vS^%^
[^S
ARCHIV
FpR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VOX A. F. A. 'WZEGMAITXr.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN, PROF. VON SIE-
BOIiD IN FREIBÜRG, DR. TROSCHEIi IN BERLIN, PROF.
A. l/ITAGNEa IN MÜNCHEN UND PROF. RUD. l/TAGUnBR
IN GÖTTINGEN
HERAUSGEGEBEN
TON
Dr. W. f. ERICHSON,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH.-VTILHEtMS-ÜNlTERSITÄT ZU BERLIN.
VIERZEHNTER JAHRGANG,
MIT SIEBEN KUPFERTAFELN.
BERLIN 1848.
IN DER NICOLAl'SCHEN BUCHHANDLUNG.
I^'uck von Gebr. IJiiger in Berlin.
Inhalt des ersten Bandes.
Seite
Zur Kenntniss des Furchungsprocesses im Schneckeneie. Von Dr.
Friedrich Müller in Greifswald. (Hierzu Taf. I.) 1
Beobachtungen und Reflexionen über die Naturgeschichte der Bla-
senwürmer. Von Dr. Rud. Leuckart in Göttingen. (Hierzu Taf.
II. Fig I. u. II.) 7
Beschreibung zweier neuen Helminthen. Von Dr. Rud. Leuckart
in Götlingen. (Hierzu Taf. II. Fig. III. u. IV.) 26
Notiz über die Anwesenheit eigenthümlicher Luftkanäle bei Velella
und Porpita. Von Dr. A. Krohn '. 30
Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. Dritter
Beitrag: Die Gattung Sabellaria Lam. (Hermella Sav.) und
ihre Arten. Von Ed. Grube. (Hierzu Taf. III.) 34
Orchestia Euchore und Gryphus, neue Arten aus der Ostsee, be-
schrieben von Dr. Friedrich Müller. (Hierzu Taf. IV.) ... 53
Ueber die Vermehrungswefse des Chlorogonium euchlorum Ehr.
Von Dr. J. F. Weisse in St. Petersburg. (Hierzu Taf. V.) ... 65
Beiträge zur Kenntniss der Arten von Ctenomys, mitgetheilt von A.
Wagner 72
Älittheilung über eine Original -Abbildung des Dronte (Didus ineptus
Linne) von Roland Savery in der k. k. Gemälde -Gallerie im Bel-
vedere zu Wien. Von Dr. L. J. Fitzinger 79
Ueber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. Von William
Gambel. (Mit Bemerkungen von J. Cabanis.) 82
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. Vom Aka-
demiker Hamel, zu St. Petersburg .... * 118
Zur Kenntniss des Furchungsprocesses im Schneckeneie. Von Hein-
rich Rathke . .' 157
Ueber Echinorrhynchus Tuba. Von Dr. Creplin 163
Beschreibung einer neuen Spulwurm-Art, gefunden im Python bivit-
tatus, nebst vergleichenden Bemerkungen. Von Andr. Retzius.
(Hierzu Taf. VI.) . 166
Zur Anatomie und Naturgeschichte von Angiostoma limacis Duj. Von
Prof. Dr. Friedrich Will in Erlangen 174
Uo-y.
Seite
Beschreibung einiger kleinen Säugthiere aus Syrien und Afrika. Von
A. Wagner 180
Einige nachträgliche Bemerkungen über Gregarinen. Von Dr. A. v.
Frantzius. (Hierzu Taf. VII ) 188
Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer. Von P. Alberg
' Holm. Aus Kröyer's Naturhistorisk Tidsskrift, neuer Reihe,
2tem Bande (S. 465 — 525), übersetzt von Dr. Creplin . . . . 197
Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen enthaltenen Auf-
sätze. Nach den Autoren geordnet 257
Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen enthaltenen Auf-
sätze. Systematisch geordnet 303
Zur Kenntniss des Furchuiigsprocesses
im Schneekeneie.
Von
Dr. Friedrich Müller
in Greifswald.
(Hierzu Taf. I.)
Van ßeneden bemerkt in seiner Entwicklungsgeschichte
der Aplysia depilans bei Gelegenheit des Furchungspro-
cesses: „En meme temps que le vitellus se divise, il sort de
l'interieur nne vesicuJe blanche, contenant un liquide trans-
parent, et qui va se perdre dans l'albumen. Cette vesicule
est quelquefois suivie d'une seconde qui suit la meme marche.
Cette vesicule, simple ou double, sort de la meme maniere
du vitellus des Limaces, et, d'apres M. M, Dumortier et Pou-
chet, des Limnees. Comment faudrait-il la determiner? Sa
constance merite une attention toute particuliere." (Ann. des
Sc. nat, II« Ser. Zool. Tom. XV. 1841. p. 126).
Schon ehe mir diese fridieren Beobachtungen zu Gesicht
gekommen, war auch ich bei Untersuchungen über die Ent-
wicklung einer kleinen Ostseeschnecke '), aus der Gruppe
der Phlebenteres dermobranches von Quatrefages,
>) Das selten über 3 — 4"' lange Thierchen ist schon von O. F.
Müller (Hist. verm. Vol. 1. p. 2. 1774. p. 70) als Fasciola capi-
tata, später von O. Fabricius (Danske Vidensk. Selsk. naturvid.
og math. Afhandl. Anden Deel. 1826. p. 23 und Isis 1845. p.66) als
Planaria limacina beschrieben. Von Johnston ist es (Lond.
Mag. of Nat. Hist. IX. p. 79), wie ich aus einem Citat in Örsted's
Werk über Plattwürmer ersehe, schon richtig als Gasteropod erkannt
und mit dem barbarischen Namen Limapontia (!) nigra belegt
worden. Auf dem Greifswalder Museum hat diesen Hr. Dr. Creplin
in den richtiger gebildeten Ponto limax (varians) umgewandelt.
Archiv f. Naturgesch. XIV. .fabrg. 1. Bd. \
2 Friedr. Müller:
auf ähnliche Bläschen und auf ihre Beziehung zum Furchungs-
process aufmerksam geworden. Die wichtige Rolle, die sie
dabei spielten, Hess mich ein allgemeineres Vorkonnnen der-
selben vermuthen, — eine Vermuthung, die durch die ange-
führte Stelle, wenigstens für die Gasteropoden, vollkommen
bestätigt wurde. Um so mehr fühle ich mich veranlasst, durch
baldige Publication der durch zahlreiche Beobachtungen ge-
wonnenen Resultate die Aufmerksamkeit der Naturforscher
auf diesen Gegenstand zu lenken , der für die Theorie des
Furchungsprocesses von besonderer Wichtigkeit werden dürfte.
Das frisch gelegte Ei unserer Schnecke enthält im nor-
malen Zustande — (die nicht gar seltenen, namentlich für die
Erklärung der Eischalenbildung bemerkenswerthen Abweichun-
gen sind hier ohne Interesse) — ein bis drei eigelbe Dotter
mit zarter Dotterhaut und meist noch mit nicht recht scharf
umschriebenem hellen Fleck als Rest des Purkinjeschen Bläs-
chens, um diese Dotter eine ziemlich dünne, trübe, nur wenig
durchscheinende, anscheinend körnige Eiweissschicht, die von
einer structurlosen, dünnen, durchsichtigen Schalenhaut um-
schlossen ist. Die Form des Eies ist durch den Druck der
benachbarten mehr oder weniger unregelmässig.
Sofort nach dem Legen beginnt das Eiweiss durch Was-
seraufnahme aufzuquellen ; es wird durchsichtiger und zeigt
sich aus kleinen, lose nebeneinander liegenden Zellen beste-
hend; bald lösen sich auch diese Zellen auf und eine ganz
wasserhelle Schicht liegt zwischen dem Dotter und der Schale,
die jetzt zu .einem regelmässigen Ellipsoid ausgedehnt ist,
dessen grosse Axe 4 bis 6 mal den Durchmesser des sphäri-
schen Dotters übertrifft.
Sobald das Eiweiss etwas durchsichtiger zu werden be-
ginnt, — meist schon 10 bis 15 Minuten nach dem Legen, —
fällt in der Nähe des Dotters ein die Eiweisszelien an Grösse
weit übertreffendes Bläschen in die Augen, gefüllt mit einer
schwach gelblichen P'lüssigkeit, in der wenig zahlreiche mole-
culare Körnchen schwimmen. Der Auflösungsprocess der
Eiweisszelien beginnt fast constant an der von diesem Bläs-
chen entferntesten Stelle des Eies und um das Bläschen herum
sieht man, wenn er seinem Ende naht, die letzten Spuren der
Eiweisszelien. — Der Furchungsprocess dagegen geht ohne
Zur Kenntniss des Furchungsprocesses im Schneckeneic. 3
Ausnahme aus von der dem Bläschen zugewandten Seite des
Dotters, und da auch in seinem weitern Verlauf durch die
Lage des Bläschens die Richtung der theilenden Forchen und
der neu sich bildenden Furchungskugeln bedingt wird, mag
dasselbe weiterhin mit dem Namen Richtungsbläschen,
vesicula directrix, bezeichnet werden.
Zunächst nun zeigt sich (Fig. 1), dem Richtungsbläschen
zugewandt, ein hellerer Saum im Dotter; die Dottermasse
zieht sich etwas von der Dotterhaut zurück (Fig. 3,«), ein
ähnlicher Vorgang findet am entgegengesetzten Pole statt und
bald wird eine den ganzen, nun mehr oder weniger in die
Breite gezogenen Dotter durchsetzende Furche bemerklieh
(Fig. 2). Das Richtungsbläschen liegt in der die beiden so
entstandenen Furchungskugeln trennenden Ebene oder dersel-
ben sehr nahe. Eine besondere Haut um die Furchungskugeln
konnte ich noch nicht wahrnehmen, wohl aber meist, nahe
der dem Richtungsbläschen zugekehrten Fläche, in jeder der-
selben einen helleren runden, besonders bei stärkerem Druck
deutlichen Fleck. — Ob es Zufall , dass ich in den um diese
Zeit und später untersuchten Eiern meist zwei kleinere
Richtungsbläschen, in den früher untersuchten meist nur ein
grösseres wahrnahm, oder ob auch dies Bläschen seinen
Furchungsprocess hat, der sich aber auf ein einmaliges Zer-
fallen in zwei beschränken würde, oder ob endlich, wie Van
Beneden annimmt das zweite Bläschen während der Furchung
de l'interieur du vitellus aufsteigt, kann ich nicht bestimmt
entscheiden.
Weiterhin finden sich die beiden Furchungskugeln, jede
von einer besonderen Haut umschlossen und ohne gemeinsame
Haut, meist soweit auseinanderweichend, dass sie nur eben
sich berühren. Eine helle Stelle zeigt sich, dem Richtungs-
bläschen zugekehrt, in jeder Kugel (Fig. 3, b), und durch eine
von dieser Stelle ausgehende neue Furche (Fig. 4) werden
beide Kugeln halbirt und der Dotter ist so durch zwei auf-
einander senkrechte Ebenen, in deren Durchschuittslinie die
Richtungsbläschen liegen, in vier Kugeln zerklüftet. Diese
vier Kugeln (Fig. 5) bieten sich der Beobachtung meist in
einer auf der Sehaxe senkrechten Ebene liegend und verdecken
dann natürlich die Richtungsbläschen (Fig. 5, «), wenn nicht
4 Friedr. Müller:
eine Lücke zwischen ihnen dieselben gewahren lässt (Fig. 5, h)\
leichter fallen sie in die Augen, wenn, wie in seltneren Fäl-
len (Fig. 5, c), die Ebene der Kugeln vertikal steht.
Die vier folgenden Furehungskugeln entstehen nicht durch
ein Zerfallen der vier erst gebildeten in gleiche Theile, son-
dern zeigen sich anfangs als kleine, fast ganz wasserhelle,
nur wenig Dotterkörperchen enthaltende Bläschen, die mit
den älteren abwechselnd an der den Richtungsbläschen zuge-
wandten Seite derselben hervortreten (Fig. 6, a, b), allmählich
mehr Dottermasse in sich aufnehmen und auf der älteren
Kosten zu einer diesen gleichen Grösse heranwachsen (Fig. 7).
Wie sie aus denselben hervorgehen und während ihres Wachs-
thums mit denselben zusammenhängen , ist mir nicht klar ge-
worden. Ihre mit den älteren alternirende Lage wird beson-
ders deutlich, wenn man Eier, deren vier Furehungskugeln,
wie meist der Fall, in einer horizontalen Ebene liegen, (am
besten nach vorherigem Betupfen mit Weingeist) stärker presst
(Fig. 6,<r).
Für den weiteren Verlauf des Furchungsprocesses, der,
wie von den Schnecken bekannt, bis zur Umwandlung des
Dotters in eine Kugel mit wieder fast glatter Oberfläche fort-
schreitet, habe ich die Beziehung der Richtungsbläschen zur
Lage der neuen Furehungskugeln noch nicht specieller nach-
zuweisen vermocht; die Verhältnisse werden durch die grös-
sere Zahl der Furehungskugeln zu complicirt. Im Allgemei-
nen jedoch ist auch jetzt noch ihr Einfluss nicht zu verken-
nen (cf. Fig. 8). — Nach Ablauf des Furchungsprocesses ist
die erste weitere Erscheinung das Auftreten zarter Flimmer-
cilien an der einen (vorderen) Hälfte des noch kugligen Em-
bryo und die damit beginnende Bewegung desselben. Bei
Embryonen , deren Bewegung noch eine sehr langsame war
und nur in leichten Schwankungen, noch nicht in vollständiger
Drehung bestand, fand ich die Richtungsbläschen meist in der
Nähe des vorderen bewimperten Theiles, so dass also dieser
Theil, das Kopfende, dem Ausgangspunkte der Furchung zu
entsprechen scheint. Sobald die Bewegungen des Embryo
einigermassen lebhaft werden, kann natürlich die Lage der
Richtungsbläschen keine constante mehr bleiben ; sie scheinen
jedoch bis zum Ausschlüpfen der (wie bei Doris, Aplysia
Zur Kenntniss des Furchiingsprocesses im Schneckeneie. 5
u. s. w. ) mit iiautiliisartiger Schale und Deckel versehenen,
mittelst der langen Wimpern des grossen zweilappigen Mund-
segels sehr hurtig umherschwimmenden Jungen unverändert
sich zu erhalten.
Dies das Verhältniss der Richtungsbläschen zum Fur-
chungsprocess und ihre muthmassliche Beziehung zur Bildung
des Embryo. — Welches aber ist nun ihre eigentliche Bedeu-
tung? Wo und wie entstehen sie und welchen Zusammenhang
haben sie mit den frühern Vorgängen der Zeugung? — Noch
bin ich zu keinem Resultate darüber gelangt, (was überhaupt
leichter an Schnecken, die nicht durch ihre Kleinheit die Zer-
gliederung erschweren, zu gewinnen sein wird) und kann nur
zwei vereinzelte Beobachtungen anführen, die kaum eine Ver-
muthung in dieser Hinsicht auszusprechen berechtigen. —
Das eine Mal nämlich vermisste ich bei Untersuchung einer
kürzlich gelegten, ausnahmsweise kleinen Eierschnur in allen
Eiern das Richtungsbläschen in seiner gewöhnlichen Form,
fand dagegen in einem einzigen Ei ein ähnliches Bläschen,
anscheinend etwas grösser und mit langen Wimpern besetzt,
durch die es die benachbarten Eiweisszellen in einen lebhaf-
ten Strudel versetzte. Der Dotter erschien homogen, ohne
Spur von Purkinje'scheu Bläschen oder von beginnender Fur-
chung. In einem Theile dieser Eierschnur, der erst nach 24
Stunden untersucht wurde, war noch keine Veränderung der
Dotter eingetreten, während sonst in Tagesfrist der Furchungs-
process fast beendigt zu sein pflegt (bei einer Temperatur
von durchschnittlich +20*^ R.). War dies bewimperte Bläs-
chen ein früherer Entwicklungszustand der Richtnngsbläschen,
und fehlten diese vielleicht eben deshalb, weil sie noch nicht
zur nöthigen Reife gelangt, in den übrigen Eiern?
Ganz ähnliche Bläschen, eine leicht gelbliche Flüssigkeft
mit einzelnen kleinen Körnchen umschliessend wie die Rich-
tungsbläschen , aber mit langen Wimpern besetzt und durch
diese in rascher drehender Bewegung, beobachtete ich ein
zweites Mal in grosser Menge, als ich einen Theil des Ge-
schlechtsapparats, die Theilungsstelle des Ausführungsgangs
der Zwitterdrüse in Eileiter und Samengang mit melireren in
deren unmittelbarer Nähe einmündenden Nebenorganen, unter
das Microscop gebracht, in der aus diesen Theilen ausgetre-
^.
6 Friedr. Müller: Zur Kenntn. d. Furchungsproc. i. Schneckeneie.
tenen Flüssigkeit. In welchem Theile des gerade an dieser
Stelle sehr coinplicirten Apparates sie enthalten gewesen,
konnte ich nicht ermitteln; später habe ich sie noch nicht
wieder gefunden.
Es liegt nahe, bei den langen Wimperfäden dieser Bläs-
chen an die bei unserer Schnecke einfach fadenförmigen, frei-
lich mindestens noch 3 bis 4 mal so langen Spermatozoiden
zu denken. — Doch, es wird gerathener sein, vor der Hand
und bis genügendere Anhaltspunkte vorliegen, auf alle theo-
retisirenden Betrachtungen zu verzichten.
Erklärung der Abbildungen Taf. I.
Von den beigegebenen Figuren sind Fig. 1 —8 unmittelbar aus
dem Text klar. In allen sind die Richtungsbläschen durch a
bezeichnet; wo sie in der Zeichnung fehlen, werden sie durch den
Dotter verdeckt. — Fig. 3 stellt zwei in einer Eierschnur nebenein-
ander gefundene Eier dar, das eine (a) mit zwei Dottern im Beginn
der Furchung, das ändere {b) mit einem einzelnen schon in zwei
Furchungskugeln zerfallenen Dotter; beachtenswerth ist, wie ausser
der Grösse auch die Lage der Richtungsbläschen und der hellen
Stellen des Dotters sie unterscheidet. — Die Figuren 6, c sind nach
mit Weingeist betupften, stärker gepressten Eiern gezeichnet; daher
auch die schärfere Umgrenzung der hellen Flecken der Kugeln.
Fig. 9 — 12 geben eine schematische Darstellung des Furchungs-
processes in seiner Beziehung zu den Richtungsbläschen. Denkt
man sich nämlich dnrch die Mitte des Dotters ein rechtwinkliges
Coordinatensystem der xy% so gelegt, dass die Axe der z durch das
(hier als stets einfach angenommene) Richtungsbläschen geht und die
Ebene der y% die erste Furchungsebene bildet, so geben die Fig. a
die Projection des Dotters und Bläschens auf die Ebene der xy^ die
Fig. ^ auf die Ebene der xz^ die Fig. c auf die Ebene der ys, die
Fig. rf auf eine durch die Axe der % gehende Ebene, welche den
rechten "Winkel zwischen den Ebenen der xz und y% halbirt; und
zwar entspricht Fig. 9 dem in Fig. 1, Fig. 10 dem in Fig. 3, 6, —
Fig. 11 dem in Fig. 5, Fig. 12 endlich dem in Fig. 6 dargestellten
Zustande des Dotters.
ISeobaclitungen und Reflexionen über die iVatur-
geschiciiie der Blasenwürmer.
Von
Dr. Rud. Leuckart
in Göttingen.
(Hierzu Taf. II. Fig. I. u. II.)
Trotz der so sehr überraschenden und wichtigen Entdek-
kungen unserer Zeit in Bezug auf die Entwicklung und die
Lebensverhältnisse der Helminthen , herrscht immer noch ein
grosses, geheimnissvolles Dunkel über die Naturgeschichte der
Blasenwürmer. Wenn es auch sonst vielfach gelungen ist,
die Entstehung jener parasitischen Geschöpfe der Herrschaft
einer autokratischen Generatio aequivoca zu entziehen und
bei ihr mit gleicher Gesetzmässigkeit denselben cyclischen
Verlauf von Erscheinungen nachzuw^eisen, wie bei den übri-
gen Thieren, die minder leicht der unmittelbaren Beobachtung
entgehen, so bot doch immer noch die Gruppe der Blasen-
würmer einen scheinbar ganz mächtigen Anhaltspunkt für die
Anhänger einer Lehre, die, einst von so grossem Ansehn,
allmählich immer mehr zu einem blossen Schatten ihrer frü-
heren Grösse herabgesunken war. Thiere, wie diese, die
augenscheinlich ohne Generationswerkzeuge waren und dadurch
ausser Stande sich befanden, auf geschlechtlichem Wege sich
fortzupflanzen, wie anders konnten sie sich bilden, als unmit-
telbar durch die schöpferisch wirkende Kraft der Natur, viel-
leicht aus einer Masse, die ursprünglich einem andern Orga-
nismus unterthan, jetzt ihm entfremdet, selbstständig zu einem
neuen Wesen sich entwickelt?
Ganz anders aber musste diese Frage sich gestalten, wenn
nur irgend auf eine Weise nachgewiesen werden konnte, dass
die Thiere, welche man den Blasenwürmern zuzählte, nicht
g Leuckari: Beobachtungen und Reflexionen
eigene, ausgebildete Formen seien, sondern bloss unvollstän-
dig entwickelte Individuen anderer Arten. Embryonale Zu-
stände indessen, so musste man bald finden, waren dieselben
wohl schwerlich. Die Cestoden, die einzigen Würmer, die
man nach ihrer gesammten Organisation als deren Mutter-
thiere betrachten könnte, tragen niemals am Ende ihres Kör-
pers jene eigenthümliche, mit wässriger Flüssigkeit gefüllte
Blase, welche die Cystici so auffallend auszeichnet. Doch
eine andere Vermuthung blieb noch übrig. Nicht embryonale
Formen , wohl aber verkümmerte und degenerirte Individuen
von Cestoden konnten die Blasenwürmer sein; Cestoden, die
an ihren Aufenthaltorten nicht alle Bedingungen ihrer Ent-
wicklung gefunden hätten, und deshalb denn auch unvollstän-
dig entwickelt geblieben und selbst in gewisser Beziehung
krankhaft verändert wären. Fand man doch für diese Ver-
muthung einigen Anhalt in dem Umstände, dass die Blasen-
würmer niemals in solchen Organen vorgefunden wurden, wo
die Cestoden vorkommen, und diese wiederum nicht an den-
jenigen Orten leben, welche von den Blasenwürmern zu Wohn-
plätzen erwählt werden. Ueberdiess wusste man, dass auch
sonst wohl Pflanzen und Thiere an gewissen Stellen niemals
ihre vollständige Entwicklung und Geschlechtsreife erreichen
(wie u. a. Ligula und Schistocephalus in den Fischen) und
erst dann zur völligen Ausbildung kommen, wenn sie an einem
neuen Wohnorte günstigere Verhältnisse antreffen. Die Ge-
schlechtslosigkeit der Cystici Hess nun wohl auf diese Weise
sich erklären, allein die Formverschiedenheit von den Cesto-
den war doch, besonders bei Echinococcus, zu gross, als dass
eine derartige Ansicht, wie sie in unsern Tagen vorzüglich
von Dujardin *) und v. Siebold ^) vertreten wurde, ohne
Weiteres ganz allgemein hätte angenommen werden können.
Für die Anhänger der oben erwähnten Lehre von der Gene-
ratio aequivoca waren die beigebrachten Gründe noch nicht
beweisend und zwingend. Selbst v. Siebold 's Ausspruch,
dass der Hakenkranz des Cysticercus fasciolaris aus der Leber
') Histoirc natur. des Helminthes. Paris. Pag. 544 u. 633.
2) Wagner's Handwörterbuch der Physiologie. Art. Parasiten.
Bd. II. S. 676.
über die Naturgeschichte der Blasenwürraer. 9
der Maus in Anordnung und Form seiner Elemente vollkom-
men übereinstimme mit dem Hakenkranz der Taenia crassi-
coUis aus dem Darmkanal der Katze, konnte nicht alle Be-
denken gegen die Identität dieser beiden Geschöpfe hinweg-
räumen. Sieht man ja doch auch in anderen Thieren, dass
gewisse Gebilde bei mehreren bestimmt verschiedenen Arten
vollkommen sich gleichen, wie z. B. in vielen Fällen die Bor-
sten der Chaetopoden.
Nicht uninteressant nun möchte bei der jetzigen Sachlage
vielleicht der Versuch sein, die schwebende Frage auf einem
andern Wege der Entscheidung näher zu bringen, durch die
Untersuchung des anatomischen Baues und der Entwicklungs-
weise der Blasenwürmer. Sehr instructiv war mir in ersterer
Beziehung ein sehr ansehnliches, in den Peritonealfalten an
der ÄJilz eines IMandril auf dem hiesigen physiologischen In-
stitute von mir aufgefundenes Individuum ') des Cysticercus
tenuicoUis Rud. (Fig. I.). Der Leib desselben mass vier und
einen halben Zoll, wovon vier Linien auf den vordem Körper
(Ibid. «), drei Zoll auf den Hals (Ibid. h) und der Rest auf
den eigentlichen Bauch (Ibid. c) der Schwanzblase kamen.
Der Hals, der etwa die Dicke eines kleinen Fingers hatte,
verjüngte sich etwas nach vorn, war aber gegen den vordem
Körper, der eine deutliche Quergliederung besass, immer noch
sehr stark abgesetzt. Schon bei seiner äussern Besichtigung
fiel mir ein eigenthümliches wurmartiges Gebilde (Ibid. d) auf,
welches von dem Körper bis in den Anfang der hintern Blase
hineinragte und in der Flüssigkeit flottirte. Als darauf der
Hals unseres Wurmes durch einen Längsschnitt geöffnet war,
zeigte sich, dass dieser Körper bei einer weisslichen Farbe
eine solide Textur und platte, bandförmige Gestalt hatte. Am
vordem Ende ging derselbe eben so unmittelbar und conti-
nuirlich in das Parenchym des eigentlichen Körpers über, wie
die Haut der Blase und des Halses in dessen äussere Bedek-
kungen. Das freie hintere Ende war hie und da etwas un-
*) Eine vorläufige kurze Beschreibung desselben habe ich vor
einiger Zeit bereits an einem andern Orte (Anatomie und Morpho-
logie der Geschlechtsorgane. Göttingen 1847. S 5. Besonders abge-
druckt aus dem zweiten Bande der Göttinger Studien) gegeben.
JQ Leuckart: Beobachtungen und Reflexionen
regelmässig zerrissen und offenbar im Zustand der Maceratioii,
während der vordere Theil augenscheinlich eine viel festere
Beschaffenheit hatte und seitlich auch an einigen Stellen
(Ibid. e. e. e) durch einen brückenartigen Verbindungsstrang
mit der äussern davon abstehenden Haut zusammenhing. Was
nun diese anatomische Untersuchung an sich schon sehr wahr-
scheinlich machte, dass nämlich das betreffende Gebilde ein
integrirender Theil des vordem Körpers sei, wurde durch
das Mikroscop ausser Zweifel gesetzt. Sehr deutlich sah ich
bei dessen Anwendung sowohl die eigenthümlichen zellgewebs-
artigen Muskelfasern, welche bei den Cestoden unterhalb der
Integumente sich vorfinden, mit den dazwischen eingestreueten
Concrementen von kohlensaurem, an eine organische Protein-
substanz gebundenem, Kalk, als auch zwei parallel neben ein-
ander herablaufende Gefässe, welche offenbar die Nahrungs-
kanäle der Cestoden waren, und endlich eine grosse Menge
von Anhäufungen einer dunklen körnigen Masse, die von
E seh rieht als Brust-, Rücken- und Seitenkörper bezeichneten
Drüsen, welche, wie ich mit v. Siebold vermuthen muss,
die Keimdrüsen des Genitalapparates sind. Daneben aber
weder Eibehälter, noch Quergefässe zwischen den beiden Er-
nährungskanälen, noch sonst auch irgend eine Spur von Glie-
derung. Dass die Nahrungskanäle unmittelbar mit den ent-
sprechenden Gefässen des vordem Körpers zusammenhängen,
kann nicht bezweifelt werden, obgleich ich hiervon, da das
Präparat geschont werden sollte, nicht durch eine unmittelbare
Untersuchung mich überzeugt habe.
Vollkommen gerechtfertigt ist nach dem Ergebniss dieser
Untersuchung der Schluss, dass jener bandförmige Körper im
Innern des Blasenhalses ein Theil des eigentlichen Thierkör-
pers sei, bei dem aber die äussern Bedeckungen von dem
darunter liegenden Parenchym ^) durch die Ansammlung einer
') Interessant ist mir eine Stelle in Rudolphi's Synopsis
(p. 585. §. 5), aus der hervorgeht, dass schon ihm der im Innern der
Schwanzblase flottirende Körper bekannt gewesen sei. Er sagt:
„Quoad Cystica observationem in Cysticerco Delphini, male tarnen
observato, factam solummodo referam; cujus scilicet in vesica cau-
dali deliquescente fila longissima, tenuissima, plana reperi,
über die Naturgeschichte der Biasenwürmer. l\
vvässrigeii Feuchtigkeit getrennt seien. Dass uirklich die Haut
des Blasenhalses denselben früher, vyie ein Integument, über-
zogen habe, geht wohl deutlich genug aus der Verbindung
hervor, in welcher beide, wie erwähnt, durch einige briicken-
artige Stränge mit einander nahe stehen. Dass das betreflfende
Gebilde keine Gliederung mehr zeigt, ist unwesentlich. Auch
sie war unstreitig in früherer Zeit vorhanden und wurde wohl
nur durch den Einfluss jener Flüssigkeit, welche die äussern
Bedeckungen abhob und zu einer Blase ausdehnte, verwischt.
Wie zerstörend überhaupt diese Flüssigkeit auf das Parenchyni
des in ihr flottirenden Körpers einwirkte, war theils aus dem
Zustande der Maceration an dessen hinteren Rändern zu er-
sehen, theils aber auch daraus, dass man am Boden der Blase
eine Menge jener scheibenförmigen Kalkconcremente, hie und
da auch ein Mal das Rudiment einer Faser auffand, die allein
aus dem Körper stammen konnten und damit dann den Nach-
weis lieferten, dass derselbe zum Theil schon durch die Ein-
wirkung der Flüssigkeit aufgelöst sein musste. Unstreitig
haben wir in letzterem auch den Grund für die nur unvoll-
kommene Entwicklung des Geschlechtsapparates zu suchen,
so wie auf der andern Seite für die Verdickung der äussern
Integumente, die an der Blase in Stärke und Festigkeit bei
Weitem die Bedeckungen des vordem unversehrten Körper-
theils übertreffen.
Bei einem solchen hemmenden und zerstörenden Einfluss
dieser Flüssigkeit auf den Körper des Wurms sind wir gewiss
zu der Annahme berechtigt, dass die Ansammlung derselben
nicht in die Grenzen einer normalen Entwicklung des betref-
fenden Thieres fehle, dass sie vielmehr eine pathologische
Erscheinung sei. Sie bietet in ihrem Vorkommen die gros-
seste Analogie mit einem Hydrops. Auch bei diesem sehen
wir häufig, dass die Wandungen des wassersüchtigen Gebildes
allmählich sehr stark sich verdicken, während die umschlosse-
nen Organe nicht bloss in ihrer Function gestört sind, son-
dern bisweilen auch atrophisch werden und degeneriren (so
z. B. der Hoden bei längerer Dauer einer Hydrocele). Selbst
quae microscopio subjecta fere crispata, forsan ob macerationem,
Visa sunt."
\2 Leuckart: Beobachtungen und Reflexionen
die chemische Beschaffenheit der im Innern der Blase befind-
lichen Flüssigkeit spricht für eine solche Analogie. In unserm
Fall ^), wo Herr Dr. Frerichs hieselbst auf meine Bitte eine
derartige Analyse ausführte, enthielten hundert Theile dieser
Flüssigkeit, die alkalisch reagirte,
Wasser 96,66
Albumin 0,28
Fett (Olein) . 0,03
Extractivstoffe und Salze'
(Chlornatriuni), Schwe-
fel- u. phosphors. Na-
tron , sowie — in ge-
ringer Menge — Erd-
phosphate
Bei einer Vergleichung dieser Analyse mit den Angaben
der Chemiker über die Zusammensetzung der hydropischen
Flüssigkeit wird man wenigstens finden, dass die Abweichung
nicht grösser ist, als zwischen den einzelnen Analysen der
letztern allein. (Vergl. Vogel, Pathologische Anatomie. Th. I.
S. 16).
Haben wir so nun erkannt, dass die sogenannte Schwanz-
blase von Cysticercus nur das Produkt einer pathologischen
Wasseransammlung unter den Integumenten ^) ist, so fällt der
3,08
') Die ebenfalls von Dr. Frerichs vorgenommene Analyse der
im Innern einer Echinococcusblase aus der Leber des Schweins ent-
haltenen Flüssigkeit ergab in 100 Theilen:
Wasser 98,56
Natronalbuminat 0,19
Fett 0,05
Extractivstoff 0,26
Chlornatrium, schwefel-'i
und phosphorsaures > . . 0,83
Natron J
Kohlens. Kalk 0,07
Erdphosphate 0,01.
^) Dass übrigens diese Wasseransammlung nicht bloss auf die
hintern Leibessegmente sich zu beschränken braucht ( obgleich letz-
tere allerdings vorzugsweise für dieselbe prädisponirt sind), beweist,
wie mir scheint, der Cyst. pileatus Boj. (Enthelminthica in der Isis
1821. S. 162), eine Form, die ohne Zweifel dadurch entstanden ist,
dass neben dem hintern Leibesende auch das vordere hydropisch
über die Naturgeschichte der Blasenwürmer. "Iß
einzige Grund, welcher die Annahme rechtfertigen könnte, als
seien die dahin gerechneten Geschöpfe eigene und selbststän-
dige Thierformen. Wir können jetzt dieselben nur für ein-
zelne krankhaft veränderte Individuen verschiedener Cestoden
halten, für Taenien, mit denen sie nicht bloss in der Forma-
tion des Kopfes und des vordem Leibes, sondern auch, wie
wir gezeigt haben, in dem ganzen anatomischen Bau vollkom-
men übereinstimmen.
Wie wir in so vieler Hinsicht Gelegenheit haben, den
Scharfblick und richtigen Takt, sowie die genaue Beobachtung
der altern Naturforscher zu bewundern, so auch hier. Bis
auf Bloch, Schrank und Zeder rechnete man (Pallas,
Götze, Gnielin u. A.) ganz allgemein die Cysticercen und
übrigen Blasenwürmer zu dem Gen. Taenia (als T. hydatigena
oder T. vesicularis); ja Tyson, dem wir neben Hartmann
und Malpighi die Entdeckung der thierischen Natur dieser
Geschöpfe verdanken, beschreibt ') die ersteren sehr richtig
als Lumbrici hydropici. In der spätem Zeit indessen, beson-
ders seit Rudolph i, welcher aus den Blasenwürmern (Cystici)
eine eigene, den Nematoden, Acanthocephalen, Trematoden
und Cestoden gleichwerthige Ordnung *) schuf — ein Ver-
fahren, welches von den meisten Zoologen noch bis heute
gutgeheissen wird — ging die ursprüngliche Annahme von
der Analogie und Identität der Blasenwürmer mit den Cesto-
den immer mehr verloren, bis dieselbe endlich in unsern Ta-
gen wieder auftauchte und meines Erachtens als richtig auch
erwiesen werden konnte.
degenerirte. Den in die vordere Blase hineinragenden Stumpf möchte
ich für das Rudiment des von seinen Bedeckungen getrennten vor-
dem Körperparenchyms halten.
') Philosoph. Transact. Vol. XVII. For the year 1693. N. 195.
p. 506. — Act. erudit Lips. 1692. p. 435.
^) Ueber die sogenannte Klasse der Eingeweidewürmer vergleiche
man besonders die Schrift meines Onkels, Fr. S. Leuckart, Ver-
such einer naturgemässen Eintheilung der Helminthen. Heidelberg,
1827, so wie meine demnächst erscheinenden Grundzüge einer natür-
lichen Classification der wirbellosen Thiere, nebst einer Aufzählung
und Beschreibung der um Island bisher aufgefundenen wirbellosen
Seethiere.
14 Leuckart: Beobachtungen und Reflexionen
Bevor ich aber jetzt an den Versuch gehe, die übrigen
Blasenvviirmer, Coenurus und Echinococcus ^), zurückzuführen
auf die bei Cysticercus gefundenen Verhältnisse, habe ich noch
einiges auf die letzterwähnte Form Bezügliches hier zu er-
wähnen.
Durch die schon oben erwähnten Umstände in dem Vor-
kommen der Blasenwürmer gegenüber dem Vorkommen der
entwickelten Cestoden wird es mehr als wahrscheinlich, dass
überall dann nur diese letztern auf die beschriebene \A'eise
hydropisch werden und verkümmern, wenn sie, anstatt in den
Darmkanal zu gerathen, in dem sie (die Arten des Gen. Tae-
nia), wie es scheint, allein die vollständigen Bedingungen ihrer
völligen Ausbildung vorfinden, an eine andere Stelle des Lei-
bes gelangen '*), die für ihre Entwicklung minder günstig und
geeignet ist, wenn sie, wie v. Siebold sagt, sich „verirren".
Dass übrigens bisher die Blasenwürmer fast ausschliesslich ^)
bei Säugethieren beobachtet sind, scheint ganz einfach darauf
sich zu reduciren, dass auch diese Thiere vorzugsweise und
ungleich häufiger, als Vögel, Amphibien und Fische, von den
') Das Genus Anthocephalus, welches wahrscheinlich blosse Ent-
wicklungsformen verschiedener Rhynchobothrius-Arten enthält (vergl.
Dujardin 1. c.p. 545) muss nach den Untersuchungen meines Onkels
(Zoolog. Bruchstücke. Heft I. S. 66) von den Blasenwürmern entfernt
werden, obgleich Rudolphi und auch neuerlich wieder v. Siebold
(a. a. O. S. 676) dasselbe dazu rechnen.
2) Auf welchem Wege die Ueberführung der Taenien in einen
lebenden Organismus geschieht, ist durch die unmittelbare Beobach-
tung noch nicht nachgewiesen. Jedenfalls aber liegt die Annahme
am nächsten, dass dieselben als Keime oder junge Embryonen (vor-
zugsweise durch das Trinkwasser) in den Darmkanal gerathen. Ver-
weilen sie hier, so entwickeln sie sich vollständig, wandern sie von
hier aber weiter, was, wie man bei Distomum, Tetrarhynchus u. a.
nachgewiesen hat, mit Hülfe des Hakenkranzes geschieht, mittelst
dessen sie die Organe durchbohren können, so treten die erwähnten
andern Verhältnisse ein. In manchen Fällen mögen dieselben auch
wohl in das Lumen von grössern Gefässen gerathen und durch die
Bewegung des Blutes eine Strecke weit, bis z. B. in das Gehirn, fort-
gerissen werden.
') Bellingham (Ann. of nat. bist. Vol. XIV. p. 396) fand auch
bei Cobitis barbatula an Leber und Darmkanal einen kleinen kurz-
halsigen Cysticercus mit cylindrischem, unbewaffnetem Rüssel.
über die Naturgeschichte der BlaseiiMÜrmer. ;|5
Arten des Gen. Taenia heimgesucht werden. Worauf es aber
beruht, dass allein diese letztern Cestoden, so viel wir bis
jetzt wissen (wenn wenigstens die Anthocephalen keine Bla-
senwiirmer sind), an jener hydropischen Ansammlung unter
den Integuuienten leiden, können wir nicht bestimmen, obgleich
auch dieser Umstand sehr wahrscheinlich mit bestimmten ana-
tomischen Structurverhältnissen in Zusammenhang steht. Es
wiederholt sich hierin dieselbe Erscheinung, welche wir auch
sonst so häufig wahrnehmen, indem wir sehen, dass vorzugs-
weise bestimmte Thierformen (und Organe) zu gewissen Krank-
heiten und Missbildungen ') sich eignen.
Noch bleibt die Frage zu erörtern, in welchem Alter die
Taenien, um zu Cysticercen zu werden, von der Hydropie
heimgesucht werden , ob schon bei den Embryonen sich die
Wasseransammlung einstellt, oder erst später, nachdem die-
selben bereits eine Zeitlang fortgewachsen sind und bis zu
einem gewissen Punkte ganz normal sich entwickelt haben.
Mögen nun hier auch mancherlei Verschiedenheiten vorkom-
men , so glaube ich doch im Allgemeinen mich unbedingt fiir
die letztere Annahme entscheiden zu müssen. Bei dem oben
beschriebenen Cysticercus tenuicollis wenigstens war der Kör-
per ursprünglich in geraumer Länge entwickelt und erst all-
mählich durch die Einwirkung und den Druck der hydropi-
schen Flüssigkeit zum Theil verkümmert und zerstört. Noch
auffallender ist dieses Verhältniss bei C. fasciolaris, der durch
die so sehr beträchtliche Länge seines vordem Körpers sich
auszeichnet und dadurch denn auch am auffallendsten an die
Taenien sich anschliesst. Auch die zahlreichen Verschieden-
heiten in der Grösse der Schwanzblase bei dem letzteren, die
schon Götze ^) kannte, scheinen auf ein spätes Entstehen
und ein allmähliches W^achsen derselben zu deuten.
Dass übrigens die Cysticercen, wenn sie zufällig unter
andere günstigere Verhältnisse gerathen, ihre Schwanzblase
•) Man vergleiche hierüber meine von der Göttinger medicini-
schen Fakultät im Jahre 1845 gekrönte Preisschrift, de monstris
eorumque de caussis et ortu. p. 9.
2) Versuch einer Naturgeschichte der Eingeweidewürmer thieri-
scher Körper. Blankenbg. 1784. S. 244.
16 Leuckart: Beobachtungen und Reflexionen
verlieren und ihre normale Gestalt bekommen können, scheint
mir sehr glaublich, Wisseji wir doch, dass die Bandwürmer
sehr leicht ihre Glieder bis auf den Kopf verlieren, und dass
dieser dann allein im Stande ist, durch unvollkommene Quer-
theilung eine ganze neue Kette von Gliedern zu reproduciren.
Derselbe Process bei den Cysticercen ^) wird, wenn dieselben
unterdessen in einen geeigneteren Boden überpflanzt worden
sind, mit Nothwendigkeit aus ihnen bestimmte Taenien ent-
wickeln. Welche Arten aber hier den verschiedenen Cysti-
cercusformen entsprechen, wissen wir noch nicht — vielleicht
mit Ausnahme der Taenia crassicollis, in welche nach einer
sehr wahrscheinlichen Vermuthung v, Siebold 's der Cysti-
cercus fasciolaris sich verwandelt, wenn er aus der Leber der
Mäuse in den Darmkanal der Katzen gelangt.
Die äussere Hülle, in welcher die Cysticercen meistens
eingekapselt sind, gehört überall dem Organe, in dem diesel-
ben vorkommen, und bildet sich um sie, wie um andere fremde
Körper, in Folge der Exsudation eines Blastoms im Umkreise.
Dass dem so sei, beweist theils die chemische Analyse, die in
ihr eine andere Zusammensetzung, als in den Integumenten
der betreffenden Würmer nachweist (vergl. die Schlussbemer-
kung dieser Abhandlung), theils auch die Beobachtung, dass
die Cysticercen (z. B. im Hirn) derselben bisweilen entbehren.
Haben wir nun ein Mal die Cysticercen als unausgebil-
dete und krankhaft veränderte Taenien erkannt, so liegt die
Vermuthung sehr nahe, dass auch die übrigen bekannten Bla-
senwürmer, Coenurus und Echinococcus, die in der Gestalt
ihres Kopfes mit jenen eine so grosse Uebereinstimmung zei-
gen, ganz dieselbe Bedeutung besitzen. Allerdings ist nicht
zu verkennen, dass zur Hervorbringung einer derartigen Form,
wie die letzterwähnten Geschöpfe sie darbieten, auch noch
anderweitige morphologische Processe von der Natur zu Hülfe
genommen seien, Processe, von deren Einsicht das ganze Ver-
ständniss der betrejQfenden Bildungen abhängt.
') Schon an ihren gewöhnlichen Wohnplätzen scheinen diese
Geschöpfe bisweilen ihre Schwanzblase zu verlieren. So beobachtete
Götze (a. a. O.) einst einen C. fasciolaris, dessen Hinterleib voll-
kommen unverletzt und von der Blase getrennt war.
über die Naturgeschichte der BlasenwGrmer. 17
Beginnen wir hier mit der einfachsten Form, mit der Be-
trachtung des Coeniiriis, dessen Verhältniss zu dem nahe ver-
wandten Cysticercus bereits die altern Zoologen ganz riclitig
beurtheilt haben. Schon die von diesen gebrauchten Bezeich-
nungen, wie Taenia multiplex, T. vesicularis u. a. lassen wohl
deutlich erkennen, dass sie den Coenurus bloss für eine Co-
lonie von Cysticercen hielten, wie die Corallen für eine Co-
lonie von Hydren. Wie vollkommen naturgemäss eine solche
Anschauung sei, haben die neuern Untersuchungen ^) über die
Bildung der betreffenden Form gezeigt. Die einzelnen soge-
nannten Köpfe ,^ die übrigens neben einer vordem Anschwel-
lung mit Sauggruben und Hakenkranz auch einen quergerun-
zelten Körper besitzen, welcher unmittelbar in die gemein-
schaftliche Blase übergeht, wie bei Cysticercus der einfache
Körper in die Schwanzblase, entstehen an letzterer allmählich
immer in grösserer Anzahl durch eine Knospenbildung, und
zwar ursprünglich als höckerförmige Erhebungen auf der in-
nern Fläche, die erst später, wenn sie eine bestimmte Grösse
erlangt haben, nach aussen sich vorstülpen und mit Sauggru-
ben und Haken sich versehen. Das ganze Gebilde ist dem-
nach gleichzusetzen einem Cysticercus, bei dem durch eine
Knospenbildung aus der Schwanzblase allmählich eine grössere
Menge von Leibern hervorgewachsen sind, die unter sich und
mit dem Anfangs allein vorhanden gewesenen Bandwurmkör-
per vollkommen übereinstimmen. Der Annahme, dass nun
auch wirklich Coenurus auf solche Weise aus einer wasser-
süchtigen Taenia sich entwickelt habe, steht Nichts im Wege.
Die Möglichkeit einer Knospenbildung, der einzige Punkt, um
welchen die Frage sich dreht, können wir nicht in Abrede
stellen. Schon der Umstand verbietet dieses, dass die Anbil-
dung der Glieder bei den Cestoden durch den Process der
(unvollkommenen) Selbsttheilung vermittelt wird, und dass,
wie wir wissen, unendlich häufig neben dieser zugleich eine
Vermehrung durch (unvollkommene) Knospenbildung auftritt.
Bei den ausgebildeten Taenien ist man bisher einer Knospen -
bildung nun allerdings nicht auf die Spur gekommen, doch
dieses ist kein Grund gegen unsere Annahme, denn theils mag
•) So von V. Siebold a. a. 0.8.57^
Archiv f. IVaturaresch. XIV. .lahrsr. 1. Bd.
lg Leuckart: Beobachtungen und Reflexionen
gerade der abweicliende Zustand, in welchem die Schwanzblase
durcli die hydropische Ausdehnung sich befindet, einem der-
artigen Process sehr förderlich sein, theils aber auch die Hem-
mung des ganzen Thieres auf einer unvollkommenen Entwik-
kelungsstufe, die in Folge der krankhaften Degeneration ein-
getreten ist. Wir sehen ja überall, dass das jugendliche Alter
vorzugsweise zur Production einer Nachkommenschaft auf un-
geschlechtlichem Wege befähigt, dass Quertheilung und Knos-
penbiidung unendlich häufiger vor der Geschlechtsreife sich
vorfinden, als nachher. Das letztere ist sogar verhältnissmäs-
sig so selten, dass es von Steenstrup ') vollkommen ge-
leugnet werden konnte.
W^as endlich die Möglichkeit einer Knospenbildung bei
Cysticercus über allen Zweifel erhebt, ist die direkte Beob-
achtung. Schon der treffliche Bremser^) fand einst unter
einer Menge frei in der Leibeshöhle von Mus arvalis schwim-
mender Cysticercen (wahrscheinlich C. longicollis, von welcher
Art wenigstens in Bremser's Jcones helminthum ein förmliches
Monstrum duplex abgebildet ist) an der Schw^anzblase bei
einigen zwei, bei andern sogar drei Körper heraushängen, die
mit ihrem Halse, wie mit einem Stiele, derselben aufsassen.
Bremser selbst schon reducirt diesen Fall auf eine Fort-
pflanzung durch Ableger und vergleicht dieselbe mit der ana-
logen Erscheinung bei den Corallen, Polypen u. s. w\ Auch
fügt er hinzu, dass auf ähnliche Weise vielleicht die Köpfe
von Coenurus entständen, eine Vermuthung, die, wie ange-
führt, jetzt vollkommen bestätigt ist. Auch Rudolphi er-
wähnt ^) mehrerer zweiköpfiger Individuen von Cysticercen,
besonders bei C. tenuicollis und C. crispus. Ob ausserdem
noch die von Götze ^) und neuerdings von Bendy ^) beob-
achteten Fälle hierher gehören, wage ich nicht zu entscheiden.
Doch möchte ich dieselben nach den , vorliegenden Beschrei-
') Untersuchungen über das Vorkommen des Hermaphroditismus.
S.104.
*) Lebende Würmer im lebenden Menschen. S. 62.
3) L. c.p.599.
") A. a. O. S. 240.
") Oken's Isis vom Jahre 1844. S. 813.
über die Naturgeschichte der Blasenwürmer. |9
bungen lieber einem andern Processe unterordnen. Doch
davon später.
Nach solchen Beobachtungen sind wir meines Erachtens
vollkommen zu der Annahme berechtigt, dass die als Coenu-
rus bekannte Form der Blasenwürmer ein blosser durch un-
vollständige Knospenbildung zu einer förmlichen Colonie her-
angewachsener und ausgebildeter Cysticercus sei. Was wir
oben daher von diesem gesagt haben, gilt in gleichem Maasse
von Coenurus. Woher es -aber komme, dass, wenn auch
nicht ausschliesslich, doch vorzugsweise in dem Gehirn, wo
Coenurus sich vorfindet, eine wassersüchtige Taenia Knospen
an dem blasig ausgedehnten Leibe treibe, können wir noch
nicht beantworten. Jedenfalls müssen die äussern Bedinfrun-
gen dem Zustandekommen eines solchen Processes sehr gün-
stig sein, obgleich, wie wir wissen, auch bisweilen ganz ein-
faclie Cysticercen (besonders C. cellulosae beim Schwein) im
Gehirne angetrofi'en werden.
Viel verwickelter als bei Coenurus, werden die Verhält-
nisse bei Echinococcus. In gleichem Masse steigt dabei auch
die Schwierigkeit einer Erklärung. So viel indessen wird
auch hier auf den ersten Blick wohl klar, dass zu der Pro-
duction einer Form, wie Echinococcus sie darbietet, ebenfalls
eine Knospenbildung an der Mutterblase unumgänglich noth-
wendig ist Auch ist das wirkliche Vorkommen derselben
durch die Untersuchungen von Chemnitz^), J. Müller"-)
und V. SLebold^), denen ich noch meine eigenen anreihen
kann, ausser allen Zweifel gesetzt. Auch hier erheben sich
auf der innern Fläche der Mutterblase, wie ich mehrfach ge-
sehen habe, höckerförmige Excrescenzen, die allmählich, doch
ohne nach aussen sich hervorzustülpen, wie bei Coenurus, je
zu einem sogenannten Echinococcusköpfchen sich umgestalten *),
') De hydatid. Echinoc. hom. Dissert. 1834.
2) Müller's Archiv. 1836. S. CVII.
3) Burdach's Physiologie Bd. II. 1837. S. 183.
"*) Nie habe ich, wie v. Siebold, gesehen, dass die Echinococ-
cusköpfchen im Innern eines besondern kleinen, auf der Innenfläche
der Mutterblase hervorkeimenden Bläschens sich entwickeln und erst
durch das Bersten des letztern frei hervortreten.
2*
20 Leuckart: Beobachtungen und Reflexionen
das, wie die beigefiigte *) Abbildung (Fig. II.) zeigt, aus einem
vordem taenienartigen Kopf (mit vier vorspringenden Saug-
näpfen und einem centralen hakentragenden Rüssel) besteht
lind einem kurzen cylindrischen Leibe. An letzterem konnte
ich weder äusserlich eine deutliche Quergliederung, noch in-
nerlich eine bestimmte anatomische Structur wahrnehmen.
Man sieht in einem körnigen Stroma nur eine Menge jener
kalkigen Concretionen, die allenthalben im Leibe der Cestoden
vorkommen und hier vorzugsweise auf den hintern cylindri-
schen Körper sich beschränken. Befestigt wird ein jeder ein-
zelne Körper auf seinem Mutterboden durch einen dünnen,
stielförmigen Anhang, der in das hintere abgerundete Ende,
wie der sogenannte Schvvanz in den Leib der Cercarien, ein-
gepflanzt ist und eine deutliche Muskulatur erkennen lässt.
In diesem Zustand nun zeigt der Körper ganz deutliche und
kräftige Bewegungen, durch die er auch wohl bisweilen von
seinem Mutterboden sich losreissen mag. Ob übrigens diese
Trennung, wie allgemein angenommen wird, die Regel sei,
wage ich nicht zu entscheiden. So viel aber sah ich ganz
deutlich , dass bei Weitem die meisten freien Würmchen be-
reits abgestorben waren. Die wenigen, die im freien Zustande
noch eine völlige Integrität besassen , mögen vielleicht erst
bei der Präparation abgerissen sein. W^enigstens trugen die-
selben sonst alle noch ihren Stiel. Von dem Mutterboden
getrennt, scheinen sie bald dem Process der Auflösung an-
heimzufallen. Sie eontrahiren sich, verlieren ihre Haken und
schrumpfen allmählich in eine unförmliche bräunliche Masse
ein mit undeutlichen, zerrissenen Contouren, in eine Masse,
die nur noch durch die Menge jener Kalkkörperchen und die
zahlreichen Uebergänge zu der Gestalt der lebenskräftigen
Würmchen ihren Ursprung beweist. Tausende solcher abge-
storbenen Körper liegen dicht neben einander auf dem Boden
der Blase.
Man sieht, wie aufi"allend sich in mancher Beziehung ein
•) Die zahlreichen vorhandenen Abbildungen, selbst die von
Bremser, stellen alle die Echinococcen nicht im Zustand der vollen
Lebenskräftigkeit und Integrität dar, sondern wie sie nach dem Tode
mehr oder minder verändert und macerirt sind.
über die Naturgeschichte der Blasenwürmer. 21
Echinococcus von einem Coennrus unterscheidet, wenngleich
beide in dem einen wesentlichen Punkte, die Fortpflanzung
durch Knospen betrefi"end, iibereinstinmieu. Bei Echinococcus
aber ist die ursprüngliche Bandwurmform vollkommen ver-
loren gegangen. Kein nach aussen vorragender Leib verräth
die Entstehung aus einem Cysticercus. Indessen ist doch die
Analogie, auch in dem Auftreten der Mutterblase, nach meiner
Meinung zu zwingend, als dass man nach einer andern Ent-
stehungsweise, die auch kaum möglieh scheint, sich umzusehen
hätte. Dass von dem ursprünglichen Bandwurmkörper keine
erkenntliche Spur mehr vorhanden ist, scheint mir darauf hin-
zudeuten, dass bei der jungen Taenia, die in die Blasenwurm-
form sich umwandelte, nicht bloss, wie bei Cysticercus und
Coenurus, der hintere Theil des Leibes, sondern der ganze
Körper durch die hydropische Ansammlung bis auf die äus-
sern Integimiente zerstört und zu einer Blase ausgedehnt
wurde. Bei dieser Umwandlung würde der Kopf (wie bei
dorn oben erwähnten Cyst. pileatus) vollkommen verwischt,
der Hakenkranz verloren gegangen sein. Von der frühern
Taenia bliebe dann nur noch eine mit Wasser gefüllte Blase,
auf deren innerer Fläche, wie bei Coenurus, die Leiber, die
hier nur sehr klein bleiben, hervorkeimen. Durch die Ent-
wicklung des hintern dünnen Stieles, der schon frühe angelegt
wird, möchte aber hier ein Hervorstülpen nach aussen, wie
es bei Coenurus eintritt, unmöglich werden. Die Knospe
bleibt beständig an der Innern Wand befestigt, organisirt sich
N indessen aiich so, der ihr innewohnenden Tendenz gemäss,
zu einem taenienartigen Würmchen.
Was bei diesem Process besonders auffallend erscheinen
«luss, ist der Uinstand, dass eine ganz einfache Blase ohne
alle weitere Zusammensetzung noch zur Fortsetzung des Le-
bens und selbst zur Production einer Brut befähigt ist — ein
Verhältniss, welches übrigens auch schon an der Schwanzblase
von Cysticercus bei der Umbildung in die Form des Coenurus
auftritt, da auch diese weder durch Gefässe, noch nachweis-
lich durch Nerven mit dem vordem unverletzten Körper in
Verbindung steht. Aufs Neue zeigt uns dieser Umstand die
Mangelhaftigkeit unserer jetzigen Kenntnisse von den Bedin-
gungen und den Verhältnissen des Lebens bei den niederen
22 Leuckart: Beobachtungen und Reflexionen
Thieren. Wie er auf der einen Seite den Beweis liefert, dass
unter gewissen Umständen schon die einfachsten Striicturver-
hältnisse zu einer bestimmten Lebensäusserung hinreichen, so
lässt er auf der andern Seite auch die Unhaltbarkelt der An-
nahme erkennen, dass ein jeder Organismus, er möge noch
so tief stehen, doch immer aus einer grössern Summe von
Organen und anatomischen Systemen zusammengesetzt sein
müsse. > ,
Die Fortpflanzung der Echinococcusblase beschränkt sich
übrigens nicht bloss auf die Production jener sogenannten
Köpfchen. Nicht selten findet man vielmehr in ihnen wiederum
auch grössere oder kleinere Blasen von derselben Beschafi"en-
heit und denselben Fähigkeiten, wie die aus der Degeneration
einer Taenia entstandene primäre Mutterblase. Mitunter kom-
men sogar solche Einschachtelungen von drei, vier oder fünf
Generationen vor. Diese eingeschlossenen Blasen nun, von
denen manche übrigens steril bleiben, d. h. keine Würmchen
hervorknospen lassen, können möglicher Weise auf zweierlei
Art entstanden sein. Entweder können sie nämlich, wie. die-
ses Bremser ') bei der Untersuchung einer Echinococcus-
colonie aus den Lungen eines Dromedars wahrgenommen zu
haben glaubte, dadurch entstehen, dass die kleinen aii der
Innenfläche der Mutterblase hervorgeknospeten Würmer sich
ausdehnen und zu neuen Blasen (einer zweiten, dritten u. s. w.
Generation) sich umgestalten, oder sie können auch unmittel-
bar, wie jene Köpfchen, aus der Wand der primären Blase
hervorkeimen und erst später durch Abschnürung frei werden.
Für die erstere Entwicklungsweise spricht ausser der Brem-
ser'schen Beobachtung, die übrigens nicht näher mitgetheilt
wird, besonders die Angabe von v. Siebold, dass er öfters
an ihnen äusserlich anhängende Häkchen, die er für Reste
eines zerstörten Hakenkranzes halten möchte, und sogar Ueber-
bleibsel von Saugnäpfen glaube gesehen zu haben; eine An-
gabe, welche die ganze Frage erledigen würde, wenn sie mit
Bestimmtheit ausgesprochen wäre und darum keinen Zweifel
zuliesse. Um so erwünschter würde ein derartiger Nachweis
sein, als er eine sehr passende Analogie zu der von mir an-
') A. a. O. S 62.
über die Naturgeschichte der Biaseriwürmer. 23
genoninienen Entstehuiigsweise der ersten Mutterblase lieferte.
Meine eigenen Untersuchungen haben mich leider zu keinem
bestimmten Resultate über diesen Vorgang kommen lassen.
Nie sah ich Etwas, welches einer solchen Umwandlung eines
Echinococcusköpfchens nur ähnlich gewesen wäre. ln\ Gegen-
theil sah ich letztere nach dem Tode immer nur mehr oder
minder aufgelöst und meistens sogar ohne deutliche und scharfe
Begrenzung, wie sie doch bei einer derartigen Metamorphose
zuerst miisste erkannt werden können. Zugleich aber beob-
achtete ich zuweilen, dass eine kleinere Blase an der innern
Wand einer grössern Blase befestigt war; ein Fall, der viel-
leicht eher für die letzterwähnte Entwicklungsweise spräche.
Das Auftreten einer neuen nachgebildeten Generation im
Innerji der primären Mutterblase scheint übrigens auch bis-
weilen, wenngleich unendlich viel seltener, bei Cysticercus
sich zu finden. Hierher möchte ich wenigstens den schon
oben angeführten Fall von Götze ziehen, wo sich im Innern
der Schwanzblase von Cyst. fasciolaris eine kleinere Blase mit
einem dunklen Punkte fand, die Götze für ein Junges hielt.
Auch vielleicht den Fall von Bendy. Ebenso giebt Tschudi*)
an, dass man bei Cyst. pisiformis schon in einer „Blase"
(Schwanzblase?) eine grosse Menge kleinerer Blasen mit mehr
oder weniger ausgebildeten Cysticercen gefunden habe. Sollte
ein derartiges Verhältniss in der Folge sich bestätigen, so
würde die zweite der möglichen Entstehungsweisen bei den
eingeschlossenen Mutterblasen von Echinococcus einen neuen
Anhaltspunkt gewinnen, da wohl schwerlich hierbei eine Um-
wandlung eines Cysticercuskopfes in die innere Blase wird
stattgefunden haben.
Was ich hier über die Blasenwürmer gesagt habe, bedarf
unstreitig vielfach noch der Bestätigung. Sollte es aber auch
nur in den Hauptzügen der Wirklichkeit entsprechen, wie ich
unbedingt glaube, so wäre damit für unsere Kenntniss von
den niedern Thierformen schon immer Vieles gewonnen. Zu-
nächst hätten wir dann die Aufgabe, den Nachweis zu liefern,
welches die Blasenwurmform der einzelnen Cestoden sei. Nur
') Die Blasenwürmer. Ein monograph. Versuch. Freiburg 1837.
S. 25.
24 Leuckart: Beobachtungen und Reflexionen
von der Taenia crassicollis können wir erst mit Wahrschein-
lichkeit vermuthen, dass sie, entstellt durch den hydropischen
Process, den Cysticercus fasciolaris der Zoologen bilde. Ob
wir übrigens bei einem solchen Nachweis allein mit einer
etwaigen üebereinstimmung in der Form der Haken des Rüs-
sels uns begnügen dürfen, weiss ich nicht. Wenigstens dürfen
wir nicht vergessen, dass die charakteristische Form derselben
erst allmählich sich hervorbildet und z. B. bei den Embryonen
eine andere ist als bei den entwickelten Individuen derselben
Species. Jedenfalls aber seien die merkwürdigen Blasenwurm-
formen der Aufmerksamkeit der Naturforscher angelegentlichst
empfohlen. Ihr näheres Verständniss wird vielleicht noch ein
grosses Licht auf unsere dermalen noch immer sehr dürftige
Kenntniss von den Infusorien^) werfen, auf diese räthselhaften
Geschöpfe, die, wie die Blasenwürmer, beständig der Ge-
schlechtstheile ermangeln und besonders dadurch heraustreten
aus der Reihe der übrigen Thiere , die im Zustande der völ-
ligen Ausbildung alle mit jenen Organen versehen sind.
Schliesslich will ich nur noch erwähnen, dass, ebenfalls
nach den Untersuchungen von Dr. Frerichs, die Zusammen-
setzung der Mutterblasen von Echinococcus (nicht aber der
äussern dieselben umkleidenden Cyste, die, wie bei Cysticer-
cus, ein Produkt ist des Organismus, in welchem diese Para-
siten leben) sich unterscheidet sowohl von den Proteinver-
bindungen ^), als auch von den leimgebenden Geweben. Sie
giebt beim Kochen weder Leim, noch mit Salzsäure gekocht
eine violette Färbung. Kaustisches Kali löst dieselbe nur zum
Theil; auch wird die Lösung nicht durch Essigsäure gefällt.
Eben so wenig entsteht nach dem Zusatz von Blutlaugensalz
in der sauern Flüssigkeit ein Niederschlag. Verbrannt gaben
100 Theile der trocknen Wand 28 Theile Asche, in welchen
enthalten war:
') Ein Mehreres über die Natur dieser Formen vergleiche man
im Anfang meiner oben erwähnten Schrift über die Morphologie der
Geschlechtsorgane.
^) Mit Unrecht wird von Scherer (Thiel, über den Echino-
coccus. Würzburg. 1844) und von Vogel (a. a. O. S. 434) eine der-
artige üebereinstimmung angegeben.
über die Naturgeschichte der Blasenwürmer. 25
Chlornatrium ^
Phosphorsaures u. l 2,73
Schwefels. Natron j
Kohlens. Kalk 2,97
Erdphosphate 22,30.
Eine ganz ähnliche, vermuthlich dieselbe Substanz — eine
Elementaranalyse konnte noch nicht vorgenommen werden —
findet sich auch in den Integumenten von Ascaris lumbricoi-
des. Sehr wahrscheinlich ist es mir, dass dieselbe auch noch
in vielen andern Würmern, vielleicht in allen, vorkomme.
Geht das Chitin doch als constanter Bestandtheil des äussern
Skelets durch die ganze Abtheilung der Arthropoden, Cellu-
lose durch die ganze Klasse der Tunikaten.
Erklärung der Abbildungen Taf. II.
Z- Fig. I. Cysticercus tenuicoUis in natürlicher Grösse.
a. Vorderer Körper.
b. Hals.
c. Leib der Blase.
d. Parenchym des hintern, vom Wasser umspülten Körpers*
e. Verbindungsstränge desselben mit den äusseren Integu-
menten.
Fig. il. Echinococcus veterinorum. Stark vergrössert.
A. Von der Seite.
B. Schräg von oben.
C. Völlig von oben.
26
Beschreibung zweier neuen Helminthen.
Von
Dr. Rud. Leiickart
in Göttingen.
(Hierzu Taf. II. Fig. 111, u. IV.)
Strongylus alatus Nov. spec.
Wie nothwendig die von Diijardin vorgenommene Sich-
tung des Rndolphi' sehen Genus Strongyius gewesen sei,
wird bei einer Vergleichung der verschiedenen dahin gerech-
neten Arten leicht ersichtlich. Selbst in dem gegenwärtigen
Umfange enthält aber dieses Geschleclrt noch mancherlei von
einander sehr abweichende Formen, die späterhin vielleicht als
die Typen noch anderer neu zu errichtender Gattungen wer-
den betrachtet werden müssen. Der Wurm wenigstens, den
ich in Folgendem beschreiben werde, entfernt sich in mehr-
facher Beziehung von den übrigen Species dieses Genus und
schliesst sich zum Theil, durch Gestalt und Lebensart, an
das von Dujardin aufgestellte Geschlecht Lepturus *). Die
mir in grosser Menge vorliegenden Individuen desselben haben
eine hellbraunlidie Farbe und eine Länge von 5 — 6 Linien
(Rh. M.) bei einer verhältnissmässig ganz ansehnlichen Dicke,
die im vordem Drittheile des Körpers am grossesten ist und
von da nach den Enden, besonders in der hintern Hälfte, all-
mählich abnimmt. Das Schwanzende ist dünn , fast fadenför-
mig, zugespitzt. Der Kopf (Fig. 1. A.) ist abgerundet, ohne
Papillen und Vorsprünge. Die Mundöffnung befindet sich im
Centrum des Kopfendes. Sie ist rundlich und führt in das
*) Fast fühle ich mich versucht, aus unserem Wurm ein neues
diesem nahe verwandtes Genus Pharurus (von (fäooi, Lappen, und
oj}()« , Schwanz) zu bilden.
Beschreibung zweier neuen Helminthen. 27
cylindrische Lumen des Oesophagus, der am Anfang ein wenig
verdickt ist, doch ohne irgend eine hornige Bewaffnung. Nach
hinten geht der Oesophagus mehr allmählich, ohne eine deut-
liche Abgrenzung, in den Darm über, indem seine Wandungen
sich verdünnen und einen bräunlichen Belag (von den soge-
nannten Leberzellen) bekommen. Der Schwanz ist in beiden
Geschlechtern ganz gerade und, besonders bei den weiblichen
Individuen, zugespitzt. Die Schwanzblase der Männchen —
die etwas seltener zu sein scheinen als die Weibchen — ist
sehr unvollkommen und besteht (Fig. L B. u. C.) aus einer
lamellösen Ausbreitung der äussern Bedeckungen, die, wie
ein Mützenschirm in der Mitte, auf dem Rücken am längsten
ist und von da nach der lAledianlinie des Bauches zu allmäh-
lich niedriger wird. Am Rande zeigt dieselbe jederseits einen
Einschnitt, wodurch sie in drei neben einander liegende, an
der Basis aber immer noch verbundene Lappen zerfällt. Die
beiden seitlichen Lappen (Ibid. b. h.) sind abgerundet, während
der mittlere (Ibid.«.) seitlich nochmals einen kleinen, fast
zahnartigen Vorsprung besitzt. Unterstützt und in der Lage
erhalten wird ein jeder dieser Lappen durch eine kurze und
breite rippenartige Verdickung der Integumente. Wo die bei-
den seitlichen Lappen in der Medianlinie des Bauches auf
einander stossen, erhebt sich eine ziemlich hohe flossenartige
Längslamelle (Fig. \. C. c), die naclr dem Kopfende zu eine
Strecke weit heraufsteigt und erst allmählich wiederum schwin-
det. Der Penis besteht aus zwei langen, weit hervorragenden
und geschwungenen Spicula ( Ibid. r/. rf. ), an denen sich ein
Schaft unterscheiden lässt und eine saumartige Kante, die nach
der Spitze zu sich verschmälert und durch dichte zahlreiche
Querstreifen ein fast kammartiges Aussehen bekommt. Der
After ist hinter dem Penis an der Bauchseite gelegen , doch
nicht ganz endständig. Dicht davor liegt bei den weiblichen
Individuen die V^ulva (Fig. L D. c.) auf einer kleinen Hervor-
ragung, welche von einem schmalen Saum umgeben ist. Der
Oviduct (Ibid. Ä.), der eine Strecke weit vor dem Mastdarm
(Ibid. a.) emporsteigt, ist weit und enthält eine unzählige
Menge völlig entwickelter, doch noch in den Eihülsen einge-
schlossener Embryonen.
Aus der Schädelhöhle (wahrscheinlich aus den Sinus ve-
28 Leuckart:
nosi) des Narval. In der Sammlung des hiesigen physiologi
sehen Institutes durch den Schiflfschirurgus Herrn Matt.
Bothriocephalus maculatus Nov. sp.
Bekanntlich ist die Zahl der bisher in den Säugethieren
aufgefundenen Arten des Gen. Bothriocephalus nur ausseror-
dentlich gering. Mit Ausnahme des B. latus, der, wie man
weiss, besonders von den slavischen Nationen Europa's be-
herbergt wird, fand man solche bislier nur in einigen Katzen
(Natter er bei Felis macroura, Creplin bei F. Catus dom.),
Seehunden (Fischer bei Phoca monachus, Creplin bei Ph.
foetida) und in Procyon lotor (Natterer). Um so interes-
santer war es mir, als ich im verflossenen Frühjahr bei der
Untersuchung eines in einer Menagerie crepirten und dem
hiesigen physiologischen Institute überkommenen erwachsenen
männlichen Leoparden im Dünndarm eine neue, sehr ausge-
zeichnete Art dieses Genus in mehreren Exemplaren auffand.
Das ansehnlichste derselben misst bis an 2^ Fuss bei einer
Breite von reichlich 3 Linien an den hintern Segmenten. Der
Kopf (Fig. U.) ist lang, vorn abgestutzt und stark deprimirt.
Seine Länge verhält sich zu der vordem Breite etwa =6:1,
zu der hintern =4:1. Die Gruben erstrecken sich über die
ganze Länge und sind nach hinten etwas, aber nur wenig er-
weitert. Das Ende des Kopfes geht unmittelbar mit seiner
ganzen Breite in den Körper über, der nur sehr allmählich
einen grössern Querdurchmesser annimmt. Dicht hinter dem
Kopf beginnt auch schon die Gliederung, doch wird solche
bei unbewaffnetem Auge erst etwa 1:^ Zoll weiter nach unten
sichtbar, wo die Breite des Leibes etwa \ Linien beträgt. Die
Glieder sind überall sehr viel breiter als lang, selbst da, wo
sie am längsten sind. Die hintern Ecken der Glieder sind
etwas verlängert und springen fast konisch über die folgende
verengte Wurzel vor. Der Uterus der einzelnen Glieder zeigt
von der Menge der in ihnj enthaltenen Eier eine sehr auffal-
lende braunrothe Färbung und macht überall als ein sehr
distincter rundlicher Fleck sich bemerkbar. Dicht vor einem
jeden derselben liegt in der Mitte der einzelnen Glieder der
ansehnliche, von einem Wulst umgebene Porus genitalis.
Beschreibung zweier neuen Helminthen. 29
Erklärung der Abbildungen Taf. 11.
Fig. 111. Strongylus alatiis.
A. Kopfende.
B. Schwanzende des Männchens von vorn betrachtet, ohne
Spicula.
a. Mittlerer Lappen der Schwanzblase.
h. b. Seitliche Lappen.
C Schwanzende von der Seite. Mit Spicula.
a. b. wie bei B.
c. Flossenförmige Längserhebung in der Medianlinie der
Bauchfläche.
d. d. Spicula.
D, Schwanzende des Weibchens. V'on der Seite.
a. Mastdarm.
b. Oviduct.
c. Vulva.
Fig. \S . Kopf von Bothriocephalus maculatus.
30 Krohn: Notiz über die Anwesenheit
Notiz über die Anwesenheit eigentbiimlicher Luft-
kanäle bei Velella und Porpita.
Von
Dr. A. K r o li n.
Bekanntlich besteht der hydrostatische Apparat, durch
dessen Hülfe die Velellen und Porpiten frei schwebend an der
Meeresoberfläche sich erhalten, aus einer bei Velella länglich-
ovalen, bei Porpita kreisrunden Scheibe von knorpliger Con-
sistenz, die hohl und mit Luft gefüllt ist. Die Structur dieser
Scheibe oder sogenannten Schale, ist dem Wesentlichen nach
schon von Eschscholtz ermittelt worden. Der hohle Innen-
raum ist nämlich von einer Menge fast senkrecht gestellter,
concentrisch um den Mittelpunkt der Scheibe angeordneter
Scheidewände durchschnitten, und zerfällt dadurch in eine
entsprechende Anzahl eben so concentrisch um einander ge-
reihter Kammern. Die innerste oder Centralkammer hat noth-
vvendigerweise die Form einer einfachen rundlichen Zelle.
Delle Chiaje hat, was Eschscholtz und neuerlich noch Hollard
(s. Annal. d. sc. natur. Serie 3, Tom. 3. 1845) entgangen ist,
nachgewiesen, dass sämmtliche Kammern bei Velella, mittelst
kreisrunder, in den Scheidewänden angebrachter Oefl'nungen,
in Höhlengemeinschaft mit einander stehen (s. d. Chiaje, Ani-
malis senza vertebre della Sictlia citeriore, Tom. 4, p. 106).
Jede Scheidewand ist in der That, an zwei einander diametral ^
entgegengesetzten, in der Richtung des Längendurchmessers
der Scheibe gelegenen Stellen, von einer solchen Communi-
cationsöfi'nung durchbrochen. Ich habe nicht Gelegenheit ge-
habt, mich von der Anwesenheit ähnlicher Oeffnungen bei
Porpita zu überzeugen, zweifle aber keinesweges, dass sie
auch hier vorhanden seien. — Diese Details über den Bau
der Scheibe musste ich vorausschicken, weil sie, wie man so-
gleich sehen wird, mit dem Gegenstande meiner gegenwärtigen
Mittheilung in enger Beziehung stehen.
eigenthümlicher Luftkanäle bei Velella und Porpita. 31
Betrachtet man die untere Körperfläche einer lebenden
Velella oder Porpita aufmerksam mittelst der Lupe, so fallen
alsbald unter der sie überziehenden Haut, und zwar in den
Interstitien zwischen den einzelnen, von jener Fläche herab-
hängenden Saugröhren, sehr feine, silberglänzende Kanäle in
die Augen. Der Silberglanz rührt wie an den Tracheen der
Insecten, von Luft her, welche die Kanäle ausfüllt. Diese luft-
führenden Kanäle, deren Porpita eine grössere Menge besitzt,
zeigen einen äusserst gewundenen Verlauf, lassen aber weder
Verzweigungen noch Anastomosen wahrnehmen. Einzelne der-
selben senken sich in Schlangenwindungen längs den Saug-
röhren herab , entschwinden aber schon dem Blick, bevor sie
das Drittheil der ganzen Länge jener Organe erreichen, und
lassen also den Beobachter über die Art ihrer Endigung in
Zweifel. Man findet sie in grösserer Zahl auf dem Central-
saugrohr, das bekanntlich die übrigen Saugröhren bedeutend
an Umfang übertrifft. Den Tentakeln oder Fangfäden fehlen
sie, desgleichen auch der peripherischen, über den Umkreis
der Scheibe nach aussen ragenden Körperportion, der soge-
nanntenRandhaut nämlich, nach derBezeichnung von Eschscholtz.
Alle diese Kanäle lassen sich , bei vorsichtigem Ablösen
der Weichtheile von der Scheibe, bis an die untere Fläche
letzterer verfolgen , wo sie in die Kammern derselben ent-
w^eder isolirt, wie bei Porpita, oder mittelst einzelner Stämm-
chen, wie bei Velella, einmünden. Für diesen Ursprung der
Kanäle aus der Scheibe spriclit auch die Beschaffenheit ihrer
Wandungen, deren Substanz mit der der Scheibe identisch,
nur viel zarter und durchsichtiger ist.
Bei Porpita entsenden sämmtliche Kammern, die beiden
dem Rande der Scheibe zunächst liegenden ausgenommen, eine
zahlreiche Menge solcher isolirten Kajiäle. Letztere dringen
auf ihrem Wege zur untern Körperfläche durch eine schwärz-
liche, gleich unter der Scheibe und über dem Boden des Cen-
tralsaugrohrs gelagerte Masse, welche zuerst von delle Chiaje
und Hollard bei Velella beobachtet, und als Leber angespro-
chen worden ist ^). Was die Gattung Velella anbetrifft, so
') Zur Unterstützung dieser Ansicht über die Bedeutung der
schwärzlichen Masse, führe ich hier beiläufig folgende den Bau der-
32 Krohn: Notiz über die Anwesenheit
sind die Kanäle hier, wie ich eben anzeigte, Zweige beson-
derer Stämmchen, deren Zahl indess sehr gering ist. Anch
entspringen diese Stämme blos aus der Centralpartie der
Scheibe, stehen daher nur mit den Kammern, welche in den
Bereich jenes beschränkten Raums fallen, in Communication.
Jedes Stämmchen theilt sich in Aeste, diese, während ihres
Verlaufes in der Lebermasse, wiederum in Zweige. Diese
Zweige sind es, die man zuletzt auf der untern Fläche des
Körpers zum Vorschein kommen und auf die gleich anfangs
geschilderte Weise verlaufen sieht.
Von einem ganz eigenthümlichen Aussehen, zeigen sich
die Kanäle unter dem Mikroskop. Bei Velella nämlich, sind
sowohl Stämme als auch Aeste und Zweige, durch circuläre,
in das Lumen vorspringende Einfaltungen ihrer Wandung, in
längliche Abtheilungen zerfallen. Die Falten finden sich in
ziemlich gleich weiten Abständen von einander, so dass die
Abtheilungen fast überall gleich lang sind. Bei Porpita ist
diese Gliederung der Kanäle weit unregelmässiger. Die ein-
zelnen Abtheilungen variiren nicht nur in Bezug auf Gestalt
und Länge, sondern ihre Oberfläche ist noch ausserdem durch
bald mehr bald minder vollständige circuläre Einschnürungen
oder secundäre Einfaltungen, in zahlreiche ringförmige Wülste,
hervorgehoben.
Woher die, in dem eben beschriebenen hydrostatischen
Apparate enthaltene Luft stamme, ist eine sehr interessante
Frage, die aber dermalen kaum befriedigend zu lösen ist. Es
bleibt die Wahl zwischen zwei Voraussetzungen. Entweder
nämlich ist jene Luft der Atmosphäre entnommen, oder sie
ist, wie in der Schwimmblase der Fische, das Produkt einer
organischen Ausscheidung. Von der ersten Hypothese aus-
gehend, habe ich oft nach besondern Vorrichtungen, und zwar
nach Oefi'nungen, die etwa auf der obern, dem Contakt der
selben betreffende Thatsachen an. Sie besteht aus durch häufige
Anastomosen mit einander communizirenden Kanälen, voll von zahl-
reichen, braunschwarzen, ziemlich festen Körnern, ähnlich denen, die
man in der Leber der Mollusken antrifft. Die Kanäle münden mit-
telst einer Doppelreihe ansehnlicher Oeffnungen in die Höhle des
Centralsaugrohrs, dem wohl sicher, wie dies schon durch Eschscholtz
hinreichend dargethan worden ist, die Function der Verdauung obliegt.
eigenthümlicher Luftkanäle bei Velella und Porpita. 3
o
Atmosphäre am meisten ausgesetzten Fläche der Scheibe, zu
finden sein möchten, gesucht, aber immer vergebens. Mög-
licherweise könnte indess die äussere Luft auf andern Wegen
eindringen, was um so mehr zu berücksichtigen ist, als die
Endigungen der auf den höchst beweglichen Saugröhren sich
erstreckenden Luftkanäle noch ganz unbekannt sind. Für die
zweite Hypothese Hessen sich einige Gründe aus naheverwand-
ten Gattungen anführen. Ich erinnere hier an die Luftbehäl-
ter der Physophoriden, die nach dem Zeugnisse mehrerer Be-
obachter, denen auch ich beistimmen muss, an ihrem freien
Ende blindgeschlossen, der Atmosphäre keinen Zugang ge-
statten, und demnach wahrscheinlich ihren Luftinhalt aus-
scheiden.
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 1. IJd.
34
Besclireibnngeii neuer oder wenig bekannter
Anneliden.
Dritter Beitrag: Die Gattung Sabellaria Lam. (Her-
iTiella Sav.) und ihre Arten-
Von ^
Ed. Grube.
(Hierzu Taf. III.)
Sabellaria Lam.
Sabellaria Lam. Extrait du Cours de zool. p. 96 (von ihm
citirt in seiner Hist. nat. des anira. sans vert. Ed. 1. T. V.
p. 350), Blainv. Dict. des seienc. nat.
Hermella Sav. Syst. des Annel.
Die Namen Chrysodon, den Oken, und Psanimato-
tus, den früher schon Guettard .der Gattung gegeben, haben
in der \Vissenschaft keine Verbreitung gefunden. Bei Linne
finden wir die Arten dieser Gattung unter Sabella, bei Pallas
unter Nereis, bei Gmelin unter Sabella und Amphitrite.
Char. gen. emend. Corpus verniiforme, subteres pauIo
depressum , ex sectionibus 2 inter se valde diflferentibus
constans, anteriore crassa, fineni versus sensim attenuata,
branchias setasque gerente, posteriore tenui nuda, plus mi-
nus longa, caudam mentiente; lobus capitalis magnus, forma
laminae carnosae, a lateribus cylindri instar convolutae,
infra in longitudinem fissae, fronte serie triplici vel duplici
palearum coronatae, ad basin utrinque tentaculis multis fili-
formibus ornatae; os in fundo cylindri situm ; segmentum
buccale branchiis setisque et infra lobulis 4 labialibus mu-
nitum; tubercula setigera utrinque disticha, superiora tori
transversi vel pinnulae uncinis, segmenti 2di 3tii 4ti paleis
armatae, inferiora fasciculo setarum capillarium instructa;
branchiae dorsuales lingulatae vel triangulae angustissimae
Beschreibung neuer und wenig bekannter Anneliden. 35
elongatae versus finem sectionis anterioris loiigitudine de-
crescentes; tubi animalium ex arenulis fragmentisque con-
chylioruni confecti, pleriimque erecti connexi, caespites
crassos coniponentes.
Der Körper der Sabellarien besteht wie der der Pecti-
narien aus zwei sehr verschieden gebildeten Abtheilungen: die
vordere merklich dickere, nach hinten allmählich verjüngte,
ist in Segmente getheilt, und trägt auf dem Rücken Kiemen,
an den Seiten Borstenbündel , die hintere dagegen ist selir
dünn, gleichmässig, nicht in Segmente getheilt, ziemlich lang
und vollkommen nackt, jene rundlich mehr oder weniger
flachgedrückt, diese mehr stielrund, während sie bei Pectinaria
ganz platt und kurz erscheint und Spuren von Segmentbil-
dung zeigt.
Besonders auffallend ist das Vorderende des Körpers ge-
bildet. Das Iste vollständige Segment nämlich, — das Mund-
segiiient, Segmentum buccale — setzt sich an seinem ganzen
Umfange in ein starkes fleischiges ansehnliches nach vorn ge-
richtetes Blatt fort, das also von den Seiten her wie ein Cy-
lindermantel eingerollt, in der Mittellinie der Bauchfläche aber
nicht geschlossen, sondern der Länge nach gespalten ist: der
vordere oder Stirnrand jeder Hälfte ist abgestutzt und mit
einem Halbkreise von inessinggelben, lebhaft glänzenden, in
mehreren Reihen stehenden Plattborsten oder Paleen besetzt,
unterhalb derselben öfters noch mit einer Reihe kurzer Blätt-
chen oder Läppchen umgeben, und an der Bauchseite mit
einer Menge von langen dünnen Fühlern versehen, welche sich
von der Basis jeder Blatthälfte bis zur Paleenkrone erstrecken.
Die Rückenseite bleibt frei davon, zeigt aber eine mittlere
Längsfurche, wodurch hier ebenfalls die beiden Hälften ange-
deutet werden. Dieses fleischige Blatt, dessen Bewaffnung
zum Verschliessen der Röhre dient, sobald sich das Thier in
sie zurückzieht, und das deshalb mit Bezug auf den Deckel
der Serpulen von Savigny „couronne operculaire" genannt
wird, hat gegen das Mundsegment dieselbe Lage als der Kopf-
lappen der Nereiden,. Eunicen, Amphinomen und anderer frei
lebender Anneliden, ich bezeichne es also vorläufig mit dem-
selben Namen als „Lobus capitalis", bis die Anatomie nach-
weist, dass es nicht das obere, diesem Theile zugehörige
3*
3(3 Grube:
Scliliindganglion enthält oder bis »lie Entwicklungsgeschichte
uns eines IJessern belehrt. Der Stachelkamn), welcher vorn
auf dem Rücken der Pectinarien, Ocalis und Amphicteis (Am-
phitrite Gniineri Sars) steht, gehört dem Isten vollständigen
oder Mundsegment dieser Würmer, nicht aber ihrem Kopf-
lappen an, wie denn überhaupt der Kopflappen nur in sehr
seltenen Fällen Borstenbündel trägt, und wenn sich meine
Deutung bestätigt , würden die Sabellarien durch die starke
Bewaffnung desselben ganz eigenthümlich dastehen. Schon
die Stellung dieser Borsten am vordersten Körperende, aber
nicht minder auch ihre Beschaffenheit ist sehr charakteristisch,
und die letztere rechtfertigt die Wahl einer besonderen Be-
zeichnung ,, paleae", bei Lamarck paillettes, bei Cuvier
pailles. Man kann an ihnen zwei verschiedene Theile un-
terscheiden, der im Fleisch steckende ist dünn wie ein' Stiel,
der hervorragende breit und platt, metallisch glänzend und
geht von jenem unter einem stumpfen Winkel ab, oder setzt
sich wenigstens durch seine Breite merklich genug ab. Sie
stehen bei fast allen Arten in 3 Kreisen, die des innersten
sind nach innen gegen die entsprechenden der andern Hälfte,
die des äussersten nach aussen gerichtet, die des mittelsten
neigen sich ebenfalls nach aussen und stehen etwas in die
Höhe; bei den von mir untersuchten Arten zeigten die Paleen
des innersten und mittelsten Kreises dieselbe und eine andere
Beschaffenheit als die des äussersten, dies scheint aber nicht
für alle Arten zu gelten, wie wir später sehen werden. Was
ich Fühler nenne, wurde von Lamarck und Savigny, indem
sie wahrscheinlich auf eine Analogie mit den Serpulen und
Sabellen fussten, für Kiemen gehalten, Milne Edwards hat
jedoch durch die anatomische Untersuchung und Beobachtung
an lebenden Thieren einer ganz nahe verwandten Gattung ')
nachgewiesen, dass ganz andere Organe zur Respiration die-
nen: es sind die längs den Rückenrändern der vorderen Kör-
perabtheilung stehenden schmalen Züngelchen, welche jene
Naturforscher als blosse Rückencirren betrachtet hatten.
Das Iste vollständige Segment, in welchem der Mund
') Seiner Hermella alveolata. Ann. des scienc. nat. Seconde Se-
rie. Vol. X. p. 220.
Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 37
liegt, trägt jederseits weit nach unten 2 zarte Bündel von
feinen kurzen Haarborsten; Savigny läugnet sie, ich habe sie
aber an den von mir untersuchten Exemplaren deutlicli ge-
sehen, in der Abbildung des Dictionnaire des sciences natu-
relies Chetopodes pl. 4. F'ig. 1 finde ich wenigstens eines je-
derseits angegeben, und es ist daher wahrscheinlicher, dass
sie leicht ausfallen, und so dem Beschreiber entgehen, möglich
aber aucli, dass ihre Gegenwart mit den Arteji wechselt. Un-
ten am Vorderrande des Mundsegments zwischen dem unter-
sten Paar der Borstenbiindel trägt das Mundsegment einen
nach vorn gerichteten zweitheiligen Lappen, der den Eingang
zum Munde von unten besetzt, und an dem bei den von mir
untersuchten Sabellarien jede Hälfte wiederum am V^orderrande
tief eingeschnitten ist. Wenn ich die Herren Frey und
Leuckart ^) recht verstehe, so vergleichen sie jenen Lappen
mit den Deckelstielen der Serpulen, allein diese Theile sind
umgewandelte Iviemenfäden und stehen auf der Rücken- nicht
auf der Bauchseite, was sich aucli von den sogenannten Ten-
takeln melirerer Sabellen nachweisen lasst, ich ziehe vielmehr
eine Parallele zwischen jenem Lappen und dem Halskragen
der Sabellen, und wenn ausser den Borstenbiindelchen des
Mundsegments auch seitliche Läppchen an seinem Vorderrande
uns begegnen, stelle ich diese in dieselbe Kategorie.
Das 2te, 3te und 4te Segment laufen seitlich in Flösschen
aus, welche senkrecht stehen und eine Reihe von weithervor-
ragenden und geraden Paleen tragen, an denen nur der End-
theil verbreitert ist; unter jedem Flösschen steht ein Bündel
von Haarborsten. Diese fehlen auch den übrigen Segmenten
nicht, wohl aber die Paleen, statt deren sich winzige Haken-
borsten (uncini) zeigen, und zwar sitzen die Hakenborsten an
den nächstfolgenden Segmenten auf wulstigen Erhöhungen oder
niedrigen Kämmen, weiterhin dehnen sich diese Erhöhungen,
indem sie zugleich dünner werden, blattartig aus und verwan-
deln sich wiederum in Flösschen. Zwischen den Hakenbor-
sten dieser Flösschen kommen auch zarte Haarborsten vor,
so dass hier sowohl in der untern als in der obern Zeile der
Borstenhöcker Haarborsten zu finden sind, am 2ten, 3ten, 4ten
•) Beiträge zur Kenntniss wirbelloser Thiere p. 153.
38 Grube:
und den nächstfolgenden Segmenten aber nur in der unteren;
eine Abweichung von der allgemeinen Regel , welche sich in
der hinteren grösseren Körperhälfte der Sabellen und Serpu-
len wiederholt. Die Biindtdchen der Haarborstea sind gegen
die Mittellinie der Bauchfläche gerichtet.
Kiemen von der Form langgestreckter schmaler Züngel-
chen zeigen sich an allen oder wenigstens den vorderen Seg-
menten der vorderen Körperabtheilung, ihr Platz ist unmittel-
bar über der oberen Zeile der Borstenhöcker oder Flösschen,
und ihre Länge nimmt in dem Masse ab, als man sich dem
Ende dieser Abtheilung nähert.
Die Röhren, in welchen die Sabellarien wohnen, sind
nach allen Beschreibungen aus fremdem Material , namentlich
aus Sandkörnchen und Conchylien- Fragmenten zusammenge-
kittet, also wohl denen der Terebellen und Pectinarien ähn-
lich. Sie sollen oben trichterförmig erweitert sein, parallel
neben einander stehen undziendich ansehnliche Massen bilden.
1. S. 77iagnifica^Gv. Fig. 1 — 5.
? Sabellaria crassissima Lara. Hist. nat. Ed. I. Tom. 5. p. 352,
Ed. 2. Tom. V. p. 605.
Corona palearum triplici, paleis utrinque circiter 120,
externis 60, mediis 30, internis plus 24, internis cum rae-
diis forma congruentibus geniculatis, parte libera anguste
trigona, externis discrepantibus cultratis, parte libera lata
sub acumine dentata, orbe laciniarum seu cirrorum brevium
48 sub Corona palearum posita, branchiis utrinque circiter
34 paulo compressis margine (denticulis membranaceis) ci-
liatis, segmentis sectionis anterioris 38, sectione posteriore
fere quadrantem totius longitudinis aequante.
Das fleischige Blatt, welches die Borstenkrone trägt, ist
ohne dieselbe ebenso lang oder etwas länger als die 4 näch-
sten Segmente. Die Paleen der äussersten Reihe sind etwa
wie eine breite auf einer schmalen Angel sitzende Messerklinge
gestaltet, die Schneide der Klinge ist gerade und unterhalb
der Spitze mit einigen scharfen Zähnen gesägt, der Rücken
sanft gewölbt, die breiten Flächen dieser Paleen sahen nach
oben und unten und grifi'en wie Dachziegel ein wenig über
einander. Die Paleen der mittelsten und innersten Reihe
Beschreibungen neuer oder wenis; l)ekannter Anneliden. 39
stimmten der Form nach unter sich iiberein, wichen aber von
den eben beschriebenen bedeutend ab. Ihr freier Theil bildet
auch eine Platte , die aber schmal dreieckis^ und an den im
Fleisch steckenden Stiel unter einem stunjpfen Winkel ange-
setzt ist, keine Zähne trägt und auf der hohen Kante steht;
bei den Paleen der innersten Reihe sind die Endspitzen der
Achse des Körpers zugewandt, bei denen der mittelsten von
ihr abgewandt, nach aussen gerichtet, wodurch in der Krone
zwischen diesen Reihen eine breite Rinne entsteht, die inner-
sten Reihen aber der beiden Hälften stark gegen einander
convergiren. Beim Durchzählen fand ich in der äussersten
Reihe der ganzen Krone eines Exemplars ungefähr 120 , in
iJer mittelsten 60, in der innersten über 48 Paleen, zusammen
also gegen 240, eine Zahl, an die auch nicht einmal eine An-
näherung in den Abbildungen der übrigen Sabellarien gefun-
den wird. Unterhalb <ier äussersten Reihe unmittelbar unter
ihrer Basis läuft ein Kreis von 48 kurzen schmalen Blättchen,
welche kaum bis zum freien Rande derselben hinaufragen.
Ausser ihnen sieht man einen Schopf von langen faden-
förmigen mehr oder weniger gelockten P'iihlern jederseits an
der .ünterfläche des fleischigen Blattes von der Paleenkrone
bis zur Basis, doch steigen sie nicht bis zu den Flanken hin-
auf-, die vorderen sind kürzer, die hinteren so lang, dass sie
bis zur Basis der äussersten Paleeureihe reichen.
Das lst€ vollständige Segment, welches den am Grunde
des Kronenblattes befindlichen, und von diesem überdeckten
Mund enthält, trägt 2 Paar kleiner Borstenbündel und einige
weiche Anhänge, nändich zu oberst jederseits eine Kieme und
unter ihr an den Seiten einen kleinen nach vorn gerichteten
Cirrus, unter welchem die beiden Borstenbündel. Die am
tiefsten und schon an der Bauchseite selbst stehenden nehmen
ein ansehnliches fleischiges Blatt von etwa breit dreieckiger
Gestalt zwischen sich, welches am Vorderrande dieses Seg-
mentes Hegt, und der Länge nach bis gegen die Basis hin ge-
spalten ist; die Spalte führt von unten zum Munde, der dicht
dahinter als eine Längsspalte zwischen 2 Lippen liegt. Jede
Hälfte ist abermals durch einen Längseinschnitt in zwei Lap-
pen getheilt, von denen der innere der grössere.
Die P'lÖ5Schen des 2ten, 3ten und 4ten Segments ragen
4Q Grube:
ziemlich weit vor, und in jedem derselben zählte ich 8, mit-
unter auch 12 Paleen, welche gerade und am Ende stumpf
und spateiförmig verbreitert sind; an Glanz geben sie denen
der Krone nichts nach. An den nächstfolgenden Segmenten,
etwa bis zum lOten, erhebt sich jederseits ein mit einem lan-
gen Kämmchen von Hakenborsten besetzter Wulst, der vom
Rücken bis zur Bauchseite herabreicht und hier, wenigstens
an den vordersten Segmenten, in einen spitzen häutigen Zipfel
ausläuft, vom lOten aber an werden die Wülste höher, mehr
häutig, nehmen die Gestalt eines fächerförmigen Flösschens
an und sitzen bloss an der Mitte der Seitenwand; auch ent-
halten sie hier ausser den Hakenborsten noch sehr zarte Haar-
borsten, deren im Innern steckende Theile durch das Flöss-
chen hindurchschimmern. Unterhalb der Kammreihe von Ha-
kenborsten und noch in den sie enthaltenden Wülsten steht
an dem Bauchrande jedes Segments ein Bündel von Haarbor-
sten, wie schon oben erwähnt. Die Haarborsten erscheinen
bei starker Vergrösserung unterhalb der Spitze längs dem
einen Rande sehr fein und lang gezähnelt; die Hakenborsten
oder Häkchen haben die Form eines kurzen Taschenkämm-
chens mit seicht eingeschnittenen schrägen Zähnen. An das
untere Ende des Kämmchens setzt sich unter rechtem Win-
kel ein haardünner Stiel an , mittelst dessen es im Fleisch
befestigt ist. So neben einander gestellt bilden die Haken-
borsten herablaufende Reihen.
Die Kiemen haben die Gestalt einer unten breiteren, oben
sehr schmal zulaufenden langen fleischigen Zunge, welche an
beiden Rändern durch winzige Zähnchen weitläuftig gefiedert
ist und feine Ringstreifung zeigt. Sie nehmen bis zum 5ten
Segment an Länge zu, und werden hier so lang, dass sie quer
über den Rücken gelegt die Borstenwülste der entgegengesetz-
ten Seite berühren, — dann bis zum lOten langsam ab, wor-
auf sie sich plötzlich bedeutend verkürzen. Die vordersten
4 Paare zeichnen sich vor den übrigen durch die Breite ihres
Basaltheils aus, der so rasch in eine dünne Spitze ausläuft,
dass die beiden Seitenränder etwas ausgeschnitten aussehen.
Was den Leib selber anlangt, so ist seine vordere Ab-
theilung nuidlich , aber dabei oben und unten merklich platt,
breiter als hoch, und verjüngt sich gegen ihr Ende hin be-
Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 41
trächtlich. Der Mittelrücken erscheint gegen die wulstigen
Seitenränder stark abgesetzt und zeigt an den vordersten 3
Segmenten eine tiefere mittlere Längsfurche ; der mittlere Theil
der Bauchfläche ist vom 5ten Segment an rinnenförmig ver-
tieft, am 6ten und 7ten Segment bemerkt man hier eine ge-
meinsame länglich ovale Oefi'nung von ansehnlicher Grösse
mit scharf abgesetztem Rande, über deren Bedeutung ich nichts
ermitteln konnte; die übrigen Beschreiber von Sabellarien er-
wähnen derselben nicht, doch finde ich sie bei Ellis und Guet-
tard abgebildet. Die Zahl der Segmente, welche die vordere
Körperabtheilung bilden, beträgt 38, doch scheinen die vor-
deren deutlicher ge^en einander begrenzt als die hinteren,
ihre Rückenseite ist fein in die Quere gestreift. Die hintere
sehr dünne gleichmässig stielrunde Abtheilung des Körpers
scheint aus verschmolzenen Segmenten zu bestehen, der-en
Zahl vielleicht eine Reihe meist paariger weisser Fleckchen
bezeichnet (etwa 20 — 26).
Die Farbe der untersuchten Weingeist -Exemplare war
blass fleischfarbig, die Seiten des Kronenblattes bräunlich vio-
lett, die letzten Segmente der vorderen Körperabtheilung und
die Zwischenräume der Wülste vom 5ten bis 9ten Segment
fand ich bei einem Exemplar braun punktirt.
Länge eines Exemplars 1" 11'", wovon auf den nackten
schwanzförmigen Anhang 5,5"' kommen; er mass hier also
noch nicht \, bei einem andern dagegen fast \ der Körper-
lange: grösste Breite 2,5'". Vielleicht gehört hierher die an
einem Seeigelstachel sitzende Röhre, welche Guettard Mem.
Tom. Hl. pl. 70. Fig. 2 abbildet. Sie ist unter Nr. 3 aufgeführt
als: Psamatotus a tuyau convexe d'un cote, applati
de l'autre et a ouverture de deux lignes de dia-
metre.
, Diese Art fand ich im Berliner zoologischen Museum als
Sabellaria alveolata aufgestellt, doch unterscheidet sie
sich von allen unter diesem Namen beschriebenen Sabellarien
wesentlich, zunächst auch schon durch ihre Grösse. Ihre
Röhre war nicht aufbewahrt und daher die Vergleichung mit
denen von S. crassissima Lam., von der man doch ver-
muthen muss, dass sie ebenfalls eine beträchtliche Dicke be-
sitzt, nicht möglich.
42 Grubej
2. S. longispina Gr. Fig. 9. 10.
? Hermella ostrearia Frey et Leuck. Beitr. p. 153.
Corona palearum triplici, paleis utrinque fere 45, exter-
iiis 21, mediis 12, internis 12, interiiis cum iriediis forma
congrnentibus paene falcatis, parte libera leniter eurvata
quasi faiciformi, externis discrepantibus parte libera dilatata,
oblonga, apice truncata, dentibusque longis teneris iiicisa,
stipiti paulo oblique insidente, orbe laciniarum seu cirro-
rum brevium nulla, branchiis utrinque 8, segmentis sectio-
nis anterioris 28.
Das einzige von mir untersuchte Exemplar dieser Art
war von Otto aus dem Mittelmeer mitgebracht, aber weder
vollständig, indem die ganze hintere Körperabtheilung fehlte,
noch besonders gut erhalten.
Der Hauptcharakter, auf den ich diese Art begründe, liegt
in der Form der Paleen. Die der äussersten Reihe, deren
ich in einer Hälfte 21 zähle, bestehen aus einer breiten oblon-
gen, am Ende abgestutzten und an diesem Rande durch meh-
rere Einschnitte gezähnten Platte, welche unter einem stumpfen
Winkel auf einem dünnen im Fleisch steckenden Stiele sitzt.
Ich fand 7 Zähne, alle schmal und spitz, der mittelste zeich-
nete sich durch seine Länge aus und überragte weit die vor-
deren, welche nach beiden Seiten hin an Länge abnahmen;
bei stärkerer Vergrösserung erscheint die Platte nicht nur fein
quergestreift, sondern auch von Längsstreifen durchzogen, die
von den Zähnen ausgehen. Die Paleen der mittelsten Reihe,
mit welchen die der innersten ganz übereinstimmen, sind so-
wohl an ihrem freien Theile als in ihrem Stiel länger als die
ersteren : jener hat das Aussehen einer äusserst schwach ge-
krümmten Sichel, deren concaver Rand jedoch nicht schnei-
dend, sondern rinneiiartig ausgehöhlt ist, und die sich am
Grunde etwas verbreitert. Die Zahl der so gestalteten Paleen
betrug für die Hälfte sowohl der mittelsten als der äussersten
Reihe 12: jene sind mit ihren Spitzen nach aussen, diese
nach innen gerichtet, die concaven Ränder der Sicheln sehen
nach oben, ihre Stiele kreuzen sich. Bei starker Vergrösse-
rung erkenne ich auch an den Platten dieser Paleen Quer-
aber keine Längsstreifung.
Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 43
Den Kranz von kurzen Fädchen oder Blättchen, welcher
bei der eben beschriebenen Art unterhalb der Paleenkrone
sitzt, habe ich hier durchaus nicht finden können. Die Fühler
zeigen nichts Auffallendes. Das ganze Blatt, das die Krone
trägt, ist an Länge den nächsten 4 Segmenten zusammenge-
nommen gleich , die Paleen nicht mitgerechnet.
Die Gestalt der geraden Paleen, welche in den Flösschen
des 2ten, 3ten und 4ten Segmentes sitzen, weiclit etwas von
denen bei S. magnifica ab, indem ihr verbreitertes Ende
nicht stumpf spateiförmig, sondern lanzettförmig und spitz ist,
auch erscheint ihr freier Theil viel kürzer und ihre Farbe
mehr bleich- als goldgelb , woher sie weniger ins Auge fallen.
Am hintersten Flösschen zähle ich nicht über 10, die Kämm-
chen an den vorderen scheinen lückenhaft und waren zum
Theil abgerissen. Die Hakenborsten ragen weit vor, und er-
scheinen bei 200 maliger Vergrösserung an beiden Rändern
sehr fein und langgezähnelt, die Hakenborsten ähneln denen
von S. magnifica, zweifelhaft bin ich, ob sie nicht in 2
Reihen stehen.
Kiemenpaare habe ich nur 8 gesehen, ihre Beschaffenheit
konnte ich nicht näher untersuchen, doch waren sie verhält-
nissmässig kürzer als bei S. magnifica.
Die vordere allein erhaltene Körperabtheilung bestand aus
28 Segmenten und mass fast 7"' in der Länge (3,2"' bis zur
8ten Kieme) und beinahe 1'" in der grössten Breite. Die
Färbung war bleich fleischroth, die Röhre des Thieres nicht
aufbewahrt.
Mit dieser Art könnte die von Frey und Leuckart be-
schriebene Hermella ostrearia identisch sein, die Paleen
der Krone stehen bei ihr ebenfalls in 3 Kreisen , die des in-
nersten werden schaufeiförmig beschrieben, die des äussersten
mit schaufeiförmig erweitertem und mit 5 oder 6 starken Zäh-
nen bewaffnetem Vorderrande, der mittelste Zahn ist der längste
und soll wiederum gezähnelt sein, was ich bei meinem Exem-
plar nicht bemerken konnte, die Gestalt von den Paleen der
mittelsten Reihe wird nicht näher angegeben, sondern nur hin-
zugefügt, dass sie gerade in die Höhe stehen, auch über die
Zahl der Paleen erfahren wir nichts. Wäre ein Kreis von
kurzen Fädchen . unterhalb der Borstenkrone vorhanden ge-
44 Grube:
vvesen, so wäre seiner wohl gedacht worden. Die Paleen der
vorderen Flösschen stehen zu je 8 und sind am Ende ver-
breitert und zugespitzt, die Fühler bilden 4 Paar vor einander
liegende Büschel, von denen jedes auf einer gemeinschaftlichen
papillenartigen Erhöhung aufsitzt. Die vordere Abtheilung des
Körpers besteht nur aus 24 Segmenten, die alle Kiemen tra-
gen, und die Gesammtlänge beträgt gegen 10"'. Die Färbung
ist gelblich, die oberen und seitlichen Flächen des Kronen-
blattes bräunlich.
Das Wenige, was Cuvier von seiner A m p h i t r i t e o s t r e a-
ria sagt*), ist wohl nicht ausreichend, um eine genauere
Vergleichung anzustellen, die kleinen erläuternden Abbildungen
(copirt auf. unserer Tafel Fig. 13. «. Ä. ) zeigen in Ueberein-
stimmung mit dem Text eine dreifache Paleenkrone nni nicht
sehr zahlreichen Paleen, eine Menge fadenförmiger Fühler
und in jedem Flösschen der bezeichneten 3 Segmente sieht
man 5 Paleen, übrigens, fügt er hinzu, sei diese Art wohl
sehr schwer von Amph itrite alveolata Ellis zu unterschei-
den. Da nun die Paleen von dieser in der beigefügten Figur
ganz anders aussehen als die, die Frey und Leuckart be-
schreiben, und Cuvier sie von seiner A. ostrearia nicht ins
besondere dargestellt hat, muss man wohl annehmen, dass er
beide übereinstimmend fand und ihn vorzugsweise nur die
Bauart der Röhren veranlasste, seine Art als eine eigene zu
betrachten. Sie baut sie nämlich einzeln auf Austern, wäh-
rend die übrigen Sabellarien gesellig wohnen, und ebenso
fanden Frey und Leuckart die Röhren ihrer Art, die übrigens
aus Sandkörnchen gebildet waren, unregelmässig auf Steinen
kriechend. Savigny ist der Ansicht, dass Cuvier's A. ostrea-
ria einerlei mit A. alveolata sei, und ebenso betrachtet
Blainville Sabellaria alveolata als gesellig bauende, S.
ostrearia als einzeln lebende Individuen derselben Species.
Eine Parallele hierzu würden wir an Alcyonella stagno-
-rum und repens haben.
Mit diesen Arten müssen wir nun die Sabellaria al-
•) Behn. Cuvier's Briefe an Pfaff p. 205. Tab. V. Fig. 22-30:
Dict. des scienc. nat. Tom II. p. 70 und Regne animal Ed. II. Tom III.
pag. 196.
Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 45
veolata selber vergleichen. Unter diesem Namen sind aber,
soviel ich aus den Beschreibungen und den öfter mehr sagen-
den Abbildungen entnehmen kann, wenigstens 3 verschiedene
Arten, vielleicht sogar 4 enthalten, und ich würde vorschlagen,
ihn für diejenige Art zu bewaliren, die Savigny ausführlicher
als seine Vorgänger beschrieben hat; eine getreue Abbildung
mit den erforderlichen Einzelnheiten ist seiner Beschreibung
leider nicht beigefügt.
3. S. alveolat a Sav. Fig. 11.
Ver a luyau Reaum. Bist, de l'Acad. des scienc. Ann. 1711.
p. 128 und 134. pl. 3c. Fig. 15, 16, 17, Psamatotus a tuyau
conique sans convercle Guettard Mem. Tom. III. p. 68.
Nr. 1.
Hermella alveolata Sav. Syst. des Annel. p. 82.
Corpore rubido, splendore violaceo, segmentis sectionis
anterioris 33, sectione posteriore dimidiam longitudinem
ejus excedente, corona palearum triplici , paleis utrinque
circiter 80, externis 36, mediis 28 — 30, internis 15 — 18,
externis cum mediis forma congruentibus, parte libera den-
tibus 4 secundis et 1 ab iis averso, opposito armata, inter-
nis discrepantibus, dentibus nullis, orbe laciniarum seu cir-
rorum brevium sub corona palearam posita, branchüs elon-
gatis compressis acuminatis.
Zu dieser Charakteristik muss ich aus Savigny's Be-
schreibung noch hinzusetzen, dass die Körperlänge 15"' be-
trägt, dass die Fühler in 10 Reihen geordnet sind und die
Paleen des 2ten, 3ten und 4ten Segments eine lanzettförmige
Spitze haben, und muss besonders darauf aufmerksam machen,
dass bei dieser Art die Paleen des mittelsten Kreises der
Krone nicht wie in den zuerst beschriebenen Arten mit denen
des innersten, sondern mit denen des äussersten Kreises in
der Form übereinstimmen. Da Savigny selbst die Reaumur-
sche Art als identisch mit der seinigen citirt, so gebe ich auf
der beigefügten Tafel der Vollständigkeit wegen auch eine
Copie der Reaumur'schen Figur.
Ausser dem Ver a tuyau Reaumur's citirt Savigny noch
den Psamatotus, welchen Guettard ') unter Nr. 2 als „Psa-
') Memoires sur differentes parties des sciences et des arts T. III.
p. 68. pl. 69. Fig. 2.
46 Grube:
matotus a tuyau conique, un peu applatietquiauft
c Oll verde" beschreibt und abbildet. Guettard's Memoiren
selber sind mir nicht zugänglich , ich ersehe aber aus einem
Auszug der betreffenden Stelle, den ich der Gefälligkeit des
Herrn Dr. Fr. Stein verdanke, dass Guettard diese 2te Art
nicht für einerlei mit Reaumur's Ver a tuyau hält, den er
unter Nr. 1 als „Psamatotus ä tuyau conique sans
couvercle" aufführt, dass er dagegen als synonym mit jener
2ten Art die Tubularia arenosa Anglica von Ellis ')
nennt. Wenn nun Savigny selber vermuthete, dass diese letz-
tere leicht eine von seiner Hermella alveolata verschie-
dene Species sein könnte, so gehört auch der genannte Psa-
matotus Guettard's Nr. 2 nicht hierher, sondern muss mit der
Ellis'schen Art verbunden werden, diese aber scheint seitdem
gar nicht mehr genauer beobachtet zu sein, und ich bin ausser
Stande andere genügende Artcharaktere anzugeben als die aus
den beiden vollkommen übereinstimmenden Abbildungen ge-
nommenen. Die Sicherheit der nächstfolgenden Arten bleibt
demnach in Zweifel gestellt.
4. S. Anglica (Ell.) Fig. 12.
Tubidaria arenosa Anglica Ell. Naturgesch. d. Corall. p. 97.
Tab. XXXVI.
Psamatotus a tuyau conique y un peu applati^ et gut a un
couvercle. Guett. Mem. Tom III. p. 68. pl. 69. Fig. 2.
Tubipora arenosa Linn. Syst. nat. Ed. X. 1. p. 790, (citirt in
der Xllten Ausgabe).
Sabella alveolata Linn. Syst. nat. Ed. XII. Tom I. p. 1268,
Ed.XllI. Gmel. Tom 1. P. VI. p. 3749.
Corona palearum triplici, paleis utrinque circiter 48,
externis 14 — 17, mediis 13 — 16, internis 15 — 18, mediis
neque cum externis neque cum internis forma congruentibus
parte libera internarum angusta triangula acumine truncato,
mediarum oblonga lata apice subito acuminata, externarum
oblonga lata acumine dentibus magnis incurvis deorsum
spectantibus 2 — 3 armato, orbe laciniarum coronae nullo.
Die Abbildungen von Ellis und Guettard geben eine
*) Naturgeschichte der Corallenarten. üebersetz. Nürnberg 1767.
Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 47
verschiedene Zahl von Paleen in der Krone an, jener 17 äus-
sere, 18 mittlere und 13 innere jederseits, dieser 14, 17 und
15, die Formen stimmen bei beiden überein und berechtigen
zu der Annahme, dass bei dieser Art die Paleen aller 3 Kreise
von einander abweichend gebildet sind; die äusseren laufen
in einen, nie Guettard selber hinzufügt, abwärts gekehrten
Haken aus, 1 oder 2 Zähnchen ausser diesem Haken zeigt
bloss die Figur von Ellis, aber weder er noch Guettard haben
überhaupt die Paleen näher beschrieben. Ein Kranz von kur-
zen Fädchen unterhalb der Borstenkrone ist nirgends erwähnt
oder abgebildet. Die Länge des bei Ellis dargestellten Thier-
chens beträgt 6'" ohne den schwanzförmigen Hintertheil, wel-
clier abgerissen war, die Zahl der Paleen in jedem Flösschen
ist 6.
Die Röhren dieser Art, welche an den Küsten bei Yar-
mouth und Dieppe vorkommt und zur Zeit der Ebbe gefunden
wird, bilden ansehnliche Massen bis zu 6" Länge, 5" Breite
und 3" Dicke, und stehen dicht neben einander. Sie sind am
oberen Ende trichterförmig ausgebreitet und meistens mit einem
kleinen aus Sand zusammengekitteten Deckel versehen, weiter
hinab etwas schlangenförmig gekrümmt, nicht überall von glei-
cher Weite, aus verschiedenen Massen zusammengesetzt und
im Innern gekammert. (Den Röhren von S. alveolata Sav.
(Ver ä tuyau Reaum.) soll ein Deckel fehlen).
Aehnliche Röhren, wiewohl ohne Deckel, finde ich auch
bei Donovan ') pl. 37. Fig. 3 unter dem Namen von Sabella
alveolata abgebildet und Donovan bezieht sich ausdrücklich
auf Ellis 1. c. , aber auch auf Pennant, obwohl Lamarck aus
dessen Sabella alveolata eine besondere Art S. crassis-
sima bildet. Der Durchmesser der trichterförmigen Mündung
ist hier mehrere Linien breit, die Oeffnung auf ihrem Boden,
die in die eigentliche Röhre führt, nur 1'" breit, die Länge der
Röhren soll 3 — 4" betragen. Den gekammerten Bau der Röh-
ren beschreibt Ellis, Linne (Ed. XU) setzt hinzu, dass diese
Kammern durch eine Oeffnung mit. einander in Verbindung
ständen.
') Histoire naturelle des Coquilles d'Angleterre, ouvrage traduit
de l'anglais par Chenu p. 93.
43 Grube:
5. S. uncinata (Gr.) Fig. 6. 7. 8.
Sahellar'ia alveolata Dict. des scienc. nat. Chetop.pl. 4. F. 1.
Corona palearum triplici, paleis utrinqiie circiter 45,
externis 13 — 16, mediis et internis fere totidem, internis
cum mediis forma congruentibus (?) geniculatis parte libera
anguste trigona, externis discrepantibus uncinatis, parte libera
in uncum introrsum spectantem exeunte, ad basin dente ex-
terno armata, orbe laciniarum coronae nullo.
Die im Dictionnaire des sciences naturelles gegebene Ab-
bildung der Sabellaria alveolata, der ich die eben auf-
gestellten Charaktere entnehme, stimmt weder mit denen von
EUis und Guettard noch mit der von Reaumur und der dazu
gehörigen Beschreibung von Savigny.
' Das fleischige Blatt, welches die Paleenkrone trägt, er-
scheint merklich länger, der schwanzförmige Hintertheil des
Leibes, wenn er nicht etwa verstümmelt war, viel kürzer als
bei den andern Sabellarien; jenes, die Paleen nicht mitgerech-
net, kommt an Länge den nächsten 7 Segmenten gleich, bei
den übrigen Arten nur den nächsten 4 oder 5, der schwanz-
förmige Hintertheil den nächsten 5 oder etwa einem Zwanzig-
theil der Gesammtlänge. Abgesehen hiervon zeigen die Paleen
des äusseren Kreises der Krone eine ganz eigene Form, denn
ich zweifle nicht, dass die vergrössert abgebildete hakenartige
Palee demselben angehört. Sie laufen in einen ziemlich scharf
gekrümmten, an seiner Basis auf der entgegengesetzten Seite
mit einem geraden spitzen Zahn versehenen Haken etwa von
der Gestalt eines Gemshornes aus, die Haken dieses Kreises
stehen, wie aus der daneben stehenden Darstellung der Pa-
leenkrone hervorgeht, nicht nach aussen, wie bei S. Anglica,
sondern nach innen. Die vergrösserte Abbildung der andern
Palee stimmt mit denen des innersten und mittelsten Kreises
meiner S. magnifica überein, ihre Form ist gekniet, indem
der schmaldreieckige freie Theil unter einem stumpfen Winkel
von dem dünnen Stiele abgeht. Da nur diese beiden Paleen
vergrössert dargestellt sind, so muss man wohl annehmen,
dass in der Paleenkrone dieser Sabellarie auch nur 2 ver-
schiedene Formen sichtbar waren, und darf nach der Analogie
und nach der Abbildung der ganzen Krone zu urtheilen, weiter
Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 49
folgern, dass die eine derselben, nändich die hakige, bloss den
Paleen des äussersten Kreises, die andere denen des mittelsten
und innersten zukommt. Ein Kreis von kleinen Blättchen
unterhalb der Paleenkrone ist nicht zu bemerken, die F'iilder
sind verhältnissmässig sehr kurz dargestellt, die Paleen des
2ten, 3ten und 4ten Segmentes zahlreich (12 — 14 an jedem
Flösschen) und nicht merklich dicker als die Haarborsten ihrer
Segmente, die Kiemen erscheinen stielrund, allmählich zuge-
spitzt und sind an allen Segmenten der vorderen Leibesab-
theilung dargestellt, deren ich etwa 34 zähle, die des 3ten,
4ten, 5ten und 6ten Segmentes sind die längsten, die vorher-
gehenden etwas kürzer, die hintersten ganz winzig. Ueber
die Länge des Thieres ist Nichts angegeben, die neben ihm
abgebildeten Röhren sind eine Copie nach Ellis.
Zu welcher Art eine 4te von Gnettard 1. c. pl. 70. Fig. 3
abgebildete Röhre gehört, die er als „Psamatotus a tuyau com-
pose de grains de sable recouvert de differentes especes de
coquilles a Ouvertüre d'une ligne de diametre", ist, da er keine
Andeutungen über ihren Bewohner giebt, nicht zu ermitteln.
Bei allen bisher besprochenen Sabellarienarten, mochten
sie nun genauer oder oberflächlicher gekannt sein, war an der
Paleenkrone ein dreifacher Kreis von Paleen zu unterscheiden.
Anders scheint sich dies bei der nächsten Art zu ver-
halten :
6. *S'. ehr (/ socep hallt (Pall.).
Nerets chrysocephala Pall. Nov. Act. Petrop. Tom IL p, 235,
Tab. V. Fig. 20.
Amphitrite chrysocephala Gmel. Linn. Syst. nat. Ed. XllL
Tom.I. P. VL p.3111
Chrysodon biseriale Oken Lehrb. d. Naturgesch. Bd.lIF. p.377.
Hermella chrysocephala Sav. Syst. des Annel p. 85.
Corona palearum duplici, paleis externis utrinque circi-
ter 21 , latioribus acutis , internis circiter 22 longioribus
setacfeis.
Diese Art ist im Indischen Meere gefunden, und zeich-
net sich schon durch ihre Grösse aus, indem ihre Länge über
4 Zoll beträgt, sie scheint sich aber auch durch ihre Paleen-
krone vor allen übrigen Arten auszuzeichnen, wenn man an-
Arrhiv f. Naturgesch. XIV. .f.ihrg. 1. Bd. 4
50 Grube:
ders den Fallas'schen Ausdruck richtig deutet. Er sagt näm-
lich in seiner Beschreibung ausdrücklich „Truncati yerti-
cis discus coronatus paleolis aureis confertis bi-
fariam dispositis"; hätte er bloss die Richtung der Paleen-
kreise anzeigen wollen, so würde er gewiss, wenn 3 Kreise
vorhanden gewesen wären, noch hinzugesetzt haben, dass der
eine derselben doppelt war, wie wir es vom äusseren bei S.
magnifica, longispina und anderen wissen, diese Dupli-
cität konnte ihm um so weniger entgehen, da das beschriebene
Exemplar eine bedeutende Länge, also wahrscheinlich auch
keine unbeträchtliche Dicke hatte und die Paleenkrone nähere
Unterscheidungen auch ohne bedeutendere Vergrösserungen zu-
liess. Ausserdem entnehmen wir der Beschreibung — denn die
Abbildungen sind nicht eben genügend — dass die Gestalt der
Paleen von denen aller bisher gekannten Arten verschieden
war „exterioribus latioribus acutis, divergentibus,
interioribus introrsum et versus scissuram dire-
ctis longioribus setaceis. Lamarck hat diese Art gar
nicht aufgeführt, bei Savigny und Blainville ^) steht sie als
2te Species neben S. alveolata, ohne dass diese Unter-
schiede hervorgehoben sind. Die Anwesenheit kurzer Fäd-
chen unterhalb der Paleenkrone wird bei Pallas eben so wenig
erwähnt als die Zahl der Segmente in der vorderen Körper-
abtheilung, die Fühler sollen zahlreich sein.
Die Sabella alveolata Pennants hat Lamarck zu einer
eigenen Art erhoben: Sabellaria crassissima, von der
schon oben die Rede war.
Es bleibt endlich nur noch übrig, die Abbildung einer
Sabellarienröhre anzuführen, die Guettard als 4te Art nennt:
Psamatotus a tuyau compose de grains de sables
recouvert de differentes especes de coquilles et a
une Ouvertüre d'une ligne de diametre. Mem. pl. 70.
Fig. 3; ob sie einer eigenen Art angehöre, wage ich nicht zu
entscheiden.
Diejenige Annelide, die Milne Edwards in seinen Unter-
suchungen über den Blutumlauf dieser Thiere als Herme IIa
alveolata pl. 11. Fig. 3 abgebildet, scheint zu der Gattung
') Dictionnaire des sciences naturelles Tom. LVII. p. 435.
Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 51
Centrocorone zugehören, die ich aus Rathke's Amphitrite
Taurica gebildet habe, und die sich namentlich dadurch von
Sabellaria unterscheidet, dass ihre cylindrisch zusainnienge-
kriimmte Kopfplatte auf dem Rücken der Länge nach gespal-
ten, also vollkommen zweitheilig ist.
Erklärung der Abbildungen Taf. III.
Fig. 1 — 5. Sabellaria magnißca Gr.
Fig. 6 — 8. Sabellaria uncinata (Gr.) (Sabellaria alveolata Dict.
des scienc. nat.).
Fig. 9, 10. Sabellaria loiigispina Gr.
Fig. 11. Sabellaria alveolata Sav. (Ver ä tuyau Reaum.).
Fig. 12. Sabellaria Anglica (Ell.) (Tubipora arenosaAnglicaEll.)
Fig. 13. Sabellaria ostrearia Cuv.
Fig. 1. Sabellaria magnifica etwa 3 mal vergrössert, von der
rechten Seite gesehen, der Körper verdünnt sich nach hinten allmäh-
lich, und geht so in den ungegliederten borstenlosen schwanzförmi-
gen Anhang über, während er ganz vorn fast am breitesten ist, und
die stärkste Bewaffnung trägt.
Fig. 2. Dasselbe Thier stärker vergrössert, um die charakte-
ristischen Partieen des Vordertheils zu zeigen, von der linken Seite
gesehen. Das 2te, 3te und 4te Segment tragen die Kämme von Pa-
leen, welche längs dem oberen Rande der Seitenfläche stehen, unter
den Paleenkämmen die kleinen Bündel von Haarborsten an dem
Bauchrande, oberhalb der Paleenkämme die spitz zungenförmigen
Kiemen. Das Iste Segment besitzt zwar auch sein Kiemenpaar, aber
keine Paleenkämme, sondern nur winzige Borstenbündel. Vor dem
Isten Segment parallel der Längsachse des Körpers liegt das grosse
cylindrisch nach unten zusammengekrümmte und hier also offene
fleischige Blatt, dessen Vorderrand die Paleenkrone ziert und unmit-
telbar unter derselben ein Kranz von schmalen häutigen Blättchen,
an seiner Bauchseite dagegen ist es mit einer Menge langer dünner
Fäden (Tentakeln) besetzt.
Fig. 3. Dasselbe Thier bei gleicher Vergrösserung von der
Bauchseite gesehen, so dass man in die Längsspalte blickt, welche
die cylindrisch herabgebogenen Hälften des fleischigen Kopfblattes
hier aus einander hält; den Mund, der im Grunde dieses Cylinders
im ersten Segment liegt, verdeckt das breite zweitheilige und aber-
mals eingeschnittene Lippenblatt desselben Segments, zu dessen rech-
ter und linker Seite man ein zartes Borstenbündel bemerkt. — Die
nächsten Segmente hinter dem 4ten tragen scharfrückige Querwülste,
in denen eine Reihe Hakenborsten steckt, und von denen die vorde-
ren an der Bauchseite in einen Zipfel auslaufen, die Bündel der Haar-
borsten stehen ganz an der Bauchseite. In der Mitte des 6ten und
7ten Segments sieht man die im Text besprochene grosse ovale Oeff-
nung der Bauchseite.
4 *
52 Grube: Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden.
Fig. 4. b. Eine einzelne Kieme 6 mal vergrössert, der Kand ist
kurz und weitläufig gezahnt.
e. i. Pnleen der dreifachen Krone, die das grosse Kopfblatt
trägt; etwa 10 mal vergrössert.
€. eine Palea des innersten Kreises der Krone; von derselben
Gestalt sind die des mittleren Kreises, aber jene nach der Mittel-
linie des Körpers hin, diese von ihr abgewendet.
i. eine Palea des äussersten Kreises, deren frei hervorragender
Theil breit wie eine Messerklinge sich gegen den im Fleisch stek-
kenden ganz schmalen merklich absetzt.
Fig. 5. P Ein Flösschen, wie es die hintern Körpersegmente
statt des scharfrückigen Wulstes tragen, vergrössert. Seinen breiten
Endrand besetzt eine Reihe von winzigen Hakenborsten, zwischen
denen einzelne Haarborsten stehen, unterhalb des FlÖsschens befindet
sich das Bündelchen der Haarborsten, das auch die vordem Segmente
tragen.
c. eine Haarborste, u eine kammförmig gezähnte Hakenborste
(uncinus).
p. eine Palea aus den Kämmen des 2ten, 3ten und 4ten Seg-
ments vergrössert.
Fig. 6. Sabellaria uncinata copirt aus dem Dict. des scienc. nat.
vergrössert, der schwanzförmige Endtheil des Leibes ist wahrschein-
lich verstümmelt. Der Kranz von Läppchen unmittelbar unter der
Borstenkrone scheint gänzlich zu fehlen.
Fig. 7. Paleen der Krone stärker vergrössert.
/. eine des innersten Kreises, deren Gestalt mit denen des mitt-
leren übereinstimmt.
e. eine des äussersten Kreises, entschieden hakig gekrümmt.
Fig. 8. Die ganze Paleenkrone mit dem fleischigen Kopfblatt,
auf dessen Stirnrand sie sitzt, von oben und zugleich von der Bauch-
seite gesehen.
Fig. 9. Sabellaria loiigispina etwa 5 mal vergrössert, von der
linken Seite gesehen. Der Kranz von Läppchen unterhalb der Pa-
leenkrone fehlt dieser Art.
Fig. 10. Paleen der Krone etwa 20 mal vergrössert.
i. eine des innersten Kreises, deren Gestalt mit denen des mitt-
leren übereinstimmt.
e. eine des äussersten Kreises, merklich breiter und kürzer
als die der beiden andern Kreise.
Fig. 11. Sabellaria alveolata Sav. copirt aus Reaumur's Me-
moire, vergrössert.
Fig. 12. Paleenkrone von Sabellaria Anglica copirt aus Ellis
Naturgesch. d. Corall.
F i g. 13. Sabellaria ostrearia Cuv. copirt aus seinen Briefen an
Pfaff.
a. das ganze Thier in natürlicher Grösse.
^. die Paleenkrone etwas vergrössert.
53
Orcliestia Euchore und Grjphus, neue Arien aus
der Ostsee,
beschrieben von
Dr. Friedrich Müller.
(Hierzu Taf. IV.)
Die Gattungen Talitrus und Orchestia bilden eine durch
mehrfache Eigenthiimlichkeiten des Baues und der Lebens-
weise ausgezeichnete Gruppe der Faujilie der Gammarinen,
deren Arten vorzugsweise wärmeren Meeren anzugehören, in
den arktischen Gewässern, der eigentlichen Heimath der typi-
schen Gammarinen, dagegen ganz zu fehlen scheinen ').
In Bezug auf diese geographische Verbreitung der Gruppe,
zugleich als Beitrag zur Kenntniss der heimischen Fauna, mag
die Entdeckung zweier neuen Ostsee-Arten nicht ohne Inter-
esse sein. Ueberdies sind dieselben auch in systematischer
Hinsicht bemerkenswerth. Während nämlich die genannten
beiden Gattungen in der Kürze der obern Antennen, im Bau
der Mundtheile (Mangel des Mandibularpalpus u. s. w.), in der
Grösse des fünften Epimerienpaares, in der Weise der Bewe-
gung, zahlreiche gemeinsame Abweichungen darbieten von dem
gewöhnlichen Verhalten der Gammarinen, werden sie bekannt-
') Unter den zahlreichen von Kröyer beschriebenen grönlän-
dischen Amphipoden findet sich kein Thier dieser Gruppe; eine ein-
zige Art, Orch. nidrosiensis Kr., durch den Bau der Antennen und
Kieferfüsse schon an Gammarus sich annähernd, ist von der an Gam-
niarinen so reichen norwegischen Küste bekannt geworden; dagegen
sind z. B. aus Aegypten unter 5 Gammarinen 2 Orchestia und 1 Ta-
litrus, aus Südamerika unter ebenso viel 3 Orchestien, aus Neuhol-
land und Neuseeland 1 Amphithoe, 1 Orchestia und 1 Talitrus be-
schrieben.
^^ Friedr. Müller:
lieh von einander einzig durch das bei Orchestia mit grossen
Händen versehene zweite Fusspaar unterschieden. Dass nun
auch dies Merkmal keinen Gattinigsunterschied begründen
könne, dafür liefern die beiden zu beschreibenden Arten einen
neuen Beleg, indem danach bei ihnen wie bei Orchestia pla-
tensis Kr., die Männclien zu Orchestia, die W^eibchen zu Ta-
litrus gestellt werden müssten. Einstweilen mögen sie, nach
Kröyer's Vorgang, als Orchestien beschrieben werden.
Orchestia Euchore (Fig. 1) ist von ziemlich schlanker Ge-
stalt, massig von den Seiten zusammengedrückt, von schmutzig
bräunlicher Farbe und gegen 5'" lang.
Der Kopf ist, wie gewöhnlich, massig gross ohne vor-
springende Stirn, mit runden ansehnlichen, schwarzen, dem
Scheitel sehr nahestehenden, etwa um die Breite ihres Durch-
messers von einander entfernten Augen; der Rücken glatt;
die Epimerien gross, das erste Paar kürzer und besonders
schmäler, das fünfte , unten tief ausgerandete, weit breiter als
die dazwischenliegenden; das sechste und siebente klein; alle
am unteren Rande kurz und schwach bewimpert.
Die obern Antennen, etwa von der Länge des Kopfes,
reichen bis zum Ende des vorletzten Stielgliedes der unteren;
ihre Sgliedrige Geissei ist fast ebenso lang als der 3gliedrige
Stiel.
Die untern Antennen erreichen etwa \ der Körper-
länge: Stiel und Geissei sind gleich lang, letztere besteht aus
16 — 18 Gliedern, von denen das erste doppelt so lang als die
folgenden. Kurze Borsten finden sich am Ende der Geissei-
glieder und zerstreut längs der ganzen Stielglieder.
Die Mundtheile zeigen nichts Besonderes: die Man-
dibeln (Fig. 2) ziemlich dick, ohne alle Spur eines Palpus,
an der einwärts gebogenen Spitze in mehrere hornige Zacken
gespalten, darunter an der Innenseite sechs kurzgefiederte
Borsten; unter diesen eine ansehnliche gefurchte Kaufläche;
die Unterlippe (Fig. 3) fast bis auf den Grund gespalten;
des ersten Maxillenpaares (Fig. 4) äussere Platte an der
Spitze mit 8 bis 9 starken, an der Innenseite stumpf gezähn-
ten hornigen Dornen, die schmale innere Platte mit zwei ein-
wärts gebogenen Federborsten ; eine lange Federborste an der
Innenseite der inuern Platte des zweiten Maxillenpaares
Orchestia Euchore und Gryphus. 55
(Fig. 5); der Palpiis der Kieferfiisse (Fig. 6) kurz, mit kurzem
abgerundeten Endgliede.
Die Fiisse des ersten Paares sind ziemlicli sclnvacli;
das vierte Glied derselben nach dem Ende stark verbreitert,
(von dreieckiger Form), am unteren hintern Winkel mit star-
ken Borsten bewafifnet und beim cf mit einem häutigen Saum
eingefasst; das fünfte Glied ist beim ^^ nach dem Ende ver-
breitert, unten gerade abgeschnitten, am hintern Rande mit
einem häutigen Saum eingefasst (Fig. 7), beim $ von gleich-
massiger Breite, ohne häutigen Saum, doch mit etwas stärke-
ren Borsten längs des hinteren Randes (Fig. 9). Die starke
wenig gekriinnnte Klaue (Fig. 8), deren Basis die halbe Breite
vom untern Rande des 5ten Gliedes einnimmt, ist anscheinend
zweigliedrig und trägt etwa in der Mitte ihres Innenrandes
zwei kurze dünne etwas gebogene Dornen.
Die Fiisse des zweiten Paares sind durchweg bei
beiden Geschlechtern verschieden. Die der Männchen (F. 10)
sind kräftige Greiffüsse; das erste Glied von ziemlich gleich-
massiger Breite; die drei folgenden, besonders das vierte, sehr
kurz; das 5te von selir ansehnlicher Grösse, elliptisch (Breite
zur Länge etwa wie 3 : 4), mit schiefem, massig convexen mit
kurzen Borsten besetzten unteren Rande und einem kleinen
abgerundeten Vorsprung an dessen hinteren Ende. Die kräf-
tige Klaue, von derselben Krümmung wie der untere Rand
des fünften Gliedes, und längs des Innenrandes einzelne sehr
kurze fast haarförmige Borsten tragend, reicht bis zu dem
erwähnten V^orsprung.
Das zweite Fusspaar der Weibchen (Fig. 13) ist dünn
und schwach; das erste Glied ist blattförmig verbreitert, nach
der Spitze stark verschmälert, mit vorderem convexen gevvim-
perten und hinterem geraden Rande; das vierte und fünfte
von ziemlich gleicher Grösse und Form, nach unten stark
verbreitert mit einem häutigen Saum längs des Hinterrandes.
Am Ende des vorderen geraden Randes des fünften Gliedes
(Fig. 14) ist die kurze ziemlich stark gekrümmte Klaue inse-
rirt; sie reicht bis zum Ende eines von ihrer Basis schief
nach unten und hinten gerichteten geraden , dicht und kurz
bewimperten Randes, und wird überragt durch das abgerun-
dete Ende des häutigen Saumes, der den längeren convexen
56 Fr iedr. Müller:
hinteren Rand einfasst. Die Seiten dieses Gliedes tragen längs
der Grejize des häutigen Saumes mehrere Reihen dünner Bor-
sten. — Das gegenseitige Verhältniss der 5 F'iissglieder und
der Klaue dieses Paares ist beim Männchen ungefähr wie
10:3:3:2:15:10;
beim Weibchen, wie 9:4:3:5:5:1.
Diese auffallende Geschlechtsverschiedenheit ist indess um
so weniger ausgeprägt, je jünger die Thiere sind; noch bei
einem Männchen von ^ der Länge des Erwachsenen, welches
4 Geisselglieder an den oberen, 13 an den unteren Antennen
besass, war die Hand (Fig. 12) auflfallend klein; bei einem
anderen von der halben Länge des Erwachsenen, mit 3 Geis-
selgliedern der oberen, 12 der unteren Antennen, stand auch
die Form der Hand (Fig. 11) so in der Mitte zwischen der
männlichen und weiblichen Bildung, dass danach allein das
Geschlecht nicht zu erkennen gewesen wäre.
Die übrigen Fusspaare zeigen nichts Auffallendes, als
dass beim Männchen das dritte und vierte Glied des sieben-
ten Paares verdickt sind (Fig. 1,«), während beim Weib-
chen dies Paar dem sechsten ganz gleich gebiWet ist. — Die
Längenverhältnisse der 7 Fusspaare sind annähernd folgende:
Die Kiemen des ersten Paares (Fig. 13,3), am Grunde
des zweiten Fusspaares befestigt, sind lang und schmal, 4 — 5
mal so lang als breit, und wurmförmig gebogen; die
übrigen vier Paare (Fig. 15) weit kürzer und von ovaler Ge-
stalt; alle mit einzelnen sehr zarten krausen Haaren besetzt.
Die Eierplatten der Weibchen, am Grunde des zwei-
ten bis fünften Fusspaares sind lang, schmal, am Rande lang
gewimpert; sie nehmen, bei ziemlich gleicher Breite, der Reihe
nach an Länge ab, so dass die erste (Fig. 13, c) gegen 4 mal,
die letzte nur doppelt so lang als breit ist.
Die Schwimmfüsse sind schmächtig; das Basalglied,
besonders des ersten Paares, weit länget* als die aus gegen
8 Gliedern bestehenden, mit wenigen kurz und fein gefiederten
Borsten besetzten Aeste.
Von den drei letzten Afterfusspaaren, den Springfü ssen,
ist das erste bei weitem das längste, das dritte (Fig. 16) sehr
Orchestia Eiichore und Gryphus. 57
kurz ii)it einem einzigen konischen Endgliede. — (Das Ver-
häitniss dieser drei Fiisspaare ist etwa 8:5: 2).
Es ist endlich ein einziger Seh wanzanhang (Fig. 17)
vorhanden, eine ziemlich dicke, in der Mitte seicht ausgeran-
dete Platte, die jederseits am Ende sowohl als auf der obern
Fläche mit drei Dornen bewaflfnet ist.
Zunächst verwandt nnt der eben beschriebenen Art ist
die Orchestia platensis Kr. ^) von Montevideo, unterschieden
jedoch durch die nur 14gliedrige Geissei der unteren Anten-
nen, durch die elliptischen Augen, die unbewaffnete Klaue des
ersten Fusspaars, den abgestutzten nicht ausgerandeten, mit
nur 10 Borsten besetzten Schwanzanhang. Von dem Männ-
chen unterscheidet sich ferner Orch, Itttorea Leach durch die
fast rudimentäre Klaue des ersten Fusspaares; von dem Weib-
chen Talitrus saltator Edw. durch das Weit kräftigere erste
F^usspaar, durch das nach dem Ende verdünnte 5te Glied des-
selben, dessen ganzen Endrand die Klaue einnimmt, durch
Form und Grössenverhältniss der letzten Glieder des zweiten
Fusspaares u. s. w., T. Beaucoudraii Edw. durch die das Ende
des fünften Gliedes überragende Klaue des zweiten Fusspaares.
Ich fand die Orchestia Euchore an der Ostküste Rügens,
an dem steinigen Strande zwischen Sassnitz und Stubbenkam-
mer, in immenser Häufigkeit. Wo nur irgend zwischen den
Steinen, sicher vor den Wellen des Meeres, unter einer Decke
von Laub oder Tang ein feuchtes Plätzchen sich fand, da sah
man, sobald man die Decke hob, hunderte nach allen Seiten
mit ungemeiner Behendigkeit in grossen Sätzen davonspringen
und kaum hatte man ein Thier gefasst, so war auch schon
der ganze Schwärm in die Spalten des umliegenden Gerölles
verschwunden.
Orchestia Gryphus (Fig. 18) ist im Habitus dem Talitrus
saltator Edw. sehr ähnlich, von mehr gedrungenem Bau als
O. Euchore, wenig seitlich zusammengedrückt, von blassgelb-
licher Farbe, glänzend glatt und gegen 4'" lang.
Der Kopf ist massig gross, ohne vorspringende Stirn, mit
runden schwarzen Augen, die etwa um das Doppelte ihres
') Kröyer's Naturhistorisk Tidsskrift. Ny Räkke. Bd. 1. Hft 3.
1844. p. 304
58 Friedr. Müller:
Durchmessers von einander entfernt stehen; der Rücken
glatt; die Epiiuerien, wie bei O, Euchore, der vordere
untere Rand des ersten besonders stark bewimpert.
Die oberen Antennen sind etwas kürzer als der
Kopf; der dreigliedrige Stiel, dessen mittelstes Glied das bei
weitem längste, ist über doppelt so lang, als die"6gliedrige
Geissei. Die unteren Antennen des Männchens errei-
chen etwa die Hälfte der Körperlänge; das erste und zweite
Glied des Stieles sind sehr kurz; das vierte, leicht nach unten
gekrümmt, bildet reichlich die Hälfte des ganzen Stiels und
ist von ungefähr gleicher Länge mit der aus 20 Gliedern be-
stehenden Geissei. Die Borsten an den Seiten der Stiel- und
am Ende der Geisseiglieder sind sehr kurz. Beim Weib-
chen ^) sind die unteren Antennen weit kürzer, zeigen jedoch
dasselbe gegenseitige Verliältniss der einzelnen Stielglieder
und des Stiels zur Geissei; — sie erreichen nur y der Kör-
perlänge (?).
Die Mund th eile zeigten sich nur durch die weit stär-
ker vorspringende Kaufläche der Mandibeln, über welcher nur
vier Federborsten gezählt wurden, von denen der O. Euchore
verschieden.
Das erste Fusspaar des Männchens (Fig. 19) ist
von massiger Grösse; das erste Glied lang, mit vorderem ge-
raden, hinterem etwas convexen Rande, wenig nach dem Ende
zu verbreitert; die beiden folgenden kurz; das vierte nach
dem Ende zu stark verbreitert; das fünfte etwas kürzer als
das vorhergehende, gleichmässig breit; alle am hintern Rande
mit ziemlich starken Borsten bewaffnet; das vierte und fünfte
am hinteren unteren Winkel mit kleinen abgerundeten häutigen
') Ich muss bemerken, dass das einzige Weibchen, welches sich
unter meinen Exemplaren fand, noch nicht völlig ausgewachsen war;
die Grösse differirte nicht merklich von der des ausgewachsenen
Männchens, doch hatte die Geissei der unteren Antennen nur 15
Glieder und die Eierplatten waren in einem noch sehr unentwickel-
ten Zustande, üebrigens pflegt ja in unserer Familie die relative
Länge der Antennen, im Verhältniss zum Körper, vom Alter ziemlich
unabhängig zu sein, mindestens nicht mit der Zunahme der abso-
luten Länge und der Gliederzahl in gleichem Masse zu wachsen.
Orchestia Euchore und Gryphus. 59
Vorsprüngen versehen; die Klaue (Fig. 20) stark, halb so
lang als das fünfte Glied, anscheinend zweigliedrig mit einem
kleinen gekrümmten Dorn in der Mitte des Innenrandes. —
Beim Weibchen zeigte dieses Fusspaar eine ganz gleiche
Bildung; nur wurden (vielleicht als blosse Altersdifferenz) die
häutigen Vorsprünge am 4ten und 5ten Gliede und der Dorn
an der Klaue vermisst.
Die Füsse des zweiten Paares sind beim Männ-
chen (Fig. 21) kräftige Greiflfüsse von sehr charakteristischer
Form: das erste Glied ist lang, ziemlich schmal und gleich-
massig breit; das zweite und das knieförmig gebogene dritte
kurz; das vierte bildet nur einen schmalen Wulst an der Ba-
sis des sehr grossen fünften; dies ist sehr breit und theilt
sich in einen dickeren und längeren vorderen (oder oberen)
und einen kürzeren, schmäleren, in eine scharfe Spitze aus-
laufenden hinteren (oder unteren) Ast, die einen Winkel von
ungefähr 45® einschliessen. Im Grunde des zwischen beiden
Aesten liegenden tiefen Ausschnittes findet sich ein kleiner
flach gewölbter Vorsprung. An der Spitze des vorderen Astes
inserirt sich die starke, schwach und besonders nur nach der
Spitze zu gebogene Klaue, die nicht völlig bis zur Spitze
des hinteren Astes reicht und längs des Innenrandes einzelne
sehr kurze, feine Borsten trägt, während der ihr gegenüber-
liegende Rand des vorderen Astes mit etwas stärkeren Bor-
sten besetzt ist. — Das zweite Fusspaar des Weibchens
(Fig. 22) hat grosse Aehnlichkeit mit dem der Orch. Euchore-,
nur ist das erste Glied weniger blattförmig erweitert und hat
den vorderen und hinteren Rand in gleicher Weise gebogen;
das vierte Glied ist etwas länger als das fünfte, hat seine
grösste Breite nahe der Basis und zeigt hier am hintern Rande
einen starken, gerade abgestutzten Vorsprung ; das fünfte Glied
mit der Klaue (Fig. 23) ist ganz wie bei Orch. Euchore ge-
bildet, nur wurden ein paar stärkere Borgten am Ende des
der Klaue gegenüberliegenden schiefen Randes, die dort sich
finden (cf. Fig. 14), hier vermisst.
Die übrigen Füsse sind von gewöhnlichem Bau; das
sechste und siebente Paar von fast gleicher Länge und auch
beim Männchen von gleicher Form, ohne Verdickung des drit-
60 Friedr. Müller:
ten und vierten Gliedes am siebenten Paare. — Die Längen-
verhältnisse der Fiisse sind annähernd (beim cf), wie:
10: 11 : J2: 10:9: 15 : 15.
Die Kiemen des ersten Paares (Fig. 24) sind wie
bei Orch. Euchore lang, schmal, wurm förmig gebogen;
die des zweiten und dritten (Fig. 25) kürzer und breiter, doch
noch etwas gebogen; die des vierten und fünften Paares
(Fig. 26) endlich einfach oval.
Die Schwimmfüsse sind massig stark, alle drei Paare
von fast gleicher Länge; die Basalglieder etwas kürzer (etwa
um l) als die aus ungefähr einem Dntzend Gliedern bestehen-
den mit Federborsten besetzten Aeste.
Die drei Springfusspaare (Fig. 27) stehen etwa in
dem Verhältniss von 4:2:1; das Basalglied des ersten ver-
hält sich zu dessen äusseren und inneren Aste, wie 5:4:3;
beim zweiten sind Basalglied und äusserer Ast gleich lang,
wenig länger als der innere Ast; das letzte (Fig. 28) trägt
auf einem dicken konischen Basalglied ein einziges weit schmä-
leres, an Länge diesem ziemlich gleiches Endglied.
Der Schwanzanhang bildet eine einzige, dicke, seicht
ausgerandete Platte von der Länge der letzten Springfüsse,
mit sechs Borsten au seinem Ende und gegen 10 an seiner
oberen Fläche.
Das Männchen der Orchestia Gryphus unterscheidet sich
von allen bei Edwards (Hist. nat. des Crust. IlL p. 15) auf-
geführten Arten dadurch, dass nicht, wie dort als allgemeines
Merkmal hingestellt wird, die Füsse des ersten Paares eine
kleine unvollkommen scheerenförmige Hand besitzen, sondern
einfache Geh- oder Grabfüsse sind. Auch sonst ist unter
allen beschriebenen Arten nur die ägyptische 0. Deshayesii
Aud. ähnlich, und zwar nach der kurzen von Edwards gege-
benen Beschreibung in hohem Grade. — Das Weibchen un-
terscheidet sich von Talürus saltator Edw. durch das bei wei-
tem schwächere erste Fusspaar, von T, Beaucoudraii Edw.,
wie Orch. Euchore.
Von Orchestia Gryphus wurden nur wenige Exemplare
an der Ostküste Rügens, an dem sandigen Gestade zwischen
dem Peerd (auf Mönchgut) und dem Kieköwer gefunden in
Gesellschaft des dort sehr häufigen Talitrus saltator.
Orchestia Euchore und Gryphus. gl
Eine genügende Diagnose unserer beiden Arten aufstellen
zu wollen, würde vergeblich sein, bevor eine kritische Revi-
sion der bisher beschriebenen Talitrus und Orchestia stattge-
funden; manches, was in den vorhandenen Beschreibungen als
oft fast einziges Art-, selbst als Gattungsnjerknial betrachtet
wird, — Länge der unteren Antennen, Bildung der ersten
beiden Fusspaare, Verdickung des siebenten Fusspaares, —
mag auch hier als blosser Geschlechtsunterschied sich heraus-
stellen. Es genüge einstweilen für die drei Arten, deren auf-
fallende Geschlechtsdiflferenz bis jetzt bekannt ist, und die
später wahrscheinlich in eine eigene Gattung vereinigt werden
müssen, die wichtigsten sowohl gemeinschaftlichen als unter-
scheidenden Merkmale hervorzuheben:
Orchestia platensis , Euchore et Gryphus inter se conve-
niunt :
Antennis sup. capitis longitudinera haud aut vix super-
antibus; mandibulis palpi ne vestigio quidem gaudentibus ;
maxillarum paris 1^ lamina interna angusta setis pinnatis
curvatis duabus instructa; palpi pedum maxillarium arti-
culo ultimo brevi lato rotundato; pedibus 11^ paris in c/*
manu valido instructis, in $ debilibus, ungue exiguo articuli
V^ foliaceo-dilatati, cujus margini anteriori inseritur, apicem
haud superante praeditis; branchiis 1* paris angustis elon-
gatis flexuosis; pedibus saltatoriis paris ultimi exiguis
conicis, stylo terminali unico donatis; lamina caudali unica
crassiuscula, spinis ornata.
Differunt:
Orchestia platensis Kr.
Antennis superioribus caput longitudine aequantibus
aut vix superantibus; antennis in f. vix tertiam corporis
partem longitudine aequantibus, pedunculo flagellum I4articu-
latum parum excedente; oculis ellipticis; primi pedis ar-
ticulo quinto apicem versus in cT dilatato, haud dilatato in $ ,
ungue valido inermi; manu pedis secundi in ^ lata ovali;
pedis septimi articulo quarto in (^ incrassato, in $ gra-
cili; lamina caudali truncata; longitudine linearum 6.
Orchestia Euchore F. Müll.
Antennis superioribus caput, inferioribus tertiam
corporis partem , harum pedunculo flagellum ISarticulatum
Q2 Fried r. Müller:
longitudine aeqiiantibus; oculis rotiindis; primi pedis ard-
culo quinto apicem versus in cf dilatato, haud dilatato in $ ,
ungue valido spinulis dnabus in margine interiore armato;
manu pedis secundi in cf ovali; pedis septimi articulo
quarto in cT incrassato, in $ gracili; laniina caudali
emarginata; long. 5'".
Orcliestia Gryphus F. Müll.
Antennis sup. capite brevioribus; inferior ibus in
cT dimidiam, in ^ quintam (?) corporis partem longitudine
aequantibus , flagello 20articulato pedunculi dimidiam sub-
aequante; oculis rotundis; primi pedis articulo quinto nee
in cf, nee in 9 dilatato, ungue valido spinula unica in mar-
gine interiore armato; manu pedis secundi lata, incisura
profunda in raiiios duos divisa, anteriorem longiorem latiorem
unguigerum, posteriorem acuminatum; pedis septimi arti-
culo quarto in utroque sexu gracili; lamina caudali emar-
ginata; long. 4'".
Bemerkungen zu Zaddach^s Sjnopseos Crusta-
ceoruni Borussicorum prodronius.
Von
Dr. Friedrich Müller.
1. In dem Gattungscharakter von Leptocheirus ist (1. c.
p. 7) der Mangel der Nebengeissel an den obern Antennen
aufgenommen. Eine solche ist aber bei L. püosus Zadd., der
einzigen, im Greifswalder Bodden nicht eben seltenen Art, in
der That vorhanden , wenn auch in sehr rudimentärem Zu-
stande, reducirt auf ein einziges kleines Glied, welches kaum
die halbe Breite und y bis f der Länge des ersten Geissel-
gliedes erreicht und an der Spitze mehrere Borsten trägt,
unter denen in der Regel eine, oft das zweite Geisselglied
überragend, durch Länge sich auszeichnet. Da diese winzige
Nebengeissel meist an der inneren Seite des ersten Geissel-
gliedes verborgen liegt, würde sie leicht der Aufmerksamkeit
Orchestia Euchore und Gryphus. (33
entgelien, wenn dieselbe nicht durch die an der Seite dieses
Gliedes hervortretenden Endborsten derselben daranf hinge-
lenkt würde.
2. Die Jaera der Ostsee, die von Zaddach (1. c. p. 11)
als /. Ki^öyerii Edw. ausführlicher beschrieben wird und die
ebenfalls im Greifswalder Bodden und an der Rügenschen
Küste unter Steinen einzeln vorkomuit, kann ich nicht für die
genannte Art halten.
Milne Edwards sagt nämlich von seiner Jaera Kröye-
rii (Hist. nat. des Crust. III. p. 149): „corps tres-etroLt;...
l'abdomen se termine par un petit prolongement scuti-
forme de chaque cote duquel est une echancrure semi-cir-
culaire oii s'inserent les dernieres fausses pates." — Unsere
Jaera dagegen ist nur kaum dreimal so lang als breit und
eine solche schildförmige Verlängerung des Hinterleibes fehlt
ihr; im Gegentheil zeigt das Ende desselben (Fig. 29), wie
auch Zaddach richtig angiebt, einen breiten mehr oder we-
niger tiefen Ausschnitt, in welchem die styli caudales liegen.
Diese Unterschiede berechtigen wohl, sie als eigene Art
zu betrachten, die sich von Jaera Kr'öyerii durch die angege-
bene Abweichung im Bau des Hinterleibes und den breiteren
Körper, und wie diese von /. nivalis Kr. durch die Länge
der äussern Antennen, von /. alhifrons Leach durch die von
einander weit entfernten Augen unterscheidet. Sie giebt ein
neues Beispiel für die Eigenthümlichkeit der Crustaceenfauna
der Ostsee und mag den Namen Jaera baltica führen.
Erklärung der Abbildungen Taf. IV.
Fig. 1. Orchestia Euchore cf, dreimal vergrössert.
Fig. 2. Mandibel derselben.
Fig. 3. Unterlippe.
Fig. 4. _Erste Maxille.
Fig. 5. Zweite Maxille.
Fig. 6. Kieferfüsse.
Fig. 7. Erstes Fusspaar des cf.
Fig. 8. Klaue desselben, mehr vergrössert.
Fig. 9. Die letzten Glieder desselben Fusspaares vom 9-
Fig. 10. Zweites Fusspaar des cf.
Fig. 11 u. 12. Dasselbe von jüngeren Männchen.
Fig. 13. Dasselbe vom Weibchen; a epimerum^ b erste Kieme,
c Eierplatte.
64
Friedr. Müller: Orohestia Euchore und Gryphiis.
Fig. 14. Dieses Fusses fünftes Glied mit der Klaue, stärker
vergrössert.
Fig. 15. Kieme des zweiten Paares.
Fig. 16. Letztes Hinterleibsfusspaar.
Fig. 17. Schwanzanhang, von oben.
Fig. 18. Orchestia Gryphus (^, viermal vergrössert.
Fig. 19. Erstes Fusspaar des cf.
Fig. 20, Dessen Klaue, stärker vergrössert.
Fig. 21. Zweites Fusspaar des cT-
Fig. 22, Dasselbe vom $.
Fig. 23. Dieses Fusses fünftes Glied mit der Klaue, stärker
vergrössert.
Fig. 24. Kieme des ersten,
Fig. 25. des zweiten,
Fig. 26. des fünften Paares.
Fig. 27. Die drei letzten Hinterleibssegmente.
Fig. 28. Letztes Hinterleibsfusspaar, mehr vergrössert.
Fig. 29. Hinterleib der Jaera haltica^ von oben.
65^
lieber die Vermehrungsweise des Chlorogonium
euehlorum Ehr.
Von
Dr. J. F. Weisse
in St. Petersburg.
(Aus dem Bulletin physico-malhemalique de l'Academie des science« de
St, Petersbourg, Tora. VI, No. 20 )
(Hierzu Taf. V.)
Wenn Prof. Ehrenberg in Berlin hinsichtlich der Infu-
sorienkiinde mit vollem Rechte, gleich Paracelsus, seinen Zeit-
genossen zurufen kann: ,,Ihr mir nach, nicht ich Euch nach",
so muss jeder Beobachter dieser so geheimnissvollen Welt
des kleinsten Lebens eine besondere Freude empfinden, wenn
er Etwas in ihr entdeckt, was dem so schwer zu erreichen-
den Meister entgangen ist. In diesem Falle befand ich mich
vor wenigen Monden, als ich unerwartet an dem in der Ueber-
schrift genannten Infusorium eine höchst überraschende Ent-
deckung in Betreff seiner Vermehrung machte — eine Ent-
deckung, welche nicht nur eine Reduction der Infusorien-Zahl
bedingt , sondern vielleicht auch die Anwesenheit von Eiern
bei den sogenannten Polygastricis ausser Zweifel setzen dürfte.
Ende Mai d. J. beobachtete ich zum ersten Male das Chlo-
rogonium euehlorum als auch bei uns vorkommend. Das dick-
liche, dunkelgrüne Wasser einer halbausgetrockneten Lache,
in welchem ich das Thierchen fand , hatte einen ausgezeich-
neten, spermatischen Geruch und enthielt ausserdem Sphace-
lomonas Pulvisculus und Euglena viridis in grosser Menge.
Das hier in Rede stehende Infusorium aber war in so ge-
drängter Anzahl vorhanden, dass ich in jedem Tropfen wohl
mehrere Tausend Individuen annehmeji konnte, wxjlche sich in
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 1. Bd. 5
66 Weisse:
den verschiedensten Entwickelungsstufen zeigten. Ein Thei!
der hübschen wasserhellen, starren Spindel enthielt im Innern
eine ziemlich gleichmässig vertheilte grüne Masse mit nur we-
nigen kleinen hellen Bläschen (Fig. 1): bei anderen hatte sich
diese Masse mehr oder weniger von der Hülle znrückgezogen
(Fig. 2. 3. 4); wieder bei anderen bildete sie zwei, drei und
mehrere schief ablaufende Häufchen, an welchen mitunter ver-
tical verlaufende Einschnitte bemerkbar wurden (Fig. 5. 6. 7. 8);
noch andere endlich glichen spindelförmigen Weintrauben (Fig.
9 u. 10), besonders wenn man sich die durchsichtige Hülle
nicht zur Anschauung brachte (Fig. 9). Letzterer Gestalt er-
wähnt auch Ehrenberg, ohne jedoch von ihr eine Abbil-
dung zu geben. Die Worte seines Textes (S. 114): ,,ln der
Contraction gleicht der Körper oft einer spindelförmigen
Weintraube" und noch mehr die unter der Erklärung der Ab-
bildungen ^QS Chlor ogoniu7n sich befindenden: „Alle gekörnte
Figuren sind Contractionszustände, alle in die Quere
eingeschnürten sind Theilungszustände, wobei keine Schaale
sichtbar wird u. s. w." fielen mir auf, weil ich nicht die ge-
ringste Spur von Contractilität an den Thierchen bemerken
konnte und stets die starre Hülle wahrnahm. Ich richtete
meine Aufmerksamkeit daher besonders auf diese traubenför-
migen Individuen, w^elche sich übrigens, gleich den anderen,
mit grosser Lebendigkeit vorwärts bewegten und sich zugleich
um ihre Längsaxe drehten.
Nachdem ich eine solche Traube längere Zeit hindurch
verfolgt hatte, blieb sie bewegungslos liegen *) und schien
abgestorben zu sein, obgleich es nicht an Wasser gebrach.
Bei fortgesetzter Beobachtung glaubte ich indessen zu bemier-
ken, dass die abgekörnten Theilchen der innern grünen Masse
mitunter ihre Gestalt änderten, sich zuweilen mehr länglich,
zuweilen wieder mehr rundlich darstellend; ja von Zeit zu
Zeit schien es mir, als ob sich's in denselben rege. Von nun
an Hess ich das Thier nicht mehr aus dem Auge und suchte
durch ein Deckglas das zu schnelle Verdunsten des Tropfens
') Dies geschieht gewöhnlich in der Nähe eines fremden Kör-
pers, an welchem sich das Thier vermittelst seiner Rüssel anzuheften
scheint.
üeber die Vermehrungsweise des Chlorogoniura euchlorum Ehr. 67
zu verhindern. Bald überzeugte ich mich davon, dass in der
That eine Fortbildung der einzelnen Körnchen, in denen bald
hier bald da eine leise zuckende Bewegung Statt hatte, vor
sich gehe. Nach einer gewissen Zeit hatten die meisten von
ihnen eine länglichere, fast spindelförmige Form angenommen
— und nun hub ein allgemeineres Regen an, was bald in eine
lebhafte Bewegung und endlich in ein rasches Durcheinander-
wiihlen der zum selbstständigen Leben eingehenden Brut über-
ging. In Folge dieser wiederholten energischen Bewegungen
ward die sie gemeinschaftlich umschliessende Hülle nach we-
nigen Minuten gesprengt und es entschlüpfte ein Junges, gleich
einer Maus, durch den entstandenen Riss, bald darauf noch
eines, und in einem Nu zerstreute sich alsdann die ganze
junge Generation, welche ich in der Geschwindigkeit auf mehr
denn zwanzig Individuen schätzte, mit einer nicht zu be-
schreibenden Behendigkeit nach allen Richtungen hin, und ver-
lor sich in dem zwischen Deck- und Objectivglas befindlichen
Wasser, für sie noch immer ein Ocean (Fig. 11). An ihrer
Geburtsstätte konnte ich auch nicht das geringste Ueberbleib-
sel wahrnehmen, obgleich ich noch kurz vor ihrem Abzüge
die starre spindelförmige Hülle gesehen hatte.
Das höchst anregende Schauspiel, welches dieses leben-
dige Zerfallen eines Organismus darbietet, übertrifft Alles, was
ich bisher unter dem Mikroskope zu sehen Gelegenheit gehabt
habe. Nachdem ich mir dasselbe zu wiederholten Malen vor-
geführt hatte, ging ich später mit der Uhr in der Hand an's
Beobachten und fand, dass von dem Zeitpunkte des schein-
baren Absterbens der spindelförmigen Traube bis zum Wahr-
nehmbarwerden der ersten Regungen in den einzelnen Körn-
chen etwa eine halbe Stunde, und von hier an bis zu dem
die Hülle zersprengenden Gewühle abermals ungefähr eine
halbe Stunde verstrich. Nach dieser Zeitbestimmung mich
richtend, konnte ich in der Folge mehreren naturforschenden
Freunden ^) dieses merkwürdige Phänomen zu jeder Zeit vor-
') Unter diesen befand sich auch der Hr. Staatsrath Posteis,
rühmlichst bekannt in der literarischen Welt. Derselbe hatte die
Gefälligkeit, sogleich das von ihm Gesehene zu zeichnen, woraus die
hier beigegebenen Abbildungen hervorgegangen sind.
68 . Weisse:
legen, ohne genötliigt zu sein, fortwährend in's Mikroskop zu
schauen.
Einige Wochen später scliöpfte ich an einem andern Orte
ein ähnliches Wasser und fand das hier besprochene Tliierchen
fast in noch grösserer Menge, als das erste Mal. Nachdem
dasselbe einige Tage lang bei mir im Zimmer gestanden, hatte
sich der grösste Theil der Tliierchen zu Boden gesenkt, wahr-
scheinlich um daselbst zu kreissen {sil venia verhol), denn wenn
ich mit einem Haarpinsel einen Tropfen aus dem Grunde der
Schüssel, in welcher ich das Wasser aufbewahrte, auf das Ob-
jectivglas brachte, konnte ich den Geburtsact zu gleicher Zeit
an vielen Individuen und in den verschiedensten Perioden
beobachten. Das oben in der Schüssel befindliche Wasser
war aber jetzt mit Hunderttausenden der (neugebornen) JJvella
Bodo erfüllt.
Voranstehendes führt mich zu der Schlussfolge, dass
XJvella Bodo, Glenomorum tingens und Chlorogonmm euchlo-
rum ein und dasselbe Thier, nur in verschiedenen Entwicke-
lungsphasen stehend , seien. Jn Hinsicht der beiden letztge-
nannten stieg dieser Gedanke schon früher in mir jedes Mal
auf, wenn ich die Abbildungen bei Ehren berg betrachtete;
jetzt aber, nachdem ich alle drei erwähnte Thierchen selbst
gesehen und die Entstehung der Vvella Bodo beobachtet habe,
ist mir die Identität derselben keinem Zweifel mehr unterwor-
fen. Uebrigens hat Ehren berg solches selbst schon vermu-
thet, wie aus mehreren Stellen seines grossartigen Infusorien-
werkes erhellt. Wenn derselbe jedoch, zur Unterscheidung
des Glenomorum von Chlorogonium , S. 27 sagt: ,,Sie ist be-
sonders nahe verwandt der Gattung Chlorogonium, die aber
eine mehrfache gleichzeitige Selbsttheilung zeigt, und sich, den
Astasiaeen gleich, willkürlich etwas zusammenzieht und aus-
dehnt", so habe ich zu bemerken, dass sie, als im Jugendzu-
stande sich befindend, noch nicht den erst später auftretenden
Furchungsprocess zeigen kann und dass ich , wie schon oben
bemerkt, bei Chlorogonium durchaus nicht die geringste äus-
sere Körperveränderung wahrzunehmen vermochte, auch des-
halb der Meinung bin, dass diesem Geschöpfe sowohl, wie
auch dessen Abkömmlingen, ein anderer Platz im Systeme,
als wo Ehrenberg sie hingestellt hat, einzuräumen sein
üeber die Vermehrungsweise des Chlorogonium euchlorura Ehr. 69
dürfte. Vvella Bodo, von welcher, beiläufig gesagt, er selbst
es für möglich hält, dass sie der Jugendziistand von Chloro- .
gonium sei, steht gewiss mit Unrecht bei der Monaden -Gat-
tung: Uvellttj selbst wenn sie nicht das Junge von letzterem
wäre, was aus Ehrenberg's eigenen Worten: ,,die beeren-
artigen Haufen haben d^as Eigenthiimliche, dass sie nicht wie
die der übrigen Uvellen nach allen Richtungen, über den Kopf
der Thiere, rollen, sondern sich um die Längsaxe drehen und
das stumpfe Ende vorn fiihren" deutlich hervorgeht. Ehren-
berg scheint mir auf das zufällige Aneinanderhängenbleiben
dieser Thierchen da, wo sie sich in gedrängter Menge vor-
finden, ein zu grosses Gewicht zu legen.
Soll man nun das hier geschilderte lebendige Zerfallen
eines thierischen Wesens Selbsttheilung oder ein Lebendigge-
bäreu nennen? Oder ist vielleicht das Infusorium, welches den
Namen Chlorogonium führt, nichts weiter als ein sich frei be-
wegender Eierschlauch? Die Beantwortung dieser Fragen muss
ich Naturforschern ex professo überlassen , mich damit begnü-
gend, zuerst diesen merkwürdigen Hergang belauscht zu haben.
Zusatz
von dem Akademiker B a e r.
Ein Lebendig-Gebären wird man die von Herrn Weisse
sorgfältig beobachtete und anschaulich dargestellte Vermeh-
rungsart von Chlorogonium euchlorum wohl kaum nennen dür-
fen, da nichts übrig bleibt als die leere Hülse. Der gesammte
Mutterkörper ging, mit alleiniger Ausnahme der epidermati-
schen Hülle, also mit seinem ganzen lebendigen Inhalte, in
die Brut über. Der Begriff des Gebarens setzt ein Gebären-
des voraus, d. h. einen lebendigen Mutterkörper, der die Brut
entwickelt und austreibt oder wenigstens austreten lässt. Le-
bende Brut setzt einen frühern Ei- oder Keimzustand voraus,
aus welchem die Brut zu selbstständigem Leben herangebildet
wird. Entwickeln sich nun diese Keime oder Eier in einem
einzelnen Theile des Organismus, den wir Keim- oder Eier-
stock nennen können, möge er mehr oder weniger ausgedehnt
70 Weisse:
sein, so lässt sich noch ein Lebendig -Gebären annehmen.
Vom Chlorogonium bleibt aber nichts übrig als die Hülse, die
von dem eingedrungenen Wasser schnell aufgelöst zu werden
scheint. Selbst der Pigment- Fleck scheint nach dieser Dar-
stellung in die Theilungsmasse überzugehen, obgleich wir dar-
über in Zweifel bleiben , ob seine Substanz sich gleichmässig
in die neuen Individuen vertheilt oder nicht. Ich möchte da-
her nicht anstehen, die hier beschriebene Vermehrungsart für
diejenige Form der Selbsttheihing zu erklären, welche über
die einfache Theilung hinausgehend, in eine grössere Zahl
neuer Individuen übergeht, wie wir sie von mehreren Infuso-
rien , am längsten vielleicht von Gonium pectorale kennen.
Dass hier die einfache Theilung in zwei Hälften als die mehr-
fache Theilung einleitend , mit Bestimmtheit beobachtet ist,
macht diese Beobachtung sehr interessant, weil dadurch die
wesentliche Uebereinstimmung im Processe der Dottertheilung
und dem Zerfallen einiger Infusorien , sowohl der vegetabili-
schen als der animalischen Sphäre, auch dem Zweifelnden an-
schaulich werden dürfte. Dass dort histogenetische Elemente,
hier neue Individuen gebildet werden, scheint nicht sowohl
eine Diflferenz des Processes als eine Differenz des Resultates,
bedingt durch das verschiedene Verhältniss in der Lebens-
Energie des zerfallenden Organismus, wie denn auch in neue-
rer Zeit vielfach nachgewiesen worden ist, dass in manchen
einzelnen Theilen eines schon über die erste Bildung weit
fortgeschrittenen Organismus die histogenetischen Elemente
(man erlaube mir diesen Ausdruck für das in neuerer Zeit
raissbrauchte Wort „Zellen") sich durch Theilung mehren.
Sehr muss ich bedauern, dass ich von der Hauptstadt
abwesend war, als mein Freund, Herr Dr. Weisse, mir die-
sen Theilungsprocess am Chlorogonium zeigen wollte, und
nach meiner Rückkehr das Thierchen nicht mehr zu finden
war., Die sogenannten „Bläschen" im Innern der Substanz
sind deutlich gewesen. Sollte es nicht möglich sein, wenig-
stens theilvveise zu erkennen, welchen Antheil sie am Thei-
lungsprocesse nehmen? Dass sie den Kernen in den Dotter-
theilungen ') gleichbedeutend sind, wird niemand bezweifeln
') Dass die Dottertheilungen in neuerer Zeit von vielen Beob-
Ueber die Vermehrungsweise des Chlorogonium euchlorum Ehr. 71
wollen. Die griine Färbung der übrigen IMasse mag es sehr
erschweren, vielleicht unmöglich machen, zu beobachten, ob
auch hier die Theilung von den Kernen ausgeht, (wie ja bei
der einfachen Theilung der Infusorien oflfenbar ist, vergl. Sie-
l^old's vergl. Anat. Bd. 1, S. 2, 3). Doch möchte ich künftige
Beobachter darauf aufmerksam machen. Dass dort der Kern
dunkler, hier heller erscheint als die umgebende Substanz, ist
ein ganz gleichgültiger Umstand. Nicht gleichgültig aber ist
es, dass im Chlorogonium euchlorum vor der Theilung eine
Mehrzahl von Kernen beobachtet ist. Ob etwa vor der ersten
Theilung diese Kerne zu einem gemeinschaftlichen sich ver-
einigen, oder ob nicht ausser ihnen ein Central -Kern sich
ausbildet? mögen spätere Beobachter entscheiden.
achtern der „Furchungs-Process" genannt werden, i^t eine charakte-
ristische Erfindung der Neologie. In meinem ersten Berichte über
die Dottertheilung im Froschei hatte ich mich zu Anfange allerdings
des Wortes „Furchung" bedient, allein bloss um mich au die Dar-
stellung von Prevost und Dumas anzuschliessen. Sehr umständ-
lich aber erzählte ich die einzelnen Vorgänge um nachzuweisen, dass
sie in Theilungen beständen, und dass die Bestimmung zur Theilung
von Innen wirke; vergl. z. B. Müll er 's Archiv 1834. Ich wusste
freilich noch nicht, dass das Innere eines individualisirten Theiles
ein Kern heissen müsse, es möge halb oder ganz flüssig sein, weil
ein solcher Theil nothwendig eine Zelle ist. Wenn aber der Dotter
oder der Keim in viele Zellen sich theilt oder zerfällt, warum sollte
man diesen Vorgang eine Furchung nennen?
72
Beiträge zur Kenntniss der Arten von Ctenomjs,
mitgetheilt von
A. Wagner.
Von dieser noch sehr unvollständig gekannten Gattung
sind bisher 3 Arten aufgestellt worden: Ctenomys hrasiliensis
von Blainville, Ct. torquattis von Lichtenstein und Ct.
magellanicus von Bennett, ohne dass es ihren Begründern
möglich gewesen wäre, eine mit der andern zu vergleichen.
Er fehlt daher noch viel zur Sicherung der Selbstständigkeit
der genannten 3 Arten , um so mehr als Ct. hrasiliensis und
magellanicus, wie es scheint, nur nach jungen Individuen auf-
gestellt sind. Da nun Natter er 2 Exemplare von Kamm-
ratten aus Brasilien mitgebracht hat, überdies unsere Samm-
lung ebenfalls ein Exemplar, und zwar aus Bolivien, erhalten
hat, so will ich hier von diesen eine, auf die bisher aufge-
stellten Arten Rücksicht nehmende Beschreibung liefern, um
dadurch einen Beitrag zur genauem Kenntniss der Spezies
von Ctenomys zu geben.
1. Ctenomys hrasiliensis Blainv. Die brasilische
Kammratte.
Natterer hat aus Caissora (Provinz Matogrosso) 2
Exemplare (Männchen und Weibchen) mitgebracht, die ich
vorläufig zu Blainville's Ct. brasiliensis zählen will. Ueber
ihre Färbung hatte ich mir schon bei meinem letzten Aufent-
halte in Wien folgende Notiz aufgeschrieben: ,, Farbe falb-
braun, längs des Rückgraths und Oberkopfs schwarzbraun,
auf dem Unterleib mit einigen weisslichen Flecken von unbe-
stimmter Form und Anzahl; an dem einen Exemplare (Weib-
chen) findet sich Weiss nur am Hinterbauch und ganz un-
deutlich hinter den Vorderbeinen, am anderen Exemplare
(Männchen) sind diese Flecken grösser." Nach Natterer's
Beiträge zur Kenntniss der Arten von Ctenomys. 73
Aufzeichnungen hat das Weibchen eine Länge von i2\" im
rheinl. Maasse, wovon der Schwanz 3j" wegnimmt, und das
Männchen misst 12", wovon 3^" auf den Schwanz kommen.
Auf mein Ansuchen hatte die Direction des k. k. Natura-
lienkabinets in Wien die Gefälligkeit, mir das eine dieser
Exemplare (das W^eibchen) zur Ansicht und zur Vergleichung
mit meinem bolivischen Exemplare zukommen zu lassen, wonach
ich nun noch einige weitere Bemerkungen beifüge. Der ganze
Kopf und insbesondere die Schnautze ist sehr breit und flach;
die Nasenkuppe ist fast nackt, nur mit einem höchst feinen
Anflug von Härchen besetzt; die Augen sind klein, die
Schneidezähne sehr breit und ungefurcht. Die Gehöröffnung
ist nicht blos von einem einfachen Saume, sondern von einer
wirklichen, wenn auch sehr kleinen Ohrmuschel umgeben, die
dieselbe Form wie bei Loncheres hat und also einigermassen
an die des menschlichen Ohres erinnert. Die Krallen der
V^orderfiisse sind weit grösser als die der hintern; jene mit
ihren Rändern unten vereinigt, letztere nicht. Die Sohlen
sind nackt und die Zehen der Vorder- wie der Hinterfiisse
sind an der Wurzel der Nägel mit längern starren, vorwärts
gerichteten Haaren besetzt, die indess doch nur an den Hin-
terfiissen eigentlich kammartig gestellt sind; auch die Sohlen-
ränder der Hände und Hinterfiisse sind mit steifen Haaren
eingefasst. Der Schwanz ist an der Wurzel sehr dick und
rund, und gegen die Spitze seitlich zusammengedrückt; er ist
nur spärlich behaart, doch reichlicher auf der obern Kante.
Die Behaarung ist auf dem Kopfe sehr kurz, so dass sie die
Ohren nicht verdecken kann, am übrigen Körper ist sie zwar
länger, aber nicht besonders reichlich und überall glatt anlie-
gend und glänzend.
Die Färbung des gedachten Exemplares ist einförmig und
etwas glänzend bräunlich rostfalb, auf der Oberseite mit eini-
ger feinen schwarzen Sprenkelung und einer ins Schwärzlich-
braune fallenden, unbestimmt begrenzten Binde, die längs der
Mitte des Oberkopfs und Rückens fortzieht, bis sie in der
Kreuzgegend allmählich erlischt. Die ganze Unterseite des
Körpers ist ohne alle schwarze Beimengung und hat eine ein-
förmige licht rostfalbe Färbung, die nur durch etliche weisse
und unbestimmte Flecken unterbrochen wird, die hinter den
74 ' A. Wagner:
Vorderbeinen und vor den Hinterbeinen sich finden. Die
einzelnen Haare der Oberseite sind in ihrem untern Theil
Schieferfarben, was an den Seiten an Intensität und Ausdeh-
nung abnimmt, bis es auf der Unterseite des Körpers ganz
verschwindet, so dass die Haare hier einfarbig oder selbst
etwas lichter an der Wurzel sind. Die Schnurren sind weiss,
die Schneidezähne lebhaft safranroth, die Krallen weisslich
hornfarben und die Haare der Zehen ebenfalls schniutzigweiss.
Wie Natterer in seinen Aufzeichnungen bemerkt, sind die Soh-
len licht fleischfarben; von derselben Farbe scheint auch die
Haut der Zehen und des Schwanzes zu sein; letzterer ist mit
IycII röthlichbraunen Härchen besetzt. Noch bemerke ich nach
Natterer's Notizen, dass das Weibchen zwischen den Hinter-
beinen zwei Zitzen hat, und dass dem Männchen ein hängen-
der Hodensack fehlt. Nachstehende Messungen habe ich selbst
von dem beschriebenen Exemplare abgenommen, und zwar,
wie alle andern, im pariser Maasse.
Körper 9" 6'"
Schwanz 2 9
Ohrhöhe . . 0 4J-
Ohrbreite 0 3|
Länge der obern Schneidezähne 0 5^
Breite von beiden am Lippenrande 0 3^
Mittelkralle des Vorderfusses nach
der Krümmung 0 6^
Mittelkralle des Hinterfusses . 0 3
Hinterfuss nebst Mittelkralle . 1 9.
Vergleiche ich nun diese beiden, von Natterer gesammel-
ten Exemplare mit dem von Blainville beschriebenen, so finde
ich allerdings als Difi'erenz, dass von letzterem die Grösse
geringer und der Bauch hellfarbiger erscheint; Verschieden-
heiten, von denen die erstere blos vom jüngeren Alter, die
letztere auf zufälligen Abänderungen beruhen könnte. Für
die spezifische Vereinigung dieser 3 Exemplare dürfte auch
noch der Umstand sprechen, dass sie gleichen Wohnort haben,
indem sie aus aneinander grenzenden Provinzen abstammen.
Da indess die Beschreibung von Blainville viel zu wenig An-
haltspunkte zur vollständigen Vergleichung darbietet, so könn-
ten freilich, wenn einmal jene Schilderung vervollständigt
Beiträge zur Kenntniss der Arten von Ctenomys. 75
werden sollte, erhebliche Differenzen sich ergeben, um das
von ihm beschriebene Thier spezifisch von den dnrch Natterer
zurückgebrachten, trennen zu müssen. In der Ungewissheit,
in der ich über diesen Punkt bleibe, mögen einstweilen die
von mir beschriebenen Exemplare aus Caissara unter dem
Namen Ct. brasiliensis mitbegriffen werden, doch mag es bis
zur definitiven Entscheidung gestattet sein, sie einstweilen als
Ct. Nattereri von dem Blainville'schen Exemplare zu un-
terscheiden.
* Mit dem Ct. torquatus Licht, geht es mir nicht viel
besser , als mit dem Ct. brasiliensis Blainv. Zwar sind die
Differenzen anscheinend grösser, indem bei jenem die Unter-
seite schmutzigweiss ist und ausserdem ein weisser Kehlkragen
sich findet. Wenn wir indess erwägen, dass bei dem männ-
lichen von Natterer's beiden Exemplaren die weissen Flecke
der Unterseite sich erheblicher ausdehnen als bei dem weib-
lichen, so wäre nur noch ein Schritt zu thun, um die ganze
Unterseite weiss erscheinen zu lassen. Auch der weisse Kehl-
kragen ist bei dem mir vorliegenden Exemplare schon etwas
angedeutet, da an dieser Stelle wirklich die Färbung etwas
lichter erscheint. Selbst die Heimathsverhältnisse des Ct. tor-
quatus würden zu Gunsten einer Vereinigung mit Ct. Nattereri
sprechen, wenn sonst nicht etwa Differenzen, derer in der
kurzen Beschreibung von jenem nicht gedacht ist, einen Wi-
derspruch einlegen möchten, was durch eine genaue V^erglei-
chung jenes Exemplares mit meiner Beschreibung von Ct.
Nattereri nunmehr wohl zur Entscheidung gebracht werden
könnte ^).
2. Ctenomys opimus nob. Die langhaarige
Kammratte.
Vom Naturalienhändler Brandt ist mir eine Kammratte
unter dem Namen Ctenomys brasiliensis zugekommen, die
seiner Angabe zu Folge aus Bolivia abstammt und in der auf-
fallendsten Weise von allen vorhin angeführten Kammratten
abweicht. Schon gleich die Beschaffenheit der Behaarung un-
terscheidet diese Art aufs Bestimmteste von allen vorhin er-
*) Vergl. unten.
76 A. Wagner:
wähnten Exemplaren. Bei letzteren nämlich ist sie glänzend,
dicht anliegend und nicht besonders reichlich, bei dem Ct.
opimns dagegen ist sie ausserordentlich reichlich, lang, locker
und matt. Der erste Blick verräth es, dass dieser mit seinem
dichten langen Pelze zu einem Aufenthalt in kalten Gegenden,
der andere dagegen mit seiner knappen Haardecke für heisse
Regionen bestimmt ist. Ein anderer erheblicher Unterschied
liegt in der Form der Schneidezähne. Diese sind bei Ct.
opimus nicht blos etwas schwächer, sondern die obern haben
auch eine andere Richtung, indem sie sich im.grössten Theii
ihrer Länge ab- und dabei etwas auswärts und erst gegen das
Ende einwärts biegen, während sie beim Ct. Nattereri gleich
vom Lippenrande an sich einwärts richten. Eine weitere Ver-
schiedenheit geben die Krallen zu erkennen, die zwar dasselbe
Verhältniss untereinander wie bei Ct. Nattereri haben, und
wovon die vordem ihre Seitenränder auf der Unterseite eben-
falls bis kurz vor der Spitze vereinigt haben, dabei aber weder
so ungemessen lang, noch so stark sind. Ob der Schwanz
des Ct. opimus nur in Folge des Ausstopfens den dicken
Umfang an der Wurzel verloren hat, muss dahin gestellt blei-
ben; er ist ebenfalls ge^en die Spitze hin seitlich zusammen-
gedrückt und an diesen seitlichen Endtheilen meist kahl, wäh-
rend er sonst ziemlich behaart ist, und die Haare im Endtheil
auf der Oberseite einen stärkern, auf der Unterseite einen
schwächern Kamm bilden , die zuletzt beide in einer Spitze
zusammenstossen.
Nicht mindere DiflFerenzen als in den Formen sind in der
Färbung gegeben. Diese nämlich ist schmutzig weisslichgelb,
was auf der schmalen Oberseite in ein nicht sonderlich dunk-
les Falbbraun übergeht, das fein schwarz bespritzelt ist. Alle
Haare, auch die der Unterseite, sind in ihrer untern Hälfte
schieferschwarz, während bei Ct. Nattereri die Haare des Un-
terleibs einfarbig sind. Die Schnurrborsten sind meistens
weiss, die vordersten schwarz. Die Schneidezähne weichen
in der Färbung auffallend von denen des Ct. Nattereri ab,
denn während sie bei diesem orangeroth oder vielmehr safran-
roth sind, sind sie beim Ct. opimus von einer gesättigten
orangegelben Farbe. Die Krallen sind nicht licht wie bei
jenem, sondern braun mit dunklern Flecken; die Haut des
Beiträge zur Kenntniss der Arten von Ctenomys. 77
Schwanzes und der Oberseite der Füsse erscheint auch nicht
fleischfarbig, sondern dunkel, beinahe schwarz. lieber die
Farbe der Sohlen kaini ich nichts sagen, da sich an selbigen
die Oberhaut abgelöst hat. Die Behaarung des Schwanzes ist
schmutzig gelblich mit einem dunkelbraunen Längsstreif, der
über die Oberseite verläuft.
Da ich den Schädel von Ct. Nattereri als noch im Bake
haftend, nicht mit dem Von Ct. opimus, den ich herausgenom-
men habe, vergleichen kann, so kann ich nichts über die Dif-
ferenzen an diesem Theile beibringen , doch scheint mir der
Schnautzentheil bei ersterem (nach der straff darüber gespann-
ten Haut zu schliessen) weit breiter zu sein. Indess um den
Ct. opimus als eine von Ct. Nattereri, brasiliensis und tor-
quatus total verschiedene Art hinzustellen , braucht es der
Vergleichung der Schädel nicht einmal; es sind überflüssig
genug Difl"erenzen in den F'ormen und der Färbung gegeben,
um jeden Zweifel über die spezifische Verschiedenheit abzuweisen.
So weit sich aber in seinen Merkmalen der Ct. opimus
von Ct. Nattereri entfernt , so nahe steht er dagegen einer
andern Art, dem Ct. magellanicus , der nur in dem einzi-
gen, von Bennett beschriebenen Exemplare bekannt ist. Die-
ser ist ebenfalls mit einem reichlichen Pelz bedeckt und alle
Haare sind zweifarbig. Auch die Färbung nähert sich der
unsers Ct. opimus, doch ist die des Schwanzes und der Kral-
len verschieden, auch ist nichts gesagt über die Farbe der
Haut am Schwänze und den Füssen. Eben so fehlt es an
einer Angabe der Färbung der Schneidezähne, was bei Nagern
ein wichtiger Punkt ist. Bemerken will ich noch, dass der
Schädel des Ct. opimus, an dem übrigens die beiden Joch-
bögen abgebrochen sind, im Ganzen ziemlich mit der von
Bennett gegebenen Zeichnung des Schädels von Ct. magella-
nicus übereinkommt, doch ist jener grösser und der Winkel-
fortsatz des Unterkiefers länger. Die Richtung der obern
Schneidezähne ist in jener Zeichnung die nämliche wie bei
unserem Ct. opimus, von dem ich noch erwähnen will, dass
seine Paukenknochen hinten weit auseinander gerückt, die
bogenförmigen Linien weit von einander getrennt sind und
das Wurzelende der obern Schneidezähne gerade über dem
ersten Backenzahn aufsitzt, an derselben Stelle, wo auch der
78 A. Wagner: Beiträge zur Kenntniss der Arten von Ctenomys.
Jochbogen sich anfügt. Schliesslich gebe ich noch die haupt-
sächlichsten Diniensionsverhältnisse des' Ct. opiraus an.
, Körper 7" 10'"
Schwanz 2 6
Mittelkralle des Vorderfusses
nach der Krümmung ... 0 4:^
Hinterfuss nebst Mittel kralle . 1 5y
Schädellänge .19
Breite am Hinterhaupt . . . 1 ^
,, „ Schnautzentheil . . 0 4§
Länge der obernBackenzahnreihe 0 5
Länge des Unterkiefers ... 1 3^
Grösste Weite desselben . . 1 3^.
Englische Zoologen, die Gelegenheit haben das von Ben-
nett mitgebrachte Exemplar des Ct. magellanieus zu verglei-
chen, werden nun von mir genug Anhaltspunkte bekommen
haben, um zu entscheiden, ob der Ct. opimus mit jenem zu
vereinigen oder als selbstständige Art von ihm zu sondern ist.
Zusa,tZ* Cte7i07nys torquatus Licht, (vom Uruguay) ist
gewiss nicht mit der ersten Art, viel eher als Abänderung mit
dem Ct. opimus Wagn. zu verbinden. Er stimmt nämlich mit
ihr in der reichlichen, lockeren Behaarung überein, ferner sind
alle Haare, auch die der Unterseite, an ihrer unteren Hälfte
schieferschwarz, die Schneidezähne sind auf der Aussenseite
orangegelb, die Vorderkrallen sind weniger lang, überhaupt
treffen die oben angezeichneten Dimensionsverhältnisse des
Ct. opimus auf den Ct. torquatus Licht, vollkommen zu. Auch
zeigen die beiden ausgestopften , in der hiesigen Sammlung
aufgestellten Exemplare des letzteren die verdickte Schwanz-
wurzel nicht. Der Unterschied zwischen beiden scheint ledig-
lich in der Färbung zu beruhen, indem bei Ct. torquatus der
ganze Rücken gelbbraun ist, was sich auf dem Kopfe auf die
Unterseite fortsetzt und auch an der Aussenseite der Beine
herabläuft, dagegen setzt sich die gelblich grauweisse Färbung
der Unterseite hinter dem Kopfe bis an das Ohr nach oben
fort, wodurch die halskragenartige Zeichnung gebildet wird,
die zu der Benennung Anlass gegeben hat. Auch sind die
Krallen weisslich. Er.
79
Mittheilung über eine Original -Abbildung des
Dronte (Didus ineptus Linne) von Roland Sarerj
in der k. k. Gemälde-Gallerie im Belvedere zu Wien.
Von
Dr. L. J. Fitzinger.
Die Bekanntmacluiug der Wiederauffindiing eines Schädels
des Dronte ans dem ehemaligen Gottorp'schen Musenm im
königl. Museum zu Kopenhagen durch Lehmann und die
üebersendung eines Gyps- Abgusses desselben an die vorzüg-
lichsten Museen Europa's, gibt mir Veranlassung,' durch Ver-
öflfentlichung der Existenz einer bisher gänzlich unbeachtet
gebliebenen Original-Abbildung dieses Thieres, welche offenbar
der Natur entnommen wurde und aus der ersteren Zeit der
Entdeckung desselben stammt, einen kleinen Beitrag zur Er-
weiterung der Kenntniss dieses höchst merkwürdigen, seit
mehr als 130 Jahren vom Erdballe gänzlich vertilgten Vogels
zu liefern.
Diese Abbildung befindet sich seit langer Zeit her in der
kaiserl. Gemälde-Gallerie im Belvedere zu Wien und ist eine
Arbeit von Roland Savery, des geschätztesten Thiermalers
seiner Zeit, der 1576 zu Courtray in Flandern geboren und
1639 zu Utrecht gestorben. Sie stellt den Vogel in gebück-
ter Stellung von der linken Seite dar und misst vom Rücken
bis zur Zehen-Sohle 1 Zoll 9 Linien, von der Schnabelkuppe
bis zum Schwanzende 2 Zoll 11 Linien.
Das Bild, auf welchem sich diese Figur befindet, ist 1 Fuss
4 Zoll hoch und 1 Fuss 10 Zoll breit, in Oel auf Kupfer
gemalt und bildet ein Gegenstück zu dem von demselben
Künstler gemalten, gleichfalls in der kaiserl. Gemälde-Gallerie
im Belvedere befindlichen Paradiese.
00 Fitzin ger: Mittheilung über eine Original-Abbildung
Es zeigt uns in einer oflfenen , von einem Flusse durch-
strömten Landschaft, in deren Hijitergrunde man zur Linken
auf einem Preisen einen alten runden Thurm und weiter davon
entfernt, gegen die Mitte zu, eine ideale Stadt des Orients
gewahrt, eine Masse von Vögeln in den natürlichsten Stellun-
gen, theils auf dem Lande und im Wasser, theils in der Luft,
von denen alle mehr im Vordergrunde befindlichen, mit wahr-
haft naturhistorischer Genauigkeit ausgeführt sind und sich
sämmtlich speciell systematisch bestimmen lassen.
Sowohl dieser Umstand , als auch die auf der Rückseite
des Bildes neben dem Namen des Künstlers angebrachte Jah-
reszahl 1628, welche die Zeit der Anfertigung dieses Gemäl-
des bezeichnet und gerade in die erstere Zeit der Entdeckung
dieses Thieres fällt, endlich aber auch die Uebereinstimmung
im Allgemeinen mit der zuerst durch Edwards und später
durch Shaw publicirten Original-Abbildung, welche von Sloane
auf Edwards und von diesem auf das britische Museum über-
ging, berechtigen zur Annahme, dass wir £ine vollkommen
naturgetreue Abbildung jenes höchst merkwürdigen Vogels
vor uns haben , welcher wohl ohne Zweifel dasselbe Original
zum Grunde lag, nach welchem auch das Oelgemälde im bri-
tischen Museum gearbeitet wurde.
Verfasser dieser Zeilen, welcher seit mehr als SO Jahren
von der Existenz dieses Bildes Kenntniss hatte, hätte längst
fiir die Veröffentlichung desselben Sorge getragen, wenn ihn
nicht mancherlei Verhältnisse und insbesondere der Umstand,
dass ihm kein Künstler zu Gebote stand, welcher eine getreue
Copie zu liefern im Stande gewesen wäre, daran gehindert
hätten; wie denn auch ein im Jahre 1845 gemachter, gänzlich
misslungener Versuch diesen Mangel genügend bestätigte.
Durch die besondere Gefälligkeit seines Freundes, des
gefeierten Künstlers , Herrn Ludwig Schnorr von Carolsfeld,
Custos au der k. k. Gemälde-Gallerie im Belvedere, welcher
eine das Original vollkommen getreu wiedergebende Copie
anzufertigen die Güte hatte, wäre es ihm nun allerdings mög-
lioh geworden , seinen längst gehegten Wunsch in Ausführung
bringen zu können und der Wissenscliaft dadurch eine gewiss
nicht unwesentliche Bereicherung zuzuführen , wenn nicht ge-
rade in dem Augenblicke, als er dieses Bild zur Oeffentlichkeit
des Dronte (Didus ineptus Linne) von Roland Savery. gl
bringen wollte, Strickland bei der Naturforscher-Versammlung
zu Oxford die Auffindung zweier anderer, gleichfalls von
Roland Savery herrührender Original-Abbildungen des Dronte,
im Haag und zu Berlin und einem dritten zu Oxford von
dessen Neffen John Savery , zur Sprache gebracht und kurz
darauf in der Ankündigung seiner gemeinschaftlich mit Mel-
ville herauszugebenden monographischen Bearbeitung des Dronte
und Solitaire die Absicht ausgesprochen hätte, alle bis jetzt
bekannten Abbildungen dieses Vogels in getreuen Copien wie-
derzugeben.
Unter diesen Umständen hielt er es für gerathen sein
Vorhaben aufzugeben und sich mit der einfachen Bekannt-
machung der Existenz einer bisher unbeachtet gebliebenen
Original- Abbildung in der k. k. Gemälde -Gallerie im Belve-
dere zu Wien zu begnügen, die Publication einer Copie der-
selben aber der Arbeit Strickland's und Melville's vorzube-
halten.
Archiv f. Naturffcsch. XIV. Jahrg. 1. Bd.
82
üeber die in Oberkalifornien beobaohteten^ V ögel.
Von
William Gninbel.
(Aus den Proceed. of the Acad. of nat. scirnc. of Philadelphia, Vol. III.)
[Mit Bemerkungen von J. Cabanis.]
AccIpitreN.
Cathartes Californianus (Shaw).
Dieser mächtige und interessante, mit dem Condor an
Grösse wetteifernde Vogel ist anf die Küsten des Stillen Mee-
res beschränkt nnd in Kalifornien besonders den Winter durch
häufig; er kommt wahrscheinlich vom Oregon, da er aus der
Gegend des Columbia um diese Zeit verschwinden soll.
Er ist nicht stets so scheu und es ist nicht immer so
schwierig, ihm nahe zu kommen, wie man berichtet hat, und
gleich dem Cathartes aura ist er es besonders, wenn er ein-
sam ist, er kommt aber auch oft in die Nachbarschaft der
Städte, ohne sich eben vor Menschen zu fürchten. ^)
•) Ich kann ein Beispiel davon anführen, wie geneigt die Geier
sind, zahm zu werden, und zeigen, wie sie sieh in dieser Bezie-
hung von den anderen Raubvögeln unterscheiden, mit welchen sie im
System vereinigt werden. Ein Condor, den ich in Valparaiso in
Chile in der ersten Hälfte des vorigen Jahres sah, hatte die Freiheit,
die Stadt überall zu durchstreifen, und ihm wurde wegen seiner auf-
fallenden Gelehrigkeit von Jedermann freundlich begegnet. Gleich einem
Hundefolgte er einem Menschen oderging neben ihm her aufweite Strek-
ken, und Hess sich ohne Widerstand anfassen und die Federn streicheln.
Eine bedeutende Anhöhe führte zu dem Stadttheil, wo sein Eigenthümer
wohnte, und wenn er seines Aufenthalts dort überdrüssig ward, oder
alles verzehrt hatte, was ihm dort zum Futter gegeben wurde, brei-
tete er seine gewaltigen Flügel aus, und schwebte herunter in die
lieber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. 33
Er ist sehr gofrässig und nicht weniger als ein gefallenes
Pferd oder Rind kann eine Mahlzeit für mehrere ausmachen;
aber an solchen Mahlzeiten fehlt es ihnen nicht, wenigstens
im Herbste, wo das vertrocknete Gras zufällig oder absicht-
lich von den Indianern abgebrannt wird. Diese Feuer ver-
breiten sich über grosse Strecken Landes, und in Folge der-
selben, so wie der Trockenheit des Sommers, kommen viele
Rinder um.
Nicht selten sieht man sie im Verein mit den Möven
einen an die Küste geworfenen Wallfisch mit Gier verzehren;
auch verwundetes Wild wird oft von ihnen verfolgt.
Beim Männchen ist im ausgefärbten Kleide die Kopf- und
Nackenhaut orangegelb und die Iris karminroth.
Cat hartes aura (Lin.)
Ebenso häufig und zutraulich in Kalifornien als in den
südlichen Theilen der Vereinigten Staaten. Er wird selten
gestört, da man den Nutzen kennt, welchen er Städten und
Gehöften dadurch bringt, dass er den Abgang von den Rin-
dern, welche in grosser Zahl geschlachtet werden, aufräumt.
Die Aaskrähe (C. atratus Wils.) ist sehr gemein um den
Golf von Kalifornien und wird namentlich zu Mazatlan in der
Umgegend der Stadt, in grossen Schaaren gesehen. In ihrer
Gesellschaft glaube ich die neue und gut unterschiedene Art
gesehen zu haben, welche mein Freund, Hr. Cassin, in der
Sammlung der Academie entdeckt und beschrieben hat ^).
Wahrscheinlich sind beide auch in Oberkalifornien zu finden.
Stadt, vielleicht auf einem Thurm oder einen anderen hohen Punct
sich niederlassend. Von Kindern liess er sich liebkosen, von ihnen
mit Ruthen schlagen und sie selbst versuchen auf ihm zu reiten. Er
steckte seinen Schnabel gern in meine Tasche oder unter die Kie-
men meiner Beinkleider, zugleich machte er seine Augen zu und liess
mich seinen Kopf reiben. In der That erinnere ich mich. nicht, je
einen zahmeren und zutraulicheren Vogel gesehen zu haben, als die-
sen merkwürdigen grossen Condor. Es ward mir versichert, dass
dort einige andere ähnliche Beispiele bekannt seien.
*) Cathartes Burrovianus Cassin, Proeeed. Acad. Nat.
Sciences Vol. 2. p. 212.
Diese Beschreibung lautet:
„(/. C. capite nudo, laevi, naribus magnis, ovatis, corpore
6* ,
84 G am bei:
[Es scheint den Nordainerikanisohen Ornithologen bis jetzt
unbekannt geblieben zu sein, dass Prinz Max von Neu wied
den von ihnen für Cath. aura gehaltenen Vogel als C. se-
ptentrionalis spezifisch getrennt hat, während ihnen doch
das reichlichste Material zur definitiven Erledigung dieses an-
scheinend noch fraglichen Punktes zu Gebote steht.
Der spezifische Werth dieser, sowie der hier als C. Bur-
rovianus aufgeführten Art bleibt mir, aus Mangel an genügen-
dem Material zweifelhaft.
Das Berliner Museum besitzt eine ziemlich reichliche An-
zahl von Exemplaren aus verschiedenen Gegenden Südameri-
omnino iiigro, viridi-coerulesccnte subnitido, subtus pallidiore;
plumis extendentibus sursiim super posteriore cervicis, parvo spa-
tio in pectore nudo. Alis longis, reniigibus et rectricibus nigris,
scapis primarum albis et conspicuis, tertia prima longissima. Haec
species est minima vulturum Americanorum cognitorum.
Long. tot. (exuvii) 22 imc, rostri 2^, alae 18, caudae 8^.
Hab. — Prope Vera Cruz.
Der Kopf nackt, glatt; die Nasenlöcher gross, eirund. Die Be-
fiederung des Körpers ganz schwarz, mit grünlich blauem Schein,
unten lichter. Die Federn erstrecken sich aufwärts über den Hinter-
hals; ein kleiner kahler Fleck auf der Brust. Die Flügel lang, die
Schwingen und Steuerfedern schwarz, die Schafte der Handschwingen
weiss und sichtbar, die dritte Handschwinge die längste. Der kleinste
der bekannten americanischen Geier.
Länge im Ganzen (Balg) 22 Zoll, Schnabel 2^, Flügel 18,
Schwanz 8^.
Aus der Gegend von Vera Cruz.
Diese Art gleicht dem C. aura (L.) in der Gestalt des Schnabels
und der Nasenlöcher, so wie in dem gerundeten Schwänze, unter-
scheidet sich aber nicht nur in der Grösse, sondern auch darin, dass
die Federn sich den Hinterhals aufwärts erstrecken und anliegen,
statt eine Krause zu bilden. Das Gefieder des vorliegenden Vogels
ist schwarz, ohne dass eine Feder blasse Ränder hätte, wie es beim
C. aura gewöhnlich der Fall ist. Die Schäfte der Handschwingen
sind rein weiss, und der Kopf ist mehr, wie bei jenem, ganz ohne
Daunen. Die Füsse sind länger und dünner.
Der Kopf des C. Burrovianus ist ganz glatt, worin er, wie in
anderen Hinsichten sich sehr vom C. atratus Wils. unterscheidet.
Diese Art wurde in der Nähe von Vera Cruz durch den verstor-
benen H. Burrough, D.M., erlangt, zu dessen Ehren ich sie benannt
habe, als eine geringe Anerkennung seiner schätzbaren Verdienste
um die Naturgeschichte und um unsere .Academie."
üeber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. 85
ca's (Carthagena, Venezuela, Brasilien, Montevideo, Chile und
Peru) aber nur 1, anscheinend jugendliches, Stück aus Nord-
anierica (von Neu-Harmony am Wabash) und 1 männliches
Exemplar aus Mexico.
Letztere beide haben nicht die für C. Burrovianus als
charakteristisch angegebenen Kennzeichen, lassen sich aber
auch nicht von den siidamericanischen Exemplaren, welche in
Grösse, Färbung u. s. vv. ziemlich merkliche individuelle Ab-
weichungen zeigen, spezifisch unterscheiden.
Unter den siidamericanischen Exemplaren befinden sich 2
Stücke (von Para und Montevideo), welche in der Färbung
des Gefieders, durch weisse Schäfte der Ilandschwingen und
die hinten am Halse höher hinaufsteigende Befiederung, die
für C. Burrovianus angegebenen Kennzeichen tragen , sonst
aber nicht von C. aura zu unterscheiden sind und ausserdem
unter sich in den Maassen, der Schnabelstärke und Laufliöhe
bedeutend difi'eriren, indem das Exemplar von Montevideo
einen sehr kleinen Schnabel und merklich kurze Läufe hat. —
Gab.]
Haliaetos leucocephalus (Lin.)
Häufig. ' Im Winter nährt er sich von den Enten und
Gänsen, welche die Ebenen in unermesslichen Flügen bedecken.
Das Nest habe ich auf hohen vereinzelten Felsen längs
der Küste gefunden. Es enthielt schon früh, in der Mitte des
Februar, Eier.
Interessant ist der Umstand, dass dieser edle Adler, das
Emblem unseres Landes, von den eingeborenen Indianerstäm-
men der Küste und des Inneren von Kalifornien heilig gehalten
wird, wie mir oft versichert ist.
Ein anderer grosser brauner Adler, Aguila real, wahr-
scheinlich der Adler Washingtons \Hal. Washingtofii Audub.]
wird nach Angabe der Indianer und Anderer gelegentlich hier
wahrgenonimen.
Pandion Caroline nsis (Gmel.)
Gemein längs der Küste, vorzüglich auf den felsigen In-
seln, wo er brütet. Zu Santa Catalina fand ich ihn auf stei-
len Klippen, im Februar, zugleich mit dem Hai. leucocephalus.
gß G a m b e 1 :
liutaetes Seine ti Johannis (Gmel.)
Gemein in den Prairie-Thälern, den Winter hindurcli, sich
viel auf dem Boden aufhaltend. Die Alten, in ihrem, dunklern
Kleide, obo^leich sie häufig gesehen werden, sind viel weniger
gemein als die Jungen.
Buteo horealis (Gmel.)
Sehr häufig, wie auch im Innern in den Ketten des Fel-
sengebirges.
Buteo lifieatus (Gmel.)
Das Geschrei „Ki-u" dieser schönen Art wird zu jeder
Zeit um die Weinberge und Gehöfte der niedern Theile von
Oberkalifornien gehört, wo sie häufiger ist als um Monterey.
Buteo Swainsonii Bonap.
Buteo montana Nutt. Man. p. 112. 2. ed.
B, vulgaris Aud. pl. 372. et auct.
Diese Art wurde zuerst aus den Pelzdistricten von Ri-
chardson mitgebracht, der sie als einerlei mit dem europäi-
schen Buteo vulgaris betrachtete.
Bonaparte unterschied sie in seiner vergleichenden Liste
der Vögel Europa's und America's mit dem Artnamen Swain-
sonii, mit Anführung von Audubon's Beschreibung und Abbil-
dung des von Townsend vom Oregon mitgebrachten Vogels.
Mein Freund Nuttall hat den gemeinen Bussard als einen
Bew'ohner der Felzgegenden auf Richardson's Auctorität be-
halten und Bonaparte's Synonym zu der Art gebracht, diese
aber, welche er als hinlänglich verschieden betrachtet, unter
dem Namen des weisskeldigen Bussard, Buteo montanus , be-
schrieben.
Nach Richardson's Angabe enthält das Nest drei bis fiinf
Eier von der Grösse eines Hühnereies, von grünlich weisser
Farbe, mit einigen dunkelbraunen Sprenkeln an dem dicken
Ende. Townsend, welcher den Vogel von dem Felsengebirge
mitbrachte, fand ihn -dort im Juli brütend, und zwei weisse
Eier im Neste.
A. L. Heermann, M. D., fand bei einem kürzlichen Aus-
fluge in die Frairien, diese Art am Platte-Fluss brütend, und
verschaffte sich auch das Ei, von dem er mir eine Abbildung
üeber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. 87
iimi Beschreibung gütig- niittheilte. Es ist beträcljtiich kleiner
als das des europäischen liussanl, und unterscheidet sich darin,
dass es rein weiss ist, mit wenigen dunkeln Sprenkeln am
Spitzern Ende, während das letztere eine bläuliche oder grün-
liche Färbung hat, mit verloschenen Zeichnungen einer unbe-
stimmten P'arbe, welche anscheinend in die Schaale eindringen,
und mit zerstreuten dunkelbraunen Sprenkeln. Die Angaben
Dr. Heermann's über das Nest stinunen so genau mit denen
von Richardson überein, dass ich die Vögel unbedenklich für
dieselben halte.
Elaniis leucurus Bonap.
Dieser lebhafte, schöne Falk ist ziemlich häufig in Kali-
fornien. Bei der Mission von St. Johannes, zwischen Älon-
terey und St. Francisco, erhielt ich drei Exemplare an einem
Tage. Er fliegt niedrig und kreisend über die Ebenen nach
Art des Strigiceps uliginosus, und nährt sich von den kleinen
Vögeln, welche so häufig auf dem Boden sind. Man kann
ihm leicht nahe kommen, besonders wenn er auf Bäumen sitzt.
Er lässt ein sehr lautes und durchdringendes Geschrei hören,
besonders wenn er verwundet oder g'efangen ist, wo er sich
boshaft zur Wehr setzt.
Falco anatum Bonap.
Gelegentlich gesehen längs der Küste. Er nistet auf
Klippen an der See.
Falco columharius Lin.
Gemein an der ganzen westlichen Küste.
Cerchneis Sparverius (Linn.)
Diese kleine zutrauliche Art ist häufig im ganzen Lande.
Astur fiiscus (Gmel.)
Ein streitbarer kühner Räuber, wie es scheint über ganz
Nordamerica verbreitet.
Astur Cooperii Bonap.
Es findet die merkwürdigste Aehnlichkeit im Gefieder zwischen
dieser und der vorigen Art in jedem Alter statt, und obgleich
es bei ihrer bedeutenden Grössenverschiedenheit unmöglich
ist sie zu verwechseln, würden sich doch, wie ich glaube^
gg Gambel:
kaum hinreichende Kennzeichen aufstellen lassen , wenn man
das Gefieder allein berücksichtigt. Wir finden in der That
in jedem Zweige der Naturgeschichte , dass solche Merkmale,
welche in einer Gattung: oder Familie zuverlässige Artunter-
schiede abgeben, in andern ziemlich unbrauchbar oder wenig-
stens mit Vorsicht anzuwenden sind.
Dieser Vogel ist an der Küste des Stillen Meeres überall
gemein.
Strigiceps uliginosus (Gmel.)
In niedrigen Thälern und Sümpfen in ganz Kalifornien,
dem Felsengebirge und Neu-Mexico sind wir sicher diese weit
verbreitete Art anzutrefi'en.
Buho Virginianus (Gmel.)
Gemein in den waldigen Strichen von Ober-Kalifornien.
Athene socialis Nobis.
Strix cunicularia Bonap., Aud., Nutt.
Dieser Vogel, welcher bisher als derselbe in dem ganzen
weiten Umfang von Nord- und Südamerica angenommen wurde,
lässt sich nach meiner Ansicht ebenso gut trennen, als viele
der Eulen, welche allgemein als verschieden gelten. Es ist
unnöthig, hier die trefi'lichen Beschreibungen zu wiederholen,
welche Bonaparte und Audubon von der nordamericanischen
Erdeule gegeben haben ; ich will nur die Unterschiede ange-
ben, welche ich zwischen der nord - und südamericanischen
zu finden glaube.
Ich bemerke einen Unterschied in der Färbung im All-
gemeinen. Sie ist lichter bei unserer Art, die Zeichnungen
und Schwingen sind gewöhnlich mit blassgelblichem oder
zimmtfarbenem Anfluge, während bei der andern die Färbung
immer viel tiefer ist und sich dem Dunkelbraunen nähert.
Der bestimmteste Unterschied liegt in den Füssen und
Läufen, welche bei unserer dünn und zart, bei der anderen
länger und viel kräftiger sind.
Die Flügel sind kürzer und haben die erste und fünfte
Schwinge gleich lang, wo nicht die erste die längere ist; bei
der südamericanischen Art ist dife fünfte Schwinge beträchtlich
länger als die erste.
Ueber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. 39
Der Schnabel ist bei unserer in jeder Hinsicht kleiner
und von dunkler Hornfarbe, mit Ausnahme der Firste und
der Ränder, bei der andern scheint er nur an der Wurzel
dunkel zu sein.
Aber wie kann auf eine von diesen beiden die Beschrei-
bung stimmen, welche Brisson von der Eule von Coquimbo
gegeben hat, die so viel grösser ist, mit schmutzig weissem
ungefleckten Schwänze?
Ich habe diesen Vogel in Neu- und Alt-Mexico, im Fel-
sengebirge und in Kalifornien gesehen, wo er überall nur
wenig Unterschied in seinen Sitten zeigt. Er lebt beständig
in Gängen iji der Erde, entweder einzeln, wie ich ihn häufig
gesehen habe, oder in kleinen Gesellschaften. Wenn er sich
die Baue anderer Thiere zu Nutze machen kann^ thut er es
immer, so dass stets ein Eindringling in die Wohnungen der
Prairie-Hunde, und in Kalifornien in die der grossen Erdhörn-
chen ist, welche dort so gemein sind. Oft gräbt er aber auch
selbst und lebt in zerstreuten Gesellschaften von vier oder fünf.
Nuttall hat sich nach meiner Meinung geirrt, im Betreff
seiner Wanderung aus Kalifornien im August. Ich habe ihn
dort zu allen Jahreszeiten gesehen.
In den Prairien soll sein Ruf dem der Murmelthiere glei-
chen, in deren Gesellschaft er sich aufhält. Die Nachricht,
welche Vieillot von seiner nächtlichen Lebensweise und seinem
Ruf giebt, ist von Bonaparte und meinem Freund Nuttal be-
zweifelt. In ihrer Brutzeit bin ich, wenn ich in der Nähe
ihrer Höhlen schlief, aufgewacht von ihrem lauten, gemessenen
und feierlichen Geschrei, welches sie ziemlich in der Art ihrer
Gattungsgenossen hören lassen, nur eigenthümlich feierlich.
[Die hier vorgenommene spezifische Trennung der Jf/iene
socialis von der südamerikanischen Strix cunicularia Gm. er-
giebt sich bei genauer Vergleichung als nicht hinreichend be-
gründet, wohl aber lassen sich nach der geographischen Ver-
breitung einige interessante klimatische Abweichungen fest-
stellen. Die Extreme zeigen sich in dieser Beziehung am
merklichsten zwischen Exemplaren von Kalifornien und denen
von der Westseite Südamerika's (Chile und Peru) und stim-
men die vom Verfasser angegebenen Unterschiede zwischen
9Q üambel:
A. socialis und cunicularia am besten auf die von mir unter-
suchten Stücke von Chile und Peru.
Bei diesen ist die Grundfarbe ein ziemlich dunkles braun,
wodurcli die hellen F'lecke sich nicht nur lebhafter absetzen,
sondern sie sind auch an allen Stellen des Gefieders viel
grösser.
Weniger in die Augen springend ist der Unterschied in
den Läufen, welche ich theils länger und stärker, theils gleich
lang, theils aber auch kürzer und mindestens ebenso schwach
als bei dem von mir untersuchten kalifornischen Exemplare fand.
Die 5te Schwinge fand ich merklich länger als die Iste,
bei einem Exemplare aber auch beide Schwingen gleich lang.
Der Schnabel ist merklich grösser, die Färbung desselben
aber stimmt mit der vom Verfasser für A. socialis angegebe-
nen, während das von mir untersuchte kalifornische Exemplar
weniger als die Basalhälfte dunkel hat, der grössere Theil des
Schnabels aber gelblich ist.
Anders verhält es sich mit den von mir untersuchten
brasilianischen Stücken. Diese stimmen in der Färbung voll-
ständig mit dem kalifornischen, wenigstens lassen sich keine
auch nur annähernd für spezifisch zu erachtende Unterschiede
auffinden. Bei einigen ist der Schnabel zwar etwas, aber doch
nicht erheblich grösser; indess fand ich bei allen die 5te
Schwinge länger als die Iste, sie stimmen also in dieser Be-
ziehung nicht mit der kalifornischen Varietät, sondern mit der
von der Westküste Südamerica's.
Jn der Mitte zwischen den bisher erwähnten Abweichun-
gen stehen die von mir aus der Gegend von Montevideo un-
tersuchten. Sie stimmen in der Färbung theils mit den bra-
silianischen überein, theils haben sie die dunkle Färbung und
die grössern hellen Flecke der Exemplare von Chile und Peru,
bilden also eine vollständige Uebergangsform von der einen
zur andern vermeintlichen Art. Die Iste Schwinge fand ich
hier theils beträchtlich länger als die 5te, theils aber auch
kaum länger und bei einigen Exemplaren beide Schwingen
gleich lang. Alle untersuchten Exemplare schienen vollständig
ausgemausert zu sein. Auch die Grösse des Schnabels variirt
und ist einerseits wie bei den brasilianischen Stücken , wäh-
rend sie andererseits beträchtlicher ist, aber doch immer nicht
üeber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. 91
die der stärkeren unter den Exemplaren vom westlichen Süd-
anierica erreicht.
Aus dem Gesagten scheint zur Geniige zu erhellen, dass
zwar in den Extremen ziemlich merkliche Unterschiede sich
zeigen, eine scharfe Grenze zur spezifischen Sonderung sich
aber nicht ziehen lässt. Gab.]
Nyctale Acadica (Gmel.)
Ich erhielt nur ein Exemplar dieser Art zu Monterey im
October.
Strix pratincola Bonap.
Diese zartgeftederte und zutrauliche Eule, deren Vorkom-
men im Westen der Atlantischen Meeresküste bisher, wie ich
glaube, nicht bekannt war, habe ich sehr häufig in Kalifornien
gefunden, mit derselben Lebensweise, wie sie von der ihr ent-
sprechenden europäischen Art beschrieben ist. Ihr Lieblings-
Aufenthalt ist in der Nähe der Städte und verfallenen Missionen,
obgleich sie auch in der Umgebung der Gehöfte und gelegent-
lich in den Prairie-Thälern gefunden wird, wo sie an Mäusen
und andern kleinen Thieren reichlichen Lebensunterhalt findet.
Sie baut ihr Nest unter den Ziegeldächern der Häuser in den
Städten, viele unter einem Dach, und zeigt wenig Furcht, wenn
man ihr nahe kommt. Ich habe kaum eine Mission besucht,
ohne diese Vögel aufzuscheuchen, wo sie über dem Altar, im
Kronleuchter u. s. w. der Kapelle sassen und den Segen des
Paters anhörten, dafür dass sie das Oel aus den Latnpen trin-
ken. Ueberall in Kalifornien, wo von ihr gesprochen wird,
ist man sicher, dass von ihrer Neigung, das geheiligte Oel zu
trinken erzählt wird, mit welchem Recht, weiss ich nicht. Die
Stücke, welche ich untersucht habe, stimmen in jeder Bezie-
hung mit denen von dieser Seite unseres Welttheils überein,
und zeigen dieselben von Audubon angegebenen Unterschiede
von den europäischen Exemplaren.
[[Auffallend ist, dass alle nordamericanischen Ornithologen
bisher gänzlich übersehen haben, dass die der europäischen
Strix flammea äusserst nahe verwandte amerikanische Art be-
reits von Lichtenstein im Jahre 1823 (Verzeichn. d. Doubl,
p. 59. No. 613) als eigene Art unterschieden wurde. Strix
per lata Licht, unterscheidet sich von St. flammea Lin. haupt-
92 G a m b e 1 :
sächlich durch grössere Körperverhältnisse unJ besontlers
(]urch den grösseren Schnabel und höhere Läufe.
Das Berliner Museum besitzt Exemplare aus IMexico
(Tezcuco und Oaxaca) Venezuela, British Guiana, Cayenne,
Brasilien und Montevideo. Ferner ist das Vorkommen dieser
Art an der Westküste von Siidamerica durch Tschudi's An-
gabe (Faun, Peruana Ornith. p. 121) bereits constatirt.
Ob nun St. perlata Licht, identisch ist mit St. pratincola
Bonap., St. america7ia Audub. vermag ich zwar nicht zu ent-
scheiden, da sich in der hiesigen Sammlung kein nordamerik.
Exemplar befindet, zweifle aber kaum daran. St. pratincola
wird nur in den südJichen Gegenden Nordamerica's angetrof-
fen, die Verbreitung von St. perlata aber Jässt sich über fast
sranz Siidamerica und Mexico nachweisen und ist daher wohl
anzunehmen, dass St. pratincola nur der nördliche Ausläufer
von St. perlata ist.
Mit dieser Annahme steht freilich Audubon's Angabe im
Widerspruche, ,,dass bei St. pratincola die am Rande des
Ohrendeckels stehenden Federchen auf die Spuhlen reducirt
und ohne Schaft und Fähnchen seien." Es fragt sich, ob dies
Kennzeichen wirklich so constant, wie es nach Audubon's An-
gabe anzunehmen ist? Bei vielen von mir untersuchten Exem-
plaren von St. perlata fand ich diese Federchen vollständig
vorhanden, aber zuweilen auch fast gänzlich bis auf die Spuh-
len abgenutzt.
Die in W^estindien (Cuba) vorkommende St.furcata Tenun.,
welche Gray in Gen. of Birds XIX. mit Unrecht als Synonym
zu St, perlata' Licht, stellt, unterscheidet sich constant durch
den ausgerandeten Schwanz, durch besonders lange Krallen
und die fast rein weisse Färbung des Schwanzes und der
meisten Armschwingen.
St. pu7ictatissima Gray, von den Gallapagos- Inseln ist
mir nicht bekannt. Gab.]
Passeres.
Hirundo thalassiiia Swains.
Diese schöne Art fand ich auf ihrem Zuge durch Kali-
fornien nach Norden, im Frühlinge.
üeber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. 93
Hirundo fulva Vieill.
Dies ist die häufigste Schwalbe an unserer westlichen
Küste. In Kalifornien kommen sie in der letzten Hälfte des
Februar oder im Anfang des März an. Sie begeben sich gleich
in die Nähe der Städte, Missionen und Gehöfte, und fangen
sofort an, ihre alten, retortenförmigen Nester herzustellen,
womit die Mauern unter den Dachvorspriingen, Regentraufen
und selbst die Fenstereinfassungen zuweilen fast bedeckt sind.
Das Nest wird häufig auch an den Stämmen grosser Bäume
in den Wäldern angelegt. Sie verlassen nicht leicht ihre alten
Nestplätze^ und bauen innner von Neuem dort, wenn ihnen
auch ihre Nester entweder vom Regen oder von den Einwoh-
nern zerstört werden.
CheJidon bicolor (Vieill.)
Diese Art ist ebenfalls gemein, und einige wenige Indi-
viduen scheinen den ganzen Winter zu bleiben, der grösste
Theil indess kommt in der letzten Hälfte des Februar an. Zu
Santa ßarbara fand ich ihre Nester, wie gewöhnlich, in den
Astlöchern der immergrünen Eichen, im April.
. Gotyle riparia (L.)
Gemein; sie gräbt ihre Nester in die sandigen Uferwände
kleiner Flüsse und Bäche, welche tiefe Schluchten ausge-
höhlt haben.
Ich habe nicht weit von Monterey im August noch eine
andere Schwalbe gesehen, mit einem tief gegabelten Schwänze,
gleich unserer Scheunen- Schwalbe (Hirundo rufa Gm.), aber
augenscheinlich anders gezeichnet.
Ceryle alcyon (Lin.)
Gemein längs des ganzen westlichen Gestades. In Kali-
fornien wird er nie an den Flüssen und Bächen des Binnen-
landes gesehen, sondern ausschliesslich an den felsigen Küsten
und Inseln.
Calliphlox rufa (Gm.)
Dieser kleine Kolibri ist ziemlich häufig durch ganz Ka-
lifornien.
94 Gambel:
Calliphlox Ä7ina (Less.)
Trochäus icterocephabis Nutt. Man. Orn. Vol. I. 2. ed-
p. 712.
Eine häufige und interessante Art, von welcher eine Menge
den Winter in Kalifornien zubringt. In dieser Zeit bewohnt
sie geschützte Abhänge und Ebenen, wo zu allen Jahres-
zeiten einige Sträucher in Bliithe stehen , und ihr eine spär-
liche Nahrung gewähren. In grösserer Zahl erscheint sie aber
in der letzten Hälfte des Februar und im Verlauf des März,
die Landschaft überzieht sich dann mit einem Teppich von
Blumen, und in ihrem Honig schwelgend, beginnt dieser Ko-
libri sein Brutgeschäft. Am Pueblo, wo die Weinberge und
Gärten sein Lieblingsaufentlialt sind, baut er sein zartes flau-
miges Nest in einem kleinen blühenden Strauch oder an einer
versteckten Stelle der Umzäunung. Im April und Mai sind
diese Nester fast in allen Gärten zu finden.
An andern Stellen befestigt er sein Nest fast ausschliess-
lich an einen niedrigen wagrechten Zweig der immergrünen
Eiche (Quercus agrifolia), welche so häufig im ganzen Lande
wächst. Das Nest ist klein, etwa einen Zoll tief und einen
und ein Viertel Zoll im Durchmesser. Es ist niclit sehr dick,
und auf das Sauberste von Pappus und der Wolle verschie-
dener Pflanzen gebildet, zusammengehalten und zu einem
weichen Filz in einander verflochten mit Spinnengewebe. Ich
habe es oft beobachtet, wie sie die letzteren im Frühlinge zu
diesem Zweck an Hecken und Zäunen sammelten, und glaubte
zuerst, sie suchten dort nur nach Mücken und andern kleinen
Insecten, welche sich darin gefangen haben möchten, allein
ich habe jetzt ein Nest vor mir, an welchem der Boden aus
einigen trockenen männlichen Blüthenkätzchen der Eiche be-
steht, womit das anliegende filzartige Geflecht von Pappus
mittelst einer dicken Schicht Spinnengewebe angeklebt und
um den Zweig befestigt ist. Die Eier, wie gewöhnlich zwei,
sind weiss und elliptisch. Der Ruf gleicht dem der Calliphlox
rufa, und besteht in einem schwachen oft wiederholten ,,Dschip"
(Chep) , während der Brutzeit aber sind sie sehr streitsüchtig
und die kleinen Kämpfer schiessen wie Meteore durch die
Büsche mit einem lauten und wiederholten zwitschernden Ge-
schrei. Er hat auch das mit Call, rufa gemein, dass er bei
üeber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. 95
heiterem Himmel zu einer beträchtlichen Höhe sich in die
Lüfte erhebt, und dann mit grosser Geschwindigkeit wieder
herabsteigt, wobei er einen eigenthümlichen Ruf hören lässt.
Nuttall, welcher diesen Kolibri aus Kalifornien brachte,
erhielt das Männchen nicht, sah es aber häufig und nahm an,
dass es einen gelben Fleck auf der Haube hätte. Ich habe
gefunden, dass er hierin getäuscht wurde, und zwar durch den
klebrigen ßlüthenstaub einer röhrigen ßlume, in der der Vo-
gel seine Nahrung sucht, und welcher sich auf den steifen
Federn seiner Haube festset7.t, und ihm das Ansehn giebt, als
hätte er wirklich einen gelben Kopf. Ich habe auch den hal-
ben Schnabel mit demselben Ueberzug bedeckt gesehen.
Sitta Carolinensis Briss.
Gemein an den Fichten des Felsengebirges und auch in
den bewaldeten Strecken der Westküste.
Sitta Canadensis Lin.
Ich fand diesen kleinen Wandervogel sehr häufig auf den
Gebirgen im Innern Kaliforniens, im October, in der Gesell-
schaft der rastlosen Flüge des Parus montanus nob. schwärmend.
Sitta pygmaea Vig.
Ungemein häufig im Winter in Oberkalifornien, zuweilen
fast die Stämme und Aeste der Fichten bedeckend, in denen
sie ausschliesslich ihr Futter sucht. In . der Umgegend von
Monterey besonders sind die Bäume zu Zeiten lebendig durch
diese kleinen unruhigen Geschöpfe, welche unaufhörlich ihren
eintönigen klagenden Ruf hören lassen , so wie sie um die
Zweige laufen. Der Ruf ist gewöhnlich ein wiederholtes,
flüsterndes „hwithwit", in welches, wenn einer anfängt, die
übrigen einstimmen. Sie lassen auch ein flüsterndes Trillern
hören, wenn sie eben emsig im Durchsuchen des Baumes be-
grifl'en sind, den sie erst verlassen, wenn sie jede Ritze nach
den versteckten Insecten durchspäht haben.
Harpes rediviva Nob. Proceed. Acad. Nat. Sc.
Vol. 2. p. 264. 1)
Promerops de la Californie Septentrionale La Perouse
Voyag. Atlas pl. 47.
^) „Gattung Harpes: Schnabel länger als der Kopf, von der
gg Gambel:
Dieser sehr merkwürdige Vogel wurde zuerst von La
Perouse bekannt gemacht, der ihn im Atlas zu seinen Reisen
Wurzel an gebogen, flach gedrückt; Oberschnabel breit und flach ge-
drückt, mit sehr scharfen Rändern, der Unterschnabel schmäler und
etwas kürzer. Nasenlöcher an der Wurzel, offen, gerundet. Ein
Borstenbüschel an der Wurzel des Oberschnabels. Flügel kurz und
sehr gerundet. Schwanz lang, keilförmig. Zehen und Läufe lang und
kräftig. Zunge kurz und flach. Färbung schlicht.
Harpes rediviva.
Oben glänzend braun, unten, vom unteren Theile der Brust an
ockergelb, welches am Steiss und auf den unteren Schwanzdecken ins
Röthliche fällt. Die Kehle grauweiss, der untere Theil des Halses,
die Brust und die Seiten bräunlich, etwas lichter als auf dem Rücken.
Ein dunkler Strich auf jeder Seite der Kehle, von der Wurzel des
ünterschnabels an. Die OhrlÖcher gross mid offen, die Ohrfedern
lose und etwas steif, die vereinzelten haarartigen Spulen schwärzlich.
Ein schmutzig weisser Strich über dem Auge. Der Schwanz 5| Zoll
lang, keilförmig, unten von der röthlichen Farbe des Bauches, und
durchweg mit Spuren schmaler dunkler Bänder; die beiden äussersten
Federn sind etwa einen Zoll kürzer als die mittelsten.
Die Flügel kurz und gerundet; ihre Spannung beträgt 12^ Zoll;
jeder misst vom Bug 4 Zoll. Die erste Handschwinge ist etwa halb
so lang als die dritte, welche kürzer ist als die 7te, 8te und 9te;
die 4te, 5te und 6te sind gleich lang, und die längsten. Der Lauf
1^ Zoll; die Hinterzehe mit der gekrümmten Kralle 1 Zoll, die Kralle
etwa eben so lang als die Zehe. Länge überhaupt 12 Zoll. Der
Schnabel schwarz, auf der Firste gemessen 1| Zoll lang; die Innen-
seite des Oberschnabels fast flach, mit scharfen, vorragenden Rän-
dern, jeder Kiefer dreikantig, der Unterkiefer schmäler als der Ober-
kiefer. Die Augen vorragend. Die Iris nussbraun.
Dieser seltsame Vogel wurde zuerst von den Naturforschern der
La Perouse'schen Expedition gesehen, wie dieser berichtet, der ihn
als einen Promerops betrachtet; er giebt auch weiter nichts über
ihn an, als: „wir schössen und präparirten einen Promerops, welchen
die meisten Naturforscher als der alten Welt eigenthümlich betrach-
ten." Eine nähere Beschreibung ist nicht gegeben.
Die Abbildung auf der Tafel No.37 des Atlas ist sehr ungenau
in jeder Hinsicht, ausgenommen in der Grosse; der Schwanz des
Vogels ist nicht so stufig und zugespitzt wie auf dem Bilde, und ob-
gleich nur die Brust sichtbar ist, sind die breite Brustbinde und die
weisse Kehle nicht angegeben; der schwarze Strich über dem Auge
ist auch unrichtig, indess ist die Abbildung ziemlich eben so gut als
die der kalifornischen Wachtel.
Meines Wissens ist über diesen Vogel von La Perouse's Zeit
Ueber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. 97
abbildete, und seitdem von anderen Schriftstellern, welche die
Tenuirostres behandelten, auf seine Auctorität als ein Prome-
rops aufgeführt.
Bei genauerer Untersuchung wird sich ergeben, dass er
in der grossen Familie der Certhidae an seiner richtigeren
Stelle steht; er ist mit den Töpfervögeln Siidamerica's (Fur-
narius) verwandt, sowohl in seinem Ansehn im Allgemeinen,
als auch, so viel ich erfahren, in seinen Sitten, indess sein
Schnabel gleicht mehr dem einiger grossen Zaunkönig-artigen
Vögel (Thryothorus?) des tropischen America.
Er ist' nicht die einzige Art in unserm Lande. Herr
Audubon zeigte mir nämlich vor Kurzem einen Vogel , den
er aus der Gegend von Galveston in Texas erhalten hatte,
und von welchem er vermuthete, dass es der von mir be-
schriebene sein möchte, bei näherer Vergleichung wies er
sich aber als eine eigene Art aus, deren Schnabel an der
Spitze stärker gebogen und weniger flach ist. Ohne Zweifel
wird bald eine Beschreibung von ihm erscheinen.
[Der Verfasser lässt es unentschieden, welchen Platz
dieser mir unbekannte, . für die Systematik anscheinend sehr
interessante Vogel, im System einzunehmen habe. Die Grup-
pen der Troglodytinae und Furnarinae, auf welche hingewie-
sen wird, sind keineswegs nahe verwandt, wie neuere Unter-
suchungen (siehe ,, Johannes Müller: Ueber die typischen Ver-
schiedenheiten der Passerinen" und „Ornithologische Notizen I.
im Archiv für Naturgesch. 1847") sowohl anatomisch als auch
nach äusseren Kennzeichen nachgewiesen haben , und können
im natürlichen Systeme ferner nicht in einer Familie : Cer-
thiadae vereint bleiben, sondern gehören sogar in verschiedene
Ordnungen.
bis jetzt keine weitere Nachricht gegeben, und es ist auffallend, dass
so viele Reisende, welche die Gegend, wo er vorkommt, durchzogen
sind, ihn nicht gefunden haben sollten. Ich nehme daraus ab, dass
er an Ort und Stelle selten sein muss. Beide Exemplare, welche
ich gesehen habe, waren an der Erde geschossen, bei Monterey in
Oberkalifornien.
Auch Vieillot und Latham erwähnen des Vogels, aber nur mit
Anführung von La Perouse's Worten, folglich ohne Namen und Be-
schreibung.
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 1. IJd. 7
gg G a m b e 1 :
Ob der hier in Rede stehende Vogel nun in die Ordnung
der Oscines oder der Clamatores gehört, würde sich aus der
Beschaffenheit der Laufbekleidung sogleich folgern lassen, lei-
der aber fehlen in der vom Verfasser gegebenen Beschreibung
die Angaben über diesen wichtigen Punkt gänzlich. Aus den
vorhandenen Angaben über die Bildung der Flügel und des
Schwanzes lässt sich indess vermuthen, dass der Vogel wohl
eher ein Singvogel sei und zu den Troglodytinen oder in
deren Nahe gehören möchte. Vielleicht steht er der Gattung
Campylorhynchus Spix nicht fern, und ist wohl noch näher
mit Toxostoma Wagl. verwandt.
Der für den Vogel vorgeschlagene Gattungsname Harpes
ist bereits früher anderweitig vergeben und macht daher die
Bildung eines neuen Gattungsnamens: Harporhynchus (von
ccQTirj, Sichel und Qvyyiog, Schnabel) nöthig. Harporhtjnchus
redivivus bildet den Typus der Gattung, zu welcher vielleicht
die vom Verfasser erwähnte, von Audubon in Texas entdeckte
2te Art kommen möchte. Gab.]
Troglodytes Bewickii Aud.
Gemein, hält sich in niedrigem Gebüsch und Reisigbün-
deln , auch an alten abgestorbenen Baumstämmen und Holz-
kloben auf, über und um welche er mit der grössten Behen-
digkeit schlüpft, wobei er, wenn man ihm nahe kommt, das
gewöhnliche schnarrende Geschrei der Zaunkönige hören lässt.
Troglodytes palustris V^^W^.
Ich fand diese Art auf kleinen mit Rohr bewachsenen
Wiesen im Innern Felsengebirge, im October.
Troglodytes sylvestris Nobis.
T. Jmertcana Aud. Orn. Biog. Vol. 2. p. 452. pl. 179.
Ein Sommerbewohner der immergrünen Eichen Kalifor-
niens, in denen er singt und brütet.
Ich habe den Namen, welcher dieser Art von ihrem Ent-
decker gegeben wurde, geändert, weil ein ^^Troglodytes ame-
ricanus" aus Cayenne von Cuvier in der 'Gal. du Paris be-
schrieben ist. S. Lesson Traite de Ornithologie p. 400.
Sialia arctica Swains.
Dieser schöne Azur- Sänger ist überall gemein in den
üeber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. 99
nördlichen Provinzen von Mexico. In der Nachbarschaft von
Santa Fe ist er häufig, und hält sich in der Nähe der Häuser
und in Gärten auf, wo er brütet, und sein Nest oft in Kästen
baut, welche die Einwohner ihm zu diesem Zweck hinstellen.
In den Ketten der Felsengebirge , soweit sie sich in Kalifor-
nien erstrecken, haben wir ihn häufig gefunden, und immer
in Gesellschaft der S. Mexicana, welche beide in dieser Jah-
reszeit gelegentlich ihren lieblichen Gesang hören lassen, und
uns damit an die Heimath erinnern.
Sialia Mexic ana Swains.
S. occidentalis Townsend, Aud.
Ueberall im Felsengebirge in Gesellschaft der vorigen,
und in Kalifornien bei weitem die häufigste Art. Im April
und Mai fand ich sie in den Astlöchern der immergrünen Eiche
brütend. Im Winter sammeln sie sich in kleine Flüge und
besuchen die kräuterreichen Flächen und Thäler des Gebirges.
Turdiis migr atorius L.
Wir fanden diese Drossel einzeln im ganzen Felsengebirge
und wenige werden zu allen Jahreszeiten in Kalifornien ge-
funden.
Turdus naevius Gmel.
Ich habe diese schöne Art nur im Frühling und Herbst
auf dem Zuge durch Kalifornien in stummen Flügen wahrge-
nommen.
Turdus minor Gmel.
r. nanus Aud. Orn. Bieg. V. p. 204. pl. 419. Nutt. Man.
p. 396').
r. solitarius Auct.
1) In den Proeeed. of the Acad. of Philadelph. I. S. 262 (April
1843) theilt der Verf. über diesen Vogel Folgendes mit:
^,Turdus nanus Aud. Nutt. Diese kleine und nach meiner Mei-
nung vollkommen bestimmte Art sehen wir häufig im Felsengebirge,
an niedrigen, einsamen Stelleu, und sich viel auf dem Erdboden auf-
haltend. In Kalifornien und auch in der Nähe des Pueblo de los
Angelos sah ich im Januar einige Vögel dieser Art in den Weiden-
hecken und buschigen Stellen in Gesellschaft der Sperlinge. Obgleich
er im Ganzen dem T. solitarius gleicht, ist er doch leicht durch '
7* •
100 Gambel:
Die Verwirrung, welche in der Beschreibung der Gruppe
der einander nahe verwandten Drosseln herrscht, zu welcher
diese Art gehört, hat die Bestimmung derselben äusserst
schwierig und unsicher gemacht.
Die Zwergdrossel {T. nanus) Audubon's ward auf Stücken
aus den Atlantischen Staaten gegründet, und ohne Zweifel auf
dem wahren T. minor Gm. Herr Pickering und auch Herr
Nuttall müssen den seitdem vom Dr. Brewer und Dr. Giraud
aufgestellten T. olivaceus vor sich gehabt und irrthümlich für
T, minor angenommen haben, als sie T. nanus als eine eigene
Art unterschieden.
Ein Vergleich von Stücken des T. minor von den nord-
americanischen Küsten des Atlantischen und des Stillen Mee-
res weist durchaus keine Verschiedenheit nach, ausgenommen,
dass die von der Westküste etwas kleiner sind, allein der
Unterschied ist kaum zu bemerken. Bei der Ausmessung vie-
ler Stücke aus dem Westen habe ich die Länge 6^" und die
Flügelspannung lOy" gefunden , der Schwanz, die Flügel und
die relative Länge der Schwingen sind dieselben wie bei un-
sern östlichen, und ich halte es in der That für unmöglich,
sie als Arten zu unterscheiden. Ein europäisches Exemplar
derselben Art, welche sich in der jetzt der Academie gehöri-
gen Sammlung Rivoli's befindet, stimmt in jeder Hinsicht mit
der unsrigen überein.
Was besonders bemerkenswerth in dem Betragen dieses
zarten und niedlichen Vogels ist, ist sein einsames und zu-
rückgezogenes Verhalten. Die zudringliche Beobachtung des
Menschen meidend, zieht er sich in den dichtesten Schatten
des Waldes oder Untergehölzes zurück, und nur selten gelingt
es ihn zu belauschen, wenn er emsig beschäftigt ist auf dem
Boden scharrend Futter zu suchen, oder auch ihn zu be
schleichen, wenn er ruhig auf einem niedrigen Zweige sitzt,
und von dichtem Laube lungeben sich verborgen und sicher
glaubt. In den bewaldeten Strichen der Felsengebirge fand-
ich ihn ziemlich häufig, immer auf oder sehr dicht am Boden.
Er ist sehr häufig in ganz Kalifornien und lässt sich im Früh-
seine geringere Grösse, welche nie über 6 Zoll Länge beträgt, zu
unterscheiden."
Ueber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. jQ!
linge in den entlegenen Hecken der Weinberge finden, wo er
wahrscheinlich brütet.
[Die hier gerügte Verwirrung habe ich bereits früher in
V. Tschudi's Fauna Peruana Ornith. p. 187. u. f. durch genaue
Sichtung der Synonyniie und Angabe der wesentlichsten Un-
terschiede der 3 unter dem Namen Turdus minor Gm. häufig
verwechselten Drosseln, zu beseitigen versucht. In meinen
Ornith, Notizen I. (Archiv f. Naturgesch. 1847. p. 205) finden
sich ferner einige Berichtigungen des in der Faun. per. Ge-
sagten.
Der vom Verfasser hier als T. minor Gm. aufgefülirte
Vogel ist identisch mit der von mir mit dem Namen T. Pal-
lasii belegten Drossel, und mit Recht scheint zu dieser Art
T. minus Audub. als Synonym gestellt werden zu müssen.
Der nach der Angabe des Verfassers neuerdings von Dr.
Brevvfer und Dr. Giraud aufgestellte T. olivaceus ist mir bis
jetzt unbekannt geblieben, zu vermutheu steht indess, dass
dies die von mir schon früher als Turdus Swcmisonü be-
schriebene neue Art ist.
Schliesslich ist noch zu bemerken, dass der Speziesname
olivaceus schon früher mehrfach an andere Arten der Gattung
Turdus vergeben ist. Gab.]
Mimus montanus (Towns.)
Wir trafen Stücke dieses Spottvogels längs der buschigen
Flussufer im Innern, während des September und October.
Er war um diese Zeit stumm.
Mimus poly glottis (Linn.)
Ich beobachtete einzelne derselben in geschützten Schluch-
ten während des Winters. Im Mai erklangen die Gehölze
um Santa Barbara von ihrem nachahmenden Gesänge, in wel-
chem sie damals dem Icterus Bullockii und der Sialia mexi-
cana nachmachten.
Cinclus Americanns Swains.
Nur wenige desselben wurden längs der Ströme in den
Einöden des Innern gefunden.
Anthus Ludovicianus Licht,
Diese Art scheint zu den am weitesten verbreiteten nord-
102 Gambel:
americanischen Vögeln zu gehören, indem er durch die ganze
Länge und Breite unseres Landes gefunden wird. In den
Wiistenstrichen zwischen Santa Fe und Kalifornien war er
einer der wenigen Vögel, welche wir antrafen. Er ging in
kleinen Flügen entweder auf die Ebenen zwischen die Step-
penpflanzen (arid Artemisia and sage bushes), oder längs des
Laufes der Flüsse und Bäche. In Kalifornien ist er häufig,
besonders im Winter, wo er die Seeküste besucht, um In-
secten und vielleicht auch kleine Muscheln aus dem angespül-
ten Seegrase aufzupicken.
Regulus Calendula Licht.
Diese Art wird, wie die meisten der ganz kleinen Vögel,
über die ganze Ausdehnung unseres grossen Continents ver-
breitet gefunden, und zeigt damit, dass derselbe einen einzigen
zoologischen Schöpfungsheerd bildet.
Auf den höchsten Ketten des Felsengebirges trafen wir
den Reg. Calendula in grossen Flügen in Gesellschaft des
ebenfalls zu grossen Flügen vereinigten Parus minimus Towns.
an; sie beleben diese traurigen Einöden mit ihrer rastlosen
Beweglichkeit und ihrem Gezwitscher, während sie nach Fut-
ter suchen. In ganz Kalifornien ist er ebenfalls häufig, er
wechselt immer in seinem Betragen und seinem Rufe, und
wird dadurch nur zu häufig ein Opfer der Flinte, indem man
immer glaubt etwas anderes vot* sich zu haben.
Gatt. Chamaea ^).
Schnabel kurz, nach der Spitze verschmälert, spitzig und
zusammengedrückt. Beide Mandibeln ganzrandig, die Firste
der oberen erhaben und fast von der Wurzel an gebogen.
Die Nasengrube gross, eirund, frei, die Nasenlöcher sich unter
einer Haut in die Nasengruben öflFnend. Die Flügel sehr kurz
und stark gerundet. Der Schwanz sehr lang, stufig. Läufe lang.
Chamaea fit sciata Nobis.
• Parus fasciatus nobis, Proceed. Acad. Nat. Sc. Vol. 2.
p. 265 ^).
») Von xKfxcti , auf der Erde.
') ,,Pa?usfasciatus. Männehen. Die Kopffedern verlängert, in einen
üeber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. 103
Auf diesem interessanten Vogel, den ich vorläufig zu
den Meisen gestellt hatte, habe ich jetzt eine Gattung gegrün-
det, da ich keinen passenden Platz für ihn unter den bereits
beschriebenen Gattungen finden kann.
Einige Monate vorher, ehe ich den Vogel entdeckte, hörte
ich zwischen den Feldern mit abgestorbenen Senfstengeln,
den kräuterreichen Flussufern, niedrigen Dickigten und bu-
schigen Stellen, ein anhaltendes lautes, knarrendes, schnarren-,
des Geschrei, welches ich für das einer Zaunkönig -Art hielt,
bis ich zuletzt fand, dass er von dieser Zaunkönig-Meise, wie /
man sie nennen könnte, herrührte, Sie ist immer schwer zu
sehen und hält sich an den angegebenen Stellen dicht an der
Erde auf, und entzieht sich ihrem Verfolger dadurch, dass
sie in die dichtesten Haufen von Kraut oder hohem Grase
oder in dicht verflochtene Büsche schlupft, ihren knarrenden
zaunkönigartigen Ton hören lassend, so oft man sich ihr nähert.
Belauscht man sie aber ruhig, wenn sie nach In-
Schopf aufzurichten; der Kopf graubraun, an den Wangen und Hals-
seiten mehr in das Bläulich- graue fallend. Der Rücken, der Leib, die
Flügelränder und Schwanzfedern olivenbraun. Unten blassroth, mit
bläulich-grauem Anfluge auf der Kehle und Brust, und mit bläulichem
an den Seiten und dem Steiss. Flügel und Schwanz dunkelbraun,
der letztere überall deutlich gebändert, mit 20 — 25 Bändern, die
Schwingen ebenfalls auf ihren inneren Fahnen in derselben Weise
gebändert. Schnabel und Füsse dunkel hornfarbig. Die Federn zwi-
schen den Nasenlöchern und den Augen weisslich. Die Flügel kurz
und gerundet. Die erste Schwinge einen Zoll kürzer als die fünfte,
sechste und siebente, welche die längsten sind, die dritte kürzer als
die 9— 12te; vom Bug 2\ Zoll. Der Schwanz sehr lang, keilförmig,
3^ Zoll lang, die beiden Aussenfedern 1^ Zoll kürzer als die mitt-
lem. Der Lauf hoch und dünn, 1 Zoll lang. Ganze Länge etwa 5»
Zoll, Flügelspannung ebenso.
Nachdem ich diese sehr bestimmte Art einmal entdeckt hatte
fand ich sie ganz gemein in Kalifornien an den buschigen Stromrän-
dern und kräuterreichen Stellen. In ihrem Betragen steht sie zwi-
schen Meisen und Zaunkönigen in der Mitte, beiden gleicht sie in
einigen Beziehungen. Vor der Hand stelle ich sie in die Gattung
Parus, aber ich glaube in Rücksicht auf ihren Schnabel und andere
Eigenthümlichkeiten könnte sie von derselben abgesondert werden.
Die Binden auf dem Schwänze und den Flügeln sind bei einigen
Stücken undeutlicher als bei andern."
104 Garn bei:
secteii sucht, sieht man sie die Zweige und trockenen Gras-
stengel seitwärts besteigen, wobei sie ihren langen Schwanz
wippt, und ihn aufreclit trägt wie ein Zaunkönig, dem sie mit
ihren kurzen Flügeln in solcher Stellung so sehr gleicht. Zu-
gleich lässt sie einen sehr langsamen, eintönigen, singenden,
Meisenartigen Ton ^), wie pi pi pi pi pip hören; zu andern
Zeiten sind die Töne etwas anders, und man hört ein langsames,
flüsterndes, anhaltendes pwit, pwit, pwit, pwit, pwit, pwit.
Wieder, im Frühling bei schönem Wetter habe ich eine der
andern antworten gehört, wobei sie auf einem niedrigen
Zweige sassen und in einer weniger feierlichen Weise, einem
Sperling nicht ungleich, ein munteres pit, pit, pit, tr r r r r r
sangen, aufgescheucht aber sogleich ihr knarrendes Geschrei
wieder annahmen.
Parus inornatus Nobis. Proceed. Acad. Nat. Sc.
Vol. 2. p. 265 ^).
Diese Meise entdeckte ich zuerst bei Monterey am 20. No-
vember. Sie flatterte lebhaft umher zwischen den immergrü-
nen Eichen in der Nachbarschaft, in Gesellschaft grosser
Flüge von Parus rufescens und minimus, alle in rastloser Thä-
tigkeit, auf jedem Zweige nach Insecten suchend. In dem
unruhigeil Gedränge konnte ich ihren Ruf nicht recht unter-
scheiden, er schien mir aber dem des Par. atricapillus sehr
zu gleichen, und als ich sie verfolgte, Hess sie ein lautes Ge-
schrei hören, richtete ihren hohen und spitzen Federbusch
auf, und blickte so zornig als möglich dazu.
') Chickadee note: Chickadee ist Parus atricapillus L.
2) „Pa?'us inornattis. Männchen. Geschöpft, oben olivenbraun,
unten grauweiss mit einem leichten bräunlichen Anflug an den Seiten.
Die Stirn dicht am Schnabel, der Umkreis der Augen und die Ohren
greisgrau. Der Schopf hoch und spitz, wie bei dem P. bicolor.
Schnabel und Füsse bleigrau, der erstere sehr stark und plump. Flü-
gel und Schwanz dunkelbraun, die Federn mit der Farbe des Rückens
gerändert, einige der Handschw'ingen auch mit einem schwachen
weissen Rande. Die Iris holzbraun. Die erste Handschwinge halb
so lang als die zweite, die 4te, 5te und 6te gleich. Der Schwanz
fast eben, 2k Zoll. Ganze Länge 5| Zoll.
In Oberkalifornien gemein, in Gesellschaft der andern westli-
chen Arten in den immergrünen Eichen sich aufhaltend."
Ueber die in Oberlcalifornien beobachteten Vögel. 105
Später fand ich sie in grosser Menge in liohen Büschen
und den Zweigen kleiner Bäume. Sie Hess ein schwaches
und feines tsi da da, tsi da da dät hören.
Parus montanus Nobis, Proceed. Acad. Nat. Sc.
Vol. 1. S. 25y »). —
Alles was ich über diese hübsche neue Art in Erfahrung
gebracht, habe ich schon in der angeführten Beschreibung mit-
getheilt.
Sie war ausserordentlich gemein in den westlichen Ketten
des Felsengebirges, besonders in den hohen Kämmen am gros-
sen Salzsee, in deren bewaldeten Theilen sie in grossen Flü-
gen schwärmte, und von darnach dem kalifornischen Kamme,
auf dessen anderer Seite ich sie nie gesehen habe. In ihrem
') ,,Parus montaniis. Männchen. Der Kopf, der obere Theil
des Rückens, die Kehle und der obere Theil der Brust rein schwarz:
zwei weisse Sj;reifen fangen auf der Stirn an und- reichen über die
ganze Länge des Kopfes, und lassen eine schwarze Binde in der Mitte
und einen über jedem Auge nach dem Nacken herablaufenden Streif
frei. Wangen und Schultern w^eiss. Flügel und Schwanz bräunlich
grau; unten weisslich, an den Seiten und dem Steiss mit braunem
Anfluge. Füsse bläulich. Länge etwas über 5 Zoll. Schwanz 2^ Zoll.
Diese neue und bestimmte Art beobachteten wir zuerst eine
Tagereise von Santa Fe in Neu -Mexico, und von da in allen Ketten
der Felsengebirge in der Nähe von "Kalifornien. Im Betragen und im
Ruf gleicht sie sehr dem gemeinen P. atricapillus, aber der letztere
ist schwächer und mannichfaltiger. Sie hält sich gleichfalls beson-
ders in niedrigen Büschen auf, wo man sie vom Morgen bis Abend
mit unermüdlicher Geduld und Emsigkeit von Strauch zu Strauch
hüpfen und diese auf's Genaueste nach kleinen Insecten durchsuchen
sieht. Sie kommt auch häufig auf die Erde, um kleine Sämereien
aufzupicken. Bei dieser Beschäftigung hält sie gelegentlich inne,
sieht um sich, und lässt ein feines ti, di, di, di hören, wechselt
dann mit di, di, dät, und fliegt auf nach einem andern Strauch. Am
Rio Colorado hält sie sich vorzüglich in den Pappelbäumen (cotton
wood trees) auf, welche längs der Ufer desselben wachsen, und ihr
Ruf, welcher uns vertraut wurde, war fast der einzige, welcher sich
in dem Winter unseres Aufenthalts hören Hess, unsere Reise zu er-
heitern. Diese Art lässt sich zuweilen in Gesellschaft des P. minutus
Towns. und Regulus Calendula sehen, welche um diese Zeit in gros-
sen unruhigen Flügen längs der kleinen Flüsse umherstreifen. Sie
findet sich wahrscheinlich auch in den kalifornischen Gebirgen."
106 Gambel:
Betragen wie im Aiisehn gleicht sie dem P. atricapillus sehr,
sie unterscheidet sich aber gleich durch die beiden weissen
Linien, welche» auf dem Kopfe über den Scheitel nach dem
Hinterhaupt laufen.
Parus ruße sc 671 s Towns.
Im Nachsommer und im Winter wurden die Jungen die-
ser Art in grossen Flügen um IMonterey gefunden.
Parus minimus Towns.
Dieses ganz kleine, interessante Vögelchen ist in den
Felsengebirgen und in Kalifornien ausserordentlich häufig.
Während des Winters sind die sonst so schweigsamen Wäl-
der lebendig von unruhigen lärmenden Schaaren dieser emsi-
gen Vögel , welche ihr spärliches Futter in Gesellschaft des
Regulus Calendula und in jeder möglichen Weise und Stel-
lung von Strauch oder Baum auflesen.
Es ist unterhaltend, sie bei ihrem ängstlichen Suchen
nach Futter zu beobachten. Sie sind dabei in unaufhörlichem
Zwitschern, und sind so eifrig bei ihrem Geschäft, dass sie
das Gesicht für die Gefahr verloren zu haben scheinen, denn
oft bin ich so dicht umgeben gewesen von einem Fluge, dass
ich sie fast mit der Hand hätte greifen können.
Die angeführten neuen Arten, nebst dem kürzlich von
meinem Freunde, Hrn. Edward Harris, in den Proceedings der
Academie beschriebenen P. septentrionalis, haben die Zahl der
nordamericanischen Meisen, mit Ausschluss der Chamaea fa-
sciata, auf neun Arten vermehrt.
Trichas Marylandica.
Diese über ganz Nordamerica verbreitete Art ist gemein,
sowohl in dem Felsengebirge als in Kalifornien.
Vermivora celata (Say).
Flüge dieser Art sind während des Winters in Oberkali-
fornien gemein , wo sie niedrige Sträucher und Flussränder
besuchen. Auf der Insel Santa Catalina habe ich ihren ein-
fachen aber lieblichen Gesang gehört, der mit einem lauten,
angenehmen Triller anfängt und in tschi up ausgeht, zuwei-
len beträchtlich verändert wird, meist aber er r r r r r tschi
up lautet.
üeber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. |Q7
Sylvicola Auduhoni Towns.
Dieser hübsche Sänger ist im Westen überall häufig. Ich
beobachtete ihn zuerst in Neu-Mexico, von da durch die Ket-
ten des Felsengebirges nach Kalifornien, wo namentlich im
Winter die jungen Vögel in grossen Flügen gefunden werden
meist in den Spitzen der Bäume. In der Lebensweise wie im
Ansehn hat er viel Uebereinstimmung mit der S. coronata; gleich
derselben schliesst er sich gern dem Menschen an, kommt in
die Städte und nistet in Gärten, Zäunen selbst den Höfen
bei den Häusern; er kommt auch häufig auf die Erde mit den
Agelaius- Arten (Blackbirds: Ict. phoeniceus und gubernator)
und Sperlingen.
Sylvania pusilla (Wils.) (Nutt.)
Myiodioctes Wüsonii Aud.
Gemein sowohl in dem Felsengebirge als in Kalifornien,
Ctilicivora coerulea (Lath.)
Häufig in Oberkalifornien.
Tyrannula pusilla Swains.
Ich beobachtete diese Art in Menge um den Puebio de
los Angelos in Oberkalifornien, wo sie wahrscheinlich brütet.
Während des Aprilmonats besucht sie die Hecken der Wein-
berge und die benachbarten Bäume, und lässt einen ano-eneh-
men und sehr mannichfaltigen Gesang hören. Die folo-ende
Beschreibung eines ausgefärbten, hier im Frühlinge geschosse-
nen Vogels mag dazu dienen, um zu zeigen, dass es dieselbe
Art ist, welche von Swainson in der Arctic Zoology beschrie-
ben und welche von Audubon in Labrador gefunden ist. Oben
olivengrün, Flügel und Schwanz schwärzlichbraun, die Deck-
federn mit trüb weissen Spitzen, wodurch zw^ei Binden auf
dem Flügel gebildet werden ; auch die Schwingen dritter Ord-
nung breit ebenso gerandet. Unten gelblich, am lichtesten
auf dem unteren Theile der Kehle, der Brust und dem Bauche.
Läufe und Füsse licht bleigrau. Ein gelblicher Ring um das
Auge. Oberkiefer schwarz, Unterkiefer blass fleischfarbig;
innen beide orange. Der Schwanz gerade, 1\ Zoll, die Flü-
gel 2| Zoll lang. Lauf -| Zoll. Schnabel längs der Firste
etwa f , vom Mundwinkel -| Zoll. Ganze Länge 5 Zoll. Die
;[Qg Garn bei:
erste Schwinge etwas kürzer als die secliste; die dritte und
vierte fast gleicli lang. Der Vogel bat einen nierklicben
Schopf.
Tyrannula Saya Bonap.
T. pallida Swains. Syn. Bds, of Mexico.
Diese Art, gemein überall in den westlichen Gegenden
unseres Landes, ist es namentlich in Kalifornien und den nörd-
lichen Provinzen von Mexico. In ihren Sitten hat sie grosse
Uebereinstimmung mit Tyrannula fusca, sie hält sich in der
Nachbarschaft der Städte, kräuterreichen Abhängen und Flä-
chen, hinter vorüberfliegende Insecten von Zweig zu Zweig
schiessend, mit dem Schwänze wippend, und ausser einem
gelegentlichen Kehlzwitschern nur ein einzelnes leises, singendes
Dschip hören lassend, ganz verschieden von dem harschen
zornigen Tschip der T. nigricans, mit der sie sich so oft ver-
gesellschaftet. Sie brütet in Kalifornien, ohne Zweifel gleich
ihrem dunklen Gefährten in der Nähe der Häuser und Missio-
nen, ich habe aber ihr Nest nicht gefunden.
Tyrannula nigricans Swains.
Dieser Vogel ist häufig in Kalifornien und liebt gleich
unserer Tyrannula fusca besonders die Nähe des Menschen.
Mit der grössten Dreistigkeit habe ich sie zutraulich um die
Höfe und Gärten und sogar die Thiiren selbst fliegen gesehen.
Ueber einer solchen, an einem vorspringenden Balken fand
ich etwa in der Mitte des April ihr Nest. Es war für die
Grösse des Vogels gross, und bestand aus einer festen runden
Lehmwand, mit eingemengten Grashalmen u. s. w. , und mit
einer dünnen Schicht weicherer Stofi'e, Grasblättern, feinen
Rindenstreifen aus nahe liegenden Weinbergen, und Pferde-
haaren ausgelegt. Es enthielt vier Eier. Dies war das zweite
Nest, welches in dem Jahre gebaut war, denn nachdem das
erste vom Inhaber des Hauses zerstört war, ward dies noch
näher, der Thür angelegt. Mir ward versichert, dass es schwer
halte, diese Vögel von dem Platze w-egzubringen, den sie sich
einmal für ihr Nest ausersehen hätten, und dass, wenn es ab-
gerissen würde, sie sogleich ein neues zu bauen anfingen.
Im vorigen Jahre waren drei Nester hinter einander zerstört.
Diese Vö^el sind Standvögel, und so wie in der Nähe der
Ueber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. 109
Häuser sind sie auch über das ganze Land verbreitet, sowohl
an Waldrändern, als an buschigen Flächen, fast immer paar-
weise. Sie sind sehr zänkisch, und man sieht. sie oft in der
Luft mit einander kämpfen, und einander von Zweig zu Zweig
verfolgen, wobei sie ihr eigenthiimliches lautes und zorniges
Tschip, welches man beständig vernehmen kann, hören las-
sen. Ihrer Farbenvertheilung nach können sie in einiger Ent-
fernung, wenn sie dem Beschauer mit der Brust zugewandt
sitzen, leiclit für Fringilla hyemalis L. (Snow birds) angesehen
werden.
Tyrannus horealis Swains.
T. Cooperi Niitt.
Ich fand diese Art hin und wieder im Felsengebirge, ganz
häufig ist sie- in den Fichtenwäldern Oberkaliforniens, für welche
sie eine grosse Vorliebe zu haben scheint. In der letzten
Hälfte des Juli schoss ich das noch nicht ganz flügge Junge
in den Fichten bei Monterey, wo sie also mussten gebrütet
haben.
Tyrannus verticalis Say.
Dieser Tyrann ist ein häufiger Einwohner Kaliforniens.
In der Umgegend des Puebio de los Angelos nimmt er die
Hecken der Weinberge, Pflanzungen und Gärten in Besitz;
lärmend, streitsüchtig und immer auf dem Platze leidet er
keinen Eingriff in sein Gebiet; Habichte, Raben oder Krähen,
nicht einmal seine eigenen Artgenossen lässt er unangefochten
hindurch. Aus diesem Grunde hat er den Naraen Correcuerbo
(Krähenjäger) von den Einwohnern erhalten, welche ihm auch
gern seinen vollen Besitz erlauben.
Tyrannus crinitus?
Eine grosse Art von Fliegenfänger, welche dem Tyr. cri-
nitus (Great Crested) sehr gleicht, ist in Kalifornien ziemlich
häufig. Mein Freund S. F. Baird von Carlisle ist im Besitze
eines Exemplars; er betrachtet es als eine neue Art, und wird
sie bald in einer Abhandlung über die nordamericanischen
Vögel dieser Familie beschreiben. Bei Monterey habe ich
ihn den Ruf päup von dem Tyr. crinitus ausstossen gehört,
und zu Santa Barbara brüteten sie in den Astlöchern der
immergrünen Eichen im Mai.
IJQ Garabel:
Ptilogonijs Townsendii Aiid.
Diesen seltenen Vogel fand ich häufig im Felsengebirge
des Innern von Kalifornien. S. die Proceedings der Acade-
mie, April, 1843. i)
Icteria viridis (Gmel.)
Kommt in Kalifornien in der Mitte des April an, und
begiebt sich in die Hecken von Weinbergen und Gärten und
an buschige Plätze, wo er ohne Zweifel nistet.
Er ist sehr weit über unsern Continent verbreitet, ich
habe ihn auch als gemein längs der Küste von Peru beobachtet.
Vireo so litarius Vieill.
Während des Nachsommers und Winters sind die jungen
Vögel dieser Art häufig. Sie leben in niedrigen Gebüschen
und Dickigten , in kleinen Flügen.
Lantus Ludovicianus Linn.
L. excubitoroides Swains. North. Zool. p. 115. pl. 34. 2)
') ^^Ptilogonys Townsendii Aud. Nutt. Diesen seltenen und son-
derbaren Vogel, von welchem nur ein einziges Exemplar im Oregon
erlangt wurde, traf ich zuerst im Oetober an den Ufern eines kleinen
Bergstroms im Felsengebirge zwischen dem Rio Colorado und Kali-
fornien. Hier in der tiefsten Einöde flog er längs des Stroms, liess
sich auf den Felsen nieder, wippte lebhaft seinen Schwanz, und frass
nichts als Büffelbeeren (Shepherdia), welche in Menge an den Ufern
wuchsen und von welchen sein Magen voll gestopft war. Später fan-
den wir ihn auf einem der höchsten und ödesten Berge, an einer
kleinen Wasserpfütze, nach welcher am Abende verschiedene Vögel-
arten kamen, um zu trinken, darunter zwei Individuen dieser Art,
welche ich schoss. Es waren indess Weibchen, wie das Exemplar,
welches Townsend, und alle, welche ich erhielt. Er scheint ziemlich
das Betragen der Fliegenfänger zu haben, und ich habe nie einen
Ruf von ihm gehört."
2) In den Proceed. Acad. Philadelph. I. S. 261. (Apr. 1843) führt
der Verf. diesen Würger als L. elegans Swains. auf Er bemerkt
von ihm: „Diese Art, von der nur ein einziges Exemplar den Orni-
tholögen bekannt ist, fand ich häufig in Kalifornien, auf strauchigen
Flächen, zuweilen auch in den Hecken in der Nähe der Städte. Sie
fliegt dicht am Boden, setzt sich auch häufig auf die Erde und auf
niedere Kräuter. Wenn sie fliegt, kann man die weissgebänd'erten
Flügel sehr deutlich sehen. Bei den Erwachsenen ist die Brust rein
Ueber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. fW
In den Würgern haben wir eine Gruppe von Vögeln vor
uns, welche einander nahe verwandt sind^und solchen Verände-
rungen im Gefieder unterliegen, dass es schwer fallt, sie sicher
zu unterscheiden. Obgleich Swainson sie mit grosser Sorg-
falt in der Fauna Boreali -Americana untersucht hat, scheint
es doch, als habe er zu viel Gewicht auf Älerkmale gelegt,
welche der Abänderung sehr unterworfen sind, als Grösse,
relative Länge "der Schwingen und Farbe.
Der ausgewachsene L. Ludovicianus ist ein schöner Vo-
gel, und konnte wohl L. excubitoroides genannt werden, denn
seine Liebereinstimmung mit dem europäischen L. excubitor
in Färbung und Zeichnung ist sehr gross. Oben ist er von
reiner perlgrauer Farbe, die oberen Schwanzdecken und äus-
sern Ränder der Schulterfedern fast rein weiss ; unten rein
weiss. Die Menge des Weiss an den Schwanzfedern ändert
ab, aber meist im Verhältniss zum Alter des Vogels.
Die verhältnissmässige Länge der Schwingen ist bei den
W'ürgern ein unsicheres Kennzeichen, und ändert nach dem
Alter sehr ab. Bei den Jungen dieser Art ist die zweite
Schwinge gewöhnlich viel kürzer als die sechste, aber bei den
Erwachsenen ist sie eben so lang oder übertrifft sie sogar an
Länge. Das Verhältniss der dritten , vierten und fünften
Schwinge zu einander ist ebenfalls ausserordentlich veränder-
lich, und es ist in der That sehr häufig, in den beiden Flü-
geln eines und desselben Vogels merkliche Abweichungen in
deji Verhältnissen der Schwingen zu finden. Dies ist nach
meinen Erfahrungen bei den europäischen und bei den arae-
ricanischen Arten der Fall.
Es ist etwas auflFallend, dass dieser in den südlichen,
westlichen und nordwestlichen Tlieilen unseres Landes so ge-
meine Vogel nicht auch in den mittleren und nördlichen atlan-
tischen Staaten gefunden werden sollte. In Kalifornien ist er
sehr gemein.
weiss, bei den Jungen ist sie mit Dunkelbraun gemischt, wie bei un-
serer gemeinen Art, mit Ausnahme der Kehle und des Steisses, welche
weiss sind. Zuweilen, wenn sie aufgescheucht wird, hat sie einen
harschen, schreienden Ruf, ähnlich einem Heher, päh, päh, päh."
112 Gambel:
Lanius septentrionalis Gmel.
L. borealis Vieill. Swains.
Ich fand diesen Würger auf dem kalifornischen Gebirgs-
kamm im November, aber ich traf ihn längs der Küste nicht
während des Sommers an, wo er von dem L. Ludovicianus
ersetzt zu werden scheint, welcher ein Zugvogel (a summer
resident) ist,
Perisoreus Canadensis (Lin.) Bonap.
Wir trafen Schaaren dieses harmlosen und zutraulichen
Vogels in dem Felsengebirge des Innern.
Cyanocorax Stelleri (Pallas) Bonap.
Diese Art trafen wir hin und wieder in den Fichtenhai-
nen der Gebirge von Neu-Mexico bis nach Kalifornien an.
Cyanocor ax Californicus (Vigors) Nobis.
Garruins Californicus Vigors Zool. Beechy Voyage.
G. ultramarinus Aud. Nutt. non Bonap.
Der kalifornische Heher ist bisher von den americanischen
Ornithologen mit dem vom Prinzen Bonaparte im Journal der
Academie von 1825 genau beschriebenen, und später von
Temminck in seinen Planches colorees 439 beschriebenen und
abgebildeten mexicanischen G. ultramarinus verwechselt. Es
ist auffallend, dass der Prinz selbst denselben Irrthum begeht,
und in seiner ,,Comparative list of the Birds of Europe und
North- America" beide Arten vermengt, indem er Audubon's
Abbildung und Beschreibung anführt, welche offenbar zum
Californicus gehört.
Die Unterschiede der beiden Arten sind sehr beträchtlich,
wie aus der folgenden Vergleichung erhellt:
Cyanocorax ultrama- Cyanocorax Califor-
rinus. nicus.
Viel grösser, von 13 — 13| Länge lly — 12 Zoll.
Zoll Länge. Rücken braun. Eine breite
Die Oberseite ganz blau, Linie weisser Flecken erstreckt
Kopf und Wangen ebenfalls sich über dem Auge längs des
blau, nur der Raum zwischen Kopfes ; der Raum vor dem
Auge und Schnabel schwarz. Auge und die Ohrgegend dunkel.
üeber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. IJ3
Cyanocorax nltrama- Cyanocorax Califor-
riniis. nicus.
Das Blau erstreckt sich an Ein Halbmond von Blau
den Seiten des Nackens herab, umgiebt den oberen Theil der
aber ohne eine Binde auf der Brust.
Brust zu bilden.
Die Kehle allein weisslich, Die Kehle und der obere
die ganze übrige Unterseite Theil der Brust weiss, schwarz-
schmutzig bräunlichweiss,dunk- lieh gestrichelt, das übrige un-
1er auf der Brust. terhalb des blauen Halbmonds
bräunlich weiss.
Flügellänge 7 Zoll. Flügellänge beinahe 5 Zoll.
Der Schwanz fast gerade, Der Schwanz stufig oder stark
6J Zoll lang. zugerundet, 5| Zoll lang.
Der Lauf 1| Zoll. Der Lauf 1^ Zoll.
Der C. ultramarinus ist durch seine bedeutendere Grösse,
blaue Oberseite und die fehlende Brustbinde, nebst seinen
sehr verschiedenen Verhältnissen leicht vom (7. Californicus
zu unterscheiden, welcher viel kleiner ist, einen braunen
Rücken, eine weisse Linie über dem Auge, trübweisse Kehle
und Brust und ein blaues Halsband auf derselben hat.
Der G. sordidus Swains. ( Syn. Bds. Mex.), welcher all-
gemein als Synonym beim C. ultramarinus aufgeführt wird,
stimmt nicht ganz mit ihm, es sei denn, dass die Beschreibung
von einem jungen Vogel genommen sei, an welchem der
Schwanz unregelmässig gerundet und die Grösse etwas gerin-
ger ist.
Der kalifornische Häher ist sehr häufig und ein Stand-
vogel. In seinem Betragen ist er ungemein unruhig und zu-
gleich munter und anmuthig, immer vom Baum zu Baum flat-
ternd, und ein harsches schnarrendes djä, djä rufend, worin
er zuweilen mit käic, käic wechselt. Gleich allen Hähern
lärmt er gern, und ein Schwärm desselben umgiebt und ver-
folgt jeden Gegenstand, der ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht,
mit ihrem ohrzerreissenden widerwärtigen Geschrei.
Picci Hudsonica (Sabine) Bonap.
Wir trafen diese Elster häufig auf unserem Wege von
Neu-Mexico nach Kalifornien an. Sie hielt sich in der Nähe
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 1. Bd. g
114 Gambel:
unseres Lagers auf, iim den Abfall anf7Aipicken, nnd stahl zu-
weilen das Fleisch, welches an den Biisclien aufgehängt war.
Pica Nuttallii Aud.
Es gewährte mir grosses Vergnügen, als ich zu Santa
Barbara in Oberkalifornien ankam, in ihrem natürlichen Auf-
enthalt diese wohl unterschiedene schöne Elster zu sehen,
welche von meinem Freunde, dem unermüdlichen Naturforscher
und Reisenden, entdeckt wurde, nach dem sie genannt ist,
unter andern ein gerechter Tribut für die unschätzbaren
Dienste, welche er der Naturwissenschaft während seines mehr
als dreissigjährigen Aufenthalts bei uns durch seine unverdros-
senen Forschungen über die Erzengnisse unseres Landes er-
wiesen hat.
Diese Elster ist in Kalifornien wenigstens, wo sie, wie
ich glaube, bisher einzig gefunden ist, höchst local, und so
weit meine Beobachtungen reichen, auf die unmittelbare Nach-
barschaft von Santa Barbara beschränkt, wo sie zwischen den
schönen immergrünen Eichen (Quercus agrifolia) der Umge-
gend häufig ist. Lebhaft und anmuthig in ihren Bewegungen
ist sie ein Lieblingsvogel der Einwohner, und wenn sie nicht
beunruhigt wird , zeigt sie viel Zutrauen und kommt bis vor
die Thüren der Häuser, aber sie wird merkwürdig scheu und
vorsichtig, wenn sie gejagt und nach ihr geschossen wird.
Während meines dortigen Aufenthalts schoss ich viel nach
ihnen, und obgleich sie zuerst zahlreich in kleinen Flügen
sich zeigten, wurden sie danach mit der Zeit so selten, dass wäh-
rend der Brutzeit sehr wenige zu sehen waren. Oflfenbar
hatten sie sich in die Schluchten des benachbarten Gebirgs
begeben, und ich fand kein einziges frisches Nest, obgleich
die Gehölze voll von denen des vorigen Jahres waren. Die
alten Nester waren gross und lose von Zweigen zusammen-
gelegt, wie Krähennester, in den höchsten Zweiggabeln, wohl
versteckt vom Laube.
Corvus ossifragus Wils.
Häufig längs der Küste des Stillen Meeres.
Corvus Americanus Aud.
Gleich häufig an der ganzen Küste des Stillen Meeres
wie im Innern.
üeber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. ||5
Corvus catatotl Wagl.
Dieser Rabe ist durch seine Organisation jeder Art des
Lebensunterhalts angepasst, und es giebt wenige Theile von
Nordamerica, wo er nicht gefunden würde.
In dem Steppenstrich zwischen dem Rio Colorado und
Kalifornien macht sein ominöses Gekrächze die Einsamkeit
der Wüste noch unheimlicher, und auf den unbewohnten Fel-
seninseln, welche der Küste von Kalifornien gegenüber liegen,
ist er der Gefährte des Fischadlers und der Möven; in Kali-
fornien aber statt zerstreut und vereinzelt zu sein, wird er
der häufigste und zutraulichste Vogel, und in Gesellschaft
seiner Kameraden, der Truthahn- Geier und Hunde, wird er
dadurch höchst nützlich, dass er den Abfall der Rinder ver-
zehrt, welche in so grosser Zahl geschlachtet werden. Am
Pueblo de los Angeles waren sie so häufig in und bei der
Stadt, dass ich auf dem Hofe eines einzigen Hauses nicht we-
niger als 150 zugleich gezählt habe.
Nucifraga Columhiana (Wils.) Aud.
Wir trafen diesen eigenthümlichen Vogel hier und da in
den Gebirgen des Innern zwischen zerstreuten Fichtengehölzen.
Quiscalus maior Vieill.
Dieser grosse und schöne Vogel ist sehr häufig um den
Golf und kommt hin und wieder auch noch so weit nordwärts
vor, als Oberkalifornien sich erstreckt.
Scolcophagus /errugineus (Wils.) Bire.
Wir fanden diese Art sehr gemein in Neu -Mexico und
Kalifornien, wie auch den S. Mexicanus Swains., der kürz-
lich von Audubon als Quiscalus Breweri abgebildet ist.
Sturnella neglecta Aud.
Diese nahe verwandte Art fanden wir häufig auf den Prai-
rien in Neu-Mexico, Rio Colorado und Kalifornien. Im Früh-
linge ist um den Pueblo de los Angeles ihr zarter und me-
lodischer Gesang überall zu hören. Bei Monterey hielt sie
sich im Winter in und längs der Ränder der Fichtenwälder auf.
Molothrus pecoris (Gmel.) Swains.
Häufig in Gesellschaft des Sturnella neglecta, in Flügen
8*
\\ß Gambel:
die Kuhhöfe und Gehöfte von Neu -Mexico und Kalifornien
besuchend.
Icterus Bullockii Swains.
Die Männchen dieses schönen Vogels kommen in ihren
Sommerquartieren um den Pueblo de los Angeles und Santa
Barbara in Kalifornien etwa in der ersten Woche des April
an, und die Weibchen ungefähr eine Woche später. Sie las-
sen sich in entlegenen Hecken der Weinberge und Pflanzun-
gen nieder, und zeigen sich auch gelegentlich zwischen den
Bäumen in der Stadt. Ihren Gesang lassen sie während die-
ser lieblichen Jahreszeit in einem lauten klaren Ton hören,
der zuweilen geändert wird, gewöhnlich aber in uik ti tik
tschi-o tschi-o tschi-o, uik ti tik tschi-o besteht. Er
wird in Zwischenräumen fortgesetzt, während sie durch die
blühenden Bäume flatternd nach Insecten suchen. Wenn der
Vogel einen Gegenstand seines Argwohns entdeckt, stösst er
einige knarrende, scheltende Kehllaute aus, und versteckt sich
zwischen den belaubten Zweigen.
In der Mitte des April etwa sah ich sie anfangen ihr
Nest aufzuhängen nach Art unseres Icterus Baltimore , an die
herabhängenden Zweige von Weiden und anderen Bäumen am
Rande der Weinberge, und so weit ich mich erinnere, sie fer-
tig gesehen zu haben, war es aus demselben kunstreichen Ge-
flecht zarter Stoffe in Form eines Beutels gefertigt.
Agelaius xantho cephalus Bonap.
Häufig in Kalifornien.
Agelaius phoeniceus (Lin.) Vieill.
Häufig in Neu -Mexico und Kalifornien.
Agelaius tricolor Aud.
Diese hübsche, von Hrn. Nuttal entdeckte und mit dem
obigen Namen an Audubon gesandte Art ist häufig in Kali-
fornien, in kleinen Flügen in Gesellschaft der anderen Arten
ziehend. Ihr Ruf ist sehr verschieden von dem des A. phoe-
niceus, in dessen Gesellschaft sie vorkommt, und besteht in
einer Art von Kehl- Aechzen, wie von einem verendenden
Thiere. Das Roth auf den Flügeln ist nicht sichtbar, wenn
üeber die in Oberkalifornien beobachteten Vögel. 117
diese geschlossen sind, dann scheinen sie nur eine weisse
Binde zu haben.
Jgelaius guhernator (Wagler) Bonap.
Dieser nette Vogel ist auch in Kalifornien und längs der
westlichen Küste von Mexico häufig. Er wird oft in Gesell-
schaft des A. phoeniceus, dem er sehr ähnlich ist, gefunden,
beide halten sich zusammen auf Höfen und Stellen, wo Kühe
gestanden haben, auf.
118
Der Dodo; die Eiosiedler und der erdichtete
Nazarvoffel.
Vom
Akademiker Hamel, zu St. Petersburg.
Aus dem Bulletin de la classe physlco-mathematique de Pacademle im-
periale des Sciences de Saint-Petersbourg. Tom. VII. N. 5. 6. (März 1848).
Vorerinnerung.
Ich hatte der Akademie im Jahr 1844 aus London einen
Aufsatz, betitelt: Ueber Dinornis und Didus, zwei ausgestor-
bene Vogelgattungen, zugesandt, welcher im Bulletin de la
Classe physico-mathematique, Tome IV. No. 4 et 6. 1845, ab-
gedruckt worden ist, ohne dabei zu bemerken, dass die Arbeit
unbeendigt sei, daher sie dem Leser ungenügend erscheinen
musste, weil zu den von mir selbst aufgestellten Fragen die
Antwort mangelt. Am 9. Januar 1846 trug ich der Classe als
Fortsetzung jenes Aufsatzes dasjenige vor, was hier folgt.
Dass diese Ergänzung nicht sogleich gedruckt ward, kam
daher, dass ich erst den mir auf meiner Reise aus England
nach St. Petersburg (1845) in Copenhagen zugesagten Abguss
von dem im dortigen naturhistorischen Museum befindlichen
Dodokopf, so wie eine mir versprochene Copie von dem Dodo
in Roeland Savery's berühmtem Gemälde im königlichen Mu-
seum im Haag zu sehen wünschte. Ueber den Empfang des
Kopfabgusses aus Copenhagen habe ich schon am 29. Mai
1846 berichtet (Bulletin, Tome V. No. 20. 1846). Dieser Kopf
stammt, wie bekannt, aus der ursprünglich von Paludanus zu
Enkhuysen gebildeten Kunstkammer, welche durch Olearius
für den Herzog Friedrich von Schleswig-Holstein nach Gottorp
übergeführt und 1666 beschrieben worden ist. Die auf meine
Bitte von unserm ersten Gesandtschafts -Secretair im Haag,
Herrn Alexander von Beck, gefälligst besorgte treue Copie
Der Dodo, die Einsiedler und der erdiclitete Nazarvogel. 119
des Dodo's aus dem erwähnten Savery'sclien Kunstwerke,
welches Orpheus mit seiner Lyra als Bezauberer der Thiere
darstellt, ist erst im Sommer 1847 hier angelangt. Dieses
Dodobild hat von der Kralle der äusseren Zehe des linken
Fusses bis zum Scheitel vier und einen halben Zoll Höhe,
von der Schnabelrundung bis zu den äussersten Schweiffedern
vier Zoll. Im Ganzen ist es den andern Abbildungen, die
wir vom Dodo haben, ähnlich, aber der Flügel ist bedeutend
länger, und gerade nach unten herabhängend; dabei sind die
einzelnen Endfedern desselben, sechs an der Zahl, von ein-
ander abstehend oder ausgespreitzt dargestellt. Vielleicht hat
der Künstler durch diese Haltung der Flügel die Wirkung
der Zauberlaute des Orpheus auf den Vogel ausdrücken wol-
len. Ich hatte mich auch an den Herzog von Marlborough
gewandt mit der Bitte, untersuchen zu lassen, ob nicht in
dem auf dem Schlosse zu Blenheim befindliclien holländischen
Gemälde, welches ebenfalls Orpheus als Thierbezauberer dar-
stellt, ein Dodo aufgeführt sei. Da wirklich in diesem Bilde
ein sonderbarer Vogel im Vordergrunde steht, so hatte die
talentvolle und kunstliebende Herzogin von Marlborough die
Güte, denselben eigenhändig für mich zu copiren. Es ergab
sieh jedoch,, dass dieser Vogel kein Dodo, sondern eine Phan-
tasie des Malers sei. Das grosse, lauge unberücksichtigt ge-
bliebene, Bild eines Dodo's im Tradescant-Ashmole'schen Mu-
seum zu Oxford, gemalt 1651 von „Johannes Savrey", viel-
leicht dem Neffen Roeland's, habe ich 1845 daselbst genau
copirt. Es misst von den Zehen des linken Fusses zum
Scheitel drei Fuss zehn Zoll, von der Wölbung der Gnatho-
thek bis zu den äussersten Schweiffedern drei Fuss acht Zoll,
Bei den Füssen des Vogels ist ein Frosch und ein Pilz ge-
malt. Das Bild ist dem Museum von Dr. Kidd geschenkt
worden, welcher es 1813 von einem Herrn William Henry
Darby erhalten hatte. Da es wünschenswerth ist, die Herkunft
dieses Dodo-Portraits zu kennen, suchte ich, mit gütiger Bei-
hülfe des Dr. Buckland's, jetzt Decan von Westminster, aus
den Büchern in Christ-Church College, wo Herr Darby seine
Studien gemacht hatte, Auskunft über ihn zu erhalten, es fand
sich aber keine Nachweisung über seinen Aufenthaltsort vor.
Seitdem ist es mir gelungen, eine frühere Adresse seines
120 Hamel:
Vaters aufzufindeil, unter welcher ich an ihn geschrieben, bis
jetzt aber keine Antwort erhalten habe. Von dem aus Sir
Hans Sloane's Sammlung stammenden, jetzt im British Mu-
seum befindlichen Gemälde, in welchem der Hauptgegenstand
ein Dodo ist, giebt es mehrfache Copieen. Den Dodo allein
hat Edwards in seinen Gleanings of Natural History dargestellt.
Mit einem der Papageien ist er als Holzstich in das Penny
Magazin von 1833, No. 75 aufgenommen worden. In der
Penny Cyclopaedia unter dem Artikel Dodo ist das ganze
Gemälde, der Dodo mit andern Thieren, ebenfalls im Holz-
schnitt abgebildet; der Schenkel des Dodo ist aber falsch
dargestellt oder vielmehr ganz verzeichnet. In dem hier fol-
genden Theil meiner Abhandlung hatte ich geäussert, dass es
interessant sein müsste, alle Savery'sche und andere hollän-
dische Gemälde aus der ersten Hälfte des siebzehnten Jahr-
hunderts, in welchen Thiere dargestellt sind, zu untersuchen,
um zu sehen, ob nicht unter denselben der Dodo sich be-
finde. Nach dem Nagler'schen Verzeichniss der Savery'schen
Bilder nannte ich die zu Wien, Berlin, Schieissheim u. a. m.
So eben erfahre ich, dass Dr. Fitzinger in Wien den Dodo
in einem der Savery'schen Gemälde des Belvedere von 1628
beschrieben hat. Das Bildchen ist aber sehr klein. Der Dodo
in gebückter Stellung misst vom Rücken bis zur Zehen-Sohle
nur einen Zoll neun Linien, von der Schnabelkuppe bis zum
Schwanzende aber zwei Zoll eilf Linien. Von dem Kopf des
Dodo's aus Tradescant's Museum, so wie von dem Fuss im
British Museum besitze ich Gypsabgüsse und von dem gleich-
zeitig mit dem Kopf, 1755, von Tradescant's Dodo abgehack-
ten Fuss, welchen Dr. Kidd auf Dr. Carus' Anrathen 1844
anatomirt, nämlich von der Haut entblösst hat, so dass man
jetzt die Knochen und Sehnen untersuchen kann, habe ich
gleich darauf, so wie auch von dem Kopf, mehrseitige photo-
gräphische Ansichten besorgt. Aus dem ganzen von mir zu-
sammengebrachten Material ist hierselbst ein Dodo in natür-
licher Grösse modellirt worden, dessen Abgüsse nach den
Oelgemälden der beiden Savery's für unsere Museen colorirt
werden sollen.
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. 121
In meinem Aufsatze: Ditiornis und Didiis (Bulletin, T. IV.
iNo. 4 et 5) habe ich angeführt, dass der merkwürdige, erst
seit nngefähr zweihundert Jahren vertilgte Walgvogel oder
Dodo mehrere berühmte Zoologen veranlasst hat, die Ge-
schichte, sowohl seiner Bekanntwerdung, als auch seiner Aus-
rottung zu studiren. Ich erwähnte namentlich Herrn Profes-
sor Blainville in Paris und den Verfasser des Artikels Dodo
in der Penny Cyclopaedia in London und habe nachgewiesen,
dass beide irren, indem sie glauben, Vasco de Gama habe bei
seiner Fahrt nach Ostindien im Jahr 1497 jenseits des Caps
in einer Meeresbucht in der Nähe einer Insel Vogel gesehen,
welche seine Matrosen Solitaires genannt hätten, diese Vögel
seien Dodos und die Insel sei Mauritius gewesen.
Ich erinnerte daran, dass die von Vasco de Gama be-
suchte Bucht nicht der Insel Mauritius, sondern dem festen
Lande von Afrika angehöre, und dass die beschriebenen Vögel
nicht von den portugiesischen Matrosen Solitaires, wohl aber
von den damaligen Bewohnern der Küste von Süd -Afrika,
den Negern (später Hottentotten genannt), mit dem Namen
Sotüicairi, oder mit ähnlichen Lauten bezeichnet wurden.
Ferner habe ich dargethan, dass Lichefild, der englische
üebersetzer der ältesten portugiesischen, nämlich Castanheda's,
Beschreibung von Gama's Fahrt, welcher natürlich das hotten-
tottische Wort Sotüicairi in keinem Wörterbuche finden konnte,
dafür ganz willkührlich quid pro quo hinsetzte. Einmal, bei
der Hinfahrt, schreibt er Stares {Sturni vulgares^, und das
andere Mal, bei der Rückfahrt, Solitarius.
Da nun die verschiedenen portugiesischen Fahrten nach
Indien zusammengestellt zuerst in England herausgegeben
wurden, so bediente man sich als Material für die Reise von
Vasco de Gama vorzüglich der bereits 1582 von Lichefild
gemachten Uebersetzung, ohne den erwähnten unverzeihlichen
Fehler, so wie auch andere Irrthümer zu verbessern. Eben
so wenig haben dies die späteren französischen und deutschen
üebersetzer des englischen Sammelwerkes gethan, ja sie haben
sogar noch mehr Unrichtigkeiten in die Erzählungen gebracht,
so dass man ihnen keinesweges unbedingt trauen darf. Dieses
mag wiederum die Ursache sein, dass so manche in den frü-
122 Hamel:
heren Reisen enthaltene interessante naturhistorlsche Notizen
unbenutzt bleiben.
Es wird nöthig sein, den in Frage stehenden Satz hi^r
in der ursprünglichen englischen, von John Green für Thomas
Astley angefertigten und 1745 gedruckten: New general col-
lection of Voyages and Travels, so wie auch in der deutschen
Uebersetzung aus der: Allgemeinen Historie der Reisen, deren
erster Band 1747 erschien, Wort für Wort anzuführen.
Green sagt: „On the twenty forth (November) they came
to Angra de San ßras, which is sixty leagues beyond the
cape and near the Island where the birds are calied Solita-
rios shaped like a goose but wings resembling those of Bats."
Bis hieher ist Green dem Capitain Stevens, Farina's engli-
schem Uebersetzer, gefolgt, dann aber fügt er in demselben
Satze, nach Lichefild, folgendes hinzu: ,,0n a rock in this
harbour, about hälfe a mile from there, were many Stares,
as large as Ducks, which bray like an Ass, but do not fly
having no feathers in their wings."
In meinem erwähnten Aufsatze habe ich schon bemerkt,
dass in der ersten französischen, nämlich in der Pariser 1746
vom Abbe Prevost begonnenen Ausgabe der: Histoire gene-
rale des Voyages der letzte Satzabschnitt hinsichtlich der Stare
auf dem Felsen weggelassen worden, dass dieser Abschnitt
aber in der gleich darauf im Haag erschienenen Ausgabe wie-
der hinzugefügt und also der ganze Satz dem Englischen ent-
sprechend wiedergegeben worden ist. Dies ist nun auch bei
der deutschen Uebersetzung in der Allgemeinen Historie der
Reisen der Fall, wo dieser Satz, Band I. Seite 41, so lautet:
„Am vier und zwanzigsten (November) kamen sie zu Angra
de San Blas, welches sechzig Meilen über dem Vorgebirge
liegt. Nahe dabei ist die Insel, wo sich die Vögel befin-
den, die Solitario genannt werden. Ihre Gestalt ist wie einer
Gans ihre, aber sie haben Flügel, die der Fledermäuse ihren
ähnlich sind. — Auf einem Felsen" (hier ist wieder die obige
Insel zu verstehen) „in diesem Hafen, etwa eine halbe Meile
vom Ufer befanden sich — ausser Seewölfen, so gross als
Bare — auch viel Staare, so gross als Enten; sie schreien
wie ein Esel, fliegen aber nicht, weil sie keine Federn in ihren
Flügeln haben.".
Der Dodo, die Eiusiedler und der erdichtete Nazarvogel. j[23
In diesem unsinnigen Satze sind zwei schlechte Beschrei-
bungen ein und derselben Sache zusammen geworfen. Das
in dem ersteren Abschnitt vorkommende Wort: SoUtarios ist
es, welches erst Herrn J. V. Thompson (in Loudon's Maga-
zine, 1829) und sodann Herrn Blainville glauben gemacht hat,
Vasco de Gama habe hier Dodo's gesehen, denn die von eini-
gen Franzosen auf den im indischen Ocean gelegenen Inseln
Bourbon (früher Maskarenhas genannt) und Rodriguez be-
schriebenen Vögel, die mit dem Namen Solitaire (Einsiedler)
belegt sind, hat man bekanntlich in ornithologischen Werken
als eine Spezies von Didus aufgestellt.
, Carre und Leguat haben, der Erstere 1699, der Letztere
1708, Nachrichten über Solitaires genannte Vögel veröffent-
licht. Es giebt aber noch andere Hinweisungen auf die von
Carre beschriebenen.
Die Insel Maskarenhas war 1545 von den Portugiesen in
Besitz genommen, aber nicht weiter von ihnen behauptet wor-
den. Am 27. December 1611 kam der Fähnrich Johann
Verkens, ein Deutscher aus Leipzig, von welchem ich weiter-
hin Mehreres zu sagen haben werde, an diese unbewohnte
Insel; er meldete, es gebe auf derselben „mancherlei selt-
sames Gevögel."
3;. Im Jahr 1613 hatte der englische Schiffer John Tatton
diese Insel, die er damals wegen der vielen Waldung auf der-
selben j, Englands Forrest", seine Gefährten aber nach dem
Schiflf „Pearle Hand" nannten, besucht. Man blieb auf der
Insel vom 27. März bis zum 1. April und Tatton beschreibt
einen dort beobachteten Vogel, welcher ohne Zweifel der
nachgehends von den Franzosen Solitaire genannte gewesen
ist. Er war so gross wie ein kalekutischer Hahn, sehr fett,
weiss von Farbe und mit ganz kleinen, zum Fliegen untaug-
lichen Flügeln versehen. Die Matrosen erschlugen viele mit
Stöcken und Steinen. In dem auf Mauritius gedruckten Al-
«aanac von 1837 wird ohne Grund das Schiflf Pearle bei den
Besuchen dieser Insel (Mauritius) angeführt.
0' Im Jahr 1619 brachte der Holländer Willem Isbrantszoon
Bontekoe mit einem grossen Theil der Mannschaft seines
Schiflfes ein und zwanzig Tage auf Maskarenhas zu. Der Ver-
fasser des Artikels Dodo in der Peuny Cyclopädia glaubt
124 Hamel:
irrthiimlich, er sei auf Mauritius gewesen. In dem erst 1646
gedruckten, sogenannten Journal von Bontekoe's abentheuer-
licher Reise geschieht eines auf Maskarenhas gesehenen Vo-
gels mit kleinen, zum Fliegen untauglichen Flügeln Ervväh-
■^ nung. Obgleich diese Vögel in der gedruckten Reisebeschrei-
bung Dodaersen, was Dodos bedeutet, genannt werden, so
hat doch Bontekoe diesen Namen keinesweges von Bewohnern
der Insel Maskarenhas hören können, weil es ihrer gar keine
gab, als er dort war. Die Benennung ist aus Reiseberichten
anderer Holländer entlehnt, welche in den ersten Jahren des
siebzehnten Jahrhunderts auf der Insel Mauritius gewesen
waren und die daselbst gesehenen Dodaerse beschrieben hatten.
Die Aehnlichkeit der Flügel machte glauben, es seien diesel-
ben Vögel. Bontekoe selbst hat schwerlich Notizen oder
Skizzen, welche er etwa auf Maskarenhas gemacht haben
konnte, nach Holland gebracht, denn bald nachdem er diese
Insel verlassen hatte, explodirte sein in Brand gerathenes
Schiff und er wurde wunderbarer Weise aus der See gerettet.
Er kam erst 1625 nach Holland zurück und seine Reisen
wurden, wie gesagt, erst 1646 veröffentlicht. Man muss nicht
glauben, dass die höchst possierliche bildliche Darstellung
eines üodo's, welche Thevenot 1663 seiner französischen
Uebersetzung der Bontekoe'schen Reisebeschreibung beigefügt
hat, von Bontekoe herrühre; sie ist aus einem andern hollän-
dischen Reisejournale, namentlich aus Pieter van den Broecke's
entlehnt. Dieser Broecke w^ar zwar vom 19. April bis zum
23. Mai 1617 in Mauritius gewesen, er erwähnt aber der
Dodaersen nicht, so dass man nicht ergründen kann, warum
sich auf der seiner Reise beigegebenen Tafel, Seite 137, diese
Vogelcarricatur neben dem Bock mit einem Hörn, welchen
er am 17. März 1624 von dem Statthalter zu Agra bekam,
befindet. Weil Thevenot geglaubt haben muss, es sei von
Bontekoe wirklich der Dodo gemeint, so fügte er der aus
Van den Broecke's Reise entlehnten Tafel noch eine Copie
von dem bei G. Piso befindlichen Bilde bei, welche er aber
sehr unrichtig unterschrieb : „cette figure est en quelque chose
differante de celle du voyage de Bontekoe." Da spätere Rei-
sende nichts von Dodo's, wohl aber von Solitaires auf Mas-
karenhas oder Bourbou erwähnen, Bontekoe aber nicht von
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. \2^
zweierlei Vögeln mit kleinen Flügeln spricht, so darf man
wohl annehmen, dass der von ihm, oder von seinem SchiflFs-
volk gesehene klein beflügelte Vogel nicht der Dodo, sondern
der Solitaire, der Einsiedler, war.
Seit dem Jahr 1650 waren nach Maskarenhas bisweilen
Franzosen von Madagascar aus exilirt worden. Im Jahr 1657
begab sich Herr Flacourt von letzterem Orte ans mit einigen
Franzosen dahin, richtete die französische Flagge auf und gab
der Insel den Namen Bourbon ^).
Die unter Colbert 1664 begründete Ostindische Compagnie
hatte den Personen, welche mit ihren ersten nach Madagas-
car bestimmten Schiffen abgingen, befohlen, die Insel Bourbon
zu besuchen. Man fand zwölf Franzosen vor und Hess noch
zwei und zwanzig andere zurück. St. Denis im Norden der
Insel war der erste Ansiedlungsort.
Auf der 1666 von Frankreich nach Madagascar abgehen-
den Flotte befand sich unter andern der Director der Ostin-
dischen Handelscompagnie Fran^ois Caron, ein in Holland
geborner Franzose, der früher lange im Dienst der holländi-
schen Compagnie in Ostindien gewesen war. Es wurde ihm
von Colbert der Franzose Carre beigegeben, und diesem auf-
getragen, das Reisejournal zu führen. Da Caron in Mada-
gascar die Geschäfte der Compagnie in einem wenig verspre-
chenden Zustande vorfand, so schiffte er sich bald von da
nach Surate in Ostindien ein und besuchte auf dein Wege
dahin die Insel Bourbon. Bei dieser Gelegenheit erhalten wir
über den daselbst vorhandenen Vogel mit den kleinen Flügeln
die erste Nachricht unter dem Namen Solitaire, Einsiedler,
welchen ihm die bereits dort ansässigen Franzosen wegen sei-
ner isolirten Lebensweise gegeben hatten. Carre schrieb, der
Einsiedler würde mit einem kalekutischen Hahn verglichen
werden können, wenn er nicht höhere Beine hätte; das sehr
schöne Gefieder sei ins Gelbliche spielend, das Fleisch sehr
*) Im Anfang der französischen Revolution wurde die Insel: lle
de la Reunion, später: Bonaparte und Napoleon genannt. Im Jahr
1815 war ihr der Name lle de Bourbon wieder gegeben worden und
so eben hat die provisorische Regierung von Frankreich beschlossen,
sie von Neuem lle de la Reunion zu nennen.
126 Hamel:
wohlschmeckend. Caron nahm zwei der Solitaires auf seinem
Schiffe in der Absicht mit, sie dem König Ludwig dem Vier-
zehnten als eine Seltenheit zuzusenden; sie starben aber sehr
bald, wie*Carre glaubte, vor Gram.
Anfangs October 1669 kam auf der Fregatte St. Paul un-
ter andern ein gewisser D. B. aus Frankreich nach Madagas-
car, wo Champmargou zum Generallieutnant auf der Insel
ernannt ward, bei welchem dann D. B. das Amt eines Secre-
tairs und Hausintendanten übernahm.
Im November 1670 war De la Haye als neuer Statthalter
des Königs nach Madagascar gekommen und im April 1671
unternahm er eine Reise nach Surate, auf welcher er, wie
früher Caron mit Carre, die Insel Bourbon besuchte. Bis
auf diese Insel, auf welcher man bei der seit 1665 bestehen-
den Ansiedlung St. Denis am 1. Mai landete, begleitete ihn
der erwähnte D. B., welcher nach De la Haye's noch in dem-
selben Sommer erfolgten Weiterreise seiner Gesundheit halber
bis zum Herbst des folgenden Jahres daselbst verblieb; es
bestanden damals schon vier Plantagen.
Eine der Hauptverordnungen De la Haye's auf Bourbon
hätte für die Ornithologie wichtig werden können, wenn sie
befolgt worden wäre — ich meine sein strenges Jagdverbot.
Er hatte Lebensstrafe auf das Uebertreten desselben gesetzt
und Hess wirklich einen von drei schuldig befundenen Fran-
zosen aa einen Baum binden und auf ihn feuern. Obgleich
das Gewehr nur blind geladen gewesen, so erschrak dieser
beim Schuss doch so sehr, dass er bald nachher den Geist
aufgab. Ungeachtet des erlassenen strengen Befehls gestand
De la Haye doch dem D. B. unter der Hand die Erlaubniss
zu, nach seiner Abreise auf die Jagd zu gehen. ,,Je lui de-
mande permission de chasser en l'lsle pour ma subsistance,
il ne m'octroya pas cela mais il me dit que je ne me misse
point en peine sur ce sujet et qu'il y donnerait ordre dont
je le remerciai humblement. " Wahrscheinlich hinterliess De
la Haye dem von ihm zum Gouverneur der Insel eingesetzten
De la Hure einen mündlichen Befehl. Diesem Umstände ver-
danken wir eine Carre's Angabe bestätigende Notiz über die
Existenz der Solitaire auf Bourbon in dem von D. B. verfass-
ten Memoire, welches Charles Telfair, ein Mitglied der natm*-
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. 127
forschenden Gesellschaft auf Mauritius, der zoologischen Ge-
sellschaft in London zugesandt hat, in deren Bibliothek ich
dieses Manuscript durchgesehen habe. Die Grösse des Ein-
siedlers wird mit der einer grossen Gans verglichen, das Ge-
fieder, wie bei Carre, weiss angegeben, jedoch mit schwarzen
Enden der Flügel und des Schweifes, welcher letztere dem
des Strausses gleicht. Der Hals lang, der Schnabel wie bei
den Becassen, nur grösser, Beine und Fiisse wie die der ka-
lekutischen Hühner. Man haschte den Vogel im Lauf, da er
nur wenig fliegen konnte. — Erst am 4. September 1672
schifi'te sich D. B. ein, um nach Madagascar zurückzukehren.
Dieses sind die Notizen, welche wir über die Existenz der
Solitaire auf der Insel Bourbon haben. Eine spätere, um-
ständlichere Nachricht über einen mit demselben Namen be-
legten Vogel auf der Insel Rodriguez giebt uns der Franzose
Frangois Leguat, welchen die Widerrufung des Edicts von
Nantes veranlasst hatte 1689 aus seinem Vaterlande nach Hol-
land zu gehen, wo er sich 1690 im Juli mit neun Landsleu-
ten einschifi"te, um sich auf der vom Marquis Du Quesne als
ein Eden geschilderten Insel Bourbon niederzulassen. Der
Capitain aber, statt die Passagiere hier abzusetzen, brachte
sie nach Rodriguez, wo sie am 1. Mai 1691 alle gelandet
waren und wo sie sich, in Gesellschaft eines der Steuerleute
ihres Schiffes, an der Nordseite ansiedelten. Sie verblieben
hier über zwei Jahre, nämlich bis zum 20. Mai 1693, an wel-
chem Tage sie auf einem von ihnen erbauten Boote sich (zum
zweiten Male) in die See wagten, um nach Mauritius zu
segeln, wo sie am 29. Mai glücklich anlangten, und wo einige
von ihnen viele Abentheuer auszustehen hatten.
Ein Jahr nach Leguat's Zurückkunft nach Holland, näm-
lich 1699, erschien des erwähnten Carre's Buch, in welchem
der auf Bourbon Solitaire genannte Vogel vorkommt; Leguat's
Reisebeschreibung aber war mit Hülfe des Ex-Benedictiners
Gabillon erst 1707 fertig geworden. Es wäre also möglich,
dass Leguat den Na/men Solitaire aus Carre's^-^chrift entlehnt
habe. Auch sagt er wirklich nicht mit Bestimmtheit, dass er
und seine Collegen dem Vogel während ihres Aufenthalts auf
der Insel Rodriguez den Namen gegeben. Im Französischen
steht: „a laquelle (espece d'oiseau) on a donne le nom de
128 Hamel:
Solitaire." Im Englischen heisst es: „vvhich goes by the name
of the Solitary." Der deutsche Uebersetzer (1709) sagt daher
nicht richtig: „Unter allen Vögeln auf dieser Insul ist die
merkwürdigste Art diejenige, der wir (Leguat und seine Col-
legen) den Namen der Einsiedler gaben." Uebrigens ist es
keinesweges ausgemacht, ob die auf Bourbon und auf Rodri-
guez als Solitaires beschriebenen Vögel ein und dieselben
seien. Der auf Bourbon soll, nach Carre und nach D. B.,
weiss gewesen sein. Von den auf Rodriguez im Verlauf von
zwei Jahren vielfältig beobachteten sagt Leguat, der männliche
sei graulich, auch braun; von den weiblichen seien einige
blond, andere braun. Von den letzteren, den weiblichen, sagt
er: „sie haben quer über der Schnabelwurzel wie eine Art
Binde, ähnlich der, welche die Wittwen zu tragen pflegen
(Elles ont une espece de bandeau comme un bandeau de veu-
ves au haut du bec qui est de couleur tanee). In der eng-
lischen Ausgabe steht ganz etwas Anderes: „They have a sort
of Peak like a Widow's upon their Breasts, which is of a
dun Colour." Hier ist jedoch die Farbe auf die Binde ange-
wandt und wahrscheinlich ist es unrichtig, dass sie in der
deutschen Uebersetzung auf den Schnabel bezogen wird, in-
dem es heisst: „Oben am Schnabel, welcher dunkelbraun ist,
haben sie gleichsam eine Binde, wie die Wittwen einen Schleier
zu tragen pflegen." Die Binde über dem Schnabel ist auch
in Leguat's Figur angegeben. Er sagt ausdrücklich, dass auf
dem Kopf weder Kamm noch Büschel vorhanden seien. Bei
den weiblichen beschreibt er den Kropf als vorn in zwei Er-
habenheiten getheilt, auf welchen die Federn von weisserer
Farbe waren, so dass gewissermassen weibliche Brüste vor-
gestellt wurden (qui represente merveilleusement un beau sein
de femme). Da Leguat diese Theilung des Kropfes auch auf
einer Zeichnung sehr deutlich angegeben hat, so darf man
wohl glauben, dass sie auch bei den männlichen stattfand. In
den späteren Ausgaben, z. B. in der von 1721, hat man die
Theilung des Kropfes in dem Bilde nicht wiedergegeben. Den
Schnabel beschreibt Leguat als etwas gekrümmter wie der
eines kalekutischen Hahnes; den graden Hals und die Beine
als etwas länger. Die die Schenkel deckenden, zahlreichen
Federn sind nach unten muschelförmig abgerundet. Das Auge
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. |29
schwarz und sehr lebhaft. Der llintertheil des Körpers wie
der eines Pferdes , fast ohne Schweif, bloss mit Federn be-
deckt. Die Flügel zu klein, um den bis fünf und vierzig
Pfund schweren Vogel zu heben; sie dienen ihm bloss dazu,
um sich zu vertheidigen und sich schnell im Kreise herumzu-
drehen, wobei ein ansehnliches Geräusch verursacht wird,
durch welches einer den andern herbei ruft. Die Flügelkno-
clien sind am äusseren Ende dicker und abgerundet, beinahe
wie eine Musketenkugel.
Dem von Leguat beschriebenen Rodriguez'schen Einsied-
lervogel sollte die Ehre widerfahren, in die Himmelskarte als
ein Sternbild aufgenommen zu werden. Der französische
Astronom Pingre war 1760 nach der Insel Rodriguez gereist,
um dort am 6. Juni 1761 den Durchgang der Venus zu be-
obachten. Um das Andenken Pingre's zu ehren, der aus Liebe
zur Wissenschaft sich auf der fast unbewohnten Einsiedlers-
Insel eine geraume Zeit lang aufgehalten hatte, entschloss sich
Le Monnier im Jahre 1776, den Rodriguez'schen Einsiedler-
vogel als neues Sternbild da einzusetzen, wo er, in einer
Lücke zwischen den Sternbildern : Wage, Scorpion und Was-
serschlange, mehrere Sterne neu beobachtet und ihre Lage
in Bezug auf den Aequator und die Ekliptik genau bestimmt
hatte. Hierbei wurde aber ein ornithologischer Fehler began-
gen. Statt in Leguat's Buch die Figur des Rodriguez'schen
Solitaires aufzusuchen, consultirte man Brisson's 1760 er-
schienene Ornithologie, in welche der Leguat'sche Solitaire
gar nicht aufgenommen ist. Man fand jedoch im zweiten Theil
auf Seite 268 ein Capitel mit der Ueberschrift: le Solitaire.
Unter diesem Namen werden hier drei Drosselarten als Ttir-
dus solitarius aufgeführt. Da von einem dieser Solitaire auf
Seite 273 gesagt wird, dass er von den Philippinischen Inseln
dem Ritter Turgot überbracht worden sei, so scheint man
denselben irriger Weise für den Rodriguez'schen gehalten zu
haben. Man copirte das Bild dieses Solitaire's von Brisson's
Tafel XXV. Figur 1, denn Buflfon's colorirte, etwas verschie-
den gestellte Figur erschien erst ein Jahr später (1777) in
seiner Histoire naturelle des Oiseaux, Tome IV. p. 86 auf Ta-
fel 339 und das Brisson'sche Bild des Vogels, welches man
in den Memoires de l'Academie, annee 1776. p. 562. Taf. XVII
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 1. Bd. 9
130 ' Hamel:
in Lebensgrösse sehen kann, ward in die Himmelskarte einge-
tragen. Der Vogel steht auf dem Schwänze der Wasser-
sehlange; der Kopf und die Kehle befinden sich in der süd-
lichen Wagschale. So gerieth durch einen Irrthum, welcher
auf gleicher Benennung ganz und gar unter sich verschiede-
ner Vögel beruht, anstatt Leguat's stattlichen Einsiedlers {Di-
dus soUtarius), welcher weit höher als ein kalekutischer Hahn
war und über ein Pud wog, eine kleine, von der Schnabel-
bis zur Schwanzspitze kaum achtehalb Zoll lange Drossel
{Turdus solitarius) in die Himmelskarte.
Nach dieser Erinnerung an dasjenige, was über die Ein-
siedler auf Bourbon und Rodriguez vorliegt, wollen wir un-
tersuchen, was die von den Herren Thompson, Blainville und
Andern für Solitaires und Dodos gehaltenen Vögel eigentlich
waren und was für eine Insel die von Vasco de Gama er-
wähnte ist, von welcher jene Naturforscher meinten, es sei
die im Jahr 1598 von den Holländern Mauritius genannte In-
sel, an deren Küste sie denn auch die Blasius- Bucht (Angra
de San Bras) gesetzt haben.
Weder Vasco de Gama selbst, noch ein anderer der ersten
portugiesischen Seefahrer nach Ostindien, besuchte Mauritius,
denn man fuhr damals zwischen der Ostküste Afrika's und
der Insel Madagascar nordostwärts, nicht aber Madagascar's
südlicher Spitze vorbei. /
Die Bucht des heiligen Blasius befand sich an der Ost-
küste Afrika's. Ich glaube in dem bereits gedruckten Theil
meiner Abhandlung als wahrscheinlich dargethan zu haben,
dass diese Bucht schon vor Vasco de Gama von Bartholomeo
Diaz besucht worden sei und in Folge dessen ihren Namen
bekommen habe. Meine Vermuthung, dass Diaz am 11. Fe-
bruar 1487 daselbst angelangt sei, indem dieses der dem ge-
nannten Heiligen gewidmete Tag ist, wird durch den Floren-
tiner Giovanni da Empoli, der sehr bald nach Gama, nämlich
schon 1503, die Bucht besuchte, bestätigt, indem er sagt: „un
porto chiamato Tacqua di San Biagio, perche fu discoperto
detto porto in detto di et in esso porto v'a uno piccolo ere-
mitorio fatto in sua memoria." Auch meldet Perestrello Mes-
quita, welcher in den Jahren 1575 und 1576 auf Befehl des
Königs von Portugal die geographische Lage aller östlich vom
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. \^\
Vorgebirge der guten Hoffnung bis zur Lagoa Bucht befind-
lichen Caps und Bucliten bestimmte und beschrieb, er habe
in der Blasius-Bucht die fünf bis sechs Palmen hohen Ueber-
reste einer zur Zeit der Entdeckung der Schifffahrt nach In-
dien auf diesem Wege errichteten, dem heiligen Blasius gewid-
meten Kapelle auf einer Anhöhe über der Quelle, die den
Schiffern das Trinkwasser liefert, vorgefunden.
Die portugiesischen Beschreiber von Vasco de Gama's
Reise melden uns, dass in der Bucht des heiligen Blasius eine
kleine Insel sei, auf welcher, ausser Seehunden, die von den
Hottentotten Sotiä'cairi genannten Vögel in Menge vorhanden
wären. Wir haben gesehen, dass die Uebersetzer aus: Insel
in einer Bucht gemacht haben: Bucht an einer Insel, und
dass hierdurch Thompson, Blainville und Andere verleitet
wurden zu glauben, es handle sich um die Insel Mauritius.
Leider haben uns die Portugiesen keine auf Gama's Fahrt
speciell Bezug habende Karte hinterlassen. Die Holländer
aber haben sich eine solche, wahrscheinlich durch Cornelius
Houtman, der wegen seiner ruchtbar gewordenen Forschun-
gen hinsichtlich der Handelswege der Portugiesen, in Lissa-
bon eingekerkert worden war, verschafft, und mehreren ihrer
vielfältig herausgegebenen Beschreibungen der ersten ostin-
dischen Reise von 1595, bei welcher sich Houtman, der Ur-
heber derselben, anfänglich als Commissarius, später aber als
Führer der Expedition, befand, ist eine Karte des südlichen
Theils von Afrika beigefügt, wo die Angra de San Braz, so-
gar mit Bezeichnung der kleinen Insel in derselben, portu-
giesisch, wie alles Andere, angegeben ist. Auf diesem Blatte
wird überdem die Angra de San Bras noch besonders in ver-
grössertem Masstabe mit der kleinen Insel in derselben vor-
gestellt. Im Text wird die Insel und die Vögel auf derselben
beschrieben. Es heisst im lateinischen Diarium: „Die quarto
Augusti ingressi sumus Sinum, vulgo Aquado de Sant Bras,
ubi ad latus occiduum anchoram iecimus. In hoc sinu est
parva insula aut scopulus in qua invenimus copiam magnam
avium, quas nominavimus Pinguyones^ erantque magnitudinis
parvi anseris, sine alis, sed ipsarum loco pinnis coriaceis
praeditae erant, quibus natant.''
Also Pinguine sind die Vögel , die bei den Negern oder
9*
132 Hamel:
Hottentotten, als die Portugiesen hundert Jahre vor den Hol-
ländern in der Blasius-Bucht waren, Sotilicmri hiessen. Diese
Pinguine sind auch die Vögel, welche Lichefild zu Sta?es so-
wohl als zu Solüarms, Thompson, Blainville und die Penny
Cyclopaedia aber zu Bodos gemacht haben.
Welches ist nun namentlich die Bucht an der Ostküste
Afrika's, die zur Zeit der portugiesischen, und auch noch zur
Zeit der ersten holländischen Fahrten nach Indien, den Namen
St. Blasius-Bucht trug?
Es ist die Bucht, welche jetzt Mossel-Bay (Muschel Bucht)
genannt wird. Mit dieser Namensveränderung hat es folgende
Bewandtniss.
Der Holländer Paulus van Caerden, welcher unter dem
Admiral Pieter Both im December 1599 mit einer aus vier
Schiffen bestehenden Flotte nach Indien abgegangen war,
wurde dort 1600 von Both zum Befehlshaber über zwei der
Schiffe ernannt. Auf seiner Rückreise nach Holland im Jahr
1601 ward er, da das eine Schiff durch Sturm beschädigt
worden, genöthigt, in eine Bucht an Afrika's Südostküste
einzulaufen, wo er vom 8. bis zum 14. Juli verweilte. Caer-
den nannte diese Bucht nach Muscheln , mit denen er sich
begnügen musste, da er von den Eingebornen am Lande kei-
nen Fleischproviant bekommen konnte, Mossel-Bay, so wie ei*
dann zwei anderen von ihm besuchten Buchten die Namen
Vis- und Vles-Bay gab. Nun hat man später geglaubt, die
von Caerden Mossel-Bay benannte Bucht sei die Blasius-Bucht
gewesen. Es würde aber höchst auffallend sein, wenn Caer-
den wirklich der Blasius-Bucht diesen Namen gegeben hätte,
da sich nachweisen lässt, dass er ihren früheren, von Diaz
1487 ertheilten, gekannt haben muss, indem er schon auf der
ersten sogenannten Houtman'schen Expedition mit derselben
in dieser Bucht vom 4. bis zum 11. August 1595 gewesen
war, während welcher Zeit man auf dem Lande Freundschaft
mit den Eingebornen gemacht hatte. Auch war schon ein
volles Jahr vor Caerden's Abreise von Holland mit Both,
nämlich 1598, die Beschreibung der ersten Reise abgedruckt
und bei derselben befand sich sowohl die erwähnte J>[arte der
Küste von Süd -Afrika, als der Plan der Blasius-Bucht. In
den verschiedenen Beschreibungen der Houtman'schen Fahrt
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. 133
wird bloss erwähnt, dass am 5. und am 8. Februar 1597 ein
Mann von dem SchiflF Hollandia an's Land zum König von
Bally auf Java gesandt worden sei. In dem lateinischen Dia-
rium aber finde ich bei dieser Gelegenheit den Paulus van
Caerden genannt, woraus sich dann ergiebt, dass er auch
1595 in der Blasius -Bucht gewesen sein musste. Er kann
daher sich 1601 nicht in der jetzt Mosselbay genannten Bucht
befunden haben, denn diese hätte er erkennen müssen. Auch
finde ich, dass als er sechs Jahre später, nämlich 1607, längs
der Küste Afrika's hinsegelte , er selbst von der Agi di San-
bras, nämlich der Blasius -Bucht, spricht, indem er sagt, die
Bai Formosa, in deren Nähe er damals war, sei östlich von
ihr gelegen. Man muss also glauben, er sei 1601 in irgend
eine andere Bucht eingelaufen, obgleich die frühere Blasius-
Bucht seitdem irriger Weise Mosselbay genannt worden ist,
weil man meinte, Caerden habe hier die Muscheln vorgefun-
den. Sie wurde übrigens noch eine lange Reihe von Jahren
mit dem alten Namen bezeichnet. So wird sie in dem 1613
gedruckten , vom Leipziger Johann Verkens während der im
Jahr 1607 unternommenen Expedition des Admirals Pieter
"Willemszoon Verhoeven nach Ostindien geführten, Tagebuch
Aquada de sambras genannt. Visscher's 1652 gestochene
Karte von Afrika hat die Mossel-Bay noch nicht, aber auf
Hondius' 1666 von Jansson herausgegebenen Karte ist zu
den alten portugiesischen Benennungen der Buchten, ausser-
halb noch Mosselbay, Vis baij und Vleijs Baij hinzugravirt;
ersterer Name steht hier zufällig gegenüber der Bay Fremosa,
letzterer aber gegenüber der Agua de S. Bras. Seller's Atlas
maritimus von 1675 hat Mosselbay mit Hinweglassung von
Blasiusbay und auf den neuen Karten ist meistentheils Mos-
selbay an die Stelle von Blasiusbay gesetzt; jedoch heisst die
am Westende der Bucht hervorspringende Felsecke bis auf
diese Stunde Blasius -Cap. Die Mosselbay ist in deutschen
üebersetzungen zu Nosselbay und dann in französischen zu
Baie de Nossel gemacht worden.
Der Agent der ostindischen Compagnie Rear-Admiral
Pringle hat das Verdienst, dass er 1797 dem Lieutenant Rice
eine genaue Aufnahme der drei vorzüglichsten Buchten öst-
lich vom Vorgebirge der guten Hoffnung auftrug, worunter
134 Hamel:
denn auch die Mosselbay, der Portugiesen St.-Blasius-Hafen,
ist, so dass wir nun, nach einer richtigen Aufnahme, den in
dieser Bucht hervorragenden Fels, das kleine Inselchen, vor
uns haben, welches von Vasco de Gama 1497 und von den
Holländern 1595 mit Sotilicairi oder Pinguinen bedeckt vor-
gefunden, in neuerer Zeit aber von Naturforschern mit der
Insel Mauritius, auf welcher viele Dodos waren, verwechselt
worden ist.
Latrobe's 1818 gedrucktem Journal seiner Reise in Süd-
Afrika ist eine Ansicht der Mosselbay mit der kleinen uns
interessirenden Insel beigefügt.
Leider ist wohl jetzt auf immer die Hoffnung geschwun-
den, über das Wort Sotilicairi, die hottentottische Benennung
der Pinguine in der Blasius-Bucht, nähere Auskunft zu erhal-
ten, denn der Missionär Hans Peter Hallbeck, welcher sich
von 1817 bis 1836 viel Mühe gegeben hatte, im Süden Afrika's
Alles was nur möglich war über die fast verschw^undene hot-
tentottische Sprache zusammenzubringen , verlor bei einem
1836 in Europa gemachten Besuch alle seine Papiere durch
den Schiffbruch der Dorothy Cook an der Küste bei Harwich.
Er kehrte 1837 nach Südafrika zurück, ist aber daselbst zu
Genadendal 1841 gestorben.
Herr Blainville sagt, dass die Beschreibung, welche die
Holländer von ihrer Besitznahme von Mauritius, während
ihrer zweiten Fahrt nach Ostindien im Jahr 1598, wo von
ihnen der Dodo (als Walgvogel) erwähnt wird, nicht eher
als im Jahr 1725 zu Ronen in einem Recueil des Voyages
gedruckt worden sei.
Die von Blainville hier gemeinte und im Dictionnaire des
Sciences Naturelles Artikel Dodo, auch citirte französische
Sammlung von Reisen ist eine der vielfältigen Ausgaben des-
selben Werkes, welches bloss eine Uebersetzung der 1646 in
Holland in der Landessprache gedruckten Sammlung von
Reisebeschreibungen ist. Der Uebersetzer war de Constantin;
die erste Ausgabe erschien 1702 — 6 zu Amsterdam. Der ur-
sprüngliche Bericht über die in Frage stehende Reise war aber
schon im Jahr 1601, sowohl holländisch als französisch, mit
vielen Kupfern in Holland gedruckt worden.
Diese zweite Expedition war im März 1598, bald nach
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. 135
der Zurück kunft der ersten, abgefertigt worden. Sie bestand
aus acht Fahrzeugen. Man wollte sich, wie auch bei der
ersten geschehen war, nach dem Beispiel der Portugiesen , in
der Blasius-Bucht mit Wasser und mit friscliem. Proviant ver-
sehen. Die kleine Flotte war aber am Cap der guten Hoff-
nung durch Sturm zerstreut worden und vier Schijffe, worun-
ter auch das des Vice-Admirals Wybrand van Warwyck, ge-
riethen an eine Insel, welche nach portugiesischen Karten
Ilha do Cime (Cisne, Schwaneninsel) heissen sollte, die sie
aber am 29. September nach dem Statthalter von Holland
Mauritius nannten. Die Bucht, in welcher sie Anker gewor-
fen hatten, erhielt ihrem anwesenden Chef zu Ehren den Na-
men Warwycks-Bucht. Es ist dies der sehr geräumige Hafen
im südöstlichen Theil der Insel, wo sich auch die Holländer
später am Ufer zuerst ansiedelten. Eine nach Süden zu im
Hafen liegende Insel mit Cocosbäumen, jetzt Ile des Aigrettes
genannt, bekam den Namen Heemskerk- Insel. Dies geschah
zu Ehren desselben Jakob Henrikszoon Heemskerk, welcher
zwei Mal unsere Nordküste besucht und den Winter von
1596 auf 1597 auf Matiüschina Semlia (bisher unrichtig No-
waja Semlia genannt) ohnweit der Nordostecke dieser Insel,
welche Ecke für uns immer noch „Hoeck der Begeerde" ist,
zugebracht hatte, jetzt aber, im September 1598, sich bereits
hier bei der Mauritius-Insel befand. Er war als Ober-Com-
missair auf dem Schiffe Gelderland, welches, im Hafen, der
nach ihm benannten Insel am nächsten vor Anker lag, dahin
gekommen und war vielleicht der Erste, der diese damals an
Cocosnüssen reiche Insel besuchte. Späterhin, nämlich am
4. Januar 1599, wurde Heemskerk zu Bantam vom Admiral
des ganzen Geschwaders, Jakob Corneliszoon van Neck, der
von dort mit vier beladenen Schiffen nach Holland zurück-
kehrte, zum Vice -Admiral, und Warwyck zum Admiral über
die nachbleibenden vier Schiffe ernannt, welche nach den mo-
lukkischen Inseln segeln sollten, wo der thätige Heemskerk
sich im Bezug auf die Feststellung des Handels seinem Va-
terlande sehr nützlich machte.
In den Notizen über die erwähnte Reise der Holländer,
auf welcher Mauritius von ihnen zuerst besucht und benannt,
auch der Dodo zuerst beschrieben worden, bleibt gewöhnlich
136 Hamel:
unaiigemerkt, dass Jacob Heemskerk mit auf Mauritius war,
dahijigegen ist irriger Weise gesagt worden, der Admiral Van
Neck sei dabei gewesen. Es ist möglich, dass Jan Cornelis-
zoon, der Befehlshaber einer der in den Warwycks - Hafen
eingelaufenen Fahrzeuge, genannt Vriessland, derselbe war,
welcher 1596 gleichzeitig mit Heemskerk und Willem Ba-
rentszoon van der Schelling aus Holland zur Aufsuchung der
Nordostpassage abgesegelt war und dessen Streit mit Willem
Barentszoon wegen der zu nehmenden Richtung jene Fahrt
nach dem hohen Norden bewirkte, auf welcher die Bären-
(Cherry-) Insel und Sjoitzbergen entdeckt wurden ^).
Was die am 18. September 1598 zum ersten Mal auf der
Insel Mauritius gelandete Mannschaft der holländischen Schiffe,
ausser den sehr grossen Schildkröten, am meisten in Erstau-
nen versetzte, war die Zahmheit der hier angetroffenen Vö-
gel, welche sich mit den Händen greifen Hessen. Es waren
vorzugsweise graue Papageien und Turteltauben. Ganz neu
aber waren ihnen Vögel von der Grösse der Schwäne, deren
grosse Köpfe mit einer Haut gleichsam bekappt waren. Statt
der Flügel hatten sie bloss, wie gesagt wurde, drei oder vier
schwarze und statt des Schweifes vier oder fünf gekräuselte
') Diesen Jan Corneliszoon (Rijp) fapd Heemskerk und seine
Gefährten nach der Ueberwinterung auf Matiüschina Semlia und
nach der Fahrt auf dort zugerichteten Böten, zu ihrer nicht geringen
Freude, im Kolabusen mit seinem Schiffe vor und auf diesem kehr-
ten sie ins Vaterland zurück, nachdem sie am 11. September 1597
ihre beiden Böte, mit Bewilligung des Woiewoden, „zum Andenken
an ihre merkwürdige Fahrt" auf dem Kaufhofe zu Kola zur Aufbe-
wahrung abgegeben hatten. Jan Corneliszoon, der mit Heemskerk
zugleich zwei Mal um das Nordcap von Europa gesegelt und mit
ihm sogar bis Spitzbergen gewesen war, konnte gewünscht haben,
nun auch in seiner Gesellschaft das Südcap von Afrika zu umschif-
fen. Als der zum Vice -Admiral ernannte Heemskerk am 8. Januar
1599 mit vier Schiffen von Bantam nach den molukkischen Inseln
segeln sollte, wurde Jan Corneliszoon, dessen Schiff damals mit drei
andern, unter Van Neck's Leitung, nach Holland zurückzukehren be-
stimmt war, auf eines von jenen übergeführt, und als diese sich am
11. März zu Amboyna wieder theilten, blieb Jan Corneliszoon mit
dem Seinigen bei dem von Heemskerk, um mit ihm nach Banda zu
segeln. Es scheint, als ob er sich nicht von Letzterem habe trennen
können.
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. 137
Federn. In der ältesten holländischen Beschreibung steht:
,,4 oft 5 gekrulde pluymkens, van coleur graeuvvachtigh", so
dass man nicht weiss, ob die grauliche Farbe bloss auf die
Schweiffedern, oder vielmehr auf den ganzen Vogel zu bezie-
hen sei. Die frühen Uebersetzer dieser Beschreibung: Gott-
hard Arthus (aus Danzig) bei den De Brys, und Levin Hulsius
setzten eben so zweideutig: „vier oder fünf kleine gekrümmte
Pflaum(?)federn, sein von Farbe grauwlich". Clusius aber be-
zog 1605 diese grauliche Farbe mit Bestimmtheit auf die
Schwanzfedern. Er setzte: „pennulae cineracei coloris" und
die späteren Uebersetzer haben dasselbe gethan. So heisst
es in der Allgemeinen Historie der Reisen : „ihr Schwanz be-
steht nur aus vier oder fünf graulichen und krausen Federn",
und die Penny Cyclopaedia hat: ,,their tails consisting of four
or live curled plumelets of a greyisch colour". Aus dem Er-
folg wird sich ergeben, dass die grauliche Farbe hier sich
nicht auf die Schwanzfedern, sondern auf den ganzen Vogel
beziehen soll. Das Schiffsvolk gab diesem Wi/dpret, nachdem
es davon gegessen hatte, den Namen Walgvögel (Walghvogels,
auch Walchstocken), das heisst: Ekel erregende Vögel, weil
ihnen ihr Fleisch nicht so gut schmeckte wie das der Turtel-
tauben, deren sie eine Menge auf der Insel todt schlugen.
Wie sehr die Matrosen, während ihres vierzehntägigen
Aufenthalts auf Mauritius, die Zahl der Vögel daselbst mögen
verringert haben, lässt sich daraus schliessen, dass drei der-
selben an einem Nachmittage nicht weniger als hundert und
fünfzig Turteltauben meistens mit der Hand gegriffen, zum
Theil aber mit Stöcken todt geschlagen hatten. Gleich bei
der ersten Landung brachten sie, ausser sehr vielen kleinen,
acht oder neun grosse Vögel, die sie erschlagen hatten, aufs
Schiff. Letztere waren ohne Zweifel Walgvögel, das heisst
Dodos, denn von den Reihern wurde gesagt, dass man ihnen
nicht beikommen könne.
Am 18. September 1598 wären also die ersten Dodos,
die historisch bekannt geworden sind, in den Besitz von Men-
schen gekommen. Der erste dem Dodo gegebene und ver-
öffentlichte Name war der eben erwähnte holländische: Walgh-
vogel, d. h. Ekelvogel. Buffon sagt ohne allen Grund, dass
die Portugiesen ihm den Namen Dodo gegeben hätten, da
138 N Hamel:
doch bis jetzt nicht nachgewiesen worden ist, dass vor den
Holländern je ein Portugiese des Dodo's unter irgend einem
Namen erwähnt habe. Er hat diese Behauptung Herbert nach-
geschrieben, der sie in den zwei ersten Ausgaben (von 1634
und 1638) seiner Reisen (Some yeares travels into Africa
and Asia) aufgestellt, in einer spätem Ausgabe aber selbst
wieder gestrichen hatte. Ferner sagt Buffon: Dronte sei der
ursprüngliche Name des Vogels gewesen auf der Insel Mau-
ritius, von wo er herkomme; die Insel war aber völlig unbe-
wohnt, als Warwyck mit Heemskerk und der- übrigen Gesell-
schaft im Jahr 1598 dahin kam. Buffon hat hier nicht die
von ihm gleich nach dem Artikel über den Dodo empfohlene
strenge kritische Prüfung der Nomenclatur der Thiere ange-
wendet.
Ich muss hier datan erinnern, dass die De Brys in dem
schon im Februar 1600 beendigten vierten Theil ihrer Orien-
talischen Indien eine von dem Danziger Gotthard Arthus aus
dem Holländischen übersetzte Reisebeschreibung der erst im
Juli 1599 mit dem Admiral Van Neck aus Bantam nach Hol-
land zurückgekehrten vier Schiffe gegeben haben. Von diesen
Fahrzeugen war jedoch nur eines, die erwähnte Jacht Vriess-
land, im Hafen bei Mauritius gewesen. Der in Bantam neu
ernannte Capitain derselben, so wie der darauf befindliche
Commissair, hatten sich aber bei dem Besuch auf Mauritius
befunden und konnten also über das daselbst Gesehene Mit-
theilungen machen.
Daher erklärt es sich, dass die De Brys in dem erwähn-
ten Theil ihres Werkes unter andern ,, lustig und zierlich in
Kupfer gestochenen Contrafeyungen" auf der dritten Tafel das
Merkwürdigste von dem, was auf Mauritius beobachtet wor-
den sein sollte, zusammen zu stellen versucht haben. Es
sitzen hier zwei Holländer auf einer grossen Schildkröte, die,
der Last ungeachtet, vorwärts kriecht. Ein Mann steckt le-
bendig ergriffene Papageien in einen Sack. An drei verschie-
denen Orten schlagen andere Schiffsleute vorbeifliegende Vö-
gel mit Stöcken todt. Ein grosser Vogel, der ein Dodo sein
soll, aus Versehen aber ein Casuar (Erneu) ist, schreitet ruhig
in der Nähe einer Gruppe von zehn schmausenden und einem
aufwartenden Matrosen vorbei. In der Bucht ist ein Schiff
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. 139
zu sehen, von welchem so eben ein Boot mit vier Personen
landet, deren eine im Begriff auszusteigen ist, um zwei hart
am Strande befindliche Vögel, die Dodos (Walgvögel) vor-
stellen sollen, in der That aber wieder Casuare sind, zu grei-
fen. Einer dieser Vögel sieht den aussteigenden Mann ohne
Scheu an, der andere fahrt fort vom Boden etwas aufzulesen,
was vielleicht auf die sehr oft im Magen der Walgvögel vor-
gefundenen Steine Bezug haben soll.
Diesen letzteren Vogel hat der Künstler der De Brys
von sich aus gezeichnet, die andern zwei aber von einem,
dem XXXIV. Capitel der Beschreibungen der Houtman'schen
Reise beigegebenen Kupfer copirt, welches auch auf der
achten Tafel bei den De Brys wiedergegeben worden. Hier
wird von ihnen selbst erklärt, dass der Vogel von Java sei,
ja sogar angemerkt, dass er dort Eeme heisse, demungeachtet
aber sagen sie in der Erläuterung der erwähnten dritten Tafel,
dass diese seltsamen Vögel auf Mauritius von den dort gewe-
senen Holländern Walckvögel genannt worden seien und
setzen noch hinzu, sie hätten einen mit sich nach Holland
gebracht.
Wenn man dieser Nachricht Glauben beimessen dürfte,
so müsste der erwähnte Dodo im Juli 1599 in Holland ange-
langt sein. Man darf aber den De Brys hier nicht trauen.
Sie konnten bei dieser Notiz den von der ersten holländischen
Reise aus Java nach Amsterdam mitgebrachten Emeu mit
einem Dodo verwechselt haben, wie es denn auch in der be-
schriebenen ,,Contrafeyung" geschehen ist. Der erwähnte
Emeu wurde dem Capitain Schellinger am Tage vor seiner
Ermordung, nämlich am 4. December 1596, als sein Schiff
vor Ciday (auf Java) ankerte, vom dortigen König Sella als
ein Geschenk zugesandt und mit den im Juli 1597 zurück-
gekehrten Schiffen als eine wunderbare Neuigkeit mit nach
Holland gebracht, wo ihn auch Clusius im Haag im Garten
des Grafen von Solms gesehen hatte, ehe dieser ihn dem da-
maligen Churfürsten zu Cöln schenkte, von welcher er später
dem Kaiser Rudolph H. verehrt wurde.
Dem jetzt sehr seltenen, von Cornelius Gerhardszoon ver-
fassten Anhang zu dem Diarium Nauticum von 1598 ist ein
für damalige Zeit recht artiger Holzschnitt eines Emeu hin-
140 Hamel:
zugefügt worden, und durch Clusius erfahren wir, dass der
erwähnte erste nach Holland gebrachte Eineu daselbst in Oel
portraitirt worden sei; es wäre daher wohl zu vermuthen,
dass dem ersten nach Holland gekommenen Dodo eine gleiche
Ehre widerfahren sein dürfte. Da aber Clusius 1605 weder
von einem lebend in Holland gewesenen , noch von einem
daselbst abgebildeten Dodo etwas meldet, so muss man um
so mehr glauben, dass die von den De Brys mitgetheilte Nach-
richt von einem schon 1599 durch die Holländer mitgebrach-
ten Dodo ungegründet sei.
Das von den Holländern 1598 am 18. September begon-
nene Todtschlagen der Walgvögel auf Mauritius wurde von
den späterhin von Zeit zu Zeit daselbst landenden Seefahrern
fortgesetzt. Ich will im Folgenden nur an jene ihrer Besuche
auf Mauritius erinnern, in deren Beschreibung der Walgvögel
Erwähnung geschieht.
Im Jahr 1601 segelte der Admiral Wolfert Hermanszoon
mit fünf, und der mehrerwähnte Admiral Heemskerk mit acht
Schiffen nach Ostindien. Ersterer hatte sich auf der Hinreise
ungefähr einen Monat bei Mauritius aufgehalten und als fünf
von Heemskerk's Schiffen zu Bantam ihre volle Ladung er-
halten hatten, fertigte sie letzterer Admiral, da er selbst mit
den übrigen noch in Indien verbleiben wollte, unter dem
Oberbefehl von Schuermans und dem Vice-Admiral Jan Gar-
nier nach Holland ab. Diese Schiffe verblieben bei Mauritius
vom Ende Mai bis zum 8. September 1602. Wir haben zwei
Berichte über den Aufenthalt ihrer Mannschaft auf der Insel.
Der eine ist von Reyer Corneliszoon, dem Steuermann auf
dem Schiff des Vice- Admirals, der andere von Willem van
West Zanen (zu Saardam ansässig), welcher die Jacht Enk-
huysen, auch Bruin-Vis genannt, befehligte und der schon
1598 als Schiffszimmermann mit Warwyck und Heemskerk
auf Mauritius, wie auch 1595 auf der Houtman'schen Reise
mitgewesen war. Die Mannschaft eines jeden der fünf Schiffe
erbaute sich ein Haus auf Mauritius. Sowohl Reyer Corne-
iszoon als Willem haben verschiedene auf der Insel vorge-
fundene Thiere aufgezeichnet ^).
*) Reyer Corneliszoon erzählt, man habe eine an der Südwest-
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel, \^l
Ersterer nennt den Dodo bloss bei seinem ihm 1598 ge-
gebenen Namen: Wallich -Vogel. In Willem's, freilich nur
erst spät gedrucktem und von einem Fremden (H. Soute-
Boom) mit Zusätzen bereichertem Reisejournal wird daran
erinnert, weshalb der Vogel diesen Namen bekommen habe,
ausserdem aber heisst es: ,, Einige nennen diese Vögel Do-
daarse, andere hingegen Dronten." Bei einer Vergleichung
ergiebt sich, dass die Notiz über die auf Mauritius vorhande-
nen Thiere in Willem's gedrucktem Reisebericht grossentheils
aus dem vier Jahre später auf des Admirals Matelief's Reise
nach Indien geführten Tagebuch abgeschrieben ist, wo sich
denn auch diese Namen der W^algvögel vorfinden. Bei der
näheren Beschreibung dieser Vögel ist bloss die Bemerkung,
dass der Kopf mit einer Hautkappe bedeckt sei, aus der Be-
schreibung der ersten Reise genommen, das Uebrige lautet
wie bei Matelief, nur ist die Vergleichung der Grösse mit der
der Schwäne und die Angabe, dass der ganze Körper mit
kleinen grauen Federn bedeckt sei, weggelassen worden. Auch
sind der Schnabel, die Augen und die Füsse nicht, wie dort,
näher bezeichnet. Wahrscheinlich sind alle naturhistorischen
Nachrichten, die Beschreibung der Insel und besonders auch
der Walgvögel von dem Bearbeiter des Willem'schen Jour-
nals zugesetzt worden, jedoch kommen die Namen Dodaars
ecke der Insel vorgefundene Art Fische mit dem Namen: „Jacob
Evertz" belegt. Der 1623 verstorbene Bontius hat diesen „Jacob
Evertsen" genannten Fisch (bei Piso auf Seite 77, Capitel XXIV) mit
der üeberschrift: Aselli (Indici) species bildlich dargestellt und mel-
det, er sei gelb mit schwarzen Flecken und eben so sei der von
Wuchs kleine Seemann, dessen Namen er trägt, auch gewesen. Letz-
teres sagt er auch auf Seite 6. Bloch (Ichthyologie, septieme partie;
p, 26) giebt den durch eine Spöttelei Jacob Evertsen benannten Fisch
als Bodianus guttatus und liefert sein Bildniss auf Tafel CCXXIV.
— Der Holländer, welchem auf diese Weise die Ehre geworden, sei-
nen Namen in die Ichthyologie aufgenommen zu sehen, scheint mir
für uns einiges Interesse zu haben. Ich vermuthe nämlich, dass es
derselbe Jacob Evertz ist, der ndt Heemskerk 1596—1597 auf Matiu-
schina Semlia überwintert hatte und glücklich mit ihm und noch
zehn Personen auf zwei dort zur Fahrt auf der See bestmöglichst
zugerichteten Böten nach Kola zu Jan Corneliszoon's Schiff ge-
langt war.
J42 Hamel:
und Dronte auch sonst noch im Verlauf von Willem's Erzäh-
lung vor, so dass man glauben möchte, er müsse , dieselben
gekannt haben. Der Name Dronte erscheint auch in einem
Reime:
„Vitali sookt man heer en viees van't pluim gedi^rt,
Der pallembomen sap, de dronten rond van stuiten".
Es wird erzählt, dass die Matrosen der Jacht einmal fünf-
zig Vögel an Bord brachten und dass darunter vier oder fiinf
und zwanzig üodaarsen waren, so gross und schwer, dass die
Matrosen nicht zwei davon in einer Mahlzeit ganz verzehren
konnten ; die übrigen wurden eingesalzen. Ein anderes Mal
waren von ihnen während drei Tagen hundert und fünfzig
Vögel todt geschlagen worden, unter welchen sich zwanzig
Dronten befanden, die man eben so benutzte. — Die Schiffe
langten im April 1603 in Holland an.
Clusius, welcher in seinen 1605 gedruckten Exoticis eine
Beschreibung der „Walghvoghels" gab, hat das Material dazu
theils aus den veröffentlichten Berichten über die erste der
eben angeführten Reisen, theils aus mündlichen Nachrichten
von Personen, die auf der zweiten mitgewesen waren, erhal-
ten. Er beschreibt den Schnabel als nicht flach, sondern dick
und bedeutend lang, der obere Theil hackenförmig gebogen,
der untere mit einem bläulichen B'leck in der Mitte zwischen
gelb und schwarz. Der Körper des Vogels ist mit kurzen
Federn sparsam bedeckt. Statt der Flügel finden sich bloss
vier oder fünf schwarze Federn. Die in der ersten Beschrei-
bung erwähnte graue Farbe wendet auch Clusius irrig auf die
vier oder fünf Schwanzfedern an. Der Hintertheil des Kör-
pers ist sehr dick und fett, die Beine eher dick als lang, der
obere Theil bis an das Knie mit schwarzen kleinen Federn
bedeckt, der untere, so wie auch die Füsse, gelblich. Vier
Zehen, von denen die drei längeren nach vorn, die vierte kür-
zere nach hinten stehen, sind alle mit schwarzen Krallen ver-
sehen, von welchen die der hinteren Zehe die längste ist,
Clusius sah in der Sammlung des Leidener Professors Pauw
einen aus Mauritius gebrachten Fuss und beschrieb ihn näher.
Grey glaubt, dass der Dodofuss, welcher sich in der 1681
von Grew catalogisirten Sammlung der Royal Society vorfand,
jetzt aber im British Museum zu sehen ist, der von Clusius
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. 143
beschriebene sei. Bei Porret sah Clusius zwei Steine, die in
den Mägen der Walgvögel gefunden sein sollten; einen der-
selben hat er abgebildet. Das Fleisch war ihm als zähe, bloss
die Brust und der Magen einigermassen wohlschmeckend be-
schrieben worden. Die Namen Dodaars und Dronte scheint
Clusius nicht gehört zu haben, da er ihrer nicht erwähnt. Ein
Grund mehr zu glauben, dass diese Benennungen erst später
in Willem's Journal eingetragen sind, zumal da Clusius sich
mit dem Vice-Admiral Garnier über den auf Mauritius ge-
machten Besuch mündlich unterhalten hatte.
Am 1.» Januar 1606 langte der Admiral Cornelis Matelief
auf seiner Fahrt nach Ostindien mit sieben Schiffen bei Mau-
ritius an und fand daselbst den nach Holland zurückkehren-
den Admiral Steven van der Hagen mit zwei Schiffen vor.
Matelief verblieb hier bis zum 27. Januar. Das Tagebuch
über seine Reise enthält eine Beschreibung der Insel mit Be-
zeichnung ihrer Haupterzeugnisse. Nach namentlicher Erwäh-
nung von zwölf verschiedenen Vögeln heisst es: „Man findet
da auch gewisse Vögel, die von einigen Dodaerse, von andern
Dronten genannt werden ; die ersten hier Angekommenen
hiessen sie Walghvogels." Darauf folgt eine nähere Beschrei-
bung dieser Vögel, in welcher das Wichtigste für uns die
Nachricht ist, dass der ganze Körper mit kleinen, grauen Fe-
dern bedeckt sei. Der Schnabel wird als gross und die Augen
als lebhaft erwähnt. Statt gehöriger Flügel befinden sich nur
kleine Fittiche, statt des Schweifes vier oder fünf Federn,
die mehr als die übrigen erhaben sind. Die Beine sind gross
und dick. Im Magen befindet sich gemeiniglich ein Stein von
der Grösse einer Faust. Zum Essen sollte der Magen der
beste Theil sein.
Aus des Handelsmannes Paulus van Soldt's Tagebuch,
geführt auf der Nachhausereise zweier Schiffe aus Bantam im
Jahr 1607, ersehen wir, dass diese, den dem Ostwind offenen
Warwyck - Hafen vermeidend, bei der Südwestecke der Insel
Anker warfen und dass sich die Mannschaft der Schiffe bei
einer Bucht (vielleicht war es die Baie du Cap) Ende Novem-
ber an's Land begab. Während der drei und zwanzig Tage,
die sie auf der Insel zubrachte, aSs dieselbe nichts als
Dodaerse, Schildkröten, Tauben, Turteltauben, graue Papageien
^44 Hamel:
und anderes Geflügel, welches sie mit den Händen einfing.
Soldt's Tagebuch enthält, wie das über Matelief s Reise ge-
führte, eine Beschreibung der Insel mit ihren zwei Haupthäfen,
und nennt mehrere darauf befindliche Thiere. Von den Dod-
aersen wird hier wieder gesagt, dass man sie eingesalzen habe.
Es wird angemerkt, dass in der Nähe der Häfen das Geflügel
schon seltener zu werden anfange, weil so viele Schifi'e da-
selbst anlegen; im Innern der Insel jedoch sei desselben noch
genug vorhanden.
Eine Beschreibung von Mauritius und von den 1611 da-
selbst beobachteten Dodaersen verdanken wir dem schon zwei-
mal erwähnten Leipziger Johann Verkens, der aber, als Sachse,
„Tottersen" anstatt Dodaersen schrieb. Im Jahr 1607 war
der Admiral Pieter Willemszoon Verhoeven, nachdem er un-
längst zuvor sich zur Seite Heemskerk's befunden hatte, als
dieser in der glorreichen Schlacht vor Gibraltar durch eine
Kugel getödtet ward, mit einer starken Flotte nach Indien
abgegangen. Auf diese hatte sich damals Verkens als Soldat
anwerben lassen, er war aber späterhin in Indien zum Fähn-
rich befördert worden. Er hatte ein Reisejournal geführt,
welches von dem schon genannten Danziger Gotthard Arthus
bearbeitet und 1612 und 1613 von J. T. De Ery, so wie
1613 auch noch von Levin Hulsius' Wittwe durch den Druck
veröfi"entlicht wurde. Das Schifi", auf welchem Verkens nach
Holland zurückkehrte, lag vom 7. November bis zum 24. De-
cember 1611 im Warwyck (Südost, später Bourbon-) Hafen
von Mauritius vor Anker; ein anderes war schon früher da-
selbst angelangt und hatte dieses abgewartet, auch kam noch
ein Schiff mit einer Jacht aus Holland dahin. Verkens' Be-
schreibung des Dodo's ist besonders deswegen interessant,
weil er uns, wie Matelief, mit Bestimmtheit sagt, die Farbe
des Vogels sei eine grauliche gewesen und weil er die Flü-
gelfedern ihrer Zahl und Farbe nach richtiger anzugeben
scheint, als seine Vorgänger, die Holländer. Diese hatten "in
den Beschreibungen ihrer Besuche auf Mauritius in den Jah-
ren 1598 und 1602, so wie, ihnen folgend, auch Clusius 1605,
gesagt: der Dodo habe statt der Flügel drei oder vier schwarze
Federn, Verkens hingegen schreibt, er habe ihrer fünf oder
sechs gelbe. Wirklich sind in dem von mir copirlen Oel-
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. 145
gemälde des Tradescant- Ashmole'schen Museums in Oxford
die Endfedern der schwärzlichen F'liigel gelb mit einigen
braunschwarzen Schattirungen, und die Zahl der grösseren
Federn ist sechs ^). Verkens macht auch besonders noch auf
die Stärke des Schnabels aufmerksam. Er sagt, die Tottersen
seien Vögel ,,an der Grösse den Schwanen gleich, mit gros-
sen Köpfen, haben keine Flügel, denn statt derselben haben
sie etwann fiinff oder sechs gelbe Federlein, dessgleichen haben
sie auch an statt des Schwantzes etwann vier oder fiinflf über
sich gekrümmte Federn stehen, von Farbe seynd sie grawlicht,
mann nennt sie Tottersen oder Waltvögel (so steht bei De
Bry; die Hulsius'sche Sammlung hat: Totersten oder Walck-
vögel). Derselben nun gibt es daselbst eine grosse Menge,
wie denn die Holländer täglich derselben viel gefangen und
gessen haben. Die Tottersen (Totersen) oder Waldtvögel
(Walchvögel) hatten sie mit den Händen gegriffen, mussten
sich aber wohl fürsehen, dass sie nicht von ihnen mit den
Schnäbeln, welche sehr gross, dick und krumb seyn, etwann
bey eim Arm oder Beyn ergriffen würden, dann sie fast hart
zu beissen pflegen."
Der Engländer Thomas (später Sir Thomas) Herbert, der
1629 auf der Insel Mauritius gewesen war, beschreibt in sei-
nem 1634 gedruckten Buche den als Walgvogel, Dodaers und
Dronte bereits bekannten Vogel zum ersten Mal unter dem
Namen Dodo. ich habe schon erwähnt, dass Herbert in den
zwei ersten Ausgaben seiner Reisebeschreibung sagt, dieses
sei ein portugiesischer Name. Er fügt hinzu, derselbe be-
ziehe sich auf des Vogels Einfältigkeit (simpleness). In spä-
teren Ausgaben, wo Herbert diese Bemerkungen weggelassen
hat, führt er statt dessen an, dass die Dodos von den Hol-
ländern Walghvogels, auch Dod Eersen genannt werden. Nach
ihm soll der Dodo selten weniger als fünfzig Pfund gewogen
haben. Ich werde in Herbert's hier folgenden Beschreibung
') In der aus dem Haag erhaltenen Copie des Dodo's im Save-
ry'schen Oelgemälde des dortigen Museums hat der Flügel auch
sechs grössere Endfedern, die hier, wie ich bereits in der Vorerin-
nerung erwähnt habe, auseinander gespreitzt stehen; sie sind gelb
mit bräunlicher und grauer Schattirung ; in einigen der Flügelfedern
sind auch schwärzliche Streifen.
Archiv 1". IVaturgesch. XIV. Jahrg. i. Bd. 10
46 Hamel:
die von ihm in den spätem Ausgaben gestrichenen Worte mit
Cursivschrift bezeichnen. ,,Der Schnabel ist selir gekrümmt
und nach unten gebogen. Die Nasenlöcher befinden sich in
der Mitte des Schnabels, dessen Ende von diesen Oeflfnungen
an leicht grün, vermischt mit blassgelb ist. Die Augen sind
rund und klein, glänzend wie Diamanten. Eine Hälfte des
Kopfes ist mit flaumartigen ^ schwärzlichen Federn (später:
„mit einem dunkelfarbigen Flaum") bedeckt ,> die andere ist
nackt, weisslich (of a white hue), als ob ein durchscheinendes
feines Gewebe (lawn) darüber gezogen wäre. Der Körper
des Vogels ist rund und ausserordentlich fett, so dass er nur
gar langsam dahinzuschreiten im Stande ist. Statt der Federn
ist er mit Daunen, tvie die der jungen Gänschen, bedeckt.
Die Beine sind dick und schwarz und stark, die Krallen
scharf (später: gross). Die kleinen Flügel scheinen nur ge-
geben zu sein, um den Dodo als Vogel zu caracterisiren.
Der Schweif ist dem Bart eines Chinesen ähnlich, er besteht
bloss aus drei oder vier kleinen Federn." — (Blainville hat
hier sehr unrichtig übersetzt. Was Herbert von den Flügeln
sagt, lässt er ganz weg und anstatt des Schweifes (trayne),
den Herbert, freilich nicht nach der Natur, sondern nach sei-
nem eigenen Carricaturbilde mit einem chinesischen Bart ver-
gleicht, setzt Blainville: Flügel, statt Bart (beard) aber: Vogel
(bird), und so entstand bei ihm: Les ailes sont comme dans
l'oiseau de Chine, formees de 3 — 4 plumes courtes). — ,,Das
Gesicht des Vogels drückt Melancholie aus, als ob er fühle,
dass ihn die Natur beleidigt habe, indem sie ihm so kleine
Flügel gab, die den grossen, massiven Körper nicht im Stande
sind zu heben. Der Magen des Dodo ist so hitzig, dass er
leicht Steine und Eisen verdauen kann". Uebrigens spricht
sich Herbert nicht mit Bestimmtheit aus, ob er den Dodo
selbst auf der Insel Mauritius gesehen habe; er konnte, we-
nigstens später, manches nach dem ausgestopften Exemplar
bei Tradescant in South Lambeth, auch nach dem um das
Jahr 1638 lebendig in London vorgezeigten Dodo, beschreiben
und verbessern. Ich habe in Oxford zwei von Herbert im
Jahr 1680 an Ashmole geschriebene Briefe gesehen, in dem
einen bemerkt er, dass er Tradescant's Museum oft besucht,
auch einiges dahin gegeben habe; in dem andern sagt er von
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. 147
seinem Werk, wie auch in diesem selbst, es sei: the, fruit of
youth and haste. In den spätem Ausgaben hat er die an-
fänglich aufgestellte Behauptung, als ob der Dodo auch auf
Rodriguez zu Hause wäre, an der Hauptstelle weggelassen;
er war dieser Insel bloss vorbeigefahren, ohne dass das Schiff
geankert hätte. Die seitdem wiederholt aufgestellte Behaup-
tung, als ob man den Dodo nicht nur auf Mauritius, sondern
auch auf Rodriguez gesehen habe, ist ganz grundlos.
Im Jahr 1638 war der aus Ronen gebürtige, erst zwei
und zwanzig Jahr alte Franzose Frangois Cauche vierzehn
Tage auf der Insel Mauritius gewesen. Das Schiff, mit wel-
chem er am 15. Januar aus Dieppe gesegelt war, hatte auf
Bourbon und Rodriguez landen lassen, um des Königs von
Frankreich Wappen daselbst aufzustellen. Bei Mauritius legte
es erst in dem Südost- Hafen, wo die Holländer damals ein
Fort bauten, an. Am folgenden Tag segelte das Schiff zu dem
Nordwest -Hafen, der jetzt Port Louis genannt wird. Hier
waren bereits sechs Holländer ansässig. Man fischte und jagte,
nahm Proviant ein und segelte nach Madagascar, wo Cauche
blieb und von wo er erst 1644 nach Frankreich zurückkehrte.
In Dijon wurde er von dem als Schriftsteller bekannten Ad-
vocaten Morisot freundschaftlich aufgenommen. Dieser for-
derte ihn auf, ihm über seine Reise Mittheilungen zu machen,
welche er dann redigirte (m'ayant re^eu charitablement en sa
maison a Dijon, et appris de moy mon voyage le mit par
escrit). In dem auf diese Weise entstandenen und erst 1651
gedruckten Werke (Relations veritables et curieuses de l'isle
de Madagascar etc.) steht nun, dass Cauche auf Mauritius
Vögel gesehen habe, grösser als ein Schwan, der Körper mit
einem schwarzen Flaum bedeckt, der Hintertheil ganz rund
mit eben so vielen krausen Federn als der Vogel Jahre zählte.
Statt der Flügel hätten sie schwarze und gekrümmte Federn,
seien ohne Zunge, ihr Schnabel gross, etwas nach unten ge-
krümmt, die Beine hoch, beschuppt, am Fusse (er meinte
wohl nach vorne) nur drei Zehen. Sie schrieen wie die
Gänse, ihr Fleisch sei keinesweges wohlschmeckend. Man
entdeckt, der mehrfachen Entstellungen ungeachtet, leicht, dass
hier der Dodo gemeint gewesen. Es linden sich in dieser
Schilderung des Vogels mehrere Ausdrücke, welche in dem
10*
148 Hamel:
französischen, schon 1600 gedruckten Bericht über den ersten
Besuch der Holländer auf Mauritius bei der Beschreibung der
Walgvögel gebraucht worden sind, z. B. ,,cul rond" mit „plu-
mes crespues" und, statt der Flügel: „plumes noires". Es
wird freilich weiterhin bei Cauche im Bezug auf den Namen
gesagt: Nous les appellions oiseaux de Nazaret, und hieraus
haben die Naturforscher einen besondern Nazarvogel gemacht,
welchem der Name Didus Nazarenus gegeben wurde. Ich
glaube aber nicht zu irren, wenn ich vermuthe, dass die
Cauche-Morisot'sche Benennung Oiseau de nazaret durch un-
richtiges Lesen oder Abschreiben des Namens Oiseau de nau-
see entstanden sei, welclies die französische üebersetzung des
ursprünglichen Namens Walgvögel, das heisst: Ekelvogel, ist.
In der erwähnten Beschreibung des Besuches auf Mauritius
im Jahr 1598 steht: ,,Ces oyseaux furent de nous nommez
Oyseaux de nausee". Diese Benennung hatte Cauche allen«
Anschein nach abgeschrieben. Das Wort Nausee wurde aber
später in Nazare umgewandelt, weil dieser Name sich als Insel
und Untiefe ohnweit Mauritius auf den Karten vorfand. Mo-
risot setzt auch hinzu: , »Vielleicht kommt der Name (Nazaret)
daher, dass dieser Vogel zuerst auf der Insel Nazare gefun-
den ist, welche nördlich von Mauritius liegt". Wirklich hat
Morisot auf der von ihm seiner Arbeit beigegebenen Karte
eine bedeutende Insel Nazaret nördlich von Maskarenhas
(Bourbon), die bei ihm östlich von Mauritius liegt, hingezeich-
net. Diese Nazar- Insel ist lange für die Geographen eben
das gewesen, was der Nazarvogel für die Ornithologen. See-
fahrer haben die erdichtete Nazar -Insel erst für eine Untiefe
erklärt, später aber auch diese nicht finden können und daher
ganz von den Karten verbannt. In dem Supplement au Nep-
tune oriental von d'Apres de Mannevillette, welches 4781 er-
schien, steht: „Ich habe in der verbesserten Karte die ;zwei
Nazarethbänke weggelassen, da sie nicht existiren" und
Alexander Dalrymple schrieb 1787 in seinem Memoire über
eine Karte des indischen Oceans: „Mit den Nazarethbänken
hat es etwas Unerklärliches" und weiterhin : „die Nichtexistenz
der Nazarethbänke scheint klar dargethau zu sein, obgleich
Samuel Thornton ihr Dasein zu beweisen suchte". Der junge
Cauche war 1638 nur vierzehn Tage auf Mauritius, nachdem
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. 149
im Verlauf von vierzig Jahren die Holländer diese Insel so
oft besucht, zuerst am Südost-Hafen ein Fort erbaut und dann
am Nordwest -Hafen sich angesiedelt hatten. Wir haben aus
der ersten Zeit oft wiederholte Zeugnisse über das Vorjian-
densein des Walgvogels (Dodaers, Dronte, Dodo), aber keine
Erwähnung von einem andern ähnlichen Vogel, der nicht flie-
gen konnte. Schon dreissig Jahre früher, nämlich 1608, hatte
Paulus van Soldt geschrieben, das Geflügel werde in der Nähe
der Landungsplätze selten. Es ist also keinesweges wahr-
scheinlich, dass Cauche, der weder Naturforscher noch sonst
ein gebildeter Mann war, bei seinem flüchtigen Besuche einen
früher auf der Insel nicht beobachteten Vogel ohne Flügel
sollte entdeckt haben und die Ornithologen können den Na-
zarvogel dreist streichen. Uebrigens ist die Erdichtung des
Oiseau de Nazare im Jahre 1651 keinesweges aufi'allender, als
die eines Oiseau de Chine im Jahre 1830.
Um dieselbe Zeit, da Cauche auf Mauritius gewesen war,
nämlich um's Jahr 1638, wurde in London ein lebendiger
Dodo als eine Seltenheit für Geld gezeigt. Wir verdanken
dem als Schriftsteller bekannten L'Estrange eine zufällige No-
tiz hierüber. Vor dem Hause befand sich ein Schild mit der
bildlichen Darstellung des sonderbar gestalteten Vogels. Die-
sen beschreibt L'Estrange grösser als ein kalekutischer Hahn,
mit Beinen und Füssen wie diese sie haben, nur stärker und
dicker; die ganze Haltung war eine mehr aufrechte. Vorn
war seine Farbe wie die der Brust eines jungen Fasanhahnes;
der Rücken war hirschbraun (of dünne or deare coulour).
Diese Schilderung der Farben stimmt einigermassen mit dem
Oelgemälde zu Oxford, welches ich copirt habe, überein,
jedoch ist das Colorit überhaupt dunkler, als man nach
L'Estrange's Angabe glauben sollte. L'Estrange sagt ausdrück-
lich, dass der Eigenthümer den Vogel Dodo nannte; er gab
ihm mehrere abgerundete Steine von der Grösse einer^Muskat-
nuss zu verschlucken.
Es wäre nicht unmöglich, dass der hier erwähnte, in
London 1638 vorgezeigte Dodo nach seinem Tode in das Tra-
descantsche Museum zu South Lambeth gekommen sei. John
Tradescant der Aeltere starb zwar im eben genannten Jahre,
aber sein Sohn, ebenfalls John, sorgte eifrig für die Vermeh-
150 Hamel:
riing der Gegenstände im Museum sowohl als in dem dabei
befindlichen Pflanzen- und Blumengarten. In dem 1656 ge-
druckten Inhaltsverzeichnisse beider Etablissements steht auf
Seite 4: ,,Dodar (sollte Dodaars oder Dodaers heissen) from
the Island Mauritius, it is not able to fly, being so big". Ray
schreibt, dass er mit dem 1672 verstorbenen Francis Wil-
loughby, mit welchem er von 1661 bis 1666 mehrere natur-
wissenschaftliche Reisen gemacht hatte und dessen Ornitholo-
gie er herausgab, den Dodo in Tradescant's Museum gesehen
habe. Dass derselbe Dodo, nach Uebermachung der Tra-
descant'schen Sammlung an Ashmole, im Jahr 1683 mit nach
Oxford in das zur Aufnahme derselben von Sir Christopher
Wren erbaute und nach Ashmole benannte Museum gekom-
men sei, beweist der bald darauf, 1684, von dem Aufseher-
gehiilfen Llhvvyd angefertigte Catalog. Auch sagt der Oxfor-
der Professor Thomas Hyde in seinem 1700 gedruckten Buche:
De veterum Persarum, Parthorum et Medorum religionis his-
toria, dass der ausgestopfte Dodo dort ausgestellt sei. Er
beschreibt des Vogels Kopf, also wahrscheinlich denselben,
der jetzt, durch Motten beschädigt und von der Gnathothek
entblösst, im erwähnten Museum aufbewahrt wird. Seine
Worte lauten also: ,,Hujus avis vultus prae se fert Melan-
choliam". (Herbert hatte schon 1634 etwas Aehnliches ge-
sagt). ,,Sinciput nudum, occiput lanugine tectum est ut et
totum corpus". (Also war der Tradescant'sche Dodo 1700
noch nicht von den Insecten zerstört). „Rostrum a naribus
ad mucronem leviter virescit, admixta Tinctura sublutea". Be-
kannt genug ist leider, dass das Gefieder dieses Dodo's, so
wie aller andern Vögel aus der Tradescant'schen Sammlung,
später eine Beute der Motten wurde, und dass in Folge des-
sen am 8. Januar 1755 von Seiten der Universitätsverwaltung
der Befehl erfolgte, sie alle wegzuwerfen. Die auf dem, aller
Wahrscheinlichkeit nach, damals abgehauenen und jetzt im
Museum aufbewahrten Kopf zurückgebliebenen Feder- oder
Flaumstoppeln (den einzigen in der Welt vorhandenen Rest
vom Gefieder des Dodo's) habe ich nicht unterlassen, näher
zu untersuchen, den ganzen Kopf aber von beiden Seiten pho-
tographisch copirt. Den, wie man glauben muss, ebenfalls
1755 vom Tradescant'schen Exemplar abgehackten Fuss hatte
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. I5I
Dr. Carus, als er 1844 mit dem König von Sachsen in Ox-
ford war, von der Haut zu entblössen gerathen, damit man
den Knochenbau und die Sehnen studiren könne. Dieses hat
Dr. Kidd auch bald darauf gethan und ich lege der Classe
hier auf Daguerre'schen Platten vielseitige photographische
Ansichten von diesem interessanten Präparat vor; den Gyps-
abguss habe ich schon früher iibersandt.
Leguat, der vom Mai 1693 bis zum September 1696 auf
Mauritius war, den grössten Theil dieser Zeit aber auf einem
der, rechts von der Haupteinfahrt in den Südost -Hafen aus
der See hervorragenden und kleine Inseln bildenden Felsen
als Gefangener zugebracht hatte , erwähnt des Dodo's gar
nicht; wahrscheinlich war er damals schon längst ganz ver-
tilgt. Leguat hatte auf Rodriguez einmal einen auffallend
grossen Vogel, der seinen Kopf sechs Fuss hoch (über der
Erde, nicht aber, wie in der deutschen Uebersetzung von
Leguat's Buch steht, über dem Leibe) trug und den er daher
Riese (Geant) nennt, nicht nur gesehen, sondern weil er sich
nicht zum Flug erheben konnte, mit den Händen gegriffen.
Er mag sich geirrt haben, wenn er jetzt auf Mauritius ähn-
liche Vögel beobachtet zu haben glaubte. Da im Verlauf von
hundert Jahren Niemand von einem sechs Fuss hohen Vogel
auf dieser Insel etwas gemeldet hat, so ist man berechtigt zu
glauben, dass Leguat daselbst, vielleicht während seiner Ge-
fangenschaft auf dem Felsen, in der Ferne gesehene Reiher
für solche Riesenvögel gehalten habe. Der Körper des auf
Rodriguez eingefangenen Vogels, den Leguat auch nach seiner
Weise bildlich darstellt, war nicht grösser als der einer Gans;
die Farbe weiss, bloss eine kleine rothe Stelle unter den
Flügeln. Den Schnabel beschreibt Leguat als dem einer Gans
ähnlich, nur schmäler oder spitziger; der Vogel kann also
nicht, wie man geglaubt hat, ein Flamingo gewesen sein, es
Hesse sich aber an die Familie der Struthioniden denken.
Werden einmal, wie sehr zu wünschen ist, auf Neuseeland
auch fossile Kopfknochen in der Nähe der übrigen Skelet-
theile von den ausgestorbenen Vögeln, die Owen mit dem
Namen Dinornis belegt hat, aufgefunden, so wird sich mit
mehr Wahrscheinlichkeit wie jetzt schliessen lassen, ob der
von Leguat auf Rodriguez gesehene sogenannte Riese nicht
152 Hamel:
vielleicht das letzte Exemplar einer der kleineren Arten die-
ser ausgestorbenen Vogelgattung auf jener Insel gewesen sei*).
Thompson (bei London) hält irrig den Bourbon'schen Ein-
siedler für den Rodrignez'schen Riesenvogel und den Rodri-
guez'schen Einsiedler für den Dodo.
Die ohne weitere Erklärung den 1634 gedruckten Reise-
beschreibungen des Holländers Pieter van den Broecke (von
1613 bis 1630) und des Engländers Thomas Herbert (von
1626 bis 1630) beigegebenen Abbildungen von einem kleinen
Vogel mit fast unbemerkbaren, in der That aber vielleicht
gänzlich fehlenden Flügeln und mit langem dünnen Schnabel
möchten beinahe glauben machen, dass sie den Jpteryx
Australis vorstellen sollen, der damals noch an Orten, wo er
jetzt längst vertilgt ist, vorhanden sein konnte. Sie sehen,
zumal die Figur bei Van den Broecke, dem Apteryx nicht
weniger ähnlich, als die nebenbei befindlichen possierlichen
Bildchen dem T3odo.
Ich schliesse hier meine historische Uebersicht der Be-
schreibungen des Dodo's aus der Zeit seiner Existenz, denn
die nachfolgenden konnten nur auf diesen beruhen.
Nähere Belehrung über den Knochenbau des Dodo's, der
Einsiedler, vielleicht auch des Riesenvogels, ist jetzt blos aus
dem Archiv der Erde zu erwarten. Ich habe 1844 in Lon-
don einen der damals dort zufällig anwesenden reichsten Zuk-
kerplantagen -Besitzer auf Mauritius gebeten. Nachsuchungen
nach Knochen des Dodo's anstellen zu lassen. Dieses müsste
besonders in der Nähe des Südost-Hafens, vvo die ersten hol-
ländischen SchiflFe und nachgehends so viele andere geankert,
geschehen.
Was den Einsiedler auf Bourbon betrifft, so wäre vor-
*) Eben erfahre ich, dass der zu Wellington auf Neuseeland an-
sässige Herr William Mantell, Sohn des bekannten Dr. Mantell's,
der zoologischen Gesellschaft in London neuerdings viele auf jener
Insel gesammelte fossile Knochen und darunter auch mehrere Vogel-
schädel vorgelegt hat und dass Herr Owen einige von denselben als
der Gattung Dinornis, andere aber als einer von ihm jetzt mit dem
Namen Palapteryx belegten Gattung angehörig bestimmt hat. Der
Schnabel dieser letzteren soll entschieden dem der Strausse ähnlich
(struthious) sein.
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. 153
zAigsweise in der Nälie von St. Denis nachzuforschen. Hier
war die erste Ansiedlung und hier wurden ihrer gewiss viele
verbraucht, ehe man andere Thiere importirte und diese sich
hinlänglich vermehrt hatten.
Auf der Insel Rodriguez kennen wir den Ort, wo Leguat
mit seinen Gefährten zwei Jahre lang angesiedelt lebte. Es
scheint, dass Pingre 1760 — 1761 ebendaselbst gewohnt und
seine astronomischen Beobachtungen angestellt habe, denn er
sagt (Memoires de l'Academie, 1761, p. 415), man nenne die-
sen Ort: „l'Enfoncement de Fran^ois le Guat". Nach dem
von Leguat in seinem Buche gelieferten Kärtchen lässt sich
sogar genau der Platz nachweisen, wo sich der Angesiedelten
gemeinschaftliche Küche befand und wo der grosse Baum
stand, unter welchem sie auf einer Bank sitzend ihre Mahl-
zeit zu halten pflegten. Der Baum mit der Bank ist in die
Karte eingetragen. An diesen beiden Orten liessen sich wahr-
scheinlich die Knochen zu einem vollständigen Skelett des
von Leguat beschriebenen Einsiedlers zusammen lesen, bei
dem Local der Küche die Schädel- und Fussknochen, bei dem
des Baumes das Sternura und die übrigen Knochen. Man hat
Unrecht gehabt, bisher in Höhlen an der Küste nach Knochen
dieser Vögel zu suchen, wo sich grösstentheils nur Ueber-
bleibsel von Schildkröten vorfanden.
In den Proceedings der Londoner Zoological Society von
1839 steht, dass der Gesellschaft von Herrn Telfair aus Mau-
ritius fossile, auf der Insel Rodriguez gesammelte Knochen
übersandt worden seien. Ich habe gewünscht, diese Knochen
zu sehen, kann aber versichern, dass jetzt im Museum der
zoologischen Gesellschaft sich keine befinden.
Im Anderson'schen Museum zu Glasgow habe ich die als
Dodoknochen bezeichneten fossilen Fragmente besehen; es
sind aber meistens Schildkrötenknochen. Da sie dem Museum
von dem früheren Curator desselben, Dr. Scoular, verehrt
worden sind, so schrieb ich an ihn nach Dublin, wo er jetzt
in der Royal Dublin Society Mineralogie und Geologie vor-
trägt. Er benachrichtigte mich, dass diese Knochen auf der
Insel Rodriguez von Telfair gesammelt und an Sir William
Hooker gesandt worden, von dem er, Dr. Scoular, sie erhal-
;[54 Hamel:
ten hatte, und dass er drei oder vier VogeJfussknochen unter
ihnen zu erkennen glaubte.
Von den in Paris befindlichen Knochen, von denen Cuvier
meinte, sie seien aus Mauritius, ist behauptet worden, dass
sie aus Rodriguez gekommen, so dass sie vielleicht den Le-
guat'schen Solitaires angehört haben.
Von bildlichen Original -Darstellungen des Dodo's haben
wir aus der Zeit, in welcher seine Existenz documentarisch
nachgewiesen werden kann:
a) in Kupfer gestochene, carricaturähnliche:
1) in der De Brys 1601 deutsch und lateinisch heraus-
gegebenen Orientalischen Indien (India Orientalis) im
fünften Theil, auf Tafel II der: „ Wahrhafi'tigen und
Eygentlichen Fiirbildungen etc. sampt zierlicher Con-
terfactur etlicher SchiflPe, Vögel etc.
2) auf dem Titelkupfer zu diesem Buche.
3) bei Clusius, in seinen Exoticis von 1605, nach einer
auf den 1599 oder 1603 zurückgekehrten Schiffen
mitgebrachten Skizze.
4) bei Pieter van den Broecke, welcher Mauritius 1617
besuchte, auf Seite 137 seiner 1634 gedruckten Reise-
beschreibung: Körte Historiael ende Journaelsche Aen-
teyckeninghe etc.
5) bei Thomas Herbert, welcher 1629 auf Mauritius war
und dessen Reise: Some yeares travels etc. ebenfalls
1634 gedruckt ist.
b) Oelgemälde:
1) In Roeland Savery's Bild im Belvedere zu Wien von
1628.
2) in dessen Gemälde im königlichen Museum im Haag,
ohne Datum. Roeland Savery starb 1639, ungefähr
ein Jahr nach der Zeit, aus v/elcher wir die letzte
Nachricht von einem lebendigen Dodo haben. Ich
erwarte eine Copie von dem Dodo in diesem Bilde.
Das wohl bekannte, jetzt im British Museum in einem
der Schränke der ornithologischen Abtheilung hängende Ge-
mälde, in welchem der Dodo Hauptgegenstand ist, hat weder
Jahreszahl noch Namen des Künstlers; es kann jedoch in der
Zeit, wo der Vogel noch existirte, verfertigt worden sein.
Der Dodo, die Einsiedler und der erdichtete Nazarvogel. 155
Von dem Dodo in diesem Gemälde wäre eine richtigere Co-
pie zu wünschen, als Edwards, das Peiiny Magazin und die
Penny Cyclopaedia geliefert haben; die Flügel und Schweif-
federn müssten mit besonderer Sorgfalt nachgebildet werden.
Nach der Stellung des Halses, der Beine und der obern
Schwanzfedern möchte man glauben, dass dieses Dodobild
dem 1658 gedruckten Holzschnitt bei Piso, als Zugabe zu
Bontius, zum Muster gedient habe. Eine Copie von diesem
Holzschnitt hat Thevenot 1663 seiner Uebersetzung der Bon-
tekoe'schen Reise beigefügt und zwar ganz unnütz, da, wie
ich gezeigt, Bontekoe nicht Dodos, sondern Einsiedler gesehen
haben muss.
Das sehr grosse, nie copirte Dodo -Portrait im Trades-
cant-Ashmole'schen Museum zu Oxford ist, wie auf demselben
angemerkt steht, von ,, Johannes Savrey", wahrscheinlich dem
Neffen Roeland Savery's , im Jahre 1651 gemalt. Wenn wir
auch nicht nachweisen können, dass sich in diesem Jahre ein
lebendiger Dodo in Europa befunden, so war es doch mög-
lich, obschon Tasman, der auf seiner berühmten geographi-
schen Entdeckungsreise im Spätjahre 1642 einen Monat lang
mit seiner Jacht Heemskerk im Warwick-Hafen der Mauritius-
Insel vor Anker gelegen und Matrosen auf den Wildpretfang
ausgesandt hatte, des Dodos gar nicht erwähnt; auch konnte
Johannes Savery den Vogel früher nach dem Leben gezeich-
net haben, üeberdem war damals wahrscheinlich der ausge-
stopfte Dodo schon im Tradescant'schen Museum in South
Lambeth aufgestellt. Der 1656 vollzogene Druck des Cata-
logs war mehrere Jahre verzögert worden. John Tradescant,
der zweite dieses Namens, sagt in der Vorrede, dass der Tod
seines einzigen Sohnes (des dritten und letzten John Trades-
cant's) eine der Ursachen gewesen sei, warum das von zwei
Freunden (diese waren der Dr. Thomas Wharton und Elias
Ashmole) angefertigte Manuscript so lange liegen geblieben
sei. Da nun der erwähnte jüngste Tradescant im Jahr 1652
gestorben ist, so war wohl der Dodo schon 1651 in der
Sammlung. Ueber die Tradescants und ihr Museum findet
sich nähere Auskunft in meiner Abhandlung: Tradescant der
Aeltere 1618 in Russland etc., welche dem Recueil des Actes
von 1845 beigegeben ist.
156 Hamel; Der Dodo, die Einsiedler u. d. erdichtete Nazarvogel,
Als ich 1814 zum ersten Mal in Oxford war, führte mich
Dr. Kidd in das Museum, wo ich mir den Dodokopf skizzirte.
Das Gemälde war ihm damals unlängst von einem in Christ-
Church studirenden jungen Herrn geschenkt worden und er
hat es dem Museum verehrt. Ich habe mir viel Mühe gege-
ben, die Herkunft dieses interessanten Documents auszufinden
und fahre damit noch fort. Bei meinem letzten Besuch in
Oxford im Jahr 1845 habe ich das Dodobild ganz genau in
der Grösse des Originals mit Farben copirt. Mrs. Wingfield
von Kettel Hall war so gütig, mir hiebei im Interesse der
Wissenschaft hülfreiche Hand zu leisten.
Recht sehr wäre zu wünschen, dass alle von 1600 bis
1650 von holländischen Künstlern verfertigte Gemälde, in wel-
chen Thiere vorgestellt sind, z. B. Paradiese, Einzüge in die
Arche, die Bezauberung durch die Lyra des Orpheus u. a. m.,
deren es nach den Verzeichnissen in Wien, Dresden und in
Berlin, zu Blenheim, Schieissheim, Pommersfelden und ander-
wärts giebt, untersucht würden, ob nicht unter den Vögeln
auch Dodos sich befinden. Diese farbigen Portraite machen
uns mit dem Aeusseren des Vogels bekannt; durch sie und
durch die zu Oxford, London und Copenhagen aufbewahrten
Ueberbleibsel desselben, so wie durch die aus Mauritius zu
erwartenden Skelettheile, werden wir in den Stand gesetzt
werden, dem Dodo, diesem „mirae conformationis avi", die
ihm zukommende Stelle unter den Vögeln anweisen zu können.
157
Zur Kenntniss des Furchungsprocesses im
Schneekeneie.
Von
Heinrich Rathke.
Aus dem Dotter verschiedener Gasteropoden dringt zu
der Zeit, da in demselben die Durchfurchung beginnt, ein klei-
ner rundlicher und farbloser Körper hervor, dem nicht selten
ein zweiter noch kleinerer nachfolgt. Man hat diese Körper
für Bläschen gehalten, also für häutige Hohlkugeln, die mit
einem andersartigen (flüssigen) Stoffe gefüllt sind. ^) Dafür
sind sie neuerlichst auch von Dr. Friedrich Müller ausgegeben
worden, der sie in den Eiern eines kleinen Gasteropoden der
Ostsee {Pontolimax varians) beobachtet, über sie in diesem
Archiv (Jahrgang von 1848. Heftl) verschiedene Bemerkun-
gen niitgetheilt, und ihnen aus dem Grunde, weil nach seiner
Ansicht durch sie die Richtung der theilenden Furchen des
Dotters und der neu sich bildenden Furchungskugeln bedingt
wird, den Namen Richtungsbläschen gegeben hat. Ihre Be-
deutung aber blieb Müllern unbekannt, und er stellte daher
für Andere die Fragen auf: Welches ist ihre eigentliche Be-
deutung? Wo und wie entstehen sie, und welchen Zusammen-
hang haben sie mit den frühern Vorgängen der Zeugung?
Auf diese Fragen will ich hier eine Antwort geben, der
eigene Beobachtungen an Eiern von Gasteropoden und ver-
schiedenen andern Thieren zum Grunde liegen *).
') So viel mir bekannt, hat zuerst Pouchet ihrer Erwähnung
gethan und sie für Bläschen ausgegeben (Annales des sciences natur.
Second serie X, 63).
*) Seit 1841 habe ich während der bessern Jahreszeit, so weit
es mir nur möglich war, an Eiern von Thieren aus den verschieden-
sten Klassen Untersuchungen auf die Beschaffenheit des Eies und die
158 Rathke:
Nach Untersucluingen an Eiern von Lymnaeen, Planorben
und Paludina impura dringt aus dem Dotter gewöhnlich kurz
zuvor, ehe die Durchfurchung an ihm beginnt, seltener wenn
die erste Furche im Entstehen begriffen ist, ein kleiner Kör-
per hervor, dem mitunter dann bald nachher von eben der-
selben Stelle aus noch ein in Hinsicht der Beschaffenheit ihm
gleicher, doch an Grösse kleinerer nachfolgt. Der eine, wie
der andere, geht in die Masse des dünnen Eiweisses über,
und bleibt dann in der Nähe des Dotters schweben, welcher
Umstand, beiläufig bemerkt, schon für sich allein darthut, dass
der Dotter der genannten Thiere zu der Zeit, da an ihm die
Durchfurchung beginnen soll, von keiner besondern Dotter-
haut umhüllt ist, obgleich er in dem Eierstocke eine solche
allerdings besitzt. Aber auch die in Rede stehenden Körper
besitzen keine besondere häutige Hülle, noch sind sie über-
haupt im Innern hohl, und es ist daher für sie der Namen
von Bläschen nicht beizubehalten. Sie sind vielmehr nichts
weiter, als kleine Massen einer dicklichen zähen Flüssigkeit^
die aus dem Dotter hervorquillt und sich in der dünnern
Flüssigkeit des Eiweisses, nachdem sie von dem Dotter sich
ganz abgelöst hat, zu Kugeln zurundet. Mehrmals habe ich
die angegebenen Massen aus dem Dotter sehr langsam her-
vorquellen und wenn sie anfangs die Form eines Ovals hat-
ten, sich zurunden gesehen. Diese Tropfen von Flüssigkeit
nun aber — denn mit einem solchen Namen dürften sie wohl
am passendsten zu belegen sein — sind ausgestossene Theile
des Liquor vitelli, d. h. des dicklichen formlosen Bindemittels
der Formelemente des Dotters, welches Bindemittel in der
Mitte des Schnecken -Dotters am stärksten angehäuft und da-
selbst auch weniger dick und zähe ist, als nach der Ober-
fläche desselben hin, wo die Substanz des Dotters vor der
Durchfurchung gleichsam eine dicke und massig feste Rinde
darstellt. Ganz ähnliche Kugeln habe ich aber auch in etwas
grösserer Zahl, nämlich bis 3, hervorquellen gesehen, wenn
ich Dotter frisch gelegter Eier etwas presste. — In dem
Entstehung des Embryos der Thiere angestellt, gedenke aber dieselbe
noch einige Zeit fortzusetzen, ehe ich eine Zusammenstellung der
dabei gewonnenen Ergebnisse bekannt mache.
Zur Kenntniss des Furchungsprocesses im Schneckeneie. 159
Eiweiss des Eies erhalten sich die angegebenen Körper oder
Tropfen einige Tage, verschwinden dann aber, wie wohl nur
langsam, durch Auflösung. Noch in solchen Eiern, in denen
sich der Dotter schon zu drehen anfing, doch nur erst sich
äusserst langsam und kaum merklich bewegte, habe ich einige-
mal Ueberreste von ihnen gesehen. Schneller zw^ar werden
sie vom Wasser aufgelöst, wenn sie mit solchem in Berührung
gebracht sind, doch erfolgt auch in diesem Mittel ihre Auflö-
sung nur sehr allmählich.
In einer verhältnissmässig noch viel grössern Quantität,
als in den Eiern der Gasteropoden, wird in den Eiern man-
cher andern Thiere um die Zeit, da in ihnen der Embryo
entstehen soll, ein Theil des Liquor vitelli nach aussen rein
ausgeschieden, so namentlich in denen der Spinnen, Amphi-
poden, Isopoden, Clepsinen und der Ascaris nigrovenosa.
Es nimmt diese Ausscheidung ihren Anfang, wenn die Durch-
furchung des Dotters beginnt, geht aber in den Eiern der
Spinnen und der genannten Crustaceen erst dann am stärk-
sten vor sich, wenn sich Um den ganzen Dotter schon eine
Embryonalsubstanz (der Keim) bemerklich gemacht hat, und
eine dünne Schichte besonderer mit einem Kern versehener
Zellen darstellt. Weil aber in den Eiern aller dieser Thiere
die Dotterhaut erst ziemlich spät vergeht, so kann in ihnen
die erwähnte rein ausgeschiedene Flüssigkeit nicht, wie in
den Eiern der Gasteropoden , den Dotter verlassen und sich
dem Eiweiss beimengen, sondern muss sich unter der Dotter-
haut anhäufen, wo sie dann deshalb, und weil sie auch nur
dünnflüssig ist, den übrigen Theil des Dotters, welcher die
Formelemente desselben enthält, oder auch bereits von einer
Schichte Embryonalsubstanz eingeschlossen ist, rings umgiebt,
doch besonders reichlich da abgelagert ist, wo sich die Bauch-
seite des Embryos bilden soll. Früher oder später, je nach
den verschiedenen Thierarten , verschwindet nachher wieder
jene Flüssigkeit, indem sie durch Endosmose in den Embryo
aufgenommen wird , wie dies auch mit dem Eiweiss der Fall
ist, wenn ein solches in einem Eie vorkommt. — Dass übri-
gens jene Flüssigkeit aus dem Dotter, wenn der Embryo ent-
stehen soll, in der That ausgeschieden wird, nicht aber etwa
von aussen her durch die Dotterhaut zu dem Dotter hinge-
160 Rathke:
langt, indem entweder ein Theil des Eiweisses die Dotterhaut
durchdringt, oder Wasser aus der Umgebung in das Innere
des Eies aufgenommen wird, lässt sich am unzweideutigsten
an den Eiern der Spinnen erkennen: denn diese sind, wenn
sie gelegt worden, von einer wasserdichten Hülle eingeschlos-
sen, und von einem zwischen Dotterhaut und Schalenhaut be-
findlichen Eiweisse kommt in ihnen keine Spur vor, sondern
es liegen diese ihre Häute allenthalben dicht an einander an-
geschlossen.
Die Ursache von der beschriebenen Ausscheidung des
Liquor vitelli liegt offenbar darin, dass, wenn die Durchfur-
chung beginnt und im Gange ist, die Formelemente des Dot-
ters sich einander anziehen und in Folge davon sich in den
Eiern verschiedener Thiere mehr oder weniger stark zusam-
mendrängen, wobei sich aber die Richtung gegenseitiger An-
ziehung so verändert, dass sich die einzelnen Formelemente
zu immer kleinern Abschnitten des ganzen Dotters, den so-
genannten Furchungskugeln oder Furchungsballen gruppiren *).
Dass eine Anziehungskraft auf die Formelemente wirkt, lässt
sich am deutlichsten w^ohl in solchen von einer Dotterhaut
umschlossenen Dottern erkennen, in denen die Durchfurchung
sehr tief eingreift: denn augenscheinlich nehmen in denselben
während der Durchfurchung sämmtliche Formelemente einen
kleinern Raum, als kurz vor der Durchfurchung ein. Bei
diesem Zusammendrängen der Formelemente des Dotters nun
aber muss ein Theil des Bindemittels derselben, oder des
Liquor vitelli^ nach aussen hervordringen und sich ausserhalb
der erwähnten Formelemente ablagern, was indess in den
Eiern verschiedener Thiere in einem verschiedenen Grade ge-
schieht, je nachdem einestheils die Durchfurchung des Dotters
mehr oder weniger tief eingreift, anderntheils der Liquor vi-
telli mehr oder weniger flüssig ist. Mitunter auch drängen
sich dann erst, wenn sich um den Dotter schon eine dünne
Schichte von Embryonalsubstanz gebildet hat, die Formele-
^) Dass dabei die Kerne der Furchungsballen eine nicht unbe-
deutende Rolle spielen, dürfte wohl sehr wahrscheinlich sein: dass
aber auch ohne dergleichen Gebilde die Durchfurchung vor sich
gehen kann, giebt sich an den Eiern der Spinnen kund.
Zur Kenntniss des Furchungsprocesses im Schneckeneie. \Q\
mente desselben und mit ihnen die Embryonalsubstanz, ein
niodificirter Dotter, am stärksten auf einen kleinem Raum
zusammen, wie dies namentlich in den Eiern der Spinnen der
Fall ist, in denen sich die eigentliche Durchfurchung des
Dotters nur schwach äussert.
Nach dem Angeführten kann ich also diejenigen in dem
Eie der Gasteropoden vorkommenden Theile, welche Fr. Müller
die Richtungsbläschen genannt hat, nur für ausgeschiedene
Massen des sehr dicklichen Liquor vitelli dieser Thiere aus-
geben, die von dem Eiweiss, in welches sie hineingelangen,
nur sehr schwer, und daher denn auch nur erst nach längerer
Zeit aufgelöst w^erden. Ihre Entstehung ferner kann ich nur
daher leiten, dass bei dem Beginn der Durchfurchung des
Dotters die Formelemente desselben sich durch gegenseitige
Anziehung auf einen kleinern Raum zusammenziehen, wobei
denn ein Theil ihres Bindemittels nach aussen hervorgetrieben
und aus dem Dotter ausgeschieden wird. ') Eine besondere
Bedeutung aber für die Entwicklung oder überhaupt das
Leben des Eies kann ich ihnen nicht beimessen, sondern muss
ihre Entstehung als durch den Furchungsprocess bedingt, ihr ^
Dasein aber als ganz einflusslos auf das fernere Verhalten
des Dotters und Embryos ansehen.
In den Eiern aller derjenigen Gasteropoden, von welchen
ich sie untersuchen konnte, habe ich die aus dem Dotter aus-
geschiedenen Theile (die sogenannten Richtungsbläschen) ent-
weder ganz klar, oder nur ein wenig wolkig gesehen, niemals
aber darin, so viel ich mich erinnere, Molekularkörper der
Art bemerkt, wie es die kleinsten Formelemente des Dotters
sind. Dagegen giebt Fr. Müller von seinen Richtungsbläschen
') Dass in den Eiern von Pontolimax das sogenannte Richtungs-
bläschen an derjenigen Stelle des Dotters hervordringt, von welcher
der Furchungsprocess ausgeht, dürfte sich wohl daher erklären las-
sen, dass sich zuerst an dieser Hälfte des Dotters die Formelemente
desselben zusammendrängen, so jedoch, dass sie nach 2 Punkten,
den künftigen Mittelpunkten der beiden ersten Furchungskugeln hin-
streben, wobei denn an derjenigen Stelle, wo die erste Furche zu
entstehen beginnen soll, dem Hervordringen eines kleinen Theils des
Liquor vitelli am wenigsten ein Widerstand geleistet wird.
' Archiv f. Naturgcsch. XIV. Jahrg. 1. Bd. 11
162 Rathke: Zur Kenntniss des Furchungsproc. im Schneckeneie.
aus den Eiern des Pontolimax an, dass in ihnen wenig zahl-
reiche Molekularkörnchen vorkommen. Erwünscht dürfte es
daher wohl sein, wenn Herr Müller gelegentlich noch mit-
theilen möchte, ob diese Körnchen eine ähnliche, oder viel-
mehr eine ganz andere BeschaiBfenheit, als die kleinsten gelben
Formelemente des Dotters haben.
163
lieber Echinorrhynchus Tuba.
Von
Dr. C r e p 1 i n.
Auf den Wunsch des Herni Dr. Creplin in Greifswald
sandte ich ihm die, in der Rudolphi'schen Eingeweidewürmer-
Sammlung noch vorhandenen Exemplare des räthselhaften
Echinorhynchus Tuba zu genauerer Untersuchung und erhielt
sie mit folgendem Schreiben begleitet zurück;
Lichtenstein.
Mit meinem herzlichsten Danke beehre ich mich, Ihnen
beigehend die mir mit so bereitwilliger Güte zugesendeten, in
der Rudolph i 'sehen Sammlung jetzt nur noch befindlichen
zwei Exemplare vom Echinorrhynchus Tuba unversehrt zu-
rückzuliefern. Sie meinen, Rudolphi habe deren 4 (in der
Thurmeule) gefunden, wogegen ich mir zu bemerken erlaube,
dass er an der von Ihnen citirten Stelle, wie früher in seinen
Observationes c. Verm. intest., P. II. p. 13, nur 3 angiebt.
In den beiden mir zugekommenen Exemplaren erkenne ich
die beiden kleineren Exemplare jenes Fundes ; das grösste,
nach seiner Angabe von 1\" Länge, an dem er die Tuba ge-
sehen haben will, ist also fort. Das kleinste ist (jetzt)
nicht ~"j sondern nur 3 — 4'" lang, und mit demselben nichts
zu machen, da der Vordertheil (Hals und Rüssel) abgeschnit-
ten ist. Das mittlere, circa 11'" lange ist, ob zwar, wie das
kleine, im Spiritus braun geworden, doch ein ganzes und auch
sonst völlig gut erhalten, und in ihm erkannte ich sogleich
den Echinorrhynchus globocaudatus Zed., welcher in Strix
flammea selten seyn muss, da die Wiener ihn, so viel bekannt
ist, in ihr nie gefunden haben, ich selbst in nicht wenigen
Eulen dieser Art ebenfalls nicht, und nur Duj ardin, eben
wie hier Rudolphi, einmal. Es ist nun zwar durch meine
Untersuchung ausgemittelt, dass Rudolphi wenigstens ein
Exemplar des wirklichen Ech. globocaudatus für den proble-
11*
164 Creplin:
inatischen Ecli. Tuba genommen hat; aber sie giebt natürlich
keinen Aufschluss über die Bewandtniss, die es mit der Tuba
an dem nun nicht mehr vorhandenen Exemplare gehabt hat.
Dennoch glaube ich nun, Duj ardin Recht geben und dafür
halten zu müssen , dass die Tuba ungenauen Beobachtungen
Goeze's sowohl, als Rudolphi's, ihr Daseyn verdanke und
nichts Anderes sei, als ein Stückchen der innern Haut des
Eulendarms, welches am Ende des Rüssels bei den erwähnten
zwei (dem einen von Goeze, dem andern von Rudolph i
gefundenen) Individuen vom Ech. globocaudatus hangen ge-
blieben sei. Wenn man Goeze's Fig. 12 auf Taf. XI be-
trachtet, so ist erstlich die übereinstimmende Streifung der
Tuba und des gezeichneten Darmstückchens der Eule aufifal-
lend; zweitens lässt die Breite, mit welcher die Tuba vom
Rüssel abgeht, sowohl, als ihre noch grössere Endbreite und
ihre grosse Länge, bei gehöriger Ueberlegung, nicht recht ein-
sehen, wie sie sich sollte in die feine Rüsselpapille hineinzie-
hen können, die die Fig. 11 an derselben Kratzerart zeigt.
Endlich bestätigen Goeze's eigene Worte die Meinung D u-
j ardin 's. Er sagt nämlich (Naturgesch. S. 153), „Ein in dem
Darmstück festsitzender Kratzer wurde stark gezogen. Der
Rüssel zeigte sich, und gleichwohl sass er an einer aus dem
Rüssel vorgetretenen Verlängerung noch am Darme fest. Unter
dem Komposito zeigte sich diese Verlängerung des Rüssels
als eine Trompete, deren weite Oeflfnung sich unten fest an
den Darm angesogen hatte." Hieraus ergiebt sich, dass durch
starkes Ziehen des Wurms die Röhre oder Trompete erst
zum Vorscheine gekommen ist; dass sie vom Darme los ge-
löst worden wäre, wird nicht gesagt, und der scharfe Rand,
mit welchem sie sich in der Figur am Darm endigt, hat daher
in der Wirklichkeit sicher nicht bestanden. Ebenso dürften
auch wohl die für einen Ech. globocaudatus viel zu starken
Rüsselhaken in den Goeze'schen Figuren nur ungenauer
Zeichnung diese Stärke verdanken. — Rudolphi beschreibt
die Tuba wie Goeze. Er hat sich, wie es mir scheint, hier
auf Goeze so sehr verlassen, dass er die präsumirte Tuba
gar nicht recht untersucht hat. O. Fr. Müller, den er in
der Entoz. Hist. nat. bei dieser Species anführt, hat in der
Zool. dan., Vol. II. p. 39. Tab. 69. Fig. 7 — 11, ebenso wie
Ueber Echinorhynchus Tuba. ^55
Frölich, dessen er in der Synopsis p. 324 erwähnt, im Na-
turforscher, St. 29. S. 65—66. Tab. II, Fig. 14, den Ech. (Alu-
conis) globocaudatus beschrieben und abgebildet. Darüber
kann kein Zweifel sein, obgleich die Abbildungen schlecht sind.
Einer Tuba erwähnen diese beiden Schriftsteller nicht, und
auch sonst, ausser Goeze und Rudolph i, aus eigner Beob-
achtung keiner. Dujardin zufolge hat Bremser geglaubt,
sie an Kratzern aus Strix Bubo zu sehen; aber alle Kratzer
aus dieser Eule in der Wiener Sammlung sind verdorben und
wahrscheinlich schon verdorben gewesen, als sie gefunden
worden sind.
Nach allem Obigen kann man nun wohl nicht anders
schliessen, als dass der Echinorrhynchus Tuba als Art ein-
gehen und die zu ihm gezählten Specimina unter Ech. globo-
caudatus, den einzigen bisher mit Gewissheit bekannten Eulen-
kratzer (denn auch der Ech. aequalis Zed. ist schwerlich von
einer andern und eignen Art), gestellt werden müssen. Vor
kurzem hat zwar der Pfarrvicar Ja ekel in einem Verzeich-
nisse fränkischer Vögel (Isis 1848. H. 1), von denen er auch
die ihm in und an denselben vorgekommenen Schmarotzer-
thiere hernennt, den Ech. Tuba, als von ihm in Strix Aluco,
flammea und Bubo gefunden, angeführt; aber darauf gebe ich
nichts, da der Mann schwerlich ein Helminthologe ist und also
hinsichtlich mancher Würmerspecies wohl leicht hat getäuscht
werden können. Er rührt auch Eingeweidewürmer, Läuse und
Schmarotzermilben „wie Krebse und Kalbfleisch in ein Ra-
gout" zusammen, und dies Ragout nennt er Entozoen. In
Strix Otus will er Ascaris vesicularis gefunden haben. Wie
käme die in eine Eule? U. s. m.
Greifswald, 21. Febr. 1848.
166
Beschreibung einer neuen Spulwurm- Art , ge-
funden im Pjthon bivittatus, nebst vergleichen-
den Bemerkungen.
Von
A n d r. R e t z i u s.
Aus dem Schwedischen von Fr. Chr. H. Creplin ').
(Hierzu Taf. VI.)
Bei dieser Ascaris ist der Vordertheil des Körpers
schmäler, als der liintertheil, der Kopf ohne Flü-
gellappen; die Mundklappen sind klein, gerade vorwärts
hervorspringend, länger, als dick, eben so gross an den En-
den, wie an der Basis, gegen die Enden in stumpfe Winkel
auslaufend, von einander etwas getrennt.
Die grösste Länge des Thiers beträgt im ausgestreckten
Zustande 5" franz. M.
Die grösste Dicke des Männchens i^'".
„ „ „ „ Weibchens 2"'.
Beim Männchen, welches vorzüglich gegen das Vor-
derende dünner, als das Weibchen ist, ist mehrentheils das
') Die Beschreibnng, welche ich hier mittheile, ist die erste
von der Ascaris anura Duj. (Dujardin, Hist. nat. des Helm,
p. 221— 22) gelieferte, wenig aber, wie es scheint, bekannt gewor-
dene. Ich habe sie wenigstens, so sehr sie es auch verdient hätte,
zur nähern Kenntniss der Helminthologen zu kommen, in deren
Schriften nirgends angeführt und berücksichtigt gefunden, obgleich
in der Isis 1831. S. 1345 auf sie aufmerksam gemacht worden ist, und
es deswegen für nützlich erachtet, nachdem ich zuvörderst in meinem
ersten Nachtrage zu Hrn. Pr. Gurlt's Verzeichniss d. Th. in w. En-
toz. gef. worden , (s. dies Archiv 1846. I. S. 147. Anm. 2) auf sie hin-
gewiesen, sie nun auch (aus den Kongl. Vetensk. Akad. Handlingar
för ar 1829. p. 103 — 8) ganz übersetzt und von ihrer Kupfertafel be-
gleitet, diesem weit verbreiteten und viel gelesenen Archive einzu-
verleiben. C r.
Beschreib, einer neuen Spulwurm-Art, gef. im Python bivittatus. 167
Hinterende gegen seinen letzten Theil hin eingekrümmt und
mit einem doppelten Spiculum versehen, welches nahe vor
der Körperspitze heraustritt. Die Haut ist beinahe farblos,
halb durchsichtig, im ausgedehnten Zustande ganz glatt, mit
zwei breiten , völlig durchsichtigen und farblosen Seitenrändern.
Das Weibchen ist etwas dicker, als das Männchen, und
nach den Enden des Körpers hin weniger verschmälert; der
hinterste Theil des Körpers mehrentheils dick und stumpf ab-
gerundet, entweder gerade, oder sehr unbedeutend gebogen,
wogegen sich der Körper in der Mitte stärker zusammenbiegt.
Anatomische Kennzeichen: Der Darmkanal hat keine
Abtheilungen, nimmt gleichmässig, wenn auch unbedeutend,
nach hinten an Breite zu und bildet seiner ganzen Länge nach
regelmässige, in einander einspringende, sich auf beiden Sei-
ten gegenüberstehende , ringartig verbundene Winkelfalten.
Beim Weibchen ist die Gebärmutter viertheilig, nämlich in
vier haarfeine Eiergänge übergehend, welche unter einander
zusammengewunden sind und in eben so viele, etwas dickere,
eierbildende Röhren übergehen.
Das Thier lebt im Darmkanale des Python bivittatus.
Der Darmkanal ist meistentheils platt und hat eine obere
und eine untere Fläche und zwei Seitenränder. Die letzteren
sind, wie bei Ascaris lumbricoides, mit den durchsichtigen
Seitenlinien durch ein lockeres Gewebe verbunden. Die Fal-
tenfurchen oder die Falten, welche sich aussen zeigen, ent-
stehen durch die inneren Falten und sind sich an der obern
und der untern Seite des Darms einander gleich und gegen-
überstehend. Am vordem Ende des Darms bilden sie spitzige,
geradlinige, nach hinten gerichtete Winkel, eine Strecke hin-
ter dem Vorderende und bis zum Ausgange des Darmes wer-
den die geraden Linien der Winkel krumm und bekommen
eine Aehnlichkeit mit einem kleinen griechischen Zeta (t).
Diese solchergestalt gebildeten krummlinigen Falten vereinigen
sich nach hinten paarweise mit einander, stehen nach vorn
mehr heraus , convergiren etwas an den Enden und umfassen
den hintern Theil des zunächst vor ihnen liegenden Paares.
168 Retzius: Beschreibung einer neuen Spulwurm-Art,
Hierdurch bekommt der Darm das Ansehen, als ob er aus
einer Menge in einander eingeschobener Glieder bestände.
Von dem Vereinigungspunkte zwischen jedem Paar Fal-
ten, dem nämlich, welcher den Winkelspitzen der vorderen
Paare entspricht, geht eine tiefere, ungepaarte Falte nach
hinten und legt sich zwischen die äusseren C-förmigen Furchen,
ohne die nächst dahinter liegende zu treffen. Zwischen den
solchergestalt beschriebenen Furchen oder Falten bildet der
Darm entsprechende Erhöhungen , welche den zweiblättrigen
Lilienfiguren gleichen, die auf einigen Verzierungen vorkom-
men. Die letztgenannten ungepaarten Falten vereinigen sich
rtfiit diesen wie ein Stiel; eine Figur ist in die nächste einge-
schoben, und so weiter bis. zum Ende des Darms. Eine so
regelmässige und schöne Faltenbildung kennt man, meines
Wissens, bei keinem andern Thier in diesem Organe. — An
den Rändern des Darmes vereinigen sich die sich an den
oberen und unteren Seiten entsprechenden Falten in andere
spitzige, nach vorn gerichtete Winkel, so dass das Ganze,
besonders gegen das vordere Ende hin, beinahe das Ansehen
einer hübschen , geflochtenen Litze bekommt.
Wenn man den Darm längs des einen Randes aufschnei-
det und ihn unter Wasser ausbreitet, so dass die innere
Fläche sichtbar wird, so bekommt man die inneren Falten zu
sehen, welche den Falten oder den Furchen der Aussenseite
entsprechen und wiederum Furchen, welche den Erhöhungen
der Aussenseite entsprechen. Sieht man diese Falten von
einem Aufschnittsrande des Darms bis zum andern oder quer
über den auseinander gelegten Darm, so gewahrt man sie
w-förmige Figuren bilden, welche querüber laufen und sich
unter einander sämmtlich parallel sind. Diese Falten sind
jedoch nicht allein durch eine Faltung der Darmhäute entstan-
den, sondern werden auch durch dickere Ränder an der In-
nern Darm wand gebildet, welche eine hellere Farbe, als die
zwischen ihnen befindlichen Furchen besitzen.
Die Geschle chtstheile des Männchens bestehen
aus einer einfachen Samenröhre, welche sich, wie es mir
schien, gemeinschaftlich mit dem Darm öffnete. Am äussersten
Ende nach unten ist diese Röhre enger; sie wird aber nach
vorn sogleich viel weiter, und diese Weite behält sie ungefähr
gefunden im Python bivittatus. Iß9
bis zur Körpermitte (wenn sie ausgestreckt Hegt), wonach sie
fast plötzlich so dünn wie ein Kopfhaar wird; aber etwas
weiter nach vorn erweitert sie sich wiederum und erlangt die
Weite der weiteren Theile der weiblichen eierbildenden Röh-
ren, und erst ihrem blinden Ende (richtiger ihrem Anfange)
näher wird sie von neuem haarfein.
Bei den von mir untersuchten Exemplaren lag der wei-
teste Theil fast gerade vorwärts, der übrige war dagegen in
eine Menge von Oehsen zusammengelegt, welche den Darm
nicht umgaben, sondern unter ihm lagen.
Die ganze Röhre hatte, ausgestreckt, ungefähr die drei-
fache Körperlänge.
Die Wand der Röhre war dünn und durchsichtig und
enthielt einen kreideweissen dicken Samen.
Im hintersten Theile des Thiers liegen ausserdem zwei
andere, kürzere, weisse Röhren, nämlich die Scheiden, welche
die beiden Spicula enthalten, wenn diese zurückgezogen sind.
Diese Scheiden scheinen sich ganz nahe bei einander zu öjQfnen
und endigen sich vorn, im Innern des Thiers, jede mit zwei
ebenfalls weissen, gerade nach vorn laufenden Strängen,
welche sich an die durchsichtigen Seitenlinien heften. Jede
Scheide mit den Endsträngen hat ungefähr ein Fünftel der
Körperlänge.
Die beiden Spicula schienen in keiner Verbindung mit
einander zu stehen, sondern waren jedes in seiner Scheide
befestigt und konnten aus derselben, jedes für sich, heraus-
gezogen werden. Wurde das eine herausgezogen, so runzelte
sich dessen Scheide; wurde diese dagegen ausgestreckt, so
ging das Spiculum wieder hinein. Auf diese Weise konnte
man jedes besonders aus- und einziehen, ohne dass das an-
dere sich gerührt hätte. An einem Exemplare sah ich nur
ein Spiculum herausgeschoben.
Dieser Untersuchung zufolge öffnet sich das Samengefäss
nicht in die Spicula, wie man es nach der Angabe mehrerer
Physiologen vermuthen möchte. Das Samengefäss öffnet sich
wahrscheinlich gemeinschaftlich mit dem Darme, und die Spi-
cula sind nur als Festhaltungsapparat während der Paarung
zu betrachten. Vielleicht mögen sie, in die Vagina gebracht,
170 Retzius: Beschreibung einer neuen Spulwurm-Art,
dazu beitragen, den Samen, längs ihrer äussern Fläche, in
dieselbe zu leiten 0.
') Die Spicula sind bestimmt bei allen Nematoideen undurch-
bohrt und dienen, sind sie doppelt, als eine Rinne oder auch als
eine aus beiden zusammengesetzte Rohre, um beim Coitus den aus
der Samenblase stets neben ihnen austretenden Samen tief in die
weibliche Scheide zu leiten; ist nur ein einfaches da, wie z. B. bei
Trichocephalus , so kann es den Samen nur längs seiner Aussenseiten
hineinleiten. Mehlis hat dies Verhalten zuerst aus Strongylus- und
Ascaris-Arten nachgewiesen , ferner noch namentlich das anatomische
Verhältniss des männlichen Geschlechtsapparates bei Trichocephalus
ganz vortrefflich mit wenigen Worten dargelegt. (Isis 1831. S. 85ff.).
Ich habe mich gewundert, in Siebold 's Lehrb. d. vergl. Anat. der
wirbellosen Th. S. 152—54 (wo von den männlichen Geschlechtsthei-
len der Nematoideen gehandelt wird), Mehlis in dieser Beziehung
gar nicht erwähnt zu finden, in welcher dort nur auf Cloquet,
Mayer und Dujardin verwiesen wird, Mehlis ist hier dennoch
erste und sichere Auctorität. Frey und Rud. Leuokart führen
ihn zwar an, haben übrigens aber seine Beobachtungen bei ihrer
kurzen Darstellung des männlichen Geschlechtsapparates der Nema-
toideen auch nicht benutzt. Die Vesicula seminalis, sagen sie, führe
bei diesen durch einen kurzen Ductus ejaculatorius in den Penis;
eine — mangelhafte — von Wagner für seine Icones zootomicae
copirte Cloquet 'sehe Figur von Ascaris lumbricoides J* soll das
deutlich machen. — Cloquet verwirft die von Laennec entdeckte
Duplicität des Penis bei Ascaris lumbricoides, sagt, er habe
diesen nur einfach gefunden, und diesen einfachen Penis giebt er als
aus dem Ende der Samenblase hervorgehend und als durchbohrt an,
mit Hülfe des Mikroskopes sehe man, fügt er hinzu, auf der Spitze
einen gerundeten Porus. So mit der Samenblase verbunden und
durchbohrt, bildet er den Penis auch ab. (S. sein bekanntes Werk
S. 44— 45 und Taf. IL Fig. 9). Diese Figur ist von Owen in dem Ar-
tikel „Entozoa" von Todd's Cyclopaedia of Anat. and Physiol.
unter Fig. 94 copirt wiedergegeben worden, wobei im Texte eben-
falls nur von einem einzigen Penis die Rede ist, an dessen Ende das
Mikroskop einen kleinen Porus zeige. Mehlis' Entdeckungen hin-
sichtlich der Nematoideen sind, wie überhaupt dessen helminthologi-
sche Bemerkungen in der Isis 1831, Owen unbekannt geblieben. —
Was den phantasiereichen Mayer betrifft, so ist seine Angabe (Bei-
träge z. vergl. Anat. d. Entozoen S. 8), dass sich bei Trichocepha-
lus die Vesicula seminalis „mit ihrem feinern Ausführungsgang" in
den Penis öffne und dieser durchbohrt sei, eben so unrichtig, als
wenn er den Penis als ein Corpus cavernosum betrachtet und dem
Wurme (Trichocephalus ^) eine besondere Afteröffnung neben der
gefunden im Python bivittatus. 171
Die Geschlechtstheile des Weibchens beginnen
mit einer einfachen Röhre (der Vagina), welche sich in eine
einfache Mündung (die Vulva) am Schlüsse des ersten Kör-
perviertels öffnet. Die Vagina ist ein Fünftel so lang, wie
das ganze Thier, und theilt sich in vier weitere Röhren (die
Cornua uteri), welche so dick wie die IVJitte der Vagina sind,
sich aber in ihrem Fortgange verschmälern und endlich, unter
einander zusammengewunden , so fein wie ein Kopfhaar wer-
den. Danach werden diese Gänge wieder etwas dicker, bis
sie nach einer ziemlich bedeutenden Strecke ihre eben er-
wähnte Feinheit von Neuem bekommen, mit welcher sie dann
männlichen Genitalöffnung zuschreibt. Alle diese Dinge bestehen nur
in der Einbildung, keineswegs in der Wirklichkeit. Was den Canal
betrifft, den man im Penis (jeder Penishälfte) der Ascaris lurabri-
coides, wie in dem des Trichocephalus dispar u. a. Nematoideen sieht,
so ist er nichts Anderes, als eine Markröhre oder -Höhle, um welche
sich die klare, homogene, hornige Corticalsubstanz am Aussenende
eben sowohl wie an den Seiten schliesst, und die man auch in an-
deren hornigen Theilen bei den Endozoen, z. B. den Rüsselhaken
der Echinorrhynchen, den Kopfkranzhaken der Taenien u. a. m. an-
trifft. Die die Röhre ganz ausfüllende Marksubstanz fand ich bei
Asc. lumbricoides und Asc. spiculigera von feinkörniger oder krüm-
licher Beschaffenheit, bei Trichocephalus unguiculatus klarer imd
wenig mit dicklichen Theilen angefüllt. — Duj ardin verschafft we-
der durch seine Worte, noch durch seine Abbildungen, so dankens-
werth diese übrigens sind , eine richtige Vorstellung von dem wahren
Verhältnisse, in welchem bei den Nematoideen das Samengefäss zu
den hornigen Begattungsgliedern steht. Doch ist eine dahin gehörende
Beobachtung von ihm merkwürdig, in welcher er nämlich bei einem
männlichen Trichosome aus dem Buchfinken (Thominx ManicaDuj.)
aus der Penisscheide sich eine Menge feiner, 0,017 Millim. langer,
in einen Zirkelbogen gekrümmter Fädchen ergiessen sah, während
der Penis selbst abwechselnd vorgeschoben und zurückgezogen
wurde (Hist. d. Helm. p. 22. 23). Seiner Meinung nach dürften diese
Fädchen die Spermatozoiden des Wurms gewesen sein. — Siebold
äussert sich im angeführten Werke nicht darüber, ob der Penis der
Nematoideen durchbohrt sei oder nicht. Hinsichtlich der Endung
des Darms in den Ductus ejaculatorius, des Uebergangs dieses letz-
tern in die Penisscheide und deren alleiniger, für Darm- und Ge-
schlechtsorgan gemeinschaftlicher Oeffnung in der Gattung Tricho-
cephalus hat er früher (in dies. Archiv J. 1842. Bd. 11. S. 343) M ehlis
Beobachtungen aus eigenen Untersuchungen an Trichocephalus dispar
et unguiculatus ^ bestätigt. Cr.
172 Retzius: Beschreibung einer neuen Spulwurm- Art,
endigen. Sie lagen zu einer Menge von Oehsen nnd Umwick-
lungen unter einander zusammengelegt, umwickelten aber bei
den von mir untersuchten Exemplaren den Darm nicht.
Sie enthielten nach ihrem ganzen Verlauf Eier; diese aber
konnte ich , aus Mangel an einem passenden Mikroskope, nicht
genau untersuchen. Eben so wenig konnte ich die Länge der
Röhren bestimmen, weil sie beim Auseinanderwickeln zerrissen.
— Bisher hat man, meines Wissens, nur Ascariden mit zwei-
spaltigem Uterus gekannt. (Cuvier Le Regne animal T. IV,
p. 32 u.a.) ').
Es fanden sich in den dicken Gedärmen eines Python
bivittatus aus Bengalen, aus denen diese Würmer gesam-
melt wurden, 13 Exemplare, grössere und kleinere. — Die
grössten und schönsten habe ich hier beschrieben, und sie
sind auch die Originale zu den Zeichnungen geworden.
Erklärung der Figuren.
Fig. 1. Ein Männchen in natürl. Gr., ausgestreckt und mit her-
ausgeschobenen Spiculis.
Fig. 2. Ein Weibchen in natürl. Gr.
Fig. 3. Ein Weibchen, aufgeschnitten; man sieht die untere
>) Duj ardin hat für die Ascariden mit mehr- als zweitheiligem
Uterus eine Untergattung der Gattung Ascaris gebildet, welche er
Polydelphys (unrichtig geschrieben Polydelphis) nennt (Hist.
d. Helm. p.221), in ihr aber nur, als einzige bekannte dahin gehö-
rende Art, die Ascaris anura aufgeführt, bei welcher er wie Retzius
den Uterus viertheilig fand. Siebold sagt (vergl. Anat. S. 151. An-
merk. 1), es kommen auch Ascaris-Arten vor, bei deren Weibchen
die Vagina sich in eine dreifache und fünffache Geschlechtsröhre
spalte, und meldet zugleich, dass er in Asc. microcephala 9 den
Uterus in drei Röhren gespalten gefunden habe. Anderer Ascariden,
bei denen dies der Fall sei, erwähnt er nicht und von solchen mit
fünftheiligem Uterus gar keiner, obgleich dies wünschenswerth ge-
wesen wäre. Mir ist keine dergl. bekannt. Ich vermuthe indessen
einen Schreibfehler in der citirten Angabe, dass nämlich statt Asca-
riden („Ascaris-Arten") stehen sollte „Nematoideen". In dieser gan-
zen Ordnung hätten wir dann bis jetzt, meines Wissens, für jede
der genannten mehr- als zweifachen Theilungsarten des Uterus nur
eine Art als Repräsentanten, nämlich für die dreifache Ascaris
microcephala, für die vierfache Asc. anura und für die fünf-
fache Filaria labiata. Ur.
gefunden im Python bivittatus. ^73
Seite des Darmkanals der Länge nach. Zu den Seiten desselben
zeichnen sich die klaren Linien durch blaue Farbe aus. Seitwärts
liegt die viertheilige Gebärmutter.
Fig. 4. Ein Stück vom hintern Darmende, von der einen Sei-
tenfläche angesehen.
Fig. 5. Ein Stück vom vordem Darmtheile, die w- förmigen
Falten zeigend.
Fig. 6. Der Köpf vergrössert, mit den drei die Mundöffnung
umgebenden Klappen.
174
Znr Anatomie und Naturgeschichte von Angiostonia
limacis Duj.
Von
Prof. Dr. Friedrich Will
in Erlangen.
Dujardin beschreibt in seiner Helminthologie einen znr
Familie Strongylus gehörigen Eingeweidewurm, der sich in
den Eingeweiden \o\\ Limax rufus findet, unter der Bezeich-
nung Angiostoma limacis. Ich habe mehrfach Gelegenheit ge-
habt, in der Athemhöhle, in den Nieren und in den Einge-
weiden von Arion rufus und Limax agrestis Eingeweidewür-
mer zu beobachten, welche in vielen Eigenschaften mit der
genannten Species übereinstimmen, während sie in manchen
anderen davon abweichen. Indem ich durch meine jüngsten
Beobachtungen den Schlüssel zur Erklärung dieser Abwei-
chungen gefunden zu haben glaube, unterliess ich es, dem
von mir beobachteten Entozoon einen neuen Namen zu geben:
weshalb ich auch die Beobachtungen unter dem obigen Titel
veröflTentliche und dies um so mehr, als ich Dujardin darin
vollkommen beistimme, dass der eigenthümlich geformte Ein-
gang in den Schlund (capsule cornee nach Duj.) einen hin-
reichend unterscheidenden Gattungscharakter bildet. Nur darin
kann ich Dujardin nicht geradezu beistimmen, dass er den
bezeichneten Schlundeingang (vielleicht besser Mundhöhle)
eine hornige Kapsel nennt, denn erstens möchte es schwer
sein, den Beweis zu liefern, dass wirklich Hornsubstanz vor-
handen ist, und zweitens habe ich die sogenannte Kapsel sich
verkürzen und verlängern, erweitern und verengern gesehen,
während bei einem Horngebilde doch kaum Bewegungen der
Art möglich sind.
Ich hielt mehrere Limax agrestis in einem Glase, um
die Entleerung der Fäces und des Harns zu beobachten. Als
ich wiederholt den Harn untersuchte, fand ich fast jedes Mal
Zur Anatomie u. Naturgeschichte von Ansiostoma limacis Duj. 175
in demselben eine grosse Menge der fraglichen Entozoen.
Später ging ein Exemplar der Schnecken zu Grnnd nnd blieb
einige Tage anf dem feuchten Boden des Glases liegen; als
ich dasselbe herausnahm, war nicht nur seine ganze Körper-
oberfläche, sondern auch die nächste Umgebung völlig mit
Entozoen bedeckt.
Beschreibung und Anatomie der ausgewach-
senen Würmer. Länge 1^ L., Dicke der Männchen -^'"^
der Weibchen yV"'» weiss; hinteres und vorderes Körperende
zugespitzt, das hintere jedoch in beiden Geschlechtern ver-
hältnissmässig weniger, als das vordere; die äussere Haut fein
quergestreift; Mund unbewaffnet; zwischen der Mundöffnung
und dem Anfang des Schlundes ein dünner Durchgang, der
von dunkleren Linien begrenzt ist und von festerer Substanz
umschlossen zu sein scheint, als der Schlund; zwischen die-
sem Eingang und dem Anfang des Schlundes eine ziemlich
tiefe Einschnürung, welche zuweilen mehr, zuweilen weniger
hervortritt; Schlund biscuitförmig, fein quergestreift; hinter
dem Schlund eine kugel- oder vielmehr birnförmige Auftrei-
bung; Magen stark abgeschnürt von dieser Auftreibung, läng-
lich, ziemlich umfänglich, so dass er das ganze Lumen der
Leibeshöhle einnimmt; Darm vom Magen wenig abgesetzt, läuft
ganz gerade bis zum Schwanzende; Magen und Darmkanal,
letzterer nur zum grossen Theil, mit feinen, grünlich schim-
mernden Körnchen von g^^ö^'' Durchmesser besetzt (Leber).
Die Hoden paarig, asymmetrisch, einfache cylindrische Schläuche;
die Vasa deferentia ziemlich weit, gehen zur Basis je einer
Ruthe ; der grössere Hoden reicht nach hinten bis in das letzte
Drittel des Körpers, nach vorn bis an den Magen und ist
hier nach hinten zurückgeschlagen; der kleinere Hoden liegt
fast nur im letzten Drittel des Körpers; beide sind mit runden
durchsichtigen Zellen von yiö" Durchmesser angefüllt, die
wieder wasserhelle, äusserst pellucide Zellen mit einem Kern
enthalten; bei weiterer Entwicklung nehmen die pelluciden
Zellen die ganze Höhle der ersteren (Mutterzellen) ein und
erscheinen fein granulirt; entwickelte Spermatozoiden zu sehen,
ist mir nicht gelungen. Die Ruthen doppelt, gleichgross, ein-
fach, etwas gebogen und spitzig; ein accessorisches lancett-
förmiges Blättchen hinter den Ruthen an deren Spitze; die
j[76 Will: Zur Anatomie und Naturgeschichte
Ruthen bilden von unten gesehen ein V, indem die Basal-
enden ziemlich weit von einander stehen. Die Caudalmem-
bran ist an der breitesten Stelle — — g^'" breit und zwar da,
wo die Ruthen liegen; sie wird von 16 einfachen Stäbchen
getragen, deren je acht auf einer Seite und zwar 4 vor und
4 hinter den Ruthen sich befinden; am äussersten Schwänz-
ende sind die Stäbchen spitzig und etwas nach innen gebogen ;
die Schwanzspitze reicht nicht über die Caudalmembran hin-
aus. Die Breite der Caudalmembran erscheint aus doppeltem
Grunde sehr wechselnd; erstens ist sie verhältnissmässig klei-
ner und schmäler bei jüngeren Thieren und zweitens erscheint
sie schmäler, wenn die Ruthen und mit ihnen die umliegen-
den Weichtheile aus dem Körper hervorstehen. Der Ausgang
der weiblichen Geschlechtstheile liegt etwas hinter der Mitte
des Körpers ; es ist eine zweilippige Spalte ohne alle acces-
sorischen Gebilde; Eierstock und Eileiter doppelt; der vordere
Eierstock reicht bis zum Magen , der hintere bis in die Nähe
des Afters; beide sind cylindrische Schläuche, in denen die
Eier in mehrfachen Reihen neben einander liegen ; die Eileiter
kurz, weit, häutig; die Eier länglich rund, ^y lang, -^q'"
breit; der Embryo schlüpft im Eileiter aus und ist dann ^ö
— \"' lang und j\'" dick; er bleibt noch geraume Zeit in der
Leibeshöhle der Mutter und scheint, wenigstens in manchen
Fällen, die übrigen Stücke des Eierstockes u. s. w. zu seiner
Nahrung zu verwenden, denn man sieht ihn frei in der Kör-
perhöhle des Mutterthieres nach allen Seiten und Richtungen
sich bewegen und in kurzer Zeit bedeutend an Grösse zu-
nehmen, während von Eierstöcken nichts mehr zu bemerken
ist und die Eileiter nur als Fetzen an der äussern Geschlechts-
öffnung hängen ; dabei bewegt sich das Mutterthier immer noch
lebhaft und nimmt ebenfalls Nahrung zu sich. Das Schwanz-
ende des ausgebildeten Weibchen ist abgerundet und trägt auf
der Rückenseite des Thieres einen feinen, geraden, nicht aus-
gezogenen , sondern plötzlich aus dem Körperende hervorge-
henden Stachel von yV" Länge und 4^0'' Dicke. Der After
liegt etwas vor dem Schwanzende.
Entwicklung und Häutung. Ich kann wohl füglich
die Entwicklung des primitiven Eies bis zum Ausschlüpfen des
Embryo übergehen, da sich dieselbe in Bezug auf Dotterzer-
von Angiostoma limacis Duj. 177
kliiftung u. s. w. genau an das anschliesst, was bereits bekannt
ist und nichts beobachtet wurde, was neues Licht über den
Gegenstand verbreiten könnte.
Sind die Jungen aus dem Ei ausgeschlüpft, so sieht man
in ihrer Leibeshöhle nichts, als eine körnige Masse, durch
welche sich von der Schlundanschwellung bis zum After ein
dünner, gelblicher, durchsichtiger Streifen, der Darmkanal,
zieht. Der zwischen Mundöffnung und Schlund liegende Durch-
gang (capsule cornee) ist sehr eng und schwer zu sehen;
auch die biscuitförmige Bildung des Schlundes und die kugel-
förmige Anschwellung sind sehr wenig entwickelt. Am meisten
verschieden aber sind diese jungen Thiere von den ausge-
wachsenen in Bezug auf die Form der Schwanzspitze. Die-
selbe ist nämlich bei allen Individuen, sie mögen sich zu
Männchen oder zu Weibchen entwickeln, eine langgezogene,
aus der ganzen Dicke des Hinterleibes hervorgehende Spitze.
Diese Form behält der Schwanz lange Zeit. Es häuten sich
selbst die Thiere mehrmals, bekommen aber immer wieder
die lang ausgezogene Schwanzspitze. Soweit meine Beobach-
tungen reichen, entwickelt sich die oben beschriebene Form
des Schwanzendes erst, wenn die Thiere zeugungsfähig wer-
den. Doch scheint dies, aber nur bei den Weibchen, hie
und da Ausnahmen zu erleiden, denn ich habe zuweilen weib»
liehe Individuen mit lang ausgezogener Schwanzspitze gesehen,
in deren Eileitern sich Eier mit Embryonen befanden. Ob
später, wenn sich einmal die charakteristische Schwanzspitze
ausgebildet hat, noch eine oder mehrere Häutungen stattfinden,
konnte ich nicht beobachten. Ich muss aber bemerken, dass
ich nie abgelegte Häute dieser Art sah, dagegen häufig solche
mit der ausgezogenen Schwanzspitze.
Die Häutung selbst geht in folgender Weise vor sich: in
der Nähe des Kopfes bekommt die äussere Haut einen queren
Riss, durch welchen der Wurm mittelst verschiedener Bewe-
gungen und Contractionen sein Kopfende herauszubringen
sucht; ist dies gelungen, so zieht sich das ganze Thier durch
beständiges Schlängeln allmälig aus der Haut heraus, die nun
in vollständigem Zusammenhang zurückbleibt. Zuweilen hat
sich Kopf und Schwanz schon von der abzulegenden Haut
abgelöst, ehe der quere Riss erfolgt; das Thier bewegt sich
Archiv f. Naturgcsch. XIV. Jahrg. 1. ßd. 12
178 Will: Zur Anatomie und Naturgeschichte
nun in seiner Haut, wie in einer etwas weiteren, den Körper
hinten und vorn überragenden , äusserst durchsichtigen Scheide
Wie oft sich die Thiere häuten, bis sie ihre völlige Ausbildung
erreichen, konnte ich nicht ausmitteln, da es mir bisher nicht
gelungen ist, die einzelnen Individuen getrennt längere Zeit
lebend zu erhalten. Wenn ich aber oben sagte, dass sie sich
mehrmals häuten, so beruht dies auf wiederholter Beobachtung
des Häutungsaktes bei sehr verschieden grossen Thieren, auf
dem nicht seltenen Vorkommen verschieden grosser abgelegter
Häute und endlich auf der Erfahrung, dass schon ziemlich
grosse Individuen in Bezug auf die Entwicklung innerer Or-
gane sich von den jüngsten Embryonen kaum unterscheiden,
während bei der Häutung, aus welcher der Wurm mit der
charakteristischen Schwanzspitze und den entwickelten äusse-
ren Geschlechtstheilen hervorgeht, auch die innern Geschlechts-
organe bereits ausgebildet sind. Die innern Organe entwickeln
sich aber sicher erst dann, wenn das Thier eine gewisse
Grösse erreicht hat.
Vergleichen wir nun die von mir gegebene Beschreibung
mit der von Dujardin, so finden wir eine völlige Ueberein-
stimmung in Bezug auf Mundtheile, Schlund, Magen u. s.w.,
vermissen dagegen die Uebereinstimmung in Bezug auf die
Gestalt der Schwanzspitze und der Caudalmembran. Ich bin
weit entfernt, die Richtigkeit der Angaben dieses vortrefflichen
und sorgfältigen Beobachters in Zweifel zu ziehen, allein da
ich nirgends angedeutet finde, dass Dujardin die Veränderun-
gen gekannt hat, welche die Schwanzspitze des in Frage ste-
henden Entozoon erleidet, so dürfte wohl der Gedanke nahe
liegen, dass die gegebene Abbildung und Beschreibung nach
einem nicht vollständig entwickelten Exemplar gemacht sei.
Indessen wäre es gewiss sehr wünschenswerth, dass sich der
geehrte Beobachter durch diese Bemerkungen veranlasst finden
würde, entweder meine Vermuthung zu bestätigen oder die
Artverschiedenheit nachzuweisen, was ihm bei seinem grossen
diagnostischen Scharfblick sicher nicht schwer fallen dürfte.
Lebensweise. Wie schon oben bemerkt, habe ich die
Thiere in den Harn-, Respirations- und Digestionsorganen von
Arion rvfus und Limax agrestis gefunden. Sie w-erden jeden-
falls mit dem Harn und den Excrementen enHeert und können
von Angiostoma limacis Diij. J79
im Freien unter günstigen Bedingungen lange Zeit leben. Ich
habe sie an einer todten Schnecke und an faulenden, immer
feucht erhaltenen Pflanzenstofien drei Monate lang lebend er-
halten. Es entwickelten sich zugleich eine ungeheure Menge
von Jungen und zu jeder Zeit fand ich trächtige Weibchen.
Sie gehören ohne Zweifel zu denjenigen Entozoen, welche
ebenso gut ausserhalb, als innerhalb des Körpers der
Schnecken gedeihen, und ihr Aufenthalt in den Schnecken
kann nicht als ein zu ihrer Entwicklung nothwendiger betrach-
tet w^erden. Ja, ich habe im verflossenen Frühjahr dasselbe
Thier in den Gräben der Stadt beobachtet, wo sie sich gleich-
sam in Nestern im Schlamm und zwischen Conferven in gros-
ser Menge fanden und ebenfalls mehrere Wochen lebend er-
halten wurden.
Erlangen am 8. Oktober 1848.
12*
180
Beschreibung einiger kleinen Säugthiere aus Syrien
und Afrika.
Von
A. W a er n e r.
Von 5 der hier aufgeführten Arten habe ich schon früher-
hin die Diagnosen in diesem Archive mitgetheilt und lasse
nun hier die ausführlichere Beschreibung nachfolgen; von zwei
noch unbeschriebenen Arten habe ich die Charakteristik bei-
gefügt.
1. Rhinolophus Gigas.
Rh. raaximus, fuliginosus; capite, gastraeo lateribusque albi-
dis; auriculis elongatis angustis; cauda brevi.
Rhinolophus Gigas A. Wagn. in Wiegm. Archiv 1845.
1. S. 148.
Unter den Kammnasen ist diese die grösste und zu un-
serer ersten Abtheilung gehörig, wohin diejenigen Arten, deren
hinteres Nasenblatt ein querliegendes schmales Blatt bildet,
gestellt sind.
Sie hat ein furchtbares Gebiss, und dies in Verbindung
mit dem verhältnissmässig ungeheuren Schädel würde dem
Thiere, wenn sein Knochengerüste im grösseren Maassstabe
ausgearbeitet wäre, ein wahrhaft schreckbares Ansehen gewäh-
ren. Der knöcherne Schädel hat eine Länge von 1" 5'", wäh-
rend die ganze Wirbelreihe nur 2" 11'" misst.
2 , 11
Das Gebiss besteht aus -^ Schneidezähnen, p^ Eckzähnen
und ^ Backenzähnen. Die obern Schneidezähne sind sehr
klein; die untern etwas grösser und dreilappig, das äussere
Paar zurückgestellt. — Die Eckzähne sind ausserordentlich
stark. Die obern auf der Innenseite platt, mit vorspringendem
Längskiele in der Mitte; auf der Vorderseite mit tiefer Hohl-
kehle; auf der Aussenseite gewölbt, hinten schneidend.
Beschreibung einiger Jdeinen Säugthiere aus Syrien und Afrika. IgJ
Der Zvvischenkiefer bildet eine schwache Lamelle; die
Scheitelleiste ist stark entwickelt.
An Wirbeln sind im Ganzen 30 vorhanden, nämlich
7 Halsw., 11 Rückenw., 6 Lendenw., 3 Kreuzw. und 3
Schwanzwirbel.
Die Schuautze ist stumpf. Das Hufeisen ist gross, hinten
durch einen aufgesetzten queren Wulst begrenzt, hinter wel-
chem ein eben so breites halbovales Blatt sich aufrichtet; an
jeder Seite des Hufeisens zeigen sich 3 häutige Querfalten.
Die Ohren sind hoch, schmal, länglichoval, zugespitzt, nackt,
im untern Theil an den Seiten mit Wolle beflogen. Die Flü-
gel sind ausserordentlich lang, das Fersengelenk nicht ganz
erreichend, nackt, oben längs des Körpers und der Schultern
nur wenig, unten etwas mehr behaart. Der Schwanz ist kurz,
die Schenkelflughaut schmal, beiderseits etwas behaart und
der Schwanz ragt über sie hinaus.
Die Farbe der Oberseite ist trüb russbraun, an den Sei-
ten und auf dem Kopfe schmutzig graugelblichweiss. Die Un-
terseite ist gelblichweiss, längs der Mitte des Hinterleibs mit
trübem Schimmer. Die russbraunen Haare der Oberseite sind
in ihrer untern Hälfte schmutzig weisslich. Die weissen Haare
der Unterseite sind an den Seitentheilen und am Halse fast
einfarbig, längs der Mitte des Hinterleibs aber mit dunklem
Grundtheil. Am Ende des Vorderhalses findet sich ein Haar-
wirbel.
Der Nasenbesatz, zumal aber die Ohren sind dunkel;
der Grund der Innenseite scheint bei letztern fleischroth ge-
wesen zu sein; in der untern Hälfte sind sie an den Seiten-
theilen mit grauweisslicher Wolle beflogen. Flügel und Glied-
massen sind oben russbrauu; unten sind erstere ebenso, aber
die Oberarme und hintere Hälfte der Vorderarme zeigen Spu-
ren von rother Färbung, der auch, jedoch weit trüber, an
den Schenkeln und der obern Hälfte der Schienen sichtlich ist.
Die Längenverhältnisse sind folgende:
Körper 4" 11'" Schenkelflughaut längs
Ohren 1" 0'" der Mitte ... 0" 11"»
Schwanz .... 1" 1'" Vorderarm .... 4" 1"'
Freier Theil desselben 0" 2^-'" Flugweite .... 23" 0"'
Das beschriebene Exemplar ist ein Männchen, das unsere
182 Wagner: Beschreibung einiger kleinen Säugthiere
Sammlung von dem Naturalienhändler Brandt erhalten hat,
mit der Angabe, dass es von Benguela in Nieder-Guinea ge-
kommen sei.
2. Myoxus orohinus.
M. supra brunneo-lutescens, subtus flavido-albus; pilis Omni-
bus bicoloribus; macula alba inter oculos; cauda undique
villosa, rotundata, griseo-fuscescente.
Myoxus orohinus A. Wagn. in Wiegm. Archiv 1845. 1.
S. 149.
Gehört zur Untergattung Eliomys, obwohl die Backen-
zahne einige Modificationen darzubieten scheinen.
Die obern Schneidezähne sind honiggelb, die untern weiss-
lich. Die Backenzähne sind an dem Exemplare, das mir zur
Beschreibung diente, bereits sehr abgefiilirt, daher die Be-
schaffenheit ihrer Schmelzfiguren nicht mehr anzugeben. Sie
sind nicht so laug (von vorn nach hinten) als bei Myoxus
Nitela, aber auch nicht so gross als wie bei M. Glis; die
obern etwas ausgehöhlt mit stark vorgezogenem Aussenrande,
der in der Mitte eingekerbt ist; auf der Kaufläche zeigen sich
Spuren von 2 bis 3 Querfurchen. Die untern Backenzähne
kommen mehr mit Eliomys iiberein, sind aber ebenfalls nicht
so lang und tief napfförmig ausgehöhlt. Der Winkel des Un-
terkiefers ist nicht durchbohrt.
Die Schnautze ist spitz; die Schnurren sind ziemlich zahl-
reich und die längsten reichen bis hinter das Ohr. Die Ohren
sind ziemlich gross , gerundet , gegen den Rand fein mit Häär-
chen beflogen. Der Daumen an den Vorderfiissen ist ganz
rudimentär. Der Schwanz ist allseitig behaart, daher rund,
nach hinten dicker werdend , aber an diesem Exemplare nicht
vollständig. Die Sohlen sind nackt.
Die Farbe der ganzen Oberseite ist bräunlich fahlgelb,
längs des Riickgraths etwas dunkler überlaufen durch dunklere
Haarspitzen. Die Unterseite ist abgeschnitten gelblichweiss,
was auch die untere Kopfhälfte einnimmt und einen kleinen
Fleck auf dem Nasenrücken zwischen den Augen bildet. Alle
Haare der Ober- wie der Unterseite sind in der untern Hälfte
schieferschwärzlich und die längs des Rückgraths überdies mit
etwas dunklern Spitzen; nur die Haare des Vorderhalses sind
aus Syrien und Afrika. 133
einfarbig. Die Oberseite des Kopfs ist etwas lichter als der
Rücken; die Augen liegen in einem schwarzen Ring, Die
längern Schnurren sind schwarz, mit lichten Spitzen; die kür-
zern weisslich. Die Füsse sind auf der Oberseite fein gelb-
bräunlich behaart, was an den Zehen ins Weissliche übergeht;
die Krallen sind weisslich. Der Schwanz ist ringsum gleich-
farbig; bräunlich mit graulichweiss untermengt. Die nackten
Theile scheinen fleischfarbig, die Ohren mit dunklerem Rande.
Körper 4" 2'" Ohr 0" S^'"
Schwanz abgebrochen 1" 10'" Hinterfuss .... 0" 6^'"
Kotschy hat diese Art im Sennar entdeckt. Sie steht
hinsichtlich ihrer äusserlichen Beschaffenheit am nächsten dend
Myoxus Coupei , der aber von ihr ^urch folgende Diagnose
leicht unterschieden werden kann: M. minor, supra cinereus,
leviter flavido-indutus; subtus albidus: pilis unicoloribus; cauda
cinerascente.
3. Meriones myosuros.
M. supra fulvidus, paululum nigro-adspersus, subtus albido-
lutesceus; cauda corpore breviore, nuda, squamata; denti-
bus primoribus haud sulcatis.
Meriones myosuros A. Wagn. in Wiegm. Archiv 1845. 1.
S. 149; Schreb. tab. 232 A.
Das Ansehen ist ganz rattenähnlich, zumal durch den
nackten Rattenschwanz, aber die Backenzähne des Unterkiefers,
die allein an dem von mir untersuchten Exemplare erhalten
waren, deuten divS. Meriones hin, jedoch mit dem Unterschiede,
dass der hintere Zahn 2 Lamellen hat. Ein weiteres Unter-
scheidungsmerkmal ist der Umstand, dass die Schneidezähne
nicht, wie bei den ächten Meriones, gefurcht sind. Durch
diese beiden Merkmale, so wie durch den Rattenschwanz ist
eine eigene Untergattung angezeigt.
Die Ohren von dieser Art sind klein, oval, nackt; die
Schnurren fein und nicht über das Ohr reichend. Der Schwanz
spitzt sich hinterwärts zu und ist nackt mit zahlreichen Schup-
penringen, in deren Zwischenräumen einzelne kurze, wenig
sichtliche, feine bräunliche Häärchen sitzen.
Die Oberseite ist licht rostig falb, was auf Kopf und
Nacken am lebhaftesten ist und an den Seiten ins Ockergelbe
184 Wagner: Beschreibung einiger kleinen Säugthierc
übergeht; die Unterseite ist weisslichgelb. Die Haare der
Oberseite sind in ihrer untern Hälfte schieferfarben, in der
obern fahlgelb; einzelne ganz schwarze und weit längere Haare
sind ihnen beigemengt, die an den Seiten verschwinden. Auf
dem Unterleib sind die Haare nur am Grunde etwas grau.
Die Fiisse sind mit sehr kurzen, feinen, lichtbräunlichen Häär-
chen besetzt. Die Schnurren sind meist schwärzlich; die
Schneidezähne lebhaft gelb; Ohren und Fiisse blass, was im
Leben wohl licht fleischfarbig gewesen sein wird. Die Nägel
sind weiss, der Schwanz braun.
Körper 8" 6'" Ohren. . . . . . 0" 7'"
Schwanz 4" 9'" Hinterfuss .... 1" 6"'
Kotschy hat diese Rennmaus in Syrien aufgefunden.
4. Hypudaeus cinerascens.
H. supra cinerascens, subtus niveus; auriculis prominentibus
pilosis;' pedibus albis; cauda nudiuscula quartam corporis
partem aequante.
Die Schnurren sind lang und zahlreich; die Ohren ragen
weit aus dem Pelze hervor; der Schwanz, der bei dem vor-
liegenden Exemplare vollständig erhalten ist, ist sehr kurz
und mit feinen Häärchen beflogen. Der Pelz ist weich.
Die Oberseite ist licht aschgrau, mit hell bräunlichgelbem
Anfluge, der an den Seiten merklicher hervortritt. Die Un-
terseite ist abgeschnitten und rein weiss. Die Haare der Ober-
seite sind in ihrer grössern untern Hälfte schieferfarben, dann
licht gelblichgrau mit dunkelbraunen Spitzen; letztere ver-
schwinden an den Seiten. Auch die Haare der Unterseite
sind an der Wurzel mehr oder weniger schieferfarben. Die
längern Sehnurren sind schwarz, mit weisslichen Spitzen; die
kürzern Schnurren sind weisslich. Die Ohren sind aussen
dunkler, innen lichter behaart. Füsse und Schwanz sind im
Leben licht fleischfarben, erstere deutlicher, letztere undeut-
licher mit weissen Häärchen besetzt, die längs der Mitte der
Oberseite des Schwanzes dunkler sind.
Körper 3" 0'" Ohren 0" 4'"
Schwanz 0" 8'" Hinterfuss . . . . 0"6i"'
Obwohl der H. cinerascens dem H. syriacus Licht, sehr
nahe verwandt ist. so scheint er doch nicht mit ihm eine Art
aus Syrien und Afrika. 185
auszumachen, da nach Lichtensteiii's Beschreibung bei letzte-
rem der Schwanz fast nochmal so lang, die Färbung der
Oberseite des Körpers mehr gelblich und Unterleib nebst
Füssen graulich sind. Die Heimath beider Arten ist gleich,
indem Kotschy die unsrige aus Syrien an die Wiener Samm-
lung überbracht hat.
5. Mu s fu scirostr is.
M. supra brunneo-flavescens , nigro-adspersus , subtus abrupte
albus; nasi apice dorso concolore; auriculis majusculis;
cauda corpore breviore.
Mus fuscirostris A. Wagn. in Wiegm. Archiv 1845. 1.
S. 149.
Die Färbung ist ähnlich der der Waldmaus, aber blasser.
Die Oberseite ist bräunlich fahlgelb mit schwarzer Sprenke-
lung, die an den Seiten verschwindet. Die ganze Unterseite
ist abgeschnitten weiss mit gelblichem Anfluge. Die Haare der
Oberseite sind in ihrer untern Hälfte dunkel schieferfarben,
längs des Rückens zum Theil mit schwarzen Spitzen und mit
einzelnen ganz schwarzen Haaren. Die Haare längs der Mitte
der Unterseite sind einfarbig ; die an den Seiten haben aber
ebenfalls einen dunkeln Grund. Die obere Hälfte des Kopfes
ist dem Rücken gleichfarbig, die untere bis zur Stelle der
Schnurren weiss; die Nasenspitze ist der übrigen Oberseite
gleichfarbig, ohne weissen Fleck. Die Schnurren reichen nicht
bis zur Ohrspitze und sind schwarz mit lichten Spitzen. Die
Ohren sind ziemlich gross und fast nackt; die Füsse weiss
behaart, die Nägel weisslich. Der Schwanz ist nackt, nur
mit wenig merklichen feinen braunen Häärchen beflogen.
Körper 6" 0'" Ohren , ungefähr . . 0" 7^"'
Schwanz 4" 7'" Hinterfuss .... 0" lli'"
Von Kotschy im Sennar entdeckt. Diese Art hat viele
Aehnlichkeit mit M. albipes Rüpp. , unterscheidet sich aber
durch weit kürzern Schwanz und den Mangel des weissen
Flecks an der Nasenspitze. — Ein anderes Exemplar von
4" 2"' Körperlänge mit etwas trüberer Färbung ist entweder
ein Junges von M. fuscirostris oder eine eigene Art, deren
vielleicht schon Rüppell im Mus. Senckenb. HI. S. 108 als
Varietät von M. albipes gedenkt.
186 Wagner: Beschreibung einiger kleinen Säugthiere
6. Mus Umhat US.
M. supra bruimeo-griseus j subtus abrupte albidus, striga la-
teral i flavida; cauda corpore breviore.
Mus Umhatus A. Wagii. in Wiegm. Archiv 1845. 1.
S. 149.
Die Ohren sind gross und fast nackt; die längsten Schnur-
ren erreichen noch nicht die Ohrspitze. Der Schwanz ist viel
kürzer als der Körper und nur spärlich mit feinen, wenig
merklichen Häärchen versehen. Das Weibchen besitzt 4 Paar
Zitzen in den Weichen.
Die Oberseite ist aus trüb Bräunlichgelb und Schwarz
gesprenkelt, wobei das Grau der Haarwurzeln durchschimmert,
so dass die allgemeine Färbung trüb ist, sehr verschieden von
dem falben Tone der Waldmaus und nicht einmal so lebhaft
als bei der Wanderratte. Die Haare sind im grössern Theil
ihrer Länge schieferfarben und nur die Spitzen sind farbig.
Die Unterseite ist abgeschnitten weiss mit gelblichem Anhauche.
Zwischen ihr und der Oberseite findet sich eine blass ocker-
gelbliche schmale Binde, welche dadurch entsteht, dass die
Spitzen der Haare der Oberseite lebhafter werden und kein
Schwarz ansetzen. Die Haare der Unterseite, auch längs der
Mitte desselben, sind alle am Grunde dunkel schieferfarben.
Der Kopf ist oben dem Rücken, unten der Unterseite gleich-
farbig. Die Füsse sind schmutzig gelblichweiss behaart; die
Nägel licht hornfarben. Der Schwanz ist dunkel; die Häärchen
auf der Unterseite etwas lichter.
Körper 5" 7'" Ohren 0" Sr^-'"
Schwanz 4" 0"' Hinterfuss .... 1" 0'"
Auch diese Art hat Kotschy im Sennar aufgefunden. Sie
ist von Mus leucosternum verschieden durch Mangel von Roth
in der Färbung, durch die gelbe Binde zwischen den beiden
Hauptfarben, den gelblichweissen Ton des Unterleibs und
etwas kürzere Schnurren.
7. Mus maniculatus.
M. supra brunueo-fulvescens, nigro-adspersus, subtus cano-
albidus; auriculis brevibus pilosis , pedibus albidis; cauda
corpore breviore pilosiuscula.
aus Syrien und Afrika. 187
Das Ansehen dieser Maus erinnert durch die Kürze und
Behaarung der Ohren und des Schwanzes schon sehr an die
Wüldmäuse (Hypudaeus), doch ist sie, wie Gebiss und Scliä-
del ausweist, ein achtes Glied der Gattung Mus; ihr Zwischen-
scheitelbein hat im Allgemeinen die Form wie bei Mus tectorum.
Die Oberseite ist falbbraun mit viel Schwarz gesprenkelt;
die Unterseite ist graulichweiss, was allmählig in die Farbe
der Oberseite übergeht. Alle Haare sind an ihrem untern
Theile schieferschwarz und die des Rückens meist mit längern
oder kürzern schwarzen Spitzen. Die Schnurren sind dunkel-
braun und haben meist lichte Enden. Die Ohren sind kurz,
gerundet und auf beiden Seiten mit braunen Häärchen besetzt.
Die Füsse sind dünn , mit weisslichen Häärchen besetzt und
die Krallen weisslich hornfarben. Der Schwanz ist beträcht-
lich köt-zer als der Körper, braun und ziemlich häufig mit
Häärchen besetzt, ohne dass jedoch dadurch die Schuppenringe
verdeckt werden.
Körper 5" 3'" Ohren 0" 6'"
Schwanz 4" 3'" Hinterfuss .... 1" 4"'
Wir haben diese Art von Herrn Dr. Pruner aus Aegypten
erhalten.
188
Einige nachträgliche Bemerkungen über Gregarinen,
Von
Dr. A. V. Frantzius.
(Hierzu Taf. VII.)
üa seit dem Erscheinen meiner Inaugural- Dissertation,
in welcher ich die Resultate meiner Untersuchungen über die
in vielfacher Hinsicht so interessanten Gregarinen veröffent-
lichte, zwei sehr wichtige und unsere Kenntnisse derselben
wesentlich erweiternde Arbeiten erschienen sind, dieselben
sich aber mehrfach auf meine genannte Schrift beziehen, so
benutze ich diese Gelegenheit einige nachträgliche Bemerkun-
gen und Berichtigungen derselben mitzutheilen, die ihr bei-
gefügte Kupfertafel hiermit dem Publikum zu übergeben und
ausserdem die letzteren wichtigen Resultate der seither ange-
stellten Untersuchungen kurz zusammenzustellen.
Ich unterlasse es den Inhalt meiner Inaugural-Dissertation,
namentlich den historischen Theil ausführlich mitzutheilen und
beschränke mich nur darauf für diejenigen, welche auf ein
spezielleres Studium dieser Thiere einzugehen gedenken,
sämmtliche bisher hierüber erschienene Literatur anzugeben:
1. Leon Dufour Annales des sciences nat. tom. VIII. 1826.
pag. 45 u. ff. Reclierches anatomiques sur les carabi-
ques et plusieurs autres Insectes coleopteres.
2. Derselbe Annal. d. sc. nat. tom. XIIL 1837. pag. 366.
Note sur la Gregarine, nouveau genre de ver, qui
vit en troupeau dans les intestins de divers insectes.
3. Derselbe Annal. d. sc. nat. tom. VII. 1837. pag, 5. Re-
cherches sur quelques Entozoaires et larves parasites
des insectes Orthopteres et Hymenopteres.
4. Helminthologische Beiträge von Dr. Hammer Schmidt
zu Wien. Oken's Isis 1838. S. 351. Taf. IV.
Einige nachträgliche Bemerkungen über Gregarinen. 189
5. Beiträge zur Naturgeschichte der wirbellosen Thiere von
Dr. C. Th. von Siebold. Danzig 1839. Ueber die
zur Gattung Gregarina gebörigen Helminthen.
6. Zeitschrift für wissenschaftliche Botanik von M. J. Schieiden
und C. Nägeli. 2tes Heft. Zürich 1845. — Die Lehre
von der thierischen Zelle und den einfachen thieri-
schen Formelementen nach den neuesten Fortschritten
dargestellt von Dr. A. Kölliker S. 97 u. ff.
7. J. Heule Ueber die Gattung Gregarina. Müller's Archiv
für Anat. u. Physiolog. 1845. S. 369— 374. Taf. XUf.
Fig. 3—7.
8. A. de Frantzius Observationes quaedam de Gregarinis
Berolini 1846.
9. Dr. F. Stein Ueber die Natur der Gregarinen. Müller's
Archiv für Anat. u. Physiol. 1848. S. 182 u. ff. Taf. IX.
10. A. Kölliker Beiträge zur Kenntniss niederer Thiere.
Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie von v. Sie-
bold und Kölliker 1848. S. 1. Taf. I— HI.
1. Ueber die Natur der Gregarinen.
Denjenigen meiner Hauptsätze , dass die Gregarinen nicht
vollständig ausgebildete Thiere seien, muss ich jetzt zurück-
nehmen, nachdem durch die verdienstvolle Arbeit des Dr. Stein
dasjenige, was Kölliker im Voraus als Hypothese hinstellte,
jetzt zur Evidenz erwiesen ist, dass nämlich die Gregarinen
vollständig entwickelte Thiere seien, die keine weitere Meta-
morphose eingehen und als solche in die Reihen des zoologi-
schen Systems einzuordnen sind. Stein stellt sie in eine der
untersten zu den Infusorien gehörigen Abtheilung, der er den
Namen der Symphyten beilegt. Alle unsere Anschauungen
und Betrachtungen über diese Thiere haben hierdurch eine
feste Basis gewonnen, durch die eine Menge bisher zweifel-
hafter Verhältnisse sich jetzt von selbst erledigen. Es steht
somit nichts mehr im Wege die für die allgemeine Physiologie
wichtigen Schlüsse und Folgerungen aus dem Wesen der Gre-
garinen zu ziehen; die zuerst angeregt zu haben Kölliker's
grosses und unbestreitbares Verdienst ist ^).
') Siehe unter den oben angeführten Schriften Nr. 6,
J90 ^^ ^ Frantzius:
Kölliker's Hauptfolgerung im Gegensatz zu Ehrenberg's
Ansichten war die, dass die niedrigsten Thiere in ihrer Zu-
sammensetzung einer einfachen Zelle gleichkommen. Hierfür
sollten die Gregarinen einen Beweis liefern; es war demnach
zuerst nachzuweisen, dass die Gregarinen wirklich vollkommen
entwickelte Organismen seien, die keine weitere Metamorphose
eingehen, was bereits, wie oben bemerkt wurde, durch Stein
geschehen ist; und ferner, dass die Gregarinen wirklich als
Zellen zu betrachten seien. Hiegegen trugen Henle und ich
bisher einige Bedenken. Die des Ersteren sind bereits schon
früher erledigt worden, und was die meinigen betriflft, so
muss ich dieselben jetzt auch fallen lassen, nachdem durch
Kölliker's, Stein's und meine eigenen fortgesetzten Unter-
suchungeq meine Kenntnisse über die Natur der Gregarinen
sich wesentlich erweitert haben. Diejenigen Formen nämlich,
bei denen die Scheidewand fehlt und die Stein sehr passend
mit dem Namen Monocystideae belegt, können gewiss ohne
weiteres als Zellen betrachtet werden. Die in den übrigen
Gregarinen vorkommende Scheidewand, die ich nicht wie
Kölliker nur für eine verdickte Schichte des flüssigen Körper-
inhaltes, sondern mit Stein ebenso wie die übrige Körperhülle
für eine Membran halte, ist einmal etwas dem Begriff der
wahren Zelle Fremdartiges. Immerhin bleiben indessen auch
diese Gregarinen wegen dieser der Zellenform aufs engste
sich anschliessenden Einfachheit ein strikter Gegenbeweis gegen
die Ehrenberg'sche Ansicht der hohen Organisation der Infu-
sorien.
Was die Natur des in der Körperhöhle der Gregarinen
befindlichen durchsichtigen Körpers betrifft, so kann ich nur
wiederholen , dass bei Gr. Blattarum wenigstens ich mich aufs
deutlichste überzeugt habe, dass derselbe nicht ein Bläschen,
sondern ein aus einer zähen homogenen Masse bestehender
Körper ist. Für die Richtigkeit dieser Behauptung führe ich
an, dass der durch seine exakten mikroskopischen Unter-
suchungen bekannte Dr. Reinhard in Berlin Augenzeuge war,
als ich jene (a. a. O. S. 31) früher mitgetheilten Experimente
ausführte; auch freut es mich zu sehen, dass Dr. Stein mir
in diesem Punkte vollständig beistimmt. Wenn ich in meiner
Dissertation S. 33 sagte „corpus illud pellucidum iis insitum
Einige nachträgliche Bemerkungen über Gregarinen. 191
non esse vesiculam , neqne igitnr uuclenm", so miiss ich die-
sen letzten Schluss als einen unbegründeten zurücknehmen ;
da einmal die Gregarinen wirklich als Zellen zu betrachten
sind und die Solidität des durchsichtigen Körpers durchaus
nicht dem Begriff eines Zellenkerns Eintracht thut.
2. Lieber die Entwickelung der Gregarinen.
Während der Cyklus der Entwicklung bei den Gregarinen
bisher unseren angestrengtesten Forschungen verborgen ge-
blieben war, so müssen wir jetzt durch Stein's sinnreiche Be-
obachtungsmethode und deren überraschende Resultate, dass
die Gregarinen, wie ich schon oben bemerkte, wirklich voll-
ständig entwickelte Thiere sind, die sich meistens durch Ver-
einigung zweier erwachsener Individuen in eine Cyste (die
früheren Pseudonavicellenbehälter) verwandeln, aus deren In-
halt sich die Keimkörner (Pseudonavicelleu, Spindelzellen)
bilden, die sich dann zu neuen Gregarinen entwickeln, lieber
das Spezielle dieser Entwickelung, die Stein bei mehreren
Gregarinen vollständig nachgewiesen hat, verweise ich auf
dessen eigene Arbeit in IMüUer's Archiv.
Ob nun aber, wie Kölliker meint, vor der Umwandlung
der Gregarinen zu Cysten immer zwei Kerne in denselben
auftreten oder ob das Vorhandensein zweier Kerne, wie Stein
angiebt, auf eine vorhergegangene Vereinigung zweier Indivi-
duen beruht, bedarf gewiss noch einer sorgfältigeren und ge-
nauen Untersuchung. Was meine Abbildungen betrifft, die
Kölliker als Stütze für seine Ansicht benutzt, so kann Fig. I. 4
deshalb nicht als solche dienen , weil ich mich nicht von der
Gegenwart eines in der vorderen Leibeshöhle befindlichen
Kernes überzeugt habe, sondern nur naturgetreu eine hier
befindliche Lücke in der feinkörnigen Masse des Körperinhal-
tes dargestellt habe. Fig. VII. 1 u. 2, wo ich mich wirklich von
der Anwesenheit eines Kernes in beiden Leibeshöhlen über-
zeugt habe, möchte ich jetzt, da Kölliker mir durch seine
Fig. 10. Taf. 1 gezeigt hat, dass dieselbe von der meinigen
ganz verschieden ist, für eine Zvgocystis halten, da beide
Körperhälften gleich und sie mit dem sich entsprechenden
dickeren Ende verwachsen sind nach Art der Z. cometa Stein.
Ich nenne sie daher Z. Ephemerae.
j92 A. V. Frantzius:
Dass in einzelnen Fällen sich wirklich nur ein Kern in
den Cysten findet, davon habe ich nnch auf's entschiedenste
überzeugt und zwar bei einer Monocystis aus dem Regen-
wurm, von der ich aber nicht weiss, ob sie mit Stein's
M. agilis identisch ist. Ich möchte daher glauben, dass bei
allen Monocystis -Arten die Cyste im Anfange nicht, wie bei
den übrigen Gregarinen aus zwei halbkugligen Hälften besteht,
und dass dann auch nur ein Kern vorhanden ist. Wie sich
dies Verhältniss bei den Sporadinen, Stylorhynchen und Acti-
nocephalen gestaltet, die doch ursprünglich auch alle isolirt
leben, bedarf noch genauerer Untersuchungen.
Dass auch bei den Insekten, wie bei den Würmern, der
Aufenthaltsort der Gregarinen sich nicht blos auf den Darm-
kanal beschränkt, sondern dass sie auch hier frei in der
Bauchhöhle vorkommen, dafür habe ich bis jetzt zwei Bei-
spiele gefunden. Bei Blatta fanden sich bei einer ganzen An-
zahl von Exemplaren aus einer bestimmten Bäckerei regel-
mässig eine grosse Anzahl Gregarinen frei in der Bauchhöhle.
Diese Beobachtung habe ich gemeinschaftlich mit meinem
Freunde Dr. v. Babo gemacht, der darüber genauere Mitthei-
lungen zu veröffentlichen versprochen hat. Ein anderes Mal
fand ich in der Bauchhöhle eines Scarabaeus stercorarius eine
grosse Anzahl Gregarinen, deren Hinterleib kugelrund wai
und auf welchem der Vorderleib wie ein kleines rundes Knöpf-
chen aufsass. Sie glichen sehr der von Hammerschmidt be-
schriebenen Bullinia Tipulae, von der er ebenfalls angiebt,
dass sie frei in der Bauchhöhle vorkommt. Von dem Prinzip,
alle in einem Mutterthiere beisammen lebenden Gregarinenfor-
men als zu einer Spezies gehörig anzusehen, bin ich längst
zurückgekommen, weshalb ich Stein's Unterscheidung der drei
von mir in Tenebrio molitor gefundenen Gregarinenformen
ganz billige. Aus demselben Grunde sehe ich mich veranlasst,
die unter Fig. I. 2 von mir abgebildete Gregarinen als eine
nicht zur Gr. Heerii gehörige Art zu betrachten, da sie aber
durch einen kuglig erweiterten Hals sich von der Gr. Sieboldii
unterscheidet, auch ein anderes Mutterthier bewohnt, so ver-
dient sie gewiss als besondere Art genannt zu werden, der
ich den Namen G?'. octacantha gebe.
Ich lasse jetzt die Erklärung der Tafel folgen, wie ich
Einige nachträgliche Bemerkungen über Gregarinen. 193
sie in meiner Dissertation gegeben habe, und füge daran die
aus dem obigen sich ergebenden Berichtigungen.
ICONUM EXPI.ICATIO.
I. CSr. Heerii Koellik.
1. 2. 4. Individua capite colloque munita.
5. 6. 7. Variae formae, quas haecce Gregarina inter motum
induit. (Forma capitis collique expers delineata est.)
3. Receptacuhim Navicellariim , in quo Navicellae nascentes
insunt, Strato mucoso pellucido circumdatum.
8. Navicellae ex illo receptaculo.
II. Gr. rubecula Hammerschm.
1. Forma ex insecto capite colloque instructa.
2. Individuum parvum.
3. Nucleus amplificatus.
4. Forma capitis expers ex larva ejusdem insecti.
5. Receptaculum Navicellarum.
III. Or. Blattartiiii Sieb.
1. Individuum luce permeante conspectum.
2. Idem luce incidente visum.
3. Variae Gregarinae naturalis magnitudinis, luce incidente
conspectae, inter quas etiam receptacula Navicellarum quae-
dam adsunt.
4. Forma cum extenuata parte posteriore.
5. Duo individua cohaerentia.
6. Nucleus ex interioribus amplificatus.
IV. Gr. elougata mihi.
1. 2. Individua adulta.
3. 4. Individua parva.
5. Peculiaris horum animalium contractio sub motu
6. Navicellarum receptaculum.
V. Gr. polyniorplia Hammerschm.
1. 2. Variae formae, plerumque in larvis obviae.
3. 4. 5. Formae, quae in insecto plerumque occurrunt.
8. 9. 10. Priores evolutionis gradus.
6. 7. Navicellarum receptacula.
VI. Gr. Mystacidaruni mihi.
1. Individuum cum subtilissimis ciliis in parte posteriore.
2. 3. Variae formae, quas haec animalcula inter motum osten-
dunt.
4. Exemplar parvum.
5. Nucleus ex interioribus amplificatus.
6. Navicellarum receptaculum.
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 1. Bd. 13
194
t\. V. Frantzius :
¥11. Gir. clavata Koell.
1. 2. 3. Variae formae.
4. Navicellariim reccptaculum.
VIII. €ir. Dytiscorvini mihi.
1. Gregarina ipsa.
2. Navicellariim reccptaculum.
1!1L. Or. o%ata L. Duf.
X. Qr. «fuli mihi.
1. Individuum adultum.
2. Individuum parvum.
mxBm€^.M
Zu berichtigen ist:
1. Fig. I. 2 ist Acanthocephalus octacanlhus mihi.
2. Fig. V. 3 u. 4 ist Stylorhynchns ovalis Stein 5. zwei zur Con-
jugation aneinander getretene Individuen.
3. Fig. V. 1 ist Gregarina cuneata Stein.
4. Fig. VII. ist Zygocystis Ephemerae mihi.
Schliesslich stelle ich der bequemeren Uebersicht wegen
sämratliche bis jetzt bekannten Gregarinen nach dem von Stein
sehr passend gewählten Eintheilungsprincip zusammen.
I. Monocystideae.
Einzellige
1. Monocystis.
Einzeln lebende.
M. Nemertis Koell.
(Nemertes).
M. Terebellae Koell.
(Terebella).
M. Spionis Koell.
(Spio).
M. Enchytraei Koell.
(Enchytraeus).
M. pellncida Koell.
(Nereis).
M. agilis Stein.
(Lumbricus).
M. Clavellinae Koell.
(Clavellina).
Gregarinen.
2. Zygocystis.
Zu zweien verbundene.
Z. Sipunculi Koell.
(Sipunculus).
Z. Saenuridis Koell.
(Saenuris).
Z. cometa Stein.
(Lumbricus).
Z. Ephemerae Frantz.
(Ephemera).
Einigo nachträgliche Bemerkungen über Gregarinen. 195
11. Gregarinariae.
Gregarinen, deren Körperhöhle durch eine Scheidewand in
zwei Hälften getrennt wird.
3. Sporadina, 4. Stylorhynchus.
Einzeln lebend ohne Kopfanhang.
Sp. curvata Hammerschm.
(Cetonia).
Sp. oblongata Hamm.
(Opatrnm sab.)
Sp. clavata Koell.
(Ephemera).
Sp. Dytiscorum Frantz.
(Dytiscns).
Sp. Reduvii Stein.
(Reduvius). ;i-
Sp. Juli Frantz.
(Julus).
Sp. Scolopendrae Koelj.
(Scolopendra).
6. Actinocephalus.
Einzeln lebend mit strahlen-
förmigen Kopfanhängen.
A. caudatus v. Sieb.
(Sciara).
A. conicus L. Duf.
(Gryllus).
A. rubecula Hammersch.
(Dermestes).
A. Sieboldii Koell.
(Agrion).
A. Lucani Stein.
(Lucanus).
A. Acus Stein.
(Carabus).
A. octacanthus Frantz.
(Phryganea).
Einzeln lebend mit rüsselartigem
Kopfanhang.
St. oligacanthus v. Sieb.
(Callopteryx).
St. Heerii Koell.
(Phryganea).
St. brevirostris Koell.
(Hydrophilus).
St. ovalis Stein.
(Tenebrio). -
St. longicollis Stein.
^i.; (Blaps).
St. Phallusiae Koell.
(Phallusia).
St. ßalani Koell.
(Baianus).
6. Gregarina.
Stets zu zweien aneinander-
geheftet.
Gr. Amarae Hammersch,
(Amara).
Gr. Psocorum v. Sieb,
(Psocus).
Gr. ovata L. Duf.
(Forficula).
Gr. Blattarum v. Sieb.
(Blatta).
Gr. oblonga L. Duf.
(Oedipoda).
Gr. tenuis Hammerschm.
(Allecula),
Gr. elongata Frantz.
(Crypticus).
Gr. polymorpha Hammersch.
(Tenebrio).
13*
196 A. V. Frantzius: Einige nachträgliche Bemerk, ü. Gregarinen.
Gr. cuneata Stein.
(Tenebrio).
Gr. mystacidarum Frantz.
(Mystacida).
Gr. Gammari?
(Gammarus).
III. Didy mophyideae*
Gregarinen, die durch zwei Scheidewände in drei Abtheilungen
getheilt werden.
7. Didymophyes.
D. gigantea Stein.
(Oryctes).
D. paradoxa Stein.
(Geotrupes).
D. longissima v. Sieb.
(Gammarus).
197
Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer.
Von
P. Alberg Holm.
Aus Kröyer's Nalurhistorisk Tidsskrift, neuer Reihe, 2tem Bande
(S. 465—525), übersetzt
von
Dr. C r e p 1 i n.
Seit meiner Kindheit interessirte mich die Natur, und
dies ist sehr begreiflich, da ich auf den Färöern, in wilden
und in ihrer natürlichen Freiheit unbeschränkten Umgebungen
auferzogen worden, deren scharfe Charakterziige nothwendig
einen zeitigen Eindruck hervorbringen mussten. Da diese
frühe Neigung durch den Unterricht, welchen ich während
meiner ganzen Schulzeit in der Naturgeschichte genoss, mehr
Bestimmtheit erhalten hatte, wurde es für mich ein Bedürfniss,
meine Kenntnisse theils durch Sammlungen und Beobachtungen
in der Natur, theils durch das Studium wissenschaftlicher
Werke, so oft sich Gelegenheit dazu darbot, zu entwickeln
und zu ordnen. Am meisten fesselte mich die Ornithologie,
und nachdem ich mir etwas Theorie sowohl, als Praxis in
diesem Fache erworben hatte, ergriff ich mit einem solchen
Interesse in lebender Erinnerung die erste sich mir darbie-
tende Gelegenheit, nach den Färöern zu reisen, wenn gleich
meine Hauptabsicht dabei war, mein Heimathsland wiederzu-
sehen. Die Jahreszeit (Juni und Juli) war indessen weniger
günstig zu speciellen Beobachtungen , und zudem legte sich
noch eine Menge anderer Hindernisse in den Weg, Als Folge
davon vollführte ich das nicht, was ich wünschte, und die
Mängel, welche sich aus dem Folgenden ergeben werden,
j98 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
haben darin ihren Grund. Dessenungeachtet beschloss ich,
wohlwollenden Lesern meine Anzeichnungen initzutheilen, wo-
bei ich jedoch beständig daran erinnern muss, dass ich hier
nichts Vollständiges und Abgeschlossenes liefere, dass ich
aber durch fortgesetztes Studium , besonders wenn sich noch
recht bald Gelegenheit fände, nach den Färöern zu reisen,
die Mängel hierin ausgleichen und berichtigen will. Nament-
lich schwebe ich rücksichtlich des Larus flavipes , der Lestris
parasitica, der Bestimmung von Uria und des Verhaltens mit
den sogenannten Gjeltfuglar noch in einiger Ungewissheit.
Ich habe in diesen Blättern über die färöischen Vögel gehan-
delt, will aber später versuchen, auch das Uebrige der färöi-
schen Fauna, so weit es geschehen kann, zu bearbeiten; denn
die Natur dieser Inseln ist so wenig berücksichtigt worden,
dass ich glaube, möglicherweise dadurch einige Beiträge von
Interesse zu liefern. Dass ich die einzelnen Vögel nicht be-
schrieben habe, rührt daher, dass ich Wiederholungen ver-
meiden wollte, wenn diese Thiere schon früher ausführlich
behandelt worden waren; in welchem Falle ich natürlich auf
die speciell die Färöer betreffenden Bücher verwiesen habe,
als: Landt's Forsög til en Beskrivelse over Färöerne, Kjö-
benhavn 1800, und Graba, Tagebuch, geführt auf einer Reise
nach Färö i. J. 1828, Hamb. 1830. Ausserdem habe ich be-
sonders verglichen: Fab er, lieber das Leben der hochnor-
dischen Vögel und Prodromus der isländischen Ornithologie;
Nilsson's Skandinavisk Fauna, Temminck, Manuel d'Or-
nithologie, n. m. — ich überliefere sonach diese Beobachtun-
gen dem Urtheile kundiger Leser mit der Ueberzeugung, dass
sie auf den Standpunkt Rücksicht nehmen werden.,,. ftpf,,wi^lchem
icji zu stehen erklärt habe. ^\ . ,!,,1 ; •
.,,,* Kopenhagen im April 1847.
Wenn man, die Shetlands Inseln hinter sich habend, in
das atlantische Meer kommt, zeigen sich schon viele Vorboten
der färöischen Vogelfauna, hochnordische und völlig oceani-
sche Formen, welche man im Sommer nie in der Nordsee
antrifft. Schaaren vom Larus tridactylus giebt es überall im
übersetzt von Dr. Creplin. |99
Meere; sie halten sich dort scliaarenvveise auf und schwimmen
umher, am liebsten im Kielwasser des Schiffes, wo sie unter
beständigem Geschrei bald umherflattern , bald sich setzen und
aus den Wogen Seethiere auffischen. Ich versuchte, sie mit-
tels der Angel zu fangen ; das wollte aber nicht gelingen,
eben so wenig, wie mit Procellaria glacialis; denn sie ver-
schluckten den Köder nicht, sondern pflückten ihn ab. Die-
sem zufolge kann ich nicht bestimmen , in welchem Alter diese
Vögel waren; alle diejenigen aber, welche ich Gelegenheit
hatte nahe beim Schifi'e zu sehen, waren Junge; zeigte sich
ein Grind (Delphinus globiceps) am Horizonte, so flogen alle
Vögel dahin. Dass Thalassidroma pelagica , wenn sie die
Leeseite des Schiffs sucht, Sturm anzeigt, ist ganz gewiss
und völlig natürlich, da sie auf solche Weise Schutz gegen
den Wind erhalten will.
Kommt man aus dem Meere dem Lande näher, so zeigt
sich natürlich eine Menge zufälliger Flüchtlinge vom Lande,
von welchen wir an ihrer Stelle reden wollen; denn sie ge-
hören in dieser Jahreszeit nicht dem Meere an. Ich will mir
jetzt erlauben , den Leser an einem Tage der Sommermitte in
eine gewöhnliche färöische Bucht (Fjord), d. h. eine solche,
in welcher sich kein Vogelfelsen (Vogelberg, dan. Fugle-
Fjeld) befindet, zu führen, und zwar am liebsten, wenn die
See von Nebel bedeckt und das Wetter still ist; denn unter
solchen Umständen pflegen die meisten Vögel beisammen und
wegen des Nebels so ruhig zu sein, dass man sie leicht be-
obachten kann. Sitze ich nun ruhig in einem Boot und
fische, so wird die Sterna arctica sogleich ganz treuherzig in
dasselbe hereinfliegen, in welchem Falle ich sie durch Um-v
schlingung mit einer Angelschnur liabe fangen sehen; ebenso
kommt Larus tridactylus dicht über und neben das Boot.
Hat L. tridactylus sich gezeigt und ein Stück Fisch oder Speck
bekommen, so hört man einen Augenblick danach ein schal-
lendes J — joh!, und Lest?is parasitica schiesst wie ein Pfeil
hinter jene Möwe her, welche jämmerlich ächzt; und nun
wiederhallt die ganze Bucht von der muntersten Musik, wenn
gleich diese unläiigbar ein wenig schneidend und unharmonisch
ist; hat die Raubmöwe der andern Möwe den Bissen abge-
peinigt, so ist Friede, bis sich dieselbe Scene wiederholt.
200 Holmj Ornithologischer Beitrag zur Fauna der FärÖer,
indem Lestris Catarrhactes bisweilen die Rolle jener Raub-
möwe übernimmt, welches jedoch seltener geschieht, da sie
den ausgeworfenen Speck lieber selbst aufnimmt. Neben dem
Boote schwimmt als treue Begleiterin TJria Grylle, welche
jeden Augenblick untertaucht, aber auch gleich wieder auf-
kommt und lustig umherschwimmt, indem sie pfeift und mit
dem Kopfe nickt. Etwas weiterhin im Nebel hören wir ein
immerwährendes aah — orr — rrrr; dieses rührt von einem Hau-
fen des Mormon arcticus her, welcher sieh mit Vria Trotte
vereinigt hat, um sich in dem klaren Meere zu ergötzen;
unter den letzteren zeigen sich mir Vria Troile et Bruennichii
und deren Var, lacrymans , wie man auch U. Grylle, alt und
jung, in einer solchen Bucht antreffen wird, welche allezeit
von Klippen umgeben ist, von denen aus die brütenden Vögel
Ausflüge nach Nahrung machen, besonders wenn es neblig ist.
Von Puffinus arcticus wird man grosse Schaaren sehen;
sie sind aber sehr scheu und fliegen in sehr weiter Entfernung;
auf; beim Auffliegen neigen sie sich immer nach der einen
Seite, so dass oft ganze Schaaren schief fliegen. Von Fiili-
gula mollissima wird man einige, nicht viele, sehen, da sie
sich selten aussen in der Bucht aufhalten , sondern längs dem
Lande zwischen den Scheeren und den grossen Steinen , oder
auch auf dem Meere. Larus fuscus fliegt über das Wasser,
um Nahrung zu suchen, während sein Nest oben auf einer
Felsebene in der Nähe ist. Einen einzelnen L. marinus kann
man auch weit hören; aber dieser Vogel ist ziemlich be-
schränkt in Anzahl auf den Färöern, während die anderen
dort vorkommenden Möwen sich in ungeheuren Massen zeigen;
L. argentatus wird man auch aussen in der Bucht gewahr
werden, doch eben nicht in grosser Menge. Rudern wir
etwas weiter landeinwärts und bewegen wir uns längs des
Strandes, so zeigen sich hier einige Verschiedenheiten von
dem, was wir in der Bucht sahen; die Küste ist entweder
sehr steil , indem die Klippe oben grün und ziemlich eben ist,
dann aber plötzlich abschiesst und eine hohe, ganz glatte und
steile Wand gegen die Bucht oder das Meer bildet; oder es
zeigt sich eine andere Gestaltung der Küste, wenn nämlich
die Felsebene nicht steil abschiesst, sondern sich mehr oder
minder schräge gegen die See hinabsenkt. An der erstem
übersetzt von Dr. Creplin. 201
Küstenforni giebt es oft und meistens keine Klippe oder grös-
sere Steine, sondern nur Stufen und grosse Absätze, gebildet
von dem Felsen, während die schräge Küste nicht eben und
flach gegen die See hin, sondern von einer Masse grosser
Steine und Klippen bekränzt wird, welche einen Rand um
das Land bilden (dies meistens gegen die Buchten, nicht so
oft gegen das Meer).
Nach dieser verschiedeneu Gestalt der Küste richten sich
auch die Vögel , so dass man von ihnen ganz andere Formen
an steilen Strändern, als zwischen Klippen und Steinen, an-
trifl't. Begeben wir uns also aus der Bucht nach dem Lande,
wo es schräg abnimmt, so werden wir eine grosse Menge
von Uria Grylle sehen, welche zwischen den flachen Steinen
bauet; Anthus rupestris läuft hurtig zwischen den grossen
Steinen dahin oder schwingt sich zwitschernd in die Luft, aus
welcher er wieder niedersteigt und nach dem Gipfel einer
Klippe fliegt mit einem oft wiederholten pist, pist; finden sich
Inselchen am Strande, so wird man oft Fuligula mollissima
bauend antrefi'en; Sterna arctica hat auch oft ihr Nest auf
solchen Inselchen, welche aber hoch sein müssen, wogegen
die Eiderente sich mehr an niedrige hält; so hauset eine grosse
Colonie von Sterna (mehrere hundert Paar) auf dem Hojviks-
holm, welcher sehr hoch ist, wogegen der Kjirkjiböholm, auf
welchem Fuligula mollissima Nester in grosser Anzahl hat,
sehr niedrig ist. Selten trifi't man Strepsilas collaris an; ich
bin nicht so glücklich gewesen. — Ist die Küste gegen das
Meer steil , so dass sich dort gleichmässige Klippenwände bil-
den, so wird man fast allenthalben einige Uria Trolles und
Alcae Tordae antrefi"en, welche Nester in den Aushöhlungen
der Felswand, neben einander haben; unter diesen sitzen
einige Reihen von Larus tridactylus auf ihren Nestern, die
schneeweisse Brust der See zugewendet, welches hübsch aus-
sieht; doch sind hier noch keine so grossen Massen beisam-
men, wie auf den eigentlichen Vogelbergeu ; aber kleine Vo-
gelberge giebt es überall, wo die Küste jäh abschiesst. Unter
dem eigentlichen Felsen, auf den Klippen, welche etwas her-
vorragen, sitzen die beiden Phalacrocorax-kriQn , am häufig-
sten der cristatus, oft sehr hoch hinauf: sie sitzen aufrecht
und strecken ihre langen Hälse aus, während sie mit den
202 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der FarÖer,
Flügeln fächeln; kommt man ihnen nahe, so stürzen sie sich
kopfiiber ins Meer, wo sie mit dem ganzen Körper unter dem
Wasser schwimmen. Auch Larus argentatus wird man an
diesen steilen Wänden, ziemlich hoch, auf Absätzen, die mit
Gras bewachsen sind, brütend finden. Steigen wir an das Land
bei einem Kirchspiel und begeben wir uns auf das bebauete
Feld, welches immer die Häuser umgiebt, so werden wir dort
zwar nicht das Leben von Vögeln finden, wie an einem Som-
mertage in Dänemark, aber wir werden doch verschiedene
Vögel antreffen, welche, vereint mit den unendlich grünen
Feldern, der Scene ein freundliches und gemütliliches, wenn
auch nicht lachendes Ansehen verleihen. Wir sehen dann
sogleich auf den Zäunen bei den Häusern , ja auf alten Schorn-
steinen, einen Troglodi/tes punctatus mit seinem Neste und
durch sein lustiges Wesen, wie durch seinen anmuthigen Ge-
sang, seine Umgebungen erheitern; auf allen grossen Steinen,
welche sich immer auf dem bebaueten Lande finden, so wie
ebenfalls auf den Zäunen, hält sich Saxicola Oenanthe sehr
häufig auf und lässt ihren eigenthümlichen, knarrenden Gesang
den grössten Theil der Nacht hindurch erschallen. Auf dem-
selben Boden ist Anthus pratensis gemein und tritt folglich
hier an die Stelle der Singelerche, obgleich diese auch gewiss
auf Sandö und Suderö nistet, da ich sie von daher in der
Mitte des Sommers oft erhalten habe; in den Rinnen zwischen
den bebaueten Stücken (tejar) stösst man oft auf einen Sco-
lopax Gallinago und einen C?'ex pratensis, wie auch Corvus
Corax et Cornix zugleich mit Columha Livia die Felder be-
suchen. An einigen Stellen, z. B. auf Fuglö, nistet Thalas-
sidroma pelagica auf Häusereinzäunungen (d. h. den Steinwän-
den , welche in einigem Abstände das eigentliche Haus um-
geben, welches natürlich von Holz ist); dasselbe gilt von itfo-
tacilla alba, welche bei weitem nicht gemein auf den Färöern
ist, wenn sie sonst dort auch bauet. Da alle Kirchspiele dicht
an der See liegen, so folgt daraus von selbst, dass man dort
gemeiniglich die meisten Lari, Lestrides etc. sieht. Wir be-
geben uns nun aus der Bö, d. i. dem cultivirten Lande, her-
aus und gehen weiter im Häga, d. i. dem unbebauten höhern
Lande, wo wir ausser den auch hier \\ix\\?[^Qi\ Anthi pratenses
und Scolopaces den Haematopus Ostralegus in grosser Menge,
übersetzt von Dr. Creplin. 203
Charadrius apricarius, Numenius phaeopus, antreffen; von
diesen hält sich der letztere meistens auf den feuchten Mooren
auf, wo er sich eine erhöhte Stelle zum Standquartier gewählt
hat, von welcher er seine klare, flötende Stimme, als Anzeige
der Nähe seines Nestes, ertönen lässt. Den Char. apr, sieht
man am ehesten auf den trocknen Heiden, höher nach den
Bergen zu, wo er mit grosser Angst, unter fortwährendem
Pfeifen, hurtig umher läuft. Der Haematopus liebt mehr die
sog. Hedla, d. i. die nackte Steinebene, auf welcher nur hier
und da ein wenig Gras in den Ritzen der verwitterten Masse
wächst, die ausserdem mit aus Sand bestehenden Stücken ab-
wechselt; eine kleine Felswand (tjödn) pflegt in der Nähe zu
sein. In den Thälern und auf den grasreicheren Bergebenen
wird man Anas Boscas und Mergus Serrator finden, obgleich
sowohl diese, als die übrigen „Enten'^ als brütende Vögel
selten , dagegen als vorüberstreichende sehr gemein sind. Gehen
wir von einer niedrigem Bergebene zu einer höhern oder von
einer höhern zu einer niedrigem, so muss dies meistens durch
das Passiren eines sog. ,, Hammers" ') geschehen, da die fä-
röischen Berge Treppenform haben. Zwischen den grossen
Steinen auf diesen Hämmern wird man Corvus Cornix häufig
brütend finden, so auch den kleinen Falco Lithofalco^ wel-
cher oft sogar nach Krähen jagt, wenn diese sich nicht zur
Vertheidigung zusammenschaaren. Ferner wird man auf der
Oberfläche eines solchen Absatzes, welcher mit ein wenig
Gras bedeckt ist, häufig grössere oder kleinere Colonien der
Sterna arctica brütend finden. Befinden sich tiefe Klüfte
(gjegv) auf dem Berge an der dem Lande zugewendeten Seite,
so pflegt der Rabe an solcher Stelle sein Nest zu haben, die
Klippentaube \Columba Livüi\ das ihrige aber in den dunklen,
dem Meere zugewendeten Klüften. Sowohl auf den sumpfigen
') Das dänische Wort Hammer finde ich im dänischen Lexikon
(von Reis 1er) nur in der ursprünglichen Bedeutung des gleichen
deutschen Wortes, dasselbe schwedische Hammare aber in Rin-
man's Bergwerkslexicon in geognostischer Beziehung eine Klippe
oder einen plötzlichen Bergabsturz von grosser Steilheit bezeichnend.
Hier kann es wohl nichts Anderes, als jähe, stufenförmige Absätze
an den Bergen bedeuten. Im Deutschen ist mir eine geognostische
Bedeutung des Wortes Hammer nicht bekannt. Cr.
204 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färoer,
Bergebenen, welche die Bergseen umgeben, als auf den Süm-
pfen, welche zu beiden Seiten der Flüsse in den Thälern
(bottnar) sich erstrecken, sind beide Z/^j^m-Arten sehr häufig,
meistens in grossen Colonien, welche gemeinschaftlich nisten;
Larus ßavipes nistet ebenfalls in grosser Menge auf den Ber-
gen, aber auf trockneren und steinigeren Stellen, als Lestrisy
am liebsten auf der Oberfläche eines breiten Hammers, wo
sie frei nach der See zu liegt, nicht in Thälern oder abseits
an den Bergen. Am Rande aller grösseren Bergwände hat
der rothkehlige Taucher {Colymbus rufigularis) sein Nest,
dicht aussen an der Kante des grünen Rasens; auf den höch-
sten, sandigen Strecken bauen endlich Cliaradrius Hiaticula
und Tringa maritima, keins von ihnen in grosser Anzahl,
eben so wenig, wie ich im Sommer Emberi%a nivalis auf den
Färöern gesehen habe. Noch trifi't man auf allen Buchten im
Sommer den Colymhus glacialis an, obgleich man bisher sein
Nest auf den Inseln nicht gefunden hat, weshalb auch viele
Sagen über seine Brüteweise im Umlaufe sind.
Ich habe nun versucht, in Kürze die wichtigsten Punkte
in der färöischen Vogelfauna zu schildern , indem wir uns
vom Meer und den Buchten aus durch das bebauete Land
nach den Bergen hinauf begeben haben, und es wird sich nun
zeigen , dass die Färöer in ornithologischer Hinsicht ein eigen-
thümliches Gepräge hinsichtlich der dort vorkommenden Vö-
gelarten sowohl, als deren Lebensweise besitzen. Die Lage
der Inseln mitten im Meere und ihr unbedeutender Flächen-
inhalt schliesst viele Formen aus, welche sich sonst unter
derselben Breite, ja weit höher nach Norden, finden; ihr
gänzlicher Mangel an Wald verursacht eine grosse Armuth
an Raub- und Sperlings- Vögeln, ein völliges Ausschliessen
von Hühnervögeln , und die geringe Ausdehnung der Thäler
und Ebenen lässt sie viele Sumpf- und Schwimmvögel ent-
behren, die sich sonst dort finden würden. Aber auf der
andern Seite versammelt sich eine grosse Menge eigenthüm-
licher, besonders oceanischer Formen um diese Inseln, und
gerade aus denselben Gründen, welche den eben berührten
Mangel verursachen, nämlich die insularische Zersplitterung,
die unbedeutenden Ebenen und die eigenthümliche Gestalt der
Berge. Das ganze klimatische Verhalten der Färöer, welches
übersetzt von Dr. Creplin. 205
natürlich genau mit ihrer Lage und Beschaffenheit zusammen-
hängt, äussert auch grossen Einfluss auf den ornithologischen
Charakter, besonders aber auf die Lebensweise der Vögel;
denn, wenn auch dieselben Arten z. B. dort, wie bei uns
vorkommen , so zeigen sie doch mehrere Verschiedenheiten
rücksichtlich des Nistplatzes, der Lebensweise, der Wanderung,
von denselben Vögeln in Dänemark. Diejenige Fauna, mit
welcher die der Färöer am füglichsten zu vergleichen wäre,
würde wohl die von Island und namentlich den um dieses
herum liegenden Inseln sein, während doch sein grosser Flä-
cheninhalt, weitläufige Heidenstrecken, kleine Wälder und
grosse Seen eine bedeutende Verschiedenheit bewirken, wozu
noch kommt, dass die Temperaturverschiedenheit zwischen
den Jahreszeiten weit stärker auf Island, als den Färöern ist.
Norwegen ist in so vielen Rücksichten wesentlich verschieden,
dass die Vergleichung mit ihm ohne natürliche Nothwendigkeit
sein würde, ausgenommen möglicherweise die mit den Inseln,
welche längs dem Lande liegen. Betrachten wir also die
isländische Vögelfauna, so werden wir in ihr viele Vögel
finden, welche auf den Färöern fehlen, und umgekehrt, ob-
gleich das Erstere überwiegend ist. Von Falken, von denen
Island Albicilla, islandicus und Lithofalco als allgemein brü-
tend besitzt, haben die Färöer nur den letztern; von Eulen
haben weder Island, noch die Färöer, eine brütende; von
Rabenvögeln hat Färö , so wie Island , den Corax als brütend ;
dazu kommt aber noch Coi-nix als sehr gemein und der ganz
eigenthümliche gefleckte Corax wehst Pi/rr ho corax, welcher zwar
dort nicht nistet, aber doch ein ziemlich häufiger Gast ist.
Von Hühnervögeln hat Island das Steinhuhn, welches mau
auf den Färöern nie sieht, wogegen die wilde Taube Island
fehlt. Fringilla islandica ist dieser Insel eigenthümlich und
bauet dort nebst Fr. Linaria, während auf den Färöern keine
Fringilla baut. Von Emberiza haben die Färöer nur die
nivalis, und es ist ungewiss, ob sie dort niste; auf Island
nistet Turdus iliacus, nicht auf den Färöern, wo dagegen
Sturnus, auch Motacilla alba vorkommen; Saxicola Oenanthe
ist, so wie Troglodytes punctatus, Anthus pratensis et rupestris,
beiden gemein. Limosa melanura nistet nicht auf den Färöern,
eben so wenig, wie Totanus Calidris, Tringa islandica und
206 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
Phalaropus h/perhoreus^ und den Phal. platyrrhynchus sieht
man dort nicht. Die Urien sind ihnen gemeinschaftlich, aus-
genommen JJ, Alle, welche auf den Färöern nicht nistet; von
der Pii/yinus -Gattung hat Island den major und Änglorum auf
den vor ihm liegenden Inseln; die Färöer haben bloss den
letztern; Colymhus glacialis nistet wohl nicht auf den Färöern,
eben so wenig wie irgend ein Pndicipes\, welche auf Island
gemein sind. Von der Gattung Anas hat Island eine Menge
brütende, die Färöer haben sicher nicht mehrere, als Anas
Boscas et mollissima; Anser und Cygnus brüten nur auf Island,
aber Sula ist gemeiner auf den Färöern und nistet nur auf
kleinen Inseln südlich von Island , und von Larios fehlen
Island ßavipes, argentatus und capistratus , den Färöern leu-
copterus und glaucus. Lestris Catarrhactes ist weit häufiger
auf den Färöern; aber pomarina fehlt; dagegen ist Thalassi-
droma den Färöern eigenthümlich.
Das Resultat dieser Vergleichung ist, dass Island sich
durch mehrere Formen in ornithologischer Hinsicht als be-
stimmt boreal bezeichnet, während die Färöer sich theils an
dasselbe, theils an die südlichere Zone schliessen, theils ganz
für sich dastehen. Durch die Vögel Falco islandicus , Embe-
ri%a nivalis als brütend, durch Phalaropus platyrrhynchus,
TJria Alle , Colymhus glacialis , Tetrao Islandorum , Anas hi-
strionica, Lestris pomarina^ bestimmt sich Island als boreal;
durch Larus glaucus als herrschende Möwe (denn L. trida-
ctylus nimmt Seeschwalben Charakter an) und Procellaria gla-
cialis als charakteristischen Sturmvogel schliesst diese Insel
sich an Grönland, Spitzbergen und das nördliche Norwegen,
also an die arktische Sphäre. Dasselbe beweist der Mangel
an Corvus Cornix, Sturnus ^ Larus ßavipes u. m. Arten, welche
die Färöer besitzen. Ferner wird Islands Fauna mehr eine
Festlandsfauna durch Tetrao Island. , Fringilla Linaria, Tur-
dus iliacus, die Podicipes - Arten , Mergus , die grosse Menge
Anates , die brütenden Anseres und Cygni und Lestris poma-
rind; durch die kleinen Buschgehölze, besonders im Fnjoski-
Thale, wird die Anwesenheit von Fringilla und Turdus er-
klärlick Als oceanische Inselfauna eharakterisirt Island sich
rücksichtlich der vor ihm liegenden Inseln AnxchAiaPuffinüS-
Arten, Lestris Catarrhactes^ und Sula alba, als boreale Küsten-
übersetzt von Dr. Creplin. 207
faiina durch alle die Bergvögel, Uria^ Morrnon, Alca, Plicda-
crocorax , Larus tridactyhis und Procellaria glacialis.
Wir sahen , dass Islands Fauna sich durch mehrere Vögel
mit der borealen Zone verbindet , in einigen die Farbe des
Festlands anlegt, nährend doch ihr Charakter als oceanische
Insel- und Küstenfauna überwiegend ist; wir werden jetzt
sehen, wie fern man sagen könne, dass die F'äröer diese
Eigenschaften theilen. Von den Arten, durch welche sich
Island dem arktischen Charakter nähert, besitzen die Färöer
keine einzige als brütenden Vogel; statt Larus glmimis wird
L. argentahis herrschend, L. tridactylus beiden gemeinschaft-
lich; dieser aber ist nur der ganzen Küste des Oceans bis
nach Schottland herab eigenthümlich; anstatt Procellaria gla-
cialis tritt Thalassidroma pelagica als charakteristisch auf. In
dieser Hinsicht sind also die Färöer wesentlich verschieden
von Island, und wir müssen den hochnordischen Standpunkt
verlassen und eine Stufe südlicher herabsteigen. Die Vögel,
welche Island dem Festlande nähern , fehlen alle auf den Fä-
röern, so dass wir auch hier uns losreissen müssen. Dagegen
hat Islands Fauna die Eigenschaft einer oceanischen Inselfauna
und die boreale Küstenfarbe mit der der Färöer gemein ; denn
alle die Thiere, welche Island als solche auszeichnen, brüten
auch auf den Färöern ; doch ist dieser Charakter weit schär-
fer gezeichnet auf den Färöern. So ist Puffinus Ängl. selten
auf Island und findet sich nur auf Heimaey, südlich vom
Lande, wodurch also im Grunde keine Ausnahme entsteht,
da jener sich nicht auf dem Festlande (S. Ueb. d. Leben d.
hochnord. Vögel, I , S. 10), während überall in grosser Menge
auf den Färöern (s. a. a. O. I, S. 15) findet; dasselbe ist der
Fall \\\\i Sula alba und Lestris Catarrhactes , welche auf Island
nur an einzelnen Stellen (s. ebenda, I, S. 44 fi".), auf den Fä-
röern überall nisten, Sula ausgenommen. Die Färöer schlies-
sen sich sonach an Island und die übrigen Polarländer in
ornithologischer Hinsicht durch den gemeinsamen Charakter
einer Küstenfauna, unterscheiden sich davon aber durch das
hervortretende oceanische Colorit und schliessen sich au die
südlichere Zone durch die Anwesenheit vieler Vögel, welche
dieser südlichem zum Unterschiede von der mehr borealen
208 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
angränzenden angehören, z. B. Sturnus vulgaris^ Larus ar-
gentatus, ßavipes u. ni.
Was die Stimmung des ornithologischen Lebens auf den
Färöern betrifft, so hat sie mich als überwiegend melancho-
lisch angesprochen, wenn gleich ein bedeutendes phlegmatisches
Element und ein unbedeutenderes sanguinisches Schattirungen
in diesen Grundton brachten ; das cholerische Moment ist sehr
zurückgedrängt. Auf dem Meere wird der Haupteindruck
phlegmatisch sein; denn alle Uriae , Alcae , Mormones, Puf-
fini, Sulae und Phalacrocoraces sind äusserst gleichgültiger
Natur, sogar gegen den Verlust ihrer Jungen, wenn nur ihre
individuelle Wohlfahrt durch keine Gefahr bedroht wird. Auf
diesen[i Standpunkte tritt das Melancholische hervor in den
Larus - kvi^w und den wenigen Anates , namentlich J. mollis-
sima, da diese ihre Brut eifrig vertheidigen und im Ganzen
ein lebendigeres Wesen zeigen, als die erstgenannten. Auf
deüi bebaueten Lande repräsentiren die wenigen Singvögel
das sanguinische Moment, aber doch mit melancholischer
Nuance; denn des Saxicola ganze, scheue und abgesonderte
Lebensweise, des Änthus rupestris, des Staars und des Zaun-
schlüpfers ganzes Wesen ist verschieden von unserer lebens-
frohen Singvögel rücksichtsloser Lustigkeit. Auf den Bergen
ist Alles melancholisch; das Brummen der Becassine, das an-
muthige Flöten des Brachvogels von den Erdhügelchen her,
das ängstliche Pfeifen des Regenpfeifers zwischen dem Heide-
kraute, die klare Stimme des Austernfischers, das jammernde,
zerschmetterte Benehmen der Raubmöwen bei ihren Nestern
werfen einen träumerischen , melancholischen Schatten über
die an und für sich geheimnissvolle Stille, welche sie allein
beleben. Hoch in der Luft fliegt der Colymbus rufigularis
und verkündet durch seine wunderliche Stimme bald (turkaträ)
Dürre, bald (warwick) feuchtes Wetter. (So meinen die Fä-
ringer, welche durch die angegebenen Laute seine Stimme
bezeichnen.) Freilich besitzen Larus fiavipes, Sterna, Lestris
und Corvus Corax et Cornix einen grossen Theil vom chole-
rischen Temperamente; dieses aber tritt bei ihnen nicht so
rein hervor, wie bei den eigentlichen Raubvögeln, deren ein-
ziger Repräsentant auf den Färöern Falco Lithofalco ist; denn
die tiefe, wohlklingende Bassstimme des Raben, das heisere
übersetzt von Dr. Creplin. 209
gau gau der Möwen weithin im Nebel gewähren beständig
einen Gefiihlseindruck, welclier den ganzen Ton des färöischen
Vogellebens als melancholisch hervortreten lässt, wenn gleich
auch hier so wenig, wie irgendwo sonst, das Temperament
rein und ungemischt ist.
Ich habe also nun versucht, den Totalcharakter der Vo-
gelfauna auf den Färöern so darzulegen, wie er sich mir vor
Augen gestellt hat, und nur von diesem Standpunkt aus wird
der Leser diese Zeilen beurtheilen können ; denn von einem
objectiven Gesichtspunkt aus kann ich wohl fehlgesehen haben,
wenn ich gleich einen richtigen Blick in die Natur, wenigstens
in dieser Sphäre, zu haben meine. Im Folgenden werde ich
eine kurze Angabe der färöischen Vögel machen, durch welche
ich theils- meine hier ausgesprochene Ansicht begründen werde,
obzwar hier die subjective Rücksicht natürlich in Schatten
tritt, da mehr die Rede von einem Referate von Factis ist,
als von einer Anschauung und bestimmten Auffassung derselben.
Falco Lithofalco Gmel.
Ij,,. ..^{^.y Dan. Steenfalk. Far. Smiril. i
Dies ist die einzige auf den Färöern nistende Falkenart;
doch ist sie nicht häufig; sondern nur einzelne Paare hausen
auf Bergabhängen, welche weit von den Häusern entfernt lie-
gen. So nistet ein Paar an der schroffen Abdachung, welche
sich nach Kirkibö hinab erstreckt, ein Paar auf dem Abhänge
vom Odnadals-Tind gegen das Kollefjordsthal (beide auf
Strömö) u. s. w. Er ernährt sich von kleinen Vögeln; na-
mentlich ist der Staar seinen Verfolgungen sehr ausgesetzt
(S. Landt, S. 244, Graba, S. 218). Doch sah ich ihn auch
nach Krähen jagen, bis diese sich sammelten und ihn fort-
jagten.
Corvus Corax L.
Dan. Ravn. Fär. Ravnur, Gorpur.
.t (Graba, S. 34 etc. Landt, S. 244).
Gemein überall , im Sommer auf den Bergen , auf denen
fcr in unzugänglichen Klüften und Löchern nistet; im Winter
.kommt er nach den Häusern, wo er oft das Federvieh beun-
Archiv f. Natiirgesch. XIV. Jahrg. 1. Bd. 14
210 Holm: Ornithologischer Beitrag 7a\t Fauna der Färöer,
ruhigt. Selbst kleine Lämmer sind vor seinen Angriflfen nicht
geschützt, wenn er im Frühling und Herbste ausgehungert
ist. Wenn der Rabe zum Nistplatz andrer Vögel (besonders
des Haematopus und der Sternd) kommt, so wird er einstim-
mig verfolgt und muss sich davon machen; seines Kampfes
mit dem Lunde [Mormon] (Landt, S. 245) habe ich niemals
erwähnen gehört.
Corvus Corax var. leucophaeus.
{C. leucophaeus Vieill. C. borealis albus Briss. C. varius
Bruenn.)
Fär. Kvftravnur.
(Landt, S.244, Graba, S. 51 , 60 u. s. w.)
Diese Varietät, welche sich, so viel ich weiss, nirgends
sonst, als auf den Färöern findet, ist jetzt bei weitem nicht
so häufig, wie früher; denn oft wird er geschossen, um nach
Dänemark geschickt zu werden, und theils verfolgen ihn
Krähen und andere Vögel , sobald er sich zeigt. Während
meines zweimonatlichen Aufenthaltes im Lande glückte es mir
nur, zwei zu sehen, den einen zwischen Kvivik und Vest-
mannahavn, den andern beim Kirchspiele Lejnum, beide auf
Nordströmö. Sie waren äusserst scheu, und es war unmög-
lich, sie zum Schusse zu bekommen. Der weisse Rabe ist,
soviel ich sehen kann, keine eigne Art, sondern eine constante
Varietät, welche vermuthlich durch das eigene klimatische
Verhalten der Färöer entstanden ist. Der eine von denen,
welche ich sah, hatte einen schmutzig weissen Kopf, eben
solchen Hals und Flügel; das übrige Kleid war schwarz (so
zeigte er sich mir in ziemlich weiter Entfernung); sonst war
die gewöhnliche Zeichnung derjenigen Exemplare, die ich
selbst bekam oder in Museen sah, schwarz mit weissem Kopfe,
weisser Kehle, einem weissen Fleck auf dem Bauche und
einigen weissen Schwung- und Ruderfedern, blauschwarzem
Schnabel, oft mit weissen Strahlen, helleren Füssen als beim
gemeinen Raben, weissen Sohlen. Er paart sich mit dem
schwarzen und erzeugt mit ihm bald bloss schwarze, bald so-
wohl schwarze als weisse Junge, so wie zwei schwarze ge-
sprenkelte Junge haben können. Als Beispiel hiervon kann
ich, ausser dem Paare, welches Graba von Sandö erwähnt,
übersetzt von Dr. Creplin. 211
ein Paar nennen, welches in einer hohen Kluft an der west-
lichen Seite des Binnensees Lejnnavattn auf Nord-Strömö
nistet.
Corvus Cor7iix L.
Dan. Krage. Fär. Kraka.
(Landt, S. 246, Graba, S. 34 ff.)
Die Nebelkrähe ist eben so gemein auf den Färöern, wie
bei uns; sie nistet in Felsenklüften, wo sie 4 — 5 Eier legt,
welche etwa in 3 Wochen ausgebrütet werden; ihre Lebens-
weise ist nicht verschieden von der der gewöhnlichen, mit
Ausnahme des sonderbaren Phänomens mit dem Krähenthing
[Kragethinget]] , dessen Landt erwähnt (S. 246). Eine Varietät
von ihr habe ich dort zu Lande nicht gesehen.
Stui'nus vulgaris L.
Dan. Star. Fär. Stäri.
(Landt, S. 270, Graba, S. 49.)
Der Staar hält sich im Sommer paarweise zwischen den
Bergen auf, wo er in schmäleren Felsenspalten (analog mit
seiner engen Wohnung bei uns in hohlen Bäumen) nistet;
aber wenn die Jungen am Schlüsse des Juni und zu Anfange
des Juli flügge sind, versammeln sie sich nach und nach im
Binnenlande, wo sie späterhin und den ganzen Winter hin-
durch in grossen Schaaren angetroffen werden (vgl. Faber,
Ueb. d. L. etc. S. 18). Seine Lebensweise ist, wenn wir
statt des W^aldes Felsen und grosse Steine nennen, völlig
der unsers Staars gleich, welcher ja auch durch sein häufiges
Nisten unter Dächern zeigt, dass er zum Theile der Felsen-
natur angehöre.
Emberiza nivalis L.
Dan. Sneespurv. Fär. Snjofuglur.
(Landt, S. 271, Graba, S. 218.)
Dieser Vogel lebt im Winter sehr zahlreich um die Häu-
ser; aber im Sommer hält er sich auf den höchsten Bergen
auf und pflanzt sich fort; in dieser Jahreszeit ist er selten
und findet sich nur in einzelnen Paaren, wenn er überhaupt
dort auf den Inseln brütet; denn ich habe ihn da in Sommer-
14*
212 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
tracht weder selbst gesehen, noch Exemplare in solcher von
dort bekommen. Graba fand sein Nest nicht (vgl. a. a. O.);
Svabo (Ny kgl. Sämling, Nr. 1950, in der königl. Bibliothek)
führt ihn als seltnen Standvogel auf.
Änthus rupestris Nilss.
Dan. Skjärpiber. Fär. Gratitlingur.
(Landt, S. 271, Fringilla — ? Graba, S. 56.)
üeberall an den färöischen Küsten , wo es Klippen und
grosse Steinblöcke giebt, sieht und hört man diesen kleinen
Vogel ; er hält sich meistens auf den äussersten Scheren auf,
wo die Brandung braust und die Steine bespült. Von der
Spitze eines Steins schwingt er sich singend in die Lüfte und
senkt sich wieder nieder, seinen Gesang beendend, wenn er
sich setzt. Er lebt von Insecten , welche sich in den Ritzen
der Steine aufhalten, und sucht auch Ringelwürmer und an-
dere kleine Seethierchen im Meere auf. Sein Nest, welches
aus Gras, Moos und Wolle zusammengesetzt ist, baut er in
Löchern zwischen Steinen; die Eier (4 — 5) sind mit unzäh-
ligen grauen Tüpfeln besprengt, welche fast in eins zusam-
menlaufen , und gleichen sehr den Lercheneiern ; sie sind
grösser und grauer, als die des A, pratensis (vgl. Skandin.
Fn., Foglar, I, 261). Er ist ein Standvogel, wenigstens mit
einer grossen Individuenmenge.
Änthus pratensis Bechst.
Dan. Engpiber. Fär. Gratitlingur.
(Graba, S. 67.)
Dieser Änthus ist auf den Färöern eben so gemein, wie
der vorige, hält sich aber auf dem bebaueten Lande oder auf
den grünen Strecken in den niederen Bergabhängen auf und
macht mit Saxicola Oenanthe, einzelnen Motacillae alhae und
Troglodytes die einzigen Singvögel aus , welche an den mei-
sten Stellen die färöische „Bö" im Sommer beleben. Sein
Nest legt er im Grase im Schutze eines Erdhäufchens oder
Steines an ; die Eier sind stark braungefleckt, kürzer als die
vorigen.
s
übersetzt von Dr. Creplin. 213
Motacilla alba L.
Dan. Blaa Erle. Fär. Erla kongsdottir.
(Landt, S. 272. Graba, S. 99.)
Wenn die königlichen Handelsschiffe an's Land kommen,
so pflegt dieser Vogel sie zu begleiten (gewöhnlich zu An-
fange des Maies); er verschwindet aber an den meisten Stellen
bald wieder, während er auf anderen Stellen nisten (ich habe
dies nicht erfahren), 4 — 5 Eier legen und sie binnen 3 Wo-
chen ausbrüten soll (Svabo). Ich sah ihn dort nicht und
habe kein Exemplar vo*i daher empfangen. Er ist inzwischen
der Färinger Erla kongsdottir, und dies nicht, wie Graba
meint, Strepsüas collaris; denn dessen färöischer Name ist
stets Tjaldurs-grälingur, wegen seiner rothen Beine, vermöge
welcher er dem Haematopus ähnelt.
Saxicola Oenanthe Bechst.
Dan. Steenskvätte, Steenpikker. Fär. Stejnstolpa.
(Landt, S. 272. Graba, S. 50.)
Nach der Mitte des Aprils und bis in den September
findet sich dieser Vogel allenthalben auf den Saatfeldern so-
wohl, als oben zwischen den Bergen. Man trifft ihn auf allen
grossen Steinen und Zäunen an, zwischen welchen er sein
Nest auf dieselbe Weise, wie bei uns, baut; in diesem finden
sich 4 — 6 hellblaue Eier.
Troglodtjtes europaeus Leach.
Dan. Gjärdesmutte. Fär. Musabrodhir.
Dieser kleine muntere Vogel ist auf den Färöern gemein,
besonders auf den Norderinseln, wo ihm weder Ratten noch
Katzen in die Quere kommen. Im Allgemeinen lebt er und
baut sein Nest im Sommer auf abgelegenem Felde unter einem
Erdhäufchen oder Steine; die Eier sind meistens 8 an der
Zahl und rothgetüpfelt; nicht selten brütet er in den Häusern.
Er lebt meistens von Puppen und Larven; im Herbst und
Winter jedoch frisst er auch von dem gedörrten Lammfleische
der Einwohner.
214 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
Columbia Livia Briss.
Dan» Fjelddue. Fär. Vildduva.
(Landt, S. 270. Col Oenas, Graba, S.61.)
Die Felsentaube ist ein Standvogel, welcher auf allen
Färöern nistet, doch nicht sehr bemerkt oder oft geschossen
wird, weil er sich an steilen Bergseiten aufhält und zur Brüte-
zeit in dunklen Höhlen wohnt, von welchen aus er die be-
bauete Erde besucht, um Futter zu suchen. Einer der reich-
sten und interessantesten Nistplätze dieses Vogels ist eine
dunkle Klippenhöhle auf der Westseite von Nälsö. Ich empfing
zwei Eier aus seinem Neste; sie sind grösser, als die Eier
von Colmriba Oenas , rund und weiss (Länge 1" 5'", Breite
1" 2'"). Das königliche Museum besitzt ein Exemplar, wel-
chem die schwarzen Binden über die Flügel fehlen, welches
vom Etatsrathe Reinhardt in der Tidsskrift for Naturviden-
skaberne erwähnt w^orden ist.
Graba's Beschreibung von diesem Vogel (S. 62) passt
nicht auf einen ganz ausgefärbten ; denn wenn dort von ihm
die Bemerkung gemacht wird, ,,der Mantel ist so stark schwarz
gefärbt, dass man schwarz für die Grundfarbe halten möchte",
und weiterhin, „der ganze übrige Theil des Flügels ist schwarz
und blau gescheckt", so sieht man, dass das beschriebene
Exemplar nicht alt gewesen ist, da in solchem Falle der ganze
Mantel (Rücken und Flügel) mit Ausnahme der beiden
schwarzen Binden blau ist. Der andere von Graba be-
schriebene ist noch jünger gewesen.
Charadrius apricarius L.
Dan. Brokfugl, Hjejle. Fär. Legv, La.
Wenn man das bebaute Land verlässt und zwischen die
Berge hinansteigt, so trifft man diesen Vogel allenthalben an.
Sein Nest baut er auf den grossen Heiden zu Anfange des
Maies und legt in dasselbe 4 birnförmige Eier, von Farbe
olivengrün, mit grossen dunklen Flecken. Im Juni und in
der ersten Hälfte des Juli trifft man ihn meistens einsam auf
dem Heidekraute sitzend an; aber je mehr man sich ihm nä-
hert, desto unruhiger wird er; er fliegt dann eine kleine
Strecke weit, kommt aber bald zurück und läuft ängstlich
übersetzt von Dr. Creplin. 215
dem Heidekraute unter immerwährendem Pfeifen zu. Am
Schlüsse des Juli und Anfange des August sieht man Junge
und Alte schaarenweise auf den Bergen, von welchen herab
sie sich allmählich dem Strande nähern und das Land am
Anfange des Septembers verlassen, obzwar stets einige über-
wintern. (Ihre Ankunft geschieht am 19. oder 20. März.)
Charadrius Hiaticula L.
Dan. Prästekrave. Fär. Svarthalsa (?).
(Landt, S. 268. Graba, S. 122.)
Diesen Vogel trifft man im Sommer sehr einzeln auf den
Färöern an, im Frühling aber und im Herbste oft am Strande.
Er nistet stets ganz oben auf den Bergen in Gesellschaft von
Tringa maritima (vgl. Skandin. Fn. , Foglar, H, 120); so
erhielt ich ihn aus dem höchsten Theile von Nälsö, zwischen
Saxin und Kvalvik auf Nord-Strömö u. s. m» Das Nest war
eine Aushöhlung zwischen Sand und Gries und enthielt 4 gelb-
graue Eier mit schwarzen Tüpfeln. Am Strande fand ich ihn
(vom Juni bis zum August) nie, und einige Färinger ver-
wechselten ihn mit Tringa maritima^ indem sie ihm den Na-
men Fjadlmurra gaben, weil er mit diesem zugleich auf den
Bergen nistet. Graba fand ihn brütend bei Sörvagsvattn,
welches hoch hinauf auf Vägö liegt. Uebrigens sind seine Stimme,
Lebensweise und Tracht von denen des unsrigen nicht ver-
schieden; nur ist er etwas kleiner. Dass Boie ihn auf dem
Gebirge in Norwegen fand, beweist, dass er dort dieselbe
Lebensweise führt; auf Island brütet er an Bergwässern
(Faber).
G allinula Cr ex Lath.
Dan. Vagtelkonge. Fär. Äkurskrift.
(Landt, S. 268, Ortygometra alis rufo-ferrugineis.
Graba, S. 217.)
Es ist höchst annehmbar, dass dieser Vogel auf den Fä-
röern niste, obgleich ich dies aus eigener Erfahrung nicht
behaupten kann; denn theils schreibt Svabo, dass sein Nest
am 6. Aug. 1781 bei Todnäs auf Sandö gefunden worden
sei, theils habe ich mehrere Exemplare von den dortigen
Inseln in den mehrsten Jahrszeiten erhalten, und Graba hat
216 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
ihn bei Thorshavn im Sommer geschossen; ausserdem ver-
sichern die Färinger, dass er dort niste.
Rallus aquaticus L.
Dan. Vandrixe. Far. Järdhakona.
(Landt, S. 266.)
Ungeachtet man gewiss weiss, dass die Wasserralle sich
auf den Inseln im Sommer sowohl, als im Winter, aufhält
und sich dort also fortpflanzt, so ist es doch eine grosse
Seltenheit, ihrer habhaft zu werden, und viele Färinger haben
sie nie gesehen und kennen sie gar nicht. Sie lebt auf
Sumpfstrecken oben zwischen den Bergen, wo sie in den
Gängen der lockern Erde herumläuft und äusserst schwer zu
finden ist. Dass ihr Nest dort gefunden worden wäre, weiss
ich nicht. Durch den Namen „Järdhakona" (Erdweib) wird
ihr Aufenthalt in den Erdrinnen angedeutet, so w^e die islän-
dische Benennung ,,Keldusvin" das Eigenthiimliche ihrer Le-
bensart daselbst bezeichnet.
Scolopax Gallinago L.
Dan. Dobbelt Bekkasin, Horsgög. Fär. Myrusnipa.
(Landt, S. 266. Graba, S. 51 etc.)
Im Vereine mit Charadrius apricarius, Numenius und
Haematopus bewohnt dieser Vogel alle bewachsene Strecken
zwischen den Bergen, solchergestalt, dass das trockne Heide-
kraut zunächst dem Charadrius^ die sandigen, mit einigen
Alpenblumen geschmückten Flecke zwischen den grossen Fels-
blöcken und an den Ufern der Binnenseen dem Haematopus,
die moosigen Strecken dem Scolopax angewiesen sind, wel-
cher sich jedoch auch in den grasreichen Gruben der bebau-
ten ,,Bö" aufhält. Seine Lebensweise, Stimme, Eier sind
ganz wie bei dem unsrigen. Auf den Faröern ist er ein
Standvogel, welches gegen F ab er 's Beobachtung in Rücksicht
auf Island streitet (vgl. Ueb. d. Leb. d. h. V., I, 64); obzwar
einige auch von den Färöern wegziehen, welche dann in den
letzten Tagen des Märzes anzukommen und in der Mitte des
Octobers abzuziehen pflegen. Er brütet im Mai.
übersetzt von Dr. Creplin. 217
Nujnenius phaeopus Lath.
Dan. Enkelt Regnspove. Fär. Spegvi. Spovi.
(Landt, S. 366.)
Auf den Erdhäufcheii und den grasreicheren Stellen des
abgelegenen Landes ist der Regenbrachvogel sehr gemein; er
kommt zu Lande am Ende des Aprils und zieht zu Ende des
Septembers fort, wird aber schon unruhig am Anfange des
Augusts, welches die Färiuger durch das Sprichwort ausdrük-
ken: täi Spegvi sär sätu, so kylir i knokkinum, d. h. wenn
der Regenbrachvogel einen Heuschober sieht, so ist es kühl
in seinen Knochen. Er sitzt gewöhnlich auf einem Erdhäuf-
chen, von welchem her man seine wohlklingende, flötende
Stimme in weiter Ferne hören kaian; kommt man näher, so
wiederholt er sein t-y-y öfter; endlich fliegt er unter bestän-
digem Flöten auf und umschwärmt unaufhörlich den Jäger,
welcher daraus schliessen kann, dass sein Nest in der Nähe
sei. Dieses ist ganz kunstlos von Stroh und Moos im Grase
angelegt; die 4 Eier sind hübsch, zugespitzt birnfÖrmig, oli-
vengrün mit braunen Flecken, besonders am dicken Ende,
glatt und glänzend; er brütet in 3 Wochen aus.
Haematopus Ostralegus L.
Dan. Strandskade. Fär. Tjaldur.
(Landt, S. 268.)
Er hält sich sehr häufig überall auf den Bergen auf und
baut sein Nest auf der Oberfläche eines Hammers, wo Gras-
flecke und Sand abwechseln; das Nest ist in die Sanderde
hineingehöhlt, besteht aus Stroh und Moos und enthält 3 Eier,
von Farbe gelbgrau oder hellgrau im Grunde mit schwarzen
Flecken und Strichen. Er legt im Anfange des Maies und
brütet 3 Wochen lang; S v ab o erzählt, dass er oft 2 — 3
Nester baue, und von diesen eins auswähle. Gegen Menschen
und Vögel, welche sich dem Neste nähern, bezeigt er sich
sehr dreist und verfolgt sie mit einem schallenden, oft wie-
derholten klip-klip, welches beständig zwischen den Bergen
und am Strande wiederhallt, wohin der Vogel des Abends
häufig zieht, um Nachtquartier zu suchen, zu welchem er
grosse Steine zu wählen pflegt, indem eine ganze Menge auf
218 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
einem Beine steht und schläft, sofern sie anders Ruhe vor
den Seeschvvalben haben; denn diese haben oft denselben
Platz inne, und da sie sowohl als der Austernfischer äusserst
geschwätzig sind, so dauert es meistens ziemlich lange, ehe
sie zur Ruhe kommen. Ringelwiirmer und Mollusken machen
seine Nahrung aus. Er kommt zu Lande am 12. März und
soll zuerst im niedern Theile (dem Schwänze) von Hestö,
westlich von Strömö, erscheinen; im September zieht er weg;
mitten im Juni fand ich erwachsene Junge. Bei Thorshavn
bekam ich ein altes Exemplar mit gebogenem, messerförmigem
Schnabel.
Tringa maritima Bruenn.
Dan. (Norweg.) Fjaeremuus. Fär. Fjadlmurra (im Sommer),
Gragrälingur (im Winter).
(Landt, S.267, Tr, fusca; striata (?). Graba, S. 125 etc.)
Die Färöer liegen allzu südlich, als dass dieser Vogel
dort in Menge nisten sollte, und die Berge sind sicher auch
zu niedrig dazu ; aber im Herbst und Frühlinge findet er sich
in grosser Anzahl am Strande, und den ganzen Winter hin-
durch ist er sehr eifrig mit dem Aufsuchen von Seethieren
beschäftigt, welche zum Vorschein kommen, wenn die Ebbe
das Wasser von den Steinen herabzieht. Auf den höchsten
Bergrücken (z. B. zwischen Saxin und Kvalvik auf Nord-
Strömö) soll er sein Nest bauen, welches ich indessen nicht
so glücklich war zu finden; die Färinger wussten mir auch
Nichts davon zu berichten. Am 26. Juli 1844 erhielt ich ein
Exemplar in der Wintertracht. Sein Nest bauet er ohne alle
Kunst auf den Bergen; es enthält 4 Eier, welche von Form wie
die des Numenius, von Farbe gelbgrau, mit dunkelbraunen,
am dicken Ende grösseren Flecken sind. Diese Eier erhielt
ich in diesem Herbste.
Tringa alpina L.
Dan. Ryle. Fär. Grälingur.
(Landt, S.266, wo der färöische Name zw Strepsilas gehört.
Graba, S. 67 etc.)
Der Alpenstrandläufer hält sich, wie der vorige Strand-
läufer, im Frühjahr und Herbst an den Sträudern auf, aber
übersetzt von Dr. Creplin. 219
doch nie in so grossen Schaaren, wie an den dänischen
Küsten. Im Sommer sah ich einzelne Paare auf Heiden und
Sandebenen der Berge, wo sie auch ihr Nest bauen. Er ist
von dem dänischen Alpenstrandläufer in Nichts verschieden.
Strepsilas collaris Temm.
Dan. Polsk Vibe. Fär. Tjaldursgrälingur.
(Graba, S. 99.)
Ich selbst habe diesen Vogel auf den Faröern nicht ge-
sehen, und , ungeachtet ich mehrere Exemplare daher erhalten,
so ist doch kein einziges in ausgefärbter Sommertracht unter
denselben gewesen. Graba (a.a.O.) schoss den ersten im
Mai bei Kvalvik auf Strömö, und man kann wohl annehmen,
dass er dort zu Lande niste, da das Local dazu passlich ist,
falls nicht der Continental -Inhalt der Färöer zu klein für
diesen Vogel, wie für mehrere sein sollte, welche sonst dort
zu erwarten wären.
Sterna arctica Temm.
Dan. Hätte -Terne. Fär. Tedna.
(Landt, S. 265. Sterna Hirundo.)
Ueberall auf den Färöern, wo die Küste nicht zu steil
ist, schwärmt diese Seeschwalbe in Menge herum, und man
kann sie fast als Stellvertreterin der Schwalbe betrachten,
indem ihre ganze Gestalt deren Gestalt gleicht, sie oft, da
alle Kirchspiele dicht an der See liegen, in die Häuser hin-
einfliegt und ihr munteres Geschrei allenthalben wiederhallt.
Sie kommt zum Lande in derselben Zeit, in welcher Anas
glacialis dasselbe verlässt (die Färinger sagen: Egvedia og
Tedna mötast ved Halvarsöka, den 15. Mai), und zieht mit
dem Michaelistage fort. In der Mitte des Juni fand ich ihr
Nest auf der breiten Fläche eines Hammers, wo eine Menge
Lari ßavipedes nistete. Das Nest ist in die Erde hineinge-
höhlt, mit Stroh gefüttert und enthält 2 Eier, welche bald
braun, bald grau, bald olivengrün von Grundfarbe, mit Tüpfeln
und Strichen in mannigfaltigen Abwechselungen sind. Unter
einer grossen Menge Eier fand ich ein sehr kleines in der
Grundfarbe olivengrünes, mit grossen braunen Flammen. Sie
ist durchaus nicht scheu, sondern nähert sich sehr, besonders
220 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färoer,
den Fischerböteii , und wenn man ihr Nest beunruliigt. Ich
bekam oft brütende Exemplare mit vielen weissen Federn in
der Kappe. Sie fangt oft den Ämmodytes (Nebbasild).
Larus tridactylus L.
Dan. Tretaaig Maage. Fär. Rita.
(Landt, S. 262. Graba, S. 36, 49, 61, 95 etc.)
Erst wenn man die Nordsee durchschifft und die Shet-
landsinseln erreicht hat, sieht man diesen Vogel schaarenweise
auf der See und den Klippen am Lande, welche oft ganz
weiss von ihm sind; zeigte sich ein Grind [Delphinus globi-
ceps] in weiter Ferne, so flogen sie alle dahin. Auf den
Färöern trifft man ihn allenthalben an, aber in Menge nur
auf den Inseln, auf denen es Vogelberge giebt, die er mit-
besetzt. Er nimmt auf ihnen den untersten Platz ein, da
Fhalacrocorax auf dem eigentlichen Berge nicht nistet; hier
legen sie ihr Nest an, welches aus Erde, Tang und Seegras
besteht und meistens mit Stroh gefüttert ist. In dasselbe legt
er in der Mitte des Maies 2 Eier, welche äusserst verschieden,
meistens gelbgrau mit braunen Strichen, sehr dünn und glanz-
los sind. Männchen und Weibchen füttern die Jungen aus
dem Kröpfe. Sie ernähren sich von Fischen und Mollusken,
nach denen sie stossen; oft schwimmen sie aber auch in
Masse. Sie kommen am 25. Januar an und ziehen am Mar-
tinstage fort. Mittelst eines gefangenen Vogels (Latu rita)
werden sie im. Netze gefangen.
Larus argentatus Bruenn.
Dan. Graanakke. Fär. Masi. Skiiri (das Junge.)
(Landt, S. 264. L. glaucus. Graba, S. 36, 46, 61, 99 etc.)
Findet sich allgemein und allenthalben im Sommer, wie
im Winter; nistet an jähen Felsseiten auf isolirten, von der
Felsmasse losgerissenen Klippen und Scheren , nicht oben auf
dem Berge oder Felsen selbst, wie L. ßavipes et marinus.
Das Nest besteht aus Erde, Tang, Thon und Stroh; in das-
selbe legt die Möwe im Mai 3 bläuliche Eier mit braunen
Strichen, Sie ist äusserst scheu und schwer zu schiessen:
hauset ganz oben auf den Vogelbergen.
übersetzt von Dr. Creplin. 221
Larus flu vipes Meyer (jL. fuscus L.)
Dan. Sildemaage. Far. Likka.
(Landt, S. 263. Graba, S. 79, 99, 122 etc.)
Allenthalben ziemlich häufig. Nistet colonienvveise auf
der breiten Flache eines Hammers, welche mit etwas Gras
bewachsen ist, und legt im Mai 3 Eier, deren Grundfarbe
vom dunkeln Olivenfarb bis zum Gelbgrau mit dunkleren
Flecken geht; binnen 4 Wochen werden sie ausgebrütet. Ich
fand von diesem Vogel 2 verschiedene Formen, welche ich
mir erlauben will hier kurz anzuführen, während ich später
nach Erlangung mehrerer Exemplare eine vollständigere Er-
läuterung derselben geben zu können hoffe. A. ist im Ganzen
genommen etwas kleiner als B., der Schnabel schwächer, die
Füsse sind heller, die Ferse bedeutend kürzer, die Rücken-
farbe heller bei ihr, während alle Dimensionen stärker bei B.,
und die Farbe dunkler; der weisse Fleck auf der Spitze der
Schwungfedern grösser beiA., welche Flecke in abnehmender
Grösse bei ihr fortlaufen , während ich sie bei B. nur auf der
ersten oder den ersteren Schwungfedern sah. Ich wurde zu
spät aufmerksam darauf, als dass ich bestimmt sagen könnte,
in wie fern die Lebensart beider verschieden sei, oder nicht;
nur kam es mir vor, dass A. mehr hüpfend flöge und ein
feineres Geschrei, etwa nach dem Verhältniss wie zwischen
L. canus et argentatus , hätte. Sie nisteten zusammen, und
ich erhielt Männchen und AVeibchen von beiden.
Larus marinus L.
Dan. Havmaage. Fär. Bäkur,
(Landt, S. 263. Graba, S. 65 etc.)
Diese Möwe ist ziemlich gemein auf den Färöern, findet
sich aber nie in Menge. Sie ist ein Standvogel, welcher seine
3 Eier im Mai oben auf steilen Strändern, nicht auf den Vo-
gelbergen, legt. Ihre Dimensionen sind grösser und ihre
Farbe ist dunkler, als bei der, welche wir hier in Dänemark
haben. Das Junge wird von den Färingern gegessen, bis es
den ,, Blutstropfen*' bekommt.
222 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
Lestris parasitica Boie.
Dan. Tyvmaage. Fär. Tjegvi, Tjoi.
(Landt, S. 263, Larus paras. Graba, S. 98, 164, 189 etc.)
Kommt zum Lande in der Mitte des Aprils und zieht am
Michaelistage ab, legt am Schlüsse des Maies 2 Eier, welche
olivenbraun oder hellgrau mit braunen Flecken sind. Das
Nest ist in die Sumpferde oben auf den Bergen an einem
Binnensee oder in einem Thale zu beiden Seiten des durch
dasselbe laufenden Flüsschens hineingehöhlt. Was das Ver-
halten zwischen L. paras., Buffonii, Schlepii et Richardsonii
betrifft, so muss ich gestehen , dass dasselbe mir nicht klar
ist; welchem zufolge ich hier den Namen parasitica beibehal-
ten habe, obgleich ich geneigt bin zu glauben, dass die Lestris,
welche auf den Färöern vorkommt, eher h, Richardsonii sei;
denn alle Exemplare, die ich erhalten habe, stimmen völlig
mit Temminck's Beschreibung von dieser iiberein, während
sie auf der andern Seite allzu schmächtig ist , um sie zur
Li. Buffonii zu stellen, wobei dann auch der Mangel der lan-
gen Schwanzfedern und der blauen Binden auf der Ferse in
Betrachtung kommen würde. Beim Vergleichen meiner färöi-
schen Lestrides mit einigen Exemplaren von Island fiel es
mir sogleich in die Augen, dass die färöische kürzer und
gedrungener, der Schnabel kürzer und stärker ist, und die
übrigen Charaktere auf L. Richardsonii passen. Rücksichtlich
des Verhaltens der weissbauchigen zu der braunen muss ich
Nilsson's Meinung (Skand. Fn., Foglar, II, 340) beitreten,
dass das Männchen weiss, das Weibchen braun sei; denn
meine Erfahrung hat dies immer gelehrt, und ich habe viele
frische Exemplare von diesem Vogel gehabt.
Lestris Catarrhactes Jllig.
Dan. Stör Tyvmaage. Fär. Skyggvur.
(Landt, S. 264. Cataracta Skua. Graba, S. 186.)
Sehr gemein; kommt ins Land in der Mitte des Aprils,
zieht fort mit dem Michaelistage. Sie baut ihr Nest oben
zwischen den Bergen auf dieselbe Weise, wie die vorige, und
legt in der Mitte des Maies 2 Eier, welche etwa in 4 Wochen
ausgebrütet werden; in der Mitte des Augusts hat sie fix\^^Q
übersetzt von Dr. Creplin. 223
Junge. Das ganze Aeussere dieser Raubmöwe charakterisirt
sie als einen Falken in Schvvimmvogelform , gleichwie die
Möwe in dieser Ordnung in die Stelle des Geiers tritt, und
ihre Lebensweise stellt sich auch in dasselbe Verhältniss, so
dass z. B. die ihrige zu der des Larus mari7ius sich verhält
wie die eines Falco fulviis zu der des Vultur fulvus; denn
sie benutzt weder ihre Schwimmfähigkeit, noch ihre Tauch-
fertigkeit, die letztere nicht einmal in Luftstosstaucherform,
wie Z/. parasitica. Ihre Nahrung besteht meistens in Vogel-
jungen; auch junge Lämmer sind nicht sicher vor ihr, wogegen
sie sich selten herablässt, dem Larus tridactylus seine Beute
abzupeinigen. Ungeachtet die Meisten (vgl. Skand. Fn., Fog-
lar, II, 336, Temminck, Manuel d'Ornith., II, 792, cf. IV,
494) die alte L. Catarrh. als mit dunkelbraunem Rücken und
Halse mit gelben Schaftstreifen beschreiben, muss ich doch
sie als hellbraun mit grossen graugelben Streifen und hell-
grauen Federkanten angeben, während das Junge (einjährige)
dunkelbraun mit wenigen Streifen und schwarzem Kopfe ver-
sehen ist. Die am hellsten gefärbten bekam ich jedesmal von
den Nistplätzen (auf Sandö und Nord-Strömö), während die
dunkler gefärbten z. B. im NalsöQord, 3 Meilen von ihrem
Nestplatze, geschossen wurden. Eben so deuten der stärkere
Schnabel und die stärkeren Füsse des helleren auf einen sehr
alten Vogel hin. Vor einigen Jahren erhielt ich dazu ein
Junges im Flaumkleide von dieser Lestris lebendig; dieses
hatte ich etwa 2 Jahre lang, und in der Zeit bleichte seine
Farbe mit jeder Mauserung, während sein erstes Kleid dunkel
war. Zufolge meiner Erfahrung muss ich demnach Graba
widersprechen, wenn er (a. a. O.) sagt, die Jungen seien den
Alten „durchaus gleich", wonach Temminck (IV, 494) seine
Meinung gerichtet hat; Naumann 's Zeichnung ist also nach
einem Jüngern Vogel entworfen. Hiermit wird nicht gesagt,
dass der Vogel nicht erwachsen wäre, bevor er die hellere
Farbe bekommen hätte; sondern ich meine bloss, dass der
hellere Vogel älter sei, als der dunklere. Dass er auf Island
ein Standvogel ist (Faber), ist wunderbar; denn auf den
Färöern sieht man ihn im Winter nicht, ausgenommen wenn
ein Sturm ihn aus dem offenen Meere hineintreibt, welches
auch der Fall mit den Bergvögeln ist.
224 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
Procellaria glacialis L.
Dan. Storrafugl. Fär. Häfhestur.
(Landt, S. 255.)
Wenn man auf der Reise nach den Faröern bei den
Slietlandsinseln vorbeikommt, so sieht man diesen Vogel über
den Wogen dahin schweben , besonders wenn ein Sturm im
Anzug ist, und zw^ar, wie den folgenden, am ehesten an der
Leeseite des Schiflfs. Ist es gutes Wetter, so kommt er selten
an das Fahrzeug, sondern fliegt in Gesellschaft über das
Meer hin, wobei er sich oft mit einem sonderbar heisern
Laute setzt. Als ich ihn mitten in der Brütezeit südlich von
den Färöern sah, schöpfte ich Hoffnung, ihn dort brütend
anzutreffen; denn es schien mir nicht anzunehmen, dass er
im Sommer so weit von seinem nächsten Brüteplatz entfernt
angetroffen werden sollte, für welchen, so viel ich weiss,
Island bisher angesehen worden ist. Diese Hoffnung täuschte
auch nicht, denn der Vogel nistet wenigstens auf Store Dimun,
von woher ich ein altes Männchen, welches auf dem Nest
ergriffen w^orden war, am 16. Juni 1845 erhielt; es ist auch
anzunehmen, dass er dort auf mehreren Stellen niste. Sonach
sind wohl die Färöer sein westlichster Nistplatz im Nord-
meere; denn in der Nordsee wird er nicht angetroffen, und
ich weiss nicht, dass er auf den Shetlandsinseln niste, wo-
gegen Macgillivray ihn als nistend auf St. Kilda angiebt.
Die Färinger essen weder den Vogel, noch seine Eier, seines
strengen Geruchs wegen. Im Winter hält er sich draussen
auf dem Meer auf; Stürme treiben ihn aber öfters ans Land.
Thalassidroma pelagica Vigors.
Dan. Petersfugl. Fär. Drunkviti.
(Landt, S. 256. Graba, S. 175.)
Dieser ächte Meerbewohner ist ziemlich gemein auf den
Färöern im Sommer, wie im Winter, nistet aber nur auf
einzelnen Inseln, nämlich auf Nalsö, Sandö und den Norder-
öern (Fuglö, Kunö, Svinö). Sein Nest findet man in dunk-
len Felsenhöhlen, in denen sich der Vogel ein Loch zwischen
den herabgeworfenen Steinen und Gries gräbt und in diese
ein Ei legt, welches weiss mit einem röthlichen Kranz um
übersetzt von Dr. Croplin. 225
das dicke Ende (nicht bei allen Exempl.), länglich oval, nicht
wie Nilsson schreibt (Sk. Fn. , II, 350, vgl. Temm. Ma-
nuel, II, 811), rund wie ein Enlenei ist; wenigstens habe
ich dies in einer nn'r zu Augen gekommenen Menge derselben
bei keinem gesehen ; das Ei riecht ganz so übel wie der V^o-
gel, und behält diesen hässlichen Geruch wenigstens 3 Jahre
lang. Länge 1" If", Breite 9^- — 10'". Er legt in der Mitte
des Juli; denn am 20. Juli erhielt ich frische Eier. Da er
meistens der Nacht angehört und sich im Winter auf dem
Meer aufhält, so war seine Lebensart nicht sehr bekannt ge-
worden, bis Graba (a. a. O.) sie aufklärte, auf welchen ich
demnach den Leser verweisen will. Während meines Auf-
enthalts auf den Färöern hatte ich oft genug Gelegenheit, ihn
zu beobachten; da dies aber in seiner Briitezeit war, so be-
kam ich nicht so viel zu wissen, als ich gewünscht hätte:
denn man sieht ihn zu jener Zeit nur des Nachts und wenn
das Wetter neblig und trüb ist. (Hier muss ich Faber, Ueb.
d, L. etc., II, 292, widersprechen.) Ist dies der Fall, so
schwebt er fast wie Hirundo rustica über die Wogen hin,
aus denen er seine Nahrung aufschnappt. Diese besteht in
Quallen und anderen schleimigen Thieren (Velella etc.), von
denen sich eine grosse Masse bei den Färöern findet; denn
in allen (über 20), welche ich öffnete, fand ich nur einen
klaren Thran. Dieser V^ogel gehört dem südwestlichen Theile
der borealen Zone an , und sein Aufenthaltsort ist sehr be-
schränkt; denn sein vornehmster Nistplatz sind gewiss die
Färöer. Er gehört dem offnen Ocean an ; denn ich sah ihn
nicht in der Nordsee, und die Seeleute behaupteten, dass
man im Sommer ihn zuerst jenseits der Shetlandsinseln an-
träfe: Nilsson sagt von ihm, er komme erst einige Meilen
von der Küste des offenen Meeres („nägra mil utom hafs-
bandet") vor, während er die schottischen Inseln und die Fär-
öer als seine eigentliche Heimath angiebt (Skand. Fn., Fogl.
II, 349). Macgillivray (Manual, II, 266) führt ihn als
nistend in Cornwallis, den Shetlands-, Orkney- und hebridi-
schen Inseln an. Er ist ein Stosstaucher und schwimmt selten,
sondern berührt nur die Meeresfläche, um Nahrung zu suchen.
Archiv f. Natiirgcsch. XIV. Jahrg. 1. Bd. 15 )»'>«^J
226 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
Puffinus arcticus Faber.
Dan. Lire. Fär. Skrapiir. Liri (jnn.)-
(Landt, S. 255. Graba, S. 72, 137, 172, 217.)
Auch dieser Meerbeuohner ist eine der charakteristischen
Eigenthiinilichkeiten der färöischen Fauna. Er findet sich in
grosser Menge auf den Färöern, nach denen er am 12. März
kommt und die er 3 Wochen nach Olai (d. 29. Juli) wieder
verlässt. Er gräbt sich auf Bergabhängen, wo grosse
Steine mit loser, herabgerieselter Sanderde abwechseln,
ein tiefes Loch, in welches er am Ende des Aprils ein
weisses Ei legt; seine liäufigsten Nistplätze wenden sich gegen
die Buchten hinaus, und die ihnen entnommenen Jungen wer-
den Bjargalirar genannt; bisweilen aber nistet er an Berg-
abhängen, welche sich nach den Thälern hin wenden, und
diese werden Fjadlalirar genannt. Svabo berichtet und die
Färinger bekräftigen es , dass dieser Vogel Lust zum Ziehen
hat und die Stellen verlässt, an denen er früher in Menge
nistete, um nach anderen hinzuziehen (z.B. von Skuö nach
Sandö); ob dies aber in einer bestimmten Richtung oder mit
bestimmter Rücksicht auf die Beschaffenheit des Locales ge-
schehe, habe ich noch nicht erfahren können. Wenn die
Jungen grösser geworden sind, so nimmt man sie mit einem
Haken an einer Stange aus dem Neste, oder man gräbt ein
Loch von oben in dessen Gang hinab; dieses aber muss sorg-
fältig wieder verstopft werden; denn wenn Regen in das Nest
kommt, so nistet der Vogel dort nicht mehr. Von Aussehen
ist das Junge dem Alten ganz gleich, und Naumann's
Zeichnung entspricht denen, die ich gesehen habe, nicht, so
wie auch die Füsse unrichtig gefärbt sind; diese sind niämlich
fleischfarben (wie beim Colymbus rufigularis), und an der
Innern Seite schwarz. Auch der Puffin ist am meisten in
trübem und stürmischem Wetter in Bewegung , und man sieht,
besonders im Nebel, grosse Schaaren von ihm in den Buch-
ten schwimmen , aus denen sie sich mit hübschem und leich-
tem Fluge erheben, wobei der ganze Schwärm schräge fliegt,
indem er sich nach der einen Seite hin neigt. Er taucht mit
Leichtigkeit, benutzt aber diese Fertigkeit nicht oft, da er so
vortrefi'lich fliegt. Er ernährt sich von Fischen und fängt sich
übersetzt von Dr. Creplin. 227
besonders häufig Heringe; aber ich fand ausserdem fast immer
Vegetabilien in seinem Magen, welcher mit einem klaren
Thran angefüllt war, der nicht roch, wie bei Procellaria und
Thalassidroma. Seine Stimme habe ich nicht gehört; die Fä-
ringer aber drücken sie aus durch takka-jakup.
Suhl alba Meyer.
Dan. Tossefugl. Fär. Sula. Grä Sula (jun.).
(Landt, S. 259.)
Nistet nur auf einer Insel, nämlich Mykinesholm, welche
westlich von der bei Vägö liegenden Insel Mj'kines liegt; hier
ist ihr einziger Brüteplatz; man sieht sie aber ziemlich häufig
um die Buchten fliegen (ich bekam mehrere von Nälsö-Fjord
bei Thorshavn) , wo sie Sei (Gadus virens) fischt. Sie kommt
zum Lande am 25. Januar und legt in der Mitte des Aprils
ein Ei; ehe sie es gelegt hat, fängt man sie mit den Händen,
wenn sie auf dem Neste sitzt und schläft, und sie soll am
festesten schlafen, wenn der Wind landwärts weht und es
hagelt; die Jungen fängt man 3 Wochen vor Michaelis. Sie
zieht am 11. Novbr. weg; aber ab und an sieht man sie zur
Winterszeit im Sturme. Sie ist ein durchaus oceanischer Vo-
gel; denn sie brütet nur auf den kleineren Inseln im Meere,
nicht z. B. auf Island selbst, sondern auf den Vestmanöern.
Nils so n weiss keinen Nistplatz für sie auf der [skandinavi-
schen] Halbinsel anzugeben. Die Abänderung ihres Kleides
nach dem Alter ist bekannt, und ich habe über dieselbe nichts
Neues mitzutheilen; da ich aber sehe, dass in der Skand. Fn.
(11,472) ein Platz für die Farbe der Beine offen gelassen ist,
so will ich mir erlauben, diesen auszufüllen: der Fuss ist
dunkelgrün, mit 3 hübsch hellgrünen Streifen längs der Vor-
derseite des Laufs und einem längs jeder Zehe ; Schwimmhaut
schmutzig dunkelgrün.
Phalaci^ocorax Carho Briss.
Dan. Aalekrage. Fär. Hiplingur.
(Landt, S. 257. Graba, S. 68, 150.)
Dieser Vogel ist nicht so gemein auf den Färöern, wie
I der folgende, wogegen er in Grönland und in Dänemark der
einzige, auf Island und in Skandinavien der gemeinste dieser
15*
i-i
228 Holm: Ornithologiscber Beitrag zur Fauna der Färöer,
Gattung ist. Hieraus schliesse ich , dass diese Form mehr
dem Festlande angehöre, dagegen /*/<(. cristatus den Inseln im
Oceane und denen, welche an der Küste des Festlandes liegen,
z.B. den Lofoden, eigen sei. Er bauet ganz unten an den
Vogelbergen; oft jedoch ist sein Nest ziemlich hoch oben auf
einem Absätze des Felsen , aber abgesondert vom eigentlichen
Vogelberge. Er legt 3 — 4 Eier, und die Jungen sind am
St. Johannistage erwachsen. Riicksichtlich der Ausmessung
des Vogels und der Beschreibung seiner merkwürdigen Zunge
verweise ich auf Graba, S. 150 u. 151.
Phalacrocorax cristatus Briss.
Dan. Top-Skarv. Far. Skarvur.
(Landt, S.258. Graba, S. 36, 68, 152 ff.)
Wie ich schon bei der vorigen Art andeutete, glaube ich,
dass dieser Vogel mehr oceanisch sei und desswegen in so
grosser Menge den Färöern angehöre, welches mir auch durch
Nils so n bestätigt zu werden scheint, wenn dieser (Sk. Fn.,
11, 480) ihn als besonders der norwegischen Scherengruppe
angehörig bemeldet, und durch Faber (Prodr. , 53), wenn
er ihn als höchst gemein auf dem südlichen und westlichen
Theile von Island (die Inseln werden mitgerechnet) betrachtet.
Was die Beschreibung des Vogels betrifft, so wird wohl nicht
leicht an der Genauigkeit etwas auszusetzen sein, mit welcher
Graba (S. 152) sie abgefasst hat; nur muss ich hinsichtlich
der Ausmessung hier, wie für die meisten übrigen Stellen
bemerken , dass ich eine so grosse Verschiedenheit in der
Grösse gefunden habe, dass sich gewiss nicht leicht eine
Normaldimension aufstellen lässt. Hinsichtlich der Crista muss
ich Graba' s Meinung beitreten; denn es ist gewiss, dass von
allen Exemplaren, die ich gehabt und gesehen habe, allezeit
diejenigen die grössten und hübschesten gewesen sind, welche
dieselbe trugen, und da hierbei Nichts aus der Jahreszeit ge-
schlossen werden kann, indem jene im Sommer wie im Win-
ter angetroffen wird, so ist wohl am füglichslen anzunehmen,,
dass erst der alte Vogel sie vollständig bekomme. Der ge-
häubte Scharbe ist ein Standvogel auf den Färöern; er nistet
unter den grossen Massen herabgestürzter Steine am Fusse
der Berge, stets nach dem offenen Meere hinaus, weshalb
übersetzt von Dr. Creplin. 229
man ihn im Sommer selten in den Buchten sieht, während
sich im Winter grosse Schaaren von ihm in diesen finden.
Sein Nest steht gewöhnlich nicht so hoch , wie das des Cor-
raorans; es ist gross, aus Seegras und Tang gebaut, immer
feucht und schlüpfrig; die 3 — 4 Eier sind klein, bläulich
schmutzigweiss , mit einem dicken kalkartigen Lieberzuge; sie
werden am Schlüsse des Märzes oder im April gelegt, und
die Jungen sind am Schlüsse des Juni gross. Dieser Scharbe
wird sehr von Ungeziefer geplagt und oft von einer Art Pest
befallen, durch welche er ganz verwirrt wird, wonach er sich
dann mit den Händen greifen lässt. (Svabo.)
Colymhus septentrionalis L.
Dan. Lom. Fär. Lomur.
(Landt, S. 261. Graba, S. 49 , 68, 118.)
Dies ist der einzige Taucher, von welchem man mit Be-
stimmtheit sagen kann, dass er auf den Färöern brüte; er ist
äusserst gemein auf allen Binnenseen oben zwischen den Ber-
gen, wo er sein Nest dicht an der Kante der Grasfläche legt,
damit er sich hurtig ins Wasser bei drohender Gefahr werfen
und so die Flucht ergreifen kann ; denn auf dem Lande ist
er ganz hülflos. Er ist sehr furchtsam, und ich kenne Bei-
spiele, dass 2 Taucher seiner Art bei einem Binnensee (Tjödn)
auf einer der Norderinseln wieder herabgefallen sind, nachdem
sie die Flucht ergriff"en hatten, weil geschrien und Lärm ge-
macht worden war. Er kommt zum Lande in der Mitte des
Märzes (nach dem südlichen Island am 10. und 11. April,
Faber) und zieht am Schlüsse des Septembers und am An-
fange des Octobers fort; am Ende des Maies legt er 2 Eier,
welche in etwa 4 Wochen ausgebrütet werden. Er fliegt hoch
mit hurtigen Flügelschlägen , wobei er zwei verschiedene
Stimmen hören lässt, nämlich warvvick, woraus die Färinger
feuchtes Wetter prophezeihen , und turkaträ (so drücken die
Färinger es aus)^ worauf man Trockenheit erwartet.
Anas Boscas L.
Dan. Vildand. Fär. Stokkondt. Vild-duinia. (Steggi cT- Dunna $ .)
(Landt, S. 262. Graba, S. 68,69,80.)
! Ich habe schon früher die Vermuthunc: geäussert, dass
230 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
der Flächeninhalt der Färöer zu klein sei , um manche Vögel
dort finden zu lassen , welche man sonst auf ihnen zu finden
erwarten möchte. Dies ist nun namentlich der Fall mit den
Gaiiiw^en Jnse?' und Anas, da sie an süssen Gewässern, und
am liebsten weit entfernt vom Meere, nisten. Von Jnseres
findet sich daher, meines Wissens, dort kein einziger brütend;
denn vom J. cinereus (intermediusP), welchen Svabo und
Landt anführen, habe ich Nichts erfahren können, und er
ist sicher weggeschossen. Von Anafes ist Boscas die einzige,
von welcher ich gewiss weiss, dass sie dort brütet; doch ist
sie daselbst nicht so häufig, wie bei uns; ihr Nistplatz ist an
Snsswasserseen zwischen den Bergen. Sie ist ein Standvogel.
Fuligula m Ollis sima Bonap.
Dan. Äderfugl. Fär. Äva ($). Ävu-blikur {^).
(Landt, S. 249. Graba, S. 36 , 68.)
Gemein auf den Inseln das ganze Jahr hindurch; ihr Auf-
enthalt ist längs der Scheren und den grossen Steinen am
Strande; von da aus aber zieht sie schaarenweise in die Buch-
ten umher, auch in das offene Meer hinaus, um zu fischen;
im Herbst und Winter sind besonders die Buchten von ihr
stark bevölkert. Sie baut ihr Nest, welches aus Tang und
Stroh, mit einem Kranze von Dunen ringsum besteht, auf
dem Lande, doch nicht weit vom Meere, oft in grossen Mas-
sen auf Inselchen (z. B. dem Kjirkjibö-Holm), wo sie unbe-
unruhigt und daher ausserordentlich zahm ist; diese Inselchen
liegen gewöhnlich nicht hoch. Am Ende des Maies legt sie
4 — 5, selten 6 — 7 Eier, welche binnen 4 Wochen ausgebrü-
tet werden ; die Alten führen danach die Jungen aus dem
Neste dem Meere zu; diese schwimmen nun munter umher,
von der Mutter geführt, welche mit einer wohlklingenden
Stimme den Zug zierlich und keck leitet. Die Färinger be-
haupten, sie gehe stets zum Neste hinauf, fliege aber da-
gegen von demselben herab.
Mergus Serrator L.
Dan. Lille Skallefluger. Far. Toppondt.
(Landt, S. 252. Graba, S. 68.)
, , Findet sich hier nicht selten, aber bei weitem nicht in
übersetzt von Dr. Creplin. 231
Menge; man kann Vieles von den Färöern bereisen, ohne ihn
zu sehen; denn die einzelnen Paare, welche sich dort auf-
halten, nisten in abgelegenen Thälern an einem Binnensee
(z.B. I.ejnnavatn auf Nord- Strömö), wo das Nest sich zwi-
schen grossen Büschen von Rumex und Angelica findet; dieses
enthält meistens 12 Eier, in der Mitte des Juni. Im Herbste
haust er in ziemlich grosser Menge in den Buchten.
Uria Grijlle Lath.
Dan. Teiste. Fär. Tejsti (Tejstapisa, jun.).
(Landt, S. 260. Graba, S. 37 etc.)
Ich sah diesen Vogel nicht bei den Färöern im Meere;
sobald man aber in die Buchten kommt, trifft man ihn, sowohl
in der Bucht selbst, als längs des Strandes au; liier hat er
seine Eier (1 — 2) ohne Unterlage auf dem blossen Steine lie-
gend; auf ^^\\ Buchten versammelt er sich meistens in stillem,
nebligem -Wetter; aber ich sah ihn nie in so grossen Schaa-
ren, wie Mormon, Älca und Uria Troile. Er ist sehr zu-
traulich , aber doch schwer zu schiessen , weil er vor dem
Schusse theils untertaucht, theils, wenn derselbe nicht sogleich
tödtlich war, fortbleibt und nicht mehr heraufkommt, welches
ich zum öftern im Nalsöfjord bei J4 — 20 Faden Wassertiefe
erfuhr. Im Juni und Juli fand ich nur wenige in re'ner Som-
mertracht, indem der Spiegel theils niit Grau gemischt war,
theils der schwarze Unterleib viele weisse Federn hatte. Er
ist ein Standvogel und findet sich im Winter in grossen
Schaaren tief einwärts in den Buchten. Ich habe ihn oft
Blennius und Ammodytes fangen sehen; aber er frisst auch
Krebse und W^eichthiere.
Uj' ia Tj oile T e m m .
Dan. Spidsnäb , Aalge. Fär. Lomvia.
(Landt, S. 262. Ur. Lomvia, Graba, S. 95, 106.)
Allenthalben auf den Färöern, auf den eigentlichen Vo-
gelbergen sowohl, als auch sonst überall, wo die Küste etwas
steil ist ; auch trifft man diesen Vogel schaarenweise schwimmend
in den Buchten und vor dem Lande an, selbst mitten in der
Brütezeit. Auf den Vogelbergen nimmt er den dritten Platz
von unten ein , indem Phalncrocorax und Larus tridacHjlus
232 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
weiter nach unten nisten. Er kommt erst zu Anfange des
Märzes nach dem Lande und zieht im September fort, wird
aber doch auch ab und an im Winter gesehen und besonders
häufig, wenn Sturm und Unwetter ilui todt oder lebendig ans
Land treiben. Am Schlüsse des Juli erhielt ich erwachsene
Junge, welche nur noch auf dem Kopfe Dunen trugen; die
Tracht glich der Wintertracht der Alten; aber .das Schwarz
war stärker auf der Kehle, und am ganzen Halse waren
schwarze Federn sichtbar; der Schnabel war kurz und von
dem der Alca Tor^ö- Jungen schwer zu unterscheiden; das
Junge ging in einer schrägen, ziemlich aufrechten Richtung
auf den Zehen inid sank nur auf die Fersen zurück, wenn
es längere Zeit still stand: sein Geschrei war fein pfeifend.
Ich habe nur eine Art „Aalge" auf den Färöeni gefunden
und glaube nicht, dass man Lria BrueMnicldi (Sabine) dort
antreffe; denn ich traf freilich viele an, deren Schnabel kürzer
und höher war, als bei anderen, deren ganzer Körper dicker
war und deren übriges Ansehen wohl auf JJr, Br. passen
konnte; aber theils war dies nicht constant, theils bewog
mich die Vergleichung mit der ächten Vr. Bruenn. aus Grön-
land zum gänzlichen Verwerfen der Identität. Am 26. Juli
verglich ich eine grosse Menge frischer ürien, wodurch es
sich zeigte, dass alle ,,Stuttnefier" \JJria Bruennichii], von
denen ich 36 vor mir hatte, ohne Brutfleck waren, wogegen
alle „Langnefier" [Urüi T?^oile] ihn hatten; ausserdem hatten
die Langnefier helle, gelbbraune Zehen, die Stuttnefier dun-
kelbraune; dies Verhalten bestätigte sich bei Urm ringvia
Fab. Ich bin daher sehr zu der Annahme geneigt, dass die
färöisclie Stuttnefia nur eine jüngere Langnefia sei, und dass
dagegen TJ. Bruenn. dort nicht vorkomme, wenigstens nicht
im Sommer. — TJria lacrymans Valenciennes ist sehr
häufig auf den Faröern , wo sie sich vereint mit V. Troile
findet; über die Selbstständigkeit ihrer Art bin ich nicht im
Stande mich mit Bestimmtheit zu äussern ; da sich aber unter
ihrer Anzahl Formen mit dickerem und dünnerem, längerem
und kürzerem Schnabel fanden, da das Verhalten hinsichtlich
der Füsse dasselbe war, wie bei XJ. Troile in ihrer altern
und Jüngern Form, so bin ich fast geneigt, sie als Art an-
zuerkennen, obgleich ich keineswegs Graba (S. 107) oder
übersetzt von Dr. Creplin. 233
Faber (Prodr., S. 43) widersprechen darf, welche sie nicht
als solche anerkennen; denn ich hatte nicht Gelegenheit, sie
so oft zu beobachten, als es nöthig gewesen wäre. Die Fä-
ringer geben ihr keinen andern Namen, als der U. Trolle.
Alca Torda L.
Dan. Pappegöie-And. Fär. Alka. (Alkupisa, jun.)
(Landt, S. 25.3. Graba, S. 60, 78, 102.)
Sehr gemein auf den Färöern, zu denen sie am Anfange
(d. 12.) des Märzes gelangt, und von denen sie am Anfange
des Septembers wieder abzieht. Auf den Vogelbergen nimmt
sie mit U. Trolle den dritten Platz ein; aber sie kommt bei
weitem nicht in so grossen Schaaren vor, wie jene. Am
Schlüsse des Juli erhielt ich erwachsene Junge; sie glichen
ganz den Alten, indem der Hals ganz bis hinab auf die Brust
braun war; der Schnabel war aber fast ganz wie bei dem
Jungen der XJ. Trolle^ ausgenommen dass sich dort schwache
Andeutungen von Querfurchen zeigten; und der weisse Strich
vom Auge her war ganz deutlich. Sonach ist Nilsson's
Beschreibung fehlerhaft, wenn er sagt (Sk. Fn.,II,521), das
Junge gleiche dem Alten in der Wintertracht; denn es legt
dieses zu derselben Zeit an, wie das Alte, nämlich meistens
bei seinem Abzüge vom Lande; dagegen hat Faber (Prodr.,
S. 47) das Richtige. Die lebenden Jungen, welche ich beob-
achtete, bewegten sich mit weit grösserer Schwierigkeit als
die von TJ. Trolle; sie watschelten mit platschendem Schritte,
meistens auf den vordem Theil der Ferse gestützt, während
der übrige schräge gebogen stand; ihre Stimme glich der der
U. Tr., war aber heiserer. Der Alk findet sich im Winter
in Massen todt am Strande liegend , wenn es gestürmt hat.
Mormon arctlctis Jllig.
Dan. Söpappegöie. Fär. Lundi. (Lundapisa, jun.)
(Landt, S. 254. Alca arct. Graba, S. 68, 78, 108, 116.)
Dieser ist ein Vogel des Oceans, da er nur auf den In-
seln im Nordmeere brütet, z. ß. bei Island auf den Vestman-
öern, bei Grönland auf den Klippeninseln vor dem südlichen
Theile des Landes, auf den Lofoden u. s. w. ; auf den Färöern
ist er äusserst gemein und nistet überall , wo lockerer Sand-
234 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
bodeii auf den Klippen ist, sowohl gegen das Meer und die
Buchten hin, als einwärts gegen die Thäler an den schrägen
Bergabhängen (dies ist das am wenigsten Gemeine); auf den
Vogelbergen bewohnt er den obersten Platz. Auf den Bergen,
und wo er sonst sein Nest hat, ist er sehr dreist und bös,
wenn man ihm zu nahe kommt; aber ausserhalb des Nist-
platzes, wenn er z. B. in kleinen Schaaren auf den Buchten
schwimmt, ist er äusserst scheu und schwer zu schiessen,
da er unaufhörlich untertaucht und man ihn nicht bekommt,
wenn der Schuss nicht augenblicklich tödtlich gewesen ist.
Er kommt zu den Färöern am 14. April und beginnt am Ende
des Augusts wegzuziehen; verschiedene lassen sich jedoch bis
in den September hinein blicken j er zieht, wie die übrigen
Bergvögel, allezeit nach Osten mit dem Strome. Ehe er weg-
zieht, sagen die Färöer, reinige er sein Nest, und untersuche
es, wenn er komme; weshalb man sich wohl in Acht nehmen
müsse. Regen in dasselbe kommen zu lassen, falls man es,
um die Jungen zu bekommen, ausgegraben habe. Drei Wo-
chen nach seiner Ankunft fängt er an, Eier zu legen. Er
hat zwei Brutflecke, einen an jeder Seite, wie Alca Torda.
Seine gewöhnlichste Nahrung besteht in kleinen Fischen, und
man sieht ihn besonders häufig mit einem Animodytes schwim-
men oder fliegen , welcher sich um seinen Schnabel krümmt.
Er geht sehr gut und stützt sich nur auf die ganze Sohle,
wenn er sich ausruht; sein Flug ist hurtig und schnurrend;
er taucht mit ausgebreiteten Flügeln. Es giebt häufige Varie-
täten von diesem Vogel, besonders die sog. weissen Lunde,
von denen schon Svabo sagt, dass er sie von der Fuglö
gesehen habe; diese sind fast rein weiss am Körper, mit Aus-
nahme einzelner schwarzer Federn auf dem Rücken; Kopf
und Flügel schwarz mit einzelnen weissen Federn; Füsse un-
bedeutend heller, als bei dem gemeinen. Bisweilen sind der
Kopf, die Flügel und der Schwanz hellgrau, und das Uebrige
ist weiss, die blasse Iris noch heller als gewöhnlich.
Rücksichtlich der Beschreibung der Vogelberge und deren
Bewohner weiss ich Graba's vortrefi'licher Abhandlung
(S. 100—117), mit welcher Pastor Landt's Artikel vom Vö-
übersetzt von Dr. Creplin, 235
gelfange (S. 366 — 376) verglichen vveriJen dürfte, Nichts hin-
zuzufügen.
Ich liabe nun die Vögel aufgefülirt, von denen icl» ziem-
lich gewiss vvusste, dass sie auf den Färöern brüten und
folglich diesen Inseln eigentlich angehören; es waren ihrer
wenige (42) Arten und diese fast sämmtlich oceanische For-
men, welche zum Theil auch sonst kleine Felseninseln be-
wohnen, z. B. Bergvögel, Anthus rupestris ^ u. s. w. , zum
Theile sich nur auf den kleinen Inseln im nördlichen atlan-
tischen Meere finden, z. B. Lestris Catarrhactes , Puffinus,
Thalassidroma ^ Sula, u. m. Aus diesen Formen besteht also
die färöische Vogelfauna im Sommer; aber Frühling und
Herbst bringen grosse Veränderungen, indem sich die Anzahl
natürlich auf der einen Seite durch die fortziehenden Vögel
vermindert, auf der andern aber sich in einem noch höhern
Grade durch die ankommenden vermehrt. Dies gilt also so-
wohl für die Vorbereitungszeit für die Sommerfauna und für
die Einleitung zur Winterfauna, da die Färöer auch für den
Winter ihre bestimmten Vögelformen haben , welche durch
sehr viele Zufälligkeiten vermehrt werden. Von Standvögeln
besitzen die Färöer: Falco LitJiofalco, Corvus Corax et Cor-
nix, Colimiba Livia^ Sturmes vulgaris, Emberi%a nivalis, An-
thus 7'upestris, Troglodytes ^ Gallinula Qrex , Charadrius apri-
carius , liallus aquaticus , Tringa inaritima, Larus marinus,
tridacti/lus , fuscus , argentatus , Thalassidroma pelagica, Pha-
lacrocorax Carho et cristatus, Anas Boscas , Fuligula mollis-
sima, Mergus Serrator und Uria Grylle; von einigen dieser
(z. B. Anthus^ Charadrius) kann man jedoch sagen, dass ein
grosser Theil wenigstens fortziehe, und möglicherweise sind
diese Arten auf den Färöern Zugvögel , und die Individuen,
welche sich dort im Winter aufhalten, müssen dann Flücht-
linge, z. B. von Island, sein, wodurch freilich der Charakter
von Standvogel und Zugvogel mehr rein gehalten werden
würde; woher aber sollte dann z. B. Sturnus kommen, da er
nicht auf Island existirt? Denn der Winterzug geht ja von
Norden nach Süden; von Norwegen her würde es ein wun-
derlicher Weg sein. So wie es also Sommerzugvögel für die
236 Holm: Ornitliologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
Färöer giebt, so giebt es auch solche im Winter, nämlich
solche, welche jeden Herbst kommen und sich dort im Win-
ter aufhalten: Fringilla Linaria, Numenius arcuatus , Tringa
islandica, Larus glaucus et leucopterus, Anas glacialis , Mer-
gulus Alle. Zu diesen constanten Einwohnern kommen nun
noch einige, z.B. Pt/rr ho corax , welche sich fast jeden Winter
in ziemlich grosser Menge sehen lassen.
Jetzt will ich mir erlauben , die Vögel aufzuführen , welche
auf den Faröern angetroffen worden sind, ohne dort zu nisten,
seien sie nun stetige Gäste, oder vorübergehende Zufälligkeiten.
Falco Alhicilla L.
Dan. Gaase-Örn. Fär. Örn.
(Landt, S. 243. Vultur Albic.)
Schon Pastor Landt führt (a. a. O. ) diesen Vogel als
auf den Färöern ausgerottet an, mit der Bemerkung, dass er
auf dem Tintholm (bei Vagö) niste. Ich habe keine Exem-
plare von dorther erhalten; aber verschiedene Namen (z. B.
Arnafalstindur auf Österö) deuten darauf hin, dass er früher
daselbst gewesen sei. Im Decbr. 1842 wurden einige auf
Vagö gesehen.
Falco Haliaetus L.
Dan. Flodörn, Blaafod.
Das Universitätsmuseum hat im vorigen Jahre ein altes
Exemplar dieses Vogels von dorther erhalten ; ich habe nicht
gehört, dass er daselbst früher geschossen worden sei.
Falco islandicus Briss.
Dan. Jagtfalk. Fär. Falkur.
(Landt, S. 243. Falco —'^ Graba, S. 202.)
Ich bin überzeugt , dass dieser Falke nicht auf den Fä-
röern nistet, auch weiss ich kein anderes Beispiel davon, dass
er dort im Sommer angetroffen worden sei, als dass dies
von Graba (a. a. O.) am 22. Juni 1828 auf Suderö gesche-
hen ist. Im Herbst und Winter dagegen sieht man ihn sehr
oft und besonders oft pfeilschnell niederschiessen und eine
Grijll- Lumme oder einen andern Vogel erhaschen.
übersetzt von Dr. Creplin. 237
Falco Tinnunculus L.
Dan. Taarnfalk.
Das Universitätsimiseiini empfing einen jungen Vogel in
diesem Herbste.
St 7' ix nyctea L.
Dan. Snee-Ügle. Fär. Katt-Uggla.
Diese Eule findet sich selten einmal nach den Färöern
verirrt, vermuthlicli von den Shetland^inseln her, da Mac
gillivray sie als dort sich aufhaltend anführt (Manual, I. 61).
Ich habe nur das Exemplar gesehen, welches das Königl. Mu-
seum durch den Amtmann Tillisch bekommen hat. Es
wurde auf Nord-Strömö gefangen , und die Färinger ängstigten
sich sehr beim Anblick seiner glühenden Augen.
St rix brachyotus L.
Dan. Mose-Ugle.
Von dieser habe ich in den letzteren Jahren oft Exem-
plare von den Färöern gesehen und bekommen, besonders
von Sandö, wo sie sich jeden Herbst in nicht unbedeutender
Anzahl einfindet. Sollte sie auf Island nisten und von da aus
ziehen ?
St rix Otus L.
Dan. Lille Horn-Ügle.
Während meines Aufenthalts auf den Färöern erhielt ich
ein Exemplar, welches im Frühjahr 1844 zwischen den Häu-
sern in Thorshavn ergrifi'en worden war. Pastor L an dt führt
in seinem Buche, S. 244, Strix passerina an; hierunter ist
wohl Linne's Str. passerina zu verstehen; aber jedenfalls
habe ich sie nicht gesehen, noch auch gehört, dass sie dort
gefunden worden sei.
Corvus Corone L.
Dan. Sort Krage. Fär. Hjaltlands-Kräka.
Unter diesem faröischen Namen habe ich C. Corone dort-
her empfangen, während Landt (S. 247) dem C. Monedula
diesen Namen giebt (Shetland , fär. Hjaltland); aber ich habe
238 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färö'er,
nie gehört, dass C. Monedula auf den Färöern gefunden wor-
den sei.
Pyrrhocorax Graculus Tenim.
Dan. Alperavn. Fär. Rokur.
Ungeaclitet ich selbst diesen Vogel von den Färöern nicht
bekommen habe, weiss ich doch mit Bestimmtheit, dass er
sich dort gemeiniglich im Herbste in nicht unbedeutenden
Schaaren aufhält. So zeigte er sich im Septbr. und Octbr.
1846 überall auf den südlichen, wie auf den nördlichen Inseln.
Macgillivray führt an, dass er schaarenweise nach Eng-
land, Irland und Schottland komme, wo er sich auf Klippen
im Meer aufhalte. Landt giebt (S. 147) Corvus Corone den
färöischen Namen, welcher diesem zukommt.
Hirundo'urhica L.
Dan. Bysvale. Fär. Sväli.
(Landt, S. 272.)
Während die Schwalbe auf dem Festlande weit nördlicher
nistet, als die Breite der Färöer ist (Skand. Fn., I, 209), ist
sie doch ein sehr seltner Gast auf diesen Inseln ; den Grund
dazu hat man wohl in dem scharfkalten Seenebel zu suchen.
Caprimulgus europaeus L.
Dan. Natravn.
(Graba, S. 78.)
Ausser dem Exemplare, dessen Graba (a. a. O.) als dem
Etatsrathe Reinhardt zugesendet erwähnt, habe ich nur
eines gesehen, w^elches ich selbst erhielt: es war todt bei
Thorshavn im Juli 1842 gefunden worden.
Muscicapa atricapilla L.
Dan. Svalespurv.
Das Universitätsmuseum hat ein Männchen, geschossen
bei Thorshavn d. 7. Mai 1846, erhalten.
Sylvia Trochilus Temm.
Dan. Spurvekonge.
Das eben Genannte besitzt ein Exemplar von den Fä-
röern , angetroffen auf Nalsö im Octbr. 1845.
übersetzt von Dr. Creplin. 239
Reguius cristatus Willughb.
Dan. Fnglekoiige.
Graba erwähnt (S. 146 u. 147), dass im Herbste 1827
einige dieser Reguli auf Nälsö gefunden worden seien; icli
liabe nicht gehört, dass man sie später auf den dortigen In-
seln angetroffen habe.
Motacilla flava L.
Dan. Guulspink.
Da Graba (S. 125) diese Bachstelze am Strande von
Vagö d. 2. Juni 1828 gefunden hat und ich mehrmals gehört
habe, dass sie dort oft im Sonnner gesehen worden sei, so
bin ich nicht ungeneigt anzunehmen, dass sie eine der Neu-
ankömmlinge sein möge , von welcher die Färöer gewiss nach
und nach immer mehrere bekommen.
Cinclus aquaticus Bechst.
Dan. Strömstär. Fär. Aarpisa.
(L a n d t , S . 27 1 . Sturnus Cincl.)
Svabo spricht von diesem Vogel als auf den Norder-
öern nistend; Landt bemerkt (a. a. O.), dass er nur einen
erhalten habe und dass die meisten Färinger ihn nur dem
Namen nach kennten: Graba erwähnt seiner nicht. Ich be-
mühte mich, einige Nachricht von ihm zu erhalten, erfuhr
aber bloss, dass die Einwohner ihn ungefähr eben so kennten,
wie den Rallus aquaticus, und habe auch keine Exemplare
von dort gesehen.
Turdus iliacus L.
Dan. Viindrossel. Fär. Odhinshäni,
(Landt, S. 270. Graba, S. 34.)
Mit jedem Frühjahre (im April) findet diese Drossel sich
in nicht geringer Anzahl ein, zieht aber nach einigen Wochen
wieder davon und nistet nicht auf den Färöern, weil das Bir-
kengebnsch, welches sie auf Island in Menge findet, hier fehlt.
Turdus pilaris L.
Dan, Snarre. Fär. Odhinshäni.
Ich habe nur ein Exemplar (altes cT) vom Krammets vogel
240 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
von den dortigen Inseln erhalten, welches bei Thorshavn im
Decbr. 1843 geschossen worden war; aber ich glaube sicher,
dass er da häufiger werde gefunden werden.
Alauda arvensis L.
Dan. Sanglärke.
Von diesem Vogel habe ich in mehreren Jahreszeiten
mehrere Exemplare von Sandö bekommen, und ein eingebor-
ner, wissenschaftlich gebildeter Mann hat mich versichert,
dass er wenigstens auf dieser Insel niste, wozu auch gewiss
Suderö hinzugefügt werden kann, da die ziemlich grossen
Ebenen auf diesen Inseln es sehr annehmbar machen , dass
die Lerche sich dort aufhalten könne. Da Landt (S. 271)
sie, freilich als sehr selten, anführt, so bestätigt sich gewiss
meine Vermuthung, dass die färöische Vogelfauna allmählich
durch neue südliche Ankömmlinge vermehrt werde , in einigem
Grade. Graba erwähnt ihrer (S. 205) als Suderö eigen.
Fringilla Linaria L.
Dan. Sisken-Röllik.
Landt spricht (S. 271) von diesem Finken ganz unbe-
stimmt; aber ich führe ihn doch hier an, weil ich von zuver-
lässigen Zeugen die Versicherung erhalten habe, dass er sich
jeden Winter in Menge finde, welches auch sehr annehmbar
ist, da er in Island gemein ist und in der Regel von dorther
wandert (Faber, Prodr., S. 16). Dagegen glaube ich nicht,
dass er, eben so wenig wie irgend eine andere Fringilla, dort
niste; wenigstens suchte ich ihn vergebens, und die Localität
ist wegen Mangels an Birkengebüsch ungünstig. Ich habe
keine Exemplare von da her erhalten.
Fringilla caelehs L.
Dan. Bogfinke.
Das Universitätsmuseum hat ein bei Thorshavn am 22. Oct.
1845 geschossenes Exemplar erhalten, ein junges Männchen.
Charadrius Vanellus Pall.
Dan. Vibe. Far. Vipa.
Landt führt ihn (S. 268) als Tringa Vanelhis L, mit
übersetzt von Dr. Creplin. 241
der Bemerkung auf, dass man ihn sehr selten sehe; Faber
erwähnt seiner als auf Island ab und an getroffen (Prodr.,
S. 26); ich selbst habe ihn nicht bekommen; aber ein glaub-
würdiger Mann hat mir gesagt, dass er oft auf Suderö, be-
sonders bei Sumba (auf der Südspitze), gesehen worden sei,
Ardea cinerea L.
Dan. Graa Hejre. Fär. Hegri.-
Der Reiher wird einzeln zu allen Jahreszeiten, selbst
mitten im Winter, angetroffen; so bekam ich 1842 einen jun-
gen Vogel, welcher bei Thorshavn am 15. Jan. geschossen
worden war. Er nistet dort nicht. Wenn man ihn sieht, so
hält er sich entweder am Strande, oder an den Binnenseen
auf, wo er Forellen und Goldfische fängt. Landt erwähnt
seiner S. 265.
Ibis Falcinellus Vieill.
Dan. Sort Ibis. Fär. Svartur Spegvi.
(Graba, S. 146.)
Dieser südöstliche Vogel , welcher ziemlich häufig in Eng-
land vorkommt (MacgiUivray, Manual, I, 140), ist auch
mehrmals auf den Färöern angetroffen worden, wo man ihn
unter dem [dänischen] Namen „Sort Spove" kennt.
Nuynenius arcuatus Lath.
Dan. Dobbelt Regnspove. Fär. Tannspegvi.
(Landt, S. 266. Scolop. arc. Graba, S. 36.)
Während dieser Vogel in Norwegen und Schweden ein
Zugvogel ist (Sk. Fn., II, 178), trifft man ihn auf den Fär-
öern jeden Winter an, und zwar am Strande, wo er wohl
von Ringelwürmern lebt.
Limosa melanura Leisl.
Dan. Sorthalet Kobberhöne.
Im Deobr. 1845 bekam ich ein altes Männchen von die-
sem Vogel, welcher früher nicht als färöisch angezeichnet
worden ist; er ist gemein im südlichen Island (Faber, Prodr,
S. 25); aber ich glaube nicht, dass die Oertlichkeit ihm er-
lauben könne, auf den Färöern zu nisten.
Archiv f. Naturgesch. XIV. Jahrg. 1. Bd. 16
242 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
Totanus Calidris Beclist.
Dan. Rödbeen. Far. Stelkur.
(Landt, S. 266.)
Schon Svabo bemerkt, dass man diesen Vogel häufig
in der Mitte des Aprils sehe und dass er im Sommer weg-
ziehe; daher ist also anzunehmen, dass die Färöer für ihn,
wie für den Tiirdus iliacus , eine Zwischenstation auf seiner
Wanderung nach Island seien, wo er als brütender Vogel
gemein ist (Faber, Prodr., S. 25); auf den Färöern nistet
er nicht. Ich habe mehrere Exemplare daher erhalten und
unter ihnen eines in vollständiger Wintertracht im Frühlinge
1845 ; dieses war bei Thorshavn geschossen worden , wo es
sich am Strande in Gesellschaft von Trmga maritima und
der erwähnten Limosa aufgehalten hatte.
Tringa islandica L.
Dan. Staalsneppe.
Obgleich Landt's ganze Beschreibung der Lebensweise
dieses Vogels, welchen er Tr. fusca, striata, cinerea nennt,
ganz auf Tr. maritima passt, so wie der färöische Name,
w^elchen er gebraucht, und der nach der Vergleichung mit
Eggert Olaffon nur diesem zukommen kann (s. S. 267), so
habe ich jenen Vogel dennoch als färöisch aufgeführt, unge-
achtet ich selbst kein Exemplar von ihm bekommen habe,
theils weil Landt's Bezeichnung „cinerea'^ mich erwarten
lässt, dass er denselben vor sich gehabt habe, theils weil
sein häufiger Aufenthalt auf Island und seine Wanderung von
dort vermuthen lassen, dass er sich auch auf den Färöern
finden möge.
Gallinula chloropus Lath.
Dan. Sumphöne.
Das Universitätsmuseum hat ein junges Exemplar von
diesem Vogel bekommen, geschossen bei Sands auf der Insel
Sandö am 6. Decbr. 1845.
Fulica atra L.
Dan. Blishöne. Fär. Sjohöna.
Schon Landt führt (S. 270) diesen Vogel als einen
übersetzt von Dr. Creplin. 243
seltnen Fremdling auf den Faröern an. Ich habe Exemplare
von ihm in mehreren Zeiten des Jahrs erhalten, weshalb ich
annehmen muss, dass er sich dort ziemlich häufig zeige.
Faber erwähnt (Prodr., S. 63) seiner von Island.
Phalaropus ruficollis Pall.
Dan. Odinshane. Fär. (Halsarejdhi).
Landt führt (S. 267) unter dem Namen Tringa lohata
diesen Vogel als brütend auf den Färöern an; dasselbe thut
schon Svabo, welcher sagt, er lege 4 Eier an Binnenseen.
Ich suchte ihn dort vergebens, Graba erwähnt seiner nicht,
und ich habe nur wenige Exemplare von jenen Inseln gesehen,
weshalb ich annehmen muss, dass, wie ich bei Alauda arvensis
bemerkte, es vermehre sich die färöische Vogelfauna von
Süden her, sie sich von Norden her zum Theile verringere,
falls es nicht überhaupt ein unglücklicher Zufall ist, dass
weder Graba noch ich ihn gefunden haben. Macgillivray
(Manual , II , 84) führt ihn als brütend auf den Shetlands- und
Orkney-Inseln an, und ich bin jedenfalls überzeugt, dass er
als Zugvogel auf den Färöern ziemlich häufig auzutrefi'en sein
müsse.
Larus glaucus Bruenn.
Fär. Islandsmasi (adult.) Vallmäsi (jun.).
Diesen Vogel führt Landt (S. 264) unter dem Namen
Z/. /it/perboreus heem. an, und Svabo erwähnt seiner schon
als im Winter häufig; doch sind es meistens junge, welche
unter dem Namen Vallmäsi jeden Herbst schaarenweise vor-
kommen. Ich habe mehrere solche junge Vögel gesehen und
erhalten, aber nur einen alten gesehen, welchen das Uni-
versitätsmuseum bekam; es war ein Weibchen in der Winter-
tracht, geschossen am 7. Novbr. 1845. Er nistet nicht auf
den Färöern.
Larus leucopterus Faber.
Fär. wie der vorige.
Findet sich gemeiniglich im Herbst unter den vorigen und
wird auch eben so von den Einwohnern benannt; ich habe
mehrere junge von dort erhalten, aber nur 2 alte, geschossen
16*
244 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
im Octbr. 1843 bei Thorshavn, wo sie sich schaarenweise
aiifliielten; sie waren in reiner Sommertracht.
Larus capistratus Temm.
Fär. Fransa -Tedna (?).
(Vgl. Temm in ck, Manuel d'Ornith., II, p. 284, IV, p. 485.)
Da das König!. Museum ein Exemplar von dieser Möwe
von den Fäf öern besitzt und dessen Ansehen auf die Beschrei-
bung der Färinger von deren „Fransatedna" passt, so habe
ich sie hier unter diesem Namen aufgeführt, ungeachtet ich
selbst keine Exemplare von den dortigen Inseln empfangen
habe. Landt's Benennung L. ridibundus (S. 264) deutet
auch darauf hin, dass es vermuthlich dieser Vogel ist, wel-
chen ich meine. Die Färinger sagen, dass er auf der Suderö
niste.
Colymhus glacialis L.
Dan. lislom. Fär. Havgas.
(Landt, S. 261. Graba, S. 78, 125, 142.)
Es war mir nicht möglich, das Nest dieses Vogels zu
finden, ungeachtet ich ihn jeden Tag in den Buchten schwim-
men sah; nicht glücklicher waren Svabo, Landt und Graba,
da diese seiner wohl als gemein erwähnen , die beiden Erste-
ren aber ausdrücklich bemerken, dass man sein Nest dort
nicht gefunden habe und dass die Einwohner deshalb glauben,
er brüte seine Eier unter den Flügeln aus. Ich habe nur
jüngere Exemplare von da her empfangen, da die älteren so
ausserordentlich scheu und schwer zu schiessen sind; aber
ich bin überzeugt, dass er dort niste, welche Vermuthung
ich später bestätigen zu können hoffe.
Podicipes cornutus Lath.
Dan. Hörnet Lappedykker.
Von diesem Vogel habe ich einige Exemplare von dorther
erhalten; aber es waren fast allezeit junge im Herbstkleide,
und ich selbst sah ihn dort nicht, wie ich auch keinen im
Sommer von daher bekommen habe.
übersetzt von Dr. Crepliu. 245
Podicipes arcticus Boie.
Dan. Nordisk Lappedykker.
Auch diesen Vogel trifft man dort oft, im Frühjahr und
Herbst, an; aber er nistet eben so wenig, wie der vorige, da-
selbst, da die nothvvendige Localität, Binnenseen weiter land-
einwärts, welche Island in Menge besitzt, hier mangelt. Landt
erwähnt unter dem Linneischen Namen Colymbus cristatus
einen Vogel (S. 262); dieser muss entweder Pod. cornutus
oder arcticus sein, da P. cristatus, für welchen Nilsson
als Synonym Linne's Col. cristatus anführt, auf den Färöern,
meines Wissens, nie gefunden worden ist.
Podicipes minor Lath.
Dan. Dverg- Lappedykker.
Das Universitätsmuseum hat ein junges Exemplar von
diesem Vogel bekommen, welches am 24. Novbr. 1845 auf
Nalsö geschossen worden war.
Cygnus musicus Bechst.
Dan. Sangsvane. Fär. Svänur.
Wegen Mangels einer passenden Localität auf den Fär-
öern kann der Schwan dort nicht nisten; aber im Herbst
und Frühjahr findet er sich nicht selten an den grössern Berg-
seen, z. B. Sörvagsvattn auf Vagö, Lejnnavattn auf Nord-
Strömö; doch ist er jetzt seltner, als früher, da man ihn allzu
schonungslos verfolgt hat.
Jnser segetum Meyer.
Dan. Sädgaas. Fär.- Gragas.
(Landt, S. 247. Anas Anser /erus.)
Svabo sagt von diesem Vogel, er lege im Mai 6 Eier
auf ebener Erde und ziehe am Michaelistage weg; dasselbe
wiederholt Landt (S. 247) mit dem Beifügen, dass er (i. J.
1800) anfange, selten zu werden. Jetzt brütet er nicht auf
den Färöern, wird aber doch, nach glaubwürdigen Berichten,
ab und an dort angetroffen; ich selbst habe von den dortigen
Inseln kein Exemplar erhalten.
246 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
Anser torquatus Frisch.
Dan. Ringgaas. Fär. Helsingag^s.
(Landt, S. 248. Anas Bernicla.)
Findet sich dort ab und an im Frühling und Herbst,
nistet aber daselbst ni(tht. Da er vermuthlich auf Island
brütet (Faber, Prodr., S. 80) und von da zieht, so ist es
wohl wahrscheinlich, dass er, wie der Schwan, unterweges
auf den Färöern ausruhe.
Anser leucopsis Bechst.
Dan. Fjeldgaas. Fär. Branigas.
(Landt, S. 248. Anas erythropus.)
Wird besonders im October in Schaaren von 30 — 50 In-
dividuen, aber nicht regelmässig, gesehen, und man bekommt
ihn nicht oft von den Färöern, da er sich auf denselben nur
eine kurze Zeit hindurch aufhält.
A?tas Crecca L.
Dan. Krikand. Fär. Krikk-Ondt.
(Landt, S. 251. Graba, S. 80.)
Nistet nicht auf den Färöern , lässt sich aber im Frühjahr
auf ihrer Reise nach Island, wo sie ein gemeiner Zugvogel
ist (Faber, Prodr., S. 77), sehen. Graba sah sie am 5ten
Mai, während Faber ihre Ankunftszeit in Island auf die
dritte Woche im April setzt; hier muss also dieser Termin
weiter hinausgerückt werden, denn ihr Nest ist auf den Fär-
öern nicht gefunden worden, und die Localität ist dort auch
nicht passlich.
Anas acuta L.
Dan. Spidsand. Fär. Stikkondt (?).
(Landt, S. 250. Graba, S. 125.)
Landt führt diese Ente als zufällig auf den Färöern an;
schon Svabo erwähnt ihrer, hat auch eine gute Zeichnung
von ihr geliefert. Graba (a.a.O.) sah sie am Strande auf
Vagö am 2. Juni; dies reimt aber nicht dazu, dass sie auf
ihrem Zuge nach Island durchkäme, wo sie am 17 — 27. April
übersetzt von Dr. Creplin. 247
anlangt (Faber, Prodr. , S. 76); auf der andern Seite sehe
ich keine Wahrscheinlichkeit darin, dass sie auf den Faröern
nisten sollte, wenn die übrigen Enten der Gattung, welche
sämmtlich unter eine und dieselbe Kategorie gehören, dies
nicht thun, es wäre denn, dass man annehmen könnte, wozu
ich geneigt bin, dass die färöische Fauna auch hinsichtlich
dieser Gattung sich allmählich vermehrte; denn es ist gewiss,
dass schon in meiner kurzen Praxis die Anzahl der auf den
Faröern geschossenen Anates in den letzten 4 — 5 Jahren be-
deutend zugenommen hat. Was diese Art betrifft, so sah ich
sie dort nicht selbst, konnte auch keine Nachrichten von ihr
erhalten, habe aber Exemplare in der Paarungstracht von
daher gesehen.
Anas Penelope L.
Dan. Piband.
Ich habe nur ein altes Exemplar von diesem Vogel von
den dortigen Inseln gesehen, welches das Uniyersitätsmuseum
im vorigen Herbst erhielt; es ist aber zu vermuthen, dass er
auf dem Zuge nach Island, wo er nistet, öfter werde ange-
troffen werden.
Fuligula glacialis Bonap.
Dan. Havlit. Fär. Egvedla.
(Landt, S.251. Anas hyemalis, G r a b a , S. 4 6.)
Diese Ente hält sich den ganzen Winter hindurch auf
den Faröern in grosser IMenge auf, zieht aber um den ISten
Mai weg, wo Slerna arctica ankommt. Graba (a. a. O.) sah
sie zu Anfange des Maies in Sommertracht; aber die Zugzeit
passt nicht zu Faber's Beobachtung (Prodr., S. 70), w'enn
er ihre Ankunft bei den Nistplätzen auf die letzte W^oche im
April verlegt. Ich sah sie nicht in den Monaten Juni und
Juli und bin sowohl nach dieser Erfahrung, als nach schrift-
lichen und mündlichen Versicherungen von Zeugen gewiss,
idass sie auf den Faröern nicht nistet.
f:
Fuligula Marila Bonap.
i ' Dan. Bjergand, Polsk Adelmand.
, Wird in den Zugzeiten ziemlich häufig angetroffen; doch
248 Holm: Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
habe ich auch im Decbr. 1843 ein Weibchen und im Juli
1846 ein altes Männchen von dorther empfangen. Ich selbst
fand sie .dort nicht, glaube auch nicht, dass sie auf jenen In-
seln niste.
FuUgula fusca "^owdi^.
Dan. Flöjelsand.
Obgleich die Sammetente nicht auf Island nistet und also
nicht unter dieselbe Kategorie kommt, wie die übrigen Enten
dieser Gattung, welche zufällig auf den Färöern angetroffen
werden, so sind doch junge und alte von ihr mehrmals, aber
doch lange nicht so häufig, noch in so grosser Menge, wie
von den anderen, geschossen worden. Sie mag wohl von
Norwegen über die Nordsee dahin kommen; denn sie gehört
mehr dem Osten an und brütet gewiss nicht auf den Shet-
landsinseln. (Macgillivray, Manual, II, S. 180.) Landt
erwähnt ihrer S. 249, obschon der von ihm angeführte Name,
Sjö-Orre, der Fulig, nigra angehört.
Fuligula Clangula Bonap.
Dan. Hvinand.
Findet sich sehr häufig schaarenweise in den Buchten zur
Frühlings- und Herbstzeit, nistet aber dort noch nicht. Ich
habe viele Exemplare von da her gesehen.
Mergus Merganser L.
Dan. Stör Skallesluger. Fär. Topp-Ondt.
(Landt, S.252.)
Ab und an auf dem Zuge von Island; nistet aber auf
den Färöern nicht.
Mergulus Alle Ray.
Dan. Grönlandsdue. Fär. Fullkubbi.
(Landt, S. 255. Alca Alle.)
Dieser Polarvogel verirrt sich im Winter oft nach den
Färöern und findet sich dann in grossen Schaaren in den
Buchten; doch geschieht dies nicht regelmässig alle Jahre,
und man beschuldigt ihn deshalb, dass er Stunn und einen
strengen Winter bringe, welches auch meistens der Fall ist.
übersetzt von Dr. Creplin. 249
Er nistet weder auf Island (Grimsey kann hier nicht mitge-
rechnet werden), noch auf den Färöern, und muss also wohl
von Grönland her kommen. Sie sind zwischen den grossen
Steinen in den Buchten so verwirrt, dass man sie mit den
Händen greifen kann.
Jetzt will ich nur noch die Vögel, deren Landt erwähnt,
nennen, die ich weggelassen habe, theils weil ich nicht selbst
Exemplare derselben von den Färöern gesehen, theils weil
ich keine sichere Nachricht darüber habe erlangen können,
ob sie sich dort noch finden. Es sind: Corvus Monedula und
lynx Torquüla (S. 247), welche gewiss auf den dortigen In-
seln seit Landt's Zeit nicht angetroffen worden sind, Fuli-
gula spectabilis , welche Graba und ich vergebens dort ge-
sucht haben, und von welcher ich nicht einmal ein Exemplar
von daher gesehen habe, Anas circia (S. 251), welche ver-
muthlich ^. Querquedula ist, die mir aber auch von dort nicht
zu Gesicht gekommen ist. Won FuUgula histrionica habe ich
von dorther auch Nichts gehört oder gesehen, und doch ist
sie auf Island ein Standvogel. Von Alca impennis sagt schon
Svabo, sie werde nur sehr selten unter den Bergvögeln auf
Fuglö gefangen; Landt bemerkt bloss, dass sie anfange selten
zu werden. Jetzt findet sie sich nicht mehr auf den Färöern
und die Einwohner kennen kaum ihren Namen.
Faber hat seinem Buche, „Ueb. d. Leben d. hochnord.
V.", ein V^erzeichniss der verschiedenen Namen der nordischen
Vögel in den Mundarten der Länder angehängt, in welchen
man sie antrifft; dasselbe leidet jedoch, namentlich was die
färöischen Vögel betrifft, an manchen Unvollkommenheiten
wozu grossentheils die gänzliche Unfähigkeit der Deutschen
beiträgt, unsere nordischen Sprachen zu drucken '). Ich will
') Ich habe mit der Orthographie der färöischen und isländischen
Namen, wie sie sich in dem Original -Aufsatze finden, für diese
Uebersetzung keine andere Veränderung vorgenommen, als dass ich
das eigenthümliche, gestrichene— dem englischen weichen th ana-
loge — d durch dh, und das nur in den isländischen Namen vor-
kommende, dem englischen harten th analoge Buchstabenzeichen
durch th wiedergegeben habe. Cr.
250 Holm: Ornithologischcr Beitrag zur Fauna der Färber,
mir deshalb erlauben, eine Liste der faröischen, isländischen
und grönländischen Namen mitzutheilen, da ich durch viel-
jähriges Sammeln zu der Ueberzeugung gelangt bin, dass Un-
kenntniss der bei den Eingeborenen üblichen Benennungen
oft Dinge verloren gehen lässt, welche man sonst wohl er-
halten möchte; und ausserdem geben diese Namen oft inter-
essante Winke hinsichtlich der auffallendsten Züge im Leben
der Vögel. Die faröischen Namen kenne ich aus dem Lande
und der Sprache selbst, die isländischen habe ich theils von
Faber, theils aus mündlicher Mittheilung, so wie die grön-
ländischen theils aus Fabricius' Fauna groenlandica, theils
von Eingeborenen , welche sie mir jedoch nur nach der nord-
grönländischen Aussprache mittheilten, nach welcher ich sie
deswegen hinzugefügt habe, wo sie verschieden von denen in
Fabricius' Texte lauteten.
übersetzt von Dr. Creplin.
251
252 Holm; Ornithologischer Beitrag zur Fauna der Färöer,
übersetzt von Dr. Crepliii.
253
Verzeichniss
der
in den ersten vierzehn Jahrgängen enthal-
tenen Aufsätze.
Nach den Autoren o^eordnol.
Archiv f. Naturgcsch. XIV. Jahrg. 1. ßd. 17
on-:>i
Agassis.
Ueber die Familie der Karpfen
Ueber Belemniten
, Jalirgans
IV,
I. 2.
Anton.
Diagnosen einiger neuen Conchylien-Arten
(Solen, Lutraria, Mactra, Amphidesma,
Tellina, Donax, Cyclas, Venus, Perna,
Anomia, Parmophorus)
Asclierson.
Ueber die Fructificationsorgane der höhe-
ren Pilze
Audubon, «fanies.
Ueber das Vorkommen der nordamerikani-
schen Schlüpfer (Troglodytes) . . .
Naturgeschichte des Cupido-Huhns . . .
V. Baer.
Schilderung des thierischen Lebens auf No-
vaia Zemlia
Ueber den Zubr oder Auerochsen des Kau-
kasus
Nochmalige Untersuchung der Frage: ob
I in Europa in historischer Zeit zwei Ar-
ten von wilden Stieren lebten? (gelesen
in der Petersburger Academ. den 4. Mai
1838)
III.
ir.
II.
II.
V.
iii.
V.
17*
Seite.
73.
244.
281
372.
312.
164.
160.
268.
62.
260 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
lieber die Entstehiingsweise der Schwimm-
blase ohne Alisführungsgang . . . .
Zusatz zu Weisse's Aufsatz über die Ver-
mehrungsweise des Chlorogonium euchlo-
rum Ehrbg.
!Baa*eiitin,
Bemerkungen zur Naturgeschichte des Blut-
egels
Die Vegetation in der Mark Brandenburg.
Ein Beitrag zur Pflanzengeographie . .
BlasitES und \\ K.eysei*liHg.
Uebersicht der Gattungs- und Artcharaktere
der europäischen Fledermäuse ....
Nachträgliche Bemerkungen zur Uebersicht
der Gattungs- und Artcharaktere der
europäischen Fledermäuse im 5. Jahrg. .
Berichtigung von Artnamen (Mus, Sminthus)
Ueber ein zoologisches Kennzeichen der
Ordnung der Sperlingsartigen- oder Sing-
vögel
Erwiederung auf Burmeister's Aufsatz : Be-
merkungen über die Bekleidung des Laufs
der Singvögel « ,
£BluiBie«
Einige Bemerkungen über den Culilawan-
Baum des Rumphius
Boje.
Bemerkung zu dem Aufsatze der Herren
V. Keyserling und Blasius über die euro-
päischen Fledermäuse ......
JBoiia^iarte , Prinz von Musignano.
Cheloniorum tabula analytica
Jahrgang.
HI.
XIV.
VI.
VI.
V.
VI.
VI.
V.
VI.
I. 1.
VI.
IV.
Seite.
218.
65.
285.
331.
293.
1.
330.
332.
362.
116.
262.
136.
enthaltenen Aufs'ätze. Nach den Autoren geordnet. 261
Jahrirang. Seite.
Die italienischen Spitzmäuse, nach den An-
gaben der Iconografia della Fauna italica.
Im Auszüge mitgetheilt von A. Wagner
Brandt.
Bemerkungen über den innern Bau des
Wnychucol (Myogale moschata) im Ver-
gleich mit dem des Maulwurfs und der
Spitzmaus (Sorex araneus), ein Send-
schreiben an den Herausgeber . . .
Ueber eine neue Ordnung der Myriapoden
\\ Bredo^v.
Auszüge aus dem Schreiben des reisenden
Naturforschers C. Moritz in Südamerika
Broderip.
Neue Arten von Conchylien, gesammelt
von Herrn Cuming (Tritonium) . . .
Bronn.
Ueber die fossilen Gaviale der I.ias-Forma-
tion und der Oolithe
Bnrineisier.
Einige Bemerkungen über die Bekleidung
des Laufs der Singvögel, Passerinae,
Nitsch
Die Verwandlungsgeschichte von Chlamys
monstrosa (Abb.)
Distomum globiporum Rud. Ausführlich
beschrieben (Abb.)
Vergl. auch
t
Cabanis.
1 Ornithologische Notizen I. Abb
Ornithologische Notizen H
Vif.
H.
III.
ilf.
r. 1.
VlII.
VI.
1. 2.
I. 2.
II.
XIII.
XUI.
2.97.
176.
238.
408.
289.
77.
220.
245,
187.
217,
186.
308.
262 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Bemerkungen zu Gambel's Aufsatz über
die in Ober- Californien beobachteten
Vögel
de Caiidolle.
Ueber die geographische Verbreitung der
Compositen
Cocco.
Ueber einen in der Meerenge von Messina
gefundenen Delphin. Aus einem Briefe
an Philippi in Kassel. Abb
Coucli.
Bemerkungen über den Häutungsprocess
der Krebse und Krabben
Creplin,
lieber die Fortpflanzungsweise des Aals.
Aus einer brieflichen Mittheilung . . .
Ueber Echinorrhynchus Tuba
Helminthologische Bemerkung (in Cysten
eingeschlossene Nematoideen besitzen
niemals Geschlechtstheile
Monostomum Faba Bremseri (Abb.) . .
Endozoologische Beiträge. 1. Ueber Taenia
denticulata Rud. und Taenia expansa
Rud. ; 2. Monostomum expansum n. sp. ;
3. Distomum veliporum n. sp. , Abb.
Endozoologische Beiträge. Fortsetzung. 4.
Amphistomum scleroporum n. sp.; 5.
Zweifelhafte Rundwürmer. Abb. . . .
Beschreibung zweier neuer Amphistomen-
Arten aus dem Zebu-Ochsen (Amphisto-
mum crumeniferum, explanatum). Abb.
Nachträge zu Gurlt's Verzeichniss derThiere,
bei welchen Entozoen gefunden worden
sind
I Jahrgang.
XIV.
VI.
xn.
IV.
VIII.
X.
XIII.
XII.
Seite.
82.
287.
104.
337.
315.
112.
30.
129.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet. 263
Nachträge zu Gurlt's VerzeichnissderThiere,
in welchen Endozoen gefunden worden
sind. Zweiter Nachtrag
Beschreibung der Psorospermien des Kaul-
barsches nebst einigen Bemerkungen über
die der Plötze u. a. Abb
Ciivier, F.
Eligraodontia, neues Nagethier-Genus . .
Dana.
Conspectus Crustaceorum in orbis terra-
rum circumnavigatione, C.Wilkes e classe
Reipublicae Foederatae duce, collectorum
Dassen.
lieber die Bewegungen der Pflanzen . .
lieber die Bewegungen der Pflanzen (Schluss)
£cl£liard«
Die Organisationsverhältnisse der polyga-
strischen Infusorien mit besonderer Rück-
sicht auf die kürzlich durch Herrn v.
Siebold ausgesprochenen Ansichten über
diesen Gegenstand. Abb
Elireuberg, JL»
Einige Bemerkungen zu dem Aufsatze von
Werneck über die Stiebeische Abhand-
lung: die Grundformen der Infusorien in
den Heilquellen
Elirenbers? €?• C^«
Naturreich des Menschen, oder das Reich
der willensfreien beseelten Naturkörper,
in 29 Klassen übersichtlich geordnet.
(Anzeige)
Jahrgang.
XIII.
VIII.
III.
XIII,
IV^
IV.
Seite.
289.
61.
407
XII.
IX.
I. 2.
301.
215.
345.
209.
111.
130.
264 Verzeichniss det in den ersten vierzehn Jahrgängen
Lieber die thierische Organisation. Auszug
aus dem Schluss eines Vortrages in der
Berliner Academie der Wissenschaften,
am 18. Juni 1835, über die Acalephen
des rothen Meeres
Ueber bisher unbekannte Fang-Angeln und
Nessel-Organe, so wie über das angeb-
lich getrennte Geschlecht der Acalephen.
Abbild
Vorläufige Mittheilung über die Infusorien
der Carlsbader Mineralquellen . . .
Ueber fossile Infusionsthiere. Auszug aus
dessen Vorträgen in der physikalischen
Klasse der Akademie der Wissenschaften
zu Berlin am 27. und 30. Juni 1836 .
Ueber die fossilen Infusorien -Gattungen
Xanthidium und Peridinium ....
Ueber fossile Infusorien
£ieliivald.
Einige Bemerkungen über das kaspische
Meer
Ueber die Kultur des Safrans
Ekstroni«
Beiträge
zur Naturgeschichte
der Eider-
Ente (Anas mollissima)
Sommerkleid der Anas clangula ....
llrdl.
Ueber die beweglichen Fäden in den Ve-
nenanhängen der Cephalopoden. Abb. .
Ueber den Bau der Organe , welche an der
äusseren Oberfläche der Seeigel sicht-
bar sind. Abb
Ericltson.
Ein Blick auf die Classification der wirbel-
losen Thiere
Jahrgang
I. 2.
Vlll.
II.
II.
III.
III.
IV.
I. 1.
II.
II.
IX.
VIII.
VII.
Seite.
123.
67,
240.
333.
273.
275.
97.
392.
66.
69.
162.
45.
1.
I
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet, 265
Conspectiis InsectorumColeopteroruin, quae
in Republica Peruana observata sunt
Neue Südamerikanische Käfergattungen aus
der Familie der Blätterhörner (Scatono-
mus, Aclopus, Symmela, Athlia, Cra-
toscelis, Lichnia). Abb
Beitrag zur Insecten-Fauna von Angola, in
besonderer Beziehung zur geographischen
Verbreitung der Insecten in Afrika . .
Beitrag zur Insecten-Fauna von Vandie-
mensland, mit besonderer Berücksichti-
gung der geographischen Verbreitung der
Insecten. Abb
Zur Naturgeschichte der Mantis Carolina.
Aus einem Schreiben des Herrn Chr.
Zimmermann mitgetheilt
lieber die Gattung Pteroloma
Zur Gattung Oncodes (Ogcodes Latr.)
Zur systematischen Kenntniss der Insecten-
larven. Erster Beitrag. Die Larven der
Coleopteren
Zur systematischen Kenntniss der Insecten-
larven. Erster Beitrag. Die Larven der
Coleopteren. Fortsetzung
Zur systematischen Kenntniss der Insecten-
larven. Fortsetzung
Uebersicht der Arten der Gattung Astacus
Nachtrag zur Uebersicht der Arten der
Gattung Astacus
Zusatz zu dem Philippi'schen Aufsatze über
die neapolitanischen Pycnogoniden . .
E^chscliolCz.
Aucheuia Savigniana. Abb
Falk.
Ueber die Abkunft des mittleren Waldhuh-
nes (Rackelhenne. Tetrao hybridus L.) .
Jahrgang.
XIII.
L 1.
IX.
VIIL
LX.
III.
XII.
VII.
VIII.
XIIL
XII.
XII.
IX.
L 1.
Seite.
67.
II.
256.
199.
83.
390.
119.
288.
60.
363.
275.
86.
375.
181.
85.
74.
266 V^erzeicbniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
1 Jahrgang.
Mittheilung über eine Original -Abbildung
des Dronte (Didus ineptus Linne) von
Roland Savery in der k. k. Geniälde-
Gallerie im Belvedere zu Wien . . .
Einige nachträgliche Bemerkungen überGre-
garinen. Abb
Frey.
Ueber die Entwicklung der Gehörwerk-
zeuge der Mollusken. Abb
Freyep.
Ueber eine neue Art von Hypochthon
(Proteus). Briefliche Mittheilung. Abb. .
Fries.
Beobachtungen über die Frühlingsmauser
von Anas glacialis
Untersuchung der an den schwedischen
Küsten vorkonunenden Arten der Gat-
tung Gobius L
Ichthyologische Beiträge zur scandinavi-
schen Fauna. Erster Theil. Das Geschlecht
Syngnathus. (Abb.)
Metamorphose, bemerkt bei der kleinen
Meernadel (Syngnathus lumbriciformis).
Abbild. ".
Entgegnung an den Herausgeber (Syngna-
thus aequoreus habe der Bloch'schen Ab-
bildung als Original gedient) ....
Ichthyologische Beiträge (Ueber den Stirr,
Salmo salmulus Raji; Pterycombus
Brama; die Gattung Callionymus L.; die
Gattung Clinus Cuv.)
Ichthyologische Beiträge zur skandinavi-
schen Fauna (Pleuronectes) ....
XIV.
XIV.
XI.
XII.
IL
VI.
IV.
IV.
IV.
V.
VI.
Seite.
79.
188.
217.
289.
68.
233.
236.
251.
374.
9.
18.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet. 267
Fritsclie.
Ueber die Entwickelung des Pflanzeneies
in seinen frühesten Zuständen und über
die Bildung der Häute desselben. (Mit-
getheilt in der Botanischen Section der
Versammlung der Naturforscher zu Bonn)
Ueber die in Ober-Californien beobachteten
Vögel (mit Bemerkungen von J. Cabanis)
eebler«
Perdix altaica
Qloger.
Berichtigungen (über die Charaktere der
Singvögel)
Bemerkungen über das Vorkommen von
Pflanzen in heissen Quellen und in un-
gewöhnlich warmem Boden
Crottsclie.
Die seeländischen Pleuronectes- Arten . .
Oould*
Uebersicht der Ramphastiden
Gray.
lieber einige neue oder wenig bekannte
Säugethiere, besonders aus der Samm-
lung des britischen Museums (Paradoxu-
rus, Herpestes, Macropus — Ilalmaturus
— Petrogale — Bettongia — Hypsi-
pryranus, Sciuroptera)
Jahrgang
Suite.
I. 2.
XIV.
III.
VI.
III.
1. 2.
II.
V.
229.
82.
267.
227.
201.
133.
307.
188.
268 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Beiträge zur Kenntniss der geographisclien
Verbreitung der Säugethiere Australiens,
mit Notizen über einige neu entdeckte
Arten. Im Auszuge mitgetheilt von A.
Wagner
Eine Mittheilung über die Verbreitungs-Art
des Mytilus polymorphus Pall. . . .
Heber die Familie der Trogmuscheln (Ma-
ctradae Gray)
Beobachtungen über das Wachsthum der
Vegetationsorgane in Bezug auf Syste-
matik. Erster Abschnitt. Ueber das
Wachsthum der Stengelglieder ....
Beobachtungen über das Wachsthum der
Vegetationsorgane in Bezug auf Syste-
matik. Zweiter Abschnitt. Ueber das
Wachsthum der Blätter. Abb
Nachtrag zu den Beobachtungen über das
Wachsthum der Blätter. Abb. . , . .
Beobachtungen über das Wachsthum der
Vegetationsorgane in Bezug auf Syste-
matik. Dritter Abschnitt. Vom Phyl-
lostrum
Ueber den Vegetationscharakter von Har-
dangar in Bergens Stift
Oru1>e«
Beschreibung einer auffallenden an Süss-
wasserschvvämmen lebenden Larve. Abb.
Ueber den Lumbricus variegatus Müller's
und ihm verwandte Anneliden. Abb.
Beschreibungen neuer oder weniger be-
kannter Anneliden. Erster Beitrag: Sa-
bella lucuUana, S. luxuriosa, lanigera,
Josephinae, penicillus, pavonina. Abb. .
Jahrgan!:
VIII.
V.
IV.
IX.
X.
X.
XII.
X.
Suite.
IX.
X.
33.9.
108.
86.
267.
134.
345.
1.
1.
XII.
331.
198.
45.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet.
269
Beschreibungen neuer oder wenig bekann-
ter Anneliden. Zweiter Beitrag: Cane-
phorus elegans, Ammochares Ottonis,
Dasymallus caducus, Scalis ininax. Abb.
Beschreibungen neuer oder wenig bekaiui-
ter Anneliden. Dritter Beitrag. Die Gat-
tungen Sabellaria Lam. (Hermella Sav. )
und ihre Arten. Abb
Einige neue Land- und Süssvvasser-Con-
chylien (Unio, Bulimus). Abb. . . .
Beschreibung von vier auf Cuba gefangenen
diiicllacli.
chreibung vc
Fledermäusen
aber z
Cuba
lieber zwei von mir gesammelte Böen von
Giirlt.
lieber Häutung und Metamorphose von
Strongylus armatus. Abb
Verzeichniss der Thiere, bei welchen En-
tozoen gefunden worden sind . . . .
Vergl. auch
Desgleichen
Uall.
Ausflüge in die Nachbarschaft von Quito
und zum Gipfel des Chimborazo im
Jahre 1831
HanKeS.
Der Dodo, die Einsiedler und der erdich
tete Nazarvogel . . . . . . .
Marless.
Untersuchung der Chromatophoren bei Lo-
ligo. Abb. , , , ,
Jahrgang
XII.
XIV.
VII.
VI.
VI.
X.
XI.
XII.
XIII.
I. 2.
XIV.
XII.
Seit©.
161
34,
276.
356.
359.
322.
223.
129.
289.
100.
118.
34.
270 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Jahrgang. Seito.
lieber die Nieren der Sepia oder die so-
genannten Venenanhänge. Abb. . . ,
Martig,
Ueber die gestielten Eier der Schlupf-
wespen. Abb
Heule und Müller«
Ueber die Gattungen der Plagiostomen.
Zweite Mittheiliing
Hoclistetter und ;§leiiliert.
Uebersicht der Flora der azorischen Inseln.
Abbild.
*••••*
Hodgson.
Ueber den Gaiiri Gau. Abb.
^aiB der Hoeveii.
Berichtigung einer Stelle der Isis von Oken
für 1836 (über die Farbenveränderung
des Chamäleons
Einige Worte über die Gattung Limulus .
Mofl*maiin, «f. F.
Beiträge zur näheren Kenntniss von Lemna
arrhiza nebst einigen Bemerkungen über
L. polyrrhiza, gibba, minor und trisulca
Abbild
HofiTnielster.
Beitrag zur Kenntniss deutscher Landan-
neliden. (Lumbricus, Rhynchelmis, Ha-
plotaxis, Enchytraeus, Saenuris). Abb. .
Holm, ABbergr«
Ornithologischer Beitrag zur Fauna der
Färöer, übersetzt von Creplin * * .
XIIl.
III.
IV.
IX.
VI.
III.
IV.
VI.
IX.
XIV.
1
151
83.
263.
229.
331.
138.
183.
197.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet. 271
Hornscltiicli und Scliilliii^.
Ornithologische Beiträge aus dem zoologi-
schen Museum der Universität zu Greifs-
wald (I. Lieber Limosa Meyeri Leisl. und
Limosa rufa Briss.)
T. Hügel.
Mittel gegen die Brunstwuth der Elephanten
V. Hiimbolclt.
lieber den Manati des Orinoko (aus dessen
französischen Manuscripten übersetzt von
Wiegmann). Abb
Jabloiiski.
Beitrag zur Lösung der Frage, ob durch
den Vegetationsprocess chemisch unzer-
legbare Stoffe gebildet werden? Abb. .
•Sonas.
lieber Helix rosacea und H. lucana MüUeri,
nebst Diagnosen einiger neuen Conchy-
lien. (Helix, Helicina, Ampullaria, Stra-
thiolaria, Cassis, Thracia, Venus, Acha-
lina). Abb
Kartell.
Die Entwickelungsgeschichte des Limnaeus
stagnalis, ovatus und palustris, nach
eigenen Beobachtungen dargestellt. Abb.
Karsten.
Verschiedene Bemerkungen über
cryptogamische Gewächse. Abb.
eunge
H.anp.
Bemerkungen über die drei Arten Masto-
don und die drei Arten Tetracaulodon
des Herrn Isaac Hays . •
Jahrgang.
IV.
Seite.
167.
109.
IV.
H.
V.
XU.
IX.
IX.
206.
334.
236.
338.
168.
272 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
V« lieyserliiig und ISIasitis*
Uebersicht der Gattiings- und Artcharak-
tere der europäischen Fledermäuse . .
Nachträgliche Bemerkungen zur Uebersicht
der Gattungs- und Artcharaktere der
europäischen Fledermäuse im 5. Jahrgange
Berichtigung von Artnamen (Mus, Sminthus)
Heber ein zoologisches Kennzeichen der
Ordnung der Sperlingsartigen oder Sing-
Jalu-<ransr.
vögel
Erwiderung auf Burmeister's Aufsatz : Be-
merkungen über die Bekleidung des Laufs
der Singvögel
üirtland.
Ueber die sexuellen Charaktere der Najaden
Neue und weniger gekannte südamerika-
nische Euphorbiaceen-Gattungen. Abb. .
Tuckermania, eine neue nordamerikanische
Gattung aus der natürlichen Ordnung
Empetreae
Die Crotoneae der Flora von Nordamerika
Die Gattung Trewia L
Bestimmung dreier neuen Gattungen und
Auseinandersetzung einiger verwandten
Arten von Madagascar, aus den Familien
Cicindeletae und Carabici. (Pogonostoma,
Eudromus, Beleopterus, Thyreopterus).
Abbild
Ueber zw^ei neue Käfergattungen aus Ma-
dagaskar (Colobodera, Aulonocnemis) .
Auszug aus einem Briefe des Herrn Moritz
über Raupen .
V.
VI.
VI.
V.
VI.
II.
VII.
VII.
VII.
VII.
I. 1,
IV.
II.
Seite
293.
1.
330.
332.
362.
236.
175.
248.
250.
255.
381.
67.
303.
enthaltenen Aufslitze. Nach den Autoren geordnet. 273
HlocIb, C li.
Systematische Uebersicht über die Familie
der Galeoden
Systematische Uebersicht über die Ordnung
der Zecken
Beobachtungen über das Cupido-IIuhn. Te-
trao Cupido L. (Prairie-Henn , Rüster)
Zur Lehre von den Furchungen ....
ÜÖUiker.
Ueber die contractilen Zellen der Planarien-
Embryonen. Abb
Beobachtungen schwedischer Zoologen, im
Auszuge mitgetheilt.
a. Beiträge zur Nuturgeschichte der Eider-
Ente (Anas mollissima von L. U. Ekström
b. Beobachtungen über die Frühlingsmau-
ser der Anas glacialis von B. Fries .
c. Sommerkleid der Anas clangula von
Ekström . . .
d. \A'ie viele Luchsarten giebt es in Scan-
dinavien?
e. Ueber das Vorkommen des Edelhirsches
in. Scandinavien von Sundewall . .
f. Heber die Abkunft des mittleren Wald-
huhns (Rackelhane. Tetrao hybridus L.)
von Hermann Falk . . . ...
MraiBSS.
Ueber die Beutel-Fledermaus aus Surinam
(Saccopteryx lepturus). Abb
Archiv f. Naturgcsch. XIV. Jahrg. 1. Bd.
Jahrgang.
VIIL
X.
IL
XIIL
XII.
II.
XIL
IS
Seite.
350.
217.
159.
0,
291
74.
178.
274 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Rrolin.
Ueber das Brütorgan der Gattung Ilippo-
campus. Briefliche Mittheilung an den
Herausgeber
Ueber einen neuen Cephalopoden (Octo-
podoteuthis). Abb
Ueber eine neue Pteropoden-Art (Tiede-
niannia creniptera). Abb
Nachträge zu den Aufsätzen über Tiede-
mannia, Octopodoteuthis und Alciopa.
Abbild
Zoologische und anatomische Bemerkungen
über die Alciopen. Abb
Notiz über die Anwesenheit eigenthümlicher
Luftkanäle bei Velella und Porpita . .
Uroyei*.
Zur Verbreitung von Cyprinus Farenus .
Die Dänischen Austerbänke
Einige botanische Bemerkungen (Myosurus,
Narben der Gattung Papaver, Embryo
der Cruciferen , (Gattung Teesdalia)
Berichtigung (über die Deutung der Blüthen
der Garten-Balsamine)
Ueber die Natur des schlauchartigen Or-
gans (Utriculus), welches in der Gat-
tung Carex das Pistill und später die
Frucht einhüllt, Abb
Ueber dieFruchtbildung der Cyperaceen. Abb.
Berichtigung des Genus Idalia Lenck. und
das Genus Euplocamus Phil, betreffend
lienckarf, Rsed.
Ueber die männlichen Geschleclitstheile der
Sepiola vulgaris. Abb
Jahrgang.
VI.
XL
X.
XIIL
XL
XIV.
IIL
V.
IIL
IL
L 2.
IL
XIIL
23.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet. 275
Beschreibiiiig zweier neuer Helminthen
(Strongylus, Bothriocephalus). Abb.
Beobachtungen und Reflexionen über die
Naturgeschichte der Blasenvvürmer. Abb.
liiclitensteiii«
lieber Lutra inaculicollis aus dem Kaffer-
lande. Abb. ,
Wirbelbewegung der Kiemen von Syngna-
, thus Hippocampus
Einige Wahrnehmungen an lebenden Ce-
phalopoden . . . «
liindlieiiiier.
Pflanzengeographische Uebersicht von Texas
filnk.
Beitrage zur botanischen Geographie des
südlichen Europa .
lioveii.
Evadne Nordmanni, ein bisher unbekanntes
Entomostracon. Abb
Beobachtungen über die Metamorphose einer
Annelide. Aus den K. Vetenskaps-Aca-
demiens Handlingar für 1840 übersetzt
von Dr. W. Peters. Abb
Myzostoma cirriferum Leuck., ein parasiti-
scher Wurm. Abb. .
Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Cam-
panularia und Syncoryne. 1. Campanularia
Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Cam-
panularia und Syncoryne (Schluss). 2.
Syncoryne. Abb.
Ifleckel, J. F.
Beschreibung der vom Herrn A. v. Hum-
boldt nach Europa gebrachten und dem
Nationalmuseum zu Paris geschenkten
Amerikanerschädel
Jahrgang.
XIV.
XIV.
I. 1.
II.
u.
xn.
\i
IV.
VIII.
VIII.
HI.
III.
I. 1.
18*
Seite.
26.
7.
89.
228.
120.
277.
328.
143.
302.
306.
249.
321.
93.
276 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Iflefidftior«
Die Säiigethiere des Dänischen Staats und
Norwegens u. s. w
Zur Rothwüririer-Gattung Euaxes. Abb. .
meyen.
Essbare Tange
lieber die stengelartige Bildung bei dem
Fucus pyriferus L. (Abb.)
Einige nachträgliche Bemerkungen über die
Pilzbildung auf den Leibern der abge-
storbenen Fliegen
Vergleichende Bemerkungen über die Ver-
breitung der Vegetation in den grössten
Höhen des Himalaya und in Hoch-Peru
Ueber die Epidermis der Gewächse . . .
Beiträge zur Pflanzenphysiologie. (Ueber
die Entwickelung des Getreidebrandes in
der Mays- Pflanze; über einige Eigen-
thümlichkeiten in der Epidermis verschie-
dener Orchideen; einige Worte über das
Vorkommen von Brutknospen bei den
Laubmoosen; über aufi'allende Bewegun-
gen in den verschiedenen Pflanzentheil-
chcn). Abb
Ueber vegetabilische Spermatozoen . . .
Ueber die Bildung der faserförmigen Zellen
(Faser -Zellen) oder Baströhren der
Pflanzen
Erklärung der eigenthümlichen Stellung der
Embryonen im Mistel-Saamen, wenn de-
ren mehrere in einem und demselben
Saamen vorkonmien
Noch einige IMittheilungen über rothen i'ind
grünen Schnee . .
Jahrganj
n.
XL
L 1.
LI.
L 2.
n.
HL
HL
IV.
IV.
Seite.
76.
24.
13i.
389.
354.
313.
2H.
419.
212.
297,
VI.
VL
164.
166.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Antoren georduet. 277
Scljreiben desselben ^an den Herausgeber
(Wiegmann) gegen die Thiernatur eini-
ger Algen
Miqiiel.
Untersuchungen über die Reizbarkeit der
Blätter von Mimosa pudica L
Miraui.
Ueber die Lebenskraft der Eingeweidewürmer
Moritz.
Notizen zur Fauna der Insel Puertorico .
Auszug aus einem Briefe über amerikani-
sche Raupen
Ueber Südamerikanische Raupen , besonders
über die dortigen Brenn- und Giftraupen
Auszüge aus den Schreiben desselben aus
Südamerika
Noch einige Worte über Peripatus Guild.
Bastard -Annona. Notiz .
HlüIIer, A,
Ueber den Byssus der Acephalen, nebst
einigen Bemerkungen zur Anatomie der
Tichogonia Chemnitzii Rossm. (Mytilus
polymorphus Pall.) Abb
Hluller, August«
Ueber einige vaterländische Landschnecken.
Abbild.
]?iriller, Friedricli.
Ueber Gammarus ambulans, neue Art. Abb.
Orchestia Euchore und Gryphus, neue Ar-
ten aus der Ostsee. Abb
Ueber Hirudo tessulata und marginata O.
F. Müll. Abb
Jahrgang.
in.
VL
III.
IV.
XII.
XIV.
X.
Seite.
417.
91.
35.
i.
209.
296.
53.
370.
278 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
lliiUer, J» und Heule«
Ueber die Gattungen der Plagiostomen
Nachträgliche Bemerkung über die Gattun-
gen der Plagiostomen
VII.
IX.
IX.
Jahrgang.
Clepsine costata, neue Art. Abb. . . . | XII.
Zur Kenntniss des Furchungsprocesses im
Schneckeneie. Abb. . . . . . . .1 XIV.
Müller, «foliannes.
Nachschrift zu Nilsson's Abhandlung über
die systematische Eintheilung und spe-
cielle Beschreibung der Phoken (Otaria)
Beiträge zur Kenntniss der natürlichen Fa-
jnilien der Fische (gelesen in der Königl.
Academie der Wissenschaften zu Berlin
am 16. und 23. Juni 1842 und am 3.
August 184.3)
Nachträge zu der Abhandlung über die na-
türlichen Familien der Fische ....
Ueber den Bau und die Grenzen der Ga-
noiden, und über das natürliche System
der Fische (gelesen in der Academie der
Wissenschaften zu Berlin am 12. Dec.
1844)
Fernere Bemerkungen über den Bau der
Ganoiden (gelesen in der Academie der
Wissenscb. zu Berlin am 12. März 1846)
Ueber einen neuen Wurm Sipunculus
(Phascolosoma) scutatus. Abb. ....
Ueber die Gattungen und Arten der Coma-
tulen (gelesen in der Königl. Academie
der Wissensch. zu Berlin am 13. Mai
1841)
Neue Beiträge zur Kenntniss der Arten
der Comatulen
Ueber den Bau des Pentacrinus caput
Medusae
XI.
XII.
X.
Seite.
82.
i.
333.
292.
381.
91.
190.
166.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet. 279
lieber die Gattungen der Plagiostomen.
Zweite Mittheilung
Muller, «f. und Troscliel.
Synopsis generum et spccierum faniiliae
Characinorum. Prodromus descriptionis
novorum generum et specierum . . .
Ueber die Gattungen der Asterien . . .
Heber die Gattungen der Ophiuren . . .
Fortgesetzte Bemerkungen über die Gat-
tungen der Asteriden
Neue Beiträge zur Kenntniss der Asteriden.
1. Beschreibung neuer Arten; 2. Ueber
die Ophiuren mit Häkchen an den Ar-
men ; 3. Ueber die geographische Ver-
breitung der Asteriden
Beschreibung neuer Asteriden . . . . .
Müller, §alontoii.
Ueber die auf den Sunda- Inseln lebenden
ungeschvvänzten Affen-Arten ....
Ueber den Charakter der Thierwelt auf den
Inseln des indischen Archipels, ein Bei-
trag zur zoologischen Geographie. (Saug-
thiere, Vögel, Amphibien)
Mutzen.
Ueber eine neue Art der Gattung Deile-
phila. Abb
IVatliusius«
Bemerkungen über den Schädel von Lutra
und Spalax
Beiträge zur Kenntniss der europäischen
Spitzmäuse. Erster historischer Theil .
Helminthologische Beiträge. Erster Beitrag.
Ueber einige Eingeweidewürmer des
schwarzen Storchs. Filaria labiata Crepl.
und Strongylus trachealis (Syngamus
trachealis v. Sieb.)
Jährgarg.
IV.
X.
VI.
VI.
VI.
IX.
X.
XL
Seite.
XII.
VI.
IV.
IV.
83.
81.
318.
326.
367.
III.
113.
178.
72.
109.
171.
130.
19.
52.
280 Verzeichiüss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
JVaiiiiianii.
Ornithologische Reise nach und durch
Ungarn
Ornithologische Notiz (Turdus pallidus bei
Cöthen gefangen)
Zwei Arten Singschwäne in Deutschland.
Abbild
Entwurf einer systematischen Eintheilung
und speciellen Beschreibung der Phoken
Einige Bemerkungen über die Gattung Ar-
ctiscon und den Macrobiotus liufelandii
als Art derselben
üeber die Fortpflanzung des Pteroptus
Vespertilionis Dufour. Abb
Zur Classification der Annulaten, mtt Be-
schreibung einiger neuer oder unzuläng-
lich bekannter Gattungen und Arten. Abb.
Ueber die Entwickelung der Jungen bei
einer Annelide (Exegone naidina) und
über die äusseren Unterschiede zwischen
beiden Geschlechtern. Abb. ....
De familia fungorum Boletoideorum. Abb.
d'Orbigny.
Naturhistorische Schilderung des nördlichen
Patagonien
Ueber die geographische Verbreitung und
die Lebensweise der südamerikanischen
Singvögel, mitgetheilt von Stein . . .
Jahrgang.
III.
IV.
IV.
VII.
I. 1
III.
X.
XI.
IL
V.
Seite.
69.
372.
ti6i.
301
374.
327.
99.
20.
47.
235.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet. 281
Die Foraininiferen Amerika's und der Ca-
narischen Inseln. Im Auszuge mitgetheilt
von Troschel
Holopus, eine neue Gattung der Crinoiden.
Abbild .
Anatomie des Kinvi oder Kivikivi (Apteryx
australis Sh.)
Fortgesetzt
Lepidosiren ist kein Reptil
Gnathostoma. Ein neues Genus der En
tozoen ;
lieber die Anatomie von Ciavagella . .
PaasciB.
Beschreibung einer neuen bei Berlin ge-
fundenen Paludina. Abb
lieber das Geschlechtssystcm und über die
Harn bereitenden Organe einiger Zwit-
terschnecken. Abb
Beiträge zur genauem Kenntniss der Mol-
lusken (Geschlechtsorgane von Helix,
Clausilia, Bulimus, Physa). .4bb. . . .
PfelfiTer.
Bericht über die Ergebnisse meiner Reise
nach Cuba im Winter 1838—1839 . .
Uebersicht der im Januar, Februar und
März 1839 auf Cuba gesammelten Mol-
lusken (Fortsetz, von Jahrgang V. p. 346
Beiträge zur Molluskenfauna Deutschlands,
insbesondere der österreichischen Staaten
Beschreibung einer neuen Litorina, nebst
Bemerkungen über die Conchylien des
Ostseestrandes bei Travemünde . . .
Cylindrella, nov. Genus. Nebst Bemer-
kungen über die übrigen Gattungen der
Heliceen
Jahrgang.
VI.
V.
V.
V.
V.
IV.
VIII.
IX.
XI.
V.
VI.
vn.
V.
VI.
Seite.
398.
185.
85.
364.
393.
131.
I. 1. 362.
300.
71.
34.
346.
250.
215.
81.
38.
282 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Pliilippi.
Ueber Veretilliim piisilluiri. Abb
lieber das Tliier der Solenoiiiva iiiediterra-
iiea. Abb
Beschreibung einiger neuen Condiylien-
Arten (Verrnetus, Diplodonta, Tellina,
Corbula, Charna, Venus) und Bemerkun-
gen über die Gattung Lacuna von Tur-
ton (Abb.)
Verzeichniss der auf Helgoland gefundenen
Mollusken
lieber die Flora Siciliens im Vergleiche
zu den Floren anderer Länder . . .
Ueber die mit Asterias aurantiaca verwand-
ten und verwechselten Asterien der sici-
lianischen Küste
Beschreibung zweier missgebildeter See-
Igel, nebst Bemerkungen über die Echi-
niden überhaupt. (1. Monströser Echinus
Melo. 2. Beschädigter und geheilter Spa-
tangus. 3. Ueber das Wachsthum der
Echiniden. 4. Ueber die Füsschen der
Echiniden). Abb
Ueber Gorgonia paradoxa
Pododesmus, ein neues Genus der Ace-
phalen. Abb.
Beweis, dass die Nulliporen Pflanzen sind
Einige zoologische Notizen. 1. Zwei neue
Arten von Euplocamus; 2. Ueber das
Thier von Pileopsis Garnoti Payr. ( Pa-
tella Garnoti Phil. Enum. Moll. Siciliae);
3. Ueber das Thier von Galeomma; 4.
Oculina ramea Ehrenberg (Caryophyllia
ramea Lamk.}; 5. Chelura terebrans , ein
neues Ampbipoden- Genus; 6. Pandorina
corruscans Scacchi; 7. Ueber das Thier
von Astarte incrassata de la Jonk; 8.
Ueber das Thier von Pleurotoma Ber-
Jahrgang.
I. 1.
I. 1.
II.
II.
II.
III.
Seite.
277.
271.
224.
233.
337.
193.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet.
283
(randi Payr. ; 9. Ueber die Eier von Ver-
metiis gigas Bivona; 10. Hersilia apodi-
formis, ein neues Genus der Entomo-
straceen; Peltidium purpureum, ein neues
Genus der Entomostraceen
Zoologische Bemerkung. (Fortsetzung). 1.
Ciavagella balanorum Scacchi; 2. Das
Genus Zoe ist der erste Zustand von
Pagurus; 3. Asterope, ein neues Genus
der Ostracopoden; 4. Kurze Charakte-
ristik mehrerer neuer Genera aus der
Familie der Copepoden ; 5. Peneus si-
phonoceros; 6. Pontarachna punctulum,
eine Hydrachnide des Meeres; 7. Des-
mophyllum Stellaria Ehrenberg. Abb. .
Zoologische Bemerkungen. Fortsetzung. 1.
Fossarus, ein neues Genus der kamm-
förmigen Mollusken ; 2. lieber das Genus
Eulima Risso; 3. Ueber das Genus Trun-
catelia Risso; 4. Ueber Tornatella; 5.
Onchidium nanum nov. sp.; 6. Euploca-
mus laciniosus n. sp. Abb
Bemerkungen über einige Linneische Con-
chylien- Arten, welche von den spätem
Conchyliologen verkannt sind ....
Berichtigung von Berichtigungen. 1. Pan-
dorina corruscans Scacchi ; 2. Paludinella
Pfeiffer; 3. Sigaretus und Lamellaria
Zoologische Beobachtungen. Fortsetzung.
1. Ueber Pyrgiscus Ph. ; 2. Bebryce mol-
lis Ph. , ein neues Genus der gorgonien-
artigen Zoophyten ; 3. Evagora rosea, ein
neues? Zoophyten-Genus aus der Fami-
lie derXenien; 4. Dysmorphosa conchi-
cola, ein neues Coryne-artiges Zoophyten-
Genus; 5. Ueber Isis oder Mopsea elon-
gata Esper. ; 6. Verzeichniss der im Mit-
telmeer von mir beobachteten Arten Cya-
Jahrgang.
thina Ehrbg. Abb.
V.
Seite,
113.
VI.
18L
VII.
VII.
VII.
42.
258.
339.
VIII.
33.
284 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Fernere Deobachtuiigen über die Copepoden
des Mittelmeeres. (Euchaeta n. gen., über
Cyclopsina, Idya n. gen., Metis n. gen.,
Aenippe n. gen. , Oncaea n. gen. , Eiiryte
n. gen.), Idomene n. gen. Abb. . . .
lieber die neapolitanischen Pycnogoniden
(Endeis nov. gen. , Pariboea n. gen.) Abb.
Bemerkungen über die Molluskenfauna Un-
ter-Italiens in Beziehung auf die geogra-
phische Verbreitung der Mollusken und
auf die Mollusken der Tertiärperiode .
Einige Bemerkungen über die Gattung Ser-
pula, nebst Aufzählung der von mir im
Mittelmeer mit dem Thier beobachteten
Arten. Abb
Bemerkungen über die Molluskenfauna Un-
ter-Italiens. Fortsetzung
Diagnosen einiger neuen Conchylien ( Lu-
traria, Cyamium, Kellia, Saxicava, En-
todesma, Petricola, Donax, Diplodonta,
Cytherea, Venus, Cardita, Cardium,
Area, Pectunculus, Lima, Pecten, Tere-
bratula, Chiton, Patella, Fissurella, Ca-
lyptraea, Helix, Bulimus, Auricula, Lim-
naeus, Neritina, Rissoa, Natica, Scalaria,
Trochus, Monodonta, Cerithium, Fusus,
Turbinella, Buccinum, Baianus, Chthalamus
Berichtigung zu den Diagnosen neuer Con-
chylien (s. S. 50). (Area, Pectunculus,
Fissurella, Mitra)
Bemerkungen über einige Muschelgeschlech-
ter, deren Thiere wenig bekannt sind.
(Gastrochaena, Petricola, Venerupis, Ery-
cina, Nucula, Area). Abb
Beschreibung einiger neuer Echinodermen
nebst kritischen Bemerkungen über einige
weniger bekannte Arten (Spatangus, Ci-
daris, Echinocyamus). Abb
Jahrgang.
IX.
IX.
X.
X.
X.
XI.
XL
XI.
XL
Seife.
54.
175.
28.
186.
348.
50.
142.
185.
344.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet
Jnhrganj?.
Beschreibung zweier neuer Conchylienge-
schlechter, Dibaphus und Amphichaena,
nebst einigen Bemerkungen über Cya
niiuni, Ervilia und Enlodesina. Abb. . XIII.
lieber den Cucurrito Chile's (Psamnioryctes
noctivagus Poepp.)
Vergl. auch
Psittacus cyanolyseos
Crustacea chilensia nova aut minus nota
(Cancer, Hepatus, Grapsus, Gecarcinus,
Corystes, Leucosia, Inachus, Porcellana^
Palaemon). Abb II.
Poirer,
Bemerkungen über das Thier von Argo-
nauta Argo (November 1836. Nach dem
in der Isis vom Jahre 1845, S. 606 — 613,
gegebenen Abdrucke des Aufsatzes in
den Atti delT Accademia gioenia di
Scienze naturali di Catania, Tomo XII,
Messina 1839, übers, vom Dr. Creplin XI.
Neue Beiträge zur Erläuterung und end-
lichen Erledigung der Streitfrage über
Tur und Zubr (Urus und Bison) . . VI.
Ueber die Identität der Petrificate des Thü-
ringisclien und Englischen Zechsteins.
(Abbild.) . . , I. 2.
Ueber das Oeffnen luid Schliessen der
Brachiopoden I, 2.
Ueber die Enkriniten des Muschelkalkes . I. 2.
Beiträge zur Petrefactenkunde .... IL
Ueber einige Ilauptorgane der Nautileen . II.
2S5
Seite.
Gl.
133.
369.
47.
70.
220.
223.
245.
251.
286 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
lieber den Raiitenberg bei Schöppenstedt
Die Stylolithen sind anorganische Abson-
derungen. Abb
Beiträge zur Petrefactenkunde (Ungulites,
Lingula). Abb
Beitrag zur Kenntniss der Trilobiten, mit
besonderer Rücksicht auf ihre bestimmte
Gliederzahl
Rang.
Bemerkung über das Thier der Argonauta
y. Rapp«
Anatomische Untersuchungen über das ja-
vanische Moschusthier. Abb
Neue Batrachier (Hyperolius marmoratus,
Engystoma guttatum, Breviceps verru-
cosus). Abb
lieber die ßalanideen .
Rascli.
Beschreibung einer zur Gattung Thyroptera
gehörigen Fledermaus. Im Auszuge über-
setzt und mit Bemerkungen begleitet von
A. Wagner . .
Ratlike.
Nachträgliche Bemerkungen zu den Bei-
trägen zur Fauna Norwegens . . . .
lieber die Seeschlange der Norweger . .
lieber die weiblichen Geschlechtswerkzeuge
des Aales (Anguilla fluviatilis) . . . .
Zur Entwickelungsgeschichte der Dekapoden.
(Astacus marinus, Pagurus Bernhardus,
Galathea rugosa, Hyas araneus) . . .
Beobachtungen und Betrachtungen über die
Entwickelung der Mysis vulgaris. Abb.
Filaria? im Gehirn eines Eidechsen-Fötus.
Briefliche Mittheilung .......
III.
III.
IX.
VIII.
\II.
IX.
X.
VII.
IV.
VI.
V.
III.
337.
286.
43.
289.
168.
361.
257.
278.
299.
241.
195.
335.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet. 287
Anch'nia Savigniana Eschsch. Abb. . . .
Zur Kenntniss des Fiirchungsprocesses im
Schneckeneie
lieber das Leuchten des Meeres, verur-
sacht durch Oceania Blumenbacliii , eine
bei Sewastopol gefundene, leuchtende
Meduse
Bemerkungen über die Coryna squamata.
Abbild
Ratzebnrg.
Ueber den Bau und die Lebensweise zweier
an der Kiefer leben*den Gallmücken-Lar-
ven. Abb
Re&Eftliard, J.
Ichthyologische Beiträge zur Fauna Grön-
lands (Lycodes, Bythites)
Ichthyologische Beiträge zur Fauna Grön-
lands (Trachypterus, Clinus unimaculatus,
Scopelus glacialis, Motella argentata) .
ReiBiSBardt, J. T.
Beschreibung einer neuen Art der Gattung
Cercolabes
Kengger«
Notiz über die Aasvögel
Ueber Spinnen Paraguay's
Ketzius.
Beschreibung einer neuen Spulwurm -Art,
gefunden im Python bivittatus, nebst ver-
gleichenden Bemerkungen. Aus dem
Schwedischen von Crcplin. Abb. . . .
Risso.
Observations sur quelques poissons de la mer
de Nice. (Notacanthus, Dentex, Sebastes)
Jahrgang.
1. 1.
XIV.
II.
X.
VIL
HL
IIL
X.
IL
IL
XIV.
VI.
Seite.
85.
157.
117.
155.
233.
235.
263.
240.
104.
1.30.
166.
376,
288 Verzeichnlss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Sur iine nouvelle espece du Genre Gym-
iietre (G3 miietrus)
Ro einer, A.
Familien unter den Kamm-Muscheln . .
Ross.
Zoologische Resultate von John Ross zwei-
ter Nordpol-Reise
Rouliu.
Ueber die Benennungen des Tapir . . .
Rfappeai.
Neue Wirbelthiere, 7x1 der Fauna von Abys-
sinien gehörig. F^-ankfurt a. M. 1835.
Erste Lieferung (Anzeige)
f§ars.
Zur Entwickelung der Anneliden (Polynoe
cirrata). Abb ; . . .
Ueber einen Eingeweidewurm in einer Aca-
lephe (Scolex Acalepharum). Abb. , , .
Zur Entwickelungsgeschichte der Mollusken
und Zoophyten. Briefliche Mittheilung
an den Herausgeber (Tritonia Ascarii ;
Eolidia badoensis; Doris muricata; Astc-
rias sanguinolenta Müll.)
Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der
Mollusken und Zoophyten (Tritonia Asca-
rii, Aeolidia badoensis, Doris muricata
Var., Aplysia guttata). Abb
Zusätze zu der von mir gegebenen Dar-
stellung der Entwickelung der Nudi-
branchien. Abb. ...... ...
Ueber die Entwickelung der Seesterne.
Fragment aus meinen „Beiträgen zur
Fauna von Norwegen. Abb
Jahrgang.
VI.
III.
II.
in.
[. 1
XI.
XI.
III.
VI.
XI.
X.
Seite.
13.
379.
183.
240.
281
11,
1
402.
196.
169.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet.
289
Ueber die Entwickeliing der Medusa aurita
und der Cyanea capillata. (Fortsetzung
der Beiträge zur Entwickelungsgeschichte
der Mollusken und Zoophyten). Abb. .
T. ISeltierbrand«
Beiträge zur Kenntniss der sogenannten
Indianischen Vogelnester
Seliilliiis und Hornscliiicli.
Ornithologische Beiträge aus dem zoologi-
schen Museum der Universität zu Greifs-
vvald (I. üeber Limosa Meyeri Leisl. und
Limosa rufa Briss.)
Scblesel.
Beschreibung von Zonurus microlepidotus
Cuv. nnd Zonurus Novae Guineae Schleg.
Sclileideii.
Notiz über die Einwirkung freier Kohlen-
säure auf die Ernährung der Pflanzen .
Einige Blicke auf die Entwickelungsge-
schichte des vegetabilischen Organismus
bei den Phanerogamen. Abb
Berichtigungen von Druckfehlern im vori-
gen Aufsatz
Botanische Notizen (1. üeber Bodenstetig-
keit der Pflanzen. 2. üeber den Inhalt
des Pollenkornes. 3. üeber die Grüb-
chen in der Epidermis einiger Blätter.
4. Zur Geschichte der Metamorphose. 5.
üeber das Vorkommen der Spaltöfi'nun-
gen. 6. Harmlose Bemerkungen über
die Natur der Spaltöff'nungen. 7. Einige
Bemerkungen über die sogenannte Holz-
faser der Chemiker. Abb
Archiv f. Natur^^cscb. XIV. Jahrg. 1. Bd.
Jahrgang.
VH.
Seite.
VI.
IV.
II.
ni.
III.
iii.
IV.
19
9.
393.
167.
101.
279.
289.
414.
49.
290
Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgangen
Botanische Notizen. 1. Ueber die Bliithc
der Loranthaccen ; 2. Ueber die morpho-
logische Bedeutung der Placenta; 3, An-
deutungen über die anatoniisch-pliysiolo-
gischen Verschiedenheiten der Stengel-
gebilde; 4. Ueber die weibliche Blüthe
der Cannabineac; 5. Einige Bemerkungen
über die Hydropeltideae j 6. Ueber einige
eigenthümliche Bastzellen; 7, Ueber die
sogenannten Luftwurzeln der tropischen
Orchideen. Abb
Botanische Notizen (Fortsetzung). 1. Ueber
Bastarderzeugung und Sexualität; 2.
Uebei^Crystalle in Cryptogamen ; 3. Ueber
das Verhältniss der Cytoblasten zum Le-
bensprocess der Pflanzenzelle; 4. Ueber
die Ausdehnung der vegetabilischen Faser
durch Feuchtigkeit; 5. Ueber den Bau
der Zellenmembran bei Moosen und Le-
bermoosen; 6. Zur Kenntniss von Peliia
epiphylla; 7. Ueber den Bau des Eichens
bei den Ericeen, Scleranthaceen, Ranun-
culaceen und Typhaceen; 8. Ueber das
Zerfallen der Conferven in ihre einzelnen
Glieder; 9. Ueber die Spiralzellenschicht
in der Frucht der Laurineen ; 10. Spalt-
öffnungen auf Saamen-Integumenten,- 11.
Ueber den Famiiiencharakter der Elaeag-
neae. Abb.
l^clilottliaiBber«
Beitrag zur Diagnostik der einheimischen
Froscharten
ScUniiclt, Os€ar.
Versuch einer Darstellung der Organisation
der Räderthiere, nach eigenen Unter-
suchungen, mit Bezugnahme auf die neue-
sten gegen die Ehrenberg'schen Ansichten
gerichteten Angriflfe. Abb. , . . . •
Jahrgang-.
Scito.
V.
2i
V.
X.
253.
255.
XU.
67.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet.
291
Ueber Acanthoccrcus rigidu.«;, ein bisher
noch unbekanntes Entoiriostracon aus der
Familie der CJadoceren. Abb
Ursprung des Wuraly- oder Urary-Giftes.
Notiz
Ueber den Cryptorhynchus Lapathi und
seine Verwüstung des Erlenholzes. Abb.
Seubert und MocSigtetter.
Uebersicht der Flora der azorischen Inseln.
Abbild
Siekler.
Thierfährten im bunten Sandsteine . . .
Vergl. auch
V. Siebold.
Cyprinus Farenus Art. ein preussischer
Fisch
Ueber die Geschlechtswerk zeuge von Syn-
gnathus und Hippocampus. Aus einem
Sendschreiben an die schwedische medi-
cinische Gesellschaft in Stockholm
Zoologische Notizen. (Vergraben des Pe-
lobates fuscus; Begattung der Libellen)
Ueber das Eierlegön der Agrion forcipula
Ueber das Stimm- und Gehörorgan der
Orthopteren. Abb
Ueber Strepsiptera. Abb
Ueber die weiblichen Geschlechtsorgaue
der Tachinen
Lange Lebensdauer der Spermatozoen bei
Vespa
Jahrgang.
XII.
III.
XL
IX.
L 1.
I. 1.
IL
Seite.
VIII.
301.
230.
337
127.
395.
327
292.
19
*
292 Verzeicliniss dor in den ersten vierzehn Jahrgängen
Ilelminthologische Beitrage ( Monostomum
mutabile). Abb
Ilelminthologische Beiträge. Zweiter Bei-
trag. (Syiigamus trachealis. Ein doppel-
lerbiger Eingeweidewurm). Abb. . .
Helminthologische Beiträge. Dritter Bei-
trag. Berichtigung der von Burmeister
gegebenen Beschreibung des Distomum
globiporun}. Abb
Helminthologische Beiträge. Vierter Beitrag,
lieber geschlechtslose Nematoideen . .
Zusatz zu einem Aufsatz von Nathusius
über Syngamus trachealis
Ueber das Gehörorgan der Mollusken. Abb.
Ueber die Sexualität der Muschelthiere
Ueber den Unterschied der Schalenbiidung
der männlichen und weiblichen Anodonten
V. fSiemu^zoiva-PletriKski.
Beobachtungen iiber die Brunst-, Trag-
und Setzzeit der gemeinen Landbären
(Ursus arctos), nebst einer genauen, auf
vieljähriger Erfahrung gegründeten Be-
schreibung der vier galizischen Bären-
Rassen
Beobachtungen über den Dachs ....
Beobachtungen über einen ungewöhnlich
zahmen und äusserst klugen Baummarder
(Mustela martes)
Beobachtungen über den Nörz ....
Ueber den polnischen Biber
Verzeichniss der Vögel Galliziens . . .
Briefliche Nachricht über einige sehr sel-
tene Vögel, welche nach der Herausgabe
meines Verzeichnisses der Vögel Gali-
ziens entdeckt worden sind, als Beitrag
zu demselben
Nutzen der Speciitmeise (Sitta europaea)
durch die V^crtilgung der Borkenkäfer .
Jahrgang.
I. 1.
II.
n.
IV.
HI.
vn.
HI.
HI.
VII.
IV.
Seife.
45.
105.
217.
302.
66.
148.
51.
415.
335.
48.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet.
293
Fortpflanzung der Ringeltaube in der Ge-
fangenschaft ..........
Cumingia, neue Bivalven-Gattung . .
Stein.
Ueber die geographische Verbreitung und
die Lebensweise der südamerikanischen
Singvögel, mitgetheilt aus d'Orbigny's
Reise
Entwickelungsgeschichte mehrerer Insecten-
Gattungen aus der Ordnung der Neuro-
pteren (Raphidia, Panorpa, Osmylus).
Abbild.
Sundevrall.
Ueber das Vorkommen des Edelhirsches in
Scandinavien
Tellkampf.
Beschreibung einiger neuer in der Mam-
muth- Höhle in Kentucky aufgefundener
Gattungen von Gliederthieren (Adelops,
Phalangodes, Anthrobia, Triura). Abb. .
Teiuminck.
Ueber das Geschlecht der Blattnasen (Rhi-
nolophus Geoffr.) (mit Zusätzen von
Wiegmann)
Xorrey.
Monograph of Nord American Cyperaceae
Troscltel«
Ueber einige Bloch'sche Fisch-Arten ( Pla-
tycephalus scaber Bl. ; Scorpaena gibbosa
BI.; Mugil cephalus Bl.; Cossyphus An-
chorago (Sparus Anchorago Bl.) . . .
Jalirgang-.
VI.
I. 1.
V.
IV.
II.
X.
II.
V.
VI.
Seite.
43.
288.
235.
315.
73.
318.
81.
106.
267.
294 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Ueber die Miuidtlieile einbeimisclier Schnek-
ken. Abb
Neue Süsswasser-Coiichylien aus dem Gan-
ges. (Litnnaeus, Paludiiia, Melania, Ne-
ritina, Unio)
Sleganotoma nov. gen. Abb
Anatomie von Ampuüaria urceus und über
die Gattung Lanistes Montf. Abb. . .
Zur Gattung Scarabus Montf. (Abb.) . .
lieber die Gattung Ampbipoplea Nilss. (mit-
getheilt in der Gesellschaft naturforschen-
der Freunde zu Berlin den 21. August
1838). Abb
Ueber die Brauchbarkeit der Mundlappen
und Kiemen zur Familienunterscheidung
der Muscheln und über die Familie der
Najaden. Abb
Auszug aus d'Orbigny's Foraminiferen Ame-
rika's und der Canarischen Inseln
Neue Holothurien- Gattungen (Anaperus,
Orcula, Colochirus)
Troscliel und «f. Mäallei*.
Synopsis generum et specierum familiae
Characinorum. Prodromus descriptionis
iiovorum generum et specierum . . ♦
Ueber die Gattungen der Ästenden . . .
Ueber die Gattiuigen der Ophiuren . . .
Fortgesetzte Bemerkungen über die Gattun-
gen der Asteriden
Neue Beiträge zur Kenntniss der Asteriden.
1. Beschreibung neuer Arten; % Ueber
die Ophiuren mit Häkchen an den Armen;
3. Ueber die geographische Verbreitung
der Asteriden , . . .
Beschreibung neuer Asteriden ....
Jahrganpc-
II.
V.
XIII.
VI.
XII.
X.
VI.
VI.
VI.
IX.
X.
Seite.
257.
176.
257.
398.
60.
81.
318.
326.
367.
113.
178.
enthaltenen Aufsatze. Nach den Autoren geordnet. 295
V. Tsel^vieli,
Mammaliiini con.«ipectiis, quae in repiiblica
Peruana reperiuntur et pleraqne obser-
vata vel coUecta sunt in itinerc .
Avium conspectus quae in republica Po-
ruana reperiuntur et pleraeque observa-
tae vel collectae sunt in itinere . . .
Nachträgliclie Bemerkungen zu meinem
Conspectus avium etc. (Cyclarhis, Cer-
thiola)
Diagnosen einiger neuer peruanischer Vö-
gel. (Ampelis, Columba, Penelope, Thi-
nocorus, Crypturus, Odontophoru.s, Oedi-
cnemus, Charadrius, Crex, Larus, Fulica,
Sterna, Dysporus, Anser, Anas) . .
Reptilium conspectus , quae in republica
Peruana reperiuntur et pleraque obser-
vata vel collecta sunt in itinere . .
Die Familie der Ecpleopoda
Neues Genus von Wasserschlangen (Ste-
phanohydra). Abb
Briefliche JVIittheilung (Begattung der Sa-
lamander)
llaBgeiiaiuit (€. \lf. §.)
Zur Lehre vom Instinkt
Vaiilienedeii .
Bemerkung zu des Herausgebers Aufsatz
über Mytilus polymorphus
de Vriese,
Ueber den Stern-Anis (Jllicium anisatum L.)
Vergl. auch
Die Meinungen von Kämpfer, Thunberg,
Linne u. Anderen über die Mutterpflanze
des Steruanises des Handels, vertheidigt
gegen v. Siebold und Zuccarini . . .
Jahrgang.
X.
X.
XL
IX.
IL
IV
L 2.
IL
?eitc.
HL
244.
262.
360.
385.
132.
376.
233.
204.
111
296 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
de Vriese und Vrolik.
Fortgesetzte Versuche über die erhöhte
Temperatur des Kolbens einer Colocasia
odora (Caladium odorum). Abb. . . .
Trolik und de Vriese,
Fortgesetzte Versuche über die erhöhte
Temperatur des Kolbens einer Colocasia
odora (Caladium odorum), in dem bo-
tanischen Garten zu Amsterdam ange-
stellt. Abb . .
l¥agner, Andreas,
Beiträge zur Kenntniss der geographischen
Verbreitung der Sängethiere Australiens,
mit Notizen über einige neuentdeckte
Arten von J. E. Gray. Im Auszuge
mitgetheilt
Diagnosen neuer Arten brasilischer Säug-
thiere (Callithrix, Chrysothrix, Hapale,
Phyllostoma, Lutra, Didelphys, Sciurus,
Cercolabes, Loncheres, Hesperomys, Da-
syprocta)
Bericht über die neuesten Leistungen von
Lund , bezüglich der gegenwärtigen wie
der ausgestorbenen Säugthierfauna Bra-
siliens. Im Auszuge mitgetheilt und mit
einigen Bemerkungen versehen . . .
Berichtigung einiger von Herrn Duvernoy
gemachten Bemerkungen über meine Be-
schreibungen der Säugthiere in Dr. M.
Wagner's Reisen in der Regentschaft
Algier'
Fossile Ueberreste von einem Aflfenschädel.
Notiz . .
Diagnosen neuer Arten brasilischer Hand-
flügler. (Phyllostoma, Chilonycteris , Em-
ballonura, Dysopes)
Jahrgang.
Seite,
V.
vm.
vni.
135.
135.
339.
356.
IX.
vn.
V.
IX.
347.
212.
171.
365.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet. 297
Beschreibung einer z\tr Gattung Thyroptera
gehörigen Fledermaus von H. Rasch.
Aus dem Nyt Magazin for Naturvidens-
kaberne (Bd. IV. Heft 1. Christiania 1843)
im Auszuge übersetzt und mit Bemer-
kungen begleitet
Bemerkungen über die Artrechte der ante-
diluvianischen Höhlenbären
Die italienischen Spitzmäuse nach den An-
gaben der Iconographia della Fauna ita-
lica di C. L. Bonaparte, Principe di Ca-
nino e Musignano
Beschreibung einer neuen Art von Bandi-
kuts, Perameles myosurus, nebst Bemer-
kungen über Perameles obesula . . .
Gruppirung der Gattungen der Nager in
natürliche Familien, nebst Beschreibung
einiger neuen Gattungen und Arten . .
Beschreibung einiger kleinen Säugethiere
aus Syrien und Afrika (Rhinolophus,
Myoxus, Meriones, Hypudaeus, Mus) .
Diagnosen einiger neuen Arten von Nagern
und Handfliiglern. (Mesomys, Isothrix,
Loncheres, Dactylomys, Hesperomys,
Sciurus, Vespertilio, Rhinolophus, Mus,
Myoxus, Meriones)
Macrocolus , eine neue Nagergattung aus
der Familie der Springer
Beiträge zur Kenntniss der Arten von Cte-
nomys . . . ^
Beschreibung einiger neuer oder minder
bekannter Nager (Ctenodactylus, Habro-
coma, Mus, Holochilus, Meriones, Hy-
pudaeus, Hystrix)
Nachtrag zu meiner Beschreibung von Ha-
brocoma und Holochilus
Wagner, Hlorltz«
Ueber Macroscelides Rozeti . . . . .
Jahrgang.
IX.
IX.
VII.
vn.
VII.
XIV.
XL
XII.
XIV.
Seite.
361.
24.
297.
289.
111.
180.
145.
172.
72.
VIH.
VHI.
V.
1.
288.
79.
298 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
lieber die Zoolithenhöhle bei Rabeiistein
und den darin gefundenen fossilen Un-
terkiefer einer kleinen Katzenart. (Abb.)
Ueber die Spermatozoen. Briefliche Mit-
theilung. Abb.
Einige Bemerkungen
über den Bau der
zusammengesetzten Augen der Insecten,
(Abb.)
lieber die merkwürdige Bewegung der Far-
benzellen (Chromatophoren) der Ceplia-
lopoden und eine muthmasslich neue
Reihe von Bewegungsphänomenen in der
organischen Natur
Bemerkungen über die Geschlechtstheile
der Schnecken
Briefliche Mittheilung (Geschlechtsverhält-
nisse von Cypris, Cyclas , Limax, Helix,
Paludina impara; — Saamenthierchen von
Wirbelthieren) - . .
Entdeckung männlicher Geschlechtstheile
bei den Actinien. (Abb.) . . . . .
Heber muthmassliche Nesselorgane der Me-
dusen und das Vorkommen eigen thüm-
licher Gebilde bei wirbellosen Thieren,
welche eine neue Klasse von Bewegungs-
organen zu constituireu scheinen . . .
1¥ater]ioiise.
Diagnosen der neuen Mäuse, welche auf
Darwin's Reise entdeckt wurden . . .
Schluss
lieber die Vermehrungsweise des Chloro-
gonium euchlorum Ehrbg. Abb. . . .
Jahrgang.
I. 2.
V.
1. 1
II.
I. 2.
VU.
VI.
VI.
XIV.
Seite.
96.
41.
372.
35.
368.
369.
215.
38.
174.
281.
65.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet. 299
IVeriieck.
Kurze Betrachtung über die Abhandlung,
betitelt: Die Grundformen der Infusorien
in den Heilquellen, nebst allgemeinen
Bemerkungen über die Entwickelung der-
selben von Dr. S. F. Stiebel. Mit einer
Tafel. Frankfurt a. M. Verlag von Carl
Jiigel. 1811. Quart. 22 Seiten . . . .
allste.
Zwei Fälle, in denen eine Hauskatze Mut-
terstelle bei Jungen anderer Thiere ver-
treten haben soll
Iqi Jahre 1837 neu aufgestellte Säugethier-
arten, deren Diagnosen im Jahresberichte
des vierten Jahrganges aus Mangel an
Raum wegbleiben mussten
Fossile Quadruraanen (Xotiz)
Fossile Quadrumanen (Notiz)
Betrachtungen über das Gebiss der Raub-
thiere. Erste Abhandlung. Das Gebiss
der carnivoren und Omnivoren Raub-
thiere
Ueber das Gebiss des Wallrosses (vorge-
tragen in der Gesellschaft naturforschen-
der Freunde zu Berlin im Juli 1833) .
lieber ^ie Gattung Procyon
Zur geographischen Verbreitung der Spring-
mäuse (Notiz)
Einige Bemerkungen über das Chinchilla .
Notiz über das Gebiss des Moco ( Cavia
rupestris Neuw. Kerodon Fr. Cuv,) . .
Mittheilungeu über die Rehbrunst . . .
Begattung des Elephanten
Zusatz zu dem Aufsatz A. v. Humboldt's
über den Manati des Orinoko . . . .
Jahrgang.
IX.
ni.
V.
ni.
IV.
IV.
IV.
Seite,
105.
401.
403.
373.
95.
257.
10.
300 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Nachträgliche Bemerkung zum Jahresberichte
des ersten Jahrganges (Ada Commerso-
nii Less. und die Gattung Pteroptochns
Kittl. betreffend
Uebersicht der im Jahre 1837 neu aufge-
stellten Genera und Arten der Raubvögel,
Singvögel und Klettervögel, welche im
Jahresberichte des vorigen Jahrganges
unerwähnt bleiben mussten. Nachtrag
zum zweiten Bande des vorigen Jahr-
ganges
Zusatz zu Naumann's Aufsatz über Sing-
schwäne. Abb
Ueber Amystes, eine neue Gattung der
Lacerten, ohne Augenlieder ....
lierpetologische Notizen : 1. Amystes Wiegm.
= Ophiops Menetr. 2. Scincus Fitz. 3.
Diploglossus Wiegm. 4. Euprepes. 5.
Xenodermus Reinh
Ueber die fusslosen Amphisbänen mit Brust-
schildern (Lepidosternon Wagl.) Abb. .
Zoologische Resultate von John Ross zwei-
ter Nordpol-Reise (Säugethiere, Vögel)
(Fische, Insecten, Crustaceen, Mollusken)
Electrische Erscheinungen am Zitterrochen
(Notiz)
Nachträge und Berichtigungen zum ersten
Bande, a. Thierfährten im bunten Sand-
steine, ß. Der Gucurrito. y. Ueber die
Krätzmilbe des Menschen und Pferdes .
Beobachtungen englischer Naturforscher über
die Afterscorpione (Chelifer) ....
Beschreibung einiger neuen Crustaceen des
Berliner Museums aus Mexico und Bra-
silien (Atya, Palaemon)
Abweichende Form der Blutkörperchen und
Blutlauf bei Lämopoden
Einige Bemerkungen über Guilding's Peri-
patus
Jahrgang.
II.
V.
IV.
I. 2.
III.
Seite.
80.
373.
367.
1.
377.
enthaltenen Aufsätze. Nach den Autoren geordnet. 301
Ueber Mytiliis polymorphiis (Tichogonia
Rossm.)
Ueber neue Arten der Gattung Tichogonia
Rossin. (Dreissena Vanben.) nach den
Exemplaren des Berliner Museums . .
Anmerkung zu Kirtland über die sexuellen
Charaktere der Najaden
Ehrenberg's neuere Entdeckung über die
Bacillarien (Notiz)
Rechtfertigung gegen Gloger
l¥iegiiiaiiii (in Braunschweig).
Ueber einen Agaricus, der in einem ver-
schlossenen Glase auf mit kohlensaurem
Ammoniak begossenen ^ägespähnen ge-
wachsen war
l¥ill,
Ueber das Leuchten einiger Seethiere . .
Ueber Staurosoma, einen in den Actinien
lebenden Schmarotzer. Abb
Ueber Distoma Beroes. Abb
Zur Anatomie und Naturgeschichte von
Angiostoma limacis Duj
Zlniniernianu.
Zur Naturgeschichte der Mantis Carolina .
Zuceariiii*
Berichtigung der Angaben des Herrn Pro-
fessor de Vriese über die Mutterpflanze
des Sternanises
L 2.
X.
X.
X.
XIV,
IX.
IL
232.
328.
337.
343.
174.
390.
204.
Verzeichiiiss
der
in den eisten vierzehn Jahrgängen enthal-
tenen Aufsätze.
Systematisch geordnet.
Koolog^ie.
Ehrenberg: Ueber die thierische Orga-
nisation. Auszug aus dem Schlüsse eines
Vortrages in der Berliner Akademie der
Wissenschaften am 18. Juni 1835, über
die Acalephen des rothen Meeres . . .
Ehrenberg: Naturreich des Menschen,
oder das Reich der willensfreien beseel-
ten Naturkörper in 19 Klassen über-
sichtlich geordnet
R. Wagner: lieber die Spermatozoen .
— Briefliche Mittheilung (Geschlechtsver-
hältnisse von Cypris, Cyclas, Limax,
Helix, Paludina impara; — Saamenthier-
chen von Wirbelthieren)
V. Siebold: Lange Lebensdauer der Sper-
matozoen bei Vespa
K ö 1 1 i k e r : Zur Lehre von den Furchungen
F. Müller: Zur Kenntniss des Furchungs-
processes im Schneckeneie
Rathke: Zur Kenntniss des Furchungs-
processes im Schneckeneie
Will: lieber das Leuchten einiger See-
thiere
v. Baer: Schilderung des thierischen Le-
bens auf Novaia Zemlia
Moritz: Notizen zur Fauna der Insel
Puertorico
Archiv f. Naturgescb. XIV. Jahrg. 1. Bd.
Jahrgang.
Seit€.
L 2,
L 2.
V.
n.
V.
XIIL
XIV.
XIV,
V.
II.
123.
130.
41.
369.
107.
9.
1.
157.
328.
160.
20
306 Verzeicbniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
V. Bredow: Auszüge aus den Schreiben
des reisenden Naturforschers C. Moritz
in Südamerika
D'Orbigny: Naturhistorische Schilderung
des nördlichen Patagonien
Eichwald: Einige Bemerkungen über das
kaspische Meer (F'ische, Mollusken) . .
S. Müller: lieber den Charakter der
Thierwelt auf den Inseln des indischen
Archipels, ein Beitrag zur zoologischen
Geographie
Wirbelthiere.
Säugethiere.
Meckel: Beschreibung der von Herrn A.
V. Humboldt nach Europa gebrachten
und dem Nationalmuseum zu Paris ge-
schenkten Amerikanerschädel ....
Wiegmann: Im Jahre 1837 neu aufge-
stellte Säugethierarten, deren Diagnosen
im Jahresberichte des vierten Jahrganges
aus Mangel an Raum wegbleiben mussten
Melchior: Die Säugethiere des Dänischen
Staats und Norwegens
A. Wagner: Berichtigung einiger von
Herrn Duvernoy gemachten Bemerkungen
über meine Beschreibungen der Säug-
thiere in Dr. M. Wagner's Reisen in der
Regentschaft Algier
IJeber Rüppell's Neue Wirbelthiere, zu
der Fauna von Abyssinien gehörig.
Frankfurt a. M. 1835. Fol. Erste Liefe-
rung Säugethiere
Zoologische Resultate von JohnRoss'
zweiter Nordpol-Reise (Säugethiere) . .
Jahrgang.
HI.
V.
IV.
xn.
I. 1
V.
n.
VII.
1. 1.
H.
Seite.
408.
47.
97.
109.
93.
403.
76.
212.
281.
183.
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
307
A. Wagner: Bericht über die neuesten
Leistungen von Lund , bezüglich der ge-
genwärtigen wie der ausgestorbenen
Säugthier-Fauna Brasiliens. Im Auszuge
mitgetheilt und mit einigen Bemerkungen
versehen
V. Tschudi: Mammalium conspectus, quae
in Republica Peruana reperiuntur et ple-
raque observata vel collecta sunt in itinere
Gray: Beiträge zur Kenntniss der geogra-
phischen Verbreitung der Säugethiere
Australiens, mit Notizen über einige neu
entdeckte Arten,
von A. Wagner
Im Auszuge mitgetheilt
Jahrgang.
Seite.
A. Wagner: Beschreibung einiger kleinen'
Säugethiere aus Syrien und Africa. (Rhi-
nolophus, Myoxus, Meriones, Hypudaeus,
Mus)
— Diagnosen einiger neuen Arten von
Nagern und Handflüglern (Mesomys,
Isothrix, Loncheres, Dactylomys, Hespe-
romys, Sciurus, Vespertilio, Rhinolophus,
Mus, Myoxus, Meriones)
Gray: Ueber einige neue oder wenig be-
kannte Säugethiere, besonders aus der
Sammlung des britischen Museums (Pa-
radoxurus, Herpestes, Macropus, Halma-
turus, Petrogale, Bettongia, Hypsiprym-
nus, Sciuroptera)
A. Wagner: Diagnosen neuer Arten bra-
silischer Säugthiere ( Callithrix , Chryso-
thrix, Hapale, Phyllostoma, Lutra, Didel-
phys, Sciurus, Cercolabes, Loncheres,
Hesperomys, Dasyprocta)
S. Müller: Ueber die auf den Sunda-
Inseln lebenden ungeschwänzten Affen-
Arten
IX.
X.
347.
244.
VIII.
339.
XIV.
180.
XI.
145.
V.
188,
VIIL
XI.
20*
356.
72,
308 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
A. Wagner; Fossile Ueberreste von einem
Affenschädel
— Fossile Quadramanen
— Fossile Quadrumanen (Notiz) . . .
V. Keyserling und Blas ins: Uebersicht
der Gattungs- und Artcharaktere der
europäischen Fledermäuse
V. Keyserling und Blasius: Nachträg-
liche Bemerkungen zur Uebersicht der
Gattungs- und Artcharaktere der euro-
päischen Fledermäuse .......
Boie: Bemerkung zu dem Aufsatze der
Herren v. Keyserling und Blasius über
die europäischen Fledermäuse ....
A. Wagner: Diagnosen neuer Arten bra-
silianischer Handflügler (Phyllostoma,
Chilonycteris, Emballonura, Dysopes) .
Gundlach: Beschreibung von vier auf
Cuba gefangenen Fledermäusen . . .
Temminck: lieber das Geschlecht der
Blattnasen (Rhinolophus Geoffr.) . . .
Rasch: Beschreibung einer zur Gattung
Thyroptera gehörigen Fledermaus, im
Aoiszuge übersetzt und mit Bemerkungen
begleitet von A. Wagner
Krauss: Ueber die Beutel-Fledermaus aus
Surinam
M. Wagner: Ueber Macroscelides Rozeti"
Nathusius: Beiträge zur Kenntniss der
europäischen Spitzmäuse. Erster, histo-
rischer Theil
A. Wagner: Die italienischen Spitzmäuse
nach den Angaben der Iconografia della
Fauna italica di C. L. ßonaparte, Prin-
cipe di Canino e Musiguano Fase. XXIX.
1840. Im Auszuge .......
Jahrgang.
V.
III.
IV.
V.
VI.
VI.
IX.
VI.
II.
IX.
XII.
V.
IV.
VII.
Seite.
171.
372.
95.
293.
262.
365,
356.
81.
361.
178.
79.
1,9.
297.
enthalteuen Aufsätze. Systematisch geordnet.
309
Brandt: Bemerkungen über den innern
Bau des Wuychuchol (Myogale inoschata),
im V'ergleich mit dem des Maulwurfs und
der Spitzmaus (Sorex araneus) . . .
Wiegmann: Betrachtungen über das Ge-
biss der Raubthiere (Ferae). Erste Ab-
handlung. Das Gebiss der carnivoren und
Omnivoren Raubthiere
V. Siemuszowa-Pietruski: Beobach-
tungen über die Brunst-, Trag- und
Setzzeit der gemeinen Landbären (Ursus
arctos), nebst einer genauen, auf viel-
jähriger Erfahrung gegründeten Beschrei-
bung der vier galizischen Bären-Rassen
A. Wagner: Bemerkungen über die Art-
rechte der antediluvianischen Höhlenbären
Wiegmann: Ueber die Gattung Procyon
v. Siemuszowa-Pietruski: Beobach-
tungen über den Dachs
— — Beobachtungen über einen unge-
wöhnlich zahmen und äusserst klugen
Baummarder (Mustela martes) ....
— — Beobachtungen über den Nörz .
Gloger: Berichtigung (Stellung des Nörz)
Wiegmann.: Rechtfertigung
Lichten stein: Ueber Lutra maculicolHs
Licht, aus dem Kaflferlande . . , . .
Nathusius: Bemerkungen über den Schä-
del von Lutra und Spalax
A. Wagner: Die lebenden Arten der
brasilianischen Hunde
White: Zwei Fälle, in denen eine Haus-
katze Mutterstelle bei Jungen anderer
Thiere vertreten haben soll ....
Krassow: Wie viele Luchsarten giebt es
in Scandinavien? ,
Jahrgang.
II.
IV.
IX.
IX.
111.
HI.
Seite.
176.
257.
369.
24.
353.
160.
310 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
R. Wagner: lieber die Zoolithenhöhle bei
Rabenstein, und den darin gefundenen
fossilen Unterkiefer einer kleinen Katzenart
A. Wagner: Beschreibung einer neuen
Art von Bandikuts, Perameles myosurus,
nebst Bemerkungen über Perameles
obesula
— Gruppirung der Gattungen der Nager
in natürlichen Familien, nebst Beschrei-
bung einiger neuen Gattungen und Arten
(Rhombomys, Mystromys, Euryotis, Ben-
dromys, Pteromys, Lepus)
— Beschreibung einiger neuer oder min-
der bekannter Nager ( Ctenodactylus ,
Habrocoma, Mus, Holochilus, Meriones,
Hypudaeus , Hystrix) .
— Nachtrag zu meiner Beschreibung von
Habrocoma und Holochilus
Waterhouse: Diagnosen der neuen Mäuse,
welche auf Darwin's Reise entdeckt
wurden
Schluss
V. Keyserling und Blasius: Schreiben.
(Mus Nordmanni ist = Mus hortulanus
Nordm. , Sminthus Nordmanni ist = Smin-
thus loriger Nath.)
Zur geographischen Verbreitung der Spring-
mäuse (Notiz)
A. Wagner: Macrocolus, eine neue Nager-
gattung aus der Familie. der Springer .
F. Cuvier: Eligmodontia, neues Nage-
thier-Genus
A. Wagner: Beiträge zur Kenntniss der
Arten von Ctenomys
Wiegmann: Einige Bemerkungen über
das Chinchilla
Jahrgang.
1. 2.
vn.
vn.
VI.
iV.
XIL
ui.
XIV.
I. 2.
Seite.
96.
289.
111.
330.
82.
172.
407.
72.
204.
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
311
Popp ig: Ueber den Cucurrito Chile's
(Psammoryctes noctivagus Poepp.) . .
Bemerkung dazu
Reinhardt: Beschreibung einer neuen Art
der Gattung Cercolabes
V. Siemuszovva-Pietruski: üeber den
polnischen Biber
Wieg mann: Notiz über das Gebiss des
Moco (Cavia rupestris Neuvv. Kerodon
F. Cuv.)
Sundewall: Ueber das Vorkommen des
Edelhirsches in Scandinavien ....
Wiegmann; Mittheilungen über die Reh-
bruust
V. Rapp: Anatomische Untersuchungen über
das javanische Moschusthier ....
V. Baer: Nochmalige Untersuchung der
Frage : ob in Europa in historischer Zeit
zwei Arten von wilden Stieren lebten? .
Pusch: Neue Beiträge zur Erläuterung
und endlichen Erledigung der Streitfrage
über Tur und Zubr. (Urus und Bison)
V. Baer: Ueber den Zubr oder Auer-
ochsen des Kaukasus
H o d g s o n : Ueber den Gauri-Gou, nach dem
Journ. of the Asiatic Soc. of Bengal. VI.
Bd. 1. S. 499 und VII. Bd. 2. S. 745 zu-
sammengestellt von Wiegmann ....
V. Hügel: Mittel gegen die Brunstwuth
der Elephanten
Wiegmann: Begattung der Elephanten .
Roulin: Ueber die Benennungen des Tapir
Nilsson: Entwurf einer systematischen
Eintheilung und speciellen Beschreibung
der Phoken. Uebersetzt von Peters . .
J. Müller: Nachschrift zu vorstehender
Abhandlung
Jahrgang
I. 1.
1. 1.
X.
XII.
III.
II.
1. 2.
IX.
VI.
III.
VI.
Seite.
252.
397.
240.
186.
378.
73.
195.
43.
62.
47.
268.
263.
312 Verzeichniss der in den ersten -vierzehn Jahrgängen
Jahrgang. 1
Wiegmaiiii: lieber das Gebiss des Wall-
rosses
V. Humboldt: lieber den Manati des
Orinoko
Zusatz vom Herausgeber
Cocco: lieber einen in der Meerenge von
Messina gefundenen Delphin. Aus einem
Briefe an Pltilippi in Kassel . . . .
Vögel.
Cabanis: Ornithologische Notizen 1. . .
— Ornithologische Notizen ü
Naumann: Ornithologische Reise nach
und durch Ungarn
v.Siemuszowa-Pietruski: Verzeich-
niss der Vögel Galiziens
— — Briefliche Nachricht über einige
sehr seltene Vögel, welche nach der
Herausgabe meines Verzeichnisses der
Vögel Galiziens entdeckt worden sind,
als Beitrag zu demselben mitgetheilt
Alberg Holm: Ornithologischer Beitrag
zur Fauna der Färöer, übersetzt von
Creplin
Zoologische Resultate von John Ross
zweiter Nordpol-Reise (Vögel) . .
Gambel: lieber die in Ober - Californien
beobachteten Vögel (mit Bemerkungen
von J. Cabanis)
V. Tschudi: Avium conspectus quae in
Republica Peruana reperiuntur et ple-
raeque observatae vel collectae sunt in
itinere
Nachträgliche Bemerkungen zu dem Con-
spectus avium
IV.
IV.
IV.
XII.
XHI.
XIII.
Hl.
VI.
VII.
XIV.
II.
XIV.
X.
XI.
Seite.
113.
1.
10.
104.
186.
308.
69.
369.
335.
197.
193.
82.
•262.
360.
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
313
Jahrgang.
Seite.
V. Tschudi: Diagnosen einiger neuer pe-
ruanischer Vögel (Ampelis, Columba, Pe-
nelope, Thinocorus, Crypturus, Odonto-
phorus, Oedicnemus, Charadrius, Crex,
Larus, Fulica, Sterna, Dysporus, Anser,
Anas) . . . ,
W i e g m a n n : Uebersicht der im Jahre 1837
neu aufgestellten Genera und Arten der
Raubvögel , Singvögel und Klettervögel,
welche im Jahresberichte des vorigen
Jahrgangs unerwähnt bleiben mussten .
Stein: Ueber die geographische Verbrei-
tung und die Lebensweise der südameri-
kanischen Singvögel. Mitgetheilt aus
d'Orbigny's Reise
v. Keyserling und Blasius: Ueber ein
zoologisches Kennzeichen der Ordnung
der Sperlingsartigen oder Singvögel . .
Burmeister: Einige Bemerkungen über
die Bekleidung des Laufs der Singvögel,
(Passerinae Nitzsch)
Blasius und v. Keyserling: Erwiede-
rung auf Burmeister's Aufsatz: Bemer-
kungen über die Bekleidung des Laufs
der Singvögel
G log er: Berichtigung (Charaktere der
Singvögel)
Wiegmann: Rechtfertigung
Naumann: Ornithologische Notiz (Turdus)
Audubon: Ueber das Vorkommen der
nordamerikanischen Schlüpfer (Troglo-
dytes)
V. Siemuszo wa-Pietruski: Nutzender
Spechtmeise (Sitta europaea) durch die
Vertilgung der Borkenkäfer . . . .
V. Schierbrand: Beiträge zur Kenntniss
der sogenannten Indianischen Vogelnester
Zur Lehre vom Instinkt (Kanarienvögel) .
IX.
V.
V.
V.
VI.
VI.
VI.
VI.
IV.
II.
IV.
VI.
II.
385.
373.
235.
332.
220.
362.
227.
229.
372.
312.
48.
393.
132.
314 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Wieg man ii: Nachträgliche Bemerkung
zum Jahresberichte des ersten Jahrganges
(Ada Commersonii Less. und die Gattung
Pteroptochus Kittl.) betreffend . . . .
Gould: Uebersicht der Rhamphastiden .
Popp ig: Psittacus cyanolyseos Mol. . .
Rengger: Notiz über die Aasvögel . .
V. Siemuszowa-Pietruski: Fortpflan-
zung der Ringeltaube in der Gefangen-
schaft
Falk; lieber die Abkunft des mittlem
Waldhuhns
Koch: Beobachtungen über das Cupido-
Huhn, Tetrao Cupido L. (Prairie-Henn,
Rüster)
Audubon: Naturgeschichte des Cupido-
Huhns (The pinnated Grous, Tetrao Cu-
pido L.)
Gebier: Perdix altaica
Fitzinger: Mittheilung über eine Origi-
nal-Abbildung des Dronte (Didus ineptus
Linne) von Roland Savery in der k. k.
Gemälde-Gallerie im Belvedere zu Wien
Hamel: Der Dodo, die Einsiedler und der
erdichtete Nazarvogel
Owen: Anatomie des Kiwi oder Kivikivi
(Apteryx australis Sh.)
Fortsetzung
Hornschuch und Schilling: Ornitholo-
gische Beiträge aus dem zoologischen
Museum der Universität zu Greifswald.
(Ueber Limosa Meyeri Leisl. und Limosa
rufa Briss.)
Erythrogonys Gould. Neue Gattung der
Wadvögel
Naumann: Zwei Arten Singschwäne in
Deutschland
Zusatz vom Herausgeber. ...
Jahrgang. Seite,
II.
II.
I. 1.
II.
VI.
II.
II.
II.
III.
XIV.
XIV.
V.
V.
80.
307.
87.
109.
43.
74.
159.
164.
267.
79.
118.
85.
364.
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
315
Ekström: Sommerkleid der Anas clangula
Fries: Beobachtungen über die Friihlings-
mauser der Anas glacialis
Ekström: Beiträge zur Naturgeschichte
der Eider-Ente (Anas mollissima) . .
Amphibien.
V. Tschudi: Reptilium conspectus, quae
in Republica Peruana reperiuntur et ple-
raque observata vel collecta sunt in iti-
nere
Bon aparte, Prinz von Musignano: Che-
loniorum tabula analytica
Bronn: lieber die fossilen Gaviale der
Lias-Forraation und der Oolithe . . .
Van der Hoeven: Berichtigung einer
Stelle der Isis von Oken für 1836 (Far-
benveränderung des Chamäleons) . . .
V. Tschudi: Die Familie der Ecpleopoda
Schlegel: Beschreibung von Zonurus mi-
crolepidotus Cuv. und Zonurus Novae
guineae Schleg
Wiegmann: lieber Amystes, eine neue
Gattung der Lacerten, ohne Augenlieder
— Herpetologische Notizen (1. Amystes
Wiegm. = Ophiops Meuetr. 2. Scincus
Fitz. 3. Diploglossus Wiegm. 4. Eupre-
pes. 5. Xenodermus Reinh
— Heber die fusslosen Amphisbaeneu mit
Brustschildern (Lepidosternon Wagl.) .
Gundlach: Heber zwei von mir gesam-
melte Böen von Cuba
V. Tschudi: Neues Genus von Wasser-
schlangen (Stephanohydra)
Schlotthauber: Beitrag zur Diagnostik
der einheimischen Froscharten . . . .
v. Siebold: Pelobates fuscus . . . .
XI.
IV.
VIII.
III.
XIII.
II.
I. 2.
150.
136.
77.
229.
41.
101
1
316 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
V. Rapp: Neue Batrachier (Hyperolius,
Engystoma, Breviceps)
V. Tschudi: Briefliche Mittheilung (Begat-
tung des schwarzen Salamander) . .
Freyer: Ueber eine neue Art von Hypo-
chthon (Proteus). Briefliche Mittheilung
Rathke: Die Seeschiauge der Norweger
Fische,
Zoologische Resultate von John Ross
zweiter Nordpol-Reise (Fische) . . .
J. Müller: Ueber den Bau und die Gren-
zen der Ganoiden, und über das natür-
liche System der Fische
— Fernere Bemerkungen über den Bau
der Ganoiden ...
— Beiträge zur Kenntniss der natürlichen
Familien der Fische
— Nachträge zu der Abhandlung über die
natürlichen Familien der Fische . . .
V. Baer: Ueber die Entstehungsweise der
Schwimmblase ohne Ausführungsgang
Lepidosiren ist kein Reptil
Troschel: Ueber einige Bloch'sche Fisch-
Arten (Platycephalus, Scorpiaena, Mugil,
Cossyphus Anchorago [Sparus Ancho-
rago Bloch] )
Risso: Observations sur quelques poissons
de la mer de Nice (Notacanthus, Dentex,
Sebastes)
Reinhard: Ichthyologische Beiträge zur
Fauna Grönlands (Trachypterus Bogma-
rus, Clinus maculatus, Scopelus glacia-
lis, Motella argentata
Fries: Pterycombus, eine neue Fischgat-
tung aus dem Eismeere ......
Risso: Sur une nouvelle espece du Genre
Gymnetre (Gymnetrus)
II.
XI.
XII.
IX.
IX.
III.
V.
VI.
VI.
III.
V.
VI.
280.
91.
190.
292.
381.
248.
398.
267.
376.
263.
19.
13.
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
317
Fries: Untersuchung der an den schwe-
dischen Küsten vorkommenden Arten der
Gattung Gobius L. übersetzt von Creplin
— Die Gattung Callionjmus L. ...
— Die Gattung Clinus Cuv
Reinhard: Ichthyologische Beiträge zur
Fauna Grönlands (Lycodes, Bythites) .
G o t ts ch e : Die seeländischen Pleuronectes-
Ai'ten
Fries: Ichthyologische Beiträge zur skan-
dinavischen Fauna (Fleuronectes) . . .
Agassiz: lieber die Familie der Karpfen
V. Siebold: Cyprinus Farenus Art. ein
preussischer Fisch
Kroyer: Zur Verbreitung von Cyprinus
Farenus ...
J. Müller et Troschel: Synopsis gene-
rum et specierum familiae Characinorum
Fries: Ueber den Stirr, Salmo Salmulus
Raji .
Rathk e: Ueber die weiblichen Geschlechts-
werkzeuge des Aales (Anguilla fluviatilis)
Creplin: Ueber die Fortpflanzungsweise
des Aals
Fries: Ichthyologische Beiträge zur scan-
dinavischen Fauna. Erster Theil. Das
Geschlecht Syngnathus
— Metamorphose, bemerkt bei der klei-
nen Meernadel (Syngnathus lumbriciformis)
— Entgegnung an den Herausgeber (Syn-
gnathus)
Lichtenstein: Wirbelbewegung der Kie-
men von Syngnathus Hippocampus . .
V. Siebold: Ueber die Geschlechtswerk-
zeuge von Syngnathus und Hippocampus
Krohn: Ueber das Brütorgan der Gattung
Hippocampus
Jahrgang.
Seite.
318 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Müller und Henle: Ueber die Gattungen
der Plagiostomen
Nachträgliche Bemerkung dazu . . .
— — — Ueber die Gattungen der Pla-
giostomen. Zweite Mittheilung . . .
Electrische Erscheinungen am Zitterrochen
Creplin: Beschreibung der Porospermien
des Kaulbarsches nebst einigen Bemer-
kungen über die der Plötze u. a. . .
Gliederthiere*
Erichs on: Ein Blick auf die Classification
der wirbellosen Thiere
Teil kämpf: Beschreibung einiger neuer
in der Mammuth-Höhle in Kentucky auf-
gefundener Gattungen von Gliederthieren
(Adelops, Phalangodes, Anthrobia, Triura)
Arachniden.
Rengger: Ueber Spinnen Paraguays . .
Beobachtungen
englischer Naturforscher
über die Afterscorpione (Chelifer) . .
Koch: Systematische Uebersicht über die
Familie der Galeoden
Philippi: Ueber die Neapolitanischen Py-
cnogoniden (Endeis, Pariboea) . . .
Zusatz von Erich son
Nitzsch: Ueber die Fortpflanzung de?
Pteroptus Vespertilionis Dufour . . .
Wiegmann: Ueber die Krätzmilbe des
Menschen und Pferdes
Koch: Systematische Uebersicht über die
Ordnung der Zecken
Philippi: Pontarachna punctulumPh. eine
Hydrachnide des Meeres
VIII.
VII.
X.
61.
318.
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
319
Insecten.
Zoologische Resultate von John Ross
zweiter Nordpol-Reise (Insekten) . .
E rieh so n: Conspectus Insectorum Co-
leopterorum , quae in Republica Peniana
observata sunt
— Beitrag zur Insecten -Fauna von An-
gola, in besonderer Beziehung zur geo-
graphischen Verbreitung der Insecten in
Afrika
— Beitrag zur Insecten-Fauna von Van-
diemensland, mit besonderer Berücksich-
tigung der geographischen Verbreitung
der Insecten
R. Wagner: Einige Bemerkungen über
dein Bau der zusammengesetzten Augen
der Insecten . ,
E rieh so n: Zur systematischen Kenntniss
der Insectenlarven. Erster Beitrag. Die
Larven der Coleopteren
Fortsetzung
Fortsetzung
Burmeister: Die Verwandlungsgeschichte
von Chlamys monstrosa
Klug: Bestimmung dreier neuen Gattungen
und Auseinandersetzung einiger verwand-
ten Arten von Madagascar , aus den Fa-
milien Cicindeletae und Carabici (Pogo-
nostoma, Beleopterus, Thyreopterus) .
Erichson: lieber die Gattung Pteroloma
— Neue Südamerikanische Käfergattungen
aus der Familie der Blätterhörner (Sca-
tonomus, Aclopus, Symmela, Athlia,
Cratoscelis, Lichnia)
Klug: Ueber zwei neue Käfergattungen
aus Madagaskar (Colobodera, Aulono-
cnemis)
Jahrgang.
11.
XlII.
IX.
VIII.
I. 1.
VII.
VIII.
XIII.
I. 2.
I. 1
in.
I. 1.
IV.
Seite.
286.
67.
199.
83.
372.
60.
363.
275.
245.
381.
119.
256.
67.
320 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Seh wäg riehen: lieber den Cryptorhyn-
chus Lapathi und seine Verwüstung des
Erlenholzes
Erichson: Systematische Auseinanderset-
zung der Familie der Borkenkäfer (Bo-
strichidae)
V. Siebold: lieber das Stimm- und Ge-
hörorgan der Orthopteren
Erichson: Zur Naturgeschichte der Man-
tis Carolina; aus einem Schreiben des
Herrn Zimmermann
Drewsen und Boie: Beiträge zur Ge-
schichte der Hymenopteren
Hart ig: Heber die gestielten Eier der
Schlupfwespen
V. Siebold: Lange Lebensdauer der Sper-
matozoen bei Vespa
— Begattung der Libellen
— lieber das Eierlegen der Agrion for-
cipula
Stein: Entwickelungsgeschichte mehrerer
Insectengattungen aus der Ordnung der
Neuropteren (Raphidia, Panorpa, Osmy-
lus maculatus)
Grube: Beschreibung einer auffallenden,
an Süsswasserschwämmen lebenden Larve
Mutz eil: lieber eine neue Art der Gat-
tung Deilephila
Klug: Auszug aus einem Briefe des Herrn
A. Moritz (über Raupen)
Moritz: Ueber südamerikanische Raupen,
besonders über die dortigen Brenn- und
Giftraupen
Ratzeburg: Ueber den Bau und die Le-
bensweise zweier an der Kiefer lebenden
Gallmücken-Larven
V. Siebold: Ueber die weiblichen Ge-
schlechtsorgane der Tachinen ....
Jahrgang.
XI.
V[l.
m.
VII.
IV.
Seite.
337
205.
183.
233.
191.
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
Erich son: Zur Gattung Oncodes (Ogco-
des Latr.)
V. Siebold: Lieber Strepsiptera ....
Brandt: Heber eine neue Ordnung der
Myriapoden
Crustaceen.
Dana: Conspectus Crustaceorum in orbis
terrarum circumnavigatione, C. Wilkes e
classe Reipublicae Foederatae duce, col-
lectoruni .
Zoologische Resultate von John Ross
zweiter Nordpol-Reise (Crustaceen) . .
Wiegmann: Beschreibung einiger neuen
Crustaceen des Berliner INfuseums aus
Mexico und Brasilien
Popp ig: Crustacea chilensia nova et mi-
nus nota ,
Couch: Bemerkungen über den Häutungs-
process der Krebse und Krabben . . .
Rathke: Zur Entwickelungsgeschichte der
Dekapoden
Philippi: Das Genus Zoe ist der erste
Zustand von Pagurus
Erichson: Uebersicht der Arten der Gat-
tung Astacus
— Nachtrag zu dieser Uebersicht . . .
Rathke: Nachträgliche Bemerkungen zu
den Beiträgen zur Fauna Norwegens
(Hippolyte, Podocerus, Nephthys) . .
Philippi: Peneus siphonoceros n. sp. . .
Rathke: Beobachtungen und Betrachtun-
gen über die Entwickelung der Mysis
vulgaris ,
F. Müller: Ueber Gammarus ambulans,
neue Art
— Orchestia Euchore und Gryphus, neue
Arten aus der Ostsee
Archiv f. Naiursresch. XIV. Jalirg. 1. Bd.
Jahrgang
XII.
IX.
111.
321
Seite,
288.
137.
238,
322 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Philippi: Chelura terebrans, ein neues
Amphipodeii-Genus
Wiegmann : Abweichende Form der Blut-
körperchen und ßlutlauf bei Laeniopoden
Van derHoeven: Einige Worte über die
Gattung Limulus
Schödler: Ueber Acanthocercus rigidus,
ein bisher noch unbekanntes Entomostra-
con aus der Familie der Cladoceren
Loven: Evadne Nordmanni, ein bisher
unbekanntes Entomostracon
Philippi: Peltidium purpureum, ein neues
Genus der Entomostraceen
— Hersilia apodiformis, ein neues Genus
der Entomostraceen
— Fernere Beobachtungen über die Cope-
poden des Mittelmeeres (Euchaeta, Cy-
clopsina, Idya, Metis, Aenippe, Oncaea,
Euryte, Idomene
— Kurze Charakteristik mehrerer neuer
Genera aus der Familie der Copepoden
(Nauplius, Laophonte, Psamathe, Thyone)
— Asterope, ein neues Genus der Ostra-
copoden
Will: Ueber Staurosoma, einen in den
Actinieu lebenden Schmarotzer . . •
Nitzsch: Einige Bemerkungen über die
Gattung Arctiscon und den Macrobiotus
Hufelandii als Art derselben ....
Philippi: Bemerkungen über Lepas anse-
rifera L,
V. Rapp: Ueber die Balanideen . . . .
Philippi: Neue Arten von Balanus, Chtha-
lamus
Wü rm er.
Oersted: Zur Classification der Annulaten,
mit Beschreibung einiger neuer oder un-
zulänglich bekannter Gattungen und Arten
IX.
VI.
VI.
X.
1. 1.
VII.
VII.
XI.
54.
188.
186.
337.
374.
258.
168.
69.
99.
enthaltenen Aufsätze. Sj'stematisch geordnet.
323
Sars: Zur Entwickelung der Anneliden .
Loven: Beobachtungen über die Metamor-
phose einer Annelide, übersetzt von Peters
Oersted: Ueber die Entwickelung der
Jungen bei einer Annelide und über die
äusseren Unterschiede zwischen beiden
Geschleclitern
Krohn: Zoologische und anatomische Be-
merkungen über die Alciopen . . ♦ .
Nachtrag dazu
Rathke: Nachträgliche Bemerkiuigen zu
den Beiträgen zur Fauna Norwegens
(Nephthys)
Wiegmann: Einige Bemerkungen über
Guilding's Peripatus
C. Moritz: Noch einige Worte über Pe-
ripatus Guild
Philippi: Einige Bemerkungen über die
Gattung Serpula, nebst Aufzählung der
von mir im Mittelmeer mit dem Thier
beobachteten Arten
Grube: Beschreibungen neuer oder we-
niger bekannter Anneliden. Erster Bei-
trag: Sabella
— Beschreibungen neuer oder wenig be-
kannter Anneliden. Dritter Beitrag. Die
Gattung Sabellaria Lam. (Hermella Sav.)
und ihre Arten
— Beschreibungen neuer oder wenig be-
kannter Anneliden. Zweiter Beitrag (Co-
rephorus, Ammochares, Dasymallus, Scalis)
Iloffmeister: Beitrag zur Kenntniss deut-
scher Landanneliden. (Lumbricus, Rh^n-
chelmis, Haplota.xis, Enchytraeus, Sae-
nuris)
Grube: Ueber den Lumbricus variegatus
und ihm verwandte Anneliden ....
Menge: Zur Rothvvürmer-Gattung Euaxes
XL
X.
XIL
XIV.
XIL
IX.
X.
XL
21*
20.
186.
45.
34.
16L
183.
198.
24.
324 "Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jalirgangen
J. Müller: Ueber einen nenen Wnrm
Sipnncnlus (Pliascolosoma) scutatns . .
Baren tin: Bemerkungen zur Naturge-
schichte des Blutegels
F. Müller: Ueber Hirudo tessellata und
marginata O. F. Müll
— Clepsine costata, neue Art . . .
Kölliker: lieber die contractilen Zellen
der Planarien- Embryonen ......
O. Schmidt: V^ersuch einer Darstellung
der Organisation der Räderthiere, na<?h
eigenen Untersuchungen, mit Bezugnahme
auf die neuesten gegen die Ehrenberg-
schen Ansichten gerichteten Angriffe .
Miram: Ueber die Lebenskraft der Einge-
weidewürmer
Gurlt: Verzeichniss der Thiere, bei wel-
chen Entozoen gefunden worden sind .
C r e p 1 i n : Nachträge zu diesemVerzeichnisse
— Nachträge zu diesem Verzeichnisse .
— Nachträge zu diesem Verzeichnisse.
Zweiter Nachtrag
V. Siebold: Helminthologische Beiträge .
Rathke: Filaria? im Gehirn eines Eidech-
sen-Fötus
Retzius: Beschreibung einer neuen Spul-
wurm-Art, gefunden im Python bivittatus,
. nebst vergleichenden Bemerkungen. Aus
dem Schwedischen von Crepliu . .
Gurlt: Ueber Häutung und Metamorphose
von Strongylus armatus
Nathusius: Helminthologische Beiträge.
Erster Beitrag. Ueber einige Eingeweide-
würmer des schwarzen Storchs. Filaria
labiata Crepl. und Strongylus trachealis
N. (Syngamus trachealis v. Sieb.) . .
V. Siebold: Zusatz zum vorhergehenden
Aufsatze
Jahrgang.
X.
VI.
X.
XII.
xn
XII.
VI.
XL
XL
XIL
xni.
I. 1.
III.
XIV.
X.
IIL
Seite.
166.
285.
370.
82.
29 L
67.
35.
223.
325.
129.
289.
45.
335.
166.
322.
52.
66,
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
325
V. Siebold: Ilelmiiithologische lieiträge.
Zweiter Beitrag. (Svngamiis trachealis.
Ein doppelleibiger Eingeweidewurm)
R. Leuckart: Beschreibung zweier neuer
Helminthen (Strongylus, Bothriocepliaius)
Will: Zur Anatomie und Naturgeschichte
von iVngiostoma limacis Dnj
Owen: Gnathostoma, ein neues Genus
der Entozoen
Sars : lieber einen Eingeweidewurm in einer
Acalephe (Scolex Acalephariun)
Creplin: Zweifelhafte Rundwürmer . .
V. Siebold: llelminthologische Beiträge.
Vierter Beitrag. Ueber gescideclitsiose
Nematoideen
Creplin: llelminthologische Bemerkung
(Deber geschlechtslose Nematoideen . .
— Ueber Echinorrhynchus Tuba
V. Siebold: Ueber die F^'ortpflanzung des
Monostomum mutabile Zed
Creplin: Monostomum faba Bremseri
— Monostomum expansum
— Amphistomum scleroporum ....
— Beschreibung zweier neuen Amphisto-
men-Arten aus dem Zebu Ochsen . . .
Burmeister: Distomum globiporum Rud.
V. Siebold: Helminthologische Beiträge.
Dritter Beitrag. Berichtigung der von
Burmeister gegebeneu Beschreibung des
Distomum globiporum
Creplin: Distomum veliporum ....
Will: Ueber Distoma Beroes
Loven: Myzostoma cirriferum Leuck., ein
parasitischer Wurm .......
Creplin: Ueber Taenia denticulata Rud.
und Taenia expansa Rud
R. Leuckart: Beobachtungen und Reflexio-
nen über die Naturgeschichte der Blasen-
würmer
Jahrgang.
II.
XIV.
XIV,
IV.
XI.
X.
IV.
XIV.
Seite.
105.
26.
174.
131.
1.
115.
302.
/.
326 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Mollusken.
V. Siebold: lieber das Gehörorgan der
Mollusken
Frey: lieber die Entwicklung der Gehör-
werkzenge der Mollusken
Philipp i: Verzeichniss der in Helgoland
gefundenen Mollusken
Pfeiffer: Beiträge zur Molluskenfauna
Deutschlands, insbesondere der österrei-
chischen Staaten
Philippi: Bemerkungen über die Mollus-
kenfauna Unter-Italiens in Beziehung auf
die geographische Verbreitung der Mol-
lusken und auf die Molluskenfauna der
Tertiärperiode
Fortsetzung
Zoologische Resultate von John Ross
zweiter Nordpol-Reise (Mollusken) . .
Pfeiffer: Bericht über die Ergebnisse mei-
ner Reise nach Cuba im Winter 1838 —
1839. (Uebersicht der gesammelten Mol-
lusken)
Fortsetzung
Philippi: Bemerkungen über einige Lin-
neische Conchylien- Arten, welche von
den spätem Conchyliologen verkannt sind
(Lepas, Teilina, Cardium, Mactra, Voluta,
Murex, Trochus, Turbo, Nerita, Helix)
— Berichtigung von Berichtigungen. (Pan-
dorina, Paludinella, Sigaretus und Lamel-
laria)
— Diagnosen einiger neuen Conchylien.
(Lutraria, Cyamium, Kellia, Saxicava, En-
todesma, Petricola, Donax , Diplodonta,
Cytherea, Venus, Cardita, Cardium,
Area, Pectunculus, Lima, Pecten, Tere-
bratula, Chiton, Patella, Fissurella, Ca-
lyptraea, Helix, Bulimus, Auricula, Lim-
Jahrgang.
VH.
XL
IL
VIL
X.
X.
IL
V.
VL
vn.
vn.
Seite.
148.
217.
233.
215.
28.
348.
298.
346.
250.
258.
344.
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
327
naeiis, Neritina, Rissoa, Natica, Scalaria,
Trochus, JMonodonta, Cerithium, Fusus,
TurbinelIa,Biicciiuini,Balanus,Chthalamiis)
Berichtigung dazu
— Beschreibung einiger neuen Conchy-
lien-Arten (Yermetus, Diplodonta, Tel-
lina, Corbula, Chaina, Venus) und Be-
merkungen über die Gattung Laeuna
Turton) .
Grüner: Einige neue Land- und Siiss-
wasser-Conchylien (Unio, Bulimus) . .
Jonas: Diagnosen einiger neuen Conchy-
lien-Arten (Helix, Helicina, Ampullaria,
Struthiolaria, Cassis, Thracia, Venus,
Jahrgang. Seit«.
Achatina)
Anton: Diagnosen einiger neuen Conchy-
Jien-Arten (Solen, Lutraria, Mactra, Am-
phidesma, Tellina, Donax, Cyclas, Ve-
nus, Perna, Anomia, Parniophorus) . .
Tr ose hei: Neue Süssvvasser-Conchylien
aus dem Ganges. (Linuiaeus, Paludina,
Melania, Neritina, ünio)
P h i 1 i p p i : Beschreibung zweier neuer Con-
chyliengeschlechter, Dibaphus und Am-
phichaena, nebst einigen Bemerkungen
über Cyamium, Ervilia und Entodesma
Cephalopoden.
Lichten stein: Einige Wahrnehmungen an
lebenden Cephalopoden
Er dl: Ueber die beweglichen Fäden in
den Venenanhängen der Cephalopoden .
Harless: Ueber die Nieren der Sepia oder
die sogenannten Venenanhänge . . .
R. Wagner: lieber die merkwürdige Be-
wegung der Farbenzellen (Chromatopho-
ren) der Cephalopoden und eine niuth-
masslich neue Reihe von Bewegungsphä-
nomenen in der organischen Natur . .
XI.
XL
IL
VIL
V.
IIL
IIL
XIIL
IL
IX.
XIIL
50.
142,
224.
276.
341
281
166.
61.
120.
162.
1.
VIL
35.
328 Verzeicliniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Jahrgang-, j gelte.
Harless: Untersuchung der Chromatoplio-
ren bei Laligo
Rang: Bemerkung über das Thier der Ar-
gonaiita
Je an nette Power; Bemerkungen über das
Thier von Argonauta Argo
Krohnr lieber einen neuen Cephalopoden
(Octopodoteuthis)
Nachtrag dazu
R. Leuckart: lieber die männlichen Ge-
sdilechtstheile der Sepiola vulgaris . .
Quenstedt: Ueber einige Hauptorgane der
Nautileeii .
Schnecke ?t,
F. M üIl er : Zur Kenntniss des Furehungs-
processes im Schneckeneie
Rathke: Zur Kenntniss des Fnrchungs-
processes im Schneckeneie
T r o s c h el : Ueber die Mundtheile einheimi-
scher Schnecken . .
Paasch: Beiträge zur genauem Kenntniss
der Mollusken
R. Wagner: Bemerkungen über die Ge-
schlechtst heile der Schnecken . , . ,
Paasch: Ueber das Geschlechtssystem und
über die Harn bereitenden Organe eini-
ger Zwitterschnecken
Krohn: Ueber eine neue Pteropoden-Art
(Tiedemannia creniptera) ..,,..
Nachtrag dazu
Troschel: Anatomie von AmpuHaria ur-
ceus und über die Gattung Lanistes IVJontf,
— Steganotoma nov. gen. . . . .
Philippi: Ueber das Genus Tnmcatella
Risso
Paasch: Beschreibung einer neuen bei
Berlin gefundenen Paludina
xn.
HI.
XI.
XI.
xin.
XHl.
H.
XIV.
XIV.
11.
XI.
L 1.
IX.
34.
286.
369.
47.
38.
23.
251.
1.
157.
257.
34.
368.
71.
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
329
Pfeiffer: Beschreibung einer neuen Lito-
rina, nebst Bemerkungen über die Con-
chylien des Ostseestrandes beiTravemiinde
Philippi: lieber Pyrgiscus Ph
— Fossarus, ein neues Genus der kamm-
kiemigen Mollusken
— Ueber die Eier von Vermetus gigas
Bivona
— Ueber das Thier von Pileopsis Gar-
noti Payr., Patella Garnoti Phil. . . .
— Ueber das Thier von Pleurotoma Ber-
trandi Payr
Broderip: Neue Arten von Conchylien,
gesammelt von Herrn Cuming (Triton) .
Philippi: Ueber das Genus Eulima Risso
— Ueber Tornatella
Jonas: Ueber Helix rosacea und H. lucana
Miilleri
A. Müller: Ueber einige vaterländische
Landschnecken (Helix scarburgensis, Ver-
tigo plicata, Vertigo pusilla Müll.) . .
Pfeiffer: Cylindrella, nov. Genus. Nebst
Bemerkungen über die übrigen Gattun-
gen der Heliceen
Troschel: Zur Gattung Scarabus Montf.
Kar seh: Die Entvvickelungsgeschichte des
Limnaeus stagnalis, ovatus und palustris,
nach eigenen Beobachtungen dargestellt
Troschel: Ueber die Gattung Amphipeplea
Nilss
Sars: Zur Entvvickelungsgeschichte der
Mollusken und Zoophyten (Tritonia, Eoli-
dia, Doris)
— Beitrag zur Entwickelungsgeschichte
der Mollusken und Zoophyten (Tritonia,
Aeolidia, Doris, Aplysia)
— Zusätze zu der von mir gegebenen
Darstellung der Entwickelung der Nudi-
branchien
Jahrgang.
V.
IV.
III.
VI.
XI.
Seite.
334.
209.
402.
196.
330 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
PhiJippi: Zwei neue Arten von Euplo-
camus
— Euplocamus laciniosus ......
F. S. Leuckart: Berichtigung des Genus
Idalia Leuck. und des Genus Euplocamus
Phil, betreffend
Philippi: Onchidium nanum
Muscheln,
Quenstedt: Ueber das Oeffnen und
Schliessen der Brachiopoden ....
— Beiträge zur Petrefactenkunde (Ungu-
lites, Lingula, Orbicula)
V. Siebold: Ueber die Sexualität der Mu-
schelthiere
Philippi: Bemerkungen über einige Mu-
schelgeschlechter, deren Thiere wenig
bekannt sind (Gastrochaena, Petricola,
Venerupis, Erycina, Nucula, Area) . .
A. Müller: Ueber die Byssus der Ace-
phalen, nebst einigen Bemerkungen zur
Anatomie derTichogonia ChemnitzüRossm.
(Mytilus polymorphus Pall.)
Kroyer: Die dänischen Austerbänke. An-
zeige von Wiegmann
Philippi: Pododesmus, ein neues Genus
der Acephalen
Roemer: Familien unter den Kamm-Mu-
scheln
Kirtland: Ueber die sexuellen Charaktere
der Najaden
Anmerkung dazu von Wieg mann .
V. Siebold: Ueber den Unterschied der
Schalenbildung der männlichen und weib-
lichen Anodonten
Troschel: Ueber die Brauchbarkeit der
Mundlappen und Kiemen zur Familien-
unterscheidung und über die Familie der
Najaden
I. 2.
III.
III.
XI.
III.
XIII.
220.
142.
51.
185.
415.
257.
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
331
Wiegmann: lieber Mytilus polymorphus
(Tichogonia Rossni.)
Van Beneden: Bemerkung zu des Her-
ausgebers Aufsatz über Mytilus poly-
morphus
Noch eine Mittheilung über die Verhrei-
tungs-Art des Mytilus polymorphus Pall.
Wiegmann: Lieber neue Arten der Gat-
tung Tichogonia Rossm. (Dreissena Van-
ben.) nach den Exemplaren des Berliner
Museums
Philippi: lieber das Thier von Astarte
incrassata de la Jonk
— lieber das Thier von Galeomma . .
Gray: Heber die Familie der Trogmuscheln
(Mactradae Gray)
G. B. Sowerby: Cumingia, neue Bival-
ven- Gattung
Philippi: Pandorina corruscans Scacchi .
— Heber das Thier der Solenomya medi-
terranea
— Clavagella balanorum Scacchi . . .
R. Owen: Ueber die Anatomie von Cla-
vagella
Rathke: Anch'nia Eschsch
Foramini f er en.
d'Orbigny: Die Foraminiferen Amerika's
und der Canarischen Inseln. (Im Auszuge
mitgetheilt von Troschel)
Strahlthiere«
E c hin o d e r m e n.
Troschel: Neue Holothurien- Gattungen
(Anaperus, Orcula, Colochirus) . . .
Jahrgang.
IV.
IV.
V.
III.
V.
V.
IV.
I. 1
V.
VI.
Seite.
342.
376.
108.
47.
125.
117.
86.
288.
122.
271.
181.
362.
85.
398.
XU.
60.
332 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Philippi: Beschreibung einigerneuerEchi-
iiodermeii liebst kritischen Bemerkungen
über einige weniger bekannte Arten (Spa-
tangus, Cidaris, Echinocyanius) . . .
— Beschreibung zweier missgebildeter See-
Igel , nebst Bemerkungen über die Echi-
niden überhaupt. 1. Monströser Echinus
Melo. 2. Beschädigter und geheilter Spa-
tangus. 3. lieber das Wachsthum der
Echiniden. 4. lieber die Füsschen der
Echiniden
Sars: Zur Entwickelungsgeschichte der
Mollusken und Zoophyten (Asterias san-
guinolenta Müll.) .
— lieber die Entwickelung der Seesterne.
Fragment aus meinen „Beiträgen zur
Fauna von Norwegen"
Philippi: Ueber die mit Asterias auran-
tiaca verwandten und verwechselten Aste-
rien der sicilianischen Küste ....
J.Müller undTroschel: Ueber die Gat-
tungen der Asterien
— — Ueber die Gattungen der Ophiuren
— — Fortgesetzte Bemerkungen über die
Gattungen der Asteriden
— — Neue Beiträge zur Kenntniss der
Asteriden (Beschreibung neuer Arten;
über die Ophiuren mit Häkchen an den
Armen ; über die geographische Verbrei-
tung der Asteriden)
— — Beschreibung neuer Asteriden
J. Müller: Ueber die Gattungen und Arten
der Comatulen
— Neue Beiträge zur Kenntniss der Arten
der Comatulen
— Ueber den Bau des Pentacrinus caput
Medusae
d'Orbigny: Holopus, eine neue Gattung
der Crinoiden .
Jahrgang.
XI.
Hl.
HI.
X.
III.
VI.
VI.
VI.
Seite.
344.
211
404.
169.
193.
318.
326.
367.
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
333
Qualle 71.
R. WagncM': lieber imithinassliche Nessel-
orgaiie der Medusen und das Vorkommen
eis:enthiimlicher Gebilde bei wirbellosen
Thieren, welche eine neue Klasse von
Bewegungsorganen zu constituiren scheinen
Ehrenberg: Ueber bisher unbekannte
Fang- Angeln und Nessel- Organe, so wie
über das angeblich getrennte Geschlecht
der Acalephen
Rathke: Ueber das Leuchten des Meeres,
verursacht durch Oceania Blumenbachii,
eine bei Sewastopol gefundene leuch-
tende Meduse
K r o h n ; Notiz über die Anwesenheit eigen-
thiimlicher Luftkanäle bei Velella und
Porpita .
Sars: Ueber die Entwickelung der Medusa
aurita und der Cyanea capillata (Fort-
setzung der Beiträge zur Eniwickelungs-
geschichte der IMollusken und Zoophyien)
Rathke: Bemerkungen über die C'oryna
squamata
Philippi; Dysmorphosa conchicola, ein
neues Coryne-artiges Zoophyten-Genus
Löwen: Beitrag zur Kenntniss der Gat-
tungen Campanularia und Syncoryne. (1.
Campanularia)
2. Syncoryne .........
Polypen,
R. Wagner: Entdeckung männlicher Ge-
schlechtstheile bei den Actinien . . .
Philippi: Oculina ramea Ehrbg. , Caryo-
phyllia ramea Lam
— Verzeichniss der im Mittelmeer von
mir beobachteten Arten Cyathina Ehrbg.
— Desmophyllum Stellaria Ehrbg. . . .
Jahrgang. Seite
vn.
VlIL
IL
XIV.
L 2.
V.
VIII.
VI.
38.
67.
117.
30.
215.
119.
40.
193.
334
Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Philippi: lieber Isis oder Mopsea elon-
gata Esper
— Ueber Gorgonia paradoxa ....
— Bebryce niollis Ph., ein neues Genus
der gorgonienartigen Zoophyten . . .
— Ueber Veretillum pusilluin n. sp. . .
— Evagora rosea, ein neues? Zoophyten-
Genus aus der Familie der Xenien . .
— Beweis, dass die NuIIiporen Pflanzen
sind *
Infusion st hier e.
Eckhard: Die Organisationsverhältnisse
der polygastrischen Infusorien mit beson-
derer Rücksicht auf die kürzlich durch
Herrn v. Siebold ausgesprochenen Ansich-
ten über diesen Gegenstand ....
Ehrenberg: Vorläufige Mittheilung über
die Infusorien der Carlsbader Mineral-
quellen
Wer neck: Kurze Betrachtung über die
Abhandlung, betitelt: Die Grundformen
der Infusorien in den Heilquellen, nebst
allgemeinen Bemerkungen über die Ent-
wickelung derselben von Dr. S. F. Stiebel
Ehrenberg: Einige Bemerkungen zu dem
vorigen Aufsatze
Weisse: Ueber die Vermehrungsweise des
Chlorogonium euchlorum Ehrbg. . . .
Zusatz von dem Academiker Baer . . .
Ehrenberg: Ueber fossile Infusionsthiere
— Ueber fossile Infusorien .....
— Ueber die fossilen Infusorien -Gattun-
gen Xanthidium und Peridinium . . .
Ehrenberg's neuere Entdeckungen über
die Bacillarien
Meyen: Schreiben an den Herausgeber
(Wiegmann) gegen die Thiernatur eini-
ger Algen
XII.
II.
HI.
209.
240.
417.
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
Meyen: Noch einige Mittheilungen über
rotheii und grünen Schnee
V. Frantzius: Einige nachträgliche Bemer-
kungen über Gregarinen
Jahrgang.
VI.
XIV.
335
Seite.
166.
188.
Botanik.
Schieiden: Ueber den Bau der Zellen-
menibran bei Moosen und Lebermoosen
— Ueber einige eigenthümliche Bastzellen
Meyen: Ueber die Bildung der faserförmi-
gen Zellen (Faser-Zellen) oder Baströh-
ren der Pflanzen
Seh leiden: Harmlose Bemerkungen über
die Natur der Spaltöffnungen ....
— Ueber das Vorkommen der Spaltöfl"-
nungen
— Spaltöffnungen auf Saamen-Integumenten
Meyen: Ueber die Epidermis der Gewächse
— Ueber einige Eigenthümlichkeiten in
der Epidermis verschiedener Orchideen .
Seh leiden: Ueber die Grübchen in der
Epidermis einiger Blätter
— Ueber die Spiralzellenschicht in der
Frucht der Laurineen
— Ueber den Bau des Eichens bei den
Ericeen, Scleranthaceen, Ranunculaceen
und Typhaceen
Meyen: Ueber vegetabilische Spermatozoen
Karsten: Verschiedene Bemerkungen über
einige cryptogamische Gewächse . . .
Ascherson: Ueber die Fructificationsor-
gane der höheren Pilze ......
Schieiden: Zur Kenntniss von Pellia
epiphylla
336 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Seh leid eil: Einige Bemerkungen über die
Hydropeltideae
— Ueber das Zerfallen der Conferven in
ihre einzelnen Glieder . . . . .
Meyen: Ueber die Entwickelung des Ge-
treidebrandes in der Mayspflanze .
— Einige nachträgliche Bemerkungen über
die Pilzbildung auf den Leibern der ab-
gestorbenen Fliegen
Sohl ei den: Ueber das Verhältniss der
Cytoblasten zum Lebensprocess der Pflan-
zenzelle .
— Einige Blicke auf die Entwickelungs-
geschichte des vegetabilischen Organis-
mus bei den Plianerogamen
— Andeutungen über die anatomisch-phy-
siologischen Verschiedenheiten der Sten-
gelgebilde
Grisebach: Beobachtungen über das
Wachsthum der Vegetationsorgane in Be-
zug auf Systematik. Erster Abschnitt.
Ueber das Wachsthum der Stengelglieder
Zweiter Abschnitt. Ueber das Wachs-
thum der Blätter
Nachtrag dazu
Dritter Abschnitt. Vom Phyllöstrom .
Fritsche: Ueber die Entwickelung des
Pflanzeneies in seinen frühesten Zustän-
den und über die Bildung der Häute
desselben
D a s s e n : Ueber die Bewegungen der Pflanzen
Schluss
Meyen: Ueber auflallende Bew^egungen in
den verschiedenen Pflanzen-Theilchen
Miquel: Untersuchungen über die Reiz-
barkeit' der Blätter von Mimosa pudica L.
Seh leiden: Ueber die Ausdehnung der ve-
getabilischen Faser durch Feuchtigkeit .
1. 2.
V.
V.
IX.
X.
X.
Xü.
I. 2.
IV.
IV.
III.
V.
V.
354.
265.
III. i 289.
219.
267.
134.
345.
1.
229.
214.
345.
425.
90.
274.
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
337
Vrolik und de Vriese: Fortgesetzte
Versuche über die erhöhte Temperatur
des Kolbens einer Colocasia odora (Ca-
ladiuin odorum), in dem botanischen Gar-
ten zu Amsterdam angestellt ....
Schieiden: Einige Bemerkungen über die
sogenannte Holzfaser der Chemiker . .
— Ueber den Inhalt des Pollenkornes .
— Ueber Crystalle in Cryptogamen . .
Jablonski: Beitrag zur Lösung der Frage,
ob durch den Vegetationsprocess chemisch
unzerlegbare Stoffe gebildet werden?
Schieiden: Notiz über die Einwirkung
freier Kohlensäure auf die Ernährung der
Pflanzen , .
Göppert: Bemerkungen über das Vor-
kommen von Pflanzen in heissen Quellen
und in ungewöhnlich warmem Boden
Wieg mann: Ueber 'einen in verschlosse-
nem Glase auf Sägespänen gewachsenen
Agaricus
Seh leiden: Ueber Bastarderzeugung und
Sexualität
— Zur Geschichte der Metamorphose
— Ueber die morphologische Bedeutung
der Placenta
Meyen: Ueber die stengelartige Bildung
bei dem Fucus pyriferus L
— Einige Worte über das Vorkommen
von Brutknospen bei den Laubmoosen .
Kunth: Ueber die Fruchtbildung der Cy-
peraceen
— Ueber die Natur des schlauchartigen
Organs (Utriculus), welches in der Gat-
tung Carex das Pistill und später die
Frucht einhüllt
Schieiden: Ueber die sogenannten Luft-
wurzeln der tropischen Orchideen . .
— Ueber die weibliche BHithe der Cannabineae
Archiv f. Naturgesch. XJY. Jahrg. 1. Bd,
Jahrgang.
Seite.
V.
IV.
IV.
V.
IL
III.
III.
I. 2
135.
59.
49.
264.
206.
279.
201.
232.
338 Verzeichniss der in den ersten vierzehn Jahrgängen
Meyen: Erklärung der eigenthümlichen
Stellung der Embryonen im Mistel-Samen,
wenn deren mehrere in einem und dem-
selben Samen vorkommen
Schieiden: lieber die Bliithe der Loran-
thaceen
Kunth: Berichtigung (über die Deutung
der Blüthen der Garten-Balsamine) . .
Schi ei den: lieber Bodenstetigkeit der
Pflanzen
DeCandolle: Ueber die geographische
Verbreitung der Compositen. Üebersetzt
von Walpers
Link: Beiträge zur botanischen Geogra-
phie des südlichen Europa
Philippi: lieber die Flora Siciliens im
"Vergleiche zu den Floren anderer Länder
Barentin: Die Vegetation in der Mark
Brandenburg. Ein Beitrag zur Pflanzön-
geographie
Grisebach: Ueber den Vegetationscha-
rakter von Hardangar in Bergens Stift .
Meyen: Vergleichende Bemerkungen über
die Verbreitung der Vegetation in den
grössten Höhen des Himalaya und in
Hoch-Peru
Seubert und Hochstetter: Uebersicht
der Flora der azorischen Inseln ♦ . .
Lindheimer: Pflanzengeographische Ueber-
sicht von Texas
Hall: Ausflüge in die Nachbarschaft von
Quito und zum Gipfel des Chimborazo
im Jahre 1831
d'Orbigny: Naturhistorische Schilderung
des nördlichen Patagonien
Philippi: Beweis, dass die. Nulliporen
Pflanzen sind
Meyen : Schreiben an denHerausgeber(Wieg-
mann) gegen die Thiernatur einiger Algen
Jahrgang.
VL
V.
IL
IV.
VL
H.
n.
VL
X.
n.
IX.
xn.
L 2.
V.
HL
HL
enthaltenen Aufsätze. Systematisch geordnet.
339
Meyen: Noch einige Mittheiiungen über
rothen und grünen Schnee
Opatowski: De familia fiingorum Bole-
toideorum
Torrey: Monographie der Nordamericani-
schen Cyperaceen. Anzeige
Hoffmann: Beiträge zur näheren Kennt-
niss von Lemna arrhiza nebst einigen
Bemerkungen über L. polyrrhiza, gibba,
minor und trisulca
Schieiden: lieber den Familiencharakter
der Elaeagneae
Klotzsch: Tuckermannia, eine neue nord-
amerikanische Gattung aus der natür-
lichen Ordnung Empetreae
— Neue und weniger gekannte südame-
rikanische Euphorbiaceen-Gattungen . ♦
— Die Gattung Trewia
— Die Crotoneae der Flora von Nord-
amerika
Kunth: Einige botanische Bemerkungen
(Myosurus, Papaver, Cruciferes, Teesdalia)
Meyen: Essbare Tange
Eichwald: lieber die Kultur des Safrans
Blume: Einige Bemerkungen über den
Culilawan-Baum des Rumphius . . .
R. Schomburgk: Ursprung des Wuraly-
oder Urary-Giftes . . . . . . . .
C. Moritz: Bastard -Annona. Notiz . .
deVriese: Die Meinungen von Kämpfer,
Thunberg, Linne und Anderen über die
Mutterpflanze des Sternanises des Han-
dels, vertheidigt gegen v. Siebold und
Zuccarini
Zuccafini: Berichtigung der Angaben des
Herrn Professor de Vriese über die Mut-
terpflanze des Sternanises
De Vriese: lieber den Stern- Anis (Jlli-
cium anisatum L.)
VI.
V.
VII.
VII.
vn.
VII.
111.
I. 1.
I. 1.
I. 1.
IIL
V.
IH.
II.
I. 2.
138.
291.
248.
175.
255.
250.
231.
131.
392.
116.
230.
84.
111.
204.
233.
340 Verzeichn. der in den ersten vierzehn Jahrg. enthalt. Aufsätze.
Petrefactenkunde.
Quenstedt: Ueber die Identität der Petri-
ficate des Thüringischen und Englischen
Zechsteins .
. — Ueber den Rautenberg bei Schöppenstedt
— Beiträge zur Petrefactenkunde . . .
S ick 1er: Thierfährten im bunten Sandsteine
Bemerkung dazu
Quenstedt: Die Stylolithen sind anorga-
nische Absonderungen
A. Wagner: Fossile Ueberreste von einem
Affenschädel
Fossile Quadrumanen. Notiz . . - .
Fossile Quadrumanen
— Bemerkungen über die Artrechte der
antediluvianischen Höhlenbären . . .
R. Wagner: Ueber die Zoolithenhöhle bei
Rabenstein und den darin gefundenen fos-
silen Unterkiefer einer kleinen Katzenart
Kaup: Bemerkungen über die drei Arten
Mastodoh und die drei Arten Tetracau-
lodon des Herrn Isaac Hays ....
Bronn: Ueber die fossilen Gaviale der
Lias-Formation und der Oolithe . . .
Quenstedt: Beitrag zur Kenntniss der
Trilobiten , mit besonderer Rücksicht auf
ihre bestimmte Gliederzahl
— Ueber einige Hauptorgane der Nautileen
Agassiz: Ueber Belemniten .....
Quenstedt: Beiträge zur Petrefacten-
kunde (Ungulites, Lingula , Orbicula)
— Ueber die Enkriniten des Muschelkalkes
Ehrenberg: Ueber fossile Infusionsthiere
— Ueber fossile Infusionsthiere . . .
— Ueber die fossilen Infusoriengattungen
Xanthidium und Peridinium . . . .
Jahrgang.
I. 2.
IL
II.
I. 1.
I. 1.
III.
V. ■
ly.
iii.
IX.
I. 2.
IX.
VIII.
m.
II.
I. 2.
III.
I. 2.
II.
m.
lU.
Seite.
75.
254.
245.
127.
395.
137.
171.
95.
372.
24.
96.
168.
77.
337.
251.
244.
142.
223.
333.
275.
273.
/^^^
iC
©-a.
cc
A®
S-©
/
a
Ta^l
^©
a
; b
/f o «^
V ^
^fiitipr deÜrZ'.
CFSckmtätüäu
/s^s.
T<i///.
rrij
^
c
^TzZor -delüz^.
C.fSc^772/:^M2^
K,/:///.
ru;:J\'.
J/iF//r7- ,/,:'
h',ia,/i.';-A/e^,-f ,.;■.
JcUS\
V /:'
cf.
'i-'
%
//.
k.i,/^/f.u-Ai<^r
/S-^/^S
■/,>yn7.
/r<^.):
/.
//y.'//Z
^I^W '\
^^^ 1
r. Ä
m
f/
Ü^
#
^/z/^' y.v.
liirn/cff «f.
f
*f
'•i'^
-■■>:.
•*^