Missuri,
6. l/neutocoltis Aub., Nordamerika, 7. Defaporti Aub., Europa, 8.
Schäumet, n. A., Nordamerika, 0. vcnustus (Ps. ven. Reich., B.
ren., Brullei, Buqueti Aube) , Europa, 10. oculatus Aub., Europa,
11. australis Er., Vandiemensland, 12. B.? thoracicus Motsch., Geor-
gien, 13. B.? testaceus {Temnodera test. Hope), aus Gummi Animae.
ß. Füsse mit zwei gleichen Klauen. 111. Chennium Latr., 1.
bituberculatum Latr., Europa bei Myrmica caespitum. — IV. Tyrus
Aub. 1. mucronatus {Psel. mucr. Panz.), Deutschi. Schweiz. — V.
Faronus Aub. 1. Lafertei, neue Art, bei Chinon in Frankreich
gefunden. — VI. Hämo tu s Aub. 1. lateritius, Columbien, 2.
bryaxoides, Columbien, 3. humeralis, Nordamerika. — VII.
Phamisus Aub. 1. Reichenb ac hii, n. A., Columbien. — VIII.
Ctenistes Reich. 1. palpalis Reich., Europa, 2. aequinoctialisy
neue Art, Columbien, 3. Ghilianii, n. A. , Cadix, 4. Ct.? carinatus
Say., Nordamerika.
C. Füsse mit einer einzigen Klaue. IX. Pselaphus Hbst. 1.
Heisei Hbt. {Heisei und Herbstit Reich.), Europa, 2. acuminatus
Motsch., Georgien, 3. dresdensis Hbst. (dresd. und longicollis Reich.),
Europ. — X. Bryaxis Leach. 1. sanguinea (rf lofigicornis Leach.,
J* var. laminata Motsch.), Europ., 2. fossulata auct., Europ., 3. ti-
bialis, neue Art aus Sardinien, 4. xanthoptera {Psel. xanthopt.
Reich., £ B. rubripennis Aub., £ •#**• depressa Aub.), Frankreich,
Deutschi., 5. haemoptera {xanthoptera Aub., spinicoxis Motsch. ?),
Europ., 6. Lefebvrei Aub., Europ. — 7. Belfert Schm. {pulchella
Schaum), Sicilien, Sachsen, 8. Schüppelii, n. A., Triest, 9. haema-
tica auct. {nodosa Vict), Europ., 10. dentata {Psel. dent. Say., Br.
abdominalis Aube), Nordamerika, 11. furcata Vict., Georgien.—. 12.
juncorum auct., Europ. — 13. tomentosa Aube, Nordamerika, 14.
Chevrieri, neue Art, Italien, Syrien, 15. rubra, n. A., Columbien,
16. Opuntiae Schm., Südeuropa, Algier, 17. rubicunda, n. A., Nord-
amerika, 18. impressa auct., Europ., 19. Goryi Aub., Columbien, 20.
Lebasii, neue A., Columbien. — 21. antennata Aub., Frankreich,
22. heterocera, n. A., Algier. — 23. eucera, n. A., Portorico. —
24. laevicollis, n. A., Columbien. — XI. Tychus Leach. 1. niger
auct,, Europ., 2. ibericus Motsch., Südeuropa, 3. castaneus, n. A.,
Spanien, Sicilien, 4. tuberculatns {dichrous Schm.?), Frankreich. —
XII. Bythinus Leach. 1. clavicornis {Ps. clavic. Panz.). — Der
Verf. vereinigt mit dieser Art Ps. glabricollis Reich, als £, aber mit
Archiv f, Naturgcsch, XI, Jahrg. 2, Bd. G
98 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Unrecht, denn die hiesige Sammlung besitzt sowohl von Ps. glabri-
collis als von clavicornis Männchen), Deutschland, 2. B.? nigriceps
(Kutixea nigriceps Leach), Seealpen. — 3. puncticollis Denny ( <$
Chevrolati Aub. , regularis Schm.), Europ., 4. validus, neue Art,
Deutschland, 5. nigripennis, neue Art, Sachsen, England. — 6.
crassicornis Motsch. (und longipalpis Vict), Caucasien, Oesterreicl^
7. femoratus, neue Art, Oesterreich, 8. bulbijer auct. (9 glabri-
collis Gyll. Aub.), Europ. — 9. Curtisn Leach, Europ., 10. nodicornis
Aube (Sternbergii Schm.?), Sachsen (Märkel), 11. securiger auct.
(9 macropalpus und globulipalpis Aube), Europ., 12. ßurellä Denny,
Er. {luniger Aub.), Europ., 13. uncicomis (Burellii Aub.). —
XIII. Trimium Aub. 1. brevicorne (Psel. brevic. Reich.), Europ., 2.
Uiocephalum (Eupl. leioceph. Aub.), Toulon. — XIV. Euplectus
Leaeh. 1. sulcicollis (Ps. sulcic. Reich., Anthic. dresd. F.), Europ., 2.
Märkelii (sulcicollis Aub.), Europ., 3. Kunxei, neue Art, Steier-
mark, Schweiz, 4. Erichsoni (Mark.), n. A., Sachsen, 5. Tischen'
Aub. ( Tischeri Heer. — Obgleich der Aubesche Name nur durch
einen Schreibfehler entstanden ist, besteht der Verf. darauf, densel-
ben beizubehalten), Sachsen, Schweiz, 6. Duponti Aub., Frankreich,
7. signatus aut. (Kirbyi Denny, Aub.), Europ. , 8. sanguineus Denny,
Europ., 9. Karstenii aut., Europ., 10. Spinolae neue A., Genf, 11.
naiius (die Synonymie ist hier ausgefallen), Europ., 12. piceus
Motsch., zweifelhaft, — 13. ambiguus aut. (pusillus Denny), Europ.,
14. minutissimus Aub., Sicilien, Sachsen (Märkel). — 15. bicolor
Denny, Aub. (Ps. glabriusculus Gyll.), Paris, Steiermark, 16. Easter-
brookiantis Leach, England, 17. Schmidtii Mark. S. u.
SB. Fühler 6gliedr. XV. Claviger Preyssl. 1. testaceus Preyssl.
(foveolatus Müll.), Europ., 2. colchicus Motsch., Georgien, 3. longi-
cornis Müll., Deutschland, Frankreich.
C Fühler lgliedr. XVI. Articerus Dalm. 1. armatus Dalm.,
in Copal, 2. Fortnumi Hope, Neuholland (Adelaide).
Auf Taf. 3 hat der Verf. die Mundtheile der meisten Gattungen
dargestellt. Mit meinen Angaben in den Käf. d. M. Brand. S. 263
stimmt er nicht überein. An den Maxillartastern findet er das erste
Glied sehr kurz, das zweite lang, und das von mir als das vieite
angenommene betrachtet er nicht mehr als ein eigenes Glied, son-
dern als eine häutige Spitze. Hierin hat der Verf. durchaus Recht,
und ich finde es nicht nur jetzt ebenso, sondern ich besitze auch
Handzeichnungen, welche bald nach dem Erscheinen meiner erwähn-
ten Arbeit aus genaueren Untersuchungen der Mundtheile der Psela-
phier hervorgegangen sind, und welche wesentlich mit den Aube-
schen übereinstimmen. In Betreff der Lippentaster dagegen, welche
Aube als 2gliedr. betrachtet wissen will, muss ich bei meiner frü-
heren Ansicht bleiben. Wenn ein kleines borstenfö'rmiges Endglied
in solcher Form bei den vollkommenen Käfern auch nicht gewöhnlich ist,
ist es bei Käferlarven um so allgemeiner verbreitet, und es besitzt
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. gg
selbst bei mehreren Pselaphen-Gattungen, wie es bei Käferlarven ge-
wöhnlich ist, noch eine kleinere Endborste.
Euplectus Schmidtii Marke! (Germ. Zeitschr. V. S. 259)
ist eine neue Art, welche vom verst. Dr. Schmidt und Herrn Dieck-
hoff in einem Neste von Form, rufa entdeckt wurde.
JPfilpatores. S-ehaum lieferte Nachträge zur Monographie
der Gattung Scydmacnus (Germ. Zeitschr. V. S. 459). Der Verf. hat
die Mundtheile vieler Arten untersucht und mehrfache Verschieden-
heiten in deren Bildung bemerkt, welche vorzüglich die Mandibeln
und Taster betreffen. Als eigene Gattung Cephennium Müll. (Mega-
laderus Steph.) machte sich Sc. thoracicus (dem sich Sc. laticollis
und mhuitissimus Aub. anschliessen) geltend durch kleine sichelför-
mige Mandibeln und vorn fast gerade abgeschnittene Zunge, während
bei den eigentlichen Scydmaenus die Zunge an der Spitze tief aus-
gerandet, fast zweilappig ist. Ferner sondern sich Sc. truncatellus
und abbrevi'atellus Er. als Eutheia Steph. ab durch verlängertes
erstes Glied der Lippentaster, und die eigenthümlich gestalteten Man-
dibeln, deren lange und schmale Spitze fast unter einem rechten
Winkel nach innen gebogen ist. Neue Arten sind Sc. rotundi-
pe?inis, aus Syrien, dem Sc. collaris verwandt, Sc. helvolus, aus
Hessen, dem Sc. Sparshalli ähnlich, Sc. styriacus, dem Sc. pubi-
collis nahe stehend, Sc. intriisus, aus Syrien und Sicilien, und Sc%
nanus (Sc. exilis Schaum Anal.), aus Deutschland, zur Abtheilung
des Sc. Wetterhalii und Sc. vulpinus, aus Arabien zur Abtheilung
des Sc. tarsatus gehörend. — Mann er heim (Bull. Mose. p. 193)
fügte Sc. Mäklini hinzu, eine unter Form, rufa gesammelte, kleine
rothbraune Art, von der Fühlerform des Sc. claviger, dem sie sich
zunächst anschliesst.
Eine Nachricht über die Scydmaenus-Arten des Dejeanschen Ca-
talogs theilte Schaum (Entom. Zeit. S. 83) mit.
Silphales. S c h i ö d t e theilte einige Bemerkungen über diese
Familie mit. Necrophorus weicht durch lOgliedr. Fühler und seine
Stridulationsorgane ab; die letzteren bestehen in zwei in die Quere
gestreiften Längsleisten auf der Mitte des ersten der ganz hornigen
Rückensegmente des Hinterleibes, gegen welche eine eigenthümlich
gebildete Querleiste auf der Unterseite der Flügeldeckenspitzen ge-
rieben wird. Necrodes sondert sich im Bau der Eierstöcke und des
Dünndarms von den übrigen Silphen ab, und der Verf. glaubt auch
ein äusseres Unterscheidungsmerkmal in den Prothoraxstigmen ge-
funden zu haben, welche bei Necrodes frei, bei den übrigen Silphen
bedeckt sind. Ich finde dies Merkmal aber nicht so durchgreifend,
denn bei S. lacrymosa, welche auch in anderen Beziehungen die Ne-
crodesform mit den eigentlichen Silphen verbindet, sind sie halb
bedeckt, sie vermittelt also auch in diesem Punkte den Uebergang.
Man hat nur die Wahl entweder Silpha in eine grössere Reihe von
G*
100 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Gattungen aufzulösen, oder auch Necrodes unter Silpha mit zu be-
greifen, um so mehr als auch die übrigen Silphen im innern Bau
keineswegs unter einander übereinstimmen. Catops und Colon
schliessen sich nach des Verf. Untersuchungen im innern Bau den
Silphen zwar an, zeigen aber auch Eigenthümlichkeiten, vorzüglich
in der Bildung der männlichen Geschlechtstheile und im Mangel des
Blinddarms.
Necrophorus vermehrte Fischer v. W. (Bull. Mose. p. 40) mit
vier neuen Arten: N. lunatus aus der Songarei, N. frontalis
(die rothgefleckte Abänd. des N. germanicus) aus der Bucharei, N.
partieeps aus Turkestan, und N. sulcatus aus Anatolien.
Eine neue ausgezeichnete Art von Silpha ist S. ioptera Kol-
lar und Redtenbacher (v. Hüg. Kaschm. S. 512) aus Kaschmir.
Unmittelbar an Catops schliesst sich die neue Gattung Adelops
Tellkampf (dies. Arch. I. S. 318). Sie unterscheidet sich dadurch
dass die zusammengesetzten Augen fehlen, deren Stelle durch einen
rundlichen weissen Fleck, welcher den Anschein eines schwach ent-
wickelten einfachen Auges hat, angedeutet wird. A. hirtus war
unter einem Stein in der Mammuthhöhle in Kentucky aufgefunden.
— Ref. hat die Bemerkung hinzugefügt, dass.Leptinus sich dieser
neuen Gattung anreihe.
Mulsant machte darauf aufmerksam, dass die Larven von meh-
reren Silpha -Arten Kräuterfressend seien. (Ann. Soc. Ent. d. Fr. II.
p. lix).
Wüsteres* Neue Arten dieser Familie sind Hister paral-
lelus Kollar und Redtenbacher (v. Hüg. Kaschm. S. 514) aus
Kaschmir, Hololepta Urvillei und Paugamihe Guillou(Rev.
Zool. p. 223), die erstere von Vavao, die letztere von den Aroe-
lnseln.
Wrichopterygia, Eine Monographie von Trichopteryx von
Allibert ist von Guerin in der Rev. Zool. p. 51 angekündigt wor-
den. Sie soll 38 Arten enthalten, unter denen 18 neue, deren Dia-
gnosen hier mitgetheilt sind, und denen später (ebendas. p. 133) noch
zwei zugefügt werden. Die Diagnosen sind aber durchaus nicht aus-
reichend, um über die gemeinten Arten Aufschluss zu geben und so-
mit ist auch der Zweck, dem Verf. das Vorrecht in der Namen-
gebung zu sichern, als verfehlt zu betrachten.
Motschoulski (Bull. Mose. p. 819, Rev. Zool. p. 445) will die
Gattung Trichopteryx Kirby, Ptilium Schupp, in drei Gattungen auf-
gelöst wissen: 1. Ptilium mit flachem, seidenartig behaartem Körper,
nach hinten nicht (nullement) verschmälertem Halsschilde und abge-
stutzten, den Hinterleib nicht vollständig bedeckenden Flügeldecken,
z.B. Pt. atomarium Deg., fasciculare Hbt. u. a.; 2. Trichopteryx mit
gewölbtem, glänzendem Körper, nach hinten deutlich verschmälertem
Halsschilde, und zugespitzten, den ganzen Hinterleib bedeckenden
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 101
Flügeldecken, z. B. evanescens Marsh., punctata Gyll.; 3. Ptinella,
ungeflügelt, verlängert, mit sehr stark abgestutzten Flügeldecken, die
viel kürzer sind als der Hinterleib, bei einigen (Pt. aptera) auch
undeutliche Augen. — Es beruht auf einem Irrthum, wenn der Verf.
angiebt, dass die Gattung Trichopteryx auf Silph. evanescens Marsh,
gegründet sei ; Kirby erwähnt Trichopteryx nur in einer Anmerkung
in der Introd. to Entomology, und nennt als Art: „Silph. minutissima
Marsh., Derm. atomarius Degeer, Lathr. fascicularis Hbt. , also ge-
rade die Form, welche der Verf. als Ptilium bezeichnet. Unter sei-
nem Ptilium führt der Verfasser Tr. testacea Chevr. auf, diese Art
hat aber ein sehr deutlich nach hinten verengtes Halsschild, ferner
zählt er unter Ptinella auf: oblonga Mark, und minutissima Web.,
Gyll., beide haben unverkürzte Flügeldecken und entwickelte Flügel,
die letztere wird sogar auch als trisulcata Aube unter Trichopteryx
genannt.
Mannerheim (Bull. Mose. p. 181) entdeckte in Ameisennestern
zwei neue Arten, Tr. grandicollis und longicornis , von wel-
chen wenigstens die erste auch häufig ausserhalb der Ameisenhaufen
vorkommt.
JOfitidulariae» Das 15te Bändchen vpn Sturm's „Deutsch-
lands Insecten" ist vorzüglich der Fortsetzung der Bearbeitung der
Nitidularien gewidmet, und handelt die Gattungen Cercus, Brachy-
pterus, Carpophilus, Epuraea, Nitidula, Soronia, Amphotis, Omosita
und Pria ab. Durch die vortrefflichen Abbildungen wird die Be-
stimmung der oft schwierig zu unterscheidenden Arten sehr erleichtert.
Ref. (Germ. Zeitschr. V. S. 438) ergänzte seinen frühern mitge-
theilten Versuch einer systematischen Eintheilung der Nitidularien.
(Vergl. Jahresb. f. 1842. S. 184). I. Zwei neue Arten der Gattung
Ecnomaeus, E. coneavus von der Weihnachtsbai, und E. scaphula
aus Nubien. — II. Eintheilnng der umfangreichen Gattung Meligethes
in sieben Gruppen. — III. Eine neue Gattung Cybocephalus, zur
Gruppe der Strongylinae genuinae gehörend, mit dem Vermögen sich
zu kugeln und der Körperform von Agathidium, aus Anisotoma exi-
gua Sahlb. (und deren tf A. rufieeps Sahlb.) und vier neuen Arten:
C.po/itus, aus Mesopotamien, C.gibbu lu s und chlor oeep ha lux aus
Ostindien und C. anticus Kl. aus Madagascar. — IV. Die Bemerkung,
dass bei Rhixophugus die Fühler lOgliedrig und die Hinterfüsse der
Männchen nur 4gliedrig sind. — V. Auseinandersetzung der Gattun-
gen der Trogositinen oder Peltiden. Die Reihe dieser Gattungen ist
folgende: 1. Egolia Er. (dies Arch. VIII. Jahrg. I. S. 180). — 2. Aca-
lanthis, der vorigen Gattung ähnlich, die Fühler lOgliedrig mit 2glie-
driger Keule, die Stirn vorn einfach ausgerandet, die Schienen be-
dornt. Eine neue Art A. \signata aus Chile.— 3. Nemosoma (die
Fühler sind bei N. elongata lOgliedrig, bei N. cornuta Sturm llglie-
drig). — 4. Temnochila {Temnoscheila) Westw., von Trogosita durch
zweitheilige Zunge und durch eine Längsfurche auf dem vorderen
102 Erich son: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Theil der Stirn verschieden ( Tr. coerulea Ol.) und viele amerikani-
sche Arten. — 5. Melambia, aus Trog, gigas F. und einigen nahe
verwandten afrikanischen Arten gebildet, welche durch zweitheilige
Zunge und stumpfbedornte Schienen von Trogosita sich entfernen. —
6. Alindria, durch walzenförmigen Körper, herzförmige Zunge und
bedornte Schienen von Trogosita unterschieden, die Tr. grandis En~
cycl. , spectabilis Kl., cylindrica Enc. und eine Anzahl unbeschriebe-
ner Arten enthaltend. — 7. Trogosita. Schienen unbedornt, Zunge
viereckig ohne Einschnitt. (Tr. mauritanica = caraboides F. weicht
von ihren meist amerikanischen Gattungsgenossen darin ab, dass die
Fühlerkeule nicht, wie bei den übrigen abgesetzt ist). — 8. Lepe-
rina hat mit der folgenden Gattung die Form und Schuppenbeklei-
des Körpers und die starker entwickelte innere Maxillarlade, mit
der vorigen die Zahl und Lage der Augen gemein, und ist aus Peius
squamulata Gebl. und Trogosita decorata Er. gebildet. — 9. Gymno-
chila Kl., vier Augen, zwei grössere, schräg gerichtete, weiter aus
einanderstehende auf dem Scheitel, und zwei kleinere auf der Unter-
seite, unmittelbar hinter der Einlenkung der Fühler. Eine Art G.
vestita Kl. — 10. Anacypta Jllig. ebenfalls 4 Augen, die oberen auf
dem Scheitel sehr genähert. Die Art ist Nitid. punctata F., bupre-
stoides Web. (Nachträglich bemerke ich, dass die Gattung auch von
Dalman (Ephem. Ent. p. 15) als Acrops aufgestellt ist. Die unteren
Augen sind von Dalman nicht bemerkt worden. Das Vaterland der
von ihm beschriebenen Art A. metallicus, war ihm unbekannt geblie-
ben, sie ist indess einerlei mit der oben genannten. — 11. Peltis, 12.
Thy 'malus , beide weichen darin von den vorigen Gattungen ab, dass
die innere Maxillarlade einen Hornhaken bildet, und unterscheiden
sich dadurch von einander, dass bei Peltis die Vorderschienen an
der Spitze einen kräftigen hakenförmigen Enddorn haben, während
alle Enddornen bei Thymalus sehr kurz und fein sind. Peltis ist
mit einer neuen Art, P. pubesceus, aus der Krim, vermehrt, vom
Thym. limbatus ist eine sehr ähnliche nordamerikanische Art, Th.
fulgidus unterschieden worden.
Neu aufgestellte Arten sind ausserdem Crypt archa sulcata
Fischer v.W. (Bull. Mose. p. 41) aus Südrussland, und Trogosita
orientalis Kollar und Redtenbacher (v. Hüg. Kaschm. S. 549)
aus Kaschmir. Die letztere scheint zur Gattung Alindria zu gehören.
Cryptophagides, Aus der Gattung Atomaria sind drei in
Ameisennestern gesammelte Arten als neue beschrieben wTorden, näm-
lich Cryptophagus concolor von Märkel (Germ. Zeitschr. V.
244. 181, und Atomaria guttula und dimidiatipennis von
Mannerheim (Bull. Mose. 184. 46; 185. 47). Die erste zeigt mir
keinen Unterschied von At. fuseipes (Cryptoph. fuseip. Gyll.), in der
zweiten, welche M. auch auf Kiefern fand, glaube ich eine ausge-
zeichnete Abänderung der At. mesomelas (Derm. mesom. Hbst.) zu
erkennen, bei welcher das Gelb auf den Flügeldecken auf einen
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1844. 103
kleinen Fleck unweit der Spitze eingeschränkt ist, die dritte endlich
würde ich nach der Beschreibung für A. pusilla (Cryptoph. pus.
Payk) halten, welche von Märkel gleichfalls in Ameisennestern an-
getroffen wurde, wenn nicht vorausgesetzt werden müsste, dass M.
dieselbe nicht verkannt haben würde.
Byrrhii. Reichen bach (Ann. Soc. Ent. Fr. II. p. lix) theilte
eine in Gemeinschaft mit Märkel angestellte Beobachtung über die
Lebensweise von Byrrhus mit, aus welcher erhellt, dass diese Käfer
pflanzenfressend sind. Sie trafen den B. ornalus auf den mit Moos
bewachsenen Felsen der Sachs. Schweiz weidend, sein Koth löste
sich in Wasser in Theilchen der Blätter vom Mnium punetatum und
cuspidatum auf. Auch Byrrhus varius findet sich häufig an Mauern,
welche mit Barbula muralis bemoost sind.
jHeteroceridae» v. Kies enwetter theilte einige Nachträge
zu seiner Monographie von Heterocerus mit. (Germ. Zeitschr. V.
5. 480).
JHTydrophilii* Diese Familie ist von Mulsant in der Reihe
von Monographien, in welcher derselbe die französische Käferfauna
auf eine so gründliche Weise behandelt, bearbeitet worden: Histoire
naturelle des Coleopteres de France par M. E. Mulsant. Palpicor-
nes. Lyon 1842.
Folgendes ist die Uebersicht über den Inhalt dieser Fauna, der
sowohl durch genauere Bestimmung der Charaktere als auch durch
Aufstellung neuer Gattungen und Arten bemerkenswerth ist:
A. Hydrophilidest Erstes Glied der Hinterfüsse kürzer als
das zweite. A. Spercheens. Lefze versteckt. Spercheus
etnarginatus. — B. Helophoriens. Lefze vortretend. Halsschild
schmäler als die Flügeldecken. «. Helophoraires. Hinterleib mit
5 deutlichen Bauchringen. Helophorus (Bauchringe eben). 1. rw-
gosus Ol., 2. nubilus F., 3. intermedius Dej. {griseus Brülle) aus
Südfrankreich. — 4. aqnaticus L. (grandis JH.). — 5. granularis L.
6. dorsalis Marsh. 7. pumilio Er. 8. nanus Schupp. — Hydrochus
(die vier ersten Bauchringe zu gekerbten Querleisten erhaben). 1.
brevis Hbt. 2. carinatus Germ. 3. elongatus Schall. 4. angustatus
Müll. 5. nitidicollis Dej., vom vorigen durch metallischen Glanz un-
terschieden, in Südfrankreich. — ß. Hydraenaires. Hinterleib mit
wenigstens 6 Bauchringen: Ochthebius. 1. granulatus, neue Art
aus den Gebirgen des östl. Frankreichs. 2. exsculptus Müll, (tf Eni-
cocerus viridiaeneus Curt. tristis Curt. 9. E. viridiaeneus Curt. —
O. sulcicollis St.). 3. gibbosus Müll. — 4. margipallens Latr., 5. ma-
rinus Payk., 6. pygmaeus F., 7. bicolor Kirby (var. rufomarginatus
Steph. Er.), 8. exaratus , neue Art aus Südfrankreich, 9. pellucidus,
neue Art, ebendaher, auch von Paris, 10. foveolatus Müll., 11. pun-
etatus Steph. — Hydraena: 1. lestacea Curt., 2. rugosa, neue Art
von Paris, 3. nigrita Müll., 4. riparia Kug., 5. angustata Dej. — 6.
104 Erich so n: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
gracilis Müll., 7. flavipes St. — C. Hydrophiliens. Lefze vor-
tretend, Halsschild hinten so breit als die Flügeldecken. «. Limne-
biaires. Hinterleib mit 6 — 7 Bauchringen. Limnebius- 1. trun-
catellus Thunb., 2. papposus (mollis Marsh.?), 3. nitidus Marsh., 4.
atomus Duft. {?ninutissimus Germ.). — ß. Berosaires. 5 Bauchseg-
mente. Mittelschienen mit Schwimmhaaren. Berosus: 1. spinosus
Stev., 2 aericeps Curt. , 3. luridus L., 4. affinis Brülle. — y. Hy-
drophilaires. 5 Bauchringe. Mittelschienen ohne Schwimmhaare.
Brust gekielt: Hydrophilus piceus. — Hydrous-. 1. caraboides
L., 2. flavipes Stev. — J. Hydro biaires. 5 Bauchringe. Mittel-
schienen ohne Schwimmhaare. Brust einfach: ■}• Hydrobiates:
Maxillartaster kürzer als die Fühler: Hydrobius: 1. convexus JH.,
2. oblongus Hbt., 3. fuscipes L. — 4. bicolor Payk., 5. aeneus Stev.
— 6. globulus Payk. (limbatus F.). — Laccobius minutus L. —
^f Philydrates. Maxillartaster länger als die Fühler: Helocha-
res (anfangs Helophilus, welche bei Benennung aber mit Grund ein-
gezogen wurde). 1. lividus Forst., 2. melanoplithalmus Duf., aus Spa-
nien, habe ich schon früher von Angola als Hydrob. lueidus be-
schrieben. — Philydrus: 1. melanocephalus Ol., 2. marginellus F.
— E. Cyllidiaires, nur 4 deutliche Bauchringe. Cyllidium
seminulum Payk.
B. Geophilides. Erstes Glied der Hinterfüsse länger als
das zweite. Sphaeridiens. «. Sphaeridiaires. Mesosternum
viel schmäler als lang: Cyclonotum orbiculare F. — Sphaeri-
diufii: 1. scarabaeoides L., 2. bipustulatum , (hiermit vereinigt der
Verf. Sph. ?narginatum F. , ich glaube jedoch nicht mit Recht). —
Cercyon. 1. obsoletum Gyll., 2. haemorrhoidaleF., 3. haemorrhoum
Gyll., 4. laterale Steph., 5. unipunctatum L., 6. quisquilium L. (der Verf.
fcestättigt die von mir erhobenen Zweifel gegen die allgemeine Annahme,
dass dieser Käfer das Männchen des vorigen sei, indem sich von beiden
Arten beide Geschlechter rinden), 7. centrimaculatum Sturm, 8. pyg-
maeum Jll , 9. littorale Gyll., 10. aquaticum Steph., 11. flavipes F.,
12. melanocephalum L., 13. minutum F., 14. lugubre Payk., 15. anale
Payk. — Pelosoma, neue Gattung, von Cercyon dadurch unter-
schieden, dass das Mesosternum nicht linien- oder spindelförmig,
sondern gestreckt fünfeckig ist: Lafertei, neue Art aus der Gegend
von Chinon. — ß. Megasternaires. Mesosternum breiter als lang.
Megasternum, bolitophagum Marsh., Cryptopleur.um atoma-
rium F., die erste dieser beiden neuen Gattungen mit rautenförmigem,
die zweite mit fünfeckigem Prosternum. Die drei letzten Gattungen
und damit auch die letzte Gruppe scheinen mir nur künstlich von
Cercyon abgetrennt zu sein.
Die Gattung Cyclonotum hat Ders. (Annal. d. scienc. phys. et
nat. d. Lyon VII. p. 167) einer monographischen Bearbeitung unter-
worfen, welche sich vorzugsweise auf die Dejean'sche Sammlung
gründet, aus welcher die Palpicornen und Trimeren von der Stadt
Naturgeschichte der Tnsecten während des Jahres 1844. 105
Lyon angekauft sind. Die 11 Arten, welche der Verf. beschrieben
hat, ordnen sich in folgender Weise: A. Flügeldecken ohne Streif;
1. C. globulosum Kl. {Hydrob. rotundatus Dej.) aus Luisiana und
Südamerika; (war in der hiesigen Sammlung eigentlich C. globulare
benannt, es ist dieser Name aber wieder eingezogen, nachdem uns
dieselbe Art aus Pensylvanien zugegangen, und wir in derselben den
Hydroph. exstriatus Say erkannt haben). B. Flügeldecken mit einem
einzigen Streif; 2. C. orbiculare Er. {Hydroph. orb. F.) aus Europa,
Madagascar, Ostindien. (Hier scheinen zwei Arten zu unterscheiden
zu sein, nämlich C. orbiculare aus Europa und Ostindien, und C.
punctulatum (Sphaerid. punct. Kl.) von Madagascar und Angola; das
letztere unterscheidet sich durch doppelte Grösse, geringere Wölbung
und dichtere und feinere Punktirung). — C. Flügeldecken mit 10
Punktstreifen; a. Zwischenräume mit grösseren Punkten: 3. C. ca-
yannum Lacord. aus Cayenne. — b. Nur der äusserste Zwischen-
raum mit grösseren Punkten. «. Nahtstreif bis zum Schildchen ver-
längert: 4. C. capense Dej., vom Cap und aus Ostindien, (haben
wir nur aus verschiedenen Gegenden Ostindiens erhalten, und haben
ihn als Sphaerid. hydrophiloides M. Leay. Annal. Jav. bestimmt), ß.
Nahtstreif nicht bis zum Schildchen reichend: 5. C. subrotundum
{Hydroph. subrotundus F., Cycl. Lebasü Dej.), aus Neugranada. —
c. Ohne grössere Punkte in den Zwischenräumen, ct. Nahtstreif nicht
bis zum Schildchen reichend; 6. C. sublaevigatum Muls. , unbe-
kannten Vaterlandes, 7. C. flavicorne Seh., von Cuba und Jamaica,
— ß. Nahtstreif bis zum Schildchen verlängert; 8. C. picicorne
Seh. von Jamaica, 9. C. americanum Dej. von Cayenne, 10.
striato-punctatum Dej. aus Brasilien. — D. Flügeldecken mit
11 Punktstreifen. 11. C. abdominale {Sphaerid. abdomin. Fab.), von
Isle de France, Madagascar und mehreren Inseln Westindiens (auch
auf Sardinien). — (Der Gruppe C. c. ß sind noch Sphaerid. diaperi-
num und gibbum Kl. von Madagascar zuzufügen).
Eine Anzahl neuer ausserfranzösischer Arten hat Ders. (eben-
das. S. 373) beschrieben: Hydrochus scabratus, rugosus Dej.
aus Nordamerika, Ochthebius sericeus Dej. aus Aegypten (viel-
mehr vom Sinai), 0. diffilis aus Sardinien, O. quadrieol lis aus
Corsica, Hydrobius cribratus {Cyclonot. cribrat. Dej.) von Isle
de France, Helochares maculicollis aus Luisiana, Philydrus
spadiceus Dej. aus Cayenne und Neugranada, Cercyon tantil-
lum Dej., aus Brasilien, Cryptoplenrum capense {Cercyon cap.
Dej.), vom Cap.
Neu aufgestellte Arten sind ferner Berosus murinus und su-
turalis Küster (Käf. Europ. I. 36. 37) aus Dalmatien, und Hy-
drophilus viridicollis , Casc hmirensis und Tropist er nus
mergus Kollar und Redtenbacher (v. Hüg. Kaschm. S. 513)
aus Kaschmir.
j 06 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
MJamellicornia. Die Copriden-Gruppe ist mit einer An-
zahl neuer Arten bereichert worden, und zwar haben Fischer v.
W. (Bull. Mose. p. 42 — 45) Onitis Sophax, Onthophagus tri-
cornis, specularis, Aphodius hirtipes , gonagricus aus
Südrussland und Sibirien beschrieben; Kollar und Redtenbacher
(Hügels Reise S. 515 — 523): Ateuchus devotus, Gymnopleurus
opacus, Sisyphns Cas hmirensis, Onitis cast aneus , alle
aus Kaschmir, O. Himalej icus , Copris Sacontala von Massuri
in Hochindien, C. sexdentat a, Onthophagus brama, angu-
latus, excavatus von Kaschmir; ferner Le Guillou (Guer. Rev.
Zool. p. 223): Onthophagus difficilis von Borneo, und White
(Ann. nah bist. XIV. p. 423): Sisyphus Bowringii, Onthopha-
gus bifurcalis, t aurinus , sutnralis von Hongkong. — Die
Gattung Hyboma vermehrte Buquet (Guer. Rev. Zool, p. 19) mit
vier neuen Arten, H. chalcea, Hippona, arrogans, aequino-
ctialis, alle aus Columbien; die zweite und dritte Art, welche viel-
leicht nur Abänderungen von einander sind, zeichnen sich durch sehr
kurze Vordertarsen aus, wodurch sie sich von allen bisher bekannt
gewordenen Arten absondern, ohne eine eigene Gattung in Anspruch
zu nehmen.
Die Dynastiden-Gruppe ist durch De Breme (Ann. Soc. Ent.
d. Fr. II.) mit drei neuen Gattungen ausgestattet worden. 1. Xeno-
dorus (p. 296. pl. 7. f. 8) auf dem Geotr. Janus F. gegründet, an
Oryctes und Phyllognathus sich anschliessend, mit unbewehrter, le-
derartiger, bewimperter Maxillarlade und einfachen kegelförmigen,
stumpfen Mandibeln. — 2. Lycomedes (p. 299. pl. 8. f. 1. 2), die
Maxillarlade an der Spitze gespalten und unter derselben am Innen-
rande mit einem dritten Zahn, die Mandibeln aussen gegen die Spitze
dreizähnig, beim Männchen die eine Klaue der Vorderfüsse verlän-
gert und am Grunde mit einem Zahn. Das Männchen mit einem
grösseren, an der Spitze gespaltenen Kopfhorn, hinter demselben mit
einem Höcker und einem breiten flachgedrückten, aufsteigenden Hörn
auf dem Halsschilde. L. Reich ei, neue Art aus Columbien, etwa
von der Grösse des Sc. Abderus Sturm, und wie dieser mit feinem
Filz wolkig bekleidet. — 3. Antodon (p. 302. pl. 8. f. 4) zeichnet
sich sehr durch die Maxillarlade aus, welche zwar ungezähnt, aber
am ganzen Innenrande wie eine Feile quer gekerbt ist. Das Männchen
hat ein kleines, breites, stumpf dreizähniges Kopfhorn. Von der
angeblich neuen Art A. B ur meist er i aus Brasilien findet sich das
Weibchen als Agaocephala Goryi von Laporte schon im 1. Jahrg.
der Ann. Soc. Ent. d. Fr. beschrieben.
In der Ruteli den -Gruppe stellte Guerin (Rev. Zool. p. 259)
eine neue Mexikanische Art Chrysophora Nietii auf, aus welcher
er zugleich eine neue Untergattung Macropoides bildete, deren
Merkmale und deren Stellung zu den verwandten Formen aus der
folgenden Uebersicht hervorgehen.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 107
I. Mandibcln aussen abgerundet und erweitert.
A. Hinterfüsse der Männchen länger
als die Schiene: Chrysophora
B. Hinterfüsse der Männchen kürzer
als die Schiene.
1. Alle Klauen einfach .... Chrysina
2. Die äussere Klaue der vier vor-
deren Füsse gespalten: . . . Ueterosternus
II. Mandibeln aussen gerade und nicht
erweitert, in eine aufgebogene Spitze
auslaufend. Die äussere Klaue aller
Füsse gespalten Macropoides.
III. Mandibeln aussen ausgerandet, zwei-
zähnig.
A. Hinterfüsse länger als die Schienen Anisocheirus
(Chrysoph. Kirbyi Gray)
B. Hinterfüsse kürzer als die Schienen Rutela, Velidnota etc.
Von Chrysina macropus sind von Herrn Nieto Larven und Pup-
pen im Stamme eines ungeheuren Ficus aufgefunden; der Käfer er-
scheint Mitte des Juni und dauert bis in den Juli (ebendas.)
Eine andere neue Art ist Macraspis pretiosa De Breme
(Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. p. 303. pl. 8. f. 3) von Bogota.
In der Mel olonthiden-Gruppe hat De Breme (Ann. d. 1.
Soc. Ent, d. Fr. II. p. 305. pl. 9. f. 1) eine neue, sehr ausgezeichnete
Gattung Anatista aufgestellt: Fühler lOgliedr., mit öblättr. Keule»
die beiden ersten Blätter kurz, die drei letzten lang und gebogen;
Kopfschild stark nach vorn verlängert, die Lefze bedeckend, die
Mandibeln mit stumpf zweizähniger Spitze, nach der Abbildung ohne
Mahlfläche-, die Maxiliarladen lederartig, unbewehrt, die Klauen ein-
fach, eine neue ansehnliche Art: A. Lafertei aus Neugranada.
Eine andere von Le Guillou (Rev. Zool. p. 224) als neu auf-
gestellte Gattung Caulobius ist einerlei mit Silopa des Ref.
Neue Arten sind: Meter odaety lus dimidiatus Guerin
(Mag. d. Zool. Ins. pl. 147) aus Mexiko, — Strig oderma fulgi.
collis^imd insignis De Breme (Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. p. 304.
pl. 8. f. 6, 5) aus Columbien, Ancylony cha holosericea, cri-
bricollis , Serica ferruginea, Euchlora vittata, (= Hors-
fieldii Hope), Ana mala rufiventris, Popillia sulcata,
truncata, Caschmirensis Kollar undRedtenb. (Hügel's Reis.
S. 524), die erste vom Himalaja, die übrigen von Kaschmir, — //o-
plia squamacea, elegantula, Adoretus cribrat us White
(Ann. nat. hist. XIV. p. 424), von Hongkong, — Anomala Bous-
queti Le Guillou Rev. Zool. p. 223 von Mankassar, Caulobius
villosus (verschieden von den vom Ref. beschriebenen Arten) und
Heteronyx obscurus Desselb. (ebendas.) von Vandiemensland.
— Anisoplia Marietti Osculati (Col. racc, etc. p. 72. n. 5).
■J08 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
,, Nigra nitida, subtus albo-pilosa, clypeo subquadrato, capite thora-
ceque nigro-coeruleis, punctatissimis; scutellum et prope scutellum
villosa; elytris rugosis, inaequaliter sulcatis, sulcis obsoletis, margi-
nibus exterioribus sulco longitudinali depresso instructis. — Hab.
Constantinopoli in hortis et pratis, aestivo tempore non rara".
Fischer v. W. (Bull. Mose. p. 46) machte darauf aufmerksam,
dass die Gattung Catalasis Dej. schon 1823 von ihm in der Entomogr.
II. unter dem Namen Cyphonotus aufgestellt sei, und beschrieb C.
Anketeri (Met. Ank. Herbst.) vom Caucasus, C. Monachus Kryn. von
Turkestan, C. thoracicus Kryn. von Sarepta, C. macrophyllus, C.
affinis, neue Arten aus Turkestan.
Dem Propomacrus bimucronatus (Scar. bimacr. Pall.) wies v.
Heyden (Entom. Zeit. S. 14) als eigentliche Heimath die Gegend
von Constantinopel nach. Das bisher noch nicht beschriebene Weib-
chen weicht vom Männchen durch schmäleres Halsschild ab, und
durch nicht verlängerte, kaum gebogene Vorderschienen, denen auch
der Zahn an der Innenseite fehlt.
Auf die Melitophilen- Gruppe beziehen sich: „ Observation
critiques sur la famille des Lamellicornes Melitophiles , par M. le
Doet. Schaum." (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. II. p. 333). Eine
sehr fleissige Arbeit, welche eine Menge von Berichtigungen in die
Synonymie bringt, grösstentheils nach einiger Untersuchung der Ori-
ginale. Als neue oder übersehene Arten sind vom Verf. hinzuge-
fügt: Ceratorhina (Amaurodes) Passerinii Westw. Weibchen; He-
t erorhina suavis, von Guinea, H. smaragdina Herbst, von H.
africana durch gelbe Seiten der Flügeldecken u. s. w. unterschieden,
H. indiita von der Weihnachtsbai, Gymnetis Bomplandii von
Paraguay, Discopeltis concinna aus Senegambien, Phoxomela
abrupt a von der Weihnachtsbai, Oxy thyreo, amabilis von der
Algoabai, O. aeneicollis, Perroudii von der Weihnachtsbai,
Aplasta dichroa, lutulenta ebendaher, Cetonia (Protaetia)
Bremii von Manila, C. (Pachnoda) histrio F. aus Arabien, Paw-
tolia ebenina, rubrofasciata von Madagascar, Pygora ery-
throderes, ebendaher, Diplognatha Blanchardi aus Abes-
synien, Ptychophorus fluetiger aus Senegambien, Coenochi-
lus platyrrhinus aus Ostindien, Scaptobius aciculata vom
Vorgebirge der guten Hoffnung, Lissoge?iius planicollis von
Guinea, Agenius clavus aus dem Kaffernlande. Die Gattungen
Phoxomela, Aplasta und Lissogenius sind neu. Zu Phoxo-
mela gehört ausser der genannten neuen Art noch Cet. umbrosa
Gory-Perch. , die beiden neuen Arten von Aplasta haben Aehnlich-
keit mit Anoplochilus, Lissogenius endlich ist eine Cremastochi-
lenform, mit ögliedrigen Füssen und fast verkümmerten Klauen.
Westwood hat in seinen Arcana Entomol. wieder einige Bei-
träge zur Kenntniss der Melitophilen gegeben: Taf. 73 sind nach bei-
den Geschlechtern abgebildet Inca Sommeri aus Mexico, dem I.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 109
"Weberi täuschend ähnlich, vom Verf. aber ausser dem Vaterlande
durch mehr schräg abgestutzte Kopfhö'rner des Männchens und stum-
pfere Zähne an den Vorderschienen des Weibchens unterschieden
(dies letztere finde ich nicht bestättigt, dagegen scheinen die des
Weibchens des I. Sommeri und des I. Weberi darin sichere Unter-
schiede zu besitzen, dass der Vorderrand des Kopfschildes bei jenem
einfach ausgerandet, bei diesem leicht zweibuchtig ist, und dass die
Hinterschienen bei jenem ungezähnt, bei diesem in der Mitte
mit einem kürzeren und einem längeren Zähnchen bewehrt sind),
und Inca Beskii Dej/ aus Brasilien. — Auf Taf. 81 sind das Männ-
chen von Ceratorhina (Coelorhina) nur ata Westw. , und eine sehr
ausgezeichnete Art vom Palmencap vorgestellt, welche von Harris
im Journ. of Boston Soc. of nat. hist. Vol. IV. pl. 21 unter der Be-
nennung Mecynorhina Savagei bekannt gemacht ist, und auf die
sich auch eine Notiz bezieht, welche Klug in einer „Uebersicht
der bekannten Arten der Gattung Goliathus" in den Monatsberichten
der Berl. Akad. 1843. S. 293 mitgetheilt hat. Sie gleicht der M. Po-
lyphemus, unterscheidet sich aber gleich durch gelbe Hinterfüsse.
Von Kollar und Redtenbacher sind in v. Hügel's Kaschmir
folgende neue Arten: Coryphocera hirtiventris S.528, C. affi-
nis S. 530, Protaetia flavoguttata S. 530. T. 25. F. 2 beschrie-
ben und abgebildet.
Von Lucaniden geben Dieselb. (ebendas. T. 24. F. 4) eine
neue Abbildung des Lucanus lunifer Hope vom Himalaja, und stell-
ten eine neue Art auf Dorcus punctato - striatus (ebendas.
S. 532) ebendaher.
Percheron (Guer. Mag. Zool. Ins. pl. 134. 135) hat einen zwei-
ten Nachtrag zu seiner Monographie von Passalus gegeben, welcher
folgende neue Arten hinzufügt: A. mit 6blättriger Fühlerkeule: 1. P.
naviculator P. von Vanicoro oder Hogoleu, jedenfalls von einer
Südseeinsel; 2. P. Cantori Hope, von Assam, 3. P. cancrus P.
aus Ostindien oder einer der nahe liegenden Inseln. — B. mit 5blätt-
riger Fühlerkeule; 4. P. Savagei Hope vom Palmencap (Sierra
Leone); 5. P. HopeiP., Vaterland nicht angegeben; — C. mit 4blätt-
riger Fühlerkeule: 6. P. Patin ii Hope vom Palmencap; — D. mit
3blättriger Fühlerkeule: 7. P. africanus Hope, von Sierra Leone;
8. P. vi ein us Hope (vielleicht Abänd. von P. bicolor, Vaterland
nicht angegeben); 9. P. bihastatus, eine durch eigenthümliche
Kopfbewaffnung ausgezeichnete Art, unbestimmten Vaterlandes.
Handbuch der Entomologie, von H. Burmeister, 4. Band.
1. Abth. Berlin 1844, enthält: Coleoptera, Lamellicornia, Anthobia et
Phyllophaga systellochela.
Venehriones. Fischer v. W. (Bull. Mose. p. 67) stellte in
der Tentyriten-Gruppe eine neue Gattung Rhostax auf, deren
kugliges Halsschild hinten stark eingeschnürt und gleichsam gestielt
ist: zwei neue Arten Rh. Karelini und Rh. Menetriesii, die
HO Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
erste aus der Songarei, die zweite aus Südrussland, am Caspisee.
Als neue Arten sind (ebendas. S. 64) beschrieben: Tentyria Kin-
der mannt, aus Südrussland, an der Sarpa, Anatolica torulosa
aus Daurien, A. thoracica aus der Bucharei, A. angulosa von
Nertschinsk.
In der Macrop o diten-Gruppe erhielt Adesmia einen Zu-
wachs von folgenden Arten: A. Villae Osculati (Coleopt. raccolt.
etc. p. 72. n. 6): Nigra, elongata, subdepressa, capite thoraceque
punctulatis, elytris costis duabus, apice confluenübus, marginali den-
ticulata, dorsali undulata, interstitiis rugosissimis, plicis inaequalibus.
— Hab. in Persia merid, (Ispahan). — A. De Vecchii Osculati
(ebendas. n. 7). Parva, nigra, ovalis, capite thoraceque punctulatis
elytris subdepressis, costis duabus granulosis obsoletis, fere apice
confluenübus, interstitiis foveolatis, foveis latis triplice serie disposi-
tis, unica serie inter costas, duplici suturam versus; — - hab. in Ar-
menia. — Ferner A Faremo?itii> Biskreensis, Donei, So-
llen' Lucas (Rev. Zool. p. 264) aus der Gegend von Biskra in Al-
gerien. — A. Langii ; Guerin (S. vor. Bericht S. 281) ist im Mag.
de Zool. 1844. Ins. pl. 139 abgebildet.
Aus der Pimelarien-Gruppe beschrieb Fischer v. W. (Bull.
Mose. p. 53) als neue Arten aus Turkestan: Pimelia marginat at
Pachyscelis Karelini, Ocnera {Trachy derma Latr.) lepida-
cantha, granulat a , Trigonoscelis echi?iata, Lasios tola
heterogena, Diesia Karelini.
Von Platyope (ebendas. S. 59) sind bisher folgende 7 Arten be-
kannt geworden; 1. PI. granulat a Fisch. (Entomogr.); 2. PI. procto-
leuca Fisch. (Entomogr.); 3. PI. leueographa Pall. {Ten.); 4. PI. U-
neata F. (Akis); 5. PI. obliterata Fisch., neue Art vom Inders-
koeschen Salzsee; 6. PI. unicolor Esch. Zoubk. , Karelinii Kryn.; 7.
P/. collaris Fisch., neue Art, durch eine tiefe Halsschildfurche von
den übrigen abweichend, aus der Songarei.
Zur Kenntniss der Nycteliten - Gruppe hat Waterhouse
(Ann. nat. hist. XIII. p. 41) einen namhaften Beitrag geliefert, eine
Musterung nämlich der Arten der früheren Dejean'schen Sammlung:
1. Nyctelia Lucxotii Buq. ist ein Gyriosomus, und zwar G. curvili-
neatus Guer. — 2. 3. E. erythropus und ebenina gehören zu Epipe-
donota Sol. und sind nur Abänd. von einander. 4. N. senex Lac,
ebenfalls Epipedonota und vielleicht auch nur Abänd. von ebenina.
5. A7. cristallisata Lac, eine gute Art von Epipedonota. 6. N. mo-
nilis Lac, von Wat. als Abänd. von Epiped. ebenina betrachtet, auch
von Darwin gesammelt. 7. N. andicola Lac. = Auladera andicola
Sol. 8. N, desertorum, 9. serva, 10. caraboides , 14. pieta, 15. De-
jeanü Lac, gehören zu Mitragenius Sol. und werden von W. auf 3
Arten zurückgeführt, indem er n. 8. 10 und 14 für Abänderungen von
einander erklärt. 11. N. multicosta Guer. = Callyntra multicosta
Sol. 12, N. rustica Dej., der Epipedonota rugosa Wat. sehr nahe
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. Hl
stehend, und -vielleicht nur Abänd. derselben. 13. N. Jugletii Buq.
vermuthlich = N. crenicosta Guer. , zu Auladera Sol. gehörend. 16.
iV. mamillonea Lac. = Plectrascelis mam. Sol. 17. N. discicollis
Lac. = Plectrascelis discicoll. Sol. 18. iV. laevicollis Dup. = Ple-
ctrascelis pilipes Sol. 19. N. Klugii Buq. = Plectrascelis glabratus
Sol. (= Nyct. laevigata des Ref. in Meyen's Reise). 20. 21. N. ve-
stita, deplanata = Cerostena vest. und depl. Sol. 22. N. plicati-
pennis Lac. = N. transverso-sulcata Wat. Proc. Z. S. 1841. 23. N.
nebulosa Buq., picta Kl. = N. decorata des Ref. — Wat. ist geneigt,
diese Art unter Cerostena einzureihen, sie schliesst sich jedenfalls
viel naher an Gyriosomus. 24. N. picipes Dej. = N. nodosa und
brunnipes Latr. — Von Entomoderes erkennt W. E. draco, sata-
nicus und Erebi als gute Arten an, E. cellulosus Lac. hält er für
ein kleines Stück von Erebi. — Die drei Arten von Entomoscelis,
so wie n. 5 und 9 von Nyctelia sind genau beschrieben. Als neue
Arten fügt der Verf. noch hinzu Nyctelia Bremii (p. 48) von
Mendoza, der N. Westwoodii Wat. sehr nahe stehend, und Gyrio-
somus Whitei (p. 50) von Coquimbo. In Betreff der Gattung Gy-
riosomus bemerkt der Verf. (p. 53), dass G. Luczotii, Bridgesii und
elongatus das Prosternum eingezogen und hinter der Einlenkung der
Beine nach hinten verlängert haben, während es bei G. Hopei und
marmoratus breiter und nicht nach hinten verlängert ist.
Aus der Tagen iten- Gruppe stellte Waterhouse (ebendas.
S. 53) zwei neue Arten auf: Gonogenius brevipes, vom G. vul-
garis durch kürzere Form, schmäleren Kopf, kürzeres, an den Seiten
gleichmässig gerundetes Halsschild, punktirte und gerunzelte Zwi-
schenräume der Streifen auf den Flügeldecken, kürzere Beine und
sehr kantige Schienen unterschieden, und Vsammeticus crassi-
cornis, vom Ps. costatus vorzüglich durch doppelt so dicke Fühler
abweichend. Beide von Coquimbo.
In der Zopheriten- Gruppe wurde Zopherus mit einer ausge-
zeichneten neuen columbischen Art bereichert: Z. Bremii Guer in
(Revue Zool. p. 48), De Breme (Ann. d. 1. Soc. Ent, d. Fr. II. p. 307.
pl. 9. f. 2).
Zur Praociten- Gruppe ist ein Insect zu rechnen, welches
Fischer v. W. (Bull. Mose. p. 125) als Stern ödes Mann er hei-
mii aus Eschscholtz's Sammlung, wo es sich ohne Vaterlandsangabe
vorfand, beschrieben hat, welches aber nach v. Motschoulki's Bemer-
ken (Bull. Mose. 1845. p. 63) eine Praocis, und zwar die als Männ-
chen beschriebenen Stücke Pr. rufipes Esch. , die als Weibchen Pr.
sulcata Esch. sind.
Eine Bearbeitung der Moluriten-Gruppe hat Soli er in den
Memorie della Reale Academia delle science di Torino 2. serie tom.
VI. 1844 veröffentlicht, welche sich den früheren in den Ann. d. 1.
Soc. Ent. de France mitgetheilten Monographien anschliesst.
Die Gruppe theilt sich in zwei Abtheilungen, die erste der Se-
U2 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
pidien-Form mit schmälerem Halsschilde, welches nach vorn Vor-
ragungen in Gestalt von Höckern oder Zähnen bildet, die zweite der
Moluris-Form mit kürzerem, ebenen Halsschilde, entsprechend. Die
erste Gruppe enthält folgende Gattungen und Arten:
1. Gatt. Tapenopsis Sol. Beine kurz, Vorderschienen gegen
die Spitze hin erweitert, Kinn sechseckig, vorn gerade abgeschnitten,
an den Fühlern das lOte und Ute Glied zu einem eiförmigen Gliede
verschmolzen. Halsschild nach hinten verengt, mit zwei Längskielen
auf dem Rücken. Augen schräg, unten. Grosse Uebereinstimmung
mit Tageniten, und vielleicht dahin zu rechnen, kommt indess in Kör-
perform und durch vorragende Augen mit den Sepidien überein, und
weicht von den folgenden Gattungen durch die Form des Kinns, der
Fühler und Vorderschienen ab. Einzige Art T. costatus Dup.
„fuscus, oblongo-ovalis, hispidus, elytris dense punctAto-striatis , sin-
gulo costis tribus serratis, tertia marginali. L. 7, Br. 2^ Mill. Von
Oliviers Reise, ohne nähere Bezeichnung des Fundortes.
2. Gatt. Dymonus Sol. Das Ute Fühlerglied klein, fast in
das lOte zurückgezogen. Sonst mit Sepidium übereinkommend: 1.
D. vestitus (Sepid. vestitum Gory Guer. Icon. Regn. An., Sep. se-
negalense Dej.) vom Senegal; 2. D. Dufossei Sol. vom Senaar (ist
auch unter der Benennung Sep. Sennaariense Koll. verbreitet). 3.
D. tuber culatns {Sepid. tub.Kl.) aus Aegypten, 4. D. gibbicol-
lis Sol., angeblich vom Cap, ist nur eine geringe Abänderung des
vorigen, wo nämlich die vordere Vorragung des Halsschilds in zwei
aufgebogene Läppchen getheilt ist.
3. Gatt. Sepidium F. Die beiden Endglieder der Fühler deut-
lich gesondert. A. Seitendorn des Halsschilds scharf zugespitzt. 1.
S. bidentatum Duf. aus Südspanien; 2. S. Mittrei Sol. von Al-
gier (= S. uncinatum des Ref. in Wagner Algier 111. 178.20).—
B. Seitendorn des Halsschilds stumpf oder ausgerandet, a. Mittel-
kante des Halsschilds durch eine Furche getheilt. 3. S. Douei aus
der Berberei ( = S. auf er um des Ref. a. a. O. 178. 19), 4. S. Si-
culum Dej. aus Sicilien, 5. S. Gen ei Sol. ebendaher, vom vorigen
durch etwas bedeutendere Grosse, ( 13% — 15 Mill.), dunklere Fär-
bung, breiteren Mittellappen des Hinterrandes des Halsschilds, weni-
ger höckrige Mittelrippe und klein- und stumpfhöckrige Randrippe
der Flügeldecke unterschieden. 6. S. variegatum F. Ol. aus der
Berberei; 7. S. Dufouri Sol. von Tunis, vermuthlich Abänderung
des vorigen, indem es nur durch ein Paar tiefer unregelmässiger
Eindrücke an der Halsschildwurzel abweicht; 8. S. bar b ar um Dup.
wahrscheinlich als das andere Geschlecht mit n. 6 zu vereinigen, in-
dem es nur darin sich unterscheidet, dass der Hinterkörper mehr
dreieckig als gleichbreit ist. — ß. Mittelkante des Halsschilds ohne
Furche. 9. S. Servillei Sol. aus Sicilien, gleicht dem S. Genei,
nur dass der Seitenzahn des Halsschilds tiefer ausgerandet und die
Hocker auf der Seitenkante der Flügeldecken etwas stärker sind
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. H3
(vermuthlich sind beide nur Abänderungen des S. Siculum, bei wel-
chem die Furche auf der Mittelkante des Halsschilds oft nur sehr
fein und undeutlich ist, und auch wohl leicht ganz verschwinden
könnte); 10. S. Bart helemyi &o\. aus Ober-Aegypten; 11. S. fle-
xuosum Sol. aus Aegypten, 12. S. tricuspidattim F. ebendaher;
13. S. Mallei Sol. aus Tunis (= S. Wagneri des Ref. in Wagn.
Alg. 111. 179. 22); 14. S. serratuf/i Sol. aus dem Tunesischen; 15.
S. Reqvieni Sol. ebendaher, 16. S. multispinosum Sol. aus der
Berberei (= S. tomentosum des Ref. a. a. O. 178.21).
4. Gatt. Echinotus Dej. Halsschild ohne Seitenzahn, vorn mit
einem vorgestreckten Dom. Drittes Fühlerglied sehr lang. Die vier
Hinterschenkel dünn, an der Spitze plötzlich zu einer kleinen Keule
verdickt. Rücken des Halsschilds und der Flügeldecken mit Stachel-
höckern. Eine Art E. spinicollis Kl. vom Cap.
5. Gatt. Cyrtoderes Dej. Halsschild etwas kapuzenförmig
über den niedergebogenen Kopf erweitert. Mund frei. Der Verf.
unterscheidet drei Arten. 1. C. sinuosus Sol., der umgeschlagene
Rand der Flügeldecken bauchig, mit einer erhabenen Längslinie. 2.
C. m'gritus, der umgeschlagene Rand der Flügeldecken senkrecht
abfallend; mit schwarz-erdigem Ueberzug; 3. C. curculioides, ähn-
lich, mit roth-erdigem Ueberzug, alle drei sind aber sicher nur Ab-
änderungen einer Art, welche Brachycerus cristatus F. ist.
Vom Cap.
6. Gatt. Cryptogenius Sol., von der vorigen Gatt, dadurch
unterschieden, dass das Prosternum den Mund kragenartig deckt.
Dahin 1. Cr. dentatus {Cyrtod. dentat. Dej. Cat), von dem der
Verf. 2. Cr. Spinolae Sol. unterscheidet, indem bei ersterem das
letzte Fühlerglied so lang, bei letzterem kürzer ist als das vorletzte;
auch bildet bei dem ersteren die erste Rippe der Flügeldecken nach
hinten einen spitzeren Vorsprung; da beide aber sonst in allen we-
sentlichen Punkten übereinstimmen, sind sie wohl eher dem Ge-
schlechte als der Art nach verschieden zu halten.
Die Abtheilung der eigentlichen Moluriten theilt der Verf. auf
folgende Weise ein.
Erste Unterabt h. Endglied der Maxillartaster klein, eiför-
mig, oder schmal und an der Spitze leicht abgestutzt.
7. Gatt. Physogaster Lat. Lacord. Guer. mit der einen Art
Ph. Mendocinus Lac.
8. Gatt. Thylacoderes Sol. von der vorigen Gattung dadurch
unterschieden, dass das aufgetriebene Prosternum kragenförmig den
Mund aufnimmt, und die Vorderschienen kurz und aussen fein ge-
zähnelt sind; ebenfalls eine Art: T/t. eumolpoides (P/iysogast.
eumolp. Lac.) von Tucuman.
9. Gatt. Polpocara Sol. Durch vorn tief ausgebildetes Kopf-
schild von den vorigen unterschieden, schon 10 Jahre früher vom
Ref. unter dem Namen Philorea (Meyen's Reise, Zool. S. 366) nach
Archiv f. Naturgesch. XI. Jahrg. 2. Bd. H
114 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
derselben von Meyen entdeckten Art, Ph. picipes {Polp. picipes
Sol.) aus Peru aufgestellt.
Zweite Unter ab th. Endglied der Maxillartaster gewöhnlich
stark abgestutzt, mehr oder weniger beil- oder becherförmig.
10. Gatt. Entomochilus Gay et Sol. In der Form dem Phy-
sogaster ähnlich: das Kopfschild und die Lefze vorn ausgeschnitten, das
Endglied der Maxillartaster eiförmig mit abgestutzter Spitze. Das
Halsschild sich der Flügeldeckenwurzel anschliessend. Das Proster-
num vorn erweitert und kragenförmig den unteren Theil des Mundes
deckend. Eine neue Art E. pilosus.- niger, obscurus, plus minusve
cinereo-pilosus, capite granulato, prothorace dorso dense punctato,
punctis pilis obtectis; elytris obsolete granulatis, longitrorsum si-
nuato - striatis. — L. 8% — 13 Mill. — Chile, Coquimbo.
11. Gatt. Cylindrothorus Sol. Halsschild cylindrisch, der
Flügeldeckenwurzel sich dicht anschliessend, Endglied der Maxillar-
taster stark beilförmig, Kinn vorn zweibuchtig, Schenkel keulförmig.
Eine neue Art: C. pilosus.- fuscus, oblongo-ovalis, punctatus, pilis
griseis retrorsum reflexis numerosis erectisque raris concoloribus
tectus, elytris tuberculis obtusis, depressis, seriatis. — L. 11 Mill.
— Cap.
12. Gatt. Amathodes Dej. Halsschild sich der Flügeldeeken-
wurzel anschliessend, Kopfschild vorn gerade abgeschnitten. End-
glied der Maxillartaster stark beilförmig, Kinn vorn zweibuchtig,
Fühler dünn, Schenkel einfach: 1. A. gemmata {Pim. gemm. Fab.)
2. A. hirsutulaDej -. lata, brevis, suborbicularis, prothorace valde
transverso, elytris costis numerosis tenuissimis, granulatis in singulo
duabus majoribus, antennis filiformibus. L. 12 Mill. — 3. A. hir-
suta Dup. Oblonga, prothorace vix transverso, elytris granulatis,
hispidis, costa margiuali haud prominula, antennis versus apicem
leviter sensim incrassatis. L. 11 Mill. — Alle vom Senegal.
13. Gatt. Eutelus Sol., sehr ähnlich der vorigen Gattung, aber
die Fühler nach der Spitze hin merklich verdickt und das Endglied
der Maxillartaster weniger breit: 1. E. Requiem'.- Niger, rubro-
maculatus, suboblongus, capite valde punctato, prothorace prope ba-
sin dilatato, punctato-rugoso, elytris dense tuberculatis. L. 12 Mill.
~- 2. E. nodos us: Niger, indumento terrulento cinereus, globosus,
prothorace supra medio valde longitrorsum bicalloso, elytris irre-
gulariter tuberculis conicis nodosis. L. 9 Mill. Beide vom Cap.
14. Gatt. Mo Iuris Latr. Halsschild mit dem Hinterrande nicht
an die Fliigeldeckenwurzel schliessend, Prosternum vorn erweitert,
den Mund wenigstens grossen Theils deckend. A. Halsschild nicht
kuglig aufgetrieben. «. (Moluris) Schenkel einfach: 1. M. unico-
lor, Pim. unic. Fab. 2. M. laevicollis Reiche, 3. M. striata,
Pim. striata F. heller gefärbte Abänd. der M. unicolor. 4. M. vit-
tata Dup., 5. M. Reichii Sol., 6. M. hemisphaerica Dup., 7.
M. gravida Dej., 8, M. Spinolae Sol., 9. M. pinguis Dej., 10.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. H5
M. Dejeanii Sol., 11. M. Goryi Hope, von Sierra Leona, 12. M.
plicata Sol., 13. M. t omentos a Spin., 14. M. pilosa Thunb. Seh.
cribricollis Dej., 15. M. scabrata Dup., IC. M. laevigata,
Pim. laev. Ol., 17. Pierreti Amyot. — ß. Die hinteren Schenkel
schmal zusammengedrückt (Piesomera).- 18. M. seubra, Pim.
scabra F. — B. Halsschild kugelförmig aufgetrieben (Physodera)
19. M. gibba, Pim. gibba F., 20. M. gibbosa, Pim. gibbosa Ol.,
21. M. Roulett', 22. 31. g lobulicollis Spin., 23. 31. semiscabra
Dej. — Alle vom Cap ausser n. 11.
15. Gatt. Phanerotoma, unterscheidet sich von Moluris da-
durch, dass der Mund mit der Unterseite des Kopfes frei ist. A.
Hinterfüsse gestreckt, merklich langer als die vorderen. 1. Ph. pu-
bescens Dej.; 2. Ph. brunneum , Pim. brunnea Ol.; 3. Ph. ru-
ft' cor ne Dej., 4. Ph. plicatum KL, 5. Ph. granulatum Sol., 6.
Ph. subcost atum Dup. — B. Hinterfüsse kurz, kaum so lang als
die vorderen. 7. Ph. elongatum Dej. (ist Pim el. marginata
Hbst), 8. Ph. grau de Gory, 9. Ph. ovatum Dup., 10. Ph. con-
vexum Sol., 11. Ph. opacum Kl., 12. Ph. suturale, Mol. sutur.
Wied., 13. Ph. rugnlosu?n Dej. — Alle vom Cap. — Vielleicht
sollte der Name Phanerostoma heissen. Ich zweifle inzwischen nicht
daran, dass die Gattung mit Psammodes Kirby zusammenfällt,
und vielleicht ist selbst Ps. longicornis Kirby von n. 3 des Verf.
nicht verschieden.
16. Gatt. Hypomelus (Hypomclus und Trachynotus Dej.) von
der vorigen Gattung dadurch unterschieden, dass der Kopf nicht bis
an die Augen in das Halsschild eingesenkt ist und dass die Vorder-
schienen keine scharfe Aussenkante haben. A. Aussenrand des Hals-
schilds erweitert, Hinterecken nach hinten verlängert: 1. H. sabu-
losus St., 2. H. obliteratus Sol., 3. H. obliquatus Sol., 4. H.
inaequalis Reiche, 5. H. villoso-costatus Reiche. — B. Hals-
schild einfach: 6. H. bicolor, Sepid. bic. Wied., 7. H. grandis.
8. H. (Gofiopterus) rugosus, Sepid. s rüg. F. Alle vom Cap.
Die letzte Art weicht von den übrigen durch längeren Kopf, schma-
leres Kopfschild, feinere und weniger gewölbte Augen ab, daher sie
als Untergattung mit einem eigenen Namen bezeichnet wird.
17. Gatt. Trachynotus Latr. Von der vorigen Gattung durch
rundliche Augen unterschieden: 1. Tr. reticulatus, Sep. ret.Fah.r
2. Tr. leueographus Fisch., 3. Tr. elongatus, Sepid. elottg.
Ol., 4. Tr. carinatus Reiche, 5. Tr. lacunosus Jll. Sepid. plica-
tum Wied., 6. Tr. aeneus Dej., 7. Tr. Goryi Sol., 8. Tr. acu-
minatns, Sepid. äcum. Wied., 9. Tr. vittatus, Sepid. vittat. F.
18. Gatt. Clinocranion Sol. Die Augen rundlich, wie bei
Trachynotus, aber die Stirn senkrecht absteigend, wie bei Lamien,
die Füsse gestreckter, namentlich die Vorderfüsse, an denen das erste
Glied länger ist als das Klauenglied. Zwei neue Arten: 1. Cl. spi-
nosum: Nigrum, oblongum, prothorace lateribus antice serrato, me-
H*
116 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
dio subuncinato, elytris punctatis, granulatis et dorso spinis paucis ;
pedibus angustioribus. 13 Mill. — 2. Cl. planatum: Nigrum ob-
longum, prothorace lateribus obtuse angularis, ante basin emargina-
tis, elytris punctatis, dorso tuberculis conicis acutis numerosis, se-
riatis, costa marginali serrata, retrorsum spinosa, antennis compres-
sis. 17 Mill. Beide aus Südafrika.
19. Gatt. Oxura Kirby, mit gestreckterem Kopf und längerem
fast walzenförmigem Halsschilde: 1. 0. setosa Kirby, 2. O. vestita
Dej., beide vom Cap.
Als neue Art ist noch Moluris Bertolinii Guerin (Mag. d.
Zool. Ins. pl. 148) aus Mosambik unter Phanerotoma einzureihen.
Sie zeichnet sich durch bedeutende Grösse sowohl als langgestreckte
Form aus.
Ueber die Blaptiden Russlands hat Fischer v. W. (Bull.
Mose. p. 69) sich ausführlicher verbreitet. Von der Gattung Blaps
im engern Sinne sind 48 Arten, darunter viele neue aufgeführt. Als
Untergattung Peltarium sind solche mit kissenförmig gewölbtem
Halsschilde und deutlichem Schildchen abgesondert, diese Abtheilung
ist aber nicht fest zu halten, indem sie aus Arten eigentlicher Blaps,
(wie Bl. caudata Gebl.), und Weibchen von Prosodes Esch., (wie P.
bicostatum, marginatum, punetatum Fisch.) gebildet ist. Aehnlich
verhält es sich mit der neu aufgestellten Gattung Dila, indem die
Mehrzahl der aufgeführten Arten, wie D. attenuata Fisch, und
Blaps cylindrica Hbt. , aus Männchen von Prosodes Esch. bestehen,
nur die erste der unter Dila begriffenen Arten, so weit mir diese
bekannt sind, Blaps laevicollis Gebl. dürfte als eine eigentümliche
Form angesehen werden, welche sowohl durch die schmale KÖrper-
form als vorzüglich durch die gezähnten Vorderschenkel von Blaps
abweicht. Sodann ist noch ISyctipates Dej. als eigene Gattung auf-
geführt worden; sie kommt indess mit Prosodes im Wesentlichen
überein, obschon sie durch die kantigen Seiten der Flügeldecken und
die an der Aussenseite gedornten vorderen Schienen abweicht. Es
würde also Peltarium eingehen, Dila auf Bl. laevicollis beschränkt
werden, und Nyctipates mit Prosodes Esch. (Blaps attenuata F. cy-
lindrica Hbt.) vereinigt werden müssen.
Die Pediniten-Gruppe wurde von Fischer v. W. mit Pla-
tyscelis labialis und Pandarus femoralis (Bull. Mose. p. 122,
141), beide aus Anatolien, ferner die Opatriden-Gruppe von
Deras. (ebendas. S. 126) mit Opatrum granulosum, aus der
Songarei, O. int er medium aus Südrussland und O. pruinosum
aus Turkestan — von Mannerheim (ebendas. S. 862) mit Noto-
corax W estermanni aus Java vermehrt.
Die merkwürdige Ten ebrioni den- Gattung Chiroscelis ist von
Westwood (Arcan. Ent. pl, 87) nach ihren Arten dargestellt wor-
den, welche hier durch eine sehr ansehnliche südafrikanische Art,
Ch. australis vermehrt sind; dagegen dürfte Ch. passaloides Westw
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. H7
in dieser Gattung keine hleibende Stelle finden, indem sie durch ihre
vielzähnigen Vorderschiencn, ihre breiten, an der Spitze aussen ge-
zahnten hinteren Schienen und den Mangel der der Gattung eigen-
thümlichen Flecke auf dem zweiten Hinterleibsringe erheblich genug
abweicht.
Der Gattung Calcar fügte Fischer v. W. (Bull. Mose. p. 123)
zwei neue Arten, C. er assipes und sulcatus, aus Südrussland, zu.
Der D i aper ialen- Gruppe gingen die neuen Arten TJloma
Fahraei und Weitringii Mann er he im (Bull. Mose. p. 850,
857) zu, beide aus Java, und Boletophagus tricostatus und
granulatus Fischer v. W. (ebendas. S. 128) der erstere aus Tur-
kestan , der letztere aus der Songarei.
Neue Arten der Hei opi er- Gruppe sind Helops anthracinus
(Dej.) Küster (Kaf. Europ. I. 47) aus Sicilien, H. sulcatus Fi-
scher v. W. (Bull. Mose. p. 124) aus Anatolien, und Strongylium
rnfipenne Kollar und Redtenbacher (v. Hüg. Kaschm. S. 533.
T. 25. F. 3) aus Kaschmir.
fistelt des. Mannerheim (Bull. Mose. p. 197) entdeckte in
Finnland Mycet ochares bimaculata, neue Art, in zerfressenem
Birkenholz.
Melandryadae. Bemerkungen über die Entwickelung und
Lebensweise der Orchesia micans theilte Braselmann mit (Ver-
handl. des naturf. Vereins der preuss. Rheinlande 1. Jahrg. S. 17).
Die Larve, welche nicht näher beschrieben ist, lebt im gemeinen
Feuerschwamm (Polyporus igniarius), überwintert in demselben und
verwandelt sich im Frühjahre, so dass im Mai der Käfer erscheint.
Die Sprünge des Käfers sind vom Verf. genauer beobachtet, sie ge-
schehen mit den Hinterbeinen, wenn der Käfer auf dem Rücken liegt
(auf dieselbe Weise wie bei den Wasserkäfern, namentlich Cybister
und Laccophilus).
JSKordellonae* Die Geschlechtsunterschiede der Anaspis-
Arten sind von Suffrian ( Entom. Zeit. S. 25) angezeigt worden.
Bei dem Männchen von A. frontalis hat der drittletzte Bauchring
des Hinterleibes ein Paar schmaler blattförmiger Fortsätze. Diese
eigentümliche Auszeichnung findet sich in ähnlicher Weise bei meh-
reren, der genannten ähnlichen Arten, mit Einschluss von A. flava
und obscura Gyll., bei A. biguttata Marsh, ist das Männchen nur
durch eine kielartig zugeschärfte Längserhöhung auf der Mitte der
letzten Bauchringe kenntlich, bei A. ruficollis und thoracica so wie
bei den breiteren Arten hat der Verf. keine äusseren Geschlechts-
unterschiede wahrgenommen.
Eine neue Art von Mordella ist M. troglodytes Manner-
heim (Bull. Mose. p. 198) aus Finnland. Sie ist der M. pusilla Dej.
verwandt.
118 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Ijagriariae. Die Gattung Lagria ist mit den Arten L.
aenea, variabilis und bicolor Kollar und Redtenbacher
(v. Hüg. Kaschm, S. 533) aus Kaschmir, und L. aureopilosa Le
Guillou (Rev. Zool. p. 225) aus Neuguinea vermehrt worden.
Meloides. Fischer v. W. (Bull. Mose. p. 130) stellte fol-
gende neue Arten auf: Mylabris Tauschen' aus Turkestan,
llpunctata, Snotata, intermedia, marginata aus der Son-
garei, Asig?iata vom Kalskirfluss; Lytta togata aus der Songa-
rei. Die letzte Art, zufolge einem von Herrn Menetries unserer
Sammlung mitgetheiltem Stucke, hat die grö'sste Uebereinstimmung
mit der L. vesicatoria, nur dass sie auf jeder Flügeldecke eine breite
gelbe Längsbinde hat, wovon indess auch ein Exemplar der Königl.
Sammlung aus der hiesigen Gegend eine beträchtliche Spur zeigt.
(Die Beschreibung des Verf. passt jedoch nicht ganz auf die uns zu-
gekommenen Lytta, und scheint mit L. vittata Brülle eine Verwech-
selung vorgegangen zu sein.
Kollar und Redtenbacher (v. Hüg. Kaschm. S. 535) machten
folgende neue Arten aus Kaschmir bekannt: Epicauta rubrieeps,
limb at a, Prionotus praeustus, tunicatus , semivittatus.
Die neu gegründete Gattung Prionotus hat die Körperform von
Lytta, die Form der Mundtheile von Zonitis, und an den gespaltenen
Klauen ist der eine Theil hornig und kammförmig gezahnt. (Sie
wird indess mit Sybaris Steph. zusammenfallen. An bekannten Ar-
ien gehören noch Lytta testacea F. und icterica Seh. dahin).
Guerin (Mag. d. Zool. Ins. pl. 141) lieferte eine Abbildung von
Tetraonyx flavipennis.
Le Guillou (Rev. Zool. p. 225) stellte Zonitis tricolor,
neue Art von Vandiemensland (Hobart Town) auf.
Uurculionites. Von Schönherr's Genera et Species Cur-
culionidum ist der lste Theil des 8ten Bandes erschienen, welcher
die Nachträge zu den Choliden, Barididen und einem Theil der
Cryptorhynchen bringt. Die Choliden sind mit folgenden Gattun-
gen vermehrt: Polyderces, den Litomerus zonatus Seh. III. und
eine neue Art von St. Vincent, Brachycnemis, den Litomerus
ksignatus Seh. III. enthaltend, Perideraeus mit einer neuen Art
aus Brasilien, Parallelosomus, auf der Cal. planicollis Fab. ge-
gründet, Pylarus mit einer neuen Art vom Cap, Nertus mit 4
neuen Arten aus Brasilien, Liturgus mit einer neuen Art aus Neu-
holland, Lyterius mit 4 Arten, unter denen Rhynch. musculus und
abdominalis F., Craspedotus, mit einer neuen Art aus Brasilien,
Nanus mit zwei neuen amerikanischen Arten, Euerges mit einer
neuen Art aus Brasilien. Hier ist jetzt auch Arthrotomus Kl. und
zwar hinter Trypetes eingereiht. Die frühere Gattung Cyphorhyn-
ckus ist, da Stephens diesen Namen gebraucht hat, in Phaceloba-
rus umgenannt. — Die Baridides haben einen Zuwachs erhalten
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. H9
durch die neuen Gattungen Apost asimerus und Eutoxus, je mit
einer neuen Art aus Brasilien, Megops, aus Mag dal. morosa Germ-
gebildet, Seamans, mit mehreren südamerikanischen, Apotomo-
rhinus mit zwei ostindischen Arten, Dactylocr epis (Dej.) den
Cylindrocerus flabellitarsis Seh. 111. enthaltend, Trachymerus mit
einer brasilischen, Physomerus (Chevr. — Hemipteren- Gattung)
mit einer eayenneschen, Odontocorynus mit einer mexikanischen,
Torneutes (Prionen -Gattung) mit einer südamerikanischen neuen
Art. — Die frühere Gattung Cyrtomon ist wegen der vorhandenen
Dipteren -Gattung Cyrtoma mit einem neuen Namen Sphadasmus
belegt worden. — Die neue Bearbeitung der Cryptorh yn chen
erstreckt sich in diesem Theile auf die Abtheilung derselben mit
vollständiger und hinten geschlossener Rüsselgrube. Neue Gattungen
sind: C ha et et ectorus , aus Gastrocerc. bifasciatus und setosus
Seh. IV. gebildet, B othr ob atys (Chevr.) mit einer neuen Art aus
Neugranada, Aonychus mit einer neuen Art aus Neuholland, der,
wie Anoplus, das Klauenglied fehlt, Euscepes mit einer neuen west-
indischen Art; Poroptems, neuholländische Arten, namentlich die
schon vom Ref. beschriebenen Cryptorhynchns antiquus und succisus
und Acalles conifer enthaltend, und Lembodes, mit einer neuen
Art aus Guadeloupe. — Ueber den Schluss dieses grossartigen Wer-
kes ist im nächsten Jahre zu berichten.
Ein Paar neuer Gattungen ist ferner von Kollar und Redten-
b acher (v. Hüg. Reise S. 538. Taf. 26) errichtet worden: Dicra-
nognathus, mit Rhynchites sehr übereinstimmend, und durch ge-
rade absteigenden Rüssel, die Bildung der Mundtheile und die Ver-
hältnisse der Fühlerglieder abweichend, mit einer Art, D. nebulo-
sus, und Pachynotus, zu den Brachyderiden gehörend, ungeflügelt,
ohne Schildchen, das Halsschild aufgetrieben, fast breiter als die
Flügeldecken; zwei Arten: P. globulicollis und angustatus.
Die hier zugleich beschriebenen, bekannten Gattungen angehörenden
Rüsselkäfer sind: Blosyrus variegatus und costatus, Cneo-
rhinus pictus, lituratus und obscur us; Phyllobius iueun-
dns; Hypomeces pollinosus, Cleonus sexguttatus, Pto-
chus tigrinus, Omias crinitus, Lixus Sguttatus (halte ich
nach der Abbildung für einen Aleides), Lixus fasciatus. Alle
von Kaschmir.
Eine „Systematische Uebersicht der in Schlesien und der Graf-
schaft Glatz gesammelten Rüsselkäfer mit gebrochenen Fühlern" ist
von Schilling (Arbeit, und Veränd. der Schles. Gesellsch. f. vaterl.
Cult. i. J. 1844. S. 73) vorgelegt worden.
Walton theilte sehr schätzbare kritische Bemerkungen über
die englischen Arten von Rhynchites, Brnchns und Apion mit (Ann.
nat. hist. XIII. p. 81. 216. 444, übersetzt in der Entomol. Zeitung).
Blanchard (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. II. p. lxxxi) theilte eine
Liste von auf Sicilien gesammelten Arten von Bruchns mit, welche
120 Erich son: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
sich auf 35 belaufen, unter denen 17 neue mit Diagnosen bezeichnet
sind. Die Herren Aube und Chevrolat sprachen sich indess dahin
aus, dass die Zahl dieser Arten bei der gehörigen Rücksicht auf Ab-
änderungen und Geschlechtsverschiedenheit bedeutend einschmelzen
würde.
Einzeln aufgestellte Arten von Rüsselkäfern sind:
Omias validicomis Märkel (Germ. Zeitschr. V. 250. 220),
dem O. forticornis sehr nahe stehend, unter Form, fuliginosa gesam-
melt. — Anthonomus pyri Chevrolat (Rev. Zool. p. 135), ent-
sprechend dem A. Ulmi var. y. Schönh., welcher nur auf Birnbäumen
lebt, und sich ausser dem Vorkommen noch in mehreren Punkten
von der Stammart des A. Ulmi unterscheidet. — Cleonus marga-
ritiferus Lucas (Rev. Zool. p. 267) aus der Gegend von Biskra
In Algerien; — Naup actus Bridges ii Waterhouse (Ann. nat.
hist. XIII. p. 54) aus Chile; — Cratosomns consularis Guerin
(Mag. d. Zool. Ins. pl. 142) aus Neugranada; — Calandra auro-
fasciata De B reme (Ann. d. 1. Sog. Ent. d. Franc. II. p. 308. pl. 9-
f. 7) aus Columbien.
Bertolini (De duobus insectis ülmo campestri et Pyro Malo
infensis in den Nov. Comment. Acad. Scienc. Institut. Bononiensis
VI. 1844. p. 460) beschreibt die Naturgeschichte des Orchestes Alniy
dessen Larve in den Blättern der Ulme minirt, und sich auch da-
selbst verwandelt. Durch seine grosse Menge wird der Käfer den
Bäumen nachtheilig. — Die Verwandlungsgeschichte des Phytonomus
Rwnicis wurde von Goureau (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. 11. p. 49)
beschrieben. — Beobachtungen über Lixus gemellatus und verwandte
Arten theilte Di eckhoff (Entom. Zeit. S. 383) mit. — Loew
(ebendas. S. 417) machte darauf aufmerksam, dass die Lixus- Arten
mit verlängerten und aufwärts gebogenen Spitzen der Flügeldecken
sich gern unter die Oberfläche des Wassers begeben, vorzüglich
dann, wenn die Sonne von Wolken bedeckt wird. — Leon Dufour
(Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. xi) gab eine Berichtigung zu seiner frühern
Abhandlung über Choragus Sheppardi, die Mundtheile des Käfers
betreffend.
Die Entwicklungsgeschichte des ffylesinus Trifolü Müll. , dessen
Larve in den Wurzeln des Trifol. pratense lebt, und öfter den Klee-
feldern verderblich wird, wurde von Schmitt (Entom. Zeit. S. 389)
"beschrieben. — Letzner (Arb. und Veränd. der Schles. Gesellsch.
S. 64) berichtete über drei Arten von Eccoptogaster an der Ulme,
nämlich E. scolytus und multistriatus unter einander, und in den
höheren Theilen des Baumes noch E.pygmaeus hausend; diese drei Arten
hatten einzelne Ulmen getödtet, welche im Scheitniger Park zwischen
Eichen und Weissbuchen standen. — Bostrichus (Cryphalus) aspe-
ratus Gyll. wurde von Dems. (ebenda. S. 68) in Schlesien aufge-
funden, und zwar in Fichten, deren mehrere von ihm getödtet waren.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 121
Sein Frass gleicht dem des Cr. abietis ziemlich. Mit ihm zusammen
kam Hy lesin us pilosus vor.
Cerantbycini, Uebersicht der Cerambyciden Münchens,
Diss. inaug. von Jos. Kriechbaumer, München, 1844.
Eine neue Art aus der Gruppe der Prionier ist: Cyrtogna-
thus Hügelti Kollar und Kedtenbacher (v. Hüg. Kaschm.
S. 550. T. 28. F. 1) aus Kaschmir. — Aulacopus robustus v. Hey-
den (Entom. Zeit. S. 15) aus der Türkei wurde von Ger mar (eben-
das. S. 82) als Pr. serricollis Motsch. nachgewiesen.
Die Cerambyciden-Gruppe bereichert eine ,,note monogra-
phique" von Guerin (Mag. Zool. Ins. pl. 146, auch Rev. Zool.
p. 257) über die Gattung Amphidesmus, welche von Serville auf Cer.
analis OL, quadridens F. errichtet ist. Dieser Art fügt der Verf.
hier drei neue hinzu: A. Nietii aus Mexiko, A. xanthomelas
Chevr. (Höpfneri Dej., torquatus Kl.) ebendaher, und A. Wester -
manni aus Guinea.
Neue Arten sind ferner Pteroplatus transversal is und ni-
griventris De Breme (Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. p. 309. pl. 9.
f. 3. 4) von Bogota, Chlorida cincta Guerin (Rev. Zool. p. 259)
aus Mexiko, Callidium angustum Kriechbaumer (a. a. O.
S. 8: schwarz, glänzend, fein behaart, Vorderrücken rpth, eben so
breit als lang, Flügeldecken runzlich punktirt, blaugrün), aus der
Gegend von München, und Callidium similare Küster (Käf.
Europ. I. 54) aus Dalmatien und Montenegro.
Aus der L am iarien- Gruppe beschrieb Chevrolat (Rev
Zool. p. 343) drei neue Arten von Sternotomis {Cerosterna Dej.)
nämlich St. Bo hemani und niveisparsa von der Weihnachtsbai
und S. Calliaudi, von Calliaud auf seiner Reise nach Meroe in
einer kleinen Oase El üah el Bahryeh gefunden, von Latreille in der
Voy. a Meroe als L. ornata Ol. aufgeführt.
Der Gattung Sternotomis und verwandten afrikanischen Formen
widmete West wo od in den Arcana Ent. pl. 69, 78, 84, 85, 86 eine
ausführlichere Darstellung. Neue Arten derselben sind St. vire-
scens, Valinii (nach einer späteren Berichtigung S. 147 = L. prin-
cipalis Dalm.), beide von Sierra Leona, St. comes (nach späterer
Bemerkung = L. cornutor F.), St.? princeps von Guinea, St.
eremita vom Senegal, St.? bicolor von der Goldküste, St. ama-
hilis von Aschanti, St. Ferreti aus Abessynien, St. Tagarvei
aus Guinea, so wie die gleichzeitig von Chevrolat beschriebenen
St. Bohemani und niveisparsa.
Neue Arten sind ferner: Bat ocer a princeps , Cerosterna
fasciculata, Phytoecia pallidipennis und interrupta
Kollar und Redtenbacher ( v. Hüg. Kaschm. p. 551), die erste
von Massuri im Himalaja, die andere aus Kaschmir. — S aper da
(Isoscelis) nigriceps White (Ann. nat. hist. XIV. p. 425) von
Hongkong. — Amphionycha luctuosa Leseleur (Guer. Mag.
122 Erichs on : Bericht über die vrissensch. Leistungen in der
Zool. Ins. pl. 138) aus dem Innern von Brasilien, und Oberea ra-
gusana (Dej.) Küster (Käf. Europ. 1. 55) aus Dalmatien.
Die Leptureten -Gattung Euryptera wurde mit einer neuen
Art E. rennst a De Breme (Ann. Soc. Ent. Fr. II. p. 311. pl. 9.
f. 8) aus Brasilien, vermehrt.
Die Verwandlungsgeschichte des Ergates faber ist von Lucas
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. II. p. 161), die des Morimus lugubris und
der Saperda scalaris von Goureau (ebendas. S. 427), die der Obe-
rea pupillata von Serville (ebendas. S. l) beschrieben.
Chrysotnelinae* Eine Bearbeitung der deutschen Arten von
Cassida ist von Suffrian (Entom. Zeit. S. 49, 89, 135, 186, 206,
241, 270) veröffentlicht worden. Diese Arbeit ist um so dankens-
werther, als die genaue Unterscheidung einer grossen Zahl der ein-
heimischen Arten grosse Schwierigkeiten darbietet. Ausserdem ist
die Arbeit noch in andern Hinsichten von Wichtigkeit. Namentlich
ist der Gold- und Perlmutterglanz mancher Arten sorgfältig beob-
achtet worden. Der Verf. hat durch vielfache Beobachtungen dar-
gethan, dass dieser Glanz bei den meisten Arten erst längere Zeit
nach dem Ausschlüpfen aus der Nymphenhaut und zwar mit der
vollkommenen Geschlechtsreife auftritt, bei manchen Arten erst nach
drei bis vier Wochen, wo dann glanzlose Stücke eben so häufig oder
noch häufiger sind als glänzende (C. hemisphaerica , sanguinosa, vi-
bex, denticollis, chloris, sangninolenta, lucida, nebulosa, obsolet a);
bei anderen ist diese Entwicklungszeit kürzer, und glanzlose Stücke
sind selten (C. nobilis , oblonga); bei noch anderen endlich scheint
der Glanz schon mit dem Erhärten sich einzustellen (equestris, mar-
garitacea, ferruginea). Ein ähnliches Verhalten zeigt die blut- oder
braunrothe Färbung an der W7urzel der Deckschilde, welche vielen
Arten zukommt: nur bei C. vibex zeigt sie sich schon an frisch ent-
wickelten Stücken, bei den anderen tritt sie erst nach längerer Frist,
und zwar unmittelbar vor dem metallischen Gldnze auf, wie es der
Verf. namentlich an C. chloris beobachtete. Die Arten sind nach
der Sculptur der Flügeldecken gruppirt:
I. Flügeldecken regellos punktirt. 1. C. equestris F., 2. hemi-
sphaerica Hbt.
II. Flügeldecken punktstreifig, ohne regelmässige Längsrippen.
A. Saum des Seitenrandes aufwärts gekrümmt: 3. C. austriaca
F., kvittata F.
B. Der Seitenrand flach ausgebreitet: 5. C. Murraea L., 6. C.
sanguinosa Creutz. (prasina Hbt.), 7. rubiginosa Müll., nebst den
nahe verwandten, gleichfalls erläuterten südeuropäischen: C. lata
Suff., C. deflorata Jllig., C. hexastigma Kunze, C. depressa
v. Heyd., 8. thoracica Kug , 9. C. rufovirens Suff., neue Art, aus
mehreren Gegenden Deutschlands, 10. C. vibex L., 11. C. denticoU
lis Suff., neue Art, aus dem nördlichen Deutschland, 12. C. chlorist
neue fast über ganz Deutschland verbreitete Art, mit welcher 12b.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. j 23
C. stigtnatica Jll. vielleicht als eine Nebenform zu vereinigen ist,
13. C. sanguinolenta Müll., 14. C. lineola Creutz. , 15. C. axurea F.,
16. C. lucida Suff., eine der vorigen ähnliche, lebend durch ihren
Glanz prachtvolle, bei Ems mit den früheren Ständen , auf Cucubalus
Behen entdeckte neue Art.
C. Der Seitenrand steil abfallend : 17. C. margaritacea Schall.,
18. C. subreticulata Meg. aus Oesterreich, 19. C. nobilis L., mit
welcher 19 b. C. viridula Payk. als nur unausgefärbte Stücke zu ver-
einigen zu sein scheinen; 20. C. oblonga JH., nebst einer nahe ver-
wandten südeuropäischen neuen Art C. puncticollis v. Heyd.
III. Flügeldecken punktstreifig mit regelmässigen Längsrippen:
21. C. berolinensis Dej., durch gelbe Unterseite ausgezeichnet, 22.
C. obsoieta JH., 23. C. ferruginea F., 24. C. nebulosa L.
IV. Flügeldecken gerunzelt, C. atrata F.
Cassida nigra Hbst. ist zwar nach in der hiesigen Sammlung auf-
bewahrten Stücken mit Recht zu C. equestris gezogen und zwar als
durch unbekannte Einflüsse geschwärzte Stücke derselben. Das von
Herbst beschriebene Stück befindet sich aber in Hrn. Schüppel's Samm-
lung, nach dessen mündlicher Mittheilung an den Ref. es indess nicht
zu C. equestris gehört, sondern eine ähnliche Ausartung der C. ne-
bulosa ist.
D elocrania cossyphoides Guerin (Mag. Zool. Ins. pl. 131)
aus Brasilien ist eine neue Hispenform mit langgestrecktem, schma-
lem Körper und zugleich erweitertem Seitenrande des Halsschilds
und der Flügeldecken-, die erweiterten Halsschildsseiten erstrecken
sich viel weiter nach vorn als der Kopf, welcher daher im Grunde
eines tiefen Ausschnitts liegt. Eine andere neue Hispe ist H. (Uro-
plata) Leseleucii Guerin (Mag. Zool. Ins. pl. 143), aus Cayenne,
bemerkenswerth durch die Form der Fühler, deren Glieder, mit
Ausnahme der beiden ersten, alle mit einander verschmolzen sind,
ein Umstand, der bei den Amerikanischen Hispen, namentlich der
Uroplatenform, öfter, aber nicht leicht in so ausgedehntem Grade
vorkommt.
Die Gattung Prioptera Hope (Basiprionota Chevr. ) bereicherte
Mannerheim (Bull. Mose. p. 864) mit einer neuen Art Pr. We-
stermanni von Java.
Zwei neue columbische Arten von Ahirnus sind A. undatus
und cyaneus Reiche (Ann. d. 1. Soc, Eni d. Fr. II. p. 311. pl. 11.
f. 6. 5). Die letztere ist von eigentümlicher Form durch ihren stark
erweiterten Flügcldeckenrand.
Aus der Gattung Chrysomela beschrieb Küster (Käf. Europ.)
eine Reihe von Arten, unter denen mehrere neue: Chr. viridana
Dahl. aus Sardinien, mixta Ziegl. aus Südfrankreich, distineta
Dej. , vermuthlich ebendaher. — Chr. Megerlei ist nur örtliche Ab-
and. der Chr. cerealis, ebenso scheint mir Chr. haemoptera des Verf.
Abänd. derselben zu sein; Chr. bicolor des Verf. aus Griechenland
124 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
und Dalmatien ist nicht Chr. bicolor F. (viridi-coerulea Forsk.), diese
ist Abänd. von regalis Ol., die des Verf. ist Chr. vernalis Brülle; bei
Chr. Salviae Dej. des Verf. ist Germ. Spec. Ins. 586. 817, bei Chr.
diluta Hffg. Germ. Spec. Ins. 591. 827 zuzufügen. — Letzner (Arb. u.
Veränd. der Schles. Gesellsch. S. 69) musterte die in Schlesien vor-
kommenden Abänderungen der Chrys. Salicis und collartsF. — Chrys.
perforata, Caschmirensis und speculi/era, Phaedon ni-
grom acuta tum (durch Mangel des Schildchens von den übrigen
abweichend) aus Kaschmir sind von Kollar und Redtenbacher
(v. Hüg. Kaschm. S. 557. 562) beschrieben. Chrys. ti punctata F.,
welche zur Gattung Podontia Dalm. (Eph. Ent. ) gehört, wird von
denselben Verf. unter Gonioctena aufgeführt, mit der Bemerkung,
dass zwischen beiden Gattungen kein wesentlicher Unterschied sei.
Ich habe indess bei Gonioctena ( = Phytodecta Kirb.) ein Kennzei-
chen bemerkt, welches ihr ganz eigenthümlich ist: die Mandibeln
haben nämlich an der Aussenseite eine runde tiefe Grube, in welche
das Endglied der Maxillartaster hineingesteckt wird.
Die Naturgeschichte der Colaspis (Colaphus) atra , {Chrys. atra
Ol., Colasp. barbara F.) ist von Joly ausführlich beschrieben wor-
den (Ann. d. Sc. nat. d. ser. II. p. 5). Das Insect breitet sich im
südlichen Frankreich immer mehr und mehr aus, und Käfer sowohl
als Larve richten auf den Luzernenfeldern beträchtlichen Schaden an.
Von Cryptocephalus (Homaloptis) Loreyi Dej. wurden beide Ge-
schlechter von Rouget (Ann. d. 1. Soc, Ent. d. Fr. IL p. 207) be-
schrieben. Das Männchen ist kleiner und hat die Vorderfüsse und
die Hinterschienen erweitert. Der Käfer lebt auf Eichen.
Mannerheim (Bull. Mose. p. 201) entdeckte in Finnland auf
Weiden eine neue Art, Cryptocephalus fureifrons, dem Cr.
pallifrons verwandt, von hellerem Blau, mit ungeflecktem Halsschilde
ohne Eindrücke.
Neue Arten aus Kaschmir sind Clythra dispar, ornata,
Coptocephala signaticollis , Cryptocephalus sannio und
tricinetus Kollar und Redtenbacher (v. Hüg. Kaschm. S. 560),
In der Galerucen- Gruppe stellten Dies, (ebendas. S. 556.
T. 28. F. 2) eine neue Gattung Oedicerus auf, deren Männchen das
5te und 6te Glied stark geschwollen und eigenthümlich gestaltet
haben. Mit Cerophysa Dej. steht diese Gattung in naher Verwandt-
schaft, wo aber das 6te und 7te Glied verdickt sind. Eine neue Art
Oe. cyanipennis aus Kaschmir. Neue Galerucen sind ferner:
Galeruca fulgida vom Himalaja, G. interrupta, bicolor,
sexmaculata, Phyllobrotica lunata von Kaschmir (ebendas-
S. 553 — 556). — Neue Arten von Adimonia sind A. braehyptera
Küster (Käf. Europ. 1. 61) von Neapel, der A. marginata verwandt,
und A. Villae Dej. Küster (ebendas. 64) von den lombardischen
Alpen. (A. reticulata Zgl. Küst. ist als Gal. rufa bereits von Germar
und Duftschmid beschrieben). — Ferner A. circumcincta Man-
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1844. 125
nerheim (Bull. Mose. p. 199) und A. orientalis Osculati (Col.
racc. etc. p. 72. n. 8: „nigra, opaca, punetis crassis reticulata; elytris
costis quatuor obsoletis, ad apicem confluentibus. Affinis A. Arte-
misiae et Tanaceti, sed maior, elytris rugosioribus, punetis crassio-
ribus et minus convexa. Habitat in Persia occidentali, vulgatissima
in vallibus).
Covcinelliilae. Neue Arten sind Coccinella basalis,
Epilachna ocellata und \Omaculata Kollar und Redten-
bacher (v. Hüg. Kaschm. S. 563) aus Kaschmir, ferner Lithophi-
lus Osculati (Mariett.): Osculati Col. racc. etc. p. 72. n. 4 mit
folgender Bezeichnung: „Ovatus, subdepressus, griseo-ferrugineus,
pubescens, capite, clypeo porrecto; thorace lato, subquadrato, mar-
ginibus rotundatis, elytris convexiusculis, leviter marginatis, margine
acuto. — Hab. Constantinopoli sub muscis siccis prope tumulos (in
Campo de' morti) non frequens."
Vorläufig rechne ich in diese Familie die Gattung Cholovocera
Motsch., von welcher Märkel (Germ. Zeitschr. V. 255. 247) eine
zweite Art, Ch. punctata, aus Sicilien, aufgestellt hat.
MntLoinychiüae. v. Motschoulski (Guer. Rev. Zool.
p. 442) theilte in Betreff der Gattung Calyptobium und Holoparame-
cus die Bemerkungen mit: 1. dass das C. Villae Aube = Holopara-
mecus depressus Curt. schon früher als Silvanus singularis von Beck
in den Beitr. zur Bairisch. Insectenfauna beschrieben sei, und 2. dass
er übereinstimmend mit Curtis die Fühler dieses Käfers 9gliedrig
finde. Guer in (ebendas. S. 443) bestättigt das Letztere und will
unter Calyptobium die Arten mit llgliedrigen Fühlern (C. caularum,
Kunxei, nigrum Aube) von Holoparamecus mit 9gliedrigen Fühlern
(//. singularis = Silv. si?ig. Beck = Holop. depressus Curt. = Cal.
Villae Aube) gesondert wissen — vielleicht zu voreilig. Die An-
gaben über die Zahl der Fühlerglieder sind nämlich noch nicht hin-
reichend genau, denn ich finde unter den genannten Arten die Fühler
a. llgliedr. bei C. caularuni und Migrum.
b. lOgliedr. bei C. Kunxei und H. singularis.
c. 9gliedr. bei anderen Stücken des C. Kunxei und des H. sin-
gularis.
Die unbeschriebenen Arten unserer Sammlung haben bald llgl.
Fühler, wie C. caularum, bald lOgliedr. Stücke von H. singularis.
Es würden sich demnach vorläufig zwei Abtheilungen ergeben, die
eine mit llgliedr., die andere mit bald 10-, bald 9gliedr. Fühlern;
beide Abteilungen unterscheiden sich auch in der Körperform da-
durch, dass bei der ersteren das Halsschild hinten stärker einge-
schnürt ist, um sie aber als eigene Gattungen darzustellen, bedürfte
es unter diesen Verhältnissen noch anderer, durchgreifender Merk-
male, v
126 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
JLathridii. Mannerheim theilte in Germar's Zeitschr. V.
S. 1 eine sehr reichhaltige und sorgfältige Monographie der Gattun-
gen Corticaria und Lathridius mit. Von der ersten sind 60, von
der zweiten 46 Arten nach eigener Untersuchung mit musterhafter
Genauigkeit beschrieben, von der ersten ausserdem 6, von der zwei-
ten 5 beschriebene, dem Verf. aber nicht durch eigene Ansicht be-
kannt gewordene Arten aufgeführt.
Orthoptera.
Von v. Charpentier's Orthoptera descripta et depicta
ist eine lOte Lieferung erschienen, mit welcher das Werk ge-
schlossen ist.
Der dritte Band von Ratzebu rg's Forstinsecten, Berl. 1844,
welcher die Ader-, Zwei-, Halb-, Netz- und Geradflügler abhandelt,
enthalt eine Menge von Beobachtungen über die Lebensweise der
Orthopteren (Netz- und Geradflügler). Ihre forstliche Bedeutung ist
sehr untergeordnet, höchstens dürfte die Maulwurfsgrille von Seiten
der Forstpflege Beachtung verdienen Da der Verf. auch die Lo-
custen verdächtigt, muss ich sie dem Schutz des Forstmannes um so
mehr empfehlen, da sie nicht blos vom Laube sich nähren, sondern
zugleich von anderen Inseeten, und zwar nicht blos von Fliegen
(s. vor. Jahresber. S. 295), sondern auch von Raupen; Klug traf ein-
mal eine Locusta viridissima, welche eine Raupe von Sphinx Pi-
nastri frass.
Hagen (Entom. Zeitschr. S. 364) theilte die an zwei Orthopte-
ren, Aeschna grandis und Gryllotalpa vulgaris, gemachte Beobach-
tung mit, dass das Bauchmark nicht aus zwei, sondern aus vier
Strängen, zwei oberen und zwei unteren bestehe, von denen nur die
unteren Knoten bilden, die oberen einfach darüber fortgehen. Dies
stimmt ganz mit den Untersuchungen von Newport überein, welcher
in der Sonderung der oberen und unteren Stränge die Scheidung der
Empfindungsnerven von den Bewegungsnerven erkennen will. (Vergl.
vor. Jahresber. S. 250).
JJKantitles» Die von Zimmermann in diesem Archiv 9. Jahrg.
I. S. 390 gegebene nähere Erläuterung des Amphibienfressens der
Mantis Carolina ist in den Ann. of nat. hist. XIV. p. 78 mitgetheilt
worden, doch so verkürzt, dass die wesentlichsten Punkte jener Er-
läuterung übergangen sind, namentlich auch der, dass Z. zugiebt,
„dass der grössere Theil der seiner Mantis zum Futter vorgewor-
fenen Eidechse, so wie der Frosche, Kröten, Raupen, Heuschrecken,
unverzehrt*) blieb, obschon keines dieser Thiere mit dem Leben
davon kam". In dem ersten veröffentlichten Schreiben Zimmermann's
*) Durch einen Druckfehler steht S. 392 unversehrt.
Naturgeschichte der lnsecten während des Jahres 1844. 127
heisst es: „Sie (die Mantis) verzehrte taglich einige Dutzend Flie-
gen, zuweilen auch mächtige Heuschrecken, auch einige junge
Frösche und sogar eine Eidechse von der gestreiften Art,
dreimal so lang als das Insect." (S. Burmeister's Handb. d.
Ent. II. S. 538). Das war es, Mas ich im Jahresber. f. 1838. S. 347
für Scherz erklärte, und was auch Z. in seiner neueren Mittheilung
eigentlich zurückgenommen hat.
Spectra, v. Charpentier (Orthop. descr. et depict. T. 55)
gab eine sehr genaue Abbildung von Diapherodes gibbosa Burm.,
nach dem Exemplar des Berliner Museums, und bildete (ebendas.
T. 56. 57) zwei neue holländische Arten ab: Podacanthus uni-
color und Bacillus australis.
Eine sehr lehrreiche Arbeit „ Bemerkungen zu A. A. H.
Lichtenstein's Abhandlung über die Mantis-Arten in den Trans-
actions of the Linnean Society Vol. VI. Lond. 1802" theilte
Ders. in Germ. Zeitschr. V. S. 272 mit.
JLocustariae. Ein Paar abenteuerlich gestalteter, nament-
lich durch blatt- oder dornförmige Fortsätze an den Hinterschenkeln
ausgezeichneter Arten von Phaneroptera wurden von Westwood
(Arcana Ent. pl. 70) abgebildet. P/i. alipes aus Columbien und
Mexiko und Ph. hystrix aus Columbien.
Achetae* Fieber (Entom. Monogr. S. 126. T. 10. F. 11) fügte
den europäischen Arten von Nemobius eine neue N. frontalis
hinzu, welche in Böhmen und Oesterreich einheimisch ist.
ALcritlii. Eine neue Gattung Coryphistes wurde von Char-
pentier ( Orthopt* descr. et depict. T. 58. 59) aufgestellt, welche
von Opsomala durch den dicken Leib und die dicke wulstige Stirn,
von Xiphocera durch die walzenförmige Gestalt, den Flügelschnitt,
die kurzen Beine und die kleinen Stacheln der Hinterschienen ab-
weicht. Eine neuholländische Form, von welcher der Verf. zwei
Arten, C. rhodophilus und cyanopterus abbildet. Eine dritte
Art vermuthet der Verf. in Xiphoc. ruricola Burm.
Ebendas. T. 60 ist Acridium moestum Serv. vom Cap nach bei-
den Geschlechtern abgebildet.
Fieber (Entomol. Monogr. S. 134. Taf. X. F. 17—19) beschrieb
eine dritte deutsche Art von Tettix unter der Bezeichnung von T.
Schrankt/, welche sich von T. bipunctata vorzüglich darin unter-
scheidet, dass der obere scharfe Rand der Hinterschenkel ununter-
brochen bis zum Knie ausläuft, während er bei dieser vor dem Knie
plötzlich abgesetzt ist. Zugleich sonderte er als eine eigene Gruppe
Tettigiden in der Familie der Acridier die Gattung Tettix Lat.,
Amorphus Serv., Plagiocephalus Fieb., Chorophyllum Serv., Batra-
chotetrix Burm. ab, wegen des kragenformig erweiterten Vorderran-
des der Vorderbrust, nach hinten verlängerten Vorderrückens und
128 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Mangels des Empodium. Die neue Gattung Plagiocephalus ist
auf einer von Helfer entdeckten neuen ostindischen Art P. packt/-
merus gegründet, welche mit Tettix und Chorophyllum zunächst
verwandt, und durch breiten kurzen Kopf mit zurückgedrückter
Stirn, hohen, bogigen, schneidenden, abgedachten Vorderrücken von
der Länge des Hinterleibes, sehr breite Hinterschenkel, geflügelte
und gekerbte Kiele der Mittelbeine, ausgezeichnet ist.
Ueber das Erscheinen eines Schwarms von Grt/ll. migratorius
legte Boheman der Akad. der Wissensch. in Stockholm einen Be-
richt vor. (Öfvers. af K. Vet. Acad. Förhandl. 1844. p. 105. Hornsch.
Scandin. Beitr. I. 162). Sie wurden in Ostgothland beobachtet, wo
sie die höchsten Eschen und Eichen ebenso besuchten, als ein
Kleefeld, nach einigen Stunden war der Schwärm aber wieder ver-
schwunden. Ebenso haben sie sich in Wikboland gezeigt, wo sie
heisshungrig nicht blos über das grüne Laub und Gras herfielen,
sondern auch selbst die Getreidehaufen nicht verschonten.
Perlariae* Newport hat bei Pteronarcys regalis % beim
vollkommenen Insect, Kiemen aufgefunden (Ann. nat. hist. XIII. p. 21.
Ann. scienc. nat. 3. ser. I. p. 183. Fror. N. Notiz. XXX. S. 179).
Es ist dies das erste Beispiel, dass man bei einem Insect im
vollkommenen Zustande Kiemen angetroffen hat. Es sind büschel-
förmige Kiemen. Sie bestehen aus 8 Paaren von Kiemensäcken, von
deren Aussenseite viele lange borstenförmige Fäden ausgehen, welche
zusammen ein dickes Büschel auf jedem Sack bilden. Diese Kie-
mensäcke liegen, wie es Pictet bei der Larve von Nemoura cinerea
beschrieben hat, über den eigentlichen Luftlöchern oder Stigmen, und zwar
das erste Paar in der Unterseite des Prothorax in der Haut zwischen Kopf
und Prosternum, das 2te und 3te Paar, jedes aus zwei Büscheln be-
stehend, zwischen Pro- undMesosternum das 4te und 5te zwischen Meso-
und Metasternum, hinter den Mittelhüften, das 6te in der Verbin-
dung von Thorax und Hinterleib hinter den Hinterhüften, das 7te
und 8te Paar, jedes aus einzelnen Büscheln gebildet, mehr seitlich,
das 7te am ersten, das 8te am zweiten Hinterleibsring. Diese bei-
den letzten haben dieselbe Stellung mit den anscheinend geschlosse-
nen oder erloschenen Stigmen der folgenden Ringe. Die Stellung
der Kiemen ist somit eben so ungewöhnlich als ihr Vorkommen beim
vollkommenen Insect. Die Puppe hat die Kiemen ebenso, nur noch
mehr entwickelt. Pictet hat bemerkt, dass die Larven aller Perla-
rien Kiemen am Mittelleibe hatten mit Ausnahme von P. virescens
und nigra, was einen Unterschied in der Lebensweise anzudeuten
scheine. So verhält es sich bei den Puppen von Pteronarcys regalis
und Perla abnormis Newm. Die erstere lebt nach Herrn Barnstone's
Beobachtungen im Wasser auf dem Grunde der Flüsse, die letztere
in den Spalten von Flössholz, Baumstämmen am Ufer und dergl.
Pteronarcys regalis ist ein nächtliches Insect, welches sich bei Tage
an feuchten Orten unter Steinen versteckt hält. So kann es wohl
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 129
mit seinen Kiemen athmen, denn hierzu ist nicht nöthig, dass sie
mit Wasser in unmittelbare Berührung kommen, sie verrichten ihren
Dienst eben so gut, wenn die Luft nur so feucht ist, sie frisch zu
erhalten. Ob zugleich Tracheen vorhanden sind, muss genauer ana-
tomischer Untersuchung vorbehalten bleiben; es sind zwar Oeffnun-
gen auf der Unterseite des Thorax vorhanden, aber ihre Lage ist
ganz ungewöhnlich, in der Mitte der Sterna, z. Th. zwischen den
Hüften, und es ist ganz zweifelhaft, ob sie in Tracheen führen.
— Die Kiemen scheinen bei Pteronarcys einen Gattungscharakter
auszumachen: sie fanden sich bei Pt. regalis, biloba, proteus und
einer neuen Art. Bei getrockneten Stücken sind sie eingeschrumpft
und gehen auch oft verloren , indess sind sie gewöhnlich noch zu
erkennen.
Xdibellulinae» Selys-Longchamps (Rev. Zool. p. 135)
hat eine neue europäische Art von Cordulegaster aufgefunden, und
als C. bidentatus vom C. annulatus, mit dem sie viele Ueberein-
stimmung hat, unterschieden.
Hagen suchte nachzuweisen, dass Linne's Libellula vulga-
tissitna die L. scotica Don. sei (Entom. Zeit. S. 257), später (eben-
das. S. 290) zeigte er, dass Lab. cancellata L. , welche Zetterstedt
auf L. scotica Don. bezogen habe, keine andere sei, als die allge-
mein dafür bestimmte, und dass jener der Name L. scotica als der
älteste bleiben müsse.
Neuroptera.
Die neueren Arbeiten über die Gattung Raphidia wurden von
Hagen (Entom. Zeit. S. 180) gemustert.
Hymenoptera.
Die Bearbeitung der Hymenoptereii in Ratzeburg's Forst-
insecten, 3. Bd. S. 1 — 14, nimmt eine besondere Berücksich-
tigung in Anspruch wegen des Reichthums an neuen Beob-
achtungen über Lebensweise und Entwicklungsgeschichte.
Nachtheilig für die Forstzucht werden nur die Blatt- und Holz-
wespen, vorzüglich die ersteren, unter denen die Gattung Lophyrus
und eine Reihe von Lyda-Arten auf die Nadelhölzer angewiesen sind.
Von unwesentlicher Bedeutung für den Wald sind die Gallwespen,
über welche die Untersuchungen des Verf. deshalb auch nicht in das
Einzelne gehen. Dagegen sind auch die Wespen unter den nachtheiligen
Insecten aufgeführt, der Hornissen halber, welche durch ihr Schälen
an jungen Zweigen zuweilen das Absterben derselben veranlassen.
Andere Wespen werden ihres Insectenraubens halber gerühmt. Aus
demselben Grunde werden die Grabwespen (Sphex L.) zu den nütz-
lichen Forstinsecten gerechnet. Eine besondere Sorgfalt hat der
Archiv f, Naturgesch, XI, Jahrg. 2, Bd. 1
130 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Verf. endlich den Schlupfwespen (Ichneumoniden und Pteromalinen) ge-
widmet, und seine Erfahrungen in einem besonderen Werke, welches
sich den „Forstinsecten" jedoch genau anschliesst: „Die Ichneumonen
der Forstinsecten in entomologischer und forstlicher Beziehung",
Berlin 1844, ausführlicher mitgetheilt, Hinsichts der forstlichen Be-
deutung der Schlupfwespen tritt der Verf. der Ansicht sehr entschie-
den entgegen, welche denselben eine grosse Wirksamkeit gegen zu
starke Vermehrung schädlicher Insecten beimisst; er geht sogar so
weit zu behaupten, dass nur kranke Raupen, welche ohnehin ster-
ben würden, von Ichneumonen gestochen werden, wonach der ein-
gestandene Nutzen der Schlupfwespen im folgenden bestehen würde:
„sie tragen dazu bei, die kränkelnden Eier, Raupen und Puppen,
welche zu Millionen und wieder Millionen gedrängt beisammen sind,
schnell aufzuräumen, hier und da auch wohl einem Fresser, welcher
vielleicht noch kümmerliche Nachkommen bereitet hätte, schnell den
Garaus zu machen. Die immer mehr sich entmischenden Säfte,
welche nahe daran sind, die Luft mit Ausdünstung und Gestank zu
verpesten, verwandeln sich gleichsam allmählich in lebende, gesunde,
thierische Massen, ebenso, wie die kranken Säfte der Fichten zu
gesunden kräftigen Borkenkäfern sich gestalten" u. s. w. (lehn. d.
Forstins. S. 32). Es mag manche Fälle geben, wo einzelne Ichneu-
monen-Arten nur kranke Raupen stechen, und es ist sehr verdienst-
lich, dass der Verf. auf diesen Umstand aufmerksam macht, aber in
der obigen Allgemeinheit ist seine Lehre nicht haltbar, und steht ihr
die von jedem einigermassen geschulten Schmetterlingssammler ge-
machte Erfahrung entgegen, dass sich aus angestochenen Raupen
schöne Schmetterlinge ziehen lassen, wenn man nur das angelegte Ei
behutsam entfernt. Es sind daher die Schlupfwespen ein sehr erheb-
liches Agens, durch welches die Natur die zu starke Vermehrung
einzelner Insecten-Arten in Schranken hält, da ihr Vorkommen aber
durchaus von den Insecten-Arten, welche sie bewohnen, abhängig ist,
können sie bei bedeutender Vermehrung der letzteren nur dann in
grösseren Massen auftreten, wTcnn eine solche längere Zeit bestanden
hat, daher bei einem Raupenfrass das zahlreiche Erscheinen der
Schmarotzer mit dem Auftreten von Krankheiten zusammenfällt,
welche nach längerem Bestehen einen Raupenfrass ohnehin beendigen.
Dahlbom hat eine zweite Lieferung seiner Hymenoptera Euro-
paea erscheinen lassen; da inzwischen auch schon die dritte (1845)
ausgegeben ist, welche die erste Abtheilung dieses Werkes, die Gat-
tung Sphex im Linneischen Sinne, abschliesst, und auch noch die
erste Lieferung vervollständigt, verspare ich den Bericht über dieses
Werk auf den nächsten Jahrgang.
Herrich-Schäffer lieferte im 184sten Hefte der Panzerschen
Insectenfauna Copien von Curtis'schen Darstellungen von Hymeno-
pteren, theils Pteromalinen, theils Oxyuren.
. v. Siebold theilte ein Verzeichniss der preussischen Blatt-
Naturgeschichte der Insectcn wahrend des Jahres 1844. 131
wespen, Holzwespen und Gallwespen nebst Nachtrag zu den Grab-
wespen mit (Prcuss. Prov. Blatt. S. 121).
Venthr eil 'inet ae, Ratzeburg (Forstins. III. S. 135. En-
tom. Zeit. S. 148) stellte die von Degeer, Frisch und Rö'sel abgebil-
dete Cimbex-Afterraupe von Erlen als zu einer eigenen Art C. Hum-
boldt i gehörend auf, deren Unterschiede im vollkommenen Insect
von der C. variabilis, deren Larve auf Birken frisst, kaum merklich
sind. Ein von einer Erlenlarve gezogenes Männchen wurde mit den
Exemplaren der C. variabilis in der hiesigen Sammlung verglichen,
und obschon sich in derselben kein Stück fand, welches vollkommen
mit jenem übereinstimmte, sind die vom Verf. angezeichneten Unter-
schiede der Art, dass sich die Wespe danach nicht sicher unter-
scheiden lässt, weil sie entweder, wie die Form der Hinterbeine, auf
einem Mehr oder Weniger beruhen oder, wie die Färbung der Füh-
ler, und der Anflug röthlicher Behaarung auf dem Hinterleibe, sich
auch bei einzelnen Individuen der C. variabilis antreffen lassen. Es
bedarf also die Rechtmässigkeit dieser Art noch um so mehr der
Bestätigung durch weitere Beobachtungen, als die Larve der C. va-
riabilis bekanntlich bedeutenden Abänderungen in der Farbe unter-
worfen ist. Ueber ihr Vorkommen auch auf Weiden hat der Verf.*
nichts angegeben.
Snellen van Vollenhofen (v. d. Hoev. Tijdschr. f. nat. Gesch.
en Phys. X. p. 97. PI. 2) hat die noch immer nicht mit Sicherheit
bekannte Afterraupe der Cimbex lucorum beschrieben. Sie ist hell-
grün, mit weissbestäubten Streifen, einem dunkelgrünen Rückenstreif
und hellgrünem Kopf mit orangerothem oder ockerbraunem Scheitel.
Sie lebt auf Hagedorn. Das Puppengehäuse ist nicht netzförmig wie
bei C. Amerinae, sondern dicht wie bei C. variabilis. — Später
(ebendas. XI. p. 157) (gab Ders. einen Nachtrag zu dieser Abhand-
lung und die Beschreibung der Afterraupen von Tenthr. (Selandr.)
sericans, welche auf Eschen lebt, JSematus virescens Hart., Cladius
eucera KL, Clad. uncinata Kl. und JSematus coeruleocarpus Hart.
Eine neue Art ist Lyda Ratzeburgii Dahlb. (Forstins. S. 80)
aus Norddeutschland und Schweden.
Förster (Ent. Zeit. S. 262. 287) beschrieb eine Anzahl bei
Aachen gesammelter Blattwespen als neue Arten, von denen 1. Mo-
nophadnus iuquilinus, aus vielkammerigen Schwammgallen an
Eichenzweigen erzogen, nach der Beschreibung keinen Unterschied
von T. All. melanocephala zeigt, 2. Dineura dor salis , eine ge-
ringe Abänderung der T. All. opaca F. venia Kl., 4. Verineura
ducalis das Männchen der T. All. nitida Kl, 5. (i. All, deeipiens
und ojnissus Abänderungen der T. marginella F., welche nicht
blos in den Zeichnungen des Körpers, sondern auch in der Färbung
der Fügel sehr unbeständig ist. Neu dürfte demnach nur die dritte
(mir unbekannte) Art, Cep hus flaviventris, sein.
1*
132 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Gimmerthal (Entom. Zeit. S. 36) lieferte die „Beschreibung
einiger neuen Blattwespen", welche in der Gegend von Riga auf jun-
gen Kiefern gesammelt sind: drei Nematus- Arten, N. flavus,
Schmidt ii, Klugii sind nach Hartig's Urtheil neu, vom Verf. aber,
um sie zu bestimmen, nicht ausreichend beschrieben. 4. Dineura
Hartigii ist eine Abänderung der T. All. Degeeri KL, und Erio-
campa Livoniensis dürfte T. All. aethiops F. sein.
Curtis (Transact. Lin. Soc. XIX. p. 249. pl. 31) beschrieb die
sehr eigenthümlichen Puppengespinnste einer brasilischen Hylotomen-
form, aus welcher er eine neue Gattung Dielocerus bildet, welche
der 5ten Unterabtheilung von Hylotoma bei Klug (Jahrb. S. 248) ent-
spricht und von Schizocerus, mit der sie im gespaltenen dritten Füh-
lergliede der Männchen übereinkommt, in den Mundtheilen darin
sich unterscheidet, dass die Lefze fast kreisförmig und dass die in-
nere Maxillarlade nicht schmäler als die äussere ist. Vom D. Elli-
sii des Verf. ist das </ schwarzblau, die Wurzelglieder der Fühler,
das Gesicht, der Halskragen und die Beine roth, die Hinterfüsse
schwarz, die Flügel Masserklar. Das 2 stimmt mit Hyl. formosa
Kl. fast vollständig überein, nur dass, wie der Verf. bemerkt, das
2te Fühlerglied oben braun, der Hinterleibsbauch nicht an der Wur-
zel roth, und die Hinterschienen nicht ganz schwarz, sondern an der
Wurzel und Innenseite gelb sind (die Hinterfüsse sind bei beiden Arten
braun mit weisser Wurzel). Das Insect lebt in Brasilien. Die After-
raupe ist 16füssig, graugrün, mit Querreihen schwarzer Wärzchen
und röthlichgelbem Kopfe und einem schwarzen Flecke um jedes
Auge. Zur Verwandlung spinnen die Larven ein gemeinschaftliches
Nest an einem Zweige, von gestreckter Eiform, 4 — 5" lang, (aber
auch kleiner oder grösser). Hierin hat jede Larve ihre eigene feste
Zelle, so gelagert, dass ihre Längsaxe die Axe des Zweiges im rech-
ten Winkel schneidet, und fast so dicht an einander gedrängt wie Bie-
nenzellen. Die einzelnen Zellen liegen in drei bis vier Schichten
über einander, so dass die unterste unmittelbar dem Zweige anliegt,
und so dass die beiden Enden aller frei sind. Das Ganze ist dann
mit einer gemeinschaftlichen Decke umgeben, welche innen aus loser
grober Seide, aussen aus einem dichten und wie mit einem Gummi über-
zogenen Gespinnst besteht. (Unsere Sammlung erhielt gleiche Gespinnste
von Herrn Beske, welche fast durchgängig noch Larven enthielten).
Curtis (a. a. O. S. 254) beschreibt bei dieser Gelegenheit noch zwei
neue brasilische Arten von Hylotoma, {Schizocerus) nasicornis
und ochro Stigma.
Ichnetunonides. Ueber die Entwicklungsgeschichte einiger
Schlupfwespen haben wir von Ratzeburg (Ichneum. d. Forstins. )
Kunde erhalten. 1. Anomalon circumflexum, in Bomb. Pini lebend.
Die Larve, welche ausgewachsen fast 1" lang ist, hat mehrere Sta-
dien der Entwicklung. Im ersten ist sie unter 1'" gross, ohne Spur
von Tracheen, am hornigen Kopfe nur mit einem Paar starker Man-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 133
dibeln, am Leibesende mit einem langen, zugespitzten Anhang. Fin-
det sich in 6 — 8'" langen Kieferräupchen , unverhüllt. — Im zweiten
Stadium zeigt sich der Hauptstamm der Tracheen mit einzelnen Ver-
zweigungen. Ungegliederte Fühlerspur. Der Sehwanzanhang verkürzt
sich von -\- zu \ der Körperlänge. Ebenfalls unverhüllt. — Im drit-
ten Stadium findet sich die Larve von einer zarten milchweissen
Haut umgeben, in welcher auch bei der stärksten Vergrösserung
sich keine Spur von Fasern und Oeffnungen erkennen Hess. Gleich-
wohl ist der Verf. geneigt, sie für eine abgelegte und aufgeblähte
Larvenhaut zu halten, obschon dann die Stigmen sowohl als die
Mundtheile daran nicht hätten vermisst werden können. Es ist
daher viel wahrscheinlicher, dass dieser Sack den Cysten der Ento-
zoen vergleichbar ist, welche gleichfalls eine structurlose Haut bil-
den, mit welcher das Wohnungsthier den Schmarotzer einschliesst.
Die 4 — 5" lange Larve hat nun vollständig verzweigte Tracheen, es
treten zu den Mandibeln Unterkiefer und Lippe hinzu mit geglieder-
ten Tastern, und gegliederte Fühler. Der Schwanzanhang ist nun
noch ganz kurz und sichelförmig gekrümmt. — Im vierten Stadium
ist der Schwanz ganz eingegangen, der Kopf hat seine hornige Be-
schaffenheit verloren, und die Mundtheile sind in den verkümmerten
Zustand zurückgetreten, welche sie bei den übrigen Ichneumonenlar-
ven haben. Am Ende dieses Stadiums verwandelt sich die Larve in
der Puppe der Kieferraupe, innerhalb einer zarten trockenen Hülse.
Die Zeit der ganzen Entwicklung veranschlagt der Verf. auf 3 Mo-
nate. — 2. ßanchus compressus F. Die Puppenhülsen finden sich
häufig beim Frass der Noct. piniperda mit den Puppen derselben
unter dem Moose. Die Larve in denselben ist 6 — 7'" lang, dotter-
gelb, mit den gewöhnlichen Mundtheilen der Ichneumonen. Oefter
fanden sich aber auch weisse Ichneumonenlarven in diesen Hülsen,
ohne Zweifel einem Schmarotzer des Banchus angehörend, den dem
Verf. aber nicht gelang zu erziehen. — 3. Ichneumon : leben vorzugs-
weise in Lepidopteren, sowohl in Raupen als Puppen. Die Larve
von I. pisorius, in Schwärmerraupen lebend, ist 1J" lang, sehr dick,
dabei welk und lappig, gelblichweiss. Kopf ziemlich gross, mit nur sehr
wenig ausgebildeten, nur zum Saugen tauglichen Mundtheilen. — 4.
Vhygadeuon pteronorum Hart. Die Larve saugt äusserlich an der
schon eingesponnenen Afterraupe des Lophyrus pini, welche in dem
Maasse einschrumpfte, wie der Schmarotzer wuchs. Aehnlich ver-
hielten sich auch Tryphon eques und Exenterus marginatorius. —
5. Microgaster nemorum Hart. Hier wurden wiederum merkwürdige
Veränderungen an der Larve wahrgenommen. — Im ersten Stadium hat die
1'" lange Larve ausser einer grossen Schwanzblase nichts bemerkens-
werthes, im zweiten Stadium ist sie 1^'" lang, lässt neben dem mit
krümlicher Masse gefüllten Nahrungskanal ein Paar gabiig getheilter
Spinngefässe erkennen, die Schwanzblase scheint mit spitzen Höcker-
chen besetzt zu sein; die Mundtheile sind nur durch vier Warzen
134 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
angedeutet. Im dritten Stadium entwickeln sich Tracheen, endlich
im letzten Stadium, wo sich die Larve durch die Haut der von ihr
bewohnten Larve durchbohrt, um sich aussen zu verspinnen, ist die
Schwanzblase eingegangen, die einzelnen Körperringel haben auf dem
Rücken und Bauche Querreihen, an den Seiten Schrägreihen von
Dornhöckerchen, die Mundtheile sind sehr schwach entwickelt, nur
die Mandibeln fand der Verf noch nachträglich, ausgebildet und hornig.
Von neuen Arten ist eine beträchtliche Zahl beschrieben, welche
ich hier um. so weniger namhaft mache, als das Werk zum Arten-
studium der Ichneumonen unentbehrlich ist. Nur eine neue Gattung
Macropalpus (vox hybrida!) bedarf der Erwähnung; sie ist aus
Eubadizon leptoeephalus Hart, gebildet, durch starke Fussglieder und
schmalen Scheitel unterschieden, und hat in der Körperform grosse
Aehnlichkeit mit Microdus, wovon sie durch die grossen starkglie-
drigen Taster abweicht. Das lnsect ist ein sehr gemeiner Schmarotzer
der Tortr. buoliana.
De Romand (Guer. Mag. Zool. Ins. pl. 137) bildete einen Bra-
con von Manila ab, in welchem er den Br. laneeojator Fab. er-
kannte, und demgemäss die Fabricische Angabe „Südamerika" be-
richtigte. Die Abbildung und Beschreibung des Verf. passt sehr gut
auf das Fabricische lnsect, bis auf die Länge des Legestachels, wel-
cher unserem Exemplar leider fehlt, das Klug von Kolsman aus Ko-
penhagen als südamerikanisches lnsect (ohne Bestimmung) mitge-
theilt erhielt. Wenn beide zu einer Art gehören, ist die Vaterlands-
angabe von Fabricius wohl richtig.
Wesmael hat der Brüsseler Akademie ein Werk über die Bel-
gischen echten Ichneumoniden: „Tentamen enumerationis criticae
Ichneumonum Belgii,' vorgelegt, welches dieselbe bekannt machen
wird. (Bull. Acad. Brux. II. p. 61. 146).
Vroctotrupii. Eine üebersicht über gegenwärtig bekannte
(zehn) Arten von Pelecinus theilte de Romand (Rev.Zool.p.97) mit.
Ceraphron formiceti und inqnilinus des Ref. (Germ.
Zeitschr. f. d. Ent. V. S. 265) sind zwei von Märkel in den Nestern
der Form, rufa entdeckte Arten, wahrscheinlich Parasiten dort hau-
sender Käferarten.
jPterotnalina. Ratze bürg (Ichneum. d. Forstins.) bear-
beitete die aus Forstinsecten erzogenen Arten dieser Familie, wobei
eine Menge neuer Arten aus den Gatt. Eupelmus, Eulophus, Elache-
stus, Eurytotna, Torymus, Teleas , Pteromalus, Cleonymus^Encyrtus
und Ceraphron beschrieben sind. Neu aufgestellte Gattungen sind;
1. Copidusoma, ein Encyrtus, mit verlängertem und messerförmig
zusammengedrückten Hinterleibe. Die aus Tinea evonymella erzo.
gene Art C. Boucheanum ist Encyrt. cercobelus Walk. Entomgst. —
2. Trichoceras (Dipterengattung) mit 4gliedr. Füssen und Tgliedr.
Fühlergeissel, die letztere aus kegelförmigen Gliedern bestehend, und
Naturgeschichte der Insccten wahrend des Jahres 1844. 135
mit dicht anliegenden Haaren verhüllt. T. ery thropht ha Imus
aus mit Tortr. strobilana besetzten Fichtenzapfen des Harzes er-
zogen, nur Männchen. - 3. Stylocerus durch einen griffe! form igen
Fortsatz am Endgliede der Fühler beim 9, und durch die Flügel von
Pteromalus unterschieden, an denen der Doppclnerv auffallend kurz
und dick wie bei Eurytoma, der Radialnerv viel länger und dünner,
und plötzlich mit einem ovalen Knöpfchen geendet ist. Zwei Arten,
Pt. subulifcr Porst, und eine neue St. Ladenbergii aus Hylesinus
Fraxini. — 4. Bothriothorax , Kopf und Mittelleib mit grossen
und tiefen Gruben; Flügel und Brust wie bei Encyrtus (ob die Mit-
telbeine Springbeine sind, ist nicht angegeben!) Eine Art, B. AI-
lenstcinii, von Saxesen, aus Syrphus erzogen. — 5. Hybotho-
rax, eine sehr ausgezeichnete Gattung, mit schwach verdickten Hin-
terschenkeln, nahe an Chalcis stehend, aber ohne Spur eines Radial-
nerven. H. Graffii, aus Myrmeleonen- Larven von Herrn GrafT
erzogen. — 6. Pachycerus (Käfergatt.) Radialnerv, Rumpfsculptur
und Bau wie bei Pteromalus, Hinterleib wie bei Torymus, Legeröhre
lang vorragend, Fühler kurz und dick mit 9gliedr. Geissei. P. Xy-
lophagorum, dessen Larve äusserlich an Borkenkäfer-Larven sau-
gend von Saxesen beobachtet wurde und P. Eccopt ogastri, aus
Ecc. intricatus erzogen.
Walker (Ann. nat. bist. XIV. p. 14) lieferte Beschreibungen
nordamerikanischer {Callimone splendidus, Cecidomyiaey
Lamprotatus Diaeus, Encyrtus Bolus, Tetrastichus
granulatus, ferner (ebendas. S. 18. 181) einiger neuer britischer
Pteromalinen {Eurytoma tumida, Argele, Sittace, Scul-
tenna, Micipsa, Isosoma Nepet Decatoma Nicaeae, Calli-
mone Rasaces, Aerope, Pteromalus domesticus aus den
Raupen von Lozotaenia xylosteana erzogen, Encyrtus Epotia,
Euryclea, Pyttalus, Aphelinus Acaetes. — Tetrastichus
Rapo Walk, ist aus den Gespinnsten von Microgaster glomeratus aus
Pontia Brassicae, Encyrtus Machaerus aus der Ulmen-Schildlaus er-
zogen. — Encyrt. Paralia des Verf. ist Abänderung von E. argentifer.
Ders. (ebenda S. 331. 407) musterte die nordischen Pteroma-
linen, meist von Alten in Norwegen, einige auch aus Finnmarken.
Neue Arten- sind Euneura Augarus, Lamprotatus Phlegias,
Mazaeus, Brises, Cleta, Scaea, Leucon, Lesches, Icelos,
Seladerma Mazares, Saums, Gastrancistrus Panares,
Pteromalus Jeray Musaeus, Pyttalus, Rhinthon, Maxa-
ces, Encyrtus Cleone, Horismenus Clinus, Tetrastichus
[dothea, Eulophus Idrieus. Die neue Gattung Euneura ist
zunächst mit Coryna verwandt.
VTiynnirtes. West wo od (Arcana Ent. pl. 74, 75, 76, 77,82,
83) hat die Kenntniss der neuholländischen Formen dieser Familie
auf eine namhafte Weise erweitert, theils durch Abbildung neuer
Arten, und zwar in, mehreren Fällen beider Geschlechter derselben,
136 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
theils durch Aufstellung neuer Gattungen. Ob alle von Guerin ein-
geführten Gattungen haltbar seien, darüber will der Verf. vor der
Hand nicht entscheiden. Abgebildet sind als eigentliche Thynnus:
hyalinatus g 9 (pl. 74. f. 3. 4) von Vandiemensland, Brownii
(f (76. 1) vom Kö'n. Georg -Sund, picipes tf (77. 2) ebendaher,
Leachiellus c? (ijiterruptus 77. 1) 2 (83. 4) aus Neusüdwallis,
trochantericus <£ (77. 3) von Kon. Georg-Sund, tuber culiven-
tris tf (76. 2) ebendaher, Shuckardi Guer. 2 (83. 5) von Neusüd-
wallis, Klugii £ (82. 1) vom Schwanenfluss, gravidusQ (82. 3) aus
Neuholland. Zu Agriomyia Guer. rechnet der Verf. Th. depres-
sus tf 2 (74. 5. 6) vom Kö'n. Georg-Sund, odyneroides <£ 2
(75. 3. 4), melleus $ (76. 4) vom Kon. Georg-Sund, trifidus J*
(77. 4) und marginalis J* (76. 3) ebendaher, zu Thynnoides
Guer.: Th. fumipennis <$ 9 (75.1.2) von Port Philip, obscurus
Kl. 2 (82. 2), gracilis g 9 (83. 2. 3) von Adelaide. Auch dürften
hierher noch gehören Th. purpuripennis (83. 1) aus Neuholland,
und dimidiatus (76. 5). — Zur Gattung Aelurus Kl. rechnet der
Verfasser Agriomyia abdominalis Guer. (pl. 77. f. 5) , welche mit dem
Th. fervidus des Ref. zusammenfällt, und ohne Zweifel eine eigene
Gattung oder Untergattung (Tachynomyia Guer.) bilden muss, denn
sie ist von der südamerikanischen Gattung Aelurus durchaus ver-
schieden. — Alle diese verschiedenen Formen stimmen in den Weib-
chen, soweit dieselben bekannt sind, sehr überein, sowohl im Bau
des Körpers im Allgemeinen, als auch in dem Umstände, dass die
Taster immer sehr verkürzt und gewöhnlich auch in der Gliederzahl
verringert sind, indem nach den vorliegenden Untersuchungen des
Verf. die der Lippentaster auf 3, die der Kiefertaster auf 2 hinab-
steigt, ohne dass jedoch die Verschiedenheiten dieser Zahlen bei
verschiedenen Weibchen, nach dem gegenwärtigen Standpunkt unserer
Kenntniss, mit den Formenverschiedenheiten der Männchen zusam-
mentreffen. (So bildet Westw. bei Thynnus hyalinatus 2 die Maxil-
lartaster 3gliedr., die Lippentaster 4gliedr. , bei Th. Leachiellus und
Shuckardi die Maxillartaster 2gliedr., die Lippentaster 3gliedr. ab,
bei Thynnoides obscurus die Maxillartaster 2gliedr., die Lippentaster
3gliedr. , bei Thynnoid. fumipennis beide Tasterpaare 3gliedr. mit
sehr kleinem Endgliede, bei Agriomyia odyneroides die Maxillar-
taster 2gliedr. , die Lippentaster 4gliedr. , bei Thynnus gravidus end-
lich die Maxillartaster 6gliedr. , die Lippentaster 4gliedr., also die
normale Gliederzahl, nur dass an den Lippentastern das letzte Glied sehr
klein, an den Maxillartastern die drei letzten Glieder verkürzt sind.
Als eine eigene Gattung betrachtet der Verf. Rhagigaster Guer.
Die Männchen sind von den übrigen Thynnen durch ihren walzen-
förmigen Hinterleib, worin sie sich an Myzine anschliessen, unter-
schieden. Die Weibchen unterscheiden sich auffallender, sie sind
langgestreckt und glatt, haben ihre Mandibeln an der Spitze zwei-
zähnig, ihre Taster eben so entwickelt, wie die der Männchen, die
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 137
Maxillartaster 6gliedr., die Lippentaster 4gliedr. Als Arten führt W.
auf: 1. Rh. unicolor Guer. tf , 2. Rh. cphippiger, Diamma eph. Guer.
nach Shuckard 9 der vorigen, 3. Rh. mandibularis Westw. J* 9
(PI. 74. f. 1. 2), von Port Philip, 4. Rh. morio Westw. tf , 5. Rh.
haemorrhoidalis Guer. <j\ 6. Rh. integer, Thynnus int. Fab. £ , nach
Bank's Samml., 7. bifiotatusW. Q aus Vandiemensland, 8. unalis
W. $ von Kön. Georg-Sund, 9? Bethylus apterusF. (kann nicht hier-
her gehören), 10? Myxine ruficornis Guer. aus Arabiem
An Rhagigaster schliesst sich eine neu aufgestellte Gattung
Eirone W.: Männchen gleicht Thynnoides, ist aber ohne Haken an
der Hinterleibsspitze; Weibchen ist schmal, glatt, ganz dem der
Rhagigaster ähnlich, die Mandibeln ebenfalls mit zweizähniger Spitze,
die Lippentaster 4gliedr., die Maxillartaster aber nur 4gliedr., wenn
auch nicht verkürzt; die Klauen einfach, nur an der Wurzel ein we-
nig erweitert. Eine neue Art E. dispar von Adelaide, das Männ-
chen schwarz, 3f"\ das Weibchen gelb, 2^'".
Näher mit den eigentlichen Thynnus verwandt, ist eine zweite
neue Gattung Enteles, welche auf einem Weibchen gegründet ist,
das in jeder Beziehung einem Thynnus-Weibchen gleicht bis auf die
Taster, welche durchaus nicht verkürzt, die Maxillartaster 6gliedr.,
die Lippentaster 4gliedr. sind, welches also in dieser Beziehung den
Weibchen der amerikanischen Thynnus sich anschliesst. Eine Art:
E. bicolor, vom Kön. Georg-Sund.
Vespariae. Curtis (Transact. Linn. Soc. XIX. p. 256.
Tab. 31) beschrieb zwei brasilische Polisten, zur Gattung Myrapetra
White gehörend, M. brunnea und elegatis, und von der ersteren
auch das Nest. Dieses ist dem Anschein nach an einem Zweige
aufgehängt gewesen, dabei ist es aber, was sonst bei diesen frei auf-
gehängten Nestern nicht vorkommt, mit einer feinen röthlichen Erde
überzogen, wras freilich auch daher rühren kann, dass es in dieser
Erde verpackt gewesen ist. Die Lage des Einganges am Grunde des
Nestes macht es durchaus unwahrscheinlich, dass es in der Erde
selbst angelegt gewesen ist.
Ratzeburg (Forstins. 111. S. 52. T. 4. F. 7) stellte einen neuen
Odynerus als Vespa ich?ieumo?iea auf, ein Männchen, den klei-
nen Männchen des O. parietum sehr ähnlich, mit nur drei Binden
und dichterer und stärkerer Punktirung des Hinterleibes. Es wurde
aus einer Harzgalle von Tortrix resinana erzogen, „wo die Made
sicher wie eine Ichneumonen -Larve schmarotzte". Diese letzte An-
nahme scheint mir sehr unsicher zu sein, und scheint es mir wahr-
scheinlicher, dass die Mutterwespe die in der Harzgalle vorgefundene
Höhle benutzte, um ihr Ei dort unterzubringen.
JFortnicariae. Mocquerys (Ann. Soc. Ent. d. Fr. IL
p. lxvii) erzählt, dass die Wilden in Brasilien die Oecodoma cepha-
totes benutzen, um Wunden zu heften. Zu diesem Zwecke lassen
138 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
sie die Ameise in die beiden Wundrander einbeissen und reissen ihr
dann den Leib ab. Man sehe nicht selten brasilische Eingeborne
mit Wunden, welche mittelst 7—8 Ameisenköpfen verheilten.
Lepidoptera.
Die Werke von Frey er (Neue Beitr. zur Schmetter-
lingskunde) und Herrich-Schäffer (Systematische Bearbei-
tung der Schmetterlinge von Europa) sind regelmässig fort-
gesetzt worden.
Von ersterem liegen Lief. 69 — 73 vor. Von dem letzteren sind
das 3te bis 9te Heft erschienen, in denen der von Herrich-Schäffer
bearbeitete Text sich bereits über den grössern Theil der Tag-
schmetterlinge ausdehnt.
Eine umfassende Schmetterlingsfauna des Wolga -Uralge-
bietes hat Eversmann bearbeitet (Fauna Lepidopterologica
Volgo-Uralensis, exhibens Lepidopterorum species, quas per
25 annos in provinciis Volgam fluvium inter et montes Üra-
lenses sitis observavit et descripsit Ed. Eversmann. Casani,
1844.
Eine vortreffliche Arbeit, von eben so grosser Genauigkeit als
Reichhaltigkeit. Das Werk schliesst sich dem Ochsenheimer-Treisch-
keschen in so fern an, als die Eintheilung und Bestimmungen des-
selben zum Grunde gelegt sind, daher bei dort aufgeführten Arten
die Zitate nicht wiederholt sind. Alle Arten sind mit lateinischen
Diagnosen festgestellt. Besonders schätzbar sind auch die. Anzeich-
nungen über Vorkommen und Verbreitung der Arten seiner Fauna,
welche der Verf. seit 25 Jahren unausgesetzt und sorgfältig beob-
achtet hat. (Eine ausführliche Anzeige hat Hering in der Entom.
Zeit. 1845. S. 156. 236. 367 gegeben).
Nachtrag zu dem Verzeichniss der bis jetzt in Preussen aufge-
fundenen Schmetterlinge, von Prof. Klupsz (Preuss. Pro v. Bl. 1844).
Systematisches Verzeichniss der Tagfalter, Schwärmer und Spin-
ner, welche in der Umgegend von Boppart und Bingen vorkommen,
von M. Bach und C. Wagner. (Verhandlungen des naturhist. Ver-
eins der preussischen Rheinlande. 1. Jahrg. S. 50).
Eine Mittheilung über einige auf einer Reise in Italien beobach-
teten Schmetterlinge machte Selys-Longchamps (Ann. Soc. Ent.
d. Fr. IL p. xii).
Hagen (Entom. Zeit. S. 385) theilte Linne's Citate der Lepido-
ptera in Schäffer's Icon. Ratisb. Ins. Tom. I. aus einem Supplement
zur 12ten Ausgabe des Syst, Nat., welches sehr selten und deshalb
kaum bekannt geworden zu sein scheint.
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1844. 139
Die Synonymie der Hufnagelsclien Falter-Arten hat Zeller einer
umfassenden und gründlichen Prüfung unterworfen (Isis S. 16).
List of the Specimens of Lepidopterous Insects in the collection
of the British Museum. Part I. Printed by the Order of the Tru-
stees. London 1841. Die Schmetterlinge werden von Ed. Double-
day geordnet und bestimmt. Das Verzeichniss ist von Gray her-
ausgegeben. Die Einrichtung ist sehr zweckmässig, da es nicht nur
über den Bestand der Sammlung, sondern auch über die Verbreitung
der einzelnen Arten reichhaltige Nachweise liefert. Der vorliegende
Theil des Verzeichnisses erstreckt sich über die Papilionidae (mit
Einschluss der Pieriden), Peridromidae, Danaidae, Heliconidae,
Acraeidae, Nymphalidae, Morphidae, Brassolidae, Satyridae, Eury-
telidae, Libytheidae. ,
Einige Beobachtungen über Paarung verschiedener Schmetter-
lings-Arten, als Satyrus Janira mit Vanessa Urticae, Van. Urticae
mit V. Atalanta, Satyrus Janira mit Argynnis Paphia, wurde von
Bruant und Pierret mitgetheilt (Ann. Soc. Ent. de Fr. II. p. vi).
JPapiliones, Westwood (Are. Ent.) hat fortgefahren, Arten
der Gattung Papillo abzubilden: P. Chaon und Megarus (pl 72.
f. 1. 2), neue Arten, und P. Xenocles Doubl, (pl. 79. f. 2) von Assam,
P. Pollux und Castor (pl. 80. f. 1.2), neue Arten von Assam und
Sylhet, P. Leu cot ho e (pl. 79. f. 3), neue Art, vermuthlich von Pulo
Penang, P. Palephates Boisd. (pl. 79. f. 1), neue Art von Manila,
endlich P. Canopus W. (pl. 68), von der Melville-Insel an der Nord-
küste von Neuholland. — Fünf neue südamerikanische Arten stellte
Doubleday (Ann. nat. hist. XIV. p. 415) auf: P. Photinus ver-
muthlich von Mexiko, P. Pyrochles von Bogota, P. Cymochles
von Trinidad, P. Mezentius von Neugranada oder Ecuador, P. Vi-
ctor inus von der Westseite Amerika's.
Mann (Entom. Zeit. S. 356) sonderte von Zerynthia Polyxcna
als eigene Arten Z. Creusa und Demnosia Dahl. ab. Es haben diese
beiden Formen allerdings etwas Eigenthümliches, indess scheinen mir
die vom Verf. hervorgehobenen Unterschiede durchaus nicht alle
stichhaltig zu sein, und es dürfte wohl richtiger sein, die Abweichungen
von der Verschiedenheit des Standorts herzuleiten. Uebrigens erhielt
die hiesige Sammlung von Dahl Z. Creusa, welche nach Herrn Mann
nur auf Sicilien vorkommen soll, als von den Apeninen stammend,
und ebenso Z. Demnosia von Triest, während sie nach M.'s Angabe
von Toscana stammt. — Z. Honnoratii Boisd. (Abänderung der Z.
Medesicata) wurde von Freyer (N. Beitr. T. 416. f. 1. 2) abgebildet.
Aus der Pieriden -Gruppe beschrieb Doubleday (Ann. nat.
hist. XIV. S. 418) eine Anzahl neuer Arten: Euter pe Hylonoma
von Bogota, Leptalis Cyra aus Brasilien, L. Eunoe von Mexiko,
L. Praxin oe ebendaher, L. Medora von Bogota, Pieris Ma-
rana wahrscheinlich von Guayaquil, und P. Chione von Sierra
Leone.
J40 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Boisduval (Ann. d. ]. Soc. Ent. de Fr. 2. ser. II. p. lxviii) hat
sich durch Beobachtung der Raupen und Puppen überzeugt, dass
Anthocharis Belia und Ausonia eine Art ausmachen, indem aus
durchwinterten Puppen die Stücke mit perlmutterweissen Flecken
{Belia) auskommen, während solche Schmetterlinge, die nach kurzer
Puppenruhe noch in demselben Sommer ausschlüpfen, mattweisse
Flecke haben (Ausonia). Da sich A. Belemia und Glauce ebenso
zu einander verhalten, als A. Belia und Ausonia, folgert B. mit
Recht, dass auch diese nur Formen einer Art sind, wie dies bei
den in der Färbung weit mehr abweichenden Van. Levana und Prorsa
bereits längst festgestellt ist.
Pierret (ebendas. S. lvii) gab vom Weibchen der Anthocharis
Damone Feisth. Nachricht. Während das cT dem der A. Eupheno
gieicht, hat das £ grosse Uebereinstimmung mit dem der A. Carda-
mines.
Kollar (v. Hüg. Kaschm. S. 424—442. T. 3—13) bereicherte die
H elico nie r- Gruppe mit Acraea anomala (welche mir indess
nur grössere Abänderung von A. Vesta F. zu sein scheint), die Da-
naiden- Gruppe mit Danais Sit a ebendaher, die Nymphaliden-
Gruppe mit Limenitis Selenophora, L. Opalina, L. San-
kara, L. Dichroa, Amathusia Ganescha (ist Cyrestis Ama-
thusia Boisd.), Apatura Ambica, Paphia Hügelii, Hors-
fieldii, Adolias Patala, A? Derma, Ariadne Wedah,
Terinos Sinha, Argynnis Sako?itala, Melitaea Durga,
Vanessa Caschmirensis, alle aus dem Himalaja.
Argynnis Oscarus Eversmann (Bull. Mose. p. 588. T. 14.
F. 1) ist eine neue Art aus Irkuzk, der A. Ossianus Herbst zunächst
stehend, aber doppelt so gross.
Frey er (Beitr. Taf. 409) stellte die früheren Stände der Ar-
gynnis Ino dar, und (Taf. 422) Abänderungen der Arg. Latonia, Se-
lene und Melitaea Athalia.
Die Satyriden theilte Herrich-Schäffer (a. a. O.) auf fol-
gende Weise in Gattungen: I. Keine oder nur die dem Vorderrand
nächste Wurzelrippe der Vorderflügel aufgeblasen (Augen nackt). 1.
Arge, schwarz- und weissscheckige Falter, mit ganz allmählich ver-
dickten Fühlern, 2. Erebia, schwarz oder rothbraune Falter, meist
mit rostrother Binde vor dem Saume: Fühlerkeule eiförmig, zusam-
mengedrückt, 3. Chionobas, braune mit viel ockergelb, mit allmählich
zur Kolbe verdickten Fühlern. — II. Die Rand- und Mittelrippe der
Vorderflügel aufgeblasen: A. Augen nackt. 4. Satyrus, mit vor dem
Afterwinkel nicht ausgeschnittenen Innenrande der Hinterflügel, 5.
Epinephela Hüb. mit ausgeschnittenem Innenrande der Hinterflügel.
B. Augen haarigt 6. Pararga Hübn. — III. Alle drei Wurzelrippen
der Vorderflügel aufgeblasen (Augen nackt), 7. Coenonympha Hüb.,
8. Phryne, neue Gattung, die erstere mit ausgeschnittenem, die
zweite mit nicht ausgeschnittenem Innenrande der Hinterflügel. Zu
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 141
Epinephile gehören Hyperanthus , Pasiphae, Ida, Tithoni/s, A ' urica,
Eudora, Janira, zu Pararga gehören Pamphüus u. s. w. , zu
Coenonympha stellen sich Deianira, Roxelana, Maera, Megaera
u. s. w. die neue Gattung Phryne endlich ist aus Pap. Phryne Hüb.
gebildet, welcher jetzt der Artname Tircü Cr. zugefallen ist.
Neue Arten aus dem Gebiete der europäischen Fauna sind S.
Virbius Herr. Schaff, (a. a. O. Fig. 45—48) aus Südrussland (ist
H. Bryce O.) — Hipp. Cyclopius Eversmann (Bull. Mose. p. 590.
T. 14. F. 3) von Irkuzk. — Hipp. Beroe Friv. Herr. Schaff,
(a. a. O. Fig. 108-111) Frey er (Beitr. T. 415. F. 1. 2) aus Klein-
asien. — Hipp. Fatua Friv. Freyer (ebenda F. 3. 4) aus der
Türkei (Abänderung von H. Allionia).
Von Frey er ist ferner Tarpeia O. (T. 427) sowie H. leueome.
las mit den früheren Ständen (ebenda T. 433) abgebildet.
Von Kollar sind folgende neue Arten aus dem Himalaja-Gebirge
beschrieben und meist abgebildet: Satyrus Swaha, Saraswati,
Padma, Schakra, Verma, Isana, Hyrania, Zophyrus,
Nareda, Erebia Scanda (v. Hüg. Kaschm. 444—452. T. 14—17).
Aus der Lycaeniden-Gruppe bildete Freyer (N. Beitr.) ab:
Lyc. Dardatius Friv. (T. 419. f. 2, 3) (Abänderung von L. orbi-
tulus), L. Balkanica Friv. (T. 421. f. 1. 2) als neue Arten aus der
Türkei, L. orbitulus (T. 421. f. 3. 4) und als L. Stevenii eine klei-
nere Abänderung von L. Daphnis vom Ural. — L. Boisduvalii
Herr. Schaff, (a. a. O. F. 7—9) aus Südrussland ist die russische
L. Eros.
Neue Arten vom Himalaja -Gebirge sind von Kollar folgende
beschrieben und grösstentheils auch abgebildet: The da Rama,
Nissa, Nila, Syla, Sorya, Polyommatus Se?ia, Pava?ia,
Tama, Pandia, Asoka, Patala, Didda, Nara, Putli,
Mafia, coelestina (v. Hüg. Kaschm. 412—423. T. 4. 5).
Aus der Hesp erid en-Gruppe wurden von Dems. beschrieben
IlAsperia xanthopogon, leueocera, Fatih, Dara, Disu
(ebendas. S. 453-456. T. 18).
Freyer (Beitr. T. 417. F. 3. 4) lieferte Abbildungen von H. Cer-
va?ites Grasl. und H. Aetna Boisd., der letztere ist allem Anschein
nach eine brasilische Art, Cincionius Hffg. 9.
Sphinyes, Eine neue Art ist Macroglossa Nycteris
Kollar (v. Hüg. Kaschm. 458. T. 19. F. 5), vom Massud im Hima-
laja, welche der Sph. Pandora F. sehr nahe kommt.
üeber das Geschrei der Brachyglossa Atropos hat Giuliani
(Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. p. lxxii) neue Beobachtungen mitgetheilt.
Er überzeugte sich bald, dass es aus dem Kopfe käme. Er schnitt
einem Schmetterling den Kopf ab, und es hörte natürlich auf. Er
entfernte an einem andern Schmetterling die Taster und der Ton
dauerte fort. Er schnitt sodann den Saugrüssel an seiner Wurzel
ab, das Geschrei dauerte fort, während eine grünliche Flüssigkeit
142 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
aus der mittleren, der eigentlichen Mundöffnung abwechselnd ausge-
stossen und eingezogen wurde, welche durch Luftblasen, welche beim
Ausstossen sich einmischten, schaumig wurde. Sobald der Verf. mit
einer Nadel die Mundöffnung verstopfte, verstummte der Ton, und
erscholl wieder, sobald die Nadel zurückgezogen wurde.
Se&iariae» Eine neue Gattung Trypa?iophora wurde von
Kollar aufgestellt, welche schlanke, innen sägeförmig gekerbte, an
der Spitze zusammengedrückte und erweiterte Fühler hat, sehr kurze
bärtige Taster, einen langen Rollrüssel, breite, zum Theil unbe-
schuppte Flügel, mit einem zweiästigen Cubitalnerven , welcher eine
längliche fast eiförmige Zelle einschliesst, einen walzenförmigen Hin-
terleib, an dessen Spitze beim Weibchen eine kurze Legeröhre vor-
ragt, gleichlange, fast zusammengedrückte Beine mit sehr kurzen
Enddornen der Schienen. Eine Art, Tr. semihyalina aus Kasch-
mir (v. Hüg. Kaschm. 457. T, 19. F. 1-4).
Cheloniflae, Zeller (Entom. Zeit.) theilte einige beach-
tenswerthe Bemerkungen zu einigen Arten von Zygaena mit: Z.
Ephialtes erklärt der Verf. für eine klimatische lokale (rothgezeich-
nete) Abänderung von Z. Peucedani, welche mit der Stammart am
weitesten nach Norden geht, während sie nach Süden hin immer der
gelbgezeichneten Abänderung (Z. corofüllae) Platz macht. — Z. An-
gelicae O. ist in der neueren Zeit mit mehreren anderen Arten ver-
wechselt worden: namentlich hat Boisduval in der Mon. d. Zyg. eine
kleinere Z. filipendulae , in den Icon. hist. eine Z. hippocrepidis als
solche geliefert. — Nachdem Prof. Hering die weissliche Raupe der
Z. Minos an Pimpinella saxifraga aufgefunden, traf er pomeranzen-
gelbe Raupen auf Thymus serpyllum, welche einen mit Z. Minos so
übereinstimmenden Schmetterling lieferten , dass Zeller, nachdem ein
Exemplar desselben zufällig unter die andern gekommen war, das-
selbe nicht mehr herausfinden konnte, obschon die bezeichneten
Stücke einige Eigentümlichkeiten hatten. — Frey er (ebendas. S.85)
theilte in Bezug auf Z. Minos mit, dass er einmal die weisse Raupe
derselben in Menge und untermischt mit einzelnen gelben angetroffen
habe; sie frassen nur Pimpinella, bissen aber auch Quendel und
andere Pflanzen an. Die gelben Raupen lieferten fast nur Weibchen,
während aus den weissen mehr Männchen und fast kein Weibchen
auskamen.
Zygaena Favonia Freyer (Beitr. T. 428. f. 1) ist eine neue
Art aus der Türkei.
Kollar (v. Hüg. Kaschm. S. 459 — 469. T. 19-21) stellte fol-
gende neue Arten aus dem Himalaja auf: Zygaena Kaschmir en-
sis, Syntomis diaphana% bici?icta, Chalcosia pulchella,
leptalina, hyalina, Selene, Asemia adulatrix, Euprepia
pri?icipalis1 equitalis, imperialis, leopardina (ist B.
Crotalariae F. Syringa Cr.), E.? argus, E. quadriramosa, ery-
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1844. 143
throxona, casigiieta, exclamationis. Die Gattung Campylo-
tis W estw. wird vom Verf. mit Chalcosia Hübn. als Synonym ver-
einigt.
JBotnbyces» Die Begattung der Psyche plumifera wurde von
Mann (Entom. Zeit. S. 173) beobachtet. Sie geht am Vormittage
in recht heissem Sonnenschein vor sich. Das Männchen dringt mit
dem ganzen Hinterleibe in den weiblichen Sack ein, und nachdem es
6 Minuten in dieser Lage verweilt, zieht es ihn allmählich wieder
hervor, fliegt einige Schritte weiter und fällt dann todt zu Boden. Der
Hinterleib des Männchens, so wollig er vorher war, ist nach der Be-
gattung ganz kahl. Durch Aufschneiden weiblicher Säcke überzeugte
sich der Verf. , dass das Weibchen sich bei der Begattung auf den
Grund des Sackes zurückzieht, dass ihm der Hinterleib des Männ-
chens unter die Brust reicht, und der lange röhrenförmige Penis von
unten in die weibliche Geschlechtsöffnung eindringt.
Anders geht die Begattung der Psyche f ehret ta vor sich, nach
den Beobachtungen von Ghiliani (Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. p. lxv),
indem das Weibchen zur Hälfte aus seinem Sacke hervorkommt.
Pier r et (ebendas.) fügte hinzu, dass die ungeflügelten Orgyien-
Weibchen (rupestris, tr/tophas) sich ebenso verhielten, indem sie in
ihrem Gespinnste verblieben und zur Begattung nur die Legeröhre
heraussteckten. Boisduval (ebendas.) bemerkte, dass es unter
Psyche zwei Abtheilungen giebt: bei der einen ist das Weibchen
zwar ungefiügelt, aber Fühler und Beine sind vollständig ausgebildet,
bei der anderen ist es vollkommen wurmförmig. Bemerkenswerth
ist ferner, dass die Raupen der Psyche -Männchen sich in ihrem
Sacke zur Verpuppung umkehren, die der Weibchen nicht; um be-
fruchtet zu werden, streckt das Weibchen aus dem Sacke dem Männ-
chen seine Legeröhre zu; die Eier werden beständig in den Sack
gelegt, und die jungen Raupen vervollständigen ihre erste Hülle mit
den Ueberbleibseln desselben. — Diese Angaben stehen mit der obi-
gen Beobachtung des Herrn Mann in geradem Widerspruch, und
wenn auch daraus hervorzugehen scheint, dass ein verschiedenes
Verhalten bei verschiedenen Arten statthat, so ist dasselbe durch
weitere sorgsame Beobachtungen noch fester zu stellen.
Boy er de Fonscolombe (ebendas. S. lx) theilte einige Beob-
achtungen über Dicranura vinula und Lasiocatnpa Uneosa mit. Bei
der ersteren scheint es ihm, als ob der Schmetterling, um sich durch
das harte Gespinnst durchzubohren, eine runde Kappe vor der Pup-
penschale aufbehält, wenigstens fand der Verf. stets eine solche vor
der OefTnung des Gespinnstes, sobald der Schmetterling hervorge-
kommen war. Lasiocampa lineosa lebt gesellschaftlich auf Cypres-
sen, und ist leicht zu erziehen. Die Gespinnste gleichen denen der
L. Pini.
Bertolini, De duobus insectis, Ulmo campestri et Pyro Mälo
infensis (Nov. Comment. Acad. Scienc. Inst. Bonon. VI. 1844. p. 460).
144 Erich son: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Das den Apfelbäumen schädliche Insect ist Cossus Aesculi, welcher
mit seinen frühern Ständen Taf. 30 abgebildet ist.
Frey er (ebendas. S. 29. 397) theilte seine Erfahrungen über die
Naturgeschichte der Orygia selenüica mit.
Hering (ebendas. S. 415) machte auf eine neue Art, Lithosia
arideola aufmerksam, welche von ihm erzogen wurde, und welche
von L. complana sowohl als L. arideola, denen sie zunächst steht,
mehrere Unterschiede zeigt.
Neue Spinner -Arten aus dem Himalaja- Gebirge sind Liparis
chrysolopha, xanthorr hoea, vitellina, Gastropacha suU
phurea, Caschmirensis , velutina Kollar (v. Hüg. Kaschm.
470-473. T. 21).
Noctuae* Kollar (a. a. O. S. 477) errichtete eine neue
Gattung Ar de, mit dickem, fast walzenförmigen Körper, der Mit-
telleib mit dichten und langen Haaren bekleidet, unter denen der
Kopf fast verborgen ist, die Fühler mittellang, borstenförmig, einfach,
die Taster kurz, der Stirn angelegt, das Endglied sehr kurz und
kaum sichtbar. Rollrüssel vorhanden. Die Beine, mit Ausnahme der
Füsse, mit langen Haaren bebartet. Die Flügel nicht breit, dunkel-
farbig, die Hinterflügel mit bläulichen Binden. Eine neue Art, A.
polygrapha vom Himalaja. Neue Arten älterer Gattungen eben-
daher sind: Erebus albicinctus, chimista, dasypterus,
leucostigma, Ophiusa discios, Caradrina Himalejica,
Trachea melanospila, Agrotis biconica, exiguay Plusia
coelonota, Polia scotochlora.
Von Frey er (Beitr.) wurden folgende Eulen abgebildet, welche
neu, obschon zum Theil in Boisduval's Catalog aufgeführt sind: Ha-
dena grönlandica B., Polia coerulescens B., Cucullia Xeranthemi B.,
C. ceramanthea Schmidt, mit der Raupe, der C. Scrophularia zu-
nächst stehend, von Herrn Ferd. Schmidt bei Laibach auf Ceramanthe
(Scrophularia) verna entdeckt, Aconthia Urania Friv. aus der
Türkei, Miselia conspurcata Fuchs vom Ural, vielleicht Abänd. der
M. filigramma Er. \
Eversmann (Bull. Mose. p. 591. T. 14. 15) beschrieb folgende
neue Arten: Agrotis lutescenss Noctua quadrangulay Gor-
tyna cervago aus den Vorbergen des Ural, Plusia Renardi
aus dem östlichen Sibirien, PL dives von lrkuzk.
Donzel (Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. p. 199. pl. 6. n. II.) stellte eine
neue Art Polia felicina auf, welche in der Gegend von Marseille
gefunden ist.
Ueber das Vorkommen der Noct. Haworlhi Curt. und über die
Synonymie derselben, theilte Metzner Bemerkungen mit (Entom.
Zeit. S. 167). Die Eule wurde in Deutschland zuerst von Zeller bei
Frankfurt a. O. aufgefunden, auf einem nassen Torfsumpfe. Die Raupe
ist noch unbekannt.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. ^45
Frey er (Beitr.) bildete mit den früheren Ständen Sitnyra ve-
nosa^ Plusia modestu, Catocala nupta, Cuculh'a lucifuga, ceraman-
thea (s. 0.) Triphaena serotina, Cerastis glabra, Eversmann (Bull.
Mose. pl. 16. f. 4) die Raupe von Cuculh'a Santonici ab. — Bruand
beschrieb die Raupe der Spaelotis nyetemera (simulatrix Hü.),
welche auf Festuca ovina lebt, und sich auch mit Poa annua ernäh-
ren lässt, und die der Caradrina respersa O., die von Gräsern und
weissem Hauslauch lebt (Ann. Soc. Ent. de Fr. II. 192. 194. T. 6.
n. I. C. D).
Boisduval (ebendas. S.i.xx) legte eine Beobachtung vor, welche
ihm über die Raupe der Noct. communimacula aus Ungarn mitge-
theilt worden ist: diese Raupe lebt nämlich ähnlich der von Lima-
codes (wovon man über 40, meist amerikanische Arten kenne), in
den von den Stichen der Blattläuse gekrümmten Blättern des Man-
del- und Pfirsichbaums; und nähre sich von den Blattläusen. Durch
Vergleichung mit nordamerikanischen Limacodes-Arten hatte sich B.
denn auch überzeugt, dass N. communimacula unbedenklich (bien
positivement) zur Gattung Limacodes gehöre.
Geometrae. Eversmann (Bull. Mose. p. 597. T. 15. f. 4. 3)
bildete Acidalia cur ata und Aspilates formosaria ab, die
erstere aus dem östlichen Sibirien, die letztere von den Kasanschen
Vorbergen des Ural. — Ein sehr abweichendes Bild der letztern Art
lieferte auch Fr eye r Beitr. Tf. 338, wo zugleich Fidonia desertaria
Ev., Acidalia extersaria (nicht extensaria) Ev. und Cidaria Burga-
ria Ev. von Kasan dargestellt sind. Auf T. 426 lieferte Ders. Ab-
änd. von Acid. dubitaria und dilutaria und auf T. 414 die früheren
Stände der Ennom. dolabraria.
An Spannern aus dem Himalaja sind von Kollar (v. Hüg.
Kaschm. S. 486—491) folgende beschrieben: Geometra lycaena-
ria, Aspilates phoe?iiceotae?iiata, A. peregrina, Acida-
lia adumbrata, Cidaria propinquata, albigirata% sub-
angulata, Zerene leopardina, Idaea hyalinata.
Pyralides* Ebendaher sind Hypena obliqualis, Sco-
pula kmaculalis, Botys vitellinalis, Asopia elongalis
Kollar (a. a. O. S. 491-493).
Bertolini De Botyde silaceali deque damno quo afficit Can-
nabin sativam (Nov. Comment. Acad. Scient. Inst. Bononiensis VI.
1844. p. 91. Tab. iv). Die Raupe lebt in den Stengel des Hanfs.
Wortrice*. Prittwitz (Entom. Zeit. S. 419) machte auf eine
der Tort. Zachana sehr nahe stehende neue Art T. Salicetana
aufmerksam. Frey er (Beitr. T. 419) bildete eine neue Art Carpo-
capsa Kokeiliana Schm. ab, welche von Herrn Ferd. Schmidt aus
istrischen Galläpfeln erzogen ist.
Thieae, Zell er (Isis S. 198) hat eine sehr gründliche Mo-
nographie der Gattung Hypomcneuta und Psecadia bearbeitet, zu
Archiv f. Natiirgescb. XI. Jahrg. 2. Bd. K
146 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
welcher in der Entom. Zeit. S. 379 einige Nachträge gegeben sind.
Die Arten der über ganz Europa verbreiteten Hypomeneuta sind: 1.
H. rußmitrelliis Zell. Deutschi., 2. H. 2Qpu?ictatus Retz. (sedella Tr.)
auf Sedum, 3. H. plumbellus W. Vz. auf Rhamnus frangula, 4. H.
irrorellus Hü., 5. H. variabilis (padella L. Hü. Tr. Frey. Ratzeb.)
auf Schlehen , auch auf Weissdorn , 6. H. rorellus Hü. (helicella Fr.
N. Beitr.) auf Weiden, 7. B. malinellus Zell. Frey, auf Apfelbäumen,
8. H. Euonymi Zell, (cognatella Hü. Tr. Frey. Ratzeb.) auf Euomyn.
europ., der .von den Gespihnsten dieser Schabe seinen Namen „Spin-
delstrauch" führt, 9. H. padi Zell, (euotiymella L. F. Hü. Tr. Frey.)
auf Prunus padus. — Psecadia enthält folgende Arten: 1. Ps. Qputi-
ctella Hü., 2. Ps. scalella Scop. (Ttn. sequella W. Vz. pusiella F.,
lithospermella Hü.), 3. Ps. echiella W7. Vz. , lebt auf Echium vulgare,
4. Ps. funerella Fab., 5. Ps. \Oguttella Hü. auf Lithospermum offici-
nale, 6. Ps. chrysopyga Zell. Ent. Zeit. 1844. S. 379 {flavianella
Fisch, v. Rössl. Zell. Isis 1844. S. 233), 7. Ps pyrausta Pall. Zell.
Ent, Zeit. 1844. S. 379 vom Ural , 8. Ps. flavianella Hü. Zell. Ent.
Zeit. 1844. S. 140, 9. Ps. aurifluella Hü. Tr. {pyrausta Zell. Isis
1844. S.234).
Bruand (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. II. p. 187. pl. vi) theilte
seine Erfahrungen über mehrere Schaben mit: 1. Raupe und Natur-
geschichte des Chilo phragmitellus, 2. Haemylis pastinacella , deren
Raupe auf Heracleum sphondylium lebt, wovon sie die grünen Kör-
ner frisst und in dessen Stengel sie sich verpuppt; 3. Solenobia cla-
thrella? Dup., deren Raupe ein Sackträger ist, und von Flechten
sich nährt. Das Weibchen ist ungeflügelt und bleibt im Sacke, bis
zur Begattungszeit, wo es sich am obern Theile desselben festhält,
und später mit der sehr verlängerten Legeröhre die Eier in den
Grund des Sackes legt.
Ueber den Schaden, welchen Oecophora olivella den Oliven ver-
ursacht, stattete Guerin der Pariser Akademie Bericht ab (Compt.
rend. XIX. p. 1147).
Eversmann (Bull. Mose. p. 599. pl. 16) bildete folgende neue
Arten ab: Phycis brunneella, chalybeella, Myelophila ge-
tninella, Ypomeneuta haemorrhoidella, die ersteren aus
den Vorbergen des Ural, die letzte von der unteren Wolga und dem
Caucasus.
Vom Himalaja sind Chilo chrysogr ap hellus, locupletel-
lus, nivellus Kollar (v. Hüg. Kaschm. S. 494).
Jllucitae» Eine von Eversmann aufgestellte neue Art ist
Alucita nephelodactyla von der W7olga und den Uralschen
Vorbergen (Bull. Mose. p. 603. T. 16. F. 3).
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 147
D i p t e r a.
Ueber den innern Bau in dieser Ordnung hat Leon Du-
four einen allgemeinen Ueberbliok gegeben: „Anatomie gene-
rale des Dipteres", (Ännal. d. scienc. nat. 3. ser. I. p. 244).
Im Nervensystem der Dipteren hebt der Verf. die Eigenthüm-
lichkeit hervor, dass das Bauchmark nicht aus zwei gesonderten
Strängen, sondern aus einem einzigen bestehe. Die Zahl der Knoten
ändert ab nach den verschiedenen Familien: bei den Culicinen und
Tipularien finden sich 9 Ganglien, 3 im Mittelleibe, mit einander
verwachsen (soudes) und 6 im Hinterleibe aus einander gerückt; die
Larven haben 11 Ganglien. Die Asilier und Bombylier stimmen in
der Zahl und Lage der Ganglien mit den Tipularien iiberein: bei
einigen Larven der Asilier aber fand der Verf. drei Ganglien mehr
als beim vollkommenen Insect. Die Tabanier, Stratiomyden , The-
reuiden und Leptiden haben 7 Ganglien: 1 im Mittel- und 6 im Hin-
terleibe: die Ganglien sind dafür um so grösser. Scenopinus hat 5 Ganglien,
die Syrphiden nur 3, die Conopier nur 2, bemerkenswerth zugleich
durch den Umstand, dass ihre Lage bei den beiden Geschlechtern
verschieden ist; die Oestriden und die Muscarien mit Flügelschuppen
haben nur ein einziges Ganglion, die Muscarien ohne Flügelschuppe
aber zwei oder zuweilen drei. — Stigmen finden sich 2 Paar am
Mittelleibe und 5 oder 6 Paare am Hinterleibe; die letzteren liegen
bald an den Seiten der Rückenhalbringe (Muscarien u. s. w.), bald
zwischen den Ringen in der Verbindungshaut (Culicinen, Tabanier,
Asilier u. s. w. ). Die Tracheen sind bald einfach, bald blasig: mit
Blasen , welche willkürlich gefüllt werden können , sind sie bei sol-
chen besetzt, welche leicht und anhaltend fliegen, als den Culicinen,
Tipulariern , Tabaniern, Syrphiern, den Muscarien mit Flügelschup-
pen u. s. w.; einfach sind sie bei den Muscarien ohne Flügelschup-
pen. — Der Nahrungskanal ist auf der linken Seite immer von einem
gestielten Speisesack (sog. Saugmagen) begleitet, der in den Schlund
einmündet, und den der Verf. als „panse" nicht unpassend bezeich-
net, und seiner Verrichtung nach ganz richtig als ,,favorable a la
rumination" bestimmt. Bei einigen Dipteren (Teichomyza, Droso-
phila) giebt es einen wahren Kropf mit schwieligen Wandungen.
Der Chylusmagen ist das längste Stück des Nahrungskanals: an sei-
nem Anfange ist er einfach bei einigen Tipularien und den letzten
Muscarien ohne Flügelschuppen; mit zwei taschenförmigen Aussak-
kungen bei den Tabanen, Asiliern, Stratiomyden, Bombyliern, Doli-
chopoden, Scenopiniern u. s. w., mit 4 solcher Taschen bei den
Syrphiern, endlich kclchförmig oder mit einem kreisförmigen Wulst
bei den Conopiern und Muscarien. Gallengefässe gewöhnlich vier,
selten 5 (Culicinen): ihre Enden sind frei, mit Ausnahme der grossen
Tipularien, wo die Gallengefässe zwei Schleifen mit 4 Mündungen
bilden. Ihre Einfügung geschieht bald mit 4 besonderen Mündungen,
K*
148 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
gewöhnlicher mit 2 seitlichen Gallengängen, selten mit einem ein-
zigen (Stratiomyden). — Speichelgefässe finden sich bei allen Dipte-
ren und zwar von einfachem Bau, bald fadenförmig, bald eiförmig.
Aussonderungsdrüsen sind selten bei den Dipteren, der Verf. hat der-
gleichen bei beiden Geschlechtern der Sepsideen auf der oberen
"Wand des Rectum gefunden, welche einen Riechstoff durch den After
ausscheiden. In der Schilderung der Fortpflanzungsorgane hat sich
der Verf. die schönen Arbeiten von Siebold und Low zu Nutze gemacht.
Hinsichts der Samenbehälter am weiblichen Eileiter meint er indess
denselben als Absonderungsorgan ansehen zu müssen, weil beständig
eine Drüse damit verbunden sei: er wolle indess damit nicht in
Abrede stellen, dass der Behälter nicht auch zugleich zur Aufnahme
des männlichen Samens dienen möge. — In einer Nachschrift zu
einer Abhandlung über Piophila petasionis (ebendas. S. 385) berich-
tet der Verf., dass er bei einem in Paarung begriffenen Pärchen die-
ser Fliege die beiden Hinterleiber rasch abgeschnitten und sich durch
den Augenschein bei der anatomischen Untersuchung überzeugt habe,
dass der Penis des Männchens oder vielmehr dessen Scheide in die
ausdehnbare Begattungstasche eingedrungen sei, welche Low den
Dipteren überhaupt abspreche , und dass der Same in diese Tasche
ergossen werde. Die Sache ist wohl nach näherer Prüfung durch
Wiederholung des Versuchs bedürftig, da in diesem Falle das Weib-
chen schon todt oder im Absterben begriffen war, als das Männchen
sich ihm näherte.
Zetterstedt's Werk „Diptera Scandinaviae" ist im ununter-
brochenen Fortschreiten begriffen. Im Jahre 1844 ist der dritte
Band erschienen, welcher Scenopinus, Platypeza, Callomyia, Opezia,
die Conopier, Pipunculinen, Oestriden und den Anfang der Muscarien
enthält.
Ueber das Vorkommen verschiedener Dipteren theilte Hoff-
meister (Ent. Zeit. S. 360) Beobachtungen mit.
In der Isis 1844. S. 449 ist über Rondani's Arbeiten über Zwei-
flügler Nachricht gegeben: Memorie per servire alla Ditterologia
italiana di C. Rondani. Parma I. 1840. II. 1840. III. 1841. Die erste
Mem. beschreibt eine blutsaugende Tipularie, welche eine neue Gat-
tung Phlebotomus bildet, (eine neue Abhandlung über dieselbe hat
der Verf. in den Ann. Soc. Ent. Fr. mitgetheilt, — S. vor. Bericht
S. 321, — wo die Gattung irrig Hebotomus heisst; der Verf. schreibt
nach italienischer Weise Flebotomus). Die zweite Mem., welche
eine neue Eintheilung der Tipuliden und die Aufstellung mehrerer
neuer Gattungen der Cecidomyien und Lestreminen enthält, ist in
der Isis a. a. O. im Auszuge mitgetheilt. Die dritte Abhandl. , eine
Eintheilung der europäischen Zweiflügler in 35 Familien enthaltend,
findet sich in den Annali di Bologni VI, und ein Auszug daraus Isis
1843. S. 614. Ausserdem ist noch eine vierte Abhandl. über Phasia
Naturgeschichte der Insecten wahrend des Jahres 1844. 149
und eine fünfte über Chortophila vorhanden. — Mir sind die Ann.
d. Bologn. hier noch nicht zugänglich gewesen.
Tipulftriae, Loew stellte mehrere neue Gattungen auf:
Prionocera (Entom. Zeit. S. 170) zwischen Ctenophora und Tipula
stehend, mit der Flügel- und Tasterbildung von Tipula, 13gliedr. nach
unten sägeförmigen Fühlern ohne Wirtelhaare, an den Füssen ohne
Haftläppchen, mit einer weichen und fast wolligen Behaarung des
Körpers. Eine neue Art Pr. pubescens von etwas über 3"' Länge,
aus der Posener Gegend. Der Gattungsname ist nicht mehr frei. —
Mochloiiyx i (ebendas. S. 121. Anm. ) aus Corethra velutina Kuthe
gebildet, welche von Corethra u. a. durch die Kürze des ersten Fuss-
gliedes abweicht. — Haemasson (ebendas. S. 115. T. 1. F. 1 — 5)
fällt ohne Zweifel mit Phlebotomus Rond. zusammen, die von Loew
in Ungarn, der Wallachei und Constantinopel beobachtete Art H.
minutus L. ist vielleicht einerlei mit papatasii Scop. — Lipo-
neüra (ebendas. S. 118. T. 1. f. 6 — 10) auf einem in Schlesien auf-
gefundenen Insect, L. cinerascens gegründet, stimmt in vielen
Stücken mit Blepharicera Macq. und Asthenia Westw. (s. Bericht f.
1843. S. 320 und f. 1842. S. 257) und ist vielleicht selbst von beiden
nicht verschieden , wenn man annehmen kann, dass von Westw. und
Macq. der eigenthümliche Bau der Füsse mit gekrümmtem und unten
gezähneltem letzten Gliede und sägeförmig gezähnelten Klauen über-
sehen ist.
Macquart (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IL p. 69. pl. IL) theilte
neue Beobachtungen über die von ihm aufgestellte Gattung Blepha-
ricera (S. vor. Ber. S. 320) mit. Er hatte früher nur das eine Ge-
schlecht gekannt, welches er für das Männchen hielt, weil es zusam-
menstossende Augen hatte Er erhielt seitdem das andere Geschlecht,
welches nach dem Bau der Hinterleibsspitze des Männchens sein
musste, welches auch längere Beine, breitere Flügel hatte, auffallen-
der Weise aber kleinere, auseinanderstehende Augen mit gleichgros-
sen Facetten zeigte. Die Augen sind behaart. Das Endglied der
Taster bei den Männchen ist lang und biegsam wie bei Tipula. Die
Schwärme dieser Männchen bei ihren Tänzen wurden auch in einer
grösseren Höhe als die der anderen Individuen beobachtet.
Lestfemia theilte Loew (Entom. Zeit. S. 324) in zwei Unter-
gattungen: Lestremia mit 15gliedr. und Cecidogona mit llgliedr.
Fühlern und beschrieb von der letzteren eine bei Posen entdeckte
neue Art L. carnea.
Die forstlichen Cecidomyien, C. pini Deg., braehyntera Schwäg.
und fagi Hart. , wurden von Ratzeburg (Forstins. III. S. 159) abgehan-
delt; zur letzteren gehört Cynips fagi Lin., von welchem Linne nur
die kegelförmigen spitzen Gallen auf Buchenblättern kannte. Hartig,
der zuerst dies nachwies, lehrte auch eine zweite Gallmücke der
Buchenblätter kennen, C. annulipes, welche kleinere, stumpfere und
150 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
weichere braunhaarige Gallen hervorbringt. Beide Gallen sind hier
abgebildet.
Sciara suhterranea Märkel (Germ. Zeitsch. f d Ent V
S. 266) ist eine unzertrennliche Begleiterin der Form, rufa, in deren
Nestern sie vom ersten Frühling bis zum späten Herbste vorkommt
Sie entwickelt sich nicht Mos daselbst, sondern lebt auch in den
Nestern, und der Verf. sah sie dort häufig in Begattung.
W ahlberg beschrieb eine neue Art von Simul/a aus Lappland
S-ferrugtnea, J 2<», 9 3"< lang, also die grösste der jetzt be-'
mannten Arten, auch darin bemerkenswert«, dass sie durchaus nicht
blutgierig zu sein scheint (Ofv. K. Vet. Acad. Förhandl. 1844. p. 110).
Asilici. Eine neue Gattung Anarolius wurde von Loew
(Entom. Zeit. S. 165. T. 2. F. 22-25) aufgestellt, welche mit Dasv-
pogon zunächst verwandt, durch Mangel der Haftläppchen zwischen
den Klauen ab>veicht; hierin kommt sie mit Acnephalum Macq. über
em, wo aber der Hinterleib breit, wie bei einer breiten Laphria
mer dagegen zusammengedrückt, wie bei einem Asilus ist. Ali
tubatus, neue Art aus Kleinasien.
Dioctria Harcyniae, eine neue Art vom Unterharz, wurde
von üems. (ebendas. S. 381) beschrieben.
Xlmpides. Neue Arten sind Paramesia tenella, Rham-
phomyia paradoxa, modesta, poplitea Wahlberg (Öfvers
iv. Vet. Acad. Förhandl. 1844. p. 107) aus Lappland.
Tachyarontiae. Ebendaher ist Tachydromia atra
D es selb, (ebenda S. 106).
Peptides. Loew (Entom. Zeit. S. 123. T. 2. F 1-5) stellte
eine neue Gattung Baryphora auf, mit einer neuen Art B spe
ciosa von Rhodus und den östlichen Inseln des griechischen Archi-
pels. Die stellt sich in die Mitte zwischen Atherix und Thereua
Sie ist von schlanker Form, mit vorragender Stirn, vortretendem
aufgekrummten Rüssel, sehr dicken 3gliedr. Fühlern, das erste Glied
.aufgetrieben, eiförmig, das zweite sehr klein, das dritte kegelförmig
ohne Endgriffel, (lieber die Haftläppchen zwischen den Klauen
welche über die nähere Verwandtschaft mit Thereua oder Atherix
entscheiden würden, hat der Verf. nichts angezeichnet). Das Betragen
niehr wie bei Atherix. Das Insect lief auf Arbutusbüschen im Schat-
ten oder in der ersten Morgensonne umher, mit den Flügeln schwin-
gend und den Hinterleib überkrümmend.
Scenopinii. Zetterstedt (Dipt. Scand. 111. p. 897) stellte
eine neue Art, Scenopinus furcinervis auf, nach einem zu Lund
am Fenster gefangenen Männchen mit doppelt gegabeltem dritten
-Langsnerv des Flügels.
i> i^°i]ieh^a^ Macquart (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. II.
1. iu. pi. 4. 5) hat die Geschlechtsunterschiede im Flügelgeäder in
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1814. 151
Untersuchung genommen, und die Flügel einer grossen Zahl von Do-
lichopus- Arten abgebildet, wo diese Unterschiede sehr bestand,? ;s,nd.
Sie bestehe» in folgenden Punkten: 1. An der Spitze der MediasU-
„umsnerven, welche sich gegen die Mitte ihrer Lange verengen
finde« sich bei den Männchen ein schwarzer Schwielenpunk welcher
bei den Weibchen weniger deutlich ist oder auch ganz fehlt. 2. Der
grosse Quernerv ist gewöhnlich beim <? mehr gegen die Spitze ge-
rückt als beim 2- 3. In Folge davon ist die Strecke des Externo-
Mcdiannerven vom Quernerven bis zur Krümmung oder dem Knie
beim S kürzer als beim Q. 4. Das Knie oder die Krümmung des
Externe -Mediannerven ist beim J gewöhnlich starker ausgebildet
„,. beim o _ Diese Geschlechtsunterschiede Hessen sich jedoch
nur bei Dolichopus feststellen, bei den übrigen Gattungen gelang es
nicht, dergleichen zu ermitteln. ^
Wihlberg .heilte eine, die Lebensweise der Dol.chopoden be-
treffende Beobachtung mit, welche er am westlichen Sees.rande
Schwedens machte. Nach einem Sturm nämlich, sah er den vom
M e e n eckt gewesenen Sand mit Schwärmen von Dipteren be-
Teekt deren Mehrzahl aus verschiedenen Dolichopoden bestand
telche eine in Menge ausgespülte kleine Nais-Art zum Futter au -
suchten. Unter diesen Dolichopoden fand sich auch Rhaph.umfla-
!1m, von welchem der Verf. hier das bis jetzt unbeschr.e-
b ne'Männchen kennen lehrt. Aus dieser Art bildet er eine neue
Gattung Thiuophilus, welche, im Ausehn einer Cordylura n ich un-
äh Hch, die wesentlichen Merkmale der v-ohicden^Itop^a^
gen dieser Familie in sieh verbindet, ..aml.eh d.e Kopf- und Taster-
Mdung von Rhaphium, die Flügelzeichnung von Hydrophorus, de
Fühleirm von Dolichopus und die Begattungstheile von Ammoba-
,es Eine zweite Art der Gattung ist Rhaphium maeuhcorne Zet .
(Kröy. Naturh. Tidsskr. N. R. p. 41. Ofvers. K. Vet. Acad. Forhandl.
1844DPer3s7)(Üfvers K. Vet. Acad. Forhandl. 1844. p. 109) beschrieb
zwei neue Lappländische Arten Hydrophorus alpinus wdMe-
deterus paradoxus. Diese letztere Art, bemerkt der Verf.,
scheint mit Dol. scambus, curvipes, femoralis, pumilio, pteticorms
u a eine eigene Gattung zu bilden, der man am besten den Namen
Medeterus lässt, und Hydrophorus für H. regius b.puuctatus,
moreus u. s.w. behält. Die Arten mit fast ends.and.ger Fühler-
börste und weit «ntergebogener Hinterleibsspitze des Mannchens,
wohin iaculus, rostratus u. a. gehören, erfordern unbedenklich <he
Errichtung einer eigenen Gattung, welche wegen des aufrechten Gan-
ges der Thierchen mit Ort hob ates sich treffend beze.chnen Hesse.
Bombyliarii. Loew (Entom. Zeit.) beerte ,dte»e Fa-
milie mit vier neuen Gattungen. Platypygus (S. 127. 1. 2. K b-b),
mit sehwach behaartem Körper, buckligem M.ttelle.be breitem
flachem Hinterleibe, die Flügel mit drei Nerven aussendender Dl
152 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
scoidalzelle und einer Submarginalzelle. Hat Aehnlichkeit mit Usia,
im Ansehen und im Betragen, entfernt sich aber durch das Flügelgeäder
merklich von den übrigen Bombyliariern. PL C hrysant hemi,
neue Art von Rhodus und den griechischen Inseln, in den Frühlings-
monaten auf Chrysanthemum, dessen Blüthenstaub sie mit grosser
Gier verzehrt. - Eclimus (S. 154. T. 2. F. 9-11) schliesst sich
Systropus durch seine schlanke Dioctrien- ähnliche Form an, unter-
scheidet sich aber ausser der nicht keul-, sondern walzenförmigen
Gestalt des Hinterleibes sowohl durch die Bildung des Untergesichts
und der Taster, als auch durch das Flügelgeäder, indem aus der
Discoidalzeire drei Nerven entspringen, wodurch eine Hinterrands-
zelle mehr gebildet wird. E. p erspicillaris, in Kleinasien, und
den benachbarten griechischen Inseln, auf niedrigen Pflanzen, von
deren Blüthenstaub er sich nährt, und E gracilis, von der Süd-
küste Kleinasiens. — Chalcochit on (S. 157. T. 1. F. 14 — 17) vom
Ansehn eines Mulio, von welchem die neue Gattung sich jedoch
durch kurzen, mit einem Knöpfchen endigenden Rüssel und durch
vorhandene Haftläppchen sich unterscheidet. C/i. speciosus von
der Südküste Kleinasiens. — Oligodranes (S. 160. T. 2. F. 13— 16)
stimmt mit Phthiria in den Fühlern mit doppelter Endborste, mit
Geron im Flügelgeäder überein, unterscheidet sich aber von beiden
durch breiteren und gerundeteren Mittelleib, ungekrümmten, an der
Wurzel dickeren Rüssel, und die Länge und eigenthümliche Form
der Taster. O. obscuripennis und fumipennis, in Kleinasien
und Griechenland, in den Frühlingsmonaten, in der heissen Morgen-
sonne um Grashalme schwärmend , und sich vom Blüthenstaube, vor-
züglich der Gräser nährend, gegen Abend unbeweglich an den Hal-
men hängend. Die Männchen sah der Verf. nie Nahrung zu sich
nehmen.
Stratiomydite. S tag er (Entom. Zeit. S. 403) prüfte die
Linneische Musca hypoleon und kam zu dem Ergebniss, dass sie auf
Oxycera pulchella Meig. zu beziehen sei. (Mehr darüber im näch-
sten Bericht).
Stratiomys argentata F. so wie Oxycera hypoleon (Zeit) und
leonina sind von Jacobsen in Dänemark aufgefunden. (Kröv Nat
Tidsskr. N. R. I. p. 40).
Die Larve der Clitellaria ephippium ist von Märkel (Germ
Zeitschr. f. d. Ent. V. S. 266. 478) entdeckt worden. Sie lebt in den
Nestern der Formica fuliginosa. Die Larve war gegen Ende März
aus dem Neste genommen, und gegen Ende des April schlüpfte die
Fliege aus.
Syrphici. Rondani (Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. p. 61) hat eine
Monographie der italienischen Calticera- Arten geschrieben. Die Ar-
ten sind folgende. 1. C. Spinolae: Hinterleib mit zwei tiefschwar-
zen Querbinden, Schenkel beim Weibchen ganz roth. Häufig in
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 153
Mittelitalien im October, vorzüglich auf den Blüthen von Solidago
virgaurea. — 2. C. Roser ii. Hintoileib an den Seiten des zweiten
und zuweilen auch des dritten Ringes mit dunkler Binde; Schenkel
bei beiden Geschlechtern schwarz mit rother Spitze. Aus den Vor-
hergen der Apenninen Mittelitaliens, im September und October.
3. C. Macquartii: Hinterleib ohne Binden, zweites Fühlerglied
nur halb so lang als das erste; Augen bei beiden Geschlechtern be-
haart. Im Gebiet von Parma. — 4. C. aurata Rossi {aenea Meig.)
Hinterleib ohne Binden, die beiden ersten Fühlerglieder von gleicher
Länge, die Augen des Weibchens kahl. Sehr selten in Deutschland,
Frankreich, Italien. Eine 5te Art C. Pan%eri vermuthet der Verf. in
C. aenea Panz., welche, wenn die Abbildung genau ist, durch die
grosse Länge des zweiten Fühlergliedes, welches viel länger ist als
das erste, von den übrigen Arten abweicht. (Eine 6te Art würde C.
rufa Schum. Arb. d. Schles. 1841 sein, welche in den Verhältnissen
der Fühlerglieder mit C. Macquartii übereinstimmt, aber ganz rothe
Beine hat, und ausserdem durch ihre rothe Behaarung sich auszu-
zeichnen scheint).
Mehrere neue lappländische Arten dieser Familie sind von
Wahlberg (Öfvers. Vet. Acad. Fö'rhandl. 1844. p. 64) beschrie-
ben: Helophilus affinis (zwischen H. pendulus und trivit-
tatus in der Mitte stehend, H. lapponicus , dem H. arcticus Zett.
zunächst verwandt, H. bottnicus, in Ansehen und Betragen einer
Criorhina ähnlich; Brachyopa cinerea, bleigrau, Hinterleib
schwarz mit rothbrauner Spitze. Scaeva latimana.
R ob ine au Desvoidy (Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. p. 39) stellte
eine neue Art von Brachyopa auf, Br. scutellaris, welche indess
wohl kaum von Br. bicolor verschieden sein möchte.
Menopii* Loew hat eine Art der sonst nur aus Südamerika
bekannten Gattung Philopota in Kleinasien und auf der Insel Stanchio
entdeckt und sie als Ph. murin a sehr genau beschrieben (Entom.
Zeit. S. 162. T. 2. F. 17-21).
Conopicfi. Zetter stedt (Dipt. Scand. III. S. 942) unter-
schied eine Myopa Sundewalli von M. atra, indem der dritte und
vierte Längsnerv bei dieser an der Spitze sich vereinigen, bei jener
nicht; auch ist die neue Art, welche bei Fallen und Meigen unter
den Abänd. der M. atra sich findet, grösser (2—3'") und hat einen
greisen Hinterleib mit undeutlichem schwarzem Längsstreif.
JPlatypezina. Ders. hat in seiner Bearbeitung dieser Fa-
milie für die Scandinavische Fauna mehrere neue Arten beschrieben:
Platypeza vittata aus Schweden und Dänemark, PI modesta
Stäg. i. litt, aus Schonen und Seeland, P. consobrina aus dem
mittleren Schweden, Callomyia Zetterstedti Wahlb. i. litt, aus
Ostgothland.
JPipunculini. Ders. (ebendas.) bereicherte diese Familie
mit folgenden neuen Arten: Nephrocecus flavicornis, aus dem
154 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
südlichen Schweden, Pipunculns fus ctpes Stäger i. litt., unico-
lor, fnsculus, fascipes, obtnsinervis.
Oestriiles, Ders. (ebendas.) stellte zwei neue Arten auf
Gastrus ferruginatus und nigritus. Der erste stimmt mit
G. iubarum Meig. , welcher Männchen des G. pecorum ist, überein,
ausser darin, dass die Binde zwischen den Flügeln braun, und dass
die Brust nicht schwarzhaarig ist, und ist vermuthlich nur Abänd.
desselben. Ebenso möchte der zweite, trotz der abweichenden Fär-
bung der Behaarung (atro-villosus, pectore antice abdominisque basi
cano-hirtis, ano rufo- villoso) nur Abänderung des G. nasalis sein,
von welchem der Verf. auch G. salutaris wegen der unten schwarz-
zottigen vorderen Schenkel unterscheidet. Im Flügelgeäder stimmen
sie überein. Ob die Färbung der Behaarung hier Artverschiedenheit
bedeutet, muss noch durch Zucht aufgeklärt werden.
Die von mir im vorigen Bericht (S. 322) in Betreff des Oe. Ta-
randi und Trompe geäusserte Ansicht wird von Zetterstedt (eben-
das.) und Boheman (Arsberätt. om Zool. Framst. u. a. 1843. 1844.
p. 189) bestättigt: Zetterstedt beschreibt von jeder Art beide Ge-
schlechter, und sagt, dass die Larven von Oe. Trompe in den Stirn-
höhlen, im Schlünde und unter der Zunge des Rennthiers lebe, wäh-
rend Oe. Tarandi bekanntlich die Hautbremse ist. Boheman hat
beide Arten in Paarung getroffen. Die beiden Geschlechter des Oe.
Trompe unterscheiden sich durch äussere Kennzeichen nicht merk-
lich, und auch das Männchen des Oe. Tarandi ist seinem Weibchen
sehr ähnlich, nur dass ihm die längere Legeröhre fehlt; es wird
aber deshalb weniger leicht gefunden, weil es nicht, wie das Weitn
chen, die Rennthiere umschwärmt, sondern gewöhnlich an Steinen
und dergl. still sitzt. — Hinsichts des deutschen Oe. Trompe habe ich
jetzt, nachdem ich eine Anzahl schöner und frischer von Boheman
in Lappland gefangener Stücke verglichen habe, meine Meinung ge-
ändert, und halte ihn für eine von der Lappländischen verschiedene
Art, Oe. auribarbis Meig., zu welcher auch Oe. rufibarbis Wied.
Meig. als verflogenes Stück gehören mochte. Eine schöne Abbildung
dieser deutschen Art mit Puppentönnchen und Larve hat Ratze bürg
(Forstins. 111. T. 10. F. 13) gegeben; er betrachtet sie (ebendas.
S. 155) mit Recht als die Nasenbremse des Rothwildes.
J. Goudot (Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. p. xli) beschrieb eine neue
Art, Cuterebra noxialisy aus Neugranada. Die 3 Centimeter
lange Larve lebt unter der Haut der Hausthiere, der Hunde sowohl
als der Rinder. Die Amerikaner nennen sie Gusano oder Nuche.
Um ihre Thiere davon zu befreien, drücken sie auf die Stelle, wo
die Larve sitzt, so dass diese stirbt (?) waschen dann die Wunde
mit Salzwasser, und bestreuen sie mit den gepulverten Früchten der
Asagrea offinalis.
JNCuscariae. Zetters tedt's Bearbeitung dieser Familie in
Naturgeschichte der Insccten wahrend des Jahres 1844. 155
den Dipt. Scand. 111. erstreckt sich über die Haematomyxides , Tu-
chinuriac , Phasiariae und Dexiariae.
Schätzbare Beobachtungen über die Naturgeschichte der forst-
lich wichtigen Muscarion hat Ratzeburg (Forstins. 111. S. 162) mit-
getheilt. Es kommen hier vorzugsweise Tachinarien in Betracht.
In Betreff der Ansicht des Verf. , dass auch die Fliegen ihre Eier
nur an kranke Raupen legen, bexiehe ich mich auf das, was ich über
diesen Umstand bei den Hymenopteren bemerkt habe.
Etudes sur les Myodaires des environs de Paris, parRobineau
Desvoidy (Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. p. 1). — Der Verf. beabsich-
tigt die Muscarien der Pariser Gegend zu beschreiben, und macht
hier den Anfang mit den Macromydae, welche die Gattungen Peleteria,
Fabricia '■ , Echinomya, Servülia , Eurithia, und den Anthophilae,
welche die Gattungen Linnaemya und Bonellia erhalten.
Loew (Entom. Zeit. S. 168. T. 2. F. 26 — 29) stellte eine neue
Gattung Phylloteles auf, welche mit der Gestalt und dem Ansehn
einer Miltogramma ein sehr auszeichnendes Merkmal in der Fühler-
borste besitzt, welche 3gliedr. ist mit blattartig breitgedrücktem
Endgliede. Die Art Ph. pictipennis ist in Kleinasien entdeckt
worden.
Ders. (ebenda S. 226. 266) hat die Arten von Ocyptera einer
gründlichen Prüfung unterworfen. Die Arten theilen sich in zwei
Gruppen nach der Gestalt der Fühlerborste, welche bei der einen
von gewöhnlicher Form , bei der anderen am Ende breit gedrückt
ist. Zu der ersten Gruppe gehören 1. O. coccinea Mg., 2. O. rufi-
frons, n. A. von Rhodus, 3. 0. pilipes, n. A. von Constantinopel
und Brussa, 4. O. brassicaria F., 5. O. intermedia Meig., 6. O. bre-
vicornis n. A. aus Oesterreich, 7. O. setulosa n. A. aus der Po-
sener Gegend, 8. O. coar et at a 11. A. ebendaher, 9. 0. scalaris
n. A. von Wien. — Die zweite Gruppe enthält: 10. O. gracilis n.
A. aus der Gegend von Posen, 11. O. costalis n. A. von der Süd-
küste Kleinasiens.
Ders. (ebendas. S. 15) unterwarf auch die Gattung ldia einer
sorgsamen Prüfung und zeigte, dass die Gattung Khynchomyia Macq.
(Tachi/ta columbina Meig.) mit derselben zu vereinigen sei, da der
zwischen ihnen bestehende Unterschied in der Behaarung der Füh-
lerborste nicht scharf genug ist. Der Verf. beobachtete die folgen-
den vier Arten lebend: 1. /. lunata Wd. {Muse, lunata F. Id. fasciata
Mg.) über ganz Südeuropa nach Kleinasien und Madeira verbreitet,
2. /. concinna (Muse, concin. Germ. Faun., Tachin. columbina Mg.)
aus Kleinasien, Griechenland, Dalmatien, Südfrankreich, 3. /. spe-
ciosa n. A. aus Kleinasien, Griechenland, Ungarn, 4. /. cyane-
scens n. A. aus Kleinasien. Sie fanden sich stets auf Blumen, und
zehrten vom Blüthenstaube.
Wahlberg ( Öfvers. K. Vet. Acad. Förhandl. 1844. p. 66) be-
reicherte Mesembrina mit einer neuen lappländischen Art M. re-
156 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
splendens, von der Körperform der M. mystacca, und der Färbung
und Bekleidung der M. rneridiana, aber kleiner als beide.
Ueber die schwedischen Arten der Ephydrinen hat Stenham-
mar der Storkholmer Akademie eine Abhandlung vorgelegt, welche
in deren Schriften vom Jahre 1843 aufgenommen wird (Öfvers. K.
Vet. Acad. Förhandl. 1844. p. 35). Ausser der hier gegebenen kur-
zen Anzeige, ist mir diese Arbeit bis jetzt nur aus einem weiteren
Auszuge bekannt geworden, den Boheman in seinem Arsb. 1843.
1844. S. 192 mitgetheilt hat. Der Verf. macht zunächst auf einen
zum Munde gehörigen Theil aufmerksam, der sich bei allen Dipteren
findet, bei den meisten freilich sehr verkümmert, der aber bei den
Ephydrinen zu einer besonderen Entwicklung gelangt, und wie ein
horniger Ring die Mundöffnung umgiebt. Diesen Theil nennt der
Verf. Praelabrum. Ferner ist die Verschiedenheit der Ausbildung
des Flügellappens (lobus alae, der am Hinterrande des Flügels zu-
nächst der Einlenkung gelegene längere oder kürzere Fortsatz) zur
Sprache gebracht, und die Vermuthung aufgestellt, dass die Entwick-
lung dieses Theils mit dem Flugvermögen in Zusammenhang stehe,
welches sich nämlich bei allen den Formen unvollkommen zeigt, wo
der Flügellappen verkümmert ist. Der Hinterleib ist immer aus
sechs Ringen zusammengesetzt, wenn auch anscheinend nur fünf vor-
handen sind, indem das sechste beim Weibchen sehr kurz, beim
Männchen als Decke für die Geschleehtstheile untergeschlagen wird.
Die verschiedenen Formen dieses sechsten Ringes sind für die Ein-
theilung der Ephydrinen von Bedeutung. Der Werth der einzelnen
Kennzeichen wird vom Verf. bedächtig erwogen. Die Eintheilung ist
folgende :
Trib. I. Nervo alarum quarto post transversum ordinarium versus
costam incurvato. — Gen. 1. Ochthera Latr. 1. Art (0. mantis
Latr.).
Trib. II. Nervo alarum quarto post transversum ordinarium ter-
tioque parallelis. — Gen. 2. Ephydra Fall. Sect. I. Ephydra
(sens. propr.) Epistoma fornicatum, setulosum. «. epistomate superne
tuberculato prominulo; 9 Arten, worunter 6 neue. (E. riparia Fall.)
— ß. epistomate etuberculato, superne convexo declivi. 3 Arten,
2 neue. (E. quadrata Fall.) — Sect. 2. Epipela. Epistoma forni-
catum, superne carinato-tuberculatum, 1 neue Art, (E. notata). —
Sect. 3. Parydra, Epistoma versus aperturam subconice arcuatum.
6 Arten, 2 neue (E. aquila Fall).
Gen. 3. Notiphila Fall. A. Alarum nervus costalis in tertii
longitudinalis apice desinens. Sect. 1. Notiphila (sensu proprio)
Subdiv. 1. Nigro-fuscae, apice abdominis in mare appendiculato (Di-
chaeta Mg.) 1 Art (A7. caudata Fall.). — Subdiv. 2. Grisescentes ano
maris simplici (Notiphila Macq.). — a. longitudine faciei longitu-
dinem aequante. 4 Arten, 3 neue (N. cinerea Fall.) — b. longitudine
faciei latitudinem excedente. 6 Arten, 5 neue (A7. riparia Mg.). —
B. Alarum nervus costalis in quarti longitudinalis apice desinens.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 157
Sect. 2. Telmatobia. 3 Arten, 2 neue (iV. aenea Fall.). Sect. 3.
Hydrellia Macq a. segmento costali secundo tertium longitudine
excedente. 9 Arten, 7 neue. (N. flavicornis Fall.). - Sect. 4. Phil-
ygria. 11 Arten, 5 neue, (N. guttata Fall.).
Gen 4 Psilopa Fall. Sect. 1. Clatiopa, 7 Arten, 5 neue
(iV. oftjc'tireffli Fall.). - Sect. 2. P«7oj»a (sensu proprio) a. abdo-
mine ovato, apice acutiusculo, 3 Arten, 2 neue (Ps. nitidula Fall.) -
b. abdomine elliptico, obtuso. 1 Art (Ps. madixans Fall.).
Gen. 5. Discomyza, 2 Arten (D. incurva Fall),
v Heyden (Entom. Zeit. S. 203) entdeckte in den Salzwerken
zu Neuheim eine neue Fliege Coenia halophila, deren Larve im
Salzwasser der Soolkästen, und auch in den Leitungen auf den Gra-
dirhäusern lebt, im ersten und zweiten Fall, wo das Wasser bis zu
6^ nCt Salz enthält. Im dritten Fall, wo das Salzgehalt auf 27 pU.
steigt, kommt sie nicht mehr vor. Der Verf. vermuthet, dass die
Fliege mit der unter gleichen Verhältnissen sich entwickelnden Ephy-
dra *salinaria Bouch. einerlei sein möchte, das ist aber nicht der
Fall- diese letztere, welche ich auch an den Gradirwerken bei Greifs-
wald angetroffen habe, ist eine eigentliche Ephydra, und schon aus
Bouche's genauer Beschreibung der Fühlerborste geht hervor, dass
sie keine Coenia sein kann.
Stäger (Kröy. Naturh. Tidsskr. N. R. I. p. 36) setzte die Unter-
schiede von Scatophaga Maria, inquinata und spurca Meig. aus
einander. Die erste hält er für die in Schweden und Dänemark
häufig vorkommende Art und einerlei mit Scatomyz. suilla Fall.
Die Sc spurca Meig. kommt mit Sc. lutaria var c. Zett. Ins. Läpp,
am nächsten üb er ein , unterscheidet sich aber durch hell rothgelbe
Fühler, schwärzlichen Rand auf den Gelenken des hell russfarbigen
Hinterleibes bei beiden Geschlechtern, und dadurch, dass beim
Männchen alle Schenkel und die Innenseite der hinteren Schienen wollig
behaart sind, während sie beim Männchen der S. lutaria nur kurz-
haarig sind, wogegen bei dieser die hinteren Schienen mit einer
Reihe schwarzer Borsten und Dornen besetzt sind, die der S. spurca
ganz fehlen. S. inquinata, welche nach Meigen von S. spurca nur
durch gleichfarbige Ränder der Hinterleibsringe und ganz klare Flü-
gel abweicht, hat der Verf. nicht ganz so gefunden, wohl aber
solche Stücke, welche einen dunklen Rand der beiden ersten Hinter-
leibsringe und fast klare Flügel haben.
Ders. (ebendas. S. 38) zeigte, dass Fallens und Meigens Scio-
myxa glabricula zwei verschiedene Arten sind, deren Synonymie
vom Verf. auf folgende Weise festgestellt wird: 1. Sciomyxa gla-
bricula Fall. Zett., Sciomyx. nigrimana Meig., Opomyxa ventralis
Meig. - 2. Sciomyxa angustipennis Stäg., Sciomyx. glabricula
Meig. Macq.
Ders. (ebendas. S.22) unterwarf die dänischen Arten von Sepsis,
(mit Einschluss von Cheligaster und Nemopoda Macq.) einer gründ-
158 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
liehen Prüfung. Die Arten gruppiren sich auf folgende Weise: I.
Flügel mit einem Spitzenfleck. Taster verkümmert; an den Vorder-
beinen der Männchen: der Unterrand der Schenkel erweitert, ge-
zähnt und bedornt, die Innenseite der Schienen eingeschnitten. Hin-
terleib des Männchens ohne Borsten. 1. S. punctum Mg., 2. S. vw-
lacea Mg., 3. S. cympsea Mg., 4. S. flavimana Mg.?, 5. S. mgripes
Mg.?, 6. & atripes Macq.? _ II. Flügel ungefleckt. - A. Füsse der
Mannchen ohne Auszeichnung. A. Taster faden- oder walzenförmig,
sehr klein, Vorderbeine der Männchen wie bei der vorigen Abthei-
lung. — a. Hinterleib des Männchens mit einem Borstenpinsel auf
jeder Seite des letzten Ringes. 7. S. putrisMg, 8. S. ciliata n. A.,
im Mai nicht selten in Niederungen, 9. S. Leachii Mg. — b. Hinter-
leib des Männchens ohne Borstenpinsel: 10. S. Fa llenii Stäg (cy-
lindrica Fall. Leachi Zett. Ins. Läpp.), U. S. lucida n. A. in Süm-
pfen im August, in grosser Menge. - B. Taster verkümmert Vor-
derbeine der Männchen ohne Zähne und Dornen. 12. S. cylindrica
Mg. {nitidula Fall.), 13. S. varzpes Mg. {coxarum Zett.?, Nemopod-
nigrilatera Macq.). - JR. Beim Männchen die Mittelfüsse erweitert
die Vorderschenkel mit erweitertem und bedorntem Unterrande die
Vorderschienen eingeschnitten; der letzte Hinterleibsring mit einem
oft kaum merklichen Borstenbüschel auf jeder Seite. 14. S. annu-
h'pes Mg. (Nemop. annulip. Macq. Enicopus annulip. Walk. Macq.).
Die Naturgeschichte der Piophila petasionis wurde von Leon
Dufour (Ann. d. scienc. nat. 3. ser. I. p. 365) beschrieben. Die
Larve lebt auf ähnliche Weise im Schinkenfett wie die der Piophila
casei im Käse, springt auch ebenso. Sie unterscheidet sich von der
Käsemade dadurch, dass die Hinterleibsspitze in ein Paar Haken aus-
geht. Im innern Bau zeigt die Larve nichts Besonderes. Beim voll-
kommenen Insect ist auf dem Mastdarm bei beiden Geschlechtern
ein Paar kugelförmiger, fleischiger Knöpfe zu bemerken.
Loew (Germ. Zeitschr. V. f. d. Ent. V. S. 313. Taf. 1. 2) hat
eine „kritische Untersuchung der europäischen Arten des Genus 2Vy-
peta Meig.» angestellt. Eine treffliche, reichhaltige Arbeit, welche
theils die Synonymie auf eine sehr gründliche Weise sichtet, theils
die Zahl der Arten auf eine namhafte Weise vermehrt. Die Bestim-
mung derselben wird dadurch in hohem Grade leicht gemacht, dass
die Flügelzeichnung fast bei allen Arten durch äusserst saubere Ab-
bildungen erläutert ist. Die von Neueren aufgestellten Gattungen hat
der Verf. nicht angenommen, da sie auf unwesentlichen Kennzeichen
beruhen, und er folgt deshalb der Meigenschen Eintheilun* welche
allerdings das Auffinden der Arten mehr erleichtert. Da die Abhand-
lung Jedem zur Hand sein muss, der sich mit dieser Gattung be-
schäftigt, wurde es überflüssig sein, den Inhalt derselben weiter aus-
einander zu legen. Nur einige Bemerkungen schliesse ich hier noch
hL r Tr!/P"eTraM (= Onopordinis F. Mg.) ist das Synonym
hinzuzufügen; Tephr. vartpennis Macq. Dipt. exot. II. 226. 9. pl 31
i Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 159
f. 1. — Nur auf Tryp. amicivora des Verf. kann Tr. flavicauda Mg.
bezogen werden, nicht allein weil die Beschreibung nur auf sie zu-
trifft, sondern weil Meigen auch die bestimmte Angabe hat, dass die Larve
in Arnica montana lebt. Es dürfte daher wohlgethan sein, der Art
den Meigenschen Namen so lange herzustellen, bis es bestattigt ist,
dass sie die wahre M. Arnicae Lin. ist, wie der Verf. vermuthet. —
Tryp. guttulart's von Hoffmannsegg, der diese Art nach portugisischen
Stücken zuerst aufstellte, ist von der Meigenschen, die diesen Namen
behalten muss, verschieden, sie bestand nämlich aus Tr. Matricariae
und praecox Loew. — Tryp. ramulosa des Verf. ist nicht, wie der-
selbe angiebt, aus Portugal, sondern von Ragusa.
Stäger (Kröy. Nat. Tidsskr. N. R. I. p. 16) zeigte, dass Droso-
phila fenestrarum Fall, und Meig. zwei verschiedene Arten sind,
nämlich 1. Dr. fenestrarum Fall. Zett. , <? Dr. melanogaster
Mg., 9 Dr. virginea Mg. £ W« Dr. nitidiventris Mg., den ganzen
Sommer hindurch häufig auf Kletten und anderen breitblättrigen
Pflanzen. - 2. Dr. confusa Stäg., Dr. fenestrarum Mg. Mcq., Dr.
funebris Fall. var. b. d* ; findet sich vorzüglich auf frischen Baum-
stöcken, weniger häufig als die erstere Art.
Zwei neue Gattungen der Agromyziden wurden von Wahlberg
in Lappland entdeckt. 1. Amphipogon (Öfvers. K. Vet. Academ.
Förhandl. 1844. p. 217. T. IV. F. A. Hornsch. Archiv Scandinav.
Beitr. III. S. 446. T. 4. A.) hat einige Uebereinstimmung mit He-
teroneura geomyzina Fall., das Weibchen gleicht der Scatophaga
bicolor, nur dass es um die Hälfte grösser ist, das Männchen hat
eher das Ansehen einer Cordylura, und zeichnet sich durch einen Bart
unter den Wangen und am letzten, mit einem Anhange versehenen
Hinterleibsringe, so wie durch Bewaffnung und Bekleidung der Beine
aus. A. spectrum, 2'" und darüber lang, lebt am Fuss der lapp-
ländischen Alpen, in schattigem, feuchten Weidengesträuch, auf Pil-
zen. _ 2. Selachops (Öfvers. K. Vet. Acad. Förhandl. 1844. p. 67)
hat die Kopfform von Tetanops und Oxyrhina, zeichnet sich aber
durch die Einlenkung der kleinen Fühler mit fast endständiger Borste
aus, welche in besonderen Gruben fast versteckt sind. S. flavi-
cincta wurde im Juni an den Ufern der Luleä-Elf in Menge ge-
funden.
Loew (Entom. Zeit. S. 321) stellte eine neue Gattung Eucoe-
locera auf, welche ohne Zweifel mit der eben besprochenen zusam-
menfällt. Sie wurde auf einer bei Aschersleben im Mai gefundenen
Art E. bicolor begründet, welche selbst mit Selachops flavicincta
so grosse Uebereinstimmung hat, dass sie vorzüglich nur in der
Grösse abzuwerten scheint (die Löwsche Art hat 2£'", die Wahl-
bergsche \\'" Länge).
Guerin hat sich mit den Chlorops- Arten beschäftigt, welche
dem Getreide nachtheilig werden. Im Roggen und Weizen lebt Chlor-
ops lineata auet., in der Gerste eine neue Art Chi. Herpini (Rev.
Zool. p. 30. Compt. rend. XV11I. p. 163).
1(30 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
H e m i p t e r a.
Ventatomides. Herrich - Schäffer (die wanzenartigen
Insecten 7. Bd. 2—6. Hf.) hat eine Revision der Pentatomiden ange-
stellt, welche zugleich eine Beurtheilung der Eintheilung von Spinola
(S. Jahresb. f. 1838. S. 256) ist. Es sind zugleich mehrere neue
Gattungen aufgestellt und eine Anzahl neuer Arten abgebildet wor-
den. — Die neuen Gattungen sind: 1. Qastraulax, hat eine tiefe
Rinne auf dem Bauche wie Halys, die Einlenkung der Rüsselscheide
aber wie bei Pentatoma; zwei neue Arten G. torquatus von Ma-
nila und G. thalassinus aus Guinea. — 2. Basicryptus, von
Aspongopus durch scharfschneidigen Kopfrand, und die Verhältnisse
der Rüsselglieder unterschieden; aus Ed. costalis Germ, vom Cap
gebildet. — 3. Plat acant ha, der zweite Hinterleibsring mit einem
breiten Dorn, der bis über die Mittelhüften hinaufreicht, Brust ohne
Kiel and Rinne. Die einzige Art ist Edessa cerea Germ, vom Cap.
Neue Arten sind Disco cep hala humilis Kl. aus Columbien, Em-
picoris (= Dinidor Lap.) Renggerii und corrosus aus Para-
guay, Ochlerus (Spin.) coriaceus Kl. aus Columbien, lutosus
Germ, und sordidus Germ, aus Brasilien, Phy llocephala con-
gesta Germ., irrthümlich aus Brasilien angegeben, ist Ph. Senega-
lensis Lap. vom Senegal, Ph. dt st ans, nicht aus dem mittleren
Afrika, wie der Verf. vermuthet, sondern aus Ostindien, Dichelops
(Spin.) fissüs Kl. vom Senegal, Aspongopns melanopterus aus
Nubien (ist Edessa viduata F.) Pentatoma croceipes von Para-
guay (auch in Brasilien), scabricornis aus Brasilien, con jun-
gem vom Cap, notulata aus Mexiko, stmivittata aus Pensyl-
vanien, tristigma aus Nordamerika, scisszcollis aus Neuholland,
spiniceps wahrscheinlich aus Südamerika, Asopus nummularis
(bereits von mir beschrieben) aus Neuholland, chrysopterus von
Guaham, armiger aus Bengalen (ist furcellatus Wolff), tristis
(A. moesta tf Germ.) aus Südafrika, ebulinus aus Brasilien,
Edessa albirenis aus Carolina. — Zu bemerken ist ferner, dass
die als Storthia livida und Empicoris maculatus abgebildeten Arten von
den Pertyschen verschieden und neu sind, dass Phy llocephala für-
cata F. des Verf. Ph. histeroides Fab., und dass Pentatoma acino-
rum Germ, nicht verschieden von Cim. versicolor F. ist.
Schiödte (Krö'y. Nat. Tidsskr. N. R. I. p. 19) beschrieb die
kaum lj'" langen jungen Larven von Phloea corticata Dr., welche
er unter dem Bauche eines Weibchens derselben angetroffen hatte.
JLygaeites* Fieber (Entomol. Monogr. & 112) hat die Gat-
tung Ophthalmicus monographisch bearbeitet, und mit einer Anzahl
neuer, grossentheils von Helfer entdeckter Arten bereichert. Die
Arten sind in folgender Weise gruppirt: 1. Clavus vom Corium deut-
lich geschieden, in der Schlussnaht beweglich. A. Pronotum quer
über breiter als lang, trapezförmig, a, Schildchen an der Spitze ge-
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. |(Ji
rundet. 1. 0. hiridu.s vom Euphrat, 2. 0. erythrocephalus , Said,
erythr. Enc, 0. frontalis Friv. Hahn. Wanz., aus Südfrankreich, Ru-
melien, vom Euphrat. 3. 0. ruficeps Germ, vom Cap, 4. O. ßaviceps
Burm. von Luc,on. — b. Schildende spitzig, Halbdecken weisslich
gelb. 5. 0. lituratus aus Hinterindien, 6. O. ochropterus eben-
daher, 7. O. sie ulus aus Sicilien, 8. angularis ebendaher, 9. O.
colon, aus Hinterindien. — B. Pronotum fast länger als breit, vorn
sehr verengt, die Seiten geschweift, die Augen fast ganz über die
Halsschildwinkel vorstehend. 10. O. plagiatus, aus Ostindien. —IL
Clavus mit dem Corium ohne Gelenkigkeit verwachsen. 11. 0. albi-
pennis, Said, albip. F. aus verschiedenen Gegenden Europa's, 12. O.
phaeopterus Germ, aus Südafrika, 13. 0. ater, Said. atr. F., 14. O.
Steveni, Said. Stev. Enc. aus Frankreich, 15. S. lineola Ramb. aus
Andalusien, 16. O. Vllrichii, aus Oesterreich und Ungarn. — III.
Der Clavus fehlt gänzlich. 17. 0. grylloidcs, Gm. gryll. L. — 18.
O. lapponicus Zett. aus Lappland, 19. O. dispar Waga. Die beiden
letzten Arten sind ihrer Stellung nach unsicher, die letzte vermuthet
der Verf. aus O. grylloides cf und üllrichii 9 gebildet.
In den Nestern der Formica rufa findet sich häufig eine kleine
Anthocoris, welche Boheman Öfvers. K. Vet. Acad. Förhandl. 1844.
p. 158. n. 23 als A. formicetorum beschrieb. Sie steht der A.
exilis zunächst, von der sie sich durch geringere Grösse, vorn nicht
gerunzeltes Halsschild und weisslichen Hauttheil der Halbdecken un-
terscheidet. — In den Nestern derselben Ameise wurde von Märkel
(Germ. Zeitschr. f. d. Ent. V. S. 262) Microphysa myrmecobia%
eine neue und zweite Art dieser merkwürdigen Gattung entdeckt,
welche zugleich in den Nestern der Form, fuliginosa aufgefunden ist.
Aradites* Leon Dufour (Ann. Soc. Ent. Fr. IL p. 447.
pl. 10. I.) hat zwei unter Tannenrinden in den Pyrenäen gefundene
Aradus-Arten für neu gehalten und als A. dila latus und A. elli-
pticus beschrieben-, beide sind indess Linneische Arten, und zwar
die erstere A. corticalis, die zweite A. betulae.
Tingidites. Diese Familie hat Fieber (Entom. Monogr.
S. 20) auf eine sehr gründliche Weise bearbeitet und nicht allein
viele neue Arten, sondern auch eine Reihe neuer Gattungen aufge-
stellt. Die Eintheilung ist folgende:
I. Schnabelscheide frei auf der Brust liegend , Kopf mit hörn-
förmigen Wangenfortsätzen. Halbdecken. /
1. Gatt. Zosmenus Lap. 6 Arten.
II. Schnabelscheide zwischen den blattartigen Brustplatten lie-
gend. Netzdecken (Sagenae).
A. Netzdecken ohne deutliches Mittelfeld.
2. Gatt. Agram ma Westw. (Piesma Lap. Serenthia Spin.)
5 Arten.
Bd. L
162 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
B Mittelfeld der Netzdecken deutlich, flach oder vertieft.
3 Gatt. Taphrostethus. Mittelfeld doppelt. Clavus frei. Pro-
notum hinten kurz verlängert, 5kielig. Eine neue Art T. bco sta-
tu* aus Ostindien.
4. Gatt. Campylosteira. Mittelfeld bogig durch die ganze
Decke laufend, Pronotum vorn ausgeschnitten. 4 Arten, z. B. Ting.
verna Fall.
5 Gatt. Orjhosteira. Mittelfeld gerade, fast rautenförmig-läng-
lich, innerer Kiel gerade, parallel dem Schlussrande, Pronotum-
Scheibe fünfeckig, mit blasig überragendem Vorderrand. Clavus
durch Maschen angedeutet, nebst dem Schildchen frei. 7 Arten,
z. B. Titig. cassidea Fall.
6. Gatt. Teleia. Mittelfeld wie bei Orthosteira, Pronotum-
Scheibe viereckig, vorn ausgeschnitten, Clavus und Sehildchen voll-
kommen frei. T. cor on ata, neue Art aus Ostindien.
7. Gatt. Phatnoma. Mittelfeld schmal lanzettförmig. Pronotum-
Scheibe trapezförmig. Clavus und Schildchen vollkommen frei. P/t.
laciniata, neue Art aus Ostindien.
8. Gatt. Monanthia Lepell. et Serv. Mittelfeld länglich drei-
eckig. Pronotum -Scheibe rautenförmig. Schildchen und Clavus be-
deckt. Fühler behaart mit faden- oder walzenförmigem dritten
Gliede. Kopf kurz, seitlich viereckig. Schnabelscheide 5gliedr. lang.
Mit folgenden Untergattungen .1. P hyllontocheila, mit blattartig
erweiterten, netzmaschigen Seiten. (M. Cardui Lin.), 2. Tropido-
cheila, mit von einer erhabenen Linie gesäumten Seiten des Pronotum,
JmHalswinkel ein kleines blattartiges netzmaschiges Randstück (z.B.
M costata F.), 3. Physatocheila, mit breiten, auf die Seiten des
Pronotum umgeschlagenen, mehr oder weniger blasig aufgetriebenen,
netzmaschigen Rändern (z. B. M Amaculata Wolff). Im Ganzen 33
Arten. • . xr c ,
9. Gatt. Elasmognathus: Durch dreieckig spitzen Kopt und
kurze 4gliedr. Rüsselscheide von Monanthia unterschieden; E. H ei-
fert, neue Art, aus Ostindien.
10. Gatt. Dictyonota Curt. Durch dicke, walzige, gekörnte,
striegelhaarige Fühler von Monanthia abweichend, z. B. Ting. cras-
sicornis Fall., 4 Arten.
11. Gatt Laccometopus, von Monanthia durch kurzes, dickes,
ausser'dcr Axe des dritten liegendes letztes Fühlerglied abweichend.
Cim. clavicornis L. und 1 neue Art.
C. Mittel- und Seitenfeld der Netzdecken zusammen dachförmig
blasig - 12. Gatt. Derephysia Spin. Netzdecken über die ganze
Länge dachförmig blasig, oben gekeilt. 2 Arten Ting. foliacea Fall.,
und cristata Panz. - 13. Gatt. Tingis F., Netzdecken mit kurzer,
auf das Mittel- und Seitenfeld beschränkter Blase. 9 Arten, z. B.
T. Pyri F.
Naturgeschichte der Insecten während des Jahres 1844. 1ß3
Die sehr guten und genauen Zeichnungen des Verf., welche alle
Arten darstellen , sind durch schlechten Steindruck leider sehr ver-
unstaltet.
JTotonectides. üers. (ebendas. S. 11) hat die Gattungen
Sigara und Ploa monographisch bearbeitet. Sigara enthalt 6 Arten
nämlich ausser der S. minutissima L. und der sardinischen S. leueol
cephala Spin, vier von Helfer in Ostindien gesammelte Arten S. gri-
sea, striata, lineata, punctata. - Ploa zählt 4 Arten, indem
der europäischen PI. minutissima F. {Noton.) zwei ostindische, PL
frontalis und liturala, und eine nordamerikanische, PI. striola
zur Seite gestellt sind.
JPulffovetlae. Einige amerikanische Arten sind von West-
wood (Arcan. Eni pl. 71 ) abgebildet worden: Fulgora (Episcius)
amabilis Westw. Ann. nat. hist. 1842 aus Mexiko, Lystra com-
busta W. und Ciadop teryx obliquata, neue Arten aus Colum-
bien. In einer Anmerkung ist noch eine neue brasilische Art, Dilo-
bura subocellata W. beschrieben.
üeber das etwanige Leuchten der Fulgora candelaria hat
Bowring (Ann. nat. hist. XIV. p. 427) in China Beobachtungen an-
gestellt, im Freien sowohl als an gefangenen Laternträgern, hat aber
durchaus kein Licht wahrgenommen. Das Insect fliegt sehr gut und
wird in der Abenddämmerung vorzüglich munter. (Dasselbe ist übri
gens bei unserer F. europaea der Fall). - Für das Leuchten der
brasilischen Fulg. laternaria ist inzwischen wieder eine Stimme ab
gegeben worden: Spinola (Rev. Zool. p. 240) theilte nämlich die
Nachricht mit, dass ein Reisender, Namens Kaffer, einen dieser La-
ternträger leuchten gesehen haben will.
Cicadellae. Eine neue mit Ledra nahe verwandte Gattung
Ledropsis ist von White (Ann. nat. hist. XIV. p. 425) aufgestellt!
mit nach vorn verlängertem Kopfe, in einer Linie mit den Augen
stehenden Nebenaugen, einfachem Halsschilde, hinten sägeförmiffen
nicht erweiterton Hinterschienen. Die Art Ledrops. cancroma
ist von Hongkong.
Ebendaher ist CercopU bispecularis White (ebendas.
S. 42b), welche mdess auch häufig aus China kommt.
Die Cercopis- Arten der deutschen Fauna sind von Fieber
Entom Monogr. S. 7) erläutert worden. Er unterscheidet folgende
1. C. vulnerata Jll. in den Gebirgsgegenden in Böhmen, Oesterreich
Kram, Jllynen, Bayern. 2. C. maetata Germ., gemein in Obstgärten*
auf Grasplätzen, in Hainen und auf Wiesen. - 3. 6*. arcuata neue
Art, aus dem Mittel- und Vorgebirge Böhmens. 4. C. sanguinolenta
L., im südlichen Deutschland und den Küstenländern des Mittelmeers
Die dritte Art hat die schmalen Zeichnungen der Decken mit der
vierten, und die ganz schwarzen Beine mit den beiden ersten Arten
gemein.
L*
164 Erichson: Bericht über die vvissensch. Leistungen in der
Stridulantia. White (Ann. nat. bist. XIV. p. 426) be-
schrieb eine neue Art Cicada {Morgannia) nasalis von Hong-
kong. Auch C. sanguinea Deg. und sanguinoletita F. kommen dort vor.
Aphides. Beachtenswert für die Kenntniss der Blattläuse
ist die Bearbeitung derselben (Chermes, Aphis) von Ratzeburg in
den Forstins. (111. S, 195). i
Derselbe (Entom. Zeit. S. 9) trug auch über die Lehre der
Vermehrung und Fortpflanzung der Blattläuse seine Bedenken vor,
welche namentlich durch die Beobachtung einer Blattlausart (auf
einer Birke) hervorgerufen wurden, indem diese Art vom August bis
zum Winter lebendig gebärend blieb, und weder Männchen noch
Weibchen sich zeigten. Bouclie (ebendas. S. 81) und Kaltenbach
(ebendas. S. 133) machten darauf aufmerksam, dass die Mannchen
der Blattläuse nicht immer geflügelt sind, und daher leicht verkannt
werden können, indess fand das Räthsel noch eine andere Lösung,
indem Ratzeburg (ebendas. S. 410) mittheilte, dass es ihm durch
fortgesetzte Beobachtungen gelungen sei, im Mai des nächsten Jah-
res geflügelte Weibchen und später im Oktober auch geflügelte
Männchen und diese in Begattung zu finden. Die früher zweifelhafte
Art konnte als Aphis oblonga v. Heyd. bestimmt werden.
Westwood (Proceed. Ent. Soc. Lond. Ann. nat. bist. XIV. p.453)
gab von einer Blattlaus Nachricht, welche an Artischocken-Wurzeln
lebt und welche er als Rhixobius Helianthemi bezeichnet; sie
ist von weisslicher Farbe, und hat die Hinterbeine an den Körper-
seiten eingelenkt, und die anscheinend ungegliederten Hinterfusse sehr
verlängert - Wahlberg machte auf einen rothen Färbestoff der
Aphis tanaceticola Kaltenb. aufmerksam. (Öfvers. Vetensk. Acad.
Förhandl. 1844. p. 153. Hornsch. Arch. Scand. Beitr. I. S. 177).
Coccides. Bouche (Entom. Zeit. S. 293) theilte seine neue-
ren Erfahrungen über die Schildläuse mit. Neu beobachtete Arten
sind Aspidiötes Salicis auf Weiden an jungen Stämmen oder
2— 4jährigen Zweigen, A. Bromeliae auf der Ananas, der sie oft
nachteilig wird, A. Cymbidii, in Treibhäusern auf Cymbidium
chinense Lecanium persicae L. auf Pfirsich- und Pflaumenbäumen,
Kreuzdorn u. s. w. , L. Corni an der Unterseite der Zweige von
Cornus sanguinea, Pyrus, Tilia, Corylus, Ribes rubrum u. a., L. Ju-
glandis, auf Jugl. regia und nigra, L. Aceris auf Ahornarten und
Ulmen, L. Epidendri, in Treibhäusern auf Epidendron cuspidatum,
Coccus Liliaceorum an verschiedenen Liliaceen, an der WTurzel
der Blätter und zwischen den Schuppen der Zwiebeln, C. tulipa-
rum, ebenfalls auf Liliaceen, C. mamillariae, auf verschiedenen
Mamillarien, vorzüglich auf M. rhodantha.
Naturgeschichte der Arachniden Mährend des Jahres 1844. 165
A.nt ch niden.
Arane a e.
Hpeirides. Diese Familie ist von Koch (die Arachniden
11. Bd. 3 — 6 Hft. ) auf eine erhebliche Weise bereichert worden,
theils durch Aufstellung neuer Arten, theils durch Vervollständigung
früher gegebener Abbildungen, wobei grossentheils die Synonymie
berichtigt worden ist. Neue Arten sind Gastracantha kernt-
sphaerica Kl. aus Sierra Leone, sang uinolenta Kl. und cica-
tricosa Kl. vom Cap, annulipes Kl. und falcifera Kl. von Ma-
nila, quadriient von St. Thomas in Westindien, rubiginosa Kl.
von St. Domingo, mammosa KI, picea Kl. und ob Liqua aus Bra-
silien, pallida unbekannten Vaterlandes, Acrosoma gilvulum
aus Brasilien, matronale Kl. aus Mexiko, Epeira hirta Kl.
vom Cap, hispida Kl. aus Brasilien, tavilla Kl. aus Mexiko,
an ali s aus Brasilien, pulchra aus Süddeutschland, Atea sub-
fusca aus Griechenland, melanog aster aus Deutschland, Singa
nitidul a , trifasciatrt, nigrifrons, anthracina (Micri/ph.
anthr. Koch Uebers.), sanguinea aus der Erlanger Gegend, Mi-
randa exornata aus Ungarn, Uloborus canescens Kl. aus
Columbien.
Black wall (Ann. nat. hist. XIII. p. 186) stellte eine neue Art
Epeira similis, aus England, auf.
Vheridides» Ders. (ebendas. S. 182) vermehrte seine Gat-
tung Neriene (= Bolyphantes Koch.), mit N. flavipes, timida,
saxatilis, sulcata, avida, alle in England zu Hause.
ALgetenides. Ueber die Arten der Gattung Tegenaria Walk,
hat Lucas (Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. p. 455) eine Uebersicht gege-
ben, welche mit der Aufzählung von Walkenaer in der Hist. d. Ins.
apt. übereinstimmt, nur dass der Verf. eine neue Art T. annulipes
aus Neuholland zufügt, welche zwischen dessen T. Guyoni und arbo-
ricola eingeschaltet ist. T. Guyoni ist vom Verf. in Algerien beob-
achtet, und er bestättigt ihre Verschiedenheit von T. domestica; sie
lebt ebenso wie diese in Häusern, wird aber auch in Wäldern ange-
troffen: solche zeigten eine dunklere Färbung, welche der Verf. auf
Rechnung ihres Aufenthalts bringt. — Tegenaria saeva wurde
von Blackwall (Ann. nat. hist. XIII. p. 179) als eine neue britische
Art aufgestellt.
JUKyg tili des. Eine neue Gattung Anthr ob ia, welche dieser
Familie anzugehören scheint, wurde von Teilkam pf (dies Archiv
1844. 1. Bd. S. 321. T. 8. F. 13-17) aufgestellt. Anthr. monrnou-
thia aus der Mammuthhöhle in Nordamerika, kaum V" lang, weicht
dadurch von allen andern Spinnen ab, dass die Augen ganz fehlen.
j66 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Solifugae.
Phrynide*. Van der Hoevon (Tijdschr. X. p. 369) hat
das Nervensystem von Thelyphonus untersucht und gefunden, dass
im Hinterleibe keine Nervenknotenreihe sich vorfindet, wie bei den
Scorpionen, sondern dass, wie bei Phrynus und bei den Spinnen, aus
dem grossen Vorderleibsknoten zwei Hauptstränge in den Hinterleib
gehen, welche nur an ihrem Ende zu einem kleinen Endknoten an-
schwellen. So entfernen sich die Phryniden sehr bestimmt von den
Scorpioniden.
Scorpionides. Koch (Arachnid. 11. Bd. 1. u. 2. Hft.) bil-
dete eine grosse Reihe von Arten der Gattung Tityus ab: T. fal-
let # und striatus aus Afrika, hottentotta F. von Sierra Leona,
lineatus Kl., virgatus Kl., clathratus vom Cap, aemulus,
longimanus, ferner mucronatus F. und varius (tamulus F.?) von
Java, carinatus , mulatitrtts, congener aus Amerika, macru-
rus und ducalis aus Mexiko, arrogans aus Brasilien, griseus F.
aus St. Thomas in Westindien, endlich nebulosns, perfidus%fa-
talis, marmoreus , denticulatus , serenns, infamatusy un-
bekannten Vaterlandes.
Ohisides. Tulk (Ann. nat. hist. X11I. p. 55) fand bei Obi-
sium orthodactylum Leach unter dem Microscope an der Innenseite
jeder Klaue der Kieferzangen einen unbeweglichen kammförmigen
Anhang von weisser Farbe und durchscheinendem Gewebe; ausser-
dem entspringt vom Wurzelgliede der Kieferzangen, nahe dem An-
fange der Klauen ein Büschel langer gefiederter Haare, welche mit
den Spitzen gegen einander geneigt sind und so einen Pinsel bilden,
der bis zur Mitte der Klauen hinaufreicht. Durch Beobachtung le-
bender Thierchen überzeugte sich der Verf., dass diese Vorrichtun-
gen zum Reinigen der Taster, und namentlich der Scheerenfinger
derselben dienen. Bei der Aehnlichkeit, welche jene Kämme an den
Kieferzangen mit den Kämmen der Scorpione haben, glaubt der
Verf. annehmen zu können, dass auch diese Theile zum Reinigen,
der Taster, der Klauen und vorzüglich des Stachels dienen mögen.
Opiliones.
Opilionides. Eine neue Gattung Vhalangodes wurde von
Teilkampf (dies Aren. 1844. 1. Bd. S. 320. T. 8. F. 7-10) aufge-
stellt, welche sich durch stachlige Taster und vorzüglich durch das
Fehlen der Augen auszeichnet. Die £"' lange Art, P h. armata lebt
in der MammuthhÖhle in Nordamerika.
A c a r i.
Dujardin legte der Pariser Akademie Untersuchungen über
die Mundtheile und den inneren Bau der Milben vor: Sur les Aca-
riens et en particulier sur les organes de la manducation et de la
Naturgeschichte der Arachniden wahrend des Jahres 1844. jQJ
rcspiration chez ces Animaux; Premier Mem. (Compt. rend. XIX.
p. 1158). In Betreff der Mundtheile hat der Verf. auf eine Mannig-
faltigkeit von Modifikationen aufmerksam gemacht. Was den Nah-
rungskanal anlangt, so ist der Verf. nicht im Stande gewesen, den-
selben darzustellen, und er nimmt daher an, dass die organischen
Säfte, von denen die Milben sich nähren, in die Lücken des Gewebes,
welches die Verrichtung einer Leber habe, eindringe; bei den Bdella,
Gamasus, Dermanyssus u. a., welche sieh vom Blute nähren, sehe
man zwar einen inneren, symmetrisch gelappten Raum, welchen
das Blut erfülle, es Hesse sich aber auch hier keine Wandung nach-
weisen, und es schiene, dass es nur in die Lücken zwischen den
Muskeln der Beine sich verbreite. Es fände sich aber ein After.
Es gäbe auch bestimmte Absonderungen, z. B. bei Trombidium fän-
den sich ein Paar Speichel- oder Giftdrüsen, welche mit einem lan-
gen Ausführungsgange an der Spitze der Mandibeln münden. Die
Athmung geschähe bei Acarus und Sarcoptes nur durch die Haut,
bei Gamasus, Cheyletus und verschiedenen Milben mit zangenförmi-
gen Mandibeln finde sich ein vollständiges Tracheensystem mit Stig-
men , wie bei den Insecten ; ausserdem gäbe es noch eine Mittelform
der Athmung, welche bisher noch unbekannt geblieben sei, wo näm-
lich die beiden anderen Formen vereinigt sich vorfänden, indem die
Einathmung durch die Haut, die Ausathmung durch ein über der Ein-
fügung der Mandibeln mündendes Tracheensystem geschähe. Als
Beispiel hierfür ist Trombidium angeführt, wo vorn an der Wur-
zel der Mandibeln mit einer gitterförmigen Oeffnung zwei grosse
von hinten nach vorn verlaufende Tracheenstämme münden, von
denen sich jeder büschelförmig in eine Menge unverzweigter Tra-
cheen spaltet. Ausserdem findet man unter der Haut ein rundma-
schiges Netz von einer durchsichtigen und dem Anschein nach gleich-
massigen Substanz, welche dem unter der Haut liegenden Athmungs-
netze gewisser Trematoden gleiche. Dies Netz scheine im Zusam-
menhange mit dem Ueberzuge von gefiederten Haaren bestimmt zum
Einsaugen von Luft (absorption des elements gazeux). Aehnliches
Verhalten haben in dieser Beziehung die Wassermilben, welche ein
gleiches Tracheensystem haben, dessen einzige, nach vorn gerichtete
Mündung unmöglich zur Einführung und Erneuerung der Luft in dem-
selben dienen könne. Bei diesen Milben, als Limnochares, Atax,
Hydrachna, Limnesia sehe man ähnliche Stomaten, wie die der
Pflanzen über der ganzen Oberfläche verbreitet, d. h. gebildet durch
eine sehr feine Haut, und unter jedem derselben finde sich eine Art
von kugligem Behälter, welcher aus einem ganz ähnlichen Netz wie
das bei den Trombidien gebildet werde. — Diese Beobachtungen
verdienen alle Aufmerksamkeit. Darin dürfte der Verf. zu weit
gehen, dass er dem Tracheensystem der Trombidien allein Ausath-
mung zuschreibt. Ein ähnliches Tracheensystem findet sich ja auch
bei einer Anzahl von Spinnen neben Lungensäcken, welche schwer-
lich die Aufnahme der Luft selbst in den Körper vermitteln. Auch
1(38 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
ist es bei den Phalangien nicht anders als bei Trombidium u. s. \v.,
indem auch hier die Tracheenstämme nur einzelne Mündungen haben,
und selbst bei den eigentlichen lnsecten mit zahlreichen Stigmen, da
jedes eine bestimmte Provinz des Körpers mit Luftgefässen versorgt,
muss dasselbe Stigma zum Ein- und Ausathmen dienen.
Die Kenntniss der einheimischen Milben -Arten ist durch Koch
auf eine namhafte Weise gefördert worden, der in den 183. 187. 188.
189sten Heften der Fortsetzung der Panzerschen Insectenfauna (welche
zugleich das 33. 37. 38. und 39ste Heft von Koch's Deutschland Cru-
stac, Myriap. und Arachn. bilden) eine Menge von Arten abgebildet
hat. Da diese Arten bereits vom Verf. in seiner Uebersicht des
Arachnidensystems" eingereiht sind, verweise ich auf dieses unent-
behrliche Werkchen.
Ueber Milben im Innern lebender T liiere theilte Mie-
scher (Bericht ü. d. Verhandl. d. naturf. Gesellsch. in Basel V. 1843.
»S. 183) mehrere Beobachtungen mit. N.itzsch hatte schon einige
hierher gehörige Falle beschrieben, nämlich Sarcoptes nidulans, der
bei Fringilla chloris unter der Haut in knollenförmigen Nestern lebt,
welche eine kleine Oeffnung nach aussen haben, und Sarcoptes sub-
cutanea, welcher beim Tölpel (Dysporus bassanus) in den Luftzellen
unter der Haut lebt. Der Verf. entdeckte auch in den Luftzellen
der Bauchhöhle, den Bronchien und der Luftröhre des Cypselus
apus eine Milbenart, nach der gegebenen Beschreibung ohne Zweifel
ebenfalls ein Sarcoptes (Dermaleichus Koch) und eine andere Art
in den Luftsäcken der Bauch- und Brusthöhle, in den Lungen und
der Luftröhre des Lanius excubitor, und zwar im unteren Theile der
Luftröhre und den Bronchien in solcher Menge, dass sie das Lichte
derselben eigentlich ausfüllten. Ferner beobachtete der Verf. bei
der Hausmaus an der inneren Fläche des abgezogenen Fells kleine
milchweisse Knötchen von der Grösse eines Stecknadelknopfes und
grösser, welche unter Vergrösserung sich als Milbcnnester auswie-
sen und 20—30 kleine Milben enthielten in einem gemeinschaftlichen
dünnhäutigen rings geschlossenen Balge liegend. Auch beim Fuchs
sind vom Verf. im Zellgewebe unter der Haut mehrmals grössere
(1"' lange) platte zeckenartige Milben angetroffen, bis jetzt aber noch
nicht genauer beobachtet. — Hieran schliessen sich einige Beobach-
tungen, welche Creplin (in diesem Archiv 1844. 1. Bd. S. 118 Anm.)
über eine Sarcoptes-ähnliche Milbe mittheilte, welche sich bei Strix
flammea am Fersengelenk, an der Strecksehne, in grossen Nestern
findet.
Ueber das Simonsche Hautthierchen hat Erasmus Wilson der
Royal Society zu London seine Untersuchungen vorlegen lassen,
welche sie in ihren Transact. 1844. p. 305 veröffentlicht hat: Rese-
arches into the Structure and Development of a newly discovered
Parasitic Animalcule of the Human Skin — the Entozoon folliculo-
rum. — Der Verf. traf die beiden von Simon beobachteten Formen
des Thierchens, die häufigere langgestreckte, mit stumpfem, und die
Naturgeschichte der Arachniden während des Jahres 1844. ]{]\)
seltenere, kurze mit spitzem Hinterleibsende, und hat an beiden eine
durchaus verschiedene Entwicklung beobachtet. Die Eier sind Kör-
per von beträchtlicher Grösse, und da der Verf. im Hinterleibe von
vielen Hunderten untersuchter Thiere keine entsprechenden Körper
auffinden konnte, glaubte er einen früheren Zustand derselben in
einem Haufen gekernter Zellen wahrzunehmen, und sah sich in die-
ser Ansicht dadurch bestärkt, dass er kleine Massen ähnlicher Zellen
in der Nachbarschaft des Thierchens antraf, daneben etwas grös-
sere Zellen, zusammengesetzt aus seeundären Zellen, und andere,
mehr oder weniger eiförmig, innerhalb der sie umkleidenden Haut
seeundäre gekernte Zellen von beträchtlicher Grösse und verschie-
dener Zahl enthaltend. Letztere Körper hält der Verf. für eine
Uebergangsbildung zum eigentlichen Ei, welches eiförmig, halbdurch-
sichtig, bernsteingelb, aus gekernten Zellen gebildet, und von einer
dünnen und durchsichtigen Haut umschlossen, einen Längsdurchmes-
ser von f|v bis 3^0 Zoll habe. Die eingeschlossenen Zellen ordnen
sich so, dass sie einen länglichen, an den Enden gebogenen Körper
zusammensetzen, den Embryo. Das Bersten der Eihaut hat der Verf.
nicht gesehen , wohl aber eben ausgeschlüpfte Embryonen und ge-
borstene Eihäute. Dann entwickelt sich der Embryo weiter, indem
er sich an beiden Enden verdünnt, und das hintere Ende sich be-
deutend verlängert und zuletzt treten am dicken Theil die Beine so
wie am Kopfende die Mundtheile vor. So die Bildungsgeschichte der
langleibigen Form, bei der kurzen treten Mundtheile und Beine
schon am Ei nach aussen vor und der Hinterleib verlängert sich
später. Beide Formen haben anfangs nur drei Fusspaare, das vierte
erscheint nach einer Häutung. Die Entwicklungsgeschichte beider
Formen, so wie der Verf. sie darstellt, hat zu viel Ungewöhnliches,
als dass sie nicht einer besonderen Bestättigung und wenigstens einer
theilweisen Berichtigung bedürftig wäre, um annehmbar zu werden.
In Betreff des inneren Baues ist es dem Verf. so wenig als seinen
Vorgängern geglückt, bestimmte Organe nachzuweisen. In Betreff
des äussern Baues nimmt er mehrere Entdeckungen in Anspruch:
z. B. von Augen nicht nur, sondern auch einer Orbita, von vier La-
bral - und drei (!) Labialpalpen. Ferner wird die sehr bewegliche
Mundgegend als ein in den Thorax zurückziehbarer Kopf angespro-
chen, und der Hinterleib als geringelt, obgleich nur der Bau der
Haut dem Hinterleibe das sehr dicht und feingeringelte Ansehn giebt,
und von einer wahren Gliederung desselben sich keine Andeutung
findet. Bei solchen Unklarheiten kann der Verf. über die systema-
tische Stellung des Thiers durchaus nicht im Reinen sein, und wirk-
lich tritt er die Zoologie mit Füssen, indem er dem Thiere Palpen
und gegliederte Beine beilegt, und es gleichwohl für einen Ringel-
wurm erklärt, demgemäss auch die Bezeichnung als Acarus verwirft,
und es vorläufig Entozoon folliculorum nennt. Wenn ich in Simon's
Abhandlung vorschlug, das Thier vorläufig als Acarus zu bezeich-
nen, so geschah es in der Ueberzeugung, dass wir bis jetzt nur mit
170 Erich so n: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
den ersten Entwicklungsstufen eines milbenartigen Thiercs zu thun
hätten und diese Ansicht ist mir noch unverändert geblieben. Selbst
die vom Verf. beschriebenen Entwicklungsgeschichten, wenn sich die
eine oder die andere, oder selbst beide in den Hauptzügen bestäti-
gen sollten, können diese Ansicht nur bekräftigen, denn darin hat
der Verf. offenbar zu viel gethan, wenn er ein Häufchen Zellen in
dem Hinterende des Thiers als Eierstock annimmt, und aus solchen
Zellen ausserhalb des Mutterthiers das Ei sich bilden lässt. Es
bleibt also die weitere Entwicklung dieser Milbe durch fernere For-
schungen zu ermitteln.
üeber die Zecken hat Koch (dies Arch. 1844. 1. Bd. S. 217)
eine üebersicht gegeben. Er ist geneigt, sie als eine eigene Ordnung
von den Milben" abzusondern, wegen der Verschiedenheit der Ge-
schlechtswerkzeuge, welche sich aus der eigentümlichen Paarungs-
weise ergiebt, und wegen der Form der Athmungsorgane, welche
äusserlich aus einem Paar, seitlich am Hinterleibe gelegener Luft-
löcher bestehen. Er theilt sie in drei Familien 1. Argasiden, mit
den Gattungen Ornithodoros (2 Arten) und Argus (5 Arten). —
2. Ixodiden mit den Gattungen Hyalomma (16 Arten), Haema-
lastor (1 Art), Amblyomma (47 Arten), Ixodes (32 Arten). — 3.
Rhipistomiden mit den Gattungen Dermacentor (10 Arten),
Haemaphysalis (4 Arten), Rhipicep halus (9 Arten), Rhipi-
stoma (2 Arten).
Py cnogonides.
Den inneren Bau der Pycnogoniden hat Quatrefages (Compt.
rend. XIX. p. 1150) untersucht, um an ihnen Phlebenterismus nach-
zuweisen. So nennt der Verf. die gefässförmige Bildung des Nah-
rungskanals, wo er sich verzweigt und seine Verzweigungen gegen die
Oberfläche des Körpers schickt, bei fehlenden Kreislaufs- und Ath-
mungsorganen. Die Beobachtungen sind an Nymphon gracile, einer
neuen Art von Ammothea und Phoxichilus spinosus Leach angestellt,
und sie stimmen ganz mit denen überein, welche Milne Edwards vor
15 Jahren an Nymphon gemacht hatte. Die Speiseröhre ist eng, mit
einer Flimmerhaut ausgekleidet; der Magen ist weiter und auf jeder
Seite mit 5 Blindsäcken besetzt, welche in die Beine eindringen; end-
lich führt ein kleines Darmstück durch den Hinterleib, an dessen
Spitze der After ist. Das Gehirn besteht aus einer kugligen Masse,
welche über dem Schlünde liegt, an der Wurzel desselben; bei
Phoxichilus liegen die Augen unmittelbar darauf, bei Ammothea tritt
ein kurzer keulförmiger Fortsatz des Gehirns in den Augenhöcker
ein. Das Bauchmark besteht aus vier Nervenknoten, welche dicht
an einander schliessend zwischen den mittleren Beinen liegen. Keine
Spur von Athmungs- und Blutumlaufsorganen. Die Athmung ge-
schieht offenbar durch die Haut; der Umlauf der Säfte ist durchaus
unregelmässig. Eine Leber ist nicht vorhanden, vielleicht wird sie
Naturgeschichte der Arachniden während des Jahres 1844. 171
durch eine körnige Masse am Ende der Magenanhänge dargestellt.
Bei dieser Bildung betrachtet der Verf. die Pycnogoniden als phle-
benteritische Crustaceen. — Anders stellt sich aber das Verhalten
dar, wenn man die Pycnogoniden als Arachniden betrachtet: dann
ist der Bau des Nahrungskanals kein anderer als der in dieser Klasse
gewöhnliche, denn die Magenanhänge finden sich hier sehr allgemein
verbreitet, bei Milben, bei Phalangiern, bei den Spinnen, ja die der
letzteren sind denen der Pycnogoniden gleich gestaltet, nur dass sich
ihre Enden umschlagen, statt in die Beine hineinzuragen, eine Ab-
weichung, welche durch die Räumlichkeit des Vorderleibes und der
Beine wohl zu erklären ist.
Einen wichtigen Beitrag zur Kenntniss dieser Ordnung hat
Kröyer (Naturhist. Tidsskr. N. R. I. p. 90) gegeben: Bidrag tu
Kundskab on Pycnogoniderne eller Söspindlerne. Die Abhandlung
ist in drei Abschnitte getheilt. 1. Allgemeine Bemerkungen
über Organisationsverhältnisse u. s. w. Dieser Theil enthält
viel Wichtiges, anziehend ist besonders, was der Verf. über die Le-
bensweise mittheilt. Die Pycnogoniden sind ausserordentlich lang-
sam und sie stellen die Faulthiere unter den Gliederthieren dar.
Manche halten sich nahe am Lande auf, und an den nordischen
Küsten findet man zur Ebbezeit Pycnogonum litorale und Phoxichi-
lidium femoratum unbeweglich unter Steinen liegen. Andere trifft
man in tieferem Wasser an Tangen und Polypenstämmen an, denen
sie z. Th. in Farbe gleichen, wie die Nymphon- und Pallene- Arten.
Gewöhnlich leben sie einzeln, nur Pycnogonum litorale hält sich an
der nordischen Küste familienweise oder selbst in grösseren Gesell-
schaften auf. Darüber, dass die Nahrung in kleinen Seethieren be-
steht, welche mit den Scheeren gefangen werden, wie es von Meh-
reren angegeben wird , hat der Verf. keine bestimmte Erfahrung ge-
macht. Pycnogonum litorale hat er nicht selten am Fuss von Acti-
nien angetroffen , gleichsam als suchte es zwischen denselben und
den Stein zu dringen, und er vermuthet, dass die Nahrung des Py-
cnogonum aus dem Schleim bestehe, der von der Actinie reichlich
abgesondert wird. Inzwischen wurde das Pycnogonum oftmals auch
im Magen der Actinie gefunden. Latreille's Angabe, dass Pycnogo-
num auf Walen lebe, beruht auf einer Verwechselung. — Die Pycno-
goniden scheinen über alle Meere verbreitet zu sein, sie kommen
wenigstens von Spitzbergen bis Rio Janeiro, am Cap und an Neu-
holland vor.— 2. Charakteristik der Gattungen und Arten:
Eine neue Gattung ist Zetes (der Name ist von Koch bei den Mil-
ben gebraucht), mit ziemlich eiförmigem Körperumriss, mit sehr
grossem Rüssel, dreigliedrigen Mandibeln ohne Scheere, lOgliedrigen
Maxillen, in beiden Geschlechtern vorhandenen, ebenfalls lOgliedrig.
eiertragenden Füssen, kurzen Beinen ohne Hülfskiauen, zweigliedrig.
Hinterleibe. Eine Art, Z. hispidus von der Südküste von Grönland.
Ausserdem sind sorgfältig beschrieben : Nympho?i grossipes O. Fab.
172 Erichs on: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
von Grönland und Norwegen, N. mixtum, neue Art, von der West-
küste Norwegens, N. Ström/t, neue Art, wahrscheinlich von der
Norwegischen Küste, N. hirtvm F. (?) von der Isländischen Küste,
A7. brevitnrse Kr. (A7. hirsutum Kr. Grönl. Amphipod.) — Pallene
spinipes Fab. (Pycnog.) von der Südküste Grönlands, P. intermedia
neue Art, ebendaher und der Ostsee, P. diseoidea, neue Art von
der Südküste Grönlands und der nördlichen Küste Norwegens. —
PhoxichiUdium femoratum {Nymphon fetnoratum Rathk., Phoxichi-
lus proboseideus Kröy., Orithyia coccinea Johnst., Phoxichilid. cocci-
neutii Edw. ) von der Grönländischen, Norwegischen und Dänischen
Küste, Ph. petiolatum, n. A.? aus dem Öresund, P h. fluminense\
n. A., aus der Bucht von Rio Janeiro. — Phoxichilus spinosus Mont.
von der Westküste Norwegens. — Pycnogonum litorale Str. von der
Ostsee, der Norwegischen Küste und der Südküste von Island. — 3.
Die Verwandlungen der Pycn ogoniden. Die früheren Stände
sind an Nymphon longitarse, Zetes hispidus, Pallene intermedia,
Nymphon grossipes beobachtet, und hat sich darüber Folgendes er-
geben: 1. Die Pycnogoniden durchschreiten drei Hauptstufen, bis sie
ihre bleibende Gestalt erhalten. 2. Auf der ersten Stufe sind sie
rundlich oder eiförmig, mit Dottermasse angefüllt, ohne Hinterleib,
oder seltener mit der Andeutung eines Hinterleibes, mit einem
Schnabel, mit scheerenförmigen Oberkiefern (welche auch die Jungen
von Pycnogonum haben, obschon sie den erwachsenen fehlen) und
mit zwei Fusspaaren. Augen sind noch nicht wahrzunehmen. — 3.
Auf der zweiten Verwandlungsstufe tritt das dritte Fusspaar auf, aber
noch unausgebildet, kurz und undeutlich oder gar nicht gegliedert.
Die Gliederung des Körpers fängt an sich zu zeigen, auch eine Spur
des Hinterleibes tritt auf. Augen, das erste und zweite Kieferpaar
lassen sich erkennen, wenigstens bei einigen Arten. Bald ist der
Leib noch mit Dotter gefüllt (Nymphon grossipes) und dann verbleibt
das Junge noch ruhig an der Unterseite der Mutter, oder der Dotter
ist verzehrt, der Leib klar und durchsichtig (Pallene intermedia) und
dann verlässt das Junge ohne Zweifel die Mutter, um selbst seine
Nahrung in der See aufzusuchen. — 4. Auf der dritten Stufe erhält
das Junge noch ein viertes (letztes) Paar Fussstummel, während die
vorhergehenden in der Entwicklung stark vorgeschritten sind; die
Körperform wird mehr langgestreckt- und schmal, und nähert sich
der des erwachsenen Thieres. Die Kieferpaare sind, wo sie auftre-
ten, ganz stummelhaft, nicht blos klein, sondern auch ungegliedert.
— 5. Nach einer nochmaligen Häutung zeigen die Thiere ziemlich
die Form, welche sie behalten. Die Veränderungen, welche noch
vorgehen, beschränken sich darauf, dass die jüngeren Thiere plum-
per sind und die älteren schmächtiger werden, und dass die drei hinteren
Fusspaare anfangs kürzer sind als das erste, und an Länge abneh-
men bis zum vierten, mit der Zeit wachsen sie aber heran, so dass
alle die Grösse des ersten erhalten; eben so bilden sich die Taster
noch mehr aus.
Naturgeschichte der Crustaceen wahrend des Jahres 1844. J73
Goodsir (Ann. nat. hist. XIV. p. 1. pl. 1) erläuterte die Ver-
schiedenheiten, welche bei verschiedenen Pycnogoniden — Pycnogo-
nurn, Phoxicliilus , Phoxichilidium coccineum, Pallene circulan's, Pa-
sithoe vesiculosa , Nymphon Johns toni, spinosum, pellucidum, simile
(n. sp. ) — in der Form, Stellung und Richtung der Augenhöcker
vorkommen. Bei einigen ist auch die Gliederzahl der Taster und
die Form der Klauen angegeben.
Crustaceen.
In einer sehr verdienstlichen Gelegenheitsschrift Synopseos Cru-
staceorum Prussicorum prodromus. Regiom. 1844 hat Zaddach
über die Crustaceen -Fauna Preussens eine Uebersicht gegeben und
viele der Arten, namentlich die neu entdeckten, durch genaue Be-
schreibungen erläutert.
Die von D'Orbigny auf seiner Reise im südl. Amerika gesam-
melten Crustaceen sind in dessen Reisewerke Voy. dans l'Amerique
meridionale von Milne Edwards und Lucas bearbeitet worden. Mit
einer einzigen Ausnahme sind alle die hier aufgeführten Arten von
der Chilesischen und Peruanischen Küste. Diese Ausnahme bildet
Leua'ppe Ense?iadae, eine neue Art, von der Patagonischen Küste.
Da ich in Kurzem in diesem Archiv eine Uebersicht |iber die Chile-
sisch- Peruanische Crustaceenfauna geben werde, in welchem natür-
lich die in diesem Werke aufgestellten neuen Gattungen und Arten
aufgenommen werden, wird es überflüssig, dieselben hier näher zu
erörtern. Die Bearbeitung der Crustaceen im vorliegenden Werke
beschränkt sich übrigens auf die Decapoden.
Goodsir (Edinb. N. Philos. Journ. XXXVI. p. 183, Fror. N.
Notiz. 29. Bd. S. 161 ) theilte Beobachtungen über die Entvvickelung
der Geschlechtsorgane und Samenflüssigkeit der Crustaceen mit. Die
von Kölliker als Samenkörperchen beschriebenen Fädchen hält der
Verf. für Filarien. Ferner zeigt der Verf., dass die Vorrichtungen,
welche bei den Weibchen der Crustaceen zum Schutz der Eier ge-
troffen sind, entweder in unvollkommen entwickelten Beinen, oder
überwiegend entwickelten einzelnen Theilen derselben bestehen.
Der Bau der Leber bei den Crustaceen ist in einer trefflichen In-
augural-Dissertation „De hepate ac bile Crustaceorum et Molluseo-
rum quorandam" von Th. Fr. W. Schlemm am Flusskrebs sorg-
fältig untersucht worden.
Decapoda.
Einige Missbildungen an verschiedenen Crustaceen der Gattungen
Carduus, Lupa, Homarus und Astacus hat Lucas (Ann. Soc. Ent.
d. Fr. IT. p. 41. pl. 1) erläutert. Sie beziehen sich auf überzählige
Scheerenfinger, welche bald dem feststehenden, bald dem beweglichen
angehören.
174 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
Astacina, Koch (Panz. Ins. Deutschi. 186. Hft. — Deutschi.
Crust., Arachn. u. Myriapod. Hft. 36) setzte die Unterschiede der
vier in Baiern vorkommenden Astacus- Arten (A. fluviatilis F., A>
torrentium Sehr. (Cattc), A. saxatilis und tristis K.) aus einander,
und gab Abbildungen der beiden ersteren Arten.
Eine sehr ausgezeichnete Art von Astacus entdeckte Teilkampf
in der Mammuthhöhle in Nordamerika. Er ist ganz weiss und so
durchscheinend, dass man, vorzüglich bei jüngeren, die Bewegungen
der Kiemen und auch innerer Organe wahrnehmen kann. Der Verf.
hat ihn deshalb A. pellucidus genannt. Er ist auch darin eigen-
tümlich, dass die Augen nicht vorstehen, sondern unter dem Schilde
versteckt sind (J. Müller Arch. f. Anat. 1844. S. 383).
Carities. Z ad dach (a. a. O. S. 1) erkannte den Palaemon
der Ostsee als eigene Art, welche er als P. rectirostris auf 'stellte.
Amphipoda.
Gamarelta. Z ad dach (a. a. O. S. 7) stellte eine neue Gat-
tung Leptocheirus auf für solche Flohkrebse, welche nur am
ersten Beinpaar eine Scheere , an den übrigen keine Greiffüsse, und
keine Nebengeissel an den obern Fühlern haben. Sie stimmen am
nächsten, mit Amphithoe überein, und weichen hauptsächlich dadurch
ab, dass, wie bei Talitrus, die Füsse des zweiten Paars keine Greif-
füsse sind. Eine neue Art ist Lept, pilosus aus der Ostsee. Der
Gattungsname kann neben dem vorhandenen Leptochirus nicht be-
stehen. — Eine neue Art aus der Ostsee ist ferner Amphithoe
Rathkii (ebendas. S. 6). Auch den Gammarus locusta aus der
Ostsee hat der Verf. umständlicher beschrieben, weil er von der
Beschreibung von Milne Edwards in mehreren Punkten abweicht,
obschon die Stücke mit solchen aus der Nordsee vollkommen über-
einstimmen.
Koch bildete (in der Panzerschen Fauna Hft. 186, Deutschlands
Crust., Arachn. u. Myriapod. Hft. 36) neben dem Gammarus pule x
F. eine neue deutsche Art, G. putaneus ab.
Kröyer (Naturhist. Tidsskr. N. R. p. 283) hat einen carcinolo-
gischen Beitrag gegeben, in welchem er folgende neue Arten aus-
führlich beschreibt. Orchestia grandicornis von Valparaiso,
O. nidroensis von Drontheim, 0. ylatensis vom Piatastrom,
Talitrus tripudians aus dem Kattegat, Gammarus anisochir
aus Rio Janeiro.
Eine sehr merkwürdige, von allen übrigen erheblich abweichende
Gattung Triura ist von Teilkampf (in diesem Archiv 1844. 1. Bd.
S. 321) beschrieben worden; das Krebschen Tr. cavernicola
wurde von ihm in der Mammuthhöhle in Nordamerika entdeckt.
Caprellina. Eine neue Gattung Podalirius wurde von
Kröyer (ebendas.) aufgestellt: Mandibeln ohne Taster. Der zweite
Naturgeschichte der Crustaceen während des Jahres 1844. 175
Körperring mit Beinen und ohne Kiemenblase, der dritte und vierte
mit Kiemenblasen, der fünfte mit einem Paar sehr verkümmerter,
2gliedr.? klauenloser Beine. Schwanztheil sehr klein, 2gliedrig. P.
typicus- fuscus, pilosus, capite thoraceque inermibus, Long. 2'", ist
auf einem Seestern, Asteracanthion rubens, gefunden.
1 s o p o d a.
4>ni\< i<l* \. Koch bildete (im 186sten Hefte der Panzerschen
Insectenfauna, im 36sten Hefte von Deutschi. Crust., Arachn. u. My-
riapod.) mehrere Onisciden ab, unter denen folgende neue Arten:
Armadillo Willii aus Oberitalien, Porcellio urbicus und
itea crassicornis aus Deutschland.
Zaddach (a. a. O. S. 11) beschrieb als zweifelhafte Arten Por-
cellio trilineatus Koch? und conspersus Koch? und als neue
Arten P. tristis, ovatus, Itea laevis und Mengii, Armadil-
lidium Grubii, consperstim.
M y r i a p o d a.
Monograph of the Class Myriapoda, order Chilopoda; with Ob-
servations on the General Arrangement of the Articulata. By George
Newport. Esq. (Transact. Lin. Soc. XIX. p. 265).
Was der Verf. über die allgemeine Eintheilung der Gliederthiere
sagt, hat eigentlich nur auf die Myriapoden Bezug und bekämpft
hauptsächlich die Ansicht, welche sie als eigentliche Insecten be-
trachtet. Es heisst in dieser Beziehung: „die Myriapoden lassen
sich in vielen Stücken mit den Larven der eigentlichen Insecten ver-
gleichen, in ihrer verlängerten Körperform, der Art der Athmung,
dem Bau der Blutumlaufs- und Ernährungsorgane, und auch in der
Anordnung ihres Nervensystems, aber sie unterscheiden sich von
ihnen wesentlich durch die Art ihres Wachsthums und ihrer Ent-
wicklung. Die Myriapoden nämlich haben eine stufenweise Ver-
mehrung der Leibesringel und Beine mit ihren besonderen Ganglien,
Nerven und anderen Bildungen. Dies Hinzutreten neuer Theile bei
jedem Hautwechsel findet sich bei allen Myriapoden bis zu einer
bestimmten Stufe ihres Wachsthums, welche verschieden ist bei ver-
schiedenen Gattungen; es findet sich aber nie bei den eigentlichen
Insecten, sobald dieselben aus dem Ei gekommen sind, weder bei
den niedersten Formen, noch in den frühesten Stufen." Der Verf.
führt dies noch weiter aus, und Nsenn er auch in einzelnen Punkten
zu weit geht, indem er z. B. den Insecten die Neubildung von Beinen
abspricht, welche doch da nothwendig ist, wo fusslose Larven sind,
ist der Vergleich im Ganzen doch sehr treffend. Er führt den Verf.
denn dahin, der hohen Auctorität Brandt's entgegenzutreten, und mit
Leach und Latreille die Myriapoden als eine besondere Klasse zu
betrachten. Ein Fortschritt in dieser Aufstellung liegt darin, dass
176 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
der Verf auf die Weise der Entwicklung Gewicht legt: hätte er
den Vergleich der Myriapoden mit den Crustaceen, wo ihm wie »»
wohnlich, nur der Flusskrebs im Sinne gewesen sein mag, nicht vor
Z1VZ nrHand geWiGSeH' WÜrdC ihm ih«aa°eUebereinstimmung
vielleicht klar geworden sein. S
In der Eintheilung der Myriapoden hat sich der Verf. im Gan-
zen an die von Brandt gehalten, nur dass er,' naturgemäss, dessen
ünt rordnung Siphonizantia auflöst. Es ist, namentlich unter den
bcolopendern eine Reihe neuer Gattungen aufgestellt, welche eine
schärfere Bestimmung der älteren Gattungen bedingt haben. Zur
vollständigen üebersicht theile ich hier die Synopsis venerum
mit, wie sie der Verf. gegeben hat.
Ord. I. Chilopoda Latr. Caput latum, prominens. Corporis
segmenta inaequalia, singula par unicum pedum ad latera segmento-
rum msertorum gerentia. Mandibulae prominentes, acutae falcifor
mes. Organorum sexualium apertura ad extremitatem analem.
Trib 1. Schixotarua Brandt. Antennae pluriarticulatae, graciles
corpore longiores. Tarsi longi, pluri-articulati, inaequales Oculi
compositi, prominentes, globosi.
Farn 1. Cermatädae Leach. Scuta dorsalia 8; singula segmenta
2 ventraha obtegentia. Stigmata mediana. _ Gen. 1 Cermatia
JUig. Ocuh prominentes. Caput transversum. Scuta dorsalia emar-
gmata. Stomatum latera incrassata.
Trib. 2. Holotarsia Brandt. Tarsi 3articulati. Caput e se^men-
tis 2 mobihbus efformatum. Antennae corpore haud longiores* se
taceae vel filiformes, 14-60 articulatae. Oculi stemmatosi aggre-
gati, simplices, vel nulli. 5
Fam. 2. Lithobiidae Newp. Scuta dorsalia 15, subquadrata
inaequalia, angulis elongatis, acutis. Coxarum paria posteriora ex-
cavationibus ovatis. - Gen. 2. Lithobius Leach. Oculi numerosi.
Caput latum, depressum. Labrum denticulatum. _ Gen. 3 Henic-
ops Newp. Segmentum cephalicum latum. Ocellorum par unicum.
Fam. 3. Scolopendridae Leach. Segmenta podophora 21 vel 23
Pedes posteriores incrassati, articulo primo vel secundo spinoso J
Gen. 4. Scolopendra L. Segmentum cephalicum cordatum imbri-
catum. Ocellorum paria 4. Spiracula valvularia. - Gen. 5 Cor-
mocephalus Newp. Segmentum cephalicum postice truncatum
Spiracula valvularia. - Gen. 6. Rhombocephalus Newp Segmen
tum cephalicum basilareque rhomhoidea. Labium angustatum. -
Gen 7. Heterostoma Newp. Segmentum cephalicum truncatum.
Uentes magni. Spiracula cribriformia, in paribus 10. - Gen. 8
bco.opendropsis Brandt. Segmentum cephalicum truncatum. Pe-
dum paria 23. - Gen. 9. Theatops Newp. Ocelli distincti. Anten-
nae 11 articulatae, subulatae. Pedes posteriores clavati. Labium
dentatum. _ Gen. 10. Scolopocryptops Newp. Segmenta podo-
pnora Z6. Segmentum cephalicum cordatum, imbricatum. Labium
Naturgeschichte der Crustaceen während des Jahres 1844. 177
haud denticulatum. Antennae 17articulatae. — Gen. 11. Cryptops
Leach. Segmenta podophora 21. Ocelli nulli vel absconditi. An-
tennae ITarticulatae. Labilritt haud denticulatum.
Fam. 4. Geopldlidae Leach. Segmenta subacqualia, singula e
subsegmentis 2 completis sed inaequalibus efformata. Segmentum
anale pedibus brevibus, styliformibus. Subfam. 1. Scolopendrellhme
Newp. Corpus breve, crassum. Antennae 14— 2Üarticulatae. — Gen.
12. Scolopendrella Gerv. Pedum paria 10. Antennae monilifor-
mes 14— 20articulatae. — Subfam. 2. Geophilhiae Newp. Segmenta
numerosa. Antennae 14articulatae. — Gen. 13. Mecistocephalus
Newp. Segmentum cephalicum angustissimum elongatum. Corpus
attenuatum. Labium latum, integrum. — Gen. 14. Arthronomalux
Newp. Segmentum cephalicum subquadratum. Antennarum articuli
inaequales. Labium angustum, emarginatum. — Gen. 15. Gonibre-
gmmtus Newp. Segmentum cephalicum cordiforme, acutum. An-
tennae filiformes. Corpus lineare. — Gen. 16. Geophilus Leach.
Caput subtriangulare. Corpus depressum, gradatim incrassatum.
Segmenta pedesque numerosi.
Ordo 2. Chilognatha Latr. — Caput verticale, rotundatum;
mandibulae crassae, robustae, vel cum labio coalitae et elongatae;
segmenta numerosa. Corporis segmenta inaequalia. Pedes super-
ficiei ventrali affixi. Organorum sexualium aperturae in segmenti 4i
et 7i superficie ventrali.
Trib. 3. Ventaxonia Brandt. Corpus ovale, in globum contra-
ctile, dorso valde convexo, ventre complanato. Pedes laminis liberis
mobilibus affixi.
Fam. 5. Glomeridae Leach. Corpus laeve, in globum contra-
ctile. Oculi distineti. — Gen. 17. G lotner is Latr. Ocelli 8, in linea
laterali curvata. Segmenta 13. Pedum paria 17. — Gen. 18. Zp-
phronia Gray. Ocelli numerosi, aggregati. Antennae 6 — 7arti<u-
latae, clavatae. Pedum paria 21. — Gen. 19. Sphaer otheriv m
Brandt. Ocelli aggregati. Antennae 7 articulatae , clavatae. Pedum
paria 21.
Trib. 4. Monozonia Brandt. Corpus vermiforme elongatum. Se-
gmenti singuli dimidia pars anterior cylindrica, posterior lateralis
dilatata; lamina ventrali duplici coalita pedum paria 2 gcrenti.
Fam. 6. Polyxemdae Newp. Caput arcuatum prominens. Cor-
pus latum. Pedes attenuati, coxis maximis. Segmentum anale fasci-
culis longis. — Gen. 20. Polyxenus Latr. Corpus breve, squamis
parvis penicillatis vestitum. Pedum paria 13.
Fam. 7. Polydesmidue Leach. — Subfam. 1. Oculi nulli vel ob-
scuri. — Gen. 21. Fontaria Gray. Corpus convexum. Segmenta
imbricata, laminis lateralibus deflexis. — Gen. 22. Polydesmus
Latr. Corpus depressum, subconvexum, laminis lateralibus horizon-
talibus. — Gen. 23. Strongy losoma Br. Corpus cylindricum. Se-
gmenta tumida, laminis lateralibus subnullis. Subfam. 2 Oculi
Archiv f. Naturgesch. XI. Jabrg. 2. K<!. M
178 Erichson: Bericht über die wissenseh. Leistungen in der
distineti. - Gen. 24. Craspedosoma Leach. Oeelli numerosi a*
gregati. Corpus depressum; laminis lateralibus prominentibus 1
Gen. 25. Platydesmus Lucas. Oeelli duo, magni, prominentes
Corpus depressum, laminis lateralibus prominentibus. — Gen. 26^
Cambala Gray. Oeelli serie simplici , curvata. Corpus cyliiidri-
cum; laminis lateralibus brevissimis, in porcam simplicem desinentibus.
Trib. 5. Bixonia Newp. Corpus subeylindricum; laminis nullis
margmahbus. Antennae 7articulatae, clavatae. Segmenta numerosa
singula e subsegmentis 2 coalitis efformata, pedumque paria 2 gerentia!
Fam. 8. Julidae Leach. Corpus cylindricum, laminis lateralibus
nulhs. Segmenta e subsegmentis 2 coalita. - Subfam. 1. Sympodo-
petaltnae Newp. Pedes laminis immobilibus affixi. — Gen. 27. Ju-
lus L. Caput convexum. Corpus cylindricum. Prothoracis latera
triangularia. Antennae elongatae. _ Gen. 28. V neig er Br. Squama
inferior anahs mucronata. Corpus cylindricum. — Gen. 29 Spiro -
bolus Br. Caput convexum. Oculi subtetragoni. Corpus subpyra-
midale. Prothoracis latera triangularia. Antennae breves - Gen
30. Spiropoeus Br. - Gen. 31. Spirocylistus Br. Antennae bre-
ves. Oculi elongati, trianguläres. Thoracis latera brevia, triangu-
laria. - Gen. 32. Spirostreptus Br. Antennae breves articulis
infundibulatis. Oculi transversa Prothoracis latera elongata vel di-
latata. - - Subfam. 2. Lysiopetalinae Newp. Pedes laminis mobi-
libus affix!. - Gen. 33. Piatops Newp. Caput parvum, complana-
tum vel coneavum. Pedes graciles, elongati. Corpus pyramidale
elongatum. _ Gen 34. Ly siopet alum Br. Frons dilatata. Pedes
laminis liberis mobilibus affixi.
Fam. 9. Polyxonidae Newp. (Ommatophora Br.). — Oeelli con-
spicui, fronti inter antennas in seriebus transrersis inserti. _ Gen
35. Polysom' um Br. Oeelli 6 parvi in seriebus 2 transversis. Cor-
pus depressum. - Gen. 36. Siphonotus Br. Oeelli 2, in serie sim-
plici transversa.
Fam. 10. Siphonophorldae Newp. (Typhlogena Br.). Oculi nulli.
— Gen. 37. Siph onophora Br. Caput conicum, elongatum. Nu-
tntionis Organa rostriformia, elongata.
Hiernächst hat der Verf. den äussern Bau der Myriapoden be-
schrieben. Er betrachtet jedes einzelne Segment als aus zwei Sub-
segmenten bestehend, von denen bei den Chilopoden das eine (hin-
tere) allem zur Ausbildung kommt, während bei den Chilognathen
sich wenigstens die Bauchplatten gleichmässig, jedes mit einem Fuss-
paar entwickeln. Befremdend bei einem so umsichtigen und tief ein
dringenden Anatomen ist aber die durchaus verfehlte Deutung der
Theile des Kopfes, welche der Verf. bei den Chilopoden vornimmt.
hr betrachtet die grossen Zangen als die Mandibeln, und wird daher
genothigt, den Ring, welcher sie trägt, als einen Theil des Kopfes
„basilar segment» zu betrachten, während der eigentliche Kopf „ce-
phalic segment" genannt wird. Natürlich ist nun die Bildung des
Naturgeschichte der Crustaceen während des Jahres 1844. 179
Mundes verkehrt aufgefasst. Die Mandibeln werden als Maxillen,
die Maxillen als Maxillartaster, das dritte Kieferpaar als Zunge, das
erste Fusspaar als Lippentaster gedeutet. Was der Verf. als Mandi-
beln annimmt, ist das zweite Fusspaar, was er basilar segment des
Kopfes nennt, ist der Mesothorax (vergl. meine Entomographien S. 13.
Taf 2. F. L— *, wo, wie ich bei dieser Gelegenheit bemerken will,
durch* Schreibfehler die beiden Benennungen Chilopoden und Chilo-
gnathen verwechselt sind). Sehr lehrreich ist die Seitenansicht des
vorderen Leibesendes eines ganz jungen Geophilus, welche der Verf.
Fig. 3 gegeben hat. .
List of the Specimens of Myriapoda in the Collection of the
British Museum. Printed by Order of the Trustees. London 1844.
Ein genaues Verzeichniss sämmtlicher Myriapoden des Britischen
Museums dessen Sammlung für diese Abtheilung von besonderer
Bedeutung ist, weil sie den Arbeiten von Newport hauptsächlich zum
Grunde liegt. Diese Aufzählung weiset 94 Arten von Chilopoden
und 75 von Chilognathen nach.
Newport selbst hat das Verzeichniss der Myriapoden des Bri-
tischen Museums in den Ann. of nat. hist. XIII. (Chilopoda p. 94, Chi-
lognotha p. 263) mitgetheilt, und zugleich die neuen und noch nicht
hinreichend festgestellten Arten durch Diagnosen bezeichnet.
Eine andere wichtige allgemeine Arbeit über die Myriapoden
hat Paul Gervais geschrieben: Etudes sur les Myriapodes, Annal.
d. scienc, nat. 3. ser. II. p. 51.
Der Widerspruch der Angaben über die Entwicklung des Julus
von Savi und Newport mit denen von Degeer, indem die Jungen
nach Ersteren fusslos, nach Letzterem 6füssig aus dem Ei kommen,
hat den Verf. zu neuen Beobachtungen veranlasst. Glomeris margi-
natus und Polydesmus compfanatus kamen mit drei Fusspaaren aus
dem Ei, bei ersterem unterschied der Verf. dieselben schon vor dem
Auskriechen am Embryo. Der übrige Theil der Abhandlung ist sy-
stematisch, und enthalt theils Bemerkungen zu bekannten, theils Auf-
stellung neuer Gattungen. Letztere sind:
ChtlognatJia. 1- Glomeridesmus, zur Familie der do-
rnenden gehörend, mit 20 (21?) Körperringen ausser dem Kopf und
32 Füssen, der erste Ring gross schildförmig, der zweite dagegen
kleiner als bei Glomeris. Glomeridesm. porcellus, neue Art
aus Coiumbien. ( S. auch Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. p. xxvn). — 2.
Oniscodesmus, zu den Polydesmiden gerechnet, mit der Körper-
form von Oniscus, d. h. mit gewölbtem Rücken, niedergebogenen
und die Beine bedeckenden Seitenrändern der Körperringe, welche
scheinbar, aber nicht deutlich wie bei den Glomeriden, aus 5 Stücken
zusammengesetzt erscheinen. Eine neue Art, O. oniscinut aus Co-
iumbien (als Polydesmus oniscinus in den Ann. Soc. Ent. de Fr.
IL p. xxvni beschrieben). — 3. Stemmiulus, zu den Juliden ge-
hörend, und durch ein einzelnes, einfaches Auge hinter jedem Fühler
M*
180 Erichson: Bericht über die wissensch. Leistungen in der
ausgezeichnet. Eine Art St. bioculatus von geringer Grösse aus
Columbien. (S. auch Ann. Soc. Ent. d. Fr. II. p. xxvm). — An letz-
terem Orte machte Ders. noch einige andere von Goudot in Co-
lumbien gesammelte neue Arten bekannt: Polydesmus velutinus
und granosus, und Sip honophora luteola. Endlich gab er
(ebendas. S. xxn) über die noch unbeschriebene Cambala lactä-
ria Gray Auskunft.
Eine neue Art von Polydesmus aus der Gegend von Bugia im
Algierschen, P. mauritanicus , wurde von Lucas (Rev Zool
p. 51) aufgestellt.
Koch bildete (in der Panzerschen Insectenfauna 190. Heft, und
Deutschi. Crust., Arachn. und Myriapod. 40. Hft.) eine Anzahl' ver-
schiedener deutscher Chilognathen ab, unter denen Glomeris rufo-
guttata, Polydesmus macilentus und Julius nemorensis
als neue Arten. — Aus dem in Suddeutschland einheimischen Julits
pallipes Ol. ist eine eigene Gattung Tropisoma gebildet worden.
Waga (Rev. Zool. p. 337) zeigte, dass Julus albipes und fascia-
tus Koch & und 9 derselben Art sind, welche er bereits als J. dis-
par beschrieben habe, da indess die Kochschen Benennungen älter
seien, müsse der Name J. albipes gelten.
Vhilopoaa. Koch bildete (in der Fortsetz. d. Panzerschen
Fauna 190. Heft, Deutschi. Crust., Arachn. u. Myriapod. 40. Heft)
einige neue deutsche Arten ab: Cryptops ochraceus und syl-
vaticus, Lithobius dentatus, calcaratus und communis.
Einige von Leach aufgeführte Arten, nämlich Scolopendra alter-
nans, subspim'pes und trigonopoda wurden von Gervais (Ann. Soc.
Ent. de Fr. II. p. xxi) durch genauere Beschreibungen erläutert.
Ein Fall, wo eine lebende Scolopendra (electrica) von einem
19jährigen Mädchen, nach zwei Jahre lang vorhergegangenen heftigen
Nervenschmerzen unter dem Auge, ausgenieset wurde, ist von De-
cerfs angezeigt worden (Compt. rend. XIX. p. 933). Ist dem Herrn
D. nicht etwas aufgebunden worden?
Entomostraceen.
Viele deutsche Arten sind von Koch in der Fortsetzung der
Panzerschen Fauna Heft 1S5, 186, 187, (Deutschlands Crust., Arachn.
u. Myriapod. Heft 35, 36, 37) abgebildet; die in Preussen beobach-
teten hat Zaddach in der Synops. Crustac. Pruss. Prodrom, aufge-
führt und grossentheils genauer beschrieben.
Phyllopoda.
Koch (a. a. O. 185. od. 35. Heft) stellte zwei neue Arten vom
Branchipus auf, B?\ aurttus und melanurus.
Naturgeschichte der Entomostraceen wahrend des Jahres 1544. 181
Cladocera.
Koch (a. a. O. ) führte hier mehrere neue Gattungen auf:
Eunica (der Name ist nicht frei) für Lynceus longirostris Müll.,
Pasithea für Daphnia rectirostris Müll, und Scalicerus für Mon-
oculu* pediculus Linn. — Neue Arten sind D ap hnia congen er ,
serrul at a , ephippiata, mucronata, ventricosa, angulosa,
media, — Lynceus le ucocephalus, rostrat us, — Pasithea
g ib b a.
Zaddach (a. a. O.) beobachtete 5 Arten von Daphnia, — von
denen die letzte, Daph. braehyura Z. mit Pasithea rectirostris
Koch zusammenfällt, — 1 Art von S/da, welche sowohl der Gattung
als der Art nach genauer beschrieben ist, — 5 Arten von Lynceus
1 Art von Polyphemus.
Ostraco Ja.
Zaddach (a.a.O.) führte 20 Arten von Cypris auf, unter denen
5 neue: C. flava, incana, reticulata, vulgaris, rubida. —
C. ornata Jur. Edw. ward als C. Jurinii von C. ornata Müll, un-
terschieden.
Copepoda.
Koch (a. a. O. 185. Hft.) stellte zwei neue Gattungen Doris
(Molluskengatt.!) und Glaucea auf, die erstere auf Cyclops minu-
tus Müll. = Monoc. staphylinus Jur., die zweite auf Cycl. rubens
und coeruleus gegründet, und mit den neuen Arten Gl. caesia, hya-
lin a und ovata vermehrt. Eine neue Art ist ferner Cyclops
den tat us (187. Hft.).
S i p h o n o s t o m a.
Ein Schmarotzer dieser Abtheilung wurde von Will in Actinien
entdeckt, und als neue Gattung mit der Benennung Staurosoma
bezeichnet. (Dies Archiv 1844. 1. Bd. S. 337. Taf. 10. F. 1-9).
Cirripedia.
Loven (Öfvers. Vetensk. Acad. Fö'rhandl. p. 192. T. 3. Hornsch.
Archiv Skandin. Beitr. S. 434. T. 3) beschrieb eine neue Art von
Alepas , welche auf der Haut von Squalus glacialis und Sq. spinax
lebt, und welche demgemäss A. squalicola benannt wird. Sie
zeichnet sich vor den übrigen Arten durch ihre Grösse aus, femer
dadurch, dass die Weichheit sich nicht auf die Schale beschränkt,
sondern sich auch auf die Beine und selbst die Mundtheile erstreckt
182
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Her
petologie während des Jahres 1844.
Von
Dr. F. II. Troschel.
Systema reptilium auctore Leopoldo Fitzinger Fasci-
culos primus. Amblyglossae. Vindobonae 1843. Als Einlei-
tung giebt Verf. eine Uebersicht seines Systems des Thier-
reichs überhaupt, in welchem er nach der Voraussetzung, dass
in jeder Abtheilung ein System von Organen vorzugsweise
entwickelt sein müsse, die sämmtlichen Thiere bis auf Ord-
nungen eintheilt. So ist ihm die Klasse der Reptilien der
Grad, in welchem die Generation und zugleich die Muskeln
vorzugsweise entwickelt sind, im Gegensatz zu den Fischen,
wo die Ernährung und zugleich die Knochen besonders ent-
wickelt sein sollen. Die weitere Eintheilung der Reptilien,
so wie der übrigen Wirbelthiere geschieht dann nach der vor-
herrschenden Entwicklung der 5 Sinne: 1) Gefühl: Rhizo-
ctonia mit den Ordnungen Cetosauri, Loricata und Ornitho-
sauri ; 2) Geschmack: Dipnoa mit den Ordnungen Ichthyodea,
Hemibatrachia, Batrachia; 3) Geruch: Testudinata mit den Ord-
nungen Oiacopoda, Steganopoda, Tylopoda; 4) Gehör: Lepto-
glossae mit den Ordnungen Ophidia, Hemisauri, Sauri; 5)
Gesicht: Amblyglossae mit den Ordnungen Ascalabotae, Hu-
mivagae, Dendrobatae. — Die Krokodile haben also die
Eidechsen verlassen müssen, weil der Mensch fünf Sinne hat,
und haben zu Gefühlsreptilien werden müssen, die nun mit
den Ornithosauren schwärmen mögen. Weshalb jede Abthei-
lung nothwendig in drei Ordnungen zerfallen müsse, ist nicht
gesagt. — Nun folgt ein Schema Systematis, welches ein Ver-
zeichniss der Amblyglossae bis auf Gattungen und Untergat-
tungen herab bildet. Die Genera sind dann in dem Haupt-
theil der Arbeit durch ausführliche lateinische Diagnosen de-
finirt, ebenso die Subgenera, für deren Vervielfältigung Verf.
sehr geneigt scheint, was jedoch in den Diagnosen der Be-
Ber/cht über die Leistungen im Gebiete der Herpetoiogie etc. 183
gründung nicht ermangelt. Die auffallendsten Unterscheidungs-
merkmale stehen immer an der Spitze der Diagnose, wodurch
das Buch bequem zur Benutzung wird, ein Vorzug vor man-
chem anderen Buch. Besondere Sorgfalt ist darauf genom-
men, der Nomenklatur nach der Priorität Gerechtigkeit wie-
derfahren zu lassen, was gerade bei den Amphibien sehr nöthig
geworden ist. Bei jeder Gattung sind die bekannten Arten
nach Namen, Synonymen, Vaterland aufgezählt und einer jeden
eine Angabe derjenigen Sammlungen, in denen sie sich be-
finden, angehängt. Durch die Spaltung der Gattungen ent-
stehen zwar manche neue Namen, indessen würde ein Auszug
dieser Arbeit zu weit führen, ich muss also auf das Heft
selbst verweisen.
Die , .Verhandelingen over de natuurlike Geschiedenis der
Nederlandsche overzeesche bezittingen, door de Leden der
Natuurkundige commissie in Indie eu andere Schryvers uitge-
geven op Läse van den Koning door C. J. Temminck Zoo-
logie. Leiden 1839 — 1844" sind jetzt vollendet. Die Am-
phibien sind von Sal. Müller und Herrn. Schlegel bear-
beitet. Es sind als neu beschrieben und abgebildet: Croco-
dilus (Gavialis) Schlegeln, Testudo emys, Trigonocephalus
formosus. Ausserdem sind abgebildet: Monitor prasinus, Mo-
nitor Dumerilii, Homalopsis leucobalia, Elaps Mülleri, Naja
bungarus. — Ueberhaupt finden sich 35 Amphibien auf den
Inseln des Indischen Archipels, nämlich Crocodilus vulgaris und
biporcatus; Gavialis Schlegelii; Trionyx stellatus auf Java;
Tr. subplanus auf Java, Sumatra und Borneo; Emys couro
auf Java, Borneo, Celebes und Amboina; Emys subtrijuga auf
Java; Emys Diardii auf Java und Sumatra; Emys platynota
auf Sumatra; Emys spinosa auf Borneo; Emys crassieollis auf
Borneo; Emys borneoensis auf Borneo; Testudo emys n. sp.
auf Sumatra; Testudo Forstenn n. sp. auf Gilolo; — Monitor
bivittatus auf Sumatra, Java, Borneo und Celebes; Monitor
chlorostigma auf Amboina, Gilolo, Neuguinea, Rawak, Wai-
giou und Neil-Irland; Monitor timoriensis auf Timor; Monitor
prasinus auf Neuguinea, Monitor Dumerilii auf Borneo und
Poeloe Batoe bei Sumatra; — Trigonocephalus rhodostoma
auf Java; Trigonocephalus puniceus auf Java; Trigonocepha-
lus viridis auf Sumatra, Banka und Timor: Trigonocephalus
184 Troschel: Bericht über die Leistungen im
Wagleri auf Sumatra, Borneo und Celebes; Trigonocephalus
formosus (s. unten) auf Sumatra ; Homalopsis buccata auf Java
und Borneo; Homalopsis Schneiden weitverbreitet; Homalopsis
decussata auf Java; Homalopsis plumbea auf Java, Borneo
und Celebes; Homalopsis aer auf Java, Borneo und in Ben-
galen; Homalopsis leucobalia auf Timor; Elaps fureatus auf
Java; Elaps bivirgatus auf Java, Sumatra und Borneo; Elaps
Miilleri auf Neuguinea; Naja tripudians Var. Sondaica auf
Java, Sumatra und Borneo; Naja bungarus auf Java. Der
den Amphibien gewidmete Text beträgt 72 Seiten und dazu
gehören 10 Tafeln.
Von Andrew Smith' s lllustrations of the Zoology of
South Africa erschienen im Jahre 1844 die 20. und 21. Lie-
ferung. In ersterer sind von Amphibien abgebildet: Cordylus
giganteus n. sp. alt und jung, Gerrhosaurus flavigularis Wiegm.
alt und jung, Gerrhosaurus Bibroni n. sp., Gerrhosaurus ty-
picus Dum. Bibr. ; in letzterer: Acanthodactylus capensis n. sp.
Männchen und Weibchen, Platysaurus capensis n. Gen., Ger-
rhosaurus subtessellatus n. sp., Gerrhosaurus sepiformis Dum.
Bibr. und die Köpfe und Schenkelporen der genannten Arten
von Gerrhosaurus, denen noch G. lineatus und bifasciatus hinzu-
gefügt ist. Die Diagnosen der neuen Arten sind unten angegeben.
James Linsley giebt ein Verzeichniss der Amphibien
von Connecticut (Silliman American Journal XLVL p. 37).
Im Ganzen werden 56* Amphibien aufgezählt, darunter 13
Schildkröten, 2 Echsen, 18 Schlangen, 11 ungeschwänzte und
12 geschwänzte Frösche. Beschreibungen der Arten sind
nicht gegeben.
Duvernoy Fragmens sur les organes genito-urinaires
des reptiles et leurs produits. ( Comtes rendus 19. p. 249.
285. 948). In dieser Arbeit wird gehandelt 1) von den Bla-
sensteinen der weichen Schildkröten , 2) über die Existenz
fossiler Urolithen ; 3) über den Geschlechtsapparat der Männ-
chen und Weibchen der Salamander und Tritonen; 4) über
die Nieren der Salamander und Tritonen.
Chelonii.
Von Schildkröten sind als neu nur die bereits oben er-
wähnten Arten von Sal. Müller und Schlegel beschrieben,
Gebiete der Herpetologie während des Jahres 1814. JQ*
nämlich Testudo emys von Sumatra und Testudo Forstemi
von Gilolo.
S a 11 r i.
Rusconi theilt in Miiller's Archiv 1844. p. 508 seine
Beobachtungen am afrikanischen Chamaeleon mit und weist
nach, dass dieses Thier seine lange klebrige Zunge gegen
Insecten nicht durch Erection in Folge von Blutandrang stosse,
sondern durch die Thätigkeit der Muskeln. Dieses Vorschnel-
len geschieht mit grosser Geschwindigkeit und das Anschlagen
giebt einen schwachen Ton. Eine Abbildung erläutert das
Vorgetragene. Eine ausführlichere Monographie des Chamä-
leons wird in Aussicht gestellt.
Neue Eidechsen sind nur von Smith in seinen Ulustra-
tions beschrieben worden:
Cordylus giganteus flavo-brunneus inferne pallidior, dorso cauda
superne extremitatibusque superne fusco-nebulatisj oceipite tempo-
ribusque postice spinis fortibus triangularibus in ordine singulo ar-
matis; dorsi squamis leviter carinatis, laternm fortiter spinosis-
cauda superne spinosissiraa; extremitatibus anterioribus inferne squa'
mis tuberculosis; poris femoralibus decem. 15". Quathlamba
Gebirge.
Gerrhosaurus Bibroni superne brunneus, lineis duabus sublatis
et duabus angustis variegatis, his ad basin caudae, Ulis versus apicem
desinentibus; mento, gula, capitis lateribus, gutture extremitatibus-
que anterioribus interne miniatis ; pectore abdomineque griseo albis-
scuto occipitali rhombico. 10f . An den Quellen des Caledon Ne'
bcnfiuss des Orange River. - G. subtessellatus dorso flavo-brunneo
linea alba brunneaque tessellata in utroque latere marginato- partibus
inferionbus carneis cupreo -viride-tinetis; corpore fortiter depresso
squamis laevibus. 6". Namaqualand.
Acanthodactylus capensls Mas: superne flavo-brunneus, lateribus
nigro-brunneis, et marularum albarum seriebus duabus et lineis dua
bus longitudinalibus ejusdem coloris variegatis; partibus inferioribus
ochraceis; digitis externe dentatis. Fem: superne pallide aurantiu*
lateribus rubro-aurantiis superne inferneque linea subalbida margi'
natis; partibus inferionbus ochraceis, versus latera niero-brunneo
tessellatis. 10f . Namaqualand.
Platysaurus nov. Gen. Zähne kurz, zahlreich, eng: Nasen
iocher kreisförmig, am hintern und untern Rande des Nasen-Schnau
zenschildes, .Stirnplatte einfach, Frontoparintalplatten 4 wie bei Cor
dylus, Palpebralplatten wie bei Gerrhosaurus. Körper flach Schup
Pen sehr klein, am Bauche viereckig und in Querreihen, Schenkel-
poren klein aber deutlich. Kehlfalte rudimentär. PL rapensis su
perne gnseo-brunneus, dorso fasciis tribus subalbidis notato- capite
jgß Troschel: Bericht über die Leistungen im
eorporeque fortiter depressis; corporis squamis parvis; poris femo-
ralibus 18; cauda versus basin depressa, versus apicem cylindracea;
partibus inferioribus viridi-flavis. 7f". Namaqualand.
Tropidolepisma st ritt tum Peters (Bericht der Acad. zu Berlin
1844. p. 36) scheint mir Euprepes Sechellensis D. B. zu sein.
S e r li e n t e s.
Von Dunieril's und Bibron^ Herpetologie generale er-
schien im Jahre 1844 der sechste Theil, welcher den Anfang
der Schlangen enthält. Nach einer litterarischen Einleitung,
in welcher die sämmtlichen bisherigen Systeme nach ihren
Grundzügen angegeben sind, entwickeln die Verf. das von
ihnen befolgte System. Sie theilen die Schlangen in 5 Sec-
tionen :
1. Vermiformes (Scolecophides). Nur in einem der Kiefer Zähne,
Körper überall gleich dick, wurmförmig. Nur der Oberkieferknochen
ist beweglich, Zwischenkiefer, Nasenbeine und Vomer sind fest ver-
wachsen; keine Giftzahne oder Furchenzähne.
2. Cicuriformes (Azemiophides). Alle Gesichtsknochen sind be-
weglich, Oberkieferknochen sehr lang, Zähne in beiden Kiefern, keine
Gift- oder Furchenzähne.
3. Fidendiformes (Aphoberophides). Alle Gesichtsknochen sind
beweglich, Zähne in beiden Kiefern, die hintern Oberkieferzähne
Furchenzähne, die vordem voll; sie sind nicht giftig.
4. Fallaciformes (Apistophides). Alle Gesichtsknochen sind be-
weglich, Zähne in beiden Kiefern, die vordem Oberkieferzähne sind
Furchenzähne; sie sind giftig.
5. Viperiformes (Thanatophides). Alle Gesichtsknochen beweg-
lich, Zähne in beiden Kiefern, im Oberkiefer Giftzähne, sie sind
giftig.
Nach einer allgemeinen Betrachtung der verschiedenen Organe
der Schlangen folgt dann der specielle Theil, in welchem zunächst
die Vermiformes in zwei Familien getheilt werden: typhlopiens Un-
terkiefer ohne Zähne mit den Gattungen Pilidion, Ophthalmidion,
Cathetorhinus, Onychocephalus, Typhlops, Cephalolepis; - Catodo-
niens Unterkiefer mit Zähnen, dahin die Gattungen Catodon und Ste-
nostoma.
Von der Abtheilung Cicuriformes sind die beiden ersten Fami-
lien noch in diesem Bande abgehandelt. Die Pythoniens werden in
drei Tribus getheilt: Pythonides Zwischenkieferzähne mit den Gat-
tungen Morelia, Python, Liasis, Nardoa; Eryades ohne Zwischen-
kieferzähne und ohne Greifschwanz, enthalten nur die Gattung Eryx;
Boaeides ohne Zwischenkieferzähne mit Greifschwanz, dahin die Gat-
tungen Enygrus, Leptoboa, Tropidophis, Platygaster, Boa, Pelophi-
lus, Eunectes, Xiphosoma, Epicrates, Chilabothrus. — Die Tortri-
Gebiete der Herpetologie während des Jahres 1844. jg7
a'cns bestehen aus den Gattungen Tortrix und Cylindrophis. Im
Ganzen sind in diesem Bande 65 Arten beschrieben.
Sa vage giebt einige Notizen über die Lebensweise des
Python natalensis und beschreibt mehrere Beispiele, in denen
derselbe Thiere umschlang und erdrückte. Zuweilen wickelt
er den Schwanz um einen anderen Gegenstand, um mehr
Kraft auf seine Beute verwenden zu können; zuweilen setzt
er die Fussstummel in Ritzen des Fussbodens ein, um einen
Widerstand zuhaben; auch beim Klettern bedient er sich der
Fussstummel, indem er sie in Ritzen der Bäume einsetzt.
(Annais XIV. p. 148 und Froriep's Notizen 32. p. 198).
Der von Sal. Müller und Schlegel 1. c. aufgestellte Trigo-
nocephalus formosus ist von Tr. Wagleri verschieden durch viel we-
niger stark gekielte Schuppen, grössere Lippenschilder, eine grössere
Zahl Bauchschilder, und durch verschiedene Farbenvertheilung.
Batiachia.
Prevost et Lebert Memoire sur la formation des or-
ganes de la circulation et du sang dans les Batraciens. (An-
nales des sciences naturelles, troisieme serie tome 1. p. 193).
Vogt macht ebenda IL p. 45 einige Beobachtungen über
die Embryologie der Batrachier bekannt.
Schlotthauber beschreibt dies Archiv 1844. 1. p. 257 eine Va-
rietät von Rana temporaria aus der Gegend von Hamburg.
Dactylethra Mülleri Peters (Bericht d. Acad. zu Berlin 1844.
p. 37) unterscheidet sich von D. capensis durch ein Knötchen am
Hacken und einen Tentakel unter jedem Auge. Die Extremitäten sind
unten okergelb mit schwarzen Flecken. Mozambique.
Küster beschreibt Salamandra Genei, von dem er in Sardinien
zwei Exemplare lebend erhielt, er unterscheidet sich von Salamandra
durch den Mangel der Ohrdrüsen und den glatten Leib, von Triton
durch die glatte Haut und den runden Schwanz, von Geotriton durch
die Bildung der Zehen, die am Ende wie abgeschnitten und durch
eine Schwimmhaut verbunden sind. Das Thier bildet vielleicht eine
eigene Gattung. (Isis 1844. p. 655).
Owen stellt in den Annais XIV. p. 23 eine neue Art
Axolotl dar. Die Arten werden folgen der massen charakterisier
Axolotes guttata (Siren pisciformis) fusca, nigroguttata, capite
antice rotundato, cauda compresso-lanceolata. — A. maculata n. sp.
grisea, nigro-marmorata, subtus lactea, capite antice truncato, cauda
compresso-rotundata. 3 — 5". Mexiko. Letztere Art ist in Holz-
schnitt abgebildet.
188
Bericht über die Leistungen im Gebiete de]
Ichthyologie während des Jahres 1844.
Von
Dr. F. H. Troschel.
An die Spitze des diesmaligen Jahresberichtes stelle ich
einen Aufsatz von J. Müller, welcher höchst wichtige Auf-
schlüsse über das System der Fische giebt: Ueber den Bau
und die Grenzen der Ganoiden und über das natürliche System
der Fische. Bericht über die zur Bekanntmachung geeigneten
Verhandlungen der Akademie zu Berlin. 1844. p. 416 und
noch weiter ausgeführt in diesem Archiv 1845. p. 91. Da
das hier aufgestellte System auf so sicheren Basen ruht, dass
es sich ohne Zweifel der allgemeinsten Anerkennung erfreuen
wird, so werde ich im Folgenden sogleich nach demselben
meinen Bericht ordnen.
Wichtig für die Kenntniss der Fische sind die durch
Lieh ten stein herausgegebenen: J. Forsteri descriptiones
animalium in itinere ad maris australis terras per annos 1772
bis 74 suseepto observatorum. Berolini 1844. 8. Die Be-
schreibungen Forster's waren bisher nur in Bloch's Systema
ed. Schneider und zwar unvollständig veröffentlicht worden.
Hier erscheinen dieselben vollständig und mit Angabe derje-
nigen Namen, welche die Fische in neueren Zeiten namentlich
bei Bloch Schneider und bei Cuvier Valenciennes erhalten
haben.
Von der Zoology of the Voyage of H. M. S. Sulphur
under the Command of Captain Sir Edward Belcher during
the Years 1836—1842 erschien im Jahre 1844 die fünfte Lie-
ferung, welche Fische enthält. Sie ist bearbeitet von John
Richardson. Dies Heft behandelt die Familie der Gobioi-
den, aus welcher eine neue Gattung und einige neue Arten
beschrieben werden; ferner ist ein neuer Batrachus und eine
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Ichthyologie etc. 189
neue Synanceia aufgestellt. Die 10 Tafeln mit Abbildungen
in Steindruck geben bereits Fische, welche im Text noch nicht
behandelt sind.
Die Verhandelingen over de natuurlike Geschiedenis der
Nederlandsche bczittingen ct. door C. J. Temminck. Zoologie.
Leiden 1839 — 1844 sind, wie bereits oben im Berichte über
die Amphibien bemerkt, vollendet. Die Fische füllen 25 Sei-
ten Text und 6 Tafeln Abbildungen, sind von Sal. Müller
und Schlegel bearbeitet, und beschränken sich auf 3 Ab-
handlungen: Ueber Osteoglossum formosum, Beschreibung
von 4 Arten Amphacanthus, und Uebersicht der von den
Sunda- Inseln und Molukken kommenden Fische aus den Ge-
schlechtern Amphiprion, Premnas, Pomocentrus, Glyphisydon,
Dascyllus und Heliases. Abgebildet sind: Osteoglossum for-
mosum; Amphacanthus dorsalis, corallinus, virgatus, vermicu-
latus; Pomacentrus fasciatus, trimaculatus, littoralis, chryso-
poecilus; Glyphisodon aureus, melas, unimaculatus, modestus,
antjerius, biocellatus, Heliases cinerascens; Premnas trifasciatus.
Von Henrik Kroyer's Danmarks Fiske Kopenhagens.
(vergl. den vorjährigen Bericht p. 230) ist das zweite Heft
des zweiten Bandes erschienen. Die Fische sind wie früher
in Holzschnitt abgebildet. Dieses Heft enthält folgende Arten:
Platessa saxicola, limandoides; Hippoglossus maximus; Rhom-
bus vulgaris, maximus, hirtus, Cardina; Solea vulgaris; Cy-
clopterus Lumpus ; Liparis Montagui, barbatus; Lepadogaster
cornubiensis ; Salmo Salar, Trutta, Eriox und Fario.
Zur Fischfauna von Norwegen giebt v. Düben einen
Beitrag (Om Norriges Hafs-Fanna in der Öfversigt af Kongl.
Vetenskaps- Academiens Förhandlingar 1844. p. 13 und 111).
Die hier angegebenen Arten wurden im Anfange des Jahres
1845 von v. Düben und Koren näher bezeichnet. (Vergl.
Hornschuch Archiv skandinavischer Beiträge %ur Naturge-
schichte 1845). Von den 13 Arten sind fünf neue, die an-
deren sind Polyprion cernium, Sebastes imperialis, Sternoptix
Olfersii, Gadus (.Merlangus) Potassoa Risso, Motella argenteola
Moni, Rhombus megastoma Donov., Lepadogaster bimaculatus
Penn, und Cyclopterus minutus Pall., den die Verf. für den
jungen Cycl. lumpus mit Fries ansehen. Die neuen Arten
sind unten angegeben.
j90 Troschel: Bericht über die Leistungen im
In der 21. Lieferung von den Illustration* of the Zoo-
logy of South Africa by Andrew Smith, welche im Jahre
1844 erschien, sind auch 5 Fische abgebildet; nämlich Penta-
ceros Richardsoui Smith, Sebastes capeusis und maculatus Cuv.
Val., Sargus hottentotus und capeusis Smith. Die drei neuen
sind unten aufgenommen.
Von v, Siebold's Fauna Japonica sind im Jahre 1844
die 5te und 6te Lieferung der Fische erschienen, bearbeitet
von Temminck und Schlegel. Sie enthalten Fische aus
den Familien Sparoidei, Squamipennes und Scomberoidei, von
denen die neuen unten angezeigt sind.
Bereits im Jahre 1843 ist die Ichthyologie in der Histoire
naturelle des lies Canaries par M. M. P. Barker -Webb et
Sabin Berthelot, bearbeitet von Valenciennes beendigt wor-
den. Es werden viele Fische als in den Meeren, welche diese
Inseln bespülen, lebend beschrieben, unter denen verhältniss-
mässig viele neue Arten , auch einige interessante neue Gat-
tungen. Viele Fische hat diese Inselgruppe mit Madeira ge-
mein; sie scheinen mehr durch übereinstimmende Formen die
Fischfauna Südamerikas mit der des Mittelmeers zu verbin-
den, als mit der der Küste Afrika's. Die meisten neuen Ar-
ten/ sowie einige bereits früher aufgestellte sind auf 26 theils
Kupferstich-, theils Steindrucktafeln abgebildet. Die neuen
Arten, besonders aber die neuen Gattungen sind unten näher
besprochen. Von Süsswasserfischen findet sich nur ein Aal
A. canariensis.
Von James Linsley erhielten wir in Silliman American
Journal XLV1I. p. 55 ein Verzeichniss der Fische von Con-
necticut, in welchem im Ganzen 173 Arten gezählt werden.
Es sind 72 Stachelflosser, 36 Malacopterygii abdominales, 23
Malacopterygii jugulares, 6 Malacopterygii apodes, 3 Lophobran-
chii, 9Plecto£nathi, 2 Störe, 17Plagiostomen und 5Cyclostomen.
' Von Bernhard Carl Brühl erschien unter dem Titel:
Zur Kenntniss des Wirbelthier- Skelettes die erste Hälfte der
ersten Abtheilung mit dem besondern Titel : die Methode des
osteologischen Details dargestellt am Karpfen- Skelette. Wien
1845. 4. Diese Hälfte enthält 29 Bogen Text, 13 Tabellen
und 3 Steindrucktafeln. Die noch zu erwartenden drei Hälf-
ten werden sich nicht auf Ichthyologie besonders beziehen.
Gebiete der Ichthyologie während des Jahres 1844. 191
I> i 11 11 o I.
Peters sandte aus Quellimane Beschreibung und Exem-
plare eines mit Lepidosiren annectens verwandten Fisches.
Die Brust- und Bauchflossen bestehen ausser einem articulirten
Strahl aus Knorpelstrahlen, die am Hauptstrahl befestigt sind, und an ihm
eine Fahne bilden. Naslöcher wie bei Lepidosiren paradoxa, ebenso
die Lippenknorpel. Drei äussere Kiemenfäden. Falls dieser Fisch
von Lepidosiren annectens generisch verschieden sein sollte, nennt
ihn Verf. Rhinocryptis amphibia; wenn er mit L. annectens iden-
tisch und von L. paradoxus generisch verschieden sein sollte, so
muss Owens Name Protopterus wieder aufgenommen werden. (Be-
richt der Academie zu Berlin 1844. p. 411).
Teleostei.
Acantliopteri.
Serranus caninvs Valenc. Canar. unterscheidet sich von S. gi-
gas durch die abgestutzte Schwanzflosse D. 11. 15; A. 3. 8. braun.
— S. emarginatus id ib. mit einem Einschnitt über dem Winkel des
Vordeckels; hecheiförmige Zähne nur in der Mitte der oberen Kinn-
lade. D. 11. 15; A. 3. 11. Grosse braune Wolkenflecke auf dem
Rücken. Schuppen auf dem Oberkiefer.
Ura?ioscopus bvfo Val. Canar. Der Kopf ist kürzer als bei U.
scaber, er ist 4^mal in der ganzen Länge enthalten, in einer Längs-
reihe finden sich 70 Schuppen. D. 4. 15; A. 14.
Beryx borealis Düben 1. c. (früher vom Verf. als neue Gattung
Urocentrus betrachtet) hat oben 5, unten 4 Stachelstrahlen an der
Wurzel der Schwanzflosse; 2 Stacheln im Nacken, 2 auf dem Maule,
2 unter den Nasenlöchern.
Sphyraena afra Peters (Bericht d. Acad. z. Berlin 1844. p. 32).
Die Brustflossen reichen bis zum Anfang der ersten Rückenflosse,
Bauchflossen vor dem Anfang derselben. St. Paolo de Loanda.
Kroyer giebt Tidsskr. p. 249 Diagnosen für Aspidophorus niger
Kr., decagonus Bl. und europaeus und beschreibt eine neue Art von
Grönland, A. spitios/ss/wus, die er durch gleich lange Kiefer und
Maxillarbartfäden charakterisirt.
Eine neue Gattung Icelus stellt Derselbe ebenda p. 261 in
der Familie der Panzerwangen auf: Forma subcompressa, altior
quam lata. Caput magnum, aculeis armatum rostri, praeoperculi et
nuchae, squamis vero destitutum. Dentes acerosi, minutissimi maxil-
larum, vomeris ossiumque palatinorum. Radii membranae branchio-
stegae sex. Pinnae dorsales duae discretae; ventrales sub pectorali-
bus sitae, quatuor compositae radiis; omnes pinnarum radii indivisi.
Utrinque a nucha usque ad basin pinnae caudalis series scutorum
osseorum continua prope pinnas dorsales. Linea lateralis tuberculis
192 Troschcl: Bericht über die Leistungen im
composita osseis. Squamae ciliatae laterum et abdominis rarae et
sparsae; ceterum cutis nuda. Dazu gehört ausser einer neuen Art
/. hamatus Kr. von Spitzbergen auch Cottus uncinatus Reinh. und
Cottus bicornis Reinh.
Den Cottus tricuspis Reinh. erhebt Derselbe ebenda wegen
des Mangels der Vomerzähne zur besonderen Gattung P ho betör.
Ferner stellt Derselbe ib. p. 267 eine neue Gattung Cara-
canthus in derselben Familie auf, welche sich von der anderen
Seite durch die Hohe des Körpers, die Kürze der Schnauze und die
Strahlen vor der Afterflosse den Scomberoiden annähert: forma valde
compressa, ovalis. Rostrum brevissimum, truncatum. Dentes acerosi
ossium intermaxillarium maxillaeque inferioris. Radii membranae
branchiostegae sex (?). Os infraorbitale antice aculeo armatum.
Duae pinnae dorsales sat humiles; pinnae pectorales breves, radiis
formatae simplicibus; pinnae ventrales prorsus rudimentariae; duo
pinnae analis aculei, a radiis mollibus sat magno distincti intervallo.
Squamae nullae; plurimae vero papillulae ubique cutaceae. Cor,
typicus von Owaihi.
Agriopus alboguttatus id. ib. p. 224 schwarz mit milchweissen
Flecken, 3 Paar Stacheln am Kopf. D. 16. 12; A. 1. 8. Peru.
Endlich charakterisirt derselbe Verf. ebenda p. 281 die nor-
dischen Arten der Gattung Sebastes S. norvegicus Cuv., S. viviparus
Kr. und S. imperialis Cuv.?
Sebastes filifer Valenc. Canar. Der zweite Stachel der Rük-
kenflosse ist verlängert, so dass er lfmal so lang ist wie der dritte,
nur 4 Stacheln am Vordeckel. D. 12. 10; A. 3. 5.
Umbrina ronchus Valenc. Canar. Der Körper ist höher als an
der Art des Mittelmeers, die Schuppe über der Schulter ist sehr
klein. D. 11. 25; A. 27. — U. canariensis id. ib. Die erste Rük-
kenflosse ist niedriger, die zweite länger, der Körper mehr verlän-
gert, D. 11. 29; A. 2. 7.
Pentaceros Kichardsonü Smith. JH. capite scabre striato, squa-
mis paucis infra oculos; thorace scutis parvis multilateralibus tecto ;
dentibus criniformibus; spinis pinnarnm osseis, fortibus, longitudina-
liter striatis, linea laterali arcuata. 21". D. 14. 9; A. 4. 8. Cap.
Pristipoma ronchus Valenc. Canar. D. 12. 16; A. 3. 12. kein
Fleck am Kiemendeckel.
Synanceia asteroblepa Richard son Voy. of the Sulphur, capite
subcylindrico superne planiusculo cute fimbriatula arcte adhaerente
tecto; cute corporis laxa, minute papulosa; colore fusco-purpureo
punctis brunneis minimis variegato; pinnis pectoralibus maculatis;
pinnis omnibus.ad margines nigrescentibus. D. 16. 5; A. 4. 5. Neu-
Guinea.
Sargus hottentotus Smith Jll. corpore fasciis quinque vertica-
libus variegatis; maxillae dentibus incisoribus duodecim, mandibulae
octo; pinnis ventralibus postice subarcuatis; pinna caudali furcata.
Gebiete der Ichthyologie wahrend des Jahres 18-14. 193
17£*. D. 11. 13; A. 3. 11. Südwestküste von Südafrika. — S. ca-
pensis id. ib. macula nigra sub extremitatem posteriorem pinnae dor-
salis; squamis infra oculos subquadrangularibus in ordinibus arcuatis
dispositis; dentibus incisoribus in maxilla et in mandibula octo, pin-
nis ventralibus externe acuminatis. 14". D. 12. 15; A. 3. 14 Süd-
westküste von Südafrika. — Nach Valenciennes Ichth. d. Canaries
gehört Lowe's Cliarax cervinus in die Gattung Sargus.
Pagrus ßertheloti Valenc. Canar. D. 11. 12; A. 3. 9., roth mit
einigen blauen Flecken. — P. auriga id. ib. Stacheln der Rücken-
flosse sehr hoch; röthlich silberfarbig mit 4 oder 5 breiten braunen
Binden. Verf. hält es nicht für unmöglich, dass es der Jugendzustand
der vorigen Art sei.
PageUus canariensis id. ib. unterscheidet sich von P. vulgaris
durch die kürzere Schnauze, weniger zahlreiche Vorderzähne und
grössere Mahlzähne.
Dentex filosus id. ib. der zweite Strahl der Rückenflosse ist
sehr verlängert, weniger der dritte und vierte. D. 13. 10; A. 3. 8.
Lethrynus haematopterus Schlegel Faun, japon. D. 10. 9;
A. 3. 8. Dunkel olivengrün am Kopf, heller auf dem Rücken, die
Schuppen haben einen braunen Fleck, Kehle und Lippen carminroth,
Flossen braungelb, Rückenflosse hinten blutroth. 20".
Boops canariensis Val. Canar. unterscheidet sich von B. vulga-
ris durch den breiteren Kopf, grössere Augen Die Farbe ist am
Rücken silberfarbig violett.
Melanichthys nov. Gen. Schlegel Faun, japon. gezähnelte
Zähne in einer Reihe, dahinter eine Reihe ähnlicher kleinerer, und
hinter dieser eine Binde hecheiförmiger Zähne, keine am Gaumen.
Die Art, welche noch keinen Namen hat, ist oben schwarz unten
heller. D. 14. 14; A. 3. 12. 15".
Gerres eqitula id. ib. D. 9. 11; A. 3. 8. grünlich blau.
Ditrema nov. Gen. id. ib. in der Familie der Maeniden zeich-
net sich durch eine sehr niedrige Rückenflosse aus und durch eine
Oeffnung hinter dem After. Die Art hat D. 10. 22; A. 3. 27.
Eine neue Gattung Chaetopterus stellt Dersel be auf, die
sich durch den Habitus sehr an Aphareus annähern soll, aber
Vomerzähne und 4 Strahlen in der Kiemenhaut besitzt. D. 10. 10;
A. 3. 8.
In der Familie der Squamipennen sind mehrere neue Gat-
tungen und Arten aufgestellt:
Chaetodon modestus Schlegel Fauna Japonica p. 80 hat Aehn-
lichkeit mit Ch. melanopus Reinwardt, er ist milchweiss mit 4 hell-
braunen Binden, ein schwarzer Fleck auf dem Anfang des weichen
Theils der Rückenflosse. D. 11. 21; A. 3. 20. — Ch. aureus id.
braungelb, ein schwarzer senkrechter Streif durch's Auge und 20
dunkle Längsbinden an den Seiten.
Archiv f. Naturgesch. XI. Jahrg. 2. Bd. N
194 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen im
Holacanthus septentrionalis id. verwandt mit annularis, aber
Kücken- uud Baiichflossen nicht in Spitzen verlängert, etwa 12 blaue
Längsstreifen. D. 13. 18; A. 3. 18.
Eine neue Gattung Hypsinotüs wird von Demselben nach
einer Abbildung von Bürger aufgestellt. Sie ist kenntlich an der
Stellung der Bauchflossen dicht beim After, durch die geringe Höhe
der weichen Rückenflosse; die Höhe des Körpers ist fast gleich der
Länge. Der Fisch ist ziegelroth. B. 6. D. 8. 27; A. 3. 26. Die Gat-
tung wird in die Nähe von Drepane gestellt.
Eine andere neue Gattung Histiopterus desselben Verf.
wird in die Nähe von Taurichthys und Heniochus gestellt, mit denen
ihre Körpergestalt Aehnlichkeit hat. Die Rückenflosse ist sehr hoch
und enthält 4 starke Dornen, Kopf mit Rauhigkeiten bedeckt, Zähne
hecheiförmig, keine Schuppen auf den Flossen. Dahin 2 Arten: H.
typus D. 4. 27; A. 3. 11. der dritte Stachel in der Rückenflosse der
längste. H. acutirostris , die Schnauze ist kürzer und der 4te Strahl
ist der längste.
Valenciennes beschreibt in der Ichthyologie des Canaries
einen Fisch in der Nähe der Gattung Brama als neue Gattung Neo-
brama Webbii. Derselbe Fisch ist bereits von Lowe Polymixia
nobilis genannt worden, welcher Name die Priorität hat. Val. giebt
folgende Charaktere: Corpus oblongum, squamis asperrimis tectum;
caput parvum, squamosum, rostrum ac mandibula superior nuda;
maxilla inferior squamosa, infra cirris duobus longis symphysi affixis
instrueta; dentes in maxillis, in palato, in vomere ac in lingua mi-
nuti, creberrimi, velutini; ossa opercularia inermia, squamosa, prae-
ter interoperculum nudum, cutaceum; pinnae dorsales coadnatae,
ventrales radiis ramosis Septem; membrana branchiostega radiis
quatuor.
Derselbe stellt ebenda eine Gattung Crius auf, welche eben-
falls in die Familie der Squamipennen gehört, und die auch bereits
von Lowe einen Namen Leirus erhalten hatte. Lowe kannte nur eine
Art L. Bennettii, Valenciennes fügt eine zweite C. Berthelotii
hinzu. Die Charaktere sind folgende: Corpus compressum antice
carinatum, squamis deeiduis laevibus omnino vestitum; caput par-
vum, truncatum, squamosum; praeoperculum in limbo sulcatum, ad
marginem integrum, neque aculeatum; operculum, suboperculum, in-
teroperculum absque spinis aut serrulis, sed subeiliata; dentes seta-
cei minimi in unica serie; palatum glabrum, edentulum; pinnae dor-
salis, analis caudalisque squamosae; membrana branchiostega radiis
sex. C. Bennetii D. 7. 31; A. 3. 25. - C. Berthelotii D. 4. 34;
A. 3. 22.
Kroyer stellt in seiner Naturhistorisk Tidskrift 1844. p. 213
eine neue Art der Gattung Oplegnathus Rieh, (vergl. dies Archiv
1841. II. p. 136) auf: O. fasciatus altissimus, valde compressus; alti-
tudo dimidiam ferme aequat piscis longitudinem , crassitudinemque
Gebiete der Ichthyologie während des Jahres 1844. 195
ter ad minus supcrat. Caput quarta longitudinis parte parum majus.
Color nigricans, fasciis luteis transversis verticalibus quinque. D. 11-
16; A. 3. 12. Peru. Verf. will die Gattung nicht in die Nähe von
Scarus gestellt wissen, sondern zu den Squamipennen wegen der zu-
sammengedrückten und hohen Gestalt des Körpers, wegen der flei-
schigen und mit Schuppen bedeckten Flossen, wegen der sehr klei-
nen und ciliirten Schuppen, wegen des Verhaltens der Schlundknochen
und deren Zähne, wegen der Länge des Darms und der Zahl der
Blinddarme, wegen der nicht unterbrochenen Seitenlinie u. s. w.
Mit dieser Gattung ist wohl ohne Zweifel die von Schlegel in
der. Fauna japonica p. 89 aufgestellte Gattung Scarodon identisch,
zu der daselbst 2 Arten beschrieben werden: Sc. fasciatus in Kru-
senstern Atlas Tab. 52. F. 2 abgebildet, und vielleicht von O. fascia-
tus Kr. nicht verschieden. — Sc. punetatus mit vielen dunklen Punk-
ten von verschiedener Grösse.
In der Familie der Labyrinthfische ist eine neue Gattung Cte-
nopoma von Peters aufgestellt (Bericht der Acad. zu Berlin 1814.
p. 34). Kiemendeckel mit zwei halbmondförmigen Ausschnitten und
drei kammförmig gezähnten Lappen, Zähne am Vomer und Gaumen,
viele Stacheln in Rücken- und Afterflosse. Ct. multispinis bei Quel-
limane in einem Bach.
Zur Familie der Scomberoiden finden sich im Jahre 1844 nur
Beiträge von Schlegel in der Fauna japonica. Daselbst wird ein
Scomber scombrus japonicus angeführt, der sich der Capschen Varie-
tät annähern soll, und ein Scomber pneumatophorus japonicus ist in
einer kleinern und einer grössern Varietät abgebildet.
Daselbst sind 5 Arten Thynnus beschrieben: Th. orientalis hat
kurze Brustflossen wie braehypterus, hat aber einen Stachel mehr
in der ersten Kückenflosse, und die falschen Flossen sind der zwei-
ten Rückenflosse und Afterflosse sehr genähert. — Th. thunnina. —
Th. pelamys. — Th. Sibi mit sehr langen Brustflossen nähert sich
dem Th. argentivittatus, aber die ersten falschen Flossen sind mit
der Rückenflosse und Afterflosse verbunden. — Th. macropterus Af-
terflosse und zweite Rückenflosse sind sehr lang und sichelförmig,
die erste falsche Flosse unten ist mit der Afterflosse verbunden, wird
bis zehn Fuss lang.
Pelamys orientalis unterscheidet sich von P. chilensis C. V.
durch die viel kürzeren Brustflossen, D. 18. 14 H- 8; A. 12 -+- 1 -f- 8,
nur die letzten 8 falschen Flossen sind frei.
Cybium chinense und niphonium sind ebenda beschrieben und
abgebildet, ebenso Trichiurus lepturus japonicus.
Histiophorus orientalis n. sp. unterscheidet sich von indicus durch
die hohe Stirn, und dadurch, dass die Rückenflosse vorn viel niedri-
ger ist als in der Mitte.
N*
196 Troschel: Bericht über die Leistungen im
Elacate bivittata, welche von Cuv. Val. nach einem jungen
Exemplar aufgestellt wurde, wird hier im erwachsenen Zustande ab-
gebildet und beschrieben.
Chorinemus Orient alis Schi, soll sehr mit Ch. mauritianus C. V.
übereinstimmen, und sich nur durch die Zähne des Unterkiefers un-
terscheiden, deren äussere Reihe horizontal nach aussen gerichtet ist.
Trachinotus anomolus Schi, hat nur' 4 Stacheln in der ersten
Kückenflosse, und der vordere Theil der weichen Rücken- und After-
flosse sind nicht in Spitzen verlängert; die Haut ist in unregelmässige
Felder getheilt. Der Fisch möchte vielleicht eine besondere Gattung
bilden, er ist aber nur nach einer Zeichnung aufgestellt.
Unter den abgebildeten Arten der Gattung Caranx findet sich
ein Trachurus, den Schlegel von Caranx trachurus nicht trennt;
er scheint dem C. deelivis Jenyns sehr nahe zu kommen, wenigstens
stimmen die Zahlen der seitlichen Platten und der Flossenstrahlen
so ziemlich.
Von Caranx mit einer falschen Flosse werden zwei Arten C.
muro-adsi D. 8. 1 -+- 33; A. 2. 1 + 27 und C. maru-adsi D. 7.
1 -+- 34; A. 2. 1 -f- 28 beschrieben und abgebildet. — Endlich sind
auch aus der Abtheilung ohne falsche Flossen 2 Arten aufgestellt:
C. ßavocoeruleus und C. equula.
Aus der Familie der Teuthyer sind von Sal. Müller
und Schlegel in den Verhandelingen ct. 4 Arten der Gat-
tung Amphacanthus beschrieben: A. dorsalis, corallinus, vir-
gatus und vermiculatus.
Anastasio Cocco beschreibt in dem 25. Heft des Giornale
del Gabinetto di Messina. Januar 1844 eine neue Gattung der Tae-
nioiden unter dem Namen Krohnius: Schnauze kurz, Mund schief
gespalten, Körper verlängert; Kopf stumpf, Zähne in den Kiefern;
ein Bartfaden am Kinn; After nahe am Kopf; erste Rückenflosse kurz
und hoch, die zweite verläuft über den ganzen Rücken bis zum Ende
des Schwanzes, ebenso die Afterflosse. Die Strahlen der Bauchflos-
sen verlängern sich in lange Fäden. K. ßlamentosus D. 8. 150;
A. 100; P. 20. V. 8. B. 7. 2 Zoll. Messina.
Derselbe stellt ebenda zwei andere neue Gattungen auf, die
eine eigene kleine Familie bilden sollen. Die eine Bibronia ist
lanzettförmig, zusammengedrückt, Kopf abschüssig, Kiefer ohne Zähne;
die einzige Rückenflosse ist vorn verlängert, und ist mit der Schwanz-
flosse und der langen Afterflosse vereinigt, die Strahlen der Bauch-
flossen sind verlängert. B. ligulata. f Zoll. Messina. — Die an-
dere Gattung Pelori a unterscheidet sich von der vorigen dadurch,
dass die Rücken- und Afterflosse von der Schwanzflosse getrennt
sind; Zähne in den Kiefern. P. Heckelii die vordem Strahlen der
Rückenflosse kurz. D. 90; V. 5; A. 70; B. 7. 1 Zoll. Messina. —
P. Rappeln der erste Strahl der Rückenflosse in einen Faden ver-
Gebiete der Ichthyologie wahrend des Jahres 1844. J97
längert. D. 118; V. 5; A. 90. Etwas über 1 Zoll. Messina. Die
sämmtlichen Arten sind roh in Kupferstich abgebildet.
Valenciennes stellt 1. c. in der Familie der Blennioiden eine
neue Gattung in der Nähe von Blennechis auf, welche er Blenno-
phis nennt: Corpus compressum, alepidotum; caput obtusum; os
parvum ; dentes quatuor adunci recurvi in utraque maxilla symphysin
versus; pinna dorsalis unica emarginata, analis dorsali similis , sed
brevior, caudalis distineta, pectorales ovatae latae; jugulares bira-
diatae. Die Art B. Webbii ist klein, aber ungemein häufig und wird,
wie die Anjovis zubereitet, gegessen.
Clinus canariensis Val. Canar. oben braunroth, Rücken- und
Afterflosse braun marmorirt. D. 18. 12; A. 20.
Aus Gunnellus Strö'mii Cuv. Val. macht Kroyer Tidskr. 1844.
p. 227 eine neue Gattung Careloylius , weil dieser Fisch in keine
bisher aufgestellte Gattung passt: von Gunnellus unterscheidet er
sich durch das Vorhandensein von Blinddärmen und Tentakeln, da-
gegen hat er keine Zähne auf dem Vomer, die Bauchflossen bestehen
aus einem Stachel und drei Strahlen, keine Seitenlinie.
Eleotris latifrons Richardson Sulphur, fronte declivi, plana,
intra oculos dimidium longitudinis capitis lata; capite quartam partem
totius piscis longitudine superante; squamis corporis magnis, (37 in
serie laterali); squamis frontis dimidio minoribus; poris 4 ad oram
posteriorem praeoperculi; pinnis ventris, dorsi anique seriatim gut-
tatis. Stille Ocean.
Philypnus ocellicuuda id. ib. rostro obtuso , naribus cirriferis;
corpore prasino, marmorato dorsoque transversim subfasciato; cauda
ocello purpureo notata. Borca Tigris.
Callionymus Reevesü id. ib. aperturis branchiarum supernis,
apice Spinae praeoperculi recto; rostro acutiusculo ; oculis magnis
approximatis; pinna caudae longissima infra nigra; pinnis dorsi cau-
daeque seriatim guttatis, pinna ani extus nigerrima. D. 4. 9; A. 8.
China. — Call. Belcheri id. aperturis branchiarum supernis; Spinae
praeoperculi apice recto, ore parvo, maxillis aequalibus acutiusculis;
oculis magnis approximatis; pinna dorsi seeunda fasciata; pinna ani
antice nigra marginata; cranio scabriusculo. D. 4. 9; A. 9. Stille
Ocean. — Call. Hindsü id. aperturis branchiarum supernis; cranio
summo laevi: apice Spinae praeoperculi recurvo; rostro obtuso, pin-
nis pectoralibus pinnas ventrales longitudine excedentibus-, corpore
brunescenti variegato, pinna dorsi priore albo nigroque fasciato,
pinna caudae albo punctata, pinnis caeteris immaculatis, perluccnti-
bus. D. 3. 9; A. 9. Stille Meer. — Call, lateralis id. apertura
branchiarum laterali sub apiculis binis operculi brevissimis; corpore
teretiuseuio quam capite crassiore; capite parvo, parce depresso,
vix latiore quam alto; colore supra spadiceo, faseiis transversis bro-
vibus badiis variisque; in medio latere maculis duabus fuscis albo
198 Troschel: Bericht über die Leistungen im
indentatis ; infraquc medio guttis albis arete ordinatis. D. 4. 8; A. 7.
Stille Meer.
In den Annais 14. p. 280 giebt Richardson die Charaktere
einer neuen Gattung Pataecus, der zu den Blennioiden zu gehören
scheint. Er ist sehr zusammengedrückt, hat sehr kleine Zähne in
beiden Kiefern, keine am Gaumen, keine Schuppen, keine Bauchflos-
sen, sehr niedrig befestigte Brustflossen, die Rückenflosse reicht von
der Stjrn bis zur Schwanzflosse, Afterflosse von dieser getrennt. P.
fronto von Südaustralien.
Ebenda 13. p. 461 ist von Demselben eine Gattung Chan-
nichthys aufgestellt, welche von James Clark Ross bei Kerguelens-
land entdeckt ist. Zähne gedrängt, kurz, gekrümmt, keine am Gau-
men, Körper rundlich mit allmählich verdünntem Schwanz, ohne
Schuppen, Seitenlinie mit rauhen Schuppen bewaffnet. Bauchflossen
vor den Brustflossen. Cli. rhinoceratvs B. 6; D. 8. 35; A. 31.
Gobius Nihsoni v. Düben 1. c. Rückenflossen weit getrennt. D.
2. 20; A. 20. - G. Stuvit%ü id. ib. ü. 5. 12.
Chaeturichthys Richardson nov. Gen. Voy. of Sulphur.
Corpus elongatum, antice teretiusculum in caput subtetragonum sen-
sim proclive, et postice in caudam compressam attenuatum. Oculi
modici, sublaterales. Os largum terminale. Dentes mandibularum
ordine bino, exteriores majores, pauciores, curvato - subulati et in
maxilla inferiore patuli, interiores arcti, vix conspicui. Vomer et
palatum laevia. Maxilla inferior subtus barbatulata. Cranium, genae
striatae, operculaque inermia, squamosa. Tempora sulcata. Aper-
tura branchialis ampla , membrana quinqueradiata, operculata. Pin-
nae dorsales ambae, pectorales et ventrales Gobiorum. Pinna cau-
dae lanceolata, utrinque in cauda decurrente et ibi radiis plurimis
inarticulatis simplicibusque sustentata. Papilla genitalis simplex.
Eine Art Ch. stigmatias. Südsee.
Lepadogaster Wehbeanus Val. Canar. D. 16; A. 9. röthlich.
Lophlus eurypterus v. Düben und Koren 1. c. radio capitali
primo sequentibus duobus plus quam duplo breviore, terminato in
cylindrum transversum, crassum, ciliatum; pinnis omnibus amplis;
pectoralibus extensis aream corporis aequantibus.
Chironectes arcticus id. ib. Laevissimus, radiis pinnarum pecto-
ralium et caudae indivisis, hac longitudini pinnae dorsalis aequante;
appendicibus cutaneis raris, sparsis, validis, subcylindricis; basi va-
ginatis et corpori arcte adpressis, apice pinnatis.
Batrachus margaritatus Richardson Voy. of Sulphur, esqua-
mosus, lineis punctorum lucidorum plurimis caput corpusque per-
currentibus; praeoperculis et maxilla inferiore porosis. D. 2. 34;
A. 26. Stille Occan an der Westküste von Central -Amerika.
Gebiete der Ichthyologie wahrend des Jahres 1844. j 99
Anacanthini.
In der Familie der Gadoiden stellt Valenc. Canar. eine neue
Gattung Asellus auf. .Ein Bartfaden, zwei Kückenflossen, deren
vordere kurz, die hintere lang, zwei Afterflossen, 5 Strahlen in den
Bauchflossen. Eine Art A. canariensis D. 8. 43; A. 17. 17.
P/iycis limbatus Val. Canar. D. 11. 60; A. 58.
Macrourus (Lepidoleprus) sclerorhynchus Val. Canar. D. 11. 87;
A. 72. Schnauze kurz.
Rhombeus serratus Val. Canar. Augen links, um einen Durch
messer von einander entfernt, die Schuppen am Grunde der Rücken-
und Afterflosse verlängern sich in kleine Spitzen. D. 90; A. 57.
Solea scriba Val. Canar. Augen rechts, klein. D. 81 5 A. 62.
Pharyngognathi.
Bellamy beschreibt den Labrus lineatus Flem. (Annals XIII.
p. 77). — L. nubilus Valenc. Canar. D. 19. 20; A. 3. 9.
Aus der Gattung Acantholabrus beschreibt Valenciennes Ca-
nar. zwei neue Arten: romeritus und romerus, erstere unterscheidet
sich von viridis dadurch, dass sie in der Afterflosse nur 4 Stacheln
statt 5 hat, letztere ist verwandt mit Crenilabrus trutta Lowe.
Aus der Familie Labroidei ctenoidei werden von Sal.
Müller und Schlegel in den Verhandelingen einige neue
Arten beschrieben:
Amphiprion intermedius stimmt mit latielivius bis auf eine breite
Binde am Schwanz überein.
Pomacentrus chrysopoecilus Kühl v. Hasselt. n. sp. D. 13. 14;
A. 2. 12. Java. — P. albifasciatus D. 12. 14; A. 2. 12. Celebes.
Glyphisodon brevieeps D. 13. 11. Kopf und Schnauze sehr kurz,
oben stark gewölbt. Sumatra. — GL modestus D. 13. 12; A. 2. 12.
Rücken gelb, Flossen bläulich. Java.
Peters sandte eine Anzahl Exemplare eines Chromiden ein,
den er (Bericht der Academ. zu Berlin 1844. p. 32) als der Tilapia
Smith's nahe verwandt beschreibt. J. Müller, welcher die Peters-
sche Beschreibung der Academie mittheilte, bemerkt ebenda, dass er
sowohl den Pcters'schen Fisch, als auch die Tilapia Smith nicht vom
Chromis niloticus verschieden hält, indem die Zahl der Flossenstrah-
len bei dieser Art ungemein variirt. Auch wird bemerkt, dass der
Chr. niloticus Cycloidschuppen hat, so dass also der Charakter,
welcher von den Schuppen hergenommen ist, für diese Familie nicht
constant ist.
P hy so stomi.
Duvemoy machte seine genauen Reobachtungen über
die Entwicklung der lebendig gebärenden Poecilia surinaiuen
200 Troschcl: Bericht über die Leistungen im
sis Val. bekannt. Voran geht eine historische Uebersicht der
wichtigsten Arbeiten über die Entwickelnng der Fische. Eine
Tafel mit Abbildungen ist beigegeben. (Comtes rendus Vol.
18. 1844. p. 667. 720. — Annales des sciences naturelles
1844. 1. p. 313. — Froriep's Notizen 32. p. 1. 17. 33. 49. 65. 81).
Cyprinodon orthonotus Peters (Bericht der Academ. zu Berlin)
von Quellimane, dunkelgrün, metallisch glänzend, unten goldfarbig,
auf den Schuppen ein schwarzbrauner Fleck. J. Müller fügt die
Bemerkung hinzu, dass diese Art mit C. flavulus jetzt die einzig be-
kannten der Gattung Cyprinodon sind. Cyprinodon umbra muss eine
eigene Gattung wegen der Zähne am Vomer und Gaumen bilden,
Umbra Crameri Müll.
Ebenda ist eine neue Art Anableps microlepis Müll. Trosch.
angezeigt, die viel kleinere Schuppen, 70 in einer Längsreihe, besitzt.
Ausser einigen Notizen über die Gattungen der Familie der Cypri-
nodonten, werden endlich noch zwei neue Arten der Gattung Moli-
nesia angezeigt: M. fasciata Müll. Trosch. D. 8; A. 9, mit dunk-
len Querbinden von Mexiko und M. surinamensis Müll. Trosch.
D. 10; A. 10, von Surinam.
Eine Synopsis generum et specierum familiae Characino-
rum auct. J. Müller et F. H. Troschel erschien in diesem
Archiv 1844. p. 81. Es werden daselbst 83 Arten in 32 Gat-
tungen vertheilt.
Osteoglossum formosum Sal. Müller und Schlegel Verhande-
lingen ct. unterscheidet sich von O. bicirrhosum Agass. durch die
kleinere Rückenflosse und dadurch, dass die Schwanzflosse von der
Afterflosse getrennt ist. Ist also ohne Zweifel eine eigene Gattung.
Borneo.
Saums trivirgatus Val. Canar. D. 12; A. 11.
Aulopus filifer Val. Canar. Nur der erste Strahl der Rücken-
flosse ist verlängert. — A. maculatus id. ib. kein Strahl der Rük-
kenflosse ist verlängert.
Th. G. Teil kämpf beschreibt in Müller's Archiv 1844. p. 381
den blinden Fisch der Mammuthhöhle in Kentucky Amblyopsis spe-
laeus näher, und bildet ihn ab. Er bildet eine eigene Familie unter
den Physostomi abdominales und ist besonders ausgezeichnet durch
die Lage des Afters vor den Bauchflossen an der Kehle. Kleine
Augen, von der Haut bedeckt, sind vorhanden. Er besitzt keine Ne-
benkiemen, keine Fettflosse, eine einfache Schwimmblase, einen
Blindsack des Magens und Blinddärme.
Durch eine Notiz von Thompson über diesen Fisch in den
Annais XIII. p. 111 erfahren wir, dass derselbe lebendig gebärend
ist. Ein frisch gefangenes und in Wasser gesetztes Exemplar gebar
gegen 20 Junge von 4 Linien Länge.
Gebiete der Ichthyologie während des Jahres 1844. 201
Valenciennes beschreibt in seiner Ichthyologie der canari-
schen Inseln auch einen Aal, Anguäla canariensis , der mit A. lati-
rostris verwandt ist.
Ophisurus pardalis Val. Canar. mit stumpfen Zähnen und ru-
dimentären Brustflossen; weiss mit runden Flecken. B. 30; D. 4. 33;
A. 2. 96.
Plectognathi.
Balistes caprinus Val. Canar. grosse Schuppen hinter der Kie-
menspalte, Schwanzflosse stark ausgeschnitten, Rücken- und After-
flosse braun gebändert.
Monacanthas filamentosus Val. Canar. der zweite Strahl der
Rückenflosse verlängert sich in einen langen Faden, grün mit grossen
braunen Flecken. — M. gallinula id. ib. ohne den verlängerten Fa-
den, und einfarbig dunkelgrün mit blassen Flossen.
Bellamy zeigt den Fang eines Orthragoriscus mola nicht fern
von Plymouth an. Annais XIII. p. 77.
Selacltii.
Prionodon obvelatus V a,\. Canar. soll sich von P. Milberti durch
die kleineren Zähne, das grössere Auge, die breitere erste Rücken-
flosse, die längeren Brustflossen und durch den längeren und schma-
leren unteren Lappen der Schwanzflosse unterscheiden.
Jobert theilte in der Pariser Academie seine Beobach-
tungen über das elektrische Organ des Zitterrochen mit. Die
Prismen erklärt er für voll und fest, ohne darin enthaltene
Flüssigkeit. (Comtes rendus Vol. 18. 1844. p. 810 und daraus
Froriep's Notizen 30. p. 225).
Torpedo trepidans Val. Canar. Die männlichen Geschlechtstheile
und die beiden Rückenflossen viel kleiner als in den anderen Arten;
rothbraun schwarz gefleckt.
Myliobatis episcopus Val. Canar. soll sich von M. aquila durch
die Form der Zähne und des Schwanzes unterscheiden.
Pteroplatea canariensis Val. Canar. hat einen kürzern Schwanz
als P. altivela.
202
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Hei-
mintliologie während des Jahres 1843 und 1844.
Von
Prof. C. Th. v. Siebold
in Freiburg im Breisgau.
Eine alle Ordnungen der Helminthen umfassende zooto-
mische Arbeit ist von Owen1) erschienen, in welcher jedoch
der Verfasser seine Aufmerksamkeit besonders auf diejenigen
Thiere gerichtet hat, welche den menschlichen Körper zu ihrem
Aufenthalte auszuwählen pflegen.
Eine grosse Anzahl von Helminthologen hat es sich in
der letzten Zeit zur Aufgabe gemacht, die Annahme einer Ge-
neratio aequivoca, welche sich schon längst nicht mehr im
Schoosse der Helminthologie sicher fühlte, ernstlich zurück-
zuweisen. Ihre Bemühungen sind bereits mit schönen Erfol-
gen gekrönt worden, wichtige Entdeckungen wurden gerade
an denjenigen Stellen gemacht, an welchen bisher die Gene-
ratio aequivoca Platz genommen hatte. Diese Entdeckungen
werden nicht bloss dazu dienen, die Kenntisse der Naturfor-
scher zu bereichern, sondern auch den Aerzten grosse Vor-
theile gewähren, um denselben richtigere Begriffe über die
sogenannten Wurmkrankheiten beizubringen. Ein von Henle
über diesen Gegenstand abgefasster Bericht wird daher dem
ärztlichen Publikum höchst willkommen sein. 2) In ähnlichem
x) Lectures on the comparative anatomy and physiology of the
invertebrate animals. London 1843. pag. 42.
2) Bericht über die Arbeiten im Gebiet der rationellen Patho-
logie seit Anfang des Jahres 1839 bis Ende 1842. Parasiten. A
Entozoen. S. Zeitschrift für rationelle Medizin. Herausgegeben von
Henle und Pfeufer. Bd. 111. Hft. 1. 1844. p. 1.
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Helminthologie. 203
Sinne hat auch Valentin1) die in der Helminthologie bisher
gewonnenen Erfahrungen zusammengestellt.
Wie aber immer neue Ideen leicht zu grossen Enthusias-
mus erregen und zu üppig gepflegt monströse Auswüchse er-
zeugen, so geschah es leider auch hier. Klencke wollte das
ganze noch wenig bebaute Feld mit einem Male ausbeuten,
und trat mit einer erstaunlichen Menge von Thatsachen her-
vor, aus welchen bewiesen werden sollte, dass die Entstehung
von' Würmern durch aktive und passive Wanderungen der
Helminthen selbst oder durch passive Wanderung ihrer Eier
erfolge2). Dabei stellte er aber nicht in Abrede, dass viele
parasitische Thiere sich auch neu erzeugen, indem krankhafte
Gährungsprozesse abtrünnige Körperzellen produciren, welche
sich thierisch individualisiren.3) In einer grösseren Schrift
wollte Klencke erforschen,4) in welchem Verhältnisse die
Eingeweidewürmer zu den kranken Erscheinungen des Orga-
nismus, den sie bewohnen, stehen. Diese Schrift wimmelt
von offenbaren Unrichtigkeiten, auf welche Ref. weiterhin auf-
merksam machen wird, und man kann kaum begreifen, wie
es möglich sein sollte, dass jemand sich selbst in einem sol-
chen Grade hat täuschen können. Hoffentlich wird Klencke
mit diesen Untersuchungen abschliessen, da derselbe durch
seine in jeder Hinsicht unzuverlässigen Experimente am Ende
noch gegen diejenigen Resultate Misstrauen erweckt, welche
von anderen Naturforschern durch ihre mit der grössten Ge-
wissenhaftigkeit und Sorgfalt angestellten Untersuchungen er-
worben worden sind. Dass Herrn Klencke durch die gänzliche
Zurückweisung seiner Versuche über die Kontagiosität der
Helminthen von Seiten des Ref. nicht etwa ein Unrecht ge-
schieht, davon wird man sich überzeugen, wenn man, ausser
dem Jahresberichte des Ref.,5) noch zwei andere Berichte von
•) Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. II. 1844. p. 833.
2) Klencke: Untersuchungen und Erfahrungen im Gebiete der
Anatomie, Physiologie, Mikrologie und wissenschaftlichen Medizin.
Bd. I. Mikroskopisch-pathologische Beobachtungen über die Natur
des Kontagiums. p. 144.
3) Ebenda, p. 148. ..
*) Klencke: üeber die Kontagiosität d. Eingeweidewurmer. 1844.
s) Vgl. Jahresbericht über die Fortschritte der gesammten Mo-
204 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Henle1) und Bischoff2) vergleicht, welche gleichzeitig mit
derselben Indignation den Stab über diese Arbeiten Klencke's
gebrochen haben.
Ilager3) hat viele ältere und neuere Beispiele aufgeführt,
in welchen Helminthen, Insektenlarven und andere Pseudo-
parasiten an sonst ungewöhnlichen Orten des menschlichen Kör-
pers angetroffen worden waren. Eine sehr dankenswerthe Zusam-
menstellung aller derjenigen Fälle, in welchen Spulwürmer,
Scolopendern, Ohrwürmer, Fliegenlarven, Blutegel etc. aus
der Nase des Menschen entleert wurden, haben wir von Tie-
demann4) erhalten. Einer französischen Uebersetzung der
Abhandlung von Nordmann, über die Helminthen im Auge
der Wirbelthiere, fügte Rayer5) mehrere ältere und einige
neue Beobachtungen hinzu.
Helminthe* Gordiacei.
Ref.6) hat sich durch Creplin und Dies in g in brief-
lichen Mittheilungen überzeugt, dass Gordius aquaticus wirk-
lich in der Leibeshöhle der verschiedensten Insekten schma-
rotzt. Derselbe7) beschrieb eine Mermis albicans, welche in
einem Wassergraben bei Erlangen gefunden wurde. Die weib-
lichen Individuen dieses langen Wurmes besitzen einfache
Eier und eine weit vom Hinterleibsende entfernte Geschlechts-
öffnung, die Männchen enthalten im Schwanzende einen dop-
pelten hornigen Penis , welcher bei Gordius durchaus fehlt.
Ref. sieht sich veranlasst auch die Filaria acuminata zu Mer-
dizin in allen Ländern im Jahre 1844. Herausgegeben von Canstatt
und Eisenmann. Bd. IV. Bericht über Entozoen, Epizoen, Ento-
und Epiphyten. Von Canstatt und Siebold. p. 471.
') Ebenda. Bd. I. Bericht über die Leistungen in der Histolo-
gie. Von Henle. p. 4.
2) Müller's Archiv. 1844. Bericht über die Fortschritte der Phy-
siologie im Jahre 1843. Von Bischoff. p. 69.
3) Hager: Die fremden Körper im Menschen. 1844.
4) Tiedemann: Von lebenden Würmern und Insekten in den
Geruchsorganen des Menschen. 1844.
5) Ray er: Archives de medecine comparee. Paris, nr. 2 et 3
1843. Sur les helminthes dans l'oeil des animaux superieurs.
6) Entomologische Zeitung. Jahrgang 1843. p. 77.
7) Ebenda, p. 79.
Helminthologie während dos Jahres 18i3 und 1844 205
iiiis zu rechnen; das von ihm fortgesetzte Verzeichnis«, der
Insekten, welche Gordius und Mermis als Schmarotzer bei
sich führten , ist durch viele neue Erfahrungen vermehrt worden.
Hei mint hes Nematodes.
Duj ardin1) beobachtete in verschiedenen Wirbelthieren,
in Spitzmausen, Feldmäusen, Falken, Sperbern, Lerchen,
Dohlen, Elstern, Hähern, Hühnern, Salamandern, Karpfen
und Plötzen Trichosomen -Arten, und zwar meistens im
Dünndärme der genannten Thiere, bei den Spitzmäusen traf
er aber auch in der Milz Trichosomen an, die nach seiner
Vermnthong durch Wanderung dorthin gelangt sein konnten.
Derselbe beschreibt den Verdauungs- und Fortpflanzungs-
Apparat dieser Würmer genauer und unterscheidet zwei Mo-
difikationen der männlichen Geschlechtstheile. Mehrere Tri-
chosomen, unter anderen Tr. contortum und inflexum, haben
nämlich einen dicken Penis mit einer kurzen glatten Scheide,
während andere Trichosomen, z. B. Tr. splenaeum Duj., aus
Spitzmäusen und Lerchen, mit einem sehr dünnen und biegsamen
Penis versehen sind, dessen lange Scheide (Praeputium) durch
sich kreuzende Runzeln rauh erscheint. Die zu diesen letz-
teren Trichosomen gehörigen weiblichen Individuen besitzen
an der Vulva einen sonderbaren, in Form eines kurzen Cv-
linders nach hinten gerichteten Anhang. Uterus und Eierstock
sind immer einfach vorhanden. Die Eier werden, während
sie durch das untere Ende des Uterusschlauches in einfacher
Reihe hintereinander hindurchtreten, von einer besonderen
Schale üherzogen, nur die beiden Polenden bleiben von die-
sem Ueberzuge frei, an welchen Stellen alsdann die innere
Eihülle als kurzer abgerundeter Anhang hervorragt. Ref. fand
die Eier von Trichosomen aus Hunden und Möven ganz ähn-
lich gebildet, ebenso die Eier der Trichocephalen. Nach der
Aussage von Duj ardin sollen die Eier von Triehosoma Cy-
prinorum ausseid ich körnig und die von Triehosoma Soricum
mit einer Schleimschicht umgeben sein, mittelst welcher sie
in Haufen aneinander kleben können. An den Trichosomen
der Spitzmäuse, von denen es Dujardin übrigens zweifelhaft lässt,
') Annales des sciences naturelles. Tom. 20. 1813. p. 332. PI. 14.
206 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
ob die im Dünndarme und in der Milz gefundenen Haarwür-
mer zu einer und derselben Species gehören, bemerkte der-
selbe keine Spur von Querringeln, wohl aber zwei breite
Längsbänder auf der Bauchseite, welche mit vorspringenden
Körnern bedeckt waren. Auch Ray er1) lieferte einige Be-
merkungen über Trichosoma, welche er zugleich durch Abbil-
dungen erläuterte. Er fand an den Wänden der Urinblase
von Mus decumanus zuweilen 10 bis 20 Individuen, olm
dass diese Schmarotzer eine Veränderung an der Harnblase
veranlasst hatten. Sie kamen auch in den Kelchen und den
Harnleitern vor, immer waren aber die männlichen Individuen
seltener als die weiblichen. Aehnlich verhielt es sich mit ei-
nem Trichosoma aus der Harnblase und den Nierenkelchen
des Fuchses. In Bezug auf die feinere Struktur dieser Tri-
chosomen waren dem Ray er die Einfachheit der inneren
weiblichen Geschlechtstheile, der äussere Anhang an der Vulva,
die eigenthümliche Form der Eier, und die lange Penis-Scheide,
welche mit dem Penis aus der männlichen Geschlechtsöffnung
weit hervorragte, nicht entgangen.
Bellingham2) lieferte einen Katalog über die in Irland
vorkommenden Helminthen, und fügte demselben verschiedene
Bemerkungen bei, welche den deutschen Helminthologen aber
wenig neues darbieten. Von der Gattung Trichosoma werden
dreizehn Arten aufgeführt, unter welchen neun wahrscheinlich
neu sind. Dieselben wurden von Bellingham in der Urin-
blase der Katze und Ratte, so wie im Darmkanale von Mu-
stela vulgaris, Erinaceus europaeus, Otus vulgaris, Columba
livia, Corvus Monedula und Merlucius vulgaris angetroffen.
Von Trichocephalus werden die drei Arten Trich. nodosus,
crenatus und dispar erwähnt.
Nach Delle Chiaje3) wurde fax Trichocephalus dispar,
der in Italien sonst selten vorkömmt, in Cholera -Leichen
häufig angetroffen. Sein Vorhandensein soll die Cholera-
Krankheit verschlimmert haben. Ebenso legt Rokitansky4)
*) Archives de med. comp. nr. 2 et 3. p. 180.
2) Annais of natural history. Vol. 14. 1844. p. 471.
3) Vgl. Isis. 1843. p. 557. Delle Chiaje: sul Tricocefalo dis-
paro, ausiliario del cholera asiatico, osservato in Napoli. 1836.
4) Rokitansky^ Handb. der patholog. Anatomie. Bd. III. p. 295.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 207
auf das Vorkommen dieses Peitschenwurms in dem gallig-
fäkulenten Inhalte des Blind- und Grimmdarmes beim Typhus
ein vorzügliches Gewicht.
Folgende Beispiele liefern neue Beiträge zur Geschichte
der Filaria medhiensis. Nach einer Mittheilung von W. S.
Oke1) kam ein zwanzigjähriger Seemann im Juni 1842 nach
Cape Coast Castle, wo er 65 Tage verweilte und während
dieser Zeit nur einmal drei Stunden am Ufer zubrachte; er
war bei dieser Gelegenheit baarfiissig und hatte den Sand und
die Felsen des Ufers so heiss befunden, dass er kaum mit
den Füssen auftreten konnte. Es kamen täglich eine Menge
Afrikaner zum Besuch an Bord, von denen viele am Guinea-
Wurm litten und eiternde, durch diesen Schmarotzer verur-
sachte Wunden besassen. Der erwähnte Seemann langte am
14. Oktober gesund in Southampton an, und bemerkte Mitte
Mai 1843 eine schmerzhafte Stelle an seiner linken Ferse, an
welcher sich nach 14 Tagen eine Pustel ausbildete. Nachdem
dieselbe aufgebrochen war, drängte sich aus ihr ein weisser
Strang von der Dicke einer Violinseite hervor, welchen der
Patient zu einer Länge von 5 Zoll hervorzog und abschnitt.
Es trat hierauf ein Erysipelas ein, welches sich am ganzen
Beine ausbreitete, an verschiedenen Stellen abscedirte und mit
der Entfernung des noch übrigen Restes, eines 2^ Fuss lan-
gen Wurmes endigte. Am 23. Mai entstand am unteren Theile
des linken Vorderarmes eine ähnliche Pustel, aus welcher,
nachdem sie der Patient aufgekratzt hatte, eine andere Filarie
zum Vorschein kam. Diese war 32 Zoll lang und wurde vor-
sichtig innerhalb 14 Tagen ausgezogen. Man sah und fühlte
nun auch die Windungen eines dritten Wurmes unter der
Cutis des rechten Fussrückens, ohne dass sich eine Lokal-
entzündung hinzugesellte. Da der sonst ganz gesuude See-
mann während seines Aufenthaltes in Afrika nur an einem
kleinen Geschwüre an der äusseren Seite seines rechten Schen-
kels gelitten, so vermuthet Oke, dass durch dieses Geschwür
die Larven des Dracunculus in den Körper gerathen seien.
Bei einem anderen nach Paris zurückgekehrten Soldaten, der
2^ Jahr am Senegal gedient hatte, und dort oft baarfuss auf
') Provincial medical Journal. London 1843. nr. 151. p. 446.
208 v. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
dem feuchten Boden marschirt war, entstand vier Monate nach
seiner Ankunft in Frankreich auf dem Rücken des linken Fus-
ses ein Furunkel, aus welchem bei der Eröffnung ein neun
Zoll langer Fadenwurm hervorkam; ein zweiter Wurm wurde
am oberen Ende des Wadenbeins hervorgezogen. In den
Würmern sowohl , wie in der purulenten Masse der beiden
Wurmabscesse waren Myriaden von kleinen lebhaften Thier-
clien enthalten, welche Ma isonneuve ') für die Wurm-Em-
bryone ansprach. Zwei nicht über einen Zoll lange Dracun-
culi sind von Loney2) unter der Conjunctiva zweier Afri-
kaner hervorgezogen worden. Wahrscheinlich gehört auch
der von Lallemand3) mitgetheilte Fall hierher, wo ein Ne-
ger im Juli 1844 in Brasilien über Jucken im Augapfel klagte,
als kröche etwas in demselben umher. Lallemand nahm
über der Cornea zwischen Sclerotica und Conjunctiva einen
weissen verschlungenen Faden wahr , der in kurzer Zeit nach
oben gekrochen war. Durch einen Einstich in die Conjun-
ctiva gelang es, den Wurm mit der Pinzette theilweise her-
vorzuziehen, der dritte Theil war von ihm zurückgeblieben
und nach und nach ganz verschwunden. Das ausgezogene
Stück des Wurms besass eine Länge von f Zoll. Nach einer
Mittheilung Boston's 4) kömmt am hochliegenden Cape Coast
in WTest- Afrika der Guinea -Wurm endemisch vor, erreicht
eine Länge von 2 bis 6 Fuss, und zeigt sich am häufigsten
an den unteren Extremitäten, nistet sich aber auch im Auge
und unter der Zunge ein. Einige schieben die Entstehung des
Wurms auf das dortige Trinkwasser, andere auf das Baden
in grünem stagnirenden Wasser. Die Europäer bedienen sich
daher dort des in eigenen Behältern aufbewahrten Wassers,
in welchem niemals der Guinea -Wurm vorkommen soll, den-
noch aber will Boston in einem zum Trinken bestimmten
Glase solchen Wassers zwei Guinea -Würmer entdeckt haben.
J) Archives generales. 1844. p. 472 oder the medico-chirurgical
review. nr. 84. 1845. p. 579.
2) The Lancet. June. 1844 oder Froriep's neue Notizen, nr. 716.
p. 176.
3) Caspar's Wochenschrift. 1844. nr. 52. p. 842.
4) Medical and surgical Journal. Juni 1843. oder allgemeine
medizinische Central-Zeitung. nr. 39. 1844. p. 312.
Helminthologie wahrend des Jahres 1843 und 1844. 209
Nach Alessandrini ') ist Filaria attenuata aus Ardea
purpurea vivipar , eine andere Filarie unter der Cutis von
Mustela Foina dagegen ovipar. Eine Filaria papulosa in der
vorderen Augenkammer eines Pferdes der Moldauer - Race
wurde von Flögel beobachtet.2) Das Pferd zeigte zuerst
eine getrübte Cornea und aufgehobenes Sehvermögen am rech-
ten Auge. Nachdem sich die Cornea unter Anwendung von
rother Pracipitat-Salbe wieder etwas aufgeklärt hatte, wurde zu-
erst der sehr lebhafte Wurm von der Dicke eines starken Zwirn-
fadens und 2 bis 3 Zoll Länge bemerkt. Derselbe ward bei
hellerer Beleuchtung ruhig; später, als die Cornea von der
Trübung grösstenteils befreit war, wurde ein in Hirschhorn-
öl getränkter Leinwandlappen über das Auge gelegt, was den
Wurm unangenehm zu afticiren schien und ihn nach einigen
Tagen tödtete. Als Gelegenheitsursache zur Entstehung dieses
Wurms führt Flögel die veränderte Lebensweise dieses Pfer-
des an, indem dasselbe in seinem Vaterlande sich stets im
Freien aufgehalten habe und während der letzten acht Monate
in einem dunkeln Stalle den grössten Theil des Tages zu-
bringen musste.
Bon che3) hat beim Zergliedern verschiedener Gama-
sus- Arten, namentlich aus Garn, coleoptratorum, marginatus,
horticola etc. einige Male Filarien von \ Lin. herauskriechen
und im Wasser 12 — 24 Stunden lang sich bewegen sehen.
B e 1 1 i n g h a m 4) , welcher ausser Filaria attenuata in der
Leibeshöhle von Falco peregrinus noch zwei neue Filarien in
der Peritoneal -Höhle von Trigla Pini und Mugil Capito auf-
gefunden , bemerkte auch im Abdomen des Bombus terrestris zu
verschiedenen Malen eine Menge winziger filarienartiger Wür-
mer. Einer 30 Zoll langen Filaria, welche in der Leibeshöhle
der Ithea americana lebt, ist von Owen5) erwähnt worden.
Auf einen von Goodsir beschriebenen Krankheitsfall,
in welchem derselbe Filarien mit Blasenkörpern vergesellschaftet
') Isis. 1843. p. 530.
2) Oesterreichische medizinische Wochenschrift. 1843. p. C3.
3) Entomologische Zeitung. 1844. p. 205.
4) Annais of natural history. Vol. 14. p. 475.
5) Lectures on comparative anatomy. p. 74.
Archiv f. Naturgeschichte. XI. Jahrg. 2, IJd. O
210 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
gesehen haben will, wird Ref. weiter unten zurückkommen.
Eine kurze Notiz über zahlreiche Filarien zwischen den Darm-
Integumeuten der Raupe eines Bombyx dispar lieferte C. IL
Schmidt') Ray er,2) welcher mit Desir viele Hunde
untersuchte, fand in einem derselben zwischen den Muskel-
schichten der Speiseröhre einen mandelkerngrossen dickwan-
digen Tumor, welcher ausser Eiter und Blut mehrere aufge-
rollte Würmer enthielt. Dieselben besassen alle Karaktere
von Spiroptera smiguinolenta, welchen Wurm Rudolphi nur
im Wolf gefunden hatte. Von Valenciennes 3) wurden in
der Pylorus- Gegend des Magens und am Kolon eines Pfer-
des zwei verschiedene Wurmgeschwülste angetroffen. In der
einen Art lebt ein isolirter Strongylus, in der anderen Art
waren mehrere von diesem ganz verschiedene Würmer einge-
schlossen. Die erste Wurmgeschwulst fiel ihm Ende Mai bei
einem hinkenden , aber sonst gut gehaltenen Pferde auf, wo
sie auf der inneren Fläche des Magens eine kleine Hervor-
ragung bildete. Später stiessen ihm in 25 Pferden eilf Mal
ähnliche Geschwülste auf, welche zwischen der Schleimhaut
und fibrösen Schicht des Magens eingebettet lagen und mit
einer oder mehreren Oeffnungen auf der inneren Fläche des
Magens mündeten. Die Höhle einer solchen Geschwulst war
von einer sehr dicken fibrösen Wandung umschlossen und
durch Scheidewände in mehrere Abtheilungen getrennt, welche
aber alle untereinander communicirten und mit einem zähen
Schleime angefüllt waren, in dem stets eine Menge kleiner
Rundwürmer eingehüllt steckten. Man konnte männliche und
weibliche Individuen unter ihnen unterscheiden. Der Mund der-
selben besass keine Auszeichnung, das Schwanzende der Männ-
chen war spiralig aufgerollt, zu beiden Seiten gesäumt, und an
der Spitze mit zwei hervorragenden gekrümmten Ruthen von
ungleicher Länge versehen. Valenciennes will im Innern einen
') Amtlicher Bericht über die zwei und zwanzigste Versammlung
deutscher Naturforscher und Aerzte in Bremen im September 1844.
Abth. IL p. 129.
2) Archives de med. comp. a.a.O. p. 171. PI. 8. Fig. 1 — 9.
3) Comptes rendus. 1843. p. 71. Sur des tumeurs vermineuses
de l'estomac du cheval, et sur les entozoaires, qu'elles contiennent.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1814. - 211
braungefärbten Rüssel (une trompe) gesehen haben, der an
Länge ein Drittel des Darms betrug und weit hervorgeschoben
werden konnte. Die etwas längeren und dickeren Weibchen
waren gerade gestreckt, am Schwanzende ungeflügelt und konn-
ten einen noch viel längeren Rüssel hervorschieben. Die am
Ende des ersten Körperdrittels abgehende kurze Scheide spal-
tete sich in einen doppelten Uterus , von dem sich der eine
nach unten, der andere nach oben erstreckte. Ein Pärchen
traf Valenciennes in der Begattung, wobei das Männchen
die Gegend der weiblichen Geschlechtsöffnung spiralförmig
umschlungen hatte. DaRudolphi seiner Spiroptera mega-
stoma nur einen Penis zuschreibt und Gurlt auch nur einen
Penis an diesem Wurme abbildet, so nimmt Valenciennes
Anstand, die oben beschriebenen Helminthen für Spiroptera
megastoma zu nehmen, und doch gehören sie höchst wahr-
scheinlich zu dieser Species, man hat nur den zweiten Penis
früher übersehen, Ref. kennt sehr viele Spiropteren mit dop-
peltem ungleich langen Penis.
Bellingham1) führt neun Arten von Spiroptera' und
eben so viele Arten von Strongylus auf, welche in Irland
vorkommen. Es befinden sich darunter sechs zweifelhafte Spi-
roptera-Arten aus dem Oesophagus des Corvus Corax und
Charadrius pluvialis, aus dem Dünndärme der Fulica atra,
aus Tuberkeln der Speiseröhre von Tadorna Bellonii, aus dem
Kröpfe einer Procellaria Anglorum und aus dem Verdauungs-
kanal von Raja Batis. Unter den Strongylus -Arten befinden
sich Strongylus (Syngamus Sieb.) trachealis aus der Luftröhre
von Perdix cinerea und Pavo cristatus nebst zweien zwei-
felhaften Species aus der Brusthöhle von Buteo rufus und der
Trachea von Meleagris Gallopavo. Ausserdem werden noch
von ihm Oxyuris curvula, amhigua und Cticulkuius clegcms,
foveolatus als irische Nematoden bezeichnet.
Gurlt2) erkannte die kleinen in der aneurismatischen
Gekrösarterie des Pferdes vorkommenden, 6 bis 7 Linien lan-
gen Varietäten des Strongylus armatus als unbewehrt. Es
1) Annais of natural history. Vol. 13. 1844. p. 101 und Vol. 14.
p. 478.
2) In diesem Archive. 1844. Bd. I. p. 322.
O*
212 v. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
sind diese sogenannten Varietäten nur Jugendzustände von
Strongylus armatus, bei später eintretenden Häutungen kom-
men die Waffen schon zum Vorschein. Gurlt sah das Kopf-
ende dieser jungen Strongyli von einer häutigen Mundblase
umgeben , aus welcher die Zähnchen des Mundes bereits her-
vorschimmerten. Auch das Schwanzende der Männchen ver-
ändert sicli beim Heranwachsen , so dass also diese Thiere bei
dem Häutungsprozesse gleichsam eine Metamorphose eingehen,
auf welche schon Mehlis aufmerksam gemacht hatte. Der
Umstand, dass die Luftröhre der Delphine stets mit einer so
grossen Menge von Helminthen (Strongylus inßexus) ausge-
stopft sei, wird von Eschricht1) für die Ursache erklärt,
warum diese Wale eine so geringe Tauchfähigkeit besitzen.
Eine Reihe interessanter, an verschiedenen Rundwürmern,
besonders auf Entwicklung sich beziehende Untersuchungen
haben wir Kölliker2) zu verdanken. Bei Cucullanus ele-
gans traf derselbe keine Samenzellen (Spermatozoiden) in den
weiblichen Geschlechtswerkzeugen an. Die etwas tiefer in den
Uterus hinabgerückten Eier dieses Wurmes trugen aber alle
die ersten Spuren der bereits begonnenen Entwicklung an
sich. Kölliker konnte die allerersten Stadien der Embryo-
bildung nicht beobachten. Er sah anfangs zwei grosse einen
Kern enthaltende Zellen, welche die Höhle der Eihäute ganz
ausfüllten. Weiterhin fand er Eier, welche drei Kernzellen,
zwei kleinere und eine grössere enthielten, und als Embryo-
nalzellen betrachtet werden konnten. Diese Kernzellen ver-
kleinern und vermehren sich durch endogene Zellenbildung
bis zur Entstehung des wurmfÖrmigen Embryo -Leibes, wobei
die Eier selbst noch an Grösse zunehmen. Ehe der Wurm
sich bildet, plattet sich der Haufe der Embryonalzellen ab;
der Embryo selbst wächst nicht nach beiden Enden hin aus,
sondern erscheint immer zusammengerollt, so dass Kölliker
vermuthet, der Haufe Embryonalzellen zerfalle auf einmal in
einen spiralig gewundenen Embryo. Der junge abgeplattete
Wurm besteht aus einer sanft quergerippten äusseren Hülle
und einer in derselben eingeschlossenen körnigen Masse; er-
') Isis. 1843. p. 280.
2) Muller's Archiv. 1843. p. 69 u. d. f.
Helminthologie wahrend des Jahres 1843 und 1814. 213
stere lässt weder einen Mund , einen After noch eine Ge-
schlechtsöffmirig an sieh erkennen. Die körnige Masse hält
Kölliker für die erste Andeutung des Dannkanals mit schon
geschiedener Anlage des Oesophagus und Magens. Totale
Furchung des Dotters beobachtete Kölliker auch bei Cucul-
lanus der Blindschleiche. !) In Ascaris dentata sah Kölliker2)
die weiblichen Geschlechtsteile mit einer queren Spalte fast
in der Mitte des Leibes nach aussen münden. Die inneren
Geschlechtsorgane theilen sich nach Art der übrigen weiblichen
Spulwürmer in zwei Hälften, von denen die eine Hälfte den
vorderen , die andere den hinteren Körpertheil erfüllt. Die
Eier dieser Ascaris dentata gelangen im Leibe der Mutter zu
einer sehr bedeutenden Entwicklung. Die genauere Untersu-
chung und Beobachtung der Enden der Eierstocksröhren brach-
ten Kölliker zu der Ueberzeugung, dass die Eierstocksröh-
ren an der Spitze aus einer einfachen Reihe von Zellen be-
stehen, deren aneinander stossende Scheidewände mit der Zeit
schwinden und deren communicirende Höhlungen auf diese
Weise den Kanal des Eierstocks hervorbringen. Während
dieser Prozess sich an dem Ende einer Eierstocksröhre wie-
derholt, wächst und verlängert sich dieselbe. Am Ende die-
ser Eierstocksröhren beobachtete Kölliker die Bildung des
Eies, wobei er erkannte, dass der Keimfleck das zuerst ent-
stehende Gebilde des Eies ist, um welchen sich das Keim-
bläschen, wie eine primitive Zelle um den Kern, herumbildet,
und um welche sich nachher Körner als Dotter und eine se-
kundäre Zelle, die Dotterhaut, herumlegen. Kölliker be-
stätigt Bagge's und des Ref. an Strongylus auricularis und
Ascaris acuminata gemachte Beobachtung , dass alle Eier,
welche den Fundus uteri durchschritten haben , befruchtet sind,
kann sich aber nicht entschliessen , die im Fundus uteri an-
gehäuften und von uns für Spermatozoiden erklärten eigen-
thümlichen Körperchen eben dafür zu halten. Kölliker er-
klart diese Körperchen, welche er in Ascaris dentata, acumi-
nata, Strongylus auricularis, dentatus und Oxyuris amhigua
vorgefunden hat, für unreife Samenbündel oder unentwickelte
') Entwicklungsgeschichte der Cephalopoden, p. 121
2) Müller's Archiv. 1843. p. 69.
214 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Samenzellen, welche mit der Ejakulation des reifen Samens
in die weiblichen Geschlechtsteile übergeführt wurden. Der-
selbe giebt dabei zu, dass die von uns im Gebärmutter-Grunde
der Ascaris acuminata entdeckten Zellen auf ein Haar den
Zellen in den Hoden der Männchen gleich sind, auch bei
Oxtjuris ambigua fand Kolli ker ganz gleiche Kernzellen so-
wohl in den Hoden wie in dem Fundus uteri. Da aber Mayer
(neue Untersuchungen a. d. Gebiete d. Anat. u. Physiol. p. 9)
die Samenfäden in der weiblichen Oxyuris vermicularis T^¥
Lin. lang, in gekrümmter Gestalt mit zugespitzten Enden
zwischen den Eiern zerstreut liegen gesehen hat, so sieht
sich Kolli ker um so mehr veranlasst, jene zellenförmigen
Körperchen in den Geschlechtsorganen der Nematoden-Weib-
chen für unentwickelte Spermatozoiden- Bündel zuhalten. Bei
Oxyuris ambigua erkannte Kolli ker im obersten Ende des
Hoden runde Zellen von 0,0036'" Grösse , die alle einen Kern
mit rundem Kernkörperchen besassen. Diese Zellen verän-
derten sich, je mehr sie sich von dem Ende des Hoden-
schlauchs entfernten, sie wurden länglich, zogen sich auf der
einen Seite in eine lange Spitze aus , ihr Kern mit dem Kern-
körperchen verschwand allmälig, kurz die runden Zellen ver-
wandelten sich zuletzt in einen lang geschwänzten homogenen
blassen Körper, an welchem kein Unterschied zwischen Inhalt
und Umhüllung mehr zu erkennen war. Dieselben waren bald
gerade, bald halbmond- oder schlangenförmig gebogen, 0,014
bis 0,018'" lang und zuweilen der Länge nach feingestreift,
welche von Kölliker demnach für Bündel von Samenfäden
genommen wurden. Solche unentwickelte Samen-Zellen (Ho-
den-Zellen) beobachtete Kölliker auch bei Trichocephalus
dispar, nodosus, Strongylus auricularis und Ascaris acuminata.
Kölliker nimmt aber die haarförmige Gestalt der Spermato-
zoiden bei den Nematoden als zu gewiss an, Ref. hat niemals
Samenfäden bei den Rundwürmern gesehen, Kölliker auch
nicht, beruft sich aber auf May er' s Untersuchungen, ohrte
sie eigentlich zu bestätigen. Beginnt die Entwicklung des
Embryo von Ascaris dentata, so schwindet zunächst das Keim-
bläschen mit seinem Keimflecke, worauf sich die erste mit
einem Kerne versehene Embryonalzelle bildet, welche etwas
grösser als das Keimbläschen ist. In dieser ersten Embryonal-
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 21ö
zelle erzeugen sicli zwei neue Kernzellen, die durch Seilwinden
der ersten Embryonalzelle frei werden. Diese beiden Zellen
werden wieder Mutterzellen und zerfallen in zwei Zellen, wo-
durch vier Embryonal zellen entstehen. Jede dieser vier Zel-
len, so wie die folgenden lösen sich in zwei Zellen auf, wo-
durch die Dotterzelle, deren Körner dabei mehr und mehr
schwinden, in ihrem Inneren zuletzt von Embryonalzellen
ganz angefüllt wird. Dieser Zellen -Ilaufe wird zum Körper
des jungen Wurms. Anfangs sind in den Embryonalzellen die
Kerne noch deutlich, je mehr sie sich aber verkleinern, um
so unkenntlicher werden ihre Kerne zuletzt. Eine ganz ahn-
liche Entwicklung des Embryo beobachtete Kölliker in den
Eiern von Oxyuris ambig ua. Während dieser Entstehung
von Embryonalzellen geht mit dem Chorion der Eier von
Ascaris dentata eine sehr sonderbare Veränderung vor sich. Es
bildet sich nämlich an beiden Enden desselben ein Fortsatz
hervor, der immer länger und länger auswächst, sich spiralig
umdreht und in sehr feine gleichmässige, ebenfalls gewundene
Fäden zerfasert. Für diejenigen, welche etwa Kölliker 's
Untersuchungen an seiner Asc. dentata wiederholen wollen,
bemerkt Ref., dass diese Würmer nach Angabe Kölliker's
aus dem Darme des Salmo thymallus herrühren, während Asc»
dentata bis jetzt nur in den Cyprinaceen angetroffen wurde
und nach Rudolphi einfache ova globosa besitzt. Hat
vielleicht Kölliker die in den Salmoneen verbreitete Asc,
ohtuso-caudata vor sich gehabt? Bei Ascaris nigrovenosa, acu-
minata und succisa hat Kölliker die in den Furchungskugeln
der Eier befindlichen Bläschen als wirkliche Kernzellen er-
kannt. Er widerspricht der Angabe Bagge's und des Ref.,
nach welcher diese Embryonalzellen innerhalb der Furchungs-
kugeln dieser Nematoden sich durch Theilung vermehren, er
will vielmehr beobachtet haben , dass hier ebenfalls die Ver-
mehrung der Embryonalzellen durch endogene Zellenbildung
wie bei Ascaris dentata vor sich gehe, nur mit dem Unter-
schiede, dass die Dottermasse nicht den gemeinschaftlichen
Zellenhaufen umgebe, sondern bei jeder neuen Zellenbildung
immer ein Theil des Dotters diese einzelnen Zellen ganz um-
hülle, was die Furchung des Dotters veranlasse. Es ist dem-
nach die Bildung dieser Furchungskugeln von der jedesmaligen
216 v. Siebold : Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Vermehrung der Embryonalzellen abhängig, immer muss die
Vermehrung der letzteren der Entstehung neuer Furchungs-
kugeln vorausgehen. Kölliker sucht dies dadurch zu er-
klären, *dass er annimmt, die Embryonalzellen übten auf die
umliegende Dottermasse eine Art von Attraktion aus. Warum
bei anderen Helminthen diese Anziehungskraft von den Em-
bryonalzellen auf die Dottermasse wirkt und diese durchfurcht,
wagt Kölliker freilich nicht zu beantworten.
Ray er1) will unter der Conjunctiva palpebralis des lin-
ken Auges einer Emberiza pecoris Wils. eine Ascaris lepto-
ptera gefunden haben, welche nach Rudolphi nur im Magen
und Oesophagus des Löwen vorkömmt. Da aber Rayer die-
sen Wurm nicht näher beschreibt und sich nur auf eine von
ihm gelieferte rohe Abbildung beruft, so möchte Ref. fragen,
ob dieser Wurm auch richtig bestimmt ist, da der Löwe wohl
schwerlich ein und denselben Rundwurm mit jenem Vogel
gemein haben wird. Bellingham2) führt 42 irische Ascaris-
Arten auf, worunter sich neun zweifelhafte befinden, welche
im Dünndarme von Charadrius hiaticula, Sterna Hirundo und
Anas Penelope, ferner im Oesophagus eines Mergus Mergan-
ser, im Kröpfe einer Procellaria Anglorum, im Darme des
Cyclopterus Lumpus und im Peritonäum der Ardea cinerea
und Cobitis barbatula angetroffen wurden. Derselbe erwähnt
dabei einer Ascaris alata, welche im Darm des Menschen
vorkömmt. Die weiblichen Individuen sind 3J Zoll lang, ihr
Vorderende erscheint umgebogen, ihr Hinterende dagegen ge-
rade. An beiden Seiten des Halses zieht sich eine \~ Linie
lange durchsichtige Membran herab.
Ueber Spulwürmer, welche auf ungewohnten Wegen ihren
Aufenthaltsort verlassen haben, sind verschiedene Beispiele
aufgezeichnet worden. Aus einem Abscesse in der Mitte des
queren Durchmessers des Bauches sah acht Tage nach Er-
öffnung desselben Dr. Müller3) zu Schmiegel einen Spul-
') Archives des med. comp. a. a. O. p. 146.
2) Annais of natural history. Vol. 13. 1844. p. 167.
3) Oesterreich. mediz. Wochenschrift. 1843. p. 661. Aus den
Beiträgen zum Sanitäts - Berichte in dem Poscner Regierungs-Be-
zirke. 1843.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 217
wurm hervortreten. Nach der Mittheilung von Van den -
bergh1) brach ein spannenlanger Spulwurm mit gutartigem
Eiter aus einer Geschwulst der rechten Leistengegend ohne
Spur von Koth hervor. In einem von Kingdon2) mit-
geteilten Falle gingen bei der Anwesenheit einer Blasen-
darmfistel Spulwürmer mit vielen Beschwerden einem sieben-
jährigen Kinde durch die Harnröhre ab. Botto3) in Genua
machte an einem Knaben, der wegen eines angeblich ver-
schluckten Steinchens an Erstickungs- Zufallen litt, die La-
ryngo-tracheotomie, ohne etwas zu finden. Nach einigen
Tagen stellte sich Bronchitis ein, das Kind klagte von neuem
über ein verschlucktes Steinchen und gab genau den Sitz des-
selben an. Dasselbe starb zuletzt unter Verschlimmerung der
Symptome. Bei der Sektion fand man nirgends in den Athem-
wegen fremde Körper, wohl aber eine Anzahl Spulwürmer
im Magen und Darme, die wahrscheinlich jene Krampfzufälle
als Reflexerscheinung erregt hatten. In einem anderen Falle,
wo ein zwölfjähriger Knabe an tonischen Krämpfen der oberen
und unteren Extremitäten litt, und nach dem Aufhören der-
selben einer nicht zu stillenden Diarrhoe unterlegen ist, stiess
Dr. Weisse4) bei der Sektion auf einen im Wurmfortsatze
steckenden Spulwurm, dessen Schwänzende in den Blinddarm
hineinragte. Weisse vermuthete nun, dass dieser Helminth,
so wie er in den Wurmfortsatz gerathen war, jene Krämpfe
hervorgebracht, und nachdem er abgestorben war, die Diar-
rhoe, Folge des fruchtlosen Bemühens des Darmkanals, den
todten Gast zu entfernen, veranlasst habe. Den Abgang von
510 Spulwürmern beobachtete Gilli5) bei einem Kinde in-
nerhalb acht Tagen. Aus dem New York Journal of medi-
') Annales de la societe de Medecine d'Anvers. 1844. Jan. p. 46.
2) Froriep's Neue Notizen, nr. 548. p. 318.
3) Oesterreich. mediz. Wochenschrift. 1845. p. 91. Aus der Ga-
zetta inedica di Milano. 1843. nr. 47.
4) Ebenda. 1843. p. 41. Aus den vermischten Abband], a. d.
Gebiete der Ileilk. von einer Gescllsch. praktisch. Aerzte in St. Pe-
tersburg. 1842.
5) Schmidt's Jahrbücher. Bd. 40. 1843. p. 310. Aus dem Gior-
nale delle sc. med. März. 1842.
218 v. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
eine wird berichtet,1) dass ein drei und dreissigjähriger Mann
Jucken in der Glans penis und unangenehme Empfindungen
im Rektum fühlte. Zwei Tage darauf stellten sich Urinbe-
schwerden ein und ein länglicher Körper kam allmälig aus der
Urethra zum Vorschein, der von Clarke als ein männlicher,
elf Zoll langer Lumbricus teres erkannt wurde. Clarke fügt
hinzu, dass dieser Mann 18 Monate früher von Harnbeschwer-
den mit Blut- und Eiterentleerung befallen worden sei, wäh-
rend welcher Zufälle jener Wurm aus dem Mastdarm in die
Urinblase übergetreten sei. Derselbe Arzt findet es nun sehr
merkwürdig, wie der Lumbricus teres, the common earth
worin, in den Mastdarm gelangt sei. Es verräth dies eine
grosse Unbekanntschaft mit den menschlichen Helminthen, und
Ref. möchte fragen, ob der abgegangene Wurm nicht zu
Strongylus gigas gehörte?
Mehrere neue Nematoden sind von Creplin2) beschrie-
ben worden, ohne dass er jedoch ihre Gattung festgestellt
hätte. Die Fundorte derselben waren die Leibeshöhle und der
Darmkanal von Bradypus tridaetylus und Dipus tetradaetylus,
der Dünndarm von Phacochoerus africanus, die Haut am Vor-
derarmknochen des Vespertilio serotinus, die Lungen der Co-
luber natrix, der Magen von Rana dorsigera, der Darmkanal
von Raja Batis, ferner Sorex areneus und Lepidopus Pero-
nii ohne nähere Angabe des Wohnorts. Mehrere dieser Hel-
minthen wurden von Otto aufgefunden und an Creplin ge-
sandt. Der letztere3) versuchte zugleich die von Fabricius
aufgefundenen und von Müller auf der 74ten Tafel der Zoo-
logia danica abgebildeten Helminthen richtig zu deuten, und
erklärte die Fig. 1 für ein Weibchen der Ascaris osculata, die
Fig. 2 für das Vorderende desselben Wurmes, die Fig. 3 für
ein verstümmeltes männliches Individuum derselben Ascaris,
Fig. 4 für Ascaris liajae, Fig. 5 vielleicht für Ascaris coZlaris,
Fig. 6 für eine verstümmelte Ascaris clavata. Ueber Fig. 7
und 8 wagt Creplin nichts zu entscheiden. Ein von Rayer4)
') The Lancet. August. 1844. p. 589.
2) Dieses Archiv. 1844. Bd. 1. p. 115.
3) Ebenda, p. 126.
4) Archives de med. comp. a. a. O. p. 183,
Helminthologie -während des Jahres 1843 und 1844. 219
im Magen einer Emys europaea aufgefundener Rundwurm mit
langem Oesophagus gehört gewiss zur Spiroptera ccmtorta.
lieber Tric/ti/ui spiralis , welche gewiss nur ein uner-
wachsener Rundwurm ist , wurden folgende Bemerkungen ge-
liefert. Nachdem Knox1) im Frühling 1836 in Edinburgh
zuerst einen Fall von Trichina spiralis in den menschlichen
Muskeln beobachtet hatte, ward ihm erst im Oktober 1S39
wieder die Gelegenheit, einen zweiten ähnlichen Fall unter-
suchen zu können. Hierauf aber hat er bei mehr als hundert
Leichen vergebens nach diesem Helminthen gesucht, woraus
er schliesst, dass Trichina spiralis (Vibrio humana) in Schott-
land viel seltener als in England und Irland sein müsse, denn
er konnte, nachdem er die schottischen Aerzte zu Mittheilun-
gen aufgefordert hatte, nur noch den einen Fall in Erfahrung
bringen, in welchem Lizars unter 2 — 300 Leichen bei einer
50jährigen Frau die Trichina spiralis beobachtete, während
Handy fi de unter 143 Leichen keine Trichina und Macken-
zie überhaupt niemals diesen Wurm angetroffen hat. Von
dem Vorkommen der Trichina spiralis in Dänemark zeugt der
Fall von Svitzer,2) welcher den Schmarotzer in dem fetten
Leichname eines 30- bis 40jährigen Frauenzimmers angetrof-
fen, und zwar in den Muskeln der Arme und Beine und im
Zellgewebe unter der Haut. Auch hier war der Wurm inner-
halb mehrerer Cysten zu krystallinischer Glasmasse umgewan-
delt. Svitzer beobachtet übrigens das Thier verkehrt, indem
er den Längsstrich, welcher die Höhle des muskulösen Oeso-
phagus andeutet, und bei den jungen Nematoden fast immer
vorhanden ist, für den Penis hält. Eine Reihe kleiner Kör-
perchen glaubt Svitzer als Eier betrachten zu können, die
aber Ref. für die Reste des Dotters erklärt. Auch Kiene ke 3)
hat den Fehler begangen, die Trichina spiralis für einen voll-
kommen entwickelten und geschlechtsreifen Rundwurm zu be-
trachten. Ja er ist in seinem Irrthum noch weiter gegangen,
') London medical Gazette Sept. 1843. p. 805, oder Froriep's
Neue Notizen, nr. 627. p. 168.
2) Bibliothek for Laeger. Copcnhagen. 1843. nr. 2. p. 336. Et
Tilfoeldc of Trichina spiralis of Prof. Svitzer.
3) Ueber die Contagiosität der Eingeweidewürmer, p. 111.
220 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
und hat mit dem körnigen Inhalte dieser Trichina, welchen
er für die Eier genommen hat, Injektions- Versuche gemacht.
Was soll man aber dazu sagen, wenn Klencke behauptet,
dass ihm diese Versuche wirklich gelungen seien , und er
durch Injektion dieser vermeintlichen Eier die Trichina spira-
lis von einem Hunde auf einen anderen übergepflanzt habe.
Derselbe will übrigens Trichina spiralis in Fischen , Schlangen,
Raubvögeln und Säugethieren sehr häufig gefunden haben,
was man gerne glauben wird, da junge geschlechtslose und
enkystirte Nematoden, welche Ref. (in diesem Archive. 1838.
Bd. 1. p. 312) als Trichina beschrieben hat, so allgemein verbreitet
vorkommen. Nach Klencke1) soll das Vorkommen der Tri-
china spiralis in nur willkürlichen Muskeln nicht constant sein,
und sich auch auf die Muskeln des vegetativen Systems aus-
dehnen, wovon man sich bei Thieren , und selbst bei Men-
schen überzeugen könne. Dies kann man in Bezug auf
Thiere zugeben, aber wo hat Klencke diese Erfahrung an
Menschen gemacht?
Einen ganz neuen Darmwurm des Menschen will Du-
bini2) entdeckt haben. Dieser Wurm, welcher von seinem
Entdecker Agcliylostoma duodenale genannt worden ist,
besass eine Länge von 4^ Linie und wurde im Duodenum
und in dem oberen Ende des Jejunum unter 100 Leichen
mindestens bei zwanzig angetroffen. Es bringt dieser Hel-
minth, wie Trichocephalus dispar, keine besonderen Zufälle
hervor. Derselbe ist gelblich, röthlich oder braun gefärbt.
Der Kopf ist vom cylindrischen Körper nicht geschieden, die
runde Mundöffnung erscheint mit vier, auf konischen Erha-
benheiten stehenden und gegen die Mitte umgebogenen Häck-
chen bewaffnet. Der Oesophagus schwillt nach abwärts keu-
lenförmig an und bleibt vom schwärzlichen Magen (Darm?)
getrennt. Der 'Schwanz der männlichen Individuen unter-
scheidet sich von dem abgestumpften Schwanzende der Weib-
chen durch eine fächerförmige Erweiterung, in welcher sich
die äusseren Genitalien befinden. Das Schwanzende der Weib-
') Ueber Contagiositat der Eingeweidewürmer, p. 112.
2) Schmidt's Jahrbücher. Bd. 41. 1844. p. 186. Aus Omodei
Annali univ. di medicina. Aprile. 1843. Tom. 106. p. 5.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1814. 221
chon zeigt sieh weniger gekrümmt als das der Männehen. Die
Haut ist transversal gestreift, der Darm mündet an der Schwanz-
spitze seitlich ans, und wird entweder vom Eierleiter, wel-
cher elliptische Eierchen enthält, oder vom Samenkanal um-
schlungen. Der letztere läuft in der Mitte des Leibes zu einer
Art Samenbläschen aus, verdünnt sich alsdann und begiebt
sich zu der Geschlechtsöffnung, an welcher ein keulenförmi-
ger Penis angebracht ist. Die fächerförmige Ausbreitung des
männlichen Schwanzendes soll eine Art Trichter darstellen,
dessen durchsichtige Wandungen durch eilf blinde Anhängsel
verstärkt sind, welche Dubini Samenanhängsel nennen möchte,
welche den Ref. aber ganz an die Schwanzklappe der männ-
lichen Strongyli erinnern.
Ein anderer problematischer Rundwurm wurde von Tho-
mas S trat ton1) zu Kingsdon in Canada innerhalb der Bauch-
höhle einer Hündin gefunden. Die vier Individuen lebten,
waren lichtbraun, das grösste besass eine Länge von 8^ Zoll,
das kleinste eine Länge von 6 Zoll. Nirgends war am Darm-
kanale des Hundes eine Oeffnung zu entdecken gewesen, aus
welcher diese Würmer herausgekrochen sein konnten. St rat-
ton fragt nun, ob sie nicht durch die Tuben von aussen in
die Bauchhöhle der Hündin gelangt sein konnten. Eine ge-
nauere Beschreibung dieser Würmer fehlt.
Ueber die sogenannten Filarien im Blute, welche richti-
ger als die auf der Wanderung begriffene Brut von irgend
einem Rundwurm angesehen werden müssen, haben Gruby und
Delafond verschiedene Untersuchungen angestellt. Gruby2)
traf nämlich im Februar in dem Blute eines gesunden kräfti-
gen Hundes von 10 bis 11 Jahren, welcher mit Pferdefleisch
gefüttert war, durchsichtige, TJ¥ Linien lange Wurmet an,
welche am vorderen dickeren Leibesende einen Mund und
hinten einen spitzen Schwanz besassen. Sie waren sehr leb-
haft, bewegten sich schlängelnd und wurden in jeder Gegend
des Hundes im Blute wahrgenommen. Gruby suchte nach-
') The Edinburgh medical and surgical Journal. July. 1843.
p. 261, auch in Froriep's Neuen Notizen, nr. 605. p. 167.
2) Institut. 1843. p. 35 oder the Lancet. Vol. II. 1842—1843.
nr. 8. p. 265 oder Annais of natural history. Vol. XI. 1843. p. 403.
222 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
her in 100 anderen Hunden nach diesen nematodenartigen
Haematozoen vergebens. Derselbe setzte später seine Unter-
suchungen mit Delafond fort,1) und fand unter 250 Hun-
den jeder Race, jeden Alters und Geschlechts fünf Individuen
mit dieser Nematoden -Brut im Blute behaftet. Die Hunde
waren dabei ganz gesund. Fütterung, Ruhe, Bewegung und
Aderlasse übten auf die Zahl, Gestalt und Bewegung dieser
jungen Nematoden keinen Einfluss aus. Die Transfusion von
zwei Decilitres eines solchen mit Nematoden geschwängerten
Blutes machte das Blut eines gesunden Hundes nur auf acht
Tage verminös, dagegen blieb das Blut eines gesunden Hun-
des, welchem ein Litre verminöses Blut injicirt worden war,
sieben Monate lang verminös. Das in Frösche injicirte ver-
minöse Blut liess acht Tage lang die kleinen Nematoden in
dem Blute dieser Batrachier wiederfinden, sie verschwanden
nur erst dann, wenn auch die Blutkörperchen des Hundes
im Froschblute zu verschwinden anfingen. Das Blut wurde
jedesmal, ehe es zum Injiciren benutzt wurde, von seiner
Fibrine befreit. Die kleinen Nematoden gingen zu Grunde,
wenn das Blut in seröse Höhlen oder in das Zellengewehe
lebender Hunde eingespritzt wurde. Es fanden sich ausser
im Blute eines Hundes sonst nirgends in einem solchen Thiere
ähnliche Nematoden-Brut vor, weder in den Aus- und Abson-
derungen, dem Urin, Speichel, dem Humor aqueus, noch in
dem Glaskörper, der Galle und der serösen Feuchtigkeit aus
der Gehirn- und Rückenmarks -Höhle. Ebenso wenig wurden
Würmchen dieser Art im Chylus, in der Lymphe und in dem
Eiter von Wunden entdeckt. In einem solchen mit Haemato-
zoen behafteten Hunde lebten diese kleinen Nematoden Jahr
aus Jahr ein innerhalb des Blutgefässsystems , ohne wie die
Filarien im Blute der Frösche fortzuwandern.
Helmint lies acant hocephali.
Bellingham2) zählt 15 Echinorhynchen auf , welche in
*) Comptes rendus. nr. 16. 1844. p. 687, auch in der Oesterreich.
med. Wochenschrift, nr. 28. 1844. p. 772 oder in Froriep's Neuen
Notizen, nr. 645. p. 106.
2) Annais of natural history. Vol. 13. 1844. p. 254.
Helminthologie wahrend des Jahres 1843 und 1844. 223
verschiedeneil irischen Säugethieren , Vögeln und Fischen
schmarotzen , darunter fünf zweifelhafte Species aus dem Darme
von Charadrius hiaticula, Cinclus aquaticus, Mergus albellu«,
Somateria sj)ectabilis und Lepus Cuniculus. Die beigefügten
Bemerkungen bieten nichts neues dar.
H e Im in t h es tre m atod e s.
Ein von Otto im Verdauungskanal der Chelonia Midas
aufgefundener Schmarotzer wurde durch Creplin unter dem
Namen Amphistomum scleroporum beschrieben.1) Un-
ter den irischen Trematoden, welche Bellingham2) zusam-
mengestellt hat, befinden sich vier Monostomen und neun
Ampl.istomen , darunter drei zweifelhafte Arten aus dem Darme
von Vögeln. Diese Amphistomen gehören übrigens sammtlich
zur Gattung Holostomum. Von. der Gattung Distomum wer-
den 32 Arten aufgeführt, mit eilf zweifelhaften Arten aus der
Speiseröhre von Coluber Natrix und aus dem Darmkanale
verschiedener Wasservögel und Fische. Bellingham ist übri-
gens von einem grossen Irrthume befangen, indem er glaubt,
dass der Porns ventralis der Distomen bei dem Fortpflanzungs-
Prozesse betheiligt sei. Einen Fall von Distomum hepaticum
in der Pfortader eines Menschen (Dachdeckers von Profes-
sion) hat Duval3) mitgetheilt. Nach einer Notiz von Plus-
kai in Lomnitz folgte auf den strengen Winter des Jahres
18 \\ eine Epizootie, welche in einer fanlichten Auflösung
und Vereiterung der Brust- und Baucheingeweide bestand
und eine Menge Waldwild tödtete. Bei der Sektion eines
dadurch erkrankten Rehbocks fanden sich in einer Haselnuss-
und Taubenei- großen dickwandigen Cyste der Leber 5 und
13 Stücke des Distomum hepaticum, ohne dass an den Cysten
Ausgänge wahrzunehmen gewesen waren. Was Klencke6)
über den Fundort des Leberegels mittheilt , klingt höchst seltsam,
da er diesen Schmarotzer nicht bloss in der Leber der Schafe,
') In diesem Archive. 1844. Bd. I. p. 112.
2) Annais of natural history. Vol. 13. p. 335 und 422.
3) Froriep's Neue Notizen, nr. 529. p. 9 oder nr. 770. p. 352.
4) Oesterreich. mediz. YVochensrhrift. 1844. p. 3l>.
5) Ueber die Contagiosität der Eingeweidewürmer, p. 120.
224 V. Siobold: Berieht über die Leistungen im Gebiete der
sondern auch im Rückenmarke, in verschiedenen Drüsen der
Schafe, in der Milchdrüse und Thymus angetroffen haben will.
Derselbe theilt uns übrigens noch viel merkwürdigere Dinge
von Distomum hepaticum mit. Nach seiner Meinung wären
die mit einem Deckel dehiscirenden braunen Körper aus dem
Eierleiter fälschlich für Eier gehalten worden, sie seien aber
vielmehr Cysten, welche mit Eiern gefüllt sind. Klencke
erklärt nämlich die in jedem Eie von Distomum hepaticum
enthaltenen Dotterzellen für eben so viele Eier. Derselbe
zerdrückte diese Cysten und wollte so die nackten Eierchen
erhalten. Mit diesen vermeintlichen Eiern, welche nichts an-
deres als die aus den Eischalen hervorgequetschten Dotter-
massen waren, machte er Impfversuche, welche, wer sollte
es glauben, sowohl an Hunden als an Katzen ihm vollständig
gelungen sind. Derselbe erkannte ferner in der Gallenblase
neben alten Leberegeln, in den Darmsekreten und im Blute
der Schafe infusorienartige Stabthierchen, diese Wesen muss-
ten die Brut der Leberegel sein, Klencke machte mit ihnen
Infektions- Versuche, und pflanzte auch auf diese Weise den
Leberegel auf Hunde und Kaninchen über. Dujardin1) fand
im Darme von Sorex araneus häufig ein Distomum , welches,
ehe es Eier bekömmt, an ein in der Leber von Limax vor-
kommendes Distomum erinnert, so dass er sich des Gedan-
kens nicht erwehren konnte, jenes Distomum habe sich in
Limax zuerst entwickelt, und sei später in den Darmkanal
der Spitzmäuse hinübergeführt worden, wo es seine Entwick-
lung vollende. Ref. stimmt demselben darin bei, dass mit
dem Distomum echinatum etwas ganz ähnliches vorgehe, in-
dem sich dieses Doppelloch in Lymnaeus- Arten entwickelt,
und erst, nachdem diese Schnecke von Enten, Gänsen, Kor-
moranen und Kranichen verschluckt worden, in dem Darme
dieser Vögel seine Entwicklung vollende. Dujardin gründet
aus diesem Distomum der Spitzmäuse die neue Gattung Bra-
chylaimas , zu welcher derselbe noch mehrere andere Di-
stomen zieht, aus deren Schlundkopf unmittelbar die beiden
blinden üarmschläuche nach hinten hervortreten. Die zu die-
ser Gattung gerechneten Distomen theilt Dujardin je nach
') Annales des seiences naturelles. Tom. 20. 1843. p. 338.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 225
der Lage der männlichen Geschlechtsorgane in Unterabtei-
lungen; bei einigen Brachylaimen mündet nämlich das männ-
liche Geschlechtsorgan vor dem Bauchnapfe ans, bei anderen
dagegen in der Mitte zwischen Bauchnapf und Hinterleibsende,
während der Eierleiter sich vorne nach aussen öffnet. Am
Hinterleibsende dieser Trematoden führt ein Porus in eine
kontraktile Höhle, von welcher vier gewundene unter einan-
der anastomosirende Seitenkanäle nach oben abgehen, welche
hier und da mit einzelnen undulirenden Cilien versehen sind.
Ref. erkennt aus dieser Beschreibung das den Trematoden
eigenthiimliche Exkretionsorgan, so wie ein mit Flimmerlappen
ausgerüstetes Gefässsystem, welches Dujardin von jenem
Exkretionsorgane nicht geschieden hat. Ausser in den männ-
lichen Geschlechtsorganen findet Dujardin bei Brachylaimus
noch verschiedene andere Artkaraktere, welche sich auf die
Grössen -Verhältnisse der Saugnäpfe und der Eier und auf
die grössere oder geringere stachelige Beschaffenheit der Haut-
oberfläche beziehen. Derselbe stellte ein in Sorex araneus
entdecktes Distomum als Brachylaimus advena hin, nannte
es aber später (in seinem grösseren Werke über Helminthen)
Brachylaimus migrans. Er leitet dieses Thier von dem
in Limax wohnenden Distomum her, welches ganz dieselben
Saugnäpfe, denselben Darmkanal und dasselbe Gefässsystem
mit den Flimmercilien besitzt und in welchem der männliche
Geschlechtsapparat eine ganz ähnliche Form zeigt, während
von den weiblichen Geschlechtswerkzeugen noch nichts zu
erkennen ist. Aehnliche Distomen in Fröschen rührten nach
D uj ar d i n 's Meinung wahrscheinlich von verschluckten Schnek-
ken her.
Nach den Beobachtungen von Kölliker1) entwickeln
sich die Eier des Distomum lereticolle , indem mitten in der
dichten körnigen Dottermasse die ersten Embryonalzejlen sich
bilden, sich vermehren, den Dotter durchbrechen und densel-
ben gänzlich aufzehren. Die Gesammtmasse der sehr kleinen
Embryonalzellen geht zuletzt in den Leib des Embryo über.
Dieser hat eine wurmförmige Gestalt, bewegt sich träge, und
besitzt ausser einem dunkeln im Kopfende gelegenen Theile
') Müller's Archiv. 1843. p. 99.
Archiv f. Naturgeschichte. XI..Iahrg. 2. Bd.
226 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
und einem anderen durcli den Leib sich erstreckenden Theile
nichts von Organisation.
Aus den Acalephen sind mehrere Distomen bekannt ge-
worden. Das von Will1) in den Wasserkanälen von Beroe
rufescens gefundene Distomum zeigte einen geringelten Leib,
ein einziehbares Schwanzende und einen ungestielten Bauch-
napf. Sein mit durchsichtigen runden Kiigelchen gefülltes Ex-
kretionsorgan theilte sich gabelförmig und sendete beide Sei-
tenäste bis zum Mundende hinauf, wo sie sich beide unter
einem spitzen Winkel vereinigen, eine Organisation, welche
Ref. auch bei Distomum appendiculatum angetroffen hat. Ein
anderes Distomum von cylindrischer Gestalt, und ebenfalls
mit einem aufsitzenden Bauchnapfe versehen, hat Philippi2)
im Magen einer Physophora angetroffen; ein von diesem ver-
schiedenes Distomum sah derselbe Naturforscher im Magen
und zwischen den knopfförmigen Fühlern der Velella spirans
herumkriechen. Dasselbe hatte eine Länge von f bis 1 Linie,
besass einen sehr grossen kurzgestielten Bauchnapf und lief
in ein dickes abgerundetes Hinterleibsende aus.
Durch Yarrell3) erfahren wir, dass von dem seltenen
Schmarotzer Tristomum coccineum an zwanzig Stücke auf der
äusseren Oberfläche des Kopfes eines an der englischen Küste
gefangenen Orthagoriscus mola gefunden wurden. Nach einer
von Bell am y gemachten Mittheilung hat sich dieser Fund an
der englischen Küste später wiederholt.4) Rathke5) weiset
ganz richtig nach, dass Hirudo Hippoglossi oder Phylline Hip-
poglossi Ok. nicht, wie es Die sing gethan hat, zu Tristomum
elongatum Nitzsch gerechnet werden könne, sondern als eine
selbstständige Gattung und Art bestehen bleiben müsse, in-
dem sich dieser Schmarotzer durch die Anwesenheit von vier
hornigen Häkchen auf der nur wenig konkaven Fläche des
Hinterleibs -Napfes und durch die vielen strahlenförmig ge-
') Dieses Archiv. 1844. Bd. I. p. 343.
2) Müller's Archiv. 1843. p. 66. Taf. V. Fig. 11 und 12.
3) A history of british fishes. Vol. II. London. 1841. p. 468.
Vgl. daselbst die Vignette.
4) Annais of natural history. Vol. 13. 1844. p. 78.
5) Nova Acta Acad. Leopold. Carol. Nat. Curios. Tom. XX. P. 1.
1843. p. 238.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 29?
ordneten Wärzehen auf diesem Saugnapfe wesentlich von dem
Tristomum elongatum unterscheidet, daher er diesen Wurm
Tri Stoma hamatum nennt. Derselbe findet sich nur auf
der äusseren Hautbedeckung von Pleuronectes Hippoglossus,
während das genannte Tristomum nur die Rachen- und Kie-
menhöhle des Acipenser Sturio bewohnt, lieber den inneren
Bau der Phylline Ilippoglossi erfahren wir durch Rathke
wenig, auch steht seine Abbildung dieses Wurmes der schö-
nen von Johnston (in den Annais of natural history. Vol. I.
1838. p. 431. PI. 15. Fig. 3.) gelieferten und von Rathke
nicht gekannten Abbildung sehr nach. Rathke's Angabe,
als befinde sich die männliche Geschlechtsöffnung in einiger
Entfernung hinter dem Munde auf der Mittellinie des Bauches,
ist unrichtig, sie ist vielmehr, wie es Johns ton ganz deut-
lich abgebildet hat, und von Ref. bestättigt werden kann,
ganz vorne neben der linken Sauggrube nach aussen am
scharfen Seitenrande des Bauches angebracht, von wo ein
langer Penis schräge zur Mittellinie des Körpers hin verfolgt
werden kann. Die beiden in der Mitte des Leibes gelegenen
grösseren rundlichen Organe sind gewiss die Hoden, während
ein anderes ebenfalls aus dem Innern weisslich hindurchschim-
merndes rundes Organ entweder den Keimbläschen -Stock oder
eine Vesicula seminalis darstellt. Rathke1) beschrieb ein
Octobothrium digitatum als neu, erkannte aber später2) in
diesem Schmarotzer, den er an den Kiemen von Pleuronectes
Hippoglossus gefunden, das schon früher von Leuckart in
seinen zoologischen Bruchstücken beschriebene Octobot/trium
palmaturn. Derselbe 3) stellte ferner die Diagnose für seine
vor einiger Zeit aufgestellte neue Gattung Peltogaster in
folgender Weise fest: corpus torosum, inarticulatu?n\ alter um
ejus e.rtremum in tubum brevem productum, ore amplo , orbi-
culari, inarmato terminatum) procul ab ore acetabulum rigi-
dum, corneum, discoideum. Der älteren Species, Peltogaster
Paguri mit folgender Diagnose: corpore oblongo, tereti, ad
') Nova Acta Acad. Leopold. Carol. Nat. Curios. Tom. XX. P. 1.
1843. p. 242.
2) Dieses Archiv. 1844. Bd. 1. p. 259.
3) Nova Acta etc. a. a. O. p. 244.
228 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
alterutrum latus incurvato; acetabulo in medlo ventre , fügte
Rathke eine zweite Species hinzu: corpore transversim eilt-
ptico, subdepresso; acetabulo ort opposäo, welche er an der
weichen unteren Seite des Hinterleibs von Carcinus Maenas
mit dem Saugnapfe festsitzend fand. Rathke glaubt übrigens
nicht, dass diese Thiere bei den Trematoden ihren rechten
Platz haben, da er im Magen derselben kleine Amphipoden
angetroffen, sie mithin ihre Nahrung nicht von ihrem Wohn-
thiere beziehen.
Nach B e 1 1 i n g h a m !) kömmt Pentastomum taenioides auch
in Irland vor.
Schomburg2) hat einen trematodenartigen Eingeweide-
wurm in den Blutegeln entdeckt und Heptastomum Hi-
rudinum genannt.
Valentin3) begegnete sehr häufig, wenn er im August
dünne Schnitte von Froschnieren unter dem Compressorium
betrachtete, embryonalen mit einem Flimmerkranze versehe-
nen Helminthen, wie sie auch in der Harnblase der Frösche
vorkommen, so wie auch einem grösseren Trematoden mit
deutlichem Saugnapfe.
Nach He nie 's4) Beobachtung zeigen sich in den Seiten-
gefässen der Cercaria echinata , deren Vorderleib derselbe mit
kleinen Dornen bis zum Bauchnapfe besetzt sah, an vielen
Stellen Flimmerbewegungen. Auch bemerkte derselbe in vie-
len Exemplaren dieser Cercaria grössere und kleinere kuge-
lige, den sogenannten Glaskörpern der Blasenwürmer ähn-
liche Körperchen, die oft concentrisch gestreift und wie mit
einem centralen, dunkeln Kern versehen sind, und beim
Drucke zerbrechen. Solche Körper kennt Ref. auch aus meh-
reren anderen Cercarien, dieselben sind in dem Exkretions-
organe dieser Trematoden -Larven enthalten und von Ehren-
berg (Symbolae physicae) bei Histrionella Ephemera als Eier
genommen worden.
') Annais of nat. hist. Vol. 14. 1844. p. 162.
2) Froriep's neue Not. nr. 647. p. 136.
3) Valentin's Repertorium. Bd. 8. p. 90.
*) Zeitschrift für rationelle Medizin, a. a. O. Bd. 111. p. 6.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 229
Helminthe* Cestodes.
Als irische Cestoden werden von Bellinghain !) der
Scolex polymorph™ , Ligula sparsa, Tetrar hynchus grossus
und solidus aufgeführt. Der letztere ist eine neue von Drum-
mond in der Bauchhöhle des Salmo Salar entdeckte Species.
Bellinghain will unter der Haut dieses Wurmes zu beiden
Seiten der Sauggruben eierartige Körper bemerkt haben. Der-
selbe erwähnt ferner 18 Bothriocephalen mit fünf noch unbe-
stimmten Arten aus dem Darmkanale von Podiceps minor und
rubricollis, Sterna arctica , Raja Baus, Gadus Morrhua und
Aeglefinus. Wir erfahren zugleich, dass der Bothriocephalus
latus neben der sehr häufigen Taenia Solium in Irland nur
ganz selten vorkömmt. Von 51 irischen Taenien hat Bei-
lingham 23 Arten unbestimmt lassen müssen.
Die von Wawruch schon früher erwähnten, an Bandwurm-
Leidenden gemachten Beobachtungen sind seitdem als beson-
dere Monographie erschienen,2) in welcher derselbe über
Entstehung, Ernährung, Wachsthum, Bewegung, Fortpflan-
zung, Wiederergänzung, Lebensdauer und Orte des Vorkom-
mens der Bandwürmer sein Glaubensbekenntniss abgelegt hat.
In einem Aufsatze über Reproduktion und Regeneration der
Bandwürmer werden von Melion3) wieder einmal die be-
kannten Redensarten über Generatio aequivoca ausgesprochen.
Einen merkwürdigen Fall von Abgang der Taenia solium
aus dem Nabel eines Menschen hat Herz4) mitgetheilt, zu
welchem Ref. einige Bemerkungen über das Wandern der
Helminthen hinzufügte.
Unter dem Namen Proglottis hat Dujardin5) eine
neue Bandwurm -Gattung aufgestellt, deren Arten in Spitz-
mäusen, im Huhn, Hecht und Rochen vorkommen; Ref. kann
jedoch aus Dujardin's Beschreibung keinen besonderen
») Annais a. a. O. Vol. 14. p. 163. 251 und 317.
*-) Wawruch: prakt. Monographie der Bandwurmkrankheit. 1844.
3) Würtemberg. medizin. Correspondenzblatt. 1844. nr. 21.
«) Medizinische Zeitung. Herausgegeben von dem Verein für
Heilkunde in Preussen. 18-13. nr. 17. p. 75, oder Schmidts Jahr-
bücher. Bd. 41. 1844. p. 287.
s) Annales des sciences naturelles. T. 20. 1843. p. 34..
230 v. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Gattungskarakter herausfinden, durch welchen sich Proglottis
von Taenia unterscheiden soll. In den mit drei einfachen
ovalen Eihüllen versehenen Eiern der Proglottis pistillum aus
Sorex araneus fand Dujardin die bekannten durch 6 Häk-
chen markirten Embryone. Der Kopf dieses Bandwurms be-
sitzt einen Hakenriissel. Die 7 bis 14 ersten Glieder sind
geschlechtslos und bilden den Hals des Thieres, die 5 bis 6
folgenden Glieder enthalten nur männliche Geschlechtsteile,
indem am Vorderrande eines jeden dieser Glieder ein oblon-
ger querliegender Hode und ein seitlich ausmündender Lem-
niscus angebracht ist. Ein bis zwei darauf folgende Glieder
erscheinen hermaphroditisch und die fünf letzten nur weiblich.
Diese Ansicht über die Geschlechtswerkzeuge der einzelnen
Glieder von Proglottis kann leicht zu Missverständnissen Ver-
anlassung geben. Es wird sich hier die allmälige Entwicklung
der Glieder vom Halse aus nach hinten nicht anders als bei
den übrigen Bandwürmern verhalten. Die Entwicklung der
männlichen Geschlechtswerkzeuge in den stets hermaphroditi-
schen Gliedern beginnt nur früher und rückt schneller vor-
wärts als die der weiblichen Geschlechtsorgane ; in den hinter-
sten sogenannten weiblichen Glieder strotzen die Eierbehälter
so sehr von Eiern, dass die männlichen Geschlechtswerkzeuge,
welche in diesen Gliedern keinesweges fehlen, sondern ihre
Funktion bereits beendigt haben und collabirt sind, durch die
weiblichen Fortpflanzungsorgane ganz in den Hintergrund ge-
drängt worden.
Zur Geschichte des Bothriocephalus latus lieferte Ca-
stelli«) die Notiz, dass er bei zweien in Italien dienenden
Schweizersoldaten jenen in Italien nicht vorkommenden Band-
wurm angetroffen habe.
Ein Bothriocephalus aus dem Zwölffingerdarm des Salmo
Umbla, der wahrscheinlich neu ist, wurde von Kölliker2)
entdeckt und zur Erforschung der Entwicklungsgeschichte der
Bandwürmer benutzt. Er fand die jüngsten Eier dieses Bo-
thriocephalus kugelrund, und aus Dotterhaut, Keimbläschen und
vielleicht einem Keimflecke zusammengesetzt; andere viel häu-
') Isis. 1843. p. G18.
2) Müller's Archiv. 1843. p. 91.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 231
figer vorhandene Eier besassen noch eine äussere elliptische
Eihaut, welche ziemlich dick war, von der Dotterhaut mehr
oder weniger abstand und durch eine helle körnerlose Flüs-
sigkeit getrennt war. Nur in wenigen dieser Eier konnte das
Keimblässchen erkannt werden, immer war ein sehr korner-
reicher Dotter vorhanden. Noch andere Eier von grösserer
und elliptischer Gestalt bestanden aus einer äusseren Eihaut und
einer dieser dicht anliegenden Dotterhaut, welche von körniger
Dottermasse ganz angefüllt war. Bei noch etwas grösseren
Eiern sah Kölliker im Centrum des Dotters einen hellen
Fleck der immer grösser und heller wurde und zuletzt die
Dottermasse durchbrach; während der Vergrösserung dieses
hellen Flecks nahm die Dottermasse allmälig ab, bis sie zu-
letzt ganz verschwand und jener helle Fleck, welcher aus
einem Haufen sich vermehrender Embryonalzellen bestand, die
ganze Dotterhaut ausfüllte. Hierauf sonderten sich die Em-
bryonalzellen in eine peripherische und centrale Schicht, die
letztere erschien anfangs rundlich, wurde bald birnförm.g und
etwas plattgedrückt und verwandelte sich zuletzt in den eigent-
lichen Embryo, an dem bei genauerer Forschung die sechs
paarweise gestellten Häkchen erkannt werden konnten. Köl-
liker vermuthet, dass dieser Embryo auf Kosten der Rinden-
schicht wächst und zuletzt die Eihaut durchbricht. Da der-
selbe ferner die einen lebenden Embryo enthaltenden Eier
gerade noch einmal so gross fand als diejenigen Eier, in wel-
chen das Keimbläschen verschwunden ist, und diese wiederum
grösser waren als diejenigen, welche noch keine Chorion be-
sassen, so nimmt er an, dass in den ersten Stadien der Dot-
ter noch an Masse zunehme und die Eihäute mechanisch aus-
dehne, dass aber mit dem Auftreten der Embryonalzellen diese
letzteren sich auf Kosten der Dottermasse vergrößerten.
Von Kölliker1) wurde in abscessartigen Höhlen der
Leber mehrerer Kaninchen eine gelbe eiterartige, etwas dick-
liche Masse angetroffen , welche aus Eiern bestand , die sich
in verschiedenen Stadien der Entwickelung, analog denen des
Bothriocephalus Umblae befanden. Dieselben Gebilde hat
Hake (on Carcinoma ofthe hepaticducts. London. 1839. 4°.)
) Müller's Archiv. 1843. p.
99
232 v. Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
für eigentümliche Elemente des Eiters in den Leberabscessen
der Kaninchen genommen.
Eine in der Bauchhöhle der Lacerta viridis entdeckte be-
trächtliche Anzahl kleiner Helminthen wurden von Valen-
ciennes1) zu einer besonderen Gattung erhoben und als
Dithyridium hacertae bezeichnet. Die Würmer waren
drei Millimeter lang, besassen keine Gliederung, sondern nur
Querfalten , auf jeder Seite des Leibes befanden sich zwei
wellenförmig gebogene Kanäle und am Kopfende vier Saug-
napfe. Das Körperparenchym enthielt besonders nach vorne
unregelmässige eckige Körnchen und das Hinterleibsende eine
gelbliche Masse von zelligem Ansehen, welche die erste An-
lage von Geschlechtsorganen sein sollte. Valenciennes
verglich diese Thiere mit Scolex und erklärte sie für die von
Rudolph! bereits unter dem Namen Dithyridium erwähnten
Schmarotzer. Jedenfalls waren es noch junge Cestoden, welche
aber wohl nicht so weit entwickelt waren, um sie als eine
besondere Gattung hinzustellen.
In Taenia soll nach Owen') der Darmkanal mit einer
centralen Oeffnung am Rostellum beginnen und sich bald darauf
gabelförmig theilen, was bestimmt unrichtig ist, denn die vier
gefässartigen Seitenkanäle der Taenien bilden im Kopfe der
selben einen geschlossenen, den Rüsselsack ringförmig um-e
b enden Kanal. ö
Von Klencke3) erfahren wir über die Cestoden wieder
höchst merkwürdige Dinge. Dass seine Injektions- Versuche
welche er mit den Eiern von Bothriocephalus Cotti und latus
an Hunden anstellte, vortrefflich gelangen, versteht sich von
selbst, aber auch Dinge, welche bis jetzt noch von keinem
Helminthologen beobachtet worden sind und von ihnen nie-
mals gesehen werden können, hat Klencke mit dem Blicke
eines Sonntagskindes erkannt, nämlich vielemale sah er in den
Eierstöcken (!) der Taenia Solium und serrata die lebenden
Jungen als ftwjfrmi Linie grosse Würmchen mit zart ge-
') Comptes rendus. 1844. p. 544, oder Annales d. sc. nat. T II
1844. p. 248, oder Froriep's Neue Notizen nr. 727. p. 5.
*) Lectures on comparative anatomy. p. 48.
3) Uebcr die Contagiosität der Eingeweidewürmer, p. 147.
Helminthologie wahrend des Jahres 1843 und 1844. 233
ringeltem Körper und einem spitzen Fortsatze am Kopfe.
Vierzehn Tage hat er diese mikroskopischen Taenien in rei-
nem Wasser lebend erhalten, nachdem er sie hierauf hatte
eintrocknen lassen, wurden sie mit warmen Wasser wieder
ins Leben gebracht und durch Getränk auf eine Ziege und
eine Katze übergepflanzt. Klencke fand dieselben jungen
Bandwürmer auch in Quellen und Gräben und giebt demjeni-
gen, der diese embryonalen Taenien aus freien Gewässern
sich verschaffen will, den Rath, die milde Winterzeit dazu
zu wählen, die grösseren Individuen würde er sogleich an der
Aehnlichkeit mit Klapperschlangen erkennen.
He l m in thes Cy stiel.
Die an der irischen Küste gefangenen Seefische lieferten
sieben Arten von Anthocephalus. Bellingham1) entdeckte
nämlich ausser Anthoceph. elongatus und granulum (in der Lei-
beshöhle von Gadus luscus) noch vier unbestimmte, enkystirte
Arten innerhalb der Bauchhöhle von Merlucius vulgaris, Trigla
gurnardus und Pini, Hippoglossus vulgaris, Gadus Aeglefinus,
Merlangus Pollachius und carbonarius, so wie von Anguilla
Conger. Eine von Drummond im Peritonäum des Pleuro-
uectes maximus aufgefundene neue Art ist von dem Entdecker
Anthocepkalus paradoxus genannt worden. Ausser dem
Cysticercus fasciolaris , tenuicollis , cellulosae und pisiformis
erwähnte Bellingham als irischen Helminthen noch einen
Cysticercus, den er in der Bauchhöhle von Cobitis barbatula
enkystirt angetroffen. Die ohngefähr einen Nadelknopf grossen
Cysten hingen mit kurzen Strängen an Leber und Darmkanal
und enthielten einen kurzhalsigen Blasenwurm, dessen Kopf
einen cylindrischen und unbewaffneten Rüssel besass.
Nach Rokitansky2) kommt der Cysticercus cellulosae
in den meisten Muskeln des Menschen vor, aber wie es
scheint, nur in den willkürlichen Muskeln, und wird auch
gleichzeitig in dem Herzfleische und Gehirne angetroffen. Die
Vermeidung dieses Blasenwurms wurde von Rokitansky
ebenfalls beobachtet. Im Gehirne, wo der Wurm am häufig-
') Annais of natural history. Vol. 14. 1844 p. 396.
2) Handbuch der pathologischen Anatomie. Bd. 11. p. 367 u. 839.
234 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
sten die graue Substanz einnimmt, soll er abgestorben und
verkreidet sehr schwierig von einem verkreideten Tuberkel
unterschieden werden und nach Rokitansky die Diagnose
desselben nur durch das gleichzeitige Vorhandensein anderer
lebender Cysticercen sicher festgestellt werden können. Solche
Schwierigkeiten in der Diagnose werden allerdings eintreten,
so wie man keinen Werth auf das Mikroskop legt, mittelst
dessen man so leicht die unvergänglichen Häkchen des Ha-
kenkranzes eines längst abgestorbenen und zerfallenen Cy-
sticercus herausfindet. Einen Fall von Cysticercus cellulosae
im Gehirne erzählte Drewry Ottley1) in folgender Weise.
Eine 40 Jahre alte Frau klagte über Schwindel und dumpfes
betäubendes Gefühl im Kopfe, einige Monate nachher stellte
sich Erstarrung und Schwäche der rechten Hand und des
rechten Armes mit Geistesverwirrung ein. Diese Zufälle nah-
men allmälig zu, ein Jahr darauf gesellten sich Konvulsionen
mit Bewusstlosigkeit dazu, welche nach jedem Anfalle auf
einige Tage Geistesstunipfheit zurückliessen. Ein Jahr später
waren die Konvulsionen häufiger geworden und hatten die
Frau zuletzt getödtet. Auf der pia mater des grossen Gehirns
fand man eine Menge Cysten, und zwar auf der linken Seite
am zahlreichsten. Ihre Grösse variirte zwischen einer Erbse
und einem Pfefferkorne. Sie waren alle von der pia mater
aus in die graue Rindensubstanz eingedrückt, an keiner an-
deren Stelle des überall gesunden Gehirnes, weder in der
Marksubstanz, in dem Plexus chorioideus, noch in dem Ce-
rebellum und der Medulla oblongata wurden Cysten angetrof-
fen. Jede Cyste enthielt einen Cysticercus cellulosae mit ein-
gezogenem Kopfe und Halse.
Ueber das Vorkommen des Cysticercus cellulosae am Aug-
apfel des Menschen wurden mehrere neue Beispiele bekannt
gemacht. Ein älterer Fall, welcher von Estlin2) beobachtet
worden ist und in Deutschland nicht bekannt geworden zu
!) The medico-chirurgical transactions of London. Vol. 27. 1844.
p. 12, oder the Lancet. 1843. Decemb. p. 368, oder Oesterreich.
mediz. Wochenschrift. 1844. p. 1191.
2) Gazette medicale de Paris. 1840. p. 776, oder Rayer: Ar-
chives des med. comp. 1843. nr. 2 et 3. p. 125. Aus der London
medical Gazette.
Helminthologie wähn nd des Jahres 1813 und 1814. 23.3
sein scheint, ist folgender: ein 16 Monat alter Knabe wurde
wegen eines Augenübels nach Bristol gebracht, derselbe be-
sass am inneren rechten Augenwinkel unmittelbar über der
Thränenkarunkel eine halbdurchscheinende Geschwulst von der
Grösse einer Johannesbeere. Estlin öffnete die Geschwulst,
wodurch ausser einer zähen eiterartigen Flüssigkeit eine weisse
Hydatide zum Vorschein kam, welche sich unter dem Mikro-
skop als ein Cysticercus auswies. Nach der Erzählung von
Cunier1) war dem 16 Jahre alten Herzog von B. ein Nacht-
schmetterling gegen das rechte Auge geflogen, so dass ein
Fuss dieses Insekts unter den Augenlidern hervorgezogen wer-
den musste. Fünf Monate darauf stellte sich eine Augenent-
ziindung ein, wobei man einen kleinen Tumor auf der Con-
junctiva in der Nähe der Cornea bemerkte. Dieser hatte sich
nach einigen Monaten zu einer Hydatidengeschwulst ausgebil-
det. Als Cunier diese abgetragen hatte, zeigte es sich, dass
sie von einem Cysticercus cellulosae herrührte. Drei Fälle
von diesem Blasenwurme unter der Conjunctiva des lebenden
Menschen wurden von Sichel2) mitgetheilt. Im ersten Falle
besass ein Mädchen von sieben Jahren, welches niemals einen
Schlag, eine traumatische Verletzung am Auge oder dessen
Nachbarschaft erhalten hatte, im äusseren Theile der Conjun-
ctiva des linken Auges, zwei Linien vom Rande der Cornea
entfernt, einen runden Tumor, welcher von der gerötheten
Conjunctiva überzogen, mit einem dunkelrothen Hofe umgeben
war, und die Grösse von 2r} Linie im Durchmesser und die
Höhe von 1\ Linie hatte. Dieser Tumor, welchen Sichel
mittelst der Scheere entfernte, bildete eine sehr dickwandige
Cyste, in der ein Cysticercus cellulosae mit eingezogenem
Kopfe und Halse verborgen lag. In einem zweiten Falle
war ein 46 Jahre alter Gensdarme im inneren linken Augen-
winkel mit einem Tumor behaftet, der die Grösse einer Bohne
hatte, von der gerötheten Conjunctiva überzogen und zum
') Annales d'oculistique. Tom. VI. 1842. p. 271 , oder Rayer-
Archives de med. comp. a. a. O. p. 128, oder Froriep's Neue No-
tizen, or. 557. p. 104.
a) Journal de Chirurgie par Malgaigne. 1843. p. 401, oder Op-
pcnheim's Zeitschrift für d. ges. Mediz. Bd. 28. p. 570.
236 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Theil von der Caruncula lacrymalis bedeckt war. Der Soldat
hatte erst seit 15 Tagen diese Geschwulst an sich bemerkt,
nachdem vier Monate vorher ein fremder Körper in das Auge
gerathen war und eine Ophthalmie erregt hatte. Nach der
von Sichel vorgenommenen blutigen Operation zeigte sich
in der ebenfalls sehr dickwandigen Cyste derselbe Inhalt, wie
im ersten Falle. Der dritte Fall betraf ein 6|jähriges Mäd-
chen , auf dessen rechtem Auge die Mutter seit 15 Tagen eine
Geschwulst bemerkte, welche 1^ Linie vom inneren Rande
der Cornea entfernt war und unter dem oberen Augenlide
verborgen steckte. Die Conjunctiva war auch hier lokal ge-
röthet, und die Cyste dünne, indem aus ihr der Inhalt, wel-
cher nachher durch die Exstirpation entfernt wurde, als ein
weisser Fleck (der eingezogene Hals und Kopf des Blasen-
wurms) hindurchschimmerte, lieber einen Tumor mit Cysti-
cerus cellulosae unter der Conjunctiva am äusseren Augen-
winkel eines Jagdhundes berichtet ebenfalls C unier. !) Eine
traumatische Schädlichkeit war hier nicht vorhergegangen, nur
hatte C uni er etwa fünf Monate vorher dem Hunde den Eiter,
welchen er von einer Ophthalmia purulenta eines Soldaten
genommen hatte, unter die Augenlider geschoben, worauf eine
Blennorhoe entstanden, die mit einer Solution salpetersauren
Silbers unterdrückt worden war.
Ben dz2) untersuchte mehrere Individuen eines von Pro-
fessor Hausmann in Hannover unter der Haut eines wasser-
süchtigen Maulwurfs gefundenen Cysticercus, von denen die
grössten 2 — 3 Linien lang waren. Derselbe bemerkte auf dem
Boden der Schwanzblase mehrere kleine rundliche Hervorragun-
gen von verschiedener Grösse und von zelligem Gewebe, welche
durch Fäden mit der Blase zusammenhingen. Aus diesen Kör-
pern sollen sich nun, nach der Vermuthung von Ben dz,
neue Cysticercen entwickeln und später ablösen, so dass sich
also diese Blasenwürmer mittelst Sprossenbildung vermehren.
Derselbe geht noch weiter und nimmt an, dass sich auch Coen-
urus cerebralis durch Abschnürung kleinerer Blasen in ähn-
!) Annales d'oculistique. Tom. VI. p. 277, oder Rayer: Aichives
de med. comp. a. a. O. p. 130.
a) Isis. 1844. p. 813.
Helminthologie während des Jahres 1813 und 1844. 237
Hoher Weise vermehre atid dass vielleicht jene kleineren Coen-
urus- Blasen, welche neben einer grossen Coenurus- Blase
zuweilen im Gehirne eines Schafes angetroffen würden, durch
solche Sprossenbildung entstanden sein können.
Klencke1) hat die im Leibe von Cysticercus verbreite-
ten Glas- oder Kalkkörperchen, welche schon öfter als Eier
angesprochen worden sind, auf Treu und Glauben hin eben-
falls für Eier genommen und mit denselben in der That den
Cysticercus auf verschiedene Thiere übertragen, worüber man
sich eigentlich gar nicht wundern kann, da diesem Experi-
mentator schon so viel Unerhörtes gelungen ist; war es dem-
selben sogar auch möglich, die aus diesen vermeintlichen
Eiern hervorgeschlüpften jungen Cysticercen zu entdecken.
Höchst sonderbar klingt es, dass nach Klencke sich Coenu-
rus cerebralis nicht durch Eier, sondern nur durch Knospen
und Selbsttheilung fortpflanze, und doch enthält Coenurus ganz
dieselben Kalkkörperchen wie Cysticercus, Klencke muss
nicht an diese Kalkkörperchen des Coenurus gedacht haben,
ihre Entwicklung zu Blasen würmern zu beobachten wäre ihm
sonst gewiss ein Leichtes gewesen. Freilich bedurfte er zu
seinem Zwecke auch keine Eier, da ihm die Ueberpflanzung
des Coenurus cerebralis mittelst Fragmenten desselben, wrelche
mehrere oder einzelne Köpfe besassen und theils durch Ein-
spritzung und Einimpfung, theils durch Getränk verschiedenen
Haussieren, als Hunden, Kaninchen, Ziegen etc. beigebracht
wurden, vollständig gelungen sind. Pluskai2) schlägt für
den Namen Coenurus cerebralis die Bezeichnung Hydatis po-
lystomos meduüaris vor, weil der Drehwurm nicht bloss im
Gehirne der Schafe, sondern auch in der Medulla oblongata
und spinalis gefunden werde und überhaupt ein der Marksub-
stanz eigenthümliches Uebel sei, wo dieser Wurm, je nach
dem Sitze bald die Drehkrankheit, bald die Gnubber- oder
Traberkrankheit erzeuge. Diese drei verschiedenen Krankheits-
formen würden auch besser nach dem Sitze des Coenurus ge-
nannt, nämlich Hydrocephalus hydatideus, Hydrops hydatideus
medullae spinalis oder medullae oblongatae.
') Ueber die Contagiosität etc. p. 28 u. 101.
2) Oesterreich. medizin. Jahrbücher. 1844. Juli. p. 54.
238 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Von Rose1) ist der Coemirus auch zwischen den Len-
denmuskeln, sowie im Nacken und Rücken der Kaninchen
gefunden worden. In einem Falle beobachtete er eine grosse
Cyste unter der Fascia der Rücken- und Lendenmuskel, welche
aus 3 — 4 mit einander communicirenden Abtheilungen bestand.
Die grösste Abtheilung- dieser Cyste enthielt zwei grosse Hy-
datiden, ausserdem aber noch mehrere andere kleinere theils
freie, theils angeheftete Blasen; auf den grösseren ragten junge
in der Ausbildung begriffene Hydatiden nach aussen hervor.
Goodsir2) setzt die Entwickelung von Coemirus cere-
bralis auseinander, und beschreibt die im Halse der Coenurus-
köpfchen verborgenen Eier. An den beigefügten Abbildungen
dieser vermeintlichen Eier, an welchen Goodsir nicht bloss
Eihüllen, Dotterhüllen, Keimbläschen und Keimfleck, sondern
sogar auch die Durchfurchung des Dotters gesehen haben will,
erkennt jeder Unbefangene sogleich die scheibenförmigen Kalk-
körperehen. Dass derselbe den Weg nicht wahrnehmen konnte,
auf welchem diese Eier nach aussen gelangen , wird man ihm
gerne glauben. Nach B e 1 1 i n g h a m 3) kömmt sowohl Coenu-
rus cerebralis wie Echinococcus hominis auch in Irland vor.
Die Zahl dieser von Bell ingham zusammengestellten irischen
Helminthen wird übrigens durch Thompson4) noch um
sechs vermehrt.
lieber den Echinococcus sind in den letzten Jahren viele
Beobachtungen angestellt worden , wobei man die erfreuliche
Bemerkung machen kann , dass der zu mancherlei Missver-
ständnissen Veranlassung gebende Name Acephalocystis in
Frankreich der systematischen Bezeichnung Echinococcus zu
weichen anfängt. So macht May or 5) seine Landsleute darauf
aufmerksam, dass sie die von Laennec herrührende unge-
eignete Benennung Acephalocyste mit dem besseren Namen
*) London medical Gazette. 1844. Jul. p. 525, oder Froriep's
Neue Notizen, nr. 723. p. 303.
2) Transactions of the royal society of Edinburgh. Vol. 15. 1844.
p. 561.
3) Annais a. a. O. Vol. 14. p. 401.
4) Ebenda. Vol. 14. p. 439. Additions of the Fauna of Ireland.
5) Archives generales. 1843. Juill. p. 320, oder Gazette medi-
rale. 1843. p. 821.
Helminthologie während des Jahres 1813 und 1814. 239
Echinococcus vertauschen sollen. Fr beschreibt die Brut die-
ses Blasenwurms ganz richtig!; die Bläschen, welche die Brut
in sich entwickeln und welche aus der inneren Fläche der
Mutterblase hervorsprossen, bezeichnet er mit dem Namen
Capsules de l'Echinocoque, um sie von der eigentli-
chen Mutterblase, welche er Ilydatide nennt, zu unterschei-
den. Der zarte innere Hautüberzug, aus welchem die Cap-
sules de l'Echinocoque hervorwachsen, wird von ihm Mem-
brane capsulaire genannt. Er behauptet sehr richtig, dass
in einer Cyste Hydatiden (Echinococcus -Blasen) vorkommen
können, von welchen einige sehr viele Capsules de l'Echino-
coque, andere nur sehr wenige enthalten, und endlich solche,
welche keine Spur derselben besitzen.
Eine recht gute .Monographie wurde von Livois1) ge-
liefert, welcher den Unterschied zwischen der serösen Cyste
und dem Echinococcus ganz deutlich auseinandersetzt. Der-
selbe hat Gelegenheit gehabt, sehr viele sogenannte Acepha-
locysten zu untersuchen , und will in keiner derselben die
kleinen Echinococcen vermisst haben, er halt übrigens die
bekannten, schon oft besprochenen Kalkkörperchen im Inne-
ren der Brut für Eier oder Keime, und kann ausserdem keinen
Unterschied zwischen Echinococcus hominis und dem Echino-
coccus der übrigen Thiere herausfinden.
In einer von Thiel2) geschriebenen Dissertation ist die
durch Scherer angestellte chemische Analyse der Membranen
der Echinocossus- Blasen von Interesse. Die Membranen be-
standen aus Albumin, ihr flüssiger Inhalt aus Wasser mit Sal-
zen ohne Spur einer albuminösen Substanz; 1000 Theile der
ganzen Masse hinterliessen eingetrocknet 26,79 festen Rück-
stand, und verbrannt 4,57 anorganische Salze, welche aus
schwefelsaurem, phosphorsaurem und kohlensaurem Natron,
Chlornatrium und phosphorsaurem Kalk bestand. Es waren
also in diesem festen Rückstande 22,22 Proteinsubstanz und
4,57 Salze enthalten. Die von Thiel herrührenden Bemer-
1) Livois: recherches sur les Echinocoques chez l'homme et chez
les animaux. 1843. Paris. Vgl. the british and foreign medical re-
view. nr. 33. 1844. p. 194.
2) Thiel: über den Echinococcus. Dissert. Würzb. 1844.
240 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
klingen über Echinococcus sind ohne Werth; die vier Saug-
näpfe werden für eben so viele Mundöffnungen der jungen
Echinococcen gehalten, diese sollen nach Abwerfung des Haken-
kranzes und der Saugnäpfe in Acephalocysten übergehen, was
Thiel indessen nicht direkt beobachtet hat. Da bei Rindern
und Schafen durch feuchte Orte und ungünstige Witterung die
Entstehung von Hydatiden in Lungen und Leber sehr beför-
dert wird, so soll nach Thiel beim Menschen ungünstige en-
demische und epidemische Verhältnisse, vielleicht Äuit schlechter
dürftiger Nahrung verbunden, flicht ohne Einfluss auf die Ent-
stehung des Echinococcus sein können. Derselbe führt einen
im Juliushospitale zu Würzburg beobachteten Fall an, wo ein
Soldat, der unter sehr ungünstigen Verhältnissen in Griechen-
land gedient hatte, mit Echinococcus in Leber und Milz be-
haftet war. In einer anderen Dissertation stellt Mielay ')
die älteren Ansichten über Entstehung und Fortpflanzung der
Blasenwürmer zusammen, ohne mit den auf diesen Gegenstand
sich beziehenden neuesten Untersuchungen bekannt zu sein.
Von den karakteristischen Häkchen des Hakenkranzes der
Echinococcus- Brut, so wie von dem blätterigen Baue der
Echinococcus -Blasen hat Ref. eine Zeichnung geliefert.2) Aus
Lebert's3) Beschreibung des Echinococcus hominis erfahren
wir das bereits Bekannte. Neu ist seine Beobachtung von
Flimmerbewegung, welche er im Innern der noch lebenden
und sich bewegenden Thiere wahrgenommen haben will. Un-
ter sich bewegenden Thieren kann Lebert doch nur
die Brut des Echinococcus verstanden haben. Es wäre zu
wünschen gewesen, dass Lebert noch genauer angegeben
hätte, wo er hier die Flimmerorgane gesehen, dem Ref. we-
nigstens ist es nicht ganz klar geworden, an welcher Stelle
jener Thiere Flimmerorgane vorkommen sollen. Von Owen4)
ist die Beziehung, in welcher die Echinococcus -Brut zu der
Mutterblase steht, noch immer nicht erkannt worden. Der-
■) Alex. Mielay: de hydatidibus et cysticis. Pars prior. Dissert.
Berolin. 1844.
2) Vogel's Icones histologiae pathologicae. Tab. XII. Fig. XI.
3) Müller's Archiv. 1844. p. 217.
4) Lectures on the comparative anatomy a. a. O. p. 44.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 241
selbe betrachtet die Mutterblasen als eine besondere Gattung
von Blasenwürmern, von welcher die zwei Arten Acephalo-
cystis socialis und Eremita oder endogena und exogena unter-
schieden werden. .Bei der ersteren Art entwickeln sich auf
der inneren Flache der Mutterblase durch Sprossenbildung
Tochterblasen, bei der letzteren dagegen auf der äusseren
Fläche. Diese letztere Vermehrungsart der Acephalocystis
Eremita, welche besonders im Rind und in anderen Haus-
thieren vorkommen soll, hat Ref. niemals beobachtet. Owen
vergleicht übrigens die Mutterblase seiner Acephalocysten mit
einer gigantischen organischen Zelle, in welcher zuweilen an-
dere mit Saugnäpfen und einem Hakenkranze versehene Thiere,
sogenannte Echinococci, ihren Wohnsitz aufschlagen. Owen
ahndet hier also nicht, dass diese letzteren die Brut der Ace-
phalocysten sind. Derselbe vergleicht die Echinococcen aus-
serdem mit polygastrischen Infusorien, indem ihn der einge-
zogene Hakenkranz an den Zahnapparat der Nassula, die
hellen Körper (Kalkkörperchen) im Parenchyme der Thiere
an die Mägen der Polygastrica erinnern, ja, er will sogar
einmal die kleinen Echinococcen in der Mutterblase nach Art
der Infusorien wahrscheinlich mittelst eines Flimmerapparats
sich bewegen gesehen haben , was gewiss nur Täuschung ge-
wesen ist, daher auch Owen später an den Echinococcen
eines Moschusthiers vergebens nach einem solchen Flimmer-
epitlfelium suchte.
Nach Rokitansky1), welcher übrigens noch von Ace-
phalocysten spricht, finden sich Echinococcus hominis in den
Muskeln und im Herzfleisch sehr selten vor. Derselbe hat in
letzterer Beziehung nur erst zwei Fälle beobachtet. Nämlich
bei einer 23jährigen Magd , welche plötzlich gestorben war,
sass im Septum ventriculorum ein mehr als Hühnerei grosser,
fibro- seröser zartwandiger Balg, welcher geborsten war und
dessen ebenso grosser Acephalocyst sich in den Conus arte-
riosus und in die Lungenarterie hineingedrängt hatte; auch die
Leber war von einem Kindskopf grossen und zwei kleineren
Acephalocysten besetzt gewesen. In dem zweiten Falle hatte
l) Handbuch der pathologischen Anatomie. Bd. 11. pag. 364
und pag. 465.
Archiv f. Naturgesch. AI. Jahrg. 2. Bd. Q
242 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
im hintersten und obersten Theile der Scheidewand der Herzr
kammern eines plötzlich verstorbenen 35 Jahre alten Soldaten
ein runder Sack von der Grösse eines Enteneies gesessen, in
dessen Innerem ausser einer breiigen braunen Flüssigkeit, un-
termischt mit krümlichem und zottigem Faserstoffgerinsel sich
gallertartig erweichte Trümmer von Acephalocysten eingeschlos-
sen befanden. Auch von Alessandrin il) war in den Wan-
dungen der rechten Herzkammer eines Rindes ein Echinococ-
cus veterinorum mit jungen Thierchen angetroffen worden.
Von Nicolai2) werden zwei Fälle von Hydatiden der Leber
und Beckenhöhle beschrieben, welche gewiss nichts anders als
Echinococcus hominis gewesen sind. Ein anderer Fall von
Hydatiden -Bildung in den Lungen, welchen ßouvier3) mit-
getheilt hat, wird ebenfalls hieher gehören. In dem von
Dickson4) erzählten Falle, in welchem der halbknorpeligte,
mit melicerisartiger Substanz gefüllte Sack in der Leber eines
25 Jahre alten Menschen Hydatiden von der Grösse eines
Nadelknopfs bis zu der eines Eies und mehrere andere ein-
geschachtelte Hydatiden enthalten hatte, ist eine Kolonie des
Echinococcus hominis nicht zu verkennen. Nachdem Wil-
son5) einen Fall von Echinococcus hominis in der Leber
beobachtet hatte, wobei ihm höchst wahrscheinlich die Stränge
am Hinterleibsende der jungen Echinococcen aufgefallen wa-
ren, durch welche diese mit den Echinococcus -Kapseln zu-
sammenhängen, schlägt derselbe vor, diese Thiere als* eine
besondere Blasenwurmart Cysticercus pedunculatus zu nennen,
was gewiss niemand befolgen wird. Demarquay 6) beschrieb
eine Hydatiden -Geschwulst, welche bei einem 45jährigen Manne
in der linken Leistengegend grosse Schmerzen erregte, und
nach einem gemachten Einschnitte viele Blasen von der Grösse
') Isis. 1843. p. 628.
2) Medizinische Zeitung. Herausgegeb. v. d. Verein f. Heilk. in
Preussen. 1843. p. 107.
3) Bulletin de l'Academie royale de Medecine. 1843. T. 8. p. 1244,
oder Oesterreich. Wochenschrift. 1843. nr. 49. p. 1360.
4) Schmidt's Jahrbücher. Bd. 39. 1843. p. 294.
5) Dublin medical press. nr. 309. Dec. 1844. p. 361.
6) Gazette medicale de Paris. 1844. nr. 19. p. 308, od. Oesterreich.
med. Wochenschrift. 1844. nr. 29. p. 801.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 243
eines Hanfkorns bis zu der eines Taubeneies entleerte. Es
war dies eine Echinococcus -Kolonie, welche sich, wie dies
die Leichenöffnung des nach fünf Wochen wahrscheinlich we-
gen profuser Eiterung Verstorbenen auswies, zwischen Psoas
und Darnibeinmuskel eingenistet hatte. In dem von Stan-
ley1) beobachteten Falle zeigte sich auf dem Vorderarm und
über der Brust einer jungen gesunden Frauensperson ein be-
weglicher Tumor, beide Tumoren wurden für Abscesse ge-
halten und mit der Lanzette geöffnet. Aus dem am Arme ent-
leerte sich eine dicke Eitermasse, aus dem anderen quoll neben
dem Eiter eine Blase hervor, welche Echinococcus -Brut ent-
hielt, und deutlich in einer Cyste eingeschlossen war. Rose2)
theilte drei Fälle von Echinococcus hominis mit, in welchen
Hydatiden aus einem Abscesse der Leber entfernt wurden,
ferner hunderte von Blasen unter Haemoptysis ausgehustet
wurden, und im dritten Falle nicht bloss Hydatiden durch die
Lungen nach oben , sondern zugleich auch durch den Darm-
kanal nach unten abgingen. Derselbe Beobachter fand in den
Lungen eines Affen, welcher lange Zeit an Husten und Dys
pnoe gelitten hatte, eine grosse Kolonie von Acephalocysten.
Es enthielten nämlich die Lungen sieben ansehnliche mit Hy-
datiden gefüllte Cysten, auch die Leber, das Omentum und
Mesenterium waren mit ähnlichen Cysten behaftet, in welchen
ebenfalls mehrere Hydatiden von verschiedener Grösse einge-
schlossen waren , nur wenige Hydatiden waren vereinzelt in
Cysten oder frei in der Unterleibsgegend enthalten. Rose
konnte von der inneren Fläche dieser Hydatiden eine zarte
Schicht abtrennen, welche mit sphärischen, einen Kern ent-
haltenden Körperchen besetzt war. Verschiedene Krankheits-
fälle mit Hydatiden in der Leber, in den Lungen und im Ge-
hirne, welche von Rayer,3) Griffith,4) Sturton5) und
anderen6) mitgetheilt worden sind, werden dem Echinococcus
') London medical Gazette. 1844. Oct. p. 101.
2) Ebenda. 1844. Jul. p. 525.
3) Gazette des hopitaux. T. 5. 1843. p. 581.
4) Medical Gazette. 1844. Aug. p. 585.
5) The Lancet. 1841. Jan, oder Schmidt's Jahrbücher 1842-
Bd. 35. p. 284.
6) Provincial medical Journal, nr. 171. Jan. 1844. p. 275.
Q*
244 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
hominis zugeschrieben werden müssen. In zwei Fällen von
Hydatiden-Bildungen innerhalb der Bauchhöhle, welche Gaird-
ner und Lee beobachtet haben, wurden die pathologischen
Gebilde von Goodsir1) mikroskopisch untersucht und be-
schrieben. Derselbe glaubte, dass diese Gebilde von zwei
neuen Arten Blasenwürmern herrührten, welche er Disco-
stoma Acephalocy stis und Astoma Acephalocystis
nannte. Aus der Beschreibung und Abbildung des ersteren
Blasenwurms konnte sich Ref. von diesem Parasiten durchaus
keinen Begriff machen. Am unverständlichsten war dem Ref.
dasjenige, was Goodsir über die von zahlreichen Röhren
durchzogenen Membranen sagt, welche die Wandungen der
blasenförmigen Körper dieser Discostomen bilden sollen. Es
scheint, als wenn das Ganze doch nur eine grosse abgestor-
bene Echinococcen- Kolonie gewesen ist, wenigstens spricht
die Menge der Blasen, ihre verschiedene Grösse und Inein-
anderschachtelung, so wie die durch Zusammendrückung ent-
standene unregelmässige Gestalt und Zerreissung derselben
dafür. Sehr häufig verwandelt sich der flüssige Inhalt der
Echinococcus -Blasen, nachdem diese geborsten sind, sammt
den zerrissenen und in der Auflösung begriffenen Häuten der-
selben in eine gallertige Masse, welche wie ein Gelee -Ueber-
guss die übrigen noch unverletzten Echinococcus -Blasen um-
hüllt. Fn obigem Falle mag etwas ähnliches Statt gefunden
haben, daher die Masse, in welcher die blasenförmigen Kör-
per eingesenkt lagen , nach Entfernung der letzteren ein honig-
wabenartiges Ansehen zeigten. Goodsir scheint nicht darauf
geachtet zu^ haben , ob sich in den gallertartigen Massen die
eigentümlich geformten Häkchen des Hakenkranzes der jun-
gen Blasenwürmer vorgefunden haben oder nicht, diese hät-
ten, im Falle nur ein Paar gefunden worden wären, sogleich
Licht auf das ganze Wesen dieses Parasiten werfen können.
*) The Edinburgh medical and surgical Journal. 1844. Octob.
p. 269. Cases and observations illustrating the history and patholo-
gical relations of two kinds of hydatids, hitherto undescribed. By
Gairdncr and Lee with microscopical observations by Goodsir. Vgl.
auch das Archiv für physiologische und pathologische Chemie und
Microscopie. 1841 Heft 3. p. 231.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 245
Dass die ganze Masse von keiner Cyste umhüllt gewesen,
spricht nicht gegen Echinococcus, da in seltenen Fällen aller-
dings auch Echinococcen uneingekapselt vorkommen. Bei dem
zweiten Falle ist gewiss auch eine Echinococcus -Kolonie da-
gewesen, wie dies aus den ineinander geschachtelten Blasen
der verschiedensten Grösse und aus den an der inneren Fläche
derselben hervorsprossenden Brut hervorgeht. Goodsir hätte
aber die Eier, welche er zwischen den Membranen der Bla-
senkörper gesehen haben will , näher beschreiben sollen ; eben
so wenig wagt Ref. über die Filarien ein Urtheil zu fällen,
welche Goodsir in der gallertigen Umgebung der Blasen-
körper angetroffen haben will. In der Abbildung erkennt man
wenigstens keinen Fadenwurm; schwarz ist der mittlere kör-
nige Theil dieser von Goodsir für Filarien erklärten faden-
förmigen Körper wohl nicht gewesen, derselbe war höchst
wahrscheinlich farblos, und wurde bei durchfallendem Lichte
unter dem Mikroskope schwarz gesehen, während derselbe
Gegenstand bei auffallendem Lichte eine kreideweisse Farbe
gehabt haben würde. Es werden überhaupt bei den Angaben
der Farben mikroskopischer Objekte von den Naturforschern
die Verhältnisse, unter welchen sie die Objekte betrachtet,
namentlich ob bei durch- oder bei auffallendem Lichte noch viel
zu wenig beachtet. Goodsir1) spricht sich ausserdem noch
über in Cysten wohnende Entozoen aus und bemerkt ganz
richtig, dass eine Cyste, deren innere Fläche für ihre Schma-
rotzer Nahrungsflüssigkeit absondert, mit der Zeit eine zu zähe
dicke Masse erzeuge, in welcher die Bewohner getödtet und
begraben würden. Dass aber Goodsir über Echinococcus
hominis noch keinen ganz klaren Begriff hat, ersieht man aus
den drei Arten Blasenwürmern, welche er unter dem Namen
Acephalocystis simplex , Monroi und armatus aufstellt. Die
erste Art soll nur wenige junge Bläschen enthalten , bei der
zweiten Art soll die Mutterblase (germinal membrane) durch
ein fibröses Gewebe in viele Abtheilungen geschieden sein,
welche mit eine oder mehrere junge Hydatiden enthaltenden
*) Report of the fourteenth Meeting of the british association
for the advancement of science; held at York 1844. London. 1845,
Notices. p. 67.
246 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Blasen gefüllt sind. In der Mutterblase der letzten Art ent-
wickeln sich kleine und durchsichtige Blasen, welche nach
und nach durch die in ihrem Inneren entstehenden Jungen
undurchsichtig werden. Von Echinococcus erfahren wir durch
Klencke1) wieder die unglaublichsten Dinge, wobei man
sich zugleich wundern muss, wie nur Klencke zu den aus-
serordentlich vielen Erfahrungen über Echinococcus hominis
gekommen ist. Die käsige Masse, welche sich häufig in dem
wässerigen Inhalte der Acephalocysten vorfindet, erklärt
Klencke für den Eierstock dieser Blasenwürmer, an deren
Wandungen derselbe auch Mundöffnungen und Darmröhren
wahrgenommen hat. In der Echinococcus -Brut sollen Eier
enthalten sein, welche Klencke oft in Klumpen an den
Hakenkränzen hat hängen sehen. Um solche Eierklumpen
sollen sich Cysten bilden, woraus Acephalocysten entstehen,
so dass mithin diese Blasen nichts anderes als enkystirte Ova-
rien von Echinococcus seien. Derselbe hat im menschlichen
Blute sowohl, wie in der Milch von Kühen die Eier von
Echinococcus aufgefunden. Die Versuche der Ueberpflanzung
des Echinococcus auf andere Thiere , wobei diese vermeint-
lichen Eier und Eierstöcke theils injicirt, theils eingeimpft
wurden, gelangen der so überaus glücklichen Hand Klencke 's
wieder vollständig. Hoffentlich wird Klencke von diesen
Untersuchungen, welche er in kurzer Zeit so vollständig er-
schöpft hat, und mit deren Resultaten er unserem gegenwär-
tigen möglichen Wissen so ausserordentlich weit vorangeeilt
ist, abstehen und von einem Felde abtreten, das von anderen
Naturforschern mit Ruhm und Vorsicht nur langsam, aber um
so nachhaltiger kultivirt wird.
Helmint lies dubii.
Von Scortegagna2) wurde ein Fall mitgetheilt, in wel-
chem durch Chabert's Oel zwei neue Würmer abgetrieben
') Ueber die Contagiosität der Eingeweidewürmer, p. 14. 83 u. d. f.
Vgl. auch Klencke's vorläufige Mittheilungen über meine Versuche
zur Erfahrung der Hydatiden als Contagium animatum, in Haeser's
Archiv. 1843. p. 226.
2) Omodei Annali. 1844. Nov. p. 301.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 247
wurden, welche er Lumbricus rostralus und Filaria
policotoma genannt, aber nicht näher beschrieben hat.
Beim1) fand bei der Chelonia Midas die äussere Fläche
der Blutgefässe von kleineren und grösseren, aus einer dich-
ten Kapsel gebildeten Geschwülsten bedeckt, deren Inhalt als
eine schwarze Substanz (bei auf- oder durchfallendem Lichte?),
unter dem Mikroskope aber als sichtbare Würmer sich auswies.
Erdl2) hat jene beweglichen Fäden in den Venenanhän-
gen der Cephalopoden beschrieben und abgebildet , aufweiche
schon Krohn (in Froriep's Neuen Notizen. 1839. nr. 214.
]>. 214) vor einigen Jahren aufmerksam gemacht hatte. Sie
bilden längliche darmartige Schläuche , welche sich winden,
verlängern und verkürzen, und sich in einen Bogen oder
Ring umbeugen, wobei sich dieselben schnell mittelst der Jan-
gen Flimmerhaare, von welchen ihre ganze Körperoberfläche
bedeckt ist, im Kreise drehen. Man kann an ihnen ein brei-
teres Kopfende unterscheiden, an welchem nach Erdl eine
Mundöffnung angebracht sein soll, Ref. konnte immer nur eine
grubenartige Vertiefung dort wahrnehmen, wodurch diese We-
sen ihr Kopfende wie eine Saugscheibe zu benutzen im Stande
waren. Im Innern derselben lagen kugelige Körper von ver-
schiedener Entwickelung hinter einander, welche sich bei vor-
geschrittener Entwickelung mittelst eines Flimmerepitheliums
infusorienartig bewegten. Ref. möchte diese sonderbaren We-
sen mit ihrem infusorienartigen Inhalte für die schlauchartigen
Larven eines dem Generationswechsel unterworfenen Thieres
halten. Derselbe kann dabei nicht umhin, auf die Aehnlich-
keit dieses infusorienartigen Inhalts mit den räthselhaften, von
J o h. Müller beschriebenen ungeschwänzten Psorospermen
(in Müllers Archiv. 1841. Taf. XII, Fig. 3. a. g. und Fig. 9. a.)
aufmerksam zu machen.
Orsted3) spricht von leucophrysartigen Eingeweidewür-
mern, welche er bei den Rhabdocoelen angetroffen hat, ohne
') Amtl. Bericht über die 22te Versamml. der Naturf. u. Aerzte
in Bremen. 1844. Abth. II. p. 113.
2) Dieses Archiv. 1843. Bd. I. p. 162.
3) Orsted: Entwurf einer System. Eintheil. und speciel. Beschrei-
bung der Plattwürmer, p. 14.
248 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
sie näher zu beschreiben, wahrscheinlich sind die Opalinen
damit gemeint, welche Ref. im Darmkanal der Planarien oft
gesehen hat.
Goodfellow1) bemerkte im Blute und in dem ausge-
brochenen Mageninhalte eines Typhuskranken Myriaden sehr
lebhafter beweglicher Thierchen von 5-^00 bis -30W Linie Länge,
an welchen Kopf- und Schwanzende nicht zu unterscheiden
war. Dieselben Körperchen erkannte er auch im blutigen
Exsudate der Mund - und Nasenschleimhaut , so wie 48 Stun-
den nach dem Tode in der Aorta, Carotis, Vena cava und
in der Magenflüssigkeit. Es sind diese Wesen gewiss nichts
anderes als die in allen faulenden und gährenden Flüssigkei-
ten in so zahlloser Menge vorkommenden Vibrionen, wie sie
stets in dem zwischen den Zahnwurzeln sich ansammelnden
Mundschleime anzutreffen sind.
Hamm er Schmidt 2) will im Harne der Schlangen neue
Entozoen gefunden haben, welche in ihren Bewegungen für
Spermatozoiden gehalten werden können, in Gestalt und Grösse
aber sich an Bodo und an die Schwanzmonaden anschlies-
sen. Ihr oval - lanzettförmiger Körper besitzt einen sehr dünnen
fadenförmigen Rüssel und einen dickeren kürzeren Schwanz.
Nach Gruby's und Delafond's3) Beobachtung kom-
men bei den wiederkäuenden Thieren während der Verdauungs-
zeit im Pansen und Netze vier Arten von lebenden Thierchen
vor, das Pferd soll während dieser Zeit im Coecum und Co-
lon sogar sieben Arten dieser Thierchen enthalten, während im
Magen des Hundes nur zwei Arten, im Magen vom Schweine
nur eine Art Monaden gefunden werde, was mit der Verdauung
der verschiedenen vegetabilischen und animalischen Nahrungs-
stoffe in einem engen Zusammenhange stehen soll.
Klencke4) hat im Blute derjenigen Menschen, welche
häufig an Schwindel litten , kleine schlangen - und fischähnliche
*) The Lancet. 1844. Octob. p. 45, oder the London medical
Gazette. 1844. Aug. p. 724.
2) Archiv für physiologische und pathologische Chemie und Mi-
croscopie. 1844. p. 83.
3) Comptes rendus. 1843. Tom. 13. p. 1304, oder Institut. 1843.
p. 426, oder Froriep's Neue Notizen. 1843. nr. 609. p. 233.
4) Neue physiologische Abhandlungen. 1843. p. 165. Fig. 25.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 249
Thierchen von verschiedener Grösse beobachtet, welche sich
sehr lebhaft bewegten, theils schlängelnd schwammen, theils,
wenn sie grösser waren, raupenartig fortkrochen. Aus dieser
Beschreibung wird man sich kein Bild von diesen Wesen
machen können; die kleinsten Exemplare hatten die Länge
des Drittheils eines Blutscheibchens, die grössten übertrafen
den Durchmesser eines Blutscheibchens um das Dreifache.
Ein Tröpfchen Wasser tödtete sie schnell. Kurz vor den
Schwindelanfällen waren sie lebhafter, kurz nachher matter.
War der Schwindel acht bis vierzehn Tage ausgeblieben, konnte
von Klencke keine Spur mehr von diesen infusorienartigen
Entozoen aufgefunden werden. Bei sehr heftigem Schwindel
waren die grösseren Thierchen vorherrschend. Klencke hat
übrigens, während er mehrere Monate an plötzlichen Schwin-
delanfällen gelitten, in seinem eigenen Blute diese Haemato-
zoen zuerst entdeckt. Vergleicht man die von Klencke ge-
lieferte Abbildung dieser Wesen mit den Vibrionen,1) welche
sich in allen faulenden thierischen Flüssigkeiten, in faulendem
Blute, in faulemdem Eiweiss etc. in ungeheurer Menge ent-
wickeln und in faulenden Geschwüren fast nie fehlen , so wird
man sich überzeugen, dass Klencke's Haematozoen eben-
falls solche Vibrionen gewesen sind. Aehnlich verhält es sich
wahrscheinlich mit den von Brunetta 2) in den Beulen eines
Syphilitischen gefundenen Würmern.
Ein schon früher bekannt gewesenes Haematozoon ist in
der letzten Zeit von mehreren Naturforschern als Gegenstand
ihrer Untersuchungen behandelt worden. Seine einfache Or-
ganisation lässt sich mit einer Zelle vergleichen , das ganze
Wesen müsste demnach, wenn es wirklich ein selbstständiges
Thier ist, zu den Infusorien gerechnet werden. Sein Körper
ist kontraktil und auf der einen Seite mit einem lebhaft schwin-
genden Flimmerlappen versehen. Gruby3) nannte dieses
*) Vgl. Vogel: icones histologiae pathologicae. Tab. XI. Fig. X.
2) Vgl. die Nachrichten über den Gelehrtencongress zu Lucca,
mediz. Section. Allgem. Augsburger Zeitung vom 14. Octob. 1843.
Beilage, p. 2247.
3) Comptes rendus. 1843. p. 1134, oder Annales des sciences
nat. 1844. Tom. I. p. 104. PI. 1. B., oder Froriep's Neue Notizen,
nr. 604. 1843. p. 152.
250 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Haematozoon, welches er im Blute der erwachsenen Frösche
gefunden, Trypanosoma sanguinis. Er beschreibt das
Thier als einen länglichen platten Körper, der an beiden En-
den fadenförmig ausläuft, an dem einen Seitenrande ausgezackt
ist und sich um seine Längsaxe dreht. Der eine Seitenrand
erscheint aber nur durch optische Täuschung während der
Bewegungen des seitlich angebrachten Flimmersaumes zackig.
Mayer1) sah im Blute des grünen Grasfrosches zwei ver-
schiedene Thierchen lebhaft herumschwimmen , von welchen
das eine {Paramaecium loricatum oder costatum May.)
eiförmig, schräge gestreift und vorne mit Cilien besetzt ge-
wesen sein soll, während das andere (A?noeba rotatoiia
May.) einen langgestreckten , sehr veränderlichen und mit einem
seitlichen räderartigen Flimmerapparate besetzten Körper be-
sessen hatte. Beide Formen gehören gewiss zu dem von
Gruby beschriebenen Trypanosoma, wohin höchst wahr-
scheinlich auch das von Hyrtl2) im Seitenkanale einer Fo-
relle gefundene Entozoon, welches mit dem von Valentin
im Blute dieses Fisches entdeckten Wurme übereinstimmte,
zu rechnen sein dürfte.
Will3) konnte in den Höhlen der Mägen, der Athem-
röhren und der Geschlechtsorgane von Diphyes Kochii , welche
unter einander in Verbindung stehen, fast immer längliche,
an beiden Enden zugespitzte Entozoen wahrnehmen , welche
äusserlich glatt und etwas platt waren, und zwischen der
Grösse von -^ bis ^T Lin. schwankten. Sie schlängelten sich
sehr lebhaft, schwammen besonders in der Athemhöhle mit
grosser Leichtigkeit herum und hingen sich auch mit dem
einen knopfförmigen Ende ihres Körpers an, wobei sie den
freien Theil schlängelnd bewegten. Von innerer Struktur war
nichts zu erkennen. Aehnliche bewegliche Körperchen zeigten
sich auch in Ersaea pyramidalis , truncata und elongata. Soll-
ten diese Wesen nicht etwa Spermatozoiden gewesen sein?
') Mayer: de organo electrico et de haematozois. 1843. p. 10.
Tab. III. Fig. 10. 11.
°-) Müller's Archiv. 1843. p. 238.
3) Will: Horae tergestinae. 1844. p. 78 und 81.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 251
Pseudohelminthes.
Die in Jen niederen Crustaceen und Cirripedien sich ent-
wickelnden haarförmigen Spermatozoiden wurden von Good-
sir1) unbegreiflicher Weise für Filarien erklärt. Berres*)
ist noch weiter gegangen und hat die sämmtlichen Spermato-
zoiden überhaupt für Thiere erklärt. Derselbe will bei den
menschlichen Spermatozoiden im Innern ihres Körpers eine
granulöse verschiedenartig gruppirte Masse gesehen haben,
welche bei manchen Individuen eine Art von Fluktuation, wie
man diese bei der peri- und antiperistaltischen Bewegung der
Verdauungswerkzeuge der Infusorien beobachten kann , an
sich wahrnehmen lassen. Bei einigen glaubte B er res in der
Achse des Körpers ein cylindrisches Gebilde, eine mit farbi-
gem Stoffe gefüllte Röhre bemerkt zu haben, welche sich bis
zu dem Schwanzende fortsetzte. Bei den meisten Spermato-
zoiden war ihm aber in der Gegend des Schwanzes im In-
nern des Körpers ein lichtes rundes Bläschen, vielleicht ein
Magen oder Eierstock (?), aufgefallen, woraus Berres den
Schluss zieht, dass die Spermazoiden des Menschen mannig-
faltig organisirte Thiere seien. Derselbe sah sogar auch den
Körper dieser Spermatozoiden durch Einschnürungen verschie-
dene Gestalten annehmen.
Das von Mayer3) unter dem Namen Acanthosoma
Chrysalis beschriebene neue Entozoon, welches auf der äus-
seren Oberfläche des Magens und zwischen den Platten des
Omentums der Rana esculenta angetroffen wurde, muss Ref.
als einen Pseudohelminthen zurückweisen. Die mit jenem Na-
men belegten Würmchen hatten eine bräunliche Farbe, waren
1\ Lin. lang, besassen zwölf mit Stacheln besetzte Gürtel
und an dem einen Leibesende ein doppelhakiges Horngebilde,
welches Mayer für den Penis halten möchte. Ref. erkennt
in diesen Würmchen nichts anderes als die Larven einer le-
') Froriep's Neue Notizen, nr. 627. 1844. p. 163.
2) Oesterreich. mediz. Jahrbücher. 1843. p. 141.
3) Medizinisches Correspondenzblatt rheinischer und westphäli-
scher Aerzte. 1844. nr. 5. p. 73, oder Müller's Archiv. 1844. p. 409
Taf.X. Fig. 5— 8, oder Froriep's Neue Notizen, nr. 635. 1844. p.296.
252 v- Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
bendig- gebärenden Tacliina, welche wahrscheinlich von dem
Frosche verzehrt worden war. Die aus der verschluckten
Fliege alsdann hervorgekrochene Brut hatte sich instinktmässig
durch die Häute des Froschmagens gebohrt und war so zwi-
schen die Platten des Peritonaeums gerathen , da diese Larven
sich ebenfalls, bei dem Mangel einer Legeröhre ihrer Mütter,
durch die Körperhaut der Raupen hindurcharbeiten müs-
sen, wobei ihnen die nach hinten gerichteten Häkchen der
Leibesgürtel und die hornigen spitzen Kiefer, welche Mayer
für einen Penis nehmen wollte, sehr zu Statten kommen.
Von Hampeis1) wird ein Fall erzählt, in weichemeine
Anzahl Würmer sich innerhalb der kariösen Kniegelenkhöhle
eines Soldaten bewegten. Harn p eis wusste nicht, was er
aus diesen Würmern machen sollte, da ihre Gestalt auf kei-
nen der bekannten Eingeweidewürmer passen wollte. Aus der
von ihm gegebenen Beschreibung der problematischen Wür-
mer lässt sich aber leicht errathen, dass es nichts anders als
Fliegenmaden gewesen sind. Verschiedene ältere und neuere
Fälle, in welchen sich Insekten, Insektenlarven und andere
Thiere als Pseudoparasiten in den menschlichen Körper ver-
irrt haben, sind von Hager2) und Tiedemann3) gesam-
melt worden.
Ein von Green4) mitgetheilter Fall kommt dem Ref.
höchst sonderbar vor. Eine Dame nahm ein Schwefelbad,
und war nachher mit hunderten von kleinen Würmern be-
deckt, welche beim Ankleiden zur Erde fielen, indem sie von
der Haut zwölf bis zwanzig Zoll weit sich fortschnellten. Sie
waren mehr als ^ bis 1 Zoll lang, von blassrother Farbe,
die grösseren Individuen besassen einen schwarzen , die klei-
neren einen braunen Kopf, verschrumpft und vertrocknet gli-
chen sie kurzen schwarzen Haaren. Die Dame will dies Uebel
schon zwei Jahre lang gehabt und dadurch erhalten haben,
*) Oesterreichische medizinische Wochenschrift. 1844. p. 729.
2) Die fremden Körper im Menschen. 1844.
3) Von lebenden Würmern und Insekten in den Geruchsorganen
des Menschen. 1844.
4) Rare case of filamentous or entozoon worms, in the Lancet.
1842-1843. Vol. II. nr. 9. p. 294.
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 253
dass sie während eines Sommers einmal in der Nähe eines
stehenden Wassers auf der Erde geschlummert habe und, als
sie erwacht, ihr Mnnd mit sehr kleinen Würmern angefüllt
gewesen sei.
Nachtrag.
Eine von Ludwig Rolando schon im Jahre 1805 der
Akademie der Wissenschaften in Siena übergebene helmintho-
logische Arbeit ist erst vor ein Paar Jahren gedruckt wor-
den.1) Es tragen diese Beobachtungen natürlich das Gepräge
einer Zeit an sich , in welcher man mit diesen Schmarotzern
und besonders mit deren innerem Baue sehr wenig bekannt
war, daher es schwer hält, die von Rolando beschriebenen
Würmer zu bestimmen, zumal da die beigefügten Abbildungen
äusserst unvollkommen sind. Zuerst behauptet derselbe, dass
der Mensch ausser Ascaris lumbricoides noch einen anderen
von dieser verschiedenen grösseren Wurm beherberge, in
welchem er einen Echinorhynchus erkannt haben wollte. Hier-
auf beschreibt er ein Ophiostoma aus dem Magen des Falco
peregrinus. Einen im Lungen -Paremchyme von Anas Clan-
gula aufgefundenen, über drei Zoll langen Rundwurm, der
auf der Mitte seines Leibes mit einem schwärzlichen Ringe
gezeichnet gewesen sein soll, hat Rolando mit dem älteren
Namen Crino belegt. Mehrere im Blinddarm eines Vanellus
entdeckte, 1^ Zoll lange Rundwürmer rechnet derselbe zu
Hexastoma, weil sie am stumpfen Vorderleibsende mit sechs
hinter einander liegenden schwarzen Oeffnungen oder Punkten
versehen sind, während das Hinterleibsende spitz ausläuft.
Drei kleine Rundwürmer aus dem Darme einer ägyptischen
Gans, deren Vorderende mit einer Art Kappe und deren
Hinterende mit einer kurzen und mit einer langen Spitze ver-
sehen war, erklärte Rolando für Cucullanen\ dieselben wa-
ren ausserdem vorne mit einem röthlichen Ringe umgeben,
') Atti dell' Accademia delle scienze di Siena. Tom. X. Siena.
1841. pag. 1. Osservazioni sopra i vermi intestinali colla descri-
zione di qualche nuovo genere e nuova specie del Dott. Luigi
Rolando.
254 v« Siebold: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
von welchem ein schwarzer Streif über den ganzen Körper
nach hinten lief. Einen in der Leibeshöhle des Corvus gra-
culus vorgefundenen Rundwurm, welcher einen zweilippigen
Mund besass und hinten wie vorne gleich dick und abgerun-
det war, zählte er zur Gattung Filaria, ebenso einen anderen
Wurm aus der Leibeshöhle des Turdus saxatilis mit abgeplat-
tetem Leibe und gezähneltem Schwanzende. Die aus dem
geborstenen Leibe dieses Wurms hervorhängenden Eingeweide
erschienen ihm als im fenomeno molto singulare. Durch
dieses Bersten des Leibes war gewiss das Schwanzende ganz
zusammengeschrumpft und von Rolando für gezähnelt an-
gesehen worden. Derselbe fand ferner in den Lungen der
Ardea purpurea verschiedene Knäuel von verschlungenen Rund-
würmern, welche ihn an die Hamularia des Treutier erinner-
ten, da er aber an dem einen Ende ihres Leibes keine haken-
förmigen Anhänge bemerken konnte , so rechnete er sie zu
Cucidlanus. Eine kopflose Taenia aus dem Darmkanale der
Ardea major wurde höchst unvollkommen beschrieben. Einen
im Darme von Ardea nycticorax schmarotzenden Rundwurm
nannte Rolando wegen seines langen Rüssels Proboscidea,
hat aber höchst wahrscheinlich das dünne Schwanzende des
Wurms für einen Rüssel angesehen. Von zweien Echinorhyn-
chen aus dem Darmkanal der Muraena Anguilla und des Cy-
prinus Carpio soll der letztere keine Haken am Rüssel be-
sessen haben. Mehrere vier Linien lange Würmer, welche in
den Muskeln des Kopfes von Esox Lucius lebten, wurden als
Linguatulae beschrieben, weil sie an ihrem Vorderrande mit
vier bis fünf Poren versehen sein sollten. Eine solche klei-
nere Art von Linguatula wurde in den Rückenmuskeln eines
Cyprinus Tinea beobachtet. Rolando erwähnte endlich noch
eines Echinorhynchus aus dem Darme des Falco Pygargus
und einiger Würmer aus einem Nachtpfauenauge, aus einem
Cerambyx, einer Limax und einer Sepia, welche er aber
nicht näher untersucht hatte. Das Interessanteste der ganzen
Abhandlung ist aber die Beschreibung eines neuen Wurms,
aus welcher hervorgeht, dass Rolando bereits Monostomum
Faba beobachtet hat. Er fand diesen Wurm nämlich paar-
weise innerhalb erbsengrosser Tuberkeln, mit welchen die
Cutis eines Staars über und über besäet war. Die Abbildun-
Helminthologie während des Jahres 1843 und 1844. 255
gen, welche er von zwei solchen Würmern, denen er den
Globularia gegeben, geliefert hat, erinnern ganz an die
von Creplin in diesem Archive (Jahrg. V. Bd. 1 ) niederge-
legten Zeichnungen, man erkennt deutlich die beiden Darm-
schläuche, den Uterus, den Eierleiter und die Dotterstöcke,
freilich sind diese Organe von Roland o selbst unrichtig ge-
deutet worden.
256 v« Siebold: Bericht über die Leistungen
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Würmer, Zoophyten und Protozoen während
des Jahres 1843 und 1844.
Von
Demselben.
Vermes annulati.
Die Gliederwürmer haben in der letzten Zeit vielfach die
Aufmerksamkeit der Naturforscher auf sich gezogen ; sie sind
nicht allein durch viele neue Gattungen und Arten vermehrt,
sondern auch in ihrer innern Organisation von vielen Seiten
her beleuchtet worden.
Cliaetopodes branchiati» Eine sehr ausführliche Ab-
handlung über den feineren Bau des Nervensystems der An-
nulaten lieferte Quatrefages *), wobei Eunice sanguinea
Sav. , Nereis Beaucondrayi Aud. et Edw., Glycera Meckelii
Aud. et Edw., Phyllodoce pellucida Quatr., die Gattung Glycera
Aud. et Edw. und Aricinella Quatr. Hauptgegenstand der Un-
tersuchung gewesen sind. Die von Quatrefages 2) aufgestellte
Gattung Aricinella besitzt als Kopf einen langen zugespitz-
ten Rüssel, ohne alle Anhänge, der aber auf dem Rücken
zwei deutliche Augen trägt. Derselbe thätige Naturforscher 3)
entdeckte an einer neuen Amphicora Ehrenb. das Gehör-
organ, welches in einer mit Otolithen versehenen Gehörkapsel
besteht und zu beiden Seiten des vordersten Leibesringel an-
gebracht ist. Nach Quatrefages' Beobachtungen4) verein-
*) Annales des sciences naturelles. Tom. II. 1844. p. 81.
2) Ebenda p. 95.
. 3) Comptes rendus. Tom. 19. 1844. p. 195, oder Froriep's Neue
Notizen Nr. 674. p. 215.
4) Comptes rendus. 1844. p. 77, oder Annales des sc. nat. T. I.
1844. p. 17.
in der Naturgeschichte der Würmer. 257
facht sich das Gefässsystem in verschiedenen Gliederwürmern
ausserordentlich. Bei den Tubicolen circulirt das Blut theils
in Gewissen, theils in Lacunen; bei Doyeria Quatref. (mit
Svllis verwandt) ist nur ein einfaches Rückengefäss da, und
bei Ap hieb ine Quatref. (mit Terebella verwandt) finden sich
weder Kiemen noch Blutgefässe. In Bezug auf die Geschlechts-
werkzeuge fand Quatrefages l) bei vielen Dorsibranchiaten
und Capitibranchiaten getrennte Geschlechter. Derselbe 2)
entdeckte an der Küste der Bretagne eine Syllis, welche sich
wie die Nereis prolifera Müll, durch Theilung vermehrte,
nachdem sich an einer hinteren Abschnürung des Leibes das
Vorderende zu einem Kopfe ausgebildet hat. Nach der Tren-
nung gleichen sich die beiden neuen Individuen vollkommen,
besitzen aber verschiedene Eigenschaften. Das vordere Indi-
viduum reproducirt wahrscheinlich sein Schwänzende, das
hintere Individuum dagegen pflanzt sich durch Geschlechtsor-
gane fort, welche sich in ihm entwickeln. Die kleinen Spe-
cies von Syllis , Nereis und Polynoe , welche Quatrefages
leuchten sah, besitzen nach seinen Untersuchungen 3) keine
sonderen Leuchtorgane, indem die Muskeln allein bei ihrer
Kontraction Licht entwickeln. Andere Untersuchungen über-
zeugten denselben 4), dass das Süsswasser auf die Meeranne-
liden wie Gift wirkt, woran hauptsächlich der Mangel an
salzsaurem Natron Schuld ist.
Eine Reihe von systematischen Arbeiten über die Kiemen-
würmer haben wir Oersted zu verdanken. Derselbe5)
schlägt statt der älteren Eintheilung derselben nach Audouin
und Milne Edwards, also statt der Abtheilungen Dorsibran-
chiatae, Capitibranchiatae und Abranchiatae fol-
gende neue Classification vor. Er theilt dieselben nach dem
') Comptes rendus. 1844. p. 193, oder Froriep's Neue Notizen.
Nr. 674. p. 215.
2) Comptes rendus. 1844. p. 77, oder Annales des sc. nat. T. I4
1844. p. 22.
3) Annales des sc. nat. T. 19. 1843. p. 184, oder Froriep's Neue
Notizen. Nr. 586. 1843. p. 209.
4) Comptes rendus. T. 17. 1843. p. 962, oder Institut. 1843. p. 274.
5) Dieses Archiv. 1844. Bd. I. p.99.
Archiv f. Naturgeschichte. XI. Jahrg. 2. Bd. R
258 v- Sicbold: Bericht über die Leistungen
Aufenthaltsorte in Maricolae, Tubicolae und Terrico-
lae. Allein diese Eintheilung kann nicht geniigen, da es unter
den Maricolen auch solche Kiemenwürmer giebt, welche in
Röhren wohnen, und da ferner viele Terricolen im Wasser
leben. Bei der Eintheilung der Maricolen berücksichtigt
Oersted den Bau des Darmkanals, die Zahl der Körperab-
schnitte und die Form der Kiemen. Er stellt nämlich fol-
gende Unterordnungen und Familien auf: 1. die Subordo
Chaetopoda mit den 3 Familien Chaet. trematodina,
vera und terricolina, jede Familie mit 2 Unterfamilien,
nämlich die Amph inomac eae, Aphroditaceae, Euni-
ceae, Nereidae, Arenicolae und Ariciae, während 2.
die Subordo A chaet a nur aus der Familie Peripateae be-
steht. Von diesen Familien unterwarf Oersted die der Ar i-
cien einer genaueren Schilderung, welche mit den neuen Gattun-
gen Disoma, Sphaerodorum , Dodecaceria, Ophelina
und Eumenia vermehrt wurden !). Oersted hat auch die dä-
nischen Annulaten zu beschreiben angefangen und mit den
Maricolen begonnen. **) Unter den 48 von ihm aufgezählten
dänischen Maricolen sind 23—24 Arten neu, nämlich: Lepi-
donote assimilis, Pholoe baltica, Heteronereis fu-
cicola und viridis, Nereilepa variabilis und fusca,
Nereis zostericola, Notophyllum viride und longum,
Eulalia pusilla, sanguinea, Eteone Sarsii, macu-
lata, pusilla, Phyllodoc e assimilis, mucosa, groen-
landica, Nephtys borealis, assimilis, Goniada alba,
Leucodorum coecum, Disoma multisetosum, Sphae-
rodorum flavum, Dodecaceria Conc/iarum, Ophelia
ma?nillata, Ophelina acuminata, Eumenia crassa,
ferner Chaetopterus nov. spec, aber so verstümmelt, dass
das Thier von Oersted nicht bestimmt werden konnte. Für
die neue, mit Nereilepa Blainv. verwandte Gattung Hetero-
nereis stellte er folgende Charaktere fest: Corpus ex duabus
partibus et forma et appendicibus valde discrepantibus con-
stans, parte anteriore tereti appendicibus ut in Nereidis ge-
') Dieses Archiv. 1844. Bd. I. p. 103.
2) Annulatorum danicorum conspectus. Fase. I. Maricolae. Haf-
niae. 1843
in der Naturgeschichte der Würmer. 259
nere praedita, posteriore vero depressa; in hac segmenta multo
breviora, mamilla branchiali ad basin cirri superioris, lamella
apici pinnae inferioris, cirro inferiore mamillae bipartitae af-
fixo. Setae partim eultratae partim spinosae. Die neue mit
Phyllodoce verwandte Gattung Notophy llum wird auf fol-
gende Weise charakterisirt: Corpus Jineare depressum; caput
cordatum; tentacula 4 elliptica in apice capitis, cirrorum ten-
tacularium paria 4; oculi duo; pinnae duae discretae, bran-
chia superior horizontalis in appendice pinnae superioris ver-
ticali affixa maximam dorsi partem obtegens; branchia inferior
in apice pinnae inferioris verticalis. Mamilla ad basin pinnae
inferioris. Von allen diesen dänischen Anuulaten kommen
sieben Arten auch in Frankreich vor.
Die früher in einem Auszuge gelieferte Arbeit Oersted's
über die grönländischen Riickeukiemer (vergl. dieses Archiv.
1843. Bd. II. p. 289) ist jetzt vollständig erschienen l). Als
Beitrag zur Fauna von Irland hat Thompson 2) sechszehn
Kiemenwürmer aus den Gattungen Phyllodoce, Syllis, Nephtys,
Campontia, Cirratulus, Trophonia, Terebella, Sabella und Ser-
pula aufgeführt.
Von Rathke ist die norwegische Küste in Bezug auf
ihre Ringelwürmer untersucht worden 3); derselbe hat Poly-
no'e squamata Sav., levis Aud. et Edw. und cirrata Sav., Ne-
reis pelagica Lin. , Dumerilii Aud. et Edw. , Phyllodoce lami-
nosa Sav. und clavigera Aud. et Edw. , Amphitrite auricoma
Müll., Terebella cirrata Cuv. , Cirratulus borealis Lam. , Sa-
bella octocirrata Sars, penicillus Cuv. und libera Sars und
Lumbricus li?ieatus? Müll, dort aufgefunden nebst mehreren
ganz neuen Thieren, welche mit folgenden Diagnosen beschrie-
ben worden sind: Sigalion Idunae: squamis dorsum om-
nino tegentibus ; antenna impari ad basin appendicibus duabus
parvis flexuosis, Nereis grandifolia: ligulis branchialibus
praemagnis , tenuibus , obtusis ; extremitatum cirro superiore
') Grönlands annulata dorsibranchiata. 1843. Der Text ist mit
Ausnahme der lateinischen Diagnosen in dänischer Sprache ge-
schrieben.
2) Annais of natural history. Vol. 13. 1844. p. 437.
3) Nov. Act. Acad. Leop. Car. Nat. Cur. T. XX.'P.l. 1843. p. 149.
R*
260 v- Siebold: Bericht über die Leistungen
longo, crenulato. Diese Nereis erklärte Rathke1) später
für identisch mit Heteronereis arctica des Oersted. Neu
sind ferner N er ei s Sarsii: ligulis branchialibus triangularibus,
tenuibus, acutis; cirro superiore segmento priino secundo ali-
quanto majore, Sijllis cornuta: flavescens capite longiori,
fronte profunde excisa, oculis in unam seriem dispositis,
Si/llis tigrina: vittis alternantibus fuscis et albis in supe-
riore corporis facie; capite longiori, fronte mediocriter ex-
cisa, oculis in unam seriem dispositis; Halimede nov. gen.
mit der einzigen Species H. venusta unterscheidet sich von
Hesione durch folgende Diagnose: proboscis subglobosa,
crassa, orificio subquadrangulari, tentaculis nonnullis praedita;
maxillae nullae; antennae 4 parvae; externae intermediis paulo
majores; cirrorum tentacularium paria 6; cirri superiores
praelongi filiformes; pedes indivisi, branchiis tribus parvis
praediti. Ephesia nov. gen. mit der Species E. gracilis
ist von Goniada in folgendem verschieden: maxillae, oculi,
tentacula et cirri tentaculares desunt; proboscis longa, cla-
vata, laevis; corpus elongatum, utroque latere eminentiis
mammaeformibus et fasciculis setarum brevissimarum in unam
seriem dispositarum. Neu sind ferner: Nephlhys ciliata:
proboscide cirris conoideis brevioribus in 5 series transversas
dispositis; extremitatum ramo superiore carente, Glycera
alba: antennis 4; extremitatibus branchia una falciformi,
cirro superiori minori, cirroque inferiori multo majori, com-
planato, triangulari fere, instructis, Aricia Müll er i: duo-
bus minutissimarum setarum fasciculis in utroque 17 anterio-
rum segmentorum latere; eminentia lamelliformi pone inferio-
res illos fasciculos aut indivisa, aut semel incisa, Arenicola
Boeckii: corpore gracili, extrema versus pedetentim atte-
nuato; branchiarum paribus 40. An Arenicola grenzt die
neue Gattung Scalibreg?na mit der Species Sc. infla-
tum: corpus molle, longum, annulatum, subcylindricum ; se-
tarum fasciculi quatuor in omnibus fere corporis segmentis;
branchiae in anteriore corporis parte, pone totidem setarum
fasciculos dorsales, fruticosae; eminentiae setiferae in poste-
riore corporis dimidia parte pediformes, complanatae, in duos
') Dieses Archiv. 1844, Bd. I. p. 258.
in der Naturgeschichte der Würmer. 261
ramos divisae; antennae, maxillae, oculi nulli; proboscis sine
eminentiis verrucaeformibus, Ammotry pane: corpus ela-
sticnm, prolongatum, annulatum, glabrum; branchiae simplices,
cirriformes, in duas series ad corporis latera dispositae; setae
omnes tenues, simplices, ad corporis Jatera; caput ante demi-
nutum et acute terminatum; os in inferiore capitis facie, nu-
dum, transversum ; tentacula et oculi nulli. Von dieser Gat-
tung beschrieb Rathke die drei Arten: Am. aulogaster,
lim a ein a und oestroides, erkannte aber später !), dass die
letztere Art mit Ophelia mamillata Oerst. übereinstimmte. Die
Gattung Siphonostoma bereicherte er mit den vier neuen
Arten: S. plumosum: corpore attenuato; cute verrucosa;
superioribus setarum fasciculis inferiores longitudine multo
superantibus; cirris octo cylindraeeis magnis; tentaculis paulo
latioribus, S. vaginiferum: corpore attenuato, cute subru-
gosa; setarum fasciculis cute tanquam vagina obduetis; cirris
numerosis, parvis, in duos fasciculos collatis ; tentaculis multo
latioribus et longioribus, S. villosum: corpore breviori;
cute ubique villosa; setis inferioribus crassis, brevibus, supe-
rioribus multo tenuioribus et longioribus; cirris numerosis,
parvis, in duos fasciculos digestis ; tentaculis multo latioribus,
S. inhabile: corpore toroso doliiformi; cute verrucosa; cir-
ris 6 (octo?) parvis; tentaculis paulo, latioribus. Als neue
Gattung endlich stellte Rathke zwischen Sabella und Cly-
mene die Clymeneis mit der Species Cl. stig?nosa, welche
sich von Sabella durch den Mangel von Kiemen am Kopfe
und von Clymene dadurch unterscheidet, dass der Leib hinten
schmal und dünn ausläuft, also keinen trichterförmigen An-
hang besitzt.
Nach H. Koch 's und Will's Beobachtungen 2) kommt
der Chaetopterus pergamentaceus auch im adriatischen Meere
vor. Peach will die Beobachtung gemacht haben 3), dass
die Nereis tubicola auf der Oberfläche des Meeres herum-
schwimmen könne, was aber Forbes nur für etwas Zufäl-
liges erklärte.
') Dieses Archiv. 1841 Bd. I. p. 259.
2) Ebenda, p. 331.
3) Institut. 1844. p. 419.
262 v- Siebold: Bericht über die Leistungen
Eine neue höchst merkwürdige Annelide, welche einer
jungen Syllis ähnlich sieht, hat Quatrefages l) an der Küste
der Bretagne entdeckt und Dujardinia genannt. Sie trägt
an jeder Seite des Leibes eine Reihe von Bewegungsorganen,
welche ganz an die Räderorgane der Rotatorien erinnern,
ihre Fussstummeln tragen nach Art der übrigen Kiemenwürmer
steife Borsten.
Die Gattung Serpula hat Philippi2) einer genaueren
Kritik unterworfen. Derselbe hat die Beschaffenheit des Dek-
kels der verschiedenen Serpulen als ein sehr gutes Kennzei-
chen für Aufstellung von Untergattungen benutzt und hiernach
den bereits bekannten Untergattungen Serpula, Vermilia Lam.,
Cymospira Sav. , Galeolaria Lam., Spirorbis Lam., Protula
Ris. noch folgende neue Untergattungen hinzugefügt, nämlich
Placostegus , Pomatoceros, Eupomatus und Psygmo-
hranchus. Nach dieser Gattungseintheilung werden von
Philippi die Arten auseinandergesetzt und mit 15 neuen
Species vermehrt.
Cliaetopodes abraucliiati. Sehr ausführliche und
dankenswerthe Untersuchungen über die verschiedenen Regen-
wurm-Arten hat Hoffmeister geliefert3). Derselbe macht
den früheren zoologischen Arbeiten über die Gattung Lum-
bricus mit Recht den Vorwurf, dass die bisher angenommenen
Artunterschiede auf unwesentliche und wandelbare Merkmale
gegründet seien, nämlich auf die Lage des Gürtels, auf die
Stellung der Vulva, da doch diese Theile an keine bestimmte
Stelle gebunden seien; auch die Zahl und Stellung der Poren
unter dem Gürtel sei nicht constant. Dagegen hebt Hoff-
meister die Form der Oberlippe als ein untrügliches und
unveränderliches Kennzeichen hervor, welches auch auf junge
und geschlechtslose Thiere, an denen sowohl Gürtel wie Ge-
schlechtsöffnungen fehlen, anzuwenden sei. Die Stellung des
') Comptes rendus. 1844. p. 77, oder Annales des sc. nat. T. I.
1844. p. 19.
2) Dieses Archiv. 1844. Bd. I. p. 186, oder Froriep's Neue Notizen.
Nr. 731. 1845. p. 73.
3) Hoffmeister: de vermibus quibusdam ad genus lumbricorum
pertinentibus. Dissert. Berol. 1842. und in diesem Archiv. 1843. Bd. I.
p. 183.
in der Naturgeschichte der Würmer. 263
Gürtels und der Vulva, das Verhältniss der Körperlänge zur
Dicke, die Form der einzelnen Körperringe, des Schwanzes
und die Färbung der Haut werden nur als untergeordnete
Artkennzeichen benutzt. Hiernach stellt Hoffmeister die
fünf Gattungen auf: Lumbricus, Rhynchelmis, Haplo-
taxis, Enchytraeus und Saenuris, bei deren Unterschei-
dung es noch auf die Nadeln (Pedicellen) ankommt, ob diese
nämlich in zwei oder vier Reihen, ob sie einzeln, paarig, zu
drei bis vier oder fünf bis acht gestellt sind. Zu der Gat-
tung Lumbricus werden die sechs Arten Lumbr. agricola,
rubellus, anatomicus, riparius, olidus und agilis ge-
rechnet, welche sämmtlich in Norddeutschland vorkommen.
Zu dem Enc/iytraeus albidus Heul., zu welchem Lumbricus
vermicularis Müll, gehören soll, fügte Hoffmeister noch
den Euch. Galba hinzu; Rhynchelmis limosella und
Haplotaxis Menkeana sind durch ihre lange Oberlippe
interessant. Saenuris variegata und lineata sollen mit Mül-
ler's Lumbricus variegatus und lineatus identisch sein, was
Ref. bezweifelt, da nach* Hoffmeister (Dissert. p. 11) Säen,
variegata im Schlamm steckt und mit dem hervorragenden
Schwanzende wedelt, was Lumbr. variegatus Müll, niemals
thut; Säen, variegata ist gewiss mit Lumbr. tubifex , wenig-
stens mit dem von Schaff er abgebildeten Wurme (vergl.
dessen Abhandlung: die grünen Armpolypen, die Wasserflöhe
und eine besondere Art kleiner Wasseraale. Taf. III.) einerlei,
welche letztere Vermuthung auch schon Grube ausgespro-
chen hat 1). Dieser letztere Naturforscher beschreibt einen
neuen Wurm unter dem Namen Lumbr iculus variega-
tus2), welcher höchst wahrscheinlich der Lumbricus varie-
gatus Müller's ist. Dieser Wurm zeichnet sich durch sein
Blutgefässsystem aus. Das Rückengefass sendet nämlich in
jedem Leibesringel rechtwinkelig einen Ast ab, welcher mit
blinden Aesten wie gefingert endigt, was übrigens schon Tre-
viranus (Beobachtungen aus der Zootomie und Physiologie,
1839. p. 59) im Lumbricus variegatus MuH. gesehen hat.
Grube erkannte eine ganz ähnliche Blutgefassbildung auch
») Dieses Archiv. 1844. Bd. 1. p. 213.
2) Ebenda, p. 198.
264 v. Siebold: Bericht über die Leistungen
bei Euaxes filirostris , welche neue Gattung Grube
durch einen langen ungegliederten Rüssel und durch den
Mangel eines Sattels charakterisirt. Auch Bock1) spricht
sich über die unsicheren Charaktere der von Savigny und
Buges aufgestellten Regenwurmarten aus, und will in Nor-
wegen sieben verschiedene Species der Gattung Lumbricus
beobachtet haben.
Bei einem mit Nais verwandten Meerwurme sah Quatre-
fages 2). am Kopfe drei Augen, und ausserdem noch auf
jedem Körperringe jederseits neben den Fussrudimenten ein
Auge. Vielleicht gehört dieser Wurm zu der von Dujardin
(Ann. d. sc. nat. T. 11. 1839. p. 293. PI. 7. Fig. 9 — 11) be-
schriebenen Nais picta.
Müller3) giebt die für My%ostomum cirriferum Leuck.
eingeführte Bezeichnung Cyclocirra Thompsonii auf, erklärt
aber, wie dies auch Ref. gethan hat (in diesem Archive. 1843.
Bd. II. p, 299), die von Leuckart aufgestellte Art Mi/zost.
glabrum mit seinem anderen My%ost. cirriferum für identisch.
Müller hat an allen diesen Thierchen, die er auf Comatula
mediterranea beobachtete, Randeirren gesehen.
Hirudiiiei. Von Egidy sind in einer besonderen
Schrift 4) die über Blutegelzucht bis jetzt bekannt gewordenen
Erfahrungen zusammengestellt worden, welchen zugleich auch
das Bekannte über den anatomischen Bau der Blutegel, die
Beschreibung der verwandten Arten und eine zahlreiche Lit-
teratur beigefügt sind. Um Blutegel zu mehrmaligem Saugen
geeignet zu machen, hat Olivier 5) ein besonderes Verfahren
vorgeschlagen. Man soll nämlich dem vollgesogenen Blutegel
am Ende des ersten Drittels seines Leibes auf dem Rücken,
in einer der Querfurchen eine mit dieser parallel laufende
!) Isis. 1843. p. 287.
2) Comptes rendus. 1844. p. 193, oder Froriep's Neue Notizen
Nr. 674. p. 215.
3) Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften
zu Berlin. Aus dem Jahre 1841. Berlin, 1843. p. 181.
4) Die Blutegelzucht nach Ergebnissen der Erfahrung dargestellt,
ächst ausführlicher Beschreibung des Blutegels, seiner Arten und
Varietäten. 1844.
5) Journal de Chirurgie par Malgaigne. 1844. Mars. p. 88.
in der Naturgeschichte der Würmer. 265
Wunde zwischen Vene und Arterie durch einen Lanzetten-
stich in der Richtung von vorne nach hinten beibringen. Die
Wunde uiuss zwei Millimeter lang sein. Der Blutegel wird
hierauf in lauwarmes Wasser geworfen, in welchem bei den
Kontractionen des Thieres das eingesogene Blut durch die
Wunde ausfliesst, wobei man durch Drücken zwischen den
Fingern nachhelfen kann. Legt sich eine weissliche Blase in
die Wunde, nämlich ein Stück von den Magenwandungen, so
wird diese weggeschnitten , um dem Blute von neuem den
Weg nach aussen zu bahnen. Später wird das Thier in Re-
genwasser oder Flusswasser gesetzt. Der Ranunculus aqua-
ticus scheint den Blutegeln sehr zuträglich zu sein, ja, die
jungen Individuen sollen sich von ihm ernähren, daher man
gut thut, diese Pflanze mit in das Wasser zu legen, denn
nach acht bis zehn Tagen sieht man alsdann auf dem Grunde
des Wassers grosse Quantitäten grüner Fäces liegen, welche
Olivier als die Fragmente des Wasserranunkels erkannt
haben will. Einige Tage nach dem Lanzettstich ist die Wunde
des Blutegels wieder geschlossen, den man jetzt wieder zum
Saugen benutzen kann; auf diese Weise wird man nach 15
bis 18 Tagen einen Blutegel immer von neuem wieder an-
legen können, wobei nur wenige umkommen. Olivier hat
so mit 35 Blutegeln dasselbe ausgerichtet, was sonst nur mit
183 Individuen zu Stande zu bringen war.
Guyon !) berichtet abermals über Haemopis vorax, deren
Menge in Algier ungemein lästig ist, indem diese Würmer
Thiere und Menschen bekriechen. In einem Falle war ein
solcher WTurm der Frau eines Soldaten zu Bona in die
Scheide gekrochen und hatte eine Metrorhagie erregt.
Unter den Hirudineen sind nach Thompson 2) Piscicola
geometra, Clepsine tessulata und hyalina in Irland einheimisch.
In einer Dissertation werden von Fr. Müller3) die Gattungen
Clepsine, Nephelis, Aulostoma, Sanguisuga, Piscicola und Branchio-
i) Comptes rendus. 1843. p.424, oder Institut. 1843. p. 292, oder
Oesterreich. med. Wochenschr. 1844. p. 125.
3) Annais a. a. O. Vol. 13. p. 437.
3) De Hirudinibus circa Berolinum hucusquc observatis. Diss.
Berol. 1844.
266 v- Siebold: Bericht über die Leistungen
bdella charakterisirt und die bei Berlin vorkommenden Arten
Clepsine marginata, tessulata, complanata, hyalina, Carenae
und bioculata ausführlich beschrieben, denen noch die neue
Art Cleps. verrucata hinzugefügt wird. Dieselbe lässt sich
nur am inneren Bau von Cleps. complanata unterscheiden.
Cleps. verrucata besitzt nämlich: appendicum ventriculi paria
7, par ultimum inter appendicum intestini par primum et se-
cundum terminatum, Cleps. complanata dagegen: appendicum
ventriculi paria 6, par ultimum inter appendicum intestini par
secundum et tertium terminatum. Bei Clepsine complanata
bemerkte Müller vor dem Eierlegen auf beiden Seiten der
Bauchfläche eigenthümliche fadenförmige Organe hervorragen,
welche gewiss mit der Geschlechtsfunction zusammenhängen.
Bei Cleps. complanata und tessulata schlüpfen die zuerst ge-
legten Eier seitlich auf den Rücken, wodurch zuletzt eine Art
Gürtel von Eiern entsteht, aus welchen das Thier sein Kopf-
ende herauszieht und dann seinen Leib über den Eierhaufen
wie ein Schild deckt. Ueber solchen Eierhaufen bleiben Cleps.
tessulata, marginata und complanata unbeweglich liegen, tragen
aber nachher die ausgeschlüpften Jungen am Bauche mit sich
umher, die Cleps. hyalina, Carenae und bioculata tragen aber
nicht allein die Jungen, sondern auch die Eier mit sich herum.
In einer andern Arbeit setzte Müller1) den anatomischen
Unterschied zwischen Clepsine tessulata und marginata aus-
einander.
Von Grube ist die Entwicklung der Eier von Clepsine
zum Gegenstande ausführlicher Untersuchungen ausgewählt
worden 2), wobei wir erfahren, dass Clepsine complanata ge-
wöhnlich 5 bis 7 Eier mit einer sehr durchsichtigen, weichen,
sackartigen Eihülle umgeben, während Cleps. bioculata nur 3
bis 4 Eier und Cleps. marginata nur 1 Ei in die Eierkapsel
legen. Die Eierkapseln werden mittelst eines Stiels an Was-
serpflanzen geklebt und bleiben daran hängen, während die
ausgeschlüpften Jungen sich an den Bauch der Mutter hängen.
Das Eierlegen sowie die Anfertigung der Eierkapseln beob-
*) Dieses Archiv. 1844. Bd. 1. p.370.
2) Untersuchungen über die Entwicklung der Anneliden. Heft I.
1844.
in der Naturgeschichte der Würmer. 267
achtete Grube bei Clepsine ebenso, wie man es bei Nephelis
kennt. Derselbe setzte auch den innen) ßau der Geschlechts-
teile auseinander, konnte sich aber nicht überzeugen, ob
sich die Clepsinen gegenseitig begatten oder ob sie ihre Eier
durch Selbstbefruchtung zur Entwicklung bringen.
Remertiiii. Die Abtheilung der Nemertinen hat O er-
ste d systematisch bearbeitet !), was um so dankenswerter
anerkannt werden muss, da die Litteratur über diese so sehr
vernachlässigten Würmer sehr zerstreut und in den meisten
zoologischen Handbüchern bisher von diesen Thieren kaum
die Rede gewesen ist. Ref. sieht sich deshalb auch veranlasst,
die von Oersted aufgestellten Familien und Gattungen mit
seinen Diagnosen hier wiederzugeben. Derselbe betrachtet
zunächst die Nemertinen als eine Subordo der Vermes apodes,
welche Unterordnung von ihm als Cestoidina bezeichnet
wird, die er in folgender Weise charakterisirt: Corpus lineare
teretiusculum rarius depressum multo longius quam latius in-
distincte annulatum mucosum , cilüs vibrantibus obsitum; mu-
sculi distincti, non vero nervi (?). Oculi 2, 4, 6, 8, 10,
multi vel nulli. Organa respiratoria specialia nulla, vel fis-
surae respiratoriae laterales in capite aquae ad cordum pari-
etes aditum concialiantes. Circulatio completa et corda duo.
Tubus cibarius simplex cum oris apertura infera (rarius ter-
minali) et ano terminali. Os nullum exsertile. Sexus duo,
in utroque Organum copulationis stimulandae. Testiculi et
Ovaria cava ne minimum quidem forma inter se descrepantia
tantum modo contento (ovulis aut spermatozois), complura in
utroque latere uniuscujusque segmenti. Diese Cestoidinen
theilt Oersted in zwei Familien mit acht Gattungen. Näm-
lich I. Farn. Nemertina. Os inferum, anus terminalis.
1) Corpus filiforme, utrinque aequaliter attenuatum, (caput
nullum distinctum) fissurae respiratoriae nullae.
Os et Ovaria aut testiculi ab apice valde remota.
1. Gen. Cephalothrix Oerst. mit zwei Arten.
Os et Ovaria aut testiculi ab apice non multo remota.
2. Gen. Astemma Oerst. mit zwei Arten.
f) Entwurf einer systematischen Eintheilung und speciellen Be-
schreibung der Plattwürmer. Kopenhagen, 1844. p. 76.
268 v. Siebold: Bericht über die Leistungen
2) Corpus lineare teretiusculum, antice plus minusve di-
latatum (caput distinctum), fissurae respiratoriae distinctae aut
nullae.
a. Caput a corpore constrictum, fissurae respiratoriae
nullae.
3. Gen. Borlasia (Oken) Oerst. mit acht Arten.
b. Caput a corpore non constrictum fissurae respiratoriae
plus minusve distinctae.
ex. Oculi numerosi acervati.
4. Gen. Poly stemmet, (Ehrb.) Oerst. mit neun Arten.
/?. Oculi 8 — 16 biseriati.
5. Gen. JSemertes (Cuv.) Oerst. mit acht und zwanzig
Arten. Hierher rechnet Oersted unter andern die als Polia,
Meckelia, Notospermus, Tubulanus beschriebenen Würmer.
y. Oculi 4.
6. Gen. Tetrastemma Ehrb. mit 13 Arten.
3) Corpus lineare-oblongum depressum, utrinque aequa-
liter obtusum, fissurae respiratoriae distinctae.
7. Gen. Cerebratulus Ren. mit zwei Arten.
II. Farn. Amphiporina.
Tubi eibarii utraque apertura terminalis opposita.
8. Gen. Amphiporus (Ehrb.) Oerst. mit einer Art.
Von den beschriebenen Arten gehören 21 der dänischen
Küste an, unter welchen sich 14 ganz neue Arten befinden.
Von Rathke1) ist die Diagnose der schon früher von
ihm beschriebenen Borlasia striata in folgender Weise fest-
gestellt worden: oculis 16 (aut 18?); corpore gracili, subde-
presso; striis longitudinalibus nigrescentibus et subflavis alter-
nantibus. Dieser wird eine neue Art noch hinzugefügt, näm-
lich: Borlasia rufa oculis 6; facie superiore convexa rufa,
inferiore plana flavescente. Zwei Arten von Meckelia, welche
wie die von Leuckart beschriebene Meckelia somatotomus
ebenso leicht sich von selbst zerstückelten, konnte Rathke
nicht vollständig erhalten, um ihre Diagnose festzustellen.
Ausser diesen Würmern bezeichnete Rathke einen andern
ebenfalls an der norwegischen Küste entdeckten Wurm mit
J) Nov. Act. Acad. Nat. Cur. a. a. O. T. XX. p. 231.
in der Naturgeschichte der Würmer. 269
dem Namen Ramphogordius lacteus, der vielleicht zu
den Gordiaceen gehört. Sein sehr dünner cylindrischer Kör-
per endigt vorne mit zwei kleinen, einen Schnabel darstellen-
den Fortsätzen, zwischen welchen die Mundöffnung angebracht
ist. Seitliche Gruben, Sinnesorgane, und eine Oeffnung zum
Durchlassen des langen wurmförmigen Organs fehlen. Der
Darm, welcher mit Leibeshöhle verwachsen ist, besitzt nach
hinten mehrere Längsfalten, und das Bauchmark besteht, wie
bei Borlasia, aus zwei seitlichen Strängen.
Nach einer von Quatrefages !) mitgetheilten Notiz
steht Nemertes in der Anordnung seines Blutgefässsystems und
Mundapparats den Egeln nahe, erinnert aber durch den Bau
seiner Geschlechtswerkzeuge und durch seinen blindendigen-
den Darmkanal an verschiedene Helminthen.
Vermes turbella?'ii.
Einem andern grossen Bedürfnisse hat ebenfalls Oersted
dadurch abgeholfen, dass er die planarienartigen Strudelwür-
mer systematisch möglichst vollständig zusammengestellt hat2).
Derselbe unterwirft die von Ehrenberg aufgestellte Classi-
fication der Turbellarien einer passenden Kritik und weist
mit Recht nach, dass dieselbe nicht befriedigen könne. Er
vereinigt die Planarieen mit den Hirudineen zu einer einzigen
Subordo der Apoden, welche er als Trematod ina bezeich-
net. Die Planarieen bilden einen besondern Tribus dieser
Unterordnung, welchen Oersted in folgender Weise schildert.
Corpus plus minusve depressum, plerumque modo paucies
longius quam latius, ciliis vibrantibus obsitum et mueosum.
Systema nervorum et saepe musculorum indistinetum. Oculi
2, 4, multi aut nulli. Cor nulluni, sed vasa distineta cum
sanguine hyalino, flavescente vel etiam rubescente. Circulatio
valvulis filiformibus (undulatione vasorum nulla) fit. Tubus
eibarius in corporis massam infossus, simplex vel ramosus,
tantum modo una apertura instruetus. Os plerumque exser-
tile. Androgyna aut sexu discreto. Ovaria indistineta vel
J) Comptes rendus. 1844. p. 77, oder Ann. d. sc. nat. T. I. 1844.
p. 20.
2) Entwurf einer Eintheilung der Plattwürmer. a. a. O.
270 v- Siebold: Bericht über die Leistungen
duo cava. Organum copulationis stimulandae solidum, in
utroque sexu ejusdem formae.
Dispositio familiarum et subfamiliarum.
1. Tubo cibario ramoso.
a. Ore maximo ferme piano (convexiusculo).
I. Familia Cryptocoela.
b. Ore minore plus minusve cylindrico.
IL Familia Dendrocoela.
2. Tubo cibario simplici.
III. Familia Rhabdocoela.
a* Ore cylindrico horizontali.
a-j- Oris apertura terminali.
1. Subfamilia Prostomeae.
a -)--(- Oris apertura infera.
2. Subfamilia Derostomeae.
a** Ore annuliformi verticali.
3. Subfamilia Macrostomeae.
a*** Ore ferme nullo.
4. Subfamilia Microstomeae.
Die Familie Cryptocoela wird von Oersted in fol-
gender Weise geschildert:
Corpus quam maxime depressum. Oris apertura (unica
apertura anali discreta nulla) infera ferme in medio corpore.
Os maximum in cavitate propria liberum, imaginem tubi ciba-
rii ramosi Dendrocoelorum referens et exsertum tentaculorum
modo os circumdans. Tubus cibarius arbusculiformis. Oculi
in acervos distributi. Cor distinctum. Ovaria duo os cin-
gentia.
Dispositio generum.
1. Excisura frontali, papillis numerosis in tota corporis
superficie.
1. Genus Tysano%oon Grub.
2. Neque excisura frontali, nee papillis in tota corporis
superficie.
a. Appendicibus tentacularibus
a* Ad oculorum acervos.
2. Genus Piano cera Blainv.
in der Naturgeschichte der Würmer. 271
a** In margine frontali.
3. Genus Eurylepta Ehrb.
b. Appendicibus tentacularibus nullis.
a* Oculorum plurimorum acervis quatuor.
4. Genus Leptoplana Ehrb.
a** Oeulis nullis.
5. Genus Typhlolepta Oerst.
Es werden zu diesen 5 Gattungen 23 — 25 Arten gezählt,
welche fast nur Seeplanarien enthalten, darunter zwei neue
Arten Leptoplana nigripunctata und Typhlolepta
coeca von der dänischen Küste. Die Schilderung der Fami-
lie Dendrocoela lautet folgendermassen:
Corpus plerumque valde depressum. Tubus cibarius ra-
mosus. Oris apertura in medio vel post medium corpus. Os
cylindricum in cavitate propria liberum, margine tantum po-
steriore ad tubum cibarium affixum, valde exsertile.
Dispositio generum.
1. Corpore lineari, oculo unico.
1. Gen. Monocelis Ehrb.
2. Corpore oblongo oeulis duobus aut multis.
a. Oris apertura in medio corpore.
* Tubi eibarii ramis arbusculiformibus.
2. Gen. Dendrocoelum Oerst.
** Tubi eibarii ramis indivisis oviformibus.
3. Gen. Planaria (Müller) Oerst.
b. Oris apertura extremitati postice proxima.
4. Gen. Telostoma Oerst.
Oersted zählt eilf verschiedene Arten in dieser auf mit
einer einzigen neuen Species. Ausser den bekannten Süss-
wasserplanarien finden wir auch einige Seeplanarien unter
ihnen. Die Familie Rhabd ocoela endlich wird auf folgende
Art beschrieben:
Corpus subdepressum vel teretiusculum. Tubus cibarius
simplex. Apertura oris terminalis vel infera. Os amphori-
forme vel annuliforme, minus liberum quam in familia ante-
cedenti.
Dispositio subfamiliarum et generum.
ct. Ore cylindrico horizontali.
272 v- Siebold: Bericht über die Leistungen
a* Oris apertura terminali.
Subfamilia I. Prostomeae.
1. Gen. Prostoma Oerst. non Duges.
a** Oris apertura non terminali.
Subfamilia II. Derostomeae.
f Ore amphoriformi cum apertura in extremitate antica.
2. Gen. V ort ex Ehrb.
ff Ore oviformi cum apertura in latere inferiore.
3. Gen. Derostoma (Duges) Oerst.
ß. Ore annuliformi verticali.
Subfamilia III. Mesostomeae.
-j- Ore rotundo.
* Oculis duobus approximatis 4— -5 corporis partem ab
apice remotis.
4. Gen. Mesostoma Dug.
** Oculis duobus non approximatis octavam corporis par-
tem ab apice remotis.
5. Gen. Strongylostoma Oerst.
*** Oculi nulli.
6. Gen. Typhloplana Ehrb.
ff Ore ovali.
7. Gen. Macrostoma Oerst.
y. Ore minutissimo non exsertili.
Subfamilia IV. Microstom eae.
f Corpore lineari subdepresso.
8. Gen. Microstoma Oerst.
ff Corpore longitudinaliter convoluto.
9. Gen. Convoluta Oerst.
Es wurden in diesen Gattungen 21 Arten mit sieben ganz
neuen Species beschrieben. Oersted hat einen grossen
Theil der von Fabricius und Müller beschriebenen Pla-
narien in der Umgebung von Kopenhagen wiedergefunden,
was ihm das Erkennen dieser oft sehr kurz beschriebenen
und noch undeutlicher abgebildeten Thiere sehr erleichtern
musste, dennoch konnte er acht von diesen dänischen Natur-
forschern aufgestellte Planarien -Arten nicht bestimmt in das
System einreihen.
in der Naturgeschichte der Zoophyten. 273
Von Darwin1) sind verschiedene buntfarbige Landpla-
narien in Südamerika, Neuseeland, auf Vandieuiensland und
Mauritius unter faulem Holze gefunden worden, welche ganz
wie die Wasserplanarien beschaffen waren und sich durch die-
selbe Reproduktionskraft auszeichneten. Diese Thiere hinter-
lassen während des Kriechens einen schleimigen Streifen,
finden sich unter Steinen und an anderen feuchten Orten und
leben höchst wahrscheinlich von Pflanzen- Moder. Sie bewe-
gen sich sehr langsam, vertragen kein Wasser und scheuen
das Tageslicht. Ihr Darmkanal erscheint ebenso verästelt wie
der von Planaria lactea und ihr Rüssel bleibt nach dem Tode
des Thieres oder nach der Trennung von demselben ebenfalls
sehr lange beweglich. Die Oeffnungen für den Rüssel und
für die Geschlechtswerkzeuge bilden auf der Bauchfläche hin-
tereinander angebrachte Querspalten. Darwin zählt zwölf
verschiedene Arten dieser Landplanarien auf. Nämlich Pla-
naria vaginuloides mit vielen Augen am Vorderrande des
Leibes , mit gelben , orangefarbigen und schwarzen Zeichnun-
gen, von 2T\ Zoll Länge und Planaria elegans nur an
den Seitenrändern des Fusses mit Augen, mit weissen, roth-
braunen und purpurfarbigen Zeichnungen, von 1 Zoll Länge.
Beide Arten wurden unter der Rinde verwitterter Bäume in
Wäldern Brasiliens entdeckt. Planaria pulla und bi linea-
ris mit vielen regelmässig an dem vordem Ende des Fuss-
saums verbreiteten Augen und Planaria nigro -fusca
mit vielen Augen am vorderen Fusssaume, welche am Vorder-
rande in regelmässigen Reihen, an den Seiten aber zu zweien
und dreien gruppirt stehen. Alle drei Arten halten sich unter
Steinen und vermodertem Holze in der Gegend des Rio Plata
auf. Planaria pallida von 3 Zoll Länge, deren Augen
wie bei PI. nigro -fusca geordnet sind, wurde von Darwin
in der Nähe von Valparaiso entdeckt, während derselbe im
südlichen Chili die drei Arten Planaria maculata, semi-
lineata und e long ata auffand, welche letztere keine Augen
aber eine Länge von 5 Zoll besass. Eine in den Wäldern
von Vandiemensland entdeckte Planaria Tasmaniana
') Naturwissenschaftliche Reise, übersetzt von Dieffenbach. 1844.
Bd. I. p. 28. Ferner Annais of natural history. Vol. 14. 1844. p. 241.
Archiv f. Naturgeschichte. XI. Jahrg. 2. B<l. S
274 v« Siebold: Bericht über die Leistungen
war an ihrem ganzen Fusssanme rund umher mit Augen be-
setzt. Darwin ]) fügte zugleich noch die Beschreibung eini-
ger neuen Seeplanarien hinzu. Der eine Plattwurm, welchen
er Planaria oceanica genannt hat, zeichnet sich durch
zwei kurze auf einer halsförrnigen Hervorragung des Vorder-
leibsendes angebrachte Zipfel aus. Planaria formosa,
eine andere Seeplanarie, besitzt keinen Rüssel, aber vier Grup-
pen von Augen auf dem Vorderrücken und zeichnet sich
durch rothe, purpurfarbige und weisse Zeichnungen aus. Eine
dritte Art nannte Darwin Planaria macrostoma, welche
am Vorderleibsende abgestutzt ist und diesen Theil ihres
Körpers wie einen Saugnapf benutzen kann. Im Nacken der-
selben stehen zwei grosse schwarze Augenflecke, während die
Mundöffnung mit einem sehr langen Rüssel sehr weit nach
hinten angebracht ist. Eine vierte Art, Planaria incisa,
besitzt einen breiten gezähnelten, vorne tief ausgeschnittenen
Fusssaum, welcher am Vorderrande mit einer grossen Menge
von Augen besetzt ist. Auf der Mittellinie der Bauchseite
liegen vier Oeffnungen hintereinander, von denen die vorletzte
eine Mundöffnung ist, aus welcher ein sehr faltenreicher Rüs-
sel hervorgeschoben werden kann, der ausgebreitet den Um-
fang des ganzen Leibes erreicht. Aus einer fünften Art grün-
dete Darwin die neue Gattung Diplanaria, welche sich
durch zwei vordere Mundöffnungen auszeichnet, aus welchen
zwei Rüssel hervorgestülpt werden können und hinter welchen
zwei Geschlechtsöffnungen angebracht sind. Die Augen der-
selben stehen in vier Gruppen beisammen. Die einzige Art,
Diplanaria notabilis, findet sich unter Steinen, schwimmt
aber auch mittelst ihres gezähnelten Fusssaumes frei im See-
wasser umher.
Echinodermata.
Von Rathke2) ist Sipunculus capitatus als neu
beschrieben worden. Das Thier besitzt ein dickes durch
einen langen Hals abgeschnürtes Kopfende, dessen Mundöff-
nung mit ungefähr 15 platten lanzettförmigen Tentakeln besetzt
') Annais of nafc. hist. a. a. O.
*) Nov. Act. natur. Curios. T. XX. P. 1. 1843. p. 143.
in der Naturgeschichte der Zoophyten. 275
ist. Der mittlere Theil des Kopfes wird von einem Gürtel
kleiner schwärzlicher Pünktchen umgeben, von welchen jedes
einen nach hinten gerichteten spitzen Kegel darstellt. Der
Hals und Leib des Thieres erscheint durch kleine warzenför-
mige Erhöhungen rauh, und am Ende des cylindrischen dicken
Leibes ragen einige kleine keulenförmige Anhänge hervor.
Rathke, welcher diesen Sipunculus an der norwegischen
Küste entdeckte, hält ihn mit Leuckart's Phascolosoma lon-
gicolle verwandt, worin er gewiss Recht hat, jedenfalls gehört
das Thier, dessen Gestalt überdies ausserordentlich veränder-
lich ist, zu der Gattung Phascolosoma, wenn nicht vielleicht
zu Phase, granulatum Leuck. Ein anderes ebenfalls mit Phase,
granulatum verwandtes Thier hat J. Müller l) unter dem
Namen Phascolos oma scutatum beschrieben. Dasselbe
zeichnet sich durch zwei scharf abgesetzte harte lederartige
Scheiben aus, von welchen die eine an dem Uebergange des
Körpers in den Rüssel, die andere Scheibe aber am Hinter-
leibsende angebracht ist Ref. fügt hier hinzu, dass die zoo-
logische Sammlung in Erlangen ein von Will bei Triest ge-
fundenes Phascolosoma scutatum besitzt, welches in einer
oben und unten offenen gleichweiten und sehr festen Kalk-
röhre steckt, in welche sich das Thier ganz zurückziehen
kann, wobei es die Eingänge der Röhre gewiss mit seinen
beiden Scheiben verschliesst. Müller bemerkt ausserdem
ganz richtig, dass Phascolosoma granulatum in Gestalt und
Beschaffenheit seiner rauhen Hautoberfläche vielfach variirt
und dass Ascosoma Blumenbachii Leuck., Sipunculus verruco-
sus Grub., Sipunc. tuber culatus Blainv., tigrinus und flavus
Riss, sowie Sipunc. Bernhardus und Johnstoni Forb. wahr-
scheinlich zu Phascolosoma granulatum gehören. Ref. muss
noch bemerken, dass vielleicht auch P/iascolosoma longicolle
Leuck. hierher zu rechnen ist. Nach Rathke 's Untersu-
chungen a) besitzt Holothuria inhaerens Müll, keine Füsschen,
sondern ankerförmige und netzförmige Kalkkörperchen in ihrer
warzigen Haut, und ist mithin eine Synapta. Eine von
Rathke bei Christiansund entdeckte, wie eine Erbse geformte
») Dieses Archiv. 1844. Bd. I. p. 166.
2) Nov. Act nat Cur. a. a. O. p. 136.
270' v- Siebold: Bericht über die Leistungen
kleine Holothuria flava ist am Munde mit zehn Tenta-
keln und auf der warzigen Körperoberfläehe mit fünf seichten
Längsfurchen versehen. Ihre Warzen enthalten ebenfalls an-
k erförmige Körperchen. Rathke möchte diese Holothurie zu
Minyas Cuv. rechnen, wenn diese letztere Gattung ankerför-
mige Körperchen besässe. Nach Costa's Beobachtungen ')
kommen im Golf von Neapel Synapten vor, welche von Syn-
apta Duvernaea verschieden sind. Von Peach2) ist an der
Küste von Cornwallis eine wahre, mit zwanzig Tentakeln ver-
sehene Holothurie entdeckt worden , welche Form der briti-
schen Fauna bisher fehlte. Ihr gurkenförmiger Körper ist
mit stachelartigen Auswüchsen und vier Reihen von Saugor-
ganen ausgerüstet. Von M'Andrew 3) ist dagegen Holo-
thuria squamata Müll, an der schottischen Küste aufgefunden
worden.
Forbes 4) hat 12 bis 15 verschiedene Echiniden in ver-
schiedenen Tiefen des ägeischen Meeres beobachtet, nämlich
Spatangus purpureus, die Fragmente eines zur Gattung Bris-
sus Kl. gehörigen Seeigels, A?nphidetus mediterraneus
nov. spec. , dorso convexiusculo, depressione subplano, im-
pressione scutiformi, extremitate anali truncata impressa, cauda
prominenti acuminata, ventre piano, area postorali lanceolata.
Aus der Familie der Clypeastriden traf Forbes in jenem
Meere Echinocyamus pusillus, aus der Familie der Cidariden
den Echinus lividus und Cidaris hystrix häufig an, während
Echinus esculentus dort selten ist. Eine andere häufige Echi-
ttWj-Species jener Gegend stimmte mit dem fossilen Echinus
monilis überein, glich dem Echinus miliaris Grub., war aber
von dem wahren Ech. miliaris sehr verschieden. Derselbe
Naturforscher 5) beschreibt Goniaster abbensis als einen
neuen britischen Seestern unter folgender Diagnose: corpore
planiusculo, orbiculari, angulis in brachüs productis, infra et
supra tuberculis, granulis stomatibusque vestito. Auch stellt
') Annales des sciences nat. T. 19. 1843. p. 394.
0 Institut, 1844. p.419.
3) Annais of natural history. Vol. 14. 1844. p. 413.
4) Ebenda. Vol. 13. 1844. p. 517.
5) Ebenda. Vol. 11. 1843. p. 280.
in der Naturgeschichte der Zoophyten. 277
Derselbe ') eine neue Ophiuriden -Gattung Pecti?iura mit
folgenden Charakteren auf: corpus orbiculare, squamosum,
granulosum, ad peripheriam radiatum; radiis simplicibus, squa-
mosis, in corporis diseuni subprolongatis; squamis radiorum
lateralibus adpressis, in niarginibus superioribus spiniferis;
ossiculis ovarialibus binis in corporis lobos non produetis.
Die einzige hierher gehörige Art Pectinura vestita fand
Forbes an der Küste von Lycien. Drei neue Arten der
Gattung Ophiura Lam., Agass , welche er im ägeischen Meere
gefunden, hat er unter dem Namen Ophiura texturala,
albida und abyssicola beschrieben. Ausserdem wurde von
Forbes die neue Ophiuriden- Gattung Ophiopsila mit fol-
genden Charakteren aufgestellt : corpus orbiculare, coriaceum,
laeve, ad peripheriam radiatum; radiis simplicibus squamosus,
infra discum insertis, squamis lateralibus subcarinatis, spini-
feris, spinis simplicibus; ossiculis ovarialibus parvis, oralibus
ad latera nudis. Zu dieser Gattung ward die eine Species
Oph. aranea gestellt. Eine andere neue Ophiuriden- Gattung
wurde von Forbes Amphiura genannt, von welcher der-
selbe die drei Arten Amph. neglecta, florifera und
Chiajii beschrieb, von welchen wir die Diagnose für Amph.
florifera hervorheben: disco squamis centralibus maximis
rosulatis, scutellis ovatis disjunetis, squamis radiorum supe-
rioribus quadratis ; inferioribus trilobatis ; lateralibus 3 -spini-
feris; spinis brevibus simplicibus.
Müller und Troschel 2) gaben ebenfalls über die geo-
graphische Verbreitung der Seesterne neue Aufschlüsse und
lieferten dabei die Beschreibung mehrerer neuer Arten, näm-
lich Echinaster decanus, Oreaster valvulatus, Astro-
goninm nobile, Goniodiscus singularis , seriatus,
Astropecten triser latus, Buschii, Vappa, Preissii,
Ophiolepis chilensis , ferner Aster acanthion poly-
plax, Echinaster Sarsii, Ophidiaster pusillus
Astropectenechinu latus, Mülleri, squamatus, Ophio-
*) Annais of natural history. Vol. 11. 1843. p. 463 und Vol. 12.
p. 211. Ferner the transactions of the Linnean society. Vol. 19. P. 2
1843. p. 143.
2) Dieses Archiv. 1843. Bd. 1. p. 113 und 1844. Bd. I. p. 178.
278 v- Siebold: Bericht über die Leistungen
lepis Schayeri, Ophiacantha groenlandica und Ophi-
othrix parasita. Dieselben bemerkten übrigens, dass die
von Forbes aufgestellte Gattung Pectinura mit ihrer Gattung
Op/darachna, und seine Art Pect, vestita wahrscheinlich mit
einer jungen Oph. gorgonia identisch ist. Dieselben wiesen
ferner nach, dass die drei Arten Ophiura texturata, albida
und abyssicola Forb. nur verschiedene Altersstufen der Ophio-
lepis ciliata. sind , und erkannten in Opldomyxa lubrica Forb.
ihre Opldomyxa pentagona , in Amphiura neglecta und Chiajii
Forb. ihre Ophiolepis squamata und filiformis , so wie in Go-
?iiaster abbensis Forb. ihr Astrogonium phrygianum. Müller
und Troschel finden sich ausserdem veranlasst, die Gattun-
gen Ophiothrix und Opldonyx zu vereinigen, weil nicht bloss
Ophionyx unterhalb der Stachelreihen der Armglieder mehr-
zackige Häkchen besitzt, sondern diese auch bei Ophiothrix
vorkommen, jedoch mit dem Unterschiede, dass letztere Ophiu-
ride nur am Ende der Arme diese Häkchen trägt, während
dieselben bei der ersteren in der ganzen Länge der Arme
angebracht sind.
Von Sars l) wurde die Entwicklung der Ästenden be-
schrieben, welche er an den Eiern- zweier neuen Seesterne,
nämlich des Echinaster sanguinolentus und Aster acantJdon
Mülleri auf ihrer zu. einer Bruttasche ausgehöhlten Bauch-
fläche beobachtete. Der Echi?iaster sanguinolentus des Sars
ist übrigens nach Müller2) der von ihm und Troschel
beschriebene Echinaster Sarsii.
Müller3) beschrieb zwei neue Comatulen als Alecto
purpurea und Wahlbergii und vermuthete, dass die von
Retzius als Asterias multiradiata und pectinata beschriebenen
und in Lund aufbewahrten Echinodermen wahrscheinlich zu
der von ihm aufgestellten Crinoiden-Gattung Actinometra ge-
hören. Die von Lamarck nur sehr kurz beschriebenen Co-
matulen sind von Troschel4) nach den Originalexemplaren
1) Dieses Archiv. 1844. Bd. I. p. 169, oder Annales des sciences
nat. T. 2. 1844. p. 190.
2) Ebenda. 1844. Bd. I. p. 169.
3) Ebenda. 1843. Bd. Lp. 131.
4) Ebenda, p. 135.
in der Naturgeschichte der Zoophyten. 279
als Alecto carinata, Adeonae , solaris, brachiolata, rotalaria
und fintbriata genauer beschrieben worden. Lieber den Bau
des Pentacrima caput Medusae hat Müller l) eine sehr wich-
tige Arbeit geliefert. Derselbe hatte ein Exemplar aus West-
indien erhalten, welches nach Vorausschickung einer histori-
schen Uebersicht über die an den Crinoiden und Fentacrinus
bisher angestellten Untersuchungen auf das genaueste be-
schrieben wurde. Der Stengel ist bei Fentacrinus caput Me-
dusae mit in Wirtel gestellten Cirren zu je fünf besetzt, deren
Entfernung und Länge nach oben hin abnimmt. Am oberen
Theile des Stengels wechseln höhere und niedrige Glieder ab.
Die mit fünf stumpfen Kanten versehenen Glieder greifen
nach oben mit sägezähnigen Rändern übereinander, während
die Glieder am untern Ende des Stengels sich mit geraden
Näthen untereinander vereinigen. Die unteren vielgliedrigen
Cirren des Stengels besitzen ein hackenförmig umgebogenes
Endglied. Die fünf Kelchradien bestehen aus drei Stücken,
von welchen das oberste Stück mit zwei Gelenkflächen zur
Verbindung der aufsitzenden Arme versehen ist. An diesen
Armen kommen sowohl bei Pentacrinus wie bei anderen Cri-
noiden Glieder vor, welche weder durch Muskeln noch durch
elastische Intercellularsubstanz beweglich mit ihren benach-
barten Gliedern verbunden sind, sondern ganz unbewegliche
Nathverbindungen besitzen. Solche unbewegliche Nathverbin-
dungen zweier Glieder hat Müller Syzygien genannt. Ein
Glied unterhalb einer solchen Syzygie trägt niemals Pinnulae.
Diese alterniren übrigens an den Gliedern und erscheinen
überhaupt regelmässig vertheilt. Die Bauchseite der Fenta-
crinen und Comatulen ist mit einem weichen Perisom über-
zogen, welches die Kelchradien verbindet und auf die freien
Arme und Pinnulae übergeht. Auf diesem Perisom verläuft
sowohl an den Armen wie Pinnulae eine Längsrinne, welche
in einander münden, von den Armen auf den Kelch über-
gehen und hier in einen den Mund umgebenden Tentakelring
auslaufen. Der Rand dieser Rinnen ist mit zarten kleinen
cylindrischen Fühlern besetzt, die sich verlängern und ver-
') Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Berlin
a. d. J. 1841. Berlin, 1843. p. 177.
280 v- Siebold: Bericht über die Leistungen
kürzen können und deren Oberfläche wieder mit kleineren
cylindrischen Fühlerchen bedeckt ist. Bei den Comatulen
tragen die Pinnulae schlauchförmige Anschwellungen, welche
an einigen Individuen Eier, an anderen dagegen Samenmasse
enthalten.
Acalephae.
Lessqn ') hat zu den Suites ä Buffon die Acalephen
bearbeitet. Da derselbe eine Reise um die Welt gemacht und
auf dieser genug Gelegenheit hatte, die meisten dieser See-
thiere frisch und lebendig zu sehen, so durfte man von die-
sem Naturforscher erwarten, dass er einer solchen Bearbei-
tung am meisten gewachsen sei; derselbe hat aber diesen Er-
wartungen wenig entsprochen. Um den inneren Bau der
Acalephen, um ihre Entwicklungsgeschichte scheint sich Les-
son wenig bekümmert zu haben. Derselbe hat überhaupt
alles hierher gehörige Material, ohne es zu einem Ganzen
verarbeitet zu haben, lose neben einander gestellt, wobei er
nur diejenigen in Deutschland erschienenen Arbeiten, welche
in französischen Journalen übersetzt existiren, ganz wörtlich
abdrucken Hess, während er die übrigen deutschen Arbeiten
mit der Entschuldigung ignorirte, dass er keine Uebersetzer
dafür gefunden hätte, und doch ernähren sich in Paris eine
grosse Anzahl Personen vom Uebersetzen deutscher Schriften.
Ref. beschränkt sich nur darauf, Lesson's systematische Ein-
theilung der Acalephen hier wieder zu geben. Derselbe stellt
nämlich folgende acht Familien der Quallen auf: I. Beroidae
mit den 8 Tribus : Cestoideae, Callianirae , Leucothoeae, Ca-
ly?nmeae, Neisidae, Ocyroeae, Cydippae und Beroae. II. Me-
dusa e, welche in vier Abtheilungen zerfällt. 1. Medusen
ohne Rüssel und Stiel mit den 5 Tribus: Eudorae, Ca-
rybdeae, Marsupialae , Nucleiferae, Berenicidae, 2. wahre
Medusen mit den 3 Tribus: Thalassantliae, Aequoridae, Ocea-
nidae, 3. Medusen mit einem Stiele und 4. Medusen
mit einem Rüssel mit den 2 Tribus: Monostomae und Po-
lystomae. III. Diphydae mit den 3 Tribus: Polygastricae,
Monogastricae und Dubiae. IV. Polytomae oder Pletho-
') Histoire naturelle des Zoophytes. Aealephes. Paris, 1843.
in der Naturgeschichte der Zoophyten. 281
somae mit den 2 Tribus: Plethosomae und Stephanomiae.
V. P hy sophorae mit den 7 Tribus: Rhizophorae, Discolabae,
Angelae, Athorybiae , Phy sophorae, Agalmae, Apolemiae. VI.
Physalide mit den drei Tribus: Cystisomae, Salaciae und
Alophotae. VII. Velellae. VIII. Porpitae. Ueber die
geographische Verbreitung der Acalephen macht Forbes x)
die Mittheilung, dass von den 57 Arten Quallen des mittel-
ländischen Meeres nur wenige im ägeischen Meere vorkom-
men, indem die Zahl derselben von Gibraltar nach dem Osten
hin im Mittelmeere abnehme. Von Pulmograden bemerkte
Forbes acht Arten im ägeischen Meere, nämlich Rhizostoma
Cuvieri? Esch. , Cephea tuber culata Macr., Oceania cruciata
Forsk., Thaumantias laxa Forb. , Aurelia granulata? Lam.,
Geryonia proboscidalis Forsk. nebst einer neuen Species und
Mesonema coelum pensile Mod. Von Cirrigraden leben dort
Velella spira?is Forsk. und Porpita glandifera Lam. , von Phy-
sograden dagegen Stephanomia contorta? M. Edw., von Cilio-
graden nur Beroe Forskalii M. Ed., Cestum Vener is Le S. und
Cydippe nov. sp. und endlich von Diphyden die beiden Arten
Pyramis tetragona Ott. und Calpe pentagona Q. et G.
Eine sehr gediegene Arbeit über die Acalephen des adria-
tischen Meeres haben wir von Will2) erhalten, welchem wir
eine Menge neuer Aufschlüsse über die Lebensweise und den
inneren Bau der Quallen dadurch verdanken. Zuerst spricht
sich derselbe über das Schwimmen und die Bewegungen der
Rippenquallen aus. Die Schwingblättchen sind nicht die ein-
zigen Bewegungsorgane von Beroe, obgleich sie den Körper
mit dem Munde voraustreiben; es bewegen sich diese Schwing-
blättchen aber auch, während die Beroe ganz still steht, und
umgekehrt das Thier bewegt sich ebenso von der Stelle, wenn
die Schwingblättchen weggenommen sind. Diese Organe sind
daher nur Hülfswerkzeuge der Ortsbewegung, denn diese wird,
wie sich Will überzeugte, durch abwechselnde Kontraction
eines unter der Haut verborgenen Muskelapparats bewirkt.
Derselbe vervollständigt die Diagnose der nach unvollständigen
') Report of the british association. 1843. p. 146.
2) Horae tergestinae oder Beschreibung und Anatomie der bei
Triest beobachteten Acalephen. 1844.
282 v- Sicbold: Bericht über die Leistungen
Exemplaren von Quoy und Gaimard zuerst als Beroe be-
schriebenen Eucharis multicornis des Eschscholtz in fol-
gender Weise: corpore elliptico, complanato; tentaculis qua-
tuor ciliatis; lobis ad os duobus, corpore paullo brevioribus,
reniformibus ; verrucis expansilibus seriatitn inter costas et in
superficie loborum externa dispositis; colore fusco-rufescente.
Will giebt zugleich einen Unterschied zwischen Eucharis und
Mnemia an, der darin besteht, dass Eucharis Warzen auf der
Haut besitzt, welche der letzteren fehlen, auch sollen die von
Mertens als Bolina beschriebenen Rippenquallen theils zu
Eucharis theils zu Mnemia gehören. Derselbe beschreibt Cy-
dippe brevicostata als eine neue Art mit folgender Dia-
gnose: corpore oblongo-ovato, posteriore corporis parte co-
stis octo brevissimis praedita, anteriore nuda; ciliis longissi-
mis; cirris ramosis albis; colore griseo-albido. Auch wurde
von ihm die Diagnose der Beroe rufescens Forsk. in folgen-
der Weise ergänzt: corpore ovato-oblongo, costis octo, qua-
tuor brevibus; ore magno, nudo; appendicibus ramosis ad
anum; vasibus rubro-maculatis; maculis sub ejudermide fla-
vido-fuscis; sanguine rubro. In Bezug auf das Leuchten der
Rippenquallen bemerkt Will, dass bei einer lebenden Beroe
rufescens die Rippen niemals leuchten und dass hier gewöhn-
lich durch Berührung in der Nähe des Afters sich ein star-
ker Funke von gelblichrothem Lichte entwickele; im Tode
leuchte dagegen die ganze Substanz dieser Qualle sammt den
Rippen, jedoch mit bläulichgrüner Farbe, welche Erscheinung
durch Erschütterung immer wiederkehrt. An Eucharis sah
Will bei starker Bewegung des Wassers oder bei Berührung
auch die Rippen mit bläulichgrünem Lichte leuchten; bei der
ersten schwachen Berührung leuchtete immer auch ein Punkt
in der Nähe des Afters. Eine todte Eucharis verhielt sich
beim Leuchten ganz wie Beroe. Will glaubt übrigens nicht,
dass das Leuchten der lebenden Rippenquallen mit der Fun-
ction der Geschlechtstheile zusammenhängt. Eine neue Schirm-
qualle hat derselbe unter dem Namen Cephea Wagneri in
folgender Weise charakterisirt : disci glabri centro prominulo,
fusco; brachiis bipartitis; cirris inter brachia quatuor; cotyle-
donibus aut lacteis aut coeruleis. Eine neue Polyxenia
leucostyla versah derselbe mit der Diagnose: hyalina; ap-
in der Naturgeschichte der Zoophyten. 283
pendicibus ventriculi 12 — 16; cirris annulatis, rigidis, albis,
apice flavescentibus. Auch fand sich Will veranlasst die
Diagnose für die Cytaeis tetrastycha Esch. zu erweitern, näm-
lich : disco campanulato ; ventriculo tubuloso, in margine fasci-
culis cellularum urticantiuni magnarum instructo; quatuor cir-
ris marginalibus crassis, annulatis, rigidis, albis. Derselbe
fügte zugleich die Diagnose von Cytaeis polystyla als neue
Art hinzu, nämlich: disco campanulato, ventriculo tubuloso;
labiis fasciculis compluribus cellularum urticantium instructis;
cirris marginalibus 26, annulatis, rigidis, albis, apice fuscescen-
tibus. Zwei neue Geryonien beschreibt Will in folgender
Weise: Geryonia pellucida, disco hyalino, subconico;
glandulis generationis lanceolatis quatuor; ore quadrilobato;
cirris marginalibus 64, expansilibus, und Geryonia planata
disco planiusculo, tenui; ventriculo rubro, quadrilabiato ; glan-
dulis generationis rotundis, quatuor; cirris marginalibus un-
decim expansibilibus, albis. Auch Thaumantias leuco-
styla wird von W7ill als neu beschrieben: disco tenui, pla-
niusculo; cirris 46 marginalibus albis, annulatis; glandulis ge-
nerationis rotundis; vesiculis marginalibus in basi cirrorum.
Zwei Ephyra- Arten, welche Will bei Triest beobachtete und
von der Eph. octolobata Esch. sich wesentlich unterschieden,
möchte derselbe für die Jugendzustände einer Scheibenqualle
halten, da ja auch die Eph. octolobata von Sars für eine
junge Medusa aurita erkannt worden ist. Eine Diphyes
Kochii stellte Will mit folgender Diagnose fest: cavitate
ductus nutritorii brevissima; squamis processibus duobus, lan-
ceolatis, erectis praeditis; ventriculis cirrisque albis. Aus
der Gattung Ersaea führte derselbe drei neue Arten auf, näm-
lich: Ers. pyramidalis, parte corporis nutritoria pyrami-
dali, lobis duobus inaequalibus, altero duplo longiore, trun-
cato; processu posteriore cavitatis nutritoriae sessili, parvo;
Ers. truncata, ambabus corporis partibus aequalibus, nu-
tritoria rotundata, glabra, lobis brevibus, subaequalibus, pro-
cessu posteriore cavitatis nutritoriae petiolato, parte natatoria
conoidea, rotundata, margine integerrimo; und Ers. elon-
gata, parte corporis nutritoria triplo minori, quam altera,
tetraedra, apice rotundato; lobis latissimis, cavitatis natatoriac
284 ▼• Siebold: Bericht über die Leistungen
marginem superantibus; cavitate nutritoria minima, processu
posteriore petiolato, multo majore.
Als irische Acalepheh werden von Thompson1) Cy-
dippe pileus, Melicertum campanulatum , Aurelia aurita, hilo-
bata und Cyanea Lamarckii aufgeführt.
Die Physophora tetrmticha ist von Philippi2) genauer
beschrieben worden. Es lassen sich an ihrer Axe vier Reihen
knorpeliger Schwimmblasen unterscheiden, unter welchen ein
doppelter Kreis von Fangarmen angebracht ist. Die äussern
Fangarme, welche zu 16 bis 20 an der Zahl vorhanden sind,
betrachtet Philippi als wahre Fangarme. Die innern Fang-
arme bestehen aus drei Theilen, nämlich aus einer kugelför-
migen Basis mit körnigem Inhalte, auf welcher ein bauchiges
Mittelstück mit einem schmalen spitzen Endtheile steht. Von
dem Grundstücke dieser Fangarme hängen Fäden herab, welche
mit kurzgestielten elliptischen und zugleich spiralförmig ge-
streiften Körperchen besetzt sind. Die hohle Axe ragt über
die Schwimmblasen hinaus, enthält keine Luft und besitzt
unten zwischen den Fangarmen eine Oeffnung, welche viel-
leicht Mundöffnung ist. Ausserdem ragen zwischen den Armen
noch traubenförmige Organe frei nach unten, von welchen
immer eine kurze Traube mit einer langen Traube vereinigt
sind und wahrscheinlich Ovarium und Hoden darstellen. Phi-
lippi sprach sich ausserdem noch über die Unterschiede der
früher von Peron, Forskai u. a. beschriebener Physophoren-
Arten aus. Ueber die Randkörper verschiedener Schirmqual-
len theilte Kölliker3) seine Beobachtungen mit, wobei der-
selbe die mit einem Pigmente versehenen Körperchen den
Augen, die pigmentlosen dagegen den Gehörorganen analog
hält. Hollard 4) möchte die zu Porpita und Velella gehö-
rigen Acalephen als eine kleine natürliche Familie, vielleicht
noch besser als eine besondere Ordnung angesehen wissen,
und fragt, ob nicht Patarm ein Jugendzustand von Velella
') Annais of nat. hist. Vol. 13. 1844. p.440.
2) Müller's Archiv. 1843. p. 58.
3) Froriep's Neue Notizen. Nr. 534. p. 81.
4) Comptes rendus. T. 17. 1843. p. 675, oder Froriep's Neue No
tizen. Nr. 610. p. 247.
in der Naturgeschichte der Zoophyten. 285
sei; auch in der Deutung der verschiedenen Organe dieser
Quallen weicht Hollard von der bisherigen Auffassung der
Organisation dieser Thiere ab.
Dujardin ') beobachtete kleine den Syncorynen ver-
wandte Zoophyten aus dem Mittelmeere, welche er als eine
besondere Gattung unter dem Namen Stauridium beschrieb.
Diese Thiere bildeten an den Enden eines verästelten horni-
gen Stieles keulenförmige Verdickungen mit vier in ein Kreuz
gestellten Armen. Diese einen Millimeter langen Arme ende-
ten mit einer kleinen Anschwellung, welche nach Art der
Hydra angelführende Kapseln enthielten. Aehnliche Kapseln
fanden sich auch in den Stielen vor. Diese Stauridien er-
fassten Cyclopen und verschlangen sie, indem sie ihren zwi-
schen den Armen befindlichen Mund weit öffneten. Dieser
war mit mehreren kurzen Tentakel -Rudimenten, denen die
Angelkapseln fehlten, besetzt. Im Innern der Aeste des Zoo-
phyten-Stockes befand sich ein Kanal, der mit Flimmercilien
ausgekleidet war. Dujardin glaubte, dass sich die Stauri-
dien durch Knospenbildung fort vermehren, er beobachtete
sie wenigstens zwei Jahre hindurch in diesem Zustande, ohne
dass Medusen aus ihnen wurden. Wenn sich aber viele Nah-
rung im Wasser vorfand, so bemerkte Dujardin, dass an
der Basis der einzelnen Stauridien zwei bis drei rothe Knos-
pen hervorsprossten, welche zuletzt ganz die Gestalt der
weiblichen Syncoryna Sarsii annahmen. Die glockenförmige
durchsichtige Hülle dieser Brut war am Rande mit acht bis
zehn Armen besetzt; an der Basis eines jeden Armes befand
sich eine leichte Anschwellung mit einem schwarzen Augen-
flecke, am Grunde der Giocke ragte ein röthlicher Magen in
die Höhe, während sich vom Rande der Glocke eine kontra-
ctile Haut über die Mündung derselben ausspannte, in deren
Mitte die Mundöffnung angebracht war. Die Arme dieser
jungen medusenartigen Thiere hatten eine gabelförmige Ge-
stalt, so dass die letzteren, wenn sie sich vom Stauridien-
Stoeke abgelöst hatten, ganz an Eleutheria Quatref. erinnerten.
Dujarjdin nannte das Thier jetzt Cladonema radiatum.
l) Comptes rendus. T. IG. 1843. p. 1132, oder Annales des scien-
ces nat. T. 20. 1813. p. 370.
286 v- Siebold: Bericht über die Leistungen
Diese frei gewordenen Medusen wussten sich mit ihren ver-
ästelten Armen reichliche Nahrung zu verschaffen und ent-
wickelten sich immer mehr, wobei sich ihre acht bis zehn
Arme noch weiter verästelten. Diese Cladonemen sassen ent-
weder mit der Glocke fest und Hessen ihre Arme im Wasser
flottiren, oder hielten sich mit den Armen fest oder schwam-
men durch die stossweisen Kontractionen der Glocke im Was-
ser umher. Duj ardin schlug vor, diese Cladonema in die
Nähe von Oceania, Thaumantias und Cytaeis zu stellen, Ref.
möchte indessen vermuthen, dass die Metamorphose dieser
Meduse noch nicht beendigt war.
P o ly p i. , *
Die Bryozoen sind wieder um einige neue Gattungen und
Arten vermehrt worden. Von Plumatella repens nimmt A 11-
man *) zwei Varietäten an, je nachdem sich der Polypen-
stock an grössere breite Körper oder an kleinere Gegenstände
anheftet und dann sich dicht zusammendrängen muss. Der-
selbe 2) zählt unter den Süsswasser-Bryozoen Irlands folgende
auf: Cristatella mucedo, Älcyonella stagnorum, Plumatella re-
pens mit noch zwei neuen Species PL emarginata und
fruticosa, ferner Fridericella sultana, der noch die neue
Art Fr. d Hat ata hinzugefügt wird, und Paludicella articu-
lata; zuletzt fügt All mann noch ein ganz neues Thier hinzu,
welches er als besondere Gattung unter dem Namen Cordy-
lophora lacustris schildert. Der kriechende Polypenstock
dieses Bryozoon ist hornig und verästelt, und enthält in sei-
nen Röhren einen mit fadenförmigen Armen versehenen Po-
lypen, der an Coryne erinnert. Eine andere neue Gattung
der Bryozoen hat Van Beneden 3) mit dem Namen Cri-
nomorpha hingestellt, ein Thier, welches sich durch Knos-
pen und Eier vermehren soll.
Auf die merkwürdigen vogelkopfahnlichen Organe der
Cellaria avicularis, Bicellaria ciliata und Flustra avicularis
1) Institut. 1843. p.454.
2) Annais of natural history. Vol. 13. 1844. p.328.
3) Bulletin de l'Academie royale de Bruxelles. T. 11. 1844.
p. 385.
in der Naturgeschichte der Zoophyten. 287
machte Krohn1) aufmerksam, und konnte so wenig wie
Nord mann über die Ursache der pendelartigcn Schwingun-
gen dieser Organe ins Klare kommen. Pincettenförmige Or-
gane, die aber nicht schwingen, traf Derselbe bei Retepora
cellulosa und bei einigen Discoporen an, wahrend er an den
Telegraphinen nur eingelenkte Stacheln und Borsten wahrge-
nommen, die sich abwechselnd hoben und senkten. Dar-
win2), welcher mit jenen Vogelköpfen verschiedener Flustren
Versuche anstellte, beobachtete, dass, wenn die Polypen an
den Stöcken abgeschnitten oder zerstört waren, sich jene Or-
gane doch noch wie vorher fortbewegten.
Als irländische Armpolypen werden von Allman3) Hy-
dra vulgaris, fusca und viridis aufgeführt. Eine sehr voll-
ständige Aufzählung aller von 1703 an bekannt gewordenen
Arbeiten über Süsswasserpolypen hat Van Beneden4) un-
ternommen.
Eine neue an der norwegischen Küste entdeckte Seeane-
mone Actinia (Isacmaea) clavata ist von Rathke 5) be-
schrieben worden. Sie besitzt einen rostgelben Mantel, einen
cylindrischen Leib mit abgerundetem Hinterrande und zeigt
ausgestreckt einen langen Hals, ihre 16 fadenförmigen ocker-
gelb gefleckten Tentakeln stehen in einer einfachen Reihe.
In einer anderen norwegischen Seeanemone mit in drei Krei-
sen stehenden Tentakeln erkannte Rathke die Actinia (Isac-
maea) viduata Müll. Nach Thompson 6) kommt an der
britischen Küste der Pagurus Prideauxii immer mit Actinia
maculata Adams, vergesellschaftet vor. Einen neuen wahr-
scheinlich zwischen Actinia und Lucernaria in der Mitte ste-
henden Polypen hat Allman7) beschrieben. Seine Tenta-
keln sind geknöpft und in zwei Reihen geordnet, und sein
innerer Bau verhält sich ganz wie bei Actinia. Coryne squa-
') Froriep's Neue Notizen. Nr. 533. p. 70.
2) Naturwissenschaftliche Reise. 1844. Th. I. p. 252.
3) Annais of natural history. Vol. 13. 1844. p. 328.
4) Nouveaux memoires de l'Academie des sciences et belles-
lettres de Bruxelles. T. 16. 1843.
5) Nov. Act. Acad. nat. Curios. T. 20. P. 1. 1843. p. 147.
6) Annais of nat. hist. Vol. 11. 1843. p. 103.
T) Reports of the british association. 1844. Notices. p.66.
288 x' Siebold: Bericht über die Leistungen
mata, welche auf Fucus in der Ostsee bei Danzig aufgefunden
wurde, ist von Rathke l) beschrieben und getrennten Ge-
schlechtes erkannt worden, auch eine von Rathke an der
norwegischen Küste entdeckte Coryne stimmte ziemlich mit
der Danziger Coryne überein. Eine neue Hydrine wurde
von Quatrefages 2) als Synhydra beschrieben. Dieser
Seepolyp besitzt im Innern einen wahren hornigen Polypen-
stock, welcher zweierlei Arten von Individuen trägt, die eine
Art hat eine keulenförmige Gestalt und ist mundlos, die an-
dere dagegen von sackförmiger Gestalt ist mit einer Mund-
öffnung versehen. Der Mund steht hier auf einer papillen-
artigen Hervorragung, deren Basis mit zahlreichen Tentakeln
besetzt ist. Diese Tentakeln variiren in der Zahl je nach
der Grösse der Individuen zwischen vier und sechsunddreissig
und stehen in zwei Reihen zu Gruppen vereinigt beisammen.
Der gemeinschaftliche Boden, aus welchen diese verschiedenen
Polypen hervorsprossen, ist sehr dünn und bildet ein eigen-
thümliehes Netz. Die Darmhöhlen der einzelnen Polypen
stehen durch Kanäle, welche sich durch die weiche wie hor-
nige Polypen -Masse hindurchziehen, unter einander in Ver-
bindung. Quatrefages, welcher diese Polypen an der Küste
der Bretagne und Normandie auf verschiedenen von Paguren
bewohnten Schneckengehäusen fixirt angetroffen, schlägt die
Bezeichnung Synhydra parasita für sie vor. Die mund-
losen Individuen dienen nur zur Fortpflanzung. Ihr freies
angeschwollenes Ende besitzt kleine unebene Auswüchse,
welche ein blumenkohlartiges Ansehen haben, unter welchen
ovale Körper als Geschlechtsorgane hervorragen. Zwischen
diesen zweierlei Arten sehr reizbarer und kontraktiler Poly-
penformen ragen aus dem breiten Polypenstocke eine Menge
kleiner Polypen in den verschiedensten Entwicklungsformen
hervor. Van Beneden3), welcher die Eleutheria des Qua-
trefages nicht als eine besondere Polypen - Gattung gelten
') Dieses Archiv. 1844. Bd. I. p. 155, oder Annales d. sc. nat.
T.2. 1844. p.2Q0.
2) Annales des sciences naturelles. T. 20. 1843. p. 230 und T. 1.
1844. p. 11.
3) Bulletin de l'Academie royale de Bruxelles. T. 11. 1844. p. 305.
in der Naturgeschichte der Zoophytcn. 289
lassen will, erklärt dieses Thier für einen noch jungen Po-
lypen, der im erwachsenen Zustande vielleicht seinen Platz
unter den Tnbularien finden dürfte, da ja auch junge Polypen
Eier hervorbringen könnten und Augen besässen ; ja Van
Beneden hält es nicht für unmöglich, dass Eleutheria das
jüngere Thier von Synhydra sei, wogegen sich indessen
Quatrefages verwahrt. Van Beneden erkennt ausserdem
in der Dysmorphosa conchicola Philip, und Cordylophora la-
custris Allm. seine im Jahre 1841 beschriebene Hydractinia
wieder, und schlägt für die Tubularien folgende Einthei-
lung vor:
A. Polypes a polypier.
1. Pennaria Goldf. tentacules de neux sortes, dont les
superieurs epars et a plusieurs rangees.
P. Cavolinii.
2. Tuhularia Pall. tentacules de deux sortes, en deux
rangees.
T. calamaris Pall., T. coronata Abildg^ T. Dwnortieri V. B.
3. Syncoryna Ehrb. tentacules tous semblables, a plu-
sieurs rangees.
S. pusilla Ehrb., S. Listerii V. B., S. ramosa Sars, S. Sar-
sii Lov. , S. Chamissonis Ehrb.
4. Corydendrium V. B. tentacules tous semblables,
epars. *
C. parasiticum {ßertularia parasitica Cuv.)
5. Eudendrium Ehrb. tentacules en une rangee.
E. ramosum Ehrb., E. briöüles Ehrb., E. splendidum Ehrb.,
E. racemosum Ehrb.
B. Polypes saus polypier.
6. Cor y na. Tentacules tous semblables, epars.
C. squamata Müll., C. aculeaia Wagn.
7. Hydractinia V. B. Tentacules a une rangee.
H. lactea V. B. (Syn/tydra parasita Quatref.), H. roseaV.h.
Zwei interessante Abhandlungen über die Campanularien
und Tubularien sind ebenfalls von Van Beneden bekannt
gemacht worden. In der ersten Abhandlung schickte derselbe ')
') Memoire sur les Campanulaires de la cöte d'Ostende, in den
Memoires de TAcademie royale de Bruxelles. T. 12. 1844.
Archiv f. Naturgeschichte. XI. Jahrg. 2. Bd. T
290 v- Siebold: Bericht über die Leistungen
eine historische Liebersicht über das bisher in Bezug auf die
Campanularien Geleistete voraus und Hess dann seine eignen
Beobachtungen folgen , nach welchen sich die Campanularien
sowohl durch Knospen wie durch Eier vermehren. Die er-
stellen entstehen wie bei Hydra als einfache Auswüchse, aber
in bestimmter Zahl und Entfernung von einander, wodurch
die regelmässige Gestalt der Polypenstöcke zu Stande kommt.
An diesen Stöcken entwickeln sich gewisse Knospen in den
Winkeln der Zweige zu Eierkapseln, deren Brut ganz die
Gestalt einer Schirmqualle mit Randeirren und kapseiförmigen
Randkörpern erhalten. Den Schluss der Abhandlung bildet
die genaue Beschreibung der Campanularia gelatinosa, geni-
culata, volubilis ui\<T syri?igaf welcher noch schöne Abbildun-
gen beigefügt sind. In der zweiten Abhandlung Hess Van
Beneden !) ebenfalls wieder eine historische Liebersicht der
über die Tubularien bisher gelieferten Arbeiten vorausgehen
und suchte dann darzustellen, wie sich diese durch fünf ver-
schiedene Methoden vermehren, nämlich 1. durch Knospen,
welche sich nicht vom Stamme ablösen, 2. durch sich ablö-
sende Knospen, 3. durch einfache Eier, 4. durch Eier, welche
sich vervielfachen, 5. durch sich ablösende Knospen, welche
Eier hervorbringen. Ref. vermuthet indessen, dass Van Be-
neden durch Verkennen des an den Eidottern vorgehenden
Durchfurchungs-Processes die Vermehrungsweise der Tubula-
rien nicht ganz richtig aufgefasst habe. Dieser Entwicklungs-
geschichte der Tubularien fügt Van Ben e den noch eine
vollständige durch Abbildungen erläuterte Beschreibung dieser
Familie nach der von ihm vorgeschlagenen Eintheilung (s. o.)
hinzu. Derselbe 2) fasste diese seine an Campanularien und
Tubularien gemachten Beobachtungen in folgender Weise zu-
sammen : diese Polypen besitzen keine männlichen Geschlechts-
organe, bringen auch keine weiblichen Individuen hervor,
sondern was man bisher für Weibchen genommen hat, sind
junge Thiere, von den fünf verschiedenen Fortpflanzungsarten
kommen oft drei bis vier Arten bei einer und derselben Po-
lypen-Species vor. Die jungen Polypen stimmen im Aussehen
') Recherches sur l'embryogenie des Tubulaires, ebenda.
2) Müller's Archiv. 1844. p. 110.
in der Naturgeschichte der Zoophyten. ;M) {
und in der Bewegung mit Akaleplien übereto, wodurch zwi-
schen diesen Polypen und dieser Zoophyten-KIasse eine nahe
Verwandtschaft hervorgerufen wird.
Von Peach l) wurden kleine mit Flimmerhaaren bedeckte
Körperchen, welche in einem zum Aufbewahren von Sertula-
rien und Campanularien dienenden Wasser umherschwammen,
für Eier gehalten, von Forbes dagegen für Medusen -Em-
bryone erklärt.
Kölliker 2) erkannte an Sertularia Cavolini, dass die
Jungen, wenn sie die Eierkapseln ihres Polypenstammes ver-
liessen, eine medusenartige Gestalt besassen, wobei sie durch
die Contractionen ihres scheibenförmigen Körpers frei im
Wasser umherschwammen.
Aus einer von Krohn3) unternommenen Zusammen-
stellung der verschiedenen Beobachtungen und Ansichten der
altern und neuern Naturforscher über die Vermehrungsweisen
der Polypen geht hervor, dass die Gestalt der Weibchen, ihr
bis zum Absterben bleibender Zusammenhang mit dem Poly-
penstocke, ihre Ablösung und der Zeitpunkt der Eierentwick-
lung je nach den verschiedenen Arten ausserordentlich variirt.
Krohn erklärt die verschiedenen medusenartigen frei umher-
schwimmenden, zu Syncoryna und Campanularia gehörigen
Thierchen für die Weibchen dieser Polypen.
Forbes4) vergleicht die bei den Sertularien vor sich
gehende Bildung der Eier erzeugenden Theile mit der Blüthe
der Pflanzen , indem hier ein Eierbehälter ähnlich aus einer
Metamorphose des Polypenstammes und seiner Aeste hervor-
gehe, wie die Blume durch eine Metamorphose des Stengels
und der Blätter einer Pflanze entstehe. Derselbe schlägt zu-
gleich vor, alle Polypen in die folgenden vier Ordnungen zu
theilen: 1. in Hydraiden und Tubularien, 2. in Sertulariaden,
3. in Helianthoiden und 4. in Asteroiden. Diese Ordnungen
könnten durch die Art ihrer Fortpflanzung von einander un-
1) Institut. 1843. p. 454.
2) Froriep's Neue Notizen Nr. 534. p. 81.
3) Müller's Archiv. 1843. p. 176.
4) Reports of the british association. 1844. Notices. p. 68 und
Annais of the natural history. Vol. 14. 1844. p. 385.
292 v Siebold: Bericht über die Leistungen
terschiedcn werden, indem nämlich die Hydraiden und Tnbu-
lariaden äussere knospenartige Eierkapseln hervorbrächten,
während sich bei den Sertnlariaden Stämme und Aeste zu
Eierkapseln umbildeten, indem ferner bei den Asteroiden die
Eierkapseln in der Substanz des Polypenstockes eingebettet
lägen, während in den Helianthoiden die Ovarien einen Theil
der innern Organisation eines Polypen-Individuum ausmachten.
Ausserdem will aber Forbes die Bryozoen von den Polypen
trennen und neben den zusammengesetzten Tunikaten zu den
Mollusken gestellt wissen.
Der Satz des Savigny, dass sich eine zusammengesetzte
Ascidie durch ihre sechs Tentakeln von Alcyonium unter-
schiede, dessen Polypen stets acht Tentakeln trügen, wurde
durch Milne Edward 's ') umgestossen, welcher im mittel-
ländischen Meere eine wahre zusammengesetzte Ascidie mit
acht Tentakeln entdeckt hat.
M 'Andrew2) entdeckte an der Westküste von Schott-
land eine zwei Fuss sechs Zoll lange Virgularia mit vierkan
tigern Schafte in einer Tiefe von 20 Faden, welche er als
Funicularia quadrangularis bezeichnete, aber von
Forbes als die Pennatula quadrangularis Pall. erkannt wurde,
aus welcher Cuvier die Gattung Pavonaria gemacht hatte.
Ein der Virgularia verwandtes Zoophyt beobachtete Dar-
win 3) in Südamerika, sein dünner gerader und fleischiger
Stengel , welcher seitlich mit wechselnden Polypenröhren be-
setzt war, enthielt eine elastische steinichte Axe, und endigte,
während er auf der einen Seite abgestumpft war, auf der an-
deren mit einem wurmförmigen Anhange, der in zwei Abthei-
lungen geschieden war und kleine runde gelbe Eier enthielt.
Während der Ebbe sah Darwin diese Zoophyten wie Stop-
peln auf dem kothigen Sande stehen, welche sich aber bei
Berührung in den letzteren gänzlich zurückzogen. -
Von Hassall 4) sind drei neue Polypenstöcke unter den
') Comptes rendus. T. 19. 1844. p. 1140.
2) Report of the british association. 1844. Notices. p. 64 und
Annais of the nat. hist. Vol. 14. 1844. p. 413.
3) Naturwissenschaftliche Reise. 1844. Th. I. p. 116.
4) Annais of natural history. Vol. 11. 1843. p. 111.
in der Naturgeschichte der Zoophytcn. 293
Namen Antennularia urbar escens, Alcyonidium glo-
m erat um und Farcimia spul hulosa beschrieben worden.
Korbes !) verwirft die von Hassall aufgestellte Polypen-Gat-
tung Echinocorium , indem der neue Polyp nichts anderes als
Alcyonidium echinatum gewesen sei, an welchem zufällig meh-
rere Individuen von Coryne squamata fest gesessen hatten.
Hassall2) nahm diesen Einwurf sehr übel auf, ohne seine
frühere Meinung aufzugeben. Korbes3), welcher später jene
Coryne als eine besondere Art erkannte4, nannte dieselbe Co-
ri/ne Hassalli (corpore elongato, capite clavato, tentaculis
brevibus albidis), was vielleicht Hassall beruhigen dürfte.
Als irische Zoophyten werden von Thompson 4) die
Polypen Thujaria Thuja, Zoanthus Couchii und Lepralia ver-
rucosa aufgeführt. Nach Korbes' Beobachtungen5) kommen
im ägeischen Meere nur sehr wenige Zoophyten aus der Klasse
der Polypen vor. Corallium rubrum findet sich dort nur in
kleinen Kxemplaren, ferner Farcimia fistulosa, Cladocera cae
spitosa und Porites daedalea. Klustren sind selten, Alcyonien
dagegen nicht; ausserdem bemerkte Korbes in jenem Meere
Edwardsia vestita und zwei Arten von Pennatula, und in den
Tiefen Idmonea, Caryophyllia , Plumutaria, Hornera, ferner
Myriapora t?uncatet, Tubularia serpens, Retepora, Alecto,
Eudendrium, Valkeria, Qimpanularia , Cr isla, Actinia und
Alcyonium.
Verschiedene Gewächse, welche wegen ihres Kalkgehalts
zu den Polypen gerechnet worden sind, nämlich Corallina
und die damit verwandte Gala.iaura, Halimedea, Udotea, Ace-
tabidum, Melobesia, Jama etc. hat Katzin g 6) als Tange auf-
geführt, und es dabei unentschieden gelassen, ob die Spon-
gien thierischer oder vegetabilischer Natur sind.
') Annais of natural history. Vol. 12. 1843. p. 40.
2) Ebenda. Vol. 12. p. 117.
3) Ebenda. Vol. 12. p. 188.
*) Ebenda. Vol. 13. p. 440.
5) Report of the british association. 1843. p. 146.
6) Anatomie, Physiologie und Systemkunde der Tange. 1843.
pag. 8.
294 v. Siebold: Bericht über die Leistungen
Proto%oa. (Infusoria und Rhizopoda).
Von Graven hörst l) sind die Beobachtungen Ehren-
berg's über den äusseren und inneren Bau, sowie über die
Lebensweise der Infusorien kurz zusammengestellt und eine
Uebersicht der Gattungen, jedoch ohne Hinzufügung der Gat-
tungscharaktere nach Ehrenberg's Classification geliefert
worden.
Ehrenberg2) fand in den Elbe-Absätzen bei Hamburg
und Glückstadt eine Menge mikroskopischer Panzer von See-
thierchen, welche kieselschaligen Polygastricen und kalkscha-
ligen Polythalamien angehörten. Aehnliche Resultate lieferten
Ehrenberg's Untersuchungen des Scheide- und Ems-
Schlicks, so wie des Meerabsatzes an verschiedenen Küsten-
gegenden der Nord- und Ostsee, wobei fünf neue Gattungen
mit vielen neuen Species entdeckt wurden. Derselbe erkannte
ferner die Lebensverhältnisse im kleinsten Räume sowohl am
Süd-Pol wie am Nord-Pol und in den grössten erreichbaren
Tiefen des Oceans von überaus grosser Ausdehnung und In-
tensität 3). Ehrenberg gelangte zu dieser Ueberzeugung
durch die Untersuchungen der von der Südpolreise des Ca-
pitain Ross so wie von den Herrn Schayer und Darwin
ihm zugekommenen oceanischen Materialien, wobei ihm die
seltene Gelegenheit geworden war, die im Wasser mitgebrach-
ten und ihm anvertrauten Lebensverhältnisse aus dem süd-
lichen Polarmeere vom 75° — 78° südlicher Breite untersuchen
zu können. Derselbe 4) unermüdliche Forscher mikroskopi-
scher Organismen wies in einem im hohen atlantischen Ocean
auf Schiffe niedergefallenen Staube verschiedene kieselschalige
Polygastrica nach und zeigte, dass dieser Staub von einer
ausgetrockneten Sumpfgegend herrührte. Auch in den von
Koch aus Konstantinopel eingesandten Proben der Meeres-
') Naturgeschichte der Infusionsthierchen nach Ehrenberg's gros-
sem Werke über diese Thiere. 1844.
-) Bericht über die Verhandlungen der Akademie d. Wissensch.
zu Berlin a. d. J. 1843. p. 161 u. 259.
3) Ebenda. 1844. p. 182.
4) Ebenda. 1844. p. 194.
in der Naturgeschichte der Protozoen. 295
Ablagerungen im Marmor - Meer und Bosporus erkannte Eh-
renberg *) verschiedene kieselschaligc Polygastriea und kalk-
selialige Polythalamien mit neun neuen Arten. Alle die bei
dieser Gelegenheit gefundenen neuen Gattungen und Species
wurden von Ehrenberg seinem Systeme einverleibt.
Ueber Gallionella und Monadinen im eisenhaltigen Torf-
wasser sprach sich W erneck aus, dem Ehrenberg noch
verschiedene Bemerkungen beifügte 2).
Von Kützing werden die Bacillarien als Diatomeen zu
den Algen gerechnet. Sie sollen nach ihm eben sowohl ein
vegetabilisches wie thierisches Leben führen 3). Diese Diato-
meen finden wir in einem grössern Werke von Kützing
nach Gattungen und Arten mit kurzen Diagnosen beschrieben
und abgebildet 4). Derselbe hat jedoch Gallionella ferruginea
Ehrb. als eine wahre Conferve auch von den Diatomeen aus-
geschlossen, indem er nachzuweisen suchte 5), dass Gallionella
ferruginea nicht, wie Ehren her g meint, an der Bildung des
Eisenockers und Rasen eisen Steins Antheil habe, sondern dass
sich das in Eisenquellen enthaltene kohlensaure Eisenoxydul
zersetze und zu Eisenoxyd geworden sich als sogenannter
Eisenocker niederschlage, mag in einer solchen Quelle Gal-
lionella ferruginea , welche überdies auch nicht einmal eine
Kieselschale besitzt, enthalten sein oder nicht. Kützing hul-
digt ausserdem dem Satze, dass nur in der höhern organischen
Welt ein Pflanzen- und Thierleben als Gegensätze zu unter-
scheiden wären, und dass diese für manche Formen der nie-
deren Geschöpfe gar nicht existirten ; in diesem Sinne wurde
von demselben eine Schrift abgefasst 6), in welcher aufgestellt
wird , dass das Infusorium Enchelys pulvisculus sich in einen
Protococcus und zuletzt in eine Oscillatorie umwandle, ferner
dass das Infusorium Chlamidomonas pulvisculus in die (Jon-
*) Bericht über die Verhandlungen der Akademie d. Wissensch.
zu Berlin a. d. J. 1843. p. 253.
2) Dieses Archiv. 1843. Th. 1. p. 105.
3) Anatomie, Physiologie und .Systemkunde der Tange. 1843. p. 4
4) Die kieselsehaligen Bacillarien oder Diatomeen. 1844.
5) Ebenda, p. 56.
6) Ueber die Verwandlung der Infusorien in niedere Algenfor-
men. 1844.
296 v. Siebold •. Bericht ü. d. Leist. in d. Naturg. der Protozoen.
ferve Stygeoclonium umgewandelt wird , wobei Tetraspora
lubrica, oder gelatinosa, Palmella botryoides, verschiedene Pro-
tococcus- und Gyges- Arten als verschiedene Entwicklungsfor-
nien zum Vorscheine kommen. Auch Flotow *) behandelte
ein ähnliches Thema und machte darauf aufmerksam, dass
verschiedene Entwicklungsformen des Haematococcus pluvialis
leicht als Infusorien betrachtet werden könnten, indem ein-
zelne Formen derselben mit den von Ehrenberg aufgestell-
ten Infusorien -Gattungen Chilomonas , Cryptomonas , Gyges,
Chlamidomonas , Pandorina , Chaetoglena , Chaetotyphla die
grösste Aehnlichkeit haben. Diesen Naturforschern ging Un-
ger voraus, welcher sich durch seine an Vaucheria clavata
gemachten Beobachtungen 2) zu derselben Annahme verleiten
Hess, dass sich Thiere in Pflanzen und umgekehrt Pflanzen in
Thiere verwandeln könnten. Ref. hat jedoch in einem beson-
deren Programme 3) aufmerksam gemacht, dass aus den inter-
essanten Entdeckungen Unger's, zu denen auch die des
Thuret4) zu zählen sind, nichts weiter geschlossen werden
darf, als: Fl iram erepithelium und Flimmerorgane
sind nicht ausschliessliches Eigenthum des Thier-
reichs.
') Nov. Act. Acad. nat. Curios. Vol. XX. P.2. 1844. p. 413.
2) Die Pflanze im Momente der Thierwerdung. 1843.
3) De finibus inter regnum animale et vegetabile constituendis.
Erlangae. 1844.
4) Annales des sciences naturelles. Botanique. T. 19. 1843. p. 266,
Recherches sur les organes locomoteurs des spores des Algues.
297
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Mollusken während des Jahres 1844.
Von
Dr. F. H. Troschel.
In Menke's Zeitschrift für Malacozoologie erhielt die
Klasse der Mollusken ein besonderes Organ für die Verbrei-
tung des Wissenswürdigen. Es erscheint monatlich ein Bogen
Text, in welchem theils kürzere Original-Aufsätze, theils kri-
tische Anzeigen bekannt gemacht werden. Die ersteren sind
ausser denen des Herausgebers im Jahrgange 1844 geliefert
von Beyrich, Dunker, Jonas, Koch, Pfeiffer, Philipp! und wer-
den unten passenden Orts Erwähnung finden. Die kritischen
Anzeigen betreffen meist neuere Werke, und sind vom Her-
ausgeber bearbeitet, der sich bei seinen speciellen Kenntnis-
sen in dieser Wissenschaft, und bei dem Besitz einer ausge-
zeichneten Bibliothek, die. sich der Vollständigkeit annähert,
besonders für derartige Arbeiten eignet. Gewiss wird das
Unternehmen Fortgang haben, zumal da es bei der Billigkeit,
die nur durch das Nichtbeigeben von Abbildungen erzielt
werden kann, einem grössern Publikum zugänglich wird.
Beim Schluss des Jahrgangs sind Titel und alphabetisches In-
haltsverzeichniss geliefert.
Der zehnte Band von Lamarck Histoire naturelle des
animaux Sans vertebres par Deshayes erschien im Jahre
1844. Wie in den früheren Bänden ist auch hier namentlich
die Synonymie bereichert, und vielfach auf die Berichtigung
der Namen nach der Priorität aufmerksam gemacht. Beson-
ders wichtig sind die Bemerkungen über die Thiere der ein-
zelnen Gattungen. Dieser Band enthält die Gattungen: Cas-
sidaria, Oniscia, Cassis, Riciuula, Purpura, Monoceros, Con-
cholepas, Harpa, Dolium, Buccinum, Eburna, Terebra; Colum-
298 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen in der
bella, Mitra, Voluta, Marginella, Volvaria; Ovula, Cypraea,
Terebellum, Ancillaria, Oliva.
Von Philippi's geschätzter Enumeratio Molluscorum
Siciliae, deren erster Band in Berlin 1836 herausgegeben war,
erschien im Jahre 1844 der zweite Band unter dem besondern
Titel : Fauna Molluscorum viventium et in tellure tertiaria
fossilium Regni utriusque Siciliae. Halis Saxonum sumptibus
Eduardi Anton. Vorzugsweise ist in diesem Bande darauf
Bedacht genommen, die Aufzählung der in jenen Gegenden
vorkommenden Mollusken- Arten zu vervollständigen, zweifel-
hafte und neue Arten durch sichere Merkmale zu unterschei-
den und die Synonymie zu berichtigen. Nach der Angabe
des Verf. in der Einleitung waren im ersten Bande von der
Insel Sicilien 640 lebende und 367 fossile Arten aufgezählt,
im zweiten Bande wurden die Untersuchungen auf das ganze
Neapolitanische Reich ausgedehnt, und dadurch die Zahl der
beschriebenen lebenden Arten auf 814, die der fossilen auf
589 gebracht, und 258 Arten wurden auf 16 lithographirten
Tafeln (tab. X1I1 bis XXVIII) hier zuerst abgebildet. Die am
Schluss gegebene Uebersicht der geographischen Verbreitung
der Mollusken Unter -Italiens ist in dieses Archiv 1844. I.
p. 28 übergegangen.
Ein Nachtrag zum zweiten Bande der Enumeratio Mol-
luscorum Siciliae ist von Philipp! in Menke's Zeitschrift
1844. p. 100 gegeben. Es sind hier wieder manche Berichti-
gungen in verschiedenen Beziehungen gegeben, und mehrere
neue Arten hinzugefügt, deren Namen unten genannt werden
sollen.
Von Philippi's Abbildungen und Beschreibungen neuer
oder wenig gekannter Conchylien erschienen im Laufe des
Jahres 1844 fünf Lieferungen 4 — 8, womit denn der erste
Band geschlossen ist. Titel und Register sind der letzten
Lieferung beigegeben. Die behandelten Gattungen sind in
Lief. 4: Helix , Nerita, Trochus, Pyrula, Psammobia, Pecten.
in Lief. 5: Steganotoma und Cyclostoma, Fusus, Paludina,
Haliotis, Tellina, Venus; in Lief. 6: Glandina, Trochus, Siga-
retus, Haliotis, Cytherea; in Lief. 7: Helix, Bulimus, Melania,
Mactra, Cytherea, Venus; in Lief. 8: Cylindrella, Trochus,
Murex, Psammobia, Cytherea, Pecten. Sehr zweckmässig
Naturgeschichte der Mollusken wahrend des Jahres 1844. 299
erscheint es, dass bei jeder Gattung der Monat und die Jah-
reszahl der Publication angegeben sind. Wenn doch die Fran-
zösischen Autoren sich dieser kleinen Vorsicht hingeben
möchten! Ihre Lieferungen erscheinen häufig ganz ohne Jah-
reszahl.
Von Potiez und Michaud wurde im Jahre 1838 ein
Werk herausgegeben unter dem Titel : Galerie des Mollusques
ou Catalogue methodique, descriptif et raisonne des Mollus-
ques et Coquilles du Museum de Douai. Dieser erste Band
enthielt die Cephalopoden, Fteropoden und Gasteropoden,
deren eine beträchtliche Zahl auf 37 Tafeln abgebildet war.
Hierzu ist nun im Jahre 1844 der zweite Band erschienen,
welcher die Brachiopoden, Testaceen und Tunicaten, also die
zweite grosse Abtheilung der Mollusken enthält. Zu diesem
Bande gehören 33 Tafeln, die in Steindruck ausgeführt sind.
Meist ist im Text nur der Name der Arten mit der Synony-
mie, und der Fundort angegeben. Einige neue Arten sind
beschrieben, und von ihnen sind, da das Werk wohl weniger
allgemein verbreitet ist, die Diagnosen unten mitgetheilt.
In der Uebersicht der Arbeiten und Veränderungen der
Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur im Jahre
1844 finden sich Ergänzungen zur Mollusken-Fauna Schlesiens
von H. Scholtz. Es sind hier einige Arten und auch die
Gattung Pupula Ag. der Schlesischen Fauna hinzugefügt. Als
Anhang ist ein alphabetisches Verzeichniss der in Schlesien
einheimischen Gattungen und Arten nebst Angabe ihrer Ver-
breitung nach den verschiedenen Höhenverhältnissen gegeben.
Danach kommen vor: in der Ebene 91 Arten, im Vorgebirge
92 Arten und im Hochgebirge 25 Arten. Von den 135, in
26 Gattungen vertheilten Arten leben 78, in 14 Gattungen
auf dem Lande, und 57, in 12 Gattungen im W'asser. Unter
letzteren sind 37 in 8 Gattungen vertheilte Wasserschneckon,
und 20 in 4 Gattungen vertheilte Arten Muscheln. Unter
den Landschnecken zeichnen sich durch Artenreichthum die
Gattungen Helix (34) und Clausilia (14) aus; unter den Was-
serschnecken Limnaeus (11) und Planorbis (13); unter den
Muscheln Anodonta (6) und Unio (6).
Im Jahre 1844 erschien Part IV. des Thesaurus Conchy-
liorum or figures and descriptions of recent shells, edited and
300 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
illustrated by G. B. Sowe rby jun. Ueber die erste Liefe-
rung ist im Jahre 1843 berichtet; die zweite und dritte sind
mir nicht bekannt geworden , sie enthalten Monographien der
Gattungen Pecten, Pteroceras, Hinnites, Lima und Cyclostoma,
die vorliegende vierte Lieferung giebt die Gattungen Scalaria
und Columbella.
Ch-eiiu Ulustrations Conchyliologiques ou Description
et figures de toutes les coquilles connues Vivantes et fossiles,
classees suivant le Systeme de Lamarck modifie d'apres les
progres de la science et comprenant les genres nouveaux et
les especes recemment decouvertes. Avec la Collaboration
des principaux conchyliologistes de la France et de l'etranger.
Von diesem glänzend ausgestatteten Werk sind bereits 54
Lieferungen bis zum Anfange des Jahres 1846 erschienen,
aber leider ohne Jahreszahl, so dass es sich nicht beurtheilen
lässt, wie viele davon auf das Jahr 1844 kommen. Das Werk
liefert Monographien, von denen in den erschienenen Liefe-
rungen die Gattungen Aspergillum, Panopaea bearbeitet von
Valenciennes , Dentalium, Siliquaria, Sigaretus von Recluz,
Solen, Ciavagella von Caillaud, Magilus, Stylifer, Corbis, Gly-
eimeris, Poronia (Cardium spec.) von Recluz, Pecten, Pedum,
Ungnlina, Hinnites, Galathea, Syndosmya von Recluz, Strom-
bus von Duclos, Oliva, Ervilia Turt., Spondylus, Diceras von
Favre, Lavigno Cuv., Tridacna, Mycetopoda d'Orb., Cleido-
thaerus Stutchbury (Chama albida Lam.), und Ligula von Re-
cluz enthalten sind. Der Begriff von Coquilles wird hier in
sehr weitem Sinne genommen, denn ausser den eben genann-
ten Molluskengattungen sind auch folgende Cirripedien und
Annulatengattungen behandelt: Arenicola, Spirorbis, Coronula,
Baianus, Sabellaria, Terebella, Amphitrite, Pherusa, Pectinaria,
Siphostoma, Ditrupa, Creusia, Pyrgoma, Tubicinella.
Von The zoology of the Voyage of H. M. S. Sulphur
under the command of Captain Edward Belcher during the
Years 1836 — 42 sind im Jahre 1844 zwei Lieferungen (6 u. 7)
und im Jahre 1845 eine Lieferung (8) mit Mollusken erschie-
nen. Diese Abtheilung ist von Hinds bearbeitet. Da mit
der 8. Lieferung der Abschnitt über Mollusken geschlossen
ist, so scheint es passend über das Ganze gleichzeitig zu be-
richten. Es ist hier eine grosse Anzahl von neuen Arten
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres lS4i. []()[
beschrieben und abgebildet, von denen die meisten bereits
in den Annais of natural history und in den Proceedings of
the zoological Society publicirt sind. Jede Lieferung enthält
7 colorirte Tafeln in Kupferstich von G. B. Sowerby jun.
Die Malacologie erhält durch dieses Werk keine HereicheruiiL-,
indem nur die Conchylien beschrieben sind.
Menke gab als pragmatische Einleitung zu seiner Zeit-
schrift für Malacozoologie p. 1 einen Aufsatz: Standpunkt und
Bedürfniss der malacozoologischen Literatur.
Ferner finden sich von Demselben Beiträge: zur älte-
sten Geschichte der Mollusken (Zeitschr. p. 17 und in den
folgenden Nummern), in welchen Verf. auf Homer p. 65 und
p. 145 und Hesiod p. 81 eingeht. Bei Homer finden sich nur
äusserst wenige Mollusken erwähnt. Die irftea (Jl. 16, 747)
will IM. für Austern, oder doch für ein essbares Mollusk
deuten, in der Odyssee (5, 432) wird Odysseus, als er sich
an einen Felsen anklammert, mit dem novlimovg (vielleicht
Octopus vulgaris) verglichen. Den Helm der Frösche im
Froschmäusekrieg 165 und 258 weist M. sehr geistreich als
Limnaeus stagnalis nach. — Hesiod (egycc aal fj(.ieQaL v. 522.
523) nennt den Meerpolypen knochenlos, was auf die Gat-
tung Octopus schliessen lässt. Ib. v. 569 wird noch die ge-
häustragende Landschnecke als Zeichen des einbrechenden
Frühlings genannt
In den Comtes rendus 19. p. 1076 ist eine Arbeit von
AI cid e d'Orbigny angekündigt: Recherches sur les lois
qui president a la distribution geographique des mollusques
marins cotiers. Die Betrachtungen beziehen sich nur auf die
Küsten von Südamerika und stehen in Uebereinstimmung mit
denen, welche derselbe Verf. früher in Betreff der Foramini-
feren (vergl. dies Archiv 1840. I. p. 398) bekannt gemacht
hat. Die Malwinen haben eine specielle Fauna ; die der ge-
mässigten Gegenden ist reicher als die der heissen Zone und
zwar in beiden Meeren. Von 95 Gattungen gehören 50 nur
einem Meere an, wahrend 45 beiden gemeinschaftlich zukom-
men. Die Ströme streben die Mollusken, welche eine grös-
sere Verschiedenheit der Temperatur ertragen können, zu
verbreiten; so verbreiten sich im atlantischen Ocean 12 Arten
auf 19°, und im stillen Ocean 15 Arten auf 22° der Breite,
302 Tr ose hei: Berieht über die Leistungen in der
und hören auf an «Ion Nordgrenzen der Ströme. Von der
andern Seite bestimmen die Ströme , wenn sie sich von der
Küste entfernen, wie an den Malwinen, oder wenn sie gegen
ein Vorgebirge anspülen, wie beim Cap Hörn, oder wenn sie
heftig gegen die Küste anströmen, wie bei Payta, die Tren-
nung der Faunen. Die Temperatur zwängt demnächst die
Arten in engere Grenzen. Auch die orographische Beschaf-
fenheit der Küsten hat einen mächtigen Einfluss auf die Be-
schaffenheit der Fauna.
Eine Uebersicht der Mollusken der deutschen Nordsee
erhielten wir, wenigstens den Anfang derselben, von Menke
in seiner Zeitschr. p. 129 und 148. Es sind 3 Cephalopoden,
7 Gymnobranchien , unter denen eine neue Gattung (s. unten)
und eine Bulla.
Essai sur les Mollusques terrestres et fluviatiles, et leurs
coquilles Vivantes et fossiles, du departement du Gers, par
M. l'abbe D. Dupuy, professeur d'histoire naturelle au petit
seminaire d'Auch. Paris 1843. 8. ist mir nur aus der Anzeige
in der Rev. zool. 1844. p. 189 bekannt geworden.
Von William Thompson erhielten wir in den Annais
XIII. p. 430 Additions to the Fauna of Ireland, in diesem
Verzeichnisse werden 30 Gasteropoden, 2 Brachiopoden, 10
Lamellibranchiaten und 11 Tunicaten aufgezählt. Neue Arten
sind nicht dabei.
Die Kenntniss der britischen Fauna wurde auch durch
Forbes erweitert, indem er in den Annais XIV. p. 410 einige
von Mac Andrew entdeckte Thiere beschrieb und abbildete.
Von Mollusken sind es folgende: Emarginula crassa Sow.,
die bisher nur fossil bekannt war, Eulima Mac Andrei n. sp.
(s. unten), Pleurotoma teres Forbes bei Reeve Couch. Icon.
pl. 19. F. 161 abgebildet, eine Varietät von Natica monilifera,
Chemnitzia fulvocineta (Turritella sp.) Thompson, Pleurotoma
Bothii Smith, Cyprina triangularis Mont., Pecten Landsburgi.
Heinrich Meckel hat in Müller's Archiv für Anatomie
ct. 1844. p. 483 seine Untersuchungen über die Geschlechts-
theile der hermaphroditischen Mollusken bekannt gemacht, und
dieselben auf zwei Tafeln mit sehr klaren Abbildungen erläu-
tert. Diese Arbeit wird äusserst wichtig für die Deutung der
Organe, über die schon so viel geschrieben ist. Verf. hält
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 18i4. 3()('{
das Organ, was in der Leber liegt, weder für Hoden noch
für Eierstock, sondern wie neuerlich v. Siebold, für beide zu-
gleich, und zwar so, dass die einzelnen Schläuche, aus denen
das Organ besteht, zwei in einander liegende Schläuche sind,
deren innerer Samenthierchen, der äussere Eier enthält. Von
dieser Zwitterdrüse aus führen zwei wiederum in einander
geschachtelte Kanäle aus, die sich so zur glandula uterina,
dem Hoden Cuvier's begeben, wo nach dem Verf. das Eiweiss
sich bildet. Von da gehen beide Gänge verwachsen und so-
gar durch eine Rinne mit einander der ganzen Länge nach
zusammenhängend bis zur Vulva. Die sogenannte gestielte
Blase sieht Meckel als Samenblase an, die bei der Copula
den Samen aufnimmt, die organes multindes als Schleimorgane.
— Es werden die Geschlechtsorgane von Helix pomatia, und
was besonders interessant ist, die von Thetis, Doris, Tritonia,
Pleurobranchaea abgebildet, die mit Helix darin übereinstim-
men , dass das Vas deferens vor dem Eintritt in die Vulva
abgeht, um sich zum Penis zu begeben, und endlich die von
Aplysia, Bullaea, Doridium, Umbrella, Gasteropteron und Di-
phyllidia, die darin übereinstimmen, dass das weibliche System
mit dem männlichen in seinem ganzen Verlauf verwachsen
ist. Was das Besondere der einzelnen Gattungen betrifft, so
muss auf die Abhandlung selbst verwiesen werden.
Charles Peach hat die Eihülsen von Purpura Japillus
und Buccinum reticulatum beobachtet. Bei ersteren kriechen
die Jungen nach vier Monaten aus, frisch gelegt sind sie
völlig durchsichtig, sehr zerbrechlich und enthalten keine
Spur einer Schale. Die letzteren bilden häufig Reihen, in
denen sich die einzelnen Hülsen wie Schuppen decken, aus
deren Spitze die Jungen auskriechen. Die Hülsen sind horn-
farbig und halbdurchsichtig. (Annais XIII. p.203).
Küster theilte seine Erfahrungen über die Lebenszähig-
keit der Binnenmollusken mit (Isis 1844. p. 6*45). Helices
leben bekanntlich Monate, selbst Jahre lang ohne Nahrung
und Feuchtigkeit; Paludina (Hydrocera) Sirkii lebte einen
ganzen Sommer hindurch im Trocknen; selbst Muscheln konn-
ten IS Tage lang das Wasser ohne Schaden entbehren.
304 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Ceplialopoila.
An attempt to classify the Tetrabranchiate Cephalopods
by William King in Jen Annais XIV. p. 271 bezieht sieh
natürlich fast nur auf Fossilien.
E. Rüppell beschreibt in einem Briefe an Anastasio
Cocco (Giornale del Gabinetto di Messina fascicolo XVI.
Maggie- 1844) einige Cephalopoden:
Enoploteitthis margaritifera abgebildet in Fig. 1. Der Einge-
weidesack ist etwas länger als der Kopf mit den kürzern Fühlern,
die Spitze des Knorpelstücks steht ein wenig vor der rhombischen
Flosse vor; die langen Arme tragen am Ende viele sehr kleine Saug-
napfe in mehreren Reihen und vier Haken. Messina. — E. Veranii
Fig. 2. Die Flosse ist breiter als die Länge des Körpersacks; ihre
Endspitze ragt über die Spitze des Knorpelstücks vor; an den län-
geren Armen 3 Haken. Messina.
Loligo aeqitipoda ist verwandt mit L. Coindeti Verany, unter-
scheidet sich aber von ihm durch die kleinere Flosse und das ver-
schiedene Verhältniss der Fühler.
Rossia (im Text steht Sepiola, ist aber vom Verf. corrigirt)
dispar unterscheidet sich durch die vier Saugnäpfe der zehnmal län-
geren seitlichen Arme; jeder Arm hat 15—20 Saugnäpfe.
Loligopsis vermicularis ist durch die Länge des Halses ausge-
zeichnet; der vordere Rand ist von den Augen und vom Anfange der
herzförmigen hinten in eine Spitze verlängerten Flosse gleichweit
entfernt.
Die Gattung Octopoteuthis vereinigt die Charaktere der Gat-
tungen Octopus, Loligo und Enoploteuthis. Der Mund ist von 8
gleich langen Armen umgeben, die mit zwei Längsreihen kleiner Ha-
ken bewaffnet sind; der Eingeweidesack ist konisch, trichterförmig,
enthält eine sehr dünne Hornlamelle und trägt am Rücken auf zwei
Drittel seiner Länge gegen die Spitze eine grosse fast herzförmige
Flosse. Die Art O. sicula ist rosenfarbig glashell mit rothen Spitzen
der Arme.
Sepia rubens Philipp i Enum. p. 203 corpore depressiusculo,
utrinque laevi, rubente; brachiis pedunculatis praelongis; lamina dor-
sali elongato-elliptica, rosea. Neapel.
Pteropoda.
Aug. Krohn beschrieb in diesem Archiv 1844. I. p. 324
eine neue Pteropodenart Tiedemannia creniptera, theilte jedoch
später dem Ref. brieflich die Bemerkung mit, dass er dieses
Thier in Forskal's Descriptiones animalium ct. Tab. 43. Fig. D.
wieder erkannt habe; man sieht deutlich, sagt Verf., den vor-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1844. 305
ragenden Rüssel und die charakteristischen fingerförmigen
Läppchen an den Seitenrändern der grossen Flossen. Im
Texte vermisst man die Beschreibung des Thiers, das in der
Erläuterung der angezeigten Tafel Gleba cordata genannt wird.
Jn Betreff ihrer, so wie der später als Hippopodius luteus
bekannt gewordenen Physophoride (Gleba hippopus Forsk.
ejusd. tab. Fig. E) fügt auch der Herausgeber, der berühmte
Niebuhr hinzu : animalculo non descripto, sed modo delineato
hisque nominibus insignito tradidit ct. Forsk. — Color aqueus
et substantia gelatinosa.
Heteroiioda.
Ueber die Gattung Sagitta Quoy et Gaimard, über welche
die Kenntniss bisher noch sehr unvollständig war, erhielten
wir durch zwei Arbeiten, von Darwin und Krohn, sehr
wichtige Belehrung. Wenn gleich die Stellung des Thiers im
System noch gar nicht entschieden ist, und Krohn nach seinen
genauen Untersuchungen geneigt ist, dasselbe in die Klasse
der Annulaten zu bringen , so folge ich doch hier den An-
sichten d'Orbigny's, indem ich es vorläufig den Heteropoden
anreihe. Freilich ist die Abweichung der Organisation von
den übrigen Gattungen dieser Abtheilung sehr gross, doch
finden sich unter den Annulaten noch viel weniger Verwandt-
schaften, welche die Einordnung in diese Klasse rechtfertigen
könnten.
Die Beobachtungen Darwin' s ( Observations on tlie
Structure and Propagation of the genus Sagitta. Annais XIII.
p. 1 und daraus übersetzt in Froriep's Neuen Notizen 30. p. 1)
beziehen sich auf Sagitta hexaptera d'Orb. Ausser den be-
kannten hakenförmigen Zähnen, deren bei dieser Art jeder-
seits 8 vorhanden sind, finden sich dicht am Munde noch
zwei Reihen sehr kleiner Zähnchen. Die Thiere hefteten sich
häufig mit der Schwanzflosse, nie mit dem Kopftheile an an-
dern Gegenständen an. Von Ernährungsorganen findet sich
nur ein Darm. Kein Nucleus, keine Kiemen, keine Leber.
Bei ganz jungen Thieren bemerkte Verf. ein deutlich pulsi-
rendes Organ im vordem Theile des Körpers; später wurde
kein Herz und keine Gefässe wahrgenommen. Zwei in der
Länge des Körpers neben einander liegende Eierstöcke finden
Anhiv f. Naturgesrh. XI. Jahrg. 2. Bd. V
306 Troschel. Bericht über die Leistungen in der
sich vor dem Sehwanztheil , sie münden sich jederseits zwi-
schen den hinteren paarigen Flossen. Im Schwänze selbst
beobachtete Verf. eine deutliche Circulation einer körnigen
Masse in zwei durch eine Längsscheidewand getrennten Be-
hältern; derselbe hält dies für ein die Eier des Eierstocks
vorbereitendes Organ. Ueber die Eier und deren Entwicke-
lt! ng findet sich Nachricht. Sie sind an einer Seite spitz und
enthalten einen kleinen Kern. Die Spitze schwillt bald nach
dem Ablösen vom Eierstock kugelförmig an, füllt sicli mit
körniger Masse und vereinigt sich mit der körnigen Kugel im
Innern des Eies, so dass das Ei aus zwei fast gleich grossen
Kugeln besteht, deren eine den körnigen Inhalt hat, die an-
dere leer ist; dann trennen sich beide Schalen von einander.
Dieser ganze Hergang geschieht in 10 Minuten.
Viel weiter dringt die Arbeit von Krohn (Anatomisch-
physiologische Beobachtungen über die Sagitta bipunetata.
Mit einer lithographirten Tafel. Hamburg). Verf., der den
Darwinschen Aufsatz nicht kannte, theilt das Thier in Kopf,
Rumpf und Schwanz. An seiner Art finden sich nur 5 bis 7
hakenförmige Zähne, die beiden innern kleinen Zähnchen sind
auch hier beobachtet. Der Kopf ist durch eine Querscheide-
wand vom Rumpf, dieser durch eine ähnliche vom Schwanz
geschieden. Im Rumpfe wurden ebenfalls nur der Darmkanal
und die beiden Eierstöcke beobachtet. Letztere öffnen sich
in zwei Oeffnungen am Rücken , zwischen denen am Bauch
in der Mitte der After liegt. Herz, Gefässe, Kiemen, Leber
sind nicht beobachtet worden. Die beiden Höhlungen im
Schwänze sind Samenfächer, und die circulirenden Körnchen,
welche Darwin für unentwickelte Ovula hielt, bilden sich zu
Bündeln von Samenthierchen aus, welche fadenförmig sind,
sich nach beiden Enden zuspitzen und sich schlängelnd be-
wegen. Diese Samenfächer münden sich jederseits vor der
Schwanzflosse in einer kleinen Papille, welche hohl ist, und
zu welcher ein kleiner sich nach aussen verengender Kanal
führt. Diese Thiere sind also Zwitter, und Verf. glaubt, da
zu einer Zeit wo sich Spermatozoen in den Eierstöcken
finden, die Samenbehälter immer leer sind, dass hier eine
Selbstbefruchtung stattfinde, was mir bei der Entfernung der
männlichen Geschlechtsöffnung von der weiblichen unwahr-
Naturgeschichte der Mollusken wahrend des Jahres 1844. 307
scheinlich ist. Eine Begattung ist jedoch noch nicht beob-
achtet. Das Nervensystem besteht ans einem sechseckigen
Kopfganglion, von welchem nach vorn zwei Fäden entsprin-
gen, die an den Muskeln der Haken zahne zu einem Ganglion
jederseits anschwellen; nach hinten gehen ebenfalls zwei Fä-
den ab, die sich an der Grenze des Kopftheils so mit einan-
der vereinigen, dass sie eine Schlinge bilden. An ihrem Ur-
sprünge treten auch 2 kleine Nerven aus, die zu den beiden
auf der obern Fläche des Kopfes liegenden schwarzen Augen-
punkten führen. Endlich entspringen seitlich vom Kopfgang-
lion zwei nach hinten sich wendende Stämme, die sich am
Bauche vor der Mitte des Rumpfes zu einem Ganglion ver-
einen, das wieder zwei Stämme nach hinten entsendet, die
sich am Ende pferdesch weifartig spalten.
(»asteropotla.
Nu dibr a n c h i a.
Aid er und Hancock beschreiben zwei neue Arten Doris in
den Annais XIV. p. 330: D. flammea, 9 Kiemen, verwandt mit tuber-
culata, aber die Tuberkeln und Kiemen sind etwas kleiner, schar-
lachroth. — D. mera, weiss mit 13 Kiemen. Beide Arten sind bri-
tisch. — D. elegantula Philippi Enum. p. 80 mit 11 Kiemen.
Quatrefages giebt in den Comtes rendus 19. p. 193
Notiz von Kalkstacheln in der Oberfläche des Körpers von
zwei mit Doris verwandten kleinen Gattungen. Es ist dies
offenbar dasselbe, was Löwen an der jungen Doris muricata
beobachtet hat (vergl. dies Archiv 1841. 2. p. 275). Diese
Kalknadeln gehören nur dem Jugendzustande an.
Quatrefages beschreibt in den Annales des sciences
naturelles troisieme serie I. p. 129 (vergl. auch Comtes rendus
Vol. 18. p. 13. Vol. 19. p. 190. Annais XIV. p. 28) mehrere
neue Gattungen, welche in ihrer Organisation von dem Typus
der übrigen Gasteropoden sehr wesentlich abweichen und
welche mit den bereits früher aufgestellten Gattungen Eolidia,
Calliopaea, Cavolina, Glaucus, Actaeon, Placobranchus, die
unter die Nacktkiemer gesetzt wurden, so wie mit der von
demselben Verfasser früher beschriebenen Gattung Eolidina
eine eigene Unterordnung unter den Gasteropoden, die Verf.
P hieb enter ata nennt, bilden sollen. Während der Circu-
308 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
latiöns- Apparat als sehr vereinfacht, und nur aus einem Her-
zen und Arterien bestehend, dargestellt ist, indem die Venen
verschwinden , und während im Zusammenhange damit der
Respirationsapparat fehlt, werden nach der Meinung des Verf.
vom Verdauungskanal, der sehr eigenthümlich gebildet ist,
und eine Neigung zu Verästelungen zeigt, die Functionen
der Kiemen mit übernommen. Der After ist stets sehr klein,
bei einigen Gattungen scheint er zu fehlen, üass man es
übrigens hier mit Mollusken zu thun hat, ist keinem Zweifel
unterworfen ; das zeigt das Nervensystem mit Schlundring,
Augen und Gehörsorganen, und besonders auch die Zunge.
Letztere weicht freilich von denen der übrigen Gasteropoden
ab, sie ist sehr schmal und besteht nur aus einer Längsreihe
hakenförmiger Platten , so dass ich sie der mittleren Platten-
reihe, welche bei den meisten Schnecken sehr ausgezeichnet
ist, vergleichen möchte; es würden hier also die bei anderen
Abtheilungen oft sehr zahlreichen Seitenplatten fehlen. Dass
die Gattung Glaucus, die Verf. nur fraglich hierher stellt,
wirklich hierher gehört, kann ich nach meinen Untersuchungen
über die Mundtheile bestätigen, ebenso kenne ich die Mund-
theile von Eolidia.
Verf. theilt die Ordnung, die er als Gasteropoden mit unvoll-
ständiger oder fehlender Circulation und ohne eigentliche Respira-
tionsorgane charakterisirt, in zwei Familien:
1. Enterobranchia. Bei ihnen ist der Darm verästelt, und die
Zweige verlängern sich in äussere Anhänge. Diese Anhänge sind
entweder einzeln (Enterobranchia sensu strictiore) mit den Gattun-
gen: Eolidia, Eolidina, Zephyrina, Amphorina, Calliopaea, Cavolina?,
Glaucus?; oder die Anhänge sind ruderfÖrmig vereinigt (Enterobran-
chia remibranchia) mit den Gattungen: Act&eon, Actaeonia, Placo-
branchus?
2. Dermobranchia. Sie haben einen sehr einfachen Darm in
Form wenig zahlreicher Taschen, keine äusseren Anhänge. Hierher
die Gattungen Pelta und Chalidis.
Die neuen Gattungen charakterisirt der Verf. folgendermassen:
Zephyrina (ist Venilia, später Proctonotus Alder und Han-
cock) Kopf wenig deutlich; 4 Fühler, die vordem breit und dünn,
die hintern lang kegelförmig; Körper vorn und hinten verschmälert;
2 Augen an der Basis der hinteren Fühler; sehr viele appendices
respiratoriae an den Seiten des Kopfes und Körpers, am ersteren in
einer Reihe; Fuss dick, hinten länger als der Körper. Mund mit
Kwei starken, seitlichen, hornigen Zähnen und einer hornigen Gau-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1844. 309
menplatte bewaffnet; die Bauchgefässe geben eine Menge Blindsäcke
in die Cirren des Körpers ab; Hirn mit vier deutlichen Ganglien.
Eine Art Z. pi/osa.
Actaeon Oken Kopf deutlich, 2 Fühler, dahinter, zuweilen
ziemlich entfernt 2 Augen; Körper platt, eiförmig, kurz, an den Sei-
ten 2 blattartige Ausdehnungen, die sich hinter dem Körper vereini-
gen, und sich nach hinten verlängern; Fuss vor dem Munde vor-
stehend, nur unter dem Körper, so dass die Anhänge frei vorstehen ;
After hinten in der Mitte über dem Verbindungspunkt der Anhänge;
Geschlechtsöffnung rechts, in der Höhe der Augen. Zunge knorplig,
quer, gekrümmt; ein Magensack, von welchem vier ästige Stämme
abgehen; Hirn mit 4 deutlichen Ganglien. Beobachtet sind A, viri-
dis Oken und eine neue Art A. elegans.
Actaeonia Kopf deutlich, vorn ausgeschnitten durch zwei dicke
Leisten erweitert, welche nach hinten 2 kurze Tentakeln bilden, da-
hinter 2 Augen; Körper kaum breiter als der Kopf; After oben am
Hinterende; Kiemenlappen dick, fleischig, einen seitlichen Saum bil-
dend, sich hinten vereinigend; Fuss sehr klein, kaum bis ans Ende
des Körpers reichend. After gegen das Ende des Körpers oben.
Eine Art A. senestra.
Amphorina. Kopf deutlich, dicker als der Körper, mit 4 Füh-
lern; Körper platt, Fuss hinten länger; wenige Kiemenanhänge spin-
delförmig oder eiförmig, in 2 Reihen; Geschlechtsöffnung rechts vor
den Kiemenanhängen; 2 Augen hinter den hinteren Fühlern. Zwei
kleine seitliche Kiefer und eine Zunge in der Mittellinie. 2 Darm-
säcke, deren jeder seine deutliche Oeffnung in der Mundhöhle hat,
grosse Blindsäcke dringen in die Anhänge des Körpers; Hirn mit 2
Ganglien. Eine Art A. Alberti.
Pelta. Fuss seitlich und hinten vorstehend, den Mund nicht
erreichend, Kopf seitlich von zwei blattartigen Lappen umgeben,
welche sich hinten in der Mitte vereinigen; keine Fühler; 2 Augen;
Seiten und Hinterende vom Körper durch eine Furche getrennt.
Zunge mit einem mittlem und zwei seitlichen Aesten, quer, Magen
mit 4 Kiefern bewaffnet, Darm sackförmig, unregelmässig gebeu-
telt; Hirn mit 2 Ganglien. Eine Art P. coronata.
Chalidis. Körper vorn und mitten platt, im hintern Drittel
rundlich; Kopf deutlich, statt der Fühler 2 breite Seitenleisten; Fuss
kaum bis an den Mund reichend, nach hinten undeutlich. Kein
eigentlicher Magen, der Darm besteht aus 2 langen Säcken, die sich
in der Mitte vereinigen. Hirn mit 2 Ganglien. Eine Art Ch. coerulea.
Alle diese Thiere sind höchstens einige Linien lang, und an den
Küsten der Bretagne beobachtet. Ihre Durchsichtigkeit erleichtert
das Studium der Anatomie.
Gegen die Beobachtungen von Quatrefages über die Phle-
benterata tritt Souleyet auf (Comtes rendus 19. p. 355, An-
nais XIV. p. 342). Derselbe leugnet zuerst das Fehlen der
310 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Venen, indem er dieselben durch Injection nachgewiesen hat;
er hat dieselben bis zu den äusseren Kiemenanhängen ver-
folgt, wodurch er zugleich erweist, dass diese Anhänge wirk-
lich dem Athmungsgeschäfte dienen. Demzufolge sind also
auch die Verästelungen des Verdauungskanals, welche sich
oft in die Kiemen erstrecken, nicht Athmungsorgane; Verf.
hält sie für Gallengänge, welche sich einzeln in den Magen
münden. Auch von der Lage des Afters und der Geschlechts-
öffnungen berichtet der Verf. anders. Bei Actaeon liegt der
After nicht hinten in der Mitte, sondern vorn an der rechten
Seite, in Form eines kleinen Vorsprunges, und die Geschlechts-
öffnung ist nicht eine gemeinschaftliche, sondern die weibliche
liegt rechts in einer kleinen Furche, welche vom After nach
der unteren Seite des Thieres verläuft, die männliche liegt
ebenfalls rechts am Grunde des Fühlers.
Es versteht sich von selbst, dass Quatrefages sich
gegen solche Angriffe vertheidigt (Comtes rendus 19. p. 806).
Verf. giebt zu, dass getrennte Geschlechtsöffnungen vorhanden
bei Venilia, und zur Begattungszeit auch bei den Tergipe-
dinen, auch dass die Kiemenanhänge an der Spitze durchbohrt
sind. In Beziehung auf diese letzteren meint er aber, dass
sie nicht gleichsam supplementäre After seien, sondern dass
sie zum Auswerfen von Stachelchen dienen, welche fast ganz
mit denen der Actinien, Medusen und Synapten übereinstim-
men. — Dagegen leugnet Verf., dass sich die Verzweigungen
des Darmkanals einzeln in den Magen münden, und dass die-
selben Gallengänge seien, indem er in sie den Nahrungsstoff
eintreten und wieder austreten sah, ebenso leugnet er das
Vorhandensein der Venen.
Ein anderer Angriff gegen die Beobachtungen von Quatre-
fages, der viel ruhiger geschrieben ist, als der vorhin er-
wähnte von Souleyet, findet sich in den Annais XIV. p. 125
von Joshua Alder und Albany Hancock. Die Verfasser
halten die Gattung Eolidina nicht für verschieden von Eolis.
Sie halten das Fehlen des Afters, der Ruthe und der voll-
ständigen Circulationsorgane für die Folge ungenauer Beob-
achtung. Schliesslich sprechen sie sich dahin aus, dass Qua-
trefages seine Abtheilung der Phlebenterata zu voreilig auf
gestellt habe. — Nach allem Vorliegenden für und wieder die
Naturgeschichte der Mollusken Mährend des Jahres 1844. 311
Phlebenk'ratcn glaube ich mich dahin aussprechen zu müssen,
dass genaue Forschungen über die Entwiekelungsgeschichte
dieser Thiere sehr wiinschenswerth sind. Jedenfalls müssen
dieselben eine eigene Abtheilung (Familie) bilden, indem ihre
Zungen nach den Abbildungen Quatrefages sowohl als nach
meinen Untersuchungen an Eolis, Glaucus und andern sich
durch ihre Schmalheit auszeichnen; es sind bei ihnen nur die
mittlem Platten entwickelt. Einen Gegensatz hierzu bilden
liulla, Bullaea und Gasteropteron, bei denen gerade die mitt-
leren Platten oder Zähne fehlen, so dass indem die seitlichen
allein vorhanden sind , zwei schmale getrennte Zungen ent-
stehen. Von der andern Seite lässt sich erwarten, dass das
Wunderbare der Organisation, wie es Quatrefages schildert,
vor den Augen besonnener Beobachter schwinden werde.
Joshua AI der und Albany Hancock stellen eine
neue Gattung nacktkiemiger Mollusken unter dem Namen
Venilia auf (Annais XIII. p. 161), deren Name ib. p. 407 in
Proctonotus verändert wird.
Der Körper ist länglich, niedrig, hinten spitz. Mund mit einem
Paar horniger Kiefer, vier Fühler. Die Kiemen sind längliche Pa-
pillen in zwei Reihen auf dem Rücken. After hinten in der Mittel-
linie des Rückens. Geschlechtsöffnung rechts. Die Art V. mucroni-
fera ist abgebildet, sowohl das ganze Thier, als auch die Kiefer, die
Zunge und die verästelten Anhänge des Magens. Das Thier gehört
zu den Phlebenteraten von Quatrefages und ist identisch mit der
Gattung Zephyrina, vor welcher der Name Venilia aber die Priori-
tät hat.
An demselben Orte sind von demselben Verf. auch einige
neue Arten der Gattung Eolis beschrieben, nämlich E. alba und
Farrani von Dublin, und E. attgulata, Northiwibrica, gracüis und
violacea von Cullercoats, Northumberland.
Eolis Ufiiacina und Scacc/uana Philipp! Enum. p. 73, erstere
mit kurzen, die Rückenpapillen nicht überragenden Fühlern, die
zweite mit längern Fühlern.
In die Nähe von Eolis und Calliopaea gehört auch eine neue
Gattung Pterochilus AI der und Hancock (Annais XIV. p. 329).
Der Körper ist länglich, fast linienförmig, hinten spitz; Kopf am
vordem Ende, jederseits mit einem flachen ausgebreiteten Lappen;
Kiefer hornig, zwei linienförmige Fühler hinter denen die Augen
liegen; Kiemen verlängerte Warzen an den Seiten des Rückens; Af-
ter rechts hinter den Geschlechtsorganen. F. pulcher jederseits mit
einer Reihe von 5 oder 6 Kiemen. Vom Magen gehen Zweige zu
den Kiemen. 0,3 Zoll. Rothesav Bay, Isle of Bute.
312 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Elysia (Actaeon) fusca Philippi Enum. p. 100 klein, bräunlich,
oben dunkler, unten roth punktirt, mit erweiterten Flügeln.
Jan us Verany nov. Gen. Rev. zool. p. 302. Kopf deutlich,
vorn jederseits mit einer fühlerartigen Verlängerung, zwei nicht re-
tractile conische Rückenfühler auf einer dicken gemeinschaftlichen
Basis, Augen sitzend, wenig deutlich, hinter dem Fühlerstiel. Kiemen
wie bei Eolis aus vielen cylindrischen Fäden bestehend, die in Längs-
reihen an den Seiten des Rückens stehen, aber so weit bis vorn
und hinten reichen, dass die Reihen beider Seiten zusammenstossen.
After hinten in der Mitte des Rückens. Oeffnung der Geschlechts-
organe in einem gemeinsamen Höcker vorn rechts. Die Art ist nicht
genannt.
Lomanotus Verany nov. Gen. ib. Kopf so breit wie der
Körper, vorn mit einem Stirnsegel, welches jederseits kleine fühler-
förmige Verlängerungen trägt. Zwei retractile keulenförmige Rücken-
tentakeln, welche in einer becherförmigen Scheide stehn. Die Kie-
men bestehen aus zwei dünnen gefranzten Organen, welche jederseits
zwischen der Rücken- und Seitenfläche des Thiers liegen. After und
Geschlechtsöffnungen wie bei Tritonia. Die Art ist nicht genannt.
Psiloceros Menke n. gen. Zeitschr. p. 149. Animal limaci-
forme; tentacula frontalia quatuor, basi nuda; ramenta labialia nulla ;
branchiae dorsales simplices, serie longitudinali duplice digestae.
Die Art Ps. claviger ist von Bomme in Verhandelingen te Vlissingen
D. 3. p. 296. No. 4. Fig. 3 abgebildet, aber von Doris clavigera Müll,
und Doris fimbriata Vahl verschieden.
Aus Polycera punctilucens d'Orb. bildet Loven eine neue Gat-
tung Aegires: Corpus robustum, gibbum, e spiculis numerosissimis
rigidum; pailium adnatum, a solea sulco distinctum, tuberculosum;
vibracula cylindrica, simplicia, nee perfoliata, intra vaginam retra-
henda; branchiae ano praepositae, pinnatae, paucilobae, lobo quovis
Papilla defenso; velum abbreviatum, rotundatum. — Dahin gehört
ausser obiger Art auch Doris maura Forbes. (Öfversigt af Kongl.
Vetenscaps-Academiens Förhandlingar 1844. p. 49).
Derselbe beschreibt ebenda eine neue Art Stiliger modestus,
welche sich von S. ornatus Ehrbg. durch kürzere Vibracula und
breitere Sohle unterscheidet.
Cloelia nov. gen. id. ib. Corpus gracile, solea latiuscula; pai-
lium adnatum; vibracula simplicia, indefensa, contractilia; branchiae
laterales, utrinque simplice serie, fruticulosae; velum labiale amplum,
in lobum oblongum utrinque produetum. Dahin ist ausser einer
neuen Art C. formosa auch Doris fimbriata Vahl zu zählen.
Hermaea nov. gen. id. ib. Corpus gracile, molle, elongatum;
vibracula auriformia, extus canaliculata; branchiae laterales; velum
breve, in lobum minutum utrinque produetum; solea angusta, antice
dilatata; anus sublateralis; porus genitalium anticus, lateralis. Dahin
gehört Doris bifida Mont. und eine neue Art H. venosa.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1844. 313
Tectibranchia.
Loven bildet ebenda die Jugendzustände von Lacuna vincta,
Eulima distorta, Bulla truncata und Bullaea aperta ab, welche den
von Sars zuerst beschriebenen Jugendzuständen von Nudibranchien
sehr nahe kommen, indem sie alle die beiden gewimperten Mund-
segel besitzen. Dies wird für die Stellung der Gattungen im System
wichtig.
Bulla Cecillii Philippi Menke Zeitschr. p. 164 cylindrisch,
weiss, Spindel niedrig kegelförmig. b%". China. — B. vestita Phi-
lippi Enum p. 95 braun, mit einem weissen Netze bedeckt.
Von Bullaea Planciana unterscheidet Philippi Enum. eine Art
vom Cap B. Schroeteri, welche bei Schroeter Einleitung ct. Vol. 1.
t. 1. f. 8 gut abgebildet ist.
Aplysia lepus Philippi Enum. p. 99 vielleicht Varietät von Apl.
fasciata Poiret.
Inf er obranchia.
Pleurobranchus perforatus Philippi Enum. p. 87 mit vorn tief
ausgeschnittenem Mantel, — P. brevifrons ib. Fuss länger als der
Mantel, grosse Schale.
Cyclobranchia.
Patella insessa (Ann. X. p. 82) von Californien, ist bei Hinds
Sulphur abgebildet.
Ebenso Patelloida depicta (Ann. p. 82).
Chiton pulchellus Philippi Enum. p. 83. — Ch. magdalenensis
von Californien, Hinds Sulphur.
Pulmonata.
T. F. G. Schlemm schrieb eine Dissertation De Hepate
ac bile Crustaceorum et Molluscorum quorundam. Berolini
1844. 4., in welcher die Leber von Helix pomatia und Limax
ater in physiologisch -anatomischer und in chemischer Rück-
sicht untersucht ist.
Eine andere Dissertation erschien zu derselben Zeit von
Jacob Frank: De hepate Molluscorum. Hier ist das, was
über die Leber vieler Mollusken bereits bekannt war, zusam-
mengestellt, und die Leber von Helix nemoralis nach eigenen
Beobachtungen beschrieben.
Pfeiffer veröffentlichte in Menke's Zeitschrift p. 177
kritische Bemerkungen über einige Gruppen der Heliceen, in
314 Troschcl: Bericht über die Leistungen in der
welchen zunächst die mit Helix rapa verwandte Gruppe be-
trachtet wird, der eine neue Art H. Miilleri Pfr. , H. Lamar-
ckiana Lea, II. stolephora Val., H. zeus Jonas und IL ovum
Val. zunächst stehen; — ferner wird bemerkt, dass H. casta-
nea Müll, identisch mit Nanina Juliana Gray, wahrscheinlich
auch mit H. Belangen Desh. und bombeyana sei. Daran
scliliessen sich Bemerkungen über Bulimus ovoideus, ventri-
cosus und Berichtigungen der Synonymie einiger Artin der
Gattungen Bulimus und Pupa.
In derselben Zeitschrift p. 188, und fortgesetzt in den
ersten Bogen des Jahrgangs 1845 spricht Menke über die
Deutung derjenigen Helices, welche Linne aus den Staaten
der Berberei erhalten.
H. striatula Linn. hält Verf. für Carocolla limbata Phil., Leuco-
chroa limbata Beck, Helix amanda Rossm., Helix Boyssii Terver. —
Helix algira kommt in Afrika nicht vor. — H. leucas Linn. ist eine
junge H. pisana Müll. — H. pupa L. wird für den Bulimus pupa
Brug. erklärt. — H. barbara ist zweifelhaft zwischen Bulimus acutus
und Bulimus ventricosus, aber jedenfalls ein Bulimus.
Helix Duvalii Petit Revue zool. 1844. p. 1 Guerin Mag.
pl. 93 kreisförmig niedrig, genabelt, 5 Windungen, kastanien-
braun mit einer gelblichen Binde, Labrum umgeschlagen, 40
Millim. Madagascar.
Drei neue Arten Helix stellt Hinds Sulphur auf: H.
adustus genabelt, niedrig, braun, 4 augedrückte Windungen,
Mundsaum dick, umgeschlagen. — H. squalus genabelt, kuglig,
dünn, hornfarbig, Mundsaum scharf, umgeschlagen. Beide von
Neu-lrland. — H. pyxis ungenabelt, hoch, durchscheinend,
4 runde Windungen , die letzte in der Mitte gekielt. Mund-
saum scharf, umgeschlagen.
Bei Philipp! Abbild. Lief. IV. Tab. 4 hat Pfeiffer
folgende Helices, die schon in dessen Symbolae ct. aufgeführt
sind, abbilden lassen: H. sagittifera Pfr., bulla Pfr., bifasciata
Lea, Sirena Beck, bigonia Fer. = samarensis Pfr., Beckiana
Pfr., trochiformis Fer., marginata Müll., diluta Pfr., Butleri
Pfr. — Ferner ist in Lief. 7. tab. 5 der Gattung Helix gewid-
met. Sie enthält:
H. prasina Koch blass bläulich grün, H. oreas Koch kasta-
nienbraun, ein Zahn auf der vorletzten Windung, ein anderer ihm
gegenüber. — H. crassula Phil, oben flach, die Windungen hoher
Naturgeschichte der Mollusken wahrend des Jahres 1844. 315
als breit, mit Härchen besetzt. Java. — H. tortilabia Less. — H.
circumdata Fer. — //. gallinula P fr. verwandt mit H. Listeri von
Luzon. — H, exhnia Pfr. verwandt mit H. Humboldtiana Val. von
Vera Cruz. — H. paradoxa Pfr. grün mit schwarzem Nabelneck.
Luzon. — H. trigonostoma Pfr. mit breiter, fast dreiseitiger Mün-
dung, weisslich mit braunvioletten schmalen Binden. Honduras. —
H. fodiens Pfr. sehr verwandt mit fruticum. Luzon. — H. radula
Pfr. mit gedrängten Anwachsstreifen, die durch scharfe Rippen
durchkreuzt werden. Luzon. — H. biangulata Pfr. die Windungen
mit doppeltem Kiel. Luzon. — //. spectabilis Pfr. horngelb, mit
einer rothbraunen Binde, Mundsaum scharf. Luzon.
Bulimiis clavator Petit Revue zool. 1844. p. 1. Guerin Mag.
pl. 94, thurmförmig, gelblich, 8—9 Windungen, längs runzelig, Mund-
rand verdickt, Nabelspalte eng. 66 Millim. Madagascar.
Jonas stellt in Menke Zeitschr. p. 35 5 Arten Bulimus auf,
welche sämmtlich in der Nähe der Höhle Guacharo im Thal Caripe
leben: B. astrapoides, superbus, bellulus, trigonostomus und euryom-
phalus.
Bulimus Cantorii Philippi ib. verwandt mit B. pupa von China,
Insel Auri, bei Nang-king.
Die 7. Lieferung von Philippi's Abbild, enthält eine Tafel mit
Bulimus. Es sind hier abgebildet: B. marmoratus D unk er von
Brasilien, B. astrapoides Jonas, dardanus Frivaldsky von Konstan-
tinopel, dealbatus Say, columella Philippi von Brasilien und cur-
tus Koch von Chili.
Pupa Largillierti Philippi Menke Zeitschr. p. 165 von Isle de
Bourbon mit ovaler, dreizähniger Mündung.
Die Gattung Cylindrella wird von Pfeiffer auf einer Tafel der
Philippi'schen Abbild, dargestellt. Sie enthält C. gracilicollis Fer.,
elegans Pfr., variegata Pfr., subula Fer., crispula Pfr., Laterradii
Grat., perplicata Fer., acus Pfr., collaris Fer., costata Guild. , Pilo-
cerei Pfr., Chemnitziana Pfr., Humboldtiana Pfr., rosea Pfr., cyün-
drus Chemn., brevis Pfr., Gruneri D unker n. sp. von Haiti und
speciosa D unk er n. sp. von Mexiko.
Die 6. Lieferung desselben Werkes ist für die Gattung Glandula,
einer Untergattung von y\chatina, bestimmt. Es sind 13 Arten abge-
bildet, unter denen zwei neue: obtusa Pfr. von Nicaragua, seritina
Jonas von Guinea.
Scarabus polIex (Ann. X. p. 82) ist bei Hinds Sulphur abge-
bildet.
Plauorbis subangulatus Philippi Enum. p. 119.
Limnaeus solidus Philippi Enum. 121 scheint nur Varietät des
veränderlichen L. pereger zu sein.
Onchidium nanum Philippi Enum. p. 101 schwarzbraun mit
weissen Warzen, jederscits sechs grössere Warzen am Rande. 3'".
316 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen in der
Pulmonat a operculata.
Cyclostotna Deshayesianum Petit (Revue zool. 1844. p. 1 Gue-
rin's Mag. de Zool. 1844. pl. 98) orangefarbig, auf der Hälfte der
Windungen mit lamellenartigen Kielen umgeben, Mundrand dick,
aussen mit einer Lamelle umgeben, Nabel weit. 25 Millim. Mada-
gascar. ^
Bei Philippi Abbild, sind Cyclostoma Cuvierianum Petit, indicum
Desh., variegatum Valenc. n. sp. von Java, und mexicanum Menke
abgebildet. .
Auf derselben Tafel ist ausser der Steganotoma pieta*) Troschel
eine neue Art dieser Gattung St. Princepsi v. d. Busch ebenfalls
von Bengalen abgebildet.
Pupina aurea und mitis (Ann. X. p.83) sind bei Hinds Sulphur
abgebildet.
Ampullana malleata Jonas Menke Zeitschr. p.35 von Mexiko.
Ctenobranchia.
Paludina seminalis (Ann. X. p.83) ist bei Hinds Sulphur abge-
bildet. — Philippi Abbild. V. tab. 1 enthält 15 Paludinent magnifica
Conrad, pyramidata v. d. Busch n. sp. von Bengalen, tricarinata
Anton, angularis (Nerita) Müller, javamca v. d. Busch von Java,
ponderosa Say, decisa Say, integra Say, georgiana Lea, obtusa Tro-
schel, unicolor Olivier, Francisci Wood (conica Troschel), granum
Menke, coronata Pfr., crystallina Pfr.
Deshayes beschreibt in Guerin's Magasin pl. 83 eine Melania
crenularis von den Philippinen, die viel Aehnlichkeit mit M. ama-
rula hat.
Brinsley Hinds stellte (Annais XIV. p. 8) 17 neue Arten Mela-
nia auf. Dieselben sind in der Voy. Sulphur abgebildet. Unter
ihnen sind 10 Arten von Neu-Irland, 6 von den Feejee-lnseln , 1 von
Californien.
3 neue Melanien von Jonas in Menke Zeitschr. p. 49. M. Gru-
neri von Venezuela, porcata von Manilla, cingulata.
Bei Philippi Abbild. VII. Tab. 3 sind 15 Melanien abgebildet,
unter denen folgende neue: M. semicancellata, anthracina und inter-
media v. d. Busch, letztere von Nicaragua, acuminata, harpula,
initra und ßammigera Dunk er, letztere vom Ganges scheint mir
mit adspersa Troschel identisch zu sein, flavida Dunker.
Philippi beschreibt Enum. p. 137 drei neue Arten Chemnitzia
densecostata, obliquata und gracilis.
*) Philippi will Steganotoma wie Cyclostoma und Pleurotoma
als Neutrum behandelt wissen. Steganotoma und Pleurotoma sind
aber von %oixr] der Einschnitt gebildet, daher feminini generis!
Naturgeschichte der Mollusken Während des Jahres 1844. 3J7
Rissoa elata Philippi Enum. 124. — R. venusta ib. von Vene-
dig. — R. scabra ib. — R. aspera ib. — R. coronata Scacchi ib.
— R. Ehrenbergü ib. von Cattaro. — R. obscura ib. wurde 4ein
Verf. unter dem Namen R. obscura Benz eingesandt, welcher Name
schon vergeben. — R. dictyophora. — R. rudis. — R. excavata. —
R. gracilis. — R. tenera. — Ä. subsulcata. — R. simplex. — R
granulum. — R. soluta. — R. clathrata p. 223 im Anhange.
Joshua Alder bildete in den Annais XIII. p. 323 einige briti-
sche Arten der Gattungen Rissoa und Adostomia ab: R. inconspicua,
costulata Risso, rufilabrum Leach, glabra Brown; Odostomia nitida,
cylindrica und obliqua.
Hanley beschreibt 3 Arten der Gattung Odostomia (Proc. 13.
Febr. 44). O. euh'moi'des, rissoides und turrita, alle von Guernsey.
Eulima Mac Andrei Forbes Annais XIV. p. 412 mit 10 — 12
schmalen Windungen, deren letzte gekielt ist; Mündung fast viereckig,
Spindel gerade. Loch Fine.
Litorina brevicula Philippi Menke Zeitschr. p. 166 drei Kiele
auf der letzten Windung. 5'". China an der Mündung des Yang-
tse-kiang.
5 Arten Ringicula von Hinds Proc. p. 96. Eine von ihnen R.
caron ist in der Voy. Sulphur abgebildet, die andern sind aus der
^uming'schen Sammlung.
Fossarus clathratus Philippi Enum. p. 148.
G. B. SoweTby beschreibt 16 neue Arten der Gattung Scalaria
aus der Sammlung von Cuming, die sämmtlich in dem 4ten Theil
seines Thesaurus Conchyliorum abgebildet sind. Proc. p. 10. An
diese schliessen sich ausserdem ebenda p. 26 noch 21 Arten dersel-
ben Gattung. — Die 8 in den Proc. 1843 aufgestellten Sealarien
(vergl. den vorjährigen Bericht p. 355) sind bei Hinds Sulphur ab-
gebildet. — Die Monographie der Gattung Scalaria in Sowerby's
Thesaurus behandelt 93 Arten. Dieselben sind auf 4 Tafeln (32—35)
abgebildet.
Cerithium geimnatum von Panama, pharos von der Insel Bow,
macrostoma von Macassar sind von Hinds Sulphur abgebildet. —
C. laevigatum und pygmaeum Philippi Enum p. 161.
Ebenso 20 Arten Triphoris (vergl. den vorigen Jahresber. p. 355).
Hinds stellte 14 neue Arten Solarium auf Proc. 1844. p. 25,
und eine Art S. fuliginosum ib. p. 158. Von ihnen sind 11 im Sul-
phur abgebildet. — S. Discus Philippi Enum. p. 225.
C. L. Koch machte in Menke Zeitschr. p. 151 Bemerkungen zu
den Arten Natica maroccana (Nerita) Chemn. und N. marochiensis
Lam., durch welche die Synonymie aufgeklärt wird. N. maroccana
Chemn. ist = Nerita marochiensis Gm. non Lam. mit 3 Varietäten
N. lurida Phil., N. unifasciata Lam. Deless., N. Chemnitzii Pfeiff.; —
N. marochiensis Lam. (non marochiensis Gm.) ist Nerita glaucina L.,
Natica intermedia Phil, olim , Nat. Poliana Scacchi. Der letzteren
3J8 T rose hei: Berieht über die Leistungen in der
Art giebt Verf. einen neuen Namen N. similis, der jedoeh wie Menke
in einer Anmerkung ganz richtig bemerkt dem Linne'schen Namen
N, glaueina, falls diese Art wirklieh dahin gehört, weichen inuss.
Nalica macilenta Philipp! Enum. p. 140.
Die Gattung Narica behandelte Recluz monographisch in der
Kev. zool. p. 4 und 47. Die Arbeit wird demnächst mit Abbildungen
in Guerin's Magasin erscheinen. Die Arten sind 19: a. Schale ge-
gittert: N. cancellata Lam. , eidaris von den Philippinen, ligata, Pe-
titfana, Cumingiana desgl., Orbignyana und granulosa von Neu-
Holland, tuberosissima Montagu. , rosea von den Molukken und sul-
cata von den Antillen; — b. Schale gefaltet: plicata, Gueriniana
und distans von den Philippinen; — c. Schale quergestreift, Spira
gerippt: Dehayesiana von den Philippinen, helicoidea le Guillou,
striata d'Orb., acuta und Blainvillei von den Molukken, lamellosa
d'Orb., glaberrima von England.
Bei Philippi Abbild. VI. sind folgende Sigaretus-Arten abgebildet
und beschrieben: S. maximus Phil, (coneavus Sow.), Leachii Blainv.,
depressus Phil. n. sp., haliotideus L., Martiniamis Phil. (Martini I.
f. 151. 154, perspectivus Say, maculatus Say, laevigatus Lam., planus
Phil. n. sp.
Janthina patula Philippi Enum. Anhang p.224.
Eine neue Gattung Thyreus ist Philippi Enum. p. 92 in dfc
Nähe von Pileopsis zu stellen geneigt. Die Schale ist länglich eiför-
mig, unregelmässig, mit einer unregelmässigen Windung; Apex stumpf,
abgerundet, nach hinten geneigt. Vom Apex gehen strahlenförmige
Streifen nach vorn, hinten finden sich Querstreifen. Die Muskelein-
drücke undeutlich, ein Längseindruck an der Hinterseite, dessen obe-
rer Rand frei vorsteht, ist vorhanden. Die Art Th. paradoxus ist
milchweiss.
Crepidula solida Hinds Sulphur von Californien.
Die vierte Lieferung von Philippi 's Abbild, enthält Neriten:
N. planospira Anton, ornata Sow., picea Recluz, und folgende neue:
N. peruviana¥\\. weiss und. schwarz, Labrum mit 10, Columella mit
4 Zähnen. — N. carbonaria P h. schwarz, Labrum ohne Zähne, Co-
lumella mit 5 kleinen Zähnen, ohne Angabe des Vaterlandes. — N.
incerta v. d. Busch schwarz mit milchweissen Punkten, Columella
mit 5 Zähnchen. Java. — N. anthracina v. d. Busch schwarz,
oder mit Gelb marmorirt, Columella mit 4 Zähnen, Labium gekörnt.
Java. — N. costulata v. d. Busch quer gefurcht, gelbweiss, durch
schwarze Querlinien wellig, Spira vorspringend. Java. — N. Win-
tert Ph. weisslich mit 20 — 25 Furchen. Molukken. — N. venusta
Dunker röthlich mit zwei schwarzen Binden. Chemn. f. 2015. Am-
boina. — N. aurora D unk er längs gefaltet, weiss mit drei safran-
gelben Binden. Ohne Fundort.
Delphinula Reeviana Hinds Sulphur von Malacca. — D. laevis
Philippi Enum. p. 146. — D. exilissima ib. p. 224.
Naturgeschichte der Mollusken wahrend des Jahres lbi-i. ;;!!>
Orbis foliaceus Philippi Enum. blattartig niedrig, mit zahlreichen
an der Peripherie abgerundeten Windungen. Gleicht sehr einer Plan-
orbis, lebt aber im Meere und ist weiss und glänzend. Verf. stellt
sie neben Delphinula.
Rotella sagittata Hinds Sulphur von Madagascar.
Von der Gruppe der schwarzen Trochus unterscheidet Jonas
(Menke Zeitschr. p. 113) 10 Arten unter denen 3 neue: Tr. moestus
ohne Angabe des Vaterlandes, euryomphalus von der Westküste Süd-
amerika^, und stenomphalus mit unbekanntem Fundort; letzterer ist
nach einer späteren Bemerkung ib. p. 176 Tr. microstomus d'Orb.
Voy. — Derselbe beschreibt ebenda p. 168 T. aureus von Neuhol-
land, T melaleucos von Peru, T. attenuatus unbekannten Fundorts
und T. signatus desgl. — Tr. dubius Philippi Enum. p. 149 ver-
wandt mit Tr. Laugieri. — Tr. unidentatus ib. — Tr. villicus ib.
verwandt mit Tr. varius. — Tr. pygmaeus ib. 1^'". — Tr. putnilio
p. 226.
Im vierten Hefte von Philippi's Abbild, ist eine Tafel der Gat-
tung Trochus (im weiteren Sinne) gewidmet. Sie enthält Tr. longi-
spina Lam., latispina Phil, scheint mir brevispina Lam. zu sein und
Buschil Phil, ist wohl inermis Chemn.; ferner Tr. cicer Menke und
Tr. Menkeanus Phil, vom Cap, Tr. lugubris Phil, und fuscescens
Phil, von Chili. — Lief. VI. tab. 4 enthält Trochus (Margarita) tae-
niatus Sow. , T. callosus Koch n. sp., maximus Koch n. sp. sehr
verwandt mit Tr. niloticus, Koc/m Phil, n. sp., squamiferus Koch
n. sp. von Neuholland, eximius Reeve, impervius Menke, tridens
Menke n. sp. von Peru ist microstomus d'Orb. Voy. pl. 76. f. 20. 21,
scalaris Anton n. sp, von Laguayra, cruentus Phil. n. sp. und
fasciatus Anton. — Lief. VIII. enthält Tr. jajtonicus D unk er n. sp.
von Japan, melanoloma Menke, ater Lesson (atropurpureus Menke),
Tamsii D unk er n. sp. von Südafrika, bicanaliculatus D unk er n.sp.
uud sauciatus Koch n. sp.
Monodonta glomus und limbata Philippi Enum. p. 157.
Turbo magnificus Jonas Menke Zeitschr. p. 167 unterscheidet
sich von T. petholatus dadurch, dass die Schale quergestreift ist,
keine marginirte Nath hat, und dass ihr der grüne Limbus um die
Mündung fehlt. Peru.
Haliotis dentata Jonas Menke Zeitschr. p. 34 ohne Angabe des
Vaterlandes. — H. Roedingi Chemn. und H. ficiformis n. sp. sind
von Menke ib. p. 97 beschrieben. Erstere von Isle de Bourbon,
letztere vom Cap. — H. elegans Koch von Neuholland bei Philippi
Abbild. V. tab. 1. — //. capensis Dunker ib. Ferner sind daselbst
H. iris Gmel. juv. und scabricosta Menke abgebildet, und in Lief. VI.
tab. 2 und 3. H. naevosa Martyns.
Scissurclla striatula Philippi Enum. p. 160.
Bei Hinds Sulphur sind ausser den Ann. XI. p. 256 aufgestellten
Conus auch C. voluminalis von Malacca und C. californicus von Ca-
lifornien abgebildet.
320 Trosohel: Bericht über die Leistungen in der
Ovula dorsuosa von Malacca, gallinacea und corrugata von
Neu-Guinea sind bei Hinds Sulphur abgebildet.
Ancillaria viamillata Hinds Sulphur von Malacca.
19 Arten Marginella sind aufgestellt von Hinds Proc. p. 72,
welche auf der Reise des Schiffs Sulphur und von Cuming gesam-
melt wurden. Davon sind 7 Arten der Abtheilung Phaenospira und
2 aus der Abtheilung Cryptospira im Sulphur abgebildet.
Erato vitellhia Hinds Sulphur von Californien.
Lovell Reeve stellt (Proc. p. 169) 87 neue Arten Mitra auf,
die in seiner Conch. icon. abgebildet sind. Die Menge muss es brin-
gen. — M. Belcheri bereits in den Annais XI. p. 255 aufgestellt ist
bei Hinds Sulphur abgebildet.
Imbricaria carbonacea Hinds Sulphur vom Cap. Der Gattungs-
name von Schumacher 1817 erhält hier den Vorzug vor Conohelix
Swainson 1833.
6 neue Arten Voluta von G. B. Sowerby finden sich Proc.
p. 149.
Sowerby beschreibt 37 Arten Columbella aus Cuming's Samm-
lung, die in seinem Thesaurus part 4 abgebildet sind Proc. 12. März
44; Annais XIV. p. 495. — C. fusiformis von Veragua, pavonina ohne
Angabe des Vaterlandes, carinata von Californien und lentiginosa
vom Golf von Nicoya bei Hinds Sulphur.
Die Monographie der Gattung Columbella in Sowerby' s The-
saurus enthält 103 Arten, auf 5 Tafeln (36—40) abgebildet.
Planaxis breviculus Deshayes Guerin Mag. de zool. pl. 108
eiförmig, spitz, mit braunen Längs- und Querstreifen, Mündung innen
kastanienbraun, Spindel oben schwielig. Vaterland unbekannt. —
PI. Savignyi id. ib. pl. 109 länglich eiförmig, spitz, quer gestreift,
letzte Windung mit stumpfem Winkel, Mündung innen gefurcht, Spin-
del weiss gerandet, im obern Winkel schwielig. Rothes Meer und
Madagascar.
Buccinum metula Hinds Sulphur von Veragua.
Nassa candens von den Marquesas-Inseln, cremata ohne Angabe
des Fundorts, perpinguis von Californien, myristicata vom Cap, po-
data von Malacca, moesta von Central- Amerika und gaudiosa von
Malacca sind bei Hinds Sulphur aufgestellt und abgebildet.
20 Arten Terebra (Proc. 1843. p. 149; vergl. den vorjährigen Be-
richt p. 358) sind bei Hinds Sulphur abgebildet.
Cassidaria depressa Philippi Enum. p. 186.
Purpura chrysostoma Deshayes Guerin Mag. pl. 86 längs ge-
rippt, Mündung eng, orange, Spindel mitten verdickt. Rothes Meer.
20 Mill.
Deshayes bildet in Guerin's Mag. pl. 85 seinen Fusus Blosvil-
lei von Ceylon ab, setzt ihn aber in die Gattung Purpura Lam. —
F. clausicaudatus Hinds Sulphur vom Cap. — F. pulchellus Phi-
lippi Enum. p. 178. Bei Philippi Abbild. V. tab. 1 sind abgebildet:
Naturgeschichte der Mollusken wahrend des Jahres 1844. 321
F. Voigtii Anton, ambiguus Phil., plumbeus Phil, von Chili, ob-
scurus Phil., pygmaeus Gould, cinereusSay, guttatus v. d.Busc h,
capensis und lineolatus Dunker vom Cap, limbatus Phil. (F. pul-
chellus Pfr. ), modestus Anton, decemcostatus Say.
Fasciolaria Antonii Recluz Rev. zool. p. 49; Guerin Mag. pl. 92.
Die bereits im vorjährigen Bericht p. 359 erwähnten Arten Pleu-
rotoma sind von Hinds Sulphur abgebildet. Ebenso 48 Arten seiner
Untergattung Clavatula, und die 5 Arten der Untergattung Mangelia.
Derselbe stellt im Sulphur zwei neue Untergattungen von Pleu-
rotoma auf: Conopleura. Testa coniformis vel involuta; spira co-
nico-elata; sinus lateralis posticus, profundus, margine calloso; la-
brum intus laeve, columella subprodueta, apertura linearis, canalis
subnullus. C. striata. — Daphnella. Testa gracile fusiformis, te-
nuis, fragilis; anfractus ultimus elongatus, spiram superans; sinus
lateralis et ante suturam margine acuto ; labrum tenue, intus laeve;
apertura elongatc ovalis, vix canaliculata; columella nuda, plerumque
striata. Dahin Pleurotoma lymnaeiformis Kiener und 3 neue Arten:
D. marmorata und oruata von Neu- Guinea, D. casta von Central-
Amerika.
Bei Philippi Enum. finden sich als neu: Pleurotoma cocrulans%
rugulosum, hrachyostomnm , secalinum, La- Yiae.
In Philippi's Abbild. Lief. 4 befindet sich auch eine Tafel Pyrula.
Sie enthält P. Maweae Gray, und 3 neue Arten P. ochroleuca
Menke von Chili, bispinosa Phil, und Martiniana Pfr.
Turbinella Philberti Reeluz Rev. zool. p. 48; Guerin Mag.
pl. 91 spindelförmig, rothbraun, mit 9 Längsrippen, mit weissen er-
habenen Linien umgeben, 8 Windungen, die letzte mit zwei weissen
Kielen , Spindel mit 2 obsoleten Falten. 56 Millim Manila. — T.
tessellata id. ib. verwandt mit voriger Art aber mit zahlreichen
Falten auf der Spindel. Philippinen. — T. Cecillii Philippi Menke
Zeitschr. p. 166 von China.
Cancellaria Cumingiana Petit (Guerin Mag. de zool. pl 112)
eiförmig, dick, quergefurcht, die Rippen flach gedrückt, Nath kanal-
artig. Payta. — Die zehn Cancellarien (Proc. p. 1843. p. 47; vergl.
den vorjährigen Bericht p; 359) sind bei Hinds Sulphur abgebildet.
Cyrtulus serotinus ist bei Hinds Sulphur abgebildet.
Ebenso 2 Trichotropis (Proc. 1843).
Sechs neue Arten von Tritonium stellte Hinds auf Proc. 27.
Febr. 1844 und bildete dieselben im Sulphur ab. 41 Arten derselben
Gattung von Lovell Reeve Proc. p. 110.
15 Arten Ranella von Lovell Reeve Proc. p. 136. — R. cali-
fornica (Ann. XI. p. 255) und R. pectinala von Mexiko sind bei
Hinds Sulphur abgebildet.
Murex nigrita Phil, aus dem stillen Ocean an der Mexikani-
schen Küste und hippocaüunum Phil, von Peru sind bei Philippi
Abb. Vlll. abgebildet und beschrieben.
Arthiv f. Naturgeschichte. XI. Jahrg. 2. Bd. X
322 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
10 Murex (Proc. 1843) sind von Hinds Sulphur abgebildet.
Ebenso 3 Typhis (Proc. 1843. p. 18. 19).
Ebenso Trophon fimbriatus und gyratus von Maeassar und T.
muricatus von Panama.
Ausser den beiden Arten der Gattung Phos, die schon früher
Ann. XI. p. 257 aufgestellt waren, sind von Hinds Sulphur noch
Phos virgatus und recetosus von Ceylon, articulatus von Panama,
roseatus von Sumatra und gaudens von der Westküste von Mexiko
abgebildet.
Bracliiopoda.
Orthis anomioides Scacchi et Philippi Enum. klein, quer
eiförmig, niedrig, unten flach, das innere Scelett besteht aus einer
dreieckigen Platte und ist mit einer verdickten Spitze versehen.
Testacea.
Von Duvernoy ist eine Abhandlung über das Nerven-
system der Muscheln: Du Systeme nerveux des Mollusques
acephales bivalves ou lamellibranches in den Comtes rendus
19. p. 11 32 angezeigt.
Will stellte Untersuchungen über die Augen der Mu-
scheln an. Er fand dieselben sehr hoch organisirt. Ausser
bei Pecten, Spondylus und Ostrea fand sie derselbe auch bei
Pinna, Area, Pectunculus, Mytilus, Cardium, Tellina, Mactra,
Venus, Solen, Pholas , zuweilen in ungeheurer Zahl. Auch
bei den Ascidien Cynthia, Phallusia und Clavellina wurden
Augen nachgewiesen, und zwar 14, von denen 8 der Athem-
und 6 der Afterröhre angehören. (Froriep's Notizen 29. p. 81
und 99).
Van Beneden stellte neue Untersuchungen über die
Geschlechtsverhältnisse der Anodonten an. Er fand das Or-
gan im Fusse des Thieres, den Eierstock, zusammengesetzt
aus kleinen Blindsäcken, deren einige Eier, andere Spermato-
zoon enthielten, so dass demnach das Organ gleichzeitig Eier-
stock und Hode wäre. Das Organ, welches Bojanus für
Lunge, Neuwyler für Hoden erklärt hat, hält Verf. für Peri-
cardium und die darin flottirenden Körper für Analoga der
schwammigen Körper an den Hohlvenen der Cephalopoden
(Bulletins de l'Academie de Bruxelles XI. 2. p. 377).
Ueber die Begattung von Tellina planata macht Will
eine interessante Mittheilung in Froriep's Notizen 29. p. 57.
Naturgeschichte der Mollusken wahrend des Jahres lbU. 3 •>;;
Das Männchen streckte tue Röhren sehr weit vor und bewegte
sie lebhaft, so dass sie die ebenfalls verlängerten Röhren des
Weibchens oft längere Zeit berührten. Dann warf das Männ-
chen etwa 1 Zoll weit runde FJöckchen einer weissen Masse
aus, die aus Samenthierchen bestand und noch bevor das Aus
werfen, welches über eine Viertelstunde dauerte, beendet war,
sog das Weibchen einen grossen Theil des vom Männchen aus-
geworfenen Samens ein. Die Samenthierchen waren nach
einigen Stunden in den Kiemen noch sehr lebendig.
Anomia aspera Philippi Enum. p. 65 durch dornige Längsfal-
ten von A. ephippium verschieden, vielleicht nur Varietät derselben.
— A. elegant ib. kreisförmig, weiss, in Alter mit erhabenen strah-
lenförmigen Linien.
Eine Tafel mit Pecten bei Philippi Abbild. IV. enthält: P:
Antonii Phil., iricarinatus Anton, crebricottatnt Mus. B e r o 1.
von China , tunicä P h. von den Sandwich -Inseln, Fabricii Ph. von
Grönland, tigris Lara., porphyreus Chemn. — Eine zweite Tafel ib.
Vlll: P. excavatus Anton, bifidus Menke, solaris Born, Madreporaium
Petit, und vitreus Chemn. — Bei Hinds Sulphur: P. tericeut von Pa-
nama, ßoridus von Californien, rubidut von Nordwest-Amerika, digi-
tatut von Guayaquil, fasciculatus von Veragua, und co?*ruscans von
den Marquesas- Inseln.
Pinna truncata Philippi Enum. p. 54, abgestutzt.
Von Sylvanus Hanley sind mehrere neue Mytilaceen be-
schrieben. Proc. 13. Febr. 44; Annais XIV. p. 367, nämlich Modiola
Metcalfei, striatula, Philippinarum , biradiata, strigula, arcuatula,
tordida; — Lithodomus canaliferut von den Philippinen und phnnula
von Panama; — Mytilut granulatut von Valparaiso.
Modiola vestita Philippi Enum. p. 51 von Malta. — M. Favan-
nii Potiez et Michaud Gal. p. 130 testa oblonga, arcuata, ad nates
tumidiore, nitida, fulva et anterius rufa, longitudinaliter minutissime
striata, nate producta, ineurva, intus raargaritacea. Woher?
Anodonta coaretata Potiez et Michaud Gal. p. 142 testa
ovato-oblonga, tenui, fragili, transversim sulcata; postico latere ro-
tundato, antico produeto, compresso, coaretato; natibus retusis.
Franche-Comtee. — A. obtusa ib. p. 144 testa oblonga, utrinque ro-
tundata, crassa, picea, nitida; striis longitudinalibus in medio sub-
nullis; natibus compressis decorticatis; intus rubente. Senegal.
Unio Osbeckii Philippi Menke Zeitschr. p. 164 schwarz, zun-
genförmig, Wirbel bis auf * der Schale runzlig. China im Yang-tse-
kiang. — U. Aradae Philippi Enum. p. 49 unterscheidet sich von
U. Gargottae durch die Olivenfarbe, das fast schnabelförmige schmä-
lere Hinterende, und den um das Doppelte grösseren Schlosszahn.
Francofonte.
X*
324 T rose hei: Bericht über die Leistungen in der
Cardita ubysaicula Ilinds Sulphur weiss mit vielen strahligen
lamellösen Hippen, Lunula breit herzförmig, innen milchweiss. Malacca.
Area turgidula Deshayes Guerin Mag. pl< 64 unterscheidet
sich von A. barbata durch die starke Wölbung der Schalen, wodurch
sie fast cylindrisch wird. Woher? — 39 neue Arten sind von Lo-
vellReeve aufgestellt Proc. 14. März 44; Annais XIV. p. 486 und
in dessen Conchologia iconica abgebildet. - Ebenso von demsel-
ben 23 Arten Proc. p. 123.
18 Arten Nucula, welche in den Proc. 1843. p. 97 aufgestellt
waren, sind bei Hinds Sulphur abgebildet.
8 Arten Cardium von Lovell Reeve Proe. p. 167. - C. verte-
bratum Jonas in Menke Zeitschr. p. 33 von Neuholland. - C. sca-
brum Philipp! Enum. p. 38 verwandt mit C. papillosum Poli. - C.
parvum Phil. Enum. klein, ungleichseitig, mit 23 Rippen. Tarent.
Venericardia zelandica Potiez et Michaud Gal. p. 166 testa
suborbieulata, inaequilatera, tumida, subtus albido grisea, intus pur-
pureo-nigricante nitidoque maculata; costis longitudinalibus nume-
rosis striisque transversis sublamellosis cancellata; umbonibus obli-
quis, recurvis; cardine bidentato; ano oblongo; marginibus subtihs-
sime plicatis. Neu-Seeland.
7 neue Arten Venus von Sylvanus Hanley Proc. p. 160. —
V. lithfoda Jonas Menke Zeitschr. p. 33 von Chili. — V. bella id.
ib. p. 34 von den Molukken. — F. nitens Scacchi et Philippi
Enum. p. 35 sehr verwandt mit V. geographica. Neapel. — V. Sili-
cat a Potiez et Michaud Gal. von Kamtschatka ist abgebildet,
entbehrt aber aller Beschreibung. - Bei Philippi Abbild, enthält V.
tab 2 Venus Dombeyi Lam., placida Phil, von Vandiemensland, no-
tata Say und amathusia Phil. Ferner VII. tab. 3 V. calcarea Phil,
von Cuba, discrepans Sow., ignobilis und expallescens Phil, von
Chili, subrugosa Sow., lunularis Lam., variahilis Mus. Vindob. von
Bombay. — V. Kellettii Hinds Sulphur kastanienbraun, an den En-
den mit Lamellen besetzt, Quibo-Insel, westlich von Veragua.
Sylvanus Hanley stallte 7 neue Arten der Gattung Cytherea
auf. Proc. zool. soc.p.109. — Auch dieser Gattung sind bei Philippi
Abbild, drei Tafeln gewidmet. VI. tab. 1 enthalt C. ponderosa Koch
ligula Anton, elegans Koch von Neuholland, rostrata Koch von
Brasilien. - VII. tab. 2 s. bei Arthemis. - Vlll.tab.3 C. fusca Koch
rub/ginosa Phil., modesta Phil, von den Philippinen, fulminata
Valenc, lutea Koch, planatella Lam, trigonella Lam., mituita Koch.
Recluz bildet Arthemis reticulata (Lucina reticulata Lam.) ab.
(Guerin Mag. de zool. p. 110). - In der Revue zool. p. 299 zieht
derselbe zwei von Lamarck zu Lucina gestellte Arten (reticulata
und undata) zur Gattung Arthemis. — Hierher gehören 5 bei Phi-
lippi VII. Cytherea tab. 2 abgebildete Arten: C. patagonica Phil,
von Patagonien, Adonsonü Phil. (Dosin Adans.), hepatica Lam., ex-
cisa Chemn., Dunkerf Phil (paeifira Mus. Berol.) aus dem Stillen
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 184 i. 325
Ocean an der Küste von Mexiko. Ausserdem werden von Philippi
als zur Gattung Arthemis gehörig folgende Arten beschrieben (sie
sind nicht abgebildet) concentrica Born, gigantea Sow., cxoleta L.,
lineta Pulteney, lupinus Poli (lunaris Lam.), contractu Phil. Chemn.
Vll. f. 403, juvenilis L., dilatata Phil. Chemn. VII. f. 406, lucinalis Lam.,
australis Quoy et Gaim., scalaris Menke, prostrata L.
4 neue Arten Cyrena von Sylvanus Hanley Proc. p. 159. —
C. ?naniknsis Philipp i Menke Zeitschr. p. 162 fast kreisförmig.
Manila. — C. Largillierti Philippi ib. verwandt mit Orientalis
Chemn. aber viel langer, und mit sehr engen Querstreifen. — C.
nitens ib. eng gestreift, hinten geschnäbelt, braun. Beide von China
aus dem Fluss Yang-tse kiang — C. euneata Jonas ib. p. 186 aus
dem Orinoco. 2 Cyrenen (vergl. Ann. X. p. 81) bei Hinds Sulphur.
Lucina vitrea Deshayes Guerin Mag. de zool. pl. 106 kreis-
förmig, weiss, durchsichtig, fein gestreift, Wirbel dreieckig, spitz;
Schildchen und Feldchen zusammengedrückt; Ränder ganz, Schloss
mit einem Zahn. Sumatra. — L. giööia id. ib. pl. 107 kreisförmig,
convex, concentrisrh gestreift, weiss; Schildchen tief gerandet, Feld-
chen sehr klein, lanzettlich herzförmig, Schloss mit zwei Zahnen.
Sumatra. — L. fenestrata Hinds Sulphur kreisförmig, platt, weiss-
lich, rauh durch Längs- und Querlinien, hinten ausgerandet. San Blas.
Eine neue Gattung Scacchia stellte Philippi Enum. p. 27 auf.
Sie unterscheidet sich von Amphidesma durch den einfachen, nicht
gebogenen Manteleindruck, von Lucina durch das doppelte (ein äus-
seres und ein inneres) Ligament, durch den hintern runden Muskel-
eindruck, den zungenförmigen, zusammengedrückten Fuss und dop-
pelte Kiemen, während Lucina jederseits nur eine Kieme hat. S.
elliptica Ph (Teilina elliptica Scacchi), S. mala Ph. Neapel.
SyJvanus Hanley theilte der Zoological society die Beschrei-
bungen von 82 neuen Arten der Gattung Tellina mit. Proc. p. 59. 68.
140. 146. 164. — T. carnea Philippi Menke Zeitschr. verwandt mit
T. fabula. — Die der Gattung Teilina bei Philippi Abbild. Lief. V.
bestimmte Tafel enthält T. concinna Phil., planissima Anton, Anto-
nn Phil., serrata Brocchii foss., staurella Lam., ampi/llacea Phil,
vom Senegal und Philippi Anton. — T. fueuta von Californien,
bodegensis von Kussisch Bodegas, rodora von Ma< assar bei Hinds
Sulphur.
Recluz lieferte eine Monographie der Gattung Ervilia Turtoii
(Rev. zool. p. 85; Guerin Magazin de Zoologie 1844. pl. 95. 96). Die
berichtigten Charaktere sind so gestellt: Animal ignotum. Testa
libera, oblonga, transversalis, aequivalvis, inaequilateralis, depressa,
omnino clausa. Apices parvi, postice wx recurvi, acuti, integerrimi
seu superne parum emarginati. Cardo in valvula dextra dentibus
cardinalibus duobus parum divergentibus: antico antrorsum porrecto,
lateraliter compresso, integerrimo; postuo angusto, cum fovea trian-
gulär! interposita interne producta et postice fossula altera oblonga
326 Troschel. Bericht über die Leistungen in der
prodente valvae alterius. In valvula sinistra dentibus duobus, trian-
gularibus, submarginalibus, externe eompressis, valde divergentibus,
cum fovea intermedia dente longitudinali inaequaliter bipartita: parte
rentrali majore, trigona , ligamentum excipiente; parte laterali ob-
longa antrorsum brevi, angusta, antica, prodente cardinali valvae
oppositae. Dentes laterales nulli. Margines internae vix prominulae,
sulco obsoleto in acie notatae. Ligamentum internum in foveis tri-
gonis affixum. Impressiones musrulares transversales, ovatae, interne
truncatae. Sinus palliaris profundus, ovatus, antice rotundatus. An-
gulus palliaris brevis, acutus, antrorsum in linea angusta prolongatus.
Dahin gehören E. castunea Recluz (Donax castanea Mont.), E.
nitens Turton (Mya nitens Laskey), E. pellucida Macgillivray
(Tellina pellucida Brown). Alle drei an den Küsten Grossbritaniens.
Die beiden ersteren sind abgebildet.
Psamniobia soüda Phil, von Chiloe, Ps. violacea (Solen) Lam,
und Ps. costulata Turton sind bei Philippi Abbild. IV. abgebildet. —
Ebenda VII!. Ps. Küsteri Anton, elongata Lam., radiata Dunker
n. sp. von Amboina und Java, flavicans Lam. und serotina Lam. —
Ps. decora (Ann. X. p. 81) ist bei Hinds Sulphur abgebildet.
Mactra cygnea Philippi Menke Zeitschr. p. 161 verwandt mit
M. grandis Lam. Rothes Meer. — Die Mactra -Tafel bei Philippi
Abbild. VII. enthält M. solidissima Chemo., ponderosa Phil. n. sp.
Amerika im Atlant. Ocean, lateralis Say, und subtruncata (Trigonella)
Dacosta.
Lutraria maxima und rhynchaena Jonas Menke Zeitschr. p. 34
letztere von Neuholland.
Pythina Hinds Sulphur n. Gen. Mactracearum. Testa transversa,
subaequilateralis, aequivalvis. Valva altera dente unico mediano
j>arvo, duobus lateralibus, altera dentibus duobus lateralibus. Liga-
mentum internum. Impressiones musculares duae, rotundatae. Im-
presso pallii rectiuscula, sinu nullo. P. Deshnyesiana dreieckig,
weiss mit drei in der Mitte getrennten Furchen. Neu -Irland.
Die Gattung Goodalia Turton will Recluz Revue zool. p. 246
eingehen lassen, indem sie mit der Gattung Astarte zusammenfalle.
3 neue Arten Neaera von Hinds von den Philippinen Proc. p. 97.
— Von demselben sind im Sulphur 5 Arten abgebildet, die in den
Proc. 1843. p 76 aufgestellt waren.
Deshayes bildet drei Arten seiner Gattung Cardilia, die er
vorläufig in die Familie der Mactraceen stellt, ab, nämlich C. semi-
sulcata (lsocardia semisuleata Lam.), und zwei neue Arten C. inermis
weiss, herzförmig, halb mit schwachen Furchen gefurcht von Suma-
tra und C. Martini lang herzförmig, halb mit crenulirten Furchen
gefurcht von Malacca (Guerin Mag. de zool. pl. 99—101).
Recluz giebt den Prodromus einer Monographie der Gattung
Erycina Rev. zool. p. 299 und p. 325. Er zieht dahin folgende 18
lebende Arten: E. Deshayesii n. sp. von Ncuholland, E. donacina
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1844. 327
n. sp. von den Antillen, E. Geoffroyi Payr., E. corbuloides Bivona,
Bornia inflata Philippi, Kellia suborbicularis Turton, Peronia Lape-
rousei Desh., E. nucleola n. sp. von Cherbourg, E. thracierina n. sp.
von Corsica, Montacuta purpurea Bean, E. seminula n. sp. aus dem
Mittelmeer, Montacuta substriata Turton, E. franciscana n. sp. La
Manche, E. caroburgensfs n. sp. von Cherbourg, Montacuta bidentata
Turton, Montacuta oblonga Turton, Montacuta ferruginosa Turton,
E. Souleyetana n. sp. von Brest Ausserdem 11 fossile Arten.
Amphidesma scabrum und %ebuensis aus der Sammlung von W.
Metcalfe sind von Hanley beschrieben Proc. Februar 1814; Annais
XIV. p. 370 beide von der Zebu -Insel. — Ferner A carnicolor von
demselben von den Philippinen aus Cuming's Sammlung.
Corbula decussata Deshayes Guerin Mag. de Zool. pl. 105
länglich, fast gleichseitig, hinten abgestutzt, Sehnabel an der Basis
schief gekielt. Sumatra. — C. crispa Hinds Proc. 27. Febr. von
den Philippinen, C. adusta id. von Neuseeland, C. procera id. und
C. carnosa id. ohne Angabe des Vaterlandes. — C. thecoidea Jonas
Menke Zeitschr. p. 185 von Neuholland. — 12 Arten Corbula (Proc.
1843. p. 55) sind bei Hinds Sulphur abgebildet.
Choristodon Jonas nov. Gen. Menke Zeitschr. p. 185 wird
in die Familie Lithophaga gestellt. Animal ignotum. Testa cardine
valvulae dextrae dentibus tribus approximatis, sinistrae vero duobus
et uno intermedio separabili; lateralibus nullis. Ligamentum exter-
nura. Ch. typicum von St. Thomas.
Saxicava Groenlandica P o t i e z et M i c h a u d Gal. testa ovata,
elongata, subcylindracea, transversa, pellucida, longitudinaliter co-
stata, hiante, epidermide tenuissima, pallescente; latere antico brevi,
postico longiore; cardine subunidentata, intus nitide polita, albida.
Grönland. t
Thracia ovalis und fabula Philippi Enum. 11. p. 17.
Galeomma? compressum Philippi ib.
Eine Monographie der Gattung Myodora Gray giebt Lovell
Keeve Proc. p. 91. Dieselbe spricht jedoch nur von den Schalen,
deren 10 Arten beschrieben sind. Dieselben sind in seiner Concho-
logia iconica abgebildet.
Mittre lieferte in Guerin's Mag. de Zool. pl. 102— 104 eine Ana-
tomie des Thiers von .Anatina hispidula. Der Mantel ist völlig ge-
schlossen bis auf eine kleine vordere Spalte zum Durchtritt des
Fusses, die beiden Siphonen sind verwachsen und bilden eine ver-
längerte fleischige Masse, der Eingang ist durch warzige Vorsprünge
verengt, und vor diesen finden sich andere, die Verf. als Geschmacks-
organ ansieht. Jederseits liegen zwei Kiemenblätter, vorn angewach-
sen, hinten frei. Jederseits zwei Mundlappen. Der Darm geht ge-
radlinig und ohne Erweiterung zum After. Von Geschlechtsorganen
hat Verf. nur einen Eierstock ohne Ausfühl ungsgdng gefunden, der
sich bis an die innere Oeffnung des Analsipho erstreckt. Der Fuss
328 Troschel: Bericht ü. d. Leist. i. d. Naturgesch. d. Moll. etc.
ist klein, einfach, und hat an seinem Ende einen kleinen runden Ein-
druck, dessen sich das Thier wohl als Saugnapf bedienen mag, um
sich festzuheften. Vom Nervensystem sind nur das Schlundganglion
und das hintere Ganglion mit ihren Fäden beobachtet. Wegen der
grossen Uebereinstimmung des Thiers mit Mya stellt Verf. die Gat-
tung Anatina wieder in die Myenfamilie und führt noch an, dass das
Kalkstückchen am Schloss (l'osselet) bei A. truncata und bei A.
Liautaudi Mittre vorhanden ist, dass dasselbe dagegen bei A. sub-
rostrata Lam., bei A. hispidula Cuv. und A. Leaana Conrad fehlt.
Schliesslich beschreibt Verf. noch eine neue Art dieser Gattung
Anatina Liautaudi testa minima, transversa, utrinque rotundata,
fragili, pellucida, antuo latere posteriorique hiante, transversim
striata, punetis minimis extus asperata. Manila.
A. elegans Philip pi Menke Zeitschr. unterscheidet sich von
truncata Lam. durch den geradlinigten Bauchrand, und den senkrecht
geradlinigt abgestutzten Hinterrand. China,
Solen Bouchardii Potiez et Michaud Gal. p. 261 testa oblongo-
ovali, reeta, convexa, transverse striata, utrinque rotundata, sub epi-
dermide fulva, intus alba; alterius valvae cardine bidentato, alterius
unidentato. Meerbusen von Guinea. Nach der Zeichnung ist die
Schale vorn fast abgestutzt, die Schlosszähne liegen wenig hinter
der Mitte.
Zu der Gattung Glauconome, welche zuerst von Gray in die
Nähe von Venus, von Reeve in die Familie der Solenaceen gesetzt
wurde, wird von Hanley der Solen virens gezogen Proc. 13. Febr.
44. — Ebenda 27. Febr. 44, Annais XIV. p. 382 beschreibt Lovell
Reeve 7 neue Arten dieser Gattung, welche in seiner Conchologia
iconica abgebildet sind. G. rugosa, Stramine®, corrugata von Ma-
nila, radiata von der Zebuinsel, angulata von der Insel Negros,
curta von Luzon, cerea aus dem Ganges. Alle leben in den Mün-
dungen der Flüsse.
Ueber die Gattung Fistulana Lam. giebt Jonas (Menke Zeitschr.
p. 135) kritische Bemerkungen. Sie ist identisch mit Gastrochaena
Spengler, der zuerst 1783 drei Arten, später 1793 eine vierte Art be-
schrieben hat. Die Gastrochaena mumia Sp. ist einerlei mit Fistu-
lana clava Lam., Fistulana gregata ist ein Teredo und muss den
Namen Teredo clava wiedererhalten. Gastr. euneiformis ist durch
Philippi mit Recht von Pholas pusilla Poli (Gastr. Polii Phil.) ge-
trennt worden, Gastroch, modiolina Lam. ist auch eigene gute Art.
Gastr. cymbium ist dem Verf. unbekannt. Gastr. rostrata Sp. wird
dagegen ausführlich beschrieben, sie ist bei Chemnitz X. f. 1680.81
abgebildet.
329
Bericht über die Leistungen in der Pflanzen-
geographie während des Jahres 1844.
Von
Dr. A. Grisebaeh.
In dem ersten, nunmehr vollendeten Bande des physika-
lischen Atlas von Berghaus sind graphischen Darstellungen
aus dem Gebiete der Pflanzengeographie sechs Blätter gewid-
met. Das erste Blatt, Umrisse betitelt, schliesst sich an die
früheren Arbeiten v. Humboldt's und Schouvv's an und bezieht
sich namentlich auf die geographische Gliederung der Pflan-
zenformationen, in vertikalem Sinne die Stufenfolge der Re-
gionen, in horizontalem die Arealgrenzen der natürlichen
Floren erläuternd. Indessen erschien diese Darstellung bereits
im Jahre 1838 und würde bei einer erneuten Bearbeitung
wesentlicher Verbesserungen bedürftig sein. Von grösserem
Interesse ist das zweite Blatt, welches von den Verbreitungs-
bezirken der wichtigsten Kulturgewächse handelt. Es liegt
hier der Versuch vor, die Gebiete des Ackerbaues auf der
ganzen bewohnten Erdfläche nach den vorherrschenden Ce-
realien einzutheilen, woraus sich allgemeine Beziehungen zwi-
schen dem Klima und der Productionsfähigkeit einzelner Län-
der ergeben. In der alten Welt werden vom Verf. folgende
Zonen von den Polargrenzen des Ackerbaues bis zum Aequa-
tor unterschieden :
1. Zone der Gerste und des Roggens. Passender könnte
sie Zone der Sommer -Cerealien genannt werden, indem die
Dauer des Winters das wichtigste Moment ist, wodurch die
Kultur der einträglichem und sicherern Winterfrüchte in die-
sen) Gebiete verhindert wird. Unter einem solchen allgemei-
nern Gesichtspunkte verliert die besondere Bezeichnung des
südlichen Skandinaviens, als des Bezirks ausschliesslicher
Roggenkultur, so wie Sehottlands, als des Gebiets der Gerste,
330 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
eine Bedeutung, welche nicht in klimatischen Bedingungen
wie jene begründet ist.
2. Zone des Roggens und Weizens. Sie wird südwärts
etwa bis zum 50sten Breitegrade oder bis zur Polargrenze
der Weinkultur gerechnet.
3. Zone des Weizens. Dazu gehören die südlich vom
50sten Grade gelegenen Theile Europa's und Vorderasiens.
In mehreren Ländern verbindet sich mit dem Weizenbau die
Kultur des Mais.
4. Zone des Reis und Weizens in den unter dem Ein-
flüsse tropischer Jahreszeiten stehenden Gebieten : statt dessen
im tropischen Westafrika Reis und Mais
Jn Amerika, wo diese Verhältnisse durch grössern Um-
fang der Maiskultur modificirt werden, unterscheidet Berghaus
folgende Zonen: Roggen, Weizen und Gerste (d. h. Sornmer-
cerealien); Roggen und Mais; Weizen und Mais; Weizen; in
der tropischen Zone ist Mais Hauptgetreide. Mit diesen
Uebersichten hat der Verf. Angaben über die Verbreitung an-
derer Nahrungspflanzen verbunden, so wie auf besonderen
Karten die Productionsbezirke der wichtigsten Handelsge-
wächse dargestellt. — Die beiden folgenden Blätter enthalten
die statistischen Verhältnisszahlen der europäischen Flora,
welche, an sich der Anschaulichkeit ermangelnd und dem be-
deutendsten Wechsel der Ansichten in Hinsicht auf Begren-
zung der Arten und Pflanzengruppen unterworfen, auf dem
heutigen Standpunkte der Pflanzengeographie sich zu graphi-
schen Darstellungen nicht eignen dürften. Wenn dasselbe
vom letzten, im Jahre 1841 erschienenen Blatte über Deutsch-
land in noch höherem Masse gilt, so ist hingegen die Ueber-
sicht der Polar- und Aequatorialgrenzen zahlreicher Holzge-
wächse und Kulturpflanzen in Europa um so mehr zu loben, je
zahlreicher die hier benutzten Beobachtungen bei dem häufigen
Gebrauche dieser Karte uns erschienen sind. Ebenso dürfen
mehrere der zur Erläuterung meteorologischer Verhältnisse
bestimmten Blätter auch dem Botaniker als unentbehrlich be-
zeichnet werden.
M. Ro einer hat eine Abhandlung unter dem Titel bota-
nische Geographie und geographische Botanik bekannt zu
machen angefangen, welche sich über die Eintheilung der Erde
Pflanzengeographie wahrend des Jahres lbii 331
in natürliche Floren verbreitet ( Lüdde Zeitschr. für vergl.
Erdkunde. Bd. 3. S. 527 — 534).
Ein Aufsatz von E. Fries, das Vaterland der Gewachse
betitelt, handelt in der ihm eigentümlichen, auf das Special-
interesse des schwedischen Publikums beschrankten , aber
auch nicht selten allgemeinere Fragen scharf treffenden Dar-
stellungsweise von verschiedenen pflanzengeographischen Ge
genständen, namentlich von der Heimath der sogenannten
Ruderalpflanzen (Botaniska Utflygta. Bd. 1. p. 299— 328: über-
setzt in Hornschuch's Archiv skandinav. Beiträge zur Natur-
gesch. Bd. 1. H. 3). Mancher Kulturgewächse ursprüngliches
Vaterland könne nicht mehr durch empirische Beweise, son-
dern nur durch rationelle Erörterung ausgemittelt werden.
So sei der Raps nicht mehr wild anzutreffen, aber, wenn man
von allen aussereuropäischen Ländern den Beweis führe, dass
er dort nicht einheimisch sein könne, so müsse man schliessen,
dass er europäischen Ursprungs sei, wiewohl im wilden Zu-
stande durch den Ackerbau verschwunden. Manche Pflanzen
sind durch den Gebrauch ausgerottet worden, wie es jetzt
allmählig mit Gentiana lutea in den Alpen, mit Inula Helenium
im westlichen Schweden geschieht. Die Berührung der Natur
mit dem Menschen wirke umgestaltend auf die Pflanzenwelt
nicht minder als auf die thierische Schöpfung. Die ursprüng-
liche Vegetation eines Landes niuss daher im Allgemeinen als
artenreicher angesehen werden und so verschwinden selbst
unter unsern Augen, in Schweden und Deutschland, die Fund-
orte seltener Pflanzen, einer nach dem andern z. B. von Trapa,
Xanthium , Stipa.
Die einem verwandten Gebiete angehörende, aber nicht
ohne Seitenblicke auf die geographischen Bedingungen anderer
Organismen entworfene, treffliche Arbeit A. Wagner's über
die geographische Verbreitung der Säugthiere (Abhandlungen
der mathem.-physik. Klasse der bairischen Akademie Bd. 4)
darf auch an diesem Orte nicht ganz übergangen werden.
Die Frage über die ursprüngliche Heimath der Organismen
wird vom Verf. scharfsinnig erörtert und es ergiebt sich, dass
die Verbreitung der Thiere, wie der Pflanzen, durch die kli-
matischen und topischen Bedingungen ihrer Existenz nicht aus-
reichend zu erklären ist, sondern dass die strengsten That-
332
Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
sacheil neben «Jen physischen, noch heutzutage bestehenden
Verhältnisse!] auf anderweitige, uns unbekannte, etwa histori-
sche Gründe hinweisen, welche der Verf. als Wirkungen einer
allgemeinen Weltordnung bezeichnet wissen will, die jedoch
uns vielmehr als würdige Aufgaben weiterer Forschungen ins
Auge gefasst zu werden verdienen.
Aus den im vorigen Jahresberichte erwähnten, von Q u e-
telet publicirten Beobachtungen in Belgien über periodische
Erscheinungen der Vegetation dürfte der folgende kurze Aus-
zug, die Belaubung und Entlaubung verbreiteter Holzgewächse
im Jahre 1841 enthaltend, bei der Bestimmung der nordeuro-
päischen Phyto-Isotherme von Nutzen sein und er wird zu
diesem Zwecke mit einigen gleichzeitigen Beobachtungen von
Hartmann in Gefle (60° N. B.) in Verbindung gesetzt (a. d.
Bot. Notis. für 1842).
Pftanzengeographie während dos Jahres 1844. 333
Von monographischen Bearbeitungen einzelner Pflanzen-
grnppen, wobei auf die geographische Verbreitimg Rücksicht
genommen, sind aus vorigem Jahre zu erwähnen: Pariatore
über die Fnmarieen (Giornale botan. ital. I. p. 97 u. f.); v. Mar-
tins über die Erythroxyleen (Bairisohe Abhandl. 3. S. 325
bis 332); Lomler über die Verbreitung der Coniferen (Re-
gensb. Flora 1844. S. 440 — 443).
Fnmarieen. Nur 13 sp., welche durch beide gemäs-
sigte Zonen verbreitet sind, grossentheils freilich seeundär aus
einem Gebiete in das andere übergeführt. Mit Ausnahme des
capensischen Discocapnus wachsen sie sämmtlich im südlichen
Europa zwischen dem 34sten und 4 Osten Breitegrade und
nehmen abwärts von dieser Zone in beiden Meridianrichtun-
gen so rasch ab, dass jenseits des 50sten Grades nur noch
3 Arten angetroffen werden sollen: eine Angabe, die jedoch
für Deutschland nicht genau ist. Mehrere endemische Formen
besitzt Spanien.
Erythroxyleen. Von 58 Arten der Gattung Erythro-
xylon besitzen Brasilien 29, Westindien 8, Guiana 7, Coluni-
bien 4, Mexiko und Peru je 1, also das tropische Amerika
überhaupt 50. 5 sp. wachsen in Madagaskar und Mauritius,
einzelne Repräsentanten am Cap , in Ostindien und an der
neuholländischen Nordküste. In Amerika reicht der Verbrei-
tungsbezirk vom nördlichen bis zum südlichen Wendekreise,
in der alten Welt von 15° N.Br. bis 33° S. Br.
Coniferen. Lomler zählt nur 208 sp. Davon rechnet
er auf die nördliche Hemisphäre 165, auf die südliche 51;
ferner auf Europa 22, Asien 87, Afrika 16, Amerika 83,
Australien 35; endlich auf die tropische Zone 24, die nörd-
liche gemässigte 159, die südliche 33. Diese Angaben kön-
nen durchaus nur als vorläufige Anhaltspunkte gelten.
I. Europa.
Ein Kupferwerk über russische Pflanzen wurde von Traut-
vetter begonnen (Plantarum imagines et descriptiones. Mo-
nachii, 1844. 4. Fase. 1—4: bis jetzt 20 Tafeln). — Ebenso
hat man in Petersburg angefangen, die altern Biebersteinschen
Centurien fortzusetzen (M. de Bieberstein centuria plantarum
Rossiae meridionalis ieonibus illustrata. P. II. Dec. 1 — 3. Pe-
334 Crisebach: Bericht über die Leistungen in der
tropoli, 1844). — Engel mann gab eine Schrift über die in
den russischen Ostseeprovinzen vorkommenden Pflanzengat-
tungen heraus (Genera plantarum oder die Pflanzengattungen
der in Est-, Liv- und Kurland wildwachsenden Pflanzen. Mi-
tau, 1844. 8.).
Ueber die Vegetationsverhältnisse im südlichen und mitt-
lem Litthauen, besonders im Sluzker Kreise, schrieb A. F. C.
v. Fischer (Mittheilungen der naturforschenden Gesellschaft
in Bern aus den Jahren 1843 und 1844. Bern. 8.). In der
nähern Umgebung von Sluzk, im Quellengebiete des Niemen
und mehrerer Dnjepr-Zuflüsse, fand der Verf. nur gegen 600
Phanerogamen , von welchen er ein mit Bemerkungen über
ihre Statistik versehenes Verzeichniss mittheilt. In diesen Ge-
genden sind die mit Calluna (nebst Juniperus und Genista
tinctoria) bewachsenen Heideflächen noch häufig: niedrige Ge-
strüppe von Eichen (Quercus pedunculata) bedecken grosse
Räume und zeichnen die Physiognomie Litthauens vor den
westlichen Gebieten der baltischen Ebene aus. In feuchten
Niederungen herrschen Salix angustifolia und livida. Die
grossen Wälder bestehen aus Kiefern oder Rothtannen, die
minder häufigen Laubgehölze werden meist von Birken gebil-
det und in Polesien von Eichen, welche mit Birken, Pappeln,
Ebereschen u. a. gemischt wachsen. Als geographisch cha-
rakteristische Arten können folgende bezeichnet werden: Tha-
lictrum aquilegifolium L., simplex L. und angustifolium Jacq.,
Anemone patens L., Viola stricta Hörn., Dianthus arenarius L.,
Evonymus verrucosus Scop., Trifolium Lupinaster L. (in
pinetis siccioribus raro), Spiraea Aruncus L. , Geum stri-
ctum Ait., Potentilla norvegica L., Agrimonia pilosaLed.,
Saxifraga Hirculus L., Cnidium venosum Kch., Heracleum si-
biricum L., Laserpitium prutenicum L. , Chaerophyllum aro-
maticum L., Inula Helenium L. (in sylvis udis), I. hirta L.,
Cirsium rivulare Kch., Andromeda calyculata L., Pyrola media
Sw., Polemonium coeruleum L. , Pulmonaria azurea Bess.,
Pedicularis Sceptrum L. , Dracocephalum Ruyschiana L., Me-
littis Melissophyllum L., Amarantus sylvestris Desf., Thesium
ebracteatum Hayn., Euphorbia virgata Kit., Salix nigricans
Fr., livida Wahlb. (depressa Fr.), myrtilloides L., versifolia
Wahl*»,, lapponum L., Betula fruticosa Pall., Typha pendula
Pftanzeageographie während des Jahres 1844, 335
nov. sp. ■), Malaxis monophyllos Sw., ('ypripedium Calceolus
L., Gladiolus imbricatus L., Fritillaria sp., Veratrum Lobelia-
num Beruh., Toficldia calyculata Wahlb., Carex divulsa Good.,
pilosa Scop., Ilierochloa odorata Wahlb., Calamagrostis stri-
ata Spr.
Von Wahlberg sind einige Bemerkungen über Pflanzen
von Quickjock im schwedischen Lappland veröffentlicht (Öf-
versigt af Kongl. Vetenskabs- Akademieens Förhandl. 1844.
p. 23). Rubus castoreus Laestad. ist der in zwei Formen
auftretende Bastard von R. articus und saxatilis.
Lindblom schrieb Bemerkungen über Norwegens Ve-
getationsverhältnisse (Bot. Notiser. 1842. 43). Im Eingange
kommt die ungegründete Behauptung vor, dass in den meisten
Küstengegenden Norwegens die alpinen Gewächse bis zum
Meeresspiegel herabreichen ; eine Erscheinung, welche sich auf
einzelne Arten beschränkt und mit dem Wachsthum von Al-
penpflanzen auf dem Isarkies bei München zu vergleichen ist.
Jener Ausspruch Lindblom's gehört zu den irrigen Verallge-
meinerungen, welche Einer dem Andern entlehnt: indessen
giebt es keine alpine Pflanzenformation in Norwegen unter-
halb der Baumgrenze, so wenig wie in den Alpen. Hierauf
folgen Beobachtungen über Pflanzengrenzen in der Richtung
von WTesten nach Osten, denen wegen der bedeutenden kli-
matischen Gegensätze zwischen dem Binnenlande und der West-
küste von Süd - Norwegen wissenschaftlicher Werth beigelegt
werden muss. a. Pflanzen der Westküste, welche dem Bin-
nenlande nach Lindblom fehlen. (Die Polargrenze ihrer Ver-
breitung ist nach dem Breitegrade in Zahlen, das Vorkommen
in Schweden in Klammern beigefügt).
Fumaria capreolata. 59°. Sanguisorba officinalis. — 60°
Hypericum pulchrum. — 63^°. (Ins. Gottland).
— montanum. — Vaer- Bunium flexuosum. — 63°.
dal in Trondjem. Myrrhis odorata. — 63°.
Vicia Orobus. — 62^°. d. h. Chrysosplenium oppositifo-
Eichengrenze. lium. — 62£".
Rosa pimpinellifolia. 60°.
') T. spicis cylindricis, masc. et foem. contiguis, foliis planis
linearibus culmo longioribus pendulis. (An T. Shuttleworthii Kch.?)
336
Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Hex Aquifolium. — 62^° (—
Bohuslän).
Galiumsaxatile. — 62~° (Südl.
Schweden).
Centaurea nigra. — Snaasen
in Trondjem.
Hypochoeris radicata. — 62^°
(— Bohuslän).
Erica cinerea. — 62~°.
Pyrola media. — 61° ( — Bo-
huslän).
Lysimachia nemorum. — 636
Primula acaulis. —63° (==).
Digitalis purpurea. — 63°
( — Bohuslän).
Lamium intermedium. — 61°.
Teucrium Scorodonia. — 59°.
Luzula maxima. — 68°.
Carex binervis. — 63°.
— salina. — 70°.
— maritima. — 70°.
Aira praecox. — 62^° ( — Bo-
huslän).
Bromus tectorum. 61°.
Brachypodium gracile.
62f
Sambucus nigra. — Valder-
hong. ( — Bohuslän).
62}°.
(Schonen).
b. Pflanzen der Westküste, welche sich nur an der Siid-
küste z. B. bei Christiania oder in den Thalern der Fjeld-
plateaus, aber nicht im eigentlichen Binnenlande Süd-Norwe-
gens wiederfinden.
Arabis petraea. — 62°.
Rosa pomifera. — 63° (Südl.
Schweden).
Sorbus Aria. —63^° (—Bo-
huslän).
Sorbus hybrida. — 62° (?)
(Gottland).
Hedera Helix. — 60^°.
Lonicera perielymenum. —
Valderhong in Trondjem.
( — Bohuslän).
c. Pflanzen des östlichen Binnenlands von Süd-Norwegen,
welche der Westküste fehlen. (Mit Ausschluss der Fjeld-
Pflanzen).
Pulsatilla vernalis.
Trollius europaeus.
Berberis vulgaris.
Astragalus glycyphyllus.
Sedum rupestre.
Galiüm trifidum.
Hieracium cymosum.
Pyrola chlorantha.
Gentiana purpurea.
Mentha sativa. — 63° (Südl.
Schweden).
Fagus sylvatica. -— 6l°( — Bo-
huslän).
Quercus Robur. — 62°, nach
Blom — 63° (Südl. Seh w.).
Allium ursinum. — 63° (—Bo-
huslän).
Dracocephalum Ruyschiana.
Thymus Chamaedrys.
Pedicularis Sceptrum.
Salix daphnoides.
— amygdalina.
Carex capitata.
— parallela.
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1844. 337
d. Pflanzen der östlichen Fjelde, vorzüglich auf dem Do-
vrefjeld beobachtet, welche den Fjelden der Westküste fehlen.
(In dieser Liste sind einige Arten, welche ich selbst in Har-
danger gefunden und denen daher eine weitere Verbreitung
zukommt, ausgeschieden, nämlich Aconitum septentrionale,
Draba hirta, Gentiana nivalis und Salix arbuscula).
Ranunculus hyperboreus. Saxifraga controversa.
Lychnis apetala. Primula stricta.
Alsine hirta. Gentiana tenella.
Oxytropis lapponica. Koenigia islandica.
Phaca oroboides. Juncus arcticus.
— frigida. Kobresia caricina.
Potentilla nivea. Elyna spicata.
Saxifraga cernua. Carex microglochin.
Eine merkwürdige, aus diesem letzten Verzeichniss nicht
bloss sich ergebende, sondern überhaupt feststehende, jedoch
nicht aus den oben angedeuteten klimatischen Gegensätzen
erklärliche Eigenthümlichkeit der norwegischen Hochlande be-
steht darin, dass die alpine Vegetation im Dovregebirge die
höchste Artenzahl zu erreichen scheint, welche von hier aus
sowohl nach Westen als nach Süden abnimmt. Ebenso wer-
den in diesen Richtungen viele charakteristische Arten auch
an Individuenzahl armer, das Fjeldplateau geht allmählig in
die Verhältnisse der Steppe über. In dieser Beziehung sind
die schon vor längern Jahren angestellten, aber in vorliegen-
der Abhandlung aufs Neue vorgetragenen Beobachtungen Lind-
blom's über die Oede des Bygle- und Hekle-Fjelds oder des
südlichsten Theils der Hochlande lehrreich. Hier herrschen
auf einigen Strecken, z. B. zwischen Siredal und Lysefjord
Molinia coerulea und Solidago Virgaurea, alle übrigen Ge-
wächse verdrängend. Die alpinen Pflanzen dieser Gegend
wachsen übrigens, wie sich aus folgender Liste derselben er-
giebt, ebenfalls in Hardanger und erinnern nicht an den Brok-
ken oder an die Sudeten, denen sie unter allen skandinavi-
schen Alpen am nächsten liegen.
Ranunculus pygmaeus.
Arabis alpina; Cardamine bellidifolia.
Silene acaulis; Lychnis alpina; Stellaria alpestris; Cera-
stium trigynum, alpinum; Sagina Linnaei.
Archiv f. Naturgesch. XI. Jahrg. 2. Bd. Y
338 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Epilobium alpinum, alsinifolium.
Dryas octopetala; Potentilla maculata; Sibbaldia procum-
bens; Alchemilla alpina.
Rhodiola rosea.
Saxifraga Cotyledon, stellaris, aizoides, rivularis, oppo
sitifolia, nivalis.
Saussurea alpina; Hieracium aurantiacum , alpinum.
Phyllodoce taxifolia; Cassiope hypnoides; Arctostaphylos
alpina; Loiseleuria procimibens.
Gentiana pnrpurea.
Veronica alpina, saxatilis; Bartsia alpina.
Oxyria renifonnis.
Salix glauca, Myrsinites, Lapponum, retusa, herbacea.
Betula nana.
Tofieldia borealis.
Jiincus biglumis, trifidus; Lnzula arcuata, spicata.
Aira alpina, atropurpurea ; Poa alpina; Phleum alpinuiu.
Carex rariflora, pulla, lagopina, rigida, vaginata, atrata,
rotundata, capillaris, alpina; Eriophorum capitatnm.
Lycopodiiim alpinum.
Polypodium alpestre.
Die zweite Abtheilung von Lindblom's Abhandlung han-
delt von der Verbreitung der norwegischen Farne, welche
zwar nach der Theorie an der Westküste häufiger sein soll-
ten als im Binnenlande, aber in der That dieser Vorausset-
zung gemäss sich nicht verhalten. Der Verf. ist freilich ent-
gegengesetzter Meinung und führt an, dass die Zahl der Indi-
viduen nach Westen zunehme, was ich sehr bezweifeln möchte:
aber gewiss ist, dass nur Hymenophyllum Wilsoni als ein
Ausdruck des Seeklimas gelten kann, während das Binnenland
5 Farne von den 33 hier aufgezählten vor dem Westen vor-
aus hat, nämlich Polypodium calcareum; Aspidium Thelypteris,
cristatum, montanum und crenatum Sommf. An der West-
küste reichen bis Trondjem Aspidium aculeatum und Asple-
nium Adiantum nigrum, welche dem Osten fehlen, jedoch als
südliche, nicht als Küsten-Formen zu betrachten sind.
Auf meinen Aufsatz über Hardanger (dies Arch.S.l — 28)
habe ich hier nur zu verweisen: doch kann ich nicht umhin,
bei diesem Anlass dem Herausgeber der botaniska Notiser
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 339
(vergl. dessen Zeitschrift 1844. Anhang p. 64) zu erwidern,
dass die Buche allerdings jenseits Christiansund knltivirt wor-
den ist. Diese Angabe findet sich bei Blom, dessen Gewährs-
mann Blytt ist. (Das Königreich Norwegen. Leipz. 1843. S. 48):
dass sie dort wild wachse, wie Lindblom irrthümlich über-
setzt, habe ich nicht gesagt, und es kam auch zu meinem
Zwecke nur darauf an zu zeigen , wie weit nacli Norden das
Klima die Vegetation jenes Baums gestatte. Helianthemum
alpestre habe ich auf Klippen bei der Sennhütte Oppedals-
Stölen einzeln wahrgenommen und Phippsia aus derselben
Gegend verschiedenen Botanikern mitgetheilt. Ich lege auf
diese neuen Fundorte, deren ich mehrere hätte, inzwischen
wenig Gewicht und würde meine Abhandlung am besten da-
durch belohnt finden, wenn Lindblom und andere tüchtige,
skandinavische Naturforscher, statt ihre Journale mit uner-
freulichen Excursionsverzeichnissen und kritischen Minutien
über Speciesbegrenzung und Benamung anzufüllen, auch durch
sie angeregt würden, auf die Bedingungen der Pflanzenver-
breitung im europäischen Norden mehr und mehr ihre wis-
senschaftliche Aufmerksamkeit zu richten.
Von Blytt, dessen lang vorbereitete Flora von Norwe-
gen leider noch immer vergebens erwartet wird, erschien vor-
läufig ein Verzeichniss der um Christiania wildwachsenden
Pflanzen (Enumeratio plantarum, quae circa Christianiam
sponte naseuntur. Christiania, 1844, 4.). Dasselbe enthält 790
Gefässpflanzen.
Fries hat fortgefahren, kritische Bemerkungen über
schwedische Gewächse und Standörter von denselben zu pu-
bliciren (Bot. Notis. 1844. p. 1. 49. 75 u. f.). Von seinem Nor-
malherbarium sind Hft. 9 und 10 ausgegeben. — Anderson
und Lindblom bearbeiteten die alpinen Epilobien Schwedens
0
(das.). — Angström lieferte Beiträge zur Kunde der skan-
dinavischen Moose (Nov. Act. soc. Upsal. 12. p. 345 — 380).
In Lindblom's botaniska Notiser sind ferner folgende Ar-
beiten zur schwedischen Pflanzen - Topographie enthalten :
Borgström Beitrag zur Flora von Wärmeland (1842); Lind-
gren und Tors seil Moose bei Upsala (1842. 43); Fors-
seil Verzeichniss der seltenern, in Norrtelge (nordöstlich
von Stockholm) vorkommenden Pflanzen (das.); Hofberg
Y*
340 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Fundorte bei Strengnäs am Mälarsee (1842.43); von Post
Vegetations- Verhältnisse am westlichen Ufer des Mälarsees
(1844): durch genaue Beachtung der Standorte, auf welche
480 Phanerogamen vertheilt sind, von einigem Interesse;
Hamn ström neue Fundorte in Nerike (1842); Lindgren
Fundorte am Wenersee und kritische Bemerkungen (1842. 43);
Holmgren, Kaien und Hamn ström Fundorte in Ostgoth-
land (1841 — 43); Lagerheim desgleichen in Westgothland
(1844); Sieurin Reisetagebuch aus Nordhailand, Fundorte
enthaltend (das.); Lindblom und Borgström Fundorte
aus Schonen (1843. 44).
Nyman lieferte einen Beitrag zur Flora von Gottland,
wodurch die Zahl der auf dieser Insel gefundenen Gefäss-
pflanzen über S00 sp. steigt (Vetenskaps Akademieens Hand-
lingar för är 1840. p. 123 — 151). — Die in diesen Verhand-
lungen (1843. p. 273 — 302) nunmehr mitgetheilten Resultate
von Beurling's Reise beschränken sich auf Fundortsver-
zeichnisse, namentlich aus Jemtland, besonders ausführlich
vom Berge Areskuten.
Nach dem Tode von C. E. Sowerby, dem Eigenthümer
der English Botany, hat dessen Nachfolger J. D. C. So-
werby eine neue Reihe von Lieferungen dieses Kupferwerks
begonnen, von der unter dem Beistande von Wilson, Berke-
ley, Babington und Borrer bis 1844 die 3 ersten Hefte er-
schienen sind (Supplement to English Botany. Second series.
Nr. 1 — 3. London). — Die Londoner botanische Gesellschaft
hat nach dem Vorgange der Edinburger einen Katalog der
.britischen Pflanzen herausgegeben (The London catalogue of
British plants, published under the direction of the botanical
society of London. London). Dieses Verzeichniss enthält in
Folge kritischer Bearbeitung beträchtlich weniger Arten (1305
einheimische und 132 acclimatisirte Phanerogamen) als das
Edinburger und wird Watson's Feder zugeschrieben. — Die
im Jahresbericht für 1842 charakterisirte Zeitschrift „the Phy-
tologist" ist seitdem fortgesetzt: ich verweise auf die in der
botanischen Zeitung mitgetheilten Inhaltsverzeichnisse.
Watson schrieb kritische Bemerkungen über einzelne
britische Pflanzen (London Journal of Botany 3. p. 63 — 81).
— New man gab eine Beschreibung der britischen Farne
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1844. 341
heraus (A. history of British ferns and allied plants. London,
1844). — Die Annais of natural history (Vol. 13. 14) enthal-
ten folgende Beiträge zur britischen Flora : Ball über Oenan-
the, Taylor Beiträge zur Kenntniss der Lebermoose; Har-
vey Beschreibung der neuen irländischen Algengattung Rho-
dodermis; Berkeley Beiträge zur Mykologie; Dickie kri-
tischer Katalog der bei Aberdeen vorkommenden Meeresalgen;
Spruce Verzeichniss der Moose von Teesdale in Yorkshire,
Salwey der Lichenen von Wales; Graham über die Aus-
beute seiner Reise durch Wales; B ab in g ton über irländi-
sche Saxifragen.
Babington hat nachgewiesen, dass die seltenste aller
europäischen Orchideen, die im Jahre 1810 bei Cork von
Drummond entdeckte und erst kürzlich wieder aufgefundene
Neottia gemmipara Lm. identisch ist mit der nordamerikani-
schen Spiranthes cernua Rieh. (Proceed. of Linnean Soc.
1844).
Mit den kryptogamischen Gewächsen der Niederlande
haben sich beschäftigt v. d. Sande Lacoste, welcher Fund-
orte von Laubmoosen bekannt machte, und Dozy, der mit
Molke nboer ein Verzeichniss dort einheimischer Pilze und
einiger neu aufgefundenen Moose lieferte (beides in v. d. Hoe-
ven's Tijdschrift f. 1844. S. 165 u. 377).
Die in den vorigen Jahresberichten erwähnten allgemei-
nen Werke über die deutsche Flora sind fortgesetzt worden:
von Reichenbach 's Icones erschienen 4 Dekaden des sie-
benten Bandes, Aroideen und verwandte Gruppen enthaltend,
während gleichzeitig eine wohlfeilere und von ausführlicherem
Text begleitete Ausgabe unter dem Titel „Deutschlands Flora"
begonnen ward; von Sturm's Flora Hft. 23. 24 aus der drit-
ten Abtheilung; von v. S chl echten da l's und Schenk 's
Kupferwerk der fünfte Band, von dem über Thüringen Hft.
48—56; von Lincke's Publicatiou Hft. 34—49; von D. Die-
trichs Kryptogamen Hft. 2 — 4.
Rabenhorst gab den ersten Band einer deutschen Kry-
ptogamenflor, die Pilze enthaltend, heraus (Deutschlands Kry-
ptogamen Flora. Bd. 1. Leipzig, 1844. 8.). Dies ist eine zeit-
gemässe Compilation , welche jedoch den gehegten Erwartun-
gen nicht vollkommen entspricht. Von des Verf. verdienst-
342 Grisebach: Bericht über die Leistungen Jn der
lieber Sammlung getrockneter Pilze erschien die siebente und
im folgenden Jahre bereits die achte Centurie. — Hampe
veranstaltet ein ähnliches Herbarium von norddeutschen Kry-
ptogamen, worin bis jetzt 230 Laubmoose, 80 Lebermoose
und 80 Lichenen enthalten sind (Blankenburg am Harz beim
Herausgeber).
In Wallroth's Beiträgen zur Botanik, von denen zwei
Hefte vorliegen, sind einzelne Gattungen der deutschen Flora
monographisch abgehandelt: namentlich Agrimonia, Armeria
(mit zwei wohl charakterisirten Harzpflanzen Agrim. odorata
DC. Syn. A. procera Wallr. und Armeria humilis Lk. Syn.
A. filicaulis Boiss. ! A. Halleri Wallr.), Lampsana, Xanthium ;
dann folgen kritische Bemerkungen z. B. über Senecio palu-
dosus, Salix hastata, von welcher Wallroth die auf der Gyps-
kette des südlichen Harzes von ihm entdeckte Form als S.
surculosa unterscheidet. — Scheele hat die im vor. Jahres-
ber. bezeichnete Arbeit über deutsche und einzelne exotische
Pflanzen fortgesetzt (Regensb. Flora 1844 und Linnaea 1844)
und Peter mann ist ihm in ähnlichen Versuchen, zur Kunde
vaterländischer Arten mitzuwirken, nachgefolgt. (Regensb.
Flora das.).
Provinzialtopographieen und Vegetationsskizzen im Ge-
biete der deutschen und preussischen Flora: Kamp Verzeich-
niss der um Memel wildwachsenden Pflanzen (Preuss. Pro-
vinzialblätter 1844. S. 451— 569); Leo Meier über die Flora
von Gerdauen in Ostpreussen (Bot. Zeitung 1844); Roeper
zur Flora Mecklenburgs (Th. 2. Rostock, 1844), die Grami-
neen in der früher bezeichneten Weise darstellend; Fiedler
Synopsis der Laubmoose Mecklenburgs (Schwerin, 1844.8.);
Hacker Lübeckische Flora (Lübeck, 1844. 8.); K. Müller
Beiträge zu einer Flora cryptogamica Oldenburgensis (Bot.
Zeitung 1844) nebst Zusätzen und Berichtigungen von H.
Koch (das.); Wimmer 's im Jahresber. für 4840 erwähnte
Flora von Schlesien erlebte eine zweite, bereicherte Auflage
(Breslau, 1844); Reichenbach über die Vegetationsverhält-
nisse der Flora von Sachsen (i. d. Gaea von Sachsen, 1843.
S.% nichts weiter als Kataloge seltener Pflanzen aus den ein-
zelnen Bezirken in Excerpten aus der Flora saxonica des
Verf. enthaltend; Pfeiffer üebersicht der bisher in Kurhessen
Pflanzengeographic während des Jahres 1844. 343
beobachteten Pflanzen (Kassel, 1844. 8.), als Vorläufer einer
kritischen Flora Hessens anzusehen und an neuen Fundorten,
namentlich auf den Kasseler Basaltbergen, reichhaltig; von
demselben einige Worte über die subalpine Flora des Meiss-
ner (ebenda, 1844); Wirt gen Nachträge zur Flora der preus-
sischen Rheinlande (Verhandlungen des naturhistorischen Ver-
eins der preussischen Rheinlande, Jahrg. 1); Thiemc Ver-
zeichniss der um Ilainsberg im Regierungsbezirk Aachen
wachsenden Pflanzen (Regensb. Flora 1844. S. 209— 221 );
Löhr Taschenbuch der Flora von Trier und Luxemburg mit
Berücksichtigung der Nahe- und Glangegenden (Trier, 1844.
8.); Lech ler Supplement zur Flora von WTirtemberg (Stutt-
gart, 1844. 8.); Sailer Flora der Linzer Gegend (Linz,
1844. 8.), ein Auszug aus der im Jahresber. für 1841 erwähn-
ten Flora Ober- Oesterreichs; Sauter Bericht über einen
Ailsflug ins Lungau (Regensb. Flora 1844. S. 813 — 816).
E. v. Berg zu Lauterberg am Harz suchte nachzuwei-
sen, dass die Nadelhölzer sich in Norddeutschland allmählig
weiter ausbreiteten (das Verdrängen der Laubwälder durch
die Fichte und Kiefer. Darmstadt, 1844. 8.). Die Thatsache
ergiebt sich für den Harz aus archivalischen Zeugnissen: aber
in wie weit dieser an manchen Orten in 20 Jahren vollendete
Wechsel von äussern Naturbedingungen, oder aber nur von
wirtschaftlichen Ansichten der Forstverwaltung abhängig ge-
wesen sei, ist schwierig auszumitteln. Auch im Lüneburg-
schen, wo z. B. in der Göhrde der Kampf beider Kulturwei-
sen erst nach Verlauf eines Jahrhunderts zu Gunsten der
Kiefer entschieden ist, so wie im Solling an der obern Weser,
wo die Laubwälder noch sehr verbreitet sind, haben ähnliche
Verhältnisse, wie am Oberharze, obgewaltet. Am westlichen
Harze ist allgemein der Buche die Rothtanne gefolgt, aber an
einigen Orten haben sich beim Abtriebe der letztern die
Ueberreste von Eichen bis zu einem Niveau von 2000' ge-
zeigt, d. h. in einer Höhe, in welcher sie gegenwärtig längst
nicht mehr fortkommen. Berücksichtigt man hierbei, dass die
Baumgrenzen am Harze im Verhältniss zum europäischen Nor-
den ungemein tief liegen und selbst Nadelhölzer nicht höher,
als 9 bis 10 Grade nördlicher in Norwegen der Fall ist, im
Brockengebirge ansteigen, so lassen sich aus der einstmaligen
344 ürisebach: Bericht über die Leistungen in der
Kultur der Eiche und Buche säculare Aenderungen des Kli-
mas gewiss ziemlich wahrscheinlich machen, von denen die
jedesmalige Verbreitung der Waldbäume bedingt war und
wodurch Steenstrup's Succession der seeländischen Waldve-
getation in Zusammenhang gebracht werden würde mit der
Ausrottung der Laubhölzer auf den Höhen des Oberharzes.
Angaben über Vegetationsgrenzen in den südlichen Dolo-
mit-Alpen, namentlich aus der Gegend von Agordo, wodurch
eine bedeutende Lücke in den über die vertikale Verbreitung
der Algenpflanzen vorhandenen Beobachtungen ergänzt wird,
finden sich in dem Werke von Fuchs über die Venetianer
Alpen (Wien , 1844. fol.). Leider sind indessen für die mei-
sten Gewächse nur die untern Höhengrenzen angegeben und
unter diesen dürfte manchen Messungen nur ein lokaler Werth
beizulegen sein. Die Angaben, in Pariser Füssen ausgedrückt,
sind folgende:
a. Obere Grenzen.
Ficus Carica und Grenze der Weinkultur — 1500'. (Bei
Agordo wächst Vitis noch in einem Niveau von 2000'
sehr üppig, aber man bereitet dort keinen Wein mehr).
Oastanea vesca — 2000' bei Agordo.
Juglans regia — 3500' bei Frassene.
Zea Mays — 2500' im Cordevolethal.
Cerealien mit Ausschluss des Weizens — 4400' am Col
di S. Lucia; — 4600' bei Buchenstein.
Geschlossener Coniferenwald — 5500'. In der Krumm-
holzregion finden sich einzelne Lärchen und Fichten
— 6309' am Sasso di Palma.
Fagus sylvatica — 5000'; z. B. am Monte Luna — 4915',
am Bosco medone und in der Val Pegolera noch höher.
Pinus Cembra —6665' am Col di Lana.
Obere Grenze der Phanerogamen =9000': Aretia Vita-
liana und einige Saxif ragen.
b. Untere Grenzen.
Ranunculusaconitifolius3500' Aconitum Anthora. 4500'.
— montanus. 7000'. — Napellus. 6500'.
— glacialis. 8000'. — Stoerkianum.6500'.
— pyrenaicus. 8000'. Arabis coerulea. 7000'.
Anemone baldensis. 4500'. Hutchinsia alpina. 7000'.
Pflanzengeographie während des Jahres 1844.
345
Hutchinsia rotnndifolia. 7000'.
Papaver pyrenaicum. 5500'.
Viola biflora. 3500'.
Silene acaulis. 5500'.
— pumilio. 7000'.
Cerastium latifolium. 6500'.
Cytisus alpinus. 1300'.
— purpureus. 2000'.
Trifolium alpinum. 5500'.
Phaca astragalina. 6500'.
— alpina. 6500'.
Hedysarum obscurum. 7000'.
Dryas octopetala. 2000'.
Potentilla caulescens. 1300'.
— nitida. 6500'.
Geum montanum. 5500'.
— reptans. 8000'.
Sibbaldia procumbens. 5500'.
Rosa alpina. 5500'.
Sedum atratum. 7000'.
Rhodiola rosea. 7000'.
Saxifraga Aizoon. 1300'.
— aizoides. 1500'.
— caesia. 1500'.
— rotnndifolia, 2000'.
— mutata. 2500'.
— Burseriana. 2500'.
— cuneifolia. 3500'.
— stellarte. 5500'.
— aspera. 5500'.
— controversa. 6500'.
— museoides. 6500'.
— planifolia. 7000'.
— androsacea. 7000'.
— sedoides. 7000'.
— bryoides. 7000'.
— oppositifolia. 8000'
Biipleurimi graminifolium.
6500'.
Lonicera nigra. 4500'.
— alpigena. 4500'.
Valeriana saxatilis. 1300'.
Aster alpinus. 1500'.
Tussilago alpina. 2000'.
Cacalia alpina. 4500'.
Arnica montana. 2000'.
— Bellidiastrum. 1300'.
Gnaphaliuni Leontopodium.
1500'.
Chrysanthemum alpinum 7000'
Anthemis alpina. 6500'.
Achillea Clavennae. 4500'.
— moschata. 7000'.
Doronicum scorpioides. 7000'.
Aronicum Clusii. 7000'.
Senecio abrotanifolius. 5500'.
— carniolicus. 7000'.
Cirsium ochroleucum. 2500'.
— spinosissimum.5500'.
Carduus defloratus. 5500'.
Saussurea alpina. 7000'.
Sonchus alpinus. 4500'.
Phyteuma comosum. 1300'.
— Scheuchzeri.1300'.
— hemisphaericum 5500.
— orbiculare. 5500'.
— Sieberi. 7000'.
— paueiflorum. 7000'.
Campanula barbata. 4500'.
— Morettiana. 4500'.
Rhododendron hirsutum. 1300'
— Chamaecistus.1300'.
Arbutus uva ursi. 2500'.
— alpina. 5500'.
Azalea procumbens. 7000'.
Vaccinium Myrtillus. 2000'.
— Vitis idaea. 2000'.
Primula Allionii. 2500'.
346
Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Primula glutinosa. 7000'.
— minima. 7000'.
— longiflora. 6500'.
— Auricula. 6500'.
Soldanella alpina. 2500'.
— minima. 2500'.
Cortusa Matthioli. 7000'.
Androsace alpina. 7000'.
— obtusifolia. 7000'.
Aretia Vitaliana. 8000'.
Pinguicula alpina. 2000'.
— grandiflora. 2000'.
Gentiana acaulis. 1300'.
— germanica. 1300'.
— utriculosa. 2000'.
— cruciata. 3500'.
— asclepiadea. 3500'.
— ciliata. 3500'.
— punctata. 5500'.
— bavarica. 5500'.
— nivalis. 5500'.
— pumila. 5500'.
Linaria alpina. 1300'.
Euphrasia salisburgensis. 1500'.
Pedicularis tuberosa. 4500'.
— rostrata. 6500'.
— verticillata. 6500'.
— rosea. 6500'.
Bartsia alpina. 6500'.
Paederota Bonarota. 1500'.
Verouica alpina. 4500'.
— aphylla. 4500'.
Horminum pyrenaicum. 1300'.
Betonica Alopecuros. 1300'.
Myosotis nana. 8000'.
Globularia nudicaulis. 1300'.
— cordifolia. 1300'.
Daphne striata. 1500'.
Pinus Pumilio. 1400'. Zwi-
schen Agordo und Peron.
Nigritella angustifolia. 4500'.
Himantoglossum viride. 4500'.
Crocus vernus. 2000'.
Czackia Liliastrum. 2500'.
Luzula nivea. 5500'.
Carex atrata. 5500'.
— firma. 5500'.
Euphrasia tricuspidata. 1300'.
Giacich hat die seltenem Pflanzen des Monte maggiore
in Istrien aufgezählt (Regensb. Flora 1844. S. 274 — 276).—
Häuf fei giebt eine Uebersicht der Cariceen Ungarn's, Croa-
tien's, Slavonien's und Siebenbürgens (das. S. 527 — 536):
Der Verf. führt hier seine C. rhynchocarpa auf C. brevicollis
Lam. zurück und stellt C. saxatilis Baumg. als C. dacica auf.
Ein neues Taschenbuch der Schweizer Flora schrieb
Moritzi (die Flora der Schweiz. Zürich, 1844. 8.). —
Trog lieferte ein Verzeichniss schweizerischer Schwämme
(Berner Mittheilungen S. 17 — 92), worin 1121 sp. aufge-
führt sind.
Die obere Larix-Grenze auf der Südseite der Montblanc-
Kette am Cramont bei Courmayeur wurde von Forbes zu
7200' engl, gemessen, auf der Nordseite an den zum Mer de
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 18 14. 347
Glace gehörigen Felsen les Echellets zu 6800' (Travels trough
the Alps of Savoy. Edinburgh, 1843. p. 68 u. 215).
Von F. Schultz Flora Galliae et Germaniae exsiccata
sind Centurie 7 und 8 ausgegeben und von kritischen Bemer-
kungen über einzelne Pflanzen begleitet (vergl. Bot. Zeitung
1845). Von demselben Verf. sind 4 französische Pflanzen als
neu aufgestellt in der Regensb. Flora (1844. S. 806— 809):
Orobanche braehysepala Seh. ist nach Beschreibung und Mutter-
pflanze identisch mit O. apiculata-Wallr. Rchb. (Spicil. rum.
2. p. 58); O. macrosepala wahrscheinlich meine O. Bartlingii,
ein Name, der die Priorität um einige Monate voraus hat.
Französische Localfloren : J. Lloyd Flore de la Loire in-
ferieure (Nantes, 1844. 12); Guepin Supplement a la Flore
de Maine et Loire (Angers, 1842).
Eine Darstellung der climatischen Gegensätze innerhalb
der Grenzen Frankreichs ist von Martins bearbeitet (les
regions climatoriales de la France in der Bibliotheque de Ge-
neve, 1844. p. 138 — 160 und p. 347 — 350). Der Verf. un-
terscheidet in Frankreich folgende 5 Climate :
1. Vogesen-Clima. Begreift im nordöstlichen Frank-
reich ein Gebiet, welches etwa von den Städten Basel, Dijon,
Auxerre und Mazieres umgrenzt wird. Mittlere Temperatur
— 9°fi. Hier herrschen verhältnissmässig die strengsten
Winter, der Unterschied der mittlem Sommer- und Winter-
wärme beträgt 18° (18°,6 und 0°,6), die grösste in Stras-
burg und Metz beobachtete Kälte betrug ungefähr = 23°. —
Die mittlere Regenmenge (aus den meteorol. Beobachtungen
zu Strasburg, Mühlhausen, Nancy, Metz und Genf) = 669 '»»' :
davon fallen 19 Procent im Winter, 23 im Frühling, 31 im
Sommer und 27 im Herbst. M, Zahl der Regentage = 137. —
Herrschende Winde aus Südwest und Nordost.
2. S e i n e - C 1 i m a oder nordwestliches Frankreich bis zur
Loire und Cher. Mittl. Temp. = 10°,9. Unterschied zwi-
schen m. Sommer- und Winterwarme =13°, 6; nämlich ab-
nehmend in der Richtung von Brüssel (14°,3) bis Brest (=
10°, 8); jener durchschnittliche Werth (Sommerwärme =17°,6
und Winterwärme ==3°,95) ist aus den Beobachtungen von
Dünkirchcn, Arras, Abbeville, Paris , Cherbourg, Angersund
Denainvilliers das arithm. Mittel. — Mittlere Regenmenge
348 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
= 548n,m; jedoch in Finisterre bis 900mm; es fallen (nach
den Beobachtungen von Paris, Brüssel und Denainvilliers) im
Winter 21 Procent Regen , im Frühling 22 , im Sommer 30,
im Herbst 27. M. Zahl der Regentage = 140. — Herrschen-
der Wind ist Südwest, dann folgt Nordost.
3. Garonne-Clima oder südwestliches Frankreich bis
zu den Pyrenäen. Die östliche Grenze liegt in der Auvergne
und ist noch nicht mit Genauigkeit anzugeben: wahrscheinlich
schliesst sie das Plateau der Auvergne noch mit ein und folgt
dem Lauf der Rhone und Saone. Mittl. Temp. =12°, 7.
Unterschied zwischen m. Sommer- und Winterwärme =16°:
denn wegen der kürzern Küstenlinie ist das Seeclima hier
weniger als im Nordwesten entwickelt; mittlere Sommerwärme
= 20°, 6 und Winterwärme =5°. Grösste Kälte in Poitiers,
La Rochelle, Toulouse, Agen bis zu — 12°. — Mittlere Re-
genmenge = 586mm: davon 25 Proc. im Winter, 21 im Früh-
ling, 23 im Sommer und 34 im Herbst, M. Zahl der Regen-
tage = 130. — Herrschender W7ind ist Südwest, der in der
Nachbarschaft der Pyrenäen in West übergeht.
4. Rhone-Clima begreift das Flussgebiet der Rhone
von Dijon und Besanc,on bis zu Viviers und die Gebirgsland-
schaften von Hautes-alpes : die Grenze im Dep. Basses-alpes
bleibt noch unbestimmt. Mittl. Temp. = 11°. Unterschied
zwischen Sommer und W'inter =18°, 6. Mittlere Sommer-
wärme = 21°, 3 und Winterwärme =2°, 5. — iMittlere Regen-
menge = 946nim, d. h. die grösste Masse atmosphärischer
Niederschläge in ganz Frankreich: davon fallen im Winter 20
Procenf, im Frühling 24, im Sommer 23, im Herbst 34.
Zahl der Regentage im Saonethal =120 — 130, im Rhonethal
= 100 — 115. — Herrschende Winde aus Norden und Süden.
5. Mittelmeerisclies Clima. Die Nordgrenze schnei-
det die Rhone bei Viviers unweit Montelimart, folgt von hier
aus einer einerseits nach Montpellier, andererseits nach Mar-
seille gezogenen Linie und begreift endlich Küstenlandschaften
der Provence und des Audegebiets bis zu den Pyrenäen. Mittl.
Temp. =14°,8. M. Sommerwärme =^22°, 6 und Winterwärme
= 6°,5. Grösste beobachtete Kälte = — 11°,5. — M. Regen-
menge = 651mm: davon fallen im Winter 25 Procent, im
Pflanzengeogrnpliio während des Jahres 181 i. -J49
Frühling 24, im Sommer 11 und im Herbst 41. Herrschea-
der Wind ans Nordwest (Mistral).
Für die Vegetationsverhältnisse des französischen Jura
scheint von Wichtigkeit eine Arbeit von Grenier, welche mir
jedoch bis jetzt nur aus von SchlechtendaPs llecension be-
kannt geworden (These de geographie botanique du dep. de
Doubs. Strassbourg, 1844. 8.). Hiernach liegt die obere
Grenze der Eichen daselbst bei 6 bis 700 Meter Höhe, die
der Buchen bei 8 — 900m: über diesen Laubhölzern folgt die
mit beiden Tannen-Arten bewaldete Nadelholzregion.
Auch die Flora der Loire -Mündung von Lloyd nimmt
Rücksicht auf die örtlichen Bedingungen der Vegetation. Cha-
racteristisch ist die Verbreitung mehrerer südeuropäischer Ge-
wächse bis zum 47sten Breitengrade längs des Seestrandes:
z. B. an den Lagunen Inula erithmoides, Sonchus maritimus,
mehrere Staticen, Salicornia fruticosa, Scirpus Savii, Spartina
stricta; auf den Dünen Matthiola sinuata, Silene portensis,
Tribulus terrestris, Otanthus maritimus, Ephedra distachya,
Pancratium maritimum u. a. Ebenso besitzen aber auch die
Haiden der Bretagne noch Erica ciliaris, vagans und scoparia,
Simethis bicolor Kth. (Phalangium DC), Asphodelus albus,
Pinguicula lusitanica, Serapias triloba, in Verbindung mit nörd-
lichen Pflanzenformen, als Ulex europaeus, Narthecium ossi-
fragum , Anagallis tenella, Hypericum elodes, Myrica Gale
und Alisma ranunculoides.
Hieran reihen sich an der französischen Küste des Mittel-
meers die Untersuchungen von Duchartre über die Vegata-
tion der Umgegend von Beziers im Dep. Herault (Comptes
rendus 1844. V. 18. p. 254 — 259). Diese Arbeit giebt eine
genaue und vollständige Uebersicht der dortigen Pflanzenfor-
mationen. Der Verf. theilt dieselben in zwei Hauptclassen, je
nachdem sie durch die Nachbarschaft des Meers bedingt sind
oder nicht.
I. Zu den Küstenpflanzen gehören folgende Formationen:
a. F. der Dünen. Kräuter oder niedrige Halbsträucher,
entweder stark behaart, oder von glaucescirendem Farbenton.
Zu den erstem gehören z. B. Mathiola sinuata, Medicago ma-
riiia, Orlaya maritima, Mercurialis tomentosa, Diotis candidis-
sima; zu den letztern Ery ngium maritimum, Echinophora, Eu-
350 Grisebarh: Bericht über die Leistungen in der
phorbia Paralias, Crucianclla maritima. Die strauchartigen
Gewächse sind Astragalns massiliensis und Ephedra distachya.
Nach dem Reichthume an Formen herrschen die Gräser vor
(12 sp. sind ganannt), dann folgen mit 4 sp. die Cru eiferen,
mit 3 sp. die Leguminosen und Euphorbiaceen, mit 2 sp. die
Chenopodeen, Polygoneen und Synanthereen : im Ganzen ve-
getiren hier mehr als 40 sp. — Zwischen den Dünen bilden
zwei gesellige Juncus-Arten (J. acutus und maritimus) eine
besondere F. des feuchten Bodens, welche den Landesnamen
Joncasses führt und den Uebergang zu der folgenden Forma-
tion ausmacht.
b. F. der Salz sümpfe. Sträucher und Stauden von
saftiger Textur des Laubes. Hier herrschen die Chenopodeen
und Staticen sowohl an Zahl der Individuen als der Arten;
unter den Holzpflanzen wird Tamarix gallica baumartig. —
Characteristische Formen unter den Chenopodeen (11 sp.):
Chenopodium fruticosum , Ch. setigerum , Salicornia 3 sp.,
Salsola 2 sp. , Atriplex 3 sp. ; unter den Staticen (5 sp. und
mehr) St. oleifolia, bellidifolia, ferulacea; unter den übrigen
Gewächsen (15 sp.) Frankenia 2 sp., Spergularia 2 sp., Ar-
temisia gallica. Die Gramineen sind hier nur durch Crypsis
schoenoides vertreten.
II. Die vom Einfluss des Meers unabhängigen Gewächse
zerfallen in Formationen des feuchten und trocknen Bodens,
die letztern sind entweder von der Cultur des Landes unab-
hängig oder nicht.
A. Wasserpflanzen.
a. S ü s s w a s s e r f o r m a t i o n. Sie besitzt unter zahlrei-
chen Gramineen, Cyperaceen, Najaden., nebst Nymphaeen und
Typhen, wenige für das dortige Clima characteristische For-
men: z.B. Valisneria spiralis, Marsilea pubescens Ten. (M.
Fabri Dun.)
b. F. des zeiten weise überschwemmten Bodens,
z. B. durch Mentha cervina bezeichnet. Dies ist der Standort
von Cicendia Candollei und Conyza sicula.
B. Pflanzen des unbebauten Landes. Der Verf. glaubt
3 oder 4 Formationen unterscheiden zu können, von denen
die erste, die der Cistusrosen, schärfer abgesondert ist, als
die übrigen unter einander.
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 3.")1
a. Garrigues d.i. F. der Cisten. Ein steiniger Ho-
den ist mit Gesträuch von Cistns oder andern fest durchwach-
senem, oft dornigem Gebüsch dicht bedeckt. Diese Strauch-
formen sind: Cistus crispus, salvifolius, albidus und monspe-
liensis; Ulex provincialis und europaeus; Daphne Gnidium;
Quercus coccifera; Erica scoparia und cinerea, Calluna vul-
garis; Phillyrea angustifolia und latifolia; Lavandula Stoechas;
Osiris alba; Juniperus Oxycedrus und communis; Rosmarinus
oflicinalis. Unter den übrigen Gewächsen sind charactcristisch:
eine Reihe von Helianthemum-Arten , welche in Gesellschaft
mit den Cisten wachsen, einige Euphorbien, Santolina, HelU
ehrysum Stoechas, Aphyllanthes u. a. Auch aus dieser For-
mation werden mehr als 40 sp. aufgezählt.
b. Weniger bestimmt hat D. die mit Stauden und jähri-
gen Kräutern bewachsenen Flächen und Hügel (Campi) in
ihrer Eigenthümlichkeit aufzufassen und nach bezeichnenden
Gewächsformen darzustellen vermocht. Wir übergehen daher
diesen Theil seiner Abhandlung und nennen nur einige der
hieher gehörigen, seltenem Arten: Biscutella coronopifolia,
Linum salsoloides, Centaurea Pouzini, Echium pyrenaicum.
(7. Pflanzen des urbaren Bodens.
a. F. der Ruderalpflanzen. Die Arten sind sämmt-
lich von weiter Verbreitung.
b. Pflanzen, welche die Culturgewächse begleiten. Der
Verf. macht hierunter mehrere Unterscheidungen, die wir wie-
derzugeben nicht für erforderlich halten. Die Zahl der auf-
gezählten Arten ist sehr bedeutend, allein sie characterisiren das
südliche Frankreich nicht vor andern Ländern am Mittelmeer.
c. F. der Wiesen. Hievon gilt dieselbe Bemerkung:
doch sind Euphorbia pilosa und Iris spuria der Erwähnung
werth.
d. F. der Wälder. Die immergrünen Wälder bestehen
aus Quercus Hex: andere gtebt es nicht. Unterholz: Pistacia
Lentiscus und Terebinthus , Erica arborea und Calluna, Saro-
thamnus scoparius, Cytisus capitatus, Genista Scorpius, Spar-
tium junceum u. a.
Aus der angehängten Uebersicht der Culturgewächse er-
giebt sich, dass Sodabereitung von Halophyten in jener Ge-
gend ganz aufgehört hat, dass der Olivenbau, nachdem ver-
352 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
schiedene kalte Winter die Pflanzungen vernichtet, sehr im
Abnehmen begriffen ist, und dass man neuerlich versucht hat
Ricinus im Grossen anzubauen. Das Hauptproduct von Be-
ziers ist Wein und die Cerealien reichen zum einheimischen
Bedarfe nicht aus.
Desmoulins beschrieb seine botanische Reise in die
Pyrenäen , auf welcher er Beobachtungen über die Vertical-
grenzen der alpinen Flora am Pic du Midi angestellt hat (Etat
de la Vegetation sur le Pic du Midi de Bigorre. Bordeaux,
1844. 8.). Wir entnehmen daraus folgende Zusätze zu den
altern Angaben von De Candolle und Ramond:
Cochlearia pyrenaica. 5500' — 6000'.
Herniaria pyrenaica. 3000' — 7500'.
Paronychia polygonifolia. 6000'— 7500'.
serpyllifolia. 7500'— 8400'.
Astragalus depressus. 6000' — 7500'.
Vicia pyrenaica. — 8500'.
Carduus carlinoides. 6000'— 8100'.
carlinifolius. 3000'— 6900'.
Cirsium eriophorum. 0' — 6600'.
Scabiosa pyrenaica. — 8400'.
Pedicularis pyrenaica. — 9000'.
Crocus nudiflorus. — 7500'.
Anoectangium ciliatum. — 8400'.
Parmelia chrysoleuca. 5400'— 9000'.
„ cartilaginea, elegans, cinerea, badia. — 9000'.
Lecidea vesicularis, biformis. 6000' — 7500'.
„ polycarpa, atrobrunnea, morio, geographica,
umbilicata. —9000'.
Umbilicaria cylindrica. 6000—9000'.
Anziehende Reisebriefe aus Spanien von M. Willkomm
sind in der botanischen Zeitung bekannt gemacht (1844. 45).
Sie beginnen im Mai 1844, von Valencia datirt, wo der Rei-
sende bis Mitte Junius verweilte. Dann begab er sich nach
Madrid, botanisirte zu Anfang Juli bei Aranjuez, überschritt
die Sierra Morena, erreichte Granada und untersuchte wäh-
rend des Spätsommers und Herbstes die Sierra Nevada und
die Alpujarras. Wir beschränken unsern diesmaligen Bericht
auf den ersten Theil der Reise, indem wir auf die Nachrich-
Pflanzungcographic während des Jahres 1844. 353
ten über das südliche Spanion passender im nächsten Jahre
zurückkommen, wo der Abschluss von Boissier's Kupferwerk
nebst Willkomm's Beobachtungen von 1845 zu einer reich-
haltigem Darstellung werden zu vereinigen sein. — In der
lluerta von Valencia ist die ursprüngliche Vegetation durch
Cultur grösstenteils verdrängt: vorzüglich werden Weizen,
Reis und Häuf gebaut; Maulbeerbäume, Oliven und Südfrüchte
sind allgemein, 40 bis 60 Fuss hohe Dattelpalmen häufig. An
der Lagune Albufera befindet sich ein pflanzenreiches Gehölz
von Pinus halepensis, worin die ursprünglichen Gewächse
dieser Gegend sich erhalten haben: hier besteht das Unterholz
aus Quercus coccifera, Myrtus und Chamaerops und mit ihnen
wachsen Pistacia Lentiscus, Rhamnus lycioides, Erica arborea,
Rosmarinus, Juniperus Oxycedrus und Ruscus aculeatus. Be-
nachbarte Sandhügel tragen Cistus albidus und salvifolius,
Passerina hirsuta und Solanum sodomeum mit armsdickem
Stamm.
Die Sierra de Chiva, 4 Stunden nördlich von Valencia,
gehört zu den Kalkgebirgen, welche, vom spanischen PJateau
sich ablösend, zwischen Ebro und Xucar die Provinz von
Westen nach Osten bis zum Meere durchsetzen. Jener breite,
gegen 6000' hohe und von tiefen Barranco's durchschnittene
Gegirgskamm soll einst von Nadelholzwäldern bedeckt gewe-
sen sein, wovon jetzt nur einzelne Stämme der Pinus hale-
pensis übrig sind. Die trockenen, fast quellenlosen Abhänge
sind gegenwärtig mit niedrigem Gebüsch (Montebaxo) bewach-
sen, nur die höchsten Kuppen kahl. W. nimmt folgende Stu-
fen in der hier ungemein hoch, bis zu 4000' ansteigenden,
mittelmeerischen Vegetation an:
0 — 500'. So weit reichen etwa die Opuntien und Aga-
ven nebst der Cultur der Ceratonia. Der Montebaxo besteht
aus Chamaerops, Erica arborea, Daphne Gnidium, Retama
sphaerocarpa, Ulex, Rosmarinus und einigen Eichen.
500' — 2000' d.h. bis zur obern Grenze von Chamaerops,
(auch von Retama, Juniperus Oxycedrus und Pistacia Lenti-
scus). Es herrschen Rosmarinus und Chamaerops; ausser den
genannten folgt ihnen von den frühern auch die Erica arborea
und neu hinzutreten Rhamnus lycioides, Pistacia Terebinthus
Archiv f. Naturgesch. XI. Jahrg. 2. Bd. Z
354 Orisebach-. Bericht über die Leistungen in der
tmd Cisten. Characteristische Gräser: Macrochloa tenacissima
und Stipa juncea.
2000' — 4000' bis zur Culturgrenze der Olive und des
Weizens. Jedoch besteht der grösste Theil der Abhänge in
diesem Niveau aus unbebautem Bergland. Im Montebaxo ge-
sellen sich zu Rhamnus, Rosmarinus, Erica und Cisten hier
namentlich Juniperus phoenicea, Fraxinus sp., Arbutus Unedo,
Quercus Hex.
Einzelne Kiefern und ein aus Ulex australis und Juni-
perus phoenicea gebildeter Montebaxo characterisiren die von
4000'— 5500' reichende Region, die vermöge des Vorkom-
mens nordeuropäischer Kräuter von der mittel meerischen ab-
zusondern ist. — Auf dem Gipfel des Monte de la S. Maria
(5500' — 6000') kommen an Holzgewächsen noch vor Arcto-
staphylos uva ursi, Taxus und Cotoneaster sp.; neben diesen
wurden nur einige Stauden, auch eine Saxifraga angetroffen.
v. Martens hat in einem allgemeinern Werke auch Ita-
liens PflanzengoQgraphie nach literarischen Quellen zusammen-
gestellt (Italien. Stuttgart, 1844. 8. 3 Bände).
Schriften über die italienische Flora. Von Bertolini's Flora
italica sind die beiden ersten Hefte des sechsten Bandes er-
schienen, worin die 14te Classe behandelt wird (Bologna. 8.).
— Die Flora de Nice von A. Risso (Nice, 1844. 8.) ist ohne
wissenschaftlichen Werth. — Die Schrift von Cesati über
die Lombardei ist uns noch nicht zugegangen (Saggio sulla
geographia botanica e sulla Flora della Lombardia. Milano,
1844. 8. 74 pag.). — P ucc in el 1 i Additamentum ad synopsin
plantarum in agro Luccensi sponte nascentium (im Giornale
botanico italiano. 1844. p. 118— 123). — Savi Florula gor-
gonica (das. p. 243 -283), ein 290 sp. zählender Catalog der
aufGorgona, einer kleinen, Livorno gegenüberliegenden, mit
Cisten, Eriken und Leguminosen-Sträuchern bewachsenen In-
sel beobachteten Gefässpflanzen, als Seitenstück zu der vor
einigen Jahren von Moris und Notaris herausgegebenen Flora
von Capraja zu betrachten. — De Notaris Zusätze zu sei-
nem Specimen Algologiae ligusticae (das. p. 191. 311). —
Meneghini Algarum species novae vel minus notae (das.
p. 296 — 306), 33 sp. von den italienischen und dalmatischen
Küsten. — Von demselben Verf. Alghe italiane e dalmatiche
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 355
erschien das vierte Heft (Padova, 1843. 8.). — Tenore er-
klärte die dalmatische Arenaria Arduini für identisch mit sei-
ner früher pnblicirten A. Rosani (Ren die. acad. 1842. p. 266).
— v. Heldreich stellte 4 neue sicilianische Pflanzen auf
(Regensb. Flora 1844. S. 65): 1 Helianthemum, 1 Elichrysum,
1 C$ntaurea, 1 Lithospermum. — Nyman's Observationes
in FJoram siculam (Linnaea 1844. p. 625 — 665) enthalten ein
Verzeichniss seiner in Stockholm verkäuflichen Ausbeute nebst
descriptiven Bemerkungen: neu ist nur Parietaria populifolia
N. von Malta.
Link unterscheidet eine neue Erica anthura von Spalatro
(Sitzungen der Ges. naturforsch. Freunde 1844 in Regensb.
Flora 1845). — Die in der Flora dalmatica abgebildete Tu-
rinea Neumayeriana Vis. erhebt v. Visiani als Amphoricarpos
zur eigenen Gattung (Giorn. bot. it. I. p. 196).
In Ebel's Schrift über Montenegro (zwölf Tage auf
Montenegro. Hft. 2. Königsberg, 1844. 8.) findet sich ein
Catalog sämmtlicher bis jetzt in Dalmatien beobachteter Pha-
nerogamen (2003 sp.), nebst Angabe der Häufigkeit ihres Vor-
kommens nach einer dem Verf. eigen thümlichen Bezeichnungs-
weise, jedoch ohne Angabe von Fundorten. Vorausgeschickt
sind Untersuchungen über die statistischen Verhältnisse der
dalmatischen Flora, wonach die reichsten Familien nach ihrer
Artenzahi folgende Reihe bilden: Synanthereen (225 sp.), Le-
guminosen (220 sp.), Gramineen (142 sp.), Cruciferen (107 sp.),
Umbelliferen (103 sp.), Labiaten (91 sp.), Caryophylleen (85 sp.),
Scrophularineen (82 sp.), Liliaceen (61 sp.), Rosaceen (59 sp.),
Ranunculaceen (54 sp.), Orchideen (46 sp.), Cyperaceen (43 sp.),
Borragineen (42 sp.). — Hieran schliessen sich die Nachrich-
ten über die Vegetation von Montenegro selbst, dessen Er-
zeugnisse übrigens dem Verf. zufolge völlig mit denen Dal-
matien's übereinkommen. Dieses Ländchen , von dürren, stei-
nigen Bergweiden bedeckt und zu kahlen oder schwach von
Nadelholz umgürteten Kalksteingipfeln sich erhebend , von wel-
chen schmale Flussthäler zum See von Scutari hinabreichen,
ist aus Mangel an Erdkrume und Wasser höchst unfruchtbar. —
Doch scheinen die Pflanzenarten, wie in Dalmatien, mannig-
faltig und bereits gegen 450 sp. werden vom Verf. genannt: neue
sind nicht darunter, die beiden neu aufgestellten nicht haltbar.
Z*
356 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
In meinem Werke über Rumelien und Bithynien (Spici-
leginm florae rnmelicae et bithynicae, exhibens synopsin plan-
tarnm, quas a. 1839. legi: acceduht species, quas in iisdem
tcrris lectas commimicarnnt Friedrichsthal, Friwaldzki, Pesta-
lozza vel plene descriptas rcliqueruiit Büxbäum, Forskäl, Sib-
thorp, alii. Vol. 1. 2. Brunsuigae, 1843—44. 8.) sind 2300
Phanerogamen systematisch und in Rücksicht ihrer geographi-
schen Verbreitung abgehandelt. Die artenreichsten Familien
bilden folgende Reihe: Synanthereen (264 sp.), Leguminosen
(203 sp.), Gramineen (156 sp.), Labiaten (134 sp.), Oaryo-
phylleen (130 sp.), Cruciferen (121 sp.), Umbelliferen (114 sp),
Scrophularineen (90 sp.), Ranunculaceen (78 sp.), Rosaceen
(68 sp.), Borragineen (55 sp.), Liliaceen (53 sp.), Rubiaceen
(48 sp.), Campamilaceen (41 sp.), Orchideen (41 sp.), Cype-
raceen (41 sp.). Vergleicht man diese Reihe mit der obigen
von Dalmatien , so dürfte die Zunahme der Labiaten und Ca-
ryophyHeen zu den besonders charakteristischen Eigentüm-
lichkeiten Rumeliens zu zählen sein. Die erstere Familie er-
reicht erst in Griechenland das Centrum ihrer Verbreitung
durch Südeuropa, aber die Sileneen, reich an endemischen
Formen von Dianthus und Silene, scheinen nirgends mannig-
faltiger als in Rumelien selbst zu sein. Ferner ist die Zu-
nahme der Ranunculaceen , Borragineen und Campanulaceen
beachtenswerth: allein auf diese wenigen Thatsachen möchte
ich auch die Ableitungen einschränken, welche, weiter aus-
geführt als der Umfang der jetzigen Kenntnisse gestattet, an
Wahrheit verlieren müssten. Wie weit die erworbene Kunde
von der rumelischen Flora reicht, ergiebt sich viel mehr aus
der Prüfung der diesem Lande endemischen Pflanzenformen,
als ans Uebersichten der ganzen Vegetation, in welchen noch
so viele Bestandteile fehlen. Unter jenen 2300 Pflanzenarten
ist etwa der siebente Theil der südöstlichen Halbinsel Europa's
eigenthümlich : davon sind noch etwa 80 bisher nur in Bithy-
nien gefundene ausgeschlossen, von denen jedoch ein grosser
Theil wahrscheinlich auch diesseits des Bosporus vorkommen
wird. Berücksichtigt man ferner die Verbreitung griechischer
Pflanzen über das südliche und dalmatischer über das west-
liche Rumelien , so wird man mehr als zwei Drittel der ende-
mischen Pflanzen des südöstlichen Europa als bekannt ansehen
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 357
dürfen. Uebersicht der endemischen Pflanzen Rume-
llen s: 23 Leguminosen, besonders Arten von Trifolium
(5) und Astragalus (9), meisteiltheils der immergrünen Ke-
gion angehörend: 5 Rosaceen, darunter 3 Dryadeen der Ge
birgsregion; 2 Rntaeeen (Haplophyllnm); 4 Euphorbien, davon
2 in der alpinen Region; 2 Geraniaceen der alpinen Region;
2 5 Caryophy 11 ecn, besonders Arten von Silene (6) und
Dianthus (10), nur 5 Alsinen: die Arten ans allen 3 Re-
gionen, nur die Nelken meist in der mitteleuropäischen und
alpinen einheimisch; 5 Hypericineen (Hypericum) aus der
immergrünen R. ; 14 Cruciferen, zur Hälfte alpine Arten von
Arabis, Cardamine, Koniga, Thlaspi und Eunomia: 15 Ramm-
culaceen mit 7 Arten von Ranunculus, meist aus der immer-
grünen R. ; 2 Crassulaceen; 3 Saxifragen der alpinen R. ; 21
Umbelliferen, gegen die Küste zunehmend: 2 Ericeen : Erica
verticillata und Arbutus Andrachne; 3 Primulaceen; 26 Scro-
phtilarineen, namentlich alpine Pediculares (3), Arten von Ve-
ronica (4), Digitalis (3), Scrophularia (4) und Verbasca
der immergrünen Region (8); 2 Orobanchen; 9 Borragineen,
darunter 4 Arten von Alkanna, 2 vonBorrago; 20 Labiaten,
davon 6 Arten von Stachys in beiden untern Regionen; 9
Rubiaceen in der immergrünen und alpinen Region (statt des
gleichzeitig anderswo gebrauchten Namens Galium trichopho-
rnm wähle ich G. trichodes); 2 Valerianeen; 9 Dipsaceen;
40 Synanthereen, besonders Anthemideen und Cynareen, na-
mentlich aus den Gattungen Anthemis (6: meist in der im-
mergrünen R.), Achillea (5: meist in der alpinen R.), Senecio
(4), Centaurea (5), Cirsium (5); 13 Campanulaceen, darunter
10 Campanulae, meistentheils der immergr. R. angehörig;
2 .Amentaceen: Quercus Aegilops und infectoria; 3Coniferen:
Pinus maritima in der untern, Juniperus sabinoides in der
mittlem und Pinus Peuce an der Grenze der alpinen Region ;
3 Orchideen; 4 Irideen, Arten von Crocus in der immergr.
R.; 12 Liliaceen, z. B. Ornithogalnm (3); 2 Cyperaceen;
11 Gramineen aus allen drei Regionen. Die übrigen endemi-
schen Pflanzen sind bis jetzt einzelne Glieder ihrer Familie:
die bithynischen s. u. — Von Oyptogamen sind noch nicht
200 sp. bekannt.
v. Held reich beobachtete bei Athen eine Form von Ar
358 Grisebach. Bericht über die Leistungen in der
butus, die, wahrscheinlich zu A. hybrida Ker gehörig, von
ihm als besondere Art, zwischen A. Unedo und Andrachne
stehend, aufgefasst wird (Regensb. Flora 1844. S. 13). Ihren
hybriden Ursprung leugnet er, weil A. Unedo im October
und November blühe, A. Andrachne im Februar und März:
ich habe inzwischen beide Pflanzen gleichzeitig blühend in
Bithynien angetroffen.
II. A s i e n.
Unter den im Spicil. rumelic. beschriebenen endemischen
Pflanzen Bithyniens, welche theils der immergrünen Küsten-
region, theils den Hochgebirgen des Olymp und bei Bolu an-
gehören, finden sich besonders folgende Familien vertreten:
5 Leguminosen (meist Trifolien); 2 Geraniaceen; 5 Caryo-
phylleen (nämlich 3 Silenen und 2 Dianthi, sämmtlich vom
Olymp); 4 Hyperica; 9 Cruciferen (sämmtlich vom Olymp
und zwar 3 sp. Arabis, 2 sp. Eunomia u. s. w.) ; 3 Papave-
raceen ; 2 Ranunculaceen ; 5 Umbelliferen (meist vom Olymp) ;
4 Scrophularineen ; 2 Borragineen; 3 Labiaten; 3 Rubiaceen;
12 Synanthereen; 4 Campanulaceen ; 3 Liliaceen, 3 Grami-
neen u. a.
Von Boissier erschien die Bearbeitung der orientalischen
Umbelliferen, 300 sp. umfassend (Ann. sc. nat. 1844). Die
Zahl der neu aufgestellten Arten ist ungemein gross. — Die
neu unterschiedenen Gattungen sind folgende: Lereschia(Crypto-
taenia Thomasii DC); Elwendia aus Persien neben Carum;
Microsciadium (Cyminum minutum Urv.); Muretia (Bunium
sect. Chryseis DC); Diplotaenia aus Persien neben Peuceda-
num; Stenotaenia ebendaher neben Pastinaca; Ducrosia (Zozi-
miae sp. DC); Ainsworthia (Hasselquistia cordata L.); Trigo-
nosciadium aus Mesepotamien neben Heracleum; Synelcoscia-
dium (Heracl. Carmeli Lab.); Polylophium, Thapsiee aus Per-
sien; Turgeniopsis (Turgenia foeniculacea Fzl.); Lisaea (Tur-
geniae sp. DC); Rhabdosciadium , Scandicinee aus Persien;
Smyrniopsis neben Smyrnium; Meliocarpus neben Prangos;
Dicyclophora, merkwürdige Echinophoree aus Persien; Theco-
carpus ebendaher und aus gleicher Abtheilung; Osmosciadium,
Coriandree aus Cappadocien.
0. Koch 's Reise in den Caucasus (Reise durch Russ-
Pflanzcngcographic während des Jahres 184-1. 359
land nach dorn kaukasischen Isthmus in den J. 183(i — 38.
Bd. 1. 2. Stuttgart, 1S42. 43) enthält Nachrichten über die
Ilerbstyegetation von Ossetien und Iineretien, so wie über
die Frühlingsflor von russisch Armenien: die Untersuchungen
des Reisenden wurden spater durch langwierige Krankheit un-
terbrochen, jedoch hat er sie auf einer zweiten Reise in der
Folge wieder aufgenommen. — An der Militairstrasse des
Caucasus schildert K. als hochwüchsig und pflanzenreich die
Wiesen der Kabarda bei Uruch; Kräuter und Gräser wachsen
hier in solcher Ueppigkeit, dass man sich leicht verbirgt, ohne
sich niederzulegen (1. S. 250). Die Gramineen sind den
mitteleuropäischen Wiesengräsern grösstenteils gleich, unter
den Stauden bemerkt man hingegen viele Arten des Caucasus,
welche durch die Flüsse in diese dem Hochgebirge vorliegen-
den Flächen verbreitet werden. Hiedurch und durch die Ent-
faltung der Vegetation im Hochsommer, wo die russischen
Steppen verbrannt sind, unterscheiden sich die Wiesen der
Kabarda von den Steppen, womit C. Koch sie zusammen-
stellt, wesentlich. Zwar herrscht hier, nach gewissen Pflan-
zenarten zu urtheilen, noch Steppenclima; dafür sprechen die
Artemisien, Cynareen und Astragalen: aber der Einfluss des
nahen Gebirgs modificirt den vom Clima ausgeprägten Cha-
rakter der Vegetation. Die Pflanzen der Steppe gehen im
Sommer an Trockenheit zu Grunde, während die Kabarda
vom Kaukasus aus wohlbewässert ist.
In Ossetien, im Mittelpunkt des hohen Kaukasus, und an
seinen Gebirgsästen, welche ihn südwärts mit dem armenischen
Hochlande in Verbindung setzen, verweilte C. Koch im Ok-
tober und reiste sodann in Imeretien bis Ende des Jahres,
freilich zu spät, um den Vegetationscharakter des Landes
vollständig auffassen zu können. Die Nachrichten beschränken
sich zum Theil auf Verzeichnisse von den Fundorten der
Herbstpflanzen, welche damals noch gesammelt werden konn-
ten. Die alpine Flor zeigte sich auch in Höhen von 7—8000'
nur schwach durch ihre charakteristischen Formen vertreten
(II. S. 69): diese Hochgebirge sind überhaupt steriler als die
Alpen, was der Verf. zunächst auf die Seltenheit der Glet-
scher im Kaukasus bezogen wissen will, als ob nur thauendes
Eis die Sennwiesen Tyrols befruchtete. Sodann führt er frei-
360 Grisebach. Bericht über die Leistungen in der
lieh auch an (S. 91), dass der zerrissene Boden Ossetiens,
die schroffen Felsen und jähen Schluchten dieses Alpengau's
sich nicht zur Erzeugung von Humus eignen und dass des-
halb eine üppig sprossende Vegetation hier völlig vennisst
werde. Aber hier ist der Verf. nicht klar und unterscheidet
allgemeine Bedingungen von örtlichen nicht: denn zugleich
redet er von wasserarmen und waldentblössten Thonschiefer-
PJateau's, welche zwischen den Schluchten und Thälern auf
dem Rücken und den Seitenarmen des Kaukasus sich ausdeh-
nen. In solcher Berggestalt und Bodeneigenthümlichkeit scheint
die alpine Armuth Ossetiens gegründet: dass sie auch über
den waldreichen Abhängen des nördlichen Kaukasus herrsche,
ist unwahrscheinlich. Aber Ossetien theilt diese Dürftigkeit
alpiner Pflanzenformen mit den Gebirgen Südeuropa's, wo die
artenreichen Alpentriften selten entwickelt sind und wo diese
Erscheinung durch den an schmalen Kämmen und Gipfeln
stattfindenden Wassermangel bedingt ist.
Ossetien besitzt die schönen Wälder der nördlichen Vor-
berge des Caucasus nicht. Auch in der eigentlichen Wald-
region ist fühlbarer Holzmangel, oft bedeckt kaum armseliges
Gestrüpp den Boden: z. B. bei Zrchinwall (S. 55) von Co-
rylus, Cornus mascula, Paliurus, Crataegus, Prunus insiticia,
Juniperus. Nur an der Dschedschora im Distrikt Gudaro traf
der Reisende waldige Abhänge (S. 82): hier herrschte Laub-
holz und von Coniferen fanden sich Pinus Abies, Picea und
orientalis, Taxus und Juniperus communis. Die Laubwälder
bestanden aus Eichen, Buchen, Ahorn, Linden und Erlen
(Quercus iberica Stev. und Robur (?), Carpinus orientalis,
Fagus , Acer platanoides, Tilia parvifolia, Alnus denticulata
CAM.); Unterholz aus Evonymus latifolius, Rhamnus Fran-
gula und cathartica , Staphylea pinnata, Viburnum Orientale,
Argyrolobium lotoides, Lonicera coerulea.
Reicher bewaldet sind die imeretischen Abhänge des Cau-
casus im obern Rion-Thal (S. 129), über dessen W'einbergen
bis zu beträchtlicher Höhe sich Mischwälder aus Laubholz
erheben: ausser den genannten Baumformen fanden sich hier
bei Oni auch die Kastanie, verschiedene Obstbäume und Pap-
peln, so wie unter den Sträuchern Hex, Azalea pontica und
Rhododendron caucasicum, Rhus Cotinus nebst der Liane
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 3g (
Smilax excelsa. Bei Glola reichten die wilden Obstbäume,
namentlich Pyrus communis und Prunus avium, bis über 5000'.
liier folgt über den Laubwäldern sogleich eine Region sub-
alpiner Sträucher, von denen Arctostaphylos und Azalea pon-
tica hoch am Rion-Gletscher gesellig hinaufsteigen: mit ihnen
subalpine Stauden, als Aconitum nasutum Fisch., Pyrethrum
macrophyllum, Doronicum caucasicum u. a. — Weiter abwärts
im Rion-Thale beschreibt K. einen schönen Urwald bei Kutais
(S. 166), der aus herrliehen Stämmen von Carpinus orientalis,
aus Eichen und Planeren bestand: einzeln ragten hohe Wipfel
von Kastanien und Platanen hervor; im Dickicht üppige Lia-
nen von Weinreben, Smilax und Epheu, auf den Zweigen die
Mistel und von ihnen herabhängend Usneen.
Die Reise von Tiflis nach Eriwan durch Georgien und
russisch Armenien fand in den Monaten April und Mai 1837
statt und lieferte eine reiche Ausbeute. Die Wälder Somche-
tiens unterscheiden sich von denen Imeretiens durch regel-
mässigem Baumwuchs und durch den Mangel der immergrü-
nen Gesträuche und Lianen (S. 350). Sie bestehen aus Quer-
cus iberica und pedunculata, Carpinus Betulus und orientalis,
Acer platanoides und pseudoplatanus; einzeln finden sich Ul-
mus excelsa Borkh., Fagus und Acer tataricum. Der Boden
dieser Wälder ist mit einer starken Humusschicht bedeckt
und dieselbe schwarze Erdkrume treibt auch die schönen Berg-
wiesen hervor, welche mit ihnen abwechseln. — Frühzeitig
überstieg der Reisende das hohe zwischen Kur und Araxes
sich erstreckende, georgisch -armenische Grenzgebirge (von
ihm unterer Caucasus, von Güldenstedt und Klaproth akra-
tisches Vorgebirge genannt), welches sich im Alagäs zu 12S70'
nach Parrot's Messung erhebt. Allein in diesen Gegenden
war die Vegetation noch zurück, auch im armenischen Hoch-
lande blühten von den Kräutern und Gräsern, welche nebst
dornigem Traganth-Gestrüpp die kahlen Höhen bedecken, erst
wenige Arten (S. 386). Dagegen boten , als K. vom Alagäs
sich gegen das Araxes- Thal nach Eriwan wandte, die Ufer
des Kasach reichlichen Ersatz (S.397). Das Klima ist zwar
so trocken, dass der Boden selbst im Mai schon, zu dersel-
ben Zeit dürr und öde da liegt, zu welcher in den hohem
Gegenden die Vegetation kaum begonnen hat. Aber durch
362 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
künstliche Bewässerung wird die Bodenkultur auch während
der heisstrockenen Monate möglich und die Aecker und Baum-
gärten, welche die Ortschaften umgeben, gleichen alsdann
Oasen in einer Stein wüste. Ueberall waren Obstbäume ge-
pflanzt, besonders Pfirsiche und Aprikosen: daneben bestand
eine natürliche Baumvegetation längs des Kasach- Thals von
Elaeagnus und Populus nebst Prunus incana und Tamarix.
Jm Eriwan zumal wird der Kultur des Obstes und Weins die
sorgfältigste Pflege gewidmet und nirgends sah der Reisende
schönere Gärten als hier.
Schrenck setzte seine Reise in der Soongarei auch im
Jahre 1843 fort und hat bereits die in diesem Jahre entdeck-
ten Arten bekannt gemacht (Bulletin Petersb. 3. p. 106 — 110.
209—212. 305—309). Sie gehören zu folgenden Gattungen:
Ranunculus (2 sp.), Stubendorfia nov. gen. Crucifer. , Isa-
tis, Geranium, Zygophyllum, Haplophyllum, Euphorbia (2 sp.),
Sophora, Oxytropis, Astragalus, Seseli, Lomatopodium
nov. gen. Umbellif. , Carum , Artemisia (2 sp.), Chamaege-
ron neben Henricea, Saussurea , Cousinia (4 sp.), Plagio-
basis nov. gen. neben voriger, Jurinea, Serratula, Echinops,
Echinospermum, Eremostachys, Arthrophytum nov. gen.
Chenopod., Pterococcus, Statice, Populus, Ephedra, Allium,
Typha, Triticum (2 sp.).
Middendorf hat angefangen die Resultate der im vor.
Jahresbericht erwähnten nordsibirischen Reise zu bearbeiten
(Bullet. Petersb. 3. p. 150 u. f.). Die Tundren des Taimyr-
landes, d. h. der zwischen dem untern Jenisei und der Ka-
tanga gelegenen Halbinsel enthalten in ihrem Diluvial -Lehm
neben den Säugethieren des Diluviums auch grosse Holzmas-
sen im Zustande bituminösen Holzes, wie in den Torfmooren,
oder verändert bis zur Braunkohle. In diesen jenseits der
Baumgrenze liegenden Gegenden wurden die Stämme jedoch
nur liegend angetroffen und von Middendorf dem Treibholz
der arktischen Küste gleichgeachtet, von welcher sie durch
Erhebung des Landes allmählig in das Innere gelangt seien.
Die Baumarten sollen dieselben sein, wie in den Wäldern
Neu -Sibiriens und der sibirischen Stromthäler, namentlich
Birken und Lärchen: sie sind jedoch noch nicht mikrosko-
pisch untersucht, daher diese Angaben der Bestätigung bedür-
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1844. 3(]3
fen. — Das Klima des Taimyrlandes erschien weniger kalt,
als zu erwarten stand: vom 6. Juni bis 8. August frostfrei.
Stete Nebel und Stürme (zumal im Sommer, so dass im Mai,
Juni und halbem Juli nur 3 Sonnenhöhen zu nehmen waren)
drückten grosse Ungleichheiten in der atmosphärischen Wärme-
vertheilung aus. Die hohe Fläche des Landes, welche bis zu
1000' sich erhebt, war im Sommer ganz schneefrei: auch im
Winter fegt der Sturm den Schnee in den Niederungen zu-
sammen und die Höhen bleiben oft nackt. Mitte Juli sah
Middendorf am Taimyr 2000 Quadratwerste ohne Schnee, nur
in wenigen Schluchten hatte sich derselbe noch erhalten. Die
Seen gefrieren nur bis zu einer Tiefe von 8 Fuss: danu
schützt sie die Schneedecke vor tieferem Eindringen des Fro-
stes. — Ueber die botanische Ausbeute sind wegen Mangels
genauer Pflanzenbestimmungen erst noch weitere Nachrichten
abzuwarten.
Die von Stchoukine in den Jahren 1830 — 1844 zu
Irkutzk (1330' engl, über dem Meere) angestellten Thermo-
meterbeobachtungen (das. 3. p. 321—332) ergeben (die Monate
nach altem Styl gerechnet) folgende Mittel der Temperatur:
Tur czaninow's Flora der Baikalgegenden (s. Jahresb.
für 1842) wird fortgesetzt und reicht jetzt bis zum Schluss
der Umbelliferen (Bulletin de la soc. de Moscou 1843. 44).
Uebersicht der zeither abgehandelten Familien: 3 Rhamneen,
94 Leguminosen, 69 Rosaceen, 5 Onagrarien, 6 Halorageen,
1 Ceratophyllee, 1 Lythrariee, 2 Tamariscineen, 1 Portulacee,
8 Crassulaceen , 1 Nitraria, 9 Grossularieen , 19 Saxifrageen,
48 Umbelliferen mit den neu unterschiedenen Gattungen Phy-
solophium (Angelica saxatilis Turcz.) und Czernaevia (Conio-
364 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
selinum Czernaevia F. M.). l,n Ganzen sind bis jetzt 542
Polypetalen ausführlich abgehandelt.
Höchst anziehende Darstellungen des Vegetationscharak-
ters von Kamtschatka kommen in dem Werke von v. K i 1 1 -
litz vor, dessen botanische Landschaftsskizzen, während der
bekannten Erdumsegelung des Jüngern Mertens aufgenommen
und mit eindringlichem Verständniss des physiognomisch Cha-
rakteristischen im Texte erläutert, überhaupt zu den werth-
vollsten Bereicherungen der Pflanzengeographie im verflosse-
nen Jahre gehören (Vierundzwanzig Vegetations -Ansichten
von Küstenländern und Inseln des stillen Oceans, aufgenom-
men in den Jahren 1827—1829 durch F. H. v. Kittlitz. Sie-
gen und Wiesbaden, 1844 — 45. 4). Indem es uns obliegt,
ausführlicher über dieses Wrerk zu berichten, behalten wir
möglichst die treffenden Ausdrücke des Textes bei, welcher
die Kupfertafeln begleitet: in ihnen liegt ein Massstab für die
Beobachtungsgabe des Reisendem
Die Physiognomie des mittlem und nördlichen Europa
wiederholt sich in Kamtschatka weit vollständiger, als man es
bei dem grossen Längenunterschiede erwarten sollte: die
Menge europäischer Pflanzenarten ist sehr beträchtlich (S. 53).
Durch ihre Gebirgszüge wird die Halbinsel in eine östliche
und westliche Hälfte gegliedert. In der erstem erheben sich
die vulkanischen Kegelberge, von denen der Kliutschewsk
nach Erman 14800' misst, oder die, wie v. Kittlitz sich aus-
drückt, an Höhe mit dem Pik von Teneriffa wetteifern und
an Reinheit der Kegelform alle andern Vulkane übertreffen.
Diese wechseln mit langen, schroffgezackton , schneereichen
Bergketten, während die übrige Landschaft mit herrlichem
W^alde und Grasvvuchs geziert ist. An der Westseite hingegen
bildet die Küste eine sumpfige Niederung, welche gegen das
Innere in weite Ebenen fruchtbaren Landes übergeht, deren
Boden, von mehreren Strömen bewässert, theils Wälder theils
üppige Grasfluren im ursprünglichen Naturzustande darbietet.
— Diesen Ueberblick über das Ganze im Detail auszuführen,
hat der Verf. 5 Tafeln bestimmt, welche den Vegetationscha-
rakter der Wälder und Grasebenen in den Sommermonaten
(Juli bis September) ausdrücken.
Grasflur am Awatscha, also in der Nähe von Peter-
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1844. 3(]j
Panls-Hafen (Taf. 17). Dieses Bild stellt eine üppige, kräuter-
reiche, einzeln von Gesträuchgruppen bewachsene Waldwiese
dar, deren offene Flache von einem Birkengehölz ans Betiila
Erraani eingefasst wird. Diese Birke ist der vornehmste
Wald bäum des Landes: er erinnert durch knorriges, flexuoses
Wachsthum des Stamms einigermassen an die Eiche und
weicht ausserdem durch eine vielfach zerrissene, grau gefärbte
Rinde von Betula alba ab, während seine Blätter mit dem
gewöhnlichen Birkenlaube übereinstimmen. Die Nähe des
Flusses bezeichnet ein Dickicht von Erlen und Weiden, theils
strauchförmig, theils von hohem, pappelähnlichen Wuchs, und
mit diesen Holzgewächsen verbindet sich die gesellige Spi-
raea Kamtschatka (Schalameynik), eine Pflanze, welche den
Sommer hindurch Kamtschatka vor allen andern Ländern cha-
rakterisirt und hier die Panax-Form des amerikanischen Nord-
westens in physiognomischer Hinsicht wiederholt: „ein wun-
derbar schnelJ aufschiessendes Kraut, das in wenig Wochen
über 10' Höhe erreicht, doch im Herbste noch viel schneller
spurlos verschwindet, nachdem ein einziger Nachtfrost hinge-
reicht es zu Boden zu werfen." Ueber dem grossen, ausge-
zackten Laube prangen im Juli seine Stengel mit weissen
Blüthenbüscheln, die später eine graue Färbung annehmen.
Einzeln wächst unter den Spiraeen ein sehr hohes Heracleum
(II. Panaces?), aus dessen Saft die Eingebornen Zucker be-
reiten. Der Grasteppich auf solchen Wiesen erreicht eine
erstaunliche Höhe, Anfangs zwar beschattet durch starkholziges
Gesträuch von Crataegus und Salix, das hier und da empor-
gewachsen, in der Folge aber kaum noch über die rasch ent-
wickelten Grashalme hervorragt. Dasselbe ist der Fall mit
den Stauden, die zahlreich unter die Gräser eingemengt sind
und von denen 2 Sanguisorben, Angelica, Epilobium angusti-
folitim, Senecio cannabifolius , Cacalia hastata, 2 Lilien mit
grossen Orange -Blumen (die eine mit mannhohem Stengel
wohl L. Kamschatkense Lour. ) und Fritillaria Kamtschatken-
sis, die letztere unter dem Namen Sarannah, erwähnt werden.
Unter diesen tragen besonders der Senecio und das Epilobium
zur Physiognomie des Landes bei: jener, wiewohl mannshoch,
doch mit Blüthen überladen, färbt nicht selten die Wiesen-
fläche rein gelb, dieses ebenso prächtig roth. Die Sarannah,
366 Grisebachj Bericht über die Leistungen in der
welche überall in kurzem Grase anzutreffen ist, gewährt in
ihren Knollen ein vortreffliches Nahrungsmittel, das, obwohl
mühsam auszugraben, doch noch oft die Stelle des Brods ver-
tritt. — Taf. 18 führt uns in den Wald am obern Kam-
tschatka - Flu ss, welcher in einem östlichen Längsthaie
nordwärts weitläuftige, fast allenthalben bewaldete Ebenen
durchströmt. Hier, aber auch nur hier allein ist eine andere
Birke herrschender Waldbaum, die der Verf. für eine der
europäischen Arten hält und Betula alba benennt (B. pube-
scens bei Erman). Sie sondert sich innerhalb dieses Strom-
gebiets geographisch so scharf von B. Ermani ab, dass am
Wege von Ganal nach Puschtschina, nachdem von der Küste
her nur die letztere zu sehen war, die weisse Birke plötzlich
die Wälder zu bilden beginnt, sobald man den obern Lauf
der Kamtschatka erreicht hat. Neben den Birken ist hier eine
Gruppe hoher, kerzengerader Balsampappeln gezeichnet, ein
Baum, der an der mittlem Kamtschatka selbstständig grosse
Waldungen zusammensetzt. Das Unterholz und Gesträuch
besteht vorzüglich aus Spiraeen, sodann aus Lonicera, Cra-
taegus, Prunus, Salix. Auf einer Waldblösse wuchert im
spärlichen Grase eine dunkelblaue Iris, überall häufig, eine
unvergleichliche Zierde des Landes, welcher später mehrere
schönblühende Synanthereenstauden in der Blüthezeit folgen,
als Aster, Achillea, Sonchus sibiricus. — Wälder an der
mittlem Kamtschatka (Taf. 19. 20). In der Mitte der
Halbinsel erstreckt sich querüber von Westen nach dem Cap
Kronotzkoi ein Streifen Landes, der von Nadelhölzern be-
waldet ist, wovon sich in den übrigen Distrikten keine Spur
wiederfindet. Zwei Tannen bilden diese Wälder, von denen
die grössere der canadischen Lärche, die andere im Wuchs
unserer Rothtanne gleicht und mit derselben identisch sein
•oll: in ihrer Gesellschaft kommen jedoch auch hier Birken
nebst Espen vor. So wie grössere Trockenheit Kamtschatka^
Nadelwälder von denen des nordwestlichen Amerika unter-
scheidet, so besteht auch das Unterholz nur aus einem 3 Fuss
hohen Strauchwerk von Rosen und Loniceren, und unter die-
sen ist wieder ein Reichthum Beeren tragender Gewächse
verborgen, von Vaccinien, Rubus und Empetrum, gerade wie
unter gleichen Bedingungen in Skandinavien, so dass selbst
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 3^7
die aufgeführten Arten jener Gattungen identisch sind. Unter
den essbaren Früchten liefert Rubus arcticus die wohlschmek-
kendsten, dann folgt die länglichte, dunkelblaue Beere einer
Louicera, deren Geschmack trefflichen Kirschen nicht nach-
steht und die mit INlilch oder Sarannah zu beliebten Landes-
gerichten zubereitet wird. — Die Kamtschatka verändert stets
ihren Thalweg und besitzt daher gleich den russischen Flüs-
sen ein schroffes Ufer (Jar) an der unterwühlten Stromseite,
während Sandbänke (Pessok) sich gegenüber aus dem Wasser
absetzen. Dort reicht der alte Nadelwald an den Fluss und
wird von dem einstürzenden Ufer als Treibholz fortgeführt,
hier siedeln sich andere Holzgewächse an, deren Periode der
Bildung des erstem vorausgeht: zuerst Weidengebüsche und
hierauf scheinen grössere Laubhölzer, Weiden, Erlen und
Pappeln zu folgen. Der verschiedene Baumschlag drückt wohl
häufig ein verschiedenes Alter nicht der Bäume, sondern der
Bewaldung einer Gegend überhaupt aus. — Gebirgswald
der Ostküste (Taf. 21), über deren steilen Gehängen sich
ausbreitend. Auch hier von Betula Ermani gebildet und zu-
weilen eine hochwüchsige Salix erzeugend, zeigen die Wälder
sich bei Weitem lichter als in den Flussthälern, aber auch
um so dichter und pflanzenreicher die Dickichte von Unter-
holz und Gesträuch, die zwischen den Bäumen sich ausbreiten.
Dieser Charakter ist schon in einem Niveau von 500' deutlich
und reicht höher ins Gebirge hinauf. Aber mit zunehmender
Höhe werden die Birken allmählig seltener und bleiben im
Wüchse zurück, bis sie zuletzt sich verlieren und den Ge-
sträuchen völlig Platz machen, so wie diese letztern dann
endlich von der Alpenflora nach demselben Gesetze verdrängt
werden. Jene Gesträuchdickichte sind in der Regel für den
Menschen undurchdringlich und repräsentiren die Krummholz-
region in Kamtschatka. Sie bestehen aus Pyrus sambucifolia
Cham., Alnus incana und aus einer Krummholzfichte, welche
Spielart von Pinus Cembra sein soll und Kedrownik genannt
wird. Der erstgenannte dieser Sträucher herrscht in den tie-
fern Gegenden und verschwindet schon bei 1000' Höhe. De*
Kedrownik wächst auch bereits in der Nähe der Küste, aber
zwischen 1000' und 2000' scheint er sich am weitesten zu
verbreiten. Seine Nüsse sind nahrhaft, wie auch die Früchte
308 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
von Pyrtifl sambucifolia gegessen werden. Die ausgedehnte-
sten Dickichte bildet die nordische Erle, die zwar gleichfalls
in den untern Regionen mit den beiden andern in Gesell-
schaft wächst, allein zwischen 2000' und 3000' allein übrig bleibt,
von Alpenflor, nacktem Gestein und ewigem Schnee begrenzt:
auf allen höhern Gebirgen Kamtschatka^ giebt es eine Re-
gion, wo sie ausschliesslich den Boden bedeckt. Genauer
hatte schon Erman deren obere Grenze am Kliutschewsk zu
2890', d. h. über 2000' unter der Schneelinie (5000') bestimmt:
aber bis zur letztern steigen Salix arctica (4974'), Parrya
Ermani und Saxifraga Merkii. — Grasflur im westlichen
Kamtschatka an der Bolschaja-Reka (Taf. 22). Die süd-
westliche Abdachung der Halbinsel ist verhältnissmässig arm
an malerischer Schönheit und botanischer Mannigfaltigkeit,
der Wald wuchs geringer als im Osten, die Moräste sind aus-
gedehnt und neben den Torfmooren herrschen fast überall
Weidengebüsche. Die dargestellte Landschaft, im September
aufgenommen , zeichnet sich aus durch die erstaunliche Höhe
von zwei welkenden Doldenpflanzen , welche den westlichen
Grasfluren den sonderbarsten Charakter verleihen. Sie sollen
zu den Gattungen Angelica und Heracleum gehören, ihre
mächtigen Stengel erscheinen mehr als 15 Fuss hoch und so
ragen sie, gesellig wachsend , weit über die Gräser und übri-
gen Stauden hervor: ihnen zunächst kommt an Grösse eine
ebenfalls gesellige, 10' hohe Urtica, aus welcher die Einwoh-
ner ein geschätztes Nesselgarn bereiten. Uebrigens stimmen
die Gewächse meistentheils mit denen der östlichen Grasfluren
überein.
Algen von Kamtschatka werden in dem luxuriösen Ku-
pferwerke von Post eis und Ruprecht beschrieben und
abgebildet : sie waren ebenfalls auf der Expedition des Jün-
gern Mertens gesammelt (lllustrationes algarum in itinere
nauarchi Lütke eollectarum. Petropoli, 1840. fol.).
Eine höchst schätzbare Uebersicht über die japanische
Flora hat Zuccarini publicirt (Notizen über die Flora von
Japan und die bisher hierüber vorliegenden wissenschaftlichen
Leistungen: in den Münchener gelehrten Anzeigen für 1841
und 1844 das. S. 430 u. f.). Zunächst muss in Bezug auf die
im Jahresber. für 1842 vorkommende Notiz über den Fort-
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 369
gang der Flora japonica des Verf. bemerkt werden, dass die-
ses Werk zwar eine Unterbrechung erlitten hat, dass jedoch
durch die Vollendung der von den Nadelhölzern handelnden
Hefte die Zahl der japanischen Coniferen weit über die an-
gegebene, nämlich bis auf 30 gestiegen ist, welche sich über
14 Gattungen vertheilen. — Die vorliegende Arbeit Zuccari-
ni's enthält nun einen Katalog aller bisher aus Japan bekannt
gewordenen Gattungen nebst Angabe der Artenzahl jeder Fa-
milie. Diese letztere beträgt im Ganzen ungefähr 1650 sp.,
allein da Zuccarini die Zahl der in den niederländischen Her-
barien vorhandenen, japanischen Pflanzen auf 2400 sp. schätzt,
so müssen die Zahlenverhältnisse sich in der Folge in dem-
selben Masse ändern, als die noch zurückstehenden Familien
in dem v. Siebold'schen Werk zur Bearbeitung gelangen. Mit
den Verhältnisszahlen der Gattungen und Familien wird dies
weniger der Fall sein und hierdurch erhält Zuccarini's Ueber-
sicht einen bleibenden Werth. Zu den bemerkenswerten,
allgemeinern Resultaten seiner Untersuchung zählt Zuccarini
folgende: 1. die grosse Zahl der in Japan repräsentirten Pflan-
zenfamilien, von denen nach dem Endlicher'schen System 172
vorkommen ; 2. die grosse Menge der Gattungen im Verhält-
niss zu den Arten, indem bereits 621 in dem Katalog genannt
werden und wahrscheinlich 700 in den Herbarien enthalten
sind (wobei jedoch zu bemerken, dass Zuccarini auch die
chinesischen Gattungen aus Beechey's Reise aufgenommen,
wie auch die von den Bonin -Inseln); 3. die Beschränkung
endemischer Gattungen auf eine einzige Art, den Monotypen
der canarischen Inseln entsprechend: ein Verhältniss, welches
für den grössten Theil der neuen Gattungen aus Japan gilt,
während die übrigen bis jetzt gewöhnlich nur 2 oder höch-
stens 4 — 5 Arten zählen, so wie auch einige Monotypen Nord-
amerika^, Indiens und der europäische Humulus in Japan
eine zweite, aber auch nur eine zweite Art besitzen; 4. die
sehr grosse Zahl von Holzgewächsen in so hoher Breite, so-
wohl aus den Holz erzeugenden Familien der gemässigten als
der tropischen Zone, aus welcher letztern sich Repräsentanten
der Palmen , Pandaneen , Laurineen , Ternstroemiaceen u. a.
nebst zahlreichen Bambusen hier zum Theil weiter als in an-
dern Meridianen der nördlichen Hemisphäre nach Norden ver-
Archiv f. Naturgesch. XI. Jahrg. 2. Bd. Aa
370 Griscbach. Bericht über die Leistungen in der
breiten; 5. den endemischen Charakter der japanischen Flora,
die nicht wie Sibirien mit der europäischen zusammenhängt,
sondern nur sehr wenige Arten mit Europa gemein hat. —
Der Raum gestattet uns leider nicht, auf die Bestandtheile
des Katalogs der Gattungen näher einzugehen: wir beschrän-
ken uns daher nur auf die Angabe derjenigen Familien, die
nach ihrem Artenreichthum voranstehen, und auf die Bezeich-
nung einiger charakteristischer Pflanzenformen Japans. Vor-
herrschende Familien: Synanthereen (124), Gramineen (90),
Rosaceen (90), Leguminosen (72), Liliaceen im weitern Sinne
(60, darunter 25 Smilaceen), Cyperaceen (48), Labiaten (47),
Ranunculaceen (42), Umbelliferen (40), Amentaceen (38), Or-
chideen (35 , besonders aus nordamerikanischen und europäi-
schen Gattungen), Ericeen (36 aus nordamerikanischen Gat-
tungen), Coniferen (30), Urticeen in weiterm Sinne (etwa 30),
Cruciferen (30). — Charakteristische Formen (mit Ausschluss
mancher tropischer Repräsentanten): Melastomen (4), Zan-
thoxyleen (6), Aurantiaceen (10), Ternstroemiaceen (19), eine
Opuntia, deren Ursprung jedoch zweifelhaft, Magnoliaceen
(10), eine Proteacee (Helicia Z.), Laurineen (18), Palmen (4),
Musaceen (4 Musae), Scitamineen (7), die Haemadoree Ale-
tris, Dioscoreen (5), 1 Philydrum, Commelyneen (5), Erio-
caulon (4), Cycas (1).
Neue japanische Pflanzengattungen haben Zuccarini
und v. Siebold in den Abhandlungen der bairischen Akade-
mie beschrieben (Plantarum quas in Japonia collegit de Sie-
bold genera nova. Fase. 1. 1. c. 3. S. 719—749). Verzeichniss
dieser Gattungen : Pityrosperma (Ranunculacee mit 3 sp., wor-
unter Actaea japonica Thunb.), Pteridophyllum (Verbindungs-
glied zwischen Hypecoum und Fumaria), Eucapnos (Diclytra
speetabilis DC), Trochostigma mit 5 sp. (wahrscheinlich Ty-
pus einer neuen den Ternstroemiaceen verwandten Familie),
Corchoropsis (Tiliacee), Tripetaleia (zweifelhaft zu den Ola-
cineen gestellt), Stephanandra (gleichfalls zweifelhafter Ver-
wandtschaft, wahrscheinlich zu den Rosaceen gehörig), Cera-
seidos (apetale Amygdalee), Platycaria (Juglandee), Schizocodon
(Polemoniacee), Conandron (mit Ramondia verwandt), Phyllo-
staehys (Bambusee). — Von den in Japan häufigen Bambuseen,
deren es dort 15, jedoch selten blühende und daher noch
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 37 {
wenig bekannte Arten geben soll, kommen nach den Verfas-
sern die Bambnsstöcke in den Handel , ebenso die sogenann-
ten Pfefferröhre.
Bemerkungen über die Vegetation von Afghanistan, Kasch-
mir und Tibet entwarf Royle nach den freilich sehr unbe-
deutenden Sammlungen von Vigne (Travels in Kashmir, La-
dak, Iskardo etc. by G. T. Vigne. II Edition. London, 1844.
8. Appendix.); indessen gewinnen diese fragmentarischen Nach-
richten an Interesse durch die genaue Bekanntschaft Royle's
mit dem botanischen Charakter des Himalajah, durch die Be-
nutzung anderweitiger Quellen und durch den allgemeinen
Gang seiner Untersuchung. Er geht nämlich von der Frage
aus, wo die nördliche und westliche Grenze der in den in-
dischen Ebenen einheimischen Pflanzen anzunehmen sei. Er
hält es für ausgemachte Thatsache, dass die Westgrenze der
indischen Flora längs des Indus durch das Solimangebirge
gebildet werde, und in der That verlieren sich im Bereich
dieser Meridiankette auf der Linie von Kelat nach Peschawer
die Einflüsse der Moussons und Sommerregen vollständig,
von denen die Vegetation tropischer Gewächse abhängig ist.
Beobachtungen über westlichste Standorte indischer Pflanzen
verdankt Royle besonders dem Reisenden Falconer, der ge-
genwärtig sein Nachfolger im botanischen Garten zu Saha-
runpore ist. Butea frondosa sah dieser noch am Djilum, dem
westlichsten der Pendschab -Ströme, die Chenopodeen Nord-
indiens begleiteten ihn bis Peschawer, oberhalb Attok kehrten
am Indus die charakteristischen Gewächse des britischen Hi-
malajah wieder. Eben von Attok aus reichen nach Elphin-
stone (Caubul p. 130) die tropischen Regen nordwärts bis
zum Hindu -Kusch, ohne dass die Hochflächen Afghanistans
von ihnen benetzt werden: denn dort bilde Swat deren West-
grenze, wo im Sommer, während es z. B. in Pukkely noch
regne , nur einen Monat lang der Himmel bedeckt sei und
nur gelegentliche Schauer ergiesse. So können auch die
durch die Regenzeit bedingten, zweimaligen Erndten des in-
dischen Jahres westwärts nicht über Jellalabad hinaus erzielt
werden (nach Irvine im Journal of As. Soc. of Bengal).
Zwischen Jellalabad und Gundamuk auf dem Wege nach Ka-
bul verändern sich daher plötzlich die Entwickelungszeiten
Aa*
372 Grisobach: Bericht über die Leistungen in der
der Vegetation. In Gundamuk, schreibt Burnes, blühten die
Weiden Ende Februar, am 11. TVTärz zeigte sich als erste
Frühlingsblüthe eine wohlriechende Iris und erst am 1. April
entfalteten die Aprikosen ihre Knospen, hier war der Weizen
erst 3 Zoll über dem Boden, als er in Jellalabad schon ge-
schnitten lag. Fasst man die Erhebung des Bodens über dem
Indus und dessen Nebenflüssen ins Auge, so scheint es in-
dessen klar, dass nur in den Thälern die tropischen Vegeta-
tionsbedingungen so weit in den fernen Westen hinausreichen.
Royle berührt zwar die wichtige Frage nicht, bis zu welcher
Höhe die jene Flussthäler von allen Seiten einschränkenden
Gebirgsabhänge von tropischen Regen erreicht werden; allein
von Kaschmir, einem Thale, welches weit östlich von Peseha-
wer liegt, wissen wir, dass die atmosphärischen Niederschläge
des Frühlings zu der Zeit nicht mehr stattfinden, zu welcher
in den indischen Ebenen und in den tiefer gelegenen Thälern
des Himalajah die nasse Jahreszeit anhebt. So scheinen auch
nach allen Beschreibungen die höher gelegenen Gegenden in
der Nachbarschaft von Attok und Peschawer dem Mousson
nicht unterworfen zu sein. Dadurch wird die Angabe Elphin-
stone's, dass eine Menge englischer Gewächse in den Gärten
von Cohaut gedeihen, erst erklärlich: hier blühten Ende Fe-
bruar Pflaumenbäume und Pfirsiche, hier grünten Trauerwei-
den, Platanen und Apfelbäume auf europäischem Wiesentep-
pich. Durch solche Nachrichten wird es wahrscheinlich, dass
das ganze Gebiet westlich und nördlich vom Djilum oder von
der Salzkette, von unzähligen Ausläufern des Himalajah und
der Solimanberge durchschnitten, mit alleiniger Ausnahme der
tiefer gelegenen Flussthäler von allen jenen indischen Ge-
wächsformen frei ist, welche bis zum Fusse dieser Gebirge
in zusammenhängender Verbreitung über das Pendschab sich
ausdehnen.
Aber eine noch bedeutendere Seite der Frage über die
Grenzen der indischen Flora übergeht Royle's Untersuchung
mit Stillschweigen. Bisher ist nur von den tropischen Pflan-
zenformen die Rede gewesen, zu deren Gedeihen die nasse
Jahreszeit unerlässlich ist, aber ausser diesen besitzt Indien
am Himalajah und im Bereiche des Mousson auch noch jene
Gebirgsvegetation, in denen der europäische Typus sich wie-
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 373
derholt. Hier erhebt sich die Frage, ob die Arealgrenzen für
diese letzteren dieselben sind, wie für jene, mit denen sie
freilich in der vordem Kette des britischen Ilimalajah zum
Theil in Gemeinschaft leben , aber ohne in ihrer Vegetations-
periode in gleichem Grade durch tropische Regen bedingt zu
sein. Die Kenntniss dieses merkwürdigen Zusammenlebens
der Erzeugnisse zweier Klimate, welche wir eben vorzugs-
weise Royle's frühem Untersuchungen verdanken, hat ihn nicht
vermocht, jener Frage seine Aufmerksamkeit zu widmen, ob
nicht in andern Gegenden die Wälder der Ilimalajah -Bäume
bestehen, ohne in der Regenzeit tropische Kräuter zu beschat-
ten. Auf diese Dunkelheit hat inzwischen die gleichzeitige
Herausgabe von Jacquemont's Tagebuch aus Kaschmir
einiges Licht geworfen (Voyage dans l'Inde. Vol. 3. p. 169).
Der Reisende beschreibt seinen Uebergang vom Pendschab
nach Kaschmir über den Pirpanjol , jenen Ilimalajah -Pass,
welchen Royle früherhin, auf Bernier's Schilderungen fussend,
als eine scharfe Vegetationsgrenze der indischen Flora be-
zeichnet hatte, welche Behauptung er übrigens jetzt selbst
ziemlich unverholen zurücknimmt. Beim Hinansteigen ver-
schwanden Granat- und Oelbäume in einer Höhe von 16 bis
1700m, bald darauf auch Pinus longifolia. Dann folgte eine
Region von Eichen, Pinus attenuata und Tannen, welche am
Nordabhange der Kette noch über die Höhe des Passes
(2681m) hinausreichten, jedoch diesseits unter Alpentriften
zurückblieben. Die alpine Vegetation zeigte nur lokale Ver-
schiedenheiten vom britischen Himalajah, ihre Frühlingspflan-
zen standen jetzt, zu Anfang Mai, in Blüthe. An der Nord-
seite traf Jacquemont also zuerst dieselben Bäume wieder,
die er am südlichen Abhang verlassen, und gelangte weiter
abwärts, demnach im Bereiche des Kaschmir-Thals, zu Wäl-
dern von Aesculus und zwar von derselben Art, welche im
britischen Himalajah einheimisch ist. Durch diese Nachrichten
sind die altern Meinungen über den Pirpanjol, wie sie Royle
verbreitete, widerlegt. Allein da das Thal von Kaschmir
keine tropische Regen besitzt, so haben wir hierin zugleich
den Beweis, dass die Verbreitung der Himalajah-Pflanzen nicht
durch die Grenzen des Moussons beschränkt wird. Die tro-
pischen Formen Indiens können in Kaschmir fehlen — und
374 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
keine Angabe spricht dafür, dass sie dort vorhanden seien —
und doch können die Waldbäume die nämlichen und der Ve-
getationscharakter im Grossen kann als derselbe erscheinen,
wie im britischen Himalajah, ja die grösste Zahl der Arten
kann ihnen gemeinschaftlich angehören. Vom Pirpanjol sagen
die Einwohner, dass es daselbst beständig regne (p. 225), und
so könnte dieser Pass wohl einer der Grenzpunkte sein, bis
wohin tropische Formen die bewaldeten Abhänge des Hima-
lajah begleiten. So aufgefasst vereinigen sich alle vorhande-
nen Thatsachen unter einem allgemeinen Gesichtspunkte, allein
bei Weitem reichen sie nicht aus, die absolute Verbreitungs-
sphäre aller indischen Pflanzen zu bestimmen. So wahr-
scheinlich es auch durch Royle gemacht wird, dass nach Westen
dieses Areal nicht über die Mousson-Grenze hinausreicht, so
ist uns hingegen die Linie, wo auch nordwärts die Himalajah-
Pflanzen aufhören, entweder wie jenseits Kaschmir noch völlig
unbekannt, oder nur durch schwankende Zeugnisse angedeutet.
Royle's Angaben über die Flora der afghanischen -Hoch-
flächen sind sehr allgemein gehalten, aber sofern Griffith
ihr Gewährsmann ist, vervollständigen sie die aus dessen Brie-
fen bekannt gewordenen fragmentarischen Notizen durch den
Katalog einer Reihe von afghanischen Gattungen, deren Samen
eben von Griffith eingesandt waren. Es sind in der That
fast nur europäische Formen, namentlich folgende: Aconitum;
Papaver; 5 europäische Cruciferen und Tauscheria; Silene
und Arenaria; Ruta und Peganum; Euphorbia und Phyllan-
thus; mehrere Astragaleen und Caragana; Rosa und Cratae-
gus; Epilobium; Prangos pabularia; mehrere Carduaceen nebst
Centaurea und Cichorium; Campanula ; Heliotropium und
Onosma; Pedicnlaris, Linaria, Veronica und Verbascum; Hyo-
scyamus; Samolus; Plantago; Hippophae; Rumex und Poly-
gonum ; Blitum; Iris; Tulipa. — lieber die Kulturgewächse von
Kabul handelt Irwine (a. a. O.) ausführlich. Im Herbste wer-
den Weizen, Gerste, Linsen und Erbsen gesäet, liegen den
Winter über von der Schneedecke geschützt und werden im
Junius geerndtet. Zu den Sommerfrüchten, die wohl in der
Regel künstlicher Bewässerung bedürfen , gehören Phaseolus
radiatus, Cicer arietinum, Panicum miliaceum und italicum,
Mais und Reis: für diese fällt die Saatzeit in den Mai, die
Pflanzcngrocraphie wählend dos Jahres 1844. 375
Erndte in die Monate August und September. Ausser den
europäischen Gemüsen baut man Solanum melongena und zahl-
reiche Cucurbitaceen) welche viel Dünger und Wasser bedür-
fen. Die Wiesen geben reichen Ileuertrag und besitzen treff-
liche Kleearten: eine derselben hat man Trifolium giganteum
genannt, auch Medicago sativa ist verbreitet. Berühmt sind
die Obstbäume von Kabul : ausser den mittel-europäischen und
orientalischen werden die Früchte eines Elaeagnus (Sinjet
und Sinjilla) und die Theophrastee Edgeworthia buxifolia
erwähnt.
Fal coner entdeckte in Kaschmir die Mutterpflanze des
Costus der Alten, einer Substanz, welche noch jetzt unter
dem Namen Koost oder Koot in Indien, als Handelsartikel
vorkommt. Die aromatische Wurzel einer neuen, alpinen
Carlinee (Aucklandia) , welche Falconer genau beschrieben
hat, liefert sie ( Linnean Transactions. 19. p. 23). Der Letz-
tere hat daselbst (p. 101) auch die Asclepiadeen-Gattung Cam-
pelepes aus Peschawer aufgestellt. — Die vermeintliche Fo-
thergilla Falconer's, welche in Kaschmir grosse Gebüsche zu-
sammensetzt und deren Holz nach Vigne Chob-i-pau heisst,
ist ein neuer Typus der persischen Parrotia (P. Jacquemon-
tiana Decs.).
Aus dem Hochthale von Astore zwischen Kaschmir und
Tibet brachte Vigne folgende Pflanzenformen zurück: Aconi-
tum heterophyllurrr, Anemone discolor, Podophyllum, Dianthus,
Geranium, Epilobium, mehrere Gentianen, Sweriien und Ophe-
lia Chirata, Polemonium coeruleum und Dracocephalum Roy-
leanum. Hier findet sich weit über der Baumgrenze die Hoch-
fläche Deosuh, 13000' hoch gelegen, wo der Erdboden von
zwergartigen Weiden und Alpenkrautern begrünt ist. Kahl
hingegen dehnt sich der tibetanische Thalweg des Indus aus,
wo nur an der Schneegrenze einige Pflanzen fortkommen:
hier fand Falconer ein neues Rh dum und zwei Arten von
Pyrola, wie Royle bemerkt die einzigen Ericeen Tibets. —
Vigne's Pflanzen von Iskardo stimmen ziemlich genau mit den
altern Sammlungen aus Kunawur überein: Actaea, einige G»u>
ciferen, Silene Moorcroftiana, Acer microphyllum, Myricaria,
Biebersteinia odora, Astragaleen, mehrere Potentillen, Saxi-
fraga stenophylla, Hippophae, Salsola.
376 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Jacquemont's oben erwähntes Reisewerk ist jetzt voll-
endet und bietet reiche Beiträge zur Kunde Indiens, in pflan-
zengeographischer Rücksicht besonders zur Flora des briti-
schen und tibetanischen Himalajah (Journal, Vol. 1 — 3. Paris,
1841. — Vol. 5. Description des collections. ib. 1844. 4. —
2 Vol. Kupfer). Das vortrefflich geführte und unverändert
abgedruckte Tagebuch des Reisenden enthält freilich nur in
fragmentarischer Form die Eindrücke vom Vegetationscharak-
ter des Himalajah und einzelner Gegenden Indiens: aber in
der letzten Abtheilung des Werks sind die seltenern und
neuen Pflanzen von Jacquemont's Herbarium in systematischer
Ausführung von Cambessedes und Decaisne abgehandelt
und auf 180 Tafeln abgebildet.
In Klein-Tibet drang J. auf dem Wege nach Ladak im
Spiti-Thal bis Danker vor, wo er in einer Höhe von fast
17000' an den Grenzen des vegetativen Lebens die neue An-
themideengattung Allardia, eine Nepeta und eine Urtica an-
traf. Die Dörfer des Spiti- Thals liegen nach J. in einem hö-
hern Niveau, als Royle früher angegeben, z. B. Nako bei
3658™ und der Getraidebau, auf Hordeum hexastichon und
coeleste nebst einem Panicum beschränkt, reicht hier bis
3962 m, im südlichen Himalajah nur bis 3048m. Holz-
gewächse sind von diesem Hochthale nicht ausgeschlossen;
selbst niedrige Bäume, ein einheimischer Juniperus und cul-
tivirte Pappeln und Weiden kommen vor : aber der Character
der Vegetation beruht auf dem auch durch Moorcroft bekann-
ten Gestrüpp, welches aber nicht bloss aus dornigen Astra-
galen, sondern auch aus Genista, Rosa, Ephedra und Juni-
perus besteht. — Am genausten bestimmte J. die absolute
Höhengrenze der phanerogamischen Vegetation westlich von
Bekar, wo er auf zwei nach Tibet führenden Pässen die letz-
ten Pflanzen unter sich zurückliess, auf dem Gantong (5486m)
und Kiubrong (5581m nach Gerards Messung). Jene Legu-
minosen-Sträucher der Thäler von Kunawur und Klein-Tibet
kamen an den Abhängen dieser Pässe nicht mehr fort, son-
dern nur einige alpine Kräuter, von denen die letzten am
Gantong etwa 2 — 300m unter dem Gipfel, also in einem Ni-
veau von 5200m gesehen wurden: hier wuchsen zwei Poten-
tillen, Corydalis physocarpa, die neue Caryophyllee Periandra
Pflanzcngoographic während dos Jahres 1844. 377
caespitosa (vom Ansehen der Silene acaulis), Allardia Und
Eritrichium Jacquemontii Decs. (2. p. 309). Weit abwärts traf
der Reisende als letzten Strauch eine Rose und wiederum
bedeutend tiefer einen Jnniperns. Am Kiubrong verschwand
die Vegetation ebenfalls 300m unter dem Pass mit einem Ra-
nunculus, der Corydalis und Ligiilaria nana: aber einen ein-
zelnen grünen Fleck in der Gesteinwiiste, das höchste Er-
zeugniss des Pflanzeidebens , welches J. wahrgenommen , sah
er im Niveau von 5 4 00m (2. p. 298). Die Schneegrenze
schätzte er hier kaum unter 6000m, so dass zwischen den
letzten Gewächsen und dem ewigen Schnee eine nackte Re-
gion von etwa 2000' Höhe mitten inne liegt.
Ueber Kunawur, jenes merkwürdige Uebergangsgebiet
zwischen dem britischen Himalajah und Tibet am mittlem
Sutledsch, wo der Einfluss des Mousson's auf die Jahres-
zeiten aufhört und die tibetanische Trockenheit beginnt, tref-
fen Jacquemont's botanische Beobachtungen mit den reich-
haltigem Nachrichten Royle's überein. Die Wälder sind
ganz unbedeutend, der Graswuchs ist ärmlich und durch
die eben bis hieher verbreiteten Traganthsträucher (Astragali)
zurück gedrängt, auch die alpine Flora sehr dürftig (2. p. 269).
Seine besondere Aufmerksamkeit widmet J. dem auf diesen
Theil des Himalajah eingeschränkten Weinbau, der südwärts
über die Grenze der tropischen Regen nicht hinausreicht (2.
p. 416 u. f.). Obgleich der Weinstock bis zu einer Höhe von
10000' eultivirt wird, so ist diess doch nur in der Tiefe der
Thalschlucht, nicht an den Gebirgsabhängen der Fall. Denn
nur dort empfangt er die zur Reife der Trauben erforder-
lichen, reverberirten Sonnenstrahlen und ist hingegen vor jener
Wärmestrahlung geschützt, die den Boden im Gebirge zu sehr
abkühlt. Ausserdem ist selbst im Sutledsch-Thale künstliche
Bewässerung zu diesem Culturzweige unerlässlich: doch wie-
wohl die Trauben unter solchen Umständen meist gut zur
Reife gelangen, so werden sie doch gewöhnlich an der Sonne
ausgetrocknet und zur Bereitung von Rosinen verwendet , weil
der Wein sich nicht lange hält, der ohnedies dem Franzosen
fast ungenicssbar erschien. Aufwärts findet man den Wein-
stock bis Nako im Spitithal , abwärts bis zur Mündung der
Buspa, da wo der bezeichnete climatische Wehdepunct Kegt
378 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
und wo der Sutledsch die hohen, südlichen Ketten des Ilima-
lajah quer durchschneidet.
Die Ketten des südlichen Himalajah , welche der nord-
indischen Ebene unmittelbar vorliegen, besitzen keine solche
Abwechselung des Bodens, dass ihre Vegetation ungeachtet
der Vermischung tropischer und europäischer Gewächsformen
an Mannigfaltigkeit der Flora in den Alpen gleich käme. Ebene
Fläche findet sich fast nirgends, wie auch schon früher be-
merkt worden ist, dass die breiten Thäler von Kaschmir und
Nepal Ausnahmen vom Character des Gebirgs sind. Auch
senkrechte Abstürze fehlen: es sind überall ungeheure, ge-
neigte Ebenen lind den Thalschlund füllt der Bergstrom ge-
wöhnlich ganzaus. „Einförmig," sagt Jacquemont (2. p. 130),
„wie diese Gestaltung ist die Vegetation, welche den geneig-
ten Boden bedeckt. Die Mannigfaltigkeit der Standörter macht
eine Gegend pflanzenreich und hier sind alle Standörter ähn-
lich." In den obern Regionen sind die Wälder licht und ge-
hören besonders den Thälern an. Betrachtet man einen die-
ser unermesslichen, fast waldlosen Abhänge aus der Ferne,
so sieht man Linien tiefern Grüns die sparsamen Bäche hin-
abgeleiten, die in weiten Abständen den Berghang bewässern.
Dazwischen erscheint das Grün einförmig fahl: denn dort
schwellen weder Wiesen noch Weidetriften, sondern, mit Aus-
nahme der alpinen Gipfel, herrscht ungleicher und unergiebi-
ger Pflanzenwuchs zwischen Felsblöcken und Gerolle. Es
giebt hohe Berge, welche vom Thal bis zum Kamme nur mit
diesem Gemisch aus Felsen und Kräutern bedeckt sind. Häu-
figer ist über solchem Boden ein lichter W7ald ausgebreitet,
zwischen 6000' und 7500' entweder Nadelholz an den süd-
lichen , oder Eichen mit Rhododendron arboreum an den min-
der warmen Gehängen. Nur am Fusse der Gebirge gedeihen
dichte Wälder, denen der Alpen vergleichbar. Die erhabenen
Wälder der Coniferenregion in den Alpen sind auf dem Hima-
lajah nicht anzutreffen.
Bei Massuri mass J. die untere Grenze des mit Rhodo-
dendron arboreum gemischten Eichenwaldes und bestimmte
sie zu 1768m (2. p. 52). Diese Messung nähert sich hinläng-
lich der Angabe Royle's, der in jener Gegend die Höhe von
5000' als dasjenige Niveau bezeichnet, wo europäische Wald-
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 379
formen an die Stelle der tropischen Bäume treten. Bei der
Besteigung des Kedarkanta im Quellengebiet der Jumna be-
stimmte J. auch die obere Baumgrenze zu 8500*
(2. p. 127). Hier hörte der Tannenwald (Abies sp.) auf und
es folgte eine Gesträuchformation von Rhododendron (wahr-
scheinlich Rh. lepidotum Wall.): wo auch diese verschwindet,
bedecken Rasen von Gräsern und Carex den alpinen Boden,
unter denen Ranunculaceen am häufigsten hervorspriessen,
ferner Iris, Corydalis, Phalangium. Jene Messung der Baum-
grenze scheint um so mehr Vertrauen zu verdienen und ein
Ausdruck climatischer Bedingungen zu sein, als auf dem Kedar-
kanta Boden und Neigung des Gipfels den Waldwuchs be-
günstigten.
Gegen das Ende seiner weiten Züge durch die ostindische
Halbinsel macht J. auf eine wichtige Eigenthümlichkeit im
Vegetationsgange der östlichen Küste des Gangesgebiets auf-
merksam (3. p. 550). — In Bengalen bleibe der Erdboden
das ganze Jahr grün, weil die Feuchtigkeit von diesen Ebe-
nen so langsam abfliesse, dass sie sich tief in die trockene
Jahreszeit im Boden erhält, und weil auch im W7inter dichte
Nebel , in den heisstrockenen Frühlingsmonaten vorübergehende
Gewitterschauer statt finden. So war, als der Reisende den
5. Mai landete, zu Calcutta (also freilich an der Küste) der
Rasen fast ebenso grün , als zur Zeit der stärksten Nieder-
schläge im August. Die baumlose Campagne von Puna in
den westlichen Ghauts blieb hingegen 1832 noch im letzten
Drittel des Junius vollkommen dürr und verbrannt, wie Step-
penboden, die Erdkrume war ohne Spur von Feuchtigkeit
und gleichsam glühend in den Sonnenstrahlen. Und doch
grünte schon am ersten Julius das ganze Land, auch die
nacktesten Felsblöcke hatten sich mit Rasen in wunderbarer
Schnelligkeit bedeckt. So viel schärfer ist hier der Oharacter
der Passatflora ausgeprägt, als bei Calcutta. Aber die ben-
galische Küste ist in diesem Betracht eine Anomalie. Im
grössten Theile Indiens wird die Vegetation der meisten Pflan-
zen durch die trockene Jahreszeit länger unterbrochen, als
in Europa durch den Winter. Die grossen Stauden, die
Zuckerrohrpflanzungen, die Paniceen-Rasen welken und ver-
dorren im November und erst im Junius oder Julius des fol-
380 Griscbach*. Bericht über die Leistungen in der
genden Jahres erwacht ihr vegetatives Leben auf's Neue. Zu
Pirna dauerte damals die Regenzeit nur wenig über drei Mo-
nate und hörte schon Anfang September auf: aber es drohte
auch ein Missjahr, zu wenig Regen war gefallen.
In dem descriptiven Theile des Jacquemont'schen Werks,
welcher in der Reihenfolge von de Candolle's System von
Cambessedes bis zum Schluss der Rosaceen und übrigens von
Decaisne bearbeit ist, sind neben einer Menge von neuen
Arten folgende Gattungen, grösstentheils aus dem Himalajah,
aufgestellt: Christolea und Douepea (Cruciferen), Oligomeris
(Resedacee), Periandra (s. o.), Anquetilla (Zanthoxylee),
Leptopus (neben Phyllanthus), Allardia (s. o.), Melanoseris
(Cichoracee), Belenia (Solanee), Dargeria (Scrophularinee),
Lasiosiphon (Gnidiae sp. plures), Girardinia (Urticae sp.) und
Diplosiphon (eine merkwürdige, epigynisch monocotyledonische
Wasserpflanze ohne Bestimmung der natürlichen Verwandt-
schaft).
Die Fortsetzung der im vor. Jahresb. angezeigten Arbeit
Bentham's über indische und afrikanische Leguminosen be-
greift ungefähr eine Centurie von Genisteen, grösstentheils
vom Cap (London Journ. of Botany 3. p. 338 — 365).
Die neuen Lieferungen von Korthals' Monographieen
zur Flora des indischen Archipels (Jahresb. f. 1841) enthalten
die Melastomaceen, Eichen und folgende Gattungen: Crato-
xylon und Tridesmis, Hippocratea und Salacia, Maranthes;
Boschia nov. gen. (Sterculiacee), Omphocarpus n. g. (neben
Grewia), Paravinia n. g. und Cleisocratera n. g. (Rubiaceen).
— De Vriese beschrieb eine von Junghuhn auf Sumatra
entdeckte Casuarina (C. sumatrana J.) in v. d. Hoeven's Tijd-
schrift (1844. p. 113), ferner einige javanische Pflanzen (das.
p. 336— 347): neu nur ein Aeschynanthus. — Neue Arbeiten
von Hasskarl über vermischte Familen der Javanischen Flora
sind theils in derselben Zeitschrift (p. 49 — 111; p. 178 — 228),
theils in der Regensburger Flora (1844. S. 583 u. f.) publi-
cirt. — Einige neue javanische Moose hat Montagne be-
schrieben (Lond. Journ. of Bot. 1844. p. 632 — 34). — Dozy
und Molkenboer haben ein Kupferwerk über Laubmoose
des indischen Archipels begonnen (Musci frondosi inediti Ar-
chipelagi indici Fase. I. Lugdun. Batav. 1844). Vorläufige
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 381
Diagnosen von etwa 75 neuen Arten wurden von ihnen in den
Annales des sciences naturelles vorausgeschickt (1844. 2.
p. 297 — 316): darunter die neuen Gattungen Cryptocarpon,
Endotrichon und Symphysodon.
Eine für Systematik höchst wichtige, nunmehr abge-
schlossene Quelle über die Flora von Java ist das nach
Ilorslield's Herbarien von Ben nett und R. Brown heraus-
gegebene Kupfer werk (Plantae javanicae rariores descriptae
iconibnsqne illnstratae. Descriptiones et characteres plurima-
rum elaboravit J. Ben nett, observationes striictnram et affi-
nitates praesertim respicientes passim adjeeit Rob. Brown.
P. 1. Londini, 1838. — P. 2. 1840. — P. 3. 1841). Dieses
Werk enthält 45 Tafeln und folgende neue Gattungen: Scle-
rachne und Polytoca (Gramineen), Hexameria (Orchidee), Cyr-
toceras (Asclepiadee), Stylodiscus (Andrachne trifoliata Roxb.),
Euchresta (Andira Ilorsfieldii Lesch.), Mecopus und Phylacium
(Leguminosen), Saccopetalum (Anonacee), Lasiolepis (neben
Ilarrisonia Br.), Pterocymbium (Sterculiacee) und mehrere
Typen aus andern Ländern, welche in den so reichhaltigen
Excursen erläutert werden.
Junghuhn's früher besprochenen Reisetagebiicher von
Java sind mit neuen Zugaben zwar erst im J. 1845 heraus-
gegeben (Topographische und naturwissenschaftliche Reisen
durch Java von F. Junghuhn, herausgegeben von Nees v.
Esenbeck. Magdeburg. 8.), aber wir halten es, um uns un-
mittelbar an den vorigen Jahresbericht anzuschliessen , un-
passender schon jetzt darüber zu berichten. — Im westlichen
Theile der Insel, wie am Gede, fand der Reisende den Ge-
birgsrücken weit und breit auf beiden Abhängen mit Rosamala-
Wäldern bedeckt, d.h. mit Liquidambar Altingiana Bl., deren
Stämme schon aus der Ferne an dem hohen geraden Wüchse
und ihrer weissen Farbe zu erkennen sind und ein Dickicht
von Scitamineen , Melastomen , Rubus und andern Sträuchern
beschatten (S. 165). Ein fetter, rother Boden bedeckte hier
fast überall den Trachyt des Gede. Nach wiederholten Mes-
sungen liegt die Region der Rosamala-Wälder zwischen 2000'
und 4000' (S. 436): einzeln findet sich dieser auf Westjava
beschränkte Baum aufwärts bis 4500', abwärts ungefähr bis
1500'. Er gehört zu den gigantischen Gestalten der Pflan-
382 Grisebaeh: Bericht über die Leistungen in der
zonweit und erreicht im Durchschnitt eine Höhe von 150':
gekappte Stämme massen 12' über^ der Wurzel 15' im Um-
fang, bis zur Theilung betrug ihre Lange 90' bis 100' und
die Kronen ragten 50 — 80' hoch darüber empor. Bis an diese
Kronen würden Cocos-Palmen kaum hinaufreichen. — lieber
dem Rosamala- Walde folgte am Fang -Gerango weit reicher
von Schlinggewächsen (z. B. auch Freycinetien und Calamus)
und Parasiten (Orchideen und Farnen) erfüllte Wälder von
Laurineen, Kastanien, Eichen, Schima und Fagraea: und an
diese schlössen sich wieder die Podocarpen. Aber auch jen-
seits der Podocarpus- Grenze fehlt hier die Baumform nicht,
wie es auf andern Bergen der Fall ist. Auf dem Gipfel des
Pang-Gerango selbst, im Niveau von 9200', bilden Thibaudia
vulgaris J. und ein noch unbestimmter 30' hoher Dioecist
nebst verschiedenen andern Bäumen ein moosreiches Gehölz,
welches jedoch nach seinem Wachsthum einer energischen
Krummholzbildung anzugehören scheint (S. 452), ungeachtet
selbst bis hierher ein schlanker Farnbaum, die 15 — 20' hohe
Cyathea oligocarpa (von 5500' — 9200' reichend), gefunden
wird (vergl. Jahresber. für 1841. S. 449). Aber vergebens,
sagt Junghuhn , wird man auf der ganzen Insel nach dem
zweiten Beispiele eines solchen Gipfelwaldes suchen : alle Berge
sind weit unter dieser Höhe entweder kahl, indem sie sich
selbst mit Laven und Gerollen überschütten, oder mit Gras-
matten von Festuca nubigena J. überzogen oder mit geselli-
gen Casuarinen bewachsen. So bestimmte Junghuhn am Vul-
kan Tjermai (S. 235) die obere Waldgrenze zu 7000', von
Podocarpus imbricata Bl. gebildet, worauf die subalpinen
Sträucher (vor. Jahresber. S. 412) sogleich folgten: und dies
scheint ein durchschnittliches Maass der Waldverbreitung auf
der ganzen Insel zu sein. Die wahre klimatische Baumgrenze
Java's, wie sie allein auf dem Pang-Gerango erreicht wird
und hier durch die Krummholzbildung des Gipfelgehölzes aus-
gedrückt ist, liegt also allerdings einige Tausend Fuss höher,
als die scheinbare, die nur durch örtliche Bodenverhältnisse
bedingt wird : und so verbreitet Junghuhn durch seine Be-
steigung jenes Bergs einiges Licht über die bis dahin fast
unerklärliche Anomalie, dass die Baumgrenze auf Java so viel
niedriger liegt als am Himalajah und dass dort allgemein die
Pflanzengeographic während dos Jahres 1844. 3S3
subalpinen Ericeen-Sträucher mit den nordisch-alpinen Pflan-
zengattungen (z. B. Ranunculus, Viola, Gentiana) in ein ebenso
tiefes Niveau von 7 — 8000' herabsteigen. Allein in der That
wird die Schwierigkeit, solche Abweichungen zu erklären,
durch jene Beobachtungen nicht vollständig gehoben, sondern
nur in engere Grenzen eingeschlossen: denn wenn der Pang-
Gerango lehrt, dass bei 9200' der üppigste Wald doch die
Stammkrümmungen des Krummholzes nachahmt, so finden wir
in Indien noch Tannenhochwald in einem Niveau von mehr
als 10000'.
Am Fusse des Schlammvulkans Galungung beschreibt
Junghuhn fast undurchdringliche Schilfformationen, wo die
sumpfige Fläche von 15' hohem Sacharum Klaga dicht bedeckt
ist, an welchem sich ein Equisetum und Epidendren hinauf-
winden. Ueber solchen Sümpfen beginnt am Abhänge des
Bergs der Urwald von Urticeen und Magnoliaceen mit allen
jenen Nebenbestandtheilen, wodurch die Aufgabe, tropische
Waldnatur zu schildern, den Anschein des Unermesslichen
erhält, wiewohl doch nicht danach sollte gestrebt werden,
ihrem Reichthume in Worten und im Ausdrucke gleichzukom-
men, sondern nur die Unterschiede ihrer Entfaltungsweise und
deren Bedingungen aufzufassen.
So wie die Rosamala- Wälder in Westjava die Physiogno-
mie der Gebirge bestimmen, so weit sie sie bedecken, so im
östlichen Theil der Insel die Waldregionen von Casuarina
equisetifolia, welche jedoch erst im Niveau von 4000' begin-
nen und daher, wiewohl höher als andere Baumformen an-
steigend, doch auf den engern Raum einzelner Hochpunkte
eingeschränkt sind. Westlich vom Merapi, einem Berge, wo
sie fast ausgerottet sind, findet man von Casuarinen nirgends
eine Spur, während sie keinem der ostwärts von dort sich
erhebenden Gipfeln zu fehlen scheinen (S. 372).
Ueber die Höhengrenze einiger Kulturzweige auf Java
finden wir bei Junghuhn folgende Angaben. Kaffee könne
wahrscheinlich bis zum Niveau von 5000' gebaut werden, bis
jetzt aber reichen die Pflanzungen gewöhnlich nur bis 3000'
oder 4000' (S. 234). Artocarpus integrifolia und Arenga sac-
eharifera — 3000', Duris zibethinus — 2000' (S. 419).
Zwei Landschaftszeichnungen von Manila bei v. Kittlitz
384 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
(Taf. 23. 24) sind zwar, wie alle übrigen, höchst charaktervoll,
entbehren aber hinlänglicher botanischer Erläuterung. — Al-
gen von den Philippinen hat nach Cuming's Sammlungen
Montagne bearbeitet (Lond. Journ. of Bot. 1844. p. 658
bis 662).
III. Afrika.
Von den botanischen Untersuchungen der Franzosen in
Algerien sind wiederum nur erst wenige Notizen bekannt ge-
worden. Auf dem kleinen Atlas hat Durieu bei Blidah aus-
gedehnte Cederwälder angetroffen (Comptes rendus V. 18).
Bis zum Niveau von 7 — 800m war der Gebirgsabhang be-
wohnt und der Boden kultivirt, dann begannen Eichen sich
unter die Obstbäume zu mischen und bald zeigten sich ein-
zelne, majestätische Cedern von 40 Meter Höhe. Doch nur
am südlichen Abhänge gelangte der Reisende in zusammen-
hängende Wälder dieses Baums, welche von den Einwohnern
alljährlich verwüstet werden, aber nicht, wie am Libanon,
ihrem Untergange entgegengehen, sondern sich leicht wieder
zu erzeugen scheinen. Bei Maskara fand Durieu Callitris
quadrivalvis häufig, deren Menge von hier aus in südlicher
Richtung zunimmt (Comtes rendus V. 19). — Einige neue,
zum Theil auf trockenem Boden lebende Isoetes- Arten von
Algerien beschrieb Bory de St. Vincent (das. Vol. 18).
Auf Russegger's Reisen ist es geeignet jetzt zurück-
zukommen (Jahresber. für 1842. S. 395), nachdem dessen
Werk ziemlich weit vorgeschritten und die klimatischen und
Bodenverhältnisse Egyptens und Nubiens anschaulicher und
selbstständiger, als in dem ersten vom Orient handelnden
Bande der Fall war, darzulegen begonnen hat (Reisen in
Europa, Asien und Afrika. Bd. 2. Stuttgart, 1843 — 45: er-
schienen waren 1844 von diesem Bande Th. 1 , Egypten und
Nubien und das erste Heft von Th. 2 Ost-Sudan begreifend).
— Unter-Egypten bis Kairo hat mittelländisches Klima, einen
regnigten Winter (2. S. 263) und heitern Sommer. Bei Kairo
betritt man die regenlose Zone Nordafrika's. Für Kairo er-
geben sich nach Clot Bey aus fünfjährigem Durchschnitt jähr-
lich 12 Regentage mit 0,034m Regen. Die Regellosigkeit
hängt sowohl in Ober-Egypten (Kairo bis Nubien) als in der
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 385
Sahara von perennirenden Nordwinden ab: Egypten ist also
klimatisch ein Theil der Sahara.
Der in Folge der tropischen Regenzeit eintretende hohe
Nilstand dauert von Juni bis Ende September (1. S. 229). In
die Monate Oktober und November fällt die Saatzeit der Ce-
realien auf den durch Kanäle künstlich überschwemmt ge-
wesenen Grundstücken, die Erndte in den Februar und März:
worauf je nach der Fruchtart noch eine zweite Saat im April
gesäet und unmittelbar vor der Ueberschwemmung geerndtet
werden kann: auf andern Aeckern kann man erst im Decem-
ber und Januar säen, und nur einmabim Mai erndten. Ueber-
sicht der wichtigsten Kulturzweige nach der gewöhnlichen
Saat- und Erndtezeit geordnet:
Saat. Erndte.
Januar. Bohnen. [Cerealien] Zuckerrohr.
Februar. Reis; Mais. Gerste, Melonen.
März. Baumwolle. Cerealien, Mais.
April. (Cerealien).
Mai. Feigen, Datteln, Trauben; [Ce-
realien].
Juni. Bohnen; (Cerealien).
Juli. Baumwolle.
September. Orangen, Oliven; Reis.
Oktober. Cerealien. Reis.
November. Cerealien. Mais.
December. [Cerealien].
In der durch die dauernden Polarströmungen regenlosen
Zone Nordafrika's ist bei grossen täglichen Temperatur- Diffe-
renzen Thaubildung nicht ganz ausgeschlossen, die vielmehr
sehr reichlich im untern Nilthale stattfindet, Ober- Egypten
nicht fremd ist und auch die Oasen zu befruchten scheint.
In der nubischen Wüste dagegen sah Russegger keinen Thau:
aber in der libyschen sei er häufig (2. S. 253). Die westlich
von Egypten gelegenen Oasen erhalten übrigens nach Russeg-
ger ihr Grundwasser vom Nil, das über Thonschichten seit-
wärts zu ihnen hinabgleite (S. 271). Sie bilden nämlich ein
Quellen führendes, tiefer als der Nil eingeschnittenes und
diesem Strome paralleles Thal. Die übrigen Oasen der Sa-
hara sollen nur durch Thaubildung entstanden sein. Borgu,
Archiv ('. Naturgeschichte. XI. Jahrg. 2. RH. ß k
386 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Darfur und Kordofan sind jedoch in diesem Sinne keine
Oasen, sondern Savannen, die schon im Regenklima liegen
(S. 283).
Die tropischen Regen reichen in den meisten Jahren bis
höchstens zum 18° N. Br. (1. S. 224), d. h. 2 Grade nördlich
von Chartum, dem Punkte, wo beide Nilarme zusammenflies-
sen. Die Niederschläge fallen dort in den Sommer und ent-
sprechen den zu dieser Zeit wehenden Südwinden , welche
unter 15° N. Br. vom April bis September herrschen und
sechsmonatlich mit den Nordwinden abwechseln. Der Nord-
rand dieser Passatzone, welche im Süden der Wüste oder
Sudan Savannen hervorbringt, ist übrigens nicht scharf be-
stimmt: eine kürzere Regenzeit kann über 18° N. Br. hinaus
wohl einmal eintreten, so oft die Südwinde so weit herüber-
wehen. Es ist jedoch mit diesen allgemeinen, Regen brin-
genden Südwinden nicht der aus gleicher Richtung welunde,
aber trockene Chamsin der Wüste selbst zu verwechseln,
den Russegger für eine örtliche und elektrische Erscheinung
erklärt. Auch zwischen 16 und 18° N. Br. ist die Regenzeit
noch unregelmässig und in manchen Jahren abgekürzt: bei
Chartum dauert sie bereits 5 Monate. Als Nordrand der
tropischen Regenzone in ganz Afrika nimmt Russegger fol-
gende durchschnittliche Werthe an: 21° N. Br. am rothen
Meer, 18° am Nil, 16° nördlich vom Tschad (nach Denham),
20° in Senegambien (2. S. 546). — Ueber beträchtliche, täg-
liche Temperaturunterschiede zwischen Nacht und Tag führt
er auch innerhalb der Regenzone Klage: worin, wenn es sich
allgemeiner bestätigt, eine charakteristische Eigenthümlichkeit
des tropischen Afrika liegen würde.
Ganz Nubien ist südwärts bis zum 18° N. Br. mit Aus-
nahme des Nilthals und der Küste, wie Egypten, Fels- und
Sandwüste. Die Höhenzüge reichen hier kaum 1000' über
die Ebene und steigen nur an der Küste bis 4000', im Dsche-
bel Olba nach Wellsted bis 8000' an. Die Küste des rothen
Meeres ist nicht regenlos, sondern an der nubischen Seite
erstrecken sich die mit Südwest-Mousson fallenden Sommer-
regen bis fast zu der Breite, wo die Wendekreis-Winterregen
(wie in Unter-Egypten) beginnen. Am Nordrande der vollen
Regenzeit liegt Suakim (19° N. Br.): hier tritt sie jedoch
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 387
schon sechs Wochen später (Mitte Juli) ein, als unter 17°
und in demselben Maasse verspäten und verkürzen sich die
Sommerregen bis zum 21° N. Hr. , von welcher Breite aus
nordwärts die Winterregen beginnen. Obgleich das hohe
Meer nördlich von Suakim das ganze Jahr hindurch von nörd-
lichen Winden bewegt wird, so fehlen dennoch der afrikani-
schen Küste des arabischen Golfs nirgends feuchte Luftströ-
mungen. Hieraus erklärt es sich, dass die ganze Gestadelinie
Nubiens etwas Weide und Baumwuchs besitzt, da doch das
Innere des Landes selbst von Oasen leer ist. Auf der über
50 Stunden Jangen Wüstenreise von Korosko nach El Mu-
chaireff , die gewöhnlich , um die grosse Nilkrümmung abzu-
schneiden, unternommen wird, traf Russegger nur ein einziges
Mal in der Mitte des Weges brackisches Wasser.
Der Nil verlässt die Zone der tropischen Regen beim
Einfluss des Atbara und berührt sie in seiner Krümmung bei
Dongola noch einmal wieder auf einer kurzen Strecke. Süd-
lich von der Mündung des Atbara beginnen Savannen mit tro-
pischen Wäldern abzuwechseln und so bleibt es durch ganz
Sudan: Wüsten giebt es nun, ausser wo der Boden felsig,
nicht mehr, sie gehen allmählig in Savannen über (Bd. 2. S.525).
Die Savannen sind in der Regenzeit mit dichtem Grase be-
wachsen, in den übrigen Monaten gleichen sie einem dürren
Stoppelfeld. Die Wälder bestehen aus Mimosen und drängen
sich längs der Stromufer, wie in Guiana, zusammen. An den
Flüssen geht auch das Regenland weiter nordwärts, daher
fern von ihnen auch jenseits des I8ten Grades Wüstenbuchten
in die Savanne eingreifen.
Im ganzen Nilgebiete bis mindestens zum lOten Grade
südwärts existirt westlich von Abyssinien keine terrassenför-
mige Erhebung des Bodens, sondern nur unermessliche Ebe-
nen. Die Terrassen von Sennaar, Fazokl und dergleichen
sind geographische Ueberschätzungen (2. S. 539). Nach Rus-
segger's Barometermessungen liegen über dem mittelländischen
Meere: Assuan (Syene) = 342' Par. : Korosko =450'; Abu-
hammed =963'; El Muchaireff = 1331'; Chartum =1431';
Torra am weissen Nil =1595'; Eleis (13°) =1667'; und
die Hauptstadt von Kordofan, El Obeehd =2018'.
Bb*
388 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Die Nordgrenze der Verbreitung von Adansonia fand
Russegger in den Savannen von Kordofan unter dem 14° N. Br.
An der Küste Adel, auf dem Wege von Tajura nach dem
Fusse der südabyssinischen Alpen, war nach dem Reisebericht
von Harris (the highlands of Aethiopia. London, 1844. 1.
p. 412) im Juni, d. h. vor Beginn der Regenzeit das ganze
Land wüst und fast wasserlos , auch ohne jegliche Bodenkul-
tur: mit den anbrechenden Niederschlägen ward es stürmisch
und ungesund, eine der unnahbarsten Flächen Afrika's. Die
Flora erschien ungemein arm : von Holzgewächsen besass sie
Mimosensträucher und die Capparidee Cadaba indica; in der
Folge wurden auch einzelne Palmen, Cucifera thebaica und
was unter dem 11° N. Br. auffällt, auch Phoenix angetroffen.
Uebrigens zeigten sich zu Ende der trockenen Jahreszeit nur
einige Capparideen und Malvaceen : von andern Pflanzengrup-
pen der Steppe nur einzelne Formen, als Stapelia, Pergularia
und einige fleischige Euphorbien. Erst am Flusse Hawasch
wurde die Vegetation geselliger durch Gestäuchformationen
von Tamarix oder von Balsamodendron Myrrha mit einzelnen
Capparideen-Bäumen (1. p. 416). Am Fusse der abyssinischen
Hochgebirge wurde zuletzt noch Aloe sbccotorina bemerkt
und bald darauf begann Tamarindus indica, womit die öde
Steppe überwunden war.
Heber Balsamodendron Myrrha hielt Harris einen Vortrag
in der Linnean Society (Ann. nat. hist. 13. p. 220). Dieser
wichtige Strauch heisst bei den Danakil, den Bewohnern der
Küste Adel, Kurbeta. Die Myrrhe (Hofali) ist der an der
Luft eintrocknende, milchige Saft, der aus jeder Wunde aus-
fliesst: im Januar, zur Zeit wo die Knospen sich entfalten,
und im März, wenn die Früchte reif sind, pflegt man ihn zu
sammeln. — Balsamodendron Opobalsamum wächst an der
gegenüberliegenden, arabischen Küste, bei Aden. — Die Fran-
kincense-Bäume der Gebirge am Cap Guardafui sind botanisch
noch nicht bestimmt.
Harris' botanische Nachrichten über Schoa sind ganz un-
genügend (the highlands etc. 2. p. 395 u. f.). Die Pinus Nord-
abyssiniens wird in Schoa durch den Det ersetzt, einen Juni-
perus von 160' Höhe und 4—5' Stammdurchmesser und vom
Wüchse einer Cypresse. Ausserdem werden als Waldbäume
Pflanzengeographie während des Jahres 1844.
•M)
genannt: Taxiis (Sigba), Picos (Schoala) und F. Sycoraorus
(Worka); auch sei um Ankober Rüppel's Lobeliaceeiibaum
Rhynchopetalum montanum (Jibera) häufig, dessen Stamm,
15 hoch, eine Krone grosser Blätter trägt. Sträucher: eine
Erica (Asta) und allgemein verbreitet Polygonnm frutescens
(Umboatoo). Celastrns edulis (Choat) wird allgemein knltivirt
und mit dem Thee in Wirkung und Geschmack verglichen
(2. p. 423).
Wichtiger sind die meteorologischen Beobachtungen, welche
Harris vom August bis December 1841 und vom Januar bis
Juli 1842 in der Hauptstadt von Schoa, Ankober, anstellte.
Dieser Ort liegt unter 9° 35' N. Br., in einer Meereshöhe von
8200', auf offener Kulturfläche. Die klimatischen Werthe sind
Mittl.Temp. = 13°,lC. Maximum =20°, 6 C. Minimum = 5°C.
In Kooloo (4° N. Br. ), südwärts von Euarea, an den
Grenzen der pygmäischen Doko- Neger, dauert nach Mitthei-
lungen der Eingebomen die Regenzeit vom Mai bis zum Fe-
bruar mit seltenen Unterbrechungen (3. p. 64). Nordwestlich
davon, unter dem 5ten Grade N. Br. soll das Reich Susa hoch
in der Fortsetzung der abyssinischen Alpen liegen und, wie
Schoa, nur 3 Monate Regenzeit besitzen: dort sei es aber
kälter, die Berge schienen den Himmel zu berühren und wä-
390 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
ren mit ewigem Schnee bedeckt. Dies ist dieselbe Gegend,
in welche Bruce die Quellen des weissen Nil verlegt.
Hochstetter hat neue Gräser aus Nubien und Abyssi-
nien nach Kotschy's und Schimper's Herbarien beschrieben
und neben kritischen Bemerkungen über die Arbeiten Raffe-
neau's, Endlicheres und über seine eigenen auf diesem Floren-
gebiet wiederum folgende neue afrikanische Gattungen aufge-
stellt (Regensb. Flora 1844): Chasmanthera, Menispermee aus
Abyssinien; Paulo-Wilhelmia, Dombeyacee aus Nubien; ferner
aus Abyssinien die Umbelliferen Agrocharis, Haplosciadium
und Gymnosciadium; die Solanee Discopodium; die Irideen
Hymenostigma und Acidanthera; die Liliacee Clinostylis. ~
Notizen über einige abyssinische Pflanzen schrieb Fresenius
(Bot. Zeitung 1844. S. 353 — 357). — Eine Bearbeitung von
Kotschy's Sammlungen aus Afrika hatFenzl angekündigt und
bei diesem Anlass eine Reihe neuer Formen , jedoch ohne
Beschreibung, aufgezählt (Regensb. Flora 1844. S. 309—312).
Eine schätzbare Uebersicht der von Krauss in den süd-
lichsten Gegenden der Capcolonie und in Natal gesammelten
Pflanzen ist nebst Reisebericht und pflanzengeographischer
Einleitung vom Reisenden selbst publicirt worden (Regensb.
Flora 1844 — 46). — Genau beschreibt er die grossen, nur
im Verhältniss zur ganzen Colonie auf ein enges Areal be-
schränkten Hochwälder, die zwischen dem Gauritz und Krom-
merivier und am Fusse der Onteniqua- Berge längs der Süd-
küste sich erstrecken. Hiernach ist Drege's Darstellung bei
E. Meyer von dem allgemein dürftigen Waldcharakter des
Caps nicht völlig genau: wenigstens in diesem Distrikte findet
sich eine Menge Bauholz in geschlossenem Waldbestande,
welchen Krauss als undurchdringliches Dickicht bezeichnet.
Er erwähnt Riesenstämme von Podocarpus, welche vier Män-
ner nicht umspannen können, ferner Crocoxylon excelsum
(Safranhout), Ocotea bullata (Stinkhout), Curtisia faginea
(Hassagaihout), Elaeodendron capense: Bäume, welche ihre
dicht belaubten, mächtigen Kronen hoch über das niedrige
Gehölz erheben und von zahlreichen Schlingpflanzen umschlun-
gen sind. Unterholz z. B. Burchellia, Gardenia, Canthium,
Plectronia, Tecoma, Grewia, Sparmannia, Rubus ; Lianen:
Cissus, Clematis, Cynoctonum , Secamone; Farnkräuter im
PHanzcngeographie wahrend des Jahres 1644. 391
tiefen Schatten. Nach langem Ansteigen und mühsamem Durch-
arbeiten durch das Chaos von Gebüschen gelangt man endlich
in einen lichtem Wald, die Bäume werden kleiner und nun
ist bald ihre Grenze erreicht, wo Gesträuche von Synanthe-
reen, Thymeleen, Bruniaceen, Proteaccen und Ericeen folgen.
Kranss bestätigt, dass der Camtos- Rivier eine deutliche
Vegetationsscheide sei. Dieser Flnss bilde die Grenze zwi-
schen der Flora des Caps und des Kaffernlandes: denn schon
von hier aus heben gewisse Typen des tropischen Natal an,
während die Proteen, Eriken, Selagineen u. a. zurücktreten.
Die Gestränchformationen an der Algoa-Bay sind höher und
dichter, als in den westlichen Distrikten: grossen Pachyder-
men dienen sie zum Versteck. Charakteristische Gewächsfor-
men: Celastrineen , Euphorbia canariensis, Strelitzia, Zamia,
Tamus, Pelargonium ü. a. — Dieser denkwürdige Unterschied
zwischen den östlichen und westlichen Provinzen der Cap-
Colonie, welchen auch Bunbnry (London Jonrn. of Bot.
1844. p. 230 — 263) anfs Nene darstellt und genauer ausführt,
ist bei Weitem nicht so einfach zu erklären, wie die tropi-
schen Eigentümlichkeiten der Flora von Natal. Bei Gra-
hamstown in Albany fand Bunbnry mir 13 Pflanzen in der
reichen Umgegend, welche auch am Cap vorkommen. Eriken
und Proteaeeen sind selten, baumartige Euphorbien allgemein
und die Restiaceen durch Gräser ersetzt. Am grossen Fisch-
flusse erstrecken sich die wildesten Gesträuchdickichte mit
baumartigen Euphorbien, Strelitzia und Zamia horrida, un-
durchdringlicher und der dornigen Hölzer wegen unzugäng-
licher, als brasilianischer Urwald, nur der Wohnsitz grosser
Pachydermen und auflauernder Grenzräuber vom Kaffernstamm.
Tropische Pflanzenfamilien, welche am Cap nur einzelne Ar-
ten besitzen, werden in Albany mannigfaltiger: namentlich
Acanthaceen, Apocyneen, Bignoniaceen , Rubiaceen, Cappari-
deen. Durch alle diese und ähnliche Thatsachen ist oflenbar
eine Annäherung an die Flora von Natal ausgedrückt, wenn
auch noch keineswegs in dem Grade, wie beide Reisende an-
nehmen, dass nämlich die Vegetation Albanys und Natals all-
mählig in einander übergehe. Dies bleibt, so lange die zwi-
schenliegenden Distrikte des Kaffernlandes noch so wenig be-
kannt sind, hypothetisch und ist nach klimatischen Gesetzen
392 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
höchst unwahrscheinlich. Eine Gleichheit gewisser Familien
und Formen ist noch keine Gleichheit der Arten und ihrer
Verbindung zu Formationen. Aber allerdings ist die Zunahme
tropischer Formen in Albany noch räthselhafter, als der Ge-
gensatz zwischen Albany und dem Westen der Colonie in
den Arten überhaupt. Um den letztern zu erklären, erinnert
man sich der engen Verbreitungsbezirke der Cappflanzen : die
tropischen Formen weisen auf klimatische Einflüsse hin, die
nicht vorhanden sind. Denn Albany ist vielmehr ungewöhn-
lich trocken im Verhältniss zu andern Gegenden der Colonie,
die Distrikte am Gariep ausgenommen. Regen, sagt Bunbury
(p. 247), ist selten und ungewiss, wann Niederschläge eintre-
ten, was nur bei südlichen und südöstlichen Seewinden der
Fall ist. Das Klima wird zwar für sehr gesund gehalten, ist
jedoch grossen und plötzlichen Wechseln der Temperatur un-
terworfen , mit stürmischen und trockenen Winden aus West
und Nord. Also keine Spuren zeigt Albany von jener perio-
dischen Regenzeit, welche zu Port Natal, als dem südlichsten
Punkte (30° S. Br.) regelmässig tropischer Jahreszeiten, den
Passatcharakter der Flora bedingt: und doch ist in einem so
trocknen Klima die Bildungsweise der Pflanzen der der Pas-
satfloren ähnlicher, als am Cap, wo der Winter regelmässigere
Niederschläge hat, fast wie in Südeuropa. In Albany haben
wir demnach eine jener pflanzengeographischen Thatsachen
anzuerkennen, wo selbst ein tropischer Bestandtheil der Ve-
getation nicht allein von klimatischen Bedingungen, sondern
von historischen oder geologischen Ereignissen abhängig er-
scheint.
Natal ist nach Krauss wohlbewässert durch zahlreiche
Flüsse, die in der bis gegen 10000' hohen Küstenkette Quath-
lamba entspringen und das Gestadeland der neuen Colonie in
jeder Richtung durchschneiden. Die Vegetation erwacht im
September und erreicht während der Monate October, No-
vember und December, den atmosphärischen Niederschlägen
folgend, die vollste Pracht. Das Thermometer schwankt in
dieser nassen Jahreszeit zwischen 19° und 31° C. Schon im
Januar tritt rasch der Stillstand im Pflanzenleben ein, bald
erscheinen die Grasfluren düster gelb, die Wälder blüthenlos,
einförmig grün. Regen fallen in den Monaten Januar bis
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 393
März nur selten, tlie Luft ist heiss und drückend, die Wanne
/wischen 26° und 32°, 5 O. Ebenso sollen auch die beiden
folgenden Monate sieh verhalten, welche Krau SS in Natal nicht
erlebte. Juli und August sind schön, bei Tage warm (bis 31°),
Morgens und Abends kühl: doch nur selten fallt das Ther-
mometer bis 15° C. Erst im September beginnt eine verän-
derliche, windig unfreundliche Zeit: die Vorboten der Regen.
Nach diesen Angaben ist der Verlauf der Jahreszeiten ähnlich
wie in Ostindien, nur dass die dreimonatliche Regenzeit in
den Frühling der südlichen Hemisphäre, d. h. drei Monate
später als hier eintritt. — Uebersicht der vorherrschenden
Pflanzenformationen :
1. Küsten- oder Waldregion.
a. Rhizophoren-Wälder im Schlamm zwischen Ebbe und
Fluth (Mengerhout der Colonisten). Bruguiera gymnorrhiza,
Rhizophora mucronata, Avicennia tomentosa.
b. Dichter, tropischer Mischwald, nur auf den Elephan-
ten- und Büffel Pfaden zu betreten. Unter den Bäumen finden
sich mehrere der neuen Gattungen, welche Hochstetter publi-
cirt hat: nebst Ficus, Tabernaemontana, Zygia, Milletia, Phoe-
nix reclinata u. a. Unterholz, Lianen und übrige Bestandteile
tropischer Wälder sind reich ausgebildet.
c. Grasfluren mit mannigfaltigen Gesträuchen. — Musa.
2. Hügelregion mit schönem Weideland, wodurch die
Blüthe der Colonie bedingt ist. Gehölze sind von Acacien
gebildet. Aloe und hochstämmige Euphorbien erinnern an die
Karro's. Das hohe, nährende Gras, namentlich aus Andro-
pogineen bestehend, ist von zahlreichen Stauden durchwach-
sen, vorzugsweise von tropischen Leguminosenformen, Scro-
phularineen, Labiaten, Acanthaceen und von Gnidia Kraussiana.
3. Gebirgsregion. Ueber jenen reichen Grasfluren folgt
ein Waldgürtel von Podocarpus mit zahlreichen Farnkräutern
und darüber breiten wieder Bergwiesen von Cyperaceen mit
Orchideen, Ixien, Hypoxis und Watsonia sich aus. Hier finden
sich die meisten Repräsentanten capensischer Pflanzenformen :
allein überhaupt sind in Natal doch nur 2 Proteaceen , 1
Aspalathus, 2 Geraniaceen, 1 Muraltia, 1 Maternia, 1 Barosma
gefunden und von Eriken, Phylica, Selauo, Oxalis, Zygophyl
leen u. a. noch keine Art.
394 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Die Uebersicht von Krauss' Herbarien enthält die Dia-
gnosen vieler neuer Arten von Natal und einiger aus der
Cap-Colonie: publicirt unter der Autorität derjenigen, welche
dem Reisenden die Sammlung bearbeitet haben. Darunter
sind folgende Gattungen neu aufgestellt: von Bisch off die
Podostemee Sphaerothylax, von Meissner die Rubiacee Bun-
burya, von C. H. Schultz die Helichrysee Manopappus und
die Arctotrdee Antrospermum. — Neue Farne vom Cap und
Natal hat Kunze beschrieben (Linnaea, 1844. p. 113 — 124).
Bojer hat seine Beschreibungen neuer Pflanzenarten aus
Mauritius und Madagaskar fortgesetzt (Treizieme rapport de
Ja soc. de St. Maurice) : dies Mal sind Anonaceen, Menisper-
meen, Capparideen und Leguminosen darunter. — Gardner
berichtet brieflich über einige Excursionen auf Mauritius (Lon-
don Journ. of Bot. 1844. p. 481—485).
IV. Inseln des atlantischen Meers.
Eine ausführliche Flora der azorischen Inseln hat Seu-
bert herausgegeben, wodurch seine frühere, in diesem Archiv
enthaltene Arbeit auf erwünschte Weise erläutert und zur
systematischen Vollendung geführt ist (Flora azorica. Bon-
nae, 1844. 4.). Unter etwa 400 azorischen Pflanzen, welche
zum Material dienten, sind 50 sp. endemisch, 23 sp. gehören
zugleich dem canarischen Archipel an, 5 sp. dem afrikanischen,
6 sp. dem amerikanischen Continent, die übrigen finden sich
auch in Europa. Unter den endemischen Arten sind 7 Syn-
anthereen, ebenso viel Cyperaceen, 5 Gramineen. — Wat-
son hat unmittelbar nach dem Erscheinen der Flora azorica
auch seinerseits ein Verzeichniss der von ihm auf den Azoren
gesammelten Pflanzen bekannt gemacht (Lond. Journ. of Bo-
tany. 1844. p. 582 — 617) und dadurch die Zahl der von die-
sen Inseln bis jetzt publicirten Phanerogamen etwa um 60 sp.
erhöht. Da die südeuropäischen Pflanzen, welche dort gefun-
den sind, weniger Interesse darbieten, so beschränken wir
uns auf seine Beiträge zur Kenntniss der endemischen Flora.
Von Seubert'schen Arten dieser Kategorie hat er eingezogen :
Plantago azorica Höchst, als Varietät von P. lanceolata und
Juncus lucidus Höchst, als Synonym von J. tenuis W. ; ferner
Luzula purpureosplendens S. nach einem altern Syn. L. pur-
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 395
purea WatsOD. und Bellis azorica als eigene Gattung Seuber-
tia benannt; endlich 5 neue endemische Formen beschrieben:
Hypericum decipiens (11. perforatnm S.?), Petroselinmn tri-
foliatum, Campanula Vidalii, IVlyosotis azorica und Enphrasia
azorica (E. grandiflora Höchst.?). Vaccininm cylindraceum Sin.
scheint ihm von V. maderense Lk. verschieden, Erica azorica
Höchst, dagegen nur Var. von E. scoparia. Als interessante
Entdeckungen von Pflanzen Madera's und anderer Nachbar-
floren auf den Azoren sind zu bezeichnen: Melanoselinum
decipiens Hoffm., Tolpis macrorrhiza DC, Mirabilis divaricata
Lour. und Persea indica Spr.
Von Webb's und Berthelot 's Werk über die canari-
schen Inseln liegen 75 Lieferungen vor. Hiermit reicht der
systematische Theil bis zu den Synanthereen.
Einige Nachrichten über die Ceder des Bermuda-Archipels
sind von Reid mitgetheilt (Lond. Journ. of Bot. 1844. p. 266
und 1843. t. 1). Die Einwohner halten diese Conifere (Juni-
perus Bermudiana) irrthümlich der virginischen Ceder (J. vir-
giniana) gleich. Schon das Klima dieser Inseln ist von dem
der gegenüberliegenden Küste des amerikanischen Continents
sehr verschieden , indem auf den Bermuda's das Wasser nie-
mals gefriert. Die herrlichsten Orangen werden dort gezogen,
durch eben jene Cederwälder, von welchen alle unkultivirten
Gegenden bedeckt sind, vor den atlantischen Winden geschützt.
Der Baum führt auch den Namen Bleistift-Ceder (Pencilcedar),
wiewohl dessen Holz zur Fabrication der Bleistifte in Eng-
land gegenwärtig nicht benutzt zu werden scheint. Als
Schiffsbauholz ist es sehr geschätzt. Reid meint, dass die
Bermuda -Ceder im heissen Klima W7estindiens nicht fort-
komme; allein auf den Gebirgen Jamaica\s ist sie häufig.
V. Amerika.
Die auf ihrer Entdeckungsreise an der arktischen Küste
Amerika's von Simpson und Dease gesammelten Pflanzen
hat Sir W. Hook er benannt (Narrative of the discoveries
on the North Coast of America by Th. Simpson. London,
1843. 8. Appendix.). Dieselben Pflanzen waren jedoch schon
von Richardson auf Franklins Reise in gleicher Gegend ge-
funden und in Hooker's Flora des britischen Amerika aufge-
396 Griscbach: Bericht über die Leistungen in der
nommen: mit einziger Ausnahme von Salix nivalis Hook.,
welche, von Drummond in den Rocky Mountains entdeckt,
auch an der Küste unter 71° N. Br. westlich vom Mackenzie
vorkommt.
Eine Uferlandschaft von Unalaschka bei v. Kittlitz
(Taf. 4) stellt üppigen Graswuchs dar, wo mit mächtigen Cy-
peraceen Rasen verschiedene subalpine Stauden in hochwüch-
sigen Krautdickichten wechseln, z. B. von Aconitum, Hera-
cleum, Epilobium und besonders von Lupinus. Auch die
Zwergsträucher der alpinen Region, Salices und Rhododen-
dron Kamtschaticum, reichen auf diesen jenseits der Baum-
grenze gelegenen Inseln bis in die Nähe des Meeres. Hierzu
können als Gegenstück zwei Ansichten der Insel Sitcha gel-
ten (Taf. 2. 3), deren Wälder sie darstellen. Sie geben ein
deutliches Bild von dem aus der canadischen Lärche (Pinus
canadensis) und einer Tannenart (P. Mertensiana) gemischten
Baumschlage , von dem Wüchse des Panax horridum , dessen
bandförmig gelapptes Laub bald auf niedrigen Gestrüpprasen
bald auf strauchartigen Stämmen sich an einander drängt, von
den Vaccinien und Rubus, welche das Unterholz bilden, und
von andern Gewächsformen , die aus Bongard's Skizze be-
kannt sind.
Von Torrey's und Asa Gray's Flora of North Ame-
rica erschien nach zweijähriger Unterbrechung 1843 die dritte
Abtheilung des zweiten Bandes, welche die Synanthereen zum
Schluss führt. — Die nordamerikanischen Equiseten und Cha-
ren hat A. Braun bearbeitet (Silliman Journ. of science.
Vol. 46). — Mac Nab las der Edinburger botanischen Ge-
sellschaft ein am Hudson geführtes botanisches Journal vor
(Ann. nat. bist. 14. p. 223—225).
Asa Gray setzte den Bericht über seine botanische Reise
in den südlichen Alleghanni's fort (Lond. Journ. of Bot. 1844.
p. 230 — 242). Rhododendron catawbiense bildet auf dem
6000' hohen Gipfel des Roan in Tennessee eine pflanzen-
reiche, subalpine Gesträuchformation, deren Rasen aus Carex
pensylvanica und andern Arten dieser Gattung nebst Aira
tlexuosa und Juncus tenuis besteht. Unter den Stauden wer-
den Lilium, Veratrum, Poteniilla, Geum, einige Ranuneulaceen,
Umbelliferen, Saxifrageen, Solidago nebst Rudbeckia und Lia-
Pflanzengeographie während des Jahres 1844. 397
tris n. a. genannt. Die übrigen Ilolzgewächse waren, ausser
den schon im Jahresber. für 1842 erwähnten Rhodoreen und
Rosaceen, Pyrus arbntifolia, Crataegus punctata, Ribes rotun-
difolium, Diervilla trifida, Vaccinium Constablaei n. sp., Alnns
crispa. Der höchst ansteigende Baum ist Pinns Fraseri: er
findet sich nahe am Gipfel in zwerghafter Verkümmerung. —
Am Schlüsse beschreibt A. Gray die neue Gattung Shortia
(galacifolia) nach fruchttragenden Exemplaren im Herbarium
von Michaux, der sie auf den Gebirgen von Carolina ent-
deckte. Sie ist noch nicht wiedergefunden und ihre ßlüthe
unbekannt. Diese merkwürdige Pflanze verbindet den Habitus
von Pyrola uniflora mit den Blattern von Galax. — Eine an-
dere Gattung (Simmondia) von St. Diego in Ober-Californien
beschrieb Nuttall als neuen Typus der Garryaceen (das.
p. 400. t. 16).
Die Sammlungen von Hinds (Jahresber. f. 1842) liefern
zu einem wichtigen, systematischen Kupferwerke das Material,
welches Bentham bearbeitet und der Reisende durch pflan-
zengeographische Angaben erläutert (The Botany of the Vo-
yage of H. M. S. Sulphur. Edited and superintended by R.
Brinsley Hinds. The botanical descriptions by G. Bentham.
London, 1844. 4.). Bisher sind 5 Lieferungen ausgegeben.
Die hier gegebene Darstellung des Vegetationcharakters von
Californien hat entschiedene Vorzüge vor der frühern, über
welche schon berichtet ward. Die californische Flora zerfällt
in zwei Gebiete, ein nördliches, welches vom Columbia River
bis S. Diego (33° N. Br. ) reicht, und ein südliches von da
bis in die Nahe des Wendekreises, wo tropische Pflanzenfor-
men beginnen: das erste entspricht etwa den Grenzen Ober-,
das letztere Nieder -Californiens. Südwärts vom Columbia
(46°), wo die Abieswälder aufhören, versch windet der Wald-
reichthuni allmählig immer mehr: über den S. Francisko (38°)
hinaus giebt es keine grosse Wälder und überall wenig Bäume.
Als man in Obercalifornien den S. Francisko von der Küste
hinaufschiffte, erblickte man eine weite Alluvialebene, offen
und wie ein natürlicher Park von Eichengehölzen hier und
da spärlich bewaldet: diese durchströmt der Fluss und über-
schwemmt sie in nassen Jahreszeiten. Die Bäume bestimmte
Bentham als Quercus agrifolia und Hindsii und Oreodaphne
398 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
californica; ferner kommen Fraxinus latifolia, Aesculus cali-
fornica vor und das Stromufer begleiten Salices nebst Plata-
nus californica. — Bei S. Pedro herrscht schon die Flora
von Niedercalifornien und erstreckt sich bis zur Magdalenen-
bai (24° 38'), wo die nördlichsten Mangrovewälder gefunden
werden. Zwischen diesen beiden Punkten war der Boden an
verschiedenen Landungsplätzen entweder von niedrigem Ge-
sträuch bedeckt, welches oft mit Wohlgerüchen die Luft er-
füllte, oder (im Oktober und November) nackt, wie die Steppe,
und zwischen vereinzeltem Gestrüpp mit schön blühenden
Kräutern geschmückt. Hier herrschen die Synanthereen in
den mannigfaltigsten Gestalten und Farben ; sie bilden in der
That mehr als den vierten Theil von Hinds Sammlung. Nächst
diesen sind die Euphorbiaceen, Polygoneen und Onagrarien
stärker als die übrigen Familien vertreten : doch enthält das
ganze californische Herbarium nur gegen 200 sp. Physiogno-
misch charakterisiren das dürre, oft sandige Erdreich verschie-
dene Cacteen, von denen zwei Arten, genau bis S. Pedro
verbreitet, den geographischen Umfang des Florengebiets scharf
bezeichnen. — Mit den Mangrovewäldern treten an der Mag-
dalenenbai auch andere tropische Formen in Menge auf,
welche, im Texte mit den Steppenpflanzen Nieder- Californiens
vermengt, geographisch wohl von ihnen unterschieden werden
müssen. Nur die Euphorbia -Sträucher sind beiden Gebieten
der Halbinsel gemeinsam, jedoch durch abweichende Arten
innerhalb und ausserhalb des Wendekreises vertreten. Die
Magdalenenbai erscheint durchaus als scharfe Florengrenze
gegen Norden. Sie hat nebst dem Cap Lucas fast die Hälfte
aller in Hinds californischem Herbarium enthaltenen Gewächse
geliefert. Ob aber diese tropische Südspitze der Halbinsel
ein eigenes drittes Vegetationsgebiet bilde oder zu dem der
mexikanischen Westküste zu rechnen sei, bleibt bis jetzt noch
unentschieden, um so mehr als die meisten der hier gesam-
melten Pflanzen noch unbeschrieben waren. Die artenreich-
sten Familien dieser letztern Sammlung sind: Synanthereen
(}), Euphorbiaceen (±), Leguminosen (t'ö), Gramineen, Sola-
naceen, Malvaceen, Nyctagineen. — Neue Gattungen aus Ca-
lifornien von Bentham: Stegnosperma (Phytolaccee), Serophy-
tum und Eremocarpus (Euphorbiaceen), Helogyne, Perityle,
Pflanzerigeographie währen) dos Jahres 1844. 399
Coreocarpus, Acoma, Amauria (Synanthereen), Eriodictyum
(Hydroleacee). — An der tropischen Südspitze Californiens
sammelte auch F. I). Bennett in kurzer Zeit einige 70 sp.,
die noch nicht publicirt sind (Narrative of a vvhaling Voyage.
London, 1840. 2. p. 18). Er sah dort 15—20' hohe Säulen-
cacten, spricht von der Ueppigkeit des Waldes, von zahl-
reichen Succulenten und Zwiebelgewächsen.
Märten s und Galeotti haben ihre Arbeiten über die
mexikanische Flora fortgesetzt (Bullet, de lacad. de Bruxelles.
1844. Vol. 11. P. 2. p. 61. 185. 319. — 1845. Vol. 12. p. 129) :
darin 74 Labiaten mit der neuen Gattung Dekinia, 39 Verbe-
naceen, 9 Cordiaceen , 30 Borragineen, 63 Solaneen. Die
Farne (470 sp.) und Lycopodiaceen (12 sp.) sind ausführ-
licher von ihnen abgehandelt (Memoires de l'acad. de Bruxel-
les 1842) und durch Kupfertafeln erläutert. — Kunze hat
die von Leibold in Mexiko gesammelten Farne und verwand-
ten Familien bearbeitet (128 sp.) (Linnaea 1844. S. 303— 352).
— v. Seh lech ten dal's fortgesetzte Beiträge zur mexikani-
schen Flora enthalten die Sapindaceen, eine neue Dioscoree
und Hydrotaenia (das. S. 48. 112. 224). — Ein luxuriöses
Kupferwerk über die Orchideen von Guatemala und Mexiko
mit 40 Tafeln hat Bäte man herausgegeben (Orchidaceae of
Guatemala and Mexiko. London, 1843. Imp. fol.).
In seiner Abhandlung über die mexikanischen Farne hat
Galeotti auch deren Verbreitung nach den von ihm ange-
nommenen Regionen untersucht und eine ähnliche Arbeit in
Verbindung mit Richard begonnen, worin die Orchideen von
Mexiko, dem an Formen dieser Familie nach Richard's ürtheil
reichsten Lande der Erde, nach einem Material von 500 Ar-
ten (d. h. ^ aller bekannten) monographisch abgehandelt wer-
den sollen und wovon ein Vorläufer (Comptes rendus 18.
p. 497 — 513) ihre geographische Vertheilung einleitet. Die in
diesen beiden Schriften von Galeotti aufgestellten Regionen
begreifen den grössten Theil Mexiko's, ohne jedoch, wie mit
Liebmann's Charakteristik des Orizaba der Fall war, bis jetzt
auf eine ausreichende Summe von Specialuntersuchungen ge-
stützt zu sein. Erst wenn , wie es ohne Zweifel Galeotti's
Plan ist, eine speciellere Arbeit über die pflanzengeographi-
schen Verhältnisse aller mexikanischen Pflanzenfamilien publi-
400 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
cirt sein wird, kann man den Werth seiner botanischen Glie-
derung des Landes beurtheilen. Die Niveau-Angaben stimmen
nicht immer zu denen Liebmann's, ja zuweilen sogar nicht
unter einander: was dabei unsichere Beobachtung, was lokale
Veränderlichkeit der Pflanzengrenzen sei, lässt sich nicht völ-
lig beurtheilen. In der folgenden Uebersicht von Galeotti's
Regionen sind lokale Verschiebungen in Klammern der Ni-
veau-Angabe beigefügt.
1. Regions chaudes. 0' — 3000' (2500'). Vegetation vom
December bis Mai (Ende Oktober bis Juni) unterbrochen
(languissante) : alsdann die meisten Bäume ohne Laub.
a. Ostküste mit Rhizophoren- Wäldern. Mittl. Temp.
= 25° C.
b. Feuchte Mischwaldungen, jedoch nicht reich an Far-
nen (R. chaude temperee des ravins). Mittl. Temp. = 25°
bis 19° C.
c. Küstenwald am stillen Meer. 25° bis 19°.
2. Regions temperees.
a. Ostabhang. 3000'— 6000' (5500', 7000'). Diese Re-
gion unterscheidet sich von der Küste durch grosse Feuch-
tigkeit und immergrünes Laub. Sie besitzt Farnbäume, Li-
quidambar, immergrüne Eichen (a feuilles luisantes), zahlreiche
Orchideen. M. Temp. = 19° bis 15°. — In Oaxaca ist diese
Region weniger scharf von den übrigen getrennt : hier steigen
die Nadelhölzer abwärts bis 3000', während aufwärts Myrta-
ceen, Melastomen u. a. noch bei 7000' wachsen. Hier ist der
Boden kalkreich; hier fand Galeotti nur 21 Farne, hingegen
auf dem vulkanischen Terrain bei Veracruz in gleichem Ni-
veau 77 sp.
b. Westabhang. 3000' (1000') bis 6500'. Mittl. Temp.
■=20° bis 15°. Hierzu gehört ein grosser Theil von Oaxaca,
Mechoacan und Xalisco. Hier wachsen keine Farnbäume und
überhaupt wenig Farne, aber eine grosse. Menge von Eichen,
viele Orchideen auf deren Rinde parasitisch , einige Palmen.
c. Plateau und Abhänge gegen das Plateau. M. Temp.
= 20° bis 15° (21° bis 18°). Die innern Abdachungen Me-
xiko's weichen botanisch stets vollkommen ab von den Aus-
senseiten, die den beiden Meeren zugewendet sind. Ihr trock-
nes Klima schliesst die Vegetation der Farne und Orchideen
Pflanzengeographie wahrend des Jahres lb44. 401
grösstenteils aus. Die grosse Anzahl von Cacteen giebt die-
sen Hochflächen ihren Charakter: dornige Mimosen und nicht
parasitische Bromeliaceen sind häufig. Die letztern sind auf
Kalkterrain nebst Agave nicht selten die einzigen Gewächse
oder auf anderen Gebirgsarten ist die Fläche weit und breit
von Frosopis dulcis und Mimosen bedeckt. Auch Bronnia
spinosa ist bezeichnend.
3. Regions froides.
a. Ostabhang. Die Ilöhenbestimnmngen der obern Ve-
getationsstufen z. B. am Orizaba sind zum Theil ungenau,
namentlich ist nach Liebmann's Untersuchungen die Angabe
unrichtig, dass die Vegetation schon bei 12500' oder 13000'
aufhöre: daher wir diesen Theil der Uebersicht übergehen. —
52 Farne, die meist auf Kalk wachsen, hat diese Region ge-
liefert, wie auch zahlreiche Orchideen (besonders zwischen
7500' und 8000').
b. Westabhang und Hochgebirge des Plateaus. Bota-
nische Charakteristik fehlt. Die obere Grenze der Vegetation
liegt nach Galeotti am Popocatapetl bei 11500', am Pik von
Toluca bei 13000'.
c. Höchste Flächen des Plateaus. Ohne botanische
Charakteristik.
Die zweite grössere, jedoch noch nicht ganz vollendete
Abtheilung des Werks von II in d s und Bentham (s. o.) be-
greift die amerikanische Westküste von S. Blas (2l°32'N.
Br.) bis Guayaquil (2° 30' S. Br.). Auf dieser langen Küsten-
linie ist die Flora zwar überall feuchtem Tropenklima ange-
messen und das Gestade von dichtem Urwalde bedeckt: aber
die Gewächse nord- und südwärts von Panama sind nicht
dieselben. Ebenso wenig sind die Jahreszeiten gleichzeitig:
die tropischen Regen beginnen zu Guayaquil um Neujahr,
nordwärts treten sie allmählig später ein, so dass ihr Anfang
zu S. Blas in den Ausgang des Juni fällt. Ueberall wird das
Jahr durch sie in zwei Vegetationsperioden geschieden : nur
die Bai von Choco macht hiervon eine Ausnahme, wo die
atmosphärischen Niederschläge zehn bis elf Monate anhalten
und eine ewig grünende und stets blüthenreiche Vegetation
erzeugen. — Die Wälder von Guayaquil scheinen verhältniss-
mässig formenarm, weil die Regenzeit und mit ihr das üppige
Archiv f. IVaturgesch. XI. Jahrg. 2. Bd. C C
402 Grisebaoh: Bericht über die Leistungen in der
Wachsthum der Pflanzen hier, in der Nachbarschaft der Ga-
rua's, nur erst kurze Zeit währen. Von den charakteristi-
schen Tropenformen werden einige vermisst oder selten ge-
funden: so die Epiphyten, Monokotyledonen überhaupt und
Farne. Nördlich von Guayaquil kehren sogar noch einmal
wüste Strecken wieder, in welchen der Küstenfluss bei Sa-
lango (2° S. Br.) einen Flecken Landes mit Tropenwald insel-
förmig bekleidet. Sobald man aber in dieser nördlichen Rich-
tung an der Küste den Aequator überschritten hat, gewinnt
die Vegetation an Mannigfaltigkeit und Kraft. So werden nun
die Orchideen und andere Epiphyten häufiger, der Formen-
reiehthum des Waldes wächst in demselben Maasse, wie die
Dauer der Regenzeit rasch bis zur Bai von Choco zunimmt
(3 — 7° N. Br.), wo die Vegetation der Westküste am reichsten
entfaltet, aber auch zugleich der Wendepunkt erreicht ist. In
diesem, diesseits des Aequators umgrenzten, jedoch aequato-.
rialen Klima besitzt die Westküste ihre einzigen Farnbäume
und eben hier fehlen ihr die Cacteen, die Charakterpflanzen
der amerikanischen Passatfloren. Bei Panama (9° N. Br. ) ist
schon wieder ebenmässiger Wechsel beider tropischer Jahres-
zeiten, und schon hier sind daher auch keine Farnbäume,
keine Scitamineen mehr anzutreffen, wohl aber baumförmige
Cacteen und andere Succulenten. — Aus diesem südlichen
Gebiete der westlichen Passatküste (9° N. Br. bis 3° S. Br.)
stammen die meisten neuen Arten der Sammlung, welche
Bentham beschrieben hat. Nordwärts von Panama ist der
Einfluss mexikanischer Typen bemerklich, die Heliantheen
werden zahlreich, über den Mahagoniwäldern folgt bei Rea-
lejo gleich eine Region von Pinus occidentalis und Eichen
findet man schon 1500' über Acapulco. — Bearbeitet sind
von der reichen Sammlung in den ausgegebenen Heften schon
654 Arten, von den Polypetalen bis zu den Scrophularineen
herabreichend. Artenreichere Familien : Capparideen ( 10 ),
Malvaceen (31), Byttneriaceen (11), Sapindaceen (12), Legu-
minosen (125), Melastomaceen (23), Rubiaceen (39), Synan-
thereen (95), Apocyneen (13), Bignoniaceen (17), Convolvu-
laceen (39), Borragineen (23), Solaneen (25) und Scrophula-
rineen (bis jetzt 17). Bei der beträchtlichen Menge neuer
Arten ist die Zahl der unbeschriebenen Gattungen nicht be-
deutend : Triplandron (Guttifere), Pentagonia (Rubiacee), Oxy-
Pflanzengpographic während (Ips Jahrps lbii. 403
pappus (Synantheree), Stemmadenia 3 sp. (Apoeynee), Dia-
stema (Gasneriacce), Thinogetum (Solanee), Lcptoglossis
(Scrophularinee).
Purdie, ein Sammler für den Garten von Kew, berich-
tet über seine westindische Reise (Lond. Journ. of Bot. 1844.
p. 501 — 533). Er bestieg unter Anderem den Blue Moun-
tains Peak in Jamaika, wo die Gipfelwaldung aus Podocarpus
coriacea (Yakka) bestellt. — Uebrigens geben diese, so wie
Moritz's botanische Briefe aus Cumana und Caracas (Bot.
Zeit. 1844. S. 173. 195. 431), nur Übersichten der gesammel-
ten Pflanzen.
Fernere Beiträge zur Flora von Guiana lieferten Miquel
(Linnaea 1844): einige neue Capparideen , Sapindaceen, Mal-
pighiaceen, Dilleniaceen, Leguminosen, Melastomaceen (Harti-
gia n. gen.), Memecyleen, Passifloreen, Onagrarien, Cucurbi-
taceen, Loranthaceen, Rubiaceen, Convolvulaceen, Cuscuteen,
Bignoniaceen (Callichlamys = Bign. latifolia Rieh.), Avicen-
nien, Nyctagineen, Polygoneen , Piperaceen (Nematanthera n.
gen.) Bromeliaceen, Musaceen, Scitamineen, Hydrocharideen,
Commelyneen, Xyrideen, Aroideen; Steudel (Regensb.
Flora 1844): über Melastomaceen aus Surinam und verschie-
dene Gewächse der bei Hohenacker verkäuflichen Sammlungen
von Hoffmann und Kappler; Rob. Schomburgk (London
Journ. of Bot. 1844. p. 621 — 631): eine neue Rubiacee und
2 Laurineen des britischen Guiana; Berkeley über Stereum
hydrophorum (Ann. nat. bist. 14. p. 327).
Rieh. Schomburgk, Begleiter seines Bruders auf des-
sen letzter Reise im britischen Guiana, hat in seinen Briefen
den Vegetationscharakter der bereisten Gegenden geschildert
(Bot. Zeitung 1844. 1845). Hierdurch erhalten wir eine in-
teressante Ergänzung zu Rob. Schomburgk's früherem Reise-
werk, in welchem die botanische Bestimmung der Pflanzen
noch verrohst wurde, die jetzt, nachdem ein grosser Theil
der frühern Herbarien bearbeitet, zu den Schilderungen des
Landes hinzugefügt werden konnten. Der Urwald am Esse-
quibo, aus welchem die Mora excelsa 160' hoch emporragt,
giebt den ersten Anlass, das darstellende Talent des Reisen-
den zu entfalten.
Nachdem er das gedrängte Wachsthum der Bäume, die
Cc*
404 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
Schlingpflanzen und rankenden Sträucher, welche die Stämme
mit unzerreissbaren Netzen verbinden, nachdem er die Schma-
rotzer der hingestürzten Stämme anschaulich zusammengeord-
net, verweilt er bei einem weniger bekannten Verhältniss, bei
dem Lichte der Trope nwälder. Am Boden vermisse
das Auge die Blüthenpracht anderer Gegenden und blicke
nur auf Pilze, Farne und verwesende Pflanzenorgane: denn
auch um Mittag herrsche im Walde nur ein gemildertes Licht,
da fast nirgends durch die dicht verflochtenen Zweige ein
Streifen des Himmels sich zeigt. Also doch ein gemildertes
Licht unter so dichtem Laubdach, also doch wohl mehr Licht
als in finstern Nadelwäldern: so entscheidet v. Kittlitz über
die merkwürdige und bisher ziemlich unbeachtet gebliebene
Frage, wie doch so wohl Gewächse gedeihen und ihre grünen
Organe athmen mögen im Schatten der dichtesten Vegetation,
welche der Erdboden irgendwo erzeugt (Vegetations- Ansich-
ten S.6): ,,ich war erstaunt", schreibt er, „unter den herr-
lichsten Bäumen, deren weitverbreitete Belaubung den Himmel
fast nirgends durchblicken Hess, doch immer noch so viel
Licht zu sehen." Nicht der senkrechten Mittagsbeleuchtung
war zuzuschreiben, was zu den verschiedensten Tageszeiten
sich gleich blieb, sondern nur jenen zahllosen Lichtwellen,
welche, von oben zwischen den haufenförmig geordneten Laub-
massen in jeder Richtung einfallend, von Stamm zu Stamm
und von Zweig zu Zweig gebrochen, zuletzt die untern Räume
des Dickichts erreichen und hier einen der tropischen Natur
eigenthümlichen Ton matten Glanzes hervorbringen." In der
That, was sollte wohl aus der ganzen Welt von Pflanzen wer-
den, die in eben diesem Schatten zu leben bestimmt sind,
wenn die Natur nicht den Ungeheuern Laubmassen, die ihn
werfen, eine „Bildungsweise und Verth eilung gegeben
hätte, welche den Lichtstrahlen gestattet, wenn auch tausend-
fach gebrochen, doch noch in hinreichender Kraft zu den
unten lebenden Gewächsen zu gelangen." Bestimmter lässt
sich das vorliegende Problem so ausdrücken, es sei zu erklä-
ren, weshalb der Schatten düsterer Laubwälder in der gemäs-
sigten Zone vorzugsweise von durchscheinendem , unter den
Tropen von gebrochenem Lichte beleuchtet werde und wes-
halb die Nadelwälder an diesen beiden Lichtquellen ärmer
und daher so oft von Schattenpflanzen entblösst seien. Man
Pflanzengeographic während des Jahres 1844. 405
denkt hierbei zunächst an die Mimosen und Palmenform, an
die zusammengesetzte und daher unvollständig schattende Blatt-
bildung, welche hierdurch mächtig zum lichten Ton des tro-
pischen Waldes beiträgt: aber die Bäume dieses Charakters
bilden nur einen Bestandteil, nicht das Ganze, worin viel-
mehr an Reichthum der Gestaltung oder Grösse des Laubes
Formen mit einfachen Blättern, wie der Lorbeer- und Bom-
baceen - Typus , überwiegen. Und eben die Form des Lauri-
neenblatts, welche sich in so vielen tropischen Familien wie-
derholt, entbehrt jener durchscheinenden Textur, welcher die
Halbschatten nordischer Laubwälder ihr Licht verdanken. Aber
einen andern, allgemeinern Charakter tropischer Waldbäume
hat v. Kittlitz in der Vertheilung des Laubes angedeutet, der
den erstem zu ergänzen bestimmt scheint. In Klimaten, wo
Kälte oder Trockenheit den Holzgewächsen Winterschlaf ver-
stattet, entwickeln dieselben eine viel grössere Anzahl kleiner
Zweige, welche ein zusammenhängenderes, wenn auch im Gan-
zen armseligeres Laubdach als unter den Tropen zu bilden
pflegen. Dasselbe beschattet daher auch tiefer den Boden,
obgleich es durchscheinender ist, aber nicht so tief wie im
Nadelwalde, dessen gedrängte Nadeln sich opak gegen das
Licht verhalten. Auf der andern Seite ist es offenbar, dass
die ununterbrochene Wärme und Feuchtigkeit des aequatoria-
len Klima's gleich den zuerst gebildeten Aesten eine längere
Dauer sichert, von denen in jedem Winter der gemässigten
Zone viele zu Grunde gehen oder unentwickelt bleiben und
daher in neuen Verzweigungen sich verjüngen müssen, damit
die erforderliche Anzahl von Blättern entstehen könne. Jene
ersten Aeste wachsen dort, die Saftströmungen an sich zie-
hend, im excentrischen Sinne beständig fort und lassen daher
zwischen ihren gipfelständigen, d. h. am jüngsten und weich-
sten Theil entwickelten Laubkronen mehr oder minder weite
Zwischenräume übrig. Unter dieser doppelten Bedingung der
Bildung und Vertheilung des Laubes wird man in jenem Klima
überall „eine gewisse, ganz eigenthümliche Durchbrochenheit"
wahrnehmen, welche bei den Palmen nur am einfachsten und
ausgebildetsten erscheint, selbst an Holzgewächsen, die sonst
mit den letztem am wenigsten zu vergleichen sind und bei
denen die freiere Entwickelung der Stammverzweigungen die-
sen herrschenden Charakter hervorbringt, indem sie das na-
406 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
türliche Gipfelwachsthum der Palme nachahmen und ersetzen.
„ Grosse Massen sehr feinen Laubes erhalten dadurch ein so
leichtes Ansehen, dass sie gleichsam in der Luft zu schwim-
men scheinen: aber auch bis auf das kleinste Farnkraut am
Boden zeigt Alles ein Streben nach excentrischer Ausbrei-
tung, welches den einzelnen Organen nicht gestattet auf ein-
ander zu lasten, sondern in beständig sich kreuzenden Linien
überall Zwischenräume bildet für den Durchgang der Luft
und des Lichts." Hier spricht die Natur den Menschen an,
wie in den edelsten Werken mittelalterlicher Baukunst, deren
Spitzbögen arabischer Herkunft jene Durchbrochenheit bei
riesigen Massen und höchstem Formenreichtum, wie man an-
nimmt, von zwei mit ihren Fiederblättern sich berührenden
Palmenstämmen entlehnt haben.
Als zweite Hauptformation Guiana's beschreibt Richard
Schomburgk die Vegetation der Stromufer am Rande des Ur-
walds, wie sie aus dem nördlichen Brasilien durch v. Martius
und Pöppig allgemeiner bekannt geworden. Das Unterholz
überwindet die zurücktretenden Riesenstämme, ein Gürtel von
Cecropien und Bambusen stellt sich in den Vorgrund, kraut-
artige Lianen überspinnen die Bäume und Gebüsche wie in
einem hochwuchernden Gehäge, an dessen Uferrande schön
blühende Kräuter die reichste Mannigfaltigkeit noch erhöhen.
Vom Essequibo fuhren die Reisenden in den Nebenfluss
Rupununi ein, um die Savannen am See Amuku zu erreichen,
die in diesen Gegenden fast bis zum Wasserspiegel den Rük-
ken des Landes bedecken und von den Strömen nur durch
100 bis 200' breite Waldsäume abgesondert sind. Die Haupt-
masse der Vegetation in der Savanne besteht aus rauhhaarigen,
sparrigen, 3 — 4' hohen Gramineen und Cyperaceen, als Pa-
riana campestris, Chaetospora capitata, Elionurus ciliaris, Se-
taria composita, Mariscus laevis, mit vielerlei stacheligem oder
holzigem Gestrüpp untermengt, z. B. Curatella americana,
Byrsonima, Plumeria, Leguminosen, Myrtaceen, einigen Syn-
anthereen und Malvaceen. Die sumpfigen Stellen bezeichnet
Mauritia flexuosa, nebst Melastomen, Scitamineen, Polygaleen,
Byttneria scabra; die Wasserfläche selbst Pontederia und
Nymphaeen.
Pöppig's Kupferwerk über das tropische Amerika ist
mit den Dekaden 7 — 10 des dritten Bandes geschlossen (Lip-
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1844- 407
siae, 1844. 4.). — Von Orbigny's Reise erschienen Lief.
75 — 78. — Klotzsch hat begonnen, Beiträge zur Flora des
tropischen Amerika aus dein Berliner .Museum zu puldiciren
(Linnaea 1844): bis jetzt kryptogamische Gefässpflanzen und
von K. Müller Laubmoose enthaltend.
In dem zoologischen Werke von v. Tschudi über Peru
findet sich zur Einleitung auch eine interessante Gliederung
der peruanischen Anden nach ihren klimatischen Verhältnissen
und ihrem Vegetationscharakter (Untersuchungen über die
Fauna peruaua. Lief. 1. St. Gallen, 1844. 4.). Perus klima-
tische Regionen, durch die Struktur der beiden Cordilleren,
ihrer Hochflächen und Thäler bedingt und nicht von der Pol-
höhe abhängig, sind nach Tschudi folgende :
1. Westabdachung. (Ohne Wald).
a. Küstenregion. (0' — 1500'). H. Temp. in der heissen
Jahreszeit =27° C, während der Garua's = 19",75. Ein
Sandstreifen von 540 Stunden Länge und 6 bis 20 Stunden
Breite, durch die Flüsse, die ihn vielfach durchschneiden, zu
zwei Uauptformationen gegliedert. Denn die Flussufer bilden
Oasen der Kultur in der peruanischen Küstensteppe, deren
öde Ilügelfläche selbst von feinem Triebsande bedeckt, der
Quellen und in der trocknen Jahreszeit der Vegetation ent-
behrt. Diese heisse, trockne Jahreszeit dauert vom Novem-
ber bis Ausgang April. Die Garua's, ein dünner Nebelschleier,
im August und September am dichtesten, beleben die Steppe
vom Mai bis zum Oktober, vertikal reichen sie in der Atmo-
sphäre nur 1400' hoch. So lange sie herrschen, ist die Steppe
begrünt und treibt viele Lilienformen zur Blüthe. Die süd-
lichen Winde dauern übrigens das ganze Jahr hindurch und
die Entstehung der Garuas hält v. Tschudi noch für unerklärt:
sollten sie nicht als winterliche Niederschläge von einer Ver-
mischung des untern Passats mit den von den Anden herab-
wehenden Ostwinden herrühren, welche während des Sommers
die Feuchtigkeit aus dem Küstenpassat auszuscheiden nicht
im Stande sind?
b. Binnenregion der Küste (1500' -4000). Sie begreift
die fächerförmige Ausbreitung der westlichen Cordillenthäler,
welche zur Zeit der Garuas eine wirkliche Regenzeit besitzt.
M. Temp. in der trocknen Jahreszeit r=29°/25, in der Re-
genzeit = 22°, 75. Die Vegetation ist nicht sehr üppig, aber
408 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
die kultivirten Strecken von ausserordentlicher Fruchtbarkeit.
Das Zuckerrohr gedeiht noch bei 3600' vortrefflich. Unter
den Früchten sind dieser Region Anona tripetala (Chirimoya)
und Passiflora quadrangularis (Granadilla) eigen.
c. Westliche Sierra (4000' — 11500') oder die im untern
Theile sanft geneigte, nach oben steile Abdachung der Cordil-
lere mit ihren engen Qiierthälern. Die Luft ist trocken; im
Sommer sind die Nächte sehr kühl; der herrschende Wind
ist Ost. Im Sommer ist die m. Temp. des Mittags =22°,4,
des Nachts =10°; im Winter m. Tagestemp. =19°. Dies
ist die Region europäischer Cerealien, wo auch die Kartoffel
sehr leicht und im Ueberflusse gedeiht. Oxalis tuberosa (Oca)
beginnt hier. Zu den charakteristischen Gewächsen dieser
holzarmen Abhänge gehören die Cacteen.
d. Westliche Cordillere: begreift die Westabhänge der
Anden oberhalb 11000' und die östliche Abdachung dieses
westlichen Kamms abwärts bis 14000', eine wilde Gebirgs-
gegend mit steilen Felsgehängen, zu kleinen Ebenen erweiter-
ten Thälern und zahlreichen Alpenseen, von Gletschern und
ewigem Schnee umgrenzt. Scharfe, eiskalte Winde aus Ost
und Südost herrschen beständig. IM. Temp. im Sommer des
Tages =+11°, 25, der Nacht = — 7°,1; im Winter, d. h.
während der Regenzeit des Tages = + 7°, 5, der Nacht
==+2°, 6. Die Vegetation reicht bis 15500' und besteht aus
niedrigen Cacteen und Alpenpflanzen.
2. Ostabdachung. (Zwei Regionen waldlos, zwei bewaldet).
a. Puna-Region (11000' — 14000') oder das grosse,
wellenförmig gestaltete Plateau zwischen beiden Cordilleren,
welchem eine mittlere Höhe von 12000' zukommt. Spärlich
bewachsene Flächen wechseln mit ausgedehnten Sümpfen, Seen
und Alpenbächen. Kalte West- und Südwestwinde wehen
das ganze Jahr, am heftigsten vom September bis zum Mai,
mit fürchterlichen Gewittern, die sich in diesen Monaten fast
täglich entladen. Hier beginnt also für den, der von der
Küste ins Innere reist, die Regenzeit in die entgegengesetzte
Jahreshälfte zu fallen. Vom Mai bis Oktober ist der Himmel
heiter, die Nächte sehr kalt. Die Temperatur ist überhaupt
sehr schwankend, sie wechselt in 24 Stunden oft um 22 bis
25 Grade: nicht selten begegnet man auf diesen kalten Höhen
pltözlich warmen Luftströmen aus Südsüdost, die zu Zeiten
Pflanzengeographie wahrend des Jahres 1814. 409
nur 2 bis 3 Schritt breit sind, in andern Fällen aber auch
mehrere hundert Fuss und sich rasch wiederholen (p.XXIV).
Als angenäherte, mittlere Werthe für die Temperatur giebt
Tschudi an: Sommer (November bis April, dort falschlich
Winter genannt) des Nachts = -+-l°,5, des Mittags =8°,75;
Winter ( Mai bis Oktober, dort fälschlich Sommer genannt)
des Nachts = — 6°,25, des Mittags = 12°,1. — Die Vegeta-
tion der Puna ist arm. Stipa lehn herrscht vor: Synanthe-
reen, Malpighiaceen, Leguminosen, Verbenaceen, Scrophulari-
neen und Solaneen werden genannt. Die Gerste reift bei
13050' nicht mehr.
b. Oestliche Sierra (11000—8000), aus weiten, offnen
Flussthälern bestehend, den bevölkertsten Peru's, die durch
felsige Abhänge von tter Puna abgesondert sind. Regenzeit
mit häufigem Hagel von Oktober bis Februar. Während der
Wintermonate (Sommer auch hier im Texte genannt) herrschen
trockene Ostwinde, Nachtfröste treten schon gleich nach dem
Ende der Regenzeit ein und die Cerealien werden geerndtet.
M. Temp. während der Regenzeit des Nachts =-f-5°,l, des
Tags =4-14°,l; während des Winters (März bis September)
des Nachts = — 4°,25, des Mittags = -f- 1 7 ° , 1 . Aber grosse
Lokaldifferenzen finden statt in heissen, windgeschützten Thal-
schluchten, wo Früchte Südeuropa's, z. B. Pfirsiche, zuweilen
noch in einer Höhe von mehr als 10000' gedeihen: Hauptge-
treile scheint Mais. Die Abhänge dieser Region, die gleich
der vorigen waldentblösst ist, besitzen an Cactecn Ueberfluss
und nur an den Flussufern vereinigen sich 20' hohe Gehölze
von Salix Humboldtiana: selbst die europäischen Obstbaume
bleiben in der Kultur zurück. In den Thälern geht die Re-
gion indessen unmittelbar in die Waldregionen über, von
denen sie übrigens durch eine zweite Puna, d. h. durch den
Kamm der Binnencordillere getrennt ist.
c. Obere Waldregion oder Ceja -Region (von Ceja de
la Montagna, d. h. Augenbraue des Gebirgs) (8000' — 5500'):
begreift die östliche Abdachung der Binnencordillere, sodann
deren Westabhang im nördlichen Peru nebst dem Längsthal
des Huallaga. Sie besteht aus schroffen Thälern mit schmalen
bewaldeten Bergrücken. Ihr Klima ist nasskalt und rauh, mit
herrschenden Südwinden. Gegen Abend bilden sicli dichte
Nebel, die während der Nacht über dem Walde ruhen und
410 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
die der Wind vom Morgen bis zum heitern Abend vor sich
hertreibt. Diese Nebel reichen abwärts bis 6500' und lösen
sich oft zu gewaltigen Regengüssen. Unterschiede der Jah-
reszeiten werden nicht erwähnt, so wie auch die Temperatur-
Angaben noch unvollständig bleiben. Niedrige, moosbedeckte
Bäume und Sträucher beginnen schon bei 9500' und nehmen,
je weiter man hinabsteigt, an Grösse und Stärke zu. — Ce-
realien können in dieser Region, der die direkte Sonnen wärme
fehlt, nicht gebaut werden: Kartoffeln wachsen reichlich.
iL Untere Waldregion (5500' — 2000'), aus unermess-
lichen Wäldern, Savannen und Sümpfen zusammengesetzt. Die
Feuchtigkeit ist das ganze Jahr hindurch gross: denn auch in
der trocknen Jahreszeit (Mai bis September) sind Gewitter
häufig. Die eigentliche Regenzeit beginnt im Oktober und
dauert bis März oder April. M. Temp. =30°; bei Ostwind
sinkt die Wärme Nachts bis 18°,75. Dies Gebiet ist der An-
fang von den Urwäldern des Amazonas.
Beiträge zur Flora Brasiliens: Moricand Plantes nou-
velles ou rares d'Amerique. Livr. 8. Tab. 71 — 84. (Geneve,
1844. 4.); Naudin description de genres nouveaux — des
Melastomacees (Ann. sc. nat. 1844. 2, p. 140— 156): Tulas-
nea, Brachyandra , Friocnema, Augustinea, Stenodon, Miocar-
pus; Fischer und C A. Meyer Asterostigma, neue Aroi-
dee (Bullet. Petersb. 3. p. 148); Miers Triuris und Pelto-
phyllum, die neue den Juncaginecn verwandte Familie der
Triurideen bildend (Transact. Linn. soe. 19. p. 77. 155); Sir
W. Hooker and Wilson enumeration of the mosses and
hepaticae, collected in Brazil by G. Gardner (Lond, Journ. of
Bot. 1844. p. 149 — 167); K. Müller Relation über die von
Gardner in Brasilien gesammelten Laubmoose (Bot. Zeit. 1844.
S. 708): ohne Beschreibung der neuen Arten, so dass der
vorhergehenden, auf vollständigerem Material beruhenden Pu-
blication die Priorität der Namen zukommt.
Tenore hat eine neue Aristolochia aus Buenos Ayres,
die er aus Bonpland'schen Sämereien erzogen, publicirt und
bei diesem Anlass die Diagnosen einiger aus gleicher Quelle
herrührender, in seinen Samenkatalogen beschriebenen Pflan
zen wieder abdrucken lassen (Rendiconto di Napoli, 1842.
p. 345—348).
Den Vegetationscharakter der Küste von Valparaiso stellt
Pflanzengeographie während des Jahres 1841. 4(1
die erste Tafel bei v. Kittlitz dar. Es ist der Anblick
einer der trocknen Jahreszeit anheimgefallenen Steppe, deren
nackter Hoden nur Cacteen und stellenweis dorniges Gesträuch
zu erzeugen seheint, wo jedoch im August und September
die reichsten Grasfluren mit ihren Zwiebelgewächsen sich aus-
breiten. Zu den physiognomisch bedeutenden, auf diesem
Bilde dargestellten Gewächsformen gehören die Caven (Mi-
mosa cavenia), der dem Krummholz gleichende Lithi (Ilhus
caustica), Cereus peruvianus, Puretia coarctata, Synanthereen-
sträucher, Bamhusen u. a.
Von IMiers sind zwei Irideengattungen aus Chile aufge-
stellt: Solenomelus (Crukshankia ej. ol.) und Symphostemon
(Sisyrinchium odoratissimum Cav.) (Transact. Linn. soc. 19.
p. 95). — Sir W. Hooker hat den zum Bauholz gesuchten
Alerse-Baum Südchile's als Thuja tetragona bestimmt (LonJ.
Journ. Bot. 1844. p. 144). — Ein essbarer Pilz des Feuer-
landes ist von Berkeley beschrieben: Cyttaria n. gen. neben
Bulgaria, auch eine chilesische Art enthaltend (Transact. Linn.
soc. 19. p. 37).
VI. Australien und oceanische Inseln.
F. D. Ben nett bemerkt, dass dem Mousson entsprechende
westliche Winde sich nicht selten über das stille Meer ost-
wärts bis zu den Societäts- Inseln erstrecken und namentlich
im Februar und März von dort zu Seereisen in südöstlicher
Richtung benutzt werden, also in Gegenden, die übrigens durch-
aus unter der Herrschaft des Südost- Passats stehen (Whaling
Voyage 1. p. 159). Die botanischen Mittheilungen, welche
einen Anhang zu dieser Reisebeschreibung bilden und beson-
ders von den Kulturgewächsen der Südsee- Inseln handeln,
enthalten neben viel bekannten Thatsachen manche polynesi-
sche Pflanzennamen.
Zu den trefflichsten und reichhaltigsten Ansichten bei
v. Kittlitz gehören die Darstellungen der Carolinen, Maria-
nen und des Archipels Boninsima: nur fehlt es denselben
allzusehr an systematischer Bestimmung der abgebildeten Pflan-
zen, ein Mangel, der durch Mertens' frühzeitigen Tod herbei-
geführt worden ist. Tropischer Wald ist ausser von Rugen-
das wohl nicht anschaulicher dargestellt, als in diesen Land-
schaften. Charaktervolle Typen von physiognomischen Haupt-
412 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
formen des tropischen Baumschlages finden sich namentlich
auf folgenden Tafeln: Bombaceenform durch Artocarpus an-
gedeutet (Taf. 10), Bananenf. durch Rhizophoren der Man-
grovewaldung (Taf. 5) und durch von Luftwurzeln getragene
Ficus-Stämme ausgedrückt (Taf. 6), Cycadeenf. (Taf. 11), Pal-
menf. (Taf. 9. 16), Musaceenf. (Taf. 7), Pandanusf. (Taf. 10.
11.12.15), Farnbaumf. (Taf. 16). Ferner von anderweitigen
physiognomischen Formen: Lianenf. (Taf. 8. 15), Freycine-
tienf. (Taf. 6), parasitische Farnf. (Taf. 5. 6), Aroideenf.
(Taf. 7), Agavenf. durch stammlose Arten von Pandanus nach-
gebildet (Taf. 11.12), Farnkrautf. (Taf. 8). — Taf 13 stellt die
Savannen auf den Marianen dar: Grasfluren mit Casuarina,
Cycas und Pandanus.
Der Vortrag von Suttor über Neuhollands Waldbäume
in der Linnean Society enthält nach dem vorliegenden Aus-
zuge nur bekannte Thatsachen (Ann. nat. bist. 13. p. 217). —
Drummond's botanische Briefe von Swan River sind fort-
gesetzt (London Journ. Bot. 1844. p. 263. 300). Sie enthal-
ten grösstentheils Notizen über einzelne an Hooker gesendete
Gewächse. — Die reichen Herbarien, welche Preis s von
Swan River zurückgebracht, werden in einem selbstständigen,
von Lehmann herausgegebenen Werke von einer Anzahl
grösstentheils deutscher Gelehrten ausführlich systematisch
bearbeitet (Plantae Preissianae sive enumeratio plantarum,
quas in Australasia occidentali et mßridionali-occidentali col-
legit L. Preiss. Ed. Chr. Lehmann. Vol. 1. Hamburgi, 1844
bis 1845. 8.). Die Mitarbeiter sind: Bartling, Bunge, Klotzsch,
Lehmann, Meissner, Miquel, Nees v. Esenbeck, Putterlick,
Schauer, Sonder, Steetz, Steudel, de Vriese. — Uebersicht
der abgehandelten Familien mit Bezeichnung artenreicher und
neuer Gattungen: 247 Leguminosen (Meissn.): 63 Acaciae,
10 Chorozema, 15 Gompholobium, 11 Jacksonia, 23 Daviesia,
15 Gastrolobium, 10 Bossiaea; 1 Rosacee (N.); 1 Chrysoba-
lanee (N.); 161 Myrtaceen (Seh.): 15 Verticordia, 14 Caly-
cothrix, Symphyomyrtus n. gen., 15 Eucalyptus, 33 Melaleuca,
10 Beaufortia, 15 Calothamnus; 3 Halorageen (N.); 1 Ona-
grarie (N.); 2 Oxalideen (Steud.); 1 Linee (Barth); 6 Gera-
niaeeen (N.); 2 Zygophylleen (Miq.) ; 25 Diosmeen (Barth);
15 Boronia; 12 Euphorbiaceen (Kl.): Trachycaryon (Croton
sp. Lab.), Calyptrostigma (Croton sp. Lab.), Lopadocalyx u.
Pflanzengeogrnphio während des Jahres 1844. 4J3
gen; 3 Staekhousiaceen (Bg.); 22 Rliamnecn (Steud.) : 10 Po-
maderris, 40 Oryptandra; 13 Pittosporeeft (Putterl.); 17 Po-
lygaleen: (omesperma (Steud.); 15 Tremandreen (Steetz):
11 Tetratheca, Platytheca n. gen.; 10 Sapindaeeen (Miq.); 1
Olacinee (Miq ) ; 1 Hyperieinee (N.) ; 32 Byttneriaceen (Steud.) :
19 Thomasia, Fleischeria n. gen.; 11 Malvaceen (Miq.); 1
Phytolaccee (Lehm.); 5 Garyophylleen (Barth); 5 Portulaceen
(Miq.): Tetragonella n. gen.; 2 Mesembryanthemecn (Lehm.);
1 Frankeniacee (N. ); 20 Droseraceen (Lehm.): 17 Drosera;
8 Cruciferen (Bg.): Monoploca (Lepidii sp. DC); 6 Ramin-
culaceen (Steud.); 44 Dilleniaceen (Steud.): 26 Hibbertia, 11
Candollea; 3 Crassulaceen (N.); 1 Cephalotee (Lehm.); 8
Loranthaceen (Miq.); 31 Umbelliferen (Bg.) : Platysace n. g.,
Schoenolaena n. gen.; 99 Epacrideen (Sond.): 17 Astroioma,
Brachyloma n. gen., 47 Leucopogon, 14 Andersonia); 3 Pri-
mulaceen (N. ); 8 Lentibularien (Lehm.); 6 Scrophularineen
(Bartl.); 5 Solaneen (N.) ; 5 Convolvulaceen (de V.); 5 Bor-
ragineen (Lehm.); 8 Myoporineen (Bartl.); 2 Verbenaceen
(Bartl.); 1 Avicenniee (Miq.); 25 Labiaten (Barth): 6 Colob-
andra n. gen., Anisandra n. gen.; 6 Gentianeen (N.); 1 Apo-
cynee (Lehm.); 5 Loganiaceen (N. ); 4 Rubiaceen (Barth):
69 Stylidieen (Sond.): 64 Stylidium, Coleostylis (Stylidii sp.
Beuth.), Forsteropsis n. gen. ; 18 Lobeliaceen (deV.): 17 Lo-
belia, Viamingia n. gen.; 59 Goodenovieen (deV.): 15 Dam-
piera, 27 Scaevola; 101 Synanthereen (Steetz): 11 Eurybia,
Gymnogyne n. gen., Silphiosperma n. gen., Pogonolepis n. g.,
Pachysurus n. g., Chthonacephalus n. gen., Anisolepis n. gen.,
Pterochaeta n. gen., Chrysodiscus n. gen., Siemssenia n. gen.,
Hyalosperma n. gen., Sclioenia (Helichrysi sp. ): 2 Plantagi-
neen (N.): 208 Proteaceen (Meissn.): 21 Petrophila, 15 Iso-
pogon , 10 Adenanthos, 17 Conospermum, 29 Grevillea, 46
Hakea, 19 Banksia, 22 Dryandra; 16 Thymeleen: Pimelea
(Meissn.); 7 Laurineen: Cassyta (N.); 1 Nyctaginee (N.) ; 6
Polygoneen (Meissn.); 14 Amarantaceen (N.): 10 Trichinium;
14 Chenopodeen (N.); 1 Urticee (N.); 9 Casuarineen (Miq.);
2 Coniferen (Miq.): Actinostrobus n. gen.; 1 Cycadee: Ma-
crozamia (Lehm.). — Demnach bis jetzt etwa 1450 Dikotyle-
donen.
Gunn richtete botanische Briefe von Vandiemensland an
den Herausgeber des London Journal of Botany (1S44. p.485
414 Grisebach: Bericht über die Leistungen in der
bis 496). Er beschreibt eine Excnrsion auf die westlichen
Hochlande der Insel mit Angabe der Fundorte seltener Pflan-
zen und giebt nähere Nachricht über eine neue Art Eucaly-
ptus (E. Gunnii Hook, fil.), welche in» Deeember und Januar
eine grosse Menge zuckerhaltigen und gährungsfähigen Safts
enthalt und deshalb von den Colonisten Ciderbaum genannt
wird. Da derselbe ausgedehnte Gebirgswälder bildet, so
scheint er ein wichtiges Produkt Tasmania's zu werden be-
stimmt. — Neue Algen aus Vandiemensland hat Harvey be-
schrieben (das. p. 407. 428): dabei die neue Rhodomelee Pol-
lexfenia, die auch am Cap einheimisch ist.
Beiträge zur Flora von Neuseeland: Katalog einer neu-
seeländischen Pflanzensammlung von Stephenson, bestimmt
von J. D. Hooker (Lond. Journ. Bot. 1844. p. 411 — 418)
mit wenigen neuen Arten; Hepaticae novae Zeelandiae and
Tasmaniae by J. D. Hooker and Taylor (das. p. 556 — 582);
Diagnosen neuer neuseeländischer Pflanzen von Raoul, als
Vorläufer seines 1846 erscheinenden Kupferwerks (Ann. sc.
nat. 1844. 2. p. 113 — 123) mit den neuen Gattungen: lleo-
dietyon (Pilz), Pukateria (Cornee?), Tetrapathea (Passifloree).
C ölen so' s botanisches Tagebuch während einer mehr-
monatlichen Reise durch das weniger bekannte Innere der
nördlichen Insel von Neuseeland (Lond. Journ. Bot. 1844.
p. 4 — 62) enthält zahlreiche Fundorte und Nachrichten über
neu entdeckte Pflanzen, welche jedoch noch nicht benannt
sind und erst in dem Kupferwerke des Jüngern Hooker wer-
den beschrieben werden.
Von diesem letztern erschienen die ersten drei Lieferun-
gen, eine allgemeine Einleitung über den Vegetationscharakter
hoher Breiten der südlichen Hemisphäre und den Anfang einer
Flora des Aucklands-Archipels enthaltend (The Botany of the
Antarctic Voyage of H. M. Discovery Ships Erebus and Ter-
ror, under the command of Sir J. Ross, by Jos. Dalt. Hoo-
ker. Parti — 3. London, 1844. 4.). Während des Sommers
fast immer in hohen, vegetationslosen Breiten oder auf offnem
Ocean, hatte Hooker beinahe nur Gelegenheit, im Winter oder
Frühling blühende Gewächse der antarktischen Flora zu sam-
meln. Allein er hält diesen Mangel, was die Reichhaltigkeit
des gesammelten Materials betrifft, in der günstigen Lage, die
botanischen Ergebnisse aller frühern britischen Südpolarreisen
Pflanzengeographie Während des Jahres 1844. 415
mitbenutzen zu können, nicht für erheblich, noch weniger be-
deutend aber in Folge einer klimatischen Eigen th um Henkelt,
welche er in der Einleitung entwickelt und als den merkwür-
digsten Charakter/.ug der antarktischen Vegetation bezeichnet.
Schon in Kerguelens- Eiland war er verwundert, dieselben
Pflanzen in Blütlie ZU finden, welche Cook in anderer Jah-
reszeit angetroffen, und diese Erfahrung wiederholte sich spä-
ter allgemein. Das grosse llebergewicht des Wassers in
hochsiidlichen Breiten bewirkt eine Gleichförmigkeit in der
jährlichen Wärmevertheilung, die, je mehr man dem Pole sich
nähert, desto entschiedener zu wachsen scheint. Hier unter-
scheiden sich die Jahreszeiten , nicht wie im Norden durch
ihre Temperatur, sondern fast nur durch den Wechsel des
Lichts: alle Monate sind kalt, aber das Thermometer schwankt,
wie unter den Tropen, zwischen engen Grenzen. Im Gebiete
der treibenden Eisberge, zwischen 55° und 65° S. Br., gab
es während des Sommers selten einen Tag, an welchem die
Temperatur über die Extreme von 0° C. und — 6°,6 G. stieg
oder sank. Hier wechseln schneereiche Südwinde mit nörd-
lichen Luftströmungen, die, mit Wasserdampf beladen, unauf-
hörlich weisse Nebel von unbeschreiblicher Dichtigkeit über
die Meeresfläche ausbreiten. Solche Niederschläge bilden sich
auch auf den Inseln, die dieser Zone benachbart liegen, das
ganze Jahr hindurch aus der Vermischung des Land- und
Seewindes, entziehen ihnen die Vortheile ihres solaren Klimas
und verbannen grossentheils den vom Stande der Sonne ab-
hängigen Temperaturwechsel. Ein so ungastliches, aber gleich-
massiges Klima schliesst zwar jede Mannigfaltigkeit der Ge-
wächsformen aus, verleiht aber den einheimischen Pflanzen
eine Feppigkeit des Wachsthums, deren die arktischen Länder
nothwendig entbehren müssen, weil ihre Vegetation einen lan-
gen Winterschlaf erleidet. L'm so auffallender ist es, dass
ungeachtet so abweichender klimatischer Bedingungen doch
die meisten Gattungen und Formen der antarktischen Flora
in den Hauptzügen mit den arktischen übereinstimmen, nur
die Aucklands-lnseln abgerechnet, welche mit Neuseeland zu
demselben Schöpfungsheerde zu gehören scheinen. Aber bei
solcher Aehnlichkeit «1er Typen sind doch die Species des
südlichsten Gebiets freilich eigenihiinilich, wie von Inseln nicht
anders zu erwarten war, welche nicht bloss klimatisch in
416 Grisebarh: Bericht ü. d. Leist. i. d. Pflanzengeographie etc.
solchem Grade abgeschlossen sind, sondern auch ausser dem
Bereich aller Continente liegen, woher die Meeresströmungen
öde Gestade zu besamen pflegen. Viele antarktische Arten
beweisen den endemischen Ursprung durch den engen Ver-
breitungsbezirk in dem Gebiete selbst. Indessen bleiben die
speciell botanischen Resultate von Hooker's Reise, deren Dar-
stellung seine früheren Mittheilungen an Fülle und Anordnung
des Stoffs weit überbietet, den nächsten Jahresberichten vor-
behalten. — Die Kryptogamen sind übrigens zum Theil schon
im London Journal of Botany für 1844 bearbeitet und zwar:
72 Hepaticae der Aucklands-Inseln von Hooker und Taylor
(p. 366), desgleichen 66 sp. von den Falklands, Cap Hörn
und Kerguelens-Eiland von denselben (p. 454), 73 antarktische
Laubmoose von Hook er und Wilson mit den neuen Gattun-
gen Lophiodon und Hymenodon (p. 533) und 151 antarktische
Lichenen von Hooker und Taylor (p. 634).
Eine besondere Aufmerksamkeit wandte Dr. Hooker auf
die Verbreitung der im hohen Südmeere fluthenden Algen
( Antarct. Voy. lntroduct. ). Macrocystis und Urvillea fanden
sich bis zur Nordgrenze des Packeises allgemein, in einem
Falle reichten sie bis 64° S. Br. : gewöhnlich verschwanden
ie indessen schon viel früher, z. B. südöstlich von Amerika
unter 55° S. Br. In diesem letztern Meridian aber erschien
unter 63° S. Br. eine neue Algenform, welche, schon auf Ur-
ville's Expedition aufgefunden , später als Scytothalia Jacqui-
notii beschrieben ist. Hier wurden an der Küste von Pal-
mers Land auf der Cockburn-Insel (64° S. Br.) keine phane-
rogamischen Gewächse mehr, sondern nur noch 20 Krypto-
gamen angetroffen. Dies scheinen die letzten Pflanzenformen
in der Richtung des antarktischen Pols: denn selbst die Algen
fehlen jener continentalen Küste, an welcher der flammende
Krater Erebus und der erloschene Vulkan Terror sich er-
heben und wo sich der Erdboden im Niveau des Meeres zum
ersten Male von aller Vegetation entblösst zeigte, ein nie ge-
sehenes Schauspiel, vor dem die Natur selbst den höchsten
Norden bewahrt zu haben scheint.
Gedruckt bei den Gebr. Unger in Berlin.
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