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^5S.
Bepfcht über die lieistuug'eii in der IVatur-
g:ei9chiclite der TÖgel während des
Jahres 1§51.
Von
Or. Hartlaul»
in Bremen.
Unter den Bereicherungen, welche das Jahr 1851 der
Ornithologie brachte, ist nur eine von hervorragendem
Interesse und grosser wissenschaftlicher Bedeutung. Man
erlangte zu Paris Eier und Knochenfragmente eines Riesen-
vogels von Madagascar, von dessen einstiger Existenz aller-
dings verschiedene ältere und neuere Angaben Zeugniss ge-
geben hatten, ohne dass es doch bisher gelungen war, ir-
gend welche thatsächliche Beweise für dieselbe zu entdecken.
Isidor Geoffroy St. Hilaire nennt diesen Vogel, wel-
cher sich keiner der bekannten lebenden und fossilen Gattun-
gen anzuschliessen scheint, Aepiornis maximus. — Die Zahl
der neuentdeckten Arten stellt sich bedeutend geringer als
im vorigen Jahre. Die meisten derselben sind afrikanischen
Ursprungs, so unter anderen eine durch Grösse und Farben-
pracht gleich ausgezeichnete zweite ächte Musophagaart. —
Owen und Man teil beschrieben verschiedene neue und
zum Theil sehr bedeutende Skelettheile der subfossilen neu-
seeländischen Gattungen Dinornis und Palapteryx. — Der Bei-
träge zur ornithologischen Litteratur waren kaum weniger
als im vorigen Jahre. Unter ihnen werden wir mehrerer an
Umfang und Gehalt gleich bemerkenswerther zu gedenken
haben. Blyth in Calcutta bleibt unermüdlich in seinem Ei-
Archiv, f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 2. Bd. A
2 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
fer, die Ornithologie des continentalen Asien's, der Nicoba-
ren und Ceylon's zu fördern; ein wichtiger Beitrag von
ihm folgt dem andern. Sir W. Jardine, Baron v. Mül-
ler und die Brüder Verreaux vermehrten das Artenver-
zeichniss afrikanischer Vögel. Für America wäre vor Allem
der trefflichen monographischen Bearbeitungen einiger süd-
amerikanischer Gattungen zu gedenken, welche der Englän-
der S. M. Sclater in den „Contributions to Ornithology'' er-
scheinen Hess, und zu unserer J3is dahin höchst unvollkom-
menen Kenntniss der Ornithologie der intertropischen Insel-
gruppen des stillen Oceans lieferte der Americaner Titian
R. Peale schon vor mehreren Jahren wichtige aber schwer
zugängliche Beiträge , deren , wenn gleich sehr verspätete
Mittheilung dem diesmaligen Jahresberichte vorbehalten blieb.
Am 12ten Juni constituirte sich in Berlin die „Deutsche
Ornithologen-Gesellschaft.« Dieselbe bezweckt die Förderung
der gesammten Ornithologie. Jeder Freund der Ornitho-
logie, In - oder Ausländer, kann Mitglied werden. Fünf or-
dentliche Mitglieder bilden den Vorstand. Alljährlich findet
eine Versammlung statt. Das Organ der Gesellschaft ist die
„Naumannia." Das erste Heft des zweiten Bandes dieser Zeit-
schrift giebt auf S. 7 die Statuten und besagt alles Nähere.
Glück auf!
Edward Newman veröffentlichte „First thoughts on
a physiological arrangement of birds." Darnach würden die
Vögel in zwei Hauplabtheilungen zerfallen , und zwar 1) in
y,Hesthogenous birds^ oder solche, deren Junges bekleidet,
mit warmem Dann bedeckt aus dem Ei kommt, sieht, hört,
riecht, leicht läuft u. s. w. ; und 2) in ,fiymnogenous hirds^ oder
solche, deren Junges nackt, blind und unfähig zu gehen das
Ei verlässt. Die erste Abiheilung umfasst die Hühner, Strausse,
Regenpfeifer, Schnepfen, Wasserhühner, Taucher und Enten;
die zweite Pelicane, Möven, Raubvögel, Reiher, Passeres,
Klettervögel und Tauben. — Jeder neue systematische Ge-
sichtspunkt bietet ein gewisses wissenschaftliches Interesse
dar, so auch dieser. Im Uebrigen lässt sich nicht viel über
diese „Ersten Gedanken u. s. w." sagen. Unserer Ansicht
I
der Vögel während des Jahres 1851. 3
nach hat die Physiologie mit der Systematik der Thiere ge-
rade so wenig zu thun,. wie die Chemie mit der Systematik
der Mineralien. Scharfsinniges Auffassen und Vergleichen
aller äusseren Theile mit Berücksichtigung der Winke
und Anhaltspunkte , welche Lebensweise , Stimme und Fort-
pflanzungsgeschäft geben, wird die Grundlage jedes systema-
tischen Versuchs bilden müssen , welcher mehr als „Gedanke,"
welcher practisch brauchbar sein soll.
Dr. L. Reichenba ch's „Novitiae ad Synopsin Avium'«
giebt auf 45 recht sorgfältig colorirten Tafeln nachträgliche
Abbildungen neuerer Arten aus den Ordnungen der Rasores
und Grallatores, und bildet eine eigene Abtheilung von des-
sen „Icones ad Syn. Avium." Den wissenschaftlichen Werth
und die Brauchbarkeit dieser vollständigsten aller or-
nithologischen Kupfersammlungen hat schon der vorjährige
Bericht nach Verdienst hervorgehoben; es freut uns hinzu-
fügen zu können, dass sich diese späteren Abbildungen durch
sorgfältigere und weniger grelle Colorirung, so wie durch et-
was grösseren Maasstab sehr vortheilhaft vor den früheren
auszeichnen.
Ebendasselbe gilt von der 8ten Abtheilung der Reichen-
bach'schen „Icones ," den ^Alcedineae.^ Mit sehr wenigen
Ausnahmen werden sämmtliche Arten dieser Familie der er-
sten der „Cohorte der Spähvögel, Invesligatores" in 160 Ab-
bildungen -"auf 44 Tafeln naturgetreu und kenntlich darge-
stellt, zum grossen Theil nach Originalexemplaren der Dres-
dener und anderer Sammlungen. Zu diesen Alcedineen hat
denn der Verfasser endlich einmal Text gegeben, und zwar
als erste Lieferung seines „Handbuchs der speciellen Ornitho-
logie." Man studiert diesen nicht auf Compilation beruhenden
Text mit wirklichem Interesse. R. geht in der Annahme ge-
nerischer Sectionen so weit — als eben nur gegangen wer-
den kann, mitunter selbst über die Grenze des nach unserem
Geschmack Zulässigen hinaus (so z. B. wenn er Ale. ameri-
cana und Ale. bicolor generisch trennt). Bei den einzelnen
Arten wird das historische gewissenhaft und kritisch gege-
ben, und man stösst hier auf manche feine und eigenthümliche
Unterscheidung. Sehr genaue Maasangaben erhöhen den Werth
der zahlreichen Originalbeschreibungen. Von der Lebens-
4 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
weise ist R. alles Wichtigere zusammenzustellen bemüht ge-
wesen. Der specielle Theil des Berichts wird auf gewisse
Einzelnheiten dieser Arbeit zurückkommen, zu deren Fortfüh-
rung und eventueller Vollendung man Reichenbach von Her-
zen Muth, Ausdauer und kräftige Unterstützung von Seiten
i\es Publikums wünschen mag.
Dr. J. Cabanis ist eifrig beschäftigt mit der Anfer-
tigung eines „räsonnirenden Catalog's" der ausgezeichneten
ornithologischen Sammlung des Oberamtmanns F. Heine auf
St. Burchard bei Halberstadt. Von dieser sehr inhaltreichen
und wichtigen Arbeit sind bereits an 150 Seiten gedruckt,
und wir können uns um so weniger versagen, derselben hier
schon vor dem Erscheinen mit einigen Worten zu gedenken,
als bei dem etwas weitläuftig angelegten Plane des Buches
leicht noch einige Zeit bis zur Beendigung desselben verge-
hen möchte. Die uns wohlbekannte Heine'sche Sammlung ist
augenblicklich die bedeutendste Privatsammlung in Europa,
und die Wissenschaft kann es dem Besitzer derselben nicht
genug danken, dass er seine Schätze auf solche Weise in
ihrem Interesse nutzbar macht. Cabanis sucht in diesem
Cataloge die Synonymie jeder Art kritisch festzustellen. In
der Consequenz möglichst knapper Fassung des Genus geht
er fast noch weiter als Reichenbach, und was die von
ihm angenommenen neuen Arten betrifft, so scheint sich
wenigstens ein Theil derselben , als auf zu minutieuse Un-
terschiede hin begründet, weiterer Untersuchung unterwerfen
zu müssen. Der wissenschaftliche Werth dieser Arbeit wird
noch dadurch bedeutend erhöht, dass Cabanis in derselben
viele bis jetzt unbeschrieben gebliebene selt-
nere Arten des Berliner Museums ausführlich be-
schreibt. Das zum Grunde gelegte System ist natürlich das
von C. in den „Ornithologischen Notizen" aufgestellte. Eine
etwas raschere Förderung dieses Buches, welches unbedingt
den bedeutenderen Erscheinungen der ornithologischen Lite-
ratur beizuzählen ist, wäre sehr zu wünschen.
Von Sir W. Jardine's „Contributions to Ornithology«
brachte das Jahr 1851 den 4ten Band, gleich den früheren,
des Neuen und Interessanten viel bietend. Derselbe enthält
{lusser Beschreibungen und Abbildungen neuer Arten, auf
der Vögel während des Jahres 1851. 5
welche der specielle Theil des Jahresberichts zurückkom-
men wird, eine übersichtliche Zusanimenstellung dessen, was
1850 in Grossbritannien Ornithologisches geleistet wurde, fer-
ner vortreffliche monographische Bearbeitungen der Gattun-
gen Calliste, Euphone, Pipra und Dacnis von P. L. Scla-
ter, wichtige Beiträge zu unserer Kenntniss der Vögel West-
africa's von Sir W. Jardine und H. E. Strickt and,
Bemerkungen über die Gattung Scytalopus von Jardine
und Lafrenaye, werthvolle Nachweisungen über einzelne
seltnere Arten u. s. w. Wer exotische Ornithologie culti-
virt, wird mit uns jedes neue Heft dieses Werkes mit Freude
begrüssen.
R. Titian Peale „Mammalia and Ornithology of the
United States Exploring Expedition" 1 vol. 4to, Philadelphia
1848. Leider müssen wir das im vorigen Berichte mitge-
theilte Urtheil eines sehr competenten amerikanischen Kriti-
kers über dieses durch die Masse seiner Irrlhümer ganz
ausserordentliche Buch im vollen Maasse bestätigen. Die
ganze ornithologische Litteratur hat kein Analogon dazu auf-
zuweisen. Dennoch ist dasselbe sehr wichtig und die in
demselben gegebenen Nachrichten über die Vögel Polyne-
sien's sind von solchem Interesse , dass es sich der Mühe
lohnt, aus dieser Spreu von Unrichtigkeiten die Goldkörner
herauszusuchen. Hier nur kurz das Wichtigste. Peale be-
schreibt über 80 neue Arten , aber kaum ein Dritttheil der-
selben scheint wirklich neu zu sein. Die Mehrzahl dieser
letzteren sind oceanische. Dagegen erfahren wir, dass unter
den von Peale für bekannt gehaltenen und nur nominell auf-
geführten Arten manches Neue steckt. Die Mittheilungen
über Lebensweise, geographische Verbreitung u. s. w. sind
oft in hohem Grade interessant. Bei der absoluten Unkennt-
niss der ornithologischen Litteratur, mit welcher dieses Buch
verfasst wurde, konnte es jedoch nicht fehlen* dass nicht auch
schon Bekanntes unter denselben wäre. Mehr im speciellen
Theile dieses Berichts. Hoffentlich findet das ganze reiche
ornithologische Material der „Exploring Expedition" einen
neuen, seiner Aufgabe gewachsenen Bearbeiter. Wir würden
Ca s sin dazu vorschlagen.
Von Pucheran's „Etudes sur les types peu connus du
6 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Miisee de Paris" erschienen zu unserer Freude auch in die-
sem Jahre mehrere Fortsetzungen: Rev. et Mag. de Zool.
p. 272, 369 und 563. Wir wissen nicht, ob Pucheran be-
absichtigt, seine Forschungen auch über die noch übrigen
Klassen der Vögel, die Passeres, Scansores, Cohunbae und Gal-
linae auszudehnen , können aber den lebhaften Wunsch ,
dass dies geschehen möge, nicht zurückhalten.
„Naumannia. Archiv für die Ornithologie, vorzugsweise
Europa's/' Viertes Heft. Es geht sehr langsam mit dieser
Zeitschrift , und von jenem Schwünge , der auf gedeihliches
Bestehen und lebenskräftiges Fortblühen hinzudeuten pflegt,
ist noch wenig zu spüren. Es verdient dieses 4te Heft jedoch
alles Lob. Neben manchen mehr oder weniger interessan-
ten Beiträgen zur Naturgeschichte vaterländischer Vögel ent-
hält es einiges nicht Unwichtige über exotische Arten und,
zum ersten Male, Zusammenhängendes über die Richtung und
Bedeutung der neueren Oologenschule aus der Feder von C.
Baldamus. Wir unterschreiben bei Weitem nicht Alles,
was hier über moderne Systematik gesagt wird, verkennen
jedoch die Wichtigkeit der Oologle für Systematik keinen
Augenblick, und sehen in der jetzt angebahnten Behandlung
derselben einen wesentlichen Forlschritt der Wissenschaft.
Von der chemischen Untersuchung der Eierschalen erwarten wir
ganz und gar nichts und halten jede darauf verwandte Mühe
für Zeitverlust. Das Verzeichniss der oologisch gut charak-
terisirlen Eiergruppen, gleichsam das erste Ergebniss der neue-
ren Studien über diesen Gegenstand, muss jeden Ornitho-
logen interessiren. Wir würden dasselbe, gestattete es der
Raum, hier gern reproduciren.
Von F. A. L. T h i ene m ann's „Fortpflanzungsgeschichte
der gesammten Vögel« erschien ein 7tes Heft, enthaltend
Bogen 37 bis 42 und die Tafeln 61 bis 70. ^Alles schon
früher zum Lobe 'dieser vortrefflichen Arbeit Hervorgehobene
gilt auch für dieses 7te Heft, welches den Gattungen Tringa,
Phalaropus, Himantopus, Totanus, Limosa, Recurvirostra, Ibis,
Cancroma, Platalea , Ardea, Psophia, Ciconia und Phoenico-
pterus gewidmet ist.
H. R. S c h in z „Naturgeschichte der Vögel« u. s. w. Neue
Auflage. Heft 8—10. ist rühmlich zu erwähnen.
der Vögel während des Jahres 1851. 7
W. E. Evans „The song of the birds or analogies of
animal and spiritual life« ed. 2. London 8. 320 S.
„Die Hausvögel in den Verhältnissen zu den Wissen-
schaften, Künsten, Gewerben und der Lebensweise des Men-
schen." Zwickau. 8. 68 S. Man liest dieses kleine, von dem
„Vereine zur V erb reitung von Volk ssclir iften «
herausgegebene Buch mit Vergnügen. Es scheint uns seinem
Zwecke durchaus zu entsprechen.
J. C. Bennetl „The poultry book; a treatise on bree-
ding and general management of domestic fowls; with nu-
merous original portraits from life. London. 8. 310 S."
Ohne Fortsetzung blieben:
Dubus „Esquisses Ornithologiques."
C. L. Bon aparte „Conspectus generum avium.«
Europa.
Die „Nachträge , Zusätze und Verbesserungen" zu J.
Fr. Naumann's „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands«
nahmen ihren Fortgang. Der Text kam bis zu S. 307, die
Tafeln bis 363.
Die letzte Lieferung brachte die seltneren Drosselarten: Turdus
Naumanni, fuscalus, pallens, solitarius, Whitei, mollissimus, atrogulariSf
ruficollis, sibiricus und migratorius ; ferner die Muscicapa melanoptera
Heckel aus Sicilien, M. parva und Slurnus aterrimus. Gewöhnlich sind
mehrere Altersstufen derselben Art abgebildet, so von T. sibiricus fünf.
Die auf Tafel 352 zum ersten Male abgebildete M. melanoptera (^ ad,
S. 245.) scheint Naumann für eine gute Art halten zu wollen.
„Fauna von Curhessen, Vögel,« von Dr. W. Schwaab:
Einladungsschreiben zu der Schulfeierl. im Lyceum Frideri-
cianum zu Cassel, p. 73. In dieser fleissigen Arbeit werden
die nistenden, die diirchziehendea., die Winterbesucher, die
durchstreifenden, die selten auf dem Durchzug vorkommen-
den und die sich zuweilen herverirrenden Arten durch be-
sondere Zeichen unterschieden. Von den 203 Arten, welche
als wild vorkommend aufgeführt werden, scheinen 115 in
Curhessen zu nisten. Auf S. 75 folgen Beobachtungen über
die Zeit der Ankunft einiger Zugvögel bei Cassel, Rotenburg
und Rinteln in den Frühjahren 1842 bis 1847.
8 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
R. Tobias „Verzeichnlss der in der Oberlausitz vor-
kommenden Vögel" in : Naumannia , Heft 4. S. 50. Noch
unvollendet. Die bei jeder Art hinzugefügten Bemerkungen
über Standort und Lebensweise verrathen den geübten Beob-
achter, und sind sehr willkommene Beiträge zur vaterländi-
schen Vögelkunde. Mit Einschluss der Gallinaceen werden
bis jetzt 169 Arten namhaft gemacht.
Graf CasimirWodzicky „ Wycieczka ornitologiczna
w Tatry i Karpaty Galicyiskie na poczatku czerwca. 1851.8.
(Ornithologischer Ausflug in den Tatra und die gallicischen
Karpathen.)" Wir hoffen , dass der unserer Sprache vollkom-
men mächtige Verfasser, dessen Bekanntschaft wir bei Gele-
genheit des Ornithologen-Congresses in Berlin zu machen
das Vergnügen hatten, sein uns gegebenes Versprechen hal-
ten und diese Arbeit selbst ins Deutsche übersetzen wird.
E. Baldamus brachte eine Fortsetzung seiner „Bei-
träge zur Naturgeschichte einiger dem S. 0. Europa's ange-
hörender Vögel." Naumannia 4. p. 39.
B. schildert hier in sehr anziehender Weise seine Wahrnehmun-
gen über Ardea comata, A. alba, Sterna leucopareia und St. leucoptera
in den Sümpfen Syrmien's.
Von W. Tho mp SO n's „Natural History of Ireland;
Birds" erschien der dritte Band und damit der Schluss eines
der ausgezeichnetsten und anziehendsten Werke der ganzen
ornithologischen Litteratur. Dieser dritte Band enthält die
Natatores. Die ganze Färbung des Buches ist lokal gehalten,
ja Thompson sucht geflissentlich eine mehr generalisirende
Behandlung seines Gegenstandes zu vermeiden. Die Schil-
derungen einzelner ornithologisch interessanter Lokalitäten
Irland's, als z. B. der gewaltigen „the hörn" genannten Ba-
saltklippen der Küsten Donegal's, sind wunderbar schön. Das
Buch umschliesst eine reiche Fülle an neuen und treffenden
Beobachtungen. Man lese z. B. als Beleg zu dem eben Ge-
sagten, was über den „Gannet" (Sula alba) beigebracht wird.
„A history of British birds by the Rev. Fr. Morris, with
an Illustration of each species, accurately coloured." Von
diesem Werke, welches wir nicht aus eigener Anschauung
kennen, kamen 9 Tlieile heraus, deren jeder 4 colorirte Ta-
der Vögel während des Jahres 1851. "
fein nebst Text enthält. Von demselben Verfasser sollen
^The nests and eggs of British birds" erscheinen.
G. R. Gray: „A list of the specimens of British ani-
mals in the collection of the British Museum" part. III. Birds."
Bei der gleich zu Anfang dieser sehr fleissigen Arbeit ge-
gebenen Aufzählung der britischen Vögel wird zwischen
wirklich einheimischen 114, zu gewissen Jahreszeiten vor-
kommenden 83 , und gelegentlichen Besuchern 104 scharf
unterschieden. Dann werden 48 zufällige Besucher namhaft
gemacht, dann 11 introducirte und endlich noch 7 zweifel-
hafte Arten. Bei der Synonymie einzelner Arten erstrebt
Gray möglichste Vollständigkeit. 275 Seiten.
Edw. Newman's populäre Zeitschrift „The Zoologist^
ist bis zum 8ten Bande gelangt. Dieselbe enthält sehr zahl-
reiche kleinere Notizen über britische Vögel, nament-
lich über das Vorkommen seltnerer Arten.
A. E. Knox „Game birds and wild fowl, their friends
and foes" 1 vol. 8. London. Dieses von englischen Recen-
senten gerühmte Buch scheint vorzugsweise für den Jäger
berechnet zu sein. 274 S.
H. G. Adams „Favourite Songbirds, containing a po-
pulär description of the feathered songsters of Britain, with
an account of their habits." 250 S. in 12.
Dr. A. S m i t h veröffentlichte Bemerkungen „über einige
seltnere Vögel Schottland's« : Ann. and Mag. VIII. p. 73. La-
ntus excubüor, Bombycilla garrula^ Coturnix vulgaris u. s. w.
Von Totanus hypoleucus wird der schwer glaubliche Zug
mitgetheilt , es habe ein Pärchen dieser Art, weil es sich
beobachtet wusste, 4 Eier eine Entfernung von 70 bis 80
Ellen vom Neste fort nach einem mehr sicheren Platze hin
getragen. Ob mit dem Schnabel oder den Füssen, ver-
mochte der Beobachter nicht zu unterscheiden.
Archibald Hepburn „Notes on some of the Mam-
malia and Birds found at St. Abb's Head: Proceed. of the
Berwickshire Naturalist's Club. 1851. p. 70.
Die hier genannte Lokalität gehört zu den grossartigen wild
zerklüfteten Felsenbildungen der Küste von Berwickshire, und der Verf,
schildert mit dem eigenthümh'chen Talent, welches so manche verwandte
Darstellung englischer Zoologen charakterisirt, das Leben und Treiben
10 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der dort von ihm beobachteten Vögel, so von Corvus corax, Anthus aqua-
ticiis, Columba livia, Uria trolle und lacrymans, Alca torda, Fratercula
arctica, Larus tridactylus, argentatus u, s. w. Einer dfer interessantesten
britischen Vögel, Pyrrhocorax graculus, ist dort sehr selten geworden.
„Ornithologia Danica. Danmarks Fugle i 304 Afbildiun-
ger af de Gamle Hanner med Saerskilt Text af N. Kjaerböl-
ling.« Kopenhagen, klein Fol. mit 54 colorirten Tafeln. Der
in 8. gedruckte Text ist noch nicht ganz vollendet. Das Buch
gehört in die Reihe der guten populären ornithologischen
Schriften. Auch die Abbildungen verdienen Lob. Durch-
schnittlich ist nur das ausgefärbte Männchen jeder Art abge-
bildet.
„Finska Foglars Finska namn systematiskt ordnade af
W. Nylander.« 8.
Der Verfasser dieser kleinen Abhandlung zählt 237 Arten finni-
scher Vögel auf, und theilt die höchst curiosen Namen derselben mit.
Von seltneren Arten kommen z. B. Anas dispar, Sylvia caligata, Em-
beriza pusilla und aureola vor , letztere beide nicht selten um Arch-
angel.
Joh. Erhard Areschoug et Carl Gustav Ce-
derström: Om de i trakten af Carlstadt förekommande
fogelarter. Academisk Afhandling. Upsala 8. 15 S. Wurde
uns leider nur dem Titel nach bekannt.
Ch. F. Dubois: „Planches coloriees des oiseaux de
la Belgique et de leurs oeufs." Bruxelles. 8. Ite bis 6te
Lieferung. Es ist dieses Werk auf 90 bis 100 Lieferungen
berechnet , deren jede 3 Kupfertafeln mit Text enthält. Es
lässt sich nicht viel zum Lobe dieser Arbeit sagen. Die hart
colorirten Abbildungen sind mittelmässig , der Text wimmelt
von Druckfehlern und ist überhaupt schlecht. So z.B. wird
Sylvia aurorea Fall, als Synonym von phoenicura , Lanius
phoenicurus Fall, als gleichartig mit coUurio aufgeführt u.s.w.
Asien.
Von J. Gould's „Birds of Asia" erschien ein drit-
tes Heft mit den prachtvollen Abbildungen von Gyps ben-
galensis, Falco peregrinator, Ithaginis crueiitus, Ammoperdix
der Vögel während des Jahres 1851. 11
Bonhami , A. Heyi, Pterocles giittatus , PI. coronalus, Otis
Macqiienii, Eophona personata, E. melanura, Mycerobas me-
lanoxanthus, M. carnipes, Hesperiphona icteroides, Montifrin-
gilla arctoa, M. haematopygia , Ruticilla erylhrogaslra und
Leiolhrix luteus.
Edg. L, Layard „On the progress of Natural History
in Ceylon« : Ann. and Mag. of Nat. Hist. VIII. p. 402. Bis
vor ganz kurzer Zeit war Ceylon naturgeschichtlich eine terra
incognila. Der Verfasser dieses aus Port Pedro datirten
Schreibens macht 260 von ihm auf dieser Insel beobachteter
Vögelarten namhaft.
Die Mehrzahl derselben scheint mit continental-indischen gleich-
artig zu sein, unterscheidet sich jedoch von diesen fast durchgehends
durch ein etwas dunkleres Colorit ; ein kleinerer Theil ist als Ceylon
eigenthümlich zu betrachten. Keu waren uns die folgenden: Hirundo
hyperythra Lay., Podargtis moniliger Lay.^ Palaeornis Calthrapae Lay.,
Merula candiana ßl. , Pralincola alrala Bl. , Pycnonotus melanops Bl.,
Hirundo domicola Bf. , Munia acutiroslris und Corydalla striolata, —
Blyth's Catalog der Vögel im Museo zu Caicutta ist bei dieser nicht
unwichtigen Liste zum Grunde gelegt.
E. Blyth „Report on the Mammalia and more remar-
kable birds inhabiting Ceylon.« Journ. of the Asiat Soc. of
Bengal, vol. 20. p. 153. Die Materialien zu diesem sehr in-
teressanten Bericht erhielt Blyth in Gestalt von Sendungen
und Noten durch die Herren Layard, Templeton, Brodie und
Dr. Kelaart. Dieser letztere durchforschte zuerst die sehr
hoch gelegene Gegend um Newera Ellia und wird seine Er-
gebnisse in dem Journ. of the Roy. As. Soc. of Ceylon mit-
theilen.
Auf die von Blyth als neu beschriebenen Arten soll der specielle
Theil unseres Berichts zurückkommen. Cypselus melba wird als häufig
vorkommend aufgeführt. So viel bis jetzt bekannt, sind folgende Vögel
als ausschliesslich ceylonisch zu betrachten : Palaeornis Cal-
thrapae Lay., Loriculns asiaticus Lath., Buceros violaceus Wagl,, Pictts
gymnophthalmus ßl. , P. ceylonus Forst. , P. rubescens Vieill. (?) , Me~
galaima ßavifrons Cuv., M. rubricapilla Gm., Centropus chlororhynchus
ßl., Phoenicoph. pyrrhocephaliis Forst,, Batrachostomtts niotiiliger Lay., .
Cissa puella Bl. (ist Pica ornata Wagl. Isis 1829. p. 649.) , Gracula
pHlogenys B\.^ Garrulax cinereifrons Bl., Malacocercus rufescens BL,
12 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Drymoica valida Bl. , Cislicola omalura Bl. , Pomaiorh. melanurus ßl.,
Alcippe nigrifronsBl.f Drymocataphus fuscocapillusßl., Oreocincla spilo-
ptera Bl. , Merula Kinnisii Bl, , Pralincola atrata Kel., Brachypteryx
Palliseri Kel. , Hirundo hyperythra Lay. , Tephrodornis afßnis Bl. , Di~
crurus edoliformisB\., D. hucopygialis Bl., Pycnonotus penicillatusK»].,
P. nigricapillus Drap. (Aegilhina atricapilla Vieill. !) , Gallus Stanleyi
Gray und Galloperdix ceylonensis Gm. Noch einige andere Arten wer-
den von Blyth als „doubtfully distinct« bezeichnet; also wohl Lokal-
rassen continentaler Arten. Hypsipetes nilgeriensis ist in Ceylon aus-
nahmsweise blasser gefärbt als Exemplare von den Neilgheries.
E. Blyth „Notice of a collection of Mammalia, Birds
and Reptiles procured at or near the Station of Cherra Pungi
in the Khäsia hüls, north of Sylhet : Journ. As. Soc. Beng.
1851. p. 517. Unter den an dieser sehr wenig- bekannten
Lokalität gesammelten Vögeln befanden sich mehrere neue
Arten von Interesse , die Mehrzahl derselben stimmt jedoch
mit um Darjeeling vorkommenden überein und sehr viele er-
hielt Blyth auch von Arracan, Pomatorhinus Phayrii (mit co-
ralrothem Schnabel) und Jole virescens waren ihm bis jetzt
nur von dorther zugekommen.
E. Blyth „Conspectus of the Ornithology of India, Bur-
mah and the Malay Peninsula including Sindh, Assam, Cey-
lon and the Nicobar Islands.« J. A. S. of B. Vol. XIX. p. 229.
(Psittacidae) und p. 319 u. 501. (Raplores.) Wichtig, ins-
besondere für die geographische Verbreitung der einzelnen
Arten. Keine Beschreibungen, aber die Synonyme mit vie-
ler Kritik.
E. Blyth „On the modes of Variation of nearly affmed
species of birds chiefly inhabitants of India« : J. As. Soc. of
Beng. XIX. p. 221. Ein reicher und werthvoller Beleg mehr
für die Annahme von Lokalrassen, Blyth macht deren un-
ter den Vögel Indien's zahlreiche namhaft , und zwar nach
Grösse und Färbung. Oft können aber nur die alten völlig
ausgefärbten Vögel unterschieden werden. Die Stimme giebt
häufig ein treffliches Hülfsmittel ab bei der Sonderung sehr
ähnlich gefärbter nahe verwandter indischer Arien,
der Vögel während des Jahres 1851. 13
Afrika.
P. 0. Desmurs theilt in der Revue et Magas. deZool.
auf S. 29 ein Verzeichniss von 22 Vögeln mit , welche in
den Monaten März bis Juni um Boghar, einem der süd-
lichst gelegenen Punkte der französischen Besitzungen in
Afrika, gesammelt waren.
Boghar liegt 1200 Metres hoch über dem Meere. Es sind fol-
gende Arten: linnunculus alaudarius, Ephialles scopsj Caprim. ruficol"
lis, Merops apiaster , Rutic. phoenicurus , Saxicola stapazina, Or. gal-
bula, Lan. excubitoVf Coracias garrula, Fica mauritanica, Sturnus uni~
color, Fringilla spodiogenys Bon., F. chloris, Etnb. miliaria, Parus cae-
ruleanus Malh., Ä. calandra, Picus Levaillantii Malh., Cuc. canoruSf Str.
camelus, Ärdea garceltOj Charadrius minor und Sterna nigra.
Levaillant: „Introduction ä l'histoire naturelle des
mammiferes et des oiseaux du nord d'Afrique etc. Philippeville.
76 S. 8. Es hat nicht gelingen wollen, dieses Werkchen
auf dem Wege des Buchhandels zu erhalten. Wir hoifen
im nächsten Jahre davon berichten zu können.
Jules et Edouard Verraux: „Descriptions d'espe-
ces nouvelles , rares ou peu connus d'oiseaux du Gabon'^ :
Rev. et Mag. de Zool p. 257. p. 305. p. 418 und p. 513.
Ohne Frage der wichtigste zoologisch-geographische Beitrag,
dessen sich die in so hohem Grade interessante Ornithologie
Westafrika's in jüngster Zeit zu erfreuen hatte.
Es werden in dieser Arbeit ausführliche Beschreibungen von 45
Arten gegeben, unter welchen 20 ganz neu sind. Da ein Theil die-
ser Sammlungen vom Gaboon noch vor dem Erscheinen der Verreaux'-
schen Mittheilung in die Hände Strickland's gelangt war , so stellte
derselbe seine Bemerkungen darüber in Jardine's „Contributions« zu-
sammen, glücklicherweise ohne die den Exemplaren angehefteten MS.
Namen Verreau's zu cassiren. So ist es denn nicht schwer, ja sogar
ganz belohnend , die Arbeiten Beider m Einklang zu bringen. Zu den
merkwürdigsten dieser gerade unter dem Aequator gesammelten Vögel
gehört eine ganz neue Form der Pycnonotinae, Ixonolus gultatus\ err.y
deren Aeusseres Strickland nicht wenig an die Gattung Chrysococcyx
erinnerte. Hie Lokalität gehört zu den südlichsten der bis jetzt orni-
thologisch durchforschten Westafrika's. Es war uns auffallend, unter
den 45 von Verreaux beschriebenen Vögeln des Gaboon keiner ein-
zigen von den 8 neuen Arten zu begegnen, welche dem Hamburger
Museum von der unfern gelegenen Insel St. Thome zugekommen sind.
14 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
SirW. Jardine, dem wir schon so manchen werlh-
vollen Beitrag zu der Ornithologie Westafrika's verdanken,
berichtete in den ofterwähnlen ,,Contributions" über eine von
dem bekannten Naturforscher der Niger Expedition , Louis
Fräser , um Clarence auf Fernando Po zusammengebrachte
Sammlung von Vögeln. Die Nectariniae sind darin verhält-
nissmässig stark vertreten. Fräser ist augenblicklich briti-
scher Consul zu Whydah auf der Goldküste, und wird ohne
Zweifel noch ferner die Zoologie jener Gegenden fördern
helfen.
„List of birds procured in Kordofan" by Mr. J. Pethe-
rick with notes by H. E. Strickland: Ann. and Magaz.
of Nat. Hist. IX. p. 342. Dieses sehr gründlich und mit vie-
ler Kritik gearbeitete Verzeichniss berichtet über 112 Arten
cordofanischer Vögel, von welchen drei neu zu sein schei-
nen, zwölf in Rüppell's „Systematischer Uebersicht der Vögel
N-0-Afrika's" fehlen und 52 auch in Westafrika anzutreffen
sind. Für letztere Angabe ist dem Verfasser unser „Beitrag
zur Ornithologie Westafrika's" zunächst maassgebend ge-
wesen.
Von europäischen Arten begegnen wir: Äquila naevia und pen-
nata , Circaetos brachydactylns, Tinnunculus alaudarius (ohne Abwei-
chung in Form und Farbe von Britannien , südlich bis Central - Afrika
und östlich bis Indien), Ceryle rudis, Phylloscopus trochilus L., Saxi^
cola oenanlhe, Budytes melanocephalaj Oriolus galbula^ Lanius coUuriOy
Alauda crislala (nur blasser), Yunx torquilla (ganz identisch mit briti-
schen und indischen Exemplaren), Coturnix communis, Oedicnemus cre-
pitans, Squatarola helvelica, Charadr. hiaticula und cantianus , Bolau~
ms slellaris , Grus cinerea, Ciconia alba, Totanus gloltis, Pelidua mi'-
nuta und subarquata, Machetes pugnax, Orex pratensis, Sterna anglica
und St, nigra. — Zum ersten Male stösst man in diesem Verzeichnisse
nordoslafrikanischer Vögel auf die bisher für ausschliesslich west-
lich gehaltenen Galtungen Chelictinia (Nauclerus Riocouri T.), Rhi-
noplilus^ Slrickl. (Cursor, chalcopterus T.) und Ortyxelos Vieill. Be-
merkenswerth ist das Vorkommen des südafrikanischen Accipiter car-
bonarius Licht.; ebenso bemerkenswerlh das TJf i ch tvorkommen irgend
einer Art aus der Familie der Musophagiden. Diese letztere fehlt
übrigens auch im Sennaar. (Röppell, Hedenborg, Vierihaler.)
lieber die von Peters in Mozambique gesammelten
der Vögel während des Jahres 1851. 15
Vögel scheint noch immer nichts veröffentlicht worden zu
sein. Wir erinnern uns im Berliner Museum die westafrika-
nischen Gattungen Sigmodus, Gymnohucco und Podica unter
denselben bemerkt zu haben. Dagegen beschreibt Bian-
coni in Bologna in seinem Werke „Specimina Zoologica Mo-
sambicana," bis jetzt 3 Fascikel, einige Vögel von dorther,
eingeschickt von dem dort sammelnden Naturforscher For-
nasini.
Australien.
Die schon im , vorjährigen Berichte von uns nach Ver-
dienst gewürdigten ornithologischen Entdeckungen J. Mac-
gillivray's auf der Nordküste Australien's, haben wohl zu-
nächst Gould veranlasst, sein grosses Werk „The birds of
Australia" noch weiter fortzusetzen. Das erste Supple-
mentheft mit 16 Kupferlafeln liegt vor uns.
Es enthält der Reihenfolge nach die schönen Abbildungen von:
Ptiloris Victoriae, Tl. magnißca, Mennra Alberti, Notornis Manlellij
Microglossus alerrimus , Tanysiptera sylvia , Halcyon flavirostris, Sphe~
cotheres flaviventris , Drymodes sup er ciliar is , Ptilotis filigera , Aplonis
metallica, Nectarinea australis, Machaerirhynchus flavivenlriSf Monar-
cha leucotis, Arses Kaiipii, Pycnoptilus fioccosus. Mit Ausnahme von
Kr. 3, 4 und 16 nordaustralische Arten. An Material zur Fortsetzung
seiner Arbeit kann es Gould wohl für's erste nicht fehlen, jedes wei-
tere Vordringen gegen das gänzlich unbekannte Innere Keuholland's
muss Neues bringen.
„Journals of expeditions of discovery into Central-Au-
stralia and overland from Adelaide to King George's Sound
etc., by E. J. Eyre" 2 vol. 8. Am Schlüsse des ersten
Bandes wird auf S. 440. ein Namensverzeichniss der Vögel
Südaustralien's von J. Gould mitgetheilt, ähnlich wie in den
Reisewerken von Grey, Strzelecky, Sturt und Macgillivray.
Amerika.
„Arctic searching expedition ör Journal of a boat-vo-
yage through Rupperts-land and the Arctic-seas etc. , by Sir
John Richardson. 2 vol. 8. Dieses höchst anziehend
geschriebene Reisewerk enthält zahlreiche ornithologische No-^
16 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
tizen von grossem Interesse. Es war bekanntlich die Auf-
gabe des Verfassers, auf dem Landwege die arctische Küste
Amerika's zu erreichen und den Hauptschauplatz seiner dor-
tigen Forschungen bildet das Littoral zwischen dem Macken-
zie und dem Coppermine-river.
Ausser vielen und wichtigen Bemerkungen über die Lebensweise
verschiedener hochnordischer Arten, deren später des Näheren gedacht
werden soll, berichtet Richardson, Iheils nach eigenen, theils nach An-
derer Wahrnehmungen in tabellarischer Form „über die Ankunft der
Sommervögel zu Fort Franklin, desgl. zu Fort Confidence (660 54 N.B.
und 118° 49 W. L.) ; ferner über die den Forlschritt der Jahreszeilen
begleitenden Naturerscheinungen zu Michipicote am Lake superior, zu
Fort William ebendaselbst; zu Fort Vancouver am Columbia (1838),
und zu Cumberland House (53° N. B. und 102o W. L.); über die An-
kunft der Wasservögel im Thale des Yukon u. s. w.« Alle diese
Beobachtungen sind höchst werthvoll und bekunden durchweg den
ächten passionirten Naturforscher , den kenntoissreichen vielgeübten
Reisenden, als welchen wir denn freilich den Verfasser längst kennen.
— Am Mackenzie sind die Vögel wie die Pflanzen ein Gemisch bei-
der Küsten Amerika's. Turdus migratorius kommt dort von der atlan-
tischen Seite her nur etwas früher im Jahre an , als Turdus varius von
der Westküste.
R. T. Peale's mehrfach erwähntes Werk über die Vö-
gel der „United States Exploring Expedition'' liefert Beiträge
zu der Ornithologie Peru's, des Feuerlandes (Orange - Bay),
der Insel St. Lorenzo, Californiens, Oregon's, Puget-Sound's
und einiger anderer Lokalitäten der Westküste Amerika's. Am
werthvollsten sind wohl die über die Vögel Oregon's , wo
eine Abtheilung der Expedition längere Zeit verweilte.
„Aves de la isla de Cuba'' por JuanLembcye. 1vol.
4. Habana 1850—51. 136 S. Der Verfasser dieses sehr
rühmlich zu nennenden Werkes erklärt sich in der Vor-
rede dem seit längerer Zeit auf Cuba als Naturforscher le-
benden Dr. Gundlach aus Cassel durch seine Hülfe bei
vorliegender Arbeit zu grösstem Danke verpflichtet , und es
scheint allerdings , dass die Sammlungen und schriftlichen
Mittheilungen dieses letzteren das Hauptmaterial zu dersel-
ben geliefert haben.
Nach Lembeye sind bis jetzt Ji22 Vögel-Arten wild auf Cuba
der Vögel während des Jahres 1851. 17
angetroffen worden ; 86 derselben werden von ihm ausführlicher be-
handelt und 37 auf 20 Tafeln ganz erlräglich abgebildet. Älit der be-
treffenden Lilteratur scheint der Verfasser bekannt zu sein ; er geht
namentlich sehr häufig auf Audubon zurück. Ramon delaSagra
wird nur ausnahmsweise citirt und, wie uns scheint, wohl nicht ganz
nach Verdienst gewürdigt. Die Beschreibungen sind genügend ausführlich.
Ueber die Lebensweise wird manches Eigenthümliche und Bemerkens-
werthe milgetheilt. Den Schluss des Werkes bildet ein vollständiges
systematisches Verzeichniss sämmtlicher Vögel Cuba's. Wir vermissen
darin Cymindis Wilsonii, Cass. Nur die 9 neuen Arten, welche Lem-
beye (Gundlach) aufstellt, sind in Originalabbildungen, die übrigen
nach Audubon dargestellt. Näheres im speciellen Theile dieses Be~
richles. G o s s e's „ßirds of Jamaica« blieben unbenutzt.
ytccipitres.
Falconidae. J. Kaup vertheidigt auf S. 75 des 17.
Jahrganges dieses Archiv's sein System der Falken und
Eulen gegen den „Conspeclus" des Prinzen Bonaparte, und
zwar in einer sehr ausführlichen Arbeit, welche man vieles
Wahren im Einzelnen halber mit Interesse und Nutzen lesen
mag. Kaup laborirt nach wie vor an der Monomanie der
Fünfzahl. Sämmtlichen modernen Systemen wird der Vor-
wurf der Principienlosigkeit gemacht. Die Feststellung der
Begriffe Genus und Subgenus , Species und Subspecies sei
ausserordentlich schwierig. Das ist sehr wahr; aber Kaup
ist der Beseitigung dieser Schwierigkeit kaum näher gekom-
men als irgend einer vor ihm, wenn er bei Species von „sehr
wesentlich" und bei Subspecies von „nicht so auffallend^
spricht, U.S.W. — Unterarten anzunehmen hat überhaupt
viel Bedenkliches; weit natürlicher erscheint die Annahme
von Lokalrassen. Möchte man doch in der Systematik
Alles vermeiden, wodurch der Stabilität des Begriffes Art
irgend welche Beeinträchtigung droht !
Genaue Angaben über die geographische Verbreitung
der Raubvögel Indien's giebt E. Blyth in seinem Con-
spectus of Indian Ornithology.
Er kennt 89 Arten, und zwar 7 Geier, 57 Falken und 25 Eulen.
Es kommen zahlreiche Lokalrassen vor. Unter den Falken sind sehr
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jabig. 2. Bd. ß
18 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
viele mit europäischen Arten identisch, unter den Eulen sehr wenige.
Bei einigen ist Blyth unentschieden, ob sie als selbständige Arten oder
vielmehr nur als Lokalrassen anzunehmen seien. Der bis Afghanistan
verbreitete Lämmergeier des Himalaja sei mindestens „a well marked
variety.« Einige unter den Raubvögeln Indien's haben eine sehr lo-
kale, andere eine sehr weite Verbreilung. So kommt Athene castano-
tus nur auf Ceylon vor, Athene hrama T. dagegen von Malabar bis
Persien.
Graf Tyzenhawz in Wilna besteht auf specifische Trennung
der Strix lapponica (barbala Fall, ist der jüngere Vogel) von der
nordamerikanischen cinerea Gm. Letztere habe einen kleineren Kopf
und nur 6 concentrische Gesichtsringe , während deren bei lapponica
8 bis 9 seien ; bei cinerea fehlen die langen Kinnfedern und die schwar-
zen Flecken , welche lapponica oberhalb des inneren Augenwinkels
zeigt. Endlich seien bei cinerea die Endschuppen der Zehen nackt,
während lapponica dieselben zu allen Zeilen mit langen seidenartigen
Federn bedeckt trage. Rev. et Mag. de Zool. p. 57.
Richardson über Haliaelos leucocephalus in Ruperlsland : Arct.
Search. Expedit. I. p. 84. Die Art nistet durch ganz Rupertsland.
V. Müller: Gruppe der Zwergadler. Kaum. p. 24. 1) A.
pennata, 2) A. Brehmii v. M. , 3) A. nudipes ßrehm. Gute Art. Er-
setzt pennata in Südafrika.
Neue Arten: Buteo rußpennis Strickl. Ann. and Mag. IX. p. 342.
Kordofan. (wurde schon früher von Sundevall unter dem Namen Po-
liornis rußpennis beschrieben: Öfvers. Kongl. Vetensk. Ac- Handl. 1850.
p. 131.) — Aquila Brehmii^ v. Müller. Kordofan. Naum. p. 25. — Spi-
zaetos zonuruSf v. Müller. Abyssinien. Naum. p. 27. — Circaetos eine-
rascensy v. Müller. Sennaar und Fazogl. Naum. p. 27. — Buleo solita-
riuSf Peale L c. p. 62. Karacacoa-Bay auf Hawai. — Circus approxi-
tnans, Peale, 1. c. p. 6i. Venua-levu. Feejee-Gruppe. — Astur ruß-
torqueSf P. 1. c. p. 68. Feejee-Inseln.
Falco feroXf P. 1. c. p. 67. ist nur F. novae Zelandiae Gm.
Ueber das Ei des Natteradle r's schreibt instructiv: ßaldamus
in Naum. Heft 4. p. 84.
Strigridae« Neue Arten: Strix lulu Peale, 1. c. p. 74. Sa-
moa- und Feejeeinseln. — Athene patagonica, P. 1. c. p. 78. Lebt in
Armadillhöhlen der Pampa's und scheint sich von cunicularia specifisch
zu unterscheiden.
Noctna venatica P. 1. c. p. 15. ist novae Zelandiae Gm.
Abbild. Noclua nudipes Daud. Lembeye Aves Cub, pl.4. fig. 2.
der Vögel während des Jahres 1851. 19
Passeres.
Fissirostres.
Caprimulgidae. Zwei sehr gründliche und treffliche
Arbeiten von J. Gas sin haben zuerst in das Dunkel dieser
schwierigen und wenig studierten Familie Licht gebracht. In
der ersten derselben , „Notes of examination of the birds
composing the family Caprimulgidae in the collection of the
Acad. of Nat. Sc. of Philadelphia« (Proceed. Ac. N. Sc. Phil,
p. 175.) ist Cassin mit grossem Erfolge bemüht gewesen, die
alten Typen von Linne , Gmelin , Latham , Azara u. s. w. in
ihrer Integrität zu rehabilitiren, manche moderne Art auf die-
selben zurückzuführen und die ungemein verworrene Syno-
nymie der alten Gattung Caprimulgus kritisch aufzuklären.
Die zweite dieser Arbeiten ist ein kritischer „Catalog der
Caprimulgiden" der ebengenannten Sammlung. Derselbe ist
sehr wichtig , denn er umfasst nicht weniger als 73 Arten,
von welchen 35 Amerika, 11 Australien, 13 Afrika, 13 Asien
und 1 Europa angehören,
Cassin nimmt für dieselben folgende Gattungen an: 1) Capri^
tnulgus 19 Arten. Alle Welt. 2) Scotornis. 2 A. Africa. 3) Ma~
crodipteryx. 1 A. Afrika. 4) Stealornis. 1 A. Amerika. 2) iVy-
ctibius. 6 A. Amerika. 6) B atrachostomus. 4 A. Asien. 7)
Lync ornis. 1 A. Asien. 8) Podargus. 7 A. Australien. 9) Ae~
gotheles. 2 A. Australien. 10) Chordeiles. 5 A. Amerika. 11)
Luro calis Cass, 3 A. Amerika. Typus: C. semitorqualus Gm. 12)
Eur ostop 0 dus. 2 A. Australien, 13) Ny ctidromus. 3 A. Ame-
rika. 14) Hy drop salis. 5 A. Amerika. 15) Stenopsis Cass. 5A.
Amerika. Typus: C. cajennensis Gm. 16) Todag er, 1 A. Amerika.
17) Anthrostomus, 6 A. Amerika. — Nyctibius aethereus Wied und
longicaudalus sind 2 ganz verschiedene Arten. — Nyctidromus derbya-^
nus Gould sei nur C. americanus L. u. s. w.
Neue Arten. Podargus moniliger Layard. Ceylon. — Capr,
Kelaarti Blyth. Rep. p. 23. Ceylon. — Capr. himaculatus Peale 1. c.
p. 170. ist albonotatus Tick. — C. peruvianus F. ib. p. 172 ist acutus
Gm. — C. aequicaudatus und conterminus P. 1. c. p. 168. ist parvulus
Gould. (Cassin).
Cypselidae. Edg. Layard schildert eine Höhle mit
essbaren Schwalbennestern auf Ceylon; er hält die schwer
, I
20 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
ZU bestimmende Art für Collocalia nidißca B]y[\i und beschreibt
dieselbe ausführlich : Ann. and Magaz. VII. p. 503.
Nach wiederholter Vergleichung glaubt Jardine Cy-
pselus affinis vom Himalaja mit von Gordon auf der Gold-
küste gesammelten Exemplaren für gleichartig erklären zu
müssen: Contrib. part. 6.
Neue Arten: Cypselus aequalorialis v. Müller , Abyssinien.
Naum. IV. p. 27. — Macropteryx spodiopygia, Peale 1. c. p. 170. In
unterirdischen Höhlen auf Upolu : Navigator-Inseln. — M. leucophaea^
P. p. 178. Tahiti. Schon von Forster beschrieben — Cypselus Iradiif
Lerab. Av. Cub. p. 50. pl. 7. fig. 4. ist Tachornis phoenicobia Gosse.
Hirundinidae« Neue Arten: H. hyperythra Lay. Ceylon.
Ann. and Mag. 1. c. — H. domicola Bl. ib. — H. Gordoni Jard. Cap
Coast: Westafr. Contribut. to Ornith. part. 6. Verwandt mit melano-
crissus Rüpp. — Atticora melbina Verr. Gaboon. Rev. et Mag. de
Zool. p. 310. — Hirundo rufocollaris Peale 1. c. p. 175. Callao. —
Cotyle obsoleta, Cab. Heine Cat. p. 50. (= rupestris Rüpp.)
Psalidoprocne cypselina, Cab an. Heine's Catal. p. 48. Südafrika
ist gleichartig mit Atticora hamigera Cass:n und mit Hir. holomelas
Sundev. (Vergl. Jahresber. 1850).
Todidae* Neue Art: Todus angustirostris Lafren. Rev. et
Mag. de Zool. p. 477. Domingo.
Trogronidae* Harpactes rhodioslernus , Peale ist nur ardens
Temm. Mindanao.
Alcedinidae. Die monographischeArbeitRei-
chenbach's über diese Familie oder vielmehr über die
Eisvögel im engeren Sinne des Worts verdient hier in er-
ster Reihe erwähnt zu werden und zwar, wie schon oben
bemerkt, sehr rühmlich.
Der Verfasser beschreibt 106 Arten und rangirt dieselben in 23
Gattungen: Alcedo 11 Arten, Ispidina 3 A., Alcione 6A., Ceyx
5 A., Halcyon 6 A. , Eutomol hera 5 A., Callialcyon 2 A.,
Ratnp h al cyon 5 A. , Corytho rnis 5 A. , Ceryle, 5 A. , Me-
gaceryle 6 A. , Chloroceryle 7 A. , To dirhatnphus 18 A.,
Adenoides 1 A., Paralcyon 4 A,, Monachalcyon 2 A., Cit-
tural\.y Cheliculia3A.f Dacelo 3 A. , Melidoralk.,
Lacedo Rb. 2 A., Tanysiptera 3 A. und Syma mit 2 Arten.
J. C a b a n i s bearbeitete die Gattung Galbula für Ersch
und Grub. Encyclop. sect. I. LH. p. 307. Sämmtliche Arten
\verden kritisch revidirt und meist nach Originalen beschrie-
der Vögel währenddes Jahres 1851. 21
ben. Seinem Principe treu, ändert C. den Namen Gabalcy-
rhynchüs in C au e das um.
Neue Arten: Bucco Ordii Cass. Proc. Ac. Thilad. 1851. pl. 8.
Sudamerika. — Alcedo Pallasii Reichb. 1. c. 3, t. 392 u. 393. (alt und
jung) ist A. ispida Fall. Z. K. As. Asiatisch. Russland. Scheint aller-
dings speciGsch verschieden von ispida. — Ceryle leucomelanura Rb.
1. c. p. 21. t. 409b. Ceylon. — Megacenjle caesia Rb. p. 24. t. 411.
Gujana. — Chloroceryle leucosticla. Rh p. 27. t. 41 4. Gujana. — Chi.
chalcidesRh. y.28. t.4l5. Gujana. — Todirhamphus Reichenbachii, nob.
(= cinnamominus, var. Rb. 1. c. p. 32. t. 420.) Marquesas-inseln. —
Galbula cyanicollis Cass. Proc. Ac. Philad. 1851. pl. 7. p. 154. Para. —
G. cyanopogon, Caban. Ersch und Grub. Enc. 1. c. p. 309. Camela in
Brasilien. — Dacelo millilorques, Peale p. 155. Taili. — D. vüiensis,
P. p. 156. Feejee-lns. — D. coronala, P. 1. c. p. 160. Insel Tuluila.
Alle 3 Todirhamphi. — Halcyon hadia, Verr. Rev. et Mag. p. 264.
Gaboon.
Abbildungen: Alcedo Verreauxii, d. 1. Berge. Rev. et Mag.
pl. 9. — A. quadribrachys Temm, Contrib. to Ornilh. fig. opt. Ex.
von Gaboon.
Beschreib, von Tanysiptera sylphia und Syma flavirostris in Ann.
and Mag. of Nat. Hist. VIII. p. 496.
Dacelo minima, Peale I.e. p. 159. ist T. recurvirostris Lafr. und
platyroslris Gould. Die Brüder Verreaux geben ausführliche Beschrei-
bungen von Halcyon cinereifrons Vieill., Rev. et Mag. p. 265., H. se~
negalensis L. ib. p. 266., Alcedo quadribrachys Temm. ib. p. 267., A.
leucogastra Fräs. p. 268. sämmtlich nach Exemplaren von Gaboon.
Jfleropidae. Den von den Verreaux's als neu beschriebenen
Merops cyanipecltis von Gaboon (Rev. et Mag. p. 269.) erklärt S tri c Ir-
land mit Bestimmtheit für identisch mit variegatus Vieill.: Contrib.
Heft 6. Reichenbach giebt in seinen Meropiden eine Abbildung
dieser Art auf t. 446b. — Verr. über Merops bicolor von Gaboon. L
c. p. 268.
Tenuirostres,
ivectarinidae. Notizen zur Lebensweise von Drepanis
pacifica und vestiaria, von Moho niger und den Hemi-
g n a t h u s-Arten giebt Peale I.e.
P. L. Sclater verdanken wir eine gute monograph.
Arbeit über die Gattung Dacnis: Contribut. part. 4. Sclater
kennt 6 Arten, deren Synonymie und geographische Verbrei-
tung sorgfältigst zusammengestellt wird. Dacnis melanotis
22 Hartlaub; Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Strickl. Contrib. part. I. p. 16. ist = D. angelica de Filippi.
D. flaviventer d'Orb. sah S. von der Barra do Rio negro.
Neue Arten: Cinnyris Johannae Verr. Rev. et Mag. p. 314.
Gaboon. — C. Bianconii, nob. Mozambique. Von Bianconi als ,,C. dis-
color Vieill." beschrieben in: Specim. Zoolog. Mosamb. III. p. 32. „ma-
cula scapulari nitide violacea." — Anthreptes aurantium Verr. Rev. et
Mag. p. 417. Gaboon. — Nect. hypodilus Jard. Fernando Po. Contrib.
pari. 6. Der collaris Vieill. sehr ähnlich. — N. cyanolaemus Jard.
1. c. Fernando Po. — N. tephrolaemus Jard. 1 c. Fernando Po. Mehr An-
threptesartig. — JV. australis Gould, Ann. and Mag. VII. Cap York. —
Dacnis coerebicolor Sclat. 1. c. Neugranada.
Abbild. Coereba nitida nob. in Jard. Contrib. 1851. fig. opt.
Genaue Beschreibungen von Cinn. Slangeri Jard. (angolensis
Less.), C. fuliginosa Sh., C. chloropygia Jard. und C. superba V. giebt
"Verreaux nach Exemplaren von Gaboon: Rev. et Mag. p. 313 -316.
Trocliilidae* Bourcier beschreibt 11 neue von ihm ge-
sammelte Arten in den Comptes rendus p. 186. und in der Rev. et Mag.
de Zool. p. 96. : Tr. Bougoueri, Tr. Godini, T. Condamini^ T. Yaruqui,
T. pichincha, T. Slanleyi^ T. Benjamini, T. Jardini, T. VillaviscensiOj
T. Jamesoni und 2. Duchassaini, aus verschiedenen Gegenden der Re-
publik Ecuador. Zweifelsohne sind einzelne dieser Arten auch schon
von Jardine oder Gould beschrieben, aber mit der Synonymie der Tro-
chiliden quäle sich ein Anderer ab !
Eine Notiz über die Lebensweise von Trochilus Alardi Bourc.
theilt Jardine mit: Contrib. 1851. I.
Neue Arten: Spalhura melananlhera Jard. Contrib. 4. Quito.
— Thalurania verliceps Jard. 1. c. pi. 71. Quito. — Phaelornis syr-
mntophora Gould. Quito. — Schistes albogularis Gould. Quito. Eriopus
lugens Gould. Quito. — Orthorhynchus Helenae Gundl. Lemb. Av. Cub.
pl. 10. fig. 2. p. 70. Cuba. Mus. Brem.
üüelipliag-idae* Neue Arten: Myzomela jugularis Peale
I. c. p. 151. Cocoshaine der Feejee-Inseln. — Ftilotis filigera Gould
Suppl. Birds of Austral. pl. 10. Cap York. — Entomiza angustipluma
Peale, 1. c. p. l47. Hawai. Ob zu Strigiceps Less. gehörig?
Myzomela nigriventris P. 1. c. p. 150 ist cardinalis Forst, und
rubrater Less. — Enlomiza olivacea P. 1. c. p. 145 ist der „Leptornis
des Forets" der Voy, au Pol Sud, Ois. pL 17. fig. 1.
Certliidae- Wir hätten hier zunächst über den Schluss
der trefflichen Monographie der Gattung Dendrocolaptes von
Lafrenaye zu berichten : Rev. et Mag. p. 317. 465 u. 590.-
Die zweite Abiheilung der Dendrocolaptinae nennt Lafren.
Depressirostres. Es gehört dahin die Gattung Dendrocops
der Vögel während des Jahres 1851. 23
Sw. mit 1 1 Arten, und die Gattung Dendrexetastes mit einer
Art. Auf S. 590 wird schliesslich eine methodische Ueber-
sicht dieser ganz südamerikanischen Familie gegeben und
zugleich eine Art Index zu der Arbeit selbst. - Nach Lafre-
naye kennt man 48 wohl unterschiedene Arten.
Neu sind Dendrocolaptes Temminkii Lafren. Rev. et Mag. p. 145.
])]. 4. und p. 317. Columbien. — Dendrocops f i/rannws Lafr. 1. c. p.,328.
St. Fe de Bogota. — D. meruloides Lafr. 1. c. p. 467. Cenlralamerika.
— Dendrocol. muUistrigatus Eyton, Contrib. to Ornith. 1851. und Kev.
et Mag. p. 468. — Picolaptes atripes Eylon, 1. c. und Rev. et Mag.
p. 468. — Pic. validirostris Eyton, 1. c. — Dendrexetastes capiloides
Eylon, 1. c. Merkwürdige neue Form mit zwei sehr verlängerten
Mittelschwanzfedern . . Vaterland unbekannt. — Synallaxis olivascens
Eyton, Contrib. 1851. Beschr. — S. modestus Eylon, ib. Bolivien. —
Anabales Fernandinae, Lembeye Av. Cub. pl. 5. fig 2. p. 66. Oben grau,
kaum merklich ins Olive ziehend, unten mehr weisslich ; Mehle citro-
nengelb, Scheitel und Wacken lebhaft grün. Schnabel und Füsse bläu-
lichgrau. 5" 9'". Natürlich kein Anabates. Wahrscheinlich eine neue
Gattung.
Ueber die Gattung Scytalopus liegen zwei monographische Ar-
beiten vor, deren eine Sir W. Jardine, die andere Lafrenaye zum
Verfasser hat: Contrib. to Ornith. 1851. Letzterer adoptirt den Namen
Merulaxis für diese Gattung , aus Gründen der Priorität. Die 17 be-
kannten Arten werden in 4 Sectionen vertheilt : 1) Galeati: M.
paradoxus Kitll. und JW. orthonyxLah. 2) Rhinolophi: M. ater Less.
und M. rhinolophus Wied. 3) Albiventres: M.albogularis Gould,
M. indigoticus Licht., M. undulatus iard. 4) Concolores: M. spe-
luncae Men., M. fuscus G., M. aethiops, nob. (negre, Hombr. Jacq. Voy.
Pol. Sud, Ois. t. 19. fig. 1.), M. fuscoides Lafr. n. sp. Chili., M. ana~
lis Lafr., M. senilis Lafr., ilf. griseicollis Lafr., M. nanus Less. Chi-
loe und M, squamiger Lafr.
Abgebild. ßcytalop. undulalus Jard., albivenlris Men., albo~
gularis Gould Utad fuscus in den Contrib. 1851.
Dentirostres.
Ijusciiiiclae» Neue Arten: Cisticola erythro cephala Jard.
Journ. As. Soc. B. 51. p. 121. Neilgherries. — C. owa/Mm Blyth. Rep.
p. 24. Ceylon. — Sylvia Naumanni v. Müller. Naum. IV. p. 26. Am-
bukol. c. fig. Wie atVicapilla , aber ^ und $ mit rostrothem Schei-
tel. — Orlholomus griseoviridis v. Müller, 1. c. p. 27. Cordofan. —
CaJamoherpe longirostris v. Müll. ib. p. 27. Unterägypten. — Melizo-
philus nigricapillus Caban. Heine's Cat. p.35. Nördafrika. — Hipolais opaca
24 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Licht. Senegal, ib. p. 36. — Aedon j^inor Ca b. ib. p. 39. Abyssinien. —
Catriscus apicalis Caban. 1. c. p. 43. Kafferland. Diese neue Form steht
unmittelbar neben Bradypterus Sw. — Pycnoptilus floccosus Gould.
Suppl. ßirds of Auslral. pl. 16. Neusudwüles. Auch Ann. and Mag. VII.
p. 342. — Cyanecula dichroslerna Gab. Heine's Calal. p. 1. Arabien und
N.O.Afrika. — Mijrmecocichla aethiops Cab. 1. c. p. 8. Senegal. Stand wie
so vieles Andere, lange unbeschrieben im Berliner Museum. — Petroica
pusilla Peale 1. c. p. 93. Samoa-Inseln. — Saxicola albicilla v. Mül-
ler. Kaum. iV. p. 28. Abyssinien. — S. atricoUis v. Müller. Naum. IV.
p. 28. Abyssinien. — Pratincola salax Verr. Rev. et Mag. p. 3U7. Ga-
hoon. — F. atrata Kel. Blyth Rep. p. 25. Ceylon. — Saxicola fusca
Blyth, J. As. S. B. 1851. p. 121. Mutlra. — Henicocichla major Cab.,
Heine's Catal. p. 10. Xalapa. — Basileuterus culicivorus (Licht.) Caban.
1. c. p. 17. Xalapa. — Euthlypis lacrymosa Cab. ib. p. 19. Lagunas
(Mexico). — Compsothlypis mexicana Cab. ib. p. 21. — Änlhus euo-
nyx Cab. ib. p. 16. Java. Steht dem striolatus Blyth nahe. — Zosle-
rops ßaviceps Peale, 1. c. p. 93. Venua-levu.
H. D. F. Zander schreibt in der Naumannia ausführlicher „über
die Abänderungen der Motacilla alba L. und des Budyles flatus C." Der
Verfasser zählt „6 Abänderungen oder Nebenarten" der M. alba auf
und rechnet dazu auch Yarellii und lugubris. Dagegen seien capensis
(Avelche Z. nach v. Müller'schen Exemplaren ausführlich beschreibt
und höchst irrthümlich mit maderaspatensis für indentisch erklärt) und
leucoptera (Beschreib.) gute Arten. Zu den Nebenarten von Budytes
flavus zählt Z. auch Rayi. Da sind wir nun nicht der Meinung.
Auch Gabanis beschäftigt sich in Heine's Gatalog p. 12. mit
den weissen afrikanischen Bachstelzen. Er unterscheidet: 1) Mol. Lich-
tensteinii Cab. Die capensis Lichtenstein's und Rüppell's. Nordostafrika.
2) Mot. Vaillanlii Gab. Ist der Aguimp Levaillant's. Südwestafrika,
und 3) Mot. capensis L. Gap. Alle werden ausführlich beschrieben. —
Ueber Calamoherpe locustella lese man die Nachrichten von ßa Ida-
mus im 4. Hefte der Naumannia. S. 76.
Ueber Tatare otahiliensis Less. vergleiche man Peale 1. c. p. 88,
Ist der weilest verbreitete oceanische Landvogel. — Saxicola fumi"
frons P. ib. p. 90. ist Muscisaxicola mentalis d'Orb. — Regulus plumu-
losus P. ib. p. 94. ist Euscarthmus parulus Killl. — Petroica coccinea
P. 1. c. p. 92. ist phoenicea Gould.
Abbild. Paroides flammiceps Bart. Contrib. to Ornith. fig. opt.
Turdidae. Neue Arten: Turdus Cabanisi ßp. Gap. Heine's
Catal. p'. 3. Kafferland. — assimilis Cab. ib. p. 4. Xalapa. — T. amau-
rochalinus Cab. ib. p, 5. Brasilien. — T. Melpomene Gab. ib. p. 5.
Xalapa. — Merula candiana Blylh J. As. Soc. Beng. 1851. Ceylon. —
Oreocincla Heinii Cab. 1. c. p. 6. Japan. -- Merula Kinnisii Kelaart;
der Vögel während des Jahres 1851. 25
Blylh Rep. Ceyl. p. 25. — Brachypleryx PalliseriKe\.B\y\h 1. c. p. 26.
Ceylon. — Turdus pallidus Peale I. c. p. 86. Valparaiso. — Mimus pe-
ruvianus Peale ib. p. 87. Callao. — Garrulax cinereifrons Kel. Blyth.
Rep. p. 24. Ceylon. — G. merulimis Bl. J. As. S. B. 1851. p. 521.
Cherra Funji — G. rvßcapillus ßl. ib. Cherra Punji. — G. Jerdoni
Bl. ib. Neilgherries. — Malacoplerun rt/^ce;?« Blylh H eine's Catal p. 65.
Sundains. — Ixonotus guttatus Vörr. Rev. et Älag de Zool. p. 306. Ga-
boon. Sehr interessante neue Form der Pycnonolinen , deren Aeusse-
res Strickland an die Gattung Chrysococyx erinnerte. — Pycnonotus
penicillalus Kel. Blylh Rep. p. 26. Ceylon.
J. Cabanis schrieb für Ersch und Grub. Encyclop. sehr gute
monographische Arbeiten über die Gattungen Garrulax, Janthocincla u.
s. w. sect. 1. LlV.
Näheres über Hypsipeles gracilis M'Clell. Horsf. gab Blyth nach
Exemplaren von Cherra Punji: J. As. S. B. 1851. p. 121. — Vollstän-
dige Beschreibungen von Merula tristis Sw. und von Turdus Grayi Bonap.
bei Caban. Heine's Cat. p. 4. — üeber die Lebensweise von Crateropus
AcaziaelMipp. berichtet Desmurs: Rev. et Mag. p. 31. Dieser Vogel ist
nicht selten in den Ebenen zwischen Marocco und dem Fuss des Atlas,
wo er sich namentlich auf einem Strauche, Rhamnus lotus, antref-
fen lässt.
Abbild. Catharus aurantiirostris (Bp.) nob. in Jard. Contrib.
fig. opt. — Myiothera nudiceps Cass. in Proceed. Ac. Philad. pl. 6.
Eine Varietät (?) von Turdus vanicorensis Q. et G. traf Peale
auf Upolu : 1. c. p. 87. — Pilta coronata P. ib. p. 89 ist unsere cucul-
lata. (1843).
IVIuscicapidae. NeueArten: Saurophagus rußpennis Lafr.
Rev. et Mag. de Zool. p. 471. Caraccas. — Scaphorhynchus mexicanus
Lafr. ib. p. 473. (hübsche ausführliche Arbeit). — Leucocerca rhombi-
fer Cab. Heine's Catal. p. 51. Sunda-Inseln. — Rhipidura Preyssii Cab.
ib. p. 57. Neuholland's Westküste. — Rh nebulosa Peale 1. c. p.99.
Kavigatorinsel Upolu. — Monarcha cinerea P. ib. p. 101. Feejee-Ins.
— Platyrhynchus albivenlris P. ib. p, 103. Kavigatorinsel. Ist die Gat-
tung Platygnathus nob. und wahrscheinlich der PI. oceanien Hombr.
Jacq. Ois. pl. 12. fig. 1. — Muscicapajugubris v. Müller, Naum. IV.
p. 28. Abyssinien. — M. pallida v. Müller 1. c. Abyssinien und Kor-
dofan. — Hyliota violacea Verr. Rev. et Mag. p. 308. Gaboon. — Cyor-
nis aequalicauda Blyth J. As. Soc. B. 1851. p. 523. Kunäwar. — Ma~
chacrirhynchus flaviventer Gould. Birds of Austr. Suppl. I. pl. 13. Cap
York. — Vireo Huttoni Cass. Proc. Ac. Phil. p. 149. Monterey. — Vi-
roosylvia ßavoviridis C. ib. Panama. — V. PhiladelphicayC. ib — Eio^
psaltria ßavifrons Peale I. c. p. 96. — E. icleroides P. ib. p. 97. —
E. albifrons P. ib. p. 97. Alle 3 von den Navigatoru^seln. — Vireo
26 Harti au b: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Gundlachii Lembeye. Av. Cub, pl. 5. fig. 1. Cuba. — Tyrannula Elisa-
beihae Lemb. ib. fig. 3. p. 39.
Platysteira leucopygialis Fräs, und PI. castanea Fräs, sind nach
Verreaux ^ und ^, Ois ^\i Gaboon : p. 309. Beschreib. — Ebendas.
über Muscipeta melanogaslra Sw. p. 310.
Feale beschreibt das Weibchen von Plalyrhynchus vanicorensis
Q. et G. I. c. p. 102. Feejee-lnseln. — Leplurus brevicauda P. 1. c.
p. 103. von Callao ist Muscigralla brevicauda d'Orb, Lafr.
J. Cassin giebt eine monogr. üebersicht über die Arten der
Genera Vireo und Vireosylvia : Proceed. Ac. Phifad. p. 149. Vireo zählt
die 5 Arten flavifrons, solitarius, noveborac. , Beilii und Huttoni, Vi-
reosylvia die 6 Arten virescens, altiloqua, flavoviridis, olivacea, gilva
und philadelphica. Sehr gründliche Arbeit mit besonderer Rücksicht
auf geographische Verbreitung.
Lafrenaye über Pachycephala macrorhyncha Stnckl. Rev. et
Älag. p. 74. Ist aber keineswegs, wie L. vermuthet, Levaillant's
„Cravatte blanche" (Lan. albicollis Vieill.) , welche vielmehr auf Pa-
chyceph. gutturalis von Neuholland zu beziehen ist. Ref. widerlegte
dies: Rev. et Mag. p. 181.
Ampelidae« Neue Arten: Cichlopsis leucogenys Caban.
Heine's Catal. p. 51. Brasilien. Neben Myiadesles zu rangiren. — Pro-
cnias Heinii Cab. ib. p. 30. Columbien. — Colluriocincla maculosa
Peale p. 81. Upolu. Ist eine Lalage~Ait. — Manacus flaveolus Cass.
Proc. Ac. Phil. p. 349. Neugranada. — Pipra ßavicollis Sclat. Contrib.
Oberer Amazonas. — Siithora poliotis Bl. J. As. Soc. of ßeng. 1851.
p. 522. Sylhet.
Dicrourus aculealus Cass. Proc. Ac. Philad. p. 347. Fazogl. Steht
musicus sehr nahe. — D. coracmws Verr. Rev. et Mag. p. 311. Gaboon.
— Graucalus azureus Cass. 1. c. p. 348. Sierra Leone,
Ocypterus superciliosus Peale 1. c. p. 98. ist A. superc. Gould.
— 0. mentals P. ib. p. 84 von den Feejeeinseln ist der Langrayen de
Viti, Honibr. Jacq. Voy. Pol. Sud, Ois. pl. 9. fig. 1. und Art. menta-
lis Jard.
lianidae« Neue Arten: Laniarius carbonarius Cass. Proc.
Acad. Philad. 1851. p. 347. Sierra Leone. Scheint dem leucorhynchus
nob. nahe zu stehen. — Falcunculus Gouldii Cab. Heine's Catal. p. 66.
Port. Philipp. — Efineoctonus crassiroslris (v. Hasselt) Cab. ib. Java.
— Hapalophus melanoleucus Verr. Rev. et Mag. p. 312. Gaboon.
Malaconolns Wernei Cab. Heine's Catal. p. 69. ist nur erythro-
gastev Hupp. — Lanivs Smilkii Fräser beschrieb Verr. Itev. et Mag.
p. 312. Gaboon. — L. isabellinus Ehrcnb. in Kordofan : Slrickl. Ann.
and Mag. IX. p. 345. Aehnelt dem indischen arenerius.
der Vögel während dos Jahres 1851. 27
Coniroslres.
Corvidae« Reu scheinen zu sein: Corvus leptonyx ?e2t\e I. c.
p. 105. Madeira. 20" lang; klaftert 44". — C. havaiensis P. ib. 102.
Hawai. Cephalopterus glabricoUis Gould „Ann. and Mag. VII. p. 339.
Cordilleren von Veragua. 8000' hoch.«
Ueber Corvus americanus vergl. Richards. 1. c. I. p. 161. Geht
bis zum 610 N. B.
Ch, L. Bonaparle „on the Garruline Birds or Jay's« : Proceed.
zool. Soc. p. 79. Ann. and Mag. p. 412. Die Arien stehen sämmllich
im Conspeclus.
Alfred Wallace theilt interessante Beobachtungen über Ce-
phaloptenis ornatus mit: Ann. and Mag. p. 428. Er ist nicht selten
auf den Inseln des Rio negro. Castelnau beobachtete diesen Vogel
in Matto grosso: Expedit. III. p.8i.
Sturnidae. Neue Art: Lamprocolins purpureiceps Verr. Rev.
et Mag. p. 418. Gaboon. — Lamprotornis brevirostrisPeaie 1. c. p. 111.
Samoains. (Ist eine Aplonis-Art). — L. atrofusca F. ib. p. 109. Sa-
moa-Insel (Aplonis-Art). — Agelajus assimilis Gundl. Lemb. Av. Cub.
pl. 9. fig.3. p.64. Cuba.
Lamprotornis fusca Peale p. 116. ist Aplonis marginalis Gould.
(Lanius pacificus Kath, und L. tabucnsis Lath. halten wir für Aplonis-
arlen). — Agelajus Breweri knAwh. beobachtete Peale in Puget's Sound.
— Verreaux beschreibt Lamprocolins chrysonoHs Sw. von Gaboon : Rev.
et Mag. p. 418.
F'ring'illidae« ( Ploceinae ) Neue Arten: Hyphantornis
Grayi Verr. 1. c. p. 514. Gaboon. — Ploceus rufocilritius v. Möller
Naum. IV. p. 28. Südnubien. — P. melanogenys v. Müll. Naum. p. 28.
Abyssin. Alpen. — P. sublarvatus v. Müll. ib. S^nnaar und Südnubien.
— P. leuconotus v. Müll. ib. Abyssinien. — P. minulus v. Müll. 1. c.
Südnubien.
Verreaux beschreibt Sycobius malimbus V. von Gaboon : 1. c.
p. 419.
( Coccothraustinae ). Neue Art: Geospiza peruviensis Peale
p. 105. Callao. — Camarhynchus leucopjerus Peale 1. c. p. 118. ist
Callirhynchus rufescens ( Vieill. ) Bon. — Das alte Männchen von
Munia pecioralis Jerd. beschreibt zuerst Blyth. Rep. Birds of Ceylon,
p. 26. —- Nach Strickland hätte schon Brisson die eigenthümliche
Structur der rectrices von Vidua paradisea gekannt und beschrieben.
(Tanägrinae ). Die Tanagrinen sind gleichzeitig der Gegen-
stand besonderer Studien und Arbeiten von Ch. L. Bonaparle und
Ph. L. Sclaler gewesen. Erslerer vcrüfTeutlichte in den Comptes
rendus de l'Acaderaie des Sc. nat. vom 20. Jan. 1851.: „Note sur les
28 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Tangaras leurs affmite et descriptions d'especes nouvelles« und in der ßev.
et Mag. de Zool. auf p. 129. eine zweite sehr verbesserte und erweiterte
Ausgabe dieser „Note". Sei ater dagegen schrieb inJardine's Contribu-
tions to Ornithology: 1) Synopsis of the Tanagrine genus Calliste und
2) Synopsis of the genus Euphonia. 3) On some new species of Cal-
liste ; 4) Remarks on Prince Canino's Note „sur les Tangaras; 5) on
the genus Tanagrella Sw. und 6) on the genus Chlorochrysea Bp. —
Leider gestattet der diesem Berichte zustehende Raum nicht mehr als
eben nur das Wichtigste wiederzugeben. Sclater theilt die Gattung
Calliste sehr zweckmässig in 8 Seclionen, nämlich : a) Callistae tatao-
nes mit 2 Arten , ,b) C. typicae 8 A. , c) C. jmncligerae 6 A. , d) C.
procnopides 13 A., e) C. flavae 6 A., f) C. lamprae 6 A., g) C. gyro-
lae 3A. und h) C. caeruleae 4A. (48 sp.); Bonaparle dagegen in die 9
Subgenera Tatao Bp. (paradisea Sw.), Calliste Boie (tricolor), Chryso-
thraupis B. (aurulenta), Ixothraupis Bp. (punctata), Procnopis Gab. (atro-
caerulea), Euschemon Sei. (flava), GyrolaBp. (chrysoplera), Euprepiste
Sei. (braziliensis) und Pipridea Sw. (melanonota). — ßonaparte zer-
fällt Euphone in die 4 Genera Euphonia, Cyanophonia, Pyrrhophonia
und Chlorophonia ; Sclater nimmt für dieselbe 3 Seclionen an, welche
den Gallungen Bonaparte's entsprechen, nur dass er Euph. und Cyanoph.
in eine Seclion vereinigt. Also sect. 1. (Euphonia) mit 15 Arten, sect.
2. (Chloroph.) mit 6 A. und sect. 3. {Pyrrhoph.) mit 2 Arten. Die
erste dieser Seclionen lässt er in 4, die zweite in zwei Gruppen zer-
fallen u. s. w.
Neue Arten: Calliste phoenicotis Bp. Rev. et Mag. p. 129.
Später Chlorochrysea ph. abgeb. Jard. Contrib. pl. 73. fig. 2. opt. Ecua-
dor. — C. Bourcieri Bp. ib. Ecuador. Nach Sclater = calliparaea
Tsch. Abgeb. Jard. Contrib. pl. 73. fig. 1. — Chrysothraupis icteroce-
phala Bp. ib. p. 129. Ecuador. Sclat. Monogr. sp. 9. Jard. Contrib.
pl. 70. fig. 1. — Ixothraupis guttulata Bp. ib. ist. = Call, guttata Cab.
Catal. p. 26. vom Roraima und = Call, chrysophrys Sei. Mon. sp. 12.
pl. 69. fig. 2. — i. pusilla Bp. ib. = Call, virescens Sei. Contrib.
pl. 69. fig. 1. Mon. sp. 16. Cajenne. — Tanagrella rufigula Bp. ib. ist
Call. Sclat. Monogr. sp. 14. Ecuador. — CalL mtriolina (Licht.) Caban.
Heine's Catal. p. 28. ist C. ruficapilla Sei. Monogr. sp. 31. Columbien.
St. Fe de Bogota. — C. pretiosa Cab. Catal. p. 28. Az. Nr. 95. Bp.
1. c. p. 139. ; — Ixothr. chrysogaster"^ Bip. 1. c. p. 144. Columbien, ist
C. xanlhogaslra Sclat. Contrib. p. 23. Monogr. sp. 15. — Tanagra
glaucocolpa Cab. 1. c. Caraccas. — Hemithraupis peruana Bp, ib. 173.
— Rhamphocelus uropygialis Bp. ib. 178. Guatemela. — Calliste leuco-
tis Sei. Mon. sp. 23. Ecuador, ist bei Bp. ruficervix Fl. Prev. — C.
lunigera Sei. Monogr sp. 38. pl. 70. fig. 2. Rio Negro. — C. lampro^
tis Sei. Mon. sp. 39. Bolivien. — Euphone brevirostris Bp. 1. c. p. 136.
ist nach Sclater = xanthogastra, Sundev. Monogr. sp. 8. — E. pumila
der Vögel während des Jahres 1851. 29
Bp. ib. ist slrictifrons Slrickl, Sei. Mon, sp. 6. Cajenne. — E. trini-
talis Slrickl. Conirib. p. 72. Sclat. Mon. sp. 5. — E. melanura Sei.
ftlonogr. sp. 12. Barra de Rio negro. — E. frontalis Bp. Sei. Monogr.
sp. 17. Ecuador. — E» pyrrhophrys Sclat. Monogr. Contrib. c. fig. opt.
sp. 18. Columbien. — Dulus poliocephalus Bp. 1. c. p. 29. St. Domingo.
Abbild. Euphqjie nigricollis Vieill. in Contrib. to Ornilh. fig.
opl. — Tanagrella calophrys Caban. ib. pl. 74. fig. pulch.
Tachyphonus penicillalus Spix und Pyranga albicollis vereinigt
Bonaparte in das Genus Comarophagus : Rev. et Mag. p. 174.
lieber die bisher wenig bekannte und systematisch unsichere
Gattung Dulus haben Strick land und Lafrenaye interessante
Aufschlüsse gebracht, erslerer „On the type of the genus Dulus Vieill.«
in Sir. W. Jardine's Contribulions to Ornithology, letzterer „sur Toiseau
nomme par Brisson Tangara de St. Domingue etc. in Guerin's Revue
zool. Man hatte sehr irrthümlich aber fast allgemein Turdus palmarum
L. (Le Palmiste ßriss.) und Dulus palmarum V. (Tanagra dominica L.)
für identisch gehalten. Ersterer ist eine ganz andere Arreraon ver-
wandte Form, für welche Strickland den Namen Phoenicophilus
vorschlägt , und zu welcher als zweite Art Dulus poliocephalus Bp.
gehört. Den ächten Dulus dominicus meint Lafrenaye in die Kähe von
Tachyphonus bringen zu müssen. Eine zweite Dulus-Art ist D. nw-
chalis Sw. aus Brasilien, einer der allerseltensten Vögel.
(Fringillinae). Neue Arten: Estrelda atricapilla Bp. Verr.
Rev. et Mag. p. 421. Gaboon. — E. occidentalis Jard. Contrib. 1851.
Fernando Po. — Nigrita luteifrons Verr. ib. Gaboon. — Serinus li-
neatus v. Müller , Naum. IV. p. 28. Abyssinieu. — Fringilla Mül-
leri Bald. ib. Kordofan. — Fr. albeola v. Müll. ib. Südafrica. (ob al-
bino?) — Carpodacus lacteus v. Müll. ib. Abyssinien. — Monlifrin~
gilla haemalopygia Gould, Birds of As. III. pl. l4. Thibet. — Cardue~
lis Lawrencii Cass. Proc. Ac. Fhilad. pl. 5. — Erythrura prasina
Peale 1. c. p. 116. Feejee-Inseln. — E. cyanovirens P. ib. 117. Navi-
gatorins. Upolu.
Ueber Nigrita canicapilla Strickl. von Gaboon, vergl. Verr. Rev
p. 420. — Niphaea iacimVifa Peale p. 121. ist Phrygilus alaudinusKittl.;
Pipilo einer eus ist Fr. diuca Mol.
(Emberizinae). Abgebildet: Emberiza bilineata Cass. Pro-
ceed. Ac. Philadel. pl. 3. fig. Texas. — JE. Bellii Cass. pl. 4.
Sonoma.
Ueber die Lebensweise von Emberiza striolata Rüpp. um Moga-
dor berichtet Desmurs : Rev. et Mag. de Zool. p. 31. — E. pallida
Sw. Rieh, auf Cuba : Lemb. 1. c. p. 54.
(Alaudinae). Neu sind: Alauda cinnamomea Bp. Rev. et Mag.
p. 30. Centraiafrika; der calandrella nahe stehend. — A. rutila
30 H a r 1 1 a u b : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
V. Müller, Naum. IV. p. 28. Unlerägypten. — Mirafra cordofanica
Strickl. Ann. and Mag. IX.' p. 346. — A. erythropygia Strickl. 1. c.
Kordofan.
Abbild. Hierapterhina Cavaignacii Desm. et Lucas Rev. et
Mag. p. 24. pl. 1. Sahara.: Ke90urs d'Ain-Sefra. Ist identisch mit Mc-
lanoc. clot-bey Bp. ib. p. 30.
iiCusopita^idae. „Genauere Bezeichnung einiger Ar-
ten von Pisangfressern" von Dr. E. Rüppell: 9ter Jahres-
ber. der Basler naturf. Gesellsch. und berichtigter in diesem
Archive 1851. p. 316. Kritische Revision aller eigentlichen
Turacus-Arten nebst Beschreibung. Rüppell geht von der An-
sicht aus, dass der von Edwards auf t. 7. abgebildete und
der von ihm beschriebene Vogel zwei verschiedene Arten
seien; letzteren nennt er Turacus Meriani; ersterer sei der
ächte persa L. Man vergleiche was Strickland darüber vor
10 Jahren bekannt machte : Ann. of Nat. Hist. VII. p. 33.
Bianconi beschreibt T. albocrislalus Str. von Mozambique :
Specim. Zoolog. Mosambic. fasc. HL p. 34.
Neu ist: Musophaga RossaeGould in Jard. Contrib. pl. 81. (Kopf,
Schwung- und Schwanzfeder). Das einzig bekannte Exemplar dieses
prachtvollen Vogels befindet sich im Besitze der Lady Boss lebend
auf St. Helena. Er stammt von der Westküste Afrika's; die genaue Lo--
kalität ist unbekannt. Den Kopf ziert eine runde Haube haarartiger
blutrother Federn. Der Vogel ist von Fasanengrösse.
Biicerotidae« Als neu beschreibt Peal e: B. obscurus p. 125.
von Mindoro.
(Scaiisores.
Rliainpliastidae« Neu ist Andige/ia laminirostris Gould,
Ann. and Mag. IX. p. 341. Quito. Zu Andigena zählt G. noch: Ft.
hypoglaucus, cucullatus, nigrirostris und Bailloni.
Gould bereitet eine zweite Ausgabe seiner Monographie
der Bhamphasliden vor.
Psittacidae* Neue Arten: Falaeornis Callhropae Lay. 1.
c. Ceylon J. A. Soc. of Beng. XVHL p. 800. — P. derbyanus Fräs.
Zool. Soc. Nov. 26. 1850. Ann, of N. H. IX. p. 500. 20" lang. Va-
terland unbekannt. — F. erythrogenys Fräs, ib, Vaterland unbekannt.
— Conurus Weddelii Dev. Bev. et Mag. p. 209. Oberer Amazonas. —
C. jugularis Dev. 1. c. Sarayaka. — C. Luciani Dev. ib. 210. Amazo-
nas. — Platycercus splendens Peale 1. c. p. 127. Viti-levu (Feejee). — .
PI. alrogularis P. p. 129. F'eejee-Inseln.
Abbild. Eos cyanogenia ßp. Proceed. Zool. Soc. Av. pl. 14.
der Vögel während des Jahres 1851. 31
— E. semilarvala Bp, ib. pl. 15. — Chaliopsilta rubiginosa ßp. ib.
pl. 16.
Ch. L. Bonaparte „on the genus Eos": Proceetl.
Zool. Soc. p. 26. Man kennt 7 Arten: indica , rubra, gue-
biensis, riciniata, cyanostriata, cyanogenia und semilarvata.
Nach J. A. Schmidt „Beiträge zur Flora der capver-
dischen Inseln« würde Psittacus erithacus wild auf einigen
der grösseren Inseln vorkommen, p. 33.
lieber die geographische Verbreitung der indischen
Papageyen macht Blyth in seinem „Conspectus of In-
dian Ornithology" die interessantesten Mittheilungen. Von den
10 Palaeornis- Arten Indiens hat die Mehrzahl eine weitere Ver-
breitung; P. iorquatus Br. liebt die menschliche Nähe; P.
erythrogenys ßlyth scheint auf die Nicobaren beschränkt; P.
asiaiicus Lath. und Calthropae auf Ceylon. Tanygnathus ma-
laccensis ^ eine Zwergform von Palaeornis, lebt nur auf der
malayischen Halbinsel. Die weitestverbreiteten Arten sind :
torquatiis, Alexandri und cyanocephalus L. Westlich von
Sindh scheinen keine Papageyen mehr vorzu-
kommen. In Turkestan fehlen sie gänzlich.
Picidae. Neue Arten: Dendrohates gabonensis Verr. Rev.
et Mag. de Zool. p. 513. Gaboon. — Picus thyreoideus Cass. Froc. As.
Philad. p. 349. Californien. Sieht dem varius zunächst.
Ueber M a 1 h e r b e's „Kouvelle Classification des Picinees" schreibt
Strick land in Jardine's „Cpntributions to Ornithology«. — Meiglyptes
fuscus Peale 1. c. p. 132. ist Hemicercus brunneus Eyt. — Picus ru-
ber, Harrisii und Iorquatus fand Peale geraein in Oregon.
Cneulidae* Neue Arten: Cultrides Pucheranii Dev. Rev.
et Mag. p. 211. Ucayale und Amazonas. Dem Geoffroyi sehr nahe ver-
wandt. — Cucuhis simus Peale 1. c. p. 134. Feejeeinseln. — C. fu^
catus P. p. 136. Insel Mangsi : Soloogr. — Centropus nigrifrons P. p.
137. Mindanao. — Eudynamis cuneicauda P. p. 139. Ovolau : Feejeegr.
Phoetiicophaeus nigrivcntris P. p. l40. ist P. Diardi Less. —
Anadaenus rußccmda P. p. 142. ist Rhinortha caniceps Vig,
Der capische Oxylophus serralus Sp. kommt auch jn Kordofan
vor: Strickl. Ann. and Mag. IX. 347.
Coluitibae«
Neue Arten: Zenaida innotata nob. Chili Rev. et Mag. p. 84.
Wäre zu vergleichen mit C. souleyetliana in Gay's Hist. fis. Chili. —
32 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Col. Malherhii Verr. Rev. et Mag. p. 514. Gaboon. Der südafrikani-
schen C. Delegorguei verwandt. — Col. castaneiceps F. p. 187. Upolu.
— Ptilinopus coralensis P. p. Paumotugruppe. — Pt. furcatus P. Tahiti.
— Carpophaga latrans P. p. 200. Feejee-Ins. — C. Aurorae P. p. 201.
Ins. Maitea. — C. casta P. p. 204. Soolpo-Archipel Peristera pecto-
ralis P. p. 205. Insel Carlshof: Paumotugr.
Sehr ausführliche Beschreibungen von Vinago nudirostris, abyssi-
nica und cahOy nach Exempl. von Gaboon liefert Verreaux : Rev. et
Mag. p. 421. bis 423. — Die constant abweichende ceylonische
Rasse von Palumbus Elphinstonii beschreibt ßlyth : Rep. Birds of Ceyl.
p. 26. — üeber Gnathodon strigiroslris Jard. (Didunculus Peale) vgl.
Peale 1. c. p. 208. fig. capit. und Jardine Contrib. part.4. Nur auf Upolu.
Ptilinopus fasciatus Peale p. 193. ist samoensis Fl. Prev. — Pt.
Perousii P. p. 295. ist Ptilinope de Marie : Voy. Pol Sud Ois. pl. 29.
Also Samoa- und Feejeegruppe. — Carpophaga Wilhesii P. p. 203. ist
Col. globicera var. Forst. Descript. p. 166.
Oalliiiae.
^The Dovecote and the Aviary, beeing- sketches of the
Natural History of pigeons and other domestic birds in a
caplive state^ with hints for their management by the Rev. E.
S. Dixon. 12.«
John C. Bennett, „The Poultry book. A treatise on
breeding and general management of domestic fowls ; with
numerous original portraits from life." 8. 310 S.
Leon Bertrand, „du Faisan, considere dans l'etat
de nalure et dans l'etat de domesticite, etc.« Paris 8.
Neue Arten: Odontophorus columbianus Gould ib. p. 341. Ca-
raccas. Steht ßalliviani zunächst. — Colurnix Adansonii Verr. Rev.
et Mag. p. 515. Gaboon. Der australischen Form Synoicus verwandt. —
Crax Alberti Fräs. Zool. Soc. JNov. 26. 1850. Ann. p. 501. Woher? —
Penelope nigra Fräs. ib. Vaterland unbekannt.
Eine Abbildung des Kopfes der auf Tahiti wildlebenden Va-
rietät von Gallus bankiva giebt Peale 1. c. p. 179. — Orlyx plumi-
/er , Gould wurde am Willametteflusse beobachtet: P. ib. p. ISO. — Ue-
ber die eigentlichen Unterschiede von Plerocles quadricinctus Temm.
(Afrika) von dem bis jetzt damit identificirten Pt. fasciatus Scop. (In-
dien) schreibt sehr instructiv Strickland: Ann. and Mag. IX. p. 347.
Cliionidlclae« Eine von rumicivorus kaum verschiedene
Thinocorus - Art von der peruanischen Insel St. Lorenz© beschreibt
Peale unter dem Namen von Glareola cuneicauda: 1. c. p. 244.
der Vögel während des Jahres 1851. 33
StrutIlioiic'S.
In der Sitzung der Academie der Wissenschaften vom
27. Januar machte Isidor Geoffroy St. Hilaire die Anzeige
von der (einstigen?) Existenz eines gigantischen Vogels auf
Madagascar. Durch den Schiffscapitän Abadie v/aren 3 un-
geheure Eier, sämmtlich von den Eingebornen zu häuslichen
Zwecken benutzt und daher perforirt, und glücklicherweise
auch einige subfossile Knochenfragmente, unter ihnen das
untere Ende eines os metartarsi maj. der linken Seite, nach
Paris gelangt. Diese 3 Eier sind von ungleicher Form und
Grösse. Der grosse Durchmesser eines dieser Eier ist gleich
0,32, der kleine gleich 0,22, der grösste Umfang 0,85; die
Dicke der Schaale 3 Millim. An Volumen ist dieses Ei gleich
148 Hühner — oder by^ grossen Strausseneiern. Die Ca-
pacität beträgt Sy^ Litres. Die Untersuchung des oben ge-
nannten Knochenfragments ergab die generische Eigenthüm-
lichkeit des Vogels, welchen Geoffr. St. Hilaire Aepiornis
maximus nennt. Aus einer brieflichen Mittheilung dieses Ge-
lehrten an Baldamus (Naum. IV. p. 48 u. 73) wird ersicht-
lich , dass schon Goudot und Sganzin diese Eier auf Mada-
gascar gesehen hatten. Möglich wäre es indessen auch, dass
das von Goudot gesehene Ei dem Vouron-patra Flacourt's
angehört, eines ebenfalls flügellosen Vogels von Casoargrösse,
über dessen No chexistiren auf Madagascar wir dem-
nach stwichtigenZeugnissenentgegensehendür-
fen. Comptes rendus de l'Acad. p. 101. — Rev. et Mag.
de Zool. p. 50. — Ann. and Mag. of Nat. Hist. VII. p. 161.
Gideon A. Mantell „Notice on the Remains of Di-
nornis and other birds recently collected by Mr. Walter Man-
tell in the middle island of New Zealand" : Quart. Journ. of
the Geolog. Soc. of Lond. VI. p. 319.
Im ersten Theile des 4len Bandes der Transactions of
the Zoological Society berichtet Owen über neue Dinor-
nis-Knoche n-Sendungen, von Colon. Wakefield gesammelt,
aus Neuseeland. Es sind diese namentlich Fussknochen. Ei-
ner ursprünglich im New Zealand Magazine publicirten Nach-
richt zufolge, könnte Dinornis noch jetzt existiren. Herr
Memaul, Dolmetscher der Regierung, sah im Jahre 1832 das
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 2. Bd. Q
34 Hartlaub: Dericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Fleisch des Moa im Molineux- Hafen; er sah daselbst einen
Moa-Knochen dick wie sein Knie mit Fleisch und Sehnen ,
auch Federn des Vogels als Haarschmuck der Eingebornen:
Ann. and Mag. VII. p. 77. — In der Sitzung der Zool. So-
ciety vom 12. Nov. las Owen „on the cranium of the large
species of Dinornis called giganteus and ingens." Eine zwi-
schen dem Flusse Waikato und Mount^Tongariro auf der Nord-
insel veranstaltete Sammlung enthielt einen fast vollständi-
gen Schädel von Palapteryx ingens, 8" lang und 5" an der
breitesten Stelle breit. Die beiden Dinornis giganteus-Schä-
del sind jung und zeigen alle Suturen. Zum ersten Male
lernte man aus dieser Sendung Theile eines kleinen Flügel-
knochens kennen.
Ein kleiner Aufsatz von Strick land in Jardines „Con-
tributions," „The Dodo and the presumed exstinct birds of
Madagascar and Mauritius" etc. soll beweisen, dass Strickl.
und Melville's Werk über die Dronte schon jetzt zu den
eifrigsten Nachforschungen an verschiedenen Orten ange-
regt und selbst zu unzweideutigen Erfolgen geführt hat.
Orallae.
Charadridae. Neue Art: Ch. isabeUinus v. Müller, Naum.
IV. p. 29. Sennaar. — Ch. vanelloides Peale, Mamm. and Birds ü. St.
Expl. Exped. p. 240. ist Sarciophorua pectoralis (Cuv.) — Ch. virgi-
nianus fand Peale auf allen Inselgruppen Oceaniens, Strepsilas inier',
pres auf den meisten derselben, — Nach Pucheran wäre Vanellus
grallarius Less. = leucurus Licht, und flavipes Cuv. — Ch. myops Less.
aber = Hoplopl. malaharicus Bodd.
Ardeidae. Die erste Nummer der „Contributions to
Ornithology" von Sir W. Jardine brachte die ausführliche
Beschreibung undMessung des Balaeniceps rex Gould.
nebst lebensgrosser Abbildung des Kopfes. Es ist ein 4' ho-
her, die Gattung Cancroma in Afrika repräsentirender Stelz-
vogel von grauer Färbung, welcher an Ardea virescens und
Cons. erinnert. Das Exemplar Gould's scheint nicht völlig
ausgefärbt zu sein, (ßonap. Acad. des Sc. nat. Jan. 6. 1851.)
Herr Mansfield Parkins erlangte J^ und $ am oberen weis-
der Vögel während des Jahres 1851. 35
sen Nil. Die Schnabellänge beträgt bis zum Rictus 9" 8'",
die grössle Breite desselben 4'' 2"'.
Keue Arten: Ardea o cular ia v. MüWer, Naum. IV. p. 29. Süd-
sennaar. — A. patruelis Peale 1. c. p. 216. Tahiti. — A. cubensis Gundl.
1. c. pl. 13. fig. 1. Grosser weisser Beiher. — A. brunnescens Gundl.
Lerab. Av. Cub. pl. 12. fig. p. 84. Cuba. Steht der virescens sehr nahe.
Nach Fucheran (Etudes sur les types peu connus etc.): ist
Ard€a bilineata Cuv. von Java = flavicollis Lath. , Ardea ausiralis
Cuv. der junge Vogel derselben Art. — Ardea melanoptera Cuv. ist
sinensis Gm. oder lepida Horsf. — A. alra Cuv. ist jugularis Forst.
Mariannen. — A. nivea Cuv. Wahrscheinlich egrettoides. Junger Vo-
gel. — Ardea timoriensis Less. war nicht mehr aufzufinden. Dasselbe
gilt von A. lactea Less. — A. novae HoUandiae V. ist caledonica. —
A. ardesiaca Less. ist caerulea im üebergangskleide. — A. pusilla
Vieill. ist Ardetta pusilla Gould. Rev. p. 165.
Grus leucogeranos wurde von Lieuln. James in Kaihastan beob-
achtet: J. As. S. of Beng. — Graf Ty zen hanz in Wilna sucht die
Gleichartigkeit von Grus vipio Fall, mit Gr. leucauchen Temm. zu be-
weisen : Rev. et Mag. p. 577. Ohne Zweifel richtig. — Auch Feale
hält Grus canadensis und Grus americana für zwei ganz verschiedene
Arten. Cassin ist derselben Ansicht (in litt.). Wichtige Nachrichten
über Grus canadensis bei Richards. 1. c. L p. 88. Die specifische
Verschiedenheit dieser Art von americana wird auch hier bestätigt. G,
canadensis brütet am Mackenzie nahe der arctischen Küste, wo G. ame-
ricana gänzlich unbekannt ist. Letztere Art scheint nördlich nicht
über den grossen Sclavensee hinauszugehen. G. americana wandert
in grossen Flügen, G. canadensis meist nur paarweise. Vom 17. bis
20. September sieht man bei Fort aux Liards am River of Mountains
grosse Flüge von G. americana ziehen, die alten weissen und die jün-
geren grauen Vögel gesondert etc.
Ibis molucca Cuv. ist nach Fucherau = strictipennis Gould: Rev.
p. 373. — i. brevirostris Feale p. 219. scheint av. jun. von Ordi
zu sein.
SIcolopacidae. Neue Arten: Numenius femoralis Peale
1. c. p. 233. Insel Vincennes: Faumotugr. ^ — Limosa Foxii F. ib. p. 231.
Rose-Island: Samoagr. — Tringa parviro stris P. ib. p.231. Hon-
den-lsland und Raraca: Faumotugr. — Scolopax meridionalis F. ib. U9.
Feuerland. — Hemipalama minor Gundl. Lemb. Av. Cub. p. 97. pl. 13.
roslr. Soll sich von semipalmata durch kürzeren Schnabel, längere
Tarsen und breitere Interdigitalmembran unterscheiden.
Nach Puc heran wäre Numenius virgatus Cuv. vom Cap viel-
leicht selbständige Art. Genaue Beschreib. Rev. et Mag. p. 371. — r
Dasselbe gilt von JV. lineatus Cuv., einer indischer Art, deren Unter»
36 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
schiede von der capischen Pucheran näher erörtert: ib. 373. — Tringa
brevipes Cuv. (Totanus brevipes Yicill.) von Timor wird als gute Art
ausführlich beschrieben p. 370. — Totanus speculiferus Cuv. aus Nord-
amerika scheint sich durch die Schnabellänge von semipalmatus zu
unterscheiden. Ausf. Beschreibung auf S. 369. der Rev. zool. — Von
Lesson's Totanus brevipes gehöre, nur das individu jeune wirklich die-
ser Art an, die beiden anderen seien T. oceanicus Less. — Recurvi-^
rostra leucocephala Yieill. (orientalis Cuv^) sei identisch mit Chlado-
rhynchus pecloralis Bub. 11 Die Ehre dieser Entdeckung gebühre Selys-
Longchamps. — Lesson's „Coure vite de CoromandeV^ sei C. Temmin-
kii Sw.
„Note sur la famille de Recurvirostridees" par C. de
Selys-Longchamps : Bullet. Acad. des Sc. Bruxelles, XVIII.
p. 5. Uns leider nur erst dem Titel nach bekannt.
Totanus Polynesiae Festle p.237. scheint uns gleichartig mit Sco-
lopax undulata Forst, descript. Anim. p. 173. — Scolopacc pectinicauda
P. ib. p. 227. ist stenura Kühl. ^
Railidae. Q« A. Man teil „Notice on the discovery
of a living specimen of the Notornis" und J. Gould „Re-
marks on the Notornis Mantelli« Zool. Soc. Nov. 12. 1850.
Ann. and Mag. IX. p. 231 und p. 234. Die erste Abbildung
des Notornis gab Sir W. Jardine in part. 1. seiner „Contri-
bution,« die zweite lebensgrosse Gould auf pl. 4 des ersten
Supplementheftes seiner „Birds of Australia" und die dritte
sehr hübsche erschien kürzlich im 4ten Bande der „Trans-
actions of the Zoolog. Soc. of London, p. 74. p. 25.
Porphyrio cinereus Vieill. ist nach Pucheran = Gallinula leuco-
soma Sw. Java. — Rallus rufescens Yieill. von Java hält P. für eine
gute, neuerlich nicht weiter beschriebene Art. Beschreib, p. 163. —
Gallinula porphyrioides Less. sei cristata Lath. Bengalen. — G. nae-
via (Gm.) Less. sei gularis Horsf. — Rallus hydrogallina Less. sei =
sarracura Spix ; letzterer ein jüngerer Vogel. — Rallus cinereus sei
Crex gularis Jard. Selby.
Neue Arten: Porphyrio samoensis Peale 1. c. p. 220. Naviga-
tor-Inseln. — P. vitiensis P. ib. p. 221. Keejee-Inseln. — Rallus luri»
dus P. ib. p. 223. Feuerland. — Fulica alai P. ib. p. 224. Sandwich-
inseln.
Gallinifla chloropus traf Peale auf Oahu (Sandw.) , Rallus phi~
lippensis auf der Tonga-, Navigator- und Feejeegruppe, Zapornia spi-
lonota Gould (von den Galopagos) auf Ovolau: Feejeegr. Letztere Art
scheint jedoch specifisch zu differiren.
der Vögel während des Jahres 1851. 37
Anatidae. Lafrenaye schreibt ausführlich über Anas pur-
pureoviridis Schinz, als Bastard von A. boschas und A. moschata. Er
kennt 7 Exempjare: Rev. et Mag. de Zool. p. 580.
Abbild. Casarca leucoptera Blyth in Jard. „Contributions."
Anser haicaiensis Peale 1. c. p. 249. ist A. sandvicensis Vig.
und hawaiensis, Eyd. et Gerv. — - An. clypeata traf Peale auf Uawai
und Oahu.
Clangula histrionica beobachtete Richardson am Bear-lake-ri-
ver : Search. Exped. I. p. 262.
Colymbidae. Nach P u c h e r a n ist Podtccps albicollis Less.
nur americanus Garn, und Podiceps ambiguus Less, nur obscurus Gm.
jilcidae. Neue Arten: Aptenodytes magnirostris Peale I.e.
p. 263. Cap Hörn. (?) — A. taeniata Pe-dle p. 264. Nur auf Macquarie-
Island.
Apt. jlavilarvata Peale p. 260. ist Catarhactes antipodes, Hombr.
et Jacq. und A. longicauda P. p. 261 ist C. Adeliae Hombr. et Jacq.
Procellaridae' Als neu beschreibt Peale: Thalassidroma
lineata auf S. 293. Hochgebirge auf üpolu. — Procellaria brevipes P.
p. 295. 680 s. B. und 95° W. L. — P. rostrata P. p. 296. Hochge-
birge Tahiti's (ob fregatta Forst . ?) — P. parvirostris P. p. 298. Hon-
den-Island, Pauraotugr. — P. gularis P. p. 289. Höchste antarctische
Regionen.
liaridae. In den Annais and Mag. of Nat. Hist. IX. p. 235.
wird gemeldet , es sei gleichzeitig eine grosse Menge von Larus
iridactylus auf den Sandhügeln von Swansea-Bay ohne Zeichen von Ver-
wundung todt gefunden worden; viele andere wurden daselbst ange-
spült. Wie ist diese Erscheinung zu erklären, fragt mit Recht der
Berichterstatter.
Sehr wichtige und interessante Notizen über die afctischen Mö-
venarten Xema Sabini , Xema Bonapartei und Larus brachyrhynchus
bringt Richards. 1. c. I. p. 260 — 62. Letztere Art ist ein sehr gefräs-
siger Raubvogel.
Von neuen Arten hat Peale: Sterna lunata P. p. 277. Vin-
cennes-Island : Paumotugr. — St. antarctica P. p. 280. Orange-Bay
und Cap Hörn. — St. rectiroslris P. p. 281 Feejee-Inseln.
Sterna albifrons P. ist = frontalis Gray. — Megaloplerus plum-
beus P. p. 285. = Anous parvulusGouId. — Larus albipennis P. p.288.
= giaucotes Meyen.
ßterna cajana ist häufig in ganz Rupertsland und geht bis über
den arctischen Kreis hinaus: Richardson 1. c. I. p. 87.
Pelecauidac. Uebcr die Lebensweise von Pelecanus trachy-
rhynchus in Ruperlsland sehe man Richardson 1. c. I. p. 84, Geht
38 Hartlaub: ßericht über die Leistungen n. s. w.
bis zum 61» N. B. und nistet auf felsigen Inselchen inmitten am Stru-
del und Wasserfällen.
Ob neu? Sula intermedia Aug. Lefevre: Naum. IV. p. 37. Nach
zwei in Europa erlegten alten und ausgefärbten Exemplaren beschrie-
ben. -Schwungfedern zweiter Ordnung schwarz wie bei melanura;
Gutturalmembran m i 1 1 e 1 1 a n g wie bei bassana.
Sula rubripeda Peale p. 274. Gemeinste Art im stillen Ocean.
Nistend auf Honden-Island. — C. flavagula P. p. 270. Neuseeland. (?)
— C. purpuragula F. p. 269. scheint av. ad. von brevirostris Gould, C.
fucosus P. p. 268. ist ohne Zweifel av. jun. von C. pica Forst.
üeber die Lebensweise von Tachypeles aquilus , Sula fusca und
piscator, Phaeton phoenicurus und aethereus auf den verschiedenen In-
selgruppen des stillen Oceans giebt Peale interessante Notizen.
Juan Lembeye beschreibt Phalacrocorax floridamis And., re-
splendens Aud. und Townsendii Audub. für Cuba : Av. de la isla de
Cuba p. 120.
np^
Bericht über die fjeistnng'eii in der IVatiir-
g'ei§cliiclite der l^äugftliiere Aväfireiid des
«Jahres £951.
Von
Prof. Andr« lirag-ner
in Manchen.
Unser Bericht wird wie im vorigen Jahre kurz ausfal-
len, da im Ganzen auf unserm Gebiete während des Jahres
1851 nur wenige Arbeiten erschienen sind und insbesondere
der Zugang von neuen Arten sehr beschränkt gewesen ist.
Is. Geoffroy gab einen Auszug aus seinen Vorle-
sungen über die Thierreihe und die parallele Classification
(Revue zool. p. 12).
Wir beschränken uns hier aiif Mittheilung des Resultates, das er
hinsichtlich des Begriffes der Art aufstellt. Er bleibt, wie früher, bei
der Theorie der beschränkten Veränderlichkeit (theorie de la variabi-
lite liraitee) stehen und giebt darnach , so wie mit Berücksichtigung
des gegenwärtigen Bestandes der Dinge folgende Definition : „die Art
Ist eine Sammlung oder Reihe von Individuen, welche durch eine Ge-
sammtheit unterscheidender Züge, deren üebertragung natürlich,
regelmässig und unbeschränkt (transmission naturelle, regu-
liere et indefinie) im gegenwärtigen Beslandc der Dinge ist, charakte-
risirt sind." Zur Erläuterung dieser Reziehuiigcn fügt Is. Geoffroy noch
Folgendes bei. Die Bastarde sind nicht allgemein unfruchtbar; sie
können ihre, immer gemischten, Charaktere übertragen. Die Bastard-
Rassen püanzcn sich nicht mit der Regelmässigkeit und Beständigkeit
fort, welche man bei den Arien wahrnimmt; sie erlöschen bald oder
gehen in Folge von Kreuzungen in eine der Stammarleu zurück. Die
Üebertragung ist daher weder regelmässig, noch unbeschränkt
Die Uaugiasseo nähern sich sehr den Arten. Bei denen, welche sehr
40 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
alt sind und dadurch eine grosse Beständigkeit erlangt haben, kann die
Uebertragung selbst regelmässig genannt werden; sie kann un-
beschränkt und so dauerhaft selbst als der gegenwärtige Bestand
der Dinge sein, aber lediglich durch die Vermittelung der Menschen,
die zur- Erhaltung der Rassen so nothwendig ist, wie sie es zu ihrer
Hervorbringung war.
Allgemeine Bemerkungen über die zoologischen Merkmale der
Wasser-Säugthiere wurden von Pucheran in der Rev. zool. p. 65,
120 und 161 bekannt gemacht,
List (Catalogue) of the specimens of Mammalia etc. in
the Collection of the British Museum. Printed by order of the
Trustees. London seit 1843. — Ueber Säugthiere ist bis-
her erschienen : 1) List of the osteological specimens. Lond.
1847. 2) List of the specimens of Mammalia. 1843. 3) Ca-
talogue of the specimens of Mammalia. Part. i. Cetacea. 1850.
Part, 2. Seals. 1850.
A Catalogue of the Mammalia in the Museum of the
hon. East-India Company. Printed by order of the Court of
Directors. Lond. 1851.
Museum d'histoire naturelle de Paris. Catalogue metho-
dique de la collection des Mammiferes etc. L partie. Mammi-
feres. Introduction et catalogue des Primates, par M. J. G e o f-
froy Saint-Hilaire. Paris. 1851.
Zwei der grösslen zoologischen Sammlungen und eine dritte,
die wenigstens nicht unbedeutend ist, haben den Anfang gemacht durch
Publikation von Verzeichnissen ihre Schätze allgemein bekannt zu
geben. Das brittische Museum hat sich in dieser Beziehung unter
J. E. Gray's Leitung vorangestellt, denn das erste Verzeichniss der
daselbst aufgestellten Säugethiere ist schon im Jahre 1843 erschienen.
Damals zählte gedachte Sammlung 1031 Arten in 3062 Exemplaren
auf. Seitdem hat sich deren Anzahl bedeutend , vermehrt und deshalb
hat sich Gray entschlossen , einen neuen Katalog zu bearbeiten, von
dem einstweilen die beiden Ordnungen der Cetacea und Pinnipedia
vorliegen. Dieser Katalog ist aber nicht mehr wie der frühere ein
einfaches Namensverzeichniss der im britlischen Museum aufgestellten
Arten , sondern er enthält auch die nicht in demselben vorhandenen
Species, um dadurch Reisende , Sammler und Andere in den Stand zu
setzen, zur Ausfüllung der Lücken in der Nationnl-Sammlung beizutra-
gen. Zu diesem Behufe hat Gray eine Charakteristik aller ihm be-
kannt gewordenen Gattungen und Arten beigefügt , so dass man in
dieser Weise nach und nach eine Synopsis mammalium erhalten wird.
der Säugthiere während des Jahres 1851. 41
— Das Verzeichniss der osteologischen iPräparate führt von Säugthie-
ren 1766 Nummern auf; indess sind darunter nicht viele Skelete be-
griffen, sondern w^eitaus die Mehrzahl besteht bloss in Schädeln.
Der von Th. Horsfield verfasste Katalog der Säuglhiere im
Museum der ostindischen Compagnie zählt 289 Arte^ auf, die meist aus
den orientalischen Besitzungen herrühren und unter denen sehr seltene
und kostbare Stücke sind. Auch dieser Katalog giebt über die mei-
sten Arten ausführliche Bemerkungen und selbst umständliche Beschrei-
bungen und ist deshalb von grossem Interesse.
Dasselbe gilt von dem durch Is. Groffroy bearbeiteten Kata-
log der im pariser Museum aufgestellten Arten von Affen (Primaten).
Während im Jahre 1793, wo Geoffroy, der Vater, die Verwaltung der
Sammlung von Säugthieren und Vögeln übernahm , nur 7 eigentliche
Affen und 5 Halbaffen vorhanden waren , ist die Zahl der ersteren der-
malen auf 560 und die der letzteren auf 91 gestiegen, welche im Gan-
zen 183 Arten Affen repräsenliren, nämlich 74 altwellliche , 77 ameri-
kanische Affen und 31 Halbaffen (Prosimii).
Von den in Stuttgart zur Beschauung gekommenen wan-
dernden Menagerien entwarf G. von Martens eine interes-
sante Darstellung (Würtemb. naturwissensch. Jahreshefte Yll. 1.
S. 43 und 2. S. 129).
Die grösste von diesen Menagerien war die von Kreutzberg, in
der sich Cercoleptes caudivolvulus, Paradoxurus musanga (an welcher
der Schwanz nichts weniger als einrolll^ar sich zeigte) , eine Zibeth-
katze, Procyon Lotor, Nasua socialis, Auchenia Lama, 13 Affen, 5 Maki,
Hystrix cristata, 9 Katzen, 2 Hyänen, ein brauner Bär, ein Eisbäi',
Antilope picta, ein Elephanten-Weibchen (Miss Baba), Antilope Addax
und ein Zebra befanden. Ausserdem wird noch die Elephantin des
Herrn Hutter, ein sogenannter Omnismus und eine Phoca vitulina cba-
rakterisirt.
Gleanings from the Menagerie and Aviary at Knowsley.
I. 1846. — IL Hoofed Quadrupeds. 1850.
Dieses in gross Folio erschienene Prachtwerk, das aus der Muni-
ficenz des den Naturforschern rühmlichst bekannten Earl of Derby
hervorgegangen und nicht in den Buchhandel gelangt ist, ist uns erst
heuer durch die wohlwollende Vermiltclung des Herrn J. E. Gray zu«
gekommen und kann daher auch erst jetzt zur Sprache gebracht wer-
den. Es enthält dasselbe Abbildungen von Thieren, die in der berühm-
ten Menagerie des Earl von Derby in Knowsley Hall gelebt haben;
Abbildungen, die zu den vorzüglichsten gehören, da sie nicht bloss von
ausgezeichneten Künstlern gefertigt, sondern auch nach lebenden Ori-
ginalen entworfen sind. Der Graf begnügte sich übrigens nicht damit,
42 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
die Kosten zur Unterhaltung und Abbildung seltener Thiere herzuge-
ben, sonderrn er studierte sie selbst in ihren Lehensverhältniesen und
stellte namentlich eine Reihe höchst lehrreicher Versuche über ßastard-
bildungen und über die Grenzen der Fruchtbarkeit der Bastarde an.
Diese Versuche sind in vorliegendem Werke als Anhang den kurzen
Beschreibungen, welche J. E. Gray von den abgebildeten Thieren lie-
ferte, beigefügt. — In der ersten Abtheilung , die 17 Tafeln enthält,
sind von Säugthieren abgebildet : Nyctipilhecus felinus, Pithecia rußven.^
teVj Lemur rufus, Felis Yaguarondi^ Sciurus javensis und Arctomys Em-
petra. Die zweite Abtheilung mit 59 Tafeln ist lediglich den Hufthie-
ren gewidmet, und zwar den Antilopen, Moschusthieren, Hirschen, La-
mas und Einhufern. Auf diese werden wir bei den einzelnen Abthei-
lungen zurückkommen.
Als Beiträge zur Kenntniss specieller organischer Ver-
hältnisse sind nachstehende bemerklich zu machen.
Anatoraische Abhandlungen von Barkow. Breslau 1851. —
Hieher gehörig sind die Abhandlungen über die Eintheilung des Eilei-
ters des Menschen und der Säugthiere ; über die Arterien von Meles
vulgaris, Felis Tigris, F. concolor, F. Leopardus , Fhoca annellata,
Phascolomys Wombal, Dicotyles torquatus , Auchenia Lama und Del-
phinus Phocaena ; über die Bänder der Extremitäten bei einigen grös-
seren Katzen-Arten und bei Auchenia Lama; über die Nerven der Ex-
tremitäten und des Schwanzes von Halicore Dugong, und über die
Flughaut-Nerven bei Vespertilio murinus.
In den Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaf-
ten, mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse. Wien I. Bd. hatHyrll
ausführlich seine, von schönen Abbildungen begleiteten Untersuchungen
niitgetheilt : 1) über die Nasal-Wundernetze der Wiederkäuer und Pachy-
dermen ; 2) über die Caroliden des Ai; 3) über die Trommelhöhle.
In den Memorie della Accademia delle scienze dell' Istituto di
Bologna I. (1850.) ist enthalten: Aloysii Calori animadversiones hi-
storico - criticae et observationes anatomicae de portione minore paris
quinti nervorum cerebri hominis et nonnullorum mammalium domesti-
corum. Pag. 57—91. mit 3 lith. Tafeln.
Untersuchungen über den feinern Bau der Tasthaare einiger Säug-
thiere wurden von C. Gegen baur in der Zeitschrift für wissensch.
Zoologie von v. Siebold und Kölliker IIL S. 13 vtiöüenllicht.
lieber den Haarwechsel bei Thieren und 3Ienschen handelte K.
Langer in den Denkschrift, der k. Akadem. d. Wissensch. in Wien.
I. 2te Abth. S. 1—7.
Im vorigen Jahre wurde ein neues Unternehmen liegon-
nen : Fauna Boica: Naturgeschichte der Thiere Bayerns vom
zoologischen, vergleichend anatomischen und ökonomischen
der Säugthiere während des Jahres 1851. 43
Standpunkte bearbeitet und herausgegeben von Max Gemmin-
ger und Job. Fahrer. München 1851. Ite und 2te Lie-
ferung.
Den Anfang haben die Vff. mit den Säugthieren gemacht und
damit ein Unternehmen begründet, das die Fauna Boica nach den oben
angegebenen dreifachen Rücksichten behandeln solle. Text und Tafeln
sind gleich trefflich ausgeführt und, wo möglich, nach lebenden oder
doch frisch erlegten Exemplaren bearbeitet. Die Beschreibungen sind
mit grösster Genauigkeit entworfen und berücksichtigen sowohl den
äussern als Innern Bau, so wie die Lebensgeschichte, den Nutzen oder
Schaden und die Jagdmethode. Alles nach vielen eigenen Erfahrungen
und Untersuchungen. Die Abbildungen zeichnen sich durch künstleri-
sche Vollendung eben so, wie durch die grösste Treue bis ins kleinste
Detail aus und können sich in beiderlei Hinsicht mit den besten Lei-
stungen ähnlicher Art messen. In den beiden ersten Heften sind be-
schrieben und abgebildet: Sorex alpinus, Lutra europaea , Vesperlilio
murinus, Castor Fiber und Antilope rupicapra; ausserdem sind auf einer
Tafel noch die Schädel von Eichhörnchen , Zieselmaus, Murmelthier,
Siebenschläfer und Wanderratte dargestellt.
In russischer Sprache ist erschienen : Naturgeschichte
des Kiewer Gouvernements-Lehrbezirks. 1. Lieferung enthal-
tend Säugthiere, bearbeitet von Prof. Kessler. Kiew. 1850.
88 S. 4.
Folgende Arten werden aufgeführt: Vesperugo Noctula, Leisleri,
pipistrellus, Nathusii, serotinus und discolor; Vesperlilio murinus und
Daubentonii. — Plecotus auritus. — Rhinolophus hippocrepis.
Talpa europaea und coeca. — Sorex fodiens, vulgaris, pygmaeus,
leucodon und araneus. — Erinaceus europaeus. — Ursus arctos. — ■
Meles taxus. — Mustela martes und foina. — Foetorius putorius, sar-
maticus, erminea , vulgaris und lutreola. — Lutra vulgaris. — Canis
lupus und vulpes. — Felis lynx.
Sciurus vulgaris. — Arctomys bobac. — Spermophilus gultatus
und musicus. — Myoxus glis, nitela, dryas und avellanarius. — Dipus
jaculus und acontion. — Mus decumanus, Tattus, musculus , sylvatieus,
minutus, Wagneri, agrarius und betulinus. — Cricetus fruraentarius. —
Arvicola amphibius, arvalis und glareola. — Ellobius talpinus. — Spa-
lax typhlus. — Castor fiber. — Lepus timidus und variabili^.
Su3 scrofa. — Cervus alces, dama und capreolus.
Ein Bericht über die Jagd bei den simbirsker Tschuwaschen, mit
mancherlei sogenannlen Jagdgeschichten, findet sich nach dem Russi-
schen des Herrn W. Leb edjew in Erman's Archiv für wissench Kunde
von Russland. X. S. 452.
44 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Ein Verzeichniss der auf Ceylon beobachteten Säug-
Ihier- Arten findet sich in den Ann. of nat. bist. sec. ser.
VII. p.405 und stammt von Layard her.
Die Arten sind: Macacus sinicus. — Presbytis Thersites, Priamus
und cephalopterus, — Stenops gracilis. Pteropus edulis. — Cynopterus
marginatus. — Nycticejus Heathii und Temminckii. — Kerivoula picla.~
— llipposideros speoris und muripus. — Megaderma Lyra.
Canis aureus. — Felis Pardus, viverrinus und Chaus. — Parado-
xurus zeylanicus. -- Viverra Zibetha. — - Genetta indica. — Mangusla
vilticollis und grisea. — Lutra Kair. — Ursus labiatus. — Sorex
murinus.
Mus ßandicota, indicus, setifer, decumanus und rattus. — Gerbil-
lus indicus. — Sciurus Tennentii, macrourus , tristriatus, Brodiei, La-
yardii und Kelarlii. — Pteromys oral. — Hyslrix leucurus. — Lepus
nigricollis.
Manis brachyura und noch eine andere Art.
Elephas indicus. — Sus scrofa , eine entschiedene Varietät. —
Cervus Hippelaphus , Axis und Muntjac. — Meminna indica. — ßos
Bubalus.
Halicore Dugong.
Wie Gray bemerkt, fügte später Grace diesem Verzeichnisse noch
2 Arten Herpestes bei, nämlich H. Smithii und eine andere, ebenfalls
neue.
Peters legte der Berliner Akademie von seinem Werke
über Mosambique die erste Abtheilung der Säugthiere vor
und gab die Diagnosen der darin beschriebenen und abgebil-
deten neuen Arten von Affen und Handflüglern (Bericht
über die Verhandlungen der k, Akad. d. Wissensch. zu Ber-
lin. 1851. S.756).
Durch die freundliche Mittheilung des Verf. haben wir bereits
Einsicht in den noch nicht in den Buchhandel gelangten Anfang dieses
Werkes erhalten und daraus entnommen, dass durch dasselbe der The-
rologie in zoologischer wie in zootomischer Hinsicht eine überaus werth-
volle Bereicherung zu Theil wird. Die in den Berichten der Berliner
Akademie vom Jahre 1851 bereits durch Diagnosen bekannt gemachten
Arten werden gehörigen Orts angeführt werden.
Aus einer Abhandlung von Pucheran über den Charakter der
afrikanischen Säugthier-Fauna ist vorläufig ein kurzer Auszug in den
Comptes rendus XXXIl. p. 718. mitgetheilt wordm. — Nur dem Titel
nach ist mir die Broschüre von Levaillant bekann;: iniroduclion ä
l'histoire des mammifcres et des oiseaux du nord de l'Afrique. Phi-
lippeville 1850.
der Säugthiere während des Jahres 1851. 45
An Beiträgen zur Kennlniss der urweltlichen Säugthier-
Faunen sind nachstehende in Erwähnung zu bringen.
Hermann v. Meyer über fossile Knochen aus der Braunkohle
in der Molasse der Schweiz und von Haslach bei Stuttgart (Jahrb. f.
Mineralog. 1851. S. 75.), ferner von Günzburg.und aus Ungarn (eben-
da S. 677.).
G. Jäger über die Fundorte fossiler Ueberresle von Säugthie-
ren, insbesondere in Stuttgart und seiner Umgebung, nebst geognosti-
sehen Bemerkungen über letztere (Würlemb. nalurw. Jahreshefte. YII.
S. 169.)
Im VII. Bände von Haidinger's Berichten über die Miltheilungen
von Freunden der Naturwissensch. in Wien sind enthalten : H. v.
Meyer's Bemerkungen über fossille Knochen in Osterreich (S. 1 u. 43),
undSenoner's Notizen über einige bei Krems gefundene Säuglhier-
Knochen (S. 148).
Hörnes machte im zoologisch- botanischen Vereine zu Wien
(i3erichle desselben S. 11.) eine Mitlheilung über die in den Sandgru-
ben bei Wien am Belvedere gefundenen fossilen Ueberreste. Sie gehö-
ren zu Mastodon anguslidens , Sus palaeochoerus , Dinolherium gigan-
teura , Acerotherium incisivum und Hippotherium gracile. Sämmtliche
Knochenreste lagen im feinen gelben Sande, unmittelbar über dem Te-
gel. Von eben daher stammte ein Zahn von Elephas primigenius, aber
nicht aus dem Sande, sondern aus dem das ganze Gebilde bedeckenden
Löss. Gleiche Verschiedenheit in der Ablagerungsreihe findet sich im
Wiener Becken bei Rhinoceros tichorrhinus und Rh. incisivus, jener
aus dem diluvialen Löss , dieser aus tertiärem Sande und Leythakalk
oder Tegel.
Vom Referenten: Charakteristik der in den Höhlen um
Muggendorf aufgefundenen urweltlichen Säugthier- Arten (Ab-
handl. der k. Akademie d. Wissenschaft. II. Classe. VI. Bd.
S. 193 u. f.)
An Arten sind hier aufgeführt : Ursns spelaeus und arctoideus,
Ursus priscus, Gulo spelaeus, Meles antediluviana, Mustela antiqua,
Canis spelaeus und C. vulpinaris, Hyaena spelaea, Felis spelaea , F.
antiqua , b\ lyncina und F. catus, Castor "(Palaeomys) spelaeus , Equus
fossilis, Rhinoceros tichorhinus, Elephas primigenius, Sus scrofa fossi-
lis, Bos primigenius, Cervus tarandinus.
Paleontologia del regno di Napoli , contenente la de-
scrizione e figura di tulti gli avanzi organici fosili racchiusi
nel suolo di questo regno. Pel Prof. 0. G. Costa. Parte I.
Napoli 1850.
Den Säuglhieren ist das erste Kapitel mit 45 Seiten und 3 ko«
46 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
lorirten Tafeln gewidmet. Sämmtliche dieser Klasse zugeschriebene
fossile üeberreste sind sehr spärlich und fragmentarisch, daher ihre Be-
stimmung schwierig und vom Verf. nicht immer glücklich getroffen.
Er will diese kümmerlichen üeberreste an Phoca, Bos, Mippopotamus,
Tapirus, Elephas, an Nager, an Delphinus und ßalaena und an zwei
von ihm neu errichtete (iatlungen: Paiaeoceros und Synodonlherium
verweisen. Die Gattung Paiaeoceros hat Costa auf Bruchstücke be-
gründet, welche er für solche eines Hornes von einem Hirsche an-
sieht; wir können diese Meinung nich theilen, sondern sind auch nicht
zweifelhaft, dass dieselben überhaupt nicht von einem Säugthiere her-
rühren. Die Gattung Synodonlherium beruht auf einer Knochen-
platte, welche er als aus sechs Schneidezähnen vom Unterkiefer gebil-
det ansieht, die aber keine Alveolen aufzuweisen hätten und dabei so
unregelmässig geformt und überdiess so dicht aneinander gepresst wä-
ren, dass keine andere Substanz dazwischen Platz gehabt hätte. Zu
welcher Ordnung von Säugthieren diese neue Gattung zu stellen wäre,
darüber wagt der Verf. auch nicht einmal eine Vermuthung auszuspre-
chen. Ref. würde sich in gleicher Verlegenheit befinden, wenn er die
gegebene Deutung für richtig annehmen müsste ; allein Costa hat sich
diesmal von seiner etwas zu lebhaften Phantasie zu einem grossen Miss-
griff verleiten lassen, denn die fossile, angeblich aus Schneidezähnen
gebildete Platte eines unbekannten Thieres ist nichts weiter als eine
der letzten Platten aus dem Backenzähne von Elephas primigenius.
Ueber das reiche Knochenlager von Apt (Vaucluse) gab Ger-
vais weitere Auskunft (Instit. p. 29). — Daubree machte auf eine
neuentdeckte Knochenhöhle im Jurakalke bei Lauw im Elsass aufmerk-
sam, worin hauptsächlich Knochen von Bären und einige von Hasen,
Füchsen und Schweinen gefunden worden waren (ebenda S. 43). —
Lartet und Laurillard erstatteten Bericht über die Resultate ihrer
Nachgrabungen in den reichen Knochenlagern von Sansan , zu deren
Ausbeutung die Regierung einen Flächenraum von 4 Hectaren ange-
kauft hatte (ebenda S. 188).
P. Gervais legte ein Verzeichniss der im fossilen Zustand auf-
gefundenen Säuglhier-Arten aus dem Departement de l'Herault vor ,
welches 71 Arten aufzählt (Ann. des sc. nat. 1851. XVI. p. 150). —
In der Süsswasser-Formation von Hardwell Hants fand Owen
die üeberreste von Paloplotherium annectens, Dichodon cuspidatus und
dorcas, Xiphodon gracilis und Hyaenodon minor auf (Instit. p. 334).
Simiae.
Ueber die geographische Verbreitung der AfFen hielt
I s. G e 0 f f r 0 y in der pariser Akademie einen Vortrag (Compt,
rendus XXXUl. p. 361).
der Säugthiere während des Jahres 1851. 47
Derselbe erstreckt sich sowohl auf die urweltlichen als auf die
lebenden Arten, ohne jedoch neue Gesichtspunkte darzubieten.
Catalogue des Primates, par M. Is. Geoffroy Saint-
Hilaire.
Macht die erste Abiheilung aus von dem unter Leitung desselben
Verf. in Bearbeitung genommenen Catalogue de la colleclion des niam-
miferes , de la collection des oiseaux et des collections annexes. Eine
höhst wichtige Arbeit , da sie sowohl eine sorgfältige Kritik aller ,
nach den Originalen in der pariser Sammlung aufgestellten Arten von
Vierhändern giebt, als sonst auch über die von Andern begründeten
Species werthvoUe Bemerkungen mittheilt.
Simiae catarriiiuae. Bemerkungen Über den Gorilla
(Troglodytes Gorilla) von Is. Groffroy (Ann. des sc. nat.
XVI. 1851. p. 154).
Das pariser Museum hat ganz neuerdings 2 Individuen des G o-
r i 1 1 a vom Gabon-Flusse erhalten , wovon das eine, ein junges Thier ,
zugleich mit einem jungen Schimpanse lebend eingeschifft wurde, aber
auf der Fahrt umkam unJ deshalb in Spiritus aufbewahrt wurde ; das
andere vom Dr. Kranquet geschenkte Exemplar ist. ein -erwachsenes,
ebenfalls in Brantwein conservirtes alles Männchen. Letzteres hat die
Höhe eines Mannes von mittlerer Statur ; da aber die hinlern Gliedraas-
sen beim Gorilla verhältnissmässig sehr kurz sind, so ist der Körper
viel länger und zugleich von einem viel beträchtlicheren Durchmesser
als der des Menschen. Die Maasse sind in Metres ausgedrückt:
Höhe 1,67
Umfang am Halse .... 0,75
Umfang an der Brust . . . 1,35
Spannweite 2,18
Der Gorilla ist demnach der grösste aller bekannten Affen. Die wei-
tere Beschreibung hat der Verf. dem Dr. Franquet vorbehalten, einst-
weilen aber Abbildung vom ganzen Thier und dessen Kopf in zwei
Ansichten mitgetheilt. Der Abhandlung sind noch beigefügt: 1) die Un-
tersuchungen von Owen über dieselbe Species, worunter auch dessen
Bemerkungen über den Rauminhalt der Hirnhöhle bei dem Orang-Utan,
den Schimpansen und dem Menschen (Literary gazette and journ. of
Sciences and arts, novemb. 1851) aufgenommen sind; 2) die Untersuchun-
gen von Sa vage, und 3} eine Abhandlung von Dureau de La-
malle über den grossen Gorilla vom-Gabon als die Grenze der Schiff-
fahrt von Hannon längs den Küsten Weslafrikas bestimmend.
Eine neue Art Schlankaffen stellte J. E, Gray als Presbytis aU-
bigena auf, die er von P. obscurus durch den Kamm auf dem Scheitel
und von P. melalophus durch die schwarze Färbung unterscheidet
(Ann. of nat. hist, VII. p. 388).
48 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Von Colobus verus legte Pel die erste Abbildung vor.
(Bijdragen tot de Dierkunde. 2te u. 3te Lief.)
Pel, holländischer Resident an der Küste von Guinea, erhielt
ein Weibchen , das bei Dabocrom geschossen wurde und von dem er
eine genaue Beschreibung und schöne Abbildung giebl. Nach seiner
Meinung lassen sich alle Arten von Colobus auf 5 reduciren, nämlich :
1) Colobus Gttereza.
2) C. ursinus. Synonyma: Semnopilh. personatus, S. polycomos,
S. vellerosus,, S. bicolor, Col. leucomeros und vielleicht auch noch
Col. satanas.
3) C ferrugineus. Syn. Col. ferruginosus , Semn. fuliginosus,
Semn. Temminckii, S. Pennanti.
4) C. verus.
Die erste von diesen Arten gehört Abyssinien an ; die 3 andern
wurden von Pel an der Goldküste gefunden, wo C. ursinus sehr häufig
vorkommt. I
Peters theilte einstweilen die Diagnosen von drei,
durch ihn an der Küste von Mosambique entdeckten Arten mit
(Bericht der Berlin. Akad. S. 756>
Sie heissen: Cercopithecus erylhrarchus , ochraceus und ßavidus.
Im nächsten Jahresberichte , bis wohin des Verf. Werk bereits durch
den Buchhandel verbreitet ist , werden wir von den wichtigen Ent-
deckungen Peters ausführlicher sprechen.
Prosimii Auch dieser Familie fügte Peters a. a. 0.
S. 757. eine neue Art bei , von ihm Microcebus myoximis
benannt.
Recherches d'anatomie comparee sur le genre Stenops
d'Illiger, par I. L. C. S c h r o e d e r v a n d e r K o 1 k et W.
Vrolik (Bijdragen tot de Dierkunde. 2te Lief. S. 29—52.
mit 2 Tafeln.)
Bekanntlich waren die beiden Analomen über die Zerlegung des
Stenops in Fehde miteinander gerathen. Die Gelegenheit einen in dem
schönen Thiergarten der zoologischen Gesellschaft zu Amsterdam ge-
storbenen Stenops javanicus analomiren ^u können, benutzten sie, um
in ehrenwerlher Weise ihre Controverse dadurch zu erledigen, dass
sie durch gemeinsame Untersuchung des gedachten Exemplares sich über
die Streitpunkte verständigten und alsdann miteinander diese Monogra-
phie bearbeiteten , die durch ihre klare, genaue und umfassende Dar-
stellung eine Zierde der zootomischen Literatur geworden ist. Wir
wollen hier nur die abgebildeten Gegenstände näher bezeichnen. Auf
Tab. I ist abgebildet das Gehirn, die Zunge und die Speichelorgane des;
der Säuglhiere während des Jahres 1851. 49
St.-javaniciis ; ferner enthält sie mikroskopische Zeichnungen vom Ta-
pelum desselben Thieres, der Felis minuta, des Procyon lotor, der Kuh
und des Strausses, so wie der Gefässe der Choroidea des Kondors, der
kein Tapelum hat. Auf Tab. II ist abgebildet Herz, Magen, Blinddarm
und äussere weibliche Geschlechtsorgane des Stenops tardigradus und
javanicus.
Chiroptera.
Vom Ref. erschien in den Münchner gel. Anzeigen XXXIII
S. 21 eine Berichtigung einiger Angaben in Betreff der An-
zahl der Fingerglieder bei den Handflüglern.
Es kommen hierbei nur die Chiroptera inseclivora in Betracht ,
da bei den Ch. frugivora kein Zwiespalt in den Angaben über die An-
zahl der Fingerphalangen besteht, wohl aber bei jenen. So z. B. ver-
theilt Cuvier die insektenfressenden in 2 Gruppen : die erste (Dysopes,
Noctilio, Phyllostoma) mit 3 Phalangen am iMittelfinger, mit 2 am Zeige-
und den anderen Fingern ; die zweite Gruppe (Megaderraa, Rhinolophus,
Vespertilio) am Zeigefinger mit nur 1 , an den anderen Fingern mit 2
Phalangen. Andere Zählungen haben zum Theil Temminck und Tschudi.
Letzterer theilt überhaupt die Handflügler ab in : I. Ch. 5~dactyla und
zwar a. Frugivora mit 3 Phalangen am Zeigefinger, und b. Phyllosto-
mina und Noctilionina, mit nur einem, ganz oder theilweise verknö-
cherten Gliede. II. Ch. ^-daclyla (Rhinolophina und Vespertilionina)
mit nur 4 Fingern , indem der 2te Mittelhandknochen keine Phalanx
trägt. JNach meiner Vergleichung der genau präparirten Skelete der
hiesigen Sammlung und mit Zuziehung einiger verlässiger Autoritäten,
ergeben sich folgende Resultate: 1) Der Mittelfinger hat bloss bei den
amerikanischen Phyllostoraen 3 knöcherne Phalangen aufzuweisen,
während er bei allen andern Handflüglern nur 2 besitzt. Die einzige
Ausnahme macht unser Skelet von Vespertilio serotinus aus, indem bei
ihm der Mittelfinger ebenfalls 3 knöcherne Phalangen hat, eine Ano-
malie, die wahrscheinlich bloss durch Verknöcherung der Endsehne ent-
standen ist. 2) Temminck's Angabe von der Gliederzahl der Finger bei
Vespertilio, der ich leider ohne weitere Prüfung in meiner Fortsetung
von Schreber gefolgt bin, ist irrig. 3) Tschndi's Eintheilungsgrund nach
der Gliederzahl des Zeigefingers ist nicht ganz stichhaltig, da die Phyl-
lostomen entweder gar keine knöcherne Phalanx , sondern nur einen
sehnigen Faden tragen, oder es ist bereits der Anfang desselben ver-
knöchert , oder es ist wirklich eine knöcherne Phalanx vorhanden.
Ferner lassen sich Noclilionen und Vespertilionen nicht in 2 verschie-
dene Gruppen bringen, da bei ihnen der Zeigefinger von gleicher Be-
schaffenheit ist. 4) Der Zeigefinger fehlt den meisten insektenfressen-
den Handflüglern; nur mitunter findet sich am Anfang eine Verknö-
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 2. Bd. D
50 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
cherung seines kurzen Sehnenfarlens. Eine vollkommen knöcherne
Phalanx stellt sich bloss bei einigen Phyllostomen und au unserem Ske-
let von Vesp. serotinus ein. 5) Bei allen Arten haben 4ter und 5ter
Finger nie mehr oder weniger als 2 knöcherne Phalangen.
Die wichtigste Bereicherung an Arten ist durch Peters
der Ordnung der Handflügler zu Theil geworden , indem er
ihr nicht weniger als 14 Arten von Mosambique zufügte (Be-
richte der Berliner Akadem. S. 757).
Diese Arten heissen : Epomophorus crypturus ; Phyllorhina niltata
und gracilis ; Rhinolophus lohatus ; Nycteris fuUginosa und villosaj Em-
hallonura afra ; Dysopes limhalus^ brachypterus und dubius; Vesperugo
macuanus und nanus; Nycticejus planirostris und viridis.
Im Catal. of the mamm. in the Mus. of theEast-India Company
unterschied Horsfield einen Rhinolophus Pearsonii aus Indien von
dem nahe verwandten Rh. tragatus (S. 33.) , und auf S. 36 stellte er
eine andere indische Art als Lasiurus Pearsonii auf, die nach seinen
und nach Gray's Untersuchungen mit den amerikanischen Arten dieser
Gattung in generischer Identität steht.
Insectivora.
Peters machte 2 neue Arten aus Mosambique bekannt.
(Bericht der Berlin. Akad. S. 467).
1) Chrysochloris ohtusirostris : fusca , nitore viridi aureo, labiis,
genis gulaque albidis ; cartilagine nasali duplo latiori quam longa ,
8 8
unguibus anterioribus mediocribus, dentibus molaribus — '— . — 2) Ma~
croscelides fuscus: nigrofuscus, subtus cinereo virescens; auriculis, la-
biis plantisque nigris ; auriculis triangularibus , postice excisis ; roslro
3 3 7.7
mediocri; artubus gracilibus ; dentibus incisivis ;r-^ , molaribus r-^«
3.3 8.8
Von dem indischen Sorex nigrescens will Kelaai't eine auf
Ceylon lebende Art trennen unter der sonderbaren Benennung Corsira
Newera Ellia (Ann. of nat. bist. VIII. p. 340).
Im Catal. of the mamm. in the mus. of the East-Ind. Comp. p. 134.
unterscheidet "Horsfield einen Sorecc Grifßthii aus Afghanistan von
S. murinus durch einförmig dunkel schwärzlichbraune Färbung und
kurzen, feinen und weichen Pelz. — Eine 2te Art von Madras benennt
er als Sorex niger. i
Ebendaselbst (S. 136.) stellte Horsfield eine neue Art Igel von
Madras als Erinaceus nudiventris auf, und unterscheidet sie von E.
collaris durch weit geringere Grösse, gestrecktere Form und dunklere
Färbung der Stacheln.
der Säuglhiere während des Jahres 1851. 51
Carnivora»
rrsina. In Haidiiiger's naturwissensch. Abhandlungen
Bd. IV. S. 31 — 86. findet sich eine grosse Abhandlung unter
dem Titel : Osleologia degli Orsi fossili del Veronese con iin
Saggio sopra le principali Caverne del Distretlö di Tregnago.
Lavoro del Dottore Abramo Massalongo.
Im Distrikte von Tregnago hat der Verf. mehr als 120 Höhlen im
Jurakalke aufgefunden, unter welchen die von Velo wegen ihres Reich-
thums an fossilen Knochen am berühmtesten sind. Er hat eine Menge
von ßärenknochen zusammen gebracht, so dass er von denselben wohl
alle Hauptbestandtheile des Skelets erlangt hat; lediglich Schädel fehlen
ihm ganz , denn von diesen besitzt er nur unbedeutende Bruchstücke.
Von all den verschiedenen Knochen giebt der Verf. ausführliche Beschrei-
bungen und zugleich auch Abbildungen, die 3 Tafeln anfüllen. Leider
hatte er zur Vergleichung kein Skelet von einer lebenden Bärenart be-
nutzen können, indem , wie er sagt, keine Sammlung im lombardisch-
venetianischen Königreiche ein solches besitzt. Cuvier's Recherches
sur les ossem foss. haben ihm daher als hauptsächlichstes Hülfsmittel
gedient' nnd diess ist auch für die wichtigsten Stücke ausreichend. Der
Verf. glaubt unter den ihm vorliegenden Knochen auf Vrsus spelaeus
und arctoideiis schliessen zu dürfen ; da er jedoch an dem einzigen
Skelettheile, an welchem sich diese beiden Formen unterscheiden las-
sen, nämlich am Schädel, aus Mangel an Exemplaren diese Differenzen
nicht nachweisen konnte, so wird es gerathener sein, alle diese Kno-
chen dem Ursus spelaeus zuzuschreiben. Auf einer 4ten Tafel zeigen
zwei Abbildungen die Aussenseite und Eingänge zweier Höhlen : der
Caverna detta Covolo di Campo Silvano und der Caverne delte Covoli
di Velo. ^
lHustelinä* Westerman gab von einer neuen Art
Marder, Mustela [Martes] Henrici Temm., eine Beschreibung
und colorirte Abbildung (Bijdragen tot de Dierkunde p. 13).
Temminck trennte schon in der Leydner Sammlung von der in
Vorderindien lebenden Mustela flavigula s. Har^wicki die ihr sehr ähn-
liche und daher auch gewöhnlich damit confundirte Art ab, welche
auf Java, Sumatra und Borneo vorkommt, und legte dieser den Namen
Mustela Henrici bei. Westerman zählt nun die unterscheidenden Merk-
male zwischen beiden Species auf und Ref. kann beifügen , dass er
dieselben Unterschiede auch bei den Exemplaren der hiesigen Samm-
lung wahrgenommen hat.
Viverrinä. Aus Tenasserim und Arrakan führt H o r s-
field einer Paradoxurus leucoiis Blyth als neue Art auf
(Catalogue p. 66).
52 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Pelz lang und weich. Oberseite des Körpers und 2/3 des Schwan-
zes falb, ins Röthlichbraune ziehend; Unterseite lichter. Füsse bräun-
lich, Schwanzende dunkel kastanienbraun. Von der Nase zur Stirne
ein Weisser Strich; Ohren hellgelblich, aussen nur spärlich mit gelb-
lichen Haaren besetzt.
Hyaenina. Einen bei den Festungsbauten von Ger-
mersheim ausgegrabenen fossilen Schädel erkannte Dr. G.
Jäger in Stuttgart als der Hyaena spelaea gehörig an.
Derselben Art wies er das Bruchstück eines Unterkiefers aus
der Tertiärbildung von Passau und einige Fragmente von Can-
stadt und tius der Molasse von Sigmaringen zu. (Korrespon-
denzblatt des zool.-mineralog. Vereins in Regensb. S. 106).
Canina. Townsend unterschied von den andern
nordamerikanischen Wölfen einen Lupus gigas^ the Giant
Wolf (Journal of the Academ. of nat. sc. of. Philadelph.
sec. ser. iL p. 75).
Als Merkmale giebt er an : Rücken, Vorderseite der Vorderbeine,
Oberseite und Spitze des Schwanzes schwarz, mit braunen Haaren un-
termengt ; die andern Theile rostbraun , ausgenommen Kehle, Seiten,
Unterleib und Hinterbeine, welche grau sind. Schwanz kürzer als bei
L. occidentalis , massig buschig, aber voll am Ende. Schädel um 1"
länger als bei diesem. Der Verf. ist der Ansicht , dass man zur Zeit
nur drei Arten nordamerikanischer Wölfe mit Sicherheit unterscheiden
könne, nämlich Lupus gigas, L. occidentalis und L. latrans.
P. Gervais brachte weitere Belege bei (Compt. rend. XXXIII.
p. 18. und Instit. p. 307), um Pierodon und Hyaenodon generisch aus-
einander zu halten. Ihre Einreihung unter die fleischfressenden Beu-
telthiere billigt er nicht, sondern er lässt sie bei den fleischfressenden
Raubthieren, ohne weiter über ihren Platz zu bestimmen, nur äussert er,
dass Hyaenodon sich in mehrfacher Hinsicht den Katzen nähere, und
Pterodon sowohl, an Felis als an Hyaena sich anschliesse.
Marsupialia,
De Marsupialium dispositione systematica. Disserlatio
zoologica quam ad summos in philosophia honores etc. impe-
trandos scripsit G. M eigen. Bonn. 1851.
Der Verf. sucht auf scharfsinnige Weise in seiner Inaugural-Dis-
sertation zu zeigen, dass die Beutelthiere mit Unrecht in einer Ord-
nung zusammengestellt worden wären, weil die Merkmale, welche
diese Ordnung bezeichnen sollen, sie nicht bezeichnen und unterschei-
den, und weil die einzelnen Gattungen der Beutelthiere unter sich mehr
der Säugthiere während des Jahres 1851. 53
differiren als dieselben von den entsprechenden Ordnungen der übrigen
Säugthiere abweichen. Er will sie daher unter letztere vertheilt wis-
sen und zwar so , dass die Marsupialia Carnivora mit den Fleischfres-
sern, die M. glirina und frugivora mit den Nagern, die M. herbivora
(Halmaturus, Hypsiprymnus) mit den Wiederkäuern (!) zusammenge-
stellt würden, jedoch immer als besondere Abtheilungen unter denselben.
— Die Argumente des Verf. haben freilich Referenten nicht bestimmen
können, seine bisherige Zusammenfassung der Beutelthiere unter einer
und derselben Ordnung aufzugeben ; statt seiner kann er deshalb Vro-
lik in dem nun folgenden Artikel antworten lassen.
W. V r 0 1 i k , anatomische Untersuchungen über den Da-
syurus [Sarcophüus] ursinus, in der Tijdschrift voor de wis-
en natuurkundige Wetenschappen. Amsterd. IV. Deel. p. 153
— 190. (mit Abbild, des Gehirns.)
Nach einer sehr sorgfältigen Darstellung der anatomischen Ver-
hältnisse des Sarcophilus ursinus, in deren Detail wir hier nicht ein-
gehen können , erklärt der Verf. am Schlüsse , dass , wenn ihn nicht
Alles trüge, auch seine Untersuchung die Richtigkeit der Ansicht, wel-
che hauptsächlich durch Owen entwickelt worden wäre, beweise, näm-
lich dass die Beutelthiere mit den Monotremen eine für sich stehende
Ordnung ausmachen müsslen, welche durch ihre eigenthümliche Fort-
pflanzungsweise und insbesondere durch den Mangel der Placenta den
Namen im- oder aplacentalia führen dürfte. Eei ihrer grossen Ver-
schiedenheit im äussern Baue, in der Beschaffenheit der Zähne und der
Lebensweise wirft er sich allerdings , wie Meigen, die Frage auf, ob
es nicht besser wäre, die Beutelthiere unter die übrigen Ordnungen
der Säugthiere zu vertheilen, als sie in einer besonderen Ordnung bei-
sammen zu halten ; er beantwortet jedoch diese Frage im entgegenge-
setzten Sinne als Meigen , und weist dabei zunächst auf seine Unter-
suchung des Sarcophilus ursinus hin. Begnüge man sich nämlich den-
selben lediglich nach seiner äussern Beschaffenheit, Nahrung und Le-
bensweise zu betrachten, dann stelle er sich als ein Fleischfresser dar,
dem man in der Nähe des Bären seinen Platz anzuweisen hätte. Be-
trachte man ihn aber in seiner Totalität^ dann überzeuge man sich,
dass er in den Hauptstücken die eigenthümliche Struktur der Beutel-
thiere besitze und nur in den Punkten den Fleischfressern sich nähere,
welche vermöge seiner Lebensweise eine nothwendige Uebereinstim-
mung mit ihnen veranlassen müssten. In treffender Weise würde diess
schon durch das Knochengerüste angezeigt. „Sein unvollkommener und
theilweise offener Gaumen, die Art, in welcher die Carotiden-Kanäle
den Körper des Keilbeins durchbohren, die Anwesenheit von 4^ anstatt
von 3 ächten Backenzähnen, die eigenthümliche Weise, in welcher der
Winkel des Unterkiefers nach innen vorspringt, die Beschaffenheit der
54 Wagner! Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Handwurzel, das Verhalten der beiden Knochen des Schenkels und die
Beutelknochen sind eben so viele Besonderheilen , durch welche sich
der S. ursinus fn seinem Knochengerüste von den placentaren Fleisch-
fressern entfernt, als er dagegen den allgemeinen Bau der Beutelthiere
aufweist. Mehr oder minder kommen die Skelele von allen übrigen
überein, wie sehr sie sich sonst auch verschieden zeigen mögen. Nicht
weniger deutlich ist die üebereinstimmung , welche alle Beutelthiere
in der Beschaffenheit der BaXichmuskeln darbieten , während ihr übri-
ges Muskelsystem nach dem Behufe der Lebensweise und der dadurch
nothwendig gewordenen Bcwegungs-Verschiedenheit sich richtet. Die
Untersuchung des S. ursinus bestätigt diess in treffender Weise. In
vielerlei Beziehungen hat sein Muskelsyslem die Besonderheiten der
Fleischfresser aufzuweisen und nähert sich hierin vor allen dem des
Bären , während es durch die Bauckmuskeln eine unverkennbare üe-
bereinstimmung mit dem Känguruh zeigt. Das Gehirn hat bei allen
Beutelthieren ein gemeinsames Merkmal, das in der mangelhaften Be-
schaffenheit des corpus callosum besteht. Diess habe ich auch bei S.
ursinus bemerkt. Fügt man nun noch hinzu, dass, so weit die Unter-
suchungen sich erstrecken , bei allen Beutelthieren der annulus *oder
fossa ovalis in der Scheidewand der beiden Herzohren fehlt , dann
glaube ich, dass durch dieses Alles die Behauptung gerechtfertigt ist,
dass die Beutelthiere eine natürliche Ordnung der Säugthiere bilden."
John Bachman's Beobachtungen über die Fortpflanzung des
Opossums (Didelphys virginiana) wurde in unserem Archive S. 161 in
einer Uebersetzung mitgetheilt.
R. Gunn berichtigte in den Ann. of nat. bist. VIL p. 338. eine
frühere Angabe über die Schwanzform des Thylacinus cynocephalus
..dahin, dass der Schwanz allerdings schwach zusammengedrückt ist, aber
nicht mehr als bei Dasyurus.
Poelman in Gent untersuchte die Geschlechtsorgane eines Weib-
chens von Macropus Bennetti und fand dieselben von der nämlichen Be-
schaffenheit wie sie Geoffroy St Hijaire und Carus angegeben hatten,
nämlich dass der Canalis urethro - sexualis in direkter Communication
mit dem mittleren Scheidensack steht, während nach den Angaben von
Cuvier und Owen (Letzterer nach Untersuchung des Macropus major)
diess nicht der Fall ist. (Instit. p. 317). Es scheint demnach, dass in
dieser Beziehung selbst zwischen den Arten einer und derselben Gat-
tung Differnzen obwalten können.
Rodentia.
Scinrina* üeher die Verwandtscliaftsverhältnisse von
Sciurus suhflamiienfris^ assamensis^ Inkrinh iinrl Joh^oides gah
Horsfield in seinem Catalogiie p. 153. einen willkommenen
Aufschluss.
der Säuglhiere während des Jahres 1851. -^ 55
Nach Vergleichung der Original-Exemplare von diesen angebli-
chen 4 Arten versichert er, dass sie sich so sehr glichen, dass er keine
genügende Diagnose entwerfen könne.
lieber die Zieselmäuse in den südrussischen Gouver-
nements finden sich einige Notizen in Erman's Archiv für
vviss. Kunde von Russland. X S. 411.
Diese Thiere haben sich daselbst, namentlich im Gouvernement
von Jekatcrinoslaw , in neuerer Zeit in so ausserordentlicher Weise
vermehrt, dass sie im Sommer 1850 vorzüglich in den am Dnieper ge-
legenen Kreisen die Getreidefelder dermassen verheerten, dass kaum
die Aussaat wieder gewonnen wurde.
Miirina. Kelaart unterschied eine ceylonische Maus
als Golunda Newera [Ann. of nat. hist. VIII. p. 339], von wel-
cher Blyth (ebenda VII. p. 408.) bemerklich macht, dass sie
dem Mus hirsutus Ell. sehr ähnlich ist , aber einen kürzeren
Schwanz hat. — Aus Afghanistan stellte H o rsfi eld (catalogue
p. 145.) eine neue Art als Nesokia Griffithi auf.
Edentata,
Anatomische Untersuchungen über die Edentaten. Von
Wilhelm v. Rapp. Mit 10 Steindrucktafeln. 2te verbes-
serte und vermehrte Auflage. Tübingen 1852.
Da diese Arbeit schon gleich im Anfang des laufenden Jahres
erschien , so wollen wir ihrer bereits im gegenwärtigen Berichte ge-
denken. Von dieser werlhvollen Monographie ist die erste Auflage im
Jahre 1842 herausgegeben worden und sie hat mit Recht eine solche
Anerkennung gefunden, dass ihr der Verf. nunmehr eine zweite hat
nachfolgen lassen können , die bedeutende Vermehrungen und Verbes-
serungen enthält. Während die erste Auflage nur 79 Seiten Text zählte,
nimmt die zweite 108 in Anspruch, und diese Bereicherung hat sich
theils durch die vielen eigenen Untersuchungen des Verf., theils durch
Beifügung der seit 1843 in der Literatur niedergejegten Publikationen
aus dem Bereiche dieser Ordnung ergeben. Weggelassen ist in dieser
neuen Auflage die Tafel, auf welcher die Schlagadern des Stenops dar-
gestellt waren; dagegen ist eine DoppeltciTel mit meisterhaften Abbil-
dungen der Skelete von Myrmecophaga jubata^und Dasypus gigas bei-''
gefügt, und überdiess noch Manis tridentata abgebildet worden. So
hat denn die zweite Auflage bedeutende Vorzüge vor der ersten cr-
halteii und hat sich dadurch dem Zoologen und Zootomen unentbehr-
lich gemacht.
Hyrtl hat ausführlich nachgewiesen, dass bei den Faulthieren
(Bradypus torquahts), ausser den bekannten Geflechten an den grossen
56 Wagnert Bericht über die Leisluttgen in der Naturgeschichte
Gefässstämmen der Gliedmassen, auch solche Geflechte, wenn gleich
in weniger entwickeltem Grade, an gewissen tiefliegenden Zweigen der
Carotiden vorkommen und zwar von dreierlei Art (Denkschriften der
k. Akademie in Wien I.).
Solidungula,
In den Gleanings from the Menagerie and Aviary at
Knowsley Hall. II. sind auf Tab. 53 — 56 Asinus Hemionus
(unrichtig bestimmt, ist A. Onager), Quagga, Burchelli und
Zebra abgebildet worden. — Auf Tab. 57 — 59 sind Bastarde
von diesen Arten dargestellt.
Pachydermata,
Das Hyraceum in historischer, chemischer, pharma-
ceutischer und therapeutischer Beziehung. Inaugural-Abhand-
lung von Dr. L. Fikentscher. Erlangen. 1851.
Eine der. nicht sonderlich häufigen medizinischen Inaugural-Dis-
sertationen , die Beachtung verdient , da sie nicht bloss das Bekannte
über das Hyraceum zusammengestellt , sondern auch dessen Kenntniss
durch eigenthümliche Beobachtungen und Untersuchungen gefördert hat.
Nach feinen eigenen, unter der liCitung von Gorup-Besanez ausgeführ-
ten chemischen Untersuchungen hat er die Richtigkeit von Lehmann's
Analyse des Hyraceums bestätigt und die von Reichel als unrichtig er-
wiesen. Der Verf. erklärt dasselbe für Exkremente eines pflanzenfres-
senden Thieres , das nach den Angaben der holländischen Kolonisten
am Kap der Hyrax capensis ist.
P. Gervais liess in dieAnnal. des sc. nat. XVI. p. 135.
eine Abhandlung über das fossile Rhinoceros von Montpellier
einrücken.
Er getraut sich nicht mit Sicherheit das Verhältniss zu bestim-
men, in welchem dieses Rhinoceros zu mehreren anderen, von verschie-
denen Fundorten herrührenden Arten steht, und wegen dieser Unge-
wissheit behält er vor der Hand die Bezeichnung als Rhinoceros de
Montpellier bei , was gleichbedeutend ist mit Rhinoceros megarhinus
Christ, oder Rh. monspessulanus Blainv. und was, nach seiner Mei-
nung, auch synonym sein dürfte mit Cuvier's Rh. leptorhinus.
H. V. Meyer wies am Slosszahn eines jungen Elephas primi-
genius das Vorkommen der drei Substanzen nach, welche den Zähnen
überhaupt zustehen. In den Palaeontographica wird er davon eine
genaue Beschreibung und Abbildung geben (Jahrb. f. Mineralog. S. 679)..
J. Gunn will bei Boston Ueberreste von Elephas meridionalis
aufgefunden haben (Instit. p. 335).
der Säuglhiere während des Jahres 1851. 57
Von einer Abhandlung Pomel's über den Fussbau der
zur Familie der Anoplotherien gehörigen Thiere ist einst-
weilen ein Auszug im Instit. p. 217 und in den Compt. rend.
XXXIU p. 16 erschienen.
Das Erscheinen der vollständigen Abhandlung abwartend, machen
wir zur Zeit nur bemerldich , dass der Verf. von Coenolherium eine
neue Gattung Hy aegulus abtrennt, weil das Würfelbein mit dem
Kahnbein verwachsen und die Mittelfussknochen miteinander nicht ver-
schmolzen sind.
Ruminantia.
Tyiopoda. In den Gleanings from the Menagerie and
Aviary at Knowsley Hall II sind auf Tab. 49 — 52 abgebildet:
Lama Vicugna , Huanaco, Glama und Pacos.
Cervina. Pomel machte (a. a. 0.) aufmerksam, dass
Lartet's Dicrocerus crassus nach dem Bau der Füsse nicht
der Galtung Cervus , sondern Hyaemoschus angehört und
giebt dieser Art den Namen Hyaemoschus Larteti.
Observazioni analomiche sullo scheletro del, Moschus
pygmaeus Linn. di A. Alessandrini (Memorie della Ac-
cademia delle scienze dell' Istituto di Bologna I. 1850. p. 587.)
Der Verf. hatte von dem bekannten Naturalienhändler Frank in
Amsterdam ein Skelet unter der Benennung Moschus Napu erhalten;
er ist jedoch der Äleinung, dass diese Angabe unrichtig wäre und sein
Skelet von Moschus pygmaeus Lin n. herstamme, was freilich eine sehr
unbestimmte Bezeichnung ist, da darunter früher die jüngeren Indivi-
duen der südasiatischen kleineren Moschus - Arten verstanden wurden.
Uebrigens ist die Beschreibung sehr ausführlich ; das ganze Skelet und
ausserdem der Schädel besonders in Lebensgrösse abgebildet.
H. V. Meyer machte bemerklich, dass ein aus der Braunkohle
von Leiding stammender Unterkiefer nicht dem Anthracotherium, son-
dern dem Dorcatherium vindobonense angehöre, und dass ein beigeleg-
ter Zahn der obere Eckzahn eben dieses Thieres sei, das sich hierdurch
als Mitglied der Familie der Moschiden bewähre (Haidinger's Berichte
über d. Mitth. v. Freunden d. Katurw. VU. S. 1).
lieber eine neue UirsclAart : Cervus rußniis gab Puc he-
ran eine Notiz (Rev. zool. p. ööl}.
Diese Art stammt aus der Republik Ecuador und ist dem Cervus
rufus sehr ähnlich, unterscheidet sich aber 1) durch geringere Grösse,
2) die rothe Farbe der Kehle, die bei letzterem weiss ist; 3) dasHoth-
braun des Vorderhalses , der bei C. rufus braun ist , was bei einigen
58 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Individuen schwärzlich wird ; und 4) durch das Schwärzliche der Glied-
massen und der Schnauze. ^
T h. Friese berichtete von einem, in einer Torfgrube bei Wis-
mar gefundenen Bennlhier-Geweih (ßoll's Archiv des Vereins d. Freunde
d. Naturgesch. in Meklenb. 5. Heft. S. 113).
In den Gleanings from the Menag. at Knowsley Hall sind abge-
bildet auf Tab. 31 — 35. von Moschusthieren : Hyemoschus aquaticus ;
Meminna indica, Tragulus Stanleyanus, pygmaeus und javanicus. Auf
Tab. 36 — 48. von Hirschen : Cervus canadensis, barbarus und Wallichii ;
Rucervus Duvaucelii; Hyelaphus porcinus: Rusa equina ; Cariacus Le-
wisii und virginianus ; Coassus rufus und nemorivagus.
Cavicornia. H. N. Turner legte eine neue generi-
sche Eiritheilung dieser Familie , der er den sehr übel ge-
wählten Namen der Bomdae giebt, vor (Ann. of. nat. hist.
Vlll p. 409).
Die grösste Schwierigkeit bei Festsetzung der Gattungen der
Hohlhörner machen immer die Antilopen. Ref. hat schon in seiner Be-
arbeitung dieser grossen Gruppe im Supplementbande von Schreber's
Säugthieren dargethan, dass weder die von den Hörnern, noch von den
Thränengruben, Klauendrüsen und Inguinalgruben hergenommenen Merk-
male zu generischen Abtheilungen der Antilopen ausreichend sind, son-
dern dass hiezu am besten der Schädel geeignet ist , dessen Formen
höchst mannigfaltig und scharf geschieden sind. Leider musste aber
Ref. damals gleich die Erklärung beifügen, dass er aus Mangel an aus-
reichendem Material nicht im Stande sei, bei seiner Eintheilung cler
Antilopen die Schädelform als obersten Eintheilungsgrund in Anwen-
dung zu bringen. Diess hat nun Turner, der mit bessern Hülfsmitteln
als Ref. versehen war, gelhan und dadurch einen wesentlichen Fort-
schritt in der systematischen Eintheilung der Hohlhörner herbeigeführt.
Um nicht zu weitläufig zu werden, soll hier nur das Gerippe von sei-
ner generischen Eintheilung dieser Familie vorgelegt werden.
Zuerst kommen die Antilopen.
*) True Antelopes Gray (mit Ausschluss von Eleotragus).
1. Antilope. — A. melampus.
2. Gazella. — G. dorcas, ßennetti , euchore, gulturosa, subgut-
turosa, Soemmerringii, ruhorr, colus, kemas.
3. Cervicapra. — C. bezoartica.
4. Oreotragus. — 0. saltatrix, scoparius , tragulus, melanotis.
5. Neolragus. — N. saltianus.
6. Cephalolophus. — (X mergens etc.
7. Tetraceriis, — T. quadricornis, subquadricornis,
8. Eleotragus. — E. reduncus , isabellinus, capreolug , arundi-
naceus, adenota, sing-sing, ellipsiprymnus, leche.
der Säugthiere während des Jahres 1851. 59
9. Strepsiceros. — St. cudu, euryceros, Angasii, orcas, Derbia-
nus, scriplus, sylvalicus, dccula.
**) Antelopes of the Desert Gray.
10. Alcelaphus. — A. bubalis, senegalensis, caama , lunatus,
pygargus.
11. Catoblepas. — C. gnu, taurina.
**<*) Oviiie Antelopes Turn.
12. Nemorhaedus. — N. bubalin«s, sumatrensis, goral.
**^**) Caprine Antelopes Gray.
13. Rupicapra. — R. tragus.
14. Dicranocerus. — D. americanus.
15. Aplocerus. — A. americanus.
***■**) Cervine Antelopes Gray.
16. Aegocerus. — Aeg. leucophaeus, niger.
17. Oryx. — 0. gazella, leucoryx.
18. Addax. — A. naso-maculata.
19. Portax^. — P. picla.
Nun folgen die andern Abtheilungen der Hohlhörner.
20. Capra.
21. Ovis,
tl. Ovibos.
23. Bos. — B. laurus, frontalis, gaurus, bantiger.
24. Bison. — 15. urus, americanus, grunniens.
25. Bubalus. — B. bufFelus, brachycerus, depressicornis, caffer.
Bei Ovis giebt Turner sein Erstaunen zu erkennen, dass die Na-
turforscher fast allgemein dem Schafe keine Thränengrube als cha-
rakteristisches Merkmal beigelegt hätten , Avährend eine solche doch
sehr deutlich vorbanden sei. Hätte er einen Blick in des Ref. Mono-
graphie der Wiederkäuer gethan, so hätte er sein Erstaunen beschwich-
tigen können , denn dort steht zu lesen : „alle Schafe besitzen eine
ausgezeichnete Thränengrube, die den Ziegen abgeht." Um diese Di-
stinction aufrecht zu erhalten, hat sich eben deshalb am erwähnten
Orte Ref. bequemt für Ovis montana die Untergattung Ammotragus
anzunehmen.
J. E. Gray legte eine Synops^is der Species der Anti-
lopen in den Gleanings from the Menag. at Knovvsley Hall. II.
vor, die er bald nachher mit einigen Veränderungen und mit
Zufügung etlicher neuer Arten auch in den Ann. of nat.
bist. VIII. p. 129 u. 211. reproducirle.
Um genauere Unterscheidung der Arten der Antilopen hat diese
mühsame Arbeit ein grosses wesentliches Verdienst; dagegen bin ich
hinsichtlich der Anzahl von Gattungen (es sind deren 3i) der Meinung
60 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
von Turner, dass ihre Merkmale fast schwieriger als die der Arten zu
behalten sind. Die Gattungen in dieser Synopsis sind nach dem Schema
angeordnet, das Gray schon früher in den Ann. of nat. bist. XVIII. zu
Grund gelegt hatte und das wir bereits in unserem Jahresberichte von
1846 ebenfalls zur Vorlage gebracht haben, so dass wir hier nicht nö-
Ihig haben weiter darauf einzugehen.
In dem 2ten Bande der mehr erwähnten Gleanings sind
von Antilopen abgebildet : •
Cephalolophus grimraia, Campbelliae , coronatus, rufilatus, dorsa-
lis, niger, sylvicultrix , Ogilbyi, melanorhaeus, punclulatus, Whitfieldii,
Maxwellii. — Gazella dorcas, rufifrons. — Scopophorus montanus. —
Eleotragus capreolus, reduncus. — Adenota kob. — üryx leucoryx,
gazella. — Addax nasomaculatus. -- Catoblepas gnu, gorgon. — Bos-
elaphus bubalis , caama. — Damalis pygarga , senegalensis , albifrons.
— Tragelaphus euryceros, scriptus. — Strepsiceros kudu. — Oreas Der-
bianus, cannä. — Portax. tragocamelus. — Anoa depressicornis.
D UV ernoy bezeichnete mit dem Namen Buhalus an-
tiquus eine neue urweltliche Art von Büffeln (Compt. rend.
XXXIII. p. 595).
Bei Setif in Algerien wurde im Diluvialboden ein verstümmel-
ter Schädel gefunden. Die Orbitalränder nähern sich bei demselben
den Knodienzapfen der Hörner mehr als bei irgend einer andern Büf-
felart, weil diese Zapfen gleich von ihrem Ursprünge sich etwas vor-
wärts, anstatt rückwärts, richten; ihre sehr breite Basis nimmt die
ganze Höhe der Stirne bis fast zu. den Augenhöhlen ein. Ihre Ober-
seite ist abgeplattet, die untere etwas abgerundet und stark gefurcht.
Die nach der Länge etwas gewölbte Stirne ist breit zwischen diesen
Zapfen und verschmächtigt sich sehr zwischen den Augenhöhlen. Hin-
terwärts ragt über die Hörner eine glatte Fläche hinaus, welche dem
Scheitelbein angehört, einen rechten Winkel mit dem eigentlichen Hin-
terhaupte bildet und seitwärts durch die Schläfengruben begrenzt ist.
Verf. fand dasselbe Merkmal bei Bos brachyceros, nur dass diese Par-
tie der Hinterstirne länger und schmäler ist. Im üebrigen hat dieser
fossile Schädel alle Merkmale der ünterabtheilung der Büffel und ins-
besondere der Arnis mit grossen Hörnern.
Pinnipedia.
Catal. of the specimens of mammal. in the collect, of
the Brit. Mus. Part. II. Seals. 1850. 48. S.
Wie schon erwähnt, enthält dieser von J. E. Gray verfasste Ka-
talog nicht bloss eine Aufzählung der im brittischen Museum aufgestell-
ten Exemplare, sondern ist zugleich eine Synopsis sämmtlicher dieser
Ordnung angehörigcn Arten. Der Verf. unterscheidet unter ihnen nicht
weniger als 14 Gattungen , von deren jeder der Schädel abgebildet ißt.
der Säugtbiere während des Jahres 1851. 61
Ref. hat in seiner Bearbeitung dieser Ordnung im Schreber'schen Werke,
die übrigens Gray noch immer nicht kennt, gezeigt, wie man mit we-
nigen Gattungen vollkommen ausreichen kann.
In den Memorie della Accad. delle scienze dell' Istituto
di Bologna. II. p. 141. gab A. Alessandrini die Beschrei-
bung eines Robben-Skeletes und erläuterte dieselbe mit schö-
nen Abbildungen (Tab. 6. 7. 8.)
Der Verf. erhielt von Frank in Amsterdam ein Robben -Skelet,
das als Calocephalus barbatus bezeichnet war. Diese Bestimmung hielt
er für irrig, weil sein Skelet, obwohl von einem erwachsenen Thiere
herrührend, doch nicht die ansehnliche Länge jener Art hatte. Er be-
mühte sich weiter um die Bestimmung desselben, verglich deshalb die
Werke der beiden Cuvier und Blainville's Osteographie, fand auch in
den daselbst abgebildeten Schädeln von Fhoca groenlandica grosse
Aehnlichkeit mit dem seines Exemplares , Hess jedoch diese Spur wie-
der fahren , um am Schlüsse zum Resultate zu gelangen, dass durch
selbiges eine neue Art repräsentirt wäre, der er den Namen Fhoca Al-
bini beilegte. — Allein diese Art ist nichts weniger als haltbar, son-
dern wie Beschreibung und Abbildung zugleich ausweisen, ist sie wirk-
lich nichts anders als die Fhoca groenlandica. Hierüber hätte der Verf.
gar nicht zweifelhaft sein können , wenn er Nilsson's oder des Ref.
Arbeilen über die Robben gekannt hätte , während er von deren Exi-
stenz gar keine Ahnung zu haben scheint. Bei den Italienern ist in
der Regel die Vernachlässigung der deutschen Literatur noch grösser
als bei unserm Nachbar westlich des Rheins und nordwärts des
Kanals.
Cetacea,
Catal. of the specimens of mammal. in the collect, of
the Brit. Mus. Part. I. Cetacea. 1850. 153. S.
Diese Abtheilung des Katalogs ist von J. E. Gray nach dem-
selben Plane wie die vorhin angeführte behandelt. Die Walle bringt
er in 2 Unterordnungen : Cete und Sirenia ; ersterer Iheilt er 24 Gat-
tungen mit 95 Arten und letzterer 3 Gattungen mit 6 Arten zu. Bei-
gefügt sind 8 Tafeln mit Abbildungen; die erste Tafel stellt je ein
Thier aus Gray's 4 Familien der Walle dar, die 7 andern enthalten Ab-
bildungen der Schädel und hinter ihnen auf schwarzem Grunde die Um-
risse der Köpfe von den Galtungen.
Memoire sur les carac^eres osteologiques des genres
nouveaux ou des especes nouvelles de Cetaces vivants ou
fossiles , dont les squelettes entiers , ou les tetes seulement,
sont conserves dans les galeries d'anatom. comp, du Mus.
d'hist. nat. par. M. Duvernoy (Ann. des sc. nat XV. p. 5. 65).
62 Wagn eri Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Diese wichtige Abhandlung besteht aus 4 Kapiteln: 1) Ueber-
sicht über die Ordnung der Cetaceen und ihre Organisation im Allge-
meinen; 2) die hauptsächlichen osteologischen Merkmale derselben; 3)
die Hauptabtheilungen der Walle und erste Vorlage der Merkmale,
welche die Familie der Heterodonten unterscheiden ; und 4) besondere
Beschreibung der Gattungen und Arten aus der Familie der Hetero-
donten, von denen das Museum ganze Skelete oder doch die Schädel
besitzt. Wir wollen daraus nur folgende Punkte hervorheben. Im
Jahre 1805 besass das pariser Museum 2 aufgestellte Skelete von Wal-
len, 3 unvollständige Skelete und 4 besondere Schädel; dermalen zählt
es 48 Skelete von 24 Arten und 125 besondere Schädel von 31 Ar-
ten. Die Walle verlheilt Duvernoy in 5 Familien: Delphine, Mono-
donlen , Heterodonten, Fottfische und Wallfische. Die Heterodonten
theilt er weiter in, folgender Weise ab:
1. Gattung. HyperoodonLa.ce^.; 2 conische, vorwärts ge-
neigte Zähne an der Spitze des Unterkiefers ; dahinter 2 kleinere, auch in
Alveolen stehende, aber durch das Zahnfleisch verdeckte Zähne. Na-
senbeine und Zwischenkiefer sehr^symmetrisch. Arten: 1) IJ. Baus-
sardi Fr. Cuv. (Delphinus edentulus Schreb.) ; 2) H. Gervaisii Duv.
(Ziphius cavirostris Gerv.) ; hieher wohl auch Doumet's Hyperoodon de
Corse und Delphinus Philippii.
2. Gattung. Berar dius Duv.-f 4 vorstehende, aufrechte, zu-
sammengedrückte dreiseitige Zähne an der Spitze des Unterkiefers ;
Nasenbeine und Zwischenkiefer symmetrisch. Arten : 1) B, Ärnuxii Duv.
von Neuseeland.
3. Gattung. M esodi odon Duv.; 2 conische vorragende im
Anfange des zweiten Drittels eines jeden Mandibelastes ; Nasenbeine,
Kiefer - und Zwischenkieferknochen fast symmetrisch. Arten : l) M.
Sowerbyi (Physeter bidens Sow.), 2) M. micropterum (Delphinorhynque
micrpptere Cuv.), 3) M. densirostre (Ziphius densirostris ßlainv.),
4) M. longirostre (Ziph. longirostris Cuv.).
4. Gattung. Choneziphius Duv.; Rechter, Zwischenkiefer
viel breiter als der linke, beide durch eine trichterförmige Höhle aus-
gefurcht. Arten : 1) Ch. planirostris (Ziphius planirostris Cuv.).
5. Gattung. Ziphius Cuv.; Basis des Schnabels mit tiefer
Aushöhlung; rechter Zwischenkiefer viel grösser als der linke; Nasen-
löcher und Nasenbeine auf die linke Seite geschoben. Arten: 1) Z.
cavirostris Cuv.
Zu vergleichen mit dieser Eintheilung der Heterodonten Duver-
noy's sind die Bemerkungen von Gervais über die Gattung Ziphius
(Compt. rend. XXXII. p. 358). Er charaklerisirt darin ein 1850 an der
sOdfranzösischen Küste gestrandetes Exemplar, das er für Z. cavirostris
Cuv. ansieht, während darin Duvernoy eine neue Art, die er Hyperoo"
der Saugthiere während des Jahres 1851. 63
don Gertaisii benennt, sieht. Aus Ziphius densirostris und Heterodon
Sowerbyi will Gervais eine besondere Gattung Dioplo don errichtet
wissen.
Ueber ein Getaceum (Balaenoptera?) aus dem rolhen Meere sandte
Dr. Heu gl in an die k. Akadem. in Wien eine Notiz ein (Sitzungs-
berichte S. 449). Er konnte sich davon nur die Unterkiefer, die eine
Länge von 13' haben, verschaffen.
Ein neues Exemplar eines Nafwalls mit zwei ausgebil-
deten Stosszahnen machte G. Vrolik bekannt (Bijdragen tot
de Dierk. 3. Lief. S. 21 mit einer Tafel).
Dasselbe befindet sich in seiner eigenen Sammlung und der Verf.
sieht beide Zähne für acht und ursprünglich an, obwohl ihre Windun-
gen in gleicher Richtung mit einander verlaufen. Sie sind noch durch
vertrocknetes Zahnilcisch an den Oberkiefer geheftet und ihre Spitzen
abgebrochen; der rechte ragt um 1,8 und der linke um 1,6 Metre vor.
Der Schädel scheint von einem Weibchen herzurühren und es ist be-
merkenswerlh, dass an ihm die Asymmetrie der Seiten auffallend ge-
ringer ist als an den Schädeln, bK denen sich nur der eine Zahn ent-
wickelt hat.
Jäger's Berichtigung einer Angabe Cuvier's über einen Narwall-
schädel des Stuttgart. Naturalienkab. ist schon im vorigen Jahresbericht
angeführt worden.
Die Streitfrage über das Becken des Delphins erörterte
W. Vrolik in der Tijdschrift voor de wis-en natuurkund.
Wetenschappen Amsterd. 1851. IV. p. 73.
Bekanntlich hatte Mayer in Bonn nach Iroclinen und Wein-
geist-Exemplaren behauptet, dass beim Delphin (D. phocaena) am Bek-
ken ausser den seitlichen Knochen, auch noch ein mittlerer vorkomme,
was von Rapp, Stanuius und Vrolik widersprochen wurde. Letzterer
hatte neuerdings bei einem Besuche in Bonn Gelegenheit, die gedachten
Exemplare zu untersuchen und überzeugte sich allerdings, dass bei ih-
nen zwischen den seitlichen Beckenknochen eine feste Masse vorhan-
den ist, die ihm aber kein Knochen, sondern eine sehnige oder ge-
trocknete Muskel-Substanz zu sein schien; auch konnte er bei mikro-
skopischer Untersuchung keine sogenannten Knochenkörperchen darin
wahrnehmen. Vergeblich suchte bald darauf auch Vrolik's Amanuensis
bei einem D. tursio nach einem solchen Querbeine ; vergeblich sah er
sich selbst darnach bei einem D. vulgaris uro, fand aber folgendes Ver-
halten. Von den beiden seitlichen Beckenknochen kommen die m. m.
ischio - cavernosi , die sich grösstentheils an die fibröse Scheide der
Corpora cavernosa penis ansetzen. DerTheil, der sich hier nicht ansetzt,
geht in ein breites sehniges Band über, das nach hinten einen fast
freien sehnigen Bogen bildet , unter welchem , ebenso wie unter dem
64 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Schambeinbogen der übrigen Säugthiere, die Harnröhre durchgeht. Diese
biegt sich hernach um und geht längs der Unterfläche des Sehnenban-
des nach der Unterseite des Penis. Von dieser Sehnenbinde kommen
theilweise die Muskelfasern des M. bulbo-cavernosus, welche die Ure-
thra umgeben. Vrolik ist nun der Meinung , dass an dem Skelet von
D. phocaena in Bonn die sehnige Ausbreitung mit einem Thcil der
Muskelmasse der m. m. ischio-cavernosi an den Beckenknochen gelas-
sen worden ist und dadurch die irrige Vorstellung von einem Quer-
beine veranlasst hat. Weiter ist er der Ansicht , dass die vordere
Hälfte der Beckenknochen das Hüftbein, die hintere das Sitzbein vor-
stelle, und dass die sehnige Binde mit ihrem Bogen die Schambeine bei
den Delphinen vertritt , während bei Balaenoptera und wahrschein-
lich auch bei Balaena dafür zwei quere Knochenstücke an die Stelle
kommen.
Im Journ. of the Academy of nat. sciences of Phila-
delph. I. p. 267. finden sich Bemerkungen über die Fortpflan.
zungs-Organe und den Foetus des Delphinus JSesarnak von
Charles D. Meigs. ^
Während Ruschenberger's Seereise wurde in nicht grosser Ent-
fernung von Rio Janeiro ein trächtiges Delphin - Weibchen gefangen,
von welchem der Fruchthälter und die Scheide nebst dem 13" langen
Foetus dem Verf. übergeben wurden. Derselbe fand, dass innerhalb
des Scheidenhalses noch ein zweites os tincae und cervix, ähnlich dem
äussern, vorkommt. Vom Foetus meint er, dass dieser dem Delphinus
Nesarnak Lacep. (D. Tursis Fabr.) angehören dürfte; indess findet er
es doch selbst bedenklich , dass ,ein Polarbewohner noch in der Kähe
von Rio Janeiro sich zeigen soll ; es wird wohl kein Zweifel sein,
dass es eine andere Art ist, von der gedachter Foetus herrührt.
Zur'Kenntniss der Zeuglodonten sind verschiedene
neue Beiträge geliefert worden.
Sehr wichtige , hauptsächlich die Struclur der Wirbelsäule und
der Vordergliedmassen betreffend, wurden von J. Müller (Bericht über
d. Verh. der Berlin. Akadem. S. 236.) vorgelegt, von ihm auch ideale
Abbildungen des Zeuglodon macrospondylus und Z. brachyspondylus minor
entworfen. Mit Bezug auf die Hand bemerkt er, dass das Bild dersel-
ben mit Bezug auf die Hand der Seehunde und Lamantine gefertigt
wurde, und dass dieselbe förmliche Gelenke und nicht die Synchon-
drosen der Cetaceen besass.
A. Koch lieferte in Haidinger's naturwissensch. Abband. IV.
S. 53. die von einer kurzen Beschreibung begleitete Abbildung seines
zweiten Skeletes von Zeuglodon. Er glaubt auch etliche Knochenreste
gefunden zu haben, die der hintern Extremität angehören dürften; doch
fehlt die strenge Nachweisung für diese Meinung.
Bericht über die lieistung^eii in der Herpe*
tolog^ie i^älireiid deis Jahreis 1$51.
Vom
Heraitsg'eber*
Als ein sehr wichtiges Werk für die Herpetologie ist ein
von C. Dumeril und dessen Sohn A. Dumeril bearbei-
teter Catalog der Pariser Sammlung anzusehen (Catalogue
methodique de la collection des reptiles. Paris 1851. 8.) ,
wovon die erste Lieferung erschienen ist. Sie umfasst die
Schildkröten und einen Theil der Eidechsen. Die Ordnun-
gen, Familien und Gattungen sind kurz charakterisirt , bei
den Species ist Bezug auf die Erpetologie generale genom-
men; die seitdem beschriebenen und die neuen Arten sind
charakterisirt, so dass dieses Buch als eine Ergänzung und
Vervollständigung der Erpetologie generale betrachtet wer-
den kann. Die hier aufgestellten neuen Arten und Gattun-
gen sind unten angeführt.
J. E. Gray gab einen „Catalogue of the Specimens
of Amphibia in the Collection of the British Museum. Lon-
don 1850'' heraus, und zwar den zweiten Theil.
Er theilt die Amphibien (Batrachier) in fünf Ordnungen: I. ßa-
Irachia mit zwei Unterordnungen: 1. Salientia, die im ersten Hefte
enthalten sein werden (Kröten und Frösche); 2. Gradientia , mit den
Familien Salamandridae, Molgidae, Plelhodontidae. II. Pseudo s au-
ria mit den Familien Protonopsidae und Amphiumidae. III. Psew-
dophidia mit der Familie Coeciliidae. IV. Pseudo i chthy as mit
der Familie Lepidosirenidae. V. Meantia mit den Familien Protei-
dae und Sirenidae. Alle Ordnungen , Unterordnungen , Familien, Gat-
tungen und Arten sind charakterisirt. Zahlreiche Synonyme sind über->
all beigefügt.
Archiv f. Naturgescb. XVIII. Jahrg. 2. Bd. £
66 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
In Eduard von Eichwald's Schrift „Naturhistori-
sche Bemerkungen als Beitrag- zur vergleichenden Geognosie
auf einer Reise durch die Eifel, Tyrol , Italien , Sicilien und
Algier" (Band IX. der Nouveaux Memoires de la Societe des
Naturalistes de Moscou), befindet sich nach drei vorhergehen-
den Abschnitten meist geologischen und geognostischen In-
halts, ein vierter: Naturhistorische Bemerkungen über Algier
und den Atlas p. 331. Hier werden zoologische Bemerkun-
gen mitgetheilt, in der Absicht, die Fauna des Kaukasus mit
der von Algier zu vergleichen. Der reichste Abschnitt ist
der über die Amphibien p. 414—444.
Testudo ibera Fall, wird für verschieden von T. graeca erklärt;
Emys Sigriz ßibr. sei kaum verschieden von Clemmys caspia und viel-
leicht nur Altersverschiedenheit. — Psammosaiirus griseus ist identisch
mit Ps. caspius des Verf., beide werden mit einander verglichen; die
Gattung Uromastix wird am Kaukasus durch Stellio caucasius ersetzt ;
die Gattung Chamaeleo fehlt am Kaukasus, während in Algerien keine
Stellionen vorkommen. Den Stenodaclylus mauritanicus Guich. hält
Verf. für identisch mit St. guttatus Cuv. Letzterer wird im Kaukasus
durch Gymnodactylus scaber vertreten. Agama (Trapelus) agilis ist mit
dem ägyptischen Tr. flavimaculatus Rüpp. wahrscheinlich identisch, und
von der kaspischen A. sanguinolcnla nur wenig verschieden, beide
werden beschrieben. — Megalochilus auritus, Phrynocephalus heliosco-
pus, caudivolvulusy varius, nigricans, melanurus, die Verf. in seiner Zoo-
logia specialis aufgestellt hat, w^erden hier ausführlicher beschrieben.
Acanthodactylus vulgaris wird als von Algier stammend beschrieben,
ebenso zur Vergleichung Eremias variabilis , argulus , gracilis , puslu-
lalus. Lacerla strigata und exigua, die Bibron zu L. viridis zieht,
werden als selbständige Arten festgehalten, schon wegen der gekiel-
ten Rückenschuppen ; ebenso wird L. chalybdea als von L. muralis ver-
schiedene Art vertheidigt. Plestiodon Aldrovandi sei wahrscheinlich
= PI. princeps Eichw. — Von Schlangen werden Vipera cerastes, mi-
nuta, Tropidonolus tessellatus , Calopeltis hippocrepis, Psammophis la-
certina, Coronella laevis als bei Algier lebend genannt. Tyria argo-
nauta, die nicht in Algier vorkommt, möchte ein junger Coluber tra-
balis sein. — Von Fröschen fand Verf. in Algerien Bufo variabilis,
Rana tigrina und temporaria.
Czernay veröffentlichte in Bullet, de Moscou 1851. 1.
p. 269. „Beobachtungen gesammelt auf Reisen im Charkow'-
schen und den anliegenden Gouvernements in den Jahren 1848
und 1849.«
Die Fauna ist nicht reich an Amphibienarten. Sie enthält 22
d
während des Jahres 1851. 67
Arten in 14 Gattungen, nämlich: 1 Schildkröte, 6 Eidechsen, 4 Schlan-
gen, 11 Batrachier, unter denen drei Tritonen.
In Moritz Wagner's „Reise nach Kolchis und nach
den deutschen Colonien jenseits des Kaukasus. Mit Beiträ-
gen zur Völkerkunde und Naturgeschichte Transkaukasiens.
Leipzig, 1850." findet sich ein Verzeichniss der Amphibien
der pontisch- kaukasischen Länder. Sie sind von Berthold
bestimmt.
Die Anzahl der Arten beläuft sich auf 29, welche 18 Galtungen
angehören. Davon stammen aus Grusien und von den Abhängen des
Kaukasus 1 Schildkröte, 7 Eidechsen, 8 Schlangen, 2 Batrachier (unter
letzteren ein Triton neu s. unten) ; ferner von der armenisch-persischen
Grenze 1 Eidechse, 2 Schlangen, 1 Frosch ; endlich von der türkisch-
pontischen Küste 3 Eidechsen, 2 Schlangen und 3 Batrachier.
Notice of a collection of Mammah'a , Birds and Rep-
tiles, procured at or near the Station of Cherra Punji in the
Khasia hüls, north of Sylhet. By E. Blyth (Joural of the
Asiatic society of Bengal J851. p. 517.).
In der Sammlung waren 5 Amphibien, nämlich: Plalydactylus
gecho L., Calotes n. sp., Euprepis n. sp., Polypedates n. sp , Trigono^
cephalus gramineus Shaw. Verf. verspricht die neuen Arten später zu
beschreiben.
Brücke hielt in der Wiener Academie einen Vortrag
über die Mechanik des Kreislaufes bei den Eidechsen und
Schlangen (Sitzungsber. der Wiener Acad. 1851. p. 245.);
woran sich ein Vortrag über ein im Peritoneum von Psamr-
mosaurus griseus aufgefundenes System von glatten Muskel-
fasern schloss.
Die Abhandlung von Duvernoy „Fragmens sur les
organes genito-urinaires des reptiles et de leurs produits ,
von welcher schon im Bericht über das Jahr 1844. p. 184 eine
Anzeige gegeben ist, ist erschienen in Memoires presentes
par divers savants Vol. XI. 1851. p. 1.
Ebenda p. 469 findet sich eine Abhandlung von Bau-
d r i m 0 n t und MartinSainl-Ange „Recherches anatomi-
ques et physiologiques sur le developement du foetus et en
particulier sur Devolution embryonnaire des oiseaux et des
batraciens. Die erste Tafel bezieht sich auf Rana mridis, die
zweite auf Rufo vulgaris.
Newport veröffentlichte in Philosophical Transactions
68 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
of the Royal Society of London. 1851. I. p. 169—240 Beob-
achtungen über die Befruchtung des Ei's bei den Amphibien
(On the impregnation of the ovum in the Amphibia). Mit einer
Tafel.
In den Recherches sur l'anatomie des organes genitaux
des animaux verlebres par Lereboullet, memoire couronne
par l'academie des sciences de Paris (Nova acta academiae
Caes. Leop. Carol. naturae curiosorum. Tom. XXlll. Pars I.
p. 1.) hat der Verf. für die Amphibien Lacerta stirpium
Daud., Rana esculenta und temporaria benutzt, so wie für die
Fische den Hecht. Zahlreiche Abbildungen beziehen sich
auf die obengenannten Thiere. Ich begnüge mich damit, auf
diese Arbeit hinzuweisen, ohne hier auf den Inhalt näher
eingehen zu können.
Die Verhandelingen uitgegeven door Teyler's tweede ge-
nootschap. 22 Stuck. Harlem 1849 enthalten einen Aufsatz
von H. S chlegel „Verhandeling over de vereischten van na-
tuurkundige afbeeldingen.« der Verf. liefert hier als Muster
Abbildungen von Emys Biardii, Hemidactylus marginatus, Ly^
gosoma Temminckii, Lygosoma serpens.
Von Richard Owen erschien „A history of british
fossil reptiles London 1849 — 1851" in fünf Heften mit vielen
Abbildungen.
Clielonii.
Bei Dum er 11 Catalogue sind als neu beschrieben : Emys areo-
lata von Central-Amerika , E. Berardii von Vera Cruz , labyrinlhica
Lesueur MS. aus dem Wabash-River.
Desgleichen Cinoslernon cruentatutn von Nordamerika und C. hu-
coslomum von Mexico.
!Sauri«
Samuel Kneeland schrieb über die Anatomie von
Crocodilus lucius. Das untersuchte Thier war ein Weibchen
von 7 Fuss Länge.
Crocodilus Moreletii von Yukatan Dumeril Catal. p. 28.
lieber den Farbenwechsel der Chamäleonen stellte Brü-
cke neue Untersuchungen an. Er benutzte dazu lebende Ex-
emplare von Cairo. Die verschiedenen Farben rühren nicht
während des Jahres 1851. 69
ausschliesslich von Pigmenten her, wie Milne Edwards meint,
sondern beruhen zum Theil auf Interferenzerscheinungen, die
von Zellen der tiefen Schicht der Oberhaut nach dem Prin-
zipe der dünnen Blättchen hervorgebracht werden. Unter
der Cutis liegt ein weisses Pigment und unter diesem liegen
schwarze Pigmentzellen, deren Ausläufer das weisse Pigment
durchdringen. Aus diesen beiden Pigmenten entstehen alle
Farben, z. B. Grün, wenn das schwarze Pigment unter einer
dünnen Schichte gelblichen Pigmentes liegt. Das dunkle Pig-
ment bringt die Farben hervor, indem es sich bald der Ober-
fläche nähert, bald in die Tiefe zurückgeht. (Sitzungsbericht
der Academie zu Wien Dec. 1851; Frorieps Tagsberichte 1852.
p. 296.).
Chamaeleo calyptratus ohne Angabe des Vaterlandes, Ch. baltea-
tus von Madagaskar Dumeril Calal. p. 31.
Platydactylus trachygasler von Madagaskar Dumeril Calal. p. 35.
Hemidactylus A. Dumeril Catal. p. 38. von Neuguinea.
Gymnodachjlus Arnouxii A. Dumeril Catal. p. 45. von Neu-See-
land; G. scapularis A. Dumeril ib. von Guatimala.
Stenodactylus caudicinctus A. Dumeril Catal. p. 48, vom Se-
negal. Diese Art ist ausführlich beschrieben und abgebildet in der
Revue de Zoologie 1851. p. 479. pl. 13. Auf dem Rücken stehn zahl-
reiche Höcker, jeder aus 3 bis 5 Körnern bestehend; der kräftige
Schwanz ist von breiten Ringen umgeben, deren Höcker oben konisch
werden. Die Farbe ist braungrau , oberhalb mit drei violett-braunen
grossen Flecken.
Änolis Iransversalis von Südamerika , und A. heterodermus von
Neu-Granada A. Dumeril Catal. p. 57.
Basiliscus galeritus \. Dumeril Catal. p. 61. von Neu-Granada.
A. Dumeril stellte (Catal. p. 66.) eine neue Gattung Op Ar«/ es-
oides in der Familie der Iguanini neben der Galtung üphryessa auf:
Kopf klein, vierseitig pyramidenförmig, mit ziemlich gleichen Schuppen
bedeckt, jederseits über dem Auge mit einer Leiste; Nasenlöcher seit-
lich; Occipitalplatte klein; Gaumenzähne; keine Schenkelporen; alle
Schuppen gekielt und dachziegelarlig ; Schwanz am Grunde ein wenig
comprimirt, weiterhin rund, am Ende spitz; der niedrige Rückenkamm
reicht bis auf das erste Drittel des Schwanzes; keine Falte unter der
Kehle. Die Art 0. tricristalus aus Brasilien hat ausser dem Mittel-
kamm noch jederseits einen seillichen.
Holotropis trachycephalus A, Dumeril Calal. p. 70. von Neu-
Gran£^da.
70 Trpschel: Bericht über die Leistungen in der Uerpetologie
Oplurus quadrimaculalus Dum. Bibr. MS. (Calal. p. 83.) von Ma-
dagaskar.
In der Gattung Calotes gründete A. üumeril (Catal. p. 87.)
für drei neue Arten ein Subgenus Mecolepis , bei dem die Schuppen
des Rumpfes Längsreihen bilden, und mit ihrem hinteren freien Ende
nach hinten gerichtet sind. Die neuen Arten sind trispinosus und sul-
catus vom Nilgherry-Gebirge und hirsutus aus Bengalen.
Lophyrus spinipes A. Dumeril (Catal. p. 90.) von Neuholland.
Arpephorus A. Dumeril nov. gen. (Catal. p. 92.). Die
Schnauze endet in einen häutigen , sichelförmigen Anhang, der länger
ist als der Kopf, und zwei Schneiden hat, eine obere concave, eine
untere convexe , und der an der breiteren Basis mit einigen weichen
Schuppen umgeben ist; Schwanz zusammengedrückt, in seiner ganzen
Länge mit einem Kamm, der auf dem Rücken und Halse niedriger ist;
Trommelfell klein aber deutlich. Die Art Ä. tricinctus lebt in Java.
Girard stellte eine neue Gattung von Eidechsen unter dem Ka-
men Holbrookia auf (American Association for the avanc. of science
held at New Haven 1850. p. 200.) : Kopf elliptisch, niedergedrückt, ohne
flach zu sein, Kopfschilder klein, unregelmässig und polygonal, Occi-
pitalschilder noch kleiner; keine Zähne am Gaumen, Kieferzähne schlank,
oben und unten einreihig; eine Hautfalte an der Brust bildet einen
Kackenring und hat einen durch grössere Schuppen gesägten Rand ;
Körper niedrig mit dachziegelartigen Schuppen bedeckt , die untern
glatt, die oberen schwach gekielt; kein Kamm; Zehen einfach ; Schwanz
konisch und kurz ; Schenkelporen vorhanden, keine Analporen. Die
Gattung unterscheidet sich nach dem Verf. von Proctotretus durch die
Abwesenheit der Gaumenzähne, durch die Anwesenheit der kleinen
Occipitalschilder, den kurzen Schwanz und Schenkelporen. Von Lae-
manctus ist sie verschieden durch die Schenkelporen, den kurzen Schwanz,
die Abwesenheit der äussern OhröfTnung. — Diese Gattung ist iden-
tisch mit der vom Referenten in diesem Archiv 1850. L p. 388. auf-
gestellten Gattung Cophosaurus , obgleich die Gattungsdiagnose etwas
abweicht ; die Art H. maculata ist aber von dem Cophosaurus texanus
des Ref. verschieden, sie ist olivenbraun, schwach violet an den Sei-
ten des Kopfes, an jeder Seite des Körpers sind zwei Reihen grosser
unregelmässiger schwarzer Flecken, mit einer helleren Binde zwischen
den Reihen; sie lebt am Platte River, gegenüber von Grand Island.
In einem Schreiben an den Ref. macht Verf. einen Prioritätsanspruch
geltend , dem Ref. um so mehr nachgiebt, als das in Rede stehende
Heft des Archiv's leider etwas verspätet erschienen ist. Verf. theilte
mir bei dieser Gelegenheit mit, dass seine H. maculata in einem „topo-
graphischen Bericht des Capitain Stansburg über den grossen Salz-
see der Provinz Utah vortrefflich abgebildet sei. Zwei andere Arten
dieser Gattung, H. affinis und propinqua^ hat derselbe später in Phila.
delphia Proceedings Juli und August 1852 beschrieben.
während des Jahres 1851. 71
Agama Bibronii A. üunieril (Catal. p. 101.) unbekannten Va-
terlandes.
SleUio capensis A. Dumeril (Catal. p. 106.) vom Cap.
Ämeiva seplemlineata A. Dumeril (Catal. p. 114) von Süd-
amerika.
Gravenhorst hat (Nova acta academiae Caes. Leop.
Carol. naturae curiosorum Tom. XXIII. Pars I. p. 291.) unter
dem Titel :„Ueber die im zoologischen Museum der Univer-
sität Breslau befindlichen Wirtelschleichen (Pseudosaura) ,
Krüppelfüssler (Brachypoda) , und einige andere , denselben
verwandte Reptilien aus den Zünften der Schleichen und
Dickzüngler" die Exemplare der aus Schneider's Historia
Amphibiorum bekannten Reptiliensammlung des hannoverschen
Leibchiriirgus Lampe, welche an das Breslauer Museum ge-
kommen ist, ausführlich beschrieben und genau abgebildet,
jedoch auch die übrigen Exemplare des genannten Museums
berücksichtigt.
Folgende Arten sind beschrieben und abgebildet: Gerrhosaurus
sepiformis , Saurophis Lacepedii, Chalcides cophias , Chamaesaura an"
guina, Scincus officinalis , Euprepes Merremii, E. Olivieri, E.Savignii^
E. Sebae, E. Gravenhorstii, JE. carinalus, E. slriolalus Grav., Gongylus
ocellatus, G. viridanus Grav. (G. ocellatus Var. Dum. Bibr.), Plestiodon
quinquelineatum, Gymnophlhalmus quadrilineatus , Ablepharus Kitaibeliiy
Eumeces punctatus, Sphenops capistralus , Lygosoma brachypoda , Seps
chalcides f S. striatus , Scelotes Linnaei, Ophiodes strialus , Fseudopus
Pallasii, also zusammen 26 Arten, die auf 17 Tafeln bildlich dargestellt
sind nebst einzelnen vergrösserten Theilen. Es sind überall die Dume-
ril-Bibron'schen Namen angenommen.
Ueber einige Arterien von Pseudopus serpentinus schrieb
Barkow in seinen „Zootomischen Bemerkungen. Ein Glück-
wunsch dem etc. Gravenhorst am Tage seines fünfzigjährigen
Doctor- Jubiläums. Breslau 1851. p. 25.«
ISerpeiites.
Blyth Bemerkte im Journal of the Asiatic society of
Bengal 1849. p. 791., dass die Raj Samp den Eingebornen
Bengalens Bungarus annularis sei , die anderen Schlangen
nachstellt und besonders ein Feind der Cobra ist.
72 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie etc.
Batrachia.
G r a y stellte in seinem Catalogue of the specimens of
Amphibia 1. c. zwei neue Arten auf;
Ambysloma punctulatum von Californien.
Spelerpes Bella von] Mexico.
Triton ophryticus Berthold bei Moritz Wagner 1. c. pedibus
fissis; crista dorsali nulla ; corpore verrucoso, supra brunneo, infra lu-
tco' immaculato, fascia laterali longitudinali nigra instructo ; capite ma-
cula supraorbitali rotunda lutea notato ; cauda ancipiti corpore breviore.
Grusien.
Frey er machte (Haidinger's Berichte über die Mittheil,
von Freunden der Naturw. in Wien V. p. 56.) Mittheilung
über Proteus oder Hypochthon. Er schildert kurz die Lebens-
weise, giebt die Fundorte an , und spricht von 6 Arten: H.
Laurentii bei Adelsberg , Schreibersii und Zoisii Michahelles
bei Sittich , Carrarae Sign, in Dalmatien , chrysostictus Läse
bei Planina, Freyeri Fitz. Dürrenkrain.
Bericht über die I/eistung'eii in der Ichtiiyo-
log^ie M^älireiid des Jalirei§ 1$51«
Vom
Heransg-elber*
Von Van der Hoeven's vortrefflichem Handboek der
Dierkunde erschienen in der zweiten Ausgabe das zweite
Heft 1850, und das dritte Heft 1851 des zweiten Bandes. In
ihnen ist p. 188 — 419 die Klasse der Fische enthalten.
Da Verf. von dem Müller'schen Systeme ein wenig abweicht, so
theilen wir hier seine Eintheilung schematisch mit: A. Mit unpaa-
rigem Geruch sorgan. Sectio I. D ermopterygii. Ordo 1. Le-
ptocardii. Ordo 2. Cycloslomi. B. Mit doppeltem Geruchsor-
gan. a. Zahlreiche Klappen im muskulösen Arterienstiel. Sectio II.
Chondropterygii. Ordo 3. Desmiobranchii s. Flagiostomi. Ordo 4.
Eleutherobranchii s. Holocephali. Sectio III. Ganolepi doli. Ordo 5.
Sturiones (Chondrostei Müll.). Ordo 6. Ganolepidoti (Holostei Müll,),
b. Zwei Klappen am Grunde des elastischen Bulbus arteriosus. Sectio IV.
Osteop te rygii. Ordo 7. Lophohranchii. Ordo 8. Pectognathi. Ordo 9.
Malacopterygii (Abdominales, Apodes, Subbrachii). Ordo 10. Acanlho-
pterygii (Pharyngognathi, Acanthopteri ; die Scomberesoces werden zu
den Hechten gestellt), c. Zwei spirale Längsfalten im muskulösen Bul-
bus arteriosus. Sectio V. Protop teri (Dipnoi). Ordo 11. Protopteri.
Von J. E. Gray erschien „List of the specimens of
british animals in the collection of the British Museum. Fish.
London 1851. 8.« Die Schrift beginnt mit einer Aufzählung
von 259 britischen Arten , die in folgendes systematisches
Schema gefügt werden :
Subclass. I. Pisces ossei. Order I. Äcanthop terygia. Sub-
order 1. Dactylophori (Fam. Triglidae, Cottidae, Scorpaenidae). Suborder
2. Holodactyli (Fam. Percidae, Trachinidae, Muliidae, Sciaenidae, Sparidae,
Labridae, Atherinidae^ Mugilidae, ßramadae, Scomberidae, Zeidae, Gyra-
74 Troschei: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
netridae, Theutidae, Syngnathidae, Fistulariadae, ßlenniidae, Gobiidae,
Callionymidae, Echeneididae , Lophiidae). Order II. Malacoptery-
gia. Suborder 1. Äbdominalia (Farn. Cyprinidae, Esocidae , Siluridae,
Salmonidae, Cliipeidae). Suborder 2. Suhhranchiata (Fani. (iadidae ,
Fleuroneclidae, Cyclopteridae). Suborder 3. Apoda (Farn. Muraenidae,
Gymnotidae). Order III. Plectognathi (Fam. Diodontidae, ßalisti-
dae). Subclass. II. Pisces Chondropterygii. Suborder I. Eleulhero-
pomi (Fam. Acipenseridae , Chimaeridae). Suborder II. Trematopnei.
Subsectio 1. Squali (^b^am. Scylliadae, Squalidae , Squalinidae). Sub-
sectio 2. Raji (Fam. Pristidae, Rajidae). Suborder III. Cijcloslomi (Fam.
Petromyzonidae, MyxiDidae, Amphioxidae). Die Synonymie ist von Adam
White zusammengestellt.
Ausserdem ist von J. E. Gray erschienen, mir aber
nicht zugänglich geworden: „Catalogue of Fish. Part. I.
Cartilaginous Fish. 1850." Mit 2 Tafeln; enthält die Cha-
raktere aller jetzt bekannten Gattungen und Arten.
Bereits im Jahre 1849 erschien von Kroyer's „Dan-
marks Fiske« das sechste Heft.
Es enthält folgende Arten : Barbus fluviatilis , Gobio fluviatilis,
Tinea vulgaris , Abramis Brama wozu auch Cypr. Farenus Linn. gezo-
gen wird, Abramis Blicca , Abramis Wimba , Abramis Ballerus ; Leuci-
scus erythrophthalmus, rutilus, Idus, Dobula, Grislagine, Cephalus; As-
pius alburnus, rapax ; Pelecus cultratus ; Phoxinus Aphya ; Cobitis bar-
batula, fossilis ; Botia taenia; Ammodytes tobianus , Lancea; Anguilla
Conger Kr. Alle Arten sind in Holzschnitt abgebildet und sehr aus-
^fübrlich beschrieben.
Referent hat die unter dem Namen „Rümpchen'^ am
Rhein in den Handel kommenden Fischchen untersucht, und
gefunden, dass sie folgenden Arten angehören : Cobitis bar-
batula, Phoxinus laevis , Gobio flumatilis , Cottus Gobio, dass
also der Fang dieser Fischchen der grossen Fischerei völlig
unschädlich sei (Verhandl. des Vereins der Rheinlande und
Westphälens).
Hecke I erstattete der Wiener Academie einen Bericht
über seine durch Oberösterreich nach Salzburg, München,
Innsbruck, Rotzen, Verona, Padua, Venedig und Triest un-
ternommene Reise. Seine Absicht war besonders die ichthyo-
logische Fauna des an Binnenseen so reichen Salzkammer-
gutes zu Studiren. (Sitzungsberichte der Wiener Acad. 1851.
p. 281.).
Verf. schildert zuerst von Kremsmünster die Grösse der dortigen
während des Jahres 1851. 75
Barsche und Plötzen, so wie das Vorkommen der Orfe (Leuciscus Or-
fus) in einem grossen Teiche bei Wels ; ferner die Fischbehälter in
den Salons in Kremsmünsler, — Dann sind hier Bemerkungen über
die 23 Arten , welche den Attersee bewohnen, nach Mittheilungen des
Fischers Schmoller niedergelegt, nebst einer Schilderung des Fisch-
behälters von Weissen bach. — Aus den beiden Lambathseen werden
die Schwarzreuteln (Salme alpinus Meid.) als junge von S. Salvelinus
geschildert, ausserdem von dort 10 Arten erwähnt. — In der Salzach
kommen 13 Fischarten vor. — Nach einer Abschweifung über die Mün-
ebener Petrefactensammlung, so wie über die Sammlung von Häberlein
in Pappenheim, und über Seefeld in Tirol, wendet sich der Verf. wie-
der den lebenden Fischen zu. Ein Verzeichniss der im Inn in Tirol
vorkommenden Fische enthält 11 Arten, zu denen 7 aus nahe gelege-
nen Bächen und Seen hinzukommen ; in der Etsch in Tirol kommen
gleichfalls 11 Arten vor, zu denen sich zwei aus nahegelegenen Bä-
chen und Gräben gesellen. Aus dem Garda-See werden 15 Arten auf-
gezählt, die, mit Ausnahme von Hecht ucd Schlei, von jenen in dem
Flussgebiete der Donau lebenden specifisch verschieden sind. — Es
folgen nun Notizen über zwei Privatsammlungen fossiler Fische in Ve-
rona , und über den Monte Bolca , über die Sammlung fossiler Fische
der Universität zu* Padua. — Schliesstich einige Bemerkungen über Fi-
sche des adrialischen Meeres , wo vier Arten angeführt werden , die
von Amerika sich dorthin verirrt haben sollen. Die Fischmärkte sol-
len eine sichtliche Abnahme ihres früheren Glanzes zeigen.
Bericht über einige ichthyologische Nebenbeschäftigun-
gen auf der Reise an den Peipus, vom Ende Aprü's bis An-
fang Juni's. Vom Academiker v. Baer. (Bull.de l'Acad. de
St. Petersbourg. IX. p. 359.)
Einige Beobachtungen über die Entwickelung der Fische wur-
den angestellt. Aus dem Peipus wurden 22 Arten gesammelt , vier
andere noch genannte Arten konnte Verf. nicht erhalten. Aus den
Zuflüssen des Peipus und aus der Narowa kamen noch fünf andere Ar-
ten hinzu. Verf. richtete seine Aufmerksamkeit auch auf die verschie-
denen Dimensionen einzelner Körpertheile in verschiedenen Alterspe-
rioden. So wird die Schnauze der Fische mit dem Alter länger. Bei
der Beachtung der Nahrung der Fische wurde bemerkt, dass der SGss-
wasserslint vorzüglich von Monoculus-Arten lebt , durch deren enorme
Fruchtbarkeit diesen Fischen reiche Nahrung entsteht. Meistens
enthalten die Weibchen der Stinte nur etwa 5000 Eier, selten bis
20,000.
Eichwald rühmt in seinen ^Naturhistorischen Bemer-
kungen« Moskau 1851. (Memoires de la Soc. des Naturalistes
de Moscou Vol, IX. p. 444.) die Fischfauna von Algier als reich.
76 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Er beschreibt als muthmasslich neu eine Acara nüolica und eine
Poecilia thermarum. Erstere ist wohl Chromis niloticus ; letztere stammt
aus einer Quelle von 44^ Cent, zwischen Setif und Balhna. Diese so-
genannte Poecilia soll Aehniichkeit mit Tetrodon haben und vielleicht
eine neue Gattung der Plectognathea sein (?).
In „A Narrative of the expedition sent by H. M. G. to
the River Niger in 1841. ct. ßy Allen and Thompson.
London 1848. Vol. IL p. 509. finden sich Bemerkungen über
die Ichthyologische Fauna.
Es werden angeführt: Myletes Allenii ßenn., Tetrodon strigosus
Benn. ; ausserdem sind Arten der Gattungen Cantbarus, Lethrynus, Den-
lex, Sphyraena, Seriola, Vomer, Carangus, Thynnus, Axinurus, Chaetodon»
Exocoetus, Zeus, lulis, Serranus etc. gefunden.
Im dritten Theil des zweiten Bandes von Russeggers
Reisen in Europa, Asien und Africa Stuttgart 1846 — 49. p.
207 — 357. ist ein naturhistorischer Anhang enthalten, der von
H e c k e l bearbeitet , sehr interessante Aufschlüsse über die
ichthyologische Fauna von Syrien, von Persien und Aegyp-
ten giebt.
Was zuerst die Fische Syriens betrifft (I. c. p. 209 —
254.), so sind mehrere auf Taf. 14 — 19 abgebildet, mit einer
lateinischen Diagnose versehen und ausführhch beschrieben.
Dies sind diejenigen, die in der früheren Abhandlung über
Syrische Fische (vergl. dies Archiv 1844. IL p. 228.) nur
kurz oder gar nicht erwähnt worden sind , nämlich : Barbus
Rajanorum, Kersin, scincus, Luciobarbus Scheich, Scaphio-
don socialis, peregrinorum, Cyprinion neglectus n. sp., Squa-
lius Orientalis, spurius, Alburnus hebes , mossulensis, capito,
pallidus, Acanthobrama cupida, Arrhada, Cobitis argyrogramma
n. sp., Leopardus, Lebias Cypris , Mugil Abu, Maslacembelus
haleppensis Cuv. Val. Sämmtliche Arten der aus Syrien be-
kannten Fische sind am Schlüsse der einzelnen Gattungen
schematisch zusammengestellt. Zuletzt ist eine Schluss-Ueber-
sicht der bisher aus Syrien bekannten Süsswasserfische gege-
ben, sie enthält 1 Maslacembelus, — 1 Mugil, — 4 Cyprinion,
2 Systomus, 9 Barbus, 1 Labeobarbus, 6 Luciobarbus, 6 Sca-
phiodon, 1 Tylognathus, 3 Discognathus, 1 Gobio, t Gymno-
stomus , 1 Chondrochilus , 4 Acanthobrama , 7 Alburnus , 1
Aspius, 1 Phoxinellus, 4 Squalius, 7 Cobitis, — 3 Lebias, —
1 Silurus, 1 Bagrus, also zusammen 66 Arten.
während des Jahres 1851. 77
In einem hierauf folgenden Anhang (p. 255— 272.) sind
die Fische Persiens, gesammelt von Theodor Kotschy, durch
He ekel beschrieben. Es sind meist neue Arten, nur Sy-
stomus albus und Barbus Barbulus kommen auch in Syrien
vor. Abbildungen sind nicht beigegeben. Die 15 neuen Ar-
ten werden unten namhaft gemacht. Eine Uebersicht der
bisher aus Persien bekannten Süsswasser- Fische enthält 22
Arten, von denen 19 in die Cyprinenfamilie, 3 zu den Cy-
prinodonten gehören.
Nach den Fischen Persiens schaltet He ekel p. 273—
290. einen Nachtrag zur Charakteristik und Klassification der
Cyprineen-Gattungen ein, datirt vom 22. März 1847. Nach-
dem der Verf. die Grundsätze, nach denen er die Cyprinen-
familie in Gattungen getheilt hat, vertheidigt, und sich na-
mentlich gegen den von Valenciennes ihm gemachten Vorwurf,
er hätte sich durch zu minutiöse Untersuchungen zu weit füh-
ren lassen, gerechtfertigt hat, spricht er sich dahin aus, dass
die Cyprinen nach der Beschaffenheit des Mundes in zvvei
Abtheilungen zu zerfallen seien, je nachdem der Unterkiefer-
rand knorplig - zugeschärft (Temnochiiae) oder stumpflippig
(Pachychilae) ist. Er giebt dann eine systematische Ueber-
sicht der in die erste dieser Abtheilungen gehörenden Cy-
prinen, worüber das Nähere unten am entsprechenden Orte.
Hierauf beschäftigt sich der Verf. p. 291—335. mit den
Fischen Aegyptens. Er beschreibt zunächst drei neue Arten,
die mit den Sammlungen des Hrn. Theodor Kotschy nach Wien
gekommen sind; Labeo horie, Alestes Kotschyi und Polypterus
Endlicheri (s. unten), zu deren besserem Verständniss auch
auf die anderen bekannten Arten des Nils aus diesen Gattun-
gen eingegangen ist; giebt dann ein chronologisch geordne-
tes Verzeichniss der erwähnten ägyptischen Fische von 2000
vor Chr. — 1847 mit eingedruckten hübschen Holzschnitten,
welches drei Spalten enthält , die erste enthält die Jahres-
zahl, die zweite die damalige Benennung, die dritte den
neuen systematischen Namen. Dann folgt ein systematisches
Verzeichniss aller bisher aus dem Nilgebiete bekannter Fi-
sche, nebst ihren Synonymen und Lokalnamen.
Den Beschluss macht ein Anhang über die fossilen Fi-
sche des Libanon. Es werden hier beschrieben: Pycnoste-
78 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
rinx (nov. gen.) Russeggeri und discoides aus der Chromi-
denfamilie ; Isodus (nov. gen.) sulcatus aus der Sphyraenoi-
denfamilie und Clupea macrophlhalma. Alle sind abgebildet.
Die Uebersicht der bisher vom Libanon bekannten fossilen Fi-
sche enthält 13 Arten.
Bleeker vermehrte durch zahlreiche Beiträge die
Kenntniss der Ichthyologischen Fauna des Indischen Archi-
pels und der Molukken ; diese Beiträge sind theils im 23. u.
24. Theil der Verhandelingen van het Bataviaasch Genoot-
schapen van Künsten en Wetenschapen. Batavia 1849, 1850
und 1851 erschienen, theils in der Natuurkundig Tijdschrift
voor Nederlandsch Indie 1851.
In seinem „Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van Midden-en Oost-Java met beschrijving van eenige
nieuwe species," den ich hn vorigen Bericht p. 77 , als mir
nicht zugänglich erwähnt habe, der nun aber durch die Güte
des Verf. in meinen Besitz gekommen ist, werden 227 Arten
aufgezählt, die 34 Familien und 126 Gattungen angehören.
Mehrere neue Arten , die meistens der Karpfenfamilie ange-
hören, sind unten namhaft gemacht.
Der „Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna
van het eiland Bali , mit beschrijving van eenige nieuwe
species door Dr. P. Bleeker (XXIII. Deel der Verh. Batav.
Genootsch. 1849.) bildet ein Verzeichniss von 29 Arten, un-
ter denen mehrere neue, welche unten verzeichnet sind.
Durch eine neue Sammlung von Fischen, die Bleeker
einem Herrn Fontanes verdankte, und die 53 Arten enthielt,
wurde derselbe veranlasst, einen neuen Beitrag zur Kenntniss
der Ichthyologischen Fauna von Celebes zu geben (Tijd. Ne-
derl. Indie. 1851.). Die Anzahl der von Celebes bekannten
Arten wird hierdurch auf 146 gebracht; sie werden sämmt-
lich aufgezählt. 5 neue Arten , die unten genannt werden,
sind hier zum ersten Male beschrieben. Ausserdem sind ei-
nige bereits bekannte Arten durch ausführliche Diagnosen be-
schrieben.
Auch zur Kenntniss der Ichthyologischen Fauna von den
Banda-Inseln lieferte B 1 e e k e r in derselben Zeitschrift 1851
einen Beitrag. Er erhielt das Material durch Herrn Brandes.
während des Jahres 1851. 79
Im Ganzen enthält das hier gegebene Verzeichniss 78 Arten,
unter denen 18 als neu bezeichnet sind ; sie sind unten pas-
senden Orts namhaft gemacht.
In einem dritten Beitrag zur ichthyologischen Fauna von
Borneo von Bleeker (Tijdschr. voor Nederl. Indie II. p. 57.
vergl. den vorjährigen Bericht p. 77.) steigt die Zahl der dem
Verf. von dort bekannten Fische auf 78. Zwei neue Gattun-
gen und einige neue Arten sind unten angeführt.
Ein vierter Beitrag desselben Verf. hat die Zahl der
von Borneo bekannten Arten auf 92 gebracht. Die neuen,
unten verzeichneten Arten sind sämmtlich aus den Flüssen
bei Bandjermassing.
Ein fünfter Beitrag desselben Verf. wurde durch eine
Sammlung von Fischen aus dem Flusse bei Sambas im west-
lichen Borneo von Dr. Einthoven veranlasst. Verf. nennt
diese Sendung doppelt merkwürdig, theils weil sie die grosse
Uebereinstimmung der ichthyologischen Fauna der Stromge-
gebiete des westlichen und südöstlichen Borneo darthut, theils
wegen der zahlreichen neuen Arten. Die Zahl der von Bor-
neo bekannten Arten wird hierdurch auf 117 gebracht. Im
Allgemeinen findet sich eine grössere Uebereinstimmung der
Fischfauna Borneo's mit Sumatra als mit Java. Borneo, Su-
matra und Java haben 12 Arten von Süsswassesfischen ge-
mein ; Borneo und Sumatra besitzen ausserdem 2 1 , Borneo
und Java 5 gemeinschaftliche Arten.
„Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna von
Riouw door Dr. P. Bleeker Tijdschr. Nederl. Indie. Sep-
tember 1851." Der Verf. erhielt von Hrn. D e Bruijn Kops
eine Sammlung von 75 Arten Fische von Riouw, unter denen
sich 10 neue Arten befanden. Von der nahe gelegenen In-
sel Singapore hat Cantor 122 in seinem Cataloge of Mala-
yan Fishes (vergl. d. vorjährigen Bericht p. 78.) verzeichnet;
von ihnen sind 24 auch unter der Sammlung von Riouw, so
dass die Fischfauna des Archipels von Riouw und Singapore
auf 173 steigt. Diese Fauna hat viele Uebereinstimmung mit
der von Java, denn von den Riouw'schen Arten sind nur 17
und von denen von Singapore nur 29 noch nicht von Java
bekannt; von den Singapore -Riouw'schen Arten kommen
80 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
also nicht weniger als 117 auch bei Java vor. Ausser den
neuen Arten sind auch mehrere bereits bei Cuvier-Valencien-
nes beschriebene Arten von Neuem genauer charakterisirt.
Durch eine fernere Sendung von Singapore durch Hrn.
Dutronquoi wurde B 1 e e k e r in den Stand gesetzt, auch einen
,,Beitrag zur Kenntniss der Ichthyologischen Fauna von Sin-
gapore" zu liefern. Tijdschr. Nederl. Indie. December 1851.
Die Sendung bestand aus 102 Arten, von denen nur 29 von
Cantor angeführt sind, so dass die Zahl der von Singapore
bekannten Arten dadurch auf 195 steigt. 11 neue Arten wer-
den beschrieben, einige andere mit verbesserten Beschreibun-
gen versehen.
Ebenda ist ein Beitrag zur Kenntniss der Ichthyologi-
schen Fauna von Blitong (Billiton) mit Beschreibung einiger
neuen Arten von Süsswasserfischen vonBleeker angefügt.
Früher (Natuurk. Tijdschr. Nederl. Indie I. p, 478.) hatte der
Verf. 10 Arten von dort angezeigt. Dazu erhielt er von Hrn.
De Groot 15 Süsswasserfische, unter denen 5 neue.
Richardson beschrieb in einem Aufsatze „Notices of
Australian fish« theils neue Arten, theils machte er Bemer-
kungen über bereits bekannte. S. unten. (Proceed. zool. soc.
April 1850.; Annais VII. p. 273.).
In Silliman American Journ. XI. p. 340. sind einige neue
Fische aus einer „Synopsis of the fishes of the Winnipisseo-
gee and its connecting waters" von W. Pres c Ott beschrie-
ben. Der Winnipisseogee und seine Nebenflüsse bewässern
einen grossen Theil des Innern von New-Hampshire , und
enthalten fast alle Arten Süsswasserfische des Staates; es
sind 22 Arten. Die drei neuen Arten sind unten namhaft
gemacht; sie gehören der Lachsfamilie an.
Im Anhange von „Narrative of an expediton to the
shores of the Arctic Sea in 1846 and 1847 by John Rae«
p. 204. sind folgende Fische, als auf der Expedition gesam-
melt, verzeichnet : Lota maculosus , Esox lucius , Catostomus
Forsterianus und Hudsonius, Salmo Hoodii, Coregonus albus,
Tullibee und harengus von York Factory, Salmo Salar von
Repulse Bay. Alle sind nach Richardson's Fauna boreali-
americana von Gray bestimmt.
während des Jahres 1851. 81
Perley sprach in der Gesellschaft für Naturgeschichte
zu Bostou über die Fischerei in der Fundy-Bai (Proceed.
Boston Soc. III. p. 374.). Gadus carbonarius und Alosa vul-
garis sind Hauptgegenstand des Fanges.
Leydig machte seine Untersuchungen „über die Haut
einiger Süsswasserfische« bekannt (Siebold u. Kölliker Zeit-
schr. für wissensch. Zoologie III. p. 1.).
Derselbe schrieb über die Nervenköpfe in den Schleim-
kanälen von Lepidoleprus , Umbrina und Corvina (Müller's
Archiv für Anatom, ct. 1851. p. 235.); und; „zur Anatomie
und Histologie der Chimaera monstrosa.« (ib. p. 241.).
Wyman bestätigte an einem Lump-Fisch die von Cu-
vier angegebene , von Owen geleugnete Verdickung des Rük-
kenmarkes an dem Ursprünge der Nervenpaare (Boston Pro-
ceed. IV. p. 81.).
Investigations into the structure and developement of
the scales and bones of fishes. By Willi amson. Mit 4
Tafeln. Philosophical Transactions of the Royal Society of
London for the Year 1851. London 1851. Part. IL p. 643.
Eschricht machte eine kurze Notiz über die Fisch-
rippen im Vergleich zu denen der drei übrigen Wirbelthier-
klassen (Oversigt over det Kgl. danske Videnskab. Selskabs
Forhandl. i Aaret 1850. p. 132.).
Kirtland machte eine Beobachtung, dass festgefrorene
Aale, in ein warmes Zimmer gebracht, wieder auflebten, be-
kannt. (Silliman Amer. Journ, XII. p. 291. vergl. den vor.
Bericht p. 80.).
Simmonds führt als Beitrag zu dieser Frage eine
Stelle aus John Franklin's first overland Journey to the Po-
lar Seas IL p. 234. an. Hier ist von gefrorenen Lumpfischen
und Karpfen die Rede, die am Feuer aufgethaut, ihre frü-
here Lebenskraft wieder erhielten (Annais nat. bist. VII. p. 76.).
H. Schlegel hat in Verhandelingen uitgegeven door
Teyler's tweede genootschap. 22. Stuck. Haarlem 1849. von
Fischen Barbus tambra von Java und Perca fluviatilis abbilden
lassen.
„Das Ganze der Angelfischerei und ihrer Geheimnisse,
oder vollständige Anleitung, die Angelfischerei mit dem glück-
Ar«biv f.Naturgesch. :2(LVI1I. Jahrg. Z. Bd. P
82 Troschel: Beriebt über die Leistungen in der Ichthyologie
liebsten Erfolge zu betreiben ct. von Baron v. Ehrenkreutz.
Quedlinburg und Leipzig. Von dieser Ideinen Schrift erschien
1851 die vierte Auflage, ein Beweis, dass sich das Buch be-
währt hat. Es enthält in der ersten Abtheilung eine Auf-
zählung und Beschreibung der zum Angeln nöthigen Geräth-
schaften; in der zweiten eine Aufzählung der Fische Deutsch-
lands, und Anleitung zu ihrem Fange; in der dritten wird
die Beschreibung einiger Reusen und anderer Fischereiwei-
sen gegeben, auch vom Krebsfange gehandelt; die vierte Ab-
theilung spricht von der Teichfischerei. In einem Anhange
ist auch ein Fischkalender enthalten. Das Buch ist leben-
dig geschrieben und zeigt, dass der Verf. ein Kenner ist.
DIpnoi.
Sirenoidei. H e c k e 1 gab in den Sitzungsberichten der
Wiener Academie 1851. p. 685. vorläufige Nachricht von einer
neuen Protopterus - Art aus dem Nil , die er P. aethiopiciis
nannte. Der Fisch wurde durch Knoblecher eingesandt ; Verf.
ist der Ansicht, dass die Fische von Owen, Peters und Knob-
lecher drei verschiedenen Arten angehören.
Die neue Art unterscheidet sich von P. anguillaris Owen durch
bedeutendere Grösse 3' 2", durch den Verlauf der Schleimkanäle auf
dem Kopfe , durch die Textur der Schuppen und durch den Abstand
der vorderen von den hinteren Extremitäten , der Sy^^ Kopflänge be-
trägt, während er bei anguillaris nur drei Kopflängen enthält. Die Pe-
ters'sche Art soll sich durch eine längere Mundspalte, die sich bis hin-
ter die Augen zieht , und einen vorstehenden Unterkiefer unterschei-
den, üebrigens ist Verf. geneigt , diese Thiere zu den Amphibien zu
stellen.
Teleostei.
Acanthopteri.
Nieuwe Bijdrage tot de kennis der Percoidei, Sclero-
parei, Sciaenoidei, Sparoidei, Maenoidei, Chaetodontoidei en
Scomberoidei van den Soenda Molukschen Archipel door Dr.
P. Bleeker (Tijdschr. Nederl. Indie II. p. 163.). Die neuen
Arten sind unten namhaft gemacht; ausserdem sind mehrere
Cuvier-Valenciennes'sche Arten gleichfalls durch ausführliche
Diagnosen kenntlich gemacht.
während des Jahres 1851. 83
I*ercoidei. Im vorigen Berichte p. 77. ist ein Auf-
satz vonBleeker als mir nicht zugänglich angeführt : „Bij-
drage tot de kennis der Pereoiden van den Malaijo-Moluk-
schen Archipel , met Beschrijving van 22 nieuwe soorten.*
Er steht im 23. Theil der Verhandel. van het Bataviaasch
Genoots. ct. 1849.
Verf. führt 101 Arten an, die von anderen Schriftstellern bereits
dieser Fauna zugezählt sind. Seine Sammlung enthält 86 Arten von
Pereoiden, wovon 54 neu für diesen Archipel, 22 neu für die Wissen-
schaft sind. Dadurch wird die Anzahl der bekannten Arten des Ar-
chipels auf 154 gebracht; davon kommen auf Java 105 Arten, Suma-
tra 9, Bali 1, Sumbawa 11, Timor 6, Celebes 24, ferner von Amboina 9,
Boeroe 4, Waigioe 14, Neuguinea 12.
In der Percoidenfamilie sind nur vonBleeker in sei-
nen verschiedenen Aufsätzen neue Arten und eine neue Gat-
tung aufgestellt:
Apogon balinensis von der Insel Bodeling, A, glaga von Batavia
(Pereoiden I.e.), A. chrysotaenia (Tijdschr. Nederl. Indie p. 168.) , A,
Canloris (Riouw 1. c.), A. rhodopterus (Singapore 1. c).
Cheilodipterus heptazona von Batavia (Pereoiden 1. c).
Ambassis macracanlhus von Batavia (Pereoiden 1. c.), A. apogo-
noides (Borneo 4. 1. c).
Serranus cyanostigmatoides, Hoevenii, polypodaphilus ^ balaviensis,
altiveloides , polyphehadion sämmllich von Batavia (Pereoiden 1. c.),- S.
Kunhardtii von Sumatra (Tijdschr. Kederl. Ind. II. p. 169.) , S. celebi-
cus von Bulucomba im südlichen Celebes (Celebes 1. c.).
Mesoprion enneacanthus , phaiotaeniatus und xanthoplerygius von
Batavia (Pereoiden 1. c.) , M. chrysotaenia (Tijdschr. Nederl. Indie II.
p. 170.). Verf. vereinigt die Gattungen Mesoprion und Diacope in eine
Gattung.
Priacanthus holocenlrum von Batavia (Pereoiden 1. c.)
Myripristis violaceus (Banda 1. c).
Percis xanthozona von Batavia (Pereoiden 1. c).
Polynemus tridactylus von Batavia (Pereoiden 1. c.) , P. micro-'
Stoma von Bulucombo (Celebes 1. c).
Sillago chondropus (Pereoiden 1. c.).
Catopra Bleeker nov. gen. Percoideorum. Pinna dorsalis
unica; dentes maxillares. palatini et vomerini setacei , pierygoidei et
linguales granulosi in thurmam magnam oblongam collocali ; os subor-
bitale et praeoperculum denticulata; operculum spinis planis 2; mem-
brana branchiostega radiis 6 ; linea lateralis inlerrupta ; maxilla supe-
rior pkotractilis. C. fasciata aus den Flüssen bei Bandjermassing (Tijd-
84 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
sehr. Nederl. Indiell. p. 65.). — Ib. p. 172. wird eine zweite Art die-
ser Gattung C. nandoides von Java beschrieben. — C. Grootii B lec-
ker (Blitong 1. c).
Die Gattung Nandus wird von Bleeker (Blitong 1. c.) charak-
terisirt und mit Catopra als Familie Nandoidei bezeichnet: pinna
dorsalis unica ; dentes maxillares, palatini, vomerini et linguales seta-
cei, pterygoidei granulosi in thurmam gracilem collocati; os suborbi-
tale non denticulatum ; praeoperculum denticulatum; operculum Spina
unica; membrana branchiostega radiis 6; linea lateralis interrupta, ma-
xilla superior protractilis. Hierher ziehtlVerf. ßedula nebulosus Hardw.
Illustr. Ind. Zool. II. Pisc. tab. 1. fig. 2. als Nandus nebulosus.
Pseuducliromidae* Bleeker beschrieb eine neue Art
Plesiops melas, die er noch in die Familie Labroidei setzt, Bali 1. c.
Catapiiracti. ßijdrage tot de kennis der Scleroparei
van den Soenda-Molukschen Archipel door Bleeker (Verh.
V. h. Batav. Genootsch. Deel XXIV. 1849.). Dieser Aufsatz
ist nicht zu verwechseln mit dein p. 81. des vorigen Berichts
erwähnten. Er enthält eine neue Art:
Scorpaena oxycephalus Bleeker. Aus derselben Gattung be-
schrieb derselbe Verf. als neu Sc. polylepis von Sumatra (Tijdschr.
Wederl. Ind. II. p. 173); Sc. bandanensis (Banda 1. c.) und Sc. poly-
prion (Bali 1. c).
Apisfus hypselopterus Bleeker (Banda 1. c). — A. panduralus
Richardson Annais VII. p. 274.
Aploactis Milesii Richardson Annais VII. p. 275.
In Proceed. Boston Soc. IV. p. 18. findet sich eine vorläufige
Anzeige eines neuen Genus von Panzerwanzen Trigl opsis Girard,
welches nach Fischen aufgestellt ist , die im Magen von Lota maculosa
gefunden wurden. Die Art Tr. Thomsonii ist, wie die Gattung, in der
Monographie der Nordamerikanischen Cottoiden charakterisirt worden.
Eine ausgezeichnete Arbeit über die Cottoiden erschien
von Charles Girard (Contributions to the natural history
of the fresh water fishes of North America. I. A Monograph
of the Coltoids) in den Smithsonian Contributions to know-
ledge. Vol. Ill Art. 3. 1851. Mit 3 Tafeln.
Im ersten Abschnitt wird über die Süsswasser- Cottoiden im All-
gemeinen gehandelt, und angedeutet , dass die Zahl der Europäischen
Cottus-Arten der Amerika's wohl gleichkommen werde, wenn erst alle
gehörig unterschieden sein würden. Dann werden die verschiedenen
Genera besprochen, deren 8 unterschieden sind, nämlich fünf marine:
Acanthocottus, Trachidermis (Centridermichthys), PodabruSi Hemitripte-
rus, Hemilepidotus f und drei aus süssem Wasser: CottuSf Cottopsis und
während des Jahres 1851. 85
Triglopsis. Sie werden als Familie Co ttoidei zusammengefasst. Auch
über geographische Verbreitung und Lebensweise spricht sich Verf.
aus. — Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit den Details der Ana-
tomie ; namentlich ist den Skeleten von Cotlus viscosus, AcanthocoUus
virginianus und 2'riglopsis Thompsonii Aufmerksamkeit geschenkt , auch
sind die Gehirne mehrerer Arten abgebildet. — Die drei letzten Ab-
schnitte enthalten dann das zoologische der einzelnen drei Süsswasser-
gatlungen. Die Gattung Cottus zerfällt in zwei Sectionen , a. mit
vier weichen Strahlen der Bauchflossen: C. Richardsonii Agass. , co-
gnatus Rieh., Wilsonii n. sp. , ßairdii Gir., Ahordi n. sp. , meridiona-
lis Gir. b. mit drei weichen Strahlen der Bauchflossen: C. gracilis
Heck., viscosus Hald., Franklinii Agass., gobioides Gir., boleoides Gir.,
formosus n. sp. , Fabricii Gir. Die Gattungen Cottopsis (C. asper
Gir.) und Triglopsis {T. Thompsonii) enthalten jede nur eine Art.
Den Beschluss macht eine Diagnosis generum et specierum, aus der wir
die Charaktere der drei Gattungen hervorheben:
Cottus Art. Capitis superficie levi; spina parva ex capitis la-
tere utroque, interdum altera aliquante minore, infra posita, et nonnun-
quam tertia magnitudine aequali secundae; pinna dorsali prima bre-
viore secunda ; dentibus palatinis nuUis, vel eorum rudimentis tanlum ;
oris Gssura ultra orbitas non porrecta; radiis branchiostegis sex.
Cottopsis Gir. Capite levi; una spina e praeoperculari, flexa
relrorsum et sursum, ut in Cotlis ; pinna dorsali prima breviore se-
cunda; dentibus in ossibus palatinis; cule minutis aculeis hirsuta.
Triglopsis Gir. Capite levi; prima dorsali pinna breviore
secunda; dentibus ex ossibus palatinis nullis; spinis compluribus ra-
diantibus ex margine praeopercularis; cute levi.
In der eben besprochenen Abhandlung ist einer Schrift
Erwähnung gethan; Charles Girard, Revision du genre
Cottus des Auteurs. Nouveaux Mem. de la Soc. Helvet. des
Sciences naturelles XII. 1851. 4, die ich noch nicht aus ei-
gener Ansicht kenne.
Horatio Storer beschrieb eine neue Art Etheostoma Linsleyi
in Boston Proceed. IV. p. 37.
Nachträglich verdient bemerkt zu werden, dass im 10.
Bande der Memoires presentes par divers savants ct. 1848.
p. 575. die Abhandlung von Coste „Nidification des epino-
ches et des epinochettes'* mit einer Tafel, auf der die Fische
mit ihren Nestern abgebildet sind, erschienen ist cVergl. dies
Archiv 1847. IL p. 348.).
üciaenoiclei. Bijdrago tot de kennis der Sciaenoiden
van den Soenda-Molukschen Archipel met beschrijving van
86 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
7 nieuwe soorten door Bleeker. (Verh. Batav. Genootsch.
Deel XXIII. 1849.)
Verf. kennt 45 Arten, davon finden sich 37 bei Java, 8 bei Ma-
dura, 2 bei Bali, 3 bei Sunibawa, 8 bei Sumatra, 5 bei den Moluklien,
4 bei Waigioe und 3 bei Neu-Guinea. Die neuen Arten und die neue
Gattung He ter ognatho don sind schon im vor. Bericht p. 83. nach
einem späteren Aufsatze in Tijdschr. Ned. Ind. bezeichnet.
Corvina Wolfßi Bleeker (Tijdschr. Nederl. Indie II. p. 68.)
Borneo im süssen Wasser,
Lobotes tnicropion Bleeker ib. p. 174. von Batavia.
Eine neue Art Lepipterus corvina beschreibt Reinhardt (Vi-
densk. Meddelelser fra den naturhist. Forening i Kjöbenhavn for Aarene
1849 og 1850. p. 30.) aus dem Bio das Velhas in Brasilien,
Richardson beschrieb Annais VII. p. 277. folgende Arten der
Galtung Cheilodactylus: Ch. carponemus C. Y. , macropterus (Sciaena)
Forster, nigricans n. sp., aspersus Richards, (carponemus Richards.
Zool. Trans. III. p. 99.), gibbosus (Chaetodon) Solander, nigripes n. sp.,
zonatus C. V. , hecatejus (Latris) Richards. Zool. Trans, p. i06. tab. 6.
fig. 1.), lineatus (Sciaena) Forster.
Daran schliesst sich ib. p. 284. eine verwandte neue Gattung
Ihrepterius Richards. Corpus calheto-plateum , ovato-oblon-
gum, squamosum; caput aliquantulum parvum, cute porosa tectum, abs-
que spinis, angulis vel aciebus serratis osseis ; os ut in Cheilodaclylis
extensibile; dentes in praemaxillaribus, mandibula trigonioque vomeris
una Serie instructi , brevissimi , parvi , subconici; ossa palatis laevia;
genae craniumque esquamosae ; os praeorbitale angustum ; operculum
subtriangulare squamis tectum ; membraoa branchiostega radiis sex cur-
vis , satis validis sustentata ; squamae laeves nee dentatae ; linea late-
ralis recta; radii pinnarum pectoralium inferiores simplices; pinna dorsi
e nucha fere usque ad caudae pinnam regnans , squamulis apud radios
instructa, membrana inter spinas profunde emarginata ; lobulo tarnen
membranaceo e summis spinis pendente ; pinnae ventrales thoracicae
sed a gula paulo remotae. Unterscheidet sich von Cheilodactylus durch
die Vomer-Zähne. Th. maculosus n. sp. von King George's sound.
Bleeker (giebt Singapore 1. c.) eine verbesserte Diagnose der
Gray'schen Gattung Girella, nach Crenidens sarissophorus Cantor, (vgl.
den vorjährigen Bericht p. 83.), und stellt dieselbe zu den Sciaenoi-
den: dentes maxillares pluriseriati tricuspidati ; apertura branchialis sub
angulo praeoperculi desinens; pori mentales plures conspicui ; membrana
branchiostega radiis 6; pinna dorsalis unica; Spina dorsi prima pro-
cumbens.
Sparoidei. Bijdrage tot de kennis der Sparoiden en
Maenoiden van den Soenda-Molukschen Archipel met beschrij-
während des Jahres 1851. 87
ving van 5 nieuwe soorten doorßleeker (Verh. ßalav. Ge-
iiootsch. Deel XXIII. 1850.).
Dieser Aufsatz zerfällt in zwei Abschnitte. 1) Von Sparoiden
waren bisher aus dem Sunda-Molukkischen Archipel 20 Arten bekannt
nach Cuv. Val. , denen Verf. sechs Arten , worunter eine neue, hinzu-
fügte. Von diesen 26 Arten kommen auf Java 13, auf Madura 1, auf
Sumatra 3, auf Celebes 1, auf Surabawa 1, auf Timor 1, auf die Mo-
lükken 6 , auf Waigioe 1 , auf Neu-Guinea 5. — 2) Von Maenoiden
kennt der Verf. aus jenen Gewässern 11 Arien, die meist bei Java le-
ben. Die neuen Arten, auch die neue Gattung P entaprion sind be-
reits im vorigen Berichte p. 84. nach Tijdschr. Ked. Ind. angezeigt.
Lethrinus xanthotaenia Bleeker (Tijdschr. Nederl. Ind. II. p.
176.) von West-Sumatra. — L, i'hodopterus Bleeker (Singapore I.e.).
Denlex Blochii Bleeker ib. — D. microdon und nematopus
Bleeker (Celebes 1. c.) von Bulucomba.
Gerres hapas Bleeker (Riouw 1. c).
Die Gattung Upeneus zerfällte Bleeker (Percoiden 1. c.) , der
sie natürlich der Familie der Percoiden anreiht, während Referent in
dem Bau der Schuppen und anderen Charakteren eine grössere Ver-
wandtschaft mit den Sparoiden erkannt hat, in zwei Gattungen : Upe-
neus, dentes maxillares conici uniseriati , dcntes palatini et vomerini
nulli. — Up ene oides, dentes maxillares, vomerini et palatini plu-
riseriati minimi. In erstere Gattung gehören z. B. U. Rüsseln und lu-
teus ; in die zweite U. vittalus , sulphureus , bivittatus und variegatus
n. sp. von Batavia.
Squamipeunes. ßijdrage tot de kennis der Chaeto>
dontoiden van den Soenda-Molukschen Archipel door Blee-
ker (Verh. Batav. Gen. Deel XXIII. 1850.).
Verf. kennt von diesem Archipel 64 Arten , davon kommen auf
Java 33, auf Madura 5, auf Sumatra 12, auf Sumbava 6, auf Timor 4,
auf Borneo 1, auf Celebes 10, auf die Molukken 33, auf Neu-Guineall.
Die neuen Arten sind bereits aus Tijdschr. IVed. Ind. im vorigen Be-
richt p. 84. erwähnt.
liabyrintiiici. Bijdrage tol de kennis der Visschen
met doolhofvormige kieuwen van den Soenda-Molukschen Ar-
chipel door Bleeker. (Ycrh. Baluv. Genoot. Deel XXIII.
1850O.
Aus der Familie der Labyrinthfische kennt Verf. aus seinem
Archipel 12 Arten, von denen auf Java alle 12, auf Madura 4, auf
Sumatra 4, auf-Borneo 3^ auf Celebes 3 kommen. Fünf von ihnen
kommen auch ausser dem 3uiidft-Molukki»cben Archipel vor.
88 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Anabas variegatus Bleeker (Celebes I, c.) bei Kema, im nörd-
lichen Celebes, io süssem Wasser.
Polyacanthus Einthovenii Bleeker (ßorneo 6. 1. c).
Ophicephalus melasoma, maruUoides (0. iris Cuv. Val. ?), rhodo-
taenia Bleeker (Borneo 5. 1. c).
üeber Ctenops nobilis , einen Süsswasserfisch von Assam , den
McClelland im Calcutta Journal 1844 July als in dieSquamipennen-Fa-
milie gehörig beschrieben hatte, bemerkte Steenstrup, dass er ein
eigenes Genus unter den Labyrinthfischen in der Nähe von Trichopus
bilden müsse. (Oversigt over det Kgl. danske Videnskabernes Selskabs
Forhandlinger 1850. p. 77.).
miiig-iloiclei* Mugil borneensis ist von Bleeker im vierten
Beilrage über die ichlhyologische Fauna von Borneo 1. c. als neue Art
beschrieben.
Ebenso Atherina brachypterus Bleeker (Banda 1. c).
Scomberoidei. lieber die Familie der Scomberoiden
erhielten wir von dem unermüdlichen Bleeker einen dop-
peltön Beitrag. Zuerst einen vorläufigen Aufsatz: „Over
eenige nieuwe geslachten en soorten van Makreelachtige Vis-
schen van den indischen Archipel'' in der Tijdschr. Nederl.
Indie I. p. 341., in welchem nur die neuen Gatlungen und
Arten charakterisirt sind , und „Bijdrage tot de kennis der
Makreelachtige Visschen van den Soenda-Molukschen Archi-
pel; overgenomen uit het XXIV. deel der Verhandel. van
het Bat. Gen. van Künsten en Wetenschappen Batavia 1851",
in welchem letzteren sämmtliche Arten beschrieben sind. —
Verf. kennt 91 Arten, von denen bei Java 72, bei Madura
15, bei Sumatra 23, bei Banka 5, bei Bali 4, bei Sumbawa
2, bei Timor 2, bei Borneo 1, bei Celebes 11, bei den Mo-
lukken 21 , bei Waigioe 4, bei Neu-Guinea 7 vorkommen.
63 Arten finden sich auch ausser dem Archipel. Die neuen
Arten und Gattungen sind folgende:
Scomber brachysoma von Batavia.
Thynnus tonggol von Batavia.
Cybium Croochetoitii von Banka, C. honam (Cybium Commersonii
C. V. zum Theil) von Batavia.
Aus der Gattung Caranx bildete der Verf. eine ganze Reihe von
Gattungen :
Megalaspis ßlkr. linea lateralis scutis maximis armata; dentes
supramaxillares pluriseriati , inframaxillarcs anlice pluriseriati postice
uniseriati; denteß vomerini, palatini, linguales j pinnae dorsales et ana-
während des Jahres 1851. 89
Ics spuriae plures; membrana branchiostega radiis 7. Einzige Art M.
Roltleri (Caranx Rottleri C. V.).
Decaplerus Blkr. linea lateralis scutis armata; dentes inf ra-
maxillares uniseriati aequales, supramaxillares interdum vix vel non con-
spicui; dentes voraerini et palatini ; lingua edentula; pinna dorsalis et
analis spuria unica ; membrana branchiostega radiis 7. Dahin Caranx
kurra C. V. und D. macrosoma, welche letztere in der grösseren Ab-
handlung in einem Anhange p. 87. beschrieben ist.
Selar Blkr. linea lateralis sculis armala; dentes supramaxil-
lares et inframaxillares uniseriati, aequales ; dentes vomerini palatini,
linguales ; pinnae spuriae nullae ; membrana branchiostega radiis 7.
Dahin Caranx torvus Jenyns, Caranx boops C. V., macrurus Blkr. n.
sp. von Batavia , S. Hasseltii (Caranx alfinis und xanthurus Kühl et v.
Hasselt) , C. male C. V. , S. Kuhlii n. sp. von Batavia, hrevis n. sp.
von Batavia, malam n. sp. ebendaher, S. para (Caranx para C. V.).
Caranx Blkr. s. str. linea lateralis armata; dentes suprama-
xillares pluriseriati serie externa maiores, inframaxillares uniseriati an-
tice caninis 2 vel 4; dentes vomerini, palatini et linguales; pinnae spu-
riae nullae ; membrana branchiostega radiis 7. Dahin C. cynodon n. sp,
von Batavia und C. Forsteri, jarra und ehala C. V.
C arang oi des Blkr. linea lateralis armata; dentes suprama-
xillares et inframaxillares pluriseriati caninis nullis; dentes vomerini,
palatini, linguales; pinnae spuriae nullae; membrana branchiostega
radiis 7. Dahin C. praeustus (Caranx praeustus Life of Raffles p.689.),
C. gymnostethoides n. sp. , hemigymnostethus n. sp. beide von Batavia,
Caranx oblongus C. V., C dinema n. sp., C. chrysophroides n. sp. beide
von Batavia, C. talamparah (Caranx malabaricus C. V.), C. cilula (Ca-
ranx citula C. V.) , C. atropos (Olistus atropos C. V.) , C. blepharis
(Blepharis indicus C. V.), C. gallichthys (Gallichthys maior C. V., GaU
lichthys chevola C. V., Scyris indica C. V.).
Leioglossus Blkr. linea lateralis armata; dentes supramaxil-
lares et inframaxillares uniseriati , caninis nullis ; dentes vomerini et
palatini; lingua edentula; pinnae spuriae nullae, membrana branchio-
stega radiis 7. Dahin L. carangoides n. sp. von Batavia.
Leptaspis Blkr. (in einem Anhange in Selar oides umge-
tauft) linea lateralis armata ; dentes inframaxillares uniseriati et lingua-
les ; dentes supramaxillares , vomerini et palatini nulli ; pinnae spuriae
nullae; membrana branchiostega radiis 7. Dahin Caranx leptolepis C. V.
Gnathanodon Blkr. linea lateralis armata; dentes maxilla-
res, voraerini et palatini nulli; lingua scabra; pinnae spuriae nullae;
membrana branchiostega radiis 7. Dahin Gn. speciostis (Scomber spe-
ciosus Forsk., belle carangue C. V.).
Ferner ist eine neue Gattung ^auf Kosten von Stromateus Cuv.
90
Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
gegründet: Strotnateoidesßlkr. pinna dorsalis unica; linea latera-
lis non armata; pinnae ventrales nullae; pinnae verticales squamosae;
apertura branchialis verticalis ; dentes infra - et supramaxillares unise-
riati aequales ; lingua, vomer et palatuni glabra ; maxilla superior non
protractilis. Dahin Slromaleus griseus C. V., St. atoukoia C. V.
Die Gattung Stromateus BIkr. (Stromateus ex parte und Apo-
lectus Cuv.) wird dann folgenderinassen charakterisirt: pinna dorsalis
unica; linea lateralis ad caudam in carinam scutatam transiens ; pinnae
ventrales iunioribus acutae iugulares , adolescentibus adultisque nullis ;
pinnae verticales squamosae ; apertura branchialis sub oculo desinens ;
dentes supra - et inframaxillares uniseriati aequales, adultis vix vel non
conspicui ; lingua iunioribus glabra, adultis denticulis aspera ; vomer et
palatum glabra; maxilla superior non protractilis. Dahin Str. niger Bloch.
Endlich werden aus der Gattung Equula als neue Arten aufge-
stellt : E. gerreoides und bindoides von Batavia,
Carson Brevoort stellte die von Cuvier bezweifelte
Gattung- Selen e von Lacepede wieder her, und beschrieb
die Art S. argentea ausführlich; auch ist dieselbe abgebil-
det. (Annais of the Lyceum of nat. bist, of New- York Vol. V.
no. 2. p. 68.).
üVoiacantiiini. Aus dieser Familie kennt Bleeker,
nach einer Angabe in dem Beitrag über die Teuthyer und
Rhynchobdelloiden, vier Arten im Archipel der Sunda-Inseln
und der Molukken.
Heckel erwähnt in Russegger's Reise 1. c. p. 248. beiläufig
eines Mastacembelus catenatus n. sp. von Borneo.
Teutiiyes. Bijdrage tot de kennis der Teuthieden en
Rhynchobdelloiden van den Soenda -Molukschen Archipel
door Bleeker. (Verb. Balav. genoot. Deel XXIII.) 1850.
Aus der Familie der Teuthyer sind dem Verf. 37 Arten jener
Gegend bekannt, von ihnen leben bei Java 12, bei Madura 2, bei Su-
matra 5, bei Borneo 1 , bei Celebes 1 , bei Sumbawa 1 , bei Timor 3,
bei den Molukken 15, bei Waigioe 4, bei Neu -Guinea 9 Arten. 21
Arten sind nicht dem Archipel eigenthümlich, sondern sind auch schon
anderswo beobachtet.
Andern Orts beschrieb Bleeker zwei neue Arten der
Gattung Amphacanthus :
A. Kopsii (Riouw 1. c.) und A. chrysospilos (Singapore 1. c.)
Blcnnioidei et Ooliioidei. Bijdrage tot de kennis
der Blennioiden euGobioiden van den Soenda.Molukschen Ar-
chipel met beschrijving van 42 nieuwesooiten door Bleeker
während des Jahres 1851, 91
(Verh. V. h. Bat. Gen. Deel XXIVI. 1849.). Dieser Aufsatz
enthält folgende neue Arten:
Salarias cyanostigma von Süd-Java, S. melanocephalus ebendaher.
Philypnoi des n. g. Pinnae ventrales complelae liberae sub
pinnis pectoralibus inserlae approximatae. Pinna dorsalis unica non
divisa. Dentes vomero-palatini et maxillares. Ph. sarakarlensis im
Flusse Kali Pepeh im innern Java.
Philypnus ophicephalus bei Madura.
Eleotris caninahei Madura, E. brachyurus Süd-Java, E. mela-
nurus Süd-Java, E. koilomalodon bei iMadura, E. viridis bei Madura,
E. tnelanosligma bei Madura, JS. prismatica bei Madura.
Gobius eleolrioides von Batavia, G, polycynodon bei Pasuruan,
G. cyanomos bei Madura, G. chlor osligmatoides von Madura, G. baliuroi-
des von Madura, G. chlorosligma bei liatavia im Meere und in Flüssen,
G. Bontii bei Madura, G. phaiomelas bei Madura , G. modestus bei Su-
rabaya, G. pleurosligma bei Surabaya , G. erythrophaios bei Sumbawa,
G. phaiosoma bei Batavia, G. fusiformis bei Paljilan, G. phaiospilosoma
Süd-Java, G. melanuriis bei Java, G. poicilosoma bei Pasuruan, G. pa~
suruensis bei Pasuruan, G. melanostigma bei Batavia, G. spilurus bei
Madura, G. Temminckii bei Surabaya, G. pavonioides bei Madura, Gf. me"
lanocephalus Purworedjo im Fluss Bogowonto, G. personatus Banjumas
im Flusse Seraijn, G. grammepomus im Flusse Bogowonto, G. xantho"
tona von Surabaya, G. macrurus bei Batavia, G. microlepis bei Madura.
Apocryptes madurensis von Madura, A. glyphisodon bei Batavia,
Ä. Henlei von Madura.
Amblyopus eruptionis aus dem Flusse Ealimas.
An anderen Orten beschreibt Bleeker noch folgende
Arten aus diesen beiden Familien:
Gobius Hoevenii (Borneo, 5. Beitrag 1. c.), G.puntang (Biouw 1. c),
Eleotris urophthalmus (Borneo 4. Beilr. 1. c).
Apocryptes macrolepis (Borneo 3. Beitr. 1. c).
Petroshirtes Temminckii Bleeker (ßanda 1. c.)
Pediculati« Auch aus dieser Familie findet sich bei ßlee>
k e r Riouw 1. c. eine neue Art Antennarius urophthalmus.
Änacanthini.
Opliidini* Von der Richardson'schen Gattung Machaerium
giebt Bleeker Singapore 1. c. bei Gelegenheit der Beschreibung ei-
ner neuen Art M. nebulatum eine verbesserte Diagnose: Pinnae dor-
salis, caudalis et analis unitae, anacanthae , radiis fissis; dentes inter-
maxillares et inframaxillares uniseriati , conici, aequales ; palatini vel
vomerini nulli ; cirri inframaxillares nulli ; membrana brancüioslega
radiis sex; squamae cycloideae cutem totam tegentes.
92 Trodchel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Pleuronectae. Zur weiteren Kenntniss der Schol-
lenfamilie erhielten wir zwei Arbeiten von Bleek er. 1. Over
eenige nieuwe soorten van Pleuronecteoiden van den indi-
schen Archipel (Tijdschr. Nederl. Ind. J. p. 401.). 2. Bijdrage
tot de kennis der Pleuronecteoiden van het Soenda-Moluk-
schen Archipel (Verhandel. van het Bat. Gen. XXIV Deel).
In ersterer Abhandlung bezeichnet Verf. 26 Arten dieser Familie
als dem Indischen Archipel angehörig, von denen die grössere Hälfte
neu. Von ihnen leben bei Java 19, bei Madura 2, bei Bali 1, bei Su-
matra 6, bei Banka 1, bei ßilliton 1, bei ßorneo 3, bei den Molukken
1 Art. Ausser dem Indischen Archipel sind 10 von diesen Arten beob-
achtet. Die brustflossenlosen Gattungen Achims und Plagusia unter-
scheidet Verf. genauer , indem er eine neue Gattung zwischen sie
schiebt. Er charakterisirt diese drei Gattungen so :
Achims. Pinnae pectorales nullae, dorsalis, caudalis et analis
distinctae, non unitae ; pinnae ventrales 2 ; oculi dextri ; rostrum non
uncinatum ; os subanticum; linea lateralis utroque latere simplex; po-
rus vaide conspicuus inter singulos radios pinnae dorsalis et analis ;
membrana branchiostega radiis 6.
A chiroides nov. gen. Pinnae pectorales nullae, dorsalis, cau>
dalis et analis unitae, non distinctae ; pinnae ventrales 2 ; oculi dextri ;
rostrum non uncinatum ; os subanticum ; pori interradiales dorsales et ana-
les nulli conspicui ; memb. br. radiis 6.
PI agusia. Pinnae pectorales nullae; dorsalis, caudalis et analis
unitae, non distinctae; pinna ventralis unica; anus lateralis; oculi si-
nistri ; rostrum uncinatum ; os inferum ; radii pinnis Omnibus simplices ;
membr. br. radiis 6.
Die in dieser Abhandlung aufgestellten neuen Arten sind folgende:
Rhombus aspilos von Batavia und sumatranus von Sumatra.
Achims poropterus von Batavia und Sumatra.
Achiroides leucorhynchos vom südlichen Java.
Plagusia marmorata, Blochii (bilineatus Bl.) , mirolepis , macrO"
rhynchos, lida, brachyrhynchoSj wieüönopferws (monopus Blkr. olini. Bijdr.
Ichth. Bali. p. 11), macrolepidota, oxyrhynchos^
In der zweiten Abhandlung ist ein Conspeel us specierum descri-
ptarum analyticus hinzugefugt.
Ausserdem wurden folgende neue Arten vonBleeker
anderen Orts aufgestellt:
Stjnaptura panoides (Borneo. 5. Beitr. 1. c.) , S. aspilos (Singa-
pore 1. c).
Plagusia Kopsii (Riouw 1. c).
während des Jahres 1851. ^3
Pharyngognathi.
liabroidei cycloidei* Auf Yalent jns Paradijs-visch (Labrus
latoviltatus Rupp., Cossyphus dimidialus Cuv. Val.) gründet Bleeker
(Banda 1. c.) eine neue Gattung Labroides: dentes maxillares pluri-
seriati setacei, utraque maxilla caninis 2 anticis magnis prominentibus ;
maxilla superior angulo oris dente canino ; caput tolum squamosura ;
linea lateralis continua; praeoperculum non denticulatum ; membrana
branchiostega radiis 5. Die Art nennt Verf. L. paradiseus.
Cossyphus vulpinus Rlchardson (Annais VII. p. 287.). — C.
Gouldii ist ib. auf's Neue beschrieben.
Crenilabrus nemalopterus Bleeker (Banda 1. c.). — Cr. oliga»
canthus Bleeker (Riouw 1. c.).
Tautoga parila Rlchardson (Annais VII. p. 286.).
Julis {Halichoerus) Hoevenii , melanurus , spilurus , interruptus,
bandanensis sind neue Arten, welche Bleeker (Banda 1. c.) auf-
stellte. — Ebenso beschrieb derselbe (Bali 1. c.) als neu : J. (Halichoe'
res) Schwarzii, binotopsis, phekadopleura, pardaleocephalus. — J. cya-
nogramma Rlchardson (Annais VII. p. 289.).
Novacula juUoides Bleeker (Banda 1. c).
Cheilinus decacanthus Bleeker (Banda 1. c).
Bleeker stellte auch eine neue Gattung Cheilino ides (Tijd-
schr. Nederl. Ind. II. p. 71.) auf: Linea lateralis interrupta; genae oper-
culaque squaraosa; praeoperculum denticulatum ; maxilla superior medio-
criter prolractilis: dentes interniaxillares posteriores uniseriali, anterio-
res pluriseriati caninis curvatis 6; dentes inframaxillares uniseriati an-
tici caninis 2; , membrana branchiostega radiis 5. Ch. cyanopleura von
Batavia.
Scarus singaporensis Bleeker (Singapore 1. c). — Sc, bali-
nensis Bleeker (Bali 1. c).
Olisthops Richardson nov. gen. generis Odacis affine (An-
nais VII. p. 290.). Caput lotum cute lubrica, esquamosa tectum (squa-
mulae 4 tantum inconspicuae regioni suprascapulari utrinque insiden-
tes) ; labia simplicia cum cute faciei continua, labi» praeorbitalia nulla ;
dentes cum ossibus lunatis praemaxiilaribus mandibulisque , modo Sca-
rorum ferrurainati ; squamae cycloideae ; linea lateralis simplex, e tubu-
lis rectis facta, coLiinua, anlice arcuata , postice recta ; pinna dorsi
unica , prope humerum incipiens, in parte spinosa, modo proprio, emar-
ginata, radiis spinosis apicibus flexilibus , pinnae ventrales sub axillis
pecloralium positae, membrana branchiostega in gutlure continua, utrin-
que radiis quatuor sustentata. 0. cyanomelas n. sp. von King Geor-
ge's Sound.
iiabroidei cteuoidei. Aus dieser Familie sind von
94 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Bleeker in verschiedenen Abhandlungen mehrere neue Ar-
ten beschrieben:
Dascyllus xanthosoma (Banda 1. c).
Glyphisodon bandanensis (Randa 1. c). — Gl. plagiometopon (Sin-
gapore 1. c). — Gl. phaiosoma und balinensis (Bali 1. c).
Heliases xanthochirus (Banda 1. c).
Pomacentrus prosopotaenia (Singapore 1. c). — P. vanicolensis
Cuv. Val. wird von Bleeker (Bali 1. c.) Prislolis fuscus genannt und
beschrieben.
§»coin1»eresoces* Malm hat den Hemiramphus balticus Hornsch.
in den Gothenburger Scheren gefangen; er erklärt ihn für den Jugend-
zustand der gemeinen Belone (Zooiogiska Observationer, Götheb. 1851.
p. 106—107.; daraus Froriep's Tagsberichte 1852. p. 264.).
Bleeker giebt eine verbesserte Beschreibung vonHe-
miramphus horneensis (vergl. den vor. Bericht p. 90.) in
Tijdschr« Nederl. Indie II. p. 68. ~ H, phaiosoma Bleeker
(Blitong 1. c.)
Physostomi.
Siluroidei^ Agassiz beobachtete am Ufer des See's
Sebago , Maine , zwei Fische , calfish (wahrscheinlich eine
Art Pimelodus), die wiederholt sich ihrem Neste näherten, in
welchem ihre Jungen beunruhigt wurden. (American An-
nual of scientific Discovery for 1851. p. 335.; Edinburgh new
phil. Journ. 1851. 2. p. 196.)
Silurus apogon Bl eeker (Borneo 3. Beitr. 1. c). — S. tnacro-
nema, hexapterus Bleeker (Borneo 4. Beitr. 1. c). — S. phaiosoma,
laiSf phalacronotus Bleeker (Borneo 5. Beitr. 1. c).
Wallago dinema Bleeker (Borneo 4. Beitr.). — W. Leerii
Bleeker (Borneo 5. Beitr. 1. c).
Pimelodus borneensis Bleeker (Borneo 5. Beitr. 1. c).
Bagrus Wolfßi Bleeker (Borneo 4. Beitr. 1. c). — B. micro-
fogon Bleeker (Blitong 1. c).
In dem vierten Beitrag zur Fauna von Borneo 1. c. stellte Blee-
ker eine neue Galtung B agroides auf: pinnae dorsales duae, an-
terior radiosa , posterior adiposa ; dentes intermaxillares in thurmam
oblongo-rotundatam collocati conici ; dentes inframaxillares in thurmas
2 oblongo-rotundatas subcontiguas collocati, conico-graniformes; den-
tes vomerini in thurmam magnam semiovalem antice in palato dispo-
siti , graniformes ; caput cute glandulosa tectum ; cirri carnosi 8. B.
melapteru$.
während des Jahres 1851. 95
Arius borneensis Bleeker (Borneo 3. Beitr. 1, c.).
Pangasius rios Bleeker (Borneo 4. Beitr.).
Ciarias pentapterus Bleeker (Borneo 4. Beitr. 1. c). — CL
leiacanlhus Bleeker (Borneo 5. Beitr. 1. c).
Plolosus castaneoides Bleeker (Riouw 1. c).
Nach I. F. G. Smith (Proeeed. zool. soc. March 1850.; Annais
VII. p. 350.) lebt Callichlhys (die Species ist nicht angegeben) auf der
Insel Mexianna in ungeheurer Menge ; sein Fleisch ist gekocht von
gelber Farbe und sehr wohlschmeckend.
Ayres legte der Boston Society einen Fisch von Para, Van^
dellia cirrhosa, Yor, Verf. hält die von Valenciennes ihm angewiesene
Stellung bei den Hechten für unrichtig , und weist ihm vielmehr wo-
gen der Lage seiner Dornen und Bartfäden, und wegen der Aehnlich-
keit seines Mundes mit Hyposloma einen Platz unter den Silnroiden
an (Proeeed. Boston Soc, IV. p. 31.).
Cyprinoidei. Wie bereits oben p. 77, bemerkt worden ist,
theilt He ekel die Cyprinenfarailie in zwei Abtheilungen, deren erste
diejenigen mit scharf knorpligem Unterkieferrande enthält (Temnochilae).
Von ihr giebt Verf. 1. h. folgende systematische Uebersicht: A. 0 s 1 a-
biatum, vel plica menti versus oris marginem directa instructum;
pinna dorsalis ante pinnas ventrales incipiens ; analis brevis, radio os-
seo nullo ; dentes pharyngei aggregati. Dahin die Gattungen Labeo
Cuv. mit 18 Arien , Rohita Val. mit 28 Arten, Tylognathus Heck, mit
12 Arten, Discognathus Heck, mit 14 Arten , Cyrene Heck, mit 9 Ar-
ten. — B. Os nudum: a. Radius osseus in pinna dorsali , vel ante
vel super pinnas ventrales positus; pinna analis brevis. «. Dentes co-
chleariformes : 2.3.4 — 4.3. 2. Gattung Cyprinion Heck, mit 7
Arten, ß. Deutes cochleariformes 2.3.5 — 5.3.2, wohin die
Gattungen Dillonia Heck, mit einer Art Chondrostoma Dillonii Val. und
Schizopyge nov. gen. (diejenigen Arien von Schizothorax , welche
einen knorplig zugeschärften Unterkiefer besitzen , während der Name
Schizothorax den rundlippigen Arten verbleibt) mit 6 Arten von Casch-
mir, nämlich: S. plagioslomus , sinuatus, curvifrons , longipinnis, niger
und nasus. y. Dentes palaeformes 2.3,4 — 4.3.2. Gatt. Sca-
phiodon Heck, mit 16 Arten, b. Badius osseus nullus. a. Dentes pa-
laeformes 2.3.4 — 4.3.2 Galt. Gythnostotmis Heck, mit 13 Ar-
ten, ß. Dentes aggregati 2.4.4 — 4.4.2. Dahin die neue
Gattung Äspidoparia Heck. Os parvum, cirrhi nulli ; ossa suborbi-
talia genas tegentia ; pinna dorsalis basi hrevis, inter ventrales et ana-
lem Sita, analis longior, ventrales radiis 7 divisis ; linea lateralis valde
deflexa, mit einer neuen Art A. Sardina von Assam. y. Dentes cul-
triformes. Galt. Chondrostoma mit 10 Arten.
In einer Anmerkung zu p. 286 berichtigt He ekel die Diagnose
96 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
seiner Gattung Devario, die er im ersten Bande von Russeggers Rei-
sen p. 1015. aufgestellt hat, folgenderraassen: Dentes cultriformes 5-5;
OS subinferum, labia teretia, cirrhi duo in angulis oris, vel nulli ; pinna
dorsalis et analis basi elongala, utrisque radio osseo laevi, apice flexili ;
tractus intestinalis 4'/2 long. corp. Dahin gehören die 6 von Schle-
gel in der Fauna japonica als Dangila beschriebenen Arten, die 2 Fä-
den besitzen , und Cypr. Devario Buchan. und terilampus osteographus
M'Clell. ohne Fäden.
Von Persischen Cyprinen beschreibt Heckel 1. c. fol-
gende neue Arten:
Scaphiodon Amir^ niger, macrolepis und Saadii aus dem Araxes.
Cyprinion tenuiradius aus dem Kara-Agatsch und Araxes.
Discognatkus crenulatus aus dem Araxes, den Quellen des Saadi
und dem Kara-Agatsch.
Alburnus Iblis, Schejtan aus dem Araxes, caudimacula aus dem
Kara-Agatsch, megacephalus aus dem Araxes,
Colitis Persa aus den Quellen um Persepolis.
Äcanthopsis linea aus Bächen um Fersepolis.
Von Syrien sind von Heckel I.e. als neu beschrieben:
Cyprinion negleclus und
Colitis argyrogramma.
Kach einer Beschreibung und scheniatischen Unterscheidung der
drei bekannten Labeo- Arten des Nil: niloticus Val. , Forskalii Rüpp.,
vulgaris Heck. (Chondrostoma dembensis Val.) beschreibt Heckel
(Russeggers Reisen 1. c. p. 304.) eine ganz neue Art L. horie , die
durch den kleinen Kopf, der den siebenten Theil der Körperlänge ein-
nimmt , das grössere Auge , das ^/x des Kopfes beträgt, und die höhere
Rückenflosse von L. vulgaris sich unterscheidet. D. 3 . 13; A. 2 . 5.
Alle 4 Arten sind abgebildet.
Cz er nay bildete in den Bull, de Moscou 1851. I. p. 281. Tab. VII.
einen Fisch ab , der in den kleinen Flüssen des Charkow'schen Gou-
vernements vorkommt, und dort den iXamen Owsianka führt. Verf. hält
ihn für eine neue Art Aspius, die er ^. Ovsianka nennt, und charakte-
risirt ihn so: argenteus; linea laterali interrupta, pinnam dorsi non at-
tingente, squamarum seriebus 8 supra, 5 infra lineam lateralem, pinna
ani radiis divisis 13. D. 10. Er wird 2 Zoll 10 Lin. lang. Die Schup-
pen, deren eine abgebildet ist, haben keine Längsstreifen.
Auch Bleeker stellte in seinen verschiedenen Ab-
handlungen neue Arten der Karpfenfamilie auf, nämlich :
Barbus wadon, gonionotus , erythropterus , sarananella^ enoplos,
Valenciennesii, oresigenes, brachynemus, podonemus, sämmtlich aus dem
Flusse Kalimas, nur sarananella lebt im Flusse Serayn (Midden en Oost
während des Jahres 1851. 97
Java 1. c). — B. blitonensis (Blilong 1. c). — B. Hoevenii (Borneo
4. ßeitr.).
Capoeta brevis aus dem Flusse Kalimas (Älidden en Oost Java
1. c). — C. microlepis (Borneo 4. Beitr. 1. c). — C. enoplos (Borneo
5. Beitr. 1. c).
Systomus bulu (Borneo 4. Beitr.)
Rohita leiorhynchos und chrysophekalion aus dem Flusse Kalimas
(Midden en Oost Java 1. c). — R. Schlegelii, Arledii (Borneo 5. Bei-
trag 1. c).
Leuciscus argyrotaenitty cyanotaenia in Flüssen (Midden en Oost
Java 1. c). — L. Einthovenii (Borneo 5. Beitr.). — L. cephalotaenia
(Blitong 1. c).
Cobitis barbaluloides (Borneo 5. Beitr. I. c).
Cyprinodontes. Nach der Angabe von J. P. G. Smith
schwimmt Anableps mit den Augen über der Wasserfläche, und dicht
aneinander; ihr Fleisch ist sehr angenehm und ähnlich dem Stint (smelt)
(Proceed. zool. soc. March 1850, Annais nat. hist. Vil. p". 350.).
Aus der Galtung Lebias beschreibt He ekel drei Persische Ar-
ten 1. c. p. 267 : L. Sophiae aus lauen Salzquellen bei Persepolis, L.
punctalus und crystallodon aus dem grossen Salzsee Nemek-Deria, un-
ter Schiraz.
Cliaracini* Reinhardt beschrieb (Vidensk. IVIeddelelser fra
den naturhist. Forening i Kjöbenhavn for Aarene 1849. 1850. p. 37.)
einen neuen Fisch von Südamerika als Epicyrtus xenodon, und kommt
nach einer ausführlichen Discussion zu dem Schluss , dass jetzt drei
Arten der Gattung Epicyrtus bekannt seien: E. gibbosus M. T., E. xeno-
don n. sp. und E. microlepis (E. gibbosus Val.). Mit Recht hält er
die letztere von Valenciennes mit unserem E. gibbosus verwechselte
Art für verschieden; hat jedoch darin einen Irrthum begangen, dass
er die neue und die Valenciennes'sche Art unserer Gattung Epicyrtus
einverleibt, sie müssen vielmehr entweder in die Gattung Exodon Müll.
Trosch. gestellt werden, da sie in den Kiefern zwei Zahnreihen tragen,
wogegen die Galtung Epicyrtus nur eine Zahnreihe hat, oder möchten
vielleicht eine neue Gattung bilden. (Vergl. auch den Bericht über das
Jahr 1849. p.91.).
Reinhardt beschrieb ebenda p. 46. einen Fisch aus der Cha-
raciiienfamilie, der sich durch den Mangel der BauchQossen auszeich-
net, und für den er eine neue Gattung begründet: Hy dropardus
rapax. Die Gattungscharaktere sind folgende : Dentes in osse inter-
maxillari , maxillari elongato, mandibula conici uniseriales caninis ma-
gnis mixti, dentes anteriores mandibulae foveis palati recipiuntur; den-
tes palatini minutissimi granulosi ; dentes pharyngei velutini. Corpus
elongatum compressum , abdomine carinato. Squamae parvae. Aper-
Archiv f. Naturgescb. XVllI. Jahrg. 2. Bd. Q
98 Troschel: Berlcbi über die Leistungen in der Ichthyologie
tura branchialis maxima. Radii branchioslegi quinque. Processus in-
terni arcuum branchialium parva lubercula ossea sunt , aculeis subtili-
bus ornala. Pinnae ventrales nuUae. Pinna dorsalis supra analem.
Pinna analis longissima , basi squamata.
Steenstrup machte inOversigt over det Kgl. danske Videnskab.
Selskabs Forh. i Aaret 1850. p. 77. die vorläuflge Anzeige , dass das
Museum zu Kopenhagen einen Fisch besitzt, der mit der Abbildung des
Anostomus Gronovii vollkommen übereinstimmt. Er wird ihn beschrei-
ben und abbilden, um ihn von der Gattung Leporinus, der Valencien-
nes ihn zuzählte , zu unterscheiden.
Alestes Kotschyi Heckel (Russeggers Reisen 1. c. p. 308.) ist
eine neue Art aus dem Nil , die sich ausser einigen abweichenden
Maassverhältnissen durch die Afterflosse von A. dentex unterscheiden
soll, welche bei dentex einen concaven Rand hat und mit dem letzten
Körperdrittel beginnt, bei Kotschyi dagegen einen convexen Rand be-
sitzt und vor dem letzten Drittel anfängt. D. 2 . 8; A. 2 . 25.
Salmonoidei. Nach de Caumont laicht die Forelle,
(truite) erst im Januar und Februar (Compt. rendus XXXI.
p. 862.).
Samuel Bigelow schilderte im Journal Boston Soc.
Nat. hist. VI. p. 49 die Lebensweise von Salmo fontinalis ,
welcher am Nordostrande des Monadnock -Gebirges lebt. Die-
ser Fisch legt seine Eier in kleine Höhlen, welche erzwischen
Steinen anlegt.
Salmo symmetrica Prescott Fishes of the Winnipisseogee 1. c.
p. 340.
Coregonus Novae Angliae und Neo^Kantoniensis Prescott ib.
Von dem sehr merkwürdigen Fisch, den Ayres im Journal Bo-
ston Soc. nat. hist. VI. p. 53. beschrieb , und von dem schon im Be-
richt über das Jahr 1849. p. 94. die Rede gewesen ist, tragen wir die
Gattungscharaktere nach : Malacosteus, Mund sehr tief gespalten,
der obere Rand meist vom Oberkiefer gebildet, Zwischenkiefer kurz;
Zähne in Zwischenkiefer und Oberkiefer klein, scharfspitzig, im Un-
terkiefer sehr lang, etwas gebogen, hinter ihnen kleinere; keine Zähne»
an Gaumen, Vomer und Kiemenbogen ; eine Doppelreihe auf der Zunge
ein Haufen an jedem oberen Schlundknochen, ähnlich denen auf der
Zunge; eine Rückenflosse nahe dem Hinterende über der Afterflosse
keine Schuppen ; alle Knochen aufFallend weich ; die Kiemendecke be-
steht aus einer Membran, ohne Ossification ; Kiemenbaulstrahlen nicht
erkennbar. Die Art M. niger ist ganz schwarz und ist ausführlich be-
schrieben und abgebildet. Der Fisch wurde im Meere 42" N. ßr. und
50° W. L. gefangen.
während des Jahres 1851. 99
Clupeoidei. Diese Familie enthält nur Beiträge von
Bleeker :
Alausa Schramtnii (Bali 1. c.)
Engraulis balinensis (Bali 1. c).
Pellona xanthopterus (Borneo 5. ßeitr. 1. c).
Chirocentrus hypselosoma (Wahlah Buss. Cor. Fish. II. p. 78.
fig. 199.) Singapore 1. c.
Over eenige nieuwe soorten van Megalops, Dussumieria,
Notopterus en Astronesthes, door Dr. P. Bleeker.
Die hier beschriebenen Arten sind M. macrophthalmus im Meere
und in Flüssen bei Balavja, Dussumieria Hassellii von Batavia, Cheri-
bon , Satnarang , Surabaja im Meere, Notopterus lopis von Batavia und
Samarang in Flüssen und Sümpfen (iV. Bontianus C. V. ist gleichfalls
beschrieben) , Astronesthes chrysopheikadion ( früher Stomianodon ehr.
BIkr. Bijdr. ichlh. Bali).
Notopterus borneensis und maculosus sind von Bleeker (Bor-
neo 5. Beitr. 1. c.) als neue Arten beschrieben.
Heteropyg-ii. Jeffries Wyman hat den blinden
Fisch der Mammulhhöhle in Kentucky untersucht, und keine
Augenflecke gefunden. Da nun aber die optischen Lappen
existiren, und ziemlich gross sind, so macht er den Schluss,
sie seien der Sitz einer andern Function, als der des Ge-
sichts (Boston Proceed. III. p. 349 und p. 357.).
Agassiz ist geneigt, den blinden Fisch der Mammulh-
höhle, Amblyopsis spelaeus, für eine abweichende Form der
Cyprinodonten zu halten (Silliman Amer. Journ. XI. p. 127 ).
Er weist bei dieser Gelegenheit darauf hin, wie wichtig eine
Untersuchung der Embryologie der blinden Thiere dieser
Höhlen sein würde, und wenn man beobachten könnte, wie
sich die Embryonen unter verschiedenen Verhältnissen ent-
wickeln.
Muraenoidei* In einer „Note sur l'anatomie des an-
guilles« giebt Costa ein Resume über seine Untersuchungen
an der Schwimmblase der Fische. Er bezieht sich auf seine
Monographie des Aales , von welcher eine kurze Anzeige im
vorjährigen Bericht p. 94. gegeben ist (Annales d. scienc.'
nat.XV.p. 291.).
Der Wilaal w^ird von Hecke! (Russeggers Reisen 1. c. p.313.)
für specifisch verschieden von den europäischen erklärt und Anguilla
100 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
nilolica genannt ; die Mundspalte ist länger, die Zähne, bedeutend län-
ger und stärker, stehen auf einer schmaleren Binde. — Den sogenann-
ten Gaardaal beschreibt Kroyer (üanmarks Fiske I.e. p. 616. als neue
Art Anguilla migratoria ; der Unterkiefer steht vor dem Oberkiefer vor.
— Anguilla moa B lecker lebt in den Flüssen Javas (Bijdr. Midden
en Oost-Java 1. c).
Lütken hat in einem Aufsatze „Nogle ßernaerkninger
om Naeseborenes Stilling hos de i Gruppe med Ophisurus
staaende Slaeg-ter af Aalefamilien" (Videnskab. Meddelelser
fra den naturhist. Forening i Kjöbenhavn 1851.) die Stellung-
der Nasenlöcher für die Systematik benutzt, indem er nach-
weist, dass die hinteren Nasenlöcher zuweilen bis unter die
Lippen hereintreten. Der Aufsatz ist in diesem Jahrgange
des Archivs p. 255. in der Uebersetzung mitgetheilt.
Zwei neue Gattungen Myi'ophis, 31. punctatus und Chilo-
rhinus, Ch. Suetisonii sind aufgestellt.
Ophiurus hypselopterus B 1 e e ke r (Tijdschr. Wederl, Indie II. p. 69.)
von Borneo.
Symbranchoidei* Aus der Familie der Symbranchoiden
stellte B lecker eine neue Galtung auf (Tijdschr. Nederl. Indie 11. p.
69): Tetr abran chus arcus branchiales 4; apertura branchialis trans-«-
versa; pinnae pectorales nullae ; dentes maxillares et palatini unise-
y riati. T. microphthalmus aus den Flüssen von Bandjermassing.
Oyinuotini. Der arabische Name des Gymnarchus ni-
loticus ist, nach Heuglin ,^Del e far.^ (Vergl. Sitzungs-
berichte der Wiener Akad. 1851. p. 385. u. 452.).
Plectognathi,
Oyinnodoutes* B lecker beschrieb (Riouw 1. c.) als neue
Art Tetraodon [Arolhron) aspilos.
J. A. Smith berichtet über einen Orthragoriscus mola, welcher
an der Küste von Haddinglonshire bei Dunglass gefangen wurde. Maasse
und Färbung sind angegeben (Annais nat. bist. Vlil. p. 346.).
Sclerodermi. Bijdrage tot de kennis der Baiistini en
Ostraciones van den Soenda - Molukschen Archipel door B 1 e e-
ker, overgenomen uit het XXIV. deel der Verhandelingen
van het Bat. Gen. van Künsten en Wetenschappen. Batavia
1851. Diese Arbeit zerfällt in zwei Abtheilungen, deren
erstere von den Balistinen handelt. Verf. kennt aus dem
indischen Archipel und Neu Guinea 32 Arten aus dieser Fa-
während des Jahres 1851. 101
milie, von denen bei früheren Schriftstellern 22 Arten be-
kannt waren, und von denen Verf. 20 Arten besitzt. Es
kommen auf Java 14 Arten, auf Madura 1, Bali 1, Sum-
bawa 2, Sumatra 6, Pinang 9, Singapore 5, Natunainseln 1,
Borneo I, Celebes 5, Molukken 9, Neu Guinea 5. Von die-
sen Arten kommen 14 auch ausserhalb des Indischen Archi-
pels vor. — Von den 20 Arten der Sammlung des Verf. ,
wird ein Conspeclus specierum gegeben ; darauf werden alle
Arten beschrieben ; die 11 neuen Arten sind in Steindruck
abgebildet, es sind folgende:
Monacanthus Cantoris. Schwanz durch kleine nach hinten ge-
richtete Dornen rauh, braun genebelt, Schwanzflosse mit vielen Quer-
binden. — 31. hajam dem vorigen ähnlich, nur 2 braune Binden auf
der Schwanzflosse. — M. choirocephalus, Schwanz glatt ohne Faden an
der Schwanzflosse. — itf, nemurus, desgleichen mit einem verlängerten
Faden an der Schwanzflosse. Alle von ßatavia. In einem Anhange
wird noch M. Schmittii beschrieben.
Alutarius priomtrus, Schwanz borstig und mit 2 Reihen nach vorn
gekrümmter Dornen, mit 3 schwarzen Querbinden am Rücken. — A.
macracanthus, Schwanz glatt, Stirnprofil convex, Schwanzflosse kürzer
als der Kopf, Rückenstachel glatt, fast von der Länge der Schnauze. —
A. amphacanthoides wie voriger, Rückenstachel vorn gesägt, dreimal
kürzer als die Schnauze. Erslere von ßanda-Neira, die beiden letzte-
ren von Balavia.
Fogonognathus barbatus Blkr. (Anacanthus barbatus Gray, Fsiloce
phalus barbatus Swains.) ist hier beschrieben und abgebildet.
Die drei neuen Arten von Triacanthus haben eine gelbliche, braun
gerandete stachlige Rückenflosse , sie heissen T. rhodopterus , Nieuhoß
und oxycephalus.
Die zweite Abtheilung enthält die Ostraciones. Vom
Indischen Archipel sind 8 Arten bekannt, von ihnen gehören
Java an 4 Arten, Sumatra 2, Pinang 3, Singapore l,Bali 1,
Sumbawa 2 , Molukken 4. Ausser dem indischen Archipel
finden sich von ihnen 5.
Verf. stellt zwei neue Arten auf, die auch abgebildet sind: 0.
rhinorhynchos (piscis quadrangularis roslratus Willoughby) und Sebae
(Seba Thes. lli. p. 61. tab. 24. fig. 5.). Auch 0. cubicus Bl. und nasus
Bl.sind abgebildet.
102 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
LophobrancML
Syneinathus haemalopterus Bleeker (Banda I.e.). — S. hetero-
soma Bleeker (Borneo 5. Beitr. 1. c).
Hippocampus kuda Bleeker (Singapore I.e.).
Oanoidei.
H 0 1 1 a r d ist geneigt (Coup cl'oeil sur l'ordre des Ga-
noides, et recherches sur les caracteres des Lophobranches,
pour determiner leurs veritables affmites zoologiques. Comptes
rendus T. XXXI. p. 564.), wieder die Lophobranchier zu den
Ganoiden zu ziehen, auch eine eigene Ordnung der Echinoiden
zu gründen. Die Arbeilen J. Müller's scheinen ihm unbekannt
zu sein.
Die bereits im vorigen Bericht p. 98. erwähnte, von Ayres auf-
gestellte neue Art Polypterus Palmas ist in Journal Boston Soc. nat.
bist. VI. p. 241. ausl'ührlich beschrieben und abgebildet. Es sind 7
Rückenflossen vorhanden, von denen jedoch die letzte mit derSchw^anz-
flosse verwachsen ist.
Heckel beschreibt Russeggers Reisen 1. c. p. 310. als neue Art
Pohjpterus Endlicheri, Kopf und Rumpf sind stark deprimirt, Stirn con-
cav, die 12 Strahlen der Rückenflosse kurz, die einzelnen erreichen die
folgenden nicht; Seilenlinie zweimal unterbrochen. Das Exemplar
stammt aus dem weissen FIuss und ist abgebildet.
Mol in beschrieb das Skelett von Acipenser Ruthenus ,
begleitet von einer Tafel mit Abbildungen (Sitzungsberichte
der Wiener Academie 1851. p, 357.).
Als Fortsetzung seines Reiseberichts vergl. oben p. 74.
besprach Heckel die Stör -Arten der Lagunen bei Venedig.
(Sitzungsber. d. Wiener Acad. 1851. p. 547.).
Während man früher aus jenen Gewässern nur 2 Arten kannte,
unterscheidet der Verf. jetzt 6 Arten, nämlich: a. Acipenser Stur io Linn.
und Ä. huso Linn. b. Die andern vier Arten gehören in die Abthei-
lung mit einfachen Bartläden, rudimentärer Unterlippe und sternförmi-
gen Haulschilden. Als specifische Charaktere werden für sie angege-
ben: A. Naccarii Bonap. Einfaches Nasenschild vor den Slirnschil-
dern. — A. Nardoi Heck. Strahlenpunkte der Schläfen- und hintern
Stirnschilder in einer geraden Querlinie. — A. nasus Heck. Strahlen-
punkte der Schläfenschilder vor jenen der hinteren Slirnschilder ; ein
grosses Nasenschild. — A. Heckelii Fitz, und Heck. Feinkörnige Schil-
während des Jahres 1851. 103
der; Schnauze kürzer als der Zwischenraum der oberen Nasenlöcher.
— Zur Vergleichung werden die beiden andern europäischen Arien die-
ser Abtheilung gleichfalls charakterisirt: A. Schypa Güldenst. Oberer
Mundrand gerade, Rüchenschilder lang. A. Güldenslaedtii Brand. Ent-
fernung der Strahlenpunkte beider Schlüsselbeinschilder der Stirnbreile
zwischen den Augen gleich, Acipenser nasus, so wie die Köpfe der
andern drei Arten sind abgebildet.
Brandt gab der Academie zu St. Petersburg (Bull. X. p. 13.)
Nachricht von zwei jungen 1 Fuss langen Sterläd's (Acipenser Ruthe-
nus), deren einer, ein Männchen, ein vollständiger Albino, deren an-
derer, ein Weibchen, eine hellgraue Varietät war. Sie waren bei
Nishnij Nowgorod gefangen. Beide sind 1. c. abgebildet.
(Selaciiii.
„Bijdrage tot de kennis der Plagiostomen van den in-
dischen Archipel doorP. Blee ker." (Verhandl. van het Bat.
Gen. Deel. XXIV. 1851.). Während in der Wissenschaft bis
zum Jahre 1849 nur 47 Arten von Plagiostomen aus dem
Indischen Archipel bekannt waren, hat Verf. die Zahl auf 70
gebracht, und zwar 29 Haifische und 41 Rochen. Von
mehreren ist der Umriss des Kopfes abgebildet. Unter ihnen
sind folgende neu:
Chiloscyllium Hasselti von Batavia, phymatodes von Samarang.
Carcharias (Scoliodon) macrorhynchus von Batavia, C. {Friono-
don) munsing von Kammal und Surabaja , tjuljot , fasciatus , javanicus,
pleurotaenia sämmtlich von Batavia.
H emigaletts n. gen. e fani. Galeorum : Foramina temporalia
minima; pupilla triangularis superne convexa inferne angulata; dentes
supramaxillares margine exlerno basi vel loti serrati margine interno
glabri ; dentes inframaxillares non denticulali, graciles, basi lata. Sulci
caudales superior et inferior conspicui ; colon valvula longitudinaliter
convolula. H. microstoma und macrostoma (Hypoprion nolalus Blkr.
Ichlh. Faun. M. 0. Java), beide von Batavia
Fristis zysron von Bandjermassing und Pr. dubius.
TrygoH heterurus, undulata, pareh, narnacoides, polylepis, macru-
rus, pastinacoides, sämmtlich von Batavia.
Aetoplatea zonurus von Batavia.
Myliobalis vespertilio (M. milvus Canlor Mal. Fish, non Val.
Mull. Henl.).
In einem Anhange wird Nebrius concolor Rüpp. (Ginglymostoma
concolor Cantor nee Müll. Henl.) als Ginglymostoma Rüppellii besehrieben.
104 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie'
Ueber Carcharias obscurus, der bei Provincetown ge-
fangen war, machte Wym an einige anatomische Bemerkun-
gen (Proceed. Boston Soc. IV. p. 123.
Nach einer Anzeige vonHarvey wurde ein Exemplar
von Carcharias vulpes in der Ringabella Bay, an der Mün-
dung von Cork Harbour gefangen. (Annais. VIII. p. 347.)
Richard Hill lieferte Beiträge zur Naturgeschichte der
Haifische. (Annais nat. bist. VII. p. 353.).
Ebenda p.493.; Proceed. zool. soc. May 1850. machte
Buist eine Miitheilung über den Haifischfang bei Kurrachee.
Bericht über die Ijeistungfeii in der Kiito«
molog^ie ^väiirend des «Jaiires 1§51.
Von
I>r. Hermanii Scliaitm*
Die Abfassung des gegenwärtigen Berichtes ist nnir
durch eine Uebersicht über die entomologischen Leistungen
während des Jahres 1851, welche West wo od mit der am
Stiftungstage der Londoner entomologischen Gesellschaft üb-
lichen Jahresrede verbunden hat (Proceed. of the entom. Soc.
S. 139 — 166.), wesentlich erleichtert worden. Die englischen
und amerikanischen Abhandlungen sind in derselben voll-
ständig, die übrigen dem bei weitem grössten Theile nach in
systematischer Ordnung namhaft gemacht , in einzelnen Fäl-
len kurz analysirt und mit kritischen Bemerkungen begleitet
worden. Ich bin durch diese Uebersicht namentlich mit ei-
nigen in den Vereinigten Staaten veröffentlichten Aufsätzen
bekannt geworden, welche mir sonst wohl entgangen wären,
da die amerikanischen Zeitschriften nur sehr unregelmässig
und spät, zum Theil selbst gar nicht, nach Berlin gelangen.
Daher haben auch mehrere in den Proceedings of the Aca-
demy of Philadelphia enthaltene entomologische Mittheilungen,
welche den Jahren 1849 und 1850 angehören, erst in den
gegenwärtigen Bericht aufgenommen werden können.
Agassiz hat eine Abhandlung „The Classification of
insects from embryological data" im zweiten Bande der
Smithsonian Contributions to Knowledge. Washington 1851
veröffentlicht; unter Embryologie wird hier jedoch nicht die
Entwicklung der Insecten im Ei, sondern ihre Metamorphose
verstanden. Der Aufsatz enthält viel Raisonnement und keine
neuen Thatsachen , beschäftigt sich auch nicht mit der Cha-
rakteristik der einzelnen Ordnungen, sondern vorzugsweise
mit der höhern oder geringern Dignität derselben , verdient
aber doch, von einem Zoologen wie Agassiz ausgehend, hier
näher betrachtet zu werden.
In dem ersten Abschnitte „General Considerations" entwickelt
106 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
der Verf. die Ansicht, dass die Insecten mit saugenden Mundtheilen
höher zu stellen sind als die mit kauenden, weil die saugenden Ima-
gines mit vollkommner Verwandlung in ihrem Larvenzuslande kauende
Mundlheile besitzen , also während der Metamorphose einen andern
Typus der Fresswerkzeuge annehmen ; die kauenden Imagines dagegen
in dieser Beziehung den Larvencharakter beibehalten. Die Reihenfolge
der Ordnungen in der Abiheilung der Insecta Mandibulata ist nun,
dem Verf. zufolge, von unten aufsteigend diese : Neuroptera, Coleoplera,
Orthoptera, Hymenoplera. Die Neuroptera sind, obwohl sie eine voll-
kommene Verwandlung haben , zu unlerst gestellt , weil ihre Larven
unvollkommener organisirt sind als die der Käfer , meistens im Wasser
leben und Kiemen haben , und weil die Imagines weiche Flügel be-
sitzen. Die Orthoptera stehen höher als die Coleoptera, weil die Jun-
gen in einem vollkommneren Zustande aus dem Ei kommen als die
Käferlarven. Die Hymenoptera sind die höchst entwickelten, weil bei
ihnen nur die oberen Kiefer Kauorgane bleiben, die unleren dage-
gen in einen Saugrüssel verwandelt sind , und weil die Larven vie-
ler Hymenopteren mit den Schmetterlingsraupen im hohen Grade über-
einstimmen. In der Abtheilung der Insecta Haustellata nehmen die
Lepidoplera den obersten Platz ein, dann folgen die Diptera , dann die
Hemiptera. Den Grund dafür ^ dass der Insectentypus in den Lepido-
pteren seine höchste Entwicklung erreicht, findet der Verf. in Folgen-
dem : die Raupen sind vollkommener organisirt als die übrigen Larven,
namentlich ist die Verschiedenheit ihrer Körperlheile durch die ver-
schiedene Bildung ihrer Beine deutlicher ausgeprägt als in irgend ei-
nem andern Falle. In der Puppe sind die Kiefer in lange Anhänge
verwandelt , welche dem gegliederten Saugapparate der Hemipteren
analog sind. „Die Aehnlichkeit der Kiefer der Lepidoptera in dieser Pe-
riode mit denen der Hemipteren ist so gross, dass man mit Recht sa«
gen kann , die Form dieses Apparats in der Puppe stellt vollständig
(exemplifies completely) die permanente Bildung des Saugapparals der
Hemipteren dar , so dass die Hemipteren im vollkommenen Zustande
dem frühsten Puppenzustand der Lepidopteren entsprechen." I! „Der
höhere Grad der Beweglichkeit der Mundwerkzeuge bei den Dipteren
erinnert an den Zustand der Kiefer bei den Schmetterlingen im Augen-
blicke, wo sie aus der Puppe auskriechen , und wo sich die einzelnen
Theile des Mundes noch, wie die Bohrer der Dipteren, unabhängig von
einander bewegen , während sie später die proboscis bilden. Indem
der Kiefertypus der Dipteren zwischen dem der Hemipteren und voll-
kommenen Lepidopteren in der Mitte steht, haben die Dipteren auch
eine Zwischenstellung zwischen diesen beiden Ordnungen im Systeme
einzunehmen.'' ! — Der Verf. nennt diese Classification eine genetische
im Gegensalz zu der naturphilosophischen Einlheilung der Insecten in
solche mit unvollkommener und mit vollkommener Verwandlung ; die
l?t^tere gei nämlich auf das einfache Factum , liass ein Inject ver-
während des Jahres 1851. 107
gchiedene Veränderungen durchläuft, die neuvorgeschlagene dagegen
auf die Natur dieser Veränderungen basirt. Als ob, gesezt dass alle
Prämissen des Verf. richtig wären , eine Classification , die bloss auf
die Umbildung der Mundlheile während der Metamorphose Bezug nimmt,
mit höherem oder auch nur mit demselben Rechte eine genetische ge-
nannt werden könnte als diejenige, welche die Veränderung der ge-
sammten innern und äussern Organisation zur Grundlage hat. Nun
sind aber die Prämissen des Verf. ein seltsames Gemisch von irrthü-
mern und Widersprüchen. Für einen Widerspruch muss es doch wohl
gelten , wenn der Verf. die Dignilät der Ordnungen nach der Umbil-
dung, welche die Mundtheile in Folge der Metamorphose erleiden, be-
stimmt , und doch die Orthoptera gerade deshalb über die Coleoplera
setzt, weil sie in einem vollkommneren Zustande aus dem Ei kommen,
d. h in diesem Falle, weil die Mundtheile bei der Larve schon ganz
dieselbe Bildung zeigen wie beim vollkommenen Insecte. — Wenn der
Verf. kauende Mundtheile als charakteristisch für die Larven bezeich-
net, so hat er auf die Hauptmasse der Dipterenlarven keine Rücksicht
genommen , und wenn er die Umbildung kauender Mundtheile in sau-
gende ausschliesslich den Lepidopteren vindicirt , hat er die Bienen
ausser Acht gelassen. Im geraden Gegensatze mit dem Ausspruche des
Verf. sind die Larven der Neuropteren höher ausgebildet als die der
Käfer; sind doch von allen Insectenlarven , welche eine vollständige
Metamorphose durchmachen, die am vollkommensten organisirten, mag
man auf die Bildung der Mundtheile oder auf die der Bewegungswerk-
zeuge Bezug nehmen, in der Familie der Hemerobien zu finden. Und
weit entfernt , dass die DifFerenzirung der Hauptkörperabschnitte bei
den Raupen der Schmetterlinge stärker hervortrete als bei andern Lar-
ven, ist gerade hier der Unterschied zwischen Hinterleib und Thorax
dadurch mehr verwischt als sonst , dass auch liie Segmente des erste-
ren Bewegungsorgane tragen. Die ganze Beweisführung endlich, dass
die Mundbildung der Hemiptercn im vollkommnen Zustande der der
Lepidopteren im frühsten Puppenzustande entspreche, und die Mund-
bildung der Dipteren zwischen beiden in der Mitte stehe , wird durch
die Bemerkung widerlegt , dass der Verf. hier drei ganz verschiedene
Organe, die Maxillen der Schmetterlinge, die Mandibeln der Dipteren und
die Unterlippe der Hemipteren mit einander vermengt hat, Soll man nach
dem bereits Gesagten noch erwähnen, dass nicht die Oberkiefer (jaws)
der Raupen, wie der Verf. angiebt, sich zum Saugrüssel der Schmet-
terlinge umbilden, dass nicht die Unterkiefer es sind , welche bei den
Hymenopteren das Saugorgan geworden sind ? — Es ist sonach wohl
nicht zu vermuthen , dass die Erwartung des Verf. sich erfüllen und
seine Eintheilung die bei uns allgemein gangbare und auf die Art der
Metamorphose gegründete verdrängen werde. Damit soll indessen
nicht in Abrede gestellt werden , dass die letztere eine schwache
Stelle darbietet, indem sie die Pseudoneuroptera weit von den Neu^
108 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
lopteren entfernt, und mit den Ürlliopleren vereinigt, obwohl es für die
Imagines beider Ordnungen noch an einem bestimmten Unterschiede
fehlt. Der von Erichson aufgestellte und von Siebold (F^ehrb. d. vergl,
Anat. S. 589. Not. 5.) angenommene, dass die Unterlippe der Orthoptera
(und Pseudoneuroptera) gespalten, die der echten Neuroptera ungetheilt
sei, wird durch die ungetheilte Unterlippe der Gomphiden entkräftet. —
Auf ein slaffelartiges Uebereinanderreihen der einzelnen Ordnungen
wird man um so leichler verzichten , je mehr man sich mit der An-
sicht befreundet, dass wir es in der INalur mit einer Entwicklung be-
stimmter Typen nach verschiedenen Richtungen zu tliun haben. Es
wird uns dann nur die Frage beschäftigen, in welchen Formen ein je-
der Typus seine höchste Entwicklung erlangt. Bei den Insecten sind
dies der am meisten gangbaren Ansicht zufolge die Coleopteren , weil
bei ihnen die Mundtheile am meisten ausgebildet und die Flügel in
hornige Decken und häutige, allein beim Fluge fungirende ünterflügel
differenzirt sind. Ich habe dem Beispiele Vogt's folgend , in diesen
Berichten mit den Hymenopteren den Anfang gemacht, weniger aus dem
von Vogt in den Zoologischen Briefen hervorgehobnen Grunde , dass
bei den Hymenopteren in der Familie der Bienen saugende und beis-
sende Mundtheile sich neben einander finden , als weil die geistigen
Fähigkeiten der Insekten unzweifelhaft bei den Hymenopteren ihre
höchste Ausbildung erlangen , und diese Ausbildung nolhwendig eine
freilich noch nicht genügend nachgewiesene vollkommenere Organisation
des Nervensystems voraussetzt.
Im zweiten Abschnitte „The metamorphosis of Eudamus Tityrus"
hat A. die Verwandlung einer nordamerikanischen Hesperia sehr aus-
führlich dargestellt und namentlich die äusseren Veränderungen be-
schrieben , welche den üebergang aus dem Kaupen- in den Puppen-,
und aus dem Puppen- in den vollkommenen Zustand bezeichnen. Hier-
bei verweilt er besonders auf der Thatsache , die er Anfangs für eine
neue Entdeckung gehalten hat , die aber seit Swammerdamm's Zeiten
bekannt ist, dass die Gliedmaassen der Puppe zuerst frei und von ein-
ander getrennt sind. — Ein dritter Abschnitt „the special Classification
of Lepidoptera" ist dem Beweise gewidmet, dass die Tagschmetterlinge
an der Spitze der Lepidopteren (und daher nach des Verf. Meinung
an der Spitze aller Insecten) stehen; und zwar ist derselbe darauf ge-
stützt, dass die Papilionen mit aufgerichteten Flügeln sitzen, wobei die
während des Puppenzuslandes nach innen liegende Seite die äussere
wrird. — In einem vierten Capitel „Remarks upon the melamorphoses of
some Dipterjus insects" glaubt der Verf. den Entomologen eine Neuig-
keit mit der Thatsache mitzutheilen , dass unter der eingetrockneten
Larvenhaut der Husca vomiloria sich eine wirkliche Puppe vorfindet!
— Das Schlusscapitel hat den Titel „Relative position of the classes of
Arliculata", und führt den Oken'schen Satz durch , dass Lepidopteren
als Würmer geboren werden , während des Pupi enzustandes den Cru-
'i3 vjh während des Jahres 1851. 109
staceen analog sind und schliesslich echte Inseclen werden, und auf
diese Weise die natürliche Polj^e der drei Klassen der Articulala,
(Würmer, Crustaceen und Inseclen) bezeichnen. Die Arachniden und
Älyriapoden gehören zu den Insecten , und sind die letzleren nach
der Bezeichnung des Verf. Wurm- , die ersleren Crustaceen - artige
Insecten.
Hollard hat in einem Aufsatze über die anatomischen
Charaktere der Haulanhänge bei den Gliederthieren , welche
in Guerin's Revue et Magazin de Zoologie S. 283. veröfFent^
licht worden ist (Recherches sur les caracteres anatomiques
des dependances de la peau chez les animaux articules), die
mikroskopische Bildung der Haare und Schuppen bei den
Insecten behandelt.
Der Verf. sucht nachzuweisen , dass die Haulanhänge der Glie-
derthiere eine weit grössere Aehnlichkeit mit den Haaren «nd Federn
der höhern Thiere , als mit den Haaren auf der Oberhaut der Pflanzen
haben. Die Haare sowohl als die Schuppen der Insecten sind nicht,
wie man gewöhnlich annimmt , modificirte Epitheliumzellen , sondern
selbstständige Bildungen, die im Innern hohl und entweder leer oder
mit einer gerinnbaren Flüssigkeit ausgefüllt sind, und die nur biswei-
len von einer Fortsetzung der Epidermis überkleidet werden; sie ha-
ben deutliche Wurzeln , welche unter der Epithelialschicht liegen und
bald die Gestalt eines Stiels besitzen , bald eine deutliche Anschwel-
lung zeigen , und immer in besonderen Säcken oder Taschen aufge-
nommen werden. In einzelnen Fällen z, H. an den Hinterfüssen der
Dytiscen stellen diese Säcke wahre Follikeln dar. — Die Schuppen
der Lepidoptcren bestehen dem Verf. zufolge aus feinen Röhren, wel-
che parallel zwischen zwei Blättern der Epidermis verlaufen und deut-
liche Querstreifen zeigen. Taucht man die Schuppen in eine Flüssig-
keit, so steigt diese in den Röhren in die Höhe. In dem Stiele der
Schuppen verlieren sich dieselben. Der Veif. scheint nicht abgeneigt
zu sein, diese Röhren für Tracheen (!) zu halten, denn er drückt sich
S. 290. so aus „Les ecailles des Lepidopteres me paraissent constituees
par des especes de petiles trachees placees parallelement sur un meme
plan, enlre deux feuillets epidermiques". — Auf Taf. 8. F. 3 — 8. hat
H. die feinere Struclur der Haare von Musca domestica, vomitoria, Apis
mellifica, iS'otonecta glauca , der Borsten an den Hinterfüssen von Dy-
tiscus marginalis, und der Schuppen von Papilio Brassicae und F. po-
lycliloros dargestellt. — Die Beobachtungen des Verf. bedürfen sehr
der Bestätigung.
Lebert hat die mikroskopische Structur der Muskel-
fasern an einer Reihe von Insecten untersucht und durch
110 Schaum: Beriebt über die Leistungen in der Entomologie
Abbildungen erläutert. „Recherches sur la Formation des
muscles dans les animaux vertebres et sur la struclure de la
fibre musculaire dans les diverses classes d'animaux." Ann.
d. scienc. natur. t.XIlI. S. 182—195. Taf. 7. F. 18— 27. Der
Verf. bestätigt in allen wesentlichen Puncten die Anga-
ben früherer Mikroskopiker , und giebt eine genaue Dar-
stellung der in den einzelnen Fällen etwas abweichenden
Details.
Newport's wichtige Abhandlung über die Bildung und
den Nutzen der Luftsäcke und erweiterten Tracheen bei den
Insecten ist jetzt vollständig in den Linnean Transactions
t. XX. P. III. erschienen. Ueber den Inhalt derselben ist be-
reits in diesem Archiv Jahrg. 1848. t. II. S. 35. nach einem
in Gardener's Chronicle und in den Annais of natural history
mitgetheilten Auszuge berichtet worden.
Der Bau der Insecten ist in seinen Beziehungen zu den
Leistungen und Lebensverhältnissen dieser Thiere von Leu-
ckart in diesem Archive S. 1---25. dargestellt worden.
Den Verdauungs-Prozess der Seidenwürmer hat B o u-
chardat Rev. et Mag. d. ZooL (8.34-- 40.) besprochen.
B. fand, dass die im Chylusmagen der Seidenraupen enthaltenen
Stoffe eine entschieden alcalische Reaction zeigen , welche nicht von
den Maulbeerblättern, deren Saft vielmehr schwach sauer reagirl, son-
dern von dem Secret der Speicheldrüsen heirührt. Dieses Secret wan-
delt das Stärkemehl in Zucker um und bildet mit öligen Substanzen
eine vollkommene Emulsion, besitzt daher dem Verf. zufolge die we-
sentlichen Eigenschaften des pankreatischen Saftes der höhern Thiere.
Die in dem Dünndarm enthaltenen Stoffe zeigen eine saure Reaction,
welche von dem Secretc der Malpighi'schen Gefässe herzuri'ihren scheint^
Die Ansicht , welche der Verf. über die physiologische Function der
einzelnen Abschnitte des Darmkanals bei den Insecten ausspricht , i»t
seil lange allgemein angenommen.
Von J. Da vy ist eine Reihe von Experimenten ange-
stellt worden, um die Wirkungen extremer Temperaturgrade,
der meisten Gase und verschiedner Dämpfe auf Insecten zu
ermitteln. „On the effects of certain agents on insects.«
(Trans, of the entom. Soc. I. S. 195— 212.)
Es geht aus diesen Experimenten hervor , dass eine sehr nie-
während des Jahres 1851. ill
drige Temperatur auf Insecten nicht ganz auf dieselbe Weise wie auf
hibernirende Säugethiere einwirkt. Während bei diesen der üeber-
gang von einem activen Leben zu einem Zustande von Torpor sehr rasch
erfolgt, vermindert sich die Lebensthäligkeit der Insecten sehr allmählich,
bis zuletzt die Bewegungen ganz aufhören. In ähnlicher Weise geht
auch das Erwachen vor sich, wenn die Temperatur wieder erhöht wird.
— Stickgas, Kohlensäure, Hydrogen, Schwefelwasserslolf und Chlor
brachten dieselben Effecte hervor, wie bei höheren Thieren, Schwefel-
wasserstoff und Chlor wirkten sehr rasch und letal. — Von Dämpfen
erwiesen sich besonders Ammoniakdämpfe, Salpetersäure, Campher,
Terpentinöl und Blausäure als tödtlich, sie wirkten verschieden schnell,
aber alle so, dass kein Insect, nachdem es in Folge derselben einmal
bewegungslos geworden war , der Luft ausgesetzt , vollständig wieder
auflebte.
Sehr interessante Beobachtungen über die Entwiclilung
eines Hymenopteron aus der Familie der Pteromalinen sind
von Filippi in den Annal. d. scienc. nat. (XV. S. 294. Taf.5.)
mito^etheilt worden. Es scheint hier eine Art von Ammen-
Zeugung statt zu finden, v\^elche von dem Generationswechsel
der Aphiden und Talaeporien wesentlich verschieden ist, und
an die durch J. Müller's Untersuchungen bekannt gewordenen
Vorgänge bei der Metamorphose der Seeigel erinnert , inso-
fern eine jede sogenannte Amme nur die Entwicklung eines
einzigen Individuums vermittelt.
F. erzog aus Eiern von Rhynchites betuleti in grosser Menge
einen parasitischen, nicht näher bezeichneten Pteromalinen, dessen Ent-
wicklung stets in folgender Weise vor sich ging. In den transparen-
ten Eiern zeigte sich unter dem Mikroskop ein sehr kleines geschwänz-
tes, mit Borsten besetztes Thierchen (gewöhnlich nur eins, in seltenen
Fällen zwei, selbst drei in einem Ei) , welches durch seine Form und
seine Borsten dem Verf. zufolge an gewisse Dipterenlurven erinnert
(F. sagt nicht an welche, mir ist keine ähnliche bekannt) und Anfangs
keine Spur einer innern Organisation zeigt , aber seinen Schwanz wie
eine Peitsche bewegt. Bald erscheint eine Art Blase im Körper dieses
Parasiten, welcher jetzt seine Beweglichkeit verliert, bei zunehmendem
Wachsthum der Blase sich ausdehnt und unter Verlust seines Schwan-
zes sich zu einem einfachen Sack umgestaltet. Die innere Blase ent-
wickelt sich mehr und mehr , zeigt zuerst die Anlage eines Kopfes,
macht wurmförmige Bewegungen und gieht sich endlich als Larve ei-
nes Pteromalinen zu erkennen , welche ausgewachsen mit zwei zarten
langen Kiefern ausgerüstet ist und an den Seiten des Körpers einen vor-
stehenden Rand besitzt. 8 — 10 Tage nach ihrem Erscheinen häutet
sie sich, zerreisst hierbei die äussere Haut des ursprünglichen Farasi-
112 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
ten und spinnt sich einen braunen Coccon in dem Ei des Rhynchites.
Nach weiteren 8 Tagen kriecht das kleine Hymenopleron aus. — Es
drängt sich hierbei zunächst der Gedanke auf, dass sich ein Parasit in
einem anderen Parasiten, die Larve eines Pleronialinen etwa in der Larve
eines üipteron , entwickelt hat ; gegen diese Annahme sprechen aber
mehrere gewichtige Gründe. In etwa 100 Fällen , die der Verf. be-
obachtete, war der Vorgang immer derselbe, niemals bildete sich der
erste Parasit seinerseits weiter aus , der letztere war auch so klein,
dass er nicht durch den Legestachel des Pleromalinen durchbohrt wer-
den konnte, endlich entwickelte sich auch die Larve im Innern in ei-
ner Weise, welche von der Entwicklung andrer aus einem Ei hervor-
gehender Ichneumoniden gänzlich verschieden ist, — Der erste Parasit
ist vielmehr als die Amme der Pteromalinenlarve zu betrachten. Der
Verf. hat diese Art der Zeugung passend eine Generalion von zwei
Graden genannt , sie ist von der Forlpflanzung der Blattläuse wesent-
lich verschieden. P. spricht schliesslich die Vermuthung aus, dass ein
ähnliches Verhältniss bei Xenos und IMeloe stattfinden könnte, und dass
hier die activen mit drei Beinpaaren versehenen Larven, welche aus
den Eiern kommen, sich nicht seihst in die trägen wurmähnlichen Lar-
ven, welche sich verpuppen, verwandeln, sondern die letzteren erzeugen.
Westwood hat den Verfasser durchaus missverslanden ; wenn
er (Proc. ent. Soc. S. 172.) den Inhalt der obigen Abhandlung so re-
sumirt „F. hat einen Aufsatz über den Parasitismus eines Dipteron und
Hymenopteron veröffentlicht. Eier von Rhynchites betuleti waren von
einer Dipterenlarve heimgesucht , in deren Körper sich ein andrer Pa-
rasit aus der Familie der Pleromalinen ausbildet. Da das Weibchen
des letztern nach F. kein Mittel besitzt, ihre Eier an die Zweiflügler-
larve abzusetzen, so wird die letztere von F. als eine Amme angese-
hen, und es wird angenommen, dass in Folge eines Generationswech-
sels hier bisweilen ein Parasit aus der Ordnung der Dipteren, biswei-
len einer aus der Ordnung der Hymenopteren entwickelt' werde!!!".
Wäre dies wirklich die Ansicht von Filippi, so wären die Ausrufungs-
zeichen , mit welchen Westwood sein Referat beschliesst , allerdings
ganz an ihrem Platze.
Dass die bei den Blattläusen normale Fortpflanzung ohne
Befruchtung , für welche Owen die sehr glücklich gewählte
Bezeichnung Parlhenogenesis in Vorschlag gebracht hat, aus-
nahmsweise auch in der Familie der Bombyces vorkommt,
wird durch einen von Curtis beobachteten und von Filippi
(Ann. d. scienc. nat. XV. S. 297.) mitgetheilten Fall ausser
Zweifel gesetzt.
Curtis erhielt aus Nord- Amerika eine Puppe der Saturnia Poly^
phemus , aus der in England ein weiblicher Schmetterling auskroch.
während des Jahres 1851. 113
Dieser legte Eier , welche sich sämmtlich entwickelten. Leider ist
nicht angegeben , bis wie weit die Entwicklung verfolgt wurde. —
Diese Thatsache giebt den früheren ziemlich zahlreichen, aber von Sie-
bold bezweifelten Beobachtungen, dass von weiblichen Bombyces ohne
Befruchtung Eier gelegt wurden , aus denen Raupen auskrochen , ein
neues Gewicht.
Verschiedene Missbildungen von Insecten wurden wie-
der in den Sitzungen der entomol. Gesellschaft in Paris vor-
gezeigt (Bull. S. LXXXII. S. LXXXVIII.), es sind indessen nur
solche, die bereits mehrfach beobachtet worden sind. —
Eine monströse Melolontha vulgaris, deren rechtes Fühlhorn
mit drei deutlichen siebenblättrigen Keulen versehen ist,
wurde von Ler eb oulle t (Guer. Rev. et Mag. d. Zool. S. 433.
Taf. 11. F. 3.) beschrieben und abgebildet.
Dass eine ganz ähnliche Missbildung, die ebenfalls das Fühlhorn
einer Melolontha vulgaris betraf, von Wessmael beobachtet worden ist
(Jahresber. f. 1849. S. 147.), ist Lereboullet entgangen, aber nachträg-
lich von Guerin bemerkt worden.
Einen höchst merkwürdigen Zwitter der Formica san^
guinea hat Tischbein (Ent. Zeit. S. 295.) bekannt gemacht.
Das Exemplar ist der Länge nach durch eine gerade Linie in
zwei gleiche Hälften getheilt, und zwar so, dass es rechts Arbeiter
und links Männchen ist. Die Verschiedenheit der beiden Hälften ist
daher grösser als bei irgend einem andern bis jetzt beobachteten Her-
maphroditen. An der linken Seite sind die Flügel vollständig ent-
wickelt, die der rechten natürlich fehlen.
Sur la maladie des vers ä soie en general et sur la
muscardine en particulier par Bouchardat (Rev. et Mag.
d. Zool. S.41— 45.).
B. bestätigt die Angabe von Guerin , dass das Blut der an der
Muscardine erkrankten Seidenraupen nicht wie sonst alcalisch, son-
dern schwach sauer reagire, und glaubt, dass hierin die Hauptursache
für die Entwicklung der Krankheit liege , indem sich auch in einem
künstlich durch Milchsäure gesäuerten Blute der Seidenraupen nach
etwa 24 Stunden Sporen, denen der Muscardine ähnlich, entwickelten.
Der Verf. vermuthet, dass diese saure Reaction des Blutes mit einer
Verminderung der Salze und organischen Säuren und mit einer gleich-
zeitigen relativen Vermehrung der Mineralsäuren in dem Safte der
Maulbeerblätter zusammenhängen möge.
Von Boheman sind einige Fälle von Parasitismus be-
Arcbiv. f. Naturcescb. XVül Jahrg. 2. Bd. H
114 Schaum: Bericht über die Leislunge« in der Entomologie
obachtet und Vet. Akad. öfvers. 1850. S. 211. zusamtnenge-
stellt, in denen die Entwicklung der Parasiten m vollkom-
menen Insecten vor sicli ging.
Die erwähnten Fälle sind kurj folgende: 1. Aus einem leben,
den Harpalus kam eine PA««a curvicauda aus. 2. Tvfklo,vhck,fa.omta
„„d RoL werden oft von einem kleinen Puro..alinen he-mgesucht,
der «eine Eier in die Verbindnngss.elie von Thorax und Abdomen ab-
zusetzen pflegt. 3. Aus einer Forficula auricularia mit ungewöhnlich
stark aogeschwoUnem Abdomen drängte sich eine Diplerenpuppe zwi-
schen Thorax und Abdomen hervor, welche eine Tachina set.fenms
Zetl. lieferte. 4. Aus Oedipoda ajanoftera entwickelte sich Conofs vü-
lata, und 5. aus Ori/cles nmicornis Sarcofhaga slrmta.
Von hohem Interesse würde, wenn sie sich vollkommen
bestätigen sollte, eine Beobachtung von B o wring in Hong-
kong sein CProc. ent. Soc. S. 36. 76. 104.) , dass die Raupe
eines Schmetterlings ein Parasit der chinesischen Fulgora can-
delaria ist.
Die Raupen, in Länge von 1-6'" variirend , sitzen auf den
Bückensegmenten der Fulgora (selten mehr als eine auf einmal) s.nd
mit einem wolligen Puder bedeckt, verlassen ausgewachsen das Wohn-
thier, spinnen sich einen Coccon und liefern einen Schmetterimg m.t
schön gekämmten Fühlern. (Sollten die Raupen vielleicht nur von
dem Wachse zehren, welches die Fulgorcn bekanntlich ausschwitzen?)
In einem der Pariser Academie mitgelheilten Aufsatze
,Note sur le parasilisme" (Compt. rend. t. 33. S- 135^' ^^^•
et Mag. d. Zool. S. 408-412., Ann. of nat. h.st. Vlll. S.425.)
hat sich L Dufour besonders mit der Frage beschäftigt,
wie die im Innern voilkommener Insecten schmarotzenden
Larven respiriren.
In der vor Jahren bekannt gemachten Abhandlung über die Ver-
wandlungsgesehichte der Ocyptera bicolor, welche im Innern von Pen-
tatomapunctipcnnis erfolgt, hat der Verf. bereits bemerkt, dass das
Athemrohr am Kürperende der schmarotzenden Larve sich in emem
S^'gmT des Wohnthiers belindet. In einem andern Falle beobac.ee
er. dass eine in der Bauchhöhle von Andren» aterrima lenende l),pte-
,e;.Larv« ihre Athemlöcher an einen der beiden grossen Lutsacke
dieser Bienen angeheftet hatte. - Die Larve einer "-«» «J» 7^'»
( u in der Familie der Museariae). welche sich in der Bauchhohle
von Brachyderes lusitanicus entwickelt, nimmt mit ihrem hmtern Kor-
perende selbst, welches zwei Stigmen trägt, ein Stigma des Rüssel-
käfers «in und athmet auf diesem Wege atmosphärische Luft ein.
;'l' während des Jahres 1851. 115
Chenu hat ein encyclopädisches Werk begonnen, wel-
ches die ganze Classe der Insccten umfassen soll und den
Titel führt : „Encyclopedie d'histoire naturelle par le Dr. Chenu;
ouvrage resumant les observations des auteurS anciens et
comprenant toiites les decouvertes modernes." Es sind bis
jetzt drei Bände desselben (Paris chez Marecq et Co. 1851
und 1852.) erschienen; der eine behandelt die Tag- und
Abendschmetterlinge und ist mit Hülfe von Lucas ausgear-
beitet worden; die beiden andern mit Unterstützung von De s-
marest verfassten sind Coleopteren gewidmet und enthalten,
der erste die Famiüen der Cicindelen, Carabicinen, Dytisci-
den, Hydrophilen, Silphen und Nitidularien, der zweite die
der Staphylinen, Pselaphen, Dermestinen, Byrrhen, Trichopte-
rygier , Cryptophagiden , Ptinen , Lymexylonen , Clerier und
Malachier.
Das Werk ist nur nach dem iMassstabe eines Buchhändler» Unter-
nehmens zu beurtheilen, als solches ist es aber nicht ohne VVerth, in-
dem die bisher errichteten Galtungen ziemlich vollständig zusammen^
gestellt, auch die Beobachtungen über die frühem Stände mit Fleiss
compilirt sind. Die einzelnen Angaben des Verf. sind freilich nicht
überall ohne weitere Kritik als richtig anzunehmen, indem er z. B.
von der neuholländischen Carabicinengattung Lestignathus Er. sagt, dass
sie in Deutschland einheimisch sei , indem er von dem merkwürdige^
Höhlenkäfer Stagobius Schiödte bemerkt, dass er sehr klein und mit
Ädelops Tellk. nahe verwandt sei, indem er die Gattung Pteroloma zu
den Carabicinen stellt, u. s. w. Einen wesentlichen Theil des Wer-
kes bilden zahlreiche dem Texte beigegebne Holzschnitte und 108 Ku-
pfertafeln , 40 mit Lepidopteren und 68 mit Coleopteren. Die Abbil
düngen sind grossenlheils Copien, die der Tagschmetterlinge besonders
aus Doubleday's Genera of diurnal Lepidoptera , viele sind indessen
auch Originalzeichnungen ; sie sind zum Theil recht kenntlich, zum Theil
aber auch ganz verfehlt und in der schlechtesten französischen Manier
ausgeführt.
„Historia fisica y politica de Chile publicada bajo loff
auspicios del supremo gobernio por Claudio Gay. Zoologia.«
In dem 4— 6ten Bande des der Zoologie gewidmeten Theiles
dieses wichtigen Werkes sind, mit Ausnahme der Lepidopte-
ren, Dipteren und Hemipteren, die verschiedenen Ordnungen
der Insecten enthalten , und zwar sind die Thysanura von
Nie ölet, die Thysanoptera ^ Orthoptera , Neuroptera \on
Blanchard, die Hymenoptera von Spinola behandelt; in
116 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
die Bearbeitung der Coleoptera haben sich S o 1 i e r und
Blanchard in der Weise getheilt , dass Solier mit Aus-
nahme der von Spinola beigesteuerten Clerii die Penta-
mera und Heteromera , Blanchard die Tetramera, Trimera
und Dimera des Latreille'schen Systems geliefert hat. Alle
Gattungen und Arten sind in lateinischer Diagnose charakte-
risirt, mit den wichtigsten Synonymen versehen und dann in
spanischer Sprache ausführlich beschrieben. Die Zahl der
neuen Gattungen und Arten ist ausserordentlich gross , wie
dies bei unsrer geringen bisherigen Kenntniss der chilesi-
schen Insecten-Fauna nicht anders zu erwarten war. Nach
dieser Aufzählung besitzt Chile 21 Thysanura, 8 Epizoa, 893
Coleoptera (433 Pentamera, darunter 114 Carabici, 67 Sca-
rabaeides; — 165 Heteromera; — 294 Tetramera , darunter
174 Curculionides , 58 Cerambycini , 43 Chrysomelinae; —
2 Trimera; — 3 Dimera), 46 Orthoptera , 33 Neuroptera im
älteren Sinne, 7 Thysanoptera, 134 Hymenoptera (83 Aculeata;
4 Tenthredinetae). Von dem Atlas, welcher dem Werke bei-
gegeben ist, ist auch bereits ein Theil der den Lepidopteren,
Dipteren und Hemipteren gewidmeten Tafeln erschienen, da-
gegen fehlen noch einige aus der Reihe der für die Co-
leopteren bestimmten. Es sind auf denselben die neuen Gat-
tungen mit ihren charakteristischen Theilen und sehr viele
neue , ausserdem auch manche bereits bekannte Arten ab-
gebildet.
Die Bearbeitung der verschiedenen Ordnungen ist von verschie-
denem Werthe; mit gründlicher Sachkenntniss sind besonders die Thysa-
nura und die Hymenoptera abgehandelt; unangenehm fällt es bei den letz-
tern aber auf, dass die Artnamen Gayi und chilensis fast in jeder Gattung
wiederkehren ; in der Familie der Bienen allein ist der erstere nicht w^e-
niger als achtmal benutzt worden. — In dem Abschnitte „Neuroptera"
sind die Mittheiluogen über die Familie der Libellulinae wenig mehr,
als ein Auszug aus Rambur's Histoire naturelle des Neuropleres. —
Auf die Untersuchung des ihm anvertrauten Theils derColeopteren hat
der seitdem verstorbene Solier viel Sorgfalt verwandt, dennoch ist ge-
rade dieser Theil ohne Zweifel der schwächste des ganzen Werkes,
weil dem Verf. selbst die wichtigsten und unentbehrlichsten Special-
Arbeiten über einzelne Familien dieser Ordnung unbekannt geblieben
sind; ist doch sogar Erichson's Monographie der Staphylinen nicht von
ihm benutzt worden. Da bisher nur eine sehr geringe Zahl chilesi-
scher Insecten nach Europa gelangt war, so hat dies weniger die Folge
während des Jahres 1851. 117
gehabt, dass viele bereits bekannte Arten hier nochmals unter neuen
Namen beschrieben worden sind , als dass die wissenschaftliche Be-
gründung der neuen Gattungen vielfach eine mangelhafte geblieben
ist. Denn so sorgfältig auch Solier stets die Mundtheile analysirt hat,
so hat er doch häufig gerade diejenigen Körpertheile , welche in dem
concreten Falle die besten Charaktere darbieten , unberücksichtigt ge-
lassen, und die näheren Beziehungen der neuen Gattungen zu den frü-
her errichteten nicht gehörig erörtert. Mit der grossen Vernachlässi-
gung älterer Schriften hängt auch der üebelsland zusammen, dass Na-
men wie Gymno gnathus , Decamerus , Nemasoma , Diacantha , Priono^
phora , Amblygnalhus für neue Gattungen in Vorschlag gebracht wer-
den , obwohl sie in der Ordnung der Käfer selbst bereits vergeben
sind, dass Artnamen wie Staphylinus chloropterus , Agabus dilalatus,
Dasytes obscurus , subaeneus , Cardiophorus pallipes , Meloe cancellalus
etc., welche seit langer Zeit in Gebrauch und durch die verbreitetsten
Werke bekannt geworden sind, nicht vermieden wurden. — Ich habe
mich nur nach längerem Bedenken dazu entschlossen , die ermüdende
Registratur-Arbeit durchzuführen und die zahlreichen neuen Arten und
Gattungen bei den einzelnen Familien zu verzeichnen. Es haben mich
schliesslich besonders zwei Gründe dazu bestimmt. Die grosse Zahl
derjenigen Entomologen , welchen das Werk seines hohen Preises hal-
ber nicht zugänglich ist , erhält auf diese Weise wenigstens einige
Kenntniss von dem Beichthum der chilesischen Fauna ; dann wird auch
vielleicht durch die Erwähnung der Namen in diesem Berichte einer
anderweitigen Anwendung derselben vorgebeugt. Die Mittheiluog der
Gatlungsdiagnosen, so wünschenswerth sie auch Manchem erscheinen
mag, war aber bei der grossen Zahl und Länge derselben und bei
dem beschränkten Baume dieses Berichts ganz unthunlich. Eines Ur-
theils über die neuen Gattungen habe ich mich überall enthalten , da
ich keine einzige derselben in Natur vor mir habe und manche Zweifel
gegen die Genauigkeit der in französischer Manier ausgeführten Abbil-
dungen in mir entstanden sind. So ist auf Tafel 6. F. 11. der Co-
Icopteren ein Oxytelus sulcatus abgebildet, welcher an allen Füssen fünf
Glieder zeigt, während doch die Galtung Oxytelus wie bekannt durch
dreigliedrige Füsse charakterisirt ist. So haben die beiden neuen
Staphylinen-Gatlungen Physognathus und Teropalpus in den Abbildungen
an allen Füssen vier Glieder, während in der Beschreibung der ersten
über die Gliederzahl der Füsse gar nichts bemerkt ist, und in der der
zweiten gesagt wird ,,larsi antici arliculis tantummodo quatuor di-
slinctis". Soll man nun in diesen Fällen dem Zeichner oder dem Ver-
fasser die Ungenauigkeit beimessen ?
Einige neue spanische Insecten, aus den Ordnungen der
Coleopteren, Orthopteren und Lepidopteren sind vom Graells
in den Memorias de la Real Academia de ciencias de Madrid
118 Schaum: Bericht ober die Leistungen in der Entomologie
tom. II. 1851. S. 109. bekannt gemacht worden, welche zum
Thell schon früher oder gleichzeitig in den AnnaL d. l.soc.
entom t V. u. t. IX. S. 5. beschrieben und abgebildet smd.
Da die Abhandlung sich nur in den Händen weniger Ento-
mologen befinden dürfte, so hat v. Sieb old die Diagnosen
der nicht in den Ann. d. 1. soc. entom. enthaltenen Arten, in
der Entomologischen Zeitung Jahrg. 1853. N. I. mitgetheilt.
On insects injurious to the cotton plant by W. W. S au n-
ders (Trans. Ent. Soc. I. S. 158.).
Der Verf hat hier die Nachrichten zusammengestellt, welche
sich in verschiedenen Schriften über die der Baumwolle schädlichen
Insecten vorfinden, und beschreibt selbst zwei neue Schmetterlinge m
allen Ständen QArctia Horsfieldii und Eudioptes indica^ , deren Kaupen
in Java auf dieser Pfianze vorkommen. Die hier beigebrachten Belege
beweisen, dass bis jetzt in den verschiedenen Weluheilen 12 Insecten
als nachtheilig beobachtet worden sind , 6 Schmetterlingsraupen, und
zwar 3 in Nord- und Südamerika, welche noch nicht mit Sicherheit be-
stimmt sind, doch ist diejenige, welche in den Vereinigten Staaten
schon mehrmals einen bedeutenden Ausfall der Ernte verursacht hat,
aller Wahrscheinlichkeit nach die Raupe der Fhalaena oblita Xbhot {s^e
ist hier mit dem Schmetterlinge aus Abbot's Werk copirt) , und 3 m
Ostindien, (die beiden obengenannten und die der Depressarta Gossy-
piella Sauud. Ent. Trans. III.), 3 Käferlarven, eine Zirpenlarve, 1 Ci-
me:, und 1 Aphis, welche alle zur Zeit nicht näher bezeichnet wer-
den können.
Eine Eigenthümlichkeit der in der Wüste lebenden Ar-
ten der Orthopteren-Gattung Eremaphila, die sie mit einigen
Reptilien theilen, ist bekanntlich die Uebereinstimmung ihrer
Farbe mit der Farbe des Wüstenbodens. Lefebure, der
diese Erscheinung vor Jahren zuerst zur Sprache gebracht
hatte, wies im Bull. d. 1. soc. ent. S. XXIV. darauf hin, dass
dieselbe Beobachtung in Bezug auf eine in der egyptischen
Wüste vorkommende Ameisen -Art, welche die Farbe des
Porphyrsandes der Wüste besitzt, schon von B ruce gemacht
worden ist. Solche Arten sind Formica Pharaoms und ba-
lamonis Latr.
Der Bericht über die fünfte und sechste allgemeine
Versammlung der niederländischen Entomologen (Verslag van
de fljfte en zesde algemeene Vergadering der nederlandsche
während des Jahres 1851. 119
entomologische Vereenignng) enthält eine Anzahl entomolo-
gischer Notizen, darunter zwei grössere von Verloren über
die Verpuppung und die Entwickelung verschiedener Schmet-
terlinge, namentlich des Sphinx Ligustri und der Psyche ni-
tidella. Meine Unbekanntschaft mit der holländischen Sprache
hindert mich, über den Inhalt etwas Weiteres mitzutheilen.
Von den entomologischen Jahresberichten , welche von
der schwedischen Academie ausgehen und von Boheman
geschrieben sind, ist eine die Leistungen während der Jahre
1847 und 1848 umfassende Fortsetzung erschienen: „Arsbe-
rättelse om Framstegen i Insekternas, Myriapodernas och
Arachnidernas Natural-Historia for 1847 och 48, tili Kongl.
Vetenskaps Akademien afgiven afC. H. Boheman.« Stockholm
1851. 333 S. 8.
Ilyitienoptera.
Einen vorzüglichen Catalog der brittischen Hymenoptera
aculeata haben wir von F. Smith erhalten. „List of the Spe-
cimens of british animals in the collection of the british Mu-
seum. Part. VI. Hymenoptera aculeata. Printed by order ofthe
trustees.«
Der Verf. hat in demselben nicht allein die bis jetzt in Grossbrittaniän
beobachteten Arten vollständig aufgezählt, sondern auch die mit besonderer
Sorgfalt durchgearbeitete Synonymie einer jeden Species mitgetheilt. Das
Schriftchen ist daher für das Artensludium der Hymenopteren von grosser
Wichtigkeit. In der Familie der Bienen, und besonders in der Gattung
ßombus, welche der Verf. seit Jahren zum Gegenstand eines speciellen
Studiums gemacht hat , ist eine nicht geringe Anzahl der von Kirby
aufgestellten Species nach Prüfung der Originalexemplare wieder ein-
gezogen worden. In einem Appendix hat der Verf. einige neue und
wenig bekannte Arten beschrieben, welche ich bei den einzelnen Fa-
milien namhaft machen werde. Im Ganzen sind bis ietzt in Grossbrit-
tanien 414 Hymenoptera aculeata aufgefunden worden, welcho^sich auf
die einzelnen Familien und Gattungen in folgender Weise vertheilen:
22 Fo rmica riae (9 Formica , 10 Mijrmica , 1 Myrmecina, 1 Sle-
namma, l Ponera) , 5 Mutillariae (3 MuliUa, l^Myrmosa, 1 iH«-
thoca)y 3 Scolielae (3 Tiphia^, 2 Sapygidae {%Safyga), 20 Pom-
pilii (17 Pompilus , 2 Ceropales , 1 Aporvs') , 6 Sphegimae (3 Äm-
mophila, 1 Misciis, l Sphex , 1 Dolichurus) , 7 Larralae (3 Larra,
1 Miscopkus, \ Dinblus, 2 Astata), 13 JSyssenii {5 T^ysson, 8 Oxy-
120 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Je^Ms), 74 Crabronit es (3 Trypoxylon, 35 Crahro ^ l Stigmus, l
Spilomena, 3 Diodontus, 3 Passaloecus, 3 Pemphredon , 3 Ceratophorus^
2 Cemonus , 2 Mellinus , 1 ^/yson , 5 Gorytes , 2 Harpaclus , 2 Psew,
3 Mimesa, 5 Cerceris, 1 Philanlhus^ , l^Eumenidae (l EumeneSf
3 Symmorphus, 6 ^ncis(rocerMS, 3 Orfj/ncrMs), 6 Fespariae (6 Fespa),
220 Apiariae (4 Colletes , 8 Prosopis , 7 Sphecodes, 27 Halictus,
74 ylnt^rena, 2 Cilissa, l Macropis, 1 Dasypoda, 2 Panurgus, 9 Mega-
chile, 13 Osmia, 1 Anthocopa, 4 SleliSf 1 ^mmoiafes, 1 Epeolus, 24
Nomada , 4 Coelioxys , 2 Melecta , 1 Anthidium , 2 Heriades , l Chelo-
stoma , 2 Ceratina, 1 Eucera , 3 Saropoda , 2 Anthophora , 4 ^paf^ns,
18 Bombus, 1 ^/jis), 23 Chrysidides (2 Cleptes, 12 Chrysis, 8 //c-
dychrum, 1 Elampus^,
Vier neue, in das obige Verzeichniss bereits auFgenommene brit-
tische Arten sind von Smith in Newm. Zool App. p. CXXV. beschrie-
ben worden.
Wessmael hat eine kritische Revision der belgischen
Hymenoplera fossoria begonnen „Revue critique desHymeno-
pteres Fouisseurs de la Belgique« (Bull. d. l'Acad. d. ßrux.
t. XVIII. S. 362— 384., u. S. 451— 493.) und in den zwei bis
jetzt erschienenen Stücken die Mutillidae, Scoliidae, Sapygi-
dae und Fompilidae in ebenso gediegener Weise als früher
die Ichneumoniden bearbeitet.
Die Mutillidae sind in Belgien durch 1 MutiUa, 1 Myrmosa, 1
Melhoca — die Scoliidae durch 2 Tiphia — die Sapygidae durch 2
Sapyga — die Pompilidae durch 2 Ceropales , 18 Pompilus , l Salius,
2 ^porws, 13 Priocnemis, 1 yJgfema, 3 Pogonius repräsentirt ; in der
letzten Familie zeigt die belgische Fauna daher ein bedeutendes Uc-
bergewicht über die grossbrittanische. — Diejenigen Arten , welche
dem Verf. keinen Stoff zu Erörterungen darboten, sind bloss namhaft
gemacht , die Mehrzahl jedoch mit Bemerkungen begleitet und mehr
oder weniger ausführlich beschrieben; einige neue werden am syste-
matischen Orte zur Sprache kommen. — Eine grosse Sorgfalt hat der
Verf. auf die Feststellung der Synonymie verwandt.
Förster hat 'auch in diesem Jahre zwei Decaden
neuer Hymenopleren, darunter vier neue zu den Familien der
Chalcidier und Braconiden gehörige Gattungen, im 8. Bande
der Verh. d. naturhist. Vereins der Rheinl. S. 1. bekannt ge-
macht. Auf Tafel 1. sind Flügel und Fühlhörner von mehreren
derselben dargestellt.
Compte rendu des Hymenopteres inedits provenants
während des Jahres 1851. 121
du voyage entomologiqiie (lelM.Ghiliani dans lePara enl846.
par M. Spinola (Mem. de l'acad. d. scienc. de Turin. Serie
11. tom. XHl).
Es sind hier 76 mit wenigen Ausnahmen neue Arien, von denen
mehrere die Errichtung neuer Galtungen nöthig machen, aufgezählt und
beschrieben.
Einige nordamerikanische Hymenopteren sind von H a 1-
demau (Proc. Phil. Acad. IV. S. 203.) charakterisirt worden.
Descriptions of some new species of exotic Hymeno-
ptera in the British Museum and other coUections by F. Smith
(Ann. of nat. hist. VIII. S. 28.).
Der Verf. hat es sich sehr bequem gemacht, und einige neue
Arten, ohne Rücksicht auf die verwandten, beschrieben, ja selbst eine
neue Gattung errichtet, ohne nur ein Wort über ihre systematische
Stellung zu sagen. Dass mit solchen Arbeiten der Wissenschaft kein
Dienst erwiesen wird, habe ich schon wiederholt ausgesprochen.
A. White hat sich mit der geographischen Verbrei-
tung der Hymenopteren im arktischen Nord -Amerika be-
schäftigt (Arctic Search. Exped. by Sir J. Richardson vol.
II. S. 354. Ann. of nat. hist. VIII. S. 503.).
Da der Verf. selbst mit den Worten schliesst , dass es noch an
Material fehle, um die Verbreitung der Hymenopteren in jenen Brei-
ten zu beurtheilen, so fragt man billig, warum er überhaupt die Notiz
veröffentlicht hat.
JForinicariae* Zu der im vorigen Jahresberichte angezeig-
ten Arbeit von Förster über die rheinischen Ameisen hat Nyl ander
(Ann. of nat. hist. VIII. S. 126.) seine Bemerkungen mitgetheilt. Sie
beziehen sich besonders auf die Bestimmung einzelner Arten und sind
auf die Ansicht von Exemplaren gestützt , welche Förster selbst an
Walker gesandt halte. In mehreren Fällen hat F. nach INylander's Älei-
nung untergeordneten Charakteren eine zu grosse Bedeutung beigelegt,
namentlich kann die Gestalt und das Material der Haufen nicht zu Art-
unterschieden benutzt werden, indem die Ameisen zum Baue derselben
die Gegenstände, die ihnen zunächst zur Hand sind , zusammenlragen,
dieselbe Art, wenn sie Fichtenwälder bewohnt, Fichtennadeln, wenn sie
auf Wiesen vorkommt, Grasslückchen dazu verwendet. Grösse und
F"arbe der Ameisen ist auch manchen Abänderungen unterworfen. —
Als Form, con^fcrens hat Förster F. congerens^y]. 5 und F. rufa -y1 $
eingesandt. — In F. polyctena Forst, vermag N. nur eine Varietät von
rufa zu erkennen, — F. piniphila F. ist = congerens Nyl. Zu dieser
122 Schaum: Bericht fiber die Leistungen in der Entomologie
gehört wahrscheinlich auch truncicola Forst. , welche sicher von trun-
cicola Nyl. verschieden ist. — F. sanguinea Lalr. Forst. = dominula
Nyl. — In F. slenoptera Forst, vermag Nyl. nur cunicularia Lalr. zu
sehen. — F. fusca Forst, ist = nigra Linn. — F. limida und aliena
scheinen nur Formen einer Art zu sein, die vielleicht selbst nicht von
F. nigra L. abweicht. Tapinoma collaris ist = F. glabrella Nyl., die
Errichtung der Gattung Tapinoma erscheint ungerechtfertigt, da der
einzige Unterschied darin besteht, dass die Schuppe des ersten Hinter-
leibsringes niedergedrückt ist. — Myrmica impura Forst, ist nach N.'s
Meinung nur eine blasse Abänderung von M. fuscula. — 31. laeviuscula
Forst. = nitidula Nyl. — M mvscorum Forst, scheint von muscorum
Nyl. abzuweichen. — Formica exsecta, flava, fuliginosa, glebaria, Mijr~
mica ruginodis , laevinodis , scabrinodis , acervorum , fuscula Forst, sind
die gleichnamigen Arten von Nylander,
Einige von Ghiliani in Fara gesammelte Ameisen, unter denen
sich auch eine neue Gattung befand, wurden von Spinola (Compt.
rend. d. Hym. de Fara) beschrieben: Cryptocerus atratus Linn. $ (mar-
ginatus Fabr.), Cr. o culatus , Cr.? rimosus, Myrmica dissimi-
lis, Leptalaea m andib ularis , Ponera r ufic o rnis , Cosmae -.
getes homalinus. Von der letzten Gattung sind nur die Arbeiter be-
kannt, die durch vollständigen Mangel der Augen und Nebenaugen,
durch Abwesenheit des Stachels, Continuilät des zweiten und dritten
Hinterleibssegments und durch Länge und Stellung der Fühlhörner cha-
rakterisirt sind; die letzteren sind nämlich kürzer als der Kopf und
nahe am Munde eingelenkt. Von C. homalinus besitzt Sp. ausser einem
bei Para gesammelten Exemplare drei andere , welche aus Algier
stammen sollen. — Bei Erwähnung der Gattung Myrmica bemerkt Sp.,
dass M. hamaia Fabr. und Formica vagans Oliv, verschiedene Arbei-
terformen derselben Art sind. — Anhangsweise beschreibt er noch
Odontomachus G hilianii, eine von Gh. in Andalusien entdeckte Art,
die erste europäische dieser Gattung.
Derselbe hat auch mehrere neue chilesische Arten (in Gay's
Faun. chil. t. VI.) bekannt gemacht. Formica dist ing uenda, chi-
lensis, ovaticep s , 7iigriventris, Myrmeca lyncea, G ay i,
Atta bispino s a , von denen allen indessen nur die Arbeiter bekannt
geworden sind.
Itorylidae. Haldeman gab (Proc. Phüad. Acad. IV. S.205.)
eine Beschreibung von Dorylus planicep s , einer neuen Art aus Nord-
amerika.
Apiariae. Mit einer sehr grossen Zahl neuer Arten aus Chili,
von denen mehrere zur Errichtung neuer Gattungen Veranlassung ga-
ben, ist diese Familie von Spinola (in Gay's Faun. chil. t. VI.) be-
reichert worden, nämlich mit Bombus chilensis, Hemisia chile7i'
w&hrend d€9 Jahres 1851'
123
5»», nigerrima, Diphaglossa (n. G.) Gayi, Anthophora trt-
slrigata^ chilensis, incerta, Gayi, distinguenda, Tetralo^
nia (n. G.) , flavitarsis, melanura, Gayi, melaena, Mega^
Chile chilensis , pollinosa, mel atronicha , Anthidium Gayi,
chilense, steloides, Epiclopus (n. G.) Gayi, Melecla septem-
notata, Epeolus gigas, Gayi, luctuosus, Camptopayum Gay*,
nomadoides , maculatum, tr ifascialum, subm etallicum,
hir sutulum, nigrttm, varipes, Haliclits chilensis, chloris,
nigro - marginatus , nigro - co eruleus , proximus, muta-
hilis, emarginatus , corinogaster , Gayi, posticus, Gaya-
tinus, Chilicola (n. G,) rubriventr is, plebeja, longitarsa,
Caupolicana (n. G.) Gayi, fulvicollis , hirsuta, Colletes chi^
lensis, nig rov entris , tetra, semicyanea, albopilosa, mar-
ginata, cognata, cyaniv entris , dimidiata, fulvipes, semi-
nitida, Pasiphae (n. G.) co erulescens , flavicornis , rufi-
t entris, tristis, Sphecodes chilensis.
Derselbe beschrieb auch (Compt. rend. d. Hyni. de Para) eine
Anzahl neuer Bienen aus Para: Halictus amoenus, semi- auralus,
Megachile xanthura Latr. , Ancyloscelis ornata, lineata, nigri-
pes, Exomalopsis fulvopilo sa, analis, Trigona Ghilianii,
T. iestacea, T.? peltata. Die neue Gattung Exomalopsis weicht
von Anthophora und Telralonia besonders durch das nicht gewölbte,
mit dem Gesicht und der Oberlippe in gleicher Fläche liegende Kopf-
schild ab, wodurch der Kopf eine eigenthümliche Physiognomie erhält.
Den Charakter von Ancyloscelis Latr. setzt Sp. hauptsächlich in die
Bildung des oben nicht gewölbten Hinlerleibs, welche es möglich macht,
dass derselbe von unten nach oben weit zurückgebogeo werden kann.
In den Jahrbüchern des Vereins für Naturkunde im Herzogthum
Nassau Heft VII. Abth. 2. S. 1—106. hatScbenck die in Nassau vor-
kommenden Bienen bearbeitet. Älit Ausnahme von 35 Andrenen, 3 Kir-
byen, 5 Hylaeen, 2 Megachilen, 3 Osmien , 2 Dichroen, welche unbe-
stimmt geblieben sind , werden von ihm nur bereits bekannte Arten
kurz cbarakterisirt. Die Gesanimtzahl alier belauft sich auf 218 Smith's
wichtige Abhandlungen über brittische Bienen sind vom Verf. nicht be-
nutzt worden.
Von Smith (List of brit. Hymen, acul. S. 191 ff.) wurden Ha-
lictus fasciatus Nyl., Andrena apicala Smith $, Andr. simillima n.
sp., Osmia parietina Curt. ^ , 0. fuciformis Latr. und Bombus arcli-
cus Dahlb. beschrieben ; da die letztere Art aber von dem früher in
Parry's Voyage aufgestellten B. arcticus Kirby verschieden ist, so ist sie,
einer brieflichen Mittheilung zufolge, später von White mit dem Namen
Smithianus belegt worden. — In Newman's Zool. (App. S. CXXVII.)
ist von demselben Nomada mislura als neue brittische Art auf-
gestellt worden.
124 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Smith gab eine neue Beschreibung von Lestis bombylans (Apis
bombijlans Fabr.) nach beiden Geschlechtern und stellte eine neue Art
L. aerata auf (Trans. Ent. Soc.V. S. 179.); beide sind in Neuholland
zu Hause, und die erstere sehr gemein, sie baut ihre Zellen in den
hohlen Stämmen einer Zamia. Mit Unrecht hat St. Fargeau Apis mus-
caria Fabr. als Weibchen zu Lestis bombylans gezogen ; sie ist , der
ßanhs'schen Sammlung zufolge, eine männliche Xylocopa.
Einige Bemerkungen über das Nest von Bombus Derhamellus hat
Derselbe (Proc. oF the ent. Soc. S. 111.) mitgetheilt. S. fand in dem-
selben eine grosse Menge eines kleinen Acarus, die Larven von Vo"
lucella bombylans , Cryptophagus Lycoperdi in allen Ständen (die Larve
lebt von Wachs und Honig), einige Exemplare von Emphylus glaber
Gyll. und zahlreiche von den Coccons der Bienen sich ernährende Rau-
pen der Tinea sarcitella.
„On the habits of Osmia parietina, by F. Smi th« (Zool. S. 3253.).
230 Coccons dieser Biene wurden auf der Unterseite eines Steines
von 17" Länge bei 6" Breite im November gefunden, etwa ein Dritt-
Iheil war leer , andere enthielten das vollkommene Insect, andere Lar-
ven, in einigen fand sich als Parasit Chrysis austriaca. S. besprach
bei dieser Gelegenheit die Unterschiede, welche die Weibchen mehre-
rer nahe verwandten Osmia-Arlen (0. parietina, xanlhomelana , fusci-
formis und pilicornis) darbieten.
Von Lucas wurde der entomologischen Gesellschaft in Paris
das von ihm aus Algier mitgebrachte Nest der Chalicodoma sicula vor-
gezeigt und Bull. d. I. soc. ent. S. XLIV. kurz beschrieben ; es stimmt
sehr mit dem der Chalicodoma muraria überein.
Z ollin g er hat in einer holländischen in ßatavia erscheinenden
Zeitschrift (Natur en Geneeskundig Archiv voor Neerlands Indie. IlL
Jaarg. S. 295.) eine Mittheilung über einen auf Java angeblich in dem
Magen der Xylocopa violacea in Men^e vorkommenden Acarier veröf-
fentlicht, welche v. Frantzius (Ent. Zeit. S. 236,) übersetzt hat.
Die Beobachtung ist so ungenau , dass Nichts daraus zu machen ist ;
jedenfalls ist die Xylocopa falsch bestimmt und es wird wohl, wie v.
Fr. vermuthet, X. amethystina gemeint sein.
Vespariae* Eine Anzahl neuer Arten von Para machte Spi-
nola (Compt. rend. d. Hym. de Para) bekannt: Chartergus zonatus,
Brachygaslra scutellata, Polistes api cipennis, irina, para en-
siSf angulicollis, minutissima ^ transversesignata (one-
rala^ Lep.), translucida (pallens Lep. var. ?), Didymogastra geni~
culata, Eumenes Gh ilianii, Odynerns'i azurescens, 0.? ca~
r inula tus, 0. infernalis.
Neue chilesische von Spinola (in Gay's Faun, chil.) beschrie-i
während des Jahres 1851. 125
bene Wespen sind: Epipona chilensi s , dicomb o da , pilipalpa ,
Odynerus chilensis, mar gini colli s ^ hirsutulus, obscuripen-
n^is , ruficollis, Gay i , atigulicollis, scabriusculus, ambi-
guus, Ettmenes e xcipie nda , tuber culiventr is. — Diesen fügte
Saussure in einem Nachtrage Ca. a. 0. S. 561.) noch folgende hinzu:
Odynerus coquimbensis, anluco, moliiiae, villo sus , maypi-
nus , tuberculatus, coarctatus, colocolo , chiliotus , Bu~
stillosii und bemerkte, dass der von Sp. beschriebene Odynerus ati"
gulicollis in die Gattung Älaslor Lep. gehört. (Von einem Genfer hätte
man besser gebildete Namen als colocolo, anluco etc. erwarten sollen.)
F.Smith setzte (in Newman's Zool. App. S. CLXXIII.) die spe-
citischen Unterschiede der Vespa vulgaris Linn. und V. germanica Panz.
aus einander. Die Hehaarung der erstem ist in allen Ständen länger
und dichter, die Männchen der V. germanica haben etwas dickere und
längere Kühler, und etwas anders gebildete Geschlechtsorgane ; bei den
AVeibchen dieser letzlern ist die schwarze Binde des Basalsegments des
Hinterleibes, welche bei V. vulgaris $ stets ganz ist, immer unterbro-
chen; die Arbeiter unterscheiden sich am wenigsten, doch hat bei ih-
nen der schwarze Fleck auf dem Clypeus fast immer die Gestalt einer
Hellebarde. V. germanica ist in ihrer Färbung sehr conslant, während
V. vulgaris zahlreichen Abänderungen unterworfen ist und in man-
chen der V. germanica sehr nahe kommt. Die Angaben des Verf. stützen
sich auf die Untersuchung zahlreicher Nester.
F. Smith hat (Trans. Ent. Soc. I. S. 176.) das Nest der süd«
amerikanischen Polistes Lanio Fabr. und ein ganz aus sandigem Lehm
erbautes einer andern , gesellschaftlich lebenden Wespe beschrieben,
dessen Bewohner indessen in dem letzteren Falle nicht bekannt ge-
worden sind. Als Parasit fand sich in dem Neste der genannten Po-
listes Trigonalys bipustulalus Smith, in welchem der Verf. nachträglich
Sphex compressa Degeer (soll depressa heissen) erkannt hat. Polistes
Lanio, Trigonalys compressa und das Nest der unbekannten geselligen
Wespe sind vom Verf. Taf. XVI. Fig. 1 — 3. abgebildet worden.
Derselbe theilte (ebenda S. 180.) mit, dass die neuholländische
Gattung Abispa ein sehr künstliches Nest aiis Kalkmörtel erbaut, und
gab Taf. XVI. Fig. 4. eine Abbildung von Abispa Ephippium.
Hasarides* Die Zahl der Fühlerglieder von Masaris ist auf
Veranlassung von L.Dufour von ßomand und Lucas untersucht
worden. R. zählte bei einem Exemplare von Masaris vespiformis, wel-
ches er des gespaltenen letzten Hinterleibsringes halber für ein Weib-
chen hält, zwölf Glieder, indem sich nämlich bei genauerer Untersu«
chung ergab , dass das lange Endglied (das achte) aus fünf innig mit
einander verwachsenen Gliedern besteht CBuU. d. I. soc. ent. S. LIL);
126 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Lucas stimmt in seiner Angabe mit Latrcille und Blnnchard überein;
er konnte an dem typischen , im Pariser Museum aulbewahrten Exem-
plare dieser Art, welches er aus demselben Grunde, wie R., für ein
Weibchen ansieht, nur acht Glieder erkennen, lieferent hat neuerdings
nachgewiesen (Bull. d. 1. soc. ent, 1852.), dass die von R. u. L. ver-
glichenen Exemplare nicht Weibchen, sondern wie Latreille richtig an-
genommen hat, Männchen sind, dass das bisher noch unbekannte Weib-
ehen durch bedeutend kürzere Fühler und gerundetes letztes Abdo-
minalsegment vom Männchen abweicht , und dass beide Geschlechter
nur acht wahre, gelenkig mit einander verbundene Fühlerglieder be-
sitzen, dass das letzte Glied des Männchen aber allerdings, wie R. an-
giebt, eigentlich aus fünf innig mit einander verschmolzenen Gliedern
besteht. (Ich habe nachträglich ersehn, dass das Weibchen schon in
der De.scription de l'Egypte abgebildet ist und von Latreille für eine
besondere Gattung gehallen wurde. Auch Westwood gedenkt bereits
des Weibchens Inlrod. t. entom. IL S. 243.J.
L. Dufour beschrieb (Ann. d. 1. soc. ent. S. 58. Taf. 3. N. I.)
eine neue in Spanien einheimische Art von Celonites in beiden Ge-
schlechtern unter dem Kamen von C. dispar, bei welcher die Fühl-
hörner des Männchens bedeutend länger sind als die des Weibchens. D.
bemerkte (a. a. 0. S. 63j, dass die fünf bekannt gewordenen Arten die-
ser Gattung zwei Gruppen bilden ; in der einen sind die Fühler bei
beiden Geschlechtern gleich, die ersten Glieder kurz, halbkuglig; die
Abdominalsegmente der Männchen an jeder Seite gezähnt , das letzte
mit vier Zähnen versehen. Dahin gehört C. apiformis und vielleicht
C. Fischeri Spin. — In der zweiten Gruppe sind die Fühlhörner in
beiden Geschlechtern ungleich (beim Männchen so lang wie das Hals-
schild), das erste Glied länger als die folgenden; der Hinterleib
beim Männchen ebenso wie beim Weibchen unbewehrt, der letzte Ring
des Männchens ausgerandet. Dahin C. dispar und vielleicht oranien-
sis Lep. und afer Lep. (Nach der von D. gelieferten Abbildung scheint
mir Celonites dispar Duf. weit eher in die Gattung Ceramius als zu
Celonites zu gehören.)
Jflutillariste. Wessmaöl (Bull. d. Brux. XVIII. S. 365.) hat
die Gattung Mulilla in zwei Unlerabtheilungen zerlegt ; in der ersten
hat das erste Hinterleibssegment in beiden Geschlechtern etwas vor-
stehende, nach vorn gerichtete Basalecken und ist unten mit einem Kiele
versehen, die Männchen haben ausgerandete Augen, grosse Flügelschup-
pen und aussen gespornte Mandibeln , bei den Weibchen sind das 3te
und 4te Fühlerglied von gleicher Länge u. s. w. ; in der zweiten ün-
lerabtheilung , welche der Verf. mit dem INamen Myrmilla belegt,
hat das erste Hinterleibssegment jederseits an der Basis einen hakigen
Zahn und ist unten eben, die Männchen haben gerundete Augen, unbe-
wehrte Kiefer und kleine Flügelschuppen , bei den Weibchen ist das
«'2' während des Jahres 1851. 127
dritte Fühlerglied doppelt so lang als das vierte. Ausser der belgischen
M. rufipes ( ^-^ ephippinm P'abr. ) beschreibt VV. noch einige in der
Schweiz einheimische Arien: M. subcomata $ n. sp. nmthmasslich
das Weibchen der folgenden , von der Farbe einer weiblichen rufipes,
nur ist der erste Hinterleibsring nicht rothgelb , sondern schwarz mit
dunklen rolhgelbcn Seitenrändern, M. Limacidala Jur. ^, M. montana
Panz. ^ $ , welche zur ersten — M. incompleta Serv. fV^ $ ($ di~
stincla Serv.) und M. calva $ , welche zur zweiten Unterabtheiluno-
gehören. Hinsichlich der Bestimmung habe ich zu bemerken, dass M.
incompleta $, wie der Verf. vermuthet, = ciliata Fabr. ist.
Mutilla denliceps und bili neipunct ata, zwei nur im weib-
lichen Geschlechte von Ghiliani aufgefundene neue Arten aus Para,
wurden von Spinola (Compt. rend. d. Hym. de Para) beschrieben.
Spinola's Bearbeitung der chilesischen Hymenopteren (in Gay's
Faun, chil.) macht uns mit vielen neuen Arien von Mutilla und Thyti-
niis und drei sehr ausgezeichneten neuen tJattungen bekannt, nämlich
mit: Mutilla c hilensis , lunula ta , laevior^ tetragonodera,
Gayi, welche sämmtlich nur erst im weiblichen, M. atripennis,
attenuata, tenuiv en tris , die nur im männlichen Geschlechte be-
kannt geworden sind, Bradynobaenus (n. G.) Gayi, Thynnus qua-
drizonatu s, tricolor, erythrurus, hy alinip ennis, Cory-
nura (n. G.) Gayi, flano f as ciat a, Aelurus tridens, Gayi,
Chestus (n. G.) Gayi. Die Gattung Bradynobaenus ist auf ein
Weibchen errichtet, an welchem die verdickten gezähnten Schienen
und das erweiterte, aussen gezahnte erste Glied der Vorder - und Mit-
telfüsse sehr bemerkenswerth ist. Corynura ist in beiden Geschlech-
tern beschrieben. Das Männchen sieht einem Crabroniten nicht un-
ähnlich, das ungeflügeüe Weibchen zeichnet sich durch länglich vier-
eckigen Kopf aus ; die merkwürdigste, freilich nur im männlichen Ge-
schlechte bekannt gewordene Galtung ist aber Chestus, dessen Fühler
die Länge des Körpers haben, dessen Flügel fast ohne alle Zellen sind,
und dessen letzter Hinterleibsring mit drei Spitzen bewaffnet ist.
Von grossem Interesse für die entomologische Geographie ist
die Entdeckung eines aller W'ahrscheinlichkeit nach zu den Thynnen
gehörenden Insectes in Ostindien. Es ist bis jelzt nur ein ein-
zelnes IMännchen desselben bekannt geworden , die Analogie lässt
aber auf ein flügelloses Weibchen schliessen. Westwood hat das-
selbe (Trans. Eni. Soc. I. S. 232.) unter dem Namen Iswara luleus
als neue Gattung und Art ausführlich beschrieben und (Taf. 7. Fig. 5.)
abgebildet. Seine Angaben über die Jlundtheile lauten : mandibulae
graciles , falcatae, apice acutae , intus versus apicem dente tuberculi-
formi praedilae. Maxillae parvae , lobo apicali ovali simplici membra-
naceo paullum ciliato ; palpi max. minuti , ut videtur tri-articulati, art.
128 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
basali brevissimo, secundo longiore, tertio brevi subconico, apice bise-
tigero ; mentum elongato- obconicum , apice reclo truncato ; palpi lab.
niinimi 3-articuIati, arl. fere aequalibus, ultimo suhacuto, seta lerminali.
Die Gallung hat auch im Flügelgeäder einige Eigenlhümlichkeiten.
Das von Capitain Boys gefangene Männchen misst 4y2 Lin.
Zu dieser Familie wird, provisorisch wenigstens, von Spinola
(Compt. rend. d. Hym. de Para) eine auf zwei in Sicilien gesammelte
Weibchen mit rudimentären Flügeln errichtete neue Gattung Mesitius
gestellt, welche durch unbewelirle Beine sehr von den Mutülen abweicht.
Der Kücken des Melatliorax ähnelt dem von Tiphia, die Insertion der
Fühler ist wie bei Omala nahe dem Munde. Es ist nicht unmöglich, dass
die Gattung die Fähigkeit sich zusammenzukugeln besitzt; dann würde
sie zu den Goldwespen in die INähe von Cleples gehören. Die ihrem
Entdecker zu Ehren M. Ghilianii genannte Art ist 5 Mill. lang,
schwarz mit glänzend rothem Thorax.
Scolietae« Spinola beschrieb (Compt. rend. d. Hym. d.
Para) zwei neue Arten aus Para, Sc, hex aspilo ta und Sc. confor-
mis Klug , beide gehören zur Gattung Colpa Lep. , welche durch die
spateiförmigen Dornen der Hinterschienen des Weibchens charakterisirt
ist ; Sp. ist aber nicht geneigt , diese Galtung anzuerkennen, sondern
bringt folgende Eintheilung der Scolien in zwei Gattungen und vier
Unterabtheilungen in Vorschlag: 1. Alaruni superiorum cellulae cubi-
tales quatuor. Scolia Fabr. a. Cellula cub. secunda nervös duos recur-
rentes excipiens. Typus Sc. sexmaculata Fabr. b. Cellula cub. se-
cunda nervum unicum recurrentem excipiens. Typus Sc. horlorum Fabr.
— II. Alarum superiorum cellulae cubitales tres. Campsomeris Lep.
a. Cellula cub. secunda nervös duos recurrentes excipiens. Typ. Sc.
alrala Klug. b. Cellula cub. secunda nervum unicum recurrentem ex-
cipiens. Typ. Sc. ^-punctata Fabr.
Poinpilii» Diese Familie wird von Wessmael (Bull. d.
Brux. XVIII. S, 451.) in zwei Gruppen zerlegt: Pompilidae homoga~
stricae und lypogastricae ; in der ersten , zu welcher die Gattungen
CeropaleSy Pompilus, Salius, Aporus gehören , ist der zweite Bauchring
bei beiden Geschlechtern gleichmässig gewölbt; in der zweiten beim
Weibchen mit einem Quereindrucke versehen , sie enthält Priocnemis,
Agenia, Fompilius. — Als neue Arten wurden von W. Pompilus va-
cillans ^71 (cowcinnws ? Dahlb.), P. anceps +, möglicherweise das
Weibchen von abnormis Dahlb., P. v enuslus J{ $ {elongatus'i Lep.)
beschrieben.
Von Smith wurden drei neue Arten beschrieben : Pompilus acU"
minatus aus England (List of brit. Hymen, acul. app. S. 219.), —
Micropleryx bicolor von Port INatal und M. fasciata ohne Valer-
Jandsangabe (Ann. of mit. bist. VIL S. 28.).
während des Jahres 1851. 129
Spinola stellte als neue Arten auf: Fompilus inconspicuus, ,
sobrinus, gaslricus Kl. (auch in Brasilien einheimisch), dipho~
nichus, Agenia Gayi, xanthopus, argenteo-signata, hirsu"
tulttj speciosa, aus Chile (Gay's Faun, chil.) — Pompilvs dispilo-
tusy niveo-fasciatiis, Agenia diinidiaticornis, von Para (Compt.
rend. d. Hym. d. Para).
Eine mit Pompilus verwandte neue Gattung, welche durch kamm-
artig gezähnte Fühlerglieder sehr ausgezeichnet ist, wurde von Lucas
in der Umgegend von Boghar (Algier) entdeckt und im Bull. d. 1. soc.
ent. S. LXXV. m\t dem^^men Clav elia pompiliformis he\egt. Die
vollständige, mit einer Abbildung begleitete Beschreibung ist später
Ann. d. L soc. cntom. d. Franc. 1852. S. 4l7. Taf. 8. N. II. erschienen;
die Angaben über die Fühlhörner lauten in derselben: antennae elon-
gatae, subconvolutae, duodecim-articulatae , articulis utrinque dentalo-
pectinatis, primo et ultimo tarnen cylindricis.
Spliegcimae» Spinola beschrieb (Compt. rend. d. Hym.
de Para) Sphex nilidiventris , costip ennis , difficilis, Po~
dium nitidum und kaematogastrum, und gab bei dieser Gele-
genheit folgende Synopsis der 7 ihm bekannten Arten von Podium :
A. Metathorax tomento aureo indutus a. alae flavescentes, immacu-
lalae , venis concoloribus. P. flavipenne (Pepsis fl. Fabr. , Pod. lutei-
penne Lep.) b. alae hyalinae , superiores fuscobimaculatae. F. Gorya-
num Lep. — B. Metathorax parce pubescens , tomento aureo de-
stitulus. a. pedes nigri. «. alae flavescentes, immaculatae. P. La^
treillei Spin, (^flavipenne Latr. ) ß. alae hyalinae fusco - maculatae.
+ abdoraen nigrum. P, nitidum Sp. + + abdomen rubrum excepto
petiolo. P. ritbriventre Fabr. b. pedes sanguinei. a. alae flavescen«
tes , immaculatae , abdomine toto sanguineo, P. kaematogastrum Spin.
ß. alae hyalinae, fusco -maculatae , abdomine nigro. P. rufipes Fabr.
— Sp. ist übrigens geneigt, die Gattung Podium mit Pelopaeus zu
vereinigen, ebenso wie er Mischus Jur. nicht von Ammophila getrennt
wissen will. Als Grund der Trennung von Mischus wird die gestielte
dritte Cubitalzelle der Vorderflügel angeführt, dass darin aber kein ge-
netischer Charakter liegt , beweist eine von Sp. hier unter dem Na-
men Ammophila B ocandei beschriebene neue Art vom Senegal, bei
welcher die zweite Cubitalzelle gestielt ist.
Derselbe stellte (in Gay's Faun, chil.) Ceropnles chilensis, Am-
mophila ruficosla, Pelopaeus chilensis, Sphex melaena , chi~
lensis, n. A. aus Chili, auf.
Von Smith (Ann. of nat. bist. VIL S. 28.) wurden Trigonopsis
affinis und violaceus, zwei n. A. aus Brasilien und das noch un-
bekannte Männchen von Chlorion splendidum Fabr. [Pronaeus Campbelli
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 2. Bd. 1
130 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Saund.) aus Ostindien beschrieben. Wahrscheinlich gehört in diese
Familie auch die neue von Sniilh (a. a. 0.) errichtete Gattung Lar~
raxena, mit der einzigen Art L. princep s aus Brasilien; der Verf.
hat über die systematische Stellung derselben Nichts bemerkt, auch die
wichtigern Kennzeichen derselben nicht hervorgehoben; ich beschränke
mich daher darauf, sie einfach namhaft zu machen, denn die ganze Be-
schreibung lässt sich hier nicht mittheilen.
Hai dem an (Froc. Philad. Acad. IV. S. 205.) theilte die Cha-
raktere von Ämpulex pennsylvanicus , einer n. Art aus den Ver-
einigten Staaten mit.
Bennliecitles» Einige neue chilesische Arten wurden von
Spinola (a. a. 0.) bekannt gemacht: Monedula chilensis , seri'
cea^ Bemhex Brullei, sulphurea.
liarratae» Auch diese Familie erhielt durch Spinola einen
Zuwachs von mehreren Arten: Larva rufiventris, chil e n sis ,
Gayi, Pison chilensis^ areolatus , aus Chile (Gay's Faun, chil.)
— Pison par aen sis, Larra /at er ise<osa von Para (Compt. rend.
d. Hym. de Para).
Smith stellte (Ann. of nat. bist. VII. S. 32) SencopÄon« chaly-
baeus als n. A. aus Neu-Holland auf, und beschrieb bei dieser Gele-
genheit die Gattung Sericophorus Shuck., deren Charaktere noch nicht
veröffentlicht waren. Da Sm. aber auf die verwandten Gattungen keine
Rücksicht genommen hat, so geht aus der Beschreibung auch nicht
hervor , welches eigentlich die unterscheidenden Kennzeichen dersel-
ben sind.
Crabronites* Smith stellte mehrere neue brittische Arten
dieser Familie auf: Ceratophorus an l hr ac inus , Crabro inter-
stinctus (Newm. Zool. 1851. App. S. CXXYl.), 'Trypoxy Ion altenu-
ala und Crabro scu t eil aris (List of bril. Hymen, acul. S. 120.).
An dem letztern Orte gab er auch eine Beschreibung von Crabro la-
pidariiis Fabr. , der aber , wie der Verf. selbst vermiithet , das Weib-
chen von Cr. clypeatus Fabr. ist.
Derselbe beschrieb ferner (Ann. of nat. hisl. VII. S.31.) Go~
rytes scutellaris , n. A. aus Brasilien.
Viele neue chilesische Arten sind von Spinola (in Gay's Faun,
chil.) bekannt gemacht worden: Gay e IIa (n. G.) eumenoides,
Trachypus dentico llis , incertus, Hoplisus velutinus, Arpaclus
Gayi, A? larroidcs , Cerceris chilensis, Gayi, Nyson Gayi,
Solierella (n. G.) mis c oph oides , Po dagritus (n. G.) Gayi,
Physoscelus l onginodus , brevino dus , P? crassinodus, Oxy-
belus cor da tus , mar ginellus.
während des Jahres 1851. 131
Eine neue von demselben (Compt. rend. d. ttym. de Para)
beschriebene Art von Para ist Trypoxylon rufimanum.
Cltrysidides* Unter neun von Wahlberg in Südafrica ge-
sammelten Arien dieser Familie hatDahlbom sieben als neu erkannt
und Öfvers. Vet. Acad. Förh. 1850. n. 6. S. 135. unter folgenden Na-
men ausführlich beschrieben: Omarus c oriaceus , Chrysis j ug um,
Bohemani, delic a tula, Schötiherri, mo dica , }/\r ahlb er g%.
Die beiden bereits bekannten Arten waren Chrysis lyncea Fabr. und
Stilbum splendidum Fabr.
Von den chilesischen Goldwespen, welche Spinola in Gay's
Faun. chil. t. VI. beschrieben hat, sind neu: Chrysis Gayi, pu~
berula, Hedychnim diffi eile, carinulatum, Elampus Gayi.
Eine neue brittische Art ist Chrysis o malus Smith (Newm.
Zool. App. S. CXXV.).
Iclineumonicles« Die in diesem Jahre erschienene Fort-
setzung der „Ichneumonologie proven9aIe« par Boy er de Fonsco-
lombe (Ann. d. I. soc. entom. S. 103 — 119.) behandelt nur die Gat-
tung Phygadeuon Grav,, von welcher 19 Arten aufgeführt werden, dar-
unter sind P. nigrescens, obscuratus, cinctellus, ensator,
minor, incerttis, minutus , pug n ator , bellator neu, die
Bestimmung einiger andern ist zweifelhaft (sericans? Grav., jejuna-
tor? Grav., vagabundus? Grav.).
Eine sehr grosse Zahl neuer chilesischer Arten ist von Spi-
nola (in Gay's Faun. chil. t. VI.) beschrieben worden: Ichneumon
aequicinctu s , tartareus, c onnatus , iodopterus, anthra-
cius, via laceip ennis , unicinclus , maculic ox a , spretus,
laterimacula, telr acanthus , macrocerus, p edisequus,
metriurus , rufitibia, melanos c elis , Gayi, saphyrinus,
splendidus , cribricollis, pilic o II is , viduus, rubripes,
laeviusculus , sor didulus, vulgiva gus , pr oblema , cras^
siusculus , ab ortivus , Pimpla fus cip ennis , braconoides,
Gayi, Glypta rufipes, quadriincisa ,^ humilis, Alomyia p e-
tiolaris, Paniscus lu gubri s, Ophion chilen sis, Cremastus albi--
frons, Campoplex leucor ap his , coxalis, unicinctus , ery-
thrurus , marginellus, co g natus , calcaratus.
Von Spinola (Compt. rend. d. Hym. d. Para) wurden auch
mehrere neue Arten aus Para bekannt gemacht: Joppa b imaculala,
Mesostenus trichromus, transversostriatus, cryptoides,
Anomalon? apicip cnne.
Bracouicles. Diese Familie wurde von Förster (Verh. des
132 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
naturhist. Ver. der Rheinl. I]tl. VIII.) mit einer neuen Gattung und sie-
ben neuen Arten von Acoeliits bereichert ; die letztern benennt er A.
determinatus, hy nlinip en 7iis, clandestinus, dubius, par~
vulus, erythronotus, viator, sie sind sämmtlich in der Rhein-
provinz einheimisch. Die neue Gattung führt den Namen Dirrhope,
ist ein Mittelglied zwipchen Microgaster und Acoelius und hat folgende
Charaktere: antennae 12-articulatae , scapo longiusculo ; areola me-
tanoti superomedia nulla ; alae ant. basi angustalae , ramus stigma-
ticus primo perpendicularis , deinde geniculatim flexus apicem ver-
sus procedens; area radialis aperta ; pars posterior nervi cubitalis
ab areola prima exordiens ; areola humeralis media poslica apice
aperta , basi longe petiolala ; alae posl. areolis duabus humeralibus,
praeter' aream submarginalem praeditae; tibiae poslicae medio incras-
satae; abdomen quinque-annulalum. D. rufa, n. A. von Frankfurt
am Alain.
Viele mit einer Ausnahme neue Arten dieser Familie wurden
von Goureau aus den in Blättern minirenden Larven einiger Agro-
myza-, Phylomyza- und Pegomyia-Arten erzogen und Ann. d. 1. soc.
entom.'s. 131 ff. beschrieben „Memoire pour servir a l'histoire des
Dipteres, dont les larves minent les feuilles des plantes et ä celle de
leurs parasites«. Alysia truncator Nees aus Agromyza Macquarti Rob.
Desv. Dacnusa flavipes, aus Agromyza nana Meig., Phytomyza Xy-
lostei Rob. Desv. und Phyt. lateralis Macq. D. incerta vielleicht nur
Abänderung der D. flavipes aus Agromyza pusilla Meig., D. punctum
aus Phylomyza Scolopendrii R. D. , D. maculata aus Phytomyza
Aquifolii, D.Lysius aus Phylomyza horticola, D.Chereas aus Phy-
tomyza ancholiae Rob. Desv., Blacus? Florus aus Agromyza nana,
Coelinius Festus und Aphidius rufus aus Phylomyza primulae Rob.
Desv., Opius Ambirius aus Phytomyza ancholiae, Alysia picta ms
Pegomyia alriplicis Gour.
Neue Chilesische von Spin ola (in Gay's Faun, chil.) aufge-
Slellle Arten sind : Perilitus trigonalis, uncinatus, maculi-
collis, glaucinus, Opius chloristigmct , affinis, trimacu^
latus, Microgaster rubricollis, Agathis laevithorax, rubri-
catal areolata, Blacus? humi.lis, Bracon chilensis, approxi^
mator, Exothecus melanocephalus , cribellatus, anomalo-
pterus, Aleiodes erythroderus, Ischiogonus nubilip enni s,
subapt'erus, Alysia macrostigma, laeviuscula, nemosti.
gma, pulchella, Dacnusa diluta, tripartita.
Von demselben sind auch in dem Compt. rend. d. Hym.
de' Para zwei ueue Gattungen und mehrere neue Arten beschrie-
ben : Eubadizon nigriventre, Curtisella pimploides, Opius
paraensis, Wesmaella rubricollis , Bracon paraensis, tnct-
während des Jahres 1851. 133
sus, Ghilianii. Die Galiung CurtiseUa hat das Flögelgeäder von
Opius, aber das Ausselien von Pimpla , das zweite und dritte Hinter-
leibssegnient sind beweglich mit einander verbunden und niciit ver-
schmolzen. Wesmaella steht Endodontes Wessm. am nächsten, aber die
hintere Ausrandung des Kopfes ist nicht kreisförmig.
Von Halde man sollen Sigalphus tibialis, Chelonns sobri^
nus und lunatus, drei neue Arten aus INordamerika, in den Froc.
Fhilad. Acad. charakterisirt sein. Ich habe die Beschreibungen nicht
vor mir.
Proctotrupii* Als neue Arten sind aufgestellt:
von Förster: Bethylus atelopterus, clarijyennis, fu~
s cipennis, triarealatus , dichotomus, sämmtlich aus der Rhein-
provinz;
von Spinola: (in Gay's Faun, cbil.): Cinelus tabidus, Dia"
pria chilensis, — (Compt. rend. d. Hym. de Fara) : Diapria pa-
raensis.
Clialcicliaeo lieber diese Familie ist wieder eine Abhand-
lung von Walker „Notes on Chalcidites and descriptions of various
new species" in den Ann. of nat. bist. VII. S. 210. erschienen ; sie
enthält eine von Haliday niitgetheilte Synopsis einer kleinen „Tri-
chogrammini^^ benannten Gruppe, und die Beschreibungen von 13
neuen in Irland von Haliday oder in England von üale entdeckten
Arten. Der Gruppen-Charakter der Trichogrammini ist in folgender
"Weise bestimmt: tarsi trimeri, tibiae anticae calcari apice incisae, an-
tennae art. sex, 3 extremis in clavam coarctalis , abdomen subsessile ;
statura Aphalini fere et huic magis affines videntur quam Eulophinis,
Oligosita vere pedibus gracilibus , tarsis secundi paris elongatis, alis
longe fimbriatis Thysani speciem montitur." Sie zerfällt in vier Gat-
tungen : A. alae anticae seriatim pubescentes. -|- vena costam sinu
tantum altingens ad ortum radii. Trichogramma Weslw. -f- -}- vena
costam longius decurrens ante ortum radii. Chaetostricha Hai. — B.
Alae vage pubescentes -|- alae anticae latae, margine subliliter cilialae;
Brachista Hai. + -}- alae anticae angustae, longe fimbriatae (plu-
matae) Oligosita Hai.
Die neuen Arten gehören zu den Gattungen Encyrtus (4), Myi-
na (2) Chaetostricha, Trichogramma, Oligosita, Cea, Iphitracheliis, Me-
gastigmus, Callinome (je 1).
Von Förster (Verb. d. naturhist. Ver. d. Rheinl. Bd. VIII.) sind
drei neue zu dieser Familie gehörige Galtungen bekannt gemacht
worden :
Simopterus, besonders durch die Flügelbildung ausgezeichnet
134 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
und in folgender Weise charakterisirt: antennae fractae, fronti mediae
insertae, artieulis undecim; thorax latus, pronoto lineari-transverso,
mesonoto subintegro , sculello magno , anlice et lateribus suturis pro-
fundis distincte separalo, melanolo valde abbrevialo; alae margine an-
tico fere angulatim flexo ; pedes tarsis pentameris; abdomen thoracis
latitudine et longitudine , depressum, sessile, primo segmento maximo.
S.. venustus n. A. aus der Rheinprovinz.
Aulogymnus , mit Cinospilus Westw. nahe verwandt , und
zur Zeit nur im weiblichen Geschlechte bekannt: ant. lO-articulatae,
art. düobus basalibus flagelli valde exiguis, capitulo triannulato ; meso-
thoracis parapsides discretae ; scutellum integrum ; alarum ramus mar-
ginalis humeri brevior, stigmaticus obliquus , postmarginalis illo duplo
major; tibiae omnes uni-calcaratae ; abdomen sessile, terebra vix ex-
serta. Ä. aceris, aus Gallen von Diastrophus aceris erzogen.
Poropoea, zur Gruppe der Eulophiden gehörig, durch drei-
gliedrige Füsse sich eng an Trichogramma anschliessend, aber mit sie-
bengliedrigen Fühlern und anderem Flügelgeäder : ant. 7-articulatae,
maris filiformes, feminae haud distincte ciavalae ; alae ant. latae , se-
riatim pilosae, nervus submarginalis valde arcuatus, marginem anticum
non attingens , apice capitulatus ; tarsi 3-articulati ; terebra feminae
longe exserta. F. Stollwcr kii , n. A. aus der Rheinprovinz.
Als neue Arten wurden von Förster (a. a. 0.) beschrieben :
Spalangia asluta von Aachen, LcMcospts hoplophora aus Südeuropa,
Euderus arithmeticus und Trichogramma Walke ri von Aachen.
Der Beschreibung von Spalangia asluta hat der Verf. eine analytische
Tabelle zur Bestimmung der Arten dieser sehr schwierigen Gattung
beigegeben.
Goureau beobachtete als Parasiten verschiedener in Blättern
minirender Dipteren-Larven eine Anzahl Chalcidier-Arten, welche von
ihm , nachdem sie von Westwood für neu erklärt worden waren , An-
nal. d. 1. soc. S. 131 fF. beschrieben und Taf. 5 — 7. — jedoch in sehr
wenig kenntlicher Weise — abgebildet sind: Omphale p alustris
Gour. wurde aus Agromyza nana , Entedon lepidus aus Phylomyza
Scolopendrii Roh. Desv. , E. gratus aus Ph. plantaginis Roh. Desv.,
JE. Cyrinus aus Ph. flava Meig., Omphale stigma, Cirrospilus cya~
nops und Systesis celer aus Ph. horticola Gour. , E. coponices
aus Ph. ancholiae R. D. , E. gracilis Westw. aus Ph. lateralis
Macq. erzogen; mehrere derselben scheinen nicht sowohl von den
Dipterenlarven als von den in diesen schmarotzenden Braconiden zu
leben.
Von Nees von Esenbeck wurde (Haidinger Berichte VIL
S. 52 not.) Siphonura Schmidtii als eine neue Art beschrieben, wel-
che von F. Schmidt in Krain als Inquilin der von Cynips lignicola
erzeugten Galle beobachtet worden ist.
während des Jahres 1851. 135
IVeue Arien sind ferner: Eunjtoma pallidicep s Spinola
(Gay's Faun, chil, t. VI.) aus Chili, Smicra a nnulipes , S. Ghilia-
nii , Cleomjimis coli a vis, Eupelnws americanus desselben
(Compt. rend. d. Hym. de Para) aus Para.
Gvaniales« Westwood hat seine frühere Monographie
von Evania und den verwandten Gatlunffen durch einen bedeutenden
Nachtrag vervollsländigt. ,,üescriplions of some new spt;cies l)elonging
to Evania and the allied genera , being a Supplement to a memoir oo
those insecls, published in the third volume of the Trans, of the en-
tom. SoC' (Trans. Ent. Soc. N. Ser. I. S. 213— 232.). — Es werden
hier mehrere synonymische Bemerkungen mitgetheilt , die von andern
Schriftstellern neuerdings beschriebenen Arten zusammengestellt , und
folgende neue hinzugefügt: Evania sericans von King George's Sound
in Australien, E. nobilis aus Brasilien, E. perfida aus Yandiemens-
land , Foenus rufopictus von der Insel St. Vincent, F. Kirbii und
F. Barns toni von der Hudson's Bay , F. varipes aus China, F.
rap hidioides aus dem südlichen Neuholland , F. sp initarsis von
der Goldküste, F. patellatus aus Keuholland , Aulacus G u e rini i
{ater Guer.) und A. haemo rrhoidalis aus Brasilien, A. flavoguti-
tatus aus Süd-Australien, A. ruficeps aus Brasilien (Taf. 7. F. 3. ab-
gebildet), A. resutorivorus von der Hudsons -Bay, ßlegahjra
Shuckardi (Taf. 7. F. 2), aus Neuholland, M. inutilis (Taf. 7. F. 1.)
von Adelaide, Megischus ducalis aus Ostindien, M. ma culipe nnisy
M. submaculatus und 31. cylindricus von Para, J^. indicus
von den Philippinen , Trigonalys maculala Smith (Taf. VII. F. 4.) von
Morelon-Bay in Neuholland.
Trigonalys bipustul ata aus Brasilien und Tr. tnaculata
aus Neu -Holland wurden von Smith (Ann. nal. bist. VII. S. 28.)
als neue Arten aufgestellt. Nachträglich hat der Verfasser bemerkt
(Trans, ent. Soc. I. S. 178.) , dass die erstere = Sphex compressa
Degeer ist (soll depressa heissen); die zweite ist von Westwood
(s. 0.) nochmals unter demselben Namen beschrieben und abgebildet
worden.
Von Spinola wurde diese Familie mit Foenus r ufic o rnis^
Evania Gayi, E. laeviuscula aus Chili (Gay's Faun, chil.), — und
mit Evania paraensis und Iseura Ghilianii aus Para (Compt.
rend. d. Hym. de Para) bereichert. Die neue Galtung Iseura bildet
mit Megalyra Westw. eine kleine Gruppe , welche die Flügel und
Fühler der Braconiden besitzt und durch die freie Articulation des
zweiten und dritten Hinterleibsringes scharf charakterisirt ist. Nach
der Meinung des Verf. würden beide Gattungen richtiger bei den Bra-
coniden stehen.
Cynipseaet Die in Krain Gallenbildungen auf der Eiche er»
136 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
zeugenden Arten sind nach F. Schmidt (Haidinger's Berichte VII.
S. 51.) Cynips quercus folii Linn., C. calicis Burg., C.longiventrisU'Arl.f
C. fecundalrix Hart. , C. corticalis Hart. , Neurolerus Malpighii Hart.,
Teras terminalis Fabr., Cynips lignicola Hart. Inquilinen der von der
letzten Art erzeugten Galle sind die Larven von Synergus Hayneanus
Ratz. Eurytoma signata Nees, E. islriana Koli. , Siphonura Schmidlii
Kees n. A., und die Uaupen von Carpocapsa Kokeilana Freyer; Parasit
der Cynipslarven ist die Larve von Torymus puparum Nees {giganleus
Koll.) und Parasit der Carpocapsa-Raupe die Larve von Pteromalus di~
latalus Koll.
Von Goureau wurde eine neue Cynips aus den Larven von
Fegorayia mitis Macq. erzogen und als C. flava Ann. d. 1. soc. ent.
S. 168. kurz beschrieben und Taf. 7. N. XVII. F. 7. abgebildet. Dass
sich nicht alle Cynips-Arten in Gallen entw^ickeln, sondern einige der-
selben in andern Larven schmarotzen , ist schon von Hartig hervorge-
hoben worden.
Figites picea und Eucharis dicerodera, zwei neue Arten aus
Para, wurden von Spinola (Compt. rend. d. Hym. de Para) aufge-
stellt.
Tentliredinetae. Von Kollar wurde die Naturgeschichte
einer neuen der Zerreiche schädlichen Blatlwespe, Tenthredo Cerris,
im 3. Bande der Denkschr. d. Wien. Acad. erläutert, und das Insect in
allen Ständen beschrieben und abgebildet. Ein Nachtrag zu dieser Ab-
handlung, der sich auf das Eierlegen bezieht , ist in der Aprilnummer
d. Sitzungsber. d. Wien. Aacademie milgetheilt worden. — Die Blatt-
wespe erscheint im Herbst und gehört zu den grössern Arten der Un-
tergattung Emphylus Klug , Hart. ,• von üolerus dimidiatus Lep. scheint
sie sich durch gelbe Schenkel und in der Mitte gelbe Schienen und
den in beiden Geschlechtern gleichfarbigen schwarzen Mittelleib zu
unterscheiden. (Bei D. dimidiatus sind der Beschreibung zufolge die
Beine ganz schwarz und der Mittelleib des Weibchens gelb.) — Das
Weibchen schlitzt die überhaut der jungen Zerreichen -Zweige auf
und schiebt das Ei unter die zarte Rinde , deren Wunde sich in kür-
zester Zeit schliesst, so dass die Brut vor allen schädlichen Einflüssen
gesichert ist. Anfang Mär? entwickelt sich die junge Larve in diesem
Verstecke und nährt sich zuerst von dem zarten grünen Baste der
Zweige; wenn die Eichen ausgeschlagen haben, beisst sie die äussere
Rinde durch und begiebt sich auf die jungen Blätter, die sie bis auf
die Blaltrippen abfrisst. Ende Mai ist sie ausgewachsen und erreicht
dann eine Länge von 11 Linien ; zur Verwandlung geht sie unter
die Erde,
Spinola stellte (Compt, rend, d. Hym. de Para) Didymia v>er-
ticalis f Gymnia apicalis ^ libialis f Tenthredo nigriceps f
während des Jahres 1851. 137
rubricollis , appendiculala , als neue Arten aus Para auf, und
setzte die Untergattangen von Hxjloloma in folgender Weise aus-
einander: A. cellulis radialibus 2, interiore inaxima, exteriore parva,
appendiciformi , interdum aperta , incompleta. a. cellulis cubitalibus
quatuor. Hylotoma Latr. b. cellulis cubitalibus tribus. Didymia Lep.
— B. Cellula radiali unica magna appendice destitula. a. cellulis
cubitalibus quatuor. Plilia Lep. b. cellulis cubitalibus tribus. Gy-
mnia Lep.
Vier neue chilesische Arten von Tenthredo wurden von dem-
selben (in Gay's Faun, chil.) bekannt gemacht: T. coquimbensis,
leucomus, co gnata, varinervia.
Westwood hat in „Gardener's Chronicie" die seltene Lyda
fasciata Curt. im vollkommenen und im Raupenzuslande dargestellt,
die Raupen leben gesellig auf den Blättern des Birnbaums.
Von Heeger wurden die früheren Stände von Dolerus niger
Klug, beobachtet. Die Raupen nähreu sich von Ahornblättern und
spinnen sich ihr Gehäuse, in welchem sie überwintern, in dem aus-
gefressnen Räume der Blätter selbst. (Sitzungsber, der Wien. Acad.
VIL 214. Taf. VII.),
Coleoptera.
Von dem von B la n c h a r d bearbeiteten Käfer-Kataloge
des Pariser Museums ist die zweite Lieferung erschienen, in
welcher die Aufzählung der Scarabaeiden fortgesetzt und
zwar die Gruppe der Melolonthidae und Rutelidae behandelt
ist. „Museum d'histoire naturelle de Paris. Catalogue de la
Collection entomologique. Classe de Insectes. Ordre des Co-
leopteres. 2eme livr." Ueber die Art der Ausführung habe
ich im vorigen Jahre berichtet. Auf den Inhalt des vor-
liegenden Heftes werde ich bei den Scarabaeiden zurück-
kommen.
Von Küster 's Käfern Europa's ist das 22ste Heft er-
schienen.
Suffrian hat zu demselben die Beschreibungen einiger Mallhi-
nen , Bach die einiger Apionen beigesteuert. — Der nordamerika-
nische Clytus erythrocephalus Fabr. wird hier vom Verf. mit Unrecht
der europäischen Fauna zugezählt , weil er ein paar mal lebend
bei Triest und Fiume gefunden ist, er ist offenbar mit Schiffen dort-
hin gelangt.
138 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Von J. Sturm's Deutschlands Fauna, fortgesetzt von
J. Sturm, ist das 21ste Bändchen ausgegeben worden.
Es sind in demselben sämmlliche von Erichson beschriebene
Gattungen und Arten der Rhysodides (ßhxjsodes) und Cucujipes
(Cucujus, Pediacus , Pldoeoslichus , Laemophloeus, Lalhropus , Dendro-
phagus, Brontes, Psammoeciis, Silvanus) , und aus der Familie der Co-
lydier nachträglich die Gattung Anommalus durch vollendet schöne
Abbildungen erläutert. In einem Anhange ist eine dritte Art der Lauf-
käfergattung Anophthalnms bekannt gemacht (s. u.).
Der erste Band von Bach's Käferfauna für Nord- und
Mitteldeutschland mit besonderer Rücksicht auf die preussi-
schen Rheinlande ist mit der zweiten, jetzt ausgegebnen Lie-
ferung geschlossen worden.
Ich habe bereits im Jahresberichte für 1849 bemerkt, dass das
Werk nur aus andern Schriften zusammengetragen ist.
Systematische Uebersicht der Käfer um München , von
Max Gemminger. Jena 1851.
Die Gesammtzahl der bis jetzt hei München vorkommenden Kä-
fer beläuft sich auf 2453 Arten. Es sind aber viele selbstständige
Species vom Verf. als Varietäten aufgeführt, z. B. Platysma anguslala
als Abänderung von oblongopunctala , Graphoderus zonalus von eine-
reus , Silpha dispar von S. sinuala etc. etc. ; Hydroporus reticttlatus
wird wieder, nach Duftschmidl's Vorgange, aber ganz mit Unrecht,
als Weibchen von H. inaeqnalis bezeichnet. Ueberall, wo die Arten
einer Gattung schwierig zu unterscheiden sind (z. B. bei Aniara, Me^
ligethes, Epuraea, Atomaria, Cryplophagtts etc.) , spricht der Verf. die
Ansicht aus, dass eine grössere oder geringere Zahl derselben künst-
lich ist, ohne indessen in irgend einem Falle wirklich eine namhaft
zu machen. In solchen Galtungen ist das Verzeichniss sehr ärmlich.
Von den Staphylinen sagt er S 55: ,,Bei dieser ohnehin so schwieri-
gen Familie ist die Aufstellung neuer Arten wirklich zur Manie ausge-
artet. Wohin soll das Studium der Entomologie kommen , wenn die
Durchlesung ganzer Seilen nothwendig ist, um die Diagnose zweier
kritischer Arten festzustellen und sich trotzdem kein hinreichendes
Merkmal zum Unterschiede erweist? Dahin gehören namentlich viele
der neueren Erichson'schen Arten." !
Bach lieferte im S.Bande der Verhandlungen des na-
turhistorischen Vereins der Rheinlande oinen Nachtrag zu
Förster's Verzeichniss der in der Rheinprovinz vorkommen-
den Käfer (s. Jahresber. f. 1H49), in welchem 77 Arten auf-
gezählt sind.
während des Jahres 1851. 139
Verzeichniss märkischer in Erichson's Käfern der Mark
Brandenburg nicht angegebner Käfer von Kraatz (Ent. Zeit.
S. 283. u. S.291.).
Der Verf. macht 53 Arten namhaft, welche zu den in Erichson's
KäTern der Mark behandelten Familien gehören und erst seit dem Er-
scheinen dieses Werks in der Mark aufgefunden sind. Als neu ist nur
eine, Philontus exilis, aufgestellt. Indem aber auf der andern Seite 6
Erichson'sche Species eingehen , beträgt der Zuwachs im Ganzen nur
47 Arten.
Bemerkungen über Myrmecophilen von Kraatz (Ent.
Zeit. S. 166.).
Die neuen in diesem kleinen Aufsatze mitgetheilten Beobachtun.
gen bestehen in dem Kachweis, dass Homalota caesula Er. in den Ne-
stern von Formica fuliginosa vorkommt und in der Entdeckung eines
neuen Ptenidiwn und neuen Calops , welche bei Berlin in Gesell.
Schaft verschiedener Ameisen aufgefunden worden und hier beschrie-
ben sind,
Mittheilungen über die siebenbürgische Fauna sind in
zwei Aufsätzen enthalten, welche von Fuss (Entomologische
Bemerkungen) und von ßielz (der iSchlossberg bei Deva
und seine Umgebung in entomologischer Beziehung) in den
Verh. des siebenbürg. Ver. f. Naturvviss. S. 112. u, S. 146. ver-
öffentlicht worden sind.
Die bemerkenswertheren von Thomson bei Ramslösa
in Schonen gesammelten Käfer-Species sind Vet. Akad. Öfvers.
1851. S. 132. aufgezählt worden.
Weu sind unter denselben drei Stenus - Arien , deren Diagnosen
ich weiter unten mittheilen werde.
Sieben für die englische Coleopteren-Fauna neue, im J.
1851 zuerst aufgefundene, Arten sind von ihren Entdeckern im
Zoologist namhaft gemacht und vonNewman (ebenda Pref.
S. XI.). verzeichnet worden.
Enumeration des Coleopteres trouves dans le midi de
la France et en Catalogne par Kiesenwetter (Annal.
d. 1. soc. entom. de Franc. S. 385—440. , S. 577—656. , Taf.
11, N. 1.).
Der Yerf. hat hier die interessanteren ^ vorzugsweise bei Perpi*
140 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
gnan , in den östlichen Pyrenäen , bei Gerona und auf dem Mont Ser-
rat von ihm gesammeilen Arten verzeichnet und die zahlreichen neu-
entdeckten sorgfältig beschrieben. Die Mehrzahl der letztern ist schon
in der Ent. Zeit. 1850. S. 217. vom Verf. durch Diagnosen kenntlich
gemacht und in den vorigen Bericht aufgenommen worden, ich er-
wähne daher gegenwärtig bei den einzelnen Familien nur diejenigen,
welche hier zuerst in die Wissenschaft eingeführt werden.
Sieben neue Coleopteren aus Südeuropa und Marocco
sind von Fairmaire vorläufig durch Diagnosen (Rev. et
Mag. d. Zool, S. 527.), später auch durch ausführliche Be-
schreibungen und zum Theil durch Abbildungen (Ann. d. 1.
SOG. entomol. de Franc. 1852. S. 69. ff. ) bekannt gemacht
worden.
Es befinden sich unter denselben zwei neue Gattungen, Ämaurops
zur Familie der Fselaphier, und Harminius zu der der Eucnemiden ge-
hörig, und eine neue Art von Faussus.
Eine grössere Anzahl neuer, meist südeuropäischer Kä-
fer, darunter mehrere neue Genera, hat Mulsant, zum Theil
in Verbindung mit Rey, in den Memoires de Täcademie na-
tionale de Lyon t. I. beschrieben.
Roth hat von einer Centurie abyssinischer Coleopte-
ren die Diagnosen in diesem Archiv (1851. S. 115 — 133.)
mitgelheilt. Der Verf. hat weder Lefebure's noch Gali-
nier's „Voyage en Abyssinie" verglichen und daher eine An-
zahl von Arten als neu aufgestellt, welche bereits in die-
sen Reisewerken von Guerin und Reiche beschrieben sind.
Reiche hat dies Annal. d. la soc. entom. 1852. S. 95.
zur Sprache gebracht und ein berichtigtes Namens -Ver-
zeichniss der 100 von Roth charakterisirten Species mit-
getheilt.
VonBoheman's „Insecta Caffrariae annis 1838—1845
a J. A. Wahlberg collecla" ist der zweite Theil des ersten
Bandes erschienen. (S. Jahresb. f. 1848. S. 122.).
Es sind hier die Huprestiden , Elateriden und die im liatreille'-
schen Systeme folgenden Familien bis zum Schlüsse der Hydrophiliden
behandelt worden. Die Zahl der neuen Arten ist sehr gross, es hat
fiber nur eine mit Tetralobus nahe verwandte Elaleien-Form zur Auf-
während des Jahres 1851. 141
Stellung einer neuen Gattung, Elasmocerus, Veranlassung gegeben. Die
Buprestiden und Lyciden sind vofj Fahraeus bearbeitet.
Coquerel hat in Giicrin's Revue et Magaz. de Zool.
1851. S. 86. die Diagnosen von 31 neuen in Madagaskar
einheimischen Coleopteren veröffentlicht, deren vollständige
Beschreibungen auch bereits in den Ann. d. 1. soc. enlom. d.
Franc. 1852 3eme trim. S. 350. erschienen sind , und daher
bei der Erwähnung der einzelnen Arten gleich mit berück-
sichtigt werden konnten.
Lecon te hat angefangen, die zahlreichen von ihm wäh-
rend eines 14 monatlichen Aufenthaltes in Californien ent-
deckten Coleopteren familienweise bekannt zu machen „De-
scriptions of new species ofColeoptera from California.^* (Ann.
of Ihe Lyceum of Nat. Hisi. of NewYork Vol. V. N. 4. S. 125
—216.).
In der vorliegenden Abhandlung, deren letzter Theil erst im Fe-
bruar 1852 erschienen, aber für diesen Bericht mit benutzt worden ist,
sind die neuen Arten der Tenebrionidae , Melandryadae, Lagriariae,
Anthicidae , Mordellonae , Oedemeridae, Meloides , Hislerini, Cicindeli-
dae , Carabidae , Dyliscidac , Hijdrophilidae, Cleridae und Pselaphidae
beschrieben; viele derselben haben zur Aufstellung neuer Galtungen Ver-
anlassung gegeben. Die Käfer sind in verschiedenen Theilen Californiens
(bei San Krancisco, San Jose, San Diego, Vallecitas, in der Wüste des
Colorado , am Coloradofluss, im Thale des Gila) gesammelt worden.
Charakteristisch für die Fauna des Landes ist besonders das numeri-
sche Uebergewicht der Tenebrioniden. Gelegentlich hat der Verf. in
Noten auch einige noch unbeschriebene Arten aus dem Innern des
nordamerikanischen Continents charakterisirl.
Enumeration des noiivelles especes de Coleopteres rap-
portes par M. V. Mots ch ulsky de son dernier voyage
(Bull. d. Mose. XXIV. N. IV. S. 479.).
lieber die jährliche Vertheilung der Käfer hatFritsch
in den Sitzungsberichten der Wiener Academie (VI. S. 3 — 42.)
einen Aufsatz geliefert, in welchem die Erscheinungszeit der
meisten Käfergattungen bei Prag besprochen und die in den
einzelnen Monaten vorherrschenden Arten namhaft gemacht
werden. Die milgetheilten Data stützen sich nur auf die Beob-
achtung eines einzigen Jahres. Am Schlüsse der Abhand-
lung hat der Verfasser Tabellen über die Periode des Er-
142 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
scheinens sowohl für die Gattungen als für die Familien ent-
worfen.
Sichere Resultate ergeben derartige Beobachtungen nur , wenn
sie durch eine Reihe von Jaliren fortgesetzt werden. Im andern Falle
leiten sie vielfach irre. Als Beleg hierfür führe ich z. B. an, dass
der Verf. für die Arten der Gattung Carabus eine doppelte Generation
im Laufe eines Jahres annimmt und die Dauer ihrer Äletamorphose auf
1 — 2 Monate festsetzt, weil er sie im Mai und Anfang Juni und dann
wieder im Juli und August in grösster Zahl angetroffen hat. Es ist
aber seit langer Zeit bekannt, dass sie 1 — 2 Jahre zu ihrer Verwand-
lung gebrauchen.
Cicindeletae* Diese Familie ist mit folgenden neuen Arten
bereichert worden:
von Coquerel (Rev. et Mag. d. Zool. S. 86. Ann. d. 1. soc.
entom. d. Franc. 1852. S. 359. Taf. 9. Fig. 1.) mit Cicindela fallax aus
Madagascar;
von Leconte (Ann. of the Lyc. of N. York V. N. 4.) mit Ct-
cindela gr avida, imperfecta, t enuisignata , haemorr ha-
gicay sigmoidea, latesi gnat a aus Californien, ascend e ns aus
Georgia, serpens aus Florida, cumatilis aus Louisiana;
von Tat um (Ann. nat. bist. Vlll. S. 49.) : mit Iresia smarag dina
aus Brasilien , grösser als l. Lacordairii mit breiterem Halsschild und
breiteren Flügeldecken (worin die Art von l. Beskii Mannh. und ver-
sicolor Chaud. abweicht, ist nicht angegeben), Odontocheila De Gan~
dii aus Brasilien, Tetracha viridis ebendaher, der T. elongata Rei-
che ähnlich, aber grün, mit kleinerem Kopf, weniger vorragenden Au-
gen, glatteren Flügeldecken (scheint mit Meg. femoralis Perty sehr
nahe verwandt, wenn nicht einerlei zu sein), Myrmecoptera laeia,
ausgezeichnete n. A. aus Abyssinien, grösser als M. egregia Germ, und
anders gezeichnet.
Referent besprach (Ent. Zeit. S- 270.) einige Varietäten der
Cicindela campeslris (C. funebris St., nigrila Dej. , saphyrina Gene,
Olivieria Brülle, maroccana Fabr.).
Catalogue des Coleopteres de la coliection de J. B. Geh in. 1.
Fase. Familie des Cicindeliens. Metz 1851. Ist ein einfaches Wamens-
verzeichniss der in der Sammlung des Verf. enthaltenen Arten. Die
Synonymie ist nichts weniger als vollständig , und enthält mancherlei
Irrthümer; auch die Vaterlandsangaben sind nicht immer genau.
Cara1>icit Laferte- Seneclere hat einen grösseren
Aufsatz über die Gruppe der Patellimanen geliefert „Revision de la
tribu des Patellimanes de Dejean« (Ann. d. 1. soc. ent. S. 209—294.) ;
sie ist von ihm in demselben Umfange , wie von Dejean, angenommen
während des Jahres 1851. 143
und durch denselben Charakter , nämlich durch die viereckige Gestalt
der männlichen Vorderfiissglieder , begründet, womit es dann freilich
in schneidendem NViderspruche sieht, dass die beiden zuerst abgehan-
delten Gattungen Brachygnathus Perty und Isolarsus Laf. einfache, gar
nicht erweiterte Vorderfüsse im männlichen Geschlechle besitzen , ja
die letzlere gerade dieses Charakters halber hier zuerst von Pana-
gaeus abgesondert wird. — Die Gruppe wird vom Verf. in vier ünter-
abtheilungen, jede Unlerabtheilung wieder in eine grössere Zahl von
Galtungen zerlegt, welche in den wenigsten Fällen auf eine sorgfältige
Untersuchung der Jlundtheile, sondern fast ohne Ausnahme auf gering-
fugige Differenzen des Habitus, auf die Gestall eines einzelnen Körper-
theils, selbst auf Behaarung und Färbung basirt sind. In den einzelnen
Gattungen hat der Verf. die in seiner ausserordentlich reichen Sammlung
vorhandenen Arten übersichtlich gruppirt und namhaft gemacht und
die zahlreichen neuen grossentheils in Anmerkungen kurz bezeich-
net; zu einer wissenschaftlichen Begründung der letztern dürften in-
dessen die mitgetheilten Angaben , welche häufig bloss auf die Grösse
und ein oder das andere Kennzeichen Bezug nehmen, nicht immer
hinreichen. Sehr unangenehm fällt hier die höchst unvollständige Be-
kanntschaft des Verf. mit den Arbeiten seiner Vorgänger auf; De-
jean's Species und Catalog, Brulle's und Castelnau's Schriften und Gue-
rin's Revue Zoologiquc sind fast die einzigen Werke, welche von ihm
benutzt sind; alle in England, Nordamerika und Russland und die meisten
in Deutschland über denselben Gegenstand erschienenen Abhandlungen,
und zwar nicht bloss die Beschreibungen einzelner zur Gruppe der Patel-
limanen gehöriger Arten , sondern selbst eine so umfassende Arbeit wie
Leconte's Catalogue of the Geodephagous Coleoptera of the United Sta-
tes , sind gänzlich unberücksichtigt geblieben. Daher sind auch vom
Verf. nicht nur mehrfach Zweifel über die Synonymie von Arten erho-
ben worden, welche bereits völlig geschlichtet sind (z. B. über Cara»
bus angulatus Fabr. und Cychrus reßexus Fabr.) , sondern auch manche
Species als neu bezeichnet, welche seit längerer Zeit sehr kenntlich be-
schrieben ist. (Z.B. Panagaeus lapidarius =. crucigerus Say, Chlaenius
exaratus == niger Randall, Oodes leucodactylus = cupreus Chaud.) —
Die vier Unterabtheilungen , in welche die Gruppe der Patellimanen
vom Verf. aufgelöst wird, sind : die Panagaeites, welche durch einen klei-
nen an der Basis zusammengezogenen Kopf und sehr vorstehende Augen
charakterisirt werden ; die Cklaenides , deren Flügeldecken gewöhnlich
behaart und deren Kinnzahn zweispaltig, deren Halsschild schmäler ist
als die Flügeldecken an der Basis ; die Oodites mit stets glatten Flü-
geldecken , einfachem Kinnzahn und einem Halsschilde , welches ge-
wöhnlich ebenso breit ist wie die Flügeldecken; und die Licinides^
bei denen der Zahn in der Ausrandung des Kinns fehlt. — Die Pana-
gaeites bestehen aus den Gallungen ßracAj/^natÄMs Perty, (Eurysoma
Dej.) , Is otarsus Laf., mit einfachen Vorderfüssen im männlichen
l44 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Geschlechle, wi« ßrachygnathus, von diesem besonders durch die dün-
nen und flachen Bauchringe unterschieden, und die sämmtlichen asiati.
sehen , afrikanischen und neuholländischen, bisher zu Panagaeus ge-
stülllen Arten enthaltend; Panagaeus \.a.\r. ; Coplia Brüll.; Geobius Dej.
(wo die Vorderfüsse möglicherweise auch in beiden Geschlechtern
gleichgebildet sind); und Loricera Lalr. Aus dieser Unterabtheilung
besitzt der Verf. 40 hier aufgeführte Arten. — Die Chlaenides
enthalten CaUistus Bon. ; Ocydromus Dej. n. G., deren Name nachträg-
lich als bereits vergeben in Ocyhatus umgeändert wird, mit messer-
förmigem Endgliede der Maxillartaster beim Männchen (4 n. A.) ; Ver-
tagus Dej.; Hom alolachnus Laf. ursprünglich unter dem vergebe-
nen Namen Omalotrichus aufgestellt, auf Chlaenius sexmaculatus Dej.
gegründet, weil er eine steife, jederseits in zwei Reihen angeordnete
Behaarung besitzt und sich von Chlaenius durch kräftigere Taster mit
in beiden Geschlechtern schwach beilförmigem Endgliede, von Epomis
durch seitlich gerundetes Halsschild, gewölbte und längere Flügeldekr-
ken unterscheidet; B arymo rphus Laf. mit Diaphoropsophus
Chaud. Bull. d. Mose. 1850, einerlei, mit 2 angeblich neuen Arten, von
denen die zweite B. c o ncinnus indessen auch schon von Chaudoir
als D. Mellyi beschrieben ist; AI eptocerus Laf. mit Chlaenius
qua dr ipus lul a lus Schb. Dej. gebildet, von Chlaenius durch ungewöhnlich
breites, maltschwarzes Halsschild und leicht gekrümmtes (cambre) an
der Spitze merklich erweitertes Endglied der Lippentaster unterschie-
den; Hop lo g enius Laf. auf Chlaenius eximius Dej. errichtet, iden-
tisch mit E ccop to m e n US Chaud. (s. vor. Jahresber. S. 170.); Chlae-
nius Bon.; Epomis Bon.; Dilob ochilu s LaL, ursprünglich Tomochi~
lus vom Verf. genannt, für Epomis Westermanni Dej. Cat. gegründet,
dessen Taster im männlichen Geschlechte stark beilförmig, dessen Über-
lippe lief ausgerandet, dessen drei erweiterte männliche Vorderfuss-
glieder etwas länger als breit sind, und der auch im Habitus von Epo-
mis abweicht, insofern die Flügeldecken ohne gelben Rand sind; Aea-
cus Laf., den Chlaenius carbonarius Dej. und eine neue A., A. sly-
gius, beide vom Senegal, enthaltend, welche ganz schwarz sind, de-
ren Halsschild an der Basis so breit ist als die Flügeldecken, und de-
ren Fühlhörner sich gegen die Spitze hin nicht verschmälern; Eury-
dactylus Laf., auf Chlaenius tomenlosus Knoch beschränkt, welcher
schwach beilförmige Taster wie Epomis und sehr breite männliche
Vorderfussglieder besitzt; Dercylus Gast.; Asporiniis Gast.; Gly»
ptoderus Laf. mit zwei neuen A. , G. Guerinii aus Bolivien
und G. aurolimbatus Reiche nus Südmexiko, deren Kinnzahn sehr
entwickelt und deutlich zweispaltig ist, und deren drei im männlichen
Geschlechte erweiterte Vorderfussglieder an Grösse allmählich abneh-
men; Rhopalopalpus Laf., im Aussehen an Poecilus erinnernd, be-
sonders durch die keulenförmige Gestalt aller Tasterglieder ausgezeich-
net, mit einer n. A. , R. poeciloides aus Nordindien ; Amblygem
während des Jahres 1851. 145
nius auf ein einzelnes Weibchen einer neuen, A. chlaenioid es be-
nannten Art aus IVordindien gegründet und daher nur sehr unvollstän-
dig charaiiterisirt, mit gerundetem Kinnzahn, sehr langen zarten Tastern,
deren Glieder alle fast walzenförmig sind, und sehr langer, vorn sehr
schwach ausgerandeler Überlippe; Dinodes Bon. Die Zahl der vom
Verf. erwähnten Arten steigt in dieser Unterabiheilung auf 247. — Die
Ooditen mit 45 A. werden gebildet von den Gattungen Hoplole ~
nus Laf. mit eiförmigem Endgliede der Maxillartaster und eiförmigen
Lippentastern des Männchens (f/. itisignis n. A. vom Senegal) ; Lon-
choslernus Laf. durch die Gestalt des Frosternum ausgezeichnet, wel-
ches ähnlich wie bei Hydrophiius mit einer scharfen Spitze endigt (^Ood.
hispanicus l)e].^ semistrialns De]., siiblaevis Kelche)-, Pri ono gnat hus
Laf. (vergebner Name) mit ungev>'öhnlich langen , in einen zweispalti-
gen Haken endigenden, innen sägeförmig gezähnten Maxillen (P. fossor,
n. A. vom Senegal); Oodes Bon.; H olol eins Laf. mit Chlaenius ni-
tidulus Dej. gebildet, weicht von Oodes durch die Gestalt des Hals-
schildes , welches an der Basis schmäler ist , als die Flügeldecken ,
von Chlaenius durch einfachen Kinnzahn und glatte Flögeldecken ab.
— Die Liciniden enthalten die Gattungen Dicaelus Bon. (16 A.) ;
Rembus Latr. (11 A); LicmMs Lalr. (11 A.) ; Badisler Bon. (6 A.). In
der Galtung Licinus hat der Verf. zwei Dejean'sche Arteji eingezogen,
L. granulatus als Abänderung des silphoides, und L, siculus als solche
des brevicoUis ; zu den Arten \on Dicaelus bemerke ich, dass D. qua-
dralus nicht die gleichnamige Art von Leconte, sondern = dilata-
tus Say, dagegen D. Lecont ei Laf. = quadratus Lee. zu sein
scheint.
Die Bearbeitung der von Bocande in den portugiesischen Besit-
zungen am Senegal gesammelten Carabicinen hat Laferte (Guer. Rev.
et Mag. d Zool. S.81. 221. 346. 427.) forlgesetzt, aber auch in die-
sem Jahre noch bei weitem nicht beendet. Die von ihm a. a. 0. be-
schriebenen Arten sind: Callistus quinquemaculatus, Ocydromus
discicollis , 0. Deyrollei, 0. striatopunclalus, Omalo-
trichus sexmaculalus Dej. var. , 0. vertagoides, Chlaenius nolabi~
lis , gonioderus, o b e sus , zygogra minus, aulicus , venal or
CO mp licatus , asse c la, virgula, B run et ii, melancholicus,
anthracoderuSf elo n gatus , s aginalus , lucidicollis, pal~
p ali s , opulentus, meliculosus, mo ro sus , s ollici tus.
Eine sehr grosse Zahl neuer Arten, meist aus Californien, und
Sechs neue Genera sind von Leconte (Ann. of the Lyc. of N. York
vol. V. nr 4.) aufgestellt worden. Die ersleren vertheilen sich auf
folgende Gattungen: Ega (1), Diaphorus (1), Axinopalpus (1), Philo-
tecnus'i (2), Aprislus (l), Cymindis (1), Lebia {2), Flatijnus (1), Chlae-
nius (6), Oodes (1), Loricera (1), Poecilus (2), Pteroslichus (7), Di-
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 2. Bd. K
146 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
cheirus (2), Harpalus {3), Odontium {!], Ochthedromus (^21), Tachys (11),
Dyschirius (7), Schizogenius (4), Clivina (2), Scarites (1), Calosoma (3),
Callisthenes (2), Elaphrus (1), Omophron (1).
Die neu errichteten Genera sind :
Enap horus , mit Diaphorus verwandt, aber von flachem Bau,
mit vorragenden Hinterecken des Halsschildes, das erste Fühlerglied so
lang wie die drei folgenden, die letzten sieben länger als breit, schwach
zusammengedrückt, das vierte Fussglied einfach, das erste Glied der
Hinterfusse lang. E. rufulus n. A. aus Californien.
Thalpius , auf Helluo pygmaeus Dej. gegründet, von Helluo-
morpha durch langes erstes Fühlerglied und ungezahntes Kinn , von
Diaphorus durch perlschnurförmige Fühler und kürzere Hinterfusse un-
terschieden. (Diaphorus dorsalis Brülle gehört als Synonym zu Helluo
pygmaeus Dej.).
ApaneSf mit Cymindis lucidula Dej., sinuata Dej. und einer
neuen A. , A. opaca aus Georgia gebildet, weicht von Axinopalpus
Lee. durch kürzere, am Ende nicht spitze Maxillartaster , dünnere La-
bialtaster mit längerem vorletztem Gliede, längeren Kinnzahn und
schwach ausgerandetes, nicht fadenförmiges viertes F'ussglied ab.
Bomius, zur Aufnahme von Dromius americanus Dej., D. li-
nearis {angustus Lee. olim) , D. nigrinus Mannh. und B. lucidus ,
einer neuen Art aus Californien, bestimmt, und besonders durch das in
der Mitte kaum gezahnte Kinn und einfache oder kaum gezähnte Klauen
charakterisirt.
Pericompsus, zur ßembidien - Gruppe gehörig, mit einfachem
JVahtstreif (ohne Streif neben dem Schildchen) , nicht unterbrochenem
Randstreif und einfachen männlichen Vorderfüssen. Dahin Bemh. ephip~
pialutn Say und zwei n. A. aus Californien: P. sellatus und lae-
tu lus.
Ahephorus, ziemlich vom Ansehen eines Dyschirius, aber der
Kopf grösser , die Flügeldecken schon vor der Mitte verschmälert, hin-
ter der Mitte abschüssig., an der Spitze plötzlich gerundet, ohne alle
Schultern und ohne Randpunkle. A. mar itimus , am stillen Meere
bei San Diego in Californien sehr häufig.
Ferner gab Leconte neue Diagnosen der Gattungen Axinopal-
pus Lee, Apristus Chaud., Dicheirus Mannh., Tachys Knoch, Callisthe-
nes Fisch.
Eine vollständige Uebersicht der bisher aufgefundenen chilesi-
schen Carabici hat Soli er in Gay's Faun. chil. geliefert. Den bereits
bekannten Arten werden hier folgende neue hinzugefügt, in der Gruppe der
ächten Caraben: Ceroglossits indiconotus (sie!); — in der Gruppe
der Trun c at i p e n n i e n : Omo stenus (n. G.) maculip ennis, Eu-
proclus (n. G.) fasciatuSf Plagiotelum (n. G.) irinum [Ony-
während des Jahres 1851. 147
plerygia Irinae Hombr, et Jacq.) , Calleida nigra - fas data, gut-
tula, cy anoptera [Drom. cyanipennis'i Brüll.), chilensisj Dro~
mius cy aneus j erythropus, sulcatulus, macrocephalus, pi-
clus, nigrolestaceus, Coptoderainccrta,Lebia azurea, Oxoi~
des (n. G.) obs curus , V ariop alpis (n. G.) humer alis; — in
der Gruppe der S üb uli pa 1 p en : A emalodera (n. G.) dentoma-
culata, limbata, Trechus angustatus, Thalassobius {n. G.)
teslaceus (ein Bewohner des Mecresufers, durch kleine Augen und
den hinten einen Hals bildenden Kopf ausgezeichnet), Bembidium man»
dibu l ar e , Spinolae, c hilens e , maculatum, D er besii, el e~
g ans , cir culiforme ^ punctig er um , nigritum, ine er tu m ,
marginatum, Fis cheri, convexiusculum, inconstans, An-
bei, Servillei, Fabricii, melanopodes; — Tropopsis (n. G.)
mar ginico llis , bigullatus, eine neue Gruppe, die der Tropo-
psiten bildend; — in der Gruppe der Feronien: Merizodus (n. G.)
an g US t ic 0 l lis , M onol obus (n. G.) testaceus, Cnem alob us
cyat hico llis , cyaneus (Cnemacanthus cyaneusl Brull.) , Creobius
Troberti, Agonum dislin dum , Dejeanii, cordicolle, G ayi^
chilens e , ambiguum, melas, Tropopterus (n. G.) Giraudyi,
Duponclielii, nitidus , Moni agnei , ^ emaglossa (n. G.) bre-
vis, Polpochila (n. G.) p ar all ela , Feronomorpha (n. G.)
Fischeri,sulcata, rufescens, Feronia agonoides, a er ata,
obscuripennis , p ar vula, Baripus subsulcatus , Stylo soma
(n. G.) breve, Anlarctia coquimbana, caerulea, quadricol^
lis, latic 0 llis , Eulogeneius (n. G.) fuscus; — in der Gruppe
der Harpaliden: Harpalus aequilalus, punctobasis, amoe-
nus, Acupalpus p allidus, impressifrons, bifossulatus, ru-
fico llis , tibialis , arcobasis, fov eic ollis.
Von Roth (dies. Arch, S. 115.) sind 1 Polyslichus, l Aplitius, 1
Brachinus , 3 Anlhia, 1 Chlaenius , 1 Agonum, 1 Poecilus , 1 Argulor,
l Abacetus , 3 Harpalus aus Abyssinicn durch Diagnosen bekannt ge-
maclit , von denen nach Reiche (Ann. d. 1, soc. ent. 1852. S. 95.)
Anthia dimidiata = Galinieri Reiche = telrasligma Chaud. ; A. leuco-
melana = Ferreti Reiche; Chlaenius Irigreanus = cupreocinclus Rei-
che ist.
Letzner hat (Bresl. Zeitschr. für Entom. N. 17. S. 113. und
N. 20. S. 186.) seine Bearbeitung der schlesischen Laufkäfer forlge-
setzt ; es sind in diesem Jahrgange nur bekannte Arten von ihm be-
schrieben, welche mit sehr wenigen Ausnahmen auch in der Mark
Brandenburg einheimisch sind. — In den Verh. der schles. Gesellsch.
im Jahr 1850. besprach derselbe das Vorkommen von JVeina nivalis
Payk. und Platysma negligejis Sturm (^Feronia Slurmii Dej.) im Riesen-
gebirge und die Abänderungen, denen beide Arten unterworfen sind. Zu
148 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
denen der ersteren gehören, wie beliannt, N. Gyllenhalii Schh. Dej. und
arclica Dej. (hyperborea Gyll.).
Eine umfassende Bebarbeitung der europäischen Arien von ßcw-
bidium hat Ja cqu el i n - D u va 1 Ann. d. 1. soc. enlom. 1851. S. 441
— 576. begonnen und Jahrgang 1852. S. 101 — 276. bereits zu Ende ge-
führt , so dass ich hier gleich über den Schluss mit berichte. — Der
Verf. hat sowohl die Unterscheidung der Arten als auch die Feststel-
lung der Synonymie vielfach gefördert, sich auch von der modernen
Manie, jede habituelle Gruppe zu einem Genus zu erheben, frei zu hal-
ten gewusst. Er bringt die von ihm beschriebenen 122 Arten (dar-
unter einige bisher nur in Algier beobachtete) in 17 Abtheilungen,
welche durch Pubescenz oder Glätte des Körpers, Gestalt und Slreifung
der Flügeldecken, Bildung des Halsschildes, Verlauf der Stirnfurchen
u. s.w. charakterisirt sind, und die fast ohne Ausnahme nur nahe ver-
wandte Formen enthalten. Die Zahl der vom Verf. neu aufgestellten
Arten ist, wie dies bei den zahlreichen Vorarbeiten kaum anders zu
erwarten war, nur gering (15), ihre Selbstständigkeit scheint mir, etwa
mit Ausnahme des dem B. rupestre üej. jedenfalls sehr nahe kommen-
den B. distinguendum keinem Zweifel zu unterliegen. Hat es der Verf.
aber auf der einen Seite glücklich vermieden, unhaltbare Galtungen
und Arten zu errichten, so ist er auf der andern in der Vereinignng be-
reits unterschiedener Species offenbar viel zu weit gegangen, wenn er
z. B. B. foraminosum St., Dej. mit slriatum Fabr. {orichalcicum St.),
B. {i^iaZe Duftschm. mit coeruleumDe']. und fasciolalwn Dwhschm., oder
gar B. obsolelum Dej. mit tricolor Fabr. zu einer Art verbindet. Die
Unterschiede sind in den genannten Fällen so scharf und in die Augen
fallend, dass die Angabe des Verf., es seien ihm Uebergänge bekannt,
ein wohlbegründetes AHsstrauen erweckt. Ist aber das Urtheil ge-
rechtfertigt , dass der Verf. speclfische Verschiedenheiten nicht immer
gehörig gewürdigt hat, so werden auch mehrfach die synonymischen
Angaben, selbst da, wo sie auf den Vergleich der Originalexemplare
gestützt werden, einer nochmaligen Bestätigung bedürfen. Ich werde
Gelegenheit nehmen , auf die Bestimmungen der , einzelnen Arten an
einem andern Orte specieller einzugehen. Am Schlüsse der Abhand-
lung ist vom Verf. eine neue Gattung Änillus beschrieben, welche,
indem sie gänzlich der Augen entbehrt, zu Bembidium in demselben
Verhältnisse steht, wie Anophthalmus zu Trechus ; die bei Bordeaux und
Toulouse entdeckte, von J.-D. A. coecus benannte Art hat die Grösse
des Aepus fulvescens. In der Gestalt der Maxillartaster und Neben-
zungen stimmt Anillus mit Bembidium überein , die Stirnfurchen sind
aber gekrümmt, das letzte Glied der Lippentaster länger, obwohl noch
pfriemenförmig, die Vorderfüsse des Männchens einfach , die Fühlhör-
ner perlschnurförmig und die Mandibeln von sehr bizarrer Form , die
während des Jahres 1851. 149
rechte hat nämlich innen einen starken Zahn, dem an der linken eine
tiefe Ausrandung entspricht, oben sind sie höckerartig, und zwar beim
Männchen stärker als beim Weibchen. Anhangsweise hat der Verf.
noch die als Bemb. areolatum Creutz. bekannte Art sorgfältig geschil-
dert, obwohl sie seiner Jleinung nacli richtiger bei Trechus steht; in
manchen Beziehungen hält sie die 3Iitte zwischen Bembidium und Tre-
chus, und es möchte wobl gerechtfertigt sein, sie als besondere Gat-
tung von beiden abzusondern ; J.-Duv. hat sie indessen noch als Tre-
chus areolalus aufgeführt.
Eine dritte deutsche Art \ on Anopklhalmus ist von F. Schmidt
in der Setzer Grotte in Innerkrain entdeckt und mit dem Namen A.
Scopolii belegt worden (Illyr. Blatt 1850.). Sturm hat sie (Deulschl.
Faun. XXI. S. 111.) beschrieben und (Taf. 392.) zugleich mit A. Bili-
mekii Schmidt vortrefflich abgebildet. Die neu entdeckte Art hat nur
halb die Grösse von A. Schmidtii Sturm.
Einzelne neue Arten sind beschrieben:
von Bielz (Verh. des Siebenhürg. Ver. S. 150.): Daptus Ko^
minekii an den Salzteiciien am Fusse des Schlossberges bei Deva in
Siebenbürgen entdeckt, durch stets pechbraune Färbung von D. vittatus
unterschieden (meiner Meinung nach nur Abänderung des D. vittatus);
von Kiesenwetter (Ann. d. 1. soc. ent. S. 388.) : Trechus di-
stigma aus den Pyrenäen;
von Graells (Mem. d. 1. R. Acad. d. Madrid, t. II. S. 109.):
Frislonxjchxis pinic ola (Taf.8. Fig. 1.), Argutor nemoralis (Fig.2.),
A. montan ellus (Fig. 3.) aus Spanien; (Siehe auch. Entern. Zeit.
1853. N. 1.).
von Coquerel (Rev. Zool. S. 86., Ann. d. 1. soc. entom. 1852.
3. trim. Taf. 9. Fig. 2.): Eurydera mormoly c oides aus Madagaskar,
durch rothe Beine , rothen Rand und zwei rothe Augenflecken der Flü-
geldecken ausgezeichnet , (die Arten von Eurydera leben nach C. un-
ter Baumrinden) ;
von Tatum (Ann. nat. bist. VIII. S. 49.): Carabus Boysii,
dem sylvestris ähnlich, aus Ostindien.
Referent hat einen früher veröffentlichten Aufsatz über die
von Sturm beschriebenen deutschen Laufkäfer durch weitere Mitthei-
lungen über einige noch zweifelhaft gebliebene Arten vervollständigt
(Entom. Zeit. S.267).
Brachinus crcpifrtws wurde von d'Aumont in sehr grosser Meno-e
beobachtet, wie er gemeinschaftlich mit andern Aaskäfern eine todte
Natter verzehrte. (Bull. d. 1. soc. ent. S. CII.).
D^tiscidae« Agabus dila latus , tru n catipennis (ein
150 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Colymbetes), Hydroporus chilen sis sind von Solier in Gay 's
Faun. chil. als neue Arten aufgestellt.
Von Leconte (a. a. 0.) wurden 2 Cnemidotus ^ 1 Haliplus , 2
Cybister, 2 Acilius, 1 Colymbetes, 1 Ilybius, 4 Agabus , 1 Coptotomus,
l Laccophilus, 17 Hydroporus, n. A. aus Californien, beschrieben.
Oyrinites. Von Leconte (a. a, 0.) wurden Gyrinus pli-
cifer, CO nso brinus und Gyretes sinua lus , aus Californien — ,
von Solier (Faun, chil) Gyrinus Gayi aus Chili, als neue Arten
aufgestellt.
Referent bemerkte (Ent. Zeit. S. 271.), dass Gyrinus abdomi-
nalis Suffr. nicht die gleichnamige von Aube beschriebene und in Süd-
afrika einheimische Art, sondern = concinnus Klug Synib. phys., und
dass G. strigipennis SulTr. als Abänderung mit demselben zu verbin-
den ist.
Hyclropliiii. Alit zwei neuen Gallungen wurde diese Familie
von Muls an t (Mem. de l'Acad. d. Lyon S. 1. u. S. 75.) bereichert; die eine
Ceraloderus kommt zwischen Hydrochus und Ochthebius zu stehen
und unterscheidet sich von beiden durch die wenigstens bis zur Hälfte
von einem Kiele durchsetzten Augen, der Vorderrand des Prothorax
verlängert sich in einer Ecke weit über den Kopf, u. s. w. C. gra-
niger ist eine n. l'" lange A. aus Columbien. — Die zweite Gattung
II a lobius steht in der Mitte zwischen Hydrophilus und Hydrous, das
Kopfschild ist vorn last gerade abgestutzt, das Prosternum mit einem
Kiel versehen , die Spitze des Metaslernum etwas über das Ende der
hintersten Trochanleren hinaus verlängert. H. no ticollis , neue fast
5'" lange Art aus der Umgegend von Oran in Algier.
Ilydrobius salin US Bielz (Verh. des siebenbürg. Vcr, S. 152.)
an Salzplätzen in Siebenbürgen entdeckt ist, = H. aeneus Germ.,
punctulatus Sturm.
Thomson unterschied (Vet. Akad. Ofv. 1851. S. 132.) Limne-
bius truncalellus Er. unter dem Namen truncalulus von dem ächten
Iruncalellus Payk. Der letzlere wird durch folgende Diagnose näher
bezeichnet: breviter ovalis, depressiusculus, laevis, niger, thoracis ely-
trorumque inargine tcnui fusco-teslaceo, abdominis segmento penullimo
apice dente ob tu so. 1 '/j lin. Es passt dieselbe auf das Männchen
von L. truncalellus Muls. ; der vom Verf. unterschiedene aber nicht
weiter bezeichnete L. truncalulus wird wohl = papposus Muls. sein.
Von Küster (Käf. Eur. XXIL) wurde Cercyon erythropte-
rum aus Sicilien als n. A. aufgestellt.
während des Jahres 1851. *51
Bedeutend ist die Zahl der afrikanischen Arten, mit denen diese
Familie vermehrt Avorden ist; vonBoheman (Ins. Ca(Fr.) mit 1 Helo-
phorus , 1 Ochthebius , 1 Vohulus , 1 Laccobius , 4 Berosus., 4 Hydro-
philus , 3 Hydrobius, 2 Cyclonolum, 5 Sphaeridium, 2 Cercyon , — von
Roth (a. a. 0.) mit 3 Cercyon. Nach Boheman kommt das europäi-
sche Cercyon pygmaeum auch bei Port Katal vor.
Philhydrus fulvip es, vicimis und Berosus D ej eanii wur-
den von Soli er (Faun, chil.) als n. A. beschrieben.
Ferner machte Leconte (a. a. 0.) neun neue A. aus Californien
bekannt : 1 Helophorus, 3 Ochthebius, 2 Ihjdrochus, 3 Berosus.
Nach Leprieur (Bull. d. 1. soc. ent. VIII. S. XXXIV.) bringt
Spercheus emarginalus, indem er den obern Theil des Hinterleibes ge-
gen die Flügeldecken reibt, ein schwaches Geräusch hervor. Die
jungen eben aus den Eiern ausgeschlüpften Larven dieses Käfers ha-
ben starke 3Iandibeln mit zwei gleich gebildeten Zähnen und lange
Beine. Die Erziehung derselben scheint nicht geglückt zu sein, da
L. später Nichts über ihre weitere Rntwickelung mitgetheilt hat.
Silpliales« Küster hat (Käf. Eur. XXII.) eine grössere Zahl
neuer Silphen bekannt gemacht, nämlich: Oeceoptoma ruficornis St.
aus Sardinien, 0. vestita ebendaher, Silpha atr opurpure a St. von
Sarepta, S. italica St. aus Italien, S. p er for ata Gebl. aus Sibirien,
S. dalm atina aus Dalmatien , S. lugens aus der Türkei, S. car~
niolica Hoppe aus Krain , S. oblonga Dahl aus Ungarn. — S. al-
pina Bon. , Germ. , welche von K. als selbstständige Art beschrieben
wird, ist nur eine alpine Abänderung der S. nigrita Creutz., obwohl
sie von K. nicht einmal mit derselben verglichen ist.
Necrodes Gayi ist eine neue chilesische, von Soli er in Gay's
Faun. chiL aufgestellte Art.
Ein neuer bei Berlin in Gesellschaft von Formica rufa und cu-
nicularia entdeckter Calops ist von Kraatz (Ent. Zeit. S. 169.) unter
dem Namen C. colon oi des beschrieben worden, er ist nächst C.
anisotomoides die kleinste Art der Gattung^
Die ersten Stände des Agathidium seminulum Linn. sind von
Perris (Ann. d. 1. soc. ent, S. 44. Taf. 2. N. IV. Fig. 17—25.) beob-
achtet worden. Er fand die Larven im November in Trichia cinnaba-
rina, vermulhet aber , dass sie auch in andern Pilzen vorkommen ; sie
sind ausgewachsen 3*/2 Millim. lang, von langgezogener Eiform und
pergamentartiger Consistenz. Der Kopf ist rund und frei , die Fühler
viergliedrig , das dritte Glied an der Innenseile mit zwei zahnartigen
152 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Fortsätzen, die an der Basis breiten und weissen Mandibeln werden vom
zweiten Dritttiieil ihrer Länge an schmal, schwärzlich und hornig, und
endigen mit einer zweizähnigen Spitze ; die i\laxillen mit kurzem Grund-
theil und langer das Ende des zweiten Tastergliedes überragender Lade,
die Maxillartaster dreigliedrig, die Unterlippe ungetheilt und gerundet,
mit zweigliedrigen Tastern. An der Seite der Wangen unter den Füh-
lern finden sich jederseits zwei Nebenaugen. Die drei Thoraxringe
grösser als die andern, namentlich der erste halbkreisförmig ; das letzte
Segment hat hinten zwei hornige divergirende , aus 2 Gliedern beste-
hende Anhänge und eine Fleischwarze, die als Aflerbein dient. Die
drei Beinpaare massig lang und kräftig .Die Farbe ist oben schmutzig
braun, das hintere Dritttheil der einzelnen Segmente weisslich. Die Ver-
wandlung geschieht in der Erde , die Puppe ist am Kopfe , Thorax und
den Seiten des Abdomen mit stachligen Borsten besetzt. Der Käfer
erscheint im April.
Palpatores* Die Gattung Scydmaenus wurde von Kiesen«
weiter (Annal. d. 1. soc. ent. S. 397 ff.) mit fünf in den Pyrenäen
entdeckten Arten bereichert: Sc. c ordicollis zur Gruppe des Sc.
coilaris und pusillus gehörig, von sehr langer Gestalt, Sc. Schiöd'
tei dem oblongus St. in der Form ähnlich, aber kleiner und ganz
roth, Sc. Loewii und Ferrarii beide mit vier stark verdickten End-
gliedern der Fühlhörner, Sc. tritomus dem Wetlerhalii Gyll. ver-
wandt (der letzte ist das Männchen von Sc. intrusus d. Ref.). In
einer Anmerkung hat der Verf. noch eine sechste in Krain einheimi-
sche, von mir fiüher Kiesenw etteri benannte Art von Wotschulskii
unterschieden, ich bin aber gegenwärtig der Ansicht, dass sie nur eine
F'arbenabänderung der letztem ist.
Von Boheman Ins. Caffr. wurden Mastigus caffer, pili~
cornis, longicornis, bifoveolatus und Scydmaenus longicor-
nis n. A, aus dem südöstlichen Afrika beschrieben.
Paiissiü« Diese Familie wurde mit drei neuen Arten ver-
mehrt; von Westwood (Proc. Linn. Soc. Nov. 1850. Ann. nat. bist.
VII. S.491.) mit Cerapterus {Arthroplerus) parallelocerus und 6re-
vis aus Neu. Holland, — vonFairmaire (Bull. d.i. soc. ent. S. CXI.;
ßev. et Mag. d. Zool. S. 527.) mit Paussus Favieri aus Marocco.
Der letztere ist S'/j millim. lang und dem armatus Westw. verwandt.
Fairmaire's Vermuthung, dass derselbe auch in dem Gebiete der euro-
päischen Fauna vorkomme, würde sich bestätigen, wenn, wie ich ver-
mulhen möchte, ein von Dr. Rosenhauer aus Südspanien erhaltener
Paussus mit dieser Art identisch ist.
Aus den Beobachtungen, welche Gucinzius bei Port - Natal
gemacht hat, und die in der Entom. Zeit. S. 227. von Dohrn mitge-
während des Jahres 1851. 153
theill sind, geht hervor, dass sämmtliche an dem genannten Orte vor-
kommende Paussiden (1 renlaplatarlhrus , 3 Cerapterus und 9 A. von
Paussus) in den Nestern von Ameisen leben. Alle sind Nachtlhiere
und fliegen während des Frühlings (Octob. — Decemb.) vorzugsweise
bei Gewittern von 9 — 11 Uhr Abends umher; sie secern.iren einen
ätzenden Saft , den sie auf eine hörbare Weise aus dem Hinterleibe
hervorspritzen; er färbt die Finger und riecht stark ammoniakalisch.
Die Ausspritzung wiederholt sich wie bei den Brachinen 3 — 4mal, bis
zur Erschöpfung. (Die Beobachtungen von Gueinzius sind auch ins
Englische übersetzt in die Proc. of Ihe ent. Soc. S. 105. aufgenom-
men worden.)
Pselapliii« Mit einer besonders durch den Mangel von Au-
gen ausgezeichneten neuen Galtung Amaurops wurde diese Familie
durch Fa irmaire (Rev. Zool. S. 527. , Ann. d. 1. soc. ent. 1852.
S. 74. Taf. 3. Fig. 3.) bereichert. Die Diagnose lautet: Caput coccum,
utrinque tuberculo aculo armatum ; antennae 1 1-articulatae, art. ultimo
crasso ; tarsi filiformes, art. primo longiore, ungues simplices. Die
einzige Art, A. Aubei ist in Sicilien entdeckt worden, 3 mill. lang,
und erinnert im Habitus etwas an Batrisus.
Leconte beschrieb sieben, neue von ihm in Californien ent-
deckte Arten: Clenisles pulvereus, Tychuspuberulus, tenellus,
Bryaxis compar, subtilis , foveata, Faronus Is abellae. (Ann.
of the Lyceum of nat. Hist. of N. York V. n. 4. S. 214.).
Drei neue chilesische Arten von Pselaphus sind von Blanchard
(in Gay's Faun, chil.) bekannt gemacht worden: Ps. castaneuSj
cosmopterns, va Idivi e nsis.
Chennium bituberculatum Latr. ist von Bach in einer grössern
Zahl von Exemplaren in einer Colonie der Myrmica cespitum Latr.
(impura Forst ) bei Boppard gesammelt worden. (Verh. des naturhistor.
Vereins der Rheinl. VUi. S. 43., Ent. Zeil. S. 304.).
Stapliylinii. Von Hochhuth sind Beiträge zur näheren
Kenntniss der Slaphylinen Russlands milgetheilt worden, welche Beschrei-
bungen einer neuen Gattung und vieler neuer Arten liefern, und einige
Nachträge und Berichtigungen zu der im Jahrcsber. f. 1849. erwähnten
Arbeit desselb. Verf. über die kaukasischen Slaphylinen enthalten. (Bull,
d. Mose. t. XXIV. N. Hl. S. 3 -57). Die neue Galtung Homaeotar-
sus steht in nächster Verwandtschaft mit Cryptobium und Scimbalium,
und unterscheidet sich von ersterem durch plattere Gestalt, viel dicke-
res Endglied der Maxillarlasler und ein an den Seiten stark ausge-
schweiftes Halsschild, von letzterem durch einfache Beine, gebrochene
Fühler; von beiden durch die nicht hebarlete, hakenförmig gebogene
154 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Spitze der Maxillartaster. Sie ist auf eine neue in Armenien einhei-
mische, dem Entdecker zu Ehren Chaudoirii benannte Art gegrün-
det. — Die neu aufgestellten Species sind: Xanlholinus crassicor-
nis aus dem Kaukasus, A'. variabilis aus Armenien, Philontus trans-
haicalia aus Ostsibirien, V. rutilipennis aus Kordrussland, P. ta-
naicus aus dem Don -Gebiete, F. latiusculus aus Dahurien , P.
armeniacus aus Armenien, P. femoralis aus dein Kaukasus, P.
hrtinnicollis von Kasan, P. e rythro stomus aus Armenien, P.
melan 0 cephalus ebendaher, P. subopacus von Tiflis , Quedius
fulvipennis aus Dahurien, Q. latus aus dem Kaukasus, Dolicaon
angusticollis aus Armenien, Lathrobium boreale (elongalum GyW.^j,
besonders durch das vorn zw^eigekielte erste und das mit zwei Gruben
versehene und an der Spitze zweifach ausgebuchtele fünfte Hinterleibs-
segment des Männchens von L. elongatum Grav. Er. unterschieden , L.
volg ense von der Wolga, L. p allidip enne aus Armenien, L, ru-
gipenne ebendaher, L. flavipes aus Ostsibirien, Scopaeus debilis
aus Armenien, Platyslethus ru fospinus ebendaher, Oxylelus mamil-
latus aus Dahurien, Trogophloens Kiesenwetteri von Tiflis, Delea^
ster Erichsonii (wie es scheint, nicht hinreichend von D. adustus
Kost, verschieden).
Roth machte in diesem Arch. S. 117 ff. 1 Mijrmedonia, 1 Xan-
lholinus , 2 Ocypus , 2 Acylophorus , 2 Philonthus aus Abyssinien be-
kannt.
Solier's Bearbeitung der chilesischen Staphylinen in Gay's Fauna
chilena verliert dadurch sehr an Werth, dass der Verf. Erichson's Mo-
nographie dieser Familie gar nicht benutzt hat. Als neue Arten wer-
den von ihm beschrieben: Physognalhus ob s curus , neue mit
Anthophagus verglichene Galtung, Stenus Gayi, Rugilus chilensis ,
depr essus , P olyo dontus angu Status, neue Rugilus nahe ste-
hende Gattung, Staphylinus bisulc atus , cinctus (beide zur Unter-
abtheilung Cafius gerechnet), chilensis , nitidip ennis , impres^
sifrons, rufipe nnis, leio c ephalus , chloropt erus , pun-
Clip ennis , pyrostoma, angustatus , parvus (die zu Staphyli-
nus gestellten Arten scheinen fast sämmtlich zu Philonthus zu ge-
hören), Homalotrichus striatus, impressicollis, obs curus,
fuscus, luteip es, n. G. , welche mit Anthophagus verglichen und
aus der eine neue Gruppe gebildet wird; Oxylelus sulca lus , Gna~
thymenu s apterus , Ter opalpus sutur alis , T.'i puncticol-
lis, T. ? maculip ennis , G ast rorhop alus niger, elegansy
Hololeus py gmaeits, vier neue Gattungen, die der Oxyteliden-Gruppe
zugezählt werden, Anom ognathus filiformis, Blep harhyme -
nus sulcicollis, zwei neue Gattungen der Tachyporiden - Gruppe,
Tachyporus bicolor, mar ginicollis, rufescens, t es laceusj
während des Jahres 1851. ^55
maculipennis, Euthorax ruficornis , Mecorhopalus aler,
bipustul atus, elongalus, n. mit Aleochara verwandte Gattung,
Äleochara obs cur a, an gu stala, obscuripennis, biimpre ssa ^
nili die ollis , transv er sa, pun ctico llis, melanocara, lu-
teiventris, pectoralis, Polylobus (n. G.) maculip enn is j
melanocephalus.
Mit einer sehr merkwürdigen neuen Gattung Thino pinus wurde
die Gruppe der eigentlichen Staphylinen von Leconte (Ann. of
Lyc. of N. York. V. n. 4. S. 125.) bereichert; sie ist besonders durch
den Mangel der Flügel und durch sehr abgekürzte gerundete Flü-
geldecken mit unvollkommener Naht ausgezeichnet. Die fernere Be-
schreibung lautet : antennae rectae ; labrum brevissimum latissimum
late emarginatum, longissime cilialum; palpi max. Gliformes, maxillae
mala exleriore elongata, ligala apice emarginata ; coxae intermediae
contiguae ; libiae intermediae breves crassae, anticae compressae tri-
angulariter dilatatae fossoriae , omnes confertim spinulosae ; larsi po-
steriores non depressi. T. pictus 7'" lang, gelb mit schwarzen Zeich-
nungen , kommt bei San Diego an den von der Flulh erreichten Ufern
des stillen Äleeres vor.
Zur Gruppe der 0 m a 1 i e n gehört eine andere neue von AI u I s a n t
und Rey (Mem. de I'Acad. d. Lyon S. I4l. Taf. I. A.) aufgestellte Gat-
tung E ugnathus (dieser Name ist bereits bei den Curculionen ver-
geben): „mandibulae elongatae, dextra falcata, sinislra abrupte intror-
sum flexa ; palpi max. graciles, art. ultimo penultimo triplo longiore ;
tibiae tenuiter praesertim apice cilialae ; tarsi breves, art. quatuor pri-
mis subaequalibus." E. l ongip alpis , vom Ansehen des Omalium
rufulum Er, , ist auf den Bergen der Lyoner Umgegend unter Moos
nicht eben selten.
Die Gattung Homalota erhielt durch Mulsant und Rey (Mem.
de I'Acad. d. Lyon S. 155 — 186. Taf. IL) einen Zuwachs von 21 neuen
in dem südöstlichen Frankreich entdeckten Arten: H. micans, sub~
alpina, Ion gic ollis, brunnipes, alricapilla, producta,
welche in die erste, incisa, livida, imp re ssicollis , breti-
cornis, alb o pila , picipen7iis, incr assat a, foveola, pu»
silla, montana, laevana , sericeä, basicornis, welche in
die zweite, parens, conformis, welche in die vierte der von
Erichson aufgestellten Abtheilungen zu bringen sind. In den sehr sorg-
fältigen Beschreibungen ist namentlich auch auf die Bildung des letz-
ten Hinterleibsringes Rücksicht genommen , welche in dieser schwieri-
gen Gattung in vielen Fällen scharfe und noch nicht genügend be-
nutzte specifische und sexuelle Kennzeichen darbiete^. Auf der beige-
gebenen Tafel ist dieser Theil von 12 Arten , und zwar in beiden
Geschlechtern, dargestellt.
156 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Eine dichotomische Tabelle der Slenus - Xrlen hat Leprieur
(Ann. d. 1. soc. ent. S. 191. „INlelhode dichotomique appliquee au genre
Stenus«) geliefert, es sind für dieselbe nur die bereits von Erichson
angegebenen Unterschiede benutzt. Anhangsweise ist eine neue bei
Lille entdeckte Art St. rf ecipi ej?s beschrieben, welche in vielen Punk-
ten dem St. atralulus sehr nahe kommt, aber seines zweilappigen vier-
ten Fussgliedes halber in eine andere Abtheilung zu stellen ist.
Auch Cussac machte (Bull. d. 1. soc. ent. S. XXIX.) eine n.
ebenfalls bei Lille aufgefundene Art von Stenus, unter dem Namen St.
L ep rieur i bekannt, sie steht St. rusticus Er. und decipiens Lepr.
am nächsten und unterscheidet sich von dem ersteren durch geringere
Grösse, die, mit Ausnahme des ersten gelben Gliedes, schwärzlichen
Taster, und die ganz braunen Fühlhörner ; von dem zweiten durch ihre
schwärzliche Bleifarbe, sehr dichte BehaaruAg, feinere Punktirung,
flacheres und anders gebautes Halsschild.
Drei neue in Schonen entdeckte Arten von Stenus sind von
Thomson (Yet. Akad. Öfvers. S. 133.) durch folgende Diagnosen be-
zeichnet worden: St. longitarsis (mit ater und buphthalmus ver-
wandt), niger, parcius albido-pubescens, confertim punctatus, palporum
articulo primo testaceo, capite excavato, depresso ; thorace oblongo ca-
nalicula abbreviata; abdominis basi parcius et foriius, apice densius et
subtilius punctalo. Long. P/j lin. — St. l atic ollis , dem unicolor
ähnlich, depressus, niger, subnitidus, fortiter punctatus, parcius pube-
scens , palp. art. primo testaceo , antennis in medio pedibusque piceo-
rufis, thorace lateribus valde rotundato, coleopterorum latitudine , ab-
domine cylindrico sat crebre punctato. Long, l'/j lin. — St. bre~
v ip ennis y vom Habitus des rusticus Er., brevis, niger, subnitidus,
crebre punclulatus, subtililer cinereo-pubescens, paipis antennarumque
medio testaceis , harum art, primo pedibusque picescentibus , coleople-
ris thorace brevi aequali vix longioribus, apice emarginatis. Long.
1% lin.
Als neue Arten sind ferner aufgestellt:
von Kiesenwetter (Ann. d. 1. soc. ent. S. 412 ff.) : Euryusa
brachelyt ra durch kurze F'lügeldecken und starke Punktirung aus-
gezeichnet, aus Steiermark, Philontus aerosus aus den steirischen Al-
pen, Anthobium adultum aus den östlichen Pyrenäen.
von Kr a atz (Ent. Zeit. S. 293.) Philontus exilis, bei Berlin
in einem Ananashause entdeckt, die kleinste Art der Gattung (ist schon
von Aube im vorigen Jahre als Ph, thermarum beschrieben.)
Referent bemerkte (Ent. Zeit. S.271.), dass Oxypoda leporina
Kiesw. = prospera Er. ; 0. infuscala Kelln. = lateralis Mannh. Sahlb.
= pellucida Mannh. Sahlb,, und dass nach Thom son .^^eocÄara cras-.
während des Jahres 1851. 157
sicornis Gyll. eine Erichson unbekannte Art von Aleochara ist (soll
Uomalota heissen).
Nach Aube (Bull. d. 1, soc. entoni. S. XXI.) ist der im vorigen
Jahresberichle erwähnte Staphylinus Mulsanti Godart, dessen aus-
führliche Beschreibung God. jetzt Ann. d. 1. soc. Linn. de Lyon 1850
— 185!^. S. 1. mitgetheilt hat, mit St. mtridionalis Rosenh, identisch.
Triclioiiterygisa- Ein Plenidium, welches bei ßcrlin in den
Nestern der Forinica rufa und fuliginosa häufig vorkommt, ist von
Kraatz (Ent. Zeit, S. 167.) unter dem Namen Ft.formicetorum als
n. A. aufgestellt worden, es stimmt in allen Punkten mit Pt. apicale
überein und unterscheidet sich nur durch kürzere und steifere Behaa-
rung. — Von demselben wurden (a. a. 0.) die Anrechte des ?t.
fuscicorne Er. gegen Gillmäister verlheidigt, welcher dasselbe für eine
Varietät von Pt. apicale mit dunkleren Fühlern ansah.
Eine Fortsetzung eines im Jahresber. f. 1848. erwähnten Auf-
satzes von Motschulsky, welcher sich mit dieser Familie beschäf-
tigt, ist im Bull. d. Mose. t. XXIV. N. III. S. 204. erschienen; der Auf-
salz führt den Titel : „Kritische Beurlheiiung von Dr. Erichson's Natur-
geschichte Deutschlands."
Scapliidilist- Scaphidium impictum und Scaphisoma hy-
bridum 2 n. A. aus dem südöstlichen Afrika wurden von B o h e m a n
(Ins. Caffr.) beschrieben. Auch das europäische Scaphisoma agaricinum
wird von Boheman als eine bei Port Natal vorkommende Art auf-
geführt.
Histerini. Mit vielen afrikanischen Arten wurde diese Familie
von Boheman (Ins. CafTr.) und von Roth (dies. Arch.) bereichert;
von dem erstem mit 11 tiisler , 4 Saprinus , 1 Tribalus, 1 Tcretrius,
3 Äbraeus , l Onlhophilus , 2 Dendrophilus , 1 Paromalus , 2 Platysoma,
1 Hololepta; von dem letzlern mit 3 Hister und 1 Saprinus.
Noch bedeutender ist die Zahl der vonLeconte in Californien
, entdeckten und Ann. of the Lyc. of N. York vol. V. n. 4. bekannt ge-
machten Species; sie gehören folgenden Gallungen an : Hololepta (3),
Hister (2), Epierus (2), Paromalus (3) , Pachtjlopus Er, (3 A. , in diese
Gattung gehört auch Saprinus dimidiatipennis Lee. = Hister palmatus
Say ; die nordamerikaiiischen Arten zeigen aber nicht die bemerkens-
werlhe Geschlechtsverschiedenheit von P. dispar Er.) , Saprinus (22),
Abraeus (2). — In einer Note beschrieb Lcconte noch Hister ve-
nustus (Platysoma v. Dej.) eine durch schön blaue Farbe ausgezeich-
nete Art aus Südcarolina.
Neue chilesiscche Arten sind: Hister er enatip es ^ Spina laey
158 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
impressifrons Soli er (Gay's Faun, chi].), die beiden ersten schei-
nen zu Saprinus, der letzte zu Paromalus zu gehören.
IVitidulariae. Viele neue von Wahlberg in den Natal-
iändern entdeckte Arten wurden auch in dieser Familie vonBoheman
(Ins. Calfr.) bekannt gemacht, nämlich 2 Brachypterus, 2 BrachypepluSf
2 Carpophilus , 1 Epiiraea, 1 Nitidula, 6 Soronia, 4 Meligethes, 1 Cij-
bocephalus , 2 Gymnochila , l Peltis.
Roth theilte in diesem Arch. die Diagnose einer >neuen Omo~
sila aus Abyssinien mit.
Nitidula ruficollis und maculip ennis sind zwei neue von
S 0 1 i e r in Gay's Faun. chil. aufgestellte Arten. — Blanchard beschrieb
ebenda Toxicum c r ibrarium ; seiner Angabe nach besieht der Un-
terschied der Galtung Toxicum Lalr. von Trogosita in den fünfgliedri-
gen Vorderfüssen.
Diese Familie wurde ferner von West wo od (Trans. Ent. Soc.
S. 167. Taf. XIII. F. l.) mit einer ausgezeichneten neuen Gattung Pa-
romia bereichert, sie gehört zur Gruppe der Ipinen, ist auf eine neue
8% lin. lange Art, P. dorcoides aus Columbien gegröndet . unter-
scheidet sich von Ips aufTallend durch vorgestreckten, der Länge nach
gefurchten Kopf, freie Oberlippe und vorstehende sichelförmig ge-
krümmte Mandiheln, und ähnelt im Habitus einem kleinen Lucauiden.
Colydii. Die Gattung Endophloeus erhielt durch Soli er in
Gay's Faun. chil. eine Bereicherung mit zwei n. Arten, E. flexuo-
sus und angustatus; sie wird von ihm, irrigerweise für unbeschrie-
ben gehalten und wie von Dejean zu den Heteromercn gestellt , die
erste Art hat auch in der Abbildung heteromere Füsse; entweder ist
dies ein Irrthum oder die Gattungsbestimmung ist unrichtig, denn En-
dophloeus hat bekanntlich nur vier Glieder an allen Füssen.
West wo od hat (Trans. Ent. Soc. I. S. 169. Taf. XIII. F. 2.)
ein sehr anomales Insect unter dem Namen Cossyphodes
Wollastonii bekannt gemacht, welches wohl in diese Fa-
milie zu stellen ist. Flügeldecken und Halsschild sind breit ge-
randet , und die Seiten des Kopfes setzen so genau den Seitenrand
des Halsschildes fort , dass , obgleich der Kopf von oben völlig
frei ist, der l'/^ 'in. lange Käfer ganz das Aussehen eines win-
zigen Cossyphus hat. Die Fühlhörner sind an der Spitze des sehr lan-
gen ersten Gliedes knieförmig gebogen, und haben, ähnlich wie die
von Ditoma eine zweigliedrige Keule. Augen scheinen zu fehlen. Die
hier ausführlich beschriebenen und bildlich dargestellten Mundtheile
zeigen viel Aehnlichkeit mit denen von Ditoma , auch sind Halsschild
und Flügeldecken wie in dieser Gattung mit Kielen versehen. Ganz
während des Jahres 1851. 159
abweichend ist aber die Zahl der Fussglieder; während nämlich bei
allen bis jetzt bekannten Colydiern die Füsse viergliedrig sind, hat
hier das eine (wahrscheinlich das eiste) Fusspaar fünf Glieder. (W.
hatte Behufs der Untersuchung die Beine vom Körper gelrennt und
vermag nun nicht mehr mit völliger Sicherheit zu bestimmen , ob das
erste oder das zweite Paar das fünfgliedrige ist.) Der Käfer ist von
Wollaston in einem einzigen Exemplare auf Madeira unter einem Steine
gefunden worden. (Heer hat ihn später mehrfach in den Nestern einer
kleinen auf Madeira häufigen Ameise, Oecophthora pusilla Heer ge-
fangen.)
Cucujides. List of Ihe Coleopterous Insects of the collection
of Ihe British Museum. Part. I. Cucujidae etc. Printed by order of the
trustees. London 1851. 25 S. — Der wissenschaftliche Werth dieses klei-
nen von F. Smith bearbeiteten Verzeichnisses ist nur gering, obwohl
es nicht bloss auf die im brittischen Museum befindlichen Arten be-
schränkt ist, sondern eine Zusammenstellung aller dem Verf. bekannt
gewordener und kurze Beschreit ungen der ihm vorliegenden neuen
enthält. Ein grosser Theil desselben, namentlich die ganze Synonymie
der europäischen Arten, ist aus Erichson's IN'aturgesch. d. Käfer Deutsch-
lands abgeschrieben. Dass der Verf. sich nicht genügend mit seinem
Gegenstände vertraut gemacht hat, geht theils daraus, dass er die
Prionen-Gattung Erichsonia Westw. in diese Familie stellt, theils aus
der grossen Menge von irrigen Angaben, die sich bei den einzelnen
Arten vorfinden , hervor. So wird als Vaterland von Cucujus sangui-
nolenlusl.\x\n. und haematodes Er. Nordamerika genannt, während keine
von beiden Arten sich dort findet, und der Verf. wahrscheinlich cla-
vipes Ol. vor sich gehabt hat; so wird als Vaterland der letztern (nord-
amerikanischen) Art Südamerika angegeben ; so wird Cuc. Sibiriens Gebl.,
der mit haemalodos Er. identisch ist , als besondere Species erwähnt.
Dertnestes siäuralis Fabr. wird als Laemophloeus aufgeführt , während
es doch längst bekannt ist, dass er zu Triphyllus gehört; der nord-
amerikanische Bronles duhius erhält als Vaterland „Auslria". Dass Te-
lephanus atricapillus Er. mit Heterodromia velox Haldeman und mit
OrsoHacna? pallida Say , und die Gattung Ancistria Er. mit Priono^
phora Westw. zusammenfällt, ist dem Verf. entgangen. Die Beschrei-
bungen der neuen Arten (5 Laemophloeus, 2 DendrophaguSf 1 Bronles,
1 Silvanus , 1 Triclenoloma , 3 Hectarthrum) sind wenigstens in der
Gattung Laemophloeus nicht zureichend. Eine besondere Erwähnung
verdient wohl noch , dass der Verf. hier eine neue (vierte) Art von
Triclenoloma nach einem weiblichen Exemplar als Tr. Grayi auf-
gestellt hat. Ob er in folge meiner Auseinandersetzung im Jah-
resber. f. 1848. oder durch eigne Untersuchungen bestimmt, die Gat-
tung Trictenotoma in diese Familie stellt , muss ich unentschieden
lassen.
160 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Bronles chilcnsis ist eine neue von Blanchard in Gay's
Faun. chil. anfgeslellte Art aus Chili.
Mit dieser Familie glaube ich eine bemtrkenswerlhe neue Gat-
tung CA acto somö verbinden zu müssen, welche W est v»^o od (Trans.
Ent. Soc. I. S. 171. Taf. XIII. F. 3.) begründet und in die Nahe von
Trogosita, Cucujus und Passandra gestellt hat, von Trogosila entfernen
sie indessen die deutlich fünfgliedrigen Füsse. Der gestreckte an einen
Scariliden erinnernde Körper ist an den Seiten mit sehr langen Bor-
sten besetzt , welche auf eine räuberische Lebensweise des Thieres
hinzuweisen scheinen , indem sie sich sonst vorzugsweise bei carnivo-
ren Käfern und grabenden Hymcnopteren vorfinden, die Mandibeln sind
sehr kräftig, vorgestreckt, innen und an der Spitze gezähnt, die Kinn-
laden haben zwei breite mit Borsten besetzte unbewehrte Laden ; die
Fühfhörner sind fadenförmig. Das letzte Fussglied lang , mit zwei
schwach gezähnten Klauen und einem kurzen Polster zwischen den-
selben, Ch. scaritides ^\^i"' lang, ist in Neuseeland zu Hause.
Die von Erichson beschriebene Larve und die Puppe des Cucujus
haemalodes ist von Assmann Ent. Zeil.1831. Taf. II. abgebildet worden.
Die Larve zeigt eine grosse Aehniichkeit mit der von Pyrochroa coc-
einea und unterscheidet sich von derselben hauptsächlich durch die
Bewaffnung des letzten schildartigen Hinterleibsringes.
Cliryptopliag^ides. Eine neue Art ist Cryptophagtis caffer
Boheman (Ins. Caffr.).
jjfycefopliag-ides* Die Verwandlungsgeschichte des Tri-
phyllus punctatus Fabr. is durch Perris (Ann. d. 1. soc. ent. -39. Taf. 2.
N. 11. F. 1 — 9.) bekannt geworden. Die l^arven finden sich iin Herb-
ste im Leberpilz (Fistulina hepatica), erreichen die Grösse von 7 Mil-
lim. und haben die Gestalt eines sehr langgezogenen EUipsoids. Der
Kopf und der letzte Hinterleibsring sind hornig, dieser mit zwei auf-
gebogenen Haken, jener mit fünf Ocellen auf jeder Seite, massig lan-
gen viergliedrigen Fühlern, hakigen Mandibeln, dreigliedrigen Maxillar-
taslern , tief ausgerandeter , weit nach unten gerückter Unterlippe und
zweigliedrigen Labialpalpen. Als Bewegungsorgane dienen drei Paar,
wie es scheint kurze, Beine, zwei seitliche Wülste am vierten bis
zehnten Segmente, drei Reihen von contractilen Bauchwarzen, welche
auf dem vierten bis elften Körperringe quere durch Eindrücke in drei
Lappen getheille Wülste darstellen, die Haken des letzten Segmentes
und eine Warze an der Unterseite desselben, in deren Mittelpunkte
sich die Afteröffnung befindet. Die Farbe ist weisslich, Kopf, letztes
Segment und eine Querbinde am Vorderrande der übrigen röthlich.
Zur Verwandlung gehen die Larven unter die Erde. Die Puppe ist
nackt, sie trägt einige Höcker und zwei Warzen am Ende des letzten
Segments. Der Käfer erscheint im Mai.
während des Jahres 1851. 161
Die Kennlniss der früheren Stünde von Diphylhis innalus Fabr.
verdanken wir ebenfalls P e r r i s (a. a, 0. S. 42. Taf. 2. N. III. F. 10 - 16.) ;
sie weisen dem Käfer , dessen syslematische Stellung bisher einiger-
massen zweifelhaft war, einen Platz in dieser Familie an. Die Larve
ähnelt sehr der von Triphyllus , doch ist der Körper paralleler, der
Kopf etwas grösser, das letzte Segment am Ende nur mit zwei klei-
nen hornigen Zähnen, die Alandibeln mit gelheiller Spitze, die übrigen
Mundtheile ganz wie bei Triphyllus. An der Seite des vierten Füh-
lergliedes findet sich noch ein kleines supplementäres. P. fand die
Larven im Frühjahr in Sphaeria concentrica Pers. Sie gehen ebenfalls
zur Verwandlung unter die Erde, und die Puppe ist ganz wie die von
Triphyllus.
Dermestini. Von Küster (Käf. Eur. XXII. 39.) wurden
Trogoderma picta aus Dalmatien und T. varieg ata aus Sardinien, —
von Kiesen Wetter (Ann. d. 1. soc. ent. S. 573.) Anthremis deli~
catus vom Mont Serrat als n. A. aufgestellt.
Boheman beschrieb (Ins. Caffr.) Dermestes semi str ia tus,
und Trinoäes villosus aus dem südöstlichen Africa; — Roth (a.a.O.)
theilte die Diagnosen von 3 n. A. von AUagenus aus Abyssinien mit.
Als neue chilesische Arten sind von Soli er (Faun, chil.) i)er-
mestes o blongus , rufofuscus, Diontolohus (n. G.) puncti-
peti7iis, Decamerus (n. G.) haetnorrhoidalis, Eurhopalus
(n. G.) varieg atus , rubiginosus , vicinus, angustus bekannt
gemacht worden.
Ilyrrliii» v. Kiesen Wetter beschrieb (Ann. d. I. soc. enl.
S. 580iF,): Byrrhus lob atus durch grossen häutigen Lappen am drit-
ten Fussglied und sehr kräftige Klauen ausgezeichnet, B. S u f f riaiii
eine von Suffrian Ent. Zeit. 1848 besciiriebene aber nicht benannte
Art, B. bigor r ensis , B. auromicans mit schöner braungoldner
Pubescenz, alle aus der nächsten Verwandtschaft des B. pyrenaeus
Duf., Steff. und wie dieser in den Pyrenaeen einheimisch, und Limni^
chus incanus aus Cafalonien.
Boheman (Ins. Caffr.) machte Morijchus sublaevis n. A. aus
dem südöstlichen Africa bekannt.
Parnidae* Eine Monographie der Gattung Potamophilus Germ,
haben wir von Coquerel (Rev. et Mag. d. Zool. S. 591. Taf. 15)
erhalten. Es sind in derselben neun Arten beschrieben , die sich in
folgender Weise gruppireii : I. Halsschild vorn ohne Querfurche. A.
Halsschild breiter als lang. 1. Hinterecken desselben ausgehöhlt und
gezähnt. P. acuminatus Fabr. 2. Hinterecken einfach zugespitzt. P.
cacicus, die grösste Art der Gattung, 9 millim. lang, aus Columbien.
ß. Halsschild länger als breit. 1. Hinterecken ausgehöhlt. P. java~
Archiv, f. Naturgesch. XVHI. Jahrg. 2. BA L
162 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
nicus aus Java. 2. Hinterecken einfach zugespitzt. P. orientalis
Gory, Lap. aus Java. II. Ualsschild vorn mit einer sehr tiefen Quer-
furche. A. Halsschild quer. P. Goudotii Guer. aus Neu-Granada, P.
cinerews Blanch. von Corrientes. B. Halsschild länger als breit, j. Ohne
mittlere Aushöhlung, a. Seiten fast gerade, Hinterecken wenig ausge-
höhlt P. Cordillierae Guer. b. Seiten sehr gerundet, Hinterecken stark
ausgehöhlt. P caraibus n. A. von Martinique und Guadeloupe. 2. Mit
einer kleinen mittleren Aushöhlung nahe am Hinterrande. P. ther-
marius aus Brasilien. — Drijops picipes Oliv., den der Verf. als zehnte,
ihm unbekannte Art zu Potamophilus rechnet , bildet mit Parnus bra-
silianns Klug, das Genus Pelonomus Er.
Die Galiung Potamophilus vv^urde auch von B o heman (Ins. CafFr.)
mit einer neuen Art, P. africanus aus dem südöstlichen Africa, be-
reichert, sie gehört der Beschreibung nach zu Coquerel's Abiheilung II. A.
Heteroceridae Eine neue Revision der Gattung Heleroce-
rus hat v. Kiesenwetter (Linn. entomol. V. S. 281 — 300.) geliefert,
sie bildet eigentlich nur ein Supplement zu der früher vom Verf. in
Germar's Zeitschr. f. Entomol. veröffentlichten Monographie dieser Gal-
tung, indem sowohl auf die dort gegebne Gattungsschilderung als auch
auf die Beschreibungen der dort schon behandelten Arten ohne Wie-
derholung Bezug genommen wird. Die Zahl der dem Verf. aus eigner
Anschauung bekannten Arten beläuft sich gegenwärtig aufSG, von de-
nen 17 in der früheren Monographie fehlende hier sehr genau beschrie-
ben sind, neu sind darunter H. labiatus, cuniculus, auromican s,
mollinus , miser, subs triatus, fatuus , collaris aus den ver-
einigten Staaten, guttatus von Cuba , pumilio von St. Thomas,
arenarius aus Irland, pruinosu s von Perpignan. Anhangs-
weise sind 9 von Küster, Motschulsky, Melscheimer , Say und Gene
beschriebene Arten aufgeführt, die dem Verfasser unbekannt geblie-
ben sind. Die Synonymie ist überall vollständig mitgctheilt. Soweit
die bisherigen Erfahrungen reichen , ist die Gattung auf die europäi-
sche, mit Einschluss der mediterranischen und nordasiatischen, und auf
die nordamerikanische Fauna mit Einschluss der Antillen beschränkt.
Scarabaeides. Das zweite Heft des von Blanchard be-
arbeiteten Käfer- Verzeichnisses der Pariser Insectensammlung enthält
den Schluss der Melolonthidae und die Rutelidae. s. u.
Dynastidae. — Fünf neue, in Madagascar einheimische Arten
von Oryctes sind unter den Namen von 0. Rada,ma, Ranavalo,
Simiar, colonicus und insularis von Coquerel beschrieben
und abgebildet worden (Rev. et Mag. d. Zool. S. 86. , Ann. d, 1. soc.
entoni. 1852. S.359. Taf. 10.); die erste hat eine Grösse von 60 Millim.
Scarabaeus punclalo striatus und Oryctes nitidicollis
wurden von Soli er in Gay's Faun. chil. als n. A. aufgestellt.
während des Jahres 1851. 163
Guerin-Meneville machte Rev. et Mag. d Zool. S. 168
eine neue Art der Gattung Heterogomphus Burm. unter dem Namen U.
Bourcieri bekannt, welche von Bonrcier auf den Anden in beträcht-
licher Höhe entdeckt ist , und sich von H. dilaticollis besonders durch
blasig erweiterte Seiten des Halsschildes unterscheidet. Die runden
Erdkugeln , in denen sich die Larve verpuppt , finden sich in grossen
Massen und bilden oft ganze Schichten von mehreren Meter Dicke.
Mulsant setzte (Mem. d. l'Acad. de Lyon. S. 151.) die Unter-
schiede von Pentodon puncticollis Dej. Burm. [vtonodoii Muls. Col. d. Fr.),
monodon Fabr. und punclatus de Villers aus einander. Einen äusseren
Geschlechtscharakter hat M. in der Bildung des letzten Abdominalsegments
gefunden, welches beim Weibchen einen nach hinten gerichteten Bogen
bildet, beim Männchen stumpf endigt oder schwach ausgerandet ist.
Cetoniadae. — Mit zwei ausgezeichneten neuen Arten aus
Madagascar, Pogonotarsus Vescoi und Stenolarsia scapulata wurde
diese Gruppe von Coquerel bereichert (Rev. et Mag. d. Zool. S. 86.
Ann. d. 1. soc. enlom. S. 359. Taf. 9).
Im vorigen Jahresberichte S. 188 ist bei Erwähnung der von
Blanchard (Cat. d Mus.) neu aufgestellten Species Oxylhyrea Clou a ei
aus Nossi-Be (bei Madagascar) übergangen worden. Nach Coquerel
(Ann. entom. a. a. 0.) wäre sie nur eine Abänderung von eusla"
lacta Burm.
Godart behauptet (Ann. d. 1 soc. ent. S.665.), dass Celonia
aenea Gyll. und melallica Fabr. wegen der Verschiedenheit in der Bil-
dung ihres Penis als zwei verschiedene Arten anzusehen sind, und dass
auch die algier'sche Cef. /wnerana Gor. et Perch. aus demselben Grunde
nicht Abänderung von aurata sein könne. Der Verf. hat nicht ange-
geben , worin diese Unterschiede bestehen , es wäre dies aber um so
nöthiger, als Ormancey gerade aus der Uebereinstimmung in der Form
des Penis die Identität der C. metallica und aenea nachweisen will
(Ann. d. scienc. nat. Xli. s, vor. Jahresber. S. 163.) : Godart macht
bei dieser Gelegenheit ßurmeisler und mir einen Vorwurf daraus, dass
wir auf Cet. aurala der (lestalt ihres Brustf^rtsatzes halber nicht eine
besondere Gattung errichtet haben, es kann aber schliesslich nur dazu
führen, dass jede Art ein eignes Genus bildet, wenn man jeder Form-
verschiedenheit eines einzelnen Theiles eine generische Bedeutung zu-
erkennt.
Cornelius setzte Ent. Zeit. S. 21. die Unterschiede ausein-
ander , welche ihm zwei aus Algier stammende und als Cei. funesta
Oliv. ? aufgeführte Exemplare von Celonia (^Oxylhyrea) stictica Linn.
darboten. Er scheint eine Varietät der stictica vor sich gehabt zu
haben , welche schon Burmeister bekannt war , und die keine Art-
164 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
rechte beanspruchen kann. Eine Cet. funesta Oliv, giebt es übri-
gens gar nicht; C. funesla Fabr., früher für identisch mit stictica
gehalten, ist eine kleinere Abänderung der C. morio.
Die Larve von Celonia aenea soll nach einer iMittheilung von
Weaver (Proc. of the ent. Soc. S. 106.) drei Jahre in Ameisenneslern
zubringen und grosse Mengen der sogenannten Ameiseneier verzehren.
W. versichert, sie mehrere Monate damit gefüttert zu haben. Es be-
darf diese Angabe jedenfalls noch einer weiteren Bestätigung.
Rutelidae. — Blanchard führt in dem Cataloge der Pa-
riser Käfersammlung (s. o.) 487 Arten dieser Gruppe auf, also ein
Yiertheil mehr als Burmeister im J. 1844 bekannt waren , hat aber aU
lerdings die Gattungen Apogonia Kirb. mit 12 und Xijlonychus Boisd.
mit 3 Arten hier eingereiht, welche entschieden zu den Melolonthiden
gehören. 186 Species sind als neu bezeichnet und durch Diagnosen
kenntlich gemacht, ein Theil derselben hat zur Aufstellung neuer Gat-
tungen Veranlassung gegeben. Von diesen gehören zur ünterabthei-
lung der Anomalarii : Tropiorhynchus auf Änisoplia podagrica
Newm. , Burm. und orientis B. gegründet, Callirhinus mit einer
neuen mexikanischen Art, zwischen Tropiorhynchus und Rhinyptia
Burm. gestellt, Epectinaspis (Anomala mexicana Burm.), Calli-
stethus und Singhala, beide mit Popilia verwandt, mit einer neuen
ostindischen Art, Pharaonus {Popilia fasciculata Burm.), Packy-
stethus (P. vidua Newm. innuba Burm.) ; — der Unterabtheilung der
Rutelidae genuinae wird Cralhoplus, zwischen Chlorota Burm. und
Chrysophora stehend, mit 1 n. A. aus Brasilien zugefügt; — die Un-
terabtheilung der Areoditae erhält einen Zuwachs durch Xylony chus
Boisd. mit mehreren neuholländischen Arten , von denen X Euca-
lypti Boisd. die bekannteste ist (s. indessen o.), Phytolaema [Areoda
mutabilis Sol. Gay), und Lasiocala mit 1 n. A. aus IN eu- Granada ; —
die Unterabtheilung der Anoplognathidae wird mit Amblochilus , 1
n. A. aus Neuholland enthaltend, bereichert; — zur Unterabiheilung
der Adoretidae gehören H e ter ophthalmus, durch sehr dicke Augen
des Männchens ausgezeichnet, mit 1 n. A. aus Pondichery, und Ado-
re Stoma mit 2 n. gleichfalls ostindischen Arten; — in die Unterab-
theilung der Geniatidae endlich reiht sich Micro chilus mit 1 n. A.
aus Brasilien ein. — Auf die Bestimmung der Arten und Vollständig-
keit der Synonymie hat Bl. grossen Fleiss verwandt.
Die neuen chilesischen von Soli er in Gay's Faun. chil. be-
schriebenen Arten sind: Bemb eg eneius (n. G.) fulvescens , Tri-
boslethes ciliatus, Areoda mutabilis , Catoclastus (n. G.) Che-
vrolatii, 0 o g eneius (n. G.) virens.
Anomala rugatip ennis n. A. aus Guadarrama wurde von
Graells (Ann. d. 1. soc. ent. ß. 13. Taf. 1. F. 3; Mem. de Acad. d.
während des Jahres 1851. l65
Madrid, t. II.) aufgestellt, sie hat 13 Älillim. Länge und ist durch kurze
gedrungene Gestalt und gerippte Flügeldecken mit runzligen Zwischen-
räumen ausgezeichnet.
Melolonthidae. — Diese Gruppe zählt in Blanchard's
Catalog der Pariser Insectensammlung 768 Arten , hat aber dort einen
etwas andern Umfang als bei Rurmeister und Erichson , den beiden
neuesten Syslemalikern der Scarabaeiden - Familie. Abweichend von
Hurmeister hat nämlich Bl. die Phyllophaga farinosa des letzlern (die
Hoplides von Latreille) mit den Melolonthiden verbunden , abweichend
von Erichson die Euchiridae und einen Theil von dessen Hoplides (die
Gattungen Hoploscelis , Pachycnema , Anisonyx, Lepitrix, Eriesthis
Chasme) abgetrennt ; die letztern sind nach Latreille's und IJurmei-
ster's Vorgange wieder zu den Glaphyriden gestellt. — Die Gruppe ist
von Bl. in 10 Unterabtheilungen aufgelöst, die aber nicht durch Cha-
raktere wissenschaftlich begründet sind und daher hier auch nicht er-
wähnt zu werden brauchen. Eine sehr grosse Zahl neuer Gattungen
wird durch Diagnosen in das System eingeführt , welche auf ausge-
dehnten und sorgfälligen Untersuchungen beruhen, aber doch manche
wohlbegründete Anforderung unerfüllt lassen. Lag es dem Verf. daran,
eine systematische üebersicht über die Gruppe der Melolonthiden zu
geben, so mussten alle, auch die früher aufgestellten, Gattungen cha-
rakterisirt werden, wodurch dann die Eigenlhümlichkeiten der neu er,
richteten in das gehörige Licht gesetzt worden wären. Hatte Bl. aber
vorzugsweise das praktische Bedürfniss eines Katalogs im Auge , so
hätte er irgend eine frühere Arbeit der seinigen zu Grunde legen und
sich streng an diese anschliessend vor allen die wichtigsten Unter-
schiede der neuen Genera sorgfältig hervorheben sollen. Keins von
beiden ist aber geschehen , wir haben vielmehr nur eine Anzahl Be-
schreibungen neuer Galtungsformen erhalten , die kaum einen höheren
wissenschaftlichen Werth beanspruchen können als einzelne Beschreibun-
gen neuer Arten. Der grössere Theil dieser neu aufgestellten Gattun-
gen ist schon im vorigen Berichte genannt worden, es kommen jedoch
noch folgende hinzu: Euryaspis durch breites Kopfschild, dicke
Oberlippe und Taster von Pleclris und den verwandten Gattungen un-
terschieden , eine brasilianische Form; Brahmina mit Ancylonycha
verwandt, die Klauen gespalten, der obere Zahn zart und scharf, der
unlere kürzer, breiter und schwach gekrümmt, in Ostindien einheimisch;
Listrochelus ebenfalls vom Aussehen einer Ancylonycha, aus Mexiko,
To g e s toptera auf Melolontha lanceolata Say gegründet; Hoplo-
ch eins zwischen Euthora und Etnpecta Er. gestellt, aus Madagascar ;
Gymnog aster , Tricholepis, Proag osternus , drei Formen von
Isle de Bourbon und Aladagascar, zwischen Encya und Leucopholis
stehend; N anar cl a^. P olyphyllum zur Gruppe der Elaphoceritae
gehörig, zwischen Clilopa Er, und Elaphocera Gene eingereiht^ die erste
166 Schaum: Bericht üher die Leistungen in der Entomologie
auf eine neue Art vom Cap , die zweite auf P. Tubrescens Hombr. et
Jacq. von den Salomonsinseln gegründet; Pachrodema , Hilaria-
nus und Homalochilus aus der Verwandtschaft von Liogenys Guer.
und Diplotaxys Kirb., die erste und dritte aus Patagonien , die zweite
mit 8 n. A. aus Brasilien. — Ueber 450 der verzeichneten Species
sind neu und durch Diagnosen bezeichnet, die aber namentlich in den
artenreicheren Gattungen nicht hinreichen , um die Arten mit Sicher-
heit wiedererkennen zu lassen. — Sehr vielen Fleiss hat der Veif. auf
eine vollständige Zusammenstellung der Synonymie verwandt und ist
hier einer jeden Beschreibung das Jahr, in welchem sie erschienen ist,
beigefügt. Auf Einzelnheiten einzugehen , gestattet der Raum dieses
Berichts nicht , nur das will ich bemerken, dass Melolontha fucata
Blanch. (S. 160.) = hybrida Charp. ist.
In Gay's Fauna Chilena sind von S o 1 i e r folgende neue Arten
bekannt gemacht: Pri o nop ho r a (n. G.) picip ennis , Chretna-
stodus (o. G.) pube s cen s (eine zweite Art der Gattung ist Ma~
crodactylus marmoralus Curt.) , Maypa viridis, punctata, atra,
r ufeol a, v ar io los a , Ma crodactylus chilen s is. Ausserdem sind
von ihm noch mehrere gleichzeitig in Blanchard's Kataloge bekannt
gemachte Arten genauer beschrieben.
Neue Arten sind ferner.- Schizonycha uva Coquerel aus Ma-
dagascar (Rev. et Mag. d. Zool. S. 86. Ann. d. 1. soc. ent. 1852. 3 trim.)
— und Chasmatopterus p ar vulus (G r a el 1 s (Mem. d. Acad. d. Ma-
drid t. II., Ent. Zeit. 1853. N. I.) aus Spanien.
Propomacrus bimucronatus Fall, findet sich nach v, Hey den
(Ent. Zeit. S. 240.) bei Constantinopel im August in hohlen Eichen.
Low hat schon früher einmal dieselbe Mittheilung gemacht.
Geotrupini. — Eine neue in Marocco einheimische Art von
Geolrupes, dem G. Typhoeus nahe verwandte, aber durch spitzen Schei-
tel, längere Seitenhorner des Halsschildes und oben flachen Körper un-
terschieden, ist von Fairmaire (Rev. zool. S. 528., Ann. d. 1. soc.
entom. 1852. S. 85.) unter dem Namen G. typhoeoides bekannt ge-
macht worden.
Von Soli er wurde in Gay's Faun. chil. Bolboceras tricor-
nis aufgestellt. ^
Die von Westwood der Linne'schen Gesellschaft zu London
vorgelegte und nach einem in den Ann. of nat. bist, mitgetheillen Aus-
zuge bereits im Jahresberichte f. 1848 angezeigte Abhandlung über
Athyreus ist jetzt in den Linnean Transaclions lom. XX. P. IH. voll-
ständig erschienen ,,Descriptions of new Species of Athyreus, a genus
of Lamallicorn beetles." Den elf früher schon namhaft gemachten Ar-
ten werden hier zwei neue A. fossulatus von Pernambuco und
Keichii aus Neu-Granada hinzugefügtj sie sind sämmtlich durchAb-
während des Jahres 1851. 1Ö7
bildungen erläutert, welche sich wie alle Westwood'schen durch Cor-
rectheit und charakteristische Auffassung auszeichnen. Auch von A.
excavatus, bicolor und sexdendatus^ drei bisher nur durch Laporle's un-
genügende Angaben bekannten Arten , deren Originalexemplare dem
Verf. zugänglich waren , sind Kopf und Halsschild dargestellt. — In
dem Vorwort beschäftigt sich W. mit der Mundbildung und den Ge-
schlechtsverschiedenheiten. Die Beschaffenheit der Unterkiefer und des
Kinns scheinen dem Verf. auf eine nähere Verwandtschaft von Athyreus
mit den Copriden und noch mehr mit einigen anomalen Trogiden-
Gattungen , welche Erichson's Gruppe der Orphnidae bilden, als mit
Geotrupes hinzuweisen. Bei Geolrupes besitzen nämlich die Maxillen
zwei grosse häutige Laden , während bei Athyreus die breite äussere
Lade in eine scharfe hornige Spitze endigt, und die innere mit zwei
hornigen Fortsätzen versehen ist (W. hat aber Lethrus nicht beachtet,
wo beide Laden der Maxillen ebenfalls hornig sind und wenigstens die
innere in einen an der Spitze gespaltenen Haken ausläuft), — S. 438
giebt W. eine Liste der früher aufgestellten Arten , aus der aber A.
ferntgineus Pal. Beauv. zu streichen ist, indem derselbe zu Bolboceras
gehört und mit B. Lecontei Dej. identisch ist.
Ateuchini. — Roth machte (a. a. 0.) 2 Gymnopleurus und
2 Sisyphus als n. A. aus Abyssinien bekannt, Reiche bemerkte aber
(Ann. d. 1. soc. ent. 1852. S.97.), dass Gymn. cyanescens Roth =in-
dagaceus Reiche, G. gibbosus Roth = pumilus Reiche, Sis. rugosus
Roth = ocellatus Reiche und dass nur Sis. setiger Roth früher unbe-
schrieben war.
Coprides. — Roth errichtete in dieser Gruppe eine neue
Gattung Ixodina (s. dies. Arch. S. 128.), welche aber, wie schoii
Reiche (a. a. 0.) bemerkt, mit Drepanocerus Kirby identisch ist. Die
von Roth als /. abyssinica bekannt gemachte Art ist jedoch noch nicht
beschrieben. Als neue Arten stellte Roth ferner 1 iteliocopris, 1 Co-
pris, 13 Onthophagus, 5 Oniticellus, 1 Eurysternus, 3 Onilis auf. Nach
Reiche (Ann. d. 1. soc. ent. 1852. S 97.) ist aber Copris troglody-
tarum Roth = neplis Reiche = orphanus Guer., Onthoph. lepidus Roth
= diversus Reiche, 0 graniger Roth = bißdus Reiche, Onitic. clava-
tus Roth = intermedius Reiche , Onitic. inßatus Roth = inaequalis
Reiche, 0. tridens Roth = militaris Gast. , Eurysternus trogiformis =
Onitis ambigua Kirby = Oniticellus iwpressws Gast,, Onitis HerbsliiHoÜi
==. crenatus Reiche, On. Illigeri Roth = abyssinicus Reiche.
Graells machte (Mem. d. Acad. d. Madrid t. II.) Onthophagus
slylocerus (Taf. 8. F. 6. ^ $) , eine neue spanische Art, bekannt.
(S. auch Ent. Zeit. 1853. N. I.).
In Gay's Faun. chil. ist von Soli er Fhanaeus dimidi atus,
eine prächtige neue Art, beschrieben und abgebildet worden.
168 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Aphodiidae. — Aphodius luridipennis und Ammoecins
numidi cus sind zwei neue Arten aus Algier, welche Mulsant
(Mem. de l'Acad. de Lyon S. 138. u. S. 152.) aufgestellt hat, die erste
gehört in die nächste Verwandtschaft von A. nitidulus.
Zwei neue chilesische Arten beschrieb Soli er in Gay's Faun,
chil. unter den Namen Aphodius c hile nsis und A. D e r b es is.
Von Rot h wurden (a. a. 0.) 15 abyssinische Arten von Apho-
dius durch Diagnosen bekannt gemacht, von denen indessen nachRei.
che A. coloralus Roth = pulcherrimus Reiche — A, armatus Roth =
rhinoceros Reiche — A. macropterus Roth = maculicoUis Reiche —
A. sculellaris Roth = lividus Ol. anachoreta Fabr. ist.
Von Mulsant (Mem. de l'Acad. d. Lyon S. 139.) wurde eine
neue Gattung Eremazus auf eine in Algier entdeckte Art, E. uni-
striatus y errichtet und zu Trogiden gestellt. Da diese Gruppe aber
von Mulsant , nicht wie von Erichson durch die Zahl der Bauch-
segmente , sondern durch Iheilweise unbedeckte Mandibeln charak-
terisirt wird , so glaube ich die Gattung bei der Uebereinstimmung,
welche sie in der Körperform mit Psammodius haben soll, hierher stel-
len zu müssen, wenngleich die Zahl der Bauchsegmente von M. nicht
angegeben ist. Ais Hauptcharakter derselben werden die (wie bei
Psammodius Muls.) verdickten Hinterschenkel , die (wie bei Aegialia)
vortretenden Mandibeln, die dreizahnigen Vorderschienen und die An-
wesenheit einer einzigen Fussklaue bezeichnet.
Trogida e. — Roth theilte (a. a. 0.) die Diagnose einer neuen
abyssinischen Art von Trox mit.
Lucanini. — Eine neue Art von Chiasognalhus hat Solier
in Gay's Faun. chil. unter dem Wamen Ch. LalreUlei bekannt gemacht,
es ist aber erst das Weibchen aufgefunden, welches von dem Weib-
chen des Ch. Granlii ausser durch geringere Grösse besonders durch
andere Bildung des Kopfes und der Mandibeln abzuweichen scheint.
Ausserdem stellte S. (a. a. 0.) Dorcus rufipes, Spinolae, leio-
cephalus , Roulcti, tuber culatus und mandibula ris auf, der
letzte bildet eine be.=;ondere , vom Verf Pycnosiphorus benannte
Unterabtheilung. Slreptocerus speciosus Dej. Fairm. ward hier von S.
unter dem Namen Str. Dejeanii beschrieben und abgebildet.
Iluprestides* Eine grössere Reihe neuer chilesischer Bupre-
stiden , darunter auch mehrere neue Gattungen, sind von Solier in
Gay's Faun. chil. bekannt gemacht worden: Epistomentis (n. G.)
auf Chrysochroapicta Gor. gegründet, Zemina minor, rubronotata,
Rouletii, depr essa, M ontag n ei , Rousselii , Nemaphorus
(n. G.) costatus, Pithiscus (n. G.) viridiventris , Trigono-
phorus (n. G.) angulesus , Bupreslis Gaudichaiidii , Latipalpis
während des Jahres 1851. 169
Des cainei , Anthaxia mar g inicollis , Cylindrophora (n. G.)
auf Anthaxia concinyia und bella Gor. errichtet, Agrihts sulcipennis,
Mast ogenius (n. G.) p arallelus.
Von Fahraeus (Bohem. Ins. Caffr.) sind 2 Julodis, 9 Actnaeo^
dera, 2 Chrysochroa, 1 Caslalia, 9 Buprestis, 1 Phaenops, l Belionota,
1 Anthaxia, 2 Evagora, 6 Sphenoptera , 8 Amorphosonia, 8 Coraebus,
12 Agrilusy 6 Trachys, 5 Aphanisticiis als n. A. aus dem südöstlichen
Africa beschrieben; — von Koth (in diesem Arch.) 2 Acmaeodera,
1 Lampeiis, 1 Anthaxia, 2 Pseudagrilus, 2 Agrilus aus Abyssinien durch
Diagnosen cliarakterisirl. Lampetis Schimperi Roth ist aber nach Rei-
che (Ann. d. I. soc. enlom. 1852. S. 96.) = albicincta Reiche Ga-
lin. Voy.
Die auf Madagascar beschränkte Gattung Folybothris erhielt einen
Zuwachs von zwei ausgezeichneten neuen Arten, F. auroclavata
und pyropyga, durch Coquerel (Rev. et Alag. d. Zool. S. 86.
Ann. d. 1. soc. entom. 1852. S. 359. Taf. 9. K. 4. 5.). C. bemerkt, dass
die Flügeldecken der Folybothris - Arten während des Lebens einen
schönen Rietallglanz besitzen , der wie bei den Cassiden nach dem
Tode erlischt.
Fairmaire bereicherte die Gattung //t/percrn^Äa mit einer schö-
nen neuen Art //. haemorrhoa aus Venezuela, Rev. et Mag. d. Zool.
S. 348.
Eine neue Sphenoptera aus der Türkei wurde von M u 1 s a n t
(Mem.de l'acad. de Lyon t. L) unter dem Namen von S. sub costata
aufgestellt.
Uebcr die Verwandlungsgeschichte mehrerer ^^n^Ms- Arten hat
Ferris (Mc'm. de l'Acad. de Lyon. L S. 107.) ausführliche Mitlheilun-
gen gemacht. Agr. derasofascialus Ziegl. lebt in abgestorbnen Släm-^-
men und Aeslen des Weinstocks , A. viridipennis Gory vom Holz und
von der Kinde der VVeidenzweige, die man häufig als Weinpfähle be-
nutzt, A. sexgultalus Herbst in der Rinde abgestorbener italiänischer
Pappeln, A. cinctus Oliv, in der ßesenpfrieme nahe der Wurzel und
selbst in den grössern Wurzeln. Die Larven aller dieser Arten gehö-
ren zu denen mit einer Horngabel an der Hinterleibsspitze. — Am
Schlüsse der Abhandlung kommt der Verf. auf einen verjährten and
längst geschlichteten Streit zwischen Goureau und L. Dufour über die
Zahl der Körpersegmente und die Lage der Thoraxstigmen bei den
Agrilus-Larven weilläufig zurück, er hat sich natürlich auch dafür ent-
schieden , dass der von Goureau als Kopf beschriebene Ring der Fro-
thorax ist und dass der Thorax nur ein Sligraenpaar besitzt, welches
aber nicht, wie L. Dufour behauptet, in der Verbindungshaut des Pro-
und Mesothorax, sondern — wie dies auch von den deutschen Schrift-
170 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
stellern längst angegeben ist — an den Seilen des Mesothorax angC'
bracht ist.
Die Melamorphose der Trachys nana ist von Heeger beobach-
tet und (Sitzungsber. der Wien. Acad. VII. S. 209. Taf. V.) beschrieben
worden. Die Käfer überwintern und legen im Mai ihre Eier an die
Blattrippen der Unterseite der gemeinen Winde (Convolvulus arvensis),
die jungen Larven beissen sich durch die Oberhaut des Blattes und
nähren sich, ohne Gänge zu machen, von der Blatlsubstanz, höhlen in
einem Zeiträume von 4—5 Wocheu das halbe Dlatt aus , häuten sich
dreimal und verwandeln sich nach 14tägiger Puppenruhe zum voll-
kommenen Insecte.
Für die entomologische Geographie ist es von Interesse , dass
die nordafrikanische Aurigena tarsata Fabr. im Dept. de l'Indre gefan-
gen worden ist (Bull. d. 1. soc. ent. S. CXVIll.).
Eucnemides» Von ßoheman (Ins. CafFr.) wurden Eticnc"
mis gr anulicollis , JE. conlr actus und Dirhagus cylindri co l-
lis als n. A. aus dem südöstlichen Africa beschrieben.
Eine neue Gattung //arm iwtws wurde von Fairmai re (Rev.
Zool. S.527., Ann. d. 1. soc. entom. 1852. S. 80. Taf. 3. F. 5.) durch
folgende Charaktere begründet: Coxae posteriores femorum basin tan-
tum obtegenles, tarsi simplices, graciles ; antennae liberae, elongalae,
serratae,- art. secundo lertioque minuti^ aequalibus. Genus Hypocaelo
affine, pedibus tarsisque gracilibus et antennarum arliculo tertio distin-
guendum. Sie enthält zur Zeit nur H. castaneus, n. 12 millim. lange
A. aus Sicilien.
Klaterides* Cryptohypnus varie gatu s aus Italien und
Cr. fenestratus wurden von Küster (Käf. Eur. XXII.) als n. A.
aufgestellt , beide stehen in nächster Verwandtschaft mit Cr. bima-
culatus.
Von Boheman (Ins. CafFr. S. 381. Taf. 2. F. I.) wurde diese
Familie mit einer neuen Gattung Elasmoc erus bereichert, sie steht
Tetralobus nahe und unterscheidet sich durch vorgestreckte Oberlippe
und Mandibeln, durch viel längere Lippentaster, grosses fast gerundetes
Schildchen , längere und dünnere, unten einfache Füsse und durch die
Bildung der männlichen F'ühler; diese sind vom 3 -10. Gliede innen in
eine dünne lange Lamelle ausgezogen, das 11. Glied ist lang und trägt
an der Spitze zwei Lamellen. E. vali die ornis n. A. ist 20 Lin.
lang und bisher nur im männlichen Geschlechle bekannt.
Als neue Arten aus dem südöstlichen Africa beschrieb de r-
selbe (a. a. 0.) 3 Tetralobus , 5 Dicrepidius , 2 Alaus , 2 Campylus^
1 Limonius, 1 Atraclodes, 9 Cardiophorus, 2 Oophorus, 1 CratonychuSy
i Diacanthus, % Prislilophus, 6 Lacon.
während des Jahres 1851. 171
Auch diese Familie ist mit vielen neuen chilesischen Arten, von
denen mehrere neue Gattungen bilden, von Soli er in Gay's Faun,
chil. bereichert worden: Agrypnus chilen sis , 0 v ipalpus (n. G.)
pubescens , Nemasoma (n. G.) sulcatum , Dero m e cus (n. G.)
angust atus , filicornis , a tte nuatus , vulgaris .^ rtibricoK
lis , thoracic US, collaris, parallelus, Cardiophorus e l e~
gans, pallipes, depressus, Änacantha sulcicollis,
l'odonema (n. G.) imp res sunt, Grammephorus (n. G.) rM-
fipenni s , Mecothorax (n. G.) castaneip ennis , Diacan-
tha (n. G.) nigra, B e dr esia (n. G.) impr es sicollis, punctato-
sulcata, Phanopho rus (n. G) p arallelus, niger, dilatatus,
Pyrophorus var iolosus (vermnthlich == P. ocellatus Germ.), Ge-
nomecus (n. G.) rufic ollis , Tihionem a (n. G.) rufiventris
(= Alans abdominalis Guer. Mag. d. Zool.), Cardiorhinus g r anu"
losus (= Ludius decorus Germ.), Sotnamecus (n. G.) p aral-
lelus, Olotelus (n. G.) feinor alis , angustus, Ambly gnathus
(n. G.) abdominalis , Dysmorphognathus (n. G.) fuscus,
Cebrioniies* Graells gab (Annal. d. 1. soc. entom. d.
Franc. IX. S. 6.) eine ausführliche Beschreibung und Abbildung des
Cebrio Carrenoi in beiden Geschlechtern (s. Jahresber. f. 1847. S. 84)
und stellte C rnfifrons als neue spanische Art auf, das Weibchen
des letztern ist zur Zeit noch unbekannt. In den Memor. d. 1. R. Acad.
d. Madrid t. II. S. 109. hat G. die Beschreibungen dieser beiden Arten wie-
derholt und noch zwei neue C. Dufourii (Taf. 8. F. 4.) uüdAmorii
(F. 5.) hinzugefügt, welche beide zur Zeit ebenfalls nur im männlichen
Geschlechtc bekannt sind (s. a. Ent. Zeit. 1853. N. I.).
Von Boheman (a. a. 0.) wurde Cebrio pa Ileus n, A. von
Port Natal bekannt gemacht.
Rliipicerides* Diese Familie wurde von Bob e m a n (Ins.
Caffr.) mit diei n. A, aus de;n sudöstlichen Africa bereichert: Cha-
maerhipis n atal ensis , Sandalus pun c lul atus und S. cosli-
p en ni s.
Cyplionides» Von Boheman (Ins. CafFr.) wurden Elodes
ca f f er und E. m ar g in i p enni s von Port Katal als neue Arten
aufgestellt.
S 0 I i e r beschrieb (Faun, chil.) : Cyphon Itinalum, »bli~
q u a tu m , c oll ar e , maculicorne, t e s t a c e um , partJMni,
0 b s c u r um , macul atum , luteo-lineatum, Elodes Ro u s se-
1 ii , velutinus.
Die Metamorphose des Eucinetus meridionalis Casi. ist von Per-
ris (Ann. d. 1. soc. ent. S. 48. Taf. 2. N. V. Fig. 26-36.) beobachtet
worden. Die J.arven leben von verschiedenen Cryptogamen (Byssus,
Mycelium), welche ßich besonders unter Baumrinden entwickeln j sie
172 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
sind ausgewachsen 5 Alillim. lang, von weicher Beschaffenheit, oben
gewölbt und mit Ausnahme des graugelben Kopfes und letzten Segmen-
tes von brauner Farbe. Der Kopf ist vorgestreckt , hinten verschmä-
lert, mit zwei grossen queren braunen Flecken, die Fühler viergliedrig,
das sehr lange Endglied an der Spitze gabiig, die ftlandibeln breit und
zweizähnig, die Lade der Alaxillen kurz und gewimpert, die Taster
derselben dreigliedrig, die Unterlippe tief ausgerandet und gewimpert,
mit zweigliedrigen Palpen. Unter den Fühlhörnern befinden sich je-
derseits 7 Ocellen. Der erste Thoraxring ist grösser als die folgenden
Segmente, obwohl dieselben an Breite etwas zunehmen, vom fünften
an spitzt sich der Körper nach hinten zu , das letzte Segment hat die
Form einer Warze und zeigt oben zwei Querfallen. Längs des Körpers
verlaufen jederseits drei Reihen von Warzen, welche lange Haare
tragen. Auch die Nymphe ist mit Haaren besetzt. Die Eier werden
im Herbste gelegt. Im Mai findet man die ausgewachsenen Larven
und gleichzeitig die Puppen und Käfer.
liycides* Von Fahraeus (Bohem. Ins. Caffr.) wurden als
n. A. aus dem südöstlichen Afrika beschrieben: Lycus humer osus,
amp liatus , constr ictus , scr o b icollis , z>on atus , Calopteron
notabilis und ruficollis.
liampyrides* Leconte hat eine Synopsis der im gemäs-
sigten Nordamerika einheimischen Lampyriden geliefert. (Proceed. acad.
nat. sc. of Philadelphia Vol. V. n. 12. S, 331.). Den Familiencharak-
ter stellt er in folgender Weise fest : Mandibulae integrae, labrum ob-
tectum, abdomen 6 vel 7 articulatum , articulis omnibus liberis ; tarsi
quinque - articulali , art. quarto calceato , plus minusve bilobato ; fe«
mora ad trochanteris basin et latera inserta. Als zwei Abtheilungen
werden dann die Photophori und Telephorides unterschieden ; bei den
erstem besteht der Hinterleib meistens aus 7 Ringen, von denen die
letzten in der Regel leuchten, die Fühlhörner sind einander genähert
und das vierte Fussglied unten gelappt ; bei den Telephoriden hat der
Hinterleib gewöhnlich nur sechs Ringe und leuchtet nicht, die Fühl-
hörner stehen weit von einander und das vierte Fussglied ist bis zur
Basis gespalten. Da aber auch die früheren Stände der Lampyriden
und Telephoriden nicht unerheblich von einander abweichen, so scheint
es mir vorläufig angemessener, beide, nach Erichson's Beispiele, noch
als besondere Familien beizubehalten. — Die Photophori werden
von Leconte in acht Gattungen zerlegt, die zwar zum Theil schon von
Newman und Laporte aufgestellt, aber in höchst ungenügender Weise
charaktcrisirl sind, so dass ich es nicht für überflüssig halte, die Dia-
gnosen des Verf. hier mitzutheilen, indem die nordamerikanische Zeit-
schrift doch gewiss nur sehr wenigen Entomologen in Deutschland zu-
zänglich ist. Die neuen Arten w^erden von L. kurz beschrieben, die
bereits beUannten bloss namhaft gemacht.
während des Jahres 1851. 173
1. Phengodes Hoffg. Die einzige Gattung mit unbedecktem
Kopfe. 1 A. P. flumosa Hoffg.
2. Polyclasis Kewm. : anlennae 11-arliculalae, breviler bipecti-
natae, palpi maxillares art. ultimo securiformi, taisi art. quailo vix
lobato, ungues iutegri. l A. P. bifaria [Lamp. bif. Say , Pol. otala
Kewm.).
3. Lucernula Lap. {Lychnuris Dej.): ant. 11-arliculalae, dila-
tatae, compressae ; palpi max. art. ultimo magno, securiformi; larsi art,
quarlo longe lobato, ungues simplices; abdomen apice phosphoreum,
art. ultimo superiore apice emarginalo. Die Männchen haben längere
und breitere Fühlhörner , und unten ein kleines überzähliges Analse-
gment. 3 A. L. alra (Lamp. afra Fabr. Lamp. Zaficorwjs Fabr., Lychn.
morio Melsh), L. tarda aus Ohio und L. punctata aus Georgia,
neue Arten.
4. Elly chnia Dej.: ant. compressae, 11-arliculatae ; palpi max.
art. ult. triangulari, apice acute; tarsi art. quarto longe lobato, ungues
simplices ; abdomen segmenlis nullis phosphoreis , ultimo superiore
apice truncato, non emarginalo. Auch hier haben die i\lännchen unten
ein kleines überzähliges Segment, welches oben von dem letzten obern
Halbringe bedeckt ist. Die Gattung enthält 6 Arten, welche zwei Ab-
theilungen bilden: a. corpus elongatum. E. nigricans Say [obscura?
Fabr.), decipiens Harr, und minuta n. Art aus Georgia. b. corpus
elliplicum. E. corrnsca Linn. {feneslralis Melsh.), autumnalis Melsh. und
lacustris n. A. vom Obersee.
5. Photinus Lap.: antennae compressae, 11 - ailiculalae ; palpi
max. art. ult. triangulari, tarsi art. quarlo longe lobato, ungues sim-
plices, abdomen articulis Iribus phosphoreis, ultimo superiore apice
truncato, inferiore emarginalo, segmenlulo anali in ulroque sexu aucto.
10 A. P. pyralis Linn. [centrala Say, rosata Germ), ardens n. A.
vom Obersee, casta aus Georgia, scintillans Say, marginella aus
den nördlichen Slaalen , punctulata aus dem Missouri - Territory,
consang uin e a gemein in den südlichen Staaten, o bs cur ella aus
dem Missouri-Territory, lineella und vittigera aus Georgia.
6. Pyractomena Dej.: ant. 1 l-articulalae , tenues, subcom-
pressae, art. ult. versus apicem sinuato, palpi max. art. ull. triangulari
apice aculo, tarsi art. quarto longe lobato, ungues simplices, abdomen
art. tribus subtus phosphoreis, ultimo superiore apice emarginalo. Nur
die Männchen haben ein Analsegment. 5 A. , welche in zwei Grup-
pen zerfallen: a. elytra late marginala. P. flavo einet a n. A. aus
Georgia, angulata Say {lucifera Melsh.) aus den railtleren Staaten, b.
elylra minus lale marginata. P. anguslata aus den südlichen Staaten,
P. linearis aus Georgia, borealis Bandall.
7. Phausis: ant. 12-arliculatae, serratae, compressae, art. 1 et
2 parvis, ult. subulato minulLssirao vix conspicuo ; palpi minuti; tarsi
174 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
art. quarto brevi bilobalo, unguiculari longo, inigues simplices, abdo-
men art. tribus phosphoreis, segmenlo ult. superiore emarginato. F. re-
ticulata Say.
8. Pholuris Dej. : ant.ll-articulatae, tenues, elongatac, art. 2 et
3 brevioribus, palpi max. art. ultimo triangulari acuto , lab. art. ult.
transverso, lunato : tarsi art. quarto longe lobato, ungues externi fissi,
interni simplices, abdomen segmentis tribus phosphoreis, ultimo supe-
riore apice rotundato. 4 A. P. pensyhanica Degeer [versicolor Fabr.) ,
frontalis aus Georgia, divisa aus dem Missouri-Territory und con-
g ener aus Georgia.
Unbekannt sind dem Verf. Lampyris ruficoUis Say und Luciola
maculicollis. Lap. geblieben.
Die bisher in Chili aufgefundenen und von Soli er (Gay'sFaun.
chil.) beschriebenen Arten dieser Familie sind: Rhip idop ho rus (n.
G.) rtfer, C lado des (n. G.) flab ellatus , Pyractonema (n. G.)
c 0 mpressicorn e , albomarginatutn, vi ein um, nigripenne,
rho doderum , lugubre, binotatum, fissicolle, brevipenne,
Dy smorphocerus (n. G.) Blanc kar dii.
' Boheman stellte (Ins. Caffr.) 6 Lampyris, ^ Colophotia, 1 Dri~
lus als n. A. aus den ^'atalländern auf; Roth Iheilte (in dies. Arch.)
die Diagnose einer neuen Lampyris aus Abyssinien mit.
In diese Familie und awar in die Nähe von Malacogasler und
Drilus scheint mir auch eine neue Gattung Mastinocerus zu gehö-
ren, welche von Soli er (in Gay's Faun, chil.) errichtet und zu den
Dasytiden gestellt ist , sie ist besonders durch die Bildung der Fühl-
hörner ausgezeichnet , deren 4 — 9tes und elftes Glied mit zw^ei lan-
gen fächerartigen Anhängen versehen ist. Es ist nur eine Art dersel-
ben M. brevipennis bekannt geworden.
Velepliorides« In Leconte's Synopsis of the Lampyridcs
of lemperate North-Ämerika (a. a. 0.) werden folgende Gattungen der
Telephoriden charakterisirt:
1. Chauliognathus Hentz. 3 A. , pensylvanicus Degeer [Canlh.
americana Forst., 6tmacu/a{rt Fabr.), Hentzii n. A. aus den nördlichen
und südlichen Staaten und mar ginalus Fabr.
2. Polemius : palpi art. ult. triangulari, antennae cornpressae
serratae, art. secundo minuto , tertio sequentibus non minore ; thorax
margine laterali ad medium interrupto; ungues simplices, exlerno po-
stico ad basin dilatato. Hierher: laticornis Say {Tel. dubius Melsh.),
limbatus aus IVew-Iersey und incisus aus Georgia.
3. suis Charp. 4 A. Canlh'i bidentala Say (weicht durch stark
gesägte Fühler von den folgenden drei , wo sie dünn, lang und kaum
während des Jahres 1851. 175
gesägt sind, ab), longicornis Lee. , difficilis Lee. und pallens n. Art
von San Francisco.
4. lelephorus GeofTr. , mit 33 Arten , welche drei ünlerablhei-
]ungen bilden, a. ungues posteriores externi dente bRsali nrmati : ro~
tundicollis Say, Ctirtisii Kirb., tibi alis y cons ors , laulus, gratis
dicollis, vier n. A. aus Californien, fidelis von Santa Fe, colla-
ris aus Illinois, bilineatus Say, divisus aus Californien, impressus
aus Neu- York, tuber culatus aus Georgia. — b. ungues omnes bi-
fidi : T. br ev ic ollis und undulatus aus Georgia. — c. ungues
omnes dentati, saepius fere fissi (^Rhag ony cha Eschsch.): T. dentiger
aus 31aryland, carolimis Fabr., curtus Lee. (^percomis? Say), cinclel~
lus (schon von Germar als T. luteicollis beschrieben), dichrous
und flavipes aus dem Missouri-Territory, lineola Fabr., recttis Welsh.
{rufipesl Say), Sayi von New-York, angulatus Say, cruralis, und
marginellus aus Georgia, ea?ca t)a( ms nnA iinbe cillis^ beide weil-
verbreitet, scilulus Say, longiilus vom Niagara, pusillus und vilis
aus New-York, fraxini Say (nigrila Lee, Malthacus mandibutaris Kirb.).
5. Podabrus Fisch. 20 Arten, welche in zwei Abiheilungen zer-
legt werden, a. thorax lalius marginatus, ungues fere fissi , palpi art.
ult. securiformi : tricoslatiis Say {Bennetii Kirb.), basilaris Say, flavi~
collis, disc oid eu s aus den allantischen Staaten, modeslus Say, dm-
de7na Fabr. pruinosus vom Oregon, com es aus Californien, tomen^
tosus Say {rufiolus Melsh.), rugulosus Lee, frater und punctic ol-"
lis aus dem Süden (der Name ist, weil er bereits vergeben, später
vom Verf. in poricollis umgeändert Phil. Froc. 1852. S. 49.), brun^
nicoUis Fabr. — b. thorax angustius marginatus, ungues basi dentati,
palpi art. ult. triangulari : cavicollis aus Californien, pu n dicollis Ku'h.
(^marginellus Lee.), punctalus Lee, puberulus Lee, laevicollis Kirb.
6. Malthinus Latr. 8 Arten, welche wieder zwei Gruppen bil-
den, a. Caput pone oculos valde anguslatum , elytra scriatim punctata:
M. occipilalis und difficilis aus Carolina. — b. caput pone ocu-
los modice anguslatum, elytra confuse punctata: niger vom Obersee,
transversus vom Niagara, concavus von New-York, exilis Älelsh.,
fragilis aus Carolina und vom Obersee, fusculus von San Francisco,
parvulus aus New-York.
7. Trypherus: antennae tenues, arl. secundo vix breviore,
palpi max. art. secundo vix longiore, ult. subtriangulari longiori ; tarsi
postici art. gradatim brevioribus , art. quarto valde bilobato; ungues
simplices, paronychio lato rotundato intermedio munili ; elytra abdo-
mine breviora ; caput pone oculos vix anguslatum. Das Männchen hat
ein kleines überzähliges Analsegment, beim Weibchen ist der vorletzte
Hinlerleibsring tief ausgerandel. Die einzige Art ist Malth. lalipennis
Germ, (marginalis Say.).
8. Tytthonyx: antennae elongatae, compressae, valde serra-
176 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
lae, art. secundo sesqui minore, palpi art. ult. vix longiore ovali acute;
tarsi postici art. primo elongato, 2 — 4 brevibus, onines crassiusculi, art.
ult. brevi, ungues parvi , integri ; caput pone oculos non angustatum.
1 Art, welche von Fabricius als Lampyris erylhrocephala, von Melshei-
nier als Mallhinus serralicornis beschrieben ist. Unbekannt sind dem
Verf. Canlh. viltata Fabr , ligata Say, jactala Say, invalida Say, Telepli.
Westwoodii Kirb., Samouelli Kirb., luteicollis Germ. (= T e 1 e p h. cin-
c teil US Lee. s. o.) , nolatus Mannh. , Rhagonycha piniphila Mannh.,
sericata Mannh,, binodula Mannh. — Zum Schluss giebt L. noch eine
Diagnose des Mallhinus abdominalis Dej., den er aber nicht gene-
risch zu bestimmen vermochte, weil das ihm vorliegende Exemplar stark
verstümmelt war.
Soli er (Faun, chil.) beschrieb eine grössere Zahl neuer chile-
sischer Arten von Cantharis und drei neue Gattungen: Cantharis Li-
maculicollis , mar ginicollis , abdominalis, varia bilis ,
nig r ipenniSf py ro cephala, crassicornis, nodicornis, cot-
laris , longicornis, scutellaris, 0 o n lelus r eliculatus ,
rüg osipennis , Me c op selap hus maculic o llis , limba tu s,
Nemacerus incer t us.
Einen ansehnlichen Beitrag zur Kenntniss dieser Familie haben
v. Kiesenwetter und Alärkel (Ann. d.i. soc. enlom. IX. S. 588.)
durch die Beschreibung vieler neuer europäischer Arten geliefert, und
zwar wurden von K lesen wett er: Telephorus xant hol oma, dem T.
nigricans Fabr. verwandt, T. lineatus, T. ustulalus, dem T. bicolor
nahe stehend, aus den Pyrenäen, T. fuscicollis aus Catalonien, Rha-
gonycha punctip ennis von Lyon, R. p lanico llis aus Sicilien, R.
boops von Lyon, R. Maerkelii aus der sächsischen Schweiz, R.
quadricollis vom Mont Serrat, R. morio aus den Pyrenäen; von
Märkel: Telephorus conso brinus aus den Kärnlhner Alpen , T. al-
bomar ginalus aus der Umgegend von Dresden, T. fibul atus,
prolixus und sulci frons aus den Kärnthner Alpen, Rhagonycha
CO ncolor von Dresden, R. maculicollis aus den Kärnthner Alpen
bekannt gemacht. Der hier zuerst beschriebene Telephorus consobrinus
Mark, bildet gemeinschaftlich mit T. abdominalis Fabr. eine besondere,
Ancystronycha von Märkel genannte Gruppe, indem bei beiden
die Fussklauen der Weibchen an der Basis mit einem langen dornar-
tigen Zahne versehen sind.
Von Kiesen Wetter wurden (a. a. 0. S. 6l0ff.) auch mehrere
neue Arten von Mallhinus aufgestellt, die ich aber hier nicht erst er-
wähne, da im nächsten Jahre über eine Monographie dieser Gattung
von dems. Verf. zu berichten sein wird.
Suffrian beschrieb (Küst. Käf. Eur. XXIL) Mallhinus vali-
dicornis n. A. von Carthagena in Spanien.
während des Jahres 185 K 177
Von Boheman (Ins. Caffr.) wurden 7 n. A. von Canlharis aus
den Katalländern ; — von Roth 1 n. A. aus Abyssinien aufgestellt.
Zehn im Riesengebirge gesammelte Arten von Telephorus hat
Letzner (Verhandl. der .srhles. Gesellsch. im Jahr 1851. S. 95.) nam-
haft gemacht. T. fulvipennis Germ, und dilatatus Redt, werden hier
für Abänderungen des T. assimilis Payk. erklärt.
Wahrscheinlich gehört in diese Familie Dipro so rus melanu-
rus^ neue Gattung und Art, welche Mulsant (Wem. de l'Acad. de
Lyon S. 209.) bekannt gemacht hat. In Bezug auf die systematische
Stellung bemerkt der Verf. nur, dass die Gattung einen eigenthümlichen
Habitus besitzt, durch die Zahl der Fussglieder, den gefalteten Hinter-
leib, die langen Beine und die Entwickelung der hinlern Trochanteren
sich an die Telephoren anschliesse, sich von diesen aber durch ein-
faches viertes Fussglied , die Fühlhörner und die Gestalt des Kopfes
unterscheide. Die letztere soll an Dryops femorata erinnern, die kug-
ligen fast zusammenstossenden Augen an Cistela. Die Fühlhörner sind
vor den Augen eingelenkt, elfgliedrig, zusammengedrückt, schwach ge-
zähnt, in der Mitte breiter. Der Mund ist in einen Schnabel verlän-
gert, der so lang ist wie der Raum zwischen der Basis der Fühler und
dem Hinlerrande des Kopfes. Die Maxillartasler fast doppelt so lang
als die Unterkiefer, mit einem becherförmigen Endgiiede. Die Art,
nur in einem Exemplare bei JNimes aufgefunden , ist gelbroth , mit
schwarzem Kopf und schwarzer Spitze der Flügeldecken.
Hlelyrides« Drei neue Arten von Charopus sind von Kie-
senwetter (Ann. d. 1. soc. ent.) unter dem Namen . CA. docilis^
g randic ollis und saginatus aufgestellt worden, die erste ist im
südlichen Frankreich, die zweite auf dem Mont Serrat, die dritte in
Sardinien einheimisch.
Die Galtung Ztjgia wurde von Mulsant (Mem. de TAcad. de
Lyon S. 190.) mit einer zweiten Art Z. s cutellaris von Biskara in
Algier bereichert, sie unterscheidet sich von Z. oblonga durch kürze-
ren Körper, ausgebuchtete Basis des Haisschildes und rothes Schildchen.
Von Küster (Käf. Eur. XXII.) wurden Dasytes praecox von
Smyrna und Cosmiocomus marginatus von Triest als neue Arten be-
schrieben.
Eine grosse Zahl neuer africanischer Arten dieser Familie mach-
ten Boheman (Ins. Caffr.) und Roth (dies. Arch.) bekannt, der er-
stere : 1 Äpalochrus , 7 Malachhis , 3 Hedybius, 3 Anthocomus, 1 Cha-
ropus, 2 Cololes , 4 Chalicorus , 3 Melyris; der letztere: 1 Apalochrus,
3 Troglops, 1 Dasytes, 3 Melyris, von denen indessen nach Reiche
(Ann. d. 1. soc. entom. 1852. S. 97.) Mel. onychina = corrosa Reiche
und M. aeruginosa = pecloralis Reiche ist.
Archiv f. Naturgesch. XVUl. Jahrg. 2. Bd. M
178i Schaum: ßericht über die Leistungen in der Entomologie
Einen sehr ansehnlichen Zuwachs erhielt diese Familie auch
durch Soli er (in Gay's Faun, chii.): Arlhrobrachus (n. G.) va~
rians, tibialis, nigripennis, rufipennis , nigr omaculaiuSy
sub acuminatus, limbatus, Dasytes obscurus, subaen eus, ru-
fipes, luteus, marginipennis, haemorrhoidalis, b in o la-
tus, maculi colli Sf impr e ssus , eleg ans , G ayi, tib ialis,
Giraudii , Salzei, Derbesii, M eco glo s sa (n. G.) rugosa,
affinis, Br achidia (n. G.) rufico llis. — Spinoia fügte den-
selben (a. a. ü.) noch Folycnon (=L Calendyma De].) aequipuncl ata,
Epiclines puncti CO llis und tristis hinzu, welche von ihm irriger
Weise zu den Cleriern gestellt sind.
Cierii* Mit sehr vielen neuen Arten ist diese Familie durch
Boheman's Bearbeitung der von Wablberg in den Natalländern ge-
sammelten Insecten vermehrt worden; sie gehören folgenden Gattun-
gen an: Cylidrus (1 A.} , Philocalus (1 A.) , Opilus (2 A.) , Fallenis
(2 A.), Pezoporus (2 A.), Clerus (l4 A.) , Phloeocopus (2 A.) , Hydno-
cera (l A.), Corytieles (3A.), Opetiopalpus (4 A.).
Auch Roth (a. a. 0.) machte 1 Notoxus und 1 lillus aus Abys-
sinien als n. A. durch Diagnosen bekannt; nach Reiche Ann. d. 1.
soc. ent. 1852. S. 97. ist aber Notoxus habessinicus Roth = Opilo
Ferreli Reiche.
Von Leconte wurden neun neue Species, von denen zwei zur
Errichtung neuer Gattungen Veranlassung gaben , in Caiifornien ent-
deckt und (Ann. of the Lyc. vol. V. n. 4.) beschrieben; nämlich: Cy-
matodera fuscula, punctata; Clerus rufescens; Hydnocera sca-
bra, discoi d ea, bicolor', Enoplium (Felonium) fasciatum;
Rhadalus „oculi magni, convexi, vix emarginali; labrum apice
rotundatum; palpi max. elongati, art. ultimo valde dilatato, lab. breves,
vix dilalati ; antennae elongatae, serratae; larsi tenues, art. 4 primis
subaequalibus, breviter appendiculatis, ultimo longiore, unguiculis acu-
tis, subtus apper.dice vix breviore obluso inslruclis ; corpus molle, pilo-
sum, thorace valde transverso, rotundalo , emarginato.« Rh. testa-
ceus; und
Acrepis „palpi art. ult. ovali, lab. brevissimi, oculi prominuli,
vix emarginati, labrum parvum, detlexum, antennae breviusculae, lO-ar-
liculatae, art. 7—10 maioribus, discretis, vix compressis; acetabula an-
lica hianlia ; tarsi omnes 4-articulati, filiformes, non appendiculati, un-
guibus simplicibus." A. maculata.
Die chilesischen Clerier sind in Gay's Faun. chil. von Spinoia
bearbeitet worden. Die Zahl der neu aufgestellten Arten beläuft sich,
zwei Species der Gattung Epiclines und eine von Polycaon, welche
nicht in diese Familie gehören, abgerechnet, auf 12: Thanasimus im-
während des Jahres 1851. 179
pressus, suhstriatus, a cutipennis, eburneo- cinctus, G ayij
undatu s , co sti collis , p rasinus , proteus , Clerus den ticol-
lis, Lebasiella varipennis, Corynetes ovatus.
Als neue Art ist ferner Clerusl socialis aus der Gegend von
Adelaide von Newman (Zool. S. CXXXII.) beschrieben.
Ptiniores. Mulsant gab (Mem. de l'Acad. d. Lyon S.205.)
nach einem bei Draguignan im Dept. du Var aufgefundenen Exemplare
eine neue ausführliche Beschreibung von Bostrichus trispinosus Oliv.,
einer Art, welche, ausser von Olivier, von keinem Schriftsteiler er-
wähnt wird= (Olivier's Exemplar stammte angeblich aus Mesopotamien.)
Der Verf. bringt für dieselbe den Gattungsnamen E nnea desmus in
Vorschlag, weil sie von den verwandten Gattungen Apate, Xylopertha,
Synoxylon darin abweicht, dass sie nicht wie diese zehn, sondern nur
neun Fühlerglieder besitzt.
Eine neue Art ist Plinusirroratus Kiesen Wetter (Ann. d.
1. SOG. ent. S. 622), dem lusitanicus 111, verwandt, vom Mont Serrat.
Von ßoheman (Ins. CafTr.) wurden Ptinus scutellar is, Ano~
bium gib bicolle, Dorcatoma nigrinuma\s n. A. aus den Natallän-
dern bekannt gemacht.
Guerin - Meneville machte in wenigen Worten auf zwei
neue Arten der im vorigen Jahresberichte S. 196. erwähnten Galtung
Cataroma, C. palmarum und C. Sallei aufmerksam (Bull. d. 1.
soc. ent. S. CXV.), beide sind von Salle in St. Domingo, die erste in
ihren verschiedenen Ständen in Palmen, die zweite in den Schoten ei-
ner dem Johannisbrod ähnlichen Pflanze entdeckt worden.
Viele neue chilesische Arten, darunter auch einige neue Gattun-
gen, wurden von Soli er (in Gay's Faun. chil. t. IV.) bekannt ge-
macht: Plinus spinicollis, sulcatus , elegans, globulum,
Trachelus (n. G.) nio destus , Cupes Latreillei , Anobium Spi-
nolae, sulcatum, acutanguluin, nigrum, fumosum, oblon-
gum, cylindricum, lunalum, Calimmaderus (n. G.) capu-
cinus, bre vi collis, minutus, Fachdtelus (n. G.) bicolor,
fuscus. Diesen lugte Blanchard (ebenda t. V.) Bostrichus {=^ Apate)
pulvinatus, mystax, robust us,vitis, humeralis, Psoa qua-
drinotata, Lyctus einer eus hinzu. — Die Stellung der Galtung
Cupes in dieser Familie ist noch nicht hinlänglich gesichert, ein be-
stimmtes Urlheil muss in diesem Falle, so lange die Verwandlungsge-
schichte noch unbekannt und die Mundlheile nicht einer genaueren
Untersuchung unterworfen sind , ausgesetzt bleiben. Sehr zweifelhaft
ist es mir auch , ob Calymmaderus uijd Pachotelus von Solier mit
Recht hierher gestellt werden, dagegen scheint mir die neue Gat-
180 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
tung C 0 smo cerus Solior, welche vom Verf., hauptsächlich, wie es
scheint, der fächerlörinigcn Fühler wegen, zu einer eignen Familie
erhoben wird, recht wohl den Pliniorcs angeschlossen werden zu kön-
nen und zwar in die Nähe von Ftilinus zu gehören ; sie enthält zur
Zeit nur eine neue Art, C. einer eus.
In Gard. Chron. S. 84. hat West wood die verschiedenen Stände
von Apale capucina [Bostrichus c. vom Verf. genannt) dargestellt.
Ijyinexylones. Der Galtung Ätraclocerus fügte Boheman
(Ins. CafFr.) eine neue Art von Port Natal A, afr icanus hinzu; der
Verf. unterscheidet sie von A. necydaloidcs Pal. durch eiförmigen Kopf,
längeren, hinten nicht mit einem aufgeworfenen Rande versehenen Pro-
thorax. Diese Angaben und der Artna.aie alricanus erwecken die Ver-
muthung, dass der Verf. die brasilianische Art dieser Gattung für ne-
cydaloides Pal. gehalten hat, und es entstehen damit Zweifel, ob A.
africanus wirklich von dem am Senegal und Cap einheimischen A. ne-
t^ydaloides verschieden ist.
Venebrionites. Dass die Fauna von Californien, den ßo-
denverhältnissen des Landes entsprechend , durch einen grossen For-
men - und Artenreichthum dieser Familie charakteristisirt ist, hatten
schon frühere, allerdings nur an einigen Küstenpunkten gemachte Beob-
achtungen dargethan. Die Ausbeute von Leconte's Reise bestätigt
diese Erfahrung im vollsten Maasse; die Zahl der von ihm neu ent-
deckten, und Annais of the Lyceum of N. York vol. V. n. 4. beschrie-
benen Arten und Gattungen überwiegt um ein Bedeutendes die einer
jeden andern Familie , etwa mit einziger Ausnahme der Carabicinen.
Von bereits bekannten Gattungen werden von ihm folgende mit neuen
Arten bereichert: Eus chides Lee. (= SfenomorpÄa Sol. , wohin auch
Asida opaca und polita Say gehören) mit 1, Pelecyphorus Sol. (eine
Art dieser Galtung ist Asida anastomosis Say) mit 9, Microschalia
Sol. mit 2, Nosoderma Esch. mit 1, Zopherus Gray mit 3 (wovon in-
dessen nur eine A. in Californien , die zweite bei Sla. Fe, die dritte
in Mexiko einheimisch ist), Conionlis Esch. mit 5 (darunter 1 aus dem
Missouri-Territory), Coelus Esch. mit 1, Eleodes mit 10 (darunter 1 von
Jalapa) , Amphidora Esch. mit 4, Apocrypha Esch. mit 1, Nycloporis
Esch. mit], Eurymelopon Esch. mit 5, Centrioplera Mannh. mit 1,
Eulabris Esch. mit 1, Blaslinus Sol. mit 8, thaleria Lalr. mit 1, Pia-
tydema Lap. mit 1, Adelina Dej. mit 1, Vloma Aleg. mit 1, Tenebrio
mit 1, Coelocnemis Mannh. mit 2, Anoedus Dej. mit 1, SlenochiaKifh.
mit 1, Helops mit 1 A.
Als neue Genera sind von L. in Vorschlag gebracht :
Asbolus, zur Asidilcn-Gruppe gehörig; mentum magnum ro-
tundatum, antice subincisum, fissura buccalis lata; palpi haud dilalati ;
antcnnae compressae, art. 11. brevi Iransverso, haud receplo; proster-
während des Jahres 1851. 181
num poslice produclum ; pedts crassi , larsi subtus longe setosi , po-
stici art, Imo vix longiores. A. verrucosus und laevis.
E usattus mit Piaocis nahe verwandt, aber durch ausgerande-
tes Kinn unterschieden , enthält u. A. /.ophosis reticulata Say und 6
hier zuerst beschriebene Arten.
Cononotus, mit Apocrypha in dem gerundeten Clypeus über-
einstimmend, aber von längerem Bau, vcrkeiirt iiegelförmigem Hals-
schilde „antennae crassiusculae, art. 2do vix breviore , llmo longiore
indistincte diviso apice acuto ; menlum parvuni, transversum , quadra-
tum ; palpi art. ult. longiore Iriangulari ; tarsi postici art. duobus pri-
inis elongatis." C. sericans und pun ctatus.
Äraeschizus; Tageniae simillinius, at mento maiore, pedi-
cello nullo; fissura buccalis angustissima, genis magis productis , palp.
raax. minus elongatis, anlenn. art. ult. minore. A. co slipennis.
Anchmo bius , eine mit Eurymelopon verwandte aber durch
eingeschnittenes Kinn und Kopfschild und nicht gewimperle Augen un-
terschiedene Gattung, von länglichem, gewölbtem, hinten etwas brei-
terem Körper und eng an einander anschliessendem Thorax und Flügel-
decken. A. snblaevis.
C ryp t adius , durch den runden dicken Körper und den schwach
eingebogenen Rand des l'rolhorax an die Praociden erinnernd, aber
von ihnen durch nicht ausgerandetes Kopfschild, grosses Kinn und ge-
wimperle Augen , von Eurymetopon ausser im Habitus durch die an
der Spitze verlängerten Vorderschienen und grösseres Kinn unterschie-
den. Cr. i ti flatus.
Edroles , bildet mit den drei folgenden Gattungen eine kleine
Gruppe unter den Pimelien, welche durch den sehr eigenlhömlichen
dreilappigen Clypeus charaklerisirl wird; „clypeus trilobatus, lobo me-
dio angusto, apice subemarginalo, laleralibus obtusis, mandibulae supra
dente forti armatae ; oculi rotundati ; sterna arcte coniuncta ; scutel-
lum nullum. Dahin gehören Pimelia rotunda Say und E. ventr ico~
sus n. A.
Triophorus; clypeus trilobatus, lobo medio angusto, apice ro-
tundalo, lateralibus rotundatis ; mandibulae dente obtuso , oculi rotun-
dati, scutellum nulluni. T. laevis, rugiceps, punctatus.
Trimytis; clypeus lobo medio brevi truncalo, lateralibus ro-
tundatis; mentum apice inoisum, mandib. band dentatae ; oculi emar-
ginati, scutellum minulum. Habitus omnino Rurymetopi. T. prui-
nosa aus dem Missouri-Territory.
Crani Ollis; clypei lobo medio lato brevi, truncalo, laleralibus
acutis ; mand. haud dentatae ; oculi sublransversi ; corpus convexum
pubescens, gracile, thorace angustiorc rolundato , cpipleuris lalis, im-
marginatis , coxis posticis purvis dislantibus, ulrin(|ue ad iiilermedias
propinquis. C. pubescens,
182 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
CerenopuSf hinter Cenlrioptera Mannh. gestellt; labrum om-
nino tectum , clypeus vix emarginatus , antennae crassiusculae , leviler
incrassatae , art. otio longiore , ultimo Iransverso acuminato , menlum
parvum apice anguslius, utrinque impressum , medio subcarinatum ; ti-
biae ant. margine externo acuto , elytia basi marginala. C. conco-
lorfbicolor, co stip ennis.
Epantius , an Eulabis Esch. sich anschliessend; labrum basi
obteclura , clypeo antice late truncato; ant. moniliformes, leviter in-
crassatae, art. 3io longiore, ult. maiore rolundalo ; mentum apice la-
tius trianguläre, medio tuberculo impresso notalum ; elytra basi decli-
via, haud marginata. E. obs curus.
Notibius gehört ebenso wie die folgende Gattung in die Ver-
wandtschaft von Opatrinus und Blapstinus ; oculi divisi , clypeus apice
acute emarginatus , palpi dilatati ; anl. moniliformes extus crassiores,
art. 3io longiore ; menlum latitudine longius, apice emarginatum , pla-
num, tibiae anticae valde dilatatae, maris intus angulatae, tarsi maris vix
dilatati. 4 neue Arten.
Conibiu s; oculi, clypeus, palpi ut in prec. ; ant. crassae, art.
3io vix longiore, mentum minutum, quadratum ; tibiae ant. modice di-
latatae; mares tarsis paulum dilatatis. C. seriatus und parallelus.
Anepsius; oculi vix divisi, clypeus apice haud emarginatus;
anl. graciles extus incrassatae, art. 3io longiore; mentum trapezoideum,
apice latius , palpi tenues , haud dilatati ; tibiae ant. valde dilatatae,
extus crenulatae, corpus apterum. Ä. delicatulus.
Batuliu s; oculi haud divisi; clypeus apice haud emarginatus,
ant. breves, extus incrassatae, art. 3io haud longiore; mentum trape-
zoideum apice latius; palpi tenues haud dilatati; tibiae ant. valde dila-
tae, extus subdentalae. Corpus apterum. B. setosus und rotun"
dicollis.
Auch die Westküste von Südamerika ist, wie bekannt, durch ihren
grossen Reichthum an Heteromeren ausgezeichnet. Wir lernen denselben
vollständiger und mehr im Zusammenhange als es bisher der Kall war,
durch Soli er in Gay's Fauna chilena kennen. Es sind von ihm 121
Arten beschrieben, von denen allein 30 zur Galtung Praocis gehören.
Neu darunter sind in der T e n tyri den - Gruppe : Thinobatis minuta,
r u fip e s, Hyperops Eschscholtzii, Trilobocara [n. (i.) ciliat a ;
— in der E p i t ra gid c n - Gruppe: ISyctopetus r ug ip ennis, Hypse~
lop s (n. G.) oblongus, brevicornis, Gytnnognathus (n. G.)
fuscus', — in der IN y et el i de n- Gruppe : Psectrascelis Giierinii,
elong alus , plicico llis, brevis, sublaevicollis , pilosus , c i-
nereus, Callyntra rugosa, unicosta; — in der Tageniden-
Gruppe : Microtelus Rouleli, Pleurophorus (n. G.) quadricollis,
llexagono chilus ( n. G. ) dilaticollis , Scolobius vugicollis,
Diastoleus bicarinatus; — in der Praocidun-Gruppe: Fraocis
während des Jahres 1851. 183
interrupta^ Curtisiif Gatji, oblonga, rufilabriSf costiperi-
nis; — in der Molur i(5 e n - Gruppe : Fhysogasler laevipennis,
partins, Comp somorphus (n. G.) elegans; — in der Wycteri-
nen- Gruppe: Amphidora Ricardae, Gyriosomus incerlus, pia-
natus, parvus; — in der 0 1 i go c a ri de n-Gruppe : Oligocara ni~
tida, Euschatia (n. G.j punctata, proxima, parva, lati-
collis, sulcata; — in der Gruppe der ßl a ps ti n e n : Blapstinus
(n. G.) punctulalus , Phanerops (n. G.) elong atns, Cr yptops
(n. G.) ulomoides, Arthroconus (n. G.) piceus, elongatus;
— in der Gruppe der Helopiden: Arthroplatus (n. G. , scheint
aber = Acropteron Perty zu sein) palHipes; — in der Gruppe der
Cisteliden: Dietopsis punctata, fusca, rufa.
Mulsant stellte eine neue, in die Gi s teliden-Gruppe gehö-
rige Gattung Hymenophorus auf (Mem. de l'Acad. d. Lyon S. 201.),
änderte aber nachträglich den Namen, weil er bereits bei den Hemi-
pteren vergeben ist, in Hymenorus um. Sie ist auf eine neue im
Dep. du Var aufgefundene und ihrem Entdecker zu Ehren H. Dou-
hlieri genannte Art gegründet und steht Prionychus Sol. nahe, un-
terscheidet sich aber ausser durch ihre längere, fast elliptische, an
Allecula erinnernde Gestalt, in der Form des Kopfschildes und des Pro-
thorax ; jenes ist vorn bogenförmig, dieser hat zwar gerundete Yorder-
ecken, im Allgemeinen aber mehr eine querviereckige als eine halb-
kreisförmige Gestalt und ist an der Basis fast ebenso breit wie die Flü-
geldecken. Die Larve ist ebenfalls von M. beschrieben, sie scheint
mit den bekannt gewordenen Larven von Cistela und Mycetocharis in
allen einigermassen wichtigen Punkten übereinzustimmen ; der letzte
Hinterleibsring ist an der Spitze gerundet, unten mit zwei fadenförmi-
gen Anhängen, die als Nachschieber dienen, versehen. Sie lebt im
Fichtenholz und braucht 1 bis l'/j Jahr zu ihrer Verwandlung.
Zwei neue spanische Arten sind: Misolampus scabricollis
Graells (Ann. d. 1. soc. entom. S. 15. Taf. 1. Fig. 4. Mem. d. Acad*
d. Madrid, t. IL), in den Gebirgen von Centralspanien unter der Rinde
geschlagener F'ichten entdeckt; — und Cryplicus viaticus Fair-
maire (Rev. zool. S. 528.) ; in den Annal. d. 1. soc. entom. 1852.
1. trim. ist diese Art von Fairmaire unter- dem Namen Crypticus'l ulo^
moides beschrieben worden.
Die in Madagaskar einheimischen Arten von Tetraphyllus Lap.
{Hyhonotus Dej.) sind von Coquerel (Rev. et Mag. d. Zool. S. 86.,
vollständiger Ann, d. 1. soc. entom. 1852. S. 350) auseinandergesetzt
worden. Sie zerfallen in zwei Gruppen ; A. Körper mehr oder weniger
kuglig. Stirn mit einer Längsfurche, die Endglieder der Fühler von
einander abstehend: T. formosus Lap. (= Camaria Irevis Klug), «li-
rificus (Taf. 9. Fig. 8.) ^ Deyrollei, splendidm Lap., acerbus^
184 Schaum; Bericht über die Leistungen in der Entomologie
acidiferus, halteatus. B. Körper mehr elliptisch, sehr gewölbt.
Stirn ohne Längsfurche, die Endglieder der Fühler an einander ge-
rückt: T. Buquetii, purpuratus, smaragdimis , cuprinus,
thoracicus. Die Arten leben alle unter Baumrinde und sondern
zwischen den Hinterleibsringen und an den Insertionsstellen der Beine
ein sehr scharfes Secret ab.
Von demselben wurde (a. a. 0.) auch Adelphus Guerinii
n. A. aus Madagaskar aufgestellt.
Die Metamorphose des Phtjsocoelus inßatus Dej. (Helops striatus
Oliv.) wurde von Haldeman (Proc. Philad. Acad. V. S. 5.) beobach-
tet. Die Larven ähneln denen von Tenebrio, haben aber anders ge-
bildete Mandibeln und ein quer abgeschnittenes Analsegment.
ÜUelandryadae. Als neue Arten sind aufgestellt:
von Leconte (Ann. Lyc. N. York. V. n. IV.) Eustrophus in-
distinctus aus Californien;
von Soli er (Gay's Faun, chil.) Orchesia picta^ affinis,
fumosa, p arvula f fusca, nigra aus Chili.
Die Metamorphose des Hypulus bifasciatus Fabr. ist von Letz-
ner (Verhandl. d. schles. Gesell, im J. 1851. S. 96.) beobachtet' wor-
den. Die Larve zieht in dem mulmigen Holze von Populus dilatata
regellose Gänge, ist ausgewachsen 3'" lang, weiss, flachgedrückt, der
Prolhorax ist breiter als die übrigen Segmente und tritt etwas über
den Kopf vor. Hinter den kleinen Fühlern stehen jederseits 4 Augen,
die Beine sind kurz. Die Puppe ist auf dem Vorderrande des Prolho-
rax und an den Seiten der Hinterleibssegmente mit kleinen Spitzen
besetzt, das letzte Hinterleibssegment endet in izwei stumpfe Spitzen.
Die Verpuppung erfolgte im April , die Entwickelung des Käfers
im Mai.
Braselmann's Mittheilungen über die Verwandlung der Or^
chesia micans (Verhandl. des naturhist. Vereins d. Rheinl.) enthalten
nichts Neues, da dieselbe bereits von Watcrhouse und Westwood be-
schrieben ist. . ♦
In diese Familie möchte wohl die neue Gattung Trotomma zu
stellen sein, welche v. K i e s e n w e 1 1 e r (Ann. d. 1. soc. entom. S. 623.)
errichtet und den Seiropalpen zugezählt hat. Ihre Diagnose lautet:
Corpus oblongo-ovatum, oculi reniformes, antennae filiformes, maxillae
mala interiore ciliata , exteriore obsolela , palpi max. quadriarticulati,
art. ult. maximo securiformi; coxae exsertae , subconicae , retrorsum
vergentes ; tarsi heteromeri, tarsorum intermediorum art. primo modice,
posteriorum valde elongato. Sie enthält zur Zeit nur eine bei Per-
pignan und auf dem Mt. Serrat aufgefundene Art, Tr. pubes cenSf
welche Taf, U. N. I. Fig. 9. abgebildet ist.
während des Jahres 1851. 185
liagriariae« Die Gattung Tcdihis erhielt einen Zuwachs durch
P. punctulatns Leconte (a. a. 0.) aus Californien,
lHordellouae* Anaspis luleip e nnis, collaris und alra
sind drei neue von Leconte (a. a. ü.) riulgestcllte Arien aus Cali-
fornien.
Von Solier (Faun, chil.) wurden Mordella luctuosa, albo-
gultata, vidna, fasciata, pr oxima, ar g ent ipimctata^ Blan~
chardi, holos e ricea, ab br eviata , V esconis ^ r ufip ennis,
thoracica, Ripiphorus riifipennis als n. A. beschrieben.
Oedemeritae. Lee oute beschrieb (a. a. 0.); Dilylus qua~
dri collis , Asclera excavat a und bicolor ans Californien und
Calopus augustus von Sla. Fe in Neu-Mexiko.
Mit fünf neuen Gattungen und mehreren neuen Arten aus Chili
wurde diese Familie von Solier (in Gay's Faun, chil.) vermehrt,
nämlich mit: Promecheilus (n. G. ) variegatus, Cy da derus
(n. G.) rubric ollis , L o b o glo ssa (n. G.) variipennis, Tra~
ch et Osten US (n. G.) ina equalis, Nacerdes p all ens , lin eata ,
cy anipe n nis , S ervillei, L atre illei, Mitra elab rus (n. G.)
obscurus, s e r i c e n s.
Eine interessante neue Gattung aus Neuholland ist von New-
man (Zool. App. S. CXXXIIL) unter dem Namen Dohrnia aufge-
stellt worden, sie verbindet die Gestalt von Asclera mit den Mundlhei-
len von Oedeniera, und ist besonders durch die Bildung der Fühlhör-
ner und des Hinterleibs ausgezeichnet : ant. corpore vix breviores, basi
distantes, tuberibus prominulis sitae, art. primo longo, paulo curvato,
extus crassiori , 2 3 4oque brevibus , cylindricis, 5to praecedenti lon-
gitudine aequali , difformi, 6to breviori , iterum ditformi horizontaliter
excavato , profunde concavo, poculiformi, margine elevato,8vo minori,
complanato , dilalato, 9no et lOmo valde brevioribus, subpyriformibus,
ultimo duobus praecedentibus longitudine aequali, basi apicequc acuto.
Adominis segmenla 5 lantum patentia, ultimo fisso, fissura lobos binos
magnos sexuales rotundatos, fimbriatos amplectitur. Die D. miranda
benannte Art ist schwarz mit rolhem Halsschilde und metallisch glän-
zendem Abdomen , der Discus des siebenten und die Ausscnseite des
achten Fühlergliedes ist weiss. — New man beschrieb (ebenda) auch
Asclera mansueta eine gemeine neuholländischo Arl.
Jkntlaicide^i» Mit zwei neuen in Californien entdeckten Gat-
tungen wurde diese Familie von Leconte (a. a. 0.) vermehrt:
Formicilla, ganz vom Aussehen eines Tomoderus, aber durch
ganz fadenförmige Fösse sehr ausgezeichnet. F. munda, von Colorado,
Tanarlhrus , flacher als die uhrigen Anthiciden, fast vom
186 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Aussehen eines üromius, „antennae filiformes , art. secundo paulo bre-
viore, llmo elongato, intermediis fere turbinatis, oculi parvi laterales;
palpi mediocres , paulo dilalati ; tibiae longius bicalcaratae ; tarsi fili-
formes, art. penultimo haud bilobo ; corpus alalum, elongatum, depres-
sum, capile magno, basi emarginato , elytris thorace paulo latioribus,
apice fere truncatis, abdomine paulo brevioribus. T. salinus wurde
am Salzsee der Colorado-Wüste entdeckt, er fliegt nach Art der.Bem-
bidien.
Die von Leconte beschriebenen neuen Arten vertheilen sich
auf die Gattungen Eurygenius Laf. = Ichthydion Hald. (l A.), NotO'
XUS (2 A.), Anihicus (17 A.).
Vier neue chilesische von Soli er (Gay's Faun, chil.) aufgestellte
Arten gehören der Gattung Formicomus an: F. C ur ti sii^ chilen-
sis f La fertei, p ar vulus.
jfleloides* Diese Familie wurde von Leconte (a. a. 0.) mit
10 A. von Cantharis (= Lytla) , 7 von Epicaula und mit zwei neuen
Gattungen bereichert:
Cy s te odo mus f mit Meloe in nächster Verwandtschaft ste-
hend, aber durch sehr weite, den Leib einhüllende, nicht dachziegel-
artig bedeckende Flügeldecken ausgezeichnet. C. armatus , aus Ca-
lifornien, mit einem spitzen Dorn jederseits am Halsschild und C Wis~
lizeni glänzend blau, die sphärischen Flügeldecken mit tiefen kleinen
Gruben gegittert, aus Neu-Mexico.
Tegro dera, von Lytta durch nicht gekörnte Flügeldecken,
und den der Klaue selbst an Grösse nachstehenden Klauenzahn unter-
schieden ; das erste Fühlerglied an der Spitze concav und ausgehöhlt.
T. erosa.
Neue von So Her (Gay's Faun, chil.) beschriebene chilesische
Arten sind: Epicaula fcmoralis, Tetraonyx fl avip enn i s, Meloe
s anguinolentu s f co s tip ennis y parvusy cancellatus.
Eine sehr ausgezeichnete neue Meloe wurde von Coquerel
(Rev. et Mag. de Zool. S. 86. , Ann. d. 1. soc. entom. 1852. 3eme trim.
Taf. 9. Fig. 3.) unter dem Namen von M. Chevr o latii aufgestellt,
es ist die einzige bis jetzt in Madagaskar beobachtete Art dieser
Familie.
Mylabris Dufourii, hieracii und sobrina drei neue Ar-
ten aus den Gebirgen von Guadarrama wurden von Graells (Ann. d.
1. soc. ent. S. 16—20., Mein. d. Acad. d. Madrid t. IL) bekannt ge-
macht, die erste findet sich auf Genista florida , die zweite auf Hiera-
cium pilosellum und castilianum, die letzte auf verschiedenen ßlüthen.
Curculionides* Beiträge zur näheren Kenntoiss der Rüssel-
während des Jahres 1851. l"7
käfer Russlands sind von J. H. Hochhuth (Bull. d. Mose. XXIV. N, I.
S. 3 — 102) geliefert worden. Es sind hier viele neue Arien beschrie-
ben und einige noch nicht hinlänglich bekannte erläutert ; die neuen
gehören den Gattungen Apion (4), Rhamphus (1), Brachyderes (1),
Eusomus (2), Tanijniecus (1), Sitones (3), Chlorophanus (1), rotydru'
sus (1), Cleonns (1), Hylobius (1), Phylonomus (2), Phyllobius (1),
Omias (l), Perilelus (3), Oliorhxjnchus (8), Chloebius (1), Larinus (3),
Erirhinus(l), Tychius(l), Coeliodes (i), Ceulorhynchus (2) ?tn. Ausser-
dem sind zwei neue (iattungen aufgestellt: Eumecops aus der Gruppe
der Byrsopiden , mit viergliedriger Fühlerschnur und siebengliedriger
Keule; die E. Kittaryi genannte, in den Kirgisensteppen einheimische
Art ist im Habitus dem Cleonus paradoxus Fald. auffallend ähnlich. —
C allir hopalus, zu den Cyclomiden gehörig, ganz vom Ansehn des
Perilelus familiaris Schh,, aber durch die ganz anders gestellte Fühler-
grube sogar generisch verschieden ; diese beginnt erst weit hinter der
Spitze des Kassels und reicht bis dicht vor die Augen, sie ist auf der
Seile des Rössels dicht unter dem hier etwas wulstig aufgetriebenen
Seitenrande gelegen , ist überall gleich tief und von vorn bis zu den
Augen leicht gebogen'; die einzige Art C. Sedakowii ist in Ost-
sibirien zu Mause.
Walton hat nach mehrjähriger Unterbrechung seine werthvollen
Bemerkungen über brittische Rüsselkäfer (Ann. ofnal. bist. YII. S. 310.)
wieder fortgesetzt und gegenwärtig die Arten der Gattungen Doryto-~
mus und Elleschus behandelt. Von der erstem kommen 14 in England
vor , welche vom Verf. scharf unterschieden und deren Synonymie
sorgfällig auseinandergesetzt ist, nämlich : D. vorax Fbr., tremulae?k.
($ vecors Schh.), costiroslris Schh. (hiluherculaius Zett. Schh.), macu~
latus Marsh, (fumosus Steph.) , afßnis Pk. , laenialus Fabr. , Salicis
n. A. dem maculatus und taeniatus sehr ähnlich, aber kleiner, mit kür-
zeren an den Seiten mehr erweiterten und gerundeten Flügeldecken,
salicinus Gyll., majalis Pk. , pecloralis Pz. , agnatus Schh., tortrix L.,
validiroslris Schh. (^Waltoni Schh. suppl.), pilumnus Schh. — Die Gat-
tung Elleschus hat in Grossbrittanien die zwei bekannten Arten E.
scanicus Pk. und bipunclatus Linn.
Eine grössere Anzahl neuer Arten, meist aus den Pyrenäen und
aus Calalonien, ist von Ki es en weiter (Ann. d. 1. soc. ent. S. 626ff.)
bekannt gemacht worden, nämlich Rhynchiles splendidulus, Auletes
pub esc ens (der Name wäre we.gen Rhynchites pubescens zu vermei-
den gewesen , namentlich da die Gattung Auletes auf sehr schwachen
Füssen steht), beide vom Mont Serrat, Sciaphilus costulatus aus
den Pyrenäen, Sc. s quam osus , Folydrusus Bohemani, Melallites
F airmairii, alle vom Mont Serral, Phyllobius xanthocn emus aus
den Pyrenäen, Perilelus adusticornis vom Moni Serrat, P. pro~
lixus aus den Pyrenaeen , Tychius crelaceus, T. cinnamomeus,
188 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
T. aureolus, T. (Miccolrogus) pr o cerulu s , sämmtlich vom Mont
Serrat, Sibynes parallelns aus Sicilien, Orchesles irr oratus, tri-
color, mclanarius vom Mont Serrat, Slyphlus verrucosus aus
den östlichen Pyrenäen, Cionus gibbifro ns vom Moni Serrat, JSa-
nophyes stigmaticus von Perpignan, N. cuneatus vom Mont Serrat.
Eine sehr grosse Zahl neuer Arten und mehrere neue Gattungen
haben wir durch Blanchard's Bearbeitung der chilesischen Rüssel,
käfer in Gay's Faun. chil. kennen gelernt; nämlich: Bruchus lati-
cornis, c onspur catus, p o v erus , l eu co gaster , ferruginei-
pennis, ele g ans , Stenocerus asperatus, minulus , tuber cu-
losus, sig natip es , Sist ellor hyn c hus (n. G. aus der Anthribi-
dengruppe) po sticalis , Tropideres parvulus, Corrhecerus minu-
tus, Homalocerus miltomerus, Rhynchites fulvescens^ Apion
obs curum , macilentum , Oxycorynus cribricollis, Thylacites
auratus, fu lg idivittatus , Cyphometopus (n. mit Cneorhi-
nus verwandte Gattung) t es se latip ennis ^ angus tus , Naupaclus
minimus , Flalyomus cinerascens, Eudius varians, Cleonis
chilensisj Lophotus suturalis, albolineatus, Lislrode-
res planicol lis , carinicollis, annulipe s , angus t i c ep s,
fa sei culig er , chalce atus, tuber culifer, inaequalis,
fascioliger, albescens, planipennis, rugipennis,
einer ascen s , einer arius , parvulus , Adioristus punctum
latus, CO Status , sitonoides, Cylydrorhinus lineatus, ela-
thratus Hombr. , oblongus , Malono tus (n. G. Geonemus nahe
stehend) niger, G e onemides (n. G.) ater, Strangaliodes sticti-
eus, argenlalus, marmoralus, cinereus, angustatus,
elongatus, Megalometis squami ferus , aureosignatus, vesli-
tus, tuber culifer US, atigu stir o str is , c o gnatus , villo sus,
latieollis , Phytonomus ornalipennis, lineolatic ollis, minu-
lus, Phyllobius roseus, Trachodcma (n. G. aus der Gruppe der
Cyclomiden) tube^culosa, Tapinopsis (n. mit Ptochus und Tra-
chyphlaeus verwandte Gattung) suleatulus , phaleratus, angu~
sticeps, sericeus , lateralis, Dasydema (n. Peritelus sehr
nahe kommende G.) hirtella, Otiorhynclms subglobosus, deu~
stus, Heilipus sub faseiatus , perforatipennis, signatip en-
nis, Erir rhinoides (n. G.) unico lor , Anthonomus ornatus,
si gnatip ennis , Tychius albo vittatus , vitticollis, flavip es,
Oncorhinus fasciolatus, Rhopalomerus (n. mit Orchesles ver-
wandte G.) tenuirostris, Psilorhinus (n. G. aus der Choliden-
Gruppe) collaris, v ariegatus , plagiatus, m ödes tus, Lae-
mosaccus unic olor , pruino sus , v arie g atus , o b s oletus , cri-
slaticollis , crassicollis, Baridius tenuis , Centrinus tessela-
tus, unic olor , Lophocephala (n. an Gasterocerus sich anschlies-
sende Galtung) fasciolata, Cnemecoelus crib r citieollis, puncti*
während des Jahres 1851. 189
collis, Acalles variegatus, ftiscescensy pulverulentus, ci~
nerascens, cris tatiger, pic tus , lin e o latus ^ li ttur alus,
Signal US, p arvulus , tri sti s, ttiberculosus, humilis , p ove-
rMs, ferrugineus, planidorsis, attenuatus, mocstus, r o-
tu7idatus, Anaballus (n. G. Acalles nahe stehend) plag iatus,
cristatiger, Polylophus (n. G.) el e g ans , p enicillig er,
Rhyssomatus ex ar alus, crenulatus, Strongyloplerus dentip es,
humilis, Sphenophorus chil ensis , Cossonus castaneus.
Cussac hat (Ann. d. 1. soc. entom. S. 203. Taf. 4. N. IL) auf
einen kleinen in einzelnem Exemplare bei Lille unter modernden Was-
serpflanzen aufgelundenen Rüsselkäfer eine neue Gattung Elmido-
morphus gegründet, welche weil sie neungiiedrige Fühler mit unge-
gliederter Keule besitzt, vom Verf. zur Gruppe der Cossoniden gestellt
wird, obwohl sie durch ihren breiten Körperbau und ihre Lebensweise
sehr von derselben abweicht. Die 3 Mill. lange Art ist vom Verf. E.
Aubei benannt worden, ist aber keineswegs neu, sondern mit Ba-
gous petrosus Herbst, Schh. identisch, und gehört ohne Bedenken
zu ßagous.
Von 31 0 tschulsky wurde (Guer. Rev. et Mag. d. Zool. S. 425.
Taf. 11. F. 1.2.) eine neue Gattung Co lasier auf Phloeophagus und-
pes Schh. und eine neue doppelt so grosse, bei Marseille am Meeres-
strand vorkommende und hier unter dem Namen C. liltor alis be-
schriebene Art errichtet , welche sich von Phloeophagus besonders
durch deutliches Schildchen und die an Styphlus erinnernde Körperge-
stalt unterscheidet , und dem Verf. zufolge zur Gruppe der Dryo-
phthoriden gehört.
Von G r a e 1 1 s wurden Cneorhinus lateralis , Thylaciles
oblongus (Ann. d. I. soc. ent. S.21— 23. Taf. 1. F. 6. 7., Mem. d.
Acad. d. Madlid. l. iL), Brachyderes suluralis, Metalliles c ristalus
(Mem. etc. Taf. 8. F. 7. 8., Ent. Zeit. 1853. N. I.), als neue in Spanien
einheimische Arten beschriebsn und abgebildet.
White gab im Appendix von Macgillivray's Narrative of the
cxpedition of Ihc Rattlesn-ike die Beschretbung und Abbildung von
Pachyrhynchus Stanley anus, einer schönen n. Art von den bei Neu-
Guinea gelegnen Pariwara-Inseln.
West wo od erläuterte in Gard. Chron. S. 228. und S.260. die
Naturgeschichte der Gattung Apion. — Apion Sorbi macht nach Letz-
ner (Verhandl. der schles. Gesellsch, im J. 1851. S. 94.) seine Ver-
wandlung in dem Fruchtboden von Anthemis arvensis durch.
Die Metamorphose des Orchesles pratensis Germ, wurde von
Letzner (Verhandl. d. schles. Gesellschaft im J. 1851. S. 93.) ge-
190 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
schildert. Die Larve minirt in den Wurzelblättern von Campanula
montana.
Die frühem Stände des Phytonomus maculatus Redt. (= inier-
tnedius Schh.) sind von Heeger beschrieben und abgebildet worden.
Sitzungsber. d. Wien. Acad. VH. S.348. Taf. XIU. Die Larve lebt von
den Blättern von Achillea millefolium.
Notes pour servir ä l'histoire des Phytonomus et des Phytobius
par ¥j. Perris (Mem. de l'Acad, de Lyon S.93.). Der Verf. schildert
hier nochmals ausführlich die schon wiederholt beschriebene Verwand-
lungsgeschichte von Phytonomus und berichtigt in einigen Punkten
die Angaben von Degeer und Goureau. Er hat seine Beobachtungen
besonders an Ph. Viciae gemacht , dessen Larve an den Blättern von
Helosciadium nodiflorum zehrt. Wie die Larven von Cionus, sondern
auch die von Phytonomus einen zähen Schleim aus einer an der Ba-
sis des zwölften Segmentes befindlichen Warze ab , welcher den gan-
zen Körper bedeckt und die Larve bei ihren Bewegungen an den Ge-
genständen , auf denen sie sich bewegt, festhält. Aus diesem Schlei-
me spinnt sich die Larve auch vor der Verwandlung einen Coccon,
indem sie den Mund an die Abdominalwarze bringt und mit den Man-
dibeln das aus derselben hervortretende Secret zu Fäden auszieht. —
Sehr ähnlich ist die auf den Blättern von Polygonum hydropiper le-
bende Larve von Phytobius notula Schupp. Sie bedeckt sich mit ih-
ren Excrementen , welche in eine Lage zähen Schleims eingehüllt
werden. Das secernirende Organ liegt hier unter dem After. Beim
Bereiten des Gespinnstes bringt sie das hintere Körperende an den
Mund, und klebt mit den Mandibeln den dort abgesonderten Schleim
an die Blattfläche.
Ueber die Lebensweise einiger Rüsselkäfer hat ferner Bach
(Verh. d. naturhist. Vcr. d. Rheinl. Bd. VIll.) Mittheilungen gemacht.
Anthonomus rubi bohrt den Stengel von Rosa canina an ; Orchesles fagi
wurde sehr häufig in Kirschen gefunden , in die er sich 4 — 6 Linien
tief hineingefressen hatte; Gymnetron linariae lebt in den Wurzelan-
schwellungen, G. anlirrhini in der Blülhe und G. pilosus in den Sten-
gelanschwellungen von Linaria vulgaris.
Lixus angustatus wurde von Godart (Bull. d. 1. soc. ent. S. XIV.)
aus Stengeln von Althea rosea erzogen.
Die preussischen Borkenkäfer sind von Anders ch (Pr. Prov.
Bl. 1851. XII.) zusammengestellt worden. Die Zahl der sicher ermit-
telten Arten beläuft sich auf 35 (6 Hylastes , 2 Hylurgus , 2 Hylesinus,
1 PolygraphuSy 2 Xylolerus, 3 Cryplurgus , 2 Cryphalus, 12 Bostrichis,
5 Eccoptogaster), dazu kommen noch 8 , deren Vorkommen mehr oder
weniger zweifelhaft ist (1 Hylurgus , 1 Dendroctonus , 2 Hylesinus, 2
Boslrichus, 1 Eccoptogaster, 1 Piatypus),
während des Jahres 1851. 191
Neue chilesische von Blaiichard in Gay's Faun. chil. beschrie-
bene Borkenkäfer sind: Hijlesinus humilis, Tomicvs longip ennis.
Cerambycini« Eine sehr dankenswerlhe Arbeit hat Che-
vrolat unternommen, indem er die in der Banks'schen Sammlung vor-
handenen Cerambycinen , unter denen sich viele Typen Fabricischer
Beschreibungen befinden, untersucht und in die gegenwärtig angenom-
menen Gattungen untergebracht hat (Ann. d. 1. soc, entom. IX. S.657
— 664 ). Es haben sich dabei wichtige synonymische Aufschlüsse er-
geben, von denen ich als den bemerkenswerthesten hier hervorhebe,
dass Cerambyx longicornis Vahv. der von ImhofF als Deuterocrasles ne-
bulosus aufgestellte Anthribide ist,
Ueber einige zweifelhafte Linne'sche Cerambycinen gab M Ul-
san t (i\lem. de l'acad. de Lyon I. S. 123.) Aufschlüsse, welche er
durch den Vergleich der Linue'schen Sammlung gewonnen halte. Dieser
zufolge ist Cerambyx ebulituts Linn. =r Carlallum ruficolle — , Ceram-
byx licialus Linn. ein von hafniensis verschiedner Clylus — , Leptura
ruslica Linn. = Clytus hafniensis; — Leplura verbasci Linn. = Chj-
tus ornalus.
Prionii. — Von Lucas (Bull. d. 1. soc. ent. S. LXV.) wurde
Mallaspis Moreletii als neue in den Wäldern von Verapaz (Central-
amerika) entdeckte Art aufgestellt, sie ist der M. xanlhaspis verwandt,
ausser mehreren Abweichungen in Form und Punktirung aber sogleich
an den zweifarbigen Flügeldecken zu unterscheiden , deren Vorder-
hälfte bronzefarben, deren hintere licht braunroth ist.
Blancliard machte in Gay's Faun. chil. drei. neue Prionier
bekannt: Ancistrotus S erv illaei, M icroplophorvs (n. G.) cö-
staneus (eine zweite Art ist der von Hombron und Jacquinot abge-
bildete aber hier zuerst beschriebene M. magellanicus) , Oxypeltus
(n. G.) quadrispinosus, ein sehr schöner Käfer mit zwei langen
Endspilzen an jeder Flügeldecke.
Äiulsant beschrieb (Mem. de l'Acad. d. Lyon S. 122.) Erga-
tes opifex, n. A. aus Algier, zur Zeit nur in einem einzelnen Weib-
chen bekannt, welche sich von E. faber durch längere mit deutlichem
Rippen versehene, Flügeldecken und den an" den Seiten weniger regel-
mässig gekerbten, in der Mitte der Länge nach gefurchten, vorn auf-
gebogenen Prothorax unterscheidet. — Derselbe besprach auch
(a. a. 0. S. 136.) die Unterschiede der Galtung Prinobius Muls. von
Ergales und Macrotoma.
Eine Monographie der australischen Gattung Dislichocera ist
von Newman der zool. Gesellschaft in London vorgelegt worden, es
ist aber erst ein Auszug der Abhandlung in Newman's Zool. S. 3091.
und 3122. mitgetheilt. D. fulvipennis Mac Leay, Boisd. wird hier als
192 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
das Weibchen von D. maculicoUis Kirb. nachgewiesen und es werden
drei neue Arten, D. Kirbii in beiden, D. Mac Leayi im weibli-
chen und D. par in beiden Geschlechtern kurz beschrieben.
Ger. genuin i. — Den grössten Zuwachs an neuen Arten, von
denen mehrere zur Errichtung neuer Gattungen Veranlassung gaben,
hat diese Gruppe durch Blanchard's Bearbeitung der chilesischen
Cerambycinen in Gay's Faun. chil. erhalten ; der Untcrabtheilung der
Callichromiden gehören Callichroma c hilens e , Hephaeslion graci-
lipes, Platynocera (n, (},) ruhriceps, lepturoides, Necy-
dalop sis (n. G.) trizonalus an; zur Unterabtheilung der Uracan-
thiden wird die neue Galtung Holopterus mit einer n. A. H. chi-
lensis gestellt; den Rhopalophoriden werden zwei neue Gattungen
St eno r hop alus mit l n. Ä. St. grncilis und Cy cno de ru s mit
C. testaceus hinzugefügt; die llnterablheilung der Callidier endlich
wird mit folgenden A. bereichert: Am e tr o ceph ala (n. G.) mon-
strosa, Tillomorpha (n. G.) lineo Hg era (andere Arten dieser
Gattung sind Clytus piniadeus Fabr. und spinicornis Chevr,), Calli~
deriphus (n. G.) g r ossip es , laetus, lenuis, Grammicosum
sig nati c olle , minutum, Hesperophanes einer eus, Ancylo-'
donta (n. (J.) trislis, Callidium subme t allicum.
Einige neue Arten aus Neu-Holland sind wieder von Newraan
(Zool. App. S. CCXXVIli. und S. CXXXVII.) bekannt gemacht worden:
Pempsamacra pygmaea, Cerambyx pullus, Oinoles punctissima
(sie!), Pseudocephalus arietinus.
Von Fairmaire wurde (Rev. Zool. S. 528., Ann. d. 1. soc. entom.
1852. S. 91.) Purpuricenus ferrug ineus, n.A. aus Sicilien, aufgestellt.
Lucas verlheidigte (Bull. d. 1. soc. ent. S. X.) die Artrechte
von Purpuricenus harharus Luc. und P. Dumerilii Luc, von denen der
erste wenigstens von Chcvrolat für Abänderung des P. afßnis Luc.
erklärt worden ist. Die von L. hervorgehobenen Unterschiede sind
indessen für die Selbstständigkeit dieser Arten nicht sehr beweisend.
Lucas machte (Bull, d, 1. soc. ent. S. GVL) eine neue in der
Nähe der Gedernwälder von Teniet et Haad (Algier) entdeckte Gat-
tung und Art der Gallidiengruppe unter dem Namen Sympiezocer a
Laurasii bekannt, sie unterscheidet sich von Hylotrupes besonders
durch seitlich zusammengedrückte Fühlhörner, deren drittes Glied über-
dem nur von der Länge des vierten ist.
Zwei neue Arten von Clylus sind: A. anguslicollis MuU
sant (Mem. de l'Acad. de Lyon S. 123.) aus der spanischen Provinz
Gallicien, dem A. plebejus und massiliensis nahe verwandt, und Cl.
consobrimis Lucas, dem Cl. 4-punclatus sehr ähnlich, in den
Hochebenen der Provinz Algier einheimisch.
während des Jahres 1851. 193
Mulsant besprach (a. a. 0.) die Geschlechlsunterschiede von
Stenopterus praeuslus Fabr.
Lamiariae. — Auch diese Gruppe wurde mit einigen neuen
Galtungen und vielen neuen Arten aus Chili von Blanchard (Gay's
Faun, chil.) veimehrt; in der Uiitcrablheilung der Acanlbociniden mit:
Brachychilus (n. G.) scutellaris, lituralus, Exocenlrus p u-
sillus, 0 ect ropsis (n. G.) latifrons; in der Unterablheilung der
Mesosiden mit: Aconopterns (n. G.) crislatip ennis , laevi"
pennis; in der Unterabtheilung der eigentlichen Lamien mit: // o-
plonotus (n. G.) spiniferus ^ Parmena alb Omaculata , clavi-
pes, hetnisp h aerica; in der Gruppe der Saperden mit: Colo'
bura (n. G.) alboplagiata , Hebestola (Dej.) parvula, hu~
merali s f vittic ollis, p et rosa , Apomecyna varia, Helmin da
(n. G.) pilipennis f Catognal ha (n. G.) gracilis , Ägapanthia
sulur eil a, lin eolat a , Saperda albo litura ta, dim idiata.
Newman beschrieb (Zool. App.) als n. Arten : Rhyliphora
D onov ani, Acanthocinus lineola, A.? p lumula, Isosceles pigra,
Lamia QSympheleles ?') dichotoma,^ sämmtlich aus Neuholland und
Monohammus Helenor aus Ostindien.
Mehrere neue Arten aus Aladagascar wurden von Coquerel
(Rev. et Mag. d. Zool. S. 86. , Ann. d. 1. soc. ent. 1852. N. 3.) be-
kannt gemacht: Phymasterna crelacea, quadridentata, Sphenura
gutlulata, chrysocephala, Centrura armata (Taf. 9) und di-
varic at a, die beiden letzten sind durch die an der Basis und Spitze
gezähnten Flügeldecken sehr ausgezeichnet.
Die Gattung Dorcadion ist mit zwei neuen spanischen Arten be-
reichert worden, von Mulsant (Mem. de l'Acad. d. Lyon S. 123.)
mit D. hispanicum — von Graells (Ann. d. 1. soc. ent. S. 24.
Taf. 1. F. 8. Mem. de Acad. d. Madrid t. II.) mit D. Perezi; die
letztere ist in den Gebirgen von Guadarrama einheimisch und weicht
von allen andern in der Zeichnung der Flügeldecken ab ; die Naht, ein
grosser damit zusammenhängender pfeilförmiger Fleck, der Aussenrand
und ein hinten von dem letztern ausgehender Haken sind weiss.
Den drei bekannten Arten der Gattung thacellus {Ph. Boryi
Gory, Latreillei Buq. Dsjeanii Buq.) fügte Buquet (Rev. et Mag.
d. Zool. S. 603. Taf. 15. F. 16.) eine neue Ph. Cuvieri aus Brasilien
hinzu.
Mulsant beschrieb (Mem. de l'Acad. de Lyon S. 127 ff, und
S. 194.) sechs neue Arten von Phytoecia: Ph. Wachanrui aus der
Türkei, G aubilii aus Algier, vulnerata von Rom und den hyeri-
schen Inseln, Leder eri aus Spanien, tigrina aus dem Dept. du Var,
und scapulata aus Syrien, und änderte den Namen yon Ph. fiavescens
Archiv f. Naturgesch. XVIJI. Jahrg. 2. Bd. J^
194 Schaum: Bericht aber die Leistungen in der Entomologie
Muls. in flavicans um, weil schon Brülle den ersteren einer Saperda
ertheilt hatte.
Auch von Lucas wurde Bull. d. 1. soc. ent. S. XLI eine neue
Phytoecia unter dem Namen Pk. Aumontiana aufgestellt, sie ist im
westlichen Algier bei Tlemsen von Major Aumont entdeckt worden
und steht der Ph. Warnieri Luc. sehr nahe.
Einer Abänderung der Lamia textor L. mit mehr oder weniger
deutlichen Rippen auf den Flügeldecken gedenkt Cornelius Entom.
Zeit. S. 21.
Heeger hat die früheren Stände der Phytoecia ephippium in
den Sitzungsberichten der Wien. Aead. VII. S. 346. ausführlich be-
schrieben und Taf. XII. abgebildet. Larven, Nymphen und entwickelte
Käfer überwintern erstarrt in den Wurzeln des Feldpastinaks (Paslina-
ca sativa) , wo die Larven sich dann erst im Mai verpuppen und nach
14 Tagen zu gleicher Zeit mit den überwinterten Käfern zum Vor-
schein kommen. — Nach Lareynie (Bull. d. 1. soc. entom. S. LIII.)
ist die Larve dieser Art im Dept. de la Dordogne den Mohrrüben (ca-
rottes) sehr schädlich geworden.
Agapanthia irrorala macht nach Graells ihre Verwandlung in
den Wurzeln von Onopordon cordatum durch. G. hat in den Memoi-
ren der Madrider Academie 1850 die früheren Stände bekannt gemacht
und abgebildet. An der Larve fällt besonders das schräg und scharf
abgestutzte Hinterleibsende auf. '
Lepturetae. — „Notice monographique sur le genre Cometes
de la famille de Longicornes, tribu des Lepturetes par L. B u q u e t*
(Rev. et Mag. d. Zool. S. 188.). — Der Verf. beschreibt hier 4 Arten
dieser schon von Serville aufgestellten Galtung, C hirticornis Enc.
aus Brasilien, und drei neue C. flavi pennis aus Columbien , ar^
gutulus De], aus Cayenne, acutip ennis ebendaher; sie sind sämmt-
lich auf Taf. 5. recht gut abgebildet.
Muls an t vervollständigte (Mem. de TAcad. de Lyon S. 137.)
seine frühere Beschreibung von Leplura rufipennis durch die Charak-
teristik des Weibchens.
Clirysolemiiiae. Sagrides. — New man stellte (Zool.
App. S. CXXXIX.) Amelalla xanihura, über und decolor als drei
neue Arten aus Neuholland auf, die erste scheint mir = Polyopti-
lus Erichsonii Germ., die zweite = P. Lacordairei Germ, zu
sein ; ich habe schon früher die Vermuthung ausgesprochen , dass P.
Erichsonii das Weibchen von P. Lacordairii sein möchte. — Newman
ist geneigt, die Gattungen Mecynodera Hope und Amelalla Hope mit
einander zu verbinden.
Zwei neue chilesische Arten von Orsodacna machte B 1 a n>
während des Jahres 1851. 195
chard unter den Namen 0. unicolor und tesselata (in Gay's
Faun, chil.) bekannt.
Referent bemerkte (Ent. Zeit. S. 271) dass Orsodacna Mespili
Lac. das Weibchen von 0. nigricoUis Ol. ist.
Dona ci des. — Eine Synopsis der nordamerikanischen Arten
von Donacia hat Le Conte in den Proceed. acad. nal. sc. of Philad.
Vol. V. S.310. veröffentlicht. Dem Verf. sind 32 Arten aus eigner An-
schauung bekannt, w^elche von ihm durch kurze Beschreibungen cha-
rakterisirt und in folgender Weise gruppirt werden. I. Elytris de-
pressis , triangularibus, truncatis ; oculis orbito praeditis. A. Cras-
siusculae, depressae, antennae arl. 2 et 3° subaequalibus, elytra profunde
striata, lemora dente postico emarginalo vel crenato. D. magnifica
n. sp. vom Übersee, D. proxima Kirb. (episcopalis Lac. quadricollis var.
Say). B. Longiusculae, antennis altenuatis, art. terlio secundo multo lon-
giore , Ihorace vix punctalo. D. c ongener n. sp. aus Georgien, D.
lucida Lac. (cmc^icorwis Newm.), D. i-uf esc ens Lac, D. palmata Ol.,
D. alulacea n. sp. ans Neu- York, D. kypoleuca Lac, D. piscatrix Lac,
D. tuberculata Lac. C. Longiusculae, elytris versus apicem magis subito
attenuatis, thorace valde punctato, antennis minus attenuatis, art. tertio
secundo paulo longiore. D.pulchella n. A. aus New-Yersey, D.sublilis
Kunze (quadricollis Say) , D. conßuens (^conßuenta Say) vielleicht nur
Varietät der vorigen, D. fulgens n. A. vom Obersee, D. porosicollis
Lac. D. Crassiusculae, elytris apicem versus magis angustatis, thorace
punctato tuberculatoque, elytris valde rugosis, antennis minus attenua-
tis, arl. terlio secundo paulo longiore. D. hirlicollis Kirby {rudicollis
Lac), D. dis tinc ta [aequalis Kirb.) vom Obersee. — IL Elytra sub-
parallela , apicc subtruncata vel rolundata , antennarum arl. 2 et 3us
subaequales, femora postica paulum elongata , thorax postice angusta-
tus. A. Oculi orbito distincto praediti; elytra paulum convexa. D.
confusa L9C., D. torosa n. A. aus Massachusets. B. Oculi orbito mo-
dice distincto praediti, femora postica dente armala, corpus lineare de-
pressum, antennae art. 3io longiusculo. D. aurifera vom Obersee.
C. Oculi orbito valde obsoleto vel nullo praediti ; elytra parallela, con-
vexiuscula vel apice rolundata, vel vix truncala, femora postica dente
armala. a. thorax longiusculus, minus convexus, pedes mediocres, fe-
moribus posticis modiee clavatis, basi tenuibus. D. cuprea Kirb., D.
dives n. sp. vom Obersee, D. pusilla Say, D. emarginata Kirb. (6nm-
pressa et aurichalcea .Melsh.) , D. metallica Ahr. (nana Welsh.), D.
gentilis n. A. aus Penusylvanien , D. flavipes Kirb. b. thorax con-
vexus , pedes breves crassi femoribus posticis elliplicis basi non atte-
nuatis sublus dente valido armalis. D. jucunda n. A. vom Obersee,
D. Kirhxji Lac. [affinis Kirb.) , D. sulcicollis Lac. [mctallira Say). —
lil. Elylra parallela vix truncala, antennae art. secundo breviore, tho-
rax angustatus ; oculi orbito praediti. D. femoralis Kirb. — lY. Elonga-
196 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
tae, oculis vix prominulis, orhito nullo, elytra convexa apice truncata,
antennae tenues art. secundo breviore, D. Harrisii n. A. aus Penn-
sylvanien, im Habitus an Statyra erinnerend. 9 von Lacordaire, 1 von
Germar , 2 von Say , 2 von Kevvman , 3 von Melsheimer beschriebene
Arten sind Le Conte unbekannt oder zweifelhaft geblieben , sie sind
am Schlüsse des Aufsalzes namhaft gemacht.
Die Larve der Haemonia Gyllenhalii wurde von Lacordaire
Ent. Zeit. S. 263. sehr genau beschrieben, sie ist in der Bucht von
Putzig unweit Danzig von H. ßogenz an den Wurzeln des Potamoge-
ton marinus aufgefunden worden. Die wesentlichen Differenzen der
Hämonienlarven von den bekannten Donacienlarven laufen darauf hin-
aus, dass jene keine Augen, sehr hurze Fühler und keine Pseudo-
stigmen auf dem letzten Segmente besitzen. (Keferent hat Ent. Zeit.
1853. bemerkt , dass die von Lacordaire beschriebenen Larven nicht
die der H, Gyllenhalii Lac, sondern die der //. Curlisii Lac. sind."!
Criocerides. — Diese Gruppe wurde von Blanchard in
Gay's Faun. chil. mit einer neuen Gattung Psathyrocerus berei-
chert , welche Megascelis in Chili zu vertreten scheint und von der
bereits sechs Arten Ps. fulvip es , p allipes , einer ascens , VO"
riegatus , testaceus^ oblongus entdeckt sind.
Lema duodecimpunctata Linn. und dodecastigma Suffr. bilden nach
Godart (Ann. d. 1. soc. entom. S. 667.) nur eine Art, ihre männli-
chen Begattungsorgane sind völlig übereinstimmend und G. hat sie
auch in copula gefangen.
Clythrides. — Die in Lacordaire's Monographie des Phylo-
phages t. IL vorkommenden europäischen Arten hat Suffrian in der
Eni. Zeit. S. 194 ff. gemustert, einzelne Beschreibungen vervollständigt,
F'undorte und Futterpflanzen nachgetragen , auch eine Anzahl synony-
mischer Zusätze und Berichtigungen gegeben, welche zum Theil auf ei-
nem Vergleiche der Clythren in der Fabricius'schen Sammlung beruhen.
Von zweifelhalten Arten wird Cl. quadrinotata Ol. zu einer Varietät der
centromaculata Lac. — salicariae ^]en. zu ruficoUis — bistrimaculala Küst.
zu ßoralis Ol. gebracht, Cl. dispar Luc. mit sexpunctata 0\i\. vereinigt.
Cl. stramineipemiis Luc. Lac. ist die wahre Cl. tripunclata Fabr., von
welcher Cl. tripunclata Lac. sehr verschieden ist. Cl. quadrimaculata L.
wird als eigne Art gegen die Zweifel Lacordaire's, der sie mit C/.scopo/ina
vereinigen möchte , aufrecht erhalten , auch der Verbindung der Cl.
quadrisignata Mark, mit quadripunctata Linn., der Cl. diversipes Lelzn.
mit Cl. flavicollis Charp, nicht unbedingt Beifall gegeben. Cl. sexno-
tata Fabr. iL (Syst. El. II. 35. n. 32.) wird mit Lac. zu Cl. melano-
cephala Oliv, gezogen und dabei zugleich über desselben Autors Cl.
sexnolata l. (1. c. II. 31. n. 12.) und einige andere zweifelhafte exo-
Uschc Arten nach Fabricius Sammlung Auskunft ertheilt. Endlich sind
während des Jahres 1851. 197
noch zwei neue Arten beschrieben, nämlich Cl. (Labidostomis) bige-
mina, der hybrida zunächst verwandt, von Handschuch bei Carthagena
entdeckl, und Cl. [Lachnaed] glabricollis aus Sicilien, durch das
kahle Halsschild der Cl. puncticollis , durch Bau und Zeichnung mehr
den grössern Arten dieser Gruppe, namentlich der Cl. longipes,
nahe kommend , von allen durch die hellschwefelgelben glänzenden
Flügeldecken und die sparsame Behaarung der glänzend schwarzen
Unterseile abweichend.
Von Blanchard (in Gay's Faun, chil.) neu aufgestellte chile-
sische Arten sind: Dachrys succinct a und Chlamys fulve scen s.
Nach Godart (Ann. d. 1. soc. ent. S. 668.) sollen die männli-
chen Begatlungsorgane bei Coplocephala scopolbia Fabr. und telradyma
Dej. verschieden gebildet sein, G. hat aber nicht angegeben, in wel-
cher Weise.
Beobachtungen über die Verwandlungsgeschichte der Clythra (Ti-
tuboea) octosignata Fabr. hat Lucas (Ann. d. 1. soc. ent. S. 29 — 37.)
mitgetheilt. L. fand die Larven in den bekannten von ihrem K'oth ge-
bildeten Säcken bei Medeah in Algier in den Western der Myrmica te-
stacea pilosa Luc. Die Säcke sind innen ganz glatt, aussen in eigen-
thümlicher Weise gerippt. Die Entwicklung des Käfers erfolgte im
Juli in Paris. — Derselbe hat auch die Metamorphose der Lach-
naea vicina Lac. geschildert und den Käfer in allen Ständen ausführ-
lich beschrieben und gut abgebildet. (Rev. et Mag. de Zool. S. 517 — 527.
Taf. 14.). L. hat die Larvensäcke in Algier an ziemlich feuchten Orten
unter Steinen, stets einzeln und nicht in Gesellschaft von Ameisen an-
getroffen ; die Verwandlung ging ebenfalls in Paris vor sich.
Cryptocephalides. — Von Suffrian wurden vier neue
von Kiesenwetter entdeckte Arten, Cryptocephalus livi dimanus und
t etraspilus vom Mont Serrat, Pachybrachys p allidulus von Per-
pignan, Stylosomus ericeti von Mont Serrat vorläufig durch Diagno-
sen kenntlich gemacht, welche Kiesenwetler in seiner Aufzählung der
von ihm in Südfrankreich und Catalonien gesammelten Käfer (Ann. d.
1. soc. ent. S. 651 ff.) mitgetheilt hat.
Mulsant beschrieb Cryptocephalus M ariae und Cr. lepidus
als n. A. aus dem südöstlichen Frankreich (Mem. de l'Acad. d. Lyon.
S. 145), der erslere ist aber = signatus Oliv.; der zweite scheint
in die Reihe der mit laetus verwandten Species zu gehören. *
Ein neuer spanischer Fachybrachys wurde von Graells unter
dem Namen P. e leg ans (Mem. d. Acad. d. Madrid t. IL Taf. 8. Fig. 9.)
aufgestellt.
Neue chilesische von Blanchard (in Gay's Faun, chil.) be-
schriebene Arien sind : Cryptocephalus e leg ans y chilensis, Pachy-
198 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
brachys c r assic o llis, ru bron o t atus , signati collis , pal-
ten Sy mix tu s, Gayif Monachus v ariabilis.
Cassidariae. — Eine neue deutsche Cassida ist von Corne-
lius (Ent. Zeit. S. 88) unter dem Namen C. l an g uida beschrieben
worden; sie steht in Bau, Grösse und F"ärbung in der Mitte zwischen
C. chloris und dentioollis, gleicht in der Gestalt des Halsschilds und
Sculplur der Flügeldecken mehr der erstem , durch die Zähnchen am
Hinterrande des Halsschilds mehr der zweiten und unterscheidet sich
von beiden durch die matthellgrüne Oberseite des ausgefärbten Käfers
und durch ihre früheren Stände, welche sorgfältig beschrieben und mit
denen der genannten Arten verglichen sind. Der Käfer lebt bei Elber-
feld und Dortmund auf Achillea millelolium.
Fairmaire stellte (Rev. zool. S. 528., Ann. d. 1. soc. entom.
1852. S. 92.) Cassida n igric ep s als neue Art aus Spanien auf.
ßlanchard beschrieb (in Gay's Faun, chil.) Chelymorpha va^
ri an s aus Chili.
Die Entwicklungsgeschichte der Cassida austriaca hat Bach
(Ent. Zeit. S, 158) mitgetheill. Er fand die Larven bei Boppard auf
Salvia pratensis und brachte sie auch durch Füttern damit zur Ver-
wandlung. Der Puppenzustand währte vom 25. Juni bis zum 25. Juli.
Ueber die Dauer und die verschiedenen Stadien der Ausfärbun;[speriode
bis zum Zeitpunkte des vollen Glanzes bei dem ausgefärbten Käfer ist
leider Nichts angegeben. — Eine von Elditt gezeichnete wohlgerathene
Abbildung der Larve und Puppe von Cassida rubiginosa Müll. 111. ist
der Ent. Zeil, beigegeben und S. 352. erläutert worden.
Hispides. — Eine sehr hübsche neue Art von Alurnus aus
Venezuela ist von Fairmaire Rev. et Mag. d. Zool, S. 349. unter
dem Namen A. octopunc ta tu s aufgestellt worden. — Von Dem-
selben wurden ebenda die zahlreichen Farbenäbänderungen des
Arescus caudalus Salle besprochen und die Identität dieser Art mit
Hispa monoceros Ol. erkannt , auf die ich auch schon im Jahresb. f.
1849 hingewiesen hatte.
Co quer el (Rev. et Mag. d. Zool. S. 86,, Ann. d. 1. soc. ent.
S. 404.) beschrieb Cephaloleia pul c hell a aus !\Iadagaskar.
Eine neue Gattung Apocino cer a wurde in dieser Gruppe von
Blanchard in Gay's F'aun. chil. errichtet, sie enthält zur Zeit nur
1 n. A. A. her ba cea aus Chili.
Chrysomelariae. — Eine sehr werthvolle Arbeit über die
europäischen Chrysomelen hat Suffrian (Linn. ent. V. S. 1 — 280.) ge-
liefert. Der Verf. ist durch seine Untersuchungen über diese Gruppe
zu dem Ergebnisse gelangt, dass sich die ihr angehörenden Thiere auf
während des Jahres 185t. 199
einer sehr niedrigen Entwicklungsstufe befinden und daher im Bau der
einzelnen Körperlheile eine sehr geringe Mannichfaltigkeit zeigen, aber in
der Gestaltung dieser Theile nach individuellen und sexuellen Verhält-
nissen den auffallendsten Abänderungen unterworfen sind. Daher sind
manche Tiieile, welche in andern Gruppen vorzügliche Gattungscharak-
tere darbieten , z. B. Fühler und Taster , hier kaum zur Begründung
specifischer Merkmale zu benutzen ; Körperumriss, Bau des Halsschilds,
Sculptur und Färbung ändern so sehr ab, dass ihre Brauchbarkeit zur
Artunterscheidung erst für jeden einzelnen Fall festgestellt werden
muss. Der Verf. hält daher eine systematische Bearbeitung der Gruppe
zur Zeit noch für unausführbar und hat sich gegenwärtig nur eine
möglichst sichere Feststellung der europäischen Arten zum Ziel ge-
setzt, wobei er die Galtung, mit Ausschluss von Trimarcha und Cyrto-
nus, einstweilen im Fabricius'schen Sinne festhält und auch die durch
keine sichere Grenze gesonderten Heioden mit einschliesst. Innerhalb
dieses Umfangs sind nun 187 europäischen Arien, darunter 62 zum er-
sten Male, beschrieben und in 22 Gruppen (Untergattungen nach La-
cordaire, die aber nicht mit besondern Namen belegt werden) vertheilt.
Ausserdem enthält ein Anhang noch 20 früher aufgestellte, vom Verf.
nicht entzifferte, zum Theil aber wohl unter andern Namen beschrie-
bene Arten. In der schwierigsten Gruppe, der der sogenannten Orei-
nen, werden 30 Spccies aufgeführt, der Verf. betrachtet hier aber selbst
seine Arbeit nur als einen Versuch zu möglichster Abgrenzung der
Formen, ohne bestimmt festzustellen, welche derselben sieb in Zu-
kunft als Arten werden behaupten lassen. Um in dieser Beziehung zu
einer letzten Entscheidung zu gelangen , ist noch eine längere Reihe
von Beobachtungen an Ort und Stelle des Vorkommens dieser Thiere
(in den Alpen und Pyrenäen) nöthig.
*■
Von Graells wurden (\lem. d. 1. Acad. d. Madr. t. II.) Vhae-
don hispanic um , n. A. und zwei spanische Arten von Cyrtonus ,
C. monlanus und rnficornis, welche schon in Fairmaire's im Jahre 1850
erschienene Monographie dieser Gattung aufgenommen sind, beschrie-
ben und (Taf. 8. Fig. 10 — 12.) abgebildet; die Diagnose des Phaedon
ist auch in der Ent. Zeit. 1853. N. I. raitgetheilt.
Eine grössere Zahl neuer Chrysomelen, darunter auch einige noch
nicht beschriebene Gattungen, wurden von Blanchard (in Gay's Faun,
chil.) bekannt gemacht: My ochrou s (n. G.) pulvin o sus ^ aspe-
ratus, conspurcatus, humilis, Noda (Chevr.) c halybaea ,
aurea, Phaedon Bu quetii , Lina erythroptera^ Stric ho s a (n.
G.) 0 b s cur ata, Gr ammi c op terus (n. G.) flav e sc ens , nigri-
coll i s.
Die früheren Stände der Phratora vilellina Linn. sind von Hee-
ger (Sitzber. d. Wien. Acad, VII. S. 211. Taf. VI.) beschrieben und
200 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
abgebildet worden. Die Larven nähren sich von den Blättern von
Ranunculus repens.
Gallerucariae. — "Von Küster (Käf. Eur. XXII.) wurde
Rhaphidopalpa foveicollis Dej. beschrieben, sie findet sich im süd-
lichen Spanien , Dalmatien und Sibirien (auch in Persien und ist be-
reits von Redlenbacher unter dem Namen von Galleruca nigri-
ventris bekannt gemacht. S. vor. Jahresber. S. 211).
VonBlanchard wurden in Gay's Faun. chil. aufgestellt: Coe-
lomera (n. G.) mutans, Galleruca d ec o rata, j ant hina, Oedio-
nychis flav o pic tus , Haltica virescens, aenea, p allens , si-
gnata.
Coccinellidae« Die Larve von Cynegelis aptera Payk. {im-
punctata Linn.) ist von Heeger (Sitz. Bcr. d. Wien. Ac. VIL S. 207.
Taf. IV.) beschrieben und abgebildet worden , sie nährt sich von den
Blättern von Trilicum repens.
Mulsant brachte (Mem. de l'Acad. de Lyon 1. S. 69.) die Er-
richtung einer neuen Familie Laevic olle s für zwei neue Trimeren-
Gattungen Cyclotoma und Opetius in Vorschlag, welche mit den
Coccinelliden die Körperform, den Bau der Füsse und die zum Einle-
gen der Hinterbeine dienenden Felder auf dem ersten ßauchringe thei-
len , sich von ihnen aber durch längere Fühlhörner , deren drei letzte
Glieder eine Keule bilden, und besonders durch das eiförmige Endglied
der Maxillartaster entfernen. Von den Endomychiden weichen sie aus-
ser der Körperform darin ab, dass ihnen die für die Familie charakte-
ristischen Furchen des Prothorax fehlen. Der Verf. hat aber wohl die
Familie der Coccinelliden zu eng umschrieben , wenn er den wesent-
lichen Charakter derselben in das beilförmige Endglied der Älaxillar-
taster und in die Bildung der Fühlhörner setzt. Die Gattung Clypea-
ster hat ein viereckiges letztes Glied der Kiefertaster und eine deut-
lich fünfgliedrige Fühlerkeule, und es scheint bei der Uebereinslim-
mung der früheren Stände und der meisten Charaktere des vollkom-
menen Insecles doch wohl angemessener, sie nach Erichson's Vor-
gänge als eine blosse Gruppe der Coccinelliden zu bezeichnen, als sie
nach Redtenbacher's Beispiele zu einer eignen den Coccinelliden gleich-
werthigen Familie zu erheben. Ich bin daher auch geneigt, die (mir
in natura unbekannten) beiden Gattungen Cyclotoma und Opetius den
Coccinelliden anzureihen, unter denen sie allerdings, ebenso wie Cly-
peaster , eine besTindere ünterabtheilung zu bilden haben. Cyclotoma
und Opetius unterscheiden sich von einander durch die Form der Hin-
terleibsfelder, welche bei Cyclotoma sehr kurz sind und deren Bogen
dort kaum ein Vieriheil des Bauchringes überschreitet, während er bei
Opetius fast den Hinterrand des Ringes erreicht. Jede Gattung enthält
während des Jahres 1851. 201
zur Zeit nur eine bisher unbeschriebene Art: C. testudinaria (Coc-^
ein. tesl, Dej.) aus Java und 0. fascio latus zweifelhaften Vater-
landes (Südamerika?^.
Afeuroptera.
HeaneroUiiii* Schneider hat unter dem Titel „Symbolae
ad nionographiam generis Chrysopae Leach« eine der vorzüglichsten
Monographien herausgegeben , welche die entomologischc Litteratur
aufzuweisen hat; namentlich sind die Abbildungen in Treue und Zart-
heit der Ausführung unübertroffen. In dem ersten Abschnitte hat der
Verf. eine historische Uebersicht und gründliche in die Einzelnheiten
eingehende Kritik aller biologischen, anatomischen und systematischen
Vorarbeiten gegeben. In einem folgenden Paragraphen ist der Werth
der Gattungs - und Art-Merkmale einer genauen Prüfung unterworfen,
die Resultate des Verf. sind hier die Frucht langjähriger Beschäftigung
mit dem Gegenstande. Für die Begrenzung der Gattungen erwiesen
sich die Bildung und das Geäder^ der Flügel, für die Feststellung der
Arten hauptsächlich die Farbe und die Flecken auf Kopf , Brust und
Flügelgeäder , in geringerem Grade auch die Form der Fussklauen,
der Oberlippe und der Kiefertaster als charakteristisch. Die Stellung
der Chrysopinen im System und die Klassifikation der Hemerobiden-
Gruppe überhaupt sind in besonderen Abschnitten behandelt. Sie zer-
fällt besonders nach der Bildung des Flügelgeäders in drei Unlerab-
theilungen: Hemerobina (aus den Gattungen Hemerobius Leach , Psy"
chopsis Newm., Drepanopteryx Leach, Polystoechotes Burm., Sisyra Burm.
bestehend), Chrysopina (mit Chrysopa Leach und Apochrysa Schneid.),
und Osmylina (mit Osmylus Latr. und einer neuen auf Osm. strigalus
Burm. zu gründenden Gattung). — Der specielle Theil des Werkes
enthält zuerst eine Beschreibung der Chrysopinen im Allgemeinen, und
die Charaktere der beiden Gattungen CÄrysopa Leach und Ap ochry sa
Schneid., die letztere ist auf Hemerobius leplaleus Ramb. vom Cap ge-
gründet und zeichnet sich durch ein scharf ausgeprägtes Cubitalfeld und
die Zahl der Queradern im Discoidalfeld aus. Dann folgt eine sehr
genaue und erschöpfende Beschreibung der Gattung Chrysopa in allen
ihren Ständen. Sie enthält 53 dem Verf. aus eigner Anschauung be-
kannte und übersichtlich gruppirle Arten ,- darunter 16 hier zuerst
charakterisirte ; davon sind 31 in Europa', 7 in Asien, 11 in Afrika,
24 in Amerika und 5 in Australien einheimisch. In einem App. sind
einige allere vom Verf. nicht entzifferte Species zusammengestellt. —
Die fünf ersten Kupferlafeln enthalten die äussere und innere Anatomie
der Gattung, auf der sechsten sind vier Larven dargestellt, die 7 — 60.
liefern die Abbildungen von sämmtlichen dem Verf. bekannt gewordenen
Arten. — Der Verf. hat auch eine kleinere billigere Ausgabe des Wer-
kes veranstaltet, in welcher die Abbildungen der Arten fehlen.
Hagen hat in der Ent. Zeit. 1852. n. 1 u. 2. eine delaillirte,
202 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
mit werthvollen kritischen Bemerkungen begleitete Anzeige des Schnei-
der'schen Werkes geliefert, in welcher die grossen Vorzüge desselben
gebührend hervorgehoben sind.
Von Blanchard wurde (a. a. 0.) eine Anzahl neuer chilesischer
Arten bekannt gemacht, nämlich: Myrmeleon mo d e stutn, Hemerobius
flavescens^ Megalomus falcatus , sticticus , pallidus, psy-
chodoid esy mar moratipennis, Ormiscocerus (n. G.) nitidi-
pennis, Dr ep anicus (n, mit Manlispa verwandte Gattung) Gayi^
Chauliodes einer a s cens.
Eine neue in Spanien entdeckte Art \ on Ascalaphus hat Graells
in den Älemorias d. 1. R. Acad. d. Cienc. d. Madrid t. II. Taf. 9 B. un-
ter dem Namen A. Miegii beschrieben und abgebildet. Die Diagnose
desselben ist auch in der Ent. Zeit. 1853. n. 1. abgedruckt.
V. Siebold hat Preuss. Frov. Bl. 1851. XI. S. 351. einen klei-
nen Machtrag zu Hagen's Verzeichniss der preussischen Hemerobinen
mitgetheilt.
Die eifrigen Nachforschungen von Brauer in Wien haben zur
Entdeckung der noch unbekannten Larve von Osmylus maculatus ge-
führt (S. dies. Arch. Q55. Taf. 3. Fig. 1. a — c, Haidinger's Berichte VIT.
S. 153). Sie ist ihrer Lebensart nach amphibiolisch , indem sie sich
unter Steinen, theils in Bächen, theils am Ufer derselben Gndet. Die von
Br. a. a. 0. beschriebene und abgebildete Larve hat eine grosse Aehn-
lichkeit mit der in Sässwasserschwämmen lebenden Larve von Sisyra,
welche Grube in dies. Arch. Jahr. IX. S. 331. Taf. X. geschildert hat;
der Hauptunterschied liegt in der Abwesenheit gegliederter Kiemen an
der Bauchseite. Die Verpuppung erfolgt stets am Ufer , oft in weiter
Entfernung vom Wasser.
Eine durch die kegelförmige Gestalt ihres Kopfes und die von
der Stirn bedeckten Kiefer ausgezeichnete Hemerobien - Larve ist von
Dujardin (Ann. d. scienc. nat. XV. S. 171. Taf. 3. Fig. 15-21.) be-
schrieben und abgebildet worden „Sur une larve qui parait elre celle
de VHemerobius hirlus.^^ Obwohl die Angaben des Verf. ebenso wie
die Abbildungen in mehr als einer Beziehung mangelhaft sind, auch
die Bestimmung der Larve, wie sich später ergeben wird, irrig ist, so
ist doch die Abhandlung als ein Beitrag zur näiieren Kenntniss einer
dieser Familie angehörigen, sehr abweichend gebildeten Larvenform
von vielem Interesse. — Die 2 — 3 Millim. lange Larve, welche Duj.
wiederholt bei Rennes im Winter auf Viburnum Tinus zwischen zahl-
reichen Podurellen und Acariern beobachtet hat, aber nicht zur Ver-
wandlung bringen konnte, hat ohne den Kopf 11 Körpersegmente, von
denen die drei mit zarten Beinen versehenen Thoiaxringe die grösslen
während des Jahres 1851. 20Ö
sind ; die Hinterleibsringe verschmälern sich immer mehr, das letzte ist
unten mit einer als IN'achschieber dienenden Warze ausgestaltet. Der Kopf
ist vorn konisch zugespitzt , an jeder Seite trägt er drei Augen ; die
Fühlhörner sind so lang wie der Thorax und bestehen aus zwei kurzen
Basal- und einem langen Endgliede. Von Wundtheilen bemerkt man
bei der Betrachtung von oben nur die grossen spalelförmigen zwei-
gliedrigen Lippenlaster; Ober- und Unterkiefer sind von der Stirn be-
deckt, beide vorn in eine Spitze verschmälert, auch sonst von gleicher
Gestalt und liegen dicht an einander , hinten verlängern sie sich in
zwei schwarze hornige Stiele, welche Muskeln zum Ansatz dienen und
als Hebel zu fungireo scheinen. Aus dem Bau der Kiefer (der übri-
gens aus Dujardin's Darstellung nicht klar wird, wenn man nicht die
analoge Osmyluslarve kennt) zieht der Verf. den jedenfalls irrigen Schluss,
dass sie die Beute , deren Säfte die Larve auszusaugen bestimmt ist,
gegen einander und gegen die Slirnverlängerung drücken ! Der mus-
kulöse Pharynx endet vorn in einem hornigen dreispitzigen Apparate;
die Muskeln , welche sich an der äussern Wand des Schlundrohrs an-
heften, erweitern den Kanal desselben und bewirken auf diese Weise
das Aussaugen. — Der Verf. hat die Larve für die des Hemerobius
hirtus gehalten, weil er dieses Insect im Sommer mehrmals an dersel-
ben Localilät gefangen hat. Westwood (Proc. enlom. Soc. S. 151.)
spricht dagegen die, wie es mir scheint, ganz begründete Ansicht aus,
dass D. die bereits von Haliday beobachtete und von Curtis abgebil-
dete Larve von Coniorles Westw. [Coniopteryx Curl.) vor sich ge-
habt hat.
Panorpatae« Von grossem Interesse sind die Milthcilungen
von Brauer über die im Larvenstadium noch ganz unbekannte Ent-
wicklungsgeschichte von Panorpa communis in den Sitzungsberichten
der Wien. Acad. (VIL S. 408. Taf. XVL). Bei der Paarung, welche
B. durch längeres Zusammensperren beider Geschlechter zu Stande
brachte, sitzen Männchen und Weibchen neben einander, wobei das er-
slere mit seinen Zangen die Hinterleibsspitze des letzleren festhält.
Vier Tage nach der Begattung werden die Eier in feuchte Erde ge-
legt. Aus diesen kriechen nach acht Tagen die Larven aus , welche
Gänge in die Erde graben , bei der Fütterung mit faulem Fleisch und
Brod sehr schnell wachsen, schon in 30 Tagen völlig ausgebildet sind
und sich tiefer in der Erde ovale Höhlungen verfertigen, in denen sie
sich nach 2 — 3 Wochen verpuppen. In ihrer Bildung sind sie gänz-
lich von den Larven der Hemerobien , Rhaphidien und Phryganiden
verschieden , so dass die Aufstellung der Panorpen als eine besondere
Familie auch durch die Verwandlungsgeschichte derselben geboten
wird. Sie haben eine raupenähnliche Gestalt, einen hornigen Kopf
mit grossen Augen (der Abbildung nach scheint sich auf jeder Seite
nur ein sehr grosses Auge zu befinden»), hornige dreizahnige von
204 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
der Oberlippe bedeckte Oberkiefer , viergliedrige Kiefer - und drei-
gliedrige Lippentaster. Die Fühler bestehen aus einem dicken cy-
lindrischen ersten , keulenförmigen zweiten und fadenförmigen letzten
Gliede. Der Körper ist dick, mit Ausnahme des hornigen graubrau-
nen Prolhorax fleischig und grauroth , und besteht (ohne den Kopf)
aus 13 Segmenten, welche mit braunen, hornigen, kurze Borsten tra-
genden Warzen besetzt sind ; nur auf den 3 letzten Segmenten stehen
auf cylindrischen Stielen lange Borsten (zwei auf dem 11. und 12.,
eine auf dem 13. Segmente). Aus dem letzten Ringe kann ein aus vier
divergirenden Röhren bestehendes Organ hervorgestreckt werden , mit
welchem sich die Larve festzuhalten scheint. Ausser den 3 Paar Tho-
raxbeinen sitzen an den 8 ersten Hinterleibssegmenlen kegelförmige
Afterfüsse. Stigmen sind , mit Ausnahme des Meso- und Metathorax,
an allen Ringen sichtbar. Die Länge der ausgewachsenen Larve be-
trägt 7 Linien. Die Nymphe ist schon früher von Stein in diesem
Archive (1838) beschrieben worden.
Pliryg'anides* Hagen hat die Arbeiten , welche sich mit
der Familie der Phryganiden beschäftigen, einer genauen Analyse und
umsichtigen Kritik unterworfen. Ent. Zeit. 1851. S. 345— 350., S.365
—375., 1852. S. 108—115., S. 154— 158. , S. 230-233. Mit diesen
Artikeln hat der Verf. seinen Bericht über die neuern wissenschaftlichen
Leistungen im Gebiete der Neuropterologie geschlossen.
Derselbe hat (Linn. entom. V. S. 363.) die Unterschiede der
Phryganea grandis Linn, und einer sehr nahe verwandten Art auseinan-
dergesetzt , welche er für die ächte Fhr. striata Linn. Scop. ansieht,
und zu der er Phr. fulvipes Burm. als Synonym zieht. Kolenati hatte
beide mit einander vermengt und eine Art der Gattung Stenophylax
für Phr. striata Linn. gehallen. — Mir will es nicht recht wahrschein-
lich erscheinen, dass Linne zwei einander so ähnliche Thiere, wie Phr.
grandis und striata Hagen als verschiedene Species erkannt haben sollte.
v. Siebold hat Preuss. Prov. - Bl. 1851. XL S. 351. ein Ver-
zeichniss der von ihm in Preussen beobachteten Phryganiden mit-
getheilt.
Neue chilesische von ßlanchard (in Gay's Faun, chil.) aufge-
stellte Arten sind: Macronema aculeata , Hydropsyche annulicor-
nis, Phryganea impluviata.
liepidoptera.
Heidenreich hat durch die Herausgabe eines syste-
matischen Verzeichnisses der europäischen Schmetterlinge ,
(Lepidopterorum europaeorum catologus methodicus.) in wel-
während des Jahres 1851. 205
chem die zahlreichen seit dem Erscheinen von Boisduval's
Index melhodicus und Giienee's Calalog der Microlepidople-
ren neu entdeckten und in den verschiedensten Werken be-
kannt gemachten Arten gehörigen Orts eingereiht sind , ei-
nem lebhaft gefühlten Bedürfnisse der Lepidopterologen ab-
geholfen. Die Schrift giebt ein getreues Bild unserer gegen-
wärtigen Kenntniss der europäischen Schmetterlinge und kann
als ein Maasstab benutzt werden, um die Fortschritte, wel-
che dieselbe in den letzten zehn Jahren gemacht hat, zu be-
urtheilen.
Der Verf. dehnt, wie es bei den Lepidopterologen üblich ist,
die europäische Fauna auf den Kaukasus, die zu Russland gehörigen
transkaukasischen Länder und auf ganz Sibirien aus, und führt aus die-
sem Gebiete 584 Papiliones , 233 Sphinges , 308 Bombyces , 104 Ko-
ctuae, 722 Geomelrae , 264 Pyralidae, 720 'f ortricidae , 1212 Tineidae,
82 Pterophoridae, im Ganzen also 5172 Lepidoptera auf, hat aber, ab-
weichend von der unzweifelhaft zweckmässigeren Methode Boisduval's,
nicht bloss die selbstständigen Arten, sondern auch die bemerkenswer-
theren Abänderungen mit besonderen Nummern versehen und mitge-
zählt. Das Uebergewicht über die Boisduval'schen Zahlen (310 Papi-
liones, 144 Sphinges, 240 Bombyces, 715 Koctuae, 532 Geometrae)
ist daher mehr ein scheinbares als ein wirkliches. — Lücken sind mir
in dem Verzeichnisse nur wenige aufgestossen (z. B. Trichosoma Pier"
reti Ramb., Saturnia Isabellae Graells), auch ist die Synonymie der ein-
zelnen Arten mit Fleiss zusammengesteHt, nur mit den vielfachen Lei-
stungen der Engländer scheint der Verf. wenig bekannt zu sein. Ge-
gen die Prioritätsgesetze hat sich der Verf. aber viele Verstösse zu
Schulden kommen lassen , indem er häufig ältere Namen ohne Grund
mit neuen vertauscht hat. So hat er z. B. Melilaea Parlhenie Borkh.,
Ochs., welche seit mehr als 60 Jahren diesen Namen trägt, als Aure-
lia Nick, aufgeführt und den Namen Farthenie einer neuen von Her-
rich - SchaefFer (Fig. 136.) zuerst dargestellten Art zuerlheilt. Die
lappländische Abänderung der Ärgymiis Euphrosyne , welche Herbst
vor 50 Jahren als Fingal gut beschriebe^ und abgebildet hat , wird
mit dem neuen Namen Nephele Kretschm. HS. belegt, und der alle
Herbst'sche als Synonym zugesetzt. Auch der Name Etnydia coscitiiaO.
ist beibehalten, obwohl Zeller in diesem Falle speciell die Priorität
von chrysocepkala Wiihn. nachgewiesen hatte. — Die Begriffe von Va-
rietas und Aberratio scheint der Verf. öfters ver^^echselt zu haben;
Melitaea Phoebe Ab. Melani7ia HS. ist eine unbedeutende Varietät der
Stammart , aber keine Aberratio. Dagegen wird gleich darauf unter
dem Namen Aelherie Hübn. eine Form als Varietät aufgestellt, welche
entschieden eine selbstsländige, wahrscheinlich auf Algier beschränkte
206 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Art und nicht mit der gewöhnlich in den Sammlungen als Aetherie
bezeichneten und aus Russland stammenden Varietät zu verwechseln
ist. Pelopea Bork, und Cleodoxa Esp. sind Aberrationen von Argynnis
Niobe und nicht Varietäten, Eurybia Esp., Meig dagegen Varietät und
nicht Aberratio von Argynnis Adippe. — Ungern vermisst man in dem
Werke eine genauere Angabe des Vaterlands und die Synonymie der
Genera.
I
Die systematische Beschreibung- der Schmetterlinge Eu-
ropa's von llerrich-Schaeffer ist mit dem 47 — 53sten
Hefte forgesetzt worden , der Inhalt des 47. und 48sten ist
bereits im vorigen Jahre besprochen worden ; die folgenden
enthalten Supplemente , über welche der Bericht besser bis
zum vollständigen Schlüsse des Werkes ausgesetzt bleibt.
Von Frey er 's Neueren Beiträgen zur Schmelterlings-
kunde sind in den Jahren 1851 und 1852 Heft 95—100 er-
sxjhienen , mit denen der sechste Band geschlossen ist. Ob
das Werk eine weitere Fortsetzung erhalten wird, ist zur
Zeit noch unentschieden.
Mehrere der neuen von Fr. in den vorliegenden Heften abge-
bildeten Arten sind gleichzeitig durch Herrich-Schaeffer's Supplement-
tafeln bekannt geworden.
G. Fischer v. Wald heim hat gemeinschaftlich mit
Eversmann eine Bearbeitung der russischen Lepidopteren
begonnen, welche als fünfter Band der„Entomographie de la
Russie" ausgegeben ist (Moscau 1851.).
Es sind in dem vorliegenden Bande nur die Nymphaliden be-
handelt, welche in Bussland durch 27 Arten von Argynnis, 15 von
Melitaea f 12 von Vanessa, 5 von Limenitis , 2 von Apalura vertreten
sind. Nur eine derselben Vanessa Jonia von Kindermann an den
südlichen Ufern des schwarzen Meeres entdeckt, ist neu. Ausserdem
wird Melilaea uralensis, früher von Ev. und wohl mit Becht als
Abänderung von Arduinna betrachtet, hier als selbstständige Art auf-
gestellt. Die meisten, auch die bekanntesten Arten sind auf 18 Tafeln
recht kenntlich abgebildet.
Dreissig neue im russischen Reiche einheimische Schmet-
terlinge sind von Eversmann bekannt gemacht worden.
„Descriplion de quelques nouvelles especes de Lepidopteres
de la Russie« (Bull. d. Mose. t. XXIV. N. II. S. 610—644.).
Mehrere neue Schmetterlinge Russlands sind auch von
Nordmann im Bull. d. Mose. S. 439. beschrieben.
während des Jahres 1851. 207
Wallengren hat eine Zusammenstellung der im nord-
östlichen Schonen beobachteten sogenannten Macrolepido-
ptera mit Angabe der Monate, in denen die Schmetterlinge
und die Raupen erscheinen, Vet. Akad. Öfvers. 1850. S. 142,
S. 255.; 1851. S. 283. geliefert.
Es sind in derselben 56 Papilionides, 14 Sphingides, 47 ßomby-
ces, 82 Noctuae, 76 Geomelrae, 29 Pyralididae verzeichnet.
Ein neues Verzeichniss der preussichen Macrolepido-
pteren von Dr. H. R. Schmidt ist in dem Ostern 1851 aus-
gegebenen Programm der Johannis- Schule in Danzig ent-
halten.
Der Verf. hat in demselben nur 702 Arien (107 Papilionen,
38 Schwärmer, 102 Spinner, 249 Eulen, 246 Spanner) aufgeführt, wäh.
rend er früher schon bis zu 746 gelangt war; es rührt diese Differenz
daher, dass hier alle dem Verf. nicht durch eigne Beobachtung als
preussisch bekannte Species ausgeschieden sind.
Einen Nachtrag von 10 Arten hat v. Siebold (Preuss. Prov.-Bl.
1851. XII. S. 376.) zu diesem Verzeichnisse geliefert, indem er Cucul-
lia Pyrethri Frivv. {Fraudatrix Eversm.) demselben neu hinzufügte und
Belege für das von Schmidt bezweifelte Vorkommen folgender neun
Arten beibrachte : Limenitis Camilla , Lithosa Kuhlwemii , L. auritaf
Nonagria fluxa, Anaria cordigera, Eupithecia debiliata , Cidaria herbei
rata, Idaea decorala, immulala. — in 13 andern Fällen erkennt dage-.
gen V. S. Schraidt's Zweifel als gegründet an.
Beiträge zur schlesischen Schmelterlingsfauna enthal-
ten drei in der Breslauer Zeitschrift für Entomologie mitge-
theilte Aufsätze: „Lepidopterologische Beiträge zur Kenntniss
der Seefelder bei Reinerz von St and f US s" — „Berichtigung
und Ergänzung der schlesischen Lepidopterenfauna vonAss-
mann« — „Bemerkungen zu einigen für Schlesien neuen Fal-
ter-Arten von Zell er" (n. 18.).
Nach A SS mann sind jetzt 1890 Arten Lepidoplera in Schlesien
beobachtet, nämlich: 127 Papilionides, 52 Sphingides, 124 Bombyci-
des , 293 Noctuidae , 274 Geometridae, 89 Pyralides , 289 Tortrices,
642 Tineides und Pterophorii; die letzten sind hier namentlich aufge-
führt. — Von Zell er wurde diese Zahl um fünf vermehrt (Eitpilkecia
immundata Lienig (= Eup. argillacearia Herr.-Schaeff.), Cidaria bico-
lorata Borkh., balsaminala n. sp. , Idaea deversaria Tr. , Ephyra slra-
bonaria n. sp.), andererseits aber wieder um eine Art [Geometra do-
raria) verringert.
208 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Fr. Schmidt hat einen Nachtrag zu der von Boll ge-
gebenen und im vorigen Berichte erwähnten Uebersicht Meck-
lenburgischer Lepidopteren geliefert, (Arch. des Vereins der
Freunde d. Naturg. in Meckl. 5. Heft S. 124—159.).
Es sind in demselben 18 neuerdings in Mecklenburg aufgefun-
dene Arten und bemerkenswerlhe Varietäten nachgetragen ; dafür ist
aber Halias Vernana in dem ßoU'schen Verzeichnisse wieder zu
streichen. Gleichzeitig hat der Verf. über die Naturgeschichte von
einigen selteneren Arten Mittheilungen gemacht; sie beziehen sich haupt-
sächlich auf Nonagria neurica, nexa, cannae, Gortyna leucosligma.
Die bei Braunschweig vorkommenden Tagschmetterlinge,
Schwärmer und Spinner sind von Heine mann (Ent. Zeit.
S. 55 — 64.3 aufgezählt worden.
Ein Verzeichniss der bei Wehen in Nassau vorkommen-
den Papilioniden, Sphinges, Bombyces und Noctuae, welches
indessen die daselbst einheimischen Arten bei weitem nicht
erschöpfen dürfte, ist von A. Schenck in den Jahrb. des
Vereins f. Naturk. im Herzogth. Nassau Heft VH. Abth. 2, S. 111.
mitgetheilt worden.
Einen kleinen Beitrag zur Statistik der deutschen Le-
pidopteren hat Bremi-Wolf (Ent. Zeit. S. 83. ) geliefert, in
welchem er einige früher an Speyer mitgetheilte und in des-
sen Aufsatz über die geographische Verbreitung der Schmet-
terlinge in Deutschland aufgenommenen Angaben über das Vor-
kommen gewisser Arten in der Schweiz berichtigt und ver-
vollständigt.
Ein Verzeichniss der Schmetterlinge des Kronlandes Oe-
sterreich ob der Enns , nebst Angabe der Zeit und des Or-
tes ihrer Erscheinung, und der Nahrungspflanzen ihrer Rau-
pen , welches bis zum Schlüsse der Geometrae reicht , ist
von B r i 1 1 i n g e r in den Sitzungsberichten der Wiener Acad.
VI. S. 469 — 538. bekannt gemacht worden.
Es enthält 134 Tagschmetterlinge (123 Papilionides, 11 Hesperi-
dae), 40 Schwärmer 9 Sesiariae, 17 Sphingides , 14 Zygaenides), 107
Spinner, 237 Eulen, 168 Spanner, im Ganzen also 686 Alten.
A. Speyer hat eine im Juli 1850 unternommene Excur-
sion auf den Palscher Kofel , einen 6900' hohen Berg bei
Innsbruck, in sehr anziehender Weise beschrieben und die bei
während des Jahres 1851. 209
dieser Gelegenheit bcobachleten Lcpidopteren der Hochge-
birgsregion dieses Berges zusammengestellt.
In der alpinen Region (über 5500' hoch) kamen vor: Pier. CaU
lidice, Mel. Cynlhia, Hesp. Cacaliae, H. Serralulae, IL Alveolus, Psod^
trepidaria, Emiych. rupicolaiis , holosericealis, Eupr. Planlaginis, Arg.
Latonia, Ereb. ßlanlo, Coen. Satyrion, Bot. aenealis'i , Eudorea spec.y
Arg. fales et var. Isis, Zygaena exulans , Ereb, Cassiope (die Arten
sind nach der Höhe der Flugplätze in absteigender Linie geordnet).
In der subalpinen Region (von 4500 — 5500') fanden sich : Zyg. Minos,
Cramb. combinellus, Ereb. Tyndarus, Chim. lugubris, Arg. Euphrosynef
Lyc. Acis, Hypocli. auriciliella , Cramb. pyramidellus , Ereb. Eiiryale,
Par. Maera, Proer. Statices , Set. irrorella, Coen. Pamphilus, Polyom.
Circe var. subalpina.
Delahaye hat ein neues Werk „Tconographie des
Lepidopteres de France" begonnen , von welchem bereits
mehrere Lieferungen erschienen, mir aber noch nicht zuge-
gangen sind.
Jedes Heft besteht aus drei in buntem Steindrucke ausgeführten
Tafeln, an denen im Bull. d. 1. soc. ent. S. CV. die Treue der Zeich-
nung und Schönheit des Colorits sehr gerühmt wird. Die zwei ersten
Hefte enthalten die Arten von Papilio , Thais, Pieris und Colias. Ein
Text scheint nicht beigegeben zu sein.
Beliier dela Chavignerie hat (Ann. d. 1. soc.
ent. S.681 — 695. „Observations sur les Lepidopteres de la
Lozere") ein mit einzelnen Bemerkungen begleitetes Verzeich-
niss der seltneren von ihm im Dept. de la Lozere beobach-
teten Schmetterlinge mitgetheilt.
Die Bereicherungen, welche die Liste der brittischen Lc-
pidopteren im J. 1851 erhalten hat, sind von Newman
Zool. Pref. X. besprochen worden.
Die interessanteste Entdeckung ist die der Gaslropacha ilicifolia.
A supplementary Catalogue of the british Tineidae and
Pterophoridae by H. T. Stainton.
Enthält das Verzeichniss der seit dem Erscheinen des Systematic
Catalogue of the üritish Tineidae and Pterophoridae by Stainton im
Jahr 1849 in Grossbrittanien aufgefundenen Arten. Einige derselben
sind neu und werden hier durch Diagnosen kenntlich gemacht. Als
Anhang ist der Katalog einer von iMann in Wien gekauften sehr rei-
chen Sammlung von Tineen mitgetheilt; auch unter diesen befanden
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 2. Bd. Q
210 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
sich einige neue Arten , von denen St. hier kurze Beschreibungen
mittheilt.
Ein vonHerrich-Schaeff er unter demTilel „Samm-
lung neuer oder wenig bekannter aussereuropäischer Schmet-
terlinge'' begonnenes Werk ist schon nach Erscheinen der
ersten Lieferung (Regensburg Juli 1850.) wieder aufgegeben
worden.
üas einzige Heft enthält auf 10 Tafeln sehr gelreue Abbildungen
von 10 exotischen Tagschmellerlingen aus den Gruppen der Pieridae,'
Morphidae und Nymphalidae, welche ich unten namhaft machen werde.
Der beschreibende Text sollte erst einer spätem Lieferung beigegeben
werden. Die Arten sind aber auch ohne denselben nicht zu verken-
nen, da stets Ober- und Unterseite dargestellt und das Vaterland auf
dem Umschlage angegeben ist.
Papiliones* Mit den in den Jahren 1851 und 1852 erschie-
nenen Heften ist das von E. üoubleday begonnene und von West-
wood fortgesetzte Prachtwerk „The genera of diurnal Lepidoptera etc."
geschlossen worden. Es bildet im Ganzen zwei starke Bände in gross
Quart und enthält 87 von Hewitson meisterhaft ausgeführte und
überaus schön colorirte Steindruck -Tafeln. Der Text giebt eine voll-
ständige Liste aller bekannt gewordenen Tagschmetferlinge, deren Sy-
nonymie mit grosser Sorgfalt und in sehr correcter Weise zusammen-
gestellt ist. Das in dieser Abtheilung ausserordentlich reiche britti-
sche Museum hat die Verf. in den Stand gesetzt, die meisten der frü-
her beschriebenen Arten selbst zu prüfen und eine grosse Zahl neuer
in die Wissenschaft einzuführen. In einem Nachtrage sind alle die-
jenigen verzeichnet, welche seit dem Erscheinen der früheren Lieferun-
gen bekannt gemacht sind. — Bei weitem der grössle Theil der Gattun-
gen ist hier zuerst aufgestellt, oder doch zuerst charakterisirt. Zur
Begründung derselben sind — wie früher schon erwähnt wurde —
Unterschiede, welche die Mundlheile, Beine und das Flügelgeäder dar-
bieten, benutzt worden. Dass sich alle Gattungen behaupten werden,
ist mir , obwohl mich nicht specielle Studien zu einem Urtheil berech-
tigen, etwas zweifelhaft, da die Verf. selbst sich nachträglich über-
zeugt haben , dass in einzelnen Fällen die beiden Geschlechter einer
Art in verschiedene Genera gestellt waren. Ungern vermisst man eine
übersichtliche Gruppirung derselben, da es oft sehr schwierig ist , die
wesentlichen Charaktere aus den langen Beschreibungen herauszufinden.
Hewitson hat ein Werk begonnen, welches zur Bekanntma-
chung neuer exotischer Tagschmetterlinge bestimmt ist. „Exotic But-
terflies being Illustrations of New Species selected chiefly from the
coUections of W. W. Saunders and W. C. Hewitson. The coloured
während des Jahres 1851. 211
drawings and descriptions of each spccies by W. C. Hewitson.« Die
einzelnen Hefte sollen drei Tafeln Abbildungen und den dazu gehörigen
Text enthalten, und in Intervallen von drei Monaten erscheinen. Das
erste ist im Jahr 1851 ausgegeben worden ; und enthält Arten aus den
Gruppen der Heliconidae und Nymphalidae. Die Abbildungen stehen
an Schönheil hinler denen der „Genera of diurnal Lepidoptera" nicht
zurück.
Kef er stein hat eine kritisch-systematische Aufzählung der eu-
ropäischen Papilioniden mit Berücksichtigung der Synonymie in den
hauptsächlichsten Kupferwerken geliefert. (Enlomol. Zeit. S. 220 — 224^.,
S. 242— 256., S. 272— 283., S. 304— 319., S. 323— 328.) Die Zahl der
bis jetzt bekannten selbstständigen Arten belauft sich, dem Verf. zu-
folge, auf 347, von denen indessen wenigstens Pap. Xuthus als nicht
europäisch zu streichen sein wird.
Die im Gebiete der Fauna taurico - caucasica beobachteten Tag-
schmelterlinge sind von K o r d m a n n (Bull. d. Mose. t. XXIV. N. II.
S. 395 — 428.) aufgezählt worden. Es sind 10 Arten von Melitaea, 17
von Argynnis, 9 von Vanessa, 3 Limetiilis, 1 Apatura, 4 Arge, 7 Ere^
bia, 1 ChionobaSy 15 Satyrus , ^ Epinej)hele , 6 Coenonympha, 4 Parar-
ga, 1 Phryne , 1 Libythea, 1 Nemeobius , 1 Leucophasia, 4 Pieris , 5
Anlhochai'is, 7 Colins, 1 Rhodocera , 24 Lycaena, 10 Thecla, 2 Papi"
lio, 1 Thais, 4 Doritis, 21 Hesyeria verzeichnet. Die wenigen neuen
Arten und Abänderungen werden bei den einzelnen Gruppen genannt
werden. — Einige nachträgliche Bemerkungen zu diesem Aufsatze hat
der Verf. Bull. d. Mose. N. IV. S. 445. raitgetheilt.
Pa pilio nari i. — Vv'estvvood hat (Trans. Ent. Soc. I. S. 173.)
auf den in China einheimischen Papilio Telamon Don., welcher bisher
nur aus Donovan's Abbildung bekannt war und erst in neuester Zeit
in einigen von Shanghai stammenden Exemplaren nach Europa gekom-
men ist, eine eigene Gattung S eri cinu s gebildet, welche sich von
Papilio sogleich durch sehr lange Taster unterscheidet. Sie erinnert
im Habitus an Thais Cerisyi , aber die Taster sind mehr behaart, die
Hinterflügel haben einen langen Schwanz und eine kleine Prädiscoi-
dalzelle. Dem Weibchen fehlt die Hinterleibstasche von Doritis. Das
Flügelgeäder ist ähnlich dem von Teinopalpus, zeigt indessen doch ei-
nige Verschiedenheiten ; ganz abweichend von dieser Galtung sind aber
die Fühlhörner gebildet, welche aus etwa 30 ziemlich deutlichen Glie-
dern bestehen und nur eine sehr schwache Keule haben. — In Doubl. -
Weslw. und Hewils. Gen. of diurn. Lep. ist auf einer Supplemenltafel
eine neue sehr gelungene Abbildung dieses interessanten F"alters ge-
geben,
Von Hewitson (Trans. Ent. Soc. S. 97.) wurden Papilio Boli^
212 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
var und P. Columhus als n. A. vom Amazonenflusse beschrieben
und (Taf. 10.) abgebildet.
Nach demselben (a. a. 0.) ist Tap. TuUus das Weibchen von
P. Sesostris; — P. Areas das Weibchen zu Proteus; — P. Perühous
Uoisd. = Lycophron Boisd.$; — P. Acamas Fsibr. = T/tersifcs Kabr. $ ;
— P. Oebalus Boisd. = Pallas Doubl. $.
Nordmann stellte Bull. d. Mose. (S. 423. Taf. 13. Fig. 1—3 )
Dorilis Nordmanni Menetr. als n. A. auf, sie ist von Herrich-Schaeffer
Suppl. Fig 257 — 258. irrig als D. Clarius Eversm. abgebildet worden;
der letzlere ist eine verschiedene im Altai einheimische Art , während
D. Nordmanni von N. auf dem Alpenplateau Adschara an der russisch-
türkischen Grenze entdeckt worden ist. — Derselbe besprach auch
eine eigenlhümliche in der Mongolei vorkommende Abänderung von D.
Apollo und bildete eine andere bei Irkütsk gefangene Varietät dersel-
ben Art ab (a. a. 0. Taf. 11. Fig. 1.).
Eine neue russische Art von Parnassius ist auch wieder von
Eversmann Bull. d. Mose. S. 621. unter dem Namen P. Tenedius
bekannt gemacht worden, sie steht F. Mnemosync am nächsten und ist
im Irkutsker Gouvernement zu Hause.
Ueber die Bedeutung der eigenlhümlichen Hinterleibstasche der
Weibchen von Parnassius Apollo und Mnemosyiie haben wir durch v.
Siebold Aufschluss erhalten. (Zeilschr. f. wissensch. Zoolog. Bd. III.
Heft 1. ; Ent. Zeit. S. 176.) Es ist dieselbe nicht ein iutegrirender
Iheil des Hautskeletls dieser Schmetterlinge , indem sie sich bei P.
Mnemosyne leicht, bei Apollo etwas schwerer von dem Hinterleibe,
ohne alle Verletzung, abweichen lässt, und sich bei der Behandlung
mit kaustischem Kali auflöst, mithin nicht aus Chitin-Substanz besteht;
sie bildet sich vielmehr erst während des Coitus, was durch die Beob-
achtungen von Reuti in Freiburg unzweifelhaft festgestellt ist. Beim
Auskriechen aus der Puppe haben daher die Weibchen die Tasche noch
nicht. Auf welche Weise die Bildung derselben während der Begat-
tung vor sich gehl, ist noch nicht direct beobachtet worden, der Verf.
vermuthet, dass von dem Männchen oder Weibchen am Hinterleibsende
ein zähflüssiger gerinnbarer Slofl" abgesondert wird, der sich über das
mit den weiblichen Begallungsorganen innig verbundene Leibesende
des Männchens ergiesst und durch Gerinnen und Erhärten eine länger
andauernde Vereinigung beider Geschlechter bewirkt. Nach der Been-
digung des Begatlungsactes und nach der völligen Trennung der Ge-
schlechter bleibt alsdann die geronnene Substanz als eine Art Abdruck
des männlichen Hinterleibes in der Umgebung der weiblichen Geschlechts-
öffnungen haften und verrälh so den überstandenen Coitus. — Auf die
verschiedenen Formen dieser Tasche , die bei jeder Art eine andere
ist, haben die bisherigen Beschreiber, wie der Verf. bemerkt, nicht
die genügende Aufmerksamkeit verwandt.
während des Jahres 1851. 213
Mehrere Puppen von Thais Polyxena , welche den Faden nicht
um die Mitte des Leibes, sondern zu beiden Seilen des Gesichts an die
Haftfläche gesponnen und über die Stirnspitze hinweggezogen hatten,
veranlassten Zell er (Ent. Zeit. S. l45.) zu der Annahme, dass dies
die normale Anheftungsvveise der Puppe dieses Schmetterlinges sei.
Später (Ent. Zeit. 1852. S. 178.) hat er aber durch fortgesetzte Beob-
achtungen die Ueberzeugung gewonnen, dass Thais Polyxena sich auf
die bei den Hexapoden gewöhnliche Art mit einem Faden um den Leib
verpuppt, dass die Puppe aber durch einen äussern Reiz (Licht, Wärme)
veranlasst, wird den Faden nach vorn zu verrücken , der möglicher-
weise ganz herunterfallen würde, wenn nicht durch die Bewaffnung
der Stirn der Verschiebung desselben eine Grenze gesetzt würde.
Durch ihre Bemühung, den Faden von den StirnhäUchen herabzuschie-
ben , bewirkt die Puppe aber, dass er sich mehrfach um dieselben
schlingt und sich so scheinbar verkürzt.
Pieridae. — Als neue Arten sind aufgestellt:
von Hewitson (Trans. Ent. Soc. 99. Taf. 11. Fig. 1.): Leplalis
acrae oides von Minas Geraes, in der Färbung der Acraea Thalia
täuschend ähnlich.
von Mayer (Ent. Zeit. S. 151.): Pontia Mannii von den Ge-
birgen bei Spalato in Dalmatien (wohl nur Abänderung von P. Rapae).
von Nordmann (Bull. d. Mose. S. 413. Taf. 11. Fig. 2—3):
Colias Tamara, von Kindcrmann in den transkaukasischen Provinzen
entdeckt, und anfänglich mit der ostsibirischen C. Aurora verwechselt.
(In Herrich-Schaeff'er's Supplement ist sie unter dem Namen C. Au-
rorina abgebildet und höchst wahrscheinlich = Thisoa Menelr.).
von Eversmann (Bull. d. Mose. S. 622.) : Colias Chryso-
come, welche aber mit der eben erwähnten G. Tamara Nordm.
identisch ist ;
von Frey er (N.Beitr.): Potitia Eunomia (= Damone Boisd.
var.), P. Penia, P. Grüner ii aus Amasien, Colias Chry s ocome
Ev. (s. ob.).
Herrich -Schaeffer gab in seiner Sammlung aussereuropäi-
scher Schmetterlinge eine Abbildung von Pieris Horsßeldii Gray.
Heliconidae. — Hewitson gab im ersten Hefte seiner Exo-
tic butterflies Abbildungen von 6 angeblich neuen Arten von Ithomia:
Onega, I linessa , S ar ep ta, Egra, Galita, Sisera, welche
sämmtlich im Gebiete des Amazonenstroms einheimisch sind; /. Galita
ist indessen schon von Hübner unter dem Namen Gymo abgebildet
worden und /. Sisera ist das Weibchen von Sao Hübn.
In Doubl. -Wcstw. und llewits. Gen. üf diurn. Lep. sind nach-
träglich noch Eulresis Hypereia Doubl, und Methona Themisto Hüb.
abgebildet.
214 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Nymphalidae. — Die beiden in der Enlomographie de la
Russie t, V. von Evcrsmann beschriebenen neuen Arten, Melilaea
ur alensis Ev. (=:Arduinna var.) und Vanessa Jonia Kind, sind
schon oben erwähnt worden.
Nordmann (Bull. d. Mose. N. IV. S. 439. Taf. U. Fig. 1. 2.)
stellte Damora Fault na als neue Gattung und Art auf. Dem Verf.
hat ein Exemplar aus Ostsibirien vorgelegen; der Schmetterling ist
jedoch auch in Nordchina und Japftn einheimisch und unter den Namen
Argynnis Klugii de Haan und Feisthamelii Boisd. in den Sammlungen
verbreitet, aber allerdings noch nicht beschrieben ; er kann übri|;;ens ganz
wohl bei der Galtung Argijnnis verbleiben, da die schwärzlich braune,
ins Grüne schillernde Farbe und die weisslichen Flecke der Oberseite
doch gewiss nicht als generischer Unterschied benutzt werden
können. N. hat die Trennug von Argynnis aber nur damit gerecht-
fertigt, dass zu dieser Galtung bisher nur Arten gebracht worden sind,
deren Grundfarbe auf der Oberseite gleichmässig gelbbraun oder roth-
gelb ist.
In H er ri ch -Sc h aef f er's Sammlung ausserenropäischer Schmet-
terlinge sind folgende Arten abgebildet: Discophora Celinde Sloll (Tul-
lia $. Gram.) aus Java, Ämalhtisia hiachis Boisd. aus Cashmir ,
Charaxes Aeson Kaden n. A. von der Goldküste, Argynnisl Hip~
pomenes Kaden ebendaher, Catagramma Pygas Enc. -J'l $ aus Brasi-
lien, C. Hydarnis Enc. ebendaher und C. Cor nelia Geyer ^ n. A.
aus Mexiko.
Von Hewitson w^urden im ersten Hefte der Exotic bullerflies
dargestellt: Catagramma A Iah am a , C. Parima, C. Kolyma, C.
Tolima, alle aus Quito, Epicalia Sabrina, von Minos Gueres, E.
Salacia vom Amazonenflusse, Myscelia Satnaria von Rio Janeiro.
Von Demselben wurde die Gattung Callithea mit einer schö-
nen neuen, ihrem Entdecker zu Ehren Batesii benannten Art vom
Amazonenflusse bereichert, (Trans. Eni. Soc. 99. Taf. 11. Fig. 2.) und
eine Abbildung des Weibchens von Catagramma Aslarte Cram. [Con~
domanus God.) mitgelheilt.
Nach einer von Westwood (Proc. ent. Soc. S. 157. not.) ver-
öffentlichten Mittheilung des englischen Reisenden Bates sind die
orangegelb gefleckten Arten von Epicalia die Männchen der mit dem
Namen Calonephele Hübn. belegten Abtheilung von Myscelia.
Lefebure suchte in einer langen Abhandlung (Ann. d. 1. soc.
ent. S. 71— 88. Taf. 3. N. II.) den Beweis zu führen, dass der von
Boisduval (Ann. d. I. soc. ent. I. Ser. t. IX.) unter dem Namen von
Cyllo sepulla abgebildete fossile SchmcUerling dem Flügelgeäder zu-
folge der Gattung Vanessa angehöre. Nach L. hat Boisduval den an
während des Jahres 1851. 215
den Seiten stark eckigen Vorderflügcl für einen geßchwänzten Hinler-
flugel angesehen , und ist hierdurch zu einer falschen Bestimmung des
Abdrucks verleitet worden. Die wirklichen Hinlerflügel sind nach L.
gerundet, wie die der Vanessa Archesia in der Cramerschen Abbildung.
— lioisduval vertheidigte (ebenda Bull. S. LXLVI.) seine frühere
Ansicht und machte gegen Lefebure besonders geltend, dass mit ecki-
gen Vorderflügeln stets auch eckige, niemals gerundete, Hinterflügel
verbunden sind, dass auch Vanessa Archesia in Wirklichkeit deutliche
Anhänge an den Hinterflügeln hat , und dass die Cramersche Abbildung
nach einem verstümmelten Exemplare mit künstlich zugerundeten Hin-
terflügeln angefertigt worden ist.
Eine bemerkenswerthe Farbenabänderung der Vanessa Cardui
wurde von Newman (Zool. S. 3304.) bekannt gemacht, eine solche
der Argynnis Laodice von Frey er N. Beitr. T. 577. 1. abgebildet.
Die Raupen von Limenitis Camilla und Sibylla sind von de la
Chaumette (Zool. S. 3237.) , die der letzteren auch von Hunt er
(ebenda S. 3185.) beschrieben worden.
Ghiliani beobachtete Bull, d, 1. soc. ent. S. LV. bei Turin am
26. April 1851 einen zahlreichen Schwärm von Vanessa Cardui, der bei
herrschendem Westwinde seine Richtung nach Kord-Nord- West nahm.
Einige Tage lang war dann der Schmetterling ganz aus den Umgebun-
gen verschwunden, später zeigte er sich wieder in grosser Menge.
Morphidae. — Von Westwood (Trans. Ent. S. I. S. 174.)
wurden Thaumanlis Howqua, der Th. Nourmahal Westw. und T. Ca-
mada va sehr ähnlich, von Shanghai in China und Drusilla Mylaecha
von den Louissiadischen Inseln des stillen Meeres, der D. Catops ßoisd.
verwandt, als neue Arten beschrieben; die letztere ist von White im
Appendix von Älacgillivray's Narrative of the expedition of the Ratt-
lesnake abgebildet.
H er rieh - S cha eff er bildete (Samml. aussereur. Schmetterl.)
Pavonia Uranus Daehne und P. Aesacus Kaden, zwei neue Arten
aus Mexiko ab, die erste ist dem Atrens Koll. nahe verwandt.
Brassolidae. — In Doubleday- Westwood's Gen. of diurn.
Lepid. enthält diese Gruppe nur die Galtung Brassolis Fabr. mit drei
Arten, B. Sophorae IJnn., Aslyra God. und Macrosiris n. A. aus
Cayenne, welche sämmtlich auf Taf. 59. abgebildet sind.
Satyrida e. — Diese Gruppe ist in Doubl. -Westw. und Hewits.
Genera d. Lep. in folgende Galtungen aufgelöst : Dyclis Boisd. (2 A.),
Corades Hewits. (6 A.), Taygelis IIb. (IIA.), Fro nophila Doubl, n.
G. (7 n. A. enthaltend), Dehis ßoisd. MS. (9 A., z. ß. Pöp. Europa
216 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Fabr.), Ctjllo Boisd. (9 A. und 1 fossile), Zophoes sa Doubl, n, G.
(1 n. A.), Gnophodcs Doubl. (2 n. A.), HaeleraFsihr. (13 A.), Cae^
rois Hb. (1 A.), Coeliles Boisd. MS. (2 n. A.) , Orinoma Doubl,
n. G. (l n. A.), Neorina Weslw. n. G. (1 n. A.) , Tisiphone Hüb.
(l A.), Or essinom a Doubl, n. G. (1 n, A.), Enptychia Hb. (31 A.),
Neonymplia (Neon, et Megislo Hb. , 26 A.) , Erebia Dalm. (59 A.),
Argyrophenga Doubl. (1 n. A.) , Chionobas Boisd. (13 A.), Arge
Esp. (11 A.) , Ldßiommata Weslw. (25 A. z. B. Clymene Fabr.,
Roxelana Fabr.), Satyrus Latr. (57 A.), Mycalesis Hübn. (17 A.)?
Yphlhitna Hb. (9 A), Coenonympha Hb. (28 A.) , Calisto Hb. (3 A.),
Steroma Westw. MS. (l n. A.), Ly manopoda Westw. 3 u. A.).
Abgebildet sind: Pronophila PAoronea Doubl., Pr. Irmina Doubl.
Pr. Thelebe Doubl., Taygetis Chrysogone Vouhl., Zophoessa Surai)o\ih\.,
Gnophodes Parmeno Doubl., Debis Satnio Doubl., Cyllo Lotcü Doubl. ,
Haetera Larymna Doubl., IL Lena Linn., H. Piera L\nn., H. Esmeralda
Doubl., Oressinoma Typhla boisd., Corades Iduna Hew. , Orinoma Da-
maris Gray, Haeleropsis Drepana Boisd. , Tisiphone Hercyna Hb. , Eu-
ptychia Gera Hew., Argyrophenga antipodum Doubl. , Chionobas Chyr-
XUS Doubl., Erebia Mancinus Doubl., E. Vessagus Doubl., Lasiommala
Salricus Doubl., Arge Clotho Boisd., Caerois Chorinaeus Fb., Neorina
Hilda Weslw., Satyrus Anlhelea Hb., S. Bischofßi, Euptychia tricolor
Hew., Pronophila Tauropolis Boisd., Mycalesis Safitza Hew., M. Nicolia
Hew., Coeliles Nolhis Boisd., Calisio Zangis Fabr., Steroma Bega Weslw.,
Iphthima Norma Westw. , Coenonympha California Weslw. , Hypocysta
Euphe7nia Westw., Neonympha Phares, Sarromia obsoleta Westw., Ly-
manopoda Samius ^ $ Westw. .
Sieben, mit einer Ausnahme neue, russische Arten von Hippar-
chia sind von Eversmann (Bull. d. Mose. 610 ff.) beschrieben wor-
den: H. (Erebia) Ke ferst einii, H. (E.) Theano Tausch. {Slubben~
dorfii Menelr.), H. {Chionobas) Sculda, H.{Ch.) Fulla alle aus dem
östlichen Sibirien, H. [Satyrus) macr ophthalm us aus dem russischen
Armenien, H. (Parargä) D eidamia von Irkutsk , H. [Coenonyinpha)
Iphias aus dem russischen Armenien.
Von rS'ordmann (Bull. d. Mose. S. 403 ff.) wurden mehrere
bemerkenswerthe , im Kaukasus einheimische Abänderungen abgebil-
det: Arge Hertha var. c aucasica Wordm. (Taf. 8. Fig. 1 — 3.), Saly^
rus Anlhe var. Hanifa IS'ordm. (Taf. 9. Fig. 1 — 3.), Pararga Clymene
var. Roxandra Nordm. (Taf. 10. Fig. 1 — 4.).
Hipparchia Xenia Kind. Frey er (N. Beitr. Taf. 566.) aus dem
Kaukasus ist nichts als eine grössere Abänderung von Arge Clotho.
„Ueber Hipparchia Euryale und Adyle^^ Bemerkungen von Meyer
in Burgdorf, eingesandt von Stand fuss (Eni. Zeit. S. 298.). — Nach
M. treten unter H. Euryale drei Hauptformen deullich und scharf her-
während des Jahres 1851. 217
vor, die Ochsenheimer'sche Euryole vom Riesengebirge, eine anf den
Vorbergen der Slockhornkette ia der Schweiz vorkommende, und die
alpine Form aus den ßerner und Bundtner Alpen (//. Adyle Hb.). Die
zweite Form zeigt Ucbergänge zu der schlesischen und ist wohl nur
Local-Varielät derselben, die dritte dagegen bildet nach M. eine selbst-
ständige Art. Standfuss ist dagegen der Meinung, dass die Unter-
schiede, welche H. Adyte darbietet , keine Arlrechte begründen , und
dass die letztere ebenfalls nur eine Abänderung der H. Euryale ist,
welche am ausgehilJetsten auf den Alpen vorkommt.
Die schon von Zeller ausgesprochene Ansicht, dass Hipparchia
Lyllus eine durch wärmeres Klima hervorgebrachte Abänderung von
H. Pamphilus ist, hat Assmann (Bresl. Zeitschr. f. Entom. n. 18.)
weitläufiger entwickelt.
Eurytelidae. — In Doubl. - Westw. et Hew. Gen. D. Lep.
sind sieben Gattungen dieser Gruppe unterschieden: Melanitis Fabr.
(12 A.), Didonis Hb. (3 A.), Cystineura Boisd. (4 A.) , Olina Doubl.,
(2 A., die eine ist Ntjmph. Emilia Cram.), Eurytela Boisd. (8 A.), Er-
golis Boisd. (4 A.) , Hypanis Boisd. (4 A.). — Abgebildet sind Hypa-
nis Ilylhyia Cram., Melanüis Patna Westw., M. Bammakoo Westw.,
Ergolis Taprohana Westw , Epitola Elion Boisd.
Libytheidae. — Diese Gruppe besieht in Doubl. -Westw. et
Hew. Gen. D. Lep, nur aus der Gattung Libylhea mit 8 A. , von de-
nen L. Lahdaca n. A. Sierra Leone abgebildet ist.
Erycinidae. — In den Gen. of diurn. Lepid. wurde diese Gruppe
in folgende Galtungen zerlegt: Euryhia 111. (7 A.), Alesa Doubl. (3A.,
z. B. Priolas God.) , Zaineros Boisd. MS. (1 A.) , JSemeobius Steph.
(l A. P. Lucina Liün.), Tascila Doubl. (8 A.), Melhone Doubl, nach-
träglich in Methonella abgeändert, (2 A.) , Helicopis Fabr. (4 |A.),
Barbicornis God. (2 A.) , Syrniatia Hb. (1 A.) , Anteros Hb. (7 A),
Erycina Latr. (21 A.) , Zeonia Swains. (4 A.) , ISecyria Westw.
(2 n. A.}, Lyroptery X Westw. (2 n. A), Cyrenia Westw., (1 n.
A.) , Hades Westw. (1 n. A.) , Calydna Doubl. (4 A.) , Eurygona
Boisd. (20 A.), Theope Doubl. (3 A.), Pandemos Hb. (3 A.), Me-
sene Boisd. MS. (8 A.) , Panara DouW. (3 A.), Amarynthis Hb.
(3 A.), Symmachia Hb. (SA.), Emesis Fabr. (8A.), Nijmphidium Fabr.
(20 A.), Aricoris Boisd. MS. (7 A.), Baeolis Hb. (10 A.), Charis Hb. (12
A.) , Mesoscmia Hb. (21 A.) , Cremna Doubl. (4 A.) , L etnonias
Doubl. (29 A. z. B. Pap. Menander Cram.), Limnas Boisd. (9 A.) ,
Themone Westw. (3 A.) , Siseme Westw. (2 A. , deren eine Eryc.
Aristoteles Latr. ist), Eun ogyra Westw. (In. A.), Parnes Doubl.
(2 n. A.), Isapis Doubl. (1 A.), Stalacktis Hb. (8 A.). — Abgebildet
sind: Methone Caecilia Cram., Taxila Egeon Boisd., 7. Fylla Boisd.,
Eurybia Lycisca B., Zemeros Flegyas Cram., Emesis Orphna J\ $ B.,
218 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Ery eine Belphegor Weslw, , Barlicornis Mona Hew. , Syrmalia Dori^
las Cram. , Theope Eudocia l)b. , Pandemos Areiita B., Anteros Renal-,
aus Sloll, Amarinthis Meneria Cram., Alesa Trema God., Mesena Hya B.,
Calydna Euthria D., Baeotis Parlhenis D., B. Aerope D., Analole Gla^
phyra W., A, Erostrains B. , Mesoseniia Gneris B. , M. formosa Hew.,
Eurigona Zara Hew., Cremna Orpheus B, , Charts Perone D., Heli^
cops Demalria D. , Tharops Menander Cram., Calospila Aristus Sloll.,
Lyropleryx Apollonia W. , Cyrenia Marlia W. , Hades Noclula W.,
Zeonia Xanlippe Gray, Isapis Agyrlns Ci?km., Emesis OvidiusYahr. , Ari-
coris Tisiphone ^ W., A. Scrica W., Themone Pais W. , Siseme Ale-
ctryo W. , Eunogyra Satyrus W. , Panara Barsacus W. , Symmachia
Praxila I). , Lemonias Nepia Doubl. , Parnes Nycteis D. , ISymphidium
Platea B., N. Azan D., Slalactis Magdalena B. , Limnas Inaria B., L.
Smilhiae B., Necyria BcUina W.
Lycaenidae. — Diese Gruppe enthält in Doubl. - Westw. et
Hew. Gen. D. Lep. die Gattungen: Eumaeus Hb. (3 A.) , Epitola
ßoisd. MS: (1 n. A.), Phytala Boisd. MS. (1 n. A.), Ogyris Doubl.,
(2 n. A.), Anops ßoisd. (3 A.) , Loxura Horsf. (2 A.), Myrina God.
(18 A.), Amblypodia Horsf. (32 A), Dipsas Doubl (11 A. z. B.
Isocrates Fabr. und Jarbas Fabr.), Jolaus (10 A.) , Thecla Fabr. (l44
A.), Lycaena Fabr. (199 A.) , Danis Fabr. (3 A.) , Crysophanus Hb.
(32 A.) , Zeritis BoisJ. (= Cigaritis Lucas , 14 A.) , Lucia Swains.
(2 A.), Miletus Hb. (4 A.), Pentilia ßoisd. MS. (4 A.).
Abgebildet sind: Eumaeus Atala Poey, Myrina Pita Horsf., M.
Pharis Doubl. , Thecla Hugo God. , Anops Silas W. , Amblypodia An-
thelus B., Dipsas Alaxus B., lolaus Antifaunus B , Jlerda Androcles B.,
Jalmenus Myrsilus D. , Aphnaeus nalalensis Doubl. , Anops Bulis ß. ,
Anlhene Calisto ß. , Jhecla Ambrax W. , Ogyris Abrola D. , Lycaena
Acca W., L. Acmon W. , L. Ethion B. , Lucia agricola Leach , Geri-
dius Epeus W. , Polyommalus Edna D., Pentila Zymna W. , Pithecops
Hylax Horsf. , Zeritis Thyra Linn. , Thecla ducalis W. , Phytala Elais
ß. , Zeritis Alphaeus Fabr. , Dam>is Sebae ß., Liplena Abraxas W. , L.
Acraea W. , Petavia Lakuni Horsf. , Polyommalus Tarquinius B. , Cleo~
siris Calamita B.
„Versuch einer Monographie der Lycaenen mit Abbildungen nach
der Natur, herausgegeben von ß. Gerhard." 1 — 9. Heft. (1831 — 52.).
— Das Werll kann auf den Namen einer Monographie keinen Anspruch
machen; es enthält Abbildungen europäischer Lycaenen, welche fast
alle und mindestens ebenso gut auch von Hübner und Herrioh-Schaef-
fer dargestellt sind. Der Text ist ohne allen wissenschaftlichen Werlh.
Zeller hat Ent. Zeit. 1851. S. 17. dasselbe Unheil ausgesprochen und
durch eine ins Einzelne gehende Kritik des ersten Heftes begründet.
Einen besondern Tadel verdient noch, dass auf den Tafeln jede ge-
ringfügige Abänderung mit einem eigenen Namen belegt wird.
während des Jahres 1851. 219
Mehrere von Kiodermann im Knukasus nnd Amasien entdeckte
Arten von Lycaena sind von Frey er in seinen Neueren Beiträgen
abgebildet worden; L. Phaeton (= Kefersteinii (üierh.) , candenSf
von Herrich-SchaefFer unter demselben INamen abgebildet), Cornelia,
E ndyinion (=, End. Gerh.) , Ledere vi (== Led. HS.), empyrea,
Ath is, Euryp Uns, No g eli i (= Nog. HS), Hy acin thus (= Hyac.
HS.), Zephyrus (= Zepk. HS.), Ästraea, alpes tris.
Lycaena Ledereri Kind, wurde auch von Nord mann (Bull,
d. Mose. S. 418. Taf. 12. Fig. 1. 2.) als n. A. bekannt gemacht. —
Derselbe bildete (a. a. 0. Taf. 12. Fig. 3—5.) Thecla Callmachus Eveism.
(= Pol. Epiphania HS.) ab.
Zwei andere neue, im russischen Reiche einheimische Arten wur-
den von E versmann (Bull. d. Alosc. N. 11. S. 6l9.) unter den Kamen
Lycaena Panope und L. siibsolanu s bekannt gemacht, die erste
ist L. Panoples Hb. verwandt und kommt in den Steppen am unteren
Theile des Uralflusses vor , die zweite hat die Grösse von L. Icarius
und ist bei Irkutsk entdeckt worden.
Hesperidae. — üiese Gruppe besteht in Doubl. -Westw. et
Hew. Gen. D. Lep. aus 13 Gattungen: Pyrrhopyga (14 A.), Erycides
(6 A.), Goniuris Hb. (12 A), G oniloba Wcstw. (81 meist amerika-
nische Arten, z. B. Creleus Cram. , Exadeus Cram.), Ismene Swains.
(12 A.), Phareas Weslw. (12 A.) , Pyrgus (46 A.) , Nisoniades Hb.
(20 A.), Cyclopides Hb. (9 A.), Pamphüa Fabr. (59 A.), Achlyodes Hb.
(14 A.), Eusckemon Doubl. (1 A.), Hesperia Fabr. (53 A.). — Ab-
gebildet sind: Pyrrhopyga Xantippe Latr. , F. Charybdis W. , Ericides
Machaon W., Phareas Coelesle W., Telegonus Hesus W.j Myscelus Se-
baldus Cr,, Erycides Urania W. , Ismene Chalybe W. , Nisoniades co-
slalis W. , Cyclopides Salor W. , Pamphila Venezuelae W., Pyrgus vin-
dex Latr., Goniurus Proleus Cram., Hesperia sanguinalis Weslw., Epar-
gyreus Pseudexadius W. , Thracides Aristoteles W. , Paramimus Empo-
laeus W., Pythonides loxus VV., Euschemon Rafßesia M. Leay, Achlyo-
des Pausus W.
Zwei neue bei Kiachla in Sibirien entdeckte Arten sind: He-
speria {Stcropes^ argy r ostig ma Eversmann (Bull. d. Mose. W.U.
8.624.) und Kord mann (a. a. 0. N. IV. S. 442.) und //. {Thanaos)
Popoviana Nordmann (a. a. 0.).
Die Verwandlungsgeschichte des nordamerikanischen Eudamus
Tityrus hat Agassi z (Smithson-Conlrib. t. 11.) sehr ausführlich dar-
gestellt und durch Abbildungen erläutert. Die Raupe lebt auf den
Blättern von Robinia viscosa und pseudacacia ; beim Verpuppen heftet
sie sich mit einigen Fäden am Sehwanze auf, zieht ein paar an-
dere quer über den Körper, und spinnt sich einen dünnen, traus-
parenlen, losen Coccon zwischen den Blällern,
220 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
IVyctalideae. Von White wurde im Appendix von Macgilli-
vray's Narrative of the Expedition of ihe ^alüesnaka Eusemin M ar i an a,
n. A. von Cape Weymouth und Cape York beschrieben und abgebildet.
Spliing^es« Eine neue oslsibirische mit Dahlii nah verwandte
Deilephila wurde von Nord mann (Bull.d. J\!osc. N. IV. S. 444. Taf. 11.
F. 3 — 4.) unter dem Namen D. coslala bekannt gemacht. Die Un-
terschiede von Dahlii liegen in der rein graugelben Grundfarbe der
Vorderflügel und in der rosenfarbenen Unterseite , auch sind die aus
dem Vorderrandslreif in die Grundfarbe hineingehenden Flecke bei
der neuen Art kleiner, mehr in die Länge gezogen, streifförmig , und
der aus der Spitze zum Innenrande sireichende weiss gerippte Streif
verläuft nach innen zu gerade.
Mi Miere berichtete (Bull. d. 1. soc. ent. S. LXXIX.), dass zwei
junge Sperlinge, denen er kleine Raupen von Deilephila euphorbiae zu
fressen gab, in kurzer Zeit (der eine nach l*^^. Stunden) starben. M.
zieht daraus den Schluss, dass die Raupen des genannten Schwärmers
die giftige Eigenschaft der Euphorbia , von denen sie sich nähren,
besitzen.
Die Raupen der in der Schweiz vorkommenden Sphingiden sind
von de laChaumette Zool. S. 3100. 3158. 324l. beschrieben worden.
üeber die Erziehung der in den Thälern des schlesischen Ge-
birges weit verbreiteten Raupe von Macroglossa Oenolherae hat
Standfuss einige Mittheilungen gemacht; sie scheint sich nicht unter
der Erde zu verpuppen und in der Gefangenschaft wenigstens einer
starken passiven Bewegung zu bedürfen.
Kyg^aenides* Vier von Kindermann im Caucasus und Ama-
sien entdeckte Arten von Zygaena hat Frey er (N. Beilr.) abgebil-
det: Z. Oribasus (= Or. HS.), Z. Laphria (= Laphr. HS.), Z.
Ganymedes und Z. Dsidsilia.
Zygaena armena, im südlichen Caucasus einheimisch und der
Z. Minos verwandt, ist von Eversmann Bull. d. Mose, S. 625. als
n. A. aufgestellt worden.
'©'
Ferd. Schmidt beschrieb (Ent. Zeit. S. 74.) die Verwand-
lungsgeschichte der Procris Statices. Die Raupe findet sich auf Cen-
taurea scabiosa und nährt sich nach Art einer Minirraupe zwischen
den beidfn Häuten von dem Parcnehyme der Biälter. Zeller be-
merkte (ebenda S.75.), dass die von Schmidt erzogenen Exemplare zu
einer Art gehören , welche von Atychia slatices durch ihre spitz aus-
laufenden männlichen und fast borstenförmigen feinspilzigen weiblichen
Fühler, von der ebenfalls nahe verwandten AI. globulariae Zell, durch
die gegen die Spitze unverdickten Fühler des Weibchens verschieden
zu sein scheint.
während des Jahres 1851. 221
lloiiibyces« Saun de rs hat (Trans. Ent, Soc. S. 162. Taf. 12.
F. 1.2.) eine neue Art Arclia Hör sfieldii beschrieben und abgebil-
det, deren Raupe nach Horsfield's Beobachlungcn in Java auf der Baum-
woUenptlanze lebt und bisweilen schädlich wird.
Von Freyer (N. Beitr. Taf. 590. F. 2.) wurde eine Raupe un-
ter dem Namen von Gaslropacha arbusculae abgebildet, welche in
nächster Verwandtschaft mit der Raupe von G. laneslris steht, und die
Fr. schon oft beobachtet hat, ohne sie erziehen zu können. Sie lebt in
Western von 100 — 300 Stück in den baierschen Hochalpen, besonders
auf Salix arbuscula, aber auch auf Sorbus ariae und Betula fruticosa.
Hepialus macilenlus, mit H. ganna verwandt, im Irkulsker Gou-
vernement einheimisch, ist von Eversmann (Bull. d. Mose. S. 626.)
als n. A. aufgestellt worden.
Simyra dentinosa Freyer {lendinosa Herr. Schaff.) besitzt nach
Zell er (Ent. Zeil. S. 147.) keine Ocellen , ist daher mit Unrecht zu
den Eulen gestellt worden ; sie gehört vielmehr auch ihrer Körper-
und Flügelbildung nach zu den Spinnern und zwar in das Ochsenhei-
mer'sche Genus Notodonta.
ßellier de la Chavignerie hat eine bemerkenswerlhe Ab-
änderung des Weibchens von Bombyx castrensis mit einfarbigen blass-
okergelben Flügeln abgebildet (Ann. d. 1. soc. ent. S. 101. Taf. 4. N. I.).
Er ist geneigt, in dieser Ausbleichung der Farbe einen Fall von Al-
binismus zu erkennen.
lieber Verwandlungsgeschichte und Lebensweise von Aglia Tau
hat de la Chaumette (Zool. S. 3063.) seine Beobachtungen mil-
getheilt.
Eine Zucht des nordamerikanischen Altacus luna L. aus Eiern ist
nach Lucas (Bull. d. 1, soc. ent. S. LXXVIL) im Pariser Fflanzengarten
versucht worden. Die Raupen wurden mit Liquidambar styraciflua und
imberbe gefüttert, frassen auch gern von den Blättern amerikanischer
Nussbäume (Juglandis olivaeformis und nigra), die Blätter von Diospy-
rus virginiana , mit denen sie Abbot erzogen zu haben angiebt, rühr-
ten sie aber nicht an. Ob die Raupen sich verpuppt und Schmetter-
linge geliefert haben, ist noch nicht milgetlieilt.
IVoctuae« Von Frey er wurden in seinen Neueren Beiträgen
als n. Arten abgebildet: Catocala conjux von Malaga, der Nymphaea
Esp. sehr ähnlich, fioclua mon lana aus Schlesien, N. Heydenreichii
Stenz aus D a\nml\en ^ Antophila Wagnerii, Heliolhis Vic torina (unter
demselben IS'amen schon früher von Sodoffsky in der Ent. Zeit, be-
schrieben, auch von Herrich-Schaeffer abgebildet), Plusia graphica,
mit P. gamma verwandt, alle drei aus Amasien , Ophiusa Rada (=;
Rada HS.) vom Caucasus).
222 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Eversmann hat im Bull. d. Mose. (8.627 0*.) acht neue Nocluen
des russischen Reiches bekamt gemacht, nämlich: Cymatophora al-
buncula von Irkutsk , Agrotis delorta von Kiachta A. forficula
aus Georgien, Amphipyra lig a niino s a ebendaher, Hadena bomby-
cia aus üslsibiiien, Carar/rma dis t ensa von Irkulsk, Ay/mct rula aus
Ostsibirien, Heliolhis rhodites von Sarepta.
Zell er setzte (Bresl. Zeifschr. f. Entom. n. 18. S. 63.) die
Unterschiede aus einander ,* welche ein in Schlesien gefangenes und
bisher für Ophiusa craccae gehaltenes Exemplar von der echten 0.
craccae darbietet, dasselbe steht der 0. viciae Tr. viel näher, von der
indessen 0. viciae Freyer zu trennen ist. As s mann überzeugte sich
später (ebenda S. 65.) , dass das schlesische Exemplar wirklich zu vi-
ciae Tr. gehört.
Die auf Thalictrum flavum lebende Raupe von Calpe Thaliclri
wurde von Ferd. Schmidt in ihren verschiedenen Alterstufen sehr
genau beschrieben (Ent. Zeit. S. 76.). Sie überwintert vom September
bis I\lai in einem weissen Gespinnste und verpuppt sich in der ersten
Woche des Juni. Der Schmetterling erscheint Mitte J-ili.
Oeometrae. Von Frey er wurden in seinen Neueren Bei-
trägen als neue Arten abgebildet: Gnopkos dilucul aria aus Schle-
sien (nach Zeller nicht von gerolinaria Hb. verschieden, s. u.),
Cabera Raun aria vom Karst-Gebirge, Cidaria ba Isaminat a aus
den baierschen Alpen, Larenlia pro lu aria , L. g a cht aria , Idaea
simplaria, sämmtlich aus Bayern, Acidalia placidaria aus Tyrol.
Sieben neue russische Spanner stellte Eversmann im Bull. d.
Mose. (S. 636 ff.) auf: Ennomos acuminaria vom See Noor-Saissan,
E. rectistrig aria aus Oslsibirien , Boarmia extinctaria von
Irkutsk, Fidonia pruinar ia , F. saburraria ebendaher, Acidalia
rufulariüy A. vit ellina ria aus Ostsibirien.
Cidaria turbulata, ein neuer schlesischer Spanner, wurde von
Standfuss (Bresl. Zeitschr, f. Ent. n. 20.) beschrieben, er ist der C.
turbaria nahe verwandt, die Fühler sind aber in beiden Geschlechtern
platt fadenförmig; er fliegt Mitte Juli an kräulerreichen Stellen des
Kiesenkammes von 3000' an.
Auch Zell er machte (Bresl. Zeitschr. f. Entom. n. 18.) zwei
neue in Schlesien entdeckte Spanner-Arten bekannt: Cidaria balsa-
min ala Fr. der silaceata sehr ähnlich (auch von Freyer abgebildet,
s. 0.) und Ephyra s trabonaria, die nächste Verwandte von trilinea-
ria. Derselbe berichtigte die Treitschke'sche Beschreibung von Gno~
phos seritonaria Hb. , womit Gn. diluciilaria Fr. (s. o.) zu vereinigen
ist, und setzte die Unterschiede dieser Art von Gn. dilucidaria aus-
einander (Ent. Zeit. S.149.).
während des Jahres 1851. 223
' A. Fi Ich hat in einer mir nicht zugänglichen amerikanischen
Zeilschrift (Trans. New-York State Agric. Soc. VII.) einen Spanner un-
ter dem Namen ^6rrta?rts? Rib earia in allen Ständen heschrieben und
abgebildet, welcher in den Vereinigten Staaten unsre A. grossulataria
ersetzt, und wie diese den Stachel- und Johannisbeersträuchen zuwei-
len nachtheilig wird. In den Froceed. of ihe ent. Soc. S. 106. ist ein
Auszug der Abhandlung mitgetheilt. Der Schmetterling soll in einigen
Punkten von Abraxas abweichen (es ist in dem Auszuge aber nicht gesagt,
in welchen), und wird desshalb nur fraglich zu dieser Gattung gestellt.
Ferd. Schmidt beschrieb Ent. Zeil. S. 80. die Raupe von
Gnophos Zelleraria.
Die Verwandlungsgeschichle der Fhorodesma smaragdaria Esp.
wurde von Koch (Eni. Zeit. S. 265.) bekannt gemacht. Die Raupe
beladet ihren Körper mit abgebissenen Pflanzenslengeln, Blüthenschup-
pen, leeren Samenkapseln, welche sie locker an die vielen Höcker und
Warzen ihres Körpers festspinnt und überall mit sich herumträgt. Ihre
Futterpflanze ist Achillea millefolium,
Pyralide§« Frey er bildete (N. Beitr. Taf. 570. F. 4.) Her-
minia Zeller alis , als n. Art ab; es ist bisher nur ein Exemplar
derselben im Riesengebirge gefangen worden.
Eversmann machte (Bull, de Mose. S, 642.) Scopula orien-
lalis, neue der S. umbrosalis FR. verwandte Art aus Ostsibirien bekannt.
Von Saunders Trans. Ent. Soc. S. 163. ist eine neue Art, En-
dioples indica beschrieben und Taf. 12. in allen Ständen abgebildet
worden, deren Raupe in Java auf der Baumwollenpflanze lebt.
Tortrices. Nach Goureau (Ann. d. 1. soc. ent. S. 323.
Taf. 11. N. II.) lebt die Raupe von Sericoris anliquana Dup. [OrthO'.
taenia a. Guen.) in den Wurzeln von Stachys arvensis , in denen sie
Längsgallerien gräbt, und in denen sie sich auch verpuppt. Der Schmet-
terling erscheint im Juli.
üeber die früheren Stände der Carpocapsa Kokeilana Freyer
haben wir eine JVIittheilang von F. Schmidt (Haidinger Berichte VII.
S. 53.) erhalten. Die Raupe lebt von der Substanz des von Cynips
lignicola erzeugten Gallapfels und verpuppf sich in demselben. Vor
der Entwicklung des Schmetlerlinges drängt sich die Puppe zur Hälfte
aus dem Gallapfel heraus.
Die Raupe von Xanthosetia inopiana findet sich nach Hill (Zool.
S. 3245 ) auf Inula dysenlerica, die der Tortrix spectrana auf Epilo-
bium hirsutum.
Tineae* Die Schabengattungen Incurvaria , Micropteryx und
fiemophora sind von Zeller (Linn. entom. V. S. 301 362. Taf. 1.)
monographisch bearbeitet worden. Incurvaria Dup. unterscheidet sich
224 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
von Tinea durch breitere und stumpfere grösslentheils mit Haarschuppen
belileidete Hinterflügel und durch kurzen Legestachel. Die 11 dem
Verf. bekannten Arten zerfallen in vier Unlerabtheilungen , a. männ-
liche Fühler kammzähnig. J. mascw/e//a Mübn. und ZinhcniiZ.; b. männ-
liche Fühler ohne Kammzähne , lans^ , dick, nach aussen verdünnt. J.
Körneriella Z. und angusticostella FR. ; c. männliche Fühler ohne Kamm-
zähne, lang, dick; Hinterflügel rundschuppig. J. Oehljnaniella Tr. ; d.
männliche Fühler ohne Kammzähne, kürzer ; Hinterflügel haarschuppig.
J. a rgillella Koll. n. sp. von Wien, vetnlella Zelt., circulella Zett. ;
SchöTiherreUa Zelt, (dem Verl. nicht in nalura bekannt); capitella L..
rupella SV. — Microplenjx H. enthält 16 Arten , sie bilden zwei Un-
terabtheilungen , die vielleicht als Gattungen (Micr. und Eriocrania
Zell.) zu trennen sind. In der ersten ist die erste Subcostalader ga-
belspallig , in der zweiten einfach ; zu jener gehören M. caltheUa L.,
aruncella Scop, , Seppella Fabr. {eximiella Zell.), myrtelella Z. , Pay-
hullella Fabr. , Allionella Fabr., suhammanella Slaint. (dem Verf. unbe-
kannt), rubrifasciella Haw. {Ander schellaTr.), aglaella Dup. (dem Verf.
unbekannt) , mansuelella Zeil. Die zweite Unterabiheilung enthält :
Sparmanella Fabr., fastuosella Z. , subpurpurella H«w. , chrysolepi-
della Koll. n. sp. von Wien , semipurpurella Steph. {amcnlella Z.),
und purpurella Haw. , wozu unimaculella Zett. als Varietät gehört. —
Nemophora Hübn. {Nemalopogon Zell. Ol.) zählt 8 Arten: crinige^
rclla n. sp. aus dem südöstlichen Africa, Sicammerdamella Linn., se-
ricinclla Z., Schwarziella Z. , Panzerella Hübn. , pilulella Hb. , pilella
SV. , melaxella Hb.
In Stainton's Supplem. Catal. of brit. Tineidae sind folgende
neue Arten durch Diagnosen kenntlich gemacht: Tinea caprimul-
gella v. Heyd. , T. p allesienlella , griseocapitella, Lym~
naecia phragmitella Bentley , eine neue sehr merkwürdige Gat-
tung , welche mit Pterolonche Zell, verwandt aber gekrümmte (re-
curved) Taster, mit sehr langem Endgliede hat, Gelechia politella
Dougl., cir siella Dougl. , ce lerel la Dougl., car linella Dougl.,
Coleophora juncic olellaj Elachista propinquell a, E. consor-
teil a , ads cite IIa , eleocharielln, nebulella , deciniella,
Bucculatrix maritima, Trifurcula atri fron tella, LilhocoUetis qui n-
que guttella , caledoniella, ulicico lella , faginella Mann,
sämmtlich aus Grossbrittanien, und Tinea a Ipicella F. v. R., albi'
Cornelia F. v. R. , Gelechia spurcella F. v. R. , Elachista scu'
rella F. v. R. , denlosella F. v. R. , abbreviatella {lubicon\ella
Mann), rectifasciella, rudecte Ha F. v. R., sämmtlich von Mann
entdeckt.
Depressariapetasitis und Argyreslia oleaginella sind zwei
neue schlesische Schaben, welche Stan dfuss (ßresl. Zeitschr. f.Entom.
n. 17.) bekannt machte.
während des Jahres 1851. 225
Von E versmann (Bull. d. Mose. S. 644.) wurde Myelophila
S edakovella neue, bei Kiachla einheimische Art beschrieben, wel-
che der M. cribrella Hb. sehr ähnlich ist.
On Gracilaria a genus of Tineidae by H. T. Stainton (Trans.
Eni. Soc. S. 115. u. S. 183.). — Der Verf. hat Zeller's Arbeit über
diese Gattung zu Grunde gelegt und grossenlheils übersetzt. Den
von Z. beschriebenen Arten werden hier Gr. strami neella {sulphurella
Wood), inconstans {hemidadyla und signipennis Haw.), vielleicht nicht hin-
reichend von der auf dem Continent einheimischen elongella Linn.
verschieden, und omisella hinzugefügt. In zwei Fällen hat St. die
Zeller'schen Namen (picipenneüa und lacertella) durch ältere von eng-
lischen Schriftstellern erlheilte (semifascia Haw. und aurogutlella Steph.)
ersetzt.
V. Nicelli gab (Ent. Zeit. S. 34 — 51.) einen Bericht über die von
ihm in Pommern beobachteten 26 Arten der Gattung LilhocoUetis, welchem
werthvolle Mitlheilungen über Lebensweise und Vorkommen und die Be-
schreibungen von vier in Zeller's iMonographie nicht erwähnten Species L.
Coryli n. sp., 5pino/e//a Dup., Staint , capreellaWocke, n. sp, (res/i-
gfeZfa Haw., Slaint. einverleibt sind. Die Kaupen der L. Coryli und tristi-
gella miniren in den Blättern von Corylus avellana, die der L. spino-
lella leben auf Wollweiden, die der L. capreella auf Salix caprea. —
Stainton hat die Abhandlung von Nicelli ins Englische übersetzt
und mit einigen Bemerkungen begleitet. (Zool. App. S. GL — CLXXIII.).
Die letztern beziehen sich hauptsächlich auf die unter dem Namen L.
pomonella zusammengefassten Schmetterlinge, welch« St. in vier Arten
trennen zu müssen glaubt: L. carpinicolella Staint. , faginella Mann,
deßexella und spinicolella, die erste lebt auf der Hagebuche, die zweite
-auf der Buche, deflexella auf Prunus spinosa, spinicolella auf dem
Schwarzdorn. Ausserdem bemerkt St., dass L. capreella Wocke = sa^
licicolella Sircom zu sein scheint, dass dagegen L. tristigella Nie. von
tristigella Haw. verschieden, von Zeller mit dem Namen L. Nicellii
belegt worden ist.
Zwei neue in England entdeckte Lithocolletis sind: L. nigre-
s Cent eil a Logan (Trans. Ent. Soc. I. 182. Taf. 15. Fig. 9.) und L.
Dunningiella Stainton (Proc. ent. Soc". 172.).
Einen kleinen Beitrag zur Naturgeschichte der Talaeporia gra-
minella hat Wahlberg Vet. Akad. Öfvers. 1850. S. 225. geliefert.
Er beobachtete, dass die jungen nackten Raupen sich mit Stoffen be-
deckten, die ihnen gerade zur Hand waren, und auf diese Weise die
verschiedenen Exemplare eine verschieden gefärbte Bekleidung er-
hielten.
Gelechia stipella Tr. ist von Heeger (Sitz.-Ber. d. Wien. Acad.
VII. 351. Taf. XIV. A. B.) in allen Ständen ausführlich charakterisirt
Archiv, f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 2. Bd. P
226 Schaum: Bcricbt ftbev die Leislung.e^ in der Entomologie
und abgebildet worden. Die Raupen nähren sich von xlen Blättern
von Atripiex hortensis und laciniata.
F. Schniidl's in dem Illyrischen Blatt von Dr. Illadnick (1849.
N. 66. S. 263.) erschienene Beschreibung von Depressaria Schmidlella
Mann hat Zeller in der Ent. Zeit. S. 81. abdrucken lassen.
Die Naturgeschichte von Aslyages hemerohiella ist von West-
wood (Gardener's Chronicle S. 357.) geschildert und durch Abbildun-
gen erläutert worden. Die Kaupen leben in cylindrischen Gehäusen
auf Birnbäumen, fressen eine kreisrunde OefFnung gewöhnlich in die
Unterseile der Blätter und verzehren dann das Parenchym zwischen
den beiden Blattflächen.
Derselbe gab (a. a. 0. S. 404.) eine Abbildung und Beschrei-
bung der verschiedenen Stände von Oecophora sulphurella Fabr. und
(ebenda S. 484.) von Tinea {Cerostoma) xylosliella. Die Raupen der
letztern werden zu Zeiten den Rüben sehr nachtheilig.
Bo y er de Fo n scolomb e (Bull. d. I. soc. ent. S. XVII.) erkannte
jetzt an, dass Oecophora oleella Fabr., Dup. und Elachista olivella Dup. eine
und dieselbe Art ist, indem die Raupen zu einer Zeit von den Blättern des
Oelbaums , zu einer andern von dem Mark des Olivenkerns zehren; die
Schmetterlinge selbst zeigen keine Verschiedenheil. Die Identität bei-
der war schon vor langen Jahren von Bernard erkannt, aber vom Verf.
früher (Ann. d. 1. soc. ent. 1. ser. VI. 779.) lebhaft bestrilten worden.
W^as die systematische Stellung der Schabe betrifft, so ist B. d, F. der
Ansicht, dass sie ihrer grossen Taster und massig lanzettförmigen Hin-
lerflügel halber der itaUung Oecophora zuzurechnen ist. — Ghiliani
bestätigte die Angabe von Boyer de F. und machte auf die 1844 in
Palermo veröffentlichten Beobachtungen von Baldassare Romano
„Memorie degl' insetli che danneggiano gli uli\:i in Sicilia" aufmerk-
sam, aus denen hervorgeht, dass die Raupen der ersten Generation im
Frühjahr von den Blättern, die der zweiten Generation in den Früchten
des Oelbaums leben. Gh. wies bei dieser Gelegenheit auf das analoge
Verhalten der beiden Generationen von Cochylis Roserana hin. (Bull,
d. 1. soc. ent. S. LIV.).
Ueber die Lebensweise mehrerer Tineen hat Hill (Zool. S. 3245.
3288.) Nachricht gegeben. Die Raupe von Tinea cloacoUa verzehrt
gelegentlich lodte Insecten ; die der Depressaria hypericella lebt auf
Hypericum perforatum, die der D. angelicella und D.pallorella auf An-
gelica sylvestris , D. nervosa findet sich auf den Dolden von Cicuta
virosa, D. ciliella auf Angelica sylvestris.
Pteropliorii« Vier von Mann entdeckte Arten von Pteropho-
rus machte Stainton (Suppl. Catal. of. brit. Tin.) durch kurze Dia-
gnosen bekannt: Pt. Kollari Mann, ericetorum Zell., plag io da-
elylus F. v. R. und coprodactylus Zell.
während des Jabres 1851. 227
Diptora.
Von F. Walker ist der erste Band einer Bearbeitung
der englischen Dipteren erschienen; er bildet den ersten
Theil eines unter dem Titel „Insecta brittanica" begonnenen
Werkes.
Das Buch ist eine sehr erfreuliche Erscheinung, welche nicht
nur das Studium der Dip'.eren in England wesentlich fördern wird,
sondern welches durch den im Allgemeinen auf die Synonymie ver-
wendeten Fleiss aucli ganz geeignet ist, eine grössere Harmonie in
der Romenclaiur dieser Ordnung herbeizuführen , als bisher unter den
Diplerolo^en verschiedener Zunge statt fand. Für die gewöhnlich
gangbaren Kamen einer ziemlichen Anzahl von Arten restiluirt der
Verf. andere älteren Datums, besonders von Scopoli , Müller und For-
ster; dagegen lasst sich gar nichts einwenden , insolern die Deutung
dieser ällern Namen nur ganz sicher ist, woran man aber in einigen
dieser Fälle sehr zu zweifeln hat. Die Bestimmung der von W. besrhrie-
benen Arten emplichlt sich mit wenigen Ausnahmen durch ihre Rich-
tigkeit, sonst aber ist die Bearbeitung der einzelnen Familien von sehr
verschiedenem Werthe. Die Glanzparlie des Buches bildet die Bear-
beitung der Familie der Empidae und die der Dolichopidae, welche von
Haliday herrührend , durchweg die Hand des Meisters erkennen lässt
und die Kennlniss dieser beiden Familien wesentlich fördert. Die Gat-
tungscharaktere sind durch 10 Tafeln mit Abl)ildungen nach West-
wood'schen Zeichnungen erläutert, welche in der Ausführung etwas Rau-
hes, aber sonst die bekannten Vorzüge der charakteristischen Auffas-
sungsweise Westwoods haben. — Ein sehr wesentlicher Fehler des
Buchs ist die völlig unbrauchbare , ja in nicht wenig Fällen ireradezu
widersinnige Art der Citation der frühern Autoren. Während Wal-
ker in seinem Cataloge der Dipteren des britischen Museums in die-
ser Beziehung einen wahren Luxus der Ausführlichkeit entfallet hat,
hat er hier, wo er bloss die Namen der älteren Autoren, ohne An-
gabe der Schrift, anführt, einen Geiz gezeigt, welcher nicht am
Platze ist. Durch eine zweckmässigere Ausführung dieses Theil es
seiner Arbeit würde er seinem Buche einen" grössern Werlh gegeben
und seinen Landsleuten ein gründliches Studium der früher erschie-
nenen dipterologischen Werke sehr erleichtert haben. Hoffentlich
werden die beiden Theile, welche noch nachfolgen sollen , vor dem
vorliegenden in dieser Beziehung sich vortheilhaft auszeichnen. — Wir
erhalten durch Walkers Werke die erste vollständigere Uebersicht über
die Dipterenfauna Englands, welche freilich noch gar mancher Ergän-
zung fähig sein mag ; sie ist immerhin interessant genug, um hier ei-
uen Platz zu finden ; überdiess gewährt sie zu gleicher Zeit einen Blick
in die, systematische Anordnung des Werks , wobei nur bemerkt wer-
228 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
den muss, dass der Verf. die Diptera in Suctoridea, Proboscidea und
Eproboscidea einlheilt, die Proboscidea aber in Nemocera, Bracbycera
und Hypocera zerfällt, in dem vorliegenden Bande seines Werkes aber
den ersten Theil der Bracbycera, also ein Stück mitten aus der syste-
matischen Anordnung heraus behandelt. Die Zahlen hinter den Fami-
lien- und Gattungsnamen bezeichnen die Zahl der vom Verf. aufgeführ-
ten englischen Arten. Es sind:
I. Stratiomydae 49. — Beris 6, Actina 1, Slratiomys 14,
Oxycera 11, CUtellaria 1, Nemotelus 4, Pachygaster 2 , Chrysomyia 5,
Sargus 5. — II. Xy lop hagidae 3. — Xylophagus l, Subula 2. —
III. Tabanidae i7 . — Tabanus 14, Haematopota 1, Chrysops 2. —
IV. Acro cerid ae 3. — Acrocera 2, Henops i. — V. Asilida e25.
— Laphria 1, Asilus 14, Dasypogon 2, Dioctria 7, Leptogaster 1. —
VI. Leptida e 15. — Leptis 7, Chrysopila 2, Atherix 3, Pliolina 2,
Spania 1. — Vil. Bombylidae 17. — Thereua 6, Anthrax 4, Lo-
tnatia 2, Bombylius 4, Phthiria 1. — VIII. Scenopinidae2. —
Scenopinus 2, — IX. Empidae 155. — Empis 25, Hilara 20, Ila~
gas 1, Brachystoma 1, Ardoptera 2, Heleodromia 4, Wiedemannia 2,
Sciodromia 1, Rhampkomyia 10, Euthyneura 2, Oedalea 2, Micropho-
rus 7, Cyrtoma 3, Leptopeza2, Ocydromia 3, Hybos 4, Platypalpus ^l,
Elaphropeza 1 , Drapetis 6 , Chersodromia 5 , Tachydromia 6 , Phyllo-
dromiai, Hemerodromia 6. — X. Dolichopidae 137. — Psilopus Q,
Sybistroma 3, Dolichopus 52, Orthochile 1, Hydrophorus 10, Campsicne-
mus 6, Thinophilus 3, Rhaphium 23, Machaerium 1, Porphyrops 12,
Diaphorus 2, Chrysoius 6, Medelerus 3, Aphrosylus 2. — XI. Lon-
chop teridae 5. — Lonchoptera 5. — XII. PI atyp ezidae 17. —
Plalypeza 10, Callomyia 5, Plalycnema 1, Opelia 1. — XlII. Pipun-
culidae 12. — PipunculusQ, Chalarus 3. — XIV. Syrphidae 153.
— Ceria 1, Callicera 1, Microdon 2, Eumerus 4, Eristalis 13, Helo~
philus 7, Merodon 1, Tropidia 1, Syritta 1, Xylota (), Milesia 1, CriO"
rhina 6, Volucella 4, Sericomyia 3, Chrysotoxum 6, Psarus 1, Para-
gus 4, Psilola 1, Pipiza 13, Orthoneura 2, Chrysogaster 8, Brachyopa 2,
Rhingia 1, Chrysoclamis 1, Cheilosia 17, Syrphus 33, Doros 3, MeU~
threptus 3, Baccha 3, Sphegina 1, ^scia 3. — XV. Co n opida e 9.
— Conops 9. —
Die Zahl der in dem vorliegenden Isten Bande beschriebenen
neuen Arten beträgt 29; sie finden sich unten in den einzelnen Fami-
lien aufgezählt.
Von Zetterstedt's Diptera Scandinaviae ist der lOte
Band erschienen. Es sind in demselben die Sciarinae , T«-
pulides und ein Theil der Mycetophilinae behandelt. In dem
nächsten Jahre wird über den Schluss des Werkes zu be-
richten sein.
während des Jahres 1851. 229
Scholz hat seine „Beiträge zur Kunde der schlesi-
schen Zweiflügler« (Brest. Zeitschr. f. Ent. N. 16. u. N. 19.)
geschlossen , obwohl er im Ganzen erst eine geringe Zahl
von Familien behandelt hat.
In den vorliegenden Nummern sind der Rest der Hybotinae, die
Enipidae und die Tachydromidae aufgezählt; die Hybolinae werden in
Schlesien durch 5 Hybos, 4 Ocydromia, 2 Leptopeza, 4 üedalea, 1 Spa-
nia, 1 Anthalia, 1 Microphora, — die Empidae durch 14 Hilara, 1 13ra-
chysloma, 18 Empis, l Pachymeria, 18 Ramphomyia, 1 Sciodromia, —
die Tachydromidae durch 7 Heterodromia , l Phyllodromia , 24 Tachy-
dromia, 8 Tachypeza , 2 Ardoptera, 1 Elaphropeza, 3 Drapetis, 2 Cyr-
toma repräsentirt. Einige Arten darunter sind neu und vom Verf.
sorgfällig beschrieben, sie werden bei den einzelnen Familien zur Spra-
che kommen. — Die im Jahrgange 1850 behandelten Familien enthiel-
ten die Xylophagi: 6 Beris, 1 Xylophagus, 1 Coenomyia ; — die Tabanii:
1 Silvius , 14 Tabanus , 8 Chrysops, 2 Haematopota ; — die Leptides :
9 Leptis , 5 Chrysopilus, 3 Atherix, 2 Clinocera; — die ßombyliarii :
13 Anthrax, 8 ßombylius , 2 Phthiria, IPIoas; — die Asilici: 9 Dio-
ctria, 10 üasypogon , 8 Laphria, 22 Asilus, 2 Leptogaster.
Dahlbom hat 98 in Goltland und im District von
Calmar gesammelte Dipteren aufgezählt und einige unter den-
selben befindliche neue Arten beschrieben. (Vet. Akad. Handl.
1850. I. S. 155.)
Von den „Insecla Saundersiana by F. Walker« ist das
zweite , ebenfalls Diptera enthaltende Heft zwar erschienen,
mir aber noch nicht zugänglich gewesen und kann daher erst
in einem späteren Berichte besprochen werden.
Die in der Linne'schen Sammlung in London gegen-
wärtig noch vorhandenen Dipteren sind von Haliday einer
sorgfältigen Prüfung unterworfen worden, deren Resultate in
der Ent. Zeit. S. 131 — 145. mitgelheilt sind. Die werthvollen
Aufschlüsse des Verf. haben leider auf die Arten der Linne'-
schen Gattungen Oestrus, Tipula und eines Theils von Musca
beschränkt bleiben müssen , indem der ganze übrige Theil
der Linne'schen Sammlung vollständig zu Grunde gegan-
gen ist.
Tipuläriae* Von Low sind (Linn. entom. V. S. 385— 405,)
einige interessante Genera der Tipularia lerricola erläutert worden. In
der Gattung Ozodicera Macq. verbindet L. Arien mit einfach gekämro-
230 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
ten Fühlhörnern , auf welche Westwood die Gattung Hetnicleina be-
gründet hat, mit solchen, deren Fühlhörner doppelt gekämmt sind, da
sie in den übrigen Theilen ihrer Organisation völlig übereinstimmen,
und bezeichnet als charaklerislisch für diese Gattung den Bau der
Schnauze (wie bei Tipula), den Verlauf der Flügeladern (fast ganz wie
bei Pachyrhina) und die einfachen oder doppelten Kammslrahlen am
zweiten bis siebenten Geisselinjüede der 13gliedrigen Fühler. Er be-
schreibt fünf Arfen , 0. fumipenyiis , xanlhostoma, zwei n. A.
aus Brasilien, und «picaits Mncq., bei denen die Fühler doppelt, und gri-
seipe nnis n. sp. aus Brasilien und jaecfiwrttö Wied. (ochracea Marq.),
bei denen sie einfach gekämmt sind. — Der Galtung Ptilogyna Westw.,
welche die australische Pt. marginalis Westw. zum Typus hat , fügte
L. eine dritte Pt. flabellifera hinzu, und ändert den Kamen der
zweiten in Nordamerika einheimischen Pt. fuliginosa Macq. in Pt.
Macquarlii um, da sie nicht wie Macquart angenommen hat, mit Cle-
nophora fuliginosa Say, Wied. identisch ist. — Die Gattung Aporosa
Macq., welche bisher nur zwei Arien enthielt, wurde von L. mit sechs
neuen im Berliner Museum befindlichen bereicheil: A. insignis aus
Brasilien, tristis ebendaher, ru fescens aus Fortorico, tibialis aus
Brasilien, virescens aus St. Thomas und valida aus Chile. Die
Gattung Geranomyia Haliday auf eine briltischc Art G. unicolor ge-
gründet, scheint L. mit Asporina identisch zu sein. — Von der Gattung
Toxorhina Loew, welche bisher nur im Bernstein durch drei Arten T.
longir ostris, pnlchella und brevipalpa repräsentirl war, hat
der Verf. eine vierte in Fortorico von Moritz entdeckte kennen ge-
lernt, welche er hier unter dem Namen T. fragilis beschreibt und
abbiJfiet. — Weiler theilt L. hier einige Angaben und eine Abbildung
von Macrochile spectrum einem merkwürdigen im Bernstein ein-
geschlossenen Dipteron mit. — Den Schluss der Abhandlung bilden
die Beschreibungen einer ausgezeichneten neuen bei Petersburg aufge-
fundenen Limnobia , L. imp e rialis vom Verf. benannt, und einer
neuen brasilianiscl^en Art Tiputa monilifera, mit hübscher Flügel-
zeichnung und interessanter Fühlerbildung.
Low hat Linn. enlom. S. 370 — 38i. einen wichtigen Nachtrag
zu seiner im vorigen Berichte angezeigten Arbeil über dieGallmük-
ken geliefert, in welchem mehrere neue Arten beschrieben und frühere
Beobachtungen über die Lebensweise verschiedener Cecido;nyien Iheils
bestätigt Iheils vervollständigt werden.
Cecidomyza ob scur ip e s n. A. aus Gollland, mit C. protube.
rans Zeit, verwandt, und C. nigritarsis Staeg. ^ wurden von Dahl-
bom (Vet. Akad, Handl. 1851. S. 166.) beschrieben.
Amyot hat im Bullet, d. 1. soc. ent. (S. LVI — LXIL) Bemer-
kungen über die Naturgeschichte der Cecidomyia trilici liirb. milge-
theilt, welche grogsen(heils einem vonCurtis ini Journ. of the agric.
während des Jahres 1851, 231
Soc. l. VI. 1846. S. 131. Taf. iM. veröffentlichten Aufsatze entnommen
sind. Die Identität der französischen Art mit Cec. tritici der engli-
schen Schriftsteller kann für völlig ausgemacht gelten, dagegen erhebt
A. einige Zweifel, ob die amerikanische von Asa Fitch in den Transact.
of the agric. Soc. of the state of New York 1846. unter demselben
Namen erläuterte Art mit der europäischen einerlei ist.
ücber die Lebensart der in Neu-Schottland dem Weizen sehr
schädlichen Cecidomyia tritici wurden auch von Dawson (Froc. Phil.
Acad. IV. S. 210., Ann. nat. bist. V, S. 152.) einige Wiltheilungen ge-
macht, welche aber Nichts Neues enthalten.
Heeger hat in den Sitzungsberichten der Wiener Academie die
Naturgeschichte von zwei Arten der Gattung Lasioptera erläutert ; die
eine derselben ist neu und wird vom Verf. unter dem Namen L.rubi
beschrieben , weil ihre Larve Anschwellungen an den Trieben der
Brombeeren erzeugt , sie hat zwei Generationen im Jahre und über-
wintert als vollständiges Insect (a.a.O. VII. S. 203. Taf. II.) ; die zweite
ist L. piisilla Wied., Meig. , ihre Larve verursacht linsengrosse Gal-
len an den Blättern von Sonchus oleraceus; man findet den Sommer
und Herbst hindurch alle Stände dieses Insectes (a. a. 0. S. 342. Taf. X).
Von Heeger sind in den Sitzungsberichten der Wien. Acad.
(VII. S. 344. Taf. XI.) die früheren Stände von Mycetophila lunata be-
schrieben und abgebildet worden, die Verwandlung geht wie bei an-
dern .Wycetophilen in Holzschwämmen vor sich.
Aus einem artesischen Brunnen im Dept. de l'Herault wurden,
wie Gervais mittheilt (Bull. d. 1. soc. ent. S. LXX.), aus einer Tiefe
von etwa 130 Meter nach Durchbohrung einer 2 Meters mächtigen
Kalkschicht rothe Tipularien-Larven von 20 — 22 Millim. Länge ausge-
worfen, welche mit den tom.IV. Taf. 14. F. 12. von Reaumur abgebil-
deten Larven in den wichtigsten Charakteren übereinstimmten. Spä-
ter ist auch das ausgebildete Insect ausgeworfen worden , die Art ist
jedoch nicht näher bezeichnet.
Asilici. Einige Nachträge zu der im Jahresber. für 1848 an-
gezeigten Monographie der europäischen Asiliden hat Loew (Linn.
ent. V. S. 407 — 4l6.) mitgetheilt. Er beschreibt hier Dioctria bicincta
Meig. , zu welcher D. infuscata Meig. wahrscheinlich als Abänderung
und D. annulala Meig. als Weibchen gehört , Laphria fimbriata Meig.
und L. Ursula n. A. aus Russland; weist nach, dass Dioctria nigri-
pennis Costa = Dasypogon lucluosus , Dioctria glancia Costa = Asil.
glaucius Rossi ist und bemerkt , dass eine Zahl von Meigen beschrie-
bener Arten [Laphr. vulpina , lutea, fulgida , tibialis , dioctraeformis^
nigripennis, Asilus piclus) hinsichtlich ihres Vaterlandes verdächtig und
aller Wahrscheinlichkeit nach exotisch sind.
„Bemerkungen über die Familie der Asiliden" von demselben
232 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
sind in dem Michaelis -Programme der Realschule zu Meseritz (1851)
enthalten. — Der Verf. stellt hier dasjenige zusammen , was ihm seit
Erscheinen des 5ten Bandes der Linnaea über die europäischen Asili-
den ferner bekannt geworden ist und giebt die Beschreibung einer
Anzahl von exotischen Formen, welche als Typen neuer Untergattun-
gen angesehen werden müssen. — In der D a sy p o gon en gruppe
weist die Galtung Leptogasler Meig. im tropischen Africa einige sehr
abweichende Formen auf. Eine derselben ist die im vorigen Jahres-
berichte erwähnte Euscelidia rapax Westw., eine andre wird hier vom
Verf. als Lept. {Lasiocnemus) ob s curip ennis beschrieben, sie
hat mit Euscelidia die verdickten Hinterschenkel gemein, zeigt aber zu
gleicher Zeit eine ebenso auffallende keulenförmige Verdickung der
Hinterschienen. — Auch der Formenreichthum , welchen die Gattung
Dasypogon enthält, ist trotz der grossen Zahl der bisher errichteten Un-
tergattungen noch keineswegs erschöpft. In der ersten Abtheilung der-
selben, welche durch die Anwesenheit eines starken Dorns an der Spitze
der Vorderschienen ausgezeichnet ist , hat der Verf. selbst bereits die
Untergattungen Dasypogon und Saropogon unterschieden, von Macquart
sind zwei andere, Senoiasis und Brachyrhopala, auf exotische Arten er-
richtet worden ; diesen 4 fügt der Verf. hier noch drei hinzu : Cyr-
tophrys von der schlanken Körpergeslalt einer Dioctria , Laparus
ebenfalls in der Form und dem Flügelgeäder Dioctria nahe stehend,
aber im Baue der Fühler wesentlich unterschieden, und Last aur us
im Habitus starkbehaarten Mallophora-Arten gleichend ; Cyrtophrys ent-
hält eine n. brasilianische Art Das. {Cyrl.) attenuatus , Laparus
ebenfalls eine neue Art aus Brasilien Das. {Lap.) tabidus und wahr-
scheinlich auch Das. gracilis Macq. ; Laslaurus ist auf Das. (Last.)
anthr acinus ^ n. A. aus Mexico und D. {L.) mut abilis n. A. aus
Columbien gegründet, ohne Zweifel gehören auch Das. lugubris Macq.
und D . fallax }\diC(\. dahin. Aus der Untergattung Saropo^fO» beschreibt
der Verf. mehrere theils ganz neue , theils früher von ihm nicht ge-
kannte Arten, nämlich: S. ^y an o g aster und S. chaly beiv enf, ris
aus Chile, S. leucocephalus Meig. aus Südfrankreich, E hrenbergii
n. sp. aus Syrien, flavicinclus Wied. aus Portugal, axillaris n. A.
aus Italien, D. confluens und mel ampy gus n. A. aus Syrien. —
In der zweiten Unlerabtheilung von Dasypogon, welche die Arten
ohne Enddorn an den Vorderschienen umfasst , erörtert der Verf. hier
die Unlergatlungen Microstylum Macq.; Dicranus Loew , auf Das.
rulilus Wied. gegründet; Bathypogon Loew mit einer neuen neu-
holländischen Art D. (Bath.) asili formis; Iridis Loew eine neue
in Ober-Italien einheimische Art Das. [Tricl.) olivaceus enthaltend,
bei welcher die erste Hinterrandszelle ziemlich weit vom Flügelrande
geschlossen , wie dies bei den Asiliden im engern Sinne und den La-
phriden häufiger vorkommt. Ausserdem beschreibt der Verf. folgende
zu dieser Unlerabtheilung gehörige Arien: Das, {Slenopogon) laevi-
während des Jahres 1851. 233
gatus n. sp. aus Kleinasien, D. (Heteropogon) ornatip es n. sp. aus
Södeuiopa , albofascialiis Meig. , Das. (Cyrtopogon) flavimanus Loew $,
fulvicornis Macq. ^, centralis n. A. aus Brasilien. — Den von
Macquart in der L ap hr i e n - Gruppe aufgeslellten Gattungen reiht der
Verf. hier ebenfalls mehrere neue an: Lamprozona , deren Typus
eine n. A. aus Chile Laphr. {Lampr.) auricincta ist; Latnyra auf
eine durch ihre Körperform ausgezeichnete A. von Port Nalal , Laphr.
(Lam.) Gulo begründet; Terej/fria mit neuholländischen Arten, wel-
che einen Dorn an der Spitze der Vorderschienen haben, und von de-
nen hier Laphr. (Ter.) calcar beschrieben wird; Dasyllis aus L.
haemorrhoa Fabr., nigripennis Wied., croceivenlris Wied, L. (Das.)
bomboides, einer n. hier beschriebenen Art vom Senegal u.a.m. ge-
bildet. — Fast auf der Grenze zwischen den Laphriden und Asiliden
im engern Sinne steht eine Reihe von exotischen Arten , welche im
allgemeinen Habitus und in der Färbung mehr den letztern gleichen,
sich den erstem aber durch den Mangel eines borstenförmigen Fühler-
griffcls anschliessen. Der Verf. bildet aus ihnen die Untergattung Da-
sythrix und beschreibt hier Laphr. {Das.) inornata aus Südame-
rica , infumata und b r a chy ptera vom Cap als typische Arten
derselben.
Von Dahlbom (Vel. Akad. Handl. 1851. S. 159.) wurde Lepto-
gaster dorsalis als neue Art aus Gottland beschrieben, sie ist dem
L. cylindricus sehr nahe verwandt und vielleicht nur auf abgeriebene
Stücke desselben gegründet.
Hybotinae« Neue Arten sind: Euthyneura myricae Wal-
ker (Ins. britt.) — und Oedalia Irisiis Scholz (Bresl. ent. Zeitschr.).
Kinpides. Die Gattung Hilara wurde mit drei Arten berei-
chert, von Haliday (in Walker's Ins. brilt.) mit H. recedens — von
Dahlbom (Vet. Akad. Handl.) mit H. cingulat a aus Gottland —
von Scholz (Bresl. entom. Zeitschr. n. 19.) mit H. ephippium aus
Schlesien.
Scholz beschrieb ferner (a. a. 0.) Empis dispar und Ratn-
phomyia flavicoxa , als n. in Schlesien entdeckte Arten.
Lefebure bemerkte in einer Mittheilnng über Empis plalyptera
Panz. [Rhamphomyia marginata Fabr.), ganz richtig, dass alle Schrift-
steller nur das Weibchen dieser Art gekannt haben, er selbst glaubt
das Männchen zu besitzen ; merkwürdig genug ist es aber, dass auch
er nur das Weibchen vor sich gehabt hat , welches er hier ganz irr-
thümlicher Weise als das Männchen abbildet. (Annal. d. 1. sog. entom.
S. 125. Taf. 4. N. III.)
Tacliydromiae« Von Walker (Ins. brilt.) sind folgende
neue Arten aufgestellt: Flatypalpus variusj laticinctus, divisus.
^34 Schaum: Bericht «her die Leistungen in der Entomologie
commil e s , co mpungens ^ flavip ennis , pul chellus, forma^
liSf diibius , Wiedemannia lotae, Drapetis lunata, Chersodromia
incana, sp eculife r a.
Scholz beschrieb ßresl. Zeitschr. f. Enlom. Ärdoplera ano~
mala als n. A. aus Schlesien.
l>olicliopod.es> In Wa liier 's Diptera briltanica wurden
von Halidäy folgende neue Arten aufgestellt: Sybistroma fulvi-
caudis, Dolichopus phacopus vir gultorum, alutifer, ThinO"
bius versutus , Rhaphüim eine r eum , gravip es , monile, For-~
phyrops cirripes, Aphrosylus raptor, ferox.
Vier für die schwedische Fauna neue Arten wurden von Sten-
hammer (Öfvers. Vet. Acad. Förh. 1851. N. 4. S. 128) beschrieben,
nämlich D. Z ett er sledlii n. A. , D. Rulhei Loew. , D. pectini-
tarsis n. A. und Medelerus pusillus Meig.
Auch Wahlberg machte wieder zwei neue in Schweden ent-
deckte Arten , Dolichopus d iscim anus und B o hemani durch aus-
führliche Beschreibungen bekannt (Öfv. Vet. Acad. Förh. 1851. S.301.).
Bombyliai'ü« Jacquelin Duval hat, wie Bull. d. 1. soc.
entom. S. LXXX. milgelheilt wird , Anthrax sinuata aus der Nymphe
eines Hymenopteron ausschlüpfen sehen, welche er für die der Mega~
clpile muraria hält.
Sratiomyclae* Von Walker (Ins. brilt.) wurden Straliomys
connexa und Oxycera longic ornis als neue Arten beschrieben.
Syrpliici. Eine neue Art ist Syrphus con color Walker
(Ins. brilt. j
Conopica. Boheman zog Conops vittata ans Oedipoda cyano~
plera (a. a. 0.)
Oestrides. Kollar berichtete in den Sitzungen der Wiener
Academie (VII. S. 201.), dass von Dr. Lautner in Cairo die Larve eines
Gastrus in grosser Anzahl im Magen einer Hyaena striata beobachtet
worden ist, welche vollkommen mit der im Pferdemagen vorkommen-
den Larye des G. Equi übereinstimmt. Dieses Factum widerlegt die
bisher herrschende Meinung, dass jede Dasselfliegen - Art auf eine be-
stimmte Säugethier-Species angewiesen ist. (Ich kann hinzufügen, dass
ich wiederholt die Larve eines die Nasenhöhlen der Kameele bevvoh-
nenden Oeslrvs beobachtet und keine Verschiedenheit von der Larve
des 0. ovis entdeckt habe).
Westwood machte (Proc. entom. Soc. S. 76.) die Miltheilung,
dass die Rennthiere im Londoner zoologischen Garten von zahlreichen
Larven des Oestrus Tarandi heimgesucht werden j (ein fiennthier von
während des Jahres 1851. 235
50—100 Stück). Dieselben unlerschciden sich durch den gänzlichen
Mangel der Mandibeln von denen von G. equi.
IVfuscariae* Muscidae. — L. Dufour hat eine neue
Hyalomyia aus Brachyderes lusitanicus erzogen und da die beiden Ge-
schlechter erheblich von einander abweichen , unter dem Namen H.
dispar beschrieben (Ann. d. I. soc. ent. S. 66.). Die Larven schie-
nen durch den Anus des Küsselkäfers ausgewandert zu sein und ent-
weder im Darmkanal selbst oder, was D. wahrscheinlicher ist, in» be-
nachbarten Zellgewebe schmarotzt und das Rectum durchbohrt zu ha-
ben. Während die Larve sich im Innern des Käfer's aufhält, beGnden
sich die Luftlöcher ihres Körperendes in einem Luftloche des Käfers.
(Rev. et 31ag. d. Zool. 1851. 408., Ann. of nat. bist. VIU. 425.).
L. Dufour bemerkt Ann. d. 1. soc. enl. S. 67., dass Musca vi-
tripennis 31eig. den Menschen und noch mehr den Thieren, in deren
Nasenhöhlen sie gern kriecht, sehr lästig wird. D. vervollständigt die
Kennlniss dieses Insects durch die Beschreibung des Meigen unbekann-
ten Weibchens und theilt mit , dass Plaxeniyia sugillatrix Rob. Desv.
nach Älacquart mit dieser Art synonym ist.
Im Bull. d. 1. soc. ent. S. LXII. theille Lucas eine von ßlan-
chard an riatydaclyliis muralis gemachte Beobachtung mit, welcher
in Paris mit lebenden Exemplaren von Calliphora fulvibarbis und vo-
miloria ernährt wurde. Die Eidechse schien sich anfangs dabei ganz
wohl zu befinden, schwoll aber bald in der Bauchhöhle auf, so dass
man sie für trächtig hielt, und starb nach einiger Zeit. Die Section
ergab , dass die Ein^jeweide von einer Ungeheuern Menge lebender
Dipteren-Larven angefüllt waren, welche offenbar jenen beiden Flie-
genarten angehörten. — Eine ganz ähnliche Beobachtung hat Gratio-
let (ebenda S. LXIII.) mitgetheilt ; er fütterte Lacerta viridissima mit
Larven von Calliphora vomitoria. Auch diese starb, nachdem sich eine
Anschwellung in der ßauchgegend gezeigt hatte ; die Fliegenlarven
wurden in den Därmen derselben noch lebend angetroffen.
Von Ro bin eau-De s vo i dy's „Myodaires des environs de Pa-
ris" sind wieder zwei Fortsetzungen erschienen. (Ann. d. la soc. ent,
S, 177—190. und S. 305—321.), die erste behandelt die zehnte Gruppe
der Entomobien, die Thryptoceratae , bestehend aus den Gattungen
Thryplocera Macq. (5 A.), Herbstia R. D. (1 A), Actia R. D. (2 A.),
Osmaea R. D. (l A.), Ramburta R. D, (1 A.) , — die zweite die elfte
Gruppe, die Gonidae mit den Gattungen Reaumuria R. D. (5 A.) ,
Isomera R. D. (2A.), Spallanzania R. D. (1 A.), Pissemya R. D. (1 A.),
Germaria R. D. (l A.)
Robineau-Desvoidy hat (Guer. Rev. et Mag. d. Zool. B,
236 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
147.) zehn zur Gruppe der Eulomobien gehörige Arten mit An-
gabe ihrer Wohnlhiere namhaft gemacht, welche von Goureau erzogen
worden sind; sieben darunter befindliche neue werden hier beschrie-
ben, eine hat sogar zur Aufstellung einer neuen Gattung Veranlassung
gegeben. Die Arten sind: Carcelia pup arum R. D. und C. apicalis
n. A., beide aus den Haupen von Arctia fuliginosa , Thryptocera hu"
meralis aus einer ßlattwicklerraupe, Voria ruralisYaW., Goural dia
(n. Gen.) pupivo ra , G. binotata nach R. D.'s eigener Ansicht das
Männchen der vorigen, Elophoria Gouraldi, die drei letzten aus
den Raupen derTortrix laevigana, Phorocera flavifrons aus den Rau-
pen von Pieris rapae, und Ph. hadenae aus denen der Hadena bras-
sicae erzogen.
Im Bull. d. I. soc. ent, S. XXII. wird berichtet, dass Lambert
zwei Tachinenarten, die eine aus Chrysomela graminis, die andere aus
Timarcha coriaria erzog. Erstere beschreibt Robineau-Desvoidy
(ebenda S. XXVIL) als Rhinomyia L amber ti, und sagt, dass sie in
die Macquart'sche Galtung Metopia gehöre; zugleich bemerkt derselbe,
dass Guerin-Meneville ihm eine aus dem After von Carabus splendens
hervorbrechende Fliege gezeigt habe , welche der Gattung Blondelia
angehöre. — Von der aus Timarcha coriaria gezogenen Tacbine ist
keine Beschreibung gegeben.
Boheman erzog Tachina setipennis Zett. aus Forßcula auri-
cularia. (Vet. Akad. Öfvers. 1850. S. 214., 1851. S. 154)
Interessante Mittheilungen über die Gattung Glossina sind von West-
wood in einer Abhandlung über die in Africa unter dem Namen Tsetse,
Zimb und Tsal-salya bekannten Insecten veröffentlicht worden, welche in
den Proceedings of the zoolog. Soc. Dec. 1850 u. in den Ann. of nat. Hist.
t, X. abgedruckt ist. — Im tropischen Africa findet sich eine Art dieser
Gattung häufig, welche dort Tsetse genannt wird, und die W. a\s Glos-
sina tnor sit ans beschreibt und abbildet. Ihren Stich vergleicht Ca-
pitain Frank Vardon nach an sich selbst gemachter Erfahrung mit dem
eines Flohes ; nichts desto weniger werden diese Fliegen den Pferden
und dem Rindvieh nicht nur sehr lästig, sondern selbst lebensgefähr-
lich, wenn sie dieselben in grösserer Anzahl angreifen. Nach den
Schilderungen des H. Gordon Cumming stürzen sie sich oft in grossen
Schwärmen auf diese Thiere, welche dann zuweilen in Zeit einer Wo-
che, zuweilen erst nach 3 Monaten sterben, je nachdem sie mehr oder
weniger gestochen sind. Die ziemlich verworrenen Angaben , welche
Bruce über das von ihm unter dem Namen „Zimb« beschriebene und
ungenügend abgebildete Insect macht , bestimmen W. den Zimb für
eine Art der Gattung Glossina und die Benennung mithin für gleich-
bedeutend mit Tsetse zu halten. Weniger genügen die Aufklärungen,
welche W. nach den noch verworreneren Angaben Bruce's über den von
während des Jahres 1851. 237
diesem als Tsal - tsalya, beschriebene Zweiflügler giebt. — Mit dieser
Auseinandersetzung verbindet W. die ßescbreibungen von zwei neuen,
dem tropischen Africa angehörigen Arten der Gattung Glossina, wel-
che er GL tachinoides und tabanif o rmis nennt. Endlich be-
schreibt er die von Walker in dem Verzeichnisse der Dipteren des
brittischen Museums aufgezählte Stylogasler slylata und eine ihr ähn-
liche africanische Art unter dem neuen Gattungsnamen Stylomyia,
als St. confusa und leonum. Ueber diese Gattung habe ich von
Prof. Loew folgende Miltheilung zur Bekanntmachung in diesem Be-
richte erhalten: „Weslwood befindet sich in einem Irrthum, wenn er
glaubt, dass die von Walker als Stylog. slylata aufgeführte Fliege nicht
die wahre Myopa stylala Wied. sei; sie ist dies allerdings mit Be-
stimmtheit ; dass Conops slylata Fabr. dasselbe Insect sei , muss auf
das Zeugniss Wiedemanns , welcher das Fabriciussche Exemplar ver-
glichen hat, angenommen werden. Westwood hält ferner seine neue
Gattung für wesentlich verschieden von der Macquarl'schen Gattung
Stylogasler , welche ebenfalls auf Myopa slylata begründet ist. Wenn
man auf Macquart's Abbildung (Dipt. exot. II. 3. tab. 2.) blickt, möchte
man freilich geneigt sein , dieser Meinung beizutreten. Eine etwas
genauere Betrachtung derselben zeigt aber zur Evidenz, dass sie nach
gar keinem wirklichen Insecte gemacht ist , sondern ihren Ursprung
lediglich in der glücklichen durch Wiedemann's Beschreibung (und
deren Irrthümer) und durch die Lust eine neue Gattung zu begründen
angeregten Phantasie des H. Macquart hat. Wiedemann stellt die Art
irrtbümlich zu Myopa , Macquart wird dadurch bestimmt , statt dieses
schlankbeinigen Geschöpfes eine plumpbeinige Myopa zu zeichnen.
Wiedemann sagt , die Flügel seien wie bei Conops , freilich irrtbüm-
lich , oder doch nur in Beziehung auf die Gestalt der ersten Hinter-
randzelle richtig, da die Analzelle ganz kurz ist. Macq. setzt dem-
nach an den plumpen Myopakörper vollständige Conops-Flügel , ja er
lässt sich verleiten, in der Gattungscharakteristik ausdrücklich zu sagen
„cellule anale fermee et alongee*. Ueber die Länge des Rüssels
und den genauem Bau der Legeröhre sagt Wiedemann nichts , Macq.
hat demnach die Länge des ersten nicht gewusst, und ihn wenigstens
dreimal zu kurz abgebildet, letztere aber als einen steifen völlig un-
articulirten Legebohrer dargestellt und auf die Gestalt dieses Theils
Vermulhungen über die Lebensweise der Art gegründet. Da Macquart's
Begründung der Gattung Stylogasler auf so liederlichem Fundamente
ruht, so könnte man mit Westwood nicht rechten, wenn er deshalb den
Gattungsnamen nicht annehmen wollte; wenn er aber glaubt, dass Mac-
quart wirklich eine Fliege vor sich gehabt habe, die einer andern Gattung
angehört, so thut er einem Phantasiegebilde zu viel Ehre an. — Die afri-
canische Art St. leonum stimmt mit der amerikanischen auf das Beste über-
ein. Die Abbildungen sind, wie alle von Westwood gelieferten, sehr gut."
Anthomyzides. — Eine nicht unwichtige Abhandlung über
238 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
die JVaturgeschiclite mehrerer Dipteren, deren Larven in Blättern mini-
ren, und über die Parasiten der letzlern hat Goureau in den Annal.
d. 1. soc. entom. S. 131 — 176. mitgelheilt. „Memoire pour servir ä
l'hisloirc des Uipteres , dont les larves minent les feuilles des plantes
et ä Celle de leurs parasites". — Die beobachteten Arien sind : 1. Ägro-.
tnyzn M ac quarti n. sp. auf den Bläliern von Verhascum thapsus.
2. Agromyza nana Meig. (ircos R. D.) auf Iris pseudacorus. 3. Agio-
myza pusilla Meig. auf Euphorbia cyparissias. 4. Pkijloniyza Scolo~
pendrii K, D. (^elegans Gour.) n. sp. auf Scolopendrium officinale.
5. Phylomyza Plantaginis R. D. (Ro binaldiGour.) n. A, auf l'lan-
tago lanceolata. 6. Phylomyza A quifolii Gour. auf Hex aquifolium.
7. Phylomyza Xylostei Rob.Desv. {aprilina Gour.) n. A. auf i-o-
nicera xylosteum. 8. Phylomyza flava Meig. {Ranunctdi R. D ) auf Ra-
nunculus acris. 9. Phylomtjza Spondylii R. D. (nigra Meig.) auf He-
racleum spondylium. 10. Phylomyza ho r tic o la Gour. [g eniculata
Macq.) n. A. auf Levkoien und andern Gartenpflanzen. 11. Phylomyza
Primulae R. D. (cinerella Meig.) auf Priniula grandiflora. 12. Phylo-
myza Anc holia c R. D. (jninuscul a Gour.) auf Aquilegia vulgaris.
13. Phylomyza lateralis Macq. {sonchi R. D.) auf Sonchus oleraceus.
14. Phylomyza lappina R. D. [lappae Gour.) auf Arctium lappa. 15.
Noliphila ßavcola Meig. auf Tropaeolum majus. 16. Pegomyia alripli-
cis auf Atiiplex und Beta. 17. Pegomyia milis Macq. [rtimicis R.
D.) n. Art auf verschiedenen Rumex - Arten. Die von G. beschriebe-
nen Zweiflügler- Arien, sind in allen Ständen, zugleich mit den Blät-
tern, in denen sie miniren und mit den Schluplwespen , die in ihnen
schmarotzen , auf Taf. 5 — 7. — aber in sehr unkenntlicher AVeise —
abgebildet. Nicht einzusehen ist, warum der Verfasser die neuen Arten
stets mit zwei Speciesnamen versehen hat. Ist es seine Absicht ge-
wesen , den Lesern eine Artigkeit zu erweisen, indem er ihne'n die
Wahl zwischen beiden hat frei stellen wollen, oder denkt er, zwei
Namen halten besser als einer?
Auch von Robin eau-Desvoidy sind in Guerin's Rev. et Mag.
d. Zool. S. 229. einige Fliegen, deren Larven in Blättern miniren, be-
schrieben Würden, nämlich: Pegomyia atriplicia und P. Gouraldi
in Atriplex hortensis , P. rumicis in Rumex acutus, P. a cet osae
in Rumex acelosa , Zabia long ip es in Rumex patientia , Anlhomyia
caepicola in der Schalotte, A. brassicae in der Sterkrübe. Es
unterliegt keinem Zweifel , dass diese Arten grossentheils dieselben
sind, welche Goureau in der oben erwähnten Abhandlung bekannt ge-
macht hat, da sie R. D. von (ioureau mitgetheilt worden sind.
L. Dufour besprach (Ann. d. 1. soc. ent. S. 68.) die Synony-
mie von Oliles pulchella Macq. Er machte mit Recht darauf aufmerk-
sam, dass Musca pulchella Rossi, Fabr. nicht mit dieser Art, sondern
mit Toxoneura fasciala Macq. identisch, Orlalis pulchella Meig. dage-
während des Jahii^s 1851. 239
gen = Oliles pulckellu Macq. ist. Dass die von Äleigen als Synonym
angezogene Scalophaga lobata Fabr. wirklich zu Ort. pulchella Aleig.
gehört, wird von üufour mit Unrecht bezweifelt, indem JMeigen diese
Auskunft aus Fabiicius eigener Sammlung geschöpft hat. (^Orlalis puU
cheUaMe\g ist übrigens zuerst von Schrank <x\s Musca Lamed beschrie-
ben worden, und muss daher den iXamen Oliles Lamed führen, wie
dies Loew Ent. Zeit. 1846. S. 95. nachgewiesen hat, welcher damals
noch mit Toxoaeura fasciala Macq. unbekannt , iMusca pulchella Rossi
auf Trypela Westcrmanni zu beziehen geneigt war. Von der echten
Musca pulchella Hossi haben wir auch von Costa in den Abhandlungen
der Acadeniie zu Neapel (1837?) eine gute Beschreibung erhalten, er
bildet lür sie eine eigene Gattung, welche er wegen des trägen Be-
tragens dieser Art Ocnerus nannte , ohne dabei , wie Macquart bei der
Gründung seiner Gattung loxoneura, besonderes Gewicht auf den etwas
abweichenden Verlauf der Flügeladern zu legen.)
In einer Note von Goureau (Bull. d. 1. soc. entom. S. XXXIX.)
ist der längst widerlegte Irrlhum, dass Orlalis cerasi die Kirschen ver-
wüste, von Neuem aulgewärmt. Die Kirschenverwüsterin ist bekannt-
lich Trypela Cerasi [signala Meig.).
Tephrilis plagiala wurde von Dahlbom (Vet. Akad. Uandl.
1851. S. 162.) als neue Art aus Gottland aufgestellt; sie gehört in die
Verwandtschaft von Tephr. Arclii.
Die Naturgeschichte einer neuen Art von Essigfliegen, Drosophila
aceti Koll., ist von Heeger (Sitz. - Ber. d. Wien. Acad. VII. S. 205.
Taf. 3.) geschildert worden. Die Fliege überwintert und setzt Ende
Mai ihre Eier an unreif abgefallene, von Hhynchites oder Tortrix- Bau-
pen angestochene faule Aprikosen oder Aepfel ab, die Made nährt sich
etwa 3 Wochen lang von den faulen Säften und verwandelt sich an
der Frucht, ohne sich zu häuten zu einer sehr anders geformten Puppe,
aus der sich die Fliege nach 10 — 12 Tagen entwickelt.
Suctoria. Newman hat im Zoolog. App. S. CXLIII. eine
Abhandlung „Affinities of the Pulicites" begonnen und sich in dersel-
ben die Aufgabe gestellt, die bei uns ziemlich allgemein gültige An-
sicht, dass die Flöhe zu den Dipteren gehören, ausführlich nachzuwei-
sen. In dem bis jetzt erschienenen ersten Paragraphen ist bloss die
Lebensweise und di« Metamorphose von Fulex, die letztere nur nach
Angaben früherer Beobachter besprochen. — Westwood hat in sei-
ner Uebersicht über die im Jahr 1851 erschienenen entomologischen
Schriften (Proc. ent. Soc. S. 162.) die Ordnung der Aphaniptera beibe-
halten und ihre Trennung von den Dipteren mit der verschiedenen
Bildung der Thoraxsegmente und ihrer Anhänge und mit der abwei-
chenden Struclur der Mundlheile im vollkommenen und im Larven-
Zustande gerechtfertigt.
240 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Orthoptera.
Nach Brisoiit de Barneville (Bull. d. 1. soc. ent.
S. CXX.) kamen 1 1 1 Orthopteren (im älteren Sinne) in Frank-
reich vor, und zwar 11 Forficuliden , 8 Blattiden , 5 Manti-
den, 2 Phasmiden, 46 Acridier, 11 Grylliden, 28 Locustiden;
der Pariser Fauna gehören 54-55 an, nämlich 3 Forficuli-
den, 5 Blattiden, 1 Mantis, 25—26 Acridier, 5 Grylliden,
-15 Locustiden. Die Arten sind im Einzelnen nicht namhaft
gemacht.
F'orficulariae* Drei neue chilesische Arten, Forficula chi-
lensiSf annulicornis und testaceicornis sind vonßlanchard
(in Gay's Faun. chil. t. VI.) beschrieben worden.
Blattariae. Auch diese Familie erhielt nur durch einige von
ßlanchard (in Gay's Faun, chil.) aufgestellte chilesische Arten einen
Zuwachs; diese sind: ßlatta ovata, reticularis, strig ata, Ka~
herlac castanea.
liepismenae. Eine neue Art aus Chili ist Lepisma hor~
rens Nico 1 et (Gay's Faun. chil.).
mrantides* Manlis Gayi und M. crenaticollis Blan-
chard (a. a. 0.) aus Chili sind die beiden einzigen neuen Arten, mit
denen diese Familie bereichert worden ist.
Spectra< Blanchard beschrieb (a, a. 0.) Bacleria granu-
licollis, f 0 1 i a c e a , Anisomorpha crassa, als n. Arten aus Chili.
Aclietae. Eine neue Art ist Gryllus fulvipennis Blan-
chard (a. a. 0.).
Lucas wies (Bull. d. 1. soc. ent. S. XIX.) nach, dass Trigoni'
dium paludicola Serv. den altern Rambur'scheu Namen Tr. cicindeloides
führen müsse. Diese bisher nur aus Südeuropa bekannte Art kommt
nach L. auch in Algier vor.
liocustariae. Einen ansehnlichen Zuwachs erhielt diese Fa>
milie durch Blanchard's Bearbeitung der in Chili aufgefundenen Ar-
ten (in Gay's Faun, chil.), welche ohne Ausnahme neu sind und zum
Theil auch neue Gattungen bilden: S ervillia (n. G.) spinifera,
Cratomelu s (n. G.) armatus , Anostosloma crassidens, Decli-
cus fuscescens, Locusla vittico llis , Gymnocera modesta, Pha~
neroptera albidi collis, C osmop hyllum (n. G.) p allidulum ,
olivaceum, Äcanthodls miserabilis.
während des Jahres 1851. 241
Eine sehr gute Abbildung von B ar hitistes Ocshayi Charp.,
einer neuen an der dalmatischen Küste einheimischen Art, wurde aus
C h arpen tier's Nachlasse in den Acten der Leopoldiner Academie
vol. 22. bekannt gemacht, Die dazu gehörige Beschreibung hat Gra-
venhorst geliefert.
Von GraeUs (Mem. d. Acad. d. Madrird t. II.) wurde eine neue
Gattung Pycnogaster errichtet, welche durch ihr zweistacheliges
Brustbein an die Gattungen Callymenus und Bradyporus sich anschliesst,
aber wie Ephippigera in beiden Geschlechtern gleich entwickelte und
mit Stimmorganen versehene Flügeldeckenrudimente besitzt. Die von
Graells als neu aufgestellte und Taf. IX. abgebildete Art, P. jugi^
cola aus Spanien, ist, wie v. Siebold in d. Ent. Zeit. 1853. S. 22.
mittheilt, nach der Bestimmung von Dr. Fischer = Bradyporus in-
ermis Ramb. Eine zweite nahe verwandte Art derselben Gattung bil-
det nach Fischer Barbitistes cucullatus Charp.
Nach Brisout de Barneville (Bull. d. 1. soc. ent. S. LXIX.)
ist Phylloplera marginella Serv. nicht , wie Serville angiebt, am Cap,
sondern in Südamerika (Brasilien, Ecuador) einheimisch.
Derselbe hat in der von ihm früher aufgestellten Locusta lineala
(S. Jahresber. f. 1849. S. 202.) nachträglich L. mandibularis Charp. er-
kannt (Bull. d. 1. soc. ent. S. LXXVI.).
Saga serrata, welche bisher nur im weiblichen Geschlechte bei
Wien vorgekommen ist, nährt sich nach Brauer (Haidinger Berichte
VII. S. 174.) nicht, wie die übrigen Locustinen, von Pflanzen, sondern
von Insecten.
Eine Abänderung von Helrodes Guyonii Serv. aus Algier mit
einfarbig schwarzglänzendem Hinterleibe zeigte Lucas in der entomol.
Gesellsch. in Paris vor (Bull. S. IV.) und bemerkte , dass von Serville
und von ihm selbst das Weibchen dieses Insects als das ölännchen be-
schrieben worden ist.
Ualdeman beschrieb in Proc. Amer. Assoc. held. at Cam-
bridge 1849. Boston 1850. p. 346. drei neue Arten von Phalangopsis ,
Ph. br ev ipes, r obustus , und gracilip^es. Die beiden ersleren
bilden ein neues Subgenus Daihinia, welches sich durch kürzere
Fühler, kürzere und stärkere Beine, und die Gleichheit des 2. und 3.
Tarsengliedes unterscheidet, und sich dadurch an Stenopelmatus annähert.
Die Männchen aller amerikanischen Arten beider Formen haben län-
gere Beine und eine Beihe starker Dornen an der Unterseite der Schenkel.
Acridii* Viele neue chilesische Arten wurden von Blan-
chard (a. a. 0.) bekannt gemacht: Proscopia striata, flaviro"
stris, armaticollis, coniceps, Tropinotm angusticollis, sul»
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 2. Bd. Q
242 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Enlomologie
caticollis, ornaticollis, C on om-elopus (n, G.) ochraceus,
crislatic ollis , Acridium in a c ulipenne, vittigerum, demo~
craticum, Podisma viridis, Oedipoda ochraceipennis, eine-
rascens, sig natipennis , humilis, Eremobius lulesc ens, B a-
trachepus (n. G.) tihialis, Tetrix miser abilis-
Quelques remarques geographiques sur les Acriditcs qui habi-
tent les possessions fran9aises du nord de l'Afrique et description de
deux nouvelles especes appartenant ä cette famille par Lucas (Ann.
d. 1. soc. ent. IX. S. 349—383.). — Der Verf. zählt 39 Arten auf, die
bisher im französischen Nordafrika beobachtet sind , nämlich : Truxalis
nasuta Linn., variabilis Klug, procera Klug, riiiniafa Klug (ö conspur-
cata Klug], rosacea Charp., Opsomala sicula Serv., Pamphagus numidi-
cus Foiret [elephas Serv., marmoralus ßurm.), Äcinipe hesperica Ranib.,
monticola Ramb. , nigropunctata Lucas, microptera Brisout , Acridium
lineola Fabr., peregrinum Oliv., Giornae Rossi , plorans Charp., Calli-
ptamus italicus Linn., marginelhis Serv. , Eremobia Clavelii n. A.,
Oedipoda insignis Lucas, n, A. , fusco eine la Lucas, flava Linn., mau~
rilanica Luc, algeriana Luc, insubrica Scop. (fasciata Fabr.), hispa-
nica Ramb. , coerulans Linn. , arenaria Luc. , longipes Charp. , migra-
toria Linn., bisignala Charp., crucigera Ramb., ihalassina Fabr., cru-
ciatd Charp , amoana Brisoul (cruentala Luc, non Brülle) , albolineata
Luc, Lucasii Brisout, bigulhila Linn., Telrix meridionaUs Ramb. , bra-
chyptera Lucas. Von den bekannten Arten hat der Verf. nur die Sy-
nonymie zusammengestellt und das Vorkommen erörtert , die beiden
neuen Eremobia Clavelii und Oedipoda insignis hat er ausführlich be-
schrieben, die erstere auf TaL 8. in beiden Geschlechtern abgebildet.
Von Brisout de Barneville wurde (Bull. d. 1. soc. ent. S.
LXVIL) Acridium g ab onense als n. A. von Gaben (westi, Afrika)
bekannt gemacht, sie gehört zur Gruppe Podisma und steht dem P. pe-
destre am nächsten.
Derselbe lieferte einen zweiten kleinen Nachtrag zu seiner
Liste der Pariser Acridier (s. Jahresb. f. 1848. S. 186., Bull. d. 1. soc.
ent. S. LXXXIX.), in welchem er weitere Angaben über das Vorkom-
men einzelner Arten und einige Berichtigungen zu den Bestimmungen
derselben mitlheilt. Einen ersten Nachtrag halte der Verf. schon 1849
dem Bull. d. 1. soc ent. S. LXXIX. einverleibt, ich habe desselben in
diesen Berichten aber nicht gedacht, da in ihm nur einige neue Fund-
orte bereits namhaft geraachter Arten verzeichnet sind.
Vermitides* Termes chilensis, n. A. von Chili, wurde
von Blanchard (a. a. 0.) im geflügelten, Soldaten- und Arbeiter-
Zustande beschrieben und abgebildet.
während des Jahres 1851. 243
Ein vom Senegal stammendes Weibchen des Termes fatalis L.
von 80 millim. Länge und 33 milljm. Breite wurde von Lucas in der
entomoL Gesellsch. in Paris vorgezeigt (BuH. S. LX.).
Psocicles. v. Siebold hat Preuss. Prov.-BL 1851. XL S.351.
die von ihm in Preussen beobachteten Arten dieser Familie namhaft
gemacht.
Von Blanchard (a. a. 0.) wurden fünf neue Arten von P50-
cus aus Chili aufgestellt: Ps. delicatellus, c ostalis, ornati-
pennis, valdiviensis, triang ulum.
Perl»riae* Auch' in dieser Familie sind einige neue chile-
sische Arten von Blanchard (a. a. 0.) beschrieben worden: Perla
vir es cc7itip ennis , s ticlica , infuscata, lineato colliSf Ne-
moura rufescens.
Kewman (Zool. App. S. CXXXIL) stellte JVemowra speusticOj
n. A. aus Neuholland, mit folgender Diagnose auf: nigra, alis anticis
obscuris, maculis numerosis fuscis oruatis , pedes nigri, femoribus basi
flavis, libiis prope basin ßavo - annulatis. (Long. corp. 0,4", alar.
dilat. 1,4").
Newport's wichtige Abhandlung „On the anatomy and affinities
of Fteronarcys regnlis Newm., with descriplions of some American
Perlidae and notcs on their habits" ist jetzt, durch eine schön ausge-
führte Kupfertafel erläutert, in den Trans, of the Linn. Soc. t. XX. P. IIL
vollständig erschienen. Der Inhalt derselben ist schon im Jabresber.
f. 1848. nach den damals veröffentlichten Auszügen besprochen worden.
liibetluiinae« Diese Familie ist nur mit einer neuen Art
aus Chili, Agrion vir idivittatum Blanchard (a. a. 0.) bereichert
worden.
Brittinger hat wiederholt frisch entwickelte Exemplare der
Sympecma fusca in den ersten Tagen des März in Oberöstreich gefan-
gen; es scheinen in diesen Fällen die Larven überwintert und unter
dem Einflüsse der ersten warmen Tage des Frühlings ihre Metamor-
phose vollendet zu haben (Sitz,-Ber. d- Wien. Acad. YIL S. 167.).
Uebcr die Verbreitung der Libellulinen in der Umgegend von
Wien hat Brauer in Haidinger's Berichten (Vil. S. 178.) einige Beob-
achtungen mitgelheilt.
I£p2ieinerifiiae» v. Siebold zählte in den Preuss. Prov.-BL
1851. XL S. 351. die von ihm in Preussen gesammelten Ephemeri-
nen auf.
Eine neue chilesische, von Blanchard (a. a. 0.) beschriebene
Art ist: Ephemera vi trip ennis.
244 Schaum: ßericht über die Leistungen in der Entomologie
Hemiiitera.
Von F. X. Fieber sind drei ausgezeichnete Arbeiten
„Genera Hydrocoridum secundum ordinem naturalem in fa-
milias disposita, cum tabb. IV.", „Species generis Corisa mo-
nographice dispositae c. tabb. IL", „Rhynchotographien. Drei
monographische Abhandlungen." in den Acten der kön. böhm.
Gesellsch. d. W^issensch. Prag 1851 erschienen, von denen
ich die beiden letzten am systematischen Orte analysiren werde,
die erste aber hier bespreche , weil sie mehrere Familien
(die Galgulites, Nepides, Notonectides} umfasst, vornehmlich
aber, weil der Verf. in der Einleitung derselben seine syste-
matische Anordnung der gesammten Rhynchoten bekannt ge-
macht hat.
Die ICinheilung ist folgende :
^ubordo I. Fl on ti r ostri a Zelt.: Os in margine anlico capi-
tis, frons libera,
Sectio 1. Gyninoccrata Fieb. : Antennae liberae , longae, 3,
4 aut 5 articulalae, articulis saepe epimero interpositis. — Subsectio 1.
Geodromica: Hemelytrae corio , clavo, membrana et interduni etiam
cuneo composita (exe. Cimice leclulario,). Faniiliae: 3Iegapeltidea, Co-
reodea , Lygaeodea , Berylidea , Phytocoridea , Anthocoridea , Cimicidea,
Aradoidea , Tingididea , Acanthidea, Leptopoidea, Reduvidea, Phymato-
dea. — Subsectio IL Hydrodromica: Hemelytra aut tegmina mem-
branacea , nervis longiludinalibus apice anastomosantibus venis sparsis
transversaiibus coniunctis. Familiae: Limnobatidea, Hydrometridea, He~
broidea.
Sectio IL Cryptocerata Fieb.: Antennae brevissimae, infrao-
culares, saepe fossae aut capitis niargini insertae, retractae , simplices
aut art. 2. 3. et 4lo dente curvato vel hämo instructis. Hemelytra
embolio instructa. Membrana vix distincta. Subsectio I. Littora-
lia: Stemmata duo. Acetabula pedum anteriorum margine postico pro-
sterni excisa. Familiae Mononycoidea , Galguloidea ^ Pelogonoidea. —
Subsectio IL Stemmala nulla. Acetabula pedum anticorum disco aut
margine postico prosterni excisa. Familiae Naucoridea, Nepoidea, No-
toneclidea , Corisidea.
Subordo IL Gulaerostria Zett. : Os capitis parti inferiori
(gulae) approximalum , frons infera vel antica, plana aut carinala vel
fornicata. Antennae saepe apice seta instructae.
Sectio I. Auchenorhyncha. Familiae: Stridulanles , Fulgorellae,
Membracides, Cicadellae. — Sectio IL Stenorhyncha. Farn. PsylUdes^
Thripsides, Aphides, Gallinsectes.
während des Jahres 1851. -^45
Neu ist in diesem Systeme die Errichtung der vier Subsectiones
der ersten Unterordnunj» und die Aufstellung mehrerer Familien, welche
indessen, soweit sie zur Sectio Gymnocerata gehören, nur namhaft ge-
macht, nicht näher charaklerisirt sind. Die beiden Subordines Fron-
tirostria und Gulaerostria entsprechen den Lalreiile'schen He-
teropteren und Homopteren, die beiden Sectiones Gymnoce-
rata und Cryptocerata den Burmeister'schen Gruppen Geocores
und Hydrocores, und es ist nicht wohl zu billigen, dass der Verf.
in diesen Fällen die gangbaren älteren Benennungen durch neuere er-
setzt hat, weil die letzteren die zoologischen Charaktere der Abihei-
lungen besser ausdrücken. Auch damit, dass er die Familiennamen
verändert, um gleichmässige Endungen in idea oder odea zu erzielen,
verstösst der Verf. gegen die durchaus richtige von Agassiz entwickelte
und von Erichson unterstützte Ansicht, dass für die Namen der Grup-
pen und Familien dasselbe Gesetz wie für die der Gattungen und Arten
zu gelten hat, dass nämlich auch hier die ältesten Namen, so weit sie
an sich zulässig sind , beibehalten werden müssen. — Sehr auffallend
und durch Nichts gerechtfertigt ist die Verbindung der Ihripsides mit
den Aphides und Psyllides zur Abtheilung der S t en o r hy n ch a in der
Unterordnung der Gulaerostria, indessen sind auch die Untersu-
chungen des Verf. bisher nur auf die erste Unterordnung, die der Fron-
tirostria, gerichtet gewesen.
In dem speciellen Theile der vorliegenden Abhandlung sind die
Gattungen der Cryptocerata in sehr gründlicher Weise erläutert
worden; die zu jeder gehörigen Arten werden hier nur genannt, aber
nicht beschrieben.
Die drei Familien, welche die Subsectio der Litoralia bilden,
enthalten jede nur eine bereits bekannte Gattung, die Mononycoi-
dea: Monomjx Lap. (iW. raptorius u. A.), die G alguloidea: Galgu~
lus Latr. (G. ociilalus Fabr. und sechs andere beschriebene Arten) , die
r e l 0 g onoid ea: Pelogonns Latr. (P. marginalus Latr. und zwei von
Guerin aufgestelle Species).
In der Subsectio der Aquatilia oder Natatoria sind die
Naucoridea durch folgende Kennzeichen unterschieden: Antennae
4-articulatae, simplices. Rostrum triarticulalum, art. basali annuliformi,
a labro triangulär! teclo. Pronotum transv-erse latius, margine antico
ad Caput recipiendum profunde exciso. Diese Familie zerfällt in die
Gruppe der Äphelochirae mit der einzigen Gattung Aphelochira Westw.
(Nmicoris aesliva Fabr.) und in die der Naucoridae mit den Gattungen
Nancoris Geoffr. und Chirochela Hope, die letztere ist dem Verf. un-
bekannt geblieben. — Die F&müie der N epo idea wird so charakterisirt:
Aidothecae appendices longae aut brcves. Anlennarum art. 2 et 3o unco
lalerali productis. Kostrum breve, tiiarticulatuni, cxcisurae clypei inserlum.
Labrum subulalum. Sie enthält die Gruppe der Belostomae, bestehend
aus den Gattungen Diplonychus Lap , mit eingliedrigen Vorderfügsen, und
246 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Sphaerodema Lap., Appasus Am. et Serv. (dem Verf. unbekannt), Zai~
tha Am. et Serv., Belostoma Lalr. mit zweigliedrigen Vordertussen,
— und die Gruppe der Nepeae mit den Gatlungen Nepa Linn. , Ra-
natra Fabr. und Cercotmetvs Am. et Serv. , die letztere ist dem Verf.
wieder unbekannt. — Die Charaktere der N otonectidea sind: Ca-
put breve rotundalum , trigonum , convexum , margine postice pro-
noto affixum. Antennae quadriarticulatae. ßostrum liberum, Tarsi art.
duobus, anlici maris saepe articulo unico (Anisops). Auch hier
sind zwei Gruppen zu unterscheiden , die Noloneclae mit den Gattun-
gen Anisops Spin., Nolonecta Linn. und Bothronotus Fieb. (Eni-
thares Spin.) und die Pleae mit dem Genus Plca Leach [Ploa Steph.).
— Die letzte Familie, die der C ori sidea, hat folgende Diagnose:
Caput scutellatum, margine postico pronoto incumbens. Oculi remoti.
Rostrum absconditum breve , inarticulalum , labro (clypeo) triangulari,
transverse-sulcato, labioque glabro inclusum. Pedes hetcronomi, tarsi
antici monomer!, palaeformes, unguiculo setaceo, postici dilatati. Pro--
sternum antice bilobum. Segmenta ventralia maris irregularia sinuata,
feminae aequalia. Hemelytra pergamenea ; membrana indistincta ener-
vis. Embolium lineare. Antennae sub capitis margine insertae. Sie
enthält nur die beiden Gattungen Corisa und Sigara , aus denen der
Verf. wieder zwei Gruppen Corisae und Sigarae gebildet hat.
Beiträge zur schwedischen Fauna enthalten die Verzeich-
nisse der in Gottland und im Districte von Calinar gesam-
melten Hemipteren von Dahlbom (Vet. Akad. Handl. 1850.
I. S. 155.) und der im nordöstlichen Schonen beobachteten Ar-
ien von Wallengren. (Vet. Akad. Öfvers. 1850. S. 252.).
D. zählt 172 Hemiptera (77 Homoptera, 95 Hcteroptera) , W.
deren 104 (28 Homoptera , 76 Heteroptera) auf. Unter den ersteren
sind 23 neu, und von Dahlbom ausführlich beschrieben worden.
Einen vorzüglichen Catalog der im brittischen Museum
befindlichen Hemiptera heteroptera hat Dallas auszuarbei-
ten begonnen „List of the specimens of Hemipterous Insects
in the collection of the British Museum. P. I."
In dem vorliegenden 368 S. starken und mit 11 Steindrncktafeln
ausgestalteten Bande ist nur die Familie der Fenlatoniidae, hier Scu-
tala genannt, behandelt, welche in zwei ünterabtheilungen SciUelleroi^
des und Pentalomoides und in 16 Gruppen zerlegt ist; von den letztern
gehören die Packycoridae , Eurygastridae , Podopidae, Odonloscelidae,
Plalaspidae, Oxynolae zu den Scutelleroides und enthalten 41 Gatlun-
gen mit 212 Arien, die übrigen Asopidae^ Cydnidae, Sciocoridae, Phlo-
eidae, Halydidae, Pentatomidae , Urostylidae, Edessidae, Phyllocephali-
dae , Megymenidae bilden die Unterabtheilung der Pentalomoides und
während des Jahres 1851. 24?
bestehen aus 154 Gattungen mit nahe 700 Arten. Üallas hat hier nur
die im britlischen Museum befindlichen Species verzeichnet, diese aber
sehr sorgfällig bestimmt und so weit sie neu waren, beschrieben. Ganz
besondere Mühe hat er sich mit der Feststellung der Synonymiß gege-
ben, welche nicht allein vollständig zusammengetragen ist, sondern auch
sehr viele neue Aufschlüsse enthält, und soweit ich Gelegenheit hatte,
dieselbe nachzuprüfen, sich mir als völlig correct bewährt hat. Zu
bedauern ist , dass der Verf. die fast gleichzeitig erschienene Mono-
graphie der Sciocoriden - Gruppe von Fieber nicht hat benutzen kön-
nen ; sonst sind, mit Ausnahme einer von Schiödte über die Familie
der Cydnini in Kroyer's Zeitschrift mitgefheillen Abhandlung, wohl alle
hierher einschlagenden Schriften berücksichtigt. — An der Spitze jeder
Gruppe steht eine tabellarische üebersicht der Galtungen, wodurch das
Erkennen derselben sehr erleichtert wird; die neuen sind ausserdem
noch ausführlich charakterisirt. Die Zahl derselben ist sehr beträcht-
lich, indem der Verf. die Grundsätze von Amyot und Serville bis in
ihre letzte Consequenz verfolgt hat. Einzuräumen ist allerdings , dass
durch diese Vervielfältigung der Genera, da sie übersichtlich angeord-
net sind, das Bestimmen der Arten erleichtert wird. — An den Abbil-
dungen vermissl man ungern die Schärfe der Conturen, die sonst eng-
lischen Zeichnungen eigen zu sein pflegt. — Da das Werk denjenigen
Entomologen unentbehrlich ist , welche sich mit dieser Ordnung be-
schäftigen, so ist ein näheres Eingehen auf den Inhalt desselben über-
flüssig. Unter den von dem Directorium des britlischen Museums her-
ausgegebenen entomologischeq Verzeichnissen nimmt es unbedingt den
ersten Rang ein.
Description de nouvelles especes d'Hemipteres par Si-
gnoret (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc, t. IX. S. 329—348.
Taf. 10.). — Hemipteres nouveaux, provenant du Gabon de-
crits par Signoret (Rev. zool. S. 438. Taf. 12.).
List of the specimens of IheHomopterous Insects in the
collection of the British Museum. P. IL u. P. III. Printed by
Order of the trustees. London 1851.
Mit diesen zwei Theilen , welche , e^benso wie der im vorigen
Jahresberichte angezeigte erste, von F. Walker ausgearbeitet sind,
ist das Verzeichniss der Horaopteren geschlossen. W. hat, wie früher,
in dasselbe nicht bloss die im britlischen Museum befindlichen, sondern
auch alle ihm nur aus Beschreibungen bekannte Arten aufgenommen.
Es hat dadurch bedeutend an Brauchbarkeit gewonnen , obwohl es al-
lerdings noch mancherlei Lücken enthält. Unter den Fulgorellen
vermisse ich z. B. Cladoptenjx Spinolae Blanch. , Poeocera sangidno-
lenta Bl., Plerodichja nigrolineala Bl., Ricania corlicina Burm,, Calo-
248 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
scelis Stemmalis Burm. , Derbe squamigera Fabr. , D. nehulosa Germ. ,
Flala conica Say , Ämphiscepa malina Germ. etc. Dafür kommt Issus
nasutus Herr.-SchaefF. zweimal S. 361. als Myclerodus n. und S. 371. als
Issus n. vor. In andern Fällen sind beschriebene Arten nicht an die
richtige Stelle gebracht, so ist Fulgora planirostris Donov., die zu den
Tettigoniden gehört, zu Omalocephala P. II. S. 284 gestellt, Aphana
corticina Burm. Walk. S. 274. ist eine Dilobura, Poeciloptera umhra-
culala Fabr. , (S. 446.) eine Äcanonia und daher von Foec. pyralina
Germ., die als Synonym citirt wird, sogar generisch verschieden. Eine
falsche Valerlandsangabe ist mir nur bei Episcius plalyrhinus Germ.
(Ostindien statt Brasilien) aufgestossen. — Die Zahl der vom Verf. zu-
erst beschriebenen Arten ist so gross , dass sein Werk wohl für län-
gere Zeit eins des wichtigsten Hülfsmittel für die Bestimmung der
exotischen Formen bleiben wird ; die Synonymie der früher bekannten
ist mit Fleiss nach den vorhandenen Vorarbeiten zusammengestellt, giebt
uns in einigen Fällen auch dankenswerthe neue Aufschlüsse. — Was
die systematische Anordnung betrifft, so hat sich W. in der Familie
der Fulgorellae und Cicadellinae- streng an die Arbeit von Amyot und
Serville, in der Familie der Membracides an die von Fairmaire gehal-
ten. Die letzteren werden mit Xerophyllum Servillei Fairm. eröffnet,
obwohl bereits Erichson bemerkt und auch Fairmaire selbst spä-
ter erkannt hatte, dass dieses Insect ein Orthopteren ist. Unter den
Fulgorellen und Cicadellinen hat der Verf., den Amyot- Serville'schen
Principien folgend, einige neue Galtungen errichtet, welche ohne Ausnahme
nur durch einen einzigen von der Form eines einzelnen Theils her-
genommenen Charakter begründet werden , und über deren Werth da-
her nur das ürthcil Erichson's über die von Amyot und Serville auf-
gestellten Genera zu wiederholen wäre. Ich habe sie unten am sy-
stematischen Orte namhaft gemacht.
Asa Fitch's Synoptical Catalogue of the Homopterous
Insecfs of the State of New- York, veröffentlicht im „Fourth
Annual Report of the Regents of the University on the Con-
dition of the State. Cabinet of Natural History" ist mir zur
Zeit nur aus Westwood's Uebersicht über die entomologi-
schen Leistungen während des J. 1851. (Proc. entom. S. 155.)
bekannt.
Westwood bemerkt nur , dass der Verf. viele neue Arten, dar-
unter einen mit dem IVamen Kirbii belegten Otiocerus beschrieben
und mehrere neue Gattungen in der Familie der Membraciden und Tet-
tigoniden errichtet hat.
Pentatomidae« Diese Familie wurde vonSignoret (Ann,
während des Jahres 1851. 249
d. 1. soc. ent 1851. S. 329.) mit vier neuen Gattungen und einer An*
zahl neuer Arten bereichert. Die Gattungen sind :
Ce rataulax, mit Sephela Am. et Serv. in nächster Verwandt-
schaft stehend, durch schmalen Kopf und das gebogene, von einer Rinne
ausgehöhlte zweite Fühlerglied ausgezeichnet. C. qu a drivit ta tus
n. A. (Taf. 10. Fig. 9.) von Ile Maurice.
Tetrat oma (der Name kann neben der Käfergattung Tetratoma
nicht bestehen) , in vielfacher Beziehung mit Aelia übereinstimmend,
aber das Frosternum ist vorn nicht in eine die Fühler bedeckende
Platte erweitert und die Fühler sind nur viergliedrig; zwischen dem
ersten und zweiten Gliede befindet sich zwar noch ein kleines supple-
mentäres Glied, dasselbe kann aber nicht mitgezählt werden, da es mit
dem zweiten eng verwachsen und nicht frei gegliedert ist, T. sene^
g alensi s n. A.
Carenoscaptus hat das Aussehen von Acanthoeoma und die
Beine von Rhaphigaster und ist besonders durch eine Aushöhlung des
Brustkiels, wodurch derselbe doppelt erscheint, charakterisirt. C ma-
culipes n. A. von Silhet,
E ury aspis bildet gemeinschaftlich mit Acanthosoma , Etopli-
les, Rhyncocoris und Tatirocertts eine besondere kleine Unterabiheilung,
welche durch cylindrische Schienen charakterisirt und von S. „Cylin-
dripedes'' genannt wird, und ist hier besonders durch das grosse,
mehr als drei Viertheil des Hinterleibes bedeckende , sehr breite und
gerundete Schildchen ausgezeichnet. E. tr ansv ersalis n. A. von
Fondicherey.
Die neuen von S. a. a. 0. beschriebenen und mit. wenigen Aus-
nahmen Taf. 10. abgebildeten Arten heissen : Agotiosoma quadrigut-'
tatum von Neu-Granada , Chlorocoris distinctus von Mexiko , Halys
pulchra vom Senegal, Discocephala vicina aus Brasilien, D. po-^
Uta aus Columbien , D. scutellata von Venezuela, D. ovata aus
Brasilien, Strachia quadripuncta ta und fasciala aus Neuholland,
Arocera circumcincta aus Brasilien, Brachysternus vicinus aus
Brasilien, g enicu lat us von La Guyaira, rubromaculatus aus Me-
xico, Phyllocephala dilatata vom Senegal, Megarhynchus vittatus
ebendaher. In den meisten Fällen hat der Verf. die aus den hier ge-
nannten Galtungen bisher bekannt gewordenen Arten sämmllich auf-
gezählt.
Nachträglich 'bemerkte S ig n or et (Bull. d. 1. soc. ent. S. CVIil.),
dass mehrere der hier aufgestellten Arten von Dallas (List of He-
mipt. Ins.) unter andern Namen beschrieben sind , und zwar ist Ago-
nosoma quadriguttalum = flavipes Dali. ; Chlorocoris distinctus = r«-
fispinus Dali ; Halys pulchra =. Agaeits discolor Dali. ; Cerataulax vit-
tatus = Mecidea linearis Dali. ; Strachia fasciata = elegans Dali. ;
Str. quadripvnclata = nigrorubra Dali. ; Carenoscaptus macvUpes =
250 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Diplostira valida Dali.; Bracht} slelhus rubromaculalus die gleichnamige
Art \on Dallas.
Von Signoret wurde auch in Guerin's Revue et Mag. d. Zool.
S. 438. eine Anzahl neuer Arten dieser Familie beschrieben und mei-
stentheils auf Taf. 12. abgebildet: Calliphara nigricornis, Calli-
dea novemmaculata, Sphaerocoris dis tinct u s , Hotea vi cinum,
Helerocrates seil at us, Pentaloma maculatay (nachträglich S. 312.
von S. als Cimex pugillator Fabr. erkannt), P, bip artita f Mormidea
maculipesy Aspongopus limbatus , Fhyllocephala striata, P. di-
stincta und P. vi ein a, sie sind sämmtlich im westlichen Afrika am
Gaboon zu Hause.
Die Gruppe der Sei 0 cori d en hat Fi eher (Rhynchotographien
S. 7—36.) in sehr gründlicher Weise bearbeitet und nicht allein mit
vielen neuen Arten, sondern auch mit drei neuen Gattungen vermehrt.
Den Charakter der Gruppe bestimmt der Verf. in folgender Weise :
Körper meist plattgedrückt, oval oder länglich. Kopf platt mit breitem
blattartig erweitertem Rande, der die Fühlerwurzel fast bedeckt. F'üh-
1er ögliedrig, das vierte und fünfte Glied meist dicker als die übrigen.
Schnabelscheide viergliedrig. Pronotum querüber breiter als lang.
Schild oft mehr als 73 des Rückens lang. Beine kurz. — Nach der
Bildung des Kopfes zerfallen die Galtungen in folgende Abiheilun-
gen : A. Der Kopf vorn mehr oder weniger tief gespalten. Drypto-
cephala Lap. mit vier dem Verf. aus eigner Anschauung und drei nur
aus Beschreibungen bekannten Arten. — B. Kopf länglich viereckig,
mit nach vorn rundlich vorstehenden Seitenlappen: Oncodochilus,
auf Sciocoris aradiformis Herrich - Schaeffer gegründet. — C. Kopf
querüber breiter als lang oder länglich abgerundet , fast ganzrandig.
Pronotum querüber sechseckig oder nierenförmig. Sciocoris Fall, mit
24 grossentheils neuen Arten; Discocephala Lap. 8 A. ; M acr 0 thy~
reus n. G. mit 1 n. A. aus Brasilien, M. annulic ornis ; Pa-
ramecus ebenfalls neue, mit einer neuen hinterindischen Art, P.
ruficornis , gebildete Gattung deren Namen indessen, da er bereits
bei den Coleopteren vergeben is.t , zu ändern sein wird , und Sephela
Am. etServ., dem Verf. nicht aus eigner Anschauung bekannt.
Note on the British Species belonging to the genus Acanthosoma
Curt. by W. S. Dallas (Trans. Ent. Soc. S. 109.). — Der Verf. setzt
hier die Unterschiede und die Synonymie der vier in England einhei-
mischen Arien sorgfältig auseinander. A. Kopf vorn zugespitzt, der
mittlere Lappen länger als die seitlichen. Die Seiten des Hinterleibes
kaum vorstehend, ohne schwarze Flecken, a. ßasalglied der Fühler
über die Spitze des Kopfes hinausragend: 1. A. haemorrhoidale Linn.
et alior. 2. A dentalum Degeer, haemagaster Sclirank, Herr.-SchaefF.,
während des Jahres 1851. "51
Burm., collare Fabr. — b. Basalglied der Fühler nicht über die Spitze
des Kopfes hinausragend. 3. Ä. liturahim Fabr. Herr. -Schaeff. , chj-
peattwiBixrm. — B. Kopf vorn gerundet, die seitlichen Lappen so lang
wie der mittlere. Die Ränder des Abdomens vorstehend, schwarz und
gelb gefleckt. 4. A. griseum Linn. Burm. , interstinclum Linn., Belulaß
Degeer, agathinum Fabr. etc.
Coreides. Die bisher auf Afrika beschränkte Gattung Pela-
scelis Sign, wurde von Signoret (Ann. d. 1. soc. ent. S. 121. Taf. 4.
N. IV.) mit einer neuen Art P. spinosus aus Silhet bereichert, sie
gehört in die Abtheilung mit tlügelförmig erweiterten Hinterecken des
Halsschildes (s. vor. Jahresber. S. 121.) und ist besonders durch die
ganz mit Dornen besetzten Hinterschenkel ausgezeichnet. — Die Er-
weiterung der Schienen ist, wie der Verf. sich jetzt überzeugt hat,
in dieser Gattung bei beiden Geschlechtern gleich , während sie bei
den meisten Arten von Mictis sexuelle Verschiedenheiten zeigt.
Zwei neue am Gaboon einheimische Arten von Mictis wurden
von Signoret (Rev. et Mag. d. Zool. S. 447. Taf. 11.) unter dem
Namen M. melallicus und M. tuberculatus aufgestellt.
Ivyg-aeites. Fieber hat in seinen Rhynchotographien S.37
— 44 die Charaktere der in VVeitenweber's Beiträgen zur Natur- und
Heilkunde von ihm aufgestellten Gattung Oxycarenus (= Stenogaster
Hahn, Amyot et Serv.) erörtert und 16 zu derselben gehörige Arten
unterschieden; von denen vier: 0. bicolor aus Hinterindien, Ger-
marii vom Cap, Helferii aus Hinterindien, inermis aus Serbien,
neu sind. — Oxyc. lardus Fieb. [Stenogaster tardiis Hahn) ist schon
von Fabricius als Lygaeus Lavandulae beschrieben und von Spi-
nola als Aphanus Lavandulae aufgeführt worden.
Von L. Dufour wurde (Ann. d.i. soc. ent. S. 32S. Taf. 11. N.III.)
Rhyparochronms br achiidens , als n. A. von Madrid aufgestellt, sie
ist durch vielfach gezähnte Vorderschenkel und gekrümmte , an der
Spitze verdickte , mit vier starken Zähnen bewatFnete Vorderschienen
ausgezeichnet.
Rhyparocitromus niargin'alus und Stenogaster fusco-veno-
sus, zwei neue in Gottland entdeckte Arten, machte D ahlb om (Vet.
Akad. Handl. S. 218 ff.) durch ausführliche Beschreibungen bekannt.
Capsini. Dahlbom beschrieb Cyllecoris vilat tus , Phyto-
coris pallidulus, P. viridipennis Zeit, und Lopus oculatus ,
als neue Arten aus Gottland und bildete aus Cimex filicis Linn. eine
besondere Gattung Mo nalo coris , welche sich dadurch auszeichnet,
dass die Apicalmembran der Flügel nicht wie sonst bei den Capsinen
iwei, sondern nur eine Zelle besitzt. (Nach ßoheman ist Cyllecoris
252 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
vitlatus mit dem im vorigen Jahresberichte erwähnten Cap$us fiavolim-
batus Boh. identisch).
Ting^idites* Serenthia laeta [Aradus laelus Fall., Piesma lri<-
color I^ap.) findet sich nach L. Dufour (Ann. d I. soc. enl. S. 57.)
bei St. Sever auf Schacnus albus.
Rednvini* Die Gattung Nabis wurde von Dahlbom (Vel.
Akad. Hand. S. 224.) mit vier neuen Arten aus Gotlland, iV. fumi^
nerviSf dorsalus, limbatu s, lineatus vermehrt.
Pristhesancus quadridens {Reduvius q. Fabr.) wurde von Signo-
ret (Rev. et Mag. d. Zool. Taf. 12. Fig 7.) abgebildet.
In einer kleinen 1850 in Messina erschienenen Schrift ;,Descri-
zione zoologice d'una nuova specie de Ploiaria et di alcuni Crostacei
del porto di Messina" hat G. de Natale eine Beschreibung und eine
allerdings sehr rohe Abbildung einer neuen Ploiaria (= Gerris Fabr.
Burm.) unter dem Namen P. ambi gua geliefert, deren Diagnose ich
hier vollständig miltheile, obwohl sie fast nur Gattungscharaktere ent-
hält, da das Scbriftchen nur sehr wenigen Entomologen zu Händen
kommen dürfte, „corpore griseo, uniformi, lineari, antice teretiusculo,
demum valde dilalalo; hemelytris alisque nullis, antennis longissimis
bifraclis, corporis dimidio valde longioribus, oculis rolundatis nigris, al-
bopunctatis; quatuor pedibus posticis linearibus, longitudinem antenna-
rum subaequantibus, anterioribus dentatis, posticis subaequalibus , arti-
culis invicem reflexis dilatatis; hauslello mobili, Iriarliculato usque ad
Collum porrecto." Aus der Abwesenheit der Flügel ist zu vermuthen,
dass der Verf. nur eine Larve vor sich gehabt hat.
IVotonectides* Die Gruppe der Notonectae, bestehend aus
den Gattungen B o ihr onoltis Fi eh. [Enithares S^in.), Noionecta L'mn. und
Anisops Spin., ist von F'ieber (Rhynchotographien S. 45 — 62.) mo-
nographisch behandelt worden. Bolhronotus enthält vier, Noionecta
elf und Anisops acht dem Verf. aus eigner Anschauung bekannte, zum
grossen Theil hier zuerst aufgestellte Arten.
Von Fieber haben wir auch eine sehr gründliche monographi-
sche Bearbeitung der Galtung Corisa erhalten : „Species generis Corisae
monographice disposilae;" sie vervollständigt die früher von demsölben
Verf. gegebene und im Jahresber. f. 1848 angezeigte Synopsis der eu-
ropäischen Corisa-Arten durch ausführliche Beschreibungen und durch
Aufnahme der exotischen Species. Im Ganzen sind 51 Arten vom Verf.
selbst untersucht und scharf unterschieden, 20 wahrscheinlich in diese
Gattung gehörige, von verschiedenen Schriftstellern beschriebene, aber
aus dtn mangelhalten Angaben nicht zu erkennende sind am Schlüsse
der Abhandlung namhaft gemacht. - Auf zwei Steindrucklafeln sind
während des Jahres 1851. 253
die schaufelförniigen Vorderfüsse der verschiedenen Arten, deren Form
gute specifische Kennzeichen darbietet, abgebildet; leider sind die Zeich-
nungen des Verf. durch die schlechte Ausführung des Drucks etwas
verunziert worden.
F'ulg-orellae. Von Walker sind (List of the Homopt. ins.)
drei neue Gattungen in Vorschlag gebracht: Prolep la mit Pyrops
Spin, zunächst verwandt „capitis cornu gracile apicem versus compres-
sum, apice subdilatalum ," enthält Fulgora apicalis Westw. , decorala
Weslw., Horsfieldii Wcslw. aus Asien, Fulg. obscurala Fabr. und dila-
tala Westw. aus Neuholland. — Rhino rta „Omalocephalae alfine,
Caput conicum' Rh. guttata n. A. von Port Natal. — A selg ei a
„Dictyophorae affinis, alae anticae confertim reticulalae, areola quoque
dimidio intersecla. A. ramulifera n. A. von Port Natal.
Mit einer Anzahl neuer Arten , namentlich aus der Derbiden-
Gruppe, wurde diese Familie von Westwood (Ann. nal. hist. VII.
S. 207.) bereichert: Aphana sanguinalis von Ceylon, A. mada-
g as c arien sis von Madagaskar, Eurybrachys crudelis von Ceylon,
Omalocephala morosa von Port Natal, (von Walker gleichzeitig
als Aphanal morosa beschrieben), Derbe substri gili s von Bra-
silien, D. (Phenice) moesta aus Ostindien, D. (Ph.) tesselata von
Sierra Leone, D. (Ph.'i) bicl avata von Congo, D. (Ph.?) dilatata
von Sierra Leone, D. (PA.?) carnosa aus Ostindien, D. [Thraciä)
Essingtonii von Port Essington , D. [Thracia) pter ophoroides
von Ceylon.
Die Gattung Delphax erhielt wieder einen Zuwachs durch eine
in Gottland einheimische, von Dahlbom (Vet. Akad. Handl. S. 199.)
sehr ausführlich nach beiden Geschlechtern beschriebene Art, D. al^
ho sign ata.
Issus grylloides ¥2ihr. ist nach L. Dufour (Ann. d. 1. soc. enl.
S. 57.) von /. grylloides Spin, verschieden, letzterer hat rudimentäre
Oberflügel und bildet desshalb die Gattung Gryllomorphus Amyot, wäh-
rend die Fabricische Art zu Hysteropterum Amyot gehört , indem bei
ihr die Oberflügel länger sind als der Hinterleib; sie steht I. immacu-
latus Fabr. nahe, ist aber kleiner, die Flügelnerven sind weniger pa-
rallel und die Hinterschienen haben nur einen Zahn. Dufour erhielt
Exemplare . desselben von Madrid , Fabricius giebt Italien als Vater-
land an.
]9Ieiiibracicles. Eine neue Art von Ceulrotus ist bei Madrid
entdeckt und von Fairmaire (Ann. d. 1. soc. entom. S. LXXXVI.)
unter dem Namen C. chlo roticus beschrieben worden.
Cicadellae. Mehrere neue Galtungen wurden von Wal-
ker (List of Uompt. ins.) aufgestellt, in der Aphrophoriden«
254 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Gruppe: Perinola „corpus sat. anguslum, caput produclum conicum."
P. Septem fasciata und varia, neue Arten von den Philippinen;
Chalepus (vergebner iName) „caput anlice ottenuatum , compressum,
subarcuatum, ascendens." Ch. hastatus unbekannten Vaterlands und
C h. t eliferu s aus KeuhoUand; Isthmia „corpus sat. angustum,
conicum, transverse striatum, concavum." /. und ata n. A. aus Sierra
Leona ; — in der Gruppe der Tettig o n i d en : Fr Ojp cf es „caput co-
nicum, non acuminatum, supra foveolatum, abdomen basi compressum,
tibiae anticae dilatatae." P. compre ssa von Para.
Sign or et hat seine im vorjährigen Berichte angezeigte Mono-
graphie der Eurymeliden-Gruppe jetzt durch die Bearbeitung der Gat-
tung Aethalion Lalr. ergänzt (Ann. d. I. soc. ent. S. 669 — 680.). Von
14 vom Verf. beschriebenen Arten waren nur drei früher bekannt: A.
reliculatum Linn., A. albinervosum Blanch., A. Servillei Gast. (Taf. 14.
Fig. 8.), die neuen sind: A. parviceps (Taf. 14. Fig. 6.), Lalreil-
lei, tmi c olor , aus Chili, semi- annulatiini^ simile, aus Brasi-
lien, vicinum aus Columbien, multic olor aus Chili , parallelum
von Para, nigruni aus Brasilien, curvatum (Taf. 14. Fig. 9.) von
Sta. Fe de Bogota, n ervoso -punctatum (Fig. 10.) aus Mexiko. —
Die Männchen scheinen in dieser Gattung weit seltner zu sein als die
Weibchen. Walker's List of the Homopterous insects of the British
Museum, wo sieben neue Aethalion- Arten beschrieben sind, hat vom
Verf. noch nicht berücksichtigt werden können , da die letzlern aber
mit Ausnahme des brasilianischen , von S. nicht gekannten, A. apicale
alle aus Columbien sind , so scheint die Synonymie weniger als zu
vermuthen war , durch das gleichzeitige Erscheinen zweier Arbeiten
vermehrt worden zu sein.
Toll in hat (Ent. Zeit. S. 67—74.) die von ihm bei Neu-Damm
in der Mark gesammelten (14) Typklocyba- Arien aufgezählt, Bemerkun-
gen über das Flügelgeäder bei einzelnen derselben mitgetheilt, drei
neue, T. Coryli, roseipennis und fasciata beschrieben und eine
schematische Anordnung der 31 bekannten Species nach dem Aderver-
lauf der Flügel gegeben.
Mehrere neue gollländische Arten der Jassiden-Gruppe wurden
von Dahlbom (Vet. Akad. Handl. S. 179 ff.) durch ausführliche Be-
schreibungen bekannt gemacht : Typhlocyba Pteridis auf Pteris aqui-
lina, Cicadula Alneti auf Alnus glutinosa beobachtet, C. or ichal-
ceüy Thamnotettix aliena, Dellocephalus pallidinervis, D. con-
finis, D. fucosignatus.
fitridulantes* Die merkwürdige Gattung Cyslosoma ist von
Westwood (Ann. of nat. bist. VIL S. 207.) mit einer zweiten Art,
C' vitripennis aus Neuholland bereichert worden, welche von C.
während des Jahres 1851. 255
Saundersii durch weniger zahlreiche Zellen der Vorderflögel abweicht,
sie hat nämlich nur eine Reihe von 10 Zellen zwischen den 5 grossen
Basal- und 13 langen Apicalzellen. Amyot hat desshalb im Pariser
Museum aus ihr eine besondere Unlergaltung C hlorocy sla gebildet.
Die Länge des Körpers beträgt IV2") die ausgespannten Vorderflögel
messen 2^2"-
Das periodische Vorkommen der Cicada septendecim in Nord-
amerika ist von Dr. G. 13. Smith und R. Spence (Proc. ent. Soc.
S. 80. u. S. 103.) besprochen worden.
Psyllidae. Pstjlla malachitica wurde von Dahlbom
(Vet, Akad. Handl. 1851. S. 177.) als neue Art aus Gotlland beschrie-
ben, sie ist der Psylla Rumicis Fall. (= Tettigonia exilis Weber und
Mohr) am nächsten verwandt
Apliidli» Mehrere neue Arten wurden von Dahlbom in
Gotlland entdeckt und (Vet. Akad. Handl. 1851. S. 169.) beschrieben :
Vacu7ia eleg antula auf Pinus sylvestris, Lachnus Aucupariae, L.
disting uen aus auf Salix caprea, Aphis excelsioris auf Fraxinus
excelsior beobachtet.
Nach Fairmaire (Bull. d. 1. soc. ent. S. CVII.) findet sich
eine neue Art von Schizoneura bei Paris an den Wurzeln einer Gra-
minec der Gattung Setaria , sie ist von ihm nicht benannt, auch nicht
näher beschrieben worden.
Coccides. Bouche hat in der Entomol. Zeil; S. 108. Aleu-
rodes Aceris und A. Phylliceae (soll wohl Phillyreae heissen) als
zwei neue Arten aufgestellt, die erste ist schon unter demselben Na-
men von Bärensprin g beschrieben (S. Jahresber. f. 1849. S. 248.)
Derselbe machte (ebenda S. HO.) auch eine Anzahl neu ent-
deckter Schildläuse bekannt: Aspidiohis poniorum, pini, buxi, sa-
liceti, pinnaeformis, tiliae, vaccinii, populi (scheint mit
populi Bärenspr. libereinzustimmcn) jtinip eriy myrtki, Leucanium
villi, Salicis, qtiercicola, epidendri, Quercus, die letztere
Art ist schon von Reaumur abgebildet. Mit" Ausnahme von Asp. tiliae
und populi sind alle nur im weiblichen Gcschlechte beobachtet worden.
Epizoa*
In Gay's Faun, chilena sind Giropus Lagoti auf Lagotis Cuvie-
rii lebend, Liotheum gig anteum und puiictatum als neue Arten
beschrieben.
256 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie etc.
Thysanoptera.
Diese Ordnung hat einen Zuwachs durch folgende neue chilesi-
sche, von Blanchard in Gay's Faun. chil. beschriebene Arten erhal-
ten : Thrips Stria li ceps, rugicollis,femoraliSf annulicornis ,
tibialis, laevicollis^ Aelothrips fasci atip ennis.
Thysanura.
In Gay's Fauna chilena ist diese Ordnung von Nicolet bear-
beitet und mit folgenden neuen Arten bereichert worden : Machilis
anceps, striata, Smynthurus deformis, fulvip es , exiguus,
liliput anus f Orchesella chilensis, Degeeria atra, decora^
incert a, crassicornis^ tnembranea, Cyphoderus gig anteus,
flave scens, Achorutes similis, Anurophorus dubius, certus,
Anoura (n. G.) chil en sis, albipes, atra. — Eine neue hier
beschriebene Art von Lepisma ist bereits oben bei den Orthopteren er-
wähnt worden.
Bericilt über die lieistuiig^en im Oebiete der
njaturg^escliichte der Mollusken während
des Jahres 1951.
Vom
Herausg-eber.
Die Naturgeschichte der Mollusken erhielt im Jahre
1851 recht reichhaltige Beiträge, die die Kenntnisse von die-
sen Thieren in vielen Beziehungen erweitern. Namentlich
zahlreich sind diejenigen Schriften , welche sich mit der Be-
trachtung einzelner Faunengebiete beschäftigen; auch sind
kleinere monographische Versuche über einzelne Gattungen
zu nennen. Auch die anatomisch -physiologische Seite ist
nicht leer ausgegangen, und ziemlich gross ist die Zahl der
neu aufgestellten Arten.
Von der Küster'schen Ausgabe von Martini-Chemnitz
Conchylien-Cabinet erschienen im Jahr 18ol als Fortsetzung
die Lieferungen 101—104. Sie enthalten Abbildungen, wel-
che sich auf die Galtungen ISatica, Helix, Trochus und Am-
pullaria beziehen. Im Texte werden die Gattungen Trochus
(no. 162— 292.)und/fe/«j; (no.4l4— 4B0.) forlgesetzt, und die
Gattung AmpuUaria begonnen ; sie ist von Philippi bearbeitet
und von no. 1. bis 31. fortgeführt. Die Namen der neuen
Arten der Gattungen Troc/iM5 m\(\. Ampullaria sind unten mit-
getheilt.
Von G. B. Sowerby's „Thesaurus Conchyliorum , or
figures and descriptions of recent shells" erschien im Jahr
1851 Part. XII, mit Monographien der Gattungen ü/eroe, Ct/-
Archiv. f. Naturgesch. XVIU. Jahrg. 2. Bd. R
Q58 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
therea und Circe. Die Gattung Meroe enthält 7 Arten, die Gat-
tung Cytherea 115 Arten, die Gattung Circe 16 Arten.
Von „A Catalogue of the shells, arranged according to
the Lamarckian System, with their aulhorities, synonymes,
and references to works where figured or described, contai-
ned in the collection of John C. Jay" erschien die vierte
Ausgabe New York 1850. 4.
Dieselbe ist ausserordentlich vermehrt, und zählt im Ganzen 10874
Nummern. Ziehen wir hiervon die 38 Annulaten, und die 83Cirripe-
dien ab , so bleiben doch immer noch 10753 Moiluskcn-Arten übrig ,
wobei freilich einige Varietäten mitgezählt sind, natürlich auch manche
fossile Arien. Die erste Columne enthält die fortlaufende Nummer, die
zweite den Namen der Species, alphabetisch geordnet, die dritte den
Autor, die vierte die Nummer der zweiten Ausgabe des Lamarck, mit
Ausnahme der Heliceen und Cycloslomaceen, bei denen sich die Num-
mern auf L Pfeiffer beziehen, die fünfte Columne enthält das Vaterland,
die sechste die wichtigsten Citate, die siebente endlich die Synonyme.
Als Anhang ist ein Verzeichniss der reichen Bibliothek des Verf. ab-
gedruckt, alphabetisch geordnet. Den Beschluss macht ein alphabeti-
scher Index.
Von den Sammlungen des British Museum sind seit
einigen Jahren Cataloge erschienen; so aus dem Gebiete der
Mollusken: Catalogue of the Mollusca in the Collection ofthe
British Museum. By J. E. Gray Part. 1. Cephalopoda Ante-
pedia 1849. Part. 2. Pteropoda 1850. Part. 3. Placuniadae and
Anomiadae 1850., ferner List of British Mollusca and shells
with Synonyma, Acephala andBrachiopoda 1851., endlich No-
menclature of Mollusca. By W. Baird.Part. I. Cyclophoridae.
Pfeiffer lieferte in seiner Zeitschr. f. Malak. p. 97
— 118. eine Fortsetzung seiner „Bemerkungen über Deshayes's
Bearbeitung des Ferussac'schen Werkes. Vergl. den vorigen
Bericht p. 102. .
Clark veröfTenllichte in Annais nat. hist. VII. p. 469. sein
System der brittischen See-Mollusken: „On the Classification
of the British Marine Testaceous Mollusca."
Es werden 6 Abtheilungen gemacht, die auf den Geschlechfsver-
hältnissen basiren sollen: l) Acephala palliobranchiata, ZwiUer ohne Be-
gattung. 2) Acephala lamellibranchiata , Zwitter ohne Begattung (dem
Verf. ist also noch nicht bekannt, dass die allermeisten Muscheln ge-
trennten Geschlechts sind), hier werden Gruppen gebildet je nachdem
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 259
derMantel offen oder geschlossen, und je nachdem dieSiphonen fehlen,
kurz oder lang sind. 3) Gasteropoda lateribranchiata , cijclobranchiata,
cervicobranchiata, Zwitter ohne Begattung, 4) Gasteropoda pleurobran-
chiata, cryplibranchiata, pulmonifera, Zwitter mit Begattung. 5) Gaste-
ropoda pectinibranchiata , getrennten Geschlechts; sie werden weiter
eingetheilt nach der Lage der Augen, und dem Vorhandensein oder
Fehlen eines Rüssels. 6) Cephalopoda.
An introduction to Conchology, or Elements of the na-
tural history of Molluscous Animals. By George John-
ston. 1850.
Petit de la Saussaye veröffentlichte im Journ. de
Conchyl. p. 102. eine Anleitung zum Sammeln der Conchy-
lien, welche manche wohl zu beobachtende Winke enthält.
Gratiolet empfahl ib. p. 226. zum Aufbewahren von
Mollusken für anatomische Zwecke, dass man sie in süssem
Wasser mit etwas gutem Essig tödte, nachdem man die Schale
vorsichtig zerbrochen habe, sie dann in sehr schwachen
Weingeist von 12 Grad lege , und erst nach einigen Stun-
den stärkeren Weingeist anwende , um sie darin zu lassen.
Zur Untersuchung des Nervensystems empfahl G. das Thier
lebend in eine Auflösung von Zinkchlorür von 25^ zu werfen.
Eine Abhandlung „über die Gesetze der Farbenverthei-
lung bei den Thieren in den verschiedenen Tiefen des Mee-
res" veröffentlichte Öersted in Videnskabelige Meddelelser
fra den naturh. Forening i Kjöbenhavn 1849. p. 57.
Verf. sprach sich dahin aus, dass in den verschiedenen Höhen
der Meeresberge, oder in den verschiedenen Tiefen gewisse Thiere vor-
herrschen, wie auf dem Lande auf den verschiedenen Höhen der Berge.
Das farblose Sonnenlicht werde beim Eindringen in das Wasser derge-
stalt gebrochen , dass nicht alle Farben bis zu einer gleichen Tiefe
eindringen. Das violette und bl ue Licht bricht sich zuerst zurück ,
dann das grüne u. s. w., so dass das rolhe in die grösste Tiefe hinab
dringt ; so könne man das Wasser in Regionen theilen nach den Far-
ben des Lichts, die in den verschiedenen Höhen vorherrschen. Wir
wissen zwar nicht, bis zu welcher Tiefe sich jede dieser Regionen er-
streckt, aber aus Versuchen mit der Taucherglocke geht hervor, dass
zuweilen das rolhe Licht schon in einer Tiefe von 60 Fuss vorherr-
schend ist, so dass die übrigen Farbenregionen zwischen dieser Tiefe
und der Oberfläche liegen. Verf. will nun gefunden haben , dass in
den tropischen Meeren Thiere wie Pflanzen die Farbe haben , welche
260 Troschel: ßericlit über die Leistungen im Gebiete der
die vorherrschende in dem Licht ist, das sich in der Region findet, wo
sie leben. — Die violette und blaue Thierregion ist vorherrschend an
der Oberfläche des offenen Meeres; hier w^erden von Mollusken die Ple-
ropoden und Salpen genannt. Die meisten können das starke Sonnen-
licht am Tage nicht ertragen, sie leben daher nur Wachls an der Ober-
fläche ; einige sind jedoch so gebaut, dass sie sich nicht in die Tiefe
senken können, und den ganzen Tag auf der Oberfläche zubringen, die
zwischen den Wendekreisen die tiefblaue Farbe des Himmelsgewölbes
wiedergiebt. Diese haben aber alle ohne Ausnahme eine stark vio-
lette oder blaue Farbe, so die Physalien, Velellen und unter den Mol-
usken Glaucus und Janthina. — Die Region der erdfarbigen und bunten
(brogede) Thiere findet sich auch an der Oberfläche des Meeres, aber
in der Nähe der Küsten, in dem Gürtel zwischen dem höchsten und
niedrigsten Stande des Meeres , so dass die Thiere ebensoviel in der
Luft, wie im Wasser leben, so von Mollusken die Gattungen Chiton, Si-
phonaria, Littorina, Turbo, Trochus, Nerita, Cerithium und Ascidien. —
Die Region der grünen Thiere ist nur in ruhigen Buchten entwickelt,
und erstreckt sich wenige Fuss unter den Mittelstand des Wassers.
Hier leben zwischen Algen (die Apiysia , Actaea, Synapla, Hololhuria
und Aclinia , bei denen die grüne Farbe überwiegt. — Die Region
der gelben und braunen Thiere erstreckt sich etwa 10 — 50 Fuss unter
die Oberfläche des Wassers; hier sind Korallen vorherrschend. — Die
Region der rothen Thiere erstreckt sich von da bis zu einer Tiefe von
etwa 500 Fuss. Fast alle Arten von Crustaceen, Anneliden, Mollusken,
Echinodermen und Polypen aus solcher Tiefe haben eine durchaus rothe
Farbe. — Die Region der weissen Thiere umfasst alle bedeutenden Tie-
fen unter den vorhergehenden. Wie tief diese Region geht, fällt mit
der Frage zusammen , wie tief überhaupt die Thiere im Wasser hin-
absteigen. Als Beispiel wird von Mollusken eine Art Dentalium ange-
führt, welche in 1440 Fuss Tiefe gefunden ist , und mikroskopische
Thiere (wohl Foramioiferen), welche bei der Südpol -Expedition unter
Capitain Ross in einer Tiefe von 1620 Fuss gefunden wurden.
Wie schon oben erwähnt, sind viele Schriften zu nen-
^nen, welche sich mit einzelnen Faunengebieten erfolgreich be-
schäftig haben.
Europa. Die Land- und Süsswassermollusken Mek-
lenburgs, nebst einigen allgemeinen, die geographische Ver-
breitung der Land - und Süsswassermollusken betreffenden
Bemerkungen von Ernst Boll. (Archiv des Vereins der
Freunde der Naturgeschichte in Meklenburg. 5; Heft. 1851.)
Dieses Verzeichniss enthält im Ganzen 103 Arten, nämlich 84 Ga-
$teropoden und 19 Acephalen, von welchen 51 das Land, 52 die süs-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 261
sen Gewässer bewohnen. Der grosse Wasserreichthum ftleklenburgs er-
klärt die Massen von Süsswassermollusken, deren Schalen an manchen
Orten Kalklager bilden, die mehrere Fuss mächtig sind. Die südwest-
liche grosse Haideebene, und das ausgedehnte Sandgebict sind arm an
Landconchylien wegen des geringen Kalkgehalls, wogegen im Geestland-
gebiet, wo Kalk dem Diluvium alsIVlcrgel beigemischt ist, die Landcon-
chylien zahlreicher werden, namentlich in den Buchenwaldungeu ; be-
sonders reich aber wird die Molluskenfauna an den wenigen Punkten,
wo inselförmig aus dem Diluvium die Kreide hervorlaucht. Ueber den
Dassower See , der IJrakwasser enthält, wird berichtet, dass er einige
Meeresmollusken unter den zahlreicheren Süsswassermollusken enthalte,
namentlich Cardium rusticum, Mylilus cdulis, Teilina solidula. — Bei
einer Vergleichung der drei deutschen Faunengebiete stellt Verf. fol-
gendes Verhältniss auf: den gemeinschaftlichen Stamm der ganzen
Fauna bilden 100 Arten, Nord- und Mittel-Deutschland haben gemein-
schaftlich 4 Arten; Mittel- und Süd- Deutschland haben gemeinschaft-
lich 39 Arten , Nord-Deutschland hat für sich allein 8, Mittel-Deutsch-
land 24, Süd -Deutschland 133 Arten, wonach die deutsche Fauna im
Ganzen 308 Arten enthält; sie werden tabellarisch aufgezählt. — Verf.
geht weiter in eine numerische Vergleichung der europäischen Fauna
der Land- und Süsswassermollusken ein , und setzt die Summe der
europäischen Arten auf 798 fest ; woraus er dann wieder schliesst ,
dass mindestens 9600 Arten auf der ganzen Erde vorkommen mögen.
Verzeichniss der in der Umgegend von Bonn beobach-
teten Land - und Wasserinollusken. Von 0. Goldf u SS (Ver-
handl. des naturhist. Vereins derpreuss. Rlieinlande imdWest-
phalensl851. p. 309.).
Verf. macht nähere Angaben über die Fundorte und das Vor-
kommen bekannt; bei jeder Art ist eine Abbildung, meist nach Ross-
maessler, citirt. Das Verzeichniss enthält 85 Schnecken und 17 Mu-
scheln, denen noch 17 Arten aus andern Theilen der Preussischen
Rheinlande und Westphalens anhangsweise hinzugefügt werden , so
dass aus diesen Provinzen bisher im Ganzen 119 Arten bekannt sind.
Ebenda p.327. machte Adolf Schmidt „Malakologi-
scheMiltheilungen," welche sich auf einzelne Arten vonSchnek-
ken und Muscheln aus Rheinland und Westphalen beziehen.
Einige neuen Arten s. unten.
Einen Beitrag zur Kenntniss der Mollusken des oberen
Lahn- und des Dillgebictes lieferten F. Sandberg er und
K. Koch in den Jahrbüchern des Vereins f. Nalurk. im Her-
zoglhum Nassau. VII. p. 276. Daselbst werden 81 Arten auf-
gezählt. — In einem Anhange dazu wurden p.283. als Nach-
trag für die Fauna des Nassauischen Main- und Rheingebietes
262 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
30 Arten von F. Sandberger namhaft gemacht, wodurch
das von Thomae gegebene Verzeichniss (Bericht für 1 849. p. 103)
ergänzt w^ird.
Hörnes legte (Berichte über die Mitth. von Freunden
der Naturvv. in Wien von Haidinger VI. p. 97.) ein syste-
matisches Verzeichniss der im Herzogthum Oesterreich bis im
Jahre 1849 aufgefundenen Land- und Flussconchylien von
Ludwig Parreys vor.
Es enthält 4 Arten Arion, 3 Limax, 3 Yitrina , 3 Helicophanta ,
46 Helix, 4 Bulimus, 1 Hydastes Parr. (Bulimus lubricus), 1 Polyphe
nius, 1 Odontalus Parr. (tridens), 10 Pupa , 4 Vertigo, 4 Torquilla, 22
Clausilia, l Carychium, 2 Pomatias, 1 Acmaea, 4 Succinea, 9 Planor-
bis, 2 Segmentina, 2 Physa, 18 Limnaeus, 1 Melanopsis, 5 Valvata, 7
Paludina, 2 Lythoclypus, 5 Nerilina, 2 Ancylus, — 6 Pisidium , 4 Cy-
clas, 10 Unio, 8 Anodonta, — also im Ganzen 167 Schnecken und 28
Muscheln.
Hieran schiesst sich ib. VH. p. 211 ein „Systematisches
Verzeicliniss der im Erzherzogthum Oesterreich bisher ent-
deckten Land- und Süsswasser-Mollusken (mit Ausnahme der
Nacktschnecken) , mit Angabe der wichtigsten Fundorte von
Johann Zelebor."
Dasselbe hat es sich besonders zur Aufgabe gemacht, Näheres
über die Fundorte anzugeben. Vorausgeschickt ist eine kurze Anlei-
tung zum Sammein. Durch Aufnahme einiger in dem früheren Ver-
zeichnisse nicht erwähnten Arten und durch besondere Aufzählung ei-
niger wichtigen Varietäten ist die Zahl auf 137 Landschnecken, 47 Was-
serschnecken, 40 Muscheln gesteigert.
Petit de la Saussaye hat begonnen, ein Verzeich-
niss der marinen Mollusken, welche an der französischen Küste
leben, zusammenzustellen. Verf. hat die Absicht, dadurch die
verschiedenen Conchyliologen zu veranlassen , dasselbe zu
berichtigen und zu vervollständigen. Im Jahre 1851 finden
sich im Journal de Conchyl. p. 274 und 373 die Muscheln
(Conchiferen und ßrachiopoden) verzeichnet. Sie sind nach
Lamarck geordnet.
J. Ray und H. Drouet veröffentlichten ein Verzeich-
niss der lebenden Mollusken der südlichen Champagne (Revue
et mag. de zooL 1851. p. 329 und 382.).
Das Verzeichniss enthält 12 Limaceen , 75 Heliceen , 1 Auricula-
cee (Garychium minimuro), 25 Limnaeaceen, 4AncyloideD, 3Cyclosto-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 263
maceen , 9 Kammkiemer , 1 Neritina , also zusammen 130 Schnecken;
— ferner 24 Najaden, 1 Dreissena, 14 Cycladeen , zusammen 39 Mu-
scheln, im Ganzen 169 Arien.
Als Fortsetzung" von Forbes und Hanley „A hislory
of british Mollusca and their shells. London. 8." erschienen
im Jahre 1851 die Lieferungen 35 — 42.
Sie enthalten die Familien, Nalicidae (Natica), Velulinidae (Ve-
lutina, Lameilaria), Cancellariadae (Trichotropis, C erithiopsis noy.
gen.), Muricidae (iWurex, Lachesis, Purpura, INassa , ßuccinum , Fusus,
Trophon, Triton, Colunibella, Dolium, Pyrula, Cassis), Conidae (Mange-
lia), Cypraeadae (Cypraea, Ovula , Marginella). — Ferner die Abthei-
lung Opi sthobranchiata , die die Cuvier'schen Ordnungen Tecti-
branches und Nudibranches umfasst, mit den Familien BuUidae (Cy-
lichna , Amphisphyra, Tornatella , Akera, Bulla, Scaphander, Philine),
Aplysiadae (Aplysia), Pleurobranchidae (Pleurobranchus), Dorididae (Do-
ris, Goniodoris, Triopa, Aegirus, Thecacera, Polycera, Idalia, Ancula),
Tritoniadae (Trilonia, Scyllaea), Eolidiae (Lomonolus, Dendronolus, Doto,
Oit hon a, n. gen., Eolis, Embletonia, Proctonolus, Antiopa, Hermaea,
Alderia — Runcina n. gen.), Elysiadae (Elysia [Actaeon], Limapon-
tia, Acteonia, Cenia). Damit ist der dritte Band geschlossen.
Lowe gab (Report of the British Association held at
Ipswich 1851. p. 80.) ein Verzeichniss der Land- und Süss-
wassermollusken, welche im Umkreise von 7 Meilen von Not-
tingham gefunden werden. Es enthält 40 Arten Landschnek-
ken, 28 Arten Süsswasserschnecken und 16 Arten Muscheln.
Als eine Bereicherung der Fauna von Irland führte
Thompson vier Schnecken an: Cylichna strigella, Succinea
oblonga, Scissurella crispata und Puncturella noachina (An-
nalVIL p. 501.).
Alexander Melville zeigte in den Annais VIII. p.
428. an, dass er Neaera cuspidata , Tellina balaustina , Ano-
mia striata, Nassa pygmaea und Buccihum humphreysianum an
den Küsten Irlands mit dem Schleppnetz gefangen habe.
Report on the Investigation of British marine Zoology
by means of the dredge. Part. 1. The Infra- littoral distribu-
tion of marine Invertebrata on the Soulhern, Western and
Northern Coasts of Great Britain. By Edward Forbes.
(Report of the 20. Meeting of the British Association held
at Edinburgh 1850. London 185K p. 192.).
Dieser Bericht besteht aus Tabellen, deren erste (Analysis of
264 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Dredging papers upon Ihe Southern and Western coasts of England)
folgende Columnen enthält: die Jahreszahl, die Localität, dieEnlfernung
von der Küste, die Tiefe, Beschaffenheit des Grundes, dann die Zahl
der lebenden und todten Schnecken, die der lebenden und todten Mu-
scheln, und die der Echinodermen, dann eine Columne mit Bemerkun-
gen , welche besonders eine Angabe der häufigsten Arten enthalten ;
endlich nennt eine Columne den Beobachter. Die Untersuchungen sind
angestellt um die Insel Man, Norlh-Wales, South -Wales und Bristol
Channel, Cornwall und Devon, Dorset undHants. — Die zweite Tabelle
enthält eine systematisch geordnete Aufzählung der Tiefen , in de-
nen Arten der schaligen Mollusken an der Sud- und Westküste Eng-
lands mit dem Schleppnetz gefangen wurden (p. 200 — 210). — Die
dritte Tabelle enthält in gleicher Weise eine Aufzählung der Echino-
dermen. — Die vierte Tabelle enthält , entsprechend der ersten, An-
gaben über die Erfolge an der West- und Wordküste Schottlands, und
zwar kommen zur Sprache: Clyde Districl , die Hebriden , North We-
stern District, die Orkneys und die äusserste Nordostküste, die Shet-
landinseln (p.2l2 — 220). — Die fünfte Tabelle giebt wieder, wievor-
hin die zweite, die Tiefen an, in denen die schaligen Mollusken ander
Kord- und Westküste Schottlands gefangen wurden (p. 220— 238). —
Die sechste Tabelle endlich bezieht sich wieder auf die Echinodermen.
Von den in diesen Tabellen aufgezählten schalentragenden Mol-
lusken werden 188 als Schottisch, und 183 als Englisch bezeichnet.
Unter erstem sind 96 Schnecken und 92 Muscheln. Davon leben 17
Schnecken und 11 Muscheln in einer Tiefe bis 15 Faden (Lamellarien-
Zone) ; 8 Schnecken und 7 Muscheln erstrecken ihren Aufenthalt von
innerhalb der Lamellarien-Zone bis zu einer Tiefe von 15 — 30 Faden;
26 Schnecken und 11 Muscheln von der Lamellarien-Zone bis zu 30
— 60 Faden, und 25 Schnecken und 54 Muscheln von der Lamellarien-
Zone bis zu einer Tiefe zwischen 60 und 100 Faden. 3 Schnecken
und 4 Muscheln beschränken ihren Aufenthalt zwischen 15 und 30 Fa-
den (Korallen-Zonc); 1 Schnecke zwischen 30 und 60Faden; 4Schnek-
ken und 1 Muschel zwischen 30 und 100 Faden; und 1 Schnecke und
1 Muschel zwischen 60 und 100 Faden.
Von den 183 Englischen Arten gehören 19 Schnecken und eben-
soviele Muscheln ausschliesslich der Lamellarienzone an ; 45 Schnek-
ken und 46 Muscheln reichen aus der Lamellarienzone bis zwischen 20
und 30 Faden; 16 Schnecken und 28 Muscheln erstrecken sich bis zu
30 und 60 Faden. Es ist klar, sagt der Verf., dass die Fähigkeit der
Muscheln, einengrossen bathymetrischen Umfang zu besitzen, bei wei-
tem die der Schnecken übertrifft. Diese Kraft, viele Bedingungen der
Tiefe zu ertragen, schliesst die Kraft in sich , sich den verschiedenen
Umständen anzuschliessen, welche wohl nicht ohne beträchtliche Ver-
änderung in der Lebensweise solcher Arten vorausgesetzt werden kön-
nen. Die Gesetze, welche uns bei Bestimmung der Auswahl diagnosti-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 265
scher Charaklere der Muschelschalen leiten sollen, müsssen daher we-
niger streng sein, als bei den meisten Schnecken, was bei der Bestim-
mung fossiler Arten stete Beachtung verdient. Die Verschiedenheit der
Wanderungsfähigkeit der Schnecken im Vergleich mit den Muscheln hat
eine fernere wichtige Beziehung zu paläonlologischen Untersuchungen,
denn sie macht, es begreillicli, dass wir nicht selten geologische For-
mationen durch die Fossilien der einen Klasse mit einander überein-
stimmend finden , während die der andern Klasse selbst in Schichten ,
die der Zeit nach sehr genähert, völlig verschieden sind. Est ist auch
möglich , dass man durch eine sorgfältige Bestimmung des relativen
Verhältnisses der Muscheln zu den Schnecken in alten Seebecken , in
Verbindung mit allen mineralogischen Anzeigen, einen Scbluss auf
die Tiefe des alten xMeeres, in dem solcheThiere lebten, machen könnte
u. s. w.
Hieran scliliessen sich (ib. p. 264.) Notes on the di-
stribution and rang^e in depth of Mollusca and other marine
anirnals observed on the coasts of Spain, Portugal, Barbary,
Malta and Southern Italy in 1849. By Robert Mac Andrew.
Ein Yerzeichniss der Mollusken aus der Bay von Vigo (vergl.
den vorigen Bericht p. 103.) enthält 200 Arten, von denen 26 Arten
den britischen Küsten, 29 dem Mittelmeer fremd sind ; in derlNähe von
Vigo wurden nur 6 Landschneckengefunden, sämmtlich Arten der Gat-
tung Helix, — In der Bay von Cascaes , südlich von dem Felsen von
Lissabon, wurden 15 Arten mit dem Schleppnetze gefangen. — Ferner
werden die Resultate angegeben vom CapSt. Mary an der Südküste von
Portugal (84 Arten), vom Port Faro in Algarbien hinter den niedrigen
Inseln, welche Cap St. Mary bilden (98 Arten), zwischen Cadix und
Cap Trafalgar (73 Arten) , 8 Miles nordwestlich von Cap Trafalgar
(54 Arten). — Das Yerzeichniss der Mollusken von Gibraltar enthält
260 Arten; nur wenige Landschnecken leben auf dem Felsen von Gi-
braltar, namentlich Helix pisana , virgata , lactea var. hispanica, Buli-
mus acutus. — Das Yerzeichniss der Mollusken von Malaga enthält
139 Arten, das von Carlhagena 119, das von der Bay von Algier 172.
— Bei Goletta in der INähe von Tunis erhieft der Reisende 10 Arten ;
in der Bay von Tunis 18, unter denen 4 lebende und 2 todte Land-
schnecken; an der IN'ordoslküste der Insel Zembretta , an der Mündung
des Golfs von Tunis l46; an der Südseite der Insel Panlelaria 97; bei
Malta 80 Arten. In dem Hafen von Malta sammelte der Verf. 113 Ar-
ien; an der Küste von Syracus und Calania 105; in dem Golf von Nea-
pel 71 Arten; im Golf von Cagliari 94; bei iMahon 83; bei Conijera ,
einer der kleinen Balearen 69. Bei den meisten Arten ist angegeben,
ob dieExemplare lebend oder todl waren ; ferner ist immer die Länge
des Aufenthalts an jedem Orte, die Tiefe, in der das Schleppnetz be-
266 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
nutzt wurde, und die Beschaffenheit des Grundes angegeben. Jeden-
falls bilden diese Verzeichnisse einen wichtigen Beitrag zur geogra-
phischen Verbreitung der Mollusken.
Afrika. — Forbes machte (Report of ihe British
Association held at Ipswich 1851. p. 76.) einige Bemerkungen
über die Mollusken-Fauna der Azoren und von St. Helena.
Einige neue Conchylien von Algier beschrieb A. Mo-
rdet Journ. de Conchyl. p. 351. Die Arten, den Gattungen
Helix, Glandina, Anodonla und Unio angehörig, sind meist
abgebildet, und werden unten namhaft gemacht.
In „A narrative of the expedition sent by H. M. G. to
Ihe River Niger in 1841 ct. by Allen and Thompson. Lon-
don 1848. Vol. II. p. 510. werden an Mollusken 3 Arten Acha-
tina, Neritina cafra, Melania laevissima und quadriseriata
von Fernando Po, — Galathea radiata vom Niger, und 18
marine Arten genannt.
Asien. — Moritz Wagner erklärt in seiner „Reise
nach Kolchis und nach den deutschen Colonien jenseits des
Kaukasus. Leipzig, 1850." p. 340. die kaspischen Steppen
eben so arm an Landconchylien wie den eigenlichen Kauka-
sus. Er fand an der taurischen und türkisch - kolchischen
Küste 17 Arten, worunter 9 Helix, 4 Bulimus, 3 Clausilia und
1 Cyclostoma. — Ausserdem wurden zwei neue Arten von D.
Roth bechrieben.
Thomas Hutton lieferte einen Beitrag zur Kenntniss
der Land- und Süsswasser-Mollusken von Afghanistan „No-
tices of some Land and Freshwater Shells occurring in Af-
ghanistan'' (Journal of the Asiatic society of Bengal 1849.
p. 649.).
Im Ganzen werden 19 Arten beschrieben, und über ihren Fund-
ort und Verwandtschaftsverhältnisse nähere Angaben gemacht. Succi-
nea putris und Pfeifferi sollen dort vorkommen, sollen wenigstens von
den europäischen Formen nicht zu unterscheiden sein. Die neuen Ar-
ten sind unten namhaft gemacht.
Benson machte im Journal of the asiatic society of
Bengal 1849. p. 164. «Notes on the Rev. F. Mason's Paper:
on the Shells of the Tenasserim provinces" bekannt. Die Be-
merkungen beziehen sich auf die Gattungen Helix, Cyclo-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 267
Stoma , Bulimus , Clausula , Vitrina , Helicarion , Achaiina
und Pupa,
In einem Briefe über die Fortschritte der Naturgeschichte
in' Ceylon von Edgar Layard (Annais VII. p. 408.) findet
sich auch ein Verzeichniss von Land- und Süsswasser-Con-
chylien, welche an der Süd - und Nordküste gesammelt wur-
den. Es beseht aus 72 Arten, von denen jedoch vielfach nur
die Gattungsnamen angegeben sind. -
V. Middendorff erwähnt (Bull, de l'Acad. de St.Pe-
tersbourg. IX. p. 110.) , dass ein Theil der Mollusken des
nordwestlichen Asiens (ja sogar des südöstlichen Sibiriens
bis an die Lena hin) nachweisbar circumpolar sei; ein an-
derer stimme vollkommen mit der Molluskenfauna des nörd-
lichen Europa's überein , ohne sich bis auf den Norden der
neuen Welt zu erstrecken; ein dritter endlich scheine ganz
eigenthümlich zu sein. In diesem letzten Antheile dürfen
w^ir, sagt der Verf. , die äussersten Vorposten einer eigen-
thümlichen Molluskenfauna erkennen, deren Hauptsitz in Cen-
tral-Asien zu suchen wäre. Auffallen muss es, dass hier
einzelne riesige Formen (z. B. Anodonta herculea) auftreten,
welche uns an den gleichen Charakter mehrerer Meeres-Mol-
lusken des Berings-Armes vom Polar-Becken erinnern. Den
grössten Frösten trotzen im äussersten Norden vorzugsweise
sehr dünnschalige Mollusken mit hornigen, nicht aber kalki-
gen Gehäusen. Physa hypnorum kommt noch unverkümmert
fort bei einem Sommer von nur 6 Wochen Dauer, während
sie im Laufe der übrigen I0y2 Monate vollständig vom Eise
umschlossen wird.
Von A. Th. V. Middendorffs „Reise in den äus-
sersten Norden und Osten Sibiriens" ist des zweiten Bandes
erster Theil St. Petersburg 1851 erschienen und enthält die
wirbellosen Thiere. In ihm reichen die Mollusken, bearbeitet
von dem Reisenden selbst, von p. 163 bis 463, und dazu ge-
hören die Tafeln VIII— XXX.
Es werden hier im Ganzen 101 Arten beschrieben, von denen 60
(37 Schnecken, 23 Muscheln) dem Meere, 32 (11 Muscheln und 21
Schnecken) dem süssen Wasser angehören, und 9 Schnecken auf dem
Lande leben. Alle sind mit lateinischen Diagnosen versehen und mehr
oder weniger ausfuhrlich beschrieben ; die meisten sind abgebildet. —
268 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Es folgt hierauf von p. 309— 463 ein Abschnitt: Zoologisch- geogra-
phische Folgerungen, zu denen sich die vorstehend aufgezählten Mol-
lushen-Arten verwenden lassen. In demselben werden die bereits frü-
her (vergl. den Beri(*hl über das Jahr 1849. p. 105 ) gemachten Anga-
ben in Betreff der Meeresmoliusken näher begründet. Die Untersuchun-
gen sind auch auf die Land - und Süsswassennollusken ausgedehnt.
Amerika. — The terrestrial Air-breathing Mollusks of the
United States and the adjacent territories of North - America ;
described and ilJustraled by Arnos Binney, edited by Au-
gust us Gould. VoL L 360p. 8. mit 16 Tafeln; Vol. IL 362p.
Boston 1851. VoL IIL wird nur Tafeln enthalten. Da mir
dies Werk nur zum Theil zugänglich geworden ist, so ent-
nehme ich aus zwei Anzeigen (Silliman Amer. Journ. X!L
p. 450. und Journ. de Conchyliologie 1851. p. 322.) Folgendes :
Die ganze Ausgabe, 290 Exemplare, ist zur Vertheilung an
Freunde bestimmt. Das interessante Werk , welches in zwei Bänden
erschienen ist, wurde nach dem Tode des eigentlichen Verf. heraus-
gegeben. Der erste Band enthält das Allgemeine, unter andern auch
die Anatomie, welche von Joseph Leidy bearbeitet ist. Dieser Ab-
schnitt ist der einzige , welcher mir zu Händen gekommen ist. Er
enthält auf 16 Tafeln die Anatomie von 3 Limax, 1 Arion, 1 Tebenno-
phorus, 1 Vaginulus, 28 Helix, 5 Bulimus, 1 Pupa, l Succinea und 1
Glandina. Hier sind auch die Kiefer von 10 verschiedenen Arten ab-
gebildet. Der zweite Band enthält dann die Bescheibung von 134 Ar-
ten. Die Abbildungen sollen damals noch nicht erschienen sein.
William Stimpson legte der naturforschenden Ge-
sellschaft zu Boston Notizen über einige Mollusken vor, die
für die Massachusetts -Bay neu sind; unter ihnen finden sich
auch einige neue Arten, die unten namhaft gemacht sind (Bo-
ston Proceed. IV. p. 12.).
Derselbe machte die Beschreibungen einiger neuen
Arten von der Nordküste von Neu -England ib. p. 113. be-
kannt. Sie sind unten genannt.
Gould beschrieb einige Muscheln von Californien , die
Major Rieh und Lieutn. Green gesammelt hatten, und von denen
einige bisher für identisch mit Arten der Ostküste der ver-
einigten Staaten gehalten waren, die sich jedoch bei näherer
Vergleichung als verschieden erwiesen haben; sie sind unten
genannt (Proceed. Boston soc. IV. p, 87.)-
Von dem bereits im Jahrgange 1850 der Zeitschr. für
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 269
Malakoz. begonnenen Aufsätze Menke's „Conchylien von
Mazatlan mit kritischen Anmerkungen" sind im Jahr 1851
zwei Fortsetzungen p. 17. und 33. erschienen, die das Ver-
zeichniss bis auf no. 136 führen. Einige darin enthaltene
neue Arten sind unten genannt.
Von Morelet's „Testacea novissima insulae Cubanae"
ist 1851 eine zweite Lieferung erschienen , die mir, wie die
erste (s. vorigen Bericht p. 106.) , nicht zugänglich gewor-
den ist.
Nach einer Anzeige im Journ. de Conchyl. II. p, 229. sind darin
65 neue Arten beschrieben, nämlich: 11 Helix , 7 ßulimus, 2 Acha-
tina, 2 (ilandina , 1 Cylindrella , 1 Pupa , 2 Succinea, 4 Planorbis, 4
Physa, 2 Ancylus, 4 Helicina, 7 Cyclostoma, 5 Faludina, 1 Valvata, 4
Melania, l Anodonta, 4 Unio, 1 Cyclas, 1 Cyrenoides, 1 Cyrena. —
Von der ersten Lieferung dieses Wcrkchens hat Pfeif-
fer in der Zeitschr. f. Malak. p. 118. eine Anzeige gemacht,
in welcher er alle 85 dort beschriebene Arten namhaft macht.
Die Arten der Heliceen werden meist den Paragraphen sei-
ner Monogr. Helic. eingeordnet; einige sind als identisch
mit schon früher beschriebenen erkannt worden.
Mehrere Beiträge zur Kenntniss der Conchylien Jamaika's
erhielten wir durch C. B. Adams in den Annais of the Ly-
ceum of natural history of New-York Vol. V. No. 2. 3. Da-
selbst findet sich auch p. 103. ein Verzeichniss der Land-
schnecken von Jamaika. Es enthält 364 Arten, nämlich: 79
Arten Cyclostoma, 19 Stoastoma, 1 Lucidella, 5 Trochatella,
25 Helicina, 4 Tiuncatella, 22 Geomelania; 41 Cylindrella,
39 Achatina, 6 Spiraxis, 16 Bulimus , 9 Pupa, 4 Succinea,
81 Helix, 6 Proserpina; 7 Melampus. — Daran schliesst sich
p. 111. ein Verzeichniss der Süsswassermollusken Jamaika's
mit 25 Arten, nämlich: 3 Neritina, 1 Melanopsis, 1 Melania,
2 Valvata, 2 Paludina, 1 AmpuUaria, 8 Planorbis, 2 Ancylus,
2 Physa, 1 Limnaeus, 2 Cyclas. — Verf. offerirt Suiten von
500 Arten und Varietäten zu einem Preise von 100 bis 150
Dollars, um dadurch einen Theil der Kosten seiner beabsich-
tigten illustrirten Monographie zu decken.
Adams und Chitty bezeichneten ib. p. 100. einige
Arten von Landschnecken , die nach der Angabe anderer
Schriftsteller in Jamaika vorkommen sollen, die sie aber
nicht haben auffinden können, um die Aufmerksamkeit auf
270 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
dieselben zu lenken; auch nennen sie einige Arten, die auf
Jamaika leben, denen aber ein anderes Vaterland zugeschrie-
ben worden ist.
Ein Verzeichniss der von Beau auf der Insel Guade-
loupe gesammelten Conchylien ist im Journ. de Conchyl. li.
p 422. abgedruckt. Es enthält 158 Arten.
Ceplialopoda«
Bereits im vorigen Jahresberichte p. 107. ist in der
Kürze eines Werkes Erwähnung gethan : „Mollusques medi-
terranees observes , decrits , figures et chromolilhographies
d'apres nature sur des modeles vivants par J. B. Verany.
l. partie , Cephalopodes de la Mediterranee. Genes 1847 —
1851. 4." Das Werk ist ausgezeichnet durch die vortreffli-
chen Abbildungen in farbigem Druck , von denen zur ersten
Abtheilung 41 Tafeln gehören.
Nach einer kurzen Einleitung geht der Verf. sogleich zu der Be-
trachtung der einzelnen Familien, Gattungen und Arten über. Bei je-
der Art finden sich die Synonyme, eine lateinische Diagnose, eine Be-
schreibung mit Angabe der Maasse und genaue Schilderung der Far-
ben ; ferner eine Vergleichung mit andern verwandten Arten , eine
Schilderung der Lebensweise, und .die Geschichte der Art. Die erste
Familie 0 cto p o da enthält die Galtungen: l. Eledone mit 2 Arten
(E. Genei Ver. ist wieder zu E. Aldrovandi gezogen) , 2. Octopus mit
11 Arten (^worunter 0. Defilippi , Alderii , Koellikeri neu oder doch
vom Verf. aufgestellt) , 3. Argonauta mit 1 Art. — Die zweite Fa-
milie D ecapoda umfasst die Gattungen 1. Sepiola mit 1 Art, 2. Ros-'
sia mit 2 Arten, 3. Sepia mit 3 Arten, 4. Sepioieulhis mit einer neuen
Art S. sicula Rüppell , 5. Omjchotenlhis mit drei Untergattungen , a.
0»ycholeulhis mit 2 Arten (worunter 0. Krohnii Ver. hier zuerst ab-
gebildet) , b. Enoploleuthis mit 3 Arten (margaritifera Rüpp. , Veranyi
Rüpp., Owenii Ver.), c. Veratiia mit 1 Art (Oclopodoteuthis sicula
Krohn), 6. Loligo mit 10 Arten (unter denen L. Berlhelotii, Marmorae,
Meneghinii, Alessandrini, Bianconi, aequipoda Rüpp. und Coindetii hier
zum ersten Male abgebildet sind, L. Plllae ist ganz neu), 7. Hislioleu-
this mit 2 Arten (worunter L. Rüppellii Ver.), 8. Loligopsis mit 3 Ar-
ten (unter denen L. vermicularis Rüpp. hier zuerst abgebildet und L.
zygaena Ver. neu ist). — Den Beschluss macht eine Schilderung der
Heclocotylen ; ihrer Darstellung ist die 41. Tafel gewidmet. Der Verf.
weist nach, dass der Hectocotylus von Oclopus ein wirklicher Arm des
Cephalopoden ist. Er trägt die männlichen Organe und wird wahr-
scheinlich periodisch entwickelt. Von Argonauta und Tromactopus meint
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 271
er, können die Hectocolylen nicht Arme der Thiere sein , da sie viel
kleiner sind, und da nie diesen Cephalopoden ein Arm fehlt. Bei Oclo-
pus Carenae fand Verany zuweilen statt des rechten Armes des dritten
Paares ein eigenthümliches blasenförniigcs Organ, zuweilen einen gros-
sen entwickelten Hectocotylus ; letzterer entwickelt sich also aus der
Blase. Verf. scheint hier noch der Ansicht zu sein, dass der Hectoco-
tylus sich anstatt des dritten Armes der rechten Seite am weiblichen
Exemplare entwickele; er hat jedoch die Kenntniss der Hectocotylen
durch die Entdeckung gefördert, dass sie sich nicht aus einem Ei
entwickeln , also jedenfalls keine selbslständigen Thiere sind. — Der
Verf. behauptet, selbst die Argonaula argo auf der Oberfläche schif-
fen gesehen zu haben, und bildet sie sie auch so ab; freilich nicht
mit zu Segeln entfalteten Armen , sondern sich derselben wie mächti-
ger Ruder bedienend, die sie abwechselnd ins Wasser tauchte und wie-
der hervorzog, während sie die andern nie aus dem Wasser zieht. Er
sah das Thier gegen Abend bei sehr ruhiger See sich dem Lande nähern,
und fing es; es hatte in 12 bis 15 Minuten einen Weg von über 60
Fuss zurückgelegt.
Auch Heinrich Müller in Würzburg veröfFentlichte
eine Notiz über den Hectocotylus von Argonauta.
Er hat das schalenlose Männchen von Argonauta argo gefunden
an dem auch die oberen Arme keine Segel bilden. An ihm bildet der
dritte Arm der linken Seite einen Sack, in welchem sich der Hecto-
cotylus entwickelt. Dieser Sack umschliessl stets einen Hectocotylus,
der nach der Seite der Saugnäpfe aufgerollt und mit seiner Basis fest-
gewachsen ist. Das Argonauten- Männchen selbst enthält einen sehr
entwickelten Hoden, der dieselbe Lage und Structur wie bei den ge-
wöhnlichen Octopoden hat , und der Spermatozoiden in verschiedener
Entwickelung enthält. Eine Verbindung des Hoden mit dem Hectoco-
tylus hat Verf. nicht beobachten können, obgleich er an dem Vorhan-
densein einer solchen nicht zweifelt. Er meint, wenn der Same aus
den Hoden in den Hectocotylus eingetreten , löse sich der letztere ab,
um nun auf dem weiblichen Argonauten zu leben, und ihn zu befruch-
ten ; sei also nicht ein selbstständiges Thier , sondern ein eigenthum-
lich metamorphosirter Arm des Männchens, der sich jedoch von den
Spermatophoren der Cephalopoden durch seine Organisation , Muskeln,
Werven, Ganglien, Gefässe , Chromalophoren weit unterscheide. Eine
detaillirte Ausführung des Gegenstandes wird versprochen. (Annales
des Sciences naturelles 1851. Tome XVL p. 132.).
Mörch schrieb (Meddelelscr fra den naturhist. Fore-
ning iKjöbenhavn I850.p. 57.) ühQV CranchiamegalopsVvosch.
Er kommt zu dem Schlüsse, dass Owenia , wie Prosch später das
Subgenus nannte, nicht ein Subgenus von Cranchia bilden kann , son-
dern sich an die Gattung Loligopsis als besondere Gattung Owenia
272 T 10 sc hei: Bericlil über die Leislungen im Gebiete der
nahe anschiiesst. Die Grunde dafür liegen in Hinsicht auf die äusse-
ren Organe in den dicken ihrer ganzen Länge nach mit 4 Reihen Saug-
näpfen besetzten Kaugarmen, in der Menge der kleinen Knorpelstreifen
an der Bauchseite, und in der etwas verschiedenen Form der Flossen.
Von innern Organen werden die gestielte F^orm des Magens und die
Gegenwart von Uerzohren an den Kiemenherzen hervorgehoben.
Cephalophora.
Auf das bereits im vorigen Bericht besprochene Werlc
von Maria Emma Gray „Figures of Molluscous Animals ,
selected fromyarious authors, etched for the use of studenls"
muss ich noch einmal zurückkommen, da ich durch die Güte
des Herrn Gray jetzt im Besitze desselben bin.
üie Verfasserinn hat aus den verschiedensten Werken diejenige
Abbildungen , welche die Thiere von Mollusken darstellen , copirl, und
in Kupfer geätzt. So setzt dieses Werk in Besitz einer sehr gros-
sen Zahl von Abbildungen , die in der Literatur weit zerstreut sind.
Das ganze Werk besteht aus vier Bänden. Der erste erschien bereits
im Jahre 1842 und enthält 90 Tafeln; der zweite vom Jahr 1850 end-
hält 120 Tafeln, der dritte aus demselben Jahre enthält 113 Tafeln.
Auf ihnen sind ausschliesslich Thiere aus den Ordnungen der Hetero-
poden, Gasteropoden und Fteropoden dargestellt. Der vierte Band end-
lich (1850) bringt den Text zu den drei Bänden, bearbeitet von J. E.
Gray. Es findet sich hier zuerst p. 1 — 61. eine Erklärung der Abbil-
dungen mit Angabe der Werke, aus denen die Abbildungen entlehnt
sind; ferner p. G3 — 124. eine systematische Anordnung der Abbildun-
gen, in Welcher die Abiheilungen bis zu den Familien herab charakte-
risirt sind. Verf. hat hier folgende Eintheilung der Gasteropoden auf-
gestellt :
Subclassis \. Ctenobrancliiata.
Ordo I. Pectinibr anchiala. Subordo 1. Zoophaga. Fam.:
Strombidae, Aporrhaidae, Muricidae, Buccinidae, Tricholropidae, Conidae,
Volutidae, Cypraeadae, Lamcllariadae. Subordo 2. Phylophaga. Sectio 1.
Podophthalma. Fam. : Ampullariadae. Sectio 2. Edriophlhalma. Fam.:
Paludinidae, Liltorinidae, Architectomidae , Melaniadae, Kalicidae , Ve-
lutinidae, Vermelidae, Capulidae, Calyptradae, Phoridae, Vanicoridae ,
Valvatidae, Scalaridae. Sectio 3. Iniophthaltna. Fam. : Gaecidae, Trun-
catellidae, Pyramidellidae, Acleonidae, Rissoellidae.
Ordo II. Scutihr anchiala. Sectio 1. Podophthalma. Fam.:
Turbinidae, Liotiadae, Trocliidae, Slomatellidae , Haliotidae, Werilinidae.
Sectio. 2. Edriophlhalma. Fam.: Fissurellidae , Dentaliadae, Tecturi-
dae, Lepetidae, Gadiniadae, Palellidae^ Chitonidae.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 273
Subclassis II. Heterobrancliiata.
Ordo III. Ple uro branchiata. Farn.: Philinidae, ßuUinadae,
Bullidae , Amplustridae , Aplysiadae , Lophocercidae, Fleurobranchidae,
Pterotracheidae, Allantidae, lanthinidae.
Ordo IV. Gymnohr anchiata. Farn.: Dorldidae, Tritouiadae,
Glaucidac, Phyllidiadae , Diphyllidiadae , Phyllirrhoidae , Placohranchi-
dae, Limapontiadae, Sagitladae.
Ordo V. P neum oh r anchiata. Subordo I. Inoperculata. Farn.:
Arionidae, Helicidae , Veronicellidae, Onchidiadae, Auriculidae, Lym-
neadae, Siphonariadae. Subordo 2. Opercnlata. Farn.: Cyclophoridae,
Oligyradae, Aciculidae.
In eine Kritik dieses Systems einzugehen , würde hier viel zu
weit führen. — Zum Schlüsse ist dem Bande des Verf. List of the
genera of recent mollusca , wie sie in der Proc. zool. soc. 1847 er-
schienen ist, angebunden. — Jedenfalls ist das Werk ein sehr nützli-
ches, das dem wissenschaftlichen Studium der Molluskenkunde sehr för-
derlich sein wird, und es ist zu wünschen, dass eine versprochene
Forlsetzung, die den Zweischalern gewidmet sein wird, bald erschei-
nen möge.
Unter dem Titel : „Recherches sur Toeil des Mollusques
Gasteropodes terrestres et fluviatiles'* hat Charles Lespes
in Toulouse eine Abhandlung drucken lassen , welche mir
nicht zugänglich geworden ist. Ein Bericht darüber findet
sich im Journ. de Conchyl. p. 313. Verf. hat 34 Arten von
Schnecken untersucht.
Moquin-Tandon hat sich in einer Abhandlung in
den Schriften der Academie von Toulouse 1851 mit dem Ge-
ruchsorgane der Land- und Flussschnecken beschäftigt; lei-
der ist mir dieselbe nocht nicht zugänglich geworden. Aus
einer ferneren Mitlheilung „Nouvelles observations sur les
Tentacules des Gasteropodes terreslres et fluviatiles bitenla-
culees" desselben Verf. im Journ. de^ Conchyl. p. 7. ersehe
ich, dass er den Sitz des Geruchssinnes bei den Schnecken
mit vier Fühlern in den Endknopf der grossen Fühlhörner
verlegt , indem die Nervenanschwellung dieses Knopfes eine
Riechwarze und der grosse Fühlernerv der Riechnerv sei.
In dem letzterwähnten Aufsatze wird dann bei den Schnek-
ken mit zwei Fühlern den F'ühlern die Function desRiechens
zugeschrieben, und namentlich erwähnt, dass dieLandschnek-
ken ebenfalls in den Fühlern eine Nervenanschwellung be-
Archiv f. Natursescb. XVllI. Jahrg. 2. Bd. g
274 .Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
sitzen, während bei den Wasserschnecken eine solche fehlt,
indem sich hier der Nerv bekanntlich in dem Fühler ver-
zweigt. Es wird ferner angegeben , dass die Fühler der
Wasserschnecken allgemein mit einem Flimmerepithelium verse-
hen seien.
Was die Arbeit vonMoquin-Tandon in den Schriften
der Acad. Toulouse betrifft, so findet sich darüber im Journ.
de Conchyl. p. 152. eine weitere Nachricht. Es hatte M.-T.
zweien Arion die grossen Fühler abgeschnitten, in Folge wo-
von sie , nach Vernarbung der Wunde riechende Nahrungs-
stoffe nicht bemerkten , während sie eine Erdbeere verzehr-
ten, die ihnen an den Mund gehalten wurde. Als Beweis
für die Ansicht des Verf., dass der Geruchssinn in den Au-
gen tragenden Fühlern liege , wird auch die Gattung Testa-
cella angeführt, die unterirdisch lebt, und sich von Regen-
würmern nährt; sie hat sehr kleine Augen, aber ungeheuere
Riechnerven in den grossen Fühlern.
Moquin-Tandon sprach sich ferner über die An-
hänge des Mantels bei mehreren Flussschnecken aus (Journ.
de Conchyl. p. 128). Der Faden, welcher beiValvata rechts
am Mantelrande gefunden wird, ist mit Flimmerepithelium ver-
sehen, dient dem Verf. zufolge theils zum Schulze der Kie-
men, theils um den W^asserstrom zu beschleunigen. Diesel-
ben Functionen werden den drei Vorsprüngen am Rande des
Mantels bei Paludina vivipara zugeschrieben, welche den drei
mit Haaren besetzten Kielen der jungen Schnecken entspre-
chen. Während die Embryonen am ganzen Körper ein Flim-
merepithelium haben, bleibt es später nur an den Kiemen, den
Tentakeln (Geruchsorganen) , und den eben erwähnten Man-
telanhängen übrig.
Saint-Simon beschäftigte sich mit der Beschaffen-
heit der Nieren bei einer grossen Zahl von Land- und Süss-
wasserschnecken. Er nennt das Organ „glande praecordiale",
und setzt noch andere Functionen ausser der Blutreinigung
voraus (Journ. de Conchyl. p. 342.).
Recluz lieferte im Journ. de Conchyl. p. 88— 102. ei-
nen terminologischen Artikel über die Spira der Schnecken.
— Desgleichen ib. p. 304— 313. über die Mündung.
Petit de la Saussaye Hess einige Landschnecken als Typen
Naturgesehichle der Mollusken während des Jahres 1851. 275
neuerlich aufgestellter, und in den Sammlungen noch wenig verbreite-
ter Gattungen im Journ. de Conchyl. p, 79. abbilden, so: Geomelania
Jamaicensis, Stoastoma pisum , Trockatella Tanhervillei und Lucidella
areola.
Heteropocla.
In einem im Auszüge mitgetheilten Briefe von Huxley
an^Milne Edwards (Annales des sciences nat. Tome XIV. p. 193.)
beschreibt Verf. den Blutlauf bei Firola und Atlanta.
Bei ersterer Gattung ist wegen völliger Durchsichtigkeit der
Blutlauf sehr gut zu beobachten. Vom Herzen, das am hinlern Kör-
perende liegt, entspringt eine Aorta, die sogleich einen Ast zum Nu-
cleus abgiebt, und dann sich nach vorn wendet und verschiedene Krüm-
mungen auf dem Darm macht. An den unteren Schlundganglien ange-
langt, entspringt von ihr eine Fussarterie, die in die ßauchflosse hin-
absteigt und dort plötzlich mit einer OefTnung endigt. Bevor sie in
die Bauchflosse oder den Fuss dringt, giebt sie einen Zweig nach dem
hintern Theile des Thiers ab. Nach dem Abgange der Fussarterie wen-
det sich die Aorle nach vorn und endigt in der Mundraasse. Venen
ejiListiren nicht. Verf. konnte die Blutkügelchen verfolgen, wie sie aus
der Fussarterie in die Substanz des Fusses eindrangen, und auch aus
der Mundmasse in die grosse Eingeweide-Höhle eintraten ; von dieser
Höhle aus kehrten sie langsam in die Vorkammer des Herzens zu-
rück. (Von der Athmung ist nichts gesagt, aach nicht von dem weite-
ren Verlaufe der zum Nucleus tretenden Arterie; es lässt sich vermu-
then, dass hier eine Athmung stattfindet). — Bei Atlanta soll der Cir-
culalionsapparat sehr ähnlich sein, nur dass die Fussarterie sich in drei
unverzweigte Aeste theilt, von denen einer nach hinten, der zweite
an den Saugnapf, der dritte nach vorn sich begiebt; alle drei endi-
gen in einer Oeffnung. Die Untersuchungen sind an Bord des Schiffs
Baltlesnake in den Gewässern von Neuholland und Keu-Guinea ange-
stellt ; die Arten, auf welche sie sich beziehen, sind nicht genannt
L e y d i g veröffentlichte „Anatomische Bemerkungen über
Carinaria , Firola und Amphicora in Siebold und Kölliker
Zeitschr. III. p. 325.
Von Carinaria raediterranea werden hier die Hautnerven beschrie-
ben und abgebildet, ebenso der feinere Bau des Gehörorganes mit sei-
nem runden Otolithen und den Wimperbüscheln. Das Gehörorgan von
Firola corata ist dem sehr ähnlich u. s. w.
Oasteropoda«
„Bidrag lil Pectinibranchiernes Udviklingshistorie af J.
Koren og D. C. Daniels sen. Bergen 1851. 8. 40 Seiten
276 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
und 4. Tafeln.« Die Verf. haben die Entwickelungsgeschichte
\on Buccinum undatum und Purpura lapillus beobachtet. Die
Kapseln von Bucc. undatum enthalten sehr viele Eier ; die-
selben vereinigen sich zu Gruppen und aus jeder Gruppe
wird ein Thier , so dass die Zahl der Individuen sehr ge-
ring ist zur Zahl der darin enthaltenen Eier. Bei Purpura
ist es abenso. Bei Buccinum fehlt eine Furchung des Dot-
ters, bei Purpura findet eine unregelmässige Furchung statt ,
und die gefurchten Dotter vereinigen sich zu Gruppen. In
jeder Kapsel von Purpura lapillus findet sich beständig ein
Embryo , der sich aus einem einzigen Ei entwickelt , aber
dieser kommt niemals zu einer vollständigen Entwicklung.
Pulmonata operculata.
Aciculacea. Aus dieser Familie sind neue Arten Geomela-
nia HiUiana und pyramidala durcli Adams (Lyceum New - York V.
p. 83.) aufgestellt, sie leben auf Jamaica.
Cyciostomacea. P f ei f fer stellte in der Zeitschr. für
Malakoz. p. 129. sämmtliche Arten und Gattungen der Cyclo-
stomaceen zusammen, wobei die Gattungen charakterisirt
wurden. Er vertheilte die ihm bekannten 465 Arten in 29
Gattungen.
Die Gattung Cyclostoma in weiterem Sinne hat reichen Zuwachs
an neuen Arten erhallen. Adams stellte im Lyc. New-York V. p. 53.
von Jamaica auf: C. sagitliferum , lamellosum und simulans; beschrieb
auch daselbst einige Varietäten von C. fimbriatum. Er gab ferner (ib.
p 56.) eine Analyse der Gruppe der Gattung Cyclostoma, deren Typus
C. jamaicense Chem. ist (Cyclotus) ; nach 20 Exemplaren seiner Samm-
lung, die er beschrieb, unterschied er folgende Arten : C. corrugalum
Sow!, jugosum, pallescens, varians, seminudum, Jamaicense Chemn. und
crassum; sie sind sämmUch von Jamaica. — Ausser einigen Varietäten
■ beschrieb derselbe ib. p. 77. wiederum neue Arten von Jamaica: C.
Moussonianum , Campbelli , Chevalieri, Yallanense, sericinvm, Tappa-
nianum, perpallidum, dubiosum. - Philip pi beschrieb zwei neue Ar-
ten C. euomphalum und Thoreyanum , letzlere aus ßolivia Zeitschr. f.
Malak. p. 30. — Auch eine Ueihe Asiatischer Arten wurde aufgeslellt.
So c' halophilum Benson (Annais VII. p. 265.) von Ceylon. - Der-
selbe stellte ib. VIII. p. 184. vierzehn neue Arien dieser Galtung aus
Ostindien auf: C. Pearsoni vom Khasya- Gebirge, Jerdoni vom Kilger-
rhie^^ebirge, Aurora vom Himalaya, Canlori von der Insel Penang, por-
phyrilicum von Ostindien, constriclum vom Himalaya, filocinctum vom
Nilgerrhiegebirge , sarrüum vom Garogebirge , coeloconus vom Nilger-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 277
rhiegebirge, cuspidalum und Trochlea ebendaher, aratum von Nord-Cir-
cars in Ostindien , ravidum vom Nilgerrhiegebirge , phaenotopicum vom
liimalaya. Der Verf. fügte hier geographische Bemerkungen über viele
Arien der Gattung hinzu. — C. Apiae Red uz (Journ. de Conchyl.
p. 2l3.) von der Apia-Bai an der Insel Opolu. — C. Guildingianum
Pfeiffer Zeitschr. f. Malak. p. 28.
Cyclosloma Binneyanum Pfr. ist nach Adams dessen C. puU
chrius (Lyc. New- York V. p. 45.).
Benson sagte in einer Note (Annais p. 265), dass Äulopoma
Hofmeisteri stumpfe, kurze und schwarze Tentakeln besitze, und dass die
Augen am Grunde derselben liegend, vorn schwarz, hinten weiss seien.
Pfeiffer gab in der Zeitschr. f. Malak. p. 1. eine Uebersicht
der Gattung Plerocyclos Benson; er zählt hier 11 Arten auf, indem er
meine Gattung Myxostoma mit Plerocyclos vereinigt.
Indem Benson zwei neue Arten der Gattung Plerocyclos be-
schreibt, deren eine Pt. Blandi auf der Insel Pulo Susson, die andere
Troscheli auf Ceylon lebt, die auch im Umriss abgebildet sind, erwähnt
er elf ihm bekannte Arten dieser Gattung (Annais VIII. p 195.}. Pt.
Troscheli gehört, wie Verf. angiebt, zu meiner Gattung Myxostoma, die
ich noch immer für wohlberechligt halte , obgleich sie von Pfeiffer
nicht anerkannt worden ist. — Ib. p. 450. beschrieb Benson wiederum
eine neue Art Pt. nanus vom Nilgerrhiegebirge. — Pt. Charbonnieri
Recluz (Journ. de Conch. p. 214.) von ßorneo.
Eine neue Pupina bilinguis beschrieb Pfeiffer Proc. zool. soc.
May 1850., Annais VII. p. 492. ; sie lebt in Ost-Australien.
Helicinacea* Stoastoma Vilkinsoniae , Tappanianum, Hol~
landianum, Moricandianum, Petitianum und Anthonianum \d di ms (Ly-
ceum New- York V. p. 64.) von Jamaica — St. Philippianum und ^^^as-
siiianum \ da ms ib.p.82.
Helicina nobilis, hirsuta , consanguinea , microstoma sind neue
Arten von Ada ras (Lyceum New-York V. p. 49.) von Jamaica. — H.
inlusplicata unbekannten Vaterlandes , und H. diaphana von Honduras
beschrieb Pfeiffer Proc. zool. soc. May 1850.; Annais VII. p. 492.
— H. Moquiniana Recluz (Journ. de Couchyl. p. 212.) von den Sa-
lomonsinseln.
In Pfeiffer's Anzeige von Morelet's Testacea novissima etc.
Zeitschr. f. Malak. p. 118, wird die Synonyraie einiger Arten von He-
licina berichtigt. H. trossula soll nicht von H. flavida Menke zu un-
terscheiden sein, H. coccinostoma ist = Oweniana Pfr , H. purpnreo-
flava = amoena Pfr. , //. ruslicella = unidentala Pfr. , pannucea =
alata Menke.
.Ampullariacea* De Saulcy hat die Lebensweise von
Ampullaria effusa geschildert, deren er viele in der Gefangenschaft be-
pbachlete Er fütterte sie mit ßrod, Fleisch oder Pflanzen. Die Luft io
278 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
ihrer Afhemhöhle benutzen sie um im Wasser zu steigen oder sich zu
senken. Eine Begattung sah Verf. nicht. Das Zerfressensein der Spira
will S. dadurch erklären , dass die verschiedenen Exemplare einander
annagen, um sich den nölhigen Kalk zu verschaffen, eine Erklärung,
die mir wenig treffend scheint, da im Freien das Zerfressene der Scha-
len ebensogut gefunden wird , wie in der Gefangenschaft (Journ. de
Conchyl. p. 132.).
In Küster's Ausgabe von Martini-Chemnitz Conchylienkabinet hat
Philippi die Bearbeitung der Gattung Ampullaria übernommen. Da-
selbst finden sich als neue Arten : A. pomum Ph. , impertia Ph. von
Brasilien , retusa v. Olfers von Guiana und Brasilien , pyrum Ph. von
Brasilien, cingulata Ph., Wernei Ph. aus dem weissen Nil, colmnbiensis
Sow., balteala Ph. — Ausserdem sind als neue Arten beschrieben : A
inops Morel et Rev. et mag. de Zoologie 1851. p. 220. von Mada-
gaskar. — A. pycmaea Recluz (Journ. de Conchyl. p. 216.) aus den
Bächen der Insel Elephanta, Bombay. — A. Balenoidea Gould ist
Jouro. de Conchyl. p. 267. pl. 7. fig. 8. abgebildet worden.
Ctenobranchiata,
Taenioglossala.
Potamopliila« Vahata inconspicua Adams (Lyceum New-
York V. p. 47.) von Jamaica.
A. Schmidt nimmt (Verh. d. naturhist. Vereins der Rheinlande
und Weslphalens 1851. p. 332.) die Gattungen Paludina Lam., Bythinia
Gray und Paludinella Rossm. an, theilt aber letztere wieder in drei Un-
terabtheilungen: Litho glyphus Pf. Gehäuse eiförmig-konisch, Mün-
dung schräg, Mündungswand mit einer Schwiele belegt; Paludi-
nella Rossm. s. Str. Gehäuse abgestumpft eiförmig, Mündung senkrecht
(P. viridis); S ubulina A. Schmidt Gehäuse thurm- bis pfriem-
förmig, Mündung senkrecht (Typus P. acuta Drap. , dahin thermalisMke,
balthica Nilss., minutissima Schm.).
Moquin-Tandon hat sich veranlasst gesehen, die Verschie-
denheit der Gattungen Paludina und Bithinia zu prüfen (Journ. de Con-
chyl. p. 237. Er fügte den bekannten Unterschieden noch hinzu, dass
Paludina 2 seitliche Kiefer besitze, die Bithinia fehlen ; und dass letz-
tere Gattung einen knorpligen Krystallstiel im Magen vor Paludina vor-
aushabe. Die Kiefer sollen bis 4 Millim. gross sein , was jedenfalls
auf einem Irrthume beruht ; ich habe sie immer nur mikroskopisch
klein und aus feinsten Schüppchen zusammengesetzt gefunden, sie auch
so in diesem Archiv 1836. I. p. 271. beschrieben.
Eine neue Art Paludina parvula beschrieb Hut ton Afghani-
stan 1. c.
Gould stellte in Boston Proceed. III. p. 360. folgende 16 neue
Arten von Melania auf: M. nuchola, dema, abbreviata, inornala, pul-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 279
chella, tracta, bicolorata, brevispiray coracina, elata, napella^ cuspidalay
inemta, plebejus, succinulala, robulina, sämmtlich aus Nordamerika, —
M. amoena Morel et von Madagaskar (Rev. et mag. de Zoologie 1851.
p. 220. ; Jüurn, de Conchyl. p. 192.). Diese Art wurde am letztge-
nannten Orte mit zwei andern neuen Arten iV. nigrita von Ga-
ben, und veruculum von den Schifferinseln abgebildet. — M. Zangue-
barensis Petit Jouro. de Conchyl. p. 263. pl. 7. fig. 1. von Zanzibar.
— Philip pi beschrieb Zeitschr. f. Malak. p. 81. M. betone, divisay
humilis , Bensoni von der Insel Lie\\-]i\c\y, Hohenackeri von Surinam,
pugioniformis.
Truucatellacea« Wegen des Zweifels aber die systemati-
sche Stellung betrachten wir die Gattung hier als besondere Familie.
Aus ihr ist eine neue Art Tr. modesta Adams (Lyceum New- York V.
p. 48.) von Jamaica beschrieben.
Aus Truncatella ventricosa Sow. , welche Art schon Pfeiffer mit
einem Zweifel zu der Gattung Truncatella zog, bildet nunmelir Ben-
son eine neue Galtung, die er Tomichia nennt. Er charakterisirt
sie folgendermassen : Tesla perlorala, spira elongala , anfraclibus sub-
senis, apice plerumpue truncato; aperlura oblique elliptico-ovali , ver-
ticali , peristomate duplicato vel triplicalo, continuo, margine sinistro
expanso, reflexiusculo , leviter emarginato, epidermide olivacea. Das
Thier hat eine lange Schnauze, zwei massige stumpfe Tentakeln, die
Augen hinten neben ihrem oberen Grunde; der Fuss ist kurz, vorn
jederseits gelappt; der Deckel hornig, subspiral mit schnell wachsenden
Windungen und subbasalem links gelegenen Nucleus. Die Art T. ven~
tricosa lebt bekanntlich in Südafrika (Annais VII. p. 377.).
liitorinacea. Litorina Cecillei Philippi Zeitschr. f. Ma-
lak. p. 78. von der Insel Liew-Kiew.
Zwei neue Arten der Gattung Risella , R. grisea und fimbriaia
stellte Philippi Zeilschr. f. Malak. p. 31. auf. Bei dieser Gelegen-
heit bemerkt derselbe, dass seine Galtung Bembicium mit der älteren
Gray'schen Gattung Risella identisch sei. — Ebenda p. 39. fügte Phi-
lippi R. flavescens und plicaltäa von der Insel Norfolk hinzu.
Von der Gattung Modulus Gray zählte Arthur Adams (Proc.
zool.soc.July 1850. ; Annais VIII. p. 498.) die ihm bekannten Arten auf,
und setzte die Gattung in die Familie Litlorinidae. Verf. führt 7 Ar-
ten an , M. leuticularis Chemn., teclum Gmel,, carchedonicus Lam., ci~
daris Reeve und drei neue cerodes von Wossambique, diiplicatus ohne
Angabe des Fundorts, obliquus aus dem rothen Meere.
Rissoa eburnea, multilineata, cxarala sind neue Arten vonStim-
pson (Boston Proceed. IV. p. 14.). Hier wird Cingula arenaria Migh.
Rissoa Mighelsii genannt, und Cingula semicostata erhält den Namen ßts-
soa pelagica. -— R, pupoidea Stimpson von Süd-Carolina (ib. p. 114.).
— R. umbüicala von China Philippi. Zeitschr, für Malak. p. 93.
280 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Rissoina erythraea Philippi aus dem rothen Meer, Zeitschr. f.
Naiak.p. 93.
For bes bemerlite (Report of Ihe British Association held atlpswich
1851. p. 77.), dass unter der Sammlung, welche Macgillivray wäh-
rend der Reise des Schiffs Ratllesnake gemacht hat, eine neue Schnecke
sei, die nach Art von Janthina schwimmt, aber nach Schale, Thier und
Deckel mit JefFreysia verwandt sei. Er nennt die Gattung Macgil-
litraya.
Turrilella acicula und areolata Slimpson Boston Proceed.
IV.p.15.
Eine neue Art der Gattung Eglisia von Japan stellte Arthur
Adams (Proc. zool.soc.July 1850; Annais VIII. p. 499.) auf, und nannte
sie E. Cumingii.
Xenoplioracea« Xenophorus helvaceus Philippi Zeitschr.
für Malak. p. 44. von China.
Pyramidellacea« Gwyn Jeffreys bemerkte (Annais VII.
p.27.), dass die von Clark beschriebene Chemnilzia Gulsonae (vergl.
den vorigen Bericht p. 114,) nicht zur Gattung Chemnitzia gehöre.
Joshua AI der weist ebenda p. 193. die Behauptung des Clark
zurück, dass seine Gattung Jeffretjsia nicht von Chemnilzia verschieden
sei, indem er nachweist, dass sowohl in der Schale, als im Deckel, und
in der Organisation des Thieres grosse Differenzen vorhanden seien.
Jeffreysia gehörte in die Familie der Littoriniden, während Chemnitzia
zu den Pyramidelliden zu zählen sei.
Bei Gelegenheit, wo Clark das Thier von Rissoa opalina, die
er für eine Chemnitzia erklärt, beschreibt (Annais VII. p.292.), verthei-
digt er seine Ansicht in Betreff der Jeffreysia.
Dasselbe geschieht wiederum ib. p. 380., indem er Philippi und
Loven citirt, anstatt die Natur selbst zu fragen, ob die Thiere einen
zurückziehbaren Rüssel haben oder nicht, u. s. w. Hier wird die Zahl
der Arten verringert; indem der Verf. nur 28 wahre Arten annimmt,
wogegen er 21 Arten als Synonyme zu anderen zieht.
Weiler führen AI der und Gwyn Jeffreys diese Streitfrage.
, Ersferer sucht die Auffassung Clark's durch dieselben Stellen zu wie-
derlegen, welche von ihm citirt wurden (ib. p. 460.); letzterer liefert
auf einer Tafel (Annais VII. pl.IV.) die Abbildungen der Apices meh-
rerer Arten von Odostomia , Rissoa und Jeffreysia , um nachzuweisen,
dass bei letzterer Galtung der Apex nicht verdreht, sondern einfach ge-
wunden sei; dies halte Clark behauptet. Der Zusammenziehung der
Arten, welche Clark vorgenommen halte, stimmt Verf. nicht bei. Schliess-
lich fügt er die Fundorte einiger Arten von Odostomia hinzu.
Endlich spricht sich Barlee ib. p. 482. für die Selbstständigkeit
von Odoslomia truncaltila Jeff, und Eulimella affinis Phil, aus , die
Clark nicht anerkennen wollte.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 281
Im achten Bande p. 108. derselben vortrefflichen Zeitschrift be-
schrieb Clark die Thiere mehrerer Chemnitzien nämlich von Ch. Gul-
sonae, Sandvicensis , dccussata, elegantissima und pusilla.
An neuen Arten finden sich : Chemnilzia modesta Stirn pson Bo-
ston Proceed. IV. p. 16. Ebenda wird Turritella interrupla Totten als
Ch. inlerrvpta und Odostomia seminuda Adams als Ch. seminuda an-
geführt. — Ch. dealbala und mcea St im p son (ib. p. 114.) ersterevon
Boston Harbor, letztere bei Grand Alanau. — Ch. spirala Siimps ob
(ib. p. 115.) von Nord-Carolina. — Ch. Barleei C\ark (Annais. VII. p.l29.)
von den Shetlands- Inseln.
Odostomia sicula Philip pi Zeitschr. f. Malak. p. 88. von Sici-
lien. — Ebenda wird Pyramidella pusilla Pfeiffer von Philipp! als 0.
pusilla charaklerisirt.
Eulima conoidea von Nord- und Süd- Carolina und E. oleacea
aus Bazzard's-Bay beschrieb Gould (Boston Proceed. IV. p. 115.).
In einer Notiz über die Gattung Stilifer Brod. (Journ. de Con-
chyl. p. 25.) erklärt Petit de la Saussaye diese Galtung für para-
sitisch , indem sie bald in Muscheln , bald zwischen den Aesten der
Madreporen, bald an den Armen der Astcrien oder zwischen den Sta-
cheln der Seeigel leben. Zu den vier bekannten Arten (Helix corallina
Chemn., Styl subulatus, astericola, Turtoni Brod.) beschreibt Verf. eine
fünfte St. Miltrei aus dem indischen Ocean, die auch (pl. 2. f. 8. 9.) ab-
gebildet ist.
^'aticacea* v. M id d en d 0 r f f beschrieb (Reise p. 211.)
die sonderbaren Einester von Natica clausa oder pallida : sie
liegen dem Boden in Gestalt runder Trichter auf, deren Durch-
messer 50—60 Mill. beträgt; er ist aus einem Bande san-
dig-lehmigen Teiges von IMill. Dicke gebildet, welches sich
spiralig 172 bis 2'/2mal im Kreise zusammenwindet. Im fri-
schen Zustande ist es sehr elastisch, trocken sehr brüchig.
Auf dem Bauche bemerkt man kuglige Zellenhöhlungen, 7
bis 8 auf jedem Radius. Im Ganzen enthält ein Einest min-
densten 300 Zellenhöhlungen , in deren jeder ein Ei ruht.
Beim Auskriechen durchbrechen die- Thierchen die innere
dünnere Wandung.
Recluz sichtete (Journ. de Conchyl. p.251.) die Syuonymie von
Natica canrena L., indem er zeigte, dass Lamarck's N. cnnrena eine
andere Art sei, die JV. fasciata Favart d'Herb. heissen müsse.
Neue Arten sind: Natica Kingii Forbes und Hanley British
Mollusca lll. p.343. Fig. J. 2. — N. candidissima Recluz Journ. de
Conchyl. p. 87. von Bahia. — Ferner ebenda p. 194 von demselben:
JV. albula (Valvala albula Rumph) von Aniboina, Bernhardi von Mexico?,
282 Troßchel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Draparnaudii ebendaher?, opaca von Bourhon? effusa Sow. Var. , pal~
lium von Pulo-Pinang; mehrere von ihnen sind abgebildet. — End-
lich von Philipp i Zeitschr. f. Malak. p. 45. : A^ D unker i ^ Pfeifferi
von den Antillen , Menkeana von Portorico , lynx von Mangalore in
Vorderindien, pardalis, galactites von China, gilva ebendaher, venu~
slulUf Antoni von China, citrina.
Nach einer ausführlichen historischen Einleitung über
die Gatlung- Sigaretiis , die er mit Recht als besondere Gat-
tung von Natica trennt, und beide Gattungen zu einer Familie
vereinigt, die er Cryptostomidae nennt, lieferte Recluz im
Journ. de Conchyl. p. 163. ein Verzeichniss der bekannten Ar-
ten dieser Gattung.
Dasselbe enthält 44 Arten, von denen 23 lebend sind. Auf Asien
mit den Inseln kommen davon 11, auf Amerika 7, auf Afrika 3, auf
Europa 2. Verf. theilt die Gattung folgendermassen in Gruppen: 1.
Papilläres, Mündung höher als breit, Nabel offen, Spira vorsprin-
gend (8 Arten). 2. Cymbiformes, Mündung rundlich, Spira kurz.
a. Nabel offen (3 A.). b. Nabel geschlossen (4 Ä.). 3. Auriformes,
Mündung länger als hoch, Nabel verdeckt, Spira sehr flach, a. Schale
ovalkreisförmig (3 A.) b. Schale länglich , und dann convex (8 A.) ,
niedrig (5 A.), oder flach (9 A.). Ausserdem sind noch 4 Arten als
dem Verf. unbekannt hinzugefügt.
Darauf werden ebenda als neue Arten beschrieben und abgebil-
det: S. lacteus von Amboina?, sinualus aus dem rothen Meer, bifa~
sciatus von St. Thomas, Afrika.
Velutina spongiosa v. Middendorff (Bull, de Petersbourg IX.
p. 108.) von Kamtschatka. 44. Millim.
Calyptraeacea» Neue Arten : Crepidula neritoides Recluz
(Journ. de Conchyl. p.205.) von Neuholland. — Cr. striolala Menke
Zeitschr. f. Malak. p. 35. von Mazatlan. — C. atra und solida Phi-
lipp! ib. p. 69.
Calyptraea vestila Philippi ib. p. 65.
Mit dem Namen Pilidium bezeichnet v. Middendorff in sei-
ner Reise II. p.214 und TafefXVII. Pig.4— 11, eine neue Schnecken-
galtung, obgleich dieser Name schon von Forbes und Hanley als Gat-
tungsname angewendet worden ist (vergl. den Bericht über das Jahr
1849. p. 122.) Die Schale ist dünn, fast häutig, biegsam, mützenförmig
Das Thier füllt die Schale aus; die Augen stehen auf kleinen Vor-
sprüngen an der Basis der Fühler; hinler dem Kopfe liegt der Eingang
in die Kiemenhöhle ; die Kieme besieht aus einer Reihe dreieckiger
Blättchen, lieber die systematische Stellung dieser Gattung spricht
rieh Verf. nicht aus, er vergleicht sie mit Paleüa, Capulus, Velutina
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 283
und Hipponyx; die meiste Verwandtschaft scheint sie mit der letzteren
zu haben. Die Art P. commodum lebt im Ochotskischen Meere.
Coecacea- William Stimpson beschrieb drei neue Arten
der Gattung Coecum, die bisher an den amerikanischen Küsten noch
nicht vertreten war: C. nitidum und Floridanum von Florida, pulchel-
lum von Buzzard's Bay (Doston Proceed. IV. p. 112.). ,„
Ceritliiaceä« Cerithium {Potamides) Charbonnieri Petit von
Borneo (Journ. de Conchyl. p. 264. pl. 7. fig. 7.) und C. Billeheusli
Petit (ib. p. 265. pl. 7. fig. 3.) ohne Angabe des Vaterlandes. — C.
nebulosum von der Insel Liew-Kiew, glabratum von Keuholland, pumt-
lum, spadiceum von Yukalan sind neue Arten, welche Philippi Zeil-
schr. f. Malak. p. 66, aufstellte.
Planaxis striatulus und incisus Philippi ib. p. 91.
Korbes und Hanley gründeten in ihrer Hist. of Brit. Mollusca
eine neue Gattung auf Murex tubercularis Mont. (Cerithium tubercu'
lare), und stellten dieselbe vorläufig in die Nähe von Cancellaria : Cß-
rithi op sis n. g. Schale ganz wie bei Cerithium. Deckel hornig mit
concentrischen Elementen, Nucleus terminal. Thiere ganz verschieden;
Kopf ziemlich breit und kurz mit zwei stumpf- pfriemförmigen Tenta-
keln, schwach verdickt an ihrem Grunde, Augen in der Mitte an ihrem
Ursprünge. Mund unterhalb , mit einem rückziehbaren Rüssel ; Zunge
ähnlich wie hei Trichotropis. Mantel nicht zurückgeschlagen, mit ei-
ner rudimentären Siphonalfalle. Fuss länglich, vorn fast quadrat, hin-
ten~slun)pf, unten in halber Länge mit einer Grube; der deckeltragende
Anhang entwickelt.
Pirena sinuosa Philippi Zeitschr. f. Malak. p. 91. von Mada-
gaskar.
üeber das Thier der Gattung Trichotropis theilte Petit dela
Saussaye in seinem Journ. de Conchyl. p. 17. einige Angaben mit,
welche Souleyet aus einer Untersuchung vom Tr. dolium n. sp. ge-
wonnen halte. Es hat am dicken Kopfe eine lange Schnauze, die am
Ende gekrümmt, und oben der Länge nach mit einer tiefen Furche
versehen ist; die Augen aussen an der Mitte der fadenförmigen Füh-
ler; am Grunde des rechten Fühlers findet sich ein ziemlich voluminö-
ser Penis; zwei sehr ungleiche Kiemen in" der Kiemenhöhle. (Nach
diesen Angaben ist es mir wahrscheinlich, dass die Gattung nicht in die
Nähe von Buccinum und Purpura gehört, sondern zu den Taenioglos-
sen, und wohl in die Familie der Cerilhiaceen). — Bei dieser Gelegen-
heit beschrieb Petit zwei neue Arten T. dolium von Norwegen, und
T. Blainvilleanus vermutblich von den Mariannen. Auch wird hier ein
Verzeichniss der 10 bekannten Arten hinzugefügt. — Ib. p. 260. stellte
Petit wieder eine neue Art T. Dortt^wyan«?» aus dem stillen Ocean auf.
284 T rose hei: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Toxoglossata.
Pleurotomacea* Neue Arien. Pleurotoma cerinum Gou\ 6
(Boston Proceed. IV. p. 115.) von Buzzard's-Bay. — PI. Saulcydianum
und Lelieurii Recluz (Journ. de Conchyl. p. 209.) beide vom Sene-
gal. — PL Melchersi Menke Zeilschr. f. Malak. p.20. von Mazallan.
— PL nivea von der Insel Formosa und vestalis V hiWppi ib. p. 92.
Mangelia ruhella fiould (Boston Proceed. IV. p. 115.) von Ca-
rolina. — M. tniliutn Philippi Zeitschr. f. Malak. p. 79.
Forbes und Hanley theilten die Gattung Mangelia in zwei
Abtheilungen, je nachdem sie einen Deckel besitzen (Bela), oder nicht
{Mangelia) , bemerkten jedoch, dass es unmöglich sei , aus der blossen
Schale zu schliessen, ob ein Deckel vorhanden sei. (Hist. of brit. Mul-
lusca III. p. 449.).
Proboscidea.
In einem Aufsätze „On the Muricidae" in den Annais
VII. p. 108. geht William Clark von der falschen Be-
hauptung, die er auf eine sorgfällige Untersuchung aller Gal-
tungen (from a sedulous examinalion of Ihe animals of all
the genera p. 109.) gestülzt angiebt , aus, dass die Murici-
den, namentlich die Gattungen Murex, Buccinum, Fusus, Pleu-
rotoma, Purpura, Nassa,Tricholropis und Cerithiopsis in ana-
tomischer Beziehung völlig übereinstimmen, und daher keine
generische Berechtigung halten; sie seien nur durch unbe-
deutende conchyliologische Verschiedenheiten zu trennen. Es
ist ja jetzt allgemein bekannt, dass diese Gattungen nicht ein-
mal in einer Familie bei einander bleiben können; man denke
nur an die Mundlheile. Wenn also Verf. sich bemüht , die
durch diese Vereinigung zahlreichen Arten der leichteren Be-
stimmung wegen in 7 Sectionen zu bringen, die doch eben
auch nur auf conchyliologischen Differenzen beruhen, so hat
er gev/iss nichts Besseres an die Stelle der wenigstens zum
Theil guten Gattungen gesetzt, die nur dadurch noch an Be-
stimmtheit und Bestimmbarkeit 'gewinnen können, dass man
durch anatomische Untersuchung geleitet auf noch mehr con-
chyliologische Charaktere aufmerksam wird, um die Gallun-
gen noch enger zu begrenzen , und also ihre Zahl zu ver-
mehren.
Olivacea. Oliva Melchersi Menke Zeitschr. f. Malak. p. 24,
von Mazatlan ist als neue Art beschrieben.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 285
Volittacea. Pelit de la Saussaye machte (Journ. de
Conchyl. p. 38.) auf die verschiedenen Angaben über das Thier von
MargineUa aufmerksam, ^vie sie von Adanson und Deshayes herstam-
men, und fügt nach Souleyet hinzu, dass das Thier von M. quinque-
plicala wiederuni abweiche: es hat einen sehr grossen Fuss, der oben
statt des Deckels einen Fleischlappen trägt; der Mantel schlägt sich
um die Schale. Der Kopf trägt zwei Fühler und ist ganz ohneAugeo;
hinter dem rechten Fühler findet sich ein ziemlich voluminöser Penis.
Verf. ist ungewiss, ob er die Gruppen der Gattung, nämlich die Arten
mit vorstehender Spira, die mit verdeckler Spira, und die, welche man
als Gattung Erato getrennt hat, als Abtheilungen von generischem
Werlhe betrachten soll, erst die Kenntniss der Thiere müsse darüber
entscheiden ; auch die Gattung Volvaria lässt er vorläufig bestehen, be-
schränkt sie aber auf die langstreckigen, cylindrischen Arten mit dün-
nem und scharfem Labrum.
Hierauf beschreibt er einige neue Arten Jtf. Poucheti von "VVesl-
afi'ica, M. Saulcyana von Brasilien, M. micans aus dem rothen Meere,
M. Terveriana von der Insel Socotora am Eingange ins rothe Meer, M.
GuiUaini aus dem rothen Meere, M. carneola ohne Angabe des Vater-
landes. Schliesslich lieferte der Verf. ein Verzeichniss der lebenden
und fossilen Marginellen, welches 155 Arten enthält.
MargineUa gracilis Adams (Lyceum New - York V. p. 46.) von
Jamaica ist schon in dem eben erwähnten Verzeichnisse von Petit ent-
halten. — M. Hainesi Petit Journ. de Conchyl. p. 260. pl.8. lig. 5.
6. wahrscheinlich aus dem Indischen Ocean.
Milra Hamillei Petit Journ. de Conchyl. p. 259. pl. 7. fig. 9.
von den Cap- Verdischen Inseln. — M. eburnea von den Marquesas,
helvacea von China und pusio sind neue Arien von Philippi Zeitschr.
f. Malak. p. 84.
Canalifera. Als neue Arten sind beschrieben: Columbella
dissimilis Stimpson (Boston Proc. IV. p. 114.) aus der Fundy-lJay. —
C. crossiana Recluz von Neapel (Journ. de Conchyl. p. 257.).
Turbinella caledonica Petit von Neu- Caledonien (Journ. de
Conchyl. II. p. 367.).
Aus einer Gruppe der Gattung Fusu§ , die sich durch massige
Grösse, Glätte , scharfen Wundrand und kurzen Kanal auszeichnet, be-
schrieb Petit de la Saussaye (Journ. de Conchyl. p. 73.) mehrere
neue Arten : F. Wallaysi von Java, Calelini , albocincius, Milleli, Re~
clusianus und subgramäalus von der westafrikanischen Küste. — Fu"
sus Largillierli Pelit (ib. p. 255.) von Neufundland. — F. Reeteanus
Petit (ib. p 365.) ebendaher. — F. albus, Bernardianvs \on den Mar-
quesas, cygneus, umbilicalus sind neue Arten von Philippi Zeitschr.
f. Malak. p. 75.
Unter dem Namen Pyrula provincialis beschrieb Martin im Journ.
286 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
de Conchyl. p. 248. eine Schale, die in der Bucht von Fos gefischt
wurde. Der Herausgeber dieser Zeitschrift erklärt sie wohl mit Recht
für eine Monstrosität von Cassidaria echinophora. Sie ist abgebildet.
niiiricea« Murex inornalus Becluz (Journ. de Conchyl. p.
207.) aus dem Meere von Korea.
In Rendiconto (Bericht über die Sitzungen der Academie zu Bo-
logna 1849 — 51.) beschreibt Bianconi einen neuen Triton Ranzanii
von Mossambique: testa fusiformi subtrigona, transversitn obscure sul-
cata et striata flavo- rufescente , anfractibus superne angulatis, ultimo
subtriangulari, ad angulum tuberculo instructum ; latere sinislro luber-
culato, dexlro incavato; fauce postice aperta ; columella nigro macu-
lala, cauda recta longiuscula. Vergl. auch Revue et mag. de Zoologie
1851. p. 217.
Buccioacea« Buccinum pulchellwn Adams (Lyceum ^'ew-
York V. p. 46.) von Jamaica. — Philipp! charakterisirle aus dieser
Gattung in der Zeitschr. f. Malak. p. 55. als neu: B. aculimargo von
China, afrum von Ostafrika, bicolor, birmanicum von Mergui, chinense
von der Insel Liewkiew, corruscans von der Insel Bali, limicola aus
China, ringens, dumale von den Marquesas-Inseln, moeshmiy panamense
von Payta , pingue von Bali, pusillum , quisquiliarum von China, sina-
rum von China.
Terebra subdivisa Philip pi Zeitschr. f. Malak. p. 96. — T. Bel-
cheri und decussala Philip pi ib. p. 123.
Einige Angaben über das Thier seiner Bullia ampuUacea machte
V. Middendorff (Reise II. p. 239.), namentlich spricht er von hohen
Querfalten in der Kiemenhöhle, die er für Hülfsorgane der Athmung
deutet.
Von der Gattung Phos Montf. hat Arthur Adams eine Ueber-
sichl der Arten zusammengestellt; er kennt deren 20^ unter denen die
Hälfte neu : Fh. lurritus von Panama, texlilis, rufocinctus, spinicostatus,
nodicoslalus, cyllenoides und cyanostoma von den Philippinen, laeviga-
tus vom Cap, cancellalus und scalarioides ohne Angabe des Vaterlandes
(Proc. zool. soc. Juni 1850. ; Annais VIII. p. 70.). — Ph. concellare
Menke von den Molukken ist Zeitschr. f. Malak. p. 59. charakterisirt.
v. Middendorff bildete (Reise Taf. XVII. Fig. 19.) die gestiel-
ten Eikapseln von Purpura Freycineti ab.
Petit beschrieb eine Varietät von Ricinula arachnoidea von
der Insel Christmas (Journ. de Conchyl. p. 234).
Mit dem Namen Rhizochilus antipalhum belegte Steen-
strup als neue Gattung eine Schnecke aus der Familie der Purpura-
ceen, die in der Jugend hei umherkriechend einer jungen Purpura
lapillus oder einer jungen Rapana galeodes gleicht, sich dann aber in
der W^eise an die dünnen Zweige von Anlipathes mit dem Mundrande
festheftet, dass dieselben umfassl werden, wobei sich die Mündung der
Naturgeschichte der Molliislten während des Jahres 1851, 287
Spalte allmählich verengt, und endlich so schlicsst, dass nur der Sipho
olFen bleibt (Overs. danske Vidensk. Selsk. Forhandf. 1850. p. 75.)«
Bemerkungen über diese Gattung Rhizo chilus machle Gray
in den Annais of nat. bist. Vlll. p. 477., bildete auch die interessanten
Schalen ab. Er verglich hiermit einen Vermetus, der seine Röhren-Mön-
düng verengt.
Rhipidoglossata.
I¥eri4acea* An neuen Arten sind in dieser Familie beschrie-
ben : Nerila obatra Recluz (Journ. de Conchyl. p. 203.) von Taiti.
— N. ringicula Philippi Zeilschr. f. Malak. p. 86.
Neritina Jamaicensis und tenetricosa Adams (Annais of the I.y-
ceum of New- York V. p. 99.) von Jamaika. — JV. ceylanensLs Recluz
(Journ. de Conchyl. p. 202.) von Ceylon.
Trociftoidea. Auch hier ist eine ganze Zahl neuer Arten
aufgestellt: Rolella parvula Philippi Zeitschr. f. Malak. p. 94.
Philippi charakterisirte 10 Trochus - Arten in der Zeitschr. f.
Malak. p. 40. : Tr. servilis, leprosus, puelta, flebejus, patricius , comtusy
gralusy lurricula, inßtscatus , senalorius , sämmtlich ohne Angabe des
Vaterlandes. — In der von Philippi bearbeiteten Monographie der
Gattung Trochus bei Küster 1. c, sind folgende Arten neu: in Lief. 101:
Tr. minor Trosch., Quoyi 7^hil. (australis Q. et G ), gracilis Anton
muthmasslich aus Neuholland, Adelaidae P h. von Adelaide, tener Tro-
sch., 7?iorio Tr o s c h., percija; Koch, TamswDunker (atralus Wood.),
mulabilis P h. Adriatisches und Griechisches Meer, parvus Trosch.,
incisus Mke, maculo-slrialus Adams Antillen, Solandri Ph. (Modo-
donta cienulata Mke); — in Lief. 103.: Tr. Gaimardi Ph. (cingula-
tus Q. et G.) , tnelanchlortis P h. (Monodonta viridis Lam.) , ocholensis
Middendorff aus dem Ocholzkischen Meere, Fennanti P h. von der
Englischen Küste, rutilus Koch (modeslus Koch olim).
Clark hat die Thiere von Skenea divisa , Sh. Cutleriana und
Sk. nilens beobachtet. Sie haben lange mit Wimpern besetzte Tenta-
keln, an deren Grunde auf einer kleinen Anschwellung die Augen ; am
IVacken liegen zwei verschiedene Lappen. Der Fuss hat vorn jeder-
derseils einen gekrümmten fadenförmigen Fortsatz , weiter hinten vor
dem runden spiralen Deckel entspringen in gleichen Absländen jeder-
seits drei tentakelartige Fäden. Die GeschlechtsöfFnung liegt unter dem
rechten Fühler. Verf. versetzt daher die Arten geradezu in die Gattung
Trochus (Annais Vlll. p. 44 ).
F'issurellacea* Arthur Adams stellte acht Arien der
Gattung Macrochistna Swains. zusammen, die sämmtlich, ausser M. hia-
tula Swains. (Fissurella macrochisma Sow. ) neu sind: M. maxima^
dilalata, compressa, megalrema, cuspidata, producta uod angustala. Von
den meisten ist das Vaterland unbekannt, cuspidata und producta stam-
Ö88 -Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
men von den Philippinen (Proc. zool. soc. Juli 1850.; Annais vill.
p. 350.).
Parmophorus auslralis Rüpp. et Leuck. erkannte Philipp!
Zeitschr. f. Malak. p. 89. als verschiedene Art, und nannte sie P. Rüp-
pelii. — P. emarginalus Philippi ib. von Liew-Kiew,
Cyclobranchiata.
Acmaeacea* Drei Arten der Gattung Acmaea, A. mulabilisy
fascicularis und mesoleuca, alle von Mazatlan sind von M e n k e Zeit-
schr. f. Malak. p. 37. aufgestellt worden.
Cliitoniclae. v. Mi d den do r ff bringt (Heise p. 165.) Eini-
ges über die Anatomie von Chiton Pallasii bei , auch ist die Zunge
abgebildet.
Cirrobrancliiata. Dentalium striolatum Stimpson (ßo«
ston Proceed. IV. p. 114.) ist die einzige neue Art aus dieser Familie.
Pulmotiata,
William Thomson hat die Zungen einiger Land-
schnecken untersucht, beschrieben und abgebildet. (Annais
VII. p. 86.pl. IV.). Seine Untersuchungen erstreckten sich auf
54 Arien, die jedoch nicht einzeln genauer beschrieben wer-
den. Besondere Rücksicht ist auf die Richtung der einzel-
nen Querreihen der Platten genommen; von vielen sind die
Platten gezählt, wonach Limax maximus die grösste Zahl
26800 zukömmt , während Zonites cellarius die wenigsten ,
945, hat. Abbildungen sind gegeben von Zonites radiatu-
/ms, Limax carinalus^ Zua lubrica und Plnnorbis carinatus.
liiinacea. Ueber die Entwickelung von Limax agre-
stis hat 0. Schmidt in Müller's Archiv. 1851. p. 278. ge-
schrieben.
Kaleniczenko stellte in der Familie der Limaceen eine
neue Gattung auf, die er Kr inichillus nannte (Bull, de Moscou 1851.
I. p. 215.). Das Thier hat die Gestalt von Limax, besitzt vorn einen
glatten schildförmigen Mantel, der die Lungenhöhle bedeckt, uud dessen
vorderer Theil bis zurAthemöffnung frei, der hinlere dem Körper ange-
wachsen ist; darunter eine flache elliptische Schale ohne Spur einer
Windung. Die Alhemöflnung liegt hinten an der rec hten Seile des Mantels,
die Geschlechtsöffnung liegt aussen an der Basis des rechten oberen
Fühlers, die Afleröffnung am vorderen Uande der Respirationsöffnung.
Der hornige Kiefer ist mondförmig, zwei Papillen am Munde. Dahin
gehören sechs Arten : Ä. melanocephalus (Krinickia melanocepbala Bull.
Naturgeschichte der Mollusken während der Jahres 1851. 289
de Moscou 1839. No. 1. p. 30.) im Kaukasus an schattigen und Teuch-
teil Orten, kriecht bei Trockenheit in die Erde, oder geht in Bäche;
minulus mit vorigem; cristatus (Limax megaspidus ßlainv.) in Taurien
bei Otuz unter Blättern; maculalus im südlichen Taurien bei Kuczu-
koiy; Eichwaldii in Taurien an Baumwurzeln und zwischen Steinen;
Dymczeviczii in Taurien in Wäldern und Gärten , besonders unter
Kuhmist.
M 0 qui n -Tan don beschreibt (Journ. de Conchyl. p. 125.) die
Mundtheile von Testacellus halioUdeus. Die Zunge hat viele Platten in
jeder Querreihe , von denen die kürzeren ungleich zweispaltig sind,
die längeren haben einen kleinen Vorsprung in der Milte ihrer Con-
cavität. Ein Kiefer ist nicht vorhanden. — Bei dieser Gelegenheit
werden zwei Aufsätze des Verf. vom Jahre 1848 citirt, die dem Ref.
nicht bekannt geworden, und daher im Berichte über das genannte
Jahr übergangen sind: „Obs. sur las mach, des Heliccs, Mem. Acad.
scienc. Toulouse t. 4." und „Quelques mots anat. Moll. Act. Soc. Linn.
Bordeaux."
In einer Notiz von M o quin- Tan don , welche aus den Schrif-
ten der Academie zu Toulouse 1850 in das Journal de Conchyl. 1851.
p. 140. übergegangen ist, sagt der Verf., dass eine neue Art von Par-
macella , welche Faisse in der Nähe von Arles entdeckte, und die
M.-T. Parmacella Gervaisii nannte (Institut 1847.), darin mit den An-
gaben von Webb und ßerthelot von P. calyculata übereinstimme, dass
sie beim Ausschlüpfen aus dem Ei eine mit Deckel versehene Schale
besitze , die das ganze Thier aufnehmen könne , dass der Deckel bald
abfalle, dass das Thier die Schale später gleichsam umwachse, so dass
sie zu einer inneren werde, und um sich durch neue Kalkablagerung
vergrössere. — Die 7 bekannten Arten der Gattung Parmacella werden
dann aufgezählt. — Später wird ib. p. 235 berichtigt , dass die von
Faifsse bei Arles gefundene Art mit P. Valenciennii Webb et Vanbene-
den übereinstimme, so dass nunmehr in Frankreich zwei Arten, Ger-
vaisii und Valenciennii vorkämen. — Eine neue Art P. rutellum be-
schrieb Hutton Afghanistan 1. c.
Helicea. Moquin-Tandon hat sich im Journ. de
Conchyl. p. 333. mit dem von Lisler sogenannten Capreolus
der Helices beschäftigt; es ist ein fadenförmiges Organ, wel-
ches bei der Begattung in die gestielte Blase dringen soll ,
und welches nach des Verf. Meinung das Eintreten der Sa-
menflüssigkeit vermittelt. Manchen Arten , z. B. bei H. Pi-
sana, fruticura, rotundata und lenticula, fehlt es.
Lecoq hat mehrfach die Begattung von ClausUia pa-*
Archiv, f. Naturgesch. XVIU Jahrg. 2. Bd. X
290
Tr ose hei: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
pillaris mit Pupa cinerea beobachtet; einmal auch die von
Helix nemoralis mit U. aspersa. Er machte ( Journ. de Con-
chyl. p. 245.) auf die Wichtigkeit der Erforschung- der Fol-
gen solcher Begattungen aufmerksam.
Arthur Morelet hat das Thier von Helix euryom*
phala abgebildet und beschrieben (Journ. de Conchyl. p. 14.
pl. II. flg. 6. ?.)• Am Munde hat es zwei vorspringende Palpen,
die Athemöffnung liegt weit oben, nahe der Mittellinie ,• der
Fuss ist durch eine Linie von dem Körper abgesetzt , am
Hinterrande liegt einSchleimporus. Alle diese Merkmale sieht
Verf. nicht für hinreichend an , darauf ein neues Genus zu
gründen, sondern er sieht die Art als eine Zwischenform an,
welche mit Arion und Ariophanta (Nanina) Beziehungen hat.
Nach des Referenten Ansicht muss allerdings dann ein eige-
nes Genus für diese Art gegründet werden, wenn man erst
durch die Beobachtung derselben Charaktere an verwandten
Formen im Stande ist, die Grenze für die Galtung anzugeben;
dann wird man auch an den Schalen sichere Merkmale zur
Bestimmung der Gattung festsetzen können.
Die Lebensweise von Helix tristis wurde von Lecoq
(Journal de Conchyl. p. 146.) beschrieben. Das schwarze
Thier überragt stets die Schale. Sie lebt aufCorsica im Mee-
ressande unter der stachelreichen Genista Salzmanni, die ihr
zum Schutze zu dienen scheint. Bei grosser Hitze undTrok-
kenheit geht sie 50 — 60 Centimeter in die Erde, bis sie Küh-
lung findet; im Winter und Frühling findet man sie näher
der Oberfläche , und Verf. glaubt , dass sie nur Nachts her-
vorkomme, um zu fressen. Nach einem Regen fand L. noch
die Löcher, durch welche sie sich eingegraben hatten, beim
Tiefergehen verschütten sich die Löcher spurlos. Auch die
Begattung geschieht unter der Erde , zur Regenzeit und in
geringer Tiefe.
Ebenda p. 270. beschrieb Saint -Simon diese Art aus-
führlich , und fügt auch Bemerkungen über den Kiefer ,
der 8 Leisten besitzen soll , und über die Geschlechtsor-
gane bei.
lieber die geographische Verbreitung der Gattung Bu-
Natur^^eächiehte der Mollusken wShrend des Jahres 1851. 291
limus schrieb Lovell Reeve in den Annais VII. p. 241.
und erläuterte seinen Aufsatz durch eine Karle.
üie Arten dieser Gattung halten sich in den Grenzen zwischen
40° südlicher und 35° nördlicher Breite in der neuen Welt, stwischen
den Südgrenzen von Chili und Texas, und zwischen dem 42^ südlicher
und dem 52 — 55° nördlicher Breite in der alten Welt, zwischen Van-
diemensland und Deutschland. Kur B. lubricus geht nördlich über diese
Grenzen hinaus. Verf. theilt nun dieses Areal in sieben Provinzen; er
unterscheidet nämlich auf der westlichan Hemisphäre die Provinzen
von Venezuela, Brasilien, Chili und Bolivia, von denen ferner noch die
Inseln des stillen Meeres und die Antillen unterschieden werden kön-
nen. Auf der östlichen Hemisphäre werden unterschieden die kauka-
sische Provinz , die Europa , einen grossen Theil von Asien und das
nördliche Afrika umfasst, die malayische und die afrikanische Provinz.
Die Zahl der Arten giebt Verf. folgendermassen an : Provinz Vene-
zuela 62, Brasilien 70, Chili 53, Bolivien 42, und ausserdem in der
neuen Welt 115 Arten, zusammen 342 Arten ; in der alten Welt in der
kaukasischen Provinz 98, in der Malayischen 95, in der Afrikanischen
35, ausserdem 16 Arten , zusammen 244 Arten. Danach kennt Verf.
überhaupt 586 Arten, die alle in seiner Conchologia iconica abgebil-
det sind.
Reich ist diese Familie wieder an neu aufgestellten Ar-
ten aus den verschiedenen Gattungen:
Vitrina baccata Hulton Afghanistan (l. c. p. 650.).
Benson beschrieb Annais VII. p. 262. zwei neue Succinea im-
perialis von St. Helena und S. orienlalis von Macao in China. —
Pfeiffer nannte Ferussac's Cochlohydra elongala y. vom Cap S. De-
lalandii Zeitschr. f. Malak. p. 28.
Zwei neue Arten der Galtung Streplaxis stellte Moricand im
Journ. de Conchyl. II p. 369. auf, St. slreptodon und cryptodon, beide
von Bahia. — Bei dieser Gelegenheil lieferte der Herausgeber der ge-
nannten Zeitschrift Petit ein Verzeichniss der bekanntgemachten Ar-
ten. Es besteht aus 28 Arten.
Helix Schrenkii und subpersonala Middendorff Bull, de Pe-
tersbourg IX. p. 110. und dessen Reise p. 302. Erslere ist über ganz
Piordasien verbreitet, letztere lebt im Stanowoi - Gebirge, ohnfern des
Ochotzkischen Meeres. — Für H. Haldemaniana Pfr. nimmt Adams
(Lyceum New - York V. p. 45.) die Priorität in Anspruch, indem er
diese Art schon in Boston Proceed. 1845 H. arboroides genannt halte.
— Derselbe beschreibt ib. p. 93 H. Swainsoniana ^ consanguinea ,
Buddiana, pulchrioTf Jacobensisj sprela von Jamaika, so wie die Varie-
292 Tro^chel: ßericht über die Leistungen im Gebiete der
täten einiger anderer Arten. — H. baclriana Hutton Afghanistan I.e. —
Morelet beschrieb mehrere Arten dieser Gattung, welche von Vesco
auf afrikanischen Inseln gesammelt waren, in der Revue et Mag. de
Zoologie 1851. p. 218., nämlich: H. philyrina, nitella, semicerina, Mau~
rüianella, odontina sämmtlich von Mauritius , H. Vesconis von Mada-
gascar, H, russeola von der Insel Majolle im Meere von Mossambique.
— Benson machte fünf neue Arien dieser Galtung vom Vorgebirge
der guten Hoffnung bekannt, die er bisculpta, perplicala, pelrobia, Sa-
buletorum und dutnelicola nannte (Annais VII. p. 103 ). lieber das Va-
terland einiger anderen Arten sind Bemerkungen hinzugefügt. — Fer-
ner ib. p. 263. H. remola von St. Helena. — H. Cleryi ßecluz (Journ.
de Conchyl. p. 211.) von den Salomonsinseln. — H. punicea , senilisj
Massylaea , Desfontanea, psammoica , sordulenta sind neue Arien von
Algier, die Morelel ib. p.352. aufstellte. — Von Pfeiffer wurden
in der Zeitschr. für Malakoz. p. 10. einige nur ungenau bekannte Ar-
ten erörtert, nämlich H. irochus Müll., planata Chemn., und dann
folgende als neu aufgestellt: H. Mörchii (xantholricha ^. Pfr.) von den
Philippinen, Perrotteti aus Indien, Schultleworlhi von Bahia, conospira
von Japan, hemisphaerion, bembicodes, acuminala, letztere fraglich von
Haiti. Ferner werden H. munda Benson in H. cerea Pfr., und H. ob-
scurala Adams Reeve in H. Arlhurii Pfr. umgetauft. — Dann sind ebenda
p. 25. von Pfeiffer aufgestellt: H. corneo-virens vom grünen Vor-
gebirge, intusplicata^ Donovani. — H. /cetine/s Ph i lipp i ib. p. 29. von
Sta Fe de Bogota. — Ferner finden sich als neue Arten von Pfeiffer
ib. p. 127. H. Thetis, chlorotica, Janeirensis , omicron , letztere von
Australien. Hier wird Proserpina discoidea Adams in H. Proserpinula,
und Helix gradata Pfr. in Helix scalarina umgetauft. — H. margari~
lacea A. Schmidt ib. p. 183. bei Aschersleben. — Nach Pfeiffer
(Zeitschr. f. Malak. p. 118.) ist H. cymbalum Morelet synonym mit H.
euryomphala Pfr.
Bulimus Nogellii Roth bei Moritz Wagner 1. c. aus Kolchis. —
B. hortensis und macrospira Adams (Lyceum New- York V. p. 92.)
von Jamaika. — ß. relegalus Benson (Annais VII. p. 264.) von St.
Helena und JB. Sinensis vom südlichen China. — B. Moussonianus Pe-
tit Journ. de Conchyl. p. 266. pl. 7. fig. 4. von Bombay. — B. Ade-
nensis Pfeiffer Zeitschr. f. Malak. p. 27. von Aden in Arabien. —
ß. Reentsi Philippi ib. p. 30. vom Berge Chala in Peru. — B. Sisalen-
sis ist nach Pfeiffer ib. p. 119. = B. Torallyi d'Orb. — Bulimus
interstinctus Gould var. rnbicunda ist im Journ. de Conchyl. II, p. 368.
pl. 10. fig. 8. abgebildet.
Parlula diminuta Adams (Annais of the Lyceum of New- York
V. p. 41.).
Pupa lapidaria und spelaea sind zwei neue Arten von Hutton
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 293
Afghanistan 1. c. p. 652 u. 653. P. indica Benson MS. wird ib. als
synonym mit P. cylindrica und caenopicta Hulton Journ. Asiat, sog. 111.
p. 85. no. 6 und 7. bezeichnet , beide genannte Arien werden be-
schrieben. — P. intermedia und minor Morelet von Madagaskar (Re-
vue et Mag. de Zoologie 1851. p. 220. — P. crystallum Morelet
(Jouvn. de Conchyl. p. 194.) von der Prinzeninsel im Busen von Guinea.
Spiraxis brevis wird als neue Art von Adams (Lyceum New-
York V. p. 92.) von Jamaika beschrieben. Derselbe bemerkt, dass Bu-.
limus mirabilis und Bul. anomalus in die Gattung Spiraxis gehören.
Glandina procerula und lamellifera Morelet von Algier (Journ.
de Conchyl. p. 357.).
Achatina proxima und solitaria Adams (Lyceum New- York V.
p. 91.) von Jamaika. — A. simpularia Morelet Revue et Mag. de
Zoologie 1851. p. 220. von den Comoren. — A. Bensoniana Pfeiffer
Zeitschr. f. Malak. p.27. von dem Nilghiri-Gebirge. — Achatina Soli-
mana Morelet und ^. panVt/ra Gould sind Journ. de Conchyl. p.267.
pl.8. fig. 8. und p. 268. pl. 8. fig. 7 abgebildet.
Mehrere neue Arten von Achatinella beschrieb Adams (Annais
Lyceum New- York V. p. 41.): A. magna, Tappaniana , Dimondiy de-
cepta, modesta, Reevei (viridans Reeve).
Cylindrella Binneyana Pfeiffer wird von Adams im Lyceum
New- York V. p. 45. als synonym von seiner Cylindrella nobilior (Bo-
ston Proceed. 1845) angeführt. — Derselbe beschreibt ib. p. 84. als
neu von Jamaika : C. Robertsi, zonata, eine ganze Reihe Varietäten von
C. Maugeri, C. princeps und elatior , die in eine Gruppe mit C. Dun-
keri gehören. — C. concisa Morelet ist nach Pfeiffer Zeitschr. für
Malak. =: C. Hydeana Adams = Bul. Gossei Pfr.
Beiträge zur Anordnung und Unterscheidung der Clau-
silien lieferte A. Schmidt in der Zeitschrf. f. Malak. p. 184.
Er hält einen bisher noch nicht berücksichtigten Punkt für
besonders wichtig; es findet sich nämlich bei den meisten
Clausilien eine mit der Naht parallel laufende Leiste , deren
vorderes Ende in der Mündung sichtbar ist, Verf. giebt ihr
den Namen „lamella spiralis." Sie kann nun 1. fehlen, 2.
mit der lamina supera zusammenlaufen, oder mit ihr nicht
zusammenhängen.
Eine neue Art ist Clausilia iberica Roth bei Moritz Wagner I.e.
aus Georgien.
Araricnlacea« Moquin-Tandon hat bestimmt versichert,
dass Auricula myosotis Drap, eine echte Landschnecke sei, die er an-
derthalb Monat auf faulendem Holze lebend erhielt; zwei dicke Höcker
auf der Schnauze sollen die Rudimente des zweiten Fühlerpaares sein
294 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
(Journ. de Conchyl. p. 348.). — A. hepatica wurde als neue Art von
der Insel Lievvkiew von Philipp i Zeitschr. f. Malak. p. 54. aufgestellt.
Arthur Adams zählte (Proc. zool. soc. Juni 1850., Ann. VIII.
p. 66.) 19 Arten der Gattung Scarabus auf, unter denen sechs neue:
Sc. semisulcalus, sinuosus von den Philippinen, imperforalus von Bor-
neo, pantherinus von den Philippinen, borneensis von den Philippinen
und chalcostomus von den Salomonsinseln.
Henry und Arthur Adams stellten eine neue Galtung Pa^
xillus, der sie einen Platz unter den Auriculaceen anweisen, mit fol-
genden Charakteren auf: Schale pupaförmig , geritzt; Spira zugespitzt,
Mündung halboval an der vorletzten Windung aufsteigend; Innenlippe
anliegend, breit, bogig; Spindel mit einer vorspringenden zahnartigen
Falte; Aussenlippe mit doppeltem Saume, vorn ausgerandet; INabelge-
gend mit einem spiralen erhabenen Beifen , der am vordem Theil der
Mündung in einer Kerbe endigt. Die ArtP. adversus stammt von Sin-
gapore , wo sie in Gesellschaft von Truncatella und Melarapus lebt.
(Annais YII. p. 63 ).
liimnaeacea,* Physa Jamaicensis Adams (Lyceum New-
York V. p. 88.) von Jamaika.
Moquin-Tandon erklärt die rothe Flüssigkeit, welche Pla-
norbis corneus und die andern Arten dieser Gattung in so grosser Menge
von sich geben, für Blut, und behauptet, es trete nicht aus dem Man-
telrande , sondern aus allen Theilen des Körpers, selbst an der Spitze
des Gewindes hervor (Annales d. sc. nal. XV. p. 145.).- Diese Behaup-
tung ist schon öfter gemacht worden, scheint mir jedoch noch zwei-
felhaft.
Planorbis humilis kdams (Lyceum New- York V. p. 47.) von Ja-
maika. — PL convexiusculus Hut ton (Afghanistan 1. c). — PI. Ross-
maessleri Auerswald, welcher bei Leipzig lebt, wurde von A.
Schmidt Zeitschr. f. Malak. p, 179. beschrieben, und dabei auf die
Schwierigkeit hingewiesen, den PI. spirorbis Müll, von Icucostoma Mich,
zu unterscheiden.
Limnaeus (Gulnarid) Gebleri Middendorff Bull, de St. Peters-
bourg IX. p. HO. vom Nordabhange des Altai, L. Kamtschaticus ib.
von Kamtschatka. — L. bactrianus Uutton Afghanistan 1. c. — L.
flatus Philippi Zeitschr. für Malak. p. 78. von der Insel Liew-Kiew.
In der Familie der Limnaeaceen wurde von Henry und Ar-
thur Adams eine neue Gattung L imneria aufgestellt. Die Schale
ist solid, halbkuglig, subspiral, mit weiter, ausgebreiteter Mündung, die
sich nach hinten über den Apex hinaus ausdehnt, vorn abgerundet ist;
die Inoenlippe ist schief, hinten umgeschlagen, vorn gerade und scharf.
L. caspiensis aus dem kaspischen Meere (AnuaJs YIL p. 64).
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 295
Notohr anchiata.
Isidore Geoffroy St. Hilaire erstattete im Na-
men einer Commission der Pariser Aeademie einen Bericht
über den sogenannten Phlebenterismus , welcher Gegenstand
mehrerer Streitschriften von Qualrefages und Souleyet gewe-
sen ist. In Hinsicht auf das Vorhandensein eines Herzens und
Afters spricht sich die Commission bejahend aus; manche
andere Punkte sind ihr noch zweifelhaft, sie scheint jedoch
eher geneigt, den Ansichten Souleyet's zuzustimmen. (Com-
ptes rendusJan. 1851. ; Froriep's Tagesberichte 1851. p. 203.).
— Der Bericht der Commission der Societe de Biologie de
Paris über den Phlebenterismus ist im Auszuge im Journ. de
Conchyl. p. 154. mitgetheilt.
Thecacera virescens Aid er und Hancock (Report of the bri-
tish Association at Ipswich. 1851. p. 74.; Annais nal. bist. VIII. p. 290.).
•Vanidae. Albany Hancock lieferte in den An-
nais VIII. p. 25 die Anatomie von Antiopa Spinolae, mit zwei
Tafeln.
Das in Rede stehende Thier vs^urde zuerst von Delle Chiaje
als Eolidia cristata beschrieben, dann von Verany ats Janus Spino-
lae 1846 aufgestellt, ferner von AI der und Hancock 1848 unter
dem Namen Antiopa splendida beschrieben. Da der Name Janus be-
reits vergeben ist, so wird der Gattungsname Antiopa beizubehalten
sein, und das Thier muss nunmehr Jn^topa cristala heissen. — Blaii-
chard hat bereits die Anatomie gegeben (vergl. den Bericht f. 1849.
p. 130 ), die Beobachtungen des Verf. weichen aber davon in manchen
Punkten ab. — Hinter den beiden gezähnten Kiefern liegt die mit
Querreihen zahlreicher (80) Platten besetzte Zunge; die Leber ist ge»
bildet wie bei den Phlebenteraten , der Verlauf der einzelnen Gänge
weicht aber nach der Darstellung des Verf. von dem wie ihn Blan-
chard schildert, ab. Ausserdem liegt am Rücken vor dem After ein
eigenthümliches Netzwerk von Gefässen, das mit den Lebergängen zu-
sammenhängt, und das ausserdem mit einem drüsigen, den Darm in
der Nähe des Afters umgebenden Körper in Verbindung steht. Verf.
erklärt diesen Apparat für einen Theil der Leber. — Eine kleine Blase
dicht am Pericardium, die sich in dasselbe öffnet, und die Cuvier bei
Doris als in Verbindung mit der Leber beschrieb , wurde bereits in
einer Abhandlung über die Anatomie von Doris vom Verf. für ein
Pfortaderherz erklärt, welches venöses Blut in das Lebernetzwerk trei-
ben soll. Ein solches kommt auch bei Trilonia Hombergii und Eolis
papulosa vor. In Betreff der Schilderung und Deutung der Geschlechts«
296 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Organe weicht Hancocii bedeutend von Blanchard ab : was Blanchard
Hoden nennt, sieht Hancock als Schleimdrüse und Scheide an, und
Blanchard's Vas deferens bezeichnet derselbe als Hoden. Nach des
Verf. Deutung, die mir übrigens nicht ganz einleuchten will, kommt er
zu dem Schluss, dass zwar bei einer Begattung Samenflüssigkeit in die
Samenblase (Spermatheca) gelange , um nachher zur Befruchtung der
Eier verwendet zu werden, aber bei dem Zusammenhange des Hodens
mit dem Eileiter denkt sich Verf. , in Ermangelung einer Begattung,
auch eine Selbstbefruchtung für möglich. — Schliesslich sagt der Verf.
die Begattung Antiopa müsse unzweifelhaft in die Familie der Eolidi-
dae gestellt werden, indem der Verdauungsapparal und die Anordnung
der Leberkanäle dafür sprechen, obgleich das innere Netzwerk der Le-
berröhren , die Lage des Afters hinten am Rücken, die Beschaffenheit
der Zunge u. s.w. auf eine Verwandtschaft mit den Doridae hinweisen;
auch mit den Tritoniadae sei eine Verwandtschaft vorhanden durch die
Kiefer und die Anordnung der Kiemenpapillen, die sich nicht über die
Seiten des Rückens ausdehnen , sondern auf den Streifen beschränkt
sind, der den Mantel vertritt. (Mir scheint nach allem diesem umge-
kehrt die Folge zu ziehen, dass die Gattung nicht in die Familie der
Eolidier gehört, sondern eine besondere Familie darstellen muss , die
die Doridicr und Tritoniaceen mit den Eolidiern verbindet, wie Blan-
chard es gelhan hat, und der man den Namen Janidae lassen muss).
Aeolidiae« Von AI der und Hancock wurde in dem Be-
richt über die Brittsh Association zu Ipswich 1851 eine neue Gattung
aus der Familie der Eolidier aufgestellt, die auch in die Hist. of Brit.
Mollusca von Forbes und Hanley HI. p. 589. aufgenommen ist: Oi-
thona, Körper länglich, limaxförmig, Kopf mit vier fadenförmigen Ten-
takeln, ohne Scheiden, zu zwei subdorsalen Paaren ; das vordere Paar
entspricht den Mundtentakeln von Eolis und steht weil hinter den Lip-
pen. Mund mit hornigen Kiefern. Kiemen warzig, unregelmässig, eine
Ausbreitung des Mantels an den Seiten des Rückens bekleidend; ein
vorspringender häutiger Rand oder Franze läuft an der Innenseite je-
der Papille herab. After latero-dorsal, nach rechts gelegen. Die Ge-
schlechtsöfFnungen getrennt , unter den Tentakeln der rechten Seite.
Die Art 0. nobilis lebt unter Steinen bei Falmouth. Die Anatomie
ist von Hancock gearbeitet; sie stimmt im Allgemeinen mit Eolis über-
ein, doch weicht sie in manchen Punkten ab. Namentlich sind die fort,
leitenden oder Kiemenherz- Gefässe sehr stark entwickelt; sie liegen
ganz in der Haut, sind von aussen sichtbar, und zeigen viele Veräste-
lungen, die in ein weites hinter dem Herzen gelegenes Gefäss münden ;
ein kleines aber sehr deutliches Gefäss mit demselben in Verbindung
verläuft zu den Membranen der Papillen, und beweist die Kiemennatur
dieser Organe. Auch die Leber ist eigenthümlich. Das Ende des Ma-
gens empfängt zwei Gallengänge, einen an jeder Seite des Darmes; dies«
Naturgeschichte der Mollusken während der Jahres 1851. 297
divergiren von Magen aus, gehen in die Haut an den Seiten des Rük-
kens , wo sich jeder in einen zweiten Leberkanal öffnet, der fast die
ganze Länge des Körpers einnimmt und Aeste von den Drüsen der Pa-
pillen empfängt. Der vordere Theil der grossen Leberkanäle ist mit
ZAvei sackartigen Drüsenkörpern in Verbindung, und in dem zelligen
Gewebe an dem hintern Tbeile des Körpers ist ebenfalls eine drüsige
Substanz in Verbindung mit den Leberkanälen in der Haut. — Dieser
Aufsatz is auch ausführlich in den Annais nat. bist. VIII. p. 290. mit-
gethcilt, begleitet von zwei Tafeln, die die Anatomie von Oithona er-
läutern.
Acera* Die Gattung Bulla wurde von Philip pi Zeitschr. f.
Malak. p. 63. um 5 Arten bereichert: B. granulttm , itivolula , labiosa
alle drei von China, seminulum von Manila, leres.
Tornalella Senegalensis Petit von der Westküste Afrika's (Journ.
de Conchyl. p. 262. pl. 8. üg. 3.). — T. acuta Philippi von China,
Zeitschr. f. Malak. p. 125.
Monopleurobranchiaia.
Forbes bildete aus Pelta sp. Alder and Hancock Ann nat. hist.
Vol. XVin. p. 289. pl. 4. flg. 1 — 3. eine neue Gattung Runcina, die
sich von Pella durch die Gegenwart von Kiemen unterscheiden würde,
wenn dieselben nicht von Quatrefages bei seiner Gattung Pella über-
sehen sein sollten. (A hist. of bril. Mollusca}. Ihre Charaktere sind:
Körper länglich, limaxförmig, Mantel deutlich ; keine Tentakeln ; After
mitten am hintern Ende des Rückens, unter dem Mantelrande und be-
gleitet von einigen schwach gefiederten Kiemen. Geschlechtsorgane
rechts. Die Art wird R. Hancocki genannt. (Nach den Angaben über
die Lage von After und Kiemen möchte diese Galtung zu den Monopleu-
robranchiata gehören, und sich von Hypobranchiaea Adams durch den
Mangel der Fühler unterscheiden).
Ancyloidea* Ancylus oLliquus Adams (Lyceum New- York V«
p. 48.) von Jamaika.
Pteropoda*
Ein Verzeichniss sämmtlicher bekannter Arten von Pte-
ropoden hat Souleyet im Journ. de Conchyl. p. 29. be-
kannt gemacht. Auf die Arbeit des Verf. in der Voyage de
la Bonite werden wir im nächsten Berichte kommen.
Hyalaeacea* Nur aus dieser Familie ist in dieser Ordnung
eine neue Arl Spirialis Gouldii Stimpson von Neu-England 1. c. be.»
schrieben worden
298 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
itcephala«
Bracliiopoda*
Terebratulacea» (jould beschrieb einige neue Arten der
Gattung Terebratula von der Exploring expedition in Boston Proceed.
III. p. 347. T. caurina von Fuget Sound , pafagfonica von Palagonien,
pulvinata von Füget Sound.
IJaniellibraiicIiiatä.
G. A. F. Keber gab eine kleine Schrift heraus: „Bei-
träge zur Anatomie und Physiologie der Weichthiere. Mit
zwei Steindrucktafeln in Querfolio. Königsberg 1851. 8. 122
Seiten." die das Gepräge der auf das sorgfältigste angestell-
ten Untersuchungen trägt. Die Beobachtungen sind an le-
benden Thieren von Anodonta angestellt , und geben theils
einzelne interessante neue Thatsachen , theils setzen sie
ziemlich allgemein angenommene Erscheinungen wieder in
Zweifel.
Der Verf. leugnet das neuerlich vielbesprochene sogenannte La-
kunensystem der Circulationsorgane durchaus, indem er überall Wände
der Venen und Arterien gefunden hat, wenngleich sie sehr zart sind.
Die Venen sind sehr weif, und an dem vorderen Ende des Venenbe-
hälters findet sich ein eigenthümlicher Schliessapparat, den Verf. die
Venenschleuse nennt, und mittels dessen eine Aufstauung des Blutes in
den Venen möglich wird , während neues Blut ihnen aus den Arte-
rien zuströmt. Hierdurch erklärt sich zugleich die Erscheinung des
Anschwellens des Kusses und der Mantelränder. Verf. leugnet die Exi-
stenz des zu der Erklärung desselben angenommenen Wassergefässsy-
stems. Die bisher für eine Niere gehaltene Bojanus'sche Drüse er-
klärt er für die Schalendrüse, deren Communication mit dem Herzbeu-
tel er nachwies; die Flüssigkeit in beiden enthielt kohlensauren Kalk.
Auch das Blut, welches aus dem Fuss genommen wurde, zeigte reich-
lichen Kalkgehalt, während das V^asser des Teiches, in welchem die
Muscheln leben, einen viel geringeren Kalkgehalt ergab. Harnsäure
und Harnstoff konnte nicht aufgefunden werden. — In einem zweiten
Abschnitte der Schrift (p. 91 — 113.) beschreibt der Verf. ein von ihm
entdecktes sehr ausgebildetes Eingeweidenervensystem der Teichmuschel,
und bildet es ab. Er ist geneigt, dasselbe schon in v. Baer's Abbildun-
gen zu erkennen, der es für einen Eingeweidewurm ansah, und dieses
Gebilde Bucephalus polymorphus nannte.
Aid er und Hancock sprachen in der britischen Ver-
sammlung zu Ipswich (Report ct. p. 74) über die Kiemen-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. "yy
slrömungen bei Pholas und Mya, und theilten die Abhandlung
ausführlich und durch eine Tafel erläutert in den Annais nat.
bist. VIIL p. 370. mit.
Clark halte hier fvergl. den Bericht über das Jahr 1849. p. 136.)
eine innere Communicalion der beiden Siphonen geläugnet. Die Verf.
wiesen nach, dass eine solche durch die kleinen Oeffnungen zwischen
den Maschen der Kiemen selbst stattfände. Jedes Kiemenblatt besteht
aus zwei Lamellen, die an dem ßauchrande vereinigt, und auch anein>
ander angeheftet sind in Querlinien , die über die ganzen Kiemen lau-
fen ; so bilden sie in den Zwischenräumen eine Reihe paralleler Röh-
ren, welche sich in die Analröhre öffnen, und so eine Communicalion
mit dem ausführenden Sipho herstellen. Die kleinen netzartigen Blut-
gefässe der Kiemenbläiler bilden die Wände dieser Röhren , und man
sieht bei starker Ver^rösserung, dass sie zwischen den gewimperlen
Maschen offen sind , und so dem Wasser den Zutritt zu den Röhren
und von da in die Analhöhlung gestatten. Die Kiemenlamellen wir-
ken also wie ein Sieb, und versehen nicht nur die Kiemengefässe mit
Luft, sondern filtriren auch das Wasser, in Folge wovon die im Was-
ser enthaltenen Nahrungsstoffe an der Aussenfläche der Kiemen bleiben,
mittelst Wimpern nach dem Bauchrande, und von da längs einer Rinne
zum Munde geführt werden. Aehnlich verhält es sich bei Mya, Pul~
lastra, Cardium, Ostrea, Mylilus, und die Verf. schliessen, dass dieselbe
Erscheinung bei allen Lamellibranchiaten und Tunicaten vorherr-
schend sei.
Ueber die Struktur der Kiemen und den Mechanismus
der Athmung bei den Pholaden und anderen Muscheln machte
auch Thomas Williams ib. p. 82. (vergl. auch Rev. et
mag. de zool. lil. p. 555.) eine Mittheilung. Er kommt zu
folgenden Schlüssen:
1) Das Blut sei bei allen Muscheln reichlich mit Blutkörperchen
versehen. 2) Die Kiemen bestehen bei allen Arten aus engen paral-
lelen Gefässen , die in sich zurückkehren. 3) Die parallelen Gefässe
der Kiemen seien mit Flimmercilien versehen,, die in linearen Reihen
an jeder Seite des Kiemengefässes stehen und Ströme in der Richtung
des Bluts in den Gefässen hervorbringen. 4) Bei Pholas seien die
Siphonen mit vielen Klimmerreihen besetzt, wie die Kiemen. 5) Der
Athemsipho ziehe während der Distole der Schalenklappen Wasser in
die Kiemenhöhlung ein ; das eingesogene Wasser werde durch die ver-
schiedenen Oeffnungen wieder ausgestossen ; diese Athmungsflüssigkeit
werde übersättigt mit Kohlensäure und flüssigen Absonderungen , die
in dem Schleime des inneren Mantels enthalten seien; so könnte nach
der MeinuDg des Verf. der Waeserstrom so gegen die Wände der Höh-
300 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
luDg, in der das Thier lebt, wirken, dass das Bohren sich durch gleich-
zeitige chemische und mechanische Tbaligkeit erklären liesse.
Ostreacea. Östren circumsula und mordax von den Fidschi*
Inseln, glomerala von Neu-Seeland, discoidea unbekannten Vaterlan-
des beschrieb Gould Boston Proceed. III. p. 346. — 0. Webbii Re-
cluz von Westafrika (Journ. de Conchyl. p. 256 ).
Pectinea* Plicatula lineala Recluz aus dem stillen Ocean
(Journ. de Conchyl. II. p. 361).
Peclen caurinus von Port Townsend , Admiralty Inlet, Oregon,
P. kericius von der De Fuca- Strasse, Oregon, P. laetus von Neu-See-
land, Gould Boston Proc. III. p. 345. — P. amiculum von Madagaskar
und P. Bernardi Philippi Zeilschr. f. Malak. p. 89.
Lhna telrica Gould (Boston Proc. IV. p. 93.) aus dem Golf von
Californien.
IMEalleacea« Philippi charaklerisirte Zeilschr. für Malak.
p. 68. zwei neue Arten Crenalula elegans aus dem rothen Meere und
C. inßata.
Aviculacea* Ävicula sternaGou\d (Boston Proc. IV. p. 93.)
von Mazatlan. — A. chloris von Yukatan und turdus von China stellte
Philippi Zeilschr. f. Malak. p. 54. auf.
Arcacea« Area subnüens Recluz (Journ. de Conchyl. II.
p. 363.) von der Westküste Afrika's. — Von Philippi Zeilschr, für
Malak. p. 49. wurden charaklerisirt : A. Bronnii von Java, candidula,
Chemnilzii von Wesindien, erythraeonensis Jonas MS. aus dem rolhen
Meere, pubigera aus China, Reeveana, sinensis aus China.
Peclunculus scutulatus Philippi ebenda p. 90.
IVuciilacea* Nucula analis von China und N. Largillierti
von Gabon stellte Philippi Zeilschr. f. Malak. p. 87. auf.
Stimpson hat erkannt (Boston Proceed. IV. p. 26.) , dass Nu-
cula navicularis und thraciaeformis verschiedene Allerszuslände dersel-
ben Art sind, und dass sie der Gattung Leda angehören, er nennt sie
nunmehr L. thraciaeformis. — Leda ofeesa S tim p son (ib. p. 113.)
von JNeu-England.
IVaJades. Anodon cicoma G o u 1 d (Boston Proceed. IV. p.92.)
von Mexiko? — Isaac Lea hat in der Gattung Anodonla fünf neue
ostindische Arten aufgestellt (Annais nat. bist. VIII. p. 493.) : A. gra^
cilis von der Insel Panay, crepera, tenuis, subcrassa alle drei von Lu-
zon, Cumingii von Malacca. — A. Lucasii Morel et von La Calle in
Algerien (Journ. de Conchyl. II. p. 359.).
E. Boll hält Unio Mülleri Rossm. nur für Varietät von U, pi~
Ctorum. (Archiv d. Vereins in Meklenburg. 5. Heft. 'p. 201.). — U.
{Alasmodonta) Dahuricus und U. mongolicus Middcndorff Bull, de
Fctersburg IX. p. 109. beide von Transbaikalien ; ereterer nach des
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 301
Verf. Reise p. 276. am Zusammenflusse des Aigunj mit der Scbilka,
letzlerer in einem Gebirgsbache bei Goibitza in Daurien. — 17. siti-
fensis Morel et von Conslanline (Jouni. de Concbyl. II. p. 360.). —
U. Cyamus Philipp! Zeitschr. f. Malak. p, 125. von Südafrika.
Nachdem in Revue et Mag. de Zoologie 1851. p. 59. eine kurze
Anzeige vorausgegangen war, beschrieb d'Orbigny ib, p. 183. und
pl. 6, eine seltsame neue Galtung aus der Najadenfamilie, welche durch
den Oberst Acosla in den Flüssen Neu - Granada's gesammelt wurde.
Verf. hat sie nach ihm Ac ostaea genannt. Sie zeichnet sich be-
sonders dadurch aus, dass sie in der Jugend gleichschalig ist, ein äus-
seres Ligament und zwei Schliessmuskeln hat; und dass sie später un-
regelmässig und sehr ungleichschalig wird, und nur einen Schliessmus-
kel besitzt; die untere Schale ist länglich, dick, hinten abgerundet,
vorn mit einem unregelmässigen Vorsprunge, an dessen Ende sich die
heiden Schalen des jugendlichen Alters eingefügt finden; die obere
Schale hat keinen solchen Vorsprung, Die Muschel ist mit der unle-
ren Schale feslgewachsen. Verf. will sie in die IVajadenfamilie stellen,
einen Uebergang zur Gattung Ctheria bildend.
jflytilacea. Hier finden sich neue Arten in mehreren Gattun-
gen, wobei zu bemerken, dass die meisten von Gou 1 d (Boston Proc. lil.
p. 343.) aufgestellt sind. Dieser Verf. vereinigt die Galtungen Modiola
und Modiolaria mit Mytilus.
Mylilus pyriformis aus der Südsee , divaricatus von China , algo-
sus aus der Südsee, trossulus von Killimook, Fuget- Sound, Oregon
Gould 1. c. — Ebenda IV. p. 92. stellte derselbe ferner M. glomera-
tus von San Francisco auf.
Modiola ßabellata von Puget Sound , Oregon , iü. areolata von
Neu-Seeland , M. hepalica von den Fidschi - Inseln sind Arten von
Gould 1. c. — M. legutnen Philippi Zeitschr. f. Malak. p. 86.
Modiolaria pusilla Gould 1. c. von Terra del Fuego.
Litkophagus Gruneri Philippi Zeitschr. f. Malak. p. 85. — L.
falcaim Gould (Boston Proc. IV. p. 92).
Cardiacea. Cardium luteolabrum Gould (Boston Procee^. IV.
p. 91.) von San Diego.
liucinacea. Lucina orbella Gould (Boston Proceed. IV. p 90.)
von San Diego.
Recluz behandelte (Journ. de Conchyl. p. 60.) die Frage, ob
der Felan von Adanson zu einer bekannten Gattung gehöre, und
kommt zu dem Resultate, dass er der Typus einer eigenen Gattung
sei, die er Felania nennt, und die er in die Familie der Ungulinen
zu stellen geneigt ist. Die Charaktere der Gattung sind wörtlich fol-
gende: Animal sabulicola, Ungulinae proximum, sed parum nolum. Te-
sta sublenticularis, leviter transversa, tenuis, libera, aequivalvis, aequi-
302 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
lateralis, epidermide tenui vestita, lunula minima sub apicibns parvis;
cardo invariabilis , duobus denlibus subapicialibus divergenlibusque,
quorum posticus in valvula dextra, anticus in sinistra canaliculatis ac
bifidis y alteris simplicibus ; dentes laterales nuUi et pro loco suicus
elongalus in ulraque latere laminae cardinalis; ligamenlum unicum,
cartilagineum, horizontale, elongalum, lateribus altenuatum, et in chon-
drophoris fusiformibus parum concavis affixum ; impressiones muscula-
res duae , ovato-oblongae, subsimilares , postica longior , ambae sicut
linea sinuosa superne extensae. Ligula pallearis angusta, sinuositatem
ii'igonam parvamque ad impressionem muscularum posticam efformans.
Dahin F. diaphana (Felan Adans., Venns diaphana Gmel.) und F. ro-
sea n. sp. beide von der Westküste Africa's. Letztere ist pl. II. flg.
10—12 abgebildet.
JErycinidae. Recluz stellte zwei neue Arten auf: Erycina
spurca (Journ. de Conchyl. p. 206.) ohnn Angabe des Vaterlandes und
E. incerta (ib. p. 364.) von Manilla.
Cycladea. Im Journ. de Conchyl. II. p. 395. lieferte
Petit eine üebersetzung von einer Abhandlung über Cyclas
und Pisidium, die Jenyns 1832 in den Transaclions of the
philosophical society of Cambridge veröffentlicht hatte , die
aber wenig bekannt geworden ist. — Daran schliesst Petit
ein Verzeichniss der ihm bekannten 24 Arten der Gattung
Pisidium mit Angabe der Autoren und des Vaterlandes.
Cyclas Steinii A. Schmidt (Verh. Rheinl. Westph. p.333.) von
Berlin, Mecklenburg und Bonn ; wird vom Verf. selbst nur als Varietät
von calyculata angesehen.
Pisidium supinum A. Schmidt (Verh. Rlieinl. Weslph. p. 333.),
ebenfalls wohl nur Varietät. — P. ventricosum Temple Prime von
Massachusetts. — P. paludosum Hut ton (Afghanistan 1. c).
Vier neue Arten Cyrena beschrieb Philip pi Zeitschr. f. Malak.
p. 70. : C. Boliviana von Bolivia , C. Fontaineij inßata von Costa-rica
in CentraUAmerika, similis Gray von China ?
]!iryiiiplia.cea. Donax obesus Gould (Boston Proceed. IV.
p. 90.) von San Diego. — D. hians und obesa Philippi Zeitschr. f.
Malak. p. 74. ; letztere von Caiifornien.
Tellina tniniata von San Juan und T. {Strigilla) fucata Gould
(Boston Pioceed. IV. p. 90.). — T. Largillierli von Gabon und paula von
China sind neue Arten von Philippi Zeitschr. f. Malak. p. 95.
Sanguinolaria venlricosa Philippi Zeitschr. f. Malak. p. 94.
liitliopliag'a- Saxicava macrodon Philippi Zeitschr. f. iVIa-
lak. p. 95. von der Insel Formosa.
Petricola bulbosa Gould (Boston Proc. IV. p. 88.) von Guaymas.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1851. 303
Concliae. Arlhemis saccala Gould (Boston Proc. IV. p. 91.)
von Mazatlan ?
Aus der Gattung Cylherea beschrieb Philip pi Zeitschr. für
Malak. p. 72 als neu: C. Mendanae von den Marquiseninseln , pudica
Menke, pulla, tahilensis von Tahiti, solidissima von Californien.
Venus analis u. V. distans sind zwei neue Arten von Philipp!
Zeitschr. f. Malak. p. 126. , letztere von Panama.
jflactracea. Maclra debilis Gould (Boston Proc. III. p. 348.).
— M. nasuta und meudica Gould (ib. IV. p. 88.) von Mazatlan. —
M. corbicula Philippi Zeitschr. f. Malak. p. 80. von Liew-Kiew.
Lutraria undulala von Untercalifornien und ventricosa Gould
(Boston Pioceed. IV. p. 89.) von Mazatlan. — L. senegalensis ^ecluz,
welche 1849 in der Kevue zool. p. 67. als neu beschrieben wurde, ist
im Journ. de Conchyl. p. 258. abgebildet. — L. solida und spectabilis
Philippi Zeitschr. f. Malak. p. 78 , letzleie aus Ostindien.
Ampliidesinacea. Amphidesma ßavescens Gould (Boston
Proceed. IV. p. 90.) von San Diego.
Osteodesmacea. Thracia Coutkouyi StimpsoB Boston
Proceed. IV. p. 8. von Massachuselts-Hay.
jUIyaria. In einer sogenannten Monographie der Gattung Sphae-
nia Turton, welche mit Corbula darin übereinstimmt, dass das Thier
kurze verwachsene Röhren, einen kleinen zusammengedrückten Fuss
und einen geschlossenen Mantel hat, mit Mya dagegen den Rand der
Schalen gemein hat, jedoch nur an einem Ende klafft, stellt Arthur
Adams ausser Sphaenia Binghami Turton, Mya semistriata Hanley,
Corbula decussata Desh. und Sphaenia Mindorensis Adams et Reeve
folgende neue Arten auf: Sph. princeps von den Philippinen, elliptica
von Sidney, decurtata von Luzon , Philippinarum von der Zebu - Insel;
Rüppellii aus dem rotlien Meere (Annais VII. p. 420.).
Olycinteridae. Crosse nennt im Journ. de Conchyl. p.l20.
die Angaben Philippi's über den Fundort von Panopaea Aldrovandi un-
genau, sie werde am häufigsten in der Umgegend von Taormina ge-
funden.
Tubicolae. John Edward Gray Iheilte in den
Annais. nat. hist. VIII. p. 380. eine Eintheilung der Pholaden-
familie mit „An aüempt to arrange the species of the family
Pholadidae into natural groups.« Dieser Aufsatz ist von
Herrmannsen in der Uebersetzung und mit kritischen An-
merkungen versehen, in unserm Archiv 1852. I. p. 139. mit-
getheilt.
Aucapitaine sprach sich in einer kurzen Bemerkung
über das Bohren der Pholaden in Felsen dahin aus, dass sie
304 Troschel: Bericht fiber die Leislungen im Gebiete der
eine Säure in Vereinigung mit einer mechanischen Bewegung
anwenden , um in den Stein einzudringen. (Revue de Zoo-
logie 1851. p.486.). Er bemerkt bei dieser Gelegenheit,
dass nur Pholas und Gaslrochaena in dieser Weise sich ein-
bohren, während Venerupis , Venus und Andere bei der
Gestall ihrer Höhlungen keine Bewegung der Schale ausfüh-
ren können.
Caillaud bringt einen neuen Grund für seine Ansicht
bei, dass die Pholaden mechanisch mit ihrer Schale sich in
Stein bohren, indem erfand, dass diese Thiere auchinGneiss
sich eingebohrt hatten. (Revue de Zoologie 1851. p. 543; vergl.
auch Journ. de Conchyl. p. 301.)
Auch John Robertson hat Beobachtungen über das
Bohren von Pholas dactylus angestellt , und behauptet , es
bohre mit der Schale. (Edinburgh, new phil. Journ. 1851. 2.
p. 194.).
Pholas otoidea Gould (Boston Froc. IV. p. 87.) von Californien.
Teredo dilatala Stimpson (Boston Proc. IV. p. 113.) von Mas-
sachusetts.
/
Tunicata.
S c ha cht machte in Müller's Archiv für Anatomie,
Physiologie ct. 1851. p. 176. „Mikroskopisch -chemische Un-
tersuchungen des Mantels einiger Ascidien bekannt.
Sie beziehen sich auf Fhallusia mamillaris, Cynlhia tnicrocosmos
und auf eine neue Art, die das Berliner Museum durch Hrn. v. Win-
terfeld aus Peru erhalten hat. Letztere ist bei dieser Gelegenheit
oberflächlich beschrieben und recht kenntlich abgebildet; ich kann
hinzufügen, dass die Farbe des in dem Mantel eingesciilossenen Thie-
res schön rolh ist, die vom Verf. angegebene braune Färbung ist eine
Folge längeren Verbleibens in Weingeist. Einen Namen hat die schöne,
grosse Art auch hier noch nicht bekommen ; wegen des Verwachsen-
seins vieler Individuen zu einer gemeinsamen , vom Verf. mit einem
Badeschwamm verglichenen Masse, möchte der Name Cynlhia sociaUs
nicht unpassend sein.
Charles Girard spricht seine Ansicht über das so-
genannte Auge bei den Ascidien-Embryonen dahin aus, dass
dies das Nervensystem in seinem einfachsten Ausdruck sei ,
vereinigt mit dem Gesichtssinn; bei weiterer Entwickelung
erscheine allmählich das Nervensystem unter dem Augenfleck,
Naturgeschichte der Mollusken während der Jahres 1851. 305
und dieser verschwinde, wenn die Augen am Ende der Röhren
erscheinen. Eine Begründung dieser Ansicht ist nicht ge-
geben, und dieselbe scheint die so seltsame Thatsache nicht
aufzuklären. (Boston Proceed. IV. p. 30.).
E. Forbes entdeckte bei den Hebriden eine neue Ascidiengat-
tung Synt ethis. Sie bildet einen Uebergang zwischen üiazona und
Clavelina. Sie bildet sitzende gallertartige Massen, mit stark vor-
ragenden Individuen; Kiemen- und Afteröffnung einfach, ohne
Strahlen; Kiemenhöhlung mit 13 Querreihen länglicher Offnungen;
der lange Oesophagus links, Magen kubisch, schwammig oder drüsig;
Darraschlinge weit und offen, bis zu dem 13oden der Muskelhülle rei-
chend, der aufsteigende Theil drüsig, stellt wahrscheinlich die Leber
dar; das Rectum geht vom Bauche nach der rechten Seite des Oeso-
phagus , der After liegt am dorsalen Rande des Sackes etwa in der
Mitte. Der w^eisse Hode verästelt sich auf der Oberfläche desOvariums;
das Vas deferens begiebt sich zur Seite des Afters. Das Herz liegt
in der Sclilinge des Darms und Ovariums. Die Art heisst S. hehridi-
cus (Edinburgh new phil. journ. 1851. 2. p. 194.; Transactions of Ihe
Royal Soc. of Edinburgh. Vol. XX. p. 307.).
Eine neue Ascidien-Art Pelonaia areni/'errt aus der Massachusetts-
Ray beschrieb Slimpson Poston Proceed. IV. p. 49.
T. H. Huxley machte eine sehr werthvolle Mittheilung
über die Anatomie und Physiologie der Gattungen Salpa und
Pyrosoma in den Philosophical Transactions 1851. part. II.
p. 567. bekannt. Es gehören drei Tafeln mit Abbildungen zu
diesem Aufsatze.
Die Abhandlung zerfällt in 4 Abschnitte. Der erste derselben
behandelt die Anatomie der Salpen , die Verf. an Salpa democratica
Korsli., von der S. mucronata die zusammengetzte Form ist, beim Cap
York beobachtet hat. Das Organ, welches Milne Edwards für das Auge
bei den Salpen hält, nimmt Verf. für Gehörorgan, indem er vier halb-
kuglige Kalkkörperchen, von schwarzem Pigment umhüllt, in den Bläs-
chen fand, und die er für Otolithen ansieht. Ausser der Bauchfurche
(sillon dorsale Savigny) unterscheidet Verf. ein eigenes unter ihr ge-
legenes, Organ, das er „Endostyl" nennt; dasselbe soll aus einer lan-
gen dickwandigen Röhre bestehen. Krohn hält es, nach mündlicher
Miltheilung, nur für den unteren, kielförmig vorspringenden Rand der
Bauchfurche. Am Endtheile des Darmes entdeckte H. ein System von
anastomosirenden Kanälen , das einerseits durch einen grossen Stamm
mit dem Magen zusammenhängt, anderentlieils in lauter Blindsäcke
ausläuft; diese Kanäle haben einen wasserklaren Inhalt. Verf. ist
Archiv, f. Nalurgesch. XVill Jahrg. 2. Bd. \}
306 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
zweifelhaft, ob es die Bedeutung einer Leber oder von Lymphgefäs-
sen (?) habe. Durch die Angaben über die Entwickelung, die durch
anschauliche Abbildungen erläutert sind, werden die neuerlich bekannt
gewordenen Beobachtungen bestätigt. — In einem zweiten Abschnilte
wird die Anatomie von Pyrosoma behandelt. Der Verf. sagt, der ganze
Ascidienstock habe keine selbstständige Locomolion , indem er nicht
contractu , sondern carlilaginös sei. Dass man ihm willkührliche
Ortsveränderung zugeschrieben habe , erklärt er als aus optischer
Täuschung entstanden, indem durch das abwechselnd glänzender und
maltcr werdende bekannte phosphorische Licht dem Beobachter der
Eindruck werde, als wenn sich der ganze Stock nähere oder entferne.
Das oben erwähnte System von anastomosirenden Kanälen ist auch
hier beobachtet. Eben will Verf. auch hier auf dem Ganglion die Ge-
hörbläschen gefunden haben. Was Lesueur, Savigny und Peron als
Leber angesehen haben , ist nach H. der Hode der aus 12 oder mehr
Blindsäcken besteht, die in eine gemeinsame Ausführung münden, wel-
che sich in die Leibeshöhle öffnet. Die Samenthierchen haben dünne
langstreckige Körper und sehr lange feine Schwänzchen. Was Savigny
für Eierstock erklärt hat, hält H. für eine blosse Anhäufung klarer Zel-
len. Gewöhnlich ist nur ein Ei vorhanden ; es ist in einen sehr trans-
parenten Sack eingeschlossen, der an einem Stiel hängt , welcher mit
einer Papille in der Leibeshöhle endigt, H. hält ihn für analog mit
dem bekannten Stiel des Eies junger Salpen, hält ihn für hohl, und
schreibt ihm die Funktion zu, den Samen gegen das Ei zu leiten; da-
her nennt er den Stiel auch Gubernaculum, Zusammengesetzte Em-
bryonen, wie Savigny sie beobachtet hat, hat er nicht aufgefunden, in
Betreff der Entwickelung junger Pyrosomen aus Knospen giebl H. an,
dass die Knospe gewöhnlich unter dem Herzen hervorbreche; zuerst
nämlich erscheine eine kurze Sprosse, die sich verdickt, und zu einem
Thiere entwickelt; längere Zeit besteht ein Gefässzusammenhang zwi-
schen xMutter und Sprössling, dann verschwindet derselbe, und der
Sprössling wird selbstständig. Das Ei, zuweilen 2 oder 3, bildet sich
in dem Sprössling schon früh aus. Auch die Muskeln, die bei jungen
Individuen am besten zu sehen sind, werden beschrieben. — In einem
dritten Abschnitte stellt Verf. eine Vergleichung zwischen Salpen, Py-
rosomen und Ascidien an, der manches Interessante darbietet. — Der
vierte Abschnitt endlich enthält das Historische über die Kenntniss der
Salpen.
T. H. Huxley lieferte ferner ib. p. 595. eine Schil-
derung von Appendicularia und Doliolum. (Reiiiarks upon
Appendicularia and Doliolum, two genera of the Tunicata).
Auch zu dieser Abhandlung gehört eine Tafel mit Abbil-
dungen.
Naturgeschichte der ftlollusken während der Jahres 1851. 307
Was zuerst die Appendicularia ßagellum Cham, betrifft, so nennt
Verf. als synonym die Oikopleura Chamissonis Mertens, üikopleura bi-
furcata Q. et G. und Vexillaria flabelium Müll. Archiv, f. Anatom, etc.
1846. Das Thier ist flaschenförmig und hat einen langen Anhang oder
Schwanz ; am schm ilen Ende des Körpers führt eine weite Oeffnung
in die Respirationshöhle, die von einer besonderen Haut bekleidet ist.
An der Seite, welcher der Schwanz angefügt ist, wird ein Endostyl,
wie bei den Salpen beschrieben, an der entgegengesetzten (Bauchseite)
ein Gehörsäckchen mit einem kugligen Otolithen. Von dem Ganglion,
welchem das Gehörsäckchen anliegt, geht ein INervenfaden nach vorn,
ein anderer geht nach hinten, und dringt bis in den Anhang. Ein mit
Wimpern besetztes Band, welches längs der Kiemenhöhlenwand ver-
läuft, wird als Kieme betrachtet. Der weite Mund im Grunde der Kie-
menhöhle führt in einen kurzen Oesophagus , dieser in einen weiten
Magen; der D.um mündet sich vor der Insertion des Schwanzes in den
After. Das Herz liegt zwischen den Lappen des Magens. Das Ge-
fässsyslem konnte Verf. nicht beobachten. Der Schwanz besteht aus
einer strukturlosen Axe, umgeben von einer Schicht von Längsmuskel-
fasern. Von Geschlechtstheilen hat Verf. nur den Hoden beobachtet.
Das von Mertens beschriebene H&us hat Verf. nicht gesehen. — Wäh-
rend Chamisso das Thicr mit Cestum, Mertens gar mit den Pteropoden
verglich , hat Verf. gewiss Recht, wenn er es zu den Tunicaten zählt.
Der Schwanzanhang, welcher sonst den Tunicaten nur im Larvenzu-
stande zukommt, bleibt hier, und das veranlasst den Verf., die Appen-
dicularia als die unterste Form der Tunicaten zu betrachten.
Von der Galtung Doliolum beschreibt ferner Verf. D. appendi-
culatum Q. et G. Wir dürfen wohl hierbei auf die Schilderung von
dieser Gattung hinweisen, welche Krohn in diesem Archiv 1852. I.
p. 53. gegeben hat. Huxley spricht von einem kurzen runzligen Forl-
satz zwischen den beiden letzten Muskelbändern, dies ist der Keimslock
der geschlechtslosen Individuen. Auch hier wird wieder eines Endo-
styls Erwähnung gethan ; dagegen findet sich kein Gehörsäckchen ; das
Ganglion entsendet mehrere Nerven, von denen sich vier besonders
auszeichnen. Die Kieme theilt die Körperhöhle in 2 Abtheilungen.
Verf. stellt die Galtung Doliolum zwischen Fyrosoma und Salpa.
Bericht über die lieistuiig^en in der g^eog^ra-
plii§clieii und systeitiatisciien Botanik Aväfi-
rend des «lalires 1§51.
Von
19r* A» Ori§ebacli9
ord. Professor an der Universität zu Göttingen.
A. Pflaiizeiig^eog^rapliie.
Schouw's im Jahresbericht für 1849 beleuchtete An-
sichten über den Ursprung der gegenwärtigen Pflanzenwelt
wurden in eine populäre Schrift ^j unverändert aufgenom-
men, welche, ohne neue Gesichtspunkte oder Thatsachen zu
enthalten , verschiedene Gegenstände aus dem Gebiete der
Pflanzengeographie und besonders seine eigenen früheren Ar-
beiten allgemeiner bekannt zu machen strebt.
Boue^) entwickelte seine Ansichten über die baum-
losen Gegenden der Kontinente. Bei einer solchen Unter-
suchung ist genau zu unterscheiden , ob die Waldlosigkeit
eines Gebiets auf klimatischen (noch jetzt wirkenden) oder
auf genetischen Ursachen beruht.
I. Europa.
V. Trautvetter hat eine schätzbare botanische Karte 3)
des europäischen Russlands herausgegeben, auf welcher die
Arealgrenzen der charakteristischen Baumarten geographisch
dargestellt sind.
Von V. Ledebour's Fl. rossica ^) erschien das elfte,
von Fenzl bearbeitete Heft (s. Jahresb. f. Iö47.), den Schluss
der Monochlamydeen enthaltend.
Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen etc. 309
Fortgesetzte üebersicht der abgehandelten Familien: Phytolac-
ceen 1 sp. ; Chenopodeen (184 sp.) : grösslentheils Steppenpflanzen,
darunter, wiewohl mehrere Moquin-Tandon'sche Gattungen nicht adop-
tirt sind, mehr als 30 diesem Gebiete eigenlhömliche Typen, von de-
nen die artenreichsten Echinopsilon (6 sp.), Corispermum (6 sp.), Suaeda
(15 sp.) , Salsola (24 sp ) , Anabasis (7 sp.) , Halogeton (6 sp.) und
Halimocnemis (16 sp.); dem Kaukasus eigenthümlieh sind Anlhochlamys
und ßelowia, dem arktischen Sibirien Monolepis; 8 Amaranlacecn, wor-
unter auf die Kaukasusländer beschränkt Hablilzia und eine Alternanthera.
lieber die Entvvickelungszeiten der Vegetation in Lief-
land und auf der Insel Oesel wurden von Neese ""^ Beob-
achtungen mifgetheilt. Vollständigere und vier Jahre umfas-
sende (1844 — 1847) Angaben über den Vegetationsgang zu
Moskau verdanken wir A n n e n k o w *^3.
Ein ausgezeichneter Beitrag zur Pflanzengeographie der
Steppenregion des europäischen Russlands ist das aus meh-
reren Lokalfloren zusammengefügte Werk von Claus 0 über
die Gegenden an der unteren Wolga^ als dessen Ausgangs-
punkt sein früheres Pflanzenverzeichniss aus der kaspischen
Steppe betrachtet werden kann. Hier bilden nun sehr voll-
ständige Kataloge der bei Scrgievsk (54^ N. Br.) und bei
Sarepta (49°) vorkommenden Pflanzen die weitere Grundlage
zu allgemeineren Betrachtungen über die Verlheilung der rus-
sischen Steppenflora.
G. unterscheidet im Stromlaufe der Wolga drei natür-
liche Abschnitte : die obere Wolga, die er durch die Mün-
dung der Oka bei Nischnei-Nowgorod begrenzt, die mittlere
oder die Eichenregion reicht bis Sysran (öS*^ N. Br.), wo nach
ihm der Fluss in die Steppe eintritt und nun seine untere
Wolga beginnt. Allein die Nordgrenze der Steppe im Wol-
gagebiete ist ungeachtet der sorgfältigen Arbeiten v. Traut-
vetter's bisher von keinem Schriftsteller so genau erörtert
als man erwarten sollte. Man darf hier nicht den Südrand
des Tschernosem zu Grunde legen, den v. Trautvetter genau
angegeben hat (Jahresb. f 1849. S. 6.) und der die Wolga
erst weiter südwärts zwischen Saratow und Malmysch schnei-
det: denn der Begriff der Steppe ist nicht durch 'die Be-
schaffenheit der Erdkrume, sondern durch ihre Pflanzenfor-
mationen gegeben. Das allein Bezeichnende für den Umfang
der Steppe ist ihre Baumlosigkeit , von der jedoch , ähnlich
310 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
wie im arktischen Norden , zwei bestimmle Ausnahmen in-
nerhalb ihres Gebiets auftreten, nämlich die Bewaldung der
Flussufer und, wo in der Nahe ihres Aussenrandes die Fläche
uneben wird , auch der geschützten Hügelschluchten. Die
klimatische Ursache^ die den Wäldern an der Steppe Russ-
lands eine Grenze setzt, ist die Trockenheit des Sommers:
in beiden Ausnahmsfällen wird diese Ursache durch flies-
sendes Wasser beseitigt, welches entweder von aussen her-
beiströmt oder an geneigten Höhen sich leichter nieder-
schlägt , als in der flachen Ebene. Nach diesen Kriterien
aufgefasst, ist die Sleppengrenze an der Wolga durch eine
Linie zu bezeichnen , welche die Orte Petrowsk (nach Pal-
las *"*3, Sysran und Sergievsk verbindet : für den letzteren
Ort ist C.'s Darstellung entscheidend. Allein hiebei ist nicht
ausgeschlossen, dass nicht auch hier, wie weiter im Westen,
unter örtlicher Begünstigung der Steppentypus sich hier und
da innerhalb der Waldlandschaften ausbilde, und dies ist na-
mentlich nach Goebel *"'*"*) beinahe zwei Breitengrade nord-
wärts von Petrowsk in der Gegend von Saransk, in dem
fruchtbaren Gouvernement Pensa, der Fall.
Sergievsk ist demnach ein sehr zweckmässig ausge-
wählter und pflanzengeographisch wichtiger Punkt , um die
Bedingungen der Steppenvegetation zu untersuchen , da er
genau an deren Nordgrenze liegt. Der Uebergang aus einer
Flora in die andere, aus einem wohlbekannten in ein fremd-
artiges Gebiet ist hier schroff'er , als irgendwo, durch die
Flusslinie des Sok bezeichnet: so wachsen in der unmittel-
baren Nähe des Badeorts Sergievsk 17 Astragaleen und 3
Hedysarum-Arten, während „am rechten Ufer jenes Flusses,
auf der Strasse nach Kasan zu, von allen diesen nur 2 Astra-
galus-Arten angetroff'en werden" (S. 16). Mit Recht sucht
der Verf. die Ursache eines so plötzlich auftretenden Gegen-
satzes in den Verhältnissen des Bodens. Denn nur auf dem
linken Ufer des Sok stehen die Gypse und Kalkmassen der
permischen Formation an , welche die Vegetation der Le-
^) Bemeikungen auf einer Reise in die südlichen Statthalterschaf.
ten, I. S. 39.
**) Reise in die Steppen des südlichen Russlands, I. S. 15.
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 311
guminosen begünstigen und die an an anderen Orten von
einer mächtigen Lettenschicht überdeclit werden (S. 19. )•
Allein weniger richtig , als diese örtlichen Erscheinungen,
hat C. die allgemeineren , klimatischen Bedingungen gewür-
digt, durch welche es zu erklären ist, dass hier eine neue
Pflanzenzone anhebt, die weit über die permische Formation
hinaus den ganzen Süden des VVolgagebiets beherrscht. Denn
er äussert vielmehr die Meinung, dass das Klima von Ser-
gievsk dem von Kasan sehr ähnlich sei und die südlichere
Lage nur sehr geringe Verschiedenheiten zu bedingen scheine
(S. 13.). Freilich sind an einem klimatischen Grenzpunkte
nur allmählige Uebergänge, nur geringfügige Unterschiede
wahrzunehmen, die aber mächtig genug sind, um die ganze
Physiognomie der Natnr zu verändern. Diese liegen hier in
der äusserstcn Grenze der Verkürzung, welche die Entwick-
lungsphase des Baumlebens zu ertragen vermag. Wo für die
vegetativen Processe, sei es, dass sie durch Kälte oder Dürre
eingeengt werden, nur ein Spielraum von drei Monaten übrig
bleibt, da finden wir eine Baumgrenze. Es fragt sich da-
her, was des Verf.'s Beobachtungen über die Dauer der Ve-
getationszeit zu Sergievsk ergeben. Wir begegnen hier einer
zwiefachen Darstellung, die, um richtig gewürdigt zu werden,
einer weiteren Analyse bedarf. Zuerst heisst es (S. 13.),
dass zu Sergievsk in der Mitte des April der Schnee
schmelze und die ersten Frühlingsblumen spärlich hervor-
sprossen, im Mai schreite die Vegetation gewöhnlich nur lang-
sam vorwärts, und nachdem sie sich plötzlich zu Anfang des
Junius entwickelt habe, folge bald ein trockener und heisser
Julius: gegen das Ende dieses Monats seien die schö-
nen Blumen auf den Anhöhen schon wieder verschwunden,
und verdorrte Gräser und Disteln al^ karge Ueberbleibsel
eines üppigen Pflanzentriebes auf der Steppe zu erblicken.
„Um diese Zeit aber ," fügt der Verf. charakteristisch den
Unterschied des Steppen - und Waldklima's andeutend hinzu,
steht „in der Gegend von Kasan" (also zwei Breitengrade
nördlicher) „die Vegetation noch in voller Frische und hat
eben ihren Kulminationspunkt erreicht." Dennoch ist es kaum
möglich, sich nach jenen Angaben eine deutliche oder viel-
mehr eine richtige Vorstellung von der Dauer der Vegeta-
312 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
lionszeit zu entwerfen: sie scheint sich von Mitte April bis
Ende Juli, d. h. auf 3V2 Monate auszudehnen, und dies wäre
ein längerer Zeitraum, als gewisse Bäume zur Entwickelung
bedürfen, die Waldlosigkeit würde unerklärt bleiben. Die
zweite Darstellung aber (S. 20.), welche die in den einzel-
nen Monaten entwickelten Pflanzen schildert, dient zur Be-
richtigung der ersten und schliesst mit der ausdrücklichen Be-
merkung, dass die Vegetation von Sergievsk die schnelle
Entwickelung und kurze Dauer mit der kaspischen Steppe
Iheile, nur dass der Verlauf um ein Weniges langsamer sei.
Die Vegetationszeit kann nicht nach vereinzeilen, abnormen
Pflanzenformen, sondern nur nach den vorherrschenden Ge-
wächsen gemessen werden und dies sind in der Grassteppe
von Sergievsk die Gräser. Nun überzieht sich hier der Boden
erst „zu Ende des April, in den ersten Tagen des Früh-
lings, mit einem Anhauche von tiefem Grün," während zu-
gleich die Liliaceen der Steppe in Blüthe treten. In der
Mitte des Julius aber blühen die Cynareen , und, wenn
diese vollkommen entwickelt sind, ist „der Grundton der Steppe"
bereits „ein falbes Gelb.^^ Man sieht, wie nach dieser genaue-
ren Bestimmung die Dauer der Gramineenvegetation auf we-
niger als drei Monate eingeschränkt ist und man er-
kennt hierin die klimatische Bedingung der Steppenflora, de-
ren Entwickelung, durch Winterkälfe und Sommerdürre gleich-
massig gehemmt, in einem so kurzen Frühlinge sich vollen-
det. Der herrschende Südostwind, wahrscheinlich eine durch
den nahen Ural abgelenkte Polarströmung, wird diesem Klima
als solche auch hier das eigene Gepräge verleihen. Allein
da Sergievsk hart am äussersten Rande der Steppe liegt und
daher die Vegetalionszeit nur unmerklich unter das Maass der
kürzesten Phasen der Waldregion hinabsinkt, so wird es be-
greiflich, dass auch ein geringfügiger Schutz gegen die Ju-
lidürre sofort Baumforinen hervorruft. Doch erscheinen diese,
ausgenommen an dem Flussufer, wo aber auch d^s Weiden-
gesträuch ihnen oft den Raum streitig macht, in den Berg-
schluchten niemals völlig ausgewachsen und bilden hier „ein
kümmerliches Gestrüpp von verkrüppelten Erlen, Birken, Lin-
den und strauchartigen Eichen« (S. 15.). Ebenso wird ähn-
lich, wie in den arktischen Landschaften, die Nachbarschaft
und systemalischen Botanik während des Jahres 1851. olo
eines günstigen Klima's durch eine Reihe von kleinen Slräu-
ehern angedeutet, welche die Anhöhen von Sergievsk zie-
ren : durch Caragana frutescens , Cylisus billorus , Amygda-
lus nana, Prunus chamaecerasus , Spiraea crenafa u. a. Dies
sind Slräucher, die nicht durch ihre eigene Organisation ge-
gen die Dürre des Sommers geschützt sind, wie die strauch-
artigen Chenopodeen der kaspischen Steppe.
Die geographische Lage am Rande der russischen Wäl-
der, der hügelige Charakter der Gegend, deren Terrainwel-
len sich 500' hoch über den Wasserspiegel erheben, der
Kalkgehalt des Substrats: alles dies verleiht der Steppe von
Sergievsk einen ungewöhnlichen Pflanzenreichthum, obgleich
weder Moor- noch Sandboden vorkommen und daher man-
che Formen, wie die Ericeen, vollständig fehlen. C.'s Ka-
talog, der sich nur auf das enge Areal von 100 Quadratw^rst
bezieht, zählt 794 Phanerogamen und ist um einige hundert
Arten reicher, als die ganze Flora der grossen kaspischen
Steppe zwischen dem Ural -Flusse und der Wolga (521 Arten
nach C). So nimmt auch in jeder anderen Richtung die
Artenzahl der Flora ab , ausgenommen in der südöstlichen,
gegen Orenburg, wo an den südlichen Abhängen des Urals
einige Lokalitäten noch reicher sind , so wie auch die Ge-
gend von Sarepla an der Wolga , von der unten die Rede
sein wird , die von Sergievsk um ein Geringes übertrifft.
Aber nicht bloss durch Mannigfaltigkeit und Seltenheit der
Pflanzen formen zeichnet sich die Umgegend von Sergievsk
aus, sondern auch durch verhältnissmässige Ueppigkeit und
malerische Gestaltung der Steppenvegetation. Es ist nicht
„jene einförmige, öde, kaspische Salzwüste, sondern die fri-
sche, wellige, blumenreiche« Grassteppe, die sich an den süd-
westlichen Abdachungen des Urals entwickelt, deren frucht-
barer Humusboden noch dem Tschernosem angehört und, be-
feuchtet, Ausserordentliches auch für den Ackerbau leisten
kann. Für diese Steppen sind die grossen Stipa-Rasen cha-
rakteristisch , die, „vom Winde angehaucht, gleich einem
Kornfelde wogen." Neben den Gräsern herrschen die geselli-
gen, schön blühenden Leguminosen-Stauden, w^ährend, in Er-
mangelung des Salzbodens, nur wenige Chenopodeen und die
Artemisien, bis auf A: austriaca, nur ganz untergeordnet auf-
314 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
treten. Anziehender aber, als durch die immerhin einför-
mio-e Miscliung von Gräsern und Astragaleen, wird der Ve-
getalionscharakler durch den raschen Wechsel, den das Land-
schaftsbild in jeder Phase vegetativer Enlwickelung durch die
verschiedenen ßlüthezeiten der vorherrschenden Stauden em-
pfängt. Zu Ende des Aprils ist die Steppe durch vier blü-
hende Liliaceen , eine Iris und einige andere glänzend ge-
färbte Frühlingspflanzen geschmückt (Tulipa Biebersteiniana,
Fritillaria ruthenica und minor, Gugea lutea; Iris aequiloba ;
Adonis vornalis, Pulsatilla patens und Corydalis Halleri). In
der Mitte des Mai ist diese Blumenpracht fast spurlos ver-
schwunden und nun folgt „eine weniger ephemere Vegeta-
tion^^ von Cruciferen, Labiaten und Allium (Alyssum minimum
und altaicum ; Salvia sylvestris, Dracocephalum Ruyschiana
Allium decipiens u. a.). Zu Anfang des Junius ist die Blü-
Ihezeit der reichgefärbten Leguminosen, die mit den Caryo-
phylleen, Labiaten und Boragineen ;jim Wachsthum wettei-
fern.'' In den ersten Tagen des Julius fangen die meisten
Umbelliferen an zu blühen, unter denen Libanotis und Peu-
cedanum alsalicum durch Geselligkeit hervortreten: auch be-
decken um diese Zeit die weissen Rispen von Spiraea fili-
pendula ganze Strecken, „wie mit einem Teppich.^« Endlich
in der Mitte des Julius treten die meisten Synanthereen in
ihre Entwickelung ; dann überragen hohe Cynareen die übrige
Vegetation und „streben sich des ganzen Bodens zu bemäch-
tigen'' (namentlich Centaurea Scabiosa u. ruthenica , Serra-
tula radiata).
Die statistischen Verhältnisse der Flora von Sergievsk hat der
Verf. vielseitig abgehandelt und dabei die Vergleichungspunkte mit
anderen Gegenden der russischen Steppen durch specielle Pflanzenlislen
nachgewiesen. Die Reihenfolge der artenreichsten Familien ist in der
Grassteppe von Sergievsk natürlich eine ganz andere, als in den Salz-
steppen am kaspischen Meere, während dieser statistische Werth bei
Kasan fast derselbe ist, wie in den Oslseeprovinxen und in Deutsch-
land. Charakteristischer für die ganze Steppenregion ist die Reihe der
Familien zu Sarepta , weil hier beide Formationen der Gras- und
Salzsteppe zugleich vertreten sind. Folgendes sind die vom Verf. er-
haltenen Werthe :
i. Sarepta. 806 Phanerogam^n: Synanthereen (116 sp.), Gra-
mineen (72 sp.), Leguminosen (58 sp.), Cruciferen (57 sp.) , Cheno-
podeen (47 sp.), Ciuyophylleen (37 sp.}, Umhcllilercn (31 sp.) , La-
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 315
biaten (30 sp.) , Cyperaceen (29 sp.) ") , Rosaceen 24 sp.) , ßoragi-
neen (23 sp.), Ranunculaceen (20 sp.).
1. Ser<,nevslv (Grassteppe). 794 Phanerogamen : Synanthereen
(HS sp.) > Gramineen (58 sp.) , Leguminosen (54 sp), Cyperaceen
(49 sp.), Cruciferen (43sp.), Caryophylleen (39 sp.), Labialen (36 sp.),
Rosaceen (34 sp.) , Umbellifcren (30 sp.) , Scrophularineen (30 sp.),
Ranunculaceen (26 sp.) ; dagegen nur 19 Boragineen und ebensoviel
Chenopodeen.
2. Kaspische Steppe (Salzsteppe). 52t Phanerogamen: Synan-
thereen (68 sp.), Chenopodeen (59 sp.) , Cruciferen (57 sp.) , Grami-
neen (50 sp.), Leguminosen (36 sp ) , Boragineen (28 sp.) , Umbelli-
feren (15 sp.) ; dagegen nur 11 Cyperaceen, 13 Caryophylleen, 11
Labiaten, 7 Rosaceen, etwa 13 Scrophularineen und ebenso viel Ra-
nunculaceen ^*).
II. Kasan. 792 Phanerogamen (S. 58.), aber auf einem ungleich
grösseren Gebiete, als die Flora von Sergievsk gesammelt : 98 Synan-
thereen, 67 Gramineen, 53 Cyperaceen, 40 Caryophylleen, 37 Scrophu-
larineen, 36 Labiaten, 36 Leguminosen, 35 Rosaceen, 32 Cruciferen,
30 Umbelliferen , 26 Ranunculaceen ; dagegen nur 18 Boragineen und
13 Chenopodeen. Zu dieser Darstellung der Pflanzenstatistik von Kasan
ist ein beachtenswerthes Supplement zu Wirzen's Katalog benutzt, wel-
ches der Verf. seinem Werke einverleibt hat (S. 39 — 58). Ebenso
sind für die kaspische Steppe dem früheren Verzeichnisse C.'s einige
neue Entdeckungen hinzugefügt (S. 64 — 65.).
Die Eigenthümlichkeit der Steppenregion ergiebt sich auch aus
folgenden Zahlen: Kasan besitzt 170 Pflanzen, die bei Sergievsk nicht
mehr vorkommen: dagegen haben vor Kasan voraus Sergievsk 168,
Sarepta 323, die kaspische Steppe 388 Arten.
Dem systematischen Katalog der Flora von Sergievsk (S. 69—180.)
hat C. in Noten auch diejenigen Arten (250 sp.) beigefügt , welche
an der mittleren und unteren Wolga, bei Orenburg und im südlichen
Ural gefunden sind, ohne bei Sergievsk vorzukommen, deren Anzahl
späterhin durch die genauere Erforschung des Gouvernements Saratow
(s. u.) ansehnlich vergrössert worden ist. Von neuen Formen enthält
C.'s Flora von Sergievsk nur 2 Arten: Serratala isophylla und Elymus
Paboanus.
*) Die Stellung der Cyperaceen ist wahrscheinlich unrichtig , da
diese Familie hei Sarepta nicht hinreichend beachtet worden
ist (S. 194.).
**) In der tabellarischen üebersicht (zu S. 68.) finden sich mehrere
Abweichungen: hier ist der (S. 324 ) berichtigte Text zu Grunde
geh'gt.
316 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Die südlichere Lage von Sarepla drängt die Entwicke-
lung der Pflanzen in eine frühere Jahreszeit und beschleu-
nigt sie zugleich, indem der trockene , „unerträglich heisse«
Sommer schon im Junius seine Wirkungen zu äussern be-
ginnt und nur den durch ihre Organisation geschützten Ha-
lophylen Lebenskraft übrig lässt. Zwar ist der Herbst, des-
sen heiterer Himmel bis Ende November anhält, die anmu-
thigste Jahreszeit, jedoch ohne durch Blüthen geschmückt zn
sein: denn die Trockenheit lässt keine Erneuerung der Pflan-
zenwelt zu und es entwickeln sich dann in der Steppe nur
jene Halophyten und Arlemisien, die, wie der Verf. sie pla-
stisch zeichnet, in graue Trauer gehüllten Nachzügler der
Vegetation (S. 191.). Der Schnee liegt bei Sarepta nur 4 bis
4*72 Monate (S. 186.), von Ende November bis Anfang April,
und somit bleiben weniger als drei Monate für die eigentli-
che Vegetatationszeit der Steppe übrig, von deren Verlaufe
der Verf. wiederum ein anschauliches Bild entwirft. Gleich
nach dem Schmelzen des Schnees , zu Anfang April, blühen
auch hier die Liliaceen , besonders Tulpen, die jedoch nicht
so massenweise auftreten, wie in der kaspischen Steppe, wo
sie „ganze Strecken mit ihrem Blumenschmucke überdecken/^
Die herrschenden Arten bei Sarepta sind zu dieser Zeit Bul-
bocodium ruthenicum, Tulipa Gesneriana , biflora u. Bieber-
steiniana, Scilla sibirica und Valeriana tuberosa: diesen fol-
gen später Fritillaria minor und rulhenica, Alyssum tortuo-
sum u. a. Gleichzeitig , gegen Ende des Aprils , wird die
Grassteppe grün, die Bäume der Wolgainseln belauben sich,
die Wurzelblätter hoher Dolden, der Ferula-Arten, kommen
zur Entwickelung. Schon zu Anfang Mai steht die Vegeta-
tion „in voller Jugendkrafl" und zu Ende dieses Monats, bis
zum ersten Drittel des Junius , hat sie den Gipfelpunkt ihrer
Phasen erreicht. Nun stehen hier schon die Synanthereen
in Blüthe , die sich in anderen Gegenden später entfalten.
Schon im Junius nimmt das Grün der Steppe einen gelbli-
chen Ton an und mit dem Eintritt des Juli geht die Vege-
tation rasch ihrem Untergange enterogen.
Der Boden der Steppe von Sarepla ist etwa zu zwei
Dritllheilen der Oberfläche salzhaltig. Diese Salzsteppe liegt
auf dem rechten Ufer der Wolga 60' hoch über dem Strom
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 317
und verflacht sich allmälig in südöstlicher Richtung, gegen
Astrachan hin, wo sie von Sandhügeln überdeckt wird. West-
wärts grenzt sie an eine längs der Wolga und im Süden
von Sarepta an der Sarpa sich hinziehende, tertiäre Hügel-
kette, deren „Schluchten hier und da mit anmuthigen Wäld-
chen und Baumgriippen bekleidet sind" (S. 184.). Diese man-
nichfalligere Terraingestaltung, so wie die nahe Grenze des
Salzbodens, wodurch in der Entfernung weniger Stunden bei
Zarizyn wiederum reine Grassteppe erzeugt wird, und der
Einfluss des Stroms , dessen Ufer und Inseln bewaldet sind,
alles dies begründet den Pflanzenreichthum der Flora von
Sarepta, die sich nach Maassgabe dieser Bedingungen zu drei
Hauptformationen gliedert :
1) Die Salzsteppe, charakterisirt durch die Halophyten
und Artemisien.
2) Die Grassteppe an den Wolgahügeln meist mit einem
dichten Rasen von Stipa capillala und St. pennata dedeckt.
Am Fusse der Hügel, wo sich Gras- und Salzsteppe begeg-
nen, nimmt Carduus uncinatus bedeutende Strecken ein.
3) Die Formation des Wolgäufers mit einförmiger, aber
üppiger, nordeuropäischer Vegetation von Weiden , Pappeln,
Sumpfpflanzen, hohen Gräsern (z. B. Salix triandra, alba und
acutifolia; Oenanthe Phellandrium und Cenolophium ; Cala-
magrostis, Triticum repens u. s. w.}.
Der systematische Katalog der Flora von Sarepta (S. 200 — 270.),
dem eine specielie Vergleichung mit der von Kasan vorausgeschickt ist
(S. 191 — 199.), enthält 6 neue Arien, nämlich: Cochlearia Wunderli-
chii G. A. Mey. , Echinospermum brachysepalum Cl. , Pulegium micran-
Ihum Cl., Heieocharis affinis C. A. Mey., Agrostis Biebersleiniana Cl.
(dies ist meine A. trichoclada , die ich in Ledebour's Fl. rossica 4. p.
439. beschrieben habe) und Eragrostis suaveolens Becker. Eine ähn-
liche Bearbeitung der Flora von Astrachan wird vom Verf. in Aussicht
gestellt (S. 283.).
Durch eine spätere Reise sah sich Claus in den Stand
gesetzt, seine Darstellung der Vegetation von Sarepta zu einer
Flora von dem grössten Theile des Gouvernements Saratow
zu erweitern (S. 271— 323.). Nur die nordwestlichen, jenseits
der Steppengrenze gelegenen Kreise,, welche indessen die ge-
wöhnliche, nordeuropäische Vegetation besitzen, sind ihm
weniger bekannt geworden : sie verdienen, nach dem Verf ,
3 18 Grisebach: ßcricht üb. d. Leistungen in d. geographischen
ebenso wenig, wie das Gouvernement Simbirsk, eine spe-
ciellere, botanische Charakteristik, Die Bergkette von Sara-
tow, die sich am rechten Ufer der Wolga durch das ganze
Gouvernement erstreckt und sich an einigen Punkten 500' —
800' hoch über den Wasserspiegel erhebt, erzeugt eine ei-
genthümliche Flora, die als ein besonderes Glied der Step-
penregion zu betrachten ist. Diese Berge, die westwärts in
ein allmälig verflachtes Plateau übergehen, gehören zur Krei-
deformalion, die bald zu Tage steht^ bald von Mergeln, Let-
ten oder Tschernosem überdeckt wird. Sie sind meist mit
niedrigem Gebüsche bewachsen und tragen nur selten Laub-
holzbäume. Die vorherrschenden Stauden, „die durch ihre
grosse Individuenzahl die übrigen Pflanzen fast verdrängen
und in dichten Büscheln die Hügel überdecken/' sind: Ar-
temisia salsoloides, Asperula supina, Euphorbia glareosa und
Hyssopus officinalis.
Das ganze Gouvernement Saratow hat dem Verf. 1134 Phanero-
gamen geliefert. Die artenreichsten Familien bilden folgende Keihe,
die, da hier Steppen und Wälder zusammengefasst sind , weniger In-
teresse, als die früheren darbietet: Synanthereen, Gramineen, Legumi-
nosen , Cruciferen , Caryophylleen, Chenopodeen, Labiaten , Umbfllife-
ren, Cyperaceen, Rosaceen, Scrophularineen, Ranunculaceen, Boragineen.
Als charakteristische Pflanzen der Wolgaberge hebt Cl. folgende
hervor (S. 275 ) : Hedysarum grandifloriim , Astragaluus dealbatus, le-
sticulalus und rupifragus, Matthiola Iragrans , Clausia aprica (Hesperis
Led.), Alypsum altaicum, lorluosum, Meniocus linifolius, Erysimum An-
drzejovsUianum, Cratnbe aspeia, Bupleurum foliatum, Pyrethruni mille-
folialum, achilleifolium , Jurinea arachnoidea , Cenlaurea Marschalliana
u. a. — Beispiele isolirten Vorkommens sind: bei Ghvvalinsk Anthe-
mis Trotzkiana utid tlelianthemum alpestre, bei Biälaja - Glinka Lepi-
dium Aleyeri, Glauciüm corniculalum var. , Jurinea cretacea, ausserdem
auch bei JNorka Silene cretacea und bei Krasnojar Hedysarum cre-
laceum.
Der Katalog, welcher zu der Flora von Sarepta 330 Arten aus
den übrigen Theilen des Gouvernements Saratow hinzufügt (S. 284 —
315.), enthält 4 neue Arten: Lepidium Meyeri , Silene Heilmanni, An-
themis Trotzkiana und Statice Bungei.
Steven^) Iheilte kritische Bemerkungen über die Bo-
ragineen der Krim und der Kaukasus-Länder mit.
Die Systematik schwedischer Gewächse hat C. Hart-
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 319
mann 9) durch Vergleichung der Linne'schen Sammlung in
London zu fördern gesucht.
Fries 'O) berichtete über neue mykologische Entdek-
kungen in Schweden und charakterisirte bei diesem Anlasse
die geographische Verbreitung der grossen Pilzformen im
europäischen Norden. Allgemein findet er die Abhängigkeit
vom Klima dadurch ausgedrückt, dass mit wachsender Ent-
wickelungsdauer eines Pilzes seine klimatische Sphäre sich
beschränkt: daher seien unter den Tropen die holzigen
Schwämme am zahlreichsten , in gemässigten Klimaten die
fleischigen, während die zartesten, vergänglichsten Formen,
deren ganze Entwickelung in wenigen Tagen verläuft , auch
am höchsten im Gebirge ansteigen. Im südlichen Schweden
unterscheidet F. 4 Pilzregionen :
1. Die Alluvialebenen Schonen's, Ostgothlands und
Uplands haben wenig eigene Arten : die Tricholomen und Co-
prinen überwiegen.
2. Die Buchenwälder Schonen's und der anliegenden
Landschaften an der Westküste: charakteristisch sind mehrere
Clavarien und Theleporen (Merisma) ; an holzigen Schwämmen
ist diese Region am reichsten.
3. Die Fichtenwälder auf den Bergen von Smoland
bis Upland sind charakterisirt durch die Erd - Polyporen und
Cortinarien ; die Hydnen hat diese Region mit der folgenden
gemeinsam.
4 Die sandigen Kieferwälder Westsmolands, ausser
den Hydnen durch Leptonien, Hygrophoren und Laktarien be-
zeichnet, die auf trockenen, moosigen Wiesen vorkommen.
Das für die Kenntniss der schwedischen Flora wichtige
Normal-Herbarium von Fries ^i) wurde fortgesetzt.
Areschoug'2) gab eine werthvolle Arbeit über die
Fukoideen und Ulvaceen Skandinaviens heraus.
Beiträge zur schwedischen Pflanzen-Topographie liefer-
ten Thedenius ''), Lönnroth i+), Linde berg '5) und
Gössel man ^^).
Durch Vaupell's gründliche Untersuchung über die
Waldmoore Seelands '') wurden die aus Steenstrup's frühe-
rer Arbeit hervorgegangenen Ansichten über die Verände-
320 Grisebach: Bericht üb. d, Leistungen in d. geographischen
riingen des dänischen Vegetationscharakters berichtigt. Man
hatte aus dem wechselnden Typus der Wälder, aus der Ver-
drängung der Kiefer durch die Eiche, dieser durch die Buche
auf eine allmälige Milderung des Klima's in Dänemark ge-
schlossen. Die Frage scheint dadurch vereinfacht zu sein,
dass nach des Verf.'s von denen Steenstrup's abweichenden
Ergebnissen nur zwei Perioden zu unterscheiden sind, die
heutige der Buchenwälder und die vorausgegangene, in wel-
cher die Birke herrschte, aber auch zugleich die Eiche und
die gegenwärtig ganz verschwundene Kiefer auf den däni-
schen Inseln vorkamen. V. fand nämlich in den Torfmooren
die Baumreste nicht allgemein in der Steenstrup'schen Rei-
henfolge , sondern die Kiefer sowohl in den tiefsten als in
den oberflächlichen Schichten des Moors und auch die Eiche
nicht an eine bestimmte Region gebunden (S. 49.). Wie aber
auch die künftige Forschung über diesen Widerspruch zwi-
schen den Beobachtungen Steenstrup's und Vaupell's enischei.
den möge, so ist doch dem Letzteren die vollständige und
nach den entgegengesetzten Erfahrungen über historische Aen-
derungen in den deutschen Wäldern nahe liegende Beweis-
führung gelungen, dass nichts berechtigt, aus solchen Er-
scheinungen auf einen Wechsel des Klima's zu schliessen: sie
sind vielmehr nichts anderes, als der über Jahrhunderte aus-
gedehnte und dadurch der unmittelbaren Beobachtung selte-
ner erkennbare Fruchtwechsel, der im Ackerbau, bei Ge-
wächsen von kurzer Entwickelungsperiode, im Laufe weniger
Jahre sich vollendet.
Von ßabington's britischer Flora '^) erschien die dritte
Auflage. — Harvey's klassische Phycologia britannica i*^)
(vergl. Jahrersb. f. 1846 u. 1849.) wurde vollendet. — New-
m a n ^o) bearbeitete die britischen Farne auf's Neue, nach
den neuesten Ansichten Presl's die Gattungen übermässig son-
dernd ; Berkeley und Broome ^i) fuhren fort, sich mit
der britischen Mykologie zu beschäftigen. Beiträge zur bri-
tischen Flora und Pflanzen - Topographie sind in mehreren
englischen Zeitschriften 22 — ^i^ enthalten.
Die Untersuchungen über kritische und neue Pflanzen
der Niederlande (s. vor. Jahresb.) wurden von dem Verein
dortiger Botaniker fortgesetzt 20^ : ein Verzeichniss der auf
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 321
den holländischen Dünen beobachteten Pflanzen hat Dozy
daselbst mitgetheilt.
Von Koch's Taschenbuch der deutschen Flora ^^^ er-
schien die dritte, von Garcke's Flora von Norddeutsch-
land 2^3 die zweite Auflage. Die allgemeinen Werke über
die deutsche Flora ^s — ^»3 von Reichenbach, Sturm,
Schenk, Dieterich wurden fortgesetzt : ebenso die Samm-
lungen getrockneter Pflanzen von Rabenhorst, Opiz und
Fiedler 32—35)_
Bischoff publicirte eine ausführliche Bearbeitung der
deutschen Cichoriaceen mitAuschluss der Hieracien ^"3. Diese
werthvolle Schrift war ursprünglich bestimmt, eine Abtheilung
vonMertens' und Koch's deutscher Flora zu bilden und zeich-
net sich sowohl durch genaue Kritik der Arten, als durch
Vollständigkeit der Beschreibungen aus. — Aus Lang'sNach-
lass erschien eine sorgfältig gearbeitete Monographie der
deutschen und nordischen CariceS'^'): die Zweifel über das
Vorkommen von Carex loliacea in Norddcutschland sind un-
begründet. Einen reichhaltigen Beitrag zur deutschen My-
kologie verdanken wir Preuss'^3, welcher 173, grössten-
theils in der Lausitz beobachtete Pilzformen neu unterschie-
den hat.
Mit der Herausgabe deutscher Lokalfloren und systema-
tischer oder topographischer Beiträge im Gebiete der deut-
schen Flora beschäftigten sich: in Preussen ''^3 v. Kling-
gräff; in Schlesien '♦o — ^^-^ Gerhard, Anders son, Keil,
Rabenhorst; in Mecklenburg "^^ — ^3 Röper, Boll,
Griewank, Betcke; in Holstein L ind sa y '^ö^ . in Ham-
burg Sonder ^'3; in preussisch Sachsen ^^) Bertram; am
Harz ^9 — 50) Hampe, M e tzg er ; in Thüringen ^'3 Müller;
in Hessen ^2-) Schwaab; in W^estphälen ^'3 v. d. Marck;
in Rheinpreussen ^ ^) W i r t g e n ; in der Rheinpfalz °''3 Koch;
in Würtemberg '''^O F i n k h ; in Baiern ^' — '^^) Schenk,
Sendtner; in Tirol ^^ — <^>) v. Hausmann, Waldmül-
ler, V. Heu f 1er; in Salzburg <^2— 6?;) R. u. J. Hi nt erhü-
be r, Keil; in Kärnlhen '^'^3 J 0 s c h ; in Oesterreich ^-'^ — ^ö^
Neilreich, Kreutzer; in Steiermark ö') Maly; im Li-
toral ^'*0 To m ma sin i.
Von neuen Pflanzen im Gebiete der deutschen Flora sind zu er«
Archiv f. Naturgesch. XVIII. Jahrg. 2 Bd. V
322 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
wähnen: Viola epipsila Led. , in Holstein bei Trillau von J. Lange
eotdecivt (Sond. Fl. Hamburg, p. 134.) ; Arenaria Arduini Vis, im süd-
lichen Tirol auf dem Älonlalon und auf dem Arduino'schen Standorte
Vetle di Fellre über Aune nach Zanordini und Montini (Hausm.
Fl. V. Tirol, 1. S. 145.); Rosa coriifolia Fr., in Lauenburg unterhalb
Escheburg in der Besenhorst von Sonder entdeckt (a, a, 0. S. 269.);
Sicyos angulalus L. in Niederöslerreich von Aic hinger und Ker-
ncr bei Stein, Krems und Älautern , von Andorfer bei Langenlois
gefunden (Oesterr. bot. Wochenbl. 1. S. 37.) ; Xanthiim ilalicum Vior.
(X. riparium Lsch.) , am Eibufer bei Hamburg von Sonder nachge-
wiesen {n. a. 0. S. 556.) ; Ophrtjs alrala Lindl. in Istrien und bei Triest
nach Tommasini (s. o. e^) p. 45.); Ophrys comwicf Stev. auf Cherso,
üsero und Lossin nach Tommasini (das.); Carex Vahlii Schk., auf
den Judenburger Alpen von Fenzl, auf der Seethaler Alpe von Hatzi
gefunden (Oesterr. bot. Wochenbl. 1. S. 62. 176.); Carex ehjlroides Fr,
am Eibufer bei Hamburg von Sonder nachgewiesen (a. a. 0. S. 495.),
später auch von mir bei Lauenburg erkannt; Hymenophyllum (unbrid-
gense Sw., in der sächsischen Schweiz im Utewalder Grunde von Pap-
peritz entdeckt (Rabenh. Kryptog. Fl. IL 3. S. 309.). Diesen Ent-
deckungen füge ich nach eigener Forschung bei : Corydalis laxa Fr.
bei Celle und Triticum laxum Fr. bei Cuxhafen.
Aldrovanda vesiculosa wurde nach v. Hausmann in Tyrol zuerst
von Custor am Langsee bei Fussach im Landgerichte Dornbirn ent-
deckt (Fl. V.Tirol l. S. 106.); späterhin ist diese merkwürdige Pflanze
dann, ebenfalls auf ihrer Vegetationslinie, bei Botzen aufgefunden (s.
vor. Jahresb. S. 27.).
Dove's Bericht ^^'^) über die bisherigen Ergebnisse des
durch A. v. Humboldt's Anregung seit dem J. 1848 ent-
standenen meteorologischen Instituts, welches als ein Nelz
von Beobachtungsstationen über das ganze nördliche Deutsch-
land ausgebreitet ist, bietet, abgesehen von physikalischen und
von praktischen Interessen , auch für die deutsche Ptlanzen-
geographie eine reiche und früher schmerzlich entbehrte
Förderung. So konnte, um ein schon jetzt erlangtes, wichti-
ges Resultat zu bezeichnen, als ich in meiner Schrift über
die Vegetalionslinie die Grenze westlicher Pflanzen in Nord-
deutschland verfolgte, damals meine Ansicht, dass die Win-
terkälte sie zurückhalte, nicht durch ausreichende, meteoro-
logische Beobachtungen unterstützt werden. Ich schloss aus
der Lage dieser Vegetationslinie , dass die Winterkälte in
Norddeulschland in südöstlicher Richtung zunehmen müsse
und dass daher die Isochimcnen hier von ihrer normalen
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 323
Richtung, in welcher sie nach Nordosten wachsen, um etwa
90 Grade abweiche. Dieser Schluss von den Pflanzengren-
zen auf das Klima ist durch die vonDove berechneten, me-
teorologischen Beobachtungen der jener Vegatalionslinie ent-
sprechenden Orte, Danzig, Stettin, Berlin und Erfurt gerecht-
fertigt worden, indem die Januarwärme derselben fast die-
selbe ist und um weniger als einen halben Grad R. difFerirt
(S.XVli.).
Da der meteorologische Jahresbericht nicht allgemein
zugänglich sein wird, stelle ich hier die für pflanzengeogra-
phische Untersuchungen wichtigsten Werlhe, die aus vieljäh-
rigen Beobachtungen geschöpften, mittleren Monatswärmen
von 12 Stationen (S. 79 — 84.) übersichtlich zusammen.
324 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
O CT "^
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Tilsit.
Arys.
Stettin.
Berlin.
Breslau.
j.^ ^^ o ooo ooooooooo
i'-' SE "^r'b^'bc'o'b^'ci'^To'^'bo'Go'aslo
53 <O-^^O>4s^«p-O0JOit>3y300
Aachen.
Besonders hervorzuheben sind auch die zu Arys im
südlichen Theile des Regierungsbezirks Gumbinnen , in der
Nähe des Spirdingsees von Vogt angestellten und mit der
minieren Temperatur des entsprechenden Dalum's vergliche-
nen, vierzehnjährigen Beobachtungen über Blüthezeit und
Fruchtreife von 27 Pflanzen (S. 103—118). Die Ergebnisse
sind dem früher von mir vertheidiglen Satze , dass die Ent-
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 325
Wickelungsphasen bei einer bestimmten Temperatur eintreten,
nur scheinbar ungünstig. Denn es wurden grösstentheils
Pflanzen ausgewählt , welche in offener Lage vegetiren und
bei denen daher nicht die Temperatur des im Schalten be-
obachteten Thermometers maassgebend sein kann: bei einer
oberflächlichen Ansicht der die Resultate zusammenfassenden
Tafel (S. 117.) will es mir fast scheinen, als ob bei der den
direkten Sonnenstrahlen weniger ausgesetzten Viola odorata
die Temperaturunterschiede des Tages, an welchem sie blühte,
aus den verschiedenen Jahrgängen weit geringere Unterschiede
zeigen, als bei den übrigen und dieser Umstand würde also
vielmehr zu Gunsten der Abhängigkeit dieser Phase von
Temparaturordinaten sprechen. Bei Viola odorata liegen die
Extreme llo,50 (1842) und 6^92 (1844) ungefähr 4y, Grade
auseinander, bei Tussilago Farfara= 9o^85 (1845) und 2^,97
(1842) beträgt die Differenz fast 7 Grade, bei Draba verna
= 100,30 (1837) und 0o,55 (1842) sogar beinahe 10 Grade.
Dazu kommt, dass, wenn man bei dem Veilchen von je-
nen beiden extremen Jahren absieht, die übrigen zehn Jahr-
gänge eine grössere Uebereinstimmung zeigen , indem die
Beobachtungen aus denselben folgende Reihe von Tempera-
turwerthen ergaben: 10^,72 — 9%77 — 9o,62 — 9^,37 —
90,20 — 80,70 — 80,53 — 80,37 — 7o,12 — 7o,00.
An diese Beobachtungen in Ostpreussen reihen sich die
von Cohn ^') publicirten über die Entwickelung der Vege-
tation in Schlesien aus dem J. 1851., die jedoch nicht, wie
die ersleren, mit gleichzeitigen Temperaturmessungen ver-
glichen werden konnten. C. hofft (S. 66.), dass durch die
künftigen Berichte des meteorologischen Instituts bei einer
späteren Bearbeitung seiner V^egelationsbeobachtungen diese
Lücke einigermaassen ausgefüllt werden wird, fügt aber selbst
einschränkend die Bemerkung hinzu, dass wegen derauf die
Pflanzen wirkenden Insolation die Thermometermessungen im
Schatten unbrauchbar seien. Er meint, dass ein Thermo-
meter , das unmittelbar unter dem beobachteten Pflanzen-
Iheile aufgehängt ist , die Wärme anzeigen würde , welche
dieser wirklich empfängt; allein es ist bekannt, dass bis
jetzt kein brauchbares Instrument existirt, um die Insolations-
Wärme zu messen und dass die verschiedene Wärmecapa-
326 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
cität der Pflanze und irgend eines Instruments solchen For-
schungen ein unübersteigliches Hinderniss entgegenstellt. Um
die Frage zur Enscheidung zu bringen , ouf welche Weise
die Wärme auf die Entwickelungsphasen der Pflanzen wirkt,
können daher Arten, deren Wachsthum direkte Sonnenwärme
fordert, überhaupt gar nicht benutzt werden und es ist da-
her wünschenswerth, dass die Beobachter ihre Thä-
tigkeit künftig ausschliesslich den Schattenpflanzen
(nicht allein den Bäumen) des Waldes zuwenden, de-
ren Entwickelungsperiode allein mit meteorologischen Beob-
achtungen vergleichbar ist. Uebrigens behalten auch die
bisherigen, besonders seit Quetelet's Anregung vervielfältig-
ten Untersuchungen für die Bestimmung der Vegetationszeit
in verschiedenen Gegenden ihren bleibenden Werlh. Die
von C. mitgetheilten Beobachtungen beziehen sich auf nicht
weniger als 30 Stationen und umfassen ausser Schlesien auch
Königsberg, Potsdam (2 Stationen), Prag und Giessen. Die
Diskussion der Beobachtungsfehler, welche C. vorausgeschickt
hat, ist beachtenswerth. Nur der Zeit der ersten Blüthe ei-
ner Pflanze räumt er die Bedeutung ein, mit voller wissen-
schaftlicher Schärfe beobachtet werden zu können : indessen
lassen sich durch Vermehrung der Beobachtungen auch für
jede andere Vegetalionsphase mittlere Werthe von gleicher
Brauchbarkeit erhalten , wie der Verf. selbst andeutet. —
Während die Beobachtungen eines einzelnen Jahrs weniger
allgemeines Interesse darbieten und erst durch die von C.
in Aussicht gestellte Fortsetzung der Arbeit an Bedeutung
gewinnen werden, erhalten wir hierzugleich (S. 63—65.) die
Ergebnisse vieljähriger Forschung von Eisner v. Gronow
zu Kalinowitz bei Gogolin in Ostschlesien (50o,30' N. Br.,
600' Meereshöhe). Hier fielen die mittleren ersten
Blüthezeiten auf folgende Tage, wobei die Anzahl der
Beobachlungsjahre in Paranthese beigefügt ist:
Salix Caprea «... 8 April ( 9 Jahre).
Anemone nemorosa . . 10 „ (11 „ ).
Cornus mascula ... 13 „ (10 „ ).
Prunus avium .... 29 „ (22 „ ).
» insiticia i ^^ U18 „ ).
„ spinosa ( ' ' * " JC ^ » ).
und syslematischen Botanik während des Jahres 1851. 327
Sambucus racemosa
Acer campestre . .
Pyrus Malus ....
Syringa vulgaris . .
Evonymus europaeus .
Philadelphus coronarius
Rosa cenlifolia . . .
Tilia parvifolia . . .
Burkhart^') hat eine Aufzählung der in verschie-
denen Gegenden Deutschlands eingewanderten und eingebür-
gerten Pflanzen versucht, die jedoch weder vollständig ist,
noch die verschiedenen Kategorien derselben von einem all-
gemeinen Standpunkte sondert.
Aus V. Klinggräff's Darstellung des Weischelgebiels in West-
preussen 39j können als charakteristische Formen des Stromufers be-
zeichnet werden :
1. Formalion des Saliceti. Eryngium planum, Silene tatariea.
(Mit dem Elblhale übereinstimmend ist die Verbreitung von Fetasites
spurius, Viola elalior, Erysimum strictum u. a.).
2. F. der ^Viesen. Euphorbia lucida var, latifolia Wni.
Das merkwürdige Gebirge der Schönberge westlich von Danzig,
die höchste Erhebung der baltischen Ebene und des ganzen Raumes
zwischen Harz und Ural überhaupt , deren Gipfelpunkt 1022' erreicht,
ist bis jetzt botanisch unerforscht geblieben : allein das Hügelland, wel-
ches sich von hier zur Weichselmündung ausbreitet , ist nicht arm an
Bergptlanzen. Zu den charakteristischen FOanzen des Weichselgebiels
in weiterem Sinne gehören :
1. F. der Wälder, grösstentheils von der Kiefer gebildet. Von
Waldbäumen kommen zerstreut vor Tilia parvifolia (in kleinen Bestän-
den), Acer platanoides , verkrüppelt auch A. pseudoplatanus und Sor-
bus torminalis. Im ünterholze : Evonymus verrucosus. Unter den
Schattenpflanzen: Isopyrum thalictroides, Thalictrum aquilegifolium, Ra-
nunculus cassubicus, Cimicifuga foetida , Aconitum variegatum , Foten-
tilla rupeslris, Pleurospermum austriacum, Dracocephalum Ruyschiana,
Fulmonaria mollis, Carex pilosa, Hierochloa australis.
2. F. der Haide. Pulsatilla patens und vernalis, Dianthus are-
narius, Gypsophila fastigiala, Aslragalus arenarius.
3. Campestre F. Silene chlarantba, Hieracium cchioides, Cam-
panula sibirica, Orobanche cocrulescens (bei Danzig).
4. F. sumpfiger Wiesen. Ostericum palustre , Gladiolus im-
bricalus.
328 Grisebach: Bericht üb. (I.Leistungen in d. geographischen
5. F. des Torfmoors. Salix rosmarinifolia , Betula nana (bei
Thoin). — Polemonium coeruleum , Pedicularis sceplrum , RIalaxis mo-
nophyllos, Calamagroslis slricla.
6. F. der Wasserpflanzen Lobelia Dorlmanna (bei Danzig).
Der Verf. giebt auch zuletzt eine Liste der Pflanzen, welche an
der Weichsel ihre Ost- oder Westgrenze finden. IVach Ausscheidung
der irrigen oder zweifelhaften Angaben , würden folgende Arten übrig
bleiben :
1. Von Westen bis zur Weichsel verbreitet sind: Adonis aesti-
valis und vernalis, Elatine triandra, Melilotus denlala , Sedum re-
flexum, Litorella lacuslris, Polycnemum arvense, Euphorbia exigua und
Cyparissias, Juncus acutiflorus, Scirpus selaceus , Stipa capil-
lata. Hierbei ist zu beachten, dass mit Ausnahme der beiden gesperrt
gedruckten Arten die übrigen in südlicherer Breite sich nach Litthauen
oder Südrussland verbreiten und also einer nordöstlichen Vegetations-
inie entsprechen.
2. Von Osten bis zur unteren Weichsel verbreitet: Cimicifuga
foetida , Senecio vernalis (erst neuerlich durch Kleesamen bis an die
Weichsel, wie in Schlesien eingewandert), Dracocephalum Ruyschiana
(nordwestliche V.-L.), Betula nana, Hierochloa australis. Von Einfluss
auf die Schärfe der Vegetalionslinie wird der Umstand sein , dass auf
der rechten Seite der Thonhoden , auf der linken der Sand vorherrscht.
Bertram's Pflanzenverzeichniss aus der Gegend von Magde-
burg *8j enthält einen schätzbaren Beitrag zur genaueren Bestimmung
der Vegetationslinien , welche sich in der Kähe dieser Stadt kreuzen.
Es erreichen nämlich daselbst äusserste Grenzpunkte ;
1) an der nordwestlichen Vegetalionslinie : Clematis recla^ Adonis
vernalis (abgesehen von dem sporadischen Vorkommen im Braunschweig-
schen) , Ranunculus illyricus (bei Schönebeck), Sisymbrium Loeselii,
Alyssum montanum, Rapistrum perenne, Aslragalus exscapus, Goronilla
varia (Ramstedt) , Crepis praemorsa, Nonea pulla, Verbascum phoeni-
ceum (Ramstedt), Carex supina (ebenda), Andropogon Ischaemum (eben-
da), Stipa capillata ;
2) an der nördlichen V. L. : Nigella arvensis , Hippocrepis co-
mosa (Ramstedt], Euphorbia platyphyllos.
Zu den sporadischen Fundorten in dieser Gegend nicht zu er-
wartender Gewächse gehören: Naslurtium pyrenaicum, Draba muralis,
Lathyrus Nissolia , Potenlilla ruptstris , Scirpus Holoschoenus , Eragro-
stis pilosa.
Metzger 5°) unterscheidet am Harze drei Pflanzenregionen, die
Region der Buche - 1800', der Tanne (Pinus Abies) - 3000' und der
Salix bicolor - 3500'.
Die Grenze der Buche am Inselsberge im Thüringer Walde giebt
Schwaab 52) ^.y o^qq, j^^^ joch steigt pie als Krummholz bis 2GÖ0'.
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 329
Von dem minieren Lennegebiete im vvestphälischen Sauerlande
giebt V. d. Marck ") eine Uebersicht der Pflanzenformationen. Wal-
dige ßerggehänge und enge Wiesenthäler bezeichnen den Nalurcharak-
ter des rheinischen Scbietergebirges, welches sich hier an der Kord-
helle, einem Gipfel der Ebbe, zu 2112' (preuss.) also gegen 1500' über
die Lenne (Altena = 501') erhebt. Ursprünglich aus Buchen und Eichen
gebildet, sind die Wälder vielfach durch Verwüstung verloren gegan-
gen, in Haide mit verkrüppelten Birken und Espen verwandelt , oder
in neuerer Zeit durch Nadelholz ersetzt. Auf den Höhen der Ebbe fin-
den sich auch grosse Torfmoore
1. F. der Calluna nebst Vaccinium Myrtillus und V. Vitis idaca.
Charakteristische Pflanzen : Arnica , Trientalis , Genista pilosa und an-
glica, Gentiana campestris, Peristylus albidus, Euphrasia nemorosa, Ly-
copodium clavatum, annotinuin und Chamaecyparissias.
2. F. der Laubwälder , in denen Vaccinium Myrtillus das nie-
drige Gesträuch bildet. Herrschende Schattenpflanzen : Digitalis pur-
purea, Epilobium angustifolium, Senecio nemorensis.
Die übrigen Formalionen enthalten wenig Charakteristisches, die
Flora ist wegen Mangels an Kalkptlanzen sehr dürftig, aber die Ver-
schiedenheit nach dem Niveau, welche der Verf. durch Verzeichnisse
der Thal- und Gebirgspflanzen erläutert hat, ist nicht ohne Interesse.
So sind für die Höhen über 1000' charakteristisch: Kanunculus aconi-
tifolius (nicht unter 600'), Genista germanica, Tormentilla reptans, Myr-
rhis odorata, Pyrola media, Trientalis, Peristylus albidus und die Ly-
kopodicn (L Selago, annolinuni, Chamaecyparissias und inundalura). —
Zu den interessantesten Pflanzen dieser Gegend gehören Barbarea prae-
cox und Pulmonaria moUis (letztere am Waldsaume des Anrieth bei
Hammerhausen).
V. Heufler 6*) bemerkt, dass von 352 bisher in Tirol beob-
achteten Laubmoosen 6 Arien in der südlichen Alpenkette ihre INord-
grenze, 10 in der nördlichen ihre Südgrenze erreichen. Die südlichen
Formen sind (S. 172.): Desmatodon paradoxus, Tremalodon brevicollis,
Encalypta microphylla, Bryum geniculatum, Anoeclangium Hornschuchia-
num und Hypnum pyrenaicum ; die nördlichen (S. 174.): Sphagnum
subsecundum; Harlramia snbulata , Georgia repanda, Catharinea tenella,
Fontinalis squamosa, Lcptohymenium repens, Hypnum siramineum, sar-
mentosum, nitens und Schistoslcga osmundacea.
Neilreich's neues Werk über die Wiener Flora ^s) enthält ei-
nen pflanzengeographischen Abschnitt, von welchem Sauter einen Aus-
zug mitgetheilt hat (Regensb. Fl. 1852. S. a.'VS— 459.).
Tommasini ^^') fasst die Regionen des österreichischen Lilo-
rals folgendermassen auf:
0' — 500'. Immergrüne Sträucher der Inseln des Quarncro und
Sfidistriens.
330 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
0' — 600'. Das übrige Gebiet Istriens und das Litoral von Triest
bis Monfalcone, charakterisirt durch Quercus pubescens.
— 1500'. Fraxinus Ornus.
1800'— 4200'. Buchenregion.
4500' — 5800' (6000'). Tannenregion, vorzüglich durch Pinus
Picea gebildet.
6000'— 8000'. Alpine Region.
Seil Ott ^2) hat in Verbindung mitKotschy eine Reihe
von Pflanzen aus Siebenbürgen beschrieben. Die neuen Ar-
ten sind: Dianthus callizonus, Saxifraga luteoviridis, Rhodo-
dendron myrtifolium, Gentiana phiogifolia, Pulinonaria rubra,
Arum alpiniim (vergl. das seitdem im Archiv publicirte Iter
hungaricum).
Eine Flora des Jura in der von Thurmann eingeführten
Umgränzung hat Godet ^^} herausgeben.
Desmazieres^^) setzte seine Beiträge zur Systematik
der französischen Pilze fort.
Die Herbarien Billot's ^^) (s. vor. Jahresb.) wurden
fortgesetzt , ebenso die seit langer Zeit geschätzten Samm-
lungen von Krypiogamen der Vogesen , welche Mougeot,
Nest 1er und Schimper^^) herausgeben.
K i r c h I e g e r's Flora des Elsass ^'') wurde weitergeführt.
Willkomm ^^) bearbeite die Ausbeute seiner letzten
spanischen Reise, welche sich auf beinahe 1200 Arten be-
läuft, und lieferte dadurch einen wichtigen Beitrag zur Sy-
stematik und Pflanzengeographie der Flora Spaniens , um so
mehr als einige der von ihm besuchten Gegenden botanisch
nicht erforscht waren. — C o s s o n ^^) hat seine Beiträge
zur spanischen Flora (s. Jahresb. f. 1849. S.26.) nach den
spätere Bourgeau'schen Sammlungen aus Murcia fortgesetzt.
Willkomm's neue Arten sind: Draba canlabrica, Cochlearia deci-
piens, Hulchinsia Auerswaldii , Dianihus vaientinus , ßuffonia macrope-
lala , Sarothamnus cantabricus, Genisla terelifolia , Epilobium carpela-
num, Duriaea juncea, Seseli lilorale, Oenanihe Kunzei, Valeriana lon-
giflora, Succisa microcephala , Aster Willkommii Seh., Senecio canta-
bricus, Tanacelum AVillkomniii Seh., Cenlaurea cephalarifolia , Jasione
fallax, Galeopsis carpetana.
Cosson's neue Arten aus Alurcia sind: Guiraoa arvensis (s. u.),
Geranium calaractarum, Folygala Boissieri (P. rosea ßoiss., nee Desf.),
Genisla murcica, G. pseudopilosa, Ononis monlana , Polerium lateriflo«
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 331
rum, P. Spachianum, Conopodium Bourgaei (Heterolaenia collect. Bourg),
Heterotacnia arvensis , Centaurea resupinala, C. prostrata , Cirsium
Welwitschii , Scorzonera albicans, Wonea Bourgaei, Scrofularia hispa-
nica, Thymus sabulicola, Th. Funkü.
Willkomm's Bericht über seine Reise im J. 1850. ^o)
(s. vor. Jahresb. S. 35,)' wurde vollendet. VonJaea aus be-
suchte W. gegen Ende Juni die beiden aragonischen
Pyrenäenthäler des Gallego und Aragon und fand hier,
wie im Conglomeratgebirge von Jaca, Pinus pyrenaica allge-
mein verbreitet, indem dieser Baum, der in den durch kei-
neswegs hohe Pässe getrennten Thälern von Eaux - bonnes
und Cauterets nicht beobachtet worden ist^ am Aragon die
schroffen Berggehänge in Verbindung mit Pinus Picea bewal-
dete und ebenso am Gallego von dem Badeorte Penticosa
tief abwärts den Reisenden auf dem Wege nach Bieska be-
gleitete, welcher Ort bereits am Fusse des Gebirges in der
Ebene, aber noch 2270' hoch liegt. Es ist indessen wahr-
scheinlich, dass entweder P. pyrenaica in jenen französischen
Thälern nicht erkannt, oder dass W. vielmehr selbst sie mit
der von ihm unerwähnt gelassenen P. uncinata verwechselt
hat: denn da er die Region des Baumes in den aragonischen
Pyrenaeen zu 3000' — 5000', wie auf der Pena de Oroel,
angiebt (Sert. 1852. p.319.), den Grenzpass von Canfranc
aber, wiewohl er im Widerspruch mit seinen Waldniveau's
demselben eine „ausgeprägte Alpenvegetalion^^ zuschreibt,
doch selbst nach barometrischer Messung nur 4660' hoch
fand (S.4.), so konnte eine so niedrige Wasserscheide der
Verbreitung des Baums nach Frankreich kein Hinderniss bie-
ten. Nun habe ich aber selbst, in demselben Jahre auf dem
Wege von Cauterets nach dem nahen Passe des Pont d'Es-
pagne , welcher nach Penticosa führt , den Wald von Pinus
Picea eben mit P. uncinata gemischt gefunden und kann hier-
nach meine Zweifel an der Richtigkeit der im vorigen Jah-
resberichte (S. 39.) hervorgehobenen Angaben W.'s über P.
pyrenaica nicht länger zurückhalten. Die beiden von ihm
besuchten Thäler der spanischen Gebirgsseite stimmen nach
seiner Darstellung sowohl in orographischer als botanischer
Hinsicht mit dem Charakter der französischen Centralpyrc-
näen überein. Die alpine Region, zu welcher er von Pen-
332 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
licosa aus auf Seitenkämmen gelangte, hatte ihre Vegelation
in den letzten Tagen des Junius noch nicht entwickelt.
Zu Anfang Juli reiste W. von Jaca südwärfs nach Sa-
ragossa, allein die Jahreszeit war für die Untersuchung des
so wenig bekannten aragonischen Tieflandes am Ebro viel
zu spät. Doch wiewohl die Ausbeute den Erwartungen nicht
entsprechen konnte, war es dem Reisenden, bei seiner um-
fassenden Kenntniss der spanischen Halbinsel, doch möglich
gewesen, den Charakter der aragonischen Vege-
tation vergleichend zu bezeichnen und dadurch für künftige
Forschung bedeutende Anhaltspunkte zu geben. Je weiter
man sich südwärts von den waldigen Gebirgen, die den Fuss
der Pyrenäen von Jaca begleiten, entfernt, desto öder und
nackter wird die Landschaft, bis in der heissen Furche des
Ebrothales wahrer Steppencharakter sich ausprägt, der je-
doch hier durch Bewässerungsanstalten überwunden werden
könnte. Südlich vom Ebro bietet freilich der unfruchtbare
Boden selbst der Kultur ein neues Hinderniss, aber diesseits,
wo die Erdkrume günstiger gemischt ist, sind die künstli-
chen Bewässerungen auch nur selten ausgeführt: wo es der
Fall ist, wie in der eine Stunde breiten Huerta von Saragossa,
in dein schmalen Landstreifen zwischen dem Ebro und dem
Kaiserkanal und in den Flussthälern überhaupt, erscheinen
die Olivenhaine, die Weinpflanzungen und Weizenfelder wie
Oasen in einer weiten Steppe , die freiwillig weder Bäume
noch höhere Sträucher erzeugt. Am ödesten ist die salzhal-
tige Gypsformation, die, wie schon Reuter bemerkte,
über das ganze aragonische Tiefland verbreitet, sich, aus
der tertiären Fläche hervortretend, zu niedrigen, vielfach
gegliederten, nackten Hügeln erhebt, zwischen denen, in
sumpfigen Thalgründen , die Halophyten vegetiren. Diese
dürren, quellenlosen Hügel erzeugen nur eine geringe Pflan-
zendecke, die ungeachtet des so viel tieferen Niveau's fast
aus denselben Arten besteht, wie auf dem Gypsboden des
Tafeflandes von Castilien (Jahresb. f. 1843. S. 30.) und selbst
von Andalusien (Jahresb. f. 1845. S.30.): denn die herr-
schenden Pflanzen sind, wie dort, nach W. (S. 25.) Helian-
themum squamatum , Gypsophila Struthium , Herniaria fruti-
cosa, Peganum Harmala, Ononis crassifoli.i, Zollikofcria pu-
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 333
mila, Atriplex, Salsola vermiculata , Planlago maritima und
Lygeum Sparlum; seltener kommen vor Frankenia thymifo-
lia und Macrochloa tenacissima. In den Thalgründen vege-
tiren, in grünem Binsendickicht von Juncus acutus und Scir-
pus Holoschoenus, die Halophylen, namentlich Suaeda fruli-
cosa, Salsola Soda, Echinopsilon hirsutus, Salicornia anceps,
nebst Statice ovalifolia u. dichotoma, Erylhraea spicata, Al-
thaea u. a. — Die Vegetation der tertiären Fläche
Aragonien's ist ebenfalls, wie in Castilien, nach dem Boden,
doch weniger mannigfaltig gegliedert. Sie besteht nämlich
entweder aus sandigem Lehm , oder , besonders im Süden
des Ebro, aus mergeligem Thonboden. Die Formationen des
sandigen Lehmbodens sind nach W. : 1. Tomillares nehmen
die grössten Flächen ein, wo Rosmarinus officinalis und Thy-
mus vulgaris, begleitet von dornigen Genisteen, vorherrschen.
2. Grosse Weidestrecken, mit kurzem Grase bedeckt: die
Pflanzen kommen hier wegen der fortwährend weidenden
Heerden nicht zur Entwickelung. 3. Selten erscheinen lichte
Gehölze von Quercus Hex kümmerlichen Wuchses. — Den
thonig - mergeligen Boden charakterisirt W. durch Cynareen,
die von gewissen Pflanzen des Gypsbodens begleitet werden.
— Pflanzenreich schienen dem Heisenden die Olivenhaine
von Saragossa, aber die Vegetationszeit war hier, wie auf
den Tomillares vorüber und somit bleiben die , wenn nicht
vorherrschenden , doch charakteristischen Pflanzen des ara-
gonischen Tieflandes, welche dasselbe ohne Zweifel von dem
centralen Plateau pflanzengeographisch unterscheiden werden,
bis jetzt noch unbekannt.
In der günstigsten Jahreszeit, um die Mitte des Julius,
besuchte W. von Borja aus die ebenfalls botanisch uner-
forschte Sierra de Moncayo, die ausgezeichnetste unter
den Grenzgebirgsketfen, welche das Tiefland des Ebro von
dem Hochlande Castiliens trennen. Allein da der Reisende
an dem günstigen Standpunkte der Hermita de St. Senora del
Moncayo der Erforschung dieses in Spanien wegen seines
Pflanzenreichlhums berühmten Gebirges nur anderthalb Tage
gewidmet hat (S. 38 ), so erhallen wir nur den allgemeinsten
Umriss der Vegetationsverhällnisso. Der Moncayo ist eine
„ungegliederte, wallartige," grössteniheils aus Sandstein ge-
334 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
bildete Gebirgsmasse, deren Höhe W. auf 5 — 6000' schätzt.
Als Randgebirge des castilischen Plateaii's ist der nördliche,
Aragonien zugewendete Abhang schroff, der caslilische sanft
geneigt; jener ist in seiner unteren Hälfte quellenreich und
bewaldet, dieser dürr und baumlos : die äusseren Bedingun-
gen sind hier, wo die Aussenseite des Gebirgs dem Ebro-
thale frei gegenüberliegt und daher den vom Mittelmeer we-
henden Luftströmungen die Feuchtigkeit entzieht, einer rei-
chen Vegetation weit günstiger, als auf der Sierra de Gua-
darama, die nach beiden Seiten an Hochland grenzt. Allein
die feuchte Region begreift nur einen Theil des aragonischen
Abhangs : denn wie am Fusse des Gebirgs die Dürre des
Tieflandes noch bemerkbar ist und sich in dem strauchför-
migen Wachsthume der Eichen abspiegelt^ so sind die obe-
ren Abhänge über der Buchengrenze nebst dem schmalen
Kamme des Gebirgs quellenlos, kahl und mit Gerollen und
Felsen bedeckt. Hierdurch zerfällt der nördliche Abhang in
folgende, scharf ausgeprägte Regionen :
a. Region der Quercus Toza, geschätzt zu 1000' — 2000'
(Sert. 1852. p.314.). Ehe man den Eichengürtel erreicht,
findet man den Fuss des Gebirgs von einer dichten, grünen
Pflanzendecke bekleidet, die ausschliessUch von Arctostaphy-
los uva ursi gebildet wird. Weiter nach oben werden die
Eichen hochstämmig : hier erzeugt der Wald neben hohem
Graswuchs und eigenthümlichen Stauden (namentlich Digita-
lis parviflora Jacq.) ein schönes Unterholz von Erica multi-
flora und arborea, von Cistus laurifolius, Genisla florida und
micrantha.
b. Buchenregion, geschätzt zu 2000'— 3000' (Sert. 1852.
p. 3l4. : „sylva pulcherrima")- Der Buchenwald besteht „an
seiner unleren Grenze aus schönen, hochstämmigen Bäumen,"
nach oben wird er allmälig lichter, die Buchen werden küm-
merlich und strauchartig. Wegen des dichten Laubdachs ist
der Boden des Hochwalds ziemlich nackt, doch besitzt er
Gesträuch von Hex aquifolium.
c. Die obere, baumlose Region des Moncayo ist sehr
Pflanzenreich. Gesträuche linden sich auf dem felsigen Boden
nur sparsam (es kommen zwei Eriken, E. polylrichifolia und
australis vor), aber Massen von Stauden und Gräsern vege-
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 335
tiren in den feuchten Felsspalten und zwischen dem Gerolle.
Die Baumgrenze ist hier offenbar keine klimatische, sondern
nur durch den Mangel an Erdkrume bedingt. Von charak-
teristischen Pflanzen dieser Region, die mehr an die Pyrenäen
als an die Sierra de Guadarrama zu erinnern scheint, wer-
den z. B. erwähnt : Viola cornuta, Silene ciliata var. (S. ar-
vatica Lag.), Sedum brevifolium, glanduliferum und micran-
thum, Saxifraga nervosa, Senecio Tournefortii, Jasione humi-
lis und fallax, Armeria alpina.
Gegen das Ende des Julius begab sich W., stets durch
ungünstige, äussere Verhältnisse beengt, von Saragossa nach
Valencia und lernte auf diesem Wege das Scheidege-
birge zwischen Teruel und dem Thale von Mur-
viedro kennen. Dieses bildet einen breiten Plateaurücken,
dessen Gehänge schwach von Nadelhotz bewaldet sind, wäh-
rend übrigens der dürre, pflanzenarme Boden besonders dor-
nige Genisteen erzeugt. Die herrschende Conifere bei Teruel
ist die hochstämmige und an diesem Standorte schon von
Bowles angegebene Juniperus thuriferaAsso's; mit ihr kommt
nach W. auch Pinus Laricio vor (Sert. 1852. p. 319.). Jene
Juniperus -Art bezeichnet W. , Endlicher folgend, als meine
J. sabinoides (das. p. 317.). Allein es war ein blosser Irr-
Ihum Endlicher's den Strauch von der Insel Tassos und vom
Athos mit dem 30 — 40' hohen Baume Spaniens für identisch
zu halten. Schon der Umstand , dass auf Tassos mit jenem
Strauche ein ebenfalls von der spanischen Art verschiedener
Baum dieses Geschlechts (J. excelsa) in Gemeinschaft wächst,
hätte den Monographen der Coniferen vor dieser Verwechse-
lung bewahren können. Die mir vorliegenden Exemplare von
J. thurifera, welche Bourgeau auf der Sierra de Segura ge-
sammelt hat, unterscheiden sich von J. sabinoides namentlich
durch die genau kugelförmige, am Grunde nicht verschmälerte
und fast höckerlos ebene Frucht; auch zeigen die feineren,
spitzeren und bläulich gefärbten Blätter mit meinem Strauche
gar keine Aehnlichkeit. J. thurifera charkterisirt die Kette
der Idubeden, d. h. das ganze östliche Grenzgebirge des
spanischen Plateau's von Aragonien aus (Asso) bis zur Se-
gura in Murcia: indessen hat ihn Montbret nach Cosson's
Vergleichung (a. a. 0. p. 129.) auch am Taurus, in Karanja-
336 Grisebach; Bericht üb. d. Leislungen in d. geographischen
nien, angetroffen. — Beim Eintritt in die Provinz Valencia
sciiildert W. den Eindruck der mediterranen Vegetation, die,
nachdem das Gebirge überschritten, in dem malerischen Thale
des Rio Palancia mit voller Ueppigkeit sich entfaltet: aber
noch grösser ist der Gegensatz , der gegen die Oede Aqs
Hochlandes die sorgfältige Terrassenkulfur von Mais, Wein,
Oliven und Maulbeerpflanzungen plötzlich hervorruft. Die an-
geführten Pflanzennamen aus diesem Thale sind fast sämmt-
lich südfranzösische und es scheint daher der Typus der ka-
talonischen Küstenlandschaft , der mit den südlichen Provin-
zen Frankreichs übereinstimmt, sich bis hieher zu erstrecken.
Den ßeschluss von W.'s Darstellung macht die Schilde-
rung des centralen Plateau's, wobei zu der trefflichen
Arbeit Reuter's nur Nachträge gegeben werden konnten. Zwar
hat W. , wie er bemerklich macht, das Plateau in weiterem
Umfange, aber in einer um so ungünstigeren Jahreszeit be-
reist. Sein Ilinerar ergiebt darüber Folgendes : Ende Juli
sah er auf der Reise von Saragossa über Molina nach Te-
ruel den östlichsten Winkel von Neu-Castilien ; Ende August
reiste er von Valencia durch Cuenga nach Madrid; im Sep-
tember besuchte er eine Woche lang die Sierra de Guadar-
rama und im Oktober begab er sich von Madrid über Pla-
sencia nach Salamanca und auf geradem Wege zurück. Mit
Unrecht führt der Reisende, indem er Reuters Gliederung
der Vegetation nach vier Bodenarten durch die Formationen
des Kalks und des Sandsteins zu erweitern beabsichtigt, wie-
derholt an, dass Reuter den Kalkboden nicht beachtet habe,
den dieser Schriftsteller ausdrücklich von dem Gyps unter-
scheidet und durch die catalonischen Maquis charakterisirt,
die, nach ihm, das östliche Gebiet gegen Cuen^a vor der
Gegen um Madrid voraus habe (Jahresb. f. 1843. S. 28.).
Von Interesse ist dagegen, was W. über die Verbreitung der
Wälder auf dem Tafellande sagt , da Reuter fast nur wald-
lose Gegenden beschrieben hat. W. stellt den Salz auf, dass
allein der sandige Boden Wälder erzeuge (S. 169.), der Thon
oder Gyps niemals: damit soll aber ni,cht ausgedrückt sein,
dass auf dem Sandboden wirklich überall Wälder vorhanden
wären. Der mittlere Raum des der S. de Guadarrama süd-
lich gelegenen Plateaus ist vielmehr beinahe baumlos. Be-
1. 1. und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 337
deutende Waldungen von Nadelhölzern giebt es dagegen in
der Serrania de Cuenga und auf dem Plateau von Molina,
von Eichen in Estremadura auf den Thalebenen der Ströme,
Die letzteren , die vorzüglich aus immergrünen Eichen be-
stehen, werden als sehr malerisch bezeichnet : zu den schön-
sten gehört der grosse Wald von Toril am Rio Tintar, den
der Weg von Almaraz nach Plasencia durchschneidet. Ge-
gen den Fluss hin mischen sich in den immergrünen Bestand
von Ivork- und Steineichen hohe Stämme von Qu. Toza und
lusilanica, durch ihren Wuchs deutschen Eichen vergleichbar
und von anderen schönen Bäumen , wie von Pinus Pinaster,
Fraxi^nus angustifolia, Populus alba begleitet In den Nadel-
wäldern von Cuenga tiommen so dichte Bestände vor , dass
die Dunkelheit und der Nadellall unter den Bäumen keine
andere Gewächse aufkommen lassen, wogegen die stets li* h-
ten und von Strauchformen desselben Geschlechts (J. Sabina
und phoenicea) begleiteten Waldungen der Juniperus thuri-
fera den entschiedensten Gegensatz bilden. Nach W.'s Be-
arbeitung sind die Pinus-Arten der Serrania von Cuenga P.
Laricio und pyrenaica: bei Molina besteht der Wald aus P.
Pinaster, die auch in Cuenga nicht fehlt. — Die Maquis sind
auf dem Plateau von Spanien ähnlich verlheilt, wie die Wäl-
der: spärlich bei Madrid, nehmen sie gegen den Umkreis
des Tafellandes an Ausdehnung zu. Alle Waldblössen der
Serrania von Cuenga sind mit Rosmarinus oder nnt Wach-
holdergesträuch bedeckt, und, wie in Estrema<lura und der
Sierra Morena die Cisten nicht aufhören , so sieht man hier
oft Stunden lang nur Rosmarinsträucher. — Aus dem Rei-
seherichte W.'s durch die centralen Provinzen selbst ist nur
noch wenig zu bemerken. Auf dem Wege von Saragossa
nach Molina fand er die Vegetation des aragonischen Tief-
lands bis Daroca unverändert, aber hier begann mit der He-
bung des Bodens der Plateaucharakter. Die Serrania von
Cuenga verrieth in aba^estorbenen Pflanzenresten eine man-
nigfaltige Vegetation in früherer Jahreszeit, die noch uner-
forscht ist. An der nördlichen, altcastilischen Seile der Sierra
de Guadarrama erstreckt sii h die [{ielerregion nach W von
35(1(1'- 6 )U0'; er bestätigt Beuter's Ang-.tbe , dass sie aus
Pinus sylvestris gebildet sei. Die berühmte Felsenschlucht
Archiv f. Naturgescli XVUI Jahrg. 2. Bd Yf
338 Grisebach: Bericht üb. <1, Lcislungen in d. geographischen
des Rio Jerte bei Plasencia vergleiclit W. mit dem Bode-
lliale am Harz und nach seiner Darstellung verspricht auch
dieser Punkt im Frühlinge eine seltene Ausbeute: der Reisende
erkannte in dieser Gegend , an Rächen bei El Villar wach-
send , die Colmeiroa buxifolia. In Altcastilien fand er die
Hochebene allgemein angebaut; zuweilen kamen Maquis von
Quercus coccil'era vor, selten kleine Gehölze von Quercus
Hex oder Pinus Pinea, in denen Helianthemum Libanotis ge-
sellig wächst *"*).
Von der im vorigen Jahresberichte erwähnten Schrift
Colmeiro's über Galicien hat Willkomm einen Auszug 8')
mitgetheilt und am Schlüsse diejenigen Arten aus C.'s Ka-j
talog von 578 galicischen Pflanzen zusammengestellt, welche
er selbst in den baskischen Provinzen nicht beobachtete. Man
erkennt aus gewissen portugiesischen Formen, wie Drosophyl-
lum, Empetrum album und Davallia canariensis, dass die West-
küste Galiciens im Vergleiche mit Asturien klimatisch sehr be-
günstigt sein muss.
Ball ^^) hat Bemerkungen über eine botanische Reise
in Portugal und Spanien bekannt gemacht, die er in der un-
günstigen Jahreszeit des Oktobermonats unternahm.
B e r 1 0 1 0 n i's italienische Flora (Jahresb. f. 1849. S. 26.)
wurde fortgesetzt ^•^}.
In Schouw's oben erwähnter Schrift ^) kommen ei-
nige Reminiscenzen von seinen italienischen Reisen vor. Die
Darstellung des Aetna (S. 98.) enthält nichts Neues. Bei der
Vergleichung von Ischia mit Capri (S. 117.) findet Seh. den
Einfluss des Substrats auf die Bodenkultur dadurch ausge-
drückt, dass auf der vulkanischen Asche von Ischia nur Wein,
auf der Kalkformalion von Capri dagegen die Olive gebaut
wird : die Kultur ist so allgemein, dass Ischia als ein einzi-
ger Weinberg, Capri als ein Oelberg zu betrachten sei. An
seltneren Pflanzen sei Capri weit reicher als Ischia: das hö-
here geologische Alter der Kalkformation im Vergleich mit
vulkanischen Bildungen könnte die Einwanderung einer grös-
seren Anzahl von Arten nicht so gut erklären, wie der der
*) In dieser Darstellung von Willkomm's Reise sind die Pflanzen-
namen nach seinem Serlum hispanicum berichtigt worden.
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 339
Veg-etatlon günstigere Boden. Denn die Verwitterung der
Lava ist so langsam, dass nach S.'s Beobachtung der jüngste
Lavastroin Ischia's vom J. 1301 jetzt erst hier und da an-
fängt, eine dünne Decke von Lichenen, von Stereocaulon pa-
schale zu tragen. Die merkwürdige Erscheinung, dass an
den Fumarolen von Ischia zwei Pflanzen , nämlich Cyperus
polystachyus und Pteris longifolia wachsen, welche nicht nur
dem italienischen Kontinent fehlen, sondern auch, in den
Pflanzengarten Neapels versetzt, den neapolitanischen Winter
nicht ertrugen, veranlasst Schouw , in diesem Falle von sei-
ner Lieblingsidee ubiquitarer Schöpfung abzugehen und eine
Einwanderung anzunehmen, weil die Pteris schon in Sicilien,
der Cyperus in Nordafrika einheimisch sei. Allein es zeigt
einen ]\]ano;el an Konsequenz, wenn er hier von seiner Theo-
rie eine Ausnahme machen zu müssen glaubt , weil andere
Standorte dieser Gewächse , wiewohl doch durch ein breites
Meer getrennt , ihm nicht allzu entlegen erscheinen , ohne
dass er doch einen Versuch zu machen wagt, die Grenze des
Areals zu bestimmen, innerhalb dessen nach seiner Hypothese
Wanderungen von Pflanzen allein möglich sein sollen. Es
ist nicht abzusehen, weshalb ein Samen nicht ebenso leicht
von Norwegen nach Schottland , als von Tunis nach Ischia
gelangen sollte. Jene beiden Pflanzen eines wärmeren Kli-
ma's werden übrigens in Ischia allein durch eine dauernde
vulkanische Thätigkeit zurückgehalten : denn sie wachsen mit-
ten im aufsteigenden Wasserdampfe, so dass man die Hand
an der erhitzten Erdkrume zu verbrennen Gefahr läuft, wenn
man ihre Wurzeln ausgräbt. — Der botanische Reisebericht
aus Italien von Karl ^•) ist ohne Bedeutung.
Rota^'') publicirte einen Katalog der in der Provinz
Pavia beobachteten Pflanzen. — Simi.^ö) gab die Flora eines
Theils der Apuanischen Apenninen heraus. — Parlatore's
Flora von Palermo^') (Jahresb. f. 1845. S. 38.) wurde in
dessen botanischem Journal fortgesetst , ebenso die Beiträge
vonTineo^^) zur sicilianischen Flora; die sicilianischen
Lichenen bearbeitete Torn ab e n e ^9^.
Die reichhaltige Flora dalmatica von V is iani 903 (Jah-
resb. f. 1842, 1847 und 1849.) wurde im verflossenen Jahre
vollendet ; die zweite Hälfte des dritten Bandes reicht von
340 Grisebach: Bericht üh. d. Leistungen in d. geographischen
den Saxifrageen (p. 192 ) bis zu den Leguminosen und fügt
^Jiri S( hlusse Nachträge hinzu. Die Gesanmitzahl der Phane-
rogamen beträgt 1852 ArUn. Der Verf. hat selbst eine sta-
tistische Uebei sieht des Artenrei(hthunis der einzelnen Fa-
milien beigefügt: allein ich unterlasse es, auf diesen Gegen-
stand, wie ich früher beabsichtigte, näher einzugehen, weil
sich die Pflanzen der verschiedenen Regionen bis jetzt nicht
streng sondern lassen.
II. Asien.
Abich 9') hat seine klimatologische Darstellung Trans-
kaukasicns (Jahresb. f. 1846. S. 29. ) erweitert und durch
zweijährige meteorologische Messungen von eil verschiedenen
Stationen fester begründet. Der reichen klimatischen Gliede-
rung des Landes folgend, verviellälligle er die Orte der Be-
obachtung und vertheilte sie zweckmässig über das ganze
Gebiet, so dass die geringe Dauer derselben durch die Man-
nigfaltigkeit der Vergleichungspunkte ersetzt wird. Für die
vierfache klimatische und botanische Absonderung des rus-
sischen Transkaukasiens (vergl. Jahresb. f. 18-18. S. 23. u.f.),
welche durch die Lage des oberen und unleren Kaukasus und
den diese beiden Gebirgsketten verbindenden meschischen
Höhenzug bedingt wird, erhallen wir hier die entsprechenden
klimatologischen Thatsachen und zwar für Kolchis (das
Rion-Gebiet) durch die Stationen Redulkale undKutais (4460,
für Iberien (das Kur-Gebiet) durch Tiflis (I30U'), Sche-
maeha (2245'3j Baku und Lenkoran , woran sich noch für
Daghestan Derbent anschliesst; für den unteren Kauka-
sus (das armenische Randgebirge, welches man passender
zum armenischen Taurus ziehen könnte) die Station Schuscha
(3628') in Karabngh; endlich für das armenische Pla-
teau Aralich (24.^8')? Eriwan (2972'), und Alexandropol
(4521').
Das allgemeinste Ergebniss von A.*s Untersuchung ist
die bedeutende Biegung der Isotherme nach Süden am kas-
pischen Meere ungeachtet der Depression desselben, so dass
Redutkale (42<'l6' N. Br.) und Lenkoran (3b*'4'') dieselbe
malere Wärme haben, etwa 11V2° R« ^^^ Ursache liegt
und systematisclien Botanik während des Jahres 1851. 341
darin, dass die Winterkälte in Transkaukasien segcn Oslen
in höherem Maasse zunimmt, als die Sommerwärmo steigt,
weil die westliche Gliederung, nämlich Kolchis gegen nörd-
liche und östliche Winde sowohl durch den Kaukasus selbst,
der hier in derRichtunq- der kältesten Luftströme seine höch-
sten Gipfel trägt, als auch durch das meschische Gebirge
geschützt ist, während die PolarwindeCentralasiens die Küste
von Baku und Lenkoran ohne Hinderniss erreichen und hier,
so oft sie wehen, einen heiteren VVinterhiminel erzeugen.
Im Kurthaie und durch ganz Iberien, zu Tiflis, wie zu Sche-
macha (B. p 17 Ql.) herrschen freilich während des Winters
westliche Winde, allein auch diese erzeugen hier, wie wir
gleich sehen werden, einen heileren Himmel und tragen da-
her bei, die Temperatur jener Jahreszeit herabzudrücken.
Vor dem erkältenden Einflüsse des russischen Steppenwinters,
der in den Fürstenthümern an der unteren Donau fühlbar
ist, wird Rumelien durch den Balkan und ein Theil der ana-
tolischen Nordküste ebenfalls durch den Kaukasus geschützt:
desshalb bleibljene Isotherme in den Umgebungen des schwar-
zen Meers ziemlich in gleicher Polhöhe, aber das kaspische
Meer, in dessen Nachbarschaft gegen den Aralsee hin zuwei-
len das Quecksilber gefriert, vermag die winterliche Kälte
des Nordoslwinds nicht in gleichem Grade zu massigen. Sol-
che Bedingungen bewirken es, dass, gleich wie an den ge-
schützten Alpenseen der Lombarbei, die Orangen bei Kutais
im Freien gebaut werden und reifen , und dass in der Nähe
dieser Stadt „weit ausgedehnte Waldgebüsche von Laurus
nobilis" anzutreffen sind (Bullet, p. 6.)- Auf diese Weise
scheint mir die Biegung der Isotherme am kaspischen Meere
einfa(her erklärt zu sein, als durch die Beziehung auf den
erkältenden Einfluss des armenischen Plateaus, welche A. ver-
sucht hat (B p. 45.), obgleich dieses letztere, und nament-
lich die kalte Gegend von Alexandropol, von der unten die
Rede sein wird, der kolchischen Küste näher liegt , als der
kaspischen.
Das Klima des waldigen Kolchis ist nicht bloss milder
als das iberische Sleppenklima , sondern unterscheidet sich
auch von diesem durch seine Gleichmässigkeit , durch den
geringeren GcgensaU der Jaliieszeiten. WiewoUlAbicU warnt,
342 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Ursache und Wirkung- zu verwechseln (B. p. 4.), so scheint
es doch klar genug, dass diese Differenzen in dem feuchte-
leren Sommer von Kolchis nicht minder , als in dem Schutz
gegen die Winterkälte begründet sind, indem während des
Sommers westliche Winde vorherrschen (p. 18. 19.) und
diese, vom schwarzen Meere kommend, in Kolchis ihre Feuch-
tigkeit verlieren und daher trocken vom meschischen Gebirge
nach dem Kurthaie hinabwehen. Baku , wiewohl insular am
kaspischen Meere g-elegen, hat sogar von allen Stationen die
geringste Regenmenge, siebenmal weniger alsRedutkale, und
zwar bei fast gleicher Mittelwärme; desshalb breitet wald-
lose Steppe bei Baku sich bis zur Küste aus und keineswegs
ist, wie Abich will (B. p.7. not.), der Regenmangel eine
Folge des Steppenbodens, sondern die trockene Luft erzeugt
erst den Vegelationscharakter. Hier herrschen in den Som-
mermonaten Nordostwinde (S, 21.), aber dieselben haben
ebenfalls ihre Feuchtigkeit an den östlichen Kaukasus- Glie-
derungen von Daghestan verloren. Lenkoran dagegen ist
feuchter als Baku, weil hier das Randgebirge von Talysch
nahe ist, welches den Wasserdampf des Seewinds niederschlägt.
Diese Verhältnisse ergeben sich aus folgenden Werthen vom
J. 1848.:
Wie scharf das meschische Meridiangebirge die Klimate
und Floren von Kolchis und Iberien scheide, macht A. zum
Gegenstande einer besonderen Untersuchung (B. p.29. u. f.}.
Wiewohl die Waklregionen des südlichen Kaukasus an Höhe
nicht überragend, zeigten sich die Hochrücken jenes Gebirgs
;,voa Bäumen auffallend entblössl"(p. 350;. ^ie abgestorbenen
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 343
Stämme dasselbst häufig in südwestlicher Richtung niederge-
stürzt. Zugleich trugen die westlichen, inieretischen Abhänge
„eine unvergleichlich üppigere" Waldvegetation, als die kar-
talinischen (p. 36.). Aus den meteorologischen Beobachtun-
gen von Alexandropol (p. 23.) und anderen hoch gelegenen
Punkten Transkaukasiens ergiebt sich , dass in den oberen
Luftschichten der Nordostpassat der russischen Steppen der
herrschende, durch den Kaukasus nicht gebrochene Wind
ist: die westlichen Winde der unteren Reg-ionen sind Ge-
genströmungen, die, auf dem Kamm des meschischen Gebir-
ges mit einer den Waldwuchs beeinträchtigenden Kraft über-
wältigt, ihre befruchtende Wirkung auf das tiefer gelegene
Kolchis einschränken. Aehnliche Gegensätze zweier Gebirgs-
seiten bietet auch der östliche Kaukasus selbst. Trifft näm-
lich der an sich zwar trockene, aber über dem kaspischen
Meere mit Wasserdampf gefüllte nordöstliche Luftstrom die
Höhen des daghestanischen Gebirgs, so schlägt er hier seine
Feuchtigkeit nieder, ebenso wie am armenischen Randgebirge
von Karabagh und Talysch, während am südlichen Abhänge
des iberischen Kaukasus selbst der Westwind heiteren Him-
mel mit sich führte. Hiedurch erklärt A. den Gegensatz der
Waldvegetation Daghestans und der trockenen südlichen Ab-
hänge des Schachdagh-Systems, wo er bei westlichem Winde
in der Höhe von 11308' auf schneefreiem Boden die unge-
mein niedrige Dunstspannung von 0"',91 beobachtete und
wo daher die Schneegrenze stärker eievirt ist, als auf ent-
fernteren Gebirgszügen des armenischen Tafellandes (s. u.)
DJs klimatische Eigenthümlichkeit des armenischen Rand-
gebirges, welche A. schon früher so treffend erläuterte und
durch welche er die reiche Veofetation des Alag^hes erklärte
(.lahresb. f. 1846. S.29.)5 wird durch die Beobachtungen von
Schuscha (B. p. 22.) in sofern weiter aufgeklärt und genauer
bestimmt, dass östliche Winde in der That fast das ganze
Jahr in diesem Niveau überwiegen und daher den Wasser-
dampf des kaspischen Meers niederschlagen. Dagegen ist
Wagner's Versuch, die Schneeanhäufungen im inneren Ar-
menien aus den herrschenden Luftströmungen zu erklären, zu
berichtigen (Jahresb. f. 1848. S. 26.). Dieser Reisende meinte,
dass in Armenien im Sommer Südost-, im Winter Nordost-
344 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
winde vorwalteten , und dass aus diesem Grunde nur der
Sommer dürr, der Winter dagegen elienso schneereicli sei,
wie auf dem Randgebirge. Von einem solchen Unterschiede
in der Richlung der Luftströmungen findet sich nun in A.'s
Messungen keine Andeutung: vielmehr hat gerade der Som-
mer in Alexandropol, der westlichsten unter A.'s armenischen
Stationen, überwiegend Nordostwinde, Schucha Südostwinde;
im Winter ist der Charakter der Luftströmungen in beiden
Fällen wechselnd. Auch habe ich bereits damals, in der
Kritik von Wagner's Darstellung, bemerkt, dass die Schnee^
anhäufungen auf der Hochflache von Erzerum sich aus der
reichen Gliederung der dem Plateau aufgesetzten Taurusket-
ten einlach erklären lassen. Der hi^ufigere Wechsel der Lult-
strömungen in der lialten Jahreszeit muss zu diesen athmo-
sphärischen Niederschlägen beitragen.
Ueber das excessive Klima des armenischen Hochlandes
hat Abich eigenthümliche Ansichten ausgesprochen , die mir
nicht durchaus gerechtfertigt erscheinen; überhaupt räumt er
dem geognostisihen Substrat einen zu grossen Einfluss auf
klimatische Erscheinungen ein. Dies ist ihm Ursache ver-
stärkter Insolation, die Insolation wiederum Ursache der Dürre,
der raschen Vegetationsphasen (p. i l.): vielmehr ist die hohe
Wärme des vulkanischen Bodens als eine Folge des heiteren
H'mmels aufzufassen. Denn das armenische Klima folgt dem-
selben Gesetz , wie das spanische, oder wie in anderen Ta-
felländern vom verschiedensten Substrat Nicht aus der Mi-
schung also, sondern aus der plastischen Gestallung des Bo-
dens ist das Plateauklima abzuleiten. Vielleicht kann man
mit mehr Recht behaupten, dass hierbei der Zusammenhang
verschied(^nartiger Erscheinungen bis jetzt nicht allgemein
genug aufgefasst sei, und dass die Vergleichung Armeniens
mit dem benachbarten Tieflande denselben deutlicher, als an-
derswo, erkennen lässt. In dem Plateauklima ist ein Dreifa-
ches zu unterscheiden: die Steigerung der Mittelwärme im
Verhältniss zum Niveau, die Trockenheit der Luft und der ex-
cessive Gegensatz der Jahreszeiten. Unter diesen drei Ver-
hältnissen ist die gesteigerte Mittelwärme eine unuiiltelbare
Folge der plastischen Gestaltung. Eine Gebirgskette bietet
den Sonnenstrahlen eine grössere Oberfläche, als eine Ebene
und systemRti'schen Botanik während dos Jahres 1851. 345
von gleichem Griindflächeno-ehall : das Gebirge miiss also
kälter sein, als eine Hochebene von gleichem Niveau, weil
sich dort dieselbe Insolation über eine ijrössere Anzahl von
zu erwärmenden Punkten der Oberfläche verthcilen muss.
Auch die Trockenheit des Plateau's kann man von der pla-
stischen Gestalt des Bodens ableiten, in sofern der verrin-
gerte Druck der VVasserdainpfatlimosphäre die Verdunstung
beschleuniijt , im Gebirge aber diese Wirkung des Niveaus
durch die Wolkenbildungen beschränkt wird, zu welchen die
ungleiche Erwärmung verschiedenartiger Expositionen veran-
lasst. Man kann ferner bemerken, dass Niederschläge auf der
Hochebene im Sommer durch keine der von der Ferne kom-
menden Luftströmungen begünstigt werden , weil dieselben,
von welcher Himmelsgegend sie ausijehen mögen , wenn sie
das wärmere Plateau erreichen, sich allmälig erwärmen müs-
sen. Es ist endlich klar, dass die Wolkenlosigkeit der trocke-
nen Aihmosphäre durch Verstärkung der Insolation im Som-
mer, der Radiation im Winter die excessive Temperatur bei-
der Jahreszeiten zur Folge haben muss. Allein die Trocken-
heit der Luft, die in Armenien, nach A.'s Messungen, einen
ungewöhnlich hohen Grad erreicht und sich nicht bloss in
dem regenlosen Sommer, sondern unmittelbarer in der oft
auf weniger als 2'" herabgedrückten Dunstspannung zu er-
kennen giebt, lässt hier neben jenen beiden Momenten, die
zunächst auf die Niederschläge wirken, noch eine dritte Po-
tenz bedeutender hervortreten, welche auf allen Hochländern
der Erde nach deren geographischen Gliederung ebenfalls in
Betracht gezogen werden muss. Dieselbe Luftströmung, wel-
che bei Baku dunstbeladen, aber doch regenlos ge^en das
Kurthal weht, zeigt sich auf dem Hochlande selbst ihrer Was-
serdämpfe grossentheils beraubt, wqil das Randgebirge sie
ihr entzogen hat. Nun sind wohl alle bedeutenden Ta-
felländer der Erde von solchen Randgebirgen
rings umgürtet und es müssen daher alle Luftströmungen,
nachdem sie an diesem Aussenwalle einen grossen Theil ih-
res Wasserdampfs verloren haben, zu jeder Jahreszeit aus-
trocknend auf die eingeschlossene Binnenebene einwirken
und dadurch zu der Heiterkeit der Aihmosphäre und zu dem
excessiven Klima beitragen: — Von den für das armenische
346 Grisebach: Bericht üb, d. Leistungen in d. geographischen
Hochland im J. 1849. erhaltenen Werlhen hebe ich folgende
als die wichtigsten hervor (B. p. 23. 24.):
lieber die Schneegrenze in Armenien (vergl.
Jahresb. f, 1848. S. 26.) begegnen wir bei Abich der Bemer-
kung (J. p. 5.), dass im nordöstlichen Randgebirge nur der
Alaghes und der Ararat dieselbe erreichen und dass man
nach Massgabe dieser beiden Punkte eine Elevation von 1600'
— 1900' engl, gegen den Kaukasus und zwar gegen den
ebenfalls durch örtliche Trockenheit afficirten Schachdagh an-
nehmen kann. Wäre diese Ansicht auch für die inneren Ge-
birgsketten Armeniens wahr, so würde hiedurch ebenfalls die
Meinung Wagner's widerlegt werden, dass die Scimeelinie in
Armenien nicht höher als am Kaukasus liege. Allein nach
den bis jetzt vorliegenden, freilich nur auf Schätzungen be-
ruhenden Angaben, reicht die Verbreitung des ewigen Schnee's
im Euphratgebiete bis zu denselben Niveau's, wie im Kauka-
sus und, während die abweichenden Erscheinungen am Ara-
rat aus der Gestallung und aus dem Gesteine dieses Bergs
abgeleitet wurden, ist es bei dem nachgewiesenen, reinen
Plateauklima Armenien's schwer, sich die tiefe Lage der
Schneelinie anders als durch den Einfluss der nahen Meere
auf die reiche Gliederung der Taurusketten zu erklären.
Koch gab von seiner Rückreise über den Kaukasus
nach der Krim einen historischen Bericht 92). Auch hat der-
selbe seine Flora des Orients 9') (s. vor. Jahresb,) forlgc-
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. oh7
setzt und die Chenopodeen der Araxesebene (von Abich ge-
sammelt), so wie die Leguminosen aus Kolenati's Sammlungen
vom Kaukasus 94) besonders bearbeitet.
Forlgesetzte Uebersicht der neuen Formen aus Armenien (A.),
Lasistan (L.) und Transkaukasien (T.) : 172 Corymbiferen mit 4 Anlhe-
mis (3 L., 1 von Konslantinopel), 4 Acbiliea (1 L., 1 A., IT., 1 vom
Kaukasus), 1 Pyretlirum (L.) , 2 Malricaria Kch. (iL., 1 A.), l
Chamomilla (T.), 1 Gymnocline (A.), 2 Hemipappus s. u. (L.) , 2 Ar-
tcmisia (1 A. , 1 vom Kaukasus) , 3 Helichrysum (1 I.., 2 A.), 1 Gna-
phalium vom Kaukasus, 1 üoronicum ohne Standort, 5 Senecio (1 L.,
2 A., 2 ohne Standort); 202 Cynareen mit 2 Echinops (l A., 1 vom
Kaukasus), 1 Chardinia (.A.) , 4 Cousinia (3 A. , 1 aus Bulgarien), l
Onopordon (A.), 2 Carduus (L.), 5 Epitrachys (4 A., 1 von Konslantino-
pel), l Cirsium (A.), 4 Jurinea (1 L., 1 aus der Krim, 1 aus der ßul-
garei, 1 aus dem Banat), 1 Microlonchus aus Gundelsheimer's Samm-
lung, 3 Cenlaurlum (2 L., l aus Kreta), 1 Chartolepis (A.), 7 Centau-
rea (4 L., 1 A., 1 ohne Standort) ; 31 Dipsaceen mit 2 Knautia (L.),
1 Cephalaria (L.) ; 26 Valerianeen mit 1 Valeriana (A.) ; 72 Rubiaceen
mit 2 Asperula (1 A. und 1 aus dem Banat = A. capitata Kit.), 2
Gaiium (1 von Brussa, 1 ohne Standort); 12 Caprifoliaceen mit 1 Lo-
nicera (A ) ; 3 Corneen.
Stschegleew 9^) lieferte ebenfalls Beiträge zur Flora
des russischen Armeniens nach den Sammlungen von Kowa-
lensky.
Die 3 neu aufgestellten Arten gehören zu Haplophyllum, Koel-
pinia und Acantholimon : sie sind auf der beigefügten Tafel darge-
stellt.
Wagner 96) beschrieb seine Reise durch Armenien
und Kurdistan nach Tabris. Dem Berichte ist eine Darstel-
lung des Vegetationscharakters in sehr allgemeinen Umris-
sen beigefügt (2. S. 282 — 295.). Nachdem W. das überein-
stimmende Plateauklima von Armenien, Kurdistan und Aser-
beidschan geschildert und daraus die. Nothvvendigkeit künst-
licher Bewässerung für den Ackerbau abgeleitet, kommt er
wieder auf die winterlichen Schneeanhäufungen zurück, die
er jetzt ausdrücklich nur den Höhenzügen vindicirt: „daher,"
sagt er, „überall Unfruchtbarkeit, Verödung und Armuth, wo
entweder die Schneeberge" oder die durch sie gespeisten
Flüsse „fehlen" oder wo das Niveau der Irrigation hinderlich
ist (S. 289.). — Als Kulturpflanzen , die ein excessives Klima
ertragen, nennt W. auf der HochebenQ. am See Urinia in
348
Grisebach: Bericht ob d. Leistungen in d. geographischen
Aserbeidschan Baumwolle, Reis und Sesam, aber einjährigen
Gewächsen kommt ja nur die Sommerwärme zu Gute, ohne
dass die Winterkälte sie trifft : die Feige gedeiht daselbst nur
an geschützten Orten, aber die Weinkultur reicht an den
Ufern des Wan - Sees bis nahebei 5500' und wird selbst in
den „fast noch höher gelegenen Zabtliälern des Hakkarilan-
des^' mit trefflichem Erfolge betrieben (S. 2"0.) — Die Ge-
genden am Urmia-See erklärt W. für weit pflanzenärmer, als
das^ nordarmenische Randgebirge des Alaghes (S. 294).
Von Tur cza ni no w's Flora der Baikalgegenden (s.
vor. Jahre«;b.) erschien eine Fortsetzung ^7) : dieselbe enthält
die Scrofularineen (46 sp ) , Orobancheen (4 sp ), Gyinnan-
dra C' sp.), Labiaten (34 sp ).
Champion 98) hat eine Flora der chinesischen Insel
Hongkong zu pubiiciren begonnen : die Bestimmungen wur-
den von Bentham revidirt und die zahlreichen neuen Ar-
ten von dem Letzteren beschrieben ; die Ternstroemiaceen
bearbeitete Ch. besonders und las darüber in der Linnean
Society ^Q).
Uebersicht der Flora von Honfjkong: 3 Ranunculaceen (Clema-
tis), 1 üilleniacee (l)elima), 1 \Ia{inoliac«e (Talaunia), 5 Anonaceen
(Unona, Uvaria, Artabolrys) , 1 Schizandree (Kadsura) , 1 I ardissahalee
(Stauntonia), 3 MenispiMmeen (Cyclea, Hypserpa, INephroica), 1 Papa-
veracee (Argemotie), 1 Crucifere (Cardamine) , 2 Cftppatideen (Cappa-
ris), 1 Flacourlianee (Phoberos) , 3 Violaceen (Viola), 4 Polygaleen
(Saiomonia, Polygala) , 1 Droseracee (Drosera), 1 Pittosporum , 1 Ca-
ryophyllte ^Stellariaj , l Oxahs, 1 Linum, 5 Malvaceen ( Urena, Pari-
tiurn, Abehnoschus , Sida), 6 Slerculiaceen (Melicteres, Reevesia, Fir-
miana. Slerculia, Byltneria, Pterospermum), 8 Tihaceen (Corchoius, Tri-
umfeila, Grewia, Elaeocarpus, Friesia, tteplaca) , 14 Ternstroemiaceen
(Eurya, Cleyera, Ixionai)thes, Polyspora, Sehinia, Penlaphjlax, Cajnel-
lia, Thea), 3 Gultileren ((iarclnia, Calnphyllum), 2 Mypericineen (Hy-
pericum, Ancistrolobus) , 1 Malpighiacee (Hiplage) , 1 Acer, 1 Sapin-
dacee (Nepht lium), 6 Auranliaceen (Murraya, Cookia, Glycusmis, Scle-
rostylis), 2 Olacineen (Sehoepfia, Carisjera). I Cissus, 7 Riilaceen (Xan-
thoxylum, Boymia, Toddalia, Cyminosma), 1 Simarubee (Bruceaj.
5 Celaslrineen (Evonymus, Celaslrus) , 2 Staphyleaceen (Eyrea
s. u., Tuipinia), 1 Hippocralea, 6 Rliamneen (Paliurns, Venlilago, Ber-
chemia, Sageretia , Rhaninus, Aridro^lossum s. u), 2 Terebinthaceen
(Rhus), 1 Cennaracee (Rourea), 41 Leguminosen (Crolalavia, In-
digofera, iephrosiaj Zornia, Aegchynomtne, Uraria, PUioloma, l'byllo-
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 349
dium, Desniodiuni, Lespedeza, Neuslanthus, Miicuna , l'haseolus, Alyio-
sia, Pycnospora, Khyricljosia , Eriosema , Millelia, Dalbergia, Ijowringia
s. u. , ürnuisia , (juilandina , Caesalpina, Cassia , Phanera , Giediisclna,
Acacia, Albizzia), 7 Rosaceen (Eriobotrya, Tlioiinia, Uaphiolfpis, Kosa,
Kubus) , 2 Rhizophoreen (Kandelia, (.arallia) , 3 Dnagraiieen (Jussiaea,
Ludwigia, Goniocarpus , 2 Lythrarieen (Ämeletia, Lagerstroemia), 6 Me-
lastomacecn ( iNItlaslotna, üsbeckia, AHoniorpliia), 1 Meinecylon, 8 Myr-
tacetn (Baeckea, Syzygiui», Acmena, Janibosa, l'sidium, Khodoiriyrtus) ,
1 Homaliiite (HIatkvvellia) , 1 Passiflora, l ßegonia , 1 Crassulacee
(Bryophyllum), 2 Saxifrageen (Adamia, Itea), 2 Umbellileren (Hydioco-
lyle) , 2 Araiiaceen (Aralia , Paralropiaj , 2 Hedera, 3 Loianlhaceen
(Viscum , Loianlhus) , 3 Hamarnelideen (Rhodoleia , Liquidambar, Eu-
stigrnaV
6 Caprifoliaceen (Vibuinum, Lonicera) , 2 Corneen (Benthamia,
Marlea), 32 Rubiaceen (Adina, ihysanospermum s. u., Ophiorihiza,
Hedyolis, Scleromitrion, Olderilandia, Mussaenda, Gaidenia, Randia, I)i-
plüspora, Stylocorytie, Moiinda, Mephitidia, Guettardella s. u,, Cautiuum,
Ixora, Pavetla, Isjcholria, Paedciia, Boneria, Speiniaioce, Knoxiaj, ^0
Syna.ithereen (Cyanopis , Veir.onia, Eltphantopus , liiupatorium,
Asler, üiplopappuä, Erigeron, Lagenophora, Aniphirapis, Grangea, Blu-
mea, Siegesbeckia, VVollaslunia, Bidens, Anisopappus, Xanlhiuai, Pyre-
Ihrum, Pleiogyne, Arlemisia, Gnaphaliuni, Gyuura, Jjenecio, Sauäsurea,
Cirsium, Amsliea, Gerbera, Lacluca, Taiaxacum, Youngia, Einilia, hon-
chus;, 1 Mylidium, 4 Campanul.iceen (Piddingtonia , Lobelia, Platyco-
don, Uahlenbergia) , 1 Scaevola , 6 Ericeen (Vaccinium, Azaiea, Rho-
dodendron, Eiikyanthusj, 5 Ulriculaiia, 1 Primulacee (Lysimachia^, 11
iMyrsineen (Maesa, Enibelia, Samnra, Myrsine, Ardisia, Aegiceras , 1 Sa-
polee (Ni'leroxjlon), 3 El^e-'aceen (Rospidios, Diospyros), 4 Styraceen
(8ymplo(Os, Styrax) , 5 Hex, 3 Ulert<eeii ^Kiaxinus , Olea, Liguslrum),
2 JasminuMi , 12 Apocyneen (iVleiodinus , Leuconotis, Alyxia , Cer-
bera, Vinca, Slrophanlhus, Rhynchospcimum, Aganosma, Ecdysantheia,
Pottsia).
J D Hooker (vergl. vor. Jahresb. S. 49.) versuchte
von Sikhim nach Tlbel vorzudringen und wir verdanken ihm
auf's Neue bedi'utende Miüheilungen über den östlichen Hi-
nialajah '00) 10.3. d^^ l^OOü' (engl.) hohe Pass Donkiah-
Lah, der auf das sogenannte tibetanische Plateau , richtio-er
gesagt in die tibetanischen Hochtliäler fütirt, liegt im Norden
von Sikkim in der Nälie des Kunchin-junga, nordöstlich von
diesem höchsten bekannten Gipfel (Jaliresb. f. 1849. S. 41.)
unter 'i8'' N ßr. und 88« -iö' 0 L. (von Greenwich). Die
Aussicht auf die nördlichen Tliäler, deren durchschnittliche
Höhe zu 16OÜU' geschätzt ward, reichte etwa 12geogr. MeU
350 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
len weit, wahrscheinlich bis zur Wasserscheide zwischen dem
Ganges und Dsanibo. Diese Thäler waren mannigfach durch
nackte, felsige Höhenzüge gegliedert, die von geringer re-
lativer Höhe nur hier und da Schnee trugen, während die
hohen Gipfel neben dem Passe die grossartigste Schnee -
und Eislandschaft darboten. Nur die hohe Kette, welche
den Gesichtskreis nach Norden schloss , war tief herab mit
Schnee bedeckt. Der Unterschied der Schneelinie an den
beiden Abhängen des Passes war zwar nicht bedeutend, aber,
fasst man das ganze Alpensystem des südlich vorspringenden
Kunchin-junga in's Auge, so ist die Niveauverschiedenheit der
Schneegrenze zwischen Sikkim und Tibet durch die Werthe
von 15000' und 20000' auszudrücken, welche bereits von v.
Humboldt mitgetheilt wurden. Zwei Messungen in Sikkim
ergaben sogar nur 14700', die niedrigsten Schätzungen (Ihe
lowest mean level) für die Schneelinie in Tibet 19500' (28°
30' N. Br. und 88° 0. L. : Letter p. 27.). Da die Schneean-
häufungen des Himalajah von der Feuchtigkeit des tropischen
Windes abhängen, welcher von Süden her das Gebirge trifft,
so ist überhaupt keine zusammenhängende Kette von Schnee-
bergen vorhanden, sondern die letzteren sind die schneebe-
deckten südlichen Ausläufer jener schneearmen tibetanischen
Höhenzüge, welche zuletzt von einer noch höheren Kette,
als der eigentlichen Gebirgsaxe ausgehen, deren Niveau wahr-
scheinlich sogar die höchsten gemessenen Gipfel von Sikkim
übertrifft, wiewohl sie weit weniger Schnee trägt. Erst das
Thal des Dsambo , dem H. jedoch in diesem Meridian noch
eine Höhe von 14000' zuschreibt, gilt ihm als die nördliche
Naturgrenze des Himalajah. Diese Niveauschätzung gründet
sich auf Turner's Angaben über die Oktobertemperalur in
HIassa und auf die an der Grenze von Tibet eingezogenen
Nachrichten über die Kulturgewächse des Dsambothals, wel-
che auf eine weit bedeutendere Erhebung desselben schlies-
sen lassen, als v. Humboldt vermuthete (vergl. dessen Cen-
tralasien. Uebers. 2., S. 201.).
Der den Pässen von Sikkim zunächst gelegene Punkt
des Dsambothals scheint Digarchi zu sein und hier kommt das
Gelraide nur unter dem Schutze der durch Insolation erhitz-
ten Felsen der Painomthäler zur Reife, der Wallnussbaum
und systematischen Botanik Avährend des Jahres 1851. 35l
und der Pfirsich tragen keine reifen Früchte mehr und der
einzige einheimische Baum, eine Weide, wird nur 8 — 12 Fuss
hoch (Lett. p. Q6.). Auch in dem östlicher gelegenen Hlassa
reifen , wie chinesische Quellen irrig angaben , die Trauben
nicht, sondern werden eingeführt. Die einzigen Früchte des
Landes sind Pfirsiche und Wallnüsse ^ diese und die Wei-
den die einzigen Bäume. Erst, wo der Dsambo sich in je-
nen grossen Bogen an der Grenze von Assam durch waldi-
ges , von den ungastlichen Abor's bewohntes Gebirge zum
Brahmaputra wendet , wird das Klima warm und erzeugt
Maulbeerbäume, nach Einigen auch Reis. Im Osten von Bu-
tan giebt es lieine Schneeberge mehr und Juniperus wächst
bis zu den Gebirgskämmen. Im Norden des Dsambothals be-
ginnt nach H. eine salzhaltige, unvvirthbare Hochsteppe, die
man nicht wohl mit Lastthieren überschreiten kann. Dass zwi-
schen Hlassa und der Mongolei noch hohe Gebirgsrücken
und die schwierigsten Pässe vorhanden sind , ergiebt sich
aus Huc's Ilinerar.
Vegetation fand Hooker selbst auf den tibetanischen
Pässen,, über welche er einmal westlich vom Kunchin- junga
bis 28° 10' N. Br. vordrang, bis zum Niveau von 18500' (vgl.
Jahresb. f. 1849. S. 43.}. Krautartige Gewächse waren an ein-
zelnen Orten sogar häufig, die tibetanischen Gehänge über-
haupt pflanzenreicher, als die höchsten Thäler von Sikkim
diesseits der Pässe : Synanthereen bezeichnen den alpinen Ty-
pus Tibets, namentlich Gnaphalium, Artemisia, Erigeron und
Saussurea , mit ihnen Astragalus und die Valerianee Nardo-
slachys. Gesträuch von Lonicera und Rhododendrum reichte
über das Niveau von 17000' nebst Ephedra und Gnaphalien.
Bei 14000' waren Loniceren die häufigsten Slräucher, ver-
bunden mit Rosa und Berberis.
Thomson Cvergl. Jahresb. f. 1848. S. 44. u. f.) schrieb
eine Skizze über die Vegetation des Himalajah ^^^).
Strachey, der Begleiter Thomson's auf einem Theile
seiner Reise nach dem Küen-lün, hat ebenfalls seine Ansich-
ten über die physische Geographie und Vegetation des west-
lichen Himalajah mitgetheilt ^^^'). Er benutzt zugleich die
Beobachtungen seines Bruders H. Strachey, welcher das ti-
betanische Quellengebiet des Sutledsch genauer erforscht hat,
352 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Hier, unmittelbar im Norden der britischen Besitzungen, west-
lich von dem berühinlen Kailas-Gebirge (kaum 22u00' engl.)
ist wirklich eine Hochebene von etwa 24 geogr. Meilen Länge
und 3 bis 12 Meilen Breite imNiveau von 15 — 16000' nach-
gewiesen. Ueber die hohe Lage der tibetanischen Schnee-
linie bemerkt St., dass die Insolation ihm dabei wenig in
Betracht zu kommen scheine , und dass das Phänomen durch
den Einfluss des südlich vorliegenden Hiinalajah, welcher dem
tropischen Winde die Feuchtigkeit entzieht, vollständig er-
klärt werde ; allein beide Kinflüsse wirken, wie oben bei dem
armenischen Hochlande gezeigt wurde, in gleicher Richtung
zusammen, um die Trockenheit der Athmosphäre zu erhöhen.
— Für die obere Grenze der Vegetation im Norden der klein-
libetanischen Pässe giebt St. das Niveau von ITUOO' bis
18000' an, lügt aber hinzu, dass sein Bruder weiter nord-
wärts Pflanzen bis zu 19000' angetroffen habe Die übrigen
Mittheilungen über den Vegetationscharakter enthalten keine
neue Thatsachen.
Von den die einzelnen Pflanzenfamilien der indischen
Flora durch Abbildungen erläuternden Ulustrations of Indian
Botany VVight's (s. Jahresb. f. Ib45. S. 40.), welche von
seinem grösseren Kupterwerke (s. vor. Jahresb.) wohl zu
unterscheiden sind, ist der zweite Band 'O') vollendet, wel-
cher in De Candolle'scher Anordnung bis zu den Salvador a-
ceen reicht. — J. D. Hooker'"'') gab die zweite Abthei-
lung seines Kupferwerks über die Rhododendren von Sikkim
heraus (s. Jahresb. 1. 18-iM. S. 44.): dieselbe enthält ausser 10
neuen Tafeln eine systematische Bearbeitung von 43 aus Ost-
indien bekannten Arten dieses Geschlechts, von welchen der
Verf. 33 selbst entdeckt hat. — Dalzell '"^) setzte seine
Publikation über neue Pflanzen aus der Präsidentschaft Bom-
bay fort (s. vor. Jahresb). — Andersson 'o^) bearbeitete
die Salices Ostindiens: dies sind 2^ meist neue oder Wal-
lich'sche Arten des Himalajah; mit europäischen wurden iden-
dificirt S. viminalis, daphnoides var., Caprea und hastata, von
orientalischen S. babylonica : doch ist unter diesen nur ha-
stata als einheimisch zu betrachten (Syn. S. Hoylei Kl.). —
Kunze's letzte Arbeit '*^) war eine Abhandlung über die
Farne der Nielgherrics (ßi Arten nebst 12 Lykopodiaceen) ;
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 353
ßentham 'o^) no^ beschrieb die neuen Leguminosen und
Acanlhaceen der Melz'schen Sammlung aus diesem Gebirge.
Von Blume's Flora von Java'") wurden vier neue
Hefte ausgegeben (vergl. Prilzel Thes. bot. p. 24.): dieselben
enthalten Farne. -- Miquel ^'^) setzte seine Publikation
über ausgewählte Pflanzen aus dem niederländischen Indien
fort (s. vor. Jahresb. S. 53.) ; es sind in dieser zweiten Ab-
theilung Thymeleen , Palmen, Pandaneen , Gräser, Cycadeen
und Farne beschrieben, später auch Nachträge zu den Diko-
tyledonen hinzugefügt. — Auch Korlhals '*^) setzte seine
Miitheilung über die Rubiaceen des indischen Archipels fort
(s. vor. Jahresb. S. 54.) und de Vriese"^) bearbeitete
die daselbst vorkommenden Farne aus der Gruppe der Ma-
rattiaceen.
Zamardini '*5) beschrieb nach Portier's Sammlung
neue Algen aus dem rolhen Meere.
III. Afrika.
Ueber ägyptische Gräser erschien eine Schrift von Fi-
gari und de Notaris '''^). Nach den Sammlungen Figari's
begannen sodann Paria tore und Webb "'') einen kriti-
schen Catalog von Pflanzen des Nilgebiets zu bearbeiten, der
bis jetzt von den Nymphaeaceen bis zu den Capparideen
reicht (50 sp.) und von einer kurzen, pflanzengeographischen
Darstellung aus Figari's Feder begleitet ist, welche indes-
sen, in einem verworrenen Style geschrieben, nicht benutzt
werden kann: etwa der sechste Theil der Arten, besonders
aus Thebais und FazogI, war neu, und ist sorgfältig beschrie-
ben worden.
Kleinere Beiträge zur Flora von Algerien lieferten Cos-
son und Durieu'^^), so wie Soy er - Wi llemet und
Godron >'9).
Die Diamba- Pflanze, welche die Bewohner des westli-
chen Alrika's sowohl in Sierra Leone als in Congo rauchen,
ist nach Clarke '^o-^ nichts anderes wie Cannabis sativa,
welche nach Sir W. Hooker auch mit C. indica identisch
ist, die im Orient unter dem Namen Bang geraucht wird.
Jussieu -21) erstattete Bericht über eine kleine Samm-
Archlv f. NRturgesch. XV^III. Jahrg. 2. Bd. X
354 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
lung abyssinischer Pflanzen, welche von Rocher d' Hericourt
herstammt: dieselbe enthielt nur drei neue Arten, die Ri-
chard bei diesem Anlasse beschrieben hat.
Von Roth '22^ erschien eine Schrift über den Natur-
charakter des südlichen Abyssiniens. Die Küste von Adel
bildet bei Tadschura (lio N. Br.) eine bis zu dem Gebirge
reichende Terrasse von durchschnittlich 1500' Höhe, wo, wenn
sie nicht von Nomaden bewohnt wäre, an den in der Wüste
versiegenden Flüssen Ackerbau stattfinden könnte. Dann
folgt westwärts die Alpenlandschaft von Schoa. Aus mehre-
ren Parallelketten zusammengesetzt , welche durch Hochebe-
nen verbunden und besonders gegen den blauen Nil durch
tiefe , enge Thalschluchten gegliedert werden , erreicht das
Gebirge eine mittlere Höhe von 9000'; einzelne Gipfel sind
13000' hoch. Während im nördlichen Abyssinien Gneisse
und Schiefer auftreten , besteht das Gebirge von Schoa aus
Trachyt, dessen leichte Verwitterung in den Spalten und zwi-
schen Trümmern, welche die Gehänge bedecken, überall eine
niedere Vegetation hervorruft (S. lt.). Die längere Regen-
zeit von Schoa dauert vom Juli bis September , dann folgt
kühles Wetter; die kürzere Regenzeit, welche dem Sommer
vorausgeht, begreift die Monate Februar und März. Die Wüste
von Adel hat dagegen fast beständigen Nordostwind und da-
her wenig Niederschläge. Die Angaben über die Frühlings-
regenzeit stimmen mit den von Harris mitgetheilten nicht
wohl überein (vergl. Jahresb. f. 1844. S. 61).
Die botanische Physiognomie von Schoa findet R. be-
sonders durch den Mangel an Wäldern ausgesprochen, ob-
wohl es an Bäumen, auch an gesellig wachsenden, keines-
wegs fehlt. Dieser Mangel möchte auch hier durch die pla-
stische Gestaltung des Bodens zu erklären sein und schwerlich
ist des Verf.'s Meinung, dass die vernachlässigte Schonung der
Wälder die Schuld trage, und dass in den waldigen Ländern der
Gallas dem sorgsamen Sinne der Bewohner ein solcher Nalur-
gegensatz zuzuschreiben sei, gerechtfertigt. Denn wir wis-
sen, dass im Süden von Schoa die Regenzeit sich sehr be-
deutend verlängert. — Näher ist R. , . der sich zwei Jahre
lang in Schoa aufgehalten hat , hier nicht auf die pflanzen-
geographische Charakteristik des Landes eingegangen , son-
und systematischen Botanik wahread des Jahrea 1851. 355
dern hebt nur einige auffallende , bekannte Formen hervor.
Ueber den Cosso-Baum (Brayera anthelmintica) bemerkt er,
dass derselbe einzeln aut Wiesen oder Feldern zu wachsen
pflege und durch „seine dichotomische Verzweigung, die helle
Farbe der glatten Rinde, die grossen, zusammengesetzten
wolligen Blätter und lang herabhängenden ßlülhenrispen^^
nicht weniger, als das Rhynchopetalum zur malerischen Zierde
der Landschaft diene (S. 16.). Diese den Palmen im Wachs-
Ihum vergleichbare, in Schoa 15' hohe Lobeliacee (Jahresb.
f. 1845. S. 41.) , welche an den ßerggehängen häufig vor-
kommt, wächst in Gesellschaft von Haide, Rosen- und Ru~
bus-Geslräuch (Erica acrophya , Rosa abyssinica, Rubus ex-
succus). Die heisse Region ist neben Acacien und Tama-
risken besonders durch die 25 bis 30 Fuss hohe, blattlose
Euphorbia abyssinica ausgezeichnet. — Der Gelraidebau ist
so ergiebig und die Ausfuhr des Korns so erschwert, dass
man berechnet hat, ein Individuum könne, jeder anderen Nah-
rung beraubt, nicht eines Thalers Werth an Weizen in zwei
Monaten verzehren. Ausser der einheimischen Baumwollen-
art wird auch eine jährige Oelpflanze häufig gebaut, die Sy-
nantheree Guizotia oleifera.
Nach den Sammlungren von Fornasini haben Ber-
toloni, Vater ^^'O und Sohn ^^^), angefangen, einzelne neue
Gewächse aus Mozambique zu beschreiben. Ihre Bestimmun-
gen haben von Sir W. Hooker eine ungünstige Beurtheilung
erfahren (s. u.) : nach dem Letzteren ist das Ebenholz von
Mozambique eine Milletia, das Mafura-Oel das Produkt einer
Trichilia, das Guiguelto (eine Pflanzenbutter) stammt von einer
Combretacee, welche B. mit der von Park als Shea-Baum
bezeichneten Sapolee Bassia verwechselt hat. Die zur Ver-
giftung dienende Wurzel Guibolana ist von B. Plumbago to-
xicaria genannt. Die giftige Rinde Mari der Kailern ist nach
Sir W. H. wahrscheinlich identisch nul der Cassa- Pflanze
von Kongo, die R. Brown als Erythrophloeum bestimmt hat.
IV. Inseln des atlantischen Meers.
Heer's Briefe über die Vegelation von Madeira 20^
sind mir nicht näher bekannt geworden.
356 Grisebach: ßericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
V. Schlechtendal ^^^^ hat nach einer kleinen Samm-
lung, welche ihm Pabst von der früher auch von Wehb un-
berücksichtigt gebliebenen, Cap- Verdischen Insel Mayo mit-
theilte, einen Beitrag zur Flora dieses Archipels bearbeitet,
welcher kritische Bemerkungen enthält, aber keine neue Ar-
ten sicher unterscheidet.
R. Brown ^27-) sprach seine Ansichten über die Sar-
gasso - See aus. v. Humboldt hatte in seiner Reise den
Ursprung des im atlantischen Meere fluthenden Sargassum von
Florida abgeleitet und mit dem Golfstrom in Verbindung ge-
setzt, schloss sich jedoch später der Meinung Meyen's an,
dass dieses Gewächs , an Ort und Stelle entstanden , indem
es weder Früchte trägt noch Wurzeln besitzt, durch vegeta-
tive Seitentriebe sich fortpflanze. R. Brown bestreitet nicht,
dass durch diese Vermehrungsweise die Anhäufungen in der
Sargasso-See richtig erklärt werden: allein er trennt davon
mit Recht die Frage über die ursprüngliche Heimath des Ge-
wächses und neigt sich der älteren Humboldt'schen Ansicht
zu, indem das fluthende Sargassum mit keiner bekannten Art
genau zu identificiren sei , die Küsten des mexikanischen
Meerbusens aber nicht genau genug untersucht wären , als
dass nicht gerade hier die Pflanze fruklificirend vorkommen
könne. Die Hauptverschiedenheit vom Sargassum natans be-
steht darin, dass die Blätter nicht punktirt sind. Dies könnte
indessen , wie Br. sich äussert, vielleicht kein specifisches
Merkmal, sondern Folge der unterdrückten Fruchtbildung sein,
und in diesem Falle wäre die amerikanische Heimath des
Gewächses nachgewiesen.
V. Amerika.
Sir J. Richardson's Reisewerk ^^S) durch das bri-
tische Nordamerika bis zur arktischen Küste , worin er die
Erfahrungen früherer Jahre mit den Ergebnissen seiner neue-
sten Unternehmung zur Aufsuchung Franklin's zu einem Ge-
sammlbilde vereinigt hat, ist eine reichhaltige Quelle für die
Naturkunde jener nordischen Landschaften. Die Rocky-Moun-
tains, die im Quellgebietc des Athabaska (53° N. ßr.) noch
zu loOOO' ansteigen, scheinen sich gegen den öOsten Breite-
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 357
grad sehr rasch zu senken , da sie längs des grossen Mac-
kenzie-Thals nirgends mehr ewigen Schnee (ragen. R. schätzt
die Höhe der Kette unter 62° N. ßr. auf mindestens 3000'
(2. p. 162.): ist dies gegründet, so würde ihre Schneelosig-
keit auffallend sein, wenn nicht Do ve gezeigt hätte, dass im
Frühlinge die wärmste Stelle Nordamerika's auf die Rocky-
Mountains fällt und jener Breitegrad daselbst mit dem südli-
chen Norwegen gleiche Juliuswärme hat (vergl. Monatsiso-
thermen, S. 21.). Unmittelbar am östlichen Fusse der Ge-
birgskette beginnt hier jene grosse Tiefebene, die bis zum
atlantischen Meere reicht und in solchem Maasse durch Land-
seeen gefurcht wird, dass wahrscheinlich das Areal des süs-
sen Wassers grösser ist , als das des trocknen Bodens (2.
p. 171.). Die schiefe Ebene der südlichen Prairiecn erstreckt
sich nicht so weit nach Norden, sondern die Fläche ist vom
Mackenzie - Thale aus nur w^enig nach Nordosten , gegen die
Hudsonsbai geneigt.
In dem klimatologischen Abschnitte theilt R. einige Be-
obachtungen über die Südgrenze des ewig gefrorenen Bodens
mit, der im äussersten Norden Amerika's nicht bloss ein Spie-
gelbild der sibirischen Tundren hervorruft, sondern auch weit
in die Waldzone hinabreicht. Die Bäume schützen sich näm-
lich dadurch gegen die Kälte des Substrats, dass ihre Wur-
zeln, wenig in die Tiefe gehend , sich ausschliesslich in der
aufthauenden Bodenschicht ernähren und, wenn sie das Eis
erreichen, gerade wie wenn sie auf festes Gestein träfen,
seitwärts fortwachsen. In Yorks-Factory an der Hudsonsbai
(570 N. Br.) ist die gefrorene Bodenschicht 17'/2 Fuss dick
und längs dieser Küste hat man noch unter dem 56sten Brei-
tegrade das unterirdische Eis beobachtet. Im Inneren des
Landes dagegen, am Mackenzie, gegen dessen Thal die Iso-
thermen sich beträchtlich nach Norden krümmen, thaut der
Erdboden bei Fort Simpson (62° N. Br.) im Sommer fast 1 1
Fuss tief auf und unter dieser aufgethauten Schicht erhält
sich das Eis in einer nur 6 Fuss dicken Lage (10' 7" of
thawcd soil, 6' 3" of a permanently frozen layer: Beobach-
tung aus dem October 1836. 1. p. 166.). Diese durch den
Verlauf der Isothermen ausgedrückte Verschiedenheit zwi-
schen dem Osten und Westen des britischen Nordamerika's
358 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
hat schon Forster, auf Mackenzie's Reisen fussend, erkannt:
Dove weist, um sie zu erklären, auf den arktischen Meeres-
strom hin , welcker an der Ostküsle von Grönland vorüber
die sibirischen Eisberge zuletzt in die Hudsonsbai treibt.
Diese Küsten, abgekühlt durch deren Schmelzungsprocess,
nennt er daher die Länder des kalten Frühlings. Aber noch
andere Momente bieten sich dar, zu diesem Ergebnisse mit-
zuwirken. Der Nordostwind weht hier über die grossen, von
Eis umgürteten Inseln des Polarmeers, die ebenso sehr, wie
die Kontinente in der heissen Zone Centra der Hitze, mit
dem offenen Polarmeere verglichen , Mittelpunkte der Kälte
sind. Das Cap Bathurst, in dessen Meridian dieser dicht ge-
drängte Archipel endigt , ist nach R. eine wahre Wetter-
scheide oder ein klimatischer Grenzpunkt, westwärts an den
frei geöffneten Golf der Mackenzie-Mündung grenzend, nach
Osten hingegen auch im Sommer fast vollständig durch Eis-
bänke mit den Inseln an der Barrowstrasse verbunden. Ebenso
deutet auch das Kältemaximum im östlichen Sibirien , von
dessen Einfluss auf die Vegetation sogleich die Rede sein
wird , auf die Lage und Grösse eines Polarlandes im Nord-
osten dieses Kontinents. Für die weiter südöstlich gelege-
nen Gegenden des arktischen Amerika's möchte ich endlich
auch noch auf die geographische Lage der Hudsonsbai ein
besonderes Gewicht legen. Die niedersinkenden , auf das
Maximum ihrer Dichtigkeit abgekühlten Schichten ihrer Ge-
wässer können hier nicht wie im offenen Ocean , nach Sü-
den, nach der heissen Zone abfliessen , und am Grunde der
Bai ist daher stets eine auf das angrenzende Festland wir-
kende Kältequelle vorhanden, welche die Wärme des Som-
mers nicht auszugleichen vermag. Ein solcher nach Süden
verschlossener Meerbusen verhält sich für die Temperatur
seiner Umgebungen ähnlich wie ein Süsswassersee, die Hud-
sonsbai aber ist grösser als alle nordamerikanische Seeen
zusammengenommen und deshalb ist auch die erkältende Wir-
kung ihrer Gewässer die grösste.
Es ist bekannt, dass die Vegetationsgrenzen und nament-
lich die Polargrenze der Wälder ebenfalls jeneVerschieden-
heit östlicher und westlicher Meridiane in Nordamerika be-
urkunden» Schwieriger atter ist es, wenn man die Werthe
und systematiscken Botanik während des Jahres 1851. 359
aus verschiedenen Kontinenten zusammenstellt, zu erklären,
weshalb die Kulturgrenzen am Mackenzie, eine nördlichere
Lage behaupten, als im östlichen Sibirien. Zu Fort Simpson
wird die Gerste regelmässig zwischen dem20sten und 25sten
Mai gesäet und reift gegen den 20sten August, nach einer
Entwickelungszeit von beiläufig 92 Tagen; Hafer kommt
nicht mehr gut fort und Sommerweizen gar nicht. Bei Fort
Norman (6oo N. Br.) giebt die Gerste in günstigen Jahren
ebenfalls noch eine gute Erndle, auch Kartoffeln und ver-
schiedene Küchengewächse werden daselbst gezogen (I. p.
165.)- Die Versuche des Ackerbaus, welche man zu Fort
Good Hope (67° N. Br.) anstellte, sind dagegen fehlgeschla-
gen und aus diesen Erfahrungen zieht R. den Schluss, dass
im Meridian des Mackenzie der 65ste Parallelkreis als Polar-
grenze des Getraidebaus zu betrachten sei. Hierbei ist zu
bemerken, dass dieser Grenze eine mittlere Juliuswärme von
lO^R. entspricht und dass auch in vielen anderen Meridianen
dieselbe Monatsisotherme für die Möglichkeit des Getraide-
baus charakteristisch zu sein scheint. Denn sie durchschnei-
det nach Dove's graphischer Darstellung das südliche La-
brador und Newfoundland, berührt die Südküste Islands und
trifft Lappland in der Nähe des 70sten Breitegrads: womit
die Erfahrungen im Einklänge stehen, dass jenseits dieser
Linie weder zu Nain in Labrador , noch in Island Getraide
gebaut werden kann und dass die Grenze des lappländischen
Ackerbaus ebenfalls auf den TOsten Parallelkreis fällt. Al-
lein im östlichen Sibirien scheinen ganz andere Bedingun-
gen der Vegetation stattzufinden. Jene bezeichnende Julius-
isotherme berührt hier die Mündung der Lena unter demsel-
ben TOsten Breitegrade: die äusserslen Spuren des Acker-
baus im Meridiane dieses Stroms, früherhin sogar auf die
südlichen Landschaften Sibiriens beschränkt, finden sich auch
gegenwärtig nachErman schon bei Jakuzk unter dem 62sten
Parallel. Dieser Thatsache gegenüber ist R.'s Erklärung der
nordamerikanischen Getraidegrenze (2. p. 258.) nicht als er-
schöpfend anzusehen. Er bemerkt zwar mit Recht, dass die
niedrige Mittelwärme Nordamerika's vorzüglich von der ex-
cessiven Winterkälle abhängt, nicht von der Temperatur des
Sommers, und fügt hinzu, dass, da der Getraidebau im ho-
360 Grisebach: Bericht üb, d. Leistungen in d. geographischen
hen Norden nur eine bestimmte Sommerwärme in Anspruch
nehme, der strenge Winter die Kultur nicht beeinträchtige:
aber an der Lena ist der Sommer viel wärmer, als am Macken-
zie und doch scheint die Getraidegrenze dort um drei Brei-
tegrade nach Süden zurückzutreten, statt dass sie fünf Brei-
teffrade weiter nach Norden rücken sollte. Man hat die
Meinung geäussert, dass bei Jakuzk in der That die klimati-
sche Getraidegrenze noch nicht erreicht sei und dass nur
die Abneigung der nördlicher lebenden Nomaden gegen
feste Wolmsitze den sibirischen Ackerbau zurückhalte. Allein
die gefrorene Bodenschicht ist in diesen Gegenden ungeach-
tet der höheren Sommerwärme nicht bloss stärker, sondern
thaut auch minder tief auf, als in Amerika : bei Jakuzk wa-
ren nach Erman die Ackerfelder im Sommer nur bis zur
Tiefe von 3 Fuss vom Eise befreit , unter gleicher Polhöhe
am Mackenzie, wie oben bemerkt, beinahe 11 Fuss tief.
Wollte man hiebei an eine verschiedene Bodenbeschaffenheit
denken, so sprechen weit entscheidender die Beobachtungen
Middendorf's, der zu Jakuzk den Boden bis zur Tiefe von
670' gefroren fand und die Südgrenze des unterirdischen
Eises an der Lena bis zum 58sten Breitegrade verfolgte. Am
Jenisei, wo der Sommer minder warm ist, als an der Lena,
reicht dieselbe nur bis zum 66sten Parallelkreise : die Meri-
diane beider Flüsse verhalten sich daher in Bezug auf die
Eislinie, die im Sommer den Boden mit Wasser von 0° durch-
feuchtet, gerade wie in Amerika der Mackenzie zu den Kü-
sten der Hudsonsbai. Eine dem Gefrierpunkte nahe liegende
Bodenwärme wirkt noch unmittelbarer auf die Dauer vege-
tativer Entwickelung, als die Werlhe der Sommer- oder Ju-
liuswärme. Es scheint aber auch zugleich , dass in Sibirien
grössere Unregelmässigkeiten in der Temperaturkurve des
Sommers enthalten sind: wenn dessen höhere Wärme an
das Vorwalten der Polarströmungen in der Alhmosphäre ge-
knüpft ist, so werden auch die durch die Tageszeit bewirkten
Temperalurschwankungcn grösser sein, späte Fröste und rauhe,
nächtliche Winde das Pflanzenlebcn .auf eine engere Phase
einschränken. Von Nordamerika dagegen wissen wir, dass
im Sommer eine südwestliche Windesrichtung vorherrscht,
welche durch Bedeckung des Himmels zwar diu Wärme mäs-
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 36l
sigt, aber schädliche Schwankungen der Temperatur an den
äussersten Grenzen der Gelraidezone verhindert.
Ueber die Berührungslinien der drei grossen Vegela-
tionsgebiete Nordamerika's diesseits der Rocky -Mountains,
der Walder, der Prairieen und der arktischen Tundren ver-
danken wir Ricliardson einige schärfere Bestimmungen. Man
nahm im Allgemeinen an, dass die westlichen Prairieen sich
nach Norden nicht weit über die Quellen desMissisippi hin-
aus erstrecken. R. aber behauptet in seiner allgemeinen
Darstellung des britischen Amerika's, dass diese waldlosen
Ebenen, vom Missouri aus aümälig verschmälert , nordwärts
längs der Kette der Rocky-Mountains in einen Keil auslaufen,
dessen Gipfel unter dem öOslen Parallelkreise liege (2. p.
271.). In dieser Angabe aber scheint eine Ungenauigkeit
untergelaufen zu sein: denn in seinem Reiseberichte sagt R.
ausdrucklich, dass die letzten Prairieen am oberen Stromlaufe
des Hay River, der sich in den Sklavensee ergiesst , und
zwar oberhalb der Gabelung dieses Flusses, also etwa unter
öfi*^ N. Br. sich finden (Hay River is formed of two bran-
ches Hay River Fort, now abandoned, slood at thc junction
of the two on the eastern brauch, thecountry is an agreeable
mixiure of prairie and woodland, and this is the limit of Ihose
vastprairies which extend from New Mexico — below the forks
of Hay River the counlry is covered with a forest intersected
by swamps l.p. 157.). Aber auch dieser Auffassung möchte
keine ganz zutreffende Vorstellung von dem Naturcharakler
des Landes zu Grunde liegen. Da nämlich die Flussthäler
der Prairieen von Waldlinien umsäumt sind und da auf je-
nem keilförmig vorspringenden Gebiete eine dichtgedrängte
Reihe von Flüssen dem Gebirge entströmt, die auf weiten
Strecken gesondert bleiben und also ebenso viel gesonderte
Waldlandschaften hervorrufen, so bleibt hier für die Entfal-
tung der Prairieenvegelation ein verhältnissmässig kleiner
Raum übrig. R. bemerkt auch selbst, das am Saskatchawan
die Prairieen noch deullich ausgebildet sind , nördlich von
diesem Flusse aber durch die zahlreichen waldigen Flussthä-
ler oft unterbrochen werden. Demnach hätten wir den Sas-
katchawan oder, wie schon Fremont sie bestimmte, den54sten
ßreitegrad, d. h. dieselbe Polhöhc^ unter welcher die russi-
362 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
sehen Steppen an der Wolga aufhören, auch in Nordamerika
als die eigentliche Naturgrenze der Prairieen anzusehen und
können die jenseits vorkommenden, analogen Vegatationsbil-
dungen mit jenen Prairieen-Inseln vergleichen , die östlich
vom Missisippi mitten im Waldlande der vereinigten Staaten,
in Illinois und sogar noch in Alabama vorkommen. Aus
diesem Verhältniss, welches sich ebenfalls am Aussenrande
der russischen Steppen, im östlichsten Winkel von Galizien
wiederholt, ist es klar, dass charakteristische Prairie- Pflan-
zen oft weit über die Grenze der Prairieen tief in die Wald-
gebiete vordringen. Ein ausgezeichnetes Beispiel dieser Art
ist die Cactusform, welche R. nordwestlich vom Lake supe-
rior in Oberkanada, am Rainy River und am Lake of the
woods antraf. Er nennt die ArtOpuntia glomerata, bei den
Voyageurs heisse sie Crapaud verd (2. p. 279.) : wahrschein-
lich ist 0. missouriensis gemeint.
Das Gebiet der arktischen Tundren begreift die von Es-
kimo's bewohnten Landschaften jenseits der Baumgrenze.
Die Grenze der Wälder, hier überall dem Verbreitungsbe-
zirke von Abies alba entsprechend, beginnt nach R. an der
Küste der Hudsonsbai zwischen dem fiOsten und 61 sten Brei-
tegrade, folgt sodann einer nordwestlichen Richtung und er-
reicht in der Nähe des grossen Bärensees den 67sten Pa-
rallelkreis, unter welchem sie auch die Rocky Mountains
durchschneidet: nur der Mackenzie bewahrt an seinem Ufer
einen schmalen Waldsaum fast bis zur Küste des Eismeers
({390 N. Br.) , hierin den arktischen Strömen Europa's glei-
chend. Am Mackenzie erstrecken sich demnach die Wälder
in fast ebenso hohe Breiten, wie am Jenisei in Sibirien:
höchst bemerkenswerth und wohl nur durch die verschiede-
nen Baumarten erklärlich ist die Erscheinung, dass nach Wrän-
get die Baumgrenze an der Lena noch weiter nach Norden,
bis zum 7loN. Br, reicht und erst weiter ostwärts gegen die
Beringsstrasse sich allmälig zum Polarkreise senkt (vergl.
MiddendorlF's Bestimmung der Grenze von Larix daurica an
der Boganida unter 17'/2° N. Br. im Jahresb. f. 1847. S. 37.
und Seemann's Beobachtung, nach welcher im Tschuktschen-
lande die Wälder schon unter 64° N. Br. aufhören, im vor.
Jahresb-. S, 61.)^ — A^if <icn amerikniiisrhcn Tundren wei-
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 3ö3
flet der Bisamstier, ohne die Wälder zu betreten, das ganze
Jahr tiindurcli und ist also im Winter sl('i<li dem Uennthier,
ungeachtet seines grossen Nahrungsbediirfnisses auf die un-
ter dem Schnee verborgenen Ueberbleibsel der Vegetation
angewiesen. Hierüber macht R., indem er die Thatsache fest-
stellt, zugleich eine feine Bemerkung. Er sagt, da der Win-
ter in den Tundren ganz plötzlich eintrete, so werde dadurch
der für die Thiere wichtige Zweclv erreicht, die Saite der
Gräser und anderer Gewächse im Gewebe festzuhalten und
zu erstarren, so dass sie bis tief in den Frühling hinein ihre
nährenden Eigenschaften, auch ihre Früchte und Samen be-
wahren, ohne dass die Organe herbstlicher Fäulniss oder
dem Verdorren im Winter Preis gegeben sind ; die Beeren tra-
genden Zwergsträucher der arktischen Zone , die Vaccinien
und Empetrum, die im Ueberfluss zwischen den Erdlichenen
wachsen, bieten ihre Früchte nicht bloss im Herbste dem Bä-
ren und den vorüberziehenden Polargänsen , sondern diesel-
ben erhalten sich in völlig unverändertem Zustande unter
dem Schnee, bis der Boden unter den Sonnenstrahlen des
Sommers trocken wird und nun sofort die neuen Blüthen
sich entfalten (1. p.3l9.). — Den Vegetationscharakter der
Tundren Nordamerika's erklärt R. mit denen Sibiriens für
durchaus übereinstimmend, allein uach seiner Darstellung fehlt
hier diePolytrichum-Tundra desTaimyrlandes und wird durch
eine Formation von Erdlichenen, wie in den skandinavischen
Gebirgen, vertreten, indem die Erdkrume das arktischen Ame-
rika's dem festen Gesteine näher ist und der Detritus des
Granits die Veo^etation der Cornicularien und Cetrarien be-
günstigt. Die von R. unterschiedenen Formationen sind fol-
gende :
1. Die Liehe n en-Tu ndra , gebildet aus Cornicu-
laria (nämliche, tristis, divergens, ochroleuca u. pubescens)
und Cetraria (C. cucuilala u. islandica). Diese Erdlichenen
wachsen auf dem lockeren granitischen Detritus ihn bedek-
kend für sich : auf einem Boden von festerem Zusammen-
hange mischen sie sich mit niederliegenden Zwergsträu-
chern, deren verkürzte Zweige kaum aus dem Lichenenteppich
hervorragen (they lie close to the soil , their stems short,
Iwisted and concealed, wilh only the sumniits of tfae branches
364 Grisebach: Bericht üb. d, Lestungen in d. geographischen
showing among mosses or lichens 2. p.276.). Die Zwerg-
sträurher sind : Rhododendron lapponicum , Kalmia glauca,
Vaccinium uliginosiim, Empetrum, Ledum palustre, Arctosta-
phylos iiva ursi, Andromeda letragona und Salices.
Q. Die arktische Stauden formalion entwickelt
sich an feuchteren Hügelgehängen , ein lebhaftes Gemisch
von Saxifragen, Pedicularis und Pritnula, oder an der See-
küsle, den Sandboden bezeichnend durch Pisum maritimum,
Polemonium coeruleum, A^tragalus, Artemisia, Phlox und Do-
decalheon.
3. Die Wiesen, den sibirischen Laidies entsprechend,
bilden sich in geschützter Lage, namentlich an der Seeküste
aus. Die herrschenden, demnach wie in Lappland hochwüch-
sigen Gräser sind: Elymus mollis , Spartina cynosuroides,
Calamagrostis stricla, Colpodium, Poa: sie wachsen mit Cy-
peraceen (Carex-Arlen) gemischL
4. Die Formation der au fr e cht e n, hohen Sträu-
cher ist auf die Fiussufer eingeschränkt und besteht vorzüg-
lich aus Salix speciosa. Hier werden auch alte, verwitterte
Ueberreste von Bäumen (very ancient stumps of trees) zu-
weilen gefunden, die auf eine veränderte Lage der Baum-
grenze hinzudeuten scheinen.
Das Waldgebiet wiederholt genau den Typus der Natur
des skandinavischen und russischen Nordens, ein unermess-
licher Bestand von Nadelhölzern, den nur der Wasserspiegel
der Flüsse und Seeen unterbricht, vom Polarkreise bis zu den
Prairieen und zu den Laubwäldern des Südens. Um das Ei-
genthümliche amerikanischer Natur in diesen Waldlandschaf-
ten aufzufassen, dazu bedarf es des Eingehens in eine fei-
nere botanische Charakteristik derBaumarlcn und der in ih-
rem Schatten wachsenden Gewächsformen. Die europäischen
Nadelhölzer werden hier durch verwandte, selbst in den Be-
dingungen ihres Vorkommens entsprechende Arten vertre-
ten, so als herrschende Bäume die Tannen durch Abies alba
und nigra , auf sandigem Boden die Kiefern durch Pinus
Banksiana, auch die Lärchen und der Taxus durch Larix
americana und Taxus canadensis. Wie in südlicheren Brei-
ten der nördliche Coniferengürtel allmälig allgemeiner Laub-
hölzer aufzunehmen anfängt, so treten dieselben bereits aii
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 365
den südlichen Seeen des britischen Nordanierika's zu gros-
sen Gehölzen von Eichen, Uhncn , Eschen und Ahorn zu-
sammen und diese sind es , die nebst dem Laub tragen<lcn
Gesträuch in dem vielgerühmten kanadischen Herbste durch
die sich langsam entfärbenden Blätter einen Reichlhum von
schönem Detail verleihen , einen Schmuck der Farben , der
sich dem Reisenden in der üppigen Vegetation am Rainy Ri-
ver durch alle Nuancen des Orange und Roth auf das Man-
nigfaltigste darbot (I. p. 70.)- Aber jenseits des Saskatcha-
wan (54° N. Er.) hören diese Laubhölzer auf und nun ist über
mehr als zwölf ßreitegrade die weisse Tanne fast in aus-
schliesslichem Besitze des Bodens: nur die üferwaldung bil-
det in dieser düsteren Monotonie einen Wechsel, sie erzeugt
neben Pinus balsamea auch Laubhölzer, Weiden, Erlen und
Pappeln (Populus balsamifera und tremuloides: letztere sprosst
auch an der Stelle von durch Waldbrand zerstörten Tannen-
beständen). Aus Weidensträuchern besteht auch vornehm-
lich das Unterholz, welches diese Tannenw^älder des Nordens
charakterisirt und sie oft undurchdringlich macht, oder, wie
R. sich malerisch ausdrückt, nebst den gefallenen und sin-
kenden Stämmen vergangener Zeiten den Schritt des weis-
sen Mannes aufhält, während der schmächtige, gewandte In-
dianer durch das verwachsene Dickicht mit geräuschloser,
geisterhafter Leichtigkeit hindurchgleitet , unbekümmert um
die Wolken verfolgender Muskitos, von denen die Luft er-
füllt ist (2. p. 273.).
Folgt man dem Itinerar des Verf. , so stellt sich die
allmälige Veränderung des Waldcharakters bestimmter her-
aus. Am granitischen Nordgestade des Lake Superior bestand
der Nadelwald aus Abies alba und balsamea , Pinus strobus
und Larix americana, aber gemischt mit Betula papyracea,
und am Wasserspiegel mit Acer montanum und Cornus alba;
3_4' hohes Unterholz wurde aus Taxus canadcnsis gebildet;
die Buche hatte hier das südliche Ufer des Sees nicht über-
schritten, aber die niedrigen Sandsteininseln trugen reinen
Laubwald aus Pappeln und Ahorn mit Rosaceensträuchern
(Spiraea, Crataegus, Pyrus, Prunus) (1. p. 56.)- — Auf dem
Wege vom Saskatchawan (04°) nach Methy Portage (57o)
enthielt der bereits aus der weissen Tanne gebildete Wald
366 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
ausserdem noch Birken , Weiden , Espen , Erlen, Balsampap-
pein und hier und da Lärchen (I. p. 81.); an sandigen Fluss-
ufern war Pinus Banksiana häufig und im Gesträuche des
Waldes wurden Amelanchier, Cerasus , Elaeagnus argentea
und Shepherdia angemerkt (I. p. 117.). — Am Slave River
(600) herrschte ebenfalls Abies alba , feuchte Niederungen
umgab A. nigra, Pinus Banksiana war auf einzelne Sandstrek-
ken beschränkt, Populus balsamifera und Iremuloides nur auf
die Flussufer; das Unterholz bestand nun jschon aus Salix-
Arten , ohne dass indessen andere Gesträuche völlig ausge-
schlossen wären (1. p. 136.). — Im Mackenzie -Thale blieb
der Waldcharakter unverändert : die Stämme der weissen
Tanne hatten etwa 4 — 5' im Umfange, 2 — 300jährige waren
60' hoch, eine der grössten mass 122'; das Ufer begleitete
ein Salicetum , besonders aus Salix speciosa gebildet; unter
dem Weidengesträuche fanden sich noch Amelanchier, Elaeag-
nus argentea und Shepherdia ; einzelne schön blühende Stau-
den erregten die Aufmerksamkeit, wie Hedysarum boreale
und Mackenzii, auf Kalkgerölle Dryas Drummondii und An-
drosace, im Walde Calypso und Cypripedium (1. p. 199.). —
Die Deltainseln des Mackenzie waren noch von Abies alba und
Populus balsamifera umsäumt; unter 68° N. Br. blieben die
weissen Tannen noch 40 — 50' hoch; unter 68y20 war das
Flussufer noch reichlich bewaldet^ Betula papyracea daselbst
häufig, die ßalsampappel und Erle (Alnus viridis Fl. amer.)
20' hoch^ Salix speciosa über 12', daneben Gesträuch von
Ribes rubrum, Vaccinium Vilis , Rosa blanda, Kalmia glaiica,
von Slauden Rubus chamaemorus , JN'ardosmia palmata, Lupi-
nus perennis; unter 68^55' endlich verschwanden die Bäume
plötzlich: nun blieben nur noch einige verkrüppelte Tannen
und Birkcnslräucher (Belula papyracea) übrig (1. p. 225 u. t.).
Von nutzbaren, einheimischen Gewächsen des nordi-
schen Amerika's hebt R. gelegentlich folgende hervor : Actaea
alba (racine d'ours) als Stomachicum gebraucht (!• P-ÖJ^Oj
Hedysarum boreale hat eine essbare Wurzel, wird aber leicht
mit dem giltigen H. Mackenzii verwechselt (I. p. 220.) ; Sium
lineare (queue de rat) liefert gleichfalls eine essbare Wur-
zel, ebenso nicht selten mit Cicuta verwechselt (1. p. 81.);
Heuchera Richardsonii und Ledum palustre, als adstringirende
und geographischen Botanik während des Jahres 1851. 367
Mittel im Gebrauche (das.): Hydropyrum esculentum (folle
avoine , wild rice) , als Nahrungspflanze den Indianern die-
nend, kommt nordwärts nur bis zum Lake Winipeg vor, wo
zug-leich der Hopfen und mit ihm alle Lianen in den Wäldern
aufhören (I. p. 69.).
Uebersicht der von R. beobachteten Pflanzen-
grenzen.
A. Kulturgrenzen. Mais — öl«; Weizen — 60° 5' bei Fort
Liard, 4 — 500' hoch an einem westlichen Zuflüsse des Mackenzie, om
Kusse der Rotky-Älounlains gelegen ; Gerste und Kartoffeln — 65'' ; Uü-
ben (turnips) noch zu Fort Good Hepe (67°) gebaut, am Feel's River
dagegen ist der Anbau fehlgeschlagen.
B. Polargrenzen der Ho Iz gewäch se.
Clematis virginiana — 54° (Saskatchawan).
Hudsonia tomentosa — 57<> (Clear Water River).
Tilia americana — 50° (Lake Winipeg).
Acer spicatum — 50° (River Winipeg); A. saccharinum, nigrum,
pennsylvanicum und macrophylluni — 50° (Lake Winipeg) ; A. rubrum
— 53° (Rocky Mountains, am L. Winipeg nur bis 50°); A. dasycar-
pum — 46'^ (Huronensee) ; Negundo fraxinifolium — 54'^ (Saskatcha-
wan: liefert den meisten Zucker, der hier verbraucht wird).
Ampelopsis quinquefolia — 50°; Vitis riparia — 50°.
Zanthoxylon americanum und Ptelea Irifoliata — 46° (Canada und
Wiskonsin).
Celaslrus scandens, Evonymus atropurpureus, E americanus und
Staphylea trifolia — 47° (Südufer des Lake Superior).
Rhamnus alnifolius — 58°; Ceanothus americanus — 47° (Lake
Superior).
Rhus Toxicodendron , aromaticum und glabrum — 54° (Saskat-
chawan); Rh. typhinum und venenatum — 47° (Lake Superior).
Robinia pseudacia, Gymnocladus can^densis , Cercis canadensis
und Cassia chamaecrista — 46» (Canada und Wiskonsin).
Prunus americana — 50° (River Winipeg, aber nach A. Gray bis
zum Saskatchawan, also 54°); Cerasus virginiana — 67° (Polarkreis);
C. serolina — 620 (Great Siave Lake); C. pumila — 57« (Elk River);
C. pensylvanica — 54° (Saskatchawan); Spiraea srtlicifolia — 62o; Sp.
opulifolia — 50° (Red River) und tomentosa — 50° (Lake Winipeg);
Purshia tridentata — 49°; Potentilla fruticosa — 70° (Seeküste); Ru-
bus triflorus — 68° (die Südgienze von R. chamaemorus, arcticus und
acaulis wurde unter 53° beobachtet) ; R. odoratus, nutkanns, strigosus,
368 Grisebach; Bericht üb, d. Leistungen in d. geographischen
occidentalis und frondosus (= suberectus R.) — 54'' (Saskatchawan) ;
K. canadensis , hispidus und villosus — 470 ^Lake Superior und Huro-
nensee); Rosa blanda — 09^ (Älackenzio) ; R. Woodsii und cinnamo-
mea (= majalis R.) — 62° (Mackenzie) ; R. setigera — 47^' (Seeen) ;
Crataegus cordala und glandulosa — 54<^ (Saskatchawan); C. coccinea
— 47" (Seeen); Pyrus arbulifolia — 54o (Saskatchawan; Sorbus ame-
ricana — 60" (Fort Liard) ; Amelanchier canadensis — 67« (Raum-
grenze).
Ribes rubrum — 70° (Arktische Küste); R. lacustre 69" (Ma-
ckenzie-Delta) ; R. Hudsonianum — 67°; R. Cynosbati , oxyacanthoi-
des und hirtelhun — 62» (Slave Lake); R. prostratum — 59° (Alha-
basca) ; R. floridum — 54''; R. divaricatum — 52"; R. rotundifolium
— 47« (Seen).
Panax horridum : Kordostgrenze am oberen Saskatchawan = 54".
Cornus stolonifera (= alba R.) — 69" (Mackenzie) ; G. circinata
— 47" (Lake Superior) ; C. sericea und florida — 47" (Seeen).
Arceulhobium americanum — 57".
Sambucus pubens — 59": S. canadensis — 54" (Saskatchawan);
Viburnum üpulus — 68"; V. acerit'olium — 62" (Slave Lake); V. edule
— 57" (Elk River); V. nudnm und Lentago — 54« (Saskatchawan);
V. prunifolium — 47" (Seeen) ; Lonicera coerulea — 67" (Polarkreis);
L. parvitlora — 55"; L. ciliala — 54" (Saskatchawan); L. hirsula — 47"
(Huroncnsee) ; Diervilla canadensis — 55" ; Symphoria racemosa und
occidentalis — 60".
Andromeda polilolia — 70" (Arktische Küste) ; Cassandra calycu-
lala — 62"? (Mackenzie); die Südgrenze von Cassiope tetragona bei
45" (Mount Hüod) ; Lyonia ligustrina — 54" (Saskatcliawan); Arcto-
slaphylos uva ursi — 70" (Arktische Küste); Epigaea repens 54" (Sas-
katchawan); Gaultheria procumbens — 50" (Lake of Ihe woods) ; Loi-
ria procumbens — 70" (Arktische Küste) ; Azalea viscosa — 47"
(Lorenzfluss) ; Rhododendron lapponicum — 70" (Arktische Küste); Kal-
mia glauca — 70" (Arktische Küste) ; K. latifolia und angustifolia (Lake
Superior und Lorenzfluss); Ledum palustre ~ 70" (Arktische Küste);
L. latifolium — 67" (Baumgrenze) ; Chimaphila umbellata — 50", in
den Rocky Mountains — 53" ; Vaccinium Vitis idaea und uliginosum
— 71" (Seeküste); V. üxycoccos und canadense — 67" (Polarkreis);
V. myrtilloides — Hudsonsbay; V. caespitqsum — 57"; V. macrocar-
pum — 54" (Saskatchawan); V. pennsylvanicum — 50" (Winipeg) ; V.
torymbosum — 47" (Canada) ; Phalerocarpus serpyllifolius — 55".
Fraxinus americana — 54" (Saskatchawan); F. pubescens — 49"
(Rainy River).
Empelrum nigrum — 70" (Arktische Küste).
Elaeagnus argentea — 68"; Shepherdia canadensis — 68"? (Mack-
enzie).
und systematischen ßot<inik während des Jahres 1851. 369
Dirca palustris — 50«^ (Lake of the woods).
Ulmus americana — 54° (Saskatchawan) ; Ccllis occidentalis —
47*^ (Lake Superior).
luglans nigra und cinerea, Carya alba, amara und glabra — 47°
(Lake Superior).
Quercus alba, rubra und oblusiloba — 50° (Winipeg) ; Q. ma-
crocarpa — 49° (Rainy Uiver) ; Q. lincloria , ßanistcri, hicolor, I'rinos
und palustris — 47« (Seeen); Fagus ferruginea — 47" (Huronensee) ;
sporadisch — 50" (Lake Winipeg) ; Oslrya virginica — 50° (Winipeg);
Corylus auiericana und rostrata — 54° (Saskatchawan).
Alyrica (iaie — 67° (Polarkreis) ; Complonia asplenifolia — 5i°
(Saskatschawan).
Belula nana — 70° (Arktische Küste); B. papyracea — 69°, jen-
seits der Baumgrenze strauchartig; B. pumila — 68° (Mackenzie) ; B.
excelsa —47° (Lake Superior); Alnus incana und viridis Fl. amer. —
68° (Mackenzie).
Populus balsamifera u. Iremuloides — 69° (Mackenzie) ; F. can-
dicans — 46°? (Wisconsin); (die Salices sind noch nicht genau ge-
schieden: ausser den arktischen Zwergweiden und S. spcciosa sind am
häufigsten S. lostrata und longifolia).
Platanus occidentalis — 47° (Lake Superior).
Pinus alba — 69^ (Mackenzie) ; P. nigra — 69° („liltle shorl of
P. alba'*); P. balsamea — 62°; P. canadensis — 49°; P. niicrocarpa
(=: Larix americana R.) — 67° (Polarkreis) ; P. Banksiana — 67° (Po-
larkreis) ; P. resinosa — 57° (Melhy River); P. strobus — 50° (Wini-
peg); Juniperus nana (== J. communis R.) — 70° (Arktische Küste);
J. virginiana var, humilis — 68°; Thuja occidentalis — 51° (Saskat-
chawan); Chamaeoyparis thyoides — 54° (Saskatchawan); Taxus cana-
densis — 54° (Saskatchawan).
Auf die Grundlage von Sir W. Hooker's Flora des britischen
Amerika's sirh stützend, hat R. am Schlüsse seiner pflanzengeographi-
schen Darstellung eine umfassende statistische Uebersichl der Familien
gegeben und dabei die Arlenzalil nach drei Zonen geschieden, die, je-
doch willkührlich angenommen, nicht auf bestimmte Vegetationsgebiete
bezogen sind (2. p 322 — 343.). Am Schlüsse liefert Bootl eine Ab-
handlung über die geographische Verbreitung der nordamerikanischen
Carices (2. p 344-353.).
Die Lichenen des arktischen Amerika's, welche See-
mann gesammelt hat, wurden von B ab i ng ton '^9)[)csfimmt;
in dem Werke von Agassiz über den Lake Superior ^^^}
bearbeitete T u c k e r m a n n die von A. gesammelten Lichenen.
Harvey begann ein sich würdig an seine Nereis au-
stralis anschliessendes Kupferwerk über die nordamerikanischen
Archiv f. Nalurgcsch. XVIII. .lahrg. 2. Bd. Y
370 (J r i s el) a c h: I5rrirlil üb. d. Leislimgen in d. gcogrnphischen
Alo't^n '•'''): der erste ßaiul enlhält Fucoiden. — Die ffcoofra-
plusche Verbreiluno- der nordamerikanischen Desmidieen und
Diatomeen hat Bailay^-^-} behandelt.
Sir W. Hook er setzte seine Bearbeitung der von
Geyer am oberen Missouri, in dem Oregon-Gebiete und auf
den Rocliy-Mountains gesammelten Pflanzen fort ''^^) (s.Jah-
resb. f. 1847. S. 47.). Von den Lobeliaceen bis zum Schluss
derSerophularinecn reichend, enthält diese Fortsetzung 7 neue
Arten aus den Galtungen Frasera, Gilia,Eutoca, Coldenia und
Orobanche.
Bollaert^'*) theilte einige Bemerkungen über die ve-
getabiiisclien Produkte von Texas mit, die sich besonders auf
die Kulturpflanzen beziehen und erst durch dieLinnean Trans-
actions ausführlicher werden bekannt werden.
Von Heller '2'') erschien ein Verzeiehniss der einhei-
mischen und kultivirlen Nutzpflanzen Mexiko's mit Angabe der
einheimischen Namen und bei einigen der Grenzen des Vor-
kommens.
Liebmann'36) verbreitete sich über die mexikanischen
Eichen und behandelte zugleich die geographische Vertheilung
dieses Geschlechts im Allgemeinen. Sodannn verdanken wir
diesem Botaniker ausgeführte, monographische Arbeilen '3")
über die mexikanischen Cyperaceen , Urticeen und über die
im vorigen Jahresbericht (S. 95.) erwähnte Gattung Philetae-
ria (vergl. auch das. S. 107. und 111.).
Seemann gab einen kurzen, später in seiner Reise-
beschreibung weiter ausgeführten Bericht über seine Untersu-
chungen auf dem Isthmus von Panama *^^), dessen Naturcha-
rakter er durch wiederholten Aufenthalt während eines Zeit-
raums von vier Jahren gründlich kennen lernte und geist-
reich auigefasst hat. Hier, wo die Andenkette unterbrochen
ist , herrscht ein aequatoriales Klima von langer Regenzeit
und es entfaltet sich in Folge dessen eine grössere Ueppig-
keit vegetativen Lebens, ähnlich wie in Guiana und am Ama-
zonenfluss. Indem die alhmosphärischen Niederschläge vom
April bisDecember, also wenigstens 8 Monate vorhalten und
im südlichen Darien, an den Baien von Cupica und Choco, so
wie an einigen Küstenplätzen des karaibischen Meers 10 — U
und systematischen iiotanik während des Jahres 1851. 371
Monalc, also fast das ganze Jahr unaufhörlich den Boden bc-
nclzen, sondert sich dieser Landslreifen als eine selbsländiofe
Gliederung- amerikanischer Natur von nördlicheren Breiten,
wo mit zunehmender Trockenheit die mexikanischen Caclus-
formen zum Spiegel des stillen Meers hinabsleigen, und steht
in einem noch schrofferen Gegensätze gegen die aequatoriale
Küste von Guayaquil , an welcher der Einfluss der peruani-
schen Garuas zuerst bemerklich wird. S. berichliort und er-
weilert die zu eng gefassten Auffassungen von Hinds, der
behauptet hatte, dass nur die Bai vonChoco als eine Ausnahme
von dem allgemein trockenen Charakter der tropischen West-
küste Amerika's zu betrachten sei, dass die Vegetation sich
hier, zwischen 3° und 7^ N. Br. am reichsten entfalte, aber
zugleich der Wendepunkt gegen Norden erreicht werde und
dass schon zu Panama (9° N. Br.) unter dem ebenmässigen
Wechsel der JahreszeKen weder Farnbäume noch Scitamineen
gedeihen. Wogegen S. nachweist, dass in Uebereinslimrnung
mit den klimalischen Verhältnissen wenigstens zwei Drilttheile
der ganzen Oberfläche des Islhmus von einem feuchten Tro-
penwalde bedeckt sind, in weichem alle aeqiialorialen Pflan-
zenformen, namentlich auch Farnbäume und Palmen , Scita-
mineen und Aroideen reichlich vegeliren. Der Widerspruch
beider Beobachter scheint dadurch gelöst werden zu können,
dass in der Nähe von Panama, im Westen dieses Hafens, eine
Savanc sich ausscheidet, welche flinds vermuthlich während
seines kurzen Aufenthalts kennen lernte und für den allgemei-
nen Naturtypus der Westküste des Isthmus hielt.
S. hält eine grosse Uebereinstimmung nicht bloss in
dem Typus, sondern auch in den ßestandlheilen der Vegeta-
tion zwischen dem Isthmus vonPanama undGuiana fürwahr-
scheinlich. In der That scheinen die Areale besonders der
den Waldformationen angehörigen Gewächse in dem feuch-
ten, daher gleichmässig wirkenden Aequatorialklima im Ver-
hältniss zu denPassatklimaten gross zu sein und boten, nach-
dem die waldigen Flussniederungen Südamerika's allmälig voll-
ständiger durchforscht worden sind, daher auf dem noch un-
berührt gebliebenen Boden Panama's weniger neue Formen,
als dieSavanen. Hierin erkenne ich auch die Ursachen, wes-
halb die südamerikanische Flora durch den Isthmus so durch-
("572 Criscl).Tch: Bcilclil öh. d. Leistungen in d. geographischen
gn-ilond von der mexikanischen geschieden ist; denn hier ist
i\n der Westküste die äussersic Grenze der langen Regenzei-
ten erreicht, während die Unterbrechung des Andenzuges zu-
gleich die Verknüpfung von zwei Gebirgsfloren verhindert.
An der Oslküste scheint freilich eine solche Naturgrenze zu
fehlen; denn in Nicaragua dauert die Regenzeit am karaibi-
schen Meere nach Oersted ebenso lange, wie in Panama. Es
ist ein noch ungelöstes Problem, ob das trockene Klima der
Halbinsel Yucatan die Bedeutung hat, den südlicheren Wald-
typus von dem feuchten Klima der Provinz Tabasco auszu-
schliessen, welche nach Heller eine rein mexikanische Flora
besitzt.
Die Küste des Isthmus wird von Mangrove- Waldung
zwischen der Ebbe und Fluthlinie, auch am stillen Meere um-
säumt. Die Lebenskraft der Rhizophoren ist so gross, dass
in Panama, wo die Flulh 22 Fuss hoch steigt, die Brandung
oft über ihre Kronen braust, ohne ihrem Wachslhum zu scha-
den , indem sie durch das Gebäude ihrer Luftwurzeln, wie
durch ebenso viele Anker im Schlamme fest verwahrt sind
(p. 237.)- Zu den charakteristischen Litoial|iflanzen von Pa-
nama geboren ausser Rhizophora und Avicennia namentlich:
Prosopis horrida, Pithecolobium macrostachyuin , Guilandina
Bonduc, Hippomane Mancinclla, Ruyschia, Jacquinia, Hibiscus
arboreus, Cereus Pitajaya, Crescenlia obovata, Plumiera, Ipo-
moea pes caprae, Cocos nucifera , Acroslichum aureum. In
Bezug auf die Cocospalmc bestätigt S. die von v. Martins
herrührende Angabe, dass der Isthmus von Panama ihr ur-
sprüngliches Vaterland sei: dies wäre also ein Baum, der sich
nicht von Westen, sondern von Osten über die Südseeinseln
verbreitet hat
Die herrschenden Familien in den Urwäldern des Isth-
mus sind Slerculiaceen, Tiliaceen, Leguminosen, Euphorbia-
ceen, Terebinthaceen, Myrtaceen, Melastomaceen, Rubiaceen,
Acanthaceen und Piperaceen, sodann Palmen, Scitamineen und
Farnbäume. Zu den grössten Bäumen, die doch nur 90 bis
130 Fuss werden, gehören Anacardium Rhinocarpus (Espave),
EnterolobiumTimbouva cCorolu)und eineSlerculiacec (Cuipo) :
diese werden vorzüglich zum Schiffsbau benutzt und im Ha-
fen von Panama findet man Fahrzeuge von 12 Tonnen Gehalt,
und systematischen Botanik wählend des Jalirts 1851. 37«J
die aus einem einzig^en Slamine lior<i^cs teilt sind. Zuweilen
besteht ein ganzer Wald aus einer einzigen ßauniart, z.B. aus
Guslavia Membrillo S. , Parmenticra cereifera S. oder auch
aus Palmen.
Savanen charakterisiren die Abdachung gegen das stille
Meer und ziehen sich längs der Bai von Panama üher Nala
und Santiago. Hier ist der Boden mit einem Rasen von leb-
haftem Grün bekleidet, zerstreut erheben sich Gruppen von
Bäumen und Gesträuch , die Bäume an den Flussufern sind
mit Orchideen beladen, zahlreich sind die blühenden Stauden
und Mimosen ; die Physiognomie erinnert also durchaus an
die Savanen Guiana's und Brasillen's. Ueberall, wo der Bo-
den eisenhaltig ist, und oft in ganzen Distrikten die übrigen
Bäume verdrängend, erscheinen die C h u in i c a 1 e s, d. h. Grup-
pen von Curatella americana , etwa 40' hoch und mit einer
Krone von krummen Zweigen endigend, deren Papier-ähnli-
che Blätter im Winde rasseln, wie das trockene Laub des eu-
ropäischen Herbstes. Unter den Holzgewächsen der Savanen
sind namentlich vertreten Anonaceen, Dilleniaceen, Malpighia-
ccen, Leguminosen, Chrysobalaneen, Terebinihaceen, Myrta-
ceen, Melastomaceen, Hederaceen, Panax, Synanthereen, Acan-
thaceen: unter den Lianen Convolvulaceen, Apocyneen, Asa-
rineen, Vanilla. Der Gramineenrasen bietet insbesondere an
Stauden Leguminosen, Polygaleen und Gcntianeeri; oft herrscht
an Individuenzahl die Mimosa pudica.
Die Bergregion über dem Niveau von 1500', welche das
westliche Veraguas bezeichnet und die durch die Gebirgszuge
von Coslarica mit den Anden von Guatemala und Mexiko in
Verbindunof steht, ist als der südliche Ausläufer der mexika-
nischen Flora zu befrachten und erhöht daher, indem durch
dieses Verhältniss zwei grosse Vegelationsgebiele hier in ver-
tikalem Sinne an einander grenzen, die Mannigfaltigkeit in den
Pflanzenformen des Isthmus ungemein. Hier sind mit Palmen
immergrüne Eichen gemischt. Formen, wie Alnus undRubus,
sind gewöhnlich und ausserdem werden folgende Typen als
charakteristisch bezeichnet: Clematis, Tropaeolum, Euphorbia,
Freziera, Hypericum, Lupinus u. Inga, Centradenia u. Cono-
stegia, Fuchsia u. Lopezia, Begonia, Kondeletia und Galium,
Ageratum, Styrax, Verbena, Solanum, Salvia, Rhopala, Equi-
374 Grißcbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
seluin und Adianlum, endlich die noch unbeschrichenc Gat-
tiino- Kelletia.
Der grösste Theil von S.'s Arbeil ist den Nutzpflanzen
und einzelnen merkwürdigen Gewächsen von Panama gewid-
met. Aus dieser reichhaltigen Darstellung können hier nur
einige der ausgezeichnetsten Erzeugnisse genannt werden.
An der Küste von Darien enldeckle S. eine wahrscheinlich
neue Form von Phytelephas: sie wächst häufig am Ufer des
Flusses Cupica und gleicht, wiewohl nach S von Kunlh mit
Recht zu denPandaneen gezogen, zum Verwechseln der Oel-
palme. Die Basis des niedergebogenen Stamms ist nicht sel-
ten über 20' lang, der aufsteigende Theil nur 4' bis 6' hoch,
trägt jedoch auf seinem Gipfel eine beträchtliche Anzahl von
18'— 20' langen Fiederblättern; die Sleinfrüchle sind zu gros-
sen Köpfen vereinigt, jeder Kopf wiegt etwa 25 Pfund und
enthält gegen 80 Samen : so lange das Albumen noch flüssig
ist, wird es von den Indianern genossen , den Gebrauch des
erhärteten kannten sie nicht, die Blätter gebrauchten sie zum
Dach ihrer Hütten. Von einer andern Pandanee, der Carlu-
dovica palmala, werden die Panama -Hüle fabricirl , die aus
einem einzigen Stücke bestehen und ungeachtet ihres hohen
Preises über ganz Amerika verbreitet sind. — Zum Mästen
des Viehs dienen die in grössler Ergiebigkeit während der
trockenen Jahreszeit reifenden, einer von den Zweigen her-
abhängenden Wachskerze gleichenden Früchte der neuen Par-
mentiera cerifera S. (Palode vclas), einer Crescentiacee, die
imThale von Chagres Wälder für sich bildet („in entering these
forests, a person mighl almost fancy himself transported inlo
a chandlers shop" p. 302.). — Als specifisches Mittel gegen
den Schlangenbiss, äusserlich und innerlich angewendet, sind
völlig erprobt die Samen von Simaba Cedron Planch. , eines
Baums, der früher nur bei Cartagena bekannt und erst kürz-
lich auf dem Isthmus aufgefunden, von S. in Veraguas häufig
angetroffen ward. Als Giftgewächs ist die an der Küste des
stillen Meers verbreitete HippomaneMancinella gefürchtet, ein
Euphorbiaceenbaum, dessen Milch in solchem Grade das Auge
entzündet, dass sogar der Rauch des verbrannten Holzes ei-
nige Matrosen des Herald Tage lang blind machte; dieser
schädlichen Wirkung entgeht man durch schleuniges Auswa-
und systematisclien Bolanik Wiihrend des Jahres 1851. 375
scheu des verletzten Organs mit Seewnsser. — Von schön-
stem und intensivstem VVohlireruch ist die ßliithe der neuen
Couroupila odoratissima S. (Palo de Piiradiso), eines Lecylhi-
deenbaums, der nur einmal in dem Walde Morro in Verag-uas
beohachlet wurde und äusserst selten seinmuss, da das äthe-
rische Oel fast eine enoiische Meile weit bei günstigem Winde
in der Luft bemerkbar ist. Ueberhaupt ist der Isthmus reich
sowohl an wohlriechenden als schön gelormten Bliithen. Fer-
ner theilt S. eine Liste von fast 30 Gewächsen mit, welche
essbare Früchte tragen und nicht minder reichhaltig sind die
Verzeichnisse der übrigen Nutzpflanzen, wobei der Verf. stets
sowohl die einheimischen als die systematischen Namen an-
geführt hat.
Von den Ergebnissen der 0 er sted'schen Reise nach
Costa-Rica und Nicaragua (s. Jahresb. f. 1848. S. 63.) haben
K. Müller die Laubmoose ''^^ (43 sp.) und Hampe die Le-
bermoose ^^0) (27 sp.) bearbeitet.
Von R. de la Sagra's Werk über Cuba wurde der
erste Band der von Richard bearbeiteten Gefässpdanzen
(s. Jahresb. f. I84ö. p.53.) vollendet '^').
Uebersicht der seitdem bearbeiteten Familien: 5 Phylolacoeen, 3
Cacteen, 4 Umbellileren, l Araliacee, 1 Hedera, 4 Loranltiaceen.
Beiträge zur Flora von Surinam: MiqueP^^-j beschrieb
wieder eine grosse Reihe von Formen aus 60 Familien, dar-
unter fast eine Centurie neuer Arten; Focke ''^') publicirle
einige Orchideen; M o n t agn e '^'^) '^'') setzte seine Bearbei-
tung der von Leprieur gesammelten Kryptogamen durch Cha-
rakteristik der Lichenen fort (s. vor. Jahresb. S. 64.) und be-
schrieb ausserdem zwei neue Pilze; Li n d e n b erg und
Gottsche'^^) bestimmten die Lebermoose der Kegel'schen
Sammlung.
Von V. Martins' Flora brasiliensis (s. Jahresb. f. 1847.
S. 49.) erschien die zehnte Lieferung '^7), welche ausser der
Fortsetzung der brasilianischen Landschaftsdarslellungen die
Bearbeitung der Verbenaceen von Schauer enthält: die Ar-
ienzahl dieser Familie beträgt 209 spec.
Die pflanzengeographischen Ergebnisse von v. Castel-
nau's Reise, von welcher der historische Bericht '^^) jetzt
376 Griscbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
erschienen ist, sind aus WcddeTs früherer Darstellung (s.
vor. Jahresb. S. 67. — 73.) bekannt.
S p r u c e hat seine Reiseberichte vom Amazonenslrom '^9^,
Bentham die Bearbeitung- seiner Sammlungen '''O) fortgesetzt
(s. vor. Jahresb. S. 64.). S. bemerkte während seines Auf-
enthalts zu Sanlarem, dass die Südseite des Siroms eine viel
mannigfaltigere Vegetation besitze, als die nordwärts gelegene
Landschaft (p. 86.). Beruht dies nicht auf örtlichen Verhält-
nissen, wie es nicht der Fall zu sein scheint, so wäre es ein
auffallendes Beispiel von der Begünstigung der Pflanzenwan-
derung durch Flusssysleme: denn da die nördlichen Neben-
ströme des unteren Amazonas ein ungleich kleineres Gebiet
berühren, als die südlichen, so inussten auch die letzteren
eine weit grössere Anzahl verschiedener Pflanzen zusammen-
führen.
S. ist durch seinen langen Aufenthalt zu Sanlarem be-
fähigt, Aufschlüsse über das wichtige Problem der Vegetations-
phasen im aequatorialen Klima zu geben und in der That sind
schon jetzt einige fragmentarische Bemerkungen, die sich
hierauf beziehen, nicht ohne Interesse und bestätigen nament-
lich die Meinung, dass die Blüthezeiten am Amazonas sich
über alle Monate des Jahrs vertheilen. Im Februar und März
stehen die bei Sanlarem so zahlreichen Gräser in Blüthe, die
im September völlig verdorrt sind (p. 242.). Gegen den Ju-
nius steigen die Gewässer und der Stroni tritt über seine
Ufer: im J. 1850. trat diese Periode stärkster Befeuchtung
des Waldes schon früher ein und schon zu Anfang jenes Mo-
nats fing das Wasser an zu fallen. Mit dem Fallen des Stroms
aber steht hier die Entwickelung des Waldes in Verbindung:
denn nun entfalteten die Bäume , namentlich am Stromufer,
ihre neuen Blätter und die Hauptperiode ihrer Blüthe tritt nun
ebenfalls ein und dauert bis Ende September. Nach dieser
Zeit sind wenige Bäume gleichzeitig in Blüthe : aber gewisse
Arten findet man stets in wechselnder Reihenfolge und einem
Botaniker, „der nur einen einzigen Monat des Jahrs unbe-
schäftigt wäre, würden dadurch jedesmal einige Bäume ent-
gehen« (p. 145.). Besondere Aufmerksamkeit wendet S. den
Wasserpflanzen zu, die der gewallige Strom selbst weniger
erzeugt, als die kleinen Landseen, die mit ihm in Verbindung
und syslcniulischeii Botanik während des Jahres 1851. 377
stehen. An ihren Ufern sprossl, wenn die Ueberschwemmun-
gcn aufg^ehört haben, zuweilen eine höchst ephemere Vege-
tation von fast niiliroskopischcn Phanerogamen, Cyperaceen
und Ulricularien, welchen der Reisende die ebendaselbst ve-
getircnden Riesenpflanzen, wie die Victoria gegenüber stellt.
Zwei neue Utricularien aus dieser Reihe sind besonders merk-
würdig: als eine der einfachsten phanerogamischen Pflanzen
seine U. uniflora (p.2-11.), deren blattloser Stengel, geslüzt
auf einen einzigen Wurzcl-Conus, an Grösse und Gestalt ei-
ner Nähnadel gleicht und über einer winzigen , zweilippigen
Braktee eine einzige, verhältnissmässig grosse, weisse Blume
trägt; sodann seine U. quinqueradiala, deren Blüthenstiele
durch ein fünfstrahliges, celluloses Involucrum schwimmend
erhallen werden und in dieser Form einem kleinen Armleuch-
ter gleichen — Als werthvollstesSchiff*sbauholz im Amazonas-
Gebiet bezeichnet S. (S. 146.) den besonders am Rio Trom-
belas häufigen Itauba-Baum, eine diöcische Laurinee, die noch
nicht beschrieben ist, aber von den Kolonisten irrig mit dem
Greenheart von Demerara, der Neclandra Rodiaei, verwech-
selt wird. — Endlich führt S. in Bezuff auf die klimatischen
Verhältnisse an, dass auf dem Amazonas fast täglich ösiliche
Luftströmungen wehen, welche den Niederschlag beschränken,
während die Nebenflüsse durch unregelmässige Windrichtung
sich auff'allend unterscheiden: hievon sind nicht bloss Ver-
schiedenheiten im Vegetationscharakter abhängig, sondern S.
erklärt auch aus diesem Umstände das gesundere Klima des
Hauptstroms in Verhällniss zu seinen Nebenthälern (p. 240. 274.).
— Im Oktober 1850. begab sich S. von Santarem nach der
Barra des Rio Negro^ um das Thalgebiet dieses Nebenstroms
zu erforschen : auch sind schon Herbarien vom Rio Negro
seitdem vertheilt worden. B e ntham's Bearbeitung der von
S. gesammelten Pflanzen , unter denen sich zahlreiche neue
Formen befinden, reicht von denDilleniaceen bis zu den Chail-
letiaceen.
Die von Jameson bei Quito gesammelten Kryptogamen
wurden von Mitten '^') bearbeitet: 181 Arten, grösstentheils
Laubmoose.
378 Griscbach: Bericht üb. rl. Leistungen in d. geographischen
VI. Australien.
Das Tagebuch von Lei eh h ardt's Reise durch Neuhol-
♦land (s. Jahresb.f. 1847. S. 54.). erschien in einer deutschen
Ausgabe ^'^^').
K. Müller ^^'^^ bearbeitete die von Mo ssm a nn in Au-
stralien gesammelten Laubmoose: 51 Arien.
Sinclair *^^) theilte Sir W. Hooker einige Nachrich-
ten über die Vegetation von Auckland in Neuseeland mit. Die
Insel ist hier, wo die Hauptstadt der Kolonie gegründet ward,
am schmälsten und dies begünstigt wegen der Feuchtigkeit
des Seewinds die Ueppigkeit vegetativer Entwickelung. Der
Isthmus selbst hat keinen Wald und wird durch eine Pflan-
zendecke vonPteris esculenta, Phormium, Leplospermum sco-
parium und Cordyline stricta charaklerisirt: aber die feuch-
teren Thalschluchten besitzen eine viel mannigfaltigere Vege-
tation, so dass S. einmal auf einem Räume von 100 Yards
36 Farne und darunter 3 baumartige unterscheiden Ivonnle;
unter den Bänmen daselbst erwähnt er ausserdem Knightia
excelsa, verschiedene Arten von Melrosideros und Vitex 'li-
toralis. — In geringer Entfernung von Auckland beginnt
der schöne Manukau-Wald, wo fast alle Baumarten der Ko-
lonie zusammenwachsen und wo die Kaurifichte herrscht und
zugleich ihre südliche Grenze findet. Ausser dieser werden
besonders Melrosideros tomenlosa und robusta , sowie Vitex
litoralis als Bauholz gefällt. Mannigfaltig sind auf den alten
Stämmen die Lianen und Parasiten : z. B. Astelia, kletternde
Metrosideros-Arten, Orchideen und Kryptogamen in grösster
Menge. In den Schluchten des Waldes findet sich dicht ver-
wachsenes Gesträuch, namentlich Ripogonum. Hier erreichte
einmal eine Palme (Areca sapida) die seltene Höhe von 36',
ein Farnbaum (Cyathea dealbala) von 54'.
Mac Gillivray's kurze Miltheilung »^'^) über die Ve-
jjetation der Südostküste von Neu-Guinea und des benachbar-
len Archipels der Luisiade ist ohne Interesse. Seine Be-
hauptung, dass die Luisiade mit dem tropischen Australien in
dem Vegetalionscliarakter übereinstimme , wird durch einige
der wenigen von ihm genannten Pflanzen widerlegt: so nennt
er als charakteristisch ausser der Cocospalme Tournefortia
und systemalisoiien liutunik während des Jahres 1851. 379
argenloa, Morinda cilrifolia, Guclarda speciosa, Parilium ti-
liaceuin, Draconliuin, Pandanus, Calamus u. Nepenthes, so wie
auf den Koralleninselii von Duchateau Calophyllum, Myrislica,
Pisonia, ßoinbax.
Einige neue, während der nordamerikanischen Exploring
cxpedilion auf den Südseeinseln gefundene Pilze wurden von
Berkeley und Curtis beschrieben'''^).
Literarische Nachweisuno-en.
1) J. K. Schouw, die Erde, die Pflanzen und der iMensch. A.
d. Dänischen, unter Mitwirkung des Verf. von H. Z e i s e. Leipzig 1851.
310 S. 8. Darin folgende ptlanzengeographische Darstellungen : das
Entstehen der jetzigen rilanzenwell S. 22 — 38. ; die potnpejanischen
l'flanzen S. 39 — 45. ; die Alpenpflanzen S. 80 — 86 ; Gebirgswanderun-
gen im Korden und im Süden S. 87 — 97. ; der Aetna S. 98 — 108.; Wan-
derungen in dem Karsch S. 109 — 116.; Capri und Ischia S. 117—122.;
die IS'alur auf den Südsee-Inseln S. 123 — 137.; die Uolle der Wälder
in der Natur und dem Menschenleben S. 145 — 163.; die geographischen
Veihälfnisse der lirolpflanzen S. 164. ; die geographischen Verhält-
nisse der >%ichligslen Zierpflanzen S. 182. ; der Kan"eebaum S.l9l.; das
Zuckerrohr S. 204. ; die Weinrebe S.212.; die Theestaude S. 222.; die
ßaumwollenpflanze S. 232. ; der Flachs S. 242.; die Pfefl'crpHanze S.
250. ; der Gcwürznelkenbaum und der Muskalennussbaum S. 255. ; die
Tabakspflanze S. 262.; die Mislel S. 270. ; die Charakterpflanzen der
Yölkerschaflen S. 279. ; die Einwirkung des Menschen auf die Natur
S. 28S— 301.
2) ßouc, die baumlosen Gegenden der Kontinente (Wiener Sit-
zungbcrichle. Math - naturwissensch. Kl. Bd. 7. S. 256— 270.).
3} V. Traut veiter, Katurgeschichte für den Kiew'schen Lehr-
kreis. Botanik. Geographischer Theil. Kiew, 1851. 20 S. 4. und eine
Karte. (Kussischer Text).
4) V. Lcdebour, Flora rossica. N'^1. III. Fase. 11. p. 685— 866.
Stuttgart, 1851.
5. K. Kcesc, über die physikalisch - geographischen Verhält-
nisse Livlands (Correspondenzblatt des naturforschenden Vereins zu Kiga.
Jahrg. 4. 1850—51. : vergl. Bot. Zeit. lO. S. 61.).
6) N. Annenkow, observations sur les plantes indigenes des
environs de Moscou (Bulletin des naturalistes de Mo3cou. 1851. 1. p. 229
—268. und 2. p. 519—555.).
7) C. Claus, LocalUoren der Wolgagegenden: in den Beiträ.-
380 Grisebach: Bei-icht üb. d. Leistungen in d. geographischen
gen zur Pflanzenkunde des russischen Reichs. Lief. 8. Petersburg, 185
324 S. 8.
8) Steven, observationes in Asperifolias taurico - caucasicas
(Bulletin des natur. de Moscou. 1851. l. p. 558—609.).
9) C. Hartmann in Kongl. Velensk Akad. Handlingar f. 1849.
Stockholm, 1851. (vergL N. Botan. INolis. 1850. p. 32— 36.).
10) Fries, Hymenomyceles in Siiecia nuper detecli, quorum
icones in Museo scientiarum servanlur (Öfversigl af Kongl. Velensk.
Akad. Förhandlingar VoL 7. et 8. : vergL den Auszug in Uegensb. Fl.
1852. S. 587.).
11) Fries, Herbarium normale pinntarum rariorum et critica-
rum Fase. Xlii. (vergl. das Verzeichniss der darin enthaltenen Arten
in N. Botan. Wotis. 1850. p. 20,).
12) Areschoug, Phyceae scandinavicac marinae. Upsal, 1850.
231 pag. 4. mit 12 Tafeln : Separatabdruck aus den Act. üpsal. Vol.
13. und 14.
13) T h e d e n i u s , Stockholmstraktens Phanerogamer orh Oi nibun-
kar (W. Botan. Notis. 1850. p. 57— 125.): Aulzählung von 886 bei Stock-
holm gefundenen Gefässpllanzen.
14) K. J. Lönnroth, nogre yllerligare lilläg tili Goltlands Flora
(N. Botan. Notis. 1850. p. 153— 160.): neue Fundorte auf der Insel
Gottland.
15) C. T. Lindeberg, excursioner i norra Hailand 1849. (N.
ßolan. Notis. 1850. p. 25— 31.).
16) C. A. Gosselmann, stirpes rariores territorii Ystadiensis.
Diss. acad. Lund, 1851. 18 pag. 8.
17) C. Vau pell, de nordsjaellandske Skovmoser. Kjöbenhavn
1851. 56 pag. 4. mit 2 Tafeln.
18) ßabington, iManual of British ßotany. 3. edition. London,
1851. 8. 434 pag.
19) Ilarvey, Fhycologia britannica. Vol. IIL London, 1851.
Taf. 241-360.
20) Newman, Synoptical table of the British ferns (Appeii lix
to the Phytologisl for 1831. 32 pag. 8.).
21) Berkeley and Broome, Notices of British fungi (Ann.
nat. bist. U. 7. p. 95. 176.: s. Jahresb. f. 1850. S. 24.).
22) Annais of nalural history iL 7. p. 74. 75. I5l. 154. 155.
301. 374. 424. 425. — 8. p. 229. 232. 234. 305. 362.
23) The botanical gazcltc, edited by Henfrey. Vol. 2, London,
1850. Vol. 3. ib. 1851. (s. Jahresb. f. 1849. S. 8. ; Inhaltsverzeiclmiss
in Bot. Zeit. 10. S. l63. 178. 190. 209. 247. 261.): mit dem drillen
Bande ist die Zeitschrift beschlossen.
24) The Phylologist, conducted by Newman. 4 Jahrgänge er-
schienen bis 1851.
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 381
25) Bericht über die rünfle Zusammenkunft der Mitglieder des
Vereins für die niederländische Flora zu Deventer : in Nederlandsch
kruidknndi«,' Archief D. 3. St. 1. S. 125—182. Leiden, 1851.
26) Koch, Taschenbuch der deutschen und Schweizer Flora.
3le Auflage. Leipzig, 1851.: unveränderter Abdruck.
27) (larcke, Flora vonNord- und Mitteldeutschland. 2tü Auf-
lage. Berlin, 1851. 424 S. 8.: mit Benutzung der neusten Literatur
neu bearbeitet.
28) Kelchen bach, Icones Florae germanicae. Vol. 13. Dek.
7—10. Vol. 14. Dek. 1—7.: Orchideen von G. Ke i chenbach ent-
haltend.
29) Sturm's Flora. Abth. 3. Hft. 29— 32. Kürnberg, l8jl.
30) Sehen k's Flora von Deutschland. Bd. 11. Hft. 1—9. — Flora
von Thüringen. Hft. 114 — 116.
* 31) Dietrich, Deutschlands Flora. Bd. 5. Hfl. 25-54. Jena, 1851.
32) Klotzschii Herbarium vivum mycologicum, cura Kaben-
horst. Cenl. IG. Dresd., 1851. 4.
33) Opiz, Herbarium Florae austriacae. Cent. 22 — 24. Prag, 1851.
34) Rabenhorst, die Algen Sachsens. Dek. 8 — 14. Dresden,
1851. 8.
35) Fiedler, Beiträge zur mecklenburgischen Pilzflora. Hft. 3.
Schwerin, 1851. 4.: Sphaericn enthaltend.
36) G. W. ßischoff, Beiträge zur Flora Deutschlands und der
Schweiz. Lief. l. Heidelberg, 18Jt. 341 S. 8.
37) 0. F. Lang, Caricineae germanicae et scandinavicac (Lin-
naca, 24 p 481-624.).
38) G. T. Freu SS, Ucbcrsic hl unlt-rsuchter Pilze, besonders aus
der Umliegend von Hoyerswerda (Linnaci, 24 p. 99 — 153).
39) C. J. v. Klinggräff, über die Vegetation des Weichselj^e-
biels in der Provinz Preussen (Bot. Zeit. 9. S. 120-124. u. 137— 148.>
40) Gerhard, Nachtrag zur Flora von Parchwitz f. 1851. (Jah-
resber. der schles. Gcsellsch. f. 1851 S. 84—86).
41) Andersson, Fxcursionen im südlichen Schlesien und auf
dem Rieseiigebirge (Bot. Notis. 1850. S. 193 u. f.): Aufzählung der in
Wimmer's Gesellschaft auf einer Heise gesammelten Pflanzen.
42) F. Keil, über die Flora des Biesengebirgs (Oeslerreich. bo-
lan. Wochenblatt, 1. S. 132— 133 u. 141 — 142.) : Aufzählung charak-
terislicher Pflanzen der Sudeten.
43) Rabenhorst, berichtigende Wolizen zu Fechner's Flora der
Obcrij.usilz (Bot. Zeit. 9. S. 173—177.).
44) Röper, zur Flora Deutschlands (Bot. Zeit. 9. S. 889-891.):
die Fundorte von Scierochloa procun»bens an der Warnow zu Rostock,
von Scirpus parvulus bei Ribnitz, von Polemonium coeruleum im Tre-
bcl-Thale bei Quitzenow erläuternd.
-382 ürisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
45) Archiv des Vereins der mecklenburgischen Freunde der Na-
turgeschichte, herausgegeben von Bell. Hft.5. Neuhrandenburg, 1851.
252 S. 8. : enthält Beiträge zur mecklenburgischen Flora von Gricwank,
Boil und Bctcke.
46) Lindsay, bolanical notes of a visil to Holstein (Ann. nat.
hisl. II. 7. p.344.): unerheblich.
47) Sonder, Flora hamburgcnsis. Hamburg, 1851. 601 pag.8. :
reiche Fundgrube von Originalunlersuchungen zur kritischen Feststel-
lung deutscher Pflanzenarten (vergl. (Jarcke's nmf.Tssende Recension
dieses Werks im Jahresberichte des nnturwissenschalllichen Vereins in
Halle. Jahrg. 3. p. 158 u. f.).
48) C. Bertram, Beilrag zur Flora der Gegend um I\IagileI)urg
(Jahresbericht des nalurvv. Vereins in Halle, 3 p. l67 — 179.).
49) Pflanzenstandorto des Harzes nach Hampe's Angabc: in
Brederlow, der Harz. 2te Auflage. Braunschweig, 1851.8. *
50) A. Metzger, über Physiognomie und Vcrlheilung der Ve-
getation am Harze: im Bericht über die ersle Versammlung des Vereins
Maja. Goslar, 1831. (vergl. Bot. Zeit. 9. S. 849— 851.).
51) K. Müller, ein Ausflug auf den Thiiringcr Wald (Bot. Zeil.
9. S. 631 -638 u. 658-665.).
52) W. Schwaab, geographische Naturkunde von Kurhessen.
Kassel, 1851. 8. 137 S. ; eine Schilderung der Vegetationsbedingungen
enthaltend (vergl. bot. Zeit. 9. S. 715— 717.).
53) V. d. Marck, Flora Lüdenscheidts und des Kreises Altena
(Verhandlungen des nalurhislorischen Vereins der preussischen Rhein-
lande und Westphalens. Jahrg. 8. S.377 — 503.).
54) W^irlgen, sechster Nachtrag zum Prodromus der Rheinlande
(das. S. 336—347.).
55) G. b\ Koch (in Wachenheim), Bemerkungen über Pflanzen
aus der Flora der Pfalz (Achter Jahresbericht der Pollichia, S. 10 — 24.
NeustadJ, 1850.; neunter Jahresbericht, S. 13— 32. ib. 1851.).
56y F i n k h , Mitlheilung neu entdeckter Pflanzen und neuer Stand-
orte in Würllemberg (Wort, naturwissensch. Jahreshefte Jwhrg. 7. S.
196—198. Slullgart, 1851.).
57) Schenk, neue Mittheilungen über die Flora von Unterfran-
ken (Veihandlungen der physikalisch-medicinischen Gesellsch. in Würz-
burg. 1S51. 1. nr. 15. 16.).
58) Send tu er, die Pflanzenwelt des Blombergos bei Tölz in
den baierschen Voralpen : in der Brunnenschrift „Tölz und Krankenheil."
Leipzig, 1851. 8. p. 39—84.
59) F. V. Hausmann, Flora von Tirol. UU. 1. Innsbruck, 8.
576 S. : mit reichhaltiger Zusammenstellung der Fundorte bearbeitet, in
Koch'scher Anordnung von den Kanuncnlaceeti bis zu den llicineen be-
reits 1215 Arten enthaltend.
und systematischen Botanik währen«! des Jahres 1851. 383
CO) F. Waldmüller, der Geissslein in Tirol (bei Kilzbühei)
und seine Flora (Oeslerr. holan. Wochenlil. l. S. 323. 331.).
61) V. Hcufler, die Laulunoose von Tirol (WiencrSitzungsbe-
richte der math.-nalurvv. Klasse, 7. S. 169—196.).
62) U. und J. Ilinterhuber, l'rodromus einer Flora des Krön,
landes Salzburg. Salzburg, 1851. 414S. 16.
63) F. Keil, Ausllügc von Gaslein (Oeslerr. botan. Wochenbl.
l. S.259. 266.).
64) E. Jos eh, über die seltenen phanerogamischen Pllanzen,
welche in Kärnlhcn vorkommen (das. nr. 24 — 33.).
65) N e i I r e i c h , Nachträge zur Flora von Wien, mit Einbeziehung
der benachbarten Alpen und der Leilhagegend , nebsl einer pllanzen-
geographischen Uebersicht. Wien, 1851. 339 S. 8.
66) Kreutzer, Taschenbuch der Flora Wiens. Wien, 1852.
528 S. 12.
67) Maly, über die Flora der Umgebung von Bad Tüffer in Un-
tersteiermark (Oeslerr. botan, Wochenbl. 1. S. 291.).
68) T o m m a s i n i , über die im Floren-Gebiete des oesterreichisch-
illyrischen Küstenlandes vorkommenden Orchideen und ihre geographi-
sche Verbreitung (das. 1. nr 2 — 6.).
69) Dove, Bericht über die in den Jahren 1848. und 1849. auf den
Stationen des meteorologischen Instituts im prcussischen Staate ange-
stellten Beobachtungen. Berlin, 1851. 120 S. fol.
70) Cohn, Bericht über die Entwickelung der Vegetation in
Schlesien während des Jahres 1851 (lahrosb. der schles. Gesellsch. f.
1851. S.53~7ö).
71) F. Burkhardt, über eingewanderte und einheimisch ge-
wordene Pnanzen (Regens. Fl. 1851. S. 161 — 168.).
73) Schott, neue siebenbürgische Pflanzen (in der Bot. Zeil.
9., S. 17. 65. 151. 192. 281. 285. 393.).
72) Enumeration des vegetaux vasculaires du Jura suissc et fran-
9ais, par C. H. Godet. Keufchatel, 1851. 233 p 8. Diesem Werke
soll nach einer Kritik in der Bild, de Geneve (1852. Avril) später ge-
folgt sein: Flore du Jura, par C. 11. Godet. Weufchatel, 1852. 2
Vol. 8.
74) Desmazieres, 19. notice sur les planles cryptogames rö-
cemmenl deconvertes en France (Ann. sc. nat. Ser. 3. Vol. 16. p. 296
—330.).
75) Billol, Archives de la Flore de France et d'Allemagne:
Beilage zu seiner Flora Galiiae et Germaniae exsiccala. Cent. 6. 7.
Hagenau, 1851. beim Verf.
76) Slirpes cryptogamae Vogeso-rhenanae, collegerunl J. B. iM o n -
gcot, C. Nesller et W. P. Schi m per. Fase. 13. Bruycrii, 1851.
384 Grisebacli: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
77) Kirsch leger, Flore d'Alsace. Livr. 2 — 13. Slrassbourg,
1851. 12.
78) Willkomm, Sertum Florae hispanicae (Regensb. Fl. 1851.
p. 577. 593. 609. 625. 705. 723. 739. 755. — 1852. p. 193. 209. 257.
272. 289. 305. 513. 529.).
79) Cosson, Notes sur quelques plantes nouvelles, critiques ou
rares du midi de l'Espagne- Fase. III. p. 93 -131.
80) Willkomm, Vegetalionsskizzen aus Spanien, nr. 7 — 12.
(Bot. Zeil. 9., S. 1. 23. 33. 161. 194. 226. 249. 264.).
81) Willkomm, einige Kolizen über das Klima und die Vege-
tation von Galicien (Bcgensb. Fl. 1851. S. 65—71.).
82) J Ball, botanische Notizen über eine Exkursion durch Por-
tugal und Spanien (Hcnfreys bolanical gazette, 3. nr. 33—34.).
83) Bertoloni, Flora ilalica. Vol. 8. Fase. 1. 2. Bolagna, 1850.
256 p. 8.
84) W. Karl, Rciseflora aus Italien (Oistcrr. botan. Wochen-
blatt, l. nr. 43—49.).
85) L. Rota, Prospetto delle plante fanerogame finora rilrovate
nella Provincia Parese (Giorn. botan. ilaliano. II. Part, uliini.p.73 — 82.
u. 247—292. : diese auf dem Titel mit Fase. 7. u. 8. bezeichnete Ab-
tTieilung von Parlatore's Journal trägt zwar auf dem Titel die Jahres-
zaiil 1847., allein schon die zweite und drille Abtheiliing, welche vor-
ausgingen und sogar die Jahreszahl 1846, führen, können nach dem In-
halte selbst, da derselbe literarische IN'achweisungen aus dem J. 1851.
enthält, nicht vor 1851. im Druck vollendet sein).
86) A. S im i , Flora Alpium Versiliensium, exhibens plantas in illis
Apuanarnm Alpium regioniltus sponte crescenlcs. Alassae, 1851. 8.
87j Pariatore, Flora palermitana (Giorn. botan. ilal. II. 1. p.
60 — 173., 326 — 350.; ult. p. 83 — 166.): von den Gramineen bis zu den
IJliaceen, im Ganzen bis jetzt 269 Arten.
88) Tineo, plantarum rariorum Siciliae minusque cognitarum
Fase. 1. Panormi, 1846. Fase. 2. 3. 1847. Das vierte Heft sollle nach
dem Giorn. bot. ilal. (II. 3. p. 129.) im J. 1852 erscheinen.
89) Tornaben e, Lichenographia sicula. Catanae, 1849.
90) D. Visiani, Flora dalmatica. Vol. III. 390 pag. 4. m. 4
Taf. Ups., 1852. (wurde schon 1851 ausgegeben).
91) Ab ich, meteorologische Beobachtungen in Transkaukasien
(Bullet, de St. Petersb. Cl. phys. math. 9. p. 1 — 48.). — Eine kürzere,
jedoch mit einer Isothermenkarte der Kaukasusländer bereicherte Dar-
stellung des Verf. wurde in England publicirt (Journ. of geogr. soc.
21. p. l — 12.).
92) K. Koch, die kaukasische Älililarstrasse, der Kuban und die
IlalbinsrI Taman. Leipzig, 1851. 226 S. 8.
und systenialischen Bolanik während des Jahres 1851. 385
93) K. Koch, Beiträge zu eiuer Flora des Orients. Forlset-
zung. (Linnaea, 24. p. 305—480.).
94) K. Koch, Beiträge zur Kenntniss der Flora des kaukasi-
schen Isthmus (das. p. 89 — 98.).
95) S. Stschegleew, descriplion de quelques plantes du
Caucase nouvelles ou peu connues (Bullet. Älosc. 1851. 2. p. 463— 478.
c. tab.).
96) M. Wagner, Reise nach Persien und dem Lande der
Kurden. Th. 1. 360 S. 'Ih. 2. 315 S. Leipzig, 1852. 8.
97) Turczaninow, Flora baicalensi -dahurica. Conlinualio
(Bullet. iMosc. 1851. 2. p. 297— 408.).
98) Champion et Bentham, Florula Hongkongensis (Hook.
Journ. of Bot. 3. p. 255. 306. 326. — 4. p. 41. 73. 116. 164. 193.
232. 296. 327.
99) Champion, the Ternstroemiaceous Plauts of Hong-Kong
(Proceed. of Linn. Sog. Nov. 1850., daraus in d. Ann. nat. hist. II. 7.
p. 490—491.).
100) J. D. Hooker, a fourth excursion to the Passes into Thi-
bel by the Donkiah Lah (Journ. of the geogr. society, 20. p. 49 — 52.
mil einer Karle).
101) J. D. Hooker, Letter to Baron Humboldt (Hook. Journ.
of Bot. 3. p. 23— 31.).
102) Thomson, über die Vegetation des Himalajah (Journ. of
horticnlt. soc. 6. p. 245 u, f. , im Auszuge übersetzt in der Bibl. de
Geneve, 1852. 1. p. 328-332.).
103) R. Strachey, on the physical geography of Kumaon and
Garhwal in the Himalaya mounlains and of the adjoining partsof Tibet
(Journ. of the geogr. soc., 21. p. 57 — 85. mit 1 Karte). — Der Verf.
bezieht sich auf seine mir nicht vorliegende Abhandlung über die
Schneegrenze des Himalajah, welche in dem Journ. of the Asialic Soc.
of ßengal (1849 Apr.) erschienen ist.
104) Wight, lllustrations of Indian Botany. Vol. I. II. Madras.
4. 182 lab.
105) J. D. Hooker, the Rhododendrons of the Sikkim-Hima-
laya. Ediled by Sir VV. Hooker. Part. 2. London, 1851. fol.
106) IN. A. Dal Zell, Conlributions to the Bolany of Western
India (Hook. Journ. of Bot. 3. p.33— 39. 89—90. 120—124. 134—139.
178-180. 206-212. 225-233. 279—282. 343—346).
107) Andersso n, Ostindiens hitlils kända Pilarter (Kongl. Ve-
tensk. Handlingar f. 1850. Stockholm, 1851. p. 463— 502.).
108) Kunze, Filices Kilagiricae (Linnaea, 24. p. 239— 299.).
109) Bentham, Leguminosae inier plantas Wilgherrenses Ho-
hcnackeri (das. p. 642—645 ).
Archiv, f. Naturgesch, XVIII. Jahrg. 2. Bd. 2
386 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geogrnphischen
110) ßenthani, Acanlhaceae novae inier planlas Nilgherrenses
Hohenackeri (das. p. 646—647.).
111) Blume, Flora Javae , Fase. 36—39. Bruxell., 1851. —
Nach Buclihändleranzeigen sind in demselben Jahre auch Fase. 40 — 42.
erschienen, welche uns indessen nicht zugingen.
112) iVliquel, Analecta botanica indica. Pars. I!. (Nieuwe Ver-
handelingen der eerste Kl. v. h, Nederl. Instilnut. Serie 3. D. 4. 1851.
p. 13—56. mit 7 Taf. -• D. 5. 1852. p. 1—30.
113) Korlhals, Overzigl der Rubiaceen van de nederlandsch-
ooslindische Kolonieen. Conlin. (Nederl. kruidkund. Archief. l). 2. St. 4.
p. 145—269.).
114) de Vriese, Maralliaceae Indiae batavae orienlalis (das.
D.S. St. 1. p. 183 — 196.) aU tit. Epimelrum ad indicem serti. lugd.-batav.
a. 1851.
115) Zanardini, Algae novae vel minus cognitae in mari ru-
bre colleclae (Regensb. Fl. 1851. S. 33-38.)-
116) A. Figari et de Wotaris, Agroslographiae aegypliacae
fragmenla. 1851. 4.
117) Pariatore etWebb, Florula aethlopico-aegypliaca sive
enumeralio planlarum quas ex Aelhiopia alque Aegyto Museo Floren-
,ti»0 ^nisit A, Figari (Giorn. bot. ital. II. Parle ultim. p. 204—227.).
118) Cosson et Durieu, noles sur quelques plantes d'Algerie:
in der oben (nr. 79.) erwähnten Schrift p. 133 — 139.).
119) So y e r-WiUem et et Godron, monographie des Silcne
de l'Algerie. Nancy, 1851. 51 pag. 8.
120) Clarkc, short notice of the African plant Diamba, com-
monly called Congo Tobacco (Hook. Journ. of Bot. 3. p. 9 — 11.).
121) Jussieu, rapport sur le 3. voyage en Abyssinie de I\l.
Rocher d'Hericourl (Comples rendus, 1851. fevr., daraus abgedruckt in
Ann. sc. nat. III, 15. p. 367— 370.}.
122) Roth, Schilderung der Nalurverhälmisse inSüd-Abyssinien.
München, 1851. 24 S. 4.
123) A. Bertoloni, Miscellanea botanica. nr. 8. 9. (N. Com-
mentarii acad. Bonon. Vol. 9. Bonon. 1849—1851.)
124) G. Bertoloni, Illustrazioni di plante Mozambigesi. Diss.
prima. Bologna, 1850. (Vergl. Hook. Journ. of Bot. 4. p. 95.).
125) Heer, Madeira und d^jssen Vegetation (Schweiz, Zeilschr.
für Gartenbau. Jahrg. 9. nr. 2,),
126) v. Seh 1 e ch t en d a 1 , Beitrag zur Flora der Inseln des
grünen Vorgebirgs («ol. Zeil. 9., p. 825. 841. 857. 873.).
127) R. Brown, on the origin and mode of propagalion of the
Guif-weed (Proceed. of Linn. soc. 1851. Way : Abgedr. in Ann. nat.
bist. II. 7. p, 327-329.).
und systematischen Colaiiik während des Jahres 1851. 387
128) Sir J. Richards on, Arctic seart hing expedilion : a Jour-
nal of a boat-voyagc through Rupert's Land and Ihc Arclic Sea. Lon-
don, 1851. Vol. 1. 413 p. Vol. 2. 426 p. 8.
129) G. Ba hing ton, Lichenes arctici (Hook. Journ. of. Bot. 3.
p. 238—250.).
130) Tuckerniann, cnumeratio Lichenum a Prof. Agassiz
ad lacutn superiorem a. 1848. leclorum: in Agassiz, Lake Superior.
Boston, 1850. (Exlrahirt in der Bot. Zeil. 10. S. 899— 903.).
131) Harvey, INereis boreali - amcricana, or Conlrihulions to-
wards a Hislory of Ihe Marinae Algae of the Atlantic and Paciüc Coasts
of North America. Part. 1. Melanospernieae. Washington, 1851. 144p. 4.
mit 12 Tafeln. (Herausgegeben von der Sinithsonian Institution).
132) Bailay, microscopical observations made in South Caro-
lina, Georgia and Florida (Smithsonian Conlributions to knowledge.
Vol. 2. nr. 8. Washington, 1851.).
133) Sir W. Hook er, catalogue of Mr. Geyer's collection of
plants (Journ. of Bot. 3. p. 287-300.).
134) ßollaart, Observations on the Bolany of Texas (Procee-
dings ofLinnean Soc. 1850. June : in Ann. nat. bist. bist. IL 7. p. 489.).
135) C. B. Heller, Versuch einer syslematischen Aufzählung
der in Mexiko cioheimischen, unter dem Volke gebräuchlichen und kul-
tivirten Nutzpflanzen (Oeslerr. botan. Wochenhlalt, 1. nr. 7 — 19.).
136) Liebmann, Amerika's Egevegelation. Kopenhagen, 1851.
(Im Auszuge in das Englische übersetzt von Wallich: in Hook. Journ.
of Bot. 4. p. 321 u. f.).
137) Lieb mann, Mexico's Halfgraeser (Dansk. Vidensk. Selsk.
Skrifter. V. R. Bd. 2. p. 189-278.); Philetaeria (das. p. 279-284.);
Mexico's og Cenlralamerica's neldeaglige Planler (das. p. 285—344,).
138) Seemann, Sketch of the Vegetation of the Isthmus of
Panama (Hook. Journ. of Bot. 3. p. 233—239. 264—270. 300—306
362—366.).
139) K. Müller, über eine von Oersted in Mittelamerika ge-
machte Laubmoossammlung (Bot. Zeit. 9. S. 257 — 264.).
140) Hampe, Hepaticae üersledianae (Linnaea, 24. p. 300 — 304.
u. 640— 641. und Bot. Zeit. 9. S. 913— 915^.
141) R. de la Sagra, Histoire physique, politique et naturelle
de nie de Cnba. Bolanique. Planles vasculaires , par A. Richard,
al. tit, Essai d'une Flore de l'ile de Cuba. T. 1. contenant les Dicoty-
ledoncs polypetales. 663 pag. 8. Atlas in Fol. Paris 1845. (aber erst
jetzt vollendet).
142) Miquel, slirpes surinamenses seleclae (TNaluurk. Verhandl.
V. d. Hollandsche Maatsch. te Haarlem. II. T. 7. 204 pag. mit 65 Taf.
Leiden, 1851.).
388 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
143) Pocke, enumeralio diagnoslica Orchidearum quarundam
surinamensium (Tijdschr. voor wis- en natuurkundige Wetensch. T. 4.
p. 62— 72. Amsterdam, 1851.).
144) Alonlagne, Cryptogamia guyanensis s. plantarum cellu-
larium in Guyana a Leprieur colleclaruni enumeratio. Conlin. (Annal.
soc. nal. III. 16. p. 47—81.).
145) Montagne, fungorum species novae surinamenses (Tijd-
schr. voor wis- en naluurk. Welensch. T. 4. p. 203 — 204.).
146) Lindenberg et Gotische, expositio Hepaticarum suri-
namensium (Linnaea, 24. p. 625 — 639).
147) J. Martins, Flora brasiliensis. Fase. X. Verbenaceae auct.
Schauer, p. 165—308. tab. 32— 50. —Tab. physiogn. 33— 36. Vindob.
Lips., 1851. FoL
148) F. de Castelnau, expedilion dans les parlies centrales
de l'Amerique de Sud. Histoire du voyage. T. 1. 2. Paris, 1850. 1.3.
4. 5. 6. ib. 1851. 8.
149) Spruce, extracts of lelters written during a bolanical
mission on ihe Amazon (Hook. Journ. of bot. 3. p. 84. 139. 239. 270.
335.).
150) ßentham, second report on Mr. Spruce's colleclions of
dried plants from Korth ßrazil (das. p. 111. 161. 191. 366.).
151) W. Mitten, catalogue of cryptogamic plants collected by
Jameson in the vicinily of Quito (das. p. 49— 57. 351 — 361.)
152) Leichhardt, Tagebuch einer Landreise in Australien von
Moreton-Bai nach Port Essington. A d. Engl, von £. A. Zuchold.
Halle, 1851. 442 S. 8.
153) K. Müller, die von S. Mossmann in Vandiemens-Land,
l\euseeland und Neuholland gemachte Laubmoossammlung (Bot. Zeit. 9.
5. 545—552. 561—567.).
154) A. Sinclair, letter on ihe Vegetation of the neighbour-
hood of Auckland, New-Zealand (Hook. Journ. of Bot. 3. p. 212-217.).
155) M c. Gillivray, skelch of the natural history of such por-
tions of the Louisiade Archipelago and ^ew Guinea^ as were visited
by H. M. S. Ratllesnake (Journ. of geogr. soc. 21. p. 15—18).
156) Berkeley and Curtis, descriptions of new species of
fungi collected by the U. St. exploring expedition (Silliman's Araer.
Journ. 1851. Vol. 11. p. 93— 95.).
B. Syisteiiiatik.
Von de Vriese's Kupferwerk über ausgewählle Pflan-
zen des Gartens von Leiden (s. Jahresb. f. 1847. S. 61.) er-
schien die zweite Lieferung.
Die englischen Kupferwerke, welche zur Erläuterung von
Gartenpflanzen bestimmt sind, werden, sofern sie neue Typen
enthalten, wie früher bei den belreff'enden Familien erwähnt.
Dikotyledonen.
Clarke versuchte, nach der Stellung der Carpelle das System
der dikotyledonischen Familien zu verbessern (Proceed. Linn. Soc. 1850.
Dec. in Ann. nat. bist. II. 8. p. l49 — 162): da er indessen die Bildun-
gen, numenllich der einfachen Pistille, nicht auf ihre Entwickelung
zurücliführt, sondern durch hypothetische Annahmen verschiedene Ty-
pen zu unterscheiden strebt , so kann das System aus seiner Methode
wenig Nutzen ziehen.
Leguminosen. Buchenau untersuchte die EntwickeliTng
des Leguminosenpistills bei Lupinus (Beiträge zur Entwickelung des
Pistills. Marburg, 1851. S. 29.). Nach ihm liegt der primäre Vege-
tationspunkt basilar , also entgegengesetzt , wie Schieiden und Vogel
darstellten: später wird ein neuer Bildungspunkt an der Spitze des
Blatts thätig, wodurch der Griffel entsteht, aber da die Narbenpapillen
frühzeitig sichtbar werden, so scheint auch in der Spitze das Wachs-
Ihum ein centripetales zu sein, wiewohl dcTVerf. diesen Punkt nicht zu
entscheiden wagt. — Irmisch besprach die Inflorescenz einiger Legu-
minosen (Bot. Zeit. 9. S. 673. 689.). Er zeigt, dass dieselbe bei den eu-
ropäischen Genistecn von dem Typus des Racemus Icrminalis abgeleitet
werden könne , der nur durch die Internodienenlwickelung auf ver-
schiedenartige Weise modificirt wird: bei Anthyllis ist dagegen der
Bluthenstand axillär und bei Ononis kommen beide Fälle vor und zwar
selten der Genisteentypus (z. ß. 0. alopecuroides) , im Uebrigen die
Axe des armblQthigen axillaren Blülhenslandcs entweder cnlwirkelt (0.
390 Grisebach: Bericht üb. d. Leislungen in d. geographischen
nalrix) oder verkümmert (0. spinosa). Die Trifolieen , Astragaleen,
Hedysareen und Vicieen zeigten, so weit sie verglichen wurden, eben-
falls axilläre Inflorescenz. Die gemischten Blüllienslände einiger Ga-
legeen und Phaseoleen verfolgt J. specieller bei Phascolus und zeigt,
dass hier ungestielte Dolden an einer entwickelten Axe lateral stehen.
— G. A. A[gardh sucht aus der Stellung der Braktecn die Stellung
des vorderen Kelchblatts zu erklären (Bot. Kolis. 1850. p. 129 — 133.).
Die Eigenthüralichkeit der Schmelterlingsblume lässt sich nämlich so
fassen, dass das erste Kelchblatt über der Braktee stehe : dies aber setzt
nach A. den Verlust höher gestellter Brakteen zwischen der entwickelten
Braktee und dem Kelche voraus und deutet auf eine Verkümmerung
von Axentheilen hin. Ulex nun, mehrere Genisten und Eutaxia besit-
zen 2 Brakteolen, die, unter die beiden hinteren Kelchblätter gestellt,
den Raum zwischen der Braktee und dem vorderen Kelchblatle aus-
füllen : sie können als die Stipulen einer einzigen mit der Braktee al-
ternirenden Braktcole betrachtet werden, die bei Ononis und anderen
Leguminosen ausgebildet wird. — Visiani (Fl. dalm. 3. p. 271.) ver-
einigt Genista mit Cytisus , aber seine auf sorgfältiger Vergleichung
beruhenden Angaben über die Bildung der Narbe und des Kelchs wei-
sen vielmehr auf eine grössere Reihe von Typen. — Neue Gattun-
g'en: Chamaecylisus Vis. (das. p. 272.), eine ausgezeichnete im Habi-
tus Argyrolobium nahe stehende Genistee von Sign in Dalmatien,
welche sich, nach dem Entdecker, durch abwechselnd sterile Staminen
und durch Diadelphie unterscheidet und daher den älteren diagnostischen
Charakter zwischen den Genisleen und Trifolieen aufhebt : V. unter-
scheidet daher beide Gruppen nicht nach den Staminen, welche auch
bei Physanthyllis diadelphisch sind, sondern, wie ich bereits in mei-
nem Spicilegium rumelicum vorschlug, nach der Säckchenbildung im
Vexillum; Corelhrodendron Fisch. Basin. (Basin. Enum. Hedysar. Jah-
resb. f. 1846., in Mem. Petersb. div. sav. T. 6. p. 90. 1851.) = Hedy-
sarum scoparium F. M. ; Fornasinia A. ßertol. (Miscell, botan. fasc, 8.,
vergl. Hook. Journ. of Bot. 4. p. 95 ), der Ebenholzbaum von Mozam-
bique und der Alten (s. Jahresb. f. 1849. S. 64.), eine Dalbergiee, aber
nach Hook, identisch mit Millelia (Berebera Höchst.); Mavia G. Bertol.
(plant. Mozamb. 1. nr. 4.) liefert die giftige Rinde Mavi der Kaffern,
fällt aber nach Hook, wahrscheinlich mit der Mimosee Erylhrophloeum
zusammen; Bowringia Benth. (Hook. Journ. of Bot. 4. p. 75.) , Liane
in Hongkong , zu den Sophoreen gestellt und nach dem Habitus und
Charakter den afrikanischen Galtungen Baphia , Bracteolaria und Leu-
comphalus nahe stehend.
Rosaceen. Lehmann bearbeitet, auf sehr umfassende Ma-
terialien gestützt, eine neue Monographie der Gattung Potentilla , von
welcher bereits ein sehr schätzbarer Prodromus erschienen ist (Nova-
rum et minus cognitarum stirpium pugillus nonus, addila nova rccen-
und »yslemalischeB Botanik während des Jahres 185K 39t
sione nee non enumeratione Potentillarum. Hamburg, 1851. 78 pag. ^.
und Walp. Ann. 2. p. 468—519.). Der Verf. unlersrheidet 193 Arien
dieses Geschlechts, die er zu naliulichen Gruppen anordnet : das Haupl-
eintheilungsprincip geben die Bildungen der Axc (vergl. den Auszug
in der Regensb. Fl. 1851. p. Ö45-651.). Wegen der I5ezeichnung
von F. spleudens Kam. , von welcher L. die norddeutsche Pflanze als
einen Bastard von P. Fragariastrum und alba absondert, bemerke ich,
dass Exemplare von Wolfrnbültel genau mit der Pyrenaeenpllanze über-
einstimmen und reife Früchte erzeugt haben Auch P. mixla Nt. be-
zeichnet L. als Bastard von P. repJans und Tormenlilla reptans : die
von mir verglichenen Originalexemplare können indessen nur als eine
Form von der letztgenannten Pflanze betrachtet werden.
Rlyrlaceen. Hance untersuchte das Pistill von Punica (Prö-
ceed Linn. soc. 1850. June in Ann. nat. bist II. 7. p. 488. und Hen-
frey Bot. gaz. 2. nr. 23., übers, in Bot. Zeit. 10. p. 209.). Nach sei-
ner Ansicht bilden die unteren Karpophylle einen inneren Wirtel, de-
ren eingebogene Spitzen das Diaphragma ; die oberen Fruchtfächer ge-
hören, nach ihm, einem äusseren, längeren Karpopbyllwirtel an, dessen
Spitzen in den Griffel übergehen. Ueber d'e Placenlation äussert sich
H. paradox und ist mir nicht verständlich geworden. Er will übrigens
Punica von den Myrtaceen entfernen und die Granateen, zu welchen
noch andere unbeschriebene Gattungen gehören sollen, als verbinden-
des Glied zwischen die Myrtaceen auf der einen, die Onagiarieen und
Lythrarieen auf der anderen Seite stellen. Aus einem Briefe von Griffith
an Wight wird mitgetheilt, dass G. die Granateen, zu welchen er Dua-
banga und Sonneralia zog, als eine zwischen den Myrtaceen und Ly-
thrarieen stehende P'amilie mit 6 bis 7 Karpophyllen belrachtete.
M el a sto m ac e en. IVaudin hat seine monographische Bear-
beitung dieser Familie (s. vor. Ber.) fortgesetzt (Ann. sc. nat. III. 15.
p.43— 79. 276^-345. — 16. p. 83— 246.). Fortgesetzte Uebersicht der
bearbeiteten Gallungen: b. Lasiandreen (Schluss). Marcctia (lOsp.).
Zweifelhafte Lasiandreen: Dionycha N. (15. p. 48.) aus Madagaskar
(l sp.), Dichaelanthera (1 sp.), Rousseauxia (1 sp.) ; Amphiblemma IN.
(p, 50.) = Me!astoma cymosum DC). — c. Pyramieen. Pyramia
(3 sp.), Cambessedesia (9 sp.) , Rhexia (8 sp.). — d. Miconieen.
aa. D i SSO c h a et e en. Dissochaela (32 sp^}, Dalenia (l sp.) ; Ompha-
lopus N. (p. 277.) = Dissochaelae sp. Blum, (3 sp.), Marumia (Usp.)
Driessenia (1 sp.), Hrcdia (1 sp.), Modinilla (37 sp,), Diplogenea (Isp.),
Dactyliota (2 sp.), Ilypenanlhe (Isp.), Tripleclrum (l $p.) ; Krpelina^.
(p. 299.): Strauch vom Salomon's Archipel, Pachycenlria (7 sp.), Po-
gonanthera (2 sp.), Aplectrum (7 sp.), Anerincleistus (Isp.), Oxyspora
(1 sp,), Ochthocharis (3 sp.) ; Homvcentria^. (p. 308.) = Melastoma
vagans Roxb. (1 sp.) ; Allozygia IV. (p. 303.) = M. ccrnua Roxb. (1 sp.),
AUoraorphia (2 sp.), Mccrolcnes N, (p. 311.) = Hubcria annulala DC,
392 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
(1 sp.)j Carionia N. (p. 311.)5 Baum auf Luzow (1 sp.) , Sarco-
pyramis (2 sp.), Ve'precella N. (p. 312.) : Sträucher auf Madagaskar
(4 sp.). — bb. Sonerileen. Salpinga (2 sp.) , Berlolonia (10 sp.),
Lithobium (l sp.), Sonerila (31 sp.); Triolena N. ( p. 328. ) : Kraut
von Chiapas in Mexiko (t sp.); Biolena N. (p. 329.): Kraut aus Ve-
nezuela (1 sp.) , Eriocnema (2 sp.) ; Sphaerogyne N. (p.331.): Kraut
aus Venezuela (1 sp.), Phyllagathis (2sp.); Gravesia^. (p. 333.) : Kraut
aus Madagaskar (1 sp.). — cc. Clidemleen. Huberia (3 sp.) ; Uro-
desmium N. (p. 338): vom Orinoco (1 sp.), Behuria (1 sp.) ; Chitonia
Don (p. 339.) : Strauch von den Antillen (1 sp.) ; ScrrcowieWs N. (p.340.):
Strauch von der Ile des Pins bei Kuba (1 sp.) ; Miconiastrum N. (p.341.):
Strauch von den Antillen (1 sp.), Tetrazygia (5 sp.), Calycogonium
(5 sp.), Svilramia (1 sp.), ßucquetia (1 sp.), Tococa (23 sp ) , Myrmi-
done (l sp.) , Maieta (l sp.) , Calophysa (1 sp); Microphysa N. (16.
p. 99.): Strauch von Cuzko (l sp.) ; Chalybea N. (ib.): Strauch aus
Neu-Granada (l sp.) , Myriaspora (2 sp), Bellucia (5 sp.), Conoslegia
(18 sp.), Miconia (304 sp.). Zu Miconia sind reducirt: Jucunda, Diplo-
chita , Decaraphe, Cremanium, Chaenopleura , Auguslinea , Hartigia,
Glossocentrum, GrafFenrieda Mart. (non DC); zu Bellucia: Ischyran-
thera Sleud.
Halorageen. Schacht untersuchte die Entwickelung des
Pistills von Hippuris (Enlwickelungsgesch. des Pflanzenembryon's in
den Verh. des niederl. Instil. Erste Klasse III. 2.),
Onagrarieen. Schacht beschäftigte sich auf dieselbe Weise
mit Oenothera (das.). — Krause revidirte die Charaktere der ein-
heimischen Epilobien und suchte abweichende Formen durch hybride
Befruchtung zu erklären (Schles. Jahresb. f. 1851. S. 86 — 89.).
Tropaeoleen. C. A. Agardh beschrieb die Stellung und
Aestivation der Blülhenwirtel (Bot. notis. 1850. p. 138—139.). Der
imbrikative Kelch hat 2 äussere, 2 innere und ein mittleres Blatt: eins
der beiden äusseren steht an der Axe = ö • Von den Fetalen ist eins
der beiden hinleren ein beiderseits umfassendes, die übrigen sind nach
rechts contorquirt. Die beiden abortiven Slaminen stehen vorn und
hinten. Die 3 Karpophylle haben eine andere Stellung, wie bei den
Geraniaceen : sie stehen den 3 grösseren Sepalen gegenüber, dem hin-
teren und den beiden vorderen.
Üxalideen. JNach Agardh (a. a, 0. S. 137.) ist der Blüthen-
stand auf die Dichotomie zurückzuführen und aus dieser Vorausset-
zung sind die entgegengesetzten Aestivationen von je zwei neben ein-
ander gestellten und durch die unterdrückte Axe gesonderten Blütlien
abzuleiten. In beiden ist das fünfte Kelchblatt (das erste bei
Ag-) von der Axe abgewendet und ein beiderseits umfassendes,
von den vier anderen sind 2 innere, eins ein mittleres und noch eins
ein äusseres = Q : aber die rechts von der Axe gestellte Blüllie hat
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 393
eine rechts conlorquirte, die links gestellte eine links contorquirte
Corolle.' Von den Slaminen hahen die 5 längeren, mit der Corolle
abwechselnden am Grunde eine Schuppe, die den übrigen fehlt: mit-
telst dieser Schuppen aber entsteht die Monadelphie.
Geraniaceen. Auch hier nimmt Agardh (das. S. 134.) eine
dichotomische Inflorescenz an und findet, dass bei Geranium eine der
beiden Seitenblüthen, die gewöhnlich aborlirl , z. ß. bei G. sylvalicum
und ibericum zuweilen als dritte Blüthe zur Entwickelung gelangt.
Die eine der beiden gewöhnlichen Blüthen entwicklt sich als Termi-
nalblülhe früher und hat keine Braktee : die andere hat deren zwei,
indem dies die Stipulen einer verschwundenen ßrakteallamina sind.
Die Aestivalion des Kelchs stimmt mit der der Tropaeoleen überein,
die Blumenblätter aber sind nach quincuncialer Norm imbrikativ: eins
der vordem und seitlichen ein inneres, die drei andern conlorquirt.
Die Staminen sind nach dem Typus der Oxalideen gebaut: nur werden
die Schuppen hier durch die Drüsen ersetzt. Die 5 Karpophyllo ste-
hen der Blumenkrone gegenüber , wie bei den üxalidcen , nicht dem
Kelche, wie bei den Tropaeoleen.
Meliantheen. Planchon's Arbeit über diese Gruppe (siehe
Jahresb. f. 1848. S. 78.) erschien in den Verhandlungen der Linnean
Society (Transact. 20. 3. p. 403—418.).
Ter ebi n th a ce en. Payer untersuchte die Entwickelung der
Blülhe von Rhus und Mangifera (Comptes rendus, 31. p. 938). Die
Ausbildung des Pistills von Mangifera beschreibt er ähnlich , wie Bu-
chenau bei den Leguminosen. Bei Rhus entseht, nach P. , der Griffel
des fruchtbaren Pistills früher als die beiden anderen, deren Ovarien
fehlschlagen, aber in jiingeren Zuständen sichtbar sind.
Euphorbiaceen. Pringsheim untersuchte die Entwicke-
lung des Pistills von Mercurialis annua (Bot. Zeit. 9. S. 97. 113. l. 3.).
Er zeigt, dass die beiden Narben zwar zuerst angelegt, aber später als
das Ovarium ausgebildet werden , und giebt dadurch einen neuen Be-
weis für den morphologischen Satz, dass die secundären Bildungspunkle
eines Blatls in den verschiedensten Zellengruppen seines longitudinalen
Durchmessers und namentlich auch in der Spitze desselben liegen kön-
nen. Das Ovarium entsteht, wie die Röhre einer Sympetalen Corolle,
als eine ringsgeschlossene Scheide , die an der Basis aus den) Torus
hervorgeschoben wird. Das Dissepiment desselben bildet sich wie eine
centrale Placenla und zeigt ebenfalls (gleich dem Internodinm von Po-
lygonum) basilares Wachsthum, schliesst aber in dem obersten Räume
der Ovarialhöhle die beiden Fächer nicht vollständig von einander ab
(Fig. 14.), sondern lässt dem einfachen GrilTelkanal daselbst einen Ein-
gang nach beiden Seiten übrig Die morphologischen Folgerungen,
welche der Verf. über das AVachsthum von Blall und Axe aus der Ver-
gleichung des Pistills und der Placenla von Mercurialis schöpft, sin4
394 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
nicht neu: sie entsprechen den vor Jahren von mir mitgetheiltcn Er-
gebnissen über das W'achsthum der vegetativen Organe, die Hofmeister
auch an kryptojfamischen Pflanzen bestätigt (Vergl. Untersuch. S. 141.).
Die Eier bezeichnet P. als atrop, da sie, nach ihm, von einem aus
der Spitze des Dissepiments nach abwärts wachsenden Funiculus aus-
gehend , aufgerichtet mit der Nucleusspitze an die obere Wand des
Ovariums reichen , ohne gekrümmt zu sein. Er fügt hinzu , dass das
äussere Integument nur an der äussern Seite des Ei's vorhanden sei,
an der Funiculus-Seite dagegen fehle. Da er indessen bemerkt, dass
die Placentation von Euphorbia übereinzustimmen scheine (S. 117.), so
ist ihm wahrscheinlich hiebei die Täuschung begegnet, dass er die
innere Seite des äusseren Integuments für einen Funiculus hielt und
dass er, befangen durch diesen Irrthum, das analrope , hängende Eu-
phorbiaceenei als ein alropes, aufrechtes deutete : wäre diese Vermu-
thung nicht begründet, so würde Mercurialis von dem Charakter der
Familie sich durch eine bemerkenswerthe Anomalie entfernen. — Tu-
lasne tritt, gestützt auf eine neue Analyse, der Ansicht Lindley's bei,
dass Putranjiva , die bei Endlicher eine besondere Gruppe neben den
Anlidesmeen bildet, zu den Euphorbiaceen zu transponiren sei, aber
nicht zu den ßuxeen , sondern zu den Phyllantheen (Ann. sc. nat. III.
15. p. 252.). Ebenso erklärt er die Scepaceen (Scepa und Lepidosta-
chys) ebenfalls nach Lindley's Vorgange, so wie die im Systeme neben
Antidesma gestellte Gattung Falconeria für Euphorbiaceen (das. p. 253
— 256,): die letztere müsse neben Sapium, also bei den Hippomaneen
stehen. Ueber Wallich's Hymenocardia, die man allgemein zu den Sce-
paceen gebracht hat, blieb T. zweifelhaft: „minus Euphorbiaceum ge-
nus videlur quam praecedenlia, et propius fortassis ad Andidesmeas ge-
nuinas accedit« (p. 256.). Nach seiner ausführlichen Beschreibung von
zwei neuen senegambischen Arten, scheint sie jedoch unter die ächten
Euphorbiaceen aufgenommen w^erden zu können. Es ergiebt sich näm-
lich daraus folgender Gattungscharakler : ^ 5-7,0, 5-7; sepala con-
nata, stamina toro circa ovarii rudimentum inserta, uniseriala, anlheris
inlrorsis; — $ 5, 0, 2; sepala basi connata; ovarium biloculare, lo-
culis biovulatis , ovulis analropis pendulis, stigmalibus distinclis; Sa-
mara loculis monospermis, embryone reclo incluso, cotyledonibus folia-
ceis, endöspermio carnoso; — folia inlegerrima slipulala; flores mas-
culi amentacei , foeminei solitarie axillares, — Neue Gattungen:
Cremostachijs Tul. (das. p, 259.) = Anlidesma filiforme Bl. etc. , zu
den Croloneen gestellt; Anomospermwn Dalzell (Hook, Journ. of F>ot.
3. p. 228.): Baum im westlichen Ilindostan, zu den Phyllantheen ge-
stellt, aber mit eiweisslosem Samen ; nach dem Verf. gehören wahr-
scheinlich zu demselben Typus, dessen Stellung mir zweifelhaft scheint,
Cluylia collina und palula Roxb.
RhRmnecn, Neue Galtung: Androglossum Champion und
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 395
Benth. (Hook. Journ. of Bot. 4. p. 42.) : von Hongkonjj, als verwand-
tes Glied dieser Familie angereiht und wejjen unvollständiger Analyse
zweifelhaft. Der gegebene Charakter enthält Folgendes: 5, 5, 5, 2 ;
sepala basi connata, aeslivalione valvata ? ; pelala disco inserta, inibri-
cativa ; stamina cum pelalis inserta iisque opposita ; ovarium disco
5-dentato cinctum , superum , carpidiis subdistinctis bipartihile , ovulis
ulrinque geminis horizontalibus amphitropis, slylis vix connexis; drupa
carpidio altero abortiente monosperma , semine albuminoso?; — folia
integerrima, exstipulala, floribus parvis racemosis.
Nitrarieen. Fayer's Untersuchung der Blüthenentvvickolung
von Nilraria (a. a. 0.) bestätigt die Ansicht, dass die Staminen mit der
Corolle alterniren (s. vor, Jahresb. S. 86.) : ursprünglich sind nach ihm
nur 5 Staminen vorhanden und diese theilen sich in je drei Segmente,
ähnlich wie bei den Malvaceen.
Staphyleaceen. Neue Gattung: Et/re« Champ. Bonth. (Hook.
Journ. of Bot. 3. p. 331.) = Staphylea simplicifolia Gardn. Champ.,
sehr abweichend durch ein Ovarium triloculare, slylo simplici , sligmate
parum lobato. Hiebei bemerkt B., dass die Staphyleaceen den Sapin-
daceen weit näher stehen, als den Celastrineen,
Folygaleen. Fayer untersuchte die Entwickelung der Fo-
lygaleenblüthe beiPolygala speciosa (Ann. sc. nat. III. 15. p. 346 — 351.
und Compt. rend. 32. p. 871.). Die beiden abortirten Fetalen entste-
hen nach ihm gleichzeitig mit den übrigen und verschwinden demnach
nicht dureh idealen, sondern durch wirklichen Abort: die Sepalen ent-
wickeln sich dagegen successiv , die Alae zuletzt. Der äussere , dem
Kelch opponirte Staminen - VVirlel , dessen hinteres Glied fehlt , bildet
sich früher, als der innere, bei welchem das vordere, der Carina ent-
sprechende Organ nicht vorhanden ist : indem die Inserlionslinie auf
beiden Seiten der Blülhe sich hebt und vom Torus sich absondert, wer-
den die Staminen diadelphisch. Das Dissepiment des Fistills ist ein
Axenfortsatz zwischen dem vordem und hinteren Karpophyll , wächst
aber, wie bei IMercurialis, centrifugal; der einfache GrifFelkanal mündet
in beide Fächer über der Scheidewand. Der Arillus ist nach F. eine
Excrescenz des äusseren Inleguments. — Irmisch beschreibt den
Arillus von Folygala chamaebuxus, der dreilappig und so gross ist, dass
die Seitenlappen bis zur Spitze des Samens reichen (Regensb. Fl. 1851.
S. 504.).
Trema ndreen. Fayer's Vergleichung mit den Folygaleen
(das. p. 351 — 354.) berührt die später von Steetz zwischen beiden
Fflanzengruppen nachgewiesenen Differenzen nicht. Seine Behauptung,
dass bei Tetratheca jedes Fetalum mit 2 Staminen wechseln, hei Tre-
m.Tndra dagegen 5 Slaminen den Felalis opponirt, 5 alternirend ständen
kann erst gewürdigt werden, wenn in der Folge die Arbeil von Sleet25
über diese Familie zu besprechen sein wird.
396 Grisebacli: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Meliaceen. Nach A. Bertoloni (Mise, bolan. 9.) slammt
das Mafura-Oel von Mozambique von einer unbeschriebenen Sapinda-
cee, welche er Mafureira nennt: Sir W. Hook er aber reducirt die-
selbe zu der Meliacee Trichilia und hält sie kaum von T. emetica für
verschieden.
Au r an ti aceen. Neue Galtung : Piptoslylis Dalz. (Hook. Journ.
of Bot. 3. p. 33. t. 2.): Strauch in Canara , zwischen Bergera und
Seleroslylis gestellt und vorzüglich durch die basilare Gliederung des
Griffels unterschieden. Zugleich verbessert D. den Charakter von Ber-
gera, indem B. Königii hängende und ursprünglich paarweise im Fä-
cher neben einander gestellte Eier hat, von denen das eine in der Re-
gel verloren geht.
Olacineen. Miers pubücirte Bemerkungen über die Ver-
wandtschaft dieser Familie (Ann. nat. bist. JI. 8. p. 161 — 184.). Bei
der Methode des Verf., Analogieen und Beziehungen unter den ver-
schiedenartigsten Familien aufzusuchen, ist es schwer oder vielleicht
unnöthig, von seinen Ansichten vollständige Rechenschaft zu geben:
denn einige seiner Folgerungen, wie die Trennung der Visceen (Vis-
cum, Myzodendron und Lepidoceras) von den übrigen Loranthaceen als
selbständige Familie, oder die Verbindung der Ebenaceen mit den Ano-
naceen zu einer Klasse, sind wenig geeignet, seinen systematischen
Reformen Eingang zu verschaffen, M, will , indem er übrigens den
Zusammenhang zwischen den Olacineen, Santalaceen und Loranthaceen,
freilich ohne von dem Bau des Eies eine deutliche Vorstellung zu ha-
ben , durch verbindende Typen nachweist, aus diesen drei Familien,
aber auch zugleich aus den Slyraceen und Myrsineen eine Klasse bil-
den, welche er Cionospermae nennt und zwischen die Beiberideen und
Papaveraceen stellt (p. I6ö. ). Die Icacineen betrachtet M. als
selbständige, aber kaum von den llicineen zu trennende Familie und,
wenn, was er über den Bau ihres Samens sagt (;,seed covcred wilh the
usual tesla and integnmental envelopes" p. 173.), sich bestätigen sollte,
so würde ihre Absonderung von den Olacineen, von denen sie ausser-
dem durch den Bau des Ovoriums so bedeutend abweichen, gerechtfer-
tigt erscheinen. Ausserdem hel>t M. noch hervor, dass bei den ächten
Olacineen die Staminen entweder der Corolle gegenüber stehen oder
verdoppelt sind, bei den Icacineen dagegen stets alterniren. Als ächte
Olacineen betrachtet M. die Typen: Ximenia, Heisteria, Olax, Schöpfia,
Strombosia , Cathedra, Jodina, Liriosma , Opilia, Arjoona , Quinchama-
lium , JMyoschilus und zwei neue Galtungen: Agonandra und Endusa
(p. 172). Die Icacineen aber bestehen nach ihm aus: Icacina , Map-
pea , Apodyles , Rhaphioslylis, Slemonurus (= Gomphandra) , Leretia,
Fhlebocalymna , Sarcosligma, Poiaqueiba, l'ennantia, Ftycopetalum,
Pogopelalum und Dcsmostachys (p. 174,). — Um die Grenze zwischen
den Olacineen und Santalaceen zu bestimmcD, schlägt M. vor, Myos-
und systemalischen Botanik nährend des Jahres 1851. 397
chilos und Quinchamaliuin noch als ülacineen , Cervanlesia als ersten
Typus unter den Sanlalcen zu betrachten, die dann v% eiler zu Alida,
Exocarpus und Santalutn fortschreitet. So begrenzt, haben nach ihm
die Olacineen eine vom Kelche abgesonderte, obere und nur durch
Diskusbildungen scheinbar eingesenkte Frucht , Insertion der fetalen
und Staminen auf dem Rande des Diskus, Gliederung der Staminen an
ihrem Insertionspunkle : die Santaleen dagegen Insertion der Staminen
auswärts vom Diskus auf dem Perigonium , welches M. der Olacineen-
Corolle gleich setzt. — Bursinopetalum, welches W i g h t zu den üla-
cineen zog, ist nach M. eine llicinee und Cansjera, die von Beut harn
zu den Ülacineen Iransponirt wurde, wird von ihm zu den Thymclaeen
zurückversetzt. — Von Liriosma giebt M. eine monographische Bear-
beitung (das. p. 103 — 107.) und emendirt den Charakter dieser Gat-
tung: Slamina fertilia 3, petalis allerna et ante suturam cuiusque pa-
ris Sita, e margine disci cupuliformis oriunda, antheris intiorsis qua-
drilocularibus 4-lobis valva quadruplici dehiscenlibus ; sterilia 6, peta-
lis opposita ; discus calyci adnatus, margine slaminifero libero inflexo ;
ovarium liberum, mox disco adnaluni, glandula epigyna tectum, inferne
seplis incompletis 3-loculare, superne uniloculare , ovulis 3 suspensis
anatropis, stylo simplici ; drupa monosperma, demum calyci adglutinata,
embryone minuto. — Neue Gattung: Diplocrater üenth. (Hook.
Journ. of Bot. 3. 367.), Baum am Amazonentluss mit folgendem Cha-
rakter : — , 5, 5, 2 ; calyx cupulilormis, integer, involucro simili cin-
ctus, disco pelalifero intus vestitus, margine libero angustissimo ; petala
staminaque ipsis opposita e margine disci perigyna ; ovarium basi bi-
loculare, ovulis 2 suspensis, stylo simplici; lolia alterna, exstipulata,
glabra.
Tamariscineen. Nach Payer (a. a. 0.) stehen bei Alyrica-
ria die 3 Griffel den Placenten gegenüber , nicht bei Tamarix. Die
ursprünglichen Karpophyllspitzen , die bei Tamarix die Griffel bilden,
sollen, nach ihm, bei Alyricaria schwinden und durch Placentarfortsätze
ersetzt werden. Die anatropen Eier haben zwei Integumente.
Gultiferen. Neue Gattung: Androslylium Miq. (stirp. surin.
in Natuurk. Yerhandl. Maatsch. Haarl. 11. 7. p. 93.) = Clusia Fo-
ckeana Miq.
Canelleen. Jliers bemerkt (Ann. nat. hist. II. 7. p. 206 ),
dass die drei zu dieser Gruppe gerechneten Typen seiner Ansicht nach
zu drei verschiedenen Familien gehören, nämlich Platonia zu den Gut-
tiferen, Canella wahrscheinlich zu den Humiriaceen und Cinnamoden-
dron zu den Aptandraceen (s. u.).
Dipterokarpeen. Junghuhn bearbeitete eine umfassende
Monographie des sumalranischen Kampherbaums (Dryobalanops Cam-
phora) , worin die Naturgeschichte, geographische Verbreitung und
technische Benutzung gleichmässig berücksichtigt sind (Nederl. kruidk,
398 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Arch. 3. 1. p. 1 — 89. cum tab.) : eine liistorische Einleitung fügte de
Vliese hinzu (p. 1 — 37.). Die geographische Verbreitung erstreckt
sich von Ajcr Bangis bis Singkel (!<> 10' — 2° 20' N. Br,). Hier ragt
der Baum in der Küstenregion (0' — 1200') hoch aus den übrigen Be-
standlheilea des Waldes hervor. Der emendirle Charakter ist : 5, 5,
00 , 3 ; sepala connala , limbo demum in 5 alas patentes excrescente ;
petala cum slaminibus hypogyna, basi connexa ; stamina monadelpha,
basi corollae adnexa , antheris elongalis ; ovarium triioculare, loculis
biovulatis , slylo simplici; Capsula unilocuiaris, monosperma, trivalvis,
semine inverso, colyledonibus inaequalibus carnosis contortuplicatis; —
folia alterna, exstipulata ? , floribus paniculalis.
Phytolacceen. Neue Galtung': Trichosligma Rieh. (FI. cub.
I. p. 627.) = Rivina octandra L., von den übrigen Rivinen unterschie-
den durch die Zahl der Staminen, antherae extrorsae , ovarium stipita-
lum, Stigma sessile piliferum, pericarpium carnosum.
Mesembryanthemeen. Payer's Entwickelungsgeschichte
(Compfcs rendus, 33. p 33.) enthält mehrere der Bestätigung bedürfende
Angaben: namentlich, dass die Slaminen sich durch Theilung, wie bei
den Alalvaceen, vervielfältigen und dass die zuerst gebildeten mit den
Sepalen allerniren, ferner dass die eigentlichen Pelalen abortiren, die
Corolle aber spät aus einer Morphose von Filamenten entstehe. Bei
JVlesembryanlhemum cordifolium, wo die Zahl del Karpophylle der der
Sepalen entspricht, stehen die beiden Wirtel opponiit. Die Placenten
sind central.
Cacteen. Nach Payer (das. p. 35.) unterscheidet sich diese
Familie unter Anderem dadurch von Mesembryanlhemum , dass an den
parietalen Placenten die unteren Eier früher entstehen, als die oberen.
Die Placenten haben Anfangs eine hufeisenförmige Gestalt; indem die
Arme von je zwei Placenten zusammentreffen, entsteht der Schein, als
ob sie den Narben gegenüberständen. Die beiden äusseren Wirtel der
Blüthc bilden sich auf einer einzigen Insertionsspirale ; die Staminen
entwickeln sich successiv auf dem Rande der Ovarienhöhle.
Cucurbitaceen. Von Gasparrini erschienen systemati-
sche und morphologische Mittheilungen über Cucurbita (Giorn. bot. it.
II. 2. p. 228 — 24l ). Er erkennt unter den bei Neapel allgemein kul-
livirten Cucurbitaceen zwei unbeschriebene, ausgezeichnete Arten : die
Zuccherina ist seine C. macrocarpa (p. 231.), von der verwandten C.
maxima besonders durch eine Bacca laevis, inferne solida, apice lan-
tum seminifera verschieden ; die Marmorala ist C. melanospernia G.
(p. 232) mit gelb- und weissgeflecklem Perikarpium und schwärzlichen
Samen. Bei diesem Anlass wiederholt er ausführlich die Gründe, wel-
che für die Blatlnalur der Cirihi sprechen (s. Jahresb. f. 1848. S.80.)
und giebt eine vollständige Beschreibung seiner Gattung Pileocalyx
(p. 242— 246. s. ebenda S. 81.). — v. Seh lec htendal gab eine mo-
und systematischen Botanik vviiluenil des Jahres 1851. 399
nographische Revision von Anguria, die er in 5 nalürliche Sektionen
llieill (Linnaea, 24. p. 701— 791 ).
Cistineen. Payer (Comptes rendus , 33. p, 238.) behauptet,
dass bei Cistus die beiden äusseren Biüthenwirlel zwar in normaler
Stellung stehen, bei llelianthenium dagegen die Fetalen den Sepalen
opponirt seien : ich sehe in der entwickelten ßlülhe. z. ii. von H. gut-
tatum das (jegenlheil. Von den Slaminen sollen zuerst 5 entstehen,
die dem Kelche gegenüberstehen, hierauf 5 mit jenen aiternirende Bün-
del (St. composita).
JNymphaeaceen. Planchon theilte seine Ansichten über
den Torus dieser Familie mit, die sich denen Schleiden's annähern (v.
d. Houlte M. des serres. 1851. Juin).
Capparideen. Die sechs Staminen von Oleome bilden, nach
Schacht (d. Mikroskop, S. 159. t. 4. 5.), einen einzigen VVirtel. Das
Ei hat zwei Integuniente.
Cruciferen. Neue Gattungen: Guiraoa Coss. (notcs sur qu.
pl. nouv. p. 97.) : annuelle Raphanee aus Murcia, von dem nahe ver-
wandten Rapislrum durch Articuli biloculares dispermi, superiori oclo-
costato verschieden; Hemicrambe Wb. (Ann. sc. nat. 111. I6. p. 248.
l. 19.) : Halbstiauch von Tetuan in Marokko , ebenfalls zu den Rapha-
neen neben Enarthrocarpus und Didesmus gestellt.
Anonaceen. Neue tiattung: Sageraea Dalz. (Hook. Journ. of
Bot. 3. p. 207.): Baum im westlichen llindostan, aus der Gruppe der
Bocageen, mit dem Char. : 3, 6, 12, 3 — 5; petala imbricativa; anthe-
rae sessiles, lineares; carpidia sessilia, ovulis 10; bacca 6-sperma.
M eni sp e rm een. Miers hat werthvolle Untersuchungen über
diese Familie publicirt, die er in ihrem alten Umfange anerkennt, obgleich
die verschiedenartige Bildung des Embryo zn Trennungen Veranlassung
geben könnte (Ann. nat. hist. II. 7. p. 33 — 45 ) Er adoptirt De Can-
dolle's Ansichten über die Stellung der Familie in der Nähe der Ra-
nunculuceen , von denen sie sich durch die Beschränkung des Endo-
sperms entfernen. Zahlreich sind die Typen , welche M. neu unter-
schieden und grösstentheils scharf charakterisirt hat. Sein System der
Familie ist folgendes: Trib. 1. Heteroclineae. Embryo homotropus, co-
tyledonibus foliaceis divaricatis et intra laminas albuminis 2 in locellis
distinctis singulatim inclusis (lamina dorsali' siniplici , ventrali crassiori
saepissime profunde ruminata, rarissime simplici), radicula brevi tereli.
Coscinium, Anamirta, Calycocarpum, Odontocarya Mrs. (p. 38.): aus Bra-
silien = Cissampelos Fl llum. t. 136. 137. (dekandrisch) , Tinospora
Mrs. (ib.) = Cocculus cordifolius \)C , convolvulaceus DU. , crispug
DC, nsalabaricus DC, lacunosus DC, tomentosus Colebr., glaucus DG.,
flavescens DÜ., Bakis Rieh. (Stam. 6, anlheris immersis longitudinaliter
dehisc), Jateorrhiza (Jahresb. f. 1849. S. 74.) , Burasaia (hieher trans-
ponirt von den Lardizabaleen), Chasmanthera Höchst, (emendirt: Slam. 6,
400 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
filamenlis dilalatis membranaceis) , Fibraurea Lour. (restauiirt: Slam. 6.,
filanientis pelalo involulo adnalis), Farabaena Mrs. (p. 39.) = Cissamp.
oleracea Wall., sagillala Wall, und 2 sp. von Grilfith (Slam. 1, fila-
menlo gracili, antheiis 6 bilobis capitalis).
Trib. 2. Anomospermeae. Embryo heterotropus, teres, intra al-
bumen copiosum ruminalum inclusus, colyiedonibus accumbentibus cur-
vatis, radicula recta ad styluni excentricuni spectante. Sepala imbrica-
tiva. IJiezu bemerkt der Verf., dass die Radicula der iMenispermeen
stets nach der organischen Spitze des Pistills gerichtet sei (r. supera)
und dass, wenn man eine R. infera angegeben habe , nur das schiefe
Wachsthum der Fiucbt Ursache eines solchen Irrthums sei. — AnO"
mospermum Mrs. (p. 39.) : aus Brasilien und Guiana (Felala carnosa).
Trib. 3. Tiliacoreae. Embryo hippocrepice campylolropus , intra
albumen copiosum ruminatum inclusus , cotyledonibus foliaceis incum-
bentibus. Sepala valvata. — Tiliacora, Abula (die Stellung der letzte-
ren Galtung ist problematisch).
Trib. 4. Lcptogoneae. Embryo hippocrepice ca-mpylotropus, in-
tra albumen simplex parcum inclusus , colyiedonibus terelibus subin-
cumbentibus. Sepala imbricativa.
Subtrib. 1. Eleiilkarrheneae. Stamina distincla. Ovaria 3. Se-
pala ö. — Alenispermum = M. canadense, davuricum und smilacinum
(^ Fetala 0, slam. 12—18; $ Fet. 6), Pericampylus Mrs (p. 40.) =
Coccul. incanus ÜC, corymbosus Bl., 3Ienisp. villosum Roxb., Cissamp.
convolvulacea DG., mauritiana Wall., discolor Wall. (^ Fet. 6, stam.
6 libera ; $ Fet. 6 cunealo-auriculata), Hypserpa iMrs. (ib.) = Coccul.
cuspidatus W^all. elc. (von vorigem nur durch Stam. 6 — 9 unterschie-
den), Pselium Lour. (restaurirt: ^ Fet. 6, stam. 6 monadelpha; $ un-
bekannt).
Sublrib. 2. Cissampelideae. Stamina in unicum coalita. Ova-
riuml. — //eo ca r/JMS JVlrs. (ib.) = Coccul Schimperi Höchst. ($ Fet. 3),
Homocnemia Mrs. (ib.)"= Cissamp. umbellala E. Mey ($ Fet. 4), Ste-
phania Lour. (non W.) = Cissamp. hexandra Roxb. , hernandifolia W.,
discolor DC. , convolvulacea DC, glabra Wight, australis Cunn. , Cly-
pea venosa ßl. (^ Sepala 6, pet. 3, anlherae lobi 6 peltatim affixi;
$ Pet. 3), Clypea Bl. = Cl. acuminala und capitata Bl. ( 7| Sep. 4,
pet. 4 connata , anlh. lobi 2 pellatim alfixi, $ unbekannt); Cyclea
Wight (p. 41.) = Cocc. Burmanni W. A., Cissan.p. discolor und bar-
bata Wall. Q-7\ Scp. 8, pet. 4 connata, anlh. lobi 4 conglobali; $ un-
bekannt), Cissampelos (^ Sep. 4, pet. 1 poculiforme, anth. lobi 4-12
pellatim alfixi; $ pet. 1), Anlizoina Mrs (p. 41.) = Cissamp. calcari-
fera und anguslilolia Burch. (von voriger nur durch 2 Fetalen der
weiblichen Blülhe unterschieden), Rhaplomeria Mrs. (ib.) = Cocculus
Burmanni DC. (non W. A.) etc. von Ceylon (^ Sep. 1, pet. 1 glo-
bosum, anlh. lobi 6 peltatim afüxi; $ Fei. 1).
und systematischen ßotanik während des Jahres 1851. 401
Trib. 5. Plalygoneae. Embryo hippocrepice campylolropus, inlra
albumen simplex parcum inclusus, cotylcdonibus foliaceis incumbenli-
bus. — Cocculus: sichere Arten sind nur drei nachgewiesen, nämlich
C. carolinianus DC, Cebathi DG. (Syn. C. Leaeba , Epibalerium und
elliplicus DC.) und oblongilolius DC. (Felala 6 emarginato-involula ;
nux condylo bicamerato ulrinque perforato) ; Nephroica Äirs. (p. 42.)
= Cocc. Nephroia DC., diantherus Hook., ovalifolius DC, trilobus DC,
cynanchoides Frl., bantamensis Bl. , Ferrandianus Frl., laurifolius DC,
mollis Wall., Älenisp. hexagonum und paraboJicum Roxb. etc. (Ret. 6
acute bifida; nux Cocculi); Holopeira Mrs. (ib.) = Cocc. villosus DC.
(Pet. 6 obluse bifida; nux condylo bicamerato foraminibus 3 perforato) ;
Diploclisia Mrs. (ib.) = Cocc. macrocarpus W. A. etc. (Fet. 6 cuneata,
auriculala, apice dentata ; nux condylo septiformi hippocrepice bimar-
supiala).
Trib. 6. Fachijgoneae. Embryo exalbuminosus , hippocrepice v.
fere annulari- campylotropns, cotyledonibus crassis magnis , radicula
parva. — Anelasma Älrs. (ib.) = Abuta concolor Foepp. t. 188., Coc-
cul. domingensis DC (Deless. ic. t. 96.) etc. (^ Fet. 0; $ Ovaria 3,
cotyledoiies hippocrepicae) ; Limacia Lour. (restaurirt : _J1 Pet. 0; $
un])ekannt) = Cocc. velulinus und oblongus Wall., dazu das triandri-
sehe Subgenus Slereoclea = Menisp. triandrum Roxb.; Pleogyne Mrs.
(p. 43.) aus Australien (^y^ Pet. 6; $ Ovaria 6, colyledones cyclicae);
Bolryopsis Mrs. (ib.) aus Brasilien = Cocc. plalyphyllus St. Hil. etc.
(j^ Pet. 6 ; $ Ovaria 6, colyledones hippocrepicae) ; Pachygone Mrs.
(ib.) = Cocc. Plukenetii DC. , Wightianus Wall. , brachystachys DC.
und wahrscheinlich leplostachys DC. (^ Fet. 6 ; $ Ovaria 3, colyle-
dones cyclicae, flores racemosi) ; Sciadotenia Mrs. (ib.) von Cayenne
(^ unbekannt; $ durch flores umbellali von dem vorigen unterschie-
den). Von 5 Galtungen ist die Stellung, da der Embryo unbekannt
blieb, unentschieden : Chondodendron R. F. Hyperbaena Mrs. (p. 44.)
gleich dem folgenden ohne Charakteristik, umfasst mehrere südameri-
kanische und eine mexikanische Art; Tinomiscium Mrs. (ib.) = Coc-
cul. peliolaris Wall., coriaceus Hook. etc. ; Pycnarrhena Mrs. (ib.) =s
Coccul. planifolius Wall.; Anlilaxis Mrs. (ib.) von Malakka.
Ausgeschlossen sind: Jodes Bl., als Phytokrenee und Meniscosta
BI. als Synonym von Sabia. — Zweifelhafte" Menispermcen sind dem
Verf. Spirospermum Th. , wegen der Form des Embryo, und Agdestis,
wegen der Synkarpie und des Hermaphroditismus.
Aptandrace en. Ein Baum, den Spruce am Amazonenflusse
anlraf und der mit Endlicher's Cinnamodendron nahe verwandt zu sein
scheint, hat Miers Veranlassung gegeben, die neue Gattung Aplandra
aufzustellen und , wiewohl die Frucht noch ganz unbekannt ist, auf
diese unvollständigen Materialien eine neue Familie zu gründen , wel-
cher er eine Stellung neben den Berberideen anweist (Hook. Journ.
Archiv f. Nalurgesch XVIII, Jahrg. 2. Dd ^ A
402 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
of Bot. 3. p. 116. und Ann. nal. hist. II. 7. p. 200—207.). Der Cha-
rakter von Aptandra , in welchem bei grössler Ausführlichkeit doch die
deutlichen Angaben über die anscheinend hypogynische Insertion verniisst
werden, ist folgender : 4,4,4,2; calyx brevissimus, 4-denlalus; petala
carnosa, lineari-linguiiormia, demum reflexa, aeslivatione valvata, squamis
petaloideis liberis alternantia ; slamina pcnilus coalita, synantherea ,
petalis opposita, antheris bilocularibus extrorsum valva dehiscenlibus;
ovarium superum, interne biloculare , ovulis utrinque solilariis suspen.
sis analropis , stylo simplici; — arbuscula foliis alternis exstipulatis
penninerviis, paniculis axillaribus, floribus minimis. Aus der Verglei.
chung, welche 31. durch die verschiedenartigsten Familien ausführt, er-
giebt sich, dass Aptandra mit den Hamamelideen und mit Cinnamoden-
dron die meisten Analogieen darbietet. Die Stellung der Staminen könnte
wohl als normal betrachtet werden, wenn man M.'s Squamae petaloi-
deae als einen inneren Corollenwirtel auffasst.
Grass ulaceen. Fenzl reducirt Thysantha und Tetraphyle zu
Crassula, indem diese Gattung stets am Grunde verwachsene Fetalen
und hypogyne, den Ovarien anhängende Schuppen besitze (lud. sem.
Vindob. in Linnaea, 24. p. 235.).
Umbelliferen. Buchenau untersuchte die Entwickelungs-
geschichte der Umbelliferen -Blüthe bei ßupleurum falcatum (Beitr.
S. 16.). Der Kelch fehlt nach B. schon ursprünglich; die Commissur
soll als einfacher Axenfortsatz entstehen und erst später sich zu zwei
Lamellen sondern; die beiden Kanäle, durch welche die Befruchtung
stattfindet, sollen zwischen beiden Griffeln in eine gemeinsame Apertur
nach aussen münden (B.'s Griffelspalte). Das Ei besitzt nur ein Inle-
gument. — Auch diese Arbeit strebt, wie die meisten Untersuchungen
über Blüthenentwickelung , die Grenze zwischen Axen - und Blattor-
ganen zu bestimmen : allein ich übergebe ein für allemal diese mor-
phologischen Versuche, die der Systematik keine Ausbeute gewähren,
da sie nicht wirkliche Bildungsgegensätze enthüllen , sondern nur auf
thoretische und, wie ich glaube, unbegründete Voraussetzungen sich
stützen. Denn die Enlwickelungsgeschichte leistet nichts, um die Frage
über die Axennatur eines Pistills, nicht einmal um die eines unteren
Ovariums zu entscheiden. Die becherförmige Aushöhlung, welche
Endlicher und Schieiden der Axe zugeschrieben haben, entsteht bei
dem Ovarium inferum nicht etwa durch Besorption von Torusgeweben,
sondern durch eine Bildung am Torusrande, d. h. ganz auf dieselbe
Weise , wie bei den Sympodien der äusseren Blüthenwirlel , oder wie
bei manchen freien Ovarien, die man als Stengelpistille betrachtet hat.
Cenlrifugales o.ler centripetales Wachsthum kann , wenn es möglich
wäre, es in diesem Falle zu unterscheiden, auf so später Bildungsstufe
für die Blatt- oder Axennatur nichts beweisen. Der vorzüglichste
Grund, weshalb man früher der Vorstellung von 4 im Ovarium inferum
und systematischen ßotanik während des Jahres 1851. 403
zusammengefügten Blattwirleln sich hingab und später demselben die
Axennatur vindiciren wollte, lag in der vermeintlichen Schwierigkeit,
die Insertion eines Blatts auf dem anderen zu erklären: allein diese
Schwierigkeit ist nur scheinbar. Denn die epigynische Insertion ist analog
der epipetalischen Insertion von Slaminen, bei welchen die petalinische
Textur des Sympodiums die Annahme von AxenbiMungen ausschliesst.
Hier ist es leicht zu verfolgen, wie die Inserlionslinien beider Wirtel
Anfangs gesondert, aber dicht über einander am Torus liegen, dann zu
einer einzigen verschmelzen, deren Blattproduklion keine W'irtelgrenze
mehr erkennen lässt, also zeigt, wie zwei Blattwirtel ein gemeinschaft-
liches Sympodium erhalten können, gleich wie zwei gesonderte Blätter
durch Vereinigung ihrer basilaren Bildungspunkte zu Bildungslinien
verschmelzen und eine Röhre erzeugen , in welcher die Grenzen der
einzelnen Organe verloren gehen. Wenn die Entwickelungsgeschichte
über die Axennatur von Pistillen keinen Aufschluss ertheilt, so kann
nur die Analogie leiten und diese spricht für die Blaltnatur aller
Pistille, mögen sie im entwickelten Zustande auf ihrer Aussenfläche
Blattorgane tragen oder nicht. Will man hingegen die Analogie nicht
gelten lassen und sich darauf berufen, dass auch in anderen Fällen
physiologisch gleichwerthige Organe aus morphologisch verschiedenen
Elementen hervorgehen, so muss man doch einräumen, dass bis jetzt
keine Beobachlungsmethode exislirt, um die Pistille , sei es auf Axen,
sei es auf Blätter , mit wissenschaftlicher Strenge zurückzuführen , und
dass die- Bestrebungen , dieses Ziel zu erreichen, so anerkennenswerth
sie übrigens sein mögen, für die Systematik noch keine Bedeutung er-
langt haben. — Neue Gattungen: Guillonea Coss. (notes, p. 109.)
= Laserpitium scabrum Cav. (Syn. L. canescens Boiss.), unterschieden
durch Petala ovata integra und Ovarium tomentosum ; Geocaryum Coss.
(das. p. 112.) = Myrrhis capillifolia Guss. , die von ßoissier zu Co-
nopodium gezogen war, aber von dieser Gattung durch eine schmalere
Frucht und durch Valleculae univittatae, so wie von Freyera durch
Tuga filiformia abweicht.
Ericeen. Klotzsch hat durch eine wichtige systematische
Arbeit, welche er Studien über die natürliche Klasse Bicornes nennt,
seinen früheren Monographieen über die Ei-iceen ein sehr bedeutendes
Glied hinzugefügt (Linnaea, 24. S. 1 — 88-). Um den Charakter der
Klasse fester zu begrenzen, legt K. mit Recht (ausser den tetraedrisch
verbundenen Pollenzellen) das Hauptgewicht auf die geringe Ausbildung
des Embryo's , der stets gefässlos sei und bei den Pyroleen sogar die
Blaltorgane verliert. Die Vaccinieen vereinigt K. mit den Arbuteen
und Andromedeen zu einer einzigen Gruppe , seinen Siphonandraceen.
Er beweist , dass die Älonotropeen und Pyroleen eine einzige Familie
bilden, da die Struclur des Samens genau übereinstimmt, die Monotro-
pee Schweinizia die Porodesiscenz der Anlheren besitzt und der Para-
404 Grisebach: ßericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
sitisinus den Pyroleen nicht fremd ist. K. theilt die Klasse der Bicor-
nes in 7 Ordnungen, von denen ich vielmehr die 3 längst in das Sy-
stem aufgenommenen als Familien beibehalten, die übrigen als Tribus
der Ericeen betrachten würde. Mit dieser unwesentlichen Modifikation
erhalten wir folgende Uebersicht, welcher ich die diagnostischen Cha-
raktere K.'s beifüge :
I. Ericeae. Anlherae biloculares. Embryo dicolyledoneus.
1. Ericaceae lil. Corolla cum staminibus marcescens. Anlhe-
rae ante anthesin foraminibus infraapicalibus lateralibusque coniunctae.
— Gemmae legmentis destitutae. Foiia persistentia, acerosa, sterigma-
tibus instructa.
2. Siphonandraceae KI. Corolla decidua. Antherae demum in-
trorsae, loculis apice disiunetis antice ab apice poro aut foramine plus
minusve elongato dehisccnlibus. — Gemmae squamosae. Folia expansa,
alterna.
a. Andromedeae. Capsula loculicida.
b. Arbuteae. Pericarpium baccans superum.
c. Vaccinieae. Pericarpium baccans inferum.
3. Menziesiaceae Kl. Corolla decidua. Anlherae mulicae, lo-
culis basi et apice breviter disiunetis per rimam verlicalem usque in
latus plus minusve longum dehiscentibus. Capsula septicida. — Gem-
mae foliiferae squamosae, florales nudao. Folia sterigmatibus instructa.
— ßryanthus, Fhyllodoce, Daboecia, Menziesia, Loiseleuria, Cladolham-
nus, Kalmia und Leiophyllum.
4. Rhodoraceae Kl. Corolla decidua, subirregularis. Anlherae
muticae, loculis ad apicem coniunctis vertice poro dthiscentibus; pol-
linis granula filis viscidulis intertexta! Capsula septicida. — Gemmae
strobiliformcs, tegmentis magnis instructa. Folia alterna. — Azalea
und Ledum.
5. Clelhraceae. Corolla decidua. Antherae primo retroflexae
demum introrsae, erectae, obcordatae, antice ab apice in porös rimifor-
mes dehiscentes. Stigma bi-triiidum. Capsula loculicida. — Gemmae
tegmentis destitutae. Folia alterna. — Clethra, Cuellaria R. P. und
CrossophrysKl. (p. 3.) = Cl. arborea partim.
II. Epacrideae. Antherae uniloculares, longitudinaliter dehis-
centes.
III. Hypopühyeae. Kl. (Pyroleae et Monotropeae). Embryo aco-
tyledoneus.
Von zwei Abtheilungen seiner Siphonandreen hat K. eine reich-
haltige Revision gegeben, worin eine bedeutende Anzahl neuer Gat-
tungen aufgestellt sind. Uebersicht der Gattungen: Trib. Vaccinieen.
Macleania, Tyria Kl. (p. 21.) = Ceratostemma Salapa ßenth. ; Salyria
Ul. (ib.): 2 Sträucher von Veraguaj Socralesia Kl. (p. 22.) von Co-
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 405
starika ; Orlhaca Kl. (p. 23.) = Thibaudia secundiflora Poepp. ; Sipho"
nandra KI. noii Turcz. (p. 24.) = Thib. eliiplica R. P. ; Oreanthes,
Cavendishia ; Semiramisia Kl. (p. 25.) = Thib. speciosa Benth. etc.;
Eurygania Kl. (p. 26.) = Thib. angusfifolia Hook., niultiilora K. P. u.
ardisifolia Kth. ; Ceraloslema, Anlhopterus; Caligula Kl. (p. 28.) = Thib.
pulcherrima Wall. u. Vace. odontocerum Wght. ; SophoclesiaKl. (p.29.)
= Sphyrospermum cordifolium Benth. etc. ; Polyboea Kl. (p. 30.) =
Thib. Quereme Kth., crassifolia Benth. etc.; Froclesia Kl. (p. 32.) =
Thib. spec. plur. ; Sphyrospermum, Symphysia , Agapetes , Thibaudia;
Themistoclesia Kl. (p. 41.) = Ceralostemma buxKolium Gardn. etc.;
Psammisia Kl. (p, 42.) = Thib. spec. plur. ; Penlapterygium Kl. (p. 47.)
= Vacc. serpens Wght.; Gaylussacia; Epigynium KI. (p. 49.) = Aga-
petes §.2.; Vaccinium, Oxycoccus, Phalerocarpus. — Ausgeschlossen
sind: aus der Tribus Amechania, aus der Klasse der Bicornes Argo-
phyllum Forst.
Trib. Arbutecn. Arbutus , Comarostaphylis, Arctostaphylos;
Xerobolrys Nult. (p. 87.) = Arbut. tomentosa Prsh., Androm. venulosa
DC. etc.; Daphnidostaphylis\i\. (p. 79.) = Arctost. pungens Kth., cor-
dilolia Lindl , glauca Lindl., acuta INult. etc.; Perneltya, Encyanlhus.
Den Blüthenstand der einheimischen Yaccinien führt Irmisch
(Regensb. Fl. 1851. S. 497 — 505.) auf einen gemeinsamen Typus zu-
rück und macht darauf aufmerksam, dass die Gipfelknospe von V. Myr-
tillus UFid uliginosum sich in eine Art Dorn verwandelt und die Ver-
jüngung daher nur durch Seitentriebe erfolgt.
Slyraceen. Von den Styraceen will Miers die Symploca-
ceen als besondere Familie getrennt wissen (Ann. nat. bist. II 8. p.
163 — 167.). Ohne seine Beobachtungen vorzulegen, die sich auf zwei
neue Gattungen von Symploceen beziehen sollen, erklärt er diese für nahe
verwandt mit den Humiriaceen, während die Styraceen, nach ihm, mit
den ülacineen in eine Klasse zu stellen wären: allein wenn er hiefür
die analoge Placentation anzuführen vermag, so giebt er den Styraceen
doch einen unrichtigen Charakter, indem er ihnen ein freies üvarium
zuschreibt, und berücksichtigt die von De Candolle mit Recht urgirte,
höhere Ausbildung des Embryo nicht. Auf noch schwächeren Gründen
beruhen die von M. vorgeschlagenen Neuerungen in der Stellung der
gewöhnlich neben die Styraceen gestellten Familien, wie der Sapoteen,
die er mit den Ilicineen in Verbindung setzt , der Myrsineen , die er
von den Primulaceen losreissen und den ülacineen annähren will, oder
der Ebenaceen, von denen schon oben die auffallende Vergleicbung mit
den Anonaceen erwähnt wurde, die M. auf Cargillia und auf eine bra-
silianische Diospyros mit Albumen ruminatum stützt.
Alyrsineen. Wa I ke r - Arn o t t's (Monographie von Samara
(s. Jahresb. f. 1847. S. 74.) erschien vollständig (Linn. Transact. 20.
p. 359— 372.), — Neue Gattung: Cathedra Mrs. (Ann. nat. bist. II.
460 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen iii d. geographischen
7. p. 457.): 2 Holzgewächse bei Rio Janeiro, deren Stellung in dieser
Familie, von der sie durch Polypetalie undPerigynie abweichen, zwei-
felhaft erscheint. Charakter: 6, 6,6, 2; calyx cupuhformis, obsolete
6-dentatus ; pelala cum staminibus oppositis disco cupuliformi a calyce
distincto inserta, distincta, valvala, glanduloso-barbata; slamina inclusa,
antheris 41ocularibus poris 4 (?) dehiscentibus ; ovarium liberum, basi
biloculare, biovulatum, ovulis pendulis anatropis, stylo simpiici ; — ar-
buscula foliis alternis exstipulatis^ floribus parvis in axilla glomeratis.
Primulaeeen. ßlasius disponirt die Arten von Cyclamen
(Regensb. Fl. 1851. S. 573.) in drei Gruppen: a. fauce cor. annulari
integra: C. persicum , latifolium und repandum ; b. fauce lOdentata :
C. neapolitanum, africanum ; c. fauce pentagona : C. europaeum u. coum.
Acanthaceen. Wichura beschäftigte sich mit der Frage,
ob bei der allernirenden Stellung der Samen der unterste Samen rechts
oder links von der Mittellinie der Scheidewand gestellt sei (Schles.
Jahresber. f. 1851. S. 79— 80.) Beide Fälle kommen vor, der letzlere
seltener, die Unterscheidung ist jedoch ohne systematische Wichtigkeit,
indem einmal sogar beide Formen der Flacentation in verschiedenen
Kapseln derselben Art beobachtet wurden.
Scrophularineen. Buchenau untersuchte die Blüthen-
entwickelung von Maurandia (Beitr. S. 20.) : das Dissepiment wird aus
einer ächten Centralplacenta gebildet, die den Karpophyllrändern an-
wächst und sich nach oben in zwei Arme theilt; die Eier sind hier
anatrop. — Hofmeister bemerkt in einer Abhandlung über die üe-
fruchtungsvorgänge (Regensb, Fl. 1851. S. 449 — 457.), dass die blind-
darmähnlichen Bildungen am Ei (vergl. Jahresb. f. 1848. S. 88.) Aus-
sackungen des Embryosacks sind, die oft das Integument durchbrechen,
und dass diese Erscheinung bei den Personaten, wie auch bei Lalhraca,
verbreitet ist. Das Ei von Pedicularis ist nach ihm hemianatrop. Das
Endosperm bildet sich hier, wie Schacht zuerst nachgewiesen hat
.(EnUvicklungsgesch. des Pflanzenembryon in d. Verh. des nieder). In-
stit. III. 2.), wie bei den Gräsern und den meisten Pflanzen überhaupt,
durch die Bildung freier Zellen im Embryosack, während es bei ande-
ren Personaten und bei Lathraea, nach H. , aus der Theilung einer
einzigen Mutterzelle hervorgeht , die später als die Keimbläschen erst
zur Zeit der Befruchtung im Embryosacke entsteht.
Solaneen. Nach Buchenau's Entwickelungsgeschichte der
Blüthe von INicotiana (Beitr. S. 23.) bildet sich die centrale Placenla
ebenso, wie bei den Scrophularineen ; die Eier sind, nach ihm, in die-
ser Gattung anatrop (vergl. Jahresb. f. 1846. S. 15.). Griffel und Narbe
entstehen aus sekundären Bildungsheerden an der Spitze der Karpo-
phylle.
Boragineen. Aus Buchenau's Beobachtungen über die
nnd systematischen Botanik während des Jahres 1851. 407
Entwickelung des Pistills von Omphalodes (Beilr. S 5 — 8.) ergiebt sich
die ursprünglich parietale Placentalioii dieser Familie; jede marginale
Placenta trägt 2 hemitrope Eier und diese bleiben in ihrer ursprüng-
lichen Lage, während die Aussenwand des Ovariums nach auswärts
gedrängt wird und dadurch die Fächer absondert. — Mehrere Colde-
nien zieht Sir W. Hooker zu Galapagea (Journ. of Bot. 3. p. 296.),
namentlich peruanische. — Steven will Arguzia und Messerschmidtia
(= M. frulicosa L.) wiederhergestellt wissen (Bullet. Mose. 1851. 1,
p. 559.) : jene von Tournefortia durch den Fructus exsuccus bipartibilis,
diese durch den langen Griffel unterschieden. Daselbst ist auch ne-
ben anderen Beiträgen zur Systematik besonders der russischen Bora-
gineen eine neue Bearbeitung der schwierigen Gattung Onosma raitge-
theiit (p. 554—596.), mit folgender Disposition der Arten; a. caiyce
basi aequali. aa. selis tuberculo glabro insertis. «. nuculis verruco-
sis. 0. calycinum Slev. (non Lallem.) = 0. echioides austriacum, 0.
Visianii Clem. , Gmelini , hispidum und setosnm. ß. nuculis laevibus.
er«, antheris filamento longioribus. 0. echioides, arenarium, tinclorium,
rupestre. ßß. antheris filamento brevioribus. 0. microcarpum, strigo-
8um, polyphyllum, simplicissimum. bb. setis tuberculo stellato inser-
tis. 0. stellulatum (cum ß. rigido Led.). — b. caiyce basi angulalo,
laciniis 2 saepe connatis (Colsmannia). 0. sericeura, Szovilsii Stev. —
Weue Gattungen: Bucanion Stev. (das. p. 568.) aus russisch Ar-
menien, von Heliotropium nur durch aufgerichteten Corollenlimbus un-
terschieden ; Spiroconus Stev. (das. p. 576.) aus Aserbeidschan, unvoll-
ständig bekannt, Borago nahe stehend, ausgezeichnet durch Antherae
apice in conum turtum productae und durch mit diesen in der Knospe
spiralförmig gedrehte Corollenanhänge; Brunnera Stev. (das. p. 582.)
= Anchusa Barrelieri , Myosolis macrophylla etc. , begründet auf Nu-
ces aborlu subbinae, longiludinaliter striatae und den Racemus ebra-
cteatus non scorpioideus ; Aipyanthus Slev. (das. p. 599.) = Lycopsis
echioides: calyx basi haud angulatus, antherae 2 inferiores, 3 superio-
res, Stigma capitato-bilobum, nux basi marginata, margine tenui ; Tri-
gonolis Stev. (das. p. 603.) = Eritrichium pedunculare und radicans:
Stylus liber; Li7idelosia Lehm. (Ind. sem. Hamburg, in Linnaea , 24.
p. 215.) = Omphalodes longiflora A. DC. und Cynoglossum anchusoi-
des A. DC. : corolla infundibuliformis, fauce pervia, fornicibus erectis
glabris, nux aculeis marginalibus glochidiatis ad medium connexis ca.
lathiformis.
Labiaten. Die Enlwickelung des Pistills von Lamium stimmt
nach Buchenau (Beitr. S.S.) mit der bei den Boragineen wesentlich
überein. Schacht's Beobachtungen über die ßlüthenenlwickelung von
Stachys und Salvia (d. .Mikroskop, S. 156 — 158.) führen ebenfalls zu
dem Ergebniss , dass das Ovarium ursprünglich einfächerig ist und 2
parietale Placcntcn trägt uud dass die 4 Küsse, dio durch einen ein-
408 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
fachen Griffelkanal verbunden sind, auf dem Auswachsen der Aussen-
wand beruhen, welches, „wie es scheint, von der Ausbildung der Eier
bedingt ist."
Asclepiadeen. Wir verdanken Schacht eine ausgezeich-
nete Darstellung der Entwickelungsgeschichte von Asclepias syriaca
(d. Mikroskop, S. 151 — 156. tab. 2. 3.): die Anlhere ist von Anfang
an zweifächerig; die apokarpen Pislille wachsen im Narbenkörper so
zusammen, dass der Griffelkanal beiderseits unterhalb der Narbe endet
und nach abwärts geöffnet ist ; die fünf sogenannten Narbenfortsätze,
die je zwei verschiedenen Anlheren ankleben, sind, wie schon S ch 1 ei-
den wahrscheinlich machte, ein nicht organisirtes Drüsensekret, dessen
scheinbare Structur nur durch den Abdruck der secernirenden Zellen
auf dieser plastischen Substanz entsteht. — Die Arbeit von Griffith
über die Befruchtung von Dischidia und über den Bau der Ascidlen in
dieser Gattung erschien vollständig in den Abhandlungen der Linncan
Society (20. p. 387— 396.).>
Oleaceen. Die Foresliereen werden von Tu las ne nach Ben-
tham's Vorgange mit überzeugenden Gründen zu den Oleaceen gezo-
gen (Ann. sc. nat. III. 15. p. 263—265.): Dioecie und Apelalie sind
dieser Familie nicht fremd, auch nicht die Reduktion des Kelchs; le-
trandrisch würden sie sich den Salvadoreen näher anschliessen, aber
oft wird die Zahl der ausgebildeten Staminen 2 oder 1 (Borya obovata
Oesf); Antherae extrorsae sind bei Phillyrea, Fonlanesia und Chionan-
thus typisch , beide Richtungen der Dehiscenz kommen bei derselben
Art sowohl von Ornus als von den Foresliereen vor. — Neue Gat-
tung: Tessarandra Mrs. (Ann. nat. bist. 11. 7. p. l98.): von Rio de
Janeiro, wegen Tetrandrie vielmehr den Salvadoraceen angehörig.
Rubiaceen. Neue Gattungen: Slreblosa Korlb. (Nederl. Kruidk.
Arch. II. 4. p. 245.) = Psycholria tortilis Bl. etc. ; Proscephaleium
Korth. (das. p. 248.) = Ghiococca javanica Bl. ; Zwaardekronia Korlh.
(das. p. 252.) = Psychotria luridaBl.; Lachnasloma Korth. (das. p. 201.),
von Sumatra, eine natürliche Gruppe mit Tricalysia, Nescidia, Diplo-
spora und Hypobalhrum unter den Coffeaceen bildend; Tribrachya Korlh.
(das. p. 254.), Morindee aus Sumatra; Rennellia (das. p. '255.) ebenda-
her, die Morindeen mit Pavetta verbindend; Guettardella Champ. Benth.
(Hook. Journ. of Bot. 4. p. 197.), Guettardee von Hongkong; Axan~
thopsis Korth. (a. a. 0. p. 195.), Hameliee aus Borneo ; Coplophyllum
Korth. (das. p. 161.), Hedyotidee von Sumatra ; Thtjsanospermujn Ch^m]).
Benth. (a. a. 0. p. 168), Cinchonee von Hongkong; Gonyanera Korth.
(a. a. 0. p. 183.), Gardeniee auf Sumatra, verwandt mit Psilobium.
Synanthereen. Nach Buchenau's Entwickelungsgeschichte
der Blüthe von Coreopsis (Beilr. S. 13.) soll die Höhle des Ovariuni's
vor aller Blattbildung angelegt sein, der Kelch fehlen und der Griffel
nach den Staminen am oberen Rande des Ovarium's. aus zwei Blättern
.<
und systematischen Botanik während des Jahres 1851, 409
entstehen. — Glos untersuchte die Involucralhildungen (Ann. sc. nat.
in. 16. p. 40 — 47.) und fand , dass die Squamae bald als Blattschei-
den, bald als Laminae anzusprechen sind ; er meint, dass die Appen-
dices der Cenlaureen nicht Blattelemente, sondern Enlwickelungen von
Kandpapillen sind: nach seiner Darstellung würden sie jedoch als Blatl-
segmente recht wohl zu betrachten sein. — Ir misch beschrieb die
Axenverhältnisse von Tussilago Farfara und macht auf die revolulive
Vernation der Blätter bei den Tussilagineen aufmerksam (Regensb. Fl,
1851. S. 177 — 182.). — Asa Gray sonderte mehrere Eupalorien von
dieser Gattung ab (Hook. Journ. of Bot. 3. p. 224.) : nämlich E. folio-
sum DG. (Syn. E. decipiens Arn. und Ophryosporus triang. Meyen) und
E. paradoxum Arn. gehören zu Nothites, 4 andere Arnolt'sche Arten
zu Trichogonia, zahlreiche mexikanische zu Brickellia. Auch revidirle
derselbe die iiattungen der Angianlheen (das. 3. p. 97. 147. 172.); er
bemerkt, dass das allgemeine Involucrum in drei Gattungen fehlt, und
dass durch die Typen mit gestielten Köpfchen Uebergänge zu den
Kachbargruppen vermittelt werden. — Turczaninow beschrieb eine
beträchtliche Anzahl neuer Synanthereen (137 sp.) (Bullet. Mose. 1851.
1. p. 166. u. 2. p. 59.). — Neue Gattungen: Sciadoseris Kz. (Bot.
Zeit. 9. S. 349.): kultivirte Euvernoniee ; Spirochaeta Turcz. (a. a. 0. 1.
p. 166.): Elephantopee aus Venezuela = Funk. coli. 358.; Dissolhrix
A. Gr. (Hook. Journ. of Bot. 3., p. 223.) = Stevia imbricata Gardii. ;
Goniopogoji Turcz. (n. a. 0. p. 173.): Heleropappee aus Australien =
Drumni. coli. IV. 115; jsoetopsis (das. p. 174.): monoecische Belliee
daher = ib. IV. 207.; Toxanthes Turcz. (das. p. 176.): Bellidiee da-
her = ib. IV. 203.; Triptilodiscus Turcz. (das. 2. p. 66.): Solenogynee
aus Australien = Drumm. coli, V. 54. ; Lepisiphon Turcz. (das. 1. p. 180.):
Euinulee von St. Helena. = Cum. coli. 2450. ; Minyranlhes'Ymcz. (das.):
Ecliptee von Lupon =i ib. 1351. ; Ceratogyne Turcz. (das. 2. p. 68): den
Melampodieen verwandt, aus Australien = Drumm. coli. V. 56. ; Schi-
zopsera iuTcz. (das. 1. p. 181.): Silphiee von Guayaquil = Jameson
coli. 579.; Oligodorella Turcz. (das. p. 187.): Ghrysanthemee vom Gap
= Eckl. coli. 1333.; Chamomüla G. Kch. (I.innaea, 24. p. 337.) =
Matricaria Vis., während »aliicaria G. Kch. synonym mit Ghamaeme-
lum Vis. ist; Piploslemma 'Xwrcz. (a, a. 0.-,p. 191.) = Dumm. coli. IV.
200. und Epüriche Turcz. (das. 2. p. 74.) = Drumm. coli. V. 58.:
Angianlheen aus Australien, nach der Beschreibung kaum mit A. Gray's
Gattungen zu idenlificiren ; Leplolriche Turcz. (das. 2. p. 73.) : Angi-
anthee aus Australien, kaum von Myriocephalus verschieden = Drumm.
coli. V. CO. ; Dilhyroslegia A. Gr. (a. a. 0. p. 100.) (Syn. ex descr.
Gamozygis Turcz. a. a. 0. 2. p. 75.) , Hyalochlamys A. Gr. (p, lOl.),
Nematopus A. Gr. (p, 150.), Cephalosorus A. Gr. (p. 152.), Blennospora
A. Gr. (p. 172.), Anlheidosorus A. Gr. (p. 173.), ChamaesphaerionX. Gr.
(p. 176.): Angianlheen von Swan River; Gilberta Turcz. (a. a. 0. 1. p.
410 Grisebach: Bericht üb. d, Leistungen in d. geographischen
192.): Cassiniee aus dem westlichen Australien = Gilb. coli. 277.;
Gyrostephium Turcz. (das. 2. p. 76.) ; ebenfalls Cassiniee daher = Drumm.
coli. V. 55. ; Xanthochryrum Turcz. (das. p. 199.) = Drumm. coli. III.
119., Trichostegia Turcz. (das. 2. p. 81.) = Drumm. coli. V. 66., Ar-
gyrogloltis Turcz. (das. p. 83.) = Drumm. coli. V. 63.: Helichryseen aus
Australien; Rhodoseris Turcz. (das. p. 94.) : ^Nassauviee aus Mexiko;
Cleistanthium Kz. (Bot. Zeit. 9. 8.350): kultivirte Mutisiacee aus
Nepal.
Plantagineen. Nach Buchen au (Beitr. S. 9 ) entwickelt sich
das Pistill von Plantago major ähnlich, wie bei den Synanthereen, als
ein zusammenhängender Becher, auf dessen Rande zwei Narben ent-
stehen und später zum GrifTel verschmelzen, so dass die Papillenreihen
der Commissur (also dem Rande) der Karpophylle entsprechen; die
Placenta ist central und wächst der Wand des üvariums an ; die Eier,
denen Planchon (Jahresb. f. 1847. S. 81.) die Integumente abgespro-
chen und ßarneoud zwei zugeschrieben hatte, besitzen, wie die Sy-
nanthereen, ein einfaches Integument. Diesen letzteren Punkt bestä-
tigt auch Payer (Comptes rendus, 32. p. 875.), der die Eier zugleich
hemianatrop nennt: übrigens enthält seine Entwickelungsgeschichle der
Plantagineen nichts Eigenthümliches. Barneoud's frühere , durchaus
irrthümliche Darstellung des Pistills berührt er nicht, während Buche-
nau dieselbe vollständig widerlegt hat.
Thymelaeen. Neue Galtung: Coleophora Mrs. (Ann. nat-
bist. II. 7. p. 196.): Baum von Rio de Janeiro, mit einem vierspaltigen,
das gestielte Ovarium umgebende Nektarium.
Santaleen. Die Entwickelung des Ei's von Thesium beschrieb
Schacht (Enlwickel. des Embryon a. a. 0.).
Lo rant haceen. Neue Gattung: Allobium Mrs. (Ann. nat. bist.
II. 8. p. 178.) = Visci sp. brasil. etc. antheris bilobis disco insertis
poro duplici dehiscentibus, ovario semiimnierso, ovulis ternis e pla-
centa central! libera suspensis, uno ferlili.
Chenopodeen. Neue Gattungen: Haloxylon Bg. (Led. Fl.
ross. 3. p. 819.) = Anabasis Ammodendron C. A. M. und florida M.ß. ;
Girgensohnia Bg. (das. p. 835.) = Halogeton oppositiflorus C, A. M.
Urticeen. Nach Payer's Untersuchung von Morus und Ficus
(Compt. rend., 32. p. 937.) ist das Pistill der Urticeen aus zwei nach
einander entstehenden Karpophyllen zusammengesetzt und würde ein
zweifächeriges Ovarium mit zwei Griffeln bilden , wenn nicht das eine
der beiden Fächer aborlirte , während der Griffel übrig bleibt. — Sir
W. Hook er wies nach, dass die unter dem Namen Chinese Grass
vorkommende Faser von Boehmeria nivea Gaud. stammt und erläuterte
diese, so wie B. Puya (Syn. Urt f'rulescens Roxb.), die Puya-Faser In-
diens liefert, durch Abbildungen (Journ. of Bot. 3. p. 312-317. t.7.8.).
und systematischen Botanik wahrend des Jahres 1851. 411
Antidesmeen. Eine schöne Monographie dieser bisher zu
den ürticeen gestellten Gruppe verdanken wir Tulasne (Ann. sc.
nat. III. 15. p. 180 — 166.). iMit Recht erklärt er sie für eine reducirle
Form des Euphorbiaceentypus, von denen sie nur durch das einl'achere
Ovarium abweichen. Die Gruppe besieht^ bei ilim, aus Anlidesma (mit
Einschluss von Slilago: 42 sp.) und Stilaginella '[u\. (p. 240. m. 8sp.):
südamerikanische Bäume, bei denen das Ovarium zweifächerig ist, so
dass hiedurch der Uebergang zu den Euphorbiaceen vermittelt wird.
Für diese beiden Typen ergiebt T.'s Analyse folgenden Charakter: 3 —
5-6, 0, ^2-5-6, $3-5; flores dioici; sepala connata; discus centralis
Über; stamina disco aut loro inserta, sepalis opposila, in o nulla, antheris
bilobis (in Antidesmale iunioribus extrorsis) rinia brevi ad basin sita
dehiscenlibus ; ovarium in ^ rudimentarium , in o superum, l-21ocu-
lare, ovulis anatropis e loculi apice pendulis geminis, stigmatibus di-
vergentibus sessilibus; drupa monosperma, pulamine demum bivaivi (in
Stilaginella quandoque biloculari dispermo) , albumine copioso oleoso-
carnoso, embryone axili recto, cotyledonibus foliaceis.; — ligniparae,
foliis alternis integerrimis stipulatis , Acribus minimis spicatis, racemo-
sis v. paniculatis. — Ueber die von T. ausgeschlossenen Gattungen
vergl. oben die Euphorbiaceen und Oleaceen.
Coniferen. Ho fm eiste r's Beobachtungen über die Entwik-
kelung des Embryo's (s. Jahresb. f. 1849. S. 89) sind jetzt, in ausführ-
licher Bearbeitung und durch Kupfer erläutert , erschienen (verglei-
chende Untersuchungen der Keimung , Entfaltung und Fruchtbildung
höherer Kryptogamen und der Samenbildung der Coniferen. Leipzig,
1851. 179 S. 33 Tafeln). Da das systematische Ergebniss dieser durch
Schärfe und Klarheit der Auffassung hervorstechenden und an histologi-
schen Thatsaclien reichhaltigen Arbeit schon früher (a. a. 0.) von mir
entwickelt wurde, so beschränke ich mich jetzt darauf, H.'s Angabe zu
erwähnen, dass die Eier der Abietineen „bekanntlich analrop" seien
(S. 127.). So sind sie auch auf seinen Tafeln (t. 27. f. 11.) angedeutet:
aber zu bemerken ist, dass Endlicher dieselben als atrop bezeichnete,
wie sie auch bei Schieiden (Grundzüge, Fig. 217.), wahrscheinlich nur
durch einen Fehler des Holzschneiders erscheinen: denn anderswo
nennt S. die Eier der Abietineen gekrümmt-, d. h. kampylotrop, eine An-
gabe, der also gleichfalls Seh. 's Darstellung entgegentreten würde und
die vielleicht darauf beruht, dass späterhin wenigstens keine Raphe zu
unterscheiden ist. — Wenderoth publicirte einen Katalog der in
Marburg kultivirlen Coniferen (die Pflanzen botanischer Gärten. Heft 1.
Cassel, 1851. 64 S. 8.).
Cycadeen. Miquel beschrieb amerikanische Cycadeen (N.
Verhandl. d. 1. Kl. v. d. nederl. Instit. III. 4. p. 181 — 188.).
412 Griscbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Monokotyledonen.
Palmen. In Ceylon ist von Ferguson eine Monographie des
Borassus flabelliformis herausgegeben (descriplion of the Palmyra Palm
of Ceylon. Colombo, 1850. 4.).
Aroideen. Caruel beobachtete die Entwickelung des nack-
tcu Pistills von Arum italicum , welches sich als Becher auf dem To-
ms erhebt und, durch Erweiterung des unterem Theils geschlossen,
die Eier parietal erzeugt: der obere Theil wird zur sitzenden Narbe
(Ann. sc. nal. III. 16. p. 379 — 382.). Durch diese naturgemässe Dar-
stellung werden die irrigen Beobachtungen Gasparrini's über den-
selben Gegenstand berichtigt, der bei Arum ein Perigonium, welches
später mit dem Pistill verschmelze, angenommen hatte (das. IH. 15.
p. 37 — 42. t. 2.). — Schott emendirle den Charakter von Syngonium
(Bot. Zeit. 9. S. 86.). — Neue Gattung: Tapino carpus Dü\z. (Hook.
Journ. of Bot. 3. p. 345.) : im westlichen Hindostan, von Arum durch
Ovula 6, basilaria erecta, apicalia pendula kaum hinlänglich unterschie-
den, aber durch Drehung des F'ruchtstiels nach dem Boden sehr merk-
würdig („scapus fructifer contortus, apice solum osculans").
Najadeen. Irmisch untersuchte die Inflorescenz mehrerer
Galtungen (Regensb. Fl. 1851. S. 81 — 93. t. 1.). Die Axen werden
durch Blüthensysteme begrenzt, pflanzen sich aber nicht selten durch
dicholomische Verzweigung über die Blüthenregion hinaus lort. Bei
Huppia trägt die begrenzende Axe nur laterale Blumen, vielleicht auch
bei Polamogeton , aber bei Zannichellia steht die einzelne Blume ter-
minal, was bei der auf ein einziges Slamen reducirten männlichen selt-
sam ist und näher durch die Entwickelungsgeschichte aufzuklären
bleibt: übrigens stehen hier gewöhnlich die männlichen Blülhen auf
Nebenaxen, die weibliche auf deren Hauplaxe. Von Kuppia roslellata
stellt I. die Keiuiungsgeschichte dar. (Fig. 25 — 30 ). Was er nach
hergebrachter Auffassung als Kotyledo gedeudet hat, ist nach A. Jus-
sieu's wohlerwiesener Ansicht ein Axentheil des Embryo (une ex-
croissance laterale de la ligelle : Embr. monocot. p. 16.), sein erstes
scheidenförmiges Blatt dessen Kotyledo. Hiedurch wird Irmisch's
treffende Bemerkung erläutert, dass der Kotyledo von Potamogelon nicht
jenem vermeintlichen Kotyledo von Ruppia entspricht, sondern deren
erstem Scheidenblatte, welches mit seiner Rückseile unmittelbar vor
jenem Axenfortsatze steht, was, da sonst zwei auf einander folgende
Blätter dieselbe Stellung haben würden , durch Jussieu's Deutung erst
begreiflich wird. Dabei bleibt es jedoch immer merkwürdig, dass sich
zwischen der fleischigen Embryonalaxe und dem Mahren Kotyledo bei
der Keimung ein „einige Linien langes Internodium" entwickelt: der
Kotyledo wird daher hier zu einem wahren, wenn auch unausgebilde-
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 413
ten Stengelblatt. Indessen bemeriite schon Jussieu, dass in solchen
Fällen, wo die Axe des Embryo durch Wucherungen der Form eines
Kotyledo älinliche Anhänge entwickelt, diese physiologisch wie ein
Kotyledo funUtioniren , während der morphologisch wahre Kolyledo
nur als ßlaltscheide angedeudet ist. Ferner macht Irmisch darauf auf-
merksam, dass die Stellung der Coleoptilis bei den Gräsern vor dem
Sculellum der des Scheidenblatls vonRuppia entspricht und in manchen
Fällen beim Keimen von dem Scutellum durch einen wurzelschlagen-
den Axentheil entfernt wird. Bekanntlich hat Jussieu auch hieraus
die Konsequenz gezogen, die Coleoptilis der Gräser ebenfalls als Koly-
ledo , das Scutellum als Axenlheil zu betrachten. Die Folgerungen,
welche Hofmeisler an Irmisch's Bemerkung über den Embryo der Gräser
geknüpft hat, werden im nächsten Jahresberichte zu besprechen sein.
Bei Huppia entspringt die Wurzel, wie bei Potamogeton, unmittelbar unter
der Plumula an der dem Axenfortsatz abgewendeten Seite des Embryo :
dieselbe ist bei Potamogeton (f 31.) nach abwärts gerichtet, bei Rup-
pia (f. 30.) nach aufwärts und hier krümmt sie sich dann hakenförmig,
um in ihre normale Richtung einzulenken. — Grönland beobachtete
die EntWickelung von Zostera (Bot. Zeit. 9. S. 185—192. t. 4.). Die
männliche Blülhe besteht aus einer sitzenden, dimidiirten Anthere, de-
ren Connektivum bei der R<ife verschwindet, so dass jede Hälfte dann
als bfsonderes Organ erchein ; dies ist die Ursache, weshalb man die
Antheren als einfächerig beschrieben hat, wiewohl die beiden Fächer
selbst auf früheren Entwickelungsstufen gewöhnlich 2 Loculi enthalten
(zuweilen 1 — 3 s. Fig. 17.). Die Entwickelun§ der prosenchymatosen
Pollenzellen ist sehr schwierig zu beobachten und das Wenige, was
G. darüber mittheilt, ist später von Hofmeister berichtigt worden. Das
Ei von Zostera hat 2 Integumente: wenn G. es halb umgekeht nennt,
so entspricht doch seine Abbildung der bisher angenommenen Bezeich-
nung eines hängenden, atropen Ei's (Fig. 27.).
Orchideen. Eine der letzten Abhandlungen Link's handelt
vom Baue der Orchideen (Abb. der Berlin. Akad. f. 1849. p. 103— 127.
mit 4 Taf. erschien erst 1851.: vergl. Jahresb. f. 1849. S. 93.).
Bromeliaceen. Die Gattung PÄo/ic/opAyi/um Vis. (s. vor. Ber.)
ist in der Linnaea (24. p. 182.) ausführlicher beschrieben.
Amaryllideen. Lansbergia Vries. ist daselbst (24. p. 166.)
ebenfalls ausführlicher beschrieben.
Irideen. Neue Gattung : Würlhia Reg. (Bot. Zeit. 9. S. 593.) :
von Adelaide, verwandt mit Sparaxis.
B u r m a n n i aceen. Die Abhandlung von Miers über diese
Familie (Jahresb. f. 1848. S. 98.) erschien in den Linnean Trpnsactions
(20. p. 373—382.).
Triurideen. Diese Familie, die mit den ßurmanniaceen und
4l4 Grisebach: Bericht üb. d. Leislungen in d. geographischen
Orchideen den Embryo indivisus gemein hat, ist von Miers, dem Be-
gründer derselben, monographisch hearbeilet worden (Proceed. Linn.
Soc. 1850. Apr. in Ann. nat. hist. II. 7. p. 323—327.). M. stellt sie,
wie Endlicher, in den Verwandtschaftskreis der Najadeen , obgleich er
die Uebereinslimmung des Embryo mit dem der Burmanniaceen anführt,
indem er zugleich für Embryonen dieser Art den Namen Protoblastus
vorschlägt, jedoch ohne zwischen dem E. indivisus der Dikotyledonen
und Monokotyledonen zu unterscheiden, die nicht in diesellte Kategorie
gestellt werden können. M.'s Familiencharakter enthält folgende dia-
gnostische Merkmale: 3 — 8, 2 — 6, go ; perigonium hyalinum, valvare,
phyllis basi connexis; stamina disco inserta, antheris 41ocularibus sub-
sessilibus; Ovaria apocarpa, in toro aggregata, singula stylo excenlrico
simplici, ovulo basilari, demum baccantia, testa dura Iransversim striata,
embryone indiviso ; — herbae rhizomate vigentes, cellulosae, foliis
aveniis bracteiforniibus, floribus diclinibus spicatis. Die Familie zer-
fällt in zweiTribus und enthält fünf Typen : A.Triurieen. Perigonii se-
gmenta apice appendiculata , appendice lineari aeslivatione spiraliler
torta ; anlherae bilobae ; Stylus lateralis. Triuris (perigonium 3partilum
Sandrum) ; Hexuris Mrs. (p. 323.) = Peltophyllum Gardn. mit Aus-
schluss der von G. beschriebenen Blätter (perig. öpartitum, ^ ignot.).
— B. Sciaphileen. Perigonii segmenta ecaudata ; anlherae integrae
rima transversa v. verlicali dehiscentes; Stylus suprabasilaris. Soridium
Mrs. (p. 325.) : bei Para von Spruce entdeckt (perig. 4partitum 2an-
drum) ; Sciaphila Bi. (incl. Aphylleja Champ.) (perig. öparlitum 6an-
drum); Hyalisma Champ. (p. 324. ex Calc. Journ. nat. hist. 7. p. 466.
c. tab.) : aus Ceylon (perig. Spartilum, 4andrum).
Liliaceen. Buchenau untersuchte die Blüthenentwickelung
von AUium Cepa und Funkia (Beitr. p. 25—27.). Nach ihm entstehen
die im ersteren Falle kampylolropen , im letzteren anatropen Eier pa-
rietal an den eingeschlagenen und später zu Scheidewänden verwach-
senden Karpophyllen. In Bezug auf die spätere Bildung von Griffel
und Narben bestätigt B. Schleiden's Beobachtung : ein Stylus immersus
ist bei Allium nicht vorhanden, sondern unter dem Griffel bleibt zwi-
schen den verwachsenen Karpophyllen ein leerer Baum übrig, der, mit
papillosem Zellgewebe ausgekleidet, physiologisch als Fortsetzung des
Griffelkanals dient. — ü. Reboul theilt Tulipa nach der Aeslivalion
in 2 Sektionen (Giorn. bot. ital. II. 2. p. 57 — 61.): a. Tulipanum. Ae-
sliv. perig. contorta ; bulbus eriophorus, tunicis intus floccoso - lanugi-
nosis: T. Strangwaysiana, praecox, oculus solis, maleolens, Clusiana. b.
Dulipanum. Aestiv. induplicativa ; bulbus glaber, tunicis intus fibrillo-
sis : T. sylvestris, Gesneriana , serotina, strangulala, Bonaroliana, ne-
glecta, variopieta, suaveolens. — Pariatore giebt eine schärfere Cha-
rakteristik seiner Gattung Leopoldia, als mir früher bekannt geworden
war (a. a. 0. p. 157.): dieselbe umfasst Bellevalia comosa , maritima
und geographischen Botanik während des Jahres 1851. 415
und Pinardi und unterscheidet sich von ßellevalia durch folgende Merk-
male: perigonium fauce constriclum, limho 6fido, 3 supra medium tu-
i)um, 3 ad faucem inserla, semina loculum replenlia (in ßellev. ad ba-
sin loculi sila), radicula hiio contigua [in Bellev. ab hilo distanle).
Melanthaceen. Hasskar] transponirt Chloopsis BI. und
Tricoryne ßr. von den Anthericeen zu den Melanthaceen (Regensb. Fl.
1851. S. 481 — 486.): der einfache Griffel widerspricht dieser Keuerung.
Cyperaceen. Von K u n z e's Kupferwerk über Carex erschien
die fünfte Lieferung des ersten Bandes (Supplemente der Riedgräser zu
Schkuhr's Monographie. Bog. 11—15. Taf. 41—50. 8.).
Gramineen. Neue Gattung: Anomochloa Brongn. (Ann. sc.
nat. III. 16. p. 368. t. 23.): anomale Oryzee von Bahia , vom Ha-
bitus einer Marantacee. Charakter: 0, 4, 1; spiculae uniflorae, flore
hermaphrodito ; glumae 0; paleae carinalae, imparinerviae , inferior
membranacoa, superior subcruslacea; discus annularis flmbrialus stami.
num basin cingens; stamina aequidislantia ; Stylus indivisus ; caryopsis
palea superiori indurata inclusus ; — culmus humilis , foliis rotundatis
petiolalis, spiculis in axillis bracteariim spicae composilae ternalim fas-
ciculatis.
Kryptogamen.
Hofmeister's oben bei den Coniferen angeführtes Werk be-
schäftigt sich mit der Entwickelungsgeschichte und Fortpflanzung der
Gefässkryptogamen und Moose. Die allgemeinen, auf die Systematik
einwirkenden Ergebnisse wurden schon früher (Jahresb. f. 1849. S. 96.)
erwähnt : speciellere Thatsachen werden unten bei den einzelnen Fa-
milien vorkommen.
Den Generationswechsel hat Munter zum Klassißkationsprincip
der Kryptogamen zu benutzen versucht (Comples rendus, 33. p. 701.).
Er iheilt das Pflanzenreich in Sporigenen , Sporembryogenen und Em-
bryogenen : die zweite Klasse, welche Farne, xMoose und verwandle
F'amilien begreift, wird von ihm dadurch charakterisirt , dass eine Ge-
neration mit Sexualorganen mit einer Sporen erzeugenden abwechselt.
Es wird nicht schwer fallen, Parallelen ixxm Generationswechsel auch
unler den übrigen Gewächsen nachzuweisen , wozu man bereits die
Knospenbidungen benutzt hat. Ein scharfer Charakter für die Krypto-
gamen kann nur aus ihrem Generationsapparat abgeleitet werden und
findet sich sowohl in der Befruchtung durch Phytozoen als in dem Ei-
zustande derjenigen Organe, die zur Vervielfältigung der Individuen
dienen und (mit Ausnahme von Selaginella) als einfache Zelle bereits
anfangen müssen, sich aus unorganischen INahrungsstofl'en zu ernähren.
Wer an einer Befruchtung durch Phytozoen noch zweifelt, erwäge vor
Allem Hofmeister's schöne Beobachtungen über, die Keimung der ßhi-
416 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
zoiiarpeen und von Selaginella , indem diese nicht eintritt, wenn die
Sexualorgane isolirt werden , dagegen , so oft sie zusammenirelen, mit
Leichtigkeit erfolgt. Unsere Kenntniss von der Befruchtung der Kryp-
togamen ist gegenwärtig ebenso weit gediehen , wie die Annahme ei-
ner Sexualilät bei den t*hanerogamen zu der Zeit, die der Entdeckung
der Pollenschiäuche vorausging. Indessen möchte ich der Vermuthung
Hofmeister's nicht beistimmen, der auch bei den Coniferen im Inneren
der Pollenschläuche die Bildung von Phylozoen für wahrscheinlich
hält: denn ein Wimperappart, der die Bewegung der Phytozoen zu
den weiblichen Organen erst möglich macht, erscheint da physiologisch
überflüssig, wo die befruchtende Zelle durch ihre Enlwickelung mit
der zu befruchtenden in Berührung liilt und daher durch den einfache-
ren Process der Endosmose wirken kann. — Eine Grenze zwischen
den oberen und unteren Eamilien der Kryptogamen mit Alünter in dem
Generalionswechsel suchen zu wollen, ist ebenfalls unstatthaft, aber
die Entwickelungsgeschirhte des Archegonium giebt eine genügende
Grundlage für die systematische Charakteristik der beiden kryptogami-
schen Hauptklassen. Dagegen verdient M.'s Versuch, die höheren
Kryptogamen in zwei Reihen zu ordnen, als ein Zeugniss systemati-
schen Blicks unsere Anerkennung. Er bezeichnet nämlich die Rhizo-
karpeen und Lykopodiaceu als Heterosporeen und sondert die übrigen
Familien von diesen als Homoeosporeen : nur giebt er der ersteren
Reihe einen irrigen Charakter, indem er ihren Sporen Sexualität zu-
schreibt (les sporules des Heterospores sont elles memes de sexe dif-
ferent). Aus den Untersuchungen Hofmeister's, dem wir bereits die
glänzende, auch von M. adoptirte Parallelisirung der Farne und Moose
verdanken (Jaliresb. f. 1849. a. a. 0.), erhellt^ wie unten gezeigt wer-
den wird , dass die Spore bei den Rhizokarpeen und bei Selaginella
ebenso wenig sexuelle Bedeutung hat, wie bei den Farnen, und sich
im Wesen ihrer Entwickelung ihnen gleich wie eine den Proembryo
erzeugende Knospe verhält. Aber in der Verlheilung der Befruchtungs*
Organe ergiebt sich allerdings ein entscheidender Charakter für Münter's
Eintheilungsnorm, der zu folgender systematischen Gliederung führt:
A. Sporen und Phytozoen an demselben Individuum. Der Pro-
embryo bleibt mit der Spore in Verbindung.
a. Die Sporen bilden den Proembryo schon an der Mutterpflanze,
aber die Befruchtung erfolgt, wie bei den übrigen Familien, erst wäh-
rend der Keimung. Selaginella.
b. Die Sporen bilden erst bei der Keimung den Proembryo Rhi-
zokarpeen und Isoetes.
B. Phytozoen und Archegonien, an demselben Individuum. Der
Proembryo wird selbständig. Equisetaceen, Farne, Moose.
Lykopodiaceen. Wir verdanken Hofmeister ( a. a. 0.
S. 111—125. t. 23—26.) eine erschöpfende, bis auf die Zellenbildun-
und systematischen Botanik während des Jahros 1851. 417
gen der Veg-etationsergane durchgeführte Entwickefnngsgeschichlc von
Sciaginella. Die sogenannten kleinen Sporen haben, wenn auch als
einfache Zellen im Baue und in ihrer Bildnngsweise von den homolo-
gen Organen der Farne und Aloose höchst abweichand, die Bedeutung
von Antheridien, welche wfjhrcnd der Keimung der grossen Sporen in
ihrer Zellenflüssigkeit eine belrächtliche Anzahl von Phylozoen- Zellen
als Tochterzellen entwickeln und , indem sie platzen, ausstossen (t. 26.
f. 1 — 3.). Durch die Organisation der wahren Sporen in den telrae-
drisch geformten Sporangicn nimmt Selaginella die höchste Stelle im
System der Kryplogamen ein: denn wiewohl diese Sporen nicht, wie
Bischof!' gemeint halle, zellulös sind, sondern nur eine einzige, grosse,
mit NahrungsstofTen gefüllte Zelle darstellen, so entwickelt sich doc!»
schon innerhalb des Sporangium's an der Innenseite derselben eine
dünne, kreisförmige Zellenschicht (S. 122. t. 26. f. 4.), in ganz ähn-
licher Form und Lage, wie die Keimscheibe an einem Ihierischen Ei.
In diesem wichtigsten Punkte bestätigt H. die frühere Entdeckung Rlelte-
nius' (vor. Berieht S. 112.), wiewohl es ungewiss bleibt, ob diese Zel-
lenschicht, wie H. vcrmuthet, eine Tochterzellenproduklion der Spore
sei, oder, wie M. annahm, zwischen zwei Lamellen ihrer Membran ent-
stehe. Dies ist nun die Anlage des bei der Keimung weiter sich
entwickelnden und dann erst Archegonien erzeugenden Proembryo's
(Prothallium IL's), der daher später sich ähnlich wie bei den übrigen
Gefässkryptogamen verhält, allein sich dadurch von allen übrigen und
auch von Isocles unterscheidet , dass seine Bildung noch auf der Er-
nährung durch die Mullerpflanze beruht. Indessen ist damit durchaus
keine weitere Annäherung an die Phanerogamen gegeben, bei denen
nicht bloss der dem Proembryo entsprechende Embryoträger, sondern
der Embryo selbst durch die Mutterpflanze ernährt wird, was ich aus-
drücklich hervorhebe, da H. nicht selten Vergleichungspunkte mit den
Gymnospermen und späterhin auch mit den Monokotyledonen aufzu-
suchen bestrebt gewesen ist. Ebenso erscheint Selaginella durch die
Bildungsgeschichte ihrer Sporen mit den übrigen Gefässkryptogamen und
namentlich mit den Rhizokarpeen auf das Innigste verbunden. Die
Sporangien und, um einen selbstverständlichen Ausdruck zu gebrau-
chen, die Antheridangien sind auf ihren früheren Bildungsstufen gleich
gebaut und entwickeln sich nach dem Typus einer Anthere (t. 23. f. 20.).
Während aber in dem Antheridangium die den Pollenzellen morpholo-
gisch entsprechenden Organe die Antheridien sind , verhallen sich die
freien Zellen des Sporangiums wie ein transitorisches Endosperm und
nur eine derselben wird zur Mutlerzelle für die vier, später das ganze
Sporangium ausfüllenden Sporen (das. f. 21 — 35.) — Ueber die Stel-
lung von Lycopodium erhallen wir keine neue Aufschlüsse. Der Ver-
wandtschaft mit Selaginella entspricht am meisten Spring's Ansicht,
dass wir von dieser Gattung bis jetzt nur die männlichen Organe ken-
Archiv f Naturgesch. XVIII. Jahrg. 2. Bd. ßlj
4I8 Giisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
nen, und hieinit stimmt auch die Erfahrung, dass die vernieinllichen
Sporen nicht keimen, überein. H. dagegen spricht eine Verniu-
Uuing aus , welche Lycopodium von Selaginella weit entlernen und
den Farnen anreihen würde , indem er meint , dass die Anlhe-
ridien sich an einem Froembryo liiiden möchten , die Sporen also
wirkliche Sporen und nicht, wie die Analogie fordert, Antheri-
dien wären. Berücksichtigen wir den Umstand , dass bei Selagi-
nella sowohl die Aniheridien als Sporen eine Zeillang einfache Zellen
sind, die sich nur durch verschiedene Grösse unterscheiden, so möchte
es wahrscheinlicher sein, dass bei Lycopodium dieselben Organe, aber
in so äljnlicher Gestalt auftreten, dass man ihre Verschiedenheil erst
dann zu erkennen im Stande wäie, wenn man die Beschadenheit und
die Bildungen ihres Zellensafts untersuchte. Uebrigens ist es für
die Conirovcrse über die Phytozoen der Tange doch gewiss von gros-
ser Bedeutug, dass, wenn die Gegner auf ihre Aehnlichkeit mit den
Wimperspüren Gewicht legen, bei Selaginella ein Fall vorliegt, wo
Aniheridien, deren Bedeutung festsieht, in ihrer Geslalt von Sporen
nicht zu unterscheiden sind. — Die F.ntwickelung der vegetativen Organe
aus den Archegonicn von Selaginella ist ebenso, wie die Struktur die-
ser weiblichen Organe, dem Typus der Farne entsprechend und daher
als eine zweite Individualisirung zu betrachten. Aus der freien Fri-
märzelle des Archegoniums entsieht zuerst ein Spross von begrenzter
Linearentlaltung und dann biechen aus dessen Seitenfläche die beiden
vegetativen Axen (Stengel und Wurzel) hervor. H. nennt jenen er-
sten Spross die erste Axe des Embryo, seine Stengelknospe dessen
INebenaxe (S. 124.) und die von den Blaltinsertiouen unabhängigen Ga-
belungen , welche am Stengel von Selaginella vorkommen (S. 117.)
sprechen für diese Deutung. Auf der anderen Seite weicht jene erste
Axe von dem morphologischen Begriffe eines Stengels nicht bloss durch
begrenztes Wachstlium, sondern auch durch Blattlosigkeit und durch Man-
gel einer bestimmten EntAviekelungsrichtung ab und ist daher nicht ohne
Weiteres mit den Embryonalorganen der höheren Pflanzep, wenigstens
nicht der Dikolyledonen in eine Linie zu stellen. Für morphologisch
so wenig charakterisirlo Organe möchte ich die unentschiedenen Aus-
diüeke F"rons oder Thallus vorziehen. Deutlicher ausgesproehen ist
schon die Blatlbildung von Selaginella sowohl in der Anordnung als in
den Slipularanhiingen dieser Organe und doch weist auch in ihrer Ent-
wickelung H. das Eigenthümliche nach, dass das Längenwachsthum
schon auf den ersten Bildungsstufen auf der 'Ihäligkeit nicht bloss ba-
silarer, sondern auch terminaler Ycgetationspunkle beruht (S. 113. t. 23.
f. 37. 38.). Und auch in Bezug auf die Fortpllanzungsorgane ist die
Vergleichung mit den Fhanerogamen so schwierig, dass, nachdem Wohl
überzeugend die Blallnalur der Anlheridangien nachgewiesen zu haben
schien , H. nun nach der Entwickelungsgeschichte ihnen die Zvveigna-
und »ystciualischen Botanik währenddes alues 1851. 4l0
tur vindicirt, weil sie aus einer Axille entspringen (S. 119. 1.23. f. 45.).
— Thuret beslfiligt ebenfalls, dass die Anlheridien von Lycopodium
nicht keimen, ebenso wenig wie die Sporen von Ophioglossum und
Bolrychiuin, Gattungen, die ihm eine grosse Analogie mit Lycopodium
zu haben scheinen (Ann. sc. nat. III. 16. p. 33.). C. A. Agardh,
dem die Keimung der Anlheridien gleichfalls nicht gelang, beschreibt
die Bildung und Keimung der IJrutorganc von Lycopodium Selago (Bot.
Nolis. 1850. nr. 3. mit l Taf.). Er vergleicht diese eigenlhümlichen
und freiwillig abgeworfenen Knospen nach Linnc's Auffassung mit Em-
bryonen und ihre Keimung verdient allerdings mikroskopisch verfolgt
zu werden, um den Gedanken an ihre Sexualität zu beleuchten.
Rhizo kar peen. H o fm eis t er (a. a. 0. S. 103 1 11. t. 21.
22.) untersuchte 2 Filularien, Älarsilea und Salvinia. Das Schleiden's
Ansichten so ungünstige und von Metlenins bestätigte Hauplergebniss,
durch welches die nahe Verwandtschait der Khizokarpeen mit den übri-
gen Gefässkryplogamen erwiesen ist, wurde schon früher mitgelheilt
(Jahresb. f. 1849. S. 96.). Uie Analogie mit Selaginella ist überraschend.
Die sogenannten kleinen Sporen sind [Anlheridien, wie doit gebaut
(t 21. f. 7.), mit frei darin schwimmenden Phylozoenzellen : aber An-
lheridien und Sporen werden hier beide beim Aufspringen der Frucht
als einfache, wenn auch iheihvcisse umhüllte Zellen, abgeworfen und
befruchten sich später im Wasser. Zur Zeil der Befruchtung erzeugt
die Spore (Embryosack Schleiden's) an ihrer Scheitehvölbung, in dem
oberen Baume ihres Salls, welcher der üellnung ihrer Gallerlhüile
entspricht, die ersten Zelleuschichten des Proembryo (1.21. f. 4.) , die
bei Selaginella durch eine ganz ähnliche, aber weniger genau beob-
achtete Bildung schon im Sporangium entstanden. Später wird der
Proembryo , der mit der Spore, die ihn ernährt , in or<>anischer Ver-
bindung bleibt, durch die Absonderung einer einzigen fieien Archego-
niumzelle im Inneren des Gewebes und durch den von hieraus nach
aussen mündenden Intercellulargang (Pollenschlauch Schi. 's) einem Ei
ähnlich (das. f. 10.): die anhängende Sporenzelle und die Reste ihrer
gelatinösen Hülle unterscheiden ihn vom Proembryo der Farne. Auch
hierin stim^icn die Bhizokarpeen mit Selaginella überein, wie auch in
der Entvvickelung der Sporen und Anlheridien. Bei Alarsilea bildete
sich auch ohne Befruchtung der Proembryo vollständig aus, aber die
Enlwickelung des Archegonium zeigte sich an die Gegenwart von Phy-
tozoen gebunden. Salvinia unterscheidet sich von Pilularia durch meh-
rere Archegonieo in denjselben Proembryo, von denen jedoch nur eins
befruchtet wird. Die Phylozoen der Bhizokarpeen sind mit schwin-
genden Wimpern bekleidet , wie bei den Farnen und Equisetacecn
(S. 109.).
Equiselaceen. Hofmeister's Untersuchung ihrer Entwik-
kelungsgcschichle (a. a. 0. S. 89—102. l. 18—20.) umfasst 6 Arten.
420 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Die Beobachlufi^cn der Archegonien am Proembryo gelang nicht, da
die keimenden Pflanzen früh zu Grunde gingen. Indessen scheint die
Bildungsgeschichte der Reproduktionsorgane mit der der Farne in allen
wesentlichen Punkten übereinzuslimnien : der Charakter der Gruppe be-
ruht auf den Spiralfasern der Specialmutlerzelle, welche, wie bei der
Pollenbildung, die Spore erzeugt. Die Sporangiophoren von Equisetum
sind auch in morphologischer Beziehung von II. als Blätter anerkannt. —
Thuret hat von den Antheridien ebenfalls eine neue Darstellung ge-
liefert (a. a. ü. p. 31. t. 15.). — Milde setzte seine Beobachtungen
iiber Equisetum-Formen fort (Schlcs. Jahresb. f. 1851. S. 81. u. Oe-
slerr. bot. Wochenbl. 1. S. 401. 409. 419): er erklärt jetzt E. inun-
datnni Lsch. wegen des Aborts der Sporen in Uebereinstimmung mit
Lasch für einen Bastard von E. arvense und E. limosum. Auch A.
Braun hat sich dafür ausgesprochen, dass unter den Farnen und Moo-
sen hybride Formen vorkommen (Verjüng, S. 329.): so ist nach ihm
sein Aspidium remotum ein Bastard von A. F'ilix nias und A. spinu-
losum.
Farne. Hofmeister's Untersuchungen (a. a. 0. S. 78 — 89.
t 16. 17.) dienen zu neuer Bestätigung der Beobachtungen Suminsky's,
Schacht's und Mcrcklin's (s. vor. Jahresb.). H. erklärt die Paleen,
welche die Frons bedecken, für Blätter, weil sie vorzuglich durch ba-
silare Bildungspunkle wachsen, und, was wichtiger ist, weil sie nach
dem Gesetze der Blaltspirale geordnet sind: eiue Folge dieser AufTas-
sung ist, dass nach IL die Frons der Farne ein Axenorgan sei und
also auch die Sporangien, entgegengesetzt seiner Ansicht über die
Kquisetaceen , dem Axenparenchym angehören. — Thuret (a. a. 0.
p. 29.) äusserte sich gegen die Bedeutung der Phylozoen-Zelle als Mut-
lerzelle der Phytozoen : er hält sie, wie Schacht, für einen Theil des
letzteren. — Kunze's Farne (s. vor. Jahresb. S. 97.) wurden bis zur
vierten Lieferung des zweiten Bandes fortgesetzt; von Sir \V. Hoo-
ker's Species filicum erschien die fünfte Abiheilung (London , 1851.
8. 60 pag. t. 71 — 90). — Kunze gab eine Uebersicht der Arten von
Oleandra (Bot. Zeit. 9. S 345—349.). — Weue Galtungen: Ei/p/c-
ris Newm. (synoplic. table of British Ferns s. o. p. 3.) = Pteris aqui-
lina L. ; Nololepeum Newni. (das. p. 5.) = Ceterach ; Phyllitis Newm.
(das. p. 6.) = Scolopendrium; Amesium Kewm. (p. 7.) = Asplenii sp.
e. c. Kuta mur. ; Pseudathyrium^Gwm, (p. 14.) = Polypodium alpestre
Kch.; Lophodinm Kewm. (p. 16,) = Aspidii sp. e. c. Filix mas; He~
mestheum Kewro. (p. 21.) = Aspidii sp. e. c. Oreopteris; Gymnocar-
f)ium ^iewm. (p. 23.) = Polypodii sp. e. c. Dryopteris ; Clenopteris
Newm. (p. 28.) = Polypod. vulgare L.
Moose. Das systematische Ergebniss von Hofmeister's Ar-
beil (a. a. 0. S. 60— 78. t. 13 — 15.) wurde schon früher mitgelheilt
(Jahresb. f. 1849. S. 96.). Das Archegonium ist eine vom Gewebe des
und systematischen Botanik während des Jahres 1851. 42 1
üvariums bleibende frei Tochlerzelle (t. 14. f. 6.): sie entwickelt sich
nach Autlösung der AluUerzelle und der darüber liegenden ceniralen ZeU
lenreihe in einem nach aussen geöfTneten Intercellularrauine (f, 12 ) und
sieht daher mit den aus der äusseren Schicht des Pislillidiums hervor-
gegangenen Gebilden, der Vaginula und Caiyplra (f. 18. 19.), niemals
in organischer Verbindung. So ist das Sporangium ein selbständiges
Individuum, gleich dem Wedel der Farne. Der vegetative Organismus
entspricht demnach dem Proembryo (Prolhallium H.) und das Frotoncma
(Vorkeim H.) ist eine den Laubmoosen eigeiithümlichc Bildung, die
den eigentlichen Gefässkryptogamen fehlt, bei denen der Proembryo
unmittelbar aus der Spore sich eniwiikflt. — Von den bisherigen An-
sichten weicht H.'s Darstellung vom Baue der Äloosanlheridien dadurch
ab, dass nach ihm die Phytozoen-Zcllen nicht in einer grossen Cen-
tralzeile frei liegen, sondtrii bis zur Reife innei halb der Korlikalscbicht
ein kleinmaschiges (»ewebe sich findet, von dessen Zellen jede einzelne
eine Phytozoen-Zelle erzeugt (t. 15. f. 1 1 . 12.). — Tb u r et's Untersuchung
über denselben Gegenstand (a. a. 0. p. 25. 29. t. 13. 14.) ist weniger
deutlich. — Die Kontroverse zwischen Scbleiden und Nägeli über die
Blätter der Laubmoose (Jahresb. f. 1845. u. 1849.) gleicht H. dadurch
aus, dass er zeigt (S. 63.), wie Anfangs auch die Scheitelzelle pro-
duktiv ist (M's Darstellung), späterhin aber die Bildungspunkte an der
Basis des Blatts längere Zeit, als in der Spitze, Ihälig bleiben (S.'s
Ansicht). — Von der Bryologia europaea (s. vor. Ber.) erschienen die
Hefte 46. und 47. (Stuttgart, 1851.): darin Pterogonium, Pterigynan-
drum, Leskuraea n. g. =i Neckera striata ; Flalygyrium n. g. = N. re-
pens, Pylaisaea; Homalolhecium n. ^. = llypnum sericeum etc , Ortho-
thecium, Isolhecium , Cylindrothecium = Entodon C. M., Hookeria,
Pterygophyllum und Supplemente zu Fissidens und Barbula. — Weue
Gattungen: Streplopogon Wils. (Hook. Journ. of Bot. 3. p. 51.) = Tor-
tula erythrodonla Tayl. ; Acrobryum Doz. Molkenb. (Nederl. Hruidk.
Arch. 2. p. 279. c. tab.) = Meteorium speciosum eor. ol.
Lebermoose. Hofmeister's Untersuchungen über ihreEnt»
Wickelungsgeschichte (a. a. 0. S. 1 — 60. i. 1—12.) umfassen alle Ab-
theilungen der Familie : reichhaltig lür Gewebelehre und Cytogenesis,
zeigen sie in systematischer Beziehung nur die genaue Uebereinstim-
mung zwischen den Leber- und Laubmoosen. Schacht's Darstellung
von dem vegetativen Ursprung der Archegonien bei Anlhoceros (s. vor.
Ber. S. 114.) wird vollständig widerlegt. Der Pislillidiurnkanal isi zwar
der Frons eingesenkt, entwickelt sich aber ganz wie bei den Laub-
moosen (t. 1. f. 33. 34.) und auch zu der Zeit, wo derselbe durch das
als Warze an die überlläche tretende Sporangium auseinander gedrängt
ist, erscheint dieses nach allen Seilen von den Umhüllungen frei (t. 2.
f. 4.). Auch die Aniheridien sind, wie bei den Laubmoosen, gebaut
(1.3. f. 21.}: die Phylozocn sollen bei Pelliu, wie bei den Charen, nur
422 Giiscbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. gcogrnplusclien
mit zwei Cilien versehen sein. Ihicr Bedeutung als belVuchlendiT Or-
gane ist II. 's Heobarhtimg günstig, dass er sie bei .Inngennannia bicu-
spidala und J. divaricala, gleich Folienkörnern am (iridelkanal, an der
oberen Mündung des risliJlidiumkanals angehäuft sah und in dieser Lage
abbilden konnte (t. 8. f. 59. Cl. 79.). Aus den übrigen Heobachlungen
liebe ich liervor, dass Kiccia glauca im jüngeren Zuslande, wie Mar-
chanlia, auf der Unterseite jedes AxengÜedes nach ^L geordnete Blät-
ter besilzt (p. 45.) , so wie dass in jener (lallung das Proloncma bei
der Keimung jjanz zu (ehlen scheint (l. 10. 1". 1.), welches bei lunger-
nt'innia (f. 8. f. 39.) vorhanden ist , weshalb auf diese Bildung kein
systematisches Gewicht gelegt werden darf. — Thuret, der die An-
theridien der Lebermoose ebenfalls nniersuchte (a. a. 0. p. 22 — 25.
t. 10—12.), bestätigt die Beobaclilnng Hofmeisters, dass die Fhytozoen
von Pcllia zwei Cilien besitzen, und bezeiciinet diesen Bau als allgemein
güllij; für alle Leber- und Laubmoose. — Milde fand in der Ober-
haut des Sporangium's von Anihoceros Spaltöffnungen (Bot. Zeit. 9.
S. 629. — Lindenberg's Species llepalicarum wurden von Golt-
sche fortgesetzt (Kasc. 8-11. Bonn, 1851. 4. 118 pag. 22 Taf.).
Li ebenen. Itzigsohn's Angaben über männliche Organe der
Lichenen {s. vor. Ber.) haben Tulasne veranlasst, diese Bildungen
genauer zu uniersuchen (Compt. vend. 32. p. 427 — 430. , abgedr. in
Ann. sc. nat. IIL 15. p. 370 — 375.). Ernennt sie Spermogonien, wie-
wohl es zweckmässiger scheint, sie, bis die Funktion derselben er-
kannt ist, mit dem ebenfalls von ihm gebrauchten Ausdruck der Itzig-
sohn'schen Körper zu bezeichnen, und es sind dieselben schwarz ge-
fäbten Wärzchen auf der Oberfläche des Thallus, welche schon Hedwig
als männliche Organe gedeutet hatte und die Fries für abortive Apo-
thecien hält. Sie enthalten sehr kleine, zuweilen spindelförmig gestal-
tete, durch Abschnürung (comme des spores acrogenes) frei werdende
Zellen, T. s Spcrmalien (J.'s Spermalozoen), und öffnen sich durch ei-
nen J'orus. Wiewohl sie weder in in ihrer Entwickelung noch Form
mit den Phylozoen anderer Kryptogamen die mindeste Analogie zeigen
und ihnen durchaus keine Ciliarbewegung zukommt, was auch Thu r et
(a. a. 0. p. 34.) so wie Berkeley und Broome (Hook. Journ. of
Bot. 3. p. 319.) bestätigen, so sind doch beide französische Naturfor-
scher der Ansicht, dass über ihre sexuelle Bedeudung ni«ht abzusprechen
sei , weil die männlichen Organe der Tflanzcn in verschiedenartigster
Gestaltung auftreten können. — Bayr hoffer hat in einer an Sptku-
lationcn und snbjrkliven Ansichten reichen Schrift die Morphologie der
Ljchencn behandelt (Einiges über Lichenen und deren Befruchtung.
Bonn, 1851. 4l S. mit 4 Taf. 4.). — K. Müller vcriassle eine deut-
sche Uebcrsetzung von Montagne's Artikel über die Lichenen aus
Orbigny's Dictionnaiie universel d'histoire naturelle (Morphologischer
Grundriss der Familie der Flechten. Halle, 1851. 32 S. 8.). — Keuc
und syslcmalischen ßolanik während des Jahres 1851. 423
Gattungen: Sarcogijne Flol. (Bot. Zeit. 9. S. 753.): «vvcifoihnflo
Slein-Graphidee aus SchlesitMi («las Homonym im vor. Bf r. S. 115. be-
ruht auf einem Irrlhume) ; Sporopodium Wont. (Ann. sc. nat. III. 16.
p. 54. l. 16.): vicllcitht identisch mit Echinoplaca, auf Bliittcin in
Guiana ; Osoc/rtf/tM/u Mont. (das. p. 63.) ; zweifelhafte Sphaerophorce von
Oayenne, aus<Tezcichnel durch proliferirendes Wachslhum aus den Apothc-
cien ; Ricasolia Not. (Giorn. bot. it. II. 1. p. 178.) = Stlcla gloineru-
lifera und herhacea ; Dirinopsis Not. (ib. p. 187.) = l'armclia repanda
Kr.; Bacidia Not. (ib. p. 189.) = Biatora rosella und carneola; Bdim-
bia Not. (ib. p 190.), ans Formen von Hiat. vtrnalis , natnenllich var.
sphaeroides muscotum Schaer. gebildet; Biolorella (ib. p. 19^!.) = Biut.
Bousselii Dur. Moni, (der Charakter von Abrolhallus vor. Ber. ist da-
selbst erweitert); Bucllia Nol. (ib. p. 195.) = Leoidea canesicris, pa-
rasema etc. ; Combea Kot. (ib. p. 223.) = Dul'ourea pruinosa Ns. vom
Cap ; Acolium Not. (ib. p. 307.) = Calicii sp. c. c. C. ti^jillare; CaU
lopisma Nol. (ib. II. 2. I'asc. 8. p. 198.) = Parmelia niurorum etc.
Algen. Wir verdatikcn A. Braun bedeutende üntersutluingtn
über die Entwickelungsgeschichle der Süsswasseralgen , die in seinem
Werke über die Verjüngung in der Natur enthalten sind (Leipzig, 1851.
363 S. und 3 Taf. 4.). Die Diatomeen und Desmidieen sind nach ihm
entschiedene Algen: der sogenannte rollie Augenpunkt, der auch an
den Sporen vieler Chlorosporeen, z. B. bei Hydrodictyon vorkommt,
ist wahrscheinlich ein Oellropfen , da derselbe sich in Terpentinöl auf-
löst (S. 229.). Die eioenlhümliche Fortpflanzung von Pediastrum (vgl.
Jahresb. f. 1830. S. 118.) wurde im Wesentlichen übereinstimmend mit
Caspary's Darstellung beobachtet (Taf. 2.), allein die Bildung ist von
einigen anderen Algen weniger abweichend, als sie scheint: denn aus
den Zellen der Mullerpflanze tritt eine einfache Spore hervor (f. 2.),
deren Gonidien , anfangs frei und beweglich , sich bald zu dem
Sprössling vereinigen , während die Membran der Spore verschwin-
det, so dass die Eigenlhümlichkeit darin bestände , dass die Zellen des
Sprösslings schon innerhalb der Mutterpflanze als Gonidien der An-
lage nach gebildet sind. Bei liydrodiciyon , wor;!n B. einige seiner
schönsten histologischen Beobachlungen gemacht bat , ist die Forl-
pflanzung analog, aber noch ausgezeichneter, weil sich hier die Goni-
dien schon innerhalb der Mutterzelle zu der neuen IMlanze verei-
nigen. Bei dieser Gattung kommen in verschiedeneu Zellen zwei Ar-
ten von Gonidien vor, die B. nach ihier Grösse als Maciogonidien und
Mikrogonidien unterscheidet (S. 147): nur die Makrogonidieu vereinij»eu
sich zu einem Netze und erzeugen auf diese Weise einen Sprössling,
die Mikrogonidien dajjcgen, die sich auch durch ein wandslandiges rolhes
Bläschen unterscheiden, bewegen sich durch 4 Cilien, nachdem sie die
geplatzte Multcrzelle verlassen haben, und keimen nicht (vergl. Thu-
rets Draparnaldieen im vor. Ber.). Hiernach halle ich die Bedeutung
424 Grisobach: J3cricht üb. ({.Leistungen in d. geographischen
der Älikrogonidien als männlicher Organe bei Hydrodiclyon für wahr-
scheinlich, wälirend bei Ulolhrix und anderen Draparnaldieen die Or-
gane gleichen Haus keimen und also Sporen sind. Die von Thvvailes
(Jahresb. f. 1849. S. 98.) beschriebene, merkwürdige Conjugalion von
Coccochloris lirebissonii (Syn. Palmogloea macrococca ßr. p. 349. l. 1.)
wird von ß. erst in ihrer Eigenlhümlichkeit aufgefassl: die beiden co-
puliiten Zellen dieser einzelligen Algen wachsen zusammen, ohne ihre
Zellmembrnn zu verlieren, und werden dadurch zu einer einzigen, Oel
producirenden Spore, die durch Theilung ihres Inhalts keimt, nachdem
sie einen Sommerschlaf überdauert halle (S. 145.). Wichtig für Syste-
matik sind B.'s Bcohachlungen besonders dadurch, dass er weil genauer,
als Andere, unterschieden hat, ob die Sporen wiikliche, mit einer
Zellmembran umhüllte Zellen sind, oder ob sie, wie die Gonidien,
jener Entwickelungsslufe der Zellen entsprechen, die der AuGScheidung
von Cellulose vorausgeht, in welchem Falle man sie, weil eine Pro-
teinschicht (ein Trimordialschlauch) sie umhüllt, Proteinzcllen nennen
könnte. Als eins der merkwürdigsten Ergebnisse dieser Art erwähne
ich die Beobachtungen an Sphaeroplea (S. 176.), deren Zellen, so lange
sie vegetativ sind, durch den Chlorophyllrijigen entsprechende Prolein-
diaphragmen gegliedert werden, die bei der Verwandlung des Zellen-
inhalls in Sporen verschwinden, worauf sich zwti -dreimal so virl ku-
gelige Gonidicn bilden, als früher Gliderungen verbanden waren: end-
lich umhüllen sich diese Gonidien mit Cellulose und nehmen nun die
braune oder rolhe Farbe der reifen Sporen an. Von dieser Bildungs-
geschichle hat Fresenius (Bot. Zeit. 9. S.24l. 1.6.) unabhängig von
B. gute Zeichnungen geliefert, aber die Vorgänge weniger scharf aul-
gefasst. J\lit gleicher Genauigkeit beschreibt B. die Enlwickeluug und
Foripllanzung namentlich von den Gattungen Saprolegnia (S.2S7.), Bo-
trydium (S. 136.), Vaucheria (S. 137.) , Ulolhrix (S. 15S.), Oedogonium
(S. 173.) u. a. Die Frage, ob Saprolegnia und die verwandten For-
men Algen oder Pilze seien, ward weder von B. noch von Prings-
heim. der jene Gattung monographisch bearbeilelc (die Enlwicke-
lungsgeschichle der Achlya prolifera in den Kov. Act. Caes. Leop. , 23.
I. p. 395 — 460. t. 46 — 50.) , beantwortet und hierüber ist auch keine
Entscheidung möglich, so lange die Algen und Pilze nur durch ihre
Vegetation unterschieden werden. Der Bau von Saprolegnia wird von
B. und P. im Wesentlichen auf dieselbe Weise aufgefassl und P. giebt
folgende, klare Charakteristik: fila achromatica , inarticulata, ramosa,
sporae vel mobiles in sporangiis clavatis vel tranquillae in sporangiis
globosis. — T huret bat umfassende Untersuchungen über die Anthe-
ridien der Algen mitgelheill (Ann. sc. nal. HI. l6. p. 6—22.). Er
findet den Bau der Phytozon bei den Fucoideen mit ruhender Spore
völlig und namentlich auch in dem so eigenthümlichen Wimperapparat
übereinstimmend mit den Wimpersporen seiner Phaeosporeen (s. vor.
und systeuiatischen Botanik >YühreD(i des Jaltrce 1851. ^25
ßcr.): nur ist die Grösse der Phytozoen weit geringer) als diie der
Sporen. Am merkwürdigsten aber ist es, dass bei Cutteria (t. 1.) beide
Organe zugleich, nämlich Winipersporen und Piiylozoen von gleichem
liau und verschiedener Grösse, und allem Anscheine nach in sexuel-
lem Gegensatze vorkommen. Dass die Phytozoen nicht keimen, was
bei den Wimpersporen leicht geschieht, davon hat sich Th. sowohl
hier, wie bei anderen Fucoideen vielfach überzeugt. Indessen er-
scheint die Sexualität von Cutleria weniger wahrscheinlich, als in an-
deren Fällen, wo die Spore keine Wimpern trägt , Ihcils weil die In-
dividuen mit Antheridien bei C. mullitida selten vorkommen, theiis weil
die Sporen isolirter Sporangicu ebenfalls keimten, also die Befruchtung
der Entleerung des Sporangiums vorausgegangen sein musstc und nicht
auf die Sporen, sondern auf die Sporangien zu beziehen wäre. Bei
den Florideen (t. 4 — 7.) konnte Th. den Wintperapparat der Phytozoen,
welchen I\ägeli , so wie Derbes und Solier beschrieben haben, nicht
auflinden: er erklärt sie iür ruhende Körper, stellt aber deshalb ihre
sexuelle Bedeutung nicht in Abrede. Bei den Charen (t. 8. 9 ) fand
Th. an den Thytozoen zwei lange Cilien, die etwas unterhalb des vor-
deren Endes der Spirale befestigt sind.
Von Kützing's Kupferwerk über die Algen (s. vor. Ber.) er-
schienen zwti neue Lieferungen (Tabulae phycologicae. Lief. 14. 15.
Iböl.S.). — iMonlagne's Artikel über die Algen aus dem Dictionnaire
d'hist. nat. (^s. o.) wurde von K. Müller übersetzt (Phykologie. Halle,
1851. 12GS. 8.). — Von J. G. Agardh's Synopsis sämmllicher Algen
(s. Jahresb. f. 1848. S. 105.) erschien der zweite, Floiideen enthal.
tende Band (Spccies, genera et ordines Algarum. Yol. IL Lund., 1851.
720 pag. 8.). — Ruprecht's Vorlesung über das System der Rho-
dophyceen in der Petersburger Academie (Sep. Abdr. 1851. 30 S. 8.)
ist mir noch nicht zugegangen. — Montagne entdeckte die Telra-
sporen von Stenogramme (Ann. nat. bist. IL 7. p.48l.); Zanardini
erläuterte die systematische Stellung von Callilhamnion (Giorn. bot.
it. IL 1. p. 28 — 40.) und von Galaxaura (das. p. 48— 52.); Thwaites
beschrieb die Enlwickelung von Lemanea (Linn. Transact. 20. p.399 —
402.); W. Smith fand die Keimung von Zygnema cruciatum überein-
stimmend mit Vaucher's Beschreiliung (Ann. nat. bist. IL 8. p. 480.,
vergl. über Vaucher's Angabe A. Br. a. a. ü. S. 308. Anm.). — Neue
Gattungen. Floridee; Po; aena Zanard. (Regensb. Fl. 1851. S.33.):
aus dem rothen Meere, mit Plocamium verglichen. — Fucoidee:
Nereia Zanard. (Giorn. bot. it. IL p. 41.) = Desmareslia filiformis. —
Confervaceen etc.; Cylitidiocarpus Crouan (Ann. sc. nat. HL 15.
p. 359.) ; parasitische Ektocarpeen, zu denen auch Chaelophora Berke-
leyi Grev. gehört; Aphanochaele A. Br. (a. a. 0. S. 19G.) : nahe ver-
wandt mit llerposleiron; Gloeococcus A. Br. (das. S. 1C9.), im Breis-
gau entdeckt und den von Br. zu den Algen gezogenen Chlamidomo-
426 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
naden angehörig; Chytridium A. Br. (das. S. 198.): eine aus 15 noch
unbeschriebenen Arten bestehende Gattung von einzelligen, parasitischen
Algen, „die sich zu Saprolegnia ungefähr verhält, wi Ascidium zu
Bryopsis."
Pilze. Tulasne hat durch seine Beobachtungen über zwei-
fache Foripflanzungsorgane bei den Askomyceten eine allgemeine Re-
form des Tilzsyslems angebahnt (Compt. rend. 32. p. 470— 475 , abge-
druckt in den Ann. sc. nat. 111. 15. p. 375— 380.). Er zeigt nämlich,
dass dasstlbe Sphärien -Slroma ausser den Asken auch ahgesclmürte
Zellen erzeugt, die den Itzigsohn'schen Körpern der Lichenen gleichen
und die man bisher als die Sporen besonderer Pilzgatlungcn betrachtet
halte. Hiedurch werden namentlich die Nemosporeen, z. B. Septaiia,
tytispcra, iMelanconium , ferner Polystignia und Tubercularia z. ih. zu
Sphaeria, Dacryomyces Urticae zu Peziza fusarioides, so wie viele an-
dere, sogenannte akrogene Gattungen reducirt. T. ist geneigt, weil
die Bildung der Itzigsohn'schen Körper bei den Pilzen gewöhnlich den
Asken vorausgehe, ihnen eine sexuelle Bedeutung problemalisch zuzu-
sprechen: terminologisch sucht er sie, indem er sie auch hier Sperma-
tien nennt, sowohl von den wirklichen Sporen, die er Stylosporen
nennt, wenn sie von Basidien sich abschnüren, und Sporen im engeren
Sinne, wenn sie in Asken entstehen , als auch von Knospenbildungen
am iMycelium , seinen Conidien zu unterscheiden. Berkeley und
Broonie bestätigen die Ansichten T. 's (Hook. Journ. of Bt4. 3. p. 319
— 323. t. 9. 10.), indem sie die Idendiiät von Stilbospora macrospernia
mit Sphaeria inquinans, so wie verwandle Erscheinungen bei Tympanis
saligna und bei Hendersonia miitabilis nachwci.«;en und durch Abbildun-
gen erläutern; sie möchten in solchen Fällen eine Metamorphose der
Asken in Sporen annehmen, ohne deshalb die sexuelle Bedeutung durch-
aus in Abrede zu stellen. — 'Bo norden gab eine lür den Anfänger
brauchbare, an Corda's Arbeilen sich anschliessende Anleitung zum
Studium der Pilze heraus, in welcher jedo«;h die Kennlniss der aus-
ländischen Literatur vermisst wird (Handbuch der allg. Mykologie. Stutt-
gart, 18.")!. 336 S. und 12 Taf. 8.); sein System, zum Thcil auf vege-
tative Organe gegründet, ist nicht naturgemäss, seine neuen Gattungen
sind oft nicht hinlänglich begründet. — Fries gab ein AVerk über
tropische Pilze heraus, dem Bemerkungen über die pflanzengeographi-
schen Verhältnisse beigefügt sind (Wovae symbobie mycologicac. Fase.
1. sistens lungos in peregrinis terris a bolaiiicis daiiicis colKclos. Upsal ,
1851. 120pag. 4.). Auch Berkeley beschrieb wieder zahlreiche
exotische Pilze (Decades of Fungi in Hook. Journ. of Bot. 2. u. 3.).
— Aus T r at tinic k's Nachlass sind 16 Tafeln mit Pilzen herausge-
kommen (Auswahl merkwürdiger Pilze. Wien. Fol.).
Cohn bearbeitete die Enlwickelungsgeschichte von Pilobolus
monooraphisch (Nov. Act. Caes. Leop. 23. I. p 493—535. t. 51. 52.):
und sysIcmatlsL-licn liolanik uahrcncJ dts Jahres 1851. 42/
die ganze Pflanze besteht aus drei Zellen, einer verästelten ölyceliuni-
Zellc, der Stielzelle und dem Askus ; zwar entwickeln sich später
Früchte am Mycelium, aber die erste Frucht wird schon bei der Kti-
mung dadurch angelegt , dass sich die Sporen in die Mycelium-Zclle
und Stielzelle theill; die letztere schnürt dann später den Askus als
obere Gliederung ab und, indem ihre Membran in der Form einer Co-
lumella in den Askus sich einstülpt, wird dieser elastisch losgerissen;
der Askus enthält zahlreiche, freie Sporen (vergl. Cesati's Beschreibung
in Rabenhorst's Herbar. niycol. , abgedr. in der Bot. Zeil. 9. S. 647.).
— V. Schi ech t end a 1 schrieb Bemcikungen über Rhizina (Bot. Zeit.
9. S. 737 — 743.). — Tulasne verdanken wir ein klassisches und mit
den schönsten Kupfern ausgestaltetes Werk über die unterirdischen Pilze
{Fungi hypogaei. Paris 1851. Q2J pag. mit SlTaf 4.). Dieselben ge-
hören bekanntlich zu verschiedenen Ablheilungcn des Systems ; die Tu-
beraceen möchten wohl am passendsten zu den Askomycelcn gestellt
werden, von denen sie sich durch die im Inneren der GIcba gebilde-
ten Asken unterscheiden, während die Hymenogaslreen zu den Gaslio-
myceten geböten, die sich zu den Hymenomyceten äbnlieb vtvbaltcn,
wie die TrüfTeln zu den Pezizen. Die Entwickelung der abgeschnür-
ten Sporen bei Lycoperdon und den Hymenogastreen ist übereinslim-
mend: die Taschen der Gleba sind im jüngeren Zustande Luliliöhlcn,
deren AVände das Hymenium bilden ; nachdem diese zerstört sind, blei-
ben Prosenchymzcllen übrig, die das Capillilium zwischen den abge-
fallenen Sporen bilden; Phallus und Clalhrus unterscheiden sich nur
dadurch, dass statt des Capillitium eine halbflüssige Pulpa entsteht,
welche die Sporen enthält. Durch Gautiera , weit her das Peridium
fehlt, werden die Hymenogastreen mit den Hymenomyceten in eine
nahe Beziehung gestellt. Von den Tuberaceen sondert T. Elaphomy-
ces ab, indem diese Gattung zwar die Asken der Trüff"el, aber ein Ca-
pillitium besitzt , welches theils unfruchtbar ist und also mit dem der
Hymenogastreen verglichen werden kann , theils aber eine Kndielle
selbst in den Askus umbildet (asci = floccorum ferliüum cellulae ex-
trcmac). Die Tuberaceen entstehen gleich anderen Pilzen aus einem
Slycelium, welches nur seiner Vergänglichkeit wegen meist übersehen
worden ist : da kein Peridium vorbanden ist, so war schon aus diesem
(irunde ihre Stellung unter den (laslion ycetcn unhaltbar. Die weissen
Adern der TrülFel weist T. als ein Syslini von Intercellulargängen nach,
bestimmt Luft durch das lockere Prosenchym, w elches diese w eise Sub-
stanz bildet, zu den dunkelen Adern zu führen , die an il.rer Ausscn-
fläche die Asken tragen, dalier, wiewohl mit Gewebe erfüllt, mit den
Taschen der Gnslromycelengleba zu vergleichen. Diese Auflassung wird
durch die mit wirklichen Taschen veisehenen Tuberaceen (z. B. Jlydno-
cyslis, Genea) unterstützt: solche Gallungen sehliessen sieh, wenn die
Taschen nach aussen sich öfl^nen, i:ahe an Sphaerosoma und die Pezi-
428 Griscbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Ben. üehcrsicht von T.'s Anordnung: a. Hy menog as treen. Gau-
tieria 2, Hymenogaster 20, Hydnangium 5, Ociaviania 3, Hysleran-
gium 7, Rhizopogon 5, lUeianogasler 7, Hyperrhiza 1, rompholyx 1,
Fhlyclospora 1 sp. ; b. £1 a p homy cee n. Elaphomyces 21 sp. ; c.
Tuberaceen. Hydnocyslis 2, Genea 5, Balsamia 4, Hydnoboliles 1,
Hydnotria 1, Genabea 1 , Stephensia 1, Pachyphlocus 4, Tuber 21 (die
französischen TrüfTeln des Handels sind T. brumale, melanosporum, ae>
stivuin und mesentericum, die beiden letzteren wachsen auch in Deutsch-
land, die weisse TrülTel = T. magnatum wird vorzüglich in der Lom-
bardei, Terfezia Leonis in Algier gegessen), Picoa 1, Cheoromyces 2,
Terfezia 2, Delastria 2 sp. Zweifelhaft bleiben Cenococcum, Endogone,
auch Rhizomorpha; zum Schlüsse sind Sphaerosonia , Sphaeria Zohelii
(Syn. Älicrothecium Cd.), Rhizoctonia und Uslilago hypogaea abgehan-
delt. — D. Notaris publicirto> eine Monographie der Hysleriaccen
(Prime lince di una nova disposizione de' Firenoniiceli Isterini im Giorn.
bot. ital. n. 2 fasc. 7. p. 5 — 52.): er theilt dieselben, je nachdem die
Asken opak oder hyalin sind, in Phaeosporeen und Hyalosporeen. —
üuby sprach seine Ansicht über die Pyrenomycelen aus (Bibl. de Ge-
ueve, 1851. Nov. p. 252— 256.). — Leveille bearbeitete eine schöne
Monographie von Erysiphe (Ann. sc. nal. III. 15. p. 109 — 179. t. 6 — 11.):
er hält die abfallenden Endzeilen der vertikalen Mycelium - Zweige,
gleich den Cystiden der Hymenomyceten und den Paraphysen der As-
komyceten, für männliche Organe (p. 120. : vergl. oben die verwandle
Ansicht Tulasne's über {die Nemosporeen). — Bornet publicirle eine
monographische Arbeit über die mit Erysiphe verwandte Gattung Me-
liola (das. 16. p. 257— 270. t. 21. 22. — Bonorden untersuchte den
Bau von Phallus und Sphaerobolus (Bot. Zeil. 9. S. 18—23. l. 1.) —
Tulasne Iheille vorläufig die Entdeckung mit, dass das Mutterkorn
ein Sclerotium, d. h. eine Wucherung von Vegelationsorganen eines
Pilzes sei, der, vollständig entwickelt, zu Cordyliceps purpurea wird
(Compt. rend. 33. p. 645— 647 ). — Neue Gattungen. Pyreno-
myceten: Sphaerolheca Lev. (a. a. ü. p. 138.) = Alphitomorpha
pannosa VVallr. etc.; Fhyllaclinia Lev. (das. p. 144.) = Erys. üxyacan-
Ihae DC. etc.; Uncinula Lev. (das. p. 151) = Er. adunca Fr. etc.;
Microsphaera Lev. (das. p.l54.) = Er. divaricala Dub. elc, ; Gloniopsis INol.
(a.a.O. p.23.): neben Glonium gestellt ; Coccowjyces Kot. (das. p.38.) =
Hysler. tumidum Fs. ; Melanosorus Kot. (das. p. 49) = Rhylisma
acerinum Fr. ; Circinara , Puslularia , Synsphaeria , Pyrodochium , Py-
renodermium , Ascoslrovia und Pulvinaria Bon. (a. a. 0. p. i/0
262.): Fries'schen Seclionen von Sphaeria entsprechend. — Cystis-
poree: Pleurocyslis Bon. (das. p. 124.) = Ascophorae sp. — Hy-
menomyceten: Fo%s<ic(Ms Fr. ( Symbol, mycol. ) und Slrobüomyces
Berkel (Hook. Journ. of Bot. 3. p. 78.) : exotische Polyporcen; Scplo-
colla Bon. (a. a. 0. S. 152. fig. 247.) : neben Trcmella gestellt, aber
und syslcmalischen Botanik wahrend des Jahres 1851. 429
zweifelhaft. — G a s t ro ni y cet ; Hystrtcapsa Treuss (Linnaca, 24. p.
140.): rhysaree. — H y p h o m y ce t e n: Glycyphüa ^\onl. (Compt. rend.
33. p. 395.) : der den krystallisirten Zucker zerstörende Filz, neben
Sporolrichuin gestellt; von Preuss sind aufgestellt a. a. 0. Urocla-
dium (p.m.), Papulaspora und Sculisporium (p. 112), Blastolrichum
(p. 113), Nodulisporium (p. 120), Synsporium (p. 121,), Calcarisporium
(p. 124 ), Frismaria (p. 125.), Tilachlidium (p, 126.), Verticicladium u.
Uormiaclis (p. 127.) , Mucrosporium (p. 128.), Cordana (p. 129.), Ca-
cumisporium und Gomphinaria (p 130.), Oedocephalum (p. I3l.), Sco-
pularia (p. 133.), Botryocladium (p. 134.), Stemmaria (p. 137); von
Bonorden (a. a. ü.) Coprolrichum (S. 76.), Hormodendron (das.) =-,
Fenicillii sp., Acrosporium (S. 80. f. 9h), Fusicladium (das. f. 94.),
Asterotrichum (S. 82.) = Asterophorae sp., Cylindrotrichum (S. 88.)
=: Menisporae sp., Didymolrichum (S. 89.) = Cladosporii sp. Cord.,
Cylindropkora (S. 92.) = Verticillii sp., Helminthophora (S. 93. f. 137.),
Monosporium (S. 95.) = Feronosporae etc., Acrocylindrium (S. 97. f.
147. 172), Diplocladium (S. 98. f. 119. 168.), Cylindrodcndron (das.
f. 27.), Cylindrocephalutn (S. i03.) = Menispora sp., Phymalotrichum
(8.116. f. 138. etc.). Slilbodendron {S. 117.) = Stilbi sp., Cylindrodo-
chium (S. 132.) = Cylindrosporii sp. , Dendrodochium (S. 135. f. 228.
229.), Cephalodochium (das. {.211 .), Achraomyces (das.). — Conio-
myceten: Ca/7i(«/rtria Rabenh. (Bot. Zeit. 9. S. 449.) = üredo lon-
gipes Lsch.; Gongromerha Frs. (a. a. 0. p. 106.): Torulacee; Plenodo-
mus Frs. (das. p. 145.): Nemasporee; von Bonorden sind aufgestellt
(a. a. 0.) Cylindrium (S. 34.) = Fusidii sp. , Taeniola (S. 36.) = To-
rulae Cd., Dicaeotna B. nee INs. (S. 42.) = Caeoma betulinum , Peri-
coelium (S. 44.) = üredo Cd., Cylindrocolla (S. 149.) = Uacryomyccs
Urticae s. o. , FusicoUa (S. 150.) = Fusisporium Betae, Hormomyccs
(das- f. 234.) : vielleicht Fhyllopta Fr.
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