ARCHIV
FÜH
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN,
PROF. DR. VON SIEBOLD IN MÜNCHEN, PRÜF. DR. A. WAGNER
IN MÜNCHEN UND PROF. DR. LE UCK ART IN GIESSEN.
HERAUSGEGEBEN
Db. f. h. troschex.^
PR0PBS80H AM DER FRIBDRICH-WILHELMS-UMIYERSITÄT ZU BOHR.
NEUNZEHNTER JAHRGANG.
Mit vierzehn Tafeln.
BERLIN, 1853.
VERLAG DER NICOLArSCHEN BUCHHANDLUNG.
^öMirnil^
aTiiaiHo^aoaJi
/hov
)%BAott'jd .b u Ji ' .10
;g70%ao^«iuqü3 oib bau "iqüa^uRuljunH adb lodsU
., .1 ; .. . ; , v5 M .V V .'.;. vi, ■-;■■« '.fr.»
Inhalt des ersten Bandes. vA-jU
./. iiuV AijiiA iL.njU -ii^iiu^ ^1.1...;/; i .■■.■;ii !.!> J'.-i')« ggj^g
üeber die Mundtheile' der* Cephal(ipy&ifi''^VtlÄif tfiricttiljf ÄÜ
ber. (Hierzu Taf. LJ / . i; ;,■ w, lülLoqqui fiJikinJüK '»i.i -i'jdoll
Bferichtigend-e Notiz Äbör diö t^äffeüng eliti^^ fhiM, törf
Maximiliaii Frin2 zu Wied . ^ i . . 10
Ueber die Verschieliehhciten im Schädelbarflt der Ättist1il& Mat-
tes und M; Foina. Von Dr. R. Heuser 1 in Br^^kii.
(Hierzu Taf. II. Fig. 1—4.) ... . k . . 17
üeber das Vorliommen von E<iki:abheiif Wi Cei^i ea^reioldd;
ypnDemseJbfn, (Hierz^ Taf» IL Fig, ö^-^rDioholyH »lod^ö^
Äieitrag- zur- Mikromammalogie des AinilöÄ ttiAl«(fiSsi'*-'VMi)
Carl Lundahl. Uebersetzt von Fr. Creplin . . 25
Beschreibung zweier neuer deutscher Fledermausarten. Von
J. H. Blasius, Professorin Braunschweig ... 35
Ueber eine neue und eine weniger gekannte Siphonostomen-
Galtung. Von Dr. A. Gerstaecker in Berlin. (Hierzu
Taf. III. und IV.) 58
Bemerkungen über die Fhyllopoden, nebst einer Uebersicht
ihrer Gattungen und Arten. Von Dr. A. E. Grube, Pro-
fessor in Dorpat. (Hierzu Taf. V— VIII.) ... 71
Beitrag zur Entwickelungsgeschichte derKammkiemer von Ko-
ren und Danielsse n. Aus dem Dänischen übersetzt
vom Herausgeber. (Hierzu Taf. IX.) .... 173
Dorycrinus, ein neues Crinoidengesöhlecht aus dem Kohlenkalke
Kordamerikas. Von Dr. Ferd. Roemer. (Hierzu Taf. X.) 207
Ein neuer Bandwurm aus Polypterus bichir. Beobachtet von
Dr. Leydig in Würzburg. (Hierzu Taf. XI. Fig. 1—5.) 219
üeber einen neuen, mit Wimpersegeln versehenen Gasteropo-
den. Von Dr. A. Krohn. (Hierzu Taf. XI. Fig. I— IL) 223
Uebersicht der Lophobranchier. Von Dr. J. Kaup in Darmstadt. 226
Seite
Die organischen Missbildungen der glatten Schneckenschale. Von
Dr. G. 0. Piper in Bernburg 235
Nachträgliche Bemerkungen über den Bau von Phyllirhoe. Von
Dr. Rud. Leuckart 243
Ueber den Bauchsaugnapf und die Copulationsorgane bei Firola
und Firoloides. Von Demselben 353
Ueber die Gehörwerkzeuge der Krebse. Von Demselben . 255
Nachträgliche Bemerkungen über den Bau der Gattung Sagitta,
nebst der Beschreibung einiger neuen Arten.^ Von A.
Krohn. (Hierzu Taf. XII.) ^66
Ueber die Natur des kuppeiförmigen Anhanges am Leibe von
Phyllirhoe bucephalum. Von Demselben . . . 278
Ueber Vorkommen von Sarcophagamaden in den Augen und der
Nase von Menschen. Von Dr. Ed. Grube, Prof. in
Dorpat . . , 282^
Beschreibung einer neuen deutschen Fledermaus. Von J. H.
B 1 a s i u s , Prof. in Braunschweig 286
^eber Heloderma horridum "Wiegm. Vom Herausgeber.
(Hierzu Taf. XIII und XIV.) 294
rtrihtnu Hill ni loefealei^ fSjriaßlS. J
MilqiS
tfloleTddäU if^ah l^dm \aM
...«I .. ,f .. '. n •: / •,(. n, .
.OÜ ROY
lieber die mundtheile der Cephalopoden.
Vom
Heransgreber.
(Hierzu Taf. I.).
Die Cephalopoden haben in neuster Zeit dadurch ein
besonderes Interesse der Naturforscher erregt, dass bei eini-
gen Octopus- Arien und bei Argonauta die Geschlechts Ver-
hältnisse in so seltsamer Weise auftreten. Seit Kolli ker
zuerst den Zusammenhang der von Delle Chiaje undCu-
vier beschriebenen, von leizierem Hectocotylus genannten
Thiere mit den Cephalopoden erkannt hat , haben besonders
Verany, Vogt, Heinrich Müller und Rüppell sich da-
mit beschäftigt, die wahre Natur dieser Wesen zu erforschen.
So weiss man jetzt, dass bei den Männchen an der Stelle des
dritten Armes (von oben gezählt ) eine Blase hervorwächst ,
die sich in eigenthümlicher Weise zu einem Hectocotylus ent-
wickelt, der später sich lostrennt, um parasitisch an dem
Weibchen weiter zu leben, v. Si ebold hat dann einige Stel-
len des Aristoteles citirl , aus denen hervorgeht, dass dieser
erste Naturforscher schon Kenntniss von den Geschlechtsver-
hältnissen der Cephalopoden gehabt habe.
Man hatte bisher die Männchen von Argonauta nicht ge-
kannt, eben so wenig von mehreren Octopus -Arien. Die
Abhandlung von Rüppell „Beiträge zur Naturgeschichte des
Papiernautilus und insbesondere Beschreibung des bisher un-
bekannten vollständigen Männchens dieses Thieres,*' welche
im vorigen Jahrgange dieses Archivs (1852. I. p. 209.) ab-
gedruckt ist , hatte hauptsächlich zum Zweck , zu erweisen ,
dass der Octopus Carenae von Verany das Männchen zu
Argonauta Argo L. sei.
Archiv f. Naturgesch. XIX. Jahrg. l.Bd. 1
2 Troschel:
Schon damals, als der eben erwähnte Aufsatz im Drucke
begriffen war, erschien es mir sehr wichtig, die Vermuthung
RüppelTs auf eine nach meiner Meinung sehr leichte Weise
zu beweisen oder zu widerlegen; und ich bat denselben,
der die Güte gehabt hatte , mir sein Exemplar von Octopus
Carenae ^ dem vermeintlichen Argonauten - Männchen , zur
Ansicht zu übersenden, um die Erlaubniss, durch einen Schnitt
den Mundtheilen näher zu treten, und die sogenannte Zunge
untersuchen zu dürfen. Mit g*i^osser Bereitwilligkeit, für die
ich Herrn Rüppell aufrichtig dankbar bin, gestattete der-
selbe die Operation, die ich denn auch mittelst eines Längs-
schnittes bewerkstelligt habe, so dassdie äussere Erscheinung
des Exemplars auch nicht das Geringste an seiner Vollstän-
digkeit eingebüsst hat>.
Es konnte hier nur zweifelhaft sein , ob das in Redfe
stehende Thier, der Octopus Carewae Verany, das Männchen
zu Argonauta oder zu irgend einer Octopus-Axi sei. Da
nun nach meinen Untersuchungen die Zunge von Argonauta
und die Zunge von Octopus hinreichende Differenzen zeig-
ten , um die Gattungen unterscheiden zu können , so musste
durch Ansicht der Zunge von Octopus Garenae sich unmit-
telbar ergeben, welcher Gattung dieses Männchen angehörei
Ich setzte hierbei voraus, dass die Mundtheile der Männchen
und Weibchen keine auffallende Verschiedenheit zeigen, und
glaubte mich zu dieser Voraussetzung berechtigt , da ich bei
den sehr zahlreichen Untersuchungen über diese Organe noch
bei keinem Mollusk eine Geschlechtsverschiedenheit gefun-
den habe.
Das Resultat meiner Untersuchung war, dass der Octo^
pus Carenae keine Argonauta, sondern ein Octopus sei. Ich
musste es somit bedauern, Herrn Rüppell's Vermuthung
flicht bestätigen zu können; bei dem rein wissenschaftlichen
Interesse dieses hochgeachteten Naturforschers darf ich aber
voraus setzen , dass ihm das Resultat nicht weniger Werth
haben wird, als wenn es seine Meinung bestätigt hätte.
Wenngleich nun sehr bald nach diesen Vorgängen in
der Zeitschrift für wissensch. Zoologie von v. Siebold und
Kölliker, und schon vor der Ausgabe des Heftes unseres Ar-
chivs, in welchem sich die Rüppell'sche Abhandlung be-
üeber die Mundtheile der Cephalopoden. 3
fand, das wirkliehe Argonaulen-Männchen durch Heinrich
Müller bekannt gemacht, und dadurch der nächste Zweck
meiner Untersuchung überflüssig geworden ist, so scheint es
mir doch nöthig, wiederholt auf die Wichtigkeit der Mund-
theile der Mollusken hinzuweisen und namentlich hervorzu-
heben , dass bei den mit Hectocotylus versehenen Männchen
der Octopus- Arien gewiss die Zunge einen sehr werthvollen
Anhalt dafür giebt, zu bestimmen, welchen Weibchen diese
Männchen zugehören. Ich beschreibe daher im Folgenden die
Mundtheile der mir zu Gebote stehenden Cephalopoden, und
hoff'e dadurch die Aufmerksamkeit auf diese Organe hinzulenken.
Schon Swammerdam hat die Mundtheile der Sepie be-
obachtet , er hat die Kiefer und die Zunge beschrieben und
sogar abgebildet*), natürlich aber in einer Weise, die un-
seren jetzigen Anforderungen nicht genügt. Er wusste je-
doch schon, dass die Platten auf der Zunge, die er „knor-
pelige Warzgen" nennt, in sieben Reihen geordnet sind, und
er hat in jeder Reihe mehr als 60 Platten gezählt.
Savigny hat zwar in der Description de PEgypte. Ce-
phalopodes PI. I. Fig. 1. e die Zunge von Octopus in zwei
Ansichten von oben und von der Seite abgebildet; auch ib.
Fig. 3. e zwei Ansichten der Zunge von Sepia gegeben; die-
selben müssen auch wie alle Abbildungen dieses grossarti-
gen Werkes bewundert werden, da sie einen neuen Beweis
von der grossen Sorgfalt geben , mit der der Verf. bereits
im Jahr 1812 die feinsten Organe der Thiere untersucht hat;
ja man erkennt sogar an diesen Darstellungen die generischen
Verschiedenheiten; dennoch reichen auch sie für die gegen-
wärtigen Forderungen nicht aus , wo es darauf ankommt ,
selbst specifische Merkmale von den Zungen zu entnehmen.
Die Abbildungen, welche in der Medicinischen Zoolo-
gie von Brandt und Ratzeburg Band II. Tab. XXXII.
Fig. 6—10. von Sepia enthalten sind, stehen weit hinter de-
nen von Savigny zurück, und sind für unsere Zwecke un-
brauchbar.
Von Ferussac sind in dem Prachtwerke über die Ce-
phalopoden „Histoire naturelle generale et particuliere des
*) Bibel der Natur, Leipzig 1752. p. 348. Tab. L. Fig. IV— VI.
4 T r 0 s c h e I :
Mollusques. Cephalopodes acetabuliferes" die Zungen von
Octopus, Argonauta und Sepia abgebildet. Jedoch auch sie
entsprechen nicht den Ansprüchen , welche wir jetzt an die
Genauigkeit im Einzelnen machen müssen.
Vollkommen detaillirt sind, so weit es mir bekannt ge-
worden ist, von Cephalopoden nur die Zungen von drei Ar-
ten und zugleich von drei Gattungen abgebildet, nämlich von
Eledone cirrosa, Sepiola Rondeletii und Loligo vulgaris. Diese
Abbildungen finden sich in der vortrefflichen Arbeit von L o -
ven *}. Auf sie werde ich mich im Folgenden mit beziehen.
Was die Terminologie betrifft, so sehe ich mich nicht
veranlasst, der von Loven eingeführten zu folgen. Er nennt
die mittelste Platte jeder Querreihe Zahn, dens , die übrigen
Haken , uncini. Allerdings weicht die Mittelplatte häufig an
. Gestalt und Grösse sehr auff'allend ab, indessen hat dieselbe
doch im Allgemeinen dieselbe Bedeutung , wie die übrigen
Platten , und die Haken haben in sehr vielen Fällen gar
nicht eine Gestalt, welche diese Benennung rechtfertigt. In
unserem Falle bei den Cephalopoda dibranchiata sind stets
sieben Längsreihen solcher Platten vorhanden, von denen die
beiden äusseren jederseits unter sich mehr Aehnlichkeit ha-
ben, als mit den übrigen. So ist es auch bei den allermei-
sten Schnecken. Daher glaube ich meine alte Bezeichnungs-
weise beibehalten zu müssen. Ich vermeide den Namen Zahn
ganz, und nenne die einzelnen festen Stücke der Zunge Plat-
ten, die Benennung Zahn lieber für spitzige Vorsprünge, wie
sie so oft am Rande der einzelnen Platten gefunden werden,
vorbehaltend. Ich nenne die mittlere Platte Mittelplatte, die ihr
jederseits zunächst gelegene Zwischenplatte, die beiden äus-
seren jederseits Seitenplatten, wobei falls es nöthig ist, leicht
die innere und die äussere Seitenplatle unterschieden wer-
den können. Will man dies in lateinischer Sprache ausdrük-
ken, so schlage ich lamina media, lamina interiecta und la-
minae laterales vor. Auch bei den Schnecken wird diese Be-
zeichnungsweise überall Anwendung finden, naturlich mit der
*) Ofvers. af Kongl. V etenskaps.-Academiens Förhandlingar d.
9. Juni 1847. Tab. 3.
lieber die Mundtheile der Cephalopoden. 5
Modification , dass sowohl die Mittelplatten so wie auch die
Zwischenplalten oder Seilenplatten fehlen können , und dass
die letzleren an Zahl ungemein variiren.
Ueber den Bau der Mundtheile will ich nur bemerken,
dass alle Cephalopoda dibranchiata , die uns hier allein be-
schäftigen, zwei Kiefer besitzen, einen Oberkiefer und einen
Unterkiefer, wie das ja zur Genüge bekannt ist. In ihrer Ge-
stalt liegen wohl Verschiedenheiten, die geeignet sein möch-
ten , die Gattungen zu unterscheiden , indessen fallen diesel-
ben nicht sehr in die Augen , lange nicht so sehr wie die
Verschiedenheiten der Zungenplatten. Sie bewaffnen den vor-
deren Eingang in die fleischige Mundmasse. Im Grunde der-
selben liegt auf einer knorplig-fleischigen sehr beweglichen
Grundlage die Zunge. Die Zungenstütze ist nicht bei allen
Galtungen gleich gebildet. Bei Octopus z. B. besteht sie aus
zwei knorpligen Muskeln, die in der Längsrichtung desThiers
liegen , in ihrem Grunde mit einander durch eine Membran
verbunden sind, und so einen oben offenen Canal bilden, in
dem die Zunge liegt. — Bei Sepia liegt vorn in der Mitte
ein stumpfer unten gewölbter oben etwas concaver Fleisch-
körper , der sehr beweglich zu sein scheint. Auf seinem
hinteren Theile liegt eine andere Fleischmasse, welche gleich-
sam die Fortsetzung der ersteren bildet; sie ist vorn fast ge-
rade abgestutzt, und verzweigt sich hinten in viele Muskel-
bündelchen , mittelst derer sie an den benachbarlen Theilen
befestigt ist. Auf diesen beiden Fleischmassen liegt die Zunge,
und zwar auf eine ganz eigenthümliche Art. Vor der Mitte
der hinteren findet sich ein Loch , welches durch einen am
hinteren Rande desselben befindlichen Vorsprung eine halb-
mondförmige Gestalt erhält. In dieser Höhlung steckt das
hintere Ende der Zunge, und der daraus hervorgehende Theil
legt sich über den vordem Theil dieser Fleischmassen; die
vordere trägt wahrscheinlich zur Beweglichkeit dieses Organs
besonders bei.
Da jedoch die Verschiedenheiten dieser muskulösen Theile
des Kauapparates sich zur practischen Unterscheidung der
Gattungen und Arten weniger eignen als die Zunge milden
starren bestimmt conturirten Platten , so lasse ich mich hier
auf ihre nähere Beschreibung nicht ein , sondern wende
6 Troschelf
mich nun zu dem eigentlichen Zweck dieser Mittheilung* ,
nämlich zur Beschreibung der verschiedenen Zungen.
Oattnng^ Eledone lieacli«
Loven hat bereits a. a. 0. auf die Eigenthümlichkeit der
Zunge von Eledone cirrosa hingewiesen , die darin besteht,
dass die Mittelplatte nicht in allen Querreihen gleich ge-
staltet, sondern alternirend verschieden ist; eine Eigenschaft
die noch von keinem anderen Molluskengeschlecht bekannt
ist. Dasselbe Verhalten hat auch die Zunge der von mir
untersuchten Eledone moschata, und dadurch steigt die Wahr-
scheinlichkeit , dass alle Arten darin übereinstimmen ; auch
liegt darin der Beweis, dass Eledone eine vortreffliche Gat-
tung ist.
Eledone moschata. Lam.
(Taf. I. Fig. 1.)
Die Zunge von Eledone moschata hat, wie die Verglei-
chung mit der citirten Loven'schen Abbildung klar ergiebt ,
eine grosse generische Uebereinstimmung mit E. cirrosa in
allen ihren Theilen, die Abweichungen im Einzelnen sind je.
doch bedeutend genug, um eine specifische Verschiedenheit zu
begründen.
Die Mittelplatten sind unsymmetrisch gebaut, doch wird
ihre Symmetrie dadurch in etwas wieder hergestellt, dass die
linke Seite der einen immer der rechten Seite der folgenden
gleich ist, und umgekehrt. Jede Platte läuft in einen langen
mittleren, dornartigen, geraden Vorsprung aus, und hat je-
derseits zwei kräftige Zähne. Wenn diese an einer Platte
so geordnet sind, dass der Basalzahn der linken Seite klein,
der andere kräftig und etwa auf ein Drittel der ganzen Plat-
tenlänge liegt, wogegen an der rechten Seite der Basalzahn
gross ist, der andere Zahn auf der Hälfte der ganzen Plat-
tenlänge liegt, dann haben die vorhergehende Platte und die
folgende die Zähne in umgekehrter Anordnung.
Die Zwischenplatlen sind klein , und an ihrem Hinter-
rande ragen zwei ziemlich spitze Zähne hervor , von denen
der äussere ansehnlicher ist als der innere stumpfere; zwi-
schen beiden Zähnen liegt eine runde Ausbucht. Bei E. cir-
rosa ist der äussere Zahn dieser Platten, viel spitzer, vorsprin-
gender.
Ueber die Mundtheile der Cephalopoden. T
Die Seilenplatten sind einander nicht gleich. Die innere
Seilenplatte ist breit und kurz; ihr Hinterrand dehnt sich in
einen grossen , spitzen Zahn aus , der eine ungefähr dreiek-
kige Gestalt hat, und dessen Basis etwa die innere Hälfte der
Plattenbreite einnimmt. Die äussere Seitenplatte ist ein wah-
rer Haken , und hat die Gestalt eines kurzen stark gekrümm-
ten Hornes, das von der Basis nach der rückwärts blicken-
den Spitze allmählich sich verschmälert.
Neben diesen Platten ist die Zungenmembran noch mit
bandförmigen Streifen belegt , von denen immer einer der
Basis einer äusseren Seitenplatle anliegt
C^rattung- €lctopui Tiam*
Von dieser Gattung habe ich die Zungen zweier Ar-
ten untersucht, von 0. vulgaris und 0. Carenae. Wenn es
erlaubt ist, von zwei Arten auf das Allgemeine der Gattung
einen Schluss zu machen , so scheint die Eigenthömlichkett
der Gattung darin zu liegen, dass die Mittelplatte drei Zähne
trägt, von denen der mittelste der bei weitem längste ist;
dass die Zwischenplatten ihr ähnlich sind, jedoch eine schiefe
Richtung annehmen, ein wenig nach innen scfeauend; dass
die Seitenplatten sehr unter sich verschieden sind, indem die
innere breit ist mit zwei sehr ungleichen Zähnen, wogegen die
äussere dornförmig und ein wenig gekrümmt erseheint. Eine
Vergleichung beider Abbildungen lässt die specifische Ver-
schiedenheit deutlich ins Auge fallen.
Octopus vulgaris Lam.
(Taf. 1. Fig. 2.)
Wie bei den meisten Cephalopodenzungen , so zeichnet
sich auch hier die Mittelreihe der Platten durch ihre dunkler
braune Farbe und geringere Durchsichtigkeit vor den übrigen
aus. Beides hat wohl darin seinen Grund, dass diese Platten
aus dickerer Masse bestehen , als die übrigen , und dass sie
in ihrer Mitte sich stark erhebend, einen ziemlich bedeuten-
den Kiel bilden. Alle Platten sind mit dem freien Rande
nach hinten gerichtet, wodurch die Vorderränder jedesmal
durch den Hinterrand der vorhergehenden Platte verdeckt
werden, und somit nur undeutlich zu erkennen sind.
8, Troschel:
Die Mittelplatten laufen nach hinten in drei Zähne
aus , einen mittleren langen , und zwei seitliche kurze , die
nicht völlig die Hälfte der Länge des mittleren erreichen.
Die Buchten zwischen Mittelzahn und Seitenzähnen sind aus-
gerundet; die Seitenränder der Platten sind convex und
tragen in sanfter Biegung zur Bildung der seitlichen Zäh-
ne bei.
Die Zwischenplatten haben in der Gestalt viel Aehnlich-
keit mit den Mittelplatten, aber sie sind schief gestellt, da-
her nicht symmetrisch gestaltet und so bedeutend kleiner, dass
ihre Breite nur wenig mehr als den dritten Theil der Breite
der Mittelplatten ausmacht. Sonst hat der Hinterrand drei
Zähne, einen mittlem grösseren und zwei seitliche kleinere.
Die Seitenplatten sind sehr verschieden, und lassen un-
ter sich keinen Vergleich zu. Die inneren Seitenplatten sind
noch etwas breiter als die Mittelplatten , haben einen ausge-
schweiften Vorderrand , und tragen am Hinterrande zwei
Zähne. Der grössere steht auf dem inneren Drittel des von
seiner Basis nach aussen fast gerade verlaufenden Hinter-
randes, der kleinere steht am innern Rande, und ist durch
eine rundliche Ausbucht von dem grösseren getrennt. — Die
äusseren Seitenplatten sind dornförmig, ziemlich stark nach
hinten gekrümmt, und erreichen mit ihrer Spitze den Innen-
rand der inneren Seitenplatten nicht völlig. An sie schlies-
sen sich nach aussen bandförmige Querstreifen auf der Zun-
genmembran.
Octopus Carenae Verany.
(Taf. 1. Fig. 3.)
Die Mitlelplatten haben mit denen der vorigen Art sehr
grosse Aehnlichkeit, nur sind die Seitenränder weniger nach
aussen gebogen und der Mittelzahn ist kräftiger und weni-
ger, spitz. Dadurch dass die drei Zähne über den hintern
Rand der horizontal liegenden, mondförmigen Plattenbasis her-
vorragen, tritt bei durchscheinendem Lichte die Erscheinung
ein, als wenn jeder Zahn scharf von seiner Platte abgesetzt
wäre. Dies ist jedoch nicht der Fall, die obere Fläche dehnt
sich unmittelbar in die Fläche der Zähne aus. Zuweilen
stimmt die scheinbare Absatzlinie nicht ganz mit dem Rande
der Plattenbasis überein, dann bezeichnet diese Linie die Stelle,
lieber die Mundtheile der Cephalopoden. ö
an welcher die untere Fläche des Zahns von der Plattenbasis
sich erhebt; von der Seite betrachtet, würde man hier einen
Einschnitt zwischen dem Zahn und der Plattenbasis bemerken.
Die Zwischenplatten sind nicht nur an Gestalt, sondern
auch an Grösse den Mitlelplatten sehr ähnlich ; sie unterschei-
den sich von ihnen durch ihre schiefe Stellung, wodurch sie
unsymmetrisch werden. Während bei 0. vulgaris die Zwi-
schenplatten nur etwa dem dritten Theile der Breite der
Mittelplatten gleichkommen , so übertreffen sie hier dieselben
sogar noch ein wenig an Breite. Hierin liegt ein sehr in die
Augen fallender specifischer Unterschied.
Die Seitenplatten sind auch hier sehr verschieden. Die
inneren Seitenplatten sind breit und tragen zwei Zähne. Der
kleinere steht am Innenrande, der grössere übertrifft ihn an
Länge und Kräftigkeit sehr auffallend, ist von ihm durch eine
runde Ausbucht getrennt, und seine Basis reicht fast bis zur
Hälfte der Breite der Platte. — Die äusseren Seitenplatten
sind dornförmig , lang , wenig gebogen , verhältnissmässig
länger als bei der vorigen Art. Auch neben ihnen liegen
nach aussen bandförmige Streifen auf der Zungenmembran.
Oattung* Argonauta liani'
Wenngleich immer eine gewisse Aehnlichkeit zwischen
der Zunge von Argonauta argo , der einzigen Art , die ich
habe untersuchen können, mit denen von Octopus vorhanden
ist, so weicht sie doch mehr ab, als beide Arten der genann-
ten Gattung unter einander. Als generische Verschiedenhei-
ten scheinen sich anzudeuten , so weit die Vergleichung der
wenigen Arten ein Urtheil zulässt , das Verschwinden der
seitlichen Zähne an den Zwischenplatten, und die ganz ab-
weichende Gestalt der inneren Seitenplatten, die den äusseren
dornförmigen Platten schon sehr ähnlich werden.
Argonauta Argo Lam.
(Taf. 1. Fig. 4.)
Die Platten der Mittelreihe haben eine vorn ausge-
schweifte, hinten abgerundete^ also im Ganzen mondförmige
Basis; von ihr erhebt sich die Platte so , dass ein freier Hin-
terrand entsteht, der sich in einen langen mittlem Dorn aus-
10 Troschel:
dehnt, ganz wie bei Octopus. Die Seitenzähne dieses Hin-
terrandes sind zwar geringe, aber doch vorhanden ; am deut-
lichsten sind sie an den vorderen Platten , nach hinten zu
werden sie allmählich kleiner, und verschwinden an den letz-
ten Platten völlig.
Die Zwischenplatten haben eine etwa viereckige Basis,
von der ein etwas nach innen gerichteter grosser dornför-
miger Zahn sich erhebt; Seitenzähne sind an diesen Platten
nicht vorhanden, wenigstens verdient die vordere und innere
Ecke, die etwa einen rechten Winkel bildet, diese Benennung
nicht mehr.
Die Seitenplatten haben beide eine viereckige Basis,
von der ein Dorn entspringt , der mit seinem Grunde die
ganze Breite der Plattenbasis einnimmt. Die innere Seiten-
platte unterscheidet sich von der äusseren nur darin, dass
sie breiter und ihr Dorn kürzer ist.
Oattung- liolig^o liam.
In dieser Galtung ist es mir wieder vergönnt, zwei Ar-
ten zu vergleichen, da Loven a. a. 0. die Zunge von L. vul-
garis abgebildet hat; L. sagittata habe ich selbst untersuchen
können. Beide stimmen im Folgenden überein: die Mittel-
platten sind breit und haben nach hinten drei Zähne, von
denen die äusseren kleiner und ein wenig nach aussen ge-
richtet sind; die Zwischenplatten haben keinen Zahn am in-
neren Rande; die Seitenplatten sind dornförmig.
Loligo sagittata Lam.
(Taf. 1. Fig. 5.)
Die Mittelplatten sind viel breiter als lang; ihr freier
Hinterrand läuft in drei Zähne aus , von denen der mittlere
etwa doppelt so lang ist, wie die seitlichen ; die letzteren sind
etwas nach aussen gerichtet. Die Millelplatte von L. vulgaris
hat nach Loven's Zeichnung einen längeren mittleren Zahn.
Die Zwischenplatten sind gleichfalls breit, ihre Breite
beträgt etwa vier Fünftel der Mittelplatten; sie sind ein we-
nig schief gestellt. Ihr freier Hinterrand fragt zwei Zähne,
von denen der grosseste ein mittlerer genannt. werden kann,
der kleinere ist ein äusserer; am inneren Rande steht kein
Zahn. Der innere Rand des grossen Zahnes wendet sich an
Vebet die Mundtheile der Cephalopoden. It
der Basis nach aussen und unten , um in die Platlenbasis
überzugehen; bei gewissem Lichte kann nun wohl der An-
schein eines kleinen Zahnvorsprungs entstehen, indessen in
der Wirklichkeit ist ein solcher nicht vorhanden. Hierdurch
erkläre ich mir die Loven'sche Abbildung; dass der hier
dargestellte Vorsprung der Platlenbasis angehört, und kein
Zahn ist, geht schon daraus hervor, dass er unter der Mit-
telplalte verborgen liegt.
Die beiden Seitenplatlen sind dornförmig; die innere
dabei mehr flach , breiter und kürzer als die äussere. An
sie schliessen sich nach aussen die gewöhnlichen Streifen
der Zungenmembran, die jedoch ziemlich kurz sind.
Oattungp Onyclioteutliis liichtst.
Die Zunge dieser Gattung ist im Verhältnisse kleiner als
bei den übrigen Cephalopoden, die nach hinten gerichteten
Zähne der Platten länger und spitzer, und namentlich .zeich-
net sich der Zahn der Mittelplatte durch seine linienförmige
Schmalheit und Länge aus.
Ony choteuthis Bergii Lichtst.
(Taf. L Fig. 6.)
Wenn man die Mittelplatten vom vorderen Theile der
Zunge nach hinten verfolgt, so zeigt sich eine allmählich
übergehende Verschiedenheit. Die vordem Zähne erschei-
nen durch den Gebrauch abgenutzt, daher mit kurzen abge-
rundeten Zähnen; die hinteren sind noch nicht gehörig ent-
wickelt. Eine Querreihe etwas hinter der Mitte der ganzen
Länge der Zunge wird am besten den normalen Zustand der
Platten ausdrücken.
Die Mittelplatten sind ziemlich breit , vorn ausgerundet,
nach hinten trägt der freie Rand drei Zähne, von denen die
äusseren sehr klein, spitz, ein wenig nach aussen gewendet
sind, der mittlere dagegen sehr lang und sehr schmal ist,
so dass er nadeiförmig nach hinten hervorragt. Von seiner
breiten Basis verschmälert er sich schnell, wird dann aber wie-
der um ein Unbedeutendes breiter, und endigt ziemlich stumpf.
Die Zwischenplatten sind ein wenig schief gelegen,
doch in anderem Sinne als bei den bisher besprochenen Gal-
tungen ; ihr Hinterrand blickt etwas nach aussen , ihr Dorn
12 Trosohel: üeber die Mundtheile der Cephalopoden.
ist gerade nach hinten gerichtet. Derselbe ist lang und kräf-
tig, an seinem Grunde ist kaum eine Andeutung von einem
zweiten inneren Zahne vorhanden.
Die Seitenplalten sind dornförmig, lang, etwas gekrümmt,
die inneren und äusseren von fast gleicher Länge. An der
äusseren habe ich deutlich bemerkt, dass sie auf ihrer un-
teren Fläche der ganzen Länge nach ausgehöhlt sind ; sie
stellen einen Kanal dar. Neben ihnen fehlen die Bänder auf
der Zungenmembran oder sind doch nur kaum merklich an-
gedeutet.
Ix^attung Sepiola Ijeacli.
Von Sepiola habe ich die Zunge nicht untersucht; es
ergiebt sich jedoch aus der Abbildung bei Loven a. a. 0.
von Sepiola Rondelelii, dass dieselbe abweichend genug ist,
um eine generische Verschiedenheit zu beweisen. Nament-
lich sind die Mittelplatten von eigenthümlich lanzettförmiger
Gestalt. Ich verweise auf die Abbildung.
Cratiiing- Sepia liinn-
Diese in so vieler Beziehung interessante Gattung weicht
von allen andern Cephalopoden am auffallendsten ab, und
zeichnet sich durch die Einfachheit ihrer Platten aus, von
denen die Miltelplatten, Zwischenplalten und inneren Seiten-
platten fast gleiche Gestalt haben; nur die äusseren Seiten-
platten sind länger, mehr dornförmig und gekrümmter. Ich
kenne nur die Zunge einer Art.
Sepia officinalis Linn.
(Taf. 1. Fig. 7.)
Die Mittelplatten erscheinen als dre' eckige Zähne, die
mit ihrer Spize nach hinten und oben gerichtet sind; ihre
Basis ist ein durchsichtigerer elliptischer Raum am vorderen
Ende des Zahnes. Die Mittelplatten sind völlig symmetrisch.
Die Zwischenplatten haben sehr grosse Uebereinstim-
mung mit den vorigen, und unterscheiden sich nur durch
eine etwas schiefe Lage ihrer elliptischen Plattenbasis, und
dadurch entstehende Asymmetrie des Zahnes.
Noch mehr schief sind die inneren Seitenplatten, sonst
aber gleichfalls mit den Mittelplatten übereinstimmend. Die
äusseren Seitenplatten sind etwas gekrümmte Dornen , die
schmaler und länger sind als die übrigen Platten dieser Zunge,
Bericlitig^ende Motiz über die Färbung
einig^er Fische.
Von
Maximilian Prinz zu liTied.
So viel in der neueren Zeit für die Ichthyologie ge-
schehen ist, wofür wir vorzüglich den Herren Cu vi er, Va-
lenciennes, Johannes Müller und Andern unseren
Dank schuldig sind, so findet man doch in den neueren Wer-
ken über diese Thierklasse bedeutende Lücken und Irrthümer,
besonders in Hinsicht der Färbung. Gewöhnlich werden die
Fische nach längst verblichenen Exemplaren beschrieben, und
sie behalten alsdann nur noch sehr wenig Aehnlichkeit mit
der Natur, auch vernachlässigen die Reisenden gar zu häufig
die genaue Angabe der Farben nach dem Leben. Selbst in
dem grossen und ausgezeichneten Werke von Cuvier und
Valenciennes, welches indessen leider einen grossen Theil
dieser interessanten Thiere unberührt lässt, würde man sich
in Hinsicht der Färbung der Fische häufig vergebens zu un-
terrichten streben, und es ist daher wohl Pflicht, in vorkom-
menden Fällen, dergleichen Unrichtigkeiten zu rügen. Hier
nur einige wenige Beispiele:
Cyhium Caballa Cu\, etValenc. bist. nat. d. poiss.
VoLVHI. p. 187. Hier liest man, dass dieser Fisch (der an
der Ostküste von Brasilien in der Nähe des Bahia de todos
OS Santos Sardo genannt wird ) „in der Seile bleifarbene
Flecke trage.''
Bei Mittheilung eines Exemplars dieses Fisches an Ba-
ron Cuvier war folgende Notiz beigegeben, die aber nicht
benutzt worden ist :
14 Maximilian Prinz zu Wied:
„Beschreibung der Färbung nach dem Le-
ben: Der Rücken oder die Oberseite dieses schönen Fisches
ist dunkel bläulich - grün , die Seiten und das ganze übrige
Thier sind von dem reinsten schönsten Silberweiss, mit schö-
nem Silberglanze; an jeder Seite des Leibes stehen zu An-
fang drei , an der hinteren Körperhälfle zwei Reihen runder,
goldfarbener Flecke von der Grösse einer Erbse oder etwas
kleiner (also nicht aschgrau). Sie stehen am Vorderkörper
unterhalb der Seitenlinie, und setzen dann, da sich jene Li-
nie in der Mitte des Körpers senkt , am Hinterkörper, ober-
halb derselben, in zwei Längsreihen fort. Die Flossen dieses
Fisches sind silberweiss oder silberfarben, an ihren Enden
dunkelgrau ; Brustflossen gänzlich schwärzlichgrau ; Bauch-
flossen silberweiss; das grosse Auge hat eine silberfarbene
Iris. — Im December wurde dieser Fisch bei Bahia in Menge
gefangen.«*
Scomber scombrus , die gemeine Makrele.
Dieser so gemeine Fisch wird in allen Abbildungen falsch
illuminirt. Man stellt gewöhnlich seine Obertheile schön blau
dar, mit schwarzen Querbinden , und dieses ist richtig, wenn
man den Fisch nach seinem Tode betrachtet. Wenn derselbe
aus dem Meere gezogen wird, so ist er sehr schön. Seine
Obertheile sind alsdann von einem höchst angenehmen, sanf-
ten Meergrün mit schwarzen Querbinden , welche sehr nett
auf dieser Grundfarbe abstechen. Stirbt das Thier , so ist
augenblicklich das schöne Grün in ein halbdunkles Blau ver-
ändert, welches alsdann bleibt.
Trachinotus pampanus Cuv. et Valenc. Tra-
chinote pample: Vol. 8. p. 416. Dieser Fisch wird in der
von mir bereisten Gegend von Brasilien Chicharro genannt,
und ich theilte Herrn Valenciennes seine weitläuftige Be-
schreibung nach dem frischen Thiere mit, worauf er aber
gar keine Rücksicht nahm. Er sagt p. 416:
„La couleur de ce poisson dans la liqueur parait un gris
brunätre, qui, sur le dos, se change en brun fonce. Les na-
geoires sont brunes et sans taches."
Nachfolgend die Färbung des 12" langen Fisches nach
dem Leben : Die oberen Theile des Fisches sind längs dem
Rücken bläulich -aschgrau, am übrigen Leibe silberglänzend;
Rüssel, untere Hälfte der Kiemendecke], Seiten der Brust ond
Bäuch goldgelb g^efleckt , übrigens der Batich weiss ; Briwt^
flossen schmutzig grünlich -aschgrau; Bauchflossen weiss mit
gelben Strahlen; Rückenflosse schmutzig grau, die einzeln
davor stehenden Strahlen schwärzlich ; Afterflosse grangelb
mit rein gelbem Saume nach aussen; Schwanzflosse ebenfalls
graugelb mit hellgelbem Saume am Ende.
Dieser Fisch lebt in dem brasilianischen Ocean.
Coryphaena equiselis: In keinem Fische ist aber
wohl die Veränderung grösser als in dem hier genannten,
der in dieser Hinsicht weder richtig beschrieben, noch ab-
gebildet wurde. Wenn dieser prachtvolle Fisch aus dem Meerfe
heraufgezogen wird, so ist er durchaus goldfarben und über-
all prachtvoll himmelblau schillernd, und auf dieser überaus
reichen Grundfarbe sind unzählige ullramarinblaue Punkte
zerstreut. Die Flossen sind ebenfalls von letzterer Farbe
und die Iris im Auge ist goldblau. Im Absterben wird die-
ser unvergleichliche Fisch gelb , und wenn er präparirt und
getrocknet ist, so tritt an die Stelle der letzteren Färbung ein
unansehnliches Bleigrau.
Balistes vetula: Dieser schöne Fisch ist iti seinen
Hauptfarben richtig abgebildet in dem zoologischen Allasse der
Reise des Schifl'es Coquille (poissons tab. 9. fig. 2.). An einem
an der Ostküsle von Brasilien gefangenen Exemplare dieser Art
hatte die Schwanzflosse eine von jener Abbildung abweichende
Zeichnung. Sie war gänzlich dunkelgraulich -grün, aber
rundum von allen Seilen sehr schön blau eingefasst. Die erste
Rückenflosse war dunkelgrau, die zweite schön dunkelgrau-
grün mit sehr feinen blauen Querlinien durchzogen; After-
flosse wie die des Schwanzes , rundum schön blau einge*-
fasst ; Brustflossen weisslich ; alle oberen Theile des Fisches
sind schön blassgrun, die unteren röthlich - grau , nach dem
Bauche hin bläulich -grau; die grünen Lippen des Mundes
sind sehr schön ultramarinblau eingefasst, von der Einfas-
sung des Oberkiefers läuft ein starker blauer Streifen bis un-
ter die Brustflosse hin, und über der letztern läuft ebenfalls
ein solcher Streifen bis dicht an die Flosse heran ; die Stirn
hat sechs feine schön blaue Querbinden , welche an ihren
beiden Seiten schön citrongelb eingefasst sind. Die blauen
16 Maximilian Prine zu Wied: Berichtigende Notie etc.
Linien laufen meistens concentrisch auf das Auge hin, und
zwei derselben setzen jenseits des Auges noch ein Stück fort,
wo sie schmal werden und versiegen; zwischen der zweiten
Rücken - und der Schwanzflosse befindet sich ein blauer Fleck,
der einen solchen Streifen abwärts sendet, und auf diese Art
die schmale Stelle des Körpers vor der Schwanzflosse umgiebt ;
zwischen diesem Streifen und der Schwanzflosse bemerkte
man noch eine blaue feine Linie.
Dieser schöne Fisch, der von Marcgrave Guaperra
genannt wird, trägt an der Ostküste von Brasilien weiter süd-
lich, den Namen Peruah. Er lebt im Meere und wird gerö-
stet gegessen.
Malthea vespertilio^Yeil. In der Histoire naturelle
des poissons liest man Vol. XII. p. 2. die Worte : „Tout le
dessus du poisson parait d'un brun noirätre , le dessous d'un
gris-blanc roussätre, les bouts des pectorales noirätres." Hier
die Beschreibung dieses Fisches nach dem Leben:
Die ganze Unterseite des platten Fisches hat eine glatte,
weiche, nackte Haut, welche durchaus sehr lebhaft ziegelroth
gefärbt ist, und von derselben Farbe sind auch die Brust -
und ßauchflossen, nach ihrer Spitze hin etwas dunkler ge-
färbt; die ganze Oberseite des Thiers, so wie der Kopf und
die Seiten des Kiemenfortsalzes dunkelgräulich -olivenbraun;
Seiten des Thiers schmutziggräulieh-olivengrün; Iris im Auge
dunkelbraun mit aderartiger gelblicher Zeichnung; Rücken-
flosse gefärbt wie der Rücken. — Das grösste Exemplar hielt
11 Zoll 4 Linien in der Länge.
Bei Villa Vi^oza an der Oslküste von Brasilien ist die-
ser Fisch nicht seilen, und wird gegessen. Er kommt auch
in Guiana vor, scheint also über die Meere der heissen Zone
von Amerika verbreitet zu sein. Bei Vigoza nannte man
dieses Thier Peixe Anjo (Engel-Fisch).
lieber die Terschiedeiiheiten im IScIiädelbau
der mustela Hartes und Ifl. Foiua.
Von
»r. R. Hensel
in Breslau.
(Hierzu Taf. II. Fig. 1—4.)
In den Memoires nouveaux de la societe imper. des
naluralistes de Moscou 1834. Tom. III. p. 283— 298 befindet
sich ein Aufsatz von Fischer v. Waldheim „Recherches sur
les ossemens fossiles de la Russie ," in welchem unter andern
Petrefacten auch der fossile Schädel eines iltissartigen Thieres
beschrieben und abgebildet wird. Giebel citirt in seiner
„Fauna der Vorwelt« Beschreibung und Abbildung unter Pu-
torius antiquus, doch lässt uns ein Blick auf die Abbildung
den Schädel einer Mustela und nicht eines Putorius erken-
nen. Der linke, besser .erhaltene Oberkiefer zeigt hinter der
Alveole des Eckzahnes deutlich die des einwurzligen ersten
Lückenzahnes. Eine darauf folgende längliche Grube möchte
ich als die verschmolzenen Alveolen des 2ten aber zweiwurzli-
gen Lückenzahnes deuten ; darauf folgen die getrennten Al-
veolen des 3len gleichfalls zweiwurzligen Lückenzahnes ; der
erhaltene Reisszahn und der Mahlzahn stimmen mit denen des
Marders in Gestalt und Stellung vollkommen überein. Die
einfache Thatsache, dass 5 Backenzähne vorhanden waren,
genügt schon den Schädel keinem Putorius, der nur 4 Backen»
zahne hat, sondern einer Mustela zuzuschreiben.
Um nun die Verwandtschaft des fossilen Marders mit
M. Maries oder M. Foina festzustellen, wird es nölhig sein
Archiv f. Natursesch. XIX. Jahrg. 1. Bd. 2
18 Hensel:
die Verschiedenheiten im Schädelbau dieser genauer zu er-
rnittehi. — Keyserling und Blasius sagen in ihrer vortrefflichen
„Fauna der Wirbelthiere Europas'' von dem Schädel der M.
Martes: „die beiden vom Stirnbein nach hinten verlaufenden
Leisten vereinigen sich hinten zu einem Kiel u. s. w. :" —
von dem der M. Foina: „sie verlaufen getrennt bis an das
Hinterhaupt und schliessen eine lanzettliche Fläche ein.'' —
Nach den in meinem Besitze befindlichen Marderschädeln
kann ich jedoch diese angegebenen Merkmale als charakte-
ristisch nicht bestätigen , sondern muss sie vielmehr nur als
Altersverschiedenheiten ansehen. Denn der Schädel einer
alten männlichen M. Foina zeigt eine Parietal-Leiste von 39"^"^
Länge, bei ihm ist also die Vereinigung der beiderseitigen
lineae semicirculares sehr bald erfolgt; umgekehrt sehe ich
an dem Schädel zweier männlichen bereits erwachsenen M.
Martes die betreffenden Linien getrennt bis an das Hinter-
haupt verlaufen, und bei ihrer Einmündung in die Hinterhaupts-
Leiste noch einen Abstand von 8™"^ zeigen, nachdem dieser
jedoch vorher mehrfach gewechselt hat. An einem dritten,
aber weiblichen, und nach der Abnutzung der Zähne zu
schliessen, älteren Schädel von M. Martes, findet sich eine
Parietal-Leiste von 9""" Länge. Ferner besitzt das hiesige
zootomische Museum das Skelet eines Edelmarders, dessen
Schädel mit einer sehr bedeutenden Parietal-Leiste versehen
ist, die an Länge der oben von M. Foina angeführten Nichts
nachgiebt. Ein junges Individuum von M. Foina, dessen blei-
bendes Gebiss noch nicht vollständig ausgebildet ist, hat gar
keine Parietal-Leiste, sondern die halbkreisförmigen Linien
haben bei ihrem Eintritt in die Lambdanaht noch einen Ab-
stand von 11"^"^. Die angeführten Fälle beweisen ohne Zwei-
fel, dass das Vorhandensein eines Scheitel -Kammes beiden
Species zukommt, dieser sich aber erst im höheren Alter fin-
det. Das Alter aber lässt sich bei den Mustelinen wegen der
frühzeitigen Verwachsung der Schädeltheile ( am spätesten
verwachsen die Nasenbeine untereinander) nur sehr ungenau
bestimmen , selbst Folgerungen für dasselbe aus der grösse-
ren oder geringeren Abnutzung des Gebisses sind sehr un-
zuverlässig, da eine vorzeitige Abnutzung durch viele Ne-
benumstände hervorgerufen werden kann. So zwingt ein ge-
Hensel: Ueber den Schädel von Mustela Maries u. Foina. 19
wisser Grad des Nahrungsmanfrels die Thiere gegen ihre
sonstige Gewohnheit auch die Knochen ihfer Beule zu ver-
zehren oder wenigstens zu benagen, was namentlich die Ab-
nutzung der Zähne sehr beschleunigt. Ist dagegen die Nah-
rung sehr reichlich, so begnügen sich die Mustelinen be-
kanntlich mit dem Blute des Raubes , oder verzehren höch-
stens noch einige Weichtheile desselben, eine Nahrungsweise,
die ganz geeignet ist , die Schärfe der Zähne bis ins hohe
Alter zu bewahren. So hat der zuerst erwähnte Schädel
einer M. Foina ein noch sehr scharfes Gebiss, obgleich er
von einem alten und grossen Individuum herrührt, da dieses
in einer hiesigen Vorstadt lebte, die wegen vieler und gros-
ser Magazine zahlreichen Ratten und Mäusen zum Aufenthalt
dient , so dass der Marder ohne alle Mühe stets reichliche
Nahrung fand. Aber noch ein anderer Umstand lässt die
Abnutzung der Zähne für Altersbestimmungen nur mit Vor-
sicht anwenden. Die meisten Individuen , wenigstens unter
den Hausmardern, werden in eisernen Fallen gefangen, aus
denen sie sich durch heftiges Beissen in das festhaltende
Eisen zu befreien suchen ; dabei brechen gewöhnlich die
Spitzen aller Zähne mehr oder weniger weit ab; wird nuii
das gefangene Thier bald aus der Falle erlöst und getödtet,
so lassen sich die Bruchflächen der Zähne durch ihre Zacken
und Spitzen leicht von den glatten Abnutzungsflächen unter-
scheiden; hat jedoch der Gefangene das Unglück, längere
Zeit in der Falle bleiben zu müssen , so werden durch das
fortgesetzte und zugleich aus Ermattung immer schwächer
werdende Beissen die Bruchflächen der Zähne ziemlich eben,
so dass nun eine Verwechselung mit Abnutzungsflächen nicht
unmöglich ist.
Im Allgemeinen ist der Gesichtstheil des Schädels bei dem
Edelmarder gestreckter als bei dem Hausmarder, daher bei
gleicher Länge des Schädels und gleicher Breite des Hinter-
hauptes, nach vorn mehr zugespitzt, und länger im Verhält-
niss zum Hinterhaupt. Alle charakteristischen Verschieden-
keiten im Schädelbau sind nur eine Folge des verschiedenen
Verhältnisses der Länge zur Breite. Beifolgende Maasse kön-
nen als Beleg dafür dieneh, da sie von zwei gleich langen
Schädeln genommen sind.
20
Hensel:
Foina
Mart.
1) Länge des Schädels vom untern Rande des
Hinterhauptsloches bis zum hintern Rande
der Alveolen der mittlem Schneidezähne .
2) Grösste Entfernung der Jochbogen zwi-
schen den äussern Seiten gemessen *).
3) Entfernung der foramina infraorbitalia zwi-
schen den innern Rändern gemessen . .
4) Entfernung der Spitzen der oberen Eck-
zähne von einander
5) Grösste Breite aller Schneidezähne des
Oberkiefers
Die Breite des Hinterhauptes war an bei-
den Schädeln gleich.
Diese wenigen Angaben werden genügen, um die spit-
zere Gestalt des Schädels derM. Martes darzuthun. Eine Folge
dieser Bildung sind mehrere Eigenthümlichkeiten, welche so-
mit constant sind, und als specifische Merkmale angesehen
werden können. — Bei dem Hausmarder haben die falschen
Backenzähne des Oberkiefers in Folge dessen grösserer Ver-
kürzung nicht so viel Raum, um genau in der Richtung des
Kiefers stehen zu können. Sie richten sich mit ihrem Vor-
derrande mehr nach Innen, so dass sie einander fast dach-
ziegelförmig decken. Bei dem Edelmarder stehen sie genau
in der Richtung des Kiefers. Der letzte Backenzahn ist brei-
ter und kürzer als der entsprechende Zahn des Edelmarders.
Seine grösste Länge beträgt in der Richtung des Kiefers ge-
messen 5%™™? bei dem Edelmarder 6™^", seine grösste Breite
senkrecht auf den Kiefer gemessen fast 9""", bei dem Edel-
marder 8™"\ Ausserdem zeigt die äussere Kante der Krone
bei dem Hausmarder einen seichten Einschnitt. Fig. 4.
Das beste Kennzeichen liefert die äussere Nasenöffnung.
Diese ist bei dem Hausmarder herzförmig, bei dem Edelmar-
der oval. Fig. 1.
*) Bei dem Hausraarder ungefähr in der Mitte der Jochbogen,
bei dem Edelmarder am hintern Ende derselben.
Ueber den Schädel von Mustela Maries u. Foina. 21
Hausmard.
Ihr grösster Breitendurchmesser | 10™"*
Edelmard.
gram
Die Entfernung des Vorderrandes
der Nasenbeine von dem Vor-
derrande der Alveolen der mit-
telsten Schneidezähne . . . ' 12 I 13
Es hat also der Hausmarder eine vcrhältnissmässig brei-
tere und kürzere Nasenöffnung. Von der Seite gesehen bil-
det ferner die Ebene der Nasenöffnung mit dem Gaumen bei
dem Hausmarder einen stumpferen Winkel als bei dem Edel-
marder. Bei diesem ungefähr 59°, bei jenem öö«. Fig. 2.
Eine Folge der grösseren Gestrecktheit des Schädels bei M.
M. ist auch die ziemlich gerade Richtung seines Jochbogens,
während der von M. F. eine grössere Krümmung macht, Ver-
hältnisse, die durch die beigefugte Zeichnung deutlicher wer-
den. Fig. 3.
Dies wären ungefähr die wichtigsten und nicht vom
Aller abhängigen Merkmale der Schädel unserer Marder. —
Was den Unterkiefer anbetrifft, so entbehrt er bestimmter
charakteristischer Merkmale, jedoch ist er bei M. F. vcrhält-
nissmässig kürzer und breiter als bei M. M.
Wenden wir nun die gefundenen Merkmale, so weit als
möglich, zur näheren Bestimmung des am Anfang erwähnten
fossilen Schädels an, so ergiebt sich, dass dieser weder mit
M. M. noch mit M. F. ganz genau übereinstimmt. Seine Länge,
auf die schon erwähnte Weise gemessen, beträgt 84y2™"*,
übertrifft also die des Haus- oder Edelmarders bedeutend.
Das Verhältniss dieser Länge zu der Breite der Schneide-
zähne ist genau wie bei M. F. Wahrscheinlich stimmt auch
die Gestalt der äusseren Nasenöffnung mehr mit der von M.
F. überein, obgleich sie etwas niedriger zusein scheint, doch
ist der Winkel der Nasenöffnung und des Gaumens wie bei
M. M. Die Gestalt des letzten Backenzahns im Oberkiefer
erinnert an M. Martes. So viel scheint also wenigstens ge-
wiss, dass das Petrefact nicht zu Cuvier's M. Martes fossilis
gestellt werden kann , ebenso wenig aber als M. Foina fos-
silis bezeichnet werden darf. (Dass der von Fischer v. W.
abgebildete Unterkiefer nicht derselben Species angehören
22 Hensel: Ueberd. Schädel von Mustela Hartes i^. Foina.
kann, zeigt schon die Abbildung ohne allen Zweifel). Leider
habe ich weder den Schädel des Zobel noch die Abbildungen
in Blainville's Osteographie vergleichen können , so dass ich
nicht zu entscheiden wage, ob eine neue Mustela prisca
gerechtfertigt wäre. — Beifolgende Abbildungen verdanke
ich der Güte meines Freundes Faber.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Nasenöffnungen von vorn.
a. Must. Foina. h. M. Martes.
Fig. 2. Dieselben von der Seite.
a. Must. Foina. i. M. Martes.
Fig. 3. Linker Jochbogen.
a. M. Foina. h. M. Martes.
Fig. 4. Der letzte Backenzahn des rechten Oberkiefers.
<{. M. Foina. h. M. Martes.
Sämmtliche Figuren sind in natürlicher Grösse.
lieber dai» Torkoitiinen von £ekzähiieii bei
Cervus eapreolus.
Von
Demaellien.
(Hierzu Taf. II. Fig. 5—7.)
Unter den systematischen Unterschieden zwischen C.
elaphus und C. capreolus wird in der Begel auch das Vor-
kommen von Eckzähnen im Oberkiefer bei jener Species und
ihr Fehlen bei dieser als sehr bezeichnend angeführt. In
der That finden sich nicht bloss bei den Männchen von C.
elaphus Eckzähne conslant und nach meinen Beobachtungen
auch bei den Weibchen, obgleich sie bei diesen erst im spä-
teren Alter aufzutreten pflegen, sondern ihr Vorkommen gehört
auch bei C. capreolus zu den grössten Seltenheiten. Es dürfte
also wohl nachfolgende Mittheilung nicht ganz ungerecht-
fertigt erscheinen. — Im Laufe dieses Jahres wurde in der
Umgegend von ßrieg ein Rehbock erlegt, der erst vor Kur-
zem sein Gehörn abgeworfen hatte. Die verhältnissmässig
dünnen und langen Rosenstöcke deuteten ein Alter von etwa
2 Jahren an. Merkwürdigerweise enthielten die Oberkiefer
Eckzähne. Hart an dem vorderen Ende des Oberkiefers be-
fand sich die ziemlich bedeutende Alveole , und zwar so,
dass ihr Vorderrand zum Theil noch vom Zwischenkiefer ge-
bildet wurde (Fig. 5). In ihr befand sich ziemlich lose ein
Eckzahn (Fig. 6 in natürlicher Grösse), der ganz verschie-
den von dem des Edelhirsches, grosse Achnlichkeit mit dem
vergänglichen Eckzahn i\es Schweines halte; seine Länge
betrug IG'"'".
Noch seltener als der angeführte Fall ist der folgende,
24 Hetosel: Ueb. d. York, von Eckzähnen bei Cerv. capreolus.
da er ein weibliches Reh betrifFt. In Fig. 7. ist der Schnau-
zentheil eines weiblichen Rehschädels abgebildet. Er ge-
hörte aller Wahrscheinlichkeit nach einem sehr alten Indivi-
duum an, da die Schneidezähne so wie auch die Backen-
zähne, fast bis zu den Wurzeln abgenutzt waren. Der rechte
Oberkiefer hat an seinem Vorderende eine Alveole , die je-
doch nicht an dem unteren Rande, sondern, wie die Abbil-
dung zeigt, ein wenig darüber mündete. In ihr steckte ganz
fest ein kleiner Eckzahn, dessen Spitze so abgenutzt war,
dass er fast gar nicht über die Alveole herausragte. Seine
Wurzel lag so dicht in der Aussenfläche des Oberkiefers,
dass dieser an zwei Stellen geöffnet war, und die Wurzel
auf diese Weise an zwei Stellen sichtbar wurde; an der
letzten Oeffnung war das Wurzelende befindlich. Der linke
Oberkiefer zeigte keine Spur einer Alveole oder eines Eck-
zahnes. Im Zusammenhange damit schien eine andere Ei-
genthümlichkeit zu stehen. Der linke Stirnhöcker war etwas
stärker als gewöhnlich bei Ricken entwickelt, wich jedoch
nicht von der bekannten Form ab, der rechte Stirnhöcker da-
gegen war fast doppelt so hoch wie der linke, und spitzte
sich auch noch auffallend zu, als sei er im Begriffe gewe-
sen sich zu einem kleinen Rosenstock auszubilden. Vielleicht
haben gehörnte Ricken auch ausgebildete Eckzähne, obgleich
die Beschreibungen deren nicht Erwähnung thun.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 5. Vom Rehbock (in natürlicher Grösse).
Fig. 6. Dessen Eckzahn der rechten Seite (in natürlicher
Grösse).
Fig. 7. Von der Ricke (in natürlicher Grösse).
Beitras: zur Mikromaniifialoglc des itiitt-
lern Finnlands.
Von
Carl Ijundalil*
(Vorgetragen am 10. Novbr. 1 851 in der Gesellschaft der Wissen-
schaften zu Helsingfors).
Aus dem Schwedischen übersetzt.
Von
Vriedr. Creplin«
. Vesperiilio ( Vesperus^ horvalis N i 1 s s. ist die gemeinste
und am weitesten verbreitete von allen Finnländischen Fle-
dermäusen und scheint sehr hoch nach Norden hinauf zu
gehen. In Helsingfors ist sie nicht selten , und aus Torneä
habe ich Exemplare von ihr erhalten. In der Umgegend von
Tammerfors kommt sie in so grosser Menge vor , dass ich
während eines einzigen Sommers (1850) im Stande gewe-
sen bin, des Abends über 50 Exemplare todtzuschlagen. Auf
Hausböden und in Vorrathshäusern habe ich sie am Tage
hangen sehen. Kurz nach Untergang und vor Aufgang der
Sonne fliegt sie, gewöhnlich sehr niedrig, eine oder andert-
halb Stunden herum und zwischen Gebäuden , wo ich auch
alle meine Exemplare todtgeschlagen habe. Den dunkelsten
Theil der Nacht scheint sie auf Bäumen zuzubringen. Ich
habe oft zur Nachtzeit, durch ein eigenthümliches Zwitschern
geleitet, mit einer Leuchte diese Thiere auf einem Baume bei
Häusern überrascht , wo ich sie an einem Aste bisweilen zu
5 — 6 Individuen neben einander, hangend fand.
Yespertilio i^Vesperus} discolor ^?itl et Auct. (= Vesp^
26 Lundahl:
murinus Nilss.)* Von dieser Art erschlug ich im August
1834 in einem Garten in Tammerfors 6 Exemplare , von
denen ich noch einen Balg und einen Schädel vorzeigen kann.
Vespertilio mysiacinus Leisl. ist im mittlem Finnland
sehr gemein und nächst Vesp. borealis die gemeinste Fle-
dermaus. Sie scheint hier bei uns die Stelle des Vespertilio
Pipistrellns zu vertreten, welcher nach Nilsson in Schwe-
den gemein , in Finnland aber , meines Wissens , noch nicht
angetroffen worden ist. Ich habe sie bei Tage, sowohl auf
Hausböden, als in hohlen Bäumen am Strande gefunden. Des
Abends kann man sie oft in Menge todtschlagen. Sie fliegt
dann an denselben Stellen, wie Vesp. borealis, doch am lieb-
sten in der Nähe von Wasser. Dennoch scheint sie das Was-
ser nicht so ausschliesslich zu lieben, als
Vespertilio Daubentonii Leisl, welcher in den Gegen-
den um Helsingfors in grösster Menge <iber Teichen und klei-
neren Wasserläufen fliegend angetroffen wird , im mittleren
Finnland dagegen sehr selten ist.
Plecotus auritus L., selten. — Ein paarmal ist es mir
möglich gewesen, Individuen dieser Art in der Gefangenschaft
sehr lange am Leben zu erhalten und sie zu zähmen , wel-
ches mir bei anderen Fledermäusen nicht gelungen ist.
Sorex vulgaris L., gemein.
Sorex pygmaeus ? all. ^ nicht allzu selten. Man trifft ihn
in Garbenhaufen auf Aeckern in Gesellschaft von Armcola agre^
stis an.
Sorex iCrossopiis} fodiens ? ?l\\., sehr selten. Das Ske-
ett des einzigen, mir vor vielen Jahren zu Theile geworde-
nen Exemplars befindet sich in der anatomischen Sammlung der
Universität [Abo]. 0
1) Talpa europaea L. ist, so viel ich weiss, im mittlem Finn-
land bis jetzt nicht gefunden worden; seitdem ich aber Exemplare aus
dem südlichen Finnland, wie auch weit hinauf aus Karelen gesehen
habe, zweifle ich gar nicht an ihrem Vorkommen hier. — Der fin-
nische Name des Maulwurfs, Müürä , ist indessen in unseren Gegen-
den an den Hypudaeus amphibius vergeben worden.
o
Erinaceus europaeus L., weicherauf Aland nicht selten ist, auch
hier und da an der südlichen Küste von Finnland angetroffen wird,
dürfte wohl l^um die nördliche Gränze von Nyland übergehreiten.
Beitrag zur Mikromammalogie des mittlem Finnlands. 27
Lemmus (Hypudaeus) amphibius L. Oefler, als die schwarze
Varietät, liommt bei uns die braune vor. Individuen der er-
stem habe ich einigemal auf Bächen und grösseren Wasser-
gräben in Sümpfen erschossen , die der andern sehr oft in
und bei ihren Gängen , sowohl an niedrigen Stellen und am
Strande, als auch auf hochgelegenen Aeckern , doch immer
in der Nachbarschaft von Wasser angetroffen. Unsere Ex-
emplare von dieser Abart haben gewöhnlich an den unteren
Körpertheilen einen stark rostbraunen Anstrich. Bisweilen
geht dieser in rothgelb über, und dann gleicht das Thier im
Aeussern Exemplaren des Hypudaeus terrester Herrn, aus der
Schweiz.
Lemmus (Hypudaeus) glareolus Schreb. und
Lemmus {Hypudaeus) rutilus Fall, sind in Knopio von
Hrn. W. V. Wright gefangen worden. Mir ist es bisher
nicht geglückt, diese Arten zu finden.
Lemmus QArvicola^ agrestis kommt, besonders in ge-
wissen Jahren, in ungeheurer Menge auf den Aeckern vor,
auf denen man im Herbste überall sein rundes, aus fein zer-
bissenem Stroh verfertigtes Nest unter den Garbenhaufen an-
trifft. Früher im Sommer findet man ihn mit seinen Jungen
in Gängen , welche er unter der Erdoberfläche auf den Ae-
ckern oder in denBülten der Sümpfe ausgegraben hat. Diese
Art variirt hier sehr, so wie in Schweden, (s. Skandinav. Fauna,
I.,S. 368.), nicht allein in der Farbe, sondern auch in der
Länge des Schwanzes. 0 Es finden sich oft weisse Flecke
an verschiedenen Körpertheilen. So fand ich in diesem Som-
mer in einem Nest ein Weibchen und ein Männchen nebst 5
dritthalb Zoll langen Jungen, welche alle einen kleinen keil-
förmigen weissen Fleck mitten auf dem Rücken hatten. ^)
1) Z. B. ein Weibchen mit sträubigem, oben schwarzem und
unten weissem Haarbusch an dem l'/u" langen Schwänze, und ein
anderes, — das rothgelbste, welches ich gesehen habe — von 4" Länge
mit einem nur ^q" langen Schwänze, ergaben sich beide, beim Un-
tersuchen des Zahnbaues, als dieser Art angehörend. Ich besitze sie
in meiner Sammlung.
2) Als eine Merkwürdigkeit erwähne ich eined Exemplars von
Lemmus agrestis, welches an Grösse alle anderen übertraf, die ich
von djeserArt gesehen habe. Der Körper war ^^y^ und der Scl^wanz
28 Lundahl:
Lemmus (Myodes^ schisticolor Lilljeb. ist vom Hrn.
Prolokollsecretär V. Falck bei Helsingfors und vom Hrn. W.
V. Wright bei Knopio gefangen w^orden.
Mus Rattus L. findet sich in Menge in den weiter land-
einwärtsliegcnden Oertern. In den meisten Seeörtern ist er
dagegen von M, decumanus Pall. schon verdrängt worden. —
Man findet oft weisse Varietäten mit rolhen Augen; auch
scheinen solche erblich zu sein; denn man trifft mehrere
Decennien hindurch dergleichen Individuen in gewissen Häu-
sern an.
Mus silvaticus L. Sowohl die rostbraune, als die graue,
Varietät kommt bei uns vor. Durch meine Erfahrung kann
ich die Behauptung nicht bestätigen, dass die erstere eine
Winter-, die andere eine Sommertrachl sei. Ich habe zwar
im Winter keine grauen Exemplare gefunden , dagegen aber
oft (und zuletzt diesen Sommer) im Julius und August rost-
braune , deren Balg ich noch vorzeigen kann. Selten dürf-
ten Individuen von derselben hellen, gelbrothen Farbe sein ,
welche man an erwachsenen Exemplaren von M. minutus sieht.
Zwei solche fing ich vor vielen Jahren im Julius in einem
Garten , besitze jetzt aber nur noch ein Skelett von ihnen.
Eine Verschiedenheit zwischen diesem und Skeletten von der
grauen Abart habe ich nicht entdecken können. — Ueber
das Vorkommen schöner , grosser , gelbrother Ratten habe
ich auch bisweilen' andere, glaubwürdige Personen sprechen
hören ')•
Miis Musculus L. Die beiden in der Skandinavisk Fn.
(l. S. 350.) beschriebenen Farbenvarietäten kommen in Menge
vor. Die graue habe ich ausschliesslich in Städten in den
Häusern und die andere, gelbliche (Var. B. Nilss. = Mus
islandicus Thien.^ meistens auf dem Felde gefunden!
Mus minutus Pall. scheint in diesen Jahren die Absicht
zu haben , in grossen Schaaren in Finnland einzuwandern;
ly^" lang. Das Thier ward am 28. Aug. 1850 gefangen , war ein
Weibchen, und steht bei mir noch in Weingeist aufbewahrt.
1) Ich besitze ein ungewöhnlich grosses Männchen von dieser
Art, welches am 12. Julius J848 gefangen ward. Der Körper ist ^y^
und der Schwanz 4% $chwed. Zoll lang. Die Farljc des Thier$ war grau.
Beitrag zur Mikromammalogie des mittlem Finnlands. 29
Im Jahr 1845 im August sah ich im Kirchspiele Birkkala die
erste rothe Maus (Hr. W. v. Wright halte vorher diese Art
in der Gegend von Knopio bekommen) und im Jahre 1850
— welches auch ein „rechtes Mäusejahr", wie der gemeine
Mann sagt, war, konnte ich jeden Vormittag, wenn ich auf
Aecker hinausging, von denen Garbenhaufen weggebracht
wurden, 40 bis 70 Individuen von Mus minutus, meistens je-
doch nur junge, bekommen. Diese haben auf den ersten An-
blick viel Aehnlichkeit mit den Jungen von Mus Musculus,
Es findet sich noch keine Spur von der hübschen gelbrothen
Farbe; der Mantel ist bei den Zwergmäusen, welche sogar
eine Körperlänge von beinahe 2V2" erreicht haben, noch
ganz und gar schwarzgrau, mit undeutlich gelblicher Farben-
gränze ; der Bauch ist nicht rein weiss , und die Beine sind
dunkel, bei kleineren Jungen selbst schwärzlich. Doch kann
man diese Art stets an dem verhältnissmässig kleineren Kopf,
an den kleinen abgerundeten oder , richtiger , abgestutzten
Ohren, ferner an dem auf eine eigne Weise geringelten
Schwanz erkennen, welcher so charakteristisch ist, dass man
wenn man ihn einmal gesehen hat, an ihm allein die klein-
sten Jungen von M. minutus von den Jungen des M. Mus-
culus unterscheiden kann. Das erwachsene Thier steht da-
gegen von verschiedenen Schriftstellern in vielen Werken be-
schrieben, von denen ich besonders auf die Etudes de Mi-
cromammalogie von E. de Selys-Lpngcham ps p.68., in
dieser Hinsicht verweisen möchte, bei welcher Beschreibung
ich sonst Nichts zu bemerken habe, als dass die Haarbeklei-
dung der Beine nicht ganz und gar gelb , sondern stets mit
mehrerm oder wenigerm Weiss besprengt ist. — Wie Pal-
las an den sibirischen, sah ich auch an den finnischen Ex-
emplaren den Schwanz ansehnlich kürzer, als der Körper»).
M. minutus ist in Schweden noch nicht gefunden worden und
4) Von den vielen Ausmessungen, welche ich an Individuen
dieser Art vorgenommen habe, will ich nur die folgenden erwähnen :
Trächtiges ^ gef. am 28. Aug. Körperl. 2%, Schwanz 2y8" Schwed.
^ _- _-24. Septbr. — •^%, — lyg —
Junges __ _ 14. — — 2, — ly« —
— - —20, August — 1/2, — l»/ö —
Sv L u 11 (1 a h 1 :
aus der Ursache in der Skandinavisk Fauna nur mit tlinzu-
fügung einer kurzen Diagnose genannt worden. Da man
aber auch in anderen Handbüchern und Localfaunen vergebens
nach einer Beschreibung des Skelettes dieses Thieres sucht, so
halte ich mich für verpflichtet, hier wenigstens einiger Un-
terschiede zwischen den Schädeln dieses Thiers und des M.
Musculus zu erwähnen, mit welchem es am leichtesten ver-
wechselt werden kann. Die Antlitzgegend ist im Verhält-
nisse zur Hirnschale viel kleiner , als bei unseren übrigen
Mäusen, und die vordere Hälfte der letztern ist stark an-
geschwollen, wie es einige hier folgende Längen - und Brei-
tenverhältnisse ausweisen. Länge des Schädels beträgt 5%
—6 Linien (oder Achtelzoll) schwed. , wovon der Abstand
der Schnauzenspitze vom Jochfortsatze des Kinnbackens IV4'"
ausmacht , Breite desselben mitten über den Scheitelbeinen
3'"; Abstand beider Enden der Kranznaht querüber 2y2"'?
zwischen den Augenhöhlen 1"'. — Das Zwischenscheitelbein
ist im Verhältnisse zur Grösse des Schädels überall , beson-
ders aber an den Seiten, viel länger, a\s bei M. silv aHeus; sein
Vorder- und Hinterrand sind gleich lang, fast parallel, die
Seitenränder abgerundet. Eine bedeutende Spitze findet sich
an seinem Vorderrande nicht. Die Kranznaht ist auch we-
niger gebogen, als bei den übrigen Arten, und oben auf der
Mitte fast gerade, welches Alles dazu beiträgt, dass die Pfeil-
naht viel bedeutend länger ist, als bei dem grössern M. Mus-
culus. Am Ende der Kranznaht entspringt kein spitziger Fort-
salz, weder aus dem Scheitel, noch aus dem Stirnbeine. Am
Jochbogen ist, wie bei M. Musculus , die flache Seite nach
aussen gekehrt, ist aber am breitesten, nicht an der Wurzel,
sondern am Ende seines vordem Drittels. Die Foramina pa*
latina et magnum verhalten sich wie bei M. silvaticuS;, wel-
chem diese Art weit näher , als dem M. Musculus , steht. —
Sowohl der erste, als der andere Backenzahn im Oberkiefer
ist , wie bei M. silvalicus , mit drei deutlichen Höckern an
der innern Seite der mittlem grossen Höckerreihe versehen.
Wie schon erwähnt kommt die Zwergmaus in der Ge-
gend von Tammerfors in grösster Menge vor. Sie ist völlig
so gemein wie Arvicola agrestis, mit welchem sie allenthal-
ben zusammen lebt. Unzählige Male habe ich diese beiden
Beitrag zur Mikromammalogie des mittlem Finnlands. 3l!
Thiere in ein und demselben Garbenhaufen, üni«ir demselben
Erbsenstroh, in denselben Sumpfgegenden u. s. w. angetrof-
fen. Ihr Nest habe ich mehr als einmal in Garbenhaufen auf
den Aockern gefunden. Es gleicht vollkommen dem des Ar-
vicola agreslis, ist aber bedeutend kleiner und liegt nicht
unter den Garben, sondern in denselben, einen oder einige
Fuss hoch über der Erdoberfläche. In den Nestern fand ich
6 oder 7 Junge. Diese sind, wenn sie geboren werden , im
Verhältnisse zur Mutter sehr gross. In einem trächtigen
Weibchen fand ich 7 fast voll ausgetragene Föttfs, welche
%" lang waren, den Schwanz ungerechnet. ^)
Sminthus hetulinus Pall. (= Sm. loriger Nor dm. =
Sm. Nordmanni Keys, et Blas.) ^y. Diese ausgezeichnet
schöne Maus scheint immer gemeiner in Europa zu werden.
Prof. V. Nordmann erhielt sie inMenge im südlichen Russ-
land, und Prof. Nilsson beschrieb (Skand. Fn.I.p. 333.) Ex-
emplare aus dem südlichen Schweden. In den Umgegenden
von Tammersfors habe ich im Verlaufe zweier Herbste (1850
und 1851), im Seplbr. undOctbr. ausser einer Menge jünge-
rer, 5 erwachsene Individuen, fast alle von verschiedenen
Stellen her, aber immer aus Birkenwäldern in der nächsten
Nähe irgend eines Waldsees oder Baches, erhalten. Ich
fand zwar auch ein Exemplar unter einem Garbenhaufen auf
einem kleinen Haferfelde; dieses aber war von Birkenwald
umgeben. Die übrigen ertappte ich, als sie auf Zwergbirken
ganz nahe an einem Wasser kletterten. Sie lassen sich ohne
besondere Schwierigkeit mit den blossen Händen greifen. 0
1) Durch die Freigebigkeit des Hrn. Staatsr. Prof. v. Nord-
mann bin ich in den Besitz zweier Exemplare von M. minulus ge-
kommen, welche bei Ljubor in Podolien aufgegriffen worden sind.
Einige weniger bedeutende Verschiedenheiten übergehend, will ich
bloss erwähnen, dass der Schwanz bei diesen weit dichter haarbedeckt
ist, als bei den Finnischen; was aber den Zahnbau und die ganze
Schädelbildung betrifft, so stimmen sie in diesen ganz mit unseren
Exemplaren überein.
2) Nach des Hrn. v. Nordmann eigener Versicherung. —
Keyserling und Blasius haben (Die Wirbelth. Europa's, I. S.38.)
unrichtig den Schwanz zu kurz angegeben.
3) Die Ursache dieser ihrer Unbehülflichkeit später im Herbste
32 Lundahl:
Ihr Nest habe ich nicht gefunden. Uebrigens weiss ich von
ihrer Lebensart nur, dass sie am Tage mehr als unsre übri-
gen Mäusearten in Bewegung zu sein scheinen und dass sie
sich hauptsächlich von Vegetabilien ernähren. In ihrem
Darmcanale, welchen ich allemal untersucht, habe ich bloss
fein zerkaute Pflanzentheile gefunden.
Die mir zuTheile gewordenen Exemplare zeigen einige
Verschiedenheiten von der Beschreibung, welche Nilsson
(a.a.O.) vom Sm. betulinus gegeben hat. Die wichtigsten
derselben kann ich nicht unterlassen hier mit einigen Worten
zu erwähnen , besonders da sie conslant zu sein scheinen.
Erstlich beginnt bei allen meinen Exemplaren der schwarze
Rückenstreif nicht über den Schulterblättern, sondern schon
vorn mitten auf der Stirn. Er ist freilich etwas blässer vor
als hinter den Schultern, kann aber doch dort keineswe-
ges übersehen werden , besonders da er auf der Stirn am
breitesten ist und dann in einer Fortsetzung gleichbreit nach
hinten läuft, bis er über dem Becken wieder etwas an Breite
zunimmt. Zweitens sagt Nilsson, die Füsse seien bei
Sm. betulinus bis zum Fersengelenke, („ända tili hasleden«)
ganz nackt. An allen meinen Exemplaren sind sie dagegen
dünn bedeckt mit knapp anliegenden, glänzenden , ziemlich
langen Haaren, welche sowohl an den Zehen der Vorder-
füsse , als der Hinterfüsse , bis über die Krallen hinaus rei-
chen. Sie sind auf allen Zehen ganz weiss, auf den Tatzen
entweder ganz und gar weiss , oder auch an den Spitzen
theils gelb, theils schwärzlich, und am dunkelsten auf der
äussern Seite der Hinterbeine. Je älter das Thier ist, desto
weisser sind die Beine.'} Die Sohlen sind nackt. Drit-
schreibe ich vorzüglich ihrer Ungeheuern Fettigkeit zu. Die beiden
fettesten, beide Männchen, waren fast kugelrund von Körper. Als sie
todt und auf ein Brett gelegt worden waren, lagen sie da wie eine
Teigmasse, mochte ich sie auch wenden auf welche Seite ich wollte.
1) Dies, glaube ich, ist das Verhalten bei den meisten unserer
Mäusearten , und dass dieses Blässerwerden mit dem Alter sich nicht
bloss auf die Haarbekleidung der Beine, sondern auch auf die der Haut
erstrecke, kann man am deutlichsten an M. silvalicus und M. minutus
beobachten. Von der erstem Art habe ich z. B. ein paarmal Indivi-
duen gefunden, bei denen entweder alle, oder einige der in derSkand.
Beitrag EUr Mikromammalogie des mittlern Finnlands. 33
tens ist der Schwanz bei meinen Exemplaren kürzer, im
Verhältnisse zum Körper , als N i 1 s s o n ihn angiebt. Det
Körper meiner erwachsenen Ex. maass 2% bis ^% und der
Schwanz ungefähr S'A" schwed. M. *)
Das erwachsene Thier ist oben strohgelb mit eingestreu-
ten schwarzen Grannhaaren. Der Rückenstreif ist schon oben
beschrieben. Die unleren Körpertheile sind aschgrau mit mehr
oder weniger starkem , rothgelbem Anstriche, welcher ge-
wöhnlich am stärksten auf der Brust und um den Afler ist.
Die Ohren sind klein und spitzig. Der Schwanz ist dicht
haarbekleidet, oben dunkel-, unten heller grau. Sein Schup-
penreihen sind an der Zahl 160—170. 2)
Fn., I. S.347. erwähnten schwarzen Höcker unter dem Tarsus ebenso
hell waren, wie die Sohle. Beim Untersuchen des Skeletts erwie-
sen scharf markirte Ansatzstellen der Muskeln, lange Fortsätze und
abgenutzte Zähne , dass die Individuen sehr alt gewesen waren. —
Ausserdem haben viele andere ähnliche Fälle mich überzeugt , dass
das Blasswerden der Beine bei unseren Mäusen nicht dem Cretinismus
oder irgend einer andern Zufälligkeit zuzuschreiben sei, sondern dass
es auf dem Alter der Thiere beruhe.
1) In Sibirien scheint diese Art nicht dieselbe Grösse, wie im
Norden von Europa, zu erreichen. Pallas giebt (Novae spec. qua-
drup. e glir. ord. p. 334.) die Körperlänge zu 1"Z^/^*" und die Schwanz-
länge zu 3" 2y4"' engl.M. an — ein mit dem der finnischen Ex. über,
einstimmendes Verhalten.
2) Keyserling und Blasius haben unrichtig 140 gezählt
(s. oben.) — Nordmann hat die Güte gehabt, mir sowohl Häute,
als auch Schädel von Sm. belulinus aus der Gegend von Wosnesensk
zuzusenden. Sie stimmen überall mit den finnischen Ex. überein, auch
darin, dass der Rückenstreif vorn auf der Stirn anfängt. Bei einem ,
zu einer andern Jahreszeit (im Anfange des Aprils) eingefangenen Ex.
kommt jedoch die Verschiedenheit vor, dass die Grundfarbe des Man-
tels rothgelb ist und dass die schwarzen Haare an den Seiten sehr
dicht stehen und grosse Flecken oder Quf rwellen bilden, welche be-
sonders auf den Lenden zusammenlaufen — ein Umstand, welcher die
Vermuthung des Barons v. Düben und einiger anderer Schriftsteller
zu bestätigen scheint, dass Mus betulinus und M. vagus FaW. identisch
seien. Von der erstem Art sagt Pallas (a.a.O.): „Vellus supra
totum griseo-ferrugineum, pilis paucissimis, fuscescentibus inspersum ;"
und von der letztern: „Color supra pallido.cinereus, pilis nigri»
mixtus et quasi undulatus."
Archiv f. Naturgei eh. XIX. Jahrg. i. Bd. 3
3.4 ^<^.Qi4a^^l,:J?eitrJ>g zur ÄiiURonjaipmfilogi« e^l^i M
Im Uebrigen stimmen die finnischen ExempJ.JO'e sawohl
hinsichtlich des Aeussern , als auch der Schädelbildung ,. mit
d,ex C}bei;i angeführten Beschreibung des Sm. beiulinus von Nils?^
s 0 n überein , in welcher dieser vortreiflicbe Unterschei-
dijyigsmerl^male ^wischen den Schädeln die^e§ Thieres und
Unserer übrigen kleineren Mäuse liefert , und av,f! dessen
ßiich ich hier, wie überall, hinweisen muss. Da aber Nils-
son nur zu jüngeren Ex. Zugang gehabt zu haben scheint,
so muss ich bemerken, dass die Schädel älterer Individuell
eine sehr scharfe Kante zwischen der Stirn und der Schlä-^
fengrubeund eine (nicht bloss relativ) eben so breite Schnauze,
wie der Schädel des 31. Musculus ,^ besitzen. Was die Be-
schreibung des Zahnbaues betrifft, so erlaube ich mir , hin-
zuzufügen, dass der vorderste Backenzahn im Oberkiefer 3
Höcker hat; der vordere ist gross und stark , die beiden
hinteren sind klein, bisweilen kaum bemerkbar. Der vierte
hat 3 Höcker, zwei vordere und einen hinteren. Ferner be-
finden sich auch auf den mittleren Backenzähnen;, besonders
ijn Oberkiefer , mehr oder weniger deuijiche, ganz kleine
Hö;cker , welche nebst dem vordersten hohen Höcker eine
dritte, ununterbrochene , kleine Reihe zwischen den grösse-
ren, vonNMsson beschriebenen Höckern bilden —ein Ver-
halten , welches dem bei der Gattung Mus entgegengesetzt
ist, bei welcher die Höcker im Oberkiefer in der mittlerni
Reihe am grössten, in den beiden Seitei:ireihen kleiner sind«
-^ üebrigens muss ich hinzufügen, dass die Kauflächen bei
Smmthus sehr schief stehen^ so dass die der hinteren Bak-
kenzähne im Oberkiefer sich immer mehr und mehr aus-
uiid aufwärts wenden und im Unterkiefer umgekehrt.
^ Sciurus vulgaris L., gemein.
Pteromys nolans L. ist bei uns nicht eben selten. Ich
habe von demselben mehrmals aus verschiedenen Gegenden
her lebende Junge erhalten , welche ich in gewöhnlichen
Eichhörnchen- Käfigen aufgezogen habe, die aber doch nie
so zahm geworden sind, wie Junge vom Eichhörnchen.
bO i .vAm\. .XIX ..b?.'i!4-iu)»K 1 vi
-hii
Besclireibung zweier neuer deutscher
Fleclermausarten.
Von
jr« H. Bla§lu8,
Professor in Braunschweig.
Seit dem Jahre 1847 habe ich an verschiedenen Punkten
der Centralalpen wiederholt eine Fledermaus erhalten, die ich'
nach den sorg-fältigsten Untersuchungen von zahlreichen In-
dividuen für eine ausgezeichnete neue Art der Gattung V^^'
sperugo Keys, et Blas, halten muss. Eine andere FledermaiW,^
die ich in demselben Jahre zuerst in Mailand , später am
Gardasee und in Triest erhielt, ist eine ebenso ausgezeich-
nete neue Art der Gattung Rhinolophus Get^ffr. '''
A. Vesper ugo Maurus nov. spec.
Die erste Art hat im Ober- und Unterkiefer 5 Back-
zähne, gehört also zur Untergattung Vesperugo; jedoch zu
keiner der beiden von mir früher aufgestellten natürlichen
Gruppen dieser Untergattung. Die Bildung des Ohrdeckels,,
der Flügel, der Schwanzflughaut und der Hinterfüsse macht
es nolhwendig, für diese neue Art eine dritte Gruppe aufzu-
stellen, in welcher sie bis jetzt allein steht. Der Habitus
dieser neuen Art erinnert andererseits so auffallend an den des
V. Nilssonii Keys, et Blas. , dass man sie bei oberflächlicher
Betrachtung leicht für eine kleinere Varietät derselben halten
könnte. In mancher Beziehung ist in dieser neuen Art ein
so auffallendes Bindeglied zwischen den beiden Untergattun-
gen Vesperugo und Vesperus gegeben , dass es zu einer
scharfen und sicheren Unterscheidung wünschenswerlh sein
36 ß I a s i u s :
mag, die natürlichen Abtheilungen beider Gattungen hier auf-
zuführen, und kurz zu charakterisiren.
I. Vesperugo Keys, et Blas.
Im Ober- und Unterkiefer jederseits 5 Backzähne: im
Ganzen 34 Zähne in beiden Kiefern.
a. Erste Gruppe: Waldfledermäuse.
Der Ohrdeckel erreicht seine grösste Breite über der
Mitte, und ist an dem nach vorn gebogenen Ende breit ab-
gerundet; am Aussenrande des Ohrdeckels nur ein breiter,
winkeliger, zahnartiger Vorsprung dicht über der Basis. Die
Fusswurzel querrunzelig, ohne Schwielen. Die Körper-
flughaut bis zur Fus swur zel angewachsen. Nur das letzte
rudimentäre Schwanzglied, nicht halb so lang wie der Dau-
men, steht frei aus der Schwanzflughaut vor. Die Unterseite
der Flughäute längs dem Arm und der Wurzel der Finger
dicht behaart. Die Flughäute sehr schmal , so dass der 5te
Finger nur wenig über das Gelenk des Isten und 2ten Glie-
des am 3ten Finger hinaus ragt.
Hieher gehören von deutschen Arten: F. AWm/ö Schreb.
und V. Leisleri Kühl.
b. Zweite Gruppe: Zwergfledermäuse.
Der Ohrdeckel erreicht seine grösste Breite unter der
Mitte, und ist an dem nach vorn gebogenen Ende schlank
zugerundet; am Aussenrande des Ohrdeckels nur ein brei-
ter, winkeliger, zahnartiger Vorsprung dicht über der Basis.
Die Fusswurzel querrunzelig, ohne Schwielen. Die Kör-
perflughaut bis zur Zehenwurzel angewachsen. Nur das
letzte rudimentäre Schwanzglied , nicht halb so lang als der
Daumen , steht frei aus der Schwanzflughaut vor. Die Un-
terseite des Flughäute längs dem Unterarm und der Hand-
wurzel nackt. Die Flughäute ziemlich breit, so dass der 5te
Finger bis zum Gelenke des 2ten und 3ten Gliedes des 3ten
Fingers vorragt.
Hierher gehören von deutschen Arten : V. Kuhlii Natte-
rer, F. JSathusn Keys, und Blas, und F. Pipistrellus Schreb.
Betichreibun^f zweier neuer deutscher Fledermausarten. 37
c. Dritte Gruppe: Alpenfledermäuse.
Der Ohrdeckel erreicht seine grössle Breite in der
Mitte, und ist an dem nach vorn gebogenen, stark ver-
schmälerten Ende schlank abgerundet ; über dem breiten,
winkeligen, zahnartigen Vorsprung dicht über der Basis be-
findet sich noch ein zweiter, kleiner zahnartiger Vor-
sprung etwas unter der Mitte des Aussenrandes des Ohrdek-
kels. Auf der Basis der Fusssohle eine breite , flache
S c h w i e 1 e ; an den Zehenwurzeln undeutlichere kleinere Schwie-
len. Die Körperflughaut bis zur Zehen würzet angewach-
sen. Ausser dem letzten, rudimentären Schwanzgliede steht
noch das vorletzte Glied ganz oder grösstentheils frei
aus der Schwanzflughaut vor. Die Unterseite der Flughäute
längs dem Unterarm und der Handwurzel nackt. Die Flug-
häute ziemlich breit, so dass der öte Finger bis über das
Gelenk des 2ten und 3ten Gliedes des 3ten Fingers vorragt.
Hierher gehört nur die erwähnte neue Art aus den Cen-
tralalpen, die ich mit dem Namen Vesperugo Maurus zu be-
zeichnen beabsichtige.
II. Vesperus Keys, und Blas.
Im Oberkiefer 4, im Unterkiefer 5 Backzähne : im Gan-
zen 32 Zähne in beiden Kiefern.
a. Erste Gruppe: Bergfledermäuse.
Der Ohrdeckel erreicht seine grösste Breite über der Mitte
des Aussenrandes, und ist an dem nach vorn gebogenen Ende
ziemlich breit abgerundet ; nur e i n winkliger , zahnartiger
Vorsprung dicht über der Basis des Aussenrandes. An der
Basis der Fusswurzel eine breite, flache rundliche Schwiele.
Die Körperilughaut bis zur Zehen würzet angewachsen.
Die beiden letzten Schwanzglieder stehen etwa um die
Länge des Daumens frei aus der Schwanzflughaut vor. Die
Unterseite der Flughäute längs dem Unterarm und der Hand-
wurzel nackt. Die Flughäute breit, so dass die Wurzelglie-
der des 3ten, 4ten und 5ten Fingers wenig verschieden sind.
Hierher gehören von deutschen Arten : V. ISilssonii Keys,
u. Blas, und V. discolor Natt.
3S ii«&ijrj(fi'.'''v >! •!')'!' -Äläsius;
//% flliMil'»'!.'
b. Zweite Gruppe: Niedrigfliegende
Fledermäuse.
Der Ohrdeckel erreicht seine grösste Breite «nter der
Mitte des Aussenrandes, und das nur schwach nach vorn ge-
bogene, Yerschmälerte Ende ist schlank zugerundet; nur ein
winkeliger, zahnartiger Vorsprung dicht Über der Basis des
Aussenrandes. An der Basis der Fusswurzel eine breite,
flache, rundliche Schwiele. Die Körperflughaut bis zur
Zehenwurzel angewachsen. Die beiden letzten
Schwanzglieder stehen etwa um die Länge des Daumens frei
aus der Schwanzflughaut vor. Die Unterseite der Flughäute
längs dem Unterarme und der Handwurzel nackt. Die Flug-
häute breit, so dass die Wurzelglieder des 3ten, 4ten und
Ötett Gliedes wenig verschieden sind.
--"Hierher gehört von deutschen Arien mt: V, setöti-
fiü^ Schreb.
- Die erwähnte neue Art :
-naO ** «* ibiiioili
Vesper ugo Maurus, u .\i
hat etwa folgende Artkennzeichen. ,*j. -^.i / „n^.
n X.- 4 1 1 2-2 1 1.4 ^^ „..,
Gebiss: — r- • -7 • — r- • - • —r- = 34 Zahne.
ö 1 0 1 0
Die Schneide der unteren Vorderzähne einander pa-
rallel, quer zur Richtung der Kiefer gestellt Der erste
obere Vorderzahn zweispitzigj die äussere Spitze etwas schräg
nach hinten gerichtet, fast so hoch als die innere. Der
zweite obere Vorderzahü etwas niedriger, ödet ebenso hoch
als die äussere Spitze des ersten. Der Eckzahn im Oberkie-
fer mit der hintern Kante dicht an den zweiten Backzahn ge-
rückt, so dass der zwischen beiden stehende erste, sehr
kleine Lückenzahn , der sich kaum über das Zahnfleisch er-
hebt, ganz nach innen gedrängt wird, und von aussen nicht
sichtbar ist. Der erste untere Backzahn kaum halb so hoch,
uftd im Querschnitt kaum halb so breit als der folgende.
Der Aussenrand des Ohrs endet in der Höhe der Mundspalte,
hinter dem Mundwinkel, unter dem Hinlerrande des Auges.
Der mit der stark verschmälerten Spitze vorwärts nach innen
gerichtete Ohrdeckel erreicht seine grösste Breite ziemlich
in der Mitte ; etwas unter der Mitte des Aussenrandes ein
kleiner, stumpfgerundeter, und dicht über der Basis ein gros*-
Beschreibung »weier nötfeK^eWischer Fledermausarten. Sv
fttefer, Winkelig Votspfingfetidef Zätin. Dlefcötperflaghaut bts
züi- Ze'henwlirzel , die SchNvanzflughaut bis an das vorletit^
GKed ang-ewÄöhsen. Der angedrückte Unterarm rdcht bis iürn
Mundwinkel vor. Ohren und Flughäute dickhäutig, und düh-
kel braunschwarz. Der Pelz auf Ober- und Unterseite braun-
schwarz, t)ben mit bräunlichen, unten tnil g-elblich weisslicheVi
Haat-spitzeh. Flügweite: 8 Zoll 6 Linien.
Beschreibung. Der Schädel ist in der Gegend def
hinlfern Hälfte d'er Stirnbeine etwas aufgeblasen, nach ofe^h
höher gewölbt und nach den Seiteti erweitert; der hirtt61^fe
Th'eil des Schädels, die Gegend der Scheitelbeine, so wie der
Nasenrücken , etwas niedriger. Der Nasehrftcken nach dei*
Stirn hin d^t* Länge nach flach gfehöhlt. Die Seitertflächeh
der Oberkieferbeine zwischen dem vbrdtern Aügenhöhlenrände
und der grossen Zwischenkiefetlücken ebetif^lls breit und
flach gehöhlt. Diais Hinterhaupt flach g-eSvölbt, uhd von der
Mittö an ziemlich senkrecht abschüssig. Das Hinterhauptslöch
^twas breitet" als hoch , gleiöhmässig gerundet , fast kröis=-
fofmig. Die Zwischenkieferlüöke in der Mitte am weitestbfl,
nach hinten spitzeiför*mig Verschmälert, mit fast gefädrihlgf^ii
Seitenkanten, hinten spitz gefundet.
- Die obern Vorderzähne tteten nicht ganz so weit vor, als
der vordere Kn>(irand des obereti Eckzahns. Dei* ^rste oböfö
Vorderzahn zweispitzig, diö äussere odtt hintere Spitze etwöfe
niedl-iger als die innere , und etwas nach hinten angefügt.
Der Äweite obere Vorderzahn einspitzig , ungefähr so hoch
wie die äussere Spitze des ersten ; bei abgenutzten Zähnen ge-
wöhnlich etwas niedriger. Beide Vorderzähne im OuerSchnitt
ungefähr von gleicher Stärke. Von döH üriletn Vörderzäh^
nen sind die zwei seitlichen jederseils quer zur Richtung des
Kiefers gestellt, so dass deren innere Hälfte Von dön vor-
stehenden Zähneil von Vöti^ gesehen Völ-deekt erscheint. Diese
Zähne sind im Ouerschnille querelliptisch, ungefähr doppell
so breit als dick, und die hintern kaum stärker als die vor-
dem. Die querstehenden Schneideti sind grezähnelt, jede
Schneide dreispitzig.
Der obere Eckzahn ist von den Vorderzähnen durch eine
Lücke getrenM, jedoch unmittelbar mit dem ersten und zwei-
ten Backzahn ilisiiriimengetücRt , und fast ariderthalbftial sb
40 BUsius:
weit vortretend wie der zweite oder höchste Backzahn. Der
untere Eckzahn steht mit den Vorderzähnen und dem er-
sten Backzahn in Berührung, und erhebt sich nur wenig
über den zweiten oder höchsten Backzahn.
Von den fünf obern Backzähnen ist der erste sehr klein
und schlank , cylindrisch , mit etwas zugespitzter Krone , die
sich kaum über das Zahnfleisch erhebt, auf dem sie als dunk-
leres Fleckchen sichtbar ist; er tritt aus der Alveole unmit-
telbar vor der Innern Hälfte des Vorderrandes des zweiten
Backzahns heraus, richtet sich etwas schräg nach vorn, und
keilt sich zwischen den Vorderrand des zweiten Backzahns
und den ausgehöhlten Innenrand des Eckzahns ein, ohne über
den Kronrand des Eckzahns sich zu erheben, oder den Kron-
rand des zweiten Backzahns an Höhe zu erreichen. Da die
hintere scharfe Kante des Eckzahns mit der Vorderseite des
zweiten Backzahns ausserhalb des ersten Backzahns dicht zu-
sammentritt; so ist dieser erste kleine Backzahn von aussen
gänzlich verdeckt , und nur von der Gaumenfläche aus , und
schräg von vorn sichbar. Die vier hinteren normalen Back-
zähne bieten wenig wesentliche Abweichungen von den Zäh-
nen der Gattungsverwandten dar.
Von den fünf unteren Backzähnen ist der erste eben-
falls aufi^aflend kleiner als die folgenden; im Querschnitt ist er
kaum halb so lang und kaum halb so breit wie der zweite
Backzahn , und erreicht an Höhe nicht die Hälfte der Höhe
desselben zweiten Backzahns. Die vier letzten untern Back-
zähne weichen wenig von denen der Gatlungsverwandten ab.
Unter allen Gattungsverwandten kommt ein solches Ver-
hältniss des ersten oberen und unteren Backzahns zu den an-
liegenden nicht wieder vor.
- Der Kopf ist kurz; die Schnauze vorn breit gerundet,
fast halbkreisförmig , mit etwas vorstehenden Nasenlochrän-
dern. Die Nasenlöcher vorn unterhalb der Schnauzenspitze
geöff'net , ziemlich halbmondförmig in einen nach oben hoh-
len Bogen verlaufend. Das Gesicht über die Stirn hinaus bis
auf die Mitte des Nasenrückens dicht und lang behaart. Die
Augenumgebung lockerer mit einzelnen borstigen Haaren be-
setzt. Vorn über dem Auge eine rundliche Warze mit einem star-
ken Büschel langer borstiger Haare. Die grossen gewölbten
Beschreibung sweier neuer deutscher Fledermausarten. 41
Fettdrüsen zwischen Auge und Nase sind nur hinten mit lan-
gen Haaren besetzt , vorn sehr kurzhaarig und fast nackt.
Kurze gekrümmte Borslenhäärchen verlaufen über die Mitte des
Nasenrückens bis zwischen die Nasenlöcher. Der Rand der
Oberlippe ist ebenfalls mit abwärts gekrümmten kleinen Bor*
slenhäärchen besetzt , die von der Mitte der Mundspalte an
bis zum Aussenrande des Ohrs länger , feiner und dichter
werden, und einen abwärts überhängenden Bart bilden. Der
Unterkiefer vorn in der Mitte und längs der Lippe hin bis
zur Mitte der Mundspalte kahl; von hier an nach dem Mund-
und Kinnwinkel mit vorn rückwärts und hinten vorwärts ge-
richteten Häärchen besetzt, die nach dem Halse hin allmäh-
lich länger werden. Die Ausführungswarze der seitlichen
Unterkieferdrüse, etwas hinter der Basis des Eckzahns gele-
gen, ist kegelförmig verlängert, mit etwas gerundeter Spitze.
Das Ohr hat im Allgemeinen eine abgerundet rhombi-
sche Gestalt. Der Innenrand löset sich etwas über der Linie,
die das Nasenloch mit dem Auge verbindet, vom Kiel ab,
und bildet , sich allmählich vom Kiel entfernend , den nach
vorn vorspringenden , fast rechtwinkelig abgerundeten vor-
dem Ohrwinkel, von dem aus der innere Ohrrand in einen
schwach concaven Bogen sich nach der Ohrspitze hin dem
Kiel wieder nähert. Eine um die Kante herum lang behaarte
Haut verläuft von dem vordem Ohrwinkel aus über dem
Auge hin bis zur Stirn. Der nach hinten liegende Aussen-
rand des Ohrs ist etwas über der Mitte desselben winkelig
eingebuchtet, so dass derselbe über den hintern stumpfgerun-
deten Ohrwinkel lappenförmig vorspringt. Der Aussenrand
des Ohrs endet weit vor dem Ohrdeckel , etwas hinter dem
Mundwinkel, ungefähr in der Höhe der Mundspalte. Das Ohr
ist auf der Rückseite in der Endhälfte kahl , jn der Wurzel-
hälfte dicht behaart. Die Innenseite des Ohrs ist grösstentheils
mit kurzen, entferntslehenden angedruckten Häärchen be-
setzt; längs dem Rande kahl.
Der Ohrdeckel weicht in seiner Gestalt von allen be-
kannten Arten ab. Wie bei allen Gallungsverwandten ist die
schlank abgerundete Spitze nach vorn oder innen gebogen,
und der Innenrand verläuft in der Mitte concav, der Aussen-
rand convex. Die grösste Breite erreicht er jedoch unge-
fähr in der Mitte des Aussenrandes, etwas unterhalb der Mitte
des Innenrandes, und hat, ausser dem grossen, winklig- vor-
springenden Zahn an der Basis des Aussenrandes noch einen
kleinern , stumpfwinkelig vorspringenden Zahn etwas hoher
hinauf, zwischen dem vorhererwähnten Zahn und derMitte des
Aussenrandes. Dieser zweite Zahn ist so auffallend, dass ich
Ihn Anfang-s für zufällig hielt, bis ich mich an mehr als vierzig
Individuen von der Beständigkeit und Uebereinstimmung der
Form überzeugt hatte. An trockenen Häuten ist jedoch von die-
ser Eigenthümlichkeit wenig mehr zu sehen. Der Ohrdeckel
ist auf der Rückseite kahl; auf der Vorderseite von der In-
nern Basis bis gegen die Mitte kurz und einzeln behaart.
Die Fusssohle weicht von der aller Gatlungsverwandten
ab, und stimmt mit der Bildung derselben bei den Arten von
Vesperus ziemlich überein. Eine grössere, flache, gerundete
Wulst liegt an der Basis der Fusswurzel; kleinere Wülste
liegen unter der Spitze der Fusswurzel und bezeichnen die Ba-
sis der Zehen. Nur die Mitte der Sohle ist unregelmässig quer-
runzelig. Das Spornbein am Hinterfusse trägt nach aussen
«inen gerundeten Hautlappen und endet am Rande der Schwanz-
flughaut, der Schwanzspitze näher als dem Fusse, in einer
vorstehenden Spitze. Die beiden letzten Schwan^glieder Ste-
hen ganz, oder das vorletzte doch noch grösstentheils , frei
aus der Schwanzflughaut vor. Die Körperflughaut ist bis Ztil-
Wurzel der Zehen am Fusse angewachsen.
Die Flughäute sind ziemlich breit; die Wurzelglieder
des 3ten , 4ten und 5ten Fingers fast einander gleich , und
nicht ganz so lang wie der Unterarm; die Spitze des 5ten
Fingers ragt über das 2te Glied des 3ten und 4ten Fingers
hinaus. Der an den Körper angedrückte Unterarm ragt bis
zum Mündwinkel vor.
Die Flughäute sind auf der Ober- und Unterseile nur
längs dem Körper hin behaart, auf der Unterseite etwas wei-^
ter in die Flughaut hinein , als auf der Oberseite. Die Be-
haarung der Unterseite erstreckt sich vom Körper aus all-
mählich lockerer und vereinzelter bis an den Ellbogen, an
das Knie und bis gegen das Endviertel des Schwanzes hin;
ausserdem sind die Qucradern seitwärts vom Unterarme mit
entfernt stehenden schwachen Haarbüscheln besetzt.
Beschreibung zweier neuer deirtscher Fledermausarten. 48
Alle nackten Theile, die Ohren, das Gesicht und die
Flughäute und Füsse, haben eine dunkele, bräunlichschwarze
Färbung, dunkler als bei irgend einer verwandten Art. Nur
V. Nilssonii K. u. Bl. steht dieser neuen Art in dieser Be-
ziehung nahe. Sie kann in Hinsicht der Hautfarbe als der
Negertypus der europäischen Fledermäuse angesehen werden,
so dass man den Artnamen V. Maurus als besonders geeig-
net für sie ansehen darf.
Auch die Farbe des Pelzes ist im Allgemeinen sehr
dunkel, obwohl die Farbennuanzen bei verschiedenen Indivi-
duen sehr abweichen. Das Haar ist vom Grunde an bis ge-
gen die Mitte dunkel schwarzbraun , auf der Oberseite mehr
ins Röthlichbraune, auf der Unterseite ins Schwärzlichgraue
neigend. Die Haarspitzen sind überall heller, auf der Ober-
seite licht goldbraun ins Braungelbe oder Rothbraune, auf der
Unterseite nur etwas heller und mehr ins Weissliche überge-
hend. Auch am Kinn und unter dem Halse sind die Haare
im Haargrunde dunkel und zweifarbig, wodurch sich die Art
leicht von den nahestehenden V. Nilssonii und V. discolor
unterscheidet. Die Jungen zeichnen sich im Ganzen durch
eine dunklere Färbung , durch einen mehr braunschwarzen
Haargrund, und mehr graubraune Raarspitzen aus. Die hel-
len Haarspilzen, die, besonders auf der Oberseite, beim le-
benden Thicre wie ein lichter lockerer Goldreif auf dunkel-
braunem Grunde aussehen , und die in ähnlicher Weise nur
noch bei ^V. Nilssonii K. u. Bl. und V. discolor Nalterer vor-
kommen, geben dieser Art ein besonders reizendes Ansehen.
In der Grösse hält diese Art ungefähr die Mitte zwi-
schen V. Kuhlii Natt. und V. Nilssonii K. u. Bl. oder V. dis-
color Natt.
Die wesentlichen Maasse sind folgende:
44
Blasius;
n
1"
V
V
Ohrdeckel längs dem Innenrande — 1,8'" Par. Maas.
Olwdeckel längs dem Aussenrande —
Breite des Ohrdeckels
Oberarm ....
Unterarm ....
Der Daumen ohne Nagel
Der Daumennagel . .
Das Iste Glied des 2ten Fingers
Das Iste Glied des 3ten Fingers
Das 2te Glied des 3ten Fingers
Das 3te Glied — — ~
Das Nagelglied des — —
Das Iste Glied des 4ten Fingers
Das 2te Glied — — —
Das 3te Glied — — —
Das Nagelglied — — —
Das Iste Glied des 5ten Fingers
Das 2te Glied — — —
Das 3te Glied — — —
Das Nagelglied — — —
Schenkel ....
Schienbein
Fuss
Länge d. Schädels bis zum Vorderzahn
Länge des Schädels bis in die Zwi-
schenkieferlücke
Breite zwischen den Stirnbeinen
Breite zwischen den Augenhöhlen
Breite zwischen den Jochbogen
Breite des Hinterhauptslochs .
Höhe des Hinterhauptslochs .
Länge der Unterkieferäste
Grösste Entfernung der Gelenkköpfe
Diese Fledermaus scheint die Centralkette der Alpen der
ganzen Ausdehnung nach zu bewohnen. Ich habe sie aus
den höchsten Sennhütten am Mo nlblancundSt. Go tthardt,
aus dem obern Oetzthal in Tyrol , aus den Sennhütten in
der Nähe des Pasterzengletschers unter dem Gross-
glockner und im Nassfelde bei Gaslein erbalten. Sie
1,8'"
2,4'"
1,0'"
10,0'"
3,5'"
2,0'"
0,6'"
0,6'"
1,5'"
5,5'"
4,5'"
2,6'"
1,3'"
5,0'"
3,3'"
1,3"'
1,3'"
4,0'"
2,4'"
0,5"'
5,7'"
5,8"'
3,5'"
6,5'"
5,4'"
3,3"'
1,8'"
4///
1,5"'
1,3'"
4,7'"
3,2'"
Beschreibung iweier neuer deutscher Fledermausarten. 45
scheint überall bis zur letzten Grenze der Sennhütten hinauf
vorzukommen. Wie weit sie abwärls in den Gebirgsthälern,
oder seitwärts von der Ccntralkette in den nördlichen und
südlichen Kalkalpen, oder noch weiter hin verbreitet ist,
muss die Folge lehren. Ich kann nur bemerken, dass ich
sie nirgend in den Seitenzügen der Alpen und in niedrigen
Alpenlhälern bis jetzt bemerkte, während ich sie oft in den
höhern Thälern der Centralalpen habe fliegen sehen. Es
wäre interessant, auszumachen , ob sie in den hohen Regio-
nen ihres Sommeraufenthalls auch überwintert, oder wie V,'
discolor und V. Nilssonii sich wärmere Gegenden zu ihrem
Winterschlaf aufsucht.
Sie gleicht in ihrer Lebensweise sehr der V. Nilssonii.-
Schon bald nach Sonnenuntergang, in der frühen Dämmerung^2
verlässt sie ihre Schlupfwinkel in hochgelegenen Wohnge-
bäuden und Sennhütten, und fliegt ziemlich hoch und mit
grosser Gewandtheit an lichten Stellen und Waldrändern um-
her. Bei feuchter Witterung fliegt sie weniger hoch, scheut
übrigens weder Wind noch einen leichten, warmen Regen,
und ist in ihrer Bewegung sehr mannichfaltig. Nicht seilen
ändert sie die Richtung ihres Fluges, schlägt plötzliche Ha-
ken , und stürzt sich mit grosser Schnelligkeit, gleich einem
Raubvogel, auf ihre Beute. Sie scheint den grössten Theil
der Nacht hindurch in Bewegung zu sein , da sie aus ihren
gewöhnlichen Jagdrevieren erst in der Morgendämmerung wie-
der verschwindet. Ihre Nahrung besteht ausschliesslich aus
nächtlich fliegenden Insekten.
Ueber ihre Fortpflanzung ist mir nichts bekannt, indem
ich sie bei meinen Ausflügen in die Alpen frühestens mit
halberwachsenen Jungen gefunden habe. ^
Obwohl die beiden genannten Arten, V. Nilssonii und/
Maurus, auch von der Zahl der Zähne abgesehen, sich aus-^
gezeichnet unterscheiden; so ist doch die allgemeine Aehn-
lichkeil derselben so gross, dass ich wiederholt meine sämml-
lichen Exemplare und Schädel von V. Nilssonii einer genauen
Untersuchung unterwarf, um mich zu vergewissern, dass
ich bei Nilssonii einen etwaigen versteckten oberen Lücken-
zahn nicht übersehen habe. Der Gedanke , dass sie zu ein
und derselben natürlichen Gruppe gehören könnten, stieg im-
mer auf's Neue wieder in mir auf. Unwillkührlich kamen
mir dabei die von Bonaparte und Savi unterschiedenen Ar-
ten : V. Savii Bon. , V. Aristippe Bob. , V. Leucippe Bon. , V.
Alcytboe Bon. und V. Bonapartü Savi^ die ich nicht Gelegen-
heit gehabt habe, genauer zu untersuchen , in*s Gedächtniss.
Aus der blossen Beschreibung bin ich nicht ganz sicher über
deren Stellung gewesen. Nach der Beschreibung und An-
gabe des Gebisses habe ich die Ueberzeugung gehabt , dass
Y. Savii, Leucippe und Aristippe Bon. in die Gruppe von dis-
color und Nilssonii zu der Untergattung Vesperus gerechnet
werden müssten; bei V. Alcythoe Bon. und V. Bonapartü Savi
ist mir dies jedoch irotz der Angabe des Gebisses, 32 Zähne,
nicht wahrscheinlich gewesen, und ich habe vermulhet, dass
sie in die Untergattung Vesperugo> in die Nähe von V.
Kuhlii und V. Pepistrellus gehören könnten. Bei der Leichtig-
keit, den kleinen Lückenzahn im Oberkiefer zu übersehen, ist
mir die Stellung der drei erstgenannten Arten noch zwei-
felhafter geworden. Es ist sehr zu wünschen , dass eine
sorgfältige Untersuchung der Originalexemplare vorgenom-
men werde, um über die Stellung dieser Arten ganz klar zu
werden. Soviel aus den im Ganzen ausgezeichneten Beschrei-
bungen Bonapartes in der Iconografia della fauna italica, in
denen nur ein genaiues Eingehen auf die Eigenthümlichkeiten
des Gebisses und, des Ohordeckels vermisst wird, zu entneh-
men ist, sind die genannten südeuropäischen Arten nicht mit
dem oben beschriebenen V. Maurus zu verwechseln. Eine
Identität wäre übrigens auch schon nach der ganz abweichen-
den Verbreitung höchst unwahrscheinlich.
V. Savii Bonap., von^ Toscana bis Sicilien verbreitet, die
Temminck auch aus Cattara erhallen haben will, kann nur in
die Nähe von V. Nilssonii oder V. Maurus gehören. In der
Grösse stimmt sie am meisten mit V. Maurus überein. Der
länger als der Ohrdeckel frei aus der Flughaut vorstehende
Schwanz lässt die Gruppe nicht mit Sicherheit entscheiden,
würde jedoch mehr für VerwandlschaJEt mit V. Nilssonii stim-
men. Die nur wenig ungleichen obern Vorderzähne hat sie
mit beiden gemein. Darin , dass der angedrückte Unterarm
bis zur Schnauzenspitze reicht, unterscheidet sie sich, von bei-
den. Dass Bonaparte den Ohrdeckel vollkommen nirenförraig
Begehreibung zweier neuer deutscher Fledermausarten. 4T
uennl^ würde mehF nach V. Nilssonii hindeuten. Darin, dass
der Anhang des Spornbeins an der Schwanzflughaut sich i»
der Mitte zwischen Schwanzspitze und Fussi loslöset, weicht sie
von beiden ab, nähert sich jedoch am meisten V. Nilssonii. Trotz
dem , dass bei dieser Art die genauem Angaben über das
Gebiss ganz fehlen , scheint die Stellung neben V. Nilssonii
und V. discolor , mit welcher letztern Bonaparte selber sie
vergleicht , nicht -unwahrscheinlich. . / '•; ;; ii'h:
Wenn man bei F. Aristippe Bonap. aus Sicilien von der
Zahl der Zähne, deren 32 aufgeführt werden, absieht; so bleibt
es zweifelhaft, ob man sie neben V. Nilssonii oder V. Mau-
rus stellen soll. Dass die beiden letzten Schwanzglieder frei
vorstehen, und der Ohrdeckel halb elliptisch ist, würde ziem-
lich für beide Gruppen passen können. In der Grösse steht
sie V. Maurus am nächsten. Die bis über, die Schnauzen-
spilze hinausragenden Unterarme, und das nach unten, unter-
halb der Mitte am Aussenrande ausgeschnittene Ohr unter-
scheidet sie von beiden Arten. Ist die Zahl der Zähne richtig;
so muss sie mit V. Nilssonii und V. discolor in dieselbe
Gruppe zusammen gestellt werden.
In fast derselben Lage ist V. Leucippe Bon. aus Sici-
lien. Ich bin über deren Stellung sogar trotz der 32 Zähne
aoch unsicherer. Eine Angabe, wie weit die Schwanzspitze
frei vorsteht , ist nicht vorhanden. Der halbrunde , in der
Beschreibung „configurato a mezzo tondo" genannte Ohr-
deckel giebt keinen bestimmten Anhalt. Dass das Ohr ober-
halb der Mitte am Aussenrande eingebuchtet ist, stimmt mit
beiden Arten, V. Nilssonii und V. Maurus, überein, und darin,
dass die Schenkelflughaut weder Ausschnitt, noch Anhang be-
sitzt, weicht sie von beiden und allen gattungsverwandten
Arten ab. In der Grösse stimmt sie ziemlich mit V. Maurus
überein.
Von V. Alcylhoe. Bon. aus Sicilien werden ebenfalls 32
Zähne angegeben. Da die Schwanzflughaut den Schwanz ganz,
einschliesst ; so kann sie jedoch nicht zu einer der jetzt be-.
kannten Gruppen der Untergattung Vesperus gehören, und Bo-v
naparte erklärt selber, dass sie, gegen den ersten Anschein^i
zur Gruppe von Noctula gehöre. Der kleine obere Lücken-«!
zahn muss demnach wohl übersehen sein , und die Art zur
48 : 1 4-tmm'im B 1 a s i u s :
Untergaltufig Vesperugo gehören. Die Gestalt des Ohrdek-
kels : „trago recto , semicordato-acutiusculo etc.", die grosse
Ungleichheit der Schneidezähne, deutet auf V. Kuhlii Natt.
oder V. marginatus Cretschm. hin, bei welchen der 2le obere
Vorderzahn auffallend kleiner als der Iste ist. Dabei liesse
es sich auch am leichtesten einsehen, wie der kleine, Lücken-
zahn irn Oberkiefer habe übersehen werden können; denn
nur bei V. Kuhlii und V. marginatus oder albolimbatus ist
dieser von dem mit dem 2ten Backzahn zusammenstossenden
Eckzahn so verdeckt, dass man ihn von aussen nicht sehen
kann, während derselbe kleine Lückenzahn bei V. Pipistrellus
Schreb. und V. Nathusii K. und Blas, von aussen deutlich
sichtbar ist. Dass Bonaparte bei V. albolimbatus diesen Zahn
wirklich übersehn hat, zeigt sich im Fase. XXIV. der Ico-
nografia, wo 32 Zähne für diese Art angegeben werden. Ich
habe an den Originalexemplaren von Küster selbst 34 Zähne
beobachtet. Dass der helle Rand der Flughaut nicht erwähnt
wird, kann nicht befremden, indem Bonaparle in der spätem
Beschreibung des V. Bonapartii Savi ausdrücklich erwähnt,
er habe diese Eigenlhümlichkeit bei seinem V. Vispistrelius
verschwiegen , weil er sie nicht für constant gehalten. Ich
halle es aus allen erwähnten Andeutungen nicht für gewagt,
in V. Alcythoe Bon. eine der schwer zu unterscheidenden
Arten, V. Kuhlii Natt. oder V. marginatus Cretschm., oder
eine nahe verwandte, zu vermuthen.
Eine andere Bewandtniss hat es aber mit V. Bonapartii
Savi, von der Bonaparte ausdrücklich erwähnt, dass sie keine
so zierlich weiss gerandete Flughaut habe , wie sein V. Vis-
pistrelius. Bonaparte führt bei dieser Art 32 Zähne an und
vergleicht sie selber mit V. Savii, wonach sie also zur Unler-
gallung Vesperus neben V. discolor und Nilssonii gehören
würde. Dahin würde auch der stärker als bei V. Vispi-
strelius abgerundete Ohrdeckel deuten. Die Bemerkung, dass
kaum die äusserste Spitze des Schwanzes aus der Flughaut
frei vorstehe, macht jedoch eine solche Deutung wieder un-
zulässig. Aus demselben Grunde kann man diese Art auch
nicht mit V. Maurus in dieselbe Gruppe zusammenstellen wol-
len. Gegen beide Deutungen würde auch einigermassen die
Färbung^ sprechen, so weit sie von Bonaparte angedeutet wird,
Beschreibung zweier neuer deutscher Fledermausarten. 49
obwohl hierauf am wenigsten Werth zu legen wäre. Die
grosse Verschiedenheit der obern Vorderzähne lässt sie we-
der mit einer der genannten Arten, noch mit V. NathusüK.
und Blas, identifiziren, die ich selbst südlich von den Alpen
gefunden habe. Den Maassen nach steht sie etwa in der
Grösse zwischen V. Nathusii uud V. Pipislrellus. Ich muss
gestehen, dass ich über die natürliche Stellung dieser Art zu
gar keiner bestimmten Vermulhung habe kommen können.
Uebrigens sind ausser Dinops Cestonii Savi und Vesper-
tilio Capacinii Bonap. , die unserer V. dasycneme Boie sehr
nahe steht, die obengenannten Arten die einzigen Südeuro-
päer, die nicht bis zum adriatischen Meere hin auf deutschem
Boden gefunden worden wären.
'V
B. Rhinolophus Euryale nov. spec. ,>
Um die Eigenthümlichkeiten dieser neuen Hufeisennasi'
klar herauszustellen, wird es nothwendig, auf die Kopf- und
Gesichtsbildung der natürlichen Gruppe einzugehen , zu der
diese Art gehört. Sämmtliche europäische Arten, mit noch etli-
chen verwandten Arten aus Afrika, sind nach demselben Typus
gebaut. Sie haben einen in seinen allgemeinern Eigenschaf-
ten übereinstimmenden Nasenaufsatz, der bei jeder Art aus
drei wesentlich verschiedenen Theilen , dem Hufeisen , dem
Längskamm und der Lanzette, besteht, und den Nasenrücken
von der Schnauzenspitze bis zur Stirn einnimmt. Die Nasen-
löcher liegen auf dem Nasenrücken, etwas vor der Mitte des-
selben, in einer tiefen Hautfalte versteckt und sind nach aus-
sen und vorn umgeben von einer flachen, hufeisenförmigen
Haut. Die Mitte des Hufeisenbogens liegt vorn auf der Schnau-
zenspitze und ist tief eingebuchtet; die beiden Seitenäsle des
Hufeisens liegen nach hinten und enden etwas vor den Au-
gen, oder sind dort vielmehr durch eine tiefe Hautfalle ab-
gegrenzt, die sich schräg nach vorn in die tiefere und schär-
fere Hautfalte fortsetzt, in der die Nasenlöcher liegen. Hin-
ter jener die Spitzen des Hufeisens abgrenzenden falligen
Vertiefung setzt sich diese Haut in abweichender Bildung und
verengt bis auf die Mitte des Nasenrückens fort , und trägt
hier einen nach vorn in der Richtung des Nasenrückens sich
erhebenden Längskamm, während hinter ihr, zwischen der
Archiv f. Natuigescb. XIX. Jahrg. l.Bd. 4
50 Blasiuß: ; -wJ . .,m
genannten Hautforls^tzung und der Stirn, sich ^ine querste*-
hende Hautlanzeltß erhebt, mit der sie ebenfalls längs der
Mitte verwachsen ist. Der hinter den Nasenlöchern sich er-
hebende Längskamm ist vorn mit einer erweiterten, bei den
einzelnen Arten sehr verschieden gestalteten Querfläche ver-
sehen , die sich nach den Nasenlöchern hin in scharf vor^
tretenden Kanten erhebt, welche vor den Nasenlöchern in der
Mittellinie des Nasenrückens mit der Hufeisenhaut verschmel-
zen. Der frei vorstehende Rücken des Längskamms ist durch
eine sattelförmige Vertiefung bezeichnet, hinter der der Längs-
kamm mit einer bei den verschiedenen Arten zu verschie-
dener Höhe ansteigenden Spitze endet. Auf der dicht vor den
Augen, unter den Enden der Hufeisenäste sich erhebenden,
quer zur Stirn gestellten Lanzette befinden sich jederseits von
der Mittellinie drei zellenförmige Vertiefungen, die durch zwei
Querhäute hervorgebracht werden, welche sich jederseits vom
Aussenrande der Lanzette erheben und bis zu der oben erwähn-
ten Haut verlaufen, auf welcher der Längskamm sich erhebt.
In der Bildung des Hufeisens, des Längskammes und der
Lanzette sind die Arten am auffallendsten verschieden.
Das Ohr der Hufeisennasen hat keine häutig entwickel-
ten Ohrdeckel, ist aber unter der Mitte des Aussenrandesso
tief eingebuchtet, dass der untere Theil des Aussenrandes
lappenförmig vorspringt und das Ohr von aussen zu schlies-
sen im Stande ist. Auch in der Gestalt dieses Ohrlappens
liegen Artunterschiede.
Der Zwischenkiefer ist nicht, wie bei den übrigen Fle-
dermäusen, mit dem Oberkieferknochen verwachsen, son-
dern bis zur Gaumenfläche gesenkt, und mit dem Gaumen-
knochen verwachsen.
Bei allen europäischen und bei den verwandten afrika-
nischen Arten mit einem ähnlichen Nasenaufsatz ist die Zahl
der Zähne ganz dieselbe. Im Oberkiefer befinden sich zwei
durch eine Lücke getrennte, im Unterkiefer vier geschlossene
Vorderzähne und in jedem Kieferaste oben 1 Eckzahn und
5 Backzähne, und unten 1 Eckzahn und 6 Backzähne. Die
Formel des Gebisses für alle europäischen Arten ist also:
4.1 t 1.1 1 1.4
1 4 1 1.1.4
32 Zähne.
Beschreibung eweier neuer denlicher Fledermausarten. 51
Der Isle Backzahn im Oberkiefer und der 2le im Unterkiefer
ist aber bei einigen Arten sehr klein und abweichend einge-
fügt, und bei jungen Thieren kaum über das Zahnfleisch vor-
tretend. Der 2te Backzahn im Unterkiefer ist bei allen eu-
ropäischen Arten aus der Zahnreihe herausgedrängt und aus-
sen eingefügt , so dass der Iste und 3te Backzahn unmit-
telbar einander berühren. Der Iste Backzahn im Oberkiefer
steht nur bei Rh. clivosus, Euryale und Hippocrepis in der
Zahnreihe: daher die frühere irrige Angabe, dass er bei Rh,
ferrum equinum und capensis fehle. Dieser Zahn fehlt nur
bei Arten mit abweichendem Nasenaufsatz, wie bei Rh. tri4
dens, so dass diese Form oben nur 4 Backzähne besitzt:
Der leichtern Unterscheidung wegen will ich die auffal-
lendsten Unterschiede der vief europäischen Arten zusam-
menstellen.
1. Rhinolophus ferrum eqmnum Schreb.
Die vordere Quer -Fläche des Längskammes auf der
Nase ist in der Mitte verschmälert, oben und unten gleich-
massig erweitert, und an der Spitze breit abgerundet. Die
hinter dem Sattel gelegene Spitze des Längskamms erhebt
sich über die vordere Querfläche noch um die Hälfte der
Höhe der Querfläche, und ragt, auf die Lanzette angedrückt,
nur wenig über die erste Querwand in die zweite Zellenreihe
hinein. Das Hufeisen ist vorn an der Einbucht auf der Mit-
tellinie abgerundet, ohne irgend einen Einschnitt zur Seite
der Mittelbucht, hach aussen hin ganzrandig. Die Einbucht
am Au$senrande des Ohrs ist spitzwinkelig und tief, und der
obere Winkel dos WurzoUappens weit spitzer abgerundet und
weit höher als der unlere. Der Eckzahn im Oberkiefer tritt
mit seiner hinteren Kante in unmittelbare Berührung mit dem
2ten Backzahn, so dass der sehr kleine Iste Backzahn ganz
aus der Zaluireihe hinaus nach aussen gedrängt wird. Die
Flughaut ist bis dicht vor die Fusswurzel angewachsen.
Flugweite 12" —
Totallänge
Länge des Kopfes
Länge des Schwanzes
Länge des Unterarms
52 ^hiwii;-" BJasiu«:
2. Wiinolophus clivosus Cretschin. Rüpp. Atl.
Die vordere Querlläche des Längskammes auf der Nase
ist in der untern Hälfte ziemlich gleichbreit, dicht über der
Mitte bis fast auf die Hälfte der Breite verschmälert, und von
hier aus bis zur Spitze noch gleichmässig verengt. Die hin-
ter dem Sattel gelegene Spitze des Längskammes erhebt sich
über die vordere Querfläche fast um deren ganze Höhe, und
ragt, auf die Lanzette angedrückt, über die zweite Querwand
hinaus in die letzte Zellenreihe hinein. Jede Hälfte des Huf-
eisens hat vorn auf der Nase neben der gemeinschaftlichen
Einbucht nach aussen noch eine kleinere Einbucht, zwischen
welcher letztern und der Mittelbucht der Rand jederseits
deutlich zahnförmig vorspringt; der Aussenrand des Hufei-
sens verläuft im Uebrigen ganzrandig. Die Einbucht amAus-
senrande des Ohrs ist flach und stumpfwinkelig , und der
Wurzellappen nach oben und unten ziemlich gleich hoch und
gleichmässig abgerundet. Der kleine erste obere Backzahn ist
in der Mittellinie der Zahnreihe eingefügt, und trennt den
Eckzahn vom zweiten Backzahn. Die Flughaut erreicht die
Fusswurzel nicht, sondern lässt das Schienbein um die halbe
Länge der Fusswurzel frei vorstehen. Der Schwanz halb so
lang als der Unterarm. Der Unterarm ragt bis zur Mitte der
Mundspalte vor. Die angedrückten Ohren erreichen nur die
Schnauzenspitze.
3. Rhinolophus Euryale nov. spec.
Die vordere Querfläche des Längskammes auf der Nase
ist der ganzen Länge nach ziemlich gleichbreit, und an der
Spitze breit abgerundet. Die hinter dem Sattel gelegene
Spitze des Längskammes erhebt sich über die vordere Quer-
fläche fast um deren ganze Höhe, und ragt, auf die Lanzette
angedrückt, über die zweite Querwand hinaus in die letzte
Zellenreihe hinein. Jede Hufeisenhälfte hat vorn auf der Nase
Beschreibnng zweier neuer dentscher Fledermauisarlen. 5o
neben der gemeinschaftlichen Mittelbucht nach aussen noch
eine kleinere stumpfe Einbucht, zwischen welcher letzteren
und der Mittelbucht der Rand jederseits schwach zahnförmig
vorspringt; der Aussenrand des Hufeisens verläuft im Uebri-
gen ganzrandig. Die Einbucht am Aussenrande des Ohrs ist
flach und stumpfwinkelig, und der. Wurzellappen nach oben
und unten ziemlich gleichhoch und gleichmässig abgerundet.
Der sehr kleine erste obere Backzahn ist in der Mittellinie
der Zahnreihe eingefügt und trennt den Eckzahn vom zwei-
ten Backzahn. Die Flughaut erreicht die Fusswurzel nicht,
sondern lässt das Schienbein ungefähr um die Länge der
Fusswurzel frei vorstehen. Der Schwanz ist über halb so
lang wie der Unterarm. Der angedrückte Unterarm ragt über
die Schnauzenspitze hinaus. Die an den Kopf angedrückten
Ohren überragen die Schnauzenspitze auffallend.
Flugweite 10" —
Totallänge
Länge des Kopfes
Länge des Schwanzes
Länge des Unterarms
2" 8'"
— 9'"
1" —
1" 8,5'"
4. Rhinolophus Hippocrepis. Herrn.
Die vordere Querfläche des Längskamms auf der Nase
ist der ganzen Länge nach ziemlich gleichmässig verschmä-
lert, und am Ende spitz zugerundet. Die hinter dem Sattel
gelegene Spitze des Längskammes erhebt sich kaum zur Höhe
der vorderen Querfläche , und ragt, auf die Lanzette ange-
drückt, nur bis zur Kante der ersten Querwand vor, nicht
einmal in die zweite oder mittlere Zellenreihe hinein. Das
Hufeisen ist von der Mittelbucht an längs dem ganzen Vor-
derrande hin eingeschnitten gekerbt. Diese Kerbzähne wer-
den um die Mitte des Aussenrandes allmählich undeutlich. Die
Einbucht am Aussenrande des Ohrs ist spitzwinkelig und tief,
der obere Winkel des Wurzellappens weit höher und viel
spitzer zugerundet, als der untere. Der Lückenzahn im Ober-
kiefer ist fast halb so gross wie der 5te Backzahn, trennt den
Eckzahn und 2ten Backzahn aufi'allend, und ist in der Mittel-
linie der Zahnreihe eingefügt. Die Flughaut ist bis etwas über
die Furche hinaus am Fuss angewachsen.
54 iiü-^umnTyh'ilH iftifrÄlaüi«««
Fluorweite
Totallänge
Länge des Kopfes .
Länge des Schwanzes
Länge des Unterarms
Beschreibung der neuen Art:
Rhinqlophus Euryale,
Die neue Art steht in der Grösse Rhinolophus clivosus
Rupp. am nächsten ; ist etwas kleiner, als die letzte Art, je-
doch entschieden grösser als Rh. Hippocrepis Herrn.
Der Schädel zeigt keine auffallenden Abweichungen von
dem von Rh. clivosus, ist aber in der Mitte des Scheitels weit
stärker gewölbt und aufgetrieben , wie der von Rh. ferrum
equinum und Hippocrepis. Auch im Gebiss steht diese Art dem
Rh. clivosus am nächsten. Der Iste sehr kleine Backzahn
im Oberkiefer liegt in der Mittellinie der Zahnreihe und trennt
den Eckzahn vom 2len Backzahn, wie bei Rh. clivosus. Die
ganze flache Krone des Isten Backzahns erhebt sich fast so
hoch wie der vordere Kronrand des 2ten Backzahns, während
bei Rh. clivosus der Iste Backzahn bei weitem nicht die Höhe
des vorderen Kronrandes am 2ten Backzahn erreicht. Der
Iste Backzahn im Unterkiefer ist verhältnissmässig weit klei-
ner und schwächer, wie bei Rh. clivosus; dieser Zahn ist bei
Rh. Euryale kaum halb so hoch wie der 2te Backzahn, und
erreicht ungefähr ein Drittel der Höhe des Eckzahns, während
derselbe bei Rh. clivosus ungefähr zwei Drittel der Höhe des
2ten Backzahnes , und stark die halbe Höhe des Eckzahnes
erreicht.
Das Hufeisen ist vorn in der Mittellinie tief und scharf
eingebuchtet und die Ränder an der Einbucht sind leistenar-
tig erhöht. Der Vorderrand des^ Hufeisens ist dicht neben
dem leistenartig vorspringenden Rande schwach eingekerbt, so
dass die erhöhte Leiste vorn schwach zahnartig sich absetzt.
Bei Rh. clivosus ist dieser zahnartige Vorsprung noch weit
schiefer durch Einbucht abgetrennt, bei Rh. Hippocrepis kaum
angedeutet, während bei Rh. ferrum equinum die Winkel an der
Mittelbucht abgerundet sind. Der übrige Vorder- und Aus-
senrand des Hufeisens verläuft ganzrand ig, wie bei Rh. clivo-
Beschreibung zweier n«ti«f deutscher Fledermansarten. W
sUiS und ferrum equinnm, mit kaum öngedeutötefi Well^ftbie-
guiigen , während bei Rh. Hippocrepis dei* Vörderrand mit
rundlich vorspringenden Zähnen eingekerbt Ist. Die Form dös
Hufeisens hält also die Mitte zwischen der von Rh. clivosus
und Rh. Hlppocrepis. Die vordere Querfläche des LängS*-
kammes ist der ganzen Länge nach gleichbreil und arh Ende
breit Und flach abgerundet. Hierin Weicht sie von allen übri-
gen Arten ftb, indem diese Ouerfläche bei Rh. clivosus von
der Mitte an, bei Rh.Hippocrepis von der Basis bis zurSpilfce
verschmälert, bei Rh. ferrum equinum aber von der Mitte bis
zur Spitze erweitert ist. Die hintere Spitze des Längskammes
hinter dem Sattel erhebt sich über die vordere Ouerfläche des
Längskammes, ähnlich wie bei Rh. clivosus, fast um deren
ganze Höhe, und ragt, auf die Lanzette angedrückt, über die
2te Oufifwand hinaus in die 3te oder letzte Zellenreihe der
Lanzette hinein, während sie bei den beiden andern Arten
wenig oder gar nicht bis in die 2te Zellenreihe hinein vor-
ragt. Auf der Vorderfläche der Lanzette erhebt sich in der
Wurzelhälfle, als Forlsetzung des Längskammes, eine Längs-
leiste, die von 2 Querleisten durchschnitten wird, und dadurch
6 Zellen bildet, von denen die 4 oberen so flach liegen, dass
man sie ganz übersieht, während deren Basis bei Rh« ferrum
equinum und clivosus versteckt erscheint.
Das Ohr ist am Aussenrande nur flach eingeschnitten)
der Wurzellappen nur wenig von det Hauplfläche des Ohrs
getrennt, und nach beiden Seiten ziemlich gleichmässig ab-
gerundet, Wie bei Rh. cHvosus, während bei Rh. fetrum
equinum und Hippocrepis die Einbucht am Aussenrsmde viel lie-
fer und spitzer , und der Wurzellappen nach der B*siS hiA
viel stärker al» nach der Spitze hin abgerundet ist. Auf der
Innern Ohrhälfle verläuft ein gekörnettet bogiger I^id tön d«r
Basis bis zur Spitze; die äussere Hälfte ist von lObiö 12 Quer-
falten durchbogen, Welche längs dem Aussenrande^ Mn ziei*^
lieh mit einander verwachsen sind. Die Ohren ragen ange-
drückt auffallend, fast um 2 Linien, über die Schnauzenspitze
hinaus vor, Während sie bei Rh. clivosus die Schnauzenspilti^
nur erreichen.
Die Fuss^hle l)st querrunzelig-, di^ht iot det BftSiis d^t
Zehen längsrunzelig. Aus der Flughaut steht der untere Th6il
56
.MUÄiüiybora iorf;>31asiugi
des Schienbeins, ungefähr von der Länge der Fusswurzel, frei
vor. Nur die äusserste Schwanzspitze steht aus der hinten
in der Mitte fast gradlinig abgeschnittenen Schwanzflughaut
kaum merklich vor. Der Schwanz ist auffallend kurz, jedoch
verhältnissmässig länger , als bei Rh. clivosus , bei welcher
Art er nur die halbe Länge des Unterarms erreicht. Der
an den Körper angedrückte Unterarm ragt hinten bis fast
zur Schwanzwurzel, vorn etwas über die Schnauzenspitze hin-
aus vor, während der Unterarm bei Rh. clivosus dieSchnau.
zenspitze nicht erreicht. Das 2te Glied des 3ten und 5ten
Fingers ragt bis zum Ellenbogen vor; das 2te Glied des 4ten
Fingers ist etwas kürzen
In der Behaarung und Färbung ist kein wesentlicher
Unterschied von den verwandten Arten zu beobachten. Die
Individuen sind ohne Unterschied des Geschlechts sowohl sehr
hellfarbig, als dunkler rauchbraun überflogen, besonders auf
der dunkleren Oberseite.
Zu den schon oben erwähnten Maassen, die von einem
der grössten Exemplare von Triest entlehnt sind, will ich
die eines mittelgrossen Männchens von Mailand hinzufügen.
Flugweite ....
Totallänge ....
Kopflänge . . . .
Schwanzlänge ....
Ohr von der Basis des Innenrandes
Ohr vom Einschnitt am Aussenrande
Breite des Wurzellappens am Ohr
Breite des Ohrs in der Mitte .
Oberarm . .
Unterarm ....
Der freie Daumen, ohne Nagel
Der Daumennagel .
Das Iste Glied des 2ten Fingers
Das Iste Glied des 3ten Fingers
Das 2te _ — _. _
Das 3te — — _ __
Das Nagelglied
Das Iste Glied des 4ten Fingers
Das 2te — — — —
Beschteibung »weier neuer deutscher Fledermausarten.
57
Diese neue Art, die in ihrem Aufenthalt und in der Le-
bensweise dem Rhinolophus clivosus am nächsten steht, ist
bis jetzt nur in Südeuropa von den Südabhängen der Alpen
an gefunden worden. Ich selber habe sie in Mailand, Triest
und in Riva am Gardasee erhalten. Im Fluge ist sie kaum
von Rh. clivosus , mit der ich sie am Gardasee zusammen
fliegen gesehen, zu unterscheiden. Ausser diesen habe ich
auch etliche Exemplare aus dem mittleren Dalmatien gesehen.
Rhinolophus Hippocrepis und ferrum equinum sind die ein-
zigen Arten, welche nördlich von den Alpen gefunden sind.
Beide kommen in den Centralalpen , z. B. am St. Gotthardt
und bei Heiligenblut, bis fast in die Schneeregion vor. Rh.
ferrum equinum erreicht ihre Nordgrenze am Südrande des
Harzes ; Rhinolophus Hippocrepis kommt bis zu den Küsten
der Nord- und Ostsee vor ; und Rhinolophus clivosus und
Euryale erreichen ihre Nordgrenze an den Südabhängen der
Alpen.
Braunschweig, im März 1853.
lieber eine neue und eine \renig:er g^ekannte
Sipfionostomen « Grattung:«
Von
Oir« A. Oersfaecker.
in Berlin.
(Hierzu Taf.III. und IV.).
Bei der Durchsicht und Bestimmung derCrustaceen der
Königl. Zoologischen Sammlung zu Berlin fielen mir zwei
Thiere aus der Familie Siphonostomala Latr. in die Hände ,
von denen ich das eine als Repräsentanten einer noch unbe-
kannten Gattung erkannte ; das andere schien mir nähere
Aufschlüsse über das bisher nur mangelhaft bekannte Genus
Nogagus Leach zu geben. Ich lasse die Beschreihung bei-
l xi'ji) iJ.i^' Klytropliora *) äov. greto. üiixl ; .ijciibil
iWa^n. *„Än'fennae biarticulatae, marglni froiltali'äüheXafe.
Oculi nuUi (?). Corporis pars thoracica cephalothorace tri-
busque annulis thoracicis satis distinctis composita, abdomen
annulis duobus, appendicibosque duabus terminalibus, setife-
ris. Dorsum appendicibus foliaceis in mare duabus, quattuor
in femina ornatum. Pedum maxillarium paria tria, in cepha-
lothorace affixa, simplicia, ungue terminali. Pedum branchia-
lium paria quattuor, quorum tria annulo thoracico prinio, al-
tero quartum affixum : singuli bifidi, lamina branchiali interna
gressoria externa composili, utraque setis ciliatis longis in-
structa. Femina mare duplo maior, lubis oviferis duabus lon-
gis, appendiceque furcata infra instrucla.«
Der Cephalothorax ist, wie überhaupt in der Gruppe der
Caligiden, von hufeisenförmiger Gestalt, oben convex, unten
^) Hierzu gehört Taf. HL
Gerstaecker: Uobet eine Siphonostomen - Gattung. 6Ö
concav ; er zeigt auf der Oberseite die g-ewöhnlichen, ein H
darstellenden Furchen. Der Slirnrand ist schmal abgesetzt ;
in der Mitte merklich eingeschnitten und trägt an der Un-
terseile die seitlichen Antennen (Fig. 11.), welche aus einem
breiteren Basal- und einem schmäleren, mit einigen Borsten
versehenen Endgliede bestehen. Augen habe ich nicht wahr-
nehmen können; sie finden sich weder wie bei Dinematura,
Trebius u. a, auf dem Mittelfelde der Rückenseile, noch wie
bei Caligus und Nogagus vor oder hinter den Antennen, auf
der Unterseite; ich will damit jedoch nicht sagen, dass sie un-
bedingt fehlen. Der Rüssel (Fig. 12.) ist kurz und dick; er
besteht ms der Oberlippe (o) mit den zwei zu ihrer Seile
sitzenden vorderen, zweigliedrigen Palpen, (b) der breiteren Un-
terlippe (c) mit einem zweiten Paare kleiner und meist sehr
versteckt sitzender Palpen (d) und den zwischen beiden Lip-
pen liegenden langen Kiefern (c): die am unteren Ende des
Rüssels liegende OefTnung ist oval und ziemlich gross. Zu
beiden Seiten des Mundes liegen zwei dreieckige, hornartige
Platten (/')von dunkelbrauner Farbe; ihre dem Munde zuge-
kehrten, convexen Ränder sind frei und scheinen scharfschnei-
dend zu sein; an das diesem Rande gegenüberliegende End^
setzen sich ziemlich starke Muskelbündel. Als was für Or-
gane dieselben zu deuten seien, wage ich nicht zu entschei-
den ; ich habe sie bei den verwandten Gattungen nicht aufQn-
den können. ■' < •
Von den drdf FtisÄpäaren, welche an der Unterseite des
Cephalothorax befestigt sind, sitzt das erste (Fig. 3.) zu bei-
den Seiten des Rüssels. Das kurze Basalglied derselben i^
mit einem starken, nach hinten gerichteten Dorn bewaffnet;
auf dieses folgt der kurze und ziemlich starke Schenkel, an
dem ein mit einem kurzen Endhaken versehenes , dfinneras
Glied eingelenkt ist. — Die Füsse des zweiten Paares (Fig. 4 )
nehmen unmittelbar hinler und etwas nach aussen von den
vorigen ihren Ursprung; das Basalglied ist unbewaffnet, das
zweite länger und dünner als beim ersten Paar , das drille
sehr lang, gegen das Ende hin stark gekrümmt, mit einem
kürzeren und einem längeren, sehr dünnen Haken versehen.
— Die Füsse des dritten Paares (Fig. 5.) sind der Mittellinie
des Körpers wieder nahe gerückt und zeiolmen sich durch
6Ö BnuWÄO-n^Jmolfef Gerstaecker:
ihre besondere Plumpheit aus; die drei Glieder sind sehr kur2
und dick, und von geringer Beweglichkeit unter einander;
am Ende ist ein sehr kräftiger, stark gekrümmter Haken ein-
gelenkt. — Ob diese drei Fusspaare mit Recht als Analoga
der Maxillarfüsse bei den höheren Crustaceen zu betrachten
sind, wie es von Milne Edwards geschieht, ist sehr fraglich;
wenigstens haben sie noch andere Funktionen. Bei der Be-
gattung umklammert das Männchen mit dem dritten Fuss-
paare den letzten Thoraxring des Weibchens seitlich und
schlägt das erste kurze Fusspaar über den vorderen Theil
desselben.
Der übrige Theil des Thorax besteht aus drei Ringen ,
von denen jedoch der erste auf der Rückenseite nicht deut-
lich vom Cephalothorax geschieden ist; auf der Unterseile
erstreckt er sich weit nach vorn und trägt die drei ersten
Kiemenfusspaare. Der zweite Ring (Fig. 1 und 2, c) ist kurz,
von der Breite des hinteren Ausschnittes des Cephalothorax,
aussen abgerundet, und trägt an seinem Hinterrande zwei
kurze, rundliche, den folgenden Ring zum Theil bedeckende,
freie Blättchen; an seiner Unterseite ist das vierte Paar der
Kiemenfüsse befestigt. Der dritte Ring (Fig. 1. und 2., d) ist
beim Weibchen gross und breit und trägt an seinem Hinter-
rande ebenfalls zwei rundliche, freie Blättchen, welche den
ersten Ring des Abdomen zum Theil bedecken. Er enthält die
Ovarien, welche sich als gewundene Schläuche bemerkbar
machen; an seinem Ende entspringen beiderseits die langen
geringelten Eiertrauben. Der hinlere Rand dieses Ringes
zeigt beim Weibchen eine eigenthümliche Beschaffenheit; durch
zwei seitliche Vorsprünge wird eine doppelte Einbuchtung ge-
bildet, aus welcher zwei dünne, geschlängelte Canälchen ent-
springen, die sich an ihrem Ende jedes zu einer durchsich-
tigen, ziemlich dickwandigen Blase von hellbrauner Farbe er-
weitern (Fig. 13., a). Ich fand sie unter einer grösseren An-
zahl , die mir zu Gebote stand , bei allen denjenigen Weib-
chen vor, welche ihr Männchen am Leibe trugen; bei der
Mehrzahl der ledigen fehlten sie dagegen. Aehnliche Organe
habe ich ausserdem nur noch bei dem von Otto 0 als Ca-
1) Kova Acta Acad. Caes. Leopold. Tom XIY., p. 352,
Ueber eine Siphonostomen . Gattung. 6f
ligus paradoxus und von v. Nordmann *) als Binoculus sexse-
taceus beschriebenen Siphonoslomen-Weibchen gesehen, finde
auch ihre Existenz sonst nur von Müller bei der Beschreibung
seines Caligus productus erwähnt. Dieser ist aber, wie ich
weiter unten zeigen werde, mit dem von Otto und v. Nord-
mann beschriebenen Thiere identisch, und darf keineswegs,
wie es Milne Edwards thut, zu Dinematura gezogen werden.
Müller wirft die Frage auf ^) , ob die besprochenen Organe
vascula spermatica seien; durch das später entdeckte Männ-
chen erledigt sich dieselbe von selbst, v. Nordmann meint,
sie dienten wahrscheinlich zum Festhalten an der schlüpfrigen
Oberfläche des Fisches ; doch dann könnte sie ja das Männ-
chen ebenfalls nicht entbehren ! Jedenfalls , da sie nur beim
Weibchen vorkommen und in der Nähe der Genitalöffnung
ihren Sitz haben, scheinen sie mit den Geschlechtstheilen in
irgend einer Beziehung zu stehen ; was jedoch ihre eigent-
liche Bestimmung ist, muss die fernere Beobachtung lebender
Exemplare lehren.
Beim Männchen ist der dritte Ring des Thorax verhäll-
nissmässig schmäler und verengt sich nach hinten, während
er sich beim Weibchen erweitert; es fehlen ihm auch die
blattförmigen Anhängsel. Untersucht man ihn von der Un-
terseite, so erkennt man darin deutlich die am hinteren Ende
liegenden ovalen Hoden (Fig. 14., a}, aus welchen die Aus'-
führungsgänge (Fig. 14. b) zuerst nach vorn gehen, sich dann
umbiegen und vor der Mitte mit einer Oeffnung endigen. Zwi-
schen beiden Mündungen liegt die äussere männliche Geni-
talöffnung in Form einer länglichen Spalte (Fig. 14., c.)
Die vier Kiemenfusspaare (Fig. 6 — 9.) stimmen ihrer
Anlage nach durchaus mit einander überein; sie bestehen alle
aus einem länglichen Basalgliede, welches mit dem der an-
deren Seite durch einen hornigen Bogen verbunden, und bei
den drei ersten Paaren am Grunde mit einem starken, etwas
gekrümmten Dorn bewaffnet ist. An diesem Basaltheil sind
zwei unter sich verschiedene Portionen eingelenkt; die in-
nere ist der Kiementheil des Fusses (Fig. 6—9., ö), und be-
1) Mikrographische Beiträge IL, p.37.
2) Entomostraca, pag. 134.
Q^ Gerstaecker:
steht beim Islen und 4ten Paar aus zwei, heim 2ten und 3ten
aus drei Gliedern; die Endglieder sind mit langen, gebogenen,
dicht bewimperten Borsten von verschiedener Anzahl ver-
sehen; es finden sich nämlich am ersten Paar deren drei ,
am 2len sieben, am 3ten und 4ten fünf. — Die äussere Por-
tion (Fig. 6-^9., a) ist der eigentliche Fuss ; sie besteht beim
ersten Paare aus zwei, bei den übrigen aus drei deutlich ge-
schiedenen Gliedern; das Endglied ist bei den drei ersten
Paaren ebenfalls mit gewimperten, an Zahl und Länge ver-
schiedenen Borsten, beim letzten Paar hingegen mit 3 langen
Dornen besetzt. Ausserdem finden sich auch Dornen an der
Basis der übrigen Glieder. — Dicht vor diesen vier Kie-
menfusspaaren findet sich beim Weibchen ein gabelförmig ge-
spaltenes Anhängsel in der Mittellinie aufgehängt, welches man
als ein rudimentäres überzähliges Fusspaar betrachten könnte.
(Fig, tO.)
Der Hinterleib besteht aus zwei beim Männchen gleich
breiten Gliedern ; beim Weibchen ist das erste Glied breiter
als das zweite; an der Spitze des letzteren liegt der After
CFig. 14., d). Zu beiden Seiten desselben ist ein längliches
ßlättchen eingelenkt, das mit vier, beim Männchen verhält-
nissmässig längeren gefiederten Borsten besetzt ist.
Diese Gattung bildet einsehr interessantes Verbindungs-
glied der von Milne Edwards aufgestellten Gruppen der Ca-
ligiden und Pandaliden, indem sie mit jenen die Bildung der
Füsse, mit diesen die Deckschilde auf der Oberseite des Kör-
pers gemein hat; sie würde meiner Ansicht nach in die Nähe
der Gattung Trebius Kroyer gestellt werden müssen.
Von der einzigen mir bisher bekannt gewordenen Art,
welche ich
Elytrophara brachyptera.
nennen will, ist das Männchen 472'", das Weibchen 6'" lang.
Der Cephalothorax ist beim Weibchen ebenso lang wie breit,
beim Männchen etwas schmäler; der Seitenrand ist hinter der
Mitte bei beiden Geschlechtern eingebuchtet , wodurch der
hintere Theil des Kopfschildes etwas schmäler wird ; die den
ersten Thoraxring einschliessenden , seitlichen Lappen sind
beim Männchen zugespitzt, beim Weibchen abgerundet. Die
am zweiten Thoraxringe sitzenden Blättchen sind rundlich und
Ueber eiae Siphonostpmfin - Gattung. 63
bedecken kaum den 4len Theil des folgenden Ringes; dle4
ser verschmälert sich nach hinten beim Männchen, erweitert
sich dagegen beim Weibchen und trägt hier zwei ebenfalls
rundliche, den ersten Ring des Abdomen zur Hälfte bedek-
kende Blältchen. Die geringelten Eierlrauben des Weihchens
sind 6'" lang.
Auf welcher Fischart das Thier parasitisch lebt, ist mir
unbekannt; es stammt aus dem mittelländischen Meere.
3« 2Eur KenntnUs der €wi»ttuiigr IVog^ag-as ^> I^each«
Milne Edwards cbarakterisirt die von Leach aufgestelH^
Gattung Nogagus in seiner Hisloire naturelle des Cruslaces,
tom. III., p. 459. folgendermassen : „Die Füsse des letzten Paares
sind nicht einfach und Gehfüsse wie bei Caligus, sondern gleich
denen der drei vohergehenden Paare zweilheilig und Schwimm-'
fasse. Der Cephalothorax ist weniger entwickelt und die'
Stirnfortsätze kleiner und abgesetzter. Der Thorax besteht
aus vier grossen, deutlich geschiedenen Ringen, von denen
der erste zwei kleine seitliche Fortsätze zeigt. Endlich sind
die beiden Blättchen, welche am Ende des Abdomen sitzen,
mehr entwickelt als bei den meisten Caligus ähnlichen Thie-'
ren." — Aus den Beschreibungen der Arten sowohl, alsaui?
den dazu cilirlen Abbildungen, von denen sich die eine in
der neuen Ausgabe von Cuvier's Regne animal, pl. 78., fig. 3.
die andere in den Nov. Act. Academ. Caes. Leopold. XVII.,
pl. 23.,Fig. 1. (von Burmeister) findet, ist deutlich zu erse-
hen, dass Milne Edwards nur Männchen gekannt und danach
die Charaktere der Gattung festgestellt hat; übrigens ein son-
derbarer Zufall, da die Weibchen derartiger Thiere in der Re-
gel die bei weitem häufigeren sind. Da nun das Weibchen
in dieser Gattung eine vom Männchen sehr verschiedene Ge-
stalt hat, so wird sich natürlich die Diagnose durch Mitauf-
nahme seiner Charaktere ganz anders gestalten. Merkwür-
dig ist es allerdings, dass ein zu dieser Gattung gehöriges
Weibchen schon dreimal beschrieben und zweimal abgebil-
det, trotzdem aber nie als solches erkannt worden ist; doch
walteten immer Gründe ob , die das Verkennen rechtfertigen.
^) Hierzu Taf. IV.
64 .^HnlJf:i» Gerstaeck erJ
Die erste Abbildung eines Nogagus -Weibchens gab 0. F.
Müller (Entomostraca Tab. XXI. , Fig. 3. und. 4.) unter dem
Namen Caligus productus; da dieselbe sehr unvollkommen
ist, so beging Milne Edwards den Irrthum , sie unter seiner
Gattung Dinemura aufzuführen , womit sie jedoch nur eine
entfernte Aehnlichkeit hat; es sprechen dagegen die in der
Müller'schen Figur gut wiedergegebenen vier deutlichen Tho-
raxringe, die drei kleinen Deckplatten des letzten Thorax-
ringes, die viel zu langen Trauben, und besonders die ganz
verschiedene Form des Abdomen und dessen Endblättchen.
Da jedoch die Füsse in der Abbildung ganz verpfuscht sind,
und ausserdem das Männchen fehlt, so war die richtige Deu-
tung, ohne das Original gesehen zu haben, schwierig. — Zum
zweiten Male ist dasselbe Weibchen von Otto unter dem Na-
men Caligus paradoxus (Nov. Act. Acad. Caes. Leopold. XIV.,
Taf. XXII. Fig. 5.)j aber unglücklicherweise nur von unten
abgebildet worden, so dass die charakteristische Form der
Oberseite abermals verborgen blieb, v. Nordmann, dem die
Abbildung und Beschreibung Otlo's entgangen war, hat das
Thier in seinen mikrographischen Beiträgen zum dritten Male
alsBinoculus sexsetaceus beschrieben; die Abbildung, auf die
er in der Beschreibung hinwies , ist jedoch nicht erschienen.
Es scheint mir daher nicht überflüssig, auf dieses noch we-
nig gekannte Thier, zumal da es der einzige weibliche Re-
präsentant einer Gattung ist, von neuem die Aufmerksamkeit
hinzulenken.
Nogagus productus,
Caligus productus Müll.
Caligus paradoxus Otto.
Binoculus sexsetaceus Nordm.
Die Länge des Weibchens beträgt ohne die Eiertrau-
ben nahe an 7"', mit diesen 13'". Der Cephalothorax ist
von der gewöhnlichen hufeisenförmigen Gestalt und ebenso
breit wie lang; der Stirnfortsalz zerfällt in zwei seitliche Hälften,
die auf der Oberseite in der Mitte nicht zusammenhängen;
an der Unterseite derselben entspringen die zweigliedrigen
Antennen (Fig. 8. a), jedoch nicht nahe dem Seitenrande ,
wie bei der vorigen Gattung , sondern in der Mitte jeder
üeber eine Siphonostoincn - Gattung. 66
Hallte. Dicht hinler ihnen, an der Stelle, wo der Vorderrand
des Cephalothorax in den Seilenrand übergeht , sitzen die
birnförmigen Augen (Fig. 8. ö). Der Rüssel ist sehr lang
und schmal, die Kiefer sehr dünn, und die Endöffnung klein.
Am vorderen Theile sitzen zu beiden Seilen die Palpen (Fig.
9. d), welche aus einem kurzen, mit einem Dorn bewaffne-
ten Basal- und einem länglichen Endgliede bestehen; das
letztere trägt an seinem unteren Ende einen kurzen Zapfen.
An der Aussenseite dieser Palpen sitzen zwei grössere ähn-
liche Organe (Fig. 9. e), welche jedoch mit dem Rüssel nicht
direct^ zusammenhängen, sondern ihn von der Seite umfassen.
Von den drei Fusspaaren des Cephalothorax ist das erste
sehr klein (Fig. 3.) und liegt vor dem Munde. Es besteht
aus einem kurzen, dicken Basal- und einem länglichen, ge-
bogenen Endgliede , das in einen kurzen Haken ausläuft.
Das zweite Fusspaar (Fig. 4.) liegt zu beiden Seiten des Rüs-
sels , und besteht ebenfalls aus zwei Gliedern , die jedoch
beide sehr lang gestreckt sind; der Haken, welcher an dem
stark eingeschnürten Ende des zweiten befestigt ist, ist gross
und stark gebogen. Die Füsse des dritten Paares (Fig. 5.)
sind wie bei der vorigen Gattung sehr plump, liegen von der
Mittellinie etwas entfernt und endigen in zwei sehr kräftige,
stark gebogene, einander gegenüberstehende Klauen. ut
Der Thorax besteht aus vier deutlich geschiedenen Rin-
gen. Der erste derselben ist kaum von der Breite des hin-
teren Einschnittes des Cephalothorax, schickt aber zwei seit-
liche Fortsätze nach aussen, die sich innerhalb der nach hin-
ten vortretenden Flügel des Kopfschildes nach unten umbie-
gen. Der zweite Ring ist wiederum etwas schmäler und zu-
gleich auch kürzer als der erste; sein Vorder- und Hinter-
rand bilden Kreisabschnitte , die seitlich zusammenstossen ;
auch er schickt zwei seitliche Fortsätze nach aussen. Der
dritte Ring ist bedeutend breiter , als die beiden vorherge-
henden und trägt an seinem Hinterrande zwei rundliche ßlätt-
chen, die den folgenden Ring zum Theil bedecken; dieser
letzte endlich ist sehr lang und scheint auf der Rückenseite
von zwei neben einander liegenden harten Platten bedeckt
zu sein ; an seinem Ende trägt er zwei obere, etwa die Form
eines Quadranten darstellende, und ein darunter liegendes,
Archiv f. Naturgesch. XIX. Jahrg. 1. Bd. 5
66 Gerstaecker:
zugerundetes Blätlchen. Auf der Unterseite trägt der erste
Thoraxring zwei, der zweite und dritte jeder ein Kiemenfuss-
paar (Fig. 2.)-
Beim ersten Kiemenfusspaar (Fig. 6.) ist das Basalglied
kurz, bei den übrigen ziemlich lang, daher auch jenes näher
der Mittellinie, diese mehr nach aussen liegen ; beim zwei-
ten (Fig. 7.) und dritten Paare ist es ausserdem mit einem
langen Dorn bewaffnet. Am Basalgliede sind bei allen 4
Fusspaaren , wie in der vorigen Gattung, je zwei Portionen
eingelenkt, von denen die innere den Kiementheil , die äus-
sere den eigentlichen Fuss darstellt; beide nähern sich jedoch
in der Form einander sehr, wie es auch bei der Gattung Di-
nemura Edw. der Fall ist, und sind je aus zwei Gliedern zu-
sammengesetzt. Das erste Glied der äusseren Portion zeigt
bei allen Füssen am Ende einen kurzen Dorn; das zweite ist
am Aussenrande mit drei Dornen, am Innenrande mit gefie-
derten Borsten besetzt, und zwar beim ersten Paar mit vier,
bei den übrigen mit 6. — An der inneren Portion trägt das
erste Glied bei den drei letzten Fusspaaren eine lange ge-
fiederte Borste; beim ersten Paare fehlt diese: das zweite Glied
ist beim ersten Paare mit 3, beim zweiten mit 8, beim drit-
ten mit 6, beim vierten mit 5 an Länge von aussen nach in-
nen zunehmenden, gefiederten Borsten besetzt.
Betrachtet man das vierte Thoraxglied von unten , so
bemerkt man, dass aus seinem Hinterrande jederseits die Ei-
ertrauben entspringen. Otto und v. Nordmann geben ihre
Zahl auf sechs, d. h. drei zu jeder Seite an ; dies beruht je-
doch nur auf einem Irrthum. Das Weibchen von Nogagus
trägt wie alle andere verwandte Siphonostomen - Weibchen
nur eine Traube auf jeder Seite, welche jedoch wegen ihrer
ungewöhnlichen Länge dreifach zusammengelegt ist , wahr-
scheinlich um der Gefahr, leicht beschädigt zu werden, zu
entgehen. Die Einrichtung ist in der schematischen Fig. 10.
dargestellt. Nur der mittelste der drei neben einander hän-
genden Stränge communicirt mit dem Ausführungsgange des
Ovariums, welches im vierten Thoraxringe zu jeder Seite
des Darmes gelegen ist; es ist in Fig. 2. als durchscheinend
angedeutet. Dieser mittlere Strang steigt nun bis zu einer
gewissen Länge abwärts , biegt sich dann nach aussen um
Ueher eine Siphonostomen - Gattung. 67
und geht so in den zweiten , wieder nach aufwärts steigen-
den Strang über; wenn derselbe wieder am hinteren Rand
des vierten Thoraxringes angelangt ist, so schlingt er sich
hinter dem erslon Strang herum , kommt an dessen innerer
Seite wieder zum Vorschein, und steigt nun als dritter Strang
wieder abwärts, um etwas früher als die beiden anderen ge-
schlossen zu endigen. Müller giebt in seiner Abbildung nur
einen einzelnen Strang wieder, was v. Nordmann veranlasste,
das Thier als eine von der seinigen verschiedene Species
aufzufassen ; es ist indess zu berücksichtigen , dass die von
Müller gezeichnete Eiertraube dreimal so lang ist als das
Thier selbst. Da nun die dreimal zusammengelegte Traube
des vorliegenden Thieres gerade so lang istwie dieses selbst,
so würde sie, wenn sie entfallet wäre, gerade der von Mül-
ler angegebenen Länge entsprechen. Es ist daher wohl aus-
ser Zweifel, dass sich entweder die Traube unter gewissen
Umständen ganz auseinander legen und so einen Strang von
der dreifachen Länge des Thieres bilden kann, wie Müller sie
abbildet, oder dass dieser eine künstliche Trennung vornahm,
um ihre Länge recht zur Ansicht zu bringen. Jedenfalls bietet
die MüUer'sche Abbildung sonst keinen Grund dar, um sie
nicht auf das vorliegende Thier zu beziehen. — v. Nord-
mann unterscheidet zwischen den sechs ungegliederten
fadenförmigen Anhängen und den Eiertrauben von gleicher
Anzahl, welche jedoch nach seiner Beschreibung beide genau
dieselbe Lage haben; die von uns als Trauben bezeichneten
Organe hält er für blosse Anhängsel , die er irriger Weise
als nicht geringelt angiebt; was er als Trauben angesehen hat,
ist mir unklar. — Die Lage der Trauben ist beim Nogagus-
Weibchen in so fern eine etwas abweichende, als sie nicht,
wie bei den verwandten Gattungen, frei zu beiden Seiten des
Abdomen herabhängen , sondern sich zwischen dieses und
das dritte End blättchen des vierten Thoraxringes einschieben.
Dicht vor dem Ursprung der Trauben finden sich an
der Unterseite des letzten Thoraxringes die beiden schon frü-
her erwähnten kreuzweis gelagerten Organe, welche von de-
nen der vorigen Gattung in der Form merklich abweichen.
Die beiden Canälchen sind viel kürzer, nur in geringem Grade
beweglich und gehen ganz allmählich, ohne Abschnürung in
68 Gerstae ck er:
die Blasen über , welche eine längliche , gekrümmte Gestalt
haben (Fig. 10. a); auch entspringen die Canalchcn nicht aus
einer Ausbuchtung des letzten Thoraxringes, sondern aus zwei
warzenförmigen Erhöhungen. (Fig. 10. b). In der MüUer'-
schen Figur sind sie zwar wenig kenntlich dargestellt , aus
seinen Worten geht jedoch ihr Vorhandensein deutlich her-
vor, und sie sind der sicherste Beweis, dass das Thier nicht
zur Gattung Dinemura Edw. gehören kann, da bei dieser solche
Organe nicht vorkommen.
Das Abdomen des Weibchens besteht aus einem einzi-
gen Ringe , an dessen Ende zwei sehr grosse , ovale , mit
vier kurzen Borsten besetzte Blättchen eingelenkt sind.
Das hierzu gehörige Männchen, welches schon von Otto
abgebildet worden ist, stimmt mit den von Milne Edwards
beschriebenen in den Hauptsachen überein, indem der dritte
und vierte Thoraxring keine Blättchen tragen und das Ab-
domen aus drei Ringen zusammengesetzt ist.
Was die Synonymie betrifft , so schien mir an Stelle
des von Otto gegebenen Namens die ältere Müller'sche Benen-
nung wieder eingesetzt werden zu müssen, da die Identität
aus den angegebenen Gründen erwiesen ist. Uebrigens müs-
sen in Folge dieses Nachweises noch weitere Veränderungen
in der Nomenklatur eintreten. Latreille basirte nämlich auf
den Caligus productus Müller's seine Gattung Dinemura, wel-
chen Namen Burmeister mit Recht in Dinematura umänderte;
die späteren Schriftsteller, Milne Edwards und Kroyer, brach-
ten nun, da sie die Müller'sche Abbildung verkannten, ganz
andere Thiere in diese Gattung hinein. Es muss daher nach
dem Gesetz der Priorität für das jetzige Genus Nogagus Leach
der alte Latreille-Burmeister'sche Name Dinematura wieder-
hergestellt werden und die von Edwards angenommene Gat-
tung Dinemura einen anderen Namen erhalten.
Eine Charakteristik der Gattung würde nun , mit Hin-
sicht auf das oben beschriebene Weibchen, etwa folgender-
massen lauten:
Genus Nogagus Leach.
Dinemura Latr.
Dinematura Burm.
Caligus Müll. Otto.
Binoculus Kordra.
' '^ ' ' Ueber eine Siphonostomen - Gattung. 69
DIagn. Antennae biarticulatae, laminae frontali infra an-
nexae. Oculi pyriformes, in inferiori cephalothoracis facie,
post antennas positi. Thorax arliculis quattuor distinctis coin-
posilus ; anterioribus duobus utroque in sexu processibus la-
teralibus instriiclis ; tertio in femina appendicibus foliaceis
duabus, in mare nulla; quarto in femina elongato, triphyllo, in
mare simplice, subquadrato. Pedum maxillariurn paria tria;
terlium robuslum, unguiculis duobus terminalibus, validissimis
instruclum. Pedum branchiallum paria qualluor; singuli bifidi,
lamina utraque biarliculala , setisque ciliatis ornata. Abdo-
men in femina uno, in mare tribus articulis compositum.
Auch diese Gattung gehört ihrer Fussbildung nach in
die Gruppe der Caligiden und bildet durch die blattförmigen
Anhängsel auf der Oberseile des Weibchens einen Ueber-
gang zu den Pandaliden. Es würde demnach das von Milne
Edwards angenommene Merkmal für die Gruppe der Caligi-
den „keine blattförmigen Anhängsel auf dem Rücken« zu strei-
chen, und folgende Eintheilung aufzustellen sein:
Gruppe Caligides.
a) Keine blattförmigen Anhängsel auf dem Rücken:
Caligus, Chalimus^ Trebius,
b) Blattförmige Anhängsel auf dem Rücken;
1) Weibchen mit fünf, Männchen ohne Blätlchen:
Nogagus.
2) Weibchen mit vier, Männchen mit zwei Blättchen :
Elytrophora.
Erklärung der Tafeln.
Tafel III.
Fig. 1. Das Weibchen, 4mal im Durchmesser vergrösserl; c und d.
zweiter und dritter Thoraxring, beide mit blattförmigen An-
hängseln versehen.
Fig. 2. Das Männchen in derselben Vergrösserung; nur der zweite
Thoiaxring c mit blatti'öimigen Anhängseln versehen.
70 Gerstaeckdl*: Ueber eine Siphonosloraen * Gattung.
Fig. 3» Fuss des ersten Paares.
Fig. 4. Fuss des zweiten Paares.
Fig. 5. Fuss des dritten Paares.
Fig. 0 — 9. Die vier Kiemenfüsse dereinen Seite desThieres, in na-
türlicher Reihenfolge. a. Pars gressoria. b. Pars bran-
chialis.
Fig. 10. Gabelförmiges rudimentäres Fusspaar.
Fig. 11. Antenne.
Fig. 12. Mundwerkzeuge, a. Oberlippe mit den vorderen Palpen 6.;
c. Unterlippe mit den hinteren Palpen d. ; e. Maxillen. f.
hornartige dreieckige Platten,
Fig. 13. Der hintere Theil des Weibchens von unten gesehen, x.
Dritter Thoraxring. z. Abdomen. «. a. Die beiden hornarti-
gen Bläschen, vermittelst derCanälchen b.h. aus einer Aus-
buchtung des letzten Thoraxringes entspringend.
Fig. 14. Der hintere Theil des Männchens von unten gesehen, x.
Letzter Thoraxring. z. Abdomen. «.Hoden, b. Geschlän-
geiter Ausführungsgang desselben, c. Äussere männliche
Geschlechtsöffnung. e. Darmkanal, d. After.
Tafel IV.
Fig. 1. Das Weibchen von oben gesehen, a. Blattförmige Anhäng-
sel des dritten Thoraxringes, b. Obere seitliche, c. unteres
mittleres Blättchen des vierten Thoraxringes.
Fig. 2. Das Weibchen von unten gesehen, a. Abdomen mit den zwei
grossen Endblättehen b. ; s. Die durchscheinenden Ovarien
mit ihren Ausführungsgängen.
Fig. 3 — 5. Die drei Füsse des Cephalothorax in natürlicher Folge.
Fig. 6. Kiemenfuss des ersten Paares.
Fig. 7. Kiemenfuss des zweiten Paares, dem die beiden folgenden
sehr ähnlich sind.
Fig. 8. a. Antenne, b. Auge.
Fig. 9. a. Oberlippe. 6. Unterlippe, d. Palpen, c. Maxillen. e.
Palpenförmige Organe zur Seite des Mundes.
Fig. 10. Schematische Figur, um die Anordnung der Eiertrauben zu
versinnlichen, a. Hornartige Blasen , aus den warzenför-
migen Erhöhungen b des letzten Thoraxringes entspringend.
Beinerkiing^cii über die Pliyllopoden, nebst
einer Uebersiciit ihrer Oattung^en und Avteifi
.)(J
Von li'j^;
Dr* Adolpit Kduard Crrube 9
Professor zu Dorpat.
(Hierzu Taf. V— YIII.)
I.
In den kleinen Lachen, welche die flache waldarme Um-r
g-ebung Dorpal's, ein rother mit Lehm gemengter devonischer
Sand, bis etwa gegen das Ende des Juni (neuen Styles) dar-
bietet, leben mit Polyphemus oculus und grossen Schaareii
von Cyclopsine castor und Daphia pulex zusammen auch drei-
erlei Phyllopoden : Branchipus Josephinae Grube, Apus pro^
ductus Lv. und jenes kleine zweischalige Thierchen, welchps
vor wenigen Jahren Lievin unter dem Namen Hedessa Sie^
holdii beschrieben hat; Apus vorzugsweise in den Pfützen
und Gräben des Laubgehölzes bei Ralhshof, die anderen in
dem offenen , der Sonne ausgesetzteren Busch - und Weide-
land. Lievin's Mittheilungen in seiner hübschen Schrift über
die Branchiopoden der Danziger Gegend *) machte die Ver-
öffentlichung meiner um dieselbe Zeit angestellten Beobach-
tungen, wenn sie auch in einigen Stücken vollständiger wa-
ren, damals beinahe überflüssig, und ich wollte diesen Ge-
genstand nicht eher abermals zur Sprache bringen , bis ich
auch über die Jugendgeschichte des Thierchens berichten.
1) Neueste Schriften der naturforschenden Gesellschaft in Dantig
1848. p. 4. Taf. L und II.
72 Grube:
und so zugleich eine durchgeführtere Vergleichung mit der
von Joly untersuchten Isaura cycladoides und den übrigen
Phyllopoden anstellen konnte. Erst in diesem Frühjahre war
ich so glücklich, den rechten Zeitpunkt für diese Beobach-
tungen abzupassen, und die Gefälligkeit der Herrn Studiosus
Fr. Schmidt setzte mich dadurch , dass ich von ihm täglich
mit frischem Vorrathe versorgt ward, in den Stand , diesel-
ben ohne grossen Zeitverlust bis zu einem gewissen Ab-
schlüsse zu bringen.
Bevor ich zu der Auseinandersetzung der äussern und
Innern Organisation in den verschiedenen Lebensstadien über-
gehe, muss ich einiges zur Geschichte unserer Kenntniss von
Lievins Hedessa anführen, und zuvörderst bestätigen, was
bereits v. Siebold ausgesprochen hat '), dass dieses Crustaceum
nämlich nicht eine neu entdeckte Thierform, sondern bereits
0, Fr. Müller bekannt gewesen ist 2). Es unterliegt keinem Zwei-
fel, dass Müller's Lynceus brachyurus , der einzige Lynceus,
bei welchem die Zahl derFusspaare auf 10 oder 12 angege-
ben, und die Grösse des Körpers und die seitliche Befesti-
gung der Eier hervorgehoben wird, der einzige, den Des-
marest und Milne Edwards übergangen haben, mit Hedessa
Sieboldii zusammenfällt. Doch hatte Lievin vollkommen Recht,
in diesem Entomoslracon, welches sich, ohne mit Isaura ver-
eint werden zu können, näher an diese als an Lynceus an-
schliesst, den Repräsentanten einer eigenen Galtung zu er-
kennen, und man würde seinen Gattungsnamen beibehalten,
wenn er nicht einem älteren, dem bereits 1845 von Loven
geschaffenen , Limnetis, weichen müsste ^3. Loven , der die
Lievin'sche Arbeit kennt, hält die von ihm beschriebene Art,
welche er nach einigen vom Cap gesammelten Weingeist-
exemplaren aufgestellt, und Limnetis Wahlbergii genannt hat,
für verschieden von der unsrigen , und nach seinen mir
freundlichst mitgetheilten Abbildungen und deren Erläuterung,
1) Neueste Preussischc Provinzialblätter 1849. Bd. VII. (XLL)
Heft 3. p. 198. Auf die Aehnlichkeit beider Thierc hat auch Lievin
in einem Briefe an Siebold hingewiesen.
2) 0. Fr. Müller Entomostraca 1785. p. 75. Tab. IX. Fig. 7—9.
3) Öfvers. Vet. Acad. Förhandl. 3. Jahrg. 1846. Stockholm 1847.
Bemerkungen über die Phyllopoden. 73
scheint auch mir dies nicht weiter fraglich: namentlich ist
bei Limnetis Wahlbcrgii der Kamm des Kopfes gegen die
Schnabelspilze hin mit einer Furche versehen, die unserem
Thier fehlt, die Oberlippe am Ende zugespitzt, nicht verbrei-
tert, die Zähnchen derMandibeln zahlreicher und der untere
Ast vom äussern borstenrandigen Branchialanhang schärfer
gegliedert, der obere entschieden länger als dieser und S
förmig gekrümmt. Uebrigens waren die von Lievin untersuch-
ten Exemplare nur Weibchen , das Männchen ist noch nicht
beschrieben. Somit kennen wir von der Gattung Limnetis
zwei Arten und die bei Danzig und Dorpat beobachtete, mit
Müller's Lynceus brachyurus zusammenfallende, wird hinfort
den Namen Limnetis brachyurus führen müssen.
Eine Charakteristik der Gattungen Limnetis, Isaura, —
oder richtiger Estheria , weil dieser von Rüppell gegebene
Name der ältere ist — ferner Limnadia und Lynceus wird
ihre Aehnlichkeiten und Unterschiede sogleich vor Augen
führen :
Limnetis Loven (Hedessa Liev.). Corpus breve, scuto
dorsuali bivalvi s. testa laevi inclusum; caput mobile, sub eo
recondendum , in rostrum aduncum exiens, oculis compositis
2 paene connatis, simplici infero 1, foveis ante eum sitis 2;
antennae anteriores sub roslro affixae, brevissimae, clavae"
formes, biarticulatae , posteriores (natatoriae) bifurcae, arti-
culis ramorum 11 ad 15, basilaribus obsoletis , labrum basi
aequali, mandibulae fortissimae, acie denticulata, maxillae te-
nerae, serie selarum armatae, truncus corporis distincte ar-
ticulatus, segmentis pedes gerentibus maris 10 (an etiam in
L. Wahlbergii ?3 , feminae 12, postremo ex 2 composito, la-
mella infera transversa munito , setis extremilatis 2 dorsuali-
bus, processibus brevibus 2 inferioribus ; pedes foliacei la-
ciniati, margine setis armato , appendicibus branchialibus te-
neris 2 exterioribus , maxillari interno 1 , pedes posteriores
minus compositi appendicibus branchialibus nuUis; par pri-
mum marium uncis armalum ; scutum dorsuale utrinque area
ovali e canalibus concentricis constante ornatum ; ova ad la-
tera corporis stylis pedis 9ni et lOmi susicntala. Vcnlricu-
lus organis glandulosis 2 munilus, intestinum rectum. Ani*
malia prone nantia.
'74 )!)oqoll"eil'! Gtubc;
Larvae aduHis dissimiles, scuto dorsuali paene piano,
univalvi, capite contiguo haud mobili, utrinque in spinam
lateralem exeunte, subtus in clypeum, maximum subrenifor-
mem , labrum imitantem , producto , pedibus solis natatoriis
bifurcis, 2, (i. e. antennis posterioribus et mandibulis) oculo
simplici I, pedibus trunci nullis.
Esther ia Rup]^e\l (Cyzicus Audouin, IsauraJoly) 0« Cor-
pus elongalum, lesta bivaivi, concentrice striata, inclusum;
Caput a latere visum obluse triangulum, rostro nullo, anten-
nae anteriores quasi filiformes, articulis brevibus 13, poste-
riores bifurcae, articulis raniorum 13 ad 17, segmenta trunci
pedes gerentia 21 ad 24 (27?), postremum uncis mobilibus 2
armatum ; supra spinulosum, par pedum primum et secundum
in maribus uncis armatum, cetera Limnetidi similia.
Larvae adultis dissimiles, ut Limnetidis, spinis capitis
lateralibus nullis, clypeo labrum imitante angustiore trilobo.
Limnadia Brongniart. Corpus, oculi, anlennae posterio-
res, partes oris, pedes (utrinque 18 ad 22) Estheriae similia,
Caput, a latere visum, obtuse triangulum processu parvo py-
riformi, supra oculos sito, ad corpus affigendum idoneo, an-
tennae anteriores breves quasi styliformes, articulis pluribus :
ovorum gestus ut in Esthcria. Animalia supine nantia ; larvae
haud cognitae.
Lynceus Müll, (sensu strict. ßaird). Corpus brevissimum,
festa bivaivi laevi inclusum, caput mobile, haud omnino re-
condendum, in rostrum aduncum exiens , oculis compositis in
unum confluentibus, simplici infero 1, antennae anteriores bre-
ves, simplices, medio tumidulae, posteriores bifurcae, articu-
lis ramorum 3, labrum nasutum, mandibulae fortissimae den-
ticulatae , maxillae tenerae , truncus corporis scuto longior,
inflexus, segmentis pedes gerentibus 5, extremitate elongata,
1) Die Namen Cyzicus und Estheria haben gleichen Anspruch
auf Gellung, beide sind im Jahre 1837 aufgestellt, Isaura ist der jün-
gere und muss deshalb zurückstehen ; wenn ich ihn in dieser Ab-
handlung dennoch gebrauche, so geschieht es nur wegen der wie-
derholtien Hinweise auf Joly's Arbeit;, übrigens würde ich den Rüp-
pell'schen Namen vorziehen, weil er durch die ausführliche Arbeit
begründet ist.
Bemerkungen übe» die Phyllopoden. 75
pedibus nuda, supra tenere denticulata, setis dorsualibus 2,
calcaribus inferis posterioribus 2 ; pedes laciniati breves, in-
ier se differentes, appendicibus branchialibus nuUis, maxillari
in singulis tantum obvio; ova inter scutum dorsumque su-
stentala. Organa ventriculi glandulosa nulla, intestinum la-
queos 2 componens. Animalia prone nantia, puUi adultis
similes.
Demnach ähnelt das ausgewachsene Thier einer Lim-
netis in Kopf- und Schalenform allerdings am meisten einem
Lynceus, und da innerhalb der Gattung Cyzicus die Zahl der
Fusspaare schwankt, so könnte man dies auch für Lynceus
geltend machen , und Limnetis mit dieser zu verschmelzen
geneigt sein, wenn nicht die ganz abweichende Gestalt der
Füsse und Antennen, die Gegenwart von concentrischen wul-
stigen Streifen in der Schale, die Beschaffenheit des verdau-
enden Kanals, und das Vorhandensein einer Metamorphose
entschieden dagegen sprächen. In allen anatomischen und phy-
siologischen Characteren schliesst sich Limnetis an Cyzicus
an , und es ist hauptsächlich der Unterschied in der Form
des Kopfes, der vordem Antennen und der Schale, sowie in
der Gestalt der jungen Thiere, der auch hier eine Vereini-
gung beider Gattungen unmöglich macht.
Die jüngsten Zustände von Limnetis brachyurus, die mir
überhaupt zu Gesichte kamen, erhielt ich am 12ten Mai
(neuen Styles) in diesem Jahre. Sie maassen nur f Linie in
der Länge, und hatten einen flachgewölbten, ziemlich kreis-
runden, etwas quergezogenen, hinten verjüngten und jeder-
seits fast zapfenartig vortretenden Rückenschild , auf den sie
meistens zu liegen kamen , wenn ich sie auf den Objecliv-
tisch brachte (Taf. VL Fig. I23. üeber den Vorderrand ragte
von unten her ein kurzer in zwei Spitzchen endender Kegel
(Fig. 12. C) hervor, welcher an seiner Basis auf der Bauch-
seite nach rechts und links einen starken, ganz seitlich ge-
richteten geraden Stachel abschickt, die Enden derselben ra-
gen noch über den Seitenrand des Rückenschildes hinaus.
Hinter dieser Stelle verengt sich die Basis ein wenig, und
verbreitert sich dann plötzlich zu einer ansehnlichen quer-
ovalen , vorn abgestutzten oder fast etwas nierenförmigen
Scheibe (Taf. VL Fig. 12 Z^.), welche gerade unter der Mitte.
<76 .Mil)0(]oil^.r!' Grube: iiuAi'nwiüi
des Rückenschildes zu liegen kommt, und zwei Dritttheil sei-
ner Breite, aber etwa nur die Hälfte seiner Länge misst. Sie
liegt, wie man bei vorübergeiiend scitliciien Wendungen des
Thierchens wahrnimmt, der Ebene des Rückenschildcs nicht
parallel, sondern stark geneigt gegen dieselbe 0 ""d über-
deckt, wie eine enorme starre Unterlippe, von unten her die
MundöfFnung: soviel ich erkennen kann, bildet eine zarte Ouer-
linie die Grenze gegen den keglichen Theil des Kopfes. Ich
nenne diese Scheibe die Lippenplatte. An der Basis jenes
Kegels, vor dem Abgange seiner seitlichen Stacheln, fällt fer-
ner sogleich ein rundlich dreieckiger, mit der Spitze nach
hinten gekehrter durchscheinender Körper in's Auge, wel-
cher auf opakem Grunde milchweiss und glänzend aussieht,
und von einer breiten Zone rothen Pigments umgeben ist;
er befindet sich im Innern, schimmert nur durch die farb-
losen Integumente durch , und ist das Sehorgan. Der Mund
selbst ist schwer zu erkennen , und liegt , wenn mich mein
Auge nicht täuscht, unmittelbar vor der oben beschriebenen
Querlinie; zu seinen Seiten und hinter ihm sieht man 2 mäch-
tige mit langen Borsten versehene Schwimmorgane und hin-
ter ihnen muss der eigentliche Leib beginnen, welcher sich
längs des Rückenschildes hinzieht; aber eine scharfe Grenze
ist auch hier nicht zu erkennen. Jene Schwimmorgane ha-
ben die Form von Ruderfusspaaren und sind die einzigen
zur Bewegung des Körpers dienenden Extremitäten. Das
vordere derselben ([Taf. VI. Fig. 12. ^'3 entspringt genau über
der Stelle, an welcher sich der Stirnkegel in die Lippenplatte
verbreitert; das hintere (Taf. VL Fig. 12. itf) folgt unmitlel-
ban darauf, und um über ihre Bedeutung keinen Zweifel zu
lassen, will ich sogleich bemerken, dass jenes den hintern
oder Ruderantennen des ausgebildeten Thieres entspricht,
dieses dagegen sich zu seinen Mandibeln umgestaltet; der
Abstand der Ursprungsstellen rechter und linker Seite würde
also die Breite , die Insertion des zweiten Extremitälenpaars
die hintere Grenze des Kopftheils bezeichnen. Die darauf
folgende Körperabtheilung, der Rumpf, verbreitert sich sehr
l) Vgl. die Seitenansicht von der Larve in einem etwas späte-
len Stadium Taf. VI. Fig. 13. a.
Bemerkungen über die Phyllopoden. 77
schnell und verschmälert sich dann langsamer, so dass er
ungefähr eine Eiform darslelU, welche jedoch am Hinterendc
abgeslulzt oder viehnehr seicht ausgeschnitten ist und in zwei
kurze Spitzen ausläuft ; er zeigt weder in seiner vordem un-
terhalb von der Lippenplatle überdeckten, noch in seiner hin-
tern Partie eine Spur von Gliederung oder Fussbildung, und
ist durchaus mit dem Rückenschilde vereinigt. — Was die
Ruderextremitäten anlangt, so ist das vordere Paar das grös-
sere und zusammengesetztere: es besteht aus einem dicken
zweigliedrigen Stamm, welcher etwa mit dem Seitenrande der
Lippenplalte abschneidet, und in zwei Aeste ausläuft, einen
vordem ungefähr eben so langen, über den Seitenrand des
Rückenschildes hinausreichenden und einen hintern kürzeren;
an jenem sieht man ein längeres Grund- und drei Endglie-
der, an diesem nur zwei ziemlich gleichlange Glieder, an je-
nem 2 Endborsten und ausserdem noch am Hinterrande jedes
der 3 Glieder 1 Borste, an dem hinlern Ast nur 3 Endbor-
sten. Auch der Stamm selbst schickt nach hinten ein Paar
Fortsätze ab , nämlich sein Endglied einen langen linearen
sanft nach hinten gekrümmten borstenartigen, nahe dem Hin-
terrande, doch nicht an ihm selbst entspringenden, das Ba-
salglied aber einen stärkeren sichelförmigen, undeutlich zwei-
gliedrigen, gabiig gespaltenen, welcher durch einen eigenen
Muskel bewegt wird, offenbar einem Kaustück entspricht und
sich ebenso zu seinem Stamm wie eine Mandibel oder Maxille
zu ihrer Palpe verhält. Das hintere Paar der Ruderextremi-
täten ist dünner, nicht gabelästig und viergliedrig : das End-
glied trägt 2 oder 3 Borsten, das dritte eine etwas stärkere
zartgeüederte am Hinterrande, das zweite 2 ähnliche dicht
neben einander, alle nach hinten gerichtet.
Bei der Durchsichtigkeit der Ruderfüsse lassen sich in
ihren freiliegenden Theilen ganz gut die zu ihrer Bewegung
dienlichen Muskeln erkennen, schwerer ist nur das Verhält-
niss der Grundglieder zu ermitteln , weil diese ganz hinter
der Lippenplatte versteckt liegen; jedenfalls greift der gabiige
Kauhaken des ersten Extremitätenpaars über (von unten ge-
sehen unter) das zweite hinaus. Die ganze Oberfläche des
Rückenschildes mit Ausnahme einer längsovalen Stelle, wel-
che sich von dem Ursprung der scitlicljen Kopfstacheln bis
7Sr Grube:
nahe vor die Mitte desselben erstreckt (Taf. VI. Fig. 14. f),
die Lippenplatte, der vordere Theil des Stirnkegels und das
äussersle Hinterende des Leibes sind mit winzigen Spitzchen,
die ersleren beiden am Rande mit kleinen nach hinten ge-
richteten Zähnchen besetzt, und der Stirnkegel läuft vorn in
2 kurze Hörnchen aus. Die Spitzchen stehen uieistentheils
in Reihen, die sich auf den grossen Flächen öfters zu fünf-
oder sechseckigen Feldern verbinden (Taf. VL Fig. 12. Fig. 14).
Von Innern Organen schimmerte deutlich der mit schwar-
zem Inhalt gefüllte Darmkanal durch , ein gerades , verhält-
nissmässig dickwandiges , durch eine Einschnürung in eine
vordere und hintere Partie getheiltes Rohr. Die vordere ist
merklich weiter, am Vorderende slumpfzweilappig, in der
Mitte etwas verschmälert und dann wieder erweitert ; ob von
dem Munde ein kurzer Schlund in jenen Blindsack knieför-
mig hinauf geht, oder ob die Nahrung geradezu in ihn ge-
langt, davon konnte ich mich, weil die Breite des Rücken-
schildes das Thierchen nicht gut dauernd in eine seitliche
Lage bringen lässt, nicht durch Anschauung überzeugen.
Die hintere viel kürzere Partie des Darmkanals beginnt ein
wenig vor dem Hiuterrande der Lippenplatle , ist spindelför-
mig, und endet mit einem After in Gestalt einer Längsspalte;
sie enthält ein ihrer Form entsprechendes, ziemlich festes und
durch die Einschnürung von dem Inhalte der vorderen Ab-
theilung getrenntes Excrement. Wie rasch die Verdauung
vor sich gehen , und wie viel Nahrung die Limnetislarve zu
sich nehmen muss , kann man aus den ungemein häufigen
Entleerungen und dem stets gefüllten Zustande des Darmka-
nals ersehen. Sehr auffallend sind die fast ununterbrochenen
Bewegungen der Afterspalte, welche in der Art erfolgen,
dass ihre Erweiterung am Hinterende beginnt , und nach
vorn fortsetzt, wodurch es den Anschein gewinnt, als ob
durch den After eine Wasserströmung eintreten sollte , —
eine Erscheinung, welche ich auch bei jüngeren Individuen
von ßranchipus bemerkt habe — dennoch konnte ich mich
nie davon überzeugen, dass dem Wasser beigemengte Farbe-
partikelchen in das Darmrohr hineingelangten. Von Blutlauf
und einem Herzen ist noch keine Spur zu entdecken, über
das Nervensystem nicht in's Klare zu kommen. Die Körper-
Bemerkungen über die Phyllopoden. 79
bewegungen sind munter und etwas schwankend ; das Thier-
chen schwimmt etwas ruckweise und bald auf der Rücken-
bald auf der Bauchseite.
Sehen wir uns in der Reihe der Entwicklungsstufen von
Isaura cycladoides, dem einzigen hierauf untersuchten zwei-
schaligen Phyllopoden , nach der entsprechenden Form um,
so würde es am ersten diejenige sein, welche Joly Fig. 41.
abgebildet hat, nur dass hier schon die ersten 5 Fusspaare
des Rumpfes durchschimmern, von denen bei unserm Thier-
chen noch nichts zu erkennen war, auch erwähnt Joly schon
der Bewegung spärlicher Blutkügelchen ; demnach würde seine
Abbildung einen etwas späteren Zustand darstellen, und da
sie einer Larve von 5 Tagen angehört, unser Thierchen etwa
einer dreitägigen Isaura entsprechen. Der Analogie nach
müsste dem von mir beschriebenen Zustande noch ein sol-
cher vorausgegangen sein, in welchem der Leib nackthäutig,
der Rückenschild nicht ausgebildet und eine Lippenplatte nur
angedeutet ist. Immer aber unterscheidet sich die Larve von
Isaura durch die Schmalheit und den dreizackigen Hinterrand
ihrer Lippenplatle, die Schmalheit des Rückenschildes, welches
weder soweit die Ruderfüsse bedeckt, noch das Ende des Lei-
bes erreicht, durch den Mangel der seitlichen Kopfstacheln
und der Rauhigkeiten und Zähnchen an den obengenannten
Theilen, dagegen stimmt die Gestalt der Ruderextremitäten
fast ganz überein, und namentlich ist auch der gabiige Ha-
ken am Grundgliede des vordersten Paares vorhanden. Bei-
den Gattungen fehlen in diesem Entwicklungsstadium die vor-
dem (einfachen) Antennen, welche Apus und Branchipus
schon mit auf die Welt bringen, und von denen ich nur eine
Andeutung in einer kleinen durchsichtigen kreisrunden, an
der Wurzel der seitlichen Kopfstacheln gelegenen Stelle zu
erkennen glaube , welche genau dem Ort entspricht, wo spä-
terhin diese Organe zum Vorschein kommen; auch sind die
hintern Ruderorgane bei Apus und Branchipus bei weitem
kürzer. Sie treten bei letzterem gleich anfangs auf, bei er-
terem erst etwas später.
Am nächsten Tage fand ich die allgemeine Körperform
wenig verändert (Taf. VI. Fig. 13.): der Rückenschild erschien
mehr in die Länge gezogen, mehr gerundet quadratisch, der
80 Grübet
Hinterrand mehr ausgeschnitten, die Afterhörnchen mehr her-
vortretend, das Hinterende des Leibes deutlicher mit Quer-
reihen kleiner Spitzchen besetzt, und die Gesammtlänge halle
bis auf 0,23 Linie und mehr zugenommen. Die beiden Blind-
zipfel (Fig. 13. 6. S), mit denen der verdauende Kanal be-
ginnt, hallen sich etwas verlängert, und zeigten sehr merk-
lich Bewegung, indem sie sich bald seitlich nach aussen und
vorn streckten, bald wieder in ihre alte Lage zurückkehrten.
Um das Auge (Fig. 13. b, 0.) liegen verschiedene durchsich-
tige Massen, deren Verhältniss zu diesen mir aber nicht ganz
klar geworden ist: zwei starke Anschwellungen hinter ihm
(Fig. 13. 6. 0) sind jede für sich in einen kurzen Strang nach
vorn und hinten ausgezogen, die vordem derselben begeben
sich zu einem durchsichtigen querovalen vorn flachen Kör-
per (Fig. 13. b. MJ), in welchem die vordere Hälfte des Auges
wie eingesenkt erscheint, die hintern Stränge dagegen ver-
schwinden unter den Blindsäckchen des Magens (Fig. 13. 6. S)
und scheinen sich hier mit einem mittleren Körper zu ver-
einen, welcher eine zwischen den Strängen verlaufende Fort-
setzung zur Basis des einfachen Auges schickt. Sollten jene
beiden mitten angeschwollenen Stränge nicht die Nerven der
zusammengesetzten , jetzt noch nicht ausgebildeten Augen
und die unpaarige hinlere Masse das Gehirnganglion sein? Die
Gestalt dieser Theile beim ausgebildeten Thier ist der hier
beschriebenen so ähnlich, dass ich diese Frage bejahen möchte
(vgl. Fig. 26).
Hinter jenem queren durchsichtigen Körper, der sich
zwischen den Enden der Blindsäckchen erstreckt, glaube ich
auch den Eingang in den Magen in Gestalt einer Querspalte
zu erkennen. Hinter dem zweiten Paare der Ruderextremi-
täten haben sich die Anlagen zu 5 oder 6 Paar, nach hinten
an Länge abnehmenden Füssen gebildet, welche wohl alle
weiterhin zu sogenannten Kiemenfüssen werden (Fig. 13.,
Fig. 13. a). Joly in seiner Erläuterung zu Fig. 41, mit wel-
cher wir den hier vorliegenden Zustand zu vergleichen ha-
ben, spricht zwar nur von 5 Paar ansehnlicheren Beinen («/),
hinter denen noch die ganz winzigen Keime von 2 andern
liegen, bildet aber ausser diesen in der Thal 6 ab. Da ich
(lie Entstehung oder das Vorhandensein von Maxillen bis hie-
Bemerkungen über die Phyllopoden. 81
her nicht bemerken konnte, und sie doch nach der bald zu
beschreibenden Häutung sichtbar sind , so fiel mir späterhin
ein, ob nicht vielleicht das vorderste Fusspaar, an welchem,
wie bei den nächsten, ein den Maxillen analoger Fortsatz
existirt, sich in diese verwandelt; da ich mich aber nicht er-
innern kann , irgend eine Verkleinerung desselben gesehen
zu haben, so ist mir wahrscheinlicher, dass die von der Lip-
penplatte und zum Theil auch durch das Spiel der Ruderex-
tremitälen nothwendig verdeckten Maxillen sich wegen ihrer
Kleinheit meiner Beobachtung gänzlich entzogen haben.
Am dritten Tage meiner Beobachtungen war bei man-
chen Individuen schon die Anlage zu einem 7ten, bei andern
erst zu einem 6ten Fusspaar zu erkennen , und der Hinter-
rand der vordem 5 zeigt mindestens 4 kurze Einkerbungen,
der Rumpf deutliche Segmente; doch fehlt allen diesen Ex-
tremitäten noch die Bewegung, welche sich erst mit der nun
bald eintretenden Häutung einstellt. Unterhalb des Magens
und hinter seinen Blindsäcken bemerke ich da, wo die ei-
gentliche Oberlippe zu liegen kommt, einen etwa ihrem Con-
tour entsprechenden Zug von winzigen rostgelben Fettbläs-
chen, welche man nach dem Eintritt der Verwandlung deut-
lich im Innern der Oberlippe wieder erkennt. Endlich ent-
decke ich bei einigen Individuen auch die ersten Anfänge
des Blutlaufs. Sehr spärliche klare , ziemlich ovale , gleich
grofse Körperchen bewegen sich vereinzelt in dem vor den
Magenblindsäcken gelegenen Räume und besonders deutlich
längs der Unterseite des Darms von vorn nach hinten, und
verschwinden hier plötzlich, indem sie nach der Rückenseite
umbiegen. W^endet man das Thierchen auf die Bauchseite,
so sieht man gleichzeitig das über dem Darme gelegene
Herz (Taf VI. Fig. 14. F), welches mit dem Isten Fusspaare
beginnt, am 4ten endet und etwa 160 Schläge in der Minute
macht, auch bemerkt man eine Blutströmung in dem Rücken-
schilde selbst: sie tritt ungefähr an der Grenze der Inser-
tionen des Isten und 2ten Fusspaars in denselben hinein,
zieht sich längs seinem Seilenrande in einer hellen ziemlich
breiten Bahn von vorn nach hinten , und biegt am letzten
Fusspaare, wie der Strom an der Unterseile des Darms um
und in den Rückenraum hinein , in welchem sich das Herz
Archiv f. Naturgescb. XIX. Jahrg. l.Bd. Q
82 oqoll^ri'^Grubet'' ir»^Jiu>lr.Mii'ii{
befindet. Durch welche Oeffnungen das Blut in das Herz
hineintritt, bleibt noch zu ermitteln. Die eigenlhümlichen Af-
terbewegungen gehen wie früher fort. In allen diesen In^
dividuen zeigten sich seitlich hinter dem einfachen Auge zwei
blassrostfarbene unbestimmt begrenzte Fleckchen ( Taf. VI.
Fig. 13. 0') , die ersten Anlagen der zusammengesetzten,
jetzt noch weit getrennten Augen ; ich vermisse sie bei sol-
chen Individuen, deren Füsse zwar ebensoweit ausgebildet
waren , denen aber noch Herz und Blutbewegung fehlten.
Uebrigens lassen sich jetzt auch die Vorbereitungen zu der
alsbald eintretenden Häutung nicht verkennen: denn vorn in-
nerhalb des gleichmässig gekrümmten stachligen Contours
des Rückenschildes wird man bereits einen zweiten mitten
eingezogenen glatten wahrnehmen , dessen Gestalt der nun
entstehenden zweihälftigen Schale entsprechend, bis zum Ur-
sprung der hintern Ruderextremitäten (der Mandibeln) geht,
der dazwischen liegende Mitteltheil gehört dem Kopf an.
Ebenso zieht sich an der Lippenplatte der Contour der wei-
chen Innensubstanz merklich von der äussern Bekleidung zu-
rück. Endlich bemerke ich in der Mitte der Bauchseite un-
ter dem Darme eine Zeichnung wie von einem knotigen
Strange, dessen Anschwellungen der Zahl der Leibessegmente
zu entsprechen scheinen, und den man wohl auf den Nerven-
strang deuten könnte, wenn dieser nicht späterhin eine so
ganz verschiedene Gestalt zeigte.
Die Häutung, welche ein paar Mal unter meinen Augen
auf dem Objectivtische des Mikroskops vorging, geschieht in
der Art, dass die alte Hülle an einer von der Lippenplatte
überdeckten Stelle der Bauchseite zerreisst: das Thierchen
steckt seinen Kopf zwischen der Lippenplalte und dem Rumpf-
theil der alten Haut hervor, und beharrt in dieser Lage über
2 Minuten, während die Füsschen hin und her zu schwingen
beginnen , bis sich endlich auch der Hinterkörper langsam
hervorschiebt: in weniger als 4 Minuten ist der ganze Act
beendigt.
Die Form, welche unsere Limnetis nach dieser Häutung,
also vermulhlich in einem Alter von 4 oder 5 Tagen zeigt,
ist im Allgemeinen die des erwachsenen Thieres (Taf. VIL
Fig. 21): der Rücken des Rumpfes hat sich von dem frühe-
ßemerkungen über die Phyllopoden. 83
ren einfaclien flachen Rückenschilde bis auf den vordem Theil
abgelöst, der Schild sich in eine zweiklappige mit dem Rumpfe
verwachsene Schale verwandelt, zwischen deren Hälften vorn
ein nicht bloss abgesetzter^ sondern auch beweglicher schna-
belförmiger Kopf hervortritt; es ist nur noch ein Paar Ru-
derextremitäten übrig geblieben, die hintern oder Ruderan-
tennen, das zweite in Mandibeln verwandelt, dagegen ein vor-
deres Paar ganz kurzer Antennen hinzugekommen, die Tasl-
antennen, statt der starren Lippenplatte ist eine bewegliche
rüsselförmige Lippe aufgetreten , und über dem einfachen
Auge das zusammengesetzte ausgebildet; aber die Zahl der
Fusspaare ist noch immer nicht mehr als 6, und die der Glie-
der an den Aesten der Ruderantennen noch lange nicht so
gross wie im erwachsenen Thier (vgl. Taf. VL Fig. 21. a).
Die Länge der meist noch klaffenden Schale beträgt noch
nicht y3 Linie.
Von der Entwicklung von Nebalia ist mir nichts Nähe-
res bekannt. Kroyer sagt in seinem Aufsatz über Nebalia bi-
pes nur, dass sie von Apus abweiche und sich mehr einigen
Decapoden anschliesse. Dennoch habe ich weiterhin bei der
Vergleichung der ausgebildeten Limnetis mit den übrigen Phyl-
lopoden auch jene Gattung hinzugezogen, da sie sich jeden-
falls denselben nähert.
Ich gehe nun zur Beschreibung der ausgebildeten Form
über, wobei ich das Oben auf die Rückenfläche, an welcher
die Schalenhälften verbunden sind, das Unten auf die entge-
gengesetzte Seite beziehe: bei Lievin ist jenes Hinten, die-
ses Vorn.
Die Form des Kopfes ist, wie sie meine Vorgänger be-
schreiben, die eines starken seitlich zusammengedrückten
sichelförmig gebogenen Schnabels (Taf.V. Fig. t. 2. Taf.VlL
Fig. 23) , an dessen Seitenflächen sich von der Wurzel bis
zur Spitze eine scharf markirte Kante oder Leiste (Gewölbe
Liev.3 hinzieht (Taf. V. Fig. I. 2.; Taf. VII. Fig. 23. c); über
ihr steigt jede Seitenfläche steil in die Höhe und bildet so
ein scharffirstiges Dach, während die unterhalb gelegene Par-
tie sanft gewölbt ist , und nach hinten in die Oberlippe und
den Rumpf übergeht. Die grosse Verschiedenheit dieser Kopf-
form von den andern Phyllopoden, bei denen er frei und
84 Grube:
beweglich ist, nämlich bei Isaura , Limnadia und Branchipus
springt in die Augen; bei Apus ist er ganz mit dem Rücken-
schilde verwachsen. Der Verlauf jener Seitenkante oder Lei-
ste c bei Limnetis, durch welche also der Kopf in zwei Hälf-
ten getheilt wird, entspricht nicht ganz der Krümmung sei-
ner First , ist vielmehr fast rechtwinklig gekniet , und jeder
Schenkel des Knie's nicht geradlinig, sondern leicht geschweift,
der untere läuft in die Schnabelspitze, der obere in das Hin-
terende des Scheitel - oder Nackentheiles aus. Unmittelbar
hinter und längs dieser Leiste liegen die Ruderantennen im
Zustande der Ruhe, wie namentlich dann, wenn der Kopf
zwischen die Schalen zurückgezogen ist. Die obere schmä-
lere und festwandigere Kopfhälfte enthält die Augen, die un-
terhalb der Leiste gelegene trägt die Antennen, die Ober-
lippe und die Mandibeln. Man bemerkt ferner vor jener
Scheitelparlie einen kurzen scharf markirten Randeinschnitt
(Taf. V. Fig. 1.2. Taf. VH. Fig. 23. i) , von dem eine Naht
nach unten und etwas nach hinten herabsteigt und die Leiste
trifft. Lievin nennt den vor und unterhalb derselben liegen-
den grösseren Theil den eigentlichen Kopf, den hintern obern
ganz kurzen , seitlich gesehen dreieckigen , das Nacken-
schildchen; an seiner Hinterecke beginnt das sogenannte
Rückenband oder Ligament der Schalen (Taf. V. Fig. 1. 2. A),
und hier befindet sich die gelenkige Verbindung zwischen
Rumpf, Schale und Kopf, vermöge welcher der letztere sich
bald so stark emporrichtet, dass er bis hinter das zusammen-
gesetzte Auge über den Schalenrand hinaustritt, bald so stark
herabkrümmt, dass er sich ganz zwischen die Schalenhälften
zurückzieht, und diese sich über ihm schliessen. Aus dem
Raum zwischen der seitlichen Kopfleiste und dem vordem
Schalenrande treten die grossen Ruderantennen hervor (Taf.V.
Fig. 1. 2. 3.; VIL Fig. 23. Ä^), deren Muskeln theils vor dem
Scheiteleinschnitte i , theils an der Bauchwand des Kopfes
entstehen; unmittelbar hinter diesen Organen sind die Man-
dibeln aufgehängt (Taf. V. Fig. 1. 2. Taf. VH. Fig. 23. M), un-
terhalb derselben erstreckt sich in fast horizontaler Richtung
die etwa in der Höhe der Augen von der Hinterfläche des
Kopfes herkommende Oberlippe (L) , und unter ihrer Basis
Weiter nach vorn sitzen die Tastantennen (Fig. 1. 2. 3. 23. Ä),
Bemerkungen über Aie Phyllopoden. 85
Der ganze Kopf macht noch nicht die Hälfte des Körpers
aus, und ist beim Weibchen etwas grösser und vom Männ-
chen abweichend, so dass man schon daran die Geschlechter
erkennen kann. Beim Weibchen nämlich (Fig. 1) läuft die
First des Schnabels in eine scharfe Spitze aus, während die
Seitenkanten oder Leisten merklich zurückbleiben , wodurch
jederseits ein seichter Ausschnitt entsteht (Fig. I. a) , beim
Männchen hingegen hören alle drei fast gleichzeitig auf, ohne
jedoch zusammenzustossen, die Schnabelspitze erscheint abge-
stutzt und endigt mit einer dreieckigen Fläche (Fig. 2. a). Der
Kopf der Isauren zeigt gewöhnlich gar keine schnabelförmige
Verlängerung , die seitlichen Leisten sind ganz nach vorn
gerückt und bilden die Ränder der platten Stirnfläche, und
die Partie hinter denselben ist fast blattartig von den Seilen
zusammengedrückt ; über dem zusammengesetzten Auge er-
hebt sich ein Buckel ').
Das Organ, welches bei den verwandten Thieren von den
meisten Forschern als einfaches Auge betrachtet, und auch
hier von Lievin als solches aufgefasst wird (Fig. 1. 2. 3. 23.
26. 0) , sitzt unbeweglich im Kopfe nahe dessen Vorderwand;
es hat etwa die Form einer dreiseiligen breitabgestutzten Py-
ramide mit abgerundeten Kanten (Taf. VIL Fig. 29) , deren
Basis nach vorn und unten sieht, diese Fläche ist fast drei-
eckig , die beiden Seilenflächen trapezoidisch, und wenn man
von oben herabschaut, fällt der Blick auf die stumpfe Kante,
in welcher die letzleren zusammenstossen; die hinlere un-
tere Fläche ist dem Gehirnganglion zugekehrt. Das Organ
besieht aus einem durchscheinenden, auf opakem Grunde
milchweissen, bei raschen Körperwendungen glänzenden, seine
Form bestimmenden Körper , dessen Kanten mit schwarzem
Pigment bedeckt, die beschriebenen Flächen rahmenartig ein-
fassen, und ich habe mich öfters überzeugt, dass jene durch-
scheinende Masse aus diesen Rahmen etwas hervorragt, aus-
serdem aber sehe ich noch, dass das Organ in eine äussere
durchscheinende Masse eingebettet ist, sie ist namentlich sehr
deutlich vor der nach unten gerichteten Basalfläche. Bei
1) Joly Annal. des scienc. nat. Seconde Serie. Tom. XYIl. pl. 7,
Fig. 0, .. il'A IZ .iM
86 Grube:
genauerer Betrachtung der einzelnen Flächen habe ich fer-
ner erkannt, dass innerhalb des schwarzen Rahmens ein ihm
concentrischer schmaler weisslicher Saum bemerkbar ist , in
den das Pigment zackig eingreift, und der sich von der
durchscheinenden Masse ziemlich merklich absetzt (TafVlI.
Fig. 30) , allein nie ist es mir gelungen , wirkliche Linsen
herauszupräpariren, und das Organ macht den Eindruck, als
wenn es durch Trübung und Wucherung der durchsichtigen
Medien in einen unbrauchbaren Zustand versetzt wäre, eine
Ansicht, die auch Zaddach bei dem erwachsenen Apus auf-
stellt. Selbst das Pigment scheint sich mitunter aufzulösen,
und erscheint dann nur als eine etwas verwischte Einfassung.
Für die Schödler'sche Behauptung, nach welcher dies Organ
bei Acanthocercus und den Cladoceren einem Gehörorgan
entsprechen soll '), finde ich keine Begründung, da ich ei-
nen von hier zu den Tastantennen führenden und an ihrer
Basis mündenden Gang nicht wahrnehmen kann, sondern der
dünne von dem Organ nach vorn und unten zur Kopfwand
laufende Strang (Fig. 23. /7), wie es scheint, bloss zur Be-
festigung dient. Ebensowenig scheint ein anderer vor dem
einfachen Auge gelegener Körper (vielleicht eine bloss an-
ders beschaffene Stelle der Kopfbekleidung) eine solche Be-
deutung zu haben. Es ist dies ein länglich rundes mit einer
Reihe von Häärchen besetztes Mal (area oblonga Loven), wel-
ches wie eine fensterartige Vertiefung aussieht (Fig. 23. z),
und von dem sich ein dicker herabgekrümmter Strang zum
Unterrande des Auges begiebt, er hat nicht das Ansehen
eines Muskels, ist öfters gelblich gefärbt und zeigt mitunter
einen gewissen Schimmer. Schliesslich muss ich hinzufügen,
dass der vom Pigment umrandete Kern des Auges, mit Sal-
petersäure behandelt, etwas einschrumpft, und eine gelbliche
Färbung annimmt, aber durchaus keinen kohlensauren Kalk
enthält. Joly spricht bei der erwachsenen Isaura von kei-
nem einfachen Auge, ich habe es bei meinen Weingeistex-
emplaren bald mehr bald minder deutlich erkannt, und halte
dafür den Körper k in seiner Fig. 5 ; ebenso kann der dunkle
1) S. Wiegmann's Archiv für Katurgeschichte 1846. I. p. 360.
Taf. XL Fig. 2. 3. n.
Bemerkungen über die Phyllopoden. 87
unter dem zusammengesetzten Auge liegende Fleck bei der
jungen zweischaligen Form (Fig. 43. a) nichts anderes als
das jetzt noch grössere, nachher aber von jenem an Grösse
überholte einfache Auge sein. Bei Nebalia fehlt dieses
Organ.
Das zus ammengesetzt e Auge (Taf. V. Fig. 1. 2. 3.
Taf. VII. Fig. 23. 26 0) zeigt auch beim erwachsenen Thier
noch deutlich seine Entstehung aus zweien, da man nicht
nur beim Zergliedern zwei Sehnerven nachweisen kann (Fig.
26. 0) , sondern auch am Hinterrande einen mittleren tiefen
Einschnitt wahrnimmt. Es bildet einen von oben gesehen
querovalen starkgewölbten , von Pigment umkleideten , am
Umfang jeder Hälfte mit etwa 14 kleinen Linsen eingefass-
ten Körper, deren jede vor einem lang kegel- oder fast
birnförmigen Glaskörper liegt, und der wahrscheinlich eben
so viele durch das Pigment hindurchgehende Fäden vom Seh-
nerven erhält. Das Auge ist von einer durchsichtigen Hülle
umgeben, an welche sich mehrere Muskelstränge ansetzen,
indem sie einen Kegel bilden, die Spitze des Kegels liegt an
dem Oesophagus, die Achse des Kegels bildet der mitten
angeschwollene Sehnerv; die Höhlung, welche von vorn das
Auge umgiebt und so seine Lage in dem Kopfe sichert (Fig.
23. M?) ist schwer bemerkbar: man muss, um sie zu erken-
nen, Säuren anwenden, wodurch sich das Auge zusammen-
zieht und sein Abstand von dem Contour der es umgeben-
den Höhlung hervortritt. Die anhallenden Erschütterungen
dieses Organs, welche ich so oft unter dem Mikroskope be-
obachtet habe, können wohl schwehrlich im normalen Zu-
stande vorkommen, da sich sonst ein deutliches Sehen nicht
erklären lässt. Auf beweglichen Stielen sitzen die Augen
sonst nur bei den nackten Phyllopoden : aber Nebalia, obwohl
mit einer Rückenschale versehen, zeigt dasselbe Verhalten.
Die vordem Antennen (Taf.V. Fig. 1. 2.3. Taf.Vü.
Fig. 23. A) , welche bei Branchipus ^ , Artemia und Isaura
fast fadenförmig, bei letzterer mehrgliedrig, bei Nebalia ganz
besonders entwickelt und sogar gabiig sind , finden wir bei^
1) Milne Edwards Hist. nat. des Crust. pl,35. Fig. 9; Taf. VIIL
Fig. 2. Ä' dieser Abbandl.
Limnelis eingeschrumpft und klein, wenn auch nicht in dem
Grade wie bei Apus. Sie haben die Gestall eines zweiglie-
drigen Kolbens, dessen Endglied merklich länger als das an-
dere und ganz mit abstehenden Häärchen besetzt ist. Ge-
wöhnlich' durch das Spiel der Ruderantennen verdeckt, kann
man sie am lebenden Thiere nur selten zu Gesichte bekom-
men , bei Jüngern habe ich sie bisweilen in lebhafter Vi-
bration, bei erwachsenen während der Begattung in einer
langsamen, zeitweise unterbrochenen Hin- und Herbewegung
gesehen, in der Regel hängen sie ruhig von der Hinterwand
des Kopfschnabels herab. Die 4 Muskeln, welche in sie hin-
eintreten und von denen 2 bis in das Ende des Kolbens zu
gehen scheinen, entspringen ringsum in der Nähe ihrer In-
sertion von der Kopfwandung.
Die hintern oder Ruder-Antennen (Taf.V. Fig. 1.
2.3. Taf. Vn. Fig. 23. i42) bestehen aus einem dicken undeut-
lich 7-gliedrigen Stamm, dessen Grundglied unten 3 oder 4
hintere lange gefiederte Borsten trägt, und dessen schärfer
abgesetztes Endglied unten und zwar vorn mit 5 kurzen
Borsten besetzt ist, und sich gabiig in zwei fast gleich grosse,
den Stamm kaum an Länge übertreffende Aeste spaltet. Diese
sind mit Ausnahme des Basalgliedes kurzgegliedert, die Zahl
der Glieder in der Jugend kleiner als weiterhin. So zählte
ich bei der eben ausgeschlüpften zweischaligen Form an bei-
den Aesten nur 4 Glieder, bei einem Thierchen von 0,42 Lin.
Länge am vordem Ast 8, am hintern 6 Glieder, beim er-
wachsenen Thier , wie Lievin, am vordem meist 15 oder 14,
am hintern 14 oder 13 Glieder. Jedes Glied trägt am Hin-
terrand eine längere, bei stärkerer Vergrösserung gefiederte
Borste, die Glieder des Vorderastes auch noch am Vorder-
rand eine kurze einfache Borste, jedes Endglied zwei gefie-
derte und das des Vorderastes auch noch eine kurze Borste,
die Basalglieder aber, deren mehrere (am Vorderast naph
Lievin 2 hintere und 2 vordere, am Hinterast 4 hintere; ich
finde die Zahl nicht so constant). Die Länge der Borsten
nimmt gegen die Basis hin so rasch ab, dass sie hier kaum
die Breite des Astes übertrifft, während die Endborsten oft
1) Taf. YlII. Fig. 2. il^ dies. Abhandl. und Fig. 3.
Bemerkungen über die Phyllopoden. 89
bedeutend länger als die Aeste selber sind. Bei Isaura fin-
den wir die Glieder schärfer markirt und gleichmässig-, ihre
Zahl steigt bis auf 17, die Borslen sind ungleich zahlreicher,
aber kürzer. Diese Organe dienen bei den Limnetis, den
Isauren, Cypris, Daphnien und überhaupt allen Branchiopodeil*
allein zum Schwimmen, die Fusspaare des Rumpfes tragen,'
trotz ihrer fast unausgesetzten Schwingungen, nichts dazu bei,
wogegen sie bei Apus , wo das hintere Antennenpaar ver-
kümmert und bei Branchipus und Artemia , wo es ein blos-
ses Greiforgan wird, diese Function ausschliesslich überneh-
men müssen. Die Hebemuskeln der Ruderantennen, 3 an der
Zahl (Fig. 23 m'), entspringen von der First des Kopfes vor
dem Scheiteleinschnitte i und erstrecken sich durch Stamm
und Aeste, die Vorwärlszieher (Fig. 23. m^), etwas tiefer und
vor den Aufhebern von der Seitenwand des Kopfes abge-
hend, laufen bloss durch den Stamm und befestigen sich an
seinem Hinterrande, nahe dem untern Ende; 2 andere kür-^
zere Muskeln, welche hinter dem Munde an der Bauchwand
des Kopfes neben einander entspringen (Fig. 23. m^) und sich
an der Innenseite der Ruderantennen inseriren, müssen zum
Zurückziehen der vorwärlsgestreckten Organe und ihrer ge-
genseitigen Annäherung dienen. Uebrigens geschieht die Kör-
perbewegung nicht ruckweise wie bei Daphnia pulex und an-
dern, sondern wird durch die stete Wiederholung der nur
kurzen Ruderschläge eine fast gleichmässig fortlaufende; der
Rücken bleibt dabei nach oben gekehrt, was Joly auch bei
Isaura beobachtete.
Die ziemlich weichhäutige feinbehaarte Oberlippe,
labre, chaperon Joly (Taf. V. Fig. 1.2.3. Taf.VH. Fig. 23. L)
ist in der Ruhe ziemlich parallel dem Bauch forlgestreckt,
und so lang, dass sie bis zum 2ten Fusspaar reicht. Sie
erscheint etwas niedergedrückt, an ihrem lappenarlig verbrei-
terten Ende seitlich zusammengedrückt, ihre Rückenseite flach
rinnenarlig ausgehöhlt, so dass sie die Fortsetzung der zwi-
schen den Fussreihen beider Seiten hinlaufenden Bauchrinne
bildet, und mit zwei gegen die Basis zusammenstossenden
und dann wieder aus einander weichenden Hornstreifen ver-
sehen, denen ein eben solcher gabiiger mit mikroskopischen
zahnartigen Borsten besetzter Hornstreif an der gegenüber
^^ 'nhoqolh G rubel nvA'i'uw,'^
lieg-enden Bauchwand des Kopfes entspricht (Fig. 24. a). Die
Lippe kann durch 2 lange dünne hinter den Augen entsprin-
gende Muskeln (Fig. 23. m^), welche zwischen dem Hirngan-
glion und Oesophagus herabsteigen, und sich an ihrer Unter-
fläche inseriren, abwärts gekrümmt, durch ein paar kurze
über ihrer Basis entspringende der Bauchwand genähert wer-
den, und besitzt ausserdem viele Bündelchen von Quermus-
keln, durch welche die Ränder der Rinne einander genähert
werden müssen. Zwischen den letzteren sehe ich noch ein
feinkörniges Gewebe^ dessen Bedeutung mir nicht klar ge-
worden ist.
Unmittelbar über der Oberlippe erblickt man den Kau-
theil (Kronentheil Lievin) der starken wie die Arme einer
Kneipzange gebogenen Mandibeln (Taf. V. Fig. 1. 2. 10.
Taf. VII. Fig. 23. 24. M). Der obere viel längere Schenkel
des Knies ist aussen gerundet, unten breit, nach oben spitz
zulaufend, hier am Ende der hornigen bei i beginnenden Naht
aufgehängt, und auch durch die Schale hindurch leicht wahr-
nehmbar; er ist der Theil, den Krynicki '), ohne ihn weiter zu
deuten, bei seiner Limnadia als „une eminence semblable ä
un pepin de pomme** beschreibt. Die Innenfläche ist ganz
ausgehöhlt und mit Muskeln erfüllt, welche durch eine dünne,
quere an der Bauchwandung verlaufende Sehne in die der
andern Mandibel übergehen; die untern Fasern dieser Mus-
keln müssen das Zusammentreten der Kauflächen bewirken,
während die mehr von oben herkommenden die spitz zu-
laufende Schenkelpartie etwas nach innen ziehen und so die
Kauflächen von einander entfernen müssen. Von der Sei-
tenwand des Nackenschildchens zwischen dem Schenkel der
Mandibel und dem Darm sieht man einen Muskel herab-
steigen, der ebenfalls zu der Sehne der Mandibeln tritt (Fig.
23. wi'') und dem Muskel f bei Joly (Fig. 22), dem Muskel w
bei Zaddach (Tab. I. Fig. II.) entsprechen muss. Zaddach
sagt , dass er dem sogenannten ventriculus cordis arteriosus
angehöre , Joly nennt ihn einen Abductor der Mandibeln.
Letzteres kann ich nicht zugeben, und ersteres nicht beur-
1) Bulletin de la societe Imperiale des naturalistes de Moscou
J.839. p. 178. Tab. VII. Fig. 2. d.
l^emerkungen über die Phyllopoden. 91
theilen , da ich bei unserm kleinen Thierclien jenen Veniri-
culus nicht herauszupräpariren im Stande bin.
Das Kaiislück besieht aus einer starken schmal vier-
eckigen Platte, deren Innenrand, die Schneide, durch tiefe
parallele Furchen in 16 Leisten getheilt ist, die hinterste er-
hebt sich zu einem ansehnlichen stumpfen Zahn, und der
Vorderrand des Kaustücks nahe der Kniebucht bildet einen
kleinen stumpfen Vorsprung. Diese Gestalt haben die Man-
dibeln der Limnetis sogleich nach dem Uebergange aus der
ein- in die zweischalige Form, doch scheint mir, dass schon
einige Zeit vor der Häutung das Grundglied der entsprechen-
den Ruderextremitäten merklich angeschwollen, die Endglie-
der dünner, und die Bewegungen langsamer geworden wa-
ren. Mitten zwischen den Schneiden der Mandibeln verläuft
jener hornige borstig gezähnelte Gabelstreif, welcher über
dem entsprechenden der Oberlippe liegt, und dessen schon
oben gedacht ist.
Sehr viel schwächerund kleiner als die Mandibeln sind
die Maxillen (Taf.V. Fig. 11.; Taf.VII. Fig. 23. 24. Jtf'), wel-
che so versteckt liegen, dass ich sie am lebenden Thier nie-
mals erkennen konnte. Ihre Gestall ist knieförmig, der End-
theil halb oval, sein abgestutzter Innenrand mit etwa 8, bei
jungen Thieren mit weniger als 8, steifen, leicht gekrümm-
ten Borsten besetzt, der äussere sanft convexe fein- und
kurz behaart, sie ähneln so sehr dem entsprechend gelege-
nen Lappen oder Forlsatz an der Hüfte der Beine, dass ich
mir auch hier die Frage wiederholte, ob man diese Organe,
die so wenig einem bestimmt ausgeprägten Segment angehö-
ren und ganz auf der Grenze von Kopf und Rumpf liegen,
nicht vielleicht als das erste nur in seinem Hüflglied ausge-
bildete Beinpaar des Rumpfes zu betrachten und den Kopf
jedenfalls mit den Mandibeln abzugrenzen habe. Wenn aber
auch ein diesen Organen entsprechendes Segment erkennbar
wäre , würde man es zum Kopf oder zum Rumpf rechnen,
und in letzterm Falle würde man es den andern Rumpfsegmen-
ten gleich stellen oder von ihnen der Bedeutung nach unter-
scheiden; es als dem Thorax höherer Arthropoden entspre-
chend ansehen? Die Zeit des Auftretens dieser Extremitäten
würde ein entscheidendes Moment abgeben , vorausgesetzt,
9Ö' 'f>t>qolf'iiir' Grube:
dass jede Körperabtheilung ihre Gliedmassen gleichzeitig her-
vortreibt. Allein in der Beobachtung des ersten Auftretens
bin ich nicht glücklicher gewesen als diejenigen, welche die
Entwicklung ähnlicher Crustaceen behandelt haben , und der
zweite Punct ist keineswegs durchweg begründet; ja nicht ein-
mal das kann als Gesetz gelten , dass die Gliedmassen sich
nur in der Richtung von vorn nach hinten entwickeln. Ich
kann nur soviel angeben , dass zu der Zeit , in welcher die
Limnelislarve bloss die beiden Paare Ruderextremitäten be-
sitzt, ich noch keine Maxillen bemerkt habe, und dass spä-
ter, wenn sich die Anlagen derFüsse am Rumpftheil bemerk-
bar machen, ich aus keiner derselben Maxillen entstehen ge-
sehen. Möglich, dass sie sich überhaupt meiner Beobachtung
entzogen, möglich dafs sie unter der gewaltigen Lippenplalle
der einschaligen Form versleckt, durch die fast unausgesetzte
Bewegung der Ruderextremitäten dem Auge noch unzugäng-
licher wurden; sind sie aber wirklich später als diese und
als die vordersten Paare der Rumpffüsse entstanden , so ist
damit noch nicht über ihre Zugehörigkeit zu dieser oder je-
ner Körperabtheilung entschieden. Wie am Rumpf hinter den
5 zuerst auftretenden Fusspaaren noch andere nachwachsen,
kann etwas ähnliches auch am Kopf stattfinden, und wie am
Kopf des Flusskrebses die Antennen später als die Mandibeln
auftreten sollen , könnte auch am Rumpfe ein vorderes Ex-
tremilälenpaar später als die andern hervorspriessen. Bei
Branchipus und Apus, wo 2 Maxillenpaare existiren, erschei-
nen sie erst mit dem Auftreten der Rumpffüsse, und schlies-
sen sich offenbar näher den Mandibeln , als diesen an. Das
zweite sieht bei Branchipus mehr wie ein dickes Läppchen
aus als dem ersten ähnlich, und bei Apus kommt hinter dem
2ten deutlich randzähnigen Maxillenpaar noch ein Paar zwei-
lappiger Organe vor (Zaddach Tab. I. Fig. VI , par terlium
pedum thoracicorum), welche wie rudimentäre Füsschen mit
einem grossen lederartigen Hüftlappen aussehen.
Von den Rumpffüssen giebt es bei den Männchen
(Taf. V. Fig. 2. 3.) 10, bei den Weibchen (Taf. V. Fig. 1.)
12 Paar, alle sind blattartig zusammengedrückt, mit kaum hin
und wieder angedeuteter Gliederung, weshalb auch die wei-
terhin gegebene Bezeichnung ihrer einzelnen Lappen nicht
Bemerkungen über die Phyllopoden. 93
sicher begründet werden kann. Der eine Rand der Füsso
ist nach aussen, der andere nach innen gekehrt, der letzlere
vielfach lappenarlig eingeschnitten; die Füsse liegen dicht
hinter einander, während zwischen den beiden Reihen der-
selben eine Rinne offen bleibt, und nehmen so bedeutend an
Länge ab , dass , wenn man die ganze Reihe in einen Rah-
men brächte, dieser beinahe die Gestalt eines an der Spitze
etwas abgesluzten Dreiecks haben würde, doch ist genau ge-
nommen das 2teFusspaar das längste, das Iste kürzer. Wäh-
rend die Länge des 2ten von der Basis bis zur Spitze 0,64
Lin. und von dem Ende des längsten Rückenanhanges bis
zur Spitze sogar, 0,82 Lin. beträgt, finde ich die Länge des
löten von der Basis bis zur Spitze nur 0,17 Lin.; der Rük-
kenanhang fehlt dem letzteren. Die vorderen Füsse, welche
die zusammengesetzteren sind, glaube ich am richtigsten und
anschaulichsten in der Art darzustellen, dass ich ihre Achse
als aus 3 Hauptstücken bestehend betrachte, welche wiederum
seitlich in Lappen auslaufen , nämlich aus einem der Hüfte
entsprechenden Basalstück mit einem nach innen gerichte-
ten Fortsatz (Taf. V. Fig. 4., 5—8 M"), einem am Aussen -
und Innenrande mit Anhängen und Lappen versehenen Mit-
telstück (/'— ^) dem ansehnlichsten von allen, und einem ein-
fachen Endstück (Fig. 5. /"•}. Das Mittelstück betrachte ich
als eine mehr oder minder innige Verbindung von Femur
und Tibia, das Endstück als Tarsus. Der Fortsatz des ganz
kurzen Basalstücks ist an Gestalt und Richtung durchaus den
Maxillen ähnlich, sein Unter- und Aussenrand sanft convex und
fein und kurz behaart, der Ober- oder Innenrand abgestutzt
und gegen die Spitze hin mit einer kurzen Reihe von Bor-
sten besetzt, aus diesem Grunde und weil diese Fortsätze die
bis zu den Kiefern und der Lippe hinlaufende Rinne bilden,
kann man sie als Kiefer- oder Maxillar fort s ätz e be-
zeichnen. Das Miltelstück, eine sehr breite und lange Ab-
Iheilung, zeigt einen in sehr ungleiche Lappen zerschlitzten
Innenrand, und einen in lange, theils auf-, theils abwärts-
gerichtele Anhänge auslaufenden Aussenrand. Man unter-
scheidet 4 Lappen des Innenrandes , von denen die beiden
oberen (Fig. 5. /' l^^ die breitesten und am wenigsten vor-
tretenden, die beiden untern (/^ l^) ganz schmal und messer-
Ö4 Grube:
förmig sind. Der oberste Lappen (/') dehnt sich arn mei-
sten aus und dürfte alsFemurzu betrachten sein, da er sich
am Isten Fusspaar des Männchens (Taf. V. Fig. 4.) entschieden
am stärksten gegen die folgenden drei, näher zusammenge-
hörigen absetzt. Das Endglied des Fusses (Taf. V. Fig. 5 /^)
ist ebenfalls schmal und messerförmig, wie die untern beiden
Lappen des Tibialstücks, und wird von mir deshalb als ei-
genes Glied angesehen , weil es sich gegen jene schon bei
den gewöhnlichen Füssen, ganz besonders aber bei dem Isten
Fusspaar des Männchens, schärfer absetzt, und hier sogar deut-
lich mit dem Tibialtheil eingelenkt ist , indem es die Form
eines Hakens oder einer Klaue angenommen hat und gegen
den untern Rand jenes Theiles einschlägt (Taf. V. Fig. 4. Z""}.
Was endlich die oben erwähnten von dem Aussenrande des
Femoraltheils abgehenden Anhänge betriflFt , so haben wir
zwei zu unterscheiden; der äussere derselben ist ein sehr
langes schmales Blatt , dessen Form man einigermassen mit
einer an ihren Stiel gerade angesetzten Sense vergleichen
kann (Taf. V. Fig. 4,, 5. b' b"}; wo beide zusammenstossen ,
geschieht die Anheftung an den Femoraltheil , von da ab
steigt das Blatt der Sense (6') nach oben, der Stiel (6") nach
unten, während aber der letztere ziemlich mit dem Endglied
des Fusses abschneidet, reicht das mit der Concavität nach
innen sehende Sensenblatt , weit über die Basis des Beines
hinaus in die Höhe , und nimmt den Raum zwischen der
Flanke des Segments und der Innenwand der ausgehöhlten
Schale ein. Zwischen dem Sensenblatt und der Basis des
Beines endlich sitzt der zweite, ebenfalls aufwärts steigende
Anhang (Taf. V. Fig. 4., 5.6), nicht sowohl auf dem Grunde
des Blattrandes, wie ihn Lievin darstellt, als auf dem Ober-
rande des nach aussen vortretenden Femoralstücks. Er hat
das Ansehen eines etwas zusammengedrückten langen und
schmalen Beutels, ist zuweilen mit Flüssigkeit gefüllt, schlauch-
artig angeschwollen (Beutelchen Schaff., vesicale cylindri-
que Joly), und durchaus haarlos, während die andern Anhänge
und Lappen am Rande behaart sind , stimmt aber darin mit
dem sensenförmigen Blatt überein, dass beide viel zarter als
die andern Fusstheile gebaut, und nicht von Muskeln durch-
zogen sind; was von dem Stieltheil (6') weniger gilt. Aus
Bemerkungen über die Phyllopoden. '95
diesem Grunde und weil diese Anhänge an einer Stelle sitzeUj
an welcher bei höher entwickelten Crusiaceen Kiemen vor-
zukommen pflegen, will ich sie die kiemenarligen oder
Branchial-Anhänge, und nach ihrer Lage den einen
den äussern, den andern den Innern nennen, wenn
ich auch nicht mit Sicherheit darlhun kann, dass sie derAlh-
mungsfunction vorstehen. Die Behaarung an den Anhängen
und Lappen ist nicht überall gleich vertheill und dieselbe:
an den Lappen des Femoral-, Tibial- und Tarsustheils ist nur
der Innenrand behaart, am äussern ßranchialanhang aber alle
Ränder meist auch die Strecke des Innenrandes , die dem
Innern haarlosen Anhange (6) zugewandt ist, an den breiten
wenig vortretenden Femoral- und Tibiallappen sehe ich die
Haare oder Borsten in zwei gegen einander geneigten Ebe-
nen, so etwa wie die Arme eines Spanischen Reiters stehen,
(Taf. V. Fig 4., 5.) , und die einen pflegen merklich kürzer
als die andern zu sein , an den übrigen Theilen stehen sie
in einfacher Reihe, und an dem äussern Branchialanhang weit-
läufiger als anderswo. Alle Borsten sind von Grund an ge-
fiedert, die Fiederchen aber erst bei einer mehr als 60fachen
Vergrösserung deutlicher erkennbar , auch überzeugt man
sich bei stärkerer Vergrösserung , dass die Borsten unten
hohl sind und sich das nach innnen von der Oberhaut lie-
gende Gewebe in sie hinein erstreckt. Die längsten Borsten
stehen immer an den Spitzen der messer- und stielförmi-
gen Fortsätze , wie auch am oberen Ende des Sensenblat-
tes und werden nur von den längeren an dem Femoral- und
Tibiallappen übertroffen. Uebrigens liegen nicht alle Theile
der Beine so in einer Ebene ausgebreitet, wie sie in den Fi-
guren 4 bis 8 dargestellt sind, sondern das sensenförmige
Blatt b' ist seiner Quere nach merklich gewölbt, so dass der
Aussenrand entschieden nach hinten sieht und den haarlosen
Branchialanhang etwas umhüllt; der stiellörmige Fortsatz des-
selben ist hingegen ein wenig nach hinten gerichtet. Von
diesem letzteren muss ich noch bemerken , dass er im fri-
schen Zustande eine Andeutung von Gliederung oder weit-
läufiger Querstreifung besitzt, doch habe ich sie nur an Wein-
geistexemplaren so stark gesehen, wie sie Lievin darstellt, ich
zählte dann am Isten Fusspaar des Weibchens 8 bis 9 Glieder,
$ß Grube:
an frisch untersuchten Beinen ist sie oftmals gar nicht wahr-
nehmbar. — Dass man in alle diese Einzelheiten nicht bei
der blossen Betrachtung des lebenden Thieres eindringen
kann, versteht sich von selbst, weder die Stellung, noch die
anhaltende Bewegung der Füsse erlaubt bei der geringen
Durchsichtigkeit der Schale auch nur die grösseren Fort-
sätze und Anhänge genauer kennen zu lernen, allein von der
Gestalt der Branchialanhänge und von dem Gegensalz, den
sie zu den übrigen Fusstheilen bilden , kann man sich auch
ohne zur Zergliederung zu schreiten , auf leichte Weise
eine richtige und überraschende Anschauung verschaffen.
Man darf in das Wasserschälchen, in dem man die lebende
Limnetis unter derLoupe beobachtet, nur einen Tropfen ver-
dünnter Salpetersäure bringen, so beginnen alsbald die Bran-
chialanhänge sich schwach zu röthen und aufzublähen, und
diese Färbung wird in kurzer Zeit so intensiv , dass sie
orange- oder blutroth aussehen, während die übrigen Par-
tien weisslich bleiben , und erst allmählich eine Andeutung
davon zeigen. Da durch die Einwirkung der Salpetersäure die
Bewegung der Körpertheile nicht sobald aufhört, so hat man
Müsse genug, sich an diesem artigen Anblick, dem Spiel der
zweifarbigen heftig schwingenden Füsschen zu erfreuen; al-
lein einen Beweis für die Bedeutung jener Anhänge als Re-
spirationsorgane, wie ich anfänglich gehofft, hatte ich darum
doch nicht gefunden, da andere entschieden blutreiche Kör-
pertheile durch die Salpetersäure nicht gerölhet wurden, hier-
aus also auf keinen besondern Blutreichthum der sogenann-
ten Branchialanhänge , sondern nur auf einen ihnen eigen-
Ihümlichen Farbestoff geschlossen werden konnte. Bringt
man einen solchen Fuss unter das Mikroskop, so erscheinen
die Branchialanhänge wie Schläuche mit gelbrother Flüssig-
keit gelullt, und man kann in ihnen einen Innern, im gesunden
Zustande dem Jlautüberzuge dicht anliegenden zarlwandigen
Sack unterscheiden, in welchem eben die Flüssigkeit enthal-
ten ist, während sie sonst mehr blattartig aussehen und ihr
Inneres aus einer weisslichen weichen von vielen hellen Zwi-
schenräumen durchsetzten Masse besteht. Man überzeugt sich
ferner, dass die blassrothe Färbung, welche allmählich auch
jn den andern Fusstheilen entsteht , sich nicht auf dereij
Bemerkungen über die Phyllopoden. wt
Muskeln erstreckt, sondern an der unter der Haut befindli-
chen Lage haftet. Es ist bekannt, dass auch bei Apus die
entsprechenden unbehaarten Fussanhänge oftmals und von
selbst eine rolhe Färbung annehmen , wie sie Schäffer auch
in seinen Figuren darstellt'); bei Branchipus Josephinae hin-,
gegen habe ich eine solche Veränderung weder von selbst
noch durch Salpetersäure eintreten sehen, ebenso wenig wird
ihrer bei den übrigen Phyllopoden gedacht.
Bevor ich zur Beschreibung der hintern Fusspaare über-
gehe, ist es an der Zeit, einen Blick auf den Bau derFüsse
bei den andern Phyllopoden zu werfen, um sich zu überzeu-
gen , wie derselbe Plan der Anlage überall hindurchgeht,
und welche Modificationen eintreten. Bei Estheria (Isaura)
beschränken sie sich darauf, dass der behaarte Branchialan-
hang in seiner untern Partie merklich an Breite zunimmt, in
der Obern daran abnimmt, dass der Femorallappen getheilt,
und der mittlere der 3 nach unten gerichteten schmalen Lap-
pen, (der unterste desTibialstücks) an den vordem 12 Fuss-
paarcn der längste und schlankeste und deutlich eingelenkt
ist 2), auch erscheint der nächst vorhergehende wenigerlang
und schmal als bei Limnelis. Der Fussbau von Limnadia
scheint ähnlich zu sein. Was ßrogniart hier den „canal re-
current« nennt, ist unser unbehaarter Branchialanhang, und
Joly's „Crochet cilie** unser Kieferfortsatz. Diesen Gattun-
gen schliesst sich am nächsten Apus an: hier haben die bei-
den bei Limnetis breiten Lappen des Femoral- und Tibial-
stücks /',P die schmale zapfenähnliche Gestalt der untern /•^/'^
angenommen, woher auch die Schäffer'schen Bezeichnungen
„spadelähnliche und Blatt-Spitze", wenn sie auch nicht die
Länge der untern und des Endgliedes (SchäfTcr's After-, Un-
ter- und Oberscheere) erreichen, dagegen ist der Kieferfort-
satz (Schäffers Afterzahn) breiter und ansehnlicher geworden,
was auch vom unbehaarten Branchialanhang gilt (Schäffer's
Beulelchen), am behaarten finden wir umgekehrt wie bei Lim-
1) Schäffer der krebsartige KiefenfussAbhandl. von Insect. Bd lt.
Tab. IL, IIL
2) Joly Ann. des scienc. nat. Seconde ser. Tom. XVIL pL 7.
Fig. 7. »; Taf. YIIL Fig. 9. dies. Abhandl.
Archiv f.Naturgesch. XIX. Jahrg. 1. Bd. 7
98 Grube: , ..[rjmotf
nelis die obere Hälfte verschmälert, die untere verbreitert
und beide so gleichmässig in einander übergehend , dass sie
ein oben spitzes, unten abgerundetes dreiseitiges Blatt bilden.
Das Iste Fusspaar von Apus cancriformis (nicht aber produ-
ctus) weicht durch die fadenartige Verlängerung der Tibial-
und des Tarsallappens ab und gewinnt dadurch ein ganz ei-
genthümliches Aussehen, und bei den Füssen hinter dem Uten
Paar, welche Schäffer die geblätterten nennt, erscheint der
Tarsallappen auffallend breit, der äussere Branchialanhang wird
noch kürzer und breiter als bisher, bis zur Form einer bei-
nahe kreisrunden Platte , die Borsten seines Randes spärli-
cher, und der Tibialtheil des Fusses schickt auch an dem
Aussenrande einen bald kleineren bald grösseren ebenfalls
borstentragenden Fortsatz aus, der sich zwischen den äussern
Branchialanhang und die Tarsalplatle schiebt, so dass diese
nun fast mitten am Unterrande des Tibialtheils sitzt (vgl.
Schaeff. Tab. III. Fig.V.). Eine Andeutung hiervon sehe ich
schon bei Estheria. 0- B^i den nackten Phyllopoden endlich
lässt sich die Fussbildung noch am ersten mit dem Typus der
hintern Apusfüsse vergleichen, zeigt aber doch noch einige
eigenthümliche und ganz abweichende Verhältnisse. Der äus-
sere borstentragende Branchialanhang ist verschwunden, der
unbehaarte schlauch- oder beuteiförmige ganz abwärts ge-
richtet, so dass er bis zur Basis des Tarsallappens reicht, und
an die Stelle des äussern Branchialanhangs, der immer unter
jenem entsprang, ein einfaches oder doppeltes oberes Blatt
getreten; diese Blätter haben einen eben so zarten Bau wie
der beuteiförmige Anhang und tragen keine Borsten am Rande,
weshalb ich in ihnen eher wahre Kiemen , als blosse Deck-
oder Schutzblättchen sehen möchte. In den altern Abbildun-
gen von Branchipus sucht man sie vergeblich, findet sie aber
bei Milne Edwards 2), Burmeister 3), Budge ^) und Fischer ^).
1) Vergl. die Abbild, der Füsse von Apus product. Taf. VIII.
Fig. 6—8.
2) Bist. nat. des Crust. pl. 35. Fig. 11. c.
3) Organis, der Trilobit. Taf. Vi. Fig. 12. I.
4) Verband], des naturhist. Vereins der Rheinlande 1846. Taf. I.
Fig. 7.
5) S. Fischer Middendorfs Sibir. Reisen Braacbiopod. ;p, 5. , i
Bemerkungen über die Phyllopoden. 99
Der Fortsalz am Aussenrande des Tibiallheils ist wenig he-»
merkbar. Der Tarsallappen schmal, der Innenrand des Fus-
ses nicht wie sonst 5- sondern 6 -lappig; den obersten Lap-
pen kann man wegen seiner flachgerundeten gestreckten Ge-
stalt und weil er so wenig vorspringt, nicht mehr Kiefertorti.
satz nennen, muss ihn aber zum HüRslück rechnen, den un-^
tersten, die andern an Grösse weit überlreff'enden, als untern
Tibiallappen, die übrigen als obere Tibial- und Femoralläpp-
chen oder überhaupt, da hier eine Gliederung so wenig aus-
geprägt ist, diese alle als Läppchen des Mittelfusstheils be-
trachten. — Nach Rathke's Abbildungen von Artemia Milhau-
senii zu urtheilen (Memoir. der Petersburg. Akad. Tom. IIL
1836. Tab. VL Fig. 19., 20.) würden diesem Phyllopoden jene
obern Branchiallappen fehlen, allein so mittelmassig auch die
in der Dorpater Sammlung bewahrten Weingeistexemplare er-
halten, glaube ich sie doch an einzelnen Füssen gesehen zu
haben und werde hierin durch die Darstellungen und Be^
Schreibungen Joly's 0 und S. Fischer's 2) bestärkt; er ist un-
gemein zart und ebenso wenig aufgebläht wie bei Branchipus,
der untere sackförmige Branchialanhang und die übrigen
Fusstheile stimmen auch mit dieser Gattung überein. Dage-
gen zeigen die Füsschen von Nebalia einen andern und zwar
einen bei weitem einfacheren Bau, indem man, wie auch die
Abbildungen von Milne Edwards lehren ^% nur 3 Theile un-
terscheiden kann: einen schmalen, platten am borstentragen-
den Innenrande nicht mehr lappig eingeschnittenen Stammtheil
und 2 sehr zarte schmal - blattförmige Anhänge an seinem
Aussenrande, neben einander , von denen man den äussern
höher ansitzenden und weit hinabgehenden mit dem obern
Branchialanhang der nackten Phyllopoden, den inneren zwi-
schen ihm und dem Stamm eingeschobenen, mit dem untern
vergleichen könnte, wobei ich jedoch bemerken muss , dass
der erstere nackt, der letztere am Rande behaart ist. Die
hintern Füsse, welche Edwards im Gegensatz zu den vor-
1) Ann. äes spienc. na^. $econde s^rl Tom. XilL Sur l'Artemia
salina pl. 8. Fig. 1.
2) L. c. Taf.VlI. Fig. 36. a.
3) L. c. pL 35. Fif.8., Gnei in Iconogr, Crual. pl.32. Fig.2.A.
100 Grube: r - .ff
dern oder Kiemenlüssen (pieds branchiales) , die Schwimm-
füsse (natatoires) nennt, bestehen aus einem gestreckten Grund-
glied und 2 noch schlankeren Endanhängen ')• Sehen wir
also von Nebalia ab , so ergiebt sich, dass alle Phyllopoden
ausser dem unbehaarten beuteiförmigen Branchialanhang noch
einen zweiten, blattförmigen besitzen, die nackten einen obe-
ren einfachen oder doppelten , ebenfalls unbehaarten , die
schalentragenden einen untern oder äussern, randborstigen,
dass dieser aber nur bei denzweischaligen einen besonderen
Rückenast treibt; was den Innenrand des Fusses anlangt, so
fehlt dem Hüftstück der nackten ein , den Maxillen ähnlicher
weit vorspringender Kieferfortsalz, während ihn die schalen-
tragenden besitzen ; dagegen entwickelt sich die untere Par-
tie des Tibialtheils bei den zweischaligen und an den vordem
Füssen der einschaligen am wenigsten, bei den nackten am
meisten; die zwischenliegenden Läppchen wechseln an Zahl
und Grösse, der Tarsallappen ist immer vorhanden, an den
hinlern Füssen der einschaligen am breitesten.
Was wir bisher von der Fussbildung unserer Limnelis gesagt
haben, bezieht sich nur auf die 7 vorderen Fusspaare derselben :
am IstenFusspaar des Männchens (Taf. V. Fig. 4.) lassen sich
zwar alle an den 6 übrigen vorkommenden Theile nachweisen,
allein das Tibialstück mit seinen Fortsätzen (Fig. 4. 1% l\ /*) und
das Tarsalglied (/^3 nehmen eine andere Gestalt an, indem
sie zu einem bei der Copula thätigen Greiforgan werden. Das
Tibialstück setzt sich schärfer gegen das Femoralstück ab,
seine nach innen gelegene vorragende Partie (der obere Ti-
biallappen der andern Füsse, l^) verdickt sich wie ein fla-
ches Polster, der Innenrand selbst ist stärker convex und aus-
ser den gewöhnlichen Borsten mit einer Längsreihe von 7
oder 8 kurzen starken Stacheln besetzt, die sonst messerför-
migen Fortsätze des Unterrandes (/^/^ werden hier stum-
pfer, und der unterste l^ klauenartig gekrümmt , wobei sich
seine Behaarung nur auf die Spitze beschränkt, das Tarsal-
glied/^ ist in eine noch stärkere und grössere, ganz von Haa-
ren entblösste Klaue umgewandelt, deren Basis mit ihrer gan-
zen Breite von der Vorderwand herabsteigt , wogegen die
1) L. c. pl. 35. Fig. 4., Taf. Vm» Fig. 10., 11. dieser Abhandl
Bemerkungen über die Phyllopoden. 101
andern beiden Anhänge hinten liegen. Die beiden Klauen
schlagen sich gegen den grossen convexen Lappen P ein,
und die Spitze der grösseren Klaue würde, wenn sie sich
anlegte, zwischen die Stacheln desselben eingreifen. Eine
ähnliche Umwandlung tritt bei den Männchen der Isaura ein,
nur mit dem Unterschiede , dass sie sich hier in Ueberein-
stimmung mit der ansehnlicheren Körperlänge und grösseren
Zahl der Fusspaare auf die b e i d e n ersten derselben erstreckt ;
statt der Stachelreihen am Innenrande des grossen Tibiallap-
pens finden wir hier nur einen tiefen Ausschnitt, in den die
Spitze der Endklaue hineinpasst, auch bemerke ich bei mei-
nem Weingeistexemplar dieselbe Verdrehung dieser Fuss-
paare, die Joly abbildet 0, so dass der Aussenrand der un-
tern Fusshälfle nach hinten, der Innenrand und die Spitze
der Klauen nach vorn gerichtet sind, eine Stellung, die wäh-
rend der Copula auch bei Limnetis eintreten muss.
Auf das 7te Fusspaar folgen noch einige andere, min-
der zusammengesetzte, deren Zahl nach dem Geschlecht ver-
schieden ist: beim Weibchen 5, beim Männchen nur noch 3,
so dass jenem 12 , diesem nur 10 Fusspaare zukommen, ein
Geschlechtsunterschied , auf den man bisher nicht geachtet
hat, und der um so auffallender ist, da er bei den so nahe
verwandten Isauren, wenigstens bei J. cycladoides und da-
halacensis nicht vorkommt. Schon 0. Fr. Muller spricht
von 10 oder 12 Fusspaaren 2), ohne jedoch die eine Zahl auf
die Männchen, die andere auf die Weibchen zu beziehen, ich
habe mich aber durch stets wiederholte Untersuchung davon
überzeugt, dass das oben angegebene Verhältniss constant,
also Gesetz ist , und rathe, um bei der Prüfung meiner An-
gabe jeden Irrlhum zu vermeiden, das Thierchen , nachdem
man es durch verdünnte Salpeter- oder eine andere Säure
getödtet und Kopf und Schale abgetrennt, an der Bauchseite
auszubreiten, und durch einen richtig geführten Längsschnitt
zu halbiren. Bei einer Tödtung durch mechanische Mittel
oder Weingeist pflegen sich die Füsschen eng aneinander zu
1) Annales des sciences naturelles Seconde Ser. Tom. XYII.
pl. 7. Fig. 6.
2) Müller Entomostraca p. 70.
legten, und will man sie von dem unverletzten Rumpf einzeln
ablösen, und so die Zählung* veranstalten, so erfordert dies
grössere Vorsicht als die vorgeschlagene Behandlung. Die
Formverschiedenheit dieser hintern sehr kleinen Füsschen be-
steht zuvörderst darin, dass der beuteiförmige haarlose Bran-
chialanhang h verschwunden ist, wie dies die Abbildung am
8ten Fusspaar des Männchens (Taf. V. Fig. 6.) ufid am 9len
(Fig. 7.) darstellt; den beiden letzten Fasspaaren d. h. dem
9ten und lOten des Männchens und dem Uten und 12ten
des Weibchens fehlt auch der Rückenast des behaarten Bran-
chialanhanges (6'), der Bauchast (6") schrumpft zu einem
kurzen aber immer noch mit Borsten umrandeten Stummel
ein, und alle Lappen und Fortsätze des Innen- und Unter-
randes werden einander ähnlicher, die untern indem sie sich
verkürzen, die obern durch Verschmälerung.
Das 9te und lOte Fusspaar des Weibchens endlich zeich-
net sich dadurch aus, dass aus dem Aussenrande nach oben
hin ein dünner drehrunder, griffeiförmiger Theil hervorwächstit
er reicht über die Höhe des Rückens hinaus, ist leicht nach
innen gekrümmt, hohl, an seinem sturtipfabgerundelen Ende
mit einem sehr zarten Haarbüschel versehen, und dient zum
Tragen der Eier, die sich um ihn befestigen (Taf. V. Fig. 1.,
Fig. 8. e, Taf. VI. Fig. 15, 17.) — ich nenne daher diese Or-
gane „die Eierträger." Man könnte zweifelhaft sein, ob man
dieselben als eine Umwandlung des borstenlosen Branchial-
anhanges (&) oder des Rückenastes von dem behaarten (6')
ansehen soll, ich glaube das letztere, da sie die Verlängerung
des eingeschrumpften Bauchastes bilden und der andere Anhang
bereits am 8ten Fusspaar nicht mehr aufgetreten ist. Auch
bei Apus fehlt der innere Branchialanhang an dem eiertra-
genden Fusspaar, er ist in der Jugend vorhanden , schrumpft
aber allmählich ein, und verschwindet sobald sich die Eier-
kapsel bildet (s. Zaddach Tab. IV. Fig. XXIX., XXX.}. Da-
gegen überzeuge ich mich bei einem Exemplar von Isaura,
dass hier neben den Eierträgern noch der innere borsten-
lose Anhang vorkommt , doch fehlt er hier auch den nächst
vorhergehenden und folgenden Füssen nicht , und nur die
3 hintersten scheinen sich in der Art zu vereinfachen wie
das Ute und 12te des Limnetisweibchens. Bei Limnadia sollen
Bemerkungen übbr die Phyllopoden. 103
nachMilne Edwards die Eierträger dös Uten, 12ten und 13ten
Fusspaor sitzen '), doch zeigt die Abbildung von L. mauritiana 2)
sie bloss am 9ten und lOlen , wie ich sie duöh an meinem
Exemplar der Isaura finde, während Strauss-Dürkheim bei
seiner Estheria (Isaura) dahalacensis eine ähnlichen Umwand-
lung am lOten, Uten, 12ten, 13ten und I4ten Fusspaar des
Weibchens beschreibt^). Die einschäligen und nackten Phyl-
lopoden weichen bekanntlich in der Art, wie sie ihre Eier
tragen, von den zweischaligen vollkommen ab , indem Apus
am Uten Fusspaar eine zweiklappige durch Umgestaltung des
äussern Branchialanhanges und der angrenzenden Fusspartie
entstandene Kapsel ^) , Branchipus eineh aus zwei Hälften
verwachsenen an der Bauchseite des Rumpfes hinter dem
letzten Fusspaar hervortretenden Schlauch zu diesem Behuf
besitzt; so ist also nur die Gegend, in welcher diese Or-
gane vorkommen , dieselbe geblieben. Nebalia soll nach
Kroyer die Eichen unter der Schale zwischen den Füsseh bö-*
herbergen.
Der farblosen mehr oder minder langgestreckten Köri>
perchen, welche so häufig an den Borsten aller Füsse ange4
troffen werden, soll weiter unten ausführlicher Erwähnung ge-
schehen.
Die 7 vordem Fusspaare befinden sich in fortgesetzter nach
vorn und hinten schwingender Bewegung, welche nur dann
unterbrochen wird, wenn sich der Körper in seine Schale zu-
rückzieht, und dies kann mehrere Minuten dauern: sie füh-
ren durch die zwischen ihren Kieferfortsätzen gebildete Rinne
dem Munde Nahrung zu, und erneuern das zur Respiration
befindliche Wasser; dass sie keinen Einfluss auf die Ortsbe-
wegung ausüben, rührt daher, weil sie sich in einem seitlich
durch die starke Wölbung der Schalenhälften und vorn durch
den Kopf abgeschlossenen Raum befinden. Dagegen sieht
man die 3 hintern Fusspaare des Männchens utid die 5 hin-
tern des Weibchens nur selten in schwingender Bewegung;
1) Histoire naturelle des Crustaces Tom.III. p.362.
2) L. c. 1^1.35. Fig. 7.
3) Museum Senckenbergianum Bd. II. Heft. 2. p. 125.
4) Zaddach 1. c. Tab. I. Fig. IV.
fÖ4 Grube:
Lievin bemerkte, dass die Thierchen mittels derselben an
Wasserpflanzen herumkrochen. Was die Vertheilung der
Fussmuskeln betrifft, so ist diese ähnlich wie bei Apus. Längs
der Seitenwand jedes Rumpfsegments steigt ein nach unten
spitz zulaufender Fächer von 4 Muskelsträngen zum Hüft-
slück herab; sie müssen den Fuss heben, die vordersten der-
selben ihn zugleich nach vorn, die hinlern nach hinten zie-
hen (Fig. 4. 5. a), diesen entgegengesetzt wirken 2 von der
Bauchseite in das Bein tretende Adductoren (/?). Zwischen bei-
den Systemen befindet sich eines, das vom Hüftstück, und zwar
von da, wo sich die Levatoren ansetzen, herkommt, und seine
4 oder 5 Stränge durch verschiedene Theile des Fusses, na-
mentlich auch zur Basis des Rücken- und wie es scheint
auch des Bauchastes vom äussern Kiemenanhang schickt (y).
Während besondere Quermuskeln (J), welche in schräger
Richtung von der Basis des Rückenastes zum Femoral - und
Tibiallappen gehen , wie die letztgenannten (y) , die quere
Wölbung des Fusses bewirken , thun dies die Stränge ß für
die Wölbung desselben in verticaler Richtung. Der äussere
Kiemenanhang (b' ö") wird durch einen eigenen Längsmus-
kel gekrümmt.
Der Zeitraum, in dem sich die hintern Fusspaare bil-
den , scheint sich auf wenige Tage zu beschränken. So be-
merkte ich am 4ten Mai bei einem so eben aus der Haut
gekrochenen zweischaligen Thierchen noch nicht mehr als 5
Fusspaare, am 5ten Mai ausser jenen, sich lebhaft bewegen-
den noch 2 nur angedeutete, amTtenMai schon 8, und zwar
alle hin- und herschwingend, am löten bei einem Indivi-
duum mit bereits blassgefärbter Schale von 0,52 Lin. Länge,
10 Fusspaare. Wann das Ute und 12te des Weibchens ent-
stehen, und ob das Männchen seine Greiffüsse sogleich bei
der Verwandlung der einschaligen Form in die zvveischalige
oder erst später bekommt, bleibt noch zu untersuchen übrig.
Der Rumpf unserer Limnetis ist etwas drehrund, nach
hinten verjüngt zulaufend , und mit Ausnahme der vorder-
sten Partie, wo sich der Rücken in die Schale fortsetzt,
deutlich gegliedert, so dass ich beim Männchen 10, beim
Weibchen 1 1 Segmente zählen kann, von denen nur das letzte
keine Füssc trägt. Man mu&s es als aus zwei Ringeln zu-
Bemerkungen über die Phyllopoden.
fW
sammengesetzl ansehen, indem es bei Limnelis durch eine
vollständige, bei Isaura durch eine nur unten angedeutete
Ringfurche in eine vordere kurze und eine lange Hinterhälfte
zerfällt. Jene trägt an der Unterseite einen breiten Anhang
von Gestalt einer halbkreisrunden, feinbehaarten, oft fast
horizontal fortgestreckten und sich an die Hinterhälfte anle-
genden Platte (Taf. V. Fig. l. 2. 9. ic), die Endhälfte ist hin-
ten, wo der After mündet, durch eine senkrechte tiefe Ein-
kerbung in zwei seitliche Lippen gelheilt, der Hinterrand
derselben schräg abgestutzt, sehr kurz und fein behaart, un-
terhalb der obern Ecke mit einer längern Borste versehen^
die untere Ecke in einen kurzen weichen Spornzipfel aus-
gezogen. Statt der Haarbüschel, Dörnchen und Haken, die
der Rücken von Isaura trägt, findet man bei Limnelis nur den
Hinterrand der Segmente mit einer weitläufigen Reihe zarter
kurzer Borsten besetzt. Beim Schwimmen wird der Rumpf
leicht S - förmig gebogen, und so gestreckt, dass sein End-
segment über den hintern Schalenrand hinausragt, soll aber
die Schale geschlossen werden , so legt er sich in eine ih-
rem Rücken entsprechende Krümmung, was durch die beiden
geraden von der Unterwand des Kopfes entspringenden Bauch«i
muskeln bewirkt wird. Am Rücken sehen wir ähnlich gela-
gerte Muskeln. Vergleicht man den Rumpf der zweischali-
gen und der übrigen Phyllopoden, so muss bei jenen die
Kürze der fusslosen Partie auffallen, welche bei Apus 4 bis 6,
bei Branchipus sogar 9 Segmente umfasst. Nebalia nähert
sich in dieser Hinsicht den zvveischaligen, entfernt sich aber
wieder von ihnen dadurch, dass die vordem 8 Fusspaare
breit und blaltartig, die folgenden 4 schlanker und gabelästig
gebaut sind, mit langem Grundgliede 0- *
Ich gehe nunmehr zur Betrachtung der Schale über
CTaf. V. Fig. 1. 2. 3. Taf. VII. Fig. 21. 22). Sie besteht aus
zwei am Rücken durch eine blosse Falte gesonderten Hälf-
ten, weshalb man nur uneigentlich von zwei Schalen sprechen
kann, und ähnelt ihrer ganzen Gestalt nach viel mehr einer
Cyclas als die der Isaura cycladoides, die davon ihren Na-
men trägt , doch besitzt sie keine Andeutung von Wirbeln
1) Milnc Edwards Histoirc naturelle des Crustaces pl. 35. Fig. %
und cöncöntrischen Streifen wie jene. Sie ist vielmehr ganz
glatt, auch ohne Randhaare, dabei von ansehnlicher Diclie,
wie man am Rande erliennen liann, ihrem verticalen Umfange
nach ziemlich stumpf eiförmig, vorn merklich höher als hinten,
i^tark gewölbt, und erreicht nicht selten eine Länge von 1,5 Lin.
bei einer Höhe von 1,25 Lin. Ihre Substanz besteht nach
der Untersuchung meines geehrten Collegen C. Schmidt aus
Chitin und amorphem kohlensaurem Kalk, letzterem aber nur
in so geringer Menge , dass ihr kaum eine pergamentartige
Festigkeit zukommt, ihre Wölbung nimmt durch Druck Ein-
J)iegungen an, die sich durch seitlichen Gegendruck nur schwer
ausgleichen lassen. Anfangs vollkommen farblos, verliert sie
mit ihrer allmählichen Verdickung diese Eigenschaft, bleibt
nur durchscheinend , und färbt sich bräunlichgelb, olivengrün
oder rein lauchgrün ; letzteres habe ich vorzugsweise, doch
hiclit ausschliesslich, bei Männchen bemerkt, auch zeigen
Thiere aus derselben Lache verschiedene Färbung. Chemi-
sche Zusammensetzung und Structurverhältnisse der Schale
stimmen mit Isaura überein. Ihren Bau fasse ich so auf, dass
ich an ihr drei Blätter unterscheide , von denen das äussere
hauptsachlich und das innere wohl ausschliesslich Oberhaut
sind und am Rande in einander übergehen, dass mittlere,
minder consistent und mehr eine dünne Schicht als ein Blatt
zu nennen, dabei sehr blutreich, muss als Matrix von jenen
betrachtet werden und ist die Partie, welcher die ovale, aus
zackigen concentrischen Streifen gebildete, sogleich in's Auge
fallende Zeichnung angehört. Man kann diese Blätter am
leichtesten erkennen und gesondert darstellen, wenn man das
Thier in salpetersaurem Wasser tödtet, und einige Stunden
darin liegen lässt; alsdann hat sich zwischen dem äussern
und Innern Blatt der Schale eine so grosse Menge Flüssigkeit
gesammelt, dass sie wie ein Paar flachgedrückter durch einen
ziemlich scharf markirlen Miltellheil verbundener Säcke aus-
sieht, in welchen sich die eingeschlossene, nun fester ge-
wordene Mittelschicht als eine eigene Lamelle abhebt. Der
Mittelraum zwischen den beiden Schalenhälften wird von oben
durch die scharfe Falte, durch welche ihre Aussenwände in
einander übergehen, unten aber durch die Stellen begrenzt,
gn welchen .ihre Innenwände in die Epidermis des Rumpfes
Bemerkungen über die Phyllopoden. tM
umbiegen , und ist so stark aufgetrieben , dass er den sonst
in der Schale versteckten Leib ganz hervorgedrängt hat.
Dasselbe ereignet sich zuweilen bei lebenden Thieren, die
längere Zeit im Zimmer in demselben Wasser aufbewahrt
sind. Durch jene Auflreibungen verlängert sich zugleich der
Muskel bedeutend , der quer durch den Rumpf unterhalb des
vordem Darnilheils von einer Schalenhälfte zur andern geht
und beide an einander zieht (Taf. V. Fig. 1. 2. Taf.VII. Fig.
21. 22. 23. m^), und man erkennt nun sehr deutlich , dass
seine Fasern kurz in die durch die Säure fester geronnene
Mittelschicht ausstrahlen. Diese Stelle liegt wie in dem Fo-
cus einer elliptischen oder ovalen , aus concentrischen Bän*
dern gebildeten Figur , deren scharfzackige Ränder an die
Zeichnungen eines Feslungsachates erinnern; von dem Um-
kreis dieser Figur aus erstreckt sich eine Menge netzartig
verbundener blutführender sehr zarter Kanäle, deren Maschen
eine Unzahl winziger bei durchfallendem Lichte dunklerer
Inselchen umschliessen. Lievin hat diese Partie der Schale
(auf Taf. I. Fig. 4 seiner Abhandlung) abgebildet, ohne näher
auf ihre Beschaffenheit einzugehen, Joly ^} beschreibt die
bandartigen Streifen bei Isaura als „canaux concentriques
renfermant le suc destine ä l'agrandissement de la coquille,**
Zaddach 2) die ganz ähnlichen in der Schale von Apus vor-*-
kommenden als hohle durch schmale Streifen von Schalen-
substanz getrennte Gänge, nennt sie Kanäle (Canales) im Ge-
gensatze von Gefässen (Vasa}, und giebt ihre Zahl in jeder
Schalenhälfle beim erwachsenen Thier auf 7 oder 9 an, nämr
lieh einen unpaarigen (1. c. Tab. II. Fig. I. X. c'} und jederrt
seits daneben 3 oder 4 (c^, c'', c\ und Fig. X. c^) , die zu*
nächst an dem unpaarigen liegenden c^ sollen am Hinterende
in einander, der zweite und dritte jederseits c^ und c^ am
Vorderende in einander, am Ilinterende jeder für sich in den
gleichnamigen der andern Seite umbiegen, der vierte c^ nach
aussen weniger scharf begrenzt sein. Auch Zaddach's Vor-,
ganger haben diese Figur als aus Kanälen bestehend angese*.
hen, doch die Zahl derselben zum Theil geringer angege-
1) Joly 1. c. p. 303., 348. Fig. 43. y.
2) Zaddach o. c. p. 12.
f(M M^höqoUydl Grub ct'f'^?}""^'^^'^«''»^
ben. Ich vermisse sie bei den einschaligen Limnetislarven,
sehe sie aber schon deutlich bei ganz jungen zwcischaligen
Thieren, und kann immer nur einen mittleren unpaarigen ge-
raden Streifen und rechts und links von ihm drei andere, an
den Enden scharf umgebogene und am Hinterende paarweise
in einander übergehende erkennen, welche sich um den Mus-
kelansatz und den unpaarigen Mittelstreifen in Gestalt eines
Ovals herumziehen. Dies Oval ist bei Limnetis gleichmässig
und etwas kürzer als bei Isaura, wo ich, von Joly abwei-
chend, den Hinterrand in der Mitte stark eingezogen sehe,
was damit zusammenhängt , dass der Schalenschliessmuskel
hier zweitheilig ist , und seine obere Partie in den Wirbel
der Schale hineinzieht; bei Apus aber ist die Figur noch
gestreckter und etwas bohnenförmig. Die paarigen Streifen
kann man in Bezug auf die hintere Umbiegung als die Schen-
kel dreier Bogen betrachten, von denen wir den dem unpaarigen
Streifen zunächst liegenden mit I, den darauffolgenden mit H,
den äussersten mit HI bezeichnen wollen. Der unpaarige liegt
unmittelbar oberhalb des Muskels und läuft von vorn nach
hinten , endigt blind , und legt sich hier in die scharfe Um-
biegung des Bogens I, er sieht dünnwandig aus , und seine
Ränder sind höchstens etwas wellig, die paarigen dagegen
haben das Ansehen gallertiger oder überhaupt durchschei-
nender Wülste mit zackigen Rändern, welche durch sehr
schmale Gräben gelrennt sind. Die Zacken sind kurz, un-
gleich spitz, folgen rasch auf einander, und erinnern in ih-
rer Gestalt an Knochennähle, mitunter gehen auch wohl ei-
nige Zacken in die ihnen begegnenden des angrenzenden
Wulstes über. Die Betrachtung des Durchschnittes lehrt, dass
sowohl der unpaarige als die anscheinend soliden wulstigen
Streifen hohl sind, wovon man sich noch leichler bei Apus
überzeugen kann, ob aber ihre Höhlungen, und wie sie an
den Vorderenden in einander übergehen, ist schwer zu er-
mitteln und mir nicht ganz klar geworden, meistens schienen
die Schenkel des Bogens I an dem Vorderende in die des
Bogens III überzugehen, wodurch denn eine geschlossene
Figur entsteht, während die Schenkel des Bogens II weiter
nach vorn hinausliefen und hier den Muskel zu umgehen
schienen, in manchen Fällen aber kam es mir vor, als wenn
Bemerkungen über die Phyllopoden. 109
nur der untere Schenkel des Bog-ens I und III in einander
umböge, der obere Schenkel III aber in den entsprechenden
des Bogens II überginge , und der unlere Schenkel des Bo-
gens II, der obere des Bogens I vorn um den Muskel her-f
umträten. Bei Apus sah ich gewöhnlich die Schenkel der
Bogen I und II am Vorderende in einander umbiegen und
die des Bogens III weiter nach vorn laufen, aber zuweilen
galt dies nur für die innere Hälfte, und in der äussern ver-
einigten sich die Schenkel von I und III, wogegen hier der
Schenkel weiter nach vorn ging. Einen offenbaren Zusamr
menhang mit dem unpaarigen Streifen habe ich nie wahrge-
nommen, ebensowenig eine ßlutcirculation in diesen Kanälen
bemerken können, wohl aber sah ich einen Blutstrom um den
äussersten Wulst herumziehen, der sich in zahllosen Bächen
überall hin zwischen den Inselchen der mittleren Schalen-
schicht verbreitete. Wenn ich bei einem lebenden Thier die
eine Schalenhälfte so rasch und vorsichtig als möglich ab-
löste, oder sie bloss so stark vom Rumpfe abbog, dass man
ihre Innenfläche übersehen konnte, so fand ich regelmässig
den unpaarigen Blindkanal mit einer blassgrünen Flüssigkeit ge-
füllt, die wohl nichts anderes als Blut sein kann. Dieselbe Fär-
bungzeigte sich an dem Kanal II, wogegen die andern Kanäle
farblos wie gewöhnlich aussahen, ein Unterschied, den die
Beobachter bei Apus nicht angeben. Jedenfalls scheint der
unpaarige Kanal der Hauptbehälter, und von ihm aus scheint
das Blut in die Schale vertheilt zu werden. Legte ich ein
Thierchen in Aelhcr, worauf sogleich der Tod erfolgte, und
untersuchte nach einiger Zeit die Schale, so fand ich allein
den unpaarigen Behälter gelbbräunlich oder rostbraun ge-
färbt, die Wülste aber ebenso farblos als sonst. Salpeter-
säure führte durchaus nicht jene lebhafte Röthung herbei, die
wir bei den Branchialanhängen der Füsse beschrieben ha-r
ben. Die Inselchen der mittleren Schalenschicht sind etwas
zackig (Taf. VII. Fig. 25.) und haben ein ähnliches gallertiges
Aussehen wie die Wülste; bei jungen zweischaligen Thieren
konnte ich sie noch nicht wahrnehmen, sondern sah die ganze
Schalenwand mit rundlichen leichtgetrübten Zellen angefüllt,
aus deren Umwandlung jene hervorgegangen scheinen, bei
erwachsenen, die ich durch Aether getödtel und dann einige
in .ii-.r..M.Mfi,;i- Grübet :i"<..-.?r
Zeit in Weingeist aufbewahrt halte, glaube ich ähnliche Zel-
len auch in den Wülsten bemerkt zu haben. Das äusserste
und innerste Blatt der Schale besitzen eine sehr ungleiche
Dicke, das letztere ist sehr zart, das erstere, wie man am
Rande sehen kann, sehr viel stärker, doch nicht aus meh-
reren Lamellen zusammengesetzt, wie ich sogleich erörtern
Werde. Wenn man nämlich die Randpartie der Schalenfläche
bei einer auch nur öOfachen Vergrösserung untersucht, zeigt
sich in derselben ringsum eine starre netzförmige Zeichnung
von meist sechseckigen durch doppelte Contoure begrenzten
Maschen (Taf.VII. Fig. 25), deren Durchmesser etwa 0,006 bis
0,010 Lin. Doch erreicht dieses Netzwerk von grossen star-
ken Maschen nicht den Rand selbst, sondern wird durch eine
schmale Zone von anderem Ansehen von ihm getrennt. Sie
erscheint, wenn man die Schalenblätter noch nicht getrennt
hat, wie ein heller innerer Randsaum, was davon herrührt,
dass auf der Grenze dieses Randsaumes die mittlere weiche
teinder durchsichtige Schalenschicht aufhört oder sehr zart
werden muss ; so dass hier die beiden durchsichtigen Blätter
unmittelbar oder doch sehr nahe auf einander liegen. Die
Maschen- Zeichnung muss von einer einfachen Zellenschicht
herrühren und kann nur dem äussersten Schalenblalt ange-
hören , da man das mittlere weiche und das innerste zarte
Blatt abschaben, und durch Zerren entfernen kann, ohne dass
jenem Muster Eintrag geschieht, in dem hellen inneren Rand-
saum erkennt man ebenfalls Zellen , doch haben sie weniger
starke Contoure und einen kleineren Durchmesser (Fig. 25. R).
Im Ganzen konnte ich etwa 5 — 6 concentrische Reihen sol-
cher kleinerer Zellen in dem hellen innern Randsaum und 25
— 30 Reihen von den grösseren, nach innen von ihm gelegenen
unterscheiden, die innersten wurden etwas grösser als die
meisten andern , aber auch undeutlicher , bis sie endlich in
den structurlosen Theil des äussersten Schalenblatts verschwan-
den. Ebenso struclurlos finde ich das ganze Innenblatt. Der
Rand selbst zeigt sich mehr oder minder regelmässig ge-
zackt (Fig. 25. r r) oder vielmehr gekerbt.
Bei Isaura habe ich durchaus weder eine helle Rand-
zone noch eine maschige Zeichnung bemerkt, auch erwähnt
Joly ihrer nicht. Joly beschreibt die Schalenhäutung von
Bemerkungen über die Phyllopoden. wl
Isaura in der Art, dass sich nur das Innenblatt der Schale
ablöst und hier die neug^ebildele Schicht an die Oberfläche
tritt, wogegen dies bei dem Aussenblalt nicht stattfinden,
sondern dasselbe sich durch die neu hinzukommenden Schich-
ten von unten her verdicken soll , so dass die Schale ihre
oft durch Schmutz verunreinigte und mit kleinen andern Or-
ganismen besetzte Oberfläche behält. Ich muss off'en geste-
hen, dass ich bei unserer Limnetis, nachdem sie die zwei-
schalige Form angenommen, weder unter meinen Augen eine
Häutung beobachtet, noch auch irgend wann eine abgewor-
fene Hülle gefunden habe , obschon sich doch manche Indi-
viduen und zwar vom verschiedensten Alter 6 bis 7 Tage
lebend in meinem Zimmer erhielten. Bei Isaura wie bei Apus
caucriformis geht die Häutung Nachts vor sich. - • •» »'
Aus dem grossen Blutreich thum der Schale, d«ir' Zftrt-}-
heit des Innenblatles, welche das Blut dem Wasser zugäng-
lich macht und der steten Erneuerung des letzteren durch
die hin- und herschwingenden Rückenäste der Fösschen, lässt
sich mit Recht vermuthen, dass sie die Rolle eines Athmungs-
organes spielt, und dass ausser ihr auch die so zarthäutigen,
von weniger oder gar keinen Muskelsträngen durchzogenen
Branchialanhänge als solche fungiren, ist mir sehr wahrschein-
lich, wenn ich hier auch die Circulation aus den oben ange-
führten Gründen nicht beobachten konnte. Namentlich wird
dies von dem inneren unbehaarten Rückenanhang b gelten^
den man öfters von Flüssigiieit beutelartig aufgetrieben findet
(bei Weingeistexemplaren der Estheria dahalacensis sah ihn
Strauss- Dürckheim mit rothbrauner teigartiger Masse gefällt)
— der Rückenast des borstenartigen Branchialanhanges iß
lässt sich mehr mit einem Kiemendeckblatt vergleichen, was
auch schon andere Forscher ausgesprochen haben, der un-
tere stielartige mehr mit Muskeln erfüllte b" kann weniger in
Betracht kommen.
Der Darmkanal der Limnetis (Ta f. VH. Fig. 21. 23. c?)
ist wie bei allen Phyllopoden ein gerades, nur vorn herab-
gebogenes , den ganzen Körper durchziehendes Rohr. Die
vorderste Abtheilung, der Oesophagus, ist ganz kurz und scheint
durch einige Muskeln sowohl an die vordere Kopfwand als
auch hinten befestigt , die hintern gehen in die Sehne de^"
iiifi .. Jw^..-. Grube:
Mandibelmuskeln über. Der kaum weitere Magen nimmt die
Kniebiegung ein, und vorn mündet in ihn jederseits durch
einen ansehnlichen Gang ein flach traubenförmiges , bräun-
lichgelbes, mitunter weisses Organ (Taf. VII. Fig. 23., 26. S),
welches in den schnabelförmigen Kopftheil fast bis zur Spitze
herabhängt; und aus einem Hauptkanal mit 5 bis 7 Paar ge-
lappten, nach der Spitze hin kleiner werdenden, ihm anhän-
genden ßlindsäckchen besteht. Die eine Reihe ist nach
vorn, die andere nach hinten gerichtet, und das obere Säck-
chen der letzleren, das grosseste, erstreckt sich bis in die
Wurzel der Oberlippe. Diese beiden dicht an einander lie-
genden nur durch ein paar Muskelstränge, und den Oesopha-
gus und seinen Nervenring getrennten Secretionsorgane kön-
nen als Speicheldrüsen aufgefasst, auch mit den Appendices
pyloricae der Fische verglichen werden. Wir haben oben
gezeigt, dass sie als Ausstülpung des Magens entstehen und
Anfangs lebhafte Contraction und Expansion zeigen '). Wei-
terhin werden sie dann durch Ausläufer zusammengesetzter,
wenn diese auch nicht so verästelt und so zahlreich wie bei
Apus auftreten , wogegen diese Organe bei Branchipus und
Artemia einfacher erscheinen. Es wäre sehr auffallend, wenn
sie bei Isaura gänzlich fehlten, wie man aus Joly's Schwei-
gen entnehmen müsste, ich glaube vielmehr, dass seine „mas-
ses d'apparence glanduleuse entourant le cerveau", von de-
nen er vermuthet, dass sie ein Hirnanhang seien , oder die
Bindemasse der Eier absonderten 2), nichts anderes wie diese
Organe sind. Ihre Wandung ist durchsichtig, fast farblos,
dicker als die des Darms, und enthält wie diese kleine Körn-
chen, die wohl einer Drüsenschicht entsprechen, und spärliche
Muskelfasern (?). Die Darmwandung besteht abgesehen von
dem auskleidenden Epithelium hauptsächlich aus Ringmuskeln,
die Längsmuskeln stehen weiter aus einander, und beschrän-
ken sich gegen den Mastdarm hin nur auf 8 dünne Züge;
dieser Theil ist mitten etwas angeschwollen.
1) Lievin bemerkte auch bei erwachsenen Thieren eine langsame
Contraction, mitunter selbst ein Zurücktreten von Darminhalt in sie
hinein.
2) Annal. des sfcienc. nat. Seconde Serie Tom. XVII. p.311,
Fig. 21. d.
Bemerkungen übet die Phyllopoden. 113
Den Darm finde ich fast beständig mit schwarzbraunem
oder grauen Inhalt, vermuthtlich zerstörter organischer Sub-
stanz gefüllt, die kurzen wurslförmigen Excremente werden
oft, bei Weibchen öfters selbst während der Begattung, ent-
leert, und bleiben mitunter eine Zeit lang am After hängen,
so dass die Thierchen mittels derselben an Wasserpflanzen
kleben bleiben.
Bei dem von mir beobachteten Branchipus bildete der
Darminhalt einen dunkelbraunen Strang, der im vorderen
Theile des Darms dünner und geschlängelt, im hintern dicker
und in den letzten Segmenten ganz gerade war, während
das Darmrohr selbst überall denselben Durchmesser zeigte.
War in ihm wenig enthalten, so wurden die Excrementbal-
len vom Hinterende bis zum Kopfe und in umgekehrter Rich-
tung ruckweise hin und her getrieben. Die Mandibeln be-
wegten sich oft, auch ohne Nahrung zwischen sich zu haben,
eben so rythmisch wie die Füsse , beim Fressen schlagen
Mandibeln und Maxillen zusammen , während die Oberlippe
etwas nach hinten gezogen und ihre Spitze gehoben wird. Alle
im Wasser umherschwimmenden gröberen Theilchen treibt die
Bewegung der Füsse längs ihrem Aussenrande nach hinten fort.
Die Schwierigkeit, den Blutlauf bei erwachsenen
Thieren zu beobachten , liegt nach meinen Erfahrungen we-
niger in der Kleinheit und Spärlichkeit der Blutkörperchen,
wie Lievin meint, als in der unvollkommenen Durchsichtig-
keit und starken Wölbung der Schale, in den fast ununter-
brochenen Schwingungen der Füsse, deren Rückenäste den
grössten Theil vom Rücken des Leibes bedecken und das
Auge stören , und in der Unruhe der Ortsbewegungen , die
man durch künstliche Mittel beschwichtigen muss. Bei den
Erwachsenen ist das Herz (Fig. 23. F) etwas gestreckter als
bei der einschaligen Larve, und ziemlich spindelförmig, die
Mitte dicker. Vorder - und Hinterende verjüngt zulaufend und
abgerundet , wobei der obere und untere Contour drei lange
sanfte Wellenrücken bildet. Es beginnt, wie bei der Larve,
unmittelbar hinter dem Kopfe, und zieht sich durch die vier
ersten fusstragenden Segmente; an der Grenze je zweier
scheint eine seitliche verticale Spaltöffnung zu liegen, so
dass jederseits drei vorhanden wären, durch welche das hin-
Arcbiv f. Naturgescb. XIX. Jahrg. l.Bd. g
114 Grube:
ten geschlossene Herz das Blut aufnimmt , welches in den
dasselbe umgebenden Raum aus Körper und Schale zusam-
menströmt. Ob dieser Raum mit einer eigenen Membran aus-
gekleidet sei, und ob überhaupt das Blut in wahren Gefässen
oder blossen Lücken des Körpers ströme , ist eine Untersu-
chung, zu der sich unsere Limnetis nicht eignet, ich kann
nur sagen, dass die Circulation an den dem Auge zugäng-
lichen Stellen sehr regelmässig fortgeht , und ihre Bahnen
festhält. Der Austritt des Blutes aus dem Herzen findet vorn
statt, ohne dass ich jedoch die Oeffnung selbst genauer er-
kannt hätte ; die Ringmuskeln der Wandung , durch deren
Contraction es geschieht, kann man sowohl bei Jüngern wie
altern lebenden Thieren unterscheiden, wenn diese eine durch-
sichtige Schale besitzen. Die Einzelheiten des Blutlaufs in
den verschiedenen Körpertheilen zu ergründen, ist unmög-
lich, namentlich gilt dies von den Füssen, die bei ihrer von
vorn nach hinten plattgedrückten Gestalt dem Beobachter im-
mer nur den Rand zukehren, und sich gegenseitig verdecken.
In der Schale sieht man das Blut aus der Gegend des Scha-
lenschliessers herkommen , und , wie schon erwähnt, aus ei-
nem das Oval der wulstigen Kanäle umgebenden Strömchen
in zahlreichen Rinnen nach allen Richtungen gegen die Pe-
ripherie hin fliessen, wo es ein gegen den Kopf hin gehender
Zug von Blutkörperchen aufnimmt; er verschwindet am Vor-
derende des Herzens, tritt also vermuthlich geradezu in das-
selbe oder in den es umgebenden Raum. Der vorn aus dem
Herzen kommende Strom von dicht gedrängten Blutkörper-
chen findet sogleich ein kleines Hinderniss an der zwischen
dem vordem und hintern Theil des Kopfes befindlichen Ein-
senkung, biegt um sie herum, und fliesst dann theils längs
dem Rückenrande des Kopfschnabels , theils abwärts hinter
der Insertionsstelle der Ruderantennen weiter; der vordere
Strom bespült die Augen, breitet sich über die drüsigen An-
hänge des Magens aus , wendet sich zur hintern Kopfwand
und dann weiter zur untern Rumpffläche. Ob alles aus dem
Kopf in den Rumpf tretende Blut in die Schale fliesst, wie
Lievin bei Sida angiebt , oder ob nur ein Theil desselben,
wie Zaddach bei Apus fand , habe ich aus den oben ange-
führten Gründen nicht untersuchen können.
Bemerkungen über die Phyllopoden. ilß
Bei Branchipus Josepliinae wie bei den andern Arten
dieser Gattung endet das Herz im vorletzten Segment, es hat
in jedem Segment (etwa am Ende des zweiten Dritttheils)
ein Paar mit einer Klappe versehene Spalten , durch welche
das Blut einströmt, ausserdem beschreibt Budge am Hinter-
ende noch eine unpaarige Oeffnung '), deren Anwesenheit
mir nicht aufgefallen war, Joly sagt bei Artemia salina, dass
nur eine hintere vorhanden sei. Im Herzen fliesst das Blut
nach vorn , wo es ausgetrieben wird , um sich in die ver-
schiedenen Partieen des Körpers zu verlheilen : in die Au-
genstiele tritt es fast ringsum herein , aber nur in einem
Strömchen längs dem Hinterrande hinaus , ähnlich verhält es
sich mit den hinteren hornförmigen Antennen, während ich
in den vorderen fadenförmigen durchaus keine Circulation
bemerken konnte. In die Füsse tritt das Blut, so viel ich
gesehen, von der Vorderseite und fliesst hinten aufwärts und
in das zugehörige Segment. Rechts und links neben dem
Herzen treiben die Blutkörperchen in einem ansehnlichen Strome
von vorn nach hinten, ein Theil schlüpft sogleich in die seit-
lichen Spalten desselben, der andere zieht bis an das Kör-
perende. Was Apus betrifft, so muss ich auf die sehr aus-
führliche Beschreibung seines Blutlaufs in der von Zaddach
gelieferten Arbeit verweisen.
Die Blutkörperchen von Limnetis sind schmal oval, ziemlich
gleich gross, und die Farbe der Blutflüssigkeit scheint grün-
lich : bei einem jungen und auch einem erwachsenen ganz
bleichsuchtig aussehenden Individuum konnte ich gar keine
Blutkörperchen entdecken, bei andern ebenfalls blassen waren
sie mindestens nur sehr spärlich vorhanden. — Werfen wir
zum Schlüsse noch einen Blick auf das Herz der nächst-
verwandten Gattung Isaura; da mir keine andere Data ihres
Circulationsapparats vorliegen, so scheint dasselbe, trotz der
bei weitem ansehnlicheren Körperlänge , eine ganz ähnliche
kurze Form zu besitzen, wenigstens zeigt die Abbildung der
jungen zweischaligen Isaura 2), dass es sich bloss durch die 4
ersten Segmente erstreckt, und Joly glaubt, dass es sich beim
1) L. c. p. 93.
2) Joly 1. 0. Fig. 43. r.
116 ..i'Uoi{o\WiV Grube:
erwachsenen Thier nicht anders verhält. Diese Kürze muss
auffallen, wenn man damit das durch 1 1 Segmente hindurch-
gehende Herz von Apus, und vollends das von Branchipus
und Artemia vergleicht, bei denen es die ganze Rumpflänge
einnimmt, und man sieht offenbar, wie sehr sich auch in die-
ser Beziehung die zweischaligen Phyllopoden den Cladoce-
ren nähern.
Dass ich von dem Nervensystem unserer Limnetis keine
ausführliche Beschreibung liefern kann, wird die Kleinheit und
geringe Durchsichtigkeit ihres Körpers, sowie die Schwierigkeit
des Präparirens erklärlich machen. Was ich auf dem letz-
genannten Wege ermitteln konnte, war Folgendes: Die Mund-
öffnung umgiebt ein gestreckter Nervenring, dessen Schen-
kel vorn in ein sehr ansehnliches fast länglich rechteckiges
breitgedrücktes Hirnganglion übergehen (Fig. 26. c), sie tre-
ten von hinten in seine Basis, während vorn aus jeder Ecke
derselben ein zarter Nerv entsteht (Fig. 26. i), der sich, längs
den drüsigen Magenanhängen (S) verlaufend zu den Tast-
antennen begiebt. Am obern Rande des Ganglions treten
nach hinten und oben die beiden mitten merklich angeschwol-
lenen Sehnerven hervor (Fig. 26. o), von denen jeder zu ei-
nem der mit einander verschmolzenen zusammengesetzten
Augen geht (Fig. 26. 0') ; zwischen und vor den Sehnerven
sieht man auf dem Ganglion eine fast halb eiförmige Erha-
benheit sitzen , deren obere flache Seite das einfache Auge
trägt (Fig. 26. 0). Die Schenkel des Mundringes (Fig. 26. w)
sind sehr dünn und ungefähr in der Mitte ihres Verlaufs
durch eine zarte um die Wurzel der Oberlippe herumlaufende
Brücke verbunden (Fig. 26.5), nachdem jeder vorher zwei
Aeste nach aussen zu den Adductoren der Ruderantennen
geschickt hat (Fig. 26. 2). Hinter den Ursprüngen dieses Brük-
kenbogens schwillt jeder Schenkel zu einem länglichen Gang-
lion (y) an, welches wahrscheinlich der Anschwellung D am
Mundringe von Apus in Zaddach's Fig. V. Tab. HI entspricht,
und vermuthlich durch einen Querfaden mit dem der andern
Seite zusammenhängt. Hierauf nähern sich die Schenkel,
indem sie sich allmählich verdicken, und setzen sich in die
Bauchstränge fort, welche in jedem Segment eine wenig
scharf abgegrenzte, durch eine Commissur verbundene An-
Bemerkungen ftber die Phyllopoden. 117
Schwellung- bilden. An einigen vorderen Segmenten schien
mir die Commissur einfach, an den hintern aber bestand sie
deutlich aus zwei von einander getrennten Strängen (Fig. 27);
hiedurch und indem die Bauchstränge ziemlich weit und wei-
ter als bei Apus aus einander liegen ^), gewinnt dieser Theil
des Nervensystems durchaus das Ansehen einer Strickleiter.
Aus mehreren dieser Ganglien sah ich drei Fäden nach aussen
treten. Das vorderste Ganglienpaar (Fig. 26. M} versorgt die
Mandibeln und schickt ausserdem noch einen Nerven nach
vorn und innen ab, den ich aber nicht weiter verfolgen konnte,
und der vermuthlich dem Nerven k in Zaddach's Fig. V. Tab. III
entspricht, das zweite (JW') dient wahrscheinlich für die Ma-
xillen, die folgenden gehören zu den Rumpffussen. Jene vor-
deren Ganglien sind besonders schwer herauszupräpariren,
weil sie unmittelbar von den sehr festen Aponeurosen der
hier in einander übergehenden Mandibel- und Ruderantennen-
muskeln bedeckt sind, ich habe niemals die Fig. 26 gegebene
Darstellung des Mundringes nach einem einzigen Präparat
entwerfen können, sondern war genöthigt, dieselbe aus meh-
reren zu combiniren. Die Dicke der Nervenstränge fand ich
gegen das Körperende hin nur 0,028 Lin., die der einen Com-
missur 0,015 Lin. , der andern nur 0,003 Lin. , gegen den
Mund hin nimmt die Dicke der Slränge bis auf 0,036 Lin. zu,
und die der Brücken, wo sie ungetheilt sind, beträgt hier
0,022 Lin. Von den übrigen Phyllopoden kennen wir nur
das Nervensystem bei Apus, und zwar durch die vortreffliche
Arbeit Zaddach's. Die Grundzüge dieses Nervensystems sind
dieselben wie bei unserer Limnetis, deren Kleinheit mir für
jetzt nicht weiter in seiner Erkenntniss vorzudringen gestat-
tete. Von Isaura und Artemia haben wir nur eine Darstel-
lung der Augennerven, und meine Exemplare sind so wenig
gut erhalten, dass ich ihre Zergliederung ohne Erfolg ver-
suchen würde.
So leicht sich äusserlich die Geschlechter der Limne-
tis durch die Kopfform, die Zahl und die Gestalt der Fuss-
paare unterscheiden lassen, so ist es mir doch nur mit Mühe
gelungen, über die innern Geschlechtstheile und
1) Zaddach Tab. III. Fig. 1.
t\^ Grube:
deren Ausführungsgänge vollkommenen Aufschluss zu erhal-
ten. Die weiblichen Genitalien erstrecken sich unter und
neben dem Darme und bestehen aus kurzen ästigen in einen
Hauptgang ausgehenden Kanälen, an deren Blindenden die
Eierchen entstehen ; an derselben Stelle liegen bei den Männ-
chen die trübe weisslich aussehenden traubigen Hoden, in de-
nen ich durchaus keine sich bewegende oder auch nur auf-
fallend geformte Spermatozoen , sondern nur kleine ovale
Ballen von 0,045 Lin. Länge erkennen konnte. Jedes die-
ser Organe bei Männchen und Weibchen ist von einem zier-
lichen Netzwerk ziemlich weitläufiger schräg sich durchkreu-
zender Muskelbündel umgeben, ganz so wie Zaddach bei
Apus abbildet i). Die Begattung kann nur eine innere sein.
Gegen das Ende des Mai entwickeln sich die Eierchen im
Ovarium. Die kleinsten mit deutlichen Keimbläschen, die ich
beobachtet habe, massen 0,027 Lin. im Durchmesser, die
grössten unbefruchteten 0,051 Lin. — Bei eben so grossen
nahe der Mündung gelegenen fehlte schon das Keimbläschen;
mit den ersten Tagen des Juni treten sie aus dem Oviduct her-
vor und werden aussen am Körper getragen : solche messen
0,053 bis 0,063 Lin, im Durchmesser, sehen blassgrün oder
grünlichgrau aus, und sind jedes ausser seiner Dotterhaut
(Fig. 17. «?') noch von einer besondern durchsichtigen Hülle
umgeben («?"), welche anfangs von derselben weiter absteht,
dann aber zusammenschrumpft, sich- eng an sie anlegt, und
auf ihrer Oberfläche eine Menge kleiner flacher Vertiefungen
zeigt, so dass der Contour bei 210facher Vergrösserung klein-
wellig erscheint (Fig. 18). — Wird ein solches Eichen ge-
presst, so zerreissen die Hüllen mit einem leichten Knick und
es fliesst ein feinkörniger Inhalt mit starker Molekularbewe-
gung heraus, in ihm auch spärliche Fettbläschen von 0,0012
Lin. im Durchmesser und kleiner. Bei einigen dieser Eichen
konnte ich bereits die Anfänge der Dolterfurchung, obwohl
nur undeutlich, erkennen. Demnach stimmen die Eier der
Limnetis sowohl in ihrem Inhalte als auch in ihren Hüllen
mit den sogenannten Wintereiern der Daphnien, Polyphemen
und anderer Cladoceren überein , mit denen sie auch die Be-
1) Zaddach 0. c. Tab. L Fig. l. IL'.
Bemerknngen über die Phyllopoden. 119
Stimmung theilen, nach dem Austrocknen der Pfützen nämlich
und dem Tode der Mütter den Herbst und Winter zu über-
dauern , und sich erst im nächsten Frühjahr zu entwickeln.
Lievin giebt an , dass die an dem Rumpfe des Weibchens
getragenen Eier von einem gemeinsamen zarthäutigen Sack
umgeben seien, ich muss dies aber für eine Täuschung hal-
ten, dadurch entstanden, dass er nicht ganz frisch gelegte,
sondern schon etwas ältere Eier vor sich gehabt hat, deren
äussere Hüllen bereits fester an einander liegen ; bei frisch-
gelegten kann man deutlich die dazwischen befindlichen und
sich gleichbleibenden, zum Theil mit einer durchsichtigen
Masse ausgefüllten Zwischenräume erkennen (Taf. VI. Fig. 17).
Auch Joly 0 spricht bei seiner Isaura von einer schalenartigen
Hülle (coque membraneuse assez epaisse), welche die frisch-
gelegten Eier umgiebt, und weiterhin sie so fest vereinigt, dass
die ganze Masse das Ansehen einer Platte von horniger Con-
sistenz hat. In solcher Form sehe ich sie auch bei meinem
Weingeistexemplar. Die hakig gebogenen Häärchen (cils
crochus) , welche Joly an der Dotterhaut abbildet, habe ich
nicht bemerkt, ebensowenig konnte ich an den Eiern von
Branchipus losephinae die Stacheln wahrnehmen, die Prevost
und ßudge an denen von Br. diaphanus beschreiben. Darin
aber stimmen alle Phyllopoden überein, dass sie Eier legen;
diese sind grösser und weniger zahlreich bei den Nebalien,
kleiner und in grösserer Menge vorhanden bei den übrigen.
Nur Artemia salina soll zu Zeiten auch lebende Junge ge-
bären und zwar hat dies Joly in den Sommermonaten be-
merkt, während vor dem Juli und nach dem September die
Fortpflanzung durch Eier geschieht. Bei letzterer tritt zu-
weilen der merkwürdige Umstand ein, dass sich fünf bis sechs
Weibchen vereinen, um die Eier mit einer gemeinsamen aus
Fäden bestehenden Hülle zu umgeben. Was Lievin von der
Ausmündung der weiblichen Genitalien sagt 2), muss ich der
Hauptsache nach bestätigen, er glaubte sie „in einer eigenen
segeiförmigen Falte am Rücken der untern (d. h. der hin-
tern) Leibesringe erkannt zu haben," sie liegt vielmehr da-
1) Joly 1. c. p. 319.
2) Lievin 1. c. p. 12.
120 Grube:
neben. Man findet nämlich bei den Weibchen der Limnetis
beiderseits hoch oben an der Seitenwand der drei letzten
fusslragenden Segmente ein etwas schräg nach hinten her-
absteigendes häutiges Blatt, dessen oberer Rand in drei an-
sehnliche Zipfel ausläuft (Taf.V. Fig. 1. Taf.VI. Fig. 15. 16),
deren Form und Lage aber so verschieden ist, dass ich die-
ses Blatt für selbstständiger Bewegungen fähig halten muss.
Am Grunde desselben, und zwar an der Aussenseite, gelangt
man durch eine weite Oeffnung in den zur Seite des Darms
gelegenen Raum , in welchem sich die Eier befinden , das
Lumen der Oeffnung ist so ansehnlich, dass man eine feinere
Nadel ohne Mühe hineinführen kann, auch schien das Her-
vortreten der Eier, das hin und wieder unter meinen Au-
gen vor sich ging, immer sehr leicht und ohne Anstren-
gung zu geschehen. Vermuthlich machen, wenn das Thier
nicht beunruhigt wird, die oben beschriebenen Eierträger des
9. und 10. Fusspaars (Taf.V. Fig. 1. Fig. 8. Taf. VL Fig. 15 e),
welche unmittelbar vor jenem Blatte liegen, und in der Ruhe
nach oben gerichtet sind, eine Bewegung abwärts gegen die
hervortretenden Eichen hin , und die ersten heften sich an
ihre Spitze. Oftmals habe ich diese Organe, nachdem sie
sich schon ein Eichen angelegt hatten, in solcher Krümmung
gefunden, und wenn sie abgeschnitten wurden, erregte die
Energie ihrer Bewegungen meine Verwunderung. Dass sie
hohl sind, hat auch Lievin angegeben ; er fand die gekernten
Zellen, mit denen ihr Inneres erfüllt ist, denen ähnlich, die
er in den männlichen Organen mancher Cladoceren gesehen,
und gründet hierauf eine Vermuthung, die ich nicht theilen
kann und sogleich besprechen werde. Mir scheint nur frag-
lich, ob jene Eierträger nicht auch vielleicht zur Bereitung
der Flüssigkeit dienen, welche die äussere, nachher so stark
einschrumpfende Hülle der Eier bildet. Ich vermisste die-
selbe bei den unter meinen Augen austretenden, welche sich
nicht anhefteten. Doch kann dies auch darin seinen Grund
haben, dass dies Geschäft nicht seinen ruhigen Fortgang
hatte, dass das vielleicht im Augenblick des Legens von den
Genitalien selbst ergossene Fluidum nicht Zeit hatte, sich ge-
hörig um das Eichen zu formen und es zu überziehen: an-
dererseits habe ich an dem mit dem Haarschöpf versehenen
Bemerkungen über die Phyllopoden. 121
Ende des Eierträgers (Taf. VI. Fig. 17) keine deutliche Mündung
des innern Kanals. wahrgenommen, wössle auch nicht zu er-
klären, wie sich eine Flüssigkeit von hier aus über solche Eier
ergiessen sollte, welche erst dann, nachdem der Eierträger
selbst schon ganz umlagert ist, hervortreten und sich an die
andern befestigen. Zur Empfangnahme solcher Eier kann auch
der Eierträger schwerlich eine Bewegung machen , zumal da
öfters die Borsten der benachbarten Branchialanhänge dem
Eierklumpen mit ankleben, und so die freiere Bewegung jenes
Organes behindern müssen. Die Zahl der Eierchen steigt
allmählich jederseits bis auf 50, 60 und mehr, sie legen sich
so an einander, dass sie einen platten Knochen oder eine
Scheibe bilden, welche lange von den emporgestreckten Grif-
feln getragen, zuletzt aber an die Innenfläche der Schale
abgesetzt wird.
Lievin glaubt zuweilen nahe vor der Ansatzstelle der
Eierträger kleine OefFnungen bemerkt zu haben, durch wel-
che , wie er meint , der Same bei der Copula eintreten
würde, um durch den Kanal jener Organe zu den Eiern zu
gelangen, ist also geneigt eine äussere Befruchtung anzu-
nehmen , was schon deshalb nicht wahrscheinlich ist, weil
aus den Eierträgern, wenn sie schon rings von Eiern umge-
ben sind, der Same nicht füglich mehr zu den spätem An-
kömmlingen gelangen kann. Ueberdies aber spricht meine
Beobachtung über das Verschwinden des Keimbläschens der
Eier in den Genitalien dagegen ; die Begattung muss also
eine innere sein. Das Hervortreten des Samens zu se-
hen, wird wegen der unvollkommenen Durchsichtigkeit der
Schale schwerlich gelingen , doch habe ich nach langem
Suchen die Oeffnungen gefunden , durch welche er hervor-
tritt. Es war mir unwahrscheinlich, dass sie sich am End-
segmente selbst befinden sollten, da sich dieses bei der Be-
gattung dem Leibe des Weibchens nicht unmittelbar anlegt,
und indem ich eines Tages mit einer Nadelspitze an den vor-
hergehenden Leibesringen eines in Aether getödteten und
stark aufgetriebenen Männchens tastend umherfuhr, gelangle
ich nahe der Basis eines der betreffenden Fusspaare in das
Innere des Körpers. Es war dies aber eines der letzten
Männchen, die ich überhaupt noch frisch getödtet untersu-
192 Grube:
chen konnte, und wiederholte Versuche wollten nicht gelin-
gen ; alle frühere Zeit hatte ich , ohne ein Resultat zu erlan-
gen, auf die Betrachtung der einzeln abgelösten Füsschen und
die Durchmusterung ihrer einzelnen Theile behufs jener Nach-
forschung gewendet. In dieser Verzweiflung griff ich zu
meinen Weingeistexernplaren , indem ich ihre Rückenfläche
mit meinen schärfsten Linsen durchmusterte , und so ent-
deckte ich genau an derselben Stelle, wo beim Weibchen
die Eierklappen liegen , nämlich an der Rückenseite der
drei letzten fusstragenden Segmente jederseits ein zartes
längliches horizontalliegendes Blättchen, dessen schwach drei-
lappiger Rand nur wenig über die Basis der Fasse hervor-
ragt, weshalb es auch so schwer zu erkennen ist. Führte
ich eine feine Nadel unter dies Blättchen, d. h. zwischen
dasselbe und den Rücken des Rumpfes, so gelangte ich durch
eine Oeff'nung in den Innenraum des Körpers, in dem die
männlichen Genitalerzeugnisse liegen.
Von den Genitalien der Apus und von der Art, wie sie
ihre Eier tragen, ist schon p. 85 und p. 118 die Rede gewe-
sen , sie stimmen mit Limnetis noch eher überein als die
Branchipus, deren Genitalien theils in dem Rumpfe selbst,
theils in einem von der Bauchseite desselben herabhängenden
Sack enthalten sind 0- Er besitzt an den beiden ersten, bei
manchen Arten angeblich bloss an dem ersten der fusslosen
Segmente, und endigt bei den Männchen jederseits in ein
Paar Zipfel, unter deren äusserem weiter vorragenden die OefF-
des Vas deferens liegt , welche also doppelt ist, wogegen die
entsprechende der Weibchen unpaarig ist und sich gerade
in der Mitte befindet. Die kleinen Eier in der Partie des
Eierschlauchs, welche hin und her gewunden in dem Behäl-
ter liegt, zeigen die aufi*allende Erscheinung, einer beständi-
gen Hin- und Herbewegung, indem dieser Schlauch sich ab-
wechselnd verkürzt und verlängert; an den grossen, reifen
nahe der Mündung, und an den im hintern Rumpftheile selbst
gelegenen Eiern bemerkt man diese Bewegung durchaus nicht.
Der Paarungsact geht bei unserer Limnetis in folgen-
der Weise vor sich : nachdem das Männchen die eine Schale
X) Taf. YIII. Fig. 2. Fig. 5. dieper Abhandl. ip. o.
Bemerkangen über die Phyllopoden. 123
des Weibchens am Rande mit seinen Greiforganen gepackt
hat, — wobei sich die beiden Körper rechtwinklig gegen
einander zu stellen pflegen, die gabiigen Antennen des Männ-
chens wie Stützen auf der Schale des Weibchens ausgespreizt
werden, und die Kopfspilze des ersteren auf dieser ruht
— hört für eine kurze Zeit die Bewegung der Fasse auf,
das Männchen legt die hintern an die entsprechenden des
Weibchens, und macht eine Bewegung, als wenn es etwas
andrückte , und das Weibchen schliesst während dessen die
vorhin weit klaffenden Schalen so viel als möglich ; hierauf
werden diese wieder geöffnet und die Füsse beider Thiere
setzen sich von neuem und zwar in heftigere Schwingung.
Der Act der Samenubertragung , denn diese scheint
durchaus beim Anlegen der hintern Fusspaare zu erfolgen,
wiederholt sich nach einer kürzern oder längern Pause,, ohne
dass das Männchen losliesse ; es hält das Weibchen vielmehr
so fest gepackt , dass , wenn man dieses mit einer Pincette
heraushebt, das Männchen an ihm hängen bleibt. Lievin hat
die Paarung bis 8 Minuten, ich das Zusammenbleiben noch län-
ger anhalten gesehen, ohne dass es einem von uns gelungen
wäre, den genaueren Vorgang der Samenübertragung wahr-
zunehmen; so sehr behindert die geringe Durchsichtigkeit
der Schale die Beobachtung. Die Männchen sind so hitzig,
dass zuweilen ein Weibchen von zweien gefasst wird, von
einem an der rechten, vom andern an der linken Schale, und
indem beide ihren Geschlechtstrieb gleichzeitig befriedigen
wollen, stören sie sich gegenseitig. Auch ergreift wohl ein
Männchen ein anderes oder ein todtes Weibchen, und oft
bilden sich ganze Gruppen von vier oder fünf Thieren, wie
schon Müller angiebt 0 und tummeln so sich lustig durch's
Wasser,
Aehnliche Scenen und überhaupt ein ähnliches Ver-
halten bei der Paarung , soweit er sie beobachten konnte,
beschreibt auch Joly bei seiner Isaura 2) , bei der er eben-
falls eine innere Begattung vermuthet. Doch scheint hier die
Zahl der Männchen grösser, indem sich unter den 30 von
1) 0. Fr. Müller Entomostr. p. 70.
2} Annal. des scienc. nat. 1. c. p. 318.
124 Grube:
ihm untersuchten Individuen nur 6 Weibchen befanden. Bei
unserer Limnetis tritt keines der beiden Geschlechter über-
wiegend auf, doch waren gegen das Ende ihrer Zeit die
Weibchen etwas spärlicher. Dasselbe Verhältniss scheint im
Allgemeinen auch bei unserm Branchipus stattzufinden, des-
sen Begattung mir leider entgangen ist^, obwohl ich Männ-
chen und Weibchen Tage lang zusammenhielt. Prevost, der
diesen Act bei Br. diaphanus gesehen hat O? beschreibt ihn
in der Art, dass das Männchen nach längerer vergeblicher
Verfolgung des Weibchens, dasselbe endlich mit dem hintern
Antennenpaar umfasst, und es den Schwanztheil rückwärts
in die Höhe zu krümmen und seinen eigenen Genitalien zu
nähern nöthigt, und setzt hinzu, dass, wenn dies wirklich die
Paarung ist, sie nur einen Augenblick dauert. Budge^) be-
merkte nur das Ergreifen mit den Antennen, wobei das Männ-
chen auf dem Rücken liegend unter das Weibchen schwimmt,
die Begattung selbst sollte am Boden des Gefässes ausgeführt
sein. Unter den bis zum Anfang des Mai gefangenen er-
wachsenen gab es etwa 6mal so viel Weibchen als Männ-
chen, bei den um diese Zeit erscheinenden Jungen war das
männliche Geschlecht überwiegend, bis mit dem Anfang des
Juni auch hier wiederum die Weibchen vorherrschend wur-
den. Joly, der dasselbe Thier bei Toulouse beobachtet, fand
im Allgemeinen die Zahl der Männchen hinter der der Weib-
chen weit zurückstehend. Die männlichen Thiere der übri-
gen Phyllopoden sind zumTheil noch gar nicht bekannt, zum
Theil äusserst selten. So hatBrongniart unter mehr als 1000
Individuen von Limnadia Hermann! nicht ein einziges Männ-
chen angetroffen^ und Schäffer, der sich vier Jahre lang mit
dem Apus cancriformis beschäftigt, sowie Berthold und Zad-
dach waren bei ihren Bemühungen nicht glücklicher, woher
sie vermuthen , dass diese Crustaceen Zwitter seien , doch
zweifelt Siebold^ ob die Organe, die Zaddach für die männ-
lichen hält, nicht zu dem weiblichen Geschlechtsapparat ge-
hören. Für die Artemien waren die Aussichten nicht günsti-
1) Jurine Histoire des Monocles p. 212. "^
2) Verhandlungen des naturhist. Vereins der Rheinlande 1846.
pag.87.
Bemerkungen über die Phyllopoden. '1*5
ger. Nachdem nämlich Joly 3000 Individuen der Artemia
salina uniersucht, und nur weibliche Thiere gefunden, neigle
auch er sich zu der Ansicht, dafs es keine Männchen gäbe,
und deutete die Angaben des Dr. Schlosser, des ältesten Be-
obachters dieser Thiere, dahin, dass die von ihm ausser den
Weibchen beschriebenen Individuen mit langen in jeder Rich-
tung beweglichen, zwischen dem Kopf und ersten Fusspaar
befindlichen Armen, nichts anders als Larven seien. Seitdem
wir jedoch durch S. Fischer ') die Männchen der Artemia
arietina kennen gelernt haben, gewinnt Schlossers Mittheilung
ein neues Gewicht, und die Gattungen Limnadia , Apus und
Nebalia würden als die einzigen übrig bleiben, deren Männ-
chen man noch zu entdecken hätte.
Keine Art von Phyllopoden der Binnengewässer scheint
den Sommer zu überdauern , die meisten sind wahre Früh-
lingsthiere und erleben kaum die Mitte des Sommers. Die
Artemien , welche Salzseen bewohnen , kommen um , sobald
das Wasser durch die Sonnenhitze zu concentrirt wird , die
übrigen durch das Austrocknen ihrer Pfützen. Aus Budge's
Beobachtungen , der bei Bonn bereits im April erwachsene
Männchen und Weibchen von Branchipus diaphanus antraf,
geht nicht nothwendig hervor, dass diese dort den Winter
ausgehalten haben; sie können bereits im März aus Eiern
entstanden, und die im Mai erschienenen Jungen eine zweite
Generalion gewesen sein, wie denn auch aus Prevost's Dar-
stellung ersichtlich scheint, dass sich die von ihm beschrie-
benen Jungen aus Sommereiern entwickelt hatten. Ebenso
hat Joly aus einigen Eiern seiner Isaura während des Som-
mers Junge gezogen. Von Apus productus und Branchipus
Josephinae erscheinen bei uns im frühesten Frühjahr nur Ju-
gendzuslände, wachsen während des Mai aus, begatlen sich,
und sterben, nachdem die Eier gelegt sind, ohne dass diese
in demselben Jahr auskommen, und gleiches gilt von unse-
rer Limnetis. Sobald die Oberfläche des Wassers vom Eise
befreit ist, zeigen sich ihre Larven, im Anfang des Juni erfolgt
die Paarung und beginnt das Eierlegen , und mit dem Ende
dieses Monats sind bereits alle Thierchen verschwunden. Die
1) Middendorf Sibir. Reise. Branchiopod. p. 10.
126 Grube:
zuletzt übrig bleibenden haben ein lustiges oder vielmehr ein
trauriges Ansehen; ihre Schale, zum Theil auch ihr Körper,
ist aussen und innen mit Conferven und Vorticellen bedeckt,
trotz den Anstrengungen ihrer Füsse muss es ihnen schwer
fallen , das zur Athmung erforderliche Wasser zu erneuern,
und dennoch halten sie in diesem Zustande im Freien noch
lange aus, während sie im Zimmer aufbewahrt sehr bald da-
durch zu Grunde gehen. Bei dieser Gelegenheit muss ich auf
die schon oben erwähnten bald mehr schlauch- bald gestreckt
eiförmigen Bläschen oder Säckchen zurück kommen, welche
sich fast immer und oft in so grosser Zahl an den Füssen,
zuweilen auch an den Ruderantennen zeigen , und derer die
Beschreiber nicht gedenken (Taf. VI. Fig. 19. u). Sie sind
bald etwas länger bald etwas kürzer als die Borsten, auf dun-
kelem Grunde glänzend, und sitzen beständig mit einem ihrer
Enden entweder am Rande einer Fläche, oder an einer Borste
selber an. Dieses Ende läuft in einen kurzen Stiel aus. An
dem Körperchen selbst unterscheidet man eine starre oder
straffe farblose Hülle und einen weisslichen aus feiner bläs-
chenartig-körniger Masse bestehenden Inhalt. Ich muss ge-
stehen, dass ich diese Blindschläuche anfänglich, da ich sie
zufällig nur an weiblichen Thieren fand, für angeklebte Sa-
menschläuche halten wollte , als ich aber in ihrer Structur
keine Aehnlichkeit mit der von Siebold bei Cyclopsine ca-
stor beschriebenen entdecken konnte, auch bald darauf diese
Körperchen an den Füssen von Männchen , ja sogar junger
noch nicht begattungsfähiger Thierchen antraf, auch nach er-
folgter Begattung keine Verminderung derselben wahrnahm,
musste ich von dieser Vermuthung zurück kommen. Ueber-
dies habe ich ganz ähnliche Körperchen auch an den Füssen
von Branchipus paludosus gesehen, bei welchem die Begat-
tung durch Ruthen geschieht, es kann also nur noch die Frage
entstehen, ob man sie als Organe dieser Thiere oder als etwas
ihnen bloss anhängendes fremdartiges betrachten soll. Das er-
stere ist deshalb nicht annehmbar, weil man keinen Zusammen-
hang mit dem Innern der Füsse oder Antennen erkennen kann,
und ich möchte daher in diesen Körperchen die Anfänge an-
derer Organismen vermulhen , über die man weitere Unter-
suchungen anstellen müsste. Ich kann nur noch hinzufügen,
Bemerkungen über die Phyllopodefl. 147
dass ich in einem Falle beobachtet, dass sich der Inhalt des
Schlauches von beiden Enden zurückgezogen hatte, und von
einer besondern Hülle umgeben schien, die Enden des Schlau-
ches selbst waren vollkommen durchsichtig. Ob nicht die frei-
lich viel kleineren Bläschen, welche Joly an den Borsten ei-
nes stark vergrösserten Fusses von Isaura abbildet*), etwas
ähnliches sein sollten?
Directe Versuche über die Reproduclionskraft der Lim-
netis habe ich nicht angestellt, doch sind mir bei der Unter-
suchung der Extremitäten niemals Parlieen aufgefallen, an
welchen Spuren von Reproduction sichtbar gewesen wä-
ren. Oeflers fehlte den vordem Füssen , auch wohl den
Ruderanlennen ein grösseres oder kleineres Stück ihres End-
Iheils, oder der Schale ein Stück ihres Randes, dann er-
schienen aber jedesmal die Wundränder scharf begrenzt und
schwarz gefärbt , eine Beobachtung , welche auch Joly bei
Isaura gemacht hat 2). Dasselbe sieht man mitunter sogar an
Borsten unserer Limnetis, welche nahe der Basis abgebrochen
sind. Aus Joly's Untersuchungen über die Artemia salina
entnehmen wir, dass abgeschnittene Körpertheile nie ersetzt,
das Leben durch solche Operation vielmehr meistens gefähr-
det wurde.
So ergeben sich denn aus diesen Untersuchungen für
die Gattung Limnetis, theils als Bestätigung, Iheils als Er-
gänzung von Loven's und Lievin's Arbeiten folgende Re-
sultate :
1. Die Larve, deren Gestalt unmittelbar nach dem
Auskriechen aus dem Ei noch unbekannt ist, hat, wenn sie
eine Länge von '/g Lin. erreicht, einen flachgewölbten Rük-
kenschild , einen noch nicht beweglichen vorn conischen
Kopftheil mit zwei gewaltigen Seitenstacheln, eine auffallend
grosse, ebenfalls nicht bewegliche Lippenplatle , die von der
Bauchseite des Kopfes abgeht , und nach hinten und unten
gerichtet ist, nur ein einfaches Auge und zwei Paar Ruder-
1) Annales des scienc. natur. Seconde Serie Tom. XVII. pl.8,
Fig. 18.
2) L. c. p.339.
128 Grube:
extremiläten, von denen das vordere zu den Ruderantennen,
das hintere zu den Mandibeln des erwachsenen Thieres wird.
2. In diesem Zustande entstehen allmählich auch die
Rumpffüsse (doch ohne in Thätigkeil zu treten) , die zusam-
mengesetzten Augen , und mit ihnen gleichzeitig Herz und
Blutbewegung.
3. Durch eine Häutung (nach ungefährer Rechnung am
4ten oder öten Tage nach dem Ausschlüpfen aus dem Ei)
geht das Thierchen in die Form über, die es fortan behält,
d.h. es bekommt eine zweiklappige Schale, einen beweglichen
Kopf und Oberlippe, Tastantennen und lappig eingeschnittene
blaltartige borstenrandige Rumpffüsse, deren Zahl anfangs nicht
mehr als 5 bis 6 beträgt. Ruderantennen und Mandibeln ha-
ben die auch weiterhin bestehende Gestalt, doch sind jene
erst dreigliedrig.
4. Im erwachsenen Zustande zeigt der Stamm des Ner-
vensystems die Form einer Strickleiter , indem die Bauch-
stränge ziemlich weit von einander abstehen, und durch Quer-
fäden verbunden sind.
5. Der Mundring ist, wie gewöhnlich, bedeutend in
die Länge gestreckt, seine Schenkel in der Mitte ihres Ver-
laufs durch einen Quernerven verbunden , geben die Aeste
für die Ruderantennen ab.
6. Das einfache Auge verkümmert im erwachsenen
Zustande, die zusammengesetzten vereinigen sich, ohne ganz
zu verschmelzen, auch bleiben ihre Sehnerven getrennt.
7. Das Herz ist kurz und erstreckt sich durch die vier
ersten fusstragenden Segmente.
8.. An der Schale kann man drei Blätter unterschei-
den ; dem mittleren , einer weichen von zahlreichen Blut-
strömchen netzartig durchzogenen Schicht, verdanken die an-
deren ihre Entstehung, sie bilden die Ueberzüge und ent-
sprechen der Epidermis.
9. Die Fasern des Schalenschliessmuskels entspringen
aus der mittleren Schicht, welcher auch die ihn in einem
Oval umgebenden concentrischen Kanäle angehören.
10. Der äussere Ueberzug der Schale ist das stärkste
und festeste Blatt derselben , der innere dagegen sehr zartj
Bemerkungen über die Phyllopoden. 1^9
woher wahrscheinlich an der Innenfläche dieses blutreichen
Organs die Respiration vor sich geht.
11. Die Schale besieht aus zwei durch eine elasti-
sche Rückenfalte verbundenen Klappen , das obere und un-
tere Blatt der Falte geht in die Haut des Kopfes und Rum-
pfes über. ;ii> noinh r
12. Der Bau der Füsse stimmt am meisten ihit Esthe-
ria (Isaura) überein; die Rückenanhänge ihres Aussenrandes
(Branchialanhänge) , besonders der unbehaarte scheint, wie
die Schale, besonders als Respiralionsorgan zu dienen.
13. Der Darmkanal ist ein gerades Rohr; die beiden
kurzen einfachen Blindsäckchen des Larvenmagens bilden
sich zu den grofsen vielfach gelappten Secretionsorganen aus,
welche beim erwachsenen Thier bis in die Spitze des Kopf-
schnabels herabreichen und in den Magen münden.
14. DieOeffnung, durch welche die Eier hervortreten,
befindet sich am Grunde und zwar an der Aussenseite ei-
nes rechts und links am Rücken sitzenden, häutigen, dreizipf-
ligen Blattes , das sich über die 3 hintersten fusstragenden
Segmente erstreckt.
15. Die griffeiförmigen beweglichen Stiele, des 9ten und
lOten Fusspaars, um welche sich die befruchteten Eier be-
festigen , sind eine Umwandlung der borstenrandigen äusse-
ren Rückenanhänge der vorderen Füsse.
16. Die männlichen Oeffnungen liegen an derselben
Stelle, an welcher die Weiblichen, doch bleibt das Blatt, das
sie bedeckt, rudimentär.
17. Bewegliche Samenkörperchen fehlen, vielmehr bil-
den sich nur rundliche Samenballen.
18. Die Begattung ist eine innerliche.
19. Die Uebertragung des Samens muss , da beson-*
dere Ruthen fehlen , durch die hintern Fusspaare gesche-
hen , während die Greiffüsse des Männchens das Weibchen
an der Schale gepackt haben.
20. Keines der beiden Geschlechter ist der Zahl nach
merklich überwiegend.
21. Männchen und Weibchen sind schon äusserlich un-
terscheidbar :
Archiv f. Naturgesch. XIX. Jahrg. l.Bd. 9
'^W l.o(jonxiI'I Grube?: {mh'unfiH
a^ durch die Gestalt des Kopfes, dessön Schnabel beim
Männchen in eine abgestutzte , beim Weibchen in
eine scharfe Spitze ausläuft.
b) durch die Zahl der Fusspaare , die beim Männchen
nur 10, beim Weibchen 12 beträgt.
c) durch die Beschaffenheit der hintern drei fusstragen-
den Segmente , auf denen bei den Weibchen jeder-
seits ein ansehnliches dreizipfliges Blatt hervorragt.
d) durch die Beschaffenheit des yten und lOten Fuss-
ptfaf!^,' dessen Rückenanhänge beim Weibchen grif-
feiförmig sind und die Eier tragen, beim Männchen
fehlen.
22. Indem die Pfützen, welche den Limnetis zum Auf-
enthalt dienen, im Sommer austrocknen, gehen die ausgebiU
deten Thiere unter und es erhalten sich nur die Eier.
2^. Die Entwicklung der Eier fällt in das erste Frühjahr.
24. Sowohl in der Organisation wie in den Lebensver-
hältnissen schliefst sich Limnetis am meisten an Estheria
(Isaura) an.
V II.
Da mich die Untersuchungen über den Bau und die Ent-
wicklung der Limnetis und ihre Vergleichung mit den übri-
gen Phyllopoden zu einer genauem Durchsicht dieser Gruppe
nölhigten, so glaube ich späteren Bearbeitern Zeit zu erspa-
ren, wenn ich hier eine Zusammenstellung sämmllicher Gal-
tungen und Arten folgen lasse, und mit einigen kritischen
Bemerkungen begleite. Es werden im Ganzen 9 Gattungen
aufgeführt: Branchipus Schaff., Artemia Leach, Polyartemia
S. Fisch., Eulimene Latr., Apus Schaff., Limnetis Lov., Esthe-
ria Rüpp., Limnadia Brong. und Nebalia Leach. Von diesen
stehen die erstgenannten acht in einer nähern Verwandtschaft,
während Nebalia , deren innern Bau wir freilich noch nicht
kennen, sich jedenfalls durch die Beschaffenheit ihrer Extre-
mitäten und nach den Andeutungen von Kröyer auch durch
ihre Jugendzuslände weiter von ihnen entfernt, und nach
Bemerkungen über die Phyllopoden. iol
Milne Edwards den Uebergang von Apus zuMysiö zni' bilden
scheint, weshalb wir sie zuletzt betrachten wollen. Jene acht
lassen sich nach ihren Bedeckungen leicht in drei Abthei-
lungen bringen, wie die folgende Uebersicht zeigt.
A. Phyllopoden i. e. S.
1 . Körper nackt : Branchipus, Polyariemia^ Artemia, Eulimme.
2. 3. Körper grossen- 1 ^ _.. , , ..., ^ , ..„ .
^, ., , ( 2. Ruckenschild flach gewölbt: Apus,
theils oder ganz von _ „. . , ., , , ., , .
^.. , 1... s*^- Ruckenschild eine zweiklappiffe
einem Ruckenschildel , , ,. . „ , . , . , r
, , , Schale: LtmneUs, Lsthenn Limnadia.
bedeckt ( '
1. Bei den Phyllopoden der ersten Abtheilung (Familie Bran-
chipiens Edw.) haben wir einen vom Rumpf abgesetzten und
durch eine quere Einschnürung zweitheiligen Kopf, mit ge-
stielten beweglichen Augen , und zwei ansehnlichen Anten-
nenpaaren , von denen keines als Bewegungsorgan dient ') ;
das vordere derselben oder das erste sitzt über dem andern,
und ist borstenförmig , dieses aber hat die Gestalt von Hör-
nern , entwickelt sich bei den Männchen hei weitem stärker
und wird zum Ergreifen und Halten der Weibchen bei der
Begattung benutzt. Am hintern Kopftheil sitzen 1 PaarMan-
dibeln und 2 Paar Maxillen, deren zweites rudimentär. Die
Vorderhälfte des Rumpfes trägt wenigstens 1 1 Fusspaare, die
hintere ist fusslos, und endet in zwei mehr oder minder aus-
gebildete Blättchen, an den Füssen kann man keinen Kiefer-
fortsatz unterscheiden , und von den Anhängen des Aussen-
randes ist der haarlose (schlauchförmige) Branchialanhang
seitlich und nach unten gerichtet, über ihm kommen ein oder
zwei ebenfalls unbehaarte und sehr zarte Blätter vor, nach
innen wie ober- und unterhalb ein schmaler behaarter An-
hang, derTarsallappen, der untere Tibiallappen ist der grösste,
die übrigen winzig. Die Füsse dienen allein zur Ortsbewe-
gung. Männchen und Weibchen tragen unten an den vor-
dersten fusslosen Segmenten einen Beutel , der den grös-
seren Theil der Genitalien , und beini Weibchen namentlich
die reifen Eier enthält (vgl. p. 121.).
1) Vgl. die Figuren 1—5. Taf. VIII. dieser Abhandlung, welche
sich überhaupt auf Branchipus beziehen.
132 Grube:
Wenn die Larven aus dem Ei schlupfen , besitzen sie
3 Paar Kopfextrernitäten, von denen die beiden hintern (dem
2len Anlennenpaar und den Mandibeln entsprechenden) zum
Rudern dienen, die vordem wie bei den Erwachsenen ge-
staltet sind. Von den Schwanzanhängen sieht man noch
keine Spur.
Die drusigen Magenanhänge dieser Phyllopoden entwik-
keln sich wenig , ihr Herz erstreckt sich durch den ganzen
Rumpf, und die Eileiter machen lebhafte Bewegungen, durch
welche die Eier beständig hin und her geschoben werden.
Was die Aufstellung der Gattungen betrifft, so ist zu-
vörderst zu untersuchen , ob die Gattung Artemia auch fer-
nerhin von Branchipus getrennt bleiben darf, dessen nahe
Verwandtschaft alle Forscher anerkannt haben. Der Grund,
welcher Leach zur Gründung dieser Gattung bewog, war
nach Edwards die Endigung des Leibes, dessen letztes Seg-
ment bei Branchipus 2 ansehnliche ringsum mit Borsten be-
setzte Blättchen trägt , bei Artemia einfach zweilappig sein
soll (simplement bilobe). Joly beschreibt aber an diesem
Segment der Artemia salina ') zwei nicht unansehnliche fin-
gerförmige Fortsätze , oder wie er sie p. 289. nennt, „An-
hänge** (appendices) , welche freilich nur an der Spilze mit
Borsten versehen sind, bei andern Arten schrumpfen sie zu
blossen Knöpfchen ein. Edwards fügt ferner hinzu die min-
der deutliche Ringelung des Körpers, die starke Entwicklung
der Oberlippe, und die Beschaffenheit der untern Antennen,
welche weder barstenartige Fortsätze noch fingerförmige An-
hänge trügen. Den Leib finde ich nur schlanker, nicht eben
weniger deutlich gegliedert, die fusslosen Segmente gestreck-
ter und dünner als bei den Branchipus , und ihre Anzahl
würde nach Joly nur 6 betragen , wogegen Branchipus deren
9 besitzt. Die Oberlippe scheint nicht ansehnlicher als bei
diesen, ist freilich beiA. salina nach Joly entschieden abge-
stutzt, und oblong mit flach gerundeten Seitenrändern, bei A.
Milhausenii dagegen nach hinten verschmälert, fast dreieckig ;
bei den von mir untersuchten beiden Arten von Branchipus
und auch bei Br. diaphanus (nach Prevost) endet sie in ei-
^) Annal. des scienc. nat. Seconde ser. Tom. XllL
Bemerkungen über die Phyllopoden. 133
nen dreieckigen Lappen. Was endlich Milne Edwards von
den untern Antennen sagt, konnte sich nur auf diese Organe
bei den Weibchen beziehen , da man damals die Männchen
nicht genauer kannte und die erste von Schlosser gegebene
Beschreibung derselben theils nicht ausführlich genug war,
theils geradezu bei Seite geschoben wurde. Seitdem wir nun
durch Herrn Dr. S. Fischer von einer Art Artcmia wenig-
stens das Männchen kennen '), wissen wir, dass hier die un-
tern hornförinigen Antennen einen ähnlichen warzenartigen
Basalauswuchs zeigen, wie manche Branchipusarten; Borsten
und fingerförmige Fortsätze sind auch kein allgemeiner Cha-
rakter für die Männchen der Gattung Branchipus. Man könnte
in der Form des Eierbehälters und in dem Bau der Füsse
einen unterscheidenden Charakter suchen: der erstere wird
bei Arlemia salina aufgebläht herzförmig, bei arietina kuglig
und hinten zugespitzt beschrieben, während er bei den Bran-
chipus fast spindelförmig oder conisch gerundet ist, aber A.
Köppeniana scheint sich in dieser Hinsicht den Branchipus zu
nähern. Die Füsse zeigen zwar in der Anordnung der Fe-
moral-, Tibial- und Tarsallappen keine Abweichung, ihnen
würden jedoch, wenn man nach Rathke's Abbildung urtheilt,
die zarten Blätter des Aussenrandes fehlen , die über dem
haarlosen schlauchförmigen Branchialanhang bei Branchipus
sitzen. Joly's Figur aber stellt uns allerdings ein solches
sehr durchsichtiges Blatt (pl. 8. Fig. 7. p) dar 2) , und ich
glaube es an den schon viele Jahre in Weingeist aufbewahr-
ten Exemplaren unserer Artemia Milhausenii ebenfalls erkannt
zu haben. An der einfachen Zahl dürfen wir keinen Anstoss
nehmen, da sie auch bei Branchipus torvicornis vorkommt:
bei Br. diaphanus und Josephinae giebt es deren zwei, allein
sie sind kleiner und zusammengenommen etwa so gross wie
jenes eine; bei Br. spinosus ist vielleicht das grössere ovale
Blatt c das von Milne Edwards „vesicule branchiale represen-
tant le fouet« genannt wird , das in Rede stehende und der
unter ihm befindliche schmale und kurze Anhang derschlauch-
1) Middendorf's Sibir. Reise Branchiopod. p. 10. Artemia arie-
tina Taf. VII. Fig. 32.
2) Aunal. des scitnc, natur. Sccondc s^r. Tom. XIII. p. 236.
134 Grube:
förmige der andern Arten. So würden denn die angeblichen
Unterschiede zwischen Artemia und Branchipus theils fort-
fallen, theils wenigstens nicht so bedeutend erscheinen, um
darnach zwei Genera aufzustellen , und selbst das ist kein
durchgreifender Charakter, dass alle Branchipus im süssen,
alle Artemien aber in salzigem Wasser leben, da Br. spino-
susNordm. in einem Salzsee gefunden wird; ich würde dem-
nach, so lange keine durchgreifenderen Untersuchungen an-
gestellt sind , die Artemien als eine besondere Gruppe der
ersteren Gattung unterordnen.
Auch über die Begründung der von Latreille aufgestell-
ten Gattung Eulimene hege ich einigen Zweifel: eine Abbil-
dung liegt nicht vor , Latreille und Risse scheinen die ein-
zigen, die dieses im Meerwasser lebende Thierchen gesehen
haben, die Beschreibung des ersteren ist mir nicht genügend,
und der letztere fügt nichts hinzu. Die Zahl der Fusspaare
ist wie bei den bisher betrachteten Gattungen 11, die Anten-
nen werden kurz, fast fadenförmig genannt, doch zwei klei-
ner beschrieben (plus petites, presque semblables ä des pal-
pes, placees ä l'extremite anterieure de la tete), was ganz
gut auf die untern Antennen bei den Weibchen von Artemia
passen würde. Per kuglige Körper am 5ten Fusspaar könnte
ein blasenartiger aufgetriebener Branchialanhang sein, womit
ihn auch Latreille selbst, auf Apus hinweisend vergleicht, aber
sehr abweichend von allem Bekannten klingt das, was über die
Endigung des Körpers gesagt wird. Immediatement apres les
pates branchiales une piece terminale presque globuleuse rem-
plagant la queue et de laquelle sort un filet allonge, qui est
peutetre un oviduct *). Desmarcst — ich weiss nicht ob
aus eigener Anschauung — vervollständigt „une piece ren-
flee presque demi-globuleuse, remplie d'une matiere noirätre,
terminant le corps poslerieurement et rempla^ant la queue,
de laquelle sort un fdet semblable ä un boyau alonge, aussi
noirätre, que M. Latreille soupgonne etre un oviductus 2).
Ein Blick auf die Abbildung einer Artemia legt hier dieVer-
muthung nahe, dass der halbkuglige mit schwärzlichem Inhalt
1) Milne Edwards Hist. nal. des Crustac. Tom. III. p. 371.
2) Desmarcst. Consider. p.394.
Bemerkungen über die Phyllopoden. 13Ö
gefüllte Theil nichts anderes als der Eiersack, und der \on
ihm ausgehende schwärzliche Faden nichts anderes als das
sehr dünne, über ihm fortgehende u,nd den Darm enthaltende
Schwanzende sei. Leaoh führt das Y,Qn I.^.ljreille beschriehene
Thier nicht als eigene Gattung , sondern als eine Art von
Artemia auf, worin ich ihm folge.
Es bleibt noch die ganz ki^rzlicji von S. Fischer aufge-
stellte Gattung Pülyarlemia übrig ') , welche von Branchipui^
darin abweicht, dass die Zahl derpusspaare statt 11, 19 und
dagegen die Zahl der fusslosen Segmente nur 3 oder 4^ auch
die Gestalt der untern Antennen oder Hörner des Män^cherts
entschiedener gabiig isj;. Wenn wir uns hier auch in einer
Gruppe der Cruslaceen bewegen , bei welchen die Zahl der
Rumpfextremitäten nicht ein solches Gewicht in die Wagschale
legt wie bei den Malacostracis, w,efin ^Jl^ sie in andern Gat-
tungen dieser Gruppe sogar schwanken sehen , so scheint
doch die Vermehrung einer nicht eben bedeutenden Zalil um
mehr als zwei Drittel kein unerhebliches Moment, und ich möchte
deshalb eine generische Trennung dieser Form von Branchi-
pus unterstützen , wenn uns nicht unter den Arten der Gat-
tung Apus eine bekannt geworden wÄre , deren Fusszahl von
den andern um mehr als die Hälfte abwiche. Die g^ablige
Gestalt der Hörner würde sich ohne Mühe auf Braachipus
zurückführen lassen, wj/e denn auich bei rnsnchen ^r^m die-
ser Gattung ein mittlerer Stirnlappen begeg^^t.
Brancliipus Schaff.
Corpus gracile, nudum in foliola 2 setosa vel nulla
exiens.
Caput transverse bipartitum , fronte rotundata vel lo-
bata, oculis compositjs mobilibus pediculatis 2, simplici uno;
antennae superiores (anteriores) filiformes , apice seligerae,
articulis obsoletis longis vel nuHis, inter oculos positae, in-
feriores (posteriores ceterorum Crustaceorum) validae, cur-
vatae, corniformes, articulis 2 vel pluribus, in maribus ma-
iores, magis compositae; partes oris: labrum longiusculum.
1) Middcnd. Sibir. Reise Brauchiop. p. ö. XAl)..Yi^..Fi^.2Ä^i^.
136 u ' ' Grube:
mandibulae 2, maxillae elaboratae2 (barbillons de mandibu-
les Prev.), papillaeformes 2 (papilles Prev.).
Segmenta pedigera 11 — 19, nuda 9—4, horum
anleriora 2 genitalia externa ferentia.
Pedes foliacei, laciniati, lobis marginis inlerioris 5,
maxillari haud prominente, tibiali infimo maximo, ceteris mi-
nimis, tarsali plus minus angusto appendicibus marginis ex-
terioris 2 ad 3, omnibus nudis, superioribus 1 vel 2 foliaceis,
inferiore dependente utriculari.
Ova theca saccove ventrali inclusa a primis segmen-
tis nudis dependente ; penes 2 , basi iuncti , ovorum thecae
quodammodo similes Larvae nudae, pedibus natatoriis utrin-
que 2 0, antennis anterioribus 2.
Conspecfus specierum«
A. Pedum paribus 11, corpore gracili, segmentis apo-
dibus 9 , aeque longis ac latis vel pauIo tanlum longioribus,
appendicibus caudalibus angustis, elongatis, depressis, acutis,
circum circa setosis. (Branchipus s. strO-
1. Br, ferox.
Branchipus ferox Milne Edw. bist. nat. des Crust. Tom, III.
p. 369.
Im süssen Gewässer bei Odessa.
2. Br. spinosus,
Branchipus spinosus Nordm. , M. Edw. Hist. nat. des
Crust. Tom. III. p. 367. pl. 35. Fig. 9.
In dem Salzsee Hadjibe bei Odessa (Nordmann).
3. Br. lacunae,
Branchipus lacunae Guer. Iconogr. Crust. p. 39. pl. 33.
Fig. 4.
In kleinen Lachen auf den Sandsteinfelsen bei Fon-
tainebleau (Guer.). Das Weibchen scheint unbekannt , vom
Männchen ist nur der Kopftheil beschrieben.
4. Br. Midden do rfianus.
2) Den Ausdruck pedes habe ich hier im weitesten Sinne für
Extremitäten gebraucht. ■■>\Jim\.'^
Bemerkungen über die Phyllopoden. ^37
Branchipus Middendorßanus S. Fischer in Mitldendorfs
Sibir. Reise Branchiopod. und Enlomostr. p. 7. T. VII. F. 17—23.
Von Middendorf am Taimyrfluss und der Boganida im
nördlichsten Sibirien und bei Triostrowa in Lappland ge-
sammelt , desgleichen auf der Uralexpedition unter Hofmann.
Dieser Art nahe verwandt, vielleicht mit ihr identisch
ist: Branchipus paludosus Müll. Zool. Dan. Vol. II. p. 10
Tab.XLVIII. Fig. 1—8., cop. Encycl. melhod. Crust. pl. 336.
Fig. 12. 13. und Herbst Nalurg. derKrabb. Bd. II.Tab. XXXV.
Fig. 3—5., der in Grönland vorkommt.
5. Br. torvicorfiis.
Branchipus torvicornis Waga Ann. de la sog. entom.
de France Tom. XI. 1842. p. 261. pl. II. Fig. 1—4. Hieher
ziehe ich auch : Branchipus auritus Koch Deutschi. Crust.
Arachn. Myriap. Heft 35. Taf. 1. ($ nach einem Weingeist-
exemplar gezeichnet).
Bei Odolany unweit Warschau mit Estheria tetracera in
einem tiefen trüben Weiher gefunden (Waga).
6. Br. caffer,
Branchipus caffer Loven, Öfvers. Vet. Acad. Förhandl.
1846. p. 57. (Wiegm. Archiv. 1847. II. p. 203., 1849. H., 327.).
Aus dem KafTernlande.«
7. Br, stagnalis,
Apus pisciformis , der fischförmige Kiefenfuss Schäffer
Abhandl. von Insect. Bd. II. 1764. c. tab., cop. Herbst Nalurg.
der Krabben und Krebse Bd. II. Tab. XXXV. Fig. 8—10.,
Schrank Fauna boica Bd. III. p. 250.
Branchipus pisciformis Schaff. Elementa entomol. Tab.
XXIX. Fig. 6—7. (nach Milne Edw.).
Cancer stagnalis Linn. Fauna Suec. N. 2043. Syst. nat.
Ed. XII. p. 1056., Gmel, ? Fabric. Fauna groenl. p. 247.
Gammarus stagnalis Fabric. Entom. System Tom. II. p. 510.
Branchipus s^opwa/is Lam., Latr., Desm.,Edw., Burmeist.
Organis, der Trilobiten Taf. VI. Fig. 3. , 6., 12., 14., ßudge
Verhandl. des naturhist. Vereins der Rheinl. 1846. p. 88.
Branchipus Schäfferi Thomps. Zool. Research. Fase. 7.
pl. 3. Fig. 1—3. (M. Edw.)
Hieher ziehe ich auch: Branchipus melamrus Koch
t38 Grube:
Deutscb-I. Crust. Arachn. Myriap. Heft 35. Taf. 2. ($ aach ei-
nem Weingeistexemplar gezeichnet).
Bei Regensburg in einem regnigen Sommer im August
und September gefunden (Schaff.), bei Ingolstadt und Burg-
hausen (Schrank) , in der Rheinprovinz und Westphalen
(Budge), in der Umgegend von Paris (M. Edw.).
8. Br. Josephinae. Grube nov. spec. Taf. VIII.
Fig. 1—5.
In Lachen des lehmig- sandigen Devonischen Bodens
bei Dorpat, jährlich bis gegen Ende Juni n. St. (Grube).
9. Br. birostratus.
Branchipus birostratus S. Fisch. 1. c. p. 56. Taf. VII.
Fig. 12—16. '
Aus der Gegend von Charkow.
10. B r. diap hanus,
Chirocephßlus diaphanus B. Prevost, in Jurine Hist. des
Monocles p. 201. pl.20— 22.
Branchipus paludosus Lalr. Regne anim. Ed. II.Tom. IV.
p. 176., Encycl. method. Crust. pl. 336. Fig. 14-- 16. (Cop.
Prevost), Desmar. Consider. pl.56. Fig. 2— 5. (Cop. Prevost),
Budge Verhandl. des naturhist. Vereins d. Rheinl. 1846. p. 86.
c. tab.
Branchipus chirocephalus Guer. konogr. Crust. pl. 33.
Fig. 3. (Cop. Prevost). o..:»r\ ..
Branchipus diaphanus Milne Edw. Hist; wat.- des Crust.
Tom. ni. p. 368 , Lievin Neueste Schrift, der naturf. Gesellsch.
in Danzig. 1848. Bd. IV. Heft. II. p.3.
An manchen Orten in Frankreich bei Montauban (Pre-
vost) in Lachen auf Sandsteinfels bei Fontainebleau (Desmar.),
bei Toulouse (Joly), bei Bonn, von Anfang April bis Juni
gefunden (Blasius , Budge) , bei Danzig auf ziemlich fettem
Boden im April und Mai (Siebold, Lievin).
Dasselbe Thier scheint E. King bei Norwich beobach-
tet zu haben. Phil. Transact. Vol. LVH. P. L 1768. p. 72.,
doch ist die Abbildung nicht genau.
11. Br. Clav ig er.
Branchipus claviger S. Fischer Middend. Sibir. Reise
J3ranchiop. p. 1. Tab. VIL Fig. 1—11.
Bemerkungen über die Phyllopoden. «39
Am Taimyrfluss in Sibirien von Middendorf entdeckt.
B. Pedum paribus 11., corpore quasi lineari, segmen-
tis apodibus 6, multo longioribus quam lalls, appendicibus cau-
dalibus brevibus , apice tantum setosis aut nullis (^Artemia
Leach). <t •>•){{!
12. Br. (A) salin US.
Cancer salinus L. Syst. nat. Ed. XII. p. 1056. Schlos-
ser in Gautier Observ. period. sur la phys. 1756, GmeL, Ra-
chelt Linn. Transact. Vol. XI. p. 205. Tab. 14. Fig. 8— 10.
(Rathke).
Gammarus salinus Fabric. Entom. syst. Tom. II. p. 518.
Artemia salina Leach Dict. des scienc. nat. Entomostr.
Tom. XIV. p. 543., Desm., Latr. , Thomps., M. Edw. , Joly
Annal. des scienc. nat. Seconde ser. Tom. XIII. p. 225.
pl. 7. und 8
Ariemisus salinus Lam. Hist. des anim. sans vertebr.
Ed. I. Tom. V. p. 135. Ed. JI. Tom. V. p. 198,
In den Salinen bei Lymington in England (Schlosser)
und bei Montpellier (Joly).
13. Br. (Aj Milhausenii.
? Cancer salinus Fall. Reise durch verschiedene Pro-
vinzen des Russ. Reichs. Theil II. Buch I. p. 282. 357. 359.
Branchipus Milhausenii, Fischer de Waldheim Bull, des
Natur, de Moscou 1834. Tom. VII. p. 452.. Tab. XVI.
Artemia salina Rathke Fauna der Krym, Mem. der Pe-
tersb. Akad. Th. III. p. 105. Tab. VI. Fig. 14—21.
Artemia Milhausenii M. Edw. Hist. nat. des Crust. Tom. III,
p. 370., S. Fischer I. c. p. 9. Tab. VII. Fig. 29. 30.
In einem Salzsee beim Dorfe Laak auf dem Wege von
Kosloff nach Sympheropol in der Krym, bis zum August (Mil-
hausen). 0 "^ ^
Pallas in seiner Reise durch verschiedene Provinzen des
Russischen Reichs (Th. II. Buch I.) erwähnt an 3 Orten eines
Crustaceums, das in einigen Salzseen der Kirgisensteppe vor-
kommt und das er Salzassel Cancer salinus nennt. Diese
Seen sind der kleine Kulat-kul zwischen dem Miäss und
Ui (p. 288), ein See, dessen Wasser blosses Kochsalz zu
t46 Grube:
enthalten scheint, und massig concentrirt ist, so dass in ihm
auch noch Cancer pulex (Gammarus pulex Fabr. ?) lebt, und
drei andere Seen der Isetzkischen Provinz, welche Koch- und
Bitlersalz enthalten und ausser dem Cancer salinus keine
andere Crustaceen zu beherbergen scheinen, der grosse Schime-
lee und der kleinere Schimelec-kul (p. 357} und der sehr
seichte Aüaban (p. 359). Wahrscheinlich sind diese Thier-
chen, die Pallas schmal und hochroth beschreibt , eine oder
mehrere der von S. Fischer aufgezählten Artemia - Arten,
welche von ihnen, bleibt noch zu untersuchen. Sie sollen
die Hauptnahrung der dort zu grossen Schaaren lebenden
Anas Tadorna und einer weissen Möwenart ausmachen, und
ihre grauen die Grösse eines Sandkorns erreichenden Eier
wie Sand die Ufer bedecken.
14. Br. (A.) Köppenianus.
Artemia Köppeniana S. Fischer 1. c. p. 11. Tab. VII.
Fig. 34—37.
Im südlichen Russland gefunden (Koppen).
15. Br. (A.) arietinus.
Artemia arietina. S. Fischer 1. c. p. 10. Tab. VII. Fig.
24—27.
Aus der Umgegend von Odessa.
16. Br. (A,) Eulimene?
Eulimena alhida Latr. Nouv. Dict. d'hist. nat. Tom. X.
p. 333. Desmar., Risso Hist. nat. des princ. product. d'Kur.
mer. Tom. V. p. 144.
Artemia Eulimene LediCh. Dict. des scienc. nat, Tom. XIV.
p. 542. (M. Edw.)
0. Pedum paribus 19, corpore gracili, segmentis apo-
dibus 3 vel 4, appendicibus caudalibus rotundatis, circumcirca
setosis (Foly artemia S. Fischer).
17. Br. (A.) forcip atus.
Polyarlemia forcipata. S. Fischer 1. c. p. 8. Tab. VII.
Fig. 24-28.
In Pfützen der Tundra an den Flüssen Taimyr und Bo-
ganida von Middendorf entdeckt.
Die Arten der Gattung Branchipus sind, wenn man männ-
liche Thierc vor sich hat , nach der Gestalt der untern An-
Bemerkungen über die Phyllopoden. I4l
tennen , die man der Kürze wegen auch wohl die Hörner
(Cornes cephaliques Edw.) nennt, ziemlich leicht zu unter-
scheiden ; sie sind bei ihnen immer grösser als bei den Weib-
chen und bald an dem dicken Wurzellheil, bald an der ge-
streckten mehr oder minder hornförmig gekrümmten Hälfte
mit Borsten, Zinken oder andern Auswüchsen versehen, klei-
nere kommen nicht selten auch an der Stirn vor. Den Weib-
chen pflegen sie zu fehlen , und da bei den Artbeschreibun-
gen auf die übrigen Körpertheile und deren Verhältniss we-
niger Rücksicht genommen ist, dürfte es für jetzt schwierig
sein, die weiblichen Thiere der verschiedenen Arten zu uni.'
terscheiden. Zur leichleren Vergleichung der für die Fuss-
theile der Phyllopoden gebrauchten Ausdrücke gebe ich hier
eine Zusammenstellung derselben:
Processus maxiüaris, K i e f e r f o r t s a t z Gr., bei ßran-
chipus nicht maxillenarlig ausgebildet: Afterzahn Schaß*., cro-
chet cilie Joly, Basis interna libera Burm. , eigentliches Kie-
menblatt Lievin, Branchialplatte S. Fischer, Coxa Zadd.
Lobus femoralis, Femorallappen, Gr. : spadelähn-
liche Spitze SchäfF,
Lobi tibiales , T i b i a 1 1 a p p e n Gr. : Blattspitze , After -
und Unterscheere Schaff., Branchialblättchfen und Ruderlamelle
S. Fisch., Ruderlappen Burm.
Lobus tarsalis, T a r s a 1 1 a p p e n Gr. : Oberscheere Schaff.,
Palette Joly, Endlamelle F. Fisch. , Ruderlappen Burm.
Appendix branchialis inferior^ unterer (unbehaarter,
schlauch- oder beuteiförmiger) B r a n c h i a 1 a n h a n g, bei Bran.
chipus, entsprechend dem interior, inn ern Branchial-
a n h a n g bei Apus, Limnelis u. s. w. : Beutelchen Schaff., ve-
sicule cylindrique Joly, Appendix digitiformis Loven , unte-
rer Branchialsack S. Fisch., ßranchia interior Zadd.
Appendix branchialis superior ^ oberer Branchial-
anhang Gr. (bei ßranchipus vorkommend): membrane bran-
chiale Joly; Schutzlappen Burm., oberer Branchialsack S. Fisch.
Appendix branchialis exierior, äusserer ßranchia 1-
anhang Gr. (bei Apus , Limnelis u. s. w. , aber nicht bei
Branchipus vorkommend) : Kiefe Schaff. , ßranchia exterior
Zadd., er ist bei Nebalia, wie der superior bei Branchipus,
unbehaart, sonst aber am Rande mit Borsten besetzt.
lifö' Grube:
Diäg^nosis specierum«
A. Branchipus s. str.
a. Fronte nuda.
Er. ferox. Cornibus simplicibus acuminatis, segmentis
corporis haud armatis, appendicibus caudalibus longis aiigu-
stis. Long. c. 15 lin.
Br. spinosus. Cornibus maris processu styliformi ante
basin internam munitis, ceterum simplicibus aequis, deflexis,
segmentis apodibus subtus spina (simplici ?) armatis , paene
aeque longis , longioribus quam latis , appendicibus caudali-
bus longitudine segmenlorum 2 proximorum (iunctorum) , ap-
pendice branchiali superiore simplici ovali, inferiore ea haud
magis prominente, lobo tibiali infimo lato, triangulo, vix bre-
viore quam tarsali. Long. c. 14 lin.
Br. lacunae. Cornibus maris gracilibus utrinque den-
ticulatis, basin versus processum externum lunatum ferenti-
bus, curvamine affixum, parte basilari interna valida, libere
producta , margine interno bidente (dentibus paulo bifurcis)
apice truncata;, introrsum in uncum exeunte. Long. 6,5 lin.
b. Fronte in processum medium producta.
Br. Middendorfianus. Processu frontis membra-
naceo triangulo vel truncato, parte basilari cornuum elongata,
margine intertto denticulis 10 ad 18 (aciem haud excedenti-
bus) armato, apice corneo, in feminis multo breviore, in ma-
ribus modo breviore modo longiore quam illa, quasi cochlear
mentiente , appendice branchiali superiore simplici , leniter
crenata , breviore quam inferiore , tibiali infimo quadrato ro-
tundato apendicibus caudalibus brevibus, forme quater longio-
ribus quam latis , setis c. 20 tantum cinctis ; theca ovorum
elongata. Long. 7 — 9 lin.
Br. torvicornis. Processu frontis nullo in feminis,
in maribus brevi, triangulo^ cornibus feminae lobos depres-
sos oblonges, obtusos exhibentibus, margine atlenuato, c. ma-
ris longissimis usque ad segmentum 6tum perlinentibus, tor-
tuosis^ basin versus seta breviore ornatis, apice bifurcis, ra-
mis furcae longis^ altero quasi recto, altero paulo geniculalo,
longiore, ad radicem dilatato ; appendice branchiali superiore
simplici, paulo crenata , breviore quam inferiore, segmentisl
Bemerkungen über die Phyllopoden. 14Ö
apodibus vix longioribus quam latis, appcndicibus caudalibus
Br. stagnali sirnilibus , theca ovorum coniformi. Long. <^
12 lin. ^ 14 lin.
Br. c äff er. Processu frontis rostriformi lunalo, cor-
nibus longis flexuosis , appendice brevi interna, lacinulata,
segmentis corporis inermibus, lamina branchiali externa (?)
inaiore, integra (Lov.). Long. 15 lin.
Br. stagnalis. Processu frontis nullo in feminis, in
maribus brevi , bifurco , ferrum equlnum mentiente, cornibus
ferninae vix curvalis, annulatis , sensim acuminalis, siniplici-
bus, c. inaris multo longioribus, corneis, seta basilari supera
denteque externo armatis , apice bidentibus; seta cornibus
anlennisque longiore ; appendice branchiali superiore duplici
ovaii (Burin.), segmentis apodibus longiludine decrescentibüs,
postremis latioribus quam longis, appendicibüs caudalibus
praelongis triangulis, margine dense setosis , longitudine se-
gmentorum proximorum 6 (junctorum); theca ovorum brevi,
paulo cordiformi, ovis coeruleis. Long. 6 lin. ; color flavens
vel viridis, pellucens.
0. Fronte marium appendices papillasve 2 armatis
gereute
a. Papillis frontalibus.
Br. losephinae (Taf. IV. Fig. 1—5). Papillis frontis
parvis subglobosis , spinulosis , subtus ad radicem cornuum
sitis , cornibus maris ad basin interrtäm processu valido fron-
tem versus curvato, margine poslico spinoso armatis, radice
crassissimis, leniter arcuatis, medio lumiduiis, feminae sub-
rectis, sirnplicibus, gracilibus; appendice branchiali superiore
duplici, breviore quam inferiore, margine externo truncato,
crenulato , lobo tibiali infimo triangulo rotundato , breviore
quam appendice branchiali inferiore, segmentis apodibus paene
quadratis, appcndicibus caudalibus longitudine proximorum 5
(junctorum) , margine dense setosis ; theca ovorum cylindrata
oblusa, ovis flavidis. Long. 7 lin. ; color flavens vel viridis
pellucens, segmentis postremis appendicibusque saepe rubricis.
ß. Appendicibüs frontis longioribus,
Br. birostratus. Appendicibüs frontis longiusculis,
depressis, breviter obsolete articulatis, utrinque spinis c. 19
144 Grube:
pinnatis, cornibus maris ad basin inlernam processu recto
spinuloso armatis, apicebi- vel tricarinato in uncum exeunte,
c. feminae simplicibus, dorso segmenlorum corporis sulco
mediano diviso, primo apodum iitrinque in angulum producto;
theca ovorum obtusa. Long. 10 — 12 lin.
jBr. diaphanus, Appendicibus frontalibus in spiram
planam contortis,ulrinque dentibus pinnatis, ramis 4 digitiformi-
bus denliculatis, inferis, sibi adiacentibus, cornibu smaris in un-
cum gracilem obtusum exeuntibus, ad basin internam processu
digitiformi membranaque lata, triangula, crenata ornatis, c.
feminae brevibus crassis, pedibus ßr. losephinae similibus;
segmentis apodibus quadratis , appendicibus caudaFibus lon-
giludine proximorum 4 (junctorum); theca ovorum quasi fu-
siformi ; ovis flaventibus. Long. 9 — 12 lin., color viridis vel
flavens, pellucens.
Br, Clav ig er. Appendicibus frontalibus in ramos 8
— 10 spinulosos divisis, cornibus maris margine interno den-
ticulis,12 — 15, aciem paulo excedentibus , armatis, apice bi-
dente, fronte paulo biloba, c. feminae simplicibus , lobo ti-
biali infimo lato rotundato, spinis rarioribus fortioribus ar-
mato; theca ovorum longiuscula, antice lamina semicirculata,
margine spinulosa tecta. Long. 8 — 10 lin., polor ex subfusco
flavens. /
B. Artemia.
a. Processibus seligeris 2. ,
Br. (A) salinus. Processibus caudalibus styliformi-
bus , setas 5—8 gerentibus , cornibus gracilibus , antennis
filiformibus apice simplicibus lobo tarsali pedum rotundato,
setis marginis fortibus 11. Long. 4 — 5 lin.
Br. (A) arietinus. Processibus caudalibus brevissi-
mis, conicis , setas 3 gerentibus , cornibus maris depressis,
apice maxime dilatato, triangulo, parle basilari multo angu-
stiore, aequa, elongata, tuberculum subglobosum anticum ad
radicem ferente, antennis filiformibus apice bidentibus, denti-
bus inaequalibus; lobo libiali infimo infra setis fortibus un-
cinatis armato, tarsali maxime prominente; theca ovorum
subglobosa, postice paene triangula. Long. 4 — 6 lin.
Bemerkiingeii Über die Phyllopodeii. 145
b. Processibus caudalibus minimis aut nullis.
Br. (A.) Milhausenii. Processibus caudalibus mi-
nimis nudis, cornibus gracilibus subrcctis, lobo tarsali pedum
subtus dilatato, setis niarginis fortibus, rectis c. 17; Iheca
OYorum rotundala. Long. 3—4. lin.
Br, (A) Köppeniana. Processibus caudalibus nullis apice
caudae truncato, forma corporis B. arielino simili, pedibus
longioribus, lobo tibiali infimo pedum maxime fornicato, se-
tis marginis brevibus teneris , cornibus parvis quasi lanceo-
latis; theca ovorum ovali, apice attenuato. Long. 2,5 — 3 lin.
Br. (A) Eulimene Colore albido , extremitate corporis
oculisque nigris (Lalr.).
C. Polyartemia.
Br, (Pj forcipatus. Frontis limbo anteriore plus minus
producto, triangulo, anlennis (superioribus) brevibus, longi-
tudine coni oculigeri, cornibus maris depressis, processu ba-
silari magno infero bifurcis , ad radicem tuberculo interno
subgloboso spinuloso ornatis , margine interno cornuum et
processuum seriebus 2 — 4 spinularum armato, segmentis pe-
digeris 19, apodibus 3 vel 4, appendicibus caudalibus brevi-
bus ovalibus, margine setosis; theca ovorum oblonga. Long,
c. 8. lin.
2. Bei den Phyllopoden der zweiten Abtheilung ist
der grössteTheil des Körpers von einem flach gewölbten, je-
derseits ein Oval von concenlrischen Kanälen einschliessen-
den Rückenschilde bedeckt. Er ist mit dem Kopf und dem
vordersten Rumpfsegment verwachsen, während die übrigen
Segmente selbstständig bleiben , und trägt die festsitzenden
Augen. Die zusammen gesetzten Augen sind getrennt, vor
ihnen wie immer das einfache Auge, hinter ihnen ein Organ
von unklarer Bedeutung, das fälschlich mit einem Auge ver-
glichen ist 0« Die Antennen sitzen in dieser Gruppe an der
Unterseite dicht vor den Mandibeln , und sind ganz einge-
schrumpft, die vordem haben die Gestalt kurzer zweigliedri-
ger Fädchen und existiren beständig, die hintern aber, ganz
winzige Spitzchen, scheinen gar keine Bedeutung zu haben,
1) S. Zadd. De Apodis cancriformis anatome p. 48.
Archiv f. Naturgescb. XIX. Jahrf. l.Bd. XO
W0 .«aboqoUYii'jG.T»?»^f, n^^anivsm^ä
während si^ doch l?ei d^ Larve d^s mächtigste Ruderorgan
darstellen , und fehlen sogar im erwachsenen Zustande oft-
mals gänzlich. Ausser der Oberlippe und den Mandiheln fin-
den wir 2 Paar ausgebildete Maxillen, und hinter diesen noch
ein rudimentäres zweilappiges Fusspaar '). Die Fu^spaare
des Rumpfes sind bei weitem zahlreicher als in der ersten
Gruppe d(;r Phyllopoden — ihre Zahl steigt bis auf 60 —
und die Ortsbewegung wird allein durch sie vermittelt. Die
vorderen bis zu den eiertragenden (incl.) entsprechen eben
^q vielen Segmenten, und zeichnen sich durch ihre Grösse
aus, die hintern sind zahlreicher al§ die Segmentfurchen, und
nehmen rasch an Grösse ab, bei jenen erscheinen alle Lap-
pen schmäler und länger, bei diesen breiter und kürzer und
der Tarsallappen wird überwiegend, bei allen kommt ein Kie-
ferfortsatz am Hüftstück, ein äusserer am Rande borstentragen-
der und ein innerer nackter (beuteiförmiger) Branchialan-
hang vor, der letztere ist nach unten gerichtet. Die Tibial-
lappen entwickeln sich mit Ausnahme des untersten ungleich
stärker als bei Branchipus. Die letzten Körpersegmenle sind
fussloss, und das Endsegment läuft in zwei lange Borsten
aus. Man hat bisher nur weibliche Individuen kennen ge-
lernt, und diese trägen die Eier in einer zweilappigen KapseJ,
welche, wie oben gezeigt worden, durch eine Umwandlung
des äUtSsern Braiichial^nhangs und der Fussplatte entsteht.
Wenn die Larven aus dem Ei schlüpfen , besitzen sie nur 2
P^^^r Kopfextremitäten (den Antennen entsprechend) und
noch keinen Rückenschild , nach einmaliger Häutung bildet
sich dieser, die Mandibeln und die noch ganz kurzen Schwanz-
anhänge. Die drüsigen Magenanhänge der Erwachsenen sind
stark entwickelt , das Herz ist kürzer als bei der ersten
Gruppe und beschränkt sich auf dieVorderhälfte des Rumpfes,
Man kennt bis jetzt nur eine Gattung, und deren Arten
teJjei^i in Süsswasserlachen und Gräben.
Apvk» Schaff.
Corpus elongatum , maximam partem scuto dorsuali
1) Taf. VIII. Fi«. 8.
Bemerkungen über die Phyllopoden. 147
piano oculos organumque peculiare pone eos ferente tectum,
in setas 2 longas annulatas exiens.
Caput et seginentum primum cum scuto connatum,
oculi composili sessiles 2, simplex 1, anlennae inferae an-
teriores minutae, biarticulatae, posteriores breviores, saepius
desideratae ; partes oris : labrum subquadratum, mandibularum
par 1 , maxillarum paria 2, pone eos par pedum minimum
bilobum 1.
Segmenta pedigera 26 — 34 vel 35, apoda 4 — 16*
Pedes foliacei, laciniati, lobis marginis interioris 5 (ma-
xillari 1, femorali 1, libialibus 3) infimo (tarsali) 1, appen-
dicibus marginis exterioris 2, branchiali interiore nudo sin»-'
plici, exleriore margine setoso, lobo tarsali pedum posterior*
rum latiore quam anteriorum; pedes paris primi (perfecti)
lobis tibialibus et tarsali setaceis^ longissimis.
Scutum dorsuale rotundatum , plane fornicatum,
carinatum, postice emarginatum, utrinque canales Concentrin
cos figuram oblongam componentes includens.
Ova theca bivalvi pedum 11. paris contenta.
Larva einitio nudae, deinde scuto dorsuali munitae.
Conspectus specieruin.
1. A. cancriformis.
Scolopendra aquatica scutata Klein Phil. Trps^c^ 1738.
p. 150. Tab. I. Fig. A— D. ^-'M^w^.'
Der krebsartige Kiefenfuss mit der kurzen Schwanz-
klappe Schaff. Abhandl. von Insect. Bd. II. 1764. Tab. I— V.
Branchipus cancriformis Schaff. Elem. entom. tab. XXIX.
Fig. 1. 2. (nach Edw.).
Monoculus apus L. Syst. nat. Ed. XII. p. 1058., Gmel.
Limulus palustris 0. Fr. Müll. Enlomostr. p. 127.
Apus cancriformis Latr. Hist. nat. des Crust. et Insect.
Tom. IV. p. 193. pl. 19—27., Sav. Mem. sur les anim. sans
vert. Fase. I. pl. 7., Desmar.
Limulus cancriformis Lam. Hist. nat. des anim. sans
vert. Ed. I. Tom. V. p. 144., Ed. II. Tom. V. p. 215.
Binoculus cancriformis Leach Dict. des scienc. nat. Tom.
XIV. p.538. (nach Edw.).
148 ;boq6ll^»i^I Grube: '«'^^nrrjfiömja
Apus Montagui Leach Encycl. Brit. Suppl. Tom. I.
In Deutschland bei Regensburg (Schaff.), in Preussen
bei Königsberg in einer Pfütze eines lehmigen Feldweges des
Gutes Schanwitz im Mai gefunden (Grube), Klein hatte sein
Exemplar aus dem nicht weit davon gelegenen Uderwangen
erhalten, bei Danzig und Marienwerder in dem Graben eines
lehmig-sandigen Bodens (Lievin), im Russischen Lithauen im
Telscheschen Kreis bei Satanty an einem ähnlichen Fund-
ort (C. Gorski) , in Dänemark wie in der Umgegend von
Paris selten.
Dieser Art soll sich nach M. Edw. Apus Guildingi
Thomps. Zool. Research, p. 108. Mem. VI. pl. 6. Fig. 3. nahe
anschliessen.
2. A. productus.
Der krebsartige Kiefenfuss mit der langen Schwanzklappe
Schaff. Abhandl. v. Ins. Bd. 11. 1764. T.VI.
Monoculus apus L. Syst. nal. Ed. XII. p. 1058., Faun,
suec. 1761. p.498.
Limulus palustris 0. Fr. Müller Entomoslr. p. 127.
Apus productus Bosc Hist. des Crust. Tom. II. p. 244.
pl 16. Fig. 7. (nach Edw.), Latr., M. Ed.
Lepidurus productus Leach Dict. des scienc. nat. Tom.
I. p. 539. (nach Edw.), Desm. Consid. p.360. pl. 52. Fig. 2.,
Guer. Iconogr. Crust. pl. 34. Fig. 3.
Limulus productus Lam. Hist. nat. des anim. sans vert.
Ed. I. Tom.V. p. 144., Ed. II, Tom. V. p.216.
In Deutschland bei Regensburg (Schaff.) , in Preussen
bei Königsberg in Pfützen auf Weideland im Mai (Zaddach,
Grube); bei Dorpat in den Gräben des Wäldchens von
Rathshof, auf lehmig-sandigem Boden, mitunter selbst in den
Gräben der Stadt, die periodisch mit dem Embachfluss in
Verbindung stehen, bei Warschau (Waga), in Frankreich ge-
mein, so bei Maison - Alfort (Desm.), in Dänemark (0. Fr.
Müller).
3. A. glacialis.
Apus glacialis Kroyer Naturhist. Tidsskr. Neue Reihe
Bd. II. Heft IV. p. 431. (Wiegm. Arch. 1849. II. p.327.).
Im nördl. Grönland bei Jacobshavn (Dr. Rudolph).
Bemerkungen über die Phyllopoden. f4§
Lepidunis viridis Baird Ann. of nat. bist. 1852. Second
Series Vol. X. p. 56., nach der Angabe 2 Zoll lang, 1 Zoll
breit, aus Van Diemensland. Ich kann aus der Beschreibung
nicht die Charaktere entnehmen, auf welche ich bei der Un-
terscheidung der andern Arten besonderes Gewicht gelegt.
Die Originalbeschreibung lautet: Body of animal, including
the Aap of tail segmenl, about two inches long and one
broad. The carapace and whole body are of a fine green
colour, the carapace covcring about two-thirds of the abdo-
men ; the edges of the notch in the posterior part of the ca^
rapace are strongly toothed , and those of the inferior half
of Ihe carapace are very fmely serrated; these teeth are of
two sets, the one much larger Ihan the others; the iarger
teeth are of a green colour, tipped at the point with dark
brown; the are about eleven in number , and between each
there are two or three much smaller ones interspersed. The
appendages of the first pair of feet are very short and small,
scarcely extending beyond the edge of the carapace. The
Segments of the abdomen are each studded with a row of
stout, slightly curved spines of a green colour tipped at
their edges with dark brown. The tail Aap is oval , keeled
down the centre, the keel being beset with short sharp spi-
nes, and the edges of the Aap are fmely serrated. The long
setae of the tail are nearly the lenghth of the whole animal,
and are covered with short hairs.
4. A. longicaudatus,
Apus longicaudatus J. Le Conte Ann. of nat. bist, of the
Lyc. of New-York IV. p. 155. Abbild. (Wiegm. Arch. 1847.
II. p. 203.). ■"• im
Nordamerica, Rocky-Mountains zwischen Lodge-poolcreek
und Crowecreek.
Diagraosis specieruin.
a. Lamina setis caudalibus interiecta nulla, colore con*
poris subAavo, primo pede longissimo, multo lon-
giore quam secundo.
A. cancriformis, Scuto ovali, sinu posticodentibusulrin-
que c. 12 brevibus, simplicibus, serie continua armato, pedum
150 «>! <W4(>. Grube:
paribus 60 (11+49) i), segmentis 34 (11+23), posterioribus
16 scuto non obleclis, iunctis linea media eius paulo longio-
ribus, postremis 5 — 6 apodibus, setis caudalibus corpore Yg
longioribus, ramo longissimo primi pedis angulos scuti haud
attingente. Long. corp. ly^ unc.
mun il. longicaudatus. Scuto paene orbiculato, postice pro-
dncto, sinu ad angulos tantum denlatis (ex icone), pedum
paribus 23, (11 + 12), segmentis?, posterioribus eorum fere
30 (ex icone) scuto non tectis, iunctis linea media eius tri-
ente fere longioribus, apodibus 16, ramo longissimo pedis
primi angulos scuti excedente, setis caudalibus corpore fere
% brevioribus. Long. corp. 1% ^^^- Angl.
b. Lamina setis caudalibus interiecta; colore corporis
>^ obscure viridi, primo pede vix longiore quam secundo.
A. producfus. Lamina caudali triangula, fere V3 longiore
quam lata , apice paulo rolundata, carinata, carina margineque
spinulosis, pedum paribus 41 (11+30), segmentis 27(11 + 16),
posterioribus IJ scuto non obtectis, postremis 5 apodibus,
scuto ovali, sinu postico dentibus utrinque c. 25 brevibus,
simplicibus armato. Long. corp. 1 unc.
A. glacialis. Lamina caudali postice angustata, profunde
emarginata, carinata, margine spinuloso, duplo minus longiore
quam lata, cum segrnento suo proxima 4 aequante, pedum pa-
ribus c. 41 , segmentis 26 (11+15), posterioribus 11 — 15
scuto non obtectis , postremis 4 apodibus. Long. corp. vix
1 unc.
')d? Die Gattung Pr osopistoma LbIt. Ann, du Museum Tom. IL
p. 23. mit der Art Pr. variegatum Latr. , welche bei Guerin
auf Lepidurus folgt, hat einigermassen das Aussehen von
Apus, indem der Körper grösstentheils von einem ovalen,
mitten gekielten, vorn mit einer halbkreisrunden Kopfnaht
versehenen hinten flach ausgeschnittenen Rückenschilde be-
deckt ist, doch reicht Latreille's Beschreibung, welche Milne
Edwards (Hist. nat. des Crust. Tom. III. p. 552.) wiederholt,
nicht aus, und was dieser an einem getrockneten Exemplare
1) Die Angaben dieser Zahlen in den Arlbeschreibungen beziehen
sich nur auf die vollständigen Fösse, das rudimentäre vorderste Paar
ist nicht mit gerechaet.
Bemerkungen flbteV" die Phyllopoden. löl
gesehen hat, ISsst ttis in Zweifel, ob Wii* ^s nicht mit einem
Pafasitenkrebs oder der Larve eines andern Crustaceums «n
thun haben. Da , von den Mundtheilen abgesehen , die aus
2 Kieferpaaren und einer sie bedeckenden halbkreisrunden
Platte bestehen sollen, 3 Paar fadenförmige an den Seiten
eines Brustschildes sitzende Beine angegeben werden , kann
das Thier wenigstens nicht seinen Plat« in der Reihe der
eigentlichen Phyllopoden finden. Guerins Abbildung pl. 34*
Fig. 4. scheint eine Copie des Binocle ä queue en plumet Toik
Geoffroy (Hist. des Insects Tom. II. p. 660. pl. 21. Fig. 3.)
zu sein, welchen Edwards für identisch hält, 0. Fr. Müller
(Entomöstr. p. 128.) unter Limulüs pennigerus anführt; und
Herr Montandon bei St. Germain in der Seine wieder ent-
deckt haben soll (Guerln. 1. ö.). Proso{)islonia varicgötum
aber stammt aus Madagascar.
3. Die dritte Gruppe der eigentlichen Phyllopoden zeigt
durch ihre zweiklappige Schale, In welche sich der Körpälf
ganz zurückziehen kann, durch die gabiige Gestalt der* hirt-
tern Antennen, die die einzigen Ruderorgane darstellen, däis
Zusammenrücken der zusammengesetzten Augen, das Vöi*-
kommen nur eines Maxillenpaars urid die Verringerung der
fusslosen Segmente ohne Zweifel die gtösäte Annäheriingf aft
die Daphnoiden und zwar zunächst an die Lynceus. In der
Schale sieht man beständig die von HflUälen gebildeten Ovale,
die schon bei Apus vorkommen ; die Gestalt und Länge der
vordem Antennen, die Zahl der Füsse und die Bewaffnung
des Endsegments wechselt: ist der Kopf gestreckt und schna-'
beiförmig, so sehen wir kurze, verkürzt sich der Kopf^ län^
f ere mehrgliedrige Vorderantennen, aber immer sind sie ein-
fach, und sitzen an der Unterseite nahe der ansehnlichlMil
schnabelförmigen Oberlippe, die Mandibeln sind ähnlich wie
bei den übrigen gebaute Die Zahl der Fusspaare schwankt
zwischen 10 nnd 24, aber immer verwandelt sich das er^te
derselben, das schon bei Apus eine auffallende Form annahm,
bei den Männchen in wahre, nur bei der Begattung fnngiu
rende Greiforgane, worin ihm zuweileri auch das zweite Paar
folgt. Von den am Aussenrande sitzenden Branchialanhän-
gea ist der eine haarlos , schlauchförmig , stets nach oben
152 Grubei
gerichlet und nach innen von dem andern gelegen, dessen
Rand mit Borsten besetzt ist, und an welchem sich bald die
obere bald die untere Hälfte stärker entwickelt. Dieses äus-
sere Branchialblatt, das hier ganz die Rolle eines Deckblat-
tes spielt, nimmt bei einigen Füssen des Weibchens eine
etwas andere Form an, und dient zum Tragen der Eier,
welche, indem sie an einander backen, jederseits eine platte,
scheibenförmige ganz von der Schale bedeckte Masse bil-
den. An allen Füssen sieht man innen an der Basis einen
Kieferfortsatz, der Femorallappen ist breit, die untern Ti-
bial- und der Tarsallappen schmal und vorspringend. Der
erste Zustand der Larven zeigt noch keine Schale und nur
2 Paar Kopfextremitäten, die einzigen Bewegungsorgane —
es ist das hintere Paar der Antennen und die Mandibeln —
in kurzer Zeit entsteht die Schale, sie hat aber nur die Form
eines einfachen Rückenschildes wie bei Apus, sobald die
Häutung eintritt, wird sie zweiklappig und die Rumpffüsse
treten in Thätigkeit, ohne jedoch zum Schwimmen zu dienen.
Die Gestalt des Körpers verändert sich dann nicht weiter mit
Ausnahme der Theile , in welchen ein Geschlechtsunterschied
ausgeprägt wird.
Das Herz ist kürzer als bei Apus, die Länge der drü-
sigen Magenanhänge richtet sich nach der Länge des Kopfes.
Estheria Rüpp.
Corpus elongatum, scuto dorsuali s. testa bivalvi, con-
centrice striata inclusum, segmenlo postremo supra spinuloso,
in uncos 2 recurvos exeunte.
Caput transverse bipartitum, mobile, parte anteriore a
latere visa triangula, antice late rotundala, supra plana, ro-
stro plerumque nullo, oculis compositis sessilibus paene con-
fluentibus, simplici 1; antennae anteriores quasi fdiformes,
articulis brevibus 13, posteriores bifurcae, articulis ramo-
rum 13—17; partes oris: labrum rostriforme, mandibulae 2,
maxillae 2.
Segmenta pedigera 21 — 24.
P e d e s foliacei laciniati , lobis marginis interioris 6,
supremo maxillari, infimo longiore quam tarsali, parte supe-
Bemerkungen über die Phyllopoden. 153
riore appendicis branchialis exterioris anguslata , inferiore
latiore. Par primum et secundum marium in uncos exeuntia,
Testa oblonga, canales ulrinque figuram oblongem
componentes includens.
Ova appendice pedum aliquot mediorum gestata. Ani-
malia prone nantia.
Larvae scuto dorsuali simplici piano teclae, capite conti-
guo haud rnobili subtus in clypeum , labrum imitantem, ob-
longum, trilobum produclo, pedibus nataloriis utrinque 2.
1. E. dahalacensis,
Estheria dahalacensis Rüppell. Straus Dürckheim Mus.
Senkenb. Bd. II. Heft 2. p. 119. Taf. VIL
In Susswassersümpfen der Insel Dahalak an der Küste
von Abyssiniert, häufig im Monat December.
2. £. cycladoides.
Cyzicus Bravaisii Aud. Ann. de la soc. entomolog.
1837. p. 9.
Isaura cycladoides Joly Ann. des scienc. nat. Seconde
ser. Tom. XVII. p. 293. pl. 7-9.
In Nordafrika, Oran bei Arzen , bei Toulouse (Joly),
in Siciiien (Grohmann).
3. E. tetracera Taf. VIII. Fig. 9.
Limnadia tetracera Krynicki Bull, de la soc. imp. des
natural, de Moscou Tom. II. p. 173. Tab. VII. Biblioth. entom.
p. 357. pl. 12. (nach Edwards).
Bei Charkow (Krynicki), bei Odolany unweit Warschau
(Waga).
4. E. australis.
Cyzicus australis Loven Öfvers. af Kongl. Vetenskap.
Acad. Förhandl. III. Jahrg. 1846. Stockh. 1847. Wiegm.Arch.
1847. II. p. 203. 1849. II. p. 326. Im Caffernlande.
UiAg^nosis speciemm*
a. Rostro truncato, laevi, pedibus utrinque 24.
a. Margine testae dorsuali et ventrali rectis.
E. dahalacensis. Tesla quasi Areas imitante, sed a la-
tere compressa, margine dorsuali et ventrali rectis, paralle-
lis, anteriore subtruncato, posteriore obliquo, angulo infero
154 ■.j.,..An, .'Gnibe:
late -. rotundato posteriora versus producto, striis incremenli
c. J4, altitudine Vn longitudinis , dorso segmenti posiremi
spinulis nullis armato, ramo antennarum bifurcarum anteriore
14-, posteriore 13-articulalo.
ß. Margine testae ventrali leniter, anteriore et po-
steriore maxime curvato, dorsuali recto multo bre-
„it; viore quam ventrali, umbonibus prominulis.
JK. cycladoides, Testa altius concamerata, Cycladibus
similiore, striis incrementi c. 24—26, altitudine y^o longitu-
dinis, longitudine 9,6 — 13 millim., altitudine 6,5 — 9 m., cras-
sitie 4^—6 m. , dorso segmenti postremi spinulis glabris 10
ad 12 armato, ramo antennarum bifurcarum anteriore 12 — 16-,
posteriore 13 — 17-articulato.
E. tetracera. Testa magis compressa , Tellinis similiore,
striis incrementi 20 velamplius, longitudine 10 — 12 m., alti-
tudine 7 — 9 m. , crassitie 3 — 4 m. , dorso segmenti postremi
spinulis asperis 60 — 80 armato.
Krynicki giebt 27 Fusspaare an, ich habe an meinen
von H. Waga in Warschau herstammenden Exemplaren, so-
wohl männlichen als weiblichen , nicht mehr als 24 zählen
können.
b. Rostro producto, pedibus utrinque 21.
E. australis. Segmento postremo aculeis c. 13 armato,
ramis antennarum bifurcarum 10 — 11-articulatis. Longitu-
dine 3,5 m., altitudine 2,3 m.
ijÄcbÄ-iftW !; liimnadia Brongn.
Corpus, Caput, antennae posteriores, Organa oris, ovo-
rum gestus Estheriae similia, pedes utrinque 18 — 22, similiter
compositi, processus capitis parvus , supra oculos sitos , ad
corpus affigendum idoneus ; antennae anteriores breves, sty-
liformes, artieulis pluribus, segmentum postremum elongalum,
appendicibus 2 styliformibus acuminatis. Animalia supine
nantia.
Consipectus specierum.
Daphnia gigasEerm. M^m. apterol. p. 134. pl. 5, (nach
JÜil^^ £idwards.
Bemerkungen über die Phyllopoden. 155
Limnadia Hermanni Brongiart Mem. du Museum d'hist.
nat. Tom. VI. pl. 13., Desm. Consider. p. 380. pl. 56. (cop.),
MilneEdw, Hist. nat. des Crust. p. 561. p. 35. Fig. 7.; ? Lim-
nadia Hermanni Koch Deutschi. Crustac, Arachnid., Myriap.,
Heft XXXV. Taf. 10.
In kleinen Lachen bei Fontainebleau.
2. L. mauritiana.
Umnadia mauritiana Guer. Mag. Zool. 1837. VII. pl. 21.
Fig. 1 — 11., Iconogr. Crust. p. 38. pl. 33. Fig. 2.
Auf der Insel Mauritius.
I9iagrno§i8 specierum«
L. gigas. Pedum paribus 22, antennis anterioribus sty-
liformibus, obsolete 6-articulatis , subtus paulo denticulatis,
longitudine pediculi posteriorum, posterioribus dimidiam cor-
poris longitudinem paene aequantibus, ramis fere IS^^articu-
latis, testa ovali.
Die Copie der Hermann'schen Figur bei Desmarest zeigt
die Schale hinten zugespitzt.
L. mauritiana, Pedum paribus 18, antennis antoriori-
bus (ex icone) paulo fusiformibus, pediculo posteriorum mi-
nus longis, posterioribus dimidia corporis longitudine brevio-
tkbus, ramis 9-articulatis, testa ovali utrinque paulo acuminata,
dorso minus quam ventre arcuato.
liimnetls Loven.
Corpus breve, testa bivalvi laevi inclusum, segmento
postremo in processus 2 breves acutos inferos producto, setig
superioribus 2.
Caput transverse bipartitum, mobile, parte anteriore
adunca , rostriformi , compressa, crista laterali humili angu-
lata, parle posteriore brevi; oculis compositis paene omnino
confluenlibus, simplici uno, foveis minutis, ante eum sitis 2;
antennae anteriores brevissimae, biartioulatae, clavaeformes,
inferae, a. posteriores bifurcae, articulis ramorum 11 ad 15,
partes oris ul Estheriae.
Segmeuta pedigera 10 ad 12, postremum ex duobus
156 M>»!0|JVr,*; Grube: • ;o(»!J.if(;
compositum pedibus carens, lamellä infera annulo anteriori
adhaerente.
Pedes foliacei , laciniati , Estheriae similes, parle su-
periore appendicis branchialis exterioris latiore, curvata, in-
feriore angusta; par primum marium in uncos exiens.
Testa ovalis, maxime fornicata, canales utrinque figu-
ram ovalem componentes includens.
Ova appendice slyliformi pedis 9. et 10. gestata. Ani~
malia prone nantia.
Larvae scuto dorsuali simplici tectae, capite contiguo,
haud mobili, utrinque in spinam validam producto, clypeo
labrum imilante maximo subreniformi , pedibus natatoriis
utrinque 2.
Conspectus «pecieruiii«
1. L, brachyurus.
Lynceus brachyurus 0. Fr. Müll. Entomostr. p. 69. Tab.
VIII. Fig. 1—12 1).
Hedessa Sieboldii Lievin Neueste Schrift, der naturf.
Gesellsch. in Danz. Bd. IV. Heft II. p. 4. tab. I. II.
Hedessa brachyura Siebold Neueste Preuss. Provincialbl.
1849. Bd. VII. (XLI.) Heft 3. p. 1^8. , S. Fischer Middend.
Sibir. Reise Branchiop. p. 9.
In kleinen Lachen : in Dänemark (Müller) , auf lehmig
sandigem Boden bei Danzig (Li6vin), ebenso bei Dorpat (C.
Gorski, Grube) , auch bei Charkow (nach Fischer).
2. L. Wahlb ergiL
Limnetis Wahlbergii Loven Öfvers. Vet. Acad. Förhandl.
1846. p. 57., Kongl. Vet. Akad. Handl. 1845. Tab. IV. p.203.
Wiegm. Arch. 1847. II. p. 203.
Im CafTernlande, in Sümpfen (in paludibus Lov.).
IBiag-nosis specierum«
L. brachyurus. Rostro capitis aequaliter curvato, com-
presso, a latere haud sinuato, sulco supero nullo, apice fe-
minae sensim et subtiliter acuminato, maris truncato, labro
1) Die Tafeln fehlen leider dem Exemplar der üniversilätsbi-
Miolhek, und sind leider noch nicht zu beßcb«üfen gewesen.
Bemerkungen Aber die Phyllopoden. 157
paulo depresso, apice obtuso a lalere compresso, Stria Cor-
nea bifurca^ inier mandibulas sita, subtiliter spinulosa, scuto
aequaliter fornicato, processu niaxillari pedum ad apicem
Spina fortiore, brevi, duplici armato, inleriore appendicum
branchialium (nuda, digitiformi) breviore quam exteriore,
lamina superiore a. exlerioris leniler falcala, inferiore slyli-
formi, obsolete vel miniine articulata, illa vix breviore, pe-
dibus maris utrinque 10, manu 1. paris postice rotundata,
circumcirca setosa, serie spinnrum 7 vel 8 armata , uncis 2
marginem plantae versus reflectendis , anteriore setis nudo;
posteriore ad apicem fasciculo setarum ornato, pedibus femi-
nae utrinque 12, 9no et lOnio stylum ovigerum ferentibus,
stylo gracili. Long, testae 1,5 lin., alt. 1,25.
Lievin giebt die Länge des Körpers selbst bis auf 2,3
Lin. an ; Exemplare von dieser Grösse sind mir nie begegnet.
L, Wahlhergii Roslro maxime curvato, sub oculis dila-
tato quasi alalo, a latere sinuato, sulco dorsi mediano ab oculo
simplici decurrente, apice breviter acuminato, labro subcari-
nato rostrato, acuminato, Stria Cornea bifurca, inter mandi-
bulas Sita, fortius dentala, margine anteriore scuti (ex icone)
paulo reflexo, processu maxillari pedum apice in setam cir-
riformem exeunte, interiore appendicum branchialium (nuda,
digitiformi) aeque longa atque exteriore (in primo pede bre-
viore), lamina superiore a. exterioris acinaciformi, inferiore
slyliformi , distincte articulata, ea mullo breviore, margine
externo haud setoso , stylis ovigeris pedis 9. et 10. crassiu-
sculis, pede ipso vix longioribus, Long. corp. 1,2 lin., alt. 1 lin.
B. Diesen Gattungen gegenüber, welche in der Einfach-
heit des Isten Antennenpaars, der Gestalt der Mundtheile und
Füsse, dem Bau der Schale, wo diese vorhanden ist, und
der Art ihrer Entwicklung übereinstimmen, und in einem en-
geren Verbände stehen — Phyllopoden i. e. S. — sehen wir
eine in allen diesen Stücken abweichende Gattung, die wir
als Repräsentanten einer zweiten Abtheilung betrachten kön-
nen, es ist die Gattung Nebalia, deren Arten nur im offenen
Meere leben. •
Ihr Körper trägt eine Rückenschalo, welche die Mitte
zwischen der^ Bildung von Apus und von Limnadia und de-
ren Verwandten hält : sie ist nicht flachgewölbt, wie bei je-*-
nem, sondern zweiklappig, wie bei diesen, ohne jedoch den
Körper ganz in sich aufnehmen , sich schliessen und öffnen
zu iiönnen '), sie bedeckt vielnjehr, wie bei Apus , nur die
vordere Hälfte des Körpers (doch nicht den Kopf mitgerech-
net); ihre Gestalt ist durchaus seillich zusammengedrückt,
so dass ihre Klappen kaum eine Spur von Wölbung zeigen,
auch gehen sie durch keine Einsenkung , keine Falte oder
sogenanntes Ligament in einander über, sondern entstehen
bloss durch eine scharfe Brechung der Schalenfläche in der
Mittellinie des Rückens, weshalb M. Edwards hier nur von
einer „carapace ploye sur la ligne mediane du dos<* spricht,
sie enthalten zwar ein Geäder netzartig verbundener Kanäle,
aber die Maschen sind verhältnissmässig grösser, weniger
strahlig als parallel geordnet, und es fehlt ihnen die eigen-
thümliche ovale von ansehnlichen concentrischen Kanälen ge-
bildete Figur^ welche die Insertion des Schalenschliessmuskels
bei Limnetis, Estheria, Limnadia und Apus umgiebt. Edwards
vergleicht sie mit der Schale der Salicoques, setzt auch hinzu,
dass sie wie bei diesen nur vom Kopf ausgehe, und unter
ihr die Rumpfsegmente ganz frei lägen. Obwohl mir nicht
mehr als ein Weingeistexemplar zu Gebote stand, welches
schon viele Jahre aufbewahrt war, so glaube ich mich doch
tiberzeugt zu haben, dass ihr Verhältniss zum Körper durch-
aus dasselbe, wie in den eben genannten Gattungen ist, dass
sie nämlich mit dem unmittelbar auf den Kopf folgenden Rumpf-
segmente zusammenhängt , und der Kopf selbst frei zwischen
dem Anfang der Schalenhälften hervorguckt , welche ihn nur
seillich etwas zwischen sich nehmen. Diese hintere Partie des
Kopfes entspricht der Scheilelpartie oder dem Nackenschild-
chen Lievins bei Limnetis, und setzt sich nach vorn in ein
längliches dachziegelartig oder richtiger wie eine Mulde aus-
gehöhltes Blatt fort, dessen Convexität nach oben sieht, und
das wagerecht nach vorn gestreckt, dabei aber beweglich
ist und ansehnlich vorragt; es überdeckt etwas die gestielten
zusammengesetzten Augen , und scheint einigermassen ein
Schulz für sie zu sein. Die vordere oder untere Kopfpartie
1) Milne £dwards Hisl. nat. des Crust. pl. 35. Fig. 2.
Bemerkungen Aber die Phyllopoden. 159
entwickelt sich so wenig selbslsländig, dass sowohl die An-
leunen als die Augensliele beider Seiten einander berühren
und sie ihnen nur zum Ansatz dient. Man musste diese Theile
erst abtrennen, um die Gestalt des winzigen Kopfes ganz zu
beurtheilen, was ich bei meinem einzigen Exemplar von Ne-
balia Geoffroyi nicht vornehmen wollte. Das vordere Anten-
nenpaar liegt eine kleine Strecke unter den Augen und ua-
miltelbar über dem untern oder hintern. Die genauere Lage
und Beschaffenheit des Mundes konnte ich nicht erkennen:
als Mundtheile nennt Kroyer eine Oberlippe , und er sowohl
als M. Edwards ein Paar Mandibeln (M. Edw. Crust. pl. 39.
Fig. 2«) und zwei Paar Maxillen (l. c. pl. 35. Fig. 2^ erstes
Paar, Fig. 2^ zweites Paar) , Edwards giebt ausserdem eine
zweilbeilige Unterlippe zwischen den Mandibeln und Maxillen
an, die Kroyer nicht anführt , sondern als einen Theil des
ersten Maxillenpaars zu betrachten scheint. Alle diese Kie-
ferpaare besitzen Palpen , sind also zusammengesetzter als
bei den übrigen Gattungen, wogegen die Rumpfextremitäten
eine einfachere Gestalt annehmen. Diese treten nämlich in
zwei Formen auf: die vorderen (M. Edw. 1. c. pl. 35. Fig. 3.),
welche dicht auf einander folgen, lassen sich auf die Blatt-
form der andern Phyllopoden zurückführen, und unterschei-
den sich hauptsächlich durch die Einfachheit ihres Stammes,
dessen Innenrand durchaus keine Lappen oder Forlsätze zeigt,
wogegen amAussenrande zarte kiemenartige Blätter vorkom-
men; die hinlern weiter aus einander stehenden Fusspaarc
bestehen, wie die Postabdominalfüsse der Cariden, ans einem
langen Grundgliede und 2 gelenkig angefügten, schmalen
mit Borsten gerandeten Endanhängen (M. Edw. 1. c. pl. 35;
Fig. 4.), die letzten Segmente tragen nur rudimentäre Fuss-
chen von Gestalt einfacher Blättchen oder gar keine, und das
Endsegment 2 schmal dreieckige borstenrandige Blätter wie
bei Branchipus. Wie diese Thiere sich paaren, wo ihre Ge^
nitalien münden, wie die Weibchen die Eier befestigen, wel-
che nach Kroyer zwischen den Kiemenfüssen unter der Schale
liegen sollen, darüber wissen wir ebensowenig wieübßr ihr«
Anatomie. Die Eier der Nebalia bipes sind nach den Mil-
theilungen desselben Naturforschers gross und nicht eben
zahlreich , und die Entwicklung des Embryo ähnlich wie bei
lÖO n -»ho q«f ff t . Grabe:
Decapoden. Der Körper lässt einen Vorder- und Hinterleib
unterscheiden, beide mit winzigen Gliedmassen, jener, wie
Kroyer meint, mit 13, dieser mit 11 Paar Extremitäten und
13^ Segmenten , das Endsegment soll eine grosse ovale mit
einer ansehnlichen Borste endende Platte sein. Ein Rücken-
schild war nicht deutlich erkennbar, und ebenso wurden die
Augen vermisst. Man muss fast vermuthen, dass Kroyer den
Embryo bereits in den von der Mutter getragenen Eiern so-
weit entwickoll fand, dass diesen Thieren also ein den übri-
gen Phyllopoden ähnlicher Larvenzustand abgeht, und sie zu
keiner Zeit blosse Kopfextremitäten zu Ruderorganen haben.
Ob aber die Entwicklung wirklich mit der der Decapoden
verglichen werden könne, scheint mir noch wiederholter Un-
tersuchungen zu bedürfen. Namentlich ist mir die Angabe
aufgefallen, dass die Augen, die bei den Decapoden doch so
früh auftreten , in dem beschriebenen Nebalienembryo noch
nicht bemerkbar waren.
Nach den bisherigen Untersuchungen würde man die
Nebalien folgendermassen charakterisiren können.
IVebalia«
Corpus gracile , maximam partem scuto dorsuali bi-
valvi tectum, in appendices 2 acuminatas exiens.
Caput vix prominulum, vertice in laminam acutam
fornicatam , antrorsus vergenlem mobilem producto , oculis
compositis mobilibus pediculatis 2 pediculo spinam gerente,
oc. simplici nullo; antennae anteriores articulis pediculi 3
vel 4, extremo in processum producto, appendicibus 2, altera
lamina oblonga, altera flagello multiarticulato , a. posteriores
proxime sub iis ortae , articulis pediculi 3 , flagello simplici
multiarticulato , ut anteriore , sublus verso ; partes oris : la-
brum parvum bilobum, mandibulae 2, paipo triarticulato, ma-
xillarum paria 2, anteriores palpo longissimo, filifonni, mul-
tiarticulato, retroverso, posteriores mala multiloba, appendi-
cibus 2, exteriore simplici, interiore biarticulata.
Segmenta pedigera 16., penuUimum nudum, po-
stremum ceteris longius, appendicibus angustis triangulis, se«
tigeris 2.
Bemerkungen über die Phyllopoden. 161
Pedes minus laciniati, duplicis generis, paria 8 anle-
riora foliacea, tencra, slipite simplici appendicibus externis 2,
exteriore nuda eadem longitudine , interiore breviore , mar-
gine setoso , p. sequentia 4 gracilia , longiora , bifurca, sti-
pite elongalo, ramis styliformibus, poslrema 2 minima, sim-
plicia 0-
Scutum dorsuale bivalve, plica dorsuali (ligamento)
nuUa, canalibus concentricis nuUis 2).
0 V a inter pedes foliaceos sub scuto gestata.
Conspecttts speciemm*
1. A'. hipes.
Cancer bipes Fabric. Faun, groenl. p. 246. Fig. 2., Can-
cer gammarellus bipes HerbstNaturg. derKrabb. Bd. ll.p. 111.
pl. 34. Fig. 7.
Nebalia Herbstii Leach Zool. misc. Vol. I. p. 100. pl.44.
(nach Edw.), Tomps. Zool. research. pl. ll.Fig 1. (nach Edvv.)
Desmar. Consid. p. 243.
Nebalia bipes Kroyer Naturh. Tidsskr. Neue Reihe Bd. II.
Heft IV. p.446.
An den südlichen, seltener an der nördlichen Küste von
Grönland.
2. JV. Geoffroyi.
Nebalia Geoffroyi Milne Edw. Ann. des scienc. nal.
Tom. XIII. p. 297. pl. 15., ^econde ser.Tom. III. p. 309. Guer.
Iconogr. Crust. pl. 32. Fig. 2., cop. Milne Edw. Hist. nat. des
Crust. Tom. III. p. 355. pl.35. Fig. 1—4. Cuv. Regne anim.
Crust. Ed. III. pl.4. Fig. 5.
An den Küsten der Bretagne.
Zu dieser Art gehört nach M. Edwards wahrscheinlich
auch Nebalia Strausi Risso Hist. nat. Tom. V. p. 84. Fig. 20
— 22., welche bei Nizza vorkommt.
Als dritte Art wird Nebalia Montagui von Milne Ed-
1) Taf. Vm. Fig. 10, 11.
2) Taf. VIII. Fig. 12.
Archiv f. Naturgesch. XIX. Jahrg. 1. B<L H
I6i Grube:
wards aufgeführt, Monoculus rostratus Mont.Transact. of the
Linn. soc. Vol. XI. p. 2. Fig. 5. , Nebalia Monlagui Thomps.
(nach M. Edw.) ; sie ist sehr wenig gekannt und scheint nur
3 hintere Fusspaare zu haben.
Oiag^nosis specieruiii.
JV. bipes Pediculis oculorurn subcylindricis, basi haud
coarctatis, appendiceantennarum superiorum lamellosa y^ fcre
longitudinis flagelli aequante , secundo inferioru«! arliculo
multo breviore quam tertio, supra aculeo magno terminali in-
structo penultimo et antepenultimo segmenlo abdominis multo
altioribus quam longls, appendicibus caudalibus segmentis po-
stremis 3 iunctis longioribus , V5 longitudinis tolius animalis
S^operantibus. Long. corp. 3 — 5 lin.
iV. Geolfroyi Pediculis ocnlorum basi attenuatis, appen-
dice antennarum superiorum lamellosa fere 72 longitudinis
fkgelli aequante, inferioribus aculeo nullo armatis, segmento
penultimo et antepenultimo abdominis paene äeque altis ac
longis appendicibus caudalibus segmenta postrema 3 iuncta
vixdom aequantibus. Long. 4 lin. ^
Bemerkungen über die Phyllopoden. 163
Erklärung der Abil düngen.
Taf. V.
Abbildungen von erwachsenen Thiereu beiderlei Geschlechts der
Limnetis brachyurus.
Fig. 1., l.ö, 8, vom Weibchen.
Fig. 2., 2.rt, 3 und alle übrigen Figuren vom Männchen; Fig.
6. 7. 9. 10. 11. könnten sich eben so gut auf das Weibchen bezie-
hen, desgleichen Fig. 5. sein erstes Beinpaar darstellen.
Fig. 1. Limnetis brachyurus, trächtiges Weibchen, lömal im
Durchmesser vergrössert, nach Abnahme der linken Schalenhälfte.
Man sieht an dem schnabelförmigen scharf zugespitzt endenden
Kopf die seilliche knieförmig gebogene zarte Leiste c, vor welcher
das zusammengesetzte Auge , das unter diesem liegende einfache und
die dem Rande nähere mit Haaren besetzte Vertiefung; hinter der Lei-
ste befinden sich unten die kleinen keulenförmigen zweigliedrigen
Tastantennen (Istcs Antenneopaar) Ä*, oben die starken gabelästigen
Ruderantennen A"^ (2les Antennenpaar, Istes Paar der ßuderexiremitäten
bei der Larve mit einfachem Rückenschild) , hinter ihnen die Mandi-
beln (2tes Paar der Ruderextremitäten bei derselben Larve) mit ihreoa
birnförmigen Basalt^eil, und unter diesen die nach hinten fortgestreckle,
zum Theil zwischen den Vorderbeinen versteckte Oberlippe ; das ein-
zige Maxillenpaar ist durch die Vorderbeine verdeckt. Von der Basal-
spitze der Mandibeln nach dem Scheitel läuft die ?iaht , welche den
vo?dern sehr viel grössern Kopftheil vom hintern trennt; unter dem
letztern und hinter den Mandibeln sieht man den zum Schliessen der
Schale dienenden von der linken Hälfte abgelösten Muskel, in dessen
Umgegend die noch kleinen, in dem Vorderlheil des Körpers enthalte-
nen Eierchen durchschimmern. An dem Rückenrande der Schale macht
sich die Falte k (das sogenannte Ligament) bemerkbar, durch welche
eine Schal^nhälfte in die andere fibergeht, unter ihm die Stelle, an
welcher der Hautüberzug des Rumpfes sich in die auskleidende Mem-
bran der Schale fortsetzt.
Am Rumpf erscheint am deutlichsten die linke Fussreihe, 12
Fösse verschiedener Gestalt enthaltend, die vordem 8 Füsse mit bor-
stenrandigen Aussenästen, hinter welchen bei den 7 vordersten — mehr
oder minder verdeckt — ein horstenloser schlaucharliger Rranchialan-
hang vorkommt (vgl. Fig. 5. b), am 9(en und lOten ist der sonst blatt-
artige Rückenasl durch einen ICicrträger ersetzt, einen biegsamen Grif-
fel, Tim den herum die befruchteten Eierchen ankleben, das Ute und
I
164 Grube:
12le Fusspaar ohne Ruckenäste; dahinter an der Bauchfläche des End-
segments ein kleines unpaariges Blättchen als Anhang. Das Iste Fuss-
paar des Weibchens weicht in seiner Zusammensetzung durchaus nicht
vom 2ten ab. Hinter den Eierträgern das dreizipfelige Blatt, an des-
sen Basis die Oeffnung für den Austritt der Eier (vgl. Fig. 15.).
Fig. 1. a. Die Endspitze des schnabelartigen Kopftheils vom
Weibchen, von vorn gesehen, etwas stärker vergrössert.
Fig. 2. "Erwachsenes Männchen , lömal vergrössert , ebenfalls
von der linken Seite nach Wegnahme der linken Schale: Lage der
Kopforgane, seitliche Kopfleiste, Schalenschliesser und Schalenligament
wie bei dem Weibchen, nur ist der Schalenschliesser kurz am Rumpf,
nicht wie in Fig. 1. an der linken Schale selbst abgeschnitten. Das
Ende des schnabelförmigen Kopfes erscheint vom Weibchen verschie-
den, abgestttzt, am Rumpf nur 10 Fusspaare , von denen man haupt-
sächlich die linke Reihe sieht, auch hier die vordersten 8., mit bor-
stenrandigen Aussenästen, davon die 7 ersten wie beim Weibchen mit
schlaucharligen ßranchialanhängen (vgl. Kig. 4. Fig. 5. 6), das 9le und
lOte Fusspaar ohne beides, das Iste Fusspaar vom 2ten abweichend,
sehr auffallend gebildet, indem seine Endglieder ein bei der Begattung
thäliges Greiforgan bilden.
Fig. 2. a. Das abgestutzte Ende vom schnabelförmigen Kopfe
des Männchens, von vorn gesehen, etwas stärker vergrössert.
Fig. 3. Männchen , von der Bauchseite und etwas links gese-
hen, um die zwischen den Hüftgliedern und Schenkellappen der Beine
entstehende Rinne zu zeigen, durch welche ein Wasserstrom die Nah-
rungstheilchen bis zu der mitten unter dem Kopfende erscheinenden
Oberlippe und über (in dieser Lage unter) sie hinweg zum Munde
fuhrt , zu beiden Seiten der Oberlippe die kleinen Tastantennen.
Fig. 4 — 8. Abbildungen verschiedener Fasse in 18facher Ver-
grösserung, von hinten gesehen, so dass die Buchstaben b'h" den Aus-
sedrand, M" , Z*, P den Innenrand bezeichnen : in allen diesen Figuren
bedeutet M" den vom Hüftstück abgehenden Kiefer- oder Maxiilarfort-
satz, P — P die Lappen des Innen- und Unterrandes der übrigen Bein-
ablheilungen, und zwar l den des Femoralstücks, P,P,l'^, die des Ti-
bialstücks, P das Tarsalstück; b,b',b" die Anhänge des Aussenrandes,
b den borslenlosen schlauchartigen Branchiaianhang (sog. Kiemenblase),
b' den Rücken-, 6" den Bauchast des borstenrandigenBranchialanhangs
(Kiemendeckblattes).
Fig. 4. Der linke Fuss vom Isten Paar des Männchens, von al-
len andern abweichend durch die Verlängerung des Femorallappens V
und den starken durch einen Randeinschnitt gebildeten Absatz dessel-
ben gegen die verkürzten übrigen Fussabtheilungen ; der Tibiallappen
l^ hat einen sehr convexen, ausser den Borsten mit einer Reihe kurzer
Stacheln besetzten Innenrand, l^ ist am wenigsten verändert, l'^ und l^
Bemerkungen über die Phyllopoden. 165
klauenartig gekrümmt, letzteres Stück haarlos, entschieden vor Z* ge-
legen, und für sich beweglich, seine Länge ansehnlicher, seine Basis
breiter und tiefer angesetzt als i*, welches wenigstens an der Spitze
einen Borslenbüschel trägt.
Fig. 5. Der linke Fuss vom 2ten Paar des Männchens , etwas
länger als derlste: mit ihm stimmen der 3te bis 7te (incl.) des Mann,
chens und der Ite bis 7te des Weibchens überein, nur dass sie je wei-
ter nach hinten gelegen, desto mehr an Länge abnehmen.
In beiden Füssen ist der Verlauf der iMuskeln dargestellt: a die
Muskeln , welche vom Rücken her an der Seitenwand des Kumpfseg-
ments herabsteigen, und sich an die Aussenecke des Müfslücks, nach
innen von der Basis des schlaucharligen Branchialanhangs ansetzen,
ß die Muskeln, welche von der Bauchwand des Segments herkommen,
und theils zu demselben Funkt , theils zur Basis des Kieferfortsatzes
{M"), theils zum borstenrandigen Branchialanhang, sicher wenigtensan
die Basis seines Rückenastes b' treten; die auf den Bauchast (b") be-
züglichen haben diesen Ursprung nicht so deutlich , sie scheinen we-
nigstens durch solche Fasern, welche von der Mitte der Fussplatte her-
kommen, verstärkt zu werden, wenn sie nicht überhaupt hier entstehen.
y die Muskeln , welche vom Hüflstfick des Beines ausgehen
und sich an die verschiedenen Lappen des Innenrandes vertheilen.
6 die Muskeln, welche an der Basis des Rückenastes vom bor-
stenrandigen Branchialanhang (&') fächerartig ausstrahlen, und theils in
den Bauchast desselben Blattes (6") herabsteigen , theils in schräger
Richtung qner durch die ganze Fussplatte zu den Lappen des Innenran-
des laufen.
Fig. 6. Ein Fuss vom 8ten Paar des Männchens, ihm fehlt der
innere borstenlose Branchialanhang, oder die sog. Kiemenblase b, und
die Borsten an der Spitze des Rückenastes b' sind, wie man es auch
an den nächst vorhergehenden Füssen sieht, merklich verlängert , alle
Lappen des Innenrandes sehr verkürzt: mit diesem Fusspaar stimmt
auch das 8te des Weibchens überein.
F"ig. 7. • Ein Fuss vom 9ten Paar des Männchens; ihm fehlt so-
wohl die Kiemenblase &, als auch der Rückenast des borstenrandigen
Deckblatts , und der Bauchast (6") desselben erscheint ausserordentlich
kurz, die übrigen Lappen werden einander ähnlicher: eine gleiche Ge-.
stalt zeigt das lOte Fusspaar des Männchens, und das Ute und 12te
des Weibchens.
Fig. 8. Ein Fuss vom 9len Paar des Weibchens, e der Eier-
träger, ein beweglicher, als eine Umwandlung von dem Rückenast des
borstenrandigen Branchialanhangs zu betrachtender Griffel , der sich
nach unten in einen kurzen Bauchast b" fortsetzt; dieselbe Form hat
auch dat lOte Fusspaar des Weibchens.
Fig. 9. Das zweiringlige End • und das vorletzte Segment, a
166 Grube:
der After mit seinen Lippen, i der an der Rückenseile durchschimmernde
Darm, ^ das von dem vordem Ringel des Endsegmenis herabhängende
unpaarige Blättchen, p«o das am vorletzten Segment befestigte lOte
Fusspaar.
Fig. 10. Die linke Mandibel von der Innenseite.
Fig. 11. Die linke Maxille.
Taf.VI.
Abbildungen von Jugendzuständen der Limnetis und von einzel-
nen Theilen eines erwachsenen Weibchens.
Fig. 12. Die jüngste Form, welche beobachtet wurde, etwa 65
mal im Durchmesser vergrössert, von der Bauchseite gesehen.
C. Der keglig zugespitzte in zwei winzige Hörnchen auslaufende
Kopf mit langem rechten und linken Seitenstachel , C der noch un-
gegliederte fusslose, am Ende in zwei kurze Fortsätze ausgebende
Rumpf, D der einfache flach gewölbte Rückenschild , an welchem der
Rumpf haftet , L die gewaltige einen grossen Theil des Rumpfes von
unten her bedeckende, ganz mit Stachelchen besetzte Lippenplatte, in
welche sich der Kopf frei nach hinten fortsetzt , und die nicht dem
Rückenschild parallel sondern schräg nach unten gerichtet ist : zwi-
schen ihr und dem Rumpf ist der Zugang zum Munde, welcher etwa
an ihrer vorderen Grenze liegt.
A'j M. Die beiden Paare der Ruderextremitäten , welche zwi-
schen der Basis des Kopfkegels und dem Rumpf entspringen. Ä das
vorderste deutlich gabelästige Paar , welches sich später in die hin-
tern Antennen oder Ruderantennen umwandelt; von ihrer Basis, von
der Lippenplatle überdeckt, geht hinterwärts ein grosser gespaltener
Hacken ab («').
M Das hintere, einfachere Paar, aus welchem weiterhin dieiMan-
dibeln entstehen; es ist kürzer und fast ganz von der Lippenplatte
überdeckt. Das vordere Antennenpaar (oder dieTastanlennen) ist jetzt
noch gar nicht vorhanden , bildet sich aber später an der Stelle , wo
jetzt das helle runde Fleckchen an «der Basis der seitlichen Kopfsta-
cheln sichtbar ist. Im Kopf schimmert das einfache Auge 0 durch,
dahinter beginnt der Darmkanal, mit zwei kurzen contraclilen Zipfeln,
aus welchen sich weiterhin die traubigen durch einen Kanal in den
Magen mündenden Speichel- oder Leberorgane bilden, die hintere in
den After endende Partie des Darmkanals ist gegen die vordere durch
eine Einschnürung abgesetzt. In dem Darm sieht man den dun-
keln von seinem äussersten Conlour weit abstehenden Inhalt, « der After.
Fig 13. Eine weiter vorgeschrittene, um etwa 48 Stunden al-
lere und grössere Larve , ebenfalls von der Bauchseite gesehen und
Bemerkungen über die Phyllopoden. f^T
ebenso stark vergrössert. Die Gesamnitform hat sich wenig, die Haupt-
theile fast gar nicht verändert, aber hinter dem einfachen Auge wer-
den die ersten Anfänge der zusammengesetzten (0') in Gestalt zweier
rothen Fleckchen, bemerkbar, und am Rumpf baben sich die Anlage«
zu 6 Fusspaaren gebildet , die jedoch noch keine Bewegung zeigen.
Gleichzeitig mit den zusammengesetzten Augen ist das Herz aufgetre»
ten, das man aber, weil es durch den Darm verdeckt wird , bei die-
ser Lage nicht wahrnehmen kann. In diese Figur ist auch die stran^-
förmige in der Mittellinie der Bauchwand liegende Zeichnung aufge<-
nommen, derer in der Abhandlung gedacht ist, und die man leicht für
den Nervenstrang halten könnte, obwohl sich diese Identität nicht nach-
weisen lässt.
Fig. 13. a. Dieselbe Larve seitlich gesehen , weniger vergrös-
sert. D der Rflckcnschild , L die Lippenplatte , C der Leib mit den
Anlagen der Kiemenfüsse, A^ M die Ruderextremitäten.
Fig. 13. 6. Der vordere Theil des Kopfes stärker vergrössert,
0 das einfache Auge, w der querovale, vorn flache durchsichtige Kör-
per, in den dasselbe wie eingesenkt erscheint und der vielleicht die er-
ste Anlage der zusammengesetzten dahinter liegenden Augen ist, o die
beiden mitten angeschwollenen Stränge, welche ich für die Sehnerven
der jetzt entstehenden zusammengesetzten Augen halte , 8 die Ma-
genzipfel.
Fig. 14. Eine Larve aus demselben Stadium vom Rücken ge-
sehen, um die obere mit feinen Spitzchen besetzte Fläche dcsRücken-
scbildes zu zeigen , von weichen nur eise einzige , gleich bei den
seitlichen Kopthörnern beginnende ovale Stelle (t') frei ist. Das Ende
des Kopfes und seiner seillichen Hörner oder Stacheln überragt den
Rand des Röckenschildes , alles andere schimmert nur durch; so das
über dem Darm und unmittelbar hinter jener glatten Stelle des Rfik-
keoschildes gelegene Herz (v).
Fig. 15. Das Körperende eines trächtigen Weibchens, ietwa 20
mal vergrössert, von der linken Seite und etwas von vorn gesehen , e
die griffeiförmigen Eiertcäger, E eine Gruppe an ihnen und an einan-
der festklebender Eier, w die dreizipfelige Klappe, an der Flanke des
vor- und drittletzten Segments , hinter welcher die Oeffnung des Ovi-
ducts; sie ist mehr als gewöhnlich abwärts gewendet, eine Stellung,
die ich zur Zeit des Eierlegens öfter bemerkt habe; p9p'0p»«pii djp
vier letzten Fusspaare, / das unpaarige Blättchen an der Bauchseite des
letzten Segments.
Fig. IG. Die rechte Eierklappe von rechts gesehen , ihre Sei-
tenränder haben sich gegen einander gekrümmt , und bilden so eine
Art Rinne, durch welche das Eichen heraustritt. Durch die Seitenwand
des Leibes schimmern die zum Austritt reifen Eier durch.
Fig. 17. üine Gruppe Eierchen an dein zarten Haarschopf eines
168 Grube:
Eierträgers (e) haftend. Die äussere Hülle («") welche den einzelnen
Dotter (tj) umschliesst, ist mit den benachbarten durch eine klare Masse,
eine über dieselben ergossene und dann erhärtende Flüssigkeit verbun-
den, t' die Dotterhaut der einzelnen Dotter selbst.
Fig. 18. Ein einzelnes Ei stärker vergiössert aus einer spätem
Zeit, t der Dotter , "c" die äussere bald einen bald mehrere Dotter
umschliessende Eihülle, welche hier schon eingeschrumpft ist, sich mit
der Dotterhaut vereinigt hat und dann einen unregelmässig feinzackigen
Contour zeigt.
Fig. 19. Einer von den mittleren Füssen, an dessen Borsten
einige jener straffen mit zarter blasig körniger Masse gefüllten Schläu-
che u hangen, welche ich für Anfänge anderer Organismen halte.
Fig. 20. Ein Paar dieser Schläuche vergrössert, um das kurze
Stielchen, mit welchem sie anhangen, und den von der Haut des Schlau-
ches merklich abstehenden Inhalt zu zeigen.
Taf. VII.
i> i > Fig. 21. Eine junge zweischalige Limnetis einige Stunden nach
ihrem üebergange aus der einschaligen Form in die jetzige: in die-
sem Stadium pflegen ihre Schalenhälften noch weit auseinander zu ste-
hen, wie es auch die Abbildung zeigt, 7 Fusspaare sind entwickelt und
in Bewegung , die übrigen noch in der Bildung begriffen, last - und
Ruderantennen vorhanden, Kopf, Mandibeln , Oberlippe zusammenge-
setztes Auge , Schalenkanäle und Schalenschliessmuskel wie beim er-
wachsenen Thier, nur die Zahl der Glieder an den Aesten der Ruder-
antennen und die der Borsten an ihnen wie an den Fusslappen min-
der gross.
Fig. 21. a. Eine Ruderantenne desselben Thieres stärker ver-
grössert.
Fig. 21. h. Ein Fuss desgleichen.
Fig. 22. Die linke Schalenhälfte einer erwachsenen Limnetis,
von der Innenfläche betrachtet, vergrössert. Man sieht den nahe der
Schale abgeschnittenen Schliessmuskel und die ovale von den 3 con-
centrischen Kanälen gebildete Figur, die ihn umzieht. Gegen die zak-
kigen durch Gräben getrennten wulstigen Kanäle sticht der fast die
Längsachse der Figur einnehmende dünnwandige Blindkanal ab , wel-
cher oberhalb des Muskels herkommt, und gerade nach hinten verläuft.
Von den oberen Schenkeln der Wülste sieht man den innersten in den
äusserslen umbiegen, von den untern dagegen scheint der mittelste in
den äussersten überzugehen; der obere Schenkel vom mittelsten und
der unlere vom innersten Wulst scheinen sich weiter nach vorn fort-
zusetzen und so den Muskel zu umziehen. Von dem Umfang des aus-
Bemerkungen über die Phyllopoden. 169
sersten Wulstes strahlt das helle Geäder aus, welches wie die Wülste
der mittleren weichen Schalenschicht angehört , und in welchem das
Blut fliesst. Der helle Kandstreif zeigt die Dicke des Schalenrandeg
selbst an. k Die Falte, durch welche eine SchalenhäUte mit der an-
dern zusammenhängt (sog.- Ligament).
Fig. 23. Der Kopf eines erwachsenen Weibchens etwa 20mal
vergrössert, mit einem Stück vom Vordertheil des Rumpfes, dem Scha»
lenschliessmuskel und den ihm anhängenden concentrischen Kanälen
aus der Mittelschicht der Schale, von der linken Seile gesehen.
Ä. Die linke der zweigliedrigen Tastantennen (Istes Antennen-
paar), A"^ die linke Ruderantenne (2tes Antennenpaar) , m*,m'^,tn^ Mus-
keln der Ruderantennen, m' die Aufheber, zum Theil auch als Rfick-
wärtszieher wirkend, sie entspringen unter dem Scheitelrande der vor-
dem Kopfablheilung, m^ die Vorwärtszieher, welche weiter nach vorn
und etwas tiefer entspringen und schon im Stamm der Ruderantenneu
aufhören, m' die von der Unterseite des Kopfes herkommenden Rück-
wärtszieher; t die Einkerbung und Naht zwischen der vordem und
hintern Kopfabtheilung (dem Nackenschildchen Lievin's) ; e die knie-
förmig gebogene Seitenleiste der vordem Kopfabtheilung, bis zu wel-
cher der Stamm der Ruderantennen seinen Spielraum hat, 0' das zu-
sammengesetzte Auge der linken Seite, auf seinem Sehnerven sitzend,
umfasst von einem Kegel zarter Muskeln, tr die Aushöhlung, in der es
sich befindet; 0 das einfache Auge, p ein Strang der zu seiner Befe-
stigung zu dienen scheint, z, die mit Häärchen besetzte Vertiefung der
linken Kopfseite; m^ ein von der Kopfwand hinter dem Auge 0' ent-
springender dünner Muskel , der zur ünterfläche der Oberlippe geht,
S das zerschlitztlappige in den Magen mündende Secretionsorgan der
linken Seite , L die Oberlippe , M die linke Mandibel , m^ ein hinter
ihrem Schenkel zur Sehne ihrer Adductoren herabsteigender Muskel;
/ der Darmkanal, v das Herz (wie es scheint, jederseits mit 3 Spalt-
öffnungen versehen), m^ der Schliessmuskel der Schalen mit den ihm
anhängenden, bei der Zerreissung der Schale hinausgetretenen Schalen-
kanälen, M' die linke Maxille.
Fig. 24. Die rechte Mandibel M, die Maxille M' und die Ba-
salpartie des Isten Fusspaars von der Bauchseite gesehen , nämlich p
das Hüftstück selbst, M" der Kieferfortsalz, b der borstenlose schlauch-
förmige, b' der borstenrandige Branchialanbang.
Fig. 24. a. Der gabiige hornige zum Theil gezähnelte Strei-
fen, an der Bauchseite des Kopfes gerade über der Lippe gelegen, zwi-
schen den Mandibeln.
Fig. 25. Ein Stück vom Rande der Schale, von innen gesehen,
etwa 200mal vergrössert; rr' der Rand selbst, R der helle Randsaum,
dessen Zellen kleiner sind , q die Grenze zwischen ihm und den an-
stossenden grösseren Zellen, e das Ausscnblatt der Schale in dem die
170 .jfijjoiit: Grube:
Zellen liegen, i dafs zarte Innenblatt, m die aus gallertigen zackigen In-
selchen bestehende vom Blut diirchsliömle minder durchsichtige Mittel-
schicht, die bis q reicht.
Fig. 25. a. Die Randdicke selbst, der äussere Contour r er-
scheint zackig.
Fig. 26. Der Mundring des Nervensystems, etwa l6mal ver-
grössert; C das vordere Mund- und Gehirnganglion, n die Schenkel
des Schlundringes, 0' die zusammengeselzlen, 0 das einfache Auge, o
die beiden zu 0' gehörigen Sehnerven , i der Nerv der Taslantennen,
2 Nerven der Ruderantennen, 3 der um die Wurzel der Oberlippe her-
umgehende Verbindungsfaden der Schenkel des Mundringes, y das da-
hinter gelegene kleine Ganglion , das wahrscheinlich mit dem der an-
dern Seite ebenfalls verbunden ist , M das erste Ganglienpaar der ei-
gentlichen Bauchkette, das die Mandibeln versorgt und noch einen Ner-
ven nach vorn abschickt, M' das zweite Ganglienpaar, vermulhlich für
die Maxillen bestimmt, F das dritte, F' das vierte.
Fig. 27. Ein Stück von der hintersten Partie der Bauchkette be-
deutend stärker vergrössert.
Fig. 28. Ein vertikaler Durchschnitt des Segments, welches das
Iste Fusspaar trägt. D die Schalenhälften, k die Falte die sie verbin-
det, unter ;i die Stelle an der die Oberhaut des Rumpfes in die aus-
kleidende Membran der Schale übergeht, v das Herz, I der Darm, JV
die Bauchkette des Nervensystems, G die Genitalien, M" der Kiefer-
fortsatz, /• — l^ die Lappen und Anhänge des Innenrandes, b,b'jb" die
Branchiallappen der Fösse.
Fig. 29. Das einfache Auge von oben gesehen, so dass der
Blick gerade auf die mit Pigment bekleidete Längs -Kante zwischen
den beiden Seilenflächen des beinahe telraedrisch geformten Organs
fällt, und die Basalfläche verkürzt erscheint; alle Flächen sind von Pig-
ment eingerahmt.
Fig. 30. Eine der 3 dem Beobachter zugänglichen Flächen des
einfachen Auges im verticalen Durchschnitt.
Taf. VIII.
Fig. 1 — 5. Branchipus Josephinae.
Fig. 1. Der Kopf eines Weibchens etwa lOmal vergrössert, von
der Rückenseite.
Ä die fadenförmigen oberen Antennen (den vordem der andern
Phyllopoden entsprechend), A^ die untern sehr viel dickeren, hornartig
gekrümmten (den hinteren der anderen Phyllopoden entsprechend), 0
das cinlaclio, 0' die gestielten zusammengesetzten Augen , C die vor-
dere, die Sinnesorgane tragende, C die hintere, die Fresswerkzeuge
BemerkiiAgen über die PhyllopodetiH • ;« 17!
tragende Kopfhälfte , P' das erste mit ausgebildeten Füssen ver»ehene
Rumpfsegmcnl. lak h(iu vtnriA lu.
Fig. 2. Ein Männchen, 4mal vergrößert, von der BaiTChseite.
A'. 0' wie in Fig. 1. , die untern Antennen (sog. Hörncr) sind
hier viel grösser und zusammengesetzter als beim Weibchen und tra-
gen an der Unterseite der Basis ein stachliges Wärzchen «', an der
Innenseite der Basis ein zarler gebautes Kebenhorn « ; M die Mandi-
beln, M' die Maxillen, p die kleinen Fapillen, vor dem 4ten ausgebil-
deten Fusspaar, welche man entweder als ein rudimentäres Fusspaar
oder als ein zweites iMaxillenpaar betrachten kann, auf dieses folgt
die Reihe der 11, nach vorn und hinten an Länge abnehmenden Ru-
derlusspaare P, und dann die 9 fusslosen Segmente S, von deren 2
vordersten der die männlichen Genitalien umschliessende Behälter w
herabhängt, w die äusseren Papillen desselben , unter (oder in norma-
ler Lage über) welchen das Vas deferens mündet, lo" die innere mit
einer hornigen Leiste, einem Nebenzahn und meist noch kleineren mi-
kroskopischen Zähnchen versehene Spitze : a die beiden Schwanz-
blä(tchen.
'"..., Fig. 3. Der Kopf eines Männchens, von ^er ROckenseite und
etwas aufgerichtet, so dass man noch das Wärzchen der Bauchseite a'
hervorgucken sieht; viel stärker vergrössert , um die an der Unter -
und Hinterseite des Nebenhorns beOndlichen stumpfen Zähne oder Za-
pfen zu zeigen.
Fig 3. a. Einzelne dieser Zähnchen und
Fig. 3. b das Wärzchen a noch stärker vergrössert, so dass man
deutlich die winzigen Zacken erkennt, mit denen es grösstentheils be-
setzt ist.
Fig. 4. Der dritte Fuss der rechten Seite etwa lömal vergrös-
sert M' ; l* — i* die Lappen des Innenrandes, U der unterste und grösste
derselben (Ruderlamelle S. Fischer), P der Tarsallappen (Endlamelle
S. Fischer) , b, unterer (beuteiförmiger, unbehaarter) Branchialanhang,
i+ 6+ die beiden oberen (blattförmigen, ebenfalls unbehaarten), am
Rande leicht gekerbten Branchialanhänge.
Fig. 5. Der Hinlerkörper des Weibchens vergrössert , seitlich
gesehen, um das Verhältuiss des Eierbehälters o (Theca) zu den bei-
den vorderen fusslosen Segmenten zu zeigen. P»» der rechte Fuss des
Uten Paares.
Fig. 6. 7. 8. Füsse von Apus productus.
Fig. 6. Der linke Fuss des ersten vollständigen Paares 3*/imal
vergrössert: Jtf der Kieferfortsatz, l'—l^ Lappen des Innenrandes, /*
der Tarsallappen, b der innere (beuteiförmige, unbehaarte) Branchial-
anhang, b' der äussere (blattförmige), am Rande mit Borsten besetzte
Branchialanhang.
Fig. 7. Ein Fuss von den auf das Ute Fusspaar folgenden;
172 Grube: Bemerkungen über die Phyllopoden.
Syjmal vergrössert, die Bezeichnung der entsprechenden, nur breiteren
und kürzeren Lappen und Anhänge ist dieselbe.
Fig. 8. Das vor dem ersten vollständigen Fuss und hinter der
2ten Maxille der linken Seite stehende rudimentäre Füsschen, 4mal
vergrössert.
Fig. 9. Der 5te Fuss linker Seits von Estheria tetracera ver-
grössert: die Bezeichnung der Theile wie in Fig. 6, der Lappen i*
ist hier gegliedert angesetzt, der blattförmige äussere Branchialanhang
so sehr nach oben und unten in die Länge gestreckt, dass man einen
Rücken, und Bauchast (6', 6") v^^ie bei Limnetis unterscheiden kann.
Fig. 10. 11. 12. Theile von Nebalia Geoffroyi.
Fig. 10. Der rechte Fuss von einem der 8 vordem Paare,
vergrössert. Pder hier am Innenrande nicht lappenartig zerschlitzte,
sondern einfache Stamm des Fusses, b der innere (hier am ünter-
rande spärlich behaarte), b' der äussere Branchialanhang.
Fig. 11. Ein Fuss der 4 folgenden gabelästigen Fusspaare,
weniger stark vergrössert.
Fig. 12. Die linke Schalenhälfte von der Innenfläche gesehen,
6'/iraal vergrössert, um das Netzwerk der sie durchziehenden Blut-
kanäle' zu zeigen. Am Rückenrande vorn ist die Stelle markirt, wo
die Schale mit dem ersten Rumpfsegment zusammenhängt.
Beitrag zur fintwicklung^ss^eiichiehte der
Kaitimkleiticr
von
jr* Roren und D* C* Daiiielaseii *}•
Aus dem Dänischen übersetzt
vom
Heräusipetoer«
(Hierzu Taf. IX.).
Es sind ungefähr 5 Jahr , seit wir in „Nyt Magazin for
Nalurvidenskaberne" dem naturforschenden Publicum einige
Abhandlungen unter dem Titel: „Zoologischer Beitrag" vor-
legten, worin wir versprachen , die Entwicklung von ßucci-
num undalum gründlich aufzuklären. Jeder, der sich selbst
ein wenig mit der Entwicklungsgeschichte niederer Thiere
beschäftigt hat^ wird es leicht einsehen, wie Jahre verge-
hen können, ohne dass es glückt, selbst die Probleme aufzu-
klären, welche Gegenstand der fleissigslen Forschung gewor-
den sind. Und wenn dies überhaupt richtig ist, wieviel mehr
für uns, die wir an einem isolirten Ort wohnen, 50 Meilen
entfernt von der Universität, und entblösst von den nöthigen
Hülfsmitteln. Dafs wir jetzt im Stande sind unser Verspre-
chen zu lösen , ist uns um so angenehmer, als wir zugleich
*) Diese Abhandlung erschien als besondere kleine Schrift in
Bergen 1851 mit 4 Tafeln, ein späterer Nachtrag ist vom September
1852 datirt.
174 Koren und Danielssen:
dadurch Veranlassung bekommen , die Irrthumer zu berich-
tigen, welche sich in der obengenannten Arbeit befinden.
Bergen, den 20. Septbr. 1851.
Baccinum undatuiti Linne.
Obgleich wichtige Beiträge zur Entwicklungsgeschichte
der Mollusken von Nordmann »;, Vogt 2), Quatrefa-
ges'^), Loven'»), Reid^) und Leydig^) geliefert sind,
seit wir unsere Untersuchungen im Magazin for Naturviden-
skaberne bekannt machten, glauben wir doch, dass unsere
fortgesetzten Beobachtungen, die wir hier vorzulegen wagen,
nicht ohne Interesse sein werden, theils weil wir Schritt für
Schritt die ganze Entwickelung zweier Gattungen haben ver-
folgen können, theils weil sie zu Aufklärungen über die Bil-
dung von Embryonen geführt haben, die, soweit es uns be-
kannt ist, für die Wissenschaft neu sind.
Am sechsten März dieses Jahres erhielten wir einige
Eikapseln von Buccinum undalum. Es ist bekannt, dass die
Kapseln meist zusammenhängen , und kugelrunde oder ovale
Trauben bilden, welche zuweilen die Grösse einer geballten
Faust erhalten. Sie sind an verschiedenen Körpern , wie
Steine, alte Holzstücke, Tang u. s. w. befestigt. In manchen
Trauben enthielten alle Kapseln entwickelte Junge , in an-
dern dagegen waren dieselben noch mit Eiern versehen, und
wir besassen daher hier das nöthige Material. Sowohl aus
dem verschiedenen Inhalt dieser Trauben , wie aus unseren
sonstigen Untersuchungen, darf man wohl den Schluss zie-
1) Versuch einer Monographie von Tergipes Edwardsii. Peters-
burg 1844.
2) Recherches sur l'embryogenie de l'Acteon, Annales des Scien-
ces naturelles, troisieme ser. VI. 1846. p, 1.
3) Annales des sciences naturelles, troisieme ser. IX. p. 33.
4) Bidrag til Kännedomen on Utvecklingen af Mollusca Acephala
Lamellibranchiata. Kongl. Vet. Akad. Handl. 1848.
5) Ueber die Entwicklung der Eier der Mollusca nudibranchiata.
Froriep's Tagsberichte. Januar 1850.
6) Ueber Paludina vivipara. Zeitschrift für wissensch. Zoolo-
gie. 2. Band. Leipzig 1850.
Beitrag zur EntwicklungsgeschwhW dtet Karamkiemer. 175
hen, dass die Zeit des Eierlegens vonBuccinum undatum im
Januar beginne, und bis zum Ende des April dauere. Wir
Öffnelen einige Kapseln, um den Inhalt unter dem Mikroskop
zu prüfen. Eine jede enthielt eine wasserhelle , zähe , ei-
weissarlige Flüssigkeit, worin sich eine beträchtliche Menge
Eier (600—800) befanden , die sich wegen des sie einhül«^
lenden zähen Schleims schwer von einander trennen liessen.
Jedes Ei bestand aus einer dünnen durchsichtigen Haut (cho-
rion) , innerhalb derselben befand sich eine feinere Haut,
die den kuofelrunden Dotter dicht umschloss. Derselbe be-
stand aus ein-er zähen Flüssigkeit, welche eine Menge grös-
sere oder kleinere hellgelbe runde Körner enthielt. Weder
von Keimbläschem noch von Keimüeck bemerkte man eine
Spur. Der Durchmesser der Eier variirte von 0,257 bis
0,264 m. m.
Den 8., 13., löten und 20sten März untersuchten wir
wieder einige Kapseln derselben Traube. Die Eier waren
zu unserer grossen Verwunderung noch kugelförmig und un-
gefurcht *)•
Am 24stenMärz waren die Eier gleichfalls ungefurcht;
aber anstatt dass sie früher zerstreut lagen, hatten sie sich
nun genähert. Das Chorion hatte begonnen sich aufzulösen,
die meisten Dotier waren" ausgetreten , und lagen eingehüllt
in der zähen, eiweissartigen Flüssigkeit, bloss umhüllt von
der Dotlerhaul. Nach einigen Tagen hatten die Eier auch
äusserlich sich ziisammengehäuft, und bildeten eine gemein-
same Masse, die an der Oberfläche gleichsam in mehrere
Gruppen abgetheilt war , so dass man selbst mit blossen
Augen jede einzelne bemerken konnte. Hire Anzahl betrug
im Allgemeinen von 6 — 16.
Den 29slenMärz untersuchten wir abermals einige Kap-
seln. Die einzelnen Gruppen fanden sich schärfer ausge-
prägt, und an jeder von ihnen, die nun eine ovale oder nie-
renförmige Gestalt angenommen hatten , war ein überaus
dünnes Häutchen gebildet. Die Gruppen blieben noch zu-
sammenhängend.
1) An einzelnen Eiern sahen wir indessen, dass die Dotter eine
konische Hervorragung hatten.
176 Koren und Danielssen:
Am Isten April untersuchten wir wieder einige Kapseln.
Eine von ihnen enthielt zwölf bereits ausgebildete Embryonen
die eine ovale und nierenförmige Gestalt hatten, und mit
zwei runden Lappen (velum) und dem Fuss (Fig. 2. c.) ver-
sehen waren. Die Flüssigkeit, welche die Kapseln erfüllte, war
durchaus wasserhell und dünn , so dass man mit grosser
Leichtigkeit Individuen herausnehmen konnte. In einer an-
dern Kapsel befanden sich nur 6 Embryonen, von denen vier
noch vereinigt waren.
Wir begannen nun den Zusammenhang zu begreifen,
der uns so eigenthümlich vorkam, dass es lange dauerte, ehe
wir rechtes Vertrauen in unsere eigenen Beobachtungen setz-
ten ; denn es schien so stark nicht nur gegen alles , was
man bisher von der Entwicklung der Mollusken wusste, son-
dern auch gegen alle bekannten physiologischen Thatsachen
zu streiten. Die voraus liegende Wahrheit entfernte jedoch
leicht jeden Zweifel, und verrückte nicht allein den Begriff,
den wir bisher von dem Ei hatten, sondern nöthigte uns so-
gar an einem Gesetz zu rütteln, das bereits durch mannich-
faltige Thatsachen seine Berechtigung erhalten hatte. Wir
hatten nämlich eine Entwicklungsweise vor uns, die bei ihrer
wesentlichen Abweichung es schwierig machte, unsere Un-
tersuchungen auf alle früher angestellten zu beziehen, und
wir konnten daher nicht anders vermulhen , als dass diese
neuen Phänomene bei weiterer Forschung ihren Anknü-
pfungspunkt an anderen verwandten Geschlechtern finden
würden. Wir werden später beweisen , dass diese Vermu-
thung richtig war. Aber wie hätten wir nicht bestürzt sein
sollen, dass wir, als wir das primitive Ei^ untersucht, und be-
fruchtet gefunden hatten , vergebens auf die Veränderungen
warteten , die jedes solches Ei , zufolge der bisher bekann-
ten Gesetze unter günstigen Bedingungen eingehen muss.
Keine Furchung zeigte sich , keine Zellen entstanden ; kurz,
das Innere des Eies blieb scheinbar unverändert; dagegen
äusserte sich eine Thäligkeit in seiner Umgebung , in dem
ausserordentlich zähen, eiweissartigen Schleim, der die vor-
her deutlich getrennten Eier gleichsam zusammendrängte,
und in Haufen vereinigte. In ihr wurden die Eier zusam-
mengeleimt durch eine starke, klebende Masse, während die
Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Kammkiemer. 177
vorerwähnte zähe Flüssigkeit dünnflüssig geworden war, fast
wie Wasser. Nun erst begann eine Art Thätigkeit sich in den
Eiern selbst zu zeigen , indem ihre Haut zum Theil platzte,
die Dotter austraten, und man sah, dass an jedem ebener-
wähnlen Haufen sich eine Membran bildete, die das entste-
hende Individuum begrenzte. Zwischen diesen Haufen wur-
den dann und wann einige einzelne Eier gesehen, denen der
Zutritt zu dem organischen Process versagt schien, der den
werdenden Embryo begründen sollte; und diese Eier star-
ben dann entweder ab, oder erlangten eine äusserst unvoll-
kommene Entwickelung , woraus ein höchst wunderliches
Wesen entstand , dessen Dasein nur kurz war. Sobald die
zusammengehäuften Eier ihre Membran erhalten hatten, be-
gann die Embryonenbildung mit einer Ausscheidung einer
ziemlich klaren, feinkörnigen, klebrigen Flüssigkeit, die sich
zuerst an den äusseren Flächen der Eier lagerte. In dieser
plastischen Masse entstanden nun theils Zellen, theils Mus-
kelröhren, je nachdem das sich bildende Organ eine solche
Struktur bedurfte , und auf diese Weise setzte sich die Or-
ganenbildung fort. Für uns hat es sich also unläugbar her-
ausgestellt, dass die erste sichtbare Thätigkeit, nachdem die
Eier abgelegt waren, in dem umgebenden, zähen, eiweissar-
tigen Schleim auftrat; und wir können uns diese Thätig-
keit nicht anders denken , als dass der klebende Stoff sich
ausscheidet und die Eier enger zusammendrängt. Den Con-
glomeralionsact selbst nahmen wir anfangs für etwas , das
vielleicht die Furchung verträte, aber wir verliessen bald
diese Meinung als höchst unwahrscheinlich, und wurden darin
sehr bestärkt, als wir die Entwickelung von Purpura lapillus
kennen lernten, wo Furchung und Zusammenhäufung zugleich
vorkommen. Wir müssen daher annehmen, dass die Dotter-
Iheilung nicht unter allen Umständen nothwendig für die
Embryonenentwickelung ist. Aber wie seltsam ist nicht die
Thatsache, dass mehr als fünfzig vollkommen organisirte Eier
sich vereinigen, um ein einziges Individuum zu bilden? Wo
ist hier das bildende Princip? Ist es in dem einzelnen Ei
eingeschlossen, oder ist es so über alle verbreitet, dass es
nur bei ihrer Gemeinschaft mächtig genug bleibt, um den
Stoff zu beherrschen? Wir haben ja gesehen, dass das ein-
ArdUv t Naturgewh. XIX. Jahrg. l.Bd. 12
178 Koren und Öattielssem
zelne Ei zuweilen eine Art Enlwickelung eingehl; aber das
Wesen, welches daraus hervorgeht, ist sehr unvollkommen,
und geht sehr bald zivt Gruwde. Hier schemt es am nöthigen
Material zu mangeln; — doch wir wollen auf die Entwicke-
king von Purpura lapillus hinweisen , wo dieses sich viel-
leicht deutlicher nachweisen lässt. Immerhin glauben wir in
der obenerwähnten Entwickelungsweise eine tiefe physiolo-
gische Wahrkeit zu sehen, deren grosse Bedeutung spätere
Beobachtungen vielleicht aufklären werden i}.
Was die Anzahl der Eier betrifft, die an der Zusam-
menhäufung Theil nehmen, um einen Embryo zu bilden, so
yariirt diese ebenso sehr, wie die Menge der Embryonen in
den verschiedenen Kapseln. Diese waren gewöhnliche — 16,
doch haben wir zuweilen bis 36 gefunden. Es ist zu bemer-
ken, dass, je weniger Individuen eine Kapsel enthält, desto
mehr Eier vorhanden sind, und dass als eine Folge davon
dann die Individuen grösser sind, ja sogar eine Grösse von
172 m. m. haben können. Die gewöhnliche Zahl der Eier,
welche sich zur Bildung eines Embryo vereinigen, ist 40—
60, doch haben wir sie sehr oft bis 130 gefunden.
Bereits G r a y 2) hat beobachtet, dass eine Kapsel über
lOO Eier enthielt, und dass von diesen nur 4-/5 Embryonen
skh entwickelten. Dieser bekannte englische Physiologe er-
klärt dies auf die Weise , dass einige Eier durch überwie-
gendes Wachsthum die Enlwickelung der andern hindern
1) Nachdem wir wiederholt die Ybatsachen geprüft hatten und von
ihrer Richtigkeit überzeugt waren, beschlossen wir Sars zu ersuchen,
der ungefähr drei Meilen von hier wohnt, zur Stadt zu kommen, um
wo möglich sie zu bestätigen. Obgleich Geschäfte ihn hinderten, sogleich
zu kommen, waren wir doch so glücklich später ihm den ganzen Ent-
wickelungsvorgang zeigen zu können, wodurch er Gelegenheit erhielt,
sich von der Richtigkeit der Beobachtungen zu überzeugen. Bald dar-
auf erhielten wir ein Schreiben von ihm, worin er uns einige unter-
brochene Untersuchungen über Buccinum uodatum mittheilte , welche
er im Jahr 1836 apgesitellt hatte. Daraus ersahen wir, dass Sars
gleichfalls beobachtet hatte, dass die Dotter keine Furchung eingehen.
Er hat nämlich Eier in der offenen See vom 26. Januar bis zum 18.
Februar liegen gehabt, ohne dass er eine Veränderung bemerkte.
1) Annales des sciences naturelles, seconde serie VII. p.375.
Beitrag zur Entwickluogageschichte der Kammkiemer. 179
sollten, und dass deshalb nur 4 — 5 Embryonen auskommen.
Es ist nun leicht zu sehen, worin Gray sich geirrt hat, und
wir müssen gestehen, dass wir uns früher desselben Irrthums
schuldig gemacht haben. Uniäugbar ist er der Wahrheit auf
der Spur gewesen , ohne dass es ihm geglückt ist , sie auf-
zuklären.
Nachdem wir nun gesehen haben , dass die Eier sich
gruppiren, um den Embryo zu bilden , und dass dieser um-
geben ist von einem wasserhellen, dünnen Häutchen, wollen
wir die Art und Weise angeben , wie wir die Organe auf-
treten sahen. Der erste Vorgang ist , dass sich eine klare,
feinkörnige Masse aus dem obersten Ei ausscheidet, das nun
durchsichtiger zu werden anfängt. In dieser Masse entdeckt
man bald eine Menge Zellen , die allmählich sich vermehren
und eine bestimmte Form annehmen , indem sie in die bei-
den Lappen (Fig. 2. c.) übergehen. Diese bekommen allmäh-
lich Cilien , und erst jetzt bemerkt man einige Bewegung.
Der Fuss , welcher sich auf eine ähnliche Weise bildet,
kommt zum Vorschein als eine vorstehende Wulst, erhält Ci-
lien, und der Embryo dreht sich äusserst langsam (Fig. 3. e).
An dem obersten Rande der runden Lappen zeigen sich hier
und da Girren *), die sich nach kurzer Zeit über die ganze
Länge derselben ausbreiten. Später sieht man, dass die kreis-
runden Lappen ausser den Girren auch mit Gilien versehen
sind (Fig. 7. de).
Wenn die Lappen und der Fuss gebildet sind, sieht
man zwischen den zusammengehäuften Eiern und der Mem-
bran, welche sie umgiebt, eine gleichfalls ausgeschiedene halb-
durchsichtige körnige Masse, welche beiträgt den Mantel zu
bilden, indem nämlich die erwähnte Membran sich mehr und
mehr verdickt , und eine bestimmte Structur (Fig. 2.) annimmt.
Nachdem dies geschehen , sieht man an dem untersten Theil
des Mantels einen halbrunden , durchsichtigen Körper sich
1) Sars hat die langen Girren, welche an den Lappen sich be-
finden, von Cilien unterschieden, und hat vorgeschlagen, sie Schwimm,
haare zu nennen. Später haben sie mehrere Schriftsteller „Girren«
genannt, und die Benennung „Gilien« fär die Iturzen und äusserst fei*
nen Haare beibehalten.
180 Koren und Danielssen:
bilden, das ist die beginnende Schale (Fig. 3. a). Der Fuss
nimmt an Grösse zu , bekommt eine mehr zugerundete Form,
und an seinem Grunde sieht man deutlich die beiden Ge-
hörorgane (Fig. 4. gf). Sie bestehen aus zwei kugelrunden,
wasserhellen Bläschen, die mit einer wasserhellen Flüssigkeit
erfüllt sind, und die deutlich doppelte Contouren zeigen. Je-
des Bläschen ist blofs mit einem Otolithen versehen. Bringt
man das Thier unter das Compressorium, so treten diese Or-
gane deutlich hervor, und vermehrt man den Druck, so zer-
springen gemeiniglich die Otolithen in 4 regelmässige Stücke.
Die zitternde Bewegung , welche die meisten Schriftsteller
an den Otolithen beobachtet haben, haben wir bei Buccinum
undatum nicht bemerkt, auch haben wir keine Cilien an der
innern Wand der Bläschen auffinden können, obgleich wir
sehr starke Vergrösserungen angewendet haben.
Es kann wohl kaum einem Zweifel unterworfen werden,
dass sich die Augen gleichzeitig mit den Gehörorganen ent-
wickeln ; wenigstens haben wir diese niemals beobachtet,
ohne zugleich jene zu bemerken. Leydig hat angegeben,
dass das Auge anfangs eine Blase sei, die am Grunde der
Tentakeln liege. Wir haben Gelegenheit gehabt, diese Beob-
achtungen zu bestätigen; aber wir haben ausserdem gefun-
den, dass die innere Wand dieser Blase mit Cilien versehen
ist. Die Blase enthält eine Flüssigkeit, worin sich viele stark
gefärbte hellgelbe Pigmentkörner befinden , die von einer
äusserst dünnen Haut umschlossen sind. Wenn die Cilien
auf die Pigmentkörner einwirken, setzen sie sich in eine rol-
lende Bewegung. Eine Linse konnten wir nicht entdecken;
sie kommt erst bei weiterer Entwickelung zum Vorschein.
Zu der Zeit, wo wir die Augen bemerkten , sahen wir auch
die beiden konischen Tetankeln und den Anfang der Spei-
cheldrüsen. Diese letzteren gaben sich immer als zwei birn-
förmige Organe zu erkennen, die aus runden Zellen bestan-
den (Fig. 4. h). Ihr unteres Ende war verdickt, und in der
Mitte mit einer Menge stark gefärbter Pigmentkörner erfüllt.
Gleichzeitig mit der Entwickelung dieser Organe zeigten sich
auch das Herz, die Vertiefung für den Mund mit der Anlage
für den Rüssel. Sars, Loven, Nordmann und Vogt
haben in den früheren Stadien nichts vom Herzen gesehen,
Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Kammkiemer. 181
auch wir haben es vergebens bei mehreren Geschlechtern ge-
sucht, die zu der Ordnung der Nacktkiemer gehören, und es
dürften daher wohl die ersten Entwickelungsstadien in den
meisten Fällen ohne dasselbe vorgehen. Bei den Kammkie-
mern verhält es sich jedoch anders, wenigstens bei Buccinum
undatum und Purpura lapillus, wo das Herz bereits zwischen
dem 2»i. und 28. Tage auftritt. Grant') war der erste,
der das Herz bei Buccinum undatum beobachtete , aufmerke
sam gemacht durch seine starke Pulsation. Er war es zu-
gleich , der zuerst bemerkte , dass die Jungen von Purpura,
Trochus, Nerita, Doris, Aeolis an den Seilen des Kopfes zwei
runde Organe haben, die mit schwingenden Girren besetzt
sind, und mit deren Hülfe diQ Embryonen sich bewegen.
Später sind diese Beobachtungen von Lund, Sars,Loven,
Nordmann und Anderen bestätigt. Das Herz, welches am
Rücken etwas zur Linken liegt , hat eine schiefe Lage und
ist anfangs fast ganz unbedeckl, indem ein grosser Theil des-
selben ausserhalb der nur noch unvollkommen entwickelten
Kiemenhöhle liegt. An der Stelle , wo es hervorsteht , be-
merkt man zuerst eine durchsichtige, grauliche , feinkörnige
Masse, die eine abgerundete Gestalt hat, sich an die Lappen
und den Fuss anschliesst, und ohne sichtbare Bewegung ist.
Bald zeigen sich darin schwache Zusammenziehungen , wo-
bei es sich schon mehr und mehr begrenzt, und sich als eine
grosse, helle Blase zeigt. In seinen Wänden entdeckt man
nun einzelne äusserst feine Längsröhren, 2 — 3, die deutlich
seine Contractionen bestimmen; und man hat die Form des
Herzens vor sich. Weiter hin nehmen die Wände des Her-
zens an Dichtheit und Dicke zu, die Muskel vermehren sich,
Quermuskeln bilden sich, und es füllt sich mit einer wasser-
hellen Flüssigkeit (Fig. 4. e). Wir haben oft die Pulsschläge
gezählt^ und gefunden, dafs sie in der Schnelligkeit variiren,
meist zählt man 40 — 50 in der Minute; sie sind nicht immer
regelmässig, denn oft geschieht es, dass auf schwache kräf-
tigere folgen; häufig kommt es vor, dass das Herz plötzlich
aufhört sich zusammenzuziehen und gleichsam einige Zeil
1) Edinburgh Philosophical Journal VII. 1827. p. 121. Leider
keunen wir diesen Aufsatz nur im Auszuge anderer Verfasser.
182 Koren und Danielssen:
ausruht; nach einer solchen Ruhe treten nicht selten kräfti-
gere Pulsationen ein. Die primitiven Röhren (Rör, MuskeK
fäden??) des Herzens sind cylindrisch und an einzelnen
Stellen erweitert; ihre Wände sind ausserordentlich dünn,
stark durchscheinend, und brechen das Licht ganz verschie-
den von der übrigen Masse. Ein Fludium haben wir jedoch
nicht darin bemerkt^ auch keine Zellenstructur. Auch in den
zwei runden Lappen haben wir ähnliche Muskelröhren beob-
achtet 0 ; aber hier sieht man mehrere sich aneinander le-
gen , auch bemerkt man , dass sie sich an mehreren Stellen
verzweigen. Diese Verzweigung wird schon häufiger und
häufiger, je mehr sie sich der Peripherie der Lappen nähern,
und indem die feineren Zweige sich öfter kreuzen, entsteht
ein Muskelnetz (Fig. 7. a. 6), welches dazu dient, die beiden
runden Lappen in allen Richtungen zu bewegen. Zwischen
diesen Muskelverzweigungen, welche wir in unsern Bemer-
kungen irrig als Gefässverzweigungen angegeben haben, fin-
den sich in Masse kleine Kalkkörner zerstreut, die das Licht
stark brechen. — Nachdem die beiden bekannten französi-
schen Naturforscher, Milne Edwards und V a 1 e n c i e n-
nes, gezeigt haben, dass das Circulationssystem bei den
Mollusken mehr oder weniger unvollständig ist, Hessen wir
es uns angelegen sein, Kenntniss davon zu erlangen, wie die
Circulation bei den Jungen vorginge ; aber trotz aller ange-
wandten Mühe waren wir nicht so glücklich, davon die ge-
ringste Spur zu Gesicht zu bekommen.
Wir haben bereits früher erwähnt, ddss der Rüssel eins
von den Organen ist, die sich zeitig bilden und sich durch
eine cylindrische Form und durch ziemlich starke Muskel-
contractionen zu erkennen giebt. Erst später kommen Ma-
gen- und Speiseröhre zum Vorschein. Diese zeigt sich als
ein hohler Cylinder , eingeschlossen in dem Rüssel , und in
1) Leydig hat in der vorhin citirten Abhandlung die Muskel-
structur bei mehreren Gasteropoden erwähnt und aufmerksam darauf
gemacht, dass seine Untersuchungen nicht mit denen von Leb er t und
Robin übereinstimmen. Wir können nicht anders, als Leydig bei-
stimmen, indem wir im Wesentlichen seine i3eobachtungen bestätigen
zu können glauben.
Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Kammkiemer. 183
dess-en überaus dünner Wandung man naehrere helle StreU
fen, die sicii bildenden Muskelröhren, bemeriit. Sobald die
Speiseröhre aus dem Rüssel tritt, beugt sie sich etwas nach
hinten und aufwärts und folgt eine Streclie der unteren Flä-
che des Rückens , dann macht sie wieder eine Biegung,
schlingt sich etwas nach links und geht in den etwas ver-
längerten Theil (\es Magens über (Fig. 5. w). Es hat seine
grossen Schwierigkeiten, genau die Speiseröhre 2U verfolgeiB,
da sie nicht allein vom Rüssel umgeben ist, dessen Warnte
fester und minder durchsichtig sind , sondern sogar ganjc
Yen ihm bedeckt werden. Wir können daher ni^ht entsdiei-*
den , ob die Speiseröhre sich auf einmal in ihrer ganzen
Länge bildet, oder ob sie sich vielmehr allmählich nach dem
Magen hin verlängert. Dieser , der etwas links liegt , ist
anfangs fast kugelförmig, und es scheint, dass er dadurch
hervortrete, dass aus einem einzelnen Dotter eine grauliche,
halbdurchsichtige Masse ausschwitzt, die sich zu einer dün-
nen Haut verdichtet, welche ganz den Dotter uingiebt (Fig.
4. m) ; die Haut verlängert sich zuerst aufwärts und verei-
nigt sich mit der Speiseröhre (Fig. 5. m} , und später nieder-
wärts, um den Darm zu bilden , , der sich zur rechten Seite
hinüber schlingt (Fig. 5. o). Man sieht daher immer den
Magen mit Dotterkömern erfüllt, die durch die an seiner
inneren Fläche befindlichen Cilien in ununterbrochener Be-
wegung sind. Nicht nur die innere Wand des Magens ist
mit Cilien versehen, sondern auch die Speiseröhre und der
von uns beobachtete Theil des Darms. Da wir den Darm
nicht besonders weit haben verfolgen können (Fig. 5. o), so
haben wir auch keinen After wahrgenommen.
Erst jetzt bemerkt man die erste Spur des Nervensy-
stemes, das sich in zwei ovalen, gelben, gleichsam compacten
Körpern (Gehirnganglien), die die Speiseröhre umgeben, er-
kennen lässt. Zu derselben Zeit, wo man diese wahrnimmt,
sieht man auch die Andeutung von zwei Fussganglien , wel-
che nebeneinander liegen, eine gelbe Farbe haben und mehr
oder weniger eiförmig sind.
Nachdem der Mantelrand ober den Rücken des Thieres
hervorgewachsen ist, bildet sich eine Höhlung, die mit fei-
nen Cilien bekleidet ist, und worin das Herz und die Kie-
184 Koren und Danielssen:
men liegen. Die erste Spur von Kiemen , die wir beobach-
teten, bestand in zwei undeutlichen Strängen, die vom Man-
telrande entsprangen, sich an verschiedenen Stellen erwei-
terten, sich unterhalb vereinigten und eine Schlinge bildeten.
Weiterhin in der Entwickelung sahen wir, dass diese Stränge
Röhren waren, die mehrere Krümmungen machten, und da-
durch einige Aehnlichkeit mit einem Korkzieher erhielten.
Oben und unten waren die Krümmungen geringer, während
sie in der Mitte breiler waren, und enger an einander lagen.
An ihrem inneren Rande bemerkte man bald eine lebhafte
Ciliarbewegung Fig. 5. p). Loven^ hat in seiner vortreff-
lichen Abhandlung nachgewiesen, dass in Beziehung auf die
Entwickelung eine überaus grosse Aehnlichkeit zwischen den
Gasteropoden und Acephalen bestehe. Er hat bei den letzteren
angezeigt, wie die Kiemen sich bilden, und wir haben Gele-
genheit gehabt zu beobachten, dass die Bildung bei Buccinum
undatum und Purpura lapillus in ähnlicher Weise geschehe.
Ungefähr gleichzeitig mit der Kiemenbildung entsteht
am Boden der Kiemenhöhle eine Blase , die sich auf eine
ähnliche Weise bildet und entwickelt wie das Herz. Sie ist
oval, fast birnförmig und endet unten in einen ziemlich lan-
gen Kanal, der den Darm begleitet, sich aber gleich diesem
in der dunklen Dottermasse verliert (Fig. 5. ^). Ihre Wände
sind dünn, halbdurchsichtig* und mit einer Menge variköser
Muskelröhren versehen , welche sowohl längs als quer ver-
laufen (Fig. 8. c, d). Diese Röhren haben geringere Dimen-
sionen als die im Herzen , weshalb man eine bei weitem
stärkere Vergrösserung anwenden muss , um sie recht beob-
achten zu können. Die Zusammenziehungen der Blase sind
kräftig, und haben eine Richtung von oben nach unten, wäh-
rend das Herz sich von einer Seite zur andern contrahirt.
Während der Erweiterung füllt sich die Blase mit einer hel-
len Flüssigkeit, worin man viele dunkle Moleküle wahrnimmt.
Wir können dieses Organ nur als Niere deuten.
Es vergeht nun eine Zeit, dass neue Organe auftreten,
und Alles scheint inzwischen dahin zu gehen, die bereits
1) Bidrag lil Könnedomen om Utvecklingen af Mollusca Acephala
Lamellibrancbiata. p. 96.
Beitrag zor Entwicklungsgeschichte der Kammkiemer. t65
gebildeten zu vervollkommnen. Der Kopf und der Rücken
werden deutlicher und sind mit feinen Ciiien besetzt, und an
den Tentakeln, die länger geworden sind, sieht man gleich-
falls Ciiien. Das Auge hat eine mehr konische Gestalt be-
kommen , und man bemerkt in ihm deutlich die Linse ; die
Mundöffnung giebt sich als eine Querspalte zu erkennen;
der Rüssel nebst der Zunge ist vollkommen entwickelt, und
an der letzteren sieht man eine Bewaffnung, wie sie Le-
ber t und Loven beschrieben haben. Die Speicheldrüsen
sind ziemlich gross, und man kann deutlich ihre Ausführungs-
gänge verfolgen, die an der Seite der Speiseröhre aufsteigen.
Der Sipho ist nun auch deutlich hervorgetreten und mit Ci-
iien versehen. Der Fuss hat seine Gestalt geändert , er ist
bedeutend länger geworden, und an seinem obersten Thei
entspringen die beiden abgerundeten Lappen ; seine Oberfläche
ist überall mit Ciiien besetzt (Fig. 5. /*). Was die Structur
des Fusses betrifft, so besteht er aus einer Menge cylindri-
scher primitiver Muskelröhren , die gleichfalls varicös sind,
sich in allen Richtungen kreuzen, ohne sich jedoch zu Bün-
deln zu vereinigen. Im Innern dieser Röhren sind wir nicht
im Stande gewesen, Körner oder Zellen wahrzunehmen.
In dieser Entwickelungsperiode wird das Nerversystem
ziemlich deutlich. Man sieht, dass die beiden Ganglien (Ge-
hirnganglien) (Fig. 5. 0 ) welche zu den Seiten der Speise-
röhre liegen, durch eine Commissur mit einander vereinigt
sind. Von jedem Ganglion geht eine ziemlich dicke Com-
missur zu den eiförmigen Fussganglien , deren breites Ende
mehrere Zweige (Fig. 6. i) an den Theil des Fusses abgiebt,
der den Deckel trägt. Ausserdem sieht man in den Fuss-
lappen zwei kleinere gleichfalls eiförmige Ganglien (Fig. 6. «),
die die Lappen mit Nerven versehen. Zwischen diesen Gang-
lien und den Fussganglien sind zwei Commissuren (Fig. 6. m).
Von den Hirnganglien entspringt ein Nervenfaden zu jedem
Auge und zu den Gehörorganen (Fig. 6. g. Ä). Von dem einen
Fussganglion haben wir einen Nerv sich zu den Eingeweiden
begeben sehen (Fig. 6. p). Es scheint, dass Cuvier's') Be-
1) Cuvier memoires ponr servir ä rhistoire et ranatomie des
JMIollus^ues. Paris 18^*
186 Koren und Danielssen:
Schreibung vom Nervensystem dieser Schnecke in mehreren
Punkten nicht mit unseren Beobachtungen übereinstimmt. Die
Nervenmasse, die Cuvier als Gehirn betrachtet, ist sicher
das eine Fussganglion; denn über diesem haben wir beim
erwachsenen Thier die eigentlichen Hirnganglien gesehen,
die die Speiseröhre umgeben, welche wahrscheinlich seiner
Aufmerksamkeit entgangen sind.
Die Schale, welche im Anfang der Bildung des Embryo
ausserordentlich dünn und hautartig ist, und eine ovale oder
nierenförmige Gestalt hat, bekommt später die Gestalt eines
Nautilus (Fig. 5. a), aber wird allmählich mehr oblong. Kalk-
partikeln beginnen nun sich in gröfserer Menge abzusetzen,
so dass sich eine deutliche Schicht von Längs- und Quer-
streifen bildet, und deshalb bleibt die Schale nicht mehr
durchsichtig wie früher, — doch kann man die Innern Or-
gane noch sehen. Das Herz nebst der Blase hat sich in
zwei Kammern getheilt, von denen die oberste die kleinste
ist. Wenn die Vorkammer sich zusammenzieht, erweitert
sich die Herzkammer, und umgekehrt. — Nun bemerkt man
auch einen ziemlich starken Muskel, der seinen Ursprung von
der innern Fläche der Schale nimmt, und zum Fuss geht
(Fig. 5. s). Die Function dieses Muskels besteht darin , das
Thier in die Schale zu ziehen. Endlich sieht man den An-
fang der Leber an der äussern Fläche des Magens ; sie hat
eine längliche Gestalt, und besteht aus einer Menge von Kör-
nern, die ein gelbgefärbtes Pigment enthalten (Fig. 5. r). An
der innern Wand des Mantels sieht man nun eine Reihe Fal-
ten , worin man eine Menge Schleimdrüsen findet (feuillets
muqueux Cuvier). Je nachdem die Jungen wachsen, setzten
sich mehr Kalktheilchen in der Schale ab; der Mantel wird
dicker, und es wird fast unmöglich, noch die innern Organe
zu sehen. Die zwei runden Lappen sind ganz verschwun-
den, und hinter den Tentakeln findet sich eine erhabene Li-
nie, die die Stelle bezeichnet , wo sie gesessen haben. Die
Schale hat eine horngelbe Farbe erhalten , ist hart , spröde
und nun halbdurchsichtig geworden. In diesem Stadium ver-
liessen die Jungen gemeiniglich die Kapseln, nachdem sie
sich darin mindestens acht Wochen aufgehalten hatten, und
krochen mit ausgestreckten Fühlern, Fuss und Sipho umher.
Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Kammkiemer. i&7
In ihrem Aeussern unterschieden sie sich von dem erwachse-
nen Thier nur dadurch , dass die Schale nur 1 — 2 Windun-
gen halte. Es muss noch bemerkt werden, dass wir bei den
Jungen keine Spur von Generationsorganen aufgefunden ha-
ben. Noch haben wir die gruppirten Eier in bedeutender
Menge den hintersten Theil der Schale erfüllen sehen.
Purpura lapillus (Bucciiiuin) Linne.
Während wir noch mit der Untersuchung von ßucci-
num undatum beschäftigt waren, erhielten wir den 2ten
Mai einige Kapseln von Purpura lapillus, die Eier enthielten,
welche jüngst gelegt waren. Obgleich die Zahl der Kapseln
zu geringe war , als dass wir mit ihrer Hülfe zu einem be-
friedigenden Resultate in Beziehung auf die Entwickelung
dieser Schnecke hätten kommen können , beschlossen wir
doch das geringe vorliegende Material zu benutzen , in der
Hoffnung , dass unsere Excursionen uns während des Fort^
schreitens unserer Beobachtungen die zu den Untersuchun-
gen nölhige Anzahl von Kapseln liefern würden. Wir wur-^
den hierin auch nicht getäuscht, sondern waren bald so
glücklich einen solchen Ueberfluss von Kapseln zu finden,
dass wir nicht allein die Entwickelung ununterbrochen verfol-
gen, sondern sie sogar mehrmals wiederholen konnten.
Die Kapseln, worin die Eier liegen, haben einige Aehn-
lichkeit mit einer kleinen Flasche, deren convexer Boden
nach oben und deren sehr dünner Hals nach unten gekehrt
ist. Mit dem untersten Ende sind die Kapseln an Steinen
oder anderen Körpern festgeheftet.
Jede solche Kapsel ist ganz geschlossen .und mit einem
wasserhellen, ausserordentlich zähen und eiweissartigen Schleim
erfüllt , worin sich eine Menge Eier (ö — 600 und darüber)
findet.
Wir brachten sogleich einige Eier nebst der dicken,
zähen, eiweissartigen Flüssigkeit, worin sie eingehüllt wah-
ren, unter das Mikroskop, und sahen nun, dass sie mit einem
dünnen Chorion , Dotierhaut und einem aus Flüssigkeit und
Körnchen bestehenden Dotter verseheJö wareii; ein KeiroHsist^
188 Koren und Danielssen: i«« »«11*10« ,
chen und Keimfleck war nicht zu beobachten. Die Grösse
der Eier ist 0,194 m. m.
Nach Verlauf einiger Tage öffneten wir wieder eine
Kapsel, und bei den meisten Eiern beobachteten wir einen
beginnenden Furchungsprocess , der uns ganz unregelmässig
erschien , indem nämlich die Anzahl der Furchungskugeln
ziemlich ungleich war, und die Eier, die noch mit dem Cho-
rion versehen waren, zum Theil eine längliche Gestalt ange-
nommen hatten. Die Furchungskugeln waren alle dunkel und
hatten keine Kerne.
Nordmann hat auch keine Kerne bei Tergipes, Ris-
soa und Liltorina beobachtet. Der helle Körper, den Van
Beneden, Nordmann, Rathke, F. Müller, Loven
und andere Autoren aus dem Dotter treten und sich an
der Oberfläche desselben begeben sahen , und der nach F.
Müller und Loven die Richtung angeben soll, in welcher
die Furchung geschieht, sind wir nicht im Stande gewesen
wahrzunehmen , obgleich wir unsere Untersuchungen auch
auf diesen Punkt gerichtet haben.
Einige Tage später untersuchten wir abermals einige
Kapseln. Die zähe , eiweissartige Flüssigkeit hatte keine
sichtbare Veränderung erlitten, wogegen die Eier nicht mehr
so deutlich zerstreut lagen, sondern sich mehr einander ge-
nähert hatten. Unter dem Mikroskope zeigte es sich, dass
einzelne ungetheilt geblieben, einige in der beginnenden Fur-
chung stehen geblieben waren, während diese bei einem
grossen Theil fortgeschritten war. Auf diese Weise sah man
eine Sammlung von Eiern, die, obgleich gleichzeitig gelegt
und in einer und derselben Kapsel eingeschlossen, doch eine
grosse Verschiedenheit im Fortschreiten der Furchung dar-
boten. Man zählte so Eier mit 2, 4, 6, 7, 9, 10 bis 18 Fur-
chungskugeln, deren Inhalt dunkel und ohne Kerne war. Be-
reits in diesem Stadium glaubten wir an der zähen Flüssig-
keit ein Bestreben zu bemerken , die Eier zusammenzuhäu-
fen , wie wir es früher bei Buccinum undatum beobachtet
hatten, doch war es noch keinesweges deuüich, und die ein-
getretene Furchung brachte uns in grosse Ungewissheit, was
vorgehen würde. Den zwölften Tag klärte sich jeder Zwei-
fel auf j denn die bei Buccinum dargelegte Thatsache wieder-
Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Kammkiemer. 189
holte sich bei Purpura lapillus. Die Eier waren nämlich in
eine anscheinend dichte Masse zusammengehäuft , und die
zähe, eiweissarlig-e Masse war dünn geworden, fast wie Was-
ser, so dass sie mit grosser Leichligiieit von dem Conglo-
merate entfernt werden konnte. Bei näherer Betrachtung
zeigte sich dieses aus mehreren zusammenhängenden Grup-
pen oder Abtheilungen bestehend , die eine verschiedene
Grösse halten, ohne eine bestimmte Form angenommen zu
haben, und bei der Untersuchung dieser Gruppen unter dem
Mikroskope ergab sich , dass sie aus Eiern gebildet waren,
von denen nur eins und das andere ungetheilt, die meisten
aber gefurcht waren (Fig. II).
Am lö.Tage untersuchten wir wieder einige Kapseln. In allen
waren die Eier zusammengehäuft, aber das Conglomerat hatte
sich etwas verändert, indem die einzelnen Gruppen schärfer
begrenzt waren, dabei mehr hervorragten, bald eine cylindri-
sche, bald eine birnförmige Gestalt erlangt hatten, und gewöhn-
lich in einen Stiel endigten, mit dessen Hülfe sie an dem gemein-
samen Conglomerate zu hängen schienen (Fig. 12). Brachte
man eine solche conglomerirte Masse unter das Mikroskop,
so sah man, dass jede Gruppe, die die vorerwähnte Gestalt
erlangt hatte , aus einer Sammlung von Eiern bestand , die
durch eine stark klebende Materie vereinigt waren, und sich
mit einer dünnen Membran umgeben hatten , die bald mit
ausserordentlich feinen Cilien versehen wurde (Fig. 12). Die-
selben Eier waren keine weitere Furchung eingegangen, und
es kam uns vor, als ob der Furchungsprocess mit dem Con-
glomerationsact ins Stocken gerathen wäre. Es währte nun
nicht lange, dass wir zur Seite des vorerwähnten Stieles eine
ausgesickerte grauliche, halbdurchsichtige, feinkörnige Masse
beobachteten , die sich* ziemlich schnell begrenzte, und spä-
ter mit einer Menge vibrirender Cilien (Fuss) versehen wurde
(Fig. 12.6). Am Grunde des Stiels zeigte sich eine ähnli-
che Masse, die auf dieselbe Weise entstand, und die Grund-
lage für die zwei Lappen bildete, die allmählich an Grösse
zunahmen , und an deren Rand feine Cilien hervorkamen
(Fig. 12. d). Der auf diese Weise gebildete Embryo begann
nun sich mit Hülfe der Cilien, ein wenig zu bewegen; man
bemerkte namentlich schwache Rucke in verschiedenen Rieh-
190 r.in?*ulroa! Koren und Danielssen: His ^ii^i
tungen, womit er gleichsam versuchte , sich \on der allge-
meinen Zusammenhäufung loszureissen , und als er endlich
nach mehreren vergeblichen Versuchen frei wurde, begann er
sogleich zu rotiren. So sahen wir ein Individuum nach dem
andern sich isoliren, bis sämmtliche Gruppen zu Embryonen
entwickelt, und das Conglomerat verschwunden war. Es
schien hier, wie bei Buecinum , ganz zufällig zu sein, wie
viele Eier sich gruppirten, um den künftigen Embryo zu bil-
den; denn ohne eine Regel für diese Bildung auffinden zu
können, sahen wir, dass die verschiedenste Anzahl Eier in
eine solche Verbindung einging. Wir bemerkten so in der-
selben Kapsel einzelne Embryonen, welche nur aus 3 — 4 Eiern
teeslanden, während die meisten aus 60 und darüber zusam-
mengesetzt waren, und hierauf beruhte die verschiedene Grösse
der Individuen. Diese variirte daher ziemlich bedeutend, und
man sah Embryonen von etway^ bis ly^ m. m. in der dün-
nen wasserhellen Flüssigkeit sich bewegen, welche die Kap-
seln enthielten. Wie die Grösse der Embryonen verschie-
den war, so war es auch ihre Anzahl, und diese war wie-
der abhängig von der grösseren oder kleineren Menge der
Eier, aus denen jedes Individuum gebildet war, — meistens
fandeH wir 20—40, selten darüber.
Aber nachdem wir nun gesehen haben ^ wie die ge-
wöhnliche Embryonenbildung bei Purpura lapillus vor sich
geht, müssen wir ein wenig bei einer wunderbaren Abwei-
chung verweilen, indem wir hier früher dazu kommen, die
Bizarrerie darzustellen, die wir bereits in der Kürze bei
ßuccinum erwähnt haben. Man wird sich erinnern , dass
bei der Entwickelung desselben einzelne Eier vorkamen, die,
vielleicht durch zufällige Umstände , von der Theilnahme an
dem Conglomerationsact ausgeschlossen waren , und dass
diese abstarben, oder sich äusserst mangelhaft entwickelten.
Etwas ähnliches findet auch bei Purpura statt, aber bei die-
ser haben wir reichere Gelegenheit gehabt, diese Eigenthüm-
lichkeit zu verfolgen, und können sie daher besser schildern.
In jeder Kapsel fanden wir beständig ein Ei , das alle Fur-
chungsstadien durchging und zuletzt aus einer Schicht hel-
ler peripherischer und dunklen centralen Zellen bestand.
Sehr bald bildet sich nun um den Dotter eirie mit sehr fei-
Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Kammkiemer. 191
nen CiJien versehene Membran, und man bemerkt frühzeitig-,
aus dem obersten Theil der peripherischen Schicht, 4en An-
fangs der beiden runden Lappen (velum) nebst dem Fasse
(Fig. 9. a. b. c). Sowohl am Fusse wie an den Lappe» ent-
standen bald Cilien ; aber erst später wurden an den Lappen
einzelne Cirren bemerkt, und nun begann der Embryo zu
roliren. Allmählich nahmen die Lappen und der Fuss an
Grösse zu (Fig. 10. b. c) und am Grunde des letzteren sahen
wir bei Einzelnen die Andeutung zu den Gehörorganen (Fig.
10. d). Die Membran wurde dicker und dicker, und wir sa-
hen, dass aus ihrem untersten Ende die Schale sich zu bilden
anfing, und darin Kalkparlikeln sich absetzten (Fig. 10. a).
Die Embryonen, wie wir weiterhin in der Entwickelung wahr-
nahmen , waren wahre Monstrositäten , und nahmen so ver-
schiedene und bizarre Formen an , dass man sie kaum für
dieselben Individuen halten konnte. Bei einigen beobachte-
ten wir indessen, dass sich rudimentäre Speicheldrusen bil-
deten (Fig. 10. 0) ; aber dies waren auch die einzigen
neuen Organe, die nach dieser Zeit entstanden; denn später
blieben sie auf derselben Entwickelungsslufe stehen. Noch
nach dem Verlaufe von acht Wochen fanden wir solche mon-
slröseEmbryone, von denen, wie wir früher bemerkt haben,
zwar nur einer in jeder Kapsel war, der sich aber sogleich
durch seine geringere Grösse und seine überaus lebhafte Be-
wegung kund gab. In den Kapseln, die wir weiterhin un-
tersuchten, sahen wir sie nicht, und wir schliessen daraus,
dass sie bereits zu Grunde gegangen waren. Als wir zum
ersten Mal auf diese einzelnen Eier aufmerksam wurden,
mussten wir ja glauben , dass die Entwickelung hier in ge-
wöhnlicher Weise vorgehe; aber, wie wir im Vorhergehen-
den gesehen haben, war dies nicht der Fall. Es ist mehr als
ein Ei nöthig, damit ein wohlorganisirtes Individuum zustande
komme , und ol gleich im Anfange eine Thätigkeit in dem
einzelnen isolirten Ei zu sein schien , so zeigte sich doch,
dass die spätere Entwickelung äusserst unvollkommen blieb.
Obgleich diese Eier, die den ganzen Furchungsprocess durch-
machten , uns alle anatomischen und physiologischen Bedin-
gungen für eine vollständige Entwickelung zu haben scheinen,
so zeigte es sich doch unzweifelhaft, dass sie nicht das noth-
192 Koren und Danieläsen:
wendige Material zu der Bildung der Organe enthielten. Aber
selbst unter einer solchen Voraussetzung blieb doch Vieles
übrig, was sich nicht recht verstehen Hess, und dessen Auf-
klärung wir einer späteren Zeit überlassen müssen.
Nachdem wir den monströsen Embryo, der aus einem
einzelnen Ei gebildet wird , beschrieben haben , wollen wir
uns wieder den aus mehreren Eiern zusammengesetzten Em-
bryonen zuwenden , und ihre weitere Entwiciilung näher
erörtern.
Wir haben bereits bemerkt, dass nach der Bildung der
wimpernden Membran zuerst der Fuss und die beiden run-
den Lappen auftreten. Etwa gleichzeitig sieht man zwischen
der Membran und den zusammengehäuften Eiern eine durch-
sichtige Masse. In dieser Masse entstehen Zellen, die sich
schichtenweise an die vorerwähnte Membran anfügen, und
zur Bildung des Mantels beitragen (Fig, 13.) • An seinemun-
tersten Theil wird eine ziemlich helle , zähe Flüssigkeit ab-
gesondert, die sich nach und nach verdichtet, und den An-
fang der Schale bildet, die sich bei ihrem ersten Erscheinen
als ein ganz helles, gallertartiges Häutchen zeigt , worin sich
später Kalkpartikeln absetzen. Diese nimmt allmählich an
Dichtigkeit zu und hindert dadurch bedeutend die weitere
Untersuchung.
Die Lappen, welche anfänglich klein sind, nehmen an
Grösse zu , und an ihrer äusserer Fläche kommt eine Menge
Cilien zum Vorschein , während an ihrem obersten Rande
Girren hervortreten, die weit kräftigere Bewegungen machen
(Fig. 13. d). An der Bauchseite ragt der Fuss beträchtlich
hervor, und bildet gleichsam einen Querwulst. Er nimmt schnell
an Grösse zu, und an seinem Grunde entdeckt man die erste
Anlage zu den Gehörorganen, die wie bei Buccinum unda-
tum gebildet sind (Fig. 13. e). Zu derselben Zeit , als die
Gehörorgane entstehen, bemerkt man auch den Beginn der
Tentakeln, Augen und Speicheldrüsen. Die Tentakeln ma-
chen sich als zwei konische Erhabenheiten kenntlich, an de-
ren Grunde man das Auge wahrnimmt, welches die Gestalt
einer runden Blase hat, die mit einer wasserhellen Flüssig-
keit erfüllt ist , und worin sich dunkle Pigmentkörner be-
finden (Fig. 14. /. m). Eine Linse haben wir in diesem Sta-
Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Kammkiemer. 193
dium nicht auffinden können; auch haben wir an der inne-
ren Wand der Blase keine Cilien gefunden.
Die erste Spur , welche man von den Speicheldrüsen
wahrnimmt, ist ein Haufen runder Zellen jederseits am Grunde
des Fusses , welche meist mit einem Kerne versehen sind.
Diese Zellen umgeben sich bald mit einer dünnen Membran,
die sich allmählich gegen die künftige Speiseröhre verlän-
gert, welche erst später deutlich hervortritt. Wie die Spei-
cheldrüsen wachsen , entstehen in ihrem Innern mehr und
mehr Zellen , die sich dicht an einander legen , und lange
Reihen bilden, und an deren breitestem Ende man eine Menge
dunkelgelber Pigmentkörner sieht. Von ihrem schmaleren
Theile , der sich zur Speiseröhre wendet , geht der Ausfüh-
rungsgang aus, der sich gegen diese verlängert (Fig. 14. gf).
Beim erwachsenen Thier bestehen die Speicheldrüsen aus ei-
ner zusammenhängenden Masse, die schon durch ihre dop-
pelten Ausführungsgänge kund giebt , dass sie früher ge-
theilt war.
Den 23slen Tag beobachteten wir das Herz, das auf
eine ähnliche Weise wie bei Buccinum entstand. Es liegt
an der Rückenseite, hat die Gestalt einer Blase, und hat eine
Lage von oben nach unten, von der linken zur rechten Seite.
Es contrahirte sich in derselben Richtung und hatte 40—50
Schläge in der Minute. Es war mit primitiven Muskelfasern
versehen, die die Gestalt von nach oben erweiterten Längs-
röhren hatten. Körner oder Zellen haben wir in diesen Röhr
ren nicht wahrnehen können (Fig. 15. Ä).
Da die Kiemenhöhle in diesem Stadium noch nicht tief
genug ist, um das ganze Herz zu bedecken, ragt ein bedeu-
tender Theil desselben über den Rand des Mfintels hervor.
Je mehr der Mantel über den Rücken des Thieres her-
vorwächst, und sein Rand mehr vom Körper absteht, wird
die Höhle tiefer und grösser, und kann so das ganze Herz
bedecken.
Eine Circulation haben wir noch nicht bei dieser Schnecke
wahrnehmen können.
Erst nachdem diese Organe gebildet sind, bemerkt man
die Mundöffnung, den Rüssel und die Speiseröhre. Der Rüs-
sel ist sehr kurz, und seine Wände sind ziemlich dick, so
Archiv £ NaturgeselL XIX. Jahrg. l.Bd. 13
,194 Koreii uii4 Danielssen:
d:iss man schwer die darin liegende Speiseröhre bemerken
kann (Fig. 14. i). Diese ist cylindrisch, und läuft gerade zum
.]\lagen {Fig. 14. k). Derselbe liegt an der linken Seite, ist
klein und oval, und von ihm entspringt ein langer und enger
Darmkanal, der sich nach rechts wendet, darauf eine Biegung
zur entgegengesetzten Seite macht, und in einen vorragen-
den After endet, der sich in der Kiemenhöhle öffnet.
Sowohl die Speiseröhre, wie der Magen und der Darm,
sind an der inneren Fläche mit Cilien bekleidet. » s >
Etwas weiterhin in der Entwickelung wird man erst
deutlich das Nervensystem gewahr. Es besteht aus zwei
Jlirnganglien , die auf jeder Seit« der Speiseröhre liegen
£Fig. 14. n). Diese Ganglien sind durch eine Commissur mit
einander verbunden und von ihnen begeben sich ferner zwei
Commissuren zu den beiden Fussganglien , die eine ovale
Gestalt haben, durch ihre hellgelbe Farbe kenntlich sind, und
yjele Nervenfäden zu dem Fusjsß enteenden. Es ist uns nicht
geglückt, das Nervensystem weiter zu verfolgen, da alle Theile
viel früher undurchsichtig wurden. Zu derselben Zeit, wo
das Nervensystem auftritt, bemerkt man auch die erste An-
4«\gf der Kiemen, des Sipho und des Rectractionsmuskels des
Fusses* Die Kiemen, die ihren Ursprung vom Mantelrande
nehmen, bilden auch hier einen hohlen Cylinder, der sich in
Bogen schlängelt , und m dessen innerem Rande man feine
Cilien sieht. Später wird dieser Cylinder mehr flachgedrückt,
erweitert sich ziemlich stark, und in seinen Wänden nimmt
man sowohl Längs- als Querfasern wahr, die cylindrisch
sind, und die wir für Muskelröhren ansprechen. In der Mitte
jedes Bogens sind die Cilien überaus lang (Fig, 16. b.cy.
Wenn die Kiemen gebildet sind, wird es ausserordent-
lich schwierig, weiter die Bildung der übrigen Organe zu
erforschen, theils weil das Thier sich selten so weit aus der
Schale hervorstreckt, dass die Organe sichtbar werden, theils
weil der Mantel an Dicke zugenommen hat. und endlich weil
ßifik in der Schale eine bedeutende Menge Kalk abgesetzt
hat. Die Schale hat nun die Gestalt eines Nautilus bekom-
men, und bringt man sie bei starker Vergrösserung unter
das Mikroskop, so beobachtet man, dass der abgesetzte Kalk
^jn feinmaschisges Netz bildet. Die beiden runden Lappen
Beitrags aur EnlwicklungsgpeclM,c|it9 der Kammkiemer. 19$
nehmen an Grösse zu. Der Fuss wird nach oben gelappt,
nimmt mehr und mehr die Gestalt des Fusses des erwachse-
nen Thieres an, und der Decliel, der dazu dient, die Schalenmün-
dung- zu verschliesSen, ist völlig entwickelt. Das Herz ist in
diesem Stadium in zwei Kammern getheilt, von welchen man
Gefässe ausgehen sieht. Im Auge beobachtet man deutlich die
Linse, und nicht selten haben wir gefunden, dass das eine
Auge zwei Pigmenthaufen enthielt , deren jeder mit einer
Linse versehen war. Die Kiemenhöhle, deren innere Fläche
mit Cilien bekleidet ist, ist in diesem Stadium so tief, dass
sie das Herz vollkommen bedeckt. Der Mantelrand, welcher
mehr vom Thiere absteht, ist gleichfalls mit Cilien versehen,
und am Boden der Kiemenhöhle entdeckt man nun erst eine
ähnliche contractile Blase, wie bei Buccinum undatum.
Nach einem Zeitraum von 8 Wochen haben die Jungen
die Kapseln noch nicht verlassen, und nimmt man in diesem
Stadium Eines heraus , so beginnt es , wie das erwachsene
Thier, mit ausgestrecktem Fusse, Tentakeln und Sipho umher
zu kriechen. Es unterscheidet sich jetzt vom erwachsenen
Thiere nur dadurch, dass die Lappen nicht ganz verschwun-
den sind, dass die Schale noch nicht hart geworden ist, und
dass sie bloss 1 — 2 Windungen hat. Um die neunte oder
zehnte Woche verlassen die Jungen die Kapseln; die runden
Lappen sind nun ganz verschwunden, und man beobachtet
hinter den Tentakeln eine erhöhte Linie , welche die Stelle
andeutet, wo sie gesessen haben. Die Schale ist länger ge--
worden und nähert sich in der Gestalt mehr der des er-
wachsenen Thiers; sie ist hart, spröde und fast undurchsich-
tig, doch sind die letzten Windungen noch nicl^t entwickelt.
Wir haben nicht näher angegeben, auf welche Art
die Organe entstehen; denn sie weichen in keiner Hinsicht
von der Bildung bei Buccinum undatum ab. Endlich raüssea
wir die Aufmerksamkeit auf Kölliker's und Siebold's *)
interessante Untersuchungen über Actinophrys Sol und Diplo-
zoon hinlenken , als etwas , was vielleicht mit unsern Beob-^
achtungen verglichen werden kann.
1) Zeitschrift f. wissenschaftliche Zoologie Bd. 1. p. 198. Bd. 3«
p. 62.
196 Koren und Danielssen:
Indem wir unsere Untersuchungen über Buccinum un-
datum und Purpura lapillus schliessen, fühlen wir einen in-
neren Drang danach, das Material erhalten zu können, um
die Forschung an nahestehenden Geschlechtern fortsetzen zu
können , die wahrscheinlich , bis auf einige Abweichungen,
derselben Entwickelungsweise folgen. Wir sind indessen
ängstlich, eine solche vorgefasste Meinung zu äussern; denn
oft wirkt sie störend, und ist ein Hinderniss, dass die grosse
Mannigfaltigkeit , unter der die Natur dje zahllosen Geschöpfe
hervorbringt, vollständig aufgefasst werde. Es ist zwar das
Ziel der Forschung, Alles unter bestimmte, ewige Gesetze
zu bringen, und es hat allerdings einen grossen Reiz, diese
aufzufinden; aber wir glauben, dass man allzu oft sich durch
diesen Reiz dazu verleiten lässt, aus einzelnen Thatsachen
allgemeine Regeln zumachen; und wir fühlen uns hierin noch
mehr bestärkt durch den Hinblick auf die grosse Verschie-
denheit, welche die Entwickelung der obenerwähnten Schnec-
ken im Vergleiche mit Allem , was man früher gekannt hat,
darbietet. Allein hieraus ist es schon ersichtlich, wie unum-
gänglich nothwendig es für den wahren Fortschritt der Phy-
siologie ist, dass die Entwickelung fast aller Gattungen auf-
geklärt werde 0»
Um die ganze Entwickelungsgeschichte von Buccinum
undatum und Purpura lapillus leicht überschauen zu können,
wollen wir nun in der Kürze ihre Hauptpunkte zusammen-
stellen.
Buccinum undatum,
1. Die Kapseln, welche die Eier einschliessen, sind
mit einer wasserhellen, zähen, eiweissartigen Flüssigkeit er-
füllt. Jede Kapsel enthält eine Menge Eier, 6—800.
2. Das Ei besteht aus einer Eihaut (Chorion), Eiweiss,
Dotterhaut , und einem aus grösseren oder kleineren Körnern
1) Ein Resume von diesen Beobachtungen wurde in der Zoolo«
gischen Section der sechsten Versammlung der skandinavischen Natur-
forscher in Stockholm im Juli dieses Jahres (1851) vorgelegt.
Beitrags Bur Enlwicklungsgescliichte der Kammkiemcr. 197
bestehenden Dotter. Seine Grösse variirt von 0,257 — 0,964
m. m. Bei dem gelegten Ei waren wir nicht im Stande, ein
Keimbläschen oder Keimfleck zu entdecken.
3. Eine Dotterfurchung, wie sie bei den übrigen Mol-
lusken vorkommt, fmdet nicht statt.
4. Etwa am IStenTage fangen die Eier an, sich ein-
ander zu nähern; das Chorion beginnt sich aufzulösen, die
Dotter zeigen sich mehr oder weniger nackt, nur bedeckt
von ihrer ziemlich festen Haut und eingehüllt in die zähe,
eiweissartige Flüssigkeit.
5. Einige Tage später sieht man, dass die Eier äus-
serlich sich zusammengehäuft haben ; sie bilden nun eine
eigenthümliche Masse, worin sie sich in grösserer oder ge-
ringerer Menge deutlich gruppirt haben , so dass man sogar
mit blossen Augen die einzelnen Gruppen unterscheiden kann,
deren Zahl sich gewöhnlich auf 6—16 beläuft.
6. Den 23sten Tag sind diese Gruppen schärfer geson-
dert, indem sich eine sehr dünne Haut gebildet hat, welche
jede einzelne Gruppe, die nun eine ovale oder nierenförmige
Gestalt angenommen hat, umgiebt. Noch immer sind die
Gruppen zusammenhängend ; die eiweissartige Flüssigkeit hat
ihre Zähigkeit verloren, und ist weit dünner geworden.
7. Am 25sten Tage zeigt sich jede Gruppe scharf be-f
grenzt durch ihre Membran; einzelne von ihnen sind nun iso-
lirt und als Embryonen hervorgetreten, während andere noch
zusammenhängend sind.
8. Der so gebildete Embryo besteht aus einer dünnen
Membran, welche mehrere Eier einschliesst.
9. Die Anzahl der Eier, welche sich auf diese Weise
zusammengruppirt haben , um einen Embryo zu bilden , ist
sehr verschieden (von einigen wenigen bis 100 und darüber).
10. Die Anzahl der Embryonen variirt in den verschie-
denen Kapseln, meist ist sie 6 — 16.
11. Die ersten Organe, welche sich nach der vorer-
wähnten Membran bilden, sind die runden Lappen, welche
mit Cilien und Girren versehen sind. (Der Embryo beginnt
nun zuerst sich zu bewegen.) Darauf entwickeln siöh der
Fuss, der Mantel, die Schale, die Gehörorgane, der Rüssel,
198 !')nr/hTf(fnn!:'?Kö4'etf 'uiiä DRÄielk^eÄJ
aiö Äugen, die Speicheldrüsen, das Herz utid die cöhti'jlctile
Blase. Später kommen das Verdauungsystem, das Nerven-
system, die Kiemen ü. s.w.
12. Nach einem Zeilraum von rtiind^S^tens 8 Wochen
sieht man die Jungen die Kapseln verlassen , die Schale ist
nun etwas länger, etwa 2 m. m. lang, sie ist hart, spröde
und halbdurchsichfig. Die Lappen sind verschwunden, und
die Jungen kriechen nach Art des erwachsenen Thieres um-
her, dem sie übrigens durchaus gleichen , nur mit dem Un-
terschiede, dass die Schale I — 2 Windungen hat. Auch muss
bemerkt werden , dass wir bei den Jungen keine Spur von
Geschlechtsorganen gefunden haben* nx lioia;
13. Es finden sich die gruppirten Eier noch ih beträcht-
licher Menge, und füllen den untersten Theil der Schale aus.
Purpura lapillus.
1. in fjaschenförmigen Kapseln liegen die deutlich ge-
ffeiihten 'fiier, eingehüllt in eine ausserordentlich dicke,
iahe, eiweissartigeFlussigkeit, die die Kapseln ganz ausfüllt.
>oiuii^^S' Öie drosse eines Eies ist 0,194 m. m. Es besteht
aus einer diinnen Schalhaut (Chorion) , Eiweiss, Dotterhaut
uiid einem Dotter.
, *ä. Der Dotter durchläuft einen sehr unre^elmässigen
Purchüngsprocess. Die Furchungskugeln haben keine Kerne.
4. Sobald die Furchung etwas vorgeschritten .ii^fpj ^g^
ginnen die ISier sich zu gruppiren. , , ri,, , - f .p
^..5. „Am 12ten und 13ten Tage bildeten die Eier gleich-
sam eine dichte ]\Iasse, die aus mehreren zusammenhängen-
den^ Gruppen oder Abtheilungen bestand.
'. ^ "^6/, peri"i6ten tag^ wai*en einzelne Gruppen schärfer
begrerizi, und ragten aus der übrigen Masse hervor. Diese
hervorragenden Gruppen nahmen bald eine cylindrische oder
birnförmige Gestalt ah , und wären mittelst eines Stieles an
der Zusammenhäufung angeheftet; und unter dem Mikroskope
war eine jede solche Gruppe aus einer dünnen mit Cilien
vei*sehenen Membran gebildet, die eine Menge Eier einschloss.
Auf beiden Seiten des Stieles war eine durchsichtige Mass6
gleichsam ausgesickert, an welcher man feine vibrirend'ö
Cilien sah' (Ftiss)) tind ärti Gruiide des Stieles bemerkte mäh
Beitrag zur Entwicklungsgeachiehte der Kammkiemer. 109
die erste Spur der Lappen. Endlich sahen wir, dass meh-
rere dieser birnförmigon Körper (Embryonen) sich von der
Masse losrissen, und zu roliren anfingen.
7. Die Zahl der Eier, welche sich zur Bildung eines
Embryo gruppiren, ist sehr verschieden, und wir haben die-
selbe nicht bestimmen können. In jeder Kapsel, die wir
untersucht haben, fand sich beständig ein Embryo, der sich
aus einem einzigen Ei entwickelte; aber dieser Embryo kam
niemals zu einer vollständigen Ausbildung.
8. Sowohl die Zahl wie die Grösse der Embryonen
variirt in den verschiedenen Kapseln; die gewöhnlichste
Zahl ist 20—40. Die grösstett Embryonen waren l'/^ m.
m. gross.
9. Die ersten Organe, welche sieh ausser der vorer-
wähnten Membran bilden , sind der Fuss mit den vibrirenden
Cilien , und die beiden runden Lappen, die mit Cilien und
Girren besetzt sind. Darauf entwickeln sich der Mantel, die
Schale, die Gehörorgane, die Speicheldrüsen, das Herz (am
23sten Tage) , die Augen und die Tentakeln. Etwas weiter
in der Entwickelung beobachtet man das Verdauungssystem,
das Nervensystem , die Kiemen , den Sipho und den Retra-^
ctionsmuskel des Fusses. Später findet man das Herz in zwei
Kammern getheilt. Die Schale hat 1 — 2 Windungen bekom-
men, und durch sie hindurch sieht man nun zuerst die con-
Iractile Blase. — Nach einem Zeitraum von 8 Wochen haben
die Jungen noch nicht die Kapseln verlassen, und nimmt man
in diesem Stadium ein Junges heraus , so beginnt es nach
Art des erwachsenen Thieres umherzukriechen , und unter-
scheidet sich von ihm nur dadurch, dass die Lappen nicht
ganz verschwunden sind, und dass die Schale bloss I — 2
Windungen hat.
10. Ungefähr die 9te oder lOte Wochie verlassen die
Jungen die Kapseln. Die Lappen sind verschwunden. Die
Schale ist hart^ spröde und undurchsichtig geworden.
200 ;;(,;,!, rKoren und Danielssen:
Nachtrag zur Entwickelungs-Geschichte der
K a m m k i e m e r 1).
Den 2. November 1851 fanden wir an einem Schiffs-
anker , der etwa einen Tag zuvor ausgeworfen war , eine
Traube Eikapseln von Buccinum undatum angeheftet. Wir
waren also überzeugt, dass diese Kapseln nicht über 24 Stun-
den alt waren, und sie waren uns deshalb um so willkom-
mener, als wir dadurch Gelegenheit erhielten, das erste Sta-
dium zu beobachten , welches uns bisher entgangen war.
Was wir hier liefern, kann als etwas betrachtet werden,
das den Anfang unserer neulich veröffentlichten Abhandlung
„Beitrag zurEntwickelungsgeschichte der Kammkiemer^ hätte
ausmachen sollen, aber das wir damals aus Mangel an dem
nöthigen Material übergehen mussten. Dessenungeachtet dür-
fen wir vielleicht darauf rechnen, dass dieser kleine Beitrag,
der unsere früheren Beobachtungen bestätigt und erweitert,
mit Interesse aufgenommen werde.
Die Traube hatte ungefähr die Grösse eines Hühnereies,
und da die einzelnen Kapseln , aus denen sie zusammenge-
setzt war, sehr dünn und durchsichtig waren, so war es nicht
schwierig, <iie darin liegenden Eier zu beobachten. Diese
waren wie gewöhnlich in eine wasserhelle, zähe, eiweissar-
tige Flüssigkeit eingehüllt, die ganz die Kapseln erfüllte. Je-
des Ei war, wie wir bereits früher erwähnt .haben, mit einem
dünnen Chorion und einer Dotterhaut versehen , die einen
aus grösseren und kleineren Körnern bestehenden Dotter
einschloss. Die grossen Körner waren sehr durchsichtig, bra-
chen das Licht sehr stark und hatten eine runde oder ovale
Gestalt; die kleinen dagegen waren alle rund , dunkel und
lagen zerstreut zwischen den grossen. Ein Keimbläschen
waren wir nicht im Stande zu bemerken, dagegen war die Dot-
termasse an der Stelle, wo dasselbe zu liegen pflegt, heller, —
1) Bergen, September 1852.
Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Kammkiemer. 201
und in der Mitte dieser hellen Masse bemerkten wir eiiu klei-
nes helles Bläschen (Keimfleck) (Fig. 17. d).
Den 4ten , 6ten, 9ten und lOten November untersuch-
ten wir wieder einige Kapseln. In den darin enthaltenen
Eiern sahen wir, dass die vorerwähnte helle Blase sich mehr
der Peripherie des Dotters genähert hatte, übrigens war keine
Veränderung eingetreten.
Am löten November bemerkten wir, dass in fast jedem
Ei die kleine Blase gegen den Rand des Dotters ausgetreten
war, wo sie sich nun leichter beobachten Hess. Sie ragte
nämlich über die Dottermasse hervor und bildete auf ihr eine
sphärische Erhöhung; sie war bedeckt von der Doltermem-
bran, hatte eine runde Gestalt, war wasserhell und umschloss
2—3 Moleküle. Ausserdem beobachteten wir , dass sich in
den von uns untersuchten Kapseln 2 — 3 Eier fanden, die eine
oberflächliche Furchung eingegangen waren, und wo der Dot-
ter in 6—8 Furchungskugeln getheill war. Bei den übrigen
Eiern war keine Spur einer Furchung.
Einige Tage später wurden abermals einige Kapseln un-
tersucht. In den meisten hatten sich die Eier einander ge-
nähert; der helle Körper hatte sich noch mehr über den
Dotter erhoben, und hatte nicht allein seine Membran vor
sich hin geschoben , sondern zugleich das Chorion erwei-
tert, so dass dieses eine Wölbung bildete (Fig. 18. c). Bei
den 2 — 3 erwähnten gefurchten Eiern zeigte sich um die
Furchungskugeln eine ausgesickerte grauliche Masse, die mit
einer Membran umgeben war, welche oben und unten mit
überaus feinen Cilien versehen war. Mit ihrer Hülfe dreh-
ten sich diese 2—3 Embryonen frei in der zähen , eiweiss-
artigen Flüssigkeit.
Am 21. November hatten die Kapseln ein etwas ver-
ändertes Ansehen bekommen; sie waren in dem obersten Theil
heller, indem sich die Eier gesammelt hatten, und herabge-
senkt auf dem Boden der Kapseln lagen. Die Flüssigkeil,
welche die Kapseln erfüllte, war nicht so zähe wie früher,
und man sah darin die erwähnten Embryonen , mit Lappen,
Fuss und Schale sich munter bewegen. Bei manchen Eiern
war der helle Körper bereits durch das Chorion herausge-
treten und lag zerstreut in der Flüssigkeit; b§i andern fanden
202^ .i9m'.uhnm«Koren und Daniel 9 »emsi^f ms ^«iJiod
wir ihn noch mit dem Dotter mittels eines sehf dnniienj mis
der vorgeschobenen Dottermembran gebildeten Stieles verei-
nigt j das Chorion war hier stark erweitert und an der her-
vorragendsten Stelle zerrissen. In diesem Stiel fand sich
kjßitte Spur von Dotterkörnern (Fig. 19. 20.).
Mi "Die Schriftsteller sind uneinig in Betreff dieses Körpers
der sich aus dem Dotier ausscheidet; einige hallen ihn für
die zähe Dotterflüssigkeit, andere für das Keimbläschen, noch
andere für den Keimfleck selbst. Da Loven in seiner Ab-
handlung die Meinungen der verschiedenen Autoren angege-
ben hat, so ist es überflüssig;, sie hier einzeln zusammen-
zustellen, und wir wollen in diesem Punkt auf seine Abhand-
lung verweisen '). Kölliker, Vogt, Bischoff und Lo-^
ven betrachten diesen Körper als den ausgetretenen Keim-
fleck , und damit stimmen unsere Untersuchungen überein.
Eine andere Frage, welche dabei die Schriftsteller beschäf-
tigt hat, ist, ob diese Körper in irgend einer Verbindung mit
dem Furchungsprocess stehen. Auch in Betreff* dieses Punk-
tes ist grosse Uneinigkeit unter den verschiedenen Verfas-
sern. Rathke, Pouchet, Reichert und Leydig leug-
nen durchaus eine solche Verbindung. Alex. Nordmann
dagegen behauptet :, dass die Furchung mit diesen Körpern
in Verbindung stehe, und F. Müller und Loven haben
durch gute Beobachtungen gezeigt, dass sie die Richtung an-
geben, in der die Furchung stattfindet. Da bei Buccinurri Utt^
dalum keine Furchung statlfindel, so ist es klar, dass hier
keine Rede von einem Zusammenhange zwischen ihr und der
ausgetretenen Blase sein kann; und was Purpura lapillus an^
langt, so haben weitere Beobachtungen uns überzeugt, dass
auch hier keine solche Beziehung statt findet, denn die er-
wähnte Blase verlässt bald das Ei, und findet sich in der in
den Kapseln enthaltenen eiweissartigen Flüssigkeit wieder.
Wir müssen daher uns den Autoren anschliossen, welche der
Meinung sind, dass dieser Körpet in keinem Zusammenhange
mit dem Furchungsprocess stehe
, Den 27steii November war der €k)nglotoerationsact in
Wl'Hii W'Uhüüiil M .«012 «Jf« rf->i^ '>^ß
- 11 'ff^ Brürag til kbnedohii^lt öm Widklirigöo^ Jtbllusca AcephÄla
Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Kammkiemer. 203
last allen Kapseln eingetreteil. Die erwähntö Blase war vei'-
schwunden; die Flüssigkeit \Var dünn geworden, fait ^i4
Wasser, so dass man mit grosser Leichtigkeit die cönglome*
rirte Masse herausnehmen konnte Die Gruppen waren nun
auch deutlich gebildet und ziemUch scharf begrenzt, und der
grösste Theil der Eier, woraus sie zusammengesetzt waren,
hatte die Hülle (Chorion) verloren. Sie war nämlich ge-
borsten ; die Dotter wai'eti ausgetreten und klebten dicht an
einander. Um jede Gruppe hatte sich eine contractile Mem-
bran gebildet, die durch ihre Contractionen die Eier näher
zusammen drängte. Diese so Entstandenen Embryonen ge-
hen nun ihrer Entwickelung entgegen. Die in unserer frü-
heren Arbdt erwähnte Aussickerung ging hier so sdhnell
vor sich, dass wir sie bei einzelnen Embryonen unter dem
Mikroskop beobachten könnten, und diese riss sich von dem
Conglomerat erst los, nachdem Lappen, Fuss, Speicheldrüsen
und eine Spur der Gehörorgane gebildet waren. Das Los-
relsSen war interessant zu beobachten, und nahm seinen An-
fang, sobald Fuss oder Lappen mit Cilien versehen worden
wafcn. bie Contractionen des Embryo wurden schon kräf-
tiger, bis er sich endlich frei machte, T^r jedoch dauerte
es zuweilen mehrere Stunden, bevor es glückte, und manch-
mal riss er mehrere Eier mit sich, welche sich nachher von
ihm trennten, und so abstarben. -^ Die weitere Ent-wiickelung
des Embryo geht nun in der Weise vor sich , wie wir sie
in der früheren Abhandlung geschildert haben, auf die wit
verweisen. >: :
Was nun die einzelnen Embfyöheri angfeht, die sich aus
einem einzigen Ei entwickeln, so haben wir beobachtet, dass
sie sich schon zu bilden anfangen, bevor der Conglomera-
tiönsact eingetreten ist , und dass sie bd seinem Eintreten
schon so weit gekommen sind, dass sie frei in dei* wasser-
hellen Flüssigkeit herumschwimmen. Ihre Lebenszeit ist je-
doch nur kut-z, — höchstens 14 Tage. ' "
Zum Schluss wollen wir nicht unterlassen , darauf auf-
iiierksam zu mächen, dass die Temperatur bedeutenden Ein-
fluss auf die Schnelligkeit der Entwickelung hat. In der
Traube , welche wir im November erhielten , verliessen die
Jungen die Kapseln erst im März und lebten bis iuüi SOsten
204 oföorirrunr! Koren und Danibissen:
April. Wir hatten also diese Jungen 5 Monate und 18 Tage
lebend gehabt, und bei der Untersuchung fand sich noch im
Innern des Thieres eine Menge Eidotter.
Erklärung der Abbildungen')-
Bucdnum undatum (Taf. I. II. des Originals).
Fig. 1. (1) stellt ein Ei dar , welches aus dem Eierstock genomnien
ist, etwa 200mal vergrössert.
Fig. 2. (8) Ein Embryo etwa 200mal vergrössert.
a. Membran, b. Dotter mit Dotterbaut. c. Anfang der zwei
runden Lappen.
Fig^ 3. (9) Ein Embryo , von der Seite gesehen. Dieselbe Vergrös->
serung.
a. Hautartige Schale. b. Mantel, c. Dotter, d. Lappen.
e. Fuss.
Fiff. 4. (13) Ein Embryo , vom Bauche gesehen. Dieselbe Vergrös«
"'' serung.
a. Hautartige Schale. 6. Mantel, c. Dotter, d. Lappen, e.
Herz. f. Fuss. g. Gehörorgane. «Ä. Speicheldrüsen, i. Teo-
i- takeln, h. Rüssel, l. Speiseröhre, m. Magen.
Fig. 5. (16) Ein Junges , von der Seite gesehen. Dieselbe Vergrös-
serung.
a. Conchylie. b. Mantel, c. Dotter, d. Lappen, c. Herz.
f. Fuss. g. Gehörorgan, h. Deckel, i. Kopf. k. Augen l.
Tentakeln, m. Speiseröhre, n. Magen, o. Darm. p. Kiemen.
q. Blase, r. Leber, s. Muskel. <. Hirnganglien, u. Com-
missuren. v. Fnssganglien. x. Commissur. y. Fusslappen-
ganglion.
Fig. 6. (19j Das Nervensystem bei einem Jungen, von der Seite gese.
hen, comprimirt.
a. Kopf. 6. Auge. c. Tentakel, d. Fuss. e. Speiseröhre.
1) Die in ( ) eingeschlossenen Nummern der Figuren bezeich-
nen die Zahlen des Originals.
Beitrug zur Entwicklungsgeschichte der Kammkiemer. 205
f, Hirnganglien, g. Augennerv. h. Gehörnerv, i. Commis.-
sur. k. Fussganglien. l. Verzweigungen im Fuss. m. Com-
missuren. n. Fusslappenganglien. o. ü^ervenzweige. p. Einge-
weidennerv.
Fig. 7. (23) Einer der runden Lappen, etwa 400raal vergrössert.
a. Primitive Längsröhren. 6. Einzelne Querröhren, c. Kalk,
körner. d. Cilien. e. Girren.
Fig. 8. (20) Die contractile Blase, etwa 400mal vergrössert.
a. Die oberste Abtheilung. 6. Die unterste Abtheilung. c.
Primitive Muskelröbren mit Erweiterungen, d. Querröhren.
Purpura lapillus (Taf. III— IV des Originals).
Fig. 9. (12) Ein Embryo, von der Seite gesehen, etwas vorgeschritten
in der Entwickelung.
a. Membran, b. Die beiden Lappen, c. Anrang des Fusse«.
Fig. 10. (16) Ein Embryo, 350mal vergrössert.
4». Schale , worin man Kalkkörner abgesetzt sieht, b. Lap-
pen, c. Fuss. d. Gehörorgan, e. Rudimentäre Speicheldrüsen.
f. Mantel.
Fig. 11. (24) Gruppirte Eier.
Fig. 12. (27) Ein Embryo etwa lOOmal vergrössert.
a. Membran, woran man hier und da Cilien sieht, b. Fuss.
c. Stiel, d. Beginnende Lappen, e. Gruppirte Eier.
Fig. 13. (29) Ein Embryo, etwa lOOmal vergrössert.
a. Schale, b. Mantel, c. Fuss. d. Lappen, e. Gehörorgan.
f. Gruppirte Eier.
Fig. 14. (31) Ein Embryo, von der Seite gesehen, etwa 400mal ver-
grössert.
a. Schale, b. Mantel, c. Gruppirte Eier. d. Fuss. e. Lap-
pen, f. Gehörorgan, g, Speicheldrüsen, h. Herz. «. Rüs-
sel, k. Speiseröhre. /. Tentakeln, m. Augen, n. Hirn-
ganglien.
Fig. 15. (35) Ein Embryo von der Seite gesehen, etwa lOOmal ver-
grössert.
a. Schale. 6. Mantel, c. Gruppirte Eier. d. Fuss. e. Lap-
pen, f. Gehörorgan, g. Speicheldrüsen, h, Herz. «'. Rük-
ken. k. Tentakeln, l. Augen, m. Kiemen.
Fig. 16. (40; Eine Kieme, 450mal vergrössert.
a. Bogen, b. Muskelröhren, c. Cilieo*
Q06i K Off e*ii und D a n i e 1 s s e n: Beitrag zur Entwickl^iiiiggg. etc.
Buccinum undatum (Taf. I. des Nachtrages des Originals).
Fig. 17. (1) stellt ein vergrössertes Ei dar.
a. Cliorion. b. Dottermembran. c. Dotter. d. Spur des
Keimfieckes.
Fig. 18. (4) Ein vergrössertes Ei.
a. Chorien. 6. Dottermembran, c. Blase mit Molekülen.
Fig. 19. (8) Ein vergrößseites Ei.
a. Chorion, 6. Dottermembran. c. Dotter, 4- Blase mit Mo*'
lekülen.
Fig. 20. (10) Ein vergrössertes Ei.
a. Chorioii. Jb. p,ott^membran. c. Die ausgeworfene gestielte
Blase.
,nn^:
80fi
Dorycpiiiiis», ein neues Crinoideng-esehlecht
aus dem H^olilenkalke JVordamerlJka's«
Von
Dr. Ferd* Roemer*
Hierzu Taf.X.
In einer umfangreichen Sendung von Kohlenkalkverstei-
nerungen, welche Herr Dr. Krantz unlängst aus den Umge-
bungen des im nördlichen Theile des Staates Illinois am Mis-
sissippi gelegenen Städtchens Warsaw erhielt, befinden sich
neben zahlreichen anderen Crinoiden auch die Welche einer
Art, welche augenscheinlich einem neuen generischen Typus
angehörend, die Mannichfaltigkeit der Formen , mit welcher
jene Thierordnung in den älteren Gesteinsschichten vertreten
ist, wiederum durch eine sehr auffallende, bemerkenswerthe
Gestalt vermehrt.
Durch die Gefälligkeit des Herrn Dr. Krantz, wel-
cher mir das gesaramte vorliegende Material zur Benutzung
anvertraut hat, bin ich in den Stand gesetzt, die nachstehende
Beschreibung des fraglichen Fossils zu geben.
Bevor jedoch diese letztere selbst unternommen wird,
ist noch eine Bemerkung über den Umfang und die Art
der Erhallung des vorliegendien Materials vorauszuschicken.
Zunächst sind fünf Exemplare des Kelches vorhanden,
welche, frei aus dem Gesteine gelöst, die Zusammensetzung
aus den einzelnen Täfelchen deutlich erkennen lassen und
überhaupt bis auf die natürlich abgebrochenen Arme und bis
SOS Roemer:
auf die langen am oberen Umfange des Kelches stehenden
Dornfortsätze, welche das auffallendste Merkmal der Art bil-
den, durchaus vollständig erhalten sind. Ausserdem liegen
vier zum Theil noch vom Gestein umschlossene Kelche von ver-
schiedener Vollständigkeit vor, bei welchen die langen Dorn-
fortsätze noch in ihrer natürlichen Stellung erhalten sind.
Endlich sind auch noch zahlreiche einzelne Dornfortsätze oder
Stacheln vorhanden.
Die Versteinerungsmasse dieser verschiedenen Stücke
ist theils Kiesel (Hornstein), theils Kalkspath , jedoch häufi-
ger der erstere.
1. Beschreibung des Kelches.
Die Zusammensetzung des in seiner allgemeinen Gestall
fast kubischen Kelches ist folgende :
A. Untere Hälfte des Kelches.
1. Die Basis des Kelches besteht aus 3 niedrigen Ba-
salstücken {basaliO), deren zwei das dritte etwas an Grösse
übertreffen und welche vereinigt einen lYs'" hohen kreis-
runden Ring bilden. Die Naht, in welcher sich die beiden
grösseren Basalstücke vereinigen, führt in ihrer Verlänge-
rung auf die excentrisch an der einen Seite der oberen Kelch-
hälfte gelegene Mundöffnung.
r üeber diesem Basal -Ringe folgt:
2. ein Kranz von 6 ungleichseitig sechsseitigen Täfel-
chen , von welchen 5 mehr in die Breite , als in die Höhe
ausgedehnte in der Richtung der Arme liegen und also B a-
salstücke erster Ordnung sind, das sechste aber,
welches höher , als breit ist , in der Richtung des Mundes
liegt und also ein einzelnes Interradialstück (interra-
diale^ bildet.
3. Der nächst folgende horizontale Kranz besteht aus
12 Stücken, von welchen
a. 5 quer sechsseitige oder fast rektanguläre Stücke
gerade über den Radialstücken erster Ordnung stehen und
also Radialstücke zweiter Ordnung sind,
Dorycrinus, ein neues Crinoidengeschlecht. 209
b. die 7 übrigen aber zwischen diesen letzteren ste-
hen, und folglich Interr adialstücke zweiter Ord-
nung sind. Vier dieser 7 Stücke stehen einzeln zwischen
je zwei Radialstücken zweiter Ordnung, die drei übrigen aber
neben einander an der die Mundöffnung tragenden Seiten-
fläche des Kelches, und zwar so, dass das mittlere fast re-
gelmässig sechsseilige gerade über der Mitte des einzelnen
Interradialslücks erster Ordnung, die beiden seitlichen unre-
gelmässig sechsseitigen aber gerade über den Nähten stehen,
in welcher das genannte einzelne Interradialstück erster Ord-
nung mit den benachbarten Radialstücken erster Ordnung zu-
sammenstösst.
4. Der nun folgende Kranz besteht aus 5 Radialstük-
ken dritter Ordnung und 13 Interradialstücken. i'ilaiitu/
a. Die Radialslücke sind Axillar-Radialstücke (radialid
axillaria^, Sie sind quer fünfseitig und nach oben stumpf-
winkelig begrenzt.
b. Von den 13 Interradialstücken dritter Ordnung ste-
hen je zwei unregelmässig sechsseitige über einem Interra-
dialstück zweiter Ordnung; auf der Seite des Kelches, an
welcher der Mund gelegen ist, stehen 5 derselben in einer
etwas nach oben gekrümmten Linie über den auf dieser
Seite des Kelches vorhandenen drei Interradialstücken zwei-
ter Ordnung.
5. lieber jedem der 5 Axillar-Radialstücke stehen 2
den ersleren etwa gleich gestaltete Distichaislücke, welche
wiederum axillar {distichalia axillaris) sind und je zwei fast
vierseitige Distichaislücke zweiler Ordnung tragen. Diese
letzteren sind in der Mitte ihres oberen Randes jedes durch
ein Loch ausgerandet , welches in das Innere des Kelches
führt. Diese Löcher sind die Nahrungskanäle der hier ab-
gebrochenen Arme. Es sind solcher Armlöcher, da über
jeder der 5 Reihen von Radialstücken 4 stehen, im Ganzen
20 vorhanden. Eine horizontale durch diese sämmtlichen
Löcher gelegte Ebene theilt den ganzen Kelch in 2 fast glei-
che Hälften. Von diesen beiden Hälften ist nun
B. Die obere Hälfte des Kelches
in folgender Weise zusammengesetzt:
Archiv fl^NatorgeMb. XIX. Jahrg. 1. Bd. ^ 14
210 Roemer:
1. Alternirend über je 4 der durch die Armlöcher an
ihrem oberen Rande ausgeschnittenen Distichialstücke stehen
5 unregelmässig fünfseitige Stücke, die auch an der Bildung
der Armlöcher selbst noch Antheil nehmen. Das mittlere die-
ser 5 Stücke ist bedeutend grösser, als die 4 übrigen, hö-
her als breit und liegt genau in der Richtung der Ra-
dialstücKe.
2. Gerade aufgesetzt auf jedes dieser mittleren Stücke
stehen nun die Stücke, welche nebst einem einzelnen ande-
ren durch ihre zu langen Stacheln verlängerte Form den auf-
fallendsten Charakter der Gattung bilden. In der gewöhnli-
chen frei aus dem Gestein gelösten Erhaltung der Kelche
sind diese Stücke von halbkugeliger Form und bilden stark
vortretende buckeiförmige Hervorragungen über den Arm-
löchern. Der Scheitel dieser halbkugeligen Stücke ist mei-
stens unregelmässig begrenzt. Häufig zeigt er eine mehr
oder minder grosse Vertiefung. Nicht selten trägt er auch
eine mittlere warzenförmige Erhöhung, welche lebhaft an die
Stachelwarzen der Echiniden erinnert. Bei solchen Exem-
plaren aber, welche zum Theil noch von der Gesteinsmasse
umhüllt sind , sieht man an der Stelle dieser halbkugeligen
Stücke fingerslange, drehrunde pfriemenförmige Stacheln und
man gewinnt die Ueberzeugung , dass es nur eine Eigen-
thümlichkeit des Versteinerungsprocesses ist, wenn bei jenen
frei aus dem Gestein gelösten Kelchen nur die Basis dieser
Stacheln in der Form halbkugeliger Schalstücke erhalten ist.
Sähe man nur die erwähnten oft vorhandenen warzenförmi-
gen Erhöhungen auf dem Scheitel dieser letzleren und ein-
zelne freie Stacheln, so könnte man leicht die Vorstellung
gewinnen, es seien die Stacheln mit jenen VTarzen nach Art
der Echiniden-Stacheln artikulirend oder beweglich verbun-
den gewesen. Diese Vorstellung ist jedoch durchaus irrig.
Es sind die Stacheln ganz auf gleiche Weise, wie alle übri-
gen den Kelch zusammensetzende Stücke , an ihrer Basis
durch geradlinige Nähte mit den angrenzenden Stücken un-
beweglich verwachsen. Dicht über der Basis verengt sich
der Umfang der Stacheln bedeutend und plötzlich, von hier
an aber nimmt er bis zur Spitze ganz allmählig ab. Bei grös-
seren Exemplaren sind die Stacheln am Grunde 4yj'" breit
Dorycrinus, ein neues Crinoidengeschlecht. 211
und ihre ganze Länge beträgt 2*72 Zoll. Die Richtung der
Stacheln betreffend, so stehen sie schief nach oben gerichtet
vom Kelche ab.
Zwei bestimmte benachbarte der 5 Stacheln stehen an
der Basis weiter von einander ab , als je zwei andere be-
nachbarte. Zwischen diesen beiden weiter von einander ent-
fernten Stacheln liegt nun die einzige Oeffnung, welche bei
vollständiger Erhaltung in das Innere des Kelches führt. Sie
ist oval, höher als breit, V/^jf" in der Richtung der grösse-
ren Achse lang.
Umgeben ist diese Mundöffnung, welche zugleich Anal-
und Genital- Oeffnung sein muss, von mehreren kleineren in
ihrer Begrenzung an den vorliegenden Exemplaren nicht völ-
lig deutlich erkennbaren Täfelchen.
Gerade über der Mundöffnung, aber durch einige klei-
nere Stücke von dieser getrennt, erhebt sich auf der Schei-
telfläche des Kelches ein einzelnes grosses, gleich den 5 über
den Armlöchern stehenden Stücken in einen langen Stachel
verlängertes Stück. Bei den frei aus dem Gesteine gelösten
Kelchen ist von diesem Stücke nur die halbkugelige, auf dem
Scheitel unregelmässig vertiefte, häufig auch mit einer klei-
nen mittleren Warze versehene Basis erhalten, ganz so wie
bei den 5 anderen am oberen Umfange des Kelches über
den Armen stehenden Stücken. Diese halbkugelige Form
des Stückes ist aber ebenso wie bei den letztgenannten nur
Folge einer rudimentären Erhaltung durch die Kieselmasse.
Bei Exemplaren, welche zum Theil noch vom Gesteine um-
schlossen sind und bei welchen die Versteinerungsmasse
theilweise Kalkspath ist, erhebt sich über der halbkugeligen
Basis des Stücks ein langer drehrunder pfriemenförmiger Sta-
chel von gleicher Form, wie bei den 5 übrigen. Die Länge
dieses Stachels scheint etwas geringer, als diejenige der 5
übrigen zu sein. Die Richtung des Stachels ist vertikal, wäh-
rend diejenige der 5 anderen , wie früher bemerkt wurde,
schief nach aufwärts gewendet ist. Die Basis dieses Stachels
nimmt die höchste Stelle der übrigens nur flach gewölbten
Scheitelfläche des Kelches ein; keinesweges aber deren Mittel-
punkt. Sie ist vielmehr entschieden excentrisch und dem über
der JMundöffnung liegenden Rande der Scheitelfläche genähert.
212 Roemer:
Zwischen den 5 am Umfange der Scheilelfläche stehen-
den zu Stacheln verläng-erten Stücken und dem zuletzt be-
schriebenen einzelnen Stücke dieser Art auf dem Schei-
tel selbst , wird nun die Scheiteldecke aus einer grösseren
Zahl (24) von Stücken ungleicher Grösse gebildet. Sieben
oder acht grössere von diesen umgeben die Basis des ein-
zelnen scheitelständigen Stachelslücks. Eine weitere Gesetz-
mässigkeit ist in der Anordnung dieser Scheitelslücke nicht
deutlich zu erkennen.
Am Schlüsse dieser Beschreibung der Zusammensetzung
des Kelches ist nur zu bemerken , dass die Oberfläche der
einzelnen Kelchstücke keine besondere Sculptur zeigt , son-
dern bei ganz flacher Wölbung, (in der Erhaltung vv^enig-
stens, in welcher die Exemplare vorliegen!), platt erscheint.
Ein einzelnes der vorliegenden Exemplare weicht insofern
von den übrigen ab, dass jedes einzelne der den Kelch zu-
sammensetzenden Stücke in der Mitte zu einem stumpfen Hök-
ker erhoben ist. Ein ähnliches Höckerigwerden bei norma-
ler Erhaltung der platten Oberffäche kommt auch bei ande-
ren Geschlechtern von Crinoiden, namentlich Aciinocrinus,
Platycrinus u. s. w. vor.
Eine andere Abweichung von der typischen Form zeigt
ein Exemplar, bei welchem der ganze Kelch so stark aufge- ,
bläht ist und namentlich die Stellen an welchen die Arme
befestigt waren, so stark vorlreten, dass die Breile des Kel-
ches dessen Höhe bedeutend übertrifft, während bei der ge-
wöhnlichen Form des Kelches beide Dimensionen ungefähr
gleich sind.
2. Systematische Stellung der Öattung und
Verwandtschaft mit anderen bekannten Ge-
schlechtern.
Auch bei einer nur flüchtigen Vergleichung müss so-
gleich die Uebereinstimmung auffallen, welche in der Zusam-
mensetzung des Kelches von Dorycrinus mit derjenigen des
Dorycrinus, ein neues Crinoidengeschlecht. 213
Kelches von Actinocrinus ') Statt findet. Die Bildung der
Basis des Kelches als einer aus 3 niedrigen Basalstücken zu-
sammengesetzten Platte^ die Anordnung der in 5 Reihen zu
den Armen führenden Radialstücke, die Lage der Punkte,
an welchen die Arme hervorbrechen, ist dieselbe. Der Un-
terschied zwischen beiden Gattungen beruht in der That fast
nur in der verschiedenen Lage der Mundöffnung und in den
von dieser abhängigen Abweichungen. Bei Actifiocrinus ist
die Mundöffnung scheitelständig , central und an der Spitze
einer langen rüsselförmigen Röhre gelegen. Bei Dorycrinus
dagegen ist die Mundöffnung excentrisch und in der oberen
Hälfte des Kelches an einer Seitenfläche desselben gelegen.
Die excentrische seitliche Lage der Mundöffnung, indem sie
die beiden Arme, zwischen denen sie gelegen ist, weiter aus-
einander rückt, als je zwei der übrigen Arme, und damit zu-
gleich die grössere Zahl der an dieser Seite vorhandenen In-
terradialslücke bedingt, giebt zu einer in der ganzen Gestalt
des Kelches hervortretenden Abweichung von der regelmäs-
sig radialen Anordnung der Kelchtheile Veranlassung.
Eben diese excentrische seitliche Lage des Mundes und
die dadurch bedingte Störung des radialen Typus, durch welche
unsere Gattung von Actinocrinus unterschieden ist , hat sie
nun mit dem durch Austin aufgestellten Geschlechte Ampho-
racrinus, dessen typische Art der Amphoracrinus Gilberfsoni
(^Acünocrinites GHherlsoni?h\\\.', Melocrinus amphora Goldf.} ist,
gemein. Ueberhaupt ergiebt sich nun mit diesem letzteren Ge-
schlechte eine nähere Verwandtschaft, als mit irgend einem
anderen. Nicht nur ist die Anordnung der Täfelchen in der
ganzen unteren Hälfte des Kelches bei beiden Geschlechtern
wesentlich übereinstimmend , sondern es ist auch dasjenige
Merkmal, welches Dorycrinus vorzugsweise von Actinocrinus
unterscheidet, nämlich die excentrische , seitliche Lage des
1) Die Gattung Actinocrinus wird hier in der richtigen Begren-
lung gedacht d. i. auf die Arien des Kohlenkalks beschränkt, mit dem
Aclinocrinus Iriaconladaclylus Miller als Typus und nach Ausscheidung
verschiedener bisher der GaUung zugerechneten Arten Silurischer und
Devonischer Schichten.
214 .jrf^alifogogaablofRöeraer:
Mundes und die dadurch bedingte Abweichung von dem ra-
^dialen Baue der Kelchtheile beiden Gallungen gemeinsam.
So gross nun auch die Verwandtschaft ist , so lassen
sich doch auch anderer Seits bei näherer Prüfung bestimmte
Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern festhallen.
Der auffallendste Unterschied besteht immer darin, dass bei
Dorycrinus 5 über den Armen stehende durch Grösse aus-
gezeichnete und zu langen Dornen verlängerte Stücke vor-
handen sind, die hei Amphoracrinus fehlen. Das sechste bei
Dorycrinus zu einem Stachel verlängerte Stück, welches den
höchsten Punkt des Scheitels bildend excentrisch über dem
Munde steht, ist auch bei Amphoracrinus durch Grösse aus-
gezeichnet. Ein weiterer Unterschied zeigt sich in der ab-
weichenden Zahl der Interradialstücke an der Seite des Kel-
ches, an welcher der Mund liegt. Bei Dorycrinus sind hier
über dem einzelnen Interradialstücke erster Ordnung drei In-
terradialstücke zweiter Ordnung und über diesen 5 Interra-
dialstücke dritter Ordnung vorhanden. Bei Amphoracrinus
dagegen stehen über dem einzelnen Interradialstück erster
Ordnung 2 Interradialstücke zweiter Ordnung und über die-
sen 3 Interradialstücke dritter Ordnung. Endlich unterschei-
det auch der Umstand beide Gattungen, dass bei Amphora^
crinus ein mehr oder minder vorstehender aus zahlreichen
kleinen Täfelchen zusammengesetzter wulstförmiger Ring die
Mundöffnung umgiebt, während bei Dorycrinus die Oeffnung
in der Ebene der Seitenfläche liegt.
Die systematische Stellung \on Dorycrinus tritt am be-
stimmtesten in nachstehender Uebersicht der mit ihr zusam-
men eine natürliche Gruppe oderFamilie bildenden Geschlech-
ter JWe^ocrmMs, Actinocrinus und Amphoracrinus hervor;
1. Kelchbasis durch 4 Basalstücke gebildet.
Melocrinus.
2. Kelchbasis durch 3 Basalstücke gebildet.
a. Mund scheitelständig central.
Actinocrinus.
b. Mund seitlich, excentrisch.
a. Die den Scheitel bildenden Täfelchen von
gleicher Beschaffenheit.
Amphoracrinus.
Dorycrinus, ein neues Crinoidengeschlecht. 21o
ß. 5 grössere über den Armen stehende Stücke
und ein einzelnes excentrisch über dem
Munde stehendes Stück zu langen geraden
Stacheln verlängert.
Dorycrinus.
Die Eigenthümlichkeit, dass sich einzelne der left Kdöh
zusammensetzenden Täfelchen zu Dornen oder Stacheln ver-
längern, theilt übrigens Dorycrinus noch mit einigen ande-
ren sonst sehr verschiedenen Crinoiden. Bei dem nach ei-
nem unvollkommen erhaltenen Abdrucke aus Posidonomyen-
Schiefern des Harzes von A. Roemer (Jahrb. 1850. S. 679.,
Tf. VI. B.} aufgestellten Gattung Acanthocrinus sind es der
unteren Hälfte des Kelches angehörende Stücke, welche die
Dornen tragen und die Zahl der letzteren soll 10 betragen,
während Dorycrinus deren nur 6 hat. Auch bei einem der
devonischen Grauwacke von Coblenz angehörenden noch
unbeschriebenen Crinoid, dessen Beziehungen zu Acantho-
crinus nicht deutlich ersichtlich sind, dessen Verwandtschaft
mit dem amerikanischen Fossile aber jedenfalls sehr entfernt
ist^ scheinen die KelchtäPelchen , dereii Mitte sich zu eirtelöl
ziemlich langen Stachel erhebt, die unteren und Seitlichen
Theile des Kelches zu bilden.
3. Gattungs-Charakler.
Nach der vorher gegebenen Beschreibung lässt sich nun
folgender Gattungscharakter aufstellen :
Dorycrinus, Novum genus ordinis Crinoideorum.
Etymol. 66qv telum xgtvov lilium.
C aly X sphaeroideus vel subcuboides, foramine unico ex-
centrico laterali (ore) perforatus et aculeis quibusdam longis
a vertice patentibus ornatus
Assulae basalae 3, discum planiuscultim efforman-
tes, inaequales; duae aequales maiores, tertia minor.
Assulae radiales primi, secundi et tertii ordinis
quinae; assulae radiales tertii ordinis axillares, assulas
disfichales primi ordinis geminas, secundi ordinis quaternaS
ferentesj assulis dislichalibus secundi ordinis margine supc-
216 Roemer:
riore emarginalis et foramina ramos brachiorum hie avulsos
nutrienlia excipientibus.
Assulainterradialis primi ordinis unica ori opposita ;
assiilae interradiales secundi ordinis 7, una inter binas assu-
las radiales secundi ordinis inserta et duabus accessoriis ei,
quae ori opposifa est, adiectis; assulae interradiales tertii
ordinis 13, duabus inter binas assulas radiales tertii ordinis
insertis , quinque ori oppositis
Vertex calicis assulis numerosis efformata; assulae
quinque in peripheria verticis supra brachiorum foramina
dispositae et sexta in summa vertice excenlrice supra os
disposita in aculeos subulatos longos, bipollicares produclae.
Os ovale, inter duos aculeos periphericos dispositum et
assulis compluribus minoribus circumdatum.
Columna cylindrica, articulata, canali cylindrico per-
forata.
Der Kelch sphäroidisch oder annähernd cubisch, bis auf
eine einzige in der oberen Hälfte seitlich gelegene Oeffnung
(Mund) ringsum geschlossen und mit fingerslangen, geraden,
abstehenden Stacheln auf dem Scheitel geziert.
Basalstücke 3, eine niedrige Scheibe bildend, un-
gleich; die Verbindungsnaht der beiden gleichen grösseren
Stucke in ihrer Verlängerung auf den Mund führend.
Radialstücke erster, zweiter und dritter Ordnung
je 5; die Radialstücke dritter Ordnung axillar, ein jedes 2
Distichaistücke erster Ordnung und diese wieder je zwei Disli-
chalstücke zweiter Ordnung tragend. Die letzteren am oberen
Rande ausgerandet und mit den über ihnen folgenden Stücken
die in das Innere des Kelches führenden Löcher bildend,
welche die hier an ihrem Grunde abgebrochenen Zweige der
Arme zurückgelassen haben, lieber jeder der 5 Reihen von
Radialstücken 4 solcher Löcher in einer Querreihe stehend.
Interradialstück erster Ordnung ein einziges, zwi-
schen zwei Radialstücke erster Ordnung an der Seite des
Kelches eingeschobeu, an welcher der Mund liegt. Inter-
radialstücke zweiter Ordnung 7, nämlichS unregel-
mässig sechsseilige an der Seile, an welcher der Mund liegt.
DorycrinuB ein neuei Criooidengeschlecht. 217
ein einziges regelmässig sechsseitiges an jeder der 4 übri-
gen Seilen zwischen je zwei benachbarte Radialstücke zwei-
ter Ordnung eingeschoben. Interra dial stücke drit-
ter Ordnung 13, nämlich 5 auf der Seite, an welcher der
Mund liegt, 2 auf jeder der 4 anderen Seilen zwischen 2
benachbarten Radialslücken dritter Ordnung.
Der Scheitel, d. i. die ganze über den Armen lie-
gende Hälfte des Kelchs aus zahlreichen Täfelchen zusam-
mengesetzt. Sechs grössere ,Täfelchen , von denen 5 über
den Armen am Umfange der Scheitelfläche und das sech-
ste auf dem höchsten Punkte der Scheitelfläche excentrisch
über dem Munde stehen, sind zu pfriemenförmigen , 2 Zoll
langen gerade abstehenden Stacheln verlängert.
Die ovale Mundöffnung seitlich unter dem einzelnen
Scheitelslachel, zwischen zwei , weiter als die übrigen , von
einander abstehenden peripherischen Stacheln gelegen.
Die Säule walzenrund, aus niedrigen, auf den Gelenk-
flächen fein radial gestreiften und in der Mitte von einem
runden Nahrungskanale durchbohrten Gliedern zusammen-
gesetzt.
Die einzige bekannte Art der Gattung ist:
Dorycrinus Mississippiensis F. Roem.
Aus Lagen des Kohlenkalks , welche auch sonst reich
sind an Crinoiden und namentlich Arten von ActinoQrinus ^
Amphoracrimis , Plaiycrinus u. s. w. enthalten, bei Warsaw
am Mississippi im nördlichen Theile des Staates Illinois.
Erklärung der Abbildungen auf Taf. X.
Fig. 1. Ansicht des Kelches in natürlicher Grösse. Die Seite, an
welcher die Mundöffnung liegt, ist dem Beschauer zuge.
wendet.
a. bezeichnet die Mundöffnung.
^18 Rocmeft DorycriBiis ein neues Crinoidengeschlecht.
ß. die ÖefFnungen, welche durch Abbrechen der Arme
erzeugt Werden und von denen vier in einer horizon-
talen Reihe über jeder der fünf vertikalen Reihen von
Radialstücken stehen,
y. das einzelne Interradialstück erster Ordnung.
Fig. 2. Ansicht des Kelches von oben. Die fünf am Umfange des
Scheitels stehenden Stacheln und der sechste auf der Höhe
des Scheitels stehende Stachel sind abgebrochen.
a» bezeichnet die Mundo ffnung.
^, die Stelle , an welcher der einzelne sechste Stachel
abgebrochen ist.
iFig. 3. Ansicht des Kelches von unten. Die Stacheln sind abgebrochen.
(X, deutet auf die Lage der MundöfFnung.
107 ' ■ ^^'^rfORR
i!f; 1)111 i»
Ein neuer Bandwurm aus Pollyptenus»
Mcliis*
Beobachtet von
lir* li e y d i gr >'.,A
in Würzburg. j
Hierzu Taf. XI. Fig. 1—5. - aü
Bei der Zergliederung eines grossen, wohl erhaltenen
Exemplars von Polyptenus bichis stiess ich im Klappendarm
auf einen Eingeweidewurm von gleichfalls gut conservirtem
Aussehen und da er noch dazu ziemlich zahlreich vorhanden
sich zeigte — es mochten gegen zwanzig Individuen sein —
so Hess er eine nähere Untersuchung zu. Ich kann in den
mir zugänglichen Büchern, auch inDiesings Systema hel-
minthum nichts über diesen Cestoden finden, wesshalb ich
ihn für neu halte und mir erlaube, eine kurze Beschreibung
und Abbildung davon den Helminthologen vorzulegen.
Aeussere Gestalt.
Die Länge der gesammelten Thiere wahr sehr verbphie-
den, die kleinsten massen nur 8"', während die grössten 1%"
in der Länge hatten.
Der Habitus ist der eines Cestoden und zwar unter-
scheidet man deutlich den Kopf, einen davon abgesetzten
Hals und den geringelten Körper. Was die nähere Beschaf-
fenheit dieser einzelnen Abschnitte angeht, so ist der Kopf
220 teydij:
vierlappig (Fig. 1) und jeder Lappen (a) mit sechs einfachen
Haken versehen. Am Halse springen vier Längsleisten vor,
wovon jede am Kopfende sich zu den erwähnten Lappen
verbreitert. Dadurch bilden sich am Halse zwei Längsgru-
ben (66). Die unmittelbar auf den Hals folgenden Glieder
sind sehr schmal (c) und stehen ziemlich weit aus einander,
weiter nach hinten werden sie allmählich breiter und rücken
sich immer näher (Fig. 3), gegen das Ende zu verschmä-
lern sie sich wieder, werden aber länger und damit im All-
gemeinen mehr oval, ja sie können selbst ansehnlich in die
Länge gezogen sein, wie ich einen solchen Fall in Fig. 4
abgezeichnet habe. Doch ist es gerade das letzte Körper-
glied, welches unter so variabler Gestalt gesehen wird und
fast durchweg den Eindruck macht, als ob es ein mehr ab-
gestorbener Theil des Leibes wäre. Entweder nämlich endet
der Wurm mit ein paar ovalen Gliedern von hellerer Farbe,
als die vorhergehenden, oder die letzten Ringe sind von etwas
gerissener und aufgelöster Beschaffenheit.
Die Farbe des Thieres ist ein schmutziges Weiss.
ihii iiiov/ yfi-^Kac; i'ih'Hb^r.
...1 nuiiiqqnlH lai ibi eF einerer Baifejqvlo
Die äusserste Begrenzung des Körpers wird von einer
homogenen Cuticula gebildet und von derselben Substanz
scheinen auch die Haken der Koptlappen zu sein. Dieselben
sind nach der Grösse des Thiers 0,024—0,05'" und darüber
lang und haben die Form leicht gebogener Spitzen ohne be-
sonderen Fortsalz. Die Cuticula geht, wie starke Vergrösse-
rungen ausweisen, unmittelbar in sie über, und nach länge-
rem Aufenthalt in Natronlösung waren sie etwas heller und
aufgequollen, was Alles dafür sprechen dürfte, dass -sie Pro-
duktionen der homogenen Oberhaut sind. Auch v. Siebold
(ver^-eichende Anatomie) nennt die Haken und Gerüste der
Cestoden und Trematoden „hornig."
üeber das Parenchym des ganzen Körpers weg sind
die bei Cyslicen, Cestoden und wie ich gefunden (Zeitschr.
für wiss. Zoolog.) , auch bei einigen Trematoden vorhande-
nen Kalkkörper, zerstreut. Sie halten im Leibe gewisse
Längs- und Circulärzüge ein, sind von Molekulargrösse bis
Ein neuer Bandwurm aus Polyptenus bichis. 221
0,006'" Umfang und dann von geschichtetem Baue. Im All-
gemeinen nehmen sie gegen Ende des Körpers an Grösse zu.
Die Muskeln Hessen sich, besonders nach Aufstellung
des ganzen Thieres, durch Natron causlicum am unverletzten
Thier leicht als Längs- und Querschichten unterscheiden.
Zerzupfte man einzelne Körperglieder, so konnte gesehen
werden, dass die Elemente Fasern sind , welche sich entwe-
der als vollkommen homogene, platte Cylinder darstellen
(Fig. 5. a), oder wenn sie eine Breite von 0,003'" erreicht
haben , eine Scheidung in helle Rinde und leicht getrübtes
Mark zeigen (6). Um diese Differenzirung zu sehen, muss'
die Vergrösserung hinlänglich stark sein, ich habe Lins. 5.
6. 7. Plösl hiezu angewendet. Unmöglich war es, eine Faser
so zu isoliren, dass man die beiden Ecken übersehen hätte,
immer gelang es nur, das eine vorstehende Ende, welches
dann leicht zugespitzt auslief, vor die Augen zu bringen.
Von hellen Längs- und Querkanälen, die bei frischen
Cesloden so unschwer zu erkennen sind (das Circulations-
syslem v. Siebold) war nichts mehr wahrzunehmen , was
wohl nicht auffallen darf.
Vergeblich habe ich auch nach Fortpflanzungsorganen
gesucht , weder auf der Bauchfläche , noch am Seitenrande
des Körpers waren Geschlechlsöffnungen sichtbar und auch
im Innern der Glieder konnten keine Spuren von Generations-
werkzeugen zur Anschauung gebracht werden. Da dieses
negative Resultat auch bei den längsten Individuen sich wie-
derholte, die letzten Glieder aber wie erwähnt ein mehr de-
fectes Aussehen hatten, so möchte man annehmen, dass viel-
leicht die mitGeschlechtstheilen versehenen Glieder sich ab-
gestossen hatten.
Fragt man nach der Stellung unseres Wurmes im Sy-
steme, so gehört er wohl in die Section der bewaffneten Bo-
thriocephalen, und ich schlage für ihn etwa den Namen Te-
trabothrium Polypteri vor.
222 Leydig; Ein neuer Bandwurm aus Polyplenus bichis.
Erklärung der Ab bildungen.
Fig. 1, Kopf des Wurmes bei geringer Vergrösserung (Linse 1 Plösl.)
a. Lappen des Kopfes mit den Haken.
hh. Die Gruben.
c. Die ersten Glieder des Leibes.
Fig. 2. Rand eines Kopflappens stark vergrösserl:
a. Zwei Haken.
h. Die Cuticula.
Fig. 3. Mehrere Körperglieder aus der Mitte des Leibes, unter der-
selben Vergrösserung, wie Fig. 1.
Fig. 4. Hinteres Körperende, Vergrösserung wie Fig. l und 3.
Fig. 5. Die Enden von zwei Muskelfasern, sehr starke Vergrösse-
rung.
a. Eine Faser von ganz homogener Natur.
h. Eine Faser, welche die Scheidung in Rücken- und Mark-
subslanz zeigt.
lieber einen neuen, mit Wimperseg^ein vei^
seiienen Oasteropoden.
Von
lir* A» liroliii«
(Hierzu Taf. XI. Fij. I— IL)
Bei einer Excursion, die ich am 17. März dieses Jah-
res in der Meerenge von Messina unternahm, fing ich mit dem
feinen Netz ein kleines Weichthier, das durch die eigenlhüm-
liche Bildung seiner Schale und den Besitz von ansehnlichen
flimmernden Lappen zu beiden Seiten des Kopfes meine
Aufmerksamkeit auf sich zog. Leider war es mir nicht ver-
gönnt , den Bewohner genau untersuchen zu können , da er
äusserst schüchtern, sich bei der geringsten Veranlassung
in sein Gehäuse zurückzog und auch nur wenige Stunden am
Leben blieb. Indess stehe ich nicht an das^ was ich zu er-
mitteln vermochte, hier mitzutheilen. Es folgt zunächst die
Beschreibung der Schale.
Die nicht kalkhaltige, glashelle, knorpelharle Schale
stellt ein in eine einzige Windung zusammengerolltes Gehäuse
dar, das von der Mündung bis gegen das Ende hin, allmäh-
lich etwas enger wird. Dieses Ende ist nicht frei, sondern
dicht über der Mündung mit dem vordem Theile der Schale
verwachsen (s. Fig. II). Am Mündungsrande unterscheidet
man drei nach aussen gerichtete Zacken, zwei vordere län-
gere und stärkere und einen hintern kürzern (s. Fig. L 6, 6,
6). Dicht vor der Mündung geht ein ziemlieh langer und
breiler Fortsatz ab, der gleich einem vorspringenden Dache,
sich über die Mündung hinüberwölbt und zuletzt verflacht,
in zwei abgerundete Spitzen ausläuft (s. Fig. I und II c). Die
Oberfläche der Schale ist mit vier Reihen ansehnlicher Sta-
cheln besetzt. Zwei mittlere Reihen ziehen sich dicht aeben
Ö24 Krohn:
einander, längs der grössern Curvafur der Schale auf den er-
wähnten Fortsatz hinüber, wo sie zuletzt, mit progressiv ab-
nehmender Grösse der Stacheln , auf die Ränder seiner bei-
den Spitzen übergehen (s. Fig. I und II. d). Zwei seitliche
einander gegenübergestellte Reihen verlaufen mit den mitt-
leren parallel , dicht am Mündungsrande beginnend und zu
ihm wieder zurückkehrend (s. Fig. I und II. e. e). Die eines
Deckels ermangelnde Schale misst ungefähr anderthalb Linien.
Der Bewohner dieses zierlichen Gehäuses kriecht mit-
telst eines in einer Sohle ausgebreiteten Fusses einher. Die
Sohle ist nur massig entwickelt, ihr vorderes Ende etwas
breiter als das hintere. Der Kopf trägt zwei stabförmige,
nicht sehr lange Fühler, und neben jedem der letztern noch
ein Auge. Ausserdem ist er jederseits mit drei über ein-
ander gestellten , nach aussen gerichteten und gleich den
ausgespreizten Fingern von einander abstehenden [Lappen
versehen. Diese Lappen haben das Ansehen langer, flacher,
an den Enden zugerundeter Wimpel , und sind längs ihren
Rändern mit mächtigen schwingenden Cilien besetzt. Sie
krümmen und winden sich auf die mannichfaltigste Art, wo-
bei die Ränder krausenartig sich zusammenfalten. Kriecht
aber das Thier ohne Störung umher, so sind sie immer ent-
faltet und vorgestreckt. Von innern Organen Hess sich zu-
nächst im Vordertheil des Leibes eine, wahrscheinlich in
einer besondern Höhle (Kiemenhöhle) gelegene Kieme un-
terscheiden. Diese Kieme schien nur aus einer einfachen
Reihe breiter, abgerundeter Blätter zu bestehen. Dicht hin-
ter der Kieme liegt das Herz. Ein aus einem hellen zelli-
gen Gefüge bestehendes Gebilde, das den tiefsten Theil der
Schale, obwohl nicht ganz ausfüllt, dürfte die Leber sein.
Sie schien den Magen zu beherbergen, und aus ihr tritt auch
der Darm hervor, der sich eine Strecke weit nach vorn
verfolgen Hess.
Dass das Thier zu den Gasteropoden gehört, das ergiebt
sich schon aus der Gestalt und Function seines Fusses. Es
handelt sich also nur um die Bedeutung der oben erwähn-
ten Kopflappen , durch deren Besitz es von aflen bekannten
Gasteropoden auf eine so eigenthümliche Weise abweicht.
BekanntHch sind die Larven der Mollusken (Gasteropoden,
Ueber einen neuen, mit Wimpersegeln versehenen Gasteropoden. 225
Pteropoden, Heleropoden) mit zwei rädernden, zum Schwim-
men dienenden Kopfanhängen, den sogenannten Kopfse-
geln versehen. Diese Segel sind bald ungelheilt, bald durch
einen liefen Einschnitt in zwei Lappen zerfallen (bei den
Larven einzelner Pteropoden und Gasteropoden). Mit diesen
Organen scheinen mir die Kopflappen unseres Gasteropoden
die grösste üebereinstimmung zu haben. Es ergiebt sich
dies aus ihrer seitlichen Stellung am Kopfe, aus der Beklei-
dung ihrer Ränder mit einer aus mächtigen Cilien bestehen-
den Wimperschnur und dem übrigen Verhalten. Giebt man
ferner der nicht unwahrscheinlichen Vermuthung Raum, dass
die Wimperschnüre der drei jederseits zu einer Gruppe ver-
einigten Wimpel ohne Unterbrechung in einander überge-
hen, so wird die eben angedeutete Analogie um so eviden-
ter. Nach diesen Vorausetzungen betrachte ich demnach die
Kopflappen unseres Gasteropoden, als die aus der Larvenpe-
riode stammenden und mit dem fortgeschrittenen Wachsthume
weiter entwickelten Wimpersegel. Wie früher die Larve, so
mögen sie auch das erwachsene Thier zum Schwimmen be-
fähigen. Dass Letzteres den Boden zu Zeiten verlässt, um
frei umherzuschwärmen, dafür scheint schon das Vorkommen
desselben im hohen Meere zu sprechen. Es mag dieser neue
Gasteropode nach der Schale, als dem genauer bekannten
Theil, den Namen Echinospira diaphana führen.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Schale der Echinospira diaphana, mit der Mündung nach oben,
lOmal vergrössert.
a. Mündung der Schale. — b, 6, b. Die Zacken des Mündungs-
randes. — c. Ueber die Mündung gekrümmter Fortsatz der
Schale. — d. Die beiden mittleren Stachelreihen. — e, e. Die
beiden seitlichen Stachelreihen.
Fig. 11. Dieselbe im Profil , mit der linken Seite nach oben^ gewen-
det. lOmal vergrössert.
Bezeichnung wie in Fig. l.
Archiv f. Naturgeseb. XIX. Jahrg. l.Bd. 15
~)^St .n9l>oqoi9iask)^ 4l»ad4ai)iay-^ ni^»«id. i usub 'üxiaU
Uebersicilt der liOphobraiichier.
Von
in Darmstadt.
Von den Lophobranchii habe ich eine ziemliche Zahl
beschrieben und bis auf zwei alle unter Händen gehabt. Es
sind nur äusserst wenige, welche ich aus Mangel der Autopsie
und weil sie nicht exakt beschrieben sind, nicht aufgenom-
men habe.
Die grosse Liberalität des Jardin des Plantes , Leyden,
Wien, Berlin, Frankfurt und Stuttgart verfehle ich nicht dan-
kend zu erwähnen , die mir das ganze Material für diese
Ordnung gesandt haben. Kürzlich sind zwei Lophobranchii
durch Herrn Peters von der Westküste Afrika's beschrieben,
allein so genau sie auch beschrieben sind, so wagte ich es
doch nicht, sie ihren entsprechenden Genera unterzuordnen.
Die eine Art mit einer abweichenden Zahl von Rückenflosse-
strahlen ist wahrscheinlich der Typus einer neuen Gruppe.
Ihrem Wunsche alle Genera zu charakterisiren, kann ich nicht
vollkommen entsprechen. Wo ich es mit wenigen Worten
ohne Abbildungen thun kann, will ich es versuchen.
Unterordnung Bttsclielkiemer, liOpkoltrancIiii, Cuv.
(5le Ordnung bei Cuvier.)
Bei der Mehrzahl tragen die Männclien die Eier bis zur
völligen Entwickelung theils zwischen den Bauchflossen (So-
Kaup: UeBersicht der Lophobranchier. 2S7
lenoslomidae) oder in Taschen an der Brust und Bauch oder
am Schwanz, oder in Reihen auf Brust und Bauch (Nero-
phinae). Es erinnert diess an die Marsupialia, welchen ich
denselben Rang in ihrer Classe gebe. In beiden Unterord-
nungen sehen wir gestreckte knochige Formen, dünne ver-
längerte Schnauze und einen Wickelschwanz auftreten. Die
flatternden Formen der ßeutelthiere können mit den Pegasi-
dae verglichen werden , welche ältere Autoren als Ueber-
gänge zu den Insecten angesehen haben.
Diese Unterordnung zerfällt in drei scharf geschiedene
Familien :
I. Fam. Solenostomidae Kp.
Die Kiemenbüschel sind wie bei den meisten Fischen
mit einem Kiemendeckel bedeckt. Kopf, Brust und Schwanz
deutlich geschieden. Erste Rückenflosse sehr entwickelt,
zweite rudimentäre Bauchflosse sehr entwickelt, bei den Männ-
chen der innere Rand derselben mit der Bauchhaut verwach*
sen, so dass sie eine vorn ofi'ene Tasche bilden , worin die
Eier liegen.
1. Genus. Solenostomus Lac. (1803).
1. Spec. S. paradoxus Lac. Fist. paradoxa Fall. 5 Ex.
im Par. Mus.
II. Farn. Peg^asidae Kp.
Körper von oben nach unten platt gedrückt, Mund gleich
Stör an der Basis der verlängerten Schnauze. Die Kiemen-
deckel am unleren Theil des Kopfes in einer Linie liegend
mit einem kleinen Kiemenloch nächst dem ßrustringe. Brust-
flosse Stachelich und entwickelt. Bauchflosse in einem Ra-
dius bestehend, der in Knorpelringe zerfällt. -
l. Genus. Pegasus Linn.
Die Linne'schen Beschreibungen der drei Arten lassen
Manches zu wünschen übrig, allein es ist mehr als gewiss,
dass er die drei bis jetzt bekannten Arten unterschieden hat.
Woher Bloch seine Abbildungen des nalans erhalten hat, ist
schwer zu sagen. Bis das Gegentheil bewiesen ist, werde
228 Kaup:
ich die 3 Arten unter den Linne'schen Namen beschreiben.
P. Draco und volans, häufig in den neuesten Museen und
sind in China sehr gemein. Den nalans habe ich bis jetzt
nur einmal gesehen und zwar in der Pariser Sammlung.
1) P. Draco, Linn. Bloch. 109. Fig. 1. (Eine nicht
exakte Abb.).
2) P. volans Linn. = P. laternarius, Cuv.
3) P. natans Linn. natans et volans , Rieh. Voy. of
Sulph. t. 50. 5—10. P. pristis, Blkr. Gron. zooph. 356. 1. 12.
Fig. 2. 3.
Die Bloch'sche Abbildung ist sehr ungenau.
UI. Farn. Syng^natliidae Kp.
Die Kiemenöffnung klein, hoch am Ende der seitlich ge-
legenen Kiemendeckel. Brustflosse fehlend, oder wenig ent-
wickelt. — Keine Bauchflossen. Rudimentäre Analflosse, oder
fehlend.
1. Subf. Hippocarapinae Kp.
Der Schwanz ist meist Wickelschwanz ohne Flosse. Hin-
terkopf erhöht meist mit Stacheln.
Meist Stacheln über den Augen und am Brustring.
1. Genus. Uippocampus Cuv. lieber den Augen
Kiemendeckel und am Brustring Stacheln oder vorspringende
Knöpfe. Körper siebenseitig mit 10—13 Ringen; Seilenlinie
•unterbrochen. Occipitalbein mit einer mehr oder weniger
entwickelten Krone. Sie gleichen den Pferdchen (Springer)
im Schachspiel und sind sehr pittoreske Figuren. Schwanz-
tasche der M. nur am Anfang geöff'net.
1) H. brevirostris Cuv. Yarrell. Willughby J. 25. 3.
(Nicht sehr genau).
2) H. japom'cMS Kp. , brevirostris T. et Schi. Fauna jap.
Leyden.
3) H. fasciatus Kp., brevirostris T. et Schi. Fauna jap.
Leyden.
4) H. Lichtensteinii Kp. Berliner. Mus. 3. Ex. (Woher?).
5) H. guttulatus Cuv., antiquorum Leach. Bl. 109. 3.
Uebersicht der Lophobranchier. ^^9
Hat eine grosse Verbreitung, findet sich in Südamerika, in
der Nähe der Insel Bourbon etc.
6) IL ramulosus Leach. Zool. Mise. 1. 105. t.47. Lowe-
Madeira p. 5. t. II. ^. Fast der ganze Körper mit fleischigen
astähnlichen Haulläppchen bedeckt. Der H. fuscus,Rüpp. seu
obscurus H. et Ehrenb. des Berliner Museums sind Ex. ohne
diese entwickelten Hautauswüchse.
7) H. taeniopterus Blkr. Steht nahe zu ramulosus.
8) //. comes Cant., longirostris, Leydn. Mus. Kuda, Blkr.
Eine der grösslen Arten. Ohne vollkommene Seilen wird
man aus den jungen und alten Individuen Arten machen. Ich
werde eine Reihe von Köpfen dieser Art geben , um diesem
Fehler vorzubeugen.
9) H. longirostris Cuv. Südamerica und seine Inseln.
Die von Cuvier cilirteAbb! ist so gering und ungenau, dass
mfln auch den comes in ihr erkennen kann.
10) R. algiricus Kp. dem longirostris verwandt. Paris.
11) U. punctulatus Kp. Westafrica. Leyden.
lÜ) H. mawww/wÄ.CantorMal.Fish. p. 1370.Tab. XI.1.($)
Sehr gemein in China und in vielen Sammlungen. Kenntlich
an dem hakenförmigen Dorn, am untersten Rand des Brust-
ring^es.
13) H. mohiccensis Blkr. Nat.Tyd sehr." vor Nederl. Ind.
Jahrg. III. secl. 3. p. 77. Paris , Leyden. Paris besitzt ein
Männchen mit nur 10 Körperringen (11 ist die normale Zahl),
längerer Schnauze und weniger vorspringerder Brust und Bauch.
Bei guttulalus fand ich ähnliche Abweichungen, ohne dass
sie Arten bilden. Dieses Individuum kam mit andern von
der Insel Bourbon.
14) H. marginalis Heck. Mexico, Wien.
15) H. fascicularis Heck. Mexico, Wien.
16) H. laevicaudatus Heck. Die Rückenflosse auf 5
Ringe. Nordamerika, Wien.
Mehr isolirt ist:
17) H. coronatus T. et Schi. F. jap. PI. 120. Fig. 8. (^}.
Ausgezeichnet durch die hohe Krone auf dünnerem Stiel. 5
Exemplare. Leyden.
Ebenso isolirt ist:
18) fi. histrix Kaup. Mit sehr entwickelten Stacheln
230 .-m.: Kaup:
und einer dünnen Schnauze, die länger ist als der Kopjf.
Paris, Leyden, Japan. Ich werde sie abbilden.
Abweichend durch sehr lange Rückenflosse ist:
19) H. abdominalis Less. Ferr. Bull, de Sc. XL 127.
Wird ziemlich gross und hat sehr vorspringenden Bauch.
24 — 26 Strahlen in der Rückenflosse auf 5 — 6 Ringen sitzend.
Körper normal mit 12, abnormal 13 Ringen.
b. Subgenus Acentronura Kp.
Die Rückenkante läuft in derselben Linie mit der obe-
ren Schwanzkante. Keine Vorsprünge noch Stacheln.
20) H. gracilissimus T. et S. F. jap. p. 274. T. 120. 7.
2. Gen. Gasterotokeus Heck., Sygnathoi^
des Blkr.
Die Seitenlinie bildet die Ränder des breiten Bauches.
Keine Nackengchuppe. Wickelschwanz. Die Männchen tra-
gen die Eier, wie die Nerophinae, auf Brust und Bauch in
Reihen. Nach dem ganzen Totalhabitus gehören sie hierher
und nicht zu den Nerophinae, welche sie wahrscheinlich re-
präsentiren.
G, biaculeatus Heck. Bl. t. 121. 1. Syngnathoides Bio-
chü Blkr. Gemein in Indien und China.
3. Gen. Solenognathus Swains.
Der Körper höher als breit mit 22 — 26 Ringen. Wickel-
schwanz. Die längste und grösste der ganzen Familie.
S. Hardwickii Sw. Syngn. Ind. Zool. pl. 89. 3. gute
Abbild. Gemein in Indien und China.
4. Gen. Phyllopteryx, Swains. Mit knochigen
Auswüchsen am Körper und Schwanz, die mit
blätterarligen Anhängen verziert sind.
P. foUatus Sw. , Syngn. fpliatns , Shaw, taeniopterus
Lac. Lacepede , Abbild, in den Ann. d. Mus. IV. T. 58. 3.
zeigt eine kürzere Schnauze u. s. w. Ich halte sie für eine
misslungene Abbildung und nichts spricht dafür, dass sie eine
neue Art darstellt. Alle im Pariser Museum gehören einer
und derselben Art an.
So viele Individuen ich auch von letzteren beiden Ge-
Uebersicht der Lophobranchier. S31'
nera, meist jedoch in trocknen Exemplaren , gesehen habe,
so fand sich an keinem weder Bauch- noch Schwanztasche,
noch Narben an Brust und Bauch für die Eier. Ich weiss
dther nicht, auf welche Weise diese Genera ihre Eier aus-
brüten. Diess zu ermitteln wäre eine interessante Aufgabe
für indische und neubolländische Zoologien.
2. Subf. Syngnathinae Kp.
Keinen Wickelscbwanz , Schwanztasche von Anfang bis
zum Ende der Länge nach gespalten.
1. Gen. Halicampus Kp.
1) H. Grayi Kp. Neuholland. London, Paris.
2. Gen. Trachyrkamphus Kp.
2) Tr. $erra(us Kp. , S. serratus T. et Schi. Fauna jap.
t. 120. flg. 4. Rüssel t. 30. Leyden, London, Paris,
3) Tr, longirostris Kp. China, London.
4) Tr. intermedius Kp.? China oder Japan. Paris.
S.Gen. Corythoichthys Kip.
5) C, albirostris Heck. Mexico, Bahia. Wien, Stuttgart.
6) C. fasciatus Kp., S. fasciatus Gray. Ind. Zool. 89. 2.
haematopterus Blkr. , pictus et gularis H. et Ehr. Berl. Mus.
7) C. vittatus Kp., S. mttatm Bibr. Paris, Brasilien.
8} C. faseiculatus Kp. Paris. Kam unter dem irrigen
Namen Micrognathus Kühl u. v. Hasselt in die Pariser Samm-
lung. Java.
9) C. brevirostris Kp. , S. brevirostris Rüpp. Neue
Wirbellh. Frankfurt, Berlin, London, Stuttgart. Rothes Meer.
4. Gen. Ichthyocampus Kp.
10) Belcheri Kp. China, Borneo, London, Leyden.
11) Carce Kp., S. carce Ham. Gang. Fish. p. 13. Gray's
Ind. Zool. y S. platygnathus Kp. et v. Mass. Indien , Java,
Leyden. ''^"'^
12) Potidicerianus Kp., Typhlus ponticerianus Bibr. Pa-
ris, Berlin.
5. Genus Syngnathus Linn.
13) B. argyrosHctns K. et v. Hass, Java, Leyden.
232 .vAiifinmi\- Knu^if fAfii^n^^i
14) S. hiseralis Gray. Indien/ London.
15) S. spicifer Rüpp. Rothes Meer. Frankfurt, Paris,
Leyden.
16) S. Kuhlii Kp., S. variegatus Kühl et v. Hasselt.
Java, Leyden.
17) S. flavescens Kp. Tripolis, Leyd. Mus.
18) S. pelagicus Linn. El. 109. 3. Gemein, in allen Mu-
seen, verbreitet über die ganze Erde.
19) S. Temminckii Kp. Cap. Leyd. Mus.
20) S. brevirostris H. et Ehrenb. Triest, Berliner Mus.
21) S. Agassizi MichvLh. Isis 1829. p. 1013., bucculentus
Rathke, v. Nordmann in Demidoffs Voy. pl. 32. 3.
22) S. Cuvieri Kp. Viele Exempl. von Katwjik in der
Leydener, 1 männliches Indiv. in der Pariser Sammlung.
23) S. Abaster Risso H. N. p. 182. von Rochelle. Pari-
ser Museum.
24) S. Muraena Kp., Typhlus obsoletus Bibr. London,
Paris, nördL Afrika.
25) 8. Rousseaui Kp. Martinique, Paris. Mus.
26) S. Phlegon Risso. p. 18 t. Adriat. Meer, Cap.
27) S. Acus Linn. Bl. 91. Yarrell. 432. Linne mischte
die Synonyme mit Siphonostoma typhle auf eine fast unlös-
iche Weise , und viele ältere Autoren beschrieben Typhle
unter dem Namen S. Acus.
28) S. brachyrhynchus Kp. Insel Bourbon, Par. Mus.
29) S. variegatus Pall. Schwarzes Meer. Paris, Berlin.
30) S. rubescens Risso, ferrugineus Mich. Isis 1829.
1013. Adr. und mittl. Meer, Cap. Unzählig in der Pariser
Sammlung.
31) S. tenuirostris ^Mke. v. Nordmann in A. de De-
midoffs Voy. t. 11.2. Syngr. Acus, Michah. Isis 1829. p.I012.
32) S. fasciatus Jam. et Kay. N. York ZooL fig. 174.
33) S. Delalandii Kp. , Typhlus Delalandii Bibr. Cap.
Pariser Mus.
34) S. Schlegeln Kp., S. tenuirostris T. et Schi. F.
jap. 120. 5.
6. Genus Leptonotus Kp.
35) L. Blainvillei Kp. , S. Blainmlleanus Eyd. et Gerv.
Uebersicht der Lophobranchier. 233
Guer. Mag. Zool. IV. t. 16. Peru, Chili, Aucklandsinseln, Neu-
seeland. Paris, London, Berlin.
36) L. semistriatus Kp. Woher? London.
7. Genus. Siphonostoma Raff.
37) S. pyrois Bp. Nizza. Wien.
38) S. typhle Kp. In allen Museen. Nördl. Meere.
39) S. Rondeleii. Miltelmeer. Grosse Zahl in dem Pa-
riser Museum.
40) S argetitatumB]}.^ S. argentatusFaU. v. Nordmann
in Demid. Voy. Schwarzes Meer. Wien, Paris, Berlin.
41) S. rotundatum Bp., S. rotundatus Mich. Isis 1829.
p. 1014. Triest. Paris, London, Wien.
8. Genus. Leptoichthys Kp.
Es ist bis jetzt zweifelhaft, ob dieses Genus hierher
gehört.
42) L. fistularius Kp., Typhlus fistularius Bibr. Port
du Roi George. Ein Weibchen in dem Pariser Museum. Aus-
gezeichnet durch die lange Schnauze und langen Körper mit
27 Ringen.
9. Genus. Stigmatopora Kp.
Ohne Schwanzflosse. Körper von oben plattgedrückt.
43) Stigm, Argus Kp., S. Argus Richards. Neuguinea,
Tasmania, London, Paris.
St niger Kp. Tasmania. Paris. Mus.
3. Subfam. Doryrhamphinae Kp.
Die Männchen mit Taschen an der Brust und dem Bauche,
statt am Schwänze.
1. Doryrhamphus Kp.
2) Doryrh. excisus Kp. , S. exisus H. et Ehr. Rothes
Meer. Paris, Berlin.
2. Choeroichthys Kp.
2) Ch. Valencienni Kp. Bourbon. Pariser Mus.
3. Doryichthys Kp.
3) D. bilineatus Heck. Wien.
4) D. spinosus Kiß., S. spinosus Schleg. Java, Borneo,
Macasser. Leyden, London, Paris.
5) 1). Hasseln Kp. , S. flumatilis K. et v. Hass. Java,
Taiti. Leyden, Paris.
234 Kaup: Uebersicht der Lophobranchier.
) 6) D. pristipeltis Heck. Wien.
7) D. lineatus Kp., S. Uneatus Val. Paris, Berlin, von
Bahia, Mexico, Guadeloupe.
8) Z>. millepmctatus Kp. Madagascar. Paris. Mus.
9) D. aculeatus J. Gray, Egypten. Britt. Mus.
10) D. auronitens Kp. Macasser. Leyden. Mus.
li) D. Dumerilii Kp. Woher? Paris. Mus.
4. Hemimarsupium Kp.
12) H. Goudotü Kg., Typhi Goudotii Bibr. , S. micro-
gnathtis et compressus K. et v. Hass. Java, Madagascar.
4. Subf. Nerophinae Kp.
Die Männchen tragen die Eier in Längsreihen an Brust
und Bauch ohne Taschen.
1. Microphis Kp.
1) M, deocata Kp. , Syngn. deocata. Hamilt. Gang. Fish,
p. 14. J. Gray Ind. Zool. Ich kenne diesen Fisch nicht in
der Natur.'
2) M. cuncalus Kp.,- Sy. cuncalus Harn. p. 12. No. 1.
Typhlus Dussumierii Bibr. Par. Mus. Von Malabar, Calculta.
Par. Mus.
2. Nerophis.
a. Mit rudimentärer Schwanzflosse.
3) Anguinaeus Kp. S. ang. Jenyns Cat. Br. Vert. Yarrell.
p. 445. Bloch.pl. 91. (Bloch übersah die Schwanzflosse. Lond.
4) Hecheln Kp. Bogota. Wien.
5) Äequoreus Kp. Nordsee. London, Leyden, Paris etc.
6) Martinicensis Kp., S. martinicensis Bibr. Paris.
7) Hymenolmus Kp. Syngn. hym. Rieh. Er. et Terr.
pl. XXX. fig. 11—13. Falklandsinseln. London.
8) AnnulatusK^., annulatus, fasciatus et papacinus Riss.
185 — 187. Mittelmeer. Paris, London, Leyden, Wien, Berlin.
9) Lumbriciformis Bp., S. lumbrici f. Y^rr., ophidion Penn.
Nordsee, Spanien. London, Paris.
10) Ophidion ßp., S. ophidion Linn.
11) Teres Bp. , Scyph. teres Rathke. Schwarzes Meer.
Wien, Paris. Mus.
Die organischen ülissbilclungen der glatten
ScIiiieeKensciiale.
Von <
»r. O. O. Piper
in Bernburg,
Die bekannte Theorie , welche in Missbildungen und
Krankheiten des einen Organismus dieselben Formen und Pro-
cesse wiederfindet, die einem andern Organismus normal sind,
findet eine für den Zoologen merkwürdige Bestätigung in
den organischen Missbildungen der glatten Schneckenschale.
Ich habe auf diesen Gegenstand schon länger meine Auf-
merksamkeil gerichtet, und im Laufe der Zeit unter den ge-
meinen Helixarten so viele und auffallende Missbildungen ge-
funden, dass ich — so weit diess die unveräusserlichen Ei-
genthühmlichkeiten der Helixschale zulassen — fast jeder
Form der einschaligen freigewundenen Conchylie eine bald
unförmlicher bald zierlicher entwickelte Missbildung eines He-
lix gegenüberstellen kann. Die erste Ursache aller MissbiU
düngen der Schale ist wahrscheinlich eine traumatische. Ich
unterscheide : a. mechanisch traumatische Missbildungen, wel-
che entstehen, indem Depressionen, Fissuren, Frakturen und
Substanzvcrluste der Schale eine Abweichung fordern , wel-
che der an sich regelmässig fortgebildeten Schale eine ab-
norme Gestalt giebl; b. organisch traumatische Missbildun-
gen, welche durch Verletzung der Weichtheile bedingt wer-
den, und welche, entsprechend der fortschreitenden Heilung
der Wunde und Abflachung der Narbe , stufenweise verlö-
schen, bis sie unmerklich in die natürliche Ebene der Schale
übergehen; c. organische Missbildungen, weiche A durch
236 Piper:
gleichmässigen Bestand eine bleibende Formveränderung der
Weichtheile, oder B durch wachsende Dimensionen eine sich
entwickelnde Desorganisation bezeichnen. Die Beobachtun-
gen knüpfen sich an eine Zahl von 6 — 700 missgebildeten
Schalen des Helix arbustorum.
1. Die weisse Linie ist das Zeichen der ober-
flächlichsten Störung. Sie folgt bald in streng elliptischer
Schwingung, bald in wellenförmigen Biegungen der Richtung
des Umgangs. Bald ist nur eine Linie vorhanden, von der
Breite eines Fadens bis zu der eines Strohhalms; bald sind
deren mehrere, bald ist der ganze Umgang, oder ein beträcht-
licher Raum desselben mit feinen weissen Linien bedeckt.
Im letztern Falle sind die Zwischenräume der weissen Linien
dunkel gefärbt, oder gefurcht. Die weisse Linie tritt entwe-
der ursprünglich auf , oder sie erscheint als die letzte Spur
einer andern Missbildung.
2. Die einfache Furche; ein scharfer Eindruck,
wie von der Schneide eines Messers, in der Regel von dunk-
lerem Pigmente ausgefüllt. Oft verschwindet die Furche
sehr schnell spurlos, oft geht sie in die weisse Linie über,
oft entwickelt sie sich in Breite und Tiefe, und bildet dann
an der inneren Wand der äusseren Lippe eine merklich vor-
springende Kante, und an der Lippe selbst einen Zahn. Die
Richtung der Furche ist mitunter scharf elliptisch , am häu-
figsten undulirend. In der Regel bildet die Schale zu beiden
Seiten der Furche mehr oder minder merkliche Convexitäten;
wenn sich aber die Furche in der Nähe der Naht befindet,
bildet sich eher eine stumpfe winkelförmige Erhebung, in
deren Scheitel die Furche verläuft.
3. Die doppelte Furche hat alle Eigenschaften
der einfachen , indessen liegt mir kein Beispiel vor , dass
sie so schnell verschwindet. Sie geht oft in zwei weisse
Linien über. Oft ist der Zwischenraum beider Furchen von
Anfang an weiss gefärbt. In einem Falle sind beide früher
ursprünglich gleich tief und breit, dann verfeinert sich die
eine bis zum spurlosen Verschwinden , während die andere
wächst, auf der inneren Wand der Schale eine beträchtlich
vorspringende mit stärkerer Glasur bedeckte Kante bildet und
in einen starken Zahn ausläuft.
Die organischen Missbildungen der glatten Schneckenschale. 237
Die Furchen wiederholen sich gleich der weissen Linie,
indem sie bis zu unzählbarer Menge den Umgang bedecken.
4. Die gefiederte Furche. Die Furche ist auf
einer Seile oder beiderseitig mit dichten schräg laufenden
Falten begleitet. Die Form dieser Fallen ist häufig die, wie
sie ein stumpfes Messer auf Papier hervorbringt, oft gleichen
sie Federfahnen und gefiederten Blättern. Die gefiederte
Furche ist in ihrer stärksten Entwicklung mit Verlust der
Oberhaut begleitet, und wird dann allmählig schmäler, bedeckt
sich mit Oberhaut, behält aber eine scharf begrenzte helle
Färbung. Sie tritt an die Stelle anderer Missbildungen, und
geht, ihrerseits schwindend, bald in die einfache Furche (2)
bald unmittelbar in die weisse Linie (1) über. Die Länge
der die Fiederung bildenden Falle beträgt Vj— 3 Linien. Tritt
diese Missbildung in die Nähe der Naht, so bilden die FaW;
ten zwischen der Furche und der Nath eine starke Convexi-
tät ; was ich in anderen Breiten des Umganges nicht bemer-
ken kann.
ö. Die gekielt gefiederte Furche. Die dop-
pelte Furche (3) ist zu beiden Seiten gefiedert. Der von
der doppellen Furche eingeschlossene Raum tritt oft stark
hervor; um so merklicher, wo in der Fiederung weniger
die convexen Falten, als die dunkelgefärbten Furchen in die
Augen fallen. Der Kiel verläuft bald undulirend, bald scharf
elliptisch, besteht bald unverändert, und verschwindet bald
so allmählich, dass der Punkt, wo die gegenwärtige Form in
die gefiederte Furche (4) übergeht, selbst mit demVergrös-
serungsglase kaum zu bestimmen ist.
Auch diese Form bedeckt oft die ganze Breite des Um-
gangs, wobei der Kiel nur einseitig gefiedert erscheint , in-
dem die Fallenreihen und Kiele regelmässig abwechseln. Da-
zwischen trilt auch die gefiederte Furche ein. Bei einem
Exemplare steht die letztere in der Nähe der Naht, und bil-
det dort einen so slarken Eindruck, dass sich auf der inne-
ren Wand der Schale ein scharfer Kiel, und auf diesem noch
eine Reihe körniger Erhebungen zeigt. Die letzleren enlsle-
hen daher, dass die Furche an den Punkten , wo die schrä-
gen Falten austreten, stärker verlieft ist. Die gekielten Rei-
hen lassen auf der inneren Wand keine Spur zurück.
238 Piper: « ii»jb«^üflö m
.irtt« ö. Die gerippte doppelte Furche. Der Zwi-
schenraum beider Furchen ist mit feinen Ouerfurchen aus-
gefüllt, welche bald schräg, bald rechtwinkelig verlaufen, und
ist oft weiss gefärbt. Auch diese Bildung bedeckt mitunter
die ganze Breite des Umgangs. In diesem Falle tritt das-
selbe ein, was beider einfachen Furche stallfindet (2), wenn
sie in der Nähe der Naht verläuft, und der Umgang erhält
Longitudinalkanlen. Das einzelne gerippte Band zeigt öfters
eine Convexilät. Bei einem Individuum ist die gerippte dop-
pelte Furche 3 Linien breit, und dicht an der Naht. Die
einzelnen Rippen sind hieri)ei sehr breit und scharfkantig auf-
gerichtet ; dies in fortschreitender Entwicklung , so dass die
anfänglich vorherrschenden begrenzenden Furchen unsichtbar
werden. Ich muss bei dieser Gelegenheit bemerken , dass
alle Missbildungen in der Nähe der Naht besonders grosse
Dimensionen anzunehmen scheinen. Obwohl unsere dünn-
schaligen Schnecken, welche die innere Lippe durch eine bis
zurUnsichtbarkeit dünne Schmelzlage bezeichen, hierdurch zei-
gen, dass sie von Natur in den entsprechenden Raumtheilen
des Mantels sehr wenig Stoff erzeugen, so scheint doch schon
eine einfache Verwundung hinzureichen , gerade in diesen
Theilen eine stärkere Produklionskraft zu wecken. Es lie-
gen mir einige Individuen vor, bei denen der letzte Umgang,
ohne Zweifel durch plötzlichen Druck , grösstentheils abge-
trennt, dann aber wieder angewachsen ist. Der schemati-
sche Umriss einer solchen Schneckenschale gleicht beiste-
hender Figur: a ( )~) b. bei a ( ) ist das unverletzte Ge-
winde, bei ) b der abgetrennte Umgang; die eine gerade Li-
nie bezeichnet die nach der Verletzung vorhandenen Bruch-
stücke, welche hingereicht haben, die Lücke seitlich auszu-
füllen; die andere gerade Linie bezeichnet den später erzeug-
ten Theil des Umgangs, welcher sich zu der Spindel zurück
wendet, Der bedeckte Nabel ist hierbei, anstatt durch einen
vertieften Punkt, durch eine Furche von ansehnlicher Länge
bezeichnet. Die beschriebene traumatische Missbildung ist
wahrscheinlich dadurch bedingt , dass sich bei der Quet-
schung der Schneckenschale einzelne Bruchstücke in einan-
der klemmen, so dass sie weder abfallen, noch in die nor-
male Mündung zurückkehren. Die Schalensubslanz , welche
Die organischen Missbildungen der glatten Schneckenschale. 239
2u Ausfüllung der Lücke von der Naht bis zu dem allen Um-
gänge erzeugt ist, hat keine Oberhaut^ steht aber, dem Au-
genschein nach zu urlheilen, der übrigen Schale an Stärke
keineswegs nach. Man ist geneigt, es hiermit in Verbindung
zu bringen, dass die Missbildungen der Naht in den gröss-
sten Dimensionen statthaben, und durch einen Aufwand von
Substanz bezeichnet sind;, welcher mit der durch das winkd-
förmige Zusammenstossen der inneren und äusseren Lippe
bedingten Stoffanhäufung in keinem Verhältniss steht.
7. Die gefiederte Furche mit geripptem
Kiel; eine Complication der Formen 5 und 6. Die Breite
des Kieles beträgt bisweilen über 2 Linien, und er hat darin
mehrere Längsfurchen, durchweiche die Rippen gebrochen sind.
8. Der gekörnte Streifen. Ich begreife unter
diesem Namen manchfallige schwer zu bezeichnende Formen.
Einige Male zeigt die gerippte Furche (b) eine allmähiige
Erhebung und weitere Abgrenzung der Rippen, bis sich kreis-
förmige Erhebungen bilden. Oefter zeigen die Erhebungea
eine longiludinale Verschmelzung, so dass der Streifen einer
Schnur oder Flechte ähnlich sieht. Das Relief des Streifens
ist oft von bedeutender Höhe. In der Nachbarschaft der
Naht bildet derselbe eine sehr ausgeprägt gekrönte Windung.
In einem Falle ist hier der Streifen, bei sehr dunkler Fär-
bung der übrigen Schale , bläulich weiss. In einem Falle
entwickeln sich die Körner zu dem Durchmesser eines Senf-
korns, indem sich zuerst eine feinkörnige Erhebung zeigt,
dann die Körner schärfer hervortreten , als Endpunkte von
Querfalten, die sich bis zur Naht erstrecken. Sodann bildet
sich ausserhalb des gekörnten Streifens eine Furche* Diese
Furche wird gefiedert. Jenseit eines unregelmässig gefalte-
ten Zwischenraums (über welchen jedoch der gekörnte Strei-
fen unverändert hingeht) erscheint an der Stelle der gefie-
derten Furche (4) die gerippte doppelte (6) und gefiederte
(7). Ausserhalb dieser erscheint eine zweite gefiederte ge-
kielte Furche. Endlich erscheint zwischen diesen beiden eine
tiefe Einschnürung, welche bis zur Mündung verläuft. Ge-
gen das Ende nehmen die Höcker eine halbmondförmige fal-
tenähnliche Gestalt an.
9. Die rauhe Furche. In der Breite von 2—4
240 Piper:
Linien ist die Schale von Oberhaut und Pigment entblösst,
und unregelmässig gerippt oder gekörnt. Die Missbildung
besteht entweder von Anfang bis zu Ende unverändert, oder
sie bildet sich aus der gefiederten Furche, oder sie erlischt.
Das letzlere geschieht auf doppelte Weise. Die Unebenhei-
ten werden regelmässiger, und es bildet sich, indem die Fur-
che zugleich schmäler wird , eine gefiederte Furche. Oder
die Furche glättet sich^ bleibt in unveränderter Breite, ihre
beiden Grenzen werden gefiederte Furchen, und der Zwi-
schenraum wird, bis auf einige Convexität , normal. Nicht
seilen hat der Umgang zwei breite rauhe Furchen , deren
Grenzen und Zwischenräumen mit den Formen 1—7 auf die
mannichfaltigste Weise bedeckt sind.
Wenn die rauhe Furche sich an der Naht befindet , so
senkt sich die Naht nach der Basis, so dass der Umgang
durch Verringerung seines Höhendurchmessers an Convexität
zunimmt. In Zwischenräumen von Va — 1 Linie sucht sich
das Thier immer wieder dem alten Ansatzpunkte zu nähern,
so dass die Naht keine gerade verlaufende, sondern eine fein
gezähnelte Linie bildet. Die Unebenheiten der rauhen Furche
treten oft an der äussern Grenze markirter hervor, und bil-
den eine Art gekröntes Gewinde. Wenn die innere Grenze
der rauhen Furche 2— 3 Linien von der Naht entfernt bleibt,
so pflegt sich zwischen derselben und der Naht eine scharf
gefiederte Furche zu bilden. Wenn sie in der Nähe der Ba-
sis verläuft, so bildet die letztere einen stumpfen Kegel, des-
sen Spitze der Nabel ist.
10. Die rauhe Furche mit aufgeworfenem
Rande. Der eine Rand der Furche bildet oft einen stark
verspringenden scharfen Rand. Da die Furche ohne Pigment
ist, so erklärt es sich leicht, dass dieser Rand intensiv ge-
färbt zu sein scheint. Wenn sich diese Form in der Nähe
der Naht befindet, so bildet sie eine sehr concave Rinne, de-
ren äusserer Rand bald stumpf gefaltet, bald sehr scharf ist.
Die Höhe dieses vorspringenden Randes entspricht fast durch-
gängig der Linie, in welcher die Naht verlaufen sollte, wäh-
rend die Naht beträchtlich tiefer herabsinkt. In einem Falle
ist die Naht in die unmittelbare Nähe des Nabels herabge-
rückt j wobei der scharfe Rand der Furche gegen 4 Linien
Die orj^anisdien Missbil(lun<:;fn der glallcn Schncckenschalt'. 541
von der Nolil entfernt isl. Dieser Rand hält das Nivean der
normal verlanfenden Nulh anlänglich inne , senkt sicii aber
<laini, und slrebt wieder iiuCwärls. Hierbei bildet die Mün-
dung immer in Zwiscbenräuinen von einigen LiniiMi Ireisle-
liende Winke), da der Umgang sieh nicht in di-r angebnha-
ten Fläche lorlselzt, sondern an der inneren Wand der äus-
sercfi Lippe neue Anliallspunkte sucht.
11. Die Einschnürung. Schon die rauhe Furche
ist oft mit einer merklichcni Verengung des Umgangs ver-
bunden. Die Striktur zeigt jederzeit Mangel der Oherhaut
und des Pigmentes, aber nicht die Regellosigkeit der vorigen
Form, sondern einen tiefen, stumpferen oder schärleren
Einscliuilt, der regelmäfsige Fallen zu beiden Seilen hat. Pig-
ment und Oberhaut fehlen oft nur in der ßreile einer Linie,
in der Tiefe ilcs Einschnittes , oft fehlen sie nocli weit hin-
aus auf beiden Convexiläten. Die Striklur ist zuweilen äus-
serlich auiTallender als die Nähte des Gewindes, zumal wo die
Einschnürung so gerichtet ist, dass die obere Convcxi tat von
der unteren seitlich überragt wird. Die äussere Lippe hat
an der der Einschnürung entsprechenden Stelle bald einen
Zahn, bald ist sie lappig ausgedehnt, bald ist sie scharf ein-
gezogen, so dass der Rand zu beiden Seiten des Einschnittes
convex ist. Die letztere Form entspricht unmittelbar der
Richtung der Falten, welche der Striktur ein gefiedertes An-
sehen geben. Wo die Lippe sich in einen Lappen ausbrei-
tet, sieht man deutlich, dass zuerst die so eben beschrie-
bene Form bestanden hat, und sodann der Ausschnitt aus-
gefüllt worden ist, ohne dass die übrigen Theile des Ran-
'des noch sichtbaren Antheil am Wachsthumc genommen
^habeii.
12. DerKieL Ich nenne Kiel eine winkellörmigc
'longiludinale Erhebung, deren Niveau zwischen die Naht des
'belrefTenden Umgangs und die Basis fällt. Der Kiel unter-
scheidet sich von dem gekörnlen Streifen ^8) durch das ein-
fach winkelförmige Zusammenslossen zweier Flächen, wodurch
Jede besondre Formalion derMittellinio ausgeschlossen wird;
von der gerandeten rauhen Furche (10) dadurch, dass die
beiden Flächen, welche den Winkel bilden, regelmässig ge-
bildet und mit Oberhaut bedeckt sind. Der gekielte Umgang
Aicluv f. N.Uurgesclj. XIX Jalirg. l.Ud. lÖ
242 Piper:
gehört zu den sellneren Missbildung-en. Bei zwei Individuen,
welche denselben besonders ausgebildet zeigen, entwickelt
er sich beide Male aus der einfachen rauhen Furche (9).
Bei dem einen ist es die obere Grenze der rauhen Furche,
welche sich scharfkantig erhebt. Die Erhebung wird noch
vorspringender durch eine flach gerippte Furche, welche sich
zwischen ihr und der Naht befindet. Die rauhe Furche hat
sich dabei in einen weissen Sireifen verwandelt , welcher
nach der Mündung zu diagonal (!) von einer einfachen Furche
durchschnillen wird. Das andere Mal bildet sich der Kiel
aus der unteren Grenze der rauhen Furche; diese verwan-
delt sich in zwei weisse Linien , deren Zwischenraum mit
fein gerippten und gefiederten Furchen bedeckt ist.
13. Der rauhe Umgang. Die ganze Fläche des
Umgangs ist ohne Oberbaut und Pigment. Bald sind die
Unebenheiten körnig und bauchig, und beschränken sich mit
der Zeit auf eine rauhe Furche, oder gehen in eine völlig
normale Flä(he über; bald sind sie wie zusammengeschoben
und spliUerlg rauh, und scheinen in diesem Falle immer un-
verändert fortzugehen.
14. Der gerippte Umgang. Die Fläche des Um-
gangs ist rauh, aber die Unebenheiten sind von so geringer
Dimension, dass sie die Regelmässigkeit der Wölbung nicht
stören. In kleinen Zwischenräumen erheben sich die mit
Oberhaut und Pigment bedeckten Rippen, bald aufgerichtet,
bald platt liegend.
t,m1 15. j)er genarbte Umgang. Zwischen unregel-
mässigen feinen Eindrücken und Hervorragungen, welche den
ganzen Umgang bedecken, lassen sich alle Formationen 1 — 8
entdecken. Piirmenl und Oberhaut sind normal.
9tU
IVacliträg^licIie Bemerkuiis^en über cldu. ^^m^
von Pliyllirhoe. nth pu^
Von
Ilr. Rud. lüeuckaH*
In den Frühlingsmonaten dieses Jahres habe ich walirend
eines längern Aufenlhalles in Nizza mehrmals Gelegenheit ge-
habt, den mitlelmeerischen Repräsentanten des Genus Phyl^
lirhoe, Ph. bucephalum Per., zu beobachten. Ich bin dadurch
in den Stand gesetzt, meine frühern — nur nach einem ein-
zigen Spiritusexemplare entworfenen — Mitlheilungen über
den Bau dieses sonderbaren Molluskengenus (vergl. dieses
Archiv 1851.1. S. 139.) in mehrfacher Beziehung zu erwei-
tern und zu berichtigen.
Die durchsichtige Körperwand unseres Thieres (die
bekanntlich ohne Falten oder Duplicaturen ist, und eine
schlichte Hulle darstellt, an der man keinen Mantel unterschei-
den kann, wie bei der grössern Mehrzahl der übrigen Schnek-
ken) bietet bei der mikroskopischen Untersuchung ein eben
so klares, als instructives Bild. Zu äusserst findet man eine
häutige Lamelle von feinkörnigem Aussehen, die hier und
da noch deutlich die Spuren einer früheren zelligen Beschaf-
fenheit erkennen lässt und mit einem uniformen Flimmer-
kleide bedeckt ist. An den Antennen und der Afleröffnunof
erreichen diese Flimmerhaare eine ziemlich beträchtliche
Grösse, während sie sonst nur klein bleiben und leicht über-
sehen werden können. Schon der Besitz dieses Flimmer-
kleides unterscheidet die Arten des Gen. Phyllirhoc von den
2^^ :.!ii!!y(i*I no7 nnJI i. Leuckarl:
Heleropoden, die desselben nach meinen Untersuchungen enf-
behren , während die Nackt- oder Haulkiemer, denen man
unsere Thiere hinzurechnen niuss, wie ich gezeigt habe, ganz
allgemein mit einem Flimmcrbesatze versehen zu sein schei-
nen *). Unter der Oberhaut liegt eine homogene Gewebs-
schicht von glasheller Beschaffenheit , gewissermassen die
Grundmasse der Körperwand, in welche die übrigen geformten
l^estandlheile, Muskeln, Nerven, Zellen u. dergl. eingelagert
sind. Unter den lelzlern fallen wegen ihrer Häufigkeit und
gleichmässigen Verbreitung namentlich gewisse kleine Kör-
perchen ('/iso'") auf? die durch Form und Aussehen einiger-
massen an die Eiterkörperchen erinnern und mit der Grundsub-
slanz der Körpervvand in einem genetischen Zusammenhang
zu stehen scheinen. Ich möchte diese Bildungen für soge-
nannte Bindegewebskörperchcn halten und damit die Sub-
stanz, in welche sie eingelagert sind, für eine sehr einfache
Form des Bindegewebes erklären. Hier und da habe ich auch
beobachten können , dass sich die betreffenden Körperchen
an ihren Polen in eine zarte Faser von geschlängcltem Verh»
I^Vfe ausziehen. ■•
v:> Die Längsmuskelfascrn, die, w^ie ich schon früher be-
schrieben habe, bündelweise (zu 2 — 8) zusammengruppirt
sind, messen durchschnittlich etwa '/i^o'" und enthalten einen
körnigen Inhalt , der mitunter das Bild einer unvollständigen
Querslreifung hervorruft. Ausser diesen Längsmuskelfasern
iindet man übrigens noch andere augenscheinlich muskulöse
Fasern, die sich freilich durch ein homogenes blasses Aus-
sehen und eine geringere Breite von den Längsmuskelfasern
auffallend unterscheiden. Sie verlaufen einzeln und in ziem-
lich regelmässigen Abständen vom Rücken nach den) Bauche,
kreuzen sich also unter ziemlich rechtem Winkel mit den
>^f,; , *} Dasselbe gilt üLvignis bekfiiintlicli für viele andere SeegaM
steropoden, auch, wie ich gesehen habe, für die Pteropodcn, bei de-
nen namentlich die Fliminerhaare der Flossenfläche durch eine sehr
ansehnliche Grösse und eine regelmässige Gruppirung zu förinlichent
Wimperkämmen sich auszeichnen (Creseis acicula). Dieselben Wim-
p'drkämme finden sich auch in der geräumigen Kiemenhöhle von'Cre-
seis, wo sie als „Wimperrackeln" bereits von J.Müller (Monatsber.-
der 13erl. Akad. Oktober 1852.) beschrieben sind. ' *^f^*
Nacilirjigllclie Bcinci klingen über den Hau von Pliylliihoc. 545
LüngsmiiskeHnsorn, bilden nbor, wie dicso, durch dicholomi-^
sehe Spalluncreu und Aiiaslomoseii ein zusainmeiihiingeiides
Netzwerk mit raiilenlörniigen Maschen. Ich ehuibc mich
auch rnchrnials mit Bestimmiheil überzoiro-l Xu haben, dass
diese (Jucnnuslveirascni als Seileiiäslo aus deu breiten Längs-i
muskellasern ihren Urs|jruni,r nehmen.
Zwischen diesen Muskelfasern verlaufen zahlreiche Ner-
venslämine, deren Uamiücalionen die ganze Körperwand durch-
setzen. Eigentliche Nervenfasern kann man in diesen Stäm-
men iiiciit unlerscheiden. Sie lassen nur eine zarte Längs-
slreifuiig erkennen , die sich noch dazu allmiihlig in den
leinern Aesten verliert, so dass es histologisch unmöglich
ist, einen solchen Nervenast von einer einfachen Faser zu un-
lerscheiden. In den Theiiungswinkeln der feinern Nerven,
liier und da auch sonst in dem Verlaufe derselben, beobachtet
man nicht selten eine kleinere oder grössere Anschwellung,
die sich durch körnigen Inhalt und eine kernartige Einlage-
rung als Product einer Zellenmetamorphose (Ganglienkugel)
zu erkennen giebt. Die Zweige dieser Nerven scheinen theils
für die Haut, Iheils aber auch für die Muskeln bestimmt zu
sein, lieber die letzten Endigungen der Haulnerven weiss
ich nichls Bestimmtes anzugeben. Sie werden durch fortge-
setzte Ramiücalionen immer feiner und lassen sich schliess-
lich von den übrigen Easerzügen nicht mehr unlerscheiden.
Was dagegen die Muskclnerven belrilTt , so kann man auf
das Schönsie beobachten , wie diese gewöhnlich unter rech-
tem Winkel auf eine Muskelfaser aufslossen, sich an der lie-
rührungsstelle flügeiförmig verbeilern und ohne Grenzen in
die Miiskelfaserschcide übersehen.
Die Pigmentzellen unseres Thieres sind scharf conlou-
rirlc si)h;irische Körperclien von 'Ao'" » d'^' einen grossen
hellen Kern ('/j,^"') mit Kernkörperchen besitzen und einen
körnigen Inhalt von bräunlicher Farbe einschliessen. Ausser
ihnen (und den Zellgewebskörperchen) findet man übrigens noch
andere zellenförmige Einlagerungen, die mir einer zwiefachen
Entwicklungsreihe anzugehören scheinen. Die einen dieser Zel-
len haben eine glashelie BeschalTenheit und eine Grösse von^j
yj,t,"'. Ihr Kern ist klein und an der Innenfiächo der ZeU.
Icnwandung angeheftet. Auf einem frühern Enlwicklungssla-
^^^ 'if»rfMf* mt (HiU .r» Leuckart:
dimn enihallen diese Zellen gleichfalls einen körnigen Inhalf,
der aber allinählig durch Ansammlung und Vergrösscrung
eines hellen Tropfens im Innern verdrängt wird. Die klein-
sten dieser Zellen haben eine einfach körnige Beschallen-
heit. Neben diesen Zellen liegen andere, die ein gleiches
Aussehen besitzen, sich aber durch endogene Bildung nach
und nach in grosse Zellenhaufen verwandeln und buckelför-
mig in die Leibeshöhle hineinragen. Diese Zellenhaufen
wachsen aliujählig bis zu '/ß'" und erscheinen dann schon
Ijei unbewaffnetem Auge als weissliche Flecke, die namentlich
in der liinlern KörperhäHle angehäuft sind. Von der Körper-
wand, in die sie ursprünglich eingebettet waren, haben sie
sich allmählig bis auf eine stielförmige Brut^ke, die sie damit
in Zusminnenhang erhält, vollständig abgetrennt. Ueber die
Bedeutung dieser Zellengruppen weiss ich Nichts anzugeben,
doch möchte ich sie kaum für Drüsenbälge halten, wie H.
Müller vorschlägt, der unsere Thiere inzwischen gleichfalls
untersucht hat (Zeitschrift für wissensch. Zool. IV. S. 336).
Ks scheint mir viel natürlicher zu sein, diese Bildungen als
ein Nahrungsdepot anzusehen und mit dem Feltkörper der
Arthropoden zu vergleichen.
-ßiy? fi^^ dem vordem Driltlheil des untern Leibesrandes be-
iVierkte H. Müller bei unserem Thiere nicht selten eine
^dünnhäutige, rundlich viereckige, flache Kuppel, die er An-
fangs für etwas Fremdartiges, etwa eine anhaftende Quölle
hielt.'' Ich habe bei meinen (vier) Exemplaren nichts Derar-
tiges aufgefunden, zweifle aber nach Müller's Angaben
nicht daran, dass sie auch hier urspünglich vorhanden wa-
ren und nur zufällig verloren gegangen sind , was ja (nach
H. Müller) mit grosser Leichtigkeit geschehen soll. Wenn
die Anwesenheit dieses Gebildes übrigens wirklich constant
ist, so dürfte dasselbe vieleicht — nach der Lage zu schlies-
sen — das Rudiment eines Fusses darstellen.
Was die Anordnung des N crve nsys t ems betrifft, so
will ich noch hinzultigen, dass die Körperwand unseres Thieres
jederseils von einem doppelten Nervenstamme versorgt wird,
von denen der eine dem dorsalen, der andere dem ventralen
Körperrande parallel läuft. Der Nervus lenta( ularis biklel bei
I*.
TVaclilingliche Bemerkungen ftl)cr di-n Hnu von l'hylliilioe. 247
seinoiu Kintrilt in die Aiilennen ein ziemlich orosses Gang-
lion, aus dem er als ein doppeller Slamin hervorkommt.
Die zahlreichen kleinen Oto 11 then sind zu einem dru-
senförmi^cn Körper vereini^rt, und werden , wie ich deullich
heobachlcl linbe, durch zarle Cilien auf der Innenwand des
Gehörbliiscliens in Bewegung geselzl. y•^\^'^>mK
Die M agen blind d arme von Ph. buccphaUim stnd
dadurch von denen der früher beobachteten Form verschie-
den , dass die hinfern verhältnissmässig eine sehr viel be-
IrJichllichnre Länge besilzen und durch eine slarke mittlere
Einschnürung in zwei Abschnitte*) zerfallen sind, von de-
nen sich die äussern der Längsachse <les Körpers mehr an-
nähern. Die Verbindungsstelle zwischen beiden entbehrt
(gleich dem ebenfalls verengten Wurzelende der Blinddärme)
des gelbli<;hbraun gefärbten Leberdrösenepitheliums. Die
Innenfläche der Blinddärme zeigt eine deulliche Flimme-
rung. Dasselbe gilt von dem Darme und der Afteröffnung,
jedoch sind hier die Wimperhaare sehr viel grösser und deut-
licher. Das untere Ende des Oesophagus^ das vor dem lir-
sprunge der Magenschläuche liegt, ist tlaschenförmig erwei-
tert und von mu!>kulöser Beschaffenheit. Ich möchte diesen
Abschnitt mit Eschscholtz jetzt für den eigentlichen Ma-
gen und zwar für einen Muskelmagen hallen. Auf die Pig-
mentirung des Oesophagus habe ich schon früher hingewie-
sen, ich sehe jetzt, dnss sie sich auf den ebenerwähnten
Magen beschränkt und (bei Ph. bucephalum wenigstens) von
einem schönen rosarothen Farbesloff herrührt. Dasselbe gilt
von der Pigmenliruiig A^^^ Aflerdarmes und Penis, die gleich-
falls eine sehr derbe muskulöse Bescluiffenheit haben.
In Betreff der Kre i si au fso r gane bedürfen meint*
frühern Millheilungen einer weseullichen Berichtigung. Das
Herz unseres Thieres bestellt, wie bei allen Gasteropoden, aus
*) Dasselbe ervvälmt aiuli Cantrainc (Mein, de I'Acad. de
Biux. T. Will) bei Ph. buecphalum, so dass mau es wohl als eharak-
lerisliseh liir dies«; Form ansehen darf. (Ph. bucephalum Soul, in der
Voyage de la Bonite Zool. PI. 24. Fig. 3., bei dem diese Bildung fehlt,
ist sonder Zweifel eine andere, von der Per on'sehen Form verschie-
dene An.)
M9 .9*<Hll!!^;rt%'W«:A Lcuckart:
einem Vcnirikol und einem Vorhofe, die von cincnfi zarlen
IViicardium iniiliüllt sind und durch Hülfe dieses Pericardiums
an der Inncnlläche des Manlels befestigt werden.
Die Grundsubslanz des Herzens besteht aus einer glas-
hellen und homogenen Membran, über die ein schönes Ma-
schennetz verästelter Muskelfasern ausgespannt ist. Ich kenne
kein überzeugenderes Bild von den Verästelungen und Anasto-
mosen der Muskelfasern, als dasjenige, welches hier (auch bei
Firohi u a.) geboten wird. Die Muskellasern bestehen ge-
wissermassen aus Stämmen und Zweigen; die erstem bilden
ein gröberes, die andern ein zarteres Netzwerk in den Ma-
schen der erstem. Vcrliof und Herzkammer besitzen im We-
senllicIuMi dieselbe Bildung, nur ist die Muskulatur der Herz-
Kamn>er begreiflicher Weise sehr viel dichter. Am oberen
Ende des Vorhofes, der dem Rückenrande zugekehrt ist, ge-
hen die Muskelfasern desselben ohne Unterbrechung in die
Körperwand über. Es gilt das wenigstens von der Innen-
fläche des Herzens, die an die Körperwand angrenzt, wäh-
rend die gegenüberstehende Fläche an ihrem obern Ende
von einer Oeffnung durchbrochen ist^ durch welche der Hohl-
raum des Herzens mit der Leibeshöhle in freier Communica-
Uon steht. Die Grenze zwischen Vorhof und Heizkainmer
ist durch zwei lippenförmige Klappen ausgezeichnet. Eben
solche Klappen finden sich am Ostium arleriosum der Herz-
kammer, die dem Ostium venosum gegenüberliegt und in eine
ziemlich weite Aorta hineinführt. Diese letztere steigt gera-
den Weges nach unten zu herab, kreuzt sich mit dem End-
darme und tlieilt sich unterhalb desselben in einen vordem
und einen hintern Gefässslamm, die beide senkrecht auf der
Aorta aufsitzen. Der hintere dieser Stämme ist für dieZwit-
lerdrüse , der vordere für den Penis und die Eiweissdrüse
bestimmt, für Organe, an denen man die Gefässe sich mehrfach
verzweigen sieht. Histologisch bestehen die Gelasse aus der-
selben glashellen Membran, die ich schon oben bei Gelegen-
heit des Herzens erwähnt habe. Der Anfangstheil (\cr Aorta
zeigt auch ein Muskelnetz, das von der Muskulatur der Herz-
kammer sich abzweigt, aber ziemlich bald verloren geht. In
den spätem Gefässen unterscheidet man ausser der Glashaut
nur noch ein Epithclium, das dieselbe auskleidet. Auf der
Nachträgliche nomcrknng.'n über den \i»n von Phyllirhoe. 249
Aussonfläclie (Icr beiden Hau[»lgrfässe verläuH ein zieinlicli
ansehnlicher IN'ervenstainin , der einen Zweig lür die Aoiirt
abgiebl und in mehrere grössere und kleinere Ganglien an-
schwilll. Die lelzlern bestehen in der Regel nur aus einer
einzigen GaniTlienl\Ui>e]. t^ltMi
Die lelzlen Endigiip'ien der Gcfässäste habe ich nidhl
beobachfi't Es nnlerliejrl aber k<'ine>n ZwcMfel-, tlass sie durch
freie Oednungen mit der Leibeshöhie zusannnenhangen. Ve-
nen fehlen unserin Thiere. Ihre Stelle wird von der blufgoi
füllten Leibeshöhle vertreten. Hier und da schien mir auch'
die Grundsubstanz des Mantels von wandungslosen Canälen
durchzogen zu sein, in denen ich freilich vergebens elnd
Blutbewegung zu beobachten suchte.
Der Kreislauf ist begreiflicher Weise unter solchen UrtV-
ständen sehr einfach. Er geht dadurch vor sich, dass dns
Blut der Leibeshöhle durch die oben erwähnte OefTnung in
den Vorhof hineintritt und schliesslich wiederum durch die
Enden der Gefässäste in die Leibeshöhle zurückkehrt. '"
Was ich früher bei unserer Phyllirhoe als einen sack'i
förmigen Anhang des Herzens beschrieben habe cGebärmul-
ter nach Quoy und Gaimard, Kiemenvenenslamm nach
Soul eye l) ist kein Theil des Blutgefässapparates, wie schon'
H. Müller ganz richtig bemerkt hat. Es stellt ein sehr ei-
genlhündiches, bei vieJen Seegasleropoden vorkommendes
Gebilde *j dar, das man gewiss mit vollem Rechte als^ffi^
rhimi"är~* » ^^H-^^ '-'^
») Wie Gegenbauer (Zlschr. für wiss. ZooKIV^.S.335. V.
S. 113.), fand ich dasselbe bei allen untersuchten Heteropoden und
Ptcropodon (Atlanta, Carinaria, Firola, Firoloides, Creseis, Cymbulia).
Auch l)ci Polycera hat ü. dieses Gebilde nachgewiesen. Ucbrigcns
ist das betreffende Organ schon vorher hier und da (bei Carinaria seit
Delle Chiaje, bei den Pteropoden seit Souleyet) bekannt gc-
wescu, aber diese Bekanntschaft war nur höchst ungenügend und er-
lauhtu noch keinen siehern Kückschluss auf die functionelle Bedeu-
lung. (Was ich über dieses Gebilde beobachtet habe ynd für Phylli-
rhoe hier niitthcile, stimmt im Wesentlichen vollständig mit den An-
gaben von II. Müller und Gegenbaucr übercin , obgleich meine
Untersuchungen ganz unabhängig von denselben angestellt sind. Wenä
es hier üi)crhaupt noch einer Bestätigung bedarf, so wird solche ge-
wiss in dieser Uebercinstiinniung geboten sein.)
^50 L e u c k a r l :
n i e r e n a r t i g c s E x c r c t i o n s o r g a n bolraclilet, das aber
ausserdem auch noch eine andere wichtige Hedeulunu zu
haben scheint. Es besteht aus einem einfachen Blindsclilau-
che von ziemlich ansehnlicher Grösse, der an seinem Ende
nicht selten etwas kanallörmig verdünnt ist und in der Längs-
achse des Körpers unter dem hintern obern Magenanhange
gelegen ist. Die Haut dieses Blindschlauches an sich ist
völlig struclurlos, ausserlich aber von einem zarten Muskel-
netze übersponnen. Die Innenfläche trägt eine dicke Epilhelial-
lage von ziemlich grossen ('/äo'") Zellen mit mehr oder we-
niger körnigem Inhalte. Das hintere Ende fand ich einige
Male mit einer freien körnigen Masse angefüllt und von weis-
lNehi' Aussehen. Alles das sind Verhältnisse, die auf eine
exöretorische Bedeutung hinweisen. Auch die kräftigen Con-
traclionen, welche man von Zeit zu Zeit an dem Schlauche
wahrnimmt, werden sich leicht mit solcher Ansicht vereini-
gen lassen. Die Deutung scheint völlig gesichert, wenn man
endlich sieht , dass das vordere Ende eine unverkennbare
slark wimpernde Oeffnung besitzt.
Als ich das fragliche Organ zuerst beobachtete , da
zweifelte ich keinen Augenblick, die Niere und ausschliess-
lich die Niere von Phyllirhoe gefunden zu haben. Aber
bald mussic ich mich überzeugen, dass die Körperbedeckun-
gen ohne Unterbrechung über die vordere Oeffnung forllie-
feti, dass die flimmernde Oeffnung nicht auf die äussere Kör-
perfläche , wie ich Anfangs glaubte, sondern auffallender
Weise in den Pericardialraum ausmünde. Die Beobachlun-
g'en vonSouIeyel, auch meine eigenen früheren Angaben,
nach denen ein Zusammenhang zwischen unserm Sciilauch und
dem Merzen beslehen sollfe, erwiesen sich also als richtig,
obgleich die Art dieses Zusammenhanges nur unvollsländig er-
kannt war. Aber diese eben beschriebene vordere Oefl'iumg
ist, wenn auch die auffallendsle, doch nicht die einzige, die
unserm Schlauche zukommt. Ausser ihr exislirt noch eine
andere, die die äussere Körperwand durchbricht und in der
Nähe des Afters (etwa vor und über demselben) gefunden
wird, ,.,§lip führt etwa in der Milte des Schlauehes durch
Hülfe eines kurzen (schon früher von mir abgebildeten) Auf-
salzes nach Au.ssen. Sonder Zweifel wird diese Oeifnunsr
IVachtläglichc Bemerkungen über den Bau von Pliylliihoe« 251
zum Ausleereh der Excrelionsstoffe besliinmt sein. Aber
wozu denn noch die zweite vordere Oeffnung, der Zusam-
menhang mit dem Ilerzbeulel?
Auf diese Frage giebt es nach meinem Erachten nur
eine Antwort, und diese Antwort liegt in der Thalsache, dass
der Pericardialraum durch Hülfe des betreffenden Organes
mit der äussern Körperoberfläche in unmillelbarem Zusam-
menhange steht. Durch Hülfe des betreffenden Oiganes kann
der Pericardialraum mit Wasser gefüllt werden und zwar um
so leichter, als ja der ganze Schlauch in hohem Grade
contractu ist. Der Flimmerbesatz an der Verbindungsstelle
mit dem Pericardium mag dann die Bestimmung haben, die
festen, dem Wasserstrome etwa beigemischten Körperchen zu-
rückzuweisen. Ich habe mich übrigens vergebens bemühet,
das Einströmen von Wasser in den Pericardialraum direct zu
beobachten. Der Pericardialraum schien mir immer ziem-
lich enge und ohne auffallende Veränderung seines Volumens.
Aber dieses negative Resultat spricht nicht gegen die Exi^-
stenz einer Wasseraufnahme überhaupt und wird sich erklä-
ren lassen, sobald der etwaige Zufluss durch einen entspre-
chenden und gleichzeiligen Abfluss balancirt wird. Wenn der
betreffende Schlauch also wirklich neben seiner excretori-
schen Bedeutung noch die Beslimmung einer direclen Was-
seraufnalinie hat, wie sie bekannlJich bei sehr vielen niede-
ren Thioren slallfuulet *) , hier und da auch schon jür die
Schnecken behauptet *^') ist , so muss das aufgenommene
Wasser auf irgend einem Wege schnell wiederum ablliessen.
Die Existenz solcher Abllussslellen ist schon von H.Müller
beschrieben worden Die Maschenräume, die zwischen 'den
Muskelbalken des Vorhofs überbleiben , erscheinen an man-
chen Stellen durch Schwund der homogenen Grundsubstanz
lies Herzens als förmliche Substanzlücken. Es entsteht auf
'»i|j Jtjoi: 'liibnf HiTlüß -^b ilaup nno// ,'^1
*) Ueber den physiologisclien Werth dieser sßnd^rbareii Ein-
richtung darf ich hier wohl auf meine Bemerkungen in der vergl.Anat.
und Physiol. von Bergmann und Leuckart 8.28211". verweisen.
**) So namentlich von van Beneden in Froriep's N. Not.
Bd. 34. S. 2. u. Bd. 37. S. 65. Bei Paludina soll die Wasseraufnahme
nach Leydig (Ztschr. für wiss. Zool. II. S. 177.) sogar gleichfalls
durch Venuiltlung der Kiere vor sich gehen.
25'2 Leuckart: Kachlragliche Bemerk« üb. d. Bau v. Fhyllirhoc.
solche Weise eine direcle Commiinication zwischen dem Herz-
raum und dem Pericardiahaimi, und durcii diese OefTniingen
wird nun sondrr Zweil'cl das von der Miere eingepnmple
Wasser seinen Abfluss iinden, um sich unmiüelbar dem farb-
losen ßlule beizumischen.
Die Zwitter drü so von Ph. bucephahmi habe ich,
wie C antra ine, immer nur in zwei nierenförmigre Bnllcu
gelheilt antretroIFen , nicht in drei, wie es bei den übrigen
exolischen Arten die Regel zu sein scheint. Beide bestehen,
wie ich jelzt hinzufügen will, aus verästelten, ziemlich wei-
ten Schläuchen , die von dem Ende des Zwilterdrüsenganges
ausgehen und mit zahlreichen kurzen und weiten, halbkugcl-
lörmigen Ausstülpungen besetzt sind. Die Eier nehmen nur
die oberllächlichen Schichten der Drüse ein, wie ich schon
früher beinerkte. Sie liegen in einfacher Lage auf der In-
nenwand der halbkugelförmigen Säcke, waren aber bei allen
meinen Exemplaren noch unentwickelt und ohne Dollerhaut.
Michls desto weniger zeigten die Samenfäden bereits ihre
volle Ausbildung -'^). Sic erfüllten in dicht gedrängten Mas-
sen die Schläuche der Zwillerdrüse, fanden sich auch hier
und da in dem Innenraume der peripherischen Säcke, ohne
von den Eiern (wie man nach der bekannten Darstellung von
H. M ecket vielleicht vermulhen könnte) durch eine beson-
dere Haut getrennt zu sein. Nach Form und Bildung stim-
men die Samenfäden von Phyllirhoe mit denen der Na(ktkie-
mer überein. Sie sind lange ('/0'") stäbchenförmige Fäden
mit leichter Spiralwindung und ohne Kopfanschwellung, wie
sie bei den Heteropoden vorkommt.
^■) Aclmüches habe ich auch bei andern Zwitterschnecken be-
HierUt, am auiralleudstcn bei Cynibulia, bei der man sogar mit Bccht
von einer eignen männlichen und weiblichen Brunstperiode sprechen
kann.
lieber den Baiichsaiig:nai)i' iiiicl die Cofiula-
tioiisorgaiie bei Fipola und Firoloides«
Von
Dr* Rud* iJeitckart.
Es ist eine bekannte, von allen Beobachtern angemerkte
Thalsachc, (Jass der Baiichsaugnapf von Firola (u.FiroIoides)
bei sehr vielen Exemplaren vermisst wird. Man glaubt, dass
er zufällig verloren gegangen sei. Diese Annahme ist un-
richtig. Der Bauchsaugnnpf bei diesen Thiercn (nicht bei
Carinaria) ist eine Geschlechtsauszeichnung der männlichen
Individuen. Unter mehreren Hunderten von Exemplaren
(Firola coronata, F. Fredericiana, F. mutica, Firoloides Lesu-
eurii) habe ich ihn niemals bei den Männchen vermisst^ nie-
mals bei den Weibchen aufgefunden. Die Bedeutung des
Bauchsaugnapfes wird sich unter solchen Umständen wohl
nur auf das Begattungsgeschäft beschränken.
Die Männchen der Firoloidcn kann man übrigens auch
abgesehen von dem Bauchsaugnapf leicht an dem ansehnli-
chen Penis erkennen, der an der rechten Seile (das Thier
mit dem Fusse nach unten gedacht) in der Nähe des Nucleus
herabhängt und wie bei Carinaria zwelgcspallen ist. Form
und Bedeulung dieser beiden Penishälllen sind sehr verschie-
den. Wahrscheinlich dient nur die eine kürzere und lötFel-
förmige Hälfte zur Begattung, die andere gcisselförmigc da-
gegen von Ueberlragung der Samenmasse in die erslere.
Der Penis ist nach meinen Untersuchungen von der äusseren
254 Fjcuckart: Ueb. den Bauchsangnapf bei Firola w. Firoloides.
GeschlechlsölFnung abegtrennni, wie bei den Spinnen und (was
ich mit Vogt und Verany wenigstens für Octopus Carena
behaupten muss) bei den Hectocolyliferen. Die männliche
Geschlechlsöffnung findet sich an derselben Stelle , wo man
bei den Weibchen schon längst die Mündungsstelle der Geni-
talien gekannt hat*).
*) Das Nähere hierüber, wie überhaupt über den Bau der He-
teropoden, werde ich indem zweiten Uefte meiner „zoologischen Un-
tersuchungen« Giessen 1853. mittheilen.
lieber die Oeli<^rirerkzeug^e der K.rebs>e. . ,
Von
Dr« Rud. lieuckart*
In den Philosophical Transactions für 1843 hat A. Farre
(p. 233) bekanntlich den Nachweis versucht, dass das zuerst
von Rosenthal (ReiPs Arch. 1811. Bd. X. S. 433) bei dem
Flusskrebs und dem Hummer an der Basis der innern An-
tennen aufgefundene, für ein Geruchswerkzeug gehaltene Bläs-
chen die Bedeulung eines Gehörorganes habe. Die Ansicht
von Farre hat indess keinen Anklang gefunden. Man mussle
sich freilich überzeugen, dass dieses Gebilde eine allgemei-
nere Verbreitung habe, als man früher annahm — Farre
beschrieb es auch bei Palinurus und Pagurus, während von
Siebold (vergl. Anat. S. 441) zufügt, dass er es gleich-
falls beiPalaeinon, Nephrops und Maja erkannt habe — , aber
nichts deslo weniger glaubte man es nach wie vor als Ge-
ruchswerkzeug betrachten zu dürfen und bei der älteren,
schon von Fabricius und Scarpa ausgesprochenen An-
sicht verharren zu müssen, dass das Gehörorgan der Deca-
poden in dem Basalgliedc des äussern Fühlerpaares gelegen
sei. Selbst die Angabe von Farre, dass das innere Bläs-
chen nach Art der Gehörorgane eine Anzahl fester Concre-
tionen im Innern enihalte, konnte die Gegner seiner Ansicht
nicht überzeugen. Hatte doch Farre selbst diese Concre-
tionen nur für „Hülfsololithen« ausgegeben, die nicht im In-
nern des Gehörorganes entständen, sondern nur zufällig durch
die äussere, aul" der obcrn Fläche des Fühlergliedes gcle-
256 L e u c k a r t :
gene spaltförmige Oeifanng des Bläschens in dusselbe hin-
eing-elangten.
Trotz allem Widerspruch ist die Deutung von Farro
indessen die richlige. Es giebt nicht bloss eine A n-
zahl von Krebsen, bei de nendas Bläschen in de im
Basalgliede der innern Antennen nach Form,
Bau und Inhalt mit dem Gehörorgane anderer
niederer Thiere vollständig übe reinst im m t ,
sondern auch Uebergangsformen zwischen die-
ser Bildung und dem gewöhnlichen sogenann-
ten Geruchsorgane.
Bereits in demselben Jahre, in dem die Beobachtungen
von Farre publicirt wurden, machte Souleyct in einer
kurzen Noliz (Gompt. rend. 1843. p. 665) darauf aufmerk-
sam, dass das sonderbare Crustaceengenus Leucifer (das man
mit den übrigen Schizopoden und Bipeltaten gewiss nur nnt
Unrecht in die Ordnung der Stomatopoden stellt) an der Ba-
sis der innern Füliler einen kleinen runden und glänzenden
Körper enthalte, der in jeder Hinsicht mit dem Otolilhen der
Heteropoden und anderer Mollusken übereinstimme. Später
hat Huxley diese Beobachtung von Souleyet vollständig
besläligt. Er hat (Ann. of nat. hist. 1851. Vol. VII. p. 304)
gezeigt, dass dieser Körper von einem völlig geschlossenen
Bläschen umgeben sei, wie der Otolith der Mollusken — mit
andern Worten gezeigt, dass Leucifer in dem Basalgliede
seiner, innern Antennen ein Organ enthalte , das man nach
aller Analogie als Gehörwerkzeug betrachten müsse. Der
Otolilh von Leucifer ist allerdings ohne Bewegung, allein
dasselbe gilt ja, wie wir wissen, auch für manche andere
Thiere und kann uns überdies bei den Crustaceen am we-
nigsten überraschen, da dieselben bekanntlich ohne Flinuner-
hrtare sind und mit den Wimpern zugleich derjenigen Gebilde
entbehren, durch die sonst die Oscillationen der Ololithen
unter hallen werden.
Zu gleictier Zeit hat Huxley nun aber auch den Nach-
weis geliefert, dass Leucifer nicht der einzige Krebs mit
Otolilh sei. Auch bei einer kleinen durchsichtigen Palaemon-
arl aus der Südsee hat Huxley an derselben Stelle, wie bei
Leucifer, in einem Gehörbläschen einen Ololithen ange-
Ueber die Gehörwerkeeuge der Krebse.' 257
troffen. Nur zeigte das Gehörbläschen dieses Thieres insofern
eine Abweichung , als es nicht vollständig- geschlossen war,
wie bei Leucifer, sondern durch eine schmale Spaltöffnung
nach Aussen führte. NachHuxley befindet sich diese Spalte
am Aussenrande des ßasalgliedes , zwischen ihm und dem
schuppenartigen starken Dorne, der sich — wie bei vielen
andern Decapoden — hier an das Basalglied ansetzt.
Mit Recht sieht Huxley in dieser Bildung den Ueber-
gang zudem sogenannten Geruchswerkzeuge der Decapoden;
mit Recht zieht derselbe aus seiner Beobachtung den Schluss,
dass dieses sogenannte Geruchswerkzeug mit A. Farre als
Gehörorgan zu deuten sei.
Wenn ich mich hier so entschieden für die Richtigkeit
der Hu xley'schen Auffassungsweise ausspreche, so geschieht
das auf Grund von zahlreichen eigenen Beobachtungen , die
ich über denselben Gegenstand angestellt habe. Ich habe
eine Anzahl von grössern und kleinern Decapoden in Bezug
auf das fragliche Organ untersucht und bin zu der üeber-
zeugung gekommen, dass die Bedeutung desselben nicht län-
ger zweifelhaft sein kann.
Das Gehörorgan der Decapoden ist wirklich, wie schon
Huxley andeutet, nach einem zwiefachen Typus gebaut. Es
ist bald ein völlig geschlossenes Bläschen mit nur einem ein-
zigen sphärischen Otolithen , bald durch eine Spalte nach
Aussen geöffnet und dann in der Regel mit zahlreichen klei-
nen Concremenlen von unregelmässiger Gestalt versehen.
Vielleicht sind diese Concremente (wenigstens in manchen
Fällen) nur durch das Zerfallen eines ursprünlich einfachen
Otolithen entstanden, jedenfalls aber nicht von Aussen in
das Bläschen hineingekommen ^^j , sondern als integrirende
Elemente des Gehörorgans zu betrachten.
*} Gegen eine solche Annahme spricht nicht bloss das ganz
constante Vorliommen der Steinchen , sondern auch die Beschaffenheit
der äussern ühröffnung, die bald zu schmal scheint, um solche Con-
cremente hineinzulassen, bald auch gegen den Eintritt fremder Kör-
per mit besondern haarartigen Bildungen versehen ist. Farre be-
trachtet die Concremente nur deshalb als Sandkörner (Quarz), weil
sie in Säuren unlöslich seien. Es gilt das aber nur von schwachem
Säuren, wie Essigsäure u. dergl. Von concentrirter Schwefelsäure
Archiv f. NAturgcsch. XIX. JAbrg. l.Bd. 17
^8 •*>wWI"«»fe 'Xeuckart: > '^^-mi^tP
Für den ersten dieser beiden Typen kann ich liier noch
zwei neue Fälle anführen. Der eine betrifft einen kleinen,
den Uebergang zu den Schizopoden vermittelnden Krebs, den
ibh für neu halle tirid mit dem Namen Mastigopus spinosus
bezeichnen will *), der andere die bekannte Hippolyte vi-
ridis des Mittelmeeres.
Bei Mastigopus haben die Glieder der Innern Antennen
ohne Ausnahme eine cylindrische Gestalt. Das Grundglied
ist nur durch eine ansehnlichere Länge und eine etwas be-
trachilichere Dicke ausgezeichnet, so wie dadurch, dass es
ah seinem Aussehrande dicht vor der Wurzel mit einem kur-
zen und dicken Zahnfortsatze versehen ist. Offenbar ent-
spricht dieser Zahnförtsätz dem schuppenförmigen Dorne, den
werden dieselben unter Gasentwicklung angegriffen, nach und nach
auch (freilich nur langsam und unvollständig) aufgelöst. In der Lö-
sung bilden sich die bekahnteh spiessförmigen Gypskrystalle. Die
chemische Zusatiimehsetzuri^ ist also , im Wesentlichen wenigstens,
Wie bei den Otolithen der übrigen Thiere.
*) Von den Caridinen, mit denen dieses Thierchen (3'" ohne
Fühler) seiner Körperform nach übereinstimmt, unterscheidet es sich,
wie die Schizopoden, durch den Mangel der Kiemen , von den Schi-
zopoden dagegen durch seine einfachen Schwimmfüsse. Die Stirn ist
abgerundet und buckeiförmig, die Augenstiele sind sehr lang (betra-
gen reichlich ein Viertel der ganzen Körperlänge) , die Innern und
äussern Antennen fadenförmig, die Augenstiele noch beträchtlich über-
ragend. Die Schuppe der äussei-n Antennen lanzettförmig , von der
Länge der Äugenstiele. Fünf lange und dünne Fusspaare, ohne Schee-
len und Klauen, mit Schwimmborsten besetzt. Die vordersten Füsse
sind die kürzesten, hakenförmig nach innen zu gekrümmt. Schwanz
kräftig, aus sechs Segmenten zusammengesetzt. Die fünf vordem
Segmente mit langen nach vorn gerichteten Afterfüssen , die gleich-
falls lluderborsten tragen. Das sechste Segment ist ohne Änliärige,
von cylindrischer Gestalt und sehr beträchtlicher Länge, fast so lang,
.als die fünf vordem Segmente zusammengenommen. Die Seitenblät-
ier der Schwanzflosse lanzettförmig, von der Länge des vorhergehen-
den Segmentes, das Mittelstück von halber Länge und konischer Form,
mit einem spitzen Enddorn und symmetrischen Seitendornen versehen.
Auf einem frühern Stadium (noch bei 2V2'") trägt unser Thierchen
gespalteac Ruderfüsse und zahlreiche mächtig entwickelte Haare von
brsteil- und federförmiger Gestalt an den verschiedensten Körper-
selieii.
Ueber die Gehörwerkeeuge der Krebse. fi®
man sonst bei den Decapodcn gewöhnlich an dieser Stelle
antrifft. Der Innenraum des Zahnes geht ohne alle Grenzen
in die Höhre des Basalgliedes über, ist aber nicht mit Mus-
kelsubstanz ausgefüllt , sondern enthält ein helles Bläschen
von V20'" init einem schönen sphärischen Otolithen von V37"'.
Der Otolith ist glashell und ganz homogen, ohne concentri»-
sche und radiäre Streifung, klüftet aber, wie gewöhnlich, bei
stärkerem Drucke in mehrere Stücke von keilförmiger oder
unregelmässiger Gestalt. Gegen schwächere Säuren ist der-
selbe unempfindlich. Die Haut des Bläschens besteht — nach
Aussehen und Verhallen gegen Kali zu urtheilen — aus Chi-
tinsubslanz und scheint mit den Wandungen der Antennen
fest zusammen zu hängen. Der Innenraum des Bläschens ist
aber nicht desto weniger völlig geschlossen.
Man sieht, es handelt sich hier um Verhältnisse, wie
sie nach Soul ey et undHuxley auch beiLeucifer vorkom-
men. In beiden Fällen eine wesentliche Uebereinstimmung
des betreffenden Organes mit den Gehörwerkzeugen der übri-
gen niedern Thiere. Da beide Krebse auch in systematischer
Beziehung einander nahe stehen, so möchte man wohl ver-
muthen dürfen, dass dieselbe Bildung noch weiter unter je-
nen sonderbaren Krebsformen verbreitet sei, die an der un-
tersten Grenze des Decapodentypus stehen *).
Das Gehörorgan von Hippolyle viridis hat eine ganz
entsprechende Lage, nicht in dem Körper des Basalgliedes,
sondern in der äusseren Seitenschuppe, die, wie schon er-
wähnt wurde, trotz ihrer grössern Selbstständigkeit dem
äussern Seitendorne bei Mastigopus entsprechen dürfte. Es
nimmt etwa die Mitte dieser Seitenschuppe ein, die hier mit
ihrer Spitze bis zum Ende des Basalgliedes emporragt. Ge-
**) Bei Weingeistexemplaren von Phyllosoma habe ich freilich
vergebens nach einem Gehörorgan gesucht. Dagegen zeigen diese
Thiere sehr deutlich jenes zweite, an der Basis der äussern Antennen
gelegene Sückchen, das man früher mit Unrecht als Gehörorgan an-
sah (Geruchswerkzeug?). Mysis aber besitzt — wie es scheint, in
allen Arten — ein deutliches Gehörorgan mit sphärischem Otolithen
und geschlossener Blase , wie die verwandten Formen ; nur ist hier
die Lage desselben sehr abweichend. Vergl. hierüber die spätere
Bemerkung am Schlüsse dieses Aufsatzes.
260 I .^fiMÜ^ 'r»fe Leuckart: '^^^jli.'r^Uw
hörbläschen und Otolith (etwa V15'") sind übrigens beträcht-
lich grösser^ als in dem vorher beschriebenen Falle. Auch
das Aussehen des Otolithen ist etwas anders. Die Oberflä-
che desselben ist nicht glatt, sondern von zahlreichen, netz-
förmig sich durchkreuzenden Furchen durchzogen, die als
dünne Risse bis weit in die Substanz des Otolithen hinein-
dringen. Bei unvorsichtigem Drucke weichen die einzelnen
Stücke, die von diesen Rissen begrenzt werden , aus einan-
der : der Otolith zerfällt in einen Haufen grösserer und klei-
nerer Concretionen von unregelmässiger und manchfach va-
riirender Bildung. Was aber sonst den Bau der Gehöror-
gane, die Kapsel u. s. w. anbetrifft, so zeigt sich hierin eine
völlige Uebereinstimmung mit dem Verhalten bei Mastigopus.
Die zweite Form des Gehörorganes habe ich — Asta-
cus und Palinurus ungerechnet — bei vier Arten des Genus
Palaemon (bei allen, die ich untersuchte), so wie bei Fasi-
phaea sivado beobachtet. In allen diesen Krebsen — und so
ist es bekanntlich auch bei Astacus, Palinurus, Pagurus u. a.
--?^ liegt das Gehörbläschen in dem Basalstück der innern
Antennen und zwar beständig in der untern Hälfte dessel-
ben, wo es in der Regel schon bei äusserlicher Betrachtung
als ein opaker Fleck von ziemlich ansehnlicher Grösse hin-
durchschimmert.
Betrachten wir zunächst und vorzugsweise als Beispiel
dieser Bildung das Gehörorgan von Palaemon. Bei Palaemon
squilla besteht der Inhalt desselben, wie in den früher be-
schriebenen Fällen, wie auch bei der Huxley'schen Art,
aus einem einfachen sphärischen Otolithen, der sich, abge-
sehen von seiner Grösse (er misst fast y^'")» nur dadurch
auszeichnet, dass er noch leichter zerfällt, als bei Hippolyte,
und auch schon vor dem Zerfallen die deutlichsten Klüftungs-
spalten zeigt. Bei P. treillianus und serralus kann man da-
gegen kaum noch von einem einfachen Otolithen sprechen.
Statt einer zusammenhängenden Masse findet man hier im
Innern des Gehörbläschens nur noch einen Haufen von un-
regelmässig begrenzten, grössern und kleinern Steinchen,
die sogleich bei der Berührung auseinander fallen und schon
im unverletzten Zustande nicht selten durch den ganzen In-
nenraum des Bläschens zerstreut sind. Nach Aussehen und
Ueber die Gehörwerk zeuge der Krebse. 261
chemischem Vorhalten findet sich übrigens keinerlei Unter-
schied zwischen diesen Steinchen und den isolirten Bruch-
stücken des Ololithen von P. squilla. Eben solche Stein-
chen habe ich auch bei einer sehr grossen indischen Palae-
monart vorgefunden , nur war hier die Masse derselben so
beträchtlich, dass sie leicht einen Haufen von y/" bilden
möchten.
Das Gehörbläschen , das die Concremente einschliesst^
hat seine frühere regelmässig sphärische Gestalt, wie (vergl.
Farre) bei den übrigen höhern Decapoden, verloren. Es
ist an seiner Aussenfläche abgestumpft und an den Enden
dieser Fläche, namentlich oben, in einen kurzen Fortsatz
ausgezogen *), der allmählig mit dem äussern Röhrenskelet
der Antennen zu verschmelzen scheint. Durch eine nähere
Untersuchung wird man sich überhaupt bald überzeugen,
dass das Gehörbläschen unserer Thiere nicht frei und lose
im Innern des Basalgliedes liegt , auch nicht etwa bloss an
einzelnen beschränkten Stellen mit dem Skelet desselben zu-
sammenhängt, sondern mit seiner ganzen obern Fläche, fest-
gewachsen ist. Man kann die untere Wand des Basalgliedes
vollständig abtragen , ohne das Gehörbläschen zu berühren,
die Muskelmasse , die dasselbe umgiebt, mit Leichtigkeit ent-
fernen und so nun den ganzen Apparat in seiner natürlichen
Lage frei untersuchen. Das Gehörbläschen hängt gewisser-
massen nestförmig von der obern Decke des Basalstückes
in den Innenraum hinein. Es ist dasselbe , wenn man will
— und die chemische Uebereinstimmung zwischen Bläschen-
wand und Skelet spricht nur zu Gunsten einer solchen An-
nahme — nichts Anderes , als eine Lamelle des Antennen-
skelets, die sich bläschenförmig nach Innen abgehoben hat.
Die oben erwähnten Fortsätze erscheinen als blosse Ausläu-
fer des Bläschens, gewissermassen als Leisten, die noch eine
Strecke weit auf dem Boden der Anheftungsfläche hinkrie-
chen und vielleicht nur zu einer stärkern Befestigung die-
nen mögen.
Auf den ersten Blick scheint das Gehörbläschen der
*) In anderen Fällen ist der untere Fortsatz grösser, wie bei
Astiacus , wo Farre denselben für das Rudiment einer Cochlea hält."
262 il^dßrtÄ^ |ieucka»t*«irt^P^1lr'#rf4Tj
kleinern Palaemonarlen vollständig geschlossen zu sein , wie
das Gehörbläschen von Leucifer , Mastigopus u. s. w. Trotz
diesem Anschein habe ich mich indessen auf das Bestimm-
teste vom Gegentheil überzeugen können. Es ist mir frei-
lich unmöglich gewesen, den von Huxley beschriebenen
Längsschlitz aufzufinden, der am äussern Rande des Basal-
gliedes vorkommen soll — ich darf die Abwesenheit dieser
Oeffnung bei den beobachteten Formen um so entschiedener
behaupten, als der Aussenrand des Gehörblärchens hier eine
ziemliche Strecke weit von der Wand der Antennen entfernt
bleibt — , aber dafür besitzt unser Gehörbläschen einen Quer-
spalt, der die obere Wand des Basalgliedes durchbricht und
eine direcle Communication zwischen dem Innenraume des
Bläschens und dem äussern Medium herstellt. Dieser Spalt
nimmt etwa die Mitte des Gehörbläschens ein, liegt aber
nicht frei zu Tage, sondern wird von einer klappenförmigen
Querleiste bedeckt, die ihren freien Rand nach Vorn kehrt
und nach Aussen ohne Weiters in den Seitendorn des Basal-
stückes sich fortsetzt. Bei P. treillianus misst diese Spalte nur
etwa Yis'", bei der oben erwähnten indischen Art ist dieselbe
indessen so weit, dass man bequem eine dünnere Sonde
hineinbringen kann. Das Gehörbläschen hat hier reichlich
den Durchmesser von 1'", während es sonst kaum 72'" misst.
Bei den kleineren Arten ist die Innenfläche des Gehör-
bläschens völlig glatt und eben. Anfangs glaubte ich frei-
lich denselben Haarbesatz wahrzunehmen, den Huxley bei
seiner Art beschreibt, allein ich überzeugte mich später, dass
diese Haare — eine Längsreihe bogenförmig gekrümmter
Querborsten — auf dem Skelet des Basalgliedes äusserlich
aufsassen. Bei dem grossen indischen Palaemon finde ich
dagegen im Grunde des Bläschens ausser zahlreichen kleinen
Spitzen eine Bogenreihe von grösseren Borsten, wie sie von
Farre bei den Arten des Genus Astacus beobachtet ist. Da-
gegen fehlen auch hier die Haare, die sonst an der Oeffnung
vorkommen. Die Entwicklung der Klappe hat dieselbe offen-
bar überflüssig gemacht.
Die Gehörorgane von Pasiphaea schliessen sich nach
Form und Bildung in so hohem Grade an die eben beschrie-
nen Verhältnisse an, dass eine speciellere Darstellung füglich
Ueber die Gehöry/^v}uf^gj^ der Krebse. 3^)^
unterbleiben kann. Ich will rjur )iei;vorbeb,en , d,ass dajs (^e-
hörbläschen von beträchtlicher Weil^ ijsiv, vyährend. (^jCr Olo-
lith yerhäJtnissraässig nur lilein bleibt (Vio'"}» l^h ^al^ den-
selben bald einfach, bald auch, Cwie I^e.y (J, ig in der Zeitschri()t,
für wissensch. Zoolog. 11,1. S. 2$7). il), 9iA<r.9» l^^«^.'^'^ ^'^},*?,pi;!?)5-
Kö^perchen zerfallen, auffallender, ^)ieise abef, nur. x^n^ ge-
ringer Festigkeit. ,
Für die Gehörwerkzeuge von Palinurus und Ast^cu^,
kann ich nichts Neues anführen. Ich würde nur wieder^9^-^
len müssen, was Farre über dieselben mitg^theilt hat. Ij)4f^,
Verschiedenheiten von den Gehprwerkzeugen d^if Palae.n^pi:)^
arten betreiben nur untergeordnete Verjjällnisse , ui|d können
die wesentliche Uebereiostimmung n^it den^e|ften ir|, lffff]Qirt<^i
YifejiSi? beeii^ti;äch tigen .
ü^ber d^p; Verbreitung der GehöjTprgane upl,er ^^n Dcp
cappden wird roan erst» nach spätern yrnfassendjern Ui^tersu-
chungen enls,cheidjen können. So yv'ahrscheinlich übrigens
a.vch ^in sehr allgemeines Vorkornnien,dx3rsel^,en sein möclji.te,
so will ich doch n,icht verschweigen , dass ich bei vie-..
len Arien, (Craflgon , Nilfa u. s. w.) vergebens nacl^ ihnen
gesucht, haJ3.e. Auch, bei den kleinen und durchsicbligenDje-
capodenlarven, dije, init ihren bizarren Formen ^y das Mitt,el-
rnper um Nizza bevölkern , habe icl^ nirgends Geljörprgane
t\;igetroffeu. Icl^ möchte indessen ni^l^t ger;adezu behaupten^
dass alle diese Thiei;e dei; fraglichen Sinneswerkze,i,^ge entr
*) Sehr auffallend ist unter diesen iiaYnentliefi CTii'e' (seht häu-
fige) Larve mit ausserordentlich langen vbrderh und hintern Stachel-
fortsälzen am Rückenschildc, durch deren Hülfe dieses Thier, dessen,
Körper nur V" misst , bis zu ^^/i" heranwächst. Vordere und hin-..^>
terc Fortsätze liegen in derselben Ebene, so dass es fast aussieht,
als ob das Thier in der Mitte einer langen Stange (der hintere Sta-
chel ist freilich doppelt, aber beide liegen dicht an einand.er]( ange-
wachsen sei. Eine ächr ähnliche Form hat Eschs chol a (Isis 1825.
S, 73-i) in der Südsee beobachtet und unter dem Kamen Lonchopho-
rus anccps beschrieben. (Ebendaselbst beschreibt E. auch, was ich
hier beiläufig erwähnen will, unter dem Tfamen Trichocyclus Dume-
rilii ein Thierchen mit Wimperkränzen und flügelformigen Seitenflos-
sen, in dem wir heute, nach den Entdeckungen von J. Müller^di«
Larve eines nackten fteropoden nicht verkennen können.) lA -nh t'i-
iJ^ehften. 'Es ist ja Immerhin möglich , dass sich dieselben
in manchen Fällen durch ihre Kleinheit und Unklarheit , in
andern durch eine abweichende Lage meinen Untersuchungen
entzogen haben. Ueber die Verschiedenheiten in Bau und
Gruppirung der Sinneswerkzeuge bei den niederen Thieren
haben wir allmählig so viele und so eigenthümliche Erfah-
rungen gemacht, dass man immerhin auch hier auf solche
abweichende Verhältnisse gefasst sein muss. Wissen wir
doch , um nur ein Beispiel zu erwähnen , dass es Würmer
giebt, deren Augen, statt sich auf den Kopfanhang zu be-
schränken, am vordem und hintern Körperende (Amphicora)
oder selbst in den Seitentheilen eines jeden Segmentes (Po-
lyophthalmus) vorgefunden werden *).
Ich darf in dieser Beziehung auch wohl daran erinnern,
dass von Frey und mir bereits mehrere Jahre vor den
Beobachtungen von Huxley (Beitr. zur Kenntniss wirbello-
ser Thiere. 1847. S. 115) bei Mysis 'flexuosa ein Paar ge-
schlossener Bläschen mit sphärischem Kalkkörper im Innern
beschrieben sind, die einem Otolithen gleichen und auch von
uns dafür gehalten wurden, obgleich sie nicht am Kopfe,
sondern in der Basis der Innern Schwanzklappen gelegen
sind. Ich habe mich neuerdings davon überzeugt, dass die-
selben Gebilde auch bei Mysis spinulosa vorkommen , und
muss noch heute die frühere, auch von Huxley (1. c. p. 373)
angenommene Deutung aufrecht erhallen. In früherer Zeit
konnte man freilich durch die Verschiedenheit dieser Ge-
bilde von den damals als Gehörwerkzeuge geltenden Geruchs-
organen (?) gegen unsere Deutung eingenommen werden. Ge-
genwärtig hat dieser Umstand seine Gellung verloren. Un-
sere heutigen Erfahrungen über den Bau der Gehörorgane
*) Unter den Crustaceen besitzt auch Phronima sedentaria, wie
ich beobachtet habe , zwei Paar Augen , die freilich beide am Kopfe
liegen , aber doch, bis auf ihre nervösen Apparate, vollständig ge-
trennt sind. Das grössere dieser Augen liegt auf dem Scheitel, das
kleinere in dem untern Seitentheile des Kopfes. An der Innenfläche
dieser letztern befindet sich ein kleines bläschenförmiges Organ , das
mir mit dem fraglichen Geruchswerkzeuge der Decapoden an der Ba-
sis der äussern Antennen übereinzustimmen scheint.
Üeber die GehÖrwerkreuge der Krebfle. 265
bei den Krebsen haben uns Verhältnisse erkennen lassen,
nach denen sich die Eigenlhümlichkeilen der fraglichen Ge-
bilde bei Mysis fast ausschliesslich auf die abweichende Lage
derselben beschränken ^).
*) Eine Zeitlang glaubte ich ein zweites, noch aufTallenderes
Beispiel einer solchen abweichenden Anordnung des Gehörorganes
bei den Crustaceen gefunden zu haben. Ich entdeckte nämlich bei
einer neuen schönen Saphirina, die ich später als S. uncinata beschrei-
ben werde , in den Seitentheilen der vordem Körpersegmente streng
symmetrisch rechts und links ein sphärisches Körperchen von y,8*"»
das nach seinem optischen Verhalten mit einem Otolith übereinstimmte
und auch in einem eng anliegenden Bläschen enthalten zu sein schien.
Später musste ich mich indessen überzeugen, dass dieser scheinbare
Otolith nur aus einem Fetttröpfchen bestehe.
•HiNtlif r*k ^8ii')S^T3^iii^8il ^U^
]i£ic;liträg:liclie B^merliuii^eii^ übpr <l,ei;i ?^%
biing: einig^er neuen Wirten.
Von
A« R r o It n.
Hierzu Taf.XU.
Während meines letzten Aufenthaltes in Messina habe
ich besondere Sorgfalt darauf verwandt, den Bau derSagilten
weiter zu erforschen und die in der Meerenge vorkommen-
den Arten genauer kennen zu lernen. Die Resultate dieser
neuern Untersuchungen theile ich hier in zwei Abschnitten
mit, von welchen der erste Beiträge zu einer vollständigem
Kenntniss der Organisation enthält, der zweite die Beschrei-
bung von vier neuen Arten zum Gegenstände hat,
I. Beobachtungen über den Bau.
Die Haut der Sagitten ist mit Büscheln eigenlhümlicher,
äusserst feiner, starrer Fäden besetzt, welche meistens in
regelmässigen Abständen von einander, über einen, je nach
den Arten, bald grössern, bald geringern Bereich der Kör-
peroberfläche vertheilt sind. Wilms (Observationes deSa-
gitta mare germanicum circa insulam Helgoland incolente.
Berol. 1846. p. 11., Fig. 1 et 16.) wies diese Büschel zuerst
bei S. setosa nach, bei welcher sie längs den beiden Seiten
des Körpers in einfacher Reihe sich hinziehen ')• Später
1) Die Bezeichnung selosa erhielt diese Species durch J. Mül-
ler (Arch. f. Anatom, und Physiolog. 1847., p. 158.).
Krohn: Nachlrägliche Bemerk, qb. il. Bau d. Gattung Sagitta. 26i7jl
hat sie auch Busch (Beobachtungen über Anatom, und Ent-
wicklung- einiger wirbellosen Seelhiere. Berl. 1851., p. 93.)
bei S. cephaloptera erkannt, wo sie jederseits in einer D(^rHi
pelreihe stehen. Ich habe die nämlichen Büschel nicht nur
bei S. bipunctala, bei der ich sie früher übersehen, sondern
auch bei den übrigen in der Meerenge vorkommenden ArtO
ten angetroffen. Bei S. bipunclata, so wie bei einigen dieser
Arten , ist ihre Zahl viel grösser, als bei den beiden von
Wilms und Busch untersuchten, so dass ausser den Seilen,
auch die Rücken- und Bauchfläche von ihnen eingenommen
ist. Meist lässt sich auch eine Anordnung dieser z^ahlreichen
Büschel in parallele, für beide SeitenhälÜen symmetrische Läng$««l
Züge nicht verkennen. Ganz conslant findet man die Büschel
noch auf der Schwanzflosse, wo sie in einer Bogenlinie nach
der Breite derselben vertheilt stehen. Bei einzelnen Arten
kommen welche sogar auf den hintern Seitenflossen vor *). ^/s
Alle diese Büschel stehen auf rundlichen VorsprüngBhv^
die der zelligen Epidermis anzugehören scheinen und früher
von mir für Schleimdrüschen der Haut angesehen worden sind.
(Anatomisch -physiologische Beobachtungen über die Sagilla
bipunctata Hamb. 1844., p. 5.). Was die Gruppirung der ei-
nen einzelnen Büschel zusammensetzenden Fäden betrifft, so
hat es oft den Anschein, als gingen sie von der Milte des
Vorsprungs, radienförmig nach allen Richtungen aus. Bbi
genauerer Untersuchung erkennt man indess bald, dass sie
blos in einer Linie neben einander gereihet stehen. So \er^
hält es sich wenigstens bei S. bipunclata. Trotz ihrer S^arn* •
heit haben aber diese Fäden weder mit Stacheln, womit sier
Wilms vergleicht, noch mit Borsten, wie Busch sie nennt,
irgend etwas gemein. Wahrscheinlich sind es Fortsätze den
Epidermis. Dafür spricht schon der Untslanc^, dass die Bü«mi
schel gleich dieser, sich äusserst leichtabsfcreifen, daher auoh-
nur bei ganz frischen wohlerhaltenen Individuen wahrzuneb*'
men sind.
1) Der Ausdruck Flossen, den man diesen Leibesanhangen
der Sagilten beizulegen pflegt, und den ich der Kürze halber eben-
falls gebrauche, ist ganz unpassend, da sie, wie ich es schon früher
nachgewiesen habe, zur Forlbewcgung dca Thieis nichts beitragen.
26Ö ,taiT^^-^«mtt^.htH0i^o'^'^' "'•''
Die Bedeutung der zahlreichen , dicht neben einander
gereihten Fasern, womit die Flossen versehen sind, konnte
bisher nicht ermittelt werden. Nach vielfältigen Untersuchun-
gen bin ich jetzt zur üeberzeugung gekommen , dass diese
Fasern den Borsten der Anneliden zunächst verwandt sind.
Gleich letztem sind sie bis zu einem gewissen Grade bieg-
sam , und brechen bei verstärktem Druck leicht in Stücke.
Der Form nach gleichen sie vollkommen den einfachen oder
Capillarborslen. Auch scheinen sie nur lose in die homo-
gene Substanz der Flossen eingebettet; denn man findet
sie oft , bei sonst unversehrten Flossen , in grossen Strek-
ken abgestreift. Jedenfalls ist ihr Zusammenhang mit der
Substanz der Flossen lange nicht so fest, als ich es früher
angab.
Bekanntlich finden sich vorn am Kopf auf jeder Seite,
zwei hinter einander gestellte Reihen kleiner Stacheln oder
Zähnchen^ deren Anzahl in der vordem Reihe stets geringer
als in der hintern ist. Jedes Zähnchen sitzt mittelst einer
rectangulären Basis auf dem Kopf, ist in einem Winkel ge-
gen dieselbe geneigt, und läuft zuletzt in mehrere scharfe
Spitzen, wie in eine Zackenkrone, aus (Fig. 1.). Der untere
Theil des Zähnchens ist hohl und enthält eine weiche Sub-
stanz, wahrscheinlich eine Matrix, die zum Wiederersatz des
Zahnchens, falls dieses abgenutzt wird, dient.
Busch hat neuerlich den Sagitten den Bauchknolen
absprechen wollen. Ich habe bereits an einem andern Orte/
(Müller's Arch. f. Anat. und Physiol. 1853. p. 140.) die'
Anwesenheit dieses Knotens gegen die Zweifel von Busch
zu vertheidigen gesucht , und brauche nicht wieder darauf
zurückzukommen. Vor diesem Knoten soll sich bei S. setosa,
nach Wilms' Angabe, ein am Anfange des Rumpfes gele-
gener, kleinerer vorfinden (1, c. p. 15.^ Fig. 4. 6). Ich will
die Existenz dieses Knotens bei der genannten Species nicht
in Abrede stellen, kann aber, gestützt auf neuerdings an-
gestellte Untersuchungen versichern, dass er der S. bi-
punctata fehlt.
Nach meiner früheren Annahme soll durch die Ver-
bindung zweier , vom hinlern Rande des Kopfknotens ent-
springenden und dicht an der obern Fläche desKoj)fes nach
Nachträgliche Bemerkungen üb. d. Bau d. Gattung Sagilta. 269
hinten sich erstreckenden Nerven, eine Nervenschlinge zu
Stande kommen (1. c. p. 13., Fig. 5./* und Fig. IS.gf). Di^se
Angabe beruht auf einem erst neuerlich von mir erkannten
Irrthume. Auf der Haut der obern Kopfseite findet sich näm-
lich ein cigenlhümlicher Streifen, der rechts und links von
der hintern Grenze des Kopfes bis dicht an den Kopfknolen
reicht, und sowohl vorn als hinten, durch Umbiegung in sich
selbst zurückläuft. Es hat sich nun herausgestellt, dass jene
angeblichen Nerven nichts anderes als die beiden seillichen
Parthieen dieses Streifens sind, dessen hintere Schlinge so-
mit fälschlich als Nervenschlinge gedeutet wurde. Eine Täu-
schung der Art war um so leichter möglich, als der Strej^
fen durch Weingeist oder Essigsäure , ganz nach Art der
Nerven sich trübt, und seine vordere, früher gänzlich übejc-
sehene Schlinge, genau mit der Lage des Kopfknotens zu-
sammenfällt. Hieraus ergiebt sich nun, dass die Sehnerven,
die ich für Zweige jener angeblichen Nerven hielt, vom
Kopfknoten unmittelbar abgehen. Was aber derStreifen.bf^,
deute, darüber kann ich nicht einmal eine Yermuthung au^.
stellen. ,^,,,
In meiner Abhandlung (p. 12.) hatte ich angeführt, da^
man in den Eierschläuchen geschlechtsreifer Individuen stets
reifen Samen antreffe. Diese Angabe hat sich nach neuern
Untersuchungen nicht bestätigt, dagegen sind Verhältnisse
bekanntgeworden, die den Hergang bei der Befruchtung voll-
kommen aufklären. Bei den geschlechtsreifen Individuen al-
ler Arten verläuft längs der äussern Seite jedes Eierstockes,
in der Gegend, wo das Hallungsband sich an ihn festsetzt,
ein dünner Kanal mit blindgeschlossenemEnde, den man bjs
dicht vor die Mündung des Eierstockes verfolgen kann. Di^
ser Kanal ist es, der oft strotzend mit Samen gefüllt ist, des-
sen Inhalt früher also fälschlich ins Innere der Eierschläuche
verlegt ward. Eine Aussenöffnung konnte ich an ihm, trotz
vieler Mühe, nicht entdecken, und muss demnach annehmen,
dass er sich in dieHöhle des Eierschlauches, und zwar dicht
vor dessen Mündung öffne. Durch Druck lässt sich der Sa-
men aus den Kanälen herauspressen, wobei man sich über-
zeugt, dass er in der That nur durch die Mündungen der
Eierstöcke heraustritt. Die Bedeutung der beiden Kanäle ist
iiO -^^h"^!' Krohn:
^•^omit klar. Es sind Receptacula seminis , wie solche den
Wieibchen der Insecten zukommen, bestimmt, den in den Sa-
menfäcliern gereiften Samen aufzunehmen und bis zur Zeit
der Befruchtung aufzubewahren. Zufolge dieser Einrichtung
werden die reifen sich loslösenden Eier, während sie aus
den Eierstöcken heraustreten, befruchtet.
Die beiden eben erwähnten Kanäle sind übrigens schon
'von W i 1 m s (1. c. p. 13., Fig. 9. a) gesehen worden, obwohl
■ihm ihre wahre Bedeutung unbekannt geblieben ist. Auch
zweifele ich nicht , dass das von diesem Forscher in der
Höhle der Kanäle beobachtete, angeblich durch schwingende
Cilien hervorgebrachte Flimmern, auf das lebhafte Gewimmel
der sehr regen und rührigen Zoospermien, aus welchen die
in den Kanälen enthaltene Samenmasse besteht, zu bezie-
hen sei.
f*<?*y**^Was die Structur der Eier betrifft, so habe ich zu dem
da'rüber Bekanntgewordenen noch Folgendes hinzuzufügen.
Der Dotter besteht aus zahlreichen, eine wahrscheinlich al-
buminöse Flüssigkeit enthaltenden Zellen , in der ich keine
festen Beslandtheiie (Dotterkörner) unterscheiden konnte. Er
ist von zwei Hüllen umgeben. Die innere, den Dotier eng
umschliessende, ist eine dünne feste Membran , welche die
Bedeutung der Dotter- oder eigentlichen Eihaut hat. Die
äussere, früher für das Chorion von mir angesehene Hülle,
ist viel dicker und von gallertartiger Consistenz 0. Sie quillt,
nachdem die Eier befruchtet und gelegt worden sind, sehr
schnell und mächtig in dem umgebenden Wasser an. Man
findet sie später, bei schon begonnener Enlwickelung des Em-
bryo, häufig abgestreift, ohne dass dadurch die Entwickelung
gestört wird.
II. Beschreibung der Arten.
Die Unterscheidung der Arten ist oft schwierig, da meh-
rere derselben im Habitus nahezu mit einander übereinstim-
men. Auf die Zahl der Greifhäkchen und der Zähnchen am
1) Ich erkenne sie selir deutlich in der lOten Figur bei Wi 1ms,
WO die Eier sehr naturgetreu dargestellt sind.
Nachträgliche Bemerkungen üb. 4, Bau d. Gattung Sagitta. xTl
Kopfe kann man sich am Wenigsten verlassen , weil sie bei
den Individuen der meisten Arien ausserordentlich schwankt,
was zum Theil seinen Grund darin hat, dass jeueTheile sich
sehr leicht abnutzen und abfallen. Mit grösserer Zuverläs-
sigkeit lassen sich die Seitenflossen zur Bestimmung der Ar-
ten benutzen, da sie bei jeder Species constante, wenngleich
nicht immer sogleich in die Augen fallende Eigenthömlich-
keiten zeigen.
I. S. mültidentatä '(¥\^^. ^.^.
Diese Species, die höchstens 1'/^, Centim. lang ist,
kommt im Habitus ganz mit S. setosa (Wilms 1. c. Fig. 1.)
überein. Gleich dieser, unterscheidet sie sich von S. bipun-
ctala durch eine gedrungenere Gestalt und eine verhältniss-
mässig grössere Länge der Seitenflossen. Die hintern Flos-
sen sind nur etwas länger und breiter als die vordem. Diese
reichen nach vorn hin , ungefähr bis an's vordere Drittel
des Leibes. Die hintern Flossen sind den beiden Vorsprünr-
gen , auf welchen der samenbereitende Apparat nach aussen
mündet, viel näher gerückt, als bei S. bipunctata. In Bezug
auf die Gestalt der beiden tlossenpaare verweise ich auf die
beigegebene Figur.
Die Zahl der GreiFhäkchen ist bei diese'ir Species aus-
nahmsweise sehr constant. Es finden sich beiderseits 9 bis
11 Häkchen, von welchen, weiin ihrer 1(1, das voj-derste,
wenn 11, die zwei vordersten stets viel kleiner sind. Die
Zahl der Zähnchen am Kopfe dürfte auf jeder Seite 5 bis 8
in der vordem, 12 bis 13 in der hintern Reihe betragen.
Den Vordertheil des Rumpfes umgiebt eine Schicht gros-
ser Zellen, welche gleich hinter dem Kopfe beginnt, aber
schon in einiger Entfernung von den vordem Flossen ver-
schwindcL Sie scheint an den Seilen stärker entwickelt, als
in der Mitle. Ich kann sie nicht für eine blosse Verdickung
der Epidermis halten.
Die Vorsprüiige des männlichen Geschlechtsapparals ra-
gen zapfenförmig vor, haben ihre Aussenmündüngen nach
vorne gerichtet, und erscheinen, wie bei S. bipunctata, bald
von brauner Farbe, bald farblos.
Die Büschel starrer Fäden auf der Oberfläche des
;272 Krohn:
Körpers kommen bei manchen Individuen in reichlicher
Menge vor 0-
2. S. serrato^dentata (Fig. 3 u. 4.)-
Diese Art nähert sich durch grössere Schlankheit des
Leibes der S. bipunctala. Die hinlern Flossen sind merklich
länger als die vordem und reichen bis dicht an die Vor-
spränge des männlichen Geschlechtsapparats. Die vordem
Flossen überschreiten nach vorne hin nicht das vordere Lei-
besdritlel. Die Form der beiden Flossenpaare ist aus der
beigegebenen Figur zu ersehen.
Ganz charakteristisch für diese Art ist die abweichende
Bildung der Greif häkchen, deren ganze vordere Hälfte längs
der schärfern Kante oder der Schneide sägeförmig gezäh-
nelt ist (Fig. 4.). Die Zahl dieser Häkchen schwankt zwi-
schen 6 bis 8 jederseits, die der Zähnchen möchte höchstens
auf 8 für die jederseitige vordere , auf 18 für die hintere
Reihe sich belaufen.
Die Büschel starrer Fäden sind symmetrisch in acht
seitliche Längszüge geordnet, von welchen vier auf die Rük-
kenhälfte und eben so viele auf die ßauchhälfte fallen. —
Die Vorsprünge der Samenfächer ragen, wie bei der vorher-
gehenden Art, zapfenförmig vor.
Es ist diese Art die kleinste von den hier beschriebe-
nen. Sie erreicht die Länge von 4y2"' etwa.
3. S. lyra (Fig. 5.).
Diese Art lässt sich auf den ersten Blick von der S.
bipunctata und den beiden vorbeschriebenen unterscheiden.
1) Beiläufig sei hier einer noch nicht genügend untersuchten
Art erwähnt, die mit der eben beschriebenen in Form und Grösse über-
einstimmt, aber durch die Anwesenheit eines hornigen gezahnten Rin>
ges an den Aussenmündungen der Samenfächer , augenrällig von ihr
abweicht. Dieser Ring mit nach vorne oder aussen gerichteten Zähn-
chen umkreist die respective Mündung von innen, und lässt sich ohne
Mühe herausschälen. Er hat eine auffallende Aehnlichkeit mit dem
gezackten Ringe an den Saugnäpfen der Loliginen. Diese Art scheint
sehr selten. Ich habe nur zwei Exemplare davon erhalten kOnnen.
Nachträgliche Bemerkungen üb. d. Bau. d. Gattung Sagitta. Ü73
Der sogenannte Schwanz ist sehr kurz und durch eine Ein-
schnürung von dem langen Rumpfe abgesetzt.
Die beiden Flossen jeder Seite berühren sich bis zur
Verschm<^lzung. In der That geht die homogene Substanz
derselben von der einen ohne Unterbrechung auf die an-
dere über, und nur äusserlich findet sich zwischen beiden
eine Demarcationslinie in Form eines feinen Streifens. Be-
merkenswerlh ist noch, dass die vordem Flossen viel länger
als die hintern sind , und sehr weit nach vorne hinauf-
reichen (F. 5.). Die Substanz der Flossen ist von mächtiger
Dicke, so dass diese gleich Wülsten an den Seiten des Lei-
bes hervorragen, obwohl sie sich gegen ihren Aussenrand
hin bald verflachen und verdünnen. Die in die Substanz
eingelagerten Fasern (Borsten) verhalten sich auch eigen-
thümlich. An den weniger breiten Stellen der Flossen sind
sie dünner und kürzer, und scheinen nur die Randpartie
derselben einzunehmen. Je mehr die Breite der Flossen zu-
' nimmt, desto länger und stärker werden auch die Fasern,
bis sie zuletzt an den breitesten Stellen die ganze Fläche
der Flossen durchstreichen.
Der Greifhäkchen zählte ich 6 bis 8 jederseits; was
die Zahl der Zähnchen betrifft , so dürften ihrer jederseits
höchstens 7 auf die vordere Gruppe , 11 auf die hintere
kommen.
Die Büschel starrer Fäden kommen in grosser Menge,
und dem Anschein nach, ohne sichtliche Ordnung verlheilt,
auf d^ir Oberfläche des Körpers vor. Dicht am Rande der
hintern Flossen wurde regelmässig , sowohl auf der obern
als auf der untern Fläche derselben, ein ähnlicher Büschel
bemerkt.
Diese Art erreicht die nicht unansehnliche Länge von 3
bis 3% Centim.
4. S. draco (Fig. 6.).
Von dieser seltenen, sehr ausgezeichneten Art, habe
ich nur ein wohlerhaltenes, aber glücklicherweise völlig aus-
gewachsenes Specimen zu beobachten Gelegenheit gehabt.
Der Leib ist kurz und dick, und bis zu seinem hinter-
sten Viertel ungefähr mit einer äusserst mächtigen, aus recht
Archiv f. Naturgesch XIX. Jahrg. 1 Bd. IQ
'274
Krohn
grossen dickwandigen Zellen gebildeten Schicht (a,a) beklei-
det, wodurch das Thier ein höchst fremdartiges Aussehen
erhält. Der Schwanz ist sehr lang, der Rumpf kurz, die
Schwanzflosse von ansehnlichem Umfang. Von den seitlichen
Flossen fehlt daä vordere Paar merkwürdigerweise ganz ; die
allein vorhandenen hintern Flössen (6, 6) reichen vorn nicht
über den Schwanz hinaus, was in Vergleich mit andern Ar-
ten eine nicht minder zu beachtende Eigenthümlichkeit ist.
Eben so auffallend sind zwei seitlich einander gegenüber ge-
stellte, auf besondern Vorsprüngen sitzende Büschel zahlrei-
cher, sehr langer, frei flottirender Fäden (c, c), welche man
auf der Zellenschicht in der vordem Leibeshälfte wahrnimmt.
Diese Fäden sind von weicher Consislenz, bandartig platt,
und zeigen sich bei starker Vergrösserung aus feinen, dicht
Heben einander verlaufenden Längsfibrillen zusammengesetzt.
Die Zahl der Greifliäkchen scheint beträchtlich, im Ma-
ximum 10 für jede Seile. Die höchste Zahl der Zähnchen
mag für die jederseitige vordere Reihe 8, für <lie hintere 18
betragen.
Die erwähnte Zellenschicht findet sich nur auf den bei-
den Seiten des Leibes, längs welchen sie sieh bis zur hal-
ben Länge des Schwanzes hiriabzieht. Voi-n am Kopf ist sie
V\*enfger mächtig , erhebt sich "aber am Rumpfe , je weiter
nach hinten, immer mehr, und wird zuletzt, indem sie den
vordem Theil der Seitenflossen auf beiden Flächen überdeckt,
ziemlich rasch wieder niedriger.
Die Büschel feiner starrer Fäden finden sich auch bei
dieser Art in reichlicher Menge, und zwar eben sowohl auf
der Zellerischicht als auch auf der frei zu Tage liegenden
Rück- und Bauchseite des Leibes.
Die Eierstööke erstrecken sich im trächtigem Zustande
hoch hinauf, bis an den Kopf.
Das Individuum , nach dem die obige Beschreibung
entworfen ist, maass nicht über 1 Centim. in der Länge.
In Bezug auf früher bekannte Arten, von welchen mir
einzelne noch zweifelhaft scheinen, erlaube ich mir amSchluss
noch folgende Bemerkungen.
Nachträgliche Bemerkungen üb. d. Bau d. Gatlung Sagitta. M75
Die Bezeichnung bipunctala , unter der ich die grosse
Sagitta des Mitlelmeeres in meiner Abhandlung aufgeführt,
[ ^JiOmml derselben eigentlich nicht zu. Ich bin jetzt nämlich
der Ansicht, dass die ursprunglich mit dem obigen Namen
bezeichnete, von Quoy undGaimard (Ann. d. scienc. nat.
prem. serie, T. X. p. 232.) beschriebene Sagitta, keinesweges
wie ich es früher meinte, als eine jüngere Altersstufe jener gro-
fsen anzusehen sei, sondern eine für sich bestehende Species
darstelle. Es ergiebt sich dies, trotz der mangelhaften Be-
schreibung im Ganzen, aus einzelnen Angaben von Quoy
und Gaim. Das Thier besitzt nämlich lang ausgezogene
Seitenflossen und zeigt bei einer Länge des Körpers , die
nicht über 5'" beträgt, bereits deutlich entwickelte Eierstöcke.
Das stimmt nicht zu der grossen Sagitta , die sich, durch die
bedeutende Kürze der vordem Seitenflossen wenigstens, aus-
laeichnet, und deren Ovarien in der Jugend noch so wenig
^^ausgebildet sind, dass sie selbst bei einer Länge des Leibes
von einem Zoll, immer noch als winzige Rudimente erschei-
nen. Ist nun die Artendiö'erenz zwischen beiden nicht mehr
zweifelhaft, so mag der grossen Art immerhin der erborgte
Namen verbleiben, da die von Quoy und Gaim. entdeckte,
wegen ungenügender Beschreibung und Abbildung, doch kei-
nen sichern Vergleich mit andern Arten zulässig und dem-
niiach nicht weiter zu beachten sein dürfte ^).
D'Orbigny hat in seinem Reisewerke (Voyage dans
TAmerique meridionale, Tom. V., p. 140. PI. 10.) drei Arten
beschrieben, die, nach der Zahl der Flossen, die Namen di-
ptera, triptera, hexaptera, erhalten haben. Die Abbildun-
gen, so ausgeführt sie auch sind , scheinen mir den Habitus
der Sagilten doch nicht treu wiederzugeben; der Körper er-
scheint im Verhällniss zur Länge zu dick, die Flossen zu
breit. Die Schwanzflosse soll bei allen drei Arten durch
einen tiefen, vom hintern Rande ausgehenden Einschnitt in
1) Der Vollsländigkeit halber gebe ich hier die Zahl der Hftk-
rhen und Zähnchen an, wie sie sich nach Vergleichung vieler Indivi-
duen bei der S. bipunctala herausgestellt hat. Häkchen jederseits
5—8, Zähnchen in der jederseitigen vordem Gruppe 3— 4, in der hin-
tern 5—7.
27'6 K r 0 h n :^^'s^Tf^5;j^ . ^ämi^A-dd^ri,^^
zwei Lappen zerfallen; was d'Orbigny bewogen hat, diese
Lappen für eben so viele gesonderte Caudalflossen anzusehen.
Hiernach sind die Speciesnamen zu beurlheilen. — Von den
angeführten Arten scheint dieS. hexaptera, der Beschreibung,
nicht der Figur nach, der S. bipunctata sehr nahe zustehen,
und möchte vielleicht identiscli mit ihr sein. Der S. diptera
sollen die Seitenflossen ganz fehlen, eben so der S. triptera,
die sich, auffallender Weise, durch eine grosse Medianflosse
auf dem Rücken auszeichnen soll.
Die von Busch {}. c. Tab. XV. Fig. 2.) entdeckte S. ce-
phaloplera, ist jedenfalls eine sehr eigenthümliche Art, leicht
kenntlich an der rädernden Scheibe auf dem Vorderlheil des
Rumpfes, und den beiden tentakelförmigen Fortsätzen seitlich
am Kopfe. Nach des Entdeckers Ansicht soll sie sich ferner
durch zwei überzählige, von den Seiten des Kopfes auf den
Anfang des Rumpfes herüberreichende Flossen von andern
Arten unterscheiden, wobei jedoch bemerkt wird^ dass diese
Flossen durch den Mangel der Fasern wesentlich von den
übrigen abweichen, und nur einen dichten äussern Beleg von
Zellen zeigen. Diese Angaben machen es zweifelhaft, ob
jenen für Flossen angesprochenen Theilen diese Bedeutung
mit Recht zukomme. Ich meinerseits möchte vermulhen,
dass jene Theile der Zellenschicht entsprechen dürften, die
man in derselben Gegend bei S. mullidentata anlriff't, nur
mit dem Unterschiede, dass diese Schicht bei S. cephaloptera
mächtiger entwickelt wäre.
S. rostrata Busch (1. c. Fig. 7.) soll vollkommen mit
S. setosa übereinkommen, und nur durch einen grossen
rundlichen Höcker, den sie vorn auf dem Kopfe trägt, sich
von ihr unterscheiden. Ich will bei dieser Gelegenheit be-
merken, dass ein ähnlicher, obwohl lange nicht so hoher
Buckel , in dem frühesten Jugendalter der Sagitten, an der
nämlichen Stelle wahrzunehmen ist. Dieser Buckel rührt of-
fenbar vom Kopfknoten her, welcher zu dieser Zeit einen,
im Verhältniss zum spätem Alter, sehr viel grössern Umfang
hat. Eben so unverhältnissmässig gross zeigt sich zu der-
selben Zeit auch der Bauchknoten, der die über ihn weg-
gehende Haut in ähnlicher Weise hervorwölbt.
Nachträgliche Bemerk, üb. d. Bau d. Gatt. Sagitta. 277
'' "" Erklärung derAbbildunfifen.
V^'^hiK" (Kopfstacheln oder Zähnchen der S, mullidenlata , 270mal ver«
a, die rectangulären Basen der Zähnchen. — bj dps m ^ine
Zackenkrone ausIauTende Ende derselben. — c , die HGble
der Zähnchen, von einer Matrix ausgefüllt.
Fig. 2. Sag. mullidentala, 5mal vergrössert. Es sind nur die zwei hin«
torn Drillheile des Leibes abgebildet. ^i «J«^ ' -^'^i
a, ö, das vordere seitliche Flossenpaar. -^ 'Ä,ft, dftä- hintere
seitliche Flossenpaar. — c, die Schwanzflosse. — d, d, die
Vorsprünge des männlichen Geschlechtsapparats. — e, der
Darm. — f, /", die Eierstöcke.
Fig. 3. Sag. serrato-deniata, 5mal vergrösscrt.
a, b, c, d, wie in Fig. 2.
Fig. 4. Endstück eines Greifhäkchens der Sag. serrato-dentata, 290mal
vergrössert. ...■•.;
Fig. 5. Sag. lyra, in natürlicher Grösse.
a, by c, wie in Fig. 2 und 3.
^Rg. 6. Sag. draco, 5mal vergrössert.
a,a, die zellige Bekleidung des Körperg. — ')5,"6, die Seiten-
flossen. — c, c, die Büschel langer platter Fäden zu beiden
Seilen des Vorderleibes. — d, die Schwanzflosse. — e, der
Darm. — /", /", die Eierstöcke.
Fig. 7. Ein junges, ums Fünffache vergrössertes Individuum von
Sag. bipunctat«, zum Vergleich mit den übrigen Arten dar-
gestellt.
Bezeichnung wie in Fig. 2 und 3.
müuB
-hmi?^ M4 %^^m^^ 'r^^^M^^^A c : :i
lieber die IVatar des kuppelf örmig^eu Aiilian<
ges am lieibe von Pliyllirlioe buceplialum,
Von
JL* Hrolm«
Prof. H. Müller hat neuerlich auf die fast constante
Anwesenheit eines eigenthümlichen Gebildes bei Phyllirhoe^
bucephalum aufmerksam gemacht, das in Gestalt einer flachenj^
rundlichviereckigen Kuppel, am vordem Dritttheil des untern
Leibesrandes dieses Weichthieres angeheftet ist. An den vier
EU^ken trägt diese Kuppel öfters contractile Zipfel, und sitzt
mit der Mitte ihrer hohlen Seite an dem erwähnten Leibes-
rande fest. Müller bemerkt, dass er diesen kuppeiförmigen
Anhang anfangs für etwas Fremdartiges, etwa eine anhaftende
Qualle gehalten, sich jedoch später überzeugt habe, dass er
unmittelbar mit der Phyllirhoe zusammenhängt. Müller
erklärt ihn sonach für ein Organ, dessen Function noch nicht
ermittelt sei (s. Zeitschrift f. wissenschaftl. Zoologie von v.
Siebold und Kölliker, Bd. IV. p. 336.).
Obwohl mir der von Müller erwähnte Anhang seit
Jahren bekannt ist , so fand ich mich doch erst jüngst, bei
meinem Aufenthalte in Messina, veranlasst, ihn näher zu un-
tersuchen. Das Resultat ist ganz zu Gunsten der frühern
Vcrmuthung M ü 1 1 e r's ausgefallen. Der Anhang ist entschie-
den nichts anders als eine Meduse , die parasitisch auf der
Phyllirhoe lebt. Sie weicht von den mir bekannten Schei-
benquallen nicht nur durch ihre Lebensweise, sondern auch
durch die eigenthümliche Bildung ihrer vier Randeirren oder
Tentakeln ab.
Krohn: Uebcr den kuppeUö;:rj[|^)p]9. Anhang bei PhyllirhoS« 2^^
Müller's oJ>«ii mitgelheillß Ai^ahen geben b^eüs
Aufschlufs über die Gestalt dieser Meduse, deren obexQ yon
der Phyllirhoe abgewandte Fläche in der Th^t kyppelarli^ ge-
\VÖlbt ist, während die ihr zugekehrte untere nur seh^ wp-
nig ausgehöhlt erscheint. Mitten auf dieser unt^ro plj^clfe,
ist der Magen angebracht, der an der PhyUirhoe so (ß.§l an-
gesogen ist, dass er bei jedem Verspche die Meduse los.'^nr
lösen , ßbreisst und an dei^ WoUnthier hängen bleibt D,\^r
sex Umstand hat mich bis jetzt verhindert, seine GeslaH ^^d^
übrigen Verhältnisse zu erkennen. Der Magen schick^ v\^x
enge, wie bei andern Medusen, gegen den Scheibenrand sich
erstreckende, und hier, an den Wurzeln der Tentakel^, jij
einem Ringgefäss zusammenkommende BadialHanälQ ab,. If).
nen am Scheibenrande bemerkt man jenen dünnhäutigen, ]\^z
ter dem Namen der Ringhaut oder des Diaphragma bp^^^r]|-j
ten Saum, der bei unserer Qualle , im Yergleich mit ande^ij^
damit versehenen Mpduseji , niir sehr wenig entwickelt i^f.
Er ist von kreis förir^ige^i Muskelfasern durchbogen. i\e)inU-
che Muskelfasern nimmt rpan auch f\n def untern Scbinnflä-
che wahr.
Die massig langen pandcirren odef Tßntalfßln sflzen
mit bulbusartig erweiterten Wurzeln dem Scheibenrande 9n,
sind vprhältnissmässig f|pftP, ui^d ver^chmächligen sjcj| allmäh-
!ic)i gpgen ihre Endei^ l>j^. U\\ ^u^fial^fTlp ^e^ Wur^plp, j&j;
ihppOh|eri]äphe stellen^yeise mit §phr fejner^ ji^i'zen Foirtsälzea
pdpr Aasten bpset^t? vqii denef] jpdpr ^ft sejnen^Efide p|Qfj?-
lich in einen, oder wie ich es zuweilen beob^phj.etzjif W^^T
glaube, selbst jn ^wei jpriäpl)fig,e liplbenfprmigß f^l?öpfe an-
/^pjiwjll^,. P^s Innere dieser Ifpöpfe i§^ ypn hellen, dic|||i
nel^pn ßmj\^^v liegenden , das Lichf §t^rk br^ph^pder) ff^r-
ßierc)ien a^§gefullt, f|e|*en ](f,epg,e mehr q(jpr i^yieniger pf;;-
ffachtljph sjßin k^j^fl. ps sind rj^f^düche , elxv.aß gej^rön^mte
C;pf)ildp, itj^r^n ejpes Pflfjp jz^gpspUzf i^t. S,9J,l,l,e <?^ sicl^
herausstellen, nj^gs dipse Körperclj^^ , Wi,e j,cf^ ^s kj^ufn
bezweifeln piöchte , Nesseloj-gapp sip.d , so .vyij^ste icji dp
kplbig^ö Enden der ,4^este /pif nichts andern», ß}ß ;i)Jt
den Nes&effy),öpCe^ ^^ /iep Fapgfäflpfi i^pr pfiysopjipriden ^,ij,(j
Pip)4yi4cn zu yc^glpjphep. Mit dies/?;i Fanorfädej) scheinen
mir die Tentakeln, auch in Beziehung auf die übrige Bildung,
280 Krolin:
ziemlich nahe übereinzustimmen. Es dürfte indess nur selten
gelingen , die Tentakeln in der Vollzahl anzutreffen. Sie
gehen nämlich, mit Zuröcklassung ihrer bulbösen. Wurzeln,
sehr leicht verloren. So fehlt denn bald der eine bald der
andere, und noch häufiger vermisst man sie alle insgesammt.
Uebrigens sind sie einer starken Verlängerung und Verkür-
zung fähig, namentlich gilt dies von ihren Aesten. Ich zwei-
fele auch nicht, dass die Tentakeln bereits von Müller ge-
sehen worden sind. Es sind die Theile, die Müller als
contractile Zipfel bezeichnet.
Die Meduse ist ausserdem durch die Nesselkapselzüge
ausgezeichnet, welche man äusserlich auf dem Schirm, an
bestimmten Stellen wahrnimmt. So unterscheidet man vier
breitere Züge, die vom Scheitel bis an die Wurzeln der
Tentakeln sich erstrecken, während ein schmalerer Zug rings
um den Scheibenrand sich hinzieht. Die Nesselkapseln selbst
sind rundlich, meistens von ansehnlichem Umfang. Sie schnel-
len einen Faden hervor , der ein sogenanntes Angelorgan
darstellt, nämlich an seiner verdickten Wurzel mit vier nach
hinten gerichteten Stacheln versehen ist. Aehnliche Nessel-
kapseln sieht man auch auf den Tentakeln in reichlicher
Menge.
Von Geschlechtsstoffen Hess sich keine Spur entdecken.
Auch von den sogenannten Randkörpern findet sich nicht die
leiseste Andeutung. Die Grösse, welche die Meduse erreicht,
dürfte, nach dem Scheibendurchmesser bestimmt, 1 bis V/^
Linien betragen.
Dass die Meduse, als Parasit, sich auf Kosten derPhyl-
lirhoe nährt, ergiebt sich schon daraus, dass sie mit ihrem
Magen, wie mittelst eines Saugnapfs, an dem Wohnlhiere fest-
hangt. Noch evidenter überzeugt man sich davon, wenn
man die in den Radialkanälen und dem Ringgefässe hin- und
herwogenden Speisestoffe näher untersucht. Diese Stoffe be-
stehen nämlich zu einem grossen Theil, theils aus gelben,
theils aus schwärzlichen Körnern , in welchen man alsbald
die durch die Verdauung mehr oder minder veränderten Pig-
mentzellen erkennt, welche in der Haut der Phyllirhoe, na-
mentlich an den beiden Leibesrändern derselben, in so gros-
ser Menge vorkommen.
üeber den kuppeiförmigen Anhang bei Phyllirhoß. 281
Es scheint , dass der ganze Körper sich am Saugact
beiheilige. Denn fast immer findet man den Schirm, in Folge
andauernder Contraclion, in Fallen zusammengelegt und am
Scheitel vertieft. Im Ganzen ist aber das Thier sehr indolen-
ter Natur. Hat man die Meduse losgetrennt, was, wie ge-
sagt, nur mit Einbusse des Magens möglich ist, so versucht
sie nicht einmal, wenn man sie auch noch so heftig rcitzt,
nach der bekannten Weise der Scheibenquallen sich fortzu-
bewegen; ihre Reactionen beschränken sich höchstens auf
schwache, kaum merkliche Zusammenziehungen. Es hängt
dies unstreitig mit der geringen Entwicklung ihres Bewe-
gungsapparats zusammen. Denn der Schirm ist, wie gezeigt,
nur äusserst wenig vertieft.
In wie weit diese zu den Gymnophlhalmata Forb. (Dis-
cophorae cryptocarpae Esch.) gehörende Meduse, etwa mit
der einen oder andern der bis jetzt bekannten Gatlungen
dieser Abiheilung verwandt sei, darüber kann ich nicht ent-
scheiden, da mir zur Zeit die nölhigen Hülfsquellen nicht zu
Gebote stehen. So viel scheint mir indess sicher, dass sie
ein neues Genus bildet, für das ich die Bezeichnung Mnestra
(von Mv/jarga, e'me Danaide) vorschlage. Ich nenne sie
sonach Mnestra parasites.
io.:
Ueber' Vorkoitiftien von fSarcopliag^amadeii
in den ytug^en und der Hase von lüensehen.
Von
I> r« Ed. Gf r 11 b c
Prof. in üorpat.
In den Jahresberichten dieses Archivs sind einige Be-
obachlungen über das Vorkommen von Insectenlarven in
menschlichen Augen mitgelheilt, ohne dass jedoch die Gat-
tung oder gar die Art ermittelt wäre , der sie angehörten.
So lautet V. Siebold's Bericht über die Leistungen im Ge-
biete der Helminthologie 1848. p. 393: eine Mittheilung von
Cabrira, dass ein Mann im Freien geschlafen und am andern
Tage von Schmerzen im linken Auge befallen worden. Ein
kleiner rother Fleck' wurde auf der Sclerotica bemerkt : nach
Reibung des obern Augenlides zeigten sich kleine weisse
Würmer auf der Cornea und dem übrigen Augapfel, von de-
nen nahe an 40 Stück entfernt wurden. Sie waren haardick,
y2 Lin. lang und mit einem kleinen schwarzen Kopf verse-
hen. Auch von Ormond sind zwei Fälle von Augenentzün-
dung beobachtet worden, wobei mehrere kleine Fliegenlar-
ven unter den Augenlidern zum Vorschein kamen. Ich er-
laube mir Ihnen einen ähnlichen von Herrn Dr. Schnee in
Gorigoretzk beobachteten Fall mitzulheilen , in welchem die
specielle Bestimmung des Insects möglich war. Zwei Kna-
ben, der eine von 4, der andere von 12 Jahren, hatten bei
heiterm Welter auf dem freien Felde geschlafen, und nach
dem Erwachen im inncrn Augenwinkel einen Schmerz em-
Grube: Ueber Vorkommen Ton Sarcopbagamaden etc. ^S3
pfunden, der sich allmählich unter heftigen Entzündungser-
scheinungen steigerte, dass so zulezl das verletzte Auge das
Sehvermögen einbüssle. Bei der Untersuchung fand Herr
Dr. Schnee im innern Augenwinkel ein Convolut von Ma-
den, welche die Conjunctiva und das Zellgewebe zerstört
hatten, und so tief in der Augenhöhle sassen, dass das hin-
tere Ende (obwohl die Körperlänge auf 9 Lin. angegeben
wird) noch gänzlich zwischen Orbita und Bulbus eingebettet
war. Nachdem er alle Larven entfernt — es mochten wohl
12 — 15 gewesen sein — lagen die innern Augenmuskeln ganz
vom Zellgewebe befreit wie präparirt da. Bei dem Heraus-
ziehen der Larven mit der Pincette wurden die meisten so
beschädigt, dass sie nicht zur Verpuppung kamen, bei eini-
gen aber ging sie vor sich , und von diesen habe ich die
Fliegen vor mir. Sie gehören zur Gattung Sarcophaga und
sind entweder S. ruralis Fallen oder S. latifrons Fall. Der
Sicherheit wegen setze ich die Beschreibung hieher. Sämmt-*
liehe Exemplare sind Weibchen von 2 bis 3 Lin. Länge. Die
Taster und Grundglieder der Antennen sind schwarz, das
Endglied der letztern schwärzlichbraun, der Kopf silbergrau,
seine Vorderfläche stark glänzend und wenig behaart , die
hintere wenig glänzend und querreihig behaart, etwas bläu-
lich. Die von denSOcellen zu den Antennen herabsteigende
Stirnbinde von schwarzbrauner Farbe wird jederseits von
einer Reihe von Borsten begleitet, und nimmt mehr als Va
der Augendistanz ein, die Stirn tritt sehr merklich zwischen
den Augen hervor, ihr horizontaler Durchschnitt bildet ein
breites, an der Spitze abgestumpftes Dreieck, die Augen sind
oval, dunkel rölhlichbraun, und ihr Abstand fast ebenso gross
wie ihr grösster, bedeutend grösser als ihr kleinster Durch-
messer. Rückenschild und Scutellum sind aschgrau mit bläu-
lichem Schimmer , ersleres trägt 3 breite schwarze parallele
Striemen, deren mittelster von 2 schwarzen etwas divergi-
renden und kaum über die Quernaht hinausgehenden Linien
eingefasst wird. An den Flügeln sehe ich den 4ten Längs-
nerven nicht über die Endumbiegung hinaus verlängert; eine
Spinula kann ich an der Costa nicht erkennen. Die ansehn-
lichen Haltcrenschüppchen sipd weiss , gerundet und etwas
länger als das Ponlcllum, die Beine schwarz, die llinterfer-
584 Grube:
gen an der Innenseite nackt. Das Abdomen beinahe ebenso
lang wie der übrige Körper, flach gewölbt, schmal oval, über-
all mit kurzen schwarzen Haaren besetzt , am Hinterrande
des 2ten Segments jederseits mit 2 , des 3ten Segments mit
3, des 4ten und 5ten mit mehreren längeren Borsten. Alle
Segmente sind oben hellaschgrau glanzlos, das Iste, 2te, 3te
mit einer Mittelreihe von 3 blauschwarzen in einander über-
gehenden hinten breileren Flecken geziert^ der letzte dersel-
ben vorn schmäler als die andern, fast dreieckig, mit aus-
geschnittenen Seitenrändern. Rechts und links von dieser
Mittelreihe trägt jedes Segment einen blauschwarzen Fleck,
der auf dem Isten die ganze Länge einnimmt, auf dem 2ten
fast kreisrund und nur halb so lang, auf dem 3ten ähnlich,
aber hinten abgestutzt und noch kleiner ist. Auf dem 4len
Segment steht eine Querreihe von 3 kleinen aneinander stos-
senden rundlich dreieckigen Flecken am Hinterrande. Die
Unterseite des Abdomens schillert bläulich und schwärzlich-
grau und jedes der drei hintern Segmenle trägt einen an-
sehnlichen schwarzen Fleck nahe dem aschgrauen Seitenrande.
Des After ist schwarz.
Man kann bei der Bestimmung nur zwischen Sarcophaga
latifrons Fall, und ruralis Fall, schwanken; beide gehören
nach Zetterste dt verschiedenen Gruppen an. Die erste
Gruppe hat zum Charakter: alarum nervus longitudinalis quar-
tus infra angulum sattem apparenter continuatus ; die zweite
hingegen infra angulum non continuatus. Sarcophaga affinis
soll zu derselben Gruppe mit latifrons gehören, allein Mei-
gen's ') Abbildungen von S. affinis und S. ruralis, welche Z et-
terstedt selber citirt, lassen keinen Unterschied der Flü-
gelbildung erkennen , denselben Verlauf der Nerven zeigen
unsere Exemplare. Bei S. latifrons werden die Taster allge-
mein schwarz beschrieben, bei S. ruralis nennt sie Mei-
genrostgelb, Zetterstedt flavi, doch sagt M eigen aus-
drücklich, dass sie nach Fallen schwarz sein sollen. Zet-
terstedt beschreibt die Figur der latifrons subcylindrica,
M eigen ihren Hinterleib starkgewölbt, ich finde ihn sehr
1) Systematische Beschreibung der EuropÄischen iweiflügligen
Insecten Theil V. Tafel 43. Fig. 10. Fig. 9.
Ueber Vorkommen von Sarcophagamaden. 285
flach gewölbt. Die MillelflecUe sollen nach Zetter sie dl bei
S. latifrons oft grösser sein und einen etwas unterbrochenen
Streifen darstellen, bei ruralis verlängert dreieckig sein; nach
M eigen stehen sie bei latifrons isolirt, und hängen bei ru-
ralis zusammen, wogegen Ruthe') angiebt , dass sie bei
latifrons rückwärts zugespilzt seien und eine Rückenlinie bil-
deten. Die auffallende Breite der Stirn , von welcher S. la-
tifrons ihren Namen erhalten, wird von keinem Beschreiber
näher verglichen, doch soll dieser Charakter nach Fallen
und iMeigen nur für die Männchen, nach Zetterstedt
und Ruthe für beide Geschlechter gelten. Uebrigens macht
Zetterstedt rücksichtlich der Breite zwischen S. latifrons
und ruralis nicht eben einen Unterschied, denn er nennt bei
ersterer die Augen late distantes, bei letzterer die Stirn eben-
falls lala. Bei d^m Mangel an vergleichbaren Exemplaren
beider Arten muss ich mich einer entscheidenden Bestim-
mung enthalten, und die Beurlheilung Kennern überlassen.
Die Larven selbst waren leider nicht aufbewahrt worden, da-
gegen verdanke ich der Gefälligkeit des Herrn Dr. Schnee
einige Puppen: diese sind braunschwarz, überall fein quer-
gerunzelt, mit kleinen kurzen Wärzchen besetzt und fast 3Lin.
lang. —
Herr Dr. Schnee fügt hinzu, dass er ähnliche aber
kleinere Larven in der Nase einer Jüdin gefunden, die dort
unsägliche Schmerzen verursacht , doch konnte er sie nicht
so vorsichtig hernusziehen, dass sie unverletzt geblieben und
zur Verpuppung gekommen wären. — Nach Ruthe (a.a.O.)
soll die Larve von S. latifrons in Berlin schon mehrmals aus
Ohr-Geschwüren geschnitten sein.
1) Troschel und Ruthe Handbuch der Zoologie, 4. Auflage
p. 455.
98^
Besclireibuiig: einer neuen deutschen
Fledermaus.
Von
JT. H« Blasius ,
Professor in Braunschweig.
Im vergangenen Sommer erhielt ich vom Niederrhein
aus der Gegend von Köln zwei Exemplare einer Fledermaus,
die ich nach den sorgfältigsten Vergleichungen für eine neue
Art der Gattung Vespertilio, am nächsten verwandt der Ves-
pertilio Nattereri Kühl, halten muss. Zur bestimmteren Un-
terscheidung will ich die Arten dieser Gattung nach ihrer
natürlichen Gruppirung im Zusammenhange charakterisiren.
a. Langöhrige Fledermäuse.
Das Öhr hat 9 oder 10 Querfalten, ist gegen die Mitte
des Aussenrandes nicht eingebuchtet , und ragt angedrückt
über die Schnauzenspilze hinaus. Die Schwanzspilze steht,
frei aus der Flughaut vor. Schwanzflughaut ungewimpert.
1. V. murinus: Das Ohr überragt die Schnauzenspitze
um ein Viertel seiner Länge. Der Ohrdeckel ragt fast bis
zur Mitte der Ohrhöhe vor, ist grade, und vom Wurzeldrit-
tel an verschmälert. Die Flughaut ist bis zur Mitte der Fuss-
sohle angewachsen. Flugweite 14".
2. F. Bechsteinii: Das Ohr überragt die Schnauzen-
spilze um die Hälfte seiner Länge. Der Ohrdeckel ragt bis
zur Mitte der Ohrhöhe vor, ist in der Endhälfte sichelförmig
nach aussen gebogen, und von der Wurzel an verschmälert.
Blasius: Beschreibung einer »etffen deutsch. Fledermaus. 287
Die Flughaut ist bis zur Zehenwurzel angewachsen. Flug-
weile 10".
b. Wimperhäutige Fledermäuse.
Das Ohr hat 5 oder 6 Querfalten , ist gegen die Mitle
des Aussenrandes eingebuchtet , und ragt angedrückt über
die Schnauzenspilze hinaus. Der Schwanz wird von der Flug-
haut ganz Umschlossen. Die Schwanzflughaut ist amHinter-
randc dicht gewimpert.
3. V. Gatter eri: Das Ohr ragt um ein Viertel seiner
Länge über die Schnauzenspilze hinaus, und ist etwas über
der Mitte des Aussenrandes schwach und gleichmässig ein-
gebuchtet. Der Ohrdeckel ragt über die Mitte des Ohrs, bis
zur Höhe der Einbucht am Aussenrande hinauf, und ist der
ganzen Länge nach verschmälert und sichelförmig nach aus-
sen gebogen. Die Flughaut ist bis etwas über die Mitte der
Fusssohle angewachsen. Die Schwanzflughaut hinten mit
starren, abwä"rtsgekrümmten Wimpern dicht besetzt. Flug-
weite 9'//^
4. V. ciliatus nov. spec. : Das Ohr ragt fast um ein
Viertel seiner Länge über die Schnauzenspitze hinaus, und
ist über der Mitte des Aussenrandes sehr stark, fast recht-
winkelig, efngebuöhtet. Der Ohrdeckel ragt bis fast zur Mitte
der Ohrhöhe hinauf, ohne die Höhe der Einbucht am Aus-
senrande zu erreichen, und ist der ganzen Länge nach ver-
schmälert und sichelförmig nach aussen gebogen. Die Schwanz-
flughaut hinten mit graden, weichen Haaren gewimpert. Die
Flughaut ist bis zur Z^henwurzel angewachsen. Flugweite 9"'
c. Was serfledermäuse.
Das Ohr hat 4 Querfalten, ist gegen die Mitte des Aus-
senrandes mehr oder weniger eingebuchtet, und ragt ange-
drückt bis fast zur Schnauzenspilze vor. Die Schwanzspitze
steht frei aus der Schwanzflughaut vor. Die Schwanzflughaut
ist am Hinterrande nicht gewimpert.
5. F. mystacinus: Das Ohr erreicht angedrückt unge-
fähr die Schnauzenspitze, und ist über derMitte des Aussen-
randes sehr stark eingebuchtet. Der Ohrdeckel ragt über
^88 -iTi.vM,! . ,. Blasiu8t^^tfi:^^^^i«l^^w
die Mitte der Ohrhöhe, über die Höhe der Einbucht am
Aussenrande hinaus, ist fast ganz grade, nur mit der äus-
sersten Spitze schwach nach aussen gebogen , und von der
Wurzel an verschmälert. Die Flughaut ist bis zur Zehenwur-
zel angewachsen. Flugweite 8".
6. V. Dauhentonii : Das Ohr erreicht angedrückt fast
die Schnauzenspitze, und ist dicht über der Milte des Aus-
senrandes flach eingebuchtet. Der Ohrdeckel erreicht unge-
gefähr die Mitte der Ohrhöhe , und die Höhe der Einbucht
am Aussenrande, ist der ganzen Länge nach grade, und nur
in der Endhälfte verschmälert. Die Flughaut ist bis ungefähr
zur Mitte der Fusssohlo angewachsen. Flugweite 9".
7. V. dasycneme: Das Ohr erreicht angedrückt fast die
Schnauzenspilze, und ist etwas unter der Mitte des Aussen-
randes schwach eingebuchtet. Der Ohrdeckel erreicht die
Mitte der Ohrhöhe nicht, ragt ungefähr bis zur Höhe der
flachen Einbucht am Aussenrande vor, ist fast ganz grade,
mit der Spitze schwach nach innen gebogen , und bloss im
Enddriltel wenig verschmälert. Die Flughaut ist nur bis zur
Ferse angewachsen. Flugweite 11".
Beschreibung von Vespertilio ciliatus.
Diese neue Art hat 38 Zähne, oben 4 , unten 6 Vor-
derzähne, und in jedem Kiefer oben und unten l Eckzahn
und 6 Backenzähne. Die Zahnformel ist daher
4.2 1 2-2 1 2.4 „Q „..,
4—2-1 r • T • 274 = ^8 Zahne.
Die Schneiden der untern Vorderzähne stehen in der
Richtung des Kiefers. Der dritte untere Vorderzahn ist im
Querschnitt oval, etwas länger als breit, und kaum halb so
stark wie der Eckzahn, während er bei V. Nattereri fast so
dick ist wie der Eckzahn. Von den zwei einspitzigen obe-
ren Lückenzähnen ist der zweite der kleinste, ungefähr von
der Höhe der Kronränder der beiden anliegenden Zähne,
und von aussen kaum mit der Spitze sichtbar, während die-
ser Zahn bei V. Nattereri deutlich über die anliegenden Kron-
ränder aufsteigt. Auch der zweite Lückenzahn im Unterkie-
Besclireibung einer neuen deutschen Fledermaus. 289
fer ist weit schwächer als der erste. Das länglich ovale
Ohr ragt angedrückt fast mit dem Endvlertcl über dieSchnau-
zenspitze hinaus und hat 6 deutliche Querfalten. Der Aus-
senrand des Ohrs endet unter der innern Basis des Ohrdek-
kels in gleicher Höhe mit der Mundspalte, und verläuft bis
über die Mitte hinauf in einen flachen, gleichmässig convexen
Bogen. Etwas über der Mitte ist eine plötzlich abgesetzte,
fast rechtwinkelig abgerundete Einbuchl, die in jeder Rich-
tung des Ohrs scharf hervortritt, während diese Einbucht bei
V. Naltereri ganz flach, kaum merklich ist. Von dieser Ein-
bucht verläuft der Aussenrand des Ohrs fast gradlinig bis
zur abgerundeten Ohrspitze. Der Innenrand springt an der
Basis vom Kiel ab winkelig vor, und verläuft der ganzen
Länge nach in einen gleichmässigeh flachen Bogen. Der Ohr-
deckel ragt fast bis zurMilte des Ohrs hinauf, ohne die Ein-
bucht am Aussenrande zu erreichen, während er bei V. Nal-
tereri über die Mitte der Ohrhöhe hinauf, bis zur Tiefe der
Einbucht vorragt. Er ist der ganzen Länge nach sichelför-
mig nach aussen gebogen, und von der Basis, oberhalb des
Zahns an, gleichmässig verschmälert, und sehr schlank zuge-
spitzt. Die Flughaut ist breit: die Wurzelglieder des 3ten
bis 5ten Fingers sind wenig von einander verschieden; die
Flughaut fast zwei und ein halb mal so lang wie breit. Der
angedrückte Unterarm ragt bis zur Mitte der Mundspalte vor.
Die Flughaut ist bis zur Zehenwurzel angewachsen. Die Fuss-
sohle an der Basis querrunzelig, in der Endhälfte unregel-
mässig längsrunzelig. Das Spornbein an der Ferse trägt
keinen seitlichen Hautlappen. Der Schwanz wird ganz von
der Flughaut umschlossen, so dass nur die rudimentäre Knor-
pelspitze des letzten Schwanzgliedes, kaum merklich, sicht-
bar ist. Die Flughäute sind nur unmittelbar um den Körper
herum noch ziemlich dicht behaart. Die Schwanzflughaut ist
hinten mit graden, weichen Haaren ziemlich dicht gewimperl,
während die Wimperhaare bei V. Naltereri starr und abwärts
gekrümmt sind. Diese weichen Wimperhaare beginnen ein-
zeln schon am Fuss und am Spornbein, und stehen dichter
und in zwei übereinander liegenden Reihen zwischen dem
Spornbein und der Schwanzspitze. Die Flughäute und Ohren
sind dünnhäutig und durchscheinend , lichlbraungrau. Der
Archiv f. NRturgesch. XIX. Jahrg. 1. ^d. 19
290
ßlasiug:
'TT!.
1"
1"
Pelz ist oben hellbräunlichgrau, unten weisslich. Das einr-
zelne Haar ist zweifarbig, im Grunde dunkelbraunschwarz,
oben mit fahl bräunlichgrauer, unten mit weisser Spitze. ^,,,.j
Flugweile ..... 9" —
Totallänge 3"
! >. Kopflänge .....
Schwanzlänge ....
Grösste Ohrlänge «in Aussenrande
Ohrlänge am Innenrande ,
Ohrdeckel längs dem Aussenrande
Ohrdeckel längs dem Innenrande
Oberarm
Unterarm .
Ddlter Finger, Isles Glied
iti,*im^i>^uw ^teß Glied
•^ j, 3tes Glied
„ „ Endglied
Vierter Finger, Istes Glied
„ ^ 2les Glied
„ „ 3tes Glied
„ „ Endglied
Fünfter Finger, Islps Glied . 1'
„ „ 2tes Glied
„ „ 3tes Glied
„ „ Endglied .
Schenkel ....
Schienbein . . . ,
Fuss
Frei vorstehende Schwanzspitze
Ich habe diese Fledermaus zuerst im Jahr 1847 in Tu-
rin gesehen. Obwohl ich die Ueberzeugung gewann, dass
diese Form nicht wohl mit einer der mir bekannten Arten
zu vereinigen sei, so reichten doch die ausgestopften Bälge
des Museums, an denen die Geslalt der Ohren, der Ohrdek-
kel und der Zähne nicht mit Sicherheit zu beurlheilen war,
nicht hin, um eine gründhche Vorstellung der Art zu gewin-
nen. Erst in vergangenem Sommer erhielt ich das Thier in
zwei frischen Exemplaren in Alkohol. Ich muss gestehen,
iias^ es mir aufTallend war, nachdem mir mehr als tausend
0,5"' .
7,6"'
ö,5"'
5,5'^'
3,8'"
3,1'"
10,1'"
4,1'"
1,4'"
5,2'"
4,3'"
3'"
0,8'"
4,3'"
3,9'"
0,5'"
1,2'"
4,2'"
3'"
0,6'"
6,5'"
7,8'"
4"'
0,2'"
Beschreibung einer neuen deutschen Fledermaus. Q91
Europäische Fledermäuse durch die Hände gegangen waren,
noch eine Form zu finden , die ich mit den mir persönlicii
bekannten Arten nicht vereinigen konnte. Es machte mich
dies um so misstrauischer, und ich suchte jeden Ausweg auf,
um einer neuen Art zu entgehen. Der einzige, der noch
anfangs annehmbar schien, war der, eine junge V. Nattereri
vor mir zu haben, obwohl dies der Jahreszeit nach nicht
wohl möglich war. Doch auch diese Idee musste ich fah-
ren lassen. Ich besitze V. NaCtereri von halberwachsenem
Zustande an ; aber kein einziges Individuum verläugnet die
augenfälligen Arlcharaktere. So kann ich denn nicht mehr
anstehen, diese Form für ganz verschieden von allen bis
jetzt in Deutschland gefundenen Fledermäusen zu erklären.
Eine andere Frage war die, ob sie nicht in den Nach-
barländern, in Frankreich oder Italien , gefunden , und als
Art beschrieben sei. Zur Beantwortung dieser Frage habe
ich mir nicht verhehlt, dass in dieser Gegend der Gattung
Vesperlilio die von Geoffroy beschriebene V. emargina-
tus , wie ein Gespenst, umherwnndelt, ohne mit Sicherheit
festgehalten werden zu können. In der Beschreibung von
Geoffroy sind keine Anhaltspunkte für eine sichere Unter-
scheidung. Wenn man die Originalexemplare nicht In Hän-
den hat, ist man fast ganz allein auf die Abbildung in den
Annales du Mus. d'hist. nat. VMl. p. 198. n. 7 angewiesen.
Doch diese Abbildung passt mehr mit V. Nattereri oder Dau-
benlonii , als mit der vorliegenden Form. Graf Keyserling
schrieb mir vor mehreren Jahren über diese Originalexem-
plare aus Paris Folgendes: „Die Exemplare von V. emargi-
natus scheinen mir identisch mit V. Nattereri. Die Fransen
an der Schwanzflughaut sind nicht so straff, aber angedeu-
tet. Alle Charaktere von V. Nattereri, Ohren, Ohrlänge,
Tragus, Fusswurzel, stimmen mit dem Originalexemplare von
V. emarginatus. Das Exemplar von Abbe v ille hat folgende
Dimensionen :
Flugweite ... 9" 2'"
Totallänge ... 3" 3'"
Ohr .... — 6,8'"
Tragus .... — 3,5"'
'''^' Dritter Finger, Istes Glied 1" 4,2'"
DriUef Finger, 2tes Glied.wi^--" 6,3'^ h
„ „ 3les Glied - — 4,9'"
nV-^i^m^iif^^fi' i Endglied r ^ iirinW' t3,Sf ri
VierterFinger, Istes Glied 1" 3,8'" hs(^
„ „ 2les Glied ~ 4,5'". . r ngb
„ 9, 3tes GliediMii'^ 44^i^»3i^<V<,tiiosÖ
MiaTe^^^^j; „ j, Endglied ? — t^r^U r
-4it!9fM?tn fönfter Finger, Istes Glied V 3,mi^m hmu
„ „ 3tes Glied ~ 3,8"' >M mß^^
„ „ Endglied, ,,,.?.— ^ü^ii^f^^js
-¥6v^1^ Schienbein ^»Ilj<^7«ifir;»itetet^di«t*>^'^"jt2i?(l «an
FuSS . . ■ . . — 4,4'" :>ba3g0i(
Die beiden anden von Ch?Lr\emoül.md MMz^jm^^
chen wenig von diesen Maassen ab." läituci^ .TssbüsiO
Diese Maasse stimmen ganz mit denen von V.Nattereri
überein, von welcher Art ich die Originalexemplare von Kühl
habe vergleichen können. Wenn ich noch nicht ganz mit
der Ansicht des Grafen Keys erlin g einstimme; so berück-
sichtige ich vorzugsweise den tiefen Einschnitt am Aussenrande
des Ohrs, den Geoffroy erwähnt und abbildet, und das
ausdrückliche ürlheil von Kühl. Die tiefe Einbucht am
Aussenrande des Ohrs, von der Keyserling nicht bestimmte
Meldung macht, stimmt mehr mit der oben beschriebenen Art
überein. Aber in der Abbildung von Geoffroy ragt der
Ohrdeckel entschieden über die Mitte des Ohrs, und über die
Einbucht am Aussenrande hinaus, und die Flughaut scheint
am Hinlerfusse entschieden nicht bis zur Zehenwurzel an-
gewachsen zu sein. So wenig ich also über die Art von
Geoffroy noch im Klaren bin, so wenig kann ich sie nach
den bestimmten Angaben mit der vorliegenden identifiziren
wollen.
Es konnte sich dann nur noch darum handeln, ob V.
emarginatus von Bonaparte von der Art von Geoffroy
abweichend, und mit der vorliegenden vielleicht identisch sei.
Bon aparte führt aber in seiner Iconografia della fauna ila-
lica fasc. XX. ausdrücklich an, dass bei seiner V. emarginatus
die Ohren von Kopfeslänge seien, und der pfriemenförmige
Tragus ungefähr zwei Drittel der Ohrhöhe erreiche, was
Beschreibung einer neuen deutschen Fledermaus. 293
auf die vorliegende Form unter keinen Umständen anzuwen-
den ist.
AuchTemminck will eine V. emarginalus in den Nie-
derlanden gefunden haben. Doch ist aus seinen Angaben in
den Monogr. de Mamm. nichts zu entnehmen , da sie aus
Geoffroy entlehnt sind.
Ueber die Thiere \on Geoffroy und Bonaparte
kann endgültig nur eine sorgfältige Untersuchung authenti-
scher Originalexemplare entscheiden. Dass sie nach den
ganz bestimmten Angaben beider Zoologen von der vorlie-
genden Form abweichen, glaube ich nicht bezweifeln zu kön-
nen. Dass aber die beiden erwähnten Thiere mit der vor-
liegenden Art zu ein und derselben natürlichen Gruppe ge-
hören, steht auch wohl fest.
Die der vorliegenden Beschreibung dieser neuen Art
zu Grunde liegenden Thiere sind in einem hohlen Baume an
einem Holzrande in der Nähe von Köln am Rhein gefunden
worden. Da diese Art auch in Piemont vorkommt, so ist
sie offenbar nicht ausschliesslich an den Norden oder Süden
von Europa gebunden. Es ist die einzige Fledermausart, die
icli bisher wissentlich nicht lebendig beobachtet habe.
Mit dieser neuen Art ist die Zahl der in Deutschland
bis zu dem südlichen Fusse der. Alpjen. vx>ckoflamenden Arten
auf 23 gestiegen. jixJWTift^^m Math jfiiiB
Braunschweig, im Dezember 1853.
»ihIÄ in?
yii>M^r-Mom'^^i$fikvmm ^9iv m^'^iW'^'t^
^ 3 i W nor ^ i^bvm^ .eil'
Heber Heloderiiia horriduni Wiegeln«
Vom
Herausgreber«
(Hierzu Taf. XIII und XIV).
Im zoologischen Museum zu Bonn befindet sich seit län*-
gerer Zeit ein Exemplar von Heloderma horridum in Weini-
geist, welches der selige Goldfuss vom Herrn Oberlehrer
Garthe in Cöln eingetauscht halte. Dasselbe war richtig
bestimmt, jedoch war auf der Etiquelte als Vaterland fälsch-
lich Abyssinien angegeben. Der Bauch war aufgeschnitten,
und die Eingeweide daraus entfernt; die Zunge jedoch und
der vordere Theil des Schlundes waren vorhanden. Leider
fand sich der Schädel stark verletzt, und in viele kleine
Stücke zerfallen, was offenbar bei der Tödtung des Thieres
geschehen war. Es hat schwergehalten, die einzelnen Stücke
wieder aneinander zu fügen; ist mir jedoch so ziemlich ge-
lungen.
Bei der grossen Seltenheit dieser Eidechse, welche in
keinem europäischen Museum in Weingeist sich findet , und
welche Wiegmann nach einem ausgestopften Exemplare
der Berliner zoologischen Sammlung beschrieben hat, schien
es mir besonders wichtig, die noch vorhandenen weichen
Theile und das Skelett sorgfältig zu präpariren. Auch die
Haut hat sich zu einem vollständigen, guten Exemplare aus-
stopfen lassen. Alles ist im Bonner Museum aufgestellt.
Diese Vorbereitungen machte ich im Jahre 1851, und
legte in einer kleinen Abhandlung damals die Beschreibung
des Skelets nieder , die als Programm zu einer öffentlichen
Troschel: lieber Helcnlenmi horridum Wiegm. ^S
Einladung* diente. In den Buchhandel ist diese Abhandlung
nicht gekommen , weil ich schon damals beabsichtigte, den
Gegenstand durch Abbildungeh in diesem Archiv zu eriäu-
fern. Mancherlei umstände haben dies bisher verzögert.
Nachdem zuerst bereits Hernandez dieses merkwür-
digen Thieres Erwähnung gelhan hatte, wurdd es von Wie g^-
mann in der Versammlung der deutschen Naturforscher zu
Berlin am 24. September 1828 beschrieben uhd ihm der
Name trachydertna horridum beigelegt^). Das Berliner Mu-
seum hatte damals das bisher einzige Exemplar als trockene
Haut von Ferdinand Deppe erworben. Im folgenden
J6hre> im Mai 1629, beschrieb Wieg mann dasselbe Exem-
plar ausführlicher **) , und veränderte den Gattungsnamen
in Heloderma, weil La Ir eitle den Namen Trachyderma be-
reits an eine Pimelien -Galtung vergeben hätte. Im Jahre
1834 liess Wiegmann diese Bechreibung wieder abdruk-
ken *^'*), und fügte eine gute Abbildung hinzu. Aus diesen
Wicgm ann'schen Beschreibungen allein war bisher das
Thier bekannt. Ich freue mich, die Kenntniss dieses Thieres,
mit welchem der Name meines seligen Lehrers und Freundes,
auf dessen Grundlagen weiterzubauen mir mehrfach beschie-
den , so innig verbunden ist, um etwas erweitern zu kön-
nen, muss jedoch zugleich bedauern, dass ich noch manche
Lücke zu lassen gezwungen bin.
Die ganze Länge unseres Exemplares beträgt zwei Fuss,
der Kopf ist 3 Zoll lang, der Rumpf misst 10 V2 Zoll, eben-
solang ist der Schwanz. Zur Sicherheit habe ich das Exem-
plar mit dem des Berliner Museums verglichen, und mich so
von der völligen Identität der Species überzeugt.
In Betreff der äusseren Gestalt habe ich der Wieg-
mann'schen Beschreibung nur eine Bemerkung in Betreff
des Ohres hinzuzufügen. Wiegmann sagt: „tympanum su-
perficiale? (in nostro specimine pertusum).'' Aus unserem
*) Ueber die Gesetzlichkeit in der geographischen Verbreitung
der Saurer. Isis 1829. p.421.
**) Ueber das Acaltetepon dder Temacuilcahuya des Hernan-
dez, eine neue Gattung der Saurer, Helodcriila. Isis 1829. p. G24.
««<>) llerpetologia me»icana p.23. lab. 1.
S96 7 ittwbk. Tro8chel:ia«MJijtJ94i^f
Exemplare ergiebt sich, dass das Paukenfell frei an der Ober-
fläche liegt ; es ist ein wenig eingesenkt , kleiner als das
Auge, und stellt eine fast senkrechte Spalte dar.
Von besonderem Interesse ist es, dass die Zunge noch
vorhanden und wohlerhallen ist. Sie wird in Weingeist auf-
bewahrt. Sie kann nicht in eine Scheide zurückgezogen
werden, ist etwas flach und breil, vorn zweispallig, in ihrem
vorderen Theile frei, im hintern angewachsen, und fleischig.
Ihre ganze Länge beträgt an dem Weingeistexemplare 38
mill ; die beiden Spitzen sind 10 mill. lang; am Grunde ist
sie 17, am Anfange der Spitzen 10 mill. breit. Die Ober-
fläche ist mit schuppenarligen Wärzchen bedeckt, welche an
der Basis der Zunge sehr gross sind, und nach vorn allmäh-
lich kleiner werden, so dass die beiden Spitzen fast glatt er-
scheinen (Taf. XIII. Fig. 1.).
cvsj Der noch vorhandene Theil des Schlundes ist fein aber
nichi regelmässig gefaltet.
Der Kehlkopf liegt in einer schwachen Ausbucht des
hintern Endes der Zunge. Die Luftröhre besteht aus 55 Knor-
pelringen und theilt sich in die ziemlich langen Bronchen.
Die Lungen waren grössleniheils zerstört.
Die übrigen Eingeweide fehlen ganz; ich wende mich
daher zur Beschreibung des Skelets.
D er Schädel.
Der Schädel (Taf.XIlL Fig. 2. 3.) ist sehr verkürzt und
die hinteren Enden der Unterkieferäste sind so weit von ein-
ander entfernt, dass die Breite der Länge des Schädels fast
gleich kommt; erslere verhält sich zur letzleren wie 6:7,
Die einzelnen Knochen des SchädeJs sind fest und kräftig.
Wie schon oben erwähnt, war jedoch der Schädel so zer-
splittert, dass es mir nur durch Anwendung der grossesten
Sorgfalt und Geduld gelungen ist , ihn aus den einzelnen
Stücken wieder zusammenzusetzen. Ein grosser Theil der
oberen Schädelfläche ist so innig mit den knochigen Haut-
schildern verwachsen , dass eine Trennung unmöglich war.
Es ist daher an einigen Stellen schwierig, die Grenzen der
einzelnen Knochen zuerkennen; eineSchwierigkeit, die durch
die Zersplitterung natürlich noch bei weüem qxhöht wird,
Ueber Heloderma borridum Wiegm. zfft
Das Os interm axillar e(Taf.Xin. Fig-. 3. i) ist kurz,
ohne den langen Nasalfortsalz dcrMoniloren, von denen sich
dieser Knochen sehr auffallend unterscheidet, er ist vorn
zwischen den Oberkiefern eingeschoben , und nimmt nicht
die ffanzc Breite der Schnauze ein. Dieser Zwischenkiefer
tragt fünf Zähne. '^änM^J n.lidt)«»!'
Es sind zwei grosse Nasenbeine vorhanden. Die-
selben sind jedoch mit der knochigen Haut innig verwach-
sen, und da ausserdem der mittlere Theil zerstört ist, so lasst
sich über ihre Gestalt keine sichere Angabe machen.
Auch die Stirnbeine hängen unzertrennlich mit der
knochigen Haut zusammen , und es sind daher die Grenzen
zwischen den einzelnen Knochen von oben her nicht zu er-
kennen. Von unten her bemerkt man jedoch eine mittlere
Längsnahl; auch lassen sich von unten die vorderen und die
hinteren Stirnbeine von den mittleren unterscheiden. Die
Ossa frontalia anteriora sind gross und bilden den ganzen
oberen Augenhöhlenrand, und berühren hier fast die Ossa
frontalia postcriora, indem von den Ossa frontalia interme-
dia nur ein schmaler Fortsatz den Rand erreicht. Diese Gren-
zen sind jedoch nicht sehr deutlich , und Hessen sich auch
in der Zeichnung nicht ausdrücken.
Das Os lacrimale bildet den vorderen Rand der Au-
genhöhle. Es ist mit dem Os frontale anterius durch eine
Naht verbunden, an das Oberkieferbein ist es jedoch so in-
nig angefügt, dass die Naht kaum zu bemerken ist. Das
Thränenbein ist durch ein beträchtliches Foramen lacrimale
durchbohrt. Seine Aussenfläche ist mit der knochigen Haut
verwachsen.
Vom Os superciliare Cuv., welches nur den Monilorea
und eigentlichen Lacerten zuzukommen scheint, ist keine Spnr
vorhanden.
Das Foramen lacrimale setzt sich vor dem Thränenbein
auf der inneren Fläche des Oberkiefers als ein tiefer
Kanal fort, und erreicht den Zwischenkiefer. Dadurch, dass
der untere Rand dieses Kanales stark vorspringt , wird die
untere, zahntragende Fläche des Oberkiefers ziemlich breit,
und ein wenig concav. Der Oberkiefer (Taf. XHI. Fig. 2.m)
ist kurz und reicht vom Zwigchcnkiefer bis zum Thränenbein
'498 tv^^iW m^'J f » B c h e 1 {
und Jochbein. Er scheint sieben Zähne getragen zu haben,
ivon denen jedoch einige abgebrochen sind.
;.H Das Os zygomaticu rn (Taf. XIII. Fig.2.i5) begrenzt
die Augenhöhle von unten und von hinten , und hat einen
seitlichen Fortsatz, an dessen Innenfläche sich der Kronfort-
satz des Unterkiefers anlehnt.
-fiii Der Längsdurchmesser der Augenhöhle ist etwas grös-
ser als der senkrechte Durchmesser ; sie nimmt den fünften
Theil der ganzen Schädellänge ein.
•HH- Die eigentlichen Stirnbeine stossen an das Os parietale
4rr einer ziemlich geraden Linie an. Dieselbe ist von oben
wegen der knochigen Haut, welche sie verdeckt, nicht sicht-
bar, von unten jedoch ist sie als eine ziemlich tiefe Furche
deutlich. Am Ende dieser Furche liegt das Os frontale po-
sterius , welches sich mit seinem grösseren Rande dem ei-
gentlichen Stirnbein, mit einem kürzeren Rande dem Os pa-
rietale anfügt. Das Os frontale posterius hat einen dicken
Orbilalfortsatz, an welchem das Jochbein befestigt ist; ein
hinterer Fortsalz fehlt jedoch, ebenso wie derSchläfenbogen,
gänzlich.
Das Os parietale liegt hinter dem Stirnbein, ist nur
in seinem vorderen Theile mit der knochigen Haut verwachsen
und bietet eine breite Oberfläche von viereckiger Gestalt dar,
deren Seitenränder wie der Hinterrand scharf und ein wenig
ausgeschweift sind. Auf, der oberen Fläche ist keine Spur
einer Fontanelle sichtbar, auf der unteren Fläche ist eine
kleine Vertiefung als Andeutung einer Fontanelle vorhanden.
Die beiden hinteren Eckert sind in einen langen starken Fort-
satz ausgezogen, an den sich der Querfortsalz des Hinter-
hauptbeines anfügt. Eine Längsnaht zeigt, dass jeder dieser
Fortsätze aus zwei Knochen besteht; der innereist der Fort-
satz des Scheitelbeins, der äussere ist das Os mastoideum
(Taf. XHL Fig. 2.«), welches der ganzen Länge nach diesem
Fortsalze dicht anliegt , und seine Breite und Stärke bedeu-
tend vermehrt.
Das Schläfenbein (Os temporale, nach Anderen os
quadrato-jugale) ist sehr klein und nimmt nur etwa den drit-
ten Theil des Os mastoideum ein (Taf. XHL Fig. 2. 0 , mit
welchem es innig verbunden ist. Es bildet gleichsam das
Ueber Heloderma hönridum Wiegm.
m
äussere Ende des hinteren Scheitelbeinforlsatzes. Der ganze
innere Rand des Schläfenbeines liegt dem Os mastoideum so
an, dass auch keine Spur eines Jochbogens vorhanden ist.
j. Das Hinterhaupts bein, so wie das Sphono id*-
"bein, stimmen im Allgemeinen und im Wesentlichen mit dei-
nen der übrigen Saurer überein. DasOs petrosum liegt Wie
gewöhnlich dem vorderen Rande des Querfortsatzes des Hin-
terhauptsbeines an, und gleicht an Gestalt dem der Monitoren.
Das Os tympanicum (Taf. Xill. Fig.2./i) trägt auch
hier wie bei allen Eidechsen den Unterkiefer, ist kurz und sehr
kräftig, und zeichnet sich dadurch aus , dass seine hintere
Fläche stark ausgehöhlt ist. Sein oberes Ende ist an dem
hinteren Fortsatze des Scheitelbeines, oder vielmehr an die^-
sem, an dem Os mastoideum und an dem Os temporale be-
festigt.
Die Pflugschaarbeine (Ossa Vomeris , Taf. XIII.
Fig. 3. r) fugen sich an den Zwischenkiefer an , und sind
gleichsam eine Fortsetzung desselben. Sie liegen in der
Längsrichtung, bilden vorn eihc tiefe Längsfurche zwischen
sich, und divergiren nach hinten, um sich an die Gaumen-
beine anzulehnen. Die Längsfurche an dem vordem Theil
der Oberfläche, wie sie beiden Monitoren vorkommt, fehlt hier.
Die Ossa palatina (Taf. XIII Fig. 3. p) bestehen aus
drei Aesten, die flach, breit und kurz sind. Zwei derselben
sind nach vorn, der dritte nach hinten gerichtet. Der vor-
dere innere berührt das hintere Ende des Vomer, der vor-
dere äussere heftet sich an den Oberkiefer, und der hintere
fügt sich an den vordem und Innern Forlsalz des Pterygoid-
beins. Zwischen den beiden vorderen Aesten hängt das Gau-
menbein nach oben auch mit dem os frontale anterius zu-
sammen. Beide Gaumenbeine sind von einander völlig ge-
trennt. Sie weichen überhaupt von denen der Monitoren nicht
auffallend ab.
Das Os transversum (Taf. XI H. Fig.3. qf) ist ein
kurzer Knochen , und verbindet den äusseren Fortsatz des
Pterygoidbeins mit dem Oberkiefer und mit dem Jochbein.
Auch dieser Knochen unterscheidet sich nicht besonders von
dem gleichnamigen der Moniloren.
Das Pterygoidbein (Taf.XUL Fig.3.r) ist etwa in
der Mitte seiner Länge der Apophyse des Sphenoidbeins mit
einer Gelenkfläche angefügt. Von hier aus wird der Knochen
nach vorn allmählich breiler und endet in zwei kurzen brei-
ten Forlsätzen, deren innerer sich an den hinteren Gaumcn-
beinforlsalz anfügt, und flach und breit ist, während der
äussere, hoch und schmal, an dem Ende des Os transversum
befestigt ist. Der innere Fortsatz ist gleichsam wie ein ho-
her Kiel an dem äusseren stärkeren angebracht, und die der
Mundhöhle zugekehrte Fläche ist daher concav. Der Theil
dieses Knochens, welcher hinter der Apophyse des Sphenoid-
beins liegt, ist etwas zusammengedrückt, an der Innenseile
flach, und ist mit seiner hinteren Spilze, wie bei allen Sau?r
riern, in einer Grube des Ostympanicum befestigt. Oberhalb
der Gelenkfläche für die Apophyse des Sphenoidbeines ent-
springt die Columella Cuv. als ein schmaler Knochen, der
sich senkrecht zum Rande des Scheitelbeines begiebt (Taf.
7^(y.._Fig.2.«).
^,>,,i,. In der Knorpelhülle, welche vor dem Sphenoidbeine
liegt, sind keine Knochenstücke vorhanden.
Als besondere Eigenthümlichkeiten des Schädels möchte
ich bezeichnen : die Kleinheit des Os temporale , womit das
gänzliche Fehlen des Jochbogens zufammenhängt, — das Feh-
len des Os supraorbitale, — und die beträchtliche Breite de^
Scheitelbeines, welches nicht wie gewöhnlich zwei seitlich^
dachförmige Flächen darstellt, sondern eine breite Fläche,
deren seitliche Ränder zugeschärft sind.
Der Unterkiefer.
Eine Eigenthümlichkeit dieser Eidechse besteht darin,
dass die beiden Aeste des Unterkiefers vorn durch Knorpel
verbunden sind, so dass sie, wie bei den Schlangen, einiger
Ausdehnung fähig sind. Damit hängt auch das Vorhanden-
sein einer kleiner Kinnfurche zusammen.
Jeder Ast des Unterkiefers ist aus sechs Knochen zu-
sammengesetzt, wie bei allen Eidechsen, die Cuv i er als
dentale, operculare, complementare, articulare, angulare und
supraangulare bezeichnet.
Das Os dentale cTaf.XIIL Fig.2. a) ist sehr kurz,
Ueber Heloflerma horridum Wiegm. 3Ö1
kürzer als bei irgend einer Eidechse; es nimmt nur zwei
Fünflel der ganzen Länge des Unterkiefers ein, während es
bei den übrigen Eidechsen mindestens die Hälfte desselben
erreicht. An seiner äusseren Fläche finden sich vier Löcher.
Der hintere Rand ist fast senkrecht, macht jedoch zwei Buch-
ten, von denen die Vorderenden des complementare und sü-
praangulare umfasst werden.
Das Os operculare zeigt grosse Aehnlichkeil mit
dem der Monitoren. Es liegt innerhalb des hintern Theiles
des Os dentale , erreicht die Zahnwurzeln nicht , und bildet
den unteren Winkel des Unterkiefers. Vor dem Os opercu-
lare ist das Os dentale an seinem untern Rande mit einer
liefen Furche versehen, in der der Knorpel des Unterkiefers
liegt, durch welchen die beiden Aeste vorn verbunden wer-
den. An der inneren Fläche des Os operculare finden sich
zwei Foramina, ein kleineres am unteren Rande, ein grösse-
res am oberen Rande, dicht am Os dentale ; letzteres gehört
nur dem operculare an, während es bei den Monitoren zwi-
schen beiden Knochen angebracht ist, '- ^^«^'^
Der vordere Theil des Os complementareist hö-»
her als bei den Monitoren, kürzer und ohne äusseren Kiel.
Die übrigen Knochen des Unterkiefers weichen von de-
nen der Monitoren nicht ab, nur ist beiHeloderma horridum
der hintere Forlsatz kürzer als bei ihnen. i iiahülae
Die Zähne.
Wiegmann sagt richtig über die Zähne: dentes ma-
xillarum aequales, altenuato-conici , recliusculi , aculissimi,
maxillarum margini interno adfixi , antico latere intus sulco
profundo exarati. Dentes palalini nulli.« *). ^^^^
Nach unserem Exemplare kann ich diesen Angaben hin-
zufügen, dass im Zvvischenkiefer fünf Zähne vorhanden sind,
ein wenig entfernt von einander, von denen jedoch nur die
beiden links gelegenen erhallen sind. Sie sind fasl gleich
gross und an der inneren Seile gefurcht. Es ist sehr zu
bedauern, dass der mittlere Zahn abgebrochen ist, von dem
*) Herpelologia mexicana p. 24.
102 Troschel:
es zweifelhaft ist, ob er gefurcht war oder nicht. Jeder
Oberkiefer trägt sieben, jeder Unterkiefer neun Zähne; alle
sind gefurcht. Die unteren Zähne scheinen die oberen an
Länge übertrofFen zu haben.
Die Basis aller Zähne, sowohl der oberen wie der un-
Ißren, war von einem drüsenartigen Zahnfleische umgeben;
es ist mir jedoch nicht gelungen, Ausführungsgänge zu den
Zahnwurzeln zu ermitteln. Ich kann daher die Frage über
die Giftigkeit des Heloderma horridum nicht zur Entschei-
dung bringen. Da das Wi egm ann'sche Werk selten, und
nicht Jedem zugänglich ist, so wiederhole ich die hierauf
bezügliche Stelle *) hier, um sie denjenigen in Erinnerung zu
bringen, die in der Folge Gelegenheit haben, das Thier zu
untersuchen: „Specimen huius animalis unicum, idque, quod
maxime dolendum, exsiccatum, a Ferdinando Deppe, ineunte
anno 1828, accepimus, nomine Scorpii (Escorpione) quo iam
antiquis temporibus in Nova Hispania appellabatur, insignitum.
Vivit in ferventibus terrae Mexicanae regionibus. Torvo foe-
dissimoque aspectu ac dentium longo acumine falsam vene-
uati ac letiferi morsus suspicionem iam antiquitus in se com-
movit. Eliamnum illarum regionum incolae Deppio teste cro-
lalum aliosque venenatos serpentes vix magis timent, huius-
que animalis aspectum tantoperereformidant, ut quum ex ve-
natu ille rediret, nostrae bestiolae exuvias in manibusgestans,
ex aedibus omnes protinus erumperent. Sunt tamen, quae ut
hanc foveant suspicionem, etiam zoologorum multos perdu-
xerint, dentes nimirum, sulco eodem exarati, qualem in ser-
pentibus iure suspectis v. g. in Dipsade, Homalopsi aliisque
invenimus, et quos glandulae veneniparae ductus excretorios
excipere facile tibi persuadeas. Obstat tamennullam hucus-
que ex lacertis, innotuisse venenatam , et eundem etiam in
mandibulae dentibus sulcum adesse , qui quomodo venenum
sursum ducat, non facile intelligilur. Hinc verisimilius vi-
detur, sulcos, in prima dentium evolutione ortos , quemad-
modum in serpentium dentibus fieri scimus, per aetatem per-
manere. Ad hanc quoque senlentiam faciunt, quae ex Her-
nandesii scriptis hausta, Nardus Antonius Recchius cap. IJ.
*) Herpetologia mexicana p. !i5.
Ueber Heloderraa horridum Wiegm. 303
de Acaltetepo seu Monoxillo mucronalo, in Thesauro Rerum
medic. Nov. Hisp. p.315. rcfort: „„De Acallotepon seu Mo-
noxillo mucronalo, quod privatim Temacuilcahuya vocant,La-
xerlo Novae Hispaniae. Versalurin Quauhnahuacensibus agris
aliisque fervenlibus huius Novae Hispaniae locis lacerli lerri-
iicum quoddam genus. Cololo nostrali haud absimile, nun-
cupalum ab indigenis Hispanis Scorpius duas longum spitha-
mas, prolixa cauda, brevibus cruribus, lingua, quam interdum
Versal, rubra, lata ac bifida, lorvo capite, incessu gravi tar-
doque, et criista inteclam dura , fulvis candidisque punclis,
parvulas margaritas imitanlibus aut lithospermi semina, va-
riala , quae a cruribus posterioribus usque ad exlremum Ca-
put in varias digerunliir formas , ab iisdem vero ad exlre-
mum caudae in lineas annulis similes, cingentes transversira
corpus per inlervalla, elsi fulvae longe sunt numerosiores.
Huius animalis morsus noxius est, sed minime lethalis, quo
fil, ut visu, quam ictu sit horridius, nee quemquam impetat^
nisi laesum et concitalum ct.««
Nach dem Zeugniss des Hernandez ist das Thier also
nicht giftig, und ich will auch nicht gerade behaupten, dass
es giftig sei. Die Gründe, welche Wieg mann dafür an-
giebt, dass es nicht giftig sei, scheinen mir jedoch nicht
Stichhallig. Wenn er sagt, dass es schwer zu erklären sei,
wie in den gefurchten Zähnen des Unterkiefers das Gift in
die Höhe treten solle, so kann ich dem nicht beistimmen;
denn schon durch einen leisen Druck der Giftdrüse müsste
das Gift in der Furche nach oben und tief in die Wunde
treten, wie viel eher bei einem kräftigen Biss, wie ihn offen-
bar das Thier ausführt.
Das Zungenbein.
Das Zungenbein (Taf. Xlll. Fig. 4.) weicht von dem
der übrigen Eidechsen sehr bedeutend ab. Der Körper des-
selben ist grösstenlheils knorplig, und enthält nur ein vier-
seitiges Knöchelchen, das etwas länger als breit ist. Dieser
Körper dehnt sich in einen langen vorderen Knorpelforlsatz
aus, der in die Zunge Irilt. Ausserdem sind zwei Paare
knöcherner Hörner dem Körper eingelenkt. Das vordere
304 Troschel : .
Paar ist nur halb so lang wie der mitllere Fortsatz, ist ge-
rade und nimmt seine Richtung nach der Seile und ein we-
nig nach vorn ; von seinem Ende entspringt ein zweiler lan-
ger knorpliger Theil, der nach hinten gerichtet ist. Die hin-
leren Hörner sind fesler, knochiger, rundlich , nach hinten
gerichtet, und so gekrümmt , dass sie allmählich ein wenig
mehr divergiren; sie haben etwa dieselbe Länge wie der vor-
dere mittlere Fortsatz des Körpers, und an ihr Ende setzt
sich ein Knorpel an. Von einem dritten Hörnerpaar ist keine
Spur vorhanden. Von allen Zungenbeinen von Eidechsen,
die Cuvier *) beschrieben und abgebildet hat, ist das Ver-
liegende noch am ersten mit dem der Geckonen zu verglei-
chen, obgleich es hinlänglich dadurch abweicht, dass der er-
ste Theil der vorderen Hörner nicht gekrümmt ist, und durch
die terminale Insertion des zweiten Theiles derselben.
Die Wirbelsäule.
Es sind acht Halswirbel vorhanden, von denen die fünf
hinleren Rippen tragen.
Der Alias, welcher wie gewöhnlich bei den Eidech-
sen aus drei Knochen besieht, hat grosse Aehnlichkeit mit
dem der Monitoren, die vorderen und hinteren Einschnitte
sind jedoch weniger tief; der untere Theil ist kurz, und we-
der mit einem deutlichen unteren Kiel, noch mit einem hin-
tern dornigen Fortsalze versehen (Taf. XIH. Fig. 1. fl. 6.).
Abweichender ist der Epistropheus gestaltel. Der
Processus odonloideus ist dick, kurz, und hat oben eine et-
was vertiefte Grube. Vorn ist der Körper höher und dicker
als hinten, und unten springt er in einen stumpfen Höcker
vor, ohne Spur des Dornes, der hier bei den Monitoren vor-
kommt. Die unlere Leiste ist wenig deutlich, und trägt an
ihrem hinleren Ende eine kleine Epiphyse. Die Querforl-
sätze sind sehr entwickelt, halb so lang wie die Breite des
Körpers , enden aber nicht in einer hinteren Leiste. Der
Dornfortsatz ist, von der Seile gesehen, fast quadratisch mit
ausgeschweiften Rändern ; seine obere Kante ist kürzer als
*) Ossemens fossiles V. pl.XVIL
Ueber llelodcnna horridum Wiegm. 806
der Körper des Epistropheus. Die vorderen Processus obli-
qui sind sehr klein, wenig vorspringend und unter ihnen ist
kaum ein Einschnitt vorhanden ; die hinteren Processus obli-
qui sind denen der übrigen Halswirbel ähnlich (Taf. XIV.
Fig. 2. a. 6.).
Die übrigen Halswirbel sind kürzer, und ihre vor-
deren und hinteren schiefen Fortsätze sind wohl entwickelt;
ihre Dornforlsätze sind zusammengedrückt, nach rückwärts
geneigt, bilden vorn eine scharfe Kante, hinten eine schmale
Fläche und sind bei gleicher Höhe mit dem Dornfortsatz des
Epistropheus nur halb so lang d.h. in der Richtung von vorn
nach hinten. Die Querfortsätze sind stärker und springen
,|ast senkrecht vor. Die untere Fläche des Körpers dieser
^Wirbel ist convex, ohne Kiel, und trägt weder den vordem
Höcker, noch die hintere Epiphyse des Epistropheus. Die
vordere Fläche ist bei allen concav, die hintere kuglig con-
vex, wenig breiter als hoch. ,- :
f Die Rückenwirbel sind von den Halswirbeln wenig
verschieden. Sie sind jedoch etwas breiter und niedriger.
Die Dornfortsätze werden von vorn nach hinten allmählich
kleiner. , Die untere Fläche der Wirbelkörper ist fast eben,
nach hinten verschmälert. Die kurzen fast senkrechten, hök-
kerförmigen Querfortsälze tragen Rippen. Wenn man alle
diejenigen Wirbel, welche Rippen tragen, zu den Rücken-
wirbeln zählt, natürlich mit Ausnahme der Rippen tragenden
Halswirbel , dann sind 23 Rückenwirbel vorhanden. Auf
Taf XIV. Fig. 3. ist der 17. Rückenwirbel mit seiner Rippe
dargestellt.
Auf sie folgen zwei Wirbel ohne Rippen, die man als
Lendenwirbel ansehen kann, und die sich in der Gestalt
von den hinteren Rückenwirbeln nicht wesentlich unter-
scheiden.
Das Os sacrum besieht aus zwei Wirbeln (Taf. XIV.
Fig. 7. «und 6). Der erste derselben hat einen grossen
Querforlsatz, der sich mit dem hinleren Rande des verbrei-
terten Endes an den Querfortsalz des zweiten ansetzt. Die
1^ vorderen Gelcnkfortsälze dieses ersten Wirbels gleichen an
Grösse den entsprechenden Fortsätzen der Rücken- und Len-
denwirbel, die hinteren Gelenkforlsälze sind kleiner, und
Arebiv l Natorsesoh. XX. Jahrg. t Bd. 20
306 Ti«ösch'«'l:
stimmen mit denen der Schwanzwirbel überein. Daher müsste
man, wenn man die Form allein in Betracht zieht, die vor-
dere Hälfte des ersten Kreuzwirbefe den Lendenwirbeln, die
hintere Hälfte desselben den Schwanzwirbeln zuz'ählen; der
zweite Kreuzwirbel würde ganz in die Ordnung der Schwanz-
wirbel gehören. Der Querfortsatz des zweiten Kreuzwirbels
ist weniger kräftig, am Grunde cyiindrisch, am Ende gleich-
sam gabiig, und bildet in Gemeinschaft mit dem Querfortsatz
des ersten Kreuzwirbels eine tiefe Grube^, welche das Becken
aufnimmt.
Das Ende der Wirbelsäule bilden dann 41 Schwanz-
wirbel. Die Dornfortsätze sind an den vorderen Wirbeln
wohl entwickelt, etwas höher und schlanker als an den vor-
hergehenden Rückenwirbeln. An den vorderen Schwanzwir-
beln sind sie am Gipfel abgestutzt (vergl. Taf. XIV. Fig. 4.),
etwa vom 20. Wirbel an werden sie spitz , an den letzten
Wirbeln verschwinden sie mit den übrigen Fortsätzen ganz.
Der Querfortsatz des ersten Schwanzwirbels ist kurz und
kräftig, um dem nach hinten vorragenden Theil des Os ilium
mehrRanm zu geben; der des zweiten ist breiterund länger,
von allen der grosseste, von seiner Mitte am vorderen Rande
verschmälert, ein wenig nach hinten gerichtet. Die Quer-
ortsälze der übrigen Schwanzwirbel sind ziemlich lang,
schmal, flachgedrückt, dornförmig, und genau seitwärts ge-
richtet; nach hinten werden diese Querfortsätze allmählich klei-
ner und verschwinden endlich fast ganz. Der Raum zwischen
den Querfortsätzen und Dornfortsätzen fand sich grösstentheils
mit Fett ausgefüllt. Alle Schwanzwirbel, mit Ausnahme des
ersten, tragen an ihrem hinteren Rande, oder vielmehr zwi-
schen je zwei Wirbeln angefügt, einen unteren Dornfortsatz,
der mit zwei Wurzeln auf vorspringenden Höckern befestigt
ist. Der erste untere Dornfortsatz ist kürzer als der zweite;
vorn zweiten ab werden sie allmählich kleiner, so dass der
siebente an Länge dem ersten gleich kommt; an den letzten
Wirbeln verschwinden sie ganz.
■'•' Leider sind die beiden letzten Schwanzwirbel abhanden
gekommeii.
bnf
Ueber Helodcrma horridum Wiegm. §9g
Die Rippen. " -
Im Ganzen sind bei Heloderma horridufn ^ Rippen-
paare vorhanden, nämlich 5 ^fi den Halswirbeln, 23 an de«
Rückenwirbeln. Von diesen erreichen die vier vardere»
Paare das Brustbein, h nßfsbn/ni^ nxfiff Irfjlh hni? Mhair
Ihre Länge ist sehr verschieden. Per Unge naeli'ge^
hen die Rippen der Halswirbel allmählich in die Rückenwir^
bei über, und die Grenze der Wirbel wird überhaupt nur
durch die Insertion der Rippen an das Brustbein bestimmt.
Am kürzesten und auschaulichsten wird §ich das Verhältnis^
der Rippen zu einander ausdrücken lassen, wenn ich von ali«
len die Maasse in Millimetern angebe:
Pie Länge der Halsrippen ist von vorn nach hintp?: 8%,
11, (-?, 14, 29 mm. Die ersten vier Brustrippen, Wielche dftp
Brustbein erreichen, haben folgende Maasse : 30, 3^, 38, 43
mm. Ihre Knorpel sind bogenförmig und nehmen von vorn
nach hinten an Länge zu. Die übrigen Rippen messen 52|
56, 59, 59, 61, 6^, ^l, ^9, öö, ß% 59, ^6, ^5, ,Ö0, 47, 89,
I§9 U, 9 mm.
,, Die einzelneii Rippen h«iben unter der verdkMen Ba-r
sis eine concave Fläche, welche dem höokerförmigen Quer-
fortsatze aufsitzt. Am Grunde sind die Rippen rundlich, gfrr
gen das Ende werden sie flach. Auf Tai. XIV. Fig. 3. ist die
Rippe des 17. Rückenwirbels abgebildet.
Das Brust hein un(f das Schultergerö^t.
Das Brustbein (Taf. XIV. Fig. 5.) besteht aus zwei
Theilen, aus dem Handgriff und dem Körper.
Der Handgriff des Brustbeins ist ein schmaler upd fla-
cher Knochen, der am vorderen Ende nur wenig pr>yeiter^
ist, und keine seitlichen Hörner absendet» A,q 4i^ß^ 6^4^
sind die Schlüsselbeine angefügt. Die hintere Hälfte i^st eben-^
falls etwas erweitert, und tritt mit seiner stumpfen Sipiti^e i(i
einen tiefen Einschnitt des Brusibeinkörpers ein.
Der Körper des Brustbeins liat eine rhombische Gestalt^,
ist sehr flach und besteht aus zwei Stücken, die der Länge
nach in der Mittellinie aneinanderstossen. Die bcidep. ypir-
80Ö Troschel:
deren Ränder sind verdickt, und lehnen sich an die Ossa
coracoidea; an die hinteren Ränder befestigen sich jeder-
seits die Knorpel der vier Rippen. Der erste Knorpel er-
reicht das Brustbein dicht hiwter seinem seitlichen Winkel;
der zweite in der Mitte des Hinterrandes; der dritte und
vierte sind dicht neben einander an dem hinteren, etwas ab-
gestutzten Winkel angeheftet, der letztere so nahe dem der
anderen Seite, dass sie eine Strecke mit einander verbun-
den sindJ'"'^^'^ ^♦'''^ '^^"J*^ '»^>'* ossfiBii) mü) bnu
Das Schulterblatt (Taf. XIV. Fig. 6.) besteht aus
vier Stücken, aus der lamina cartilaginosa (a), der knöcher-
nen scapula (6), demOscoracoideum (cjund der lamina se-
milunaris (d).
Die Lamina cartilaginosa ist dünn, länger als
lioch und hat vier Ränder, der obereist fast gerade, ein we-
nig convex ; der vordere ist kürzer und gleichfalls fast ge-
rade; der hintere ist bogig ausgeschnitten. Der untere Rand
hat einen mittleren Vorsprung, wodurch zwei bogige Aus-
schnitte entstehen ; in den hinteren Ausschnitt fügt sich das
eigentliche knöcherne Schulterblatt ein, an den vorderen Rand
des mittleren Vorsprunges setzt sich das Schlüsselbein an.
Die Scapula ossificata ist kleiner als die eben
beschriebene Knorpelplatte, an welche sie sich, wie schon er-
wähnt, mit dem oberen bogigen Rande anfügt. Unten ist sie
verdickt und bildet hier gemeinschaftlich mit dem Rabenbein
eine Gelenkgrube zur Aufnahme des Kopfes des Oberarms.
Der wenig ausgeschweifte, dicke Hinterrand ist länger als
der scharfe, stark gebogene Vorderrand.
Das Os coracoideum scheint sich von allen übrigen
Eidechsen dadurch auszuzeichnen , dass es nicht in Aeste
getheilt ist. Seine Gestalt ist beilförmig. Der vordere Rand
vereinigt sich mit dem unteren zu einem grossen Bogen, der
ganzrandig ist und in ganzer Länge an die halbmondförmige
Platte sich anlehnt. Der obere Rand ist in seinem hinteren
Theile verdickt, und mit der Scapula verbunden, mit der er
die Gelenkgrube für den Oberarm bildet; mit seinem vorde-
ren gebogenen Theile bildet er mit dem vorderen Rande der
Scapula ossificata einen tiefen kreisförmigen Sinus, der durch
eine durchsichtige, sehr dünne, häutige Lamelle ausgefüllt
üeber Heloderma horridum Wiegm. 8#§
ist. Ueber der Mitte ist das Os coracoideum von einer klei-
nen kreisrunden Oeffnung durchbohrt. Der hintere Rand ist
unter der Gelenkgrube etwas ausgeschweift und erstreckt
sich nach hinten , so dass das Habenbein, sich in eine hin*
tere Spitze ausdehnt. fi- hnrini ondo h([
Die L a mi n a s e m i 1 u n a r i s ist eigentlich nur eine Er-
weiterung des vorderen und unteren Bogens des eben be-
schriebenen Knochens, mit dem sich ihr oberer Rand verbin-
det; ihr unterer längerer Rand lehnt sich an das Brustbein an.
Nach hinten verschmälert sich diese Platte allmählich, und
erhält so die Gestalt eines Füllhorns.
Die Clavicula (Taf. XIV. Fig. 6. e) verbindet das vor-
dere Ende des Handgriffes des Brustbeins mit der Lamini
cartilaginosa des Schulterblattes , hat jedoch keine Gelenk-
grube. Dieser Knochen ist dünn und so gebogen, oder viel-
mehr in der Mitte geknickt, dass die obere Hälfte fast grade
erscheint, mit einer geringen Convexität nach hinten, die un-
tere nach vorn gerichtete Hallte dagegen eine kleine Conve-
xität nach oben macht. '""
tf!08
Das Böcken. "^^^
■ ' f
Das Becken besteht jederseits aus drei Knochen, aus
dem Os ilium, dem Os pubis und dem Osischii, die sämmt-
lich zur Gelenkgrube für den Oberschenkel beitragen.
Das Darmbein (Taf. XIV. Fig. 7. c, c) erstreckt sich
nach hinten in einen langen Spinaltheil, welcher schief auf-
steigend, in der Kreuzbeingrube liegt^ die er vorn und hin-
ten weit überragt; der obere Fortsatz, wie ihn die Monito-
ren besitzen, fehlt hier; in der Nähe des wenig eingeschnür-
ten Halses ist der Knochen seitlich zusammengedrückt, nach
hinten wird er flach mit der Andeutung eines Kieles amAus-
senrande. fi
Jedes Schambein (Taf. XIV. Fig. 7. d, rf') hat einen
breiten flachen Hals, der in der Mitte durch eine kreisrunde
Oefl*nung durchbohrt ist. Der Ast erweitert sich am äusse-
ren Rande in einen kurzen, flachen, tuberkelartigen Fortsatz,
verschmälert sich nach vorn und vereinigt sich mit dem der
anderen Seite fast unter einem rechten Winkel.
816 igjjYf iUL Troschel:
Das Sitzbein (Taf. XIV. Fig. 7. e) erweitert sich hinter
dem Halse bedeutend^ und erhält so eine beilförrnige Oeslalt,
und ist fast so breit wie lang-. Die Symphyse der Scham-
beine ist mit der Symphyse der Sitzbeine nur durch Knor-
pel ohne irgend eine Verknöcherung verbunden.
-:iii DiiBti^ o r d e rg 1 i e dm a a s s e n.
^ni(' : i-: >'■.• ■
,jy , Der Oberarm (Taf, XIV. Flg.ö.f) ist in der Mitte
dünn, an beiden Enden stark erweitert. Die Oberfläche des
oberen Endes ist hinten convex, vorn concav. Dadurch ent-
steht ei^e Art oberer Rand, dessen innerer ovalerTbeil, dem
pberarmskopfe der Säugthiere entsprechend, in der Gelenk-
grube der Schulter liegt, wogegen der äussere Theil, der
mit dem inneren einen Winkel bildet, ^acj^ vorn gerichtet
Ist, und in einen Tuberkel ausläuft, der dem tuberculus ma-
ior der Säugthiere vergleichbar scheint. Das untere Ende
d^^ Oberarms ist flach und ungefähr ebenso breit wie das
obere Ende. Die Rotula ist sehr verdickt und ein wenig
schmäler als dieTrochlea; der äussere Gelenkhöcker ist klei-
ner als der innere; letzterer läuft in einen scharfen Kiel aus.
üebrigens ist der Oberarm sehr ähnlich dem der Monitoren.
Auch die Elle (Taf. XIV. Fig. (3. gf) gleicht sehr der Elle
der Monitoren, unterscheidet sich jedoch dadurch von ihr,
dass die innere Fläche unterhalb des oberen Endes kaum
cjoncajr ist. Siß ist mit dem Olecranon viel kürzer als der
Oberarm, l^ie Länge des Humerus beträgt 38 mm., die der
Ulna nur 31 milL ,
Der j^adius (Taf.XlV. Fig.6. ä) ist fast stielrund, an
beiden Enden regelmässig verdickt, und hat dieselbe Länge,
wie die Elle ohne Olecranon. Eine ossificirle Patella bra-
chi^Ji^ ist niicht vorhanden.
Heloderma horridum besitzt zehn Handwurzelkno-
chen. In der ersten Reihe liegen vier, von denen drei die
grossesten von allen sind: das Os naviculare unter dem Ra-
dius, das sehr kleine Os lunalum zwischen dem Radius und
.der IJlna, das Os triquetrum unter der Ulna, und das Os pi-
siforma hinter dem Os triquetrum, wie dieses die Ulna be-
rührend. In der zweilen Reihe liegt nur ein kleiner Knor
Ueber Helodierida borridum Wiegm. SW
chen in der Mitte, der unter dem Os lunalum den Raum
zwischen den Ossa naviculare und triquetrum ausfüllt. In
der dritten Reihe liegen fünf Knochen, die denMiltelhandkno-
chen entsprechen und anliegen. •! '■
Die ersten drei M iltelhan d kno^ch'öiliiÄlnd gleich
lang, die beiden letzten ein wenig kürzer. l>er erste und
fünfte sind breiter und platt, die drei mittleren sind schma*i
kr und rundlich. Alle sind an beiden Enden verdickt.
ö Die erste Zehe hat zwei Phalangen, die zweite Zehe
drei, die dritte vier, die vierte fünf, die fünfte wieder drei^,
wie die meisten Eidechsen. Die Phalangen sind rundlich, an
beiden Enden verdickt, und von sehr ungleicher Länge. Die
Längenmaasse sind folgende: An der ersten Zehe das erste
Gßed 10 mill. ; an der zweiten das erste Glied 8, das zweite
Glied 8 milL ; an der dritten Zehe das erste Glied 7 , das
zweite ö'/j, das dritte 7 miH.; an der vierten Zehe das erste
Glied 5, das zweite 4, das dritte 4V25 das vierte 6 mill. ; an
der fünften Zehe das erste Glied 7, das zweite 7V2 mill. Die
letzten Phalangen aller Zehen stecken fast ganz in den lan*
gen, gebogenen, schmalen, stumpfen Krallen verborgen, die
unterhalb gefurcht sind.
Die Hintergliedmaassen.
Der Oberschenkel (Taf. XIV. Fig. 7. f) ist kaum
länger als der Oberarm und hat eine fast horizontale Lage.
Der comprimirte Schenkelkopf ist etwas nach oben gerichtet
und sitzt an einem kurzen Halse j der grosse Trochanter ist
gleichfalls comprimirt und sieht nach aussen. Das untere
Ende dieses Knochens ist mehr zusammengedrückt als bei
den Monitoren.
Keine knöcherne Patella.
Die Tibia (Taf. XIV. Fig. 7. 9) hat bei fast gleicher
Dicke etwa zwei Drittel der Länge des Oberschenkels. Der
obere Kopf ist seitlich ein wenig comprimirt, und bietet am
ganzen Rande, namentlich der Fibula gegenüber, eine ovale
Gelenkfläche dar, deren innerer Theil niedrig ist. Der Kopf
der Fibula wird nicht berührt. Wegen der Krümmung der
Tibia entsteht zwischen ihr und der Fibula ein grösserer Rqu«,
812 Troschel:
als ich ihn bei irgend einer Eidechse kenne. Die Basis der
Tibia ist dünner als der Kopf, berührt gleichfalls die Basis
der Fibula nicht, und verlängert sich in einen kleinen inne-
ren Knöchel.
! Die Fibula (Taf.XIV. Fig. 7./0 ist um ein Geringes
länger als dieTibia, ist viel schlanker, befestigt sich mit ei-
nem Köpfchen am Schenkel, und ist unterhalb flach, seitlich
stark erweitert wie bei den Monitoren , so dass das äusser-
ste Ende den vierten Theil der Länge dieses Knochens
übertrifft.
In der Zahl der Fuss wurzelk n o chen schliesse ich
mich der Deutung Meckel's *) an, und setze sie auf fünf
fest. In der ersten Reihe liegen zwei grosse, durch Naht
mit einander verbundene Knochen, die die ganze Breite des
Fusses einnehmen. Der grössere von ihnen, den Cuvier
tibiale nennt, ist unregelmässig vierseitig, wenig breiter als
lang, und hat zwei obere Gelenkflächen, von denen die grös-
sere der Tibia, die kleinere der Fibula anliegt. Der kleinere
von ihnen ist ebenfalls fast vierseitig und fügt sich mit sei-
ner oberen Fläche ausschliesslich an die Fibula. In der
zweiten Reihe finden sich drei Knochen. Der erste dersel-
ben ist klein, und liegt dem Zwischenraum zwischen dem
zweiten und dritten Mitlelfussknochen gegenüber, der zweite
entspricht dem vierten Mittelfussknochen, der dritte ist sehr
gross und hat bei allen Eidechsen eine so absonderliche Ge-
stalt , dass er in verschiedener Weise gedeutet worden ist.
Cuvier *) nämlich nimmt ihn für den fünften Mittelfuss-
knochen, Meckel für einen Fusswurzelknochen. Dieser
Knochen hat eine hintere concave vierseitige Fläche, dessen
Winkel alle so vorspringen , dass sie ebenso viele Tuberkel
bilden. Der Seitenrand ist dem zweiten Fusswurzelknochen
♦) Meckel, System der vergleichenden Anatomie II. 1. p. 492.
**) Cuvier, Recherches sur les Ossemens fossiles V. 2. p.
298. An dieser Stelle sagt er über die Saurier im Allgemeinen:
Les quatre metatarsiens sont greles et ti peu pres droits. Ils vont cn
s'allongeant jusqu'au quatrieme. Le cinquieme est court, elargi et
recourbe de sa tele superieure vers le grand os du second rang,
auquel il s'articule par le cöt6.
Ueber Helodeirma horridum Wiegm. 313
angefügt. Von der vorderen Fläche dieses Knochens erstreckt
sich ein langer Fortsatz nach vorn, der die Basis des vier*
ten Miltelfussknochens überragt , und der ganz das Ansehen
eines Mittelfussknochens hat. Meckel dagegen nennt diesen
Knochen einen Fusswurzelknochen, und ich glaube mit Recht.
Ich stimme demselben aus folgenden Gründe« bei : I» Der
in Rede stehende Knochen hat seinem grossesten Theile nach
ftie Gestalt eines Fusswurzelknochens, 2) sein vorderer Fort-
satz ist dicker und viel kürzer als die Mittelfussknochen, 3)
das Capitulüin des ihm aufsitzenden Knochens (des fünften
Mittelfussknochens) ist ebenso gebildet, wie die Capilula der
übrigen Mittelfussknochen, und daher für einen solchen zd
halten, während die Capitula der Phalangen anders gestallet
sind, 4) durch diese M e c k e Tsche Deutung kommt die Zahl
der Phalangen des Hinterfusses in Uebereinstimmüng mit det
des Vorderfusses.
Die Mittelfussknochen sind dn Länge und Ge^.
stalt ein wenig unter einander abweichend. Der erste ist
unter allen der dickste, ist etwas kurzer als die drei foW
genden und trägt unter seiner Basis einen grösseren, untet
seinem Ende einen kleineren Höcker* Der zweite und dritte
Mittelfussknochen sind sehr schlank, und fast gleich lang.
Der vierte ist etwas kürzer und hat an seiner Basis eine ilgeJi
aussen gerichtete flache Erweiterung, die über den so eben
ausführlicher geschilderten Fusswurzelknochen ragt. Der
fünfte Fusswurzelknochen ist der bei weitem kürzeste vöb
allen, und auf der unteren Fläche mit einer tiefen Längsfur-
che versehen.
Die Zahl und Gestalt der Phalangen stimmt so genau
mit denen des Vorderfusses überein, dass sich kaum eine
Verschiedenheit angeben lässt; nur sind sie etwas schlanker
und länger. DieMaasse ihrer Längen sind folgende: an der
ersten Zehe misst das erste Glied 10 mill. , an dör zweiten
Zehe das erste Glied T/j, das zweite Glied 8 mill. , an Aet
drilten Zehe das erste Glied 7 , das zweite Glied 6y; , das
dritte Glied T'/j mill., an der vierten Zehe das ensle Glied
5, das zweite Glied 4, das dritte Glied 5 , das vierte GU«d
772 mill., an der fünften Zehe das erste Glied 6, das zweite
7 mill. Die letzten Phalangen ßiad wie tei dea Vorderfüs^
314 ui':i^Vf: Troschel: [ rxMJ
sen fast ganz in den Krallen verborgen. Diese Krallen sind
kürzer und weniger kräftig als an den Vorderfüssen.
Schlu s s.
Ml.
Wenn wir nun nach der Stellung im System fragen, so
wird bei der Beantwortung dieser Frage besonders die Zunge
in Betracht zu ziehen sein. Dieses Organ ist als eines der
wichtigsten in allen neueren Systemen der Saurier angese-
hen worden. Sie ist glücklicherweise an unserem Exemplare
vorhanden. W i e g m a n n kannte sie nicht; nach der Beschrei-
bung des Hernandez, der sie „vorstreckbar, breit und
zweispitzig« nannte, ordnete er sie seinen Fissilingues unter,
indem er aus der Bezeichnung verstreckbar schloss, dass sie
in eine Scheide zurückgezogen werden könne. Wie wir
oben gesehen haben, ist jedoch von einer Scheide nicht das
Geringste vorhanden, auch ist die Zunge der der Monitoren
nicht ähnlich; dagegen hat sie die grösste Aehnlichkeit mit
den Brevilingues Wiegm., und unter ihnen mit der Abthei-
lung, bei der Wiegmann die Zunge als „länglich, zwei-
spitzig und schuppig" bezeichnet, und in welche er als ein-
zige Familie die der Lacertae, der eigentlichen Eidechsen
zählt *).
n'i(i Gegen diese Einreihung in die Familie der Lacerten
Wui*de auch die äussere Erscheinung des Thieres nicht spre-
chen; ja, die vierseiligen Schilder der Bauchseite geben so-
gar schon äusserlich einen Hinweis auf diese Stellung.
Es kann nun bloss noch zweifelhaft sein, ob unsere Gal-
tung Heloderma in dieLacerlenfamilie selbst einzureihen sein
wird , oder ob sie nicht etwa eine besondere Familie neben
dieser bilden müsse. Das Skelett weicht freilich in mehrfa-
cher Beziehung von dem der eigentlichen Eidechsen ab.
Ich zweifle nicht, dass auch andere Gattungen, die jelzt der
Lacertenfamilie zugezählt werden, in Beziehung auf ihr Ske-
lett Abweichungen zeigen werden, kann dies jedoch für jetzt
nicht näher begründen. So stehe ich nicht an, die Gattung
Heloderma in die Lacertenfamilie zu versetzen, um so mehr
^SÜhOÜ) Ucrpetolpgia meiicana p.9. ^'jlsifi ü\)Uh
Ueber Heloderma horridum W'iegm. 315
da nach den Kennzeichen, welche Dumeril und Bibron
zur Unterscheidung ihrer Familien benutzen, die Gattung un-
zweifelhaft in die Familie Lacerliens ou Autosauriens gehört.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. XIII.
Fig. 1. Die Zunge von Heloderma tiorridtini, von oben gesehen.
Fig. 2. Der Schädel, von der Seile gesehen. ,
a. Os dentale, h. Os tympanicum. i. Os intermaxillare. m.
Os maxillare. n. Üs mastoideum. r. Os pterygoideum. s.
Columella. t. Os temporale (quadrato-jugale). i. Qs zygo.
maticum.
Fig. 3. Der Schädel von unten gesehen.
>. Os intermaxillare. m. Os maxillare. p. Os palatinum q.
Os transversum. r. Os pterygoideum. «. Yomer.
Fig. 4. Das Zungenbein (Os hyoideum).
Taf. XIV.
Fig. 1. Der Atlas, a. von der Seite, h. von vorn gesehen.
Fig. 2. Der Epistropheus, a. von der Seite, h. von vorn gesehen.
Fig. 3. Der 17. Rückenwirbel von der Seite gesehen, mit seiner
Rippe.
Fig. 4. Einer der vorderen Schwanzwirbel, von der Seite gesehen
mit seinem unteren Dornfortsatz.
Fig. 5. Das Brustbein.
Fig. 6. Das linke Vorderbein mit der Schulter.
a. Die lamina cartilaginosa des Schulterblattes, h. Die knö-
cherne Scapula. c. Os coracoideum. d. Lamina semilunaris
des Schulterblattes, e. Das Schlüsselbein. /*. Humerus. g.
Ulna. h. Radius.
Fig. 7. Das linke Hinterbein mit dem Becken.
a. Der erste Kreuzwirbel. b. Der zweite Kreuzwirbel. c.
Das linke Darmbein, c'. Das rechte Darmbein, d Das linke
Schambein, d'. Das rechte Schambein, e. Das rechte Sitz-i
bein. f. Femur. g. Tibia. h. Fibula.
ih<)ii'):g' -RlTOnimaotuA tra ^näjitoasd «iliffißf m\
Verbesserungen.
Seite 26 Zeile 10 v. u. lies [Helsin^fors] statt [Abo].
„ 27 «14 V. 0. „ Kuopio St. Knopio.
„ ,28 ^ 3 ,V« 0. „ Kuopio St. Knopio.
„ Ö^ „ 3 v. 0. „ Kuopio St. Knopio.
„ 29 „ 8 V. u. „ den st. der.
„ 31 »18 V. o. „ Taramerfor« st. Tammersfors.
„ 33 ^ 11 V. 0. „ Seine st. sein.
»
34 „ 4 V. 0. „ Dieser st. dieser.
191 „ 2 V. o. „ auf St. aus.
„ 219 „ 1 . 2 u. 8 V. 0. lies Polypterus bichir st. Polyptenus bichis.
„ 223 „ 8 V. u. lies man j euerseits drei st. man drei.
„ 224 „ 10 V, 0. - eine st. einer.
.itA rA\ A
Bonn, gedruckt bei Carl Georfl,
ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHS ON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTIN GEN,
PROF. DR. VOM SIEBOLD IN MÜNCHEN, PRÜF. DR. A.WAGNER
IN MÜNCHEN UND PROF. DR. LE UCK ART IN GIESSEN.
HERAUSGEGEBEN
VOR
Sb. f. h. TROSCSEZ.^
PROrESSOn am DKR FniEDRICU-WILUBLHS-UHIVBRSITÄT ZU BONN.
NEUNZEHNTER JAHRGANG.
Zweiter Hand«
BERLIN, 1853.
VEKLK; der NICOLA I'S che N BUCHHANDLUNG
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säug-
Ihiere während des Jahres 1853. Von Prof. Andr.Wag-
ner in München 1
Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte der Vögel
während des Jahres 1852. Von Dr. Hartlaub in Bremen 26
Bericht über die Leistungen in der Herpctologie während des
Jahres 1852. Vom Herausgeber . . . . 60
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1852. Vom Herausgeber . . . . 74
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Naturgeschichte der
Mollusken während des Jahres 1852. Vom Heraus-
geber 90
Bericht über die Leistungen in der Entomologie während des
Jahres 1852. Von Dr. Hermann Schaum . . 141
Bericht über die Leistungen in der geographischen und syste-
matischen Botanik während des Jahres 1852. Von Prof.
Dr. A. Grisebach in Göttingen 287
Anzeige
das Erscheinen des „Archivs für Maturgeschichte"
betreffend.
Um mehrfachen Anfragen wegen des unregehnäfsigen
Erscheinens der Hefte des Archivs für Naturgeschichte
zu begegnen, sieht sich die Redaction veranlafst auf die
Einrichtung dieser Zeitschrift aufmerksam zu machen.
Jeder Jahrgang derselben besteht aus zwei Bänden. Der
erste enthält naturhistorische Aufsätze, meist im Original,
zuweilen in Uebersetzungen, mit den dazu gehörigen
Kupfertafeln. Es unterliegt keinem Zweifel, dafs es in
der Hand der Redaction liegt, diesen ersten Band recht-
zeitig, d. h. im Laufe des entsprechenden Jahres erschei-
nen zu lassen. Dies ist auch mit einigen Ausnahmen
geschehen, und soll künftig mit der genausten Pünktlich-
keit statt finden. — Der zweite Band ist für die Berichte
über die Erscheinungen des vorhergehenden Jahres be-
stimmt. Diese Berichte rechtzeitig erscheinen zu lassen,
liegt nun nicht in der Hand der Redaction, sondern
hängt von der Pünktlichkeit der Herren Berichterstatter
ab. Man mufs selbst Jahresberichte ausgearbeitet haben,
um den ganzen Umfang der Schwierigkeiten zu begreifen,
die sich dieser undankbaren Arbeit entgegenstellen, wenn
eine auch nur annähernde Vollständigkeit erzielt werden
soll. Da indefs die Erfahrung gelehrt hat, dafs eine pünkt-
liche und frühzeitige Einlieferung der Jahresberichte nicht
zu erlangen ist, so ist damit auch die Unmöglichkeit ge-
geben, die Jahrgänge ganz regelmäfsig erscheinen zu
lassen. Man hat zuweilen (von Seiten der Buchhand-
lungen) darüber geklagt, dafs ein neuer Jahrgang begon-
nen werde, bevor der frühere beendigt sei; die Antwort
hierauf ergiebt sich unmittelbar aus der eben dargelegten
Einrichtung des Archivs. Man hat auch wohl verlangt,
es solle in jedem Jahre der Jahrgang abgeschlossen wer-
den, die Berichte mögen eingehen oder nicht. Sollte
diesem Verlangen entsprochen werden, so würden wir
bald dahin kommen, dafs der zweite Band Berichte über
die verschiedensten Jahre enthielte, und das würde die
Benutzung derselben sehr erschweren.
Da nun die Jahresberichte als ein sehr wesentlicher
und nützlicher Theil unseres Archivs allgemein anerkannt
sind, und wohl kein Leser dieselben aufgegeben wünscht,
so bitte ich die geehrten Abnehmer des Archivs, dem
Erscheinen der beiden letzten Hefte jedes Jahrganges
auch fernerhin geduldige Nachsicht zu sclienken, so wie
ich den geehrten Berichterstattern meine so oft ausge-
sprochene dringende Bitte um möglichste Beschleunigung
der Berichte hiermit wiederhole.
Dr. F. H. Troschel.
Bericht über die lieistaiigfen In der IVatur-
g^esclilclite der Säug^tlilere wälirend des
Jafires 1S59.
Von
Prof. Andr. ^Wa^ner
in Mflnchen.
Ueber die Geschichte der Akademie in Philadelphia und
den dermaligen Bestand ihrer naturwissenschaftlichen Samm-
lungen hat Ruschenb erger eine interessante Broschüre
veröffentlicht.
Ihr Titel lautet: Notice of the origin, progress and präsent con-
dition of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia. 1852. —
An Säugthieren war die Sammlung noch nicht sonderlich reich, indem
sie erst 636 Exemplare in ohngefähr 200 Arten zählte, darunter das
Original zur ersten Beschreibung des Chlamydophorus truncatus. An
Skeleten von Säugthieren waren nicht mehr als 20 vorhanden, an
Schädeln 449. Ausführlichere Mittheilungen aus dieser Broschüre hat
Ref. in den Münchn. gel. Anzeigen, Band XXXV. S. 529 u. f. gegeben.
Von den zootomischen Leistungen sind folgende hier in
Erwähnung zu bringen»
C. Bruch's Beiträge zur Entwickelungsgeschichte des Knochen-
systems (Neue DenkschriTten der allgem. Schw^eizerischen Gesellsch.
für die gesammt. Naturwissensch. XII. 1852). — Eine Reihe wichtiger
sorgfältiger Untersuchungen über den genannten Gegenstand, auf wel-
che wir hier nicht weiter eingehen können, die wir aber nicht uner-
wähnt lassen wollten , um auf sie die Aufmerksamkeit der Forscher
hinzulenken.
Ebenso verweisen wir auf Owen's treffliche Bemerkungen über
Afcbir. f. KAturfcseb. }LIX. JAbrf . 2. Bd. A '
2 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
die exogenen Fortsätze der Wirbel, die alle Ordnungen der Säuglhiere
berücksichtigen und von schönen Abbildungen begleitet sind (Philosoph.
Transact. 1851. part. II. p. 719. tab. 44—53).
Ueber das Verhältniss, in welchem bei den Säuglhieren die Ent-
wickelung der Hirnwindungen zu der der Intelliganz steht, verbreitete
sich P. Gratiolet in der Rev. zool. p. 97.
C. Mayer handelte in einem ausführlichen Vortrage, der sich
aber alle Ordnungen der Säugthiere erstreckt: „über den Bau des Or-
ganes der Stimme bei dem Menschen , den Säuglhieren und einigen
grösseren Vögeln, nebst physiologischen Bemerkungen« (Nov. act. aca-
dem. nat. curios. XXXIII. pars 2. p. 659-766. mit 28 Tafeln). Ein
ungemein reichhaltiges und durch zahlredche Abbildungen illustrirtes
Material über die Stimmorgane der Saugthier« ist in dieser umfassenden
Abhandlung niedergelegt.
In der ersten Abtheiiung desselben Bandes der eben angeführ-
ten Denkschriften (S. 1 — 228.) ist eine vortreffliche Abhandlung V^on
Lereboullet: „recherches sur l'anatomie des organes genitaux des
animaux vertebres'' aufgenomuien und durch 20 Tafeln Abbildungen
erläutert.
Von A. Morin sind (in den Memoires de la Soci^te de Physi-
que et d'Hisloire naturelle de Geneve XIII. l. p. 175.) Notizen über
die mikroskopische Beschaffenheit der Haare der Menschen und ver-
scki«dener Säugthiere publicirt worden.
Von Arbeiten über Lokal - Faunen sind nachstehende
aufzuführen.
M. Gemminger und J. Fahrer haben im verflosse-
nen Jahre von ihrer Fauna Boica. I. Band : Säugthiere, Lie-
ferung 3—5 erscheinen lassen,
Dario sind beschrieben und abgebildet : Rhinolophus hippocrepis,
Erinaceus europaeus , Schädel von Alpen - und Feldhasen , Vespertilio
mystacinus ^ Rhinolophus ferrum equinum , Sus scrofa, Mustela marteSf
M. foina, Skelet der Mops-Fledermaus, nebst Schädeln von der ßech-
stein's-, frühfliegenden, spätfliegenden und grossohrigen Fledermaus.
V. W. Liljeborg, Beitrag zur Fauna des nördlichen
Russlands und Norw^egens (K. Vetensk. Akadem. Handlingar
för är 1850. IL p. 265).
Im nördlichen Bussland beobachtete Säugthiere sind : Mustela
Lutreola^ gemein im ganzen Lande zwischen Nowaja Ladoga und Arch-
angel. — Phoca annellata. — Mus decumanus und musculus. — Ta-
mias striatus. — Lepus timidus Linn. Faun. Sv. , L. variabilis Fall,,
L. borealis et canescens Nilss.
Blyth gab sorgfältige Bestimmungen von einer ziem-
•)/il3iib3i>?^inde* Sitagthiere wft*Tdnd des Mneb 1^2;«J> aj?"Vf ft
Jich zahlreichen, «us Ceylon ihm iug-ekommenen Sömmlutig
Von Säuglhieren (Journ. of the As. Soc. of Bengal. 1852.
p. 344).
Naturwissenschaftliche Reise nach Mossambique. Auf
Befehl Sr. Majestät des Königs Friedrich Wilhelm IV. in den
Jahren 1842 bis 1848 ausgeführt von W. C. H. Peters.
Zoologie. 1. Säugthiere. Berlin 1852. mit 46 Tafeln.
Eine ausserordentlich wichtige Arbeit, da sie uns mit der Fattnlä
eines in therologischer Beziehung fast ganz unbekannten Landes ver-
traut macht, eine Menge neuer Formen in höchst exakten Beschreibun-
gen und vortrefflichen Abbildungen vorführt und dabei dem innerh Bau6
nicht mindere Berücksichtigung als dem äussern Widmet. XiMH d^tt
neueren naturhislorischeA Beisewerken nimmt dieses eine det* ersten
Stellen ein. Im Ganzen sind dem Verf. in Mossambique 112 Arten
von Säugthiereii vorgekommen , von denen 49 erst durch ihn entdeckt
wurden. Nach den Ordnungen vertheilen sich die Arien Mgender-
massen :
Vierhänder
Uandflügler .
Insektenfresser
Raubthiere
Nager . . .
Zahnlücker
Einhufer . .
Dickhäuter
Wiederkäuer .
Walle . . .
Die neuen Gattungen und Arten werden bei den einzelnen Ord-
nungen, denen sie angehören, aufgeführt werden.
Expedition dans les parties centrales de TAmerique du
Sud, de Rio de Janeiro ä Lima et de Lima au Para, execu-
tee par ordre du Gouvernement frangais pendant les annees
1843 ä 1847 sous la direction de Francis de Gaste 1-
nau. Vol. I— VL Paris. 1851.
Von diesem wichtigen Unternehmen ist bis jetzt erst der Reise.^
bericht erschienen. Die Aufgabe war eine nalurhistorische Untersüi.
chungsreise in Südamerika zu Lande von der Küste des atlantischen
Oceans aus bis hinüber nach der des stillen Oceans auszuführen. Der
4 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Ausgangspunkt war Rio de Janeiro , von wo aus der Landweg durch
das mittlere Brasilien und ßolivia nach der Hafenstadt Arequipa und
von da nach Lima eingeschlagen wurde. Von hier aus traten die Rei-
senden den Rückweg an , indem sie sich zuerst nach dem Missionspo-
sten Sarayacu an der peruanischen Ostgrenze wandten und alsdann sich
auf dem Ucayale einschifften, der in den obern Amazonenstrom mün-
det, und nun auf diesem Strome bis gegen seine Ausmündung bei Para
hinab fuhren. Der vorliegende Reisebericht ist ungemein interessant
und zeigt, dass F. de Castelnau seine schwierige Aufgabein ver-
ständiger und aufopfernder Weise gelöst hat. Die naturhistorische Aus-
beute war sehr beträchtlich ; ihre Publikation ist bisher durch Ungunst
der Umstände verhindert worden, doch hat Is. Geoff roy bereits die
neu entdeckten Affenarten bekannt gemacht.
The Mammals of Australia. By J. Gould. London.
Bis jetzt sind von diesem Luxuswerke, das in 7 bis 8 Lieferun-
gen erscheinen soll, 4 ausgegeben worden, nämlich in den Jahren 1845,
1849, 1851 und 1852; jede Lieferung enthält 15 Tafeln und hostet
3 Guineen.
Heft 1 enthält: Tarsipes rostratuSf Perameles myosurus, ßetideus
flaviventer und sciureus, Podabrm crassicaudatus, Phascogale penicillata
und calura^ Dromicia gliriformis und concinna, Myrtnecobius fasciatus,
Antechinus apicalis , Feragalea lagotis, Choeropus castanotiSf Hopalolis
longicaudata und Müchellii.
Heft 2: Acrobatespygmaeus, Belideus breviceps und Ariel, Ony~
chogalea frenata und lunata, Lagorchestes fasciatus und hirsutus , Ha-
palotis conditor , Perameles fasciata , Phalangista fuliginosa , Pieropus
poliocephalus und funereus , Echidna setosa , Podabrus macrourus , Mus
albocinereus.
Heft 3: Thylacinus cynocephalus, Sarcophilus ursinus, Dasyurus
maculalus, hallucatus , Geoffroyi und viverrinus, Pieropus conspicillatus
Rhinolophus aurantiusy Betlongia campeslris, Hypsiprymnus apicalis und
platyops, Hapalotis penicillata, Antechinus niaculatus, Mus fuscipes.
Heft 4: Antechinus albipes, tnurinus , fuliginosus , minutissitnus,
Halmaturus manicalus und Greyi, Osphranter'i Porryi, Betlongia Ogil-
byi und penicillata , Mus cervinipes , Echidna hyslrix , Scotophilus pi-
caltts.
Text und Tafeln sind von Gould ganz nach der Art seiner an^
dem Arbeiten behandelt; an überflüssiger Vervielfältigung der Gattun-
gen lässt er es bei den Säugthieren so wenig als bei den Vögeln
fehlen.
Aus dem palaeontoligischen Gebiete ist auf nachstehend
Verzeichnete Arbeiten aufmerksam zu machen.
der Säuglhiere während des Jahres 1852. 5
Marcel de Serres hat von seinen Betrachtungen
über die „Ursachen der grösseren Gestalt der fossilen Arten
bezuglich der lebenden Rassen« die Fortsetzung geliefert
(Ann. des scienc. nat. 3. serie. XVIII. p. 179 u. 193).
Ueber die Reptilien und Säugthiere der verschiedenen
Zeiten der Erde. Zwei Reden von Hermann von Meyer.
Frankft. 1852.
Der Verf. erklärt sich gegen jede Trennung der Tertiär- oder
Alolassen- Periode in mehrere Abtheilungen, die man auf die Voraus.
Setzung einer regelmässigen chronologischen Reihenfolge der in den.
selben begrabenen organischen Wesen begründen wollte. Nach seiner
Ansicht bestehen für die Periode, die zwischen dem Ende der Kreide.
Periode und dem Anfange der noch gegenwärtig fortdauernden liegt,
nur drei Alterstadien: Nummulit, Molasse und Diluvium; jede weitere
chronologische Abtheilung bezeichnet er für unzulässig. Im sogenann.
ten Nummulit sind dem Verf. keine Säugthiere bekannt geworden; sie
gehören der Molasse und dem Diluvium an. Nach seiner neuesten Zäh.
lung kennt er jetzt 782 fossile Arten, von denen er % für solche Spe-
cies erklärt, die noch gegenwärtig fortleben , während die übrigen 6/^
ausgestorben sind. Die Säugthiere der Molasse sieht er alle für er-
loschen an und es haben kaum einige von ihnen noch die Diluvial,
zeit erlebt.
Ganz im Gegensatze von H. v. Meyer's Ansicht hat Gervais
auch noch in neuester Zeit die Meinung ausgesprochen , dass in der
Tertiärperiode das Auftreten der Säugthiere in regelmässiger chronolo.
gischer Reihenfolge vor sich gegangen sei, und demnach verschiedene
Faunen aufeinander gefolgt wären (Compt. rend. XXXIV. p. 516). —
Ref. ist weit mehr geneigt, der Ansicht von Meyer als der von Ger-
vais beizupflichten.
Allgemeine Betrachtungen über „die antediluvianische Säugthier-
Fauna Deutschlands" hat Giebel im Jahresberichte des naturwissen,
schaftlichen Vereines in Halle (Berlin 1852. S-219.) niedergelegt.
Derselbe hat (a. a. 0. S. 236.) „die Säugthiere und Vögel in
der Knochenbreccie bei Goslar'' aufgezählt.
H. V. Meyer berichtete über neue Funde fossiler Säugthier.
Ueberreste von Passau, Günzbnrg, Niederstotzingen, Fronstetlen.u.s. w.
(Jahrb. für Mineralog. 1852. S. 303. 831).
Die Zoologie et Paleontologie fran^aises von P. Gervais ist
etzt bis zur 14ten Lieferung vorgerückt.
Mit einer merkwürdigen Knochenhöhlo in Peru machte
uns Castelnau bekannt (oxpedition dans les parti es cen-
trales de l'Amerique du Sud, Vol. IV.).
6 Wagner: Bericbti fber die Leistungen in der Maturgeschichte
Sie liegt bei dem Dorfe Tusy, das ohngefähr 6 Stunden von der
durch den Reichthum ihrer Silberrainen bekannten Stadt Cerro de Pasco
entfernt ist. Sie befindet sich ganz in compactem, grauen und kiese»
ligen Kalkstein und ihre Höhe über dem Meere beträgt ohngefähr 4,400
Metres. Der Boden der H<)hle ist mit schwarzer Erde bedeckt. Beim
^durchsuchen derselben fanden sich an der Oberfläche Knochen von
Ochsen; darunter kam eine Lage von Menschenknochen, hauptsächlich
SchädeL Im Hintergrunde führte ein steiler Gang abwärts, der sich
bald erweiterte. Zwischen Ungeheuern Gerollen zeigten sich allenthal-
ben Menschenknochen und mit ihnen Knochen von Thieren, die theils
ausgestorben sind, theils noch in der Gegend leben. So fanden sich
mit Knochen von Ochsen und Pferden und mit Hörnern des Hirsches
der Cordilleren gigantische üeberreste , welche Owen für verwandt
mit dem Gürtelthiere erklärte. Menschepknochen kommen übrigens
auch noch in andern Höhlen vor, und selbst bei Bearbeitung der Fel-
der stösst man jeden Augenblick auf solche. Obwohl die Knochen
aller Arten durcheinander gemengt sind , so will doch C. keineswegs
behaupten, dass sie alle aus der nämlichen Epoche herrühren; sie dif-
feriren selbst ziemlich im äussern Ansehen.
Ein reiches Knochenlager von urweltlichen Säugthieren.
im Thale von Tarija, einer kleinen Stadt im südlichen Boli-
vien, machte Weddell zum Gegenstande genauer Nachsu-
chungen (Castelnau's Reise. Vol. VI.).
Diese Knochen finden sich an einigen Plätzen an der Oberfläche
des Bodens selbst, die meisten jedoch liegen in einher mehr oder min-
der grössere Tiefe unter der Oberfläche in Lettenschichten, welche, das
ganze Thal erfüllen und ihren Ursprung offenbar von einer Anschwem-
mung haben. Die üeberreste, welche W. dort fand, gehören 15 Arten
Säugthieren an. Den ersten Platz darunter nimmt Mastodon Humboldtii
ein und nächstdem mehrere der monströsen Zahnlüc^er, welche neuer-
dings Owen kennen lehrte und deren Körper mit einen Knochenpan-
zer gleich dem der Gürtelthiere bedeckt war. Von einem der selten-
sten unter diesen Ueberresten, dem Scelidolherium leptocephalus, gelang
es ihm, einen ganzen Schädel mitzubringen. Auch traf er Knochen und
Zähne von Megatherium, Fragmente eines Panzers vielleicht vom Gly-
ptodorif und ein Schädelfragment eines kleinen Gürtelthieres, das einem
der noch jetzt in Südamerika lebenden sich als sehr ähnlich zeigte.
Die Wiederkäuer sind häufig repräsentirt. Ausser mehreren grossen
Hirschen fand sich die Macrauchenia patagonica. Von Nagern zeig-
ten sich nur Kieferfragmente , die auf den Cöpivara hindeuten. Die
Einhufer sind durch eine Art vertreten , die grösser als unser Pferd
und besonders ausgezeichnet ist durch die Länge des Kiefers und den
grossen Zwischenraum zwischen den Schneidezähnen und dem ersten
der Sftagthiere während des Jahres 1852. 7
Kackenrahn ; W. bezeichnet sie als Equus macrognathus. IKach einem
FusswurzelKnochen glaubt LauriDard auch auf die Gattung des Bah-
ren schliessen zu dürfen. ' '^ > >. m»!,
Weddell fügt die Bemerkung bei , dass ühn\\dht"f^€heW<i4Üi
bei Bogota in einer Höhe von 2660 Mötres ober dem Meere rdrkdm-
nien, und dass ihm Pentland versichert habe^ in der Sammlung vöfl
Indabura zu ia Paz Mastodon- Zähne ^ die auf einer Insel des Titicaöa-
Sees, also in einer Höhe van mehr als 4000 Mitres, gefnn<!ctt wur-
den, gesehen zu haben.
The Zoology of tfte yöyage öf H. M. S. Hferald under
the command of Capt. H. Kellett. Edited by E. Forbes,
Fossil Mammals by Sir John Richardson. Lond. 1852.
Die Entdeekujog fossiler Säugthier .Kuochen iu den Eisbevgea
der EsciisclLoltz's-Bay,' im nordwestlichsten Theile Amerikas gerade un.
ler der Liaie des Polarkreises, wurde im Jahre 18.16 durch Kotzebue^
Cbamisso und Eschscholtz gemacht. Weitere NachrieUten hier-»
ubei' lieferte Berchey's Reise, und eine dritte Gelegenbeil zur Anw.
Stellung Yoa Untersuchungen und zum Sammeln fossiler Knochen gab
die Bcise des Hecalds. Mit Bearbeitung der letjtter^i wurde John
Richardson von Seiten der Lords der Admiralität beauftragt. Diet
gedachten Ueberreste weist der Verf. folgenden Arten zu: Elephas pri*
migenius,. Equäs fosailis , Cervus alees?) Cervus tarandus j Ovibos nw-
schatusy &vibos maa}ifHus, Bi&on, priscust , Bison erassieovnis, Di& Be-
Sicbreihuugeu sind mit grosser Ausführlichkeit und Geiaauigkeiit entwer-
fe«! f die Abbildungen zahlreich und meisterhaft ausgelühfil.
Simiae. ■ -
Simiae catarrhinae. Is. Geofftoy lieferte VO»
einig-en , dieser Abiheilung angehörigen Arten , die er zwar
schon früher aufgestellli , aber nur kurz charakteri'sirt halte,
ausführliche Beschreibungen (Archiv, du Museum. V. p. 532.)
Diese Arten sind : Hkjlobales fünereus , Semnopithecus albipesj
CercopUhecus Werneriy Macacus palpebrosus und Cynocephalus otiva-
ceus. Auf Tab. 26 ist Hyhbates fünereus und auf Tftf. 27 CercopUhe-
cus Wemepi abgebildet.
Dr. Fort übersandte vom' Gabon-Flusse; ein Skelet von
Troglodytes Gorilla an die Akademie in Philadelphia und fügte
demsejhen einige schriftliche Bemerkungen bei (Proceed. of
the Academ. of nat scienc. of Philadelph. VI. p. 30).
Fort hatte ein frisch eriegtes Exemplar erlangt, dem Brust-
und Bauch-Eingeweide ausgenommen wftren und dtis gleichwohl nocU
8 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
170 Pfund wog. Ein erwachsener Gorilla (Ngena) ist dunkel oder ei-
senfarbig grau, indem die Haare an der Spitze schwarz und gegen die
Haut weiss sind. Ein Junges, das Fort zu sehen bekam ^ war ein-
farbig schwarz; ganz alte Thiere werden heller. Die Haare sind dicker
und länger als beim Schimpanse; am Halse, Bücken und Gliedmassen
werden sie &' lang. Die Haut ist stark, zumal an der Scheitelleiste,
wo sie %" Dicke erreicht. Der auffallendste Zug ist die Leiste oder
der Kamm längs der Scheitelnaht, welcher von vorn nach hinten bis
zu dem Punkte, wo letzterer von der Naht des Hinterhauptbeins durch-
schnitten wird, an Höhe zunimmt. Dieser Kamm ist nicht sowohl von
der knöchernen Scheitelleiste, als von der Dicke der Haut und von der
Länge und Steifheil der immer aufgerichtet stehenden Haare gebildet.
Die Augen sind massig gross, nicht vorragend und dunkel kastanien-
farbig. Die Nase ist breit, und nur wenig vorragend ; der Mund
sehr weit , die Obren unverhältnissmässig klein , unbehaart und ab-
stehend. Der Bauch ist gross und mit lichteren Haaren als der
Rücken bedeckt. Der Gorilla bewegt sich auf allen Vieren ; die Füsse
platt auf den Boden gestellt wie beim Menschen , die Schenkel unter
einem spitzen Winkel gegen die Schienbeine gebogen. Die geöffneten
Hände sind hinter und auswärts von den Füssen auf den Boden ge-
stellt, indem die Arme fast parallel mit der Leibesachse sind und so
den Körper nicht vor den Füssen, wie Einige gemeint haben, sondern
hinter denselben unterstuzen. Der Gang ist schaukelnd , indem die
Gliedmassen einer Seite sich zugleich vorwärts bewegen , während der
Körper sich auf die entgegengesetzte Seite neigt ; alsdann bewegen sich
die andern Gliedmassen unter Rfickneigung des Körpers. Eine derar-
tige Gangweise beobachtete Fort wenigstens bei dem jungen Thiere.
Wenn übrigens dieser berichtet, dass der Gorilla bisweilen Menschen
und Thiere fresse, so hat er sich in dieser Beziehung von den Negern
ein Mährchen aufbinden lassen. Soweit Fort sich ^Nachrichten ver-
schaffen konnte, bewohnen diese Affen dre Gebirgskette, welche sich
von den Kamerue-Bergen bis nach Angola erstreckt.
Eine ausführliche Schilderung des Knochengerüstes von Troglo-
dyle$ Gorilla ist von Kneeland entworfen worden (Ann. ofnat. bist.
X. p. 23).
Peters hat von den durch ihn in Mossambique ent-
deckten 3 Arten von Cercopithecus Abbildung-en und ausführ-
liche Beschreibungen mitgetheilt (Reise nach Mossambique.
Säugth. I. S. 1.).
Sie heissen Cercopithecus erythrarchus^ C. ochraceus und C. fia^
vidus.
F. W. T h e i 1 e erörterte das Arteriensystem von Sitnia Inuus
(Müll. Archiv für Anatom, S. 419).
der Sftugthiere während des Jahres 1852. 9
Simiae piatyrriitnae. I s. Geoffroy hat ebenfalls
von einer Reihe amerikanischer Affen genauere Beschreibun-
gen und von einigen derselben auch Abbildungen geliefert
(Archiv, du Museum. V. p. 543.).
Diese Arten sind : Lagothrix Castelnaui , Cebus eleganSf vellerO'
susy castaneus und versicolor Puch., Callithrix discolor (tab. 28.), iVy-
ctipithecus Oseryi, Pithecia chrysocephala (tab. 29) und albinosa, Bra-
chyurus cahus und rubicundus (lab. 30) , Midas pileattts (tab. 31) ,
Devilli , nigrifronSf ßavifrons und rufo-niger. — In einem Anhange
wird noch von Pucheran Midas Qeoffroyi und Illigeri ^ von De-
ville Midas Weddellii charakterisirt.
Prosimii. P e t e r s gab ausführliche Erörterungen über
2 bisher sehr unvollständig gekannte Arten dieser Familie,
nämlich über Otolicnus crassicaudatus und Lemur anjuanensis^
und fügte ihr zugleich eine neue Art bei: Microcehus myo~
xinus Ca. a. 0. S. 14.).
Die neue Art steht zwar in sehr naher Yerwandtschaft mit Mi~
erocebus (^Lemur) pussilluSf bietet aber doch Merkmale zur Unterschei-
dung dar.
Is, Geoffroy fand bei der Untersuchung von Micro-
cehus pusillus, dass das Gehirn glatt und überdiess das kleine
Hirn nicht von dem grossen überdeckt ist (Compt. rend.
XXXIV. p. 77.).
Chiroptera,
Ueber einige merkwürdige Verhältnisse des Innern Baues
der Haiidflügler gaben G. F. Naumann und W. Jones
Aufschluss.
Naumann lieferte (in den K. V. Academ. Handlingar för 1850.
I. p. 139.) eine genaue Beschreibung der Knochen und hauptsächlich
der Muskeln der vordem Gliedmassen bei den einheimischen Fleder.
mausen und erläutert dieselbe durch 2 Tafeln mit Abbildungen.
T. Wharton Jones machte die Entdeckung, dass in den Flfl.
geln der Fledermäuse die Venen , welche mit Klappen versehen sind,
eine rhythmische Contractilität zeigen, und dass die Fortbewegung des
Blutes bei jeder Contraclion beschleunigt wird. Dagegen hat Jones
in den Venen der Ohren der Fledermäuse keine Klappen und keine
rhythmische Contractilität wahrgenommen , so dass also in diesen Or-
ganen der Blutlauf einförmig ist (Procecd. of the Royal Society VI.
p. 147. 192).
Eine ansehnliche Bereicherung mit neuen Arten hat die
Ordnung der Handflügler durch Peters (a. a. 0.) erlangt.
10 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Die t4 neuen Arten heissen : Epomophorus cryptitrvs, Fhyllor-
rhina vUWa und gnacilisy Rhinolophus lobalus , Nycteris fuUginosa und
t5t'W<Mi<i, Emballonura afra, Dijsopes Umbattis, brachyplervs und dtibiusy
Vespertilio macuanus und nanus, Nyclicejus planirostris und viridis.
üeberdiess sonderte Peters von Pteropus die Gattung Cyno-
nycteris ab und führt als unterscheidende Merkmale folgende an: 1)
Pleropus, craniuni maxime post processum zygomaticum ossis frontis coar-
ctalum; inammae lateralis; glans penis osse lato munita; pollex über,
cauda nulla. 2) Cynonycteris ; cranium maxime ante processum zyg.
coarctatum; mammae anteriores; glans penis mollis; pollex patagio in-
volutus, cauda brevis vel brevissima.
Geoffroys Angabe, dass bei Nycteris die Haut an einigen
Stellen locker mit dem Körper zusammenhänge , und dass deshalb das
Thier vermittelst einer Art von Backentaschen sich ballonförmjg .auf-
blasen könne, hatP. nicht bestätigen können/ ^\'^*^/^^^^''- ''^■'' ^
V Zur genaueren Kenntniss der indischen Fledermäuse und
insbesondere zur Entwirrung ihrer Synonymik hat Blyth ei-
nen schätzbaren Beitrag geliefert (Journ. of t^e As. Soc. of
Bengal. new series 1852. p. 345. 360.).
Sie betreffen die Gattungen: Pteropus ^ Nycticejus,, Rhinolophus,
Hipposideros und Japhozous. Unter 9 vom Capt. Hutton aus Masuri
(Himalaja?) erhaltenen Arten erkannte B. 4 als europäische Arien,
nftttiKch ^ Vespertilio barbastettus , murinus , pipistrellus und serolinus.
Auch der Plecotus homochrous Hodgs. scheint ihm nicht wesentlich
verschieden vom PL auritus.
Carnivora.
■'•Hiiihcn-
tlrsina» Untersuchungen an Schädeln des gemeinen
LaMbäreu als kritische Beleuchtung der Streitfrage über die
Arten Jfossüer Höhlenbären von Dr. A. Th. v. Midden-
dorff. St. Petersb. 185t. 93 S. a
Diese Untersuchungen, welche aus den Verhandlungen der mine-
ralog. Gesellsch. zu St. Petersb. Jahrg. 1850— 5t als besonderer Ab-
druck publicirt wurden, sind durch ihre Umsicht, Genauigkeit und Schärfe
der Kritik von klassischer Musterhaftigkeit. Hier können wir nur die
Hauptresultate des Verf. millheilen und zwar zuvörderst die, welche
er aus Vergleichung einer übergrossen Anzahl von Schädeln europäi-
scher und sibirischer Ländbären erlangte. 1) In Europa giebt es nur
eine einzige Art des gemeinen Landbären , d. i. des ürsus arctos. 2)
Dieser IL arctos hat innerhalb der nördlichen gemässigten Zone eine
sehr weitläufige, sogar circumpolare geographische Verbreitung, indem
er sich üben, alle drei Welttheile dieser Zone erglr«ckl. In Beeug auf
der SÖuglhiere während de» Jahiw 1852. f Ji '= ^> ^t
die urwelllichen Arten heben wir folgende Resultate des Verf. her^
vor: 1) Der Ursus spelaeus, welcher dem gem. Landbären und zwM
dessen Var. ßeringiana am nächsten steht, ist von letzterer Art speci-
fisch verschieden. 2) U. priscns ist keine selbststftndige Art, sondern
identisch mit U. arclos der JetztweU. 3) U. arctoideus ^ giganteuSf
fornicalus, teodiensis, Pilorrii sind von U. spelaeus nicht specifisch ver,
schieden, sondern liegen völlig innerhalb der Veränderlichkeit der Art,
— Ref. hat an dieser ausgezeichneten Arbeit ein um so lebhafteres In-
teresse genommen, als durch sie seine eigenen Untersuchungen über die.
Höhlenbären im Wesentlichen bestätigt worden sind, uod ihre Reatjltate
nunmehr um so mehr gesichert sind, da der Verf. zur Ermittelung der
Formabweichungen im Schädelbaue des gem. Landbären über ein vveit»
grösseres Material als alle seine Vorgänger zusammen genommen clls-
poniren konnte.
In vorliegender Abhandlung bezieht sich der Verf. mehrmals aj^f
seine ausführlichen Untersuchungen über den Ursus arctos in Band U.
Abtheil. 2. seiner Reise in den äussersten Norden und Osten Sibiriens;,
dieser Band ist uns jedoch noch nicht zugekommen.
Im Korrespondenz -Blatt des zoologisch -mineralog. Vereines in
Regensburg. VI. S. 97. findet sich eine sehr ausführliche , auf zahlrei-
che historische Belege begründete Darstellung der ehemaUgen Verbwi-.
tung des Bären in Bayern von Jäckel.
Viverrina* ^ui* Unterscheidung der indisehen Mangu-
slen lieferte ßlyth einige Beiträge (Journ. of %he As. Soc.
of ßengal. 1852. p. 348).
Im Ganzen sind ihm bis jetzt 10- indische Arten von Herpestes
bekannt geworden.
Den Mangusten fugte Peters (a. a. 0.) 4 neue Arten
bei, wovon er aus zweien, die an allen Füssen nur vierzehig
sind, die Untergattung Bdeogale errichtete. ' •*
Die neuen Arten heissen : Herpestes undulatuSf H. ornaluSf Bdeo^
gale crassicauda und Bd. puisa.
Hya^nina» Unter dem Namen Hyaena suilla kündigte
F. de Filippi eine vierte Art von Hyänen an.
Bis jetzt kennt Ref. nichts weiter als den Namen von dieser an-
geblichen Art und zwar nach der in der Rev. de zool. p. 203. milge-
theilten INoliz. Die Abhandlung des Verf., welche sich in den Mem.
de l'Acad. de Turin. Vol. XIH. findet, Jst Ref. noch nicht zugekommen.
Canina. Von Canis latrans^ mit dem er bisher ver-
wecbselt wurde, sonderte Woodhouse eine neue Art als
12 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Canis Frustror ab (Journ. of Ihe Acad. of nat. sc. of Phila-
delph. II. 2. p. 87.).
Die vom Verf. gegebene Diagnose lautet: „hair cinereous, grey,
varied with black above. Longer on the verlebral line, legs fulvous.«
Ganze Länge ohne Schwanzspitze 2' 7", Schwanzgrube 8,3", Ohren
4,3". — Haare an der Basis falb (fulvous) und wollig , Mitte ihrer
Länge weiss mit schwarzer Spitze. Ohren aufrecht, hinten zimmtfarbig,
innen schmutzig weiss. Unterleib bräunlichweiss , Brust braun , Kinn
weiss, Beine zimmtfarbig, Nase ebenfalls, Wangen grau, Raum zwischen
den Ohren rölhlichbraun. Schwanz unten falb , oben dunkelgrau, an
der Spitze schwarz, schwach buschig, Lippen weiss, schwarz gespren-
kelt. Die auffall enste Differenz zeigt aber, wie der Verf. sagt, der
Schädel , der vielmehr dem Schakal der allen Welt als einer der be*
kannten Wolfsarten gleicht. Leider ist der Verf. in keine weitere
Erörterung und Vergleichung des Schädelbaues eingegangen, so dass
wir auf ein selbstständiges Urtheil über die Gültigkeit dieser Art Ver-
zicht leisten müssen. Diese nordamerikanischen Schakals, wie sie der
Verf. bezeichnet , wurden zuerst bei dem Fort Gibson am Neqscho-
FJusse gesehen, kommen aber in allen Prairien vor, führen eine nächt-
liche Lebensweise und leben in Trupps. Towns^nd versichert sie
in den lüissuri-Ebenen, aber niemals jenseits des Gebirges wahrgenom-
men zu haben.
Die frühere Verbreitung des Wolfes in Baiern hat J. Ja ekel
in sehr specieller Weise geschildert (Korrespondenz-Blatt des zoologisch-
mineralog. Vereines in Regensb. S. 129).
S'elina« Die annoch in sehr wenigen fossilen Ueber-
resten gekannte Gattung Machairodus ist von Leidy nun-
mehr auch in Nordamerika, in dem Eocen von Nebraska ge-
funden worden (Proceed. of the Acad. of Philadelph. V.
p. 329.).
Die Bestimmung als Machairodus primaevus beruht auf einem
verstümmelten Schädel , der y^ kleiner ist als der der Felis concolor.
Der grössere Theil der Eckzähne ist weggebrochen, aber von dem der
rechten Seite ist genug übrig geblieben, um anzuzeigen, dass er lang,
zusammengedrückt und an seinem concaven Rande gezähnelt war. Auf
der rechten Seile ist der 2le und 3le obere Backzahn und der Iste
und 2te untere sichtlich ; die andern , mit Ausnahme des ersten obern,
der ausgefallen ist, sind in die Gesleinsmasse eingehüllt. Auf der lin-
ken Seile sind die 3 untern Backzähne fast ganz erhallen. — Die Al-
veolen für die obern Schneidezähne sind sehr gross und lassen keinen
Raum zwichen sich und dem Eckzahn. Der Zwischenraum zwischen
elzterem und dem 2len Backenzahn ist ungewöfnlich gross, indem er
der Säuglhiere während des Jahres 1852* 13
1'" beträgt. — Das Kinn ist nur 10'" von dem ersten Backzahn abge-
brochen ; der vordere Kieferrand ist aber nur \"' dick und zeigt keine
Anlage zur Ausbreitung für die Aufnahme des untern Eckzahns. Der
Kronenfortsatz ist sehr kurz , da er nur 9'" misst. Das Gesicht ist
über den untern Orbitallöchern sehr breit und seine vordere Ansicht
mit der Slirne bildet einen stark abgesetzten Winkel mit der Scheitel,
leiste, oder die Stirne ist sehr hoch über den hintern OrbitaUKortsät.
len. L e i d y fügt folgende Ausmessungen bei :
Länge von den Hinterhaupts -Gelenkköpfen bis zu
' den obern Schneidezahn-Alveolen 6" 6'"
Gesichtsbreite über den untern Orbitallöchern . . 0 11
Breite des Eckzahns an der Basis der Krone . . 0 7
Dicke 0 4
Insectivora,
Unter 9 Arten Insectenfressern , die Peters in Mos-
sambique auffand, sind nicht weniger als 8 neu, und darun-
ter eine, welche eine neue Gattung und eine andere, die we-
nigstens eine besondere Untergattung anzeigt (Reise nach
Mossamb. 1. S. 69.).
Die neue Gattung bezeichnet der Verf. mit dem Namen Rhyrt^
chocyon und giebt von ihr folgende Charakteristik: nasus in probo«
scidem iongissimam porrectus, auriculae mediocres, oculi magni , artus
posteriores elongati, pedes omnes tetradactyli plantigradi, cauda longa
squamata, annulata, pili annulati rigidi ; cranium' depressum latum, ar-
cubus zygomaticis palatoque inlegris , annulo orbitali praeditum. Ossa
antibrachii disiuncla; intestinum coecum magnum; dentes primores so-
periores nulli vel duo minimi , inferiores 6 bilobi, canini superiores
longi acuti, inferiores parvi ambigui, molares supra et infra utrinque 6.
£s ist diess eine ausgezeichnete Gattung, die ein Bindeglied zwischen
den Rohrrüsslern und Tupajas abgiebt; zugleich tritt sie unter den
zwerghaften Gestalten der Insectenfresser als Riese auf, da die hieher
gehörige Art: Rh. Cirnei fast die Grösse des Steinmarders erreicht.
Von Macroscelides hat der Verf. für eine neue Art, die an den
Hinterfüssen nur 4 Zehen hat, die Untergattung Petrodomus geson-
dert und erwähnte Species als P. telradactylus bezeichnet.
Seine übrigen neuen Arien von Insektenfressern heissen Chry^
sochtoris obtusiroslris , Crocidura hirta, sacralis , canescens und anneU'
latOf Macroscelides fuscus.
Ueher die Gebissformel der Spitzmäuse hat derselbe Verf. eine
besondere Abhandlung in unser Archiv (S. 220.) eingerückt.
Dass der Igel nicht völlig „giftfest« ist, hat F. Wilde durch
14 Wagnert Iß^ritht fil)er die T.fi«tungörl in der Naturgeschichte
Tödlung desselben vermittelst Blausäure gezeigt (Archiv des Vereines
d€r Freunde der Katurgesch. in Mecklenb. 6. Helt S. 118).
Marsupialia,
DievonGould in den 4 ersten Heften seiner Mammals
of Auslralia beschriebenen und abgebildeten Arten von Beu-
telthieren sind bereits im Eiftgange unseres Jahresberichtes
aufgezählt Worden.
Interessante Beobachtungen über die Fortpflanzung und
Entwickelung des Opossums (Didelphys virginiana) wurden
von Myddelton Michel mitgetheilt (Proceed. oftheAme-
ric. associat. for the advanc. of science. Charleston 1850.
p. 60.).
In einem Falle dauerte die Zeit der Trächtigkeit 14 Tage und
17 Stunden. In der Nacht des I5ten Februars wurde das zur Beob-
achtung dienende Weibchen öuf seinen Hinterfüssen stehend gefunden,
der Leib war sehr gebögen und gegen die Ecke des Käfigs gestemmt;
seine Schnautze in unmittelbarer Berührung mit der Kioakenöffnung,
welche roth, angeschwollen und ausgedehnt war. Em Junges erschien
an der Oeffnung und wurde durch den Mund der Mutter in den Beu-
tel geleitet oder vielleicht eher hinein geleckt, indem ihre Zunge in-
nerhalb und um die Tasche herum sehr geschäftig war.
Rodentia.
Scinrina. Mit 3 neuen Arten Eichhörnchen aus Mos-
sambique machte uns Pe ters bekannt (Reise nachMossamb. I.
S. 128.).
Sie heissen Sciurus flavivittis, mutabilis und palliatus.
üeber indische Eichhörnchen theilte Blyth einige Be-
merkungen mit CJourn. of the As. Soc. of Bengal. 1852. p.
350. 433.).
Er zeigte, dass Sciurus KdaalU und Sc. Brodiei nur Varietäten
von Sc. trislriatui sind. Ueber eine neue , dem Mus flavescens Gray
verwandte Art, Sciurm chrysonothus, scheint er selbst nicht ganz sicher
zu sein, ob sie nicht vielleicht der Gattung Mus anzureihen wäre.
Layard legte seine Beobachtungen über die Eichhörnchen auf
Ceylon vor (Ann. of nat. bis. IX. p. 334).
üeber ein fossiles Schädelfragment, das Heusei als Arctomys
spelaeus bezeichtei, finden sich von ihm einige Notizen im Jahrb. für
Min«ralog. S. 463.
il ,;,i.j2«,j..,;jj^«' Saugthiere wäbrond des Jahrefl 1852. 15
OrycterinA. J. R e i n h a r d t's Beschreibung des Car-
terodon sulädens ist durch Cr epJin in unser Archiv. (S.277^
übertragen worden. -. .ia« no.iü=i«xnH ^^AiujV .^x ^..i^
'*' Lund fand in den brasilischen Knochenhöhlen die frischen Ue-
Vetreste von Schädeln , auf welche er seinen Echinomyt sulcidens be«
gründete; Später vierVvies er diesen zu Nelomys und endlich bestimmte
er ihn n\s Aulacodus Temmincku. -Walerhöuse, der ebenfalls nichts
^weiter als Scbidel zur Ansicht hatte, errichtete aus ihnen die Gattung
Carlerodon. Erst Reinhardt ist es gelungen, ein fast erwach>.
senes Weibchen und ein halbwüchsiges Junges zu erhalten, nach denen
er nunmehr im Stande gewesen ist, eine vollständige Beschreibiuig die-
ses merkwürdigen Thieres zu liefern.
Deville stellte eine neue Gattung Lasiuro'mys wi
CRev. zool. p. 353. tab. 15 u. 16. fig. 5, 5. a). .ünilöwag -fiab
Er erklärt sie für ein ftlittelglied ewischen DaetytÖM^iliü^ Hil
hmys. Mit letzterem steht der Zahnbau in nächster Verwandtschaft,
auch ist der Schwanz ganz behaart ; mit ersterem kommt sie darin
überein, dass der Körper nicht mit Stacheln , sondern blos mit Haarea
besetzt ist. Der Art giebt D. den Namen Laswrowi/5 villosHs; sie wurde
von ihm während Castelnau's Reise in der peruanischen Mission von
Sarayacu und beim Dorfe San Paulo am obern Amazonenstrom, brasi-
lischer Seite, entdeckt. — Von gedachter Mission hat D. zu gleicher
Zeit mehrere Exemplare von Dactylomys typus mitgebracht; wenn et
übrigens der Aleinung ist , dass letztere Art die einzige ihrer Gattung
ist, und dass er an ihr zuerst das Vorkommen eines Daumens an den
Vorderhänden nachgewiesen habe, so muss Ref. hingegen bemerken,
dass D. in beiderlei Beziehung in Irrthum ist.
Cunicuiaria. Von den Erdgräbern (Georhychus) son-
derte Peters eine neue Art als besondere Gattung HeliO"
phqbius ab (Reise nach Mossamb. I. S. 139.).
Sie unterscheidet sich von den Erdgräbern nur durch den Um-
stand, dass bei ihr auch an d^n Hinterfüssen die zweite Zehe und
nicht wie bei diesen die dritte die längste ist, wozu noch einige Ver-
schiedenheiten im Schädelbau kommen. Die Art ist als H. argenleo-
cmereus bezeichnet und auf tab. XXXI. fig. 2. , XXXV. fig. 2. abge-
bildet.
Kessler hat gezeigt, dass Spalax Pa/Zasw Nordm. mit
S/?. Typhlus zu einer und derselben Art gehöre (Bullet, de
Moscou. 1851. p. 127.). "'
Nordmann unterscheidet seinen Spalax Fallasii von Sp. Ty-
phlus hauptsächlich nach Abweichungen des Schädelbaues. Nach Un-
tersuchung von gegen 20 Schädeln hat K. gefunden^ dass diese nach
16 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Alter und Individualität ungemein variiren und dass demnach Sp. PaU
lasii nicht als selbstständige Art, sondern nur als Altersverschiedenheit
des Sp. Typhlus anzusehen sei. — Der Verf. macht bei dieser Gele-
genheit noch bemerklich, dass der Spalax früher w^eiter verbreitet als
gegenwärtig war. So lebt er z. B. gegenwärtig nicht mehr in der
Umgegend Kiews, während man daselbst nicht selten Knochenüberreste
von ihm ausgräbt, auch alle Gänge von ihm antrifft.
marina. Peters hat a. a. 0. dieser Familie 2 neue
Gattungen und eine Untergattung zugefügt; sie heissen: Pe~
lomys, Steatomys und Saccostomus.
Pelomys ist eine Untergattung von Mus, welche sich nicht aliein
durch die Kürze der äussern Zehen, sondern auch durch die Kurchung
der obern Schneidezähne und durch die grosse Breite der Backenzähne von
den gewöhnlichen Mäusen entfernt; hieher P. fallax. — Steat omys
ist im äussern Habitus mit Malacothrix verwandt , aber seine Backen-
zähne sind kaum von denen der eigentlichen Mäuse verschieden ; hieher
St. edulis, und St. Krebsii. — S accostomus bildet ein Verbindungs-
glied zwischen Hamstern und Mäusen, welches im Gebiss und Schädel-
bau, ebenso wie Cricetomys , den letzteren näher steht. Von Criceto-
mys unterscheidet sich die neue Gattung sogleich durch den kurzen
ungeringelten Schwanz, welcher sie den Hamstern nähert, dagegen
ragen ihre Backentaschen nicht wie bei diesen über den Kopf hinaus,
sondern reichen nur bis unter die Ohren. Hieher 8. lapidarius und
S. fuscus.
Die anderweitigen neuen Arlen^ welche Peters aus dieser Fa-
milie in Mossambique entdeckte , heissen : Meriones leucogaster , Mus
microdon, arborarius und minimus, Acomys spinosissimus.
Blyth stellte 2 neue Arten indischer Mäuse auf: Mus
fulvidoventris und Mus albidoventris (Journ. of the As. Soc.
of Bengal. 1852. p. 351); sie sind jedoch nur mit ein paar
Worten charakterisirt.
E. Boll machte bemerklich, dass bei Golm in Mecklen-
burg ein Hamster erlegt wurde, und dass bei Dömitz und
Ludwigslust Schärrmäuse (ßypudaeus terrestris) zahlreich
vorkommen (Archiv des Vereines der Freunde der Nalur-
gesch. in Mecklenb. VI. S. 1 18.).
Z. Gerbe lieferte sehr genaue Beschreibungen von
drei, der Fauna der Provence zuständigen Arten von ilm-
cola (Rev. zool. p. 257.).
Sie heissen : Arvicola leucurus n. sp. , A. Selysii n. sp. und A.
Nager} Schinz. Wir können uns eines eigenen Urtheils über diese Ar-
«ji(I');f'; der Sftugthiere währcjul des Jahres 1852. 17
len überheben , da ein solches bereits der competenteste Beurlheiler
derselben, ßlasius, im heurigen Jahrgänge unseres Archives ausge-
sprochcn hat.
Hystricina. Won Hysirix cristata sonderte Peters
als eigene Art das südafricanische Stachelschwein unter dem
Namen Hystrix Africae australis ab (Reise nach Mossamb. 1.
S. 170.).
Ref. hatte Gelegenheit, an einem ihm aus der Kapkolonie zuge-
kommenen Exemplare sich von der Richtigkeit dieser Unterscheidung
zu aberzeugen ; nur war am knöcheren Schädel von der Platte, welche
bei des Verf. Exemplaren die beiden Scbädelgruben oben trennt, keine
Spur mehr vorhanden, sicherlich in Folge höheren Alters.
Subungulata. Entwickelungsgeschichte des Meer-
schweinchens von Th. L. W. Bis che ff. Giessen. 56 S. 4.
mit 8 Kupfertafeln.
Die Resultate, welche der Verf. bezüglich der Entwickelung des
Meerschw^einchens erlangte, sind so unerwartet und überraschend, dass
er sich, wie er selbst zugesteht, glücklich priess , das Ei des Meer,
schweinchens nicht am Anfange seiner embryologischen Untersuchungen
zuerst untersucht zu haben , indem bei dessen Entwicklung so merk-
würdige Widersprüche mit dem bei andern Säugthieren beobachteten
auftreten, dass die Verwicklung des Fadens kaum zu lösen gewesen
wäre. Um nur Eines hervorzuheben , so fand der Verf. , dass beim
Meerschweinchen der Embryo eine Lage hat, welche der bisher von
andern Wirbelthiereu bekannt gewordenen geradezu entgegengesetzt
ist : der Embryo liegt nämlich nicht wie sonst mit seiner Bauchfläche
auf dem Eie und mit seiner Rückenseite nach aussen hin , sondern
gerade umgekehrt, er liegt mit seiner Bauchseite nach aussen, mit
seinem Rücken gegen die Eihöhle. — Die unvermutheten Re-
sultate, welche der Verf. in diesem Falle auffand, mahnen- zur Vor-
sicht in der Aufstellung allgemeiner Gesetze aus wenigen, vereinzel-
ten Beobachtungen.
»uplicidentata. lieber die als Bastarde angespro-
chenen Mittellormen zwischen Lepus europaeus und L. f?a-
riabüis lieferte v. Middendorff sehr gründliche Erörte-
rungen (Bullet, phys.-mathem. St. Petersb. IX. no. 14—16.).
Pallas sprach zuerst von ßastardformen , die aus der Vermi-
schung beider Arten entstanden wären. Blasius dagegen erkannte
in jenen eine besondere Art, die er mit dem Namen L. aquilonius be-
zeichnete, und mit welcher W il s s o n's Lepus medius übereinkommt.
Der Verf. findet für letzteren keinen andern Unterschied von L, euro^
Archiv f. Naturgcieh, XIX. Jahrg. 2. Bd. ß
'iß Wagner: Bericht fiber die Leistungen in der Naturgeschichte
paeuSf als dass sein Winterkleid stärker entwickelt ist, und der Schwanz
nur 12—14 (in der Regel 13) Wirbel, also 3—4 weniger als letzterer
hat. Diese geringen Differenzen bestimmen den Verf., den L. medius
zur Zeit nur als Varietüt des L. europaeus zu betrachten. In ähnli-
eher Weise sieht er den L. canescens nur als Varietät des L. varia-
hilis an, So dasS er also bloss 2 europäische Hasenarten annimmt. Ba-
stardbildnngen smi ihm übrigens nicht vorgekommen. Der sehr ge-
nauen Erörterung der Verbreitungsgrenzen dieser beiden Arten und d^
beiden Varietäten hat der Verf. zur Erläuterung eine klein« Karte bei«
^gefugt.
idai Blyth erhielt aus den östlichen Gebirgen von Arakan
ScMdel und Fell eines Hasen, der identisch mitGray's Lepus
sinensis zu sein scheint (JöUrn. of the As. Soc. oT ßengal.
18&2w p. 359.). iHiiifii*
Edentata.
W. V. Rapp's vortreffliche Arbeit: anatomische Unter-
süchung^en über die Edentaten. 2le Auflage, haben wir schon
Ji|D, unserem vorigen Jahresberichte zur Anzeige gebracht.
Dass Monis pentadactyla Linn. auch auf Ceylon vorkommt , ist
durch Blyth nachgewiesen worden (Journ. of ßengal. 1852. p.35l).
' Hinsichtlich eines verwirrten Berichtes, deti A. d'A bbadi e über
j,'£)nen 'Edentaten aus Abyssinien, der verwandt dem Kapischen OrytU'
rdpus KU sein seheint, den Mocaqa,'* ist das Urtheil Von Is. Geof>
fröy und Duvernoy, denen Knochen zukamen, abzuwarten (Compt.
rend. XXXIV. p. 100).
Ueber das üefässsystem der Ornithorhynchus handelte Hyrll in
dtti Wiener Sitzungsberichten VIII. 1. S. 33.
10 .
Atlas statistique de la production des chevaux en France;
-do«Gumetits pour servir ä l'histoJre naturelle agricole des ra-
-ot» dfe cheveaux du pays, reunis paf M. Gayot, dessins de
Itf. Lalaisse. Paris 1850. 1. et 2. livr.
Von diesem, im Auftrage des Ministers des Ackerbaues und des
41aildels verfassten Werke kennen wir tur Zeit nur den Titel nach ei-
ner Anzeige der Rev. Zoel. p. 89.
E. Rousseau lieferte eine sehr genaue und von vie-
le|[) Abbildungen begleitete Schilderuhg der Kastanien und
der SftuglhieiT wfihren«! des Jahm 1852lflff?»5VA i§
eig-enthümlichen Epidermis-Schildet det* Einhufer (Kev. sioöl.
p. 497.). '"■'■ '■■ ■" ^ '"^"''' ' ' "'" "''' '"'''
Er wies die vielerlei irrigeA Angaben nach, die in dieser Be-
ziehung vorliegen und schilderte den richtigen Sachverhalt beim Pferd
und Esel, so wie bei ihren Bastarden, wobei er nebenbei Bezug nahm
auf Equus Uemionus (?) und E. Burckelli.
Lepsius theille in seinen Briefen aus Aegypten S. 154
einige Beobachtungen über die dort vorkommenden Wild-
esel mit.
„Als wir,« sagt er, (auf der Reise nach Chartura) „aus d^n Ber*
gen heraustraten, begegn«teh wir grossen Heerden von wilden Eseln.
— Sie sind grau oder grauröthlich, am Bauche weiss, und alle halien
über den Bücken einen scharf gezeichneten schwarzen Streifen ; aac%
die Schwanzspitze ist gewöhnlich schwarz. Es werden viele gefan-
gen, so lange sie jung sind, können aber auch dann nicht Bttm Reiten
oder Tragen gebraucht werden. Erst die folgende Generation lässt
sieh dazu benutzen. Fast alle zahmen Esel hier im Süden ^on der
Eselkatarakte (Schelläl homär) in Berber an stammen von diesen tr41>^
den ab und haben dieselbe Farbe und Zeichnung. <<
A. W. Gibbes fand in einer Masse von Eocen-Mergel am Ash-
ley-FlMsse (Süd- Carolina) einen fossilen Pferdezahn, den er sowohl
«ach seinen Lagerungsverhältnissen «Is nach der Dünne und den klei-
nen Windungen der Schmelzfallcn einer , dem Eocea eigenlhümlicben
Art zuerkennen wollte, wenn er anders nicht dem £. plicidens ange-
hörig wäre. — Holmes bezweifelte übrigens die urspriogliche Ein*
iag^rung dieses Zahnes ia ein Eoecn-Gebilde (Proceed. of tbe Ani«r«
assoc. for the advanc. of science. Charlest. 1850. p. 67).
Des von Weddell aufgestellten E^uw« maarognathm ist sehe«
bei der Anzeige von Castelnau's Reise gedacht worden.
Pachydermata. . .vi lo .bsa^
Ueber die Wundernetze des Hyrax syriacüü ÜÜndelte
Hyrtl in den Wien. Sitzungsbericht. VIll. S. 462.
Kine neue Art Warzenschweine vom Kamarun-Flusse in
Westafrika kündigte Gray unter dem Namen Choeropotamus
pictus an (Ann. of nat. bist. X. p. 281.).
„Einförmig rofhbraun ; Gesiebt, Slirue, Öhren und einige grosse
Flecke auf den Beinen schwiuz ; Ohrenrand, Backenbart, ein Streif ober
und unter den Augen, und ein fortlaufender, ziemlich kammartiger
Streif längs der Mitte des Rückens rein weiss. Ein Männchen. Diese
Art unterscheidet sich sogleich von Ch. iarvttUus aus Sidafrika durch
20 Wagner! Bericht Über die Leistungen in der Naturgeschichte
die Helle der Färbung, denn letzlerer ist schwarz , weisslich angeflo-
gen, an den Gesichtsseiten weiss mit einem grossen schwarzen Fleck
unter den Augen.« — Es ist Schade, dass zur sichern Begründung keine
Vergleichung mit Phacochoerus Aeliani vorgenommen und Zahn- und
Schädelbau nicht in Berücksichtigung gezogen worden ist.
Leidy wollte sich nicht begnügen, in dem Hippopota-
mus Ubenensis blos eine besondere Art von Flusspferden an-
zuerkennen, sondern er will jenen bereits generisch von Hip-
popotamus geschieden wissen (Proceed. of Philadelph. VI.
p. 52.).
Die neue Gattung soWChoerodes heissen ; die Gründe für diese
Scheidung sind noch nicht publicirt. Nach zwei Schädeln des Hippo-
potamus aus Nordwestafrika und dreien aus Südafrika will Leidy fer-
ner H. amphibius und H. capensis geschieden wissen ; er bezeichnet
als Hauptdifferenz , dass bei jenem die obern Eckzähne nur eine ein-
fache Schmelzbinde haben, während bei diesem die Binde in zwei ge-
theilt ist durch einen Raum von 3 Linien an der Aussenseite der
hintern Grube.
Ueber die als Dicotyles depressifrons bezeichneten fossilen Ue-
berreste brachte Le Conte verschiedene Bemerkungen zur genaueren
Kenntniss dieser Art bei (Proceed. of Philadelph. VI. p. 3. 5. 56.).
Agassi z und Gibbes wollen in Nordamerika ausser Ueber-
resten von Elephas primigenius auch noch die einer zweiten Art er-
mittelt haben (Proceed. of the Am. soc. for the advanc. of science.
Charlest. 1851. p. 69.). — Von Th. Cotlle wurden ebenfalls Ueber-
resle eines urweltlichen Elephanten , ein Slosszahn und ein Unterkie-
ferast mit einem Backenzahn , die in der Nähe des Ontario-Sees aus-
gegraben worden waren, beschrieben (Ann. of nat. bist. X. p. 395.).
Leidy kündigte 2 neue Arten urweltlicher Nashörner an: Rhi-
noceros occidentalis und nebrascensis, doch ohne nähere Nachweise (Pro-
ceed. of Philad. V. p. 119. 276 331.; VL p. 2.).
Mit der Bestimmung der bei Fronstetten in Würtemberg gefun-
denen Palaeotheriden befasste sich Fr aas (Würtemb. naturw. Jahres-
heft S. 218.). — H. v. Meyer sonderte unter denselben zwei beson-
dere Arten aus: Plagiolophus Fraasii und Dichodon fronstellensis (Jahrb.
für Mineralog. S. 831.).
Owen's Charakteristik der Unterkiefer-Zähne des Dichodon cu-
spidatus wurde durch Th. Wright ergänzt (Ann. of nat. bist. X. p. 87.).
Ruminantia»
Auf verschiedene fossile Ueberreste von Nebraska ver-
der S*ugthiere während des Jahres 1852. 21
suchte Leidy 3 neue Galtungen „wiederkäuender Hufthiere**
zu begründen (Procecd. of Philadelph. V. p. 90. 238. 276.).
Sie htiissen : Or eodon , Cottjlops und Euer o top hus; von
letzlerer Gattung vermuthet übrigens Leidy selbst, dass sie identisch
mit der zweiten sein dürfte. Man rauss die genauere Beschreibung
abwarten , bevor man über diese Gattungen ein Unheil fällen kann,
woraus auch erst mit Sicherheit bestimmt werden kann, ob gedachte
Ueberreste dieser oder der vorhergehenden Ordnung zuzuweisen sind.
Cervina. Monographie der Arten der Hirschgattung
von Dr. Pu eher an (Archiv, du Mus. d'hist. nat. VI. p. 265— -
492. mit 9 Tafeln).
Eine vortreffliche, mit grosser Kenntniss der Literatur und schar,
fer kritischer Sichtung des vorliegenden Materials ausgearbeitete Mo-
nographie, wodurch die schwierige Unterscheidung der Arten in dieser
Gattung ungemein an Sicherheit gewonnen hat; als neue Art ist Cer-
vns similis zugefügt. Dem Lobe, welches die Berichterstatter in der
pariser Akademie dieser Arbeit gespendet haben , müssen wir in jeder
Beziehung beistimmen.
J. E. Gray behandelte denselben Gegenstand , indem
er eine Synopsis der Hirscharten lieferte (Ann. of nat. hist.
IX. p. 413.).
Sie enthält werth volle Beiträge zur schärferen Unterscheidung
mehrerer Arten ; aber wie in frühern Arbeiten ist zu wenig Rücksicht
auf die auswärtige Literatur genommen, daher sich Irrthümer einge-
schlichen haben , die bei Benutzung derselben sich hätten vermeiden
lassen, was auch Pucheran bereits gerügt hat. Als 2 neue Arten
werden Cariacat punclulatus und Coassus auritus aufgestellt.
Ueber die Synonymik und Yerwandtschafts- Verhältnisse des Cer~
vu$ Wallichii sind von Blyth schätzbare Bemerkungen beigebracht
worden (Journ. of the As. Soc. of Bengal. 1852. p. 341.).
Peters entdeckte in Mossambique 4 neue Arten von
Antilopen (Reise nach Mossamb. I. S. 184.).
Sie heissen : Antilope altifrons , ocularis , hastala und Lichten-
steinii.
Cavicornia. Brand t's Bemerkungen über die Ingui-
nal-Drüsen der Gazellen finden sich im Institut p. 241. mil-
getheilt.
Er untersuchte diese Drüsen bei Antilope Dama und Saiga^ und
fand auch ähnliche bei A. mergens , A. Lnlandii y A. subgutturosa und
A. arabica.
Beachtenswerthe Notizen über die Benutzung und Le-
32 Wagnert Bericht ober die Lei«tungen in der rVaturgeschicbte
bensweise der Ziegen des Mont-d'Or sind vonMartegoute
bekannt gemacht worden.
Diese Notizen finden sich in den Anna), des sc. phys. et nat.,
d'agricnlt. et d'industrie de Lyon III. 2. 1851. p. 247. In dem Gebirge
von Lyonnais, insbesondere auf dem IVlont-d'Or, ist eine blühende Zie.
genzucht, die durch den Verkauf der Zickeln und der Milch, haupt.
sächlich aber den aus letzterer bereiteten Käse den Landleuten grosse
Vorlheile bringt. Das Merk würdigste ist, dass bloss Slällfütlerung be-
trieben wird; die Ziegen kommen niemals ins Freie und gedeihen
gleichwohl vortrefflich.
In 2 fossilen Unterkiefer - Hälften aus der Knochenbreccie von
Sebenico in Dalmatien meinte Franzius eine Ziegenart von der Grösse
eines grossen Hirsches oder Pferdes zu erkennen und will diese Ue-
berreste als zu Capra Koieli gehörig betrachten (Jahrb. für Mineralog.
S. 453.).
Eine ausführliche Beschreibung des Knochengerüstes von
Bos moschatus und Ovis montana ist durqj^ Richardson
gegeben worden.
, i^l., .Sie ist enthalten in der Zoolpgy of the voyage of H. M. S. He-
rald. Fossil Mammals p. 66 u. f. und von schönen Abbildungen be-
gleitet.
Blyth's Bemerkungen über wilde, in Hinterindien vorkommende
nnd mit dem Namen Sapandang und Sapi bezeichnete Ochsen las-
sen zwar auf deren Verwandtschaft mit Bos gaurus schliessen, geben
aber hierüber keine Sicherheit (Journ. of Bengal 1852. p. 433.).
Ueber die Beschaffenheit des Allgäuer Rindviehes theille Ho-
fer seine Erfahrungen mit (Centralblatt des Iqndw. Vereins in Baiern,
S. 10.).
Cetacea,
Kneeland suchte zu erweisen, dass der Manati nicht
ein Wall, sondern ein Dickhäuter wäre (Proceed. of the Am.
Associat. for the adv. of science. Charlest. 1850. p. 42.).
Es ist diess eine Anschauungsweise, die wir nicht zu theilen
vermögen.
lieber die geographische Verbreitung der Bartenwalle
und des Pottfisches sind sehr wichtige Mittheilungen enthal-
ten inMaury's explanation and sailing direclions to accom-
pany the Wind and Current Charts. Washingl. 1851. third
edition.
Schiffg-Leutenant Maury hat sich die Aufgabe gestellt, nach den
iler SAugthiere wAhrtnd des Jahres 1852. 23
Mitthd^ungen der mit dem Wallfischfange beschäftigten Schiffskapitäne
die Verbreitung der nuttbaren WaDc, nämlich der Barten walle
(Balaena) und l'eltfishe {thyseter) genau zu errorschen und auf
Karlen einzutragen. Aus den zahlreichen Notizen mögen hier nur ei-
nige eine Stelle finden.
Nach Veisichevung aller Wallfängex passiret» die üarlenwallu
(Hight Whaics) nicht den Aequator. Bisweilen werden zwar nerdisehoi
WalKischc bis herab zum 18'> gesehen , aber nur an den Küsten , um
Junge zu bringe.«» in offener See vÜQ weiter als bi^ %urn ^^^ n. üreile.
Auch die südlichen Barteowalle g^ben qur ausnahmswei&e nordwärts,
über den dO*' s. Breite hiaaus, so dass zwischen dem 30° n. Breite und
30<^ s. Breite ein Damm gegeben ist, der von den Wallfischen nicht
überschritten wird. Die nördlichen und die südlicheD Bartenwalle
werden daher von den Wallfängern als verschiedene Arten bezeichnet,
wovon jene die letzteren au Grösse bedeutend überlrefTen (vgl. auch
die Procoed. of the Am. Associal. 1851. p. 78.). Ob die noixliscben
ächten Bartenwalle alle zu einer Art (Balaena Blysticetus) geboren, oder
ob sie mehrere bilden, darüber sind die Wallfänger nicht einig. Einige
unterscheiden 3 Sorten: 1} den Bowhead Right Wbale, 2) Russian Whale
or CameUBacked Whale und 3) Uight Wbale.
Was die Fotlfische anbelangt, so kommen ihre Hauptschaaren auf
beiden Seilen des Aequators bis zum 35o Breite vor. Sie werden aber
auch an den Ghiloe>lnseln unter 44<^ s. Br. und an den Aieuten unter
53<> a. Ur. gefangen. Es giebt überhaupt 3 Plätze, wo der Ppttfisch
unter höheren Breitegraden auftritt. Diese sind im sudatlanti^chen
Ocean zwischen 30 und 35", wo sie in grossen Truppen (Schulen} ge-
funden werden ; ferner im südlichen stillen Meere zwischen 35 und 00^,'
und in der Mitte des nördlichen stillen Meeres bis zu 40°. Ein Capi-
tän berichtet, dass er oft Potlfisoho am Kap Horu und am Kap der gu-
ten Hoffnung getroifen habe, die von Meer zu Meer reisten. Squid
oder cuttle (Dintenfische) werden als ihr einziges Futter bezeichnet.
Um Nahrung zu suchen, sollen grosse Pottfische 1 — lyj Stunde unter
Wasser bleiben. Einer der aller grössten Pottfisohe, der 95 Tonnen
(bbls.) Gel lieferte, war 62' lang, Kopf 20', Unterkiefer 16', Schwanz
6' lang und l6' breit, dickster Umfang des Leibes 32'. Erwachsene
Weibchen überschreiten nicht y4 dieser Grösse und liefern selten mehr
ala SO Tonnen.
Das Knochengerüste des Delphinus gangedcus wurde
von Es ch rieht in ausführlicher Beschreibung und mit Bei-
gabe von Abbildungen erläutert (Danske Vidensk. Selsk. Skrif-^
ter. 1851.).
Zum Gegenstände der Darstellung diente ein im Ganges, etw9B
unterhalb des botanischen Gartens von Caleutta, gefangenes Individum%
24 Wagner: Bericht Aber die Leistungen in der Natnrgeschichte
Da Eschriclit's Abhandlung in dänischer Sprache verfasst und deshalb
Tür das Ausland fast unbenutzbar ist, so ist es ein dankenswerthes Un-
ternehmen von Wal lieh, dass er durch eine englische Uebersetzung
(Ann. of nat. bist. IX. p. 161. 279.) diese treffliche Arbeit den Zoo-
logen zugänglich gemacht 4iat.
Gedachte Abhandlung veranlasste Gray zu einigen Bemerkun-
gen, namenlich in Bezug auf Hyperoodon latifrons (Ann. of nat. bist
IX. p. 407.).
Blyth bezeichnete eine neue Art von Delphinen mit dem
Namen Globicephalus indicus (Journ. of the As, soc. of Ben-
gal. 1852. p. 358.).
Ein junges Thier wurde im Hugly bei Serampore getödtet ; Ske-
lete erwachsener von beiden Geschlechtern finden sich in der Samm-
lung zu Calcutta. Nahe verwandt mit Globicephalus deductor (Delphi-
nus glopiceps) unterscheidet sich die neue Art äusserlich durch ihre
einförmig schwarze Farbe. Ihre Zwischenkiefer sind kurzer, die Zähne
weniger und grösser, indem jederseits 6 — 8 oben und 7—8 unten vor-
handen sind; die obere Ansicht der Oberkiefer difl'erirt beträchtlich in
der Contur , indem sie bei der indischen Art breiter und minder ver-
längert ist. — Als eines ausserordentlichen Falls gedenkt Blyth bei
dieser Gelegenheit , dass ein Wall (Balaenoptera) von 84 Fuss Länge
an der Küste von Aracan gestrandet sei.
Castelnau berichtete, dass man am obern Amazo-
nenstrome 3 Arten von Süss was ser-Delphinen unter-
scheide (exped. dans les parties centr. de l'Am. du Sud IV.
p. 459.).
Zu Nauta, am Zusammenflüsse des Ucayale mit dem Amazonen,
fluss, unterscheidet man 3 Arten: 1) Der gewöhnliche Sfisswas-
ser-Delphin (Bufi^eo der Missionäre) erreicht 2 Mdtres 25 Centim.
Länge ; Farbe violett-rosafarbig, besonders am Kopfe, Unterseite weiss-
lich. Mittleres Gewicht ohngefähr 125 Kilogramme. Schnauze 30
Centim. , beide Kiefer gleich , Kopf in der Mitte deprimirt und fast
zweilappig; Rückenflosse lang und wenig erhöht. — 2) Der weisse
Süsswasser. Delphin (Buffeo blanco), kleiner, nicht über 1 M.
65 Centim. ; Schnautze kurz, Unterkiefer länger als der andere , Kopf
gerundet, Rückenflosse kurz. Farbe weisslich. — 3} Der schwarze
Süsswasser-Delphin gleicht dem letztern, ist aber kleiner, Kör-
per viel untersetzter, Flossen grösser, zumal die Brustflossen, endlich
die Farbe sehr verschieden. Bei Pebas erhielt Castelnau (V. p. 33.)
eine von diesen schwarzen Delphinen (ßoto preto der Brasilier, Tu-
cuchi der Bewohner von Para). Länge 1 M. 10 Centim. Oberseite und
Flossen grau, fast schwarz, Bauch und Unterkiefer rosig lilafarben. -^
der SAngthiere während def Jahrei 1852. 25
Ref. ist der Meinung , dass diege 3 angeblichen Arten wohl richtiger
als Varietäten zu bezeichnen wären.
lieber fossile Ueberreste von Wallen sind folgende An-
gaben hier in Erwähnung zu bringen.
H. von Meyer erkannte einen Zahn aus der Molasse von SöU
denau bei Orlenburg als seinem Arionius servatus gehörig an (Jahrb.
für Mineralog. S. 303.).
In den Proceed. of the Acad. of Philadelph. Y. p. 308. kfiodigte
Leidy aus der Miocen -Formation in Virginien 2 neue Arten WalU
tische an : Balaena palaeallantica und B. prisca. Das ganze Material,
worauf diese beide Species beruhen, besteht für erstere nur in einem
8'/i" langen Fragment von einem Unterkiefer, einem Rückenwirbel und
einem Jochfortsatz des Schläfenbeins ; für die zweite Species ebenfalls
aus einem Unlerkieferfragment und einem Schwanzwirbel. — In einem
Halswirbel aus der Eocen- Formation von Louisiana wollte Leidy (a
a. 0. V. p. 52.) nicht bloss eine neue Art von Cetaceen , sondern so-
gar eine neue Gattung erkennen: Pontogeneus priscus. — Eine andere
Gattung Cetaceen fährte derselbe Zoolog (V. p. 326.) gleich mit 2
Arten auf: Priscodelphinus Harlani und F. grandaevus; erstere Art auf
einen Rückenwirbel und letzlere auf 2 Schwanzwirbel begründet. —
Ferner gab ihm (VI. p. 35.) ein verstümmelter Lendenwirbel Gelegen-
heit, wenigstens eine neue Art: Delphinus Conradi einzuführen. — Es
ist zu wünschen, dass spätere reiche Funde diesen neuen Arten und
Gattungen gesichertere Stützpunkte , als sie dermalen haben , darbieten
möchten.
.h.l.
Bericht über flie Ijeistungreii in der IVatur-
S^esciilclite cter Vög^el während des
Jahres 1§59»
Von
»r. O.Hartlaulb
in Bremen.
Vielseitige Erfolge und Bemühungen haben der Orni-
thologie auch im verflossenen Jahre einen befriedigenden
Fortgang gesichert. Sehr zahlreich waren die Beiträge zu
den Vögelfaunen einzelner Gegenden. Selbst Spanien, orni-.
thologisch unvollkommner durchforscht wie Neuguinea und Ma-
dagascar, hat einige Erstlinge auf diesem Gebiete der Litte-
ratur geliefert. In den Vereinigten Staaten von Nordame-
rica blieb die Betlieiligung eine sehr lebhafte. Die grosse
Mehrzahl der neu entdeckten Arten war amerikanischen Ur-
sprungs; Africa und Australien gaben dagegen nur massige
Ausbeute. Auch scheint das gewaltige Material, welches
Blyth in Calcutta seit einer Reihe von Jahren für die con-
tinental-indische Fauna verarbeitet, stark in Abnahme begrif-
fen zu sein. Von nicht geringem Interesse ist die Wieder-
aulfindung der einst von Telfair für die zoologische Gesell-
schaft in London aus Rodriguez eingesandten Dodoknochen.
Die europäische Ornithologie hat , um dies noch hinzuzufü-
gen, den Tod eines ihrer talentvollsten Vertreter zu bekla-
gen, nämlich W. Thompson's, Verfassers der „Natural Hi-
story of Ireland.«
Hartlaub: Berichl flb. d. Leistungen in der Nftturgeschichte etc. 27
Em. LeMaoul „Histoire naturelle des oiseaux suivant
la Classification de Mr. Isidor G. St. Hilaire avec Tindication
de leur moeurs et de leur rapports avec les arls, le com-
merce et l'agriculture« 432 S. mit Kupfern. 25 Fr. — Wir
haben von dem Erscheinen dieses Buches zu spät Kenntniss
erhalten, um noch in diesem Jahresberichte darüber referiren
zu können. Die bei uns wenig bekannte Classification Is. G.
St. Hilaire's ist eine der natürlichsten und wissenschaft-
lich durchdachtesten und nimmt unter den zahlreichen syste-
matischen Versuchen neuerer Zeit eine jedenfalls hervorra-
gende Stellung ein.
Von Sir W.Jard ine's „Contributions to Ornithology"
erschien der 5teBand, reich an wichtigen und interessanten
Mittheilungen über verschiedene Gegenstände der exotischen
Ornithologie. Auf die Mehrzahl derselben soll ihres Ortes
zurückgekommen und hier nur noch mit wenigen Worten
des öfFentlichen Verkaufes der prachtvollen Sammlung leben-
der Vögel gedacht werden, welche der kürzlich verstorbene
Graf Derby auf seinem Stammsitze in Knowsley-Park bei
Liverpool hielt und deren Grossarligkeit jedem Besucher die
höchste Bewunderung abzwingen mussle. Es kamen hier318
Arien in 1272 Exemplaren zum Verkauf. Ein systematisch
arrangirler Catalog giebl Nach weisung über die Herstammung
und den Fundort derselben. Der höchste Preis , nämlich
960 Thlr., wurde bezahlt für 4 Slück Cygnns nigricollis; für
Grus carunculata Kam. 230 Thlr. , für Phasianus versicoior
l68Thlr., für Spimetos bellicosus 96 Thlr., ebensoviel fürS/?«-
zaetos coronatus , für Harpyia destructor 150 Thlr. , für 6y-
pogeranus serpeniarius 76 Thlr. ^ für Peirocincla cycmea 40
Thlr. u. s. w.
Dr. J. Ca ban i s „Museum Heineanum." Verzeichniss der
ornithologischen Sammlung des Oberamtmann Ferdinand
Heine auf Gut St. ßurchard vor Halberstadl; mit crilischen
Anmerkungen und Beschreibung der neuen Arten systematisch
bearbeitet u. s. w. Theil I., die Singvögel enthaltend. l.VoK
8. 233 Seiten. Auf die Wichtigkeit dieser Arbeit ist bereits
im vorigen Jahresberichte mit gebührendem Lobe aufmerk-
sam gemacht worden. Wir sehen der Fortsetzung derselben
28 Hsrtlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
mit Verlangen entgegen. Die diesjährige Versammlung in Hal-
berstadl giebt allen Freunden der Ornithologie die beste Gele-
genheit, die vortreffliche, obigem Werke zum Grunde liegende
Sammlung kennen zu lernen. Der liberale Besitzer wird ge-
wiss die wissenschaftliche Benutzung derselben in jeder Weise
zu erleichtern suchen.
Vom zweiten Bande der „Naumannia** erschienen das
erste und zweite Heft. Aus dem Inhalte derselben nennen
wir als hierher gehörig: 1) Berichte über die Ornithologen-
versammlungen in Berlin und Altenburg. 2) Ueber die Zer-
störung der Vogelbruten von L. Tobias"; sehr zu beherzi-
gen. 3) »Ueber das Entstehen des vollkommenen Kleides der
Vögel durch Verfärben und Wachsen der Federn unabhän-
gig von der Mauser« von Prof. H. Schlegel in Leyden,
4) „Ueber Albino's in der ornith, Welt« von Gustav Thie-
nemann, und 5) „Ueber Bonaparte's Revue crilique de
rOrnith. Europeenne parle Dr. Degland« von v. Homeyer.
Was diese letztere Arbeit anbetrifft, so waren wohl nur we-
nige in dem Grade befähigt und berufen, der etwas übermü-
thigen und keineswegs infalliblen Kritik Bonaparte's in wis-
senschaftlich-ebenbürtiger und zugleich practisch- wirksamer
Weise entgegenzutreten, als eben v. Homeyer. Ueber die
jedenfalls sehr wichtigen und merkwürdigen Entdeckungen
Schlegels halten wir uns zunächst nicht für urtheilsbe-
rechtigt, und ziehen es vor, die Ansichten geübter und er-
fahrener Beobachter abzuwarten.
L. K. Schmarda „Die geographische Verbreitung der
Thiere« 2 Bände in 8. Wien. Dieses mit vielem Fleiss und
ungewöhnlicher Litteraturkenntniss zusammengestellte Buch
enthält natürlich auch viel und zum Theil Ausführliches über
die Vögel. Da indessen der Verfasser kein Ornilholog ist,
so darf man sich nicht wundern, dass die massenhafte An-
häufung statistischen Materials nicht immer mit entsprechen-
der Verständniss verarbeitet, und das eben dadurch manches
ganz irrthümliche untergelaufen ist.
Pucheran fährt fort seine „Etudes sur les types peu
connus du Musee de Paris« in der „Revue et Magasin de
Zoologie« zu veröffentlichen. Es ist diese Arbeit für die
der Vögel während dea Jahres 1852. 29
exotische Ornithologie, wie schon mehrfach erwähnt, von
solcher Wichtigkeit, dass man es dem Verfasser nicht genug
danken kann, wenn er dieselbe durch alle Klassen der Vö-
gel hindurch fortführen wollte.
Von Ch. Waterton's „Essays on natural history,
chiefly Ornithology« 2 vol. 8. erschien wiederum eine neue
Ausgabe.
Die „Naturgeschichte der Vögel« von H. R. Schinz,
neue umgearbeitete und sehr vermehrte Auflage, gedieh bis
zum 14. Hefte.
F. A. L. T h i e n e m a n n's „Fortpflanzungsgeschichte
der gesammten Vögel" nahm ihren ungestörten Fortgang. Das
8te und 9te Heft enthalten auf Tafel 71 bis 90 die Gattun-
gen Grus , Rallus , Parra , Gallinula , Porphyrio , Dichoh^
phus, Aramus, Eurypyga, FuHca , Podiceps , Anser, Cygnus,
Cereopsis , Somateria , Biziura , Clangula , Anas , Fuligula,
Hhynchaspis , Erismaiura, Aix , Mergus, Rhynchops, Stema,
Lärm, Lestris u. s. w. Der Text führt bis zu Seite 432, be-
handelt zuletzt die Conirostren und ist noch sehr im Rück-
stände. Die Abbildungen sind und bleiben meisterhaft. Mit
dem zu erwartenden lOten Hefte wird diese treffliche, in der
ganzen ornithologischen Litleratur bis jetzt vereinzelt daste-
hende Arbeit, wenigstens was die Kupfer anbetrifft, zum
Schlüsse kommen, falls sich nämlich der Verfasser nicht zu
Nachträgen enlschliessen sollte. An Material zu solchen wie
an Aufmunterung von Seiten des Publikums wird es ihm
nicht fehlen.
Dr. Fr. Raffaele Molin „sugli stomachi degli uccelli.
Etudi anatomico-morfologici" erschien ein Separalabdruck aus
dem dritten Bande „della sezione di matem. e science natur.
dell imp. reg. academ. de science.*^
C. Mayer „Ueber den Bau des Organs der Stimme bei
dem Menschen, den Säugethieren und einigen grösseren Vö-
geln" nebst physiologischen Bemerkungen: Nov. Act. Acad.
Caesar Leop. Car. nat. curios. XV. p. 659 — 766.
Von Bonaparte's „Conspectus generum avium" steht
die Fortsetzung demnächst zu erwarten. Wir wissen nicht,
ob dies auch von Dubus „Esquisses ornithologiques", von
^ Hartlauirt Seriolit übet* die Lislstutigen in der Naturgeschichte
der „Zoology of H. M. S. S. Erebus and Terror" und einigen
runderen Publicalionen ähnlichen Gehaltes gilt.
Europa.
Von J. C. Suse mihi und E. Susemihl Vögel Eu-
ropas erschien in zweiter Ausgabe Heft 35 und 36. Ein gu-
tes und sehr billiges Werk.
„Verzeichniss der Vög^el Europa's, als Tauschcatalog ein-
gerichtet^ 160 Genera und 572 Arten. 1 Bogen. Ganz
zweckmässig. Stammt wahrscheinlich aus der Feder von E.
Bai dam US.
In D. L. Rigler's ^^die Türkei und deren Bewohner«
Wien. 2. Bd. steht auf S. 121. ein einfaches Namensverzeieh-
.öijss der Vögel der Umgegend von Conslantinopel. Es wer-
den als dort vorkommend 194 Arten aufgeführt, leider ohne
alle weitere Nachweisung über die Art dieses Vorkommens,
und unter ihnen Arten wie i>/erop5 ornatus und Alcedo pictall
Eine Broschüre, betitelt „Companion to Muir's Malta Al-
aianac«' enthält auf S. 36. ein Verzeichniss der auf Malta be-
obachteten Vögel nebst Angabe ihrer Zugzeit, der stationä-
ren Arten, der Brütezeit u. s. w. Dürftige Arbeit.
mii^\ G. Frauen feid „üeber Vögel aus Dalmatien« und
«ili6 neue Cylcia : Verhandl. des zoolog.-botanischen Vereins
in Wien, Band. 1. p* 50—54. Der Verfasser berichtet nur
über einige wenige Arten, deren im speciellen Theile dieses
Berichtes gedacht werden soll.
'''•„Ornithologische Notizen überSmyrna« vonJac. Guido
Vi Gonzenbach: Naumannia II.Heft. 1. p. 19. Es ist diese
recht interessante Arbeit ganz geeignet, H. E. Strickland's
„List of birds noticed or obtained by him in Asia minor*
iProcr Zool. Coc. 1836. p. 97. zu ergänzen. Pastor roseus
nistete vor einigen Jahren ausnahmsweise sehr zahlreich.
Pterocles arenarius kommt vor, aber nur selten. Alcedo ru-
dis ist nicht selten am Golf. Was kann das aber für eine
Varietät von „Alcedo ispida^ sein mit hochrot hem sehr
karte m Schnabel, deren Gonzenbach gedenkt?
V. Kettner „Ornithologische Beobachtungen auf einer
'»Jibid-jao^iiilßr' der Vögel wahrend ded Jafcree 1852» 3^
Rei^e in das südliche Frankreich: Naumnnnia II. Heft 1.
p. 15. Sein- kurz. Sinnlose Nachstellungen haben die Indi*-
viduenzahl der Vögel im Süden Frankreichs gewaltig re-
ducirt.
Don Francisco de los Rios Naceyro „Cata-
logo de las aves observadas cn las cercanias de Santiago y
olros puntos de Galicia*: Memör. de Real Acad. dfl denciBs
de Madrid, I. p. 93— 116. Nachdem in der Einleitung die
betreffende Lokalität im Allgemeinen geschildert, werden nur
128 Vögelarten namhaft gemacht und zwar mit Angabe dier
Art und Weise ihres Vorkommens, wobei namentlich derZtrg
vom Verfasser aufmerksam beobachtet worden zu sein scheint.
Die Litleraturkenntniss desselben scheint wenig übei* Tem-
minks Manuel hinauszureichen. Von Siurnus unicolor heisst
es „gemein in ganz Gallicien«, doch kommt auch, obgleich
seltener, vulgaris vor. Sylvia sarda erscheint im Sommer,
ebenso Lanius meridionalis. Oiis tetrax ist nicht «elten.
Auch Mormon fratercula und Uria troile wurden beobachtet,
erstere Art seltener zwischen Ferrol und Corruna im Januar
und Februar, letztere gemein „en la ria de Arosa* im August,
September uud October.
Don Ignacio Vidal Catalogo de Us aV^s de hi
Albufera, ib. parte 2., p. 167 — 199. Diese Arbeit ist in je-
der Hinsicht bedeutender als die so eben besprochene. Ein6
sehr ausführliche historisch topographische Schilderung leitet
dieselbe in anziehender Weise ein und macht uns zum ersten
Male mit einigen älteren in das Gebiet der ornithologischen
Lilteratur hineingreifenden Arbeiten spanischer Sclifittstellet
bekannt. Der Albuferasee in Valencia scheint von Ättef«
her zu naturgeschichtUchen Beobachtungen aufgefordert zu
haben. Er ist reich an Wasserpflanzen und beherbergt eine
eigenthümliche und vielartige Vögelfauna. Die frühesten
Notizen darüber (inden sich bei Escolano im öten Capitel seri-»-
ner „Historia de Valencia« (2. vol. fol. Valencia 1610). Ein-
zelne Angaben über die lateinischen und vulgären Namen
der Vögel des Albuferasee's enthält das Werk des J. Bat
Agnesio und D. Diego de Funez. In den Memorias de la
real sociedad economica de amigos del patriaelc. deValen*
82 Hartlaub! Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
cia vom Jahre 1807 erschien unter dem Titel „Indice de las
aves que formen la colleccion completa de las especies pro-
pias de la Albufera de Valencia , eine schon wissenschaftli-
chere Arbeit von Don Toma de Villamora, in welcher
von 76 Arten die Rede ist. Noch wichtiger scheint aber
nach Vi dal zu sein : Catalogo y descripcion de las aves de
la Albufera coinpaesto por D. Marcos Antonio de Orellana,
1795 im Valencianischen Idiom und 1827 noch einmal in ca-
stellanischer Mundart publicirt. Es werden hier 49 Arten
abgehandelt. (Merkwürdiger Weise wird das Buch des Ag-
nesius „Apologia seu über de avibus quae in Albufera palude
prope Valenciam degunt« Oper. poet. 1545. von Vidal gar
nicht erwähnt).
Diese höchst anerkennenswerthe Arbeit verräth durchweg eine
genaue Bekanntschaft mit der neuern ornith. Litteratur. \idal kennt
105 Arten und berichtet mit offenbarem Talent über die Zeit, die Lo-
kalität und über gewisse Eigenthünilichkeitcn ihres Vorkommens. Von
jeder Art wird der valencianische Name mitgetheilt. Ardea comala
und Porphyrio hyacinthinus sind zu allen Zeiten gemein. Fulica cri-
stata ist seltener. Querquedula marmorala kommt im Früblinge häu-
fig vor.
F. Baldamus „Beiträge zur Naturgeschichte einiger
dem S. 0. Europas angehöriger Vögel: Naumannia II. Heft.
2. Fortsetzung der schon mehrfach erwähnten Arbeit über
die ornithologische Reise in Ungarn. Ausführlicher wird be-
richtet über Glareola pratincola, Larus melanocephalus , Hi-
mantopus melanoplerus, Totanus stagnatüis, und zwar insbe-
sondere über das Brutgeschäft und die Eier dieser Arten.
Schliesslich wird ein Verzeichniss der von ihm in Ungarn
beobachteten Brutvögel mitgetheilt.
Dr. H. Masius „Naturstudien«. Darin auf S.39. Cha-
racterbilder aus der Vogelwelt. Höchst anmuthig geschrie-
bene und bei aller poetischen Färbung doch naturwahre Skiz-
zen über einzelne bekannte vaterländische Vögel, Storch,
Schwalbe u. s. w.
Dubois „Oiseaux de la Belgique" nehmen ihrenFort-
gang. Das Werk ist auf drei Bände berechnet, nach deren
Beendigung die übrigen Vögel Europa's nebst ihren Eiern in
ähnlicher Weise erscheinen sollen. Liefer. 7 — 17. Es bleibt
der Vögel während des Jahres 1852. 33
bei der von uns im vorjährigen Berichte ausgesprochenen
Ansicht.
M. J. A. H er c lots „Boustoffen voor eene Fauna van
Nederland etc«. Leiden, Lief. 1.2. Die Vögel in diesem Werke
bearbeitete Schlegel und zwar werden von ihm als ganz
sicher bekannt nur 255 Arten aufgeführt. Wir haben uns
diese ohne Zweifel sehr wichtige und werthvolle Arbeit noch
nicht zu eigener Durchsicht verschaffen können, werden in-
dessen wohl noch darauf zurückkommen. '^'''
H. L. Meyer „British birds and their eggs" Nr. 1.
London. Jeden Monat soll eine 2 Shilling kostende Liefe-
rung erscheinen.
F. 0. Morris ,,A history of British birds« voL 2. mit
color. Tafeln. 17 Shill.
F. 0. Morris „A natural history of the nests and
eggs of British birds^ part. 1 — 12. Erscheint in monatlichen
Lieferungen , deren jede nur 1 Shilling kostet. Beide Publica-
tionen verdienen alles Lob; dennoch bleibt es zu verwundern,
dass das englische Publicum nicht allmählich ermüdet auf
neue die vaterländische Ornithologie zum Gegenstande ha-
bende Werke. Der Verfasser ist natürlich wieder ein „Re-
verend'*.
Von W. Macgillivray's „History of British birds,
indigenous and migratory« erschienen die den Beschluss des
Werkes machenden Bände 4 und 5.
Die von E. Newman redigirte englische Zeitschrift
„the Zoologist" enthält wieder zahlreiche Notizen über das
Vorkommen einzelner seltener Arten in England; ferner na-
turgeschichtliche Beobachtungen auf einer Reise in Norwe-
gen von Rev. A. C. Smith, u. s. w. In dieser letzteren
Arbeit wird unter anderem erzählt, Totanus hypolencus sei
häußg auf den Spitzen der hohen Lerchenbäume am Ufer
der Bergströme sitzend beobachtet worden.
„The Naturalist, a populär monthly magazine illustrative
of the Animal , Vegelable and Mineral Kingdoms« by B. R.
Morris Esq. Auch dieses Journal enthält manches Orni-
thologische, so z.B. eine kleine Abhandlung über das Unter-
tauchen der Vögel vom Herausgeber, eine Fauna derUmge-
Archiv f. Naturgesch, XIX. Jahrg. 2. Bd. Q
34 Uartlauh: Bericht übei' die Leistungen in der Naturgeschichte
gend von Falmouih von W. P. Cooks, eine Ornithologie
Linkolnshire's von Rev. R. P. Alling ton u. s. w.
H. W. Wheelright „Vergleichendes Verzeichniss der
Vögel Scandinaviens und Grossbritanniens" 1. vol. Carlstadt.
Es werden 337 Arten als in Britannien vorkommend, 291
für Schweden und Norwegen und 304 für Dänemark auf-
geführt.
Als besonders wichtig und interessant heben wir
schliesslich hervor: V. Liljeborg „Beitrag zur Ornitholo-
gie des nördlichen Russland's und Norwegen's Naumanniali.
Heft 2. p. 29.
Nachdem der Verfasser die Gegend um Archaogel in ausführ-
licher und anziehender Weise geschildert, giebt er ein Verzeichniss
von 127 dort von ihm beobachteten Arten, und zwar der Gestalt, dass
nur bei den seltneren über Vorkommen und Lebensweise specieller
berichtet wird. Diese sind Falco tesperlinus ^ Stjhia abielina Nils.,
^fdicaria magnirostrh n. sp. , Anlhus cervinus Fall. , Alauda alpeslris,
Parus borealis, Carpodacus erythrinus, Loxia leucoptera, EmberUa pusilla
und aureola, Limosa cinerea und Larus minulus.
Bei Tromsoe in Norwegen beobachtete Liljeborg 6ö Arten,
von welchen ausführlicher behandelt werden Lagopus subalpinus und
alpinus, Vria iroile, Alca torda und Mormon arclicus. Die ganze Ar-
beit bekundet grosses Talent für Naturbeobachlung; der die Vögel um
Archangel behandelnde Theil ist insbesondere durch die Neuheil des
Mitgetheilten anziehend.
Asien.
E. Eversmann „Einige Beiträge zur Ornithologie
Russland's im Bullet. Soc. Nat. Mose. I85a. p. 564— 579.
Behandelt nur drei Arten :, von welchen später die Rede
sein wird.
J. F. Brandt „Vögel des Orenburger Gouvernements,
der uralischen, caspischen und kirgisischen Steppe, Buchara's
und Samarkand's" in Alex. Leb man n's „Reise nach Buchara
und Samarkand«.
Dieser wichtige zoologische Anhang giebt Nachricht von 170
Vögelarten, welche Lehmann sammelte oder beobachtete. Die ge-
naue Angabe der J^oiialilät ist von besonderem Interesse. Man be-
gegnet natürlich zahlreichen Pallasischen Arten. Lanius phoenicurus
fall, wurde bei Buchara angetroffen , ebendaselbst Motacilla cilreola
•>jJ'»lrioi>jiu)ß»f loÄer Vögel wahrend de« Jatre* 1851 35
und Saxicola leucomela Fall., Charadrius asiaticus in der Orenburger
Steppe und iu der Bucharei , Char. leucurus Licht, (subgen. Vanello-
chetlusin Brandt) in der Kirgisensteppe ; Podoces Panderi , schnell auf
dem Boden umherlaufend , in der Wüste Kisilkum ; Euspha brunniceps
tr. ebendaselbst; Garrulus infauslus auf den ilekischen Bergen, also
südlicher als noch je zuvor; Pari« bohharensis und Turdus fuscalus
Fall, in einem Weidengehölr, bei Buchara; Merops persica am Kuwan-
Darja; Upupa epops in grossen Schaaren bei Samarkand, u. s.w.
Von Gould's Prachtwerke „TheBirds ofAsia« erschien
eine 4te Lieferung mit den gelung-enen obwohl mit unter et-
was grell colorirlen Abbildungen von MUvus govinda, Mus-
jcipeta paradisi , Muscipeta Ine ei, n. sp., Pitta atrica-
pilla, Aix galericulata, Troglodytes nepalensis , Montifringilla
brunneinucha , Euplocomns VicilloH, Suthora nipalensis , S.
fulmfrons, S. Webbiana n. sp. von Shanghai in Nordchina,
Haematospiza sipahi Hodgs. , Carpodacus rubiciUa, Carpod,
rhodochlamys , Turdus fuscatus , Turdus rußcoUis und Uria
carbo. Es geht über alle Erwartung langsam mit diesem
neuen Unternehmen Gould's; ein Heft im Jahre statt der
vier versprochenen !
„Verhandelingen over de naluurlike geschiedenis de ne-
derlandsche overzeesche Bezittingen" etc. Land- en Volken-
kunde Nr. 10. In diesem Schlusshefte eines in manchen Be-
ziehungen zwar nur fragmentarischen aber nichts destowe-
niger hochwichtigen Werkes wird auf Seile 470 ein die Be-
nutzung desselben sehr erleichterndes und darum sehr will-
kommenes Register sämmllicher darin zuerst beschriebener
oder durch neue Beobachtungen bereicherter Säugelhier-,
Vögel- und Amphibienarten mitgetheilt. Dasselbe war ei-
gentlich ganz unentbehrlich.
Von Ed. Fred. Kelaart wird ein „ProdromusFaunae
Zeylanicae'' als demnächst erscheinend angekündigt: Ann.
and Mag. of Nat. Hist. p. 366. Darin ein systematisches Ver-
zeichniss von 200 Vögelarten. Wir sehen dieser uns schon
durch die Neuheit des behandelten Gegenstandes inleressiren-
dcn Arbeit mit Ungeduld entgegen.
A f r i c a.
„List of a collection of birds niade by James Daubeny
36 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
on the coasts of Ihe red sea" by Phil. L. Sclaler in Jard.
Contribut. to Ornilhol. pari. 6. p. 123. Die Mehrzahl der in
dieser Arbeit verzeichneten 76 Vögelarten wurde um Mas-
sowa an der abyssinischen Küste gesammelt, einige stammen
von Agoun Mousa nicht weit von Suez, ein Paar andere von
Mocha und von Mokolla an der Küste Südarabiens , wenige
endlich noch von Zanzibar. Mit wenigen Ausnahmen finden
sie sich in Rüppel's „Systematischer Uebersicht der Vögel
Nord - Ost -Africa's". MotacUla alba und Coiyle riparia wur-
den in Zanzibar gesammelt j ebendaselbst auch eine Varietät
von Nectarinea natalensis und Coracias caudata L. Als von
Mokolla stammend wird Lantus algeriensis Less. aufgeführt.
Dr. Richard Vierthaler „Ornithologischer Tage-
buchsbericht einer Reise auf dem blauen Nil von Chartum
durch Sennaar nach Rosseires'* : Naumannia II. p. 28 — 58.
Ein reiches Alaterial au schönen Beobachtungen wird in dieser
Arbeit vor uns aufgedeckt, und man fühlt sich nach Lesung derselben
zu schmerzlichem Bedauern angeregt, dass der offenbar talentvolle junge
Verfasser so früh ein Opfer seiner wissenschaftlichen Bestrebungen
werden musste. Abgesehen von dem Interesse, welches die genaue
Angabe der Lokalität für viele Arten bietet, erfahren wir von anderen
Ausführlicheres über Lebensweise , Färbungseigenthümliclikeiten , Ver-
breitung u. s. w. So von Leptoplilos argala p. 32 , Buho lacleus p. 34,
Haliaetos vocifer p 35 , von sämmtlichen ostafricanischen Geierarten
p. 38 , von Balearica pavonina p. 44 , Neophron pilealus p. 46 , Falco
ruficoUis Cuv. p. 48, VuUur Rüppellii p. 56, u. s. w. Da diese Reise
in Gesellschaft des glücklich heimgekehrten AI fred Brehni ausgeluhrl
wurde , werden wir ohne Zweifel durch ihn noch Weiteres darüber
erfahren.
Der 4te Fascikel von Bianconi's „Specimina Zoolo-
gica Mosambicana" enthält zwar wiederum einiges Ornitholo-
gisclie, aber in einer die wissenschaftliche Erkenntniss nicht
eben erleichternden F'orm und Fassung. Fornasini schickte
von dort aus ein : Ardea purpurea^ Sterna caspia, Plotus nie-
lanogaster , Merops minutus (? Ref. ) Psittacus Meyeri
Rüpp, Von einigen anderen Arten wird es zweifelhaft ge-
lassen, ob dieselben als blosse Varietäten gewisser bekannter
oder als specifisch von diesjen zu trennen zn betrachten
seien. Bei solchen wird leider nur das nach Bianconi's
Meinung Abweichende in der Färbung und Gestalt beschrie-
m'"'
der Vögel wfthrend des Jahres 1852. 37
ben, ein Verfahren, welches die wissenschaftliche Feststellung
der Art selbst dem geübten Ornithologen schwer macht. Der
specielie Theil des Berichtes wird darauf zurückkommen.
Eine gute vollständige, kurz den jetzigen Anforderungen ent-
sprechende Besctireibung irgend einer Vogelart haben wir
in dem übrigens so wichtigen Werke noch nicht gefunden.
„Abhandlungen aus dem Gebiete der Naturwissenschaf-
ten herausgegeben von dem naturwissensch. Verein in Ham-
burg" zweiter Band, zweite Abtheilung. Darin aufS. 1— 56.
des Ref. schon erwähnte zwei „Beiträge zur Ornithologie
Westafrica's" nebst colorirten Abbildungen von nei^jenjAfle^
auf t. 1—11. v^iiov^ 8>!
„Verzeichniss der in der Umgegend von Tanger und
im nördlichen Fetz vorkommenden Vögel von Garste nsen:
Naum. II. p. 76.
Von den 242 namhaft gemachten Arien sind 149 brütend an-
gctrofTen worden, z. ß. Vullur Kolbii, Aquila Bonelli, Elanus inelano-
pterus, Olus capensisj Caprim. rvficoUiSy Picus numidicus, Parus uUrama-
rinusj Clurnus unicolor , Fulica cristata , Anas rutila und marmorata,
Grus virgo, Porphyrio hijacinlhinus etc. — Älcedo rudis am Tetuanflusse.
Wichtige Arbeit.
Amerika.
Dr. Peter C. Sutherland „Journal of a voyage in
Baffinsbay and Barrow slraits in the years 1850 — 51 perfor-
med by H. M. S. S. Lady Franclin and Sophia etc., with
observations on the natural history and physical fealures of
Ihe countries and frozen seas visiled" 2 vol.
Das grosse Talent der Engländer für Reisebeschreibungen dieser
Art findet sich in vorliegendem Werke abermals glänzend bestätigt.
Auch für Ornilhologie ist es durch verschiedene und meist neue Beob-
achtungen wichtig. Diese bclreffen natürlich fast ausschliesslich die
hochnoidischen Seevögel, Vriatroile, Procellaria glacialis, Mergvlus
alle u. s. w. Sutherland möchte annehmen, dass die Vögel in-
stinclmässig in den Zug des grossen Golfstroms hinelngeralhen, welcher
sie alsdann fast ohne Hülfe der sehr kurzen Flügel in den arctischen
Kreis hineinbringen würde. Seine Erfahrungen scheinen durchaus für
die Richtigkeit dieser Ansicht zu sprechen. An vielen Stellen des Bu-
ches ist von Anas mollissima die Rede. Auf Berry- Island traf man
auf grosse Wistplälrc dieser Art und am 18ten Juni waren Eier in allen
38 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Nalurgeschichte
Nestern (p. 136). Noch grossarliger waren die Brutstalionen der Ei-
derente auf den zahlreichen kleinen Inselchen in Hingstons-Bay. Hier
lagen die Eier so dicht, dass man, ohne welche zu zertreten, nicht
vorwärts kommen konnte, meist 4 bis 5, oft aber auch 7 bis 8 in ei-
nem Neste. Es wurden hier 5000 Eier mit forfgenommen, vielleicht
der 20ste oder SOsleTheil der zurückbleibenden (p. 167). Larus ehur-
neus frequentirt nach S. immer solche Lokalitäten , wo das Eis von
Druck gelitten hat. Auf S. 176 wird von Mergulus alle die merkwür-
dige Beobachtung mitgetheilt, dass mit zunehmender Brütezeit die Haut
und die dünnen Muskelschichten unter und zu beiden Seiten der Zunge
zu einer Art von Tasche ausgedehnt würden, welche man alsdann ganz
angefüllt finde mit der Lieblingsnahrung des Vogels , dem Gammarus
arcticus und ähnlichen Crustaceen, welche sie ihren Jungen zutragen.
Es wollte Sutherland niemals gelingen, diese Vögel zu bewegen,
den Inhalt der Tasche auszuspeien. — An einer anderen Stelle sucht
S. die Unmöglichkeit des Zustandekommens von Guanolagern in der
kalten Zone nachzuweisen.
„Wilson's American Ornilhology with notes by J ar-
dine to which is added a Synopsis of American birds in-
cluding those described by Bonaparte, Audubon, Nut-
tal and Richardson« bv T. M. Brewer 1vol. 8. 746S.
— Wir kennen diese neue Ausgabe W i 1 s o n's noch nicht
aus eigener Ansicht, setzen aber, da Brewer der Heraus-
geber ist, in ihren Werth keinen Zweifel.
„A few ornithological facts gathered in a hasty Irip
through portions of New Brunswick and Nova Scolia in June
1850 by T. M. Brewer«^: Boston Journ. of Natur. Hist. vol.
VI. p. 297.
Die in dieser Arbeit mehr oder weniger ausführlich behandelten
Arten sind Somateria moUissima; Clangula histrionica ; Auduhon be-
hauptet mit Unrecht, sie niste in Nova Scotia ; — Thalassidroma Lea~
chii; sehr interessant über Brutgeschäft und Lebensweise ; nistet in
Erdhöhlen, unter Wurzelstümpfen, legt 1 Ei ; — Larus argentatus ; ni-
stet, wie Au du b on richtig angiebt, auf Bäumen; — Turdus brunneus,
Fleclrophanes nivalis und Zonotrichia motiticola.
John Cassin „lliustrations of the birds of California,
Texas and British and Russian America intended to contain
descriptions and figures of all North American birds not gi-
ven by former American authors, and a general Synopsis
of N. A. Ornithology".
Es ist dieses Werk, dessen jQrscheinen wir als äusserst zeitge-
det Vögel während des' JahVii 1852. 39
mSss mit Freude begrflssen, auf 30 Lieferangen berechnet, deren jede
5 Kupferlafeln enthallcn soll. Dass gerade C assin sich dieser bei
der Tcrrilorialerweiterung der Vereinigen Staaten nach Süden und We-
sten hin so nahe liegenden Aufgabe unterzogen hat, scheint eine glück-
liche Lösung derselben fast zu verbürgen , und wir mögen bei dieser
Gelegenheit nicht unerwähnt lassen, dass unser Wunsch, es möge die-
sem geübten und tüchtigen ürnithologen eine neue Bearbeitung der
von Peale in so picanter Weise misshandeltcn Vögel der „Exploring
Expedition« übertragen werden, seiner nahen Erfüllung entgegensieht.
„List of Birds from Texas with short specific descri-
plions by G. N. Lawrence: Ann. of Ihe Lyc. of New-
york, p. 114.
Während der östliche Theil von Texas, z. B. die Umgegend von
Galveston, eine Vögelfauna von fast rein nordanierikanischem Gepräge
zu beherbergen scheint, trägt Alles, was bis jetzt aus den noch wenig
durchforschten westlichen Theilen des Landes zu uns gelangte, den
mexicanischen Charakter. Die hier verzeichneten Arten sind : Chordeiles
brasilianus , Picolaptes brunneicapillus Lafr. , Pyrocephalus coronalns,
Cyanocorax peruvianm, Qiiiscalus macrourus , Icterus cucuUatus Sw.,
Cardinalis sinuatus ßp. , Cenlurus elegans Sw. , Columba flaviroslris
Wngl,, Orlalida velulUf Dendrocygna autumnalisj welche am Rio grande
brütet, Ceryle americana am Rio grande, Cenlurus St. Cruci Bp., Cm-
licivora alricapilla und Spermophila albigularis Spix. (?)
„Some remarks on the habits etc. of birds met with
in West. Texas between St. Antonio and the Rio grande and
in New Mexico; wilh descriplions of several species belie-
ved to have been hitherto undescribed by C o 1. G. A. M'C al I :
Proceed. Acad. N. Sc. of Philad. 1850. p. 213.
Es werden in dieser hübschen interessanten Arbeit 68 Arten
namhaft gemacht und zum Theil ausführlich behandelt. Merkwürdig
ist, dass so manche Arten der hohen Mordwestküste so weit südlich
vorkommen, z. B. : Garrulus Stelleri, Telrao obscurusy Niphaea ore-
gona , Vipilo arciicus , Nucifraga columbiana , Sialia arclica.
„Zoology of the valley of the grcat salt lake of Utah"
l vol. 8. Philad. 1852. Diese Arbeit bildet den Appendix
C zu Capt. H. Stansbury's „Report lo the ü. S. Senate'^
über die vielbesprochene Expedition nach dem grossen Salz-
see und ist zudem in einer eigenen Ausgabe erschienen.
Die Säugethiere und Vögel sind von Prof. Baird in Was-
hington bearbeitet und beanspruchen unsere volle Berücksich-
tigung für diesen Bericht.
40 H a r 1 1 a u b : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Am grossen Salzsee selbst wurden 31 Arten beobachtet, darun-
ter von seltneren Sialia macr optera n. sp., Farus septenlrionalis
Harris, Sturnella neglecta Aud., deren Unterschiede von ludoviciana B.
nocfi nicht festhalten kann ; Niphaea oregona, Peucaea Lincolnii Aud,,
Leucosticte tephrocolis Sw. , am 21. März in S. L. cily; Otocorys occi-
denlalis M'Call. ; Picus torqualus VVils. , Telrao urophasianus , Cygnus
americanus Sh. und zum zweiten Male in Nordamerika. Cyanopterus
Rafßesii King, eine bekanntlich der Magellansslrasse und Chile ange-
hörige Art , deren Vorkommen am Salzsee gewiss höchst merkwürdig
ist. Auch Fu^M^a affinis Eyt. (F. minor, Giraud Birds of Long- Island
p. 323.) wurde erlegt. Dann folgt ein kleines Verzeichniss von Vö-
geln durch Lieutenant Abert in Neumexico gesammelt; ausser einer
neuen Pipilo-Art sind darunter Recurvirostra occidentalis, Calipepla
squamata und venusla Gould, Agelajus xanlhocephahis , Columba leuco-
plera u. s. w. Den ßeschluss des interessanten kleinen Buches bildet
endlich der systematische Calalog der Nordamerika westlich vom Mis-
sisippi bewohnenden und in den W^erken Audubon's nicht beschrie-
benen Vögel. Es sind dies aber schon jetzt nicht weniger als 153
Arten, deren Fundorte und Synonymie gewissenhaft angegeben werden.
Der Verfasser dieses wichtigen Verzeichnisses ist offenbar Gas sin.
Ueber die treffliche und jetzt in allererster Reihe zu
nennende ornithologische Sammlung in Philadelphia verglei-
che man: Dr. R aus chenb erger „a notice on Ihe origine
progress and present condition of the Academy of N. Sc. of
Philadelphia, p. 19. Die Zahl der Exemplare betragt 27000
Vögel, 2 14 Nester und 5056 Eier, von welchen letzteren 1368
Arten bestimmt sind.
Sclater schreibt nach Cassin's Mittheilungen über
die von C a b o t in Boston Journ. of N. H. vol. iV und V. als
neu beschriebenen Vögel Yukatan's : Jard. Contrib. p. 96.
Nur Pyranga roseogularis scheint wirklich neu zu sein. Falco
percontalor sei brachyplerus T , Corvus vociferus sei Psilorhinus morio,
Oriolus musicus sei Icterus tnesomelas, Momolus yucatensis sei superci~
liaris Sandb. , Pyrrhula raplor sei Sallator alriceps Less. , Picms du-
hius sei St. Cruzi Bp. , P. parvus sei scalaris Licht., und P. yucatensis
sei endlich gleich mit rubiginosus Sw.
Ref. schrieb im zweiten Bande derNaumannia auf. S. 50
„über einige neue oder weniger bekannte Vögel America's
nach brieflichen Mittheilungen des Herzogs P. W. v. Wür-
temberg^.
Es geschah diese Veröffentlichung in der Absicht, wenigstens
fär einige der zahlreichen ornithologischen Entdeckungen, welche der
der Vögel wfihrend des Jahres 1852. 41
Herzojj auf seinen früheren Reisen im Gebiete der Rocky-mounlains, in
Mexico, im spanischen Anlhcile von Domingo und auf Cuba gemacht
und handschriftlich benannt nicht aber publicirt halle , und von wel-
chen der bei weitem grösste Theil inzwischen von Andern beschrieben
worden ist, die Prioritütsrechte zu wahren.
Dr. Gundlach aus Kassel ist nach wie vor erfolg-
reich thälig für die Förderung der Ornithologie Cuba's. Man-
che der von Ramon de la Sagra für gleichartig mit
nordamericanischen erklärte Vögel dieser Insel scheinen nach
ihm auf Arlselbständigkeit Anspruch machen zu können.
Neuerlich war die Isla dos pinos der Schauplatz seiner Thä-
tigkeit. Wir sind durch eine handschriftliche Uebersetzung
Gundlach's mit den beiden folgenden Arbeiten bekannt
geworden.
„Catalogo metodico de las aves de la isla de Cuba par
Don Andrea Poey": Memor. de la Real sociedad econo-
mica de la Habana, Novemberstück 1848. Zahlreiche Irrthü-
mer, geringer wissenschaftlicher Nutzen. Es werden 205
Arien namhaft gemacht. Die ganze Arbeit trägt nirgends
das Gepräge selbständiger Beobachtung und Forschung.
„Revista zoologica de la isla de Cuba por Don Fe-
lipe Poey'' erschien im zweiten Bande der Monatsschrift
„El Arlista«* Heft 3. p. 42. Auch diese von dem älteren
Poey herstammende Arbeit enthält des Neuen gar wenig,
dagegen aber manche höchst ungenügende und zum Theil
ganz irrthümliche Angaben hinsichtlich der geographischen
Verbreitung einzelner Arten. Gundlach weist zahlreiche
Irrthümer nach.
„Ornithology of the island of Tobago« by Sir W. Jar-
dinc: Conlribut. to Ornith. V. p. 63. u. 81. Was bis jetzt
von dieser Arbeit erschien, ist allgemeineren Inhalts. Es
wird eine kurze vergleichende Uebersicht der Ornithologie
der einzelnen westindischen Inseln (soweit wir dieselben ken-
nen) gegeben und zugleich auf die eigenthümlichen Verhält-
nisse, welche gewisse temporäre Veränderungen im Charac-
ter dieser oder jener Inselfauna hervorzubringen vermögen,
hingewiesen. Grosse Orkane spielen dabei in Westindien
eine Hauptrolle. Sammlungen und schriftliche Mittheilungen
des seit vielen Jahren auf Tobago ansässigen Naturforschers
4f2 Hartlaub: Bericht fiber die Leistungen in der Naturgeschichte
Kirk bilden, wie schon früher einmal bemerkt, die Grund-
lage der verschiedenen werthvollen Nachrichten, welche uns
nun schon zu wiederholten Malen aus der Feder SirW. Jar-
dine über die zoologischen Verhältnisse dieser Insel zuTheil
geworden sind. Die Ornithologie Tobago's trägt wie dieTri-
nidad's ein deutlich südamericanisch -continentales Gepräge
und unterscheidet sich eben dadurch von den der übrigen
Inseln Westindiens.
Australien.
„John Macgillivray Narrative of the voyage of
H. M. S. Rattlesnake, incl. discoveries and surveys in
New Guinea , the Luisiade Archipel" etc. 2 vol. Von den
reichen ornithologischen Ergebnissen dieser Reise war bereits
in den Jahresberichten von 1850 und 51 die Rede. Auf
Seite 355 des zweiten Bandes findet man ein von Gould
angefertigtes Verzeichniss der Vögel der Nordostküste Au-
straliens und der Torresstrasse. Die merkwürdige Stelle, wo
von der Entdeckung einer ächten Casuarart auf dem Fest-
lande Australien's die Rede ist, lautet wörtlich: This mor-
ning Jackey went to examine a scrub through whichwewan-
ted to pass, and while out, shot a fme Cassowary. II was
very dark and heavy, not so long on Ihe legs as the com-
mon Emu, and had a larger body, shorter neck, wilh a large,
red, stifF horny comb on its head. M. Wall skinned il; but
from the many difficulties with which we had to contend,
the skin was spoiled before it could be properly preserved"
Einen sehr vollständigen ornithologischen Auszug des Mac-
gillivray'schen Reisewerkes gab Sir W. Jardine in seinen
„Contributions."
I. Accipitcs.
Valconidae* lieber die ostafricanischen Geier -Arten
schreibt höchst inslrucliv Dr. R. Vierlhalcr: Naum. II. p. 35 u. 56.
— Id. über Neophron pileatus p. 46.; über Ualiaelus vocifer p. 35. liirst
im 4ten Jahre ist dieser Vogel ganz ausgefärbt; alle Gefieder werden
beschrieben ; ib. über Falco chicquera (oder richliger rußcoUis Sw .)
p. 48. und über F. peregrinoides p. 53.
Aless. Morlara „Scrillura anliche Toscanc di Falconeria« etc.
ß, 50 3> Uns nicht weiter bekannt.
öHbidaMjifijltfy ^ef V«gcl wRhrena de« Jahres 1852. " hi
(Iraf C. Wodzicki, über Aquila minuta Brelim iii Ostgalicien :
Nauniannia II. p. 65. W. hat die hier ausgesprochene Ansicht von der
Selbständigkeit dieser Art bereits lurOckgenommen. ''^- i*"J>'i
Hübsche Bemerkungen über Falco candicans, islandicus und gyr-
falco giebt N. Kjarbölling: Kaum. II. Heft 1. — Ebendaselbst fin-
det man aufS. öteine sehr gute Arbeit über die Adler Pommerns
von Th. Krflper, und eine Notiz über den Standort des Schref-
adlers bei Celle von Pralle. — lieber ein bei Macarsca in Dalma-
tien erlegtes alles MSnnchen von Falco Eleonoräe: Frauenfeld I. c.
p. 53.
Ueber ein aus Californien stammendes Exemplar von Buleo Bar-
lani schreibt Lawrence: Ann. Lyc. Newy. p. 220. — Falco pere-
grinus bei St. Fe in Neumexico: M'Call Proc. Ac. Phil. 51. 214.
Neue Arten: riisus chionogasler Kaup , Ann. and Mag. N. II.
X. 451. Cobau. — Harpagus circumcinclus Kaup ib. von Chile. — Äslur
hrevipes Scvezzovi' ßull. Mose. 1850. p. 234 — 39. t. 1 — 3. — Haema-
tornis spilogasler ßlylh J. As. Soc, 52. von Ceylon. — Aquila Barthe"
/emct Joubert Rev. et Mag. de Zool. p. 546. pl. 22. Provence. Ge-
wiss nur imperialis?
Alfbild. Macherhamphus alcinus ßonap. Westerm. Bydrag. tot
de Dierkunde etc. 1852.
Strig^idae. „A Monograph of the Slrigidae by Dr. T. T.
Kaup, Jard. Contribut. p 101. bis 123. In sehr knapper Form eine
bedeutende Arbeit. Kaup theilt die Eulen in Tageulen (Surninae) und
Nachleulen (Striginae). Die ersferen vertheilt er in die 5 Galtungen
Glaucidium mit 8 Arten, Nyolale 2 A. , Athene 9 A., Surnia 3 A. Und
Jeraglaux 14 A. Die lelzteron zerrallen iu die Gattungen Scops mit
17 Arten, Olus 10 A., Bubo 15 A, Strix 11 A. und Syrn tu w 16 Arten.
Kaup kennt also 105 Arten, von deren jeder der Hauptcharacter und
bei sehr vielen auch die Messung einzelner Theile angegeben vvirdi
In der synonymischen Zusammenzichung scheint uns Kaup in manchen
Fällen zu weit zu gehen. JedenTalls kennt er bei weitem nicht alle
beschriebenen Arten. So fehlt z. B. eine der hiesigen Sammlung kürz-
lich aus Columbicn zugekommene schöne Eule , Nyctale Harrisii Cass.
(= Ciccaba gisella Bp.). — Athene leucolaima Hombr. et Jacq. wäre
nach K. r= Sir. nana King, A. ocellata H. et Jacq. == boobook Lath. ;
A. Jaquinoti Hombr. slarnmt von den Saloraon - Inseln ; Nyetalops sty^
gitts Wagl. wäre = Olus signapa d'Orb. u. s. w.
Den auf die geographische Verbreitung bezüglichen Theil der
Arbeit hätten wir ausführlicher gewünscht. Hier fehlt sehr viel.
Die Gleichartigkeit der rolhen und der gescheckten Exemplare
von Slrix asio (naevia) sucht Cassin an einer Familie dieses Vogels
nachzuweisen : rroc, Ac. Phil. 1851. p. 236.
44 H a 1* 1 1 a u b : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Athene hypogaea wohnt nach IVrCall nur zufällig in den Arcto-
mys-Höhlen, bei weitem nicht immer, ib. p. 214.
Üeber Nest und Eier von Syrnium uralense schreibs Graf C.
Wodziciii: Kaum. II. Heft 2. p. 47. Letzlere sind länglich.
Neue Arten: Glaucidium havanense Licht. Kaup 1. c. p. 104.
— Scops lalipennis Licht. K. ib. HO. Cafferland. — S. gytnnopodm
Gray, K. ib. 111. Indien. — S. flammeola Licht. K. ib. Mexico. — Olus
macrurus, K. ib. 113. Mexico. — 0. zonurus Gray, K. 1. c. — Strix
glaucops y K. 1. c. Jamaica. — Slrix thomensis nob. Rev. et Mag. p. 1.
Kaup 1. c. p. 118. Sehr schöne Art von St. Thome. Ganz verschie-
den von poensis Fräs. — Ephialles elegans Cass. Proc. Ac. Phil. 1852.
p. 185. Küste von Japan. — E. Hendersonsii Cass. ib. von Angola.
Abbild. Ephialles Walsoni Cass. Journ. Ac. PhiL II. pl. 12.
p. 95. — E. sagiUalus Cass. ib.
Es ist im hohen Grade wahrscheinlich , das Olus capensis Sw.,
eine in Marocco sehr gewöhnliche Art, auch in Spanien vorkomme:
Karstensen bei Kjärböll. Naum. I. 1. p. 10.
II. Passeres.
Fissirostres,
Caprimitlg^idae. „A Monograph of the birds composing the
genera Hydropsalis and Anthroslomus« by John Cassin. Journ. Ac.
Phil. II. p. 113. mit sehr schönen Abbildungen von Anthr. sericocaU'
dalus Cass. und den Steuerfedern der 4 grossen Hydropsalis- Arten auf
t. 13. und 14. Ein abermaliger vortrefflicher Beitrag zu unserer Kennt-
niss einer der schwierigsten und wenigst studirten Familien. Man
kennt 5 Hydropsalis- und 6 Anthrostumus-Arten.
Neue Art: Caprimulgus Würlembergii Bar. v. Müller: Act.
Ac. Leop. Vol. XII. p. 417. Sennaar. Zwei verlängerte Mittelschwanz-
federn.
Hirundinidae* Abbild. Hirundo scapularis Cass. Proc.
Ac. Philad. 1852. pl. 12. fig. 1. — AUicora hamigera Cass. 1. c. fig. 2.
— Cypselus leucopygialis Cass. 1. c. pl. pl. 13. fig. 1. — Acanlhylis
cinereocauda Cass. 1. c. fig. 2.
^.il? Jardine erhielt Hirundo Gordoni von Abomey. — Ref. über
Cypselus abyssinicus Streub. und affinis Gr. Rev. et Mag. p. 6. Sir W.
Jardine hält beide für gleichartig.
Todidae. Coracias naevia? Bianc. Spec. Zool. Mos. IV. p. 49.
ist angolensis Briss.
jtlcedinidae. „Calalogue of the Halcyonidae in the colle-
ction of the Acad. of N. Sc. of Philadelphia« by J. Cassin: Proc. Ac.
Phil. Nov. L 1852. Wie schon früher die Geier, Eulen und CaprimuU
der VAgel wahrend des Jahres 1852. 45
giden, so werden in dieser Arbeil die Alcediniden der Sammlung mit
critischer Beilügung der Synonyme und mit genauer Angabe des Ur-
sprungs jedes einzelnen Exemplares catalogisirl. Es sind deren 92 Ar-
ten und zwar 77 Alcediniden und 15 Galbuliden.
Eine interessante Arbeit über diese letztgenannte Abtheilung der
Alcediniden verdanken wir P. L. Sclater, welcher in part. 3. von
Jardine's „Conlributions to Ornithology«* eine Synopsis der Galtung
Galbula millheill. Er kennt folgende 12 Arten: 1) viridis L. (== vt.
ridicauda Sw.» welche Cabanis für eigene Art hält), 2) maculicauda
Sei. (= viridis Pr. Max und ruficauda Sw.) ; 3) rvßcauda Cuv. (= lep»
Iura Sw.) ; 4) tombacea Spix (sei = cyanescens üev.?); 5) cyanicol-
lis Cass. , 6) albiroslris Lalh. , 7) chalcocephala Dev., 8) leucogasler
Vieill., 9) inornala Sc]. y 10) paradisea L., 11) albigularis Sp., 12) me-
lanogenia Sei. n. sp. von Veragua. ^ und $ beschr. in part. 5. p. 93.
werden dann weitere ergänzende Bemerkungen mitgelhcilt. 0. Boersii
Lev. hält Sclater für fabelhaft währen Desmurs dafür in der
neuen Encycl. d'hisl. nalur. von 1853 die Gattung Galbuloides creirl.
Es lohnt, diese Arbeit Sclater's mit der von Cabanis in Ersch u.
Grub. Eiicyclop. gegebenen zu vergleichen. Die Angabe der Fundorte
ist bei erslerem weit vollständiger. Cabanis's Galbula cyanopogon
von Camela wird mit der cyanicollis Cassin's gleichartig sein. Eine
dritte Originalarbeit über die Galbuliden lieferte Reichenbach auf
S. 84 seiner Meropiden. Die G. chalcoptera dieses Autors ist uns noch
etwas unklar (t. 455.)^, könnte aber sehr wohl mit G. inornala Sei.
identisch sein.
lieber Halcyon pygmaea Rüpp. von Abomey : Jard. Contrib. p. 57.
Ueber den Unterschied der Monasa torquala Hahn, (^striata Spix)
von der fusca Gm. so wie über die verworrene Synonymie beider
schreibt (nach La frena y e Rev. zool. 48. p. 248.) Strickland Con.
trib. part. 2. p. 43. Zu letzlerer rechnet er die M. unitorques Dub.
lüeropidae« R eich en bac h's monographische Arbeit „die
Meropinen" wäre hier zunächst zu erwähnen. Sie verdient dasselbe
Lob wie die früheren. Zahlreiche neue generische Abtheilungen sind,
wie R.'s systematische Ansichten überhaupt, nicht nach unserem Sinne.
Die Behandlung der einzelnen Arten dagegen entspricht den Anforde-
rungen der Wissenschaft. Die meist recht guten Abbildungen erleich-
tern die Bestimmung der Art zumal UngeTibteren ganz ausserordentlich.
Abbild. JUcrops cyanipeclus Verr. Reichenh. Merop. lab.
4i6. b. flg. 3392—93.
Tenuirostres.
}¥ectariniadae. Ueber Irrisor senegalensis und erythrorhyn^
chus als zwei verschiedene Arten schreibt höchst inslrucliv Sir W. Jar-
46 H artl au b : Bericht über die LeUlungen in der Naturgeschiciite
dine: Conlrib. pari. 3. p. 58. /. melanorhynchus Licht, ist uns der
jilngere Vogel der ersteren ; denn wie bei Eisvögeln, scheint die mehr
rolhe oder mehr schwarze Farbe des Sehnabels von Alter und Jahres-
zeit abzuhängen.
i'^h ^ ?Ieue Mitlheilungen über Dacnts giebt Sei ater: Contrib. pari. 5.
p. 101. D. pltmbea Lath. {caeriUescens Wied) ist die 7le Art dieser
Gattung.
Neue Arten: Daenis leucogenys Lnh. Rev. et Mag. p.469. Co-
lumbien, — Coereba brevipes Cab. Mus. Hein. p. 96. Porlo Cabello. —
C. eximia Cab. 1. c. Porto Cabello. — C. longiroslris Cab. 1. c. tirid
B. hreviroslris Cab. 1. c. Beide von Porlo Cabello. (Sämmtlich zvvei-
felhaft!) — Certhiola chloropyga Cdib. ib. liahia. — C. gujanensis Cab.
ib. — C. luleola Cab. ib. Porlo Cabello. p. 96. Auch Carthagena und
Cum^na. C. maior Cab. Gujana. — Diglossa hyperylhra Cab. 1. c. ist
wohl d'Orbignyi ßoiss. — D. intermedia Cab. p. 97. (?) — Himalione
chloris Cab. 1. c. p. 99. von Oahu. (= Drepanis ßava Gray). — H.
macidata Cab. von Oahu. ib. Jüngerer Vogel? — Nectarinea eupo-
gon Ca^b. ib. von Borneo. Soll sich von mystacalis unterscheiden. —
JV. fasciala Jard. Contrib. von Abomey ; scheint verschieden von 6t-
fasciata. — iV. albivenlris Jard Contrib. pari. 2. pli'86. ^ u. $ von
Ras Hassoun an der Ostkuste Africa's.
Necl. Bianconii nob. ist nach Bianconi's eigener Versicherung
gleich mit nalalensis Jard. Verreaux hält übrigens diese von Mo-
zambique stanimende Varietät von iV. fiatalensis für eine eigene Art.
Contrib. p. 134. pl. 93. fig. 1. — D. speciosa Pr. Wied. ib. fig. 1.
Abbild. Daenis coerebicolor Sclat. Jard. Contrib.
Trocltilidae. Gould's monographisches Prachtwerk giebt
in part. 2. die Abbildungen von Topaza pella , T. pyra , Oreotrochilus
chimbörazo , 0. pichinchttf Euloxeres aquila , E. Condamineif Glaucis
Bucheri, Calolhorax heliodori, C. Mulsayiti, Florisuga meliivora, F. ßa-
bellifera, F. atra, Augasles lumachellus , Phaetornis griseogularis, Mel-
Usuga minima ; in part. 3. von Euslephanus galerihis, Cynanthus cya^
nuruSf C. smaragdicaudus , Grypus naetius, Selasphorus rufus, S. scin-
tilla, S. plalycercus , Eriocnemys simplex , Campyloplerus rufus, C. hy~
perythruSf Hylocharis cyaneus, II. saphirinus, Lophornis chalybeus, Ca-
lolhorax Yarrellii und Thattmatias chionurus; und in part. 4. von: Thau-
maslura enicura, Comeles sparganurus , C. phaon , Rhamphomicron mi-
crorhynchus, R, Stanleyi , R. heteropogon , R. rußceps , R. Herrani,
Phaetornis Gug, P. Yarruguii, Ph. syrmatophorus, P. hispidus^ P. pyg^
maeus, Threnetes leucurus und Antoniae.
E. Deville publicirl in der Rev. zool. p. 210. hübsche Bemer-
kungen über die Lebensweise verschiedener Colibri-Arten; sie betref-
fen moschititSf hirundinaceuSf lugubris, strumarius, ornaluSf aurilits, co^
der Vögel Während des Jahres 1852. 47
luhris y Caslelnaudiif sappho und cora, — Nestbau und geogr. Ver-
breitung.
Neu sind: Rhamphomicron Vulcani (iould Conlrib. pari. 6. p. 135.
Bolivien. — Uourcieria inca G. ib. p. 136. Bolivien. — Tr. auriceps
G. ib. 137. Mexico.
Gundlach in Cuba will den tarnen Orn, Helenae für die schöne
neue Art von Cuba in 0. Boolhi umgeändert wissen, weil Delattre
schon 1843 einen anderen Coiibri so benannt habe.
ilffelipling^idae* Ueichenbachs eben genannte Arbeit
schliesst diese Familie ein. Alan findet daselbst alle bekannteren Arien
beschrieben und die grosse Mehrzahl derselben auch abgebildet.
Neue Arten: Lichenoslomua occidenlalis Cab. Mus. Mein. p. 119.
Westauslralieu. — Philedon coUaris Reichenb. von Celebes, 1. c. p. 14l.
— Zosterops frontalis Reich, ib. p. 94. Port Essinglon. Bei dieser Ge-
legenheit sei es als Curiosuni erwähnt, dass Rcichenbach die Syl-
via ruhricapilla Wils. der Gattung Zosterops beizählt.
Abbild. Fhtjlloi'inus Jerdoni Sir. Eier und Nest abgeb. Jard.
Conlrib. pl. 91.
Certhidae* Ueber Cerlhia Coslae Bailly , schreibt sehr aus-
führlich und überzeugend Gerbe: Rev. et Mag. Zool. p. 162. Um
Chambcry in Savoyen und um Barcelonette in Südfr. Dicht selten. Ohne
Zweifel gute Art.
T. C. Eylon „Bemerkungen über die üendrocolaplinen« in Jard.
CoBtrib. part. 1. p. 21. Er kennt an 60 Arten. Für Nasica Bridgesii
und Pucherani Lafr. die Gattung Drymornis. Dendroc, crassirostris Such
sei gleich albicolUs; D.BeauperthuysüLnk. sei = susurrans Jard. etc.
Alle Nasica-Arten Lafrenaye's , mit Ausnahme der longirostrisj beissen
bei E. Dendrornis.
Neu sind: Dendrocops olivaceus Eylon I. c. — Picolaples nofn-
Ins Eyt. ib. — Nasica albisquama Lafr. Rev. et Mag. p. 465. — Den^
drocops St. Thomae Lafr. ib. p. 466. — Troglodyles venezuelanus Cab.
Mus. Hein. p. 78. — Heleodyles minor Cab. ib. p. 80. Venezuela ; steht
Swainson's Furnarius griseus zunächst. — Thryolhorus murinus nob.
Rev. et Mag. p. 4. Mexico.
Die im vorigen Jahresberichte unter dieser Rubrik erwähnte von
Lembeye Anabales Fernandinae genannte Art von Cuba ist nach
unserer Untersuchung eines üriginalexemplarcs = Sylvia blanda Licht,
in Mus. Berol. Von Bonap. Consp. p. 314., wohl mit Recht zur Gat-
tung Ifemitheros Raf. gerechnet.
Denlirostres,
liUScSniadae* Neue Arten: Sylvia PregUi, Frauenf. 1. c.
steht der palustris sehr nahe und könnte mit pallida Ehrcnb. gl«icbar-
48 Hartlauh: Bericht aber die Leistungen in der Naturgeschichte
tig sein; der kleinste aller Rohrsänger; Kopf sehr flach; zweite und
öle Schwungfeder gleich lang. Dalmalien. — Sylvia magniroslris Liljeb.
1. c. p. 96. steht palustris und scita zunächst. Archangel „zwischen
Kargopol und dem Walde nördlich davon." — Salicaria uralensis Eversm.
Bullet. Mose. 1850. p. 564. c. ic. — Hippolais pallida Gerbe, Rev. et
Mag. p. 174. Bestimmt verschieden von der nahe verwandten elaeica.
Spanien. — Saxicola salina Eversm. Bull. Mose. 1. c. Ural. — Eri-
thacus Moussieri Leon, Olph-üaillard: Ann. Soc. Lyon c. fig. u. Naum.
IL 3. p. 68. von Oran. — Drotnolaea incompla Licht. Beschr. von ReL
Rev. et Mag. p. 5. — Sialia macroplera Baird , Zool. Salt, lake p. 314.
steht arclica nahe. — Drymoica melanorhyncha Jard. Conlrib. pari. 3.
von Abomey. — D. fortirostris Jard. ib. Abomez. — Helinaea brevi-
pennis Gir. Ann. Lyc. Newy. V. p. 40. Mexico, Texas, pl. 3. fig. 1. —
Sylvicola Kirtlandii Baird, ib. p. 220. pl. 6. Ohio.
Graf C. Wodzicki schreibt mit bekanntem Talent über Cala-
moherpe arundinacea und palustris, welche er für gleichartig erklärt:
Kaum. IL 2. p.4l. und ebenso interessant über Part/s borealis ib. p. 70.
Genaue Angabe der unterschiede von palustris. Der stark ge-
krümmte lange hintere Nagel ist Hauplunterscheidungszeichen.
Es scheint diese Art (oder Lokalrasse?} in Ostgalicien im Winter nicht
selten zu sein. — Auch Liljeborg schreibt sehr instructiv über Pa-
rus borealis 1. c. p. 100., ohne jedoch des eben genannten Merkmal's
zu erwähnen. — Id. über Anthus cervinus p. 98. Ausführl. Beschr.
Ueber Sylvia iclerina Vieill. in Dalmatien : Frauenfeldt 1. c.
Lebt gern auf Olivenbäumen. Ebender». beschreibt auslührlich S. oli-
tetorum nach Exempl. von Saiona, und ;S. melanocephalaf eine in den
Campagnen von Macarsca und Saiona nicht seltene Art.
Slrickland sucht in Heft 2. der „Contrib. to Ornilhology« nach-
zuweisen, dass Ström's Parus ignolus nur Anthus pratensis im Herbst-
kleide sei p. 44.
Ad. Scfilagintweit bemerkte Sylvia cyanecula in der Nähe
der Wildspitze in den helvetischen Alpen, 11000' hoch, ebenso Ac~
centor alpinus auf dem Firnmeere der Paslerzc in ähnlicher Höhe.
Erichs. Arch. Jahrg. 17. p. 177.
Parus caeruleus wurde von A. Mal herbe in dem „il bosco«
genannten immergrünen Eichengehölz in der mittleren Höhe des Elna
beobachtet. Ascens. a l'Etna p. 20.
"" '^ 'Eine sehr übersichtliche Notiz über die „indischen Parus-Arlen«
giebl Blyth: Contrib. to Orniih. pari. 2. p. 48. Er kennt 17 Arien.
Die geographische Verbreitung wird besonders berücksichtigt.
Gould's Cisticola magna von Neuholland ist einer brieflichen
Mittheilung Strickland's zufolge = Drymoica Levaillanlii Sm., also
südafrikanischen Ursprungs.
der Vögel während des Jahre» 1852. 49
Sunde vall's Aegilhalns flaviceps wurde unter dem Namen Co-
niroslrum ornalum von Lawrence beschrieben und abgebildet: Ann
Lyc. IS'ewy. V. p. 112. pl. 3. üg. 2. Kio graiide in Westlexas. Sicher
kein Äegilhalus.
W i 1 8 o n's Syltia autumnalis ist nach Lawrence der jüngere
Vogel von striala, nicht aber von parus , wie Nutlal meint: 1. c.
p. 223.
lieber MolaciUa melanocephala vgl. Eversm. Bullet. Mose. 1850.
p. 1C4.
M'Call Sand Sialia arctica am Rio grande in Westtexas : Proceed.
Ac. Philad. 1851. p. 214. Hübsch über Lebensweise, Kesl und Eier»
Ist dies nicht Baird's macroptera?
Abbild. Parus gnlealus. Licht. Cab. Mus. Hein, p 90. {Woll-
toeberi Bonap.) in Weslerm. Bydr. tot de Dierk. 1852. — Psaltripa»
rtts melnnolis Sandb. {jpersonalus Bonap. = Psallria personala Westcrm.)
ib. (lg. bon. — Pants annexus Cass. Proc. Acad. Philad. V. pl. 1. —
P. alricrislalus Cass. ib. pl. 2. — Parus xanthogemjs Vig. Blylh in
Jard. Conlrib. pl.87. fig. 1. — P. spilonotus li\ylh ib. fig. 2. — P. ru~
bidiventris Bl. ib. pl. 88. fig. 1. und P. tnelanophrys Vig. ib. fig. 2.
Tiirfliclae* Neue Arten: Formicivoraerythronolos noh. Key.
et Mag p. 4. Brasil. — Besselhera barbata Cab. Mus. Hein, p. 76. (ist
die (iatlung Turdirostris Hay). — Mimus columbianus Cab. ib. p. 82.
Venezuelri. — Mimus gracilis Cab. ib. Honduras. — Pomatorhinus bor^
neensis Cab. ib. p. 84., soll sich von monlanus Horsf. unterscheiden.
— Alcippe so/ifrtrtVi Cab. Sumatra p. 88. — Alcippe dutnetoria Cab. Java,
ib. — Pelrocincla lencocapilla Lairen. Rev. et Mag. p. 470. Steht ea?-
ploralor nahe. — Melanolis hypoleucvs nob. ib. p. 460. Guatemala. Mus.
Hamburg. — Myiophonus bretiroslris Lafr. ib. p. 466. China. — Toxo-
sloma Leconlei Lawr. Ann. Lyc. Newy. V. p. 121. Califoruicn, am Zu-
sammenfl. des Colorado und Gila. — Pomalorhinus ruficeps nob. von
Adelaide; Rev. et Mag. p.3l6. Wird im Supplemente zu Gould's Birds
of Auslralia abgebildet werden.
lieber Turdus naevius bei Neuyork geschossen : Lawr. Ann.
Lyc. Newy. V. p. 221. — Toxosloma curviroslris in Westlexas Id. ib.
p. 223.
Mimus melanoplertts Lawr., Ann. Lyc. V. pl. 2. soll gilvu$ Vi-
eill. sein.
Ueber „Varietäten der Schwarzamsel", Grebel in Verhandl.
nalurh. Ver. der Rheinlande, 8ler Jahrgang, p 55
Ueber Turdus illuminus Löbenst. , schreibt Na u m a n n ausführ-
lich : Naumannia IL Heft I. p. SO. Die Ver^leichung mit dem ganz
nahe verwandten iliacus wird bis in's Speciellsle hinein durchgeführt.
]fIu8Cicapiclae. Neue Arten: Tyrannus Cassinii Lawrence,
Archiv f. Naturjiesch. XIX. Jahrg. 2. Bd. D
50 Hartlaubt Bericht fibcr die Leistungen in der Naturgeschichte
Ann. Lyc. Kcvvy. V. p.39. Westlich Texas." Steht verlicalis zunächst.
Abbild, pl. 3., Fig'. 2. — Tyrannus cincrascens Lawr. , ib. Westl. Te-
xaÄ-. — Setophaga intermedia., nob. Rcv. H Mag. p. 4. Guatemala. —
Tyrannula rufula , nob. ib. Brasilien. Steht der Gattung Alila Less.
nahe. — Saurophagus gualemalensis Lafr , Bev. et Mag. p. 462. und
S. bolivianus, Lafr. ib. p. 463. — Tgranmts sulfuraceus Herz. v. Wnr-
temberg, Kaum. II., Heft. 2., p. 52. Haiti. — Vireo atricapillus Wood-
house Proc. Ac. Fhilad. p. 60. Westlich Texas:
Eine wichtige Notiz über die Gattung Saurophagus giebt Kaup
Ann. and Ma^. of Kat. Ilisl. X. p. 453. Sein S. derbyanus ist mit rvfi-
p>ennis- Lafr. gleichartig.
Graf. C. Wodzicki: Ucber Muscicapa parva. Kaum. II. Heft
2., p. 43.
Beschreibung und Abbildung des Kest's und Ei's von Leucocerca
fuscovcntris Blylh in Jard. Conlrib. pl. 92., p. 99.
Tyrannula Elisabelhae Gundl , ist häufig auf der Isla dos Pinos
bei Cuba : Gundl. in litt.
Abbild. Vireo Hultoni Cass. Pioc. Ac. Philad. pllO.,Fig. 1.—
Vireosyhia Philadelphia Cass. ib. Fig. 2. — V. ßavoviridis Cass ih,
pl- II'»— ^ Todirosirum granadense^ nob. Jard. Contrib. pari. 4., pl. 85 ,
K)i<i,^,.*T^ Tadiroslrum multicolor SW'icXiX. \\). Fig. 2. Beschrieb p. 41.
Sl,, Fe de Bogota.
; AmpeEiclae« Keue Arten: Colinga porphyrolaema Deville u.
Scial. Bev. et Mag. p. 226. und Jard. Conlrib. pl. 96. Pampa del Sacra-
monto am Ucaiala. — Euclilornis Sclaleri de Cornaija: Conlrib. pari.
6.,. pl.,102. P,er,u. Beide prachtvolle Arten, letztere unserem formosus
zunächst. stehend. — Pipraeidae albivenlris Sclaler Piev. p. 8. u. Con-
trib. pl. 100. Fig. 2. Neugranada. — Pipra Isidori Sei. ib. Fig. \. — F.
flavicapilla Sei. ib. pl. 97. Fig. 2, Beide Neugranada. — P.pyrocephala
Sei. ib. Fig. 1.
litiniiclae« Neue Arten: Lanius princeps Cab. Mus. Hein,
p, 73. Oberer weisser Nil, scheint gleichartig mil Lanius Kiek Vier-
thaler in Naura. II., Heft 2, p. 57, — L. fiscus Cab. 1. c. p. 74; dem
südafric. Fiscal Levaillant's sehr ähnlich, aber constant kleiner. Abys-
sip-ien. — Dicrourus formosus Cab. Mus. Hein. p. 111. Java. — Di-
crurus breviroslris Cab. 1. c. p. 112. China. — Lanius pallens Cass.
Proc. Acad. Philad. p.244 Fazogl. — L. pullidiroslris Cass ib. p. 244.
ücstliches Africa. Steht meridionalis nahe. — Dryoscopus alrialalus
Cass. ib. Oslafrica. Steht Sabinei zunächst. — D. sublacteus Cass. ib.
p. 246. Ostafrica. — Laniarius quadricolor Cass. ib. p. 245. , vertritt
d^ri westlichen gulluralis in Nalal.
Abbild. Sigmodus canicep s lemm Jard. Contrib. p. I93.,pl. 95.
Fig. bon.
der Vögel während de» Jahre« 1852. Ol
Corärostres.
Corvi<lae. iVeüc fiirXkri: Hyänocoräx CdssihiiWCtiW Proc.
Ac. IMiilad. p. 216. St. Fe itn wesll. Texas. — Corvus soliiarius I^r. V.
Wüiieinh. ^all^l. ll. lieft 2. p. 54 Spanisch. Antheil von Domingo. —
Corvus enßhrophthalmus Herz. v. Würtemb. ibid. Spailisch. Domihgo:
— Öissa minor Cab. I\lus. Hein. p. 86. Sumatra.
Cynnocorax Stellen traf M'Call zwischen St. Fe und Las Vegai
im westl. Ttxas \ die Tfucifraga columbiana in den Fichtcnwaldungen
östlich von St. Fe: 1. c. p.216. Haben und Krähen fand derselbe im
Widerspruche mit IV ils on 's Behauptung friedlich beisammen lebend:
1. c. 217. : ' ' . ' " .
Abbild. Garrutus Lidlhi in Weslerm. Bydrag. Dierk» 1812.
Fig. opt.
N. M eursi nge Verhandelingen over de BonleKraai [C. cornix)
uit bet oogpunt van naturliyke hislorie en onlleedkunde Gronin-
gen 8
Sturniflae* Neue Art: Xanthornus afßnis^ Lawr. Ann.
I.yc. Kewy. V. p. 113. Rio grande in Westlexas ; kleiner wie spurins.
Slurnella neglecta fand M'Cail gemein im wesll. Texas 1. c. 218.
„Notes on Ihe internal ana'toniy of Ihe female Gracula religiosa
by S. Ca bot: Trocecd. Bost. Soc. of N. II. IV. p. 85.
Abbild. Faradisea Wilsonii: Journ. Acad. N. Sc. of Philad. II.
pl. 15:'p.l33.
Pring-illidae* (Ploceinac) Neue Arten: Hyphanlornis ni-
grifrons Cab. Mus. Hein. p. 182. KafTerland. — Spermestes nigriceps
Cass. Proc. Ac. Philad. p. 185. Zanzibar. — Sp. fuscans , Cass ib.
Borneo. — Habropyga frenala (Ehrenb. in Mus. Ber.) Cab. I. c. p. 169.
Nubien. — Habropyga rufibarba (Ehr.) Cab. ib. Arabien — H natalen^
sis Cab. I. c. p. 170. Port Matal. — Oryx approximans Cab. Mus.
Hein. p. 177. Södalrica. Auch Sundeva 1 characterisirte diese Form,
jedoch als blosse Localrasse.
Lafrenaye machte in der Rev. el Mag. de Zool. p. 49. Mil-
theilungen über den Nestbau der L. astrild auf Mauritius. Das Nesl
ist durchaus ploceusartig, kugelförmig-oval mit unterem oder seitlichem
Ein gange.
Jules Verreaux weist ebendaselbst auf S. 312 in überzeugen-
der Weise nach, dass' S/)ermos;)»4a Afi/Hrt/a Vitill , welche ntan bisher
ganz allgemein für das Weibchen von haematina gehallen, das Weib-
chen einer eigenen Art sei , deren Männchen nach Exemplaren von
Gaboon beschrieben wird. Ihr fehlt der schwarze U'ehlfleck der hae-
matina und ist der bei letzterer Art schwarze Bürzel glänzendrolh.
Abbild. Nigrita bicolor, nob. (Verz. der Brem. Samml. p. 46.)
52 Hartlaub: Bericht über die Leisliingcn in der Naturgeschichte
wurde von Sclater als neu beschrieben und sehr gut abgebildet.
Jard. Contrib. part. 4. pl.83. Vom Casamansefluss.
{Emberiiinae) ^eue Arten: Emberha meridionalis Cab. Mus.
Hein p. 128. von Bischera. Der cia zunächst. — Polijmilra capistrata
(Licht.) Cab. l. c. 129. CalTerland ; ähnlich der seplemslriala. — Cyn-
ckramus Pallasii Cab. 1. c. 130 ist Emb. schoeniclus var. ß Fall. —
Pleclrophanes JMc'Cownii Lawrence Ann. Lyc. Kewy. p. 122. Hoch-
prairien des westlichen Texas
üeber Emb. pusilla und aureola bei Avchangel vergl. Liljeborg
Kaum. U. lieft 2. p. 107.
{Sphinae) Keue Arten: Haetnophila humeralis (Licht.) Cab.
Mus. Hein, p. 132. Mexico. — Sphella alrogularis Cab. ib. p. 133. Me-
xico. — Limnospiza {Embernagra) minor Cab. ib. p. 136., vielleicht nur
nördliche Lokalrasse von plalcnsis. — Thlypopsis fuhiceps Cab. ib. p.
139. Caraccas. — Poospiza assimilis Cab. I. c. p. 137. — Poospha
schislacea Cab. ib. 137. Beide aus Brasilien. — Chlorospingus leuco-
phrys (Licht.) Cab. ib. p. 139. von Xalapa. — Buarremon xanlhogenys
Cab. ib. p. l4l. Caraccas. — Allapetes rubricalus (Licht.) Cab, ib
p. 140. Real Arriba in Mexico. — Embernagra rvßvirgata Lawr. Ann.
Lyc. Newy. V. 112. pl. 5. fig. 2. Rio grande in Texas. — PipUo Aberti
Baird. Zool. Salt lakc of Utah p. 325 ; steht fusca Sw. zunächst. —
Zonolricliia Cassinii Woodh. Proc. Ac. Philad. p. 60. Wesll. Texas. —
Ammodromus ruficeps Cass. Proc. Ac. Philad. p. 184. Calaveras- river
in Caiifornien. — Embern. rostrata Cass. 1. c. von St. Diego in Ca-
lifornien. Steht der Bairdii zunächst. — Zonolrichia myslacalis nob.
Rev. et Mag. p. l. Mexico. — Haplospha unicolor Cab. 1. c. p. 147,
Rio grande.
__ M'Call beobachtete A\q Calamospiza itcoiorNult. am Rio grande
r^^^Uo puerco im westl. Texas, I. c. p. 218. — Pipilo arcticus im
Mai um St. Fe, ib.
Cabanis will Emberizoides macrourus Gm. specifisch getrennt
wissen von E. marginalis Temm. Mus. Hein. p. 135. Beschr. Erstere
Art komme nur von Cayenne.
Nach Cabanis wäre Peucaea Bachmanni k.\xAxih. gleichartig mit
Fringilla aestivalis Lichlenst. Doubl, p. 25. !
Abbild. Arremon myslicalis Sclaler in Jard. Conlrib. p. 99.
Diese Art ist albifrenalus Lafren. Rev. zool. 1840. p 68. — Pipilopsis
flatigularis Sclat. ib. pl.98. Beide aus Neugranada.
(Püylinae.) Neue Arten: Saltalor giganlodes Cab. Mus. Hein,
p, 142. Mexico. — S. maxillosus (Licht.) Cab. 1. c, p. 142. Montevideo.
— Sporophila intermedia Cab. 1. c. p. 149. Venezuela. — S. hypoxan-
tha Licht, ib. p. 150. Montevideo. — Sp. ruficollis Lithf. ib. Mon-
tevideo.
Lesson's Tangara roux wird von Cabanis unter der Beoen-
der \6gt\ während de« Jahre« 1852. M
nung Orcheslicus occipitalis genauer abgesondert und beschrieben: I.e.
p. 143. — Saltator iolerophrys Lafr. «ei der jüngere Vogel von Vi^o)r^
Sit Gray. (?) r; .<n«,6! a ,'^
Cabanis unterscheidet die Cissopfs-Art Brasiliens von der klei-
neren Gnjana's als C. maior: 1. c.
{Tanagrinae.) Abbild. Iridosornis dubiisia Bon. Contrib. to
Ornith. pl. 94. und Strickl. über diese Art: ib. p. 127. {Poecilornis ru»-
fivertex). ^«9^ An iä;iP rrr ß...
(Alaudinae.) Neue Arten: Calandrtli's minor Cab. Mus. Hein,
p. 123. Nordösll. Africa. Steht der pispoletla zunächst, — Melanoco-
rypha albolerminala Gab. ib p. 124. Abyssinien. üb Röppells ca-
landra'i — Ammomanes pallida (Ehrenb.) Cab. ib. p. 125. Arabien.
Der A deserli sehr ähnlich. — Coraphites melanauchen CsLb. ib. p. 124.
Africa. Der nijfnceps Gould's verwandt. — Olocorys occidentalis M'C&W.t
Proc. Ac. Philad. p. 218. von St. Fe im wesll. Texas. Den alten Vo.
gel beschreibt zuerst Prof. Baird, Zool. Salt lake, sp. 10. — Die mit
? als Macromjx flavicollis Rüpp. von ßianconi beschriebene Art aus
Mozambique ist w^ahrschcinlich neu: Specim. zool.- Mos fascic 4« p.(50.
Ueber Alauda leucoptera Pall. (sibirica Gm.) schreibt sehr inier«
essant Wodzicki: Kaum. II. 2. p. 68. Diese Art kömmt mitunter in
üstgalicien vor. Genaue Beschreib. Um den Schnabel herum
stehen borstenartige 2'" lange derbe Haare; ein Hauptart-
kennzeichen.
(Fringillinae.) Neue A r t e n : Sj/cafis columbiana Cab. iMus.
Hein. p. 147. — S. Hilarii Cab. ib. 148. Brasilien. — Ligurinus au-
ranliirentris Cab. ib. p. 118. Lokale Abart von chloris. Südfrankreich.
— Aslragalinus columhianns Cab. ib. p. 119.
Ueber eine noch unbeschriebene Kärbungseigenthümlichkeit von
Chlorospha incerla schreibt ßarthel. de la Pommeraye: Rev. et
Mag p.496. Soll im Alter eine hochgelbe ünlerkehle haben.
(^Loxiinae.) Neue Arten: Carpodacus rhodocolpus Cab. Mus.
Hein. p. 166. Mexico. — C. familiaris M'Call Proc. Ac. I'hilad. p. 61.
Bcsliinmt verschieden von dem nahe verwandten frontalis. VVeslliches
Texas. — C. obscurus M'Call, ib. p. 220. St. Fe in Westlexas. — Cal-
lirhynchus Devronis Verr. Rev. et Mag. p. 3l4. Vaterland unbekannt.
Verreaux hält C. rufescens Viell. für verschieden von peruviamis
Lcss. und möchte Pyrrhula cinerea Temm. dieser Gattung zuzählen.
Im Winter von 1851 auf 52 erschien Corythus enucleator in
grossen Massen bei Ncuyork, ebenso in Massachusets, Pensylvanien und
Neujersey.
J. M. Brewer Bemerkungen über Cor. enucleator, Loxia ame-
ricana, Fr. linaria und borealis: Proceed. Bost. See. of. N. H. IV. p. 42.^
N. Kjärbölling über Lin. Holböllii, Exemplar aus Jülland, iq
^aura. U. lieft 1. p. 10. Das Ei wird bxschriebco.
54 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
IWusopliagidae. Rüppell's Synopsis dieser Familie sowie
unser Commentar dazu wurden von Strickland in Sir W. Jarfline's
„Contributions to Ornilhology" übersetzt und mit Anmerkungen beglei-
tet. Rüppell's Irrthum, nämlich die specifische Trennung seines C.
Meriani von dem ächten persa, habe darin seinen Ursprung, dass der-
selbe nicht die englische Originalausgabe von Edwards, sondern die
Uebersetzung von Selig mann benutzt habe. Von zwei Arten dieser
ausgezeichneten acht africanischen Familie ist das Vaterland im Nähe-
ren unbekannt, nämlich von Musophaga Rossae und von Corythaix
paulina. Beide sind ohne Zweifel westafricanisch.
III. Slcansores.
Rfiampliastidae. John Gould ist mit einer zweiten
Ausgabe seiner beinahe vergriffenen „Monographie der Rhamphasti-
den« beschäftigt. Part. 1 und 2 derselben liegen vor uns. Die Rei-
henfolge der Abbildungen ist eine ganz andere wie in der ersten Aus-
gabe, und das Werk enthält überhaupt manches Neue, z. B. die Arten:
Andigena laminirostris I. pl. 13. und Aulacorhynchus castaneorhynchus
G. II. pl. 11. Part. 1. enthält der Reihenfolge nach die schönen Abbil-
dungen von Selenidera pipirivora, Pterogl. bitorqualus, flavirostris, Aza-
rae^ castanotis, viridis , Rh. Cuvieri , carinalus , erylhrorhynchus, ariel,
Andigena hypoglnucus , nigrirostris , laminir. und cucuUalus; part. 2.,
Rh. iuca , osculans, citreolaenms , iocard , vitellinus, dicolorus, Plerogl.
torquatus, erylhropygius, inscriptus, Andigena Bailloni, Aulacorh. casla-
neorhynchus, atrogularis, albivitla und caeruleocinclus.
Psittacidae* Nach Pucheran (Types peu connus elc Rev.
p. 565.) wäre Psitlacus jonquillaceus Vicill. = vulneralus Wagl. und
Cäcalua viridis Vieill. = Ps. Temminkii Kühl. [Solandri Temm.).
Picidae« Neue Arten: Picus leucurus Herz. v. V^^ürtemb.
Näum. II. 2. p. 55. Rocky-mountains. Mit ga n z wei ssem Schwanz
— Chloropicus Caroli Malh. Rev. et Mag. p. 550. Gaboon. — Geopiciis
chrysoides Malh. ib. p. 554. Vaterland unbekannt, Zwischen auratus
und Ayresii.
Ucber Megapicus haematogaster J^ u. $ vgl. Malh. 1. c. p. 552.
Sundevall fand Gelegenheit, das Originalexeniplar von Lin-
ne's Picus semirostris zu untersuchen. Es sei dies ein jüngerer Vogel
von Picus viridis mit abnormem Schnabel.
Nach Pucheran 1. c. ist Picus punclalus Cuv. = punclulige-
rus Valenc. (aber nicht = nuhicus) ; Picus chloronotus Cuv. sei = ma~
culosus Valenc. und gleich dem Weibchen von brachyrhynchus Sw.
Picus poliocephalus Cuv. sei = poiocephalus y\ Sw. und = goertan Gm.
Auch Rüppell's P. poliocephalus sei dieselbe Art. — Picus occipila'
lis Cuv, sei hirundinaceus $ Wagl,
der Vögel während des Jahrfig 1852. 55
CiiculidAe* Neue Arten: Coccijvus fumilus Stiickl. Cotir
trib. pari. 4. pl. 82. p. 28. von Trinidfid. Nur 7" 3'" lanjj. ~ C. (Fiaja)
rufigularis Herz. v. Würlemb. Kaum. II. 2. p. 55. l*rachlvoll und sehr
grosse Art von Haili. — C viridiroslns Id. 1. c. Mexico.
Nach Strickland ist C. melanoconjphus Vieill (Az. 267.) I>«H
slimmt verschieden von Gmelin's C. minor: 1. c. p. 28.
Nach Tue heran I.e. ist Ceniropus bicolor Cuv. gleichartig mit
C. celebcnsis Q. et Gaim.; C. tnelanops C. sei eine eigene Art von
Java, nicht = melanop$ Müll., und vielmehr dem aleralbm verwandt;
Cocc. melanorhynchus sei Azarp's Ne. 267., also melanocoryphus YieiU-
— C. erylhrorhynchus sei javanicus Iloisf. — Cuctdus melanoga$tßr
Vieill. sei Piaja brachyplera Less. ; C. pynhophaius Vieill. sei gleich
mit sepulcralis Alüll. u. Sclileg ; C. cinereus Vieill. sei inornalus Vig.
II.; C. perlatus Vieill. = takitißnsis ; C. ruf{Uu^ Y'^i'^' =f ?V»!*''^FfV*
Vig. H. und Coccyius rvficapillus Vieill. sei eins mit naevius L. (Rcv.
et Mag. p 564 ). . ,,
Eine dem superciliosus RöppeU's verwandte aber, wie es scheint,
von diesem verschiedene Ce n tr o pu^ ^,,^r| b|;^chrei^t. ßian coni:
Specini. Zool. Mosanib. fasc. 4. p.5l. . w/
ntiiu
IV* Coliiiiil>ae. ü
Colninbitlac* Neu scheint za sein: Eclopistes margineUäy
Woodh. Proc. Acad. K. Sc of Philad. p. 104. „Gross limbers on ihe
north fork of the Canadian.«
Columba gelöstes Temm. wurde v\ild in Lappland gefunden: C.
Sundev. ÖfVers. Ac. Förhandl. 1851. p. 183.
V. Glallinae.
W. C. L. Marlin „The Poultry- yard, comprising iJie nianagB-
menl of all kinds of fowls." London 12. 150 S. ;>
II. D. Richardson „Domestic fowl and urnamcnliaJ poullry,
hislory origine and trealmenl in heelth «ud disie^se.f« Ncw*YovkillJl.
96 Seiten. ir
John Newton „On the breading, rcaring and fatlening dornet-
Stic poullry." London. \i. 46 S.
Deville macht höchst interessante Mitlheilungen über Opislho-
comus crislalus: Rev. et Mag. p. 217. pl. 9. Ausfühlichcs über Ana-
tomie. Der Vo«;cl liebt als Nahrung die RlAlu-r von Aruui suborcs-
cens L. Nachüeville wäre es am richlij^slcn für diesen sehr schwer
zu classiüciiendcn Vogel mit Lalraille und llliMniinier eine eigene
Ordnung inmilteh zwischen Passeres md Gallinae anzunehmen. [Dy-
joJcsLalr.) Ncsl und Ei werden auslührlichbcscUnqbcu. 'Mau vci gleiche
56 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
die Nachrichten Ueville's mit denen l'H ermini er's und Rieh.
Schomburg k's.
Ein Herr de Saravey machte der Pariser Academie Anzeige
von einem phasanartigen Vogel Cochinchina's mit enorm langen Schwanz-
federn (über 8 Fuss lang), der nicht in den Museen Europa's anzutref-
fen sei; Rev. et Mag. p. 386. Nicht Phas. Amherstiae Leadb. ?
M'Call schreibt über Cyrlonyx Massenae^ diese Art komme im
westlichen Texas vom Rio St. Pedro bis zum Rio Pecos vor ; Lophor-
tyx Gambelli zuerst am Limpia river. ICO Meilen westlich vom Pecos
bis zum Rio grande ; sie sei häufig um El Paso; eine ausführliche Be-
schreibung dieser Art, welche mit Gould's venusta identisch ist, giebt
Prof. Baird in der Zoologie des grossen Salzsee's auf S. 326. — Cal-
lipepla squamata traf M'Call vom unteren Rio grande an bis St. Fe,
und endlich noch Telrao obscurus von St. Fe bis Taos.
\1. SStrutIlioiies Lath.
R. Owen „on Dinornis part. 5." Transact. of the Zool Soc.
vol. 4. part. 2. Enthält die Beschreibung des Schädels und Schnabel's
einer grossen Dinornis-Art, eines Schädels eines jüngeren Vogels von
D. giganteus und von Schädeln einer Palapteryx- Art. Keines Aus-
zugs fähig.
G. A. Man teil „Notice on the discovery by Mr. W. Mantel! in
the middle Island of New Zealand of a living specimen of Ihe Nolor-
nis: Transact. Zool. Soc. of London IV. part. 2. und
John Gould „Remarks on Notornis Manlellii'^ Ibid.
Beider Arbeiten geschah beseits im vorigen Jahresberichte Er-
wähnung.
Durch den Gouverneur Eyre in Neuseeland gelangte ein leben-
des Exemplar des Apleryx auslralis nach England. Die Lebensweise
des Vogels ist eine ganz nächtliche. Contrib. to ürnith. p. l9.
Die Dodoknochen aus Rodriguez, vor vielen Jnhren durch
Ch. Tel fair der zoologischen Gesellschaft in London zugekommen,
inzwischen aber verloren gegangen waren, sind wieder aufgefunden
worden. Es gehören dieselben, nach Slrickland, zweien Arten an,
nämlich dem Solilaiie des Leguat (Pezophaps solitaria) und einer klei-
neren Art, Pezophaps mi^r Str. Jard. Contrib. to üinilhol. p. 19.
- j>
TU. Glrallae L.
ChMradrIdae* Eine dem CharadriusmelanoptemsRüpp. ähn-
liche Art von Mosambique beschrieb Bianconi: Spec. zool, Mosamb.
fösc. 4, Wahrscheinlich neu.
der Vögel während de» Jalirea 1852. 57
Ardeidae. Neue Art: Leptoplilos Rüppellii , V i e r t h al e r
Nauni. II. Heft 2. p. 50. Weisser Nil.
Neue Nachrichten üher Balaeniceps rex verdanken wir Baron v.
M filiert Naum. II. Heltl. p. 84. mit Abbild. Derselbe sah den aben-
teuerlichen Vogel von einer der dichlbewaldeten Inseln des weissen
Nil oberhalb Kartum's aufsteigen und hatte später Gelegenheit gut er*-
hallene Häute von ^ und $ in einer Sammlung vom oberen Bachr-el-
Abiad zu untersuchen. Der Schnabel ist beim Männchen gelb, beim
Weibchen braunrolh mit schieferbrauner Firste. Unter den Mandibeln
btTindct sich eine wahrscheinlich kropfsirtiger Erweiterung fähige Haut-
falte. Zehen und Schienbein schwarz, mit kleinen Schuppcnschildern
besetzt; Augenring nackt, gelb; kurze Nackenhaube; Gefieder asch-
grau , oben dunkler als am Bauche und den Schenkeln. Beschreib.
Ann. and iMag. of Nat. Hist. X. p. 367. (Zool. Soc. Jan. 14. 1851).
Nach Gould wäre dieser Vogel „ihe grallatorial type of the Peleca-
nidae.« Wir halten ihn mit Anderen für den Repräsentanten der Gat-
tung Cancroma in Africa.
Dr. V'ierthalcr über Ibis religiosa: Naum. 1. c. p. 18. ; der»,
über Leptoplilos argala in Sennaar : Naum. II. 2. p. 32. ; und über Ba-
learica pavonina, ib. p. 44.
Graf C. Wodzicki über Ardea slellaris: Naum. II. 2. p. 42.
Wir zählen diese Arbeit, wie einige schon früher erwähnte, den Zier-
den der ornithologischen Lilteratur bei.
Ueber Lebensweise, Anatomie und Fortpflanzung von Eurypyga
helias sclirieb höchst instructiv Ch Deville Rev. et Mag. p. 222.
Ebenderselbe über Cancroma cochlearia: I. c. p, 224. Anatomie.
Deville glaubt, es müsse mehrere Arten von Cancroma geben; er
sah unter sehr zahlreichen Exemplaren niemals eines mit den langen
Federn der Haube.
M'Call stiess auf unzählige Schaaren von Grus canadensis zwi-
schen Albuquerque und Sorocco im westlichen Texas. Auf 50 Meilen
weit bedecken sie das ganze Land. Grus americana wurde selten und
immer nur paarweise angetroffen : 1. c.
ücolupacidae. Blyth über Rhtjnchaea bengalensis in Jard.
Contrib. pl. 89. Fuilus und Ei. Anziehende Notizen über die Lebens-
weise dieser Art sollen im „Bengal Sporling Magazine'' enthalten sein.
Nach Lawrence wurde Fhilomachus pugnax auf Long Island
geschossen. Diese Art scheint seit einigen Jahren öfters in America
vorzukommen.
Liljeborg über Terekia cinerea bei Archangel: Naum. II. 2.
p. 108. Sehr hübsch.
In dem von Blyth herausgegebenen „Catalogue of the Museum
of the Asiatic Society of Calcutta'' lir.dcn wir bei Eurinorhyr.chus pyg*.
58 Hartlaub: Beriefet über dii; Leistungen in der Naturgeschichte
maeusL. die beraerkenswerlhe Angabc : „sehr zahlreich an der Ostküsle
der Bai von Bengalen; einzeln zwischen Tringaschwärnien." Blyth
nennt die Art E. orientalis.
K a p li c k „Zur Naturgeschichte von Scolopax rusticola.^ Naum. II.
Heft 2. Nach ihm hätte man eine kleinere Lokalrasse zu unterschei-
den, dunkler gefärbt, mit stahlgraublauen Füssen; Lithauen.
lieber das W ec kern der Becassine schrieb W. H. E. Prall e,
Naum. IL Heft l. p. 24.
'' Rallidae. Ueber eine Porphyrio smaragnotos verwandte Art
■ A^s Mosambique schrieb Bianconi: Specim. Zool. iMosamb. fascic.IV.
E. Blyth über Porzana ceylanica Gm. im Journ. of Ihe Asiat.
Sog. of Bengal. 1852. p. 13,
Ebenderselbe über Melopidius indicus und Hydrophasiftnus sinen-
sis in Jard. Contrib. part. 3. pl. 89. Die Eier beider Arten ; über die
Lebensweise der letzleren vergl. man Calculta Sporting Review V. p. 7.
VIII« ylnseres L.
Anatitlae« Neue Arten: Oedemia vehelina C9ss. Froc. Ac.
IMiilad. 1850. p. 126. wurde bisher mit fusca för gleichartig gehal-
ten, ist aber bestimmt verschieden (was Ref. nach einem von der Nord-
vveslküste America's stammenden Exempl. der Bremer Sammlung be-
stätigen kann.) — Mergus americanus Cass. ib. 1852. p. 18ß. Unter
diesem Namen glaubt üassin den nordamericanischen merganser vom
europäischen trennen zu müssen. — Anser parvipes Cass. 1. c 187.
von Vera Cruz.
' 'ä' ReL über Anser Gambelli von Texas: Rev, et Mag. p. 7. Von
albifrons schon durch den weit grösseren Schnabel bestimmt verschie-
den. — Ueber Nest und Ei von Mergus merganser Kjärböll: Naum.
II. 1. p. 11.
Plerocyanea Rafßesii am grossen Salzsee erlegt: Baird Zool.
ctc, p. 325. Ausführl. Beschreibung. Ueber ein zweites in Califor-
nien gesammeltes Exemplar dieser Art schrieb Lawrence Ann. Lyc.
Newy. V. p. 221.
FuUgula tiola J o hn G. B el 1 , ib. V. p. 219. scheint uns ein der
Anas maxima Gosse's verwandle Bastard zu sein. 30" lang.
Nach brieflichen Miltheilungen Gundlach's überwintert "^«scr
hyperboreus in grossen Schaaren in der cienega de Zapota auf Cuba ,
einer Sumpfgegend, welche zur Zeit des Eintiocknen's von zahllosen
Vögeln frequentirl wird
Fuligula Homeyeri Bädeker. ^ und $ bei Rolterdam geschos-
sen; Naum. IL 1. mit schöner Abbild, p. 12. Inmitten zwischen ny-
der Vögel während des Jahres 1852. 59
roca und ferina. Einer brieflichen Mittheilung von Baldamu s zufolge
könnte sich diese Art bestätigen.
Procellariflae« Ueber Thalassidroma fregatta Sol. an d«r
Küsle von Florida: Lawrence in Ann. Lyc. Newy. V. 117. Sieben
Exemplare wurden an der Angel gefangen, Zwei Tage hindurch wurde
diese Art in der Nähe des Schiffes bemerkt.
Procellaria meridionalis bei Long-Island geschossen : Lawrence
ib. p. 220.
T. M. Brcwer „über das Ei der Thalassidroma LeachiC* und
Beschreibung der Eier von F. Bulweri, obscura und von Puffinus maior'-
Boston Journ. of Nat. Hist. VI. p. 308. Ueber die Lebensweise dieser
letzteren Art noch ebendas. p. 299.
Ueber Procef/. glacialis vgl. Kjärbölling: Naum.H. 1. p. 12.
liaridae« Weue Art: Larus Heermanni Cass. Proc. Ac.
IMiilad 1852. p. 187. von St. Diego in Californien. Steht Belcheri
zunächst. ^
Ueber das Vorkommen von Sterna caspia in PCctfMmeHca schreibt
Lawrence: Ann. Lyc Newy. V. p. 37. Ist bestimmt verschieden von
St. regia G. Genaue üeschr. und Messung. Küste von Neu-Iersey.
Lawrence über Sterna Forsteri Nu».: Ann. Lyc. of Newyork
V. p. 222. Speeifisch verschieden von St. hirundo, Calirornien.
Blyth hatte Gelegenheit ein jüngeres Exemplar von Dromas
ardeo^a aus Ceylon untersuchen zu können und glaubt darnach dicUe-
berzcuguug gewonnen zu haben, dass diese eigenthümliche Form den
Sterninen beizuzählen sei. Er nennt Dromas „a tern of most anoma-
lous and extraordinary proporlions," Jedenfalls feine interessante Be-
obachlung. Journ. As. Soc. of Bengal 1852. p. 12. (Separatabdr.) und
Contrib. to Ornilh. part. l. p. 27.
Pelecanidae. Ausführliche Nachrichten über die ForlpHany
zung der drei Fha e ton -Arten findet man in den oft erwähnten „Con-
tributions lo Ornithology." Tafel 84. giebt die Abbildungen der Eier.
Fhaeton aeihereus nistet, nach Kirk, auf Klein-Tobago, St. Giles und
Smilh-lsland in Felsenhöhlen über der See und scheint nie mehr als ein
Ei zu legen. Ph. flavirostris brülcl, nach Lieutenant \V ed d er b u rn e's
Beobarhtungen, auf Bermuda und legt sein einziges Ei auf die nackten
Felsklippen der Südküste. Ph. phoenicurus endlich nistet, Gould und
Macgillivray zufolge, auf Norfolk- und ßaine's-Island und legt zwei
Eier auf den nackten Boden von Felshöl.lungen unter überhangenden
Uferrändern.
^%»^ffif-i>^MS<»\?!f^hj.r ^jii«i$üi/'4flfii5;:i
Bericht über die lieistung^Cii im Gebiete der
llerpetolog^ie wäiireiid des Jaiires 1S5!S.
Vom
erausg-elier«
Unter dem Titel: ^Description desReptiles nouveaux ou
imparfaitement connus de la collection du Museum d'histoire
naturelle et remarques sur la Classification et les caracteres
des Reptiles** hatA. Dumeril begonnen, gleichsam Nachlräge
zu der Erpetologie generale von Dumeril et Bibron zu lie-
fern. In Tome VI der Archives du Museum d'histoire natu-
relle 1852 erschien p. 209.: Premier Memoire, Ordre des
Cheloniens et premieres familles de Tordre des Sauriens (Cro-
codiliens et Cameleoniens) mit 9 Tafeln Abbildungen.
Von J. van der Hoevens „Handboek der Dierkunde" er-
schien im Jahre 1853 die vierte Lieferung des zweiten Theils,
w^elche die Reptilien enthält,
Verf. ordnet die Amphibien nach folgendem Schema: Sectio I.
Reptilia dipnoa s. Psilo derma mit drei Ordnungen: Ophiomor-
pha s. Peromela (Fam. Coeciliae), Saurobalrachi s. Sozura (Farn. Tro-
teidea, Salamandrina), Batrachii s. Miura (Fam. ßatrachii), — Sectio 11.
Rep tilia m onopnoa s. Pholi d o la mit drei Ordnungen, deren erste
Ophidii in zwei Trihus zerfällt: 1. Serpentes (Farn. Viperina, Elapina,
Hydrophes, Asineophes s. Glyphodontes, Colubrina, Acrochordina, Py-
thonina, Cylindrophes s. Tortricina, Rhinophes s. Hyperolia, Typhlina)
und 2. Amphicephali (Fam. Amphisbaenae); deren zweite Saiirii eben-
falb in zwei Tribus gelheilt wird: 1. Squamati (Fam. Scincoidei, Zo-
nosauri s. Ptychopleurae, Lacertini [mit den Gruppen Lacertae, Amei-
vae, Monitores], Iguanoidei, Chamaeleonidei, Ascalabotae). 2. Loricati
(Fam. Crocodilini) — und dtren dritte Chelonii ist (Fam. Chelonii).
In der ^ZoologyoflconographicEncyoIopaedia/ die ich
Troschel: Bericht über dio Leistungen im Gebiete der 61
durch Güte der Verfasser aus Amerika zugeschickt bekommen
habe, von der ich aber die Jahreszahl des Erscheinens nicht
kenne, sind die Reptilien (p.244— 2S9) vonS. J. ßaird be-
arbeitet. In populärer Darstelhingr ist diese Thierklasse im
Allgemeinen, und nach den Ordnungen, Familien und selbst
Gattungen geschildert, wobei auch auf die fossilen Formen
Rücksicht genommen ist. Viele Arien sind abgebildet, wie
ich aus den Citaten im Text ersehe. Die Abbildungen selbsi
kenne ich nicht. ,1%
In dem „Prodromus Faunae zeylanicae, beingContribu-
lions to the zoology of Ceylon by E. F. Kelaart. Ceylon
1852. 8/* nimmt der Abschnitt über die Reptilien p. 141 —
197. ein, und bildet den Schluss des Bandes, der ausserdem
nur Säuglhiere und Vögel enthält. In einem Anhange ist p. 37.
Mr. Blylhs Report on Ceylon Mammals, Reptiles and Fishos
March 1852. abgedruckt. Die Beschreibungen der Familien
und Galtungen sind in diesem Prodromus aus Gray's Calalog
der Exemplare des Britischen Museums abgedruckt. Die Be-
schreibungen der Arien sind fast alle nach lebenden Exem-
plaren entworfen. Die Schlangen, deren etwa 30 Arten auf
Ceylon leben, sind nicht berücksichtigt worden , da es dem
Verfasser an der nöthigen Literatur fehlte, um sie zu bestim-
men. 15 Arten derselben werden namhaft gemacht. Aus den
anderen Ordnungen sind beschrieben: 22 Eidechsen, worun-
ter zwei neue, 3 Krokodile und 3 Schildkröten; von nackten
Amphibien sind 5 Wasserfrösche, 2 Laubfrösche und 2 Krö-
ten aufgezählt , also 9 geschwänzle Batrachier mit 2 neuen
Arien. Salamanderarlige Amphibien giebt es in Ceylon nicht.
Eine Blindwühle kommt daselbst vor.
„Voyage en Abyssinie, execule pendant lesannees 1839
— 1843 par Lefebure etc. Qualrieme partie Hist. nat. Zoolo-
gie par Des Murs, Prevost, Guichenot et Guerin Meneville.
Tome VI. Paris. Es ist nicht angegeben, in welchem Jahre
dieser Band dieses Werkes erschienen ist, auch nicht wer
die Verfasser der einzelnen Abschnitte sind. Zu vermuthen
ist freilich, dass Guichenot, der mit auf dem Titel ge-
nannt ist, die Amphibien und Fische bearbeitet hat. Die er-
sleren beginnen mit p. 187. und reichen bis p. 244. Neue Ar-
ten sind nicht darin enthalten.
6Ö Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Gosse A naturalisls sojourn inJamaica London 1851.
ist mir nicht zugänglich geworden. Aus einer Anzeige in
Girard'is Bibliographia americana historico-naturalis für 1851
ersehe ich jedoch , dass darin mehrere neue Arten aus der
Klasse der Amphibien beschrieben sind. Dieselben sind un-
ten angegeben.
In Caplain H. Stansbury's „Exploration and survey
of the Valley of the Great Salt lake of Utah. Philadelphia
1852. ist in einem Appendix C. die Zoologie enthalten. Die
Reptilien nehmen den Raum von p. 33ö — 365 ein , und sind
von Spencer ßaird und Charles Girard bearbeitet.
Bis auf zwei (Holbrookia maculata und Phrynosoma Dougla-
sii) sind alle Arten neu. Sie sind unten näher bezeichnet.
Hinzugefügt ist eine Monographie der Galtung Phrynosoma von
Girard, über die gleichfalls unten berichtet wird. Die neuen
Arten wurden bereits in Philad. Proc. April 1852. p. 68. cha-
rakterisirt.
Einige neue Amphibien^ die auf der Exploring expedi-
tion unter Capt. Wilkes gesammelt wurden, sind von Baird
und Gir ard- (Philadelphia Proceed. Oct. 1852.) beschrieben.
Ebenda beschrieb Hallo well einige neue Nordameri-
kanische Arten.
Guichenot veröffentlichte in der Revue etMagas. de
Zool. 1852. p. 115. 317 und 519. „Etudes sur Pulilitc des
Reptiles, soit comme ressources alimentaires, soit comme pro-
duits, qu'ils peuvenl fournir ä notre economic domestique, soit
enfin comme animaux de simple curiosile."
Verf. theilt die Tliiere für diese Betrachtungen nach dem Vor-
gange von Isid. Geoffroy St. Hilaire ein in Gehüilen (auxiliaires), ess-
barc, industrielle, Zierthiere und medicinische. Er scheint zu wünschen,
dass viele Amphibien zum Nutzen des Menschen in Frankreich acclima-
tisirt werden möchten. Unter der ersten Abtheiluug, den (lehülfen,
werden die Schlangen als Mäuse fressend, der Laubfrosch als VVelter-
prophet nor erwähnt. Als esshare werden viele Schildkrölen, Kroko-
dile, Warneidechsen, namentlich aber Iguana als gute Speise empfoh-
len. Als industriel, d. h. für Zwecke der Industrie dienend, wird nur
Chelonia imbricala wegtn dts Schildpails angeführt. Als Zierthiere
werden viele Arten wegen ihres Farbenwechsels , hübschen Ansehens
u. s. w. namhaft gemacht; auch Klapperschlangen, Brillenschlange, Ge-
burlshelferfrosch und andere werden wegen ihrer Eigenthümlichkeitcn
hier besprochen. Eigentlich für medicinische Anwendung nützliche
Herpetologie wührend des Jahres 1852. 63'
Amphibien giebl es nicht, ol>gleich nian Mehreren früher wunderbare
Kräfte und Wirkungen beigelegt halte.
Aug. Dumeril slellle Uulersuchungen an über die
Temperatur der RepUIien und die Modificalionen, welche sie
unter verschiedenen Unisländen eingehen können (Annales des
sc. nat. XVII. p. 5.). ^. .A n.qth
In der Öfversigt af kongl. Velenskaps -Acad. förhandj.
1851. p. 6'2. sind einige Beobachtungen über das Erscheinen
und Verschwinden der Amphibien (Triton palustris, Bufo vul-
garis, Rana temporaria) in Göthaland, Schweden u. s.w. nie-
dergelegt, wie sie sich im Jahr 1849 gezeigt haben.
Clielonii.
In der im Eingange erwähnten Abhandlung von A. Du-
meril sind folgende Schildkröten des Näheren beschrieben:
Tesludo semiserrata A. Smith, T. emydoides S. Müll., Emys cas-
pica Var. Japonica Schleg., japonica Dum,, areolata Dum., pseudogeo-
graphica Les., Cumberlandensis tlolbr. , iVlobiiensis Holbr., labyrinthica
Les., hieroglyphica Ilolbr., lierardii Dum., Emysaurus Temminckii Dum.,
Cinosleruon cruentatum Dum., leucosloraum Dum., Fodocnemis Lewyana
Dum., Gehafie Rüpp., Slernolherus sinuatus Smith, Adansonii Dum., also
im Ganzen IS Schildkrölen. Fast alle sind bereits in dem Catalonue
des Reptiles, welchen neuerlich A. Dumeril herausgegeben hat, enthal-
ten, nur P. Leiryana ist völlig neu. Abgebildet sind Emys areolata und
Berardii, Cinosleruon cruentatum und ieucoslomum und Fodocnemis Le-
wyana. Letzlere lebt in Santa Fe de Bogota und in Venezuela. Ihr
i'anzer ist oval, ganzrandig, sehr niedrig, ohne Leiste in der Mittelli-
nie, am Hinterrande erweitert, kaum umgeschlagen; hinter dem Slirn-
schildc ein kleines dreieckiges Schild zwischen den Farietalschildern ;
kein Occipilalschild ; drei grosse Schuppen an den Knöcheln; Schwanz
lang.
Westphal-Caslelnau erkannte an jungen Schildkröten, dass
weder die Verbreiterung der Rippen das Röckenschild, noch dip des
Brustbeins das Brustschild bilde, da die Ossificationen an besonderen,
und von Rippen wie Brustbein entfernten Punkten beginnen (Proces
verbaux des seances de l'Acad. des scicnccs et leltres de Montpellier.
Annee 1801 — 1852.).
In dem Rendiconlo (Bericht über die Sitzungen der Academie der
Wissenschaften zu Bologna 1849—51.) beschreibt Bianconi zwei
weibliche Individuen von Tesludo geometrica von Mosambiqüe, die sich
durch den Mangel der llerNOi ragungen auf den Schuppen auszeichnen;
~ ferner giebt Verf. neue Details über die fast geometrische Entwik-
64 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
kelung dei Hornplatten, die das Hauptsysletn der Schildiirölen zusam-
menselzon. Dieser Aufsalz ist mir nur aus einer Anzeige in der Revue
do Zoologie 1852. p. 485. bekannt geworden.
Werner bemerkte an Tesludo clausa, dass sie sich Nachts, wenn
die Temperatur auf 6 — 8°R. herabsank, im Moos zwischen Steinen ver-
kroch, und dass sie in der gebildeten Höhlung immer den Kopf nach
dem Ausgange wendete , auch die vordere Klappe nur halb geschlos-
sen hatte (Würlemb. naturw. Jahreshefle 1852. Heft 1.; daraus Fro-
rieps Tagesberichte 1852. p. 270.),
Emys marmorata Bai rd und Gi rar d (Philad. Procecd. VI.p. 177.)
von Fuget Sound.
Die „Gehirnnerven der Saurier" sind in den Abhandlun-
gen aus dem Gebiete der Naturwissenschaften, herausgege-
ben von dem naturwiss. Verein in Hamburg Bd. II. Abtheil. 2.
Hamburg 1852. p. 109 — 212. in einem ausgedehnten Aufsalze
von J.G. Fischer beschrieben und auf drei Tafeln abgebil-
det. Verf. findet auch im Nervensystem durchgreifende Un-
terschiede zwischen den Amphibien (Amphibia nuda) und
Reptilien (Amphibia squamata), so dass er sie als verschiedene
Klassen unter den Wirbellhieren betrachtet. 14 Arten sind in
die Untersuchung gezogen.
Spencer Baird und Charles Girard charakteri-
sirten in Philadelphia Proceed. August 1852. die neuen Eidech-
sen, welche John H. Clark in Mexico und den benachbarten
Ländern gesammelt hatte, und welche sich im Museum der
Smithsonian Institution befinden.
Crocodilini* Bei A. Dumeril sind Crocodilus leplorhyn.
chus Bennett und Cr. Morelelii Dum. beschrieben, letztere auch abge-
bildet (Arch. du Mus. VI. I.e.).
Cliamaeleonini. Derselbe hat I.e. aus der Gattung Clia-
niaeleo drei Arten Ch. Namaquensis Smith, calyplralns Dum. und bal-
tealusDum. beschrieben,* die beiden letzteren sind als neue Arten auch
abgebildet. Ausserdem sind auf einer besondern Tafel die Kopfprofile
von 15 Arien dieser Galtung dargestellt.
Ig^uanini* In den Proceed. Zool. Soc. of London with lUu-
slrations ist im zweiten llelte des Jahrganges 1850, welches jedoch
erst 1853 erschienen zu sein scheint, auf Tafel 3 Iguana rhinolophus
abgebildet.
J. £. Gray stellte in den Annais nat. bist. X. p. 437. einige
I
Herpelologie während des Jahres 1852. ''■ ' 65
oeae Gattungen aus der Iguanenfamilie, und zwar aus der Section I3a.
siliscina auf. In seinem Catalog der Repliliun des British Museum kannte
Verf. deren nur drei, denen er nunmehr drei neue hinzufügte, die foU
gendermassen charaklerisirt sind:
1. Hinlerkopf geschwollen an jeder Seite, mit einem hohen com
primirten Hautkamm vom Hinterrande der Augen.
1. Galt. Ptenosaura n. gen. Rücken und Schwanz mit einer Reihe
grosser comprimirter Schuppen, die einen schwachen Kamm bil>
den; Hinterkopf und sein Kamm mit grossen dünnen, glatten
Schuppen bedeckt. Pl. Seemanni von Quiho.
II. Hinlerkopf geschwollen, mit convexen Schuppen bedeckt, der
hintere Theil (weit hinler den Augen) in einen hohen compri-
mirten Hautkamm erhoben.
2. Gatt. Basiliscus Gray Cat. p. 192.
3. Galt. L 0 phosaura n. gen. Rücken und Schwanz mit einem ho-
hen durch Knochenstrahlen gestützten Kamm ; Mackenkamm klein,
eckig, mit grossen gekielten Schuppen bedeckt. L. Goodridgii
von Quibo. 'i:'}
4. Gatt. Cristasaura n. gen. Rücken miteinem hohen, durch Kndl
chenstrahlcn geslülzlen Kamm ; Schwanz etwas zusammengedrückt,
schwach geringelt, scharfrandig , und mit einer Reihe grosser
comprimirter Schuppen an seinem obern Rande; Piackenkamm
gross, abgerundet, dünn, mit dünnen, kleinen, sechsseitigen Schup-
pen bedeckt. C. tnitrella von Honduras.
5. Gatt. Corytheolus Gray Cat. p. 192.
III. Hinterkopf flach, niH einem sehr kleinen Kamm auf der Mitte des
Hinterrandes.
6. Gatt. Thysanodactylus Gray Cat. p. 193.
Blylh machte in dem erwähnten Anhange zu Kelaari's Frodro-
mns Faunae zeylanicae Bemerkungen über die eingesandten Amphibien.
Ein Calotes von Cherra Punji soll sich durch flacheren Kopf, weniger
flache und steifere INackendornen und durch eine deutliche zweite Sin*
cipitalleisto über dem Ohr, die aus drei kurzen und fünf sehr langen
Dornen besteht , vor Calotes ophiomachus auszeichnen , auch keinen
schwarzen Streifen durch das Auge haben. Verf. nennt sie C. plaly'
ceps. Eine unter dem Namen C. Rouxi? Dum Bibr. eingesandte Eidechse
wird als neue Art vermuthet und daher kurz beschrieben und mit
versicolor verglichen. Auch über C. roystaceus finden sich daselbst
einige Angaben.
Daciyloa Edtcardsii Gosse Jamaica. 1. c.
Aus der Gattung Holbrookia Girard (Cophosaurus Trosch.), die
sich so auffallend durch 'den Mangel der äusseren Ohröffnungen aus-
zeichnet, bildete Girard seine bereits im vorigen Berichte erwähnte
H. maculata bei Stansbury 1. c. pl. VI. Fig. 1 — 3 ab. In den Philad.
Archiv f. Naturgesch. XIX. Jahrg. 2. Bd. £
66 Troschel: ßericht über die Leistungen im Gebiete der
Ffoc. VI. p. 125. fugten Baird und G 1 rar d den beiden bekannten Arten
noch zwei neue H. affinis und propinqua, ebenfalls aus Texas, hinzu.
Die Galtung Crolaphytus Holbrook, die sich von der vorigen
durch äussere Ohröffnungen, Zähne an den Pterygoidbeinen und eine
nur kleine Occipilalplatle unterscheidet, und die bisher nur durch eine
Art Cr. collaris von den Rocky Mountains repräsenlirt vv^ar, vermehrten
Baird und Girard um drei neue Arten : Cr. Wislizenii bei Stansbury
p. 340. pl. III. von Santa Fe, Cr. Gambelii und dorsalis Philadelphia
Froeeed. VI. p. 126. beide von Californien. — Auch Hallo well be-
schreibt eine neue Art Cr. fascialus von Neu-Mexico (Pbilad. Proc. VI.
p.207.)
Hallowell stellte eine neue Galtung f/oma/o «aurus auf (Phi-
lad. Proc. VI. p. 179.), die mit Crotaphytus und Holbrookia nahe ver-
wandt ist: Kopf niedrig, oben mit polygonalen Schildern bedeckt; IXa-
genlöcher oberhalb; Occipitalschiid deutlich ; Schläfen nicht angeschwol-
len, Seitengchilder des Oberkiefers dachziegeiartig ; Oberseite des Na-
ckens, Rückens und Schwanzes mit Granulationen bedeckt; Bauch und
Unterseite des Schwanzes mit glatten viereckigen Schuppen; äussere
Ohröffnungen vorhanden ; Kehle gefaltet ; Schenkelporen ; Schwanz nur
w^enig länger als der Körper; Körper und Giiedmassen schlank. Die
Gattung ist jedenfalls auch nahe verwandt mit der folgenden Uta,
möchte sich jedoch in der Beschuppung des Schwanzes unterscheiden.
Sonst lassen sich aus den Beschreibungen kaum generische Unterschiede
ziehen. Die Art H. ventralis lebt in Neu-Mexico.
Eine neue Gattung Uta gründeten Baird und Girard bei
Stansbury p. 344. Der obere Theil des Körpers ist mit kleinen Schup-
pen bedeckt; eine Brustfalte ; Ohröffnungen; Schenkelporen, aber keine
Analporen. Die Gattung wird mit Sceloporus, Holbrookia und Crolaphytus
verglichen. Die eine Art U. Slansburiana lebt im Thale des grossen
Saizsee's Utah; auch Sceloporus microlepidotus wird hierher gezogen;
eine dritte U. ornata ist Philadelphia Proceed. VI. p. 126. hinzugefügt,
und stammt von Californien.
Die Gattung Sceloporus ist von denselben Verfassern um mehrere
Arten vermehrt: Sc. graciosus bei Stansbury p. 346. pl. V. Fig. 1 — 3.
aus dem Thale des Salzsees; Sc. Poinsellii, Clarkii , Thmjerii und dw-
far Philadelphia Proceed. VI. p. 126, die drei ersteren aus der Pro-
vinz Sonora , die letztere von Vera Cruz ; Sc. gracUis von Oregon,
occidentalis von Californien und frontalis von Puget Sound Philadelphia
Proceed. VI. p. 175. — Auch Hallowell fügte dieser Galtung zwei
neue Arten Sc. marmoratus und delicatissimus aus Texas hinzu (Phila-
delphia Proceed. VI. p. 178).
Eine neue Gattung Lamprosaurus stellte Hallo well auf,
ohne irgend eine Andeutung über die systematische Stellung. Die Gal-
(ungscharaktere sind: Kopf konisch, spitz, Schnauzenschild vcrtical, dl«
Herpelologie wahrend des Jahres 18^2.^^^^ ^^ 67
Supranasalschilder jedersoils Äosammenslossend ; Iniernasalschild gfoss^J
Kaslöcher zwischen zwei Nasenschildern; zwei Fronloparielalschilder';
Trommelfell eingesenkt; einige kleine Schuppen vor dem Ohre; keine
Kehllalte ; Körper und Gliedmassen schlank; Zehen 5 — 5; Schuppen
glatt und glänzend, ähnlich an liflckcn und Bauch, hinten abgerundet;
Präanal>Schuppen gross; keine Schenkelporen; keine Gaumen. od6F
Sphenoidzühne. Die einzige Art L. guitulalus lebt in Neu. Mexico.
Wie schon oben erwähnt ist, hat Girard bei Stansbury p. 354.
eine Monographie der Gattung Phrynosoma geliefert. Verf. nimmt 6
Arten an: Phr. orbiculare Wiegra., cornutum Gray, coronatum Blainv.,
Douglasii Gray, plalyrhinos n. sp. vom Salzsee und modestum n. sp.
von San Antonio in Texas. Die drei letzteren sind abgebildet. — Hal^'
lowell beschreibt eine neue Art Phr. planiceps aus Texas PhiladU
Proceed. VI. p. 178. j
Hai low eil gründete eine sehr interessante Gattung An o(a, die!
sich von Phrynosoma besonders durch den Mangel äusserer OhröfTnungen
auszeichnet (Philad. Proceed. VI. p. 182). Die Charaktere sind vom-
Verf. so angegeben: Kopf klein, oben mit polygonalen Schildern b&ll
deckt; hinten eine Reihe spitzer Dornen, Nasenlöcher innerhalb der
Supraciliarleisle; Supraciliarleiste nur schwach entwickelt, endet hinten
in einen kleinen spitzen Dorn; Kinn mit glatten Granulationen von uii<^
gleicher Grösse bedeckt; eine Reihe spitziger Schuppen jederseits ;
zwei Kehlfalten; keine äusseren Ohröf f nnngen ; Gliedmassen
schlank; Oberfläche des Körpers glatt, indem die zahlreichen kleinen
Stacheln der gewöhnlichen Phrynosomen nicht vorhanden sind; keine
Fransen längs der Seitenränder des Rauches; Körper zusammengedrückt»
oval, Schwanz fast so lang wie der Körper; Scheukelporen sehr deut*
lieh. Die einzige neue Art A. M'CaUii lebt in der grossen Steppe von
Colorado, zwischen Vallicita und Camp Yuma, ist 41/2 Zoll lang , und
ist hellaschfarbig mit schmaler schwarzer Räckenlinie, und jederseits
zwei Reihen schwarzer Flecke.
I^acertini* Hier sind einige neue Arten der Gattung Cnemi-
dophorus zu nennen, welche gleichfalls Baird und Girard aufge.
stellt haben: Cn. tigris bei Slansbury p. 338. pl. II. von Utah; Cü.'
marmoralus von Texas, Grahamii ebendaher, gularis von Texas, perti^
plexus von Texas, gracilis von Colorado, praesignis von Chagres und
Panama, Philadelphia Proceed. VI. p. 128.
Oeckonini« Hemidactylus Piere»ii Kelaart I. c. p. 159. hell-
grau, schwarz marmorirt, ein schwarzer Streif an den Schläfen ; Rük.
ken mit Längsreihen ziemlich grosser halbkonischer gekielter Tuber-
keln, etwas kleinere Tuberkeln am Kopf und an den Aussenseiten der
Schenkel, Schwanz zugespitzt, Oberfläche mit sechs Reihen scharf zu-
gespitzter gekielter Dornen ; Schenkclporcn nur beim Männchen in zwei
fast verfliessenden Linien, 16—17 jederseits. Ceylon. — H, angnlatu*
68 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Halloweli , oberhalb mit Höckern in schiefen Querreihen. Weslköate
Afrikas (Philad. Procccd. VI. p. 63.).
:^ Gymnodactylus Kandianus Kelaarl. 1. c. p. 186. braungelb dun-
kelbraun, mHrmorirt; Rücken granuiirt, Seiten mit zwei entfernten
Lä^gsreihen kleiner dornähnlicher Tuberkeln ; Schwanz^ etwas deprimirl,
y^loklig an den Seiten, oben mit Querreihen kleiner Dornen , unten mit
einer Mittelreihe breiler Schilder. Ceylon.
Scincoidei. Plesliodon skillonianum Baird und Girard bei
Stansbury 1. c. p. 349. PI. IV. Fig. 4— 6. — PI. obsoletum Baird und
Girard Philadelphia Proceed. VI. p. :129. vom Thal des Rio San Pedro.
T J. E. Gray beschrieb (Annais X. p. 281.) eine neue Gattung
Sauresia aus der Familie der Scincoidcn, Gruppe Diploglossinae:
Körper und Schwanz cyllndrisch verlängert; vier kurze, schwache,
entfernte Beine; 4.4 Zehen; die vorderen sehr kurz, von ihnen die
beiden mittelsten, fast gleichen, die längsten, die innere kürzer; die hin-
teren sehr ungleich, die innere sehr kurz, undeutlich, die zweite länger,
die dritte die längste, die vierte massig, weit hinten. Schuppen ziem,
lieh dick, breit, sechsseitig, längsgestreift. Schnauzenschilder abgerun-
det, aufrecht; zwei Paare Supranasalschilder ; zwei Frontalschilder, das
vordere breit, sechsseitig, das hintere länglich, sechsseitig; Superciliar-
schilder 3.3; Ohren offen, rund; INaslöcher seitlich; Zügelschiider
3.3; unleres Augenlied undurchsichtig mit einer Reihe bandförmiger
Schuppen. S. sepsoidcs von St. Domingo.
J. E. Gray stellte ferner (Annais X. p. 440.) in derselben Fa-
milie, Gruppe Siaphosinae, eine neue Gattung An nie IIa dicht bei So.
ridia auf: Keine Beine; Nasenschild gross, am Rande so gebogen, dass
es einen Theil des Lippenrandes bildet; sonst ganz wie Soridia. A. pnl-
chra von Californien.
,;. Aconlias elegans Hallowell Philad. Proceed. VI. p. 64. ist eine
Qfue Art von Liberia.
Ptyclioplenrae« Baird und Girard beschreiben bei Stans-
bury p. 348. pl. IV. Fig. 1 — 3. Elgaria scincicanda (Tropidolepis sc.
Skilton Amer. Journ. of Sc.VII. 1849.) und erklären diese Galtung Elgaria
für innig verwandt mit Gerrhonolus, wegen der Längs -Area von klei-
nen Schuppen, die sich von den Ohren bis zu den Hintersclienkeln er-
streckt. Die Art lebt in Oregan und Californien. — Eine zweite Art
dieser Galtung ist von denselben Verf. Philadelphia Proc. VI. p. 129. auf-
gestellt E. nohilis von Neu -Mexico. — Ebenso drei andere Arien ib.
VI. p. 175.: E. principis von Oregon und Puget Sound, E. formosa
von Californien und E. grandis von Oregon. — E. marginala Hallo-
well von Neu-Mexico Philad. Proceed. p. 179.
Clialcidini. A. Dumeril beschrieb seine Gattung Lepido-
phyma (vergl. dessen Calalogue p. 157.) ausführlich und bildet die Art
jL. fiavimaculalum fius der Provinz Peten^ Centralamerika, ab (Revue et
Herpetologie wahrend des Jahres 1852. 69
Mag. de Zoologie 1852. p. 409). Die Gatlungscharaktere sind: oben
und an den Seilen sehr kleine Schuppen, dazwischen Querreihen spitzer
Höcker, Bauchschilder viereckig; Kopfschilder wenig deutlich ; Augen-
lieder ruditnenlär; keine Zähne am Gaumen, keine Schenkeiporen, keine
Seilenfurche. Nasenlöcher zwischen zwei Platten. '^^
Ainpltisbaenae* A. Dumeril weist nach (Revue et ftfag.
de Zool. 1852. p. 401.), dass die Amphisbaenen als besondere. Unter-
ordnung der Eidechsen festzuhalten seien, wie es bereits Wiegmann
festgestellt hatte.
Unter dem Namen Phractogonns unterschied Ha Ho Wen
(Philadelphia Proceed. VI. p. 62. eine neue Gattung mit folgenden Cha"^
rakleren: Kopf konisch, mit zwei grossen Schildern auf seiner Ober-
üächc. Nasenlöcher unter dem Schnauzensch.lde. Eine Reihe longi-
ludinaler Schilder unter der Rrust. Körper und Schwanz geringelt;
seitliche Poren am After. Die Art Phr. galealus von Liberia in West,
africa.
Innocui. In der Verwandtschaft von Tortrix stellten Baird
und Girard Philadelphia Proceed VI. p. 176. eine neue Gattung We-
nona auf: Kopf konisch, ziemlich klein, nicht vom Körper abgesetzt;
Scheitelschild etwa so breit wie lang , zwischen ihr und dem Schnau-
zenschilde liegen zwei oder drei Paare Stirnschilder; Occipital- und
Supraorbitalschilder ziemlich klein und fast von gleicher Grösse; Au-
gen sehr klein, kein Zügelschiid, ein vorderes grosses Augenschild, die
hintern Augenschilder nicht von den Schläfenschildern unterschieden.
Körper cylindrisch, mit kleinen rautenförmigen und glatten Schuppen
bedeckt. Bauchschilder schmal, sowohl unter dem Schwänze wie un-
ter dem Bauche in einer Reihe; Schwanz sehr kurz, etwas nach hin-
ten verschmälert. Ausser zwei neuen Arten W. isahella und 'plumhea
von Puget Sound soll wahrscheinlich Tortrix Bottae Blainv. in diese
Galtung gehören.
Chilabothrus inornalus ist eine neue Art von Gosse Jamaica I.' 6.
Calamaria tenuis Baird und Girard von Puget Sound Philadelphia
Proceed. VI. p. 176.
Ueber die Verbreitung der Natter Tropidonotus natrix auf den
britischen Inseln gab Gray eine kurze Notiz (Annais nat. bist. IX.
p. 509.), wozu Gurney ib. X p. 151. eine Berichtigung machte. "'
Tropidonotus ordinoides Baird und Girard von l'uget Sound (Phi-
ladelphia Proceed. VI. p. 176.). — T. rhombifer und transcersus Hal-
lowell ib. p. 177. von Arcansas. — T. concinnus Uallowell ib. jp. 182.
Ton Oregon. — T. Woodhousii Uallowell ib. p. 208. , gleichfalls Yon
Arcansas. *
7P Troscbel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Coluber Mormon Baird und Girard bei Stansbury :p. 351. vom
grossen Salzsee.
Nalrix capistrata, callileme und atra sind neue Arten bei Gosse
Jamaica 1. c.
Baird und. Girard stellten in der Nähe von Coluber und Tro-
pidonotus eine neue Gattung C^t/rc^t/^ia auf: drei Paare Slirnschilder
(die beiden genannten Gattungen haben nur zwei) , ein sehr kleines
Zügelschild und einige hintere Augenschilder; Schuppen gekielt. Da-
hin eine neue Art Ch. bellona von Rio grande ( Stansbury's Report
p. 350.).
In der Holbrook'schen Gattung Pituophis, die sich durch vorste-
hende Schnauze und die Gegenwart von vier hinteren Frontalschildern
in einer Querreihe ausgezeichnet, stellte Hallo well eine neue Art P.
ß/fim von Keu-Mexico auf. (Philad. Proc. VI. p. 181.).
^to^f Leptophis taema«ö Hallowell Philadelphia Proceed.V. p. 181. von
Neui^exico.
Heterodon nasicus Baird und Girard ib. p. 352. von Texas.
Suspecti. Psammophis flavigutaris Hallo well von Texas Phi-
ladelphia Proceed. VI. p. 178.
Dendrophis flavigularis Hallowell ib. p. 205.
Venenosi. In den ^Mittheilung^en über neue Erwerbun-
gen des naturhislorischen Museums in Hamburg-. Nachtrag
zum Osterprogramm des academischcn Gymnasiums von 1850.
Hamburg 1852. 4.« finden sich p. 13. „Beiträge zur ferneren
Kenntniss der Meerschlangen*« von Dr. Philipp Schmidt.
Derselbe Aufeatz befindet sich mit 7 colorirten Tafeln in den
Abhandlungen aus dem Gebiete der Naturwissenschaften, her-i-
ausgegeben von dem naturwissenschaftlichen Verein in Ham-
burg. Bd. II. Abtheil. 2. p. 69.
Den bereits bekannten 8 Arten konnte Verf. sieben neue Arten
anreihen, die von der Rhede von Samarang stammen, wo sie mit dem
Netze gefischt wurden. Sie schwimmen schlängelnd, langsam, dicht
unter der Oberfläche. Verf. scheint nicht geneigt, sie für giftig zu
halten. Verf. berichtet, dass er in einer Hydrophis striata 4 Eier fand,
die statt der Schale nur von einer dünnen Haut umgeben waren, und
ip denen das zum Ausschlüpfen reife Thier in der kahnförmigen Ver*
tiefung der dotterartigen Placenta lag, an welcher es mit der Nabel-
schnur befestigt war. Die jungen Schlangen waren völlig ausgebildet,
der Mutter gleich, 10 Zoll lang, während die Länge der Mutter 4 Fuss
betrug. — In Hydrophis gracilis befanden sich 3 Eier, bei denen der
Embryo noch nicht so weit ausgebildet war; das junge Thier war noch
fast ganz von der gelben Masse umhüllt* £s ist wohl unzweifelhaft,
Herpetologie während des Jahres 1852. 71
fo 0chlies8t der Verf. , dass diese Schlangen lebendig gebfirend sind.
Die Hypothese von Schinz, als könnte die junge Schlange in der er»
sten Lebensperiode mit Kiemen versehen sein, wird wiederlegt. .~> l^
systematischer Beziehung fasst Verf. alle Wasserschlangen in eine Fa-
milie (llydrophidenj zusammen, wohin er rechnet: ilomalopsis, Pota-
mophis (Acrochordus) und Thalassopliis (Hydrophis Schlegel). Zu der
letzteren Gattung gehören die neuen Arten : Th. anguiUae/ormis, murae"
naeformis , microcephala , viperina , anomala, Sohlegelii (Hoogli pattee
Russell?), yVerneri. Alle genannten Arten sind an der Küste von Java
gefangen, Th. Schlegelii lebt in dem chinesischen Meere.
C. Dumeril las eine Abhandlung über Maja haje in der Pariser
Academie (Comptes rendus 1852).
Dinophis ist der Name einer neuen Gattung, welche Hallo-
well Philadelphia Proceed. VI. p. 203. aufstellte: die Gestalt ist die
der Baumschlangen ; durchbohrte unbewegliche Giftzihne in dem vor.
dem Theil des Oberkiefers; einige der vorderen Zähne des Unterkie-
fers länger als die übrigen; nur zwei Zahnreihen im Oberkiefer, indem
die äussere Reihe fehlt ; zwei Reihen im Unterkiefer, ganz kurz ; kein
Zügelschild; 4 hintere und drei vordere Augenschilder ; Schwanz lang,
die Subcaudalschilder zweitheilig. D. Hammondii aus Liberia inWest-
africa.
Zwei neue Klapperschlangen werden unterschieden: Crotalus lu-
cifer Baird und Girard (Philedalphia Proceed. VI, p. 177.) iin4 C«*« l^econtei
Mallowell ib. p. 180.
Batracliii.
In einem Aufsatze „Recherches sur les Balracien«'« (Ann.
des Sciences nat. XVIII. p. 243.) spricht Pontallie zunächst
von einigen osteologischen Differenzen der Galtungen Rana,
Hyla und Bufo, denen dann Bemerkungen über Lebensweise
einiger Arten und über die Enlwickelung der Kiemen hinjsur-
gefügt werden. Parauf beschreibt Verf. die Weibchen von
Triton palmipes und punctalus. Schliesslich ist die Rede von
Monstrositäten und Parasiten.
lieber lünctionell verschiedene und räumlich getrennte
Nervencentra in Froschherzeu schrieb Bidder in Müller's
Archiv 1652. p. 163.Taf.VI.
Beiträge zur morphologischen und histologischen Ent-
wickelung der Harn- und Goschlechtswcrkzeuge der nackter)
Amphibien veröffentlichte v. Witt ich in v. Siebold's und HbU
likcr's Zeitschrift fV. p, 125. Taf.lX. und X.
7^ Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Ebenda p. 168. schrieb Derselbe über Harn- und Ge-
schlechtsorgane von Discoglossus piclus und einiger anderer
aussereuropäischer Batrachier (ein Nachtrag zur vorigen Ab-
handlung).
Ecaudati. Es wurden mehrere neue Arten in dieser
Abtheilung beschrieben :
Rana areolala von Texas , aurora von Fuget Sound und Dray-
tonii von Californien wurden von Baird und Girard Philadelphia
Pröceed. VI. p. 173. beschrieben. — R. newera-ellia Kellaart Prodro-
mus p. 192. von Newera-Ellia auf Ceylon. — R. assimilis Blylh wird
im Anhange zu ebenerwähntem Werke mit B. malabarica verglichen,
r— V. Siebold bestätigte in diesem Archiv 1852. I. p. 14. die Ver-
schiedenheit der von Steenstrup unterschiedenen europäischen Arten
R. oxyrrhinus und plalyrrhinus.
Polypedates slellala Kellaart 1. c. p. 194. von Newera - Ellia auf
Ceylon. — P. cruciger ßlyth ib. Anhang p. 48.
Hyla brunnea Gosse Jaraaica 1. c. — H. regilla Baird und Girard
Philadelphia Proceed. VI. p. 174. von Oregon und Puget Sound. --
H.scapularis Hallowell ib. p. 183. von Oregon.
Litoria luteola Gosse Jamaica 1. c.
Trachycephalus lichenatus Gosse Jamaica 1. c.
Bufo punclatus und granulosus von Texas, so wie boreas von
Columbia Biver und Puget Sound sind Arten von Baird und Girard
Philad. Proc. VI. p. 173. — B. dorsalis Hallowell von Neu-Mexico ib.
p. 181.
Candati* Duj^s findet in einer Abhandlung „Becherches
zoologiques sur les Urodeles de France (Annales des sc. nat. XVII. p.
253.) die Charaktere, nach denen man bisher die Gattungen Salaman.
dra und Triton unterschieden hat, nicht mehr ausreichend, indem die
Tritonen nur zur Begattungszeit einen zusammengedrückten Schwanz
hätten. Er unterscheidet daher vier Gattungen nach folgendem Schema :
A. Parotiden vorhanden. Sie sind 1. breit, wohl um-
grenzt, sehr drüsig ; die Gaumenzähne fiberragen nach vorn die inuern
Nasenlöcher; Körper glatt mit kreisförmigen Furchen; eine doppelte
Porenreihe auf dem Bücken; Drüsen an den Seiten, Salaman dra
(S, corsica Savi, maculosa Laur. und atra Laur.). — 2. Parotiden un-
deutlich umgrenzt, sehr porös ; Gaumenzähne erreichen nur die Linie
der innern Nasenlöcher; Körper runzelig, warzig, bedeckt mit Poren,
Hemisalamandra (S. marmorata Daud. , cristata Schneid.). — ß.
Keine Parotiden; seititche Fortsätze des Stirnbeins bilden eine
Brücke, indem sie sich an das Schläfenbein fügen ; Gaumenzähne er-
reichen die Linie det innern Naßenlöcher nicht ganz.. 3. Finger frei,
Herpetologie während des Jahres 1852. 73
Körper mit Rauhigkeiten bedeckt, H emilriton {Tr. cinereus Dum.,
rvgosus Dum., puncticalatus Dum., Bibronii Dum., Hern, asper Duj.
(Tr. repandusD\im.\tk\.)f S. alpeslris Cuv.) — 4. Die Kinger mit Häu-
ten gesäumt, Körper glatt, Triton (S. punctata Daud. , Tr. palmatus
Schinz und Tr. vittalus). — Verf. unterscheidet also im Ganzen 14
französische Arien. Die neuen Arten finden sich unter obigen Uenen.
nungen im Pariser Museum. Alle sind beschrieben, auch sind die Schä-
del und das Innere des Mundes abgebildet.
Duj es machte ib. XVIII. p. 200. einige kleine Zusätze zu die»
sem Aufsatze.
Ambystoma Proserpine von Texas und tenebrosum von Oregon
Baird und Girard Proceed. Philad. VI. p. 173. — A. nebulosum HaU
Iowell von Neu-Mexico ib. p 209.
Siredon lichenoides Baird von Utah 1. c. ist schwarzbraun , be-
deckt mit graulichgelben Lappen, Schnauze abgerundet, Schwanz com-
primirt, Zehen breit und kurz.
Coeciiitfe. Bemerkungen über mehrere Körperlheile der
Coecilia annulala machte Rathke in Müller*s Archiv 1852.
p.334. Taf.IX.
Den beiden bekannten Arten der Gattung Siphonops fügte Lüt-
ken eine dritte: 8. brasiliensis hinzu (Vidensk. Meddeielser fra nat.
For. Kjöbenhavn for Aaret 1851. p. 52.). Die Zahl der Ringe ist 133,
von denen die 20 ersten und die 13 letzten unvollständig, die 100 mit.
telsten ganz sind, ^ie hören vor dem After auf. Der Durchmesser ist
46mal in der Lange enthalten. Die Farbe ist dunkel schiefergrau.
Bericht über die lieistung^en in der Ichtiiyo-
loggte wätireiid des Jalires 1S5!^.
Vom
Heraiisgrelber.
Verzeichniss der in dem Museum der Senckeiibergi-
schen naturforschenden Gesellschaft aufgestellten Sammlungen.
Vierte Abtheilung, Fische und deren Skelette. Frankfurt am
Main 1852. 4. Diese reiche Abtheilung stammt meist aus den
Sammlungen und Geschenken Rüppell's her, der hier ein
vollständiges Verzeichniss der Arten , nach dem Systeme J.
Müller' geordnet liefert. Es sind mehrere neue Gattungen
aufgestellt worden, deren Charaktere unten mitgetheilt werden.
In der „Zoology of Iconographic Encyclopedia^^ hat B a i r d
die Fische (p. 197— 243.) bearbeitet. Die Familien sind nach
J. Müller's System geordnet, und es haben dem Plane des
Buches entsprechend, natürlich nur die Arten, welche durch
ihr öconomisches oder physiologisches Interesse sich aus-
zeichnen, besprochen werden können.
Die meisten übrigen Erscheinungen aus dem Gebiete
der Ichthyologie dieses Jahres haben die Betrachtung ein-
zelner Faunen zum Gegenstande.
Hecke 1 machte bereits im Jahre 1851 eine Mittheilung
über die Fische in den Seen Oberösterreich's (Sitzungsb. d.
W^iener Acad. VI. p. 145.), und zählt daselbst 27 Arten auf;
darunter mehrere neue Arten aus der Lachs- und Cyprinen-
familie.
Fauna del Reguo di Napoli ossia emimeratione di tutti
Trofchel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie. 75
gli animali che abitano le diverse regioni di questo regno e
le acque che le bagnano, contenente la descrizione de' nuovi
0 poco esattamenle conosciuti di Oron zio Gabriele Co-
sta. Pesce. Parte prima. Napoli 1850.
Dieses sehr seltene und schwer zugängliche, auch verhältniss*
massig sehr theure Werk, das immer noch fortschreitet, enthält im er-
sten Bande 60 Tafeln mit Abildungen von Fischen verschiedener Ord.
nungeo. Es finden sich darunter auch manche neue Arten, auf weiche
näher einzugehen ich verzichten muss , da mir die Benutzung dieses
Werkes nicht für längere Zeit zu Gebote stand.
Lowe machte die Fische bekannt, welche er in Ma-
deira seit dem Jahre 1842 entdeckt oder beobachtet hat (Proc.
zool. soc. of London November 26, 1850, Annais nat bist. X.
p. 49.). Unter diesen Fischen finden sich aucb einige neue
Gattungen, deren Diagnosen unten mitgetbeilt werden.
Peters charakterisirle in der Kürze einige neue Fluss-
fische aus Mossambique (Monatsberichte der Berliner Akad»
1852. p. 275.). Sie gehören den Familien der Mormyri, Cha-
racinen und Haifische an. S. unten.
In einem Anhange zum Prodromus Faunae zeylanicae,
being Contributions to the zoology of Ceylon by E. F. Ke-
laart. Ceylon 1852. 8. ist Blyth's Report on Ceylon Mam-
mals, Reptiles and Fishes March 1852 abgedruckt, daselbst
sind p. 49 auch drei Fische als neu erwähnt, s. unten.
Auch in diesem Jahre hat Bleeker nach gewohnter
Weise wieder reiche Beiträge zur Ichthyologie des Indischen
Oceans geliefert, welche ich chronologisch aufzähle:
l.Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna van
de Moluksche Eilanden» Visschen von Amboina en Ceram.
(Natuurk. Tijdschrift voor Ned. Indie. Jahrg. HI. 1852 April).
Verf. zählt die bisher als bei den Molukken lebenden, so wie
die von ihm durch einzelne Sendungen hinzugefügten Arten auf, unter
denen viele auslöhrlich beschrieben und 28 Arten als neu geschildert
werden. Nach einer tabellarischen Uebcisicht der Molukkischen Fische
sind im Ganzen von den Molukken 474 Arten bekannt, wovon Amboina
116, Boeroe 21, Ternate 14, Bnnda 79, Manipa 1, Ceram 90, Timor 56,
Solor 7 , Aroeinseln 1, Waigioe 56, Rawak 9, Neu -Guinea 91 Arten
besitzen. Das erglebt für Amboina etwa V4, für Ceram und Neu-Gu).
uea etwa y^, für JiaLda etwa y«> für Timor und Waigioe %— '/g*
76 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
2. Diagnostische Beschryvingen van nieuvve of vveinig
bekende Vischsoorten van Sumatra (ib. III. 1852. Mai).
Durch reiche Zusendungen von Freunden und Amtsgenossen, un-
ter denen die Herren Jakles, Kunhardt, Schwanenfeld, Schmitt und van
Leer genannt sind, erhielt Verf. mehr als 260 Arten Sumatranischer
See- und Süsswasserfische, von denen hier ausser einigen bereits be-
kannten 33 neue beschrieben worden, darunter auch eine neue Gattung.
, 3. Bijdrage tot de kennis der ichthyologisclie Fauna
van het Eiland Banka (ib. Juni 1852).
Schon im Jahr 1850 lehrte der Verf. 22 Arten von dieser Insel
kennen (in dem damaligen Berichte übersehen.) ; jetzt erhielt er fernere
100 Arten, von denen nur 5 sich unter den früheren 22 befanden, so
dass von ihm jetzt 117 Arten aufgezählt werden konnten. Darunter
sind 6 Arten neu.
4. Zesde Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van Borneo. Visschen van Pamangkat, Bandjermassing,
Praboekarla en Sampit (ib. Juni 1852).
In den früheren Beiträgen konnte Verf. die Zahl der Arten auf
117 bringen. Durch neue Sendungen des Herrn Croockewit aus
der Bai von Sampit an der Südkustc von Borneo, und von Praboekarla
am Flusse Koesan, und der Frau Ida Pfeiffer aus dem Flusse Ka-
poeas , welche sie zu Pontianak zusammengebracht hatte , konnte er
die Zahl der Arten von Borneo auf 176 erhöhen. Diese verthei-
len sich in die Familien folgendermassen : Percoiden 12, Sclero-
pareen 4, Sciaenoiden 10, Osphromenoiden 14, Chaetodontoiden 3,
Scomberoiden 7, Teuthiden 1, Notacanthinen 1, Mugiloiden 2, Go-
bioiden 14 , Callicnymoiden 1 , Pediculaten 1 , Nandoidcn l , Labroi-
dei ctenoidei 2, Siluroiden 26, Cyprinoiden 22, ICsociden 5, Lucio-
cephaloiden l, Chirocentroiden 1, Hyodonles 1, Notopteren 2, CIu-
peoiden 15, Pleuronectoiden 6, Echeneiden 1, Muraenoiden 4, Symbran-
choiden 1, Gymnodontes 6, Balistinen 4, Lophobranchier 2, Carcha-
rien 1, Squatinorajae 2, Trygooes 1 , Leptocardii 1. Unter ihnen Sind
18 neue Arten.
5. Nieuwe Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van Amboina (ib. August 1852).
Verf. empGng wieder von Amboina eine Fischsendung von 63
Arten durch Herrn Hartzfeld. Von ihnen waren 40 Arten nicht in
den früheren Sendungen von Amboina, und 19 waren neu für" die
Molukken. Im Ganzen erhöht sich dadurch die Zahl der Arten von
Amboina auf 153. Darunter sind wiedet.4 newe Arten.
V i.r -.r- • während des Jahres 1852. 77
6. Nieuwo Bijäragre !ol de kennis der ichlhyologische
Fauna van Ceram (ib. Sepleniber 1852).
Ausser den früher schon von Ceram ihm bekannten Arten erhielt
Verf. durch Herrn Thepass eine Sammlung von 49 Arien, von denen
nur 5 ihm früher als dieser Fauna angehörig bekannt waren, und un.
ter denen sich 13 neue Arien befanden. Somit wächst die Fauna von
Curam auf 135 Arten. Von ihnen kommen 51 Arten auch bei Amboina
und Banda vor.
7. Nieuwe ßijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van het eiland Oanka (ib. Oblober 1852).
Durch neue Sendungen der Herren Schaap, Bernard und van
Bloemen Waanders von Karang hadji , Klabatbaai, Pankalpinang,
Marawang, aus dem Flusse Soengislan , von Goessongassam bei Koba,
von Tandjong bei Koba und von Toboali vermehrte sich die Zahl der
Arten dieser Fauna auf 193, wovon 11 Arien für die Wissenschaft
neu sind.
8. Derde Bijdrage tot de kennis der ichlhyologische
Fauna van Celebes (ib. Oclober 1852),
Nach dem zweiten Beilrag vom Mai 1851 betrug die Arien-Zahl
146. Jetzt empfing Verf. neue Sendungen von Makassar durch Herrn
ßoers, von Bulukomba durch Herrn Fontanes und von Kema durch
Herrn Thepass. Mit Hinzuzählung dieser Sendungen erreicht die
Anzahl der Fischfauna von Celebes eine Höhe von 236. Unter ge-
nannten drei Sendungen fanden sich 17 neue Arten.
Gosse A naluralist's sojourn in Jamaica. London 1851.
Dieses Werk enthält nach einer Anzeige in Girards Biblio-
graphy of american natural history for the year 1851. p. 19.
neun neue Arten von Fischen, die unten namhaft gemacht
sind.
Ebenso ist mir »Poey Memorias sobre la Historia natu-
ral de la isla de Cuba accompanados de sumarios latinos y
exlraclos en frances. Habana I. 1851. 8. cum tabb. anneclis.«
nicht zugänglich geworden. Nach einer Angabe von Girard
in seiner Bibliography of amcric. nat. bist, for the year 1851.
p. 20 enthält es sechs neue Fische.
Philipeaux et Vulpian sprechen sich dahinaus,
dass das Gehirn der Fische aus denselben Theilen wie das
Gehirn der höheren Wirbcllhiere bestehe (Determination des
parties qui consliluent l'encephale des poissons, Comples ren-
dus Tom. 34. p. 537.)
VÖ Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
**®'' Ueber das Erscheinen einiger Fische (Salmo salar, Scom-
ber scombruSj Clupea harengus) bei Göthaland, Sverige, Norr-
land u. s. w., während des Jahres 1849 finden sich in Öfvers.
kongl. Vetens. Acad. Förh. 1851. p. 63. Mittheilungen.
no/ oSundevall beschrieb die Brut von Esox Lucius und
eyprinus Idus (Öfversigt af Kongl. Vetensk Akad. Förh. 1851.
p. 161. und daraus Froriep's Tagsberichle 1852. p. 33.)) und
bildete sie ab.
Der Laich von Cypr. Idus war vom Isten bis 3ten Mai abge»
legt, die Länge der Jungen betrug am 12. Juni 8 Millira. Die jungen
Hechte schienen älter. Bei beiden bestätigte Verf. , dass sie anfangs
heterocerk sind. Kücken- und Afterflosse sind niedrig, und vereinigen
sich mit der Schwanzflosse; vor dem After findet sich eine flössen«
artige Haut , die später verschwindet ; die Bauchflossen sind anfangs
nicht vorhanden. Die Hechte waren schon in frühester Jugend sehr ge-
frässig, ja frassen sich, in Ermangelung anderer ^lahrung, unter einan-
der auf.
Coste theille der Pariser Academie mil^, dass die Eier
von Salinen , mit feuchtem Sande bedeckt , in einem kühlen
Keller sich zwei Monate erhielten , ohne die Entwicklungs-
fähigkeit zu verlieren. (Comptes rendus 1852. p. 507.; Annais
nat. bist. X. p. 77.)
Teleostei.
Acanthopteri.
Percoidei* Eine neue Gattung Microichlhys stellte Rup«
pell \eri. Senkenb. Mus. p. l auf: Totalkörperform, Flossen und de-
ren Strahlen wie bei Ambassis; freier Rand des Praeoperculum unge-
zähnt; von dem Auge rückwärts über die schuppenlosen Operkeln eine
in eine Spitze auslaufende Leiste ; Seitenlinie beginnt erst unter dem
Anfange der zweiten Rückenflosse: in der Afterflosse sind nur zwei
steife Strahlen; der Unterkiefer ragt etwas vor dem obern vor; der
raittelmässig gespaltene Mund mit einer ganz feinen Reihe kleiner Zahn*
chen besetzt; die Zähne am Gaumen konnten nicht untersucht wer-
den; in der Kiemenhaut der weilgespaltenen Kiemen sind 7 Strahlen.
Grosse Körperschuppen, die leicht sich ablösen. M. Coccoi, 18 Linien
lang, von Sicilien.
Aus der Gattung Apogon finden sich neue Arten in den ver-
schiedenen Aufsätzen von Bleeker: A. Harlzfeldii von Amboina, me-
lanorhynchos, chrysosoma und ceramensis von Ceram (Molukken 1. c.),
während des Jahres 1852. 79
endekataenia und katosoma (Hpnka l.Beilr. 1. c), amblyuroplerus von
VVahai (Ceram 1. c), macropleroides von der Insel Lepar (Uanka 2.
Beitr. 1. c).
Ambassis urotaenia üleeker von Amboina und Ceram (Molukken
1. c.>. — A. inlerrupta Bleeker von VVahai (Ceram I. c.).
Serranus yacone, praesligialor und Phoeb« sind neue Arten von
Poey 1. c. Cuba. — S. amboinensis Bleeker (Molukken I. c.) — S.
microprion Bleeker (Amboina I. c.) — S. rhyncholepis Bleeker yoü
Bulukomba (Celebes 1, c.).
Plectropoma indigo und gummigulla Poey 1. c. Cuba.
Mesoprion caudanotalus Poey Cuba 1. c. — M. melanospilos uiid
ianthinuroplerus bleeker von Bulukomba (Celebes 1. c.); M. amboinensis
Bleeker von Amboina (Molukken 1. c).
Priacanthus Smitlii Blecker (Sumatra 1. c.).
MyriprisUs microphlhalmus Bleeker von Amboina (Molukken 1. c.),
Therapon microlepis Kuppel Verz. Senkenb. Mus. p. 4.
Polynemus polydaclylus und macronema Bleeker von Bandjermas-
sing in süssem Wasser (Borneo 6. Beitr.).
Scieroparei. Eine Bemerkung von Sundevall über
Coltus poecilopus und gobio findet sich in Öfvers. Kongl. Ve-
lensk. Akad. Förh. 1851. p. 185.
Hancock halte Gelegenheit den Nestbau und die Pflege
der Jungen von Gaslerosteus aculeatus und spinachia zu be*»
obachten, und schilderte die Vorgänge in anziehender Weise.
Verf. bemerkte bei'*dieser Gelegenheit, dass Crookenden zu-
erst im Jahr 1834 den Nestbau von G. aculeatus in einem
kleinen Magazin „The Youlh's Inslructor« beschrieben habe
(Annais of nat. bist. X. p. 241). Eine fernere Bemerkung
darüber vergl. ib. p. 395.
Scorpaena aplodaclylus Bleeker von Wahai (Ceram 1. c.).
Apistus exul Gosse Jamaica I. c. — A. macracanlhus und der-
macanlhus Blecker von Ceram (Molukken I.e.); A. plagiotnelopon Blee-
ker von Bulukomba (Celebes I. c,).
Pseudocliromidae» Cichlops melanolaenia ßleeker von
Macassar (Celebes 1. c.).
Sciaenoidei. Corvina polykladishos und sampitensis Bleeker,
erstere von Bandjermassing in Flüssen, letetere von Sampit im Meere
(Borneo 6. Beitr. 1. c.).
Heterognalhodon nemurus Bleeker von Alacassar (Celebes 1. c.).
Diagramma polylaenia Bleeker (Celebes 1. c).
Pristipomoides nov. gen. Bleeker (Sumatra 1. c.). Fiana
u»
8Q Troschel: Beriebt über die Leistungen in der Ichthyologie
dorsalis unica, non divisa. .\Iembrana branchiostega radiis 7. Pinnae
dorsalis et anaiis alepidalae, caudalis squamosa. Maxilla inferior poris
nullis conspicuis. üenles maxillares laterales uniseriati , antici pluri-
»eriati seriebus internis minimi selacei, serie externa conici niaiores ca-
ninis 2 vel 4. Praeoperculum denticulatum. P. typus von Sumatra. <j^
Scolopsides leucotaenia Bleeker (Banka 1. Beitr, 1, c.). *
Sparoidei« Denlex upeneoides Bleeker aus dem Meerbusen
von Klabat (Banka 2. ßeilr. I.e.). D, muUoides l&leeUer (Sumatra 1. c.^
Upeneus barberinoides Bleeker von Ceram (IVIolukken 1. c.)^
Squamipennes. Chaelodon Layardi Blyth bei Kelaart I. c.
von Ceylon ist verwandt mit Ch. vagabundus, goldenbraun mit breiten
senkrechten schwärzlichen Binden. D. 13 — 21; A. 3— 19.
Pialax Boersii Bleeker von Macassar (Celebes 1. c).
liabyrintliici« Trichopus Leerii Bleeker in Flüssen (Suraa-
Ophicephalus bankanensis Rleeker aus der Provinz Toboali (Banka
2. Beitr. I.e.). — 0. urophthalmus und polylepis ßletker (Sumatra I.e.).
jflug^iloidei« Mugil irrelitus Gosse Jamaica 1. c. — M. ce-
r.amensis Bleeker von Wahai (Ceram I. c.) und M. maerolepis Bleeker
von Pomangkat in Flüssen und von Sampit im Meere (ßorneo 6. Bßhrf
trag 1. c).
Scomberoidei. Carangoides ophthalmolaenia von Amboina
(Mollukken 1. c.) und C. talamparoides (Sumatra 1. c.) sind neue Arten
.von Bleeker.
*:^ii. ßa.rangichthys n. gen. Bleeker (Celebes 1. c). Dentes su-
pramaxillares et inframaxillares pluriseriali, serie externa longiores,
raaxilla inferiore antice aliquot caninoidei. Dentes vomerini, palatini,
linguales. Praeoperculum denticulatum. Linea lateralis sculis spinife-
ris armata. Membrana branchiostega radiis 7. C. typus von Kenia.
Elacate falcipennis Gosse Jamaica 1. c.
Zeus conchifer Lowe Anaais X. p. 49. von Madeira.
Taenioidei. Trachypterus gryphurus Lowe Annals X. p. 50.
▼otf Madeira.
Tetttliyes. Acanlhurus xanthurus Blylh bei Kelaart, Ceylon
1. c. p. 50. verwandt mit xanthopterus Cantor, oben ganz schwarz mit
goldgelbem Schwanz , und einer eben solchen Färbung an den Brust-
flossen. D. 5—24; A. 3 — 21. — A. celebicus Bleeker von Macassar
(Celebes 1. c.).
Keris amboinensis Bleeker von Amboina und Ceram ( Moluk-
ken 1. c).
CHennioidei« Pelroskirtes rhinorhynchus Bleeker von Ceram
und anema von Amboina (Molukken 1. c). — P. Bankanensis Bleeker
Ton Koba (Banka 2. Beitr. 1. c.).
9igoio(jtr(i'>i
während des Jahres 185;^.' öl
Salarias ceramensis Bleeker (Ceraiii I. c).
Pharopteryx ii. gen. Hüppcll Verz. SenkeHl). Mus. p. lö.
Der kleine etwas schräg gespaltene Alund hat beide Kiefern mit ei»
ncr schmaicn Binde feiner Zähne bürstenförinig hewafTnel; Gaumen
und Zunge zahnlos; an der Symphysis der Unterkiefer ist eine ßarl-
zaser. Die hiemenölFnung beider Seiten über der Brust mit einander
verbunden ; nur drei Strahlen scheinen in der Kiemenhaut zu sein ;
Kopf und ganzer Körper sind schuppenlos; Körperform spindelförmig;
die Bauchllossen sitzen vor den Brustilossen und bestehen jede aus
vier bis fünf langen einfachen Sirahlcn, die nur an der Basis mit ein-
ander durch kurze Membranen verbunden sind ; das letzte Drittel die-
ser Fiossenstrahlen ist auf beiden Seiten lanzettförmig mit Haut be-
setzt; die Strahlen aller Flossen sind ungespalten und vollkommen bieg,
sam. Der After ist nicht fern von der Basis der Brustflossen ; Röcken-
und Afterflossen lang , vollständig von der zugerundeten Schwanzflosse
getrennt. Die sechs vorderen Strahlen der Bückenflosse durch einen
Einschnitt von dem übrigen Theile der Flosse gesondert. Ph. Benoit
aus dem Mittelmeere.
Oobioidei« Neue Arten von Bleeker: Gobius caninoides
von Amboina (Molukken 1. c). — G. Fonlanesii von Bulucuniba (Ce-
lebes I. c.). — Gr. ianlhinoplerus, melanosoma, xanlhosoina, ceramcnii».
von Wahai (Ceram 1. c). : ,y.
Periophllialmos clirysospilos von Karang hadji ( Banka 2. Bei««!
_,: Eleotris melanopterus Bleeker (Cclebes 1. c). — E. melanosoma
BIcik<r i^Ceram I. c). — E. marmovala Bleeker von Bandjermassing
und Talembang in Flüssen (Bornco 6. Beitr. 1. c).
Callionymus Schaapii (Banka 1. Beitr. I. c.). -'^
Amilyopus urolepis aus süssem Wasser (Sumatra 1. c). ''*
AnacanthinL
Opliidiiii« Eine neue Art von Bleeker: Machaerium reti-^
culatum von Marawang und von der Insel Lepar (Banka 2. Beitr. I. c.)^
Pleuroncc'tae. Rhombus poecilurus Bleeker von Amboina
(Molukken 1. c).
Monochirm inscriplus (losse Jamaica 1. c.
Pharyngoynathi.
1 ■ ! t . i ■» »i > Ulli
liabroidei cycloidei. Labrus larvalus Lowe von lladeim:
(Annais nal. bist. X. p. 51).
Julis {Ilalichoeret) kalosoma von Amboina und Ceram (Moliikkcn
I.' c), casluri von Macassar (Celebcs 1. c), llarlifeldii (Amboina 1. c.\
Archiv f. Naturgesch. XIX, .lahrg. 2. Bd. F
b2 Troschcl: Uciickt über die Leistungen in der Ichthyologie
leparensis und polyophthalmus von Lepar (Banka 2. Beilr. 1. c.) sind
icue Arien von Blecker. ^
Ebenso Cheilinus ceramensis (Molukken 1. c.). !
CAoerops n. gen. «üppell Verz. Senkenbv Mus. p. 20. Die Zähne
beider Kiefer zu einer gemeinschaftlichen, an der Symphysis nicht zu-
sammcnslossendea Schmelzleisle verwachsen, deren freier Band aus
einer Ueihenlolge kleiner Höcker besteht. Ausserhalb dieser Schmelz-
leisle sind vorn an jedem Kiefer vier robuste konische Zähne, jeder
etwas auswärts gekrümmt. Die Mundlippen stark; Operkcln und Prä-
operkeln mit millelmässigen, der Körper mit ziemlich grossen Schup-
pen. Seitenlinie •ununterbrochen, wenig gesehweift. Stachelige Strah-
len der Rücken- und Artcrdosse robust und zugespitzt. CA. mcleayris
von Java.
fialiroidei ctenoidei« Amphiprion melanopiis Bleeker (Am.;''
bftifla 1. c). ^\"
IC; ■ Pamacenlrus nematoplerus und' prosopolaenioides von Amboinjf^
täeniojiielopoti von Ceram (Molukken 1. c.), melanopterus (Amboina I. c.%-
cyanopsilos von Wahai (Ceram I. c.) sind neue Arten von Bleeker.
Ebenso Glyphisodon bonang (Sumatra 1. c.). ^ ' ^^^
Sarothero don n. gen. Rüppell Verz. Senkenb. Mus. p. 21.'TotaF-
habituä der Chromiden ; beide Kiefer nach aussen mit einer Ueihe schlan-
ker Äleisselzähne besetzt, schmaler an der Basis als am freien Rande,
hinter derselben eine Binde feiner Bürstenzähne. Gaumen und Zunge
unbevvairnet ; am Schlund unten eine dreieckige, oben zwei runde
Querplallen mit feinen burstenförmigen Zähnen. Kiemenhaut mit sie-
ben Sliahlen ; vier Kiemenbogcn. Upcikeln ohne Schuppen ; ziemlich
grosse Körperschuppen, Seilenlinie unterbrochen. Eine Klosse über
den ganzen Rücken, wovon zwei Drittel aus Sta« hclstrahlen bestellen;
die Afterflosse mit drei Stacheln. Die Bauchilossen sitzen etwas hin-
ter der Basis der Brustflossen an. S. melanolheron von der Güldküste,
Guinea. >i»Wttl.
ScoEiiiteresoces. Gossc beoliachlolc fliegende Fische
(Exocoetus) und überzeugte sich, dass sie im Fluge ihre
Richtung ändern, sich erlieben und senken können, und dass
also es nicht ein blosses aus dem Wasser Springen, sondern
ein wirkliches Fliegen sei (A Naluralisrs Sojourn in Jamaica
p. 9.; daraus Edinburgh new philos. Journ. Ib52. Jan. p. 185).
Gosse stellte 1. c. auch eine neue Art E. llilliauus von Ja-
maica auf; tbenso Bleeker E. oaycephalus ^on Mucassar (Ccle-
bes 1. c.).
Physostomi.
Siluroidei* I" dieser Familie sind nur die AibeÜen
während des Jahres 1852. $3^
von Bleeker zu erwähnen, derselbe sicllle in seinen ver-
schiedenen Beilrägren mehrere neue Arien auf:
Silurus limpoh, palembangensis und leptonerhä leben in den Fläs>
Bcn (Sumatra 1. c). Daselbst fügte Verf. eine Uebcrsicht der Arten,
welche er in seiner Sammlung von den Sunda-lnseln besitzt, ein, d'ie
«ur leichleren Unterscheidung beitragen mag. Es sind' 4 Arten Wal-
lago und 14 Arien Silurus. ' '^"t»
Bngrus hypscloplerus ebenda. ^^ajulu»^
Arius tnelanochir ebenda.
Helcrobranchus tapeinoplerus aus der Provinz Toboali (Banka 2.
Bellr. 1. c).
Pangasius hexanema und juaro (Sumatra 1. c.). — P. polyurano~
don von Bandjcrmassing (Borneo 6. Beitr. I. c.).
Ciarias melasoma von Frabukarta und Palembang (Borneo 6. Upi^^
Chaca bankanensis (Banka 1. Beitr. I. c). 'H<ifln4fti
Cyprinoidei. He ekel hält den Pertfisch 'des Alter^e^s
für eine neue Art Leuciscus Meidingeri. Eine neue mit L. rutilns ver->
wandle Art, die sich aber durch höheren Bücken , grosses Auge und
schwärzliche Yerlicalllüfscn auszeichnet, nennt er L. Paustn^ert: (üit»^
Zungsberichte der Wiener Acad. VI. p. 147. vff. Y^^^:
Ausserdem stellte ßleekcr folgende neue Arten aus der Kar«.
pfenfamilie auf: r^,
Barbus gobioides (Sumatra I. c.) und kusanensis von Prabukarta
im Flusse Kusan (Borneo 6. Beitr. 1. c.).
Capocla padangensis und empalong (Sumatra).
Dangila microlepis und sumalrana (Sumatra). . ;r " --
Rohila cnncaporos, cyanomelas und triporos (Sumatra), Waänitr^
sii aus der Provinz Toboali (Banka 2. Beitr.), tnelanopleura von Bati^i'
jennassinij und Palembang (Borneo 6. Beitr.). ''>«
Leuciscus thynnoides, trinema und sumalranus (Sumatra), oxygd*
slroides von Prabukarta, Palembang und Batavia (Borneo 6. Beitr.). '
Cobilis hymenophysa, niacracanlhus , Jaklesii (Sumatra).
Bleeker beschrieb in einer besonderen kleinen Ab-
handlung : Over eenioe nieuwe soorfen van Homaloptera v.
Hass. (Balitora Gray) van Java en Sumalra. (Naluurk. Tijd-
schr. 111. 1852. Deceinbcr) sechs Arien der Gattung Homa-
loplera. ,jr*i:*c..
Verf. Iheilt die Gattung in zwei Gruppen : in die erste, wo die
RückenHossc vor den Bauchflossen beginnt, und wo die Schuppen ge-
kielt sind, gehören den neuen Arten //. Z,ollingeri von Batavia, Ran-
84 Trosclicl: Beridil über die Leistungen in der Ichthyologie
dong, ophiolepis von Bandong, salustir von Batavia, Tjampea, und po-
lylepis von P.uitenzoig , Tjipannas ; — in die zweite, \vo die Rücken-
flosse hinter den Bauchllosscn beginnt, und avo die Schuppen nicht ge-
Kiell sind: H. gymnogasler aus dem See Meninju im wesilicheu Suma-
tra und Wassinkii von Tjampea, Builenzorg.
Cyprinodoiites* Eine neue Art Poecilia melapleura Gosse
Jamaica.
CliaraGint» Aus dieser Familie charakterisirtc Feters fol-
gende neue Arten von Alossambique : Distichodus mossambicus und
schenga, Alesles imberi und aculidens.
tt M ! Scopclini. In dieser Familie beschrieb Lovire Annais nat.
bist. X. p. 52. eine neue Gattung V ha eno don: caput ningnum coui-
pressum, oculis magnis , rostro brevissimo obtuso , riclu magno
pone oculoä longo diducto, mento sublus ad symphysin cirro barbalo.
Dentes intermaxillares uniseriati; anteriores (5 vei 6 ulrinque) validi
tenues praelongi laniarii subrecurvi remotl distincti, extrorsiim supra
labia invicem claudentes ; ossibus palati dentibus minoribus uniseriatis,
lingua biseiiatis , armalis. Opercula simplicia plana. Corpus elonga-
tum compressum nudum? seu exsqameum ; abdomine punctis argen-
teis (ut in Stopelo) seriatis. Linea lateralis recta pinnaeque lere ut in
Scopelo, pecloralibus brevioribus. ¥h. ringens schwarz mit Reihen
silberner Flecke. Madeira.
Salniotics. Klier schrieb über die Verschiedenheit
der Appendices pyloricae bei den Salmoniden, und bildete
sie von Salar Ausonii, Salmo salvolinus, Fnrio Marsilii, Saimo
hucho, CoregonusWarlrnanni undThyrnallus vulgaris ab (Wie-
ner Sitzungsber. VI. p. 240. Taf. VII.).
John Davy hat in den Transacllons of Ihe Royal So-
ciety of Edinburgh Vol. XX. p 321. seine Beobachtungen über
den Charr (Salmo umbla) in I^elreff seiner Enistehung und
ersten Jugend niedergelegt. Er konunt zu folgenden Resul-
taten.
1. Die Eiitwickelung der Eier währt 40 - 90 Tage, je nach Tem-
peratur und sonstigen Umständen ; das Gewöhnliche ist 70 Taue.
2. Der junge Fisch kann nai h dem Ausschlüpfen minrleslcns
60 Tage ohne Nahrung leben, indcn» er das Material für seine l'nlcr-
haltung und sein Waehslhum vornihnilirh aus seinem Doller nimmt,
3. Unter günstigen Umständm erlangt rr seine vollstfiiidige Ge-
stalt in 60 — 70 Tagen, wo er denn von äusserer Nahrung abhiingig
wird.
4. Flicssendes Wasser ist nicht nolhwomJig zur Enluitkeliing
der Eier, und da sein B»ulplalz veischieden ist voi» dem der Forelle
, , Aväluend des Jahres 1852. 85
(Iroul), so i&l wcni^ Gefahr, dass er durch Krcurunii: iriit derselben als
Specics verloren gehen möchle.
5. Salzwasser, selbst von giösseretn Salzgehallc als Seewasser,
ist dem Embryo nicht unmittelbar tödllich, selbst wenn er nicht in die
Schale eingeschlossen ist; ja sog.ir in sehwach salzisjem Wasser ka^ti
eine llieihveise Enlwicktlung des Eies stallfinden ; auch der junjie Fisch
kann einige Tage in solchem \>'asscr leben, woihirch es tiklarlich wird,
dass der alte bisch in eiiiotn der Fluth ausgesetzten Strom und selbst
im Meere einige Zeit leben kann; der Walliser Charr ist daselbst gei-
fangen. ("UtAi^tJ-ji^ Are
6. In einer gerinj^en Wassermenge mit' Rtihosphärischer Luft
kann der junge f harr beiit» Transport einige Tage ohne Verminderung
seiner Lebenskraft ausdaucrn, und mit Sauerstod' wohl viermal so lange.
7. Der junge Fisch kann, ohne unmittelbaren Nachtheil, eine
niedrige Temperatur von einem oder zwei Graden über dem Gefriie^i
punkt ertragen ; auch eine höhere Temperatur von 60 — 70^ aber? trt^Bt
über 830, ^velcl.e i»nmcr sogleich tödllich war ''^ fudiii
'S' "!}{!(
He ekel beriihlele über ein sehr grosses Exemplar der Barlifo-
rello (Salar Ausouii Val ) , Avetches in der Flseha gefangen woruftn.
(Verhandi. des zool; liötl Vereins in Wien. B(l. I. 1852. p. 71.). ^^^,
'"' Derselbe uniersuchte den Carplone des Gardasee's, und erklärt
Ihn nach der einfaclien Keihe rückwärts gebogener Votnerzähne, deren
ZfiM 16 beträgt, für eigene Art, der er den Linne'schen Artnamen er-
häh, und sie Fario Carpio nennt. (Verhandi. des zool. Vereins ffi
Wien. Bd. I. 1852. p. 81.).
_<j Fario Marsilii lleckel aus den Seen Oberöstcrreiehs (Silzungsber.
d; Wiener Acad. VI. p. 146.). — Nach lleckel ib. ist der Salmo SaU
velinus Valenc. nicht der echt^ Linne'sche, tr nennt ^jki^ daher S. mo~
noslichus. ^ .
■ ■'' ' 'jiü
niorinyri» Peters unterschied (.Monatsberichte der Berliner
Akad. 1852. p. 275.) fiinf neue Aiten der Gattung Mormyrus aus Mos-
sambique: M. discorhijnchus ^ macrolcfidotus , iainianense, longirostris,
mucupe.
ClupeoSflei. Auch hier sind mehrere neue Arten zu nennen:
Clupea lamprofaenia Gosse Jamaica 1, c.
Harengula dispüonolus Bleeker (Banka 1. Beitr.).
Spratella pscudoptcrtis Bleeker von Tamangkal (Borneo 6. Beitr.).
Kngrnnlis Pfciß'eri Bleeker vo.i Tontianak (Borneo C Beitr).
Coilia macroqtialhos Bleeker von Taniangkat in Fliiss _ und Brak-
wasser (Borneo G. Beitr.).
A'o/opferws hijpselonottis Bleeker in Flfisson (Sumatra).
Keferent konnte die sp< cili.sche Verschiedenbeil von Alausa vtil-
86 Trost- hcl: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
garis und finta, welche von Valenciennes in Abrede gestellt war, nach-
weisen (dies Archiv 1852. I. p. 228).
Chaloessns eumorphus Gosse Jamaica 1. c.
iniirncnoiclei. Bijdrag-e tot de kennis der Muraenoi-
den en Syiiibranchoiden van den Indischen Archipel doorDr.
P. Bleeker. ßatavia 1852. 4. Die erste Abiheilung dieser
Schrift, welche ich durch gutige Mittheilung des Verf. kenne,
und von der ich nach Druck und Format vermuthe, dass sie
in den Verhandelingen van het Bat. Gen. van Künsten en
Wetenschappen enthalten sei, bezieht sich auf die Muraenoi-
den. Verf. kennt aus dem Indischen Archipel 49 Arten, von
denen bei Java 13, bei Bali 1, bei Sumatra 16, bei Pinang
0, bei Singapore 5, bei Borneo 4, bei den Molukken 8, bei
Waigiüu 2, bei Uawak 2, bei Neu Guinea 1 Art vorkommen.
17 Arten von diesen kommen auch ausser dem Indischen Ar^
chipel vor. <t
In dein nach diesen allgemeinen Bemerkungen folgenden Con-
gpeclus specierum, vertheilen sich die Arten folgendermassen in die Gat-
tungen t 3 Anguilla, worunter A. sidat \om westlichen Java neu ; 4Conger,
worunter C talabonoides von Balavia und singaporcnsis von Balavia und
Singapore neu; 8 Ophisurus, worunter 0. macrochir, rutidoderma, »m-
iidodermatoides^ Mac Clellandil, sämmtlich von Batavia, neu sind (0. ser-
pens Teinm. Schi, wird macrorhynchus, 0. breviceps Cantor wird lum-
bricoides genannt); t L eiuranus, 1 Dalophis marmorata neu; II
Muraena worunter M. scoliodon von Weslsumatra, pseudothyrsoidea von
Älacassar, Troschelii (iM. grisea Cuv.?) von Bali und Sumatra, isinglee-
noides von Sumatra, Blochii von Sumatra, Boschii von Sumatra und
(jijmnoplerus von Batavia neu.
Anliangsweise werden Ophisurus Schnpii von Banka und brachy-
soma von Celebes beschrieben.
'"'* Jii dieser Abhandlung wird Ophisurus vimineits Bich. zur eigenen
Gallung Stethopterus erhoben ; es sind nur Bruslllossen vorhanden, fer-
ner Nasal-, Gaumen- und UnterUieferzähne. Diese (Jaltnng entspricht
der von Lütken unter Wo 5. angedeuteten (vergl. dies Archiv 1852. 1.
p. 275.). — Ferner wird die neue Gattung L ein ranus auf'Ophisurns
fasciatus Lac. gegründet, die Rücken», After- und Brustflossen, aber
keine Schwanzdossc besitzt; iVasal-, Gaumen- und Unteikieferzähne
sind vorhanden. Diese (ialtnng unterscheidet sich von Ophisurus durch
den Mangel der Vomerzähnc.
Anderen Orts beschrieb Bleeker noch folgende Ärz-
ten, aus dieser Familie:
IL ..ii, »,ii'. i .. ..Während de« Jahres 1853. -Iv.i^OfVi ö7
Muraena Ilichardsonii von Cer«ni, Padnng, Suinnlra, ceramensis
und microplerus \o\\ Cernin (.Molukken 1. c).
Die Bemerkungen über die Stellung der Naslöcher bei
den Ophisurus-Arlen und den mit ihnen verwandten Gattun-
gen aus der Fnniilie der Aalo von C h. Lülken (Vidensk.
Meddelelser Nalurh. Foren. Kjöbenhaven 1851. p. 1.) sind nacli
des VerF. eigener Uebersetzung in diesem Archiv 1853. I. p.
255. mitgelheilt worden, ' ' m.i-i i! ii , ii u - A\f biui
*™*'S^''EIbc neueGallung L epf o rAjf n'c Aus endlich stellte L oi^W.'v
Anhafä. nat. hist. X. p. 54. aur: caput scolopaciforme, calfo iEflöngäfo
dislinctum; inaxillis in roslium tenue productis, utraquc denlibtis minii
tissiinis limae inslnr scabra: rictu pone oculos diducto. Nares oculis
conliguae approximalae, simplices nee tentaculalae. Oculi magiii. Cor-
pus nudum aiiguiltirorme compressum, gracile, elongatum ; postice Ion-
gissime allennalo-produtlnm fdiforme , apice acuto. Aperlurae l>ran-
rhiales sat magnae, ante pinnas pectorales oblique deorsum Pissae. Pin-
nae pectorales dislinctae lanceolatae, sat magnae; pinna dorsali ad nn-
cham pauUo ante, anali ad giijain paullo post pinnas pectorales inci-
pienle; ulraque usque ad apiceni caudac conlinuala, membranarea, nee
cule cooperla, scd radiis sat validis disliclis. L. Leuchlenbergii i^Iadeira.
^"'**^ Syinbranciiioidei. Aus der vorhin bei der Familie
der Muraenoiden cilirten Abhandlung von ßleekerist noch
zu erwähnen, dafs die zweite Abiheilung die Symbranchoi-
den behandelt. Es giebt im Indischen Archipel drei Arten,
von denen keine neu.
Plectognathi.
In dieser Unterordnung sind folgende neue Arten auF
gestellt: ' . .
Telraodon ammoci'ytui (lOSde Janmica 1. c. T. hypselogeneion
lileeker von; Amboina und Cerani (Molukken I.e.), und palembangensis
(Sumatra I. c.). T. argetitalus lilylh bei lulaart, Ceylon 1. c; . ;/ /
Monacanlhus avrifjt Lowe von Madeira (Annais nat. hrsl.X. i^.lb&i}
m. inelanuropterus BleeXer von. Kenia (Ce^lfi^es i. c.).
Rüppcll änderte den Namen fei'iner Galtung Xenodon in Ery-
ihrodon um. Verz. Seiikonb. Mus. p. 34.
LopliQhrQmhu.
Diese Abllieiliiug t>nth{ill nur ncü(^i;yji|. v^j^^f^ e^f^l^^y^ ;
88 Ti'oschel: Bericht über die Leistungen in der Ichlhyolo^ie
SpigtMlhus gastrotaenia von Wahai (Ceram 1. c,).
., Hippocampus tnolluccensis und taeniopterus von AmbotoB (Molak-
^?n l c.).
Pegasus prislis (Gronov. Zoophyl. tab. 11. fig. 2. 3.? Feg. natans
et volans Richards. Sulphur lab. 50. fig. 5 — 10. nee Bloch.
Ganoidel.
Heckel fand auch durch Untersuchung des Wirbelsäu-
lonende^ der Gattung Amia bestätigt, dafs dieser Fisch wirk-
J^qh,, eij) , Ganoid sei. Die letzten Wirbel verschwinden unter
allmählicher Verkümmerung, und der letzte untere Dornfort-
salz haftet an dem völlig wirbellos gebliebenen Ende der
weichen Rückensaile (Wiener Sitzungsber. VI. p. 219.).
^niM.f 3fi.01i3qA .oJuDß ■ SelacIlÜ.
.ni'I '
f ' Beiträge zur mikroskopischen Anatomie und Entwick-
lungsgeschichte der Rochen und Haie von Dr. Franz Ley-
dig. Mit vier Sieindrucktafeln. Leipzig 1852.
Carcharias (Prionodon) zn7nbezensis Peters Alonatsbericlite der
Berlinör Acad. 1852. p. 275. ^,
Prislis zysron Kleeker von Bandjermassing in Flüssen (Boriiep.
6. Beilr.).
Aug. Dumeril hat eine Monographie der Torpedines
ausgearbeitet (Revue et Magasin de Zoologie 1852. p. 17(5.,
227., 270.), Nach einer Einleitung, in der natürlich umstand-^
lieh der electrische Apparat besprochen wird, folgt eineEin-
theilung dieser Familie in Gallungen. Verf. unterscheidet
und charakterisirt 5 Gatlungen, von denen drei, nämlich Tor-
pedo (7 Arten), Narcine (7 Arten, unler denen vier neue),
und Hypnos n. gen. (1 neue Art) die ersle Gruppe bildert,^^
welche zwei Flossen auf dem Schwänze besitzt, während die
zweite Gruppe mit einer Flosse auf dem Schwänze nur die
Gattung Aslrape (2 Arten) , die dritte Gruppe ohne Flosse
auf dem Schwänze nur die Gattung Temera (1 Art) enthält.
Die vier iieuin Arten der Gattung Narcine sind: A^ maculala A,
Dum. von Java, microphthalma Valenc. von Maiabar, nigra A. Dum.
von Brasilien, und macrura Valenc. aus dem Indischen Ocean.
Die neue Gattung Hypnos wird p. 277. charakterisirt: Scheibe
länglich» in der Mille des Vordenandes etwas aupgeschnillcii ; die
währcnri des Jahres 1852. 89
Sprilzlöcher von einem Kranze langer und zahlreicher Zähnchen um-
geben, dicht an den Augen ; Keine Lippenknorpcl ; Mund halbmondför-
mig, gross, nicht vorslreckbar ; Zähne spitz, den Kifferrand, dessen
ganze Länge sie einnehmen, nicht überragend ; Zügel der ISnsenklappe
am vorderen Kande der Oberlippe befestigt; Schwanz überaus kurz mit
zwei Flossen, von denen die erste grösser ist als die zweite. Die ein-
zige Art //. subnigrum A. Dum. von Sidney in Neuhollaud ist aurp1.l2.
abgebildet. o , t u
ll^ Cyclos<omi. ^
Slannius halle (Nachriclilen von der IJnivcrsiläl Göt-
tingen 1851. p. 225.) die Qucrslreifen in den Muskeln des
Herzens von Pctromyzon in Abrede geslelll, hat sie aber bei
erneuter Untersuchung erliannt (v. Siebold und Kölliker Zeit-
schr. f. wiss. Zool. IV. p. 252.).
lieiitocardii. p
'•t J Müller beschrieb ein 2V2"' grosses Exemplar von
Atnphioxus lanceolalus. Von Mundeirren war nichts siehl-
bjli*, in der Kienienvvand waren zwei Reihen von Spalten über-*'
einander, oben 5, unlen 14. Es bleibt ungewiss, ob diese
Verschiedenheit auf eine neue Art zu beziehen sei (Monats-
berichte der Berliner Academie 1851. p. 474.).
Max Schnitze beobachlele bei Helgoland zwei junge
Exemplare von Atnphioxus lanceolalus, die nur iy_j Linien
lang waren. Er bestätigte, dafs die Chorda dorsalis ans que-
ren Scheibchen besiehe. Vor der vordem Anschwellung des
Rückenmarkes lag ein einfaches Auge. Vom Gehirn gingen
deullieh Nerven ab. Die Kiemen werden von einer im Zick-
zack gebogenen häuligen Schnur gebildet, die in einer inne-
ren Höhle liegt; die hintere Kiemenöffnunir liegt etwa über
der Mille dieser Schnur. Einige rälbseihallc Organe werden
erwähnt (v. Siebold u. Kölliker Zeitschr. f. wiss. Zool. IV.
p.416. Taf. XIII. Fig. 5 (\).
^H ymif^MoA'hib^'ih^ltt^Mtn^ M» li^«.«! 1
.<^
Bericilt über die lieistiin^en im (Gebiete der
maturg^esciiiciite der Iflolliifikcii während /
des Jaiiresi 185». a
Vom .
•t
^,j, ,.,. ;..,^.rr-«, '?^ ■•.>;■ Herausgeber. '"jj;
Das Systematische Conchylien-Cabinet von Martini und
Chemnitz, in Verbindung mit Philippi, L. Pfeiffer und Dun-
ker, neu herausgegeben und vervollsländigt von H. C. Kü-
ster, hatte einen rasciien Fortgang. Es erschienen im Laufe
des Jahres 1852. die Lieferungen 105 — 117. Der in diesen
yeferungen enthaltene Text bezieht sich auf die Gallungen
Ampullaria (spec. 32 — 99. Schluss), Paludina, Hydrocena und
Valvala bearbeitet von Küster (Paludina spec. 1 — Ö9.), Na-
lica (spec. 21 — 141.), Trochus (spec.2P3— 318.), Helix (spec.
451__796.)^ Pupa (spec. 134—147. Schluss), Megaspira (spec.
1.2. Schluss), Balea (spec. 1 — 3. Schluss), Tornateliina (spec.
1_>10.), Clausilia (sp. 62—81.), Unio (spec. 23— 49.). Die
Abbildungen gehören meist zu den angeführten Gatlungcn.
Kiener's „Species general et Iconographie des coquil-
les Vivantes** ist in den letzten vier Jahren ziemlich langsam
vorgeschritten; es sind in denselben die Lieferungen 127 bis
137 erschienen. Damit ist der Text der Gatlung Conus be-
endet, und es wird den Subscribenlen lieb sein, wieder ei-
nen Band binden zu können, der nach vorliegendem Titel die
Familie „Enrouiees" mit den Gattungen Cypraea , Ovula, Te-
rebellum, Anciilaria und Conus umfasst. Es braucht kaum
bemerkt zu werden, dass diese Zusammenstellung nach unse-
ren jelzigen Kennlnissen nicht mehr zulässig ist, da diese
i
Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der 91
Galtungcn in mindestens drei verschiedene Familien, ja ver-
schiedene Unterordnungen gehören. Die Gattung Conus zählt
hier 324 Arien, unter denen mancho neue. Die Abbildungen
steUen grösstenlheils Trochus-Arten dar, unter denen gleich-
falls mehrere als neu figuriren. Die Galtung Trochus ist in
sehr weitem Sinne genommen. Der Text steht wohl nun bald
zu erwarten. ^
r
Ein für die Naturgeschichte der Mollusken uiigemeih
wichligesWerk ist der zweite Band der Zoologie zur „Voy^age
aulour du Monde execute pendaiit les annöcs I83Ö et 1837
sur la corvelle la Bo nite conimandee par M. Vaillant. Pa-
ris." Dieser zweite Band umlasst von p. I — 633. den Text
zu den Mollusken, von S ouleyet bearbeitet, und enthält sehr
wichtige Beiträge zur Anatomie dieser Thiere. Im dem At-
las sind 45 Tafeln den Mollusken gewidmet; viele neue Ar-
ten sind abgebildet, namentlich aber zeichnet sich das Werk
durch die vielen Abbildungen vonThiercn aus. Wir werden
bei den einzelnen Ordnungen Gelegenheit nehmen, specielle
Miltheilungen zu machen.
Es sind mir jetzt von den Proceedings oft the zoologi-
cal Society of London wilh illustralions drei Hefte zu Gesicht
gekommen, nämlich vom Jahre 1850. Mehrere scheinen noch
nicht erschienen zu sein.
Dns eiäto llert enthalt pl. Vil. und IX. von Mollusken Abbil-
dungen von Chrysodomus heros ttray pl.7.. und auf pl. 9. Helix vct-
licala, Kcllielii, l'andorae, labyrinthus Var., Bulimus achatineila, Chem-
nitzoides, fitnbrialus, Succinea cingulala, Cyclostoma purum, Fusus Kcl-
lelii sämmllich von F o r b c s. Heft 2. enthält von Älollusken Taf. X.
Darauf Fig. 1 — 3. Teinostoma politum Adams, 4 — 5. Ilindsianivea Ffeif-
fer, 6. Ilindsia bitubcrcularis Adanii:, 7 — 9. Sphaeni» philippiuarum Adam^^
10. r?endoliva zebrina, 11. P. Kellclii, 12. Tinaxia coronata Ada^infj^ij^
Im drillen Heft sind keine Mollusken enthallen
Im Jahre 1852 wurde von S o w e r b y's „Thesaurus Con-
chyliorum or figures and descriptions of recent Shells" Part
XHl. ausgegeben; diese Lieferung enthält Monographien der
Gatlungen Artemis (74 Arten), Lucinopsis (l Art), Tapes (^ViiU
lastra, 72 Arten), dementia (3 Arten).
In der „Voyagc of II. M. S. llatllesnake by John Mac
92 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Gillivray. London 1851 — 1852« findet sich in einem An-
fange auch eine Arbeil über Mollusken von Edw. Forbes.
Dieselbe zerfällt in drei Abschnille. Der erste handelt über die
balhymetrische Vertheiluug der marinen Schnllhiere an der Ostküslc von
Australien. Yerf unterscheidet 5 Regionen : Salzige Moräste, in denen
f^uch ein Unio lebt, Schlamm, Kustenzone, Tangregion von 1 — 17 Fa-
den Tiefe und die Koralleitzone. Der zweite Abschnitt zählt die Land-
Lungenschnecken Australiens , nach TfeilTers ftlonographia Iltliceorum
lusammengestellt, auf. Es sind 49 Mclix, 12 Bulimns, I Pupa, I Balea,
6 Vilrina, l Succinea, l Ilclicina, 2 rupina, 5 Cyciostoiua. im drillen
Abschnitt endlich werden die neuen auf der Bcise gesammelten Arien
beschrieben. Alle sind abgebildet. Unter ihnen linden sich auch zwei
neue Gattungen M acgillivrayia und Chele i r op is.
Pfeiffer, welcher in der Zeilschr. f. Malakoz. p. 156.
diese Schrift anzeigte, verbürgt sich dafür, dass die Arten
wirklich neu sind.
Von der Uniled States exploring expedition under the
Command of Charles Wilkes erschien Philadelphia 1852 der
12le Band. Derselbe enthält Mollusca and Shells by Augu-
slus A. Gould. Es gehört dazu ein Atlas.
j^ , Dil? ganze Abtheilung der Mollusken ist in diesem Bande volleij*w
det. IMach einer kurzen Einleitung machen die Gasteropoden den An-
fang, p. 1—383. Dann folgen die Acephalen , p. 384 — 4ß5. : an sie
schliessen sieh, die Brachiopoden, p. 4G5 — 4ö9. Die Cephalopoden rei-
chen von p 470— 48i., die l'teropoden mit Einschluss der Gattung At-
lanta von p. 485 — 49t. Den Beschlnss machen die Tunicalen von p.
495—497. Ein alphabetischer Index ist beigegeben. — Das ganze Werk
hat zum Zweck, die gesammeilen Species kennen zu lehren, unter de-
nen zahlreiche neue enthalten sind. Viele sind schuu in den Procec-
dings der IMiiiadelphia Acadernie durch Diagnosen bekannt gemacht
worden. VN ir haben jedoch unlen auch noch viele neue Arien, als hiec
zum ersten Male beschrieben, zu erwähnen. In den einzelnen Ürdnun-.^
gdh sind keine Familien unterschieden, sond,ern die (iallungen reiheiP
sich unmittelbar aneinander, .so jedoch, dass die syslemalischrm Ansiehi-i
ten des Verf. daraus ersichtlich sind. Ein besonderer Werth ist dentl
^Verke durch die eingeslreulen Beschreibungen der Tliiere vieler Arten
gegeben, die hier nicht näher angegeben werden können, die aber Be-
arbeiter von Monographien ja nicht übersehen mögen. Die Thiere
sind auch zum Iheil abgebildet. Ueber die Abbildungen kann ich nichts
sagen, da dieselben mir nicht zu Gesicht gekommen , vielleicht noch
nicht crgchienen sind. Aus dem Text I:k>sI sich jedoch ersehen , das»
Uli Alten abuebildel siiidl
Naturgesciuciltü der Mollusken währtMid des Jahres 1852. 93
In der Zoology of Icoiioj^^raphic Encyclopaedia sind die
Mcdiuskt'n ([».49—95.) wie die übrige» Evcriebrala von Hal-
de ni a n bearbeitet. sihwb^.öf
Di« ISalur der Mollusken wird in kurzer Welse geschilderr, njeist
ohne auf Gallungcn und ArU-n oiniujjf hen ; nur die NvicLligsten For-
men wcrdtii hervorgehoben. V«Tf. rieht au« h die Bryozon und Voifßt
ihalaniia in den Hereirh der Alollusken, indrm er mit Agassiz die er-
stcren als die iiicdersle Form der Arcplialen, die letzleren als die un-
lersrc .Smfe'der (lastropodcn betrachtet.
Die Bemerkungen über Deshayes*s Bearbeilung des Fe-
russac'sehen Werkes von Pfeiffer sind Zeilschr. für Äla-
lak. p. 97. forlgesetzt und beendigt.
Mörch publicirle einen ^Calalogus Conchyliorum, quas
reliquit D. Alphonso d'Aguirra et Gadeii Conies deYoIdi. Fase.
1. Cephalophora Hafniae 1852.8. Derselbe war für eine öf-
fentliche Versteigerung bestimmt, und enthalt 3094 Nummern,
unter denen eine neue Helix.
1. F. Gray versuchte seine Ansichten ober einige (Or-
gane der Mollusken gegen die Loven'schen Homologien, wie
sie in dessen Abhandlung über die Entvvickclung der zwei-
schaligen Mollusken niedergelegt sind, zu vertheidigen. Wäh-
rend Luven den Deckel der Schnecken für homolog mit der
Byssus der Muscheln hält, brharrl Crny auf der Ansicht, der
Deckel entspreche der zvs eilen Schale der Muscheln, für wel-
che Ansicht ausser anderen Gründen namentlich angegeben
wird, dass manche Schnecken (Rissoa, Cerilhium, Lillorina
und Llliopa) neben dem Deckel auch eine Byssus besitzen.
— Ferner giebt Gray an, bei den meisten Schnecken wertfe
iU\s Wasser am vordem Rande i\cs Mantels eingeführt, am
hinlern trete es aus ; der Schlitz in den» Schaienrande von
rieuroloma und Mangelia sei aber nur zur Ausführung der
Kxcremenle bestimmt. — Endlich äussert sich Verf. gegen
die Ansicht Lovens, dass die Schlosszähne der Muscheln mit
den Scheidewänden der Schale von Nauliius und mit der fti^
sten Kalkmasse, die die Schale von Magilus ausfüllt, homolog
seien. Verf. vergleicht sie vielmehr dem Zahne am Deckel
von Nerlla und gewissen Zähnen im Munde mancher Schnek-
ken, die dazu bestimmt scheinen, das Thier in einer gcwis-
94 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
sön Loge in der Schale zu erhallen (Annais nat. liist. IX.
p.2lö.).
Th. Huxley sprach in der Royal Society über die Mor-;
phologie der Mollusken mit Kopf, erläutert durch die Anato-:
mie gewisser Heleropoden und Pteropoden (Annais nat. bist.
X. p. 455.). Die auslührliche Abhandlung wird im nächsteir
Berichte zur Sprache kommen.
>^''^ Leuckart hat gefunden, dass das Chitin bei den Mol-
Itrsken nicht fehlt (Vergl. dies Archiv 1852. l. p.25.). •
In der Zeitung zur Verbreitung naturw. Kennlniss „diq^.
Natur" findet sich ein Aufsatz von Rossma essler „die Bau-*^'
art der Weichthiergehäuse in drei Artikeln 1852. p.22. 30.
39. Ferner p. 93. die Entwickelung der Schlammschnecke;
p. 103. der Liebespfeil der Schnecken. Alle sind anziehend
geschrieben, und werden nicht verfehlen, das Interessante den.
Wissenschaft auch in weitere Kreise zu verbreiten.
-Hit« ^^^ Schriften, die sich auf einzelne Faunen beziehen,
sind folgende zu erwähnen:
Europa: Liljeborg theille der Schwedischen Aca-
demie ein Verzeichniss von Mollusken mit, welche bei Chrirtl
stiansund in Norwegen gefangen wurden. Es besteht aus 45^
Schnecken und 42 Muscheln (Öfvers. kongl. Vetensk. Akad,
Förh.J85jl,.p..l7^,)- 'k^B^mM
Derselbe gab (ebend. p.280.) ein Verzeichniss von Mol-
lusken^ welche er bei Kullaberg im September 1851. sammelte.
Es enthält 33 Schnecken, einen Brachiopoden, 33 Muscheln«
Als neu für die nordische Fauna führt derselbe folgende dreh
Arten an: Helix lamellala JefTr. , Helix nitidula Drap., Pla-
norbis complanalus Drap. (ib. p. 283.).
Ein Verzeichniss der bis jetzt in Schlesien aufgefunde-
nen Land- und Süsswasscr-Mollusken von Schollz findet sich
in Zeilschr. für Malakoz. 1852. p. 33. Es enthält 116 Schnek-
ken und 19 Muscheln.
Im Jahre 1852 wurde die History of british Mollusca
and Iheir Shells by E. Forbes and S. Hanley fortgesetzt und
beschlossen. Mit der 43 Lief, beginnt der 4le Band des Wer-
kes, der die Lungenschnecken und Cephalopoden enthält, und
der den Schluss des wertiivollen Werkes bildet.
NaCurgcscliichle der Mollusken wSiirend des Jahres 1862. 95
Die voilirgcnden Lieferungen bringen von Lungenschnecken fol-
gende Familien: Üncliidiadae (Oiicliidiuiii), Liniacidae ^Arion, Geoma-
lacus, Limax^, Teslaccilidae (Tcstnccila), llelicidae (Vilrina, Zoniles, He-
lix, Huliinus, Tnpa, I^alea, Clausilia, Zua, Azcca , Acliatina, Succinea),
Limnaeadae (Fliysa, Planorbis, Limnaeus mit Einschluss von Aniphipe-
plea, Ancylus), Auriculidae (Conovulus, Carychium), Cyclostomidae (Cy*
closlonia, Acnjc). In der 48. Lief. p. 207. beginnen die CoplialopodlT
Dibranchiala mit den Familien üctopodidae (Octopus, Eledone), Teulhi-
dae (Sepiola, Kossia, Loligo, Ommastrephes), Sepiadac (Sepia). Ein
Appendix p. 244 — 300. bringt Nachträge und Bericluigung^n. Die Ab-
bildungen, deren wie frührr in jeder Liderung 4 Tafeln cnlhallen sind^
sind sauber ausgeführt , und auf einer Tale! jeder Lieferung sind di^
Thicre der verschiedenen Gallungen abgebildet.
Ein kleines Verzeichniss von Mollusken, welche Samuel
Wrichl und J. Carroll während des Sommers 1851. rhu
dem Schleppnetz in Cork Harhour fingen,' findet sfch Annal^
nal. hisl. IX. p. 157. ' r v> > ^Ml^
Ebenso ein Verzeichnifs von Arten, die W'a Ip öiö"yn*
den Küsten von Walerford und Wexford während des Somf-
mers 1851. fing (ib. p.3o6.). ' ' " ^]
^ Walpole verzeichnete ferner 24 Arien von Seeconchy-^
lien von der Koste von Dublin (Annais nal. hisl. X. p. 77.),^
Desgl. 35 Arten (ib. p. 237.). '^
Mb) Lowe veröfTentlichle ein Verzeichniss vdti' Land- un'^
Süsswasser- Mollusken aus der Gegend von Nollingham '(il5.
p. 216.). Es enthält 73 Arten. ' ' ^ ^^
Eylon fing heider Insel Man während der Sommermö^
natc 1852. mit dem Schleppnetz 52 Arten (ib. p. 284.). Ihnöif
werden ib. p. 4M}, noch einige hinzugefü£»t. ' '.
Im Journ.' de Conchyl. p. 70. und p. 176. findet sich cihe
Fortsetzung und Schluss des bereits im vorigen Jahrgange
begonnenen Verzeichnisses der Seeconchylien der französi-
schen Küsten, von Petit de ia 'S a ussay^' (vergl. den
vorig. Bericht p. 262.). Es enthält die Schnecken. "^
Henri Aucapilaine verönentliciite (Uevue et ^higt«
de Zoolog!« IH52. p. 10.) ein Verzeichniss der Mollusken^ wel-
che an der Küste der Cliarenle infericure leben. Es umfassl
71 Muscheln in 31 GnUungen , 83 Gasteropodcn in 39 Gal-
lungen und 10 Cephalopoden in 5 Gattungen. Neue Arten
enthält das Verzeichniss nicht. vt^AUk wulii;;^.^
96 Iroschel: Bericht ü1m;i' die l.eislungen im Gebiete der
Essai sur les Mollusqucs terreslres et fluviatiles des Vos-
ges, par M. Eni. Piiton. Epinal 1847. (Exlrait de la Sta-
tislique du deparlcinont des Vosges).
Diese Schrift ist mir nur aus einer Anzeige im Journ. de Con-
chyl. p. 109. bekannt geworden. Verf. soll hier 151 Arien beschrie-
ben haben, von denen 95 auf dem Lande, 5C im süssen Wasser leben.
Nur eine Art, Limnaeus Fo^e^taca, Jst.p^ji,
Mortui et hat im Bulletin de la societc d'hisloire na-
turelle de Savoie 1851. über die Land- und Süsswassercon-
chylien der Umgebung von Nizza geschrieben. Die Schriften
dieser Gesellschaft sind «lir leider nicht zugänglich. Nach
einer Anzeige im Journ. de Conchyl. p. 238. enthalt dieses
Verzeichniss 87 Arten.
EinCalalog der Land- und SüsswassermollusUen der Pro-
vinz Brescia von Spinelli. Brescia 1851. ist mir gleichfalls
nicht bekannt geworden, ich kenne ihn nur aus einer Anzeige
Revue de zool. 1852. p. 487. Er soll die Aufzählung von
159 Arten enthalten; einige neue Arten sind auf einer Tafel
abgebildet. Ihr Name ist unten angegeben.
In der „Fauna del Regno di Napoli ossia enumerationc
di tulli gli animali che abitano le diverse regioni di questo
regno e le acque che le bagnano contencnte la descrizione
deVnuovi o poco esatlamenle conosciuti di Oronzio-Ga-
briele Costa. Napoli" ist au' h ein Anfang der Mollusken
enthallen. Er betrifft die Gallungen Vilrina, Dentalium und
die Brachiopoden.
Sylvanus Hanley verzeichnete 49 Arten von Mollus-
ken, die er auf Corfu bei der Hauptstadt gesammelt hat (An-
nais nat. bist. X. p. 75.).
Asien: „Testacea novissima, quae cl. de Saulcy in iti-
nere per Orienlem annis 1850 et 1851 collegit auclore J. R.
Bourguignat. Lutetiae 1852.« Die hierin durch Diagno-
sen bezeichneten Conchylien sollen in einem besonderen Werke
ausführlicher beschrieben und abgebildet werden. Die Arten
sind unten namhaft gemacht.
Africa: Lowe machte kurze Diagnosen neuer Land--
schnecken von Madeira bekannt (Annais nat. bist. IX. p. 112.
und 275.). Die Arten sind unten namhaft gemacht.
Niiiurgcsctitchic rfferlTolliilkdii Virafffefid 'des Jahres 185^. 9f
In den MitlhiMlungcn der nalurrorschonden Gesellscliaft
in Bern aus dem Jahre 1852. p. 137. vüröfreiitliclile Shutt-
le wo rlh die Diagnosen einiger neutin Mollusken von den
Canarlsehen Inseln, welche Herr Blnuiier daselbst gesammelt
halle. Sie sind unten einzeln angelührt. — Ebenso die ebenda
p.Q89. aufgeslelllen Arten von den Canarischen, Azorischen
und Cap Verdischen Inseln.
* Mo Andrew berichlele über die Mollusken, welche er
wahrend eines kurzen Besuches der Canarischen Inseln und
Madeira's in den Monaten April und Mai 1852 beobachtet
halte (Annais nat. hisl. X. p. 100.).
Im Hafen von I\Iogador konntu der Verf. wegen ungünstiger Wit-
terung das St hieppnelz nur an der geschütiten Seile der vor dem Ha-
fen liegenden Insel auswerfen; auf dem Lande fand er nur 7 Arien
Schuecken ; von Sceconcliylien fand er 98 Arien, von denen 54 an den
briliäciien Küsten gemein sind, 90 im Miltelmecr leben u. s. w. —
Von den Canarischen Inseln will Verf. 260 — 270 Arten besitzen; von
denen nur 100 bei Webb und Uerthetot aufgezählt seien, so dass er
demnach die Fauna dieser Insel sehr bereichert hätte. — Bei ßladeira
fand Verf. etwa 125 Arten, von denen 58" Bi-itanien' bewohnen, 98 bis
100 das Miltelmecr, lö bei den Canarischen Inseln leben.
Krau SS tlieilte in diesem Archiv 1852. 1. p. 29. ^Neue
Kap'sche Mollusken," als Zusalz zu seiner Schrift, die süd-
africanischcn Mollusken, mit, die ihm durcli Carl Zeyher zu-
gekommen waren, und trug zugleich die seitdem beschrie-
benen Arien dieser Erdgegend zusammen.
Amerika: Shells of New England. A rcvision of Ihe
Synonymy of Ihe Teslaceous Mollusks of New England with
notes on their structure and fheir geographica! and balhyme-
trical dislribulion, with fijj^ures of new spccies. ßy Wil-
liam Stimpson. Boston iöol. 8.
D'dS Verzeichniss enthält 2 üraehiopodcn, 120 Lamellibranckiaten,
3 t'lcropudcn, 225 Casteiopodcn und 3 Cephalopoden. Die neuen Arten
i^ind bereits in den rrocecdings of the Bustou Society bekannt ge-
macht, ^'ur 2 Arten der Gattung Coluinbella scheinen hier /um er-
slenmale erwähnt. ,, Die Agassiz'sthen Gattungen der Najadenfamilie
(vergl. dies Archiv 1852. p. 4l.), sind' hier zum Theil schon angeführt
uhd nach dcfeseW Mantiäcripten charitUterisirt. Oie neuen' Avlcin^'srind auf
zwei Tafeln abgebildet, '■ J-
Baileyunlursuchie die 'Ungeheure Ablagerung von
Archiv f. Kalur^tich. XIX Jalir£. 2. Bd. Q
98 Tro8cliel: Bericht flUer die Lcktungon im Gebiete der
Flussschalcn bei Piialka, worauf die Stadt gebaut isl; ^ie be-
steht aus l'iiludina vivipara, AmpuUarin depressa, eini^fen klei-
nen Ilcliccs, Melanien u. s.w., mit Schalen eines unbeschrie-
benen Unio (Microscopical observations made in South Ca-
rolina, Georgia and Florida p. 15., in Saiilhsonian Contr. to
Knowledge. Vol. II. Art. 8.). Aehnliche Ablagerungen wer-
den ib. p. 23. von Picolata, Volusia und Enterprise erwähnt;
sie bilden liier Hügel von 40 — 50 Fuss Höhe, die sich auf
eine halbe Meile und mehr vom Flusse entfernen , und aus-
schliesslich aus den Schalen bestehen.
Obgleich mir Arthur Morelel's Schrift „Testacea no-
vissima insulae Cubanac et Amcricae centralis. Parsl. 1850.
Pars II. 1851. Paris 8. noch nicht zugänglich geworden ist,
so kann ich doch aus Girard's Bibliography of american nat.
bist, for Ihe yoar 1851. p. 49. die darin enthaltenen neuen Ar-
ten wenigstens dem Namen nach miltheilcn, s. unten. — Auch
Pfeiffer hat dieses Werk in der Zeitschr. f. Malak. p. 152.
angezeigt.
^^ Referent stellte (dies Archiv 1852.1. p. 151.) emVor-
zeichniss der durch Herrn Dr. v. Tschudi in Peru gesammel-
ten Conchylien zusammen. Dasselbe enthält 178 Arten, un-
ter denen ich einige, unten angeführte, für neu halte. Diese
sind abgebildet. Eben60 die Kauwerkzeuge mehrerer Arten.
Gleichzeitig erschien in den Annais of Lyceum of natu-
ral hislory of Ncwyork Vol. V. ein ausgedehnter „Calaloguc
of Shells collected at Panama, wilh notes on their Synonymy,
Station and geographica! dislribulion" von dem seitdem lei-
der verstorbenen C. ß. Adams. Es werden hier 517 Ar-
ten aufgeführt, von denen 376 den Gasteropoden , 140 den
Lamellibranchiaten , 1 den Brachiopoden angehören. In ei-
nem Anhange sind die zahlreichen neuen Arten durch latei-
nische Diagnosen bezeichnet.
Ceplialopoda.
In den so überaus anziehend geschriebenen „Bildern aus
dem Thierleben. Frankfurt am Main 1852.^ schildert Carl
Vogt auch die Entwickelung der Mollusken, denen er übri-
gens die Bryozoen und auch die Hippenquallcn zuzahlt. Aus
Matiirg06clii( hic dor AloUiukcn während de» JahriB 185^'. i)S)
der Knlwickolung5gcs(;lii<;lilc loilcl er ab, dans die Cr|)tiuIo.
|)()(l(;n einen eigenen Orguni.snlionslypuH bihJi^n, und keine
Mollunken seien, sondern f^lciclislehend im Kan^e mit dem
Typus der Weichlhiere, der (iliederlliiere, der Wirlx^llhierc
(p. '^00.). Dass die Cephalopoden in embrydlogiseher IJe/Je-
hung von den übrigen Mollusken abweiclicn, iül bekannt und
nicht zu leugnen ; sie müssen eine eigene Klasse unter ihnen
bilden. Verf. geht aber zu weit , wenn er ihnen jede Spur
von Aehnlichkeit (p. 259.} mit den Mollusken abspricht. Her-
vorgehoben werden die (/hromalophorcn (deren man jedoch
auch bei einigen Pleropoden kennen gelernt hal^, die Bewe-
gungsorgane (die ja aber in allen Thierklas^cn in verschie-
dener Weise iriodiücirt vorkommen , die doch bei den Rip-
penquallen nicht mehr Aehnlichkeit haben), die Schalen C<^e*
ren grosse Verschiedenheit ich nicht begreife). Vor «lleoi
aber scheint mir die IJcbercinslimmung des (icbisses derCe*'
phalopoden die nahe lieziidning zu den Schnecken zu bewel-*
scn, und zugleich darzuthun , dafs man für 'ä\6 Syitemallk
nicht allzuviel Werlh auf die Entwickelungsgeschichle le-
gen darf. Wir sehen in fast allen Thierklassen dicW^luranf
ir^rschiedcnc Weisend* h. durch verschiedene erobryioLogi«
sehe Vorgfinge denselben Zweck erreichen, nämlich Thierc ztt
Stande bringen, welche die nächste Verwandtschaft zu ein-
ander haben. Die Cephalopoden sind in allen Beziehcingen
näher mit den Schnecken verwandt , als diese mit den Mu-
scheln, oderTunicaten, oder gar mit den liryozoen oderUip-
penquallen.
ciciopoiia« UelKT die interessanten GeschlechlsvcrhaiU-
nisse mancher C(.'plinloiioderi brachte dieses Jiihr wieder neue
Aulklärungen.
Rüppell suchte in diesem Archiv 18j2. I. p. 201>. im
erweisen, das der Oclopus Carenae Veru/iy*s dass Männchen
von Argonauta Argo sei; es hat sich jedoch ergeben, dass
dies nicht der Fall sei. II. M aller h^t das wirkliche sehr
kleine Männchen bekannt gemacht. .^ .
Die versprochene ausführliche Arbeil voniHeinr ioll
Müller „lieber dan Männchen von Ar^onaulu Argo und die
Ueclocotylcn (vcrgl. den vor. Dericht pk 27Ä*) N il9iK.>iäc«*
100 TroscheL- ßcriclit über die Leislnngen im Gebiete der
boWs und Kolliker's Zeilschr. f. wiss. Zool. IV. p. I. erschie-
nen. Das Männchen ist abgebiMel.
Am Schkisse dieser Abhandlung^ Cp 350 spricht sich
Kolli ker dahin aus, dass er der Ansicht des Verf. seine
Zuslimmiing- giebt, dass die Ileclocotylen nicht ganze Thiere,
sondern nur freilich sehr sonderbar ausgestaltete Theile der-
selben sind.
üebcr die männlichen Cephalopoden der Gallung Tre-
rnoclopus Carena, derselben, deren Heclocolyhis Cuvier kannte,
Hessen sich Verany und Vogt in den Cornptesrendus 1852.
Tom. XXXlV. p. 773. vernehmen. Beide Geschlechter wer-
den beschrieben.
"^ ' Ed heissl daselbst : das kleine Männchen hat sehr entwickelte
Geschleclitsorgane, die aus einem Hoden, einem besondern Organ zur
Bildung einer Samenmasciiine, und einem flaschcriförniigen liehällniss
mit einer einzigen stlir grossen Spermatophore von zusamrnengesel/ler
Structur bestehen. Diese Spermatophore kann aus den Gesehlechtsor.
ganen durch eine unsymmetrische üefTnung, die links in der Kiemen-
höhle liegt, gezogen werden. Ausserdem giebt es ein besonderes ße-
gatlungsorgan, das den anderen Cephalopoden fehlt; dies ist der rechte
Arm des dritten Faares, der sich übermässig entwickelt und periodisch
ist, der sogenannte lleclocolylus. Kach der Ansicht der Verfasser sind
Hoden und Penis dieses Heclocotylus nichts anderes als die Spermato-
phore, welche zur Hegatlungszeil aus dem Gesihlechtsapparat des
Männchens in die Basaltasche des Hcctocotylus üherlragen wird (wie ?
wird nicht angegeben) ; der Heclocotylus trennt sich nun los, um die
Spermatophore in die Kiemenhöhle des Weibchens zu schaffen.
Die ausführliche Abhandlung, begleitet von Abbildungen,
erschien in den Annales des sc. nat. XVII. p. 147. pl. ö — 9.
Sie besieht aus einem historischen , einem zoologischen und
einem anatomischen Abschnitt. Der männliche Zeugungsap-
parat wird sehr genau beschrieben; er ist sehr complicirt.
Auch das Männchen von Argonauta Argo ist hier abgebildet.
Darauf, dass bereits Aristoteles Kenntniss von dem ei-
genthümlichen Geschlechtsverhältniss einiger Cephalopodrn 'ge-
habt habe, machten v. Siebold (Zeitschr. f. wiss. Zool. IV.
p. 122.) und Roulin (Annales des sc. nal. XVII. p. 188.)
aufmerksam.
H. Müller machte auf die Eigenlhümlichkcit iii Grösse,
Form und Färbung des obersten Armpaares von Trcmoctopus
Walnigcschicille der Mollusken ^väfll•en(l des Jaliics 1852. 101
violaccus aurmcrksam, und verglich sie mit den Segelarmen
der Aroonauton; Verf. hall dies ZusaminentreflTen von eigen-
thüinliel» eiilwickellen obersten Armen der Weibchen mit der
Heclocolylenbildung bei den Mannchen für beachlenswerlh bdf
den Forschungen nach dem vollständigen männlichen Tremo-
clopus und etwaigen anderen Hectocotylenlrägern (Verhand-
lungen der Phys. Medic. Gesellschaft in Würzburg III. 1. Heft
p.48.).
An neuen Arien hat dieses Jahr einen reichen Zuwachs
gebracht:
Soulcyet bcsclnieb in der Voy. de la Bonile I. c. Octopus ha-
trnicnsis von den Sandwicliinscln, capcusis vom Cap, gracilis aus dem
slillon ücciui, dnbius von Isla de Bombon; auch wird ein kleiner Ce-
plialopodc Ix^srluicbcn, den Verf. für einen jungen Octopus hüll: der
dorsale Hand des Sackes ist frei, wie bei den meisten Decapoden, die
Augen stehen stark hervor, sind fast gestielt, die Arme sind sehr kurz
und nur^seclis, mit einer Keihe Saugnäpfe; statt des unlereren Arm-
pnares findet sich ein russciförmiger Anhang; es wurden zwei Exem-
plare von 5 mill. Länge gefangen. — Gould beschreibt aus dieser
Gattung Expl. Exped. I.^ c. p. 47U gleichfalls mehrere Arten: 0. mC'
gnlocyaihus Coutli. MS. von Orange iiarbour, minus von Peru, lelricus
von IN'eu- Süd - Wales, furvus von Uio Janeiro, ornalus von den Sand-
wicliinscln, jmsillus von i^langsi im Ciiinesisclien Aleerc und moHis von
den Samoa-Iiisein. :
Eine neue Argonauta von den 5Iarqucsas-lnseln nannte Larois
zu Ehren des Entdeckers A. ?ioitryi. Vcif. spricht,, bei dieser Gejc-:
genhcit von einer Sammlung von 3j5 Tafeln, die ihierc von den Mar«
fjuesas- und den Gescilschaftsinscin darstellen, und von denen es zu
hoffen sei, da^s sie pnblicirt werden möchten (Kev. et Mag. de zoolo-
};ic 18J2. p. 9.}. — A.Gntneri Dunker von demselben Fundorte scheint
sieh durch die Granula, welche die ganze Schale bedecken von voriger
zu unterscheiden (Zeilschr, f. ftlalakoz p. 4S.), — A. A'ocJtwin« Dun-
ker ib. p. 49. von China. — A. cjcniculala Gould Expl. E\p. von Uio
Janeiro; von ihr ist die Sehalo nicht bekannt.
BtceajxM! A. A I b a n y Hancock beschrieb das Ner-
vensyslcm von üminasircphes lodarus, und bildete es aiijzvvei
Tafeln ab (Annals nat. bist. 1852 Vol. X. p- 1.; Froriep's Tags-
berichlc 1852. j). 113. 121.). ,,,
Edw. Forbcs machte (Report of the Brilisl» Associalioji for
1852. p. 73.) Bemerkungen über Scpiola, und ist der flleinung , dass
beide Arten bei Brilanien vorkommen; d'Orbigny habe geirrt, wenn
er meinte, nur allanlica komme im Occan, nur Boi delelii im Alillelmeer
102 Tr ose hei: Bericht über die Leis taugen im Gebiete der
vor; du man nicht entscheiden könne , welche Art von den Autoren
gemeint sei, so sei die ganze Synonymie zu verwerfen, üebrigens
nimmt Verf. die von d'Orbigny angegebenen Unterschiedo an, die
darin bestehen , dass bei atlantica die Saugnäpfe am Ende der unteren
Arme zahlreicher werden, wogegen sie bei Rondeletii an allen Armen
zweireihig sind.
Loligo Pironneaui aus dem allant. Occan , Touchardii ohne An-
gabe des Vaterlandes, plagioptera aus dem atlantischen Ocean sind neue
Arten von Souleyet Voy. de la Bonile. Daselbst werden auch L.
cartioptera Peron und L. subalata (Sepiola subalata Gerv. et Vanben.)
beschrieben und abgebildet.
Sepioleuthis arclipinnis Gould Expl. Exp. p. 479. von den Sand-
wichinseln. >
Ommastrephes insignis Gould Expl. Exp. p. 480. von den Fidscbin >
Inaein.
Onychoteulhis rulilus von ?IeU- Süd > Wales und brevimanus von
4en Samoa-Inseln sind neue Arten von Gould Expl. Exp. p. 482.
Sepia lourannensis und afßnis Souleyet Voy. de la Bo^nite aus
der Bai von Touranne in Cochinchina. ^
Cephalopliora.
, , Nachdem J. Müller in den Monatsberichlcn der ßer- '.
liner Academie 1851. p. 628. 679. 1852. p. 206. und in sei-',
nem Archiv für Anat. 1852. p. 1. seine Entdeckung „über die,
Erzeugung von Schnecken in Holothurien'^ bekannt gemacht ;
halte, von wo aus sie in mehrere ausländische Zeitschriften
überging, hat er in einer besonderen Schrift : „lieber Synapfa
digitata und über die Erzeugung von Schnecken in Uolothu-
rien. Berlin 1852." den Gegenstand behandelt.
Verf. fand häufig in der Synapta digilata zu Triest Schläuche,
welche von den Geschlechtsorganen der Synapta abwichen, und die
mit einem Ende am Darme befestigt wnren. In diesen Schläuchen
fanden sich Eierstock und Samenkapseln, und nachher auch die sicti
entwickelnden jungen Schnecken. Alles ist ausführlich beschrieben
und durch zahlreiche Abbildungen auf 10 -Tafeln erläutert. Die Erklä-
rung dieser so äusserst interessanten Thatsache ist noch nicht gefun-
den. Verf. scheint sich der Ansicht hinzuneigen , die Schnecke mela-
morphosire sich in die Wurmgestalt, und bleibe in der Synapta, oder
dringe doch bald wieder in sie ein. Die gehnecke ist als neu erkannt,
und ihr der Wame Enloconcha mirahilis beigelegt. In den Monats-
berichten 1852. p. 206. findet sich folgende Gattungsdiagnose: tesla
obovata, laevis, anfractibus rapide crescentibus, spira brevi obtusissima,
Naturgfcschichte der MoUusken während des Jahres 1Ö52. 108
«pice non data. Apertura transversa subsemilunaris supernc angula>
ris, inferne rotundata, niarginibus disiunctis, margine columellari reelo.
Aperlurae laliludo fere aequans alliludinem. Operculum non spirale.
Bei der Frage Gber die systematische Stellung werden alle bekannten
Fälle von parasitischen Schnecken erwähnt (Stylifer) , mit denen die
Entoconcha jedoch keine Aehnlichkeit hat. Sie bildet eine eigene Fa-
milie Enloconchidae unter den Zwitterschnecken.
Heieropoda*
Den Heleropoden ist von Soul^yet Voy. de la Bonit^
ein langer Abschnitt p. 289 — 392. gewidmet. Derselbe be-^
ginnt ntit einer historischen Einleitung; darauf folgt eine Schil-
derung der anatomischen Verhällnisse (p. 294 — 32ö.} , dann
einige Bemerkungen über die Lebensweise, daran schliessen
sich Belrachlungen über die Classification ; den Beschluss macht
die Beschreibung der Galjungen und Arten.
Alle Heleropoden besitzen eine Zunge, welche mit 7 Reihen von
Zähnen bewaffnet ist. Alle sind gelrennten Geschlechts. Eine ]Niere
ist vorhanden. Verf. erkennt eine grosse Verwandtschaft in der Orga-
nisation mit den Kammkiemern. Er theilt die Heleropoden in drei Fa-
milien: 1. Firolae ganz ohne Schale mit den Gattungen Firoloida und
Firola. 2. Carinariae mit einer Schale, die nur einen Theil des
Thieres aufnehmen kann, dahin die Gattungen Carinairoida und Cari-
naria. 3. Allan tacy bei denen die Schale völlig entwickelt ist, ei-^
neu Deckel besitzt, und das ihier ganz verbergen kann, dahin die GatI "
tung Atlanta.
Die Gattung Firoloidu Lesueur sieht Verf. als begründet an, in«
dem sie sich von Firola durch die terminale Stellung des Wucleus und .
die viel kleineren Kiemen schon äusserlich unterscheidet; wozu die
mindere Enlwickelung des Nervensystems, und eine Abweichung in den
Geschlechtsorganen kommt , der Ilode liegt nämlich nicht im N'ucleus,
sondern er ist durch einen dicken Stiel mit dem Nucleus verbunden.
Die d'ür bign y'sche Eintheilnng der Gattung Firola in die Un-
tergattungen Firolo, Ccrophora und Anops wird verworfen, letztere sei
nach verstümmelten Exemplaren aufgeslellt. Neue Art: MVo/« Kerau-
drenii all. Ocean.
Die Gattung Carinairoida (llevue zool. 1840. p. 233.) hat einen
gestielten Kucicus und eine kleine Schale ; unterscheidet sich aber von
Carinaria dadurch, dass der INucleusstiel nicht dorsal, sondern terminal
ist, und dass der Mantel nicht mit Rauhigkeiten besetzt ist.
Neu : Carinaria Gaudichaudii von China.
Aus der Gattung Atlanta sind mehrere neue Arten aufgestellt:
A. llarigii aus dem stillen Ocean, Lamanonii aus dem all. Ocean, in-
104 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gel(c(e Her
clinata nus dem »lillcn und atlant. Occan, rosea all. Occan, inßata von
China, Gaudichaudii aus dem stillen Occan, Lcsuettrii a<tl. Oceau, Qtio-r
yann slill. Ocean , helicinoides still. Oc. , depretsa slill. Oc. , gibhofn
all. Oc, involuta slill, Oc. , fusca soll in allen Meeren voikommen.
Gould beschreibt in Expl. Exp. p 491. vier neue Avlen derselben
Gattung, nämlich: A. primilia nus der Acqnalorialgcgond des atl. Oceans,
cunicula bei den Sandwichinseln, violacea aus dem Magen eines ßonilo
3" südl. Br. 20" westl. Länge» lessellatn mit voriger gefunden.
In Bezug auf die Gehörorgane bei Firola macht Mi Ine
Edwards die Bemerkung, dass die Beobachtungen Ley-
digs die seinigen von 1845. bestätigen. Die den Otolilhen
in Bewegung setzenden Anhänge in dem Gehörbläschen seien
geisseiförmige Läppchen , die wohl am Ende gefranzt sein
möchten , die aber nicht Bündel fadenförmiger Wimper ge-
nannt werden könnten (Annales d. sc. nal. XVIL p. 146).
Cwasieropocia»
J. E. Gray schrieb in den Annais nat. bist. X. p. 411.
einen Artikel „über die Zungen der Mollusken." Der Verf.
spricht hier über die dahin einschlagenden bisher veröfTent-
lichten Arbeilcn des Referenten. Ich sehe daraus von Neuem,
wie sehr Verf. die Wichligkeil der Verschiedcnheilen des
^chneckcn-Gebisses für die Systematik anerkennt, muss je-
,4och bedauern^ dass ein so chrenwerlher Naturforscher sich
durch einige meiner Aussprüche verletzt zu fühlen scheint.
Hierauf näher einzugehen scheint mir nicht der Ort, daher
begnüge ich mich mit der Bemerkung, dass ich mein, im
Allgemeinen günstiges , Urtheil über das Syslem des Verf.,
so wie meine syslcniatischen Prinzipien nicht allein auf die
bekannte Abhandlung vonLoven gestülzt habe, sondern dass
ausserdem zahlreiche eigene Untersuchungen, welche jelzl ei-
ner baldigen Veröffentlichung enigcgengehcn, mir vorgelegen
haben. Für die Gallungen Scalaria und Janlhina schlägt Verf.
den Namen Plenoglossa vor , der vor der Benennung Eury-
glossata, die ich in der vierten Ausgabe des Handbuchs der
Zoologie eingeführt habe, die Priorität hat, da dieses einige
Monale später dem Publicum übergeben ist , als die Arbeil
Gray's.
Ueber die Endigung des Riechnerven bei den Landschnck-
k(;n schrieb Lcspes Journ. de Conchyl. p. 299.
Nmurgcschiclilc der Mollusken während des Jahres 1852. 105
Pelil de la Saussaye hat in seinem Joiirn. de Con-
chyliologie p. 97. .,ül)cr die Feinde der Schneeken, odef über
Wie Ursachen , welche die zu grosse Vermehrung demselben
verhindern*' geschrieben, und Säugelhiere, Vögel, Amphibien
und Inscelen genannt, welche sich von ihnen nähren, ja ei-
nige Schnecken selbst benulzcn andere zur Nahrung.
Pulmonata operculata, ''^"^
Monographia Pnenmonopomorum vivcntium. Sislens de»
scriptiones syslemalicas et criticas omnium huius ordinis ge-
nerum et specierum hodie cognilarum, acccdenic fossilium
cnuincralione. Auclore L u d o v i c o P f c i f f e r. Gassellis
1852.8.
Verf. hat die Al»lheilnn«» derjenigen Lungenschnecken, welche
sich durch den Besitz eines Deckels Ruszeichnen und die auf dem
Lande h^hen, in diesem Werke hcarhcitet, ge^tCilzl auf reiches Älalcrial
und sorgläiligsle ßcnulzung der Literatur. Der alle F e russ a c'sche
IVame ruimnnntn operculata wird vor dem neu geschalTenen Pneumo-
nopoma den Vorrang Itehallen müssen. Verf. thcilt die Ordnung in
zwei. Unlerordnungen: Opis ophlhalma , bei denen die Augen hin-
ler der Basis der pfrlemförmigen lentakeln liegen (Farn. Aciculacea
mit der Galt. Aricula und Gcomelania) und E dop h iha Ima, bei de-
nen die Aug^n an der äusseren Basis der Tentakeln liegen (Fam. Cy-
closlomacea und llclicinacea mit den zahlreichen bekannten Galtungen.
Die Zahl aller in diesem Werke enthaltenen Arten beträgt 736.
Shullleworlh spricht sich in Millh, nalurt*. Ges. Bern
'1852. p. 298. gegen die von PleifTer ausgebildeten generischen
Trennungen aus, und prolestirl ausdrücklich gegen die Ein-
zwängiing seiner canarischen Hydrocaena gulta (s. unten) in
die Neuseeländische Gallung Realia. (Bei der mangelhaflen
KcTintniss, mön liann Fast .sagen ünkenntniss, der Thicre dieff-
ser Schnecken - Ordnung wird man eine Ucbereinslimmung
über die Berechtigung und Umgrenzung der Gattungen nicht
erwarten dürfen; auch'^ird^' dasHeü durch die Beschreibung
der äussern Erscheihting dieserSchnecken nicht zu erwarten
sein, nur die Anatomie kann helfen).
Cyriostoiiiiici'U. Alhers unleriiuchle (Zeilschr. f. !\lalak.
p 118.) einige Exemplare von Vleiocyclos hispiilus Pcars. und fand, dass
die Erhabenheil auf der Icl/.ten Windung eine Uöhrc sei, von der er
glaubt, dass sie ;Lum Einlrill der Luft diene, wenn der Dpckul die
106 Troschel: Bericht Ober die Leistungen im Gebiete der
Schale verschliesst. Dieselbe Bildung haben auch Cyclolus- Taylerianiis
und rostcllatus Ff., so wie Alycaeus strangulatus Hult. und Verf. ist ge-..
neigt, diese Arten unter dem Benson'schen IXamcn Opisthoporus
zu einer CSatlung zu vereinigen. Pfeiffer bemerkt darauf (ib. p. 121.),
dass bereits Benson im Journ. Asiatic Society Band V. dem Kanäle ,;
dieselbe Bedeutung zugeschrieben liabe , theilt aber nicht die Ansicht, 7,
dass die genannten Arten zu einer Gattung zu vereinigen wären. j
"'^^ Das Thier von Cycl. (Plerocyclos) angulifera ist bei Soul ey et?
Bonite abgebildet, und soll sich äusserlich nicht von Cyclöstoma unter- j
scheiden. •■ ■,"ti;r'tv*>^Ui4v^j;<i':vi. <.;aK'. .q -if m\t :: ': v »v^- -'.■
Cyclöstoma (Hygrobiutn) Lyonetianum Lowe (Annais nat. bist. IX.
p. 279.) von Madeira. — Foey stellte in seinen Alemorias sobre la ^
Jlist. Nat. de la isla de Cuba Habana 1851. folgende neue Arten auf:
C. nodulalum, revinclum , honestum , t>erecundum , claudicans, procaxy
aperlunij iolenalum, tnani, confertum, incullum, Rangclinum. — Ferner
ßloretet Cuba 1, c. : C acerbulum^ disiunctum , maiusculum, petricosum, '
pupoides f radiosum , rigiduluMy palebrosum, semicanum j sericatunif st- ■
mulacrum, tenebrosum, tespertinum. Die Arten beider sind bei Pfeiffer^
zum Theil idenlificirt. — Benson beschrieb C. Nilagiricum von den
Kilgherriebergen, Malayanum von den Inseln Penang und Lancavi, AnO'^
Stoma und quadrißlosum von Borneo , Wahlbergi von Katal. Daran
schliessen sich Bemerkungen über einige andere Arten. — C. (^Cras"
pedopoma) costatum Shullleworlh von Palma (Mitlh. Kalurf. Ges. Bern
1852. p. 137. — C. (Cyclophorus) cayennense von Cayenne und C
{Cyclophorus vel Leptopoma) Thersiles von den Philippinen. — C. suba
intohulus von Älalacca, Tourannensis von Cochinchina, Yarreli von Fulo-
Penang Souleyet Voy. de la Bonite 1. c.
Shuttleworth charaklerisirt die Gattung //i/d roc«ena Par- '^
reiss. Ffr. ex parte, Älitth. Bern. p. 37. folgendermassen: üperculum ^
tenue, corneum, paucispirum, nucleo valde excentrico, margincm basa- -■
lern columellarem lere allingcnti. Testa imperforata, globoso-turbinata
velovata; apertura ovalis vel semicircularis; perisloma simplex, rectum,
disiunctum ; columella basi elTuse callosa. H, gutta von Teneriffa und
Palma, 2'/j, Mill.
Pomatias Barlhelemianum Shuttleworth von den Canarischen In-
seln (Mittheil. Bern. p. 289.).
Pvpina grandis F'orbes Balllesnake vom Louisiaden Archipel und
Thomsoni von der Filzroy-Insel.
Helicinacea. In der Familie der flelicinaceen stellte Shutt-
leworth Berner Mittheil. p. 298. eine neue Gattung S chasicheila
auf: Testa heliciformis, globoso-conica(epidermide fimbriatim-solula in
lineis spiralibus crebris induta), basi subplanulata, loco umbilici callosa
et profunde inipressa. Apertura semicircularis. Peristoma continuum,
Katurgesrilichtc der Mollusken während des Jahres 1852. 107
ad columcllam vix leviler cmarginatum, superne ad insertionem pro-
Tunde excisum, margine superiore pone incisioncin alacformi-produclo.
Operculum tcnui-testaceum , semicircularc, planiusrulum , superficiale,
exlrinsecus costa externe intramarginali elevata circumdaluni ; margin»,
interno (columellari) stricto, intus lainella paululum produ<*la incrassatOth
el suhsulcalo, ulrinqne sed praeserlim inftrnc in apiculo producto; ex-
terno rotundalo acuto. Dahin Helicina alata Menke , H. pannucca Mo-
relel (die Tf ei ff er für identisch hält) und Seh. KicoUti n. sp. von
Cordova, Vera Cruz.
Shuttleworth theilte ib. p. 302. Trochalelta virginea Lea, Pfr.
in zwei Arten, bei der einen, die den Namen behält, ist dur Deckel
im Centrum glatt, bti der anderen Tr. opima Shutll. ist dasselbe mit
dicken Tuberkeln besetzt. •,.
IJelicina Slanleyi Forbcs Rattlesnake I. c. vom Lonisiadcn-Ar-^
chipel, Louisiadensis ebendaher, Gouldiana von Two-Isles an der Nord- "
oslküste Australiens. — Von Poey Memorias sobre la Historia nal. deC,
la isla de Cuba. Habana 1851. sind als neu beschrieben : //. hians,
polilulay excavala , luteopunctata. — Keuc Arten von Morelet Cuba
1. c. sind: //. arenicola , coccinosloma ^ fragilis , microdina, pannucea,
purpureoßacay regina, rostrata, rusticella , scopulorum, silacea^ slrami- ^
nea, trossiila , venialis. Diese, so wie die Arten von Forbes sind
von Pfeiffer in seiner Monographie bereits benutzt. — H. Sandozi ^
delicalula, chrysockeila, elata^ cinclella sind neue Arten aus Mexico von
Shuttleworth Berner Miltheil. p. 298. — H. sandwichiensis So\x\e^ai
BüDite pl. 30. flg. 1 — 5. von den Sandwichinseln.
jiinpiillariacea* Ainpvllaria cubensis Mordet Cuba 1. c. — >
A. columellaris Gould Expl. Exp. aus Peru. — 28 neue Arten beschreibt
Phiiippi Zeitschr. f. Alalak. p. 20. ; dieselben sind sämmllich bei
Käster 1. c. abgebildet: A. pomum, impervia, rc(Msa v. Olfers, pyrum^
cingulata, Werfiei^ balteala^ libyca Morelct, nucleuS) planorbula, paludi-
noides Chr. et Jan., malabarica^ borneensis^ Gruneri, Chemnitzii, dolium,
crocosloma , phaeosloma , exigua, robusta, Tamsiana Dunker, fuliginea
Koch, Knorrii, labiosa Koch, sumalrensiSf Linnaei^ magnifica Dunker,
nigrilabris.
Die neuen Arien von Truncatella führe ich bei der zweifelhaf-
ten Stellung der Gallung am Schlüsse der Pulmonata operculala an:
T. Bairdiana und dubiosa Adams Panama 1. c. — T. Lowei Shuttleworth
Beiner Mitlhcil. p. 137.
Ctenobranchiata,
in der Voy. de la Bonilc hat Souleyct Bemerkungen
über die Thiere der Gallungen Terebra, Pyrula, Murex, Pleu-
rotoma, Fasciolaria, Triton, Ranella, Strombus, Milra, Colum-
bella, Marginelia, Voluta, Cypraca, Oliva und Conus geliefert.
108 Troschcl: Bericlil über die Lcisfungcn im deMctc der
"' TacHtoglossala.
I*o<HiiiopIii]»* IVncI) der Hoii;iii|)lun{2: M o q u i n-Ta n do n's
wäre die Gjillung Yalyala , zwillerig, und inarhlc eine sehr aiiiralleiule
Ausnahme uAter den Kanjuikiemern. Verl", bcschrcilil die Gesclilechts-
orgaiie von Valvala piscinalis und crläulcrt seine Angaben durch Ab-
bildungen (Journ. de Conrhyl. p. 244 pl. IX. Fig. 3. 4), Sollte hier
niclil ein Irrlbum zu Grunde liegen?
Valmta gualemalensis Worclel Cuba I. e. — A. sulcala Souleycl
Boqitp fl..3L Hg. 19— 21^ Vjonf PöndicJ^e^,. i
,. Küsler beschrieb 1. c* als neu: Paludina mamillala von Mon-
tenegro, ampiillacea Charpenlier aus China, contorla Sbullleworfh von
Alabama, Wareana ShuUl. aus dem NVare-See. in üstdorida, biatirjulala,
cycioslomoidcs aus Aegypten, coslicfcra Heck iu ht. aus nengalt-n, Bois-
sieri Charp^ in Ut. yon^om , tiirrila aus Dalmnlien , rufcsccns Küsler
von den Pyrenäen, Orsinii Charp. von Ascoli im Kirchfnstaale, conoi-
dea Charp. aus Porlugal, lulcola von Algier, seiiaariensis l'arreiss von
Senaar, apcrla aus Croalicn, gagalinclla aus Dalmalien, Inctea Parr. aus
Persien. — P, cislernicola, hyalina, ornala, jielcncnsis, rkcgoides Morc-
let Cuba 1. c, — P. Sumalrensis J)uiiker aus dem Unsse i.)anu- luar auf
Sumatra Zeilschr. f. Rlalak. p. 128. — P. truncata vom Ganges, am-
puUifarmis vou Cochinchina und lulosa vom Ganges Souleyel Bonitc
fl- 31.
Amnicola Ladia und gracilis von IVeu-Seeland, Gould Expl. Exp.
In der Melanien-Familie slelllen Isaac I. ea und Henry Lca
von Philadelphia eine neue Gattung Vachychilns auf: lesta conica ;
apertura ovala, basi inlegro; labrum crassum; rolnmella superne in-
crassata ; operculum suborbicularc , corneum. Dahin gehört Melania
lacvissima und eine neue Art P. Cinningii aus den grossen Flüssen von
Copan in Central-Amcrika. (Procced. zool. Soc. Juli 1851. ; Annais
iiat. bist. IX. p. 58 und 142.).
Aus der Gattung Melania weiden ib. folgende neue Arten von
denselben Verfassern beschrieben: von den Philippinen: M. canalis,
sobria, siibula, actis, impiira, coclilidium, blalta, costcUctris, recta , tor-
natella, microslomia , Mindoroensis , indeßnüa^ Ltnoniensis , albesccns,
hastula, juncea, lurriculus , Cniningii, dachjlus, nana, crebriiiv, aculeus,
diadema, acanlhica , denlicnlala, laleriiia , pagodn, — von China: JU.
rcticulata, — von Java: M. foeda und crcnifeia, — von Malacca : ßJ.
episcopalis, — von den Gesellschaflsinseln : ßl. lancca, — von Nord-
anslralicn : Jtf. auslralis, — von An»boina: ßl. rudis , — von Timor:
ßl. modicella, — von Indien : ßl. cincla und armillala, — von den Sc-
sebellen: M. dcrmesloidea, coniracta, ccylanica (kommt auch auf Cey-
lon vor),. — von Zanzibar: ßJ. ferniginea, — von Madagaskar: ßl.
cüinula, — von Fernando Po: ßl. conulus, — von Mexico: ßl apis,
Naturgeschichte der Mollusken wührcntf tici Jahres 1852. 109
— von Copan in Cenlralninericu: M. maxima und polijfjonataj — von
Guiana: M. (rri/tsterin, — unhekannten Vaterlandes : fll. obrula, lessellala
und Cochlea. — Von !M o r e I e t Cuba 1. c. wurden beschrieben: M,
ciucrca, corvitia, erigua, gtaphyra, graphium, immanis, indiorum, lacu"
slris, opiparis, panttcula, pDratilidttlis, ntgirtosa, ■ — In de^ Transnctiong
of tlie An.eric. Thilos. Soc. X. stellte Isaac Lea auf: M. pcrstriatrt,
sciilptilis, Clarkii, Bntmbiji, oblila, fiina, Seliersiana^ oppurjunla, Saf"
fordii, pingiiis, gibbosa säinujllich ans Nordamerika. — M. Tourannensis
von Cochinchina, tiirrUeUa und sculpta von den IMiilippirien sind Arien
von Soul eye t Honite pi 31.
Von Alelania veruculum , die Alorelet 1851 puhlicirle und die
später rhilippi unter dem Namen M, Belone heschrieb, giobl der
erslere eine berichligle Beschreibungr, da IVüher diese Art naeh jungen
Exemplaren besthriehen war. Journ. de Coochyl. p. 2Ö2.
Isaac Lea stellte in den Transaclions Aineric. Philos. Soc. X,
1832. eine neue GMUin^ B asis to7na auf: Tesla conica; apertura
ovata, basi abscissa ; labrum acutum; oolumella laevi ; operculum —
Diese Galtung unterscheidet sich von Pirena durch den Mangel des
oberen Einschnitt^, und von iMelanopsis durch das Fehlen des Callus
an der Spindel. B. Edwardsii im Kiver Tocatinus in Südamerika. Verf.
stellt die Gattung in die Melanienlamilie.
liiOorinacea. Geg"enbaur scliricb über Penisdrü-
scn von Lillorinti , die er an L. lillorea, neriloides und ob-
lusala beobachtele (v. Siebold u. Kölliker Zeitschr. f. wiss.
Zool. IV. p.Q33.).
Die Anatomie von Liltorina lillorea erläuterte Sou-
leyet durch ansciiauliche Abbildungen Bonite 1. c. '^'^^^
W. Thompson fand achtmal ein Männchen von LUtönna fadis
in Begattung mit L. littoralis; er hält es daher für wahrscheinlich,
dass L. palliala der Bastard von beiden sei, und glaubt die Seltenheit
der letzteren Art durch die Unfmchlbarkeil der Bastarde erklären zu
können (Annais nat. hisl. X. p. 75.). -^ Nduo Arten von Adams Pa>
nama 1. c. sind: L. angiostoma , atrata , dubio sa , excavata, foteaMy
vicfjasoma. — Von Soul eye t Bonile pl. 31.: L. seriatis von de»
Sandwichinseln, vionilifcra von Cochinchina, taricgata aus dem Guaya-
quil, radiala von Cocfiinchina.
Souleyet nnlerschied Voy. de la Bonile Zool. II. p. 536. ein*
neue Galtang von Littorina unter dem Namen Litlorinidä. Ks ttml
kleine Süsswasserschnecken, deren Thier ähnlich den Liltorinen, deren
Schale ähnlich den Palndinen sein soll. üas Thier unterscheidet sich
von den Liltorinen durch die Stellung der Augen an der Basis, wäh-
rend sie bei Littorina stets auf einer Verdickung des Kühlers stehen,
und durch den Fuss, der schmaler und vorn geöhrt ist } die Rulhe liegt
HO Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
über und hinter dem rechten Fühler. Die Kieme ist einfach und hat
nicht die Falten an der Decke der Kiemenhöhle wie bei Liltorina. Der
Hode besieht aus verzweigten Blindsäcken, die Buthe hat 5—6 gefie-
derte Anhänge u. s, \v. Die Schale ist wie bei Paludina , der Deckel
ist hornig, dftin und besteht aus wenigen Windungen. Sie legen Eier.
X>. Gaudichaudii aus dem Guayaquil.
.-«0 Nach Bemerkungen Souleyet's Bonite p. 596. gehört die Gat-
tung Modulus Gray nicht zu den Trochoiden, sondern in die Nähe von
Mtlorina. M. Irochiformis von der Insel Funa an der Mündung des
Guayaquil.
H. und A. Adams schlugen in den Annais nal. hisl. X.
p. 3\^8. folgende neueEintheilung der britischen Rissocn vor:
Rissoa F'rem. (Acme Hartm.) Opercular-Lobus mit einem deut.
liehen Faden. Schale mit erweiterter Ausseniippe ; Spira erhaben. R.
labiosa, costata, parva.
Altania Risso (Cycloslrema Flem., Turbona Leach), Opercular-
Lobus geflügelt; drei Schwanzfäden, Schale kreiseiförmig, gegittert;
Ausseniippe verschieden. A. cimex, calathiscus, striatula, lactea, reti-
culata, abyssicola, zetlandica. *
Cingula Flem. (Sabinea Leach) Opercular.Lobus und Schwanz,
faden undeutlich und rudimentär. Schale gebändert ; Spira ausgezo.
gen; Ausseniippe einfach. C. cingiiins.
Anoba n. geh. (Turbonilla Leach, non Risso) Üpercular-Lobüi^"*
geflügelt, kein Schwanzfaden. Schale spiral gestreift ; Ausseniippe eiiil.-?'
fach. 0. striata. ■»«
Paludinella Pfeif. Tentakeln kurz, stumpf, Augen an ihrer*"^
Mitte. Opercular- Lappen und Schwanzfäden fejhlen. Schale kreisför-J"*'
mig, dünn , genabelt, bedeckt mit einer Epidermis. P. litlorea. (Farn.
Truncatellidae).
Hyala n. gen. Kopf lang, am Ende ausgerandet, zwei Lappen*;'^
bildend. Tentakeln platt, nicht keulenförmig, mit feinen Borsten am*"^
Ende. Augen sitzend in der Mitte ihrer Basen. Fuss hinten einfach.'' ^
Opercular-Lappen ohne einen Faden. Schale glasbell (Fam. JelTresii- ^'
dae). H. vitrea.
Hydrobia Hartm. Opercular-Lobus klein, kein F'aden. Schale
mit Epidermis. Ausseniippe dünn, einfach. Thier amphibisch. Spinnt
einen klebrigen Byssus während des Winterschlafes. U. ulvae, ana-
tlna, venlricosa.
Ceratia n. gen. Tentakeln platt, ziemlich kurz, keulenförmig,
bekleidet mit langen Borsten. Fuss vorn ohrförmig, hinten in zwei
lange deutliche Schwänze gethcilt. Opercu^ar - Lobus ohne Faden. C.
proxima.
Sctia n. gen. Tentakeln behaart. Opercular-Lobus klein, kein
ISaturgeschichte der Mollusken während des Jahres i8ö2- 1 1 1
Fatlen. Fuss hinten einfach. S. soluta , pulchcrrima, fulgida, incon-
spicua.
liissoa clandeitina^ firmalaf forlis, inconspicua^ iufrequens, JatiuSy
notabilis, scalariformis Adams l'anama I.e. — R. eburnea, mtUlUineaUt,
exarata Stimpson ^'ew England I. c. ^i» M4il( .^«miiiiNi
llissoina sulcifera Troschel. Dies Archiv 1852. I. p. 154.
IJydrobia (rt(ont/m Bourguignat I. c. Aus Griechenland im Sumpf,
wasser des See's Lerna.
Einige Bemerkungen über das Thier von Liliopa machte Sou-
leyet Bonite p. 584., nach denen es theils Aehnlichkeit mit Phasia^
nella, theits mit Littorina haben soll; sie sind jedoch zu unbestimmt,
als dass sich danach mit Sicherheit über die systematische Stellung
entscheiden liesse. — L. saxicola Adams Panama 1. ^.^ -^^,
Adeorbis oijecta Adams Panama 1. c. s ,/ ;, ;,,
Cingula Peleningensis Gould Expl. Exp. p. 130. Fig. 152. I<agf^,
de Peteninga in der ]Nähe von Rio de Janeiro. — C. incotispicuaj pau^
percula, terebcUum, turrila Adams Panama 1. c.
Macg illivr ayia Forhes Raltlesnake p. 38-3. n. gen. Schale
Spiral, rechtsgewunden, dünn, hornig, durchsichtig, undurchbohrt ; Spira
nicht ausgezogen. Mündung länglich, ganz, unten winklig, Perislom
unvollständig, dünn, ganzrandig. Deckel halbkreisförmig, hornig, dünn,
aus concentrischen Lagen mit schwachen Spuren einer spiralen Stru-
ctur an dem in der Nähe der Spindel gelegenen Kucleus; von ihm läuft
eine schmale Leiste gegen den Aussenrand , die äusserlich durch ei-
nen Eindruck kenntlich ist. Thier gross, mit vier sehr langen linearen
Tentakeln; Mantel in einen langen Sipho ausgezogen; Fuss gross,
ausgebreitet, vorn abgestutzt, den Deckel am hintern Ende tragend,
ohne fadenförmige Anhänge. Die Art M. pelagica wurde im Schleppe
netz bei Cap Byron an der Ostküste Australiens gefangen, 15 Mcildll
von der Küste, wo es schwamm. Es soll, wie Janthina , mit einem
Schwimmapparat versehen sein. Die Farbe ist gelb. Verf. vergleicht
die Galtung mit JelTreysia, womit die vier Fühler und anch die Zunge
übereinstimmen sollen. Der lange Sipho weicht jedoch sehr ab. — M.
spmigera A. Adams von Mindoro (Annais nat. bist. IX p. 242.) ist eine
iweile Art dieser Gattung, die sich durch einen Dorn am untern Ende
des Spindelrandes auszeichnet.
Turrilella acicula Stimpson New England 1. c.
Pyramitlellacen.. Pyramidella conica Adams Panama I. c.
\V. Glark beschrieb die Thiere mehrerer Chcmnitzien (Annais
nat. bist. X. p. 195.), «nd Rissoen (ib. p. 254.). — Adams Panama
1. c. stellte mehrere neue Arten auf: Ch. aculcut, acumiuala, affinis,
clalhralula, communis^ gjacilior ^ wirtior , margiiialaj Vaiiamensis, simi"
lis, striosa, turrita. tiiwjrt.tak. a .'
112 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Kuliinacca. Eulima tof«, recta und solitaria Adams Pa-
nama 1. c. — C. oJcacca Stiinpson New England 1. c.
Coecacea. Caecum diminutum , eburneum ^ ßrmnlmn^ laerc,
laqvcalwn, monslrosmn, j)arvvm, pygmaeum sind neue Arten von Adams
Tanama 1. c.* — C. yulchellum Slinip^on New England 1. c.
CapüSoidea* Crepidula lliisei von Fortorico und coslulala
Dunker Zeilschr. f. Malak. p. 189. — Cr. ceiithicolay nitea, osculaus,
roslrala Adams Panama 1. c. cw
Calyptraea abenans und planulala Adams Panama I. c. — C.
[Syphopaleila') aspersa und regularis Adams ib.
Trochita spirala Forbes von Calirornien (Annais X. p.306.)-
Capulus sagillifcr Gould Expl. Exp. unbekannten Vaterlandes.
Sig^aretina. Rcciuz zählt im Joum. de Conchyl, p.
263. 8 Arten der Gattung Natica nebst ihrer Synonyinie auf,
die an den französischen Küsten leben. Ihnen fügt er fünf
Arten hinzu, die wahrscheinlich auch an diesen Küsten vof-
j^inmen.
j. , Aus der Galtung Natica finden sich bei Küster I. c* folgende
neue Arten von Philippi: N. ponJcrosa, macrosloma, beide unbekann-
ten Vaterlandes, caprae von 31azatlan, melanochila, puella von Yuca-
tan, carinifera Koch, kebraea , undata von Panama, avellana, svlcvlosa
von der Westküste Amerikas, cygnea, virginea^ incisa Dunktr aus China,
Rodalüi Dunker von der Ostküste Südafrica's, p/ici/era Dunker eben-
daher, pulicaris^ Swainsoni, tenuis von China, Menkeana von Portorico,
nuclcus ^ pardalis , modesla von den Marqiiesas - Inseln , casla , decora,
scutulala, articulala von Zanzibar. — iV. Frückardi Korbes Annais X.
p.,3Q7, von Älazallan. — N. elongata und alveala Troschel dies Archiv
|l,^a^</ 1. p. 158, — JV. Seb.ae und fibrosa von China, ravida von Peru
Souleyet Bonite 1. c. — J\^ sagiuifera ohne Angabe fies Vaterlan-
des und Uouiguignati von Madagaskar sind neue Arten von Ueeluz
Journ. de Conchyl. p. 168. Daselbst ist auch N Flemingiana Rccl. 1843
abgebildet, und von N. labrella Lam. wird bemeikt, dass sie nur Far-
benvarietät von N. collaria Lam sei. ,.
In nov fe.' --nz
Sigaretus aiitarclicus und praeleiiuts von Orange Harbour sind
nach den Manuskripten von Couthouy in Gould's Expl. Exp. aufge-
nommen.
Ceritliiacea« Cerühium salmacidum Morelet Cuba 1. c. —
C. assimilatuin, bimarginalum^ fameUcutn., neglectum, paupercvlum, pul-
chrumj Reevianum, validum Adams Panama 1. c. — C. Tourannense
Souleyet Bonite 1. c. J .'i«; n'^oaaiii inw ,(.*i:r q .X J.;J
Triphoris allernälus, tncönspfcWs,' tn/iegi/ens'X'^anis Panama I.e.
Vlanaxis nigrilella von der Strasse Juan dcl Fuaco und pigra
von der Pitcairn's Insel Forbes Annais X. p. 307,
Knturgcschichtc der Mollusken MTiIircrd des Jahres 18J2. llo
Alata. Slromhus lisleri Th. Gray (Listcr pl. 855. fig. 12. aj
ist verwandt mit St. vitlatus und lindet sich im tlunlerschon Miiscum
zu Glasgow. (Ann.ils nat. Iii»t. X. |>. 430.).
Involuta. Cijpraea c la ra Gnskoin Annals nat. hisl. X. p.372.
— Eine ücuHMkuii«; über C. itislrio und reliculatn von 11 ed I i e I <i fln«
det si<li Annals Wewyork V. p. 228. — C. pardalina Uunker Zeilschr.
f. Malak. p. 12G. — C. lieentsii Dunker ib. p. 159.
Ocula tieglecta und variabilis Adams Panama 1. c.
Toxoglossaltt.
tlciiroloma sumatrcnse Ptlil Journ. de Concliyl. p. 55. pl. 2. iig. 10,
— PI. {Defrancia) Malleti llecluz il». p. 254. pl. 10. (lg. 2. ~ P. alrior,
concinna, exigua, gemmulosay grandimaculala und &lriosa sind neue Ar-
ien von Adams Tanama I. c.
Mangelia neglccta Adams Panama I. c.
Proboscidea.
Cnssidacea* Cässis glabrata Dunker von Zanzibar. Zeilschr.
f. Slalak. p. 62. > '
Tolufacea. Mnrginella Oaorlcyi ßcrnardi Journ. de Concliyl.
p. 59. pl. 2. (ig. ö. 7. ohne Angabe des Vaterlandes. — Redfield
beschiieb (Annals Nevvyoik V. p 224.) zwei neue Arien M. xexillum
von Cap Palmas. und amabilis von Yukalan. Er bemerkte ebenda, dass
seine M. Gambiensis eine Varietät von amygdala Kiener, und vermicu-
!:i!a = llainesii Petit eine Var. von quinqueplicata sei; ferner dass
M. pudica Gaskoin Synonym von chrysomelina sei. — M. bipUcata,
"thiiUhönntä, Rcevei und Zeyheri Krauss dies Arehiv. p. 37. vom Cap.
— ' 'il/. turchardi Dunkcir'Zeitschr. f. Malak. p. 61. — M. minor Adams
Panama 1. c.
Milra Ilancli Petit Journ. de Conchyl. P. 57. pl. 2. (lg. 11. von
Afazatlan; M. Mulleli ib. p. 58. pl. 2. ü^.i. aus der Südsee. — AI.
serhtm Duval ib. p. 160. pl. 7. (ig. l. von den Marquesas ? — M. arc-
nacea Dunker ZeiUchr. ^/ Malak. |]^5L^~ Adams Pa-
nama 1. c.
Cancellaria afßnis und pijgtnaea Adams Panama I. c.
Olivacea. Oliva inconspicua Adams Panama I. «j.
^Tltaricea. Ranclla pukhella Foibes Uatllesnake l. c. zwischen
der Cumberland-lnscl und Point Slade.
Petit bildete den Samier Adanson's in seinem Journ. de Con-
chyl. pl. II. (ig. 10. aufs neue ab, und berichtigte p. 44. die Synonymte.
Paliin gehört Alurex trigonus Gmel., Kanclla caudala Kiencr und Triton
Gcoides Keeve.
Murex mexicauus Pclil Journ. de Conchyl, p. 51. pl. 2. 11^.9.
Arcliiv f. Nniiitt;escli. MX. .I.ilirg 2 ItJ. M
114 Trrtscliel: Berrclil ubvr die l.eislungcn im Gebiete der
Triton Loroisi Felit Jomn. de Conchj I, p. 53. pl. 2. flg 8 \on
Goundeloupe. — T. (usoides Adjims Panama I. c.
Canalifera. Gaskoin beschrieb in den Annais nal. bisl. X .
p. 366. 7-\vanzijj ntne Arten der Gattung Coliinbilla: C. tenvis, albi-
nofhilosa, intcrruptay Icncoslnma, jxicifica von den Sandwit hinsein, rfl-
rioosa von Peru, auslralis von Sidtiey, cancellala von Westindien, puUa,
inlerta von Australieis, cunlaminnta^ Mnrqtiesa von den Alarquesasin-
sein, ausIrina von Australien, baccnla, sugilta von Afiira und Weslin-
dien, coiispersa , formosa , hirundo ^ cafiforninna von Californicn , iodo~
Stoma von Port Kssinglon. — l'ei Slinip<on Keu-England I. c sind
zwei Arten aufi;eslelll: C. disslmilis St. und Gouldlana Agass. — C. con~
spicuttj diminutn, graciliy^ inoesl(i,pulclirior, ^-Äsc/Z^/a Adams Panama 1 r.
-lA '->' Pusm Simonidnus Pelil Journ. de Coiuhyl. p. 164. pl. 7. Hg. 7.
vom Cap. — F. Kelleiii Korbes von Calilornien Ar-nals X. p. 309. —
F. squameus Dunker Zcitsthr. f. Malak. p. 50. — F. bcllus Adams Pa-
nama I. c.
Petit dela Saussaye machte im Journ de Comhyl. p. 140.
auf die Gattungen aiiimerksain , in welche die Galtung Pyrula Kam.
zerlällt werden muss , iodeui er die ßeobarhiungen Souleyel'.«», die
noch nithl halicn publicirl werden können, hervorliel»!. Letzterer ist
genc'gt, die Gallungen Pyiula s. str. ( P. eanalieulala ) , Alejungena
Scbum. (wollin auch Fnsus Corona, niorio ui d audcie «lezogen werden),
Ficus Rousseau (Ficula Swaii.s.^, Kapa KUin (P. papyracea Lam.) an-
zunehmen. — Hierauf A^erden die Arten diesen (ialinngen eingereiht,
wonach Pyrula 7, Melongena 19, Ficus 5, Rapa 1 umfassf, und Pyrula
lineata als Typus einer noch ungenannten Gattung bezeichnet wird.
Ferner werden solehe Arten genannt, die fälschlich vonLamarck oder
anderen der Gattung Pyrula bcigcselll sind. Schliesslich werden Pyrula
coarctala Sow. und P. bispinosa Philippi beschrieben unl abgebildet.
Martin hat ein zweites Exemplar seiner Pyrula piovincialis ge-
funden, und hält daher an s«iner Mcinunji fest, sie für eine besondere
Species zu nehmen; dagegen ist Pclil dadurch noeht niiht überzeugt,
sondern hält sie noch für eine Monstrosität von Cassidaria echinophora
(Journ. de Concbyl. p. 272.; vcrgl. auch den vorigen Bericht p 285.).
Melongena Belknapi Pelil Journ. de Conehyl. p. 64. pl. 2. fig. 5.
von F'lorida.
Bulbus (Rapa) inciirvus Dunker von China? Zeitschr. f. Alalak.
p. 126.
ESuc'ciiiea. Die Unlcrsuchuiiofen von Koren und Da-
niolsson über die Enlwickeliing- der Kainnikieiner, wcic lie
sich oiif Buccinuin undaluni und Purpura lapillus beziehen,
sind in den Annalcs des sc. nnt. XVIII. p. 257., und auch in
?.• M
Nalurgcscluolile tlei Mollusken während de« Jahres 1852. II J
unserem Archiv 1853. I. p» 173.) in Uebersclzungen niilgc-
^lijLjiit worden.
„,; 'i. Naisa guadelupensis Tetil Journ. de Conchyl. p. 5G. pl. 2 fi^. 3.
4. i\^ Cooperi un«! Woodicardi von den Sandwichinseln. Korhes
Annais X. p. 3l'8. — N. lilacltia Gould Expl. Kxp. von den rauinotu.
Inseln. — N. Tschudli Troschel dies Archiv 1852. I. p. l73 — JS. ca^
nescensy collaria, coqwlenla, gcmmulosa, glauca , Panamensis^ proxima^
striata, versicolor und Wilsoni sind neue Arten von Adams Pannrtia I. c-
H '' ' Buccinum farinosum Gould Kxpl. Exp. von den Snndwichinscln.
—:.' ß. glnuctim Dunker von Port Essington. Zeitschr. Malak. p. 125
B. lugubre und Slivipsonianum Adams Panama l. c. — B. bolivianum
Souleyet Bonite pl. 41. f. 22— 24. von Cobija.
BtilUa valida Dunker Zeitschr. f. Malak. p. 191. vjv»»»*>*
Arthur Adams zählte Annais nat. bist. IX. p. 148. iwölf Ar«»
ten der Galtung Cyllcne Gray, deren Typus Buccinum lyratum Lamarck
ist, auf. Darunter sind neu: C. oricnlalis vonSingapore, striata von
den Albrokkas.Inseln, fuscata und /la/ZicIa voa Westafrica, ixviiglahralq
von Pasicao ''^^ '^'^'*'" '^'*'>**J"''' f-J«iiiiiwrj «(m;i»A tAhwyvy»-,u.<y ./i
Purpura capensis l^etit Joufri. de Conchyt. p.'t'62'. pl. 7. Rg. ß! — •'
P. Tissoli Petit ib. p. 163. pl. 7. rig.4. von Bombay. — P. anatntju von
Californien und /'. fusratn von den Sandwichinseln Forbes Annais
X, p.30S. — P. Zeijlieri Krauss dies Archiv p. 35. vom Cnp. — P.
oslrina Gould Expl. Exp. von Oregon. — /'. foteolata und osculans
Adams Panama 1. c. — P. Chusani von China und Malaeea , Polfiou^
auii von den Philippinen, pcn/cia/?« von Peru Souleyet Bonite pl. 39. 40.
Ricinula jugosa Adams Panama I. c, '^« "•■•<
Von RhiZ'Ochilns antlpathnm gab Steenstrüp 'ridensKab.
Ä^eddelelser fra den naturh. For. Kjöbenhavn for 1851. p. 61. Tab. III.
Fig. 1 — 6. die Gattungsdiagnose und bildete die Schalen ab (vergl.
den vorigen Bericht p. 286.). Die Diagnose ist folgende: Animal igno-
lum, secun«'u u f )rnmm teslae aniinali Purpurae lapilli aliarumque con-
generum verosimiliter affine. Testa canalifera, subturrita, prima nil
täte libera, testae Purpurae lapilli, P. sqamatae, et al. haud dissimilis,
adulta vero ad instar iMagili irregularis, affixa, labiis peristomatis la-
cinialis, ramulos Anlipathum aliaque corpore amplexis, tumefactis clausa,
antiee in tubulum angustum irregulärem producta. Operculum testae
iunioris eorneum, nucleo laterali.
Plenpglossata, loil dujj l •> ^ * ' "
Sralarin». Scalaria Jukesiana ist einb ntke A« von For-
bes Ralllcsnake ohne Angabe des Vaterlandes. »^
Rhipidoglossaia, .,<i
j^'erUacea. M 0 q ui n-Tan d 0 n sagt von den Eiern
116 Troschel: Bcriihl ober die l.eislungen im Gtbiele (\vt
derNcrilina fluvialilis, sie seien nichlfjanz 1 iriill. gross, urul
fiiif die Schale geklebt; ihre Hülle S( i hnrt, und spalte si('h
beim Auskriechen des Jungen in zwei Theile, deren einer jin
der Schnecke haften bleibt (Jonrn. de Conchyl. 18.-)2. p. 25 ).
Möchte doch recht bald eine Enlwickelungsgeschichte dieses,
Thieres bekannt werden !
,tj«in.'>-n^ ,.^) l\.^■•.^\;^l .'.m»,';» , j,,-. , ^x
f, J r,.M:«ß'l^.^*ih9.lAiin)'^QiW0/. de, Conchyl. p.282. die französischen
Neritinen verzeiclinet und beschrieben. Er führt zwei marine Arlin
mit crcnulirtcm l.abium (Pf. viridis L. und matoniana liisso) und sie-
ben Süsswasser-Arlen mit glallem Labium an (X. fluviatilis Drap, mit
8 Varietäten, Miltreana Recl.,, Prevogliana FtViflT. , thermalis Boubee,
Bourguicjnali n. sp/ec., boetica Lam. juj^d zebrina RecL). — A'. (jratis
und turbida Morelet Cuba 1. c. — , iV- Michonii vom Ufer des-todten
Meeres, Saulcyi von Athen, syriaca aus Syrien Bourguignat 1. c» .^j
Pkerita crassa Gould Expl. Exp. ohne Angabe des Vaterlandes^-
— - JV. cerostoma Troschel diesArchiv 1852. 1. p. 179. Ebenla ist eine
N. proecognita Adams erwähnt, welche nach Vergleichupg mi*! Qri-
gins^lexemplaren mit IS'o. 305. Adams Panama 1. c. identisch ist.
„,v/ . Tro«'lioicle4i« Globulns, (Rotella Lam.) ausiralis von NeuKoUl
\j^^^y firlindalus und atujuliferiis Philippi Zeitschr. f. Malak. p.2Gii!i:.)
j\ Den bisher bekannten fünf Arten von Jamaiea der Gattung 'Vi/
VsipvUa fügte Adams Panama 1. c. folgende zwölf hinzu: V. con^
cinnn ^ exigva, Janus, viinnta , modcsla, piaiainensis, parva , perparva,
regularis, scminuda, Iricarmnla^ ralvaloides.
Trochus Beinordii Recluz Journ. de Conehyl. p. 166 pl. 7. fig. 5.
aus dem Stillen Sleere? — 'f. (loridus von ISeuhoUand und ochrvleu-.
cus unbekannten Vater,la;n()>es^, sind neue Ai;teK vontphilippi bei Kü^
ster 1. c. — - T, caslamvs Nuttall von Über-Californien Annais X. pi
306* — • T. Zeyheri Kiauss diesArchiv p. 33. vom Cap. — 7'. coronu^.
latus und Leanvs Adau.s Panama 1. c. — T. sntidicuhittsis Souleyet
Bonite pl. 37. fig. 23 — 24. von den Sandwichinseln.
^\l\^. Monodonla gallina und aurcolmcta von Mazatlan, Forbes An-
n^X' p.oOG.
^Pi><t. Margarila vingellatnca vouTierra del Fuego un(\ M. persica von*
Cap Hörn sind neue Arttn von Gould Expl. Exp. — M. purpurala
und i7<///* Forbes von der >Vestküste Nordamerika's (Annais X. p. 307.).
Souleyet gab Bonite l. c. p. 588. pl.28. die Anatomie von
Turbo rugosus. Das Herz, die Kieme, die Mundtheile werden geschil-
dert, die Zunge ziemlich gut abgebildet ; um so weniger ist es zu be-
greifen, wie Verf. hierin eine Aehnlichkeit n\it Liltorina finden kann.
Der Anfang des Schlundes ist kropfartig erweitert und sehr faltig; der
Magen besteht aus einem vorderen weiten und einem spiralen hintern
IN'otuigfscIiichle der Mollusken während des Jahres iSöT. 117
Theil; von erstrrem cntj^pringt drr Darm. Verf. ist gcneijjt, diese
Thiere für gelrciinlcn Gcsihli'chlea tu hsillcn, worin er uMiwcifelhafl
j .( Tiirho yhasintK'Ua und rM(*7//s Adams Panainn U«« r>f-> J^,, filevaiuf
Souleyct Uonite pl. 37. fig. 15 — 19. -von, CWli. , . ,<^i'^i ,\
i; Auf Turlio nigcr >Yood gründete U e f;^f/e_ii,)i^^ii^, ll^espn^ ^SsUnL^
1852. I. p. 182. eine neue ilallnng /lmi/.r«^ ,,^,,„^^, \ „-f .\'\r'\
l$l<iniatellH(*t*it« Slomatdln iußata Adam^ Panama I. c.
ViANurellacea. FissurcUa alla ist eine neue Art von ^ains
Panama 1. e. . _^.^^ nor Rfnoamiulf!',^ «»h iml no«ii2 J <i
, ^mula cofjnala Gould Expl. Exp. von OrangöHfirbpfur., {^.^.^ .j
Cyclohrarichiaia. ' ' :. ii .
'\ l*ntellina. Lotfi« oni/c/t/;/« GouldExpl. Exp. von Rio Janeiro.
, ,€'Mitoui(Sa.«** In der Xhilonenfamilie wurde von Henry uiui
-/Iinjii''' .••,.'■ .1' ; t. ••«('$»;/;
Arthur Adams auf Chiton Cimolius Reeve eine neue Gattung Lo-,
»"*:♦'" gi'gründt't: Mantil bedeckt mit kleinen, glatten dachziegelartigen
Schuppen, der hintere Rand lief eingekerbt. Schalstücke breit, das
Vintere klein mit terminalem vorgezogenem Apex, Hinterrand einge-
kerbt; die Seitenflächen derj^chalstückp. ^rhabcn, deutlich (Annals
iiat. iiist. X. p.3ü5.). , . ' ,
Vier neue Arten von Chiton stellte Gould Expl. Exp. auf: Ch.
tnterstihctus und vesj)erlinus von Oregon, asperrimus Couth*. Ms. von
Rio Janeiro, coslaneus Couth. IHs. von Orange Uarbour. ""'^ . • "Im
Pulmonata, , ,,
- ■ ■ " ■ .■■<.■ 4 ■. .
1 •) I liB(Jilrägc zur EnhviVkelungsg-eschichle der Landgasiro-
podeii liifltMle Gegenhuiir in v. Siebold und Köllikt'r's
Zeits(hri(t. III. p 371. Taf. X— XII. Die Beobachlung^eii sind
an Liiniix ciuereus, Clausilia siniilis und Ueiix (nemoralis?)
angeslellt. J^iUilh .ih?MS) hloiliJ
.Verf. schliesst die Abhandlung so: „ISebst defn Besitze einer
Vorniere und besonderer contractiler Organe, die während des En^
bryonallebens der Respiration und Circulalion vorstehen, sind die
Landgasteropoden noch durch den eigenthümlichen Entwickelungsmo-
dus ihrer Schale ausgezeichnet, wenn die Beobachtungen von Clau-
silia und llelix auch auf die übrigen scliliesscn lassen. Das ursprüng-
liche Auftreten des Gehäuses im Innefn des ilOTitels ist bis j'«tzi bei
den !:an(fgaste''ropo(ten eine vereiaz(^ltc Thtilsacho. . . .^ Es entspringt
daraus für die Landgasteropoden eine typische DilTercni" etc. Eine
Zwülingsbildnng bei Mrirax ist beschrieben. ' "" ' '■' - ' -i'
I^iüiacea. Zwei neue Alien der Gd(luÄg'Va^iittr(ds'b*ychrl^'
1 18 Troschel: IJericIil ober die Leistungen im (üchiele der
Souleyet Voy. de la Bonite pl. Q8.: V. hnonints von Manila und
Tourannensis Aon Touranne in Cochinchina.
Frauen feld zeigte einige Exemplare eines Limax von blauer
Farbe vor (Vcrhandl. des zoologisch botanischen Vereins in Wien. Bd.
1. 1852. p. 54.). — Neue Arten : Limax Columbianus von Oregon, oli~
vaceus^ von'^leu Süd-AVaies und fuliginosus von IVeu Seeland Gould
Expl. Exp. — L. saiidwichcnsis Souleyet Bonile pl. 28. rig.8 — II von
den Sandwichinseln. — L. Ihoeniciaca und Z?eri//ensts Bourguignat 1. c,
aus Syrien.
St. Simon hat den Schleimporus von Arion rufus näher un,
tersucht (Journ. de Conchyl. p278.). — Eine neue Art A. foliolalus
beschrieb Gould Expl. Exp. p. 2. von Paget Sound.
Auf Limax bitentaculatus Q. et G. begründete Gould Expl. Exp.
p. 1. eine neue Galtung Acanthoracophorits, vor welcher der
Käme Jane IIa von Gray 1850. die Priorität hat. Gould charak.
terisirt die Gattung folgendermassen : Corpus limacjforme, supra con-
vexum, retrorsum attenualam, requlescens spirale , pallio a solea di-
screto ubique lectum , clypeo carens; foramine pulmonali submediano,
inoperto ; tenlaculis binis brevibus, conicis, oculifcris, ad apicem bul-
bosis, haud omnino retractilibus; dorso sulco mediano ramoso impresso.
Lamina calcarea nulla.
Kote sur l'existence de la Testacella Maugei de TenerifFe en
France, par H. Aucapitaine (Annales des sc. nat. XVII. p. 251.).
— T. Savlcyi Bourguignat 1. c. aus Syrien.
llelicea« Unler der Uebers( hrifl ,,Uebersichl des ge-
genwärtigen Zustandcs der llelicecnkunde^ lleferle Pfeiffer
ein Verzeiihniss derjenigen Arten, welche in seiner Mono-
graphia Heliceoruin noch nicht enthallen sind. Dadurch w ird
die Zahl der bekannten Heiic» en von 1130 auf 1578 Arien
erhöht (Zeilsch. Malak. p. 134).
An eine Bemerkung von ötorelel anschliessend, dass Glandina
fleischfressend sei (s. unten), machte Petit Journ. de Conchyl. p. 275
auch auf einige andere fleischfressende Ileliceen aufmerksam, und for-
dert zu ferneren Untersuchungen auf.
Rloquin,Tandon hat die Geschlechtsorgane von Vitrina peU
tueida beschrieben und abgebildet (Journ. de Conchyl. p.240. pl. IX.
Fig. 1. 2. — Keue Arten: V. Bchnii Lowe (Ruivensis touth) Annais
nat. bist. IX. p. 112. von Madeira (der Käme Buivensis hat die Prio-
rität, vergl. PfeilTer Zeitschr. Malak. p. öi.). — V. tnarcida und «i-
Uda von^Msideira, robusla von Keu Süd- Wales, caperata und (enella
von den Sandwichinseln Gould Expl. Exp. - V. fasciala von den
Naltirnrcschichlc drr Mollusken wäliu iifl des Jiiliies l8Vi. \^9
rhilippinon und lerla von Cochinchina Soulcyct Bonitc j)1.2S. — K.
lilauneri Shullltworlli IJoincr M i Uli. 1850. \**;f.*J7:^ ' '• '
Suceinrn eTplnmtia (lould Expl. F.xp. von den Sanrlwichinscln.
— S. gvnlemnfensis, liottnlatitt, recti.a Morolcl Cuba 1. c. — Succinea
Gundlaihi Pfciirir Zcitsclir. »lalak. p. 178. — S. fragilis Sonlef^i Höh
nilc pl. 'J.S. von dtn Sandwichinseln. ' '"
Nnninn fricata Gould Expl. Kitp. von Nöu Süd-Wale^!" — ''W,
ryssolemuia Albers von Java? Zeilsclir^ f. Malak. p. 186. — ' N. tilel"
lus und Sieiiisi von Anihoina, nhamentaria von ?icuholland Shutlle-
vvorlli Berner MiltliciU 185'-i, p. 193. »»'J» (/ii;>4Jtl»li.X
Zonites Inils und fcstinnns von Palma , 'Üt\jtk^nk 'von terieltfra
Shullleworth Berner Rliltli. 1853.- p. 137. — Z. placentula, macilenla
von Tennessee Shutllevvorlh ib. p. 193.
tlaskoin besass eine seit zwei Jahren einget'röckhcteTIeiii?^
lactea aus Africa, die sich beim Ueinigen in Vi'asser als noch leWnf|
erwies, ja sogar seit dem April 1849 von Gurken und Kohl sieh er-
nührte. Im Uctober desselben Jahres fand Verf. dreissig junge Sehnek-
ken in dem Clefäss, welches die Ilelix lactea einsam bewohnte, und
dieselben erwiesen sich später als wirklich derselben Species ange-
hörend. Der Berichterstatter dieser Thatsaehe in den Annales des sc.
nal. überlässt es der Zukunft, um zu entscheiden, durch welche clcr
folgenden 3 Hypothesen die Ihatsache ihre Erklärung fände ;'^tV'(äi'e
befruchteten Eier können länger als vier Jahr im virtuellen Äht-
wickelungszustandc bleiben, 2. eine Befruchtung reiche für mehrhiä-
liges Eierlegen eines Individuums aus, 3. in gewissen Fällen könni'n"
die Ilelices sieh selbst befruchten (Annais IX. p. 498.; Annales des
gc. nat. XVlll. p. 64.; FhöViep's Ta^sbcrichtfe' 1852. p. fP*^.''^*'^'''^''^
St. Simon beschrieb d:is Tiiier von llelix naymondi, einer Art
von Coiislaiilirie, welche er in seinen MisctUanees malacologiques'rou-
jouse 1848. p 9. bekannt machte, und die iVlorelet später JH. Desfon.,
laiiiea nannte (Journ. de tjonchyl. 1852. p. 21.).
Kurr beob<icli(ete,Helix spiriplana lebend ; eb^nsQ l^..nndi^tH au$
Äladcira. Zeitschr Mabik. p. 184.
A. ^ehmidl hat (Zeilschr. f. MalaRoz. p. 1.) fünfzig Arien von
llelix, in Beziehung auf Oheikiefer und Liebespfeil, unlersuehl. Von
ihnen besitzen 32 einen Lie.()espfeil. I)ie Oberkiefer aller niil (1. vvr-^
tioillus und cellHria verwaufiii^fi Arten haben einen überkieier nii(.,(ßj^-
ncm miltlerea stark vor-^pringenden ZhImi, sind (1* ischfressend, und ha-
ben keinen rieil. ^acll den Verschiedenheiten der Pfeile versucht
Verf. eine Gliid- rung der (jinppen Kniticicola und Xeiopliila, jenach-
dem kein, ein O'Ur zwei l'fcile vorhanden sind u. s. w.
Ucber das Gesetz der üan^ei verllieilung von llelix ncmoralis
sihriel) AssMiUiin ib. p. II.
120 Troschel: Bciichl ülier die Leistungen im Gcbit-le der
Ucbcr llclix carocolla I.inn. und deren nächst verwandle Allen
schnei) Pfeiffer Zeilschr. Malak. p, 129.
In einer besonderen kleinen Sihriit: „Sulla Ilelix Pollinii D.1
Campo. Osservazioni di Edoardo I\ol>. de Bella. Verona 1852.« hat
der Verf. die genannte Schnecke Ilelix Pollinii, welche von Da Campo
in den Veroncser Alentnrie accadeinichc Vol. XXIII. beschrieben ist, für
eine albine Varietät der H. cincla erklärl, -was Pfeiffer in einer An-
zeige dieser Schrift (Zeilschr, f.^^^^J^^ p,.|7l«) vollkommen gereeht-
ferligl findet. > ,
Zahlreiclie neue Arten dieser Gattung Ilelix wurden beschrieben.
Korbes bildete in der Yoyago of tlie Kalllesnake folgende neue Me-
lix-Arlen ab : //. Brumeriensis von der ßrutncr Insel an der Südoslkü-
sle von ]\eu Guinea, divisa vom Louisiade-Archipel, Luuhiadcnais eben-
daher, Ifulei von J'ort Molle derselben Gegend, MocgilUvrayi von den
Franklandinsein, Dunhiensis von der Dunk- Insel an der Kordoslküste
AusUaUons, Franklajidiensis von den Franklandinsein, iuloidca von Port
Älolle, inconspicua von einem Inselchen in Trinity Bay Von Lowe
sind in den Annais n?l. bist. IX. p. 112. folgende neue Arten von Ma-
deira kurz «•harakterisirl : //. (Lcplaxis) inenibranaceay hyaena, ßuclu-
osa, psammojihora , craliculala , ruicania , leonina, //. (Xerophila) ar-
millala) (Lowei Pol. et Mich.); //. (Thcba) usUdala; // (Plebecula) gi^
ratnica, vvlgata, canicalensis] 11. (Irus) laciniosa, squalida-y //. (Spiror-
bula) latens'y U. (Euroniphala) Gueriniana (ist von Pfeiffer Zeilschr.
Malak. p. 63. scmiplicala genannt), H. (Lucilla) scinlilla; H. (Janulus)
calathus (nach Pfeiffer Zeilschr. Malak. p. 63. = SlepkanophoraDe&h.) ;
IL (Hispidella) Armilageana; U. (Caseohis) syhaerula; H. (Discula)
pvlvinata, altrila (teclilormis Woodj, tahellalay senilis, porotnphata, liti'
da, papilio, discina (die 8 letztgenannten Arten mit Ausnahme von
altrila und labellata sind nach Pfeiffer Zeilschr. Malak. p. 81. nur Va-
rietäten von H. polymorpha), lesludinalis; H. (Tectula) Lyelliana, AI-,
hersii («ach Pfeiffer Zeilschr. Malak. p. 63. Var. von Bulveri) ; //. (Cras-
l)edaria) Delphiiiula; IL (Coronaria) coronula, juliformis (nach Pfeiffer
Zeilschr. Malak. p. 63. = coronala Pesh.) , //. (I'lacentula) spirorbis^
fictilis, micromphala; IL (Actinella) slellaris; //. (Uimula) Gbserata; //.
(Iberus) Wollastoni. — Ben so n beschrieb als neue Arien von Südin,
dien und Bengalen (Annals nat. bist. IX. p.404): H. Gysis, Thyreus,
bidenlicnlata, Lccylhis und sithjecla. II. vesicula des Verf, ist hier neu
charaklerisirl. — Morel et stellte (Journ. de Conchyl p. 61.) auf: //.
tclragoiia aus der Gegend von Bona, H. Mograhina aus der Provinz
Oran, letztere ist abgebildet. — lt. Tro<y/o(i(tcs Morclei (1818^, welche
mit H. afvicnna Pfeiff, (1849), vielleicht auch mit II. peliucida GouM
identisch sei, ist Journ. de Conchyl. pl. I. flg. 14-16. ab<:ebildet. ~
Neue Arten von Morel et Cuba I. c. sind: //. conspxircaidla, cymba-
hm, fuhoidca, minutalis, moriida, naevida^ nitidopsis , oppifala , pauci^
IS'alurgcscIiichlc der Rlollusken wahrend des Jahre» I8b'2. 121
lirala^ jjrcssula, jitinctum^ rnripita, sigwoides, $u1phttrosa, tephrilis^ tro-
cliulina, turbiiirlla , yuvalanea. — H. Lecvnlei Lea von Califortiien
Transacl. Aiiuric. Thilos. Soc. X. — ünlcr vicNn sclion in den l'roc.
I'hiladcliihia aufgelühilen Arlon der Gattung llclix sind hei Gould Expl.
Exp. als neu eiwäUnl : Helix iiilaminnla von der Insel Rlangsi, spiril-
Ins hei IJma urilcr Steinen, rflf/c?//osa von Tahiti. — ße n s o n beschrieb
//. Cycloplax, Tugurium und Castra vom Ilimajaya, Lychnia von Sin-
gapore, lubrica vom llinialaya (Annnis X. p.38Hl.). — //. cliarybdis
Mörch I.e. unterscheidcl sich von II. polygyiata durch die oi)en eheno
nicht cuncave Schale und den lieferen und engeren Nahel. Brasilien.
Dci Bourguignal 1. c. finden sieh loI<>cnde neue iteliccs: //. En~
gaddensis, fimbiiata, hophelnrum von Paläslinn , Uierosotymitnna und
sancla von Jerusalem, camelina, solitudinis aus Syrien, «tte/tnn von Hho-
du8, Syrien und Jerusalem. — Hclix azorica von San Miguel nnd A/nr-i
Ivngi von rortosanclo Alhers Zeilschr. f. Älalak. p. 30. — //. Lcn^
neppiatiOy problematica , magistra, cyvwlodes , Simson , Mina sind neue
Arien von Pfeiffer ib. p. 91. — //. Lie6e«r«<t Alberg von Cypern iBi
p. 124. — //. Berlholdiatia PfeilTer von den Tap Verdischen Inseln ibl
p. 14i>. — H. Lvdorici Alhers ib. p. 187. von Porto Santo. — Von
Shutlleworlh sind in den Herner Milth. folgende Arten aufgestellt,
p. 137.: //. circumsessa, Sculula^ engonatn, relexla, lextilis, placida, ser-
vilis, Pompylia, fortunata, Nivariensis, pershnilis , oleacen, Icprosa, cu^
ticula, Glasiatia , Belhencourliana^ sämmilich von TenerifTa und Palma,
oder von einer dieser Inseln ; — p. 193. : H. mordax ans Kord-Caro-
lina, Ileldrcichi von Athen, intincla von den Philippinen, Dysoui von
Honduras, Conloni von Cordova, Vera Cruz verwandt mit tc.xasiaiia
Mor., flopetonensis (H. tridenlata Binn ) von Hopeton in Geori»ia, Km-
geli von Tennessee, uttdifera von den kleinen Inseln Long - Keys im
Busen Sarazuta in Südtlorida , Guillarmodi von Vera Cruz , Steursiana
von Amhoina. Hier wird auch M. fatigiata Say aufs Neue beschrieben,
und bemerkt, Pfeiffer habe unter H. Texasiana drei Arten confun-
dirl, nämlich fatigiata Binn. , tUe zu Tioosliana gehöre, fatigiata Say
und texasiana Mor. ; — p. 289.: //. discobolus (alficla d'ürb.), melolon-
Iha, umbicula (Kosoti, phalerala Pfr.), coementitia , marcida^ Maugeana
sJSmmllicb von den Canarischen Inseln, MyristicA von den Cap Verdi-
schen Inseln ; — p. 294. : H. Corsica und perlecis von Corsica und Sar-»
dinien. '
I s a ii c Lea machte (Transaei."Amer, ph'il. 5oc. A.). d^^rauf auf-
merksam, dass einige lleliceen einen Pfeiler,' oder ieine accessorisclie
Spindel besitzen, die er fulcrum nennt. Er fand sie bei Carocotia spi-
nosa nnd Edgariana, Hclix hirsula, munodon, Leai, leporioa und LecoUf^
tii, sowie bei Polygyra Troostlana und Horfeuilliana , und glaubt, sie
möge 7.ur iientMischen Unterscheidung benutzt werden können.
Ausser mehrereo in d<r Revue zool. 18U. 42 aufi^eslelllen He-,
122 Troscliel: Bericht über die Leislungen im Gebiete der
lix-Artcn, wurden von Souleyet ßonile auch eine neue Art //. de-
flexa \on TourHunu in Cochinchina abgebildet; dies ist eine Strtplaxis,
welche Gattung Verf. nicht anerkennt, weil das Thier nicht verschie-
den sei.
Gould glaubt, dass Helix Busbyi Gray keine Landschnecke, son-
dern eine Ampullacera sei (Expl. Exp. p. 215.)' — nie Helix vitrea
Born (Bulimus vilrcus Brug.) erklärt, Kur r, fürMeinc Ampullaria fZcit-
sehr. iMalak. p. leö.). t . n - i • '
„yi Alorelet Cubn i.e. hat folgende neue Arten : ß. cucullus^ iner-
tnis\ lirinus, petenensis, sra!ariopsis,semi$triatuSfSimulus,Sisalensis, sul^
ciferus, tropicalis. — B. JJclesscrti von der Insel Syra und Savlcyi aus
Syrien bei INazarelh sind Arten von Bo ur gu i g n a t 1. c. — B. cya-
neus von San Aliguel, glaucoslomus und Midas von Venezuela Albers
Zeitsciir. f. Alaiak. p.3l. — B. correitus von Venezuela, Je/pc?/si von
Brasilien, caucasicus vom Caucasus, regularis von Rio Janeiro, gronttm,
melanomma von den Alolukkeu IMeilFer ib. p. 96. — B. Swiflianus
PfeilFer ib. p 15U. von St. Thomas. — B. Cundinchi Pl'r. ib. p. 174.
iig 29—33. — B. Saurjoae TschufJi dies Archiv 1832. p. 189. — End-
lich sind die deuen Arten von Sh utile worth in den Berner Alit-
theil. 1852, zu erwähnen, p. 137. : B. labidus, nanodes, propinquus von
Teneriira ; — p. 193.: ß. auris Myoci ohne Angabe des Vaterlandes;
daselbst wird auch B. cora d'Orb. aufs Neue beschrieben; — p. 2b9. :
B. encaustus von den Canarischen Inseln; — p.294. : ß. puliUus von
der Insel Goree. "
Zun maderensis Lowe von Madeira (Annais nat hist. IX. p. llP.'J.
— Z. Ttmdoniana (Ach. Paroliana Wcbb.) ShUtlleworth von den Ca-
narischen Inseln. Berner Älilth. p. 289,
Aus der Galtung Pupa st eilige l.,owe folgende neue Arten von
Madeira auf (Annais nat. hiat. L\. p. 275.). P. (Paludinella) limnaeana^
microspora ; P. (Truncalellina) linearis; P. (Gastrodon) fanahnsis; P.
(Leiostyla) vinrta, irriguOf laurinea^ laevignla,reclft, macilenla; P. (Cra-
ticula) fusca, miUegrana^ ferraria; P. (Alvearella) cassidula, concinna,
abbreviatay gibba; P. (.Maslula) lamellosa; P. (Slaurodon) saxicola , ne-
minulum. — P, leucodon .Voielet Cuba I. c. — P rnlsabina Spinelli
1. c. ans dem See Idro in Brescia. — P. Slnrmii Pfeifler vom Olymp
bei Brussa und^ regia Benson in litt, von Nankin finden sich bei Küster
1. c. — P. Saulnji Bourgnignat 1. c. aus Syrien. — P Riissei PfeilFer
von St. Thomas Zeilschr. für Malak. p. 151. — P. Gundlachi Plr ib.
p. 175. fig. 39 — 42. — P. alovws, taeniala und cnstanea Shuilleworlh
Berner Mitlheil. p. 137. von Teneriffa und Palma. — P. plenroyhora
und pediculus Shutlieworth ib. p.294. von den Marquesas und Taiii.
Mcgaspira elala Gould aus Brasilien bei Küster I. c.
Kalurgcschichle ilcr Mollusken während des Jahres 185J. 123
Balea auslralis Foibes Baltlesnake von l'ort Molle.
Cylintlrclla aculeus^ concisa (vcrgl. d. vorigen Bericht p. 193.);
eoBtuhita {spe\unv»c rfellTer Zeitschr. Malnk. [f,\b\. ^ fistitlaris, Morini,
pruinosa^ iubtilis, loniacelta, torqvata,Tvluhilis sind Arten von Mordet
Cuba 1. c. — C. Iliissei riViin;r Zeitschr. Maink. p. 133 von Porlorico.
— C. Portoricensis 11). p. 151 ). — C filicosla von Veracruz und C.
Riigcli, marmorala und scnlarina aus den» Thal Vuaiury auf Cuba Shull-
lewüflh Berner Mitlh. p. 294.
Au» der (Ballung Achalina stellte Lowcnis neue Arlrn von Ma-
deira auf: A. (l'ylicIinidiH) Lcncociana , cylirhna, A (Fu.mIIusj onjia,
tubercvlata, tcrebdla ; A. (Acicula) prorfuc/« ; J. (Amphorella) inüri/or-
mis (Annais nat. hisl. IX. p. llP.). — A. cylitnlrella und linifera Morelel
Cuba I. r. — A. Rodalii Dunker von Zanzibar Zeitschr. Malak. p. 127.
— yl. Vunclogallana (rcylanica Recve) und Riisei von Torlorico Pfeif-
fer ib. p. 150. — A. Blniniana Foey ib. p. 175. — A. forphyrosloma,
Cumingii von der WC^lküsle Al'rica's , A. (Polyphemus) Candida, von
Mexico, urtHtf, stigtnalica und delicatula von Cordova, Vera Cruz Sbult-
leworlh üeruer Mitib. 18j2. p. 192. löif 8S>b ^nhd
Ebenda p.203. gab Shultleworth eine bTaghös^' der Gattung
Spiraxis Adams, und zählte sSnimtliche bekannte Arten, die er in drei
Sectioncn brinyt, nuf : \ . G l a ti d i 71 a e f o r m c s {S t r e p t o s t y l a ShüH\.)
mit 13 Arten, worunter neu Nicolcti, milraeformi$, lurida^ irrigua, co-
nifornits^ ßavescensj limnaeiformis und physodes, alle von Vera Cruz;
2. Biilimiformes (Spiraxi s Adams) mit 7 Arten, unter denen Sp.
Aeus von Vera Cruz neu; 3. Ach atina eformes {Columna Ferry,
Albers) mil zwei Arten, unter denen Sp exhnia von Madaj»askar neu
(Ver«;l. darübtr auch Pfeiffer in der Zeitschr. Malak. p. 177.).
Mordet glaubt die Calltung (ilandina Schum., als von Achatina
verschieden, aufrecht erhalten zu müssen. Diese Tliiere sind fleisch-
fressend, ihre Mundlheile werden, ohne näher beschrieben zu »ein, mit
Teslacella vtrglichcn ; die aujrenlraoenden Fühler sind am Knde ver-
dickt, und etwas herab<jeneiut , und an jeder S« ite des Mundes findet
lieh ein langer retractiUr Anhang, der jedoch bei den europäischen
Glandinen fehlen soll. Verf. »;ihlt 85 Arten der Gattung Glandina auf.
Abgebildet sind hier das Thivr der G. Carminensis Mor. und die Schale
dieser Art nebst der von G. Pclili Desh. Von beiden Arten, deren er-
stere neu, letztere in der Fortsetzung des Ferussac'schen Werkes ent-
halten ist, ist auch die Heschrcibung gegeben (Journ. de Conchyl. 1852.
p.27).
Derselbe bildete eine von ihm 1849 aufgestellte Art dieser (iat-
tung GL ligulala ibid. p. 2j7. pl. 10. fig. 3. ab, und machte einige .An-
gaben ülier das Thier, Am Fus findet sich ein Schleiniporus, und Verf.
meint, ein solcher möge iillgenK'iiier bei dm llclicecn voi kommen, als
1Q4 Troschel: Bcriclil über die LoisluHgen im Gebiete der
man jetzt glaube. Die Alibildung der Schale wörde ich nicht für
eine Glandina hatten, sie gleicht einem Bulimus.
I\I 0 i- o 1 e l bemerkt nachträglich zu seiner Glandiiia procerula
(vor. Hfricht p. 293.), dass sie im Innern der Mündung eine Lamelle
habe, und daher in die Seclion der gezahnten Glandinen gehöre (Journ;
de Conchyl. p. 274.). ,^ »li »«MwVnoltiv*!
Glandina eiurala , carminensis , delihula, epuebpalis'j'fotticutaris,
lahida^ ligulala, meridaira^ oliva, onychina^ poragrumma, rubella, semi-
sli'iala, sicilisj venlricosula sind Arten von Morel et Cuba I.e. — G.
Delesscrli Bourguignat I. c. von der Insel Corcyra. — G. Aiorica Al-
bers von San Miguel Zeiischr. Malük. p. 125. l^\^Jl\a^^\
, Achatinella nubilosa (Jould Expl.Exp. von det RiäehMaui. — Von
A".i'Vulpina bemerkt Souleyet Bonite p. n09. , dass die Geschleobtsw
Organe von llelix verschieden seien, ts fehle z, B. der i'feilsack,.uiul
die organes muUifidcs. i ; f
Bieiz stellte zwei neue Claus'lien auf: Cl. Fnssiana auf dem
KönigsJein bei Kronstadt, sehr häufig rechts gewunden; Cl. elegans am
südlichen Abhang des hönigsteins (Verband!, des siebenbürgiscbcn Ver-
eins zu llcrmannsladl. 111. Jahi«;. 1Sj2. p.31.) Cl. Maniiiana Lowe
(Annais nat. bist. IX. p. 278.) lebt bei Lissabon. — Cl. Jos vom Hi-
malaya Benson ib. X. p. 350. — Cl. Millcri Pfeiffer, cineroscens Kü-
ster aus l)almaticn und heltenica Küster aus Griechenland bei Kü-^
sler 1^9,,, p5^ .CL AlOersi Charpenlier aus Syrien nntl Bour^uignali Char^
pentier von Worea bei Bourguignal I. c. — Cl. Lowei Albers von
Porlosanc'io Zeitschr. Malak. p. 31. — Cl. Forlitnei rfoilTer von China
ilj. P- 80. ,,s nm i^rj.JlA
Jturiciilacea. Souleyet Voy.de la Bonite l'^l.'fclHJcifirfs^
dass die verschiedenen Gruppen innerhalb der Gattung Auricula auch
Verschiedenheiten in den Tiiieren zeigen : so hat A. Jndae eine kleine
Anschwellung gegen das Ende der Fühler, die Gruppe Cassidnla (A. fe-
lis) bat die Augen innen an der Basis der pfriemförmigcn Kühler unA
die Haut ist weniger runzlig 5 bei Melampns (A. fusca IMiil.) ist der
Fuss durch eine Querfurche in zwei Abtheilun<>en gctbeilt, die Füliler
berühren sich unten, die Augen liegen hinler ihnen. — Von A. fusra
giebt Verf. die Anatomie. Die Lungenöllnung liegt hinten rechts, die
weibliche GeschlechlsölTnung liegt hinler der Milte rechts, und die
n)ännliche vorn rechts wie bei den anderen Auricula -Arten. An d«r
dorsalen Wand der Lungenhöhlung ündet sich nur ein grosses Gefäss
mit wenigen Zweigen, aber nach vorn liegt eine conische Ta.«icho, die
den vorderen Theil der letzten Windung der Schale einnimmt, und de-
ren Wände, mit einem sehr dichten Gelässnetz l)ederkt , der ll^uptsiiz
der Athmung zu sein scheinen. Dafür spricht auch die Lage desHtr-
zens am Grunde der Tasche, in dessen Voikiimnier zwei Gelasse niun-
Naturgeschichte der RIolUisken wälirond des Jahres 1853. 125
den, eines an8 der Tasche, und da« (Jeffiss vom Ri'icUftW^'dfff^Athem-
höhle (Sollte hier nicht, wie hei Adipullari?! , ein« doppelte Alhmun;»
stallfinden?;. Die Z\\itl»M(hnse liegt f,Mn/, hinten; vor der /nn-jcnlör-
«ligen Drüse miindel riiie «jfstielie IJIase, und vor dieser /.wei lappige
Bia8on. Die Kiilhe ist iraii/; isolirt und ohne Zusatiiintnhang niil den
6i4'igen Geschleehtstheilen.
lii. i\ iAuricHlti (Conovuiiis) acromelas Troschel dies Archiv 18ö2. I. p.
197. — A. cOHcinna,infrequens,j)ancimensis,lnbogensis,lrlfincaltti\ilMus
l'anama I. c. — A sandwichensis Souleyel Uonitc. ■>'•»' -»'
Pedipes angulaia Adams Panrt'rira Ir'fc] .('^>««>«iU iio'i tio -
T^imiiaearea. Sain t -S i in^n^ hht*'ÄeobfWft(^W^<»h"d^)cr das
Herz der I.imnäen angestellt, «u welcher Familie auch die Gattung An-
cylus gezogen wird (Journ. de Coiichyl. p. 113.).
Vh^sn cisltrninn y fuliginea^ inipluvidta ^ nicdi'ttgtiana , spiculata^
sgMrth'd« .Mord<^t-CiÄa K"ci*«""'^) iM».^^H«it»«j nuiUiuytjii not uLuW ii,i>
rlattorbis aeruginosus , cannnruniy denliens, maijay nicaragvannsy
obslruclns, orbicnlus, petcncnsis ^ rebtsus ^ slugnicola^ laenialus Morelet
Cuha 1. c. — Fl. atticus von Athen, piscinarutri und hebraintV 9us Sy •
rien Bourguignat 1. c. /• .. . ;(j
''""•' Litfinäiüs soliduttfs Spirtelll t c. dns dem See fcTrö , lirescia" *li?
L. luzonica Souleyel Honite p. 29. fiiJ.3^ — 37. ist eine Amphipcplea'
L. Oakuensis und affinis von den Sandwich Inseln sind Arten desselben
Verfassers. ' '''
jAnipliipneiistea. Eine Art der Ciaftung Onrhidium , ver-
wandt mit 0. celticum, entdfcktö C<i'iic'h an der Käste von Cornwall.
Er fand sie nahe dem Wasser, s'o tfh*s sie von den Wellen hespfilt
wurden, (ian/- unter Wasser getaucht , üherlebfen sie den Tag nicht
(Arinals nat. hist. X. p. 290.). . - >• .. . .< im v , ,, ,•.;,.„.«
Aus der Gattung Teronia '^'MÜ' üW b'^V'(/bü1'a 'tilipll te^V'i}}
290. mehrere neue Arien : P. indolens Couth MS. von Rio Janeiro, ir-
rorata von Neu Seeland, acinosa von den Kidschiinselrt, marginata VÖtf
Orange llarbour, corpuhnla von den Fidschiinseln. '"* "^ *»<>;). uu 4 »»b
f...-..; .. . . ;.. . .f,'.j
NolobrancMata,
Doridea. Aus der Gattung Doris stellte Gould Expl. Exp.
p.293. spp. rol(ien«Ic Arten als neu auf: J). termicelli von Valparaiso,
plumulata Couth. WS. von Orange Marbour, /t/feo/a Coulh. ÄIS. ebenda-
her, smaragdina von d^n Paumoiuinselii, pelcchialis von den Sandwich-
Inseln, lilacina ebendaher, cerchralis, aitrUa und spiracvlala von den
Fidschi-Inseln, sttperba von den Sanioainsiln, cardinntis von den Sand-
wichinseln, suvipluosa von den Ton^rainsdn , aspersa von den l'aumo-
lainseln, dorsalis von Eimeo. — D. sandtriehensis und lineata sind neue
Arten von Souleyel Bonile; beide von den Sandwichinseln.
126 Troschcl: IJeiicht über (jie Leislungon im Gebiete der
Triloniacea« Trilonia cucuUaia Coulh. MS. isl bei Gould
E^j)l, Exp. beschrieben, und stammt von Kio Janeiro.
_,,)),. AU neue Galtung wird ebenda p. 309. Chioraeaa Gould be-
schrieben: Corpus limaciforme, caput enorme, pedunculalum, semiglo-
bosum; pagina vcHtrali discoidea, «ire longitudinali, serielius binis cir-
rhorum cincto, lenlacula cephalica foliala , rclractilia; lobi branchiales
flabcilirormes, serie unica utrinque «M'dinali; loramen generali vum ab
anali remolum, fere dorsali. Weicht von Tiitojiium durch die doppelle
Reihe von Cirrhen ab, die den Alund umgeben. Ch. leonina, ö*/« ^oll
lang, von Port Discovery, Tugel Sound.
AeolidiMe* In der Yoy. de la Bonite Zoologie !1. ist von
Souleyet in Kurze die Anatomie der Gattungen Aeoiidia Cuv., Janus
Verany, Glauous Korst., Tcrgipes Cuv., und Calliopaea d'Orb. gegeben.
Thomas Hincks hat Acolis Landsburgii Alder et Hancock an
der Küste von Devonshire gefangen (Annais nat. hisl. IX. p. 76.). —
A. attenvalus und cyanella Coulh. IMS. sind bei Gould Expl. Exp. als
neue Arten beschrieben; sie stammen von Chili.
,> Klyüia.ilne« Die Gattung Elysia wird von Souleyet üonite
bei den Pulmonalen geschildert, was gewiss falsch ist (vergl. den vo-
rigen Bericht p.43Ü.). — E. lobala Gould Expl. Exp. von den Sand-
Vi'tchinseln. .
Placobranchus iatilhobaplus Gould ib. gleichfalls von den Sand^t
Wichinseln.
Phyllferlioidea- In der Yoy. de la Bonitc p. 399. giebl
Souleyet eine Anatomie von Fhyllirhoe, und kommt ?u der Ansicht
die er schon 1846 Comptes rendus XXII. p.473. ausgesprochen, dass
die Gattung eine besondere l'amilie unter den INudibranchiern bilden
müsse, indem er sich darauf stützt , dass das INcrvensysicm dem von
Doris, Trilonia und Aeolis sehr ähnlich sei, dass der Geschlechtsappa-
rat übereinslimme, dass die Leber aus langen Blinddärmen bestehe, die
sich nicht bis zu äusseren Hautr.nhängen ausdehne, weil hier die Haut
die Function der Bespiration übernehme. So sei nur der iMangel des
Kusses abweichend.
Aptysiacea. Aplysia pulmonica Gould Expl. Exp. von den
Samoa-Inseln. — A. oahuensis Souleyet Bonile von den Sandwichinseln.
Bursatella iac/nm/a Coulhouy MS. bei Gould Expl Exp. von Bio
Janeiro.
In der Kähe von Aplysia stellte Gould Expl. Exp. p. 224. eine
neue Gattung Stylocheilus auf: Corpus limaciforme, lanceolatum, re-
trorsum attenuatum, cirrhigerum; caput liberum, tenlaculis quaiuor elon.-
galis linearibus plus minusve papillosis iiistructum ; os inferius; iabro
laleraliler in processum subulalum palpi'ormem dilatato. Die Gatlurg
ist wegen des dritten Fühlerpaares, das jeduch nur am lebenden I hier
Katiirgcschifhte der AIolluske§ wälnend des Jahres 1852. 127
deutlich sein, und in Weinjjrist contiahirl werden soll, aufgestellt. Da-
hin gehört Apiysia loni;icauda Qiioy. Gaim. und z^vei neue Arten St.
lineolalus von üah«, und St. quercinus von den Fidschi- Inseln. Diese
Gattung ist von (iiay ISJO Aclcsia «ieiiannl
Dullacea. Aibany llnnco (k machte IkmerKuiigen über die
Geruchsorganc bei den liullidae. Seit es erkannt ist, dass die Tenta-
keln der Schnecken dem Gtruehssinnc dienen, ist es niciit ohne Inter.
esse zu wissen, ob die ihiere aus der Familie Bullidae mit dem Ge-
ruchssinn versehen sind, obgleich sie keine Penlakeln bcsit/.en. Dem
Verf. zufolge sind die sogenannten Kopflappen der Sitz des Geruchs-
sinnes. Dieselben sind eine Verwachsung der Lippenienlakeln und Rük-
kententakeln. Bemerkungen über die einzelnen Gattungen Gasteropte-
ron, Philine, Akera und Bulla sind hier niedergelegt (Annais nat. hist.
I.V. p. 188.).
Bei Souleycl Bonite sind pl. 2ö die Thiere von Bulla amplu-
slra und fasciala abgebildet; auch,, finden sich daselbst ßemcrkungen
(iber die Anatomie von (lasteropteron und Umbrella.
Bulla in frequens und Inlicola sind neue Arten von Adams Pi^j
nama 1. c. '
Monoplcurobran chiaia.
Aiicyloidea. „Bemerkungen üb* r (iiin llachia, l.atia und An-
cylus" machte Pfeiffer in der Zeiti>chr. xMalak. p 179. bi kannt. Er
hat nun die Gundiachia ancyliforuiis im ausgewachsenen Zustande em-
pfangen, wodurch sich zeigt, dass diese Gattung in der Thal nahe mit
Ancylus verwandt ist. Auch die Lehensweise stimmt (famit überein.
Die Gattung Latia Gray bildet eine V« riuilt» lung zwisclien Gundiachia
und Ancylus. Beide (Jallungen , so wie Ancylus Havanensis l'fr. und
radiatilis Mor. sind abgebildet.
Fine neue Gattung Velex Gould Expl Exp. p. 153. Fig. 176. hat
folgende Charaktere: testa parva , navicelloidca, tenuis; veriice termi-
nali, obliquo ; apertura ampla, ovalis, cavositas septo ungusto posticali
horizontal! partita ; sepli margiiie ab latere siuistro disjuncto, et in pro-
cessum gracilem contortum producto. Die Art P. lateralis Ui VioZolI
lang und lebt in Keu Seeland in süssem Wasser. Unzweifelhaft ist
die Gattung mit Latia Gray identisch.
Alo q u i n -Ta n d o n hat den Ancylus fluviatilis einer Untersu-
chung unterworfen Derselbe beschreibt ihn nach seinen äusseren Or-
ganen und schildert seine Anatomie (Jouin. de Coiichyl p. 7. und 1 21.'.
Das Thicr soll links gewunden sein in einer rcclits gewund« neu Schale,
bei A. lacustris umgekehrt. Es sollen bei A. Iluvialilis drei Kiif«r
vorhanden sein, was ich jedoch nicht bcoliitigen kann; (der Uberkie-
fcr besteht aus zahlieichtn braunen, plattinf6rniigen Stücken, ähnli«h
\%io bei A. lacustris). Das Athmungsorgän soll eine kItine, längliche,
128 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
links gelegene innere Tasche sein, «m Uande des Mantels, vor dem Re-
ctum, wie es schon B I a i n vi 11 e angielit ; in ihr soll sich an der Decke
ein kaum bemcikbares Gefässnetz linden; Verf. behauptet auch, dass
diese Thiere sowohl atmosphärische Luft als auch die dem Wasser bei-
gemengte Luft alhmen können; er hielt einzelne Individuen bis tSTagc
lebend in Wasser, ohne dass sie ballen an die Oberfläche kommen
können. Von Tianorbis rolundatus und Limnaeus glaber wird dasselbe
behauptet, was gegen meine Erfahrungen spricht. Auch dns Jlerz, die
Miere, welche Verf. giandii praccordiale nennt, das Nervensystem, Sinnes-
organe und l^ewe-iungsorgarte sind beschrieben.
Morelet stellte zwei neue Arten Cuba 1. c. auf: Ancylus car-
cenlricus und radialilis.
Siplionariacea, Siphonaria anlarclica Couth. MS. ist eine
neue An, vielleicht nur Varietät von S. Lessoni bei Gould Expl. Exp.
von Cap llorn.
Jiijpobranchiata.
Pliyllidiacea. Souleyet Honite gab eine Anatomie von
Diphyllidia lineata. Verf. ist der Ansicht, diese Unterordnung sei mit
den IVackikicmcrn zu vereinigen.
Diphyllidia rubida von den Sandwicliinseln ist eine neue Art von
Gould Expl. Exp.
Pteropoda.
Den Pleropodch ist in der Voy. de la Bontte von Sou-
leyet ein grosser Al)schnilt(p. 37— ^288.) gewidmet, dazu g-c-
hören pl. 4 — 15. des Alias. Der Verf. giebt hier 1) eine hi-
storische Einleitung- (p. 37 — 52.), 2) wird im Allgemeinen über
die Gestalt und die Organisation der Pteropoden gehandelt,
3) über die Naturgeschichte der Pteropoden, 4) über die Clas-
sification. Der Verf. ündet eine grosse Uebereinstimmung der
Organisation mit den Gasleropoden, so dass er ihnen nicht
den Rang einer Klasse einräumt; der natürlichste Plalz sei in
der Nähe von Aplysia, Bulla und Gasteropleron. Die Gruppe
der Pteropoden umfasst vier Familien. 1) Hyaleae mit den
Gallungen Hyalaea , Cleodora, Cuvieria, Spirialis und Limo-
cina. 2) Cymbuliae mit den Gattungen Cymbulia und Tie-
ilemannia. 3) Kurybiae mit der Galtung Eurybia (viel-
leicht auch Psyche Rang). 4) C Hon es mit den Gattungen
Clio, Pneumodermon, Pelagia, Spongiobranchaea, Cymodocea.
— Verf. giebt nun die Anatomien von Hyalaea, Cleodora,
Cuvieria, Spirialis, Cymbulia, Euribia, Pneumodermon, Clio.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1^2. 129
Bei Hyalaea tridentata bildet die Zunge eine kleine rundliche
Anschwellung und trägt drei Ueihen horniger, rückwärts gebogener
Zfihne; keine Kiefer. Die Kiemen bilden um die Eingeweideniasse eine
vorn offene Ellipse, deren rechter Arm am innern Rande viele kamm-
artige Verlängerungen trägt, während der linke Arm sich in der Höhe
des Herzens in zwei Aeste theilt; die Kiemenlappen sind nicht einfach
wie bei den Patellen, sondern zerfallen in viele Blättchen, die sich an
ihren Enden vereinen und sich mittelst eines Stieles an die Kiemenge-
fasse heften. Das Herz liegt an der innern Seite des rechten Kiemen,
armes ; es hat zwei Klappen. Sie sind Zwitter ; von der Zwitterdrüse
geht ein Oviduct zu einem langen nach hinten in die Leibeshöhle ra-
genden Schlauch, den Blainville als der gestielten Blase entspre-
chend ansah, den Verf. jedoch für ein Keben-Secretionsorgan anspricht,
wie es bei den hermaphroditischen Schnecken meistens unter verschie-
denen Gestalten gefunden wird. Der vordere Theil desselben begiebl
sich, als Forlsctzung des Oviducts, zu einem kugeligen Organ, welches
vor dem Magen liegt (Moden Cuvier}, und das Verf. mit Blainville
für Matrix ansieht; der Ausführungsgang der Geschlechtstheile mündet
dann hinten am Grunde der rechten Mosse. In diesen letzten Theil des
Oviducts mündet eine gestielte Blase, die bald frei liegt (H. trispinosa},
bald sich an die Windungen der Matrix anlehnt (H. tridentata). Der
Penis hat keinen Zusammenhang mit den übrigen Geschlechtsorganen.
Verf. will daraus den Schluss ziehen, dass, wie bei Aplysia, Bulla, Bul-
laea, die Begattung nur ein Aufregungsmittel sei, und dass die Eier di-
rect im Ovarium oder im Oviduct befruchtet würden, eine Ansicht, die
nm so weniger Beifall verdient, als Verf. selbst der äusseren Furche
Erwähnung thut, welche beide GeschlechtsöfFnungen mit einander ver-
bindet.
Der Gattung Cleodora fehlen immer die seitlichen Anhänge des
Mantels; die Kieme liegt symmetrisch um die Eingeweide in Form ei-
nes Hufeisens, besieht aus zwei gleichen Abtheilungen, rechts und
links, die sich hinten in der Mitte vereinigen, und ist eine einfache
Membran, die mit einem Bande anhängt, mit dem andern frei in die
Kiemeiihöhle ragt; die Gefässe bilden ein sehr enges INelz auf ihrer
Oberlläche. Der Vorhof des Herzens communicirt mit einer birnförini-
gen Tasche, die an der unteren Wand des Mantels anhängt. Verf. sieht
sie als ein Diverticulum an, in welches das Blut zurücktliesst, so lange
die Vorkammer in Ruhe ist (es ist diePJiere); die Herzschläge sind sehr
unregelmässig.
Die Gattung Cuvieria findet Verf. so ähnlich mit Cleodora, dass
er eine generische Trennung nicht für zulässig hält, sondern ihr nur
den Rang einer Untergattung zugesteht.
Die Gattung Spirialis (Souleyet 1840. in der Revue zoologique)
ist eine Cleodora, deren hinterer Theil spiral gewunden ist, und un-
Arcbiv f. Natargesch. XIX. Jahrg. 2. Bd. |
(130 Troscheh Bericht über die Leistungen iai Gebiete der
terscheidet «ich von Liraacina oder Spiratella nur durch dos Vorhan-
densein eines Deckels. In der innern Organisation weicht die Gattung
Spiiialis von Cleodora nainenliich dadurch ab, dass die Kiemenhöhle
nicht unterhalb, sondern oberhalb liegt, also sich mehr den Gasteropo-
den nähert; die Structur der Kiemen ist wie bei Cleodora; der After
liegt an der rechten gcite. In diese Gattung gehört die d'Orbigny-
sche Untergattung von Atlanta, Helicouoides.
Heber die Galtung Cymbulia ist der Arbeit von Vanbeneden
wenig Neues hinzugefügt. Die Zunge ist am Ende dreilappig, jeder
i«ppeti trägt eine Reihe Zahne; zwei kleine Kiefer sind vorhanden.
Die Gattung Euribia, welche Verfasser nach einer neuen Art E.
Gautlichaudii schildert , hat einen knorplig häutigen Mantel , der das
Ansehn und den Gebrauch einer Schale hat, das Thier kann sich völ-
lig in ihn zurückziehen ; die Zunge trägt zwei Reihen von Zähnen.
Zwei vor den Flossen gelegene Anhänge, die gefaltet und gefässreich
sind, sieht Verf. als Kiemen an, indem keine andere Oeffnung als die
MundöfTnung und GeschlechtsöfTnung den Mantel durchbohrt. Durch
die Stellung der Flossen und des kleinen mittleren Lappens , der sie
hinten vereinigt, nähert sich die Gattung den schalentragenden Ptero-
poden, während die innere Organisation grosse Verwandtschaft mit Ciio
und Pneumodermon zeigt.
Bei der Gattung Pneumodermon sieht Verf. die mit Saugnäpfcheo
besetzten Anhänge als Greiforgane an. Auch die Anatomie der Gattung
Clio ist gegeben.
Histoire naturelle des Mollusques Pleropodes, monogra-
phie comprenant la description de toutes les especes de ce
groupe de Mollusques par Rang et Souleyet. Paris 1852.
Dieses Werk ergänzt die schätzbaren Beobachtungen, die in der
Voy. de la Ronite publicirt werden , indem es eine Aufzählung und
Beschreibung aller bekannten Arten enthält. In der Familie der Hya-
laeen werden beschrieben die Gatt. Hyalaea Lam. mit 12 Arten, Cleo-
dora Peron Lesueur mit 14 Arten , Cuvieria Rang mit 2 Arten, Lima-
erna Cuv. mit 1 Art, Spirialis Souleyet mit 6 Arten. — Die Farn,
der Cymbulien enthält die Gattung Cymbulia Per. Les. mit 3, und Tie-
demannia Vanben. mit 2 Arten. — Farn, der Euribien mit der Gat-
tung Euribia in 4Arlen. — Farn, der Clionen, wo die Galtungen: Pneu-
modermon Cuv. mit 4 Arten ni^d Clio Linn. mit 7 Arten. Alle Arten
sind auf 15 Tafeln abgebildet, die zum grossen Theil schon vor län-
g&ver Zeit angefertigt worden sind , für eine Monographie, die Rang
beabsichtigte. Diese sind oft nicht den neueren Ansprächen entspre-
chend , enthalten mehrere Copien aus älteren Werken , und Namen,
welche mit den im Text angenommenen nicht immer äbereinstinimen.
Souleyet hat nämlich häufig die früher von -Rang anerkannten Arten
NaturgeBohichle der Mollusken \v6brend ieä Jahres 1853. 131
zusammengezogen , und eine Synonymie aufgestellt, die gewiss nicht
immer mit Glück gewählt ist. Dabei ist jedoch anzuerkennen, dass es
Bfehr schwierig ist, die von den verschiedenen Schriftstellern gelieferten
Beschreibungen und Abbildungen, weiche oft nach einzelnen in Spiri-
tus aufbewahrteü Exemplaren angefertigt sind, mit Sicherheit aufein-
ander zu beziehen. Durch weitere Forschungen in den verschiedenen
Meeren wird es gewiss gelingen , manche Arten wieder zn erkennen,
und dann erst wird man die Entscheidung treffen können, ob sie als
selslstSndige Arten festgehalten werden können. Gewiss wird sich auch
bald die Zahl der Arten bedeutend vermehren , wenn die Reisenden
den kleinen, oft fast mikroskopischen Formen mehr Aufmerksamkeit
widmen werden.
iSVue Arten: Hyalaea angulata Souleyet Bonite aus dem äl-
lantisclien und indischen Ocean. — H. inermis ohne Angabe des W-
terlandes und fetnorala aus den Aequatorialgegenden des atlantischen
Meeres Gould Expl. Exp.
Cleodora compressa, curvata und inßata aus dem atlant. Ocean,
thaplalii vom Cap Souleyet Bonite. — Cl. exacuta gefangen 44« nördl.
Br. und 154^ wesll. L., munda und placida aus der Aequatorialgegend
des atl. Oceans und falcata zwischen Oregon und Ostindien Gould
Expl. Exp. - , ;
Limacina scaphoidea Gould Expl. Exp. atl. Öcean.— I>. (r) eii-
cuUala Gould ib. p. 486. ist eine andere Art, welche bei einer Eisinsel-
060 südl. ßr., 106" 20' ösll. L. gefangen ist, und von der Verf. glaubt,
sie werde vielleicht ein neues Genus bilden müssen, für das er event.
den Namen Agadina vorschlägt; Verf. charakterisirt die Art so: pel-
lucida, planorboidea , altero latere anfr. 5 ostendens , allero anfractum
nnicum umbilicatum; apertura obliqua , campanulata , cuCullata. Thiffr!
schwarz mit ovalen Anhängen. */,^ Zoll.
Spirialis Gouldii Slimpson New-England I.e.
C helolropis nov. gen. Forbes ßaltlesnake p. 385. Schale
Spiral, Ihurmförmig, rechts gewunden, undurchbohrt, doppelt gekiel^;
Spira vorragend, ihr Nucleus links; Mundung eiförmig, unten mit ei-
nem Kanal, der Aussenrand mit zwei krallenartigen Lappen, einer in
der Mitte und durch eine Verlängerung des Randes zwischen den Kie-
len gebildet, der andere kleiner nahe dem Sipho; Feristom verdickt,
umgeschlagen, einen deutlichen Rand bildend. Kein Deckel. Obgleich
Verf. das Thier nicht kennt, so vermulhet er, es sei ein Fteropode. Die
einzige Art Ch. Huxleyi ist sehr klein, '/j/i Zoll im Durchmesser, und
wurde im Schleppnetz bei Cap Howe, der Südoslspitze von Australien,
gefangen.
Clio longicaudatus Souleyet Bonite.
132 Troschel: Bericht über die Leislnngeii im Gebiete der
;»*J«^1ijA, ,ai4iSi^i[(to»i.T' acephala. ^'^^^^»^^?^i*ß^«ö^
Bracliiopodat
Davidson veröffentlichte in den Annais nat. bist. X.
p. 361. eine Klassificalion der lebenden Brachiopoden.
Verf. nimmt 7 Familien an: 1. Terebratulid ae mit den Gat.
tungen Terebratula, Terebratulina d'Orb. , Terebratella d'Orb., IVlegerlia
Kingf Kraussia n.^en.^ Morrisia n. gen., Magas Sow. mit dem Sub-
genus Waltonia, Bouchardia Dav. , Argiope Deslongch., Tiiecidea l)ef.
2. Spiriferidae (ausgestorben). 3. Rhynchonellidae mit der
Gattung Rhynchonella Fischer. 4. Orlhidae (ausgestorben). 5. C«/-
ceolidae (ausgestorben). 6. Craniadae und 0 rhiculidae mit
den Gattungen Crania und Orbicula. 7. Lingulidae mit der Gattung
Lingula Brug. Im Ganzen werden 67 Arten aufgezählt. — Die Cha-
raktere der beiden neuen Gattungen lauten:
Kraussia. Schale subcircular, mit fast gerader Schlosslinie
Schnabel abgestutzt; Loch gross, rund ; Deltidialplatlen klein, nicht ver-
einigt; Schnabelränder wohl umgrenzt, eine flache Area zwischen Sich
und dem Schlossrande lassend; die unteren Stielmuskeln sind gross,
und lassen zwei weite augenförniige Eindrucke. Dicht am Schloss und
zwischen den innern Wällen der Djilenränder erstreckt sich eine mitt-
lere Leiste bis gegen die halbe Schalenlänge , an deren Ende sich
zwei kleine, gabelförmige divergircnde Lamellen erheben. Die gewim-
perlen Arme sind ungewöhnlich klein, ihre Franzen reichen nicht über
die Hälfte zum Schalenrande; an ihrem Grunde sind wenige oder gar
keine Cilien vorhanden; der ganze Kiemenapparat ist durch die klei-
nen gabelförmigen Fortsätze gestützt. K. rubra (Terebratula capensis
Krauss) und 4 andere Arten.
Morrisia. Schale klein, kreisförmig, niedrig; Loch gross, rund,
gleichmässig in beide Schalen eingreifend ; die grössere Schale mit ei-
ner kleinen, geraden Schloss- Area; Deltidialplatlen klein, weit getrennt,
die kleinere Schale an dem Dmbo tief eingekerbt; zwei Aeste ent-
springen am Grunde der Zahndillen, und vereinigen sich zu einem klei-
nem erhabenen Fortsatz, der sich vcn der Mitte der Schale erhebt. Thfer
mit zwei subspiralen öder S-förmigen Armen, mit grossen Cilien g6-
franzt; sie entspringen über dem Munde, gestützt durch die Schenkel-
fortsätze. Terebratula seminulum ist die einzige Art.
Crania radiosa Gould Expl. Exp, von Rio de Janeiro.
IjamellibraiiclBiaia.
Duvernoy las in der Academie des sciences zu Pa-
ris eine Abhandlung über das Nervensystem der Muscheln,
wovon ein Auszug in den Comptes rendus XXXIV. p. G60.
Naturgeschichfo der Mollusken während des Jahres 1852. 133
enthalten ist. Die Resultate schliessen sich an die Aufsätze
des Verf. in den Comptes rendus von den Jahren 1844 und
1845 an. Vergl. auch LMnslitut 1852. p. 165.
Ostracea. Dureau de la Malle legte der Acade>
mie Beobachtungen über die Austern vor, welche ihm von
Lafosse mitgelheilt waren (Comptes rendus 1852. Tome 34.
p.69ö.)
Während die Austern bei Granville fünf Jahre gebrauchen, um
verkäullich zu werden, d. h. utn 9 Cenlimeter im Uurchmesser zu er-
reichen, erlangen sie diese Grösse bei Cancale in l'/j Jahren; hier jft
der Grund nur von einer dünnen Schlammschicht bedeckt; ja selbst
kranke Austern, von Granville nach Saint Vaast oder Courseulle g(?-
bracht, wurden in 1 oder 2 Monaten wieder gesund. — Die Austern-
behälter sind bei Granville nur bestimmt, die Auslern von ihrem üblen
Geschmack und Geruch zu reinigen ; sie wachsen und vermehren sich
darin nicht. — In den Auslerbehältern zu Cancale werden die Austern
nicht nur aufbewahrt, sondern wachsen hier auch; die nicht ausge-
wachsenen Stücke werden hier auf den ebenen Grund gelegt, doch
nicht mehr als zwei über einander. — In einem Korbe erhielt Hamon
im heissen Sommer Austern länger als 17 Tage lebendig. — In l^fi
Hague soll es einem Austernzuchler gelungen sein , die weissen Au-
stern von la Manche grün zu machen, wie die von Marennes bei Rp«
chcfort. — Endlich hat ein Artzt von Morlaix (Kinislere) grosse Au-
stern von hartem schlechtem Geschmack, die man nur gekocht isst,
mit kleinen Austern von Ostende gekreuzt, und so Bastarde erhalten,
die gross und von köstlichem Geschmack sind.
Hamel sprach sich in der Petersburger Academie über
das Projecl aus, Austern, Hummern, Seekrebse, Krabben und
Miesmuscheln im Finnischen Meerbusen zu ziehen. Nach Be-
richt über einen früheren misslungenen Versuch im Jahr 1747,
kommt er zu dem Resultat, dass wegen des geringen SalzgC;^
halts (0,6 Procent, wogegen an der Küste von Holstein und
im kleinen Bell 1,7 Procent, an englischen Küsten 3,9 Pro-
cent, im Miltelrneer 4 Procent Salztheile vorhanden sind), alle
Versuche die Austern in den finnischen Meerbusen zu über-
siedeln erfolglos sein würden (Bull, de l'Acad. de St. Peters-
bourg. 1852. p.314.).
Anomia tenuis Adams Panama 1. c.
Pectinea* Spondylus sanguineus Dunker Zcitschr. f. Malalu
p. 55.
■ff
134 Troschel: Bericht aber die LeigtnngeB im' Gebiete der
Fielen Vanvincqun Bernardi Journ. de Conchyl. p. 167« pl; 8. figf
1. 2. aus dem stillen Ocean?
Aviculacea. D unk er beschrieb 14 neue Avicula-Arten, in-
dem er Meleagrina, der die letzten 8 Arten angehören, mit Avicula
vereinigt: A, spadicea aus dem rothen Meer, Japonica von Japan, cor^
nea, straminea, Ä^/aima von Van-Diemensland, plicalula, atro-purpureay
longisquamosa von Porto Gabello, Lichtensteini von den Sandwichinseln,
Petersii von Querimba, Tamsiana von Porto Cabello, citrina , fimbriata
von Central-Amerika, badia (Zeitschr. f. Malak. p.73.).
* * Pinna trigonium Dunker aus Ostindien (Zeitschr. Malak. p. 60 ).
Arcacea« Area venusla Dunker Zeitschr. Malak. p. 59. — A.
pholadiformis, similis, Tabogensis Adams Panama 1. c.
nTuculidae« Nucula sulculala Couth. Ms. bei Go ul a Expll
Exp. von Cap Hörn. *^
Leda obesa Stimpson New-England 1. c.
IVaJades. Ueber die Gattungen unter dep nordamerikanischea.
Najaden schrieb L. Agassi z in diesem Archiv 1852. 1. p. 41.
„A Synopsis of Ihe Family of Najades by Isaac Lea.
Third edition. Philadelphia 1852. 4.«
In dieser äusserlich sehr schön ausgestatteten neuen Ausgabe;,
wovon die zweite im Jahr 1838 erschienen war, liefert der Verf. ein
grosses Yerzeichniss der dieser Familie angehörigen Muscheln, welche»
539 lebende vom Verf. anerkannte, 127 ihm unbekannte oder zweifel-
hafte und 106 fossile, also im Ganzen 767 Arten enthält. Es werden
zwei Genera angenommen, Margaron (für Lea's frühere Benennung
Margarita, die anderweitig vergeben ist) und Platiris. Erstere zer-
fällt in 7 Subgenera: Triquetra Klein (Hyria Lam.) mit 3, Prisodon Schum;
(Oastalia Lam.) mit 2, ünio Retz. mit 401 lebenden, 84 dem Verf.
zweifelhaften and 97 fossilen Arten, Margaritana Schum. mit 18 «mer^'
kannten und 3 dem Verf. unbekannten Arten, Monocondylea d'Orb. mit
8, Dipsas Leach mit 2, Anodonta Cuv. mit 90 lebenden, 39 dem Verf.
unbekannten lebenden und 9 fossilen Arten. Die zweite Gattung Pia.
tiris zerfällt in drei Subgenera: Iridina Lam. mit 4, Spatha Lea mit 4
nnd Mycetopus d'Orb. mit 3 Arten. Angehängt sind : ein geographisches
Verzeichniss nach den Welttheilen, alphabetisches Verzeichniss der Ar-
ten und ein Verzeichniss der citirten Schriften. Da der Verf. sich vor-
zugsweise mit den Najaden beschäftigt hat , so wäre es zu wünschen
gewesen, dass er die Resultate seiner Forschungen dadurch nutzlicher
gemacht hätte, dass er die Arten vergleichend charakterisirt, und die
Synonymie durch vollständigere Citate dem Leser erleichtert hätte. Der
Vorwurf, welcher dem Verf. bei Gelegenheit der Anzeige dieses Bu-
ches in den Annais nat. bist. X. p. 136. gemacht wird, dass er in der
Priorität der Wamengebung nicht völlig gerecht gewesen sei, ist nicht
JHaturgedokichte der Mollusken während des Jahres 185!2. 18^
g%ttz unbegründet , auch mögen seine vielen neuen Arien nicht gBÜi
stichhaltig sein. Vor allem ist zu bedauern, dass der "Verf. nicht mehp
die Anatomie der Thiere berüclisichlift hat, da nach den Forschungen
von Agassiz an ihnen Verschiedenheiten vorltommen , die (üp generi-
sche Trennungen, auch innerhalb der immer noch artenreichen engeren
Galtung Unio, besonders brauchbar sind. Immerhin ist diese Arboit defr
Verf. dankbar anzuerkennen. <k
Im lOten Bande der Transactions of the American Thilosophical
Society 1852. beschrieb Isaac Lea eine grosse Zahl neuer Nordame-
rikanischer Arten der Najadenfamille, die auf 18 Tafeln abgebildet sind,
und die bereits in die eben besprochene Synopsis aufgenommen sind«
Wir gehen nur die Namen : Unio sordidus,Gibbesianus, perstriatuSjTu^ii
meyi, BarreUtiif decorainsy rufusculus, Whiieianus, Lazarus, xneru«, con~
cavus f ineplus, buxeus^ pygmaeus , fraternus, Cuvierianut, ForbeaianuSf
Kleinianus, satur, Latnarckianus, hebes, Mousaonianus, nigerrimus, Pre-
vo$tianuSj Powellii , affinis , proximus , Reeveianus , luridus^ Klarhianus,
floridensis, $ucaUsus, QrßgomnsiSt HumphictnuSf SiagUliformiSi Sleward-
sonii , Hanleyianu$ , placilus , Troschßlianus , Kienerictnus , IngaUsiantf,^^
nigellus, nux^ nigrinus. Die Anodonten s, unten, — Mehrere Arten be-r.
schrieb Bourguignat 1. c; U. Saulcyi^ Michonii, Delesserti von
Joppe in Syrien, iripolUanus von Trippiis in Syrje^, Urmin^Uß aus dem
See Tiberias in Syrien, orienlalis aus dem Flusse Melites bei Smyrnf^
euphralicus , bagdadensis und tigidris aus dem Tigris bei Bagdad. —
U. sumatrensis von Sumatra , Cumingianus von Neuholland, Fokkesi aus
dem La Plata sind neue Arten von D unk er Zeitsch. f. Malak. p. 52.
— Unio aßruginosusj calamitarumt crocodilorum, delphinulus, digitat\is*
explicatuSf Morini, ostrealns, paludosiis, planivalvis, psoricus, rati$lell\u*^
scamnatuf, scululatus, spheniopsis, Usludiiieus i^lprele^Cuba 1. c. — C o n.
rad bemerkt, dass Lea's U. turgidus (1837} =? seinem f/. ^/orfon» (1835)
sei (Philadelphia Troceed. VI. p. 199.), — ' U. Ci47nitigii Lea au9 China
ib. p. 54. — U. Spinelli Spinelli 1. q. aus dem See Jdro, Brescia.
Keber beschrieb das Eingewddcnervensystcm in der
Teichmuschel (Anodonla) (Müller's Archiv f^x f^m\r iSb% p,
76. Taf. IIIO.
Drouet schrieb eine Abhandlung „Etudes sur les Ano-
dontes de TAube,« (Revue et Mag. de Zool. 1852. p. 51., 244.,
285., 362.).
Verf. meint, man dQrfe nicht bloss eine Art annehmen, auch nicht
für jeden Bach eigene Arten aufstellen, sondern man müsse die Mittel.
Strasse halten. Er behauptet feiner, jede Localität ernähre zw^ei Ar-
ten, eine aus der Gruppe von cygnea, und eine aus d«r Gruppe ana-
tina oder ponderosa ; man könne also aus der Entdadinng einer Art
immer auf die Coexistcjiz einer zwcilen schliesscn. de« abgcrlfbewen
136 Trosch«!: Bericht ober die Leistungen im Gebiete der
Wirbeln will Verf. nicht viel Wichtigkeit zugestehen, man könne dar-
aus höchstens erkennen, ob eine Muschel alt oder jung sei. Dagegen
dürfe man nicht vernachlässigen die Dicke der Schalen, die (iestalt des
Ligaments, das Klaffen, den Parellelismus des Schloss- und Manlelran-
des u. 8. w. ; Verf. nennt den Schlossrand oben , den Mantelrand un-
ten, denTheil,wo die Fühlerpapillen liegen (papilles tentaculaires) vorn,
den wo derFuss entspringt, hinten. Dann werden die Arten beschrie-'
ben\ Zur ersten Gruppe gehören A. cygnea , ventricosa, cellensis und
oblonga; zur zweiten anatina, Rayi , parvula (coarctata Pot. et Mich.);
zur dritten piscinalis, Alilletii, roslrala, Dupuyi. Schliesslich folgt All-
gemeines über die Lebensweise und den Fang der riajaden, und eine
Beschreibung der Schale und des Ligaments.
Daran schliesst sich ib. p. 527. und 565. eine von Baudon ge-
arbeitete Anatomie der Anodonten, deren Schluss im Jahrgang 1853.
der8eU)en Zeitschrift p. 247. und 493. enthalten ist. Zwei Tafeln erJ
läutern die Anatomie.
Anodon bambousearum und luculenlus Morelet Cuba I. c. — A.
idrina Spinelli 1. c. aus dem See Idro, Brescia. — Lea beschrieb Trans-
aclions of the American Philosopbical society Vol. X. 1852. folgende
neue Arien : A. denigrala, opaca^ californiensis, Traulioiniana, Wheal-
leyif Schaefferiana, Linnaeana , oblitOf virens, tortilis ^ Schroeteriana,
Arkansensis.
üeber die Gattung Acostaea d'ürb (vergl. den vorjährigen Be-
richt p.301.) sind zwei Bemerkungen erschienen. Die eine von J. E.
Gray (Annais nat. bist. IX. p.l52.), welcher die Gattung für identisch
mit Mülleria Fer. erklart , und vermuthet, dass sie in dieselbe Familie
mit Etheria gehöre; — die andere von Lea (Journal of the Acad. nat.
sc of Philadelphia Vol. IL p. 125.), der genau zu demselben Resultate
kommt, und der für den Fall, dass die Ferussac'sche Art, gegen seine
Vermuthung, specifisch verschieden sei, diese MüUeria Ferussaccii^ die
d'Orbigny'sche Art Mulleria Guaduasana nennt.
Mytilacea. Mytilus subdistortus Recluz (Journ. de Conchyl.
p. 159.) von China? 1
Aus Modiola trapezina Lam. machte Gould Expl. Exp. p. 459.
eine neue Gattung G aimardi Uy weil der Mantel bis auf die drei
Oeffnungen geschlossen ist. Thier und Schale sind beschrieben. (Diese
Gattung ist von Gray bereits 1840 Modiolarca genannt worden).
1^^^^ Dreissena Sallei aus dem Rio dulce (Guatimala) und Domingen'
sis von St. Domingo sind neue Arten von Recluz (Journ. de Conchyl.
p. 255. pl. 10. fig.9. und 8.
Chamacea« Chamo Buddiana Adams Panama 1. c.
Cardiacea« Cardium Reeveanum Dunker von Neuholland
Zeitschr. Malak. p. 54.
Naturgeschichte der Mollusken während deB Jahres 1852. 137
fiUCinacea* Lucina Bcobinala Recluz Journ. de Conchyl. p.
252. pl. X. fig. 6. von Guadeloupe.
Cycladea. Cyclas maculala Morelet Cuba 1. c. — C. Secu-
ris Temple Prime von Massachusetts (Annais Newyork V. p.218.).
Pisidium sinuatum Bourguignat (Journ. de Conchyl. 1852. p. 47.
pl.I. flg. 6— 10.) bei einem Uorfe in der Nähe von Vendeuvrei- sur--
Barse (Aube). — P. Reclusianum Bourguignat ib. p. 174. pl.8. fig. 8^]
von Boulogne. — P. comprcssuw Temple Prime von Massachusetts (Arisi'
nuls Newyork Y. p. 219.). -— P. canariense Shuttleworlh Berner MiU
theil. p. 137. von Teneriffa.
Cyrena salmacida Morelet Cuba 1. c. — C. eximia Dunker vpa.
Java Zeitschr. Malak. p. 51. — C. maritima Adams Panama 1. c.
Cyrenoides americanus Morelet Cuba I. c.
IVympliacea* Tellina Souleyetiana Recluz Journ. de Con-
chyl. p. 253. pl X. flg. 5. von Guadeloupe. — Adams Panama 1. c. hat
folgende neue Arten: T. cognata, concinnaf puella, siliqua, simulani';
Donax rostralus Adams Panama 1. c. ^ •: ^^ ;
Sanguinolaria Tahitensis Bernardi Jouro. de Conchyl. p. 259. pl.^
10. fig. 7. von Tahiti. :>
liitliopliagra» Felricola cognata Adams Panama 1. c.
Concliae. Clark beschreibt dasThier von Lucinopsis undata
(Venus undata auct.) und ist geneigt, diese Galtung der Familie der
Telliniden einzuverleiben (Annais nal bist. IX. p.400.).
Venus (Cylherea) Creplini Dunker Zeitschr. Malak. p. 61. — Cylh,
eonsanguinea Adams Panama 1. c.
Gouldia pacifica Adams Panama 1. c. k
Donisia (Artemis) lenuis Recluz Journ. de Conchyl. p. 250.pl. Xi'
flg. 1. von Guadeloupe.
Meier in Lübeck hat Cyprina islandica in der Ostsee auf der
Niendorfer Rhede bei Lübeck gefangen (Archiv des Vereins in Meck-
lenburg 6. Heft. 1852. p. 126.).
]IIac4racea. Mactra Guadelupensis Recluz Journ. de Conchyl.
p. 249. pl. X. Hg. 4. von Guadeloupe.
Lulraria capax Gould (1850) ist als identisch mit L. maximaMid-
dendorf (184t) aneikannt Expl. Exp. p. 395.
Amphidesma bicolor , proximum, slriosumy forfMOSum, ventricosum
sind neue Arten von Adams Panama 1. c. '-'
Corliulidae« Anatina alla Adams Panama 1. c.
Thracia Scheepmakeri Dunker Zeitschr. Malak. p. 59.
Pandora cornuta Adams Panama 1. c.
Potnmomya aeqnaliSf inßata und Irigonalit Adams Panama I. c.
i38 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
•H». . A u capitai ne beobachtete Corbula nucleus Lam. an der Fran-
zösischen Westküste bei La Rochelle in Brakwasser und selbst im
süssen Wasser (Annales des sc. nat. XVIIL p. 271.). — C rubra Mams
Panama 1. c.
Lepton Clarkiae Clatk wird als neue Art (Annais nat. hist. IX. p.
191.) beschrieben, und später (ib. p. 293.) durch hinzugefügte CharaW
lere bestätigt. — Derselbe beschreibt ib. X. p. 129. L. squamosum auct.
und nitidum Turt.
Solenacea. Solen Timorensis Dunker von Timor ^eitschr.
Malak. p. 56. — S. rudis Adams Panama 1. c.
qf(^l Mßcha (Oken = Solecurtus Blainv.) Scheepmaheri Dunker ib. p.
56. — Solecurtus affinis Adams Panama I. c.
Aulus (Oken = Leguminaria Schumacher = Machaera Gould)
Winlerianus von Java und pulchellus von Japan Dunker ib. p. 57.
!Myfiria« Conrad taufte seine Gattung Cryptodou , die auf
Mya cancellata gegründet war, um, weil Turton den Namen bereits ver-
wendet hat, und nannte sie Schizolhaerus (Philadelphia Proceed. VI.
p. 199.).
• (^''^*PlioBadaria. Gray's „Versuch, die Arten der Pholaden-Fa-
milie in natürliche Gruppen zu ordnen" ist von H e rr mann sen über-«'
setzt und in diesem Archiv 1852. I. p. 139. raitgelheilt , und mit eini-
gen Anmerkungen begleitet. . {
Tunicata«
G. J. All man hat zu erweisen versucht, dass die
Tunicaten und Polyzoen (Bryozoen) genau nach demselben
Typus gebaut seien, und daher eine und dieselbe grosse na-
türliche Gruppe zusammensetzen müssen (On the Homology
of the Organs of the Tunicata and the Polyzoa, Transactions
of the Royal Irish Academie XX. p.275. 1852.). Indem er
die Querleisten der Kieme derTimicaten als entsprechend den
Tentakeln der Polyzoen betrachtet, nicht wieVanbeneden die
Längsleisten, — indem er die geringe Entwickelung des Ge-
fässsysfems bei den Tunicaten, wo das Herz, kaum über den
embryonischen Zustand entwickelt, das Blut in abwechselnder
Richtung treibt, und die extravasculare Circulation in der Ab-
dominalgegend als leicht zu dem völligen Mangel des Her-
zens hinführend ansieht, — indem er die verschiedene Lage
des Nervenganglions so erklärt, dass dasselbe, während es
bei den Tunicaten zwischen den beiden Oeffnungen und in
dem Zwischenraum zwischen der inneren und mittleren Haut
I
Naturgeschichte der Mollusken während dea Jahres 1852. 139
liegt, bei den Polyzoen, wo die beiden Oeffnungen ver-
schmelzen, nicht mehr diese Lage behaupten kann und an den
Oesophagus gerockt ist, bringt er eine Homologie der Organe
der Tunicalen und Polyzoen zu Stande, die, am Schlüsse tar
bellarisch zusammengestellt, seine und Anderer Ansicht be^
weisen soll. Ich kann mich noch nicht entschliessen, die TOr^
nicaten von den Mollusken au trennen, ebenso wenig scheint
mir eine Abreissung der Bryozoen von dea Poiypen Batur-*
gemäss. (a:uu:;fii*?.,^itU4lt<f
Ascidiae. Ueber das Vorkommen von Cellulöse in dem
Mantel der Ascidien machte T. H. Huxley Bemerkungen
(Ouarterly Journal of microscopical science. Oclober 1852. j^
22.). Sie beziehen sich auf die Salpen, Pyrosoma und Phal-
lusia. — Derselbe sprach in der British Association (ReporJ
of Ihe Brit. Assoc. for 1852. p. 77.) über seine üntersuchujir
gen in Betreff der Structur der Ascidien.
Krohn beobachtete, in Folge künstlicher Befruchtung,
die Entwickelung von Phallusia mammillata und beschrieb sie
ausführlich in Müller's Archiv für Anat. 1852. p. 312. Taf. VIII.
Fig. 1~3.
Gould beschrieb Expl. £xp. XII. p.498. als neu: Cynlhia am"
phora f Phallusia tiolacea, Ascidia monstrans von Rio Janeira, so wie
Bollenia coacta von Orange Harbour. — Von zusammengesetzten Asci-
dien aus den Galtungen Bolryllus, Polyclinum, Eucoelium sollen einige
interessante Formen abgebildet werden; da sie jedoch nur nach Zeich-
nungen und kurzen Bemerkungen bekannt sind , so werden sie im
Text übergangen , und nur in der Erklärung der Kupferlafeln genannt
werden.
Cyclomyaria. Ueber die Gattung Doliolum und ihre Arten
schrieb Krohn in diesem Archiv 1852. I. p.53. Diesen Aufsatz hat
Huxley in's Englische übersetzt (Annais nat. bist. X. p. 119.) und
einige Bemerkungen darüber hinzugefügt.
Tiialiadae. H. Müller hat Über die anatomischen
Verschiedenheilen der zwei Formen (Generationen) bei den
Salpen geschrieben (Verh. der Phys. Med. Gesellsch. in Würz-
burg, llf. 1. p. 67.
Verf. giebl als Differenzpunkte der beiden Generationen an: 1.
die Gestalt, 2. die Anordnung der iMuskelslreifen, 3. der Flimmerstrei-
fen (Bauchfurche) zeigt sich bei den solitärcn Salpen länger als in den
KettensalpcD ; in dem Huxley'schcn Endostyl fand Verf. Reihen von
140 Troschel: Bericht etc. während des Jahres 1852.
Zellen mit bl&schenrörmigen Zellen und Kernkörperchen , 4) an der
Masse, welche dem Ganglion aufliegt, die Huxley für Gehörorgan
ansieht, und welche Verf. geneigter scheint für ein Auge zu nehmen ;
die Pigmentflecke sind nach den Generationen verschieden , 5. in der
Form der seillichen, meist für Ovarien gehaltenen Streifen, die soliläre
Generation besitzt immer fünf kurze Sreifen jederseits, die Kettensalpe
einen einfachen längeren Streifen jederseits; Verf. möchte sie für Harn-
organe halten, 6. die Lage des Darmknnals, 7. darin , dass der blind,
sackförmige Anhang bei den aggregirten einfach, bei den solitären dop-
pelt ist (S. pianata}, 8. Ebenso ist das merkwürdige von Huxley be.
schriebene Röhrensystem bei ersteren einfach, bei letzteren zweifach
vorhanden; Verf. vermulhet, dies Organ möchte für ein Wassergefäss-
system anzusprechen sein ; als Leber sieht er die zellige Auskleidung
des Darmes an.
Eine lebendige Schilderung der Salpen und ihrer Ent-
tvickelung hat Vogt in seinen Bildern aus dem Thierleben
1852. 8. p. 26—90. geliefert.
bnir Isdogifff
Sil
4f
■t«ii^ strorrP-- "' ^fpi
Bericht über die lielstuiigen iivilft^ JBiite»^^
mologie wälirencl des Jahres ]S5!9. ^^^
Von
1fr« Herrn* Sclianm«
Wie sich bei einem Rückblicke auf die «ntomologischert
Leislimgen der Jahre 1848 — 51 als das Hauplresullal dersel-
ben eine ausserordentliche, auf viele Tausende sich belau-
fende Vermehrung der beschriebenen Arten ergiebt, so ist
auch im J. 1852 vorzugsweise unsere Kennlniss der äusseren
Insectenformen durch eine grosse Zahl monographischer und
faunislischer Arbeilen gefördert worden. Nächst der Bekannt-
machung neuer Arten und Galtungen haben am meisten noch
Beobachlungen über Biologie und Verwandlungsgeschichte der
Insectcn die Thätigkeit der Entomologen in Anspruch genom-
men. Dagegen sind die Leistungen auf dem Gebiete der Ana-
tomie und Physiologie, zwar nicht so dürftig, wie in den letz-
ten Jahren, aber doch weder der Zahl, noch dem Umfange
nach bedeutend, und auch die Systematik ist, wenn man von
einer Abhandlung von Brauer über die Einlheilung der Neu-
ropleren absieht , nur innerhalb einiger bereits festgestellter
Familien weiter ausgebildet worden. So einseitig aber auch
im Ganzen die Thätigkeit der Entomologen erscheinen mag,
so ist es doch keineswegs ganz zufällig, oder rein aus aus-
serlichen Motiven herzuleiten, dass dieselbe so überwiegend
darauf gerichtet ist, denCalalog der Insectenwelt mit neuen
Arten zu bereichern. Ein tieferer Grund liegt offenbar darin,
dass die descriptive Entomologie noch immer sehr weit hin-
ter den übrigen Disciplinen der morphologischen Nalurwis-i
142 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
senscliaften zurück ist. Lässt sich doch selbst in Bezug auf
die am meisten gesammelten Käfer und Schmetterlinge nicht
einmal der Bestand der mitteleuropäischen Fauna vollständig
übersehen. In den übrigen Ordnungen legt fast jeder fau-
nistische Beitrag durch die Menge der neuen Arten, die er
aufzählt , an den Tag, wie lückenhaft unsere Kennlniss der
einheimischen Formen noch ist. Am schärfsten bezeichnet
aber den niedrigen Standpunkt, den die descriptive Entomo-
logie einnimmt, das Missverhältniss , welches besonders in
tJen minder begünstigten Ordnungen zwischen der Zahl der
beschriebenen und der in der Natur existirenden , ja selbst
nur der in den Sammlungen enthaltenen exotischen Insecten
besteht. Es ist daher auch fast mit Gewissheit vorauszuset-
zen, dass in den nächsten Jahren die Masse der Artbeschrei-
bungen eher noch zu- als abnehmen werde, und es lässt sich
nur der Wunsch aussprechen, dass dieselben weniger in apho-
ristischen Journalartikeln , welche schon gegenwärtig kaum
noch zu übersehen sind , als in zusammenhängenden Arbei-
ten dem wissenschaftlichen Publicum möchten vorgelegt werden.
i)ie Frage, welches das numerische Verhältniss der In-
sjecleh zu den Pflanzen ist, wurde bekanntlich vonA. v. Hum4
boldt in den Ansichten der Natur gestellt und erörtert. An
die dort vorgetragenen Betrachtungen anknüpfend, hat Rat-
zehutg in der Vorrede seines dritten Bandes der Ichneu-
monen die untere Grenzzahl der Insecten zunächst für Deutsch-
land und Europa und dann für die ganze Erde zu bestimmen
versucht.
Bei der Bereciinung der in Deutschland vorkommenden insecten
hat sich bisher immer, wie Ratzeburg mit vollem Rechte hervorhebt,
ein bedeutender Fehler durch den viel zu geringen Ansatz der Schma-
i^otzer, namentlich der Ichneumonen , eingeschlichen. Die speciellen
Studien des Verf. auf diesem Gebiete und sorgfältige Berechnungen
führen für die Ichneumonen allein auf die runde Zahl von 5000 Ar-
ien, welche die bisher angenommene reichlich um das doppelte über-
steigt. Die Zahl der übrigen Insecten Deutschlands schätzt Ratzeburg
auf 10,000 und glaubt, dass dieselbe keine auffallende Erhöhung künf-
tig erfahren dürfte. Es ergiebt sich hieraus, dass das Verliältniss der
Ichneumonen zu den übrigen Insecten wie l : 3, zu den phaneroga-
men Pflanzen wie 3 : 2 ist. Diese für Deutschland gewonnenen Yer-
während des Jahres 1852. 143
haltnisse macht der Verf. auch für Europa geltend und erlangt, indem
er die Ichneutnonenzahl entsprechend erhöht, anstatt der früher für
Europa angenommenen 25,000 Insecten etwas über 30,000. Das Ver-
hältniss dieser Zahl zu den europäischen Phanerogamen (7000 Arien)
muss nun als Grundlage zu einer weiteren Schätzung der auf der gan-
zen Erde lehendcn Insecten benutzt werden, denn eine selbstständige
Berechnung der lelzleren ist völlig abgeschnitten. Auf 'die untere
Grenzzahl der phanerogamen Gewächse kommt daher hierbei Alles an.
INimmt man dieselbe mit Humboldt auf 200,000 an, so gelangt man zu
nicht weniger als 900,000 Insecten.
So sehr nun diese Schätzung auch die bisherigen Annahmen über«
trifft, so glaube ich doch , dass sie noch bedeutend hinter der Wirk-
lichkeit zurückbleibt , indem in der von R. angestellten Berechnung
der eine Factor, die Zahl der deutschen Insecten, ausschliesslich der
Ichneumonen, mit 10,000 »m vieles zu niedrig angesetzt ist. Schon
im J. 1846. haben A. und O.Speyer in der Isis nachgewiesen, dass die
Zahl der deutschen Schmetterlinge der der wildwachsenden Phanero-
gamen ziemlich gleicht kommt. Gegenwärtig, wo in Schlesien allein
1890 Lepidopteren beobachtet sind (s. vor. Jahresber. S. 103.), schlägt
man dieselbe mit 3000 wohl eher zu niedrig als zu hoch an. Die Kä-
fer, welche nächst den Schmetterlingen am besten bekannt sind, lassen
sich mit ziemlicher Genauigkeit auf 6000 bestimmen. Die Zahl der
Dipteren übertrifft nach den mir von Prof. Loew , der competenteslen
Autorität in diesem Gebiete , gemachten Mittheilungen die der Käfer
nicht unerheblich, und würde mit 7000 in keinem Falle zu hoch ange-
geben sein. Kehraen wir die Gesammtsumme der übrigen Ordnungen
zu 3000 an , so erhalten wir mit den (meiner Meinung nach noch zu
niedrig geschätzten) 5000 Ichneumonen 24,000 Insecten für Deutsch-
land. Für Europa würden sich demnach unter Zugrundelegung der von
R. selbst benutzten Verhältnisszahlen etwa 48—50,000, für die ganze
Erde ungefäht IJ/j Millionen Insccten-Arten als Minimum ergeben.
Joly hat der Pariser Academie eine neue Abhandlung
vorgelegt, welche, wie eine frühere desselben Verf., den
Zweck hat, die Behauptung Blanchard's, dass bei den Insec-
ten eine perilracheale Blutcirculalion stattfinde, zu widerlegen.
CRev. et Mag. d. Zool. S. 378.)
Blanchard halte die Beobachtungen von Bassi und Alessandrinl^
welche eine Färbung der Tracheen bei Seidenraupen wahrgenommen
hatten, nachdem dem Füller derselben Farbesloffe beigemengt worden
waren, als einen Beweis für die Richtigkeit seiner Behauptung ange-
führt (s. Jahresbet. f. 1850 S. 4.). Joly hat nun diese Versuche wie-
derholt, hat aber dabei ganz andere Resultate erhalteri, als die genann-
ten italiänischen Naturforscher. Eine Färbung der Tracheen hat er nickü
144 Schaum: Bericht fiher die Leistungen in der Entomologie
beobachtet; die Baupen lieferten allerdings, wenn die Alaulbeerblälter mit
Farberröthe oder Indigo bestreut wurden, rolhe oder blaue Coccons;
es ist diese Färbung aber nicht die Folge eines physiologischen Pro-
zesses, sondern wird einfach durch die Reibung der mit Partikeln der
FarbestofFe beladenen Raupen gegen die Seide des Gespinnstes hervor-
gebracht. Man braucht die in der angegebenen Weise gefütterten Rau»s
pen nur sorgfältig mit einem Pinsel abzuwaschen , um weisse Coccons
zu erhalten, während die mit Farberröthe ernährten Raupen blaue Coc-
cons liefern, sobald man sie mit Indigo pudert. Die Annahme, dass
die Fütterung mit Indigo einen Einfluss auf das Secret der Spinndrüsen
habe, wird hiedurch vollständig ausgeschlossen.
Von Newport ist eine mit Abbildungen begleitete Ab-
handlung „The anatomy and development of certain Chalci-
didae and Ichneumonidae ; with description of a new genus
and species of bee-parasites« in den Trans, of the Linn. Soc.
vol. XXL P. I. erschienen. Den grössten Theil derselben
nimmt die genaue Beschreibung der beiden Bienenparasiten
Anthophorabia retusa und Monodontomerus nitidus und die
Schilderung ihrer Naiurgeschichte ein, in der Einleitung sind
aber auch einige Thatsachen von allgemeinem Interesse mit-
getheilt.
Aus den Beobachtungen des Verf. gehl hervor, dass auch die
fusslosen parasitischen Hymenopterenlarven sich häuten. Die abge-
streiften Häute sind äusserst zart und daher bisher übersehen worden,
N. hat sie aber deutlich und wiederholt bei dem in Wamestra pisi schma-
rotzenden Paniscus virgalus wahrgenommen. — Die Angabe , dass der
Nahrungskanal jener Larven einen weiten , hinten geschlossenen Sack
bildet, von welchem ein undurchbohrtes Intestinum abgeht, und dass
erst kurz vor dem IJebergang in den Puppenzustand jener Sack sich
verlängert und an seinem blinden Ende eine OefTnung erhält, ist nicht,
wie der Verf. wähnt, neu, sondern schon von Grube bei Gelegenheit
seiner in Müller's Archiv veröffentlichten rntersuchungen über den
Darmkanal der Wespen und Bienen mitgetheilt worden (S. Jahresb. f.
1849. S. 72.).
De Filippi hat seine bereits im vorigen Jahresbe-
richte erwähnten Beobachtungen über die Entwiclilung eines
parasitischen Pteromalin in den Eiern von Rhynchites betu-
leti auch in den Nuovi Annali delle Scienze Naturali di Bo-
logna fasc. di Genn. et Febr. veröffentlicht und durch Ab-
bildungen erläutert. Der Hauptsache nach sind dieselben auch
in den Annais of natur. bist. IX. S. 4öl. mitgetheilt. ,
während des Jahres 1852. .1^5
Der vom Verf. beobachtet Pteronialin lassl sich jetzt ius der
Abbildiinji nls eine Art der Gattung Ophioncurvs Ratz., Avelche durch
die schlangcnförrnige Krümmung des Flrtgelnerven so ausgezeichnet ist,
bestimmen, und ist vielleicht von dem aus Larven des AUelabus cur-
culionoides erzogenen 0. timjdcx Katz. nicht einmal specifisch ver-
schieden. Die Entwickelung der eigentlichen Larve in einer Blase er-
innert an die Beobachtuig von Ratzeburg, dass die Larve von
Anomalon in einem (nach R. in dem dritten) Stadium ihrer AusbiU
düng in einem häutigen structurloscn Sacke enryslirt ist; und es drängt
pich jetzt die Frage auf, oh eine Entwickelung durch zwei verschie-
dene Larvenformcn nicht ein allg«'meines Gesetz für die Ichneumoni-
den ist. Das Vorkomnicn sehr altnorm gestalteter Eier bei manchen
rieromalincn hat Ratze bürg (d. Ichneumonen der F"orstinseclen 3.
Theil, Vorrede S. XL; auf die Vermulhuug geführt, dass F. die Eischalp
des Ophioueurus als erste Larvenform augesehen haben könne, dage-
gen spricht abiM' die bestimmte, auf sehr zahlreiche Beobachtungen ge-
stützte Angabe F. 's, dass jene F'orm einen gegliederten Schwanz be-
sitzt („portione caudale e segmentala") und denselben mit grosser Leb-
haftigkeit hin und her bewegt.
Eine besondere Beachltmg verdient die Angabe dos au?-
g-ez(Mchneten Entomologen F. Stein („Beitrage zur Forslin-
seclenkundo" Tharand. Jahrbuch. Vlll. N. F. I. 8.231.), dass
Speichelgelässe sich durchaus nicht bei allen Käfern, sondern
nur in denjenigen Familien finden, welche ausschliesslich oder
vorwiegend von vegetabilischer Kost leben. ' * ''
Bui dtn entschiedenen Fleischfressern , z. B. den Lauf- un4
Wasseikäfern, bei den von Aas lebenden Silphen , Hisferen und giös-
sern Staphylinen konnte St. auch bei der sorglälliüslen mikroskopi-
schen Untersuchung keine Spur von Spe chclj^^efässen entdecken.
Dagegen finden sie sich constant bei den Rüsselkäfern, bei allen Bor-
kenkäfern, Bockkäfern und sehr allgemein bei den Chrysomelinen. Es
ist wohl ohne Zweifel die Annahme gerechtfertigt, dass das Secret
dieser Organe in vielen Fällen auf die Pflanzen- und llolzlheile, wel-
che von ihm inflcirt werden, eine ätzende Wirkung hat, und z. B. die
chemische Veränderung verursacht, welche der Frass der Borkenkäfer
und ihrer Larven auf die nächste Umgebung ausüM. Aus dieser ver-
derbenden Einwirkung des Speichels ist es wohl auch zu erklären, dass
oftmals nur unbedeutende Wunden, wie sie z. B. der Stich des liylo-
bius pini hervorbringt, das Absleibcn der ganzen jungen Fllanze zur
Folge haben, und dass die grössten und kräftigsten Fichten den Ver-
wundungen der winzigen' Borkenkäftrhrut erliegen.
Eine vortreffliche , mit zwei schönen Tafeln ausgcstat-
Archlv f. Naturscsch. XIX. Jahrg 2. Bd. I{
146 Schaum: Bericht fibcr die Leistungen in der Entomologie
lele Abhandlung über die Enlwickelung und die innere Ana-
tomie von Osmylvs haben wir von Hagen im T.Bande der
Linnaea enlomol. erhalten.
Die Arbeil ist uicht wohl zu einem kurzen Auszuge geeignet,
überdem ohnebin io den Händen der meisten Entomologen. Ich be-
gnüge mich daher hier, einige Einzelnheilen hervorzuheben. Von be-
sonderer Wichtigkeit scheint mir die Beobachtung zu sein, duss der
Embryo schon beim Ausschlüpfen aus dem Ei einer ersten IJäulung
unterliegt, indem damit ein für alle Inseclen gültiges Gesetz geluodcn
9ein dürHe. Diese abgelegte erste Haut ist bei Osmylus aussen mit
einer sägeartig eingeschnittenen Mornplatte versehen, welche dem Em.
bryo dazu dient, die Eihäute aufzusagen. Was die anatomischen De-
tails betriiTl, so ist besonders die Darstellung des Darmkanals und der
Geschlechlswerkzeuge erschöpfend , indem es dem Verf. gelungen ist,
die Bildung des Saugmagens und die fortschreitende Entwickehmg der
Hoden genau zu beobachten. Die Beschreibung der Larve, der Nymphe
und des vollkommenen Insecies fördert vorzugsweise unsere speciali-
stischen Kenntnisse, von allgemeinem Interesse ist aber noch die Thal-
sache, dass die langen spitzen Kiefer der Larve beim Uebergange in
den Puppenzusland abgebrochen werden. Bei Alyrmeleon findet , dem
Verf. zufolge, ein solcher Vorgang nicht statt, die Kiefer bleiben hier
unverletzt an der Larvenhaul sitzen.
Einen werlhvollen Beifrag zur Kennlniss der feineren
Anatomie der Dipleren- Larven liefern die von Leydig an
der Larve der Coreihra plumicornis angeslelllen Beobachlungcn,
welche im drillen Bande von Siebold's und Köllikcr's Zeit-
schrift für wissenschaflliche Zoologie milgelheilt sind.
Wichtig siud die Ermittlungen des Verf. über den feineren Bau
der Nerven, über die Verzweigungsari peripherischer Nerven und über
ihr terminales Verhällniss, welches durch die Einlagerung von Gan-
glienkugeln dem der Phyllopoden und von Carinaria, wie es Leydig
bekannt gemacht hat, gleicht, und auch in anderen Thiergruppen in
analoger Weise vorkommt. Durch die Beobachtungen des Verf. wird
gleichzeitig die Bedeutung der Haulborsten als Tastorgane nachgewie-
sen. — Die Millheilungcn über den Bau des Herzens berichtigen in
einigen Tunkten die früheren Angaben von U.Wagner, und enihalttn
die interessante Thatsache, dass in der hintersten Herzkammer Klappen,
jede aus einer grossen Zelle gebildet, vorhanden sind, welche ein Sei-
tenstuck zu der von Leo im Rückcngefass von I'iscicola und den von
¥r. Müller bei Clepsino entdeckten Klappen bilden; den übrigen
Herzkammern fehlen sie.
L. Dufour hat unler dem Titel „Etudes anatomiques
während des Jahres 1852. 147
et physiolog^iques et Observalions sur les larves des Libellu-
les'* in den Annal. d. scienc. nalur. t. XVII. p. 65— HO. eine
mit drei Kupfer -Tafeln begleitete Abhandlung veröffenllicht,
welche theils die Beschreibungen der dem Verf. bekannt
gewordenen Libcllenlarven, theils eine genaue Schilderung ih-
rer innern Organisation, namenilich ihres Respirationssystems,
enthält. Hagen hat diese Arbeit in der Entomol. Zeit. 1853.
S. 98. ff. übersetzt, kritisch geprüft und besonders in litera-
rischer Beziehung vervollsländigt. Während ich die in bei-
den Aufsätzen milgetheilten anatomischen Thatsachen hier zur
Sprache bringe, verweise ich hinsichllich der morphologi-
schen Angaben auf den speciellen Theil dieses Berichtes.
Das Nervcnsyslem der Libellen - Larven besteht , nach D. , aus
dem Gehirn und 10 Ganglien von gewöhnlicher Form und Lage (3 im
Thorax, 7 im Abdomen) ; die nervi optici bilden eine grosse kegelför-
mig erweiterte Pulpe. — Der Respiralionsapparat wird ausschliesslich
von Uöhren. Tracheen gebildet, deren es jedcrseits drei grosse Stämme
(oben, aussen und unten) giebt, alle drei anaslomosiren und umgeben
das Rectum mit einem ungemein dichten Netzwerk. Von Stigmen fand
D. nur ein Paar zwischen Pro- und Mesothorax in einer lippenförmig
schlicssbaren Spalte. Die Angabe von Reaumur und Andern, dass
eine grössere Anzahl von Lufllöchern, namentlich auch Abilominalslig-
nien, vorhanden seien, wird für unrichtig erklärt. Die Kiemen liegen
im Rectum, und zwar bilden je zwei Beihen dachziegelarlig auf ein-
ander gestapelter Platten sechs Säulen, welche nach den Enden con-
vergiren und eine Art Klappe bilden. Jene Platten sind ein feines
Kanevas der Trachecnenden, äusserlich von der Schleimhaut des Darm-
kanals umhüllt. Je nach den Arten schwankt die Zahl der Platten
zwischen 20 und 100, auch die Form derselben variirt, milunlcr er-
scheinen sie gcfranzt. Bei Agrion verbreiten sich einfach zahlreiche
Tracheenäsle zwischen den Schwanzkiemen. D^'e hier von D. ange-
schlossene Erörterung über den Process der Respiration fördert, trotz
ihrer Ausführlichkeit, nicht wesentlich die Lösung der interessanten
F'rage. — In der Schilderung des Circulalionsapparates wiederholt D.
seine bekannte, vielfach widerlegte Ansicht über das Rückengefäss. —
Mit besonderer Genaui<>keit ist der Verdauungsapparat geschildert, die
Fresswerkzeuge mit der bekannten, je nach den Arten verschiedenen
Maske, der kurze gerade Nahrungskanal , dessen zu einem Kröpfe er-
weiterter üeGopha;^us sich in den eiförmigen , innen von vier llorn-
stücken gestützten Vormagen mündet. Die Malpighi'schen Gelasse be-
stehen in einem Wirlel von mehr als hundert kurzen einfachen Röhr-
chen. — Der Fettkörper ist reichlich, besonders zu beiden Seiten des
14S Schaum: ßciicht fifccr (He Lcislnnffcn in der Enlomolosie
Rückcngefässes. — llagcn giebt in Betreff der nnalomischen Delnils
folgende Berichtigungen. Beim Kcrvinsysicm ist das Ganglion infra^
oeso()hageum von D. übersehen und der Ursprung des« Bauchinarks
falsch angegeben worden; auch die Deutung der Fühlernerven erklärt
H. für unrichtig. Das Eingeweidenervensystem ist ganz übergangeUi
Kei den Athmungsorganen sind gegen D. Ueaumur's Angaben besläligt
und 9 Paar Stigmen (2 am Thorax, 7 am Hinitrleibe) angegeben. In
liezug auf die Respiration und d<e Organe derselben ist ferner die
Literatur voUsInndig angeführt und nachgewiesen , dass die so compli-
cirte Einrichtung der Darmkiemen nur dazu dient , um in einem mög-
lichst kleinen Räume eine grosse Überfläche xum Gaswechsel darzu-
bieten. Das von D. neben dem RückengeTäss beobachtete FellneU
wird ah Vorbildung des Ovariums betrachtet. ,]
Lacaze-Duthiers, dessen Arbeit über den Lege-
apparat der Hymenopteren -Weibchen im Jahresberichle für
1850 besprochen wurde, hat im 17. Bande der Ann d. seiend
nal. die analogen Theile der Orlhopleren -Weibchen d. li.
also die äusseren hornigen , zum weiblichen Geschlechlsap-
parale gehörigen Parlicn behandelt („Rccherches sur l'arinure
genilale femellc des Jnsecles Orlhopleres S. 207— 251. pl. X
—XII.).
Die Benennung der einzelnen Theile wird der von MilneEdwards
für die Crustacea decapoda vorgeschlagenen Orismologie angepasst
(vergl. dessen Abhandig. in den Ann. d. sc. nal, t. XVI 1851. p 222
s— 291.). Ein Segment (Zoonite) des Gliederlhieikörpers besteht aus 6
Elementen und liägt 4 oder 2 Anhänge. Am Thorax heissen die un-
paaren mittleren Stücke der einzelnen Segmente bekanntlich Tergum
(sivc Kotum) und Sternum , die seitlichen symmetrischen Epimera und
Episterna, die Ober- und Unterflügel sind die Anhänge. — Die Zoonite
des ilinlerleibes werden nun analoger Weise als ürile« die einzelnen
prolo - deuto- ^! doch wohl deuterolj, .... endecata (Ijeudicato) .
.... Urlte, von vorn an gezählt, bezeichnet. Ihre Theile heissen
Stcrnitc und ISotitc (s. Tergite), Epimerile , lüpisternjte, ihre Anhänge
Tergo- Rhabdile, Storno -Rhabdite (von QctßJos die Ruthe). Es giebt
demnach Froto - Deutero- Hendecalo-Sternite, Tergite, Rhabdile. — Mit
Sclerodermit wird jedes harte Stück des Körpers, abgesehen von dessen
Lage u/ s. w. bezeichnet.
Der Verf. vergleicht nun zuerst beispielsweise den Legeapparat
der Locustinen mit dem der Hymenopteren, er findet in der Anzahl und
Anordnung der einzelnen Theile die grösste Analogie und i)elegt die-
selben mit den ihnen nach dem obigen Frinzipe zukommenden ^'amen.
Bezüglich der Art der Verbindung der einzelnen Theile unter einander
wahrend des Jahres 1852. 1-19
unterscheidet er die durch Weichlheile , Wembranen, Muskeln u s. w.,
(wie dies an der Basis der Lcgesohpide der Fall ist) als „articulation,*
die dagegen im weiteren Verlaufe derselben (ohne Weich«heile, gleich-
S!un ein Ineinandfrgreifen durch Kalze), als „asseniblage." üie soge-
nannto l.amina sul:analis der Cnloinologen ist der Sternit des Ogde -
tJril ; die Lfgesclieide wird von dtm Ennalo-Urile (11. Abdoniinal-
Segmcnte) gebildet; der Oviduct öffnet sich an der überseile de«
Ogdo -Siernile, oder der sogen. lamina subanalis. Der letztere Name
ist daher unpassend und mit Lamina snbgenitalis zu vertauschen *).
Der ATter mündet nämlich über der Legescheide, umgeben von der
Kückenlamcllo des 10. und 11. fragmenlär entwickelten Abdominal-
Segments, der Oviduct dagegen zwischen dem Ogdo - Urilc und Ennato-
Urile.
Der Verf. gehl nun die übrigen Familien der Orthopteren ein-
zeln durch und vergleicht die einzelnen Beslandlheile des Legeappa-
rates mit denen der Locuslinen. Im Allgemeinen stimmen die betref-
fenden Theile der Mantis. Arten mit denen der Locuslinen der Sache
nach überein, differiren dagegen durch ihre Krümmung, Länge, partielle
Erhärtung. Die Phasmiden (zu denen der Verf. seltsamerweise Em-
pusa zählt), zeichnen sich durch eine grosse den Legeapparat verstek-
kende Lamina snbgenitalis aus, welche in ihrer Concavilät ein Ei auf-
nehmen kann. Bei den Ulattinen (Periplaneta und Blabera) lassen
sich die Analogien ebenfalls ziemlich leicht herausfinden, nur ergeben
sich Modificalionen durch allerlei Verschmelzungen in der Form, so
wie durch die Lage. — Der Legeapparat der Acridier (der in al-
len Gatlungen ganz auf gleiche Weise zusammengeselzl ist), lässt sich
schwerer mit dem der andern Familien vergleichen. Er ist zwar viet
weniger complicirt, die Deutung seiner einzelnen Elemente aber nicht
leicht, da das eine oder das andere derselben tiefer im Abdomen liegt
u. s. w. — Die Gryllodeen haben scheinbar die meiste AchnHch.
keit im Legeapparal mit den Locuslinen , allein derselbe ist, genauer
untersucht, unvollkommner ausgebildet als bei allen vorigen. Die äch-
ten Gryllodcen haben übrigen noch einen Lsgeapparat, Gryliolalpa da-
gegen entbehrt desselben gänzlich ; statt der vielen Einzellheile, in
welche die letzten Hinlcrleibsringe bei den vorigen Fiimilien zerfaHen,
bestehen diese bei Gryliolalpa bloss aus dem Tcrgite und Siernite. —
Uci den Forficulinen endlich findet sich nicht bloss keinerk-i Le-
gc;«pparat, sondern die Mündungen der Genitalien und des Afters sind
einander (durch Verkümmerung des sie bei Gryllotahpa noch trennen-
den Sternilos; ganz nahe gerückt.
*; Diese Bezeichnung ist auch von L. H. Fischer in seinem
ausgezeichnclen 1853 erschienenen \Veike „Orlhoplera curopaca" ad-
opliil.
150 Schaum: Bericht fiber die Leistungen in der Entomologie
Der Verf. betrachlet nun weiter den Hinterleib in seinen
fibrigen Theilen und giebt z. B. den interessanten riachweis, dass
der üviduct nicht bei allfn Familien an gleicher Stelle mündet,
sondern bei den Locuslineu und Gryllodeen zwischen dem 9ten und
8ten, bei den Mantiden und Blattinen zwischen dem 8len und 7len
Segmente. WerthvQli sind ferner die Betrachtungen über den Uinter-
terleib der Forficulinen. Die zwischen der Zangenbasis liegende vier,
scitige Lamelle (die lamina analis mancher Entomologen) ist als der
Tergit des neunten Ringes anzusehen ; der After ist auf die Bauchseite
gerückt, die Zangenschenkel entsprechen (wie dies schon Burmei»
»ter vermulhete) den „Cerci« der übrigen ürlhopteren 5 der 8. und 9.
Hintcrieibsring ist verkümmett, auf ihre Kosten ist dagegen der lOte
(mit den Zangen) ungewöhnlich stark entwickelt.
Als Besumc ergiebt sich, dass der Hinterleib der Orthopteren aus
elf mehr oder weniger vollständig entwickelten Ringen besteht , deren
hinterste bei den verschiedenen Familien gewissen Alodißcatioucn un.«
erworfen sind.
Der Verf. erörtert hierauf die Wirkung der einzelnen Theile des
Legeapparats beim Eierlegen. Ohne Zweifel gleiten die Eier zwischen
den Klappen des Legeapparats an den Ort ihrer Bestimmung, was durch
die nach der Längsrichtung stattfindenden schnellen und wenig ausge-
dehnten Bewegungen der Theile des Apparates befördert wird; in wie
weit und nach welchen Bichtungen diese letzteren eine Beweglichkeit
besitzen , lässt sich an lebenden Exemplaren ermitteln und es liegen
in den theoretischen Betrachlungen des Verf. über die Legeapparate
der Orthopteren Anregungen genug zu künftigen biologischen Beob«
achtungen. — Bei den Blattinen, Mantiden und Fhasmiden
vermag der Legeapparat nicht in einen anderen Körper einzudringen,
sondern dient vielmehr zur Herausleitung der Eier, zur leichteren Be.
fruchtung derselben und zur Anordnung der merkwürdigen, diesen Fa-
milien zukommenden Eierhaufen. — Bei den Fhasmoden fand der
Verf. oll noch Eier zwischen den Sterno-Rhabditen und den Episterni-
tcn stecken ; da nun zwischen diesen Theilen des Legeapparates ge-
rade die Bursa copulatrix und die glandulae sebaceac sich münden, so
wird auch die Begünstigung des ßefruchlungs. und Einhüllungsvor-
ganges der Eier durch ein längeres Verweilen derselben an jenen Stel-
len begreiflich. — Bei Gryllolalpa und Forßcula scheinen die Eier ge-
radezu aus dem Hinterleibe herauszufallen, und der Verf. hält es nicht
für unmöglich, dass die letzteren sich ihrer Zangen während des Eier-
legens dazu bedienen, den Hinterleib zu stützen.
Schliesslich giebt der Verf. einen Ueberblick dessen, was von frü-
heren Schriftstellern auf diesem Gebiete geleistet worden, und weist be-
sonders darauf hin, dasS er im Gegensatz zu andern nicht bloss den frei-
vorstehenden Legeapparal , sondern auch dessen Verbindungen an de'
während des Jahres 1852. 151
Dasifl mit dem Hinterleib« und die einzelnen Elemente des' letztem selbst
genauer ins Auge gefasst habe. Dass die Uesultate seiner Beobach-
tungen mit den An<;aben von Kurmeistcr fast gar nicht , mit denen
von Weslwood und L. Dufour nur zum geringsten Theile übereinstim-
men, erklart er sich daraui? , dass er viel speciellere Untersuchungen
über die in Frage stehenden Theile anstellte und dadurch eher den
richtigen Standpunkt für die vergleichend morphologische Beurtheilung
dieser Partien gewinnen konnte. — Die beigegebenen Tafeln enthal-
instructive nach der Natur gezeichnete, zum Theil auch schematische
Darstellungen der fraglichen Partien.
Nachdem ich die vorhergehende Abhandlung so ausfuhr-
lich analysirt habe, kann ich um so kürzer über eine zweite
desselben Verfassers berichten, welche dem äusseren weib-
lichen Geschlechtsapparatc der Hemipteren gewidmet und in
den Anna), d. scienc. naiur. l. XVIll. n. 6. S. 337— 390. er-
schienen ist. „Recherches sur Tarmure genitale femelle des
Insectes hemipteres* par M. le Dr. Lacaze-Duthiers.
Der Verf. hat nämlich auch hier das Prinzip durchgeführt,
dass überall, wo ein Legebohrer, eine Legeröhre oder ein
Stachel bei den Hemipteren sich entwickelt, dies nicht durch
das Auftreten neuer Gebilde und Anhänge, sondern an der-
selben Stelle und durch Modificalionen der primitiven Ele-
mente eines Zooniten des Hornskeleltes geschieht. Die For-
men, welche der Apparat in dieser Ordnung annimmt, sind
so mannigfaltig, dass ich, um nicht die diesem Berichte ge-
steckten Grenzen zu überschreiten , bezuglich der näheren
Details auf die Abhandlung selbst verweisen muss.
Der Verf. hat (zu seinem Zwecke von der systematischen Ueihenfolge
absehend) folgende Formen speciell untersucht und die einzelnen Bestand-
theile des Legeapparates erörtert: 1. als den primären llaupllypus: die
Legeröhre der Singcicaden; 2. als secundäre Typen: die Phytocoren, FuU
goren, Itanatra, Kepa, ?iaucoris, Ploa minutissima, Nolonecta glauca, (jier-
ris paludum,Cimex lecticularia, die Pentatomen, (bei den letztem umgeben
die Elemente des Zoooilen, ohne 31oditicationen einzugehen, als schützende
Klappen die Vulva). Wenn der Apparat sehr verkümmert ist, lassen
sich zwar die Elemente des primitiven Zooniten noch cikennen, Ver-
glcichungen werden aber dann unausführbar. — Auf die Zusammen-
setzung des Hinterleibes der Hemipteren eingehend , glaubt der Verf.
auch hier, wie bei den Orlhopleren, die Zahl Elf als die normale der
Uriten (Zooniten des Hinlerleibes) nachweisen zu können. In den
Fällen, wo sämmtliche elf entwickelt sind, sind Anus und Vulva durch
152 S c h n u m : Bcrichl über die Leistungen in der Enlomologie
drei Urilen getrennt ; da wo nur eine geringere Zahl sichtbar ist, sind
die dem Thorax zunächst gelegenen Ringe eingegangen. Ein jtder
Uril besieht auch hiir aus sechs Elementen (dem Steinit, Tcrgit, zwei
Kpiincrilcn und zwei Epistertiilen). — Der Verf. kommt hierauf noch-
mals auf den Legeapparat der lleniipteren im Allgemeinen zurück und
giebt als Resume seiner Untersuchungen, dass sich die verschiedenen
formen desselben um vier Typen gruppiren lassen. *Diese Grujipen
werden gebildet: 1. von den Cicaden und Phytocorcn; 2. von den
Fulgoren , Kaucoris , Ploa und Kotonccta ; 3. von Ranatra, Kcpa und
Gerris ; 4. von den Pentalomen und der Bettwanze. Es gehl schon
aus dieser Zusammenstellung genügend hervor, dass die F"ormverschie-
dcnhciten der äussern weiblichen (Jeschlechlstheile für die KlassiGcalion
der Hcmiplcren nicht benutzt wcrdsn können ; wohl aber geben sie
gute specifische Unterschiede ab. In einem weiteren Abschnille der
Abhandlung (S. 3G8— 382.) behandelt der Verf. sehr ausführlich die
physiologischen Functionen dts Apparates beim Acte des Eierlegens.
J)en Schluss bildet auch hier wieder ein historischer Rückbliik auf die
früheren Arbeilen über diesen Gegenstand. — In einem Anhange sind
endlich noch die Respiralionsröhren von Pfepa undR;natia bcsprocl en,
welche als Tergorhabditen des Progenital - Uriten gedeutet werden. —
Auch diese Abhandlung des Vcrf, ist durch drei Taleln mit Abbildun-
gen erläutert.
Laboulbene hat einige Beobachlungen über die grö-
bere innere Anatomie verschiedener Insecten aus den Ordnun-
gen der Orlhopleren, Coleoplercn, Hymenopteren, Lepidople-
reri nn^ Dipteren in den Ann. d. 1 sog. entom. d. Franc. S.
335. veröffentlicht.
Die Miltheilungcn des Verf. über Orthopteren bestehen in
einigen kleinen Kolizen über den Darmkanal und seine Anhänge bei
Giyllus domesticus und Meconetna varia, und über die Scheidenanhänge
des Decticvs rerrucivorus. Zu erwähnen ist davon nur, dass bei Me~
conema raria die INlalpiyhi'schen Gefässe an ihrer Mündung in das un-
tere Ende des Chylusmagens zwei seilliche Quasten bilden. — Von
Coleopleren wurde eine grössere Zahl von Arten aus verschiede-
nen Familien untersucht. Bei Staphytinus olens ist der Kaumagen in*
nen mit Haaren besetzt, aber nicht durch hornige Plallen gestützt.
Auch der Kaumagen des Elaler murinus zeigt vier Doppelreihen zieni-
Ifch weil aus einander stehender Haare. Die Anobien haben, wie L.
durch wiederholte Untersuchungen festgestellt hat , nur sechs (nicht,
wie man angegeben hatte, acht) Walpi^hi'sche Gefässe, und bilden da-
her keine Ausnahme von den übrigen Käfern. Die Hoden bestehen
bei ihnen aus etwa 20 Samenschläuchen , die Eieislöcke aus 20 — 2i
Eierröhren. In Hinsicht auf Dermes'.e^ besläligt L. nur die. Angaben
^»f♦<.^*!^f^,''^
während des Jahres 1852. 153
von L DuTour. Einige kleine Mitlheilungen über die wciblithen Ge-
nitalien von Chrtjsomelinen sind kaum zu erwähnen , da wir diese Or-
gane htTfits viel genauer durch das klassische Werk von Stein ken-
nen ge'ernl haben. I3ci Csccinella 7 ~ punctata beobachtete L. einen
sehr kleinen Kauuiagen. — Von H y menop t e r en hat nur Ammophila
sabulosa zu der üemeikung Veranlassung gegeben, dass der (jiftstachel
derselben in seiner ganzen Länge vollkommen glall und ungezähnt ist.
L. verniulhet, dass er diese BeschafTenheit bei allen Alord«^ und Grab-
wcspcn hat, indem er ihnen wiederholt dazu dienen muss, andere In-
seclen durch das inoculirtc Gift zu tödlen oder doch zu paralysireu.
Wäre er nun hier, wie bei den Bienen, wo er eine Verlheidigungs-
waJTe ist, gezähnt, so würde er vermuthlich schon beim ersten Stiche
in der Wunde zurückhielten. — Von Lepi dopleren wurden nur
wenige Arten untersucht, nnd der Verf. hat sich auf einige Angaben
über den Darmkanal und die weiblichen Geschlechtsorgane der Thais
Polifxena beschränkt. Den Schluss bildet eine ganz kurze Notiz über
die Allhänge an der Scheide der D i p t er en - Weibchen , welche nur
bereits Bekanntes, aber nichts Falsches enthält.
Eine Abhandlung von Gor harn „Rcmarks on the Cor-
nea of Ihc eye in Insecls" im 0"«ft» Joiirn. of Microscop.
Science I. pl. 2. p. 76. ist mir nicht zugänglich gewesen.
Ein in Müller's Archiv 1852. S. 483—492. milgelheilter
^Beitrag zur Analomie und Physiologie des Auges der Krebse
und Fliegen« von Gotische ist mit einer Abbildung beglei-
tet, wrlche die Zwischcnparlien zwischen dem Krystallkörper
und der Retina des Fliegenanges darstellt. Aus einem vom
Verf. angestellten und von J. Müller wiederholten Experimente
geht, wie es scheint, mit Sicherheit hervor, dass der Kry-
slallkegel des einzelnen Fliegenauges das Bild ebensogut um-
kehrt, wie die Linse des Auges der VVirbellhiere. G. hat
diese überraschende Thalsache gefunden, indem er zur Er-
zeugung von Bildchen, welche er mit dem Mikroskope be-
Irachtele, nicht bloss die Hürnhautfacellen, wie es bisher ge-
schehen ist , sondern die Cornea mit allen Kryslallkörpern
beniilzle.
Von verschiedenen Enlomologen sind wieder Missbildun-
gen an Insccien beobachtet und in den Sil.utngsberichlcn der
enlomologischen Gesellschaflen zu Paris und London zur Spra-
che gebracht worden.
154 Schaum: Bericht über die Leistengen in der Entomologie
Lucas machte (Bull. d. L soc. ent. 1851. S. CXII.) auf eine
Colias Edusa aurmerksam, bei welcher die Flügel und andere Organe
der linken Seite in der Grösse beträchtlich kiuler denen der rechten
Seile zurückgeblieben sind. — Harding berichtete (Zoolog. Ocl. 1852)
über das Vorkommen von vielen , theils gezogenen, theils gerangenen
Exemplaren der Harpalyce achatinariaf denen entweder der eine oder
beide Hinterflügel fehlten. Hieran schliesst sich ein von IVIilliere
mitgetheilter Fall , dass einer Geomelra crataegaria beide Flügel der
linken Seite vollständig fehlen (Bull. d. 1. soc. ent. 1852. S. LXIX.).
— Westvvood zeigte in der enlomologischen Gesellschaft in London
(Proc. ent. soc. S. 25.) eine Bienenkönigin vor, deren eines Vorderbein
sehr verkümmert war, desgleichen eine Drohne, deren erstes Fühler-
glied linkerseits in einem Knopfe endigte, und deren rechter Hinter,
luss statt des gewöhnlichen Fortsatzes eine kleine runde Platte trug,
•r— Fairmaire beobachtete (Bull. d. 1. soc. entom. d. Franc. 1852
S. XXX.) einen Trichodes alvearius, dessen beide Flügeldecken vor der
löiTellörmig ausgehöhlten Spitze slaik zusammengeschnürt sind. — Eine
monströse Puppe von Sphinx ligustri mit deutlich zweigabliger Scheide
der Rollzunge wurde von Bond vorgezeigt (Proc. ent. Soc. 1851.
March). — Eine auffallende Monstrosität einer Seidenraupe ist der Ge-
genstand einer iMittheliung von Bassi (Bull. d. 1. soc. ent. 1852. S.
VIII.); der 7te und 9te Körperiing berührten sich in diesem Falle in
der Mittellinie des Rückens, so dass das achte Segment nur an den
Seiten zum Vorschein kam, fibcrdem fehlte das dritte Afterbein der
linken Seite. Die Raupe starb während der Verpuppung. — Einen
vollständigen Hermaphroditen der Änlhocharis Cardamines mit einer
männlichen linken und weiblichen rechten Hälfte hat Belli er de la
Chavignerie Ann. d. 1. sor. ent. pl. 4. N. III. abbilden lassen; es
ist ihm wohl entgangen , dass ein ganz gleicher Fall schon in den
Trans, of Ihc ent. Soc. vol. IV. pl. IV. dargestellt ist. Frey er fing
eine Geomelra dilucidaria mit männlichem ' liinterleibe und weiblichen
Fühlern (Ent. Zeit. S. 152.).
Von grossem Interesse ist die Entdeckung von Stein,
dass parasitische Larven auch in ausgebildeten Insecten vor-
kommen (S. Ralzeburg's Ichneumonen der Forslinsecten. 3.
Th. Vorrede S. Vlll.). Es liegt zwar eine Reihe von Beob-
achtungen vor, dass schmarotzende liymenöpteren und Dipte-
ren aus vollkommenen Insecten erzogen wurden, und es sind
mehrere von Boheman mitgelheilte Beispiele der Art erst im
vorigen Jahresberichte (S. 10.) angeführt worden; in allen
diesen Fällen war jedoch die Enlwickelung des Schmarotzers
mit der des Wohiilhiercs Hand in Hand gegangen. Da Stein
während des Jahres 1852. 155
aber ganz junge Larven einer Schlupfwespe wiederholt in aus-
gebildeten Exemplaren des Bylesinus polygraphus^ und Zwei-
flügler-Larven aus der Gruppe der Tachinen in der Leibes-
höhle von Coccinellen angetroffen hat, so scheint es jetzt er-
wiesen, dass die ganze Enlwickelung einzelner Parasiten in
das letzte Lebensstadium ihrer Wohnthiere fallen kann. Auf
die von Stein beobachtete Schlupfwespen -Larve werde ich
am Systematischen Orte nochmals zurückkommen.
Eine von S. B. Gorski verfasste und mit drei schö-
nen Kupfertafeln ausgestattete Schrift „Analecta ad entomo-
graphiam provinciarum occidentali->meridionalium imperii ros-
sici. Fase. I.« (ßerolini 1852. 214 S.) enthält: 1. den Anfang
einer Bearbeitung der im südwestlichen Russland einheimischen
Hcmiptera Heleroptera, 2. die Beschreibungen einiger neuen
Gattungen und Arten aus den Ordnungen der Hemipleren,
Dipteren und flymenoplercn, 3. eine Abhandlung über die Af-
lerraupen , welche von den Blättern -des Kirschbaums leben
und 4. eine Notiz über die zufälligen Hörner einzelner Bie-
nen. Ich werde in dem speciellen Theile dieses Berichtes
auf die verschiedenen Abhandlungen zurückzukommen haben.
Mulsant hat die von ihm in den Jahrgängen 185 t und
52 der Lyoner Gesellschaftsschriften veröffentlichten Beschrei-
bungen einzelner Inseclen gesammelt und in Verbindung mit
einer Lebensbeschreibung des französischen Entomologen So-
lier in einer besonderen Schrift unter dem Titel „Opuscules
entomologiques« (Lyon 1852) herausgegeben.
Seconde excursion dans les grandes -Landes. Lettre
adressee ä M. Mulsant. Par M. E. Perris. Ann. d. L soc.
Linn. de Lyon 1850—52. S. 145—216.
Der hier initgclheille Reisel^ericht scbliesst sich an einen frühe-
ren dess. Verf. an, welcher im J. |850 erschienen ist und seiner Zeit
besprochen wurde, üie Excursion wurde in der ersten Halfle des Juli
unlernommen, und lieft-rlc nicht allein eine reiche Ausbeule an Inse-
den, sondern gab auch zu manchen interessanten biologischen Beobach-
tungen (ielegenheil. üie bemeikenswerlhcrcn Arten sind, soweit sie
nicht schon in dem früheren Berichte verzeichnet waren , am Schlüsse
in systematischer Ordnung aufgeführt; bei vielen sind Rlillheilungen
über das Yorkomniea beigefügt. 6 neue Cokopleia, 2 llymenoplcra,
156 Schaum: Bericht Aber die Lcislangen in der Entomologie
39 Diptcra (darunter eine neue Gattung), welche vom Verf. beschrie-
ben sind, werden weiter unten zu erwöhnen sein.
Heeger hat in den Sitzungsberichten der Wiener Aca-
dcmie Bd. 9. S.2Ö3., S. 473., S.774. „Beiträge zur Naturge-
schichte der Insecten" milgelheilt, welche sich auf verschie-
dene inOestreich einheimische, zu den Ordnungen der Dipte-
ren, Lepidopteren, Coleopleren und Thysanopteren gehörige
Arten beziehen, und die verschiedenen Stände derselben durch
ausführliche Beschreibungen und stark vergrösserle Abbildun-
gen erläutern.
Von dem ausgezeichneten und namentlich in Bezug auf
die Naturgeschichte der nordamerikanisehen Insecten sehr
lehrreichen Werke „A treatise on some of the insecls ofNiew
England, which are injurious to Vegetation, byTh.W. Har-
ris« ist Boston 1852. eine neue ansehnlich vermehrte Auf-
lage erschienen (die erste ist im Jahresberichte für 1851 an-
gezeigt). — Es ist ein sehr günstiges Zeugniss für das In-
teresse, welches naturhistorische Studien in Nord -Amerika
erwecken, dass ein Buch wie das vorliegende, welches zwar
für einen grösseren Leserkreis geschrieben ist, aber auch
wissenschaftlichen Anforderungen streng genügt, in verhält-
nissmässig kurzer Zeit eine zweite Aullage erlebt hat. Ei-
nem ähnlichen deutschen Werke, „die Naturgeschichte der
schädlichen Insecten von Kollar." ist zwar eine Uebersetzung
ins Englische, aber eine ähnliche Anerkennung bei uns selbst
nicht zu Theil geworden. Da dem Harris'schen Werke eine
möglichst grosse Verbreitung in Deutschland zu wünschen
ist, so verzichte ich hier darauf, die neuen in demselben mit-
getheillen Beobachtungen besonders hervorzuheben.
Unsere Kenntnisse von der Insoctcnfauna der Vereinig-
ten Staaten sind durch so viele wichtige Abhandlungen be-
rci( hert worden, dass eine Zusammenstellung der letzlern hier
wohl am Platze ist.
In den Proceedings of Ihe Academy of natural sciences of Plii-
ladelpliia Vol. VI. verölTenllichle Le Conle folgende Aufsätze : „Hints
towards a natural classilicalion of the faniily Histrini of Colcoptfrous
insecls« S. 36-5 „Synopsis of Ihe Pamidae of the United States" S. 4l.;
„Syi.opsis of the Eucnemidcs of the Uniled Slales" S. 45. „Rcmarks
rr;i '.M,.M, . wälifcnd dcs Jalifcs 1S52. 157
on soine Coleopterous insects colieclcd by S. W. Wooühouse in Alis«
souri Territory and Kew Älcxico" S. 6j. ; „Synopsis of the Anthiciles
of Ihe Uniled Slatcs" S. 91. „Heinaiks upon the Coccincltidae of llie
Unilcd Slates« S. 129. ; „Synopsis of Ihe Scijämaenidae of Ihe Uniled
States" S. 149,; „Synopsis of the Melyrides of the United States« S. 163.
— In dem Journal of the Acadeiny of natural scienoes Vol. I. und II.
tbeilte derselbe eine umfangreiche auch in systematischer Hinsicht
bedeutende Arbeit über die nordamerikanischen Cerambycinen mit. „An
altempl to clüssify Ihe Longicorn Coleoptera of the pari of America
north of Mexico." — In Caplain H. Stansbury's Keport to the U. S,
Senate 1852 ist Appendix C. der Aufzählung der am grossen Salzsee
von Utah beobachteten Säugelhiere, Vögel, Keptilien und Insecten ge-
\vidmet „Zoology of the Valley of the greal Salt-Lake of Utah. Thila-
delphia 1852. 8. Die wenigen insecten sind hier auf S. 366— 378 von
S. S. Hai dem an vcrzeiclinel. Obwohl der Verf. auch einige an der
West^^renzc von Texas und auf dem AVege nach Santa Fe gesammelte
Species mit aufj^eführt hat, enthält doch das Verzeiehniss nur 51 Ar-
ten: 4 Lepidoptera (Papilio Asterias, Cynlhia Cardui, Pieiis Prolodice,
Deilepbila lineata = daucus Cram. Harr.); 4 Hymenoplera, 4 Hemi-
ptera, 4 Orthoptera, 35 Coleoptera. Die Arten der zuletzt genannten
Ordnungen sind mit Ausnahme von 24 Coieopteren neu, hier beschrie-
ben und zum Iheil abgebildet. — Eine andere Abhandlung von Hal-
deman „Descriplions of Korlh American Coleoptera thicOy in the
cabinet of J. L. Le Conte, with references to described .«pecies" ist im
ersten Bande des „Journal of the Academy of natural scicnces of Phi-
ladelphia« schon 1849 erschienen , mir aber erst für den gegenwärti-
gen Bericht zugänglich gewesen. — Von Suffrian sind die noid-
amerikaniscben Cryplocephalcn in der Linnaea enlümologica Vul. VI.
und VII. bearbeitet worden. — Der „Fourlh annual reporl of the Re-
gents of the University on Ihe condilion of the State Cabinet of na-
tural history,« welcher dem Senate des Staates Keu-York im Jan. 1851
vorgelegt und 1851 in Albany gedruckt worden ist, enthält ein Ver-
zeiehniss der in der Sammlung dieses Staates befindlichen llemiptera
homoplera von Asa Filch mit kurzen Beschreibungen der neuen Gat-
tungen und Arten. Die bereits bekannten Species werden nur durch
ein Cital und durch nähere Angaben über ihr Vorkommen bezeichnet.
Die Gcsammtzahl der hier aufgeführten im Staat« New- York bisher
entdeckten Homoplera belauft sich auf 134, nämlich: 4 Sfridvlante!:,
14 Fulgorellae, 3l Membracidae, 50 Cicadcllinac, 6 PsylUdoe, 26 Aphi-
dae, 3 Coccidac. — In dem spcciellcn Theiie des Berichtes werde ich
auf den Inhalt der einzelnen Ahhandlungen näher cinzngelicn haben.
Uebcr die geographische Verbreitung der Thiere inCa-
lifornien hat Le Conte einen inlcressanlen Aufsalz geliefert
158 Schaum: Bericht dbcr die Leistungen in der Entomologie
und hauptsächlich die Verlheilung der Coleopleren benutzt,
um den allgemeinen Charakter der californischen Fauna zu
bestimmen. „On the geographica! distribulion of animals iu-
California« in den Proceed. of the Americ. assoc. f. Ihe ad-
vanc. of science; sixih meeting hold alAlbany August 1851.
Da eigene an Ort und Stelle gemachte Beobachlungen den
Yerf. vorzugsweise zu einem Urlheile befähigen, und da der
obige Aufsatz im Originale wohl nur sehr wenigen Lesern
dieses Berichtes zugänglich sein durfte, so beschränke ich
mich hier nicht bloss auf die Miltheilung der wichtigsten Re-
sultate, sondern führe auch die einzelnen Thatsachen an, aus
denen die letzteren gezogen sind.
Die erste Beobachtung, die ein Sammler in Calirornien macht,
ist die geringe Zahl der an jedem einzelnen Orte vorkommenden Spe-
cies. Während eines Aufenthalles von 2 — 3 Monaten in derselben Ge-
gend brachte L. nur gegen 200 Arien Käfer und etwa ebensoviele von
andern Ordnungen zusammen. Dagegen wechseln in Californien die
Arten so sehr, dass kaum 7—8 p, C. eine weitere Verbreitung haben,>
oder auch nur einander nahe liegenden Gegenden gemein sind. Einem
Entomologen aus den atlantischen Staaten der Union musste dies um
so mehr auffallen, als in diesen gerade das Gegentheil slattGndet und
eine jede Localilät eine grosse Zahl von Arten liefert , welche über
ein weites Territorium sich ausdehnen, aber überall nur in verbältniss-
mässig geringer Individuenzahl auftreten. Die wenigen in Californien
weiter verbreiteten Arten pflegen dann auch auf der östlichen Seite
des Felsengebirges vorzukommen , oder östlichen Arten so nahe ver-
wandt zu sein, dass man sie vielleicht nur für klimatische Abänderun-
gen zu halten hat. Die Gegenden östlich von der Sierra (Vallecitas,
Colorado und Gila) zeigen jedoch eine grössere Uebereinslimmung ihrer
Productionen als die Küstenstriche; es hängt dieselbe offenbar mit der
Wüstennalur jener Gegenden zusammen.
\Yas die einzelnen Familien betrifft, so ist besonders die Zahl
der Scarabaeiden, Elateriden und Cerambycinen auffallend
klein, indem die beiden ersten jede nur durch 25, die letzte nur durch
13 Arten in der auf etwa 1000 Coleopleren- Species sich belaufenden
Sammlung des Verf. vertrelcn sir^d. Cu reu I i on i d en (70 A.) und
Chrysomelincn (50 A.) landen sich auch nicht in derselben Zahl,
wie in anderen mehr waldigen Gegenden. Käfer, die von Sali leben,
fehlen, mit Ausnahme der Histeren, fast ganz, diese (30 A.) sind
aber ebenso zahlreich wie in den atlantischen Staaten. Dies Letztere
gilt auch von den Staphylinen (135 A.) "und Carabicinen (170
während des Jahres 18 J2. 159
A.). Der Ausfall, welcher durch die geringere Vertretung der vorher
genannten Familien verursacht wird , wird fast ganz durch die grosse
Menge der Ten ehr i on id en (130 A.) ausgeglichen, welche, wie be-
kannt, im östlichen Kord. Amerika nur in einer geringen Zahl von
Arten auftreten. Auch die Alalachier sind in Californien artenrei-
cher als in den atlantischen Staaten. — Im Einzelnen fanden sich un.
ter den Carahicinen nur sehr wenig neue Genera, die Arten gehö-
ren entweder kosmopolitischen Gattungen wie Cicindela^ Lebia , Bra-.
chinus etc., oder solchen an, welche gleichzeitig in Euiopa und im
gemäsäigten Mord- Amerika einheimisch sind. Dann kommen einige
rein auierikanische Gattungen wie Ega^ Diaphorus, Lachnophorvs vor,
welche eigentlich tropisch sind, sich aber eine Strecke weit in die
gemässigte Zone verbreiten. Die fär die allantischen Staaten charak.
teristischen Gattungen (z. B. Dieaelus) fehlen in Californien ganz. — '
Die Tenebrioniden haben nur eine sehr geringe Aehnlichkeit mit
den europäischen , eine grössere mit den an der Westseite von Süd-
amerika einheimischen Formen; die gcilugellen Gattungen sind ohne
Ausnahme cosmopolitisch {^Vhaleria , Helops ^ Uloma , Tenebrio etc.);
von den flügellosen, welche weitaus die Majorität bilden und sich auf
28 belaufen, finden sich nur drei gleichzeitig in den allantischen Staa-
ten, fünf bis sechs reichen bis in das tropische Amerika. Die Hi-
steren gehören fast alle zur Gattung Saprinus. — Der Verf. zieht
aus diesen Thalsachen folgende Resultate : 1. Californien bildet einen
selbstständigen zoologischen District , welcher aber entschieden den
Charakter des amerikanischen Conlincnts zeigt. 2. Dieser District zer-
fällt in mehrere scharf begrenzte Untrrdislricte, welche eine sehr
grosse Aehnlichkeit unter einander besitzen. Da die Inselgruppen,
welche der Westküste von Amerika nahe liegen (Gallipagos- und
Sandwich. Inseln) dieselbe Eigenthünilichkeit haben, so erscheint 3. die
beschränkte Verbreitung einer kleinen Artenzahl als das charakteristi-
sche Hcnnzeiclicn der östlichen Seite des stillen Aleeres, ebenso wie
die ausgedehnte Verbreitung einer grossen Arienzahl der hervorstechende
Zug in dem Charakter der allantischen Fauna ist. 4. Die Gattungen,
weiche in diesem Districte vorkommen , ohne ihm eigenthümlich zu
sein, sind entweder solche, welche auf der atlantischen Seite von
Amerika und in Europa voi kommen, oder solche, welche Amerika ei-
genthümlich sind und sich innerhalb dur Tropen finden.
Eine sehr lesenswerlhe Abliandlang von Perris „Hi-
sloire des insecles du pin maritime, welche in den Annal. d.
1. SOG. entomol. S. 491— 522. verölTenlliciit ist, enthält nicht
bloss ein Vcrzeichniss von 1 17 Inseclen verscliiedener Ord-
nungen, deren Existenz im Departement des Landes an Pinus
maritima geknüpft ist, sondern auch viele werlhvolle, zum
160 Schaum: Bericht über die Leistungen in dei Enlomo]ogie
Thcil ganz neue Beobachtungen über die Naturgcschiclile ein-
zelner Arien.
Im gesunden Zustande und im lebensliräftigen Alter haben die
Bäume nur eine verhältnissmässig geringe Anzahl von Feinden. Die
Raupe der Torlrix Luoliana lebt vom ölarke der noch krautartigen
Triebe junger Stämme, //2//Mr<;Mspiwi;;errfa vom Safte derselben, desglei-
chen die Larven der Cercopis corlicea, welche sich mit einer schau-
migen Blase umgeben. Von den Blättern nähren sich die Larven von
Cecidomyia piniy die Afterraupen des Lophyrus ptni und zwei Aspidio-
Iti5- Arten, an den Zweigen finden sich Colonien von Aphis pini ein.
Im Beginne des Herbstes erscheint auf diesen jungen Bäumen Cry~
plocephalus {Disopus) pini in Menge und zehrt vom Parenehyme der
Blätter. Die alten Stämme beherbergen in ihrer Rinde die Larve ei-
ner Ttncrt, aufweiche Clerus quadrimaculalus in seinen verschiedenen
Lebensstadien Jagd macht; ihre Blätter dienenden Raupen von Sphinx
pinastri und Lasiocampa pini zur Nahrung. Die Endknospen junger
und alter Bäume werden von der Raupe einer Tinea und von Torliix
slrobilana befallen. Die Raupe der Tinea decuriella dringt bis zur
Bastschicht ein und verursacht das Ausfliessen einer beträchtlichen
Menge von Harz, in dessen Mitte sie sich verwandelt. Der gefähr-
lichste Feind, ja eigentlich der einzige, welcher gesunden Bäumen
nachtheilig wird, ist aber die Raupe des Bombyr pityocampa. In den
bekannten Ifestern derselben machen Dermestes musielinits, Parameco-
soma abielis und Blepliariplera serrula ihre Metamorphose durch, wel-
che dort von den faulenden StolTcn, Koth u. s. w. leben. Erst wenn
die Bäume von einer Krankheit befallen oder durch den Raupenirass
des B. pityocampa geschwächt sind, werden sie die Beute einer grös-
seren Zahl von Inseclen ; auf die jungen Stämme wirft sich dann To^
micus bidcns, an die etwas älteren machen sich Hylurgus] minor, Pis-
sodes nolalns, Chrysobothris Solieri, Ancylocheira octognUata, Anlhaxia
tnorio , an die alten Melanophila tarda, Ancylocheira ßai^o -maculata,
Tomicus steuographus, Ihjlaslcs aler, Hylurgus ligniperda, Hylasles pallia-
tuSf Cryplurgus pusillus, JJylobius tibietis, Rhagium indagalor, Cralonychus
brunnipcs und Alhoiis rhombcus ; keinen ünteischied in Bezug auf das Aller
der Stämme machen Hylurgus pinipcrda, Tomicus laricis ^ Monohammus
gallo- provincialis, Acdilis grisea. Während die bisher genannten vor-
zugsweise in den Stummen ihr Wesen treiben , sind Anobium molle,
ein, wie es scheint, neuer Cryplurgus, ramnlorum vom Yeif. benannt,
und Magdulinus carbonarius an der Zerstörung der Zw« ige thälig ;
gleichzeitig dringt Tomicus eurygraphus in das Holz ein, und grübt die
Larve von Urocerus juvencus ihre parabolischen Gallerien ini Splinte.
-— Weiden jetzt die absterbenden Bäume geschlagen ; so legen Alhous
rufusj Ergaels faber, Criocephalus ruiticus, Aeditis ii.onlana, Sioudf^lis
während des Jahres 1852. 161
bupresloides , zwei Dipteren Laphria gilta und L. alra und mehrere
der oben genannten Holzkäfer ihre Eier an die Stubben, oder in Er-
mangelung von Stubben an die Stämme.
Diesen Insecten stellen wieder andere nach, welche die exces-
sive Vermehrung der ersteren beschränken. In die Gallerien des To-
micus bidens dringt das Weibchen von Hypophloens linearis ein, um
seine Eier abzulegen; die aus diesen ausschlüpfenden Larven führen
gegen die Larven des Tomicus einen wahren Vernichtungskrieg. Die
interessante Beobachtung, dass die Larven von Ilypophloeus nicht vom
Holze, sondern von Larven verschiedener Holzinsectcn leben, ist neu,
und wurde vom Verf. an mehreren Arten , an H. linearis und pini,
welche in der Fichte, an H caslaneus und bicolor, welche in der Ei-
che vorkommen, bestätigt. In gleicher Weise greifen Malachius baU
tealus und Dasyles plumbeus junge Larven an; auf Hylurgus piniperda
und minor ist Rhizophagus dcpressus angewiesen, dessen Larven vor-
zugsweise in den Stämmen, niemals, wie es doch der Gattungsname
erwarten lässt, in den Wurzeln vorkommen und unter der Borkenkä-
ferbiut gewallig aufräumen. Auch die Larven der Colydien sind nach
den Beobachtungen des Verf. carnivor, Aulonium bicolor dringt in die
Gallerien des Tomicus laricis ein, die Larve des in Ulmen vorkom-
menden A. sulcalum lebt von den Larven des Scolylus muUistrialuSf
die des Colydium elongalum in Eichen von der Brut des Piatypus cy^
lindrus. Ein Parasit des Pissodes nolalus ist Pimpla instigaloria Grav.
Der Brut von Hylurgus ligniperda, Hylasles ater und Tomicus slcnogra-
phus stellen die Larven von Ilypophloeus pini, Plalysoma oblongum und
Xantholtnus collaris nach ; die gefrässigen Larven von Clerus formica-
rius, Opilus mollis, Jps ferruginea und Temnochila coerulea verzehren
die Larven der Aedilis grisea, Melanophila tarda^ und selbst die junge
Brut des Rhagium indagalor und Monohammus gallo-provincialis. Ein-
zeln kommt auch die Larve von Brontes planalus vor, welche in der
Eiche gemeiner und ebenfalls carnivor ist. Unter der Brut von Cry--
plurgus pusillus hausen die Larven von Flegaderus saucius, discisus und
caesus und die des Paromalus flaeicornis. Vielleicht sind auch die
Larven verschiedener Brachelytren, welche in Pinus maritima vorkom.
men {Placusa pumilio, Omalium vile , Homalota celata, Oxypoda analisy
Lilhocharis fusca , Phloeopora corlicalis, replans), die des cosmopoliti-
schen Sylvanus unidenlalus , des Laemophloeus Dufourii Laboulb. , der
üiloma crenala und des microscopischcn Plilium apterum auf die Lar-
ven des Crgplurgus pusillus od»r auf Podura lignorum angewiesen. AU
Parasit der Aedilis grisea und des Rhagium indagalor ist Vipio nomi-
nator , des Criocephalus ruslicus Ichneumon molalorius zu erwähnen.
Von dem Mulm der Gallerien und dem daselbst ausschwitzenden Safte
leben zahlreiche Dipterenlarven, ein Pachy gasler , ein Medclerus, eine
SciarOf JMycelobia pallipes , Toxoneura fasciataj Teremyia lalicorniSf
Archiv f. Naturgesch. XIX. Jahrg. 2. Bd. L
t&i Schanm: Bericht ^er die Leistungen in der Entomologie
Phora pnsilla, eine Hylemtjia, eine neue Gattung der Piophiliden , Ble~
pharipalpus hutneralis vom Verf. benannt, aber niclit Ijeschrieben; dorl
findet sich auch die AflerraupjB der Tenlhredo limbala , der einzigen
Blaltvvespe, von der bisher eine derartige Lebensweise bekannt gewor-
den ist. — Wenn die Stämme schon dem Absterben nahe sind, so be-
schleunigen nocii Leptura rubro - lesiacea ^ Rhyncolus porcalus , lhjla~
stes anguslatus und allenuatus , Cardiophorus rvßcoUis , Elaler sangui-
neus und praeustnSf Dorcus parallelepipedus j Tenebrio curvipes ihren
Untergang; wenn die Stämme ganz von Gallerien derselben durchzo-.
gen, von Rlnlm und Excrementen angefüllt sind, erseheinen Uloma cu-
llnaris und Phlhora crenala. Da wo Feuchtigkeit die Auflösung dts
Holzes befördert, legen Xanihochroa carniolica und Helops caraboides
ihre Eier an dasselbe ab, und wo das Holz schon fast in Staub zer>
fällt, findet sich Prionyckus aler und die Larve einer Thereua ein.
Am Schlüsse der Abhandlung spricht sich der Verf. nochmals
mit grosser Entschiedenheit dahin aus, dass, abgesehen von Bombyx
pityocampa , nur kranke Stämme von Holzinsecten befallen werden,
stellt aber freilich nicht in Abrede, dass eine grosse Zahl der Bäume
sich von der Krankheit erholen würde, wenn sie von den Angriffen
der Insecten verschont blieben, und dass sie nur in Fx>lge der letzteren
zu Grunde gehen.
Eine Miltheilung" über einige dem Rübsamen schädliche
Insecten hat Fo eil Ion in Guer. Rev. et Mag. d. Zool. S.
123. und in den Annal. de Tlnslit. agronomique de Versailles
gegeben.
r*" Der Verf. bezeichnet hier als besonders nachlheilig einen an-
geblich neuen Grypidius^ welcher unter dem Kamen Gr. brassicae be-
schreiben wird ; und vier Arten von Haltica im vollkommenen Zu-
stande (/l. hyoscyami^ nigripes ^ nemorum und eine mulhmasslich neue
Species)^ die Larve des genannten Grypidius, die Raupe von Ypsolo^
phus xylostei Fabr. und eine noch unbestimmte Laive. Aube hat in-
dessen im Bull. d. 1. soc. enlom. d. Franc. S. LXXXIII. einige der
groben Irrthümer zur Sprache gebracht, welche sich F. in der Bestim-
mung der Arten bat zu Schulden kommen lassen ; Gryp. brassicae ist
=: Ceulorhynchus assimilis , die von F. als Hallica hyoscyami bezeich,
nete Art ist napi Ent. lieft. ; //. nigripes ist unter dem Namen lepidii
allgemeiner bekannt.
Die verschiedenen Beobachtungen über einzelne schäd-
liche Insecten sind im speciellen Theile dieses Berichles zu
suchen; um das Auffinden derselben zu erleichtern, stelle
ich aber hier die Namen der Arten und der Verfasser in sy-
stematischer Ordnung zusammen.
J ^ während detf Whres 1852. 163
Tenthredo adtimbrnta (Gorski) , Trichosoma lucorum , Lophyrvs
pini, Tenthredo Cerasi (VVeslwood), riemalus abietum (Stein), Hylobius
pini (Stein), Magdalinus violaccus (Kollar) , Oliorhynchus raucus (Uou-
zet), Bostrichns typographns, Hylesinus cunicularius , paUialus, po(ygra~
phus (Stein), Uosirichus bidens (Kollpr) , Agrotis segetum (Westwood)^
Torlrix quercana, Argyromyges rußcapilella, GaUeria alvearia , GraciU
lariav, (lata (VVeslwood), Cccirfomj/m <ie$<rMCior, culmicola (Harris), Jn»-
SMS tastator (Guerin), Ptylla Buxiy Adelges Abietis (Weslwood), Cocei
(Hobineau-Desvoidy). '
Ein Werk von Macquart „l,es Arbres et Arbrisseaux
de l'Europe et leurs insectes" Lille 1852. ist mir nur defli
Titel nach bekannt geworden.
Ebensowenig" ist mir eine von Passerini in den Atll
deir Acad. d. Georgofili 1851. veröffentlichte Abhandlung über
die Naturgeschichte mehrerer dem Feigenbaume schädlicheJT
Insecten zugänglich gewesen.
Mach einer Notiz von Westwood (Proc. Eni. Soc. S. 62.) be-
zieht sich dieselbe auf Boslrichus Fici, Apate sexdentala, Morimvs lu-
gubris j Nemosoma elongata ^ Lachnaea rvfipennis und A. Denops per-
sonalus (= Cylidrus albofascialus Charp.) wurde ebenfalls in allen Le-
benssladien in den Zweigen ,des, Feigenbaums beobachtet , ist aber of.
fenbar insectivor.
Heer hat in einem sehr anziehenden Vortrage „die
Liasinsel des Aargau's" (Zürich 1852) speciell die fossilen In-
sectenreste in Betracht gezogen, welche die Liasformation bei
Müllingen im Canton Aargau in erheblicher Menge einschliesst.
Auf einer beigegebenen Tafel sind einige der auffallenderen
Formen nach den vorhandenen Bruchstücken vom Verf. re-
slaurirt worden. Die geistreiche Darstellung entwirft ein le-
bensvolles Bild der Naturwelt jener Liasinsel und zeigt in dem
vorliegenden Falle, wie sehr gerade die Insecten geeignet
sind, uns über die speciellen Verhältnisse früherer Erdperio-
den Aufschlüsse zu geben.
Die Zahl der bis jetzt am genannten Orte entdeckten Insecten
erhebt sich auf etwa 70 Arten, welche 30 Gattungen angehören, und
von denen 22 (19 Coleoplera, 2 Orthoplera, 1 Hemipteron) vom Verf.
hier mit grosser Saclikennlniss bestimmt, beschrieben und bildlich dar-
gestellt sind. Alle weichen von jelzllebenden wie von den Insecten
der Tertiärperiode gänzlich ab, manche gehören zu untergegangenen
Gattungen, obwohl keine durch seltsame Form ausgezeichnet ist. Die
164 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Mehrzahl (58) sind Käfer, wobei indessen in Betracht kommt, dass die
harten Flügeldecken derselben sich vorzugsweise zur Erhallung eignen.
Von Wachtlhieren finden sich die Kakerlaken auch hier wieder, aber
in anderen Arten als in der Steinkohle; die Taginseclen sind indessen
durchaus vorherrschend. Die meisten Käfer gehören zu den Holzin-
geoten, und zwar sind besonders die Bupresliden und Elaleriden zahl-
reich vertreten (beide zusammen durch 28 Arien) Zwei Käfer {BeU
lingera ovalis und Prototoma striata) lebten wahrscheinlich in Pilzen.
Von Süsswasserinsecten liegen nicht weniger als 12 Arten vor, wel-
che sich auf drei Familien und fünf Gattungen vertbeilen. Im Allge-
meinen erscheinen nur Insecten von geringer Grösse, doch wurde eine
Buprestis gefunden, welche nahezu die Grösse der zunächst verwandten
l^uchroma giganlea erreicht. Die beobachteten Formen weisen, zum
Theil wenigstens, auf ein heisses tropisches Klima hin. Die vom Verf.
beschriebenen und abgebildeten Arten sind: Tkurmannia punctU'^
lata, neue Gattung aus der Abiheilung der Truncatipennen , zunächst
mit Lebia verwandt; Carabites anthracinus; Colymbeles arcua-
tus', Gyrinites tro gl o dytes; Pterorophus truncatus, neue
Gattung, welche ihrer Körperform nach in die Familie der Nilidulinen
und zwar in die Gruppe der Brachyplerinen gehört; B ellingcra
ovalis, ein kleines wahrscheinlich den Cryptophagiden verwandtes
Käferchen; Prototoma striata^ wahrscheinlich den Mycetophagi-
den zuzurechnen; Hydrophilus Acherontis; Hydrobius veteranuSf
Wollastonia ovalis, eine der abweichendsten Formen aus der Fa-
milie der Hydrophiliden, welche mitSpercheus und Berosus die meiste
Aehnlichkeil hat; Euchroma liasina, eine vortrefflich erhaltene Flü-
geldecke, welche unzweifelhaft einem der E. gigantea nahe verwand-
ten Thiere angehört hat; Glap hy r opter a in signis , dep r essa,
Gehreli, gracilis , vier Arien einer neuen Buprestiden - Gattung,
welche sich durch glatte Flügeldecken und einen scharfeckigen Vor-
derrücken auszeichnet, die erste erinnert in ihrem Aussehen an die in
Madagaskar einheimischen Polybolhris Arten; Melanopkila sculptilis;
Micr anthaxia rediviv a, ein kleines zunächst mit Anlhaxia ver-
wandtes Käferchen, ebenfalls aus der Familie der Bupresliden; Me-
gacentrus tristis, eine eigenthümliche die Elaleriden und Eucne.
miden verbindende Gallung ; CurcuUoniles liasinus, Gomphoceriles
Bucklandi, Blaltina forma sa; Pro to coris planus, die Flügel-
decke einer Baumwanze , welche wahrscheinlich eine besondere Gat-
tung der Coreoden bildet.
Ausserdem wurde nur' noch ein fossiles Insect aus dein
Sösswassermergel von Aix, eine sehr schön erhaltene Pimpla,
von Saussure (Guer. Rev. et Mag. d. Zoo). S. 579. pl.2:3.)
bekannt gemacht.
„nuH. (.t Während des Jahres 1852. ' '4Vtf8J<9i IW
Durch die Breite seines Hinlerleibes erinnert das Exemplar aof
den ersten Blick an Sirex, diesell>e ist aber ohne Zweifel Folge einer
Zerquelschung. Die Länge der Fühler, der kurze Kopf, der vorn ver-
engte Thorax, der achtgliedrige Hinterleib, der kurze in zwei Hälften
gelheilte Legestachel und namentlich das Geäder der Flügel sprechen
entschieden dafür, dass hier eine Art von Pimpla Yprtiffgl. Der Verf,
hat sie mit dem Kamen Pimpla anliqua belegt, m , ,,.
Boheinan's Bericht über die Leislungen auf denfj Ge-
biele der Entomologie während der Jahre 1849 und 50. ist
von der schwedischen Academie der Wissenschaften 1852
veröffenllichl worden „Arsberällelse om Framslegen i Insek-
ternas, Myriapodernas och Arachnidernas Nalural-Historia for
1849 och 1850 af C. H. Boheman.«
Die Uebersicht über die 1851 erschienenen entomolö-
gischen Schriften, welche Westwood der Londoner Ge-
sellschaft 1852 an ihrem Stiftungstage (26. Jan.) vorgelegt
hat, und die in den Proceed. of the ent. Soc. Vol. I, p. 139
— 166. abgedruckt ist, war mir schon bei der Abfassung des
vorigen Berichtes zu Statten gekommen. Eine gleiche Ar-
beil desselben Verfassers über die entomologische Lilleralar
des J. 1852 liegt mir auch diesmal vor (Proc. Ent. Soc. Vol.
II. S. 54—89.)^ und ich habe auf diese Weise von mehreren
Abhandlungen, selbst von einigen besonderen Werken, Kennl-
niss erhalten, welche mir in den Berliner Bibliqtheken nicht
zugänglich waren. Die Titel derselben werden von mir an
der gehörigen Stelle erwähnt werden, die Mittheilungen über
ihren Inhalt müssen aber sehr dürftig bleiben, da Westwood
sich in den meisten Fällen auf einige ganz allgemeine An-
gaben beschränkt hat.
Hyitieuoptera.
Ratzeburg hat mit einem dritten Bande seih ausge-
zeichnetes Werk über die Ichneumonen der Forslinseclen ge-
schlossen. Es enthält derselbe nicht allein die Beschreibun-
gen von 300 gezogenen Arten (der achten, neunten und
zehnten Centurie), sondern nimmt auch durch zahlreiche neue
Beobachtungen über die Lebensweise der Schlupfwespen, das
Vorhällniss zu ihren Wohnlhieren und ihre forslliche Bedeu*
166 Schaum: Bericht Qber die Leistungen in der Entomologie
tung ein allgemeineres Interesse in Anspruch. In einem
„Krankengeschichten« betitelten Abschnitte der Einleitung (S.
7 — 20.) hat der Verf. die verschiedenen Schmarotzer zusam-
mengestellt, welche durch Zucht im Grossen in einer Reihe
von Fällen aus einzelnen, meist forstschädlichen Insecten er-
halten wurden. ^,
Das Bestimmen der Gattungen wird durch drei am
Schlüsse des Werkes mitgetheilte Claves analyticae (der J?ra-
coniden , Ichneumoniden und Pteromalinen) , das der Arten
durch das vom Verf. entworfene Wirthssystem sehr erleichtert.
In dem letzteren sind nämlich die Wohnthiere der Schlupf-
wespen nach den einzelnen Ordnungen verzeichnet, und die
aus jeder Art erzogenen Parasiten zusammengestellt. Auf
einige Einzelnheiten des Werkes einzugehen, werde ich wei-
ter unten Veranlassung haben. Sehr gelungene xylographi-r
sehe und chalcographische Abbildungen erläutern die von Il.%
neu aufgestellten Gattungen und einzelne Arten. t
Wesmael's Bearbeitung der belgischen Hymenoptera
fossoria ist mit drei weiteren Fortsetzungen im Bulletin de
l'Academie royale de Bruxelles Tom. XIX. 1. S.82., S. 261.
und 589. beendigt worden. Ueber die Art der Ausführung
habe ich schon im vorigen Jahre berichtet. Der Inhalt der
hier behandelten Familien ist folgender:
Sphecidae. 1 Ammophila , 2 Psammophila, l MiscuSf 1 Do-
lichurus.
Larridae. 3 Tachytes, 2 Miscophus^ l Dinetus, 1 Astata. %
B embecidae. 1 Bembex.
Nys sonid ae. 6 Nysson , 2 Goryles ^ 5 Hoplisus, darunter H.
plani fr 0 ns und H. pulch ellu s neu, 1 LestiphoruSf 2 Arpaclus,
2 Mellinus, 1 Didineis.
Cerceridae. 2 Alysorif 6 Cerceris , von denen C, nitida
neu ist, l Fhilanlhus, 2 Trypoxylon, 6 Mimesa j darunter M. Shuch"
ardi neu, 2 Psen.
Pemphredonidae. 1 PemphredoUf l CeratophoruSf 3 Cemo-
ttus, 2 Diodontus, 4 PassalaecuSf 1 Stigmus, 1 Spilomena.
Crabronidae. 1 Enlomognalhus , 4 Lindenius, 2 Rhopalum,
denen hier eine drille neue Art aus der französischen Schweiz, Rh.
qraeiltf hinzugefügt wird, 35 Crabro (es sind hier indessen einige
Schweizer und nordische Arten mitgezählt, welche zur Zeil noch nicht
in Belgien aufgefunden sind), neu darunter sind Cr. (^Crossoceru^) af^
w»hrend de» Jahres 1852. 16f
finis, Cr. [Eotemnius) larvatus, 5 Oxybclus^ denen hier noch die
lieschreibungen von zwei der Uejgischen Fautia fremden Arten 0. vtf-F
riegatus n. ep. aus der französischen Sehweiz und 0. pugna» .{)\xf^
Vanderl. aus Italien angehängt sind.
Am Schlüsse der Arbeit giebt der Verf. eine tabellarische Üe-
bersicht der Familien, welche einige neue Gesichtspunkte enthält, und
die ich hier um so mehr miltheile , als die oben genannte beigische
Zeitschrift wohl nur wenigen Entomologen zugänglich ist.
I. Der Hinterrand des l'ronotum erreicht die Basis der Vorder-
flugel. Mittelschienen gewöhnlich mit zwei Spornen.
A. Ein tiefer Einschnitt an der Verbindnng des ersten und zwei-
ten Bauchringes.
a. Hüften genähert. Weibchen ungeflügelt. Mulillidae. — aa.
Miltelhüften weit getrennt. Beide Geschlechter geflügelt. ScoUidae.
AA. Bauchfläche des Hinterleibes gleichmässig gewölbt, b. Sei-
ten des Blesolhorax gewölbt. Sporn der Vorderschienen an der Spitze
ausgerandet. Sapygidae. — bb. Seiten des Mesolhorax zusammenge-
drückt. Sporn der Vorderscbienen am Ende scharf. Pompilidae,
II. Der Hinterrand des Fronotum erreicht nicht, die Basis der
Vorderflügel.
A. Die Aliltelzelle der Hinterflügel auf dem Discus des Flügels
über den Ursprung der am Vorderrande beflndlichen Hakenreihe (frein)
hinaus verlängert. Vorderflügel gewöhnlich mit mehreren CubitalzeU
len. — a. Hinterleib mit zartem cylindrischen Stiele. Mittelschienen
mit zwei Spornen. Sphecidae. —^ aa. Hinterleib ohne Stiel oder mit
dickem oder fast vierkantigem Stiele. Der obere Halbring des ^sten
Segmentes immer, auch wo ein Stiel vorhanden ist, vom unteren ge-
trennt, f Die Mandibeln sind aussen iahe der Basis ausgerandet oder
die Radialzelle ist mit einem Anhange versehen, oder beide Charaktere
finden sich neben einander. Larriiae. ff Alandibeln ohne Ausrandung.
Radialzelle niemals mit einem Anhange. * Oberlippe 3ehr vorr9gjeQ4*
Bsmbecidae. — *«. Oberlippe verborgen «der wenig vor«tehendp «r^ p.
MiUelschienen mit zwei Spornen. Nyssonidae. — oo. Mittelschie^en
mit einem Sporn, f Drei vollständige Cubilalzellen, selten eine einzige.
Cerceridae. — ff Zwei vollständige Cubilalzellen. Pemphredonidae.
AA. Die Medianzelle der Hinterflügel endigt am Ursprünge der
vorderen Hakenreihe, fehlt in seltenen Fällen ganz. Vorderflügel mit
einer Cubitalzelle , die Radialzelle mit einem Anhange. Die MilteU
scliienen mit einem Sporn. Crabronidae. — In einer Note bemerkt
der Verf. nadilrnglich , dass die zu den Spheeiden gestellte Gattung
Dolichurus in die <irnppe der Nyssonidae «wischen McUmus und Didi-
ncis einzureihen ist.
Eversmnnn hat seine Fauna hymcnopterologic« VoU
168 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
go-Uralensis im Bull. d. L soc. imper. de Mose. 1852. N. III.
fortgesetzt (s. Jahresb. f. 1847 und 49.), und in dem gegen-
wärtig veröffentlichten Theile die Familie der Bienen bearbei-
tet (s. u.).
„Hymenopterologische Beiträge« sind von Tischbein
in der Ent. Zeit. S. 103. ff. und S. 129. ff. veröffentlicht wor-
den. Sie liefern einen Nachtrag zu den früher vom Verf.
mitgetheilten Verzeichnissen der Blatt-, Holz- und Mordwes-
pen des Fürstenthum Birkenfeld , die Beschreibungen von
mehreren neuen zu diesen Familien gehörigen Arten aus Un-
garn und der Türkei, und die Aufstellung einer neuen Gall-
wespengatlung Pediapsis (s. u.).
— v^ Eine Anzahl neuer Hymenopleren -Arten ist von Fr.
Stnith beschrieben worden „Descriptions of some new and
apparently undescribed species of Hymenopterous insects from
North China, collected by. R. Fortune« Trans, of the entom.
Soc. Vol. II. S. 33. »Descriptions of some Hymenopterous in-
sects from norlhern India« ebenda S. 45. „Descriptions of
some Hymenopterous insects captured in India with notes on
their oeconomy«* Ann. of nat. bist. IX. S. 44.
Die einzelnen Arten sind weiter unten am systematischen Orte
namhaft gemacht.
Jkpiariae* In dem Fauneugebiete zwischen der Wolga und
dem Ural kommen nach Eversmann (Bull. d. Mose. 1852. n. III.
S. 1 — 137.) folgende Bienen vor: 64 A. von Andrena^ 25 Hylaeus , 5
CoUeles, 4 Dichroa, 9 Prosopis, 5 Dasypoda, 1 Nomia, 1 Systropha, 3
Rophites y 1 Macropisj 3 Fanurgus ^ 6 Osmia, 12 Megachile , 4 Chelo-
Stoma, 4 Coelioxis , 14 Anthidium, 3 Slelis , 1 Ceraline, 2 Phileremus,
2 Pasites, 21 Nomada, 3 Epeolus, 2 Melecla, 1 Crocisa, 1 Saropoda,
17 Anthophora , 4 Encera , 7 Macrocera, 1 Melülurga , 1 Xylocopa,
4 Psühyrus, 21 Bambus, 1 Apis, im Ganzen also 249 A. — Der Verf.
hat diese Species sämmtlich kurz beschrieben, und in den artenreiche-
ren Gallungen analytisches Tabellen zur leichleren Erkennlniss dersel-
ben mitgetheilt. Sehr viele derselben sind als neu aufgestellt, da der
Verf. aber die neueste Litteralur nicht gehörig gekannt zu haben scheint,
und da er das Werk , von Lepelletier und die umfassenden Arbeiten
von Smilh gar nicht, Nylander's Monographie der nordischen Bienen
nur in der Gattung Bombus citirt hat, so ist es nicht unwahrschein-
lich^ da$>s mehrere derselben bei erneuerter Frufang wieder eingehen
während de» Jahres 1852. 169
werden. Ich mache sie hier sämmtlich namhaft, hauptsächlich um ei-
ner anderweitigen Anwendung derselben Namen vorzubeugen : Andrena
CO mtOf fulvil ar sis^ limbata, aber r ans, ambig uay hirti^
ceps f longula, xanthothoraXf brevitarsis^ f allax , cam-^
pestris, microsligma, senilis, floricolaj labr osa^ flo-~
rivaga, gr a cilis, quadricincta , senex, incerla, nigri'
frons , gr avida , scita, consobrina, fulva^ rufitentris:
Jlylaeus brunnescens , senilis, rostra lus , fulvicrus, rubel-,
lus Fall.; Colletes j uvencula; Prosopis p atellat a, distans; Da^
sypoda villipes, braccata Pall. ; Rophiles cana, bispin o sa;
Panurgus labia tus, clyp eatus; Osmia fulva, 0. scila, 0. ha-
mala; Megachile m onocero s Fall.; maxillo sa, obscura, albi-
cilla, fu Ivimana, melano g asler\ Chelostoma signatum; Coe-^.
lioxis brevis\ Änlhidium dissectum, reguläre, auripes, in-
tegrum, senile, floripelum, reptans, sibiricum; Slelis
aberrans; Philer emus abdominalis, hir sululus-, Pasites fa^
sciata', Nomada aberrans, dubia, lutea, ornata, bimacU'^
lata, rubra, rubricosa, pasloralis; Epeolus lue tuo sus.^
transitorius] Melecta diacanlha; Anthophora qua dricinctd,
cinerea, segnis, dubia, fulva, albifr ons, pedata, vetula
{senilis £v. olim); Eucera coarctata; Macrocera mediocris,
tiasalis; Psilhyrus glo b osu s; Bambus flavidus, rufescens,
calidus, eriophorus Klug, mo destus. — Die Charakteristik der
üattungen hat der Verf. nach Herrich-Schaeffer's ^omenciator enlomo^
logicus entworfen. niWiieß:»! .
Von Smith sind folgende Arten als neu beschrieben: Crocisa
decora, Xylocopa app endiculata, X, rufipes, X. piclifrons,
Bombus tunicatus, B. h aemo rrhoidalis, B. trifasciatuSf
B. atripes, B. nasutus, B. br ev iceps , B. flavescens au«
Nordchina, ßom^Ms eximius, B. funerariüi, B. rufo-fascia^
tus, B. simillimus aus Nordindien (Trans. Eni. Stiö. It.). -^ Proso-
pis mixtus aus Ostindien (Ann. nat. hist. IX.). -v' ?>.>•.
Gorski stellte (Anal, ad entom^ imp. ross. S. 181.) Prosopis
Rinhi als neue Art aus Litthauen auf, und gab Taf. III. Fig. 1. eine
sehr gelungene Abbildung derselben ; sie steht der Pr. dilatata Kirb.
nahe, unterscheidet sich aber durch runden Kopf, ganz schwarze iMan-
dibeln, kahlen Hinterleib u. s. w. In einer Anmerkung hat der Verf.
die 18 bis jetzt beschriebenen Arten der Gattung Prosopis zusammen-
gestellt.
Änlhidium loti n. sp. , das noch unbekannte Weibchen von A.
quadrilobum Lep. und Megachile rotundit>entri$ n. A. wurden von
Ferris (Ann. d. 1. soc. Linn. de Lyon S. 193.) chnrakterisirt; alle drei
Arien sind im Dept. des Landes einheimisch.
170 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
^ Nach Sichel (Ann. d.i. soc. ent. S. 568.) sind Crocisa ramosa,
erbata und scutellaris Lepell. alle Abänderungen der Cr. scutella-
ris Fabr.
L. Dufour bemerkte (Bull. d. 1. soc! eiit *S. XLV.), dass Ma-
crocera ruficollis Brülle, Lep. und rufa Lep. zu einer Art gehören,
dass Eucera oranien$is Lep. = grisea Fabr., und E. bicolor Lep. viel-
leicht das Weibchen derselben Art, und dass Eucera numida Lep. und
nigrilabris Lep. nur sexuell von einander verschieden sind. Er grün-
det diese Angaben auf Exemplare, welche er von Lepelletier selbst
erhallen bat«
In einem von F. Smith (Trans. Ent. Soc. IL S. 81.) beobachte-
ten Falle halte die Enlwickelung einer Anzahl Exemplare von Osmia
parielina drei Jahre gedauert ; die Eier waren 1849 gelegt, und von
250 Larven verpuppten sich 25 erst im Sommer 1852. -,
West wo od erläuterte in Gardcner's Chronicle S. 340. die Na-
turgeschichte der Anlhophora relusa durch Beschreibung und Abbil-
dung der Biene in ihren verschiedenen Lebensstadien.
' , . Pa3^ di^ Gattung //«//aeus sich nicht als Parasit in andern Bie-
nenneslern entwickelt , wurde von S. S. Saunders (Proc. Ent. Soc.
Apr. 1852) bestätigt.
„Quelques observations sur les abeilles et particulierement sur
les actes, qui chez ces insectes peuvent etre rapportes ä l'intelligence
par F. Dujardin« (Ann. d. scienc. nat. t. XVIII. n. 4. S. 231— 240.)
»— Der Verf. hat schon früher die Anwesenheit eines symmetrischen
Körpers von bestimmter Form und fesler Consistenz im Ganglion su-
pra-oesophageum der llymenopleren nachgewiesen und mit der Ent.
Wickelung der intellectuellen F«ähigkeiten bei diesen Thieren in Zu-
sammenhang gebracht (s. Jahresber. f. 1850. S. 5). Gegenwärtig Iheill
er einige Beobachtungen mit, welche seiner Meinung nach nicht wohl
anders als durchwein Abslraclionsvermögen der Bienen zu erklären sind.
In dem einen Falle hatte er in einer durch Gitterwerk und Weinran-
ken verdeckten Mauernische eine Schale mit einer Zuclierlösung auf-
gestellt und eine Biene dorthin gebracht. Nachdem sie sich gesältigj
hatte, besichtigte sie die Localität aufs Genauste und flog zum Stocke
zurück. Schon nach einer Viertelstunde kamen etwa 30 Bienen des-
selben Stockes , untersuchten die Umgebungen und informirten dann
die übrigen Arbeiter, welche sich in immer grösserer Zahl einfanden.
Hier war also nicht bloss ein deutliches Bild der Localität in dem Ge-
hirn der ersten Biene zurückgeblieben, sondern dieser Eindruck war
auch für sie das Motiv zu Mittheilungen geworden , welche bei den
anderen Bienen dieselben Yorslellungen^ wie der Anblick der Zucker-
lösung selbst, erweckten. In einem zweiten Falle beuntxteii die Bic-
<w^^*iVisi<..s v.^ während des Jahres 1852. .i.mr.j'j^ fff
nen eines Stockes eine bleiweisshaltige Oelfaibe , eine Substanz , die
iiinen vollständig unbekannt sein musste , um die Spalten ihrer Woh-
nung zu verkleben. Die dritte Beobachtung bezieht sich auf eine
Biene , welche mit Pollen beladen durch den Haupleingang in eine»
Stock, welcher ausserdem auch einige seitliche Oeffnungen besass, zu-
rückkehren wollte. Mehrfach vom Haupleingange verscheucht, besann
sie sich auf die seitlichen Oeffnungen und gelangle durch eine derseW
ben in das Innere. — Diese Beobachtungen Ihun allerdings eine frei>
Uebcriegung der Bienen dar, gehören aber noch nicht zu den eclatan.
testen Belegen, welche für die hohe Ausbildung der geistigen Eigen-
schaften bei gewissen Familien der Hymenopteren beigebracht werden
können und eine Kette complicirter ürtheilsschlusse erkennen lassen.
— Anhangsweise berichtet D. über die Thätigkeit der Schwärme und
über die Fruchtbarkeit der Königinnen in der Bretagne. In dieser
Provinz, wo Buchweizen in grosser Menge cultivirt wird, dessen ho-
nigreiche Blüthen vorzugsweise von den Bienen heimgesucht werden,
verzögert sich das Schwärmen der Stöcke bis zum Ende des Juli, selbst
bis zur Mitte des August. Ein Schwärm, der am 28. Juli auszog, elwi^
2500 Gr. wog und aus 778 Drohnen und 23,330 Arbeitern bestand,
von denen die Hälfte mit dem Baue der Zellen beschäftigt war, hatte
am Ende von 20 Tagen 29,218 Zellen gefertigt, die Königin hatte iii
dieser Zeit 11,882 Eier gelegt. Ein zweiter Schwärm vom 5. August
wog etwa 4 Kilogramme, und enthielt 1200 Drohnen und 38,000 Arbei-
beiter , nach Verlauf von 12 Tagen waren 31,392 Zellen gebaut, und
die Königin hatte 7,289 Eier gelegt. Im ersten Falle waren täglich
l4,6 Gr , im zweiten 25,16 Gr. Wachs bereitet. Diese Thätigkeit nahm
aber mit dem Verblühen des Buchweizens sehr rasch ab, und am 20.
Sept. hörte das Eierlegen ganz auf; in der Zeit vom 16. Sept. bis zum
12. Oct. wurden sogar die Wymphen , die sich aus den zuletzt geleg-
ten Eiern entwickelt hatten, aus den Zellen herausgeworfen.
Wie bekannt , trifft man bisweisen an den Köpfen von Bienen
zufällige Hörner, welche nichts Anderes als die Pollenschläuche von
Orchideen sind. Gorski hat einen derartigen an einem Weibchen
von Osmia bicornis beobachteten Fall Anal, ad entom. imp. ross. S. 204
zur Sprache gebracht; vier ganz symmetrisch an der Stirn stehende Uör-
ner wurden hier von Klotsch als die Pollenschläuche der Orchis lati-
folia erkannt.
.1
Vespariae. Ein ebensosehr durch die äussere Ausstattung,
als durch den Innern Werth ausgezeichnetes monographisches Werk
sind die Etudes sur la Familie des Vespides par 11. de Saussure,
von denen im J. 1852 der erste Theil unter dem Titel Monographie
des Guepes solitaires crschieBen ist; er entb&it die ClassificatioB nii^
£A>I Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Beschreibung aller bis jetzt bekannten Arten der Eumeniden-
Gruppe und 21 Tafeln mit schön ausgeführten Abbildungen. Der
Yerf. hat für seine Arbeit das Material der meisten englischen und
französischen Sammlungen benutzen können, so dass er nicht weni-
ger als 339 hieher gehörige Arten durch einige Anschauung kennen
gelernt hat. Von besonderer Wichtigkeit für die Feststellung derSy-
nonymie war es, dass S. von vielen Arten die in den Pariser und Lon-
doner Museen befindlichen Originalexemplare, darunter die sämmtli-
chen Typen von Lepelletier, hat vergleichen können.
Die Familie der Wespen zerfällt bekanntlich in drei Gruppen: die
Masariden, welche sich durch die Anwesenheit von nur drei Cubital-
iellen scharf absondern, die gesellschaftlichen Wespen und die
einzeln lebenden Eumeniden, beide mit vier Cubitalzellen, welche
von einander hauptsächlich in der Lebensweise und im Zusammenhange
mit derselben darin abweichen, dass die erstem einen Stand von Arbei-
tern besitzen. Die morphologischen Unterschiede sind nur von ge-
ringer Bedeutung; auf den wichtigsten und constantesten , dass die
Fusskrallen der echten Wespen einfach, die der Eumeniden ein- oder
in seltenen Fällen mehrmals gezähnt sind, hat schon Wessmäel hin-^
gewiesen; S. hebt ausserdem noch hervor, dass die Zunge der Eu-
meniden lang und dreitheilig, die der Wespen kurz und vierlappig ist,
und dass die Mandibeln der ersteren meistens lang und schmal sind,
sich in einer Spitze endigen und durch ihre Vereinigung einen lan-
gen Schnabel bilden. Dazu kommen noch einige habituelle Keniizei^
chen von geringerer Beständigkeit.
Die in dem vorliegenden Bande bearbeitete Gruppe derEume-
niden besteht aus 18 Gattungen, welche vom Verf. in folgender
Weise angeordnet werden:
L Der erste Nervus recurrens wird von der zweiten, der zweite
von der dritten Cubitalzelle aufgenommen; keine Zelle ist gestielt.
Raphiglossa Saund. 3 A. Sl enoglo ssa n. G. 1 A. {Raph. odyneroim
des Saund.), Gayella Spin. 1 Art. Vi
IL Die beiden Nervi recurrentes werden von der zweiten Cu-
bitalzelle aufgenommen, welche nicht gestielt ist.
A. DieMandibeln sind kurz, am Ende schief abgestutzt. Eli-
mus n. G. 1 A., Zeihus Fabr. 25 A., C alligaste r n. G. (nach-
träglich mit Ttelhus vereinigt) 2 A., Discoelius Latr. 5 A.
B. Die Mandibeln sind lang, scharf und bilden durch ihre Ver-
einigung einen spitzen Schnabel. Eumenes Fabr. 62 A., Pachy tne-
nes n. G. 5. A. , Synagris Fabr. 12 A., Monteiumia n. G. 14 A.,
Monobia n. G. 6A., Monerebia n. G. 2A., Rygchiuiti [IMiynchium]
Spin. 27 A., Od^nertrs Latr. mit vier Untergattungen Si/mmorpÄMsWesm.,
•J>il^WOH)fi' während des Jahres 1852.
m
Ancistrocerus Wesm., Leionolus Sauss. und Oplopus [Hoplopus] Wessm.
und 139 A.; Leptochilus n. G. 6 A. Fterochilus Klug 12 A.
4^i III. Die beiden Nervi recurrentes werden von der zweiten Cu-
bitalzelle aufgenommen, welche gestielt ist. Uieher nur die Galtung
Alaslor Lepell. mit 16 A.
Der Vollständigkeit seiner Arbeit hat der Verf. dadurch einigeil
Eintrag gethan, dass er für die Beschreibungen der bekannteren Ar*
ten einfach auf das Werk von Lepelletier verwiesen hat; es würde
gewiss den meisten Käufern seines Buches angenehmer gewesen sein,
die Beschreibungen aller Arten in demselben zu besitzen. Die dem
Verf. nicht aus eigner Anschauung bekannten und die zweifelhaft ge-
bliebenen Species sind am Schlüsse jeder Gattung verzeichnet. Die
ersten sieben Tafeln enthalten Darstellungen derMundtheile, einzelner
Fühlhörner und Flügel ; die letzten vierzehn liefern schöne, colorirte
Abbildungen von 112 Arten. — In der Einleitung spricht sich der
Verf. auf S.U. mit grosser Eatschiedenheit und, wie es mir scheint,
in so begründeter Weise gegen die Bekanntmachung einzelner Art-
beschreibungen aus, dass ich mir es nicht versagen kann, seine Worte
hier raitzutheilen: „je n'ignorais pas la fatigue, que devait me don-
ner nne tendance fdcheuse et malheureusement trop repandue, celle
de publier presqu'au hasard des especes nouvclles ou non ; on les
dissemine ainsi dans un nombre elTrayant des journaux, dont une bien
faible partie sont ä la disposition de l'entomologiste; on oppose une
barriere presqu' insurmontable aux essais de la plupart des amateurd
de cetlc science et on la confine, pour ainsi dire,dans les limites de
quelques lieux d'etudes et de collections favorises et soutenus par lef
gouvernements."
Eine Anzahl neuer Arten dieser Familie wurde von Smith
bekannt gemacht: Rhynchium flavomarginatum, Rh. ornatum
Ancislrocerns fl avo-p une latus , Eumenes deco r alusj quadra^
tus, Polisles sulcatus , Vespa mandar ina, V. du calis ^ V. cra-
hr onifo rmis aus Nordchina, Vespa ma gnifi c a, V. auraria
V. basalis, V. oblilerala aus Nord-Indien (Trans. Ent. Soc. Vol.
II.). Epipona varieg ata, Ancistrocerus o malus und A. gutta-
tus aus Ostindien (Ann. nat. bist. Vol. IX.).
Saussure begründete auf Polisles cyanea Fabr., c0eruleaY9.hr,
und einige verwandte Species eine neue Gattung Synoeca (Ann. d.
1. soc. entom. d. Franc. S. 549. pl. U. N. III.); sie gehört zu den ge-
sellig lebenden Wespen, ist besonders durch die langen Mandibeln,
welche in ihrer Vereinigung einen stumpfen Schnabel bilden, charak-
terisirt, und enthält zur Zeit G einander in Färbung und Gestalt sehr
ähnliche südamerikanische Arten: S. caerulea Yahr. (nigricornis Oliv. ^.
S. cyanea Fabr., S. azurea, S. ultramarina, S. violacea und
.174 Schaum: Bericht Aber die Leistongeii in der Entomologie
S. chahjbaea, von denen die vier letzten hier zuerst beschrie-
ben sind.
Saussure gab ferner (Ann. d. 1. soc. entom. S. 19.) eine neue
Beschreibung der Gattung Iscknogasler Guer. , welche von Guerin in
die Nähe von Eamenes und Synagris gestellt ist, nach S. aber zu den
gesellschaftlichen Wespen gehört ; der Hinterleibsstiel ist cylindrisch
und gerade (nicht gebogen und zusammengedrückt, wie bei Eumenes),
und das Kopfschild endigt vorn in eine eckige Verlängerung (wie
bei Polybia, Epipona). Der von Gu6rin aufgestellten Art J. ftilgipeti'
riis aus Neu-Guinea fügte S. zwei neue J. micans und J. Mellyi
aun Java hinzu. Das West der letztern wird hier ebenfalls beschrie-
ben und nebst der Wespe selbst auf Taf. 2. N. I. abgebildet ; es be-
steht aus drei ziemlich weit von einander getrennten Etagen, welche
von einem sehr zarten mittleren Stiele gestützt werden , und enthält
nur eine geringe Anzahl von Zellen.
Perris hat in den Ann. d. 1. soc. entom. S.557. eine weitere
Mittheilung über das Nest des Eumenes infundibnliformis gemacht (S.
Jahresber. f. 1845.). F. weist hier hauptsächlich eine von Vallot
ausgesprochene Vermuthung, dass er das Nest derChalicodoma mura-
ria vor sich gehabt habe, durch eine neue Beobachtung als ganz uon
gegründet zurück. ^v
Von F. Smith wurden in Newman's Zoologist S.3699. einige
Bemerkungen über die Oeconomie von Vespa norvegica und r«/"«, über
die Parasiten der Wespennester und über die Verschiedenheit der äus-
sern männlichen Geschlechtsorgane bei den verschiedenen Arten mit-
getheilt. '
f^ormicariae. Das achte Heft der Jahrbücher des Vereins
für Naturkunde im Herzogthum Nassau Wiesb. 1852. enthält eine Be-
arbeitung der nassauischen Ameisen von Schenk (Ein Auszug die-
ser Arbeit ist auch in der Entom. Zeit. Jahrg. 1853. No. 5. 6. 7. mit-
getheilt). Der Verf. hat zuerst 20 Formica, 2 Tapinoma {collina Forst,
und pygmaea Latr.), 1 Polyergus, 1 Ponera , 17 Myrmica , 1 Atta, 1
EcUon? im Ganzen also 43 in Nassau einheimische Arten sehr ausführ-
lich und mit Benutzung der Förster'schen Monographie der rheini-
schen Ameisen beschrieben, und dann in einem Anhange die übrigen
in Deutschland vorhommenden, aber in Nassau noch nicht aufgefun-
denen 22 Species durch kurze Angaben bezeichnet. Unter den erste-
ren werden als neu aufgestellt : Formica pal lese ens , affinis, in-
cisa , Myrmica alralula, cor ticalis, parvula, c ingul ata, in-
terrupla f Ecilon'i t esl aceum.
Sehr ansprechend ist die Schilderung, welche Heer („An die
Zürcherische Jugend auf d. J. 1852. Von der Naturforschenden Ge-
hiuiiuiaitiiüA t während de» Jahres 1852. .^fl ? #!»!»•»•< -,5» tW
Seilschaft 54tes Stück«) von dorn Vorkommen und der Lebensart ei*,
ner kleinen in den Häusern Madeira's häufigen Ameise geliefert hat.
Es bildet dieselbe eine eigne neue Gattung und Art Oec o phthor a
pusilla in der Gruppe der Myrmiciden, und weicht von Myrraica durch
die viel kürzeren zweigliedrigen Taster, durch die siebzehngliedrigen
männlichen Fühler und durch das Flügelgeäder , von Atta ebenfalls
durch zweigliedrige Maxillartaster und bedornten Metathorax ab. In
der Zahl der Tasterglieder stimmt sie mit Typhlopone Westw. über-
ein , unterscheidet sich von dieser Gattung aber durch langes erstes
Fussglied, schärfer gezahnte Oberkiefer, unten verwachsene Maxillar-
lade u. s. w. Heer hat vier verschiedene Formen in den Stöcken
dieser Ameise gefunden: Männchen, welche an der Bildung des Kop-
fes und an der Zusammensetzung der Fühler aus 17 Gliedern sogleich
zu erkennen sind, Weibchen, Soldaten und Arbeiter. Die zwei letz-
ten Formen sind ganz scharf geschieden und unter unzähligen Indivi-
duen ist dem Verf. nie ein Zwischenglied zwischen beiden (wie sol-
che bei andern Ameisen beobachtet werden) vorgekommen. H. ist
der Meinung, dass die Verschiedenheit der Soldaten und Arbeiter ebenso
wie die zwischen den männlichen und weiblichen Individuen eine
angeborene und nicht Resultat der Erziehungskunst der Ameisen und
einer abweichenden Fütterung der Larven ist. Auf einer beigegebe-
nen Tafel sind die vier verschiedenen Formen der Oecophthora pu-
silla sehr kenntlich dargestellt.
Eine neue Gattung dieser Familie ist auch von Smith Ann. nat.
bist. IX. S. 44. unter dem Namen Tetraponeur a errichtet worden.
Sie ist zur Zeit nur auf Arbeiter gegründet, welche mit Myrmica im
Bau des Abdomens übereinstimmen, aber keine Einschnürung zwischen
Meso- und Melathorax haben; durch kurze starke gezahnte Mandibeln
nähert sie sich an Conlylodon Lund, die kleinen seillichen Augen sind
aber ähnlich wie bei Ponera. Der Verf. stellt daher die Gattung zwi-
schen l'onera und Conlylodon. Sie enlhäll zwei hier beschrieben«
Arien: T. atrata von Bombay, welche durch einen Holzschnitt erläu-
tert ist, und T. testacea von Piapo in Süd-Amerika.
Guerin-Meneville hat (Revue et Mag. d. Zool. S. 73. pl. 3.)
ausführliche Mittheilungen über eine neue Ameise gemacht, welche
nach den Bcobachlun^^en von Salle in St. Domingo ihre Nesler auf
dem Buschwerk mornsliger Niederungen anlegt. Die Art gehört zur
Gattung Myrmica und ist vom Verf. unter dem Namen itf. Sali ei in
allen ihren Sländen beschrieben und gleichzeitig mit einem Neste ab-
gebililel werden. Die Nester bestehen ganz aus einer bräunlichen pa.
pierähnlichen Substanz, welche dem Material der europäischen Wes-
pennester sehr ähnlich ist. In demselben Neste wurde noch eine zweite
neue Myrmica, aber nur als Arbeiter, beobachtet, welche von G. mit
17^ Schaum: Bericht ober die Leistungen in der Entomologie
dem Namen M. c ariniceps belegt und ebenfalls charakterisirt wor-
den ist.
IBorylidae. Labidus Sajt, Harrisii und Melshaemeri
sind drei neue an der Westgrenze von Texas entderkle und von Hal-
deman in Stansbury's Report (s. o. S. 157.) beschriebene und Taf. IX.
abgebildete Arten. Die Gattung schien nach den früheren Beobach-
tungen auf das tropische Klima beschränkt zu sein.
jyiutillariae« Aus den Beobachtungen, welche Sichel
Ann. d. I. soc. ent. S. 561. mitgelheilt hat, „sur la rarele relative de
cerlains Hymenopleres et notamment de la Mutilla incomplela et la
Crocisa sculellaris^^ geht unzweifelhaft hervor, dass Mulillit incomplela
Lepell. als Männchen und M. distincta Lep. als Weibchen zu einer Art
gehören. M. erythrocephala Fabr., Lep. scheint nur eine grössere Ab-
änderung des Weibchens zu sein : die Umstände, unter denen die sel-
tene Art in grösserer Anzahl von S. gefangen wurde, machen es im
hohen Grade wahrscheinlich, dass sie ein Parasit kleiner Haliclus-kv-
ten, des H. fulvocinctus Kirb. und morio Kirb. ist.
L. Dufour bemerkte (Bull. d. 1. soc. cntom. S. XLIV.) , dass
Mutilla arenaria Fabr. Coqueb. das Weibchen und M. barbara Coqueb.
(non Fabr. nee Linn.) das Männchen Einer Art sei , wie er sich durch
Beobachtung der Begattung überzeugt habe.
Ücolietae« Als neue Art ist zu erwähnen Scolia fervida
Smith (Ahn. nat. bist. IX. S. 46.) aus Ostindien.
Perris hat (Ann. d. 1. soc. Linn. de Lyon S. 191.) durch Be-
obachtung der Copulation die sehr interessante Entdeckung gemacht,
dass Myzine volvulus Lalr. und Meria Iripunctaia Latr. Männchen und
Weibchen ICiner Art sind.
Derselbe theiite (ebenda) die Beschreibung des noch unbe«
kannten Weibchens von Colpa continua Lep. mit.
Pompilii* Die namentlich durch ihre FühlerbHdung ausge-
zeichnete neue Gattung und Art Clavelia pompiliformis , deren bereits
im vorigen Jahresber. S. 25. Erwähnung geschah, ist von Lucas (Ann.
d. 1. soc. enlom. d. Franc. S. 417. pl. 8. N. IL) ausführlich beschrieben
und abgebildet worden. L. Dufour hat (ebenda Bull. S. LXXXVL) in
Bezug auf dieses Insect bemerkt, dass es bereits von Dahlbom (Hym.
Eur.) unter dem Namen Clenocerus Klugii bekannt gemacht sei , und
dass die von beiden Seilen gekämmten Fühler wohl nur Kennzeichen
des männlichen Geschlechts sein möchten. Lucas hat Ann. d. 1. soc.
entom. 1853. S. XIV. in einer Antwort auf diese Bemerkung mit gutem
Crunde geltend gemacht , dass die drei Worte „mas anlennis pectina-
tia« mit denen Dahlbom Ctenocerus charakterisirt, nicht zur Begrün-
dung einer Gattung ausreichen, und hat auch wenigstens theilweise
Recht, wenn er für die Verschiedenheit der Clavelia pompiliformis io
die Schranken tritt. Es ist nämlich Clavelia allerdings mit Ctenocerus
Dahlb. generisch einerlei, dagegen scheint Ct. Klugii der Art nach von
der algicr'schen Ct. pompiliformis verschieden zu sein. Wenigstens
weichen die zwei Exemplare der Berliner Sammlung, welche Dahlbom
in der Erinnerung halte , als er die Angaben von Ctenocerus Klugii
niederschrieb, durch transparente Flügel und ganz schwarze Beine von
der Abbildung ab, welche Lucas a. a. 0. mitgelheilt hat. Diese bei-
den Exemplare stammen überdem aus dem Caplande (nicht aus Ame-
rika, wie Dahlbom vermulhet). Es wird aber auch der von Lucas
ertheilte Gattungsname beizubehalten sein , nicht bloss weil es kaum
gestattet werden kann, eine Gattung nach unbestimmter Erinnerung des
Gegenstandes aufzustellen und bloss darch eine einzige Angabe zu
bezeichnen , sondern auch weil der Name Cteniccrus schon seit län-
gerer Zeit bei den Käfern vergeben ist.
Dolichurus /)aÄi6o»iti n. A. wurde von Ti s ebbe in bei Herr-
slein entdeckt und in der Ent. Zeit. S. 140. beschrieben.
Spliegimae. Als neue Arten sind aufgestellt von HtildefU
man in Stansbury's Report App. C: Ammopkila Abertiy von Smith
(Ann. nat. bist. IX): Ammopkila alripes, Pelopaeus bilineatus und
P. separat US aus Ostindien. 3 . -^M aadiOlias ftiülüBiob ^
liarratae* Pison regalis n. A. aus ^'ord- China ist von
Smith (Trans. Ent. Soc. IL S. 34. tb. 8. fig.9.) beschrieben und ab-
gebildet worden.
Cralironite^. Alyson PertÄecs» wurde von Go rski (Anal,
ad entom. imp. ross. S.178.) als neue, bei Wilna entdeckte Art nach
dem weiblichen Geschlechte beschrieben und Taf. IL Fig. 2. «ehr gut
abgebildet; sie steht dem A. Iricolor Lep. jedenfalls sehr nahe, der
letzlere unterscheidet sich aber der Beschreibung zufolge durch be-
trächtlichere Grösse und durch etwas andere Färbung einzelner Kör..
pertheile.
Cliry^iiclides. Zwei neue ostindische Arten dieser Familie
Uedychrum rugosa (sie!) und Chrysis pubes c ens sind von' Smith
Ann. nat. bist. IX. S. 45. beschrieben worden ; die zweite ist ein Pa-
rasit eines Pelopaeus.
fivaniales* Eine neue Art von Aulacus wurde von N Ö r d *
Archiv, f. Naturgesch. XIX. Jftbrg. 2. Bd. M
^if^ Schaum: Bericht über 4ic L^istangen in der Entomologie
linger aus Xiphydria Camelus erzogen und von Ratze bürg (Icbneum.
111. S. 22.) unter dem ?iamen A. exaralus beschrieben und abge-
bildet.
Iclineumoiiicles« In dieser Familie ist eine neue von Bat.
zeburg (Ichneum. d. Forstins. III. S. 174.) aufgestellte Gattung Poe-
cilostictus zu erwähnen, welche eine Mitlellorm zwischen Cryplus
und Ichneumon bildet, sich aber von beiden durch die birnrörmige Ge-
stalt des Hinterleibes unterscheidet; sie ist auf eine neue, aus Geo.
metra piniaria gezogene Art, P. oclopunc latus gegründet.
Zwei neue Arten von Tryphon wurden von Gorski aus Tenlhredo
adumbrata Ulug gezogen und in seinen Analectis ad entom. imp. ross.
S. 200., der eine von Gorski selbst als T. Ratze burgif der andre
von Ratzeburg als T. Gorskü^ beschrieben. Auf Tafel 111. (Fig.
3. u. 4.) sind beide recht schön abgebildet.
Trogus pepsoi des und Cryplus purpuratus Smith (Trans.
Ent. Soc. 11. S. 33.) sind zwei neue Arten aus r<ord-China.
Von dem descripliven Cataloge der in der französischen Provence
vorkommenden Ichneumoniden, welchen ßoyer de F"onscolombe
seit einer Reihe von Jahren in den Ann. d. 1. soc. enlom. de Franc,
unter dem Tilcl „Ichneumonologie provencale'< herausgiebt, sind a. a.
Q.. S.^. und S. 427. wieder zwei kleine Fortsetzungen erschienen, mit
welchen die Arbeit wohl abscliliessen wird, da der Verf. seit der Ver-
öffentlichung derselben gestorben ist. Es sind iu denselben die Gattun-
gen Mesostenus Grav. (4 A.), Hemiteles Gray. (24 A.), Pe^JornacA«« Grav.
(6 A.) , Phyiodictus Grav. (l A.) und Mesochorus Grav. (6 A.) behan-
deltj als neu sind aulgestellt : Hemiteles asper atus , confusus, in-
terseclus, lu cidulus , elongatuSf bip artilus , erylhroce~
ruSf erylhrometasj Mulsanlii, Pezomachus Gravenhorslii,
W esmaeliif Phytodiclusl grandis, Mesochorus fl av es cens, ag-
gressor, melas. Die neueren seit Gravenhorst's Bearbeitung der
Ichneunioniden erschienenen Werke und Abhandlungen scheinen dem
Verf. fast ohne Ausnahme unbekannt geblieben zu sein.
Bei Gelegenheit einer Zucht von Schlupfwespen aus Spinnenei-
ern hat Ratzeburg fast mit unzweifelhafter Gewissheit die von För-
ster bestrittene Thatsache feststellen können, dass wenigstens in ein-
zelnen Fällen Arten der Gallungen Hcmüeles und Pezomachus als Männ-
chen und Weibchen zusammengehören. Aus einem Eiergespinnsie ei-
nes Salticus erzog R. nämlich gleichzeitig mit Microgasler pcrspicuus
Wees als Schmarotzer des letztem Pezomachus instabilis Forst, und i/e-
mileles rufocinclus Grav., und zwar waren alle Exemplare des ersleren
Weiblichen, alle des letzleren mänaüchen Geschlechte;».
wfthrend des Jahre» 1852. 179
Milliere beobachtete, dass aus einem gesogenen Schnictler-
liage von üeilephila vespcrlilio, als derselbe getödlet wurde, 35—40
Ichneumonenlarven auswanderten. Da die Eier der Schlupfwespe nur
an die Raupe abgesetzt sein Honnlen, so hatte in diesem Falle dieEnt-
wickelung des Parasiten nicht mit der des Wohnthieres gleichen Schritt
gehalten.
Die Entwickelung des in den Raupen von Mamestra pisi schma-
rotzenden Paniscus virgalus Fourcr. ist von Newport in den Lina.
Trans, vol. XXI. P. I. erläutert worden t besonders ist die Ausbildung
des Verdauungskanals und die Veränderungen, welche mit deniselbes
successive vorgehen, genau vom Verf. beschrieben und bildlich darge-
stellt worden. Die schönen Beobachtungen von Batzeburg ober die
Entwickelung mehrerer Ichneumonideu scheinen nicht zur Kenntnis« des
Verf. gekommen zu sein.
Or^conides« Die neuern Erfahrungen Ratzeburg's (lehn.
Bd. III. S. 23.). bestätigen vollkommen die früheren Angaben des Verf.,
dass die Mitglieder dieser Familie vorzugsweise in Käfern schmarotzen,
und in ihrem Vorkommen sehr stetig sind. Unter 220 von R. beschrie-
benen Arten sind mehr als 80 stetige Käferfeinde, ausserdem bewoh-
nen Einige Käfer und andere Insecten zugleich. Von 28 Gattungen sind
nur 8 ohne Käferparasiten ; in vier Gattungen sind sämmlliche Arten
Käferleinde, in den meisten andern Gattungen ist stets mehr als die
Hälfte auf die Coleopteren angewiesen.
Microgasler perspicuus Nees wurde von Ratzeburg (a. a.O. S.
17. u. S. 55.) in grosser Zahl aus Spinneneiern und zwar aus den Eier-
gespinnsten eines Sallicus erzogen. Als Parasiten des Microgaster be-
obachtete R. bei dieser Gelegenheit eine Art, dessen Männchen als Pe~
iomachus instabilis Forst., dessen Weibchen als HemiteUi rufocinctus
Grav. beschrieben ist (s. o.).
Alter Wahrscheinlichkeit nach gehört einem Mitgliede dieser Fa-
milie eine merkwürdige Schmarotzerlarve an, welche Stein inebrmals
in den Baucheingeweiden des Hyle$inu$ polygraphus angetroffen hat.
Sie ist in Hatzehuru's Ichneumonen Bd. III. Vorrede S. IX. beschrieben
und S. XVIll. abgebildet worden, hat die Länge einer halben Linie und
besitzt in ihrer Organisation eine grosse Aehnlichkeit mit der Larve
von Anomalon; wie diese zeichnet sie sich besonders durch die An-
wesenheit eines langen Schwanzes aus , welcher aber nicht wie bei
der letztern nackt, sondern mit Stacheln besetzt ist. Da von Tracheen
und Stigmen keine Spur zu bemerken war, so hat St. höchst wahr-
scheinlich eine ganz junge Larve vor sich gehabt, und Ratzeburg
vermuthet wohl nicht ohne Grund , dass die Stacheln des Schwanzes
im weiteren Verlaufe ihrer Entwickelung verloren gehen.
ISO Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Clialcidiae. Diese Familie ist von Ratzeburg (a. a. 0.)
mit folgenden neuen aus Forstinsecten erzogenen Gattungen bereichert
worden :
Dendrocerus f ein Ceraphron, dessen Männchen elfgliedrige,
sehr schön gekämmte Fühler hat. D. Lichtensteinii aus Cynips
terminalis.
Co ccobiuSf auf fünf neue aus Schildläusen erzogene Arten ge-
gründet (und daher vermulhlich mit der Gattung Coccophagus
Westw. identisch), ist eine Mittelform zwischen Eucyrtus und Entedon,
hat die gedrungene Gestalt des ersleren und das Flügelgeäder des letz-
tem Genus.
Ophioneurus, durch die schlangenförmige Krümmung des Ra-
dialnerven sehr ausgezeichnet, mit 2A., 0. simplex aus kleinen Lärv-
chen des Attelabus curculionoides, und 0. signatus aus den Rollen
von Rhynchiles betulae.
Eusandalumf mit Eupelmus verwandt, aber der Bohrer ent-
springt beinahe an der Basis des Hinterleibes, auch ist die Bildung der
Hinterleibsschuppen eine andere. 3 A. E. inerme (früher von Ratz, als
Eupelmus i. beschrieben) aus Plilinus und Bostrichus suturalis, E. tri-
dens'aus Magdalinus violaceus, E. ab breviatum ausBuprestis qua-
dripunctata.
Lonchentedon stimmt mit Entedon in den wesenllichsten
Stücken überein , hat aber einen langen geraden Hinterleibsbohrer L.
longicaudatus Forst, aus Cynips Rosae.
.,,,,; Die ausführlichen mit Abbildungen begleiteten Beschreibungen
der Anthophorabia relusa und des Monodontomerus nitidus von N e w -
port (s. Jahresber. f. 1849. S. 75.) sind jetzt vollständig in den Trans,
of the Linn, Soc. VoL XXL P.L S. 61. erschienen. In Bezug auf die
erstere Gattung bestätigt deT Verf. in einem ebenda S. 79. milgelhcil-
ten Nachtrage nach neu aufgefundenen Exemplaren die Richtigkeit sei-
ner früheren Angabe von der Anwesenheit eines einzelnen iNebenau-
ges und von dem Mangel zusammengesetzter Augen beim Männchen,
welche von Westwood in Zweifel gezogen war, verbessert aber sonst
einige kleine Irrlhümer in seiner früheren Beschreibung. Die neuer-
dings gefangenen Exemplare weichen etwas von der letzteren (deren
Typen nicht mehr existiren) ab, und sind daher von N. als neue Art
unter dem Wamen A. fasciala beschrieben, obwohl sie, wie die
früheren, in Western der Anlhophora relusa gesammelt worden sind.
N. vermuthet, dass die Weibchen in die schon geschlossenen Bienen-
zellen eindringen, um ihre Eier an die bereits ziemlich ausgewachsen
nen Bienenlarven abzusetzen. — An Monodontomerus nitidus, welcher
sich ebenfalls in den Nestern der Anthophora retusa entwickelt, hat der
Yerf. die Veränderungen , welche der Verdauungskanal während des
oToTto'nl i-^h Wfthrend des Jahres 1852.iT9H : m n ß d o ^ 18t
Larvenlebens durchläuft, sehr genau verfolgt und durch Abbildungen
erläutert. N. erkennt übrigens in einer Nachschrift an, dass diese
Larven nicht, -wie er zuerst angegeben halte, von dem für die Bienen-
larven aufgespeicherten Pollen leben, sondern, wie F. Smith beobach-
tet hat, äDsserlich an den ßienenlarven schmarotzen (s. Jahresber. f.
1849 S.76.). ":
F. Smith bat einige Bemerkungen zu dieser Abhandlung in den
Proc. entom. Soc. Vol. IL S. 18. mitgetheilt. Es ist hier nur die eine
erwähnenswerth, dass in dem von S. beobachteten Falle die Larve des
Monodontotnerus ein Parasit der Puppe und nicht der Larve von An-
thophora gewesen ist.
Von Walker sind wieder eine Anzah) neuer Chalcidier io den
Annal. of nat. bist. vol. IX. S.39. und vol.X. S.45. beschrieben: JWe-
gastigmus giganleus Koll. aus Südeuropa, Eupelmus Tubatius von
Hongkong, E Harcalo aus England, Leucospis leuco tclus von
Para, Chalets fervida ebendaher, Decnfoma Neesii aus Deutschland,
Palmon sinensis von Hongkong, Monodontotnerus Anthophorae
(= nitidus INewp s. o.) aus England (Vol. IX.); Perilampus mau-
rus von Port IVatal , Eupelmus basicupreus von Para, Sparasion
sinense aus China, Smiera torrida von Para, S. nigro~rufa
aus Ostindien, Callimome cyaneus Koll. aus Deutschland, Chalco-
dectus n. Gattung, deren ganze Charakteristik in den Worten gelie-
fert wird „Eupelmo affinis, at quoad pedes posticos Chalcidi similis,^
Ch. maculic ornis von Para.
Von F. Smith (Trans. Ent. Soc. IL S. 83.) wurde Cheiropachus
quadrum aus den Larven von Scolytus destructor, Caloseter vernalis
aus denen von Ptilinus pectinicornis erzogen.
Cynipseae« Eine neue Gattung von Gallwespen wurde von
Tischbein unter dem Namen Pediapsis in der Ent. Zeit. S. 141.
beschrieben, sie ist auf eine einzige neue Art P. sorbi gegründet,
welche T, in grosser Zahl, aber nur im weiblichen Geschlechte, aus
Gallen, welche sich an den Faserwurzeln einer Eberesche (Sorbus au-
cuparia) gebildet hatten, erzog.
Tentliredinetae* Tischbein hat in der Ent. Zeit, ei-
nen Nachtrag zu seinem Verzeichnisse der Blaltwespen des Fürsten-
thum Birkenfeld geliefert und bei dieser Gelegenheit einige neue, meist
von Friwaldsky eingesandte Arten beschrieben: Abia mutabilis aus
der Türkei, Hijlotoma Friw aldshy i, Blennocampa bicolor aus Un-
garn, Monophadnus thoracic ns aus Dalmatien, Mon. rufoniger,
Allanlus rufocingulatus, Macrophya Ralieburgii aus Ungarn,
Macr, superba aus Kleinasien, Macr. flavipes eus Birkenfeld, Ten-
162 Schaum: Beriebt über die Leistuni^eti in der Entomologie
thredo albopunetata, 1. hungarica aus Ungarn, Cephus orten*
talis aus Kleinasien, C. pu Icher aus Ungarn.
Die Abhandlung von Curtis über Seiandria Robinsoniiy welche
bereits im Jahresber. f. 1850. S. 19. nach einem in den Ann. of nat.
hist. mitgetheilten Auszuge besprochen wurde, ist jetzt vollständig in
den Trans, of the Linn. Soc. vol XXI. P. I. S. 35. mitgetheilt und durch
eine Tafel mit Abbildungen erläutert worden. Der Verf. bemerkt hier,
dass die Arten von Seiandria auf die Verschiedenheit des Geäders der
HinterHügel hin in vier Gruppen gebracht werden können: l. Hinter-
flugel mit zwei Discoidalzellen , die Randzelle erhält nur einen Quer-
nerven (z. ß. S. serta Fabr.). 2. Hinterflügel mit zwei Discoidalzel-
len, beide Quernerven sind mit der Marginalzelle vereinigt (z. ß. S.
sframineipes KI.). 3. Uinterflügel mit einer Discoidalzelle (S. Robinsoni
Curt.). 4. Hinterflügel ohne Discoidalzelle {S. fuliginosa Sehr.).
Gorski schilderte ausführlich (Anal, ad entom. imp. ross. S.
186.) die Naturgeschichte von Tenthredo adumbrata Klug, deren schlei-
mige Larven gegen Ende des Sommers in Lithauen sich in grosser Zahl
auf den Blättern der Birn-, Pflaumen- und besonders der Kirschbäume
zeigen, und den letztem oft sehr nachtheilig werden. „Notice sur les
fausses chenilles qui detruisent le parenchyme des feuilles des cerisiers.^'
Der Unterschied der Tenthr. adumbrata von T. aethiops Fabr. Klug , deren
Larven ebenfalls vom Parenchym der Kirschbläller zehren, liegt nur in
der Zahl der Discoidalzellen der Hinterflügel, (zwei beiT. adumbrata, eine
bei T. aethiops) Trotz wiederholter massenhafter Zucht der Larven
und trotz mehrjähriger Beobachtung der Art im Freien, ist es G nicht
gelungnen, das Männchen der T. adumbrata aufzufinden. Das Weibchen
ist Taf. III. Fig. 2. sehr gut abgebildet. — Der Verf. machte bei die-
ser Gelegenheit darauf aufmerksam, dass bei einigen Arten der ßlatt-
wespen die Zahl der Discoidalzellen der Hinterflügel variire, indem z.B.
von T. lineolata Klug Exemplare mit und andere ohne Discoidalzelle,
Von r. funerea Kl. Exemplare mit zwei, andere mit einer Discoidal-
zelle vorkommen. Ausserdem erwähnt der Verf., dass T. aelhiops Har-
tig nicht zu aethiops Fabr. Klug, sondern zu T. fuliginosa Schrank.
Klug gehört, dass T. sericans Hart, das Weibchen von T elongatula
Klug ist, und dass T. cinereipes Kl. und unila Klug mit Unrecht von
Hartig in die Gruppe „Unterflügel ohne Mittelzelle" gestellt sind, in-
dem die erstere zwei, die letztere eine Mittelzelle besitzt.
Die Verwandlungsgeschichte der Trichosoma lucorum und die des
Lophyrus pini bilden den Gegenstand zweier durch Holzschnitte er-
läuterten Abhandlungen von Westwood in Gardener's Chronicle S.
68. und S. 708. Derselbe gab ebenda S.533. eine Abbildung der
Tenthredo Cerusi m ifarien verschiedenen Stadien.
während des Jahres 1852. "»^^ •m«»'(^^;^ fdg
Nach Stein (Tharand. Jahrbuch. VIII. N. F. 1. S.247.) hat iVe-
tnatus abielum Hart, oder eine sehr nahe verwandte Art eine Reihe von
Jahren hindurch ausgedehnte Fichlenbestände im Königr. Sachsen be-
lästigt. Der Schaden, welchen die Blaltwespe während einer Anwe-
senheit von 8 Jahren angerichtet hatte, beschränkte sich indessen dar-
auf, dass die befaüunen Orte mehrere Jahre hindurch erheblich im Zu-
wachs znrückblieben.
Eine Abhandlung von Snellen van Volienshoven über
die in Holland beobachteten Tenlhredinidae und Siricidae (115 sp.) in
den von Herklots herausgegebenen „Boustopfen voor eene fauna van
^lederland« ist mir nur dem Titel nach bekannt.
Coleoptera.
Referent hat eine neue Ausgabe des Catalogus Co-
leopterorum Europae Cherausgegeben vom entomologischen
Vereine in Stettin) ausgearbeitet, in welche, mit wenigen durch
andern Druck kenntlich gemachten Ausnahmen, nur beschrie-
bene Galtungen und Arten aufgenommen sind. Als östliche
Grenze der europäischen Fauna ist das Uralgebirge und der
Üralfluss angenommen, und es sind daher die dem Caucasus
angehörenden Arten ausgeschlossen geblieben.
Die Arbeit hat in wenigen Wochen vollendet und gedruckt wer-
den müssen, überdem war Hef. verhindert, einen Theii der Correctur
selbst zu lesen; es sind daher nicht allein viele mehr oder weniger
geringrügi^e Schreib, und Druckfehler unberichtigt geblieben, sondern
es sind auch eine Anzahl z. Th. recht bekannter Arten ausgefallen.
Trotzdem ist der Calalog nach Westwood's Urlheil (Proc. entom. See.
S. G2.) „far more complete than any previously published^, und wird
jedenfalls fQr eine spätere Bearbeitung eine brauchbare (irundlage ab-
geben können. In mehreren INummern des Jahrgangs 1853 der Ento-
mol. Zeitung sind von verschiedenen Seiten Machlräge und Berichti.
gungen der Druckfehler mitgetheilt worden ; die sachlichen ßemerkuo-
gen sind indessen nicht alle ohne weitere KHtrk für begründet zu
halten.
Von K ü s t e r's Käfern Europa's sind drei Hefte (das
23ste — 25ste)imJ. 1852. ausgegeben worden. Leider scheint
das Werk, obgleich der Preis desselben (es kostet jetzt 25
Thlr.) ausser allem Verhältnisse zu dem Werthe des Inhaltes
ist, eine hinreichende Zahl von Abnehmern gefunden zu ha-
ben, um die geringen Kosten des Druckes zu decken, so dass
184 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
auch in der nächsten Zeit noch nicht auf das Eingehen des-
selben zu rechnen ist. Ueber die Selbstständigkeit der vom
Verf. neu aufgestellten, weiter unten zu erwähnenden Arten
lässt sich ohne Ansicht der Originalexemplare nur in sel-
tenen Fällen ein Urtheil abgeben.
Eine Liste der bisher in Deutschland aufgefundenen Co-
leoptera hatZebe in der Entoin. Zeit. 1852. mitzutheilen be-
gonnen. Der Schluss derselben liegt auch schon im Jahrgang
1853 vor.
Der hauptsächliche Werth der fleissigen Arbeit besteht darin, dass
sie uns in sehr vollständiger Weise die Käferfauna der vom Verf. auf
das Sorgfältigste durchforschten Grafschaft Glatz kennen lehrt. Um
seine Aufgabe in ihrem ganzen Umfange genügend lösen zu können^
hat der Verf. nicht hinreichendes Material vor sich gehabt. Auch sind
in das Verzeichniss mehrfach irrige oder nicht gehörig beglaubigte An-
gaben aufgenommen (So haben z B. die sicilianische Myrmedonia mem-
nonia Mark, und der sardinische Htjdroporus afßnis Aube fälschlich das
deutsche Burgerrecht erhalten). Es dürfte überhaupt so lange verfrüht
sein, eine Liste aller in Deutschland vorkommenden Käfer zu entwer-
fen und ihre geographische Verbreitung zu besprechen, als Specialar-
beiten, wie z. B. die Kiesenwelter'sche Monographie von Malthinus,
uns noch immer mit einer grossen Zahl neuer Arten bekannt machen.
Bis dahin sollte jeder derartige Versuch auf diejenigen Familien be-
schrankt werden, deren Artenreichthum gegenwärtig ganz oder nahezu
erschöpft ist. — Auf Einzelnheiten weiter einzugehen, ist hier nicht
der Ort ; nur das will ich noch bemerken , dass Cylidrus albofasciatus
Charp. in dem Verzeichnisse fehlt, und ddis s Dyschirius subsirialus Bon.
und bipunctalus Grimmer synonym sind.
Von Bach's Käferfauna für Mittel- und Norddeutsch-
land mit besonderer Rücksicht auf die Preussischen Rhein-
lande ist eine dritte Lieferung erschienen.
Sie enthält die Familien der Bupresti, Elateres, Cyphones, Te-
lephon, Malachii, Cleri, Ptini, Anobii, Boslrichi, Hylesini.
In dem Osterprogramme des Gymnasiums zu Ratibor hat
Kelch einen Nachtrag zu seinem Verzeichnisse der Käfer
Oberschlesiens (S. Jahresber. f. 1846. S. 68.) geliefert.
Verf. führt zuerst die neu aufgefundenen 269 Species auf, wo-
durch die Zahl der in Oberschlesien überhaupt beobachteten auf 2403
steigt, und giclil dann eine Liste derjenigen Käfer, für welche neuere
während des Jalirea 1852. t85
Fundorte angegeben werden konnten , oder die ihres häufigeren Vor-
kommens wegen Erwähnung verdienten.
Einen Beitrag zur Localfauna von Ems liefert ein von
Fahraeus in der Ent. Zeit. S. 1P9. ff. milgelheiller Aufsatz,
in welchem die vom Verf. und GrafMannersheim am genann-
ten Orte beobachteten Käfer -Arten, soweit sie nicht schon
in einem früher von Suffrian veröffentlichten Verzeichnisse
erwähnt sind, in systematischer Ordnung namhaft gemacht
werden.
Die Fauna des Erzherzogthums Oestreich erhielt einige
Bereicherungen durch Schiner, Miller und H a m p e (Ver-
handlungen des zoolog.-botan. Vereins in Wien Bd. 1.).
Die interessantesten neuerdings in Oestreich aufgefundenen Ar-
ien sind Pelecotoma fennica Pk., Trechus Longhii Com. und ein neuer
Microrhagus (s. u ).
Giraud hat in den Verh. des zool.-bot. Vereins in Wien
I. S.84. die bemerkenswertheren von ihm bei Gastein ge-
sammeilen Käfer verzeichnet, Bemerkungen über das Vorkom-
men derselben beigefügt und einige Arten beschrieben.
Nachträge zu dem im Jahresberichte für 1850. S. 21.
erwähnten Verzeichnisse der Käfer Siebenbürgens von Bielz
lieferten Bielz selbst, Fuss und H. Hampe in den Milthei-
lungen des siebenbürg. Vereins f. Naturwiss. zu Hermann-
stadt CS. 13., S. 61., S. 73., S.141.). In den Bielz'schen
Nachträgen sind auch einige frühere Bestimmungen berichtigt.
L. Fairmaire hat in den Ann. d. 1. soc. entom. S.
663—691. einen interessanten Bericht über einen Ausflug in
die Baie de la Somme abgestattet.
Es enthält die Schilderung des Verf. viele Beobachtungen über
die Lebensweise der dem Meeresufer eigenihömlichen Käfer, und schliesst
mit einer Aufzählung der bemerkenswertheren Arten, welche bei die-
ser Gelegenheit gesammelt wurden, l Homalota , 1 Aleochara, 1 Sa-
prinus und 1 Folydrustis werden als neu beschrieben; ich werde sie
unten am systematischen Orte namhaft machen.
Fernere Beiträge zur französischen Käferfauna enthalten
zwei in den Annal. d. 1. soc. entom. veröffentlichte Abhand-
lungen: „Description de deux genres nouveaux, et de plu-
sieurs especes nouvelles de Coleopleres propres ä In Fayne
1$6 Scbamn: Bericht thet die Leistangen in der Entomologie
frängaise par J a c q u e 11 n - D u v a 1« (S. 695—718.) und „Quel-
ques observalions sur les Coleopteres des environs de Mont-
pellier „par Jacquelin-D uval et Lareynie (S. 719 —
735.). "P
In dem ersten Aufsatze sind 15 neue Arten beschrieben, in dem
Eweiten sind nur Bemerkungen aber das Vorliommen seltener Käfer
mitgetheilt.
Gacogne hat in den Ann. d. la soc. Linn. d. Lyon
S. 217—252. eine im J. 1851. unternommene entomologische
Excursion in die Alpen der Monlblanckette geschildert und
die bei dieser Gelegenheit gesammelten Käfer verzeichnet.
Quelques Coleopteres nouveaux du midi de l'Europe et
du nord de l'Afrique par L. Fairmaire (Ann. d. la soc.
ent. d. Franc. S.69.).
Es sind hier 25 Arien beschrieben. Einige derselben, deren Dia-
gnosen der Verf. schon Revue et Mag. d. Zool. 1851. mitgetheilt halte,
wurden bereits im vorigen Jahresberichte am systematischen Orte auf-
geführt, und sind daher gegenwärtig übergangen.
Mannerheim besprach in der Ent. Zeit. S. 233. das
Vorkommen von einigen seltenen finnischen Käfern, und theilte
eine Liste von 20 Arten mit, welche von Paykull, Gyllenhal
und Sah!berg mit Unrecht in die scandinavische Fauna auf-
genommen worden sind.
Insectes Coleopteres de la Siberie Orientale nouveaux
ou peu connus, decrits par M. le comte Mannerheim (Bull.
d. Mose. 1852. n. 4.).
Enthält die Beschreibungen von 30 meist neuen Arten.
Zweiler Nachtrag zur Käfer-Fauna der nordamerikani-
schen Länder des russischen Reiches von Graf Manner-
heim Cßull. d. 1. soc. imp. des natur. d. Mose. 1852. n. 2.).
Diese Abhandlung bezieht sich auf die im Bull. d. Mose. 1843.
mitgetheilte Aufzählung der im russischen Nord-Amerika aufgefundenen
Käfer, welche bereits im Bull, d, Mose. 1846 durch einen ersten Nach-
trag vervollständigt war. Die neuen Entdeckungen sind so zahlreich
gewesen, dass der Verf. hier 180 Species hat verzeichnen können,
welche entweder in der früheren Liste gänzlich fehlen und meisten-
Iheils neu , o<ler in bemerkenswerthen Abänderunj^en vorgekommen
sind. Daher bat sich M. veranlasst gesehen , in einem Anhange ein
WAhreod des Jahres 1852. 1^7
ncnei Mamengveraeichniss von sSmmtlichen in dem genannten Territo-
riam, namentlich auf der Insel Sitkha , bis jetzl aufgefundenen Arten
mit näherer Angabc des Vorkommen» milrulheilen. Die Gcsammtzahl
beläuft sich auf 322. Unter denselben sind die Carabicinen, Elaterl-
nen und Borkenkäfer, besonders aber die Staphylininen und die übri-
gen von Aas oder faulenden animalischen und vegetabilischen Sub-
stanzen lebenden Sippen (Silphalen, Nilidularien) durch viele Arten und
Individuen vertreten; gänzlich fehlen dagegen die eigentlichen Chry-
gomelinen, die Coccinellen und Alelasonien. Einige Arten hat die Kä-
fenfauna von Sitkha mit dem Norden von Europa und Asien gemeinschaft-
lich. Eine zu den Nitidularien gehörige und mit Pellls verwandle Art,
ein sehr bemerkenswerthes Insect aus der Familie der Salpingiden, aber
mit ffinfgliedrigen Füssen, ein Rüsselkäfer und ein Cerambycin habeA
zur Aufstellung neuer Gattungen Feltastica, TanyrhinuSj Emphya$tei
und FleclTura Veranlassung gegeben (s. u.).
Chevrolat hat die dankenswerlhe Arbeil unternom-
men , die von Palisot-Beauvois abgebildeten Käfer in
die gegenwärtig angenommenen Gattungen einzureihen und,
soweit sie noch unter andern Namen beschrieben sind , mit
ihren Synonymen zu versehen (Annal. d. 1. soc. entom. d.
Franc. S.ö'29 — Ö51.). In vielen Fällen gründen sich die An-
gaben des Verf. auf die Untersuchung der Originalexemplare;
eine nicht geringe Zahl von Arten ist aber zur Zeit nur aus
den Abbildungen von Palisot bekannt, und diese sind nicht
alle mit Sicherheit zu entziffern.
Cicindeletae» Ueber die Lebensweise der im Gebiete des
Amazonenflusses vorkommenden Arten von Megacephala bat Bat es in
den Tran^. Ent. Soc. II. S.49. seine Beobachtungen mitgetheilt, denen
West wo od eine Liste dieser Arten mit Beschreibungen der neuen
und eine Eintheilung der Gattung Megacephala angeschlossen hat. B.
hat von Para bis Ega am obern Theile des Amazonenflusses U Arten
gesammelt, fünf blassgefärbte, fünf metallische mit gelbem Fleck der
Flügeldecken, und die dunkelschwarze Jtf.«ef>Micraiis. Die letztere weicht
in ihrer Lebensweise von den übrigen ab, sie findet sich an trock-
nen sandigen Graspläteen in Wäldern, wo sie am Tage ziemlich lang,
saiu an den Wurzeln der Gräser herumläuft. Die andern kommen nur
an den sandigen Ufern oder auf den Sandbänken des Flusses vor, sind
Kachtthiere, halten sich am Tage in ihren Gängen im Sande versteckt,
laufen unglaublich schnell , scheinen aber von ihren Flügeln nur sehr
Virenig Gebrauch zu machen. B. fand auch drei verachiedenc 2« die-.
•188
Schanm: Bericht Aber die tei$tungen in der Entomologie
$er Gattung gehörige Larven, welche aufTaf. VII. abgebildet sind. Sie
zeigen viel Aehnlichkeit mit den Cicindelen-Larven, haben einen sehr
grossen, halbkreisförmigen Kopf mit aufwärts gekrümmten Mandibeln,
einen sehr grossen halbkreisförmigen Prothorax u. s. w. Die von B.
gesammelten Arten sind, wie schon erwähnt, von Westwood aufgezählt
und zum Theil beschrieben. A. Schwarze Art [Aniara Hope). 1. se^
pulcralis Fabr. B. Blassgefärble Arten (Ammosia Westw. ; dieser Un-
tergattung hat aber schon Chaudoir Bull. d. Mose. 1850. den Namen
Phaeoxantha beigelegt): 2. M. lestudinea Klug (die von W. unter
diesem Namen beschriebene Art ist M. klugii Chaud. 1. c. und von
M. testudinea Klug wohl unterschieden). 3. M. latninata Perly.
nocturna Dej. (Perty hat den Namen latninata nachträglich in limata
verbessert). 4. M. hifasciata Brülle (aequinoctinlis Fabr. Dej.). 5.
M. cruciata Brülle. 6. M. asperula n. A. von der Grösse der la-
minata, aber mit schwarz gekörnten Flugeidecken und Prothorax. In
einer Anmerkung beschreibt W. noch eine andere blasse Art unter dem
Namen M. oxycheiloides ohne nähere Vaterlandsangabe , dieselbe
ist aber bereits von Reiche in Guer. Rev. Zool. als M. nigricoUis
und von Erichson in dies. Archiv Bd. 13. als M. succincta bekannt
gemacht. C. Metallische Arien (TetrachaW esiw.): 7. M. Spixii Perly.
8. M. Martii Perly. 9. M.curta n. sp. 10. Eine von B. gefangene,
aber noch nicht in England angekommene Art, vermuthlich spinosa
Brull6. 11. M. quadri collis n. sp. (nach Reiche Bull. d. 1. soc.
ent. S.LXVII. ist diese Art = spinosa Brülle).
Den Schluss der Abhandlung bildet eine von W« entworfene ta-
bellarische Anordnung der Arten von I^eg acephala, für welche zum er-
sten Male die ziemlich auffallenden Verschiedenheiten in der Bewaff-
nung der beiden Mandibeln benutzt worden sind. A. Elytra humeris
rotundatis, band angulato-prominenlibus. * Corpus apterum, subcylin-
dricum. Mandibulae dentibus aculis. Color viridi -metallicus, elytris
tolis concoloribus (Aptetna Serv. et Lep.). M. senegalensis Latr. **
Corpus alatum, latius, subdepressum. a. Mandibulae dentibus inter-
mediis oblique truncatis. Color metallicus, elytris ad apicem macula
lutea notatis. JW. ^-signala Dej , M. Bocandei Guer. — b. Mandibulae
dentibus intermediis acutis, sinislra dente secundo (apice acuto mandi-
bulae pro dente primo computato) parvo vel 3. minori. Color luteus.
(^Ammosia W^estw.) M. hifasciata Brull6 (aequinoctialis Dej.)- — B.
Elylra humeris angulato -prominentibus. * Mandibula recta dentibus
tribus apicalibus armata. f mandibula sinistra dente secundo minuto.
Color metallicus, elytrorum apice macula lutea notato. M. euphralica
Dej. f f mandibula sinislra dente 3. fere obsolete. Color totus niger
(Aniara Hope) M. sepulcralis Fabr. * • Mandibula recta dentibus qua-
tuor apicalibus, Color metallicus, elytris plernmque macula lutea api-
cali notatis. •[■ mandibula sinislra dente secundo minuto; labrum den-
crüc.I.K! : Während des Jahres 1852. -itnc^^S JSd
ticulatum. Jtf. Australasiae Hope. f t Mandibula sinistra cftititiö 8e-
cundo tertio maioii vel aequali [Telracha Weslw.). M. Carolina Lion.
etc. (In der letzlen Gruppe lassen sich nach der Grösse und Uildung
der einzelnen Zähne an den Mandibelu noch wieder zwei Unlcrabtbei-
lungen errichten, von denen die eine M. Carolina und verwandte Ar-
ten , die andere die ungefleckten t. B. M. virginica, chalybaea Lac,
brasiliensis Kirby, die langgestreckte M. affinis Dej. mit ihrer Varietät
Lebasii Dej., M. acutipennis n. a. uinfasst).
Eine grössere Zahl neuer Arten dieser Familie ist wieder von
Chaudoir (Bull. d. 1. soc. imp. d. Mose. 1852. N. 1.) bekannt gemacht
worden: Cicindela octogramma, der aurulenta verwandt, C. in^
termediOy der didyma sehr ähnlich, aber mit einer wie bei den Ca-^
lochroen gebildeten Oberlippe, C. gr ammop ho ra^ der pygmaea,
C. imperfecta und C. alhopuncl ata, der aegyptiaca nahe ste-
hend, C. leuc oloma, von vicina hauptsächlich durch relative Kenn-
zeichen unterschieden, C. sriatifrons in nächster Vewandtschaft mit
brevicollis stehend, sämmtlich aus Ostindien; C. Rafflesia aus Neu-
holland, an Ypsilon sich anschliessend; C. mac rocnema von Aca-
pulco in Mexico , mit langen Hinterbeinen wie graphiptera Dej. und
curvala Chevr. ; C.pallifera aus Yucatan, von dorsalis Say durch
das hinten nicht erweiterte Halsschild des Weibchens unterschieden; C.
Mellyiy der Sallei Chevr. (sedecimpunctata Klug) sehr nahe verwandt,
aus Mexico; C. dromicoides ausNorJindien, fast vom Aussehen ei-
ner Dromica , C. cyanospersa von Yucatan, aus der Verwandtschaft
der tripunctata Klug und hemichrysea Chevr.; C. viridilabriSf an
disjuncla erinnernd, aus Ostindien; C. chlor ochilOf eine kleine Art
aus Hongkong: C. acompsa vom Amazonenfluss , welche ihrer ab-
weichenden Körperform halber ein eigenes Subgenns bilden könnte ;
Euryoda tetraspilota aus Ostindien. — Chaudoir bemerkt bei die-
ser Gelegenheit , dass Cic. colon Klug = telrasticla Wied. zu sein
scheine, und änderte den Namen von Cic. lepida Gory, (weil es bereits
eine C. lepida Dej. giebl) in C. Goryi um.
Cicindela cuprescens aus demMissouri-Territory und C. tar"
salis aus Georgien, beide früher mit C. blanda Dej. vermengt, sind
von Le Conte (Proc. Phil. Acad. vol. VI. S. 65.) als besondere Arten
auTgeslelll und unterschieden worden.
Cicindela Guexiana Chevrolat (Rev. etMag. d. Zool. S. 419.)
aus Louisiana ist = Cic. cumatilis Lee. (s. vor. Jahresber.).
p^*- " Carabici« Chaudoir hat wieder eine wichtige Abhandlung,
Velche uns mit mehreren neuen Galtungen und vielen Arten bekannt
Viacht, im Bull. d. Mose. 1852. N. I- erscheinen lassen „Memoire sur
la familie des Carabiques par M. le baron M. le Chaudoir. 3. parlie.'«
IQO Schaum: Beriebt über 4ie Leistungen in der Entomologie
Die neuen Genera sind: M etaxidius zwischen Polystichus und Hel-
luomoipha mittea inne stehend, mit einer u. A. itf. brnnnipennis
jjius Alillelanierilia; — Triplogenius auf Trigonotoma bicolor und
Tr. chloronolum Lap. errichtet und in einigen Einzelnheiten der Mund-
bildung von den echten Trigonotonien abweichend; — E ccopto ge-
nius, ebenfalls mit Trigonotoma nahe verwandt, eine n. A. E. moe^
stus aus riordindien enthallend; — Brachidius mit einer n. A. B.
crassicornis von den Molukken , neben Cratocerus stehend, aber
auch eine ausgesprochene Aehoiichkeit mit Morio bekundend; — Pa-
chytrachelus auf eine neue nordindische Art P. crt&rtcep s .ge-
gründet, welche sich nahe an Daptus anschliessl; — Anoplo geniuSf
von Stenolophus durch die Gestalt der Zunge, den abgerundeten Vor-
derrand der Überlippe und die Bildung der Füsse unterschieden. Hier-
her A. discophorus n. A. aus riordindien , Stenol. alacer Dej. und
eine von Schmidt- Goebel in seiner birmanischen Fauna pi. 111. fig. 9.
Hbgebildete, aber nicht beschriebene Art (welche auf dem Umschlage
des Heftes mit dem Piamen Loxoncus eletatus bezeichnet ist ,). — Ich
halte es für überflüssig , die Charaktere dieser Gattungen hier weiter
mitzutheilen, indem dieselben bereits in das für das Studium der Cara-
bicinen ganz unentbehrliche Werk aufgenommen sind , welches Lacor-
daire unter dem Titel Histoire natureile des Insectes. Genera des Co-
leopteres tom. I. im Januar d. J. t854 herausgegeben hat.
^ ' Die von Chaudoir neu aufgestellten Arten sind: Casnonia cos^
ntnodera aus Mexico, Rhagocrepis mexic an a {dor salis Chexr. Chaud.,
aber von dem nordamerikauischen dorsalis Fabr. Dej. verschieden)
ebendaher; Calophaena nigrip ennis aus Cayenne , Drypla ama-
litis aus Ihibet, Galerila simple x und aequino ctialis, beide
aus Mexico, Oiaena cyanipennis aus Chili, Brachinus figuratus y
dem nubischen Br. nobilis sehr ahnlich, Lebia p rincep s^ L. basa-
tiSf tlochionus nig rolineatus y alle aus iNordindien , Demelriasl
brachinoderus von Melbourne in Meuhollaiid , Calleida disco~
phora aus Nordindien, C. cinctipennis aus Brasilien oder Colum-
bien, C. xanthoptera von Carthagena, C. dives aus Mexico, C.
amabilis aus Brasilien, C. M niz ec hii aus Chili, C. aurulenta
aus Brasilien, die beiden letzten mit ametbystina nahe verwandt ; C.
ßimilata aus Coiumbien^ C. viridicupr ea aus Brasilien, C. moe-
sta aus Cülumbien, Cijmindis sligmula aus JMordindien, C. basalis
von Diarbekir, C. aeneipennis aus Brasilien, Graphipterus pusil^
lus vom Cap , Heteromorphus laev issimus aus Brasilien, Scopodes
tripunclatus von Melbourne, Coptodera obtusangula aus Brasi-
lien, Sphodrus indus aus ^iordindieti, Rembus opacus von Tehusan,
Dicranochilus brevicollis von Melbourne, Trigonotoma Dohrnii
von Hongkong, Microcephalus amplico lliSf M. minor ^ beide aus
Brasilien, Abaris aequinoctialis aus Yucatan , Cratocerus sulca'»
während des Jahres 185!^. 191
tus aus Alexico, Moria luconicus von den Philippinen^ M. trogo-
siloides aus Cülmnbien, JUelanotus capilatus aus Mexico, ü. man-
dibularis vom Ämazonentlusse, Ditomus asialicus ^ dem cordatus
ausserordentlich ähnlich, und Z>. ang ustipennis^ dem cornutus nahe
verwandt, von Diarbekir, Coscinia fascigera aus Mordindien, Cara-
bus amoenus aus dem Altai, dem nilens ähnlich, C. Mnizechii
von den ülern des INorsaisan - See's in Centralasien , von sehr eigeo-
thümlicher Bildung, am meisten noch an C. bessarabicus erinnernd;
C. chalcochlorus von Diarbekir, aus der Verwandtschaft von C. Spi«
nolae , lamprus, Frevostii und prasinus, Caloioma h otlenlo ttum
vom Cap, JSotiophilus subopacus aus Alingrelien, Omophron roftin-
da tus vom £uphrat.
j Eine Aufzählung der in der iberischen Halbinsel bis jetzt auf-
gefundenen Arten von Carabus haben wir von Oey rolle (Ann. d.
1. soc. entom. S. 237.) erhalten. Es sind 24 Arten namhaft gemacht,
von denen indessen die eine C. Luaotii dem Verf. nur durch die un-
vollständigen Angaben von Laporte bekannt geworden ist, eine zweite
C. cordalus Sturm Catal. besser gar nicht erwähnt wäre, da sie unbe-
schrieben, und aller Wahrscheinlichkeit nach mit einer anderen syno-
nym Ist. Es bleiben demnach noch 22 vom Verf. selbst verglichene
Species, welche zum Theil durch Diagnosen, in einzelnen Fällen auch
durch ausführliche Beschreibungen genauer bezeichnet sind: C. Dufou^
rii Dej., C. guadarramus l.af. , C. errans Gory, C. Steuartii neue
bei Oporto entdeckte Art, welche mit den beiden vorhergehenden nahe
verwandt ist, C. Deyrollei Gory, C. castilianus Oej. , C. macrocephalus
Dej, C. crtn(a6rtci« Ohevr., C. £(jfe5ipptt Laf., C. lusitanicus if»br. Dej.;
C. antiquus Dej., C. lalus Dej., C. complanatus Dej., C. brevis Dej.,
C. helluo Dej., C. cellibericus Germ., C. boeticuSf von Dejean und
wohl mit vollem Kecht für eine Varietät des C. barbarus Dej.
(= rugosus Fabr.) gebalten, mit welchem, meiner Meinung nach,
auch noch C. celtibericus zu verbinden ist ; C. lineatus Dej. , C.
Whitei dem C. lineatus Dej. sehr nahe verwandt, ohne nähere Angabe
das Fundorts, C. lateralis Chevr, , C. gallaecianus Chevr. {galicianus
Gory), C. Ghilianii Laf. — In einer Anmerkung beschreibt D. den
algier'schen C. rugosus Lucas als eine von C. rugosus Fabr. verschie-
dene Art unter dem ihr von Gaubil ertheilten Kamen C. Lucas it.
Laferte-Senßctöre hat in dem Jahrg. 1852 von Gu.erin'0
;Jlevue et Magazin de Zool. eine weitere Fortsetzung seiner Arbeit
über die im portugieschen Guinea von Bocand^ gesammelten Carabi*.
j^^en geliefert, ist indessen auch gegenwärtig, dem Dejean'schen Sy.
fteme folgend, nur bis xum Scbluss der Patellimanen gelangt, einer
.ßruppe, welche in der Sammlung durch nicht weniger als 69 Species
(darunter 39 neue) vertreten war. Die von ihm biet beschriebenen
iVz Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
neuen Arten sind: Epomis Bocandei, E. Latreillei, Tomochilus
Westermanni, Aeacus sty gius , Hoplolenus insignis , Priognalhus
fossor, Codes tenebrio ides y 0. sulcatusy 0. ellipticus.
In dem Nachtrage zur Käferfauna des russischen Nordamerica
hat Mannerheim (a. a. 0.) mehrere neue Laufkäfer bekannt ge-
macht: Anchomenus strigicollis^ Plerostichus sitnilis Men. Mi^
scodera insignis (um die Hälfte grösser als M. arclica, pechschwarz
mit gestreiften Flügeldecken), Trechus spectabilis , oblongulusy
welche der Mehrzahl nach auf Sitkha entdeckt worden sind.
Als neue Arten sind ferner beschrieben:
Isotarsus eximins Sommer (Ann. d. 1. soc. entom. de Franc.
653. pl. 11. N.L) aus. Mossambik, durch langes eckiges Halsschild und
augenartige gelbe Flecke der Flügeldecken sehr bemerkenswerth.
Carabus ochoticus (Menetr.) Mannerheim (Bull. d. Mose.
1852. n. IV.) aus dem östlichen Sibirien, mit C. Henningii Fisch, und
Sahlbergii Mannh. verwandt.
, . Panagaeus distinctus Haldeman in Stansbury 's Report App.
C. (s. 0. S. 157.) von Santa Fe, dem P. fasciatus in der Färbung und
im Habitus ähnlich, aber kleiner, hat einen grössern Kopf und ganz
verschieden geformten Prothorax. — Carabus finitimus dessel-
ben (ebenda) aus dem westlichen Texas, steht dem C. sylvosus nahe,
ist aber breiter, ohne das rauhe Aussehen des letzteren, der Protho-
rax ist hinten weniger verengt, der aufgeworfene Seitenrand breiter.
Chlaenius vafer Leconte (Proc. PhiL Acad. Vol. VI. S.66.)
aus dem Missouri-Territory.
Unn Loricera Wollastonii Javet (Bull. d. 1. soc. ent. d. Franc*
IKtelll.) aus Madeira.
Bembidium lateritium Miller (Verh. des zool.-botan. Ver-
eins in Wien S. 1.109.) aus der Wiener Gegend (von Jacquelin Du-
val als B. rufipes var.? Milleri Redt, beschrieben).
Bembidium Irans sylv anicum und bilunulatum Bielz
(Mitth. des llermannst. Ver. S. 14.) aus Siebenbürgen ; das erse ist
eine ausgezeichnete neue Art, von der Gestalt des B. elongatum, mit
grossem, rothen Schulterflecke, das zweite wird von B. pygmaeum
l^'abr. durch einen gelbrothen Fleck vor der Spitze der Flügeldecken
unterschieden, ist aber meiner Meinung nach nur eine Varietät des
letzlern.
Fogonus viridimicans und Poecilus cup ripennis Fair«
maire (Ann. d. 1. soc. ent. d. Fr. S. 69.) von Tanger.
' Harpalus punc tipennis Mulsant (Ann. d. 1. soc. Linn. d,
Lyon S. 142.) aus dem Dept. des basses Alpes.
'Ou otr'T r während des Jahres 1852. '" n r rf o R 193
Giraud gab in denVerh. des zool.~bot. Vereins in Wien eine
neue Beschreibung von Plerostichus Koheilii Mill.
Letzner unterwarf (Ber. üb. d. Arb. d. schles. Gesellsch.
w. d. Jahres 1852. S. 91.) die Unterschiede des Cklaenius tibialis Dej.
von Chi. Schrankii Duftschm. einer Prüfung und gelangte in Folge
derselben zu dem Resultate, dass der erstere nur als Abänderung des
letztern zu betrachten sei.
Le Conte bemerkte (Froc. Phil. Acad. Vol. VI. S. 67.), dass
Carahus exlernus Say (^Calosoma longipenne Dej.) nach der Bildung
der Fühler und Taster ein echtes Calosoma und gewöhnlich geflü-
gelt ist , dass aber ausnahmsweise auch ungeflügelte Exemplare vor-
kommen.
Derselbe änderte (ebenda) den von ihm früher für einen nord-
amerikanischen Laufkäfer in Anwendung gebrachten Gattungsnamen
Euryderus (E. zabroides) in Nothopus um.
Fairmaire hat in den Ann. d. 1. soc. entom. S. 673. pl. 11. IN.
IV. eine Beschreibung und Abbildung von der Larve des CiUenum la-
terale geliefert; sie wird 6 Millim. lang, hat sehr grosse, fast gerade
Mandibeln und zwei borslenförmige Anhänge am Schwanzende ; beson-
ders bemerkenswerth ist sie aber dadurch, dass die Beine, nach der
ausdrücklichen Versicherung F.'s, nur eine Fussklaue besitzen; es ist
dies eine so aufi^allende Anomalie in der Familie der Garabicinen, dass,
bis die Erziehung des Käfers geglückt ist, wohl einige Zweifel dage-
gen erhoben werden können, ob die von F. beobachtete Larve wirk-
lich die des CiUenum und nicht vielleicht die eines Palpicorn ist. Ich
darf hier indessen nicht verschweigen, dass auch die früher von Co-
querel bekannt gemachte Larve des Aepus Robinii in der Abbildung
nur eine Fussklaue zeigt. Da Coquerel in der Beschreibung diesen
Umstand nicht besonders hervorgehoben hatte, so habe ich im Jahresb.
f. 1850. S. 31., vielleicht zu voreilig, darin nur eine Ungenauigkeit der
Abbildung erblicken mögen.
JDyiiscidae. Laccophilus pictus wurde von Küster (Käf.
Eur. XXIII. 9.) nach einem einzelnen in Sardinien gefangenen Exem.
plare als n. A. aufgestellt, er soll zwischen testaceus Aube und minu-
nutus Linn. in der Alitte stehen.
Von Apetz wurde (ebenda XXIV. 34.) Cybisler lepidus als
fragliche neue Art von C. Roeselii unterschieden , er weicht durch
etwas mehr elliptischen Umriss des Körpers, lebhaftere Färbung und et-
was andere Sculptur der Flügeldecken ab , und ist bei Hyöres und in
den Leltina-Sümpfen in Dalmalien aufgefunden worden.
Bielz beschrieb Alitth. des Hermannst. Ver. S. 16. Hydroporus
Archiv f. Naturgesch. XIX. Jahrg. 2. Bd. ^
194 Schaum: Bericht über die Leistuiig«D in der Entomologie
ohliqneBi^naiusi tme neue, dem linealus in Gröisse luvd Gestalt
ähnliche, aber anders gezeichnete Art aus Siebenböngen.
Agahta scapularis, A. avithracinus,Hydroporuscontra~
ctulus, H. ruficapillus, H. rufinasus, H. ery threstomus
sind neue in Sitkba entdeckte und von Manner hei in (Bull. d. Moscv
1652. u. II.) bekannt gemachte Arten.
„Die Halipliden, ein Beitrag zur vergleichenden Anatomie der
Coleopteren« von M. Dormitzer (Lotos 1851. S. 33. und S. 52. ff.).
Der kürzlich verstorbene Verf. erörtert hier die Maxillenbildung der
Cicindelen, Carabicinen, HydrocaAtbaren, Gyriniden, und weist auf die
anelDge Bildung bei den Elmiden , Chrysomelinen (mit Ausschluss der
Sagriden und Donaeiden) und Coccinellinen hin, bei denen die ins-
sere Lade der Unterkiefer ebenfalls zweigliedrig ist. Aus diesem
Grunde bilden die genannten sieben Familien nach der Meinung des
Verf. eine natürliche Reihe. Im weitem Verlaufe der Abhandlung ent-
wickelt D. die Ansicht, dass die Fühler der Gyriniden, Dryopiden, He-
teroceriden tfnd Hydrophilinen ^ach demselben Typus gebaut sind (!),
und dass diese Familien daher in näherer Verwandtschaft zu einander
stehen. Ausfuhrlich werden sodann die Charaktere der Halipliden aus-
einandergesetzt , für welche der Verf. den Rang einer besondern Fa-
milie beansprucht; ihre nahen Verwandten erkennt er in den Elmiden,
welche ihm den Üebergang von den Halipliden tu den — Ct)ccinellen
zu Vermitteln scheinen ! Eine Kritik dieser Ansichten wird nicht nöthig
sein, da es kaum wahrscheinlich ist, dass ein anderer Entomolog sie
wieder aufnehmen wird.
Catalogue des Coleopteres de la coUection de J. B. Gehin. 2.
Fase. Dytisciens-Gyriniens. Metz. 1852.
Hydröjßhiii* Als neue Arten sind aufgestellt ,
von Mulsant und Rey (Ann. d. 1. soc. Linn. de Lyon S. 299.):
Bydraena producta aus dem Dept. du Rhone;
von Giraud (Verh. des zool. botan. Ver. in Wien S. 92.) und
ziemlich gleichzeitig von Miller (ebenda S. 109.): Helophorus niva-
liSf aus den östreich'schen und steier'schen Alpen, an den liefen Fur-
chen des Halsschildes uud den Flügeldecken leicht kenntlich;
von Küster (Käf. Eur. XXIU u. XXV.) : Hydrochus flavipen-
nis aus Dalmatien, Hydrophilus inermis aus Sardinien (vermulhlich
mit der von Lucas unter demselben Namen beschriebenen Art aus Al-
gier identisch), Cercyon b ifenestratum von Kasan;
von Haldeman (in Stansbury's Report): Hydrochus fovealus
aus dem westlichen Texas;
von Mannerheim: Helophorus inquinalus, Cercyon fulvi-^
pinncf C. fitnbriaiumf C.posticatum aus Silkha (Bull, d, Mose.
»igefortwi während des Jahres 1852. mfT<7ii'> 195
*1S52. n. II.), Hydrophilus dauricus, vofl gleicher Grösse mit aterdL
mus, aber viel schmäler, ans dem östlichen Sibirien (ibid. n. IV.).!
Cussac hat die Verwandlungsgeschichte des Spercheus emar-
ginalut und des Helochares lividus , welche bisher nur unvollständig
i)ekannt war, in den Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc. S. 617. ausführlich
geschildert und auf Taf. 13. durch Abbildungen erläutert. Die Larven
des ersten sind ausgewachsen 4Lin. lang, von ovaler Gestalt, nach vorn
und hinten stark zugespitzt, mit sehr breiten mittleren Abdominalseg.
menten; die Stigmen sämmtlicher Bauchringe sind mit grossen Haar-
i)äscheln besetzt, die Mandibeln verhältnissmässig klein, die Beine sehr
entwickelt. Die Larven des Helochares haben einen langgestreckten
Körper, kräftige Mandibeln und kurze Beine ; der Hinterleib endigt je-
derseits mit einem kurzen Anhange, und die Stigmen desselben sind nur
jnit sehr kleinen Haaren befranzt.
Silpliales« Mann er heim bereicherte diese Familie mit jVe-
crophilus latus Eschsch., Calops Franhenhauseriy cadaveri^
nus Eschsch., cryp tophagoides ^ und Colon inermis aus Sitkha
(Bull. d. la soc. ent. d. Mose. 1852. n. II.).
Käst er stellte (Käf. Eur. XXIII. 16.) Silpha turcica ah n. A
von Constantinopel auf.
Von der Larve der Silpha opaca hat Fairmaire (Ann. d. h
soc. ent. pl. 11. N. IV. Fig. 3.) eine Abbildung gegeben.
Eine sehr gründliche Revision der europäischen Arten von Ca-
tops haben wir von Kraatz in der Entora. Zeit. S. 397. ff. erhaU
ten. Unter Beibehaltung der schon von Erichson aufgestellten Grup-
pen , denen nur eine neue zugefügt ist , hat der Verfasser von allen
ihm bekannt gewordenen Species Diagnosen , von einigen neuen und
von mehreren vielfach miteinander verwechselten genaue Beschrei-
bungen entworfen , überdem die Synonymie sorgfältig zusammenge>
Älellt. Die erste Gruppe enthält fünf Arten: C. spadiceus St., C. tn-
tertnedius neue Art, C. anguslalus Fabr. Er., C. cisleloides Fröhl.,
{castaneus St.), C. agilis III. Er., welche bisher oft vermengt, hier
scharf von einander geschieden werden. Zur zweiten Gruppe ge-
hören C. acicularis neue Art aus Sicilien , C umbrinus Er., C.
fuscus Fanz. , C. picipes Fabr. , C. meridionalis Aub. , C. nigricans
Spence, Er., C. coracinus Kelln., C. morio Fabr. Er. , C. nigrita
Er., C. grandicollis Er., C. chrysomeloides Latr. , C. longulus Kelln.,
C. tristis Panz. (wovon C. abdominalis Rosh. eine unreife Abände-
rung ist), C. rolundicollis KeWn. , C. ne glectus n. A. aus Deutsch-
land, C. alpinus Gyll. (subfuscus Kelln.), C. fumatus 6p., C. brevi-»
collis n. A. aus Sicilien, C. scitulus Er. Die dritte Gruppe besteht
ans lauter bekannten Arten : C. velox Sp. , C. badius St. , C. praecox
19Q Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Er., C brunneus St., C. anisolomoides Sp. Die vierte Gruppe ist auf
eine auffallende, von allen bekannten durch ihren spiegelblanken Kör-
per abweichende neue Art C. luciduSf muthmasslich aus Dalmalien
(und nach späterer Miltheilung des Verf. aus der Türkei) , gegründet.
Die fünfte Gruppe umfasst C. strigosus n. A. aus üestreicb, C. va^
lidus n. A. aus Ungarn, C. varicornis Rosenh., C. sericeus Fb. und
C. colonoides Kraatz. Die Gesammtzahl der Arten beläuft sich daher
auf 35. Acjit früher von Aube, Heer und Spence beschriebene hat der
Verf. nicht ermitteln können , sie sind am Schlüsse namhaft gemacht.
Anhangsweise theill Kr. die Aube'sche Beschreibung von Calopsimof'
phus Orientalis mit, und bemerkt, dass einige von Kahr in Dalmatien
gesammeile Exemplare nicht unerheblich von den türkischen des C.
Orientalis abweichen und vielleicht als besondere Art , C. dalmaii»
nusj abgesondert werden müssen. ''"
.j^^ Den von Kraatz beschriebenen Arien von Calops ist noch eine
sehr eigenthümliche neue aus Siebenbürgen hinzuzufügen, welche H.
Hampe in den Mitlheil. des siebenbürg. Ver. f. Naturwss. S. 140. un-
ter dem Namen C. arenarius aufgestellt hat; sie ist durch starken
Glanz, rauhe Behaarung und kräftige Fühlhörner ausgezeichnet und
erinnert in mancher Beziehung an Catomorphus Aube.
Kraatz änderte (Ent. Zeit. S. 115.) den Namen seines Colon
pubescenSf weil derselbe bereits von Lucas einer algierschen Art ertheilt
]|\^|r,^jii^ C.Jjißcicarnis um.
Die Gattung Adelops Tellk. {Bathyscia Schiödte) wurde von
Miller (Verh. d. zool.-bot. Vereins in Wien L S. 131.) mit einer
neuen Art A. Khevenhülleri bereichert; sie ist erst in einem Ex-
emplare von Fürst Khevenhüller in der Adelsberger Grolle entdeckt
worden, bedeutend grösser als die übrigen europäischen Species und
besonders durch die fein und dicht quernadelrissigen Flügeldecken aus-
gezeichnet.
Anisoifiiniclae« Kraatz hat in der Entom. Zeit. S. 377. die
Geschlechlsunterschiede der Anisolomen im Allgemeinen besprochen, Be-
merkungen über einzelne Arten milgethcilt, und eine neue in Schlesien
entdeckte, mit A. Triepkii und rhaetica zunächst verwandle unter dem
Namen A, silesiaca aufgeslellt. Die Zahl der deutschen Arten bleibt
aber dieselbe , indem 'A. brunnea St. Er. als kleinere Form mit A.
obesa zu verbinden ist.
Von Mannerheim wurden (Bull. d. Mose.) Anisotoma late-
ritiaj Agathidium angulare^ concinnutn und rotundulum als
n. A. aus Sitkha bekannt gemacht.
Palpatores» In Le Gonte's „Synopsis of the Scydmaenidae
^*>i^
während des Jahres 1852. 197
of the United States« (Proc. Philad. Acad. VI. S. 149.) sind ein C«-
phennium (C corporosutn n. A. von Neu- York), 27 Scydmaenut,
darunter 23 neue, und zwei Arten einer ausgezeichneten neuen Gattung
Brathinus beschrieben (Ar. nitidus und Br. vari cornis). Die
letztere erinnert an Mastigus und ist besonders durch fadenförmige Ma-
xillartaster mit längerem Endgliede, kahlen Körper und Mangel der
Flügel charaklerisirl. Unter den Arten \onScydmaenus, welche in die von
mir (Germ. Zeitschr. f. Ent. Bd. V.) aufgestellten Rotten vcrtheilt sind
ist namentlich Sc. gracilis bemerkenswerth , indem beim Männchen
dieser Art das vierte Glied der Fühler stark verdickt, das sechste drei-
eckig, an der Spitze stark ausgezogen ist. Zwei vom Verf. in Anwen-
dung gebrachte Namen Sc. bicolor und Seh aumii sind bereits frü-
her vergeben. Die Gattung Eutheia Steph. ist dem Verf. nicht bekannt
geworden, obwohl eine Art derselben in Nord-Amerika einheimisch ist.
Mäklin gab im Bull. d. Mose. 1852. n. II. Beschreibungen von
Scydmaenus californicus Motsch. und Sc. biformis; beide sind in
Sitkha einheimisch und gehören, der erste zur Rotte des larsatus, der
zweite zu der des Sc. hirticollis; bei dem letzteren ist das 5. Glied
der männlichen Fühler aussen verlängert und viel breiter als die bei-
den folgenden.
Die ausgezeichnetste Bereicherung, welche die europäische Kä-
ferfauna in diesem Jahre erhalten hat , bilden zwei neue Arten der
merkwürdigen Gattung Leplodirus , welche von F. Schmidt in den
unterirdischen Höhlen von Krain entdeckt und in der Ent. Zeit. S. 381
unter den Namen L. an gustatu s und sericeus beschrieben wor-
den sind. (Sie sind auch schon von Sturm in dem 1853 erschie*
nenen 22sten Bändchen der deutschen Käferfauna überaus schön abge-
bildet.) Beide stehen an Grösse dem L. Hohenwartii erheblich nach
und nähern sich in der Körperbildung so entschieden an Scydmaenus
und Mastigus, dass die Gattung nicht aus der Nähe derselben entfernt
werden kann. L. angustatus hat vollkommen eiförmige Flügeldecken
mit narbiger Sculptur, bei L. sericeus sind die Flügeldecken mit run-
den Grübchen versehen und mit einer feinen gelben Pubescenz dicht
bekleidet.
Nähere Angaben über das Vorkommen des Leptodirus Hohen-
wnrtii haben wir von Fürst Khevenhüller in den Verb, des zool.
botan. Vereins in Wien I. S. 106. erhahen. Der Käfer findet sich nur
in den tiefsten Schluchten der Kalvariengrotte bei Adelsberg , wo er
auf ganz reinen, nicht allzunassen StalaclilWf^nden langsam herumkriecht.
Cs wird ihm von einem Obisium (ßlolhrus spelaeiis Schiödle) und auch
von der augenlosen Höhlenspinne, Stalita taenaria Schiödte , stark
nachgestellt.
Pau8sili. Westwood gab Inden Trans. Ent. Soc. vol. II.
19$ Schaum: Bericht über die Leislnngen in der Entotnologie
S. 84. ein Verzeichniss trller bekannten Paussiden und beschrieb bei
dieser Gelegenheit sechs neue: Paussus Humbold tii von Port ^iatal,
P. Audouinii aus Benguela, P. Dohrnii von Port Natal, P. Che»
trolalii aus Abyssinien, P. Germari und P. Schaumii von Port
Natal. Im Ganzen sind vom Verf. 85 Arten aufgezählt, 18 CeraptC"
rus, 1 Ceratoderus, 1 Merismodcrus, l Pentaplalarlkrus ^ 1 LebioderuSf
1 Hylotorus, 8 Ptatyrhopalus ^ 54 Paussus; ich glaube indessen nicht,
dass Pauss. donlicornis Schönh. (unicolor Westw.) eine von P. denti-^
comis Don. verschiedene Art ist.
Thwaites bestätigte die schon von anderen Entomologen ge-
machte Erfahrung , dass die Arten dieser Familie bombardiren , durch
Beobachtungen, welche er in Ceylon an Cerapterus Westermanni an-
zustellen Gelegenheit hatte (Proc. ent. Soc. Jul. 1852.).
'^"^'^ ' IPselaphH, Mäklin beschrieb in Mannerheim's Nachtrage
zur Käferfauna des russischen Nordamerika : Trimium clavicorne und
Euplectus parviceps aus Silkha. (Bull. d. Mose. 1852. II.).
Staphylini« Eine grössere Reihe neuer Arten dieser Familie
wurde von Sachse in der Ent. Zeit. S. 115 ff. u. S. 142 ff. bekannt
gemacht. Sie stammen , so weit nicht ein anderes Vaterland hier an-
gegeben ist^ aus dem Staate Georgia in Nord-Amerika. Es findet sich
darunter auch eine neue Gattung Stilicopsis, deren Kopf im Umrisse
völlig dem von Stilicus gleicht, während der Hinterleib und die kur-
zen Flügeldecken an Micralymma erinnern. Hinsichtlich der weiteren
Angaben verweise ich auf die den meisten Lesern dieses Berichts zu-
gängliche Beschreibung des Verf. Die einzige bekannt gewordene Art
St. paradox a hat nur die Länge einer Linie. Die übrigen von S.
beschriebenen Species sind: Myrmedonia pygmaea aus Dalmatien,
Falagria longicornis, F. amab ilis (ist Apocellus sphaeri-
collis Er.), Occypoda minuta, Aleochara maura vom Vorgebirge
der guten Hoffnung, A. lan guido, Silusa alternans, S. graci-
lis, Pronomaea dalmatina aus Dalmatien , Conurus pulicariuSf
Tachinus colonus, T. rufus, Boletobius an gularis, B. sella^
tus, Xantholinus hottentotlus vom Cap , X Kiesenwetteri, X.
pusillus vom Cap, X fallax vom Cap, Staphylinus capensis
ebendaher, St. varipes (halte ich für St. femoratus Fabr.), PAt-
lonthus paederinus j Ph. caffer vom Cap, Ph. georgianus ,
Acylophorus flavicollis, Stilicus capicola vom Cap, Platystethus
armatus vom Cap, Leptochirus coronatus aus Java, Prognalha
conv er g ens (= Pr. americana Alelsb.), Omalium M ärhelii vom
Cap, Omalium rufum ebendaher, Megarlhrus amer icanus.
Beträchtlich ist auch die Zahl der neuen ArXen. aus ^itkha, de«
I
während des J»hres 185^. 199
reu Begohreibungen van Mäklin entworfen und von Mannerheim in
seinen zweiten Nachtrag zur Käferfauna des russischen Nordamerika
aufgenommen sind (Bull. d. 1. soc. imp. d. nat. d. Mose. 1852. P. II.):
Bolilockara not ata, Tachyusn fucicola, Hotnalota laevi c ollis^ H,
cursoTy H. nitentf H. moBtta^ H, pratensis, H. genieu-
lata, H. planaris , H. breviuscula, Aleochara cognata^ Ta~
ehinut cir cumeinctus , T, maculicollis , Philonttis picipen"
nis, Ph. can esc enSf Quedius aenescens, Q. margin alis , Sle^
nus adspe clor y St. parallelepip edns , St. c ariniceps, Sl.
brevipennisy Bledius longip ennis, Phloeonaeus biimpressus,
Sfntomium'i eonfragosum, Arpedium? bre^icolle, Latkrimaeum
tubco statum^ Omalium strigipenne , 0. foraminosutny O,
exsculptum, 0. laesicolle, O, s egmentarium, 0. longu-
tum, 0. callo sum, Proteinus limbatuSf Pr. basaliSf Megarthrus
atratus, M. angulicollis, Micropeplus costatus, M. brunneus,
— M a n n e r h e i m selbst fügte die Beschreibungen von Boletobius poe-
eilus, Quedius erythrogaster und Q. melanocephalus hinzu.
Eine sehr fleiasige Arbeit über die schwedischen Arten der Gattung
Hotnalota von Thomson ist Öfvers. Kon. Vet. Akad. Förh. 1852.
S. 131 — 146. mitgetheilt worden. Es werden hier 64 Arten unterschie-
den, von denen nur 16 von Gyllenhal , 28 ausserdem von Erichson,
Sahlberg und Heer beschrieben waren ; diese sind nur durch Diagno-
sen, die 20 als neu aufgestellten dagegen auch durch sehr genaue Be-
schreibungen eharakterisirt worden. Die Namen der letzteren sind:
H. br achgptera, punctie ep s, a quatica y t enuicornisy It^
tiuscuia , b runneip ennis y ulig ino s a, arvie ola, fuoicöl a,
grisea, aridula, pla nicollis, succicola (socialis var. Er.),
mtrdariüy pilicornis, fungieolay nigritornis y monti"
colay int ennedioy fimetaria.
Eine neue Gattung Vulda wurde von Jac<]äeliii-Dava,l
(Ann. d. 1. soc. entom. ß. 695.) auf eine neue , bei Marseille ent-
deckte und V. gracilip es benannte Art errichtet; sie hält gewis-
sermassen die l\Iitte zwischen Xantholinus und Sierculia, weicht vQn
der erstem Gattung wesentlich durch die Gestalt des hinten nicht ver-
engten, vorn an der Spitze etwas verschmälerten Halsschildes , durch
die langen zarten Beine und die an der Spitze kaum ver^ipkteq Vor-
derschienen ab; von den amerikanischen Stcrculien , mit denen sie in
der Bildung der Beine übereinstimmt, unterscheidet si^ sich durch die
deutlich bcdornlen vorderen Schienen, durch fadenförmige T^sler^ kür-
zeres drittes Fühlerglied u. s. w.
Die von Cussac (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc. S. 6l3.) als neu
aufgestellte und (pl* 13. ßg. 1.) abgebildete Gattung Macropatpus
12!00 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
fällt mit Coryphium Steph. zusammen, indessen ist die von Cussae
gegebene Charakteristik viel genauer als die von Stephens, und na«»
mentlich sind die von dem letzteren falsch beschriebenen Maxillarta-
.ster von C. richtig beobachtet worden , sie sind viergliedrig mit sehr
grossem eiförmigen vorletzten und kaum bemerkbaren pTriemenförmi-
gen Endgliede. Ob der von C. beschriebene JW. pallipes mit C.
Rugusticolle Steph. auch der Art nach identisch ist, wird sich
bei der Unzulänglichkeit und Unzuverlässigkeit der Stephens'schen An-
gaben kaum anders als durch Vergleich des englischen Originalexem-
plares entscheiden lassen. Wahrscheinlich ist Macropalpus pallipes
auch mit Boreaphilusbrevicollis Haliday (Entomologist S. 186.)
einerlei.
Einzelne neue Arten wurden aufgestellt ,
von Miller (Verh. d. zool. - botan. Vereins in Wien S. 110.):
Ocalea rivularis, und Quedius irideus aus Oeslreich (der letztere
scheint mir nicht von Qu. peltatus Er. abzuweichen);
von Fairmaire: Bolitochara elegans, Tachinus pictuSf
dem silphoides nahe verwandt, Boletobius disti gm a aus Sicilien,
Staphylinus medi oximus und Ocypus obscuro -aen eus aus Tan-
ger (Ann. d. I. soc. entom. d. Franc. S. 71.). — Homalota anthra-
cina vom Strande der Nordsee bei St. Valery (ist höchst wahrschein-
lich = H. puncticeps Thomson), Aleochara nidicola in den Ne-
stern der Uferschwalben entdeckt (ebenda S. 687.) ;
von Ja cq u elin- Duval (Ann. d. 1. soc ent. d. Franc. S. 699.):
Scimbaliwn grandiceps, Sunius uniformi s ^ Stenus imp ressi"
pennis mit subaeneus verwandt, von Montpellier;
von Hai de man (Slansb. Rep): Fhilonlhus comp tu s, dem
aeneus nahe stehend, aus dem westlichen Texas.
Schätzbare synonymische Bemerkungen über Staphylinen hat
Kraatz in der Ent. Zeit. S. 446. milgelheilt. Sie beziehen sich zum
Theil auf viele von Heer beschriebene //oma^o(en, über welche Kr. hier
nach Ansicht von Originalexemplaren Aufschluss giebt, zum Theil auf
einige von Erichson, Märkel , Kiesenwetler u. A. aufgestellte Species.
Tachyusa lala Kiesw. = Homalota concolor Er. — Tachyusa immunita
Er. = Homalota gregaria Er. — Homalota inconspictia Er. = Hom,
procidua Er. — Oxypoda similis Kelln. = fumida Er, — Ox. myrme-
cophila Mark. = promiscua Er. — Euryusa coarctata Mark. = sinuata
Er. var. — Anthophagus speetabilis Heer ist eine ausgezeichnete, von A.
austriacus wohl unterschiedene Art. — Arpedium humile Er. = Arp.
myops Halid.
Dass Anthophagus speetabilis Heer eine selbstsländige Art ist,
wurde auch vonGiraud in den Verh. des zool.« bot. Ver. in Wien I.
S. 93. nachgewiesen.
f'-^^oItHtu ■• während des Jahres 1852. 20t
Trlcliopterys-ia« Einige nordtimenkanische Arten dieset
Familie hat Haldeman (Journ. Acad. n. sc. Phil. I. S. 108.) beschric*
ben : Trichopteryx fus cip e nnis, rolundata, discoloTj abrufta^
asperoj Ptenidium terminale.
Ausserdem wurden drei in Silkha aufgefundene neue Species von
Mäklin in Mnnnerheim's Nachtrage zur Käferf. d. russ. Nord-Amer.
bekannt gemacht : Trichopteryx laticollis^ Tr. insulariSf Pteni'.
dium pullum. (Bull. d. Mose. 1852. n. IL).
Histerini« Die Untersuchang von zahlreichen neuen in Nord.
amerika entdeckten Arten bat LeConte zu der Ueberzeugung ge.
bracht, dass Erichson die Zahl der Gattungen in dieser Familie allzu
sehr vervielfältigt hat, und dass namentlich die Gestalt der Tarsalgrube
der Vorderschienen und die Bildung der Hinterschienen nicht als Gat-
tungscharakter benutzt werden kann. Er hat diese Ansichten in einer
Abhandlung entwickelt , welche den Titel „Hints towards a natural
Classification of the family Histrini^< führt und in den Proceed. Phil.
Acad. vol. VI. S. 36. veröffentlicht ist *). Dem Verf. zufolge ist daher
Otnalodes Er., Flatysoma Er., und wahrscheinlich auch Piacodes Er. und
Plaesius Er. mit Hister Linn., PachylopusEr. mit Saprinus Leach wie-
der zu verbinden. Dagegen errichtet L. eine neue Gattung Coero-
slernus auf Tribalus americanus LeC. und eine bisher noch unbe-
schriebene in Cuba einheimische Art C. laevissimus y welche sich
von Saprinus besonders durch die Lage der Fnhlergruben (scrobiculi
antennales antici), von Tribalus durch das vorn nicht gelappte Pro-
sternum unterscheiden. Sämmtliche, dem Verf. bekannte Gattungen sind
in einer sehr übersichtlichen Tabelle zusammengestellt. Da L. aber
zur Unterscheidung derselben hauptsächlich die schon von Erichson
angewandten Charaktere benutzt hat , äo wird es nicht nöthig sein,
diese Tabelle hier mitzutheilen. Speciell werden dann noch die Gat-
tungen Hisler nnd Saprinus in zahlreiche Rotten aufgelöst, und die in
Nordamerika einheimischen zu jeder Rotte gehörigen Arten einzeln
namhaft gemacht, jedoch nicht durch Diagnosen bezeichnet, indem
der Verf. auf die Monographie seines Vaters oder auf eigne frühere
Beschreibungen verweisen konnte. Bei der Aufzählung der einzelnen
Arten hat sich ihm Gelegenheit geboten, manche synonymische Be-
merkung beizufügen.
Einige neue Arten dieser Familie wurden von Truqui in den
Ann. de la soc. ent. d. Franc. S. 61. beschrieben und Taf. !l. No II.
abgebildet; es sind Hister helluOf in die Gruppe mit vorhandenem
*) Eine Uebersetzung derselben ist in der Entoraol. Zeit. 1854.
3. gegeben worden. . .
soft Schaum: Bericht Aber die Leistungen in der Entomologie
Äusseren Randstreif der Flügeldecken gehörig, aus Piemont ; H. teter
von Nizza, eise der Arten mit 2 Randstreifen; H. lugubris in Pie-
mont und H. limbalus aus Syrien, denen beide Randstreifen fehlen;
endlich Plegaderus sanatus in Cypern unter Fichtenrinde häufig, mit
ßebr seichter Querfurche dfs Pr<»thorax.
Als neu aufgestellte Arten sind ferner zu erwähnen :
Hüter ruficornis f welcher von Grimm bei Berlin in einer
Kolonie der Formica fuliginosa entdeckt und in der Ent. Zeit. S. 222.
beschrieben ist; er gehört in die Gruppe von H. cadaverinus, merda-
rius etc. und ist besonders an der röthlichen Farbe der Föhler leicht
kenntlich. ♦'f^' "-*'
Hisler graliosus Mannerheim (Bull'. J. Bfosc. 1852. n. IV.)
aus der Mongolei.
Saprinus sabulo sus Fairmaire (Ann. d. 1. soc« entom. d.
Franc. S. 688.) vom Strande der Kordsee.
ir.irj Saprinus tridens und S. pastoralis Jacq ue lin .Du va I
(Ann. d. 1. soc. ent. S. 703 flF.) von Montpellier, beide zur Rotte derjenigen
Arten gehörig, deren Stirn vorn nicht gerandet und ohne Runzeln ist.
IVitidttlariae* Eine neue Gattung Peltastica wurde von
Mannerheim (Bull. d. Mose. 1852. n. 2.) in folgender Weise cha-
rakterisirt : Antennae clava triarticulata , articulo ultimo maiore , bre-
viter ovato ; oculi duo laterales globosi ; fron& apice truncata ; palpi
articulo ultimo subcylindrico , apice rotundato ; tibiae anticae muticae ;
tarsi quinque- articulati; abdomen segmentis quatuor anterioribus libe-
ris haud connatis ; corpus oblongum depressiusculum , thorace laleri-
bus late explanatis ßubvelatis , margine serralo , elytris subconvexis,
margine ante medium oblique explanato , serralo, humeris antrorsura
nonnihil productis. P. tuberculata V/^^—2 Lin. lang, neue Art aus
Sitiiha.
Von demselben wurden ausserdem ( a. a. 0.) Peltis Pip^
fing$höldiiy Epuraea ad umbrat a^ Rhizophagus scalpturatus
AUS Sitkba, und Gymnochila qu adrisignata (Bull. d. Mo8c.l852. n. IV,)
«US der Mongolei bekannt gemacht ; die letztere Art ist \om Verf. früher
für das Männchen der Leperina squamulosa Gebl, gehalten worden, sie
bietet aber, auch abgesehen davon, dass sie den Gattungscbarakler von
Gymnochila, nämlich vier Augen, besitzt, noch eiaige specifische Kenn-
zeichen dar.
Die Gattuug Meligethes erhielt einen Zuwachs durch drei neue,
von Miller bei Wien entdeckte und in den Verh. des zool.-bot» Ver-
eins in Wien I. S. 111. beschriebene Arten: M. flavicornis, L e-
pidii und Kh evenhülleri.
Plialacridesy rieue Arten sind: Fhalqcrm ma^inms F^ir-
of^olon!0?<!il 1- während des Jahrea 1852. 205
maire (Arm. d, 1. bog. ent. S. 77.) von Madrid; — OUbrus aene^
aeens und 0. discoideus Küster (Käf. Eur. XXV.) aus Sardinien;
-— Litochrus brunnipennis Maanerheim (Bull. d. Mose.) au«
Silkha.
Cucujides* Von Fairmaire wurde (Ann. d. 1. soc. ent.
d. Franc. S. 78.) eine neue Art Pediacusf costipennis au« Sicilien
beschrieben, welche die Mitle zwischen Pediacus und Laemophloeu^
hält , von der erstercn Gattung durch gerade , nicht gebuchtete Seiten
des Halsschildes, von der letztern durch den Mangel des Sfitenstreifes
auf dem Halsschilde und die Kürze der Fühlhörner abweicht.
Einen weiteren Zuwachs erhielt die Galtung Pediacua durch P.
subcarinalus .Mann er heim (Bull. d. Mose. 1852. n. II.) aus den
russischen Besitzungen des nordamerikanischen Continentea.
Cryptopfiagride«. Kraatz gab (Entom. Zeit. S. 227.) eine
Notiz über das Vorkommen des Cryptophagus haldensis Er. in Thürin-
gen und beschrieb zwei neue Arten dieser Gattung, Cr. quercinus
bei Berlin an Eichen in Gesellschaft der Formica fuliginosa entdeckt,
dem Cr. fumatus zunächst verwandt, und Cr. fas ciatus, an einem
schwärzlichen Querfleck der Flögeldecken leicht kenntlich, von Vene-
dig und Candia. ' ' ' '
Von Mäklin wurden Cryptophagus octodentatua^ Cr.lU"
berculosus, Atotnaria fuscicolli s und A. lepidula als n. A.
aus Silkha in Mannerheim's zweitem Nachtrag zur Käferfauna des rus-
rischen Nordamerika (Bull. d. Mose. 185!^. n. 11.) fiekannt gemacht. ,
Die Metamorphose des Cryptophagus dentalus hat Perris (Ann.
d. 1. soc. ent. S. 578.) ausführlich geschildert und durch Abbildungen
der früheren Stände, welche im Wesentlichen mit den bereits bekannt
gewordenen anderer Arten übereinstimmen, erläutert.
Ucrmestini. Dermestes ha emorrhoidalis wurde von
Küster (Köf. Eur. XXV.) als neue Art aus dem südlichen Frankreich
aufgestellt.
Der seltene Attagenus pantherinus Ahr. findet sich nach Fuss
(Mittheil, des Hermannst. Vereines S. 64.) in Siebenbürgen in den Ne-
stern einer Erdbiene, von deren todten Körpern er sich wahrscheinlich
nährt.
Byrrliii* Neue Arten sind: Morychus a cuminatusj <Stm>
plocaria nitida, Amphicyrta simplicipes Mann er heim (Bull,
d. Mose.) aus Silkha.
204 Schaum: Bericht fiber die Leigtungen in der Entomologie
Parniclae« Von LeConle linben wir eine Synopsis der
nordamerikaniscfien Parniden erhalten. (Proc. Philad. Acad. vol. VI.
S. 41.) Der Verf. hat hier die merkwürdige, bisher meist zu den Cy-
phonen gestellte Galtung Eurypalpus üej. mit dieser Familie verbun-
den und ist daher genölhigt gewesen , die von Erichson entworfene
Diagnose der letztern in folgender Weise abzuändern. „Antennae fron,
tales, non capitatae ; oculi rotundi ; mandibulae retractae ; coxae anli-
cae vel subcylindricae vel globosae , acetabulis e proslerno et meso-
thoracis episternis compositis; pedes ambulatorii, tarsi quinquearticu-
lati, cytindrici, art. unguiculari maximo , unguibus ralidis armato ; tro.
chanteres simplices; abdomen 5 — 7 articulatum, articulis anterioribus
immobilibus.« Der Hauptcharakter der Familie liegt, dem Verf. zu-
folge, in der Bildung der Fusse, welche die Käfer in den Stand setzt^
selbst in starken Wasserslrömungen sich fest an gewissen Gegenständen
zu halten. Da Eurypalpus diese Gigenlhumlichkeit besitzt, und da auch
die an einen Trilobiten erinnernde Larve (s. Jahresb. f. 1850. S. 49.)
eine sehr ausgesprochene Aehnlichkeit mit der Larve von Elmis zeigt,
so hat L. dieser Gattung, trotz der Zusammensetzung des Hinlerleibes
aus 7 Ringen, nur die Rechte einer eignen Gruppe, Eurypalpini, in
der Familie der Hamiden zuerkannt. Die Diagnose dieser Gruppe lau-
tet : Caput exserlum, ore inferno , labro distincto, inter antennas trans-
verse elevatum ; coxae anticae transversae, trochantino valde conspicuo ;
parapleurae appendiculatae; abdomen 7-articulatum. Die Gattung Em-
rypalpus wird dann noch naher durch gesägte Fühler, sehr lange
Maxillartaster mit beilförmigem Endgliede und sehr kurze Labialtaster
mit sehr kleinem pfriemenförmigen Endgliede charakterisirt. Sie ent-
hält nur die eine, hier zuerst beschriebene, Art Ei/r. L econlei Dej.,
welche in den mittleren Staaten der Union , ähnlich wie die Elmiden ,
in fliessendem Wasser vorkommt, aber sehr behende ist. — Die Gruppe
der Dryopini besteht aus der neuen Gattung Lara, welche auf
eine in Californicn entdeckte Art L. avara gegründet ist, und lange
einfache Fühler, wie Eurypalpus, aber einen fünfgliedrigen Hinterleib,
wie die übrigen Parniden, besitzt; Lutrochus Er. mit 1 n. A. luteus
n. sp. aus Texas; Pelonomus Er. , P. obscurus n. sp. aus den süd-
lichen Staaten; Helichus Er. mit 8 Arten, darunter H. striatus, ba-
salis, foveatus, suluralis und gilensis neu. — Die Gruppe
der El mini ist vertreten durch 2 neue Limnius {minutus und e/c-
gans); durch 2 Elmis (biviltalus n. sp. und quadrinolatus Say); 4
Stenelmis [sinuatus , b icarinatus , crenalus Say und pusillus) ;
2 Macronychus (von denen indessen der zweite dem Verf. unbekannte
M. lateralis Melsh. wohl mit dem ersten, Jtf. glabralus Say, identisch
ist) ; 1 Ancyronyx (yariegatus Germ.).
Oeoryssii. Eine am Pia« -River im Ncbreska Territory ent-
während des Jahres 1652« 205
deckte Art vou Georytsus hat Le Conle (Proc. Phiiad. Acad. vol. VI*
S. 44.) unter dem ?iaineu G. pusillus bekannt gemacht.
Heteroeeridae, L. Üufuur behauptet (Ann. d. 1. soc.
entom. de Franc. S. 453.) die Arten von Uelerocerus einer gründlichen
PruTung unterworfen und sich in Folge derselben überzeugt zu haben,
dass Grösse , Behaarung und Zeichnung in dieser Gattung vielfachen
Abänderungen unterliegen und nicht zur Begründung von Arten benutzt
werden können. Die von Kiesenwetter unterschiedenen und von Erich-
son angenommenen Species sind daher seiner Meinung nach einzuziehen,
und nur zwei, H. fossor Kiesw. (== parallelu» Gebl.) und H. marginalus
Fabr. (c. varr. laevigatus Panz., hispidulus Kiesw., fusculus Kiesw.) als
berechtigt anzusehen. Die Charakteristik der ersterea giebt D. in den
Worten „major, maris mandibulis desuper deute valido elevato - re-
flexo armatis," die des zweiten lautet „minor^ maris mandibulis incr«
mibus.t* Als Hauptunterschied ist also hier vom Verf. die Grösse her-
vorgehoben, die doch nach seiner eignen Behauptung keine specitische
Bedeutung haben soll ! Da es überdem klar ersichtlich ist , dass D.
weder die Kiesenwetter'sche Monographie noch die Erichson'schen Be-
schreibungen verglichen hat, so verdient die kleine Abhandlung wohl
nur als ein Curiosum Erwähnung.
Scarabaeides* West wood hat in den Trans. Ent. Soc. 11.
S. 59. einen ISachtrag zu seiner im Jahresber. f. 1845 von Erichson
analysirten Abhandlung über diejenigen Lamellicornien , welche un-
bedeckte Mandibeln und Überlippe mit zehngliedrigen Fühlhörnern ver*
binden, geliefert. „On ihe Lamellicorn beeiles , which possess exser«
ted mandibles and labrum and lU-joinled autennae; being a Supple-
ment to a memoir published in the fourlh volume of the Trans, of the
entom. Soc." Jn der Einleitung Iheilt der Verf. die von Erichson in
Vorschlag gebrachte Trennung der Scarabaeides inPleurosticti
und Laparosticti und die weitere Auflösung der Laparosticti in
sieben Gruppen mit, giebt aber dem Latreille'schen Systeme, welches
in dieser Familie zunächst die beiden Abiheilungen Scarabaeus und
Luc an US aufstellt, den Vorzug, und ist auch der Meinung, dass die
Verschiedenheit in der Zahl der Bauchsegmente nicht wichtig genug
sei, um, wie dies bei Erichson der Fall ist, für die weitere Einthei.
lung der Laparosticti einen llauplcharakler abgeben zu können. Ei-
neu entschiedenen Beweis von di^r ünnatürlichkeit dieser Einlheilung
findet W. darin, dass in Fulge derselben die Gattung Chaelodus unter
die durch fünf Bauchsegmenle charakterisirlen Trogidae gestellt
und somit weit von den aufs nächste verwandten Gattungen Silphodes
und Aplonychus entfernt werde , welche unter den mit sechs Bauch-
segmenten versebenen U y bosoriden ihren Platz finden. — Die INach«
Schanm: Bericht fiber die Leistungen fn der Entomologie
trSge des Verf. beziehen sich nur auf wenige Gatlungen. Von Oeho'
daeus sind zehn Arten hier aufgeführt und charakterisirt : O. chryso*
tnelinus Fabr., vier dem Verf. nur aus Beschreibungen bekannte, 0.
¥ttfus Guer., miliaris Klug, bitubercnlatus Er. und ferrugineus Eschsch.
und fünf neue, 0. lutescens und pictus aus ^ord^ndien , atneri»
tanus aus den Vereinigten Staaten, luridus aus Mexico und rttga-
tus aus ^'en- Granada ; von diesen ist indessen 0. americanns alier
Wahrscheinlichkeit nach der schon früher von Le Conte im Journ. of
the Acad. of Phil, beschriebene 0. obscurus (s. Jahresb. f. 1848.
S. 54.). In der hier von W. genau charakterisirlen Gattung Liparo-
chrus Er., werden drei neuhoMändische A. geminatus, fos sul atus
und sculp tilis unterschieden. Dann folgt die Beschreibung der Gat-
tung Glaresis Friw. und der einzigen Art, aus welcher dieselbe zur
Zeit besteht, und die hier den Kamen Gl. Friwaldshii erhält. An-
hangsweise wird noch die Gattung Eremazus Muls. (£. unistriatus)
nach den von Mulsanl mitgelheilten Angaben besprochen. Den Schluss
bildet die Bemerkung, dass Orphnus Verreauxii Reiche, Westw. =
Scarabaeus Corydon Oliv. (^Silenus Jabl.) ist, und die Beschreibung von
Triodonlus Otoas Reiche, einer n. A. aus Madagascar. Auf einer bei-
gegebenen Tafel sind die charakteristischen Theile der Gattungen Li-
parochrus und Glaresis und die meisten in der Abhandlung beschrieb
benen neuen Species dargestellt. Die Abbildungen haben etwas Rau-
hes, aber sonst die bekannten Vorzöge der West%vood'schen Zeichnungen.
Dyuastidae. — Küster gab (Käf. Eur. XXIV.) eine Ueber-
Sicht der europäischen Dynastiden und stellte Penlodon bispinosus
uls n. A. aus Sardinien auf.
Zwei neue sehr ausgezeichnete Species dieser Gruppe wurden
von Reiche in Guerin's Rev.etMag. d. Zool. 1852. S. 21. beschrie-
ben und Taf. I. abgebildet: Democralus Burmeisteri von Quito,
kleiner als D. Croesus Newm. mit schwarzem Kopf und Halsschild und
«erstreut punktirten Flügeldecken, undMegalosomaMarsdiUsdem tro-
pischen Südamerika, von der Grösse des M. Actaeon, demselben auch
in der Bewaffnung des männlichen Kopfes sehr ähnlich, aber mit glän-
zend pollrten Flügeldecken in beiden Geschlechtern.
Rutelidae. — Als neue Art ist zu erwähnen Cotalpa gra^
hicollis Haldeman (Stansbury's Report App. C.) vom grossen Salz-
see von Utah ; sie ist auf Taf. IX. abgebildet.
Cetonidae. — Mit einigen neuen Arten aus China ist diese
Gruppe von W. W. Saunders (Trans. Ent. Soc. II. S. Q5. pl. 3.) be-
reichert worden. „Characlers of undescribed Coleoptera brought from
China by R. Fortune." Die interessanteste derselben, welche hier in
den beiden ziemlich abweichenden Geschlechtern dargestellt ist, bildet
ein neues Subgenus Cosmiomorpha in der Gruppe des Uoliathideo,
wÄhrend de« Jahres 1852. 207
und weichl von Jumnos und Rhomborchina durch die schief abge&lnU-
tcn Ecken des unbewehrten Kopfschildes und durch die Bildung der
männlichen Vorderschienen ab; diese letzleren sind lang, schlank^
aussen mit 3 stumpfen Zähnen besetzt, innen zahnlos. Die Art ist
C. modesta benannt. Die Bndern sind: Rhomb^rrhina nigrOf B^l
Fortuneif Taeniodera ornata, Protaetia intricalOj Porphyronota
sinensisj die lelzle ist, wenn nicht identisch, doch sehr nahe ver-
wandt mit Anth racophora rusticola Burm. (Diplognatha rama
Bainbr.) aus Japan.
Euphoria Cernii Haldeman Stansb. Report App. C. S. 374.
Taf. IX. Fig. 10. ist eine neue Art aus dem westlichen Texas.
AI bers hat (Ent. Zeil. S. 46.) für Celonia graeca Brülle {qua^
drala Gor. et Perch.) die Bildung einer neuen Gattung Hetero cne-
tnis in Vorschlag gebracht, weil die genannte Art von Oxythyrea
Muls. (Leucocelis Burm.), wohin sie bisher gestellt wurde, durch lange,
unten dachförmig erhabene Oberlippe, sehr kurzen, zwischen den Hüf-
ten stark verengten , vorn schwach ausgerandeten MesosternaUortsati
und besonders durch die Verschiedenheit der beiden Geschlechter in
der Bildung der Beine abweicht. Di^ Vorderschienen des Männchens
sind nünilich zwei-, die des Weibchens dreizähnig, die Hinterschienen
des Männchens verdickt, am Ende nur mit einem Dorn versehen, die
Minterfüsse dieses Geschlechtes ohen lang gewimpert , das erste Glied
gekrümmt, das zweite bis vierte unten erweitert. Mir scheint es, das«
gesunde systematische Prinzipien nicht eine Vermehrung, sondern eine
Verminderung der bereits in d«r Cetonien-Gruppe aufgestellten Genera
erheischen.
Geotrupini. — Die Abhandlung von Westwood über die
australischen Arten der Gattung Bolbaceras ^ welche schon im Jahres-
berichte für 1848. S. 54. nach einem in den Ann. of nat. hist. mitge-
theilten Auszuge angezeigt wurde , ist jetzt vollständig in den Trans*
of the Linn. Soc. Vol. XXI. P. 1. erschienen. Den a. a. 0. schon er-
wähnten neuen Arten sind hier noch drei hinzugefügt: B. taurus,
rubescens und corniculalu s; die bereits von andern Schrift-
stellern beschriebenen sind nur mit ihren Synonymen namhaft ge-
macht. Im Ganzen sind gegenwärtig 16 Species aus Neuholland be-
kannt, von denen jedoch B. Kirbii Westw. , wie der Verf. in einer
Anmerkung jetzt selbst anerkennt, wohl nur Abänderung von B. pro-
boscideus M. Leay ist. Auf einer beigegebenen Tafel sind die mei-
sten neuen Arten abgebildet.
Auch die andere im Jahresber. f. 1848 schon erwähnte Abhand-
lung vonWestwood „Descriplions ofsomenewor iniperfectly known
species of Bolboceras^ liegt jetzt vollständig und durch eine Tafel mit
Abbildungen erläutert ebenfalls in den Trans, of the Linn. Soc. vol.
1H)8 Schaum: Bericht Ober die Leistungen in der Entomologie
XXI. P. I. vor. Zu den a. a. 0. verzeichneten Arten kommen hier
noch sieben neue aus Ostindien: B. subglo bosus, punclatissi^
muSf triangulutn j nigerrimus , plagiatus , posticalisj lae^
lus. Mit Bolb. {^Eucanlhus) Meliboeus i<abr. ist, wie sich W. nach-
träglich überzeugt hat, auch Scar. Laiarus Fabr. identisch.
Aube tand viele Exemplare von Bolboceras tnobüicornis in dem
Magen eines von einer Katze getödlcten Ziegenmelkers, und empfiehlt
deshalb, die Nacht zum bange dieses seltenen Katers zu benutzen.
Von Küster wurde (Käf. Eur. XXIV.) Geotrupes purpureus
von Oonstantinopel als neue mit vernalis verwandte Art aufgestellt.
Ein süddeutscher Entomolog (Graf Ferrarij hat in der Entom.
Zeit. S. 303. die drei von Erichson unterschiedenen Arten, Geotrupes
slercorarius , pulridarius und mutalor einer Kritik unterworfen und ist
dabei zu dem tiesuilate gelangt, dass entweder diese drei nur als her-
vorstechende Varietätenformen einer und derselben Art anzusehen sind,
oder dass mindestens noch zwei Arten abgetrennt werden müssen,
welche der Verf. hier mit dem Namen G. intermedius und int"
pressicollis belegt. Er selbst neigt sich übrigens der ersleren An-
sicht zu und findet ejne Bestätigung für dieselbe auch darin, dass man
den nicht unerheblichen Verschiedenheiten , welche Geolr, alpinus von
vernalis zeigt, und welche hier nochmals erörtert werden , keine spe-
cifische Bedeutung beizulegen pflegt.
(xodard hat dagegen durch die Untersuchung der männlichen
Copulationsorgane die Ueberzeugung gewonnen, dass nicht allein Geotru~
pes slercorarius , mutator und pulridarius wirklich verschiedene Arten
sind, sondern dass auch G. vernalis in drei Species, G. vernalis, aulum-
nalis Ziegl. und pyrenaeus Charp. aufzulösen ,st. Leider hat es der
Verf. unterlassen, die von ihm in der Bildung des Penis beobachteten
Unterschiede anzugeben. (Bull. d. 1. soc. entom. d. Franc).
Aphodiidae. — Eine Anzahl nordamerikanischer Arten die-
ser Gruppe ist von Halde man (Journ. Acad. n sc. Phil. L 103.)
aufgeführt und grösstenlheils beschrieben worden : Aphodius fimetarius
Linn. (nodifrons Randj , pinguis n. sp., concavus Say , laevigatus
n. sp., oblongus Say, {badipes Melsh.), denlioulatus n. sp., lutulen^
tvs Hald. , Melsh., corvinus n. sp. , alerrimus Melsh. {quadriluber»
culatus Fabr.), metallicus n. sp. , slercoralor Fabr., cur tu s n. sp.,
ruricola Melsh., slrigatus Say, spretus n. sp., spretulus n. sp. ,
Oxyomus abditus n. sp. , Rhyssemus sc ab er n.sp., Psammodius ae-
gialioides n. sp.
Mannerheim machte Aphodius sellatus und mongolicut
aus dem östlichen Sibirien bekannt (Bull. d. Mose. 1Ö52. u. IV.).
während des Jahres 1851 •a»fl*il»' 209
Ammoecius Levaillanti , aus Algier, von Godart Ann. d. I.
soc. Linn. de i,yon S, 297. beschrieben, ist nach Reiche Bull. d. 1.
80C. cot. S. LVIII. = A. rugifrons Aube.
Orphnidae. — Der Gallung Geobius wurde von Fairmaire
(Ann. d. 1. soc. entern. S. 84.) eine neue Art, G. tin gitanus aus
Tanger, hinzugefügt, deren Alännchen sich von dem bekannten G. dor-
cas Fabr. durch die Bildung des Vordertheils des Frothorax bestimmt
unterscheiden soll; derselbe ist nämlich mit einem ziemlich starken fast
glatten Quereindrurke versehen, welcher am oberen Rande eine kurze,
von erhabenen Rändern eingefassle Längsfurche und in der Mitte des
untern Randes einen kleinen Höcker besitzt.
Trogidae. — Eine neue Art ist Trox gr anulipennis Fair-
tnaire (Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc. S. 83.) von Tanger, er ähnelt
in der Sculptur dem 1. morlicinii, ist aber kleiner, die Höcker sind
weniger abgeplattet, die Streifen deutlicher u. s. w.
Lucanidae. — Mit zwei bemerkenswerthen neuen Arten der
Gattung Anaplocnemus Hope wurde diese Gruppe von Reiche (Guer.
Rev. et Mag. d. Zool. S. 23. pl. I. Fig. 3. u. 4.) bereichert: A, De-
jeanii, unbekannten Vaterlandes, stimmt mit A. bicolor Ol. in der
Krümmung der Vorderschienen und in der Abwesenheit seitlicher Zähne
und Ausrandungen am Halsschilde überein , ist aber einfarbig braun-
schwarz; A. La f er t ei aus ^euholiand weicht durch freie Augen,
gerade Mandibeln und etwas auch durch die Bildung des Halsschildes
vom Gattungstypus ab. Die Weibchen beider Arten sind noch un-
bekannt.
Passalidae. — Ein von F. Smith verfasster Katalog der
Arten von Passalus ist vom brittischen Museum 1852 herausgegeben
worden , mir aber noch nicht zugegangen. Er enthält auch die Be-
schreibungen einiger neuen Species.
Rupresiides. Mannerheini bemerkte (Bull. d. Mose. 1852.
n. IV.) , dass der Gattungsname Poecilonola an die Stelle des jetzt
gangbaren Lampra treten müsse , indem er von Eschschollz den Ar-
ten der letzteren Gruppe und nicht den brasilianischen , welche von
Solier , Laporle und Dejean mit jenem Kamen bezeichnet werden,
beigelegt worden sei. Mannerheini gab sodann ausführliche Beschrei-
bungen der dahin gehörigen Species , deren er fünf unterschei-
det: die echte P. limbala Gebl., P, pretiosa und nobilissimaf
iwei sehr schöne neue Arten, alle drei von Kiachta in der Mon-
golei , P. dccipiens Dej. (limbala Mannh. , Gor. et Lap.) von Sarepta,
and P. rutilans Fabr. ; die beiden letzten sind bisher nicht gehörig
geschieden worden , indessen weicht P. decipiens (welche auch über
Archiv, f. Naturgescb. XIX. Jahrg. 2. Bd. Q
210 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Kleinasien und einen grösseren Theil von Europa verbreitet ist) nicht
allein durch zahlreichere glalte Fleclte des Halsschildes und der Flu-
geldecken , sondern auch durch die Form und Sculptur dieser Theile
ab ; das Halsschild ist seitlich vor der Mille nach vorn verengt, hinler
der Alitte leicht ausgebuchtet, hat keinen gekerbten Rand, eine sehr
dicht punklirte Rückenfläche und unpunktirle Eindrücke , die Flügel,
decken sind schmäler, weniger gewölbt , am Rande deutlicher gesägt
und an der Spitze schärfer gezähnelt. — Ausserdem wurden von Man-
nerheim (a. a. 0.) drei neue Arten \on SphenopterOf S. insidio sa,
laticollis und egena bekannt gemacht, welche sämmllich bei
Kiachta in Ostsibirien von PopofF entdeckt sind.
Als neue Arten sind ferner aufgestellt:
von Küster ( Käf. Eur.): Anthaxia Hanahii aus der Türkei
(eine Abänderung der aurulenta, welche schon Schrank als 13. se-
niculus beschrieben hat) ; A. semicuprea aus dem südlichen Deutsch-
land, A. variipennis aus Dalmatien , A. granulata aus Oberita-
lien, A. angulicollis aus Deutschland, A. angulata aus dem süd-
lichen Europa, A. aeneiventris von Gerona in Spanien (Heft XXlll.);
A. lucens aus Dalmatien, Cratomerus Sitla Stev. und C. adoxus
aus dem südöstlichen Russland, Coraebus robustus aus Südrussland,
C. parvulus von Orenburg, C. chalybaeus aus Griechenland;
von Fairmaire (Ann. d. I. soc. ent. S. 79.) : Trachys Pan-
dellei aus den Pyrenäen, mit grauen nebligen Querbinden der Flu«
geldecken ;
von Le Conte (Proc. Phil. Acad. Vol. VI. S. 67.) : Acmaeodera
variegala und Dicerca Woodhousii aus dem Alissouri-Territory ;
von Murray (ebenda S. 283. Taf. 4. N. 1.): Sligmodera cruen-
tata von Adelaide und Temognatha tri fasciata von King-Georges-
Sound in rjeuholland.
Jacquelin - Duval und Lareynie gaben (Ann. d. 1. soc.
ent. S. 727.) eine neue Beschreibung der Trachys pumila 111., mit wel-
cher sie Tr. inlermedia Lap. et Gor. verbinden, während sie in Tr.
pumila Lap. et Gor. nur eine dunkle Abänderung der Tr. pygmaea er.
blicket.
ICncnemides. Le Conte hat in den Proceed. of the Acad.
of natur. sc. of Phil, Vol. VI. S. 45. eine Synopsis der Eucnemiden
des gemässigten ?iord-Amerika geliefert und dort die Ansicht entwik-
kelt, dass diese Insecten nicht eine besondere Familie, sondern nur
eine Gruppe der Elateriden zu bilden hallen , indem sie den wesentli.
eben Charakter der letzteren, die freie Gliederung des Pro- und Me-
sothorax, wenn auch in geringerem Grade, besässen. Der Verf. hat
aber auf die früheren Stände keine Rücksicht genommen, welche, we-
während des Jalires 1852. 211
nigstens so weit sie bis Jelzt bekannt sind , mit denen der Elateren
r*lichts gemein haben und die Errichtung einer eignen Familie nöthig
machen. Die Unterschiede der Eucnemidcn - Gruppe von den übrigen
Elateren setzt L. mit Recht in das vor den Augen erweiterte Hopr.
»child, in die verborgene Oberlippe, in den stark geneigten Kopf und
in das vorn nicht gelappte Prosternum. Die Gruppe ist in ?(ord.Ame.
rika durch 12 Gattungen vertreten , welche in folgender Weise vom
Verf gruppirt werden : A. Tarsi non laminiferi. a. Thorax marginatus,
subtu3 non sulcalus. 1. Palpi tenues, art. ultimo vix crassiorc. f pe-
des forliter compressi. Meiosis Oliv. (Jlf. pectinicornis Melsh.). — f -J:
pedes tenues. Tharops Lap. {ruficornis Say und obliquus Say). — 2.
Falpi arliculo ultimo dilatato. — a. Caput sub oculis non sulcatum.
— •}• Laminae tectrices magnae, intus sensim dilatatae. E ur yptychus
nov. gen. vom Aussehen eines Ampedus , {heterocerus Say). — f f
Laminae tectrices intus subsubito dilatatae. — * tarsi articulo quarto
simplici. Epiphanis Eschsch. (^cristalus n. sp. von Neu -York, ca-
naliculalus n. sp. aus Pensylvanieii , und cornulus Eschsch. von
Sitkha). — * • tarsi articulo quarto subtus breviter lobato. Emalhion
Lap. [atropos Say und p enetrans n. sp. aus Georgien). — f f f
I.aminac tectrices intus quadrangulariter dilatatae. Anelastes Kirby [A.
Drurii Kirb. = Silenus brunneus Latr , und A. Latreillei n. sp. aus
Californien). — ß. Caput sub oculis valde sulcatum. Laminae tectri-
ces angustae. Hylochares Latr. (nigricornis Say). — b. Thorax margi.
natus, subtus ad lalera sulcatus. — f Anlennae tenues, articulo terlio
sequentibus longiore. Fornax Lap, {hicolor Melsh., badius Älelsh., cy-
lindricolUs Say und strialus n. sp. aus Georgia). — ff Antennae
tenues, articulo tertio non longiore. Jsarthrus n. gen. (/. spre»
tus n. sp. vom Obersee). — t t i Antennae valde serralae vel pe-
ctinatae. Eucnemis Ahr. {clypealus Say, amoenicornis Say). — c. Tho-
rax margine interrupto , vel medio obsolelo ; sulci antennales ad pro-
sterni marginem sili. Microrhagus Eschsch. {M. imperfeclus n. sp.
von Weu-York, subsinuatus n. sp. aus Georgia, triangularis Say,
humeralis Say) — ß. Tarsi subtus laminiferi, sulci antennales laterales.
Galba Eschsch. {ßavicornis Guer.). Die bereits bekannten Arten hat
der Verfasser nur namhaft gemacht, die neuen kurz beschrieben. Am
Schlüsse sind 3 von Say und 1 von Melsheimer aufgestellte Species
angeführt, welche dem Verf. unbekannt und deren Gatlungsbestimmuu-
gen zweifelhaft geblieben sind.
Eine neue bei Wien und in Galizicn aufgefundene Art von MU
crorhagus wurde von CK H a m p e (Verh. des zool.-bot. Ver. in WienJfe
S. 160.) unter dem Namen M. longicornis beschrieben.
Elaterides« Als neue Arten sind beschrieben :
von Küster (Käf. Eur. XXIII.) : Cralonychus trislis von Dal-
212 Schanm: Bericht fiber die Leistungen in der Entomologie
matien , C. cinerascens von Callaro, C. fascicularis aus der
Türkei;
von Le Conte (Proc. Philad. Aead. vol. VI. S. 68.) : PrisUlo^
phus puncticollis aus dem Wissouri-Territory ;
von Chevroiat (Rev. et Mag. d. Zool. S. 378.): Elaler {Dia-
canthus) Racinei von Terre neuve ;
von AI anner heim: Cryplohypnus limbatuSf Corymhiles spe^
ctabilis, DoJopius sellatus aus dem russr^chen Kordamerika und
zwar, mit Ausnalime des ersten, aus Sitkiia. (Bull. d. Mose. 1852. n. II.).
— Corymbites Pippingsk oeldiif Diacanlhus spretus, D. pun~
ctatissimuSf D. laevicolliSf D. nigrita, D. singularis, Am.
pedus basaliSf Älhons dauricus, A. Sedahovii aus dem östlichen
Sibirien (ebenda n. III.).
Mannerheim wies in der Entom. Zeit. S. 237. nach, dass
Elaler uslulatus P&yk. aus der Reihe der selbslsländigen Arten zu strei.
chen ist^ indem das Originalexemplar der Stammart ein aus zwei he.
terogcnen Theilen, einem Vorderlheile eines Cardiophorus rvßpes und
einem Hinterlheile eines Corymbiies castaneus zusammengeleimt ist,
und das Original der von Paykull beschriebenen Varietät ß der Abän-
derung des Diacanlhus cinclus mit gelben Flügeldecken angehört.
Lucas hat (Ann. d. la sog. entom. de Franc. S. 261— 274.)
die bisher bekannt gemachten Beobachtungen über die 3Ietamorphosen
der Elateriden sorgfältig zusammengestellt und die Larve des Agryp-^
nus atomarius ausführlich beschrieben. Das letzte Hinterleibssegment
der letztern endigt mit einer hornigen, stark aufgebogenen Platte, wel-
che hinten tief ausgerandel und an jeder Seite mit sieben Dornen be-
setzt ist ; der Analtheil dieses Segmentes trägt zwei hakenförmige
Nacbschieber. L. hat djese Larve auf Tafel 4. N. II. abbilden lassen.
5t^ß^ rDie Larve des Limonius brucleri wurde vonGiraud bei Gastein
unter Moos, welches Steine überzog, entdeckt, und ist von ihm in den
Verb, des zool. -bot. Vereins I. S. 97. beschrieben.
Cebrionites« Als neue Art ist zu erwähnen: Cebrio May-^
ses Fairmaire (Ann. d. 1. soc. ent. de Franc. S. 82.) von Lissabon.
Rliipiceridcsi. Die interessante Gattung Sandalm wurde von
Fairmaire (Ann. d. 1. soc. entom. S. 693. pl. 11. N.V.) mit einer
neuen Art, Sand, Sichelii, bereichert, welche angeblich in Brasilien
einheimisch und zur Zeit nur im männlichen Geschlcchte bekannt ist.
liycides. Homalisus Vicloris neue im Dept. des basses Alpes
entdeckte Art ist von Mulsant in den Ann. d. 1. soc. Linn. de Lyon
S, 60. bekannt gemacht worden , sie hat blutrothe Flügeldecken und
i
'■ ''' während des Jahres 1852. 213
scheint mit H. sangninipennis Kost, viel Aehnlichkeit zu haben, sich
aber durch kürzere Fühler mit schwarzer Haarbekleidung und durch
die Farbe des Halsschildes, welches in der Mitte braun, an den Rän-
dern roth ist, zu unterscheiden.
Ijampyrides. Eine neue mit Phengodes verwandte Gattung,
welche durch ihre sehr kurzen Flügeldecken und sehr lange Mittel -
und Hinlerfüsse ausgezeichnet ist, wurde von Spinola unter dem
Namen Boeoscelis Osculati aurgcstellt. (Osculati's Reise an die
Ufer des Amazonen- und Napo-Flusses). Mir ist die Beschreibung nur
durch eine Anzeige in Guerin^s Rev et Mag. d. Zool. 1851. S. 613.
bekannt geworden.
Telepliorides« Mannerheim beschrieb (Bull. d. Mose. 1852
n. IV.) Canlharis daurica Dej. und Silis sexdentata aus dem öst*
liehen Sibirien.
Eine klassische Monographie der Mallhinen hat v. Kies enwet«
ter in der Linn. entom. Bd. Yll. S. 239—324. erscheinen lassen. Die
sehr genauen Untersuchungen des Verf. haben einen überraschenden
Reichtbum neuer Arten, selbst unter den deutschen Malthinen, zu Tage
gefördert, welche grossentheils durch die Bildung der bisher gar nicht
in Betracht gezogenen äusseren Copulationsorgane der Männchen scharf
unterschieden sind. Die hier behandelten Formen bilden vier Gattun.
gen, welche von einander in der Gestalt der Taster, Bildung der Klauen
und der Mandibeln abweichen: A. Palporum omnium articulus tertius
securirormis. a. Unguiculi simplices. l. Lobelus n. gen. auf L.
torticolliSf eine neue durch die Fählerbildung und stark abgekürzte
Flögeldecken ausgezeichnete Art aus Columbien, gegründet, b. Ungui-
culi basi dentali. 2. Lygerus n. Galt. (M. lalipennis Germ, aus Nord-
Amerika), welche indessen bereits im vorigen Jahre von Le Conte
unter dem Namen Trypherus aufgestellt ist. B. Palporum art. ter-
tius ovatus, apice acuminatus. a. Mandibulae intus valide unidentatne.
3. Mallhinus mit 14 europäischen und mediterranischen Arten, von de-
nen 8 neu sind. b. Mandibulae simplices. Maltho des n. gen. mit
38 europäischen Arten, darunter 32 von K. zuerst aufgeslellle. Sechs
von früheren Autoren beschriebene Arren hat der Verf. nicht kennen
gelernt. Auf zwei vortrefflich ausgeführten Tafeln sind Repräsentan-
ten der vier Genera und die letzten, oft höchst abentheuerlich gestal-
teten männlichen Hinterleibssegmente der meisten Arten von MaUho»
des dargestellt.
Iflelyrides* In dem „Catalogue of the Melyrides of the Uni-
ted States, with descriptions of new species«, welchen Le Conte in
den Procfied, Philad» Acad. vol^ VI. S. 163. mitgetheilt hat, sind die in
214 Schaum: Bericht über die Leislung^en in der Entomologie
Erichson's Monographie der Malachier beschriebenen Arten nur nam-
haft gemacht, die neuen dagegen durch Diagnosen und meist auch
durch kurze Beschreibungen charakterisirt. Aufgeführt sind in der
Gruppe der M alachier: 12 Collops, darunter C. marginicollisj
cribrosus , m arginellus aus Californien, punctatus, cori'
fluens und punclulalus aus dem Missouri -Territory neu; 3 Ma-
lachius, nämlich der aus Europa eingeführte M. aeneus , M. auritus
n. sp. und longiceps n. sp. aus Californien; 14 Anthocomus von
denen A. lateralis aus Pennsylvanien, A. cinclus, difficilis,
lohatus und basalis aus Californien neu sind; 7 Ebaeus ^ darunter
4 neue: JE. morulus aus dem Missouri -Territory, bicolor und ob-
liius aus den südlichen Staaten, submarginalus aus Californien;
Acletus nov. gen. „antennis 11-articulatis, maris pectinatis ; clypeo
brevissimo, indistincto ; labro parvo, transverso, brevi, palpis max. bre-
vibus, articulo 4lo apice acuminato, tarsis anlicis maris articulo primo
inferno, secundo obliquo ;" fast vom Aussehen eines Mailhinus, aber
mit längeren Flägeldecken. A. nigrellus n, sp. aus Californien;
Microlipus nov. gen. „antennis 11-articulatis, elongalis subserratis,
palpis max. brevibus , crassis , articulo quarto conico, labro quadrato,
apice subrolundato, clypeo brevi, coriaceo , tarsis anticis arliculis qua-
tubr subtus brevjter lobatis." M. laticeps n. sp. aus Californien;
Atelestus'Z n^K, 2tüs Californien: A. basalis, abdominalis und
collaris. — Die Gruppe der Dasytinen enthält eine beschriebene
und 18 neue Arten von Dasyles , welche mit Ausnahme der drei letz-
ten in Californien einheimisch und in folgender Weise angeordnet sind:
A. ungues omnes appendiculati. a. thorace transverso, marginibus in-
tegris : D. fuscus, sutur alis . co nformisy sordidus, griseuSf
brevicorni s, squaliduSf aenescens. b. thorace elongato, mar-
ginibus integris. J). c onstrictus. c. thorace lateribus serrulatis.
D. canescens M^nnh., ro tun dicollis, difficilis, senilis, o6-
scurellus , luleipes, pusillu s , erylhropus (aus Neu -Mexico).
B. Ungues non appendiculati. D. basalis und crib ratus (aus den
allantischen Slaaten). — D. parvicoUis und laticollis Mannh. aus Cali-
fornien sind dem Verf. nicht in natura bekannt geworden.
ii'Xiä^^Zwei neue südfranzösische Arten von Colotes machte Jacque-
Itn-Duval (Ann. d. 1. soc. ent. S. 706 ff.) unter den Kamen C. J<i-
veti und C. rubripes bekannt, da die erstere dem C. nigripen-
nis Küst., welcher mit Charopus punctatus Er. identisch ist, sehr nahe
stehen soll, könnte sie vielleicht ebenfalls in die Gattung Charopus
gehören.
Giraud beschrieb Verh. des zool.-bot. Ver. in Wien I, S. 131.
Ebaeus alpinus n. A. von Gasleio.
Dasyies erythr omelas aud. Sizilien und D. coarulesccns
'^*^^"**' während des Jahres 1852. 215
aas Sardinien sind von Kflster (Käf. Eur. XXIV.) als n. A. anfgestcllt
worden.
Perris hat die früheren Stände des Malachius aeneus genau
beschrieben und bildlich dargestellt (Ann. d. I. soc. entom. S. 591.
pl. 14.). Er fand die Larven in dem Stroh der Bedachungen von
Schaafställen, sie nähren sich nach Art der Telephorus- Larven von
andern Larven und sind sehr gefrässig. Die Charaktere derselben
sind bereits in das 1853 erschienene NVeik über Käferlarven von Cha.
puis und Candeze aufgenommen und können daher hier übergangen
werden.
Ptiniore«» Drei neue südfranzösische Arten dieser Familie:
Ptinus Duvalif Xyletinus rufithorax und X. subrotundatun
wurden von Lareynie (ßull. d* 1. soc. ent. S. XC.) vorläufig durch
Diagnosen charakterisirt.
Giraud beschrieb die verschiedenen Stände von Dorcalotna ru^
bens (in den Yerh. des zool.-bot. Vereins in Wien L S. 14); die Ver-
wandlung ging in einer faulenden Eichenwurzel vor sich.
Cisidae. Pieue Arten sind: Cis tridentatus, C. biarma"
tus, C. americanus Mannerheim (Bull. d. Mose. 1852. n. II.)
„.., , ^ mss .A .1« . • '
aus Silkha. .. ,
^>i t-'i,
liAtliridii. Mannerheim beschrieb (Bull. d. Mose. 1852.
n. II.) Curticaria trisignata, C. spinulosa und Lalhridius sobri^
nus als n. A. aus Sitkha.
Von Perris wurde die Metamorphose des Lathridius minutus
Linn. und der Corlicaria pubescens 111. geschildert und durch Abbildungen
erläulerl. (Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc. S. 581. pL 14). Die Be-
schreibung der Larven , welche in dem Stroh der Bedachungen der
Viehställe angetroffen wurden, weicht in mancher Beziehung von den
Angaben früherer Beobachter ab. An der Stelle horniger Mandibeln
fand P. zwei fleischige gegen einander bewegliche Körper , welche
zwischen den Maxillen liegen (!) , aussen einige lange Haare tra-
gen und an der Spitze mit zwei kleinen hornigen Zähnen versehen
sind. Unter einander sind die Larven beider Arten nur sehr wenig
verschieden, sie nähren sich nach der Ansicht des Verf. von crypto-
gamischen Bildungen oder von den Excrementen und Ueberresten an-
derer Insecteo, in deren Gesellschaft sie vorkommen.
Tenebrionites. Als neue Arten sind aufzuführen:
Eleodes cognata und Nyclobales {Iphlhinus) intermedia
Hai dem an (Stansb. Rep. App. C.) , die erste vom Salzsee von Utah,
die zweite aus dem wedtlicheu Texas.
216 Schaam: Bericht ober die Leistungen in der Entomologie
Eleodes sulcata Le Conte (Proc. Philad. Acad. Vol. V1.S.67.)
aus dem Missouri. Territory.
Crypticus adspersus und helvolus, jener aus dem südlichen
Spanien, dieser aus Sicilien, Phaleria haemisph aerica Dej. aus dem
südlichen Frankreich, Ph, acuminat a aus Sardinien, Ph. oblonga
aus Spanien, Cislela flava und C icferopa aus der Schweiz, sämmt-
lich von Küster (Käf. Eur.) beschrieben.
Omopklus alpin US Miller (Verh. des zool.-bol. Ver. in Wien I,
S. 112.) vom Schneeberg im Erzherzogthum Oestreich.
Stenotrachelus o bscurus Manner heim (Bull. d. Mose. 1852.
n. II.) aus dem russischen Nordamerika.
Von Haldeman (Journ. Ac. nat. sc. Philad. I. S. 101.) sind
die nordamerikanischen Arten von Plalydetna zusammengestellt und
fünf neue beschrieben worden : PL elliptica Fabr., flavipes F., rußten-
tris Lap., basalis n. sp. , analis n. sp., laevipes n. sp., laevis
n. sp., ruficoUis Lap. (sanguinicoUis Melsh.) , rufa Melsh. , picipes Say,
picilabrum Melsh., subcostala Lap, clypeata n. sp. , excavala Say,
cyanescens Lap., erythrocera Lap., bifasciala Say. Unbekannt sind dena
Verf. americana Lap., polita Lap. , pallens Lap., quadrimaculala Lap.,
cyanea Lap.
Mannerheini bemerkte (Bull. d. Mose. 1852. n. IL), dass die
von ihm im J. 1843 errichtete und irrig zu den Uelopiern gestellte
Gattung Eucyphus mit der zur Familie der Byrrhcn gehörigen Gattung
Amphicyrta Eschsch. zusammenfällt und E. hybosoroides Mannh. der
Art nach mit A. dentipes Eschsch. identisch ist.
Die Verwandlungsgeschichte von Blaps producta Dej. und Bl.
fatidica Sturm wurde von Perris (Ann. d. 1. soc. ent. d. Franc. 603.
pl. 15. N. III.) geschildert und durch Abbildungen erläutert. Die Lar-
ven haben eine sehr grosse Aehnlicbkeit mit denen von Tenebrio, sind
übrigens auch schon anderweitig bekannt geworden.
Jflelandryadae« Haldeman hat (Journ. of Acad. nat. sc.
Vol. I. S. 97.) folgende nordamerikanische Arten dieser Familie aufge-
führt: Melandrya striata Say (cos/afrt Dej.), M. labiata SdLy [americana
Dej.), M. excavala n. sp. aus dem Staate Neu -York, Orchesia gra-
cilis Melsh.; Dircaea quadrimaculala Say (americana Dej.), D. seri-
cea n. sp., Serropalpus su bstrialus n. sp. und obso lelus n. sp.,
Phaiona n. gen. mit einer Art, welche der Verf. als Sleropes mu-
rinus Dej., Melandrya umbrina Melsh. bezeichnet, Hallomenus luri-
dus n. sp. vielleicht nicht vom folgenden unterschieden, IL scapularis
Melsh, U. niger n. sp. , //. quadripustulosus Melsh.; Calasia nov.
gen. auf Orchesia sericea Melsh. gegründet, Scraptia lutea n. sp.,
biimpressa n. sp., pallipes Üiehh.^ ?.»5c.r»??.*^f^ .^.?J*^''i^P > r*^^'-?**
I
während des Jahres 1852. 217
D. sp., flavicollis n. sp. , f)usilla n. sp. Die neuen Arien sind
kurz beschrieben, die zwei Gallungen in folgender Weise charaklerisirt:
Pha%ona\ mit Melandrya verwandt. Körper hehaarl, ziemlich
schlank, an beiden Enden zugespitzt, Maxiliarlasler schlank , die (ilie-
der verkehrlkegelförmig, das letzte schwach bciliörmig, die Augen mit
kurzen Maaren zwischen den Facetlen, der rrothorax verschmälert sich
nach vorn und ist an der Spitze abgestutzt, die Basis jederseils schwach
ausgerandet, das Schildchen klein und rund, die Flügeldecken gegen
die Spitze verschmälert, ßeine schlank, Schienen mit zwei Dornen,
Füsse einfach. (Die vom Verf. erwähnte aber nicht charakterisirto
Art ist wohl nicht Steropes murinus Dej., indem der letztere mit Dir-
caea murina Fabr. identisch ist und zur Gattung Macrarlhrict Piewra.
gehört).
Calasia-j vom Aussehen einer Orchesia, Kopf frei, erstes Fuh-
lerglied verkehrt kegelförmig, an der ßasis eingeschnürt, 2. und 3.
kurz und schmal, zusammen etwas länger als das erste und fünfte, welche
beide vom 4. an Länge übertroffen werden; alle diese (ilieder verkehrt
kegelförmig, Alaxiliar- und Labiaitaster mit stark beilförmigcm End-
gliede, Protborax kurz, vorn stumpf gerundet , hinten so breit wie die
Flügeldecken, Füsse (tarsi I) mit 2 kurzen Dornen.
Die Gattung Dircaea wurde noch mit zwei neuen Arten vermehrt,
von Perris (Ann. d. 1. soc. Linn. de Lyon S. 188.) mit D. undala
aus dem Dept. des Landes ; — von Alannerheim (Bull. d. Mose. 1852.
n. 11.) mit D. Holmbergii aus Sitkha.
Pyrocliroites. Mannerheim bereicherte (Bull. d. Mose.
1852. n. H.) die Gattung Pogonocerus mit einer neuen in Sitkha ent.
deckten Art, P. eph etneroid es Men^tr, — die Gattung Pyrochroa
mit zwei neuen ostsibirischen Species , P. fusctcollis Dej. und P,
cardinalis.
lllorclellonae« Neue Arten sind :
Mordella Gacognii Mulsant (Ann. d. 1. soc, Linn. d. Lyon
1850—52. S. 49-51.) 3'/4— 4 Lin. lang, von Lyon.
Anaspis flavip ennis Haldeman (Journ. Acad. n. sc. Philad.
L S. 100.) vom Übersee.
Myodes sc ab er LeConte (Proc. Phil. Acad. vol. Vf. S. 67.)
aus dem Missouri-Territory.
' IVeloides. Haldeman beschrieb in Slansbury's Report App.
C: Horia Slansburii, Mcloe p arvus und H enous techanus. Die
neue Gattung H enous Hald. wird in folgender Weise charaklerisirt:
Gestalt von Epicaula , die Flugeidecken abgekürzt, verwachsen und
St8 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
einzeln stumpf gerundet; Prothorax lialbliuglig, vorn verlängert; Hinterleib
oben in der Mitte lederarlig , an den Seiten häutig , beim Weibchen
angeschwollen; Fühler borslenförmig , das dritte Glied am längsten,
das drille big sechste beim Männchen schwach erweitert und zusam-
mengedrückt. Klauen gespalten. Die Art H. techanus ist auf Taf. IX.
Fig. 12—14. abgebildet.
Mylabris decora Friw. aus der Türkei wurde von Küster
(Käf. Eur. XXIV. 85.) als n. A. beschrieben.
Ferner ist als n. A. Meloe strigulosus Mannerheim (Bull.
d. Mose. 1852. n. 11.) von der Insel Kodiak und aus dem nördlichen
Californien zu erwähnen. t
F. Smith („Note on the Pediculus Meliltae Kirby« in den Trans.
epit. Soc. I. S. 4.) hat wieder Bedenken dagegen erhoben , dass Pedi-
culus Meliltae die junge Larve von Meloe ist. S. hat nämlich Stücke
dj^^selben auf Exemplaren der Anlhophora Haworthana, welche sich
^^Jn ihren Zellen befanden, beobachtet, und glaubt daraus den
Scbluss ziehen zu müssen, dass er ein vollkommenes Insect sei. Frisch
eingeschleppte Larven könnten es nicht sein, da die Bienen ihre Zel-
len noch nicht verlassen hatten ; wären sie aber mit der vorhergehen-
den Generation der Anthophora eingedrungen, so würden sie sich,
wenn es Larven gewesen wären, ohne Zweifel , nach Art der Parasi-
ten, gleichzeitig mit den jungen Bienenlarven weiter entwickelt ha-
ben. Mir scheint dieses Raisonnement gegen die positive, von verschie-
denen glaubwürdigen Naturforschern mitgelheilte Beobachtung, dass
Pediculus Alelittae aus den Eiern von Meloe ausgeschlüpft ist, Nichts
zu beweisen.
Antliicides. Die von Le Conte in den Proceed. Philad.
Acad. Vol. VI. S. 91. mitgetheilte „Synopsis of the Anthicites of the
United States« liefert einen sehr bedeutenden Nachtrag zu der im Jah-
resber. f. 1849 angezeigten Monographie dieser Familie von Laferte,
indem die Zahl der nordamerikanischen Arten hier fast um das Dop-
pelte vermehrt erscheint. Es sind dem Verf. nämlich 56 aus eigener
Anschauung bekannt , welche durch Diagnosen , so weit sie neu sind
auch durch ausführliche Beschreibungen, bezeichnet werden, nämlich:
lÖ Notoxus y 2 Tomoderusy 2 Formicomus , 40 Änlhicus j 2 Tanathrus;
dazu kommen noch 13 von Laferte beschriebene (3 Notoxus, 10 An-
thicus). Da jedoch viele von Lee. schon früher bekannt gemacht sind,
so beschränkt sich die Zahl der hier zuerst aufgestellten, meist in den
atlantischen Staaten entdeckten auf 12: Notoanis apicalis, margi-
natuSf subtilis, Formicomus scilulus, Anthicus rejectus f cri~
hratusy confususy fl avicans, Haldemani (4 guttatus Hald.),
lalebrans , spretusy coracinus. Formicomus Laf. wird von Lee.
nicht ab besondere Gallungj gondern nur als Gruppe von Anthicus an-
wahrend des Jahres 1852. 219
erkannt; mit derselben \vird hier die im vorigen Jahresberichte er-
wähnte Galtung FormiciUa Lee. als zweite Art ( F. mundus ) ver-
bunden, indem die Angabe der fadenförmigen Füsse , wie L. nach-
träglich erkannt hat , auf einem Beobachtungsfehler beruht. «»
Von der Gattung Tanarlhrus iheilt der Verfasser eine eniendirte Dia-
gnose mit „antennae in fronte insertae , sub 12 - articulatae, articulo
llmo elongato, quasi diviso, intermediis turbinatis; tarsi sirliculis cy-
lindricis, quarto minore nou bilobato, elylra depressa, apice truncata,
abdomine breviora ; corpus depressum , capite magno , oculis parvis,
palpis articulo ultimo triangulari, angusto, tibiis Omnibus apice longiuf
bicalcaralis." Ausser der typischen Art 7. salinus , auf welche die
Gattung ursprünglich gegründet wurde, (s. vor. Jahresber. S. 81.) ge-
hört zu derselben auch der von Lee. früher als Anthicus alulaceus beschrie-
bene Käfer. — In den einleitenden Worten der Synopsis beschäftigt sich
der Verf. auch mit den Verwandtschaften und der Charakteristik der
Familie als solcher. Eine Verwandtschaft der Anthiciden mit den
Scydmaenen vermag er nicht anzuerkennen , indem, selbst abgesehcrf
von der Verschiedenheit der Taster und der Insertion der Fühler, däi
Frosternum bei Scydmaenus von den umgeschlagenen Seilen des Pro-
thorax ganz getrennt, bei Anlhicus mit denselben völlig verschmölzet
ist. üie nächsten Verwandten sieht L. vielmehr in den PyrochroideH"
und findet den hauptsächlichen Unterschied in der Gestall der Para-
pleuren, welche bei Anthicus dreieckig , bei ben Pyrochroen parallel
sind. Ausserdem ist der Hals der letzteren breiter und nicht so deut-
lich abgeschnürt, die Fühler sind vor und nahe den Augen inserirt,
die Augen selbst gross, mehr oder weniger ausgerandet. In Berück-
sichtigung dieser Charaktere vereinigt L. die Gattungen Stereopalpus
Laf. und Eurygenius Laf. mit den Pyrochroiden, während er Macrar^
thria Newm. gar nicht von Scraptia getrennt sehen will. Die Bezie-
hungen zu Xylophilus sind nicht besprochen. Den F'amiliencharakter
der Anthiciden bezeichnet er schliesslich durch folgende Diagnose:
Coleoplera heteromera, capite postice valde coarctato , collo dislinclis-
simo; oculis integerrimis , lateralibus; mandibulis apice emarginalis ;
abdomine 5-articuIato, articulis liberis; parapleuris triangularibns ; coxis
auticis contiguis ; unguibus simplicibus.
Haldeman führte (Journ. of Acad. nat. sc. Philad. I. S. 97.)
Euglenes fasciatus Melsh. {Xylophilus) und E. signatus n. A. aus
Neu-York und Carolina an , der letztere ist durch eine Diagnose cha-
rakterisirt.
Oedemeritae. Haldeman gab (Journ. Acad. nat. scienc.
Philad. I. p. 95.) eine neue Beschreibung der Gattung Cephaloon New-
man (= ,/cAnoc/« Dcj.) und stellte in derselben zwei Arten auf, C, /e-
^20 Schaum: Bericht fiber die Leistungen in der Entomologie
pturoides Newra. und oarians n. sp. , die letztere ist am Obersee
und in Maine einheimisch , und wird von lepluroides durch dunklere
Farbe der Mügelderken und des Abdomen, stärkere Wölbung der Sei-
tenränder des Prothorax und durch geringere Grösse unterschieden.
Derselbe erwähnt (ebenda) noch folgende nordamerikanische
Arten dieser Familie : Xanlhochroa tiilata Say] ( Nacerd. dorsalis
Melsh.) , Dilylus coeriileus Randall, Nacerdes melanura Linn., Asclera
lateralis Melsh., A. signaticollis Dej. n. sp. , A. punclicoUis Say,
A. rußcollis Say (carinata Newm.), A. noloxoides Fabr., A. thoracica
Fabr., die drei letzten und A. signaticollis sind durch kurze Beschrei-
bungen näher bezeichnet.
Salping-ides« Ein sehr anomales Insect, welches einen langen
Rössel mit f ün f gliedrigen Füssen verbindet, wurde von Männer,
heim (Bull. d. Mose. 1852. n> II.) unter dem Namen Tanyrhinus
singularis aufgestellt und dieser Familie zugezählt. Die wichtig,
gten Charaktere desselben sind : Antennae in medio rostri insertae, art.
1 — 4 tenuibus , 5 — 10 hirtis, praecedentibus triplo lalioribus, ioter sc
aequalibus, ultimo oblonge decimo duplo longiore. Rostrum capite
pauUo longius, planum, lateribus utrinque tenue sulcatum, inter oculos
subcarinatum, mandibulae validae arcuatae, palpi articulo ultimo ob-
longo, subinflato, apice rutundato. Caput eiongato-quadratum , fronte
profunde impressa , oculis subdepressis vix prominulis, Fedes modice
elongati, tarsi omnes distincte 5-articulati, art. primo insequente paullo
longiore, 2 — 4 aequalibus, ultimo longitudine tribus praecedentibus si-
mul sumtis aequali, unguiculis acutis incurvis. Die 2 — 2*^^ ^^^' l&ogc
Ar.t^ ist auf, der Insel Sitkha entdeckt worden.
.. Mann er heim machte (a. a. 0.) auch eine neue , ebenfalls in
Sitkha einheimische Art \on Salpingus unter dem Namen von S. e/o».
galus bekannt.
Curculionides. Die Galtungen der Rüsselkäfer von La-
bram und Im ho ff sind nach längerer Unterbrechung mit dem 19.
Hefte fortgesetzt worden. Es sind in demselben die Gattungen Sito-
neSf Exophthalmus, Diaprepes, Telrabolhynus Schh. (auf Prepodes spe-
clabilis, lucluosus Schh. etc. gegründet), Prepodes, Catamonus, Lachno-
pus und Chlorophanus charakterisirt und durch Abbildungen einzelner
bereits bekannter Arten erläutert worden.
Eine neue Gattung Meira und mehrere neue südfranzösische
Arten wurden von Jacquelin-Duval (Ann. d. 1. soc. ent. S. 708.
bekannt gemacht. Die erslere gehört in die Gruppe der Cyclomiden
und zwar in die Verwandtschaft von Omias , Peritelus , Ptochus , Sto-
modes und ist durch folgende Diagnose bezeichne! : Corpus oblonge-
während des Jahres 1852. 22 i
ovale, supra selulosum ; rostrum capitis longitudine, apice haud emar-
ginatum, scrobiculo brevi, lato ; antennae crassissimae, longiores, scapo
luviler incurvato, art. secundo funiculi reliquis sobloDgiore, 3—7 bre-
vissimis , transversis ; thorax subcylindricus , latitudine haud brevior ;
elytra oblongo-ovata, punctato-striata. Die Galtung ist auf eine neue,
bei Montpellier entdeckte Art gegründet, welche hier mit dem A'ame^
Jtf. er assico rnis belegt ist. — Die andern vom Verf. a. a. 0. aufl
gestellten Species sind: Thytaciles G uinardij Polydrusus seli (ronSf
Perilelus flavip enniSf Rhinocyllus Lareyniiy Baridius o p i-
par is.
Mannerheim führte in seinem Nachtrage zur Käferfauna des
russischen Nordamerika eine neue Gattung, Emphyastes fucicola,
und folgende neue Arten von Bussel- und ßorkenkälern auf: Lio-
phloeus inquinalus , Pissodes c ostatus j Trachodes horr idusj
Ceutorhynchus pusio, Hylurgus nigrinuSf Bostrichus interruptuSf
B. tridensj B. c oncinnusy B, semicastaneus , B. affaber. —
Die Gattung Emphyastes scheint dem Verf. sich an Slyphlus und Tra-
chodes anzuschliessen, ist aber in mehr als einer Beziehung sehr ab-
weichend. Die wichtigsten Charaktere derselben sind folgende: An-
tennae breviusculae, funiculo 8-articulato. art. 3 — 8 brevissimis com-
pressis subperfolialis, clava magna ovata; rostrum capile sesqui lon-
gius, crassum, supra 5-carinatum carinula media bißda, mandibulae va-
lidae apice bidentatae, elytra oblongo-ovata inflata; pedes robusli , ll-
biae anticae retrorsum arcuatae, apice appendice spathu-
liformi magno terminatae, posticae crassae hispidae, apice valde di-
latato cyathilormi, tarsi breviusculi unguiculis tenuissimis.
Als neue Arten wurden ferner beschrieben,
von Küster (Käf. Eur.) : Gronops fascialus aus Spanien,
Adexius rudis aus Steiermark und Schlesien, Magdalinus heros
aus der Türkei, M. punctipennis aus Siebenbürgen, M. claviger
aus Sardinien.
von F a i r m a i r e : Ctieorhinus tubericolliSf Rhylyrhinus L i n-
deri aus den Pyrenäen, Plintkus granulipennis aus Sicilien, Ceu~
torhynchus met allinu s von Madrid (Ann. d. I. soc. enlom. d. Franc.
S. &6fr.); — Polydrusus salsicola, auf den niedern Pflanzen der
Salzwiesen in der ßaie de la Somme ziemlich häußg (ebenda S. 689.).
von Chevrolat (Rev. et Mag. d. Zool. S. 579.) Apion WoU
laslonii aus der Verwandtschaft des A. virens und Acalles Wo IIa»
stonii, beide aus Madeira.
von Perris (Ann. d. la soc. Linn. de Lyon S. 181.): Ceuto-
rhynchus Bert r an di, C. hystrix, Rhyncolus slrangulalus und
Hylastes variolosus aus dem Dept. des grandes Landes.
Crypidius brassicae von Focillon (Gu^r. Rev. et Mag. d,
222 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
Zool. S. 124.) als n. A. bekannt gemacht, welche als Larve und voU-
kommnes Insect dem Rübsamen grossen Schaden zufügt, ist nach Aube
(BulL d. L soc. ent. S. LXXXIIL) = Ceutorhynchus assimilis Fabr.
Zwei für die brittische Fauna neue Arien , Trachodes hispidus
Linn. und Acalyplus Carpini Herbst (rufipennis Schh. var.) sind von
Wal ton Ann. nat. hisl. IX. S. 204. beschrieben worden.
Fuss gab (in den Millh. des Hermannst. Vereins S. 110.) eine
neue Beschreibung des in Siebenbürgen einheimischen Oliorhynchus
longivenlris Küst.
Kach Giraud (Verh. des zool.-bot. Yer. in Wien L S. 133.) ist
Oliorhynchus demolus Schh. eine Abänderung von 0. maurus, 0. Che-
vrolalii Schh. dagegen eine selbstständige, von picipes verschiedene Art.
Ron z et beobachtete (Buü. d. 1. soc. entom. S. XXXIV.), dass
Oliorhynchus raucus den Birnbäumen sehr nachtheilig wird , indem er
c[i4 ßlätler derselben abfrisst.
Stein hat (Tharand. Jahrbuch VIIL N. F. 1. S. 239.) den be-
deutenden Schaden, welchen Hylobius pini in den sächsischen Fichlen-
waldunden verursacht und die Mittel zur Vertilgung desselben bespro-
chen. Es sind bei dieser Gelegenheit von ihm einige irrige von König
gemachte Angaben, dass der Käfer nicht fliege , und dass er seinen
H^uptaufenthalt auf hohen Kadelholzbäumen habe, widerlegt.
Derselbe bemerkte (ebenda S. 244.), dass Brachyderes incanus
in 8 — 12jährigen Kieferbesländen der sächsischen Forsten nicht uner-
hebliche Beschädigungen angerichtet hat. Der Käfer hatte an einzelnen
Stellen alle Nadeln angebohrt, welche zwar nicht gleich abstarben,
abef nach und nach im Laufe des Jahres abfielen.
Nach K oll ar (Verh. des zool -bolon. Ver in Wien l. S. 229.)
richteten Magdalinus violaceus und Bostrichus bidens in jungen Anlagen
VWi Schwarzföhren (Finus austriaca) grosse Verwüstungen an.
-,r*,,t
Ueber die Beschädigungen, welche von mehreren in Fichten
hausenden Borkenkäfern den sächsischen Slaatswaldungen bei Schwär-
zenberg zugefügt wurden, hat Stein (Tharand. Jahrbuch. Vlll. N.
F. 1. S. 238.) werlhvolle Beobachtungen veröffentlicht. Nach den hier
mitgelhcilten Thalsachen kann es kaum einem Zweifel unterliegen,
dass Bostrichus typographus nicht bloss krankes , sondern auch völlig
gesundes Holz angeht und das Absterben desselben veranlasst. Von
Hylesinus micans wird bemerkt , dass er zwei Generationen im Jahre
zu haben scheine. Hylesinus cunicularius wird dadurch schädlich, dass
er, in ähnlicher Weise wie Hylobius pini , die jungen Fichten in der
Nähe des Wurze'knotens benagt. Hylesinus palliatus erwies sich eben-
falls sehr schädlich , indem er nicht nur im Klafterholze hauste, son-
wahrend des Jahres 1852. m'is t\ •> ? 993
dern auch lebende gesunde Bäume angriff. Hylesinus polygraphut
kam in sehr grosser Menge in einem Bestände ohnehin schon er.
krankter 20 — 40jähriger Fichten vor; es scheint, dass die Genera-
tion dieser Art eine anderthalbjährige ist. Die Weibchen haben
eine scharf umgrSnzle , ringförmige, kurzgeschorne gelbe Haarbürste
auf der Stirn, welche den Männchen abgehl. St. bemerkt bei dieser
Gelegenheit, dass diese Art gar nicht zu den Hylesinen , sondern za
den Boslrichen gehöre , indem das vorletzte Fussglied nicht wie bei
jenen zweilappig, sondern wie bei diesen ungetheill sei. Der Haupt,
unterschied der beiden Gruppen liegt aber nicht sowohl in der Bildung
des vorletzten Fussgliedes als in den Verhältnissen des Kopfes und
des Halsschildes. Bei den Hylesinen ist der Kopf dem grössern Theiie
nach frei und vorn in einen kurzen dicken Rüssel verlängert, bei den
Bestrichen ist der Kopf ganz in das Halsschild zurückgezogen und hak
keinen Rüssel.
Der entomologischen Gesellschaft in London wurde von ßow-
ring die Mitlheilung gemacht, dass eine kleine Art von Boslrichus eine
geschnitzte chinesische Bambusvase angegriffen habe. Spence brachte
den Namen B. B ambusae für die Art in Vorschlag (Proc Ent. Soc.
Febr. 1852.). Douglas bemerkte später (ebenda Jul.), dass dasselbe
Insecl vor ein paar Jahren eine Kiste aus Bambus verfertigter und von
China importirter Fächer zerstört habe, ^fach Westwood (Free. ent.
Soc. 1853. S. 66.) ist die Art identisch oder doch sehr nahe verwandt
mit Bostr. minutus Fabr.
Cerambycini« Ebenso wichtig für die Kenntniss der nord-
amerikanischen Fauna wie für die Systematik dieser Familie ist eine
Abhandlung, welche LeConle im Journ. of the Acad. of nalur.
scienc. of Philad. Vol. I. und li. veröffentlicht hat. „An attempt to
classify the Longicorn Colcoptera of the part of America North of
Mexico. <^ Der Verf., von Zimmermann auf einen wichtigen systemati-
schen Charakter, die Anwesenheit einer schiefen Furche innen an den
Vorderschienen aller Lamien aufmerksam gemacht, Iheilt, abweichend
von allen Vorgängern, die Familie zunächst nur in drei Gruppen. 1.
Lamiae: tibiae anticae intus oblique sulcatae, palpi semper filifor-
mes, antennae verticales, thorax immarginatus, coxae anticae globosac.
— 2. Cerambyci: tibiae intus non sulcatae (Michthysomate exceplo),
palpi saepissime compressi, thorax immarginatus. — 3. Prioni: tibiae
non sulcatae, palpi compressi, antennae frontales, coxae anticae valde
transversae, thorax marginalus. — Die Gruppe Cerambyci zerfällt
wieder in drei ünterabtheilungen , a. Lepturidae: tibiae filiformes,
coxae anlicae conicae. — b. Ceram by ci dae: tibiae filiformes, coxae
anticae vel globosae vel subtransversae. — c. Spondylidae: tibiae
224 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
anticae compressae, coxae ant. sublransversae. — Der Verf. gehl dann
die (iruppen einzeln durch und charakterisirt die bekannten Gallungen
und Arten durch Diagnosen , die neuen auch durch ausführliche Be-
schreibungen. Der Inhalt der einzelnen Gruppen ist kurz folgender :
Die Lepturidae enlhallcn 15 Gattungen: NecydalislAnn, lA.»
mellitus Say ($ americanus Hald.) ; Encyclops Newm. 1 A. coeruleus
Say (pallipcs Wewm.) ; Desmocerus Serv. 1 A. palliatus Forst, (^cyaneus
Fabr.); Piodes nov. gen. fast vom Aussehen eines Prionus, P, co-
riacea n. A. von Oregon; Rhagium Fabr. 1 A. linealum Ol.; Arga-
leus Lee. 2 A. nilens Lee. und allenuata Hald. ; Toxotus Serv. 5 A. ;
Acmaeops Lee. 14 A. ; G aurotes nov. gen. 1 A. cyanipennis Say;
Centroder a nov. gen. 2 A. decolorata Harr. [Tox. rubidus Hald.)
und picla Hald.; Evodinus Lee. 1 A. tnonlicola Hand.] Änlhophy lax Lee.
2 A. viridis Lee. und malachiticus Hald.; Strangalia Serv. 33 A. ; T«/-
pocerus n. g. 5 A, z. B. Lept. zebrala Fabr.; Leptura Linn. 18 A.
Elf beschriebene Arien der Gruppe sind dem Verf. unbekannt geblie-
ben, unter diesen befindet sich Lept. dislans Gorm., welche der Gat-
tung Euryptera Dcj. angehört und mit £wr. sanguinicollis Dej. iden-
tisch ist.
Die Cerambycidac sind in 14 Abtheilungen aufgelöst und in
Nord-Amerika durch folgende Galtungen vertreten : Megaderus Dup.
1 A. bifascialus l)\iip.; Smileceras n. gen. 1 A, solilarium Say; Pe~
rarthrus n. g. , P. vitlatus n. A. ans Californien ; Crossidius
n. g., C. tes lac eus n. A. aus Californien; Tylosis n. gen., T. ma-
cu latus n. A. aus I\eu-Mexico und T. oculatus n. A. aus Mexico;
Tragidion Serv. 2 A. coquus Linn, (lynceus Fabr.) und fulvipenne Say;
Purpuricenus 2 A. humeralis Fabr. und axillaris Hald. ; Eburia Serv.
3 A. ; Cerasphorus Serv. {Chion Newm.) 1 A. rusticus Fabr. ; Elaphi"
dion Serv. 17 A. ; Arhopalus Serv. 11 A. , z. B. Clytus speciosus Say,
Cl. fulminans Fabr. , Callid. ignicolle Say (janguinicolle Germ.), Call,
decorum Oliv.; Ancylocera Serv. 1 A. rugicoUis Fabr.; Tinopns n.
gen. l A. longipes Say; Sclerocerus Dej. nov. gen. 1 A. linearis
Harr.; Stenoplerus III. 1. A. sanguinicollis Say; Heliomanes Wewm.
2 A. bimaculatus Say und Molorch. corni Hald.; Obrium Serv. 3 A.;
Curius Newm. 2 A. ; Tylonotus Hald., bimaculatus n. A. aus Penn-
sylvanien; Ibidion Serv. 2 A. ; Dryobus n. gen. sexfasciatus Say;
Smodicum Hald. cucujiforme Say; Gracilia Muls. 2 A. ; Atimia Hald.
1 A. ; Clytus V?ih\\ 15 A. ; Cyrtophorus 3 A. ; Euderces nov. gen.
picipes Fabr.; Michthysoma nov. gen. vom Aussehen einer Parmena,
M. het erodoxus aus den Gebirgen von Georgien; Hylotrupes Serv.
2 A. ; Physocnemum Hald. [Anaglyples Rluls.) 5 A. ; Phymalodes iMuls.
7 A. ; Callidium Fabr. 2 A. ; Telropium Kirb. {Criomorphus Muls., /sar-;
(Äron Dej.) 1 A. ; Asemum Eschsch. 2 A. ; Criocephalus Muls. 4 \.\
Oistenia Enc. 1 A. ; Callichroma 1 A. — Die Gattung Glaphyra Kewra,
während des Jahre» 1852. ' «r ß iT «i P f^
tind id beschriebene Arten sind dem Verfasser nicht bekannt gel
worden.
Die Spondylidae bestehen nur aus zwei Gattungen: Spon-
dylis Fabr. 2 A. laticeps Lee. und upiformis Mannh. ; S caphinus n.
g. 1 A. Spond. sphaericoUis Lee. [Prion, tnuticus ? Fabr.).
Die Gruppe der Prion i ist in Nord- Amerika durch folgende
Genera repräsentirt : Sphenoslethus Hald. 1 A. serripennia Hald. ; Tra-
gosotna Serv. 1 neue A. H arrisiiy aus Connecticut; Prionus Geoffr.
10 A., emarginalus Say, integer n. sp., /^ssicorms Hald., imbricornis
Linn , crassicornis n. sp., palparis Say, o bliquicornis n. sp.,
laevigalus U&rr. f irccicornw Fabr. , curticornis n. sp. ; Dero&racAvs
Serv. l A. brevicoUis Serv., welche ich für den echten Frionus
pocularis Schh. halte (der Verf. beschreibt in einer Anmerkung eine
zweite neue Art, />. sulcico rnis aus Mexico;) Orthosoma Sevv. 1 A. ,
cylindricum Fahr,; \Tric ho cnemis n. gen. T. spiculatus n, A.
aus dem nördlichen Californien; Mallodon SerV. 3 A., cilipes Say, cosfti-
lata Lee. (spinibarbe Hald.), dasystoma Say (tnelanopus Hald. var.). '
Die Gruppe der Lamiae ist wieder reich an Gattungen: Dyi-i
phaga [Tessaropa Hald.) 2 A., (enutpes , und tentralis Hald.; Methia
Newm., pusilla fiewm. dem Verf. unbekannt; Dectes n. G. auf La^
mia spinosa Say gegründet; Hippopsis Serv. 1 A. lemniscala Fabr.;
Spacalopsis Newm. slolaia und suffusa Newm. beide dem Verf. unbe^
kannt ; Plychodes Serv. trilineatus Linn. (viltatus Fabr.) ; Hetoemis Hald.
cinerea Ol. {trilineala Say, juglandis Hald.) ; Dorcaschema Hald. aller^
nata und nt^ra Say; Monohammus Serv. 6 A.; Cacoplia n. G. mit
1 A. C. pruinosa; Goes n. Gen. 5 A., z. B. Monoh. tomentosus
Zi»;gl.; Plectrodera Dej. scalator Fabr.; Oberea Muls, 12 A. ; Amphio-
nycha Dej. ßammata ISewm. (mar^ina^a Hald.) ; Slenoslola Aluls. 2 A.,
Saperda pergrala Say und gentilis Lee.; Lypsimena Dej. fusoata
n. A. ; Mecas nov. gen. auf Phyloecia femoralis Hald. errichtet; Ta-
(rops Kirb. 2 A., cancscens Lee. und monosligma Hald.; Tetraopes
Dalm. 7 A. (in einer Anmerkung wird noch eine neue mexikanische un-
ter dem Namen T. umbonatus beschrieben). Psenocerus n. mit
Call, pini Oliv, gebildete Gattung; Stenosoma Muh. {Ataxia Hald.) 1 A.
sordidum Hald.; Eupogonius n. G. mit 3 A., z. B. Sap. teslita Say;
Pogonocherus Latr. 3A. ; Ecyrus n. gen. 2 A. dasycerus Say [ob-
scurus \\'d\d,) und exiguus Dej., Hald.; >lde{u« n. gen. enthält nur
Polyopsia analis Hald.; Saperda Fabr. 22 A., von denen indessen 8
dem Verf. nur aus Beschreibungen bekannt sind; Oncideres Serv. 1 A.
cingalatus Say; 3/csosa Serv., 1 n. A. ilif. Guexi aus Californien ; Cyr-
tinus n. G., deren einzige Art Clytus pygmaeus Hald. ist; Ipochus
n. G. , Farmena zunächst verwandt, mit In. A. L fasciatus aus
Californien; Monilema Say 3 A ; Leploslylus n. G. 9 A., welche'
von Dejean und llaldeman zu Amniscus gestellt wurden; Liopus Serv.
Archiv f. Niturgesch XIX. Jfthrg. 2. Bd. P
$^ Schaum: Boriclit A^er die Lciatuiigfen in der Enlomologie
15 A. ; 4edilis Serv, 2 A. ; Graphi^urus Kiib. 3 A.; Acanthoderes
Serv. 2 A.
Prionii. — Die G^ilum g Der obrachus Serv. erhielt ausser dem
oben bereits erwähnten D. sulcicornis Lee. einen Zuwachs durch eine
neue columbische Art D. Ag yleus, welche ßuquct (Ann. d. la soc.
ent. d. Franc. S. C57. pl. 12. fig. 2.) bekannt machte, sie unterscheidet
sich von D. Levoiturieri Buq. besonders durch die Gestalt des Hals-
schildes und die gänzliche Abwesenheit von Dornen an den Schienen.
Cer. genuin i. — Als neue Arten worden von ßuquet auf-
gestellt: Criodon Feisthamelii ( Taf. 7. Fig. 5.) aus Cayenne,
Cr. sculpticolle aus Columbien , Cr. bivitlatum ^ m ödes tum
und angustatum aus Brasilien (Ann. d. I. soc. enlom. d. Franc.
S. 355.); Chlorida obliqua aus Columbien (ebenda S. 655. pl. 12.
Chcvrolat beschrieb (Rev. et Mag. d. Zoo). S. 416.) llamma-
ticherus scabricollisj Clylus chinensis und Monohammus suC"
€Wf»r>r-dr*i p^u^ AHen vor^ Shaugai, . j, ^^^,^^y^■^ ;
Eine neue in den Hochgebirgen Siciliens entdeckte Art von
Aslynomus wmde von L. Fairmaire (ßull. d. 1. soc. ent. S. LXIII.)
mit dem ffamen A. Edmondi belegt und durch eine Diagnose cha-
rakterisirt.
Sfenopterus. aurtpeni'rtfi. nfis^er n. A. aus Sardinien wird
von St. rufus und verwandten Arten durch den mit gelbem Tomcnt ge-
säumten Hinterleib unterschieden (Käf. Eur. XXIII. 96.).
.f/iA Haldeniiin gab ia Stansbijry's Report Taf. IX. Fig. 15. eine
Abbildppg von Megaderus corallipes Newm. nach einem bei Fort Ga-
ie» im. wes^lichea Texas gefangenen Px^mpiare (die Art ist nicht von
Alf g>il^ifaß^>^^u.f Pup- 2u trennen):
Lämiariae. — Eine neue Gattung dieser Gruppe wurde voff
Chevrolat (Rev. et Mag. d. Zool. S. 414.) unter dem Namen'
Apriona errichtet, sie steht mit Balocera Dej. in nächster Verwandt-
schaft, unterscheidet sich aber durch kürzere, dickere Fühler, welche
keine Spur von spitzen Rauhigkeiten zeigen, und durch längere Flü-
geldecken. Sie enthält zur Zeit vier Arten, die von liope nur sehr
ungenügend charakterisirte und desshalb hier nochmals beschriebene
Lamia Germari aus Silhet, A. rugicolHs von Shangai , A. trili-
neafa fraglich von Madras und A. cinerea von Almorah im nörd-
lichen Indien.
Von demselben wurden (ebenda) noch weitere n. A. bekannt
gemacht: Datocera lineolal a^ Astalhes letraophthalmus de Haan,
Amphionycha femor ata, A. fraterna , Jsoscehs fuscipennis
üiolofn.il während des Jahres 1852. • »TI TffrrTFo'? Äf
y.on Shangai und Oberen Wapleri aus Louisiana, die letzte ist diei
selbe Art, welche Le Conte in seiner Arbeit über die nordamerikani-
schen Ccrambyqiili^n ^i^, dem Nam^a\ Q., ^^|i^u fpif belßgl ha\.
Die schon von IV'ejea n errichlele, aber noch nicht wissenschaft-
lich begründete, im Habitus mit Dorcadion nahe verwandte Gattung
PlectrurOy hat Mannerheim Bull. d. Mose. 1852. II. in folgen-
der Weise charakterisirt: Antennae 1 l-arlicu!alae, setaceae vel apicetii'
versus sensim tenuiores, art. 1. iacrassato, oblongo-ovato, 2. brevissimo
globoso, ccteris cyliodricis ; palpi art. ult. obloogo-ovato, sabacumi-
ualo ; thorax latitudine vix longior , inaequalis , laleribus in medio
utrinque spina valida armatus, adjeclis spinulis minutis; sculellum mi-
nulum, subquadratum; elylra basi thoracis basi fere duplo laliora, hu-
meris rotundatis subseriatis , in niedio parum dilalata, latitudine fere
duplo longiora, valde convexa, margine versus apicem crenulata, apice
ipso acumine singulatim producta; pedes validi , tibiis intermediis ex>
irorsum in medio denle obtusp aripatis. PI. spinicauda Eschsch. n.
A. aus SilUha. ,«i\ ■>•,•
Buquet lieferte (Ann. d. l.ntM. •enlom. d. Fr. S. 345.) eine
neue Charakteristik der Galtung Trackysomus Serv. und beschrieb fünf
Arten derselben : T. fragifer Kirb, T. elephasy aus Brasilien, T. ca-
inelus aus Gayenne, T. dromeiarius aus Columbien, T. gibbo'
sus aus Brasilien. : Die vjor letzten sind neu und auf -Taftl VI4p «few
gebildet. • .!;»!'!> f;»l»'i . is-') !;;r It'.iM nw:: iln;/;
Derselbe fügte Rev. et Mag. d. Zool. S. 343. den drei bekann-
ten Arten der Gattung Eudesmus Serv. , E. griseseens Serv. , fascinus
Serv. und posliealis Guen Jcon. d, regn. anim. {heleroclitus Dej.) zwei
neue hinzu: E. heter o cerus' u\ik'A^ E. seminitorus , welche beide
in Brasilien zu Hause sind. '•' ' "' ' "'
Die Gattung Dorcadion vermehrte Küster (Käf. Eur. XXV.) mit
vier neuen Arien: D. convexicolle aus der Türkei , co nden sa~
tum Kunze ebendaher, nudum aus Ungarn?, pun ctip enne aus
Kleinasien.
Phijloecia Anchusae n. A. aus Siebenburgen wurde von Fuss
Millh. des llermannstädt. Ver. S. 138. beschrieben, sie hat den rothen
llalsschiltillcck der Ph. lineola, aber die Grösse einer mittleren Ph. af-
finis, mit welcher sie auch in der Körpergestalt mehr übereinstimmt.
Kopf und tlnlsschild sind erzglänzend, die Pubescenz ist mit Ausnahme
von Hopf und llalsschiid weiss und bildet auf den Flügeldecken zahl-
reiche Flecken.
Lepturetae. — Mannerheim beschrieb Rhagiutn investi^
gator aus Silkha (Bull. d. Mose. 1852. n. IL). — Pachyta 12- ma-
culala Fabr., P. aemnla Böb. (virginea var. Gyll.), SUnura Seda-
2113* Schaum: Bericht tiber die Leistdngcil in der Entomologie
kotiif Grammoplera dentato fasciata Motsch. aus dem östlichen
Sibirien (ebenda n. IV.).
Grammoplera nigroflava Fuss ( Mitlh. des Hcrmannslädl.
Vereines S.^75.) in der südlichen Gebirgskellc von Siebenbürgen ent-
deckt, erinnert durch ihre Gestalt und namentlich durch die etwas vor-
stehenden abgerundeten Schullerecken an Fachyta ; die Flügeldecken
sind seh v^arz mit drei gelben Flecken, ähnlich wie bei Gr. sexgultata.
' Grammoplera Sache ri Wolfner (Lotos 1852. S. 93.) bei Wos-
sow in Böhmen gefunden, ist wahrscheinlich =Lept. sangui-
nosa Gyll.
''' ' Eine bei Madrid aufgefundene Abänderung der Leptura rufa mit
drei Schwarzen Flecken auf den Flügeldecken (L. rufa var. Irisignala)
ist von Fäirinaire (Ann. d.i. soc, entom. S. 92.) bekannt gemacht
worden, ,
•'' •''lAii4«MiiÄfellnay;-^Ine}iiö „Ueber die Entwick-
lung der Clylhren und Cryptocephalen^ hat Kosen hau 6r seine frü-
heren Beobachtungen über diesen Gegenstand (S. Jahresber. f. 1845.)
erweitert und vervollständigt. Zu den von dem Verf. früher schon be-
obachteten Arten kommen hier noch Clylkra vtcma, Iristigma ? , florO"
lisy meridionalis und Cryplocephalus gracilis. Eier und EihüUen nebst
Larven und deren Säcken sind von allen Arten sorgfältig beschrieben,
auch zum Theil auf einer beigegebenen Tafel durch Abbildungen er-
läutert. Von Wichtigkeit ist die Beobachtung des Verf., dass die Lar-
ven des Cryplocephalus duodecimpunctalus (vermulhlich auch anderer
Arten), wenigstens in der Gefangenschaft, zwei Jahre zu ihrer Ent-
wickelung gebrauchen , so wie die Ermittlung des physiologischen
Zweckes der Grube, welche sich bei den Weibchen der Clythreu und
Cryplocephalen auf dem letzten Hinterleibsringe befindet. Sie dient
nämlich dem Weibchen , welches das eben gelegte Ei zwischen den
Hinterbeinen hält und mit einer nach und nach zu dem Sacke erhär-
teten Kothschicht einhüllt, dazu, das Ei hineinzudrücken und bis zu
gelegener Fortsetzung des Geschäftes mit sich herumzutragen, wenn es
bei letzterem gestört und genölhigt wird , von den Hinterbeinen zum
Laufen Gebranch zu machen. Auch wird die schon von Gene ge-
machte Beobachtung , dass die Larve sich unmittelbar vor ihrer Ver-
puppung umkehrt und dann der Käfer später an dem entgegenge-
setzten (blinden) Ende des Sackes auskriecht, nochmals bestätigt.
Diese letztere Erfahrung wurde zwar von L. Dufour (Ann. d.
1. soc. entom. d. Franc. 1852. S. 450.) bei der Beschreibung der von
ihm gefundenen Säcke von Crypl. ßavilabris (wahrscheinlich ist ful-
cralus Germ, gemeint , da der Cr. flavüahris der schwedischen Schrift-
steller i« Frankreich noch nicht gefunden worden ist) und von C, im-
r.i'iolofno.'a" v während des Jahres 185!^. ^ imnod-.H 22^
perialis gegen Gen^ in etwas apodictischer Weise angezweifelt (Ro'L
senhaner's frühere Beobachtungen scheinen l). gar nicht bekannt gel
worden zu sein); seine Bedenken sind jedoch von Lucas (ebenda
S. 463—470.) durch sorgfältige Erörterung einer Reihe von Thatsa-
chen widerlegt worden , worauf dann zuletzt der iheilweise zu einem
Wortstreile über die Bedeutung des „dicken und dünnen Endes« (gros
boul und pelit bout) der Sacke gewordene Streit durch Dufour's Wi*
derruf seiner früheren Behautungen (ebenda Bull. (LXXXV.) beendet
worden ist. ' ' » *" ' '
Cryplocephalides. — Die nordamerikanischen Cryploce-
phalen sind von Suffrian („Zur Kenntniss der nordamericanischcn
Cryptocephalen« in der Linnaea entern. VI. S. 198 — 318. und VII. Si
1 — 231.) in ausgezeichneter Weise bearbeitet worden. Der Verf., wel-
chem ein sehr reichhaltiges Material zur Untersuchung vorlag (die Be-
stände der meisten deutschen und mehrerer ausländischen Sammlungen,
darunter eine Keihe typischer Exemplare für die von Fabricius, Oli-
vier, Say , Gennar und Alannerheim beschriebenen Ai^tep) > M^^ Nord,
amerika im weiteren geographischen Sinne als das ganze Land nord^^f
wärts der Landenge von Panama genommen. Er theilt dasselbe in viev.
grosse Gebiete, 1. Nordamerika im engern Sinne östlich und 2. west*
lieh vom Kelsengebirge; 3. Mittelamerika vom Colorado und Bio del
Körte bis Panama und 4. die Antillen , welche wenigstens für diese
Insectengruppe entschieden der nordamerikanischen Fauna angehören«
Jedes dieser Gebiete hat seine eigenthümliche Fauna ; manche Artef^
besitzen jedoch auch eine sehr weite Verbreitung, die weiteste CrypL,
auralus Fabr., welcher, wenn auch oft verkannt, auf dem ganzen Fest-
lande von Californien bis Florida und Mexiko und selbst noch in Co-
lumbien vorkommt. Mit Europa hat Nordamerika angeblich eine Art,
Cr. gracilis Fabr., gemein, indem der Cr. parvulus Fabr. nur eine auch
bei uns vorkommende Abänderung des ersleren bildet; mir erscheint
jedoch das Vorkommen dieser Art in Nordamerika durch die Angabe
von Fabricius allein noch 'nicht hinreichend verbürgt. — Im Ganzer^
sind vom Verf. 177 Arten, darunter 125 neue, beschrieben; [Crypt.
discoideus SufTr. hat sich indessen noch nachträglich als das Weibchea
des Cr. dispersus Hald. ergeben). Vertheilt sind dieselben in 5 Gattun-
gen, von denen zwei, Cryptocephalus mit 104 Arten und 23 Rotten und
i'acbybrachtjs mit 51 Arten und 6 Rotten auch in Europa vertreten
sind; von den hier fehlenden bildet Monachus Chev. (Crypt. sapo-
nalus Fabr. mit seinen Verwandten — 7 Arten in 2 Rotten) einen Ue-
bergang zu den Chlamyden , Scolochrus (= Griburius Hald. — 14
Arten, darunter den Cr. scutellaris Fabr. und equeslris Ol. enthaltend)
und Maslaca nl htts (eine Art von den Antillen) find Mitlelformcn
zwischen Cryptocephalus und Pachybrachys, letzterer Gattung durch
den aufgebogenen Ilinterrand des ilalsschildcs ähnlich, aber durch dcU
230 Schaum: Bericht Ober diö Leistungen in der Entomologie
Bau des Frosternum abweichend. Charakteristiscli für die nordameri.
kanische Fauna ist das relative Uebergewicht der Pachybraclien, wel-
che dort mehr als «/i, mit Scolochrus und Maslacanthus über ein Drit-
tel (in Europa etwa y^g) der überhaupt vorhandenen Arten bilden.
Ausserdem ist jener Erdlheil formenreicher als Europa durch das Er-
scheinen von Pachybrachen mit behaarter , mit rothgezeichneler , mit
siebartig punktirler Oberseile und durch das Auftreten einer Crypto-
cephalenform mit eigenlhümlicher Flügeldeckensculplur", zu welchen»
nur der als europäische Art zweifelhafte Cr. quadrisignalus Dej. eine
Analogie darbietet. Formenärmer ist dagegen Nordamerika andererseits
durch den Mangel aller echten Cryptocephalen mit regellos punktirten
Flügeldecken und durch die Seltenheit der Arten mit metallisch glän-
zender Oberfläche. Von den bereits von anderen Autoren beschriebe-
nen Arten sind dem Verf. unbekannt geblieben: 2 Monachus, 11 Crg-^
plocephalus und 5 Pachybraehys j die über dieselben vorliegenden An-
gaben sind am Schlüsse jeder Gattung mitgetheilt.
Einen neuen Cryptocephalus aus Sardinien und Sicilien hattrnc-
qui (Ann. d. 1. soc. enlom. 1852. S. 65.) als Cr. scuteUaris be-
schrieben, der Name kann indessen, da er bereits von Fabricius in die-
ser Gattung vergeben ist, nicht beibehalten werden. Der Käfer ist
dunkelblaugrün mit sehr veränderlichen lichten (weissen oder röthlich
gelben) Zeichnungen und hat in der Farbenverlheilung manche Aehn-
lichkeit mit Cr. raarginellus ; mit Cr. pallifrons dagegen, mit welchem
ihn T. zusammenstellen will, hat er kaum etwas anderes als die Grösse
und die Grundform gemeiir.^^^'**'^ »'''»^' "'^ """'^ f'"»^^
Der von Perris (Ann. d. 1. soc. Linn. de Lyon S. 186.) als neu
aufgestellte P<icAi/6rc(c%s Mulsantii aus dem Dept. des Landes ist
mit F. fimbriolatu» Suffr. identisch.
Gallerucariae. — Als n. A. sind aufgestellt:
Galleruca luctuosa Mannerheim (Bull. d. Mose.) aus den
russischen Besitzungen des nordamerikanischen Festlandes.
Ärgopus disolor Bielz (Milth. des Hermannsl. Ver. S. 16)
aus Siebenbürgen, von A. testaceus durch bedeutendere Grösse, schwarze
Unterseite, dunkler rothe Farbe und stärkere Funktirung unterschieden.
PleclrosceHs major J acqu e li n - Du val (Ann. d. I. soc. ent.
S. 717.) von Montpellier, die grösste bis jetzt bekannt gewordene Art
der Galtung.
Die in den Ann. d. 1. soc. entom. pl. 11. N. lY. Fig. 1. abge-
bildete Plectroscelis Fairmairii Boieldieu ist nach Fairmaire's ei-
gener Angabe (S. 690.) nur eine Abänderung der PI. Sahlbergii.
Chr ysomelar iae. — Von Küster (Käf. Eur. XXV.) wurde
Ilelodes Suffriani als u. A. aus Sardinien beschrieben.
^'••' während des Jahre« 1852. '^^ :mi»«d©Ji fiM
Die 6ei Gastein vorkommenden OreineH mit ihre» Aböuderiingen
hat Giraud (V^rh. des zool.-bot, Ver. iri Wien S. 138.) besprochen;
es sind spediosissimä Stoj), , elongald Ziegl. , tnöHlicolä Daft., cä^aliae
Schrk., Peirolerii Bassi , nitalis Heer , vittigera SufTr. , pretiosa Meg.,
aurulenta SufTr., lugtuosa Ol.
F u s s sammelte in Siebenbürgen zwei Exemplare einer OreinOf
welche auränglich von ihm für 0. melanocephala angesprochen, von
der SufTiian'schen Beschreibung der lelstern in mehreren Tunkten ab.
weichen und mehr mit Peirolerii übereinzustimmen scheinen, obwohl
die Flügeldecken einen schwarzen Nahtstreifen haben. F. hat es da-
her unentschieden lassen müssen, welcher von beiden Arten seine Ex-
emplare angehören. (Mitth. d. Hermannst. Ver.).
Letzner lieferte in dem Berichte üb. d. Arb. und Yerhk dep
schles. Vereins während des Jahres 1852. S. 87 fT. durch ein speciel-
Ics Eingehen auf die Unterschiede der Chrysomela fusco^aenea Schuranu
von Chr. speciosissima und durch Erörterung der zahlreichen Abändeü-
rungen den IVachweis, dass dieselbe nicht, wie es von SufTrian gesehen
hen ist , als selbstständige Art festgehalten werden kann, sondern als
Varietät mit Chr. speciosissima zu verbinden ist. Sio ist in den schle-
sischen Gebirgen weit verbreitet und findet sich in den untern bewal.
deten Regionen vorzugsweise auf Senecio nemorensis, in den höheren
auf Caccalia albifrons und Tussilago alba. In den tiefern Theilen des
Gebirges kommen 2 Generalionen im Jahre vor, und es scheinen die
befruchteten Weibchen zu überwintern ; in dem höheren Gebirge er-
scheint die Art erst im Jivli , und. es kann hier gewöhnlich nur eine
Generalion zur Entwicklung kommen. Gelegentlich bemerkt L. noch,
dass Chr. decora Richter nicht zu speciosissima Sepp, gehört^ sondern
mit Ckr. spcciosa identisch ist.:;r,j^>| .,,,j, jj„j {>/ , ■, •;.!•);;
Derselbe machte a. a. 0. S^ 94 i und S. 93r ^e Verwandlungs-
geschichte der Chrysomela Armoraciae und Chr. varians durch genaue
Bescreibungen der früheren Stände bekannt. Die Larve der erstem
findet sich auf Salix viminalis , die der zweiten auf mehreren Arten
von Hypericum.
?iotes pour servir ä l'histoire de ]t\ Chrysomela dilula par E. Mnl-
sanl et AI. Wachenru Ann. d. la soc. Linn. d. Lyon 1850 — 52.
S. 52 ff. — Der Käfer findet sich bei Marseille vom September bis Ende
November am Tage unter Steinen, Nachts, seiner Nahrung nachgehend,
auf Plantago coronopus. D'e Eier werden im üclober an die Blätter
dieser Pflanze abgelegt, und im Anfange December kommen die ersten
Larven aus. Diese nähren sich von den jungen Blättern, sind, wie di«
ausgebildeten Käfer, Nachtthiere, häuten sich zweimal und verpuppen
sich gegen Ende Februar. Der Nymphenzustand dauert nur drei Wo-
chen. Die gegen Endo Mdii auskriechenden Käfer graben sich lief in
232 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
die Erde ein, und verbringen die heissen Monate in einer Art Sommer-
schlaf, aus dem sie erst mit dem Eintreten kühlerer ISächte erwachen^
üie früheren Stände sind von den Verf. ausführlich beschrieben.
Erotylenae» Die schon im Jahresber. f. 1850 erv^ähnte
Doubledaya tialor ist jetzt von While (Trans. Eni. Soc. Vol. 11. S. 1.)
ausführlicher beschrieben und durch eine in den Text eingedruckte Ab-
bildung erläutert worden. Es scheint mir nach der letzleren kein ge-
nügender Grund vorhanden, den Käfer generisch von Languria zö
trennen.
Coccinellidae« Unter deiii Titel „Remarks upon the Coc-
cinellidae of the United States" (Proc. Phil. Acad. Vol. VI. S. 129.) hat
Le Conte seine Ansichten über die Classification dieser Familie ent-
wickelt , viele neue von Mulsant nicht gekannte Arten sorgfällig he^
schrieben und einige synonymische Bemerkungen mitgelheilt. Der
Verf. hat, von dem richtigen Grundsatze ausgehend, dass eine natür-
liche Gattung sich durch eine entschieden ausgesprochene Modification
der Structur und durch eine erkennbare Abweichung der äussern Form
unterscheiden müsse , nur eine geringe Zahl der von Mulsant aufge-
stellten Genera angenommen : Anisosticta , Hippodamia , Coccinella,
Phylloboraj Myzia, Coccidula , Chüocorus , Exochotnus , Brachiacantha^
Hyperaspis, Oxynychus Le C, Scymnus, Oeneis^ Epilachna. Mit neuen
Arten sind bereichert die Gattungen Hippodamia (3), Coccinella (1),
Myzia (l), Coccidula (1), Exochotnus (J), Hyperaspis (9), Oeneis (2).
Die Arten der Gattung Scymnus sind sämmtlich charakterisirt, es sind
dem Verfasser 27 aus eigener Anschauung bekannt, ausserdem haben
sieben früher beschriebene nicht erniittelt werden können. — Die Co'
rylophif welche der Verf. mit der Familie der Coccinellidae verbindet,
indem die schmalen Füsse und die gewimperten Flügel nur die Auf-
stellung einer besondern Gruppe begründen, sind monographisch bear-
beitet und in folgender Weise eingetheilt: l. Caput liberum, a. An-
tennae 9-arliculati, tarsi dilalati. Rypobius n. g. 1. A. R. marinus.
— b. Ant. 9-articulali, tarsi angusti. Microsphaera Redt. {Orlhoperus'i
Steph.) 1 A. glahra n. sp. — 2. Caput oblectum tarsi angusli. —
c. Ant. 9-arliculalae, corpus rotundalum, glabruni. Corylophus Leach, 2
n. A. C. mar ginicollis und trunc altis. — d. Ant. 10-arliculatae,
elytra truncata. Sericoderus Steph. {Gryphinus Bedl.) 3 n. A. S. fla-
vidus, obscurus, subtilis. — e. Ant ll-articulatae, corpus el-
liplicum, pubescens. Sacium Le C. (== Clypeaster Redt., ein Name,
der bei den Echinen seit lange vergeben ist) 9A. S. lugubre, obscu-
rum, amabile, fascialum Say, lep idum, lunatum , decolor^
misellumj scilulum. — Die Galtung Clambus hat der Verf. von den
Coccinellidcn ausgeschlossen, indem die zu PlaUcn erweiterten Ilinlcr-
lonjiiioi;!
während de» Jahres 1852. ' 233
hüften von Clambus ganz ohne Analogie in dieser Familie sind und
nur in der Gattung Sphaerius sonst noch angetroffen werden.
Heeger hat die Metamorphose der Coccinella quinque punctata
beschrieben und durch Abbildungen erläutert (Sitzunggber. d. Wiener
Acad. ßd. 9. S. 253.).
' "' ■ "o'o -ah?, {!')«[■:• ]A ''. 'i i'Jiiil
Durch Perris (Ann. d. 1. 80c. entom. S. 571. pl. XlV.) haben
wir die Metamorphose des Clambus enshatnensis Westw. und des Or~
ihoperus piceus Steph. kennen gelernt , und sowohl genaue Beschrei-
bungen als gute Abbildungen der früheren Stände erhalten. Die Lar-
ven beider Arten leben in dem Stroh der Bedachungen der Schaaf^
Ställe ; ich verzichte hier auf d>e Alittbeilung der morphologischev
Kennzeichen, da die Angaben von Perris ihrem wesentlichen Inhalte
nach in das 1853 erschienene Werk von Chapuis und Candeze ,,Cata-
logue des larves des Coleuptßres" aufgenommen sind, welches für Sy-
stematiker und Biologen gleich unentbehrlich ist. Die Bildung der
Larve von Orthoperus rechtfertigt die Verbindung dieser Gattung mit
der Gruppe der Clypeastres, während die Larve von Clambus weit mehr
an die von Agathidium erinnert, so dass Perris sowohl aus diesem
Grunde , als weil die Füsse des vollkommenen Insectes vier Glieder
besitzen, sich für den Apschluss der Gattung an die Anisotomen aus-
spricht.
Meuroptera.
New man hat in einer im Zoologisl veröffentlichten
Abhandlung „Ihe characters of two new classes of winged
insects.« die Ordnung- der Neuroptera im älteren Sinne in
zwei Ordnungen JSeuroptera und Stegoptera aufgelöst, wel-
che auf Grund ihrer, bei den ersteren unvollkommenen, bei
den letzleren vollkommenen^ Metamorphose getrennt werden.
Dem Verf. siheint es nicht bekannt zu sein, dass diese Trennung in
Deutschland seit lange angenommen ist, dass wir aber gewohnt sind, die von
N. Neuroptera benannten Inseclen als Pseudoneuroptera mit den Orthopte-.
ren zu verbinden, dagegen die Stegoptera Newm. mit dem Ordnungs-
namen JSeuroptera zu bezeichnen. Uebrigens entsprechen die Neuro-
ptera und Stegoptera des Verf. im Wesentlichen auch den in England
selbst vor länger als 10 Jahren von Weslwood unterschiedenen Ab-
theilungen der Neuioptera biomorphotica und necromorphotica. In der
Ausführung seiner Ansichten und in der weiteren Gliederung der bei-
den Ordnungen lässt sich der Verf. auffallende Irrlhümer und Willkuhr-
lichkeilcu zu Schulden kommen, indem er den AgrioncDlarvea eiocji
S'34 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
IJespirationsapparat im Innern des Abdomen zuschreibt, und die Physa-
poden (Thrips) als Familie neben die Psociden stellt. Es ist hier nicht
der Ort weiter auf den Inhalt des Aufsatzes einzugehen, der überdem
bereits vonWeslwöod (Proc. enlom. Soc. Vol. II. S;7l.'y kritisirt wor-
den ist. '-"'^ ''"«'
Brauer hat einen sehr gelungenen Versuch gemacht,
als Grundlage für die weitere Eintheilung der Neuropteren
den Bau und die Lebensweise der früheren Stände zu be-
nutzen, „Versuch einer Gruppirung der Gattungen in der
Zunft Plannipennia , mit besonderer Röcksicht auf die frühe-
ren Stände« Eni Zeil. 1852. S. 71— 77.
■;*";■'■;.
Es sind gegenwärtig, nachdem von Brauer die früheren Stände
von Osmylus und Fanorpa entdeckt und junge Lärvchen von Mantispa
aus Eiern erzogen worden sind (s. u.), die Larven von fast sämmtlichen
zur ßurmeister'schen Zunft der Plannipennia gehörigen Hauplgat-
tungen bekannt, so dass der Verf. seine Klassification auf eine hin-
reichende Zahl sicher festgestellter Thatsachen stützen konnte. Es bil-
den nun die in jener Zunft zusammengefassten Inseclen nach der Bil-
dung der Mundtheil« bei den Larven und nach der Art der Verpuppung
zwei Hauptlamilien Lepto phya und M eg aloptera , von denen die
erste hier zuerst vom Verf , die zweite dagegen schon früher von Bur-
meister aufgestellt und von Br. nur etwas erweitert ist.
Sämmtliche bis jetzt bekannte Larven der Leptophya haben
zum Kauen eingerichtete Mundlheile , und verpuppen sich stets ohne
Gespinnst, iheils in einer ovalen Erdhöhle [Sialis), iheils in oval aus-
gehöhlten Erdknolien [Panorpa), theils unter Baumrinden [Rhnphidia).
Die Leplopbya enthalten drei Familien, Sialidae , (mit den Gattungen
Sialis, Chauliodes und Corydalis), Panorpidae (mit den Gattungen Bo-
reuSf BiltacuSf Chorista und Fanorpa) und Rhaphidiidae (auf Rhaphidia
und Inocellia Schneid, beschränkt, indem die gewöhnlich mit den Rha-
phidien verbundene Gattung Mantispa zur zweiten Hauptfamilie der
Megaloptera gehört). Diese Familie» sind schon von Burmeister rich-
tig nach den Eigenthümlichkeiten der vollkommenen Inseclen cha-
rakterisirt, sie zeigen auch in der Lebensweise der Larven auflallende
Unterschiede. Die Larven der Sialiden leben im Wasser und haben
Kiemen, die von Khaphidia leben unter Baumrinden , die von Panorpa
bedürfen feuchter Erde. (Die Larve von Bittacus ist noch nicht ent-
deckt, und es ist dies fast die einzige erhebliche Lücke in unserer
Kenntniss der früheren Stände der INeuropteren).
Die Larven der zweiten Hauptfamilie, der M egaloptera, ha-
ben zum Saugen eingeiichtelc IVlundtheile , welche nach dem Typus
von Myrifteicott gebildet gliid , uad verfertigen sich zur Ycrpuppung
"li .^1 ^ • wahrend des Jahres 1852. ''1 rmirerf^R 535
em Gcapinnst vermittelst einer im Aftertheile des Hinterleibes befind-
lichen Spinndrüse. Allen bis jetzt untersuchten Lärten fehlen die Kie-
fertaslcr gänzlich. — Es bestehen die JUegaloptera (= Hemerobini)
ebenfalls aus drei Unterfamilien, den Nemopteridce Burm. *j, Mantispi-
dae Weslw. und Glaphyropteridae Braner. Die Nentopteridaey nur auf
die Gattung Nemoplera gegründet, sind durch die Alundtheile, die Ge-^
slalt der Hinterflilgel und durch die eigenthümliche Bildung der Larv^
hinreichend unterschieden (die Larve ist das von Roux als Necrophi'
lus arenarius beschriebene Insect und von mir neuerdings in Egypteil
wieder aufgefunden worden). Die Mantispidae unterscheiden sich
leicht durch die Fangbeine der vollkommenen Insecten. Die G/«-
phyropteridae , durch die gleichmässige Bildung der Fldgel von Ke-
moptera , der Beine von Mantispa abweichend , zerfallen wieder io
zwei Gruppen JUyrmeleonlini und Hemerobini. Die Larven der er-
stem babüu gezähnte Saugzangen und auf der untern Seite des Ko-
ples liegende, unter den Fühlern hervorragende, mit einem grossen,
elliptischen Grundgliede versehene Lippentaster ; die Fühler der voll-
kommenen Thiere sind entweder geknöpft (^Idyrmeleon und Ascalaphus)
oder in der Mitte verdickt (Nymphes). Die Larven der zweiten Gruppe
(der Hemerobini) haben , so weit sie bekannt sind, ungezähnte Sang«i
Zangen und zwischen den Kiefern hervorragende, auf einem Schildü
chen stehende Lippentaster; die Fühler der vollkommenen Insecten sind
borsten» oder schnurförmig. Es gehören dahin die Gattungen Chry"
sopa, Apochrysa, Hemerobius, OsmyluSy Sisyrä und Coniopteryx (?).
Calalogue of Ihe specimens of Neuropterons Insecls in
the collection of Ihe British Museum. Part, l, (Phryganides-
Perlides). Prinled by order of the trnstees. London 1852.
Der Verfasser dieses Verzeichnisses ist F., Waljte.r r.„80 well
known for his attention lo this order of insects« wie ihn J. E. Gray
in der Vorrede nennt, der aber durch die Arbeit selbst den fJeweis
liefert, dass er nur wenig eigene Untersuchungen auf diesem Felde
gemacht hat. Die Zusammenstellung der Phryganiden und Perliden als
INeuroptera braucht nicht erst widerlegt zu werden ; einige Worte über
die Art der Ausfuhrung werden aber die Richtigkeit meines Ausspru-
ches weiter begründen. — Walker hat, wie in den früher von ihm
ausgearbeiteten Katalogen der Dipteren und Homopteren nicht bloss
die im britlischen Museum befindlichen Arten verzeichnet und die neuen
charakterisirt, sondern auch die sonst beschriebenen — aber ohne
weitere Kritik — ziemlich vollständig compilirt. Auf diese W^eise er-
♦) In der Brauer'gchen Abhandlung kehrt mehrmals der störende
Druckfehler Ncuroptcra statt Nemoplera wieder.
!^36 Schaum: ßeiicht über die Leistungen in der Entomologie
jreicht er in der Familie der Phryganiden die Ziffer von 467 Arten,
von denen nur 163 im brittischen Museum vorhanden sind. Hätte
sich W. aber nur 'die Mühe genommen, die in London befindlichen
Typen der von Stephens aufgestellten Arten zu vergleichen, so v\M"irde
wahrscheinlich ein Dritttheil der 467 Namen als Synonyme weggefal-
len sein, während jetzt z. ß. auf S. 40 fF. 28 von Stephens beschrie-
bene Limnophili unter der Rubrik „group uncertain« aufgeführt wer-
den. Die Diagnosen, durch welche die meisten Arten bezeichnet wer-
den, sind wörtlich aus Stephens , die Charaktere der Gattungen und
,<iruppen wörtlich aus Kolenati entlehnt, die Synonyme sind aus Pictet,
Kolenati und Stephens zusammengestellt, die Reihenfolge der Genera ist
die von Stephens angenommene (in umgekehrter Ordnung). Eigene Zu-
that des Verf. sind in dem Werke nur die Beschreibungen der (93)
neuen Arten, diese geben aber bloss die Färbung der Individuen an, er-
örtern niemals die Unterschiede von verwandten Species und sind da-
her, wenigstens in vielen Fällen, völlig unbrauchbar. — Bei den Per-
lideo hat sich Walker genau an die schöne Alonographie von Pictet
gehallen. *
Hemerobini. Westwood hat eine Synopsis der 33 bis^
her bekannt gewordenen Arten von Mantispa gegeben und 13 neue
hinzugefügt, welche von ihm ausführlich beschrieben und, mit einer
Ausnahme , auch auf 2 Kupfertafeln abgebildet sind. „On the genus
Mantispa wilh descriptions of several new species" in den Trans. EtiVi
Soc. Vol. L S. 252. Taf. 17. u. 18. ♦
Brauer hat die jungen Larven von Mantispa aus Eiern erhal-
ten, welche ein befruchtetes Weibchen in der Gefangenschaft legte.
Die Eier haben, wie die Hemerobien-Eicr, einen langen Stiel, mittelst
dessen sie an eine Pflanze befestigt werden ; es wurden deren im Juli
gegen 300 von einem Weibchen abgesetzt, und im September krochen
die Jungen aus. Eine genaue, mit einer Abbildung begleitete Beschrei-
bung ist in diesem Archive 1852. S. 1. mitgelheilt. Die langen, ge-
raden, vorn zugespitzten Kiefer der Larve weisen der Gattung Mantispa
einen Platz in der Familie der Hemerobini an , und sprechen für eine
räuberische Lebensweise. Die Erziehung der Larven ist nicht ge-
lungen.
Die schöne Arbeit von Hagen über die Entwickelung und den
innern Bau von Osmylus (Linn. entom. Bd. VlI. S. 368—415.) ist schon
oben (S. 146.) besprochen worden.
Pliryg^anides. Von Schneider wurden (Ber. üb. d. Arb.
d. schles. Gesellsch. währ. d. J. 1852. S.102.) die in Schlesien beobach-
teten Arten der Gattung Agrypnia (2) , Anabolia (3) , Phryganea (4)
verzeichnet.
üo[uiu>i.T:»I Vi' während des Jahres 1852. 2ät
liCiiidoptera.
f» Herrich - Schaf fer's „Systematische Beschreibung
der Schmetterlinge Europa's u. s. w.« ist im Jahr 1852 mit
fünf Heften (53 — 57) forlgesetzt worden , der Bericht über
dieselben bleibt aber besser bis zu dem nahe bevorstehen-
den Schlüsse dieses grossen Werkes ausgesetzt.
Von dem Katalog der briltischen Lepidopteren , welchen
der Vorstand des brittischen Museums herausgiebt, sind zwei
neue Theile erschienen. „List of the specimens of british Animals
in the coUection of the British Museum P. X. u. P. XH. Printed
by Order of the trustees." Es liegen in demselben die Familien
der Tortrices und der Cramhidae vor, welche von F. Ste-
phens mit ebenso rühmlicher Sorgfalt, wie früher die Ma-
crolepidoptera, bearbeitet sind (S. Jahresber. für 1850. S. 81.).
Mehrere neue in einem Appendix beschriebene Toririces
werde ich unten namhaft machen.
H. Doubleday hat im Zoologist p. 3580. einige Bemerkungen
über diesen Katalog veröffentlicht, welche sich namentlich auf die Mo-
raenclatur einzelner Arten beziehen , ausserdem aber bestimmt sind,
einen AngriCF von Stephens gegen die von Guenee in Anwendung ge-
brachten Grundsätze der Namengebung zurückzuweisen. Stephens
hat kurz vor seinem im Dec. 1852 erfolgten Tode eine Erwiderung auf
diesen Artikel verfasst, welche im Zoologist 1852. Jan. p. 3733. abge-
druckt ist. Es ist hier nicht der Ort, auf die Einzelnheiten diesci'
Discussion einzugehen.
Von de la Haye's Sonographie des Lepidopteres dtf
France sind jetzt 16 Hefte erschienen. Ein Text ist den
hübsch ausgeführten Tafeln nicht beigefügt.
Notice entomologique sur les environs de Digne et
quelques points des Basses Alpes par M. Donzel (Annal.
d. 1. soc. Linn. de Lyon 1850—52. S. 3—48.).
Der Verf. hat hier die in lepidopterologischer Hinsicht vorzugs-
weise ergiebigen l.ocalitäten erwähnt, auf die daselbst vorkommenden
Schmetterlinge aufmerksam gemacht und schliesslich eine Liste von 205
Macrolcpidopleren gegeben , welche für das Dept. des basses Alpes
charakteristisch sind, und bei denen Fundort und Erscheinungszeit nä-
her bezeichnet werden.
Einen sehr wichtigen Beilrag zur Fauna von Italien und
^dS Schaum: Bericht fiber die Leistungen in der Entomologie
zur entomologischen Geographie überhaupt lieferte Ghiliani
durch die Herausgabe eines Verzeichnisses der im Königreich
Sardinien einheimischen Schmetterlinge „Materiaü per servire
alla compilazione della fauna entomologica ilaliana ossia elenco
deile specie di Lepidotteri riconosciule essistente negli slati
sardi da Viltore Ghiliani'* in den Memorie della Reale Acca-
demia delle Scienze di Torino, Serie II. Tom. XIV. Tor. 1852.
Es. sipd ia diesem Verzeiciioisse 1871 in 401 Gattungen ver-
theilte Arten uamhaft gemacht, gleichzeitig auch das Vorliommen und
die Erscheinüngszeit einer jeden naher bezeicliniet. Da das Königreich
Sardinien aus vier verscliiedenen Faunengebieten, der Insel Sardinien,
Ligurien , Piemont und Savoyen , besteht, so hat Gh. besondere Ru-
hrilien für dieselben angelegt und sie bei jeder Species sorgfällig
ausgßfüllt. A^ni |)^;sten isjt bisher Pipmont ^rforjcht, aiq wenigsten
scheint Ligurien bekannt zu sein. — in einem ersten Anbange hat
der Verfasser sechs neue Arten beschrieben (s. u.) ; in einem zwei-
ten sind nähere Miltheilungen über die Lebensweise , in einzelnen
Fällen auch über die früheren Stände seltener Species, die Beschrei-
bungen bemerkenswerther Abänderungen und Bemerkungen über die
Bestimmungen niedergelegt. — Die wichtige 119 Quartseiten füllende
Abhandlung verdient in vollem Maasse die Beachtung der Lepidoptero-
logen; sie denselben dadurch zugänglicher gemacht, dass der Verf. eine
Anzahl Separatabdrficke veranstaltet hat, welche von demselben bezogen
werden können.
Verzeichniss der Schmetterlinge der Schweiz; 1. Ab-
Ifieilung Te^gfeiller; mit Berücksichtigung ihrer klimatischen
Abweichungen nach horizontaler und vertikaler Verbreitung
bearbeitet von Meyer-Dür (N. Denkschr. d. allgem. Schweiz.
Gesellsch. f. Naturwiss. Bd. XII. 232 S.).
Eine sehr fleissi^e und sorgfältige Arbeit,, in welcher 163 Arten
Tagschmelterlinge verzeichnet sind , nämlich 6 Papilionarii (indem P.
Qralaegi zu dieser Gruppe gerechnet ist), 13 Pierides , 43 Lycaenides,
1 Erycinide [Lucina L.}, 37 Nyinphalides ^ 1 Libytheide, 2 Apaturides,
47 Satyrides, 13 fJesperidae. Die Verbreitung in der Schweiz und die
Erscheinungszeit ist von jeder Art so genau als möglich festgestellt;
die durch das Klima hervorgebrachten Veränderungen, welche Iheils in
den montanen Formen einzelner Species, theils in den Verschiedenhei-
ten der Frühjahrs- und Herbstgeneralionen zur Erscheinung kommen,
sind mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, auch bemerkenswerthe
Abänderungen, selbst wenn sie nicht gerade in der Schweiz beobach-
tet wurden , in den Kreis der Besprechung gezogen. In Bezug auf
Einzelnheiten muss ich mich hier auf einige wenige iMittheilungen be-
/-oloinni;;
Während des Jahres 1852. 239
schräuken. Polyommalus Evrydice l\. (Eurybia 0.) wird als roonlai^#
Form des P. Chryseis uachgewjeseo, welche in Folge ihrer höher ga«<
legenen Flugplatze später im Jahre erscheint. Erebia Eriphyle Fr. ist
der Verf. geneigt als selbstständige Art anzusehen, dagegen sind £re-
bia Euryale E. , Adyle II. und Philomela H. nach der auch schon frü-
her entwickelten Ansicht des Verf. nur Localformen einer Specics.
Sehr ausführlich ist Hesperia friliUum mit seinen Abänderungen he-
haodelt. Als Nebenformen desselben werden bezeichnet: H. Carihaoii
ü. , die grössle Form, Onopordi Ramb. , Fritillum Fr., Alpheus Hb.,
welche den Uebergang zu den drei folgenden montanen Formen bildet,
Alpheus 0. , Cacaliae Ramb. , die nur auf bedeutenden Höhen vor«
kommt, pnd Coecus Fr. , die kleinste am meisten verkümmerte Rerg-r
form. — Auf zwei Tafeln sind einige benierkeqswerthe Abänderungen
abgebildet. — im Vergleich zu einem im J. 1818 erschienenen Verzeich-
nisse der Schweizer Tagschmelterlinge ergiebt sich , dass das gegen-
wärtige nur 15 Arten mehr «nthält. .' : V.
Ad. und Aug. Speyer haben ihre' werlhvolle im Jahf
1850 begonnene Abhandlung über die Verbreitung der Schmet-
terlinge'in Deutschland in der Ent. Zeit. n. 8 u. fF. fortge-
setzt und gegenwärtig die JJombyces in ebenso gründlicher
und erschöpfender Weise wie früher : die Papilioniden uncj
Sphingiden behandelt.
Das Verhältniss der deutsehen zu den europäischen Arten ist ifli
den einzelnen Gruppen folgendes : Z'tf/ipst'Jes 28 : 35, Chelonides 25 : ^6,
Lif arides 16 : 26, Prychides 19 : X, Cochliopodes 2 : 2, Drepanidae
7:7, Sttturnina 4 : 7, Endromidae l : 1 , Bo^ibycides 21 ; 34, Nolo^
kontides 38 : 41, Cossina 6 : 8, Hepialides 7 : 8. Von jeder einzelr
nnn Art ist, wie früher, die geographische Verbreitung innerhalb üeulsclvr
lands so genau als möglich angegeben, und auch das anderweitige Vor-
kommen erwähnt.
Von Heinem^nn ist (ßqt. Zeit. S, 58.) eine Fortset-
zung des Verzeichnisses der bei Braunschweig vorkommen-
den Lepidoptera geliefert worden, (s. Ber. f. 1851. S. 104O>
welche indessen nur einen Theil der Noctuen enthält*, :.pjn;(
V. Franzenau hat in den Miltheil. des Hermannslädter
Vereins einen kleinen Nachtrag zu dem Verzeichnisse der
siebenbürgischen Lepidopleren geliefert (s. Jahresb. f. 1850.
S. 80.).
Von Interesse ist die, wie ich glaube, neue Beobarhiung des
Verf. , dass die Nachtschmellerlinge auf den llonigsaft der Blattläuse
ebenso lüstern sind wie die Ameisen, und dass daher Bäume , welche
240 Schaum : ßericbt über die Leistungen in der Entomologie
hiit Blattläusen besetzt sind, in den späten Abendstunden besonders er-
giebige Fangplätze dem Schmetterlingssammier darbieten.
De Graaf hat in dem von Herklots herausgegebenen
Werke „Bouslopfen voor enne fauna van Nederland« eine
Liste der holländischen Lepidoptera niitgetheill, welche nach
der Angabe von Westvv^ood 864 Arten enthält, darunter viele,
die in Belgien nicht vorkommen. Mir ist die Abhandlung
nicht zugänglich gewesen.
Die schwedische Schmetlerlingsfauna erhielt durch Wal-
lengren (Öfv. Vetensk. Akad. Förh, S. 80. u. 214.) eine
Bereicherung von 31 Arten, unter denen sich vier neue Tineae
befinden (s. u.).
Einen weiteren Beitrag zur russischen Fauna lieferte
Eversniann durch die Beschreibung von 17 neuen Fallern
im Bull. d. Mose. 1852. 1. S. 148.
Berloloni hat in einer vierten Dissertation über die
Insectenfauna von Mossambique (die drei ersten sind Coleo-
pleren gewidwet und im Jahresbericht für 1849 besprochen)
21 Arten Papilioniden und Sphingiden aufgezählt, „lllustra-
zione dei prodotti naturali del Mozambico. diss. IV. Insetti
Lepidopteri Diurni* in den Act. bonon.
Die verzeichneten Species sind : Charaxes lasius , Fapilio An-
iheuSf P. Demoleus, P. Corrineus n. sp., Vanessa Cardui , V. Cleliay
JJeliconia Cephea, Danais Chrysippus, Thecla Elolus^ Ponlia Achine,
P, Agalina, P. Severina, P. Hecabe, P. lüarcellina, Hesperia incon-
spicua n. sp., Synlomis Eunolphos Cr., Macroglossa Picus, Deilephila
Neriif D. Celerio, D. Ranz an i n. sp., Acherontia Alropos; die neuen
sind ausführlich beschrieben und abgebildet, ich werde die Diagnosen
derselben unten mittheilen.
Eine von einem französischen Reisenden Lorquin in Ca-
lifornien gemachte Insectensammlung hat Boisduval Ver-
anlassung gegeben, einige Bemerkungen über den Charakter
der californischen Schmetterlingsfauna in den Ann. d. 1. soc.
ent. S. 275. zu veröffentlichen und die neu entdeckten Lepi-
dopteren zu beschreiben.
Die Bemerkungen des Verf. beschränken sich auf die Rhopalo-
Ceren, indem erst eine sehr geringe Zahl von Heteroceren bekannt ge-
worden ist. Fast alle gehören europäischen Gattungen an, einige sind
-Inorcff.fvJfi?! Während des Jahres 185Ü. irrfiffi)? 241
kogar mit europäischen Arien identisch. Und während man in Califor-
nien Arten der dem amerikanischen Conlinenle sonst fremden Galtuu-
gen Parnassitis und Limenilis anlriüt, fehlen alle exclusiv amerikani-
schen Formen, die Eryciniden , Heliconiden, Leplaiis, Euterpe, Cala-
gramma, Cybdelis, Helerochroa, die Morphiden, Castnien u. s. w. Nur
Danais Are kipp e ^ welche sich von Neu -York bis Paraguay erstreckt,
iindet sich bei Sacramento wieder; Vanessa Carye reicht von Chile
an der Westküste von Amerika bis nach San Francisco , wo sie in
Gesellschaft der Van. Cardui und Hunlera vorkommt. Eine weitere
Uebereinstinimung mit der europäischen Fauna zeigt sich auch darin,
dass die Arten gewisser Gattungen, wie Melitaea, Ärgtjnnis , Lycaena,
Thecla , Salyrus^ Syrichlus , Hesperia in einer grossen Zahl von Indi-
viduen erscheinen. - .- . . . .
Die von Roesel abgelnldelen eui^opäischen Schmetter-
linge sind von Herklo Is in seinem mir nicht zugänglichen
Werke „Bouslopfen vor enne fauna van Ncderland" bestimmt
worden.
Papii2oiie§« Die vier im J. 1852 ausgegebenen Hefte von
llewitson's Exotic bullerllies (F. II — V) enthalten die Beschreibungen
und Abbildungen neuer Arten aus den Gruppen derlPieridae, Heliconi-
dae, Acraeidae, Nymphalidae und Erycinidae (s. u.)
Von G. R. Gray ist das erste Heft eines neuen , mit schönen
Abbildungen begleiteten Katalogs der im brittischen Museum befindli.
eben Tagschmellerlinge erschienen „Cataloguo of Lepidopterous in-
secls in the coUection of the British Museum Part. 1. Papilionidae.
London 1852. 4. Es ist hier nur die Gruppe der Papilionarii behan-
delt, von welcher 367 Arten aufgeführt und 72 auf 13 lithographirten
Tafeln abgebildet sind., Im Texte sind neue Species , unbekannte Ge-
schlechter und bemcrkenswcrlhe Abänderungen beschrieben ; aus wel-
chem Grunde aber die Syiionyniie der bereits bekannten Arten in gros-
ser Ausführlichkeil milgetheill ist, ist um so weniger einzusehen, als
sie bereits in Doubleday's und llewitson's Genera of diurnal Lepido-
ptera vollständig enthalten ist. Die neu aufgestellten Arten sind: Pa-^
pilio iOrniihoplera) Richtnondia vom Bichniond River aus Neu-Süd-
Wales; P. {().) Prono mus (das Weibchen wurde von Westwood aU
Weibchen des Poseidon beschrieben) vom Cap York in Nord - Austra-
lien ; P. (0.) Ar chidens (nur das Weibchen ist bekannt, welches von
Boisdiival Voy. de l'Astr. als Weibchen des Priamus abgebildet ist)
vonCelebes; P. (0.) Euphorion (nur das Weibchen, welches von E.
Doubleday als ein Weibchen von Priamus angesehen wurde) aus Nord-
australien ; sänjmllich aus der nächsten Verwandtschaft des Priamus
Archiv f. Nnturgesch. XIX. Jahrg. 2. Ud. Q
t^2 Schaum:' Bericht fiber die Leistungen in der Entomologie
(und Wohl alle nur localc Abänderungen dieser Art); Pap. Jophon
von Ceylon, dem Diphilus Esp. (Polidorus Cram.) sehr nahe kommend;
f. P^rm«tus, dem Anlicrales Doubl, verwandt, aas Australien ; P.
Palt 0k vom AmBionenflusse, zwischen C«üdius Hb. und Orchamus B.
geslelll; P. Panares von Älexico mit Serapis B. verwandt; P. Ze-
sto6 von Honduras; P. Diceros von l'ara, P. Cixius vom Aniazo-
nenflusse, P. Erlaces aus Bolivien , P, Cypholes aus Südamerika;
iP. Eu irt} bates aus iJolivicn; P. Thelios von Fara ; P. E rget eles
Yöm Amazonenilussc; P,ParsodeSf P.Hierocles und K Aglaope
von Pare ; P. Eupales aus I3rnsilien ; P. C yamon \om Amazonen.
üusie., P. E vag orasW estw. MS. von Venezuela; P. Rhetus ßoisd.
WS. von Gualimala ; P. Aconophos von Fuebla in Mexico; P. Vlo"
pos von Mexico; Parnassius AccOf P. Simo und P. C harat o*
nius von dem 16,000 Fuss hohen Plateau der chinesischen Tarlarei.
Von der Gattung Sericinus Westvv. sind hier vier Arien unterschieden,
nämlich der echte P. Telamon Don. von Peking (nur aus Donovan's Ab-
bildung bekannt), S. Monlela {Telamon Wcstw. et Hew.), S. 7eU
monaf S. For luneiy alle aus dem nördlichen China.
Lucas hat die in der enlomologischen Sammlung des Jardin des
planles befindlichen neuen I*iapiIioniden zu beschreiben begonnen, und
Leireils sechs Dccadcn derselben bekannt gemacht (Guer. ReV. et Wag.
d. Zool. S. 128, 189. 290, 324, 422.).
Papilionarii. — Lucas hat (a a. 0.) folgende neue Arten
dieser Gruppe aufgestellt: Papilio Godartianus von den Inseln des
stillen Meeres, P. Celadon aus Kordamerika, dem Sinon Fabr., mit
welchem er von Cramer vermengt ist, ähnlich; P. Ar cesilaus eben-
falls aus Nordamerika, aus der Verwandtschaft des Ajax; P. Caci^
cus aus Columbien, dem P. Grayi und Cleolas nahe stehend ; P. So"
dalus von Quito, P. Eurydorus aus der Provinz St Catherine in
Brasilien, P. Vhryneus von Cayenne, P. Zelicaon, dem Machaon
überaus ähnlich, aus Californien, P. Rutultts und P. Eurymedotif
dem Turnus sehr nahe verwandt, ebendaher, P. Phronius aus Ca-
yenne, P. Zeuxis von Venezuela, P. Bochus, von Cramer und Go-
dart mit Aeneas L. vermengt, aus Cayenne, P. Orbigny anus aus den
Umgebungen von Coirientes, P. Gayi aus Peru, P, Neodamas, dem
Polydamas und Prolodamas sehr ähnlich, von den Antillen.
Fünf neue Arten sind ferner von Hcwitson (Traos. entom.
Soc. II. S. 22) beschrieben und (Taf. 5. u. 6.) abgebildet worden:
Papilio T elea rchus aus Sylhot, P aus anlas aus Surinam und vom
Amazonenflusse, Chabrias und Orellana vom Amazonenflusse,
Sahontala aus Sylhet.
In Californien sind bisher folgende Arten dieser Gruppe beob-
4
während dos Jahre« 1852. 243
«chlel und von Boisduval (Ann. d. 1. soc. ent. S. 279.) verzeich-
net worden: Papilio Rutulus^ P. Eurymedon, P. Zolic aon,
drei n( ue Arten , P. Pliilcnor Linn, , Pcirnassius Noviion Fisch., Parti.
Smintheus Doubl. , Pnrn. Clarius Eversm. Die californischcn Exem-
plare des letzlern weichen nur unerheblich ybh den sibirischen ab.
Die drei neuen Papilionen und Parn. Clarius sind durch ausführliche
Beschreibungen kenntlich gemacht, die ersleren sind gleichzeitig von
Lucas unter denselben Namen beschrieben (s. o.)
Zu erwähnen ist feiner: Papilio Co rrineus Bertoloni(l.
c.) aus Mossambique: alis dentatis nigris, fascia interrupta maculisqu«
albo-lacteis , subtus nigro>ochraceis , basi rubro-lateritia.
Pierides. — Die californischcn von Boisduval (Ann. d. 1.
soc. enlom. S. 287. aufgezählten und so weit sie neu sind auch be-
schriebenen Arten dieser Gruppe sind: Pieris Sisymbrii, unserer
P. Pfapi etwas ähnlich, F. Leucodice Eversm., P. Prolodice Boisd., An-
Ihocharis lanceolala ^ Anlh. Sara vom Aussehen der Cardamines,
Rhodocera Rhamni L. , Colias Eurythemey vielleicht nur eine Ab-
änderung der russischen Chrysotbeme, Col. AmphidusOf in der
Färbung der Edusa ähnlich, vielleicht nur Abänderung der vorigen.
Lucas theille (a. a. 0.) die Beschreibungen von folgenden im
Jardin d. plantes befindlichen neuen Species mit: Euterpe Caesarea
ans Columbien, E. Notha von Venezuela, E. Hebra aus Columbien,
E. Cora aus den Umgebungen von Cusco (Peru), E. Telasco und
E. tnodesta ebendaher, E. Setniramis aus Columbien, E. Se^
Itennica aus Mexico, E. Beroe von Bogota, Leptalis Lewyi von
Bogota, L. Euryope aus Mexico, L. Foedora von Venezuela, L.
Kollari von Bio Janeiro, Pieris Caesia von Quito, P. Nesba aus
Chili, P. Bereni ce von Sylhet , P. Uotnbronii aus Aniboina, P.
J acquinolii aus IVeu-Guinea, P. Nabis aus Neuholland, P. peru-
viana von Peru, P. abyss inica aus Abyssinien, P. Erota frag-
lich aus Columbien, P. S tamma ta von Venezuela, P. Eleusis aus
Columbien, P. Helena von Quito, P. Nadina von Silhet, P. Phi-
lonome aus Java, P. Ida ebendaher, P. Athoma aus Ncu-Guinea,
P. Xanlho dice von Venezuela und Peru, Antkocharis lanceol at a^
A. Sara beide aus Calilornien (und unter denselben FSamen gleich-
zeitig von Boisduval beschrieben s. o.) , A. Ausonides ebenda-
her, A. Eurygone von Guinea, A. Auxo von Port Nalal , A. Zera.
vom Senegal, A. Isaura aus Abyssinien, A. Celimene ebendaher,
Jdmais Amelia vom Senegal, i. Velleda aus Abyssinien, Gonepte-
ryx Terissa von St. Domingo und Jamaica, Terias sinensis aus
China, T. Zelia aus Columbien, T. angulipennis aus Neuholland.
Von llewitson wurden (Exot, bulterfl. P. 3.). Pteris^^os <»' na
244 Schaum: Bericht fiber die Leistungen in der Entomologie
aus Oslindien, P. Nera aus Quito, P. Malenka von Venezuela und
P. Lorena aus Quto als n. A. beschrieben und abgebildet.
Acraeidae. — Acraea Abdera von Fernando Po, A. Actiaca
von Port Matal, A. Alciope aus dem westlichen Africo, A. Aganice
von Port Nalal und A. Alcione sind fünf neue von llewilson
(Exot. butterO. P. 2.) beschriebene und abgebildete Arten.
Heliconidae. — Die Gattung /(Aomm wurde von Uewitson
(a. a. 0. P. III.) mit sechs und Heliconia mit vier neuen Arten be-
reichert; Ilh. Aelia vom Amazonenflusse, l. Patilla aus Mexico,
/. Leila ebendaher, /. Fiametia aus Südamerika, /. Theo und /.
Tutia vom Amazonenflusse; Hei. Xenoclea unbekannten Vaterlan-
4es, Hei. Anderida aus Honduras, H. Quitalena aus Quito, H,
Aristiona aus Columbien.
Nymphali des. — Die bis jetzt in Californien beobachteten
Arien dieser Gruppe hat Boisduval (Ann. d. 1. soc. ent. S. 301.)
verzeichnet. Sechs derselben sind neu und von B. hier zuerst beschrie-
ben : Limenitis Eulalia Doubl., L. L o rquini, Argynnis Callipp e
grösser als irgend eine der europäischen Arten, A. Zerene, A.
Ast arte Doubl , Melilaea C halce don DoulA., M. Editha, M. Palla,
Hl. pulchella {^Tharos Drury), Vanessa Progne Cr., V. californica,
V. Anliopa L. , V. Atalanta L. , F. Cardui L. , V. Hunlera Fabr. , V.
Carye Hb., V. Coenia Hb.
Zahlreiche, meist neue, Arten dieser Gruppe wurden von Ue-
witson (Exolic bullerflies P. 2. 3. 4 und 5) durch Beschreibungen
und schöne Abbildungen bekannt gemacht: Eresia P hillyra aus Me-
xico, E. Pella vom Amazonenflusse, E. Pelonia aus Quilo, E.
Perilla ebendaher, E. Per na von Rio- Janeiro, E. Polina aus
Quilo; Cybdelis Con c ordia, JC. Cinara, C. Celma, C. Casla^
lioy C. Clylia, alle vom Amazonenflusse, C. Eurola Ciam. ange-
schlossen, mit welcher Doubleday ohne Grund die Galtung CalUanira
gebildet halle; Epicalia Salacia Ilew. $, E. Sabrina Hew. ^, E.
NycUmus Weslw. von Venezuela, E. Penlhia {Nymph. Micalia God. non
Fabr.); Timeles Deriana aus Quito, T.Norica, T. lulelina vom
Aniazonenflusse, Cybdelis Viotima aus Quilo und Bolivien, C. Be-
cliina vom Atnazonenflusse, C. Carela ebendaher, C. Norica aus
Columbien, C. Pharsalia vom Amazonenflusse, Eubagis Serina
Fabr., E. Racidula , E. Decima, E. Erchia ebendaher.
Ferner sind zu erwähnen :
Salyrus Nurag Ghiliani (Wem. d. Accad, di Tor. II. Ser.
Toni. XIV.) aus Sardinien, dem S. HispuUa Esp. verwandt.
Safyruf Ariane, SthenelCf Galaclinus Boisduvaj
wfthrend deg Jahres 1852. 245
(Ann. d. 1 soc. enl. S. 307.) aus Californien. (Ausserdem findet sich
in Californien noch S. californius Doubl.). -
Erycinidae. — Dieser Gruppe fügte H ewi tson (a. a. ü. P.V.)
6 neue Ar(cn von Limnas und 7 von Nymphidium hinzu: L. Xarifa,
von Venezuela, L. Zoega aus Minas Geraes, L. Vnxia von Rio Ja-
neiro, L. Volusia ebendaher, L. Vitula und L. Thyatira vom
Amazonenflusse, N. ArctoSf JV. Agle^ N. Ascolia^ N. Baeolia,
iV. ChaoniOf N, Gela sämmtlich ebendaher und iV. Lycor ias aus
Honduras.
Lycaenides. — Die in Californien von Lorquin gesammelten
Arten dieser Gruppe sind mit Ausnahme von Thecla Melinus tläbn.
(Favonius Boisd.) und Lycaena Fseudargiolus Boisd. et Le C. alle neu
und von Boisduval (Ann. d. 1. soc. enlom. d. Franc. S. 287. be-
schrieben: Thecla S ylvinuSy Th, aurelorum , Tk. saepiuntj Th.
Grunus, Th. iroides, Th. Eryphottj Th. dumelorum, vielleicht
nur locale Ausartung unserer Th. rubi , Polyommalus hypophlaeasy
P. h elloi des j P. G orgoity P. xan thoides , P. Arota, Lycaena
Atnyntula, L. exilisy L. Anla eg on (L. y4cii}on? Westw. et Hew.),
L. XerceSf L. Sa epioluSf L. icarioide Sy L. Pheres, L. Äe-
te ronea, L. En optes , L. PiasuSf L. Antiacis,
Die Raupe und Puppe des Polyommalus Corydon wurde von
Zeller Ent. Zeit. S. 425. beschrieben; die erstere findet sich bei
Glogau stets auf Coronilla varia, deren Blüthenknospen , Blätter und
selbst Stengelspitzen sie abfrisst , geht zur Verpuppung an die Erde,
vielleicht auch in dieselbe, und verwandelt sich stets, ohne einen Fa.
den um den Leib zu spinnen.
Hesperides. — Boisduval hat in den Ann. d. 1. soc. ent.
d. Franc. S. 310 fl'. die zahlreichen in Californien [beobachteten Arten
der Hesperien verzeichnet und, so weit sie neu sind, beschrieben : Eu-
damus Balhyllus Abbot, Thanaos Cervantes Graslin, um wenig grösser
als die spanischen Exemplare dieser Art, Ih. Brno Boisd. et Le C,
Th. juvenalis Fabr., Th. tristis n. sp., Syrichlus Oilus Linn. {Tarta^
rus Hb.), S. ruralisy S. caespitalisy S. scrip t ura , S. erice'
tornm^ vier n. A., Hesperia comma L. , //. syhanus Fabr. , H. syl~
«anotrfcs, H. nemorum, IL agricola, H. partincola, IL r u-
ricola^ //. campestris, IL sabuleti, neue Arten, //. cernes
Boisd. et Le C, H. phylaeus Drur., //. ? vestris n. sp.
Als n. A. ist ferner zu erwähnen: Hesperia ine onspicua
Bertoloni (Act. Bonon.) aus Mossambique; alis concoloribus, oliva-
cco-fuscis, anlicis maculis octo albo - pellucidis angulosis in circulurn
disposilis, posticis pmictis quinque diaphanis subtus visibilioribus.
246^ Schaum: Bericht über die Leistuugen io der Entomologie
]!¥yctalideli.e« Die Gattung Agarista wurde von Boisduval
(Ann. d. 1. soc. ent. d. Fr. S. 320.) mit einer neuen californischen Art
A. guttata bereichert.
Spliing-es. Neue Arten sind^
Deilephila Ranz an i Bertoloni (Act. Bonon.) aus Mosambique:
olivaceo-fusca, alis anticis zonis transversalibus flexuosis obscuris, ma-
culis tribus candidis fere centralibus, postica niaiori angulosa; posticis
margine exlerno obscuriori; abdomine supra zonis fusci^ albisque alter-
nantibus.
Pterogon Clarhiae und Arctonotus lud du s Boisduval
(Ann. d. 1. soc. entom. S. 319.) aus Californien.
. ,, Sesiariae* Als n. A. sind jSesia odyneriformis und hra-
cyoniformis Ghiliani (Mem. d. Accad. d. Tor,, S er. 11. Tora. XIV.)
aps Sardinien zu erwähnen.
Nickerl fand die Puppen von Sesia culiciformis und scoUaC"
formis unter der Kinde einjähriger ßirkenstöcke, welche in Folge von
Verletzungen Risse oder Spalten erhalten hatten. Diese Spalten ma-
chen es dem Weibchen möglich, die Eier mittelst seiner Legeröhre an
den Splint abzulegen (Lotos 1852. S. 114.).
' , . Castniae* Boisduval theilte (Bull. d. 1. soc. ent. d. Fr.
S. LIII.) die von B a]r in Cayenne gemachte Beobachtung mit, dass die
Raupen von Castnia in den Stämmen der Palmen ihre Verwandlung be-
stehen und den Cossus.Raupen auch iniAeussern sehr ähneln. Es ist
Boisduval entgangen, dass diese Thatsache schon von Klug in seiner
Abhandlung über Synemon festgestellt ist (S. Jahresber. f. 1850. S. 89.),
und dass Klug auch bereits die Folgerungen gezogen hat, welche sich
aus dieser Lebensweise für die systematische Stellung der Castnien
ergeben.
Zyg^aenides» Eine neue Art ist Glaucopis latipenjiis
Boisduval (Ann. d. 1. soc. entom. d. Fr. S. 320.) aus Californien.
Bombyces* Als californische Arten wurden von Boisdu-
V al (Ann. d. 1. soc. ent. S. 321.) verzeichnet: Chelonia dahurica Boisd,,
Ch. caja L., Ch. virginalis n. sp., Arclia fuliginosa Linn., A. va-
gans n. sp. aus der Gruppe der Cheloniden, Orgya vetusta n. A.
aus der Gruppe der Bomhyciden, Cossus Robiniae n. A. aus der der
Zeuzeridcn, Sahtrnia E glanl^rina ^ eine selir schöne neue, mit Pro-
serpina Abbot verwandte Art.
Der Coccon des bei Bombay und in China häuiigen und auf
während des Jahres 1852. 1^47
den Bäumen der Gattung Jambolifert .lebenden Bombyx paphi« Fabr.
(mxjlitta Drury) wurde von LaboulbSne beschrieben und abgebildet
(Ann. d. 1. soc. enl. S. 535. pl. 15. N. IV.). Er ist besonders durch
einen 5 Centimeter langen Anhang bemerkenswerth , welcher einem
Biallsliele nicht ganz unähnlich ist. Dieser seltsame Anhang endigt
sich in einem Ringe, welcher den Zweig zu umfnßscn scheint, an den
der Coccon angeheftet ist. Die Seide des CoccQns ist nur leicht zu-
sammengekicht und kann , mit Einschlgss des Stieles qnd dvs Ringes^
vollständig abgewickelt werden , da sie überdem solider ist als die
aller andern bisher untersuchten Gespinnste» so dürfte sie vielleicht für
die Industrie Bedeutung erlangen.
Drei neue französische Arten von Psyche sind von Boisduval
(Bull. d. 1. soc. ent. d. Franc. S. XXII.) mit einigen Worten charak-
terisirt worden; Ps. G raslinella gehört in die Verwandtschaft der
Ps. apiformis, die Flügel sind weisslich , die hintere Hälfte der obern
und der Rand der untern rauchig schwarz , der Sack ist von dem der
Ps. apiformis kaum zu unlerscheideu. Ps. Millierella ähnelt der
Ps. albida , hat aber kürzere breitere Flügel und einen kräftigeren
Körper. Der Sack ist von einem Moose gebildet, welches Hypnum re-
cens zu sein scheint; Ps. st o tnoxe IIa reiht sich an Ps. tabanellä,
muscclla und hirsutella an, ist aber kräftiger, behaarter und etwas
schwärzer als diese drei Arten, der Sack gleicht ^anz dem der nitidella,
ist aber doppelt so gross.
Die brlttischen Arten von Psyche hat Bruand einer Prüfung
unterworfen. AU Resultat derselben hat sich ergeben, das9 Psyche re-
ticella Newm. neu ist; Ps. radieUa Gurt, ist =c puUa ESsp. ; Pf. f|»«>
tidella Sleph. c=: intermediella ; Ps. fenella Newni. = opacelhU. Seh.;
Ps. nigricans Curt. scheint von villosella verschieden zvl sein. (Proc.
Ent. Soc. Vol. II. p.82.).
Der Schmetterling , dessen Raupe auf den Hinterleibssegmenten
der chinesischen Fulgora candelaria gefunden wird und dessen iin vo-
rigen Berichte S. 10. Erwähnung geschah, wurde yqn Rq wring der
entomologischen Gesellschaft in London unter dem rianien Epipy-
rops anomala eingesandt. Proc. ent. Soc. March 1852. Ich habe
Gelegenheil gehabt, denselben aus eigner Anschauung kennen zu ler-
nen und glaube , dass der weisse wollige Puder , mit welchem die
Raupen nach Art eines Coccus bedeckt sind, kein Producl der Raupen
selbst, sondern ein Sack ist, welcher aus dem wachsartigen, durth die
Haulbedeckung hindurchschwitzenden Exsudate der Fulgoren gebildet
wird. Dass die Raupe ein Parasit der Fulgora ist, d. h. von der Kör-
persubstanz der lelÄlcrn sich nähre, ist wohl in keinem Falle anzu-
Tkiihmcn.
548 Schaum: Berichtöber die Leistungen in der Entomologie
Schreiner wies in der Ent. Zeit. S. 101 nach, dass Lithosia
heheola und L. rfe/jre«s« Wännchen.und Weibclien einer Art sind.
f'd .(/!./] .ei .l(j .efö.a .ma .ooa .fr di .noA)
IVoGtuae* Eins der wiclitVgsten enlVmologi^^^^
dem Umfange nach jedenfalls das bedeutendste, welches im J. 1852
herausgegeben wurde, ist eine systematische Bearbeitung der Noctuae
von Guenee. Sie bildet eine Fortsetzung zu Boisduval's bekannter
Monographie der Tagschmetterlinge und führt den Titel „Histoire na-
turelle des Insectes. Species general des Lepidopteres par MM. Eois-
duval et Guen4e tom. V—VII. Noctuelites par M. A. Guenee
Tom. I — III.« Ouvrage accompagne de planches. Paris 8. Der Verf.
hat in diesem überaus fleissigen und gründlichen Werke die Resultate
vieljähriger Untersuchungen niedergelegt und nicht allein eine neue
Eintheilung der Familie gegeben, sondern auch gegen 2000 meist exo-
tische Arten beschrieben. Hinsichtlich der bekannteren europäischen Spe-»
cies hat er sich dagegen auf die Mittheilung der wichtigsten Synonyme
beschränkt. Obgleich das Werk jedem specifischen Lepidopterologen
unentbehrlich ist, halte ich es doch bei der grossen Wichtigkeit des^
selben für angemessen , hier eine gedrängte Anzeige des reichen Int
haltes mitzutheilen. In der Vorrede erörtert der Verf. den Plan seiner
Arbeit und erwähnt die Hülfsmitlel , welche ihm für die Ausfuhrung
derselben zu Gebote standen. Er spricht sich hier ferner über die
Unzulänglichkeit der künstlichen auf einzelne empirische Kennzeichen
des vollkommenen Insectes basirten Klassificationsmelhoden aus, und
bezeichnet die Aufstellung eines natürlichen Systems, dessen Abtheilun-
gen ein Ensemble von Charakteren zur Grundlage haben, und welches
in gleicher Weise auf die Lebensverhältnisse und früheren Stände wie
auf die Gesammtorganisation des Schmetterlinges Bezug nimmt, als die
Aufgabe, deren Lösung er angestrebt hat. Allerdings ist ihm dieselbe
durch unsere geringe Bekanntschaft mit der Naturgeschichte der exoti-
schen Arten bedeutend erschwert worden. Sodann giebt er in einem „Ge-
neralites" betitelten Abschnitte eine ausführliche Darstellung des Baus
der Noctuen in ihren verschiedenen Ständen, und schliessl hieran eine
Uebersicht über die früheren systematischen und faunistischen Werke,
welche sich ebenso sehr durch die anziehende Form , in der sie ge-
schrieben ist, als durch die wohlbegründete und namentlich von natio-
nalen Vorurthcilen völlig freie Kritik, die hier in Anwendung gebracht
wird, empfiehlt. — Den speciellen Theil des Werkes beginnt der Verf.
mit einem Expose der Familienkennzeichen, welches sich seiner Länge
halber hier nicht wohl zu einer Mitlheilung eignet, und stellt es frei,
ob man die Nocluae , dem gewöhnlichen Gebrauche zufolge, zwischen
die Bombyces und Geometrae einschalten oder auf die letzlern folgen
lassen will, indem man dann an diese die Anthophilidae, Erastridae
und Phalanoidae anreiht. Diese letztere Anordnung wurde sich dadurch
?!sn*^mr' während des Jahres 1852. 249
empfehlen, dass die Noctuae ^enuinae Gn. sich auf eine sehr natürli-
che Weise mit ihren verwandten Deltoidae, Pyralidae und den Micro-
lepidopleren verbänden. Die Geomelrae müssten in diesem Falle an
die Bombyces durch die Genera : Amphidasis, Nyssia etc., welche echte
spannende Bomhyces sind, angereiht werden. — Will man sie aber
dem Herkommen gemäss nach den Bombyces folgen lassen, so geschieht
die Verbindung ganz zweckmässig durch die Nocluo- Bombycidae und
die Bombycoidae.
Guenee Iheilt nun das grosse Heer der Noctuae zuerst in zwei
grosse Abiheilungen (Phalanges), in die Trifidae und die Quadrifidaey
welche er wiederum in Tribus zerlegt, von denen auf die erste 3,
«uf die letztere 8 kommen. Für die tste grosse Phalanx Trifidae giebt
er folgende Hauptcharakfere : die Raupen leben in freier Luft, endo-
phytisch oder subterran ; Puppe meist in der Erde sich verwandelnd;
die mehr oder weniger entwickelten Palpen haben das letzte Glied
niemals sehr lang, noch spateiförmig; Flügel von mittler Grösse, die
oberen jederzeit mit einer ausgebildeten Areola oberhalb der Mittel-
zclle (aröole suscellulaire\ die unteren immer weniger consislent, als
die oberen , anders gefärbt, meist einfarbig und ohne Auszeichnung,
die Vena mediana der Unterflögel nur mit drei Aesten , so dass der
erste oder oberste derselben (von Guenee auch nervule independante
genannt) entweder fehlt , oder nur rudimentär vorhanden ist und im
letzteren Falle gegen die Mitte der Zelle , dicht bei der Zellularfalte
eingefügt ist. In der Ruhe sind die Unterflögel zusammengelegt und
gänzlich von den oberen bedeckt, welche gegen die Fläche, worauf
das Thier sitzt, eine mehr oder weniger geneigte Richtung haben. —
Zu dieser sehr homogenen Phalanx gehören etwa «9/20 unserer euro-
päischen Eulenspecies. Sie zerfällt in folgende 3 Tribus :
1) Bombyciformes Gn. mit 3 Familien :
a) NoclnO'Bombycidae Bsdvl. Vaterl. beide Continente. Beisp.
Thyatyra derasa Lim. — Cymntophorn rvficollis W. V.
b) Bryophilidae Gn. Vaterl. Europa und Amerika. Beisp. ßrt/o-
pkila fraudatricula Hüb.
c) Bombycoidae Bsd. enthältEuropäer und Exoten. Beisp. ilcro-
nycta Psi Linn.
2) Genuinae Gn. mit 10 Familien:
a) Leucanidae Gn. Vaterl. die ganze Welt. Beisp. Leticanm furca
Linn., pudorina W, V.
b) GloltuHdae Gn. enthält fast nur Exoten. Beisp. Gloltula pan-
cralii Cyrillo.
c) Apamidae Gn. Vaterl. die ganze Welt. Beisp. Gortyna fla-
vago W. V., Neuria saponariae De Geer, Heliophobus popularis
Fab., Episema trimacula W. V., Luperina cespitis W. V., ilom
tnesira brassicae Linn., Apamea gemina Hüb. etc. ^^^^^''"^rr
550 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
d) CaradrinidaeBsd. enthält fast nur Europäer. Belsp. Caradrina
alsines Brkh., ambigua W. V.
r» ^ e) Noctuidae Bsd. Valerl. die ganze Welt, ßeisp. Agrotis vaU
Ugera Vf.\., Irilici Linn., Triphaena fimbria Linn., Noctua
depuncta Linn.
f) Orthosidae Gn. VaterL Europa und Ameiika. Beisp. Trachea
piniperda NaturL , Taeniocampa gothica Linn. , Orlhosia YpsU
Ion W. V., Ceraslis vaccinii Linn., Xanthia cilrago Linn.
g) Cosmidae Gn. Vaterl. Europa und Amerika. Beisp, Telhea
relusa Linn., Euperia fulvagoVil.\.j VicyclaOo Linn., Cosmia
trapeiina Linn.
h) Hadenidae Gn. Vaterl. die ganze Welt. Beisp. Dianthoecia
cucubali W. V., Hecatera dysodea W. Y. , Folia chi Linn., Va~
leria oleagina W. V., Miselia bimaculosa Linn., Jaspidia celsia
Linn. , Phlogophora meliculosa Linn. , Aplecla herbida W. V.,
Hadena satura W. V.
i) X^Jlinidae Gn. Vaterl. Europa und Amerika. Beisp. Lilho-
campa ramosa Esp., Cloantha perspicillaris Linn-, Xylina con^
formis W. V. , CucuUia Verbasci Liun. , Cleophana anlir-'
rhini Hüb.
k) Heliothidae ßsdvl. Vaterl. die ganze Welt. Beisp. Ckariclea
delphinii Roes. , HeliQthis dipsacea Linn., Anihoecia cardui Esp.
Anaria myrtilli Roes.
3) Minores Gn. mit 5 Familien :
a) Haemerosidae Gn., eine sehr kleine Familie bestehend nur aus
2 Species : Haemerosia renalis Hüb. aus Südfrankreieh und
Ijepidotnys irrenosa Gn. aus Kordamerika.
b) Aconlida». Bsd. enthält Europäer und Exoten. Beisp. AgrO'
phila sulphuralis Linn., Acontia solaris W. V.
c) Erastridae Gn. Valerl, die ganze Welt. Beisp, Eirastria fu-
scula W. V., Bankia argentula Esp.
d) Anthophilidae Dup. Vaterl. die gaqze Wejt. Beisp. Hydrelia
unca Linn. , Leptosia velox Hüb , Micra paula Hüb., AnlhO"
phila amo^na Hüb.
e) Phalaenoidae Gn. Vaterl. Europa. Beisp. Brephos parthe-
nias Linn.
Die 2te grosse Phalanx der Quadrifidae wird so charakterisirt:
die Raupen leben in freier Lull; Puppe niemals zur Verwandlung in
die Erde gehend; Palpen immer sehr entwickelt, anfßleigend, lang,
niemals niedergebogen , des letzte Glied gewöhnlich lang und faden-
förmig, zuweilen spalelförmig; Flügel meist breit, die unteren sehr
entwickelt, oft wie die oberen gefärbt und seihst gezeichnet, die vcna
mediana derselben in 4 deutliche, gleich starke und bei ihrer Insertion
genäherte Aesto zcrUtcill. In der Ruhe bildeo die Flügel ein sehr
.'«o!oh<ö?7j/Ti.' während de« Jahres 1852. 251
flaches Dach, oft sind sie ausgebreitet und theilweis offen. — Sie zer-
fallen in 8 Ti'ibus und zwar:
1) Sericeae mit 2 kleinen, wohl begrenzten , exotischen Familien :
a) Palindidae Gn. Beisp. Palindia alabastraria Hüb.
b) Dyopsidae Gn. Beisp. Dyops ocellata Cr.
2) Variegatae mit 8 Familien:
a) Eriopidae Gn. Vaterl. die ganze Erde. Beisp. Eriopus pleri-
dis F.
b) Eurhipidae Gn. enthält Europäer und Exoten. Beisp. EurhU
pia adulatrix Hüb.- ' * -^ ..ij ■
c) Placodidae Gn. Vaterl. Europa und Nordamerika. Beisp. P/ö-
codes amethyslina Hüb.
d) Plusidae Bsd. Vaterl. die ganze Erde. Beisp. Abrostola urti»
cae Hüb., Plasia gamma Linn.
e) Calpidae Gn. enthält Europäer und Exoten. Beisp. Calpe tAa-
liclri Brkh.
f) Hemiceridae Gn. Vaterl. fast nur Amerika. Beisp. Hemiceras
meona Cr.
g) Hyblaeidae Gn. Vaterl. Indien, Afrika und Amerika. Beisp.
Hyblaea pnera Cr.
b) Conopteridae Gn. mit Ausnahme der bekannten europ. Gono-
ptera libatrix Linn. nur Exoten enthaltend.
3) Intrusae mit 3 Familien:
a) Amphipyridae Gn. Vaterl. die ganze Erde. Beisp. Amphipyra
pyramidea Linn.
b) Toxocampidae Gn. VaterL die ganze Erde. Beisp. Spinlhe-'
rops spectrum Esp., Toxocampa craccae MV. V.
c) SUlbidae Gn. mit einer curop.Art: Stübia hybrida Hüb. {stag-
nicola Tr.).
4) Extensae mit 3 Familien :
a) Polydesmidae Gn. enthält nur Exoten. Beisp. Polydestna «m-
bricola Bsdvl. von ÜUadagascar.
b) Homopleridae Bsd. enthält Exoten. Beisp. Homoptera lunala
Drury und eine einzige neuerlichst entdeckte europäische Art :
Älamis albidens Hsch.
c) Hypogrammidae Gn. enthält nur Exoten. Beisp. Hypogrammä
dainonia Cr.
5) Limbatae mit 5 Familien :
a) Calephidae Gn. Vaterl. die ganze Erde. Beisp. Calephia aU
chymista Geoffr.
b) Bolinidae Gn. , mit Ausnahme der Bolina Cailino Lcf. , alle
anierikaniscli.
c) Uypocalidaa Gn. enthält nur Exoten. Beisp. Hypocala andrem
mona Cr.
1^53 Schaum: Bericht fiber die Leistungen in der Entomologie
d) Catocalidae BsdvI. Valerl. Europa und Nordamerika. Beisp.
Calocala fraxini Linn.
e) Ophideridae Gii. enthält nur Exoten. Beisp. Ophideres fullo'
nica Linn. (Pomona Cr.).
6) Patulae mit 4 Familien ,
a) Erebidae Gn. enthält nur Exoten, ßeisp. Thysania Agrippina
Cr., Erebus odora Linn.
b) Ommatophoridac Gn. Bewohner der alten Welt mit Aus-
...,- schluss Europa's. Beisp. Ommatophora luminosa Cr.
c) Hypqpyridae Gn. Valerl. Asien und Afrika, ßeisp. Hypopyra
vespßrlUio F,
d) Bendidae Gn. enthält nur Exoten. Beisp. Bendis pelidnalis
Hüb., Hinna Hüb.
7) Serpenlinae mit 4 Familien:
a) Ophiusidae Gn. Vaterl. die ganze Erde. Beisp. Ophiodes
Tirrhaea Cr.
b) Euclididae Gn. enthält Exoten und Europäer, ßeisp. Euclidia
mi Linn.
c) Poaphilidae Gn. enthält Exoten und eine europ. Gattung :
Phytometra Haw. mit 2 Arten : sanctißorenlis Bsd. und ae-
.,, -> nea W. V.
d) Remigidae Gn. enthält nur Exoten. Beisp. Remigia frugalis F.
8) Pseudo-Delloidae Gn. mit 3 Familien :
a) Focillidae Gn. enthält Exoten und eine europ. Art: Zethes
insularis Ramb.
b) Amphigonidae Gn. enthält nur Exodcn. Beisp. Teralocera
ericala Cr.
c) Thermesidae Gn. enthält nur Exoten. Beisp. Thermesia gem-
matalis Hüb.
Ken aufgestellte Arten sind :
Anlhophila cinerina Ghiliani (Mem. d. Accad. d. Tor. II. Scr.
tcm. XV.) aus Sardinien.
Leucania albiv ena und fuscilinea Graslin (Ann. d. 1.
soc. enl. S. 405. pl. 8. N. 1.) von der Küste des westlichen Frankreichs,
Stilbial p hilop ali$ desselben (ebenda) von Marseille, aus der
Verwandtschaft der Stilbia stagnicola.
Cosmia vulp ecula, Hadena multicu s pis , H. bidensy H.
furca, U. subconligua, H. felina^ Leucania al biradios a
Eversmann (Bull. d. Mose. 1852. L), sie sind theils am Ural, Iheils
im östlichen Sibirien zu Hause , die letzte bewohnt das russische Ar-
menien.
Von Boie sind Bemerkungen über einige Kocluen-Arten in der
Eni. Zeil. S, 382 raitgcllicilt worden. — 1. JV. Frcyeri Boic Isis 1835
während des Jahres 1852. mrcr'o?- 253
aa A', furva VV. V. — 2. N. dubiosa Tr. , die Kaupe lebt im Innern
von Kohrstengeln und ist hier kurz beschrieben. B. ist geneigt, die
Art zu Nonagria zu stellen. — 3. N. obsolela Hb. die Raupe lebt in
Gesellschaft der vorigen in liobrslengeln (Arundo phragmilis). — 4.
N. rurea, die Tuppe wurde ebenfalls von B. in Rohrsloppeln gefun-
den. — 5. iV. ripae And., die Raupe kommt am Ostseestrande familien-
weise auf Salsola Kali vor, und wird hier beschrieben. — 6. N. ha-
iilinea W. V. , die Kaupe lebt am Seeufer auf Elymus arenarius und
zeigt die grösste Uebereinstimmung mit den gemeineren Raupen von
Leucania, wohin die Art auch zu stellen ist.
Eine Abänderung der Calocala elocata mit gelben Hinterflügela
wurde von Euss (Alittheil. des ilermannst. Vereins S. 110.) erwähnt.
Neustadt macht im Berichte über d. Arb. d. schles. Gesellsch.
währ. d. J. 1852. S. 98. die schlesischen Arten der Eulen-Gallungen
Leucania (9) und Nonagria (5) namhaft und theilt ?(olizen über das
Vorkommen derselben mit.
Die Naturgeschichte der Agrolis segelum, welche in England den
Rüben nachlheilig wird , indem sie die Wurzeln derselben zerstört,
Löcher in den Bulbus frisst und auch die Blätter angreift, wurde von
Wes twood Gardener's Chronicle S. 741 geschildert und in einem Holz,
schnitte dargestellt.
Creometrae« Drei neue Arten von Geometra aus den baier*
sehen Alpen, G. scripturata, proluata und g a chtar ia wur-
den von Frey er in der Ent. Zeit. S, 153 mit einigen Worten cha-
rakterisirt.
Zell er unterschied in der Ent. Zeil. S. 180. drei nahe mit ein-
ander verwandte Spanner- Arten , Geometra sicanaria n. sp. {cala-
hraria Zell. Isis) aus Sicilieu, calabraria Hübn., Tr. {Calabra Fet.) aus
Italien und Üalmalien und iabidaria Zell, aus Klein - Asien. —
Derselbe stellte (ebenda S. 184.) eine neue kleinasialische , mit G.
ernulariaTr. in nächster Verwandtschaft stehende Spannerarl unter dem
Kamen von G. flaccidaria auf.
Eversmann beschrieb (Bull. d. Mose. 1852. I.) als n. A. En^
nomos anicul a r ia aus den Steppen an der Wolga, E. conlinua'
ria, Aspilales curtaria beide von Irkutsk, A. flavidaria an der
unlcrn Wolga, Amphidasis lanaria am Uralflusse einheimisch.
Boarmia ic hnusaria aus Sardinien und Melanlhia bicuspi^
daria von Turin sind von Ghiliani (Wem. d. Accad. d. Tor. II. Scr.
Tom. XV.) als n. A. aufgestellt worden.
Bruand hat sich in den Ann, d. 1. soc. enlomS. 51. gegen die
Q54 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
von Herrich- SchaefTer aufgeslellle und von Delaharpe in einem mir
nicht zugänglichen Verzeichnisse der Schweizer Phalaenen (Bull. d. 1.
SOG. Vaudoise d. sc. nat. n. 22.) angenommene Klassification der Span-
ner ausgesprochen, insofern dieselbe fast ausschliesslich auf Verschie-
denheiten des Flügelgeäders gegründet, die Mängel einer jeden künst-
lichen Eintheilung besitze. Die principiellen Einwendungen des Verf.
enthalten Wicht», was nicht schon bis zum üeberdruss© erörtert wäre.
itinl •;
UM ' Pyralides. Neue von Eversmann (Bull. d. Mose. 1852.
N. I.) aufgestellte Arten sind: Botys pereg rinalis von Irkutsk, B.
SedakowialiSf B. costalis aus dem östlichen Sibirien, Hercynia
expansalis aus den Vorgebirgen des Urals, Ennychia melaleuc a~
lis von Irkutsk.
,„,„j,, Tortrices« Als neue brittische Arten wurden von Stephens
(List of Bril. Anim. P. X.) beschrieben: Oxigrapha S ca tana Guen.,
Peroneal caledoniana , Paramesia S hepherdana^ Lühographia
excruciana, geminana^ Baclra nigrovitt ana , Poecilichroma
Stabilana, Pamplusia al lico lana, Dichrorampha consor tana,
Cnephasia p erp lexana , incanana, co gnatana , Argyrotaenia
fuscociliana, Eupoecilia atricapil ana.
Die Katurgeschichte der Tortrix {Phibalocera Sleph.) quercana
wurde von Westwood Gard. Chron. S. 261.) geschildert und durch
jHoIzschnitte erläutert.
Tineae. „Die Schaben mit langen Kiefertastern« sind von
Zell er im 6ten Bande der Linn. ent. S. 81— 197. beschrieben wor-
den. — Unter den Tineaceen zeichnet sich eine gegenwärtig aus sie-
ben Gallungen bestehende Gruppe, „Tineacea plicipalpia" von
Z. benannt, nicht nur von den ihr nahestehenden Abiheilungen, son-
dern von allen Lepidoptcen durch die Beschaffenheit der Kiefertaster
aus; diese sind nämlich vier- bis sechsgliedrig , gewöhnlich länger
als die Lippentaster und laschenmesserarlig zusammengelegt. Durch
den Aufenthalt vieler ihrer Raupen in tragbaren Röhren und dadurch,
dass nicht seilen auf manchen Stellen der Flügelfläche Haare statt der
Schuppen sich befinden, tritt diese Gruppe mehr als jede andere Fal-
terablheilung an die Phryganiden heran. Von den sieben dahin gehö-
rigen Gattungen hat der VerL Incurvaria, Micropleryx und Nemo-
phora schon im fünften Bande der Linn. entom. behandelt (Sr Jahrcsl).
f. lb5L S. 119.) und liefert gegenwärtig die Beaibeilung der noch feh-
lenden Gallungen Ewp/ocamus Latr. mit 6, Tinea mit 38, Eriocollis Ze\L
mit 1, Lampronia Steph. mit 7 Arten , von denen 5 Tinea und l Lowi-
pronia neu sind.
Sieben Tineaceen • Gattungen , welche eine Gruppe von Sacklrä-
während des Jahres 1852. 255
gern bilden, deren weibliche und männliche Fuppen beim Auskriechen
aus dem Haupenhause hervordringen, hat Zeller i» 7. u. 8. Bande
der Linnaea enlomologica monographisch zu bearbeiten begonnen : 1.
Lypuaa n. ü. auf Tinea maurella Hb. Tr. gegründcl. — 2. Talaepo^
ria Hb., Z. mit 3 A. pubicornis llnw. , polUella Ochs, und pseudobyni-»
cella Hb. — 3. Solenobia (I)up.) Z. 6 A., claihrellaV- li.^ Mannii
n. A., Pineti n. A , Iriquetrella F. K., inconspicuella Slaint., conspuT"
caUlla Z. (Trt/. lichenella Linn., welche ohne Begattung Eier legt, aus
denen Raupen auskriechen , ist in einem Anhange zu T. triquetrella
kurz besprochen). 4. Diplodoma Z. 1 A. marginepunclella Steph. —
5. Xymast odotna Z. 3 A. melanella Haw., astrella HS. und argen*
timaculella Staint. Die beiden letzten artenreichsten Gattungen Adela
Latr. und iVemo/ois Hübn. sind im achten, erst 1853 erschienenen Bande
der Linn. entom. behandelt.
Stainlon hat in der Entom. Zeit. S. 77— 90. eine Abhandlung
fiber die in England einheimischen 36 Arten von Lilhocolletis gelie»
fert, in welcher die auch in Deutschland vorkommenden und von Zel-
ler beschrielvenen nur mit Bemerkungen begleitet , die eigenlhömlich
briltischen dagegen ausführlich beschrieben sind. Die letzlern sind
acht an Zahl, nigrescenlella Logan , quinquegutlelia Staint. , carpinico-
lella St., caledoniella St., coryfoliella Haw., viminiella Sircom, ulicico"
Ulla St., irislrigella Haw. (var. slrigifasciella St.). Unter L. pomonella
Zell, unterscheidet St. zwei Arten L. deßexella St., welche die Schle-
henslräucher im Alai bewohnt und spinicoleUa Mann , welche im Juli
erscheint. In L. salicicolella Sircom glaubt St. L. capracella ISiceili zu
erkennen.
Die Beschreibung einer neuen Art \oa Lilhocolletis , welche bei
Stellin auf Elsen entdeckt und L. st ettinensis benannt ist, hat Ni.
celli in der Eni. Zeit. S. 219. geliefert.
Vier neue in Schweden entdeckte Arten Argyreslhia (Cedesiis)
auritinctella, der A. gysseleniella am nächsten verwandt, OecO"
phora xanth 0 cephale lla^ der Oe. tinctella Hb. nahe stehend (S.81.),
ElacMsla Bohemanij der E. tristiclella 'ähnlich und E. Zetter»
sledlii aus der Verwandtschaft der atricomella und bisticttlla wurden
von VVallengren Öfv. Velensk. Ak. Vörh. S. 80. u. S. 214.) bekannt
gemacht.
In dem kürzlich ausgegebenen Berichte des Tauschvereins fiber
d. J. 1848 — 50 hat iMartini zwei neue Arten Hypsolophus limosel*
Ins und Depressaria Hb anotidella beschrieben und Bemerkungen
über die Ranpen einiger Tineiden milgetheilt. Phyeidaea hinaetella
lebt im Herbst auf den Blüthen von Senecio Jacobaea ; Micropleryx An^
derschclla minirt wahrscheinlich in Eichenbiättern ; Depressaria emeri"
tella findet 8i<;h im Jali zwischen zusammengesponnenen Blättern yoq
256 Schaum: ßericht über die Leistungen in der Entomologie
Tanacelum vulgare; Oposlega laburnella nährt sich von Cytisus Labur-
num; Hypsolophus limosellus lebt bei Jena in röhrenlörmig vereinigten
Blättern von Fragaria vesca, Trifolium, Scabiosa arv^nsis ; Depressaria
Libanotidella aut den Umbellen von Libanolis montaua ; Ypsolophus
Schmidliellus auf üriganum vulyare. Diese Bemerkungen sind von
Douglas ins Englische übersetzt auch in den Proc. Ent. Soc. Vol. II.
S. 28. abgedruckt worden.
Douglas haldie Raupen und ' Puppen einiger Arten von Ge-
lechia und Coleophora in den Trans. Ent. Soc. S. 75. beschrieben
(„Cöntribulions towards the natural history of British Microlepidoptera.")
und auf Taf. X. und XI. diese Arten in allen Ständen abgebildet. —
Gelechia contigua Haw. , Dougl. Die Kaupe findet sich ausgewachsen
Milte April in den jungen Endschösslingen von Stelfäria holostea, deren
Blätter sie zu einer Wohnung zusammenklebl. — G.'blandella F. R.,
Zell., nährt sich als Raupe Anfangs ebenfalls von den jungen Schöss-
lingen , später von dem Samen der Stellaria holostea. — Die Raupe
von G. fralernella Dougl. lebt auf den jungen Schösslingen von Slel-
laria uliginosa. — Celeophora albüarsella Zell. Die Sacklrägerraupe
lebt auf Glechoma hederacea; C. alcyonipenella Zelt, auf Centaurea
nigra; C. solitariella auf Stellaria holostea.
Von West wood haben wir in Gardener's Chronicle ausführliche
durch Holzschnitte erläuterte Schilderungen der Kaiurgeschichte von fol-
genden drei Arten erhalten: l. Argyromyges ru fic apüella WdiW. (S. 292.),
deren Raupe in Rosenblältern minirt; Zeller hat diese Art unler^dem
Namen Neplicula Samialella beschrieben und hält A. alricapitella Haw.
für das Männchen derselben. Da W. gleichzeitig mit A. ruficapitella
und unter ganz gleichen Verhältnissen ein Exemplar der Nept. cenli-
foUella Zell, erzog, so erhebt er Bedenken gegen die Richtigkeit der
Zeller'schen Angaben und meint, dass die spccifische Verschiedenheit
dieser Thierchen einer nochmaligen Prüfung zu unterziehen sei. — 2.
Galleria alvearia Fabr. (S. 420.) ist bekannllich nächst G. melonella L.
der gefährlichste P'eind der Bienenstöcke. — 3. Gracillaria V. flava
Haw. lebt als Raupe von den Korkslöpseln der Weinflaschen.
Kleine Beiträge zur Naturgeschichte einzelner Tineen sind fer-
ner von Douglas in den Proc. Ent. Soc. Nov. 1851, Febr. 1852, von
Wilkinson ebenda Jul. 1852, von Smith Aug. 1852, von Lowe im
Zoolog. Apr. 1852. beigesteuert worden. Ich erwähne hier nur, dass
die Raupe von Ephestia ficella von getrockneten türkischen Feigen sich
nährt, und dass Oecophora lacteella sowohl aus dem Korke von Wein-
flaschen , als aus dem Wachse eines Nestes von Bombus Uaiellus er-
zogen worden ist.
Von Heeger wurde (Sitz. Ber. d. Wien. Acad. S. 278. Taf. 29.
und 30.) die Naturgeschichte der Oposlega tremulella F. R. und der
oi^ofofnolfiTI tf)\ während des Jahres 1852. rnunifr^r^ 28f
LithocoUetis (Ornix) emberüaepenneUa geschildert und durch Abbildun-
gen der veischietleneri Stände erläutert. Die Puppen der erstereo
überwintern in den Hlättern der ilaliänischen Pappeln, die Raupen
machen sehr llaclic , dem Auge kaum bemerkbare , unregelmässig ge-
wundene (länge in den Blättern; unter günstigen Umständen giebt es
zwei üeneralionen im Jahre. Die zweite Art hat regelmässig zwei Ge-
nerationen; die von Lonicera talarica lebenden Kaupen unternagen nur
die Unterhaut des Blattes, ohne Gänge zu machen , nach der zweiten
Häutung bespinnen sie die nacktgewordene Haut des Blattes, wodurch
die Verkrüppelung desselben erst bemerkbar wird,
PteropUorf*)iv;^llllpr fj^at :yn sechsten Bande der Linnaea
entom. eine Revision der Plerophoriden erscheinen lassen , welche die
im J. 1841 von demselben Verf. gelieferte Monographie dieser Familie
sehr wesentlich vervollständigt und in einzelnen Fällen berichtigt. Die
Zahl der Arten hat sich nämlich in den letzten zehn Jahren vorzüg-
lich durch die unermüdliche Thäligkeit des jm Entdecken der MicrOr
lepidoptera bewunderswürdig geschickten Mann fast verdoppelt, indem
derVeif., welcher 1841 nur 1 Agdislis (Adaclyla), 35 Fterophorus und
4 Alucita unterschied, gegenwärtig 7 Agdislisy 60 Plerophorus, l Deu»
terocopus (neue auf eine neue javanische, D. Tcngisf römii be-
nannte Art gegründete Galtung) und 8 Alucita aufführt. In der v^if-
liegenden Arbeit sind nur von den noch unbeschriebenen Arten und
von denjenigen , welche besonders schwierig zu erkennen sind , aus-y
führliche Beschreibungen geliefert, dagegen ist die Synonymie überalli
vollständig mitgetheilt,
Bigo l hat^in den'Ann. d. 1. sot. eritom. d! f^^ranc. 1852.
S. 471-489 den Versuch einer allgemeinen Klassification der
Dipteren mitgetheilt, welcher sich durch das Bestreben, die
Zahl der einzelnen Tribus und Subtribus nicht unnöthig zu
vermehren, und eine auch dem Anfänger brauchbare Ueber-
sicht zu geben, so wie durch eine meist passende Wahl der
Namen für die einzelnen Abtheilungen empfiehlt. In dem 1853
erschienenen Bande der Ann. d. 1. sog. entom. de Franc.
S. Q95 — 317 vertheidigt er sein System gegen mancherlei
ihm zugegangene Einwürfe und Bedenken und modificirt es
in einigen minder wesentlichen Punkten.
Die allgemeine Uebersicht , welche B. am letzt genannten Orte
giebt, ist folgende: P/tancro cera. Fühler deutlich, niemals alrophirt.
I. Fühler aus mehr als fünf Gliedern bestehend, immer bor-
Archiv f. Naturgesch. XlX. Jahrg. 2. Bd. R
^6S Schaum: Bericht fftoF tue Leistängen fn der Entomologie
Blen., faden- oder perlschnurförmig; fast immer mehr als drei Glie-
der an den Palpen. 1. Tipulidii.
HKi" 'll.' Die Fühler bestehen aus weniger als fünf Gliedern, sind nie
borsieh- oder fadenförmig, selten perlschnurförmig, die Taster haben
niemals mehr als drei Glieder.
A. Drei Pulvillen an den Füssen, a. Das 3. Fühlerglied er-
scheint geringelt oder gegliedert, die Fühlerborsle fehlt oft. 2. Ta-
hänidii. — b. Das 3. Fählerglied erscheint einfach, gewöhnlich findet
»ich eine Fühlerborsle oder ein Fuhlergriffel. a. Kopf mehr oder we-
niger hemisphärisch, von gewöhnlicher Grösse, Thorax und Abdomen
normal, a. Der Fuhlergriffel besteht aus vier Gledern. 3. Nemeslri^
nidii. ß. Der Fuhlergriffel ist einfach. 4. Leptidii. — b. Der Kopf ist
sphaerisch, klein, Thorax und Abdomen angeschwollen. 5. Cyrtidii.
B. Z>yei Pnlvillen an den Füssen , welche bisweilen alrophirt
sind oder ganz fehlen.
a. Drittes Fühlerglied mit Endborstc oder Endgriffel, welche
oft verdickt und nicht borstenförmig ist , bisweilen auch ganz fehlt ;
mitunter ist das 3. Glied geringelt, wenigstens an der Spitze. 1. Es
fst ein Knebelbart vorhanden, der Scheitel ist sehr concav. 6. A$ilidii.
2. Der Knebelbart fehlt, der Scheitel eben oder schwach concav. a,
Taster abgeplattet, einem Parallelogramm ähnlich. 7. Apotneridii {Apo^
mera Westw., Pomeracitae Macq.). ß. Taster mehr oder weniger oval,
abgeplattet oder cylindrisch. •{; Die Lippen des Rüssels sind unten
vereinigt, die Taster bedecken den Rüssel nicht, sind von gewöhnlicher
Form. + Das männliche Copulationsorgan ohne hervorstehende An-
hänge. * Erstes Fühlerglied von gewöhnlicher Länge, o Hinlerfüsse
nicht erweitert, d- Die Flügel ohne falsche Ader, (p Rüssel nicht
geknickt. | Kopf sphärisch. 8. Empidii {Hybolidae j Empidae Macq.).
— II Kopf mehr oder weniger bemisphärisch. 9, Bombylidii (Xylolo-
midae, Bomhylidae, Anlhracidae, Scenopinidae). — (fitp Rüssel geknickt.
10. Conopsidii. — &d- Flügel mit einer falschen Queräder. 11. Ceridii.
— 00 hinlerfüsse erweitert. 12. Plalypezinidii. — * * Erstes Fühler-
gli>ed ausserordentlich lang. 13. Longinidii. — -] — [- Männliches Copu-
lationsorgan mit hervorstehenden, lamellen- oder borstenförmigen An-
hängen. 14. Lonchopterinidii, — ff Die Lippen des Rüssels erschei-
nen unten wie oben gelrennt, Taster abgeplattet, bedecken wenigsten«
die Basis des Rüssels. Männliches Copulationsorgan mit hervorstehen-
den lamellen- oder borstenförmigen Anhängen. 15. Rhaphidii [Doli'-
chopodii Macq.).
b. Drittes Fühlerglied gewöhnlich einfach, mit Borste oder Griffel.
a. Die Lippen des Rüssels erscheinen unten wie oben getrennt. Taster
abgeplattet, bedecken wenigstens die Basis des Rüssels. Copulationsorgan
des Männchens mit vorstehenden lamellen- oder fadenförmigen Anhän-
gen versehen. 16. DoUchopodii. — ß. Die Lippen des Rüssels sind
j{ .bii .iL .sitteL JiiJL .itw93^ajÄ/
wahrend des Jahres 1850. 25$
«Uten Ycreinigt, die Taster von gewöhnlicher Form, bedecken den Rus.
sei nicht. Copulalionsor^an des iMörinrhens ohne vorstthende Anhänge.
f Die Flügel mit einer falschen Ader. 17. Stjrpitidii — f -J- Die Flü-
gel ohne falsche Ader. * Der Hüssel ist rudimentär oder fehlt ganz.
18. Oeslridii. — * * Der Uüssel ist deutlich und normal. 19. Mnscidii.
Cryptocera. Fühler undeutlich, mehr oder weniger atro-
phirl. A. Kopf von gewöhnlicher Grösse. 20. Coriacidii. — B. Kopf
klein oder rudimentär. 21. Nycleribidii: •iji»J*vi.*> ,i >!..;;
Auf die speciellen Gliederungen d^^^' Syä(c^ms'iirifnefrüä)b der ein-
zelnen Tribus einzugehen, verbietet der mir zugemessene Raam, wohl
aber möge hier eine Beurthcilung der Arbeit Platz finden, welche mir
von Prof. Loew niitgetheilt ist. „Ueber die Reihenfolge, in welcher
der Verf. die einzelnen Tribus aneinander reiht, Hesse sich wohl
rechten, da indessen eine durchweg natürliche Reihenfolge herzustel-
len unmöglich ist, «nd er selbst nicht mehr al^ eine künstliche £in.
Iheilung zu geben beabsichtigt, so beruht dieser Funkt billig auf sich
selbst. — Grössere Bedenken gegen seine Arbeit erregt der Umstand,
dass Gruppen von sehr verschiedenem systematischen Werlhe als gleich-
wertliige Tribus erscheinen; so sind seine Tipulidii , Tabanidüf Born-
hylidii und Muscidii doch ganz unzweifelhaft von einem viel manche
falligeren Inhalte und also von viel höherem systematischen Werthe, als
seine ?iemeslrinidiif Apomeridii, Conopsidii, Longinidii, Lonchopterini'
dii, oder gar als seine Rkaphidii und Dolichopodii. — Bei der Wahl det
Äor Anlage seines Systemes benutzten Merkmale ist Herrn BIgol's Stre-
ben keineswegs dahin gerichtet gewesen, diejenigen aufzusuchen, wel-
che in näherer Beziehung zur Lebensweise und Verwandlungsgeschichle,
somit auch zur Gesammtorganisalion stehen , welche also vor andern
geeignet sein müssen, auf natürliche Gruppen zu führen. Die Mund'>
iheile sind wenig und nur in höchst oberflächlicher Weise in Betracht
gezogen. Auch das Flügelgeäder hat nur in' einem untergeordneten
Falle Berücksichtigung gefunden, während es sieh sowohl durch seinö
nahe Beziehung zur VerWandlurgisgeschichte 6ls dürcb Seine leichte
lieobachtbarkeit zu ganz vorzngsu'eiser Berücksichtigung zu empfehlen
geeignet war. Es musä dies um so mehr aulTällcn , als Herr Bigot
Werth auf solche Merkmale legi, welche besonders leicht zu beobach-
len sind. So nothvvendig eine solche Rücksicht auf leichte Greifbar-
keil der Eintheilungsgründe ist , wenn nicht ein schwer zugängliches
System zum Vorschein kommen soll, so sehr wäre zu wünschen, dass
sie Herr Higot selbst nicht aus den Augen gelassen hätte. Dies ist aber
leider in einem sehrwesenllichen Punkte der Fall; nach Absonderung
der Tipulidii theilt nämlich Herr Bigot die folgenden 18 Tribus in sol-
che, welche 3, und in solche, welche nur 2 oder gar keine Pulvillen
haben. Die Beobachtung der Anzahl der Pulvillen ist in vielen Fäl-
len, zuweilen selbst bei nicht gar kleinen Fliegen, ziemlich schwie-'
^60 Schanm: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
rig; den besten Beweis hierfür giebt Herr Bigot gelbst, indem er die
Dolichopodii und Rhaphidii in die Abiheilung mit 2 Fulvillen stellt, wäh-
rend doch der mittlere Fulvillus bei ihnen, in der grössern Mehrzahl
der Fälle freilich ziemlich verkümmert , bei manchen Arten dagegen
eben so entwickelt als die beiden seitlichen, vorhanden ist. Aehnli-
ches gilt von seiner Tribus Empidii; während bei vielen Galtungen
derselben ein mittlerer Fuvillus nicht wahrzunehmen ist, ist er bei
andern vorhanden, entweder kleiner und namentlich viel schmäler als
die seillichen, wie bei manchen Tachydromien , oder mit ihnen fast
gleich entwickelt, wie z. B. bei Microcera, Wiedemannia und den von
Zelterstedt zu Brachysloma gestellten C/inoccra- Arten. — Schon der
Umstand , dass in recht natürlichen Galtungen sowohl Arten mit als
ohne Pulvillen vorkommen, hätte Herrn Bigot auf die ünzuverlässigkeit
und Unbrauchbarkeit dieses Merkmals aufmerksam machen sollen. Will
er es beibehalten , so wird eine schärfere Beobachtung nothwendig.
Entwicklung des mittelsten Fulvillus bei Verkümmerung der seitlichen,
wie sie sich z. B. bei Aspisles , Scatopse und Ryphus findet, dürfte,
ausser in dem Tribus der Tipulidii Big. , wohl nicht vorkommen ; eine
besondere Erwägung aber dürfte es verdienen, ob solche Tribus, bei
welchen der mittelste Fulvillus seiner Beschaffenheit nach ganz verän»
dert , wie z. B, bei der Tribus der Asilidii als eigenlhümliche steife
Borste, auftritt, zu der Abtheilung mit 3, oder zu der Abiheilung mit
;zwei Pulvillen gestellt werden sollen. — Die Trennung der Tribus
der Asilidii von den nüchstfolgendi-n durch das Vorhandensein eines
Knebelbartes und eines sehr vertieften Scheitels , dürfte in einzelnen
Fällen nicht ganz stichhaltig sein, da Asiliden ohne Kncbelbart, wie
Apogon Dufourii vorkommen und der Scheitel bei manchen Dasypogoni-
den, z. B. in der Untergattung Sfenopo^iow gar nicht vertieft ist. — Der
durchgreifende Werth , welcher von Hrn. Bigot bei Errichtung und
Gruppirung von Tribus 7—9 auf die Stellung der Fühlcrborsle oder des
Fühlergiiflels gelegt wird , lässt sich nicht rechtfertigen. — Wenn er
ferner die Empidii, Bombylidii, Conopsidii, Ceridii und Longinidii von
den Lonchoplerinidii und Rhaphidii dadurch trennen zu können glaubt,
dass er dem männlichen Geschlechtsorgane der erstem hervorstehende,
lamellen- oder fadenförmige Anhänge abspricht, so hat er offenbar
übersehen, dass sich diese Behauptung-, so wie er sie ausspricht, auf
die Empidii durchaus nicht anwenden lässt. — Ebenso ungeschickt
sind die Empidii von der Tribus der Bombylidii durch die Gestalt des
Kopfes geschieden , welcher z. B. bei gar manchen Anthraxarten viel
sphärischer ist, als bei vielen Hilaraarten , oder z. B. bei Pachymerina
femorala. — Aehnliche Bedenken erweckt Ilrn. Bigol's System in grös-
serer Zahl.
Wenn Herr Bigot nicht ganz ohne Recht über die systematische
Isplirung, in welcher die Dipterologen arbeiten, klagt, so ist nur zu
während des Jahres 1852. 261
bedauern, dass er glauben konnte , durch eine so unreife Arbeit, wie
sein auf reine VVillkührlichkeiten jregrändeles sogenanntes System ist,
derselben abhelfen zu können. Die Basen , auf welchen hier weiter
zu bauen ist, hat bereits l.atreille in gewohnter geistreicher und klarer
Weise angedeutet. Für den Ausbau im Einzelnen erwarten wir von
den von Herrn Bigol verschrienen Monographislen mehr, als von seinem
eigenen dipterologischen Debüt.«
Der elfte Band von Zetterstedt's Diptera Scandi-
naviae , welcher zu Lund im J. 1852 erschienen ist , bildet
den Schluss dieses allen Dipterologen unentbehrlichen Wer-
kes und enthält den Rest der Diptera nemocera, Nachträge
zu den früheren Bänden und reichhaltige Indices.
Das unter dem Titel „Insecta Saundersiana'« herausge-
gebene Werk, welches die von Fr. Walker verfassten Be-
schreibungen der im Saunders'schen Museum befindlichen
neuen Dipteren-Arten enthält, liegt gegenwärtig in vier Hef-
ten geschlossen vor. Das erste ist im Jahresberichte für 1850
S. 101. angezeigt worden; das vierte ist zwar erst im J. 1853
erschienen, indessen mag hier ein Referat über die letzten
drei Hefte als ein Ganzes Platz finden.
Die in diesem Werke aufgezählten und beschriebenen, ver-
meintlich neuen Zweiflugler-Arten sind so zahlreich, dass kein Dipte-
rolog dasselbe wird entbehren können, und dass ich mich daher auf
eine sehr gedrängte Inhalts- Anzeige beschränken kann. Leider ist
die Arbeit viel weniger brauchbar als sie sein könnte und sollte; vor
allem hätte W. mehr Sorgfalt auf die Vergleichung der bereits publi-
cirten Artbeschreibungen verwenden sollen, manche bekannte Species
würde dann nicht unter den angeblich neuen erschienen sein. Ein
zweiter, noch mehr fühlbarer Mangel ist der, dass W. die Verglei-
chung der neu aufgestellten Arten mit denjenigen der bekannten,
welche ihre nächsten Verwandten sind, gänzlich unterlassen hat ; zur
sicheren Begründung neuer Species ist ein solcher Vergleich unerläss-
lich. Die Vaterlandsangaben sind oft nicht so genau, als man wün-
schen sollte; die Beschreibung ganzer Reihen von Arten, deren Va-
terland zänzlich unbekannt ist, hätte namentlich in schwierigen Gat-
tungen, wie Tabanus, besser ganz wegbleiben sollen. — Jedes Heft
ist mit zwei von Westwood gezeichneten Steindrucktafeln ausgestat-
tet, und auf jeder Tafel sind 8 Arten dargestellt.
Der Inhalt der drei letzten Hefte ist kurz folgender:
Stratiomydae: Odontomyiaö, Nemoielus 2, Biastes n. gen.'
262 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
1, Met ab asis nov. gen. 1, Chrysochlora 2, Sargus 1, Cacosis
nov. gen. (auf Sargus niger Wied. gegründet), Piilocera 1 A.
Asilici: Dioclria 3, Dasypogon 19, Cyrlopogon 1, Cabasa
nov. gen. 1, Proc epsis nov. gen. 1, Etiarmosfus nov. gen. 1,
PseMdorws n. g. 1, Morimma n. g. 1 , Laphria 1, Nusa n. g. 2,
ilcurna n. g. 1, Scöndow n. g. 1, Ch oerade s n. g. 1, Phel^
lus n. g. 1, Mallophora 5, Trupanea 16, Ercia? 8, Jsi/ws 24, Oma(tMs2]
i4(omosta 1, Cormansis n. g. 1, Leptogaster 1, Phenus n. g. 1 A.
Xylotomae: Thereua 10, Chiromyza 2, Rhagio 1, Lentis 1,
Syneches n. g. 1 A. ' ' ^ ''ß*^
Bombyliarii: Anthrax 52, Phthiria 1, Geron 1, Philopota,
Parisus n. g. 1, Tabuda n. g. 1, Ch oristus n. g. 1 , Bomby-
lius 7 A.
Inflatae: Eayeeasts n. gen. 1, Henops 2 A.
Empidae: Empis 1, Hüara 2 A.
Hybotinae: /7i/6ps 2 A. ^
Dolichopodes: Diaphorus l , Psilopus 9 , ßlede}erus 2 , üoit*
CÄ0/JI4S 8 A. iA-nri')
Megacephali: Pipunculus 1 A.
S y r p h i c i : Microdon 1 , T/i r i s/ e s n. gfen., 1 , Chrysotoxum 4L
Ceralophya 1, Paragus 1, ^scm 1, Baccha 4, Ämathia n. gen. 1/
Eumerus 4, Xylola 1, Milcsia 1, D einec he s n. gen. 1, Chrysogä-^
sler 1, Syrphus 25, Epistrophe n. gen. 1, Merodon 3, Erislalis 10,
Volucella 1, T^winocera 2 A. • „ a
Conopsariae: Conops 5 A. rn - rf (i'>!l'n*
Muscariae: Gymnosomai, Trichopodai, Fhasial, Hyalomyaly
Phania 1, Ocyptera 1, Tachina 72, Gonia 1, Vexia 21, Sarcophaga 21,
Musca 39, Jt/ia 1, Anthomyia di% ^ Cq-^oüß ^^ , D(yomyia 1, Sapro-
myia 4, Ortalis 4, Ropalomera 2, Sepsis 2, Lauxania 2, Lonchaea 2,
Trypeta 20, Calobata 15, lllidia 1, Sciomyza 8, Tetanocera 2, Thecu-
myia 1; Heleromyza 2 , Helomyza 5 , f^oliphila 5 , Ephydra 2 , Droso-
phila 9, Opomyza 1, Gymnopa 1, Chlorops l A.
In dem Osterprogramm der Insterburger Bürger- und
Realschule hat Bach mann einen Beitrag zur Fauna der
ostpreussischen Dipteren geliefert, indem er 100 bei Inster-
burg beobachtete Arten dieser Ordnung (aus den Familien der
Tabanii, Stralyomidac^ Asilici , BombyUarii , Xylotomae, Le-
ptides, Hybotinae, Tachydromides , Empidiaß und Syrphidae)
aufführt, darunter 31, welche in den früher von Sicbold und
Hagen mjtgetheilten Verzeichnissen fehlen, im Ganzen sind
gegenwärtig 494 in Prcusscn vorkommende Spqcics bcslimmt.
während des Jahre» 1853. 263
Descriplion et Iconographie rfe quelques Dipteres de
TEspagne (Suite) par L. Dufour (Ann. de la soc. entom.
S. 6. PI. I.)
Es sind hier neun neue Arten kurz beschrieben und abgebildet.
Die von Peters in Mossambique g'esammellen Dipteren
sind von Loew bearbeitet worden; vorläufig sind indessen
nur die Diagnosen der (35) jieuen Species in dem ßerichl^
über die Verhandlungen der Berliner Academie Dec. 1852 er-
schienen.
Tipulftriae. Winnertz hat in der Entom. Zeit. (1^.45 ff.)
bemerkt, dass einige von ihm aufgestellte Gattungen und Arten der
Tipularien (s. Ber. f. 1846. S. 175.) sehon früher unter andern Na-
men beschrieben worden sind ; gleichzeitig hat er eine Reihe neuer Sjie-
cies bekannt gemacht. Macrorrhtjncha Winn. ist = Asindulum Latr. ;
Macrostyla lalipes Winn. =^ Cntocha latipes Haliday ; Dilomyia Irifasciatsi
Winn. = IHycetobia fasciala Meig. ; Tetrogoneura hirla Winn. = Scio--
fhila sylvalica Meig. Als neue bei Crefeld entdeckte Arten sind be-
schrieben: Corynoneura celcripesy atra, Heteropezn nervo sa,
Dilomyia macr opter a , Flesiastina apicalis. Die Meigen'sche Gat-
tung Mycelobia löst W. in vier Genera auf: 1. Mycelobia Meig. auf
M. pallipes Meig. beschränkt. — 2. Diadocidia Ruthe mit einer ein-
zigen Art, welche von Meigen als Mycetobia ferruginosa ^ von Ruthe
als Diadocidia flaticant, von Macquart als Macroneura Winlhemi be-
schrieben ist; — 3. Ditomyia Winn. (/). fasciala Meig. und ma-
croptera Winn.) ; — 4. Plesiastina nov. gen., wohin Myc. annulata
Meig., Stäg. und die oben erwähnte PI. apicalis Winn. gehören. Die
Unterschiede dieser Gattungen liegen besonders in der Stellung der
Nebenaugen und im Flügelgcäder und sind vom Verf. auf einer bei-
gegebenen Tafel dargestellt worden.
lieber die bei verschiedenen Arten ziemlich verschiedene \YjBise
der Verpuppung der Ceciäomyia -Larven hat sich Harris (pn the
insects injurious to Vegetation s. o. S. 156) bestimmter und klarer
ausgesprochen , als dies bisher von andern Schriftstellern geschehen
ist. Er erläutert sie an Cec. Salicis Fitch (längst vergebener Name),
welche an den Zweigspitzen von Salix rigida Holzgallen bildet, und
an Cec. deslruclor und tritici. Ueber die beiden letzten Arten trägt
der Verf. eine grosse Anzahl eigener und fremder Beobachtungen zu-
sammen, durch welche die vielbesprochene Entwickelungsgeschichte
dieser beiden wichtigen Fliegen noch mehr aufgeklärt wird, als sie
es bis jetzt schon war. üio auf Cec. dcstructor gerichteten Unter-
guchuugcn einer Dame, Miss Margarctia U. Monis ia Gcrmantown^ ba-
264 Schaum: Berieht aber ilie Leistungen in der Entomologie
ben zur Entdeckung einer neuer Art geführt. Nach den Beobach-
tungen dieser Dame sollen die Weibchen derselben ihre Eier bereits
im Juni an das Waizenkorn legen , die Larven aber erst sehr spät,
nämlich zur Zeit des Keimens, ausschlüpfen und sich den Weg in den
Halm selbst bahnen ; sie sollen sich dann gegen die Zeit der Ver-
wandlung aus diesem herausfressen , an ihm hinaufsteigen und hier
die nachfolgende Verwandlung bestehen; die Entdeckerin hat diese
neue Art Cec. culmico la genannt. — Ferner erwähnt Harris einer
bereits von Haldeman (American Journal of Agriculture and Science
Toi. VL p. 193.) bekannt gemachten Cec. Robiniae, welche die
einzelnen Blättchen von Robinia etwa in der Weise, wie die bei uns
auf den Eichenblättern lebende Gallmücke zum Puppengehäuse um-
klappt. • 'V -" "■•■■^"j"" .'«=«->'^^!.
Einen sehr wichtigen Beitrag zur Kenntniss der schwierigen
Gattung Ceratopogon Meig. hat Winnertz im sechsten Bande der
•Linn. entom. S. 1 — 80 geliefert. Der Verf. hat hier 77 , ohne Aus-
nahme europäische und grösstentheils deutsche Arten genau unter-
schieden, von denen 53 hier zum ersten Male beschrieben sind ; sie
bilden zwei Rotten , je nachdem die hintere Randzelle der Flügel
durch eine Querader getheilt (spec. 1 — 64.) oder ungetheilt ist (specl
65— -77.). Auf acht sehr sorgfältig vom Verf. selbst gezeichneten
Kupfertafeln sind die Hauptverschiedenheiten in der Bildung der Füsse
und die Flügel der einzelnen Arten dargestellt, indem in dem Ge-
äder der letzteren Organe vorzugsweise die specifischen Charaktere
liegen. Eine weitere Analyse der Abhandlung erscheint überflüssig,
da sich die Linnaea wohl in den Händen aller Entomologen befindet,
welche sich mit specifischen Studien beschäftigen.
Als neue Art ist XimnoÄta nlhonolnta Loew (Ber. der Berliner
Acad. S. 658.) aus Mös^ambique zu erwälmen. / v .; ^.i.füj
Ellenberger hat im Lotos 1852. S. 89. die MetamörpTiöse
des Chironomus tricinclus und den Bau der Larven und Puppen be-
schriehen. ■' '■ • - ^^ -i; .- ^li/. jnitw: ]u-:K-:>t lul •>.- ,..;■■;
Die Naturgeschichte und die verschiedenen Lenens^tadien des
Bibio Marci L. wurde von Heeger (Sitz.-Ber. d. Wien. Acad. IX.
k.263, Taf. ;i6.) geschildert, l ,' . ■•
Valianii» Neue Arten sind: Tahanus longiludinalis und
unilineatus Loew (Ber. d. Berl. Acad. S. 658.) aus Mossambique.
Asilici. In dem im J. 1852 erschienenen Bande der Annales
de la societe Linneenne de Lyon hat E. Perris als neue Gattung
dieser Familie Apogon aufgestellt, welche er auf eine neue, in den
grandes Landes gefundene Art A, Dufourii gründet. Diese Gattung
während des Jahres 1852. " :müß.!'>?' 265
fihnelt im Fiflgelgcäder Dioctria, zeichnet sich sonst durch eine fein-
haarige Endborste der Fühler und durch den gänzlichen Mangel von
Knebel- und Backenbart sehr aus. So viel sich aus den Angaben
des Verf. entnehmen lägst, steht seine neue Gattung wohl Damalis
Loew am nächsten. .uh)pmiij
Derselbe beschreibt (a. a. 0.) als n. A. Dasypogon Mae^
Iquarti.
Dioclria ochrocera, neue von L. Duföur (Ann. d. 1. soc.
cnt. S.O. pl. I. N. 1. Fig. 21—23.) aufgestellte Art scheint der Abbil-
dung nach ein Dasypogon zu sein. '"'
Sehn eider theilte im Berichte über die Arb. d. schles. Ge-
sellsch. während d. J. 1852 S. 95. eine Liste der bisher in Schlesien
beobachteten Asiliden mit. Es sind 2 Leptogaster , 10 Dioclria, 10
Dasypogon^ 9 Laphria.
Leptogaster stigmaticalis, Stichopogon gigantellus, St.
punctum, Microstylum simplici ssimum, M. acutirostre, Sie-
nopogon mantis, Laphria albicincta Loew, neue Arten aus Mos-
sambiquc, wurden vorläufig durch Diagnosen bekannt gemacht (Ber.
d. Berl. Acad. S. 658.). JdMd 4i«:
.... ..,^1
Tacliydromiae. Von Heeger wurde in den Sitz. -Ber. d.
Wien. Acad. S. 779. Taf. 55. eine neue Art der Gattung Helerodromia
unter dem Kamen H. ferner ata beschrieben und abgebildet, welche
durch den gedrungenen Körperbau und das Flügelgeäder , besonders
aber durch die eigenthümliche Bildung der Vorderbeine sehr ausge-
zeichnet ist. Die Flügel haben nämlich vier Längs- und eine sehr
kurze Querader, die Vorderhüften betragen ein Viertel der Beinlänge,
die Schenkel sind etwas; kürzer, sehr verdickt, am Grunde halb so
breit als lang, am Ende so schmal wie die Hüfte.., ^ ^ ^^ ^ .^ v,^ ^ ^^ ^^u,
Als neue Arten sind ferner zu erwähnen: fäeh^dromiajtatu''
dosa und albip ennis Perris (Ann. d. 1. soc. Linn. d. Lyon 1852.
S. 200.J ans dem Dept. des Landes.
]?licla§ii. Die Gattung Jtfidcfs wurde von Loew mit iW. dis-
par, einer n. A. aus Mossambique, vermehrt, welche zur Zeit nur
durch eine Diagnose (Ber. d. Berl. Acad. S. 658.) bekannt gemacht
ist und sich u. A. durch die etwas verschiedene Färbung beider Ge-
schlechter auszeichnet.
IBolicItopodes* Als neue Arten sind aufzuführen : Rhaphium
tibiale Perris (Ann. d. 1. Soc. Linn. de Lyon 1852.) aus dem Dept.
des Landes — Thinophilus calopus Loew (Ber. d. Berl, Acad. S.
659.) aus Mossambique.
266 Schanm : Bericht über die Leistungen in der Entomologie
H e e g e r hat Porphyrops fascipes Meig. in allen Lebenstadien
beschrieben und abgebildet (Silz.-Ber. d. Wien. Ac. IX. S. 268. Taf. 27.).
Die Larven und Puppen finden sich unter der von Borkenkäfern
durchwühlten Rinde gefällter Föhrenslärarae , deren Bast in Fäulniss
übergeht.
-o-l(l r.
Boinbyliarii« Als neue bei Madrid entdeckte Arten sind
Anthrax nebulosa, A. trinotata, A. formosa, Bombylius fu~
mosuSf Ploas macroglossa und PI. fuminervis von L. Dufour
(Ann. d. 1. soc. ent. S. 6 ff. pl. l. Fig. 7—23.) aufgestellt worden.
Keue von Peters in Mossambique entdeckte und von Loew,
vorläufig durch Diagnosen, bekannt gemachte Arten sind: Exoprosopa
nigripenniSf E. inaequ alipeSf Anthrax biflexa, Bombylius nt«
grib arbus f B. brunnip ennis, B. laticeps (Ber. d. Berl. Acad.
S. 659.).
Kote sur les transformations du Bombylius boghariensis,
par Lucas (Ann. d. l. soc. entom. S.U. pl. L N. IL). — Der Verf.
beschreibt einen von ihm zu Boghar in Algier gefangenen neuen
Bombylius mit buntgezeichneten Flügeln und giebt zugleich eine Dar-
stellung der Puppe desselben, welche der desB. punctatus sehr gleicht.
Die vordere Partie derselben hat einige Aehnlichkeit mit der eines
Asilus. Der Theil , welcher den Hinterleib der sich entwickelnden
Fliege einschliesst, ist lang gestreckt, auf den einzelnen Abschnitten
mit Querreihen kurzer Dörnchen und langer steifer Haare besetzt.
Die Puppen finden sich (ganz wie die des B. punctatus) einzeln in
der Erde. Es gelang Lucas nicht, auch die Larve zu entdecken.
Stratyoinidae« Neue Arten sind: Nemotelus cingulatus
und JV. l ateralis L. Dufour (Ann. d. 1. soc. entom. S. 5. pl. L
N. I. F. 1—6.) von Madrid.
Syrpliici« Zwei Insecten aus dieser Familie beschreibt Gorski
in seinen Analeclis ad entomographiam imperii rossici als: lyzen-
hau:iia vespiformis und Milesia Wagae und giebt von beiden
sehr gelungene Abbildungen. Die Gattung lyzenhauzia^ welche
Gorski auf das erste dieser beiden Insekten begründet hat , stimmt in
allen Merkmalen mit der bereits 1829 von Latreille gegründeten, spä-
1er von Macquart richtiger charakterisirten Gattung Sphecomyia. Der
einzige Grund , welchen Gorski für die generische Trennung seiner
lilhauischen Fliege von der amerikanischen Art, welche Typus der Gat-
tung Spliecomyia ist, anzuführen weiss, ist der Unterschied des Vater-
landes. Auch die Artrechte derselben sind noch zweifelhaft, da sich
keia rechter Unterschied zwischen ihr und dci amerikanischen Bph.
»'n^olomolöa lob Wahrend des Jalires 1862;l»n;>H Jmiiado'^ iSft
tillala angeben läfist, und das bereits bekannte Vorkommen der T</zcn-
hauzM Tcpiformis im östlichen Sibirien, wo sie SedakoQ" aufgefunden
hat, die Identität beider weniger unwahrscheinlich macht. -^ In Jlfi-
lesia Wagae hat Gorski selbst Milesia tespifortnis Fabr. Zell, erkannt,
den ihr erlheilten Namen aber wegen des bereits vollendeten Stichs
der Tafel unverändert gelassen.
Von Perris (Ann. d. I. See. Linn. d. Lyon 1852 S. 201.) wur-
den Tropidia Mars an ii und JUerodon osmioides aufgcRlellt, b?id#
sind im Dept. des Landes entdeckt worden.
üie Gattung Conops wurde mit C. bipunctatus Loew, ,<pinejr
n. A. aus Mossambique, bereichert (Ber. d. ßerl. Acad. S. 659).
jffuscariae« In der Abtheilung der Tachinarien stellte
Perris (Ann. d. L soc. Linn. de Lyon 1852.) als n. im Dept. des
Landes entdeckte A. auf: Masicera laticincta, nova, atropi-
cida^ palpalisy grisea, minor, cy lindrica^ clausa, exi-^
gua, rubrifrons , Phorocera scu tellatm, aurulent a, lata,
Doria coeruleo-nigra, Plagia ericetorum, Exorista longicor-
nis, Tachina ignola, Melopia einer ea, crassicornis, Ihjposlena
humeralis, maritima, Triphera nigrifaoies, Myohia fusei-
palpis, l atip ennis, varipes, Clisla maura, Millögramma stre^^
nua, Taxigramma pipi ens , Phania bicolor, appendicula ta.
Aus der Abtheilung der Acalyptera beschrieb derselbe (a.
a. 0.} Ochlhiphila nigricornis und Chlorops Marcadei.
,Pie neuen vpn Peters in ^lossambique enldeckten und von Loew
vorläufig durch Diagnosen bekannt gemachten Arten sind, in der Gruppe
der T a chi na r ia e : Phorocera eucalypla; — in der Gruppe der echten
Aluscariae: Ochromyia Petersiana, PyreUia nudissima, Jdia
seriepunc tat a, eupoda, simulatrix; — in der Gruppe der
Phasiariae: Hyalomyia nasuta; — in der Gruppe der Antho-
myinae: Hylemyia ^ualerna, Coenosia trichopyg a, C. lae»
V ig ata; — in der Gruppe der Qrtaliden: Seenopt&rina subme»
Inllica, Platysloma pector ali$ ^ ~r- in der Gruppe der Tcphri-
tiden: Dacus bislrigatus; — in der Gruppe der Lau xa nid en:
Lauxania gagatina, Vlidia smaragdina; -rrM 4«r Gruppe der
llydromyziden: Psilopa tq^n f4^', -^ •«»: j\er jQgniy^^ der Q. h i 0 fiO -?
pinae: Crassiseta p alp alis,
L. D u f 0 u r ergänzte in den Ann. d. 1. soc. entom. S. 443. dio
Beschreibung, welche er im vorhergehenden Jahrgange der Annalen
von Ilynlomyia dispnr und der in dem Körper von Brachyderes lusi-
tanicus entdeckten Puppe derselben gegeben halte, durch eine genaue
Schilderung und Abbililung der ihm nun aiirh bekannt gcwordcnca
268 Schaum: Bericht ober die Leistungen in der Entomologie
Larve. Es giebt an, dass sie nur zwei Stigmata und zwar am hin-
teren Körperende habe, von deren jedem ein nach vorn hin sich im-
mer mehr verästelnder Tracheenstamm ausgeht. Diese Stigmen ste-
hen ziemlich stark hervor, und mittelst derselben athmet die Larve
der Fliege (wie dies Dufour bereits anderweitig mitgetheilt hat s.
vor. Jahresb. S. 10.) durch ein Stigma des Käfers.
Derselbe erwähnt (Ann. d. 1. soc. ent. S. 460.), dass er die
von ihm aufgestellte Lucilia dispar in grösserer Zahl in einem Schwal-
bennesle gefangen habe, und erhebt Bedenken gegen die Richtigkeit der
Angabe von Robineau-Desvoidy (s. Jahersb. f. 1849. S. 107.), dass
das Weibchen derselben = Phormia regina Meig. , R. D., das Männ-
chen = Ph. caerulea R. D. ist.
Tachina nitidula wurde von F. Smith als Parasit der Larve
von Saperda populnea beobachtet (Trans. Ent. Soc. II. S. 82.).
Perris hat (Ann. d. 1. soc. entom. d. Franc. S. 594. pl. 14.)
die Verwandlungsgeschichte der Sapromyza qnadripunctata Fabr. be-
kannt gemacht, deren Larve zwischen dem Stroh der Bedachungen
von Schaafställen lebt ; durch fleischige Warzen an dem vorletzten
und zwei fleischige Anhänge am letzten Segment wird sie geschickt,
sich , ohne Gefahr herabzugleiten , an der ihr angewiesenen Wohn-
stelle zu erhalten.
Die Metamorphosen der Sarcophaga muscaria^ Lucina fascialOy
Gtjmnopoda tomentosa, Opomyza gracilis und Chylha atriseta sind von
Perris in den Mem. Soc. Sc. Agric. de Lille beschrieben und durch
eine Tafel mit Abbildungen erläutert worden. Mir ist die Abhand-
lung nicht zugänglich; die hier mitgetheilte Notiz habe ich aus den
Proc. Ent. Soc. Vol. II. S. 86. geschöpft.
Heeger gab (Sitz.-Ber. d. Wien. Acad. IX. S. 774 IF. Taf. 52—
54.) ausführliche Beschreibungen und Abbildungen von Phytomyza
albiccps Meig., Noliphila fiaveola Meig. und Drosophila variegala }i\ eig.
in allen ihren Lebensstadien. Die erste hat viele Generationen im
Jahre umd ihre Maden leben im grünen Laube von Atriplex, Helian-
themum , Sambucus etc. ; die Larven der zweiten miniren geschlän-
gelte Gänge in den Blättern von Cochlearien und verwandten Pflan-
zen ; die dritte setzt ihre Eier an den Koth der Raupen von Cossus
ligniperda ab, von dem sich die Larven nähren.
Kach Oswell und Arnaud (Compt. rend. 1852. tom. XXXV.
p. 560. und p. 603., Ann. nat. bist. X. S. 463.) soll der Stich einer
östlich vom Limpopon zwischen dem 15o und 18" südl. Breite vor-
kommenden und mit dem Namen Tsetse bezeichneten Fliege (S. vor.
jahresber. S. 132.) so gütig sein, dass die meisten Hausthiere, mit
Ausnahme der Ziegen, demselben erliegen. 3—4 Fliegen sollen im
während des Jahres 1852. eil» : S6Ö
Stande sein, einen Ochsen zu tödten. Auf Menschen und wilde Thiere
wirkt das Gift dagegen nicht lelhal. Arnaud glaubt, dass dieselbe Fliege
es ist, welche im Sennaar den Viehheerden sehr gefährlich wird, und
erzählt, dass eine Wunde, welche ihm selbst der Stich einer solchen
Fliege beigebracht hatte , erst nach 3 — 4 Monaten geheilt sei , und
unerträgliche Schmerzen verursacht habe. Die im vorigen Jahresbe.
richte mitgetheilten Angaben von Frank Yardon und Gordon Cummijag
über dieselbe Fliege klingen wahrscheinlicher. i;l)
Douglas zeigte in der Londoner entomologischen Gesellschaft
(Proc. Ent. Soc. March 1852.) eine Dipteren-Larve vor, welche ein
Mann ausgebrochen hatte, der längere Zeit leidend gewesen War; sie
war weiss, nackt, zugespitzt und ohne die gewimperten Anhänge,
welche der Larve von Anthomyia canicularis eigen sind.
)V
Coriaceae» Macquart beschreibt (Ann. d. 1. soc. entom.
d. Franc. X. p. 331) unter dem Kamen Megislopoda Pilatei ein mit
Nycteribia verwandtes Insect, welches Filate zu Tepea im Staate Ta-
basco auf einer Fledermaus gefunden hat , und bildet es auf Taf. IV.
Fig. 5. in etwas roher Weise ab. Es unterscheidet sich die neue
Galtung Megistopoda von der ihr zunächst stehenden Gattung Piycte-
ribia besonders durch den Bau der Taster, welche aus einem senk-
rechten cylindrischen Theile und aus einer nach vorn gerichteten
cylindrischen Endborste an demselben bestehen; ferner durch die
Kürze des Isten Fussgliedes und endlich durch die ausserordentliche
Länge der Hinterbeine. Genaueres über den Bau der Fühler und das
Vorhandensein der Augen zu ermitteln, gestattete die nothwendige
Schonung des einzigen Exemplares nicht.
Suctoria. Pulex 'penicilliger, eine neue auf Mustela si-
birica vorkommende Art wurde von Grube in Middendorf's sibiri-
scher Reise Bd. IL Th. L bekannt gemacht.
Ortlioptera.
Kelch hat in dem Oslerprogramme des Gymnasiums
zu Ralibor die in Oberschlesien bis jetzt aufgefundenen (64)
Orthoplera im älteren Sinne verzeichnet (5 Blattina, 31 Acri-
diodea, 15 Locustina , 6 Gryllodea, 1 Gryllotalpina, 1 Xyo-
dea, 6 Forficulina). Die Bestimmungen rühren von Fieber
her, und es hat Fieber hier eine kurze Charakteristik der
neuen Seclionen, Familien, Galtungen und Arten, so weit sie
Schlesien betreffen, mitgetheilt. Es wird nicht nölhig sein,
^70 Schaum: Bericht über die Leisttingen in der Entomologie
ausführlicher über diese Arbeit zu berichten , da ^^der Inhalt
derselben durch die ausgezeichnete, 1853 erschienene Mono-
graphie der europäischen Orlhoptera von L, H. Fischer
schon zu allgemeinerer Kennfniss gelängt ist.
_„, , L. H. Fis eher machte in der Entom. Zeih S. 15 fF.
(„Ueber unvollkommene Flügelbildung bei den Orlhoptcren«)
darauf aufmerksam, dass die Ober- und Unterflügel in eini-
gen Galtungen der Locustariae und Äcridii bei geschlechls-
reifen Individuen derselben Art auf verschiedenen Stufen der
Ausbildung angetroffen werden , und dass in mehreren Fäl-
len die langflügeligen und kurzflügeligen Formen irrig als
besondere Arten aufgestellt vt^orden sind. Dem numerischen
Verhällnisse nach bilden die Individuen mit unvollständig ent-
wickelten Flügeln bei solchen Arten weitaus die, Regel, und
es werden die vollständig geflügelten vorzugsweise unter den
Männchen angelrofTen. Die einzelnen Fälle werde ich unten
zur Sprache bringen,
V. Siebold hat einige Zusätze zu dem Fischer'schen
Aufsätze (ebenda S. 24) geliefert, in denen einerseits die
Wichtigkeit der äusseren Begatiungsorgane für die Feststel-
lung der Orthopteren-Arten hervorgehoben , andererseils die
geringe Bedeutung, welche Verschiedenheiten der Färbung,
Zeichnung und Grösse haben, in ei»zelncn Fälteft n^tch ge-
wiesen wird (.S. U.). .^xnn) fc;;>> ;i!n.iüuu
liocu^tariae. In Slansbury's Report App. C. {s. o. S. 157.)
8.lpji^? Haldeijian eine neue Gattung Anabrus auf und beschrieb
zwei neue Arten, Ephippigera tschivavensis *) nad Stenopeltnalus
fuscus. Die n. Gattung Anabrus steht Phalangopsis im Habitus, in
der Gestalt des Kopfes, der hohen Stellung der Fühler u. s. w. nahe, hat
aber ein deutlich sallellörmiges Pronotum , welches sich über die Ba-
sis des Abdomen ausdehnt und rudimentäre Klügeldecken verbirgt. Die
Gattung ist auf eine neue, am grossen Salzsee von Utah enldcckle
Art, A sirnptex, gegründet, welche ebenso wie Ephippigera tschiva-
vensis auf Tal.X. abgebildet ist.
" Nach Pirch er (Entom. Zeit. S. 18.) ist Decticus diliilus Charp.
*) Haldeman bezeichnet den Laut „seh" durch ein umgekehr-
tes j (f); im Original heisst es: tfivavensis.
Anm. d. Herausgebers.
während des Jahres 1852. 27U
die langflügelige Form (s. o.) des D. brevipennis Charp. ; D. Sieb^ldii
Fisch, die des bicclor Phil. ; auch D. brachypierus Linn. kommt bis-
weilen init ausgebildeten Flügeln vor. -^ IS'ach v. Siebold ebenda
S. 26. ist D. Krynickii Fisch, v. Waldh. eine sehr grosse Form des
D. griseus.
Acridil« ^'eue Arten sind:
Acinipe quadri denlatä ßrisout de Barneville (Bull,
d. 1. soc. cntom. d. Franc. S. LXVlif.) aus Algier.
Oedipoda corallip es Haldeman (Stansbury's Report App.
Tab. X. Fig. 2.) vom grossen Salzsee von Utah.
Unter den Acridiern finden sich nach Fischer (a. a. 0.) lang,
flügelige und kurzflügelige Formen derselben Art in den Gattungen
Gomphocerus und Podisina. Gomph. pfo/j/p^eru« Ocksk. ist nämlich auf die
vollständig geflügelten Individuen des G. brachypterus Ocksk. gegründet;
es gehen ferner Gomph. parallelus Zett. , monlanus Charp. und elegans
Charp. in einander über; und Pod. pulchellum Herr, ist die vollständig
geflügelte Form von P. subalpinum Fisch. Morphologisch bemerkens>
werth ist dabei der Umstand, dass die bei den kurzflügeligen Indivi-
duen des Gomph. brachypierus parallelen Seitenkanten des Frolhorax
bei den langflugeligeu in Folge der Eniwickelung der im Thorax lie-
genden Flügelmuskeln hinten deutlich aus einander gerückt sind.
Nach V. Siebold (Ent. Zeit. S. 27.) ist Oedipoda salina Fall.
= Oed. faseiala Germ. it. Dalm., und vbn Fischer von Waldh. zweimal,
als Acridium salinum und Oedipoda germanica , abgebildet worden , sie
weicht durch rosarolhe Hinterflügel und die weiter von der FMügelspitze
entfernte schwarze Querbinde vou der rothen F'orm der 0. faseiala
(0. germanica Chavp.) ab. — In Oed. rhodoplila Charp, vermulhet S.
eine rothgeflügclte Abart der 0. subcoeruleipennis Charp. y in 0. varitt'
bilis Fall, eine Varietät derselben Art mit farblosen Hinlerflügeln. —
Die verschiedenen weiblichen Truxalis- Ar [en, welche Klug in den Symb.
phys. als Tr. Pharaonis, grandis, Scolaris, obsoleta , procera und con^
spureata beschrieben hat, sind nach S.'s Meinung Varietäten einer
einzigen Art, zu welcher als Männchen Tr. variabilis Klug gehört.
Hlaitariae* Eine neue bei Nizza entdeckte Art von Blalla^
welche mit Bl. lapponica L. und pallida Ol. in nächster Verwandschaft
steht, wurde von Brisout de Barneville (Bull, d 1. soc. enlom.
S. LXVIIl ) unter dem Namen Bl. nibaeensis aufgestellt; der Verfl^
hat sich auf die Angabe der Färbung beschränkt und die Unterschiede
von den genannten Arten nicht hervorgehoben.
Vermitides* Hagen hat in der physikalisch -ökonomischen
272 Schaum: Bericht über die Leislurtgen in der Entomologie
Gesellscliaft zu Königsberg einen Vortrag über die Lebensweise der
Termiten und ihre Verbreitung gehalten , welcher zwar keine neuen
Thatsachcn milzuliieilen die Aufgabe hat, abtr nach den vorliegenden
sor<<fäItig gesammelten und umsichtig benutzten Beobachtungen eine
anziehende Schilderung der biologischen Verhallnisse dieser merk-
würdigen Thiere liefert, den Schaden den sie gelegentlich anrichten
und die Bedeutung , die sie in dem Haushalle der iVatur haben , be-
spricht, und besonders auf die geographische Verbreitung derselben
und ihre Abhängigkeit von klimatischen Einflüssen eingeht. . In Be-
ziehung auf den Stand der Arbeiter neigt sich der Verfasser entschie-
den der Meinung zu, dass dieselben für die Larven der geflügelten,
einmal im Jahre massenhaft erscheinenden Individuen zu halten sind.
Die Dauer der Verwandlung giebt er im Allgemeinen auf 2 Jahre an,
eine ebenso lange Lebensdauer schreibt er den befruchteten Königinnen
zu. Für die geographische Verbreitung der Termiten scheint die Re-
gel zu gelten, dass sie zwar in allen Welttheilen vorkommen, aber
weder südlich noch nördlich vom Aequator den 40sten Breilengrad
überschreiten; nur in Europa machen sie eine Ausnahme, indem hier
die eine Art ( T. lucifugus ) im westlichen Frankreich bis unter dem
46sten Grade auszudauern vermag. Nach den historischen Studien des
Verf. ist es übrigens sehr wahrscheinlich , dass alle drei jetzt in Eu-
ropa einheimischen Species (T. ßavipes, ßavicollis und lucifugus) erst
in ziemlich später Zeit hier acclimatisirt worden sind. Die Zahl der
überhaupt bekannten Arten schätzt der Verf. auf 60, darunter sind 20
fossil. — Der Vortrag ist in den Königsb. naturwissensch. Unterhal-
tungen Th. II. Heft 3 abgedruckt.
Eine in Toulouse erschienene Abhandlung von Joly „Recher-
Ches pour servir ä l'histoire naturelle des Termites* ist mir nur dem
Titel nach bekannt geworden. Sie enthält nach Westwood (Proc.
Ent. Soc. 1853 S. 72.) , ausser einer Schilderung der allgemeinen Ka-
turgeschichte , specielle Beobachtungen über Termes lucifugus.
Während Hagen, wie oben erwähnt, die Arbeiter der Termiten
für Larven hält, neigt sich Thwaites in einem aus Ceylon der Lon-
doner entom. Gesellschaft eingesandten Schreiben (Proc. Eni. Soc. Jan.
1852.) der Ansicht zu, dass es zweierlei Arten von Arbeitern giebt,
die keine weitere Metamorphose durchmachen.
liibellnlinae* Die Abhandlung von L. Dufour ,,Etudes anato»
miques et physiologiques et observalions sur les larves des Libellules"
(Ann. d. sc. nat. t. XVIL p.65 — HO.) und die von Hagen in der Ent.
Zeit. 1853. S. 98 ff", mitgetheille Uebersetzung und Prüfung dieser Arbeit
wurden ihrem anatomischen Inhalte nach schon im Kingange dieses
Berichtes analysirt; hier ist daher nur noch der morphologische Theil
während des Jahre« 1852. '«urfDg ^yg
jener Aufsätze zu besprechen. — Die Gattungen sondern sich hauptsäch-
lich in folgender Weise : A. Aenssere Schwanzkiemen. Agrion. B. In-
nere Darmkiemen, a. Nebenaugen vorhanden. Calopleryx. b. Keine
Nebenaugen. 1. Unvollkommene platte Maske. Aeschna. 2. Vollkom-
mene Maske. Libellula. — Dufour beschreibt dann die Larven von Aeschna
grandisj A. Degeerii Duf. , A. innominata Duf. , Libellula depressaj L.
ferrugineOf Calopleryx virgo, Agrion puefla. — Ilagen wies durch eine
sorgfällige Zusammenstellung der Literatur nach, dass, mit Einschinss
der neu beschriebenen, jetzt die Larven von 27 Arten (mehr als eilt
Yiertheii der in Europa einheimischen) bekannt sind, und berichtigte
die Dufour'schen ßeslimmungen dahin , dass Aeschna itinominata Duf.
= cyanea Müll., A. Degeerii Duf. = rufescens VauderL, A.graridis
= Anax formosa ist. '*''
Als ein Beispiel von der ungeheuren Gefrässigkeit der Libell^p
wurde von Scott (Zoolog. Oct. 1852) der Fall mhgetheilt, dass ein'^
Libelle ihren eigenen Hinterleib frass , als man ihr einen Schmettere»
ling aus dem Munde genommen hatte!
Eine Abhandlung von Herklots über die holländischen LibeU
luliden ßndet sich in den ^Boustopfen voor enne Fauna van Neder-
land,« hat mir aber nicht zur Einsicht vorgelegen.
Perlariae. Walker führt in dem vom britischen Museum
herausgegebenen Kataloge der Neuropleren (s. o. S. 235.) 185 Arten
dieser Familie auf, von denen nur 68 im britt. Museum vorhanden sind,'
19 unter den letzteren sind neu.
Heiniptcra.
»List of the Specimens of Hemipterous Insects in the
collection of the British Museum, Part. II.« ist, wie der im
vorjährigen Berichte angezeigte erste Theil, von Dallas be-
arbeitet und enthält die Heteroptera Supericornia (= Corei^
dae) und den Anfang der Infericornia , nämlich diejenigen
Gallungen der Lygaeidae, welche mit Nebenaugen verse-
hen sind.
Die Abtheilung der Su p ericojrni a ist in 8 Gruppen (Sparlo-^
ceridaey Mictidae, Homoeoceridae, Anisoscelidae , Alydidae, Stenocepha-
lidae , Cereidae, Rhopalidae) aufgelöst und enthält 76 Galtungen mit
411 Arten ; die mit Nebenaugen ausgeslallelcn Infericornia zerfallei^
in 2 Gruppe» {Lygaeidae und Anlhocoridae) mit 17 Gallungen und l65
Arten. Die Vorzüge der Arbeit vor den meisten andern Katalogen des
brittischen Museums habe ich schon im vorigen Jahre hervorgehoben«
Archiv f. Naturgesch. XIX. Jahrg. 2. Bd, S
^7^ Schaum: Bericht öb^r fie Leistungen in der Entomologie
Die in 4ieseip Bande errichteten Gattungen stehen freilich zum Theil auf
eben so schwachen Füssen wie die früheren, und man n^öchle annehmen,
dass der Vecf. seihst von dem Werthe derselben wenig öberzeugl ist,
ini^^n^ er Namen vyie Margus und A,phanus Deicht vermeidet, von denen
es i,bni dcj^ch ^^kannt sein musstc, dass sie bereits anderweitig, in der
Ordnung ^er ^oleopleren und H^mipteren, vergeben sind. — Der vor-
liegend,^ l^dLXid entJ^ßU auch wieder a,uf vier Steindrucktafeln die Um-
ris^se n,^uer Gattungen, es fe^lt denselben aber in gleichem Grade, wie
4enen ii^, priji^n B^n^, die nöthige Schärfe der Contoui:en.
Gorski hat in seinem Werke „Analecta ad entomo-
graphiam provinciarum occidentali-meridionalium imperii ros-
sici" eine monographische Bearbeitung der im südlichen Russ-
land einheimischen Wanzen begonnen. Auf S, 1—116 sind
die beiden Familien der Longiscuti Am. et Serv. (=3 Petita^
tpmißaey und Supericornes (= Coreidae) behandelt. Unter
72 zur ersten und 44 zur zweiten gehörigen hier beschrie-
benen Arten ist zwar keine neu, die Abhandlung fördert aber
das Studium der Hemipteren durch genaue Beschreibungen und
sorgfältige Feststellung der Synonymie, und ist besonders
geeignet, Anfängern beim Bestimmen gute Dienste zu leisten.
Einen weiteren Beitrag zur Kenntniss der schwedischen
Hemipteren hat Boheman Öfversigt af Kongl. Vetensk.
Akad. Förh. 1852. S. 49 fT. durch die Beschreibung von 39
Arten geliefert, welche bisher noch nicht in Schweden be-
obachtet waren, und von denen 24 neu sind. Durch diesen
Nachtrag übersteigt die Gesammtzahl der schwedischen He-
mipteren bereits 500.
Description de quelques H^mipteres Heteropteres nou-
\em^ ou peu connus par E. Mulsant et Cl. Key Ann. d.
1. soc. Linn. de Lyon 1850—52. S. 76—140.
Es sind hier 57 im südlichen und östlichen Frankreich entdeckte
Arten beschrieben , welche ich bei den einzelnen Familien verzeich-
nen werde.
Gimicum regni neapolitani centuria tertia et quartae
fragmenlum auctore Achille Costa (Atti del reale instituto
d'incoragiamento alle scienze nal. d. Napoli 1852.)
Diese Abhan^lun^ schliesst sich an die früheren desselben Ve^f,
an, welche im Berichte für 1848 angezeigt wurden. Es sind in der-
: i(>«wJ«ar wahrend des Jahrei 1852. inutrioB tf?$
jelben 35 neue Arten durch Diagnosen und einigte nähere Angaben
charaklerisirt und 2P (darunter sechs schoa früher bekannte) auf drei
Kupferlafeln recht kenntlich abgebildet. Am Schlüsse hat der Verf.
ein systematisches Verzeichniss der (310) bis jetzt in Neapel anfge«
fundencn Wanzen gegeben. — Signoret hat in den Annal. d. 1. soc.
entom. d. Franc. 1853. Bull. S. LIY. einige der hier von Costa auf>
gestellten Arten auf früher bekannte zurückgeführt. Ich werde seine
Bemerkungen betreffenden Orts erwähnen.
Beschreibungen einzelner Gattungen und Arten sind fer-
ner in einigen Abhandlungen raitgelheilt, welche Signoret
in den Ann. d. 1. soc. enlom. d. Franc. , S. 539 u. 545. und
Dallas in den Trans, of the ent. Soc. IL S. 6. und Ann.
of nat. bist. X. S. 360. veröffentlicht haben.
List of the Uomopterous Insects in the colleotioa of the
British Museam. P. IV. '»'^ "^^ öii'u.r
Dieser vierte Band ist mir noch nicht zu Händen gekommen.
Nach Westwood's Angabe (Proc. ent. Soc. 1853. S. 78.) ist er ebenso
wie die früheren von F. Walker bearbeitet und enthält ein Ver.
zeichniss aller bis jetzt bekannt gewordenen Arten der Fsyllidae, Aphi^
dae und Coccidae, Beschreibungen der im briltischen Museum befind-
lichen neuen Species dieser Familien und Nachträge zu den früheren
Bänden. In einem Appendix sind die Physapoda von Haliday bear-
beitet. (S. u. Thysanoptera),
Eine Arbeit von Asa Fitch über die Homopteren des
Staates Neu-York ist schon oben im allgenveinen Theile die-
ses Berichtes erwähnt worden.
Pentafoinidae* Malsant und Rey errichteten (Ann. d.
1. soc. Linn. de Lyon S. 80.) eine neue Gattung Oploscelis (der
Name, der richtiger Hoploscelis heissen müsste, ist längst vergeben)
auf eine neue Art 0. ciliataf welche in der Kopfbildung und im
Habitus ganz mit Sciocoris übereinstimmt, sich aber durch bedornte
Schienen unterscheidet und gewissermassen den Uebergang von den
Nudipeden Amyot's zu dessen Spinipeden macht. Schenkel, Füsse und
Halsschild sind wie bei ßrachypelta Am. gewimpert. Die genannten
Verfasser stellten ausserdem (a. a. 0.) folgende im Süden und Süd-
osten von Frankreich entdeckte Arten auf: Stiretrus maculicorniSf
Cydnus maculipes , C. tarsalis, Sciocoris anguslipennis, Pen-
tatoma lineolata, P. annulataf P. roseipennis, P. pinicolOf
P. melanocera.
Mehrere neue Arten dieser Familie wurden wieder von Dallas
276 Schaum: Bericht fiber die Leistungen in der Entomologie
beschrieben und meistens auch abgebildet (Trans, ent. Soc. II. S. 6.
pi. I.), nämlich aus der Gruppe der Asopidae: Oplomus elonga^
tus aus Brasilien; — aus der Gruppe der Sciocoridae: Sciocoris
au s irali s aus INeuholland, Aednus ventr alis aus Hongkong; —
«US der Gruppe der Halydidae: Dinidor lineatus aus Tara; —
aus der Gruppe der Pen tatom i den: Tropicoris latus aus Brasilien?
und Amphaces v ir.es cens aus Neuholland; — aus der Gruppe der
Urostylidae, welche hier aus den Galtungen Urochela, Urostylis und
Urolahida gebildet wird: Urostylis notulata aus Nordindien. In der
zu den Sciocoriden gehörigen Gattung Mecidea Dali. (= Cerataulax
Sign: s. vor. Jahresb. S. 145.) unterscheidet der Verf. 3 Arten durch
Diagnosen : M. quadriviltata Sign, von der Insel Mauritius , M. indica
und linearis DalL — Ferner stellte Dallas (ebenda S. 18.) Dinidor
gibbus als n. A. aus Brasilien auf.
Eine neue zur Gruppe der Phyllocephalidae gehörige Gattung
wurde von Dallas Ann. of nat. bist. X. S. 360. pl. V. A. F. 1. unter
dem ?iamen Atelides errichtet; die Beschreibung ist ebenda S. 437.
durch einen kleinen Nachtrag vervollständigt. Auf den ersten Anblick
könnte man das Insect leicht für eine Larve halten, indem die Flü-
geldecken sehr kurz sind und nur die beiden ersten Abdominalsegmente
bedecken, die Anwesenheit der Nebenaugen, die dreigliedrigen Füsse
und das deutliche Schildchen beweisen aber, dass es völlig ausgebil-
det ist. Die Diagnose lautet: Corpus subovalum postice lalius; caput
foliaceum, spina utrinque ante oculos armatum, lobis laleralibus inter>
medium longo superantibus contiguis, apice hianlibus; antennae 4-ar-
ticulalae, art. primo brcvi, secundo prismatico, tertio et quarto aequali-
bus, gracilioribus; scutellum et elytra abbreviata ; sternum canalicula*
tum. Die einzige Art, A. centrolineatus , ist in Sylhet zu Hause
und misst 10 Linien.
Küster hat in der entomol. Zeit. S. 391. fünf europäische Ar-
ten der Gattung Aelia unterschieden: A. Germari n. A. aus Dalma.
tien, A. acuminala Fb., A. Burmeisteri n. A. von Carlhagena in
Spanien, A. pallida n. A. aus Deutschland, Dalmatien und Sicilien,
A» Klugii Hahn. Die Unterschiede derselben liegen hauptsächlich in
der Bildung der Köpfe, welche von allen fünf Arten auf Tafel III. in
Umrissen dargestellt sind.
Von Boheman wurde Öfvers. Vet. Ak. Förh. S. 50. Aelia ro^
strala von der nahe verwandten A. acuminata abgesondert und be-
sonders durch längeren Kopf mit wenig herabgebogener nicht zusam-
mengezogener Spitze, durch vorn deutlicher eingedrücktes und ge-
kieltes Halsschild und durch blassere Färbung charaklerisirt.
Curtis hat einige Bemerkungen über die Synonymie der vier
I
j^lyfflüJija 10 während des Jahres 1852. 277
brittischcn Arten von Acanthosoma in den Trans. Ent. Soc. Vol. I. S. 271
n)it);etheilt. Seiner Meinung nach ist dieselbe in foln^ender Weise
festzustellen. 1. A. haemorkoidale L'mn. elc. 2. A. dentatum I)e Geer,
Dali., lilurala Fabr. 3. A. piclipenne Kewm. , picta Wewm., Curt., W-
turatum Dali. 4. A. griseum Linn., Curt , Dali , agathina Fb., Curt.
Zwei neue neapolitanische Arten von Cydnus wurden von Co-
sta (a. a. 0.) chrarakterisirt: C. fumigatus und albipennis; die
letztere ist auch abgebildet.
Coreides. Mit einer bemerkenswerthen neuen Galtung Gam~
psocoris wurde diese Familie von Fuss in d. Mitlheil. d. Hermannst.
Vereins S. 73. bereichert. Sie ist besonders durch eine auffallende
Bildung des Schildchens ausgezeichnet, welches in der Form eines
nach hinten gekrümmten Hakens sich fast bis zur Höhe ({es stark ge-
wölbten Vorderruckens erhebt. Uebordem ist das zweite Fussglied
merklich kürzer als das dritte, während beide zusammen erst die Lange
des ersten haben, und an den Klauen fehlen die Haftlappen. In der
Körperform errinnert die Wanze an Berytus, das zweite und dritte Füh-
lerglied sind aber von gleicher Länge; dieser letzteren Eigenthümlirhkeit
wegen ist F. geneigt, sie neben Hypselonoctus Burm. zu stellen. G,
transsylvaniaa ist 2V2 Lin. lang und bereits an mehreren Punkten
Siebenbürgens aufgefunden worden.
Eine neue von Mulsant und Rey (Ann. d. 1. soc. Linn. de
Lyon S. 92.) beschriebene Art Chlorosoma brevicorne von Mont-
pellier weicht von den typischen Arten der Gattung Chlorosoma durch
das letzte einen eirörmigen Knopf bildende Glied der Fühler ab; auch
ist das erste Fussglied nur zweimal so lang als die folgenden zu-
sammen.
Von Boheman wurden Pseudophloeus dentipes und Corhus
Ledi (Öfv. Vet. Akad. Verb. S. 51.) aus Schweden, — von Costa
(Cent, cim.) Coritus g emmatus (nach Si gn orel = Rhopalus tigrinus
Schill.) und sanguineus (TaL 6. F. 7. u. 8.) aus Neapel bekannt ge-
macht.
liyg^aeitles. Signoret stellte (Ann. d. I. soc. ent. d. Fr.
S. 59t. pl. 16. flg. 5.) Astemma Muls anlii als nene bei Vincennes
entdeckte Art auf, und theilte (ebenda S. 539. pl. 16. fig. 1.) eine Be-
schreibung und Abbildung von Rhyparochromus proderus Amyot (flavU
pes Lucas), nach einem bei Prades in Frankreich gefangenen Exemplare
mit; bisher war diese Wanze nur in Sardinien und Algier beobachte^
worden.
Als neue Arten sind ferner aufgestellt:
278 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomolog'®
von Mulsant und Rey (Ann. d. soc. Linn. d. Lyon S.93ff.)s
Helerogaster dep ressus, Pachymerus villosus, adsp ersus, ob'
s curus, pilicornis , qui nquemaculatus , ferrugineus, Sle~
nogaster collariSf tcnuis, Anthocoris pilicornis , testacenSf
Xyloc§ris latior, aus dem südlichen und südöstlichen Frankreich:
von Costa (Cim. Cent.): Helerogasler line atus, exiliSf
Pachymerus derelictuSf discors^ mitellatusy tessela^ bivir~
gatus, bidenticulatus, palliatus, Xylocoris o bliquus , aus
Neapel ;
von Boheman (Öfv. Vet. Förh. S. 52.) : Pachymerus Fraga-
riaCf insignis , an gusiulu s , spinig er ellu s , Anthocoris lu-
gubris aus Schweden.
Der Letztere gab ausserdem ausführliche Beschreibungen von
Pachymerus angusticollis Sahlb., coleoptralus Sahlb. , antennalus Schill.,
Anthocoris longicepsß&k\b.^ obscurus Hahn, Microphysa pselaphifor-
mis Curt. . <
i"h ■
' Capsini« Eine merkwürdige, im Habitus an eine Ameise er-
innernde, besonders durch die Bildung des Thorax und des Hinlerlei-
bes, so wie durch die Grösse der vordersten Gelenkpfannen ausge-
zeichnete Gattung mit verkümmerten Flügeldecken und fehlenden Un-
terflügeln ist von Gorski (Anal, ad entom. imp. ross. S. 167.) unter
dem Namen Myrmecoris aufgestellt worden. Der Kopf ist breiter
als der Thorax, vor den Fühlern fast rüsselförmig verlängert , Neben-
augen fehlen; der Prolhorax hat sehr grosse Gelenkpfannen, welche
fast das ganze Frosternum einnehmen, der oben mit einem Buckel
versehene Mesothorax ist von der Länge des Prothorax und ebenso wie
der kurze JMetathorax von oben sichtbar, indem die Flügeldecken ru-
dimentär sind und die Unterflügel vollständig fehlen; der Hinterleib
hat eine schmale Basis, erweitert sich aber in der Mitte bauchig. Die
Gattung ist auf eine in Lithauen und bei Berlin aufgefundene Art ge-
gründet, welche auf Tafel IL Fig. 1. als M. lituanica sehr getreu ab-
gebildet, im Texte als M. agilis bezeichnet ist. Nach einer mündli-
chen Mittheilung des Dr. Nylander ist dasselbe Insect schon 1848 von
Sahlberg in seiner mir unbekannt gebliebenen Monographia Geocorisa-
rum Fenniae als Giobiceps gracilis bekannt gemacht worden.
Unter diesem Namen ist es auch von Boheman Öfv. Vet. Ak. Förh.
S. 70. beschrieben.
Die für die schwedische Fauna neuen Arten dieser Familie, von
denen Boheman Öfv. Vet. Akad. Förh. sorgfältige Beschreibungen
mitgetheilt hat, sind : Phglocoris annulicornis Sahlb,, flavosparsus Sahlb.,
validicornis, lue orum, nigriceps^ moriOj pilosus, impU"
ruSf Pachystoma evan es censj Giobiceps graciUsBvihlh.f Cyllecoris
während des Jahres 1852. 279
flav ono latus, dispar, Capsus «iäK Meyer, pulcher Sahlb., elegah-i
iulus Meyer, constric lus , p ellucens, anlennalus.
Mulsant und Rey beschrieben (AnA. 4; ll söc. Linn. de LycHi
S. 107 fF.) Mitis megatoma und nicht weniger als 28 neue Arten
von C ftp BUS : C. frontalis^ toxaliSf hieroglyphicns,picti~
cortiisy bic 0 lor , cr-uentatus j linhellus>, auröra, irrora^
tus, anticu s , nigricep s , macula-rubra, Perrisi, prostr^
pinaCf maculicollis , moliis, punc tip es, decoloratus , otow-
laris, tnelana sp is, bivitreus, coarctatus, for ticomit^
ti^ripeSf an tennatus, horridu s, stygialis, tenuicornis. '^
Auch (DöMä mächte (a. a 0.) eine grössere Reihe neuer Ar-
ten bekannt: Miris curticollis, quad rivir g atu s , (nachSig-
noret = M. hortorum WolfP.) ; Lopus discorSy Fhytocoris obli-
quus, ex'otiihsj cihcli'pesy irtvialiSf circutnflexus (riaich
S i g D 0 r e t = dispjlr Stfejih., ^ürmeisleri Curl , curvipes Äleyer = tho-
racicas Fall); ta enionia, [= Capsus Fraicini Fabr.); häemo'rrhous ,
tr itaenia, coroniceps, Globiceps rugico llis , SlrongylocoHk
erythroleptus, cicadifrons, Pachytoma majot, Hallicus cylifi^
dricollis. \n Bezug auf die im J. 1841 von ihm aufgestellte Gat-
tung Pachytoma bemerkt C, dass sie früher nur auf das weibliche
Geschlecht gegründet worden sei ; die Männchen sind, wie in der Gat-
tung Hallicus, sehr abweichend gebildet ; überhaupt steht jene Gattung
der letzleren und namenllibh dem H. pallicornis Fabr. so nahe , dasS
eine Trennung wohl nicht zu rechtferligeh ist.
Eine hübsche neue Art von Capsus, welche besonders durch die
starke Punktirung des Halssähildes charakterisirt und biß! St. Valery
im Dept. de Somme entdeckt worden ist, wurde ferner von iSij| ndrfei
(Ann. d. 1. soc. enl. S. 543. pl. 16. fig.4.) unter dem Warnen t. FaD^i'
mairii beschrieben und abgebildet.
itcantliillae« Als neue Art wurde Acanlhia rotundaia
von Signoret (Ann. d. 1. soc. ent. S. 540. pl. 16. fig. 2.) aufgestellt,
sie findet sich auf der Insel Bourbon und ist sowohl mit A. Iccticula.
ria als mit A. hirundinis nahe verwandt.
Aradites* Der Galtung Aradus fugte Boheman Öfv. Vet.
Förh. S. 77. zwei neue schwedische Arten, A. annulipes und cras-
sicornis; — Costa (a. a. A.) eine neapolitanische A. LucäiH
(Taf. 6. Fig. 4.) hinzu.
Tinffidites. Die Gattung Monanthia vermehrten Mulbadi
und Rcy ^a. a. 0.) mit zwei neuen Arten aus dem »üdlichen Frank«
Ö80 Schaum: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
reich: M> unicoslata und Kiesenwetter i; — Costa (a.a.O.) be-
schrieb Dic(i/o«o/a fuliginosa (Taf. VI. Fig. 5.) , Monanthia villosa
(F. 6.) n. A. aus Neapel; die letztere ist narh Signoret M. piiosa
Fieb., augusticollis Herr. SchaefT.
Reduvini* Diese Familie wurde von Signoret (Ann. d. 1.
soc. ent. S. 545. pl. 16. fig- 6.) mit einer neuen Gattung CenlrO"
cnetnis bereichert, welche, der Amyot-Serville'schen Eintheilung
zufolge, in die Bolte der Spongipedes mit wenig vorstehenden Füh-
lerhöckern, sehr vorstehenden Augen und eindornigem Schildchen ge-
hört und sich zunächst an Macrops anschliesst; der langgestreckte
Kopf, welcher länger als breit ist, und die am Innenrande erweiterten,
stark ausgerandeten Schienen sind die wesentlichsten Charaktere der-
selben, der flache breite Körper ist an den Seiten mit vielen Stacheln
besetzt und trägt zahlreiche Spitzen und Höcker. C. D eyr olii, eine
Art von ansehnlicher Grösse, Ist in Java zu Hause.
Derselbe unterschied (ebenda S. 544. pl. 16. fig. 5.) Ploiaria
uniannulatttf eine neue bei Vincennes entdeckte Art, von der ihr
sehr nahe stehenden PI. vagabunda.
Boheman stellte Öfv. Vet. Akad. Förh. S. 77. Nabis nervo^
su$ als n. schwedische Art auf.
Riparii« Eine hübsch gezeichnete neue Art aus Neapel ist
Salda ge min ata Costa (a. a. 0. Taf. VI. Fig. 3.), das königl. Mu-
seum zu Berlin besitzt dieselbe Art aus Portugal.
Ploteres* Boheman gab Ofv. Vet. Ak. Förh. S. 79. eine
neue Beschreibung der Uydromelra aptera {Gerris aptera Schnmm.)^ ei-
ner für die schwedische Fauna neuen Art.
Mulsant und Rey errichteten Ann. d. I. so.c. Linn. de Lyon
1850 — 52. S. 138. eine neue Gattung Mesovelia, welche sie dieser
Familie zuzählen und von Velia durch die zarten Fühler, deren zwei-
tes Glied das kleinste ist, durch die schlanken sehr langen Beine und
durch die Anwesenheit eines Schildchen unterscheiden. Die im Depl.
de risere entdeckte 1% Lin. lange Art M. fuscata ist auf einer
beigegebenen Tafel abgebildet worden. Weslwood bemerkte in den
Proc. ent. Soc. S. 60. , und, wie es mir scheint, mit Recht, dass die
Gattung wohl eher zu den Lygaeiten in die Nähe von Aulhocoris zu
stellen sei.
TVepides. Zailha reliculata und bifoveala sind von
Haldeman in Slansbury's Report als n. A. beschrieben^ die letzte auch
anf Taf IX. abgebildet.
»iiruji r
vrfthrend des Jahres 1852. 281
Wotonectidae. Ms n. A. islCorira fatciolala YonMul-
sant und Key (Ann. d. 1. soc. Linn. d. Lyon S. 141.) aulgestelll wor-
den, die Verf. haben aber die monographische Bearbeitung der Gattung
von Fieber nicht gekannt.
Stridnlantes« Als neue Arten sind zu erwähnen Cicada
REf (sie! der letzte Buchstabe soll seh verlrelen), C. slriatipeSf
Hai de man in Stansbury's Report Append. C. ; sie sind beide auf Taf IX.
abgebildet,
F'ulfforellae* Die von A. Fi tob in dem Fourth Annual re-
port on Ihe condition of the State Gab. Albany 1851 beschriebenen im
Staate IScu-York einheimischen neuen Arten dieser Familie sind: Cixius
pini, C. impunclalu Sf Delphax ar vensiSf D. dorsalis, Olio^
cerus Kirbyi, Foecüoptera'i vulgaris. (Der Verf. scheint die von
Germar in Tbon's Archiv veröffentlichte Arbeit über die Fuigorellen
nicht benutzt zu haben).
]fleinbracides. A. Fitch hat (a. a. 0.) mehrere neue Gat-
tungen und viele neue Arten beschrieben , von denen indessen ohne
Zweifel ein Theil eingehen wird, da vom Verf. die Monographie der
Membraciden, welche Fairmaire in den Annal. de 1. soc. entom. ver-
filTentlicht hat, nicht benutzt ist: Carynota nov. gen. auf M. mera
und arquata Say gegründet; Smilia castaneae, S. auriculata;
Cyrtoisia nov. gen. enthält marmorata Say und fenestrata n.
A. ; Telamo na nov. gen. mit M. atnpelopsidis Harris und 8 neuen
Arten, T. unicolor, fasciata, c oncava^ fagif tristis^ co-
ryli, querei (!), reclivata; Thelia crataegi, Tragopa dorsa^
liSj Uroxiphus caryae.
Cicadellae« Von A. Fitch sind (a. a. 0.) folgende neue
Arien beschrieben worden: Lepyponia saratog ensis , Ciastoplera
testacea^ C, pini, C. proteusj Tettigonia tripunctatOy Aula-
dies noveb oracensiSf Helochar a nov. gen. mit 1 n. A., H.
communis, Evacanthus orb italis, Gypona flavilineata, s Car-
la tina, Penthimia am ericana, Acocephalus vitellinus , Bylho'
scopus tergatus, unicolor , strobi, Idiocerus lacrym a lis, al-
t trnatus, maculipennis, suturalis, pallidus, Podiopsis viri-
dis, trimaculatus , Athysanus variabili s , fernst ratusy mi-
nor, fagi, nigrinasi, Amblycephalus Curlisii, Sayii, Mels-
heimerii, lassus fulvidorsum, Ery thro neuro nov. gen. auf
vilis Harr., obl'qua Say, fabae Harr, und drei n. A. vulnerata, af-
finis und Iricincla gegründet; Empoa n. Gatt, mit zwei n. A.
£. querei und coccinea.
öo4 Schanm: Bericht über die Leistungen in der Entomologie
-•^'feüörin-iWehfevilie rtiächte ih dertCompt. re^Ä. 1852. t. XXXIV.
S:'P2. einö ausführliche Mittheilung übet* ein neues Ihsect, welches'
im t)epl. des bäss'es W'pes dem Gelraid6 sehr schädlich ge>Vorden ist;
es ist eine Art der Gattung Jassus , welche hilpr Hjhnie'v dem Wamfen J.
devastans beschrieben wird, und die in allen Stadien ihrer Ent-
wiclielung an den Pflanzen sangt und oft ^^s Absterben derselben ver-
uraacht. (vergl. buch Guer. ßev. et Mag. d. Zool. S. 39.)
Von Dr. j. H. Schneider in l^öhmen wurde ein Iriisect ,
welches er mit dem Namen Psylla solani iuherosi belegt und in den
Sitzungsberichten der Wiener Acad. Bd. 9. S. 3. beschreibt , als die
Ursache der kairtöffelfäuU bezeichtiet. KöUaf, dessen Gütachten in
dieser Sache eingeholt würde, bemerkte, dass das von Schneider be-
obachtete Insect keine Psylla, sondern eine neue Art von Typhlocyba
«ei , und erkläHe sich zwar nicht «hVschieden gegen die Ansicht
Schneider's, dass e^ die KarlofTelkrankheil erzeuge, stellte dieselbe aber
doch als eine öehr Zweifelhafte d^t-'^Wäldhe bestätigender Beobach-
tungen noch sehr bedürfe.
Ais neue bei Stockholm entdeckte Art ist Ttfphlocyba bifa-
s ci <i(<i^. B 9^|i e m a n, (pfv. Vejli^ A:k. Verh. S. 79,). zu erwähnen.
Nach SIgnötet (Bull. d. 1. soc. e«t. d. Fr* 6. LV.) ist Eupelix
producta Germ, nur eitte Abänderung der E. cuspidüta, Paröpia palli-
dipennis das Männchen det* P. sctinica ¥si\\. [megophthälmuB ^&lk.) und
Vlopa decmsala Germ, das Weibchen von 6^. tritia Germ.
White zeigte beide Geschlechter der Vropkofa Haräicichii Gray
in der entomol. Gesellschaft In London vor und bemerkte, dass der
haarige schwanzartige Anhang am Ende des Körpers, welcher dieses
Insect so auszeichhet, ebensowohl dehi Weibchen als dem Männchen
zukommt (Proc. ent. Soc. Apr. 1852-).
Psyllidae« Als neue von A. Fitch (a. a. 0.) beschriebene
Arten sind zu erwähnen: Psylla tripunctata, quadrilineata,
earpini, annulala, Livia vernalis^ f emoralis.
Die Naturgeschichte der Psylla büaii Littrte wurde von West-
wood in Gardener'ä Chronicle S. 516 durt^h Btsehreibung und Ab-
bildung des Insectes ift seinen verschiedenert Lebfensperioden und der
von demselben an den Schössllngeti des BuchsbhUms hervorgebrachten
Deformationen erlätitert.
jipitidii. Zahlreiche neue Arten von ßlättläuseri hatA. Fitch
(a. a. 0.) bekannt geniatUii Aphis eetäiicotens, bbrberidis,
asclepiadis i cornifoliae , er alaegifoliaet bttnlaecolenSf
sambucifoliaef pinicolenSf populifoliäe , rudbeckiaCf
''omo'M:j während de» Jafcreg 1852. 563
Lachnui abietis ^ querci foliacj salicellis, alnifoliae^ Erio*
Boma pyri, tesselata^ imbricatoTf slrobi, Brysocrypla (Halid.)
hamamelidis.
Agelges Abietia ( = Chermes Abietis Linn. ) bildet den Gegen-
stand einer Abhandlung von Westwood in Card. Chron. S. 580-,
well he mit Holzschnitten des Thieres und der von demsetbeh erzeug-
ten Gallen begleitet ist.
Coccides* Memoire sur les Dorthesia et sür les Coccus en
general comme devant former un ordre particulier dans la classe des
Insecles par Dujardin (Compt. rend. XXXIV. S. 510— 515) — Der
Verf. entwickelte hier die Ansicht, dass die Schildtäuse eine beson-
dere, zwischen den Dipteren und Hemipteren in der Mitte stehende In-
seclen-Ordnung zu bilden hätten, und sucht dieselbe durch folgende,
übrigens hinlänglich bekannte Thatsachen, zu begründen. 1. Die Männ-
chen der Schildläüse haben zwei Flügel; während sie ein entwickeltes
Nervensystem besitzen, fehlt ihnen ein Yerdauungskanal; sie machen,
indem die Puppe derselben ruht, eine vollkommene Metamorphose durch.
(Es ist indessen von anderer Seile nachgewiesen, dass die Puppen-
ruhe keine vollständige ist). Die Weibchen dagegen erfahren keine
Häutungen, die Bewegungsorgane und das Nervensystem derselben er-
leiden rückschreitende Veränderungen (die auch bei den Weibern der
Psychiden beobachtet werden). 2. Die Beine haben weniger Gliede-
rungen als bei allen anderen Insecten, der Fuss besteht nur aus einem
Gliede (dies isf auch bei der Käferg^ttung Articerus der Fall). 3. Der
unbewegliche Schnabel besteht aus zwei verwachsenen Gliedern und
enthält einen Saugapparat von vier Borsten, welche in einem langen
contractilen Sacke zusammengerollt sind. 4. Die Anal- und Genital-
öflfoungen sind von einander getrennt (dies ist der normale Fall bei
den Insecten). — Die Gattungen der Cocciden will D. auf die Lebens«
weise, die Art des Secrets und die äussere Form gegründet sehen und
erkennt nur vier an : Aspidiotus und Lecanium, beide mit unbeweglichen
Weibchen, die erstere ohne wachsartige Secretion, mit Larven und Wei-
bern, die unter einem abgesonderten Schilde leben, die zweite schwitzt
Wachs an der Bauchfläche aus, welches zum Schulze für die Eier dient;
Dorthesia durch die Beweglichkeit der Weiber und durch ein sehr
reichliches Wachsdach ausgezeichnet ; Coccus, (womit Monophlebus und
Porphyrophora zu vereinigen sind) , deren Arten sehr feine FÜomenle
durch die gaDze Oberfläche des Körpers absondern, überdem durch die
unvollkommene Ausbildung der Beine bei den Weibchen sich charakte-
risiren. — Die Gattung Aleyrodes wird vom Verf. , weil sie eine un-
vollkommene Metamorphose durchläuft, übereinstimmende Geschlechter
und vier Flügel besitzt, von den Schildläusen gelrennt, und zu den
Psylliden gtsiellt (wohin gie jedoch ßchou deßßhalb flickt gehören
»84 Schanm: Bericht über die Leialungen in der Entomologie
kann, weil sie nicht springt), — Die speciellen Millheilangen des Verf.
über die Gattung Dorthesia beziehen sich auf D. cnrcharias , welche
in der Touraine sich auf Euphorbia findet und von der die Entwicke-
lung beider Geschlechter beobachtet wurde, und auf eine zweite Art,
welche von D. bei Bennos an den Wurzeln von Spiraea salicifolia
entdeckt wurde und hier beschrieben aber nicht benannt ist.
Guerin-Meneville richtete an die Pariser Academie der
Wissenschaften eine Mittheilung über eine neu entdeckte Art von Coc-
cus (C. Fahae Guer,), welche sich in Södfrankreich auf der gemeinen
Bohne findet und einen rothen Farbestoff liefert (Rev. d. Zool. S. 143.)
Chevreuil hat den Coccus Fahae in Bezug auf seine färbenden
Eigenschaften einer Analyse unterworfen und der Academie darüber
Bericht erstattet (Rev. et Mag. d. Zool. S. 300 ).
Robineau-Desvoidy hat der Pariser Academie eine Ab-
handlung über die Schildläuse vorgelegt, welche bei INizza und im
Dept. du Var den Oel-, Citronen - und Rosenlorbeerbäumen nachthei-
lig werden. Nach den Beobachtungen des Verf. hat sich der vom
Senegal stammende Coccus adonidum vorzugsweise auf den Citronen -
und Limonenbäumen angesiedelt, der amerikanische Kermes hesperidum
findet sich vorzugsweise auf dem Rosenlorbeer-, den Pfirsich- und
Orangebäumen, während Kermes oleae nicht allein den Oelbäumen sehr
vielen Schaden zufügt, sondern auch die Orangen-, Lorbeer» und
viele andere Bäume befällt. Der Verf. befürchtet bei der raschen Ver-
mehrung dieser Insecten noch beträchtlichere Naehtheile für die Zu-
kunft. (Kev. et Mag. d. Zool. S. 380).
Die Männchen der auf dem Rosenlorbeer und dem Rosenslocke
Vorkommenden Schildlaus wurden von Gu6ri n - M ene vil le und
Signoret beobachtet (Bull. d. 1. soc. ent. d. Franc. S. LVI.). Das
Verbältniss dieses Geschlechts zum Weibchen ist wie 1: 15—20.
Tliy sau optera .
Von Haliday, dem gründlichsten Kenner dieser Ord-
nung, ist ein Verzeichniss der zu denselben gehörigen Gat-
tungen und Arten in einem Appendix zum vierten Bande
der „List of Homopterous insects in the collection of the
British Museum« mitgelheiit worden. Mir ist die Arbeit, wel-
che ohne Zweifel die Vorzüge der früheren Leistungen des
Verf. besitzt und die von Westwood (Proc. Ent. Soc. 1853
S. 78.) als „admirable« bezeichnet wird , leider noch nicht
jsugänglich gewesen.
während des Jahres 1852. ^9$
Heeger hat in den Silzungsberichlen der Wiener Acad.
Bd. 9. S. 123—140. und S. 473 zwei grössere Beiträge zur
Naturgeschichte der Physapoden bekannt gemacht, welche
auslührliche Beschreibungen und stark vergrösserle Abbildun-
gen von 16 Arten enthalten.
Diese sind : Vhloeolhrips aculeata Fabr., Ulmi Fabr., flavipes Hai.,
slatices\\a\., Thrips UUcisH'dl., phalerala H'dl.; Melanolhrips o&esa Hai. ;
Aeololhrips fasciata Linn. , vitlala Ha\.-^ eine neue Gattung, welche be-
sonders durch fadenförmige, achtgliedrige Fühler, die Stellung der Au-
gen, welche nicht vorn, gondern an den Seiten des Kopfes angebracht
sind, und durch schmale, gleichbreile , ganz umfranzte Flügel ausge-
zeichnet, aber vom Verf. nicht benannt ist, mit einer n. Art Thr.
Schottii; Heliolhrips haemorrhoidalis Bouche, Phloeolhrips bicolor
n. sp. , lativentris n. sp., Ulmi Fabr., Kollari n. sp., Thript
tulgatissima Hai.
Parasita.
Der Katalog der Anoplura des brittischen Museums,
welches in dieser Ordnung durch den Ankauf der Denny'schen
Sammlung eine sehr werthvolle Bereicherung erhalten hat, ist
im J. 1852 erschienen, mir aber noch nicht zu Händen ge-
kommen.
„Beschreibung der auf A. Th. v. Middendorf's sibiri-
scher Reise gesammelten Parasiten von Dr. E. Grube'' Pe-
tersburg 1851. 4. 39 S. c. lab. duab. col. (Separatabdruck
aus Middendorfs sibirischer Reise Bd. iL Th. I.}.
Die Abhandlung enthält 23 Mallophaga, (darunter 7 neu), 3 Fe-
diculina (2 neu) und 1 n. A. von Pulex (s. c). Die Beschreibungen
sind mit grosser Sorgfalt entworfen, die neuen Arten ausserdem noch
durch Abbildungen erläutert.
üVirmidae. Von (irube wurden a. a. 0. als neue Arten auf-*
gestellt: ^'irmus palli dovitl atus von Telrao Urogallus, N. fulvo-
fas ciatus von Tringa cinerea, pugnax und subarquata ; iV. ornatu$
von Larus canus, A. normifer von Lestris Richardsbni , Lipeurus
Tetraonis von Lagopus albus, Menopon Lagopi auf Lagopus albi-
nus, Trinoton gracile auf Anas falcata, acuta, glocitans.
Lucas beobachtete die Begattung des Philopterus Plalaleae; sie
dauerte über 40 Stunden und im Verlaufe derselben gelangte das Männ-
chen unter den Leib des Weibchens. (Bull. d. 1. soc. ent. d. Franc.
S. XXXVllI.).
ltö€ Schaum: Bericht aber die Leistungen u. s. w.
A)H" Pedlcnlina« Pediculus hispi^us von Lemmus Obensis und
jp. la$vius,culu$ von Spermophilus Eversmanni sind zwei neue von
Grube a. a,. 0. bekannt geraachte Arten aus Sibirien.
]^^cas gab Ann. d. 1. soc. enl. S. 529. pl. 15. IN. IV. eine aus-
führliche Beschreibung und Abbildung von Haematopinus tuberculatus
Burm., welcher in ungeheurer Menge auf einem in der Menagerie des
Ja/rdin dqs plantes befindlichen Bos bubalus vorgekommen war.
-üA Tjb r^äuU.
ti\i-\
',i',\s -ii'fr'
Anzeige
das Erscheinen des „Archivs für Naturgeschichte"
betreffend.
Um mehrfachen Anfragen wegen des unregehnäfsigen
Erscheinens der Hefte des Archivs für Naturgeschichte
zu begegnen, sieht sich die Redaction veranlafst auf die
Einrichtung dieser Zeitschrift aufmerksam zu machen.
Jeder Jahrgang derselben besteht aus zwei Bänden. Der
erste enthält naturhistorische Aufsätze, meist im Original,
zuweilen in Uebersetzungen, mit den dazu gehörigen
Kupfertafeln. Es unterliegt keinem Zweifel, dafs es in
der Hand der Redaction liegt, diesen ersten Band recht-
zeitig, d. h. im Laufe des entsprechenden Jahres erschei-
nen zu lassen. Dies ist auch mit einigen Ausnahmen
geschehen, und soll künftig mit der genausten Pünktlich-
keit statt finden. — Der zweite Band ist für die Berichte
über die Erscheinungen des vorhergehenden Jahres be-
stimmt. Diese Berichte rechtzeitig erscheinen zu lassen,
liegt nun nicht in der Hand der Redaction, sondern
hängt von der Pünktlichkeit der Herren Berichterstatter
ab. Man mufs selbst Jahresberichte ausgearbeitet haben,
um den ganzen Umfang der Schwierigkeiten zu begreifen,
die sich dieser undankbaren Arbeit entgegenstellen, wenn
eine auch nur annähernde Vollständigkeit erzielt werden
soll. Da indefs die Erfahrung gelehrt hat, dafs eine pünkt-
liche und frühzeitige Einliefcrung der Jahresberichte nicht
zu erlangen ist, so ist damit auch die Unmöglichkeit ge-
geben, die Jahrgänge ganz regelmäfsig erscheinen zu
lassen. Man hat zuweilen (von Seiten der Buchhand-
lungen) darüber geklagt, dafs ein neuer Jahrgang begon-
nen werde, bevor der frühere beendigt sei; die Antwort
hierauf crgiebt sich unmittelbar aus der eben dargelegten
Einrichtung des Archivs. Man hat auch wohl verlangt,
es solle in jedem Jahre der Jahrgang abgeschlossen wer-
den, die Berichte mögen eingehen oder nicht. Sollte
diesem Verlangen entsprochen werden, so würden wir
bald dahin kommen, däfs der zweite Band Berichte über
die verschiedensten Jahre enthielte, und das würde die
Benutzung derselben sehr erschweren.
Da nun die Jahresberichte als ein sehr wesentlicher
und nützlicher Theil unseres Archivs allgemein anerkannt
sind, und wohl kein Leser dieselben aufgegeben wünscht,
so bitte ich die geehrten Abnehmer des Archivs, dem
Erscheinen der beiden letzten Hefte jedes Jahrganges
auch fernerhin geduldige Nachsicht zu schenken, so wie
ich den geehrten Berichterstattern meine so oft ausge-
sprochene dringende Bitte um möglichste Beschleunigung
der Berichte hiermit wiederhole.
Dr. F. H. Troschel.
\.
4 .^
Bericlit iibor die I^eistiiiigr^ii tn cTcr gfeosfra«
plii§clieii iiiicl systeinatisclieii Botanik wäli-
roiicl des Jahres 1$5!2.
Von
Dr« A» Orisebacliy
ord. Professor an der Universität zu Göltingen.
l
A. Pflanzeng^cographie.
D 0 V e hat von seinen Monatsisolhermen eine zweite
sehr vermehrte Auflage 0 herausgegeben, worin die Ursachen
der Ihermischen Anomalieen von einem allgemeinen Stand-
punkte behandelt sind.
Unger entwickelte in einer Geschichte der Pflanzen-
welt 2) seine Ansichten über die Gliederung der Florengebiele.
C. Ritler untersuchte, besonders nach linguistischen
Dokumenten, die geographische Verbreitung der Baumwollen-
kullur im Allerthum ^).
I. Europa.
Von Henfrey wurde eine Zusammenstellung pflanzen-
geographischer Thalsachen aus dem Gebiete von Europa *)
herausgegeben.
Von v. Ledebour's Flora rossica ">) erschien das 12le
Heft (s. vor. Jahresb.) und im J. 1853 wurde das ganze
Werk mit dem vierten Bande zum Schlüsse geführt. In den
letzten Lieferungen , welche erst nach dem Tode des Ver-
fassers beendet wurden, sind die Junceen von E. Meyer,
die Gattung Carex von Treviranus, und die Gramineen von
m i r bearbeitet.
üebersichl der monokolyledonischen Famih'en« Typhacecn 8 sp. ;
Aroideen 8 sp., darunter ein neues Typhonium aus der Kirphisensteppo
Archiv f. Naturgesch. XlX.Jabrf. 2. Bd. ^
288 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
und Simplocarpus aus Ostsibiiien ; 4 Lemnaceen ; 32 Najadeen; 5 Jun-
cagineen, 7 Alismaceen ; Butomus (l sp.) ; 4 Hydrocharideen, darunter
Valisneria bei Petersburg und an der Wolgamündung; 99 Orchideen,
von denen 22 Arten auf -die Krim und den Kaukasus eingeschränkt,
zum Theil zweifelhafter Selbstständigkeit scheinen: 13 Arten sind Si-
birien eigenlhümlich , darunter Dienia und Ferularia fuscescens, 9 auf
den amerikanischen Archipelen einheimisch; 51 Irideen, wovon 38 Arten
zu Iris gehören, Sisyrlnchium nur in Sitka, Pardanthus in Davurien
vertreten sind; 9 Amaryllideen; 1 Tamus ; 25 Smilaceen, darunter
Paris mit 5 sp., Trillium und Streptopus in Kamtschatka, Polygonatum
mit 7 sp., 3 sibirische Arten von Smilacina ; 166 I^iliaceen : die gröss-
ten Gattungen sind Gagea (18 sp.), Fritillaria (12 sp.), Muscari (10 sp.)
und Allium (72 sp.) , Steppenpflanzen Tulipa , Rhinopetalum, Ammoli-
rion, Henningia und z. Th. Orythyia, kaukasisch Erythronium und Pusch-
kinia ; 22 Melanthaceen mit der sibirisch-amerikanischen Gattung An-
ticlea; 40 Junceen ; 199 Cyperaceen, darunter Carex mit 130 sp. ; 359
Gramineen : die artenreichsten Gattungen sind Bromus (27 sp.) , Poa
(25 sp.) , Avena (22 sp.), Triticum (21 sp.), Calamagrostis (20 sp.) ,
Klymus (17 sp.).
Von Kryptogamcn sind abgehandelt: 11 Equiselaceen ; 6 Rhizo-
spermen , darunter Marsilea mit 3 sp. ; 14 Lykopodiaceen ; 53 Farne,
darunter Physematium kaukasisch und Camplosorus aus Ostsibirien.
Maury beschäftigte sich mit der Pflanzengeographie
lies nördlichen Russlands ^3.
Wiedemann und Weber bearbeiteten eine Flora der
russischen Ostseeprovinzen 0- — v. Trautvetter gab eine
üebersicht der Cyperaceen des Gouvernements Kiew (;Bull.
Pelersb. 10. p. 362—368).
Von Andersso n's Kupferwerk über die skandinavische
Flora ^) erschien die zweite Lieferung , in welcher die Gra-
mineen enthalten sind.
Bergstrand untersuchte die bisher vernachlässigten
Alands -Inseln 9), besonders Fasla^ unter etwa 80 Schee-
len und Eilanden die bedeutendste , deren Areal grösser
ist, als das aller übrigen zusammengenommen. Die Phy-
siognomie wird durch einen feldspathreichen Granit be-
stimmt , ein anmuthiger Wechsel von Höhen und Thal-
gründen , aber die höchste Erhebung des Archipels beträgt
nur 600'. Das insulare Klima bewirkt, dass das Eis zwar
einige Tage früher aufgeht, als in der benachbarten schwe-
dischen Provinz Westeras, aber die Entwiclielungszeiten der
•Vegetation sich ungefähr um 10 Tage verspäten (p. 136).
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 1289
Die Jahrestemperatur wird zu + 3o,I C. , das beobachtete
Maximum der Temperalur zu + 25° C. , das Minimum zu
— 29^,25 C. angegeben (p. 137.). Die Vegetation der grös-
seren Inseln ist im Allgemeinen üppig, aber weniger arten-
reich, als in Schweden. Indessen ist hiebei zu bemerken,
dass die Ostküste Scliwedens überhaupt auf gleich grossem
Areale bei Weitem mehr Pflanzenarten besitzt, als Finnland,
und dass daher, entgegengesetzt wie in einigen Gegenden von
Deutschland, in dieser Breite der Pflanzenreichthum in öst-
licher Richtung abnimmt, womit die Beobachtung in Verbin-
dung zu stehen scheint, dass in Finnland die Südgrenzen
nördlicher Formen in eine tiefere, die Polargrenzen südlicher
in höhere Breiten vorrücken (p. 1340- Auf dem Alands-Ar-
chipel weist der Verf. 685 Gefässpflanzen nach , während in
der Gegend von Helsingfors nur 590 und in der von Stock-
holm 886 Arten beobachtet sind. — Die Wälder der Alands-
Inseln bestehen aus Pinus sylvestris und P. Abies: doch giebt
es auch Laubgehölze von Alnus glutinosa , Betula , Populus
Iremula, Sorbus aucuparia und besonders häufig auf der In-
sel Kumlinge Gesträuche von Corylus Avellana , so dass die
Nüsse von hier ausgeführt werden. Auch kommt die Eiche
(Qu. Robur) noch vor, aber wegen des heftigen Windes ist
das Wachsthum der Laubhölzer gehindert und die Zucht der
Obstbäume beeinträchtigt. Fasta gliedert sich zu einer nord-
östlichen und südwestlichen Landschaft : dort ist die Erd-»-
krume thonreicher und fruchtbarer , hier sandig und mager,
aber häufiger von Eichen, Ulmen und Linden bewachsen (p. 6.).
Charakteristische Pflanzenformen der Alands-Inseln *) , von de-
nen wegen mangelnder Kalkformationen die eigenthümlichen Erzeug-
nisse Gotllanrls und Oelands ausgeschlossen sind: Thalictrum simplex,
Ranunculus cassubicus , Corydalis laxa , Hesperis malronalis ^ Bunias
Orientalis, Isatis linctoria, Draba iacana, Viola epipsila, Silene viscosa,
Rosa ciniiamomea, Rubus arcticus und chamaemorus, Potentilla niacu-
lata, Sedum annuum, Bulliarda aquatica, Heracleum sibirieum, Laserpi-
tium latifolium, Linnaea, Inula Heleniunif Cirsium helerophyllum, Scor-
zoncra humilis, l'yrola chloranlha, uniflora und umbellata, Primula fa-
rinosa^ Pedicularis Sceptrum, Lamium intermedium, Ajuga pyramidalis,
Rumex domesticus, Salix depressa , rosmarinifolia und nigricans, ße-
*) Einige Arten, welche hier ihre Polargrenze erreichen, sind
durch Cursiv-Schrift ausgezeichnet. ^ Vüä
$90 Grisebach: Bericht nb. d. Leistungen in d. geographischen
tula nana, Alnus incana, Myrica, Listeia cordala , Corallorrhiza innata,
Cypripedium Calceolus , Narcissus poelicus, Polamogeton uitens, prae-
longa und zosleracca, Zannickellia polycarpa und pedicellata, Eriopho-
rum alpinum, Carex capillaris, glareosa und irrigua, Calamagrostis strf<ii
da, Hierochloe borcaiis, Woodsia ilvensis, Selaginclla spinosa.
' *" Westerland '0) verglich die Insel Oeland mit der
gegenüberliegenden Kösle von Kalmar, von der sich ihre Flora
in dem Grade unterscheidet, dass einVerzeichniss der in Kal-
mar fehlenden Arten gegen 100 Formen aufzählt (p. 103.).
Zu den merkwürdigsten, hier auf's Neue bestätigten Erzeugnis-
sen Oelands gehören folgende ^') : Ranunculus illyricus , Thalictrum
anguslifolium , Adonis vernalis , Sisymbrium supinum , flelianthemum
oelandicum, Coronilla Emerus^ Oxylropis campestris, Potenlilia fruli-
cosa, Arlemisia rupcstris , A. laciniata , Linosyris vulgaris , Globularia
vulgaris, Carex obtusata, C lUvulsa.
Nyman bearbeitete die europäischen Wasserranun-
keln *'): zu etwas abweichenden Ergebnissen gelangte Be ur-
lin g *2) in einer Uebersichl der skandinavischen Arten. —
Ang ström bereicherte die skandinavische Moosflora '3), mit
deren Verbreitung sich auch Hartman n »"•) beschäftigte.
Beiträge zur schwedischen Pflanzentopographie lieferten
Fristedt und Björnström '&), Theden ius i^), Hof-
berg ")i Hammström i«), Sandahl i*^), Lindeberg ^o),
Fries d. J. 2«) und Westerlun d 22).
Norman beschrieb seine botanische Reise durch Gul-
brandsdalen in Norwegen 2?/).
Von der Flora danica erschien eine neue Lieferung 2^),
welche von L i e b m a n n verfasst ist.
Watson's Cybele britannica (vergl Jahresb. f. 1846.
u. 1849.) wurde mit dem dritten Bande 2-) vollendet. — Von
Withering's britischer Flora erschien eine neue Auflage 26).
i-Tf^Leighton begann die britischen Lichenen zu bearbeiten
und durch analytische Figuren ihrer Sporen zu erläutern 27).
Berkeley und B r 0 0 m e fuhren fort, sich milder britischen
Mykologie zu beschäftigen 28). _ Dickinson gab eine
Flora von Liverpool heraus ^9).
Dickte 30) suchte in der Vcrtheilung der Algen an
den britischen Küsten den erwärmenden Einfluss des Golf-
*) Die durch Cursiv-Schrift ausgezeichneten Arten kommen auch
ftuf Goltland vor.
Qnd gystematigclien Botanik während des Jahres 1852. 201
Stroms nachzuweisen , indem gewisse Formen, die der Ost-
küstc Scholllands fehlen, sich an den westlichen Küsten bis
zu den Orkney- und Shcllands- Inseln verbreiten. — Der-
selbe '^0 wies auch eine Depression der Pflanzengrenzen in
Nordirland im Verhältnisse zu den englischen nach , was mit
den bekannten Wirkungen des starker ausgeprägten Seekli-
mas in Norwegen und Portugal übereinstimmt.
Die Flora batava (s. Jahresb. f. 1849.) wurde fortge-
setzt ''O« — Die Untersuchungen über kritische und neue
Pflanzen der Niederlande (s. vor. Jahresb.) wurden von dem
Vereine dortiger Botaniker weitergeführt: namentlich ist in
den diesjährigen Mitlheilungen ein Verzeichniss niederländi-
scher Lichenen von v. d. Bosch und eine üebersichl der
dortigen Diatomeen und Desmidieen von Abeleven ent-
halten 3"^). Daselbst werden auch einige früher nicht ange-
führte niederländische Lokalfloren von Gev ers - Dey no ot
und Abeleven ^^') , von v. Hovßn,,3sj^,,, Leondam und
Top 3^), so wie von Rombouts undMcrkus^O erwähnt.
Die allgemeinen Werke über die deutsche Flora ^ß«'*')
von Reichenbach, Schenk, Dietrich und Lincke
wurden forlgeselzt. — Löhr^^-) publicirle ein Verzeichniss
der Flora Deutschlands und der Nachbarstaaten.
Mit der Herausgabe deutscher Lokalfloren und systema-
tischer oder topographischer Beiträge im Gebiete der deut-
schen Flora beschäftigten sich: in Preussen '•3) ^4) Kling-
gräff, L. Meier; in Schlesien ^^-^^) Wim m er, Milde,
Weilzner; in Mecklenburg''^) ßrockmüller; in der
Mark ^'^) Schramm; in preussisch Sachsen ^o) v. S c h 1 e c h-
tendal; in Thüringen s'-s^) Schrader, Met seh, Rose;
in Westphalen s^) Jüngst; in Rheinpreussen w-&6) Löhr
u. A.; in Nassau »0 R"dio; in der Rheinpfalz ^«) Koch;
in Würtemberg '•9)60) Engesser, Reh mann und Brun-
ner; in Baiern 6i) 02-) Emmert und v. Seynitz, Kress;
in Böhmen <^3) 6^-) Ott, Karl; in österreichisch Schlesien 663
Milde; in Mähren 66-) 6?) Pokorny, Wawra; im Erz-
herzoglhum Oesterreich 68_72-) ^[q Mitglieder des Wiener zoo-
logisch-botanischen Vereins, sodann Ehrlich, Nyman, v.
W i d c r s p a c h ; in Salzburg ^0 ' ') S a u t e r , K Q ijl^,i(i,;:yiß.
392 Grisfebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
rol 75.79) V. Hausmann, Hofmann, v. Heufler, Sau-
ler, Schenk und ich; in Kärnlhen^o) 8i) Graf, Kokeil.
Von neuen Pflanzen im Gebiete der deutschen Flora sind zu er-
wähnen : Ihaliclrum medium Jacq. (fide ic. Rchb.), in Böhmen bei
Saaz von Pokorny unterschieden (Oesterr. bot. Wochenbl. 2. S. 135);
Th. laserpiliifoliutn W. Syn. Th. simplex hercynicum Kch. (non L.), am
Harz von mir nachgewiesen (lt. hungar. p. 311. s.u.); Anemone apen~
nina L.; bei Greslen südlich von Ips in Oberösterreich von Briltinger
entdeckt und von Fenzl anerkannt (Verh. des zool.-bot. Vereins 1.
S. 186); Ranunculus millefoliatus Vahl, an sonnigen Abhängen des Ba-
chergebirges in Steiermark von Maly nachgewiesen (Oesterr. bot. Wo-
chenbl. 2. S. 230) ; Spergula pentandra L. (non Aut.), bei Brandenburg
von Schramm unterschieden (das. S. 154) ; Sempervivurn alpinum Gr.
Seh., im Engadln beobachtet, aber durch die Alpen und Pyrenäen ver-
breitet (It. alpin, p. 600); Malricaria discoidea DC, eingewandert bei
Berlin nach A. Braun (Bot. Zeit. 10. S. 649 u. f.) ; Serraiula helenii^
folia C. H. Seh., nach C. H. Schultz an der Gonzenspitze bei Sargans
in St. Gallen und am Monte Baldo beobachtet (Reg. FI. 1852. S. 154);
Hieracium Bocconei Gr., im Engadin unterschieden (comment. de Hie-
racii dislrib. p. 35) ; H. leiocephalum Barll. , im Isonzothale zwischen
Woltschach und Canale von Bartling entdeckt (das. p. 72.) ; Onosma
arenarium Kit. (non Koch), in Mähren von Hochstetter gesammelt und
von mir nachgewiesen (It. hung, p. 326.) ; Lithospermum graminifolium
Viv., aus Söd-Tirol nach älteren Fundorten, z. B. in der Val Sugana,
von V. Hausmann wieder angeführt (Fl. v. Tirol, S. 612.); Euphorbia
Baselices Ten., nach v. Hausmann in Ampezzo, (Fl. v. Tirol S. 766.) ;
Iris kungarica Kit., am Harze und bei Halle ^ wo sie als I. germanica
oder als I. bohemica beschrieben ist, von mir nachgewiesen (It. hung.
p. 356.); Ampelodesmus tenaxLk., auf der Insel S. Girolamo bei Pola von
Tommasini entdeckt, aber später ausgerottet (Oesterr. bot. Wochenbl. 2.
p. 31.) ; Botrychium Kannenbergii Klinsm., bei Memel, durch ein wurzel-
sländiges Blatt von B. Lunaria unterschieden (Bot. Zeit. 10. S. 379. t. 6.).
Von als neu aufgestellten Arten sind ausserdem zu erwähnen :
Ranunculus Tappeineri Bamberg. (Regensb. Fl. 1852. S. 625.) vom
Oetzthaler Gebirge, zu R. pygmaeus Wahl, reducirt (das. S. 688.); Draba
nivea Saut. (das. S. 622.), welche ich nach von Vulpius gesammelten
Exemplaren als compacte Form von D. lactea Ad. mit vermehrten Se-
len betrachte ; Carex Marssoni Auersw. (Bot. Zeit. 10. S. 409.), von C.
flava lepidocarpa nur durch cylindrische weibliche Aeliren abweichend;
Avena lucida Bert. (v. Hausm. Fl, v. Tirol S. 985.), nach authentischen
Exemplaren von ßotzen eine armblüthige Form von A. pratensis.
Unter den Beiträgen zur Pflanzengeographie Deutsch-
lands ist Pokorny's musterhafte Schrift über die Vegeta-
tionsverhällnisse von Iglau "^^0 iwi böhmisch-mährischen Grenz-
und systematischen Botanik wäiiicnd des Jahres 1852. 293
gebirge hervorzuheben. Dasselbe stellt eine rauhe, wellen-
förmig- gestaltete, granilische Hochfläche von 1500'— 2000'
Höhe dar, deren höchster Punkt, der Jabonschitz, nur 2642'
(Wien.) erreicht, eine mit zahlreichen Nadelwäldern wech-
selnde, höchst einförmige und ärmliche Kulturlandschaft, de-
ren natürliche Vegetation durch die geringe Anzahl ihrer
Erzeugnisse (691 Gefässpflanzen in der Umgegend von Iglau)
einen auffallenden Gegensatz gegen die reiche Flora des
Tieflandes von Mähren und Nieder- Oesterreich bildet. Die
mittlere Wärme von Iglau (49« 23' und 1612') beträgt 7o,56R.
CFrühling= 7o,32; Sommer = 15o,23; Herbst = 7o,59 ; Win-
ter = — 0^82). — Unter den Pflanzenformationen sind fol-
gende die wichtigsten:
1. Die Wälder nehmen mehr als Vz, des Areals ein;
die grössten Bestände bestehen aus Pinus Abies, P. Picea und
P. sylvestris: zu diesen verhalten sich die grösstentheils aus
Fagus gebildeten Laubwälder nur etwa wie 1 : 18. Unter
den Sträuchern des Waldes sind Lonicera nigra und Rosa
alpina, unter den Stauden im Nadelwalde Soldanella montana
und Cardamine trifolia , im Buchenwalde Dentaria enneaphyl-
los charakteristisch.
2. Die Haiden werden auf '/gj des Areals geschätzt
und treten oft an die Stelle verödeter Waldungen , in wel-
chem Falle statt der sonst herrschenden Calluna oder des luni-
perus , Vaccinium Myrtillus und Vitis idaea die Hauptmasse
der Vegetation bilden. Die Formation zählt überhaupt nur
17 Phancrogamen; mit diesen vegetiren zehn Erdlichenen
und besonders auf den Waldhaiden eine Anzahl von Laub-
moosen nebst drei Lykopodien.
3. Die Wiesen nehmen in dieser wohlbewässerten Land-
schaft einen wenigstens dreifach grösseren Raum ein, als die
Haiden. Charakteristische Formen: Gladiolus imbricalus, As-
perula cynanchica, Thalictrum aquilegifolium , Arabis Halleri,
Dianthus superbus.
4. Torfmoore, ihrem Areale nach die Haiden wenig
überwiegend, kommen zerstreut als Wiesenmoore vor, die
durch Cyperaceen und Moose bezeichnet sind. Charakteri-
stische Formen : Cineraria rivularis, Scorzonera humilis, Se-
dum villosum, Trifolium spadiceum.
294 Griscbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Die Ackerfläche nimmt fast die Hälfte des Areals ein :
dasHauptgetraide ist Roggen, der Kartoffelbau bedeutend.
Die Regionen der obcröslerreichischen Kalkalpen wur-
den von Ehrlich "O) durch folgende Angaben charakte-
risirt :
— 3000'. R. des bebauten Landes.
3000—4000'. Obere Bergregion. Die Wälder bestehen
aus Fagus, Pinus Abies und P. Larix ; unter den Gesträuchen
sind Erica carnea und Polygala chamaebuxus verbreitet.
4000'— 5000'. Subalpine Region: Pinus Abies.
5000' — 7000'. Region der Alpenslräucher : Pinus Pumi-
lio, Rhododendron hirsutum und Rh. Chaemaecistus, lunipe-
rus nana, Salices, Dryas, Globularia cordifolia.
Ueber 7000'. Obere Alpenregion. Die Schneegrenze
erreicht nur der Dachstein.
Lobarzewski veröffentlichte Beiträge zur Mooskunde
Galiziens ^^^.
Hasslinz sky in Eperies schrieb Bemerkungen über
Polypetalen aus den Central-Carpaten s^).
Die systematischen und pflanzengeographischen Ergeb-
nisse der von Schenk und mir nach dem Banat und Sie-
benbürgen im J. 1852 unternommenen botanischen Reise wur-
den in diesem Archive ö'^) mitgetheilt. — Schur s^) setzte
seine Beiträge zur Flora von Siebenbürgen (Jahresb. für
1850) fort.
Schlosser beschrieb seine botanische Reise durch
Kroatien ^^') , auf welcher er den Vellebich , die Likka und
die Alpe Plissiviza bei Korenica besuchte und an diesen meh,
rere seit Kitaibel kaum wieder beobachtete Pflanzen an des-
sen Standorten wieder auffand, z. B. sein Hieracium lanatum,
Thymus Piperella, Stachys obliqua, Euphorbia viridiflora, Cam-
panula tenuifolia u. a.
Von Thurmann erschien eine pflanzengeographische
Skizze des Grenzgebiels zwischen dem Kanton Bern und dem
Elsass ^'). — Godet ^*") begann eine ausgeführlere Flora
des Jura (s. vor. Jahresb. Literat. Nr. 72.) und vollendete
die Gefässpflanzen im folgenden Jahre.
Die französische Flora von Grcnier und Godron
und systcmallschen Botanik während des Jahres 1852. 29Ö
CJahresb. f. 1850.) wurde bis zum Schlüsse der Sympetalen
weilergeführt "9).
Beiträge zur Systematik der französischen Flora liefer-
ten ^o^^ 3 j Jordan, Desmazieres, B. Jolis und die Mit-
arbeiter von Billot's Archives, dessen Herbarien fortgesetzt
wurden.
Kirschlege r's Flora vom Elsass (s. vor. Jahresb.)
wurde bis zum Schlüsse des ersten Bandes 9^) fortgeführt,
der die Dikolyledonen bis zu den Labiaten umfasst.
Willkomm beschrieb seine spanische Reise vom J.
1850 9-^), deren pflanzengeographische Ergebnisse in den letz-
ten Jahresberichten erörtert wurden. Sein Werk über die
Strand - und Steppengebiete der iberischen Halbinsel 96)^ wel-
ches von einer geognoslisch-botanischen Karte Spaniens be-
gleitet ist, verdient eine umfassendere Analyse. Diese Schrift
ist eine Monographie der spanischen Halophyten, indem W.
den Ausdruck Steppe auf salzhaltigen Boden einschränken
will. Wie wenig zweckmässig solche individuelle Neuerun-
gen sind und wie es nur zu ündeutlichkeiten führen muss,
wenn ein engerer Begriff jenem Worte willkührlich beige-
legt wird, welches geographische Wissenschaft und Sprach-
gebrauch längst in einem weiteren Sinne aufgenommen und
auf alle baumlosen Ebenen der gemässigten Zone bezogen
haben, zeigt in diesem Falle der Widerspruch zwischen Will-
komm's und Koch's Definitionen der Steppe, indem der Lelz^
tere unter dieser Bezeichnung nur die Grassteppe und zwar
die mit hohem Burian bewachsene Formation Südrusslands
versteht, während unser Verfasser genau das Gegenlheil, näm-
lich die Salzsteppe im Sinne hat. Seine BegrifTsbesliinmungen
von Steppe und Strand (S. 10) sind indessen auch in andcT^
rer Hinsicht nicht zu billigen : denn der Salzsteppe sprichl^
er die Dammerde ab , da doch jeder Vegetation erzeugende
Boden aus den abgestorbenen Organen Humus empfängt, die
helle Färbung des Erdreichs aber nicht die Existenz, sondern
nur den Reichthum organischer Reste ausschliesst, und die
Sirandvegetation will er auf Alluvionen des Meeres einschrän-
ken, allein, unabhängig von ihrer geologischen Bildungsweise,
ernährt jede Küste ihreHalophyten, so weit die Wogen, auch
ohne Land bildend zu wirken , den Boden mit gelösten Na-»
296 Grisebach: Bericht üb. d. Leisliingen in d. geographischen
triumverbindungen benetzen. Da indessen kritische Beleuch-
tung" subjektiver Standpunkte dem Plane der Jahresberichte
fern liegt, so begnüge ich mich, durch diese wenigen Bei-
spiele anzudeuten, dass der generalisirende Theil von W.'s
Schrift nicht ohne Vorsicht zu benutzen ist, und wende mich
nun ausführlicher zu seinen speciellen Beobachtungen über
die spanische Halophytenvegetation, in denen sein
glückliches Talent, Naturverhältnisse im Einzelnen charakte-
ristisch aufzufassen, aufs Neue hervortritt.
W. beschreibt fünf grössere Salzsteppen in Spanien,
die sämmtlich der östlichen Hälfte der Halbinsel angehören
und geognostisch durch eine Salz führende Gypsformation
bezeichnet werden. Auf die Aehnlichkeit der Bodenmischung
lege ich ein besonderes Gewicht, wiewohl W. Bildungen der
verschiedensten geologischen Perioden in den spanischen
Steppen unterscheidet und in diesen Ausführungen die Lite-
ratur (S. 250 u. f ) fleissig benutzt hat , wobei jedoch Ver-
neuiPs Arbeiten vermisst werden. Indem W. nach einer sta-
tistischen Zusammenstellung (S. 193) annimmt, dass die Ve-
getation der Salzsteppen und des Litorals , obgleich in bei-
den Fällen der Natriumgehalt des Bodens wirksam ist, in
Spanien grösstentheils aus verschiedenen Arten bestehe, so
leitet er diesen Gegensatz aus klimatischen Einflüssen ab und
schreibt den Salzsteppen allgemein ein Plateauklima zu cS. 15).
Er berührt hiedurch in der That das merkwürdigste pflan-
zengeographische Problem , welches die Halophytenformation
des spanischen Binnenlandes darbietet und das ich schon im
vorigen Jahresberichte (S. 25) andeutete, als ich bemerkte, dass
die Vegetation der aragonischen Gypsformation, ungeachtet
des so viel tieferen Niveau's, fast aus denselben Arten be-
steht, wie die des Gypsbodens auf dem Tafellande von Ca-
stilien und selbst von Andalusien. Gegen W.'s Meinung, dass
diese Uebereinstimmung auf klimatischen Ursachen beruhe,
lassen sich gewichtige Bedenken geltend machen. Spanien
ist das klimatisch am meisten gegliederte Land von Europas
unter den Salzregionen gehören nur zwei, die von Caslilien
und Granada, dem Tafellande an und können auf ein ausge-
prägtes Plateauklima Anspruch machen, wiewohl dasselbe
keineswegs so excessiv in seiner Wärmcvcriheilung ist, wie
I
und systematischen Botanik wAhrend des Jahres 1852. 297
man nach W.'s Beschreibung annehmen könnte (vergl. Jah-
resb. f. 1845. S. 29). Die Salzsteppen von Aragonien, Mur-
cia und von Nieder- Andalusien liegen hingegen im spani-
schen Tieflande, und können daher die niedrige Temperatur
des Plaleauwinters nicht besitzen (vergl. S. 186. 191). Trok-
kenheit, das zweite klimatische Element der Tafelländer,
kann für sich, sofern deren Vegetation durch die kurze Dauer
der Entvvickelungsperiode bestimmt wird, gleiche Wirkungen
hervorbringen, wie die Combination des regenlosen Sommers
mit dem kalten Winter, worauf der Charakter der Hochstep-
pen in Spanien beruht. Nun wirkt das spanische Tafelland
allerdings bedeutend auf die Trockenheit derjenigen unter
den anliegenden Landschaften ein, denen es die Feuchtigkeit
der Regen erzeugenden Winde , ehe sie das Tiefland errei-
chen, entzogen hat. Die östliche Hälfte Spaniens ist daher
bei Weitem trockener^ als die westliche, weil die Luftströ-
mungen, die vom atlantischen Meere kommen, die feuchte-
sten sind. Aber die Lage der drei Salzsteppen des Tieflands
ist nicht in gleichem Grade ungünstig für die Vegetation.
Die trockenste ist die von Murcia: von dieser sagt W., sie
sei das regenärmste Gebiet der Halbinsel, es regne hier noch
weniger, als in Neu -Castilien, es vergehen oft „drei, vier
und mehr Jahre, ohne dass es ein einziges Mal anhaltend
regne ,<< der Himmel bleibe fast das ganze Jahr hindurch
wolkenlos , Murcia heisse daher in ganz Spanien el reino
serenisimo (S. 191), die Gebirge in der Nähe des Cabo de Gata
werden las montanas de sol y ayre genannt (S. 182). Nach
der Salzstcppe von Murcia wehen nämlich alle Luftströmun-
gen über das Tafelland oder dessen Randgebirge, mit einziger
Ausnahme des Südosts, und gerade dieser Wind, hier Solano
genannt, ist der Harmattan oder Samum der Sahara, der bei
dem Uebergange über eine schmale Meeresbreile sich so we-
nig abkühlt, dass seine stürmische Glulh noch in Murcia das
Laub der Holzgewächse zu versengen pflegt (S. 181). Als
der Verf. diesen Wind im Julius 1845 in der Nähe des Cabo
de Gata erlebte, wurden die Blätter der Weingärten „gebräunt
und runzelig, sie fielen bei der leisesten Berührung ab und
Hessen sich zu Staub zerreiben." Trefl'cnd bemerkt er da-
her, dass das Maximum und das Minimum der Regenmenge in
298 Grisebach: Bericht üb. d. LeisUmgen in d. geographißchen
Europa durch die West- und Ostküsle der spanischen Halb-
insel bezeichnet wird, d. h. innerhalb eines Cfebiets sich zu-
sammenfindet, dessen Durchmesser noch nicht SOgeogr. Mei-
len missl (S. 190). Aus solchen Verhältnissen der Exposi-
tion gegen Luftströmungen von verschiedenem Grade der
Trockenheit erklärt sich das heitere und deshalb relativ wär-
mere Klima des östlichen Tieflandes einfacher , als aus der
Wärmecapacität des Bodens oder aus nicht erwiesenen Un-
terschieden in der Häufigkeit östlicher und westlicher Winde,
zwei Momenten, aufweiche der Verf. die ungleiche Verlhei-
lung der Wärme an der Ost- und Westküste der Halbinsel
zu beziehen versucht hat (S. 184. 185). Auch steht dieSalz-
sleppe von Aragonien, nach allen Seiten entweder vom Ta-
felland oder von Gebirgsketten umschlossen, unter ähnlichen,
wenn auch minder entschieden ausgeprägten Einflüssen, und
wird daher selten durch dauernde Niederschläge belebt. W.
sagt von dieser Landschaft, dass im Sommer häufige Gewit,
ter vorkommen, aber nur selten von bedeutenden Regen-
güssen begleitet sind^ und dass es im Bassin des Ebro über-
haupt, selbst im Herbst und Winter, nur wenig regnet und
noch seltener Schnee fällt (S. 187). Allein ganz entgegen-
geselzt ist die Lage der Steppe von Nieder- Andalusien , im
Osten von Sevilla, deren Vegetation freilich noch gar nicht
erforscht ist (S. 94) und über deren Klima wir zwar ebenfalls
nicht näher unterrichtet sind, aber doch so viel durch W.
erfahren, dass es hier mehr regne, als in den anderen südli-
chen Steppengebieten (S. 191) , und dass ihn selbst im Dc-
cember 1845, als er diese öde Salzregion auf dem Wege
von Ecija nach Antequera durchreiste , anhaltendes Regen-
wetter verhinderte, irgend eine Beobachtung zu machen. Nach
der Lage dieses Gebiets im Tieflande des Guadalquivir und
am westlichen Fusse des Tafellandes von Granada , ist durch-
aus nicht zu zweifeln, dass dasselbe in klimatischer Beziehung
der Ebene von Sevilla gleich steht.
Das Ergebniss dieser Erörterung würde also sein, dass
die Salzsteppen Spaniens nach ihrer Wärme in zwei Gruppen
zerfallen, je nachdem sie auf dem Tafellande liegen oder
dem Tieflande angehören, und dass eine derselben die Re-
genzeit des Winters besitzt, welche in Andalusien die inten-
und systematischen Botanik wahrend des Jahres 1852. 299
sive Vegetation des Frühlings vorbereitet. Sind daher in
allen diesen Gebieten die vorherrschenden Pflanzenformen die
nämlichen, was freilich von dem letztgenannten noch unge-
vviss bleibt, so ist der Schluss gerechtfertigt , dass die spa-
nischen Halophyten klimatisch in hohem Grade indifTerenl
sind und durch den Nalriumgehalt des Bodens an ihre Oerl-
lichkeit ausschliesslich gebunden erscheinen. Hingegen lässt
sich der Einwand , dass die Halophyten der Küste grossen-
theils andere Arten seien , theils dadurch widerlegen , dass
die Vertheilung der terrestrischen Feuchtigkeit am Meeres-
ufer sich nicht mit der des Steppenlandes vergleichen lässl,
theils die Standorte in der physischen Beschaffenheit der Erd-
krume von einander abzuweichen pflegen.
Die Monotonie der spanischen Salzsteppen beruht auf
der Armuth der Flora, auf der Geselligkeit weniger herr-
schender Formen, dem niedrigen Wüchse der Stauden, der
Seltenheit lebhafter Blüthenfärbung und auf dem bleichen
Grün der Vegetalionsorgane. Von Arten, die diesen Gebie-
ten angehören, zählt W. nur 159 Phanerogamen als charak-
terisirende Halophyten auf (S. 203), und fügt hinzu, dass die
grosse Mehrzahl derselben zerstreut wächst und manche nur
an einzelnen Standorten gefunden sind (8.230): hiezu kom-
men sodann noch 234 nicht halophile Arten, die aber, gleich-^
sam als sporadische Eindringlinge, auf die Physiognomie der
Landschaft keinen Einfluss ausüben (S. 197). Unter seinef
Gesammtreihe von 376 Halophyten der Steppen und derSeei
küste sind , nach ihm , 259 Arten durch ein bleiches Grün
oder ähnliche unbestimmte F'arbentöne ausgezeichnetes. 194),
was auf verschiedenartigen Bekleidungen der Epidermis he^
ruht: häufiger, als Haarbildungen, sind es pruinose Sekrete,
wie bei Zollikoferia, oder farinose und schuppenarlige Ge-i=
bilde, wie bei Frankenia, Statice, Chenopodina vera und He-
lianlhemum squamalum (S. 4). — lieber den Saftreichthum
der Blätter, wodurch viele Halophyten und namentlich dle^-
Chcnopodiaceen einen Uebergang zu den eigentlichen Succu-
lenten bilden, äussert W. die Hypothese, dass diese Eigenii-
thümlichkeit ihres Baues eine Wirkung der aufgenommö^^
nen Salze sei (das.). Er führt die Beobachtung an , dasS
Serofularia frulescens, die an sonnigen Felsen dünne Blätter
300 Grigebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
trage, ihm auf Salzboden an der Mündung des Guadiana mit
fleischigen Blättern von mehr als einer Linie Dicke vorge-
kommen sei (ß. 5). Wenn er ferner Beispiele erwähnt, dass
Halophylen auf Natrium - freiem Boden die succulente mit
membranöser Textur vertauschen, so fehlt dieser Behauptung
die nähere Erforschung der begleitenden Umstände und es
würde, die Richtigkeit vorausgesetzt , die Erklärung dadurch
nur erschwert werden, sofern z. B. Salsola Kali den Natrium-
gehalt auf Natrium- freiem Boden durch Kalisalze ersetzt. Die
Thatsache, dass die ächten Succulenten meist keine Halophy-
ten sind, und die physiologischen Beobachtungen über die
Respiration derselben, so wie die anatomischen über die Bil-
dung ihrer Epidermis, sprechen gegen W.'s Hypothese, de-
ren Zusammenhang darzulegen auch von ihm selbst nicht
versucht wird. Er scheint hier Fälle von individuellen Spiel-
arten, welche der feuchtere Standort am Meeresufer erzeugt,
irrig mit der essentiellen Succulenz solcher Halophylen pa-
rallelisirt zu haben , deren Verdunstungsprocess durch einen
verdickten Epidermispanzer beschränkt wird.
Die statistischen Verhältnisse der spanischen Halophyten
hat W. sehr ausführlich und nach mannigfachen Kategorieen
bearbeitet (S. 193—230). Die Reihe der artenreichsten Fa-
milien ist folgende: Synanthereen (52), Gramineen (38)^ Che-
nopodiaceen C35), Plumbagineen (ßT) , Leguminosen (24),
Cruciferen (22), Caryophylleen (17 mit Einschluss der Pa-
ronychieen), Scrofularineen (12), Labiaten (12); Gesammtzahl
s. 0. = 376 sp. , worunter 223 Stauden und Halbsträucher
(selten über 2' hoch S. 231), 133 monokarpische Gewächse
und 20 Slräucher begriffen sind. Mehr als ein Dritltheil die-
ser Halophyten besteht aus endemischen Arten der iberischen
Halbinsel.
Die allgemein verbreiteten Gewächse der Salzsteppen,
die aus früheren Angaben von Reuter und Anderen bekannt
sind (vergl. vor. Jahresb. S. 25) , bilden der Mehrzahl nach
auch durch geselliges Wachsthum die herrschende Vegeta-
tion. Die Arten , welche für sich grosse Räume ausfüllen,
sind nach W. (S. 229) folgende : Helianthemum squamatum,
Gypsophila hispanica n. sp. (G. fasligiala ol.) , Ononis cras-
sifolia, Artemisia valentina , A. aragonensis , Zollikoferia re-
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 301
sedifolia , Siderilis linearifolia , Salsola papulosa n. sp. (von
S. vermiculata abgesondert), Lygeuin sparlum. Diese Pllan-
zcn, welche vorzüglich den ansiehenden Gyps charakterisiren,
wachsen in ^polster- oder besenförmigen Büscheln" zusam-
men, aber zwischen ihnen schimmert der weisse Boden her^f
vor, über den sie, wie schwärzliche Flecken ausgestreut sind
CS.237). Kahler indessen erscheint die Fläche, wo die Erdkrume
lehmig oder sandig wird , wo die einzelnen Individuen nicht
geselliger Formen so weit von einander entfernt wachsen,
dass die Vegetation „sich schon in geringer Entfernung dem
Auge gänzlich entzieht,^« so dass isjan auf weiten Räumen
nichts gewahrt , als die Farbe des Erdreichs (S. 23ü). Nur
die drille Formation, durch die Feuchtigkeit des Sumpfbodens
bedingt (8.223), wo Glumaceen mit Staticen und Chenopo-
diaceen „in grosser Menge beisammen wachsen,« würde, wenn
das Grün nicht so fahl wäre, den Eindruck freudiger Vege-
tation hervorrufen (S. 237). — Zu den auffallenden Pflan-
zenformcn gehören Caroxylon articulatum und Anabasis ar-
ticulata, zwei Slräucher der südlichen Steppen mit opponir-
ler Verzweigung, deren Aeste aus „kurzen, in einanderge-
schobenen Gliedern bestehen ," die bei jenem blattlos, bei
diesem mit gegenständigen Schuppenblätlern versehen sind;
ferner Herniaria fruticosa, deren niederliegende, gegliederte
Aeste sich kaum einen Zoll hoch über den Boden erheben
u. a. (S. 234 u. f.).
lieber den Umfang und die besonderen Eigenthümlich^
keilen der fünf grösseren Salzsteppen sind folgende Angaben
hervorzuheben :
1. Die aragonische Step.pe, welche W., da sie
im Bassin des Ebro liegt, auch die iberische nennt, wird
auf 200 geogr. Quadratmeilen geschätzt und gehört durchaus
dem Tieflande an, dessen Grenzen im Stromlhale durch die
Lage der Orte Tudela und Mesquinenza bestimmt sind (S. 49.
79). Die Breite beträgt zuweilen (rechtwinkelig gegen den
Ebro gemessen) 10 bis 12, der Längsdurchmesscr 28 geogr.
Ifc- Meilen: das mittlere Niveau dieser zu beiden Seiten des
Stroms gelegenen Ebene wird zu 400' geschälzt (S. 50). Zu
den ödesten Gebieten gehört die Gegend von Plasencia, wo
der Boden nirgends trinkbares Quellwasser bietet und häufig
302 Grisebacli: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
von Salz, meist schwefelsaurer Magnesia (S. 81), efflorescirl:
meilenweit „keine Spur vom Dasein des Menschen, kein Baum,
iier Schalten gegen die Glulhstrahlen der Sonne oder Schutz
gegen den blendenden Reflex von dem kreideweissen Mergel
und Gyps^* gewährt (das.). — Die Flora ist unvollständig be-
kannt : das Specialverzeichniss enthält nur 39 Halophyten
(S. 214) und darunter nur eine einzige, übrigens in Spanien
noch nicht beobachtete, orientalische Art, die Centaurea cal-
citrapoides. Da hingegen die castilische Salzsteppe eine be-
trächtliche Zahl eigenthümlicher Arten enthält, so scheint es
mir annehmbar, dass Aragonien seine Halophyten von dem
Schöpfungscentrum des benachbarten Hochlandes grössten-
theils empfangen hat.
2. Die castilische oder centrale Steppe , durch-
schnittlich 2000' hoch gelegen, erstreckt sich in südöstlicher
Richtung von Madrid bis La Rota (unweit der Grenze von
Murcia) und hat, von Unregelmässigkeiten des Randes abge-
sehen, eine elliptische Gestalt. Die Länge beträgt gegen 25,
diegrösste Breite gegen 12 geogr. Meilen (S. 83). Die südliche
Hälfte ist völlig eben, von braunrothem Detritus bedeckt, die
nördliche besitzt abgerundete Gypshügel mit „steilen , tief
durchfurchten Abhängen. ^^ Der Boden ist zwar überall salzig,
aber in weit minderem Grade, als in der aragonischen Steppe.
Nicht bloss das fliessende Wasser ist süss, sondern es fehlt
auch durchaus nicht an trinkbarem Brunnenwasser: weshalb
diese Hochsteppe, ungeachtet ihres ungünstigeren Klimas,
„nicht so unbebaut und unbewohnt ist, wie die von Salz star-
renden Gefilde des iberischen Tieflandes" (S. 84). — Aus der
castilischen Salzregion werden gegen 100 Halophyten aufge-
zählt (S. 214), von denen die Hälfte ihr eigen (S. 22ö), 21
Arten sogar bis jetzt auf einen einzigen Standort beschränkt
sein sollen (S. 244) : doch finden sich oft auf grossen Räu-
men nur wenige Formen, und nur einzelne Oerllichkeiten
entwickeln eine grössere Mannigfaltigkeit. — Endemische und
auf die castilische Salzregion beschränkte Arten sind: Cly-
peola eriocarpa Cav. * 0? Iberis subvelutina DC. *, I. Rey-
I
1) Die mit einem Sternchen * bezeichneten Arten sind bis jetzt
nur in der Gegend von Aranjuez beobachlel.
und systematischen Botanik während des Jahres 1S52. 303
nevalii Boiss. *, Lepidium Cardamines L., Vella pseudocylisus
L. ^\ Reseda ramosissima Pourr. "''*, Althaea longillora Boiss. *,
Tetragonolobus Bouleloui n. sp. (T. siliquosiis var. hirsulus
ol.), Pirnpinella dicholoma L. *, Cenlaurea hyssopifolia Vhl.,
Sonchus crassifolius Pourr., Erylliraea gypsicola Boiss., Non-
nea niicrantha Boiss. "•*■, Ziziphora hispanica L. *, Vulpia te-
nuicula Boiss. *
3. Die Steppe von Murcia, welche W. die Lito-
ral- oder Mediterransteppe nennl, vom Segura durchströmt,
beginnt noch auf dem Plateau in der Nahe von Chinchilla
und erweitert sich, durch Gebirge und das breite, fruchtbare
Stromthal vielfach unterbrochen, allmählich bis zur Küste, an
welcher die Grenzpunkte des dreiseitigen Gebiets durch die
Lage von Villajoyosa in Valencia und durch Almazarron be-
stimmt sind, so wie sich ein schmaler Streifen vom letzleren
Punkte noch über das Cabo de Gata hinaus bis Almeria an
das Litoral von Granada fortsetzt. In diesem Gebiete, in
welchem endogene Gesteine aus den neptunischen hervortre-
ten, wechseln die Ebenen und Thäler mit nackten, unfrucht-
baren Höhenzügen. Der salzige Thon- und Mergelboden, an
welchem Efflorescenzen von schwefelsaurer Talkerde und
anderen Salzen vorkommen , ist durchaus wüst und gestal-
tet nur lien Anbau der Sodapflanze (Halogeton sativus). Es
finden sich Lagunen, die in der heissen Jahreszeit sich mit
einer starken Erstarrungskruste von Salzkrystallen bedecken,
und im Norden, bei El Pinoso, hat schon Cavanilles einen
Steinsalzhügel, den Cerro de la Sal, beschrieben. In der Nähe
des Cabo de Gala bildet die Steppe ein äusserst dürres, vom
Wasser zerrissenes Hügelland : solche nackte Hügel werden
von den Spaniern Terreras genannt (S. 89). — Aus der Salz-
steppe von Murcia zählt W. 68 Halophyten auf (S. 216): doch
scheinen ihm Bourgeau's Sammlungen nicht vorgelegen zu
haben. Die Vegetation ist besonders durch einen grösseren
Anlheil von nordafrikanischen und orientalischen Formen aus-
gezeichnet, was durch die offene Lage nach Südosten erklär-
lich ist: z. B. Malva aegypliaca L., Zygophyllum Tabago L.,
Fagonia crelica L., Aslragalus cruciatus Lk., Prenanthes spi-
nosa Forsk. , Periploca angustifolia Lab. , Nonnea Bourgaei
Coss., Anabasis articulata Moq. — Endemische und auf diese
Archiv f. NAturgescb. XIX. Jahrg. i. Bd. \J
304 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Steppe bis jelzl beschränkte Arten sind; Diplotaxis Laga-
scanaDC, Onobrychis slenorrhiza DC, Anthyllis sericea Lag.,
Santolina viscosa Lag., Cenlaurea resupinata Coss., Siderilis
lasiantha Pers., Slalice furfuracea Lag., St. caesia Gir., (hier
fehlt St. insignis Coss.), Plantago nolata Lag., Salicornia
mucronata Lag.
4. Die Steppe von Granada oder Hoch-Andalu-
sien begreift den östlichen Theil dieses Tafellandes zwischen
Huescar und Diezma , rings von dessen Randgebirgen und
Ausläufern der Sierra Nevada umschlossen. Sie besteht aus
der Ebene von Guadix, die bei einem mittleren Niveau von
3000' (S. 45), etwa 8 geogr. Meilen lang und breit, eine
von salzhaltigem, graubraunem Lehm bedeckte Fläche dar-
stellt, und aus der bei Weitem öderen, des Trinkwassers
entbehrenden Gypsmulde von iJaza, deren Länge bei einer
vierfach geringeren Breite, 10 geogr. Meilen beträgt, und auf
deren wcissgefärbtcm Boden der Verf. die Kochsalzkrystalle
das Sonnenlicht, wie anf einem Schneefelde refleklircn sah
(S. 92). — Aus dieser Salzsteppe kennt VV. nur 36 Halophy-
ten (S. 217) und unter diesen als eigenthümliche Arten nur
Astragalus tumidus W. und Siderilis linearifolia Lag. , also
eine orientalische und eine endemische Art.
5. Die niederandalusische Steppe, die W.
auch die baetische nennt, breitet sich zu beiden Seiten des
Xenil vom nordwestlichen Fusse des Hochlandes von Granada
bis Ecija aus. Ihr Durchmesser beträgt in beiden Richtun-
gen nicht über 8 geogr. Meilen, aber sie ist, abgesehen von
ihrem Flusse, ohne Trinkwasser und unbewohnt; auch zählt
sie mehrere Salzseen. — Kleinere Salzsteppen kommen noch
ausser den fünf grossen, in anderen Theilen Andalusiens, so
wie in Valencia und Aragonien vor.
Die Halophyten der spanischen und portugiesischen Mee-
resküsten behandelt W. ebenso ausführlich wie die des Bin-
nenlandes ; aber da sie weniger Interesse darbieten, beschränke
ich mich darauf, eine Bemerkung über ihre Socialität, so wie
die Charakteristik einiger auffallender Formen hervorzuhe-
ben, welche mit bemerkenswerther Auffassungsgabe geschil-
dert werden. Die Strandvegetalion besteht in Spanien zum
kleinsten Theile aus gesellig wachsenden Arten und hierin ist
I
und systematischen 13otanik >v{thren(l des Jahres 1B52. 305
ein hervorsiechender Unterschied von der Physiognomie der
Salzsleppen ausgedrückt. Einzelne Ausnahmen finden sich
an der Küste des Golfs von Cadiz , wo die Dünen bei Huelva
von luniperus oophora fast gänzlich bedeckt sind, und in den
Marismas dieses Lilorals , so wie Algarbiens , welche eine
gesellige Vegetation von Inula crilhinoides, Limoniastrum mo-
nopetalum, Obione porlulacoides und Arthrocnemum frulico-
sum besitzen, die im October in Blülhe steht (S. 22^. 236).
— Zu den auffallenden Pflanzenformen gehören: Zizyphus
Lotus in der Gegend des Cabo de Gata , „ein von Dornen
starrender Strauch mit zierlichen, schlanken, hängenden,
glatten, grauweissen Zweigen , die mit zahlreichen, zweirei-
hig gestellten, glänzend grünen Blättern von eiförmiger Ge-
stalt besetzt sind, aus deren Achseln im Juli Büschel kleiner,
goldgelber Blüthen hervorbrechen;« am Golf von Cadiz und
in Algarbien Retama monosperma , ein „mannshoher Strauch
mit armesdicken Stämmen , deren aufwärts strebende Aeste
sich in grosse Büschel ruthenförmiger, blattloser, silbergrauer,
soidenglänzender Zweige von der Dicke eines Gänsekiels
auflösen, welche, wie die Zweige der Trauerbirke herabhän-
gend, im Februar dichte Trauben wohlriechender Blüthen mit
weisser Blume und purpurfarbenem Kelche entfalten;« die
Solaneen-Sträucher Withania frutescens in Valencia und Gra-
nada, oft über 6' hoch mit starkem Stamme und ruthenför-
mig überhängenden Zweigen, Solanum sodomeum, an der
ganzen Ost- und Südküste, welches das ganze Jahr mit blauen
Blüthen prangt, und Lycium intricatum, an der Küste von
Granada ; Armeria pungens, von Portugal bis Huelva verbrei-
tet , deren stachelspitzige Blattbüschel auf gebogenen , „oft
armsdicken" Stämmen sitzen; luniperus oophora, durch sein
dunkles Grün ausgezeichnet und vom Mittelpunkte aus theils
niederliegende, theils aufsteigende Stämme zu einer gerun-
detelen Verzweigungsgruppe aussendend (S. 233 u. f.).
Unter den klimalologischen Beiträgen, welche wir demVerf.
verdanken, sind besonders wichtig die meteorologischen Beo-
bachtungen von Madrid, welche J. Garriga ^5 Jahre lang
angestellt hat (S. 189), so wie die zweijährigen Messungen
des Marine -Observatoriums zu Cadiz, welche J. d e Eli-
zalde initgelheilt hat (S. 183). Die mittlere Plateauhöhe \on
306 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Alt-Caslilien und Leon berechnet W. aus 20 Messungen zu
2560', die des südlich von der Sierra de Guadarania gele-
genen Tafellandes aus 30 Niveaubeslimmungen zu 2480' (S. 25).
Das Plaleau von Navarra schätzt er zu 1200' (S. 38), also
nur 800' höher, als die Steppe von Saragossa.
Klima von Madrid, durch plötzliche Temperaturscliwan-
kungen ausgezeichnet.
Maximum.
+ 13«,00 C.
200,00 ,;
240,12
270,50
300,78
350,87
370,25
400,00
330,75
300,00
200,62
160,50
MiKelwärme. Minimum.
Januar . . . 4-7o,05C. -4o,62 C.
Februar . . . 7o,27 „ ~4o,37 „
März .' . . . 90,66 „ -30,75 „
April .... 130,08 „ 00,00 „
Mai .... 160,78 „ +40,37 „
Juni .... 210,02 „ +70,87 „
Juli .... 240,61 „ +120,00 „
August . . . 240,90 „ +110,87 „
September . . 20o,07 „ +7o,12 „
Oclober . . . 14°,57 „ Oo,00 „
November . . 7o,y5 „ -2o,50 „
December . . 6o,30 „ -6o,25 „
Milleltemperatur 14o,27 „
Regenmenge . 10,62 P. Zoll.
Klima von Cadiz. (Madrid.)
Temp. des Frühlings 15o,60 C. (13o,l7 C.)
„ „ Sommers 22o,93 „ (230,51 „)
„ „ Herbstes 18o,ll „ (13o,53 „)
„ Winters 110,21 „ (6o,87 „)
„ kältcslenMon. 7o^94 „ (s. 0.)
^ wärmsten Mon. 19o,36 „ (s. 0.)
„ Jahres 16o,97 „ (s. 0.)
Minimum der Temp. + lo,25 „ (s. 0.)
Maximum der Temp. 33o,75 „ (s. 0.)
Auf seiner Karte hat W. eine klimatisch-botanische Glie-
derung der iberischen Halbinsel versucht und die Arealgren-
zen von einigen charakteristischen, besonders Kullur-Gewäch- j
sen angegeben; Seine botanischen Provinzen sind folgende:
1. Centrale Provinz.
2. Nördliche oder mitteleuropäische Provinz , in wel-
cher er die Gebirgskelle der Pyrenäen und der cantabrischen
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 307
Fortselzung derselben mit der biscajischen Küstenterrasse als
zwei Unlerablheiluno-en zusammenfasst.
3. Westliche oder oceanischc Provinz: Portugal und
Galicien.
4. Ocslliche oder mediterrane Provinz: Calaloiiien und
Valencia bis zum Cap S. Marlin, mit Einschluss des aragoni-
schen Tieflands.
5. Südliche oder afrikanische Provinz, die der S. Mo-
rena südlich gelegenen Landschaften begreifend,, nämlich An-
dalusien, Murcia und den südlichsten Theil von Valencia.
In dem systematischen Verzeichnisse der spanischen Ha-
lophyten hat W. 6 Formen als neu unterschieden. Die vier-
fache Anzahl neuer Arten enthält ein anderer systematischer
Beitrag des Verf., in welchem er die auf seiner früheren Reise
in den J. 1845 und 1846 besonders in Algarbien und Anda-
lusien gesammelten Pflanzen bearbeitet hat 97). Auch ward
von ihm ein Kupferwerk über ausgewählte spanische Gewächse
begonnen ^üj. — Eine grosse Anzahl neuer Arten aus Spa-
nien haben B o i s s i e r und Reuter beschrieben ^9). — C o s-
son hat ebenfalls seine Beiträge zur Flora von Murcia (s.
vor. Jahresb. S. 23.) fortgesetzt und auf Bourgeau's Samm-
lungen aus Andalusien ausgedehnt »oo). Zu den interessan-
testen Entdeckungen des Letzteren gehören Hohenackeria in
der Steppe von Granada bei Baza und eine Forskalia bei
Almeria.
Willkoinm's neue Arten sind : Pendulina iniricata (s. u.), Corynelo-
hus bacticus d. Rocm., Alyssum VVillkommii d. R., Viola Willkoinmii d. R.,
Dianllius crassipes d. R., Gypsophila hispanica, Silene fallax, iMoehringia
inlricala, Arenaria tomentosa, Rhamnus myrlifolius, Genisla polyanlhos
d. R., Lotus longisiliquosus d. R., Telragonolobus Bouteloui , Rosa gra-
nalensis, Oenanthe macrosciadia, Galium ephedroides, Centaurea Will-
koinmii G. H. Seh., C. Funkii Seh., C. macrorrhiza , Haenselera ela-
tior, Podospermum Wülkommii Seh , Spitzelia Willkommii Seh., Erica
aragonensis (B. australis der S. de IMoncayo bei W.), Eryllnaea Bois-
sieri (E, maior Boiss.), Atropa baetica (Scopolina atropoides VVillk. ol.),
Verbaseum giganleum, Teuerium Funkianum, T. eriocephalum, Salsola
papillaris, Pliragmitcs pumila.
Boissier's und Rculer's neue spanische Arten sind: Paeonia mi-
crocarpa, Berberis hispaniea (B. vulgaris var. ol.), Fuinaria rupestris,
Papavcr rupifragum , INaslurliuni hispanicuni (^. pyronaieuni Ucut. et
30Q Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Boiss. ol.), Moricandia baelic», Alyssum granalense, Keinera ßoissieri R.
(K. saxatilis Boiss.), Thlaspi slenopterum , Tbl. nevadense , Iberis gra-
natensis (I. nana ol.), Hclianlhemum brevipes, Frankenia Webbii (F.
revolula ol.), Silene lasioslyla (S. villosa ol.), S. Cambessedesii = S.
litorea Brot. (S. villosa var. Cainb.) , S. pteropleura, Dianthus antica-
rius, 1). Broteri (D. serrulatus ol.), Sagina nevadensis, Loeflingia gadi-
tana, L. micrantha, Erodium Jacquinianum (E. hirlum ol.), E. astraga.
loides, Geranium malviflorum (G. tuberosum ol.), Sarolhamnus Welwit-
Bchii (S. palens Welw.), Lupinus leucospermus, Ononis Keuteri , 0.
Bourgaei, 0. saxicola , 0. Cossoniana (0. diffusa Coss.) , 0. Salzman-
niana (0. inonophylla ol.), Anthyllis arundana, A. hispida, Lotus gla-
reosus (L. corniculatus var. ol.) , L. Salzmanni, Rosa hispanica (R. ca-
nina ol.), Poterium multicaule, P. rupicolum, Saxifraga granatfnsis (S.
globulifera ol), S. gibraltarica (S. globulifera var. ol.), S. Camposii,
S. glaucescens (S. granulata ol.) , Galium viridiflorum , G. erythrorrhi-
lon, G. rosellum (G. sylvestre var. ol.), Lonicera hispanica (L. peri-
clymenum ol.), Knautia subscaposa (K. arvensi# var. ol.), Aster discoi-
deus, Anthemis Bourgaei (A. Cotula var. Gay) , Senecio petraeus, S.
carpetanus, S. nevadensis (S. linifolius var. ol.), Calendula malacitana,
Carduus Bourgaeanus (C. myriacanlhus ol.), C. malacitanus (C. argy-
roa Kz.) , C. baeticus (C. confertus Bourg.) , Kcntrophyllum baelicum
(K. lanatum ol.) , Centaurea carpetana, C. castellana (C. paniculala
Auct. hisp.), C. Haenseleri (C. acaulis var. ol.), Picris longifolia, An-
dryala arenaria (A. parviflora var. ol.) , Jasione blepharodon (J. mon-
tana var. ol.), J. echinala (J, monlana ol.), J. rosularis, Chlora citrina,
Myosotis minutiflora, Antirrhinum glutinosum (A. inolle part. ol.), A.
rupestre (A. molle part. ol.) , Linaria macropoda (L. origanifolia var.
ol.) , L. glareosa (L. origanifolia var. ol.), L. melanantha (L. tristis
var. ol.), L. anticaria, L. oblongifolia (L. supina var. ol.), L. nevaden-
sis (L. supina var. ol.) , L. Haenseleri (L. supina var. ol.), Odontites
hispanica (0. viscosa var. ol.), Calaniinlha baelica (C. officinaÜs var.
Benth.), C. heterotricha (G. officinalis var. Benth.), C. granalensis (Me-
liss. alpina ol.), Teucrium baeticum (T. pseudoscoronia Bth. pari.) , T.
granatense (T. pyrenaicum var. ol.), Armeria macrophylla (A. baetica
var. ol.), A. longearistala, Ecbinopsilon Reuterianus , Rumex papillaris
(R. Acetosa Auct. hisp.), R. induralus (R. scutalus var. ol.), Euphor-
bia nevadensis, Biarum arundanum, Orchis Durandii, Gladiolus Reuteri,
Muscari atlanticum, Carex Reutcriana , C. asturica (G. leiocarpa Gay),
C. Camposii (C. laevigata ol,), C. nevadensis (C. flava ol.) , Holcus
grandiöorus, H. Reuteri, Agroslis hispanica, Arrhenateium erianihum
(A. arenaceiim ol.), Triselum Dufourii, Koeleria castellana, Corynepho-
rus fasciculatus (Aira articulata ß. Desf.), C. macrantherus, Agrostis
scabriglumis (A. alba var. ol.), Sporobolus gaditanus, Gastridlum laxum,
Glyceria tenuifolia, Poa flaccidula, Yuipia Broteri (V. myurus var. ol,),
Nardurus monlanus.
und »yatematischen Botanik während dei Jahreö 1852. ' ä09
Cosson's neue Arten sind: Aloricandia Toedita, £uzoniodendron
Bourgacanum (s. u.), Draha lulescens , Lrpidium pelrophilum, Hyperi.
cum callithyrsum, Genista retainoides Sp., Ononis crotalarioides, Anlhyl-
lis rupestris, Aslragalus Bourgaeanus, Sedum nevadense, Senecio auri-
cula^ Statice insignis, Beta diffusa, Forskalea Cossoniana.
In BonneTs Topographie von Algarbien 'O') , in wel-
cher zahlreiche Niveaumessungen vorkommen (p. 172 u. f.)
die z. B. für die Serra de Monchique 911"' ergeben, finden
sich auch Angaben über die Höhengrenzen verschiedener Ge-
wächse (p. 70—72), die in einem so insularen Klima auf die-
selbe Depression der Werlhe schliessen lassen , welche im
Norden Porlugal's durch das Niveau der Schneegrenze aus-
gedrückt wird. Die bemerkenswerlhesten Thalsachen aus
Algarbien sind folgende:
0—200'". Pinus Pinea. — Chamaerops vorzüglich 30™
— 180'": local bis 425">.
0—300'". Ouercus coccifera. — Olea bis 300"' kräftig;^
verkümmernd bis 450'". Ceralonia ebenso. '
0—350'". Opunlia und Ricinus (also dem Barrocäl ent-
sprechend : Jahresb. f. 1845. S. 37.) — Ficus
Carica bis 360" mit schmackhaften Früchten,
aber reichlich bis 500'" noch forlkommend.
0-400'". Quercus Ballola und Nerium.
0—500'". Phoenix, Agave, Quercus Suber und Rhus
Coriaria.
0 — 600"^. Cistus ladaniferus. — Die Weinkullur reicht
etwas über 600"s aber Rosinen können nur
bis 270"» erzeugt werden.
0—785"'. Maiskultur.
100"'— 520"'. Arbutus Unedo.
300'"— 500'". luglans.
300n._750"'. Castanea.
425"' — 700"'. Rhododendron ponlicum.
Bertoloni's italienische Flora (s. vor. Jahresb. S. 31.)
wurde forlgesetzt *°*).
Briganti beschäftigte sich mit der Mykologie Nea-
pel's '0"^), die er durch eine Reihe neuer Formen von Agari-
cus bereichert und durch Abbildungen erläutert hat.
310 Grisebacb: Bericht üb. d. Leislungen in d. geographischen
Parlatorc ^^O suchle nachzuweisen, dass der nach
Sicilien erst zur Zeit der Araber übersiedelte und wahrschein-
lich in Syrien einheimische Papyrus, welchen er Cyperus sy-
riacus nennt, nicht die Nutzpflanze der Alten gewesen sei,
sondern eine andere in Nubien einheimische Art (C, Papyrus
Pari.), die zwar jetzt ebenso wenig in Aegypten wächst, wie
die andere, von welcher P. aber üeberreste in ägyptischen
Gräbern gefunden hat.
Topographische Mitlheilungen über die Flora von Dal-
matien publicirten P e 1 1 c r '»^ un<i D o r n i t z e r 'oö) • Schee-
le ^0^ gab einen systematischen Beilrag, der sich auf die
Gruppe von Ononis Natrix bezieht.
II. A s i e n.
Von Gr. Jaubert's und Spach's lllustrationes plan-
tarum orientalium (s. Jahresb. f. 1849. S. 35.) erschien der
vierte Band 'o«),
Ausführh*cher bearbeitet sind in dieser Abiheilung Gattungen aus
den Synanlhereen (19 sp. besonders Inuleen) , den Boragineen (7 sp.) ,
Convolvulaceen (6 sp.), Labiaten (14 sp. , z. B. Otoslegia) , den Thy-
melaeen (6 sp.) und den Gramineen (32 sp., narnenllich Triliceen, Chlo-
rideen und Slipaceen).
v. Nord mann publicirte Beiträge zur Kryptogamen-
flora des Kaukasus 'o^) , Farne und Moose enthaltend , von
denen die letzteren von Bruch bestimmt worden waren.
Von Griffith's Bemerkungen zu den von Lynch in
Palästina gesammelten Pflanzen (Jahresb. f. 1850. S. 43.) er-
schien eine unveränderte, amerikanische Ausgabe ^o).
In Grewingk's Abhandlung über die geognoslischen
Verhältnisse Nordpersiens '") sind zahlreiche neue Niveaube-
stimmungen von ßuhse, Lemm und Abich enthalten, welche
durch die von dem Ersteren mitgetheillen (Jahresb. f. 1850.
S. 44.) und weiter zu erwartenden pflanzengeographischen
Beobachtungen ein besonderes Interesse erhallen. Dns Pla-
teau von Aserbeidschan liegt in einem mittleren Niveau von
4200', also gegen 2000' tiefer, als Erzerum und Bajazid:
den Spiegel des Urmia fand Lemm nur 4000' hoch. Die Pässe
zum kaspischen Meere über die Gebirge von Talüsch und
und systematischen Botanik wahrend des Jahres 1852. 311
Ghilan senken sich fast zu 5000' (Schindanpass = 5115':
Ab.), während andere sich über 8000' erheben (Goerabawend-
pass = 8180': B.). Am Schindanpasse zwischen Ghilan und
Ardabil ist nicht bloss der Oslabhan^ reich bewaldet, son-
dern auch der Kücken des Gebirg-s liegt noch innerhalb der
Waldzone, während auf der Westseite die Hochebene von Aser-
beidschan sich dürr, verbrannt und baumlos ausbreitet (S. 107).
Die Höhen desElborus sind noch nicht überall bekannt, scheinen
aber bedeutend überschätzt zu sein, denn den Demaw end hält
G. nur 14000' hoch (S. 124.), nachdem Lemm bei seiner Be-
stimmung lö846', Buhse 15000' erhalten hatte cS.l 12.). Die in
seinem Meridian gelegene Passhöhe von Imam Sadeh Haschim
beträgt 6566'. Das nordpersische Plateau, welches in der
Gegend von Kasbin und Teheran fast in demselben Niveau
liegt, wie Aserbeidschan, (Durchschnittswerlh = 4187')? und
das sich in Khorasan allmählich senkt (Durchschnitfswerlh für
die Ebene von ßostam bis Nischapur und Mesched = 3400'
S. 126.), liegt etwa um die Hälfte höher, als die grosse Salz-
wüste, deren Niveau nach Massgabe der Höhe von Kom
(= 2050') nur auf 2000' geschätzt wird: dies ist also eine
Depression, welcher die persischen Flüsse zuströmen, um darin
zu versiegen, und zwar von allen Seiten, da die südpersische
Hochebene der nördlichen an Höhe nicht nachsteht oder sie
noch etwas übertrifft (Ispahan = 4400' , Schiras = 4480').
Zu den wichtigsten Mitlheilungen des verflossenen Jah-
res gehören die aus dem Nachlasse von A. Lehmann her-
ausgegebenen "^) und nach seinen Sammlungen von Bun-
ge ''^) bearbeiteten Forschungen über das Khanat Bokhara
und die angrenzenden russischen Steppen (vergl. den frühe-
ren Bericht über L.'s Expedition [Jahresb. f. 1847. S. 29-32],
der sich nur auf die gesammelten Thalamifloren bezog, so
wie die Angaben über das Klima von Bokhara aus Chani-
kofl"s Reise [Jahresb. f. 1845. S. 39.], welche von der näm-
lichen russischen Expedition herrühren). Obgleich weder
Bunge bei seiner systematischen Arbeit das Tagebuch des
Reisenden benutzen konnte, noch dem Herausgeber (\cs letz-
teren, v. Helmersen, die Pflanzenbeslimmungen Bunge's vor-*"
gelegen haben, so ist es doch, da dieEtiquetten der Samm-
Jung Staudort uutl Datum der Reise enlhallen und von Bunge
öl" Grisebach; Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
vollständig mitgelheilt sind, in den meisten Fällen möglich,
die allgemeinen und oft irrigen Angaben des Journals mit
völliger Sicherheit zu berichtigen, was in der folgenden Dar-
stellung geschehen ist. Wie wichtig aber diese Verbesse-
rungen sind und wie wenig zuverlässig die Bestimmungen
Lehmann's während seiner Reise waren, davon erwähne ich
als Beispiele, dass er bei dem Anblick der Sesam -Kultur in
Bokhara Sesamum indicum für eine Digitalis hielt (S. 97), und
dass er die in diesen Landschaften verbreitete Colulea cruenla
Ail. mehrfach als eine Caragana bezeichnet (z. B. S. 113).
Aus dem schon früher milgetheilten Itinerar des Rei-
senden ergiebt sich, dass die Steppe im Osten des Aralsee's,
das Gebiet des unleren Jaxartes (Sir-Daria) bis zum Säraf-
schan, dem bei Bokhara vorüberfliessenden, zwischen jenem
und dem Oxus (Amu-Daria) eingeschalteten Strome, also
etwa zwischen 47^ und 40^ N. Br. zuerst im Sommer 1841
(Ende Juni bis Anfang August) und zum zweiten Male auf
der Rückreise im Frühling 1842 (Anfang April bis Mitte Mai)
untersucht worden ist. Von Norden nach Süden lassen sich
auf diesem Wege folgende Abschnitte unterscheiden: Wüste
Karakum am nordöstlichen Gestade des Aralsees; Thalwege
des Jaxartes, von denen der nördlichste jetzt den grossen
Strom allein aufgenommen hat, ohne auf russischem Gebiete
eine Kulluroase zu erzeugen; Wüste Kisilkum; nordwestliche
Ausläufer des Gebirges von Bokhara; Lehmsteppe von Bok-
hara ; endlich durch Canalisation gesicherte Kulturfläche längs
des Särafschan.
^ft:»< Die Sandwuste Karakum, d. h. schwarzer Sand, ver-
daiikt diese Bezeichnung Bildungen von Flugsand, die jedoch
mit dürrem Lehmboden und salzigen Morästen abwechseln
(S. 47) , und in pßanzengeographischer Bedeutung des Worts
kann hier so wenig, wie in den später durchreisten Land-
strecken, von einer wirklichen Wüste, d. h. einer pflanzen-
losen Einöde, sondern nur von Steppenformationen die Rede
sein. Der für die Anordnung der Pflanzen unwesentliche Um-
stand, ob trinkbares Quellwasser in einer Gegend vorhanden
ist oder nicht, scheint in diesen Landschaften dem Sprach-
gebrauche, der Steppen und Wüsten unterscheidet, zu Grunde
äu liegen. Auch der lose Flugsand des Karakum hat seine Ve-
nnd systematischeo Botanik während des Jahres 185'2. 313
gelalion, die durch zwei Leguininosensträucher, Ammodendron
(A. Sieversii var. Bg) und Eremosparton (E. aphylluin F. M.)
charaklerisirt wird (S. 47). Der Lehmboden, der salzhaltig
ist, erzeugt eine zweite Pflanzenformalion, die der Chenopo-
diaceen , welche hier, wie auf der Westseite des Aralsees,
besonders durch den Saxaul (Haloxylon Ammodendron Bg.)
bezeichnet werden, der auf der „ganzen, unabsehbaren Steppe
zerstreute'' Gesträuche bildet (S. 45) und dessen Nordgrenze
L. am Irgis feststellte (S. 289). Mit diesem sonderbaren Holz-
gewächse wächst eine Umbellifere in Gemeinschaft, welche
die Kirghisen llan nannten und die Lehmann als Ferula Asa
foetida bezeichnet (S. 46) , die jedoch von Bunge zweifelhaft
zu F. persica W. gezogen wird. Späterhin, südlich von Ja-
xartes, fand L. eine andere, 4' hohe Umbellifere, deren gel-
ben ßlüthen er einen starken Geruch nach Asa foetida zu-
schreibt und die er Ferula persica nennt (S. 58. 269): unter
dieser Bezeichnung scheint er indessen, nach Bunge's Be-
stimmungen , zwei verwandte Gewächse zusammengefasst zu
haben, nämlich Dorema ammoniacum und Scorodosma foeli^
dum Bg. Yf>;5 H tti'iz'h j», $01^
Das Gestade des Aralsees ist hier, ebenso Tri ea^ dcf
Mündung des Oxus, mit Schilfrohr (Arundo Phragmites) weil-
hin bewachsen. Dieses Gewächs, welches in gleich allge4
meiner Verbreitung auch die Mündungsgebiete der Wolga
und der Donau bekleidet , gehört daher zu den über grosse
Bäume geselligsten Pflanzenformen. Auch das Ufer des Ja-
xartes ist mit diesem Rohr umsäumt, aber dasselbe wechselt
hier mit einer, auch in der jenseitigen Steppe häufigen, hoch-
wüchsigen Stipacee, der Lasiagrostis splendens, aus welcher
die Kirghisen , die sie Tschi nennen , ihre zierlichen Stroh-
matten «echten (S. 52). —Die übrigen Formationen im Delta
des Jaxartes, wo im Julius bei 28o R. Luftwarme der Boden
sich zu 370 efhitzte, sind ausser dem Saxaul, der hier bis
14' hoch wächst, auf den Flugsandhügeln ,/anmulhige Wäld^
chen« vonTamarix cT. Pallasii und T. leptostachya Bg), Ge-
büsche von Calligonum (z. B. C. Pallasia) und am Ufer des
Aral reichliche Halophylen ( z. B. Halocnemum strobilaceura,
Kalidium arabicum, Statice caspia und suffruticosa). • )tf(rT(lfitJ
Die Wüste Kisilkum , d. h. rother Sand, ist ein Sand-
814 Grisebach: Bericht üb. d. I.cislungen in d. geographischen
meer von braunrother Farbe, im gering-slen Durchmesser mehr
als 40 geogr. Meilen messend, ,jdessen Flugsandhiigel , den
Wogen des empörten Oceans vergleichbar, wie diese durch
Stürme aufgethürmt werden^« (S. 57). Lichtes Gesträuch, bis-
weilen 10 — 12' hoch, bedeckt diese Hügel: Saxaul, Calligo-
num, Tamarix, Convolvulus fruticosus und mehrere Aslragali^
von denen einer 10' hoch wird (A. arborescens Bg. , der
jedoch auf der Etiketle nur als frutex orgyalis bezeichnet
wird, A. unifoliolatus Bg. und A. turbinatus ßg. , die beiden
ersteren aus der Gruppe der Hypoglottidei , der letztere ein
Alopecuroideus, während die Traganlhsträucher diesen Step-
pen durchaus zu fehlen scheinen und erst im Gebirge von
Bokhara , am oberen Särafschan , vertreten sind). Fast das
einzige Gras des Kisilkum und die einzige Nahrung der Pferde,
ist die Arislida pennata, die aber daselbst sehr häufig ist und
grosse Rasen bildet (Bg. p. 348).
Diese reine Sandbildung grenzt im Süden , da wo die
letzten Ausläufer des Gebirges, als kahle, schroffe Granilfel-
sen sich plötzlich, jedoch hier wohl nicht über 1000', aus
dem Tieflande erheben, an die Lehmsteppe von Bokhara, die
den übrigen Raum bis zum Särafschan ausfüllt, aber noch
mehrfach durch einzelne Bergzüge von Thonschiefern und
plutonischen Gesteinen unterbrochen wird. Die Lehmsteppe
erschien dem Reisenden noch öder, als Kisilkum, ein Wech-
sel von kahlem Lehm mit Salzmoor und oft ohne alle Vege-
tation, wobei die Wärme bis zu 35^ R. im Schatten stieg.
In der Nähe des 40sten Parallels breitete sich dann
plötzlich die schöne Kulturfläche des Särafschan aus, die ge-
nau so viel Raum der ursprünglichen Lehmsleppe abgewon-
nen hat, als durch die künstliche Bewässerung mit fliessen-*
dem, süssen Wasser möglich ist. Der Ackerbau und die
Baumkullur beruhen in diesem regenlosen Klima auf periodi-
schen Ueberstauungen des Bodens , die nach herkömmli-
chen und für jedes Gewächs bestimmten Regeln mittelst der
das Land in allen Richtungen durchschneidenden Kanäle von
der dicht gedrängten Bevölkerung auf das Sorgfältigste be-
wirkt werden. Auf diese Weise bewässert man z. B. die Fei-
genbäume den ganzen Sommer hindurch einmal wöchenilic
(ß. 223). Die Lchmmauern, welche die Baumgärten umschlieS;
]
und systematischen Botanik während d^s Jähret 1852. 315
son, scheinen bestimmt, das Wasser eine Zeit lang zurück-
zuhalten, aber auch längs der Ackerfelder sind überall Pap-
peln, Ulmen, Weiden, Elaeagnus, Morus und die verschieden-
sten Obstbäume angepflanzt, so dass der Anblick des Landes
ein ähnlicher sein wird , wie in der Lombardei. Das llaupl-
getraide ist Weizen, sodann Hirse (Sorghum vulgare); Reis-
kultur findet sich vorzüglich in der Nähe von Samarkand;
(las allgemeine Futlergewächs ist die Luzerne, deren Kraut
in Folge wöchentlich wiederholter Bewässerung, mannshoch
aufschiesst und fünf- bis sechsmal im Jahre geschnitten wer-
den kann. Die wichtigste Nahrungspflanze für die ärmeren
Volksklassen ist die Melone, die, ebenfalls wöchentlich bewäs-
sert, ein trefflicheres Aroma erlangt, als dem Reisenden je
in anderen Ländern vorkam. Sehr bedeutend ist die Obst-
kultur und es werden fast alle Früchte des mittleren und süd-
lichen Europas, zum Theil in eigenthümlichen Spielarten, er-
zeugt: doch müssen die Feigen- und Granat-Bäume im Win-
ter niedergebogen und gegen die Kälte durch Bedeckung ge-
schützt werden. Aprikosen und Pfirsische gehören zu den all-
gemeinsten und trefflichsten Erzeugnissen des Landes. Auch
findet Seidenzucht und Weinbau statt: die Rebe wird auf dem
ebenen Felde gezogen und nur zweimal im Jahre bewässert;
die Traube dient nicht zur Weinerzeugung, sondern wird
theils als Frucht genossen , theils zur Bereitung von Sirup
verwendet oder zu Rosinen eingetrocknet, aus denen man
Traubenbrandwein bereitet.
Uebersicht der ßodenerzeugnisse von Bokhara: Weizen (Kul-
tyk), gcsäel im September, im Junius geerndtet (zuweilen bis zum 40stcn
Korn) worauf als zweite Frucht die Wungobohne folgt, die in demsel-
ben Herbste geerndtet wird, so dass als dritte Frucht nicht wieder
Weizen, sondern Hirse eintritt, weil diese den Boden, wiewohl sie 6
bis 9 Fuss hoch wächst, doch nur drei Monate eionimml ; Gerste
(Dschau), im Gebirge und auf schlechtem Boden, ebenfalls als Winter-
korn im Herbste gesäet und im IMai geerndtet; Hafer nur im Gebirge;
Sorghum vulgare (Dschugari) ; R e is (Berindsch) : eigenthümlich
ist die Düngung mit trockenen Arlemisien, die zu diesem Zwecke
aus der Steppe geholt werden und in dem öberstauten Boden einge-
pflügt durch ihre Fäulniss die Erdkrume bereichern; Mais (Dschuari
Mäkka), seilen gebaut ; Hirse (Tarik , persisch : Arsän), ni( ht näher
charakterisirt , wahrscheinlich ist I'anicum miliaceum gemeint; Lu-
zerne = Medicago sativa (Juuntschka, Dschuuntschka). — Melone
316 Grisel)ach: ßericht fib. d. Leistungen in d. geographischen
(Charbusa), drei zu verschiedener Jahreszeit reifende Sorten und, da die
Wintormelone sich im Winter schmackhaft erhält, in jedem Monat in
Ueberlluss : bei nachlässiger Bearbeitung des Bodens werden die Melonen-
felder von Phelipaea indica heimgesucht, wodurch den Früchten Grösse
und Süssigkeit verloren geht (S. 222.); Wassermelone (Tärbus),
ebenfalls in grosser Menge gebaut; Gurke (ßadring); Kürbiss
(Kadu) ; Koloquinte ( Baimdschan) , als Gemüse benutzt; gelbe
Rübe (Ssabchi) ; Rettig (Trüb); rothe Rübe (Läblä); weisse
Ruhe (Schalgam); Kohl ( Karam ) ; Bohne = Phaseolus Mungo
(Mosch); Erbse (Nachud) : Pflanze unbekannt, nach L. vielleicht ein
Lathyrus; Linse (Adas), selten gebaut; Zwiebel (Pias): Pflanze
unbekannt.
Obstbäume: Feige (Aodschil) ; Pfirsich (Scheft.alu) ; Apri-
kose (Sardalu); Pflaume (Alu); Apfel (Alma); Birne (Nasch-
puli; Quitte (Behi); K irsche (Gilaas) ; Granate (Anar) ; Elaea-
gnus hortensis (Dschidda), wahrscheinlich die Dattel Ostturkestans,
von welcher orientalische Schriflsteller reden, während die Dattelpalme
hier nicht bestehen kann; Wallnuss (Tscharmagis); Pistazie =
Pislacia Vera (Piota); Mandel (Badam); Weintraube (Anguri).
Papaver somniferum (Keschgasch ; die Samen heissen Kug-
uar); Sesamum indicum (Siagir, Ssiae); Tabak (Tambaku); Lein
(Kundschut) ; Hanf (Kanab); B aumwoll e (Gusa) ;Moru s alba (Tut).
Von einheimischen Gewächsen ist die Benutzung des Alhagi ca-
mclorum (Tschuturchar) bemerkenswerth, welches als Rindensekret ein
süsses Gummi liefert. — Einheimische Bäume scheint die Oase nicht
zu besitzen ; das Bauholz liefert vorzüglich Juniperus excelsa (Burs),
die das Gebirge charakterisirt und von der auch das Harz benutzt wird.
Der wichtigste Abschnitt von Lehrnann's Werk ist seine
Gebirgsreise im Osten von Sainarkand, von w^elcher Stadt aus
er noch 2yr^ Längengrade (bis 88° 0. L. von Ferro) in eine
bis dahin völlig unbekannte, hochalpine Landschaft vordrang.
Die Mitlheilungen aus seinem Berichte bedürfen zuvörderst
einer geographischen Erläuterung. Vergleicht man v. Hum-
boldts Karte der Gebirgsketten von Centralasien mit derje-
nigen, welche L.'s Ilinerar graphisch darstellt, so zeigt sich
eine genaue Uebereinstimmung in der Lage des Asferah oder
der hohen Kette, welche das nördliche Ufer des Säraf-
schan über den Meridian von Samarkand hinaus begleitet und
sich zuletzt im Norden der Stadt Bokhara in jene niedrigen
Ausläufer auflöst, welche, wie oben erwähnt, die Steppe in
der Richtung gegen den unteren Stromlauf des Oxus durch-
und syslemalischen Bolanik während des Jahres 1852. 317
schneiden und diesen Flufs zu erreichen scheinen (Gebirge
von Bokhara = L.'s). Diesen Asferah oder Aklau L.'s und
anderer Reisenden betrachtet v. Humboldt nach Massgabe
seiner Streichungslinie, welche durch die Lage desSärafschan
und des jenseiligen Jaxartes von Kokand beslimml ist, als
eine Fortsetzung des Thian-Schan auf der Westseite der Me-
ridiankette des Bolor. In sudlicher Richtung vom Asferah
oder am linken Ufer des Särafschan hat von Humboldt bis
zum Hindu-kho, d. h. auf einem Abstände von fünf Breiten-
graden bis über das Quellengebiel das Oxus hinaus auf dem
westlichen Abhänge des Bolor kein ähnliches Parallelgebirge
verzeichnet. Es ist demnach eine bedeutende, von unserem
Reisenden zuerst bestimmt nachgewiesene geographische Ent-
deckung, dass gerade dieser Raum zwischen dem Särafschan
und dem oberen Oxus, wo v. Humboldt nur den weit entle-
genen und mit dem Bolor ohne Zusammenhang gedachten
Kotin-kho kannte, von einem grossen Systeme schneebedeck-
ter Gebirge weithin erfüllt ist. Und gerade auf dieses Ge-
birge, welches bei L. den allgemeinen Namen Font au führt,
beziehen sich seine botanischen Forschungen. Die am wei-
testen nach Norden vorgeschobene und unmittelbar über dem
Särafschan ansteigende Kbtle des Fontau, welche er besuchte,
verläuft von Ost nach West dem Asferah parallel (40° N. Br.)
und liegt dem letzteren so nahe , dass beide Gebirge als ein
einziges System zu betrachten sind , in welchem der Strom
ein enges Längenthal bewässert, das L., sobald er in östlicher
Richtung Samarkand verlassen hatte, als Gebirgsthal bezeich-
net, indem es nur eine Breite von zwei bis drei Werst zu ha-
ben schien (S. 109). Eine Gliederung des Fontau am obe-
ren Särafschan , die ihrer Lage nach dem von L. nicht er-
wähnten Orte Uruschnah auf v. Humboldl's Karte benach-
bart sein wird (88^ 0. L. bei L.) und die unser Reisender
am genauesten kennen lernte , führt irt einem beschränkten
Umfange den Namen Karatau, den Bunge nach L.'s Eti-
ketten als allgemeine Bezeichnung seiner Gebirgsstationen ge-
wählt hat , indessen ist es angemessen, statt der in allen Län-
dern, wo türkische Idiome geredet werden, häufig wieder-
kehrenden Gebirgsnamen Aklau und Karatau , die den eben-
falls verwirrenden Flussnamen Aksu und Karasu entsprechend
318 Grisebach: Bericht "üb. d. Leistungen in d. geograpriischen
gebildet sind^ die bestimmleren Bezeichnungen Asferah und
Fonlau zu gebrauchen.
Wie bedeutend die Erhebung des Bodens in diesem
Theile von Centralasien sei, geht aus der Angabe hervor,
dass der Asferah schon im Westen des Meridians von Sa-
markand, wo er also anfängt sich abzuflachen, wenigstens an
seiner Nordseite ewigen Schnee tragen soll (S. 99), während
derFontau dieses Phänomen in weit grösserem Umfange zeigt,.
Hier sah L. zum ersten Male Schnee in südöstlicher Rich-
tung von Samarkand und zwar in der letzten Hälfte des Au-
gust (S. 109: seine Daten sind nach altem Styl gegeben).
Als er später bei der Uebersteigung eines Conlrefort des
Fonlau, in der Nähe des Karatau (87o 0. L., 39° 45' N. B.),
die Schneegrenze selbst erreichte, beschreibt er den Cha-
rakter dieses Gebirgssyslcms in folgenden ^ für die geogra-
phische Feststellung desselben bezeichnenden Worten: „nach
Südosten thürmten sich die mit Schnee bedeckten Alpen des
Fonlau in weiter Ferne immer höher empor, da zeigten
sich keine Kämme oder Bergkuppen mehr, die sich, wie im
Karatau, von Osten nach Westen, keltenartig an einander reihen,
sondern derFontau ist ein unregelmässiger, von Kegelbergen^
(Alpenhörnern) „zusammengesetzlcr'Gebirgsknoten, dessen Eis-
berge und Schneelawinen jeden Versuch, ihn zu übersteigen,
zurückweisen sollen; das ganze Jahr hindurch sollen hier heftige
Schneegestöber herrschen u,nd ganze Berge aus Eis beste-
hen« (S. 139). Nach dieser Darstellung erscheint es gerecht-
fertigt, den Raum zwischen dem Särafschan und Oxus bis in
die Nähe des Meridians von Samarkand sich mit hochalpinen
Gliederungen des ßolor vollständig ausgefüllt zu denken,
während im Süden des Oxus der Hindu-kho sich sofort zu
erheben scheint. Allein diese Thatsachen tragen zugleich
bei, die bisherigen Vorstellungen über die Gebirgsgliederung
Cenlralasiens zu m'odificiren. Schon aus Thomson's denk-
würdiger Reise über den Himalajah bis zu den Pässen des
Küenlün (Jahresb. f. 1848. S. 4ö.) ergab sich, dass diese
beiden Gebirge in orographischer Hinsicht nur ein einziges
System bilden , welches in ununterbrochener Keltengliede-
rung sicli über sechs Breitengrade ausdehnt. In einem ösl-
Jicheren Meridiane scheint das Itinerar des Missionars Huc
«nd systemalischen Botanik während des Jahres 1852. 319
«US der Gegend des Slernenmcers nach Hlassa, so wenig <?s
geographisch brauchbar ist, doch zu ähnlichen Ansichten über
<ten transversalen Ourchniesser der zahlreichen, tibetanischen
Hiinalajah- Ketten zu berechligcn. Naclidem nun am West-^
ende dieser Systeme eine, wie in den europäischen Alpen,
zusammenhängende Kcttengliederung vom Hindu-kho bis zum
Asferah, also ebenfalls auf einer Basis von wenigstens sechs
ßrcitongraden (350— 41« N. Br.) durch Lehmann's ßerichle
wahrscheinlich geworden ist, so möchte man geneigt sein,
die Gebirge vonTurkestan als eine Fortsetzung
des Himalajah «u betrachten und in diesem letzteren,
dem Küenlün, ßftlor, Hindu -kho, Fontau und Asferah nur
ein einziges orographisches System zu erkennen , welches,
wie es die Alpen beinahe um das Doppelle an Höhe über-
trifft, so auch seine Basis in doppelter Breite entwickelt hat.
Wenn die Beachtung der Streichungslinien, weiche der
bisherigen Auffassung verschiedener, sich kreuzender Systeme
in Ceniralasien zu Grunde liegt, ihren dauernden Werth für
orogcnetische Untersuchungen behauptet, so werden die geo-
graphischen Beziehungen und namenliich auch die Bedingun-
gen der Pflanzenwanderung in höherem Grade durch die Ver-
knüpfungen der Gebirgsglicder zu einem abgeschlossenen
Ganzen, durch die orographische Individualität erläutert, wel-
che in der plastischen Gestallung des Bodens so oft zu be-
merken ist. Gerade in einigen durch gemeinsame, orogra-
phische Charaktere ausgezeichnetsten Gebirgen, Wie in deil
Alpen und auch in den Anden, bemerkt man Abweichungen
der Längsaxe von einer geraden Sireichungslinie, die auf ihre
Bildungsgeschichte in verschiedenen geologischen Epochen
Licht werfen, und die bei unserer Auffassung vom Umfange
des Himalajah sogar minder bedeutend sind, wiewohl ich
wenig Gewicht auf den vielleicht zufälligen Umsland legen
möchte, dass die Lage von SamarKand , in dessen Nähe der
grössle Gebirgszug der Erde endet, mit der Fortsetzung der
Hebungslinie der Kellen von Kunawur und Kaschmir fast ge-
nau zusammenfällt»
Das ptlanzengeographische Interesse , welches die oro-
graphische Gliederung Centralasiens darbietet, wurde schon
durch die Ergebnisse von Thomson's Reise angeregt , nach
ArcbiT f. Naturgescb. XIX. Jahrg. 2. Bd Y
320 Griscbacln Bcntht üb. d. Lcislungcn in d. geographischen
welchen die libelanische Flora als ein Glied in dem grossen
Vegelalionsgebiele der im Westen des Conlinenls entwickeilen
Hüchstcppen erscheint (a. a. 0.). In einer anderen Bezie-
hung ist Lehmann's Ausbeute ans dem Fontau bemerl\ens-
werth, indem sie wahrscheinlich eine Reihe von alpinen Er-
zeugnissen des indischen Himalajah enthält, deren Verbrei-
tung durch den ununterbrochenen Zusammenhang einer alpi-
nen Region durch das ganze Gebirgssystem begünstigt wor-
den ist. Bunge's Katalog enthält namentlich folgende Arien:
Draba lasiophylla Royl. , Potentilla Gerardiana Lindl , P. in-
signis Rl., Eremostachys superba Rl. Aber leider sind diese
Bestimmungen zweifelhaft geblieben , da dym Verf. die Ver-
gleichung indischer Herbarien nicht zu Gebote stand. Eine
grössere und vollkommen sicher gestellte Uebereinstiinmung
der Flora des Fonlau mit Tibet zeigt sich indessen in der
Vermischung von Steppen- und Gebirgspflanzen, wie die
folgenden, wiederum aus L.'s Reisebericht geschöpften, Mit-
theilungen ergeben.
Die Pflanzenregionen des Fonlau , leider durch keine
einzige Niveaumessung charakterisirt, ordnen sich vom Thale
des Särafschan in dreifacher Gliederung, so dass ein Wald-
gürtel zwischen der alpinen Vegetation und den Sleppenpflan-
zen und Gesträuchen des Thals eingeschaltet wird. Wo der
Wald fehlt, ziehen sich die Sträuchcr bis zu alpinen Höhen
hinauf und mehrere Sleppenpflanzen dringen in die Gemein*-
schaft der alpinen Flora selbst ein.
1. Untere Region des Fontau. Die Thalsohle
des Särafschan erzeugt bei Pendschakend (fcö° 0. L ) ein 10'
hohes Gesträuch von Elaeagnus, Salix, Berberis (ß. inleger-
rima Bg. und nummularia Bg), Rosa (R. niaracandica Bg.
und Lehmanniana Bg ) und Tamarix C^- arceuthoides BgO
(S. 112); die dürren Hügel sind daselbst mit Steppensträu-*
ehern bewachsen, z. B. Alhagi, Sophora alopecuroides und
neuen Astragalus-Arlen aus der Section Tragacanlha (A. la-
sioslylis Fisch. , A. transoxanus Fisch., A. bactrianus Fisch,
werden von Bg. publicirt , (!och gehört wenigstens eine detf^j
Arten den oberen Regionen an) (S. 110. 126). — Die Ab-
hänge des Gebirgs selbst, welches in dieser Gegend aus Dio-
rit und Thonschiefcr besteht, waren hier grösstentlicils wald«
1
ond systematischen Botanik während des Jahres 1852. 321
los , aber mit hohem Gesträuch bewachsen , namenllich mi
Juniperus excelsa, die in anderen Scitenlhälcrn als Baum am
meisten zur Bewaldung des Fontau beiträgt. Die Nachwei-
sung- dieser Conifere in einem Gebirgszuge^ welcher dem
Taurus näher liegt, als Kaschmir, dient die früher bemerkten
Lücken in deren grossem und merkwürdigem Areal auszu-
föllon (yet^l Jahresb. f. 184S. S. 47). Die übrigen , hier
vorkommenden Sträucher sind folgende: Amygdalus spino-
sissima Bg. „mit kleinen, bitteren Mandeln,** die beiden schon
erwähnten Rosen nebst einer dritten, nicht beschriebenen Art
mit gelben Blülhcn, Colulea cruenta, Lonicera persica Jaub ,
Alraphaxis pyrifolia Bg. (als 10' hohes Tragopyrum von L.
bezeichnet) , Ephedra equlsetina Bg. (diese bis zur subalpi-
nen Region ansteigend) , Zygophyllum atriplicöides Fisch.
(3'— 5' hoch, sehr holzig), Salsoleen und Tamarix. Die
Stauden in dieser Gesträuchformation sind grösstenlheils Step-
penlormen, wie Peganum, Ferula, Verbascum. • 0- >
2. Waldregion des Fontau. Die ersten^ Wild
gewachsenen Bäume traf L. in der Nähe von Pendschakcnd,
mehrere nicht näher bestimmte Arten von Crataegus aus der
Gruppe von C. Azarolus, nebst Ulmen, Weiden und Coloncä-
sler nummularia. Weiler thalaufwärts nahmen lichte Laub*
gehölze die sanfteren Abhänge ein, aus Pistacia vera (Fista
bokh.) gebildet, deren Stamm nur 12' hoch war, womit jener
Crataegus- Wald , aber auch schon Juniperus excelsa wech-
selte. Fernerwerden erwälmt: Celtis auslralis, einzelne Baum-
gruppen bildend, mit Stämmen von 12—18' Höhe und 3—4'
Umfang; Fraxinus sogdiana Bg. am Ufer eines Nebenflusses des
Särafschan ; Belula pubescens, die auf einem Contrefort eine
eigene Region bildete, wo Bäume vom Umfange eines starken
Mannes doch nur 24—30' hoch wurden (ß^ 138) ; Acer Lobelii
Ten. , nebst Sorbus aucuparia, Crataegus und Prunus Ccrasus
i einen anmuthigen Laubwald zusammensetzend CS.142). — Der
* Bericht über die Reise durch die südlich vom Särafchan erreich-
ten Gliederungen des Fontau zeigt, dass neben diesen so man-
n nigfallig wechselnden , aber in niedrigem Wuchs der Bäume
übereinstimmenden Laubgehölzen die aus Juniperus excelsa
gebildeten Nadelwälder im Allgemeinen überwiegend den Ab-
hang bekleiden. Aber auch diese sind keineswegs hoch-
322 Griscbach: Bericht üh. d. Leislüngen in d. geograpÜiisclien
wöchsig-, sondern geben , gleich den Slcppenpflanzen, die sie
begleiten, indem ihre „mächtigen Stämme" nicht viel über
18' Höhe zu messen scheinen (S. 140) dem ganzen Gebirge
sein klimatisches Gepräge. Das Unlerholz der Wälder be-
steht aus Sträuchern , die auch in der unleren Region vor-
kommen, wie Lonicera persica, Berberis integerrinia, Ephe-
dra equisetina (12' hoch), Colutea cruenta. Dies ist auch der
Standort der Liane Cissus aegirophylla Bg , deren Verwandt-
schaft mit der persischen C. vilifolia Boin. früher erwähnt
worden ist (Jahresb. f. 1848. S. 32). Unter den Stauden fin-
den sich ebenfalls neben den Sleppenformen manche charak-
lerislische Arien: z. B. Delphinium barbatum Bg. , Capparis
herbacea, Allhaea pallida, Geranium collinum, Impaticns par-
viflora, Heracleum Lehmannianum Bg.
3. Alp i ne Regi on d es Fon tau. L. hat dieselbe
zweimal erreicht, am Karalau , wo sie unmittelbar über den
Gesträuchen begann und wo die höchsten Felszacken zu An-
fang September mit Schnee erfüllt waren (ß. 131) und spä-
ter auf dem Waschantra , einem Nebenjoche des Fonlau, an
dem er sich dem ewigen Schnee auf 200' näherte, nachdem
der oben erwähnte Birkenwald zuletzt sich in Krummholz
verwandelt hatte, aber die Juniperus-Bäume noch später ver-
schwunden waren (S. 138). Die Formationen entsprechen
denen der Alpen und es lassen sich in dem Berichte deren
drei unterscheiden :
a. Alpen wiesen. Polygonum alpinum (herrschend):
sodann Eremoslachys superba , ßartsia sp. , zwei Arten von
Pedicularis (darunter P. lasiostachys bei Bg.), Morina Leh-
manniana Bg. (von L. als Labiale irrig bezeichnet), Swerlia
lactea Bg. , Pleurogyne carinihiaca , Artemisia Lehmanniana
Bg. und eine andere Art , eine Umbellifere (nicht bei Bg.),
Ligularia thyrsoidea DC. var. Bg. , AlchemiUa vulgaris var.,
— Asperugo proeumbens, Veronica Anagallis.
. ,g- b. Form, der t r ockenen A bh ä nge. Astragalus
sp. und Iledysarum sp. (beide nicht bei Bg.), Consinia pul-
chella Bg., C. verlicillaris Bg. , C. alpina Bg., — Acantholi-
mon lataricum Boiss.
c. Rupestro Form. Zwei Draba- Arten (darunter
D. lasiophylla), Parrya sp. (nicht bei Bg.), Alsine Villarsiiy
und gyslcmatischcn Botanik während des Jahres 1853. 323
Silonc sp. (niclit bei Bg.)? Oxylropis Leiimanni Bg., Hedysa-
rum Leliniaimianum Bg-. , Polentilla Gcrardinna , P. bifurca,
r. insignis, Scdurn algidum var., Erigeron uniflorus, llclcro-
clia(;le lcuc()j)liylla Hg, II. psciidfiigeron Bg. , Ncpcta luara-
candica; Thymus Scrpyllum, llyssopus officinalis var.
Forlgcselile Uebcisicht der Hora des t'hanals liokhara (s. Jah-
resb. f. 1847. S. 31., wo die Ueihe der Kaniilien von den Raiiuncula-
cren bis zu den Leguminosen aus einer ftüherin Tublikaiiou Uungc's
lifilgelheill wurde).
1. rilanzen der Steppe von HoKhara (im Südm von 42" IS. Hr.).
Tamarix polystachya , T. Pallasii (Juljjun), Eirhwaldia oxana; Scoro-
dosma foclidum, Scandix pinoatifida, Cnjplodiscus ammophitus Hg., Ere~
moJaucus Lchmanni Bg. ( Ssausi - Javai = Stcppeniübchen); (jalium
Aparine, Callipellis cucullaria ; Valeriontlla Ssovilsiana ; Achillea mi-
cranlha (zwischen Kokand und Tasrhkend) , Malricaria lamellata Bg.,
Arteniisia eriocarpa 15«;., A. Oliveriana Gay? (um Samarkand), A. ma-
racandica Bg. (ebenda) , Senccio subdentatus Led. , Cousinia tenellRA
(aus Kokand , C. dicholoma Bg , C. afünis, C. dissecla, Amberboa odo-:
rata, Cenlaurea pnichella, Jurinea adenocarpa var. V , Koelpinia linea»
ris , Jledypnis minulissinia Bg. , Scorzoncra pusilla , Sc. lubcrosa, Sc,
macrophylla?, Sc. intermedia ßg ^ Sc. acrolosia Ug., L^clüca undulata,
Sleplorhnmphus crambifolius Bg., Ileleracia Szovitsii, Barhhausia chaelo~
cephala Bg., ß. melanocephala Bg., B. leucocephala Bg. (ohne Stand-
ort); Apocynum venetum ; Cynanchuni acutum (Ghilan-I'elschaku d. 1.^
cmpoikriechende Schlange); Convoivulus erinaccus, Cuscula Lehman-;^
niana Bg. ; He1iotrop*um sogdianuin Bg., ^onca picla, Arneliia cornuta, ,
Rlyosolis refracla, Echinosp« rmum semiglabro afT. , E. diraricatum Bg.,
E hetcrocaryum Bg. , E. Szovitsianum , E. laevi;^atuni , Omphalodes
glochidata Bg. , Suchtclinia calyeina, Rindern cyclodonta Bg. , Kochelia
incaua ?, K. leiocarpa, ß. macrocalyx Bg. , B. cardioscpala Bg. ; Ly-
cium turcomanicum ; Scrofularia Icucoclada Bg. , Dodarlia oricnlalis,
VtTonira biloba; ritelipaea ambigua \ig. ; Lallcmantia Hoylcana, Tapei- -^^
nanthus peisicus , Chamatsphacos ilici'olius , Lagochilus inelrinns Bg.äl
und sp., Phlomis ihapsoides Bg., Eremoslachys Iransoxana Bg., E. ara^^^f^
lensis Bg. ; Stalice otolepis, Sl. perfoliata ; Vlanlago lachnanlha Bg. - j
Spinacia telrandra , Ceratocarpns arenarius , Kirüowia erianlha^
Echinopsilon hyssopilolius, Agriophylluin latifolium, Salicoinia pro-
strala, llalocuenium slrobüaccum, Schanginia linifolia , Schoberia salsa,
IJaloxylon Ammodcndron, Caroxylon hispidulum , C. snbaphyllum, SaUi"*-
sola carinala, S. scleranlhac äff., S. Kali, S. sogdiana Bg., llaliniocneJf'3
niis villosa, H. macranlhera Bg., Kanophytum macranlhnm, Girgensoh^
nia diptera Bg. , Anabasis cretacea , A. alfinis F. iM ?, A. bracbiata,
Brachylopiä eriopoda ; Atraphaxis spinosa , A. Fischcri , A. compacia, ^
Calligonum leucodüdum, C. eriopodum Bg-, Polygonum a\iculare; Eu-
324 Griscboch: Bericht üb. d. Leistungen in d. gcogrnphrschc«
phoibia jndcriensis; Populus divcrsifolia (uralle Bäume an der Quelle
Karagata im Worden von ßokhara: 4loK. Br.); Ephcdra sliobilacea Bg.
(mannshoch und an der Wurzel armsdick).
Biarum Lehmanni Bg. , Iris falcifolia Bg. , 1. filifolia Bg. ^ 1.
tcnuifolla, I. soongarica, /. sogdiana Bg. ; Ixioliriom lalaricum, Hen-
ringia anisopleia, Allium inderiense , A. caspium , Rhinopclalum K»rc-
linj, Gagea sltpitata Merckl., G. reliculata, Tulipa Lekmonniana Jlrckl.,
T. sogdiana Bg., Merendera robusla Bg. ; Carcx stenophylla, C. phy-
sodes; Schismus minutus, Bromus teclorum, Trilicum Orientale.
.jR3tJ>! Kachliäge zu dem früher mitgeiheillen Verzeichnisse, die sich
ans der genaueren Kennlniss der Slandorte ergeben: Anemone billora
(nicht auf russischem Gebiete gefunden), Ranunculus linearilobus Bg.,
Leontice vesicaria, L. Ewersmanni Bg. ; Glaucium squamigerum , Fu-
maria Vaillanlii ; Aleniocus linifolius , Psilonema dasycarpum, Alyssum
miiiimum^ A. criiplofelalum Bg., Cborispora slricta, Tetracnie quadricoinis ;
llolosteum Ofiibellatum var. ; Ammodendion Karelini , Trigonella gran-
diflora Bg., T. geminißora Bg. , Asiragalus arborescens Bg. , A. subbi-
jugus, A. scleroxylon Bg. , A. campylorhynchos? , A. bakaliensis Bg.,
A. Lchmannianus Bg., A. holargtjreus ^g. , A. penlapelaloidcs Bg., La-
gonychium Sicphanianum (Dshin-dschak: häufig zwischen dem Säraf-
schan und Oxus).
2. Spontane Pflanzf>n der Kulluiflärhe von Bokhara und Saniar-
kand. Polenlilla supina ; Porlulaca olcracea; Eryngium dichotomum,
Echinophora tenui'oiia, Daucus Carola ; Asperula huinifusa var. ; Dipsa-
cus sylvestris var., Asler Tiipolium, Callimeris allaica , Lachnophyllum
gossypinum Bg , (s. u.), Conyza allaica, Inula Britanica, i. macrolepis
Bg., I. caspia, Oidens tripartilus, Arlemisia serotina Bg,, A. sogdiana
Bg., A. vulgaris , A annua , A. Absinlhium , Saussurea crassifolia var.,
Cousinia platylepis, Centaurea squarrosa, C. iberica , Carlhan.us üxy»-'
canlha, l'icnomon Acarna, Cirsium lanceolalum, Acroptilun Picris, Ci-
chorium IntyLus var., Laetuca saligna, Chondrilla latifolia , Ch. mara-
caudica Bg., Taraxacum oißcinale, Sonchus oleraceus, Mulgidiiim lala-
ricum ; Convolvulns sogdianus Bg., Cuscuta approximala ; Hcliotropiiim
lasiocarpum , Echium altissimum , Lilho$:j)ermum tenuiduriim , L. ollici-
nale, Asperugo procumbens , Cgnoglossum tnaerostytum Bg ; Dalura
Stramonium, Solanum nigrum ; Verbascum Blaltaria, V. baclrianum hg.f
Veronica Buxbaumii ; Phelipaea indica ; Verbena officinali." ; Mentha
sylvestris, Lycopus europaeus , Warrubium vulgare, Lamium amplexi-
caule, Lagochihis inebrians Bg.
Chonopodium murale, album, glaucum und rubrum, Alriplex hor-
tensis, micrantha, laciniata, hastala Moq. var. und latarica, Kochia sco.-
paria, Schanginia Jinifolia, Belovia paradoxa Bg., Schoberia Iransoxana
Bg. ; Amaranlus Blitum ; Polygonum Persicaria ; Crozophora tinctoriae
air., Ricinus communis (Bedenschir), Euphorbia hclioscopia ; Salix bip^»
pophacfolia^ S. babylouica.
«nd systciTiatischcn Botanik während des Jahres 1852. 325
Typha minima; Cyperus niucronalus, C. longus,Scirpu9 palustris ?;
AIopccuius «greslis, Opiisinenus crus galli , Setctia glauca und viridis,
Calamagrostis dubia Bg., Cynodon dactylon, Eragrostis pilusa, i'oa bul>
Itusa und annua, Rrianihus Ravennac.
Piarhiräge zu dem IVühcren Vorzeidhnisse: Spcrgularia niargi^
naia; Vicia hyrcanica. n^it^hnr ♦
3. Flora des Fonlau oborhalb' Ssirhaikand (früher als Vege-
tation am obereil SäraTschan und im Karatau bezeichnet). AniygdHlus
communis, A. spinosissima Bg. , Spiraea hypericifolia, Alchemilla vul-
garis var. , rotcnlilla Gcrardiana, P. insignis , P. bifurca, P. frulicosa,
Rubus caesius, Rosa maracandica Bg., R. Lehinanniana Bg , Cratae-
gus monoijynae äff., C. Azarolo alT. 2 sp^c. , Coloneaslcr nummularia,
Sorbus Aucuparia ; Epilubium tomcntosuni?; Lythrum Sulicaria var. ;
Tamarix «rccM^Aoit/cs Bg. ; Ucrniaria diandralig. ; Sedum algidum var.;
Bttpleurum cuspidalum B^. , Libanolis Lehmanniana Bg. , Heradeum
Lehmanninnum Bg., Daums baclrianus Bg. , Torilis hclvelica.
Koniccra persica?; Morina Lehmanniana [ig. \ Callimeri» allaira,
Erigeron uniflorus, lleierocliaela leucophyUa Bg., //. pseuderigero» Bg.,
Alyiiactis Gmelini, Pulicaria gnaphaloidts, P. salviatlulia, Achillea Gli-
pcndulina, iMatricaria discifoimis, Arlcmisia Lehmanniana Bg., A. Les-
singiana var.?; Ilclirhrysum arennrio ad'., Ligularia Ihyrsoidea var.,
Echinops tnaracandicus Bg. , Covisinia radians Bg. , C. alpina Bjf.,
C. verlicillaris Bg , C. puLhella Bg. , Centaurea squarrosa, Carlliamus
Oxyacaniha, Oiiopordon arabirum ?, Caiduus nulans, ('iisium lappaccum
var.?, Scrrattäa sogdiana Bg. , Kotlpinia linearis, Photmixopus vimi-
neus ; Campanula Lehmanniana Bg. ; Audrosace villosa ; Fraxinus sog-
diana Bg. ; Geiitiaiia Olivitri , Plcurogyne cariiithiaca , Swerlia laden
Bij.; AvHcbia otorafa Bg., Aspcrugo procuiuben.o, Cynoglossum macro-
slylum Bg. , TricUoJesma incanuiii Bg. , Caccinia dubia Bg.; Veronica
Anagallis, Pcdicuhtiis lasioslachys^? ; üriganum normale ?, IhymusSt-r.
pyllum , llys&opu« oriicinalis var., Pcrotcsityn scrofularifulia Bg , Sol-
via ßclarea, S. Siblliotpii, Nepela maracandica Bg., N. Calaria, N. salu-
r«joides?; Sculellaiia orbicularis Bg. , Manubium vulgare, Lagochilus
ixisiguis?, Ereuioslaciiys supfiba; Aiantholimum taluricum.
i/liciiopodium Bolryü, Eurotia lenuginca, Ccralocarpus arenarius,
Kochia pro«lrata, SaUola aiborcscens?, S. rig'da, S. ericoidesä, Ilaloge-
ton glomeralus , Cirgensohnia heleraptera ; Atraphaxit pyrifvUa Bg ,
l'olygoaum llydropipcr, P. alpinuni ; Passei Ina annua, P. vesiculosa ;
Elaeagnus hortcnsis , ilippopliae rliamnoides; Crozopliora integrilolia,
Euphorbia falcala; Pariciaiiu difl'usa, Celtis nusUalis, Ulmus cainpislris,
Betu'a pubesoens; Salix alba?, acutifolia, d^phnoidc?, purpurea?, sal-
vifoliae äff., rcpet;s var.?, Populus alba; Ephedra tquiselina \ig.^ Ju-
nipeius excelsa, Cypeius fu'^cus ; Voa karalavica Bg. ; Equi*eluiu ra-
iuoäum.
Kachüäge: Thaliclrum sp. , Aquilegia sp. ; Diaulhus cnuilusj
326 Griscbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Arenaria sp. ; Mtdicago lupulina, Trifolium repens, Halimodcndron ar-
genteum , Aslragalus leucvspermus Bg., A. lasiostylus Fisch,, A. trän.,
'soxanus Fisch., A. baclrianus Fisch., Hcdysarum LchH\annianura Bg.
Ciccr Iragacanlhoides, Lalhyrus pratensis.
!: i/.-Von den gegen 155 Arten betragenden Beslandtheilen der Ve-
getation des Fonlau können etwa 25 als entschiedene Stcppenpflanzen
bezeichnet werden, abgesehen von den dem Gebirge eigenthilinllchen,
aber (laltungen der Steppe angehörenden Formen.
Auch für die Flora des asialischen Russlands liefert Bun-
g e's Bearbeilung der Lehmann'schen Reise \vichtige Beiträge.
Fortgesetzle Uebersicht der neuen Bereicherangen der russischen
Flora (vergl. Jahrcsb. f, 1848. S. 30.). Die Ausläufer des Asierah
(420 s. Br.) >Yerden als Katurgrenze im Süden der sibirischen Sleppen
anzunehmen sein. Aslragalus chaclodon Bg. (Jaxartcs-Steppe = J.), A.
pentapelaloides Bg. (Kisilkum = Ki. bis J.) , A. farclus Bg. (Ki.) ;
Tamarix leptoslachya Bg. (J. tind am Aral) ; Silaus gracilis Bg. (Oren-
burg) ; llyalolaena jaxartica (J. s. u.), Dorema animoniacum (J.), Sco-
rodosma foelidum (J.) , Cominum hispanicum? (Ki) , Cryptodiscus rn-
tifolius Bg. (.1.); Arlemisia eriocarpa Bg. (Ki.), A. eranlhema Bg. (J ),
Ecliinops jaxarlicus Bg. (J.) , Cousinia aralensis Bg. (J), C. sylvicola
Bg. (J.j, Plaj^iobasis sogdiana Bg. (Ki), Wicrolonchus albispinus Bg. (J.),
Tolylaxis I.ehmanni Bg. (Ki.), Scorzonera hemilasia Bg. (J ) , Sc. acro-
lasia Bg. (Ki.), Sc. cenopleura Bg (J.), Sc, ammophila Bg. (J.), Plero-
theca aralensis Bg. (J.), PI. piacrantha Bg. (J.) , Barkhausia melanoce-
phala Bg. (J.) ; Heliotropium micranlhum Bg. (Ki.), H. Iransoxanum Bg.
(Ki.), H. sogdiannm Bg. (Ki.), Anchusa hispida Forsk.? (J:), Omphaio-
des glochidala Bg, (Ki.), 0. physodes Bg. (J.) ; Tapeinanihus persicus
(Ki.); Planlago lagocrphala Bg. (J.) ; Atriplex helerospernia Bg. (Sal?-
sleppe bei Uralsk), Corispermum Le|imannian«m Bg. (i.) , Sch^nginia
indericnsis Bg. (am See Indersk in dtr Ural-Steppe), Suae^a arctiala
ß^. (J.) , Scho!>eria obtusifolia Bg. (Usljurl), Caroxylon hispidulum Bg.
(Ki.) , llalogelon aculifolius Bg. (zw Irgis und Karakum); Caliigonnm
inurcx Bg. (am Aral und Irgis) ; Ephedra strobilacea Bg. (Ki.); Iris filier
folia Bg. (J.); AHium Lehmannianum ßlerckl. (J. und Karakum) ; lle-
leocharis Lehmanni Kier. (J.) , H. argyrol^pis Kier. (J.); Bromus gra-
cillimus Bg. (Karakum).
Von Turczanino w*s Flora der Baikalgegcnden (s.
vor. Jahrosb.) erschien eine Forlselzung ''^): dieselbe cnt^
hält die Plumbagiriecn (5 sp.), Plantagineen (5 sp.), Cheno^
podeen (27 sp.), Polygoneen (31 sp.) , Thymclaeen (3 sp.>,
Elaeagnecn (1 sp.), Santaleen (5 sp.).
Seemann berichtete über seine bolanische Forschun-
gen auf Hongkong und bei Canton ^^%
und systematischen Botanik wfihicnd des Jahres 1852. 327
Das Gcwäclis der Insel Formosa, aus dessen Mark das
chinesische Reispapier geschnitl(^n wird (vergl. Jahresb. für
1850. S. 48), ist nach Sir W. Ilooker's neueren Forschun-
gen »''') eine Araliacee, die in China Tung-Isaou genannt
wird. Sie hat den provisorischen Namen Aralia papyrifera
Hook, erhallen und ihre Vcgelalioiisorganc wurden abgebihlel
(t. 1. 2), die habiluell jene Familie ausdrücken und durch
ein grosses, liandlörmig eingeschniüenes an der unteren Fläche
behaartes, slarkrippiges Laub charaklerisirt sind. Ob das
Gewächs, welches nur in den tiefen, sumpfigen Waldungen
des nördlichen Theils von Formosa einheimisch ist, ein Baum
sei, wie aus Anjoy geschrieben ward, oder ein Halbslrauch,
wie H. mit Recht annahm, blieb Anfangs zweifelhaft : nach-
gewiesen aber wurde sogleich die Uebereinslimmung des
überaus reichlichen Marks mit dem Reispapier des Handels,
so wie dass zusammenhängende, schneeweise Mark- Stücke
von der Länge eines Arms und dem Durchmesser des Hand-»
gelenks vorkommen (S. 52). Diese von H. milgelheiltenThal«-;j
Sachen widerlegen die Angabe von Lewis "^), der dmi
Reispapier von Formosa mit einem ähnlichen Produkte Hin-
lerindiens, welches von Scaevola Taccada Roxb. (Sc. Koeni-^
gii var.) abstammt, aber dessen grösster bekannter Durch- ^
messer nur V,o Zoll beträgt. Später hat ßo wring *'ö-) um-,
fassende Nachrichten über die Benutzungsweise der Aralia^
papyrifera milgelheilt, die nach ihm in mehreren Landschaft ,
ten von Formosa auch im Grossen angebaut wird: ihre Ve-
gelationszeit dauert nur lO Monate und mit Recht hatte sich
daher Hooker gegen die Meinung, dass sie ein Baum sei,
erklärt.
Ueber die Produktion des chinesischen, vegetabilische»
Talgs und die Kultur der Slillingia sebifera in China, welche
dasselbe in ihren Früchten enthält, so wie über das Pe-Ia
oder Insekten -Wachs, welches in China das Bienenwachs
verdrängt hat und jetzt, ebenso wie das Stearin der Süll
m-
gia in England in grossem Massslabe benutzt wird, gab Mac-
Gowan '^^} interessante Aulschlüsse, aus denen sich ergiebt,,;j
dass das Pe-la in Folge des Slichs einer Cicade (Flala lim-'"
bata) von einem immergrünen Strauche secernirt wir<[. Fast
scheint CS, als ob die eigcnlhümlichc Verwandlung von Pllan-
^2S Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Kensäflen in einen Stoff, der dem gereinigten Bienenwachse
sehr nahe steht , weniger von der Natur des Gewächses al^
von einem Sekrete des Insekts abhängig sei: w^enigstens hat
St. Julien früherhin behauptet, dass das chinesische Wachs
von verschiedenen Pflanzen, nämlich von Rhus succedaneum,
einem Ligustrum und dem Choui-kin (wahrscheinlich einem
Hibiscus) abstamme. Allein M. G. bemerkt , dass ein be-
stimmter Strauch , den er als Ligustrum lucidum bezeichnet,
zn diesem Zwecke in ganz China angebaut werde, und dass
man im dritten oder vierten Jahre der Pflanzung die Insek-
ten künstlich damit in Verbindung bringe. Gegen die syste-
matische Bestimmung des Gewächses hat indessen Fortune
mündlich Einsprache erhoben und eine andere Slammpflanze
des chinesischen Wachses eingeführt, die als ein Baum mit
abfallendem Laube bezeichnet wird , aber systematisch bis
jetzt nicht näher untersucht werden konnte.
Thomson hat seine tibetanische Reise nach seiner
Rückkehr in einem ausführlichen Werke ^'^) beschrieben,
woraus sich einige Nachträge zu der früheren Analyse seiner
brieflichen Millheilungcn ergeben (vergl. Jahresb. f. 1848).
Den klimatischen Gegensatz des westlichen und östlichen Hi-
malajah (von Sikkim) findet er besonders in der Trockenheit
und Kälte des Winters, von Simla ausgesprochen und bota-
nisch wird diese Verschiedenheit dadurch charakterisirt, dass
hier die parasitischen Orchideen und die Melastomaceen feh-
len, die im östlichen Himalajah so häufig sind (p. 2H). Die
Ursache der höheren Schneelinie in Tibet leitet Th , ähnlich,
wie ich ebenfalls gegen Strachey einwendete (vor. Jah-
resb. S. 45) von zwei Momenten ab, einmal von dem gerin-
geren Schneefall im Winter und sodann von der grösseren
Insolation des wolkenlosen Sommers (p. 487). Beides sind
Wirkungen des dauernden Nordoslpassats in Tibet, während
die Monsune am indischen Abhänge eine Sommerregenzeit
hervorrufen. Der nach Th. von Strachey am richtigsten
angegebene Werth für die Schneelinie des indischen Hima-
lajah beträgt 15500' engl.; in Klein-Tibet liegt dieselbe ge-
wiss nicht unter 18000' (certainly not below 18000') und in
demselben Niveau am Küenlün.
Die gesammelten PÜanzcn hat TU. noch nicht pubJicift : dies soll
t
und syflemnlischen Botanik wfthrcnd des Juhrcs 1853. 329
in der Holjre in Verbindung mit den Snmmlnngcn D. Hooker's ge-
schehen. Allein in seinem Rüisebericiite >viid doch eine Anzahl von
rilanzcn genannt, von dennn ich hier eine llebersicht der europäischen
Foinien niuheile, die genau erkannt und zum Theil speeiell verglichen
zu 9ein scheinen und deren Vorkommen um so inlerc.«sanler ist, aU
sie zum Theil auch in den indisi hcn Mimalajah sich verbreiten: Ra-
nuncnlns IMiilonolis (Kaschmir p 283), R. Cymbalaria (Ladak p. 171),
R. aquatilis (Ladak p. 153); INyniphaea alba (Kaschmir p. 286) ; Tur-
ritis glabra und Draba verna (das. p. 283) ; Silene inllala (Kunawur
p. 343) , S. conoidea und Vaccaria vulgaris (Ladak p. 31^0) , Stellaria
media (das. und Simla p. 21), Ceraslium vul|^alum (Siinla p. 21); J\lalva
rolundifolia (Ladak p. 390) ; tuphorbia helioscopia (Kaschmir p. 283)j
Feganum llarmala (Ballislan bei IsKardo p. 212); Alcdicago lupulina
(Ladak p. 365); FoientilJa supina (Kaschmir p. 296) , P. anserina (Ladak
p. 365); llippuris vulgaris (Ladak p. 156); Scai;dix peeten (Kaschmir
p 283). iu±K. ^'»O
Galium Aparine (Kunawur p. 43) ; Tussilago Farfara (Bältisl^n
p. 263), Taraxacum officinale (Simla p.21); Anayallis arvensis (Kasch*
mir p. 283), Glaux maritima (Lad^k p. 153); I^Ienyanthes trifoliata und
Limnanthemum nymphoides (Kaschmir p. 286) ; Veronica ßeccabunga
u. V. Anagallis (Kunawur p.?59), V. agrrstis und V. biloba (Ladak
p. 389), Limosdia aquatica (Ladak, JlOO'O— 15000' p. 156), Verbascum
Thapsus (Simla p. 21); liyoscyamus niger (Kunawur p. 77) ; ConvoU
vulus arvensis (Kaschmir p. 296) , Lycopsis arver.sis (Ballistan p. 221),
Litliospermiim arvense und iMyosolis colliua (Kascbmir p. 283) ; Salvia
gluliuosa (Kunawur p. 105), Thymus Serpyllum (Simla p. 21), Prunella
vulgaris (Ballistan p. 221), Scutellaria orientalis (Kunawur p. 343),
Lamium amplcxicaule (Ladak p. 389).
Sabola Kali (Pili p. 128); Rumex Acctosa (Kunawur p. 40) ; Cel^
tis ausltalis (Kaschmir p.283^; Populus nigra und P. laurifolia Led,
(= P. balsamifera nach Tb.) (Ladak p 153) ; Qvcrcus Ballola (= Q.
Hex var. nach Tb.) (Ktinawur p. 73, auch in Afghanistan); Juniperus
excelsa (Kunawur p. 83. 87: die Art wurde von Th, mit Exemplaren
von Ssowilz aus Karabagh und von Saskitchiwan veiglicben und iden»
lisch gefunden , während er sich abweichend über die laurische Art
äussert: „the Taurian speciniens are a good dcel differenl and arc per-
haps only a form of J. Sabina" p. 256) , J. communis? (Kunawur a,
a. 0.) ; — Orchis laüfolia (Ladak p. 400) ; Poa annua (Simla p. 21); —
Alarsüea quadrilolia (Kaschmir p. 296); Pteris aquilina (Kunawur p.84).
Babington "'0 lia^ die Lichenen bearbeitet, welche
von Sita eh ey und Wi n l e rb olt o ni am Hirnalajah ge-
sammelt waren (^44 Arien). — Berkeley *20) untersuchlo
die Pilze von Sikkim und Khassya in D. Hoolvcr's Samm-
lungen (40 Arien).
330 Grisebach: Bciichl üb. d. Leistungen in d. geographischen
-M
Die nachgelassenen Schriften Griffith's wurden von
M'Lelland herausgegeben, durch eine neue Lieferung '^i)
bereichert, welche seine Monographie der ostindischen Pal-
men enthält. — D alz eil setzte seine Publikation über neue
Pflanzen der Präsidentschaft Bombay ^^^) fort (s. vor. Jah-
resb.). — Edgeworth bearbeitete ein Verzeichniss '^3) der
von ihm in dem Banda- Distrikte gesammelten Pflanzen (;783
Gefässpflanzen).
Nicholson '^^^ suchte nachzuweisen, dass das ßdi^U)
Ilum des Allerthums (demnach verschieden von dem heutzu-
tage unter dieser Bezeichnung vorkommenden Produkte des
Balsamodendron africanum) mit dem im nordwestlichen In-
dien gewonnenen Googul identisch sei , welches von Balsa-
modendron Kalaf (Amyris Forsk.) abslammt. Dieser Baum
ist nämlich nicht bloss in Yemen einheimisch , wo N. ihn
selbst beobachtet hat, sondern wächst auch in mehreren Land-
schaften Ostindiens, namentlich in Kutsch, Wangeer, Parkur
und in der kleinen Wüste bei ßalmeer.
Stocks *25) gab einige fragmentarische Nachrichten
über die klimatisch-botanische Gliederung der Präsidentschaft
Bombay. Der dichte Wald der Ghauts von Malabar, wo die
Teakbäume sich hoch über verwachsenes Unterholz erheben,
fehlt den Concans, d. h. den Ghauts von Bombay, deren Vor-
berge bis zum Gipfel kullivirt sind, wobei man die Gehölze
verbrennt und die Asche als Dünger benutzt. Zwischen den
Ghauts und dem trockenen, durch Acacien bezeit hnclen Hoch-
lande von Dekkan, liegt die feuchte Landschaft Mawul mit
Gebirgszügen, deren Vegetation an die Nielgherries erinnert.
So sondern sich zwischen Poona in Dekkan und Bombay,
auf einem Räume von etwa 12 geogr. Meilen , drei Klimate
und mit diesen drei Vegetationsgebiete, die St. durch folgende
Charakteristik unterscheidet :
1. Dekkan. Auf dem Tafellande von Poona (2000')
fallen nur 24—30 Zoll Regen in den Sommermonaten: der
Winter ist kühl , der Frühling heiss und trocken. Diesem
Klima entsprechen Acacia arabica, Balanites, Euphorbia anli-
quorum, Calolropis, Capparis aphylla und ähnliche Gewächse.
2. Mawul, wo Mahableshwur bei 4500' durch den
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 331
Monsun 250 Zoll Rogen cmp^ängl: im Hcrbsle wird das Klima
angenehm, das Land ist dann prachtvoll grün und reich an
Orchideen, der VVinler kalt. St. besuchte diese Gegend im
Mai, kurz vor dem Anfange der Regenzeit: die herrschenden
Baume waren Eugenia, Memecylon , Flacourlia, Pillosporum,
Glochidion, Terminalia u. a. Farne und Scitamineen sind reich
vertrelen.
3. DieCcncans bcsilzen ein heisses und feuchtes
Klima (in Bombay 76 Zoll Regen). Bezeichnend sind die
Gulliferen, Myrisliceen, Scitamineen und Orchideen.
Von Seemann wurde eine Skizze der aufblühenden^
Kolonie Singapore ^^ß) mitgetheilt. Die wichtichslen Pro-'
dukle sind : Myristica moschata , Cassava (Manihot ulilissima:
hier Tapioca genannt), Cocos, Piper nigrum, Uncaria Garn«
bir, Maranta arundinacea. Isonandra Gutta ist gegenwärtig
auf der Insel ausgerottet. Man rechnet, dass in vierlehalb
Jahren (1845— 1848) gegen 270,000 Bäume gefällt worden
sind: der Bedarf an Gutta percha, die eigentlich Gutta Ta-
ban heisst, indem der Namen eines anderen Produkts damit
verwechselt wurde, wird jetzt aus den Sunda-lnseln und auÄ-i'^
Hintcrindien bezogen.
Während seines Aufenthalts in Europa hat Junghuhn,
ein gehallreiches Werk über Java *27) herausgegeben, wel-
ches die geographischen und geologischen Verhältnisse zu-
gleich mi^t einer ausführlichen Darstellung der Vegetation die-
ser Insel umfasst. In den früheren Mitlheilungen des Rei-
senden (vergl. Jahresb. für 1841. 1843. 1844 u. 18-16), an
welche sein neues Werk sich zwar anschliesst, aber indem
es die vereinzelten Eindrücke langjähriger Wanderungen zu
einem grossartigen Gesammtbilde vereinigt, zeigten sich, so
günstig sie aufgenommen worden sind , doch Mängel theils
in der Darstellungsvveise, theils der Formenkenntniss im Ein-
zelnen, die der Verfasser, erfolgreich in seinem energischen
Streben, nunmehr nicht bloss vermieden, sondern glänzend
überwunden hat. Und so ist eine übersichtliche Analyse tro-/*
pischer Naturfülle entstanden, eine auf systematische Bezeich-
nung der physiognomisch hervortretenden Beslandtheilo ge-
gründete Darstellung der Formationen, zu denen die Flora
332 tirisebach: Bericht ab. d. Leistungen io d. geographiscberi
von Java sich gliedert , reichhaltig und abgeschlossen , wie
die Literatur unter den Quellenschriften der Pflanzengeogra-
phie selten ihres Gleichen erzeugt hat.
Um an die früheren ßerichle über J.'s Forschungen
anzuknüpfen, beginne ich mit der Frage über die Baumgrenze
und die Gliederung der Regionen von Java (Jahrcsb. f. 1844.
S. 55. und f. 1846. S. 39). Dass diese , wie Blume zuerst
behauptet hatte , nicht so scharf gegen einander abgegrenzt
sind, wie in anderen Ländern, ist eine Eigenthümlichkeit der
Insel, welche J. in vollem Masse bestätigt. Er sagt, der Ue-
bergang von der Flora des Tieflandes in die Flora der Berg-
gipfel sei so unmerklich, dass er sich der unmittelbaren Be-^
obachtung des Wanderers ganz entzieht, wiewohl dieser zu-
weilen die Reihe der nach dem Niveau wechselnden Pflan-
zengestalten im Verlaufe weniger Stunden vollständig durch-
schnitten hat cS. 151). Wenn, wie es in der gemässigten
Zone allgemein der Fall ist, jede Region durch eine einzige,
physiognomisch hervortretende Pflanzenform bezeichnet wird,
so niuss deren Höhengrenze ebenso scharf sein, wie für jede
einzelne Art , deren Areal immer einem bestimmten Masse
klimatischer Lebensbedingungen entspricht. Wenn dagegen,
wie in Java, in den verschiedensten Höhen unähnliche Baum-
formen, wie die Dikotyledonen mit Palmen und Farnbäumen,
gesellig zusammenleben, so wird, sofern die Repräsentanten
jeder einzelnen Form an eigenthümliche, klimatische Phasen
gebunden sein, auch der Wechsel der Regionen ein allmäh-
licher sein. Es scheint daher auch hier , dass , wenn aus-
nahmsweise die Bekleidung des Bodens einfacher wird, wie
in den Casuarina-Wäldern des östlichen Java's, deren Region
sich schärfer von den benachbarten absondert, als da, wo
die Fülle der tropischen Gestaltungen grösser ist. Demnach
behauptet auch die allgemeine Eintheilung Java's in bestimmte
Pflanzenregionen, welche J. versucht hat, obgleich sich ihre
Grenzen vermischen, einen daucrden Werth , nicht bloss als
einziges Mittel, die Gestaltungen der Natur geordnet darzu-
stellen, sondern auch , weil jede Region durch einen mittle-,
ren thermischen Werth charakterisirt werden kann, der day
wo er wirklich eintritt, auch dem reinsten und vollständigsten'
Ausdruck ihrer botanischen Individualität entspricht. Die von
)
und syslcmalisehcn Botanik während dus Jahres 1832. 333
J. seiner Darstellung zu Grunde gelegten Regionen sind
folgende :
0'_2000'. 22" R. — 18^85. Heisse Region, wo der
immergrüne Laubwald besonders durch Ficus und durch Ano-
naceen charakterisirt wird (S. 254). Reg. der Reiskultur.
2000'— 4500^ 18^85 R. — lö». Gemässigte Region.
Reg. der Rasamala- Wälder cLiquidambar AllingianaBl.) Reg.
der KafFcekultur.
4500'— 7500'. 150 R. _ 10o,35, Kühle Region. Reg.
der Eichen, (deren Vorkommen in tieferem Niveau bis 2000'
auf Java für örtliche Anomalie erklärt wird. S. 361), ferner
der Podokarpcn und in Ostjava der Casuarina.
7500'— 10000'. 10^35 — 60,45. Kalte Region. Reg.
der Ericecn (Agapelcs).
Es wurde früher die Ursache erörtert , weshalb die
Baumgrenze auf den Sundainseln tiefer liegt, als am Hima-
lajah (Jahresb. f. 1846. S. 39), es wurde angenommen, dass
auf Java die Bedingungen der Baumvegetalion bei 9200' auf-
hören, aber dass auf den meisten Bergen der Wald eine tie-
fere Depression erleidet (Jahresb. f. 1844. S. 54). Jetzt weist
J. eine grössere Reihe von Bergen nach, auf denen die Bäume
bei 930U' und bei einer Miltelvvärme von 7^,5 R. noch 25'
hoch werdtn (S. 447 u. f.) und es kann daher die klimati-
sche Waldgrenze etwas höher gesetzt werden, als bisher be-
kannt war. Da aber im günstigsten Falle, z. B. am Sumbing
in der Residcntschalt Kadu, der mit kümmerlicher Vegetation
bewachsene Gipfel (10o4b') nur wenig sich über das Niveau
erhebt, wo Baumwuchs möglich ist, und da die beiden noch
höheren Berge Ost- Java's, der Slamat und Semeru , von de-
nen der letztere, der höchste der Insel, 11480' misst, als
Ihälige Vulkane abwärts bis 8500' von allem Pflanzenwuchse
enlblösst sind (S. 15fe), so bleibt für eine eigentlich alpine,
d. h. baumlose Pflanzenregion auf diesen Kegelbergen nur
ein äusserst geringer Raum übrig. Man kann allgemeiner,
als es bis jetzt geschehen ist, die Bedingungen des Baum-
wuchses in der nördlichen gemässigten und heissen Zone
unterscheiden : zwar ist es beiden gemeinsam, dass dHrck
die plastische Gestaltung des Gebirgs, durch Mangel an Feoch-
ligkeil und ungünstigen Boden die Waldregionen deprimirl
334 Orisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geograpKischetl
werden können, aber^ sofern die Wärme in Detraclit kommt,
ist die Baumvegetalion der nördlichen gemässigten Zone YOn
den Temperaturphasen abhängig und wird durch den kürze-s.
fiten Zeitraum bestimmt , innerhalb dessen die in Verhältnis^
zu niedrigeren Pflanzenformen so viel mannigfaltigeren Ent-
wickelungsprocesse einer Jahresvegetalion vollendet werden
können» In der tropischen Zone dagegen, wo die Wärme
das ganze Jahr dieselbe bleibt, ist die Dauer der Vegetation,
sofern sie an bestimmte Temperaturgrade gebunden ist, eine
unbeschränkte. Nun ist liein physiologischer Grund ersieht**
lieh, dass das Baumleben an sich an höhere Wärmegrade
gebunden sei, als das anderer Gewächse: es erwacht bei
uns im Fruhlinge bei derselben Ordinate der Jahreskurve, bei
welcher die Mehrzahl der Kräuter und Gräser sich zu ent-
wickeln beginnt. In der tropischen Zone ist es daher mög-
lich, wiewohl kaum anderswo, wie in Java, beobachlet, dass
die Baumgrenze mit der Grenze des Pflanzenlebens über-
haupt beinahe zusammenfällt, während in der nördlichen ge-
mässigten Zone ein alpiner Gürtel der allgemeine Ausdruck
jener durch den Gang der Temperatur auf ein kurzes Zeit-
mass eingeschränkten Vegelationszeilen ist, die der Entwik-
kelungsperiode zuerst von Slräuchern, dann von Stauden und
Gräsern entsprechen, nicht aber dem Wachsthume grosser
Holzcylinder, für deren Ausbildung die Blätter Monate lang
thätig bleiben müssen. In der südlichen gemässigten Zone,
wo das Seeklima zuweilen eine den Tropen wenig nachste-
hende Beständigkeit der Temperatur bewirkt, kann in diesem
Falle, wie unten von Südchilc gezeigt werden wird , die
Baumgrenze sich ähnlich verhalten, wie in Java.
üebcrsicht der Pf! anzen f o r ma t i onen von Java.
I. 0'— 2000' 1. Rliizoptiorenf. (vgl. Jahresb. f. 1843. S.48).
Der Mangrovewald , der an der Kordliüste allgemein verbreitet ist und
auf der Südseite der Insel nur an wenigen Punkten auftritt, entwickelt,
wie auch Korthals bemerkte (Jahresb. t. 1846. S. 69), indem das Wur-
zelgeflecht die Bewegung des schlammreichen Wassers hemmt, eine
bemerkenswerlhe landbildende Thätigkeit (S. 188). Die Bäume, die
ihn zusammensetzen, bei den Javanern Baku genannt, werden nur lÖ
bis 25 Fuss hoch, bleiben also weit niedriger, als auf der Westküste
von Sumatra (vergl. Jahresb. a. a. 0.). Von eigentlichen Rhizopha-
reen kommen in Java 7 Arten vor (Rb. mucronala uud conjugala , Bni-
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 335
guiera gymnorrhiza , cylindrica und Rumphil, Kanilia parviflora und ca-
ryopliylloides): die übrigen analogen Formen, wie Sonneratia, Avicen-
nia und Aegiceras, bleiben Slräuciier mil dichter Belaubung. — An der
Binnenseite des Mangrovewalds, aber auch auf dem Schlammboden, zu-
zwüilen in stillen Buchten auch jenseits in das Meer hinaustretend,
folgen Gesträuche anderer Art: dies ist der Standort der INipa fruti-
cans , der javanischen Zwergpalme, und der Acanthacee Dclivaria (l).
ilicifolia). Nebenbeslandlheile dieser Geslräuchformation sind Pluchea
indica, Clerodendron inerme, Acacia Farnesiana , Salsola indica, ferner
eine Liane (üerris uliginosa) , ein mannshohes Farnkraut (Acroslichum
inaequale) und ein niedriger Apocyneen-Üaum (Alstonia scholaris).
2. Dünenvegetalion. Der schlammfreie Sandboden der
Küste ist durch eine kriechende , stechende Graminee, durch den Spi-
nifex squarrosus bezeichnet, zwischen dessen Rasen sich ein ^elz von
ebenfalls kriechenden Convolvulaceen ausbreitet (Ipomoea pes caprae und
litoralis). Dieser Formation gehört ausser zwei grossen Zwiebelge-
wächsen (Pancratium zeylanicum und Crinum asialicum) namentlich die
Pandanusform an , die , bald durch kaum 8' hohe Bäumchen vertreten,
bald zu palmengleichem Wuchs sich erhebend , hier gewöhnlich mit
einigen Gabelzweigen ihren Stamm nach oben abschliesst , während
dieser zugleich am Boden auf eine ähnliche Bildung von Luftwurzeln
sich zu stützen pllegl (S. 191). Die gewöhnlichsten Pandaoeen der
Küste sind: Pandanus humilisund caricosus, Marquartia leucacantha und
globosa.
3. Küslenwald, aus Fagraea litoralis und der Myrsinee ClU
macandra obovala, nebst Tourneforlia argentea und Dodonaea litoralis J.
(Syn. D. Burmanniana z. Th.) gebildet. Bezeichnend für den Koral-
lenboden der Küste prangen solche, nur 30 bis 25 Fuss hohe Gehölze im
„schönsten, üppigsten, dicht verwebten Grün." Das Unterholz besteht
besonders aus Scaevola- Arten (Sc. Plumieri, Koenigii und sericea),
auch die Pandanus-Form ist vertreten (P. Bidur J. = P. latissimus Bl.
und P. Pandjang J. == P. furcalus Roxb.) und zuweilen breitet Cycas
circinalis seine Rosette auf mannshohem Stamme aus. — In einigen
Gegenden wird diese Formation durch Gehölze von Calophyllum Ino-
phyllum , oder von Paritium tiliaceum vertreten. — Uebrige Bestand-
theile: Glula Benghas, Cerbera Odallam und lactaria, Antidcsma lilorale
und helerophyllum, Canarium litorale, Anaxagorea javanica, Uvaria pur-
purea; Palmen: Areca N>ibuog, Licuala sp. plur., Wallichia Granu,
Drymophloeus Zippelii , Arenga obtasifolia ; Lianen: Secamone mari-
tima, Uvaria litoralis, Calamus litoralis.
4. Palmen wald von Corypha Gebang. Diese 30 bis 40
Fuss höhe F'ächerpalme bildet, unbegleilet von anderen Bäumen, in
der Nähe der Küste durch den ganzen westlichen Theil der Insel, eine
eigene, schmale Region (— 400'J , die von der Savanenformation des
Archiv f. Nftturgesch, XIX. Jahrg. 2. Bd. W
336 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Alang-alang umgeben wird. Sie entspricht einem Substrat aus mürben
Sandsteinen und charakterisirt die geneigten Gehänge der Küste, ohne
bis zum Ufer des Meeres herabzusteigen. Die Stämme stehen in ge-
wissen Absländen weitliiulig geordnet, und es kann daher, da die Zwi-
schenräume ebenfalls von Alang - Gras ausgefüllt sind, dieser Palmen-
wald eigentlich nur als eine charakteristische Bildung der Savane (6)
betrachtet werden. Selbstständiger erscheint indessen die Formalion
da, wo statt des Alang ein Jungle von Bambusen sich zwischen den
Palmen erhebt, aus welchem ihre Fächer seltsam herhorragen (S. 204).
Im östlichsten Gebiete der Insel wird die Gehang-Palme durch Borus-
sus flabelliformis ersetzt, der von hieraus über die östlichen Sunda-
Inseln sich verbreitet und besonders für Timor bezeichnend ist,
5. Vegetation der Sümpfe, oder Rawa- Formation.
Die Physiognomie stehender Gewässer hat auf Java wenig Eigenthüm-
liches, gleiche Gewächse erzeugen auch die überschwemmten Reisfel-
der. Im Wasser vegetircnde Pflanzen sind : INymphaea stellata und
pubesccns, Nelumbium speciosum , Limnanthemum indicum, Utricularia
flexuosa, Pislia Stratioles (sehr gesellig), Lemna minor, Najas indica,
Marsilea quadritolia; dem Schlammboden des Ufers entsprechen: Jus-
siaea repens, Ludwigia lythroides, llydrolea zeylanica, Sagitlaria hirun-
dinacea, Ponlederiaceen (Monochoria vaginalis und hastifolia), die Aroi-
dee Lasia, Xyris indica und von Glumaceen namentlich Panicum sar-
mentosum und auritum, sowie Fimbiislylis miliacea, Cyperus vulgaris
u. a. — Am Ufer tliessenden Wassers wachsen Jussiaea sufTrulicosa,
Ludwigia friiticulosa, Lysimachia javanica.
6. Alang-Savane (vergl. Jahresb. f. 1844. S. 55. und be-
sonders Jahresb. f. 1846. S. 42 u. f.). Es wurde schon früher bemerkt,
dass die Savane auf Java erst in Folge der Waldzerstörung sekundär
auftritt : J. führt mehrere historische Thatsachen an, welche diesen Zu-
sammenhang darthun (S. 153 u. f ). Es kommt indessen auch der ent-
gegengesetzte Fall vor, dass eine offene Kulturlandschaft, von der Be-
völkerung verlassen, sich wieder in Hochwald verwandelt , indem von
den Fruchtbäumen und Palmen der Ansiedlung aus das Gehölz über
die Fläche fortschreitet (S. 157). J. meint, dass die Ausrodung der
Wälder das Klima trockner mache (S. 152), und scheint auf diesen Um-
stand die Bildung von Savanen beziehen zu wollen : von einem all-
gemeineren Standpunkte lässt sich behaupten , dass der Wechsel von
Wald und Savane, wie überall wo eine Formation die andere, selbst
ohne Eingriff des Menschen , historisch verdrängt, auf der verhältniss-
mässigen Erschöpfung des Bodens an bestimmten mineralischen Mah-
rnngsstoCTen beruht, und dass, wenn das Alang- Gras einmal an die
Stelle des W^aldes getreten ist, auch ein trockeneres Klima auf der
heissen, wolkenlosen, durch stärkere Insolation getrockneten Savane
sich entwickeln muss. — Die Alang-Savane ist auf Java viel weniger
I
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 337
allgemein , als auf Sumatra , und charakterisirt besonders die Freanger
Regentschaft, wo sie die OberHäche der niedrigen, zur Südkuste abge-
dachten Höhenzüge bedeckt, die aus Sandsteinen gebildet sind (S. 215).
— Es ist bekannt, dass das schilfartig wachsende Alang-Gras (Saccha-
rum Koenigii) nur 3 bis 4 Kuss hoch wird, und dass die Gruppen des
Glagah-Grases (S. spontaneum =s S. Klaga ol.) sich zur Höhe von 8
bis 10, luweilen bis 12 Fuss aus diesem ebenen Schilfteppich erheben.
Nebenbestandlheile: Andropogon tropicus, Anthistiria arundinacea und
mulica, Rotthoellia cxaltata , Androscepia gigantea; Polygala densiflora,
Exacum sulcalum (selten), Flemingia involucrata (eine Leguminose von
beschränkter, aber geselliger Verbreitung). — Zu den Bäumen der
Savane, die nicht, wie in der folgenden Formation, zu Waldungen zu-
sammentreten, gehören: Grewia celtidifotia , Butea frondosa , Emblica
otTicinalis (diese Euphorbiacee ist der häufigste Baum der Savane und
verwandelt nicht selten die öde Ebene in.den ÜAhilus d6»FAi?41aQ4fi«)i
Albizzia stipulata und procera. »Äa^iifQt^äo v»««s// ntl . .i.Mt;
7. Waldinseln der Alang-Savane. Dies sind kleine,
gedrängte, dichtbelaubte Gehölze , wo die Bäume selten höher als 30
Fuss werden, von der Savane umschlossen, also ihr vielmehr als un-
tergeordnete Bildung zuzurechnen , aber in anderen Fällen auch als
ein selbstständiger Uaumgürtcl zwischen ihr und dem Urwalde einge-
ordnet. Der wichtigste, oft allein herrschende Bestandtheil ist ßam-
busa, wodurch diese Formalion mit der der Gebangpalmen (4) ver.f
knüpt ist (ß. Blumeana, vulgaris, Bitung). Uebrige Glieder: Bäume
aus den Familien der Urliceen (Covellia microcarpa und paniculata),
Leguminosen (Bauhinia tomentosa und acuminata , Piliostigma acidum),
Ebenaceen (Diospyros melanoxylon und frutescens), Olacineen (Stemo-
nurus javanicus), Euphorbiaceen (Rottlera tomentosa und floribunda, die
zu den häufigsten gehören), Pandaneen (z. B. P. lalifolius), Palmen
(Wallichia Oranii, Licuala spectabilis und 4 andere Arten, Drymophioeus
Zippelii, sämmtlich von geringer Stammhöhe); Sträucher, namentlich
eine Sapindacee (Schmidelia litoralis) , eine Apocynee (Carissa Caran-
das), eine Rubiacee (Canthium horridum), Bhamneen (Rhamnus leprosa,
Zizyphus Napeca, üenoplia und xylopyrus), eine aromatische Verbena-
cee (Yitex trifoliata), Euphorbiaceen (Gelonium glomerulatum und spi-
catum), eine Celastrinee (Evonymus javanicus) ; Lianen der verschie-
densten Art, Synanthereen (Wollastonia montana, Vernonia cinerea),
eine Ranunculacee (Clematis smilacina), eine Apocynee (Vallaris Per-
gulana), Convolvulaoeen (Convolvulus angularis und peltatus, Argyreia
mollis), kletternde Farne (Lygodium circinalum und microphylluni)
eine Leguminose (Abrus precatorius), Passifloreen (iModecca oblusa und
cordifolia) , Rhamnecn (Samara scandens und racemosa) , Rubiaoeen
(Uncaria ferruginea , pedicellata und acida) , Hippocrateaceen (Salacia
ip., Hippocralea indica), eine Bambus -Liane (Nastus Tjangkorreh) ; aU
338 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Parasiten besonders Loranlhaceen (S. 245) ; endlich Scitamineengebüsch
(Coslus speciosus). — Die Ufer der Flüsse und ßäclie sind von Ge-
sträuch eingefasst: ßuddieja asialica, Mussaenda glabra, Ficus Loa.
8. Savane mit kurzem Grasrasen. Auch diese Forma-
tion ist nur eine untergeordnete Bildung der Alang -Savane: sie ent-
steht durch anhaltendes Weiden des Viehs in den Alangfeldern (S. 2l4).
Die vorherrschenden Gräser sind : Chloris barbata, Eleusine indica, Poa
amabilis , Zoysia pungens und Andropogon acicularis. Die Nebenbe-
slandlheile bestehen grösstentheils aus Kräutern , die zum Theil am
Grunde verholzen: Leguminosen (Mimosa pudica, Aeschynomene in-
dica, Smithia javanica, Cassia Tora, pumila und angustissima , Crolala-
ria striata, Alysicarpus nummularifolius, Desmodium triflorum) , IVlalva-
ceen (Sida acuta u. a. , Urena repanda, Hibiscus callosus und hirtus) ,
Oxalideen (Oxalis repens und sensitiva), Commelyneen (Commelyna
bengalensis und salicifolia) ; aus anderen Familien Euphorbia thymi-
folia , Xanthium inaequilaterum, Mimulus javanicus , Lippia nodiflora,
das strauchartige Solanum saponaceum, Celosia argentea, Kyllingia len-
cocephala). — Diese Grasmatten gehen auf geneigtem Doden, nament-
lich an der unteren Waldgrenze, in Gesträuchformalionen über, die
entweder dichte Gebüsche bilden und dann vorzüglich aus Sapinda-
ceen, so wie aus einem Phyllanthus bestehen (Yilenia edulis, Schmi-
delia racemosa, Allophyllug javensis , sessilis, ligustrinus und fulviner-
vis, — Phyllanthus rhamnoides), oder in mehr vereinzeltem Wachsthum
durch Desmodium -ähnliche Leguminosen bezeichnet sind: (Uraria cri-
nila und lagopodoides, Dendrolobium cephalotes, Flemingia lineata und
strobilifera , Desmodium gyroides u. a.). — Die zur Weide dienenden
Grasplätze bei den Ortschaften sind ebenfalls an Gesträuchformen kennt-
lich (Melastoma polyanthum — dies ist der in Java am allgemeinsten
verbreitete Strauch — , Psidium Guajava, Leea sambucina, Cassia timo-
rensis, alata und occidentalis, Calotropis giganiea: mit diesen wachsen
Arien von Urtica und Aroideen : Amorphophallus in Gemeinschaft).
An feuchteren Orten werden die Gräser zum Füller geschnitten (Paspa-
lum, Poa, Spartina pubera, — Fuirena quinquangularis).
9. Waldungen des trockenen Kalkbodens: ein Ge-
misch von Bäumen und Sträuchern ohne geschlossenes Laubgewölbe.
Bäume: Slerculiaceen (Sterc. nobilis , subpeltata und javanica) , eine
ßyttneriacee (Visenia indica), eine Euphorbiacee (Rottlera Blumei),
eine Apocynee (Kixia arborea), zwei Cassien (G. Fislula und javanica),
eine Lylhrariee — einer der wenigen Bäume Java's, der periodisch,
zur Zeit ^er Blülhe , das Laub abwirft — (Adambea glabra), Dille-
niaceen (Colbertia obovala, Dillenia speciosa); Slräucher: Älemecylon
(i\L floribundum) , Boehmeria (B. incana)^ Acacia (A. pluricapitata) und
ein Croton (C. Tiglium) ; Lianen: Rolang-Palmen (Calamus ornatus und
ciliaris) , Jasminum (z. B. J. scandens), Cissus (C. involucrata), eine
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 339
Leguminose (Derris mulliflora) , Asidepiadeen (z. B. Secamone lancco-
lata), zahlreiche Cucurbitaceen (Momordica, Coccinia, Bryonopsis, Ery-
Ihropalum, Trichosanthes), in Osljava eine Passiflora (F. liorsfieldii) ;
die Parasiten sind vorzüglich Loranthaceen und dieselben, wie in den
Waldinseln der Savane ; charakteristisch ist auch durch geselliges
Wachslhum ein kleiner Farn (Polybolrya aurita). — Eigenlhümlich ist
die Vegetation der Kaliifelsen, an deren Absturz Ficus-Bäume ihre Wur-
zeln befestigen, während kletternde Piperaceen und andere Lianen an
ihnen emporranken und saftige Begonien aus den Vertiefungen hervor-
sprossen (ürosligma birorne; Ficus Remblas, gibbosa u. a , Chavica sar-
mentosa, officinarum u. a. , Clematis Junghuhniana, Cissus, Entada scan-
dens ; Begonia erosa, mehrere Argostemma-Arten). — Auf fruchtbarem
Boden entsteht zuweilen in Folge der Waldverwüstung eine gesellige
Vegetation von Musa, eine noch unbestimmte Art, die an der unteren
Blattfläche Wachs secernirl, welches technisch benutzt wird fS. 246).
10. A c a c i a - W a 1 d , die erste F'ormation hochstämmiger Bäume
Sie entspricht ebenfalls dem Kalkboden und bildet weitläuftige Wal-
dungen, besonders an der Südküste von Jogjakerta , welche aus vier
geselligen Arten zusammengesetzt sind (Albizzia stipulata und procera,
sodann A. tenerrima und Acacia alba). Sie wachsen unvermischt mit
anderen Bäumen, frei von Lianen und Parasiten : der Boden des Wal-
des ist Grasmatte. Der Weru-Baum (A. procera) erinnerte wegen der
weisslichen Rindenfarbe den Reisenden an die BirUe des Nordens.
11. I)jati-Wald, d. h. Teakwald aus Tectona grandis. Die-
ser Baum verdrängt von dem trockenen 'fhon- oder Sandboden, den
er aufsucht, fast alle anderen Bäume. Im westlichen , „höher liegen-
den feuchteren" Gebiete der Insel wird er nicht gefunden, sondern nur
im östlichen Tieflande, unter dem Niveau von 500', einem heissen und
relativ trocknen Klima entsprechend. In den trockensten Monaten dts
Jahres , vom Juli an verliert der Teakwald sein Laub , das erst am
Schlüsse der Regenzeit, im Alärz und April sich wieder entfaltet. Der
Wald ist hier nicht hoch, im Durchschnitt 50 bis 60 Fuss, die Stämme
oft krumm gebogen , in ein weitläufiges Astsystem getheilt. Lianen
kommen fast niemals vor und auch das Unterholz ist sparsam ; kleines
Gesträuch bedeckt nebst hoch aufgeschossenem Grase den Boden.
12. Tropischer Mischwald. Es herrschen Ficus-Arten
und Anonaceen , unter den Lianen stachelichte Rotang - Palmen , den
Boden charakterisiren saftige Scitamineenrasen von 8 bis 12 Fuss Höhe.
Die liestandtheile sind weniger genau bekannt, als in den übrigen For-
mationen. Die durchschnittliche Höhe des Waldes beträgt 70 bis 80 Fuss,
einzelne Bäume ragen um y^^ oder *J^ aus der Reihe der übrigen hervor.
Die Bildung strahlenförmig geordneter Leisten am Grunde des Stammes ist,
wie in den brasilianischen Urwäldern, häufig zu bemerken. Eigen-
Ihümlicher sind die FIcchlwerkc und gilterähnlichen Gestaltungen der
340 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Luftwurzeln bei den Feigenbäumen (S. 258). üebersicht der wichtig-
slen Bestandtheile. Bäume : ürliceen (Ficus elaslica, involucrata, con-
sociata, sundaica, rubeseens, pisocarpa, Urostigma benjamina), Anona-
ceen (Michelia longifolia, montana , velulina und pubinervia , Aroma,
dendron elegans , Uvan'a polysperma und Burahol) , sodann Myrlaceen
(Stravadium excelsum , Barringlonia speciosa) , Dilleniaccen (z. B. Ca-
pellenia multiflora) , Tiliaceen (z. B. Columbia javanica) , Rubiaceen
(z. B. Kauclea lanceolata), Terebinthaceen (z. B. Semecarpus Anacar-
dium), Ebenaceen (z. B. Diospyros cauliflora), ferner Apocynecn (z. B.
Orchipeda foetida), Bignoniaceen (z. ß. Calosanthes indica), Rhamneen
(z. B. Strombosia javanica) , Sapindaceen (z. B. Xerospermum Koron-
hianum), Leguminosen (z. B. Pterocarpus indicus) , Hernandia (H. so-
nora), einzelne Myristiceen (Myristica iners, laurina und javanica) und
DipterokarpecH (sporadisch Diplerocarpus litoralis, gracilis, Hasseltii und
Spanoghei), wenige Laurineen (Dehaasia microcarpa, cuneata u. a.), endlich
Amentaceen (Quercus encleisacarpa, die J. für generisch verschieden er-
klärt). Die über das geschlossene Laubdach hervorragenden Riesenbäumc
gehören zu den Sapoleen (Mimusops acuminala), Bignoniaceen (Spalhodea
gigantea) und Sapindaceen (Irina glabra). Dem östlichen Java eigenlhüm-
liche Bäume: ans den Urticeen (Antiaris toxicaria, Artocarpus venenosa),
Sterculiaceen ( Pterocymbium javanicum ) , Anonaceen (Sarcopelalum
Horsfieldii), Datisceen (Telrameles nudiflora). -— Sträucher und Unter-
holz : aus den Anonaceen (Gualteria, Bocagea, Polyalthia, Unona dis-
color), Rubiaceen (Pavetta sylvatica) , Apocyneen (Alyxia stellala),
Laurineen (Cinnamomum camforatum), Urticeen (Boehmeria odonto-
phylla, sanguinea u.a.); Palmen (Pinanga javana, Arenga oblusifolia) ;
Scitamineenform (Alpinia hemisphaerica , pallida, Blumei, Canna cocci-
nea und speciosa); Pisangform (Musasp.); Pandanusform (P, latifoJius
und Samak). — Lianen : Rotang-Palmen (Ceratolobus glaucesccns, Dae-
monorops accedens und melanochaetes, Calamus viminalis, equestris
und rhomboideus), Ampelideen (Cissus thyrsiflora, mutabilis u. a.),
Leguminosen (Bauhinia purpurea und corymbosa) , Piperaceen (Piper
arborescens) , Anonaceen (Uvaria javana, rufa u. a.), Asclepiadeen
(Otostemma lacunosum, Aeanthostemma Hasseltii und puberum, Hoya
coronaria und macrophylla), Aroideen (z.B. Aglaonema simplex), eine
Orchidee (Erylhrorchis allissima). — Parasiten : zahlreiche Farne (z. B.
Acrostichum nummularifolium , Kiphobolus elongalus, Polypodium Gau-
dichaudii , Platycerium biforme) , einige Orchideen (z. B. Phalaenopsis
amabilis), — Schaltengewächse des Bodens : Farne (z. B. Polypodium
longissimum), Nepenthes (N. phyllamphora) , Balanophoren (B. »luta-
cea), Rafflesicn (R. Palma, Brugmansia Zippelii). Gramineen fehlen
dem Boden, wie unter den Riesenbäumen die Palmen hier nicht ver-
treten zu sein scheinen; auch Farnbäume werden nicht erwähnt.
IL 2000'— 4500'. Da das höhere Gebirge von Java aus einer
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 341
Reihe von vulkanischen Kegeln besteht, so ist die räumliche Entwik-
kelung der oberen Regionen im Verhältnisse zum TieQande eine sehr
beschränkte und schon von dieser zweiten Region schätzt J. das Areal
fünfzigmal kleiner, als von der ersten (S. 269). Der Roden ist ferner
in den meisten Füllen stark geneigt und im Gegensatze zu den man-
nigfalhgeren Erdkrumen in neplunischen Gebilden und Alluvien des lie-
feren Landes allgemein als ein vulkanischer Verwitlerungsboden von
hoher Fruchtbarkeil zu bezeichnen. In klimatischer Beziehung ist die
zweite Region, die noch unter der Grenze der täglich sich bildenden
Gehirgswolken liegt, durch die grösste Intensität der athmosphärischen
Niederschläge ausgezeichnet (S. 277).
1. Savanen-Abhänge. Die Savane entsteht auch hier in
Folge der Uullur und besitzt nur wenig eigenlhümliche Formen. Der
Boden ist ebenso, wie in der unteren Region, mit Alang» oder mit
kurzem Grase bedeckt, aber anscheinend reicher an Stauden (unter
diesen sociell Artemisia indica S. 313) und unter den Holzgewächsen
treten einige neue Beslandlheile auf, namentlich, dem feuchteren Klima
entsprechend, die Form der Farnbäume (Alsophila contaminans u. a.
(S. 308). Andere bemerkenswerthe Restandlheile der Raum- und Ge-
slräuchgruppen sind: Ficus fulva und elegans, Melastoma erectum und
asperum, Rauhinia hirsuta ; als Liane Clematis coriacea; al9 Schatten
pflanzen Curcuma longa und Zerumbet.
2. Tropischer Mischwald, in Westjava besonders
durch die Rasamalabäume charakerisirt (Liquidambar Al-
tingiana, vergl. Jahresb. f. 1844. S. 53). J. vermuthet, dass in dieser
Region die iMannigfaltigkcit der Baumarten noch grösser sei, als in der
unteren : die Physiognomie des Waldes ist wenig verändert. Ueber-
sicht der wichtigsten Restandlheile. Räume: Urticeen (die Ficus-Arlen
sind auf den unteren Theil der Region, auf 2000' bis 3000', beschränkt
und werden hier vertreten durch F. valida, thcolor , brevipes, oligo-
spcrma , adhaerens und leucoptera ; nur F. ceriflora J. — Syn. F. gum.
mitlun i\liq. — ein Raum, dessen Milchsaft ein reines Wachs in Menge
liefert, findet sich zerstreut durch die ganze Region) ; Myrisliceen (M.
glabra, spadicea, llorsfieldii, glauca u. a.), Elaeokarpeen (E. resinosus),
Sapoteen ( Millingtonia lanceolata, ferruginea und sambucina) Anona-
ceen (Uvaria monlana und rugosa, Gualteiia lateriflua), eine baumar-
tige Synanlheree mit 50' hohem Stamm, (Yernonia javanica), Rubia-
ceen (z. R. IVauclca morindifolia) , Euphorbiaceen (llomalanlhes Le-
schenaulliana , Pachystemon trilobus , Rolllera opposilifolia, Elaterio-
spermum Tokbrai), Apocyneen (Kopsia aiborea), Loganiaceen (Fagraea
lanceolata, speciosa und obovato-javana, von denen die erslere oft ei-
gene Waldbcslände (ür sich bildet) , Magnoliacecn (Michclia Doltsopa),
Ternstroemiaceen (Gordonia Wallichii oder der Puspa-Raum , ne-
ben dem Rasamala der häufigste Baum dieser Region, G. cxcelsa, Py-
342 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
renaria serrala), eine Zanlhoxylee (Bischofia javanica), eine Byllneria-
cee (Fterospermum lanceifolium), Leguminosen (Pithecolobium Clypea-
ria und Junghuhnianum), endlich Amentaceen (Quercus : melirere Arten
der folgenden Region, die bis 3000' herabsteigen). — Die zu 150' über
den 80' hohen Wald hervorragenden Riesenbäume sind der Rasa mala
(s. 0,), ferner eine Terebinthacee (Canarium altissimum), eine Malvacee
(Thespesia altissima), Dipterokarpeen (D. Irinervis und retusus), Melia-
ceen (Epicharis densiflora): unter diesen sind die säulenförmigen Ra-
samala-Stämme die höchsten, ihre regelmässige Gestallung schützt sie
durchaus vor den Parasiten, ihre Stärke auch vor den meisten Lianen;
in Osljava , vv^o sie fehlen , findet sich in dieser Region kein gleich
charakteristischer Baum , wiewohl für einen bestimmten Berg daselbst,
den Seraeru, als Vertreter eine 60 bis 70 Fuss hohe Bambuse erwähnt
wird, die eigene Wälder zusammensetzt, wie derRasamala. — Sträucher
und Unterholz, zu einem undurchdringlichen Zweig- und Laubdickicht
zusammentretend , die Rubiacen und sodann Urticeen und Myrsineen
vorherrschend : Rubiacecn (z, ß. Pavetla macrophylla und odorata,
Ixora salicifolia und javanica, Mephitidia cyanocarpa, laevigala, slerco-
raria, Axanthes macrophylla, Stylocoryne fragrans, Kauclea purpurascens
und obtusa) , Urticeen (Leucocnide candidissima und alba, Boehmeria
nivea, diversifolia und clidemioides, Ficus scaberrima) , Myrsineen (Ardi-
sia speciosa, marginale, semidentata, stylosa und laevigata), eine Verbc-
nacee (Gumira foetida) , eine Leguminose (Bauhinia tomentosa) , eine
Polygalee (Polygala venenosa), eine Sapindacee (Lepisanlhes montana),
Chloranthus (Chi. officinalis) ; Palmen, 20 bis 25 Fuss hoch (Pinanga
Nenga, costala, lalisecta, noxa und coronala , am häufigsten P. Kuhlii,
nur 3' hoch Areca pumila) ; Farnbäume (Alsophila debilis, robusta und
conlaminans) ; Pisangform (Musasp.); Scilamineenform (Alpinia cernua,
coccinea und speciosa ; Umbelliferenform (Horsfieldia aculeala, ein den
Araliaceen ähnlicher mannshoher Halbstrauch). — Lianen : Cissus und
Rotang. Palmen herrschend (Cissus dichotoma und papulosa — Calamus
adspersus und heteroideus , Pleclocomia elongata, Daemonorops ruber
und oblongus), sodann Leguminosen (Bauhinia fulva), Hippocrateaceen
(H. Glagah), Passifloreen (z. B. Modecca acuminata), Asklepiadeen (Cen-
Irostemma coriaceum, Acanlhostemma longifolium und pictum, Tylo-
phora villosa und cissoides), Pandaneen (Freycinetia Gaudichaudii und
scandens). — Parasiten: Pilze sind hier am häufigsten (zu den grösse-
ren und ausgezeichneteren gehören Thelephora princeps und ostrea, Cy-
matoderma elegans, Xerotus indicus , Polyporus >anlhopus und amboi-
nensis, neben europäischen Formen, wie P. fomentarius); die Farne und
Orchideen sind nicht so mannigfaltig, wie in der dritten Region, aus der
erstcren Familie die auf dem Boden wachsenden Formen zahlreicher
(unter den parasitischen z. ß. Niphobolus fissus , Anlhrophyum Borya-
nom, Acrostichura sp., sodann Lycopodium plegmaria, unter den Orchi-
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 343
deen z. ß. Cyrtosia javanica) ; Aroideen (Pothos scandens); Piperaceca
(Piper Chaba, sulcalum und nigrescens). — Schallengewächse des Erd-
bodens : Farnkräuter höchst mantiigrallig (z. 13. Angiopteris erecta,
Gleiehenia Hermanni, Grammitis Tolta , Aspidiuin), Lykopodiaceen (L.
atroviride und cernuum, sociell und hier gleichsam die fehlenden Gra-
mineen vertretend), eine Labiale (Sculellaria indica) , eine Scrophula-
rinee (Loxolis obliqua), sehr häufig eine Impaliens (I. leptoceras), Cyr-
tandraceon (Cyrtandra pilosa, nemorosa und coccinea , Aeschinanthua
pulcher, radicans und longiflorus), Nepenthes (N. gymnamphora), Com-
melyneen (Pollia elegans und thyrsiflora), eine Asparagee (Dianella
montana), eine Rafflcsia (R. Rochussenii). Auf dem Boden gefällter
Wälder entwickeln sich sociell : Lactuca indica und longifolia, Bidens
leucanthns, Ageratum conyzoides und Calanchoe pinnata , die einzige
Crassulacee Java's.
III. 4500'- 7500'. Die Bedingungen der Vegetation sind fast
dieselben , wie in der zweiten Region , das Areal natürlich ausseror.
dentlich viel eingeschränkter. Dies ist die Region der Wolken, wo
sich täglich Nebel bilden, welche gewöhnlich in Gewittern sich auf-
lösen, so dass die Nachmittagssonne wieder frei wirken kann. Plebel
und Thaubildungen befeuchten die Pflanzen hier in höherem Grade, als
die Niederschläge, die io der zweiten Region intensiver sind.
1. Wald aus Eichen, Laurineen und Podokarpus,
letztere Form in Osfjava kaum vertreten. Es sind jedoch die Eichen
und Laurineen nicht als isohypsil anzusehen und es möchte daher viel-
leicht nalurgemäss sein , die Regionen der Amentaceen und Laurineen
von einander abzusondern : die Eichen sind zwischen 3500' und 5500'
am häufigsten, die Laurineen zwischen 5500' und 5700' (S. 362) , letz-
tere vermischt mit Ternstroemiaceen (Saurauja). Die Mannigfaltigkeit
dor Baumformen vermindert sich in der dritten Region bedeutend, der
physiognomische Charakter des Waldes ist einförmiger , die Eichen ha-
ben eine übereinstimmende, ganzrandige Blattbildung, die Coniferen
vertreten durch die ganze Region, indem sie durch höheres Wachsthum
die übrigen Bäume überragen, eine ähnliche Stellung, wie der Rasa-
mala in der zweiten Region. Uebersichl der Bestandlheile. Bäume:
Amentaceen (Quercus mit 25 Arten, von denen einige eine weite ver-
tikale Verbreitung haben, wie Q. sundaica, die wahrscheinlich mit der
an der Küste von Sumatra wachsenden Eiche (Jahresb. f. 1846. S. 41)
identisch ist, während im östlichen Java Q. pruinosa, die J. für eine
Form derselben Art hält, bis 9000' ansteigt; Castanea javanica, argen,
tea und Tungurrul, Lilhocarpus javensis), Juglandeen (Engelhartia 4 sp.)
eine Meliacee (Harligsea Forsteri), eine Acerinee (A. javanicum), eine
Leguminose (Pitheoolobium montanum), Laurineen (Telranthera rubra,
lucida, resinosa, angulata und elliplica, Polyadenia Madang, Phoebe
excelsa , Wastixia trichotoma und pentandra , Persea pseudosassafras,
344 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Daphnidium caesium, Litsaea triplinervis, Cinnamomum sulfuratuin, Sin-
toc und Kiamis) , Ternstroemiaceen (Saurauja leprosa , pendula, Blume-
aoa, nudiOora, cauliflora und bracteosa ; als zweifelhaftes Glied dieser
Familie im Eichenwalde Leucoxylon buxifolium); zwei hohe Palmen
(Caryola propinqua und furfuracea). — Die den Wald überragenden
Riesenbäume dieser Region gehören zu folgenden Familien: den Coni-
fcren (Fodocarpus latifolia, Junghuhniana, amara, bracteata und cupies-
ßina) ; Combretaceen (Agathisanlhes javanica) , Bixineen (Echinocarpus
Sigun), Cedreleen (C. febrifuga) , Memecyleen (M. grande, intermedium
und ferreum). — Sträucher und Unterholz , Melaslomaceen, Araliaceen
und Rubus herschend: Melastomaceen (Medinilla radicans ued plerocaula,
Alarumia muscosa, Kibessia azurea, Astronia spectabilis), Araliaceen
und Hederaceen (Sciadophyllum palmatum, tomentosum und divaricatum,
Paratropia nodosa und rigida, Arthrophyllum mit 3 Arten, Hedera aro-
matica, rugosa und glomerulata), Rosaceen (Rubus sundaicus, alpeslris,
lineatus, rosifolius, fraxinifolius und javanicus), Myrsineen (z. B. Ardi-
sia decus montis), eine Ericee (Rhododendron javanicum) , eine Myr.
tacee (Jambosa lineata) , Corneen (Cornus ilicifolia und caudata), Ru-
biaceen (Mephilidia lucida, rhinocerotis und hexandra), Urliceen (z. ß.
Leucocnide dichotoma), Scrophularineen (z. B. Buddleja Weemda), ein
Sambucus (S. javanica); Pandanusform (P. furcatus) ; Farnbäume (Cya-
Ihca oligocarpa und polycarpa , Balantium magnificum); Pisangform
(Musa sp.). — Lianen, an Menge abnehmend: Pandaneen (Freycinelia
imbricala, javanica, insignis und angustifolia) , eine Bambuse (B. ele-
gantissima), Ampelideen (z. B. Cissus compressa), Ranunculaceen (Cle-
matis javana und smilacifolia) , Asklepiadeen (Acanthostemma Kuhlii),
Rotang-Palmen (Calamus anceps, spectabilis und asperrimus). — Parasiten,
hier vom intensivsten Wachsthum, Farne und Orchideen nebst Moosen und
Lichenen herrschend, jede dieser Familien durch Hunderte von Arten
vertreten, die in den feuchten Moospolstern eine angemessene Unter-
lage finden: zu den ausgezeichnetsten Orchideen gehören Arachnanthe
moschifera , Aerides suaveolens , Grammatophyllum speciosum ; unter
den Farnen sind besonders charakteristisch Acroslichum gorgoneum,
AspleniumNidus, sodann Aspidium nereiforme, Davallia heterophylla und
pedala , unter den Lykopodiaceen Lycop. calaphractum , den Moosen
Hypnum, den Lichenen üsnea. — Schattengewächse des Erdbodens;
Acanthaceen (Strobilanthes speciosa, elata, imbricala, cernua und hirla),
Myrsineen (Ardisia villosa und pumila), Begonien (B. robusta und re-
panda) , ein Solanum (S. fistulosum), Rubiaceen (Argoslemma monla-
num, Ophiorrhiza sanguinea und longifolia), Melastomaceen (Sonerila
lenuifolia und heterophylla), eine Impatiens (L javensis), eine zwei-
felhafte Saxifragee (Astilbe? speciosa J. = Spiraea ol.) ; ürticeen (z.
B. Elatostemma paludosum), eine Gunnera (G. macrophylla), eine Col-
chlcacee (Drapiczia multiflora) , Balanophoreen (B. globosa, Rhopalo-
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 345
cnetnis phalloides) ; auch die Zahl der auf dem Erdboden vegetirenden
Farnkräuter und Moose ist sehr belrächllich («. B. Polypodium conju-
galum, Horsfieldii und dipteris , Gleichenia longissima, Campteria sp.,
Gymnogramme obtusata — Lycopodium curvalum — Hypnum Rein-
wardlii, Junghuhnii und divaricatum).
2. Anggring-Waid. Der Anggring ist ein niedriger ürliceen-
baum (Parasponia parviflora Miq. = Cellis monlana J. ol.) , welcher
am Merapi und am Kelut eine eigene Waldregion bildet, die zwischen
der Eichenregion und den Ericeenslräuchern der vierten Region einge-
schaltet ist und demnach hier die Laurineen zu vertreten scheint.
3. Tjemoro- Wa Id. Tjemoro heisst die Casuarina Junghuh-
niana, die in üstjava die Podokarpen ersetzt, aber nicht wie diese, von
F^aubholzbäumen begleitet wird (vergl. Jahresb. f. 1844. S. 55). Der
Baum selbst, 80 bis 90 Fuss hoch sich erhebend, tragt weder Lianen noch
Parasiten: nur Usneen hängen von seinen Zweigen herab; auch der
Erdboden entbehrt des üppigen Wachsthums der Schattengewächse.
Die Region der Casuarinen wird jetzt von J. genauer auf das Niveau
von 4500' bis 9500' bezogen.
4. iSavane, von geringer Ausdehnung besonders an Seeen
und Sümpfen entwickelt. Die herrschenden Formen sind Gräser und
einige Cyperaceen , von Sumpf- und Wasserpflanzen begleitet (z. B.
Nasturtium indicum und ofGcinale , Falcaria laclniata , Myriophyllum ,
Potamogelon indica , Acorus Calamus, Xyris macrocephala, Equisetum
virgatum und iaxum , Chara ; auf trockenerem Boden steigen manche
Stauden aus europäischen Gattungen, die in der vierten Region heimisch
sind, hier in ein tieferes Kiveau herab.
IV. 7500'— 10000'. Bei steilerer Böschung und trockenerer Luft
geht die Bildung der Erdkrume hier langsamer von statten. Die Trok-
kenheit ist nicht bloss eine Folge des Niveau's, sondern stehtauch in
Verbindung mit dem Charakter der Luftströmungen. Man unterschei-
det in den unteren Regionen von Java eine nasse, in den Monaten vom
December bis März am stärksten ausgeprägte Jahreszeit, die dem als-
dann herrschenden Nordwest- oder West-Mousson entspricht, von den
trockenen Monaten Juli und August, zu welcher Zelt der Sudost-Passat
die westlichen Winde allgemein zurückgedrängt hat (S. 162 u. f.): aber
auch der Passat entladet, wo er als Seewind ein Gebirge, wie in Java,
trifft, atmosphärische Niederschläge, und der grösste Theil der Insel
besitzt daher ein ewig feuchtes Aequatorialkllma. Allein in den obe-
ren Regionen , wo weniger abkühlende Kräfte auf die Luftströmungen
einwirken können, weil der Erdboden auf kleine Dimensionen zurück-
geführt ist, würde der Gegensatz zwischen einem an sich feuchten
Mousson und einem seiner Kichlung nach trockenen Passat hervortre-
ten müssen , wäre nicht auf Java der Mousson ein auf die unteren
Schichten der Atmosphäre beschränkter Wind, dessen EinQass gchoq
346 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
bei 5000' Elevation aufhört. In den oberen Regionen herrscht demnach
,das ganze Jahr hindurch der Südoslpassat des indischen Meeres und
dieser entwickelt oberhalb der Wolkengrenze, d b. über dem Niveau,
wo die Ausdehnung des Bodens auf den Wasserdampf von Einfluss ist,
seine natürliche Trockenheit. Aehnliche klimatische Verhältnisse lie-
gen dem Gegensatze zwischen dem trockeneren Osten und dem feuch-
teren Westen der Insel zu Grunde: denn in Ostjava, wo die vulkani-
schen Kegel sich einzeln aus dem Tieflande erheben, ist bei gesteiger-
ter Höhe der Gipfel die Masse des Gebirgs weniger ausgedehnt, als in
Wesljava, dessen Gesammterhebung bedeutender ist (S. 271).
1. Agapetes-Wald. Die vierte Region besitzt einen eigen-
thümlichen Wald , durch gebogenes Wachsthura an die Krummholzbil-
dungen erinnernd, aber durch die 15 bis 20, zuweilen bis 30 Fuss ho-
hen, schirmartig ausgebreiteten Laubkronen eine intensivere Lebens-
kraft andeutend, wo Ericeenbäume herrschen, nordische Geschlechter
vertreten sind und die Formen des feuchten Klima's , die Farne und
parasitischen Orchideen aufhören. Uebersicht der Bestandtheile. Bäume:
Ericeen (mehrere Arten von Agapetes , unter denen A. vulgaris J. ,
wahrscheinlich eine der Blume'schen Thibaudien, vorherrscht und über-
haupt der häufigste Baum der Region ist) , eine Myrlacee (Leptosper-
mum floribundum J. = L. javanicum und alpestre Bl. , in Wesljava
allgemein verbreitet), in Ostjava eine die letztere vertretende, gesellige
Sapindacee (Dodonaea raontana J.), ebenfalls gesellig eine Leguminose
(Albizzia montana) und eine 20 bis 25 Fuss hohe Synantheree (An-
tcnnaria javanica) ; Ternstroemiaceen (Eurya tristyla, conocarpa und ßlu-
meana, Dicalyx costatus, sessilifolius und ciliatus), eineTiliacee (Acro-
nodia punctata), eine Rosacee (Photinia integrifolia), eine Myrica (M.
javanica), eine Hydrangea (H. oblongifolia), Caprifoliaceen (Viburnum
monogynum und coriaceum), eine Myrsinee von beschränkter Verbrei-
tung (Myrsine Korthalsii ) ; Farnbäume (Alsophila lanuginosa J. =
Chnoophora ol., der höchste, bis zu 50 Fuss sich erhebende Baum der
Region und der höchste Farnbaum Java's, dessen geringe Laubfülle dem
trockeneren Klima angepasst erscheint). — Unterholz: Ericeen (Rho-
dodendron retusum und tubiflorum, Gaultheria repens, punctata und leu-
cocarpa), Rubus (z. B R. alpestris, lineatus, pruinosus), Hypericum (z.
B. H. patulum), Lonicera (L. Loureiri und javana), Berberis (B. xan-
thoxylon) , Polygonum (F. paniculatum und corymbosum) , Antennaria
(A. saxatilis), Hedera (z. B. H. rngosa und glomerulata); — Myrsineen
(z. B. Ardisia laevigata). — Lianen, kaum angedeutet durch Gleirhe-
nia volubilis J., Lygodium tenue und in Ostjava durch Clematis Lesche
naulliana. — Parasiten: die Usneen hier am häufigsten, Laubmoose und
Farne durch liefen Waldschalten auch noch begünstigt (unter den letz-
teren z. B. Grammitis fascicularis und hirta , Acrostichum sp.). —
Schattengewächse: Impatiens (I. javensis), Sanicula (S. montana), ein
i
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 347
Genlianee (Ophelia javanica) , Galium (z. B. G. javanicum), Synanihe-
reen (Myriactis javanica und pilosa) ; Farne (Blechnum Orientale, —
Lycopodium rigidum) ; Balanophoren (B. elongala und maxima). An-
dere Kräulerformen hat der Wald mit der alpinen Savane gemein, wes-
halb J. beide Formationen als eine einzige auffasst (S. 431).
2. Alpine Savane. üie vierte Region ist neben den Stau-
den aus nordischen Gattungen besonders durch nahrhafte Gräser aus-
gezeichnet, welche das Rhinoceros auf die höchsten Berggipfel führen,
die dieses Thier, indem es sich l'fade durch den dicht verwachsenen
Wald bricht, leicht zugänglich zu machen pflegt. In Osfjava sind die
herrschenden unter den Rasen bildenden Gräsern Festuca nubigena J.
und Ataxia Horsfieldii: die letztere besitzt einen ähnlichen Wohlge-
ruch, wie das verwandte Anthoxanthum. Stauden: Plantago (P. asia-
tica), Ranunculaceen (Ranunculus javanicus und prolifer, Thalictrum
javanicum), Umbelliferen (Hydrocotyle podanlha und asiatita, Pimpi-
nella Pruatjan und javana) , Viola (V. serpens , pilosa, alata und sar-
menlosa), Fragaria (F. indica), Valeriana (V. javanica), Echinospermum
(E. javanicum), Alchemilla (A. vulcanica) , eine Orchidee (Thelymitra
anguslifolia) ; Synanthereen (Gnaphalium javanum, Dichrocephala chry-
sanlhemifolia, Senecio pyrophilus), Wahlenbergia (W. lavandulifolia),
Gentiana (G. quadrifaria) , die einzige Epakridee Java's (Leucopogon
javanicus).
3. Farnvegetation der Krater e. Auf Felsboden, in der
Kähe der Kratere, nicht selten von ihren Dämpfen erwärmt und be-
feuchtet, wächst eine Menge von Farnkräutern und Lykopodiaceen.
Beispiele: Gleichenia vulcanica und veslita , Acroslichuni callifolium
Polypodium rupestre und vulcanicum, Lycopodium trichiatum, sabinifo-
lium, vulcanicum und javanicum.
Die natürlichen Pflanzenformationen Java's werden auf dem Al-
luvialboden des Tieflands an räumlicher Ausdehnung von der Kultur-
fläche weit überlroff"en (S. 166). Das vollständige Verzeichniss def
Kulturgewächse, welches J. mittheilt,ist zu reichhaltig, um es hier voll-
ständig wiederzugeben: ich muss mich auf einige wenige Einzelnhei-
heiten einschränken. Die Hauplnahrungspflanze Java's ist der Reis,
der hier auch in trockenen Feldern gebaut werden kann. Die Ort-
schaften sind stets von einer mannigfaltigen ßaumkultur begleitet, sie
liegen versteckt in einem Hain von Bäumen, unter deren die Tamarinde
und Canarium commune durch Grösse und schattendes Laubdach sich
auszeichnen und die Cocospalme nebst der Areca Catechu, so wie die
Arenga saccharifera nicht fehlen. — Java's Pflanzenprodukte für den
europäischen Älarkt sind folgende: in der heissen Region Indigo (In-
digofera caerulea und linctoria), Zuckerrohr, Zinimet (Cinnamomum zcy-
lanicum 0'-l500'), Tabak ;0'-7000'"), Pfeffer (Piper nigrum, wenig gebaut,
wichtig für Sumatra), Cochenille (besonders auf Opuntia crassa erzeugt),
348 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Teakholz (s. o.); in der zweilen Region Kaffee (s. Jahresb. f. 1844.
S. 55) und Thee (in gleichem Niveau , zwischen 3000' und 4000' ge-
baut, aber bekanntlich ein schlechtes Produkt lieFernd).
Sowohl bei den Kulturpflanzen als auch, so oft es möglich war,
bei den einheimischen Gewächsen Java's hat J. stets die javanischen
Warnen angegeben, wodurch sein Buch, um in die Systematik der Flora
einzuführen, am Brauchbarkeit sehr gewonnen hat.
~9il Von den systematischen Ergebnissen aus den Sammlun-
gen Jungh uh n's '^S) (Jahresb. f. 1850. S. 53) erschien die
zweite Lieferung, von den von R.Brown bearbeiteten, aus-
gewählten Pflanzen Java's ^^^) der Schluss. — Miquel setzte
seine Analecta ^^o) (s. vor. Jahresb. S. 46) fort: dies sind
Nachträge, in welchen auch einige neue Formen des ostin-
dischen Festlandes aus den Sammlungen von Metz enthalten
sind. — Einzelne Notizen zur Flora von Java und Sumatra
wurden von Hasskarl ^^i) mitgetheilt. — Berkeley ^^^)
bestimmte einige Pilze aus Borneo. — Kessel »^S) beschrieb
die schon von de Vriese erläuterte Gewinnung des Borneo-
kampfers, einen Gegenstand, den auch Sir W. Hooker ^3*)
durch neue Mittheilungen und durch Abbildungen von Dryo-
balanops Camphora und von dessen krystallinischem Sekret
bereichert hat.
Stocks *3^) beschrieb eine Reihe neuer Pflanzen aus
Beludschistan. Er bemerkt, dass die Flora dieses Landes eine
grosse Uebereinstimmung mit der des südlichen Persiens habe
und führt eine Anzahl von Arten an, die beiden gemeinsam
sind: auch gehören seine neuen Pflanzen fast ohne Ausnahme
Gattungen an, die im Orient reich vertreten sind.
^ HL Afrika.
Ueber die Zusammensetzung der Pflanzenformationen bei
Algier und Oran hat Reuter *36) einige Mitlheilungen be-
kannt gemacht. Die Umgebungen der Stadt Algier sind gros-
sentheils von Maquis (broussailles) bedeckt, die sich beson-
ders weithin über die Ebene der Mitidscha erstrecken und
deren Anbau erschweren. Die herrschenden Besfandlheile
sind : Genisteen (Genista tricuspidata und ferox , Calycotome
spinosa, Cytisus triflorus), Chamaerops, immergrüne Eichen
I
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 349
(Quercus coccifera und pseudococcifera) , Rhamnus Alaler-
nus, Pistacia Lentiscus und Phillyreen; auf den Hügelabhän-
gen eisten (C. helerophyllus und monspeliensis) und aroma-
lische Labialen (Rosmarinus , Lavandula multifida) nebst Ar-
temisia arborescens. — Bäume sind selten; Ceralonia, Olea,
immergrüne Eichen, in Thalgründen Ulmus, Populus albus,
Salix pedicellala: die Baumgruppen sind oft von Ricinus be-
gleitet und von Lianen bedeckt, von Clemalis cirrhosa, Rosa
sempervirens, Lonicera implexa, Smilax maurilanica^ Aristo-
lochia altissima, Convolvulus lucanus; auf den Opunlien ran-
ken Rubia longifolia und Ephedra altissima. Die Mitidscha
ist besonders reich an Zwergpalmen : an feuchteren Orten
findet sich daselbst der Zizyphus Lotus, der mit Asparagus
albus, Calycotome und Rubus fruticosus undurchdringliche
Dickichte bildet, während auf dürrem Boden die Maquis auch
mit Kräuterwiesen abwechseln. Die unteren Nordabhänge des
kleinen Atlas bei Blidah sind ebenfalls mit Maquis bedeckt,
die hier aus Viburnum Tinus, Cytisus triflorus und Erica
arborea, in den Thälern von Nerium und Salix pedicellala ge-
bildet werden: darüber folgen Wälder von immergrünen Ei-
chen, von Thuja articulata und auf den Höhen, von Ain-tel-
Azid tritt die atlantische Ceder auf. — Die Umgebungen von
Oran sind unfruchtbarer und weniger anziehend, die Höhen-
züge ohne einheimische Bäume, aber die Flora ist demunge-
achtet mannigfaltiger : Kräuterwiesen mit niedrigen Labiaten-
slräuchern , wechselnd mit Maquis und mit den Halophylen
der Salzseeen, kurz die Ungleichheit der Bodenverhältnisse
hat diesen Einfluss, der sich auch in der Vegetation des dür-
ren Felsbodens zu erkennen giebt; der grössere Reichthum
an Cistineen deutet auf die nähere Beziehung zu Spanien. —
Tlemsen, der westlichste Punkt der französischen Besitzungen,
den R. besuchte , gehört zu den interessantesten , weil hier
eine der Hauptstationen auf Desfontaine's Reise war. An
Fruchtbarkeit übertrifft sie die Gegend von Oran und besitzt
daher Bäume, namentlich Pistacia allantica. Die höhere und
durch Gebirge gegen Ost und Süd geschützte Lage entwickelt
hier eine grössere Reihe mitteleuropäischer Gewächse, die,
wie die nordischen Pflanzen bei uns, daselbst in einer frü-
350 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
heren Jahreszeit zur Entwickelung gelangen und, indem die
Fröhlingspflanzen ihre Phasen gegen den Winter weniger zu-
rückschieben, gleichzeitig mit diesen sich entfalten. — In
zwei Frühlingsmonaten (März und April) sammelte R. 700 Ar-
ten, von denen sich y^^ als unbeschrieben herausgestellt hat;
diese neuen Formen hat R. in Gemeinschaft mit ßoissier
in der schon oben erwähnten Schrift 99) publicirt.
Nach Schimper '^0 liegt die Baumgrenze in Abys-
sinien im Niveau von 11000': immergrün nennt er das Ge-
birge zwischen 6000' und 13000', während unterhalb dieser
Regionen die Vegetation durch den Wechsel der trockenen
und nassen Jahreszeit bedingt wird und während der erste-
ren die meisten Gewächse ihr Laub verlieren (8.234).
Seemann i^^) besuchte während seiner Erdumsegelung
auch die Kapstadt. Er bemerkt, dass bei der Befestigung des
Dünensandes Myrica cordifolia am Kap eine ähnliche Rolle
spielt, wie Carex arenaria in Europa, und dass zu demselben
Zwecke Mesembryanthemum edule daselbst angebaut wird.
Zeyher theilte ihm mit, dass die Aloe, nachdem Aloe ferox
selten geworden sei, jetzt vorzüglich von A. africana Mill.
gewonnen werde, so wie dass die Bukkoblätter hauptsächlich
von Diosma crenata und von Empleurum serratifolium ab-
slammen (p. 238).
Plant *39) besuchte von Port Natal aus das Gebiet der
nördlich von dieser Kolonie wohnenden Zulu -Kaffern und
drang bis zum 27° S. Br. vor. Seine Nachrichten über die
Vegetation dieser Gebirgsküste sind unbedeutend, er traf viel
Hochwald (Mimoseen, Ficus, Fächerpalmen) und eine Fülle von
schön blühenden Erdorchideen. Auch erwähnt er (p. 263),
dass die trockene Jahreszeit vom April bis Oktober anhält
und die Regenzeit im November und December, so wie zum
zweiten Male im März heftige Niederschläge bringt.
IV. Inseln des atlantischen Meeres.
Heer's Beobachtungen in Madeira ^'^°') (s. vor. Jah-
resb. S. 48) beziehen sich besonders auf die Zeit der Belau-
bung und des Blätterfalls von Eichen, Buchen und anderen
I
and systcirtaliidchcn Bölanik während des Jiahres 1852. 351
europäischen Bäumen auf einer InvScl , deren einheimische
HülzgcNvächse immer grün sind. Die Unterschiede, welche
zwischen jenen Vegeladonsperiodcn in ihrer Ileinialh und de^
nen auf AI«deira slallfinden, sind nicht so erheblich, als man
erwarten sollle , wenn man den Gang der Temperatur ver-
gleicht. Solche Thalsachen scheinen zu beweisen , dass die
Pcriodicitäl des Pilanzenlehens nicht allein durch die Wärme,
sondern zugleich durch Einflüsse bestimmt wird , deren Na-
tur uns unbekannt ist. — Von Lowe's Werk über Madeira
erschien eine neue Ausgabe ''0.
Eine werltivolle Bereicherung unserer Kenntniss der at-
lantischen Inselfloren verdanken wir dem W^Tke über den
Archipel des grünen Vorgebirgs von Schmidt ^^^}^ welcher
daselbst von Ende Januar bis Anfang April 1851 verweilte
und ein Herbarium von mehr als 300 Arten, vorzüglich auf
ß. Vincent und S. Antonio gesammelt hat, von denen etwa
j'/ia sich ihm als unbeschrieben herausstellte. Seiner systema^
:4isehen Bearbeitung der Flora der Cap - Verden hat er eine
ausführliche pflanzengeographische Arbeit über diesen Archi*-
pel vorausgeschickt. Die Anzahl der einheimischen Gefass-
jiflanaen (vergl. Jahresb. f. 1849. S. 51., wo 278 Arten an*-
gegcben wurden, die durch Nachträge • — Jahresb. f. 1850%
S. 61— auf 319 gestiegen waren) ist durch ihn bis auf 435
Arten vermehrt worden; die Zahl der endemischen Formen
beträgt jetzt 78 Arten, von denen nur 29 zwei oder mehre-
ren Inseln angehören, die übrigen nur auf einer einzigen
angelroffen sind.
Dass in der Breite der Antillen auf den Cap-Verdischen
Inseln die Ueppigkeil tropischen Pflanzenlebens durchaus ver^
misst wird , lässt sich zwar im Allgemeinen aus dem herr*-
schenden Passalwinde ableiten: allein, wenn wir die Höhe
der Inseln berücksichtigen, die in dem Ihätigen Vulkan von
Fucgo auf 7Ü00' steigt und auf S. Antonio ebenfalls über
6000' beträgt (S. 34) , und wenn wir erwägen , dass solche
Gebirgsmassen , vorausgesetzt, dass sie bewaldet sind, auf
anderen Inseln der tropischen Zone auch aus der seiner Richi*
tung nach trockenen Passatslrömung den W^asserdampf nie-
derschlagen und sich dauernd in Nebel und Wolken zu vec^
hüllen pflegen, so bieten uns die Cep-Vcrden ein ausgezeich»
Archiv f. Naturgescb. XIX Jahrg. 2 Dd. X
852 Griscbacli: Bericht üb. d. Lcislungcn in d. gcogrnpliischen
netcs Beispiel, dass der Mangel der Wälder, die auf einem
dürren, quellenlosen Vulkanboden nicht enistehen können,
beslimnicnd auf die Nalur der meteorologischen Bedingungen
des organischen Lebens einwirkt. So scheint Fuego, die ein-
zige grössere Insel, welche bis jetzt noch von keinem Bota-
niker besucht ward, da der Boden hier, durch häufig er-
neuerte vulkanische Ausbrüche überschüttet, der ernährenden
Erdkrume am meisten entbehrt, nach den Berichten der Be-
-Avohner, die pflanzenärmste aller Inseln zu sein, wo „nur zur
Regenzeit kleine Pflänzchen dem kahlen Fels entsprossen«
(S. 413. — Die schwache und zuweilen ausbleibende Regen-
zeit, die auf den Cap- Verden die herrschende Bedingung der
Vegetation ist und deren Dauer und Zeilpunkt früher nicht
genau bekannt war, hängt von dem Eintreten westlicher Winde
ab, die den Passat im Herbst eine Zeillang unterbrechen: sie
beginnt, nach S., zu Anfang August und dauert bis Ende Oclober
-(S. 8) , aber ihre Wirkungen auf das Pflanzenleben scheinen
erst in den folgenden Monaten hervorzutreten , bis im März
•der Boden wieder völlig austrocknet und die Vegetation nun
jenen Stillstand erleidet, der Brunner's frühere Reise verei-
telte. Die Untersuchungen D. Hooker's (im November) und
.des Verfassers (Januar — März) fielen daher in eine gün-
stige Jahreszeit. Das Gebirge hat der Letztere auf S. An-
tonio bis zur Höhe von 4500' kennen gelernt, die Pflanzen-
formationen auf den einzelnen, von ihm besuchten Inseln ab-
gesondert dargestellt.
S. Antonio, die nordwestlichste der Inseln (17^ N. Br.),
erhebt sich in schroffen Felsen aus dem Meere. Die Strand-
vegetation ist daher wenig entwickelt, sie besitzj neben ver-
einzelten Gräsern an Succulenten Zygophyllum simplex und
Aizoon canariense. Die Thäler sind oft wüste Steinfelder von
Basaltgerölle mit einer ziemlich mannigfaltigen, aber grossen-
Iheils nicht endemischen Vegetation, nur die Ufer der Bäche
mit lebhafterem Grün ausgestattet : der kultivirte Theil des
Bodens ist besonders durch Kaffee-Plantagen mit vereinzeilen
Agrumen, Pisang und Cocospaltnen charaklerisirt, so wie durch
Maisfelder und Zuckerrohr. — S. unterscheidet zwei Gebirgs-
:regionen:
^^^ L 0'— 1500'. I.Format, der straucharligen^ mit E. pisca-
und systematischen ßotnnik während des Jahres 1852. 353
loria verwandten) 3—8' hohen Euphorbia Tuckeyana, die vom
Psidium pomiferum, Anona Cherimolia^ Ficus Sycomorus, Ja-
Iropha Curcas und Gossypium punctalum bewachsene Abhänge
sdimückU — 2. Gesträuchformation von zwei endemischen
Synanlhcrccn (Nidorella Sleelzii 4—6' hoch und N. varia),
iiiil Lanlana Camara und Periploca laevigala vegetirend. —
3. Felspflanzen, eine mannigfallige Formalion, wo von ende-
mischen Arten namentlich auftreten : Sarcostemma Daltoni, wie
ein Tau in der Nahe des Meeres herabhängend, Lavandula
roliindifolia , Sinapidendron VogelÜ, Aeonium gorgoneum,
Echium hypertropicum, Campanula jacobaea, Phagnalon me-
lanoleucum, Rhabdotheca picridioides, Polycarpaea Gayi, Pa-
ronychia illecebroides, Micromeria Forbcsii.
II. 1500' -4500'. Diese Region zerfällt in zwei Ab-
Iheilungcn, in eine untere, die durch Synanlhereen und in
eine obere, die durch Labialen physiognomisch charaklerisirt
ist: die Grenze wird zu 2500' bis 3000' angenommen. Beide
Formationen besitzen gesellige Siräucher , aber die untere
mehr endemische, die obere fast nur eingewanderte Formen :
1. Conyza lurida , Inula leptoclada, Odonlospermüm Daltoni,
Rhabdotheca picridioides nebst Vernonia cinerea, Conyza Ihyr-
soidea und aurita. 2. Rosmarinus, Ocimum Basilicum, Lavan-
dula dentala und rotundifolia, Micromeria Forbesii: nebst ei-
ner mannioffalti^eren Reihe von Nebenbestandlheilen.
Auf S. Vincent erhebt sich der M. Veredo Ewar zu 3000',
aber das wüste Tiefland mit seinen Succulenten und emer
reichlicheren Strandvegetation ist vorherrschend entwickelt.
Die letztere ist merkwürdig durch einige endemische Grami-
neen (Elionurus Grisebachii, Aristida paradoxa, Pappophorum
Vincentianum), die Succulenten dagegen sind eingewanderte,
afrikanische Formen, gleich derTamarix senegalensis, die S.
fast für den einzigen einheimischen Baum erklärt (S. 81).
Die Formation der Ebene, reich au Gräsern und Legumino-
sen, vergleicht er nalurgemäss mit einer Grassteppe, deren
Entwickelung schon im Januar zu Ende ging. — Die Hugel,
welche den Basallkegel des Veredo umgeben , sind bis zum
Niveau von 1200' durch die Gesträuche der geselligen Eu-
phorbia Tuckeyana bezeichnet. Darüber folgt die Region von
Lablab vulgaris, den S. für ein einheimisches, hier durch ge-
354 Griscbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
seilige Verbreitung- charakteristisches Gewächs hält, welches
von mehreren endemischen Pflanzen begleitet wird: Odonto-
spermum Daltoni, 0. Vogelii, Rhabdotheca picridioides , fer-
ner Koniga spalhulala, Echium stenosiphon, Linaria dichon-
drifolia, Tornabcnea hirta u. a. Die oberste Region des Ve-
redo wird endlich durch eine Reihe von geselligen Synan-
Ihereen bezeichnet, die als Repräsenlanlen der auf S. Anto-
nio vorkommenden betrachtet werden können oder mit ihnen
identisch sind : z. B. Conyza pannosa , Phagnalon luridum,
Gnaphallum luteofuscum , Nidorclla varia nebst Stalice Jo-
vibarba.
Die drei östlichen Inseln, Majo (15°N. ßr.), Boa Visla
(160) und Sal (17°), werden als Salzinseln zusammengefasst :
sie sind bei Weitem weniger gebirgig und scheinen der Sy-
hanthereensträucher zu entbehren. Weite Sandilächen sind
schwach mit blatlarmen, oft dornigen Stauden und Gräsern,
in der Nähe des Meeres mit Succulenten bewachsen: doch
besitzen die Hügel auf Majo eine ausgedehnte Gesträuch for-
irtätion von Gossypium punclalum, die Basallkegel auf Boa Vista
von Jatropha Curcas. Zu den geselligen Pflanzen der letz-
teren Insel gehört namentlich die für den Wüstensand be-
zeichnende Rhabdotheca spinosa.
Das Verzeichniss der endemischen Pflanzen (Jahresb. f, 1849.
S. 103) ist durch Formen aus folgenden Galtungen vermehrt worden,
von denen jedoch die mit einem ^ bezeichneten bekannten Arten nahe
verwandt sind und zum Theil auch anderswo vorkommen werden : Fuma-
maria *, Koniga, Sinapidendron, Arenaria *, Malva *, Sida *, Corcho-
rus*, Rhynchosia *^, Aeonium , Cremaspora , l'avetta , Canlhium, Kido-
rella, Conyza, Linaria, Cyperas *, Elionurus * , Pleuroplitis *, Cle-
niium *, Schmidtia (s. u.), Pappophorum, Sporobolus, Aristida.
Einige Nachrichten über Ascension und St. Helena wur-
den von Seemann *'»3) mitgelheilt.
V. A m e r i k a.
Nach den schönen Untersuchungen Rink's '^'') in Grön-
land bildet das Binnenland im Bereiche der nördlichen dä-
nischen Kolonieen (68° bis 73o N. Br.) , so weit es bekannt
ist, ein grosses Plateau von etwas über 2000' Höhe (S. 9),
welches durchaus mit Gletschereis bedeckt ist. Ich habe
I
und syslcnialischcn Botanik während des Jahres 1852. 355
früher den Satz aufgeslelll , dass ewiger Schnee nur auf ge-
neigtem Boden möglich sei (Jahresb. f. 1847. S. 34) *) : die
Eisdecke Grönlands, die in keinem bekannten Polarlande ih-
res Gleichen hat, bietet ein Beispiel dafür von eigenlhümli-
chem Charakter. Aus dem im Sommer geschmolzenen Schnee
entsteht in den meisten Polarcbenen unterirdisches Eis : wäre
aber der unterirdische Abfluss durch das geognostische Sub-
strat, der oberflächliche durch die plastische Gestalt des Bo-
dens gcliindert, so müsste sich das Eis, d. h. das nicht in
der Atmosphäre, sondern an der Erdoberfläche erstarrende
Wasser, wie die steigende Flulh eines Landsees, zu einer das
Land überkleidenden Decke in vertikalem Sinne anhäufen.
Im alpinen Gebirge dagegen, wo der ewige Schnee, wiewohl
stetig erneuert, unveränderlich scheint, ist der Schmelzungs-
process durch die geringer^e Kraft der Sonne geschwächt
Cvergl. vor. Ber. S. 37) und der Abfluss des Wassers erleich-
tert: hier bildet sich Gletschereis nur in den wärmeren Thal-
gründen. Aber wie der schwellende Landsee endlich seine
Ufer überflulhet, so ist es auch mit der wachsenden Eisdecke
Grönlands der Fall, die in die Thäler der Westküste in der
Form wirklicher Gletscher hinabgleitet und endlich die Baf-
fins - Bai mit ihren flulhenden Eismassen erfüllt. Diese Ver-
hältnisse sind es, welche die Vcrlheilung der grönländischen
Vegetation bestimmen. Die zerrissene, zu Archipelen und
Halbinseln gegliederte und fast allein zugängliche Wcstküsle,
besitzt, wiewohl sie in der Nähe des Waigat zu ÖOOO' an-
steigt (S. 19), keine scharfe obere Grenze des Pflanzenlebens,
weil diese von der unregelmässigen Vertheilung des Glet-
schereises, nicht aber von einer in bestimmtem Niveau cntn?
wickeilen Schneelinie (S. 27) abhängt. Jn dem Binnenlando,
wo die ZLsamnunliängende Eisdecke bei 2000' anhebt, bll-
*) üer angeführte Salz, in dessen Begründung ein Fclilcr zu
berichtigen ist, lautet in verbesserter Form: „die Frage, \\esliaih hei
so niedrigen Mittelwärmen der Schnee im Sommer nicht liegen bleibt,
dagegen das Eis im Boden ansteht, scheint mir dadurch gelöst, dass
ewiger Schnee üherhaupt nur im Gebirge möglich ist , wo die Ober-
fläche grösslcnlheils geneigt ist und ,, mehr" materielle Punkte von den
Strahlen der Sommersonne gelrolTen werden, die daher jeden einzel-
nen, nicht so kräftig, wie in einer Ebene erwärmt.
356 Griscbach: Bericht üb. d. Leislangen in d. geographischen
det dieses Niveau daher die Vegelalionsgrenze, während R.
auf der zwischen dem Omenaksfjord und dem Waigat gele-
genen Halbinsel, deren Plateau 5000' bis 6000' hoch liegt,
noch in der Höhe von 4500' eine Reihe von Phancrogamen
antraf (S. 29). Dies ist, wenn man die Tiefe der Mitlellcm-
peraturen in diesem Theile Grönlands in's Auge fasst, eins
der auffallendslcn Beispiele von dem Einflüsse des excessiven
Plaleauklima's auf das Pflanzenleben, wovon man Kunde hat,
um so merkwürdiger, als die Insolation des Sommers, auf der
das Leben dieser Pflanzen beruht, hier, in der unmittelbaren
Nähe des Meeres, durch Nebelbildungen geschwächt wird.
Aber mit Recht hebt R. hervor, dass diese höchste Elevation
der Pflanzengrenzen, die er in Grönland bemerkt hat, mit
der geringen Menge von Schnee in Beziehung steht, die hier
herabfällt. Er theilt folgende nähere Angaben über die Ver-
theilung der Pflanzen auf jener Halbinsel (71° N. Br.) mit
(S. 28) :
0' — 2000'. Granitboden mit niedrigen Sträuchern (Em-
pelrum, Andromeda u, a.), die mit Grasmalten und Moostun-
dra wechseln.
2000'--3000'. DerPflanzenleppich ist vermindert : Grä-
ser, Cyperaceen und Lichenen bilden den Hauptbestandlheil;
ausserdem findet sich eine Moosvegetation mit Ranunculus
nivalis.
3900'. Obere Grenze von Salix glauca. Die Pflanzen
wachsen nicht mehr gesellig, sondern sind auf einzelne Flek-
ehen des Detritus beschränkt.
4500'. Rand der zusammenhängenden Eis- und Schnee-
decke. Hier wuchsen noch folgende Pflanzen und blühten
grösstentheils Ende Juli : Papaver nudicaule (sehr häufig) ,
Potentilla Yahliana, Saxifraga tricuspidala , oppositifolia und
caespitosa, Alsine rubella, Silene acaulis, Draba arclica, Fe-
sluca nardifolia, Carex nardina ; ausser diesen kamen meh-
rere Lichenen vor.
Von drei Punkten der grönländischen Westküste hat R.
die Monatslcmpcraluren mifgelheilt (S. 22).
i
und syslciiiatischcn Bolauik während des Juhres 1852.
357
Seemann hat angefangen, die Ausbculc seiner Reise
syslematisch zu bearbeiten und in einem schönen Kupfer-
werke'-'^^3 zu erläutern, dessen erste Lieferung die Flora des
westlichen Eskimaux-Landes, d. h. der äusserslcn Nordwest-
küstc von Amerika enthält (vgl. Jahresb. f. 1849. S. 5Q u. f.
1850. S. 61). Das Material besieht aus 249 Gefässpflanzen
und umfassl, mit Einschluss der Kryptogamen, 315 Arten, an
welche sich die Verzeichnisse der von Pullen , Penny und
Edc in anderen, zumTheil erst auf den Franklins-Reisen ent-
deckten Gebieten des arktischen Amerika's gesammelten Pllan*-
zen anreihen. — S.'s Zurückhaltung in der Unterscheidung neuer
Arten verdient Anerkennung; unter den Phanerogamen ist
nur eine Form neu benannt, aber manche sind durch kriti-
sche ßemerkungen besser erläutert worden. — Die Moose
des Eskimaux-Landes wurden von Wilson, die Algen von
Harvey bearbeileL — Babington '^^ bestimmte auch die
auf Penny's Expedition von Sutherland gesammelten, arkti-
schen Eichenen. D. Hooker und Berkeley *^0 berich-
teten über eine von dem Letzteren auf den Eismassen des
Wellington-Kanals in grosser Menge beobachtete Nostochinee,
die, ebenso wie das Nostoc cdule China's und eine andere
in Tibet von Thomson bei 17000' in Salzwasser gefundene
358 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Form, wegen ihres reichlichen Schleimgehalls als Nahrung^-
miltel benufzt werden kann: ß. benannte sie Hormosiphon
arclicus.
Beiträge zur Flora des Gebietes der Vereinigten Staa-
ten lieferten Le Conte ^^ß), Kirtland '^9), Ravenel ^^<^),
Berloloni 'S'), Torrey 152-j 1533^ a. Gray »5^), Engcl-
mann '^'•3 *^^), Scheele '^'). E'^e Sammlung getrockne-
ter, nordamerikanischer Carices wurde von Sartwcll '•'^0
herausgegeben.
Zu den bedeutendsten Bereicherungen der nordamerlka-
nischen Flora gehört A. Gray's Bearbeitung der Pflanzen,
welche C. Wrjght in Texas und besonders auf der Reise von
S. Antonio nach El Paso im südlichen Theilc von Neu -Me-
xiko gesammelt hal '^*). Der Reisende verliess die Grenze
von Texas zu Anfang Juni 1849, erreichte im September El
Paso und kehrte im November nach S. Antonio zurück. Die
erste Hälfte von G.'s Arbeit enthält 418 Arien ; sie ist reich
an neuen Formen und systemalischen Erörterungen, zu deren
Begründung häufig auch aus anderen Quellen neue Pflanzen
beschrieben werden.
Engelmann ^^^J schilderte nach Lindheimer*s Anga-
ben und Sammlungen den Vegetalionscharakler des südli-
chen Texas, von welchem er den nordöstlichen Thell dieses
Staates als zur Flora des Mississippi-Thals gehörig absondert.
Die Grenze zwischen beiden Gebieten bildet die Wasser-
scheide zwischen dem Rio Brazos und dem Colorado; in
südlicher und westlicher Richtung erstreckt sich die Flora
von Texas wahrscheinlich bis an die Abhänge des mexikani-
gejien Tafellandes. Sondert man auch die Alluvialebenen am
Golf davon aus, denen E. eine abweichende, subtropische
Vegetation zuschreibt , so entspricht sein Gebiet der texani-
schen Kreideformalion , die ein waldarmes Terassenland er-
zeugt hat. Mit dem F'ebruar beginnt hier der Frühling, des-
sen Niederschläge den Boden bis zum Mai oder Juni befeuch-
ten; dann folgt die trockene Jahreszeit, der mit dem Sep-
tember die Hcrbslregen folgen , welche die Vegetation auf's
Neue in Trieb setzen und manchen annuellen Pflanzen eine
holzige Beschaffenheit des Stengels verleihen. — Gesträuch-
(prmationen sind hier^ wie in dem klimalisch so verwandten
und syslemalischcn Balanik während des Jahres 1S52. 3^9
südlichen Europa, verbreitet und sie enthalten, was öigcnlhüm-
Jichcr ist, eine Reihe von Arten aus Geschlechtern , die in
dem Waldgebielc der vereinigten Staaten durch verwandte
13aumformen vertreten sind : solche Sträucher sind Juglans nanp,
Morus parvifolia, Aesculus discolor, Acanlhocellis (eine nocli
unbeschriebene, der Celtis occidentalis nahe sichende Form),
Prunus rivularis und minuliüora, Ccrcis occidentalis. Aber
CS ist bekannt, dass nicht diese, sondern die Mezquite-Sträu-
chcr, dieMimoseen, die herrsehenden, physiognomisch das
Land charakterisirenden Besfandtheile der texanischen Gc-
slrauchformation bilden, welche E., nach einem mexikanischen
Ausdrucke, die Chaparal-Formation nennt. Die Mimoseen und
viele andere Slräucher tragen Dornen (namentlich Rhamneen,
Zanlhoxylon, Castela, Bcrberis trifoliolata, einige Rosaceen);
auch die Agavenform, hier durch Yucca und durch die Bro-»
«leliacce Dasylirion vertreten , zeigt in den stechenden Blatt-,
spitzen oder Serraturen einen ähnlichen, der Trockenheit des
Klima's entsprechenden Charakter. Aber in höherem Grado
werden diese Beziehungen durch die Cactecn ausgedrückt,
die, in den Prairieen nur durch einzelne Formen angedeutet,
hier zuerst in einem ähnlichen Reichlhum von Arten und In-
dividuen auftreten, wie in den tropischen Savanen Amerika*».
Texas besitzt Opuntien mit flachen (0. Lindheimeri) und mit
cylindrischen Gliedern (0. frutescens), mehrere Mamillarien,
Echinocaclus (E. lexensis, selispinus u. a.) und den gross^
blumigen , kunrclähnlichen Echinocereus. — Aus den Nacli--
barffebieten hat Texas am meisten aus der Prairieenflora ent-
lehn!, aber es besitzt auch ausser den Mimoseen und Cactecn
noch einige andere mexikanische Formen, wie Bolivaria, eU
nigeMalpighiaceen und Zygophyllcen. Unter den endemischen
Formen, deren Verwandte in weiten Fernen einheimisch sind,
hebt E. Hermannia texana und Rulosma tcxanum hervor.
Kotschy »^^9) stellte aus den Quellen eine Charakteri-r
slik der mexikanischen Flora zusammen. Nach seinen sla-r
tistischen Untersuchungen sind bis jetzt über 7300 Arten aus
Mexiko beschrieben: von denjenigen, deren Vorkommen bc--
kannt ist, rechnet er etwa I3ü0 Arten aufdieTierra caliente,
2Ö80 auf dicT. tcmplada und 1540 auf die T. fria. — Hel-
ler löo^ beschrieb eine Exkursion auf den Vulkan von Tolucj\.
3*60 Crlscbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
Lieb mann i^i^ selzle seine syslemalischen Beilrage zur
mexikanischen Flora (s. vor. Jahresb. S. 63) fort: er bcar-
b^ilcle die Gattungen Begonia (44 sp.) und Rubus (14 sp.).
— Von den Ergebnissen der Ocrslcd'schen Reise nach Co-
sta-Rica und Nicaragua (s. vor. Jahresb. S. 68) haben B e n-
Iham *ö2) ^ij2 Verbindung mit Oersted) die Rubiaceen
(98 sp.), Synantherecn (202 sp.), den Anfang der Legumino-
sen (54 sp.), die Scrofularineen (29 sp.) und die Labialen
(40 sp.), ich *") die Malpighiaceen (26 sp.) und die Gen-
lianeen (9 sp.) bearbeitet. — Das zweite Heft des oben er-
wähnten Werkes von Seemann »^•'•) enlhält den Anfang der
Flora des Islhmus von Panama (Ranunculaceen bisPolygaleen).
->■ Sporleder ^^^^ veröffentlichte einen Beitrag zur Kry-
ptogamen - Flora von Porlorico , in welchem die Laubmoose
(48 sp.) von Hampe, die Lebermoose (60 sp.) von diesem
und Gotische, die Pilze (17 sp.) von Klotzsch nacli
den von Schwan ecke gesammelten Materialien bearbeitet
sind. — Pilze von S. Domingo, von Salle gesammelt, be-
stimmte Berkeley *^0 • Ö7 Arten.
Die Beiträge von Klotzsch zu einer Flora des tropi-
schen Amerika, wurden mit einer Arbeit von C. H. S c h u 1 1 z '^^)
über Slevia wieder aufgenommen. — Die Bestimmungen der
von H. Wag euer in Columbien gesammelten Pilanzen wer-
den von V. Schlechtendal '67-^ veröffenllicht : bis jetzt
wurden die Kryptogamen (86 sp.), darunter aus Kunze's
Feder die Farne gedruckt.
Sir R. Schomburgk '^S) gab eine Uebcrsi( hl der Be-
nutzung der Waldbäume von Britisch Guiana: nicht von allen
sind ihm die systematischen Namen bekannt geworden.
Von V. Martins' Flora brasiliensis (s. vor. Jahresb.
S. 68) erschien die elfte Lieferung '^q) , welche die Bearbci
tung der Pipcraceen und Chlorantheen von Miquel enthäl
die Arienzahl der ersteren Familie beträgt 174 sp., der lel
teren 1 sp. — Bentham's »'«) Bearbeitung der von Sprud
in Nordbrasilien gesammelten Pflanzen wurde fortgesetzt: es
wurden die Ilippocrateaceen, llicineen, Rhamneen und Tere-
binthaceen bearbeitet; S.'s Reisebericht vom April 1852 be-
zieht sich auf seinen Aufenthalt am Rio Negro , wo einige
Prolcacecn gesellig auflrclcn. — Wed dcU ^^0 setzte cben^
ib.._
1
und syslcmatischen Botanik während des Jahre» 1852. 3Ö1
falls die Publikalion der neuen Formen aus seinen südaine-
rilianischen Sammlungen fort (s. Jahrcsb. f. 1850. S. 73): die
vorliegende Lieferung enlliält dieUrliceen. — Pinel ^'^-j bg.
schäfügle sich mit dem allgemeinen Charakter der brasilia-
nischen Flora. — Bur meisler *^^) gab, in Folge seiner
zoologischen Reise nach Rio de Janeiro, eine lebhafte Schil-
derung des tropischen Urwalds und theilte eine Uebersicht
der essbaren Früchte mit, die in Rio auf den Markt kommen.
Aus der für Gay's Flora chilena bestimmten Bearbeitung
der chilenischen Lichenen und Algen von Montagne *^^>
sind die neuen Formen vorläufig publicirt worden.
Philipp i '^0 berichtete über seine Besteigung des Vul-
kans von Osorno in Valdivia und lieferte dadurch einen schätz-
baren Beilrag zur Kunde des südlichen Andensystems (40»
S. ßr.). Auf dem Wege von Valdivia nach Osorno wurde
die etwa 1500'— 1800' hohe Küstencordillere durchschnitten,
die fast überall von dichtem Urwald bedeckt ist : viele Bäume
erreichen eine Höhe von 60' bis 100' und Lianen (nament-
lich Cissus striata und eine Bambuse) steigen bis in die höch-
sten Baumgiplel. Die häufigsten Bäume sind Fagus auslralis
u. Dombeyi, Eucryphia lalifolia, die AIonimieeLaurelia aroma-»
tica, Laurus Lingue, ferner eine Menge von Myrtaceen und
zwei Saxifragecn (Wcinmannia Irichosperma und Caldcluvia
paniculala); zu diesen gesellen sich mehrere Proteaceen (z.
B. Guevinia avellana, Lomalia ferruginea). — Dann folgen
im Zwischenräume zur Andcnkelte tertiäre Ebenen, die LIa-
nos von Valdivia genannt; unmiltelbar am Fusse des über
8000' hohen Vulkans von Osorno beträgt das Niveau des
Sees Todos los Sanlos nur 525'. Die feuchten, dichtverwach-
senen Wälder, welche das Land und die Abhänge des Gebir-
ges bedecken, erschweren den Zugang, aber die niedrige*
Sommerlcmperalur — eine Folge des umwölkten Himmels und;
der Nähe des Meeres — deprimirt die Vegelalionsgrenzen,
wie sich aus dem Niveau der Schneelinie schliessen lässt, die
Ph. am Nordabhange des Vulkans zu 4500' bestimmte (S. 941).
Nach einjährigen Messungen in Valdivia ist das Klima dieses
Orts durch folgende Wcrthe bestimmt :
Miltcllcmperatur von Valdivia = 8^,8 R.
M. Temperatur des Frühlings = 7o,01 „
362 Griscbach: Bericht üb. d. Leislungcii in d. geogrnpliisclicn
M. Tcmperalur des Sommers = 12^,4 R.
»
V »
„ Herbstes = 9^12 „
„ Winters = d^fi „
Die liefe Lage der Sclineelinie Iial hier, wo die Feuch-
tigkeit des Bodens so gross und der Gegensatz der Jahreszei-
ten gering ist, die bcmerkenswerlhe, schon oben bei Java be-
sprochene Wirkung, dass eine alpine Region ohne Holzge-
wächse fehlt. Die „meisten Bäume und Sträucher der Ebene
reichen so ziemlich bis zum ewigen Schnee hinauf'' qS, 567),
namentlich Fagus Dombeyi, der vorherrschende Baum dieser
Gegend, der aber gleich der Bambuse Coligue, die im Tief-
lande Dickichte von 30' Höhe bildet, an seiner oberen Grenze
zur Zwerggeslalt verkümmert. Viele Bäume waren indessen
in Folge einer vulkanischen Eruption abgestorben. Von an-
deren Holzgewächsen in der Nähe der Schneegrenze erwähnt
Ph. folgende : eine Proteacee mit Scharlachblülhen, Drimys
chilensis, Fuchsia macrostemma, mehrere Berberis-Arlen; die
häufigsten Sträucher sind eine Escallonia und mehrere Eri-
ceen cPernetlya, Gaultheria) nebst Empelrum rubrum. Kleine
alpine Stauden sind besonders an den feuchten Felswänden
verbreitet.
!(*! * Einige neue vonLechl er inValdivia gesamrielte Pflan-
zen wurden von Miquel *7^') beschrieben.
VI. Australien.
F.Müller '^0 publicirle die neuen Formen, welche er
*auf seiner Reise im südlichen Neuholland entdeckt hat: 105
Arten; diese beschrieb er selbst zu Adelaide; seine ganze
Sammlung aber wird in Deutschland bearbeitet und zwar er-
schienen bis jetzt die Synanthereen , Algen und Farne von
Sonder, die Charen und Rhizospermen von A.Braun, die
Lichenen und Moose von Hampe. — A.Gray ^^^) bearbei-
tete eine Reihe von Synanthereen aus der Swan- River -Ko-
lonie, besonders Gnaphalieen der Drummond'schen Sammlun-
gen. — Meisner ^''^) machte ein Verzeichniss der daselbst
von Drummond gesammelten Proteaceen bekannt.
Die zweite Abtheilung von J. D. Hooker's Werk über
seine antarktische Reise Cvcrgl. Jahrcsb. f. 1846) »»o) cnl-
und systematischen Cotanik während des Jahres 1852. 363
liäll eine auf reichhaltige Materialien gegründete und mit iMei-
slerhand bearbeitete, auch durch schöne Kupfertaleln erläu-
terte Flora von Neu -Seeland.
Uebersicht der bisher erschienenen Lieferungen dieses Werkes
(die (Jallungcn, welche nur nicht endemische Arten enthalten, sind mit
* bezeichnet): 18 Ranunculaceen (Clematis 5, Myosurus, Ranun.
culus II, Callha) ; 1 Magnoliacee (Driniys) ; G Crucifcren (Caidamine 2,
Kasturtium ♦, barbarea *, Lepidium 2); 7 Violaccen (Viola 2, Hyme-
nanlhera, Melicylus 4); 6 sp. Drosera; 10 Pittosporeen (rillosporum); 6
Caryophyllern (Stellaiia 4, Arenaria * = Spergularia , Colobanthus);
1 Klalinee *; 1 Liiium; 5 Rlalvacccn (llibiscus *, Plagianlhus 2, Ho-
heria 2) ; 1 Tiliaccc (Entelca) ; 4 Elaeokarpeen (Elaeocarpus 2, Arislo-
telia 2); 1 Olacinee (Pennanlia); 2 sp. Hypericum ^; 2 Sapindaceen
(Alectryon, Dodonaea) ; l Meliacee (Ilartighsea) ; 5 Geraniaceen (Gera-
nium 4, Pelargonium) ; 2 sp. Oxalis *; 3 Rulaceen (Melicope 2, Phe-
balium); 2sp. Coriaria ; 4 lihamnecn (Pomaderris 3, Uiscaria) ; IStack-
housia ; l Anacardiacco (Corynocarpus) ; 7 Leguminosen (Clianthus,
Carmichaclia 5, Edvvardsia) ; 7 Rosaceen (Rubns, Potentiila *, Acaena 3,
(Jenm 2); 16 Onagraricen (Fuchsia 2, Epilobium 14): 8 Halora-
gecn (llaloragis4, Älyriophyllum 2, Callitriche *, Gunncra); 15 Myr-
taceen (IMelrosideros 9, Leplospcrmum 2, Myrtus 3, Eugenia); 1 Cu-
curbitacce (Sicyos*); 1 Passiflora; 2 Porlulaceen (Ciaytonia, Monlia*);
1 Scltraiithee (Scieranthus = Alniarum Auct.); 4 Crassulaceen (TiU
laca); 2 Eicoideen (i\lesembryanthemum, Telragonia *) ; 3 Escallonia-
ceen (Carpodelus, Quintinia 2) ; 3 Cunoniaceen (Ackama, Weinmannia 2) ;
1 Saxifragce (Donalia); 1 Brexiacee (Ixerba) ; 23 Umbelliferen
(Mydrocotyle 9, Pozoa , Eryngium , Apium 2, Crantzia *, Aciphylla,
Anisotomc 6, Daums, Oreomyrrhis) ; 11 Araiiaceen (Panax 6, Aralia 4,
Botryodendron) ; 3 Corneen (Griselinia , Corokia 2) ; 7 Loranthaceen
(Loranthus 5, Tupeia, Viscum).
4 Caprifoliaceen (Alseuosniin) ; 28 Rubiaceen (^Coprosma 19,
Opercularia 2 , Nerlera 4, Galium 2, Asperula); 87 Synanthereen
(ülearia 5, Eurybia 10, Celmisia 10, Eurybiopsis, Lagenophora 4, Bra-
chycome , Colula 2, Leplinella 4, Myriogyne, Trineuron, Craspedia,
Cassinia 3, üzolliaranus 3, Raoulia (s. u.) 5, Gnaphalium 9, llelichry-
sum 2, Erechliles 4, Scnecio 18, Microsen's, Picris *, Taraxacum *,
Sonchus *, llieracium?) ; 4 Slylidicen (Forstera); 1 Goodenia; 4 Lo*
l)eliacccn (Colensoa (s.u.), Pratia, Lobelia?); 2 Campanulaceen (Wah-
Icnbergia); 6 Ericeen (Gaulthcria) ; 24Epacrideen (Cyathodes 3,
Loucopogon 3, Pentachondra , Epacris 3, Dracophyllum 14); 4 Myrsi-
neen (Sutlonia) ; Sapota; 2 sp. ülea; 2 Loganiaceen (Logania, Genio^
Stoma); 3 Gentianeen (Genliana 2, Sebaea) ; 4 Apocyneen (Parsonsia)^
2 sp. Solanum; 8 Convolvulaceen (Calystegia 4, Ippmoea , Convolvu-
lu.«, Dichondra, Cuscuta); 1 Cyrtandracee (Rhabdolhamnus); 40 Sero*
364 Grisc!)ach: Bericht üb. d. Lcislunffcn in d. geographischen
fularincen (Calccolaria 2, Mimulus 3, Mazus, Gratiola 2, Glossosligmn,
X.imoselIa *, Veronica 2i, üurisia 3, Enphrasia 4) ; 8 Boragineen (Myo-
solis); 3 Vcrbenacecn (Vitex, Teucridium (s.u.), Avicennia *) ; 1 Myo-
pornm ; 2 Labialen (Wenlha , Sculellaria) ; 3 sp. Ulriculaiia ; 1 Samo-
]us; 4 sp. Planlago.
1 Nyctaginee (Pisonia); 8 Polygoncen (Polygonum 7, Kumcx);
1 Amaranlacee ( Alternanthera) ; 12 Chenopodeen (Chenopodium 6,
Suaeda *, Alriplex 3, Salsola *^ , Salicornia *j ; 4 Laurineen (Telran-
thcra, Nesodaphne 2, Cassytha) ; 2 Monimiccn (Laurtlia , Hedycarya) ;
2 Proleaceen (Knightia, Persoonia) ; 9 Thymelaeen (Piraelea 7, Drapc-
Ics 2); 2 Sanlaleen (Exocarpus, Sanlalum) ; 7 Urliceen (Trophis?, Ur-
tica 3, Auslralina, Parielaria, Elaloslemma) ; l Euphorbia; 2 Pipera-
ceen (Piper, Peperomia); 1 Chloranlhee (Ascarina) ; 4 sp. Fagus ; 12
Coniferen ( Dainmara , Thuja , Podocarpus 5 , Dacrydiuin 3 , Phyllo-
cladus 2).
5 Najadeen (Triglochin, Polamogelon * 2, Ruppia *, ZannicheU
lia *) ; l Pandanee (Freycinelia) ; 4 Aroideen (Typha *, Sparganium *,
Lemna * 2).
Der botanische Alias'«') zu Dumont d'Urville's an-
tarktischer Reise wurde vollendet, der Text zu den Gefäss-
ptlanzcn noch nicht.
Seemann ^«0 schrieb eine Skizze der Sandwich -In-
seln, in welcher die Nutzpflanzen aufgezählt sind. Zu den
cigenlhümlichern gehören: von Nahrungspflanzen Colocasia
esculenla (Kalo), Tacca pinnatiüda (?[&:), Dracaena lermina-
lis CK*0 ; von Früchten Morus indica (Kilika), Morinda citri-
foHa (Noni), Osteomeles anthyllidifolia CUlai) , Sambosa ma-
laccensis COhiaai), Pandanus odoratissimus (Lahala), Physalis
pubescens; von Faserpflanzen Broussonelia (Wauka), Boeh-
merla albida cMamaki), Paritium tiliaceum (Hau); von feinen
Hölzern Acacia heterophylla , Jambosa malaccensis , Cordia
subcordala: Sanlalum paniculatum ist fast ausgerottet.
Liierarische Nahweisungen.
1) Dove, die Verbreitung der Wärme auf der Oberfläche der
Erde, erläutert durch Isothermen, thermische Isanomalen und Tempera-
Urcurvcn. Zweite, sehr vermehrte Auflage der Monatsisothermen, lier^
lin, 1852. 26 S. 4. und 7 Karten nebst 2 Tafein. ^|
2) Unger, Versuch einer Geschichte der Pflanzenwelt. Wien,
18 j2. 364 S. 8. Daselbst: S. 1—48.
und systematischen Botanik wührcnd des Jahres 1852. 365
3} C Ritter, über die geographische Verbreitung der Bamn-
wolle, Abschn. 1. Antiquarischer Theil. Berlin, 1852. 63 S. 4. (Scp.
Abdr. aus den Abb. der Berliner Akademie).
4) A. Uenfrey, Ihe Vegetation of Europe, ils condilions and
causes. London, 1852. 387 pag. 8. mit einer Karte. Diese SchriTt bil-
det die erste Abiheilung eines Werkes, welches nnler dem Titel: Out-
lines of Ihc natural hislory of Europe forlgesetzt werden soll.
5) V. Ledcbour, Flora rossica. YoIlV. Fase. 12—14. Slull-
garl, (1852-) 1853. 741 pag, 8. Die Separatabdriickc des von mir be-
arbeiteten Abschnitts über die Gräser führen den Titel : Gramina rossiea.
G) Ulaury, eonsiderations sur la geographie botaniquc do la
Hussie seplentrionale (Bullet, de la soc. de geogr. 1852. 3. p. 256 u.
4. p.70j.
7) F". J. VViedemann und E.Weber, Besehreibung der pha-
ncrogamischen GewAchse Eslh-, I.iv- und Curlands. Reval, 1852.
CG4S. 8. mit 4 Tafeln.
8) N. J. Andersson, Plantae Scandinaviae dcscn'ptionibus et
figuris analylieis adumbratae. F'asr. II. llolmiae, 1852. 112 pag. 8 m.
12 Taf. al. til. : Gramineae Scandinaviae.
9) C. E. B erg s tr an d , naturalhistoriska Anteckningar om Aland
(N. Bot. Koliscr, 1852. p. 1— II. p. 23—26. p. 35—44. p. 129—141).
10) C. A. Westerlund, Anteckningar tili Ölands Flora (das.
p.81— 86. p. 100-115. p. 151 — 155).
11) Nyman, Öfversigl af slägtel Batrachium (das. p. 97— 100).
12) r. J. Beurling, svenska arlerna af Rannncnlus sect. Ba-
trachium (das. p. 155 — 157).
13) Angström, musci novi Scandinaviae (das. p.33 — 35: 10
Arten von Laubmoosen).
14) C. II artmann, nya vexlslällen för nagra svenska och
norrska mossarter (das, ISO — 188).
15) R. F. Fristedt und F. B jörnstro m: die merkwürdig-
sten, auf ihrer Reise durch Torneä-Lappland beobachteten Fundorte sind
milgelheilt das. p. 158—160.
16) Thcdenius: Yerzeiehniss der bei Stockholm gefundene«
Lichencn nebst kritischen Bemerkungen und einigen neu unterschiede-
nen Formen (das. p. IQI— 180).
17) H. Hof b erg, Södermanlands Phanerogamer och Filiccs«
;« Stockholm, 1852.: Pflanzenverzeiehniss von 884 Arten.
18) C. 0. Hamnströro: zweite, umgearbeitete Auflage von Gel-
ferstedi's Nerikes Flora. Örebro , 1852. Diese Lokalflora zählt 724
Phanerogamcn.
19) 0. Sandahl; ßeit(ag zur Flora des Kinnekullen am We*
366 Grisebacli: Ikiicht üb. d. Leistungen in d. geographischen
nersee (N. Uot. Kolis. a. a. 0. p.65— C9)) Zusätze zu Zetlersledt's Ar-
beit enthallend.
20) Lindeberg: Fundorte aus der Provinz Bohuslän (daselböfc
p. 17-23).
21) T. M. Fries: Bemerkungen über die VcgeJlation des Kirch-
spiels Femsjö in Smaland (das. p.49— 57. p. 69 — 78. p. 86— 9i).
22) Weslerlund, Bidrag tili kännedommcn om Kalmarläns Ve-
getation. Kalmar, 1852. 64 pag. 8. : Verzeichniss von 853 Gcläss-
pllanzen.
23) J. Norman, Berelning om en i Gulbrandsdalen foretagnö
bolanisk Heise (INyt Magazin for Naturvidenskaberne. Bd. 6. Christiania,
1851. p. 212— 291).
24) Icones plantarum sponle nascentium in regno Daniac et in
ducalibus Siesvici Hohatiae et Lauenburgiae ad iiluslrandum opus Florae
danicae nomine descriptum, cdilae a Lieb mann. Fase. XLIV. tab^
2581—2640. Ilafniae, 1852. lol.
25) Watson, Cybele britannica. Vol. 3. London, 1852. 8.
26) Wilhering, British plants: the üowering plants and fcrns
of Grcat Brilain and Ireland arrangcd according to the Linnean System. 8.
cdition. London, 1852. 480 pag. 12.
27) Rev. W. A. Leighlon, Ihe British species of Angiocar-
pous Lichcns, elucidaled by their sporidia. London, 1851.
28) Rev. W. J. Berkeley and C. E. Broome, Kolices of
British Fungi (Ann. nal. bist. IL 9. p. 317. 377. t. 8 — 12.: vorzüglich
analytische Figuren von Sphaerien enthaltend) vergl, Jahresb. f. 1850.
und 1851.
29) J. Dickinson, the Flora of Liverpool. Liverpool, 1851.
166 pag. 8.
30) Dickie: Vortrag bei der britischen Nalurforscherversamm-
lung über die Vertheilung der Meeresalgen an der englischen und iri-
schen Küste (22. nieeting of the British Association hcld at Belfast).
31) Derselbe: über die Höhenbezirke der Pflanzen in Kordir-
land (ebenda).
32) Kops, Flora batava. Adevering 159—172. Amsterdam,
1850-52. 4.
""^'33) Bericht Ober die sechste Zusammenkunft der Mitglieder des
Vereins für die niederländische Flora zu Leiden, so wie der siebenten
ebenda (Nedeflandsch kruidkundig Archief. D. 3. St. 2. p. 197—309.
Leiden, 1852).
.,r 34) F. M. E. Gevers Deynol und T. H.^.'5l Ä'beleven,
Flora Koviomagensis. Nymwegen, 1848. 8.
35) F. J. J. V. Hoven, Flora van's Ilerlogenbosch. lleusden,
1848. 8.
und systematischen üolanik während des Jahröd 1852. 367
36) U. Bon dam und W. G. Top, Flora campensis. Kampen,
1S49. 4. (Kinc frühere Auflage, von Uondam allein verfasst, erschien
1845. in 8).
37) J. G. H. Rombonts und J. J. F. H. T. Markus Doorw
nik, Flora Amstclaedamensis. Traj , 1832. 8.
38) Keichönbach, Icones Florae germanicae. Vol. l4. Dec.
8 — 10. und Vol. 15. Dec. 1—12.: den Schluss der Orchideen und Cy-
liareen enthaltend.
39) Schenk, Flora von Deutschland. Bd. 12. —Flora von Thü-
ringen. Heft 117— 124.
40) Dietrich, Deutschlands Flora. £in Taschenbuch. lieft
1—9. Jena, 1852.
41) Lincke, Flora von Deutschland. Heft 90—97.
42) Löhr, Enumeratio der Flora von Deutschland und def kn^
grenzenden Länder, unter besonderer Berücksichtigung der Gegenden
am Rheine. Braunschweig, 1832. 820 pag. 12.
43) V. Klinggräff, Beiträge zur Charakteristik einiger Arien
der deutschen Flora (Bot. Zeit. 10. S. 169—173) und zur Flora dtt
Frovinz IVeussen (N. preusö. ProVinzialblätter. II. 2. Heft 2. S.93— 95)*
44) Leo AI ei er, Verzeichhiss der bei Kreuzburg wachsenden
Pflanzen (a. letzterem 0. S. 95— 103),
45) Wimmer: Beiträge zur Kenntniss der Formen von Salix und
der Gruppe von Carex caespitosa (Jahresber. der schles. Gesellschaft
f. 1852. S. 63—67).
46) Milde: Beiträge zur topögraphie der Kryplogamenflora tim
lireslau (das. S. 67 — 73) und Verzeichniss der schlesischen Gefässkryp-
togamen (Oesterr. bot. Wochenblatt, 2. p. 187—189).
47) Weizner, Fflanzentopographie des Breslauer Kreises. Bres.
lau, 1852. 65 S. l6.
48) Brock müller, Beitrag zur Kenntniss der Haideflora des
südwestlichen Mecklenburg (Archiv des meckl. Vereins v. Freunden der
Nalurg. Heft 6. S. 100— 112).
49) Schräm mj Beitrag zur Flora der Mark Brandenburg (Oesterr.
bot. Wochenblatt. 2. S. 129. 137. 145. 153. 16l): Verzeichniss der sel-
teneren Pflanzen bei der Stadt Brandenburg nebst einigen kritischen
Bemerkungen.
50) v. Schlcchtendal, Bemerkungen zu einer Üecade für di«
Flora von Halle neuer Pilze (Bot. Zeit. 10. S. 601. 617).
51) W. Schjgder, die Thüringer Flora zum Schulgebfauche^
Erfurt, 1852 220 S:"8.
52) Metsch, Pflanzenformen aus der Grafschaft Henheberg.
^Bot. Zeit. 10. S. 278—289).
Arcült C »ftlur-fscb. XlX.Jahrj. 2. Dd. '^
368 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
53) A. Rose, über die Moosvegelalion des Thüringer Waldes
(das. S. 33).
54) Jüngst, Flora Westfalens, mdefeld, J852. 438 S. 8.: dies
ist eine zweile sehr verbesserte Auflage von des Verf. im J. 1837 er-
schienener Flora von Bielefeld.
55) Lö hr: südliche und nördliche Formen der Rheinflora (Bot.
Zeit. 10. S. 889).
56) Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der preussischen
Rheinlande. Jahrg. 9. Bonn, 1852: enthalten einige systematische Bei-
träge (S. 577. 582. 593. 598).-
57) Rudio, Uebersicht der Phanerogamen und Gefässkrypto-
ganien von Nassau (Jahrbücher des Vereins für Naturkunde in Nassau
Heft 7. Abth. 1. 136 pag.) und Nachtrag (das. Heft 8. Ablh. 2. S. 16G
^199).
58) G. F. Koch, Zusätze und Bemerkungen zur Flora der Pfalz
(Zehnler Jahresbericht der Pollichia, S. 22—35. Neustadt a. II. 1852).
59) K. Engesser, Flora des südöstlichen Schwarzwaldes. Do-
naueschingen, 1852. 270 S. 12: ungünstig beurtheilt.
60) E. Rehmann und F. Brunner, Gäa und Flora der Quel-
lenbezirke der Donau und Wutach (Beiträge zur rheinischen Naturge-
schichte, herausgeg. von der Freiburger Gesellschaft. Heft 2. S. 1 — 117.
das. 1851. 8).
61) F. Emraert und G. v. Segnitz, Flora von Schweinfurt.
Schweinfurt 1852. 290 S. 8.
62) J. Kress, Verzeichniss der selteneren Phanerogamen des
Steigerwaldes (Erster Bericht des naturforschenden Vereins zu Bamberg,
S. 54—59. Das. 1852. 8).
63) J. Ott, Catalog der Flora Böhmens nach Tausch's Herba-
rium Florae bohemicae. Prag, 1851. 111 S. 4.
64) W. Karl, Nordböhraen und seine Flora (Ocsferr. bot. Wo-
chenbl. 2. S. 233. 241. 249. 257. 265.270): alphabetisch geordneter
Pflanzenkalalog für die Gegend von Schluckenau und Rumburg an der
Grenze der Lausitz.
65) Milde, zur Flora von Ustron bei Teschen (Bot. Zeit. lO.j
S. 715— 717. und gleichzeitig: Üeslerr. bot. Wochenbl. 2. S. 325) : ei-
tilge, auf Excursionen aufgezeichnete Notizen.
66) A. Pokorny, die Vcgelalionsverhällnisse von Iglau. WienJ
1852. 164 S. 8. mit einer Karte: vergl. den Bericht von Fenzl und]
Unger über diese Schrift (Sitzungsberichte der Wiener Akad. Älalh. na-
turvv. KI. 8. S.233) und: Beiträge zur Flora desf/^öhmisch-mährischen
Gebirges (Verb, des zool.-bol. Vereins s. no. 67. d. 59. 99).
67) H. Wawra, Vorarbeiten zu einer Flora von Br^nn (Verh.
des zool.-bol. Vereins das. S. 161).
und gyslemRlischcn Botanik während des Jahres 1852. 369
CS) Verhandlungen des zoologisch -botanischen Vereins in Wien.
Bd. 1. Wien, 1852. 234 S.: über den für die Pflanrenlopographie Un-
terösterreichs reichen Inhalt vcrgl. Bot. Zeit. 10. S. 813 u. f.
69) Pokorny, über die Verbreitung und Verlheilung der Le-
bermoose von Unteröslerreich (Wiener Silzungberichle. Math, naturw.
lil 9. p. ISa— 200).
70) C. Ehrlich, geognoslische Wanderungen im Gebiete der
nordöstlichen Alpen. Linz, 1852. 8.: enthält einen Abschnitt über den
Einiluss der gcognostiechen und klimatischen Verhältnisse auf die Ve-
getation. S 136 — 141.
71) Nymant Exkursion auf den Schneeberg und die Raxalpe
(N. bot. Notiser, 1852. p. 145— 150).
72) y. Widerspach, der Göller bei 5. Egidi und seine F'lora
<Oesterr. bot. Wochenbl. 2. S. 340. 350) : Pflanzenverzeichniss.
73) Sauter, neue Beiträge zur Flora Salzburgs (Begensb. Flora
1832. S. 577-581).
74) Keil, Fortsetzung der Ausflöge Yon Gastein (Oeslerr. bot.
Wochenbl. 2. S.203. 211).
75) V. Hausmann, Flora von Tirol. Heft2. Innsbruck 1852.
8. S. 577 — 10S3; die hiemit bis zum Schlüsse der Gefässpflanzen vol-
lendete Flora (s. vor. Jahresb. nr. 59) enthält 2279 Arten.
76) J. Hofmann: über einige kritische Tiroler Pflanzen (Oesterr»
bot. Wochenb. 2. S. 169. 177. 185. 193).
77) V. Heufler: Exkursion nach dem Monte Fenegal (das.
S.291. 299).
78) Sauter, zur Flora des Fasses Finstermfinz (Regensb. FI.
1852. S. 621-623).
79) Grisebach und Schenk, observationes quaedam de plan«
tis, quas in itinere alpino a. 1851 suscepto legerunt (Linnaea, 23.
p 593-^611): systematische Ergebnisse und neue Fundorte von einer
Reise durch das westliche Tirol, das Engadin^ die Lombardei, Piemont
und Dauphine.
80) Graf, Beiträge zur Flora des Lavanthals (Jahrbuch des na*
lurhisl. Landesmuseums von Kärnlhcn. Klagenfurt, 1852. 8. S.3— 10).
81) Kok eil, Aufzählung der in der Umgebung von Kiagenfnri
vorkommenden phanerogamischen Gewächse und Farnkräuter (daselbst
S. 15-56).
82) H. Lobarzewski, musci hypnoidei Galiciae rariores. Leo*
pol., 1852. 23 pag, 4.
83) F. Hasslinzsky, Beiträge zur Kenntniss der Flora der
Karpalen (Verhandlungen des zoolog. bot. Vereins in Wien , 1. S. 200
-207).
84) Iter hungaricum, Beiträge zur Systematik der ungarischen Flora>
370 GrUcbach: Bericht üb. d. Lcislungcn in d. geographischen
von Grisebach und Schenk (Archiv für Naturgeschichte, 18. 1.
8.291-362).
85) F. Schur, über die siebenbürgischen Arten von Scleran-
thns (Verhandlungen des siebenbürgischen Vereins für Naturwissen-
schaften. Jahrg. 2. S. 9 — 13. Hermannsladt, 1851); Verzeichniss der
Cyperaceen und Junceen (das. S. 65—70); über Bulbocodiura edenta-
tum (das. S. 165—167. t.6. und Jahrg. 3. S. 117— 121); Excursion auf
den Foravascher- Gebirgen (Jahrg. 2. S. 167—171. und 176-177);
Uebersicht der auf den Arpascher Alpen gesammelten Pflanzen (Jahrg. 3.
S. 84—95); Verzeichniss von im November 1851 in der Blülhc beob-
achteten Pflanzen (das. S. 95); Verzeichniss siebenbürgischer Euphor.
bien (das. S. 122-128).
86) Schlosser, Reiseflora aus Süderoalien (Oeslerr. bot. Wo-
chenbl. 2. S. 322. 329. 337. 345. 353. 361. 369. 377. 385. 393. 401).
87) Thurmann, la Flore de la frontiere berno-alsalique d'apres
les observations de Montandon (Mitlheilungen der nalurf. Geselisch. in
Bern. Jahrg. 1851. S. 137—144).
88) Godet, Flore du Jura suisse et fran9ais. Partie 1. Neu-
chätel et Berne, 1852. F. 2. 1853. 872 pag. 8.
89) Grenler et Godron, Flore de France. Tome 2. Partie 2.
Paris, 1852. p. 393—760. 8.
90) Jordan, pugillus plantarum novarum praesertim gallicarum.
Paris., 1852. 148 pag. 8.
91) Desmazier e 8, 20. notice sur les plantes cryplogames rc-
cemment decouverte» en France (Ann. sc. nat. III. 18. p. 355 — 375):
23 Pilze enthallend.
92) Le Jolis, observations sur les Ulex des environs de Cher-
bourg (Mem. de la soc. des sc. nat. de Cherbourg. Vol. 1. p. 263 — 279.
Cherbourg, 1852).
93) Billot, Archives de la Flore de France et d'Allemagne.
p. 193—206. (s. vor. Jahresb.). Cenluriae Fl. cxsiccalae nr. 8. 9. Diese
Miltheilung enthält namentlich einen Artikel von Grenier über Scler-
anthus.
94) Kirsch leger, Flore d'AIsace et des conlrees limitrophes.
Vol. 1. Strassbourg, 1852. 662 pag. 8.
'^ 95) Willkomm, Wanderungen durch die nordöstlichen und
centralen Provinzen Spaniens. Reiseerinnerungen aus dem J. 1850.
2Tbcile. Leipzig, 1852. 812 S. 8.
96) Willkomm, die Strand- und Steppengebiete der iberischen
Halbinsel und deren Vegetation, Leipzig, 1852, 275 S. 8. mit 1 Karte
und 2 Tafeln.
97) Willkomm, enumeralio planlarum novarum et rariorum,
und gyslcmalischcn nolunik >vährcncl des Jahres 1852. 371
quas in Hispania auslrali rcgnoquc Algarbiorum legit (Linnaea , 25.
p.1-70).
98) Willkomm, iconcs et dcscriplioncs plantaram novanim
crilicarum et rariorum Europae auslro-occidentalis praeeipue llispaniac.
T. 1. Fase. 1. lö pag. 4. mit 7 Taf. : Diese Lieferung enthält nur Dian-
thus-Arten.
99) üoissier et Reuter, pugillus planlarum novarum Afri-
cac borcalis llispaniaeque auslralis. Genevae, 1852. 134 pag. 8.
100) Cosson, notüs sur quelques piantcs nouvelies, critiques
ou rares du midi de l'Espagne. Fase. IV. p. 141 — 184. Paris, 1852. 8.
101) Gh. Bonnet, Memoire sur le royaume de l'AIgarvc (Me-
morias da Acadcmia das Sciencias de Lisboa. Serie II. T. 2. , Parte 2.
p. 1^176. Lisboa, 1850. 4).
102) ßertoloni, Flora italica. Vol. 8. Fase. 3. 4. Bologna,
1851. p. 257—512.
103) Briganti, historia fungorum regni neapolitani (Alli della
reale accademia delle scienze. Vol. 6. p. 1 — 140. mit 46 Taf. f(apolii_
1851. 4). j
104) ParlatoVe (Comples rendus , 35. p. 211— 217: Jussieu,
rapport sur son memoire, ayant pour tilre „sur le Papyrus des aociens
et sur le Papyrus de Sicile," abgedruckt in den Ann. des .fic. nat. 111.
18. Bot. p. 295 u. f.). -. '\
105) Petter, dalmatische Inselflora (Oesterr. bot. Wochenbl. 2.
S. 18. 26. 34. 42. 50. 58. 66, 74. 81. 89. 97. 105. 113). '
106) AI. Dornilzer, Eindrücke einer Reise nach Dalmatien im
April 1852. (Lolos, Zeilschr. f. Nalurwissensch. 2. S. 152. 167. 184.'
Prag, 1852). y^^t^^^^
107) Scheele, Beiträge zur Flora von Damatien (Linnaea, 25.
p. 266-267).
108) Jaubertel S'pach, illuslrationes plantarum orientalium.*
VolIV. Parisiis, 1850— 1853. (Livr. 31-40. lab. 301— 400. 4.).
109) d. Nordmann, symbolae ad Florara cryplogamicamTrans-
caucasiac (Ada soc. fennic. Vol. 3. p. 385—396. Helsingfors, 1852. 4).
110) Lynch, official report of Ihe Uniled States expedition to
explore Ihe dead sea. Baltimore, 1$52: darin Griffilh's Botanical
report p. 58—67.
111) C. ürewingk, geognoslische und orographische Verhält-
nisse des nördlichen Persicns (Verliandl. der mineralogischen Gesellschafl
in St. Petersburg. Jahrg. 1852. S. 97— 244).
112) A. Lehmann, Reise nach Buchara und Samarkand in den
J. 1841 und 1842, nach den hinlerlassenen Schriften desselben bear--
heilet von G. v. IIcImerBcn (Beiträge zur Kcnnlniss des russischori»
Reichs, herausgegeben von y. Bacr und v. Ilelmcrscn). Bd. 17. St. Pe-
Iwsburg, 1852, 042 3. 8),
L
372 Gridcbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. gcogrnphischcn
113) Bunge, Beitrag zur Kenntniss der Flora Russlands und der
Steppen Cenlralasiens. Ablh. 1. Alex. Lehmann, reliquiae botanicae sive
enumeratio planlarum in itinere per regiones uralensi > caspicas, deseila
Kirghisoruin, Transoxanam et Sogdianam annis 1839 — 1842 peracto col-
lectarUm. 370 pag. 4. (Mem. des savants etrangers de l'acad. de St.
Petersburg, 1852).
114) Turcz aninow, Flora baicalcnsi- dahurica. Conlinualio
(Bullet. Mose. 1852. 2. p. 392— 471).
115) Seemann (Hooker's Journal of Bolany, 4. p. 18 — 26).
116) Sir W. Hook er, on the Chinese Rice paper (das. p. 50
.^54. 347— 351. t. 1.2: darin auch der Abdruck von Lewis' Mitlhei-
lung über ScaCvola Taccada aus dem Journ. of the Agric. Soc. of India
(Vol. 8. P. 2). — Bowring's Artikel über die Reispapier - Pflanze
(Transact. of the Roy. Asiat. Soc. China Brauch) ist ebenfalls in Hoo-
ker's Journal wiedergegeben (5. p. 79^84).
117) Mac Gowan, Tallow-tree and Insect-wax of China (das.
4.'ipVY50— 154: aus dem Journ. of the Agricult. Soc. of India f. 1850).
118) Thomson, Westera Uimalaya and Tibet. London, 1852.
IVol. 8,
119) Babington, Lichenes Himalayenses (Hook. Journ. ofßot.
4. p. 243—252).
120) Berkeley, decades of Fungi nr. 37— 40. (Hook. Journ.
of Bot. 4. p. 97— 107. u. p. 130—142).
121) Griffith, Palms of British East India, in continuation of
the „Pesthumous papers<' arranged by M'Leliand. Calcutta, 1850. mit
etwa 150 Tafeln Fol. — Nach einer Anzeige in Hook. Journ. 4. p. 94.
bestehen die Poslhumous papers nunmehr aus folgenden Abtheilungen:
1. Private Journals and Travels in India. 1 Vol. 8. (16 Rs.). 2. Itine-
rary noles (wilh a map). 1 Vol. 8. (12 Rs.). 3. Palms of British In-
dia. 1 Vol. fol. (50 Rs.). 4. Icones plantarum asiaticarum. Vol. 1, show-
ing development of organs in Phanerogamous plants.4, (16 Rs.). Vol. 2.
On the higher Acotyledonous plants notulae and icones. 4. (20 Rs.) : der
dritte Band sollte 1851 erscheinen und Monokotyledonen enthalten. Als
Beigabe zu den Icones sind 2 Bände Notulae ad plantas asiaticas er-
schienen (256 und 380 pag. 8.): alle diese Werke sind jetzt in London,
namentlich auch bei Pamplin, zu erhalten.
122) D alz eil, contributions to the Botany of Western India
(Hook. Journ. of Bot. 4. p. 107 — 114, 289-295. 341—347).
123) Edgeworth, catalogue of plants found in the Banda di-
8lricl. (Journ. of the Asiat. Soc. of Bengal. 1852. p. 24-48. 151—184)?
die systematischen Bemerkungen zu einzelnen Arten sind abgedruckt
in der Bot, Zeit. (10. S. 810. 822. 838. 859),
124) B. R. A. Nicholson, notes on BdeHium (Procced. of
und syslcmallschen Botanik während des Jahres 1852. 373
Linnean Soc, March 1851: abgedrncla in Ann. nal. bist. II. 10. p. 222
—224).
125) Stocks (Hook. Journ. of. Bot. 4. p. 314— 317. u. 6. p.59
— GO). — Es wird daselbst ein neues Werk von Buisl über die Klima-
tologie Ostindiens erwähnt: Manual of physlcal rescarchfor India. Bom-
bay, 1852).
126) Seemann, (llook. Journ. of Bot. 4. p. 82-92).
127) Junghuhn, Java, seine Gestalt, Püanzendecke und innere
Bauart. Aus dem Holland, von Hasskarl. Der erste Band (Leipzig,
1852. 483 S. 8. mit Landschaftsansichten) enthält die pflanzengeogra-
phische Abtheilung.
128) l'lantae Junghuhnianae. Fase. IL p. 107—270. 8. Lngdun.
Bat., 1852: darin von Miquel: Palmae, Nepentheae, Lemnaceae, Cha-
raceac, Cycadeae, Slyracifluae, Myristiccae, Elaeagneae, Lauriueae,
Myrsioeae, Aegicereae, Sapoteae, Ebenaccae (p. 167 — 204); von Hass-
karl Polygaleac, Amarantaceae , Commelyneae (p. 123 — 155); von
Älolkenboer Loranthaceae (p. 107— 117); von Burgersdy k Viola^,
rieae (p. 118— 122); von Bentham Leguminosao (p. 205— 269).
129) Th. Horsfield, plantäe javanicae rarfores. Elab. J. J.
Ben nett et R. Brown. P. IV. Londini , 1852. 4. p. 239—259. und
YIIL u. XVI pag. t. 46— 50: das Postscript enthält ausführliche Kach-
richten über H.'s Reisen in Java.
130) Miquel, Analecta botanica indica. P. III. (N. Verbände,,
lingen der eersle Klasse v. b. Kederl. Instituut. Ser. 3. D. 5. 1852):
die Diagnosen sind abgedruckt in der Regensb. Fl. f. 1853. S. 761—771.
131) Ilasskarl, Beiträge zur Flora von Java und Sumatra (Ke-
gensb. Fl. f. 1852. S. 113— 118) i fiber Maegelia, Monochoria and San-
sevcria.
132) Berkeley, enumeration of a small colleclion of Fungi
from Borneo (Hook. Journ. of Bot. 4. p. 161—164).
133) Kessel, über das Vorkommen und die Gewinnung des
Kampfers von Dryobalanops Camphora in Ostindien (Wiener Silzungsber.
8. p. 418-422).
134) Sir W. Hook er, on the Camphor.tree of Borneo and
Sumatra (Hook. Journ. of Bot. 4. p. 200 — 206. t. 7. 8).
135) J. E. Stocks, noles on Beloochistan plants (Ilook. Journ.
of Bot. 4. p. 142—150. p. 172—181): 37 Arten.
136) Reuter, quelques notes sur la Vegetation de I'Algerio
(Bibl. de Geneve. Archives des sc. 20. p. 89— 113. 1852).
137) Schimper, Berichte aus und über Abyssinicn (Wiener
Sitzungsberichte. Philosoph.-histor. Kl. Bd. 8. S. 227—239. 1852).
138) Scemanu (Jlook, Journ. of Bot. 4. p. 212. 238).
374 Grisebacli: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
139) Plant, Notice of; an excursion in the Zulu counlry: das.
p. 257-265). -tl 1o 3i^
140) Heer (VerhandlttngeA fler Schweiz, nalurf. Gesellschafl f.
1851. S.54 u. f.).
141) R. T. Lowe, primiliae et noviliae Faunae et Florae Ma-
derae etPorlus Sancli. London, 1852. (reprinled Iroin theTransactions
of tho Cambridge Philosophical Society).
142) J, A. Schmidt, Beilräge zur Flora der Cap Verdiachen
Inseln. Heidelberg, 1852. 356 S. 8.
143) Seemann, (Hook. Journ. of Bot. 4. p. 238— 242).
144) H. Rink, om den geographiske Beskaffenhed af de danske
Handelsdistrikter i Kordgrönland (k. danske Vidcnskabcrnes Selskabs
Skrifter. Nalurv. Afdel, V. 3): Sep.-Abdruck, Kopenhagen, 1852. C2S.
4. mit einer Karle.
145) See mann, the Bolany of the Voyage of H. M. S. He-
rald. Part. 1. 2. London, 1852. 80 pag. 4. mit 20 Taf. Die erste
Lieferung enthält: Flora of Western Eskimaux- Land (56 pag), die
zweite: Flora of Ihe Isthmus of Panama (Anfang).
146) ßabington (Hook. Journ. of Bot. 4. p. 276— 278).
147) J. D. Hooker, note on the occurrence of an eatable No-
^trfid'^n Ihe Arcllc Regiong and in the mountains of Central Asia ; ac-
companicd by a communication from M. J. Berkeley on the same
ßuhject (Proceedings ofLinn. Soc. Jan. 1852, abgedr. in Ann. nat. hist.
}I. 10. p. 301^303).
146) Le Conte, an enumeration of the Vines of North America
(Proceed. of the äcad. of Philadelphia , 1852. p. 269— 274): die Dia-
gnosen der 12 vom Verf. unterschiedenen, nordamerikanischen Vilis-Ar-
ten sind abgedruckt in Regensb. Fl. 1853. S. 707 u. f.
149) Kirtland, peculiarilies of the climale, Flora and Fauna
pf the Soulh Shore of Lake Erip (Silliman Aqier. Journ. IL 13. p.
1245-219. 1852),
l&O) Ravenel, planls of Ihe Sanlep Cana! (Procpedings of the
Americ. associalion. III. Meeting. 1850).
15t) Bertoloni, (Äliscellanea bolanica. XI. Bologna, 1851):
darin Fortsetzung seiner Arbeit ober Pflanzen aus Alabama (s. Jahresb,
f. 1849. S, 53)? yergl, A- Gray's Kritik in Sillim. Journ.II. 14. p. 114,
wo B.'s Bestimmungen berichtigt werden und ßich z. B. die Angabe
^ndet, dass B. eine bekannte Leguminose (Petaloslemon corymbosus)
^Is neues Synantl^ereen-Genus (tjatesia) aufgestellt hat.
152) Torrey, new planls of Fremont from California (Proceed.
©f Araer, assoc. IV. Äleet. 1850).
|53) Torr^y^ catalogue of planls collccled by Ihc cxpeditior^
und systematischen Botanik v^'ährcnd des Jahres 1852. 375
iii) Oüiu ♦' '■'■' '^^ noiatüojta ne ta ^aiK»^
10 Ihe Valley of the greal Salt Lake of Utah (Slansbury, expcdilion
clc. Appendix D. p. 383— 31)7. mit Taf. London, 1852. 8).
154) A. Gray, plantae AViighlianae. 1*. 1. 146 pag. «nd 10 Taf»
4. (Smillisonian Conlributions Yol. 3) : Uanunculacccn-Synnnlhercen.
155) Engelmann, notes on Ihe Ccreus giganteus of Soulki:
Easlcrn California (Americ. Joorn. of Science. XIV. 1852. Kov. 5 pag.^^
156) Engelmann, on the characler of the Vegetation of Soutk
"Western Texas (Proceed. of Americ. Assoc. V. RIcct. 1851). .^ ah^Ml
157) Scheele, Beiträge zur Flora von Texas (LinnaeSy 25. p.
254—265) : 8 Arten.
158) Sartwell, Cariccs Amcricae scplenlrionalis exsiccalae.
P. 1. 2. New- York, 1848-50: 158 Formen.
159)Kotschy, Ueberblick der Vegetation Älexieo's (Wie^ner
Sitzungsb. Kalurw. Cl. Bd. 8. S. 187—198).
160) Heller, die Hochebene und der Vulkan von Toluca (Oe*f.y
sferr. bot. VVochenbl. f. 1852. S. 123. 131). H
161) Liebmann, Rlexico's og Cenlral-Amerika's Begonfer ,(Vi<(f s
dcnsk. Aleddelelser fra den naturh. Forening i KJöbenhavn for 1852.
p. 1—22); Rubi (das. p. 150—164).
162) Bcntham ündOersted, CentraTamerikas Bubiaeeer (da^^,^
p. 23 — 61); Composilae (das. p. 65 — 121); Leguminosae (das. f. 1853y~^
19 pag.); Scrophularineae (das. 12 pag.); Labialae (das. 11 pag.). .,y
163) Grisebach und Oersted, Malpighiaceae centroamerica»;;
nae (das. 10 pag.) ; Genlianeac (das. 6 pag.).
164) Sporleder, Beilrag zur Flora der Insel Fortorico (Ua.-^^
naea, 25. p. 333— 366). ...,
165) Berkeley, enameratioa of some Fungi from S. Domingo >
(Ann. nat. hisl. IL 9. p. 192—203).
166) Klotz seh, Beiträge zu einer Flora der Acqninoclial-Ge-
genden der neuen Well: darin C. H. Schultz, Stevia (Linnaea, 25.
p. 268-292).
167) v. Schlechten dal, plantae Wageneriaaae colurabicaQ
(das. p. 743-750). .^^_^^_^ „a^jei
168) Sir R. Schombourgk, on the forest - trecs of British
Guiana and their uses in architecture (Proceed. Linn. Soc. Dee. 1851?
abgedr. in Ann. nat, bist. II. 10. p. 294— 300).
169) d. Älartius, Flora brasilensis. Fase. XI. Chloranlhaccae
et Piperaceae, exposuit Miquel. 76 pag. mit 24 Taf. und einer Landrf
schaflsansicht. Lips. 1852.
170) Bcntham, Second report on Mr. Spruce's collectlons of
dried planis from Korlh Brazil (Hook. Journ. of Bot. 4; -p.vÖ'«18)J
Letter from Mr. Spruce (das. p. 315— 312).
376 Grisebach: Bericht üb. d. Lcislungen in d. geographischen
171) Weddell, Addilions ä la Flore de rAinerique du Sud:
suite (Ann. sc. nat. III. 18. p. 193—232).
172) Spring, rapport sur un memoire de Mr. C. Pinel, inli-
tule: cousiderations generales sur la Vegetation au Brcsil (Bulletin de
l'acad. de ßruxelles, 1852. T. 19. P. 2. p. 483—488).
173) Burmeister, geologische Bilder. Bd. 2. Leipzig, 1852.
darin: der tropische Urwald (S, 181 — 276); die übstarten Brasiliens.
(S. 277— 306).
174) Montagne, Diagnoses phycologicac (Ann. sc. nat. III. 18.
p. 302-319).
175) Philippi, Besteigung des Vulkans Pi-se, auch Vulkan von
Osorno und Vulkan von Llanquihue genannt (v. Leonhard und Bronn,
neues Jahrb. f. Mineralogie. 1852. S. 551 — 580); Höhenbestimraungen
(das. S. 941).
176) Miquel, species aliquot nov. Valdivian, a W. Lechler
collect. (Linnaea, 25. p. 650 — 654).
177) F. Müller, diagnoses et descriptiones planlarum novarum,
quas in Kova Hollandia australi delexit (Linnaea, 25, p. 367— 445), und
Planlae Möllerianae (das. p. 449-530. 657-722).
178) A. Gray, characters of some Soulh-West-Auslralian Com-
positae (Hook. Journ. 4. p. 225—232. p. 266—276).
179) Meisner, a list of the Proteaceae collected in Soulh-w^e-
slem Australia by J. Drummond (das. p. 181— 187. 207—212).
180) J. D. Hook er, the Bolany of the Antarctic voyage. II.
Flora of New-Zealand. Part. 1. 2. 3. London, 1852—53. 240 pag. 4.
mit 60 Taf.
181) Dumont d' Urville, Voyage au Pole Sud et dans
rOceanie. ßotanique. Atlas. Paris, 1852.: 20 Tat. Zellenpflanzen,
5 Taf. Farne und 31 Taf. Phanerogamen.
182) Seemann, Notes on the Sandwich Islands (Hook. Journ.
of Bot. 4. p. 335—341).
j
B. ISy!§itemaük.
Von Lindley's Darstellung der natürlichen Familien
erschien eine neue vermehrte Auflage (The vegelable King-
dom. 3. edition. London, 1852. 8). — Schieiden hat seine
Ansichten über Systematik des Pflanzenreichs in seinem Hand-
buche der medicinisch-pharmaceulischen Botanik ausgespro-
chen (Leipzig, 1852. 414 S.S.).
Von DeCandolIe's Prodromus erschien die erste Ab-
iheilung des dreizehnten Bandes, worin die Solaneen von
Dunal und die Plantagineen von Decaisne enthalten sind
CParis, 1852. 741pag. 8).
Von Sir W. Hooker's Icones plantarum erschien der
neunte Band (London, 1852. 8). — Wenderoth publicirte
Analekten kritischer Bemerkungen (Heft 1. 12 Gewächse mit
1 Tafel).
Dikotyledonen.
KanunculacecD. Glos uniersuchte die Enlwickelung von
Ranunculus Ficaria (Ann. sc. nal. 111. 17. p. 129—142). Dieses Ge-
wachs erklärt er für nicht perennirend, weil es 15 bis 16 Monate nach
seiner Keimung bis auf die Knollen abstirbt: er behauptet, dass diese
letzteren Gebilde theils Axillarknospen, Iheils WurzelhypertrophieenJ.
aber in beiden Fällen zur Erzeugung neuer Individuen bestimmt seien.
C. reducirt Ficaria und Oxygraphis zu Ranunculus. — Neue Gat-
tung: Gampsoceras Stev. (Bullet. Mose. 1852. 1. p. 541) = Ranuncu«
lus cornutus Tinard coli, (non DC.) : weder die Trennung dieser Art
von Ranunculus — auf Grund des längeren Karpellschnabels — ist ge-
rechtfertigt, noch das früher von Steven aufgestellten Xiphoconia , zu
welchem er jetzt noch einige andere kleinasiatische, von R. Orientalist
abgesonderte Formen, so wie R. leptalcus DC. gezogen hat (das. p. 53?
u, f. Inf. 7).
378 Grisebach: Bericht üb, d. Leistungen in d. geographischen
Anonaccen. Neue Galtung: Richella A. Gr. (Proceed. of ihe
Amer. acad. 2. p. 325) : ein Baum des Fidschi-Archipels mit einer Tesla
alata, neben Polyalthia gestellt.
Nymphaeaccen. Von Sir W. Hook er erhielten wir eine
schöne Abbildung der durch ihre herz- lanzettförmigen Blätter so aus-
gezeichneten Barclaya longifolia (Ann. sc. nat. Hl. 17. p. 30t— 304.
t. 21): U. ist geneigt, nach Analogie von Hepatica und Podophyllum,
den Kelch dieser Pflanze, aber auch einen Theil ihrer Cerella supera
als Involucralbildungen aufzurassen. — Mit Beobachtungen über Victo-
ria beschäftigte sich Kiotzsch (Monalsber. der Berl. Akad. f. 1852.
S. 547 — 549), mit der Anatomie derselben H en fr ey (Philosoph. Irans-
act. 1852. p. 289—294).
Menispermeen. Fayer untersuchte die Entwickelung der
Blülhe (Ann. sc. nat. HI. 18. p. 248—250 t. 15): die ursprüngliche
Stellung der Organe ist der von Berberis analog; bei Menispermuih
Cocculus findet P. die eine seilliche Hälfte jeder Antherc abortirt und
zwar die nach aussen gestellte, während die innere sich durch eine
transversale Falte in zwei über einandergeslellte Fächer theile ; bei
M. canadense waren die drei Karpelle Anfangs offen und schlicssen sich
durch Zusammenwachsen ihrer Ränder (P. schlägt vor, eine solche Ver-
einigung früher gesonderter Theile durch den Terminus „coalitus« von
der Symphyse = „connatus" zu unterscheiden); an jedem Karpellrande
entsteht hier ein auatropcs Ei, von denen das eine aufsteigt, das an-
dere herabhängt: bei Cissampelos abortirt eins der beiden Eier.
B erber ideen. Durch Payer's Untersuchung der Blüthencnl-i
Wickelung bei mehreren Berberideen (das. S. 246—248. t. 14) werdeo
Schenk's Beobachtungen über Berberis (Jahresb. f. 1850. S. 93) bestä-i
tigt. Bei Mahonia repens und andern Berberideen glaubt P. wahrge-
nommen zu haben, dass die Eier aus dem Torus enlspringen , der von
dem Karpellblatt unterschieden werden könne, eine Ansicht, die mit der
Placentation von Epimedium (f. 32) nicht so leicht zu vereinigen sein
diirftc, "yvie der Verf. annimmt.
Cruciferen. Neue Gattungen: Dollineria Saut. (Regensb. Fl.
1852. S. 353.) = Draba ciliata Scop. , wegen der später zu linearer
Gestalt auswachsendep Silicula als Uebergangsglied zwischen den Alys-
sineen und Arabideen betrachtet und von Arabis durch die anaslomo-
sifenden Nerven auf den Fruchlklappen, die geringe Anzahl der Samen
uq4 <|ie dickeren Funiculi unterschieden; Greggia A. Gr. (pl. Wrighl. 1.
p. 8. t. 1.) == Synlhlißpis sp. olim, von dieser Galtung durch notorrhi-
zeische Samen unterschieden, von den Sisymbrten durch ein schmales,
fast wie bei den Lepidineen gebildetes Seplum abweichend, einheimisch
in den südlichen Prairieen — Greggia Engelm. ist nach A. Gr. Cowa-
uia purpurea Zucc. — ; Euzomodendron Coss. (nolcs p. 144): Strauch
des südspanischen Salzbodens, von ßourgcau unweit Almeria entdeckt.
und syslctnalischen Botanik wahrend des Jahres 1852. 379
aus der Gruppe der ßrassicecn, durch Stamina inaiora per parte usque
ad apircm iilamenta coalila sehr ausgezeichnet; Pendulina WiWk. (Lin-
naea, 25, p. 2.) = Diplotaxis sp. siliquis penduli«:, durch fast sitzende
Narbe von Diplolaxis abweichend; Corynelobos d. Roem. (das. p. 7),
Brassicee, bei Malaga von Willkomm gefunden und von Sinapis nur
durch die Bildung des Rostrum unterschieden : R. siliqua crassius, da*
vatuni, „circulo" albido imposilura , secedens, nionospermum, parte se-
niinifera toruloso-strangulata.
Rcsedaceen. Ilolopetalum Turcz. wird von Turczaninow
als zu Oligomeris gehörig anerkannt (Bullet. Mose. 1852. 2. p. 180).
Capparideen. Schenk untersuchte die Blülhenentwickclung
von Capparis sicula (Verh. der Würzburger Ges. 3. p. 66 — 71): der
Kelch entsteht in zwei Wirtcln successiv, die vier Petala als ein einzi.
ger gleichzeitig; die Slaminen bilden vier bis fünf Wirlel, von denen
wahrscheinlich jeder acht Organe zählt; das Ovarium nebst dem Car-
pophorum sieht S. als becherförmige Axe an , die Karben als Blattbil-
dungen : es sind im Anfange placentare, vollständige Dissepimenle vor-
handen, wie bei den Cruciferen, die aber zur Zeit der Befruchtung
verschwinden, während die Pulpa aus einem von der Wand des Ova-
riums zwischen den IMacenten entvvickellen Gewebe hervorgeht : die
Eier stehen nicht neben, sondern auf den Placenten in je zwei Reihen ;
die Frucht, die man als nicht dehiscirend beschrieben hat, öffnet sich
kapselartig. — Payer beschäftigte sich ebenfalls gleichzeitig mit der
Rlüthenentwickelung von Capparis, so wie von Cleomo und Polanisia
(Comptes rendus, 34. p. 286 — 289). Seine Beobachtungen an Capparis
sind in Bezug auf die Fruchlenlwickelung weniger vollständig, aber im
Ganzen mit denen Schenk's übereinstimmend : im Kelche sind das vor-
dere und hintere Blatt die zuerst entwickelten; die beiden zuerst
gebildeten Staminalwirtel fand P. vierzfihlig, den dritten 8-, den vier-
ten 16zählig, wobei der erste, als der äusserste, der Corolle alternirt;
das Ovarium bildet sich, nach ihm, ähnlich, wie bei Primula, als ein«
kreisförmige Falte rings die Spitze des Torus umgebend (repli circu-
lairc aulour du mamelon central) ; die Placenten enden nach oben in
die Narben, wie bei Cleome und bei den Cruciferen; die Eier sind
anatrop. Cleome weicht bedeutend ab, indem hier und bei Polanisia
das Ovarium aus zwei gesonderten Karpellanlagen hervorgeht (2 bour-
relets). Auch Cleome und Polanisia zeigen Verschiedenheiten : dort
sind, wie bei Capparis, zwei successiv gebildete Kelchwirtel , die bei-
den seillichen Staminen entstehen zuerst, dann das vordere und hintere
Paar gleichzeitig, die Narben sind den Placenten opponirt; bei Polani-
sia entsteht erst das vordere, dann die beiden seillichen Kelchblätter,
zuletzt das hintere, von den Slaminen bilden sich zuerst die hinleren,
dann die seitlichen, zuletzt die vorderen, die Karben wechseln mit den
Placenten ab. Dass bei drei so nahe verwandten Galtungen so bedeu-
'380 Griscbach: Bericht üb. d. Leislungcn in d. geographischen
tende gcnctisclic Unlcrscbicde in der ßlülhe bemerkt werden, mindert
die Erwartungen , welche die Systematik an Untersuchungen dieser Art
«u knüpfen pflegt. — Wiers verbesserte und vervollständigte den Cha-
rakter von Alamisquea, die sich durch pseudopcrigynische Insertion der
drei äusseren ßlülhcnwirtel auszeichnet (Transact. of Linn. soc. 21.
p. 1 — 5. l. 1).
Violaceen. Zu dieser Familie überträgt J. D. Hook er die
mit riymcnanthera nahe verwandte Gattung Melicylus , die bisher zu
den Flacourlianeen gerechnet war, von denen sie z. B. durch llypo-
gynie abweicht (Fl. New-Zeal. p. 17). — Neue Gattungen ; Agalea A.
Gr. (Proceed. of Amer. Acad. II. p. 323) : eine Liane der Fidschi - In-
seln, durch diadelphische (1 : 4) Staminen ausgezeichnet; Isodendrion
A. Gr. (das. p. 324) : eine durch drei Arten auf den Sandwich -Inseln
repräsentirte Galtung, die sich durch Symmetrie der Blüthe zwar an
Alsodeia anschliesst, aber gelrennte Staminen ohne Connectiv-Forlsalz
und einen hakenförmigen GrifTel mit einseitiger Narbe besitzt.
Tremandreen. A. Gray vindicirt gegen Payer, der dieTre-
mandreen irrig durch einzelne Eier charakterisirt glaubte, die Richtig-
keit des von R.Brown gegebenen Familiencharaklers, indem Telralheca
nur in gewissen Arten, wie in T. ericifolia , Loculi uniovulati besitze
(Hook. Journ. of Bot. 4. p. 199).
Euphorbiaeeen. Scheele beschrieb einige neue Formen aus
den Sammlungen von Lindheimer, Roemer und ürege (Linnaea, 25.
p. 580— 588). — Turczaninow erklärt, dass Diplostylis Sond. (Jah-
resb. f. 1850. 8.86) mit seiner 1843 aufgestellten Galtung Adenocline
rusammenfallß (Bull. Mose, 1852. 2. p. 179). — Neue Gattung : Pro-
sorus Dalzell (Hook. Journ. 4. p. 345) : ein ostindischer Baum , von
Flüggea vorzüglich durch lelramerische Blüthe unterschieden.
Antidesmeen. Die schon bei Wallich vorkommende Gattung
Bennellia R. Br. (pl. Javan. rar. 4. p. 249. t. 50) unterscheidet sich
Ton den Antidesmeen vorzüglich durch eine polypelalische Corolle und
dient daher die Stellung derselben bei den Euphorbiaeeen zu bestäti-
gen. Sie erinnert, namentlich durch den übereinstimmenden Bau des
Ovariums, auch an die Phytokreneen: die unterscheidenden Merkmale
sind jedocji mannigfach, namentlich die Stipulen, die Polypelalie, die
Dekandrie, die eigenthümliche Querlage des Embryo bei Bennettia.
Portulaceen. Neue Gattung: Talinopsis A. Gr. (pl. Wright.
1. J>. 14); von Grahamia durch die eigenthümliche Dehiscenz (C. tri-
valvis, epicarpio coriaceo ab endocarpio sexvalvi chartaceo dissiliente),
flügellose Samen und fehlende Brakteen unterschieden , ein niedriger
Strauch in Neu-Mexiko ; Grahamia hat Semina late membranaceo-s^lata,
crabryone curvato albumen parcum semicingenle.
Ficoideen. Payer untersuchte die Blüthenenlwickelung von
Mesembryanthemum, Tetragonia und Trianthema (Ann. sc. nat. III. 18.
und systcmalischen Botanik während des Jahres 1852. 381
p. 234. 240. t. 10. 12. 13., vergl. vor. Jahrcsb. S. 91) : durch die jetzt
erschienenen TaTeln werden die früher mitgelheilten Ergebnisse deut-
licher. Bei Mesembryonlhenium ist die CoroUe ein System steriler Fi-
lamente, eine wirkliche Corolle fehlt, wodurch die Verwandtschaft mit
Tetragonia erläutert wird : nachdem sich nämlich die Kelchbläller suc-
cessiv (zuerst zwei gleichzeitig, dann die übrigen) gebildet haben, ent-
wickeln sich ihnen allernirend sogleich die Bildungspunkte der Stami-
nen ; es sind dies z. B. bei M. violaceum fünf Höcker (bosses) auf dem
Torus, aus denen zuerst die fünf innersten Staminen hervortreten, wor-
auf die übrigen allmählich in cenlrifugaler Richtung folgen , bis end-
lich die letzten und äusserslen sich in die Petala umbilden; die Kar-
pophylle (bei M. violaceum 5, die durch ein falsches Dissepiraent zum
zehnfächrigen Ovarium werden, bei M. edule 10) sind Anfangs offen
(t. 10. f. 6. 7. 9. 10) , sie werden, ähnlich wie bei Punica, bei den ge-
nannten Arten (nicht bei M. cordifolium) durch das in der Peripherie
stärkere VVachslhum des Torus in eine horizontale und zuletzt hängende
Lage gebracht (leur ouverlure elant tournce vers le centre et leur fond
vers l'exterieur — le mouvement nes'arrele pas lä — les loges redevien-
ncnl paralleles ä Taxe apres avoiraccompli une rßvolulion entiere, mais
alors leur fond est en haut et kur sommet en bas) : meines Erachtens
kann man die epigynische Insertion ebenfalls durch den becherförmigen
Torus erklären, dessen Grube von den durch Symphyse vereinigten Blall-
scheiden der Karpophylle, d. h. den unteren Ovarien ausgefüllt wird ; die
anatropen Eier entstehen in mehreren Reihen und entwickeln sich ia
absteigender Richtung an der Placenla, welche durch die Drehung pa-
rietal erscheint (F. 16. 25), wiewohl sie ursprünglich an der inneren
Seite des Karpophylls lag (F. U — 13) und bei M. cordifolfum als ge-
meinsame Centralplacente beharrt (F. 20). In den apetalen Gattungee
Tetragonia und Trianthcma alternirt der zuerst gebildete Staminalwirtel
ebenfalls mit dem Kelch , bei der tetrandrischen Telrag. echinata bleibt
jener Wirte! der einzige, die Polyandrie anderer Arten ist der von Me-
sembryanlhemum analog; das Ovarium entspricht der Bildung von M.
cordifolium, nur dass jedes Fach ein einziges hängendes, analropes Ei
erzeugt : die Hemiepigynie von Tetragonia hat P. sehr klar von dem
ungleichen Wachsthum des Torus in der Peripherie und den mittleren
Regionen abgeleitet. Auch Trianlhema, eine Gattung, die wegen der
Stellung der Staminen und der anatropen Eier von den Portulaceen,
ungeachtet des freien Ovariums, zu den Ficoideen zu transponiren ist,
steht Mescmbryanlbemum in seiner Bildungsgeschichte nahe (t. 12): bei
T. monogynum ist von Anfang an nur ein Karpophyll vorhanden und
daher die Placenla parietal; ihre Eier, die ebenfalls in centrifugaler
Richtung erscheinen, haben am Grunde eine becherförmige Bekleidung
(F. 15), welche P. für ein drittes Integument erklärt, die aber wohl nur
ein Arillus ist ; das Ovarium entwickelt im oberen Thclle ein transversa-
382 Griscbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
les Dissepinient (F. 19), 'ttelrhcs die oberen Eier von den übrigen ab-
sondert und an die Scheidewände des Lomentum erinnert.
Chenopodeen. Bunge reformirt den Charakter mehrerer
Galtungen (Lehm, reliq. bot. p. 282 u. f.). Die Salicornieen disponiii
er nach folgenden Kennzeichen: a. Flores articulis excepti == Arlhro».
cnemum] b. Flores gpicati, excavatlonibus rhacheos immersi ; radicula
horizontalis infera. Salicornia, albumine subnullo, cmbryone condupli-
calo ; Kalidium, albumine ccnlrali copioso, embryone hippocrepico. c.
Flores squamis dcciduis inlerstincti, radicula supera. Halocnemum^ se-
palis 3 liberis ; Haloslachys , sepalis connalis. Von Schoberia giebt er
eine monographische Uebersicht der Arten und vereinigt damit Che-
nopodina und Brczia. Von den Anabaseen giebt er ebenfalls eine neue
Analyse der Gattungen. Physogelon gehöre anscheinend zu Halimo-
cnemis. Keue Galtungen : Haloarylon ßg. (das. p. 292.) == Anabasis
Ammodendron und Caroxylon articulatum; Micropeplis Bg. (das. p. 298.)
= Halogelon arachnoidcus.
Amarantaceen. Gomolriche Turcz. (rectius Goniotriche) vv^ird
vom Begründer dieser Gattung mit Trichinium für vielleicht identisch
erklärt (Bull. Mose. 1852. 2. p. 180). — Neue Gattung; Hemisteirus F.
Älüll. (Linnaea, 25. p. 434) : jährige Pflanze Australiens, zwischen Pti-
lotus und Psilotrichum gestellt.
Malvaceen. Payer, der die Blülhenentvvickelung untersucht
hat, theilt einige Abweichungen zwischen seinen und Duchartre's Er..
gebnissen mit, die jedoch nicht erheblich und zum Theil nur von mor-»
phologischem Interesse sind (Comptes rendus, 34. p. 912): bei Hibis-
rus splendens und anderen Arten entsteht die Corolle früher, als die
ihr opponirten Slaminen; die letzteren folgen nicht einem centripeta-
Icn, sondern einem centrifugalen Entwickelungsplan. — Neue Gattung:
Abutilaea F. Müll. (Linnaea, 25. p. 379) , ein neuholländischer Strauch,
der Fleischeria am nächsten steht.
Tiliaceen. Payer beschrieb die Blülhenentwickelung von
Tilia, Sparmannia und Corchorus (Comptes rendus, 34. p. 908— 912).
Bei Tilia ist die Blülhe nach dem Bildungsplane der Malvaceen ge-
baut: namentlich alterniren auch hier die Staminalgruppen mit dem
Kelch (cinq grosses bosses, opposees aux pelales). Bei Sparmannia und
Corchorus dagegen findet sich, nach ihm, die entgegengesetzte Stel-
lung der ßlülhenwirlel, und, da er auch eine Reihe von anderweitigen
Bildungsverschiedenheilen aufgefunden hat, so wird dadurch die Ver-
wandtschaft dieser Gattungen mit Tilia zweifelhaft: die Staminalhöcker
(bosses slaminales), d. h. die Primordialgebilde des Staminalwirtels al-
terniren mit der Corolle, ihre Entwickelung weicht ab, ebenso die
des Ovaiiums, die Karpophylle sind der Corolle opponirt, die Eier sind
indefinit und horizontal gerichtet; an den hängenden Eiern von TiHa
fand P. eine Raphe exlrorsa.
und syslemalischcn Botanik während des Jahres 1852. 383
Byltneriaccen. Turczaninow beschrieb eine Reibe neuer
Formen (Bull. Mose. 1852. 2. p. 138 u. f., abgedruckt in Rcgensb
Fl. 1833. S. 729 u. f.) und rcducirte seine Gattung Ditomoslrophe zu
Thomasia(p. 144). —Neue Galtungen t Asterochiton Turcz. (das. p. 138):
Evviscbcn Lasiopclalum und Corcthrostylis gestellt, von Swan River =
Drumm. coli. V. nr. 258; Cyhiosligma Turcz. (p. 155): zwei mit Bylt-
neria verwandle Arten aus Mexiko = Galeolt. coli. nr. 326. und Lin-
den coli. nr. 848; Di«roglossum Turcz. (p. 157): ein Baum in Guaya*
quil, mit Herrania verglichen = Jameson coli. nr. 399 und 519.
Rhamneen. Hasskarl gab eine genauere Beschreibung vott
Naegella (Regens. Fl. 1852. S. 113 u. f.) — Neue Galtung: Micro*
rhammis A. Gr. (pl. Wright. 1. p. 33) : ein Strauch in Kordmexiko und
den von Texas westlich gelegenen Prairieen, von Erikenhabilus. Cha*
rakter : 5, 5, 5, 2 ; ovarium superum in stylum angustatum, sligmate
emarginalo, ovulis solilariis ; fructus subdrupaceus, cupula parva sufluU
lus, aborlu monospermus, cotyledonibus oblongis planis,
Meliacecn. Alexander bestätigte die schon von A. Jussieu
beobachlele succcssive Enlwickelung des Blatts von Guarea (Proceed*
of Linn. soc. 1851 May in Ann. nat. bist. II. 10. p. 224): der gemein-
schaftliche ßlallstiel von G. grandifolia wächst in Jamaika , nachdem
er seine Blältchen bereits verloren , in der Regenzeit auf's Neue aa
seinem Ende fort und entwickelt hier neue Blättchen , während der
untere Theil verholzt und einem Zweige ähnlich wird (at each suc-
cessive rainy season , of which there are Iwo in the year , throws
out from the end a fresh foliage of several pairs). Dass deshalb, wie
Schacht später gemeint hat, ein solches Blatt morphologisch nicht als
Zweig zu betrachten sei, ist aus A.'s weiteren Bemerkungen deutlich
EU entnehmen. — Neue Gattung : Zurloa Ten. (Alli d. reale accad. d.
scienze. Vol. 6. p. 141 — 151. c. ic. Napoli, 1851): aus dem neapolita-
nischen Garten.
Hypericineen. Roepcr, der die Stellung vcn Parnassia in
dieser Familie mit Recht für nalurgemäss erklärt, bemerkt gegen Bra-
vais, dass, wenn monströs 5 Karpophylle vorkommen, diese den Nek-
tarien opponirl stehen: die letzteren sind, nach ihm, von der CoroIIe
ganz gesondert und jedes Bündel als ein Blattorgan anzusehen (Bot.
Zeit. 10. S. 187. 425).
Podostemeen. Tulasne hat seine Monographie dieser Fa-
milie (s. Jahresb. f. 1849. S. 88) jetzt zum Abschlüsse gebracht und mit
vollständiger Beschreibung der Arien herausgegeben (Monographia Po-
dostemacearum. Paris, 1852. 4 mit 13Taf.): in einem Supplement sind
die neuen Gattungen Lonchostephus und MonoslyUs unterschieden.
Tamariscinecn. Mit dieser Familie vereinigt Bunge die
Reaumuriaccen wegen der vermittelnden Stellung von Hololachna (re-
liq. Lehm. p. 114): die Insertion erklärt er in beiden Fällen für peri-
Archiv r. Naturgesch. XIX. Jahrg. 2. Bd. 2
384 Griscbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
gynisch , die einzige Verschiedenheit liege in dem Albumen der Reau-
muriaccen (Tarn. p. 3). Bunge publicirte eine sehr schätzbare Mo-
Hoo-raphie der schwierigen Gattung Tamarix (Progr. univ. dorpat: In-
est tentanien generis Tamaricum species accuralius definiendi. Dor-
pali, 1852. 84 pag. 4): die Zahl der Arten ist durch ihn bedeutend —
bis auf 51 — vermehrt, eine Reihe neuer distinktiver Charaktere ent-
deckt worden. Trichaurus wird zu Tamarix reducirt, Alyricaria durch
St. monadelpha und Conia scminum stipitata unterschieden.
Coriarieen. Zu Coriaria reducirt Turczaninow seine für
eine Zanthoxytee gehaltene Galtung Helerocladus (= Hclerophylleia ej.)
(Bullet. Mose. 1852. 2. p. 180).
Rulaceen. A. Gray versetzt, nach ßentham's Vorgange, Koe-
berlinia von den Pillosporecn zu den Diosmcen und giebt einen aus-
führlichen Charakter jener Gattung (pl. Wright. 1. p. 30)- Bunge
zieht Peganum zu den Zygophylleen wegen der Struktur des Samens,
wie auch iMalacocarpus und Tctradiclis (reliq. Lehm. p. 62). — Tur-
czaninow erklärt seine Zygophyllee Gonoplera für identisch mit Bul-
nesia Cl. Gay (Bullet. Mose. 1852.2. p. 180). — Neue Gattungen: EU
crocybe Turcz. (das. p. IGö) : Diosnieen aus Swan River = Drumm.
coli. V. nr. 209. 210. 211 ; ISemalolepis Turcz. (das. p. 158): den Si-
marubeen verwandter Strauch aus Swan River mit sympelalischer Corolle
= Drumm. coli. V. nr. 194 ; Sericodes A. Gr. (pl. Wright. 1. p. 28) :
den Zygophylleen verwandter Strauch aus Nordmexiko, aber mit einfa-
chen fasciculirten Blättern , wobei diese Fascikel am Stengel allerni-
ren ; Millianlhus Bg. (reliq. Lehm. p. 58.) = Zygophyllum portulacoi-
des Cham., durch apctalisehe Blüthe und Sarcozygium Bg. (das. p. 59)
durch Tetramerie und indehiscirende Frucht von Zygophyllum ab-
weichend.
Ericeen. Roeper bestätigt Döll's Beobachtung, dass bei den
Rhodorcen das fünfte Kelchblatt von der Axe abgewendet sei, wozu
auch Ledum gehöre ; auch erläutert er die Stellung ihrer Brakteoleen
(But. Zeit. lO. S. 430). — Turczaninow reducirt seine Galtung Jur-
gensenia, die er irrig für eine Zygophyllee gehalten hatte, zu Bejaria
(a. a. 0. p. 180).
Diap ensi ace en. Die beiden hieher gehörigen Gewächse wur-
den von A. DeCandolle im Trodromus abgehandelt (13. 1. p. 691) :
er hält sie mit Fries für eine Tribus der rolemoniaceen , durch quin-
cunciale Corollenäslivalion und divergirende Antherenfächer von ihnen
abweichend, aber habituell einigen kleinen i'hlox-Arten ähnlich.
Epacrideen. Neue Gattung: Froebelia Reg. (Regensb. FL
1852. S.417): Stypheliee aus Adelaide, mit Soleniscia verwandt.
Celastrincen. Von der Gattung Goupia, deren Verwandtschaft
Zweifelhaft ist, gabBentham einen ausführlichen Charakter der Blüthe
und systematischen Botanik wahrend des Jahres 1852, 385
(Hook. Journ. 4. p. 12) , jedoch ohne ihre Stellung aufzuklären : im
Habitus stehe sie Bytlneria nahe, allein durch imbrikativen Kelch und
der Corolle alternirende Stamincn entfernt sie sich von deren Verwandt-
schaftskrcisc, durch Ovula indeßnita und 5 getrennte Griffel von den
Celaslrineen. — Neue Gattung : Mortonia A. Gr. (pl. Wright. l. p. 34.
f, 4): Sträucher in Nordmexiko und am S. Felipe - Biver. Charakter:
5, 5, 5, 5 ; calycis tubus 10-costatus; lobi disci petalis oppositi; ova-
rium basi parutn accrescens 5-loculare, loculis corollae oppositis biovu«
latis, slylo apice ö-deotato , achenio aborlu monospormo, arillo nallo,
albuminc parco.
Urticeen, Thwaites vergleicht Trophis und Epicarpurus, die
beide zu den Äloreen geboren (llook. Journ. 4. p. 1 u. f.). — Neue
Galtungen : Hyrlanandra Miq. (PI. Jungh. p. 25.) := Urtica pentandra
Roxb. etc. 5 Dendrocnide }i\i(i. (das. p. 29.) = U. peltata Bl. etc.; Leu-
eoenide Miq. (das. p. 36.) s= U. alba BI., candidissima Bl., dichotoma Bl»
etc. ; Oreocnide Miq. (das. p. 39.) = U. sylvatica Bl. ß , rubescens BI.
etc. ; StcHochasma Miq. (das. p. 45) : Artokarpee in Sumatra , unvoIU
ständig bekannt, mit einem Ferigonium $ basi membranaceum, apice
carnosum incrassatum poro exili pervium; Parasponia Wiq. (das. p. 68):
Baum in Java, in der Mitte zwischen Sponia nnd Celtis stehend; Z>t>
scoearpHs Liebm. (K. dansk. Selsk. SUr. V. 2. p. 308.): mexikanische
ilolzgewächse , neben Myriocarpa gestellt ; Leucocoecus Liebm. (das,
p.311.): tropisch, von Boehmeria abgesondert; Sahagunia Liebm. (das.
p. 316); zweifelhafte Moree von Vera Cruz, $ unbekannt.
Polygoneen. Bunge vereinigt Pterococcus und Calliphysa
mit Calligonum und gicbt eine diagnostische Uebersicht der Cailigo-
num-Artcn (reliq. Lehm. p. 309). — Mi er 8 reforniirt nach einer neuen
chilenischen Art den Charakter von Oxythcca (Proceed. Linn. Soc. Dec.
1851 in Ann. nat. bist. II. 10. p. 292).
Terebinthacecn. Neue Gattung : Cy rfospermum Benth. (Hook.
Journ. 4. p. 13): Anakardiacee vom Amazonas, unvollständig bekannt,
durch eine Urupa mit zweifächerigem Endokarp chsrakterisirt , woria
ein Fach leer, das andere einsamig ist.
Amentaceen. Neue Galtung: Callaeocarpus Miq. (pl. Jungh.
p. 13), eine neben Caslanea gestellte, aber unvollständig bekannte Cu«
pulifere Sumatra's, deren dreisamige Kuss aussen mit kammförmig ge-*
ordneten Höckern versehen ist.
Leguminosen. Gasparrini machte die merkwürdige ße»
obachtung, dass die Leguminosen allgemein an ihren Radicellen kleino
knollenförmige Auswüchse besitzen (luberculi spongiolari) (Atti della
r. accad. delle scienze, 6. p. 221 — 239 mit 1 Taf.) : dieselbe Entdeckung
ist unabhängig von ihm in Deutschland von Lac h m an n gemacht wor-
den, der mir diese Organe gezeigt hat , die sowohl bei krautartigeil
(z. B. Trifolium) als holzigen Leguminosen (s. B. Robinia) vorkommen»
386 Griscbach: ßciichl üb. d. Leislnngcn in d. gcographis^chcn
Monographisch bearbeilelcn Webb die Gruppe von Ulex, Nepa und
Stauracanlhus (Ann. sc. nat. HI. 17. p. 280—291), Sover- Wille-
mct Trifolium scct. Chronoseniium (nouv. observalions etc. Nancy, 1852.
8pag. 8., vergl. S.'s frühere Arbeit im Jahresb. f. 1847. S. 62), See-
mann die Aeacien der europäischen Gärten (Hannov. 1852. 72 S. 8.
mit 2 Taf. : darin 148 Arien von Acacia) ; Benlham gab eine Reihe
systematischer Bemerkungen über indische Leguminosengatlungen, na-
mentlich über die Gruppe von Desmodium , von Cajanus, von Millelia
u. a. (pl. Junghuhn. p. 205— 269j; von v. Fischer erschienen An-
deutungen über seine Einlheilung von Astragalus secl. Tragacanlha
(Bg. relig. Lehm. p. Ö5). — Turczaninow reducirle seine Galtungen
Meladenia zu Psoralea und Anisostemon zu Connarus (Bullet. Alosc.
1852. 2. p. 181). — Keue Gallungen: Peteria A. Gr. (pl. Wright. 1.
p. 50): kraularlige Galegee aus den südlichen Prairieen, zunächst ver-
wandt mit Caragana ; Ougeinia Benth. (pl. Jungh. p. 216.) = Dalber-
gia ougeinensis Boxb. ; C alenaria Benüi. (das. p. 217. 220.) = Desmo-
dium laburnifolium DC. ; Neustanthus Benth. (das. p. 234.) = Dolichos
phaseoloidcs Roxb. u. a. ; Olosema Benth. (das. p. 248.) = Robinia
macrophylla Roxb. u. a.
Myrlaceen. Turczaninow beschrieb die neuen Myrlaceen
und Chamaelaucicen der Drummond'schen fünften Sammlung von Swan
River: 77 Arten (Bullet. Petersb. 10. p. 321— 346). — Neue Gattungen :
Cynlhostemon Turcz. (das. p. 331.) = Drumm. coli. V. nr. 123, neben
Rinzia ; Anlicoryne Turcz. (das. p. 332.) = ib. nr. 124, neben vorige
gestellt ; Punicella Turcz. (das. p. 333.) = ib. nr. 26, zwischen Hypo-
calymna und Astarlea ; Trichobasis Turcz. (das. p. 336.) = ib. nr. 147
zu Kunzea gestellt; Schuertnannia F.Müll. (Linnaea 25. p. 386^ : eben-
falls aus Neuholland, von Uomoraulhus nur durch die Bildung des Kel-
ches unterschieden.
M elastom aceen. N au d in hat seine monographische Bearbei-
tung dieser Familie (s. vor. Ber.) zum Schlüsse geführt (Ann. sc. nat,
III. 17. p 305-382. — 18. p. 85— 154. 257-294. mit Taf). Fortge-
setzte Uebersicht der bearbeiteten Gattungen : Fortsetzung der Clide-
mieen. Pogonorhynchus (1 sp.: nach N. wahrscheinlich zu Miconia
zu reduciren); Slaphidiiim N. (17. p. 305.) = Clidemiae, lleterotrichi
sp. DC. et Slephauotrichum ol. (30 sp.) ; Cyanophyllum N. (p. 324) :
eine Art aus Venezuela = Funk coli. nr. 1078; Slaphidiaslrum N.
(p. 325.) = Clidemiae, Sagraeae sp. DC. (13 sp.) ; Ossaea (5sp.),
Clidemia (60 sp.), Octomeris (6 sp.), Ilelerolrichum (2 sp.) ; Clidemiae
slrum N. (18. p. 87): ein mexikanischer Strauch; Leandra (3 sp.),
Tschudya (1 sp.) , Sagraea (16 sp.) ; Diclemia N. (p. 102): ein boli-
vianischer Strauch; Capilellaria^. (p. 103.) = Clidem. capitata Benth.;
Ilenriellea (5 sp.) ; Henriellella ^. (p. 107.) = llcnrielteae sp. DC. etc.
(3 ?p ) ; Loreya (2 sp.) ; Truncaria : zweifelhaft (1 sp.). — dd. Cha-
und syslcmolischcn Uotanik wahrend des Jahres 1852. 387
riantheac. Charianlhus (3 sp.). — ec. Davy eae. Plalycenlrutn
N. (p. 114): ein Strauch in Guiana; Calyptrclla N. (p. 115): mexika-
nisch (1 sp,); GralTenricda (4 sp.) , Cycnopodium (1 sp.) , Chastenaea
(6 sp.}, Axinaea (3 sp.), Meriania (8 sp.) , Brachycenlrum (1 sp.); No~
tocenlrum N. (p. 131): Baum in ISeu-Granada; Calyplraria IS*, (p. 132«)
= Conoslegiae sp. DC. etc. (4sp.); Davya (8 sp.), Cenlronia (l sp.),
I.eioslcgia (Isp.); — Sarmenlaria^. (p. 140): aus Guiana (1 sp.). —
ff. Tyxidantheac. Blakea (5 sp.) , Topobca (6 sp.) ; Pyxidantkus N. (p.
150): aus Neu-Granada und Venezuela (3 sp.); Crcochilon (2 sp). —
2. Aslronieae. Aslronia (5 sp.).
3. Kibessieae. Macroplacis (1 sp.), Ewyckia (1 sp.), lleclomi-
tra : mit Ewyckia zu vereinigen, Kibessia.
4. Memeeyleae. Spalhandra (1 sp.) , Memccylon (33 sp ), Liin-
denia : vielleicht zu Memecylon gehörig.
5. Mouririeae. Guildingia (1 sp), Mouriria (7 sp.).
lieber Heterocenlron publicirte v. Schlechtendal einige Ue«
inerkungen (Linnaea, 25. p. 324—332).
Thymelaeen. Nene Gattungen: RadojUshya Turcz. (Bullet.
Mose. 1852.2. p. 176): vom Cap = Zeyher coli. nr. 2163; Macrostegia
Turcz. (das. p. 177): von Swan River = Drumm. coli. Y. nr. 424.
Ph y to k renecn. Die erschöpfende Darstellung dieser Gruppe
von R. Brown (PI. javan. rar. 4. p. 241— 245. t. 47. 48), welcher
Planchon's Begrenzung derselben (Jahresb. f. 1848. S. 96) als richtig
anerkennt, klärt zwar ihren Bau genauer auf, regt aber über ihre sy-
stematische Stellung neue Zweifel an , ohne sie zur Entscheidung zu
bringen. Wie schwierig diese Frage sei , ergiebt sich aus den fast
beispiellos divergirenden Aleinungen, die in den letzten Jahren darüber
laut wurden : Trecul siellte die Phytokreneen zu den Proteaceen (Jah-
resb. f. 1847. S. 84), Planchon hielt sie den Olacineen nahe stehend
(das. 1848. a. a. 0.), Blume den Urticeen (das. 1850. S. 106), frühere
Schririsleller verwechselten sie mit den Menispermeen , einzelne Gat-
tunj^en erklärten sie für Araliaceen oder Ilernandiaceen, und R. Brown
spricht sich jetzt für ihre Verwandtschaft mit der sympetalischen Gal-
tung Cardiopleris aus. Er äussert hierüber Folgendes : Klein und spar
ter Blume haben der Blüthe Kelch und Corolle zugeschrieben, Wight
und Arnolt Kelch und Involucrum ; für die letztere Ansicht spreche die
Dauer (persistcnce) sogar die Verhärtung (induration) des zweiten Wir-
teis bei Sarcostigma , sodann die Vergleichung mit Hernandia (die je-
doch R. Br. nicht für begründet hält) ; allein in beiden Fällen (bei
Sarcostigma und Hernandia) stehen die AUernanz beider Wirlel und
ihre Anordnung ohne zwischen ihnen entwickeltes Internodium (their
dose appro.vimalion) als wenigstens ebenso bedeutende Momente einer
«olch^n Meinung entgegen , während die zahlreichen Analogiccn im
38S Grisebach: Bericht ob. d. Leistungen in d. gcogrophisclien
Baue von Cardiopteris nicht minder für die von Klein herrührende
Ansicht angeführt \rerden können. Nach dieser Deduktion sollte man
erwarten, das R. Brown die Phylokreneen und ebenso Ilernandia (mit
welcher er Inocarpus für nicht sehr nahe verwandt cikläii) als Sym-
petalen entschieden bezeichnen würde ; allein in dem Famiüentharak-
ler der ersteren lässt er die Frage unentschieden , indem er den dop-
pelsinnigen Ausdruck ,,perianthium duplex" gebraucht und zugleich in
Parenthese hinzufügt „(calyx et corolla).« Vielleicht hat der Umstand
ihn von grösserer Entschiedenheit abgehalten , dass Pyrenacanlha, eine
Gattung, die er zwar nicht, wie Flanchon, den Fhylokrenecn als typi-
sches Glied zuordnet, aber sie doch als Genus affine an ihren Schluss
fetzt, nur ein einfaches Perigonium besitzt, welches nach seiner Stel.
]ung zu den Staminen und nach seiner Aeslivation der Corolle der
ihrigen Gattungen entspricht. Auf der anderen Seite ist R. Br. auch
in Beziehung auf die Verwandtschaft zwischen den Phytokreneen und
Cardiopteris nicht über eine blosse Andeutung hinausgegangen, und
vergleicht man seine Beschreibung von Cardiopteris (das, S. 246) niil
dem Charakter jener Gruppe, so wird man ausser dem übereinstim-
menden Baue des Ovariums wenig Anhaltspunkte finden, um jene An-
deutung zu verstehen: die imbrikalive Aeslivation der Corolle, die son-
derbare Bildung der Narbe, die Samara und vor Allem der Embryo
minutissimus indivisus in der Spitze des Albumens sind grosse Gegen-
sätze, welche Cardiopteris von den Phylokreneen entfernen. Allein die
Vergleichung der Abbildungen von Jodes (t. 48) und Cardiopteris (t. 49)
zeigt eine merkwürdige Uebereinstimmung im Blüthenslande , die In-
ilorescentia gyrosa (s. circinalis), welche in der letzteren Galtung mit
dem Mangel der Brakteen (p. 247) in Verbindung steht und die mich
schon früher (Jahresb. f. 1850. S. P7) bewogen hat, dieselbe zu den
Hydrophylleen zu stellen , worüber >veiter unten aul's Neue zu spre-
chen ist. Es würde nun nicht gerathen sein , ohne neue Blatcrialicn
über die Andeutungen hinauszugehen , bis zu welchen R, Brown die
Frage über die Verwandtschaft der Phylokreneen geführt hat : allein
wollte man, ihnen folgend, sie in das System einreihen , so böte sich
die Consequenz dar, dass die Hydrophylleen mit ihrem kleinen Embryo
sich ähnlich zu Ifydrolea verhallen, wie Cardiopteris in dieser Bezie-
hung zu den Phytokreneen. Auf der anderen Seile würde die val-
virte Aeslivation ihrer Corolle , die hypogynische Insertion bei Phylo-
crene und der Mangel des Kelches bei Pyrenacanlha bis jetzt ungelöste
Schwierigkeiten darbieten. — R. Brown's Familiencharakter der Phy-
tokreneen ist wörtlich folgender (p. 244): Florcs diclines (dioici), in-
conspicui. Perinnthium duplex (Calyx et Corolla) ulrumque 4-5-fidum,
calycinum ; inlerius malus, aestivalione valvala , intra exterius in qui-
busdam pedicellatum. ^ Slamina 4—5 , laciniis perianlhii inlcrioris
sUernantia; filamcnta nunc hypogyna et ipsa basi coalila, nunc tubo
und syslemalischcn Botanik während des Jahres 1852. 389
pcrinnthii inscrta; anlherao loculis longitudinaliler dehiscenlibus. Bu.
dimetitu/n pislilli. $ Uvariurn liberum, unilulularc, biovulaluni, ovulis
ab apice cavitalis suspensis. Slignia sessile , indivisuin v. bifidum.
Drupa nionospcrma. Albumen scniini confonne; cmbryo niagnitudine
fcro albuininis, colyledonibus foliaceis. — Fruliccs volubilcs v. scan-
dcnlc?, foliis altcrnis, raro opposilis, inlegcrrimis v. lobalis, cxslipula-
lis. — Gattungen. 1. Vlnßocrcne : llores 4-fidi , capilali ; slamina hypo-
gyna , anthera vnrsatili ; sligma bilobuin , oblusum. 2. Sarcostigma }
ilorcs spicati, 5-fidi (raro 4-ridi) ; stamina tubo perianlhii inscrta, eius.
dem laciniis longiora , anthera versatili; Stigma depresso-capitatum ;
diupa pulposa. 3. Jodes: florcs 5-fidi, paniculali ; slamina tubo peri-
anlhii longioris inserta, eiusdcm laciniis breviora ; anlberae stanics ;
sligma deprcsso-capitalum ; drupa exsucca ; — folia opposila. 4. Nan~
sialum: flores ö-fidi, spicati; Stigmata 2, acuta, rerurva. 5. Miquclia
(Syn. lenkinsia): flores 5-fidi; ^ perianthium interius intra exlerius
pcdicellatum; $ perianlhium interius inlra extcrius sessile; stamina
sub ovarii rudimento inserta; stigma deprcsso-capitalum, umbiiicalum;
drupa exsucca. — Genus affine: Pyrenacantha (Syn. Adelanthus) aPhy-
tocrencis divcrsum: perianthio simplici, stigmale radiatim multifido; qua-
drat staniinibus cum „calycis" segmentis alternanlibus, aestivatione val-
vata, pcricarpio indehisccnte.
Onagrarieen. Ich publicirte syslcmalische Bemerkungen über
Epilobium (Bot. Zeit. 16. S. 849—855.
Cucurbitaceen. Schläfly lieferte einen Beitrag zur Mor-
phologie der Vegetalionsorgane von Cucurbita (Millh. der nalurf. Ge-
sellsch. in Bern f. 1852. S.5— 21).
Cacteen. Fayer's Beobachtungen über die Blü'henentwitke-
lung von Opuntia (s. vor. Ber. S. 91) sind jetzt, wie die über.^die Fi-
coideen, durch Zeichnung erläutert worden (Ann. sc. nat. 111. l8. p.
237 — 240. t. 11): die Blallspirale, welche Kelch und Corolle verbindet,
ist auch im jüngsten Zustande eine einzige, in welcher man die Petalen
nur an ihrer zarleren Textur unterscheidet ; am Rande des becherför-
migen Torus entstehen die ersten Staminen (Fig. 13), dann in centrifuga-
1er Bichtung die folgenden Beihen (Fig. 15) ; der gemeinsame Griffel-
kanal wird von ebenso viel Längsfalten bekleidet, wie Warben vorhan-
den sind, die denselben alterniren (Fig. 21): diese Falten, welche aus
dem Torusbecher vorspringen , können als die durch Symphyse verei-
nigten Runder von je zwei rudimentären Karpophyllen betrachtet wer-
den, sie setzen sich abwärts in die Mittellinie der hufeisenförmigen
Parietalplaecnla fort , deren Arme zwischen je zwei Falten hinaufstei-
gen, weshalb späterhin jede Flacenta, als aus zwei Placentararmcn her-
vorgegangen, der Narbe, wie bei Parnassia, gcgeuüberstehl (Fig. 22 —
20); die Eier entwickeln sich successiv , wie früher erwähnt, in cen-
Iripctalcr Richtung (Fig. 25). J\lan erkennt aus dieser Darslellung deul-
o90 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in cl. geogrophi^cheii
lieh, wie die Wand des unteren einfächerigen Ovariums bei den Cac-
teen aus dem becherförmigen Torus gebildet wird : aber dies hindert
nicht, die Bildungen auf der Überfläche desselben (Stylodien, Falten und
Placen(en) mit herablaiifenden Blattrudimenten zu vergleichen. — Auch
Gasparrini beschäftigte sich mit dem Baue der Frucht von Opunlia
(Atti della r. accad. delle scienze, 6. p. 160 — 192).
Passifloreen. Wydler besprach die Stellung der Blulhen-
organe bei Passiflora (Millb. der naturf. Gesellschaft in Bern f. 1852.
S. 153—162).
Elaeokarpeen. J. D. IlooUer zieht zu dieser Gruppe Ari-
stolelia, bei welcher die Petala häufig dreitheilig sind und die Anthe-
ren einen ähnlichen Bau zeigen (Fl. of New-Zeal. p. 33): sie kann,
nach meiner Ansicht , wegen der GrifTeltrennung und der fehlenden
Blatlschuppen (vulgo Stipulen) als ein verbindendes Glied zwischen
den Legnotideen (Elaeokarpeen) und Hydrangea betrachtet werden.
Ph i 1 ad elph e en. Neue Gattung: Fendlera Engelm. A. Gr.
fpl. >Yright. 1. p. 77. t. 5): ein Strauch in Texas, oktandiisch und mit
Deutzia nahe verwandt, von A. Gray zu den Saxifrageen gerechnet,
weil er die Philadelpheen mit dieser F'amilie vereinigt, wogegen di«
geringere Ausbildung des Albumens spricht.
lUcineeni, Goeppert verfasste eine monographische Uebcr.
sieht der in der Kultur vorkommenden llex-Arten : 22 sp. (Delect. sein.
Yratislav. 1852, fol,).
Umbelliferen. Bunge erklärt Gaya simplex Gaud. für syn-
onym mit Pachypleurum alpinum Led. (reliq. Lehm. p. 126); er re*
ducirl ferner Soranlhus zu Ferula (das, p. 131), — Neue Gattungen:
Ttteniopelalumhg. (das. p. 127.) =? Peucedanum alsalicum L., transpo-^
nirt zu den Angeliceen und durch die eine Yitta enthaltenden Juga aus--
gezeichnet; Hyalolaena )ig, (das. p, 128) ; vom Jaxartes, mit lOFrucht-r
flügeln und zu den Angeliceen gestellt, aber im Habitus Cnidium nahe
stehend ; Balansaea Boiss. Rent. (pug. pl. Afr. bor. p. 49.) = Scan^
dix glaberrima Uesf., mi\ Conopodiuni verwandt, durch Valleculae uni,.
Yittatae unterschieden.
Hamamelideen. Zu diesen zieht Miers Diulidanthera, eine
Gattung, die bisher zweifelhaft im Yerwandtschaflskreise der Styraci^
neen stand und von Hamamelis durch ein freies üvarium und andere
bedeutendere Charaktere sich unterscheidet (Ann. nat. bist. IL 9.
p. 130).
Olacineen. Miers setzte seine Bemerkungen über die Ver^
wandtschaften dieser Familie (s. vor. Ber. S. 89) fort (Ann. nat. bist.
IL 9. p. 128. 218. 387. 48l. — 10. p. 30. 108. 176): es ist aus sei-
ner Arbeit eine umfassende monographische Analyse aller der Gattun«-
gen geworden^ welche, nach ihm, die Familie der Icacinaceen bilden,
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 391
von der er jetzt einen ausführlichen Charakter giehl und die er mit
den Celaslrineen, Ilicincen, llippocrateaccen, Chailletiaceen und Cyril-
leen zu einem den üiacineen fern stehenden Verwaiullschaflskreise nicht
glücklich vereinigt. Sein Charakter der Icacinccn (p. 221) enthält fol-
gende iMomente: 5—4, 5—4,5 — 4,?; calyx sepalis connalis persislens;
corolla hypogyna, petalis distinctis vulvaribiis; staniina rorollae alterna ;
ovarium superum , disco insertum, 1 — 3Ioculare, ovulis geminis iuxla
apiceni loculi suspensis, style simplici, pericarpio drupaceo inonospermo;
semen testa tenui, rhaphe integra (? s. u.), alhumine copioso, embryone
minuto aut cotyledonibus foliaceis axili, radicula supcra. Bestandtheile
dieser Familie nach M. , der jetzt Ptychopetalum zu den üiacineen
zurückversetzt: Trib. 1. Jcacineae. Ovarium uniloculare, stylo distineto.
Icacina, Apodytes, Uhaphiostylis , Lerelia, Alappia (Syn. Stemonurus
Wighl, non Bl., INothapodytes ßl.), Desmostackys Mra. (9. p. 399) : Liane
aus Madagaskar, von Älappia anscheinend nur durch unwesentliche
Characlere , z. B. eine memhranöse Corolle unterschieden, Poraqueiba.
— Trib. 2. Sarcostigmeae. Ovarium uniloculare, stigmate subsessili.
Pennantia, Stemonurus ßl. (Syn. Gomphandra Wght., Lasianlhera P. B.),
Platea Bl. (Syn. Phlebocalymna Griff.) , Sarcostigma (dies ist nach R.
ßr. , wie oben bemerkt, eine Phytokrenee), Discophora Mrs. (10. p. 118);
ein Strauch in Demerara, unvollständig bekannt. — Trib. 3. Enunoteae.
Ovarium triloculare. Antherae bilobae extrorsae. Emmotum Desv. (Syn.
Pogopetalum Renth.). — Von Pennantia gab D. Hook er eine Ana-
lyse nebst treffenden ßemcrkungen über den Bau dieser Gattung (Fl. of
ISew-Zeal. p. 34. t. 12), wonach mir M.'s Ansicht, dass die Icacineea
von den Olacineen zu entfernen wären, nicht gerechtfertigt erscheint:
denn das allein in diesem Falle Entscheidende, den Beweis für die Be-
hauptung, dass den Icacineen ein complicirterer Bau des Eis zukomme,
ist Äliers schuldig geblieben. Hooker nämlich zeigt, dass in der Frucht
von Pennantia (Fig. 12 — 14) ein aus der Basis derselben entspringen-
der, an der Seite des Perikarpium anliegender, aber freier F"uniculu8
centralis vorhanden ist, von dessen Spitze der Samen herabhängt: die-
sen Funiculus, der also der Ccntralplacenla der Santalacecn entspricht,
hielt M. inlhümlich für eine Rhaphe. Zwar fehlten Hooker die'ilülfs-
mittel, um auch den Bau des Ovariums aufzuklären, aber seine Hypo-
these, dass ftlyzodendron den Schlüssel zum Verständniss von Pennan-
tia enthält, hat einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit, da die Pla-
cenlation der Frucht in beiden Fällen so genau übereinstimmt.
Santalaceen. Turczaninow führt Khinostegia jetzt wie-
der zu Theslum zurück (Bullet. AIosc. 1852. 2. p. 181).
Loranthaceen. Karsten untersuchte die Blüthcnentwicke-
lung und Keimung einer Loranthacee, seiner bei Puerto Cabello beob-
achteten Passowia odorata (Bot. Zeit. 10. S. 305. 321. 337. 361. Taf.
4. 5). üas InvoluceUum in dieser hexandrischcn Gattung, welches K.
392 Griscbacli; Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
als Kelch auffassf, ist eine kreisförmige Falle ohne Blallbildung ; der
Kelch (Blumenkrone K.'s) entwickelt sich successiv aus je drei Orga-
nen, wobei aber diese, sechs an der Zahl, spällTr in einem einzigen
Kreise stehen und von gleicher Gestalt svu\ ; ebenso bilden sich drei
Staminen friiher, als die drei anderen, stimmen auch später in ihrer
Länge nicht mit den letzteren überein. Die Darslellung des Ovarlums,
■\vo die Eutwickelung nicht vollständig beobachtet ward , ist undeul-
lich. — Keue Galtungen : Passowia Karst, (das. S. 305.) = Loranlhus
»ecl. Sil ulhantus Marl. spec. embryone axili : wäre diese Gattung be-
gründet, so hätte der von v. l\larlius ihr gegebene IN'ame beibehalten
werden müssen; Myrtobium l\liq. (Linnaea , 25. p. 652): aus Valdivia
= Lechl. coli. nr. 461, fällt nach meiner später veröITcntlichten Unler-
suchung mit Lepidoceras ü. Hook, zusammen.
Rubiaceen. Neue Gattungen: Ratnia Ocrst. (Cenlralamcr.
Bubiac. p. 49): Cinchonee in den Gebirgen von Costa- Rica = 6—5000',
verwandt mit llillia ; Xerococcus üersl. (das. p. 52) von Costarica und
Ophryococcus Oersl. (das.) von Segovia , beide Gardenieen und Cocco-
cypselum nahe stehend.
Synanthereen. Aus Tausch's nachgelassenen Manuscriplen
Kai Opiz Bemerkungen über die Systematik dieser Familie bekannt
gemacht (Zeitschr. Lolos. Bd. 2. Prag, 1852). — Fragmentarische No-
tizen erschienen von C. H. Schultz (Regensb. Fl. 1852. S. 129. 150).
.— Von Guardiola gab A. Gray einen verbesserten Charakter (pl.
Wright. 1. p. 110): Synonym ist Tulocarpus. — Mit Cenia beschäftigte
»ich V. Schlechtcndal (Bot. Zeit. 10. S. 801). — Wichura be-
stimmte das Zahlenverhältniss von Involucrum und Radius bei den ein-
heimischen Arten von Senecio und kam dabei zu charakteristischen
Ergebnissen (Jahresb. der schles. Gesellsch. f. 1852. S. 80): a. Hüll-
blätter und Strahiblüthen gleichzählig : 21 hei S. paludosus , 13 bei S.
Jacobaea, aquaticus, erucifolius und sylvalicns ; b. die Zahl der Strahi-
blüthen steht der der Hüllblätter um ein Glied in der Reihe der phyl-
lotaktischen Systeme nach (z. B. bei 8 Hüllblättern 5 Strahiblüthen):
S. nemorensis 8 — 13 Hüllblätter, S. saracenicus 13, S. vernalis 21, S.
viscosus 21 — 8; c. S. vulgaris hat ebenfalls 21 Hüllblätter. — Ich
beabsichtigte die geographische Verbreitung der Hieracien in Europa
zu bearbeiten : indessen ist bis jetzt nur der systematische Theil, die
Revision der Arien enthaltend erschienen, indem später neue und nicht
gehobene Bedenken der Forlsetzung entgegengetreten sind (Commen-
tatio de distributione Hieracii generis per Europam geographica. Sectio
I. Göttingen, 1852. 80pag. 4: Sep.-Abdr. aus den Abhandl. der Göttin-
ger Societ). — Boissicr bemerkt, dass nach dem eigenen Zugcsländ-
niss Kunze's dessen Thlipsocarpus mit llyoseris radiala identisch sei
(pug. plant, nov. p. 68). -- I'olytaxis gehört nach Bunge (reliq.
Lehm. p. 195) vielleicht, wofür auch der Folien spricht, zu den Muli-
und systematischen Cotanlk wlihrcnil des Jahres 1852. 393
siaccen. — Neue Gallungen. Vernoniaceen: Bolanosa A. Gr. (pF.
Wright. 1. p. 82): aus IS'ordincxiko , mit einem Receptaculum palea-
ceiim ; — Eupaloriacecn: Steelzia Sond. (Linnaea, 25. p. 450.) =
Olcaria pannosa Hook, etc., von S. als Eulussilaginee z"wischen Celmi-
sia und Alciope geslelll; — Asleroideen: Ixiochlamys V. Müll, ei
Sond. (das. p. 46C.) = Todocoma cuneifolia R. Dr.; Lachnophylhtm Hg.
(reliq. Lehm. p. 137): aus ßokhara, nahe milErigeron verwandt; Mo-
nolhrix Torr. (Slansbury's expedit. to the Salt Lake. Botany. p. 389.
t. 7): auf einer Insel des Salt-Lake und in Texas, nahe verwandt mit
Perilyle und von A. Gray als Seclion von Laphamia belrachtet; La-
phamia A. Gr. (pl. Wright. 1. p. 99. t. 9) : mehrere in Texas und Neu-
mexiko einheimische und von G. mit Terilyle verglichene Gewächse ;
Cheiroloma F. Müll. (Linnaea, 25. p. 401) : australische ßclliee, nehen
Calolis gestellt ; Eyrea F. Müll. (das. p. 403) : australische Conyzec,
neben Phagnalon; Scyphocoronts A. Gr. (Ilook. Journ. 4. p. 225. und
Ilook. ic. t. 854) und Anlhocerastes A. Gr. (Hook. Journ. a. a. 0.) :
beide von Swan-River und nicht ohne Zweifel zu den Asteroideen ge-
stellt, von den Tarchonantheen durch Homogamie abvieichend ; — Se-
necionideen: Diotosperma A. Gr. (Hook. Journ. 4. p. 275. u. Hook,
ic. t. 855) : Parlheniee von Swan-River; Fodachaenium Benth. (üerst.
Cenlralam. Compos. p. 98) : vom Irasu in Costa -Rica = 8000': den
Verbesineen und den Galinsogeen verwandt, durch gestielte Achcnien
ausgezeichnet; Sarlwellia A. Gr. (pl. Wright. 1. p. 122. t. 6): anomale
Flaveriee aus Texas; Eriochlamys, Trichanlhodium, Tolycalymna Sond.
et F. Müll. (Linnaea, 25. p. 488. 489. 494): 3 Angianlheen aus Au-
stralien; australische Helichrysecn: Ilaeckeria F. Müll. (das.
p. 406) : neben Humea, Dutlonia F. Müll. (das. p. 409) : neben Ixiolaena,
Elachanlhus F. Müll. (das. p. 410}: neben Ptcropogon, RuUdochlamys
Sond. (das. p. 497.) = Rutidosis arachnoidea Hook. , Stuartina Sond.
(das. p. 522.) = Gnaphalium sp. Schlechtend., Actinopapfus D. Hook.
(Ilook. Journ. 4. p. 22C) : neben Quinelia, Dimorpkolepis A. Gr. (das.
p. 227. und Hook. ic. t. 856): neben Panaetia und Chrysodiscus, Gna~
phalodes A. Gr. und Achrysum A. Gr. (das. p. 228) : beide von Swan-
River, habituell Gnaphalium und Anlennaria ähnlich, Monencyanlhes A.
Gr. (das. p. 229.) = Calocephalus gnaphalioides Hook., Acroclinium A.
Gr. (das. p. 270) : mehrere jährige Arten von Swan-River, Cephaliple^
rutn A. Gr. (das. p. 271) : ebendaher, verwandt mit Hclipterum , Co'
nanthodium A. Gr. (das. p. 272): Strauch von Swan-River, Raonlia D.
Hook. (FL of New-Zeal. p. 134. t. 36. a.) : mehrere neu-seeländische
Arten, neben Ozolhamnus gestellt ; — Olhonnopsis Jaub. Sp. (illuslr.
pl. Orient. 4. p. 90. t. 357.) = Othonna anguslifolia DC. ; — Cicho-
racecn: Steptorkamphus Bg. (reliq. Lehm. p. 205): aus der Steppe
von Bokhara , nahe verwandt mit Lomalolepis ; Chlorocrepis Griscb.
(Ilierac. p. 75.) = Hieracium slalicifolium Vill. und Schlagintweilia
394 Griscbacli: Bcriclil üb. d. Leistungen in d. geographischen
Griseb. (das. p. 76.) = H. intybaceuin Wulf. , erslcre durch die Rie-
fenbildung des Achenium , letztere durch eigenthümliche Blallstcllung
im Involucrum von llieracium bestimmt geschieden.
Plantagin een. Diese Familie wurde in DecandoUe's Prodi o-
mus von Decaisnc bearbeitet (13. 1. p. 693 — 737): sie ist daselbst
auf über 200 Arten gebracht worden.
Dipsaceen. Bunge verbessert den Charakter von Morina
(reliq. Lehm. p. 145) : stamina didynama , 2 superiora antheris bilocu-
laribus, 2 inferiora ad antheras rudimenlarias plerumque rcducta.
Yalerianeen. Neue Galtung: Forleria Hook. (ic. pl. t. 864)
(Syn. Amblyorhinum Turcz. in Bull. JMosc. 1852. 2. p. 168;: aus der
alpinen Region von Venezuela = Linden coli. nr. 424, Funtk coli. nr.
1515. 1539. 1540. 1551. 1623.
Campanulaceen. Neue Gattungen : Asyncuma Griseh. ei Schk.
(dies. Arch. 1. p. 335.) = Campanula sect. Podanthe Boiss., d. h. die
ehemaligen Phyteuma-Arten mit freien Corollenloben ; Siphocodonlmcz.
(Bullet. Älosc. 1852. 2. p. 175): vom Cap = Zeyher coli. nr. 3103, a.,
durch Slamina cpipetala fremdartig.
Lobeliaceen. Walpers sprach seine Ansichten über die
Cyphiaceen aus (Bot. Zeit. 10. S. 344} : er will die Kemacladeen und
Cyphokarpeen mit den Cyphiaceen vereinigt wissen (Jahresb. f. 1850.
p. 100) und führt diese selbst auf die Lobeliaceen zurück. — Keue
Gattungen: Cremochilus Jurcz. (Bullet. Mose. 1852. 2. p. 174): aus
der alpinen Region von Venezuela =: Linden coli. nr. 453, Funck coli.
nr. 778. 1042, ceben Siphocampylus gestellt; — Colensoa U. Hook.
(Fl. of Wew-Zeal. p. 156) war schon früher (Hook. ic. t. 555. 556)
publicirt worden: sie erinnert durch ihre Beere an Pratia.
Goodeniaceen. JNeue Galtung: Picrophijta h\ MüU, (Linnaea,
25. p. 421.) = Goodenia albiilora Schlechtend.
Myrsineen. Keue Gattung: Climacandra Miq. ( pl. Jungh.
p. 199.) = Ardisia obovata Bl. etc.
Ebenaceen. Keue Gattung: Holochilus Dalz. Hook. Journ. 4.
p.290)': Baum in Ostindien, nahe verwandt mit Macreightia, durch
einen Calyx integer truncalus und 6 sterile Slamine.i in der weibli-
chen Bluthe unterschieden.
Jasmineen. As. Gray publicirle eine monographische Ana-
lyse von Menodora, womit er Bolivaria vereinigt (Amer. Journ. H. 14.
p. 41— 45). Er bestätigt, dass die Corollen-Aestivation imbrikaliv sei
und dass auch bei Menodora 4 Eier in jedem Fache vorkommen. Die
Zahl der Arten bringt er bis auf 12, die er in drei Sektionen ordnet :
a. Bolivaria. Calyx 5— 6-lobus. b. Menodora. Calyx 10— 14-lobus (7—
9-lobus). c. Menodoropsis. Calyx 10-lobus. CoroUa lubo elongalo. An-
Iherae mucronatae. —Gleichzeitig kam Scheele (Linnaea, 25. p. 254)
3PU ähnlichen Resultaten, indem er bemerkte, das3 seine Bolivaria Gri-
unJ systematischen Holanlk während des Jahres 1852. 395
sehnchii — die nach der Beschreibung mit Menodora hclerophylla Mo-
ric. zusammenfällt — je 4 Eier bcsitit , aber nur je 2 Samen aus-
bildet.
Ascicpiadeen. Neue Gattungen: Amhlyoglossum Turcz, (Bul-
let. Rlosc. 1852. 2. p. 310): aus dem indischen Archipel = Cum. colK
nr. 1431, Göring coli. II. nr. 275), neben 13aeolepis gestellt*, Slenome-
rta Turcz. (das. p. 312) : ans Venezuela und Neu-Granada =:; Funck colK
nr. 510, Linden coli. nr. 970, mit Tassadia habituell übereinstimmend.
Orobancheen. Fischer wies nach, dass die Centsurea deaU
bata die Mullcrptlanze von Anoplanthus Biebersteinii sei (Bullet. Mose.
1852. 1. p. 105. t. 1): von A. Tourneforlii ist es wahrscheinlich Pyre-
thrum myriophyllum.
Scrophularineen. Neue Gattung: Leucanlhea Scheel. (Lin-
naea, 25. p. 258) : aus Texas, neben Leucophyllum gestellt.
Solaneen. Dunal bearbeitete diese Familie in DcCandolle'd
Trodromus (13. 1. p. 1—690). Die Anzahl der Gattungen beträgt (mit
Einschluss der Nolaneen und einiger anderer fremdartiger Typen) 63,
die der Arten gegen 1700, von Solanum allein 901 sp. Neu sind: Co~
dochonia Dun. (p. 482) : Lycinee aus Peru ; Fregirardia Dun. (p. 002.)
= Witheringiae sp. Klh. etc.; Bouchetia DC. (p. 589): Fabianeen ans
Alexiko und Texas. Die letzten Arbeiten von Miers sind von Dunal
noch nicht benutzt worden.
Bignoniaceen. Neue Gattung: Oxycladus Mrs. (Proceed. of
Linn. Soc. 1851. Dec): ein dorniger, fast blattloser Strauch von Men-
doza , durch eine einsamige Nuss von dem Charakter der Familie ab-
weichend, weshalb M. auf diese Entdeckung eine besondere Tribus der
Oxycladeen bedründct.
Cardioptcrideen. R. Brown verbesserte ßlume's Charak-
ter von Cardiopteris (pl. Javan. 4. p. 246. t. 49, vcrgl. oben die Phy-
tokreneen und B.'s Charakter im Jahresb. f. 1850. S. 97) : die Radicula
ist nach oben gerichtet, die Eier daher wahrscheinlich anatrop : über
den letzteren Punkt waren indessen die Materialien nicht genügend
die Narbe ist ganz eigenlhömlich gebildet („Stigmata duo, altero (vero)
post anthesin auclo emarginato tarde deciduo , altero (clToeto) capitato
pedicellato persistente«); der Embryo liegt in der Spitze des Albumens
und ist ungelheilt („radicula brevis supera, cotyledon adhucdum indivisa
subglobosa obtusissima"). Die bisherigen Ansichten über die Verwandt-
schaft von Cardiopteris mit den Sapindaceen (Wallich) , den Euphor-
biaceen (llasskarl) oder mit den Verbenaceen und Boragincen (Blume)
erklärt R. Br. für ungenügend und spricht sich nur dahin aus, dass sie
nicht weil von den Phytokreneen entfernt werden dürfe, besonders
wegen Jodes, obgleich ihm einige bedeutende Gegengründe nicht un-
bekannt seien.
Boragineen. Bunge reducirt seine Friedrichslhalia incana
396 Griscbach* Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
EO Trichodesma (reliq. Lehm. p. 241); er verbessert die Charakteristik
der SeclioncD von llcliotropium (das. p. 223 u. f.) ; er lässt es zwei-
felhaft, ob Anchusa hisp da eine Seclion ihrer Gattung bilde oder als
eigene Gattung = Gastrocolyle Bg. zu betrachten sei (das, p. 229). —
Keue Gattung : EUzaldia Willk. (Strand- und Steppengebiete S. 128.
c. tab.) = Konnea mullicolor Kz, , ohne Fornices , wie in der Sect.
l'haneranthera, von dieser vorzüglich durch ein Stigma capilalum un-
terschieden.
Labiaten. Bunge verbessert den Charakter von Perowskia,
bei welcher die Oberlippe mit der Unterlippe verwechselt, die ausge-
ieichnetc Narbe unvollkommen beschrieben und die sterilen Staminen
von Bentham übersehen waren (reliq. Lehm. p. 256).
Verbenaceen. v. S chl ech ten dal beschrieb die Frucht von
mehreren kultivirten Verbena-Arten (Linnaea, 25, p. 446 — 448). — Keue
Galtung: Teucridium D. Uooli. (Fl. of Kew-Zeal. p. 203. t. 49) : Staude
in Neuseeland, vom Habitus und der C orollenbildung eines Tcucrium und
durch hängende Eier sehr ausgezeichnet.
MyoporineeD. Neue Gattung: Pkolidiopsis F. Müll. (Linnaea,
25. p. 429) : australischer Strauch, neben Fholidia gestellt.
Coniferen. Neue Gattungen: Saxogothaea Lindl. (Faxt. FIo-
wer. Gard. 2. Gleanings, p. 380) und Fitzroya D. Hook. (das. p. 387) :
beide aus Falagonien (vcrgl. den Charakter der ersleren in Bot. Zeil.
10. S. 789, die zweite stehe neben Thuiopsis).
Cycadeen. Miquel beschrieb die weibliche BlütUe von Cy-
cas Bumphii nach dem Leben (Linnaea, 25. p. 589. t. 2).
Monokolyledonen.
Najadeen. Hofmeister untersuchte die Entwickelungsge-
schichte von Zostcra (Bot. Zeit. 10. S. 121. 137. Taf. 3, vergl. Grön-
land's Arbeit über diesen Gegenstand in vor. Jahresb. S. 106). H.'s
morphologisch und histologisch höchst bedeutende Abhandlung enthält
am Schlüsse eine Ansicht vom Baue des monokotyledonischen Embryo,
welche an die Richard's erinnert , indem H. den Kolyledo als einen
Theil der Axe ansieht. Nach ihm hat die Primaraxe des monokotyle-
donischen Embryo's ein begrenztes Wachsthum, aber sie erzeugt einen
seitlichen Spross (eine Secundäraxe) , welcher zu der Hauplaxe der
Pflanze ausvvächst (S. 144;. Riciiard's Ansiihlen haben besonders des-
lialb keinen Anklang gefunden, weil ihnen die Analogie mit den Di-
kotyledonen entgegen, keine andere Analogie zur Seile stand. Diesen
Einwand sucht H. durch die speciöse Bemerkung hinwegzuräumen, dass
die Entwickelung der Axen bei der Keimung der Gefässkryptogamen
und syslemalischcn Botanik während des Jahres 1852. 397
der nionokolyledoniscben Keimung enlspreclic. Aber es ist misslich,
Analogieen von den Kryptogamen auf die Morphologie der Phancroga-
men anzuwenden : passender erscheint der umgekehrte Versuch , die
viel dunklere Organisation der Kryptogamen durch die Phanerogamen
aufzuklären. Wiewohl ich eine Zeillang H. 's Ansicht gefolgt bin, niuss
ich mich jetzt doch gegen dieselbe aussprechen , v\ eil eine Verzw el-
gung ohne Blatlstülzo ^dem späteren Verhalten der Monokotyledonen
widerspricht und alle schwierigen Falle im Baue des monokolyledoni-
schen Enibryo's sich durch Jussieu's Theorie der Axenexcrescenzen er-
klären lassen. Die terminale Plumula von Posidonia würde sich dage~
gen nicht mit H.'s Seitenaxen vereinigen lassen. — Mit Hecht spricht
sich übrigens II. gegen die auch von Grönland angenommene Deutung
des Embryo's von Zoslera aus , nach welcher die mantelförmige, dem
Scutcllum der Gräser ähnliche Bildung (H.'s Primäraxe) als Kotyledo
aufgefasst worden ist: er beweist durch ihre den übrigen Theilen des
Embryos vorausgehende Enlwickelung, was Jussieu aus der Analogie
mit anderen Pflanzen geschlossen halte, dass sie der Axe angehört.
Bei ihrer Aehnlichkeil mit dem Scutcllum der Gräser ist es bemerkens-
werlh, dass der cylindrische Axenlheil , der in die Plumula ausläuft,
erst aus ihrer Seilenfläche hervorwächst : was dort sekundäre Excres-
cenz ist, ist hier das Primärgebilde (vgl. meine Bemerkung über Rup-
pia im vor. Ber. S. 105). — Das hängende, atrope Ei von Zostera ist
ähnlich gebildet, wie bei Ruppia , aber bei der letzteren Galtung wird
es durch eine die Lage des Embryosacks nicht afficirende Verschiebung
der Mikropyle fast kampylolrop (Fig. 44). — Die Bildungsgeschichle des
prosenchymatoscn Pollens von Zostera ist dadurch sehr eigenthümlich,
dass die Pollenzellen aus wiederholten Längstheilungen ihrer Mutter-
zellcn hervorgeben, ohne das Zwischenglied der Specialmutterzellen,
(für diesen Bildungsgang bei Zostera findet H. eine Analogie in den
früheren Bildungsstufen der Pollinarien bei den Asclepiadeeo): auch
fehlt den Pollenzellen im Zustande der Reife die Cuticularhaul. — Der
Spadix von Zostera ist, wie 11. aus der Stellung der Brakteen nach,
weist, als eine Tcrminalknospc zu beti achten. — J. G. Agardh be-
schrieb Knollenbildungen am Rhizom von Potamogelon peclinalus (Öfvers.
af K. Vetensk. Ak. Förhandl. 18512).
Aroideen. Schott beschrieb eine Reihe neuer Formen aus
dieser Familie (Oeslerr. bot. Wochenbl. 1852. S. 59. 67). — C. Koch
publicirle einige systematische Bemerkungen über kullivirte Aroideeii
und über Pislia (Bot. Zeit. 10. S. 273. 577. t. 6. C.) : seine Behaup-
tung, dass die Kadicula bei Pistia nach abwärts gerichtet und von der
Wikropyle abgewendet sei, beruht auf einer irrlhümlichen Deutung der
Organe des Embryo's. — Klotzsch bearbeitete eine Monographie
vonPislia (Abhandl. der Berlin. Akad. f. 1852. S. 329— 359. mit 3 Taf.) :
er betrachtet die Pistiacecn als eine besondere Familie , von welcher
393 Griscbach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
er die Lcmnaceen , die nach ihm den Kajadecn näher stehen sollen,
«usschliesst. Für die Ausschliessung der Galtung Lemna von den Aroi-
dee» führt K. indessen kein anderes Argument an , als dass der Spa-
dix fehle, womit nur ein relativer üntirschied in der Grösse eines Or-
gans ausgedrückt ist. Die Pistiaceen , von denen er Ambrosinia aus-
schliesst, unterscheidet er von den Aroideen dadurch , dass der Spadix
nur zwei Blülhen, eine männliche und eine weibliche, trage, wovon
jede ein Perigonium besitze : er fügt noch eine anatomische und eine
morphologische Eigenthümlichkeit dos Bialtes von Pistia hinzu, die Ge-
fässbündel der oberen und unteren Blalldäche seien durch eine Zellen-
schicht getiennt, die Blaltscheiden nicht mit den Blattstielrändern ver-
bunden. Die Deutung der männlichen Blülhe weicht von der, welche
Schieiden versuchte, namentlich darin ab, dass die Antheren nicht als
besondere Blülhen eines Spadix, sondern als der Wiilel einer einzigen
Blülhe aufgefasst sind : für diese Ansicht lässt sich anführen, dass das
becherförmige Gebilde unterhalb der die Anlheren tragenden Säule als
Perigonium betrachtet werden kann, und dass die männliche Blülhe,
wenn man sie in diesem Sinne sich begrenzt denkt, nach der Befruch-
tung abgeworfen Avird. Allein nachdem K. diese Theorie aufgestellt,
wäre es vielleicht zu vermeiden gewesen, in dem Pamiliencharakter
auch noch den antherenlragenden Axentheil als Spadix zu bezeichnen,
worunter man die Axe für ein Blüthensystem, nicht aber den wuchern-
den Torus einer einzelnen Blülhe verstehen würde , auch wenn der
letztere nur eine Fortsetzung des wirklichen Spadix ist. Die Antheren
von Pislia zeigen das Eigenlhümliche, dass die Fächer durch eine ho-
rizontale Scheidewand in zwei obere und zwei untere zerfallen , wo-
von jedes einzelne durch ein besonderes Foramen nach aussen sich
öffnet (Taf. II. Fig. E). Auch an der weiblichen Blülhe ist das Peri-
gonium durch eine Schuppe angedeutet. K. hat 17 Arten von Pistia
beschrieben und drei andere generisch abgesondert. Auch Iheilt er
Schotl's Charakteristik der Ambrosinieen, d. h. der Gattung Ambrosi-
nia mit, bei welcher, im Gegensatze zu Pistia, eine Mehrzahl von männ-
lichen Blülhen angenommen wird. — Gasparrini lieferte eine Arbeit
über die Blülhe von Arum ilalicum (Atti della r. accad. delle scienze,
6. p. 211— 219). — Neue Gattungen: Alocasia Sihlt. (a. a. 0. S. 59.)
= Colocasia sect. Alocasia; Asierostigma Schll. (das. S. CT): aus Süd-
amerika, neben Spalhicarpa gestellt ; Lagenandra Dalz. (Hook. Journ.
4. p.289): aus Bombay, die „Cryptocoryneen und Dracunculineen ver-
bindend"; Massoicia C. Kch. (a. a. 0. S. 277.) = Polhos cannifolia
Bot. mag,; Apiospermum]i\. (a.a.O. p.351.) = Pistia obcordata Schi.,
durch das Hervorragen des Torus (Spadix) über die Antheren und
glatle Samen unterschieden ; Limnonesis Kl. (das. p. 352.) = P. com-
mutata Schi, und eine zweite neue Art, durch 2—3 Antheren (hei Pi-
stia 4—8), zvveisaniigc Beere und offene Mikropyle charakterisirt.
und syslemalischen Botanik während des Jahres 1852. 399
Typhaceen. Mil der Enlwickelung von Typha beschäfligle
sich Schur (Verhandlungen des siebenbürg. Vereins, 2. S. 177. 19tJ.
t. 1. 2).
Conimei yne en. Von v. Schlechten dal erschienen Bemer-
kungen über Caliisia (Linuaea , 25. S.G12— 621.)- — Schnizlein
verlheidigl seine Gallung Zebrina, die Lindley als Cyanolis viltala be-
schrieben hatte (Sem. ht. Erlang., abgedr. das. S.3Ü2.): nach ihm ist
sie durch einen Calyx tubulosus, Slamina epipetala, ein Conneclivum
dilatalum und ein Stigma capilalo-lrilobum von 0. crislata verschieden.
— Hasskarl erklärt Dilhyrocarpus Klh. für identisch mit Kioscopa
Lour. (PI. Junijh. p. I5l.); auch verbessert er den Charakter von Fol-
lia, womit Aclisia uud Lamprocarpus zusammenfallen (das. p. 148.).
Gramineen. Roeper erklärt sich gegen Schleidens Ansicht,
dass die Coleoptilis ein Aiialogon der Ligula sei (Bot. Zeil. 10. S. 157.) ;
er erklärt diese Bildung, ohne sich über die Bedeutung des Scutellums zu
entscheiden, für ein selbstständiges Blatt, weil sie üefässbündel besitze,
welche der Ligula abgehen , und weil in gewissen Fällen , wie auch
Irmisch urgirte (vor. Ber. S.106.), die Coleoptilis durch ein Interno-
dium vom Scutellum getrennt werde; er bemerkt übrigens ausdrück-
lich, dass das Scutellum nach seiner Stellung kein Blatt sein könne,
und steht daher Jussieu's Theorie sehr nahe. — Auch de Moor be-
schäftigte sich mit dem Embryo der Gräser, (Bullet, de l'acad. de Bru-
xelles. 1852. 1. p. 503— 511.). — Ich habe bei meiner Systematik der
Gräser (Gram, rossica in Led. Fl. ross. 4.) besonders auf die Grösse
des Embryo im Verhällniss zum Albumen, bei der Charakteristik der
Gattungen auf die Bildung der Frucht und der Narben Rücksicht ge-
nommen: Cinna L., womit Blyllia Fr. zusammenfällt, wurde wieder-
hergestellt, zu Pleuroplitis Lucaea , Alecloridia und Fsilopogon redu-
cirl. — v. Schlechtendal publicirle kritische Bemerkungen über
Reimaria (Bot. Zeit. 10. S. 15.) und über Fenicillaria oder Holcus spi-
catus L. (Linnaea , 25. p. 531— 569.). — Gr. Ja üb er t und Spach
emendiren den Charakter vonTripogon und stellen diese Gattung, die
Endlicher zu Danthonia gezogen hatte, zu den Chlorideen neben Eu-
triana und Leplochloa (lllustr. pl. or. 4. t. 332.). — Neue Gattungen:
Heleranthelium Höchst, ap. Jaub. Sp. (1. c. t. 3l8.) = Elymus piliferus
Russ.?, durch sterile Spiculae über den fruchtbaren abweichend; JSre-
mopyrum J. Sp. (t. 319.) = Triticum sect. Eremopyrum Led., als be-
sondere Gattung nicht anzuerkennen; Crühopsis J. Sp. (l. 321.) =
Elymus rhachiirichus Höchst., aus Syrien und Persien, ohne deutlichen
Charakter; Leucopoa Griseb. (Fl. ross. 4. p. 383.) = Poa albida Turcz,,
zwischen Poa und Koeleria stehend; Schmidlia Steud. (Schmidl's Beitr.
zur Fl. der Cap Verd. Ins. p. 144): Pappophoree auf Boa Vista, neben
Triraphis gestellt; Arctagroslis Griseb. (a. a. 0. p. 434.) = Colpo-
dium lalifolium Br., zwischen Psamma und Cinna stehend; Ptilagrostis
Archiv f. Naturgesch. XIX. Jahr?. 2. Bd. J^\
400 Grisebach: Bericht üb. d. Leistinigen in d. geographischen
Griseb. (das. p. 447.) = Lasiagroslis mongholica Tr. ; Brachiaria Gri-
seb. (das. p. 469.) = Panicum sect. Brachiaria Tr.
Orchideen. H. G. Reichenbach untersuchte die Entwiciic-
lungsgeschichte der Pollinarien (De pollinis Qrchidearum genesi ac
structura et de Orchideis in artem ac systema redigendis. Lipsiae, 1852.
37 pag. 4. 2 Taf.). Er bemerkte bei den monandrischen Orchideen
keine Specialmutterzellen, sondern die Multerzellen des Pollens Iheilen
sich (Cellulae maternae primariae) und eine jede Tochterzelle (C. ma-
terna secundaria) erzeugt dann in ihrer Flüssigkeit vier aus einem ein-
zigen hervorgehende Zellenkerne (Taf. 1. Fig. 3. 4), denen die später
errolgenden Theilungen des Primordialschlauchs und die dieselben um-
hüllenden Pollenzellmembranen entsprechen (Fig. 5): das Viscin geht
daher nur aus den sich auflösenden Mutterzellen (nicht aus Special-
multerzellen) hervor, während die Pollenzellen selbst gewöhnlich te-
tradisch vereinigt bleiben. BeiCypripedium fand R. Specialmutlerzellen
und erklärt, dass bei allen diandrischen Orchideen die Bildung des Pol-
lens dem Nägeli'schen Gesetze folge. ■— R. unterscheidet drei Arten
Yon Pollinarien: a. P. granulosura (pulveriger Pollen), wenn das Vis-
cin zu einer wässerigen Flüssigkeit wird, in welcher die Pollentelra-
den schweben ; b. P. sectile, wenn keilförmige Massulae das Pollina-
rium zusammensetzen : wahrscheinlich entsprechen die Grenzen der
Massulae (bekleidet durch eine Cuticula = Exina) den primären Mut-
lerzellen, die secundären lösen sich auf, aber die Pollenletraden hän-
gen unter einander zusammen, c. P. ceraceum, wenn die secundären
Mutlerzellen sich in eine kleberige Pulpa verwandeln und dadurch die
Pollentelraden fest zusammenhängen. — Sein P. pulposum (z. ß. Ce-
phalanthera F. 51 — 44) scheint sich nur durch frühzeitige Auflösung
der Telraden in einzelne Pollenzellen von dem P. granulosum zu un-
terscheiden. — Bei der Einthellung der Orchideen wählt R. zum Cha-
rakter erster. Ordnung die Bildung der Antheren, hierauf folgt der Bau
der Pollinarien , dann in der dritten Linie die Hülfsorgane der Be-
fruchtung (Coudiculae, glandulae): er zieht daher das von Klotzsch ver-
besserte System R. Brown's dem Lindley'schen vor. Er selbst giebt
folgende Uebersicht: I. Monandrae. 1. Ophrydeae. Anthera omnino
adnata. Pollen sectile. 2. Operculatae. Anthera basi affixa v. libera.
A. Neottiaceae. Anthera basi affixa. Weitere Eintheilung nach dem
Pollen. B. Euoperculatae. (Syn. Opercularieae Kl.) Anthera demum
omnino libera. Weitere Einth. nach dem Pollen und den Hülfsorga-
nen. II. Diandrae. — Schacht beschrieb den Bau von Ophrys api-
fera (Bot. Zeit. 10. S. 1. 25. Taf. 1.: er hielt die Pflanze irrthümlich
für 0. arachnites). — Lindley hat eine Reihe von monographischen
Arbeiten über ausgewählte Orchideengattungen begonnen (Folia Or-
chidacea. An enumeration of the known species of Orchids. Part. 1.
48 pag. 8): die erste Lieferung enthält Stanhopea, Coryanthes, Jonopsi»,
und systematischen Botanik wfihrend des Jahres 1852. 401
Queketia, Zygostates, Odontoglossum und zwei neue Gattungen (s.u.).
— H. G. Reichenbach nahm seine orchidiographischen Beiträge
(Jahresb. f. 1849. S. 93) wieder auf (Linnaea, 25. p. 225—232. und
Bot. Zeit. 10. S. 633.665.761.883.927) und bearbeitete die Orchideen
der Regneli'schen Sammlung (Linn. 25. p. 233— 253). — Weue Gattun-
gen. Maxillarieen : Bolbophyllopsis G. Rchb (Bot. Zeit. 10. S. 933) : Gar-
tenorchidee, vonBolbophyllum getrennt; Taurostalix G. Rchb. (das.): aus
Sierra Leone, neben Bolbophyllum ; Bolbopky Ilaria G. Rchb. (das.S. 934.)
= B. bracteolatum Lindl. ; Didactyle Lindl. (Fol. Orch. 1.) = Bol-
bophylli sp. ; Xiphizusa Lindl. (das.) = B. chloropterura G. Rchb.
etc. — Vandeen : Kefersteinia G. Rchb. (Bot. Zeit. 10. S. 633.) =
Zygopetalum gramineum Lindl. ; Waraewiczella G. Rchb. (das. S. 635
u. 7d5.) = Warrea discolor Lindl. , Candida Lindl. etc. ; Pescaloria
G. Rchb. (das. S. 667.) = Huntleya cerina Lindl. , Bollea G. Rchb.
(das.) = H. violacea Lindl. ; PapperitziaG.^chh. (das. S. 670u. 772.)
= Leochilus Leiboldi ej. ; Kegelia G. Rchb. (das. S. 670) : aus Suri-
n am, neben Sutrina; Chanbardia G. Rchb. (das. S. 671): aus Surinam,
neben Stenia; Sigmalostalix G. Rchb. (das. S. 769.) = Specklinia
graminea Poepp. ; Rhynchostele G. Rchb. (das. S. 770.) = Odontoglos-
sum pygmaeum Lindl. ; Lycomormium G. Rchb. (das. S. 833.) = An-
guloa squalida Endl. ; Neodryas G. Rchb. (das. S. 834) : aus Südame-
rika, neben Rodriguezia; Stanhopeaslrum G. Rchb. (das. S. 927.) =
Stanhopea ecornuta Lindl. ; Cohnia G. Rchb. (das. S. 928.) : Gartenor-.
chidee , neben Sigmatostalix; Mesospinidium G. Rchb. (das. S. 929):
aus Centralamerika; Lislrostachys G. Rchb. (das. S. 930.) = Angrae-
cum pertusum Lindl. etc.; Paradisanthus G. Rchb. (das.): aus Bahia;
Neogyna G. Rchb. (das. S. 931.) = Coelogyne sp. ; Hoftneistera G.
Rchb. (pollin. genes, p. 30) : aus Peru, 9600', mit Telipogon und Tri-
choceros verwandt (Syn. Hofmeisterella G. Rchb. in Wp. Ann. 3. p.
563); ScfdimmiaUndh (Paxton Fl. Card. 2. Glean.587): ausSchlimra's
Sammlung in Ocana. — Epidendreen ; Thunia G. Rchb. (Bot. Zeil. 10.
S. 764.) = Phajus albus Lindl.; Euothonaea G. Rchb. (das. S. 772.)
= Diothonaea imbricata Lindl. etc. ; Oerstedella G.'Rchh. (das. S. 932.)
= Epidendron centropetalum G. Rchb. etc. — Ophrydeen : /)eroe»nera
G. Rchb. (pollin. genes, p. 29.) = Spiranthes ahyssinica Höchst. ; JVeo-
tinea G. Rchb. (das.) = Aceras intacta G. Rchb.
Burmanniaceen. Neue Gattung: Sfenomeris Planch. (Ann,
sc. nat. in. 18. p.3l9): aus Luzon = Cum. nr. 873 , von P. neben
Thismia gestellt, von der sie durch ein dreifacheriges Ovarium ab-
weicht , allein nach der Beschreibung als Liane schwerlich an den
richtigen Platz gestellt, sondern wahrscheinlich, wofür auch die Se-
mina more generis Pini alata sprechen, eine Dioskorce, bcmerkens-
werth durch Connectivorum appendices stigmati adhaerentes.
402 Grisebacli: Berieht üb. d. Leisluiigen in d. geograj)hiscIien
Kryptogamen.
Sc Im iz lein hat seine Ansichten über die Eintheilung der
Kryptogamen ausgesprochen (Abhandl. der Kürnbergcr naturhistorisch.
Gesellsch. Heft 1 : sein System, worin die Benutzung der neueren Ar-
beiten über die Reproduktionsorgane verraisst wird, ist abgedruckt
in Reg. Fl 1852. S. G86).
Rhizokarpeen. Hofmeister hat seine Untersuchungen
über die Entwickelungsgeschichte der Gefässkryplogamen durch eine
Arbeit über Isoetes vervollständigt, die in bewundrungswürdiger Voll-
endung die anatomischen und morphologischen Thatsachen auf jeder
Bildungsstufe und für alle Organe erschöpft (Beiträge zur Kenntniss
der Gefässkryptogamen I, in der Abhandl. der math. - phys. Cl. der
Sachs. GeseUsch. der Wissensch. f. 1852. S. 121 — 167. Taf. 2— 16). H.
scheint Isoetes den Lykopodiaceen näher verwandt zu halten, als den
Rhizokarpeen (S. 157. 158) : allein da der Inhalt der reifen Spore
auf der Mutterpflanze kein Gewebe entwickelt, sondern sich „optisch
und chemisch wie ein Geraenge von Oel und Eiweiss verhält" (S. 126),
da ihr Innenraum sich erst einige Wochen, nachdem sie aus dem durch
"Verwesung der Wand geöffneten Sporangium frei herausgetreten ist,
mit dem Parenchym des Proembryo zu füllen beginnt (das.), so muss
Isoetes nach dem für die Systematik wichtigsten Gesichtspunkte bei
den Rhizokarpeen bleiben. Denn, wie v. Mohl's berühmte Verglei-
chung der Anthere mit dem Sporangium so deutlich zeigt , sind auch
die grössten histologischen und morphologischen Analogieen physio-
logischen Gegensätzen in den Reproduktionsorganen, wo wir sie be-
ßitzen, unterzuordnen. Ein ebenso schlagendes Beispiel giebt H.'s
Vergleichung der Coniferen mit Isoetes (S. 157). Nach ihm stehen
unter den Phanerogamen die Coniferen den Kryptogamen am näch-
sten; der Proembryo von Isoetes, aus chlorophylllosen Zellen beste-
hend , nimmt keinen erheblich grösseren Raum ein , als die Spore
selbst, in deren Innenraum er durch freie Zellbildunng entsteht: „in
beiden Beziehungen verhält sich dieser Proembryo dem Eiweisskör-
per der Nadelhölzer vollkommen ähnlich, Entwickelungsgeschichte und
Bau der Archegonien gleichen in den wesentlichsten Punkten völlig
derjenigen der Corpuscula der Coniferen« (das.). Es ist indessen
vom systematischen Gesichtspunkte nicht zu verkennen, dass der Ge-
gensatz der Befruchtung durch PoUenschläuche oder durch Phytozoen,
so wie die Entwickelung des Embryos aus NahrungsstofFen der Mut-
terpflanze und die Keimung einer den Kräften der unorganischen Na-
tur hingegebenen Spore, Momente von unverhältnissmässig höherex
Bedeutung sind, als die Entwickelungsgeschichte der Gewebe sie bie-
ten kann, so wie dass der übereinstimmende Bau des reifen Samens
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 403
der Coniferen mit dem der übrigen Dikotyledonen für die Stellung
dieser Familie im Systeme entscheidend ist. Der eigenthümlichste Cha-
rakter von Isoetes beruht allerdings auf dem kugelförmigen, nicht grünen
Proembryo, der die obere Hälfte der Spore zuletzt in drei Lappen
spaltet und dann eine Mehrzahl von Archegonien erzeugen kann, von
denen das erste dem Scheitelpunkte des Proembryos entspricht (Taf. 2.
Fig. 2) : nur eins 'derselben wird in der Regel befruchtet (S. 132).
Andere merkwürdige Eigenthümlichkeiten liegen in der Entwickelung
der Vegetationsorgane. 1. Bei den übrigen Rhizokarpeen und den
Famen, den Gewächsen, welche H. als Gefässkryptogamen mit grü-
nem Proembryo bezeichnet, liegt das erste Seitenorgan der entwicke-
lungsfähigen Axe der Keimpflanze (d. h. 11. 's Wedel = blattähnlicher
Zweig mit begrenztem Wachsthum) über der Terminalknospe zwischen
dieser und der Mündung des Archegoniums , bei Isoetes unter der
Knospe: diese letztere liegt der Mündung des Archegoniums näher
und dicht neben der ersten Wurzel (S. 158). Einen ähnlichen Ge-
gensatz in der Stellung der ersten Wurzeln zur Plumula findet If. bei
den (iräsern und mehreren Kajadeen, die sich wie Isoetes verhalten,
einerseits, und andererseits bei Lemna , die in dieser Beziehung der
Keimung der Farne entspreche (Bot. Zeit. 15. S. 146"). 2. Isoetes ist
ferner , nach H. , die einzige bekannte Gattung mit durchaus unver-
zweigtem Stengel, mit Internodien, die, einmal gebildet, ohne irgend
eine Zellenvermehrung in ihrer ursprünglichen Dimension verharren
(S. 123). 3. Isoetes ist endlich durch einen homogenen Holzkörper
ohne Mark charakterisirt, der eine jährlich sich verjüngende Cam-
bialschicht besitzt, durch einen Stamm, der am oberen wie am unte-
ren Ende in die Länge wächst, womit H. die Stämme von Cyclamen
und Beta vergleicht (S. 159). — H. fand in Bezug auf die Blattstel-
lung von Isoetes einen scheinbaren Zusammenhang zwischen dieser
und dem Wachsthumsgesetze der Endzelle der Knospe: bei der Blatt-
stellung «/j, die für die jüngeren Individuen von I. lacustris charak-
teristisch ist, theilte sich die Endzelle durch wechselnd nach zwei
diametral entgegengesetzten Richtungen geneigte Scheidewände, wäh-
rend sie bei anderen Arten mit «/a Stellung durch Wände von Toch-
terzellen sich verjüngte, die nach drei Richtungen geneigt waren.
Allein wenn I. lacustris später in höhere Blattstellungssysteme (z. B.
bis y,3) überging, blieb jenes Wachsthumsgesetz der terminalen Zelle
das ursprüngliche (S. 160). — Milde beobachtete die Keimung von
Salvinia und Pilularia (Nov. Act. Cur. 23. 2. p. Ö42— 643. t. 60. fig.
59—65).
Equ isetac e en. Es gelang Hofmeister seine frühere Un-
tersuchung (vor. Ber. S.112) durch die vollständige Beobachtung der
Keimung zu erweilern und damit zum Abschluss zu bringen (Beiträge
a.a.O. S. 168-179. Taf. 17—19.) Seine Arbeit enthält mehrere wich-
404 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
tige Entdeckungen: so die der Dioecie der Proembryonen, die Auffin-
dung eines breiten , flossenförmigen Anhangs an der Innenseite der
Schraubenwindung der Phytozoen, einer zarten Membran, die während
des Lebens lebhaCt flimmert (T. 17. f. 6), ähnlich den undulirenden Mem-
branen bei den Spermatozoen von Reptilien. Die männlichen und weib-
lichen Proembryonen gehen aus Sporen von gleicher ßeschafTenheil
hervor: H. meint, dass äussere, bei der Keimung wirksame Einflüsse
erst ihr Geschlecht bestimmen (S. 171.) Die Archejfonien sind denen
von Pilularia ähnlich gebaut: die vier prosenchymalischen Zellen, wel-
che, aus dem Gewebe hervortretend, die Mündung des Kanals zwischen
sich fassen, biegen sich zur Zeit der Befruchtung bogenförmig zurück
(T. 17. f. 12. 13). Dieses Gebilde vergleicht H. treffend mit einem vier-
armigen Wurfanker. Phytozoen verfolgte er bis in das Innere des Mün-
dungskanals (f. 13.) Er erklärt, dass die Equisetaceen durch die Dioe-
cie der Proembryonen und durch den Bau der Archegonien von den
Farnen abweichend, ein Uebergangsglied von diesen zu den Rhizokar-
peen darstellen (S. 173.) Dieser Ausspruch seheint mir treffender als
der entgegengesetzte, den ich bei H. an einem anderen Orte finde (Ke-
gensb. Fl. 1852. S. 7): wo er wegen der längeren Dauer und reiche-
ren Verzweigung des Proembryo, so wie wegen des Mangels der Axil-
larknospen in der zweiten Generalion den Equisetaceen die tiefste
Stelle unter den Gefässkryplogamen anweist und sie zwischen die Farne
und Moose stellt. Ich vermuthe nach dem Zeitpunkte beider Publika-
tionen, dass H. diese Ansicht später selbst geändert hat. — Bei der
Keimung des Embryo (d. h. des im Archegonium frei entstandenen Or-
ganismus zweiler Generation) unterscheidet H. auch hier eine primäre
Axe, die, nicht cntwickelungsfähig, bei Equisetum von kugcllörmiger
Gestalt ist und die secundäre , enlwickelungsfähige Axe als einen Sei-
tenlrieb erzeugt, der bald an den Scheitel der ersteren rückt (T. 18.
f. 5.) Es Hessen sich indessen für diese Bildungsvorgänge bei den Ge-
fässkryplogamen, deren Aehnlichkeit mit der Entwickelung des niono-
kotyledonischen Embryo nicht zu verkennen ist, wohl einfachere Aus-
drücke gewinnen, als die Unterscheidung von zwei Axen gewährt: das
Wesentliche ist, dass das Primordialgewebe nicht wie der Enjbryo der
Dikotyledonen an seinen Enden, sondern an seiner vSeilenüäche die Bil-
dungszellen für die weitere Entwickelung trägt (vergl. oben die Be-
merkung zu den Kajadeen). H.'s Secundäraxe erzeugt ihr erstes Blatt,
gleich wie alle späteren entstehen, in der Form einer geschlossenen
ringförmigen Scheide, die in drei Zähne (die Scheidenzähne) auswächst
(T. 18. f. C.) Die erste Wurzel entsteht an der der ursprünglichen Lage
der Secundäraxe abgewendeten Seite der Primäraxe. Alle Verzwei-
gungen, sowohl der ersten entwickelungsfähigen Axe, wie aller spä-
teren, erfolgen durch Adventivknospen, und hierin liegt wohl eine An-
deutung für die morphologische Natur dtir Frone bei den Reteroncmeen
und syslemallsclien Botanik während des Jahres 1852. 405
überhaupt, d. h. für die Hildung von Axen aus nicht axillaren Knos-
pen, während bei den Phanerogamen die axillaren Knospen überwie-
gen. Bei Equiseluni tritt, indem die älteren Axen zu ürunde gehen
und durch neue Sprossen ersetzt weiden, eine allmähliche Kräftigung des
Organismus ein. Solche AdveutivUnospen sind es auch (zuweilen schon
die dritte), welche in den Boden eindringen und das horizontale Rhi-
zom bilden, dessen aufsteigende Axen erst die Pflanze in vollständiger
Ausbildung darstellen. — Auch Milde hat sich mit der Entwickelungs-
geschichte von Equisetum beschäftigt (Nov. Act. Nat. Curios. 23. 2.
p. 613— 641. t. 57— 60, sodann Reg. bl 1852. S. 497- 500. Taf. 7 und
Oesterr. Wocheiibl. 1852. S. 306— 308): er hat weniger gesehen als
Hofmeister, aber doch eine gute Darstellung vom Baue des Archego-
niums gegeben (Reg. Fl. T. 7.f. 6 c) und auch die Dioecie der Proera-
bryonen bemerkt, von der indessen individuelle Ausnahmen vorkommen
(S 638.). M. bat ferner seine systematischen Untersuchungen über die
einheimischen Equisetum-Arlen (vor. Ber. S. 113) vervollständigt und
in einer reichhaltigen Arbeit zusammengefasst (Nov. Act. das. S. 557 —
612. Taf. 54-56.)
Farne. Fee hat ein reichhaltiges Werk über die Systematik
der Farne herausgegeben (üenera Filicum. Exposition des genres de
la famille des Polypodiacees =. cinquieme memoire sur la famille des
Fauleres. Paris, Strasbourg, 185ü— 52. 387 pag. 4m. 30 Taf.) Diese
Schrift kann zwar von dem Systematiker künftig nicht entbehrt wer-
den : aber , indem sie Presl's auf eine naturgemässe Systematik der
Farne nicht anwendbare Ansichten in das Extrem treibt, enthält sie
zwar gute Beobachtungen über die Nervatur, aber auch eine neue Reihe
künstlicher, auf den anatomischen Bau der Vegetationsorgane gegrün-
deter, unbalibarer Gatlun£;en, die das System beschweren. Auch wird
bei der Aufstellung zahlreicher neuer Arten, wie ich mich bei der Un-
tersuchung westindischer Farne, welche dem Verf. aus gleicher Quelle
vorgelegen haben, kürzlich überzeugte, der systematische Blick ver-
misst, der solchen Arbeiten allein dauernden Werth verleiht. Die Na-
men seiner neuen Gattungen sind: 'Netirodiiim (p. 93) = Paltonium PrI.,
Helerophlebium (p. 139) = Pteris grandifolia L., Adianlopsis (p. 145) =
Cheilanthes capensis, Adiantum radiatum etc., Myriopteris (p. 148) =
Cbeilanthes tomentosa, lentigera etc., Plecosorus (p. 150) = Cheil. spe-
ciosissima etc., Eriosorus (p. 152) = Acrostichum sp. Rz,, Aleurilopte-
ris (p. 153) = Cheilanlh. dealbata etc., Trismeria (p. 164) = Acrost.
trifoliatum etc., Botryogramme (p. 166) = Allos. Karwinskii Kz. , Co-
niogramme (p. 167) = Gymnogr. serrulata Bl. etc., Callogramme (p. 169) :
aus Singapore, Diclyogramme (p. 170) = Gymnogr. japonica Kz., P/e-
roionium (p. 178) = Gymnogr. reniformis Mart., Pleurosorus (p. 179} =
Gymnogr. rutifolia etc. , Hypochlamys (p. 200) = Asplen. ambiguum
Schk. etc., Dryomenis (p. 225) = Drynaria menisciifolia J. ISiD., fAc-
406 Grisebach: Bericht üb. d. Leistungen in d. geographischen
gopieris (p. 242) = Polypod. sect. Phegopteris, Hemicardion (p. 28*2)
= Aspid. semicordatum elc, Podopeltis (p.286) = Aspid. singaporia-
num Hook., Lcpidoneuron (p. 301) = Aspid. punctulatum etc., Phlebio-
gonium (p. 314): Griffilh pl. ind. nr. 34., Cardiochlnena (das.) ==
Aspid. macrophyllum etc., Pleroneuron (p.32ü) = Davallia paralleia
Hook., Scyphularia Tp. 324) = Davall. pentaphylla u. triphylla, Odon^
tosoria (p. 325) = Davall. uncinella Kz. , Stenoloma (p. 330) = Da-
vall. aciileata etc., Lindsaynmm (p. 333) = Lindsaya rigida Hook.
Moose. Gegen einen Aufsatz von Mitten über die Systema-
tik der Moose (Ann. nat. hist. II. 8. p. 51), worin die richtige Bemer-
kungvorkommt, dass die meisten zu den Akrokarpen gerechneten Moose
(nicht Polytrichum) in der That pleurokarp sind, tritt Hofmeister
auf, indem er die schon in den vorigen Berichten dargestellten syste-
matischen Ergebnisse seiner morphologischen Untersuchungen zusam-
menfasst (Regensb. Fl. 1852. S. 1— 9.) Er zeigt, dass die Moose, wie
die Gefässkryptogamen, nicht etwa einen dreifachen, sondern nur einen
alternirenden Generationswechsel besitzen, indem der Vorkeim der Laub-
moose nicht dem Proembryo der Farne, sondern dem Embryolräger der
Phanerogamen entspricht. H.'s neue Ansicht über die Eintheilung der
Laub- und Lebermoose nicht in zwei, sondern in vier Familien, wo-
bei ich die Dehiscenz des Sporangium nicht berücksichtigt finde, wel-
che eine Begrenzung der Laub- gegen die Lebermoose gestattet, ist
auf histologische Charaktere gegründet, denen man eine solche syste-
matische Bedeutung einzuräumen Bedenken tragen wird. Er unterschei-
det: 1. Laubmoose. Die Scheitelzellen der Fruchtanlage theiit sich in
Tochterzelien , deren Wände nach zwei Richtungen geneigt sind. 2.
Jungerniannieen. Diese Wände stehen wagerecht. 3. Marchantieen
(Targionieen, Riccieen). Sie sind wie bei den Laubmoosen gerichtet.
4, Anlhoceroteen. Sie sind nach vier Richtungen geneigt, nach Art der
Phanerogamen. Auf die untersten Lebermoose will H. sodann dieCha-
ren folgen lassen, als letztes Glied einer natürlichen Reihe, die mit den
Phanerogamen anhebt, durch die Loranthaceen zu den Coniferen fort-
schreitet, deren weitere Glieder sodann Selaginella, Isoetes , die Rhi-
zokarpeen, Farne und Equisetaceen, endlich die Moose sind. Er be-
merkt, dass Anthoceros mit den Charen darin übereinstimme , dass die
Antheridien durch Auswachsen der Wandzellen eines Inlercellularraums
angelegt werden. Er hat damals den Befruchtungsapparat anderer Al-
gen (ausser den Charen) noch nicht anerkannt und lügt selbst treffend
hinzu, dass bei Chara die Befruchtung nicht zurEntslehung eines Zel-
lenkörpers im Archegonium führt, wie bei allen Heleronemeen, sondern
nur in der Spore die Entstehung von Amylum und Oel zur Folge hat,
und dass daher hier von einem Generalionswechsel im Sinne der Moo.se
nicht die Rede sein kann. Ich habe diesen wichtigsten und vielleicht
einzig durchführbaren Unterschied zwischen den Heleronemeen und Ho-
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 407
monemeen (so weit wir deren ßeTruchtung kennen) spater dadurch ein-
facher lu bezeichnen gesucht, dass bei jenen ein Archegoniiim , bei
diesen die Spore seihst befruchtet wird. — Einige kritische Bemerkun-
gen über Müller's Rloossyslem und besonders über Hypnum publicirte
Hampe (Bot. Zeit. 10. S. 65— 73. — Von der Bryologia europaea (s.
vor. Ber.) erschienen die Hefte 48 — 51 (Stuttgart, 1852), llypnaceen
enthaltend , die in eine Reihe neuer Gallungen zerlegt werden : die
bis dahin publicirten waren /'/a(/to^Aectt/m = Hypnum deiiticulatum, un-
dtilatum etc.; Orlhothecium = Leskea rufescens etc.; Thedenia: Hy-
pnacee aus Schweden, Anisodon = Neckera perpusilla C. Müll., Pseu-
doleshca = Lesk. incurvaJa etc., Helerocladium = Hypn. dimorphum ;
TÄujrfiwm = H. lamariscinum , abietinuni etc.; Hylocomium = H. trique-
trnm, loreuni, splendens, squarrosum etc.; Thamnium = H. alopecu-
rum, Rhynchostegium = H. confertum, murale, rusciforme etc.
Lebermoose. Schacht beobachtete die Phytozoen einiger
Lebermosse (Bot. Zeit. 10. S. 153 — 157.): er sucht nachzuweisen, dass
die sie erzeugende Zelle aus Cellulose (Mittelstufe zwischen Stärkemehl
und Zellsloff nach S.) , das Phytozoon selbst aus Protein besteht und
vielleicht aus dem Zellenkern der ersleren hervorgehe.
Algen. T huret setzte seine Untersuchungen über die Befruch-
tung der Fucoiden (s. vor. Ber.) fort (Mem. de la soc. de Cherbourg,
1. p. 161. 167.). Es ist diesem ausgezeichneten Beobachter jetzt ge-
lungen, die Sexualität der Befruchtungsorgane noch schärfer zu bewei-
sen, als es selbst bei den höheren Kryptogamen bis jetzt möglich ge-
wesen ist: er hat später gezeigt, dass die Befruchtung nach dem Frei-
werden der männlichen und weiblichen Organe im Meerwasser statt-
findet, indem sich die Phytozoen an dieSpore anhängen. — Prings-
heim beobachtete die Keimung von Spirogyra jugalis (Regensb. Fl.
1852. S. 465— 486 Taf. 5): seine Arbeit zeichnet sich durch feine Be-
achtung histologischer Kragen und durch morphologische Vollständig-
keil aus. Ausser den durch Copulation entstandenen, ruhenden und
durch Sprengung des Episporium in zwei Klappen keimenden Sporen
fand er eine zweite Form von kleineren, frei im Zellensaft anderer
Zellen gebildeler Tochterzellen, aus denen ein durch Wimpern beweg-
tes Körperchcu ausschlüpft, das durch seine Entwickelung an die Phy-
tozoen von Fucns erinnert: er hielt es für eine zweite Form von Spo-
ren, aber es keimt nicht; Cohn, der sich ebenfalls mit der Keimung
der Zygnemeen beschäftigte (Jahresber. der schles. Gesellsch. f. 1852.
S. 82— 86) meinte, dies seien parasitische Bildungen oder Infusorien,
dij; sich in Folge des Ahstcrbcns der Pflanze bildeten (das. S. 45), wo-
gegen P.'s Entwickeinngsgeschichte (fig.8 u. 4) durchaus spricht; was
Itzigsohn über seine Spennatosphaerien bei Spirogyra arcta sagt
(Ann. sc. nat.lll. 17. p. 150—152), lässt zwar schliessen, dass er die-
selbe Erscheinung vor Augen gehabt, aber ohoo ihre Natur aufzuklä-
408 Grisebach: IJeiicbt üb. d. Leistungen in cl. geographischen
ren. — Pringsheim entdeckte die Fortpflanzungsweise von Coeia-
slrum, welche der von Hydrodiclyon (s. vor. Ber.) entspricht, mit dem
Unterschiede, dass die Wikrogonidien unbeweglich sind (a.a.O. S.486
— 492. Taf. 6.) — de Bary beschäftigte sich mit Achlya prolifera
(Bot. Zeit 10. S.473.489.505. Taf. 7): er giebt eine vollständige Enl-
wickelungsgeschichte und zeigt gegen Pringsheim, dass Saprolegnia fe-
rax an den Sporen zwei Cilien trägt (f. 24. 25), so wie dass Achlya pro-
lifera (Syn. S. ferax Kötz., S. capitullfera A. Br.) von jener specifisch
(nach seiner Ansicht sogar generisch) verschieden ist. — Karsten
beschrieb die Fortpflanzung von Vaucheria sessilis, die er in Venezuela
beobachtete und die er als Conferva fontinalis L. bezeichnet (Bot. Zeit.
10. S. 89. 105. Taf. 2.) — M o n tagn e zeigte, dass die Sterne der Ni-
telTa stelligera Amylum-haltige Zellengruppen sind, denen die physio-
logische Bedeutung von Bulhillen zukommt (Ann. sc. nat. III. 18. p.65
— 85. Taf. 2.) — Trevisan versuchte eine Deutung der Reproduk-
tionsorgane von Corallina (Nov. Act. Wat. Cur. 23.2. p. 817— 823):
er vereinigt mit dieser Gattung Amphiroa, indem die ersteren die Indivi-
duen mit Keramidien, die letzteren die mit Sphaerosporen seien. —
Einzelne Beiträge zur Algologie sind von Itzigsohn, Co h n
und V. Cesati mitgetheill (Bot. Zeit. 10. S. 785 und Journal Hed-
wigia f. 1852: der Inhalt ist Regensb. Fl. f. 1853. S. 317 angegeben).
— Von Kützing's Kupferwerk über die Algen (s. vor. Ber.) er-
schien die Forlsetzung (Tab. phycolog. Bd. 2. Lief. 6— 10. 1832. 8.).
Keue Gattungen: Rhodocladia Sond. (Linnaea , 25. S.679.) = Fucus
Lambert! Turn. ; Erylhroclonium Sond. (das. S. 691) : Chondrieen aus
Weuholland.
Li ebenen. Wir verdankenTulasne (s, vor. Ber.) jetzt eine
ausführliche Arbeit über den Bau der Lichenen, die durch treffliche
Abbildungen erläutert wird. (Ann. sc. nat. III. 17. p. 5 — 128. 153 —
249. Taf. 1 — 16). Nachdem er die Itzigsohn'schen Körper in den mei-
sten Lichenen-Gattungen nachgewiesen und sie sowohl durch überein-
stimmenden Bau in den Hauptzügen, wie durch die Funktion, stabför-
mig gestaltete Zellchen (die Spermatien) acrogen abzuschnüren und
auszustreuen charakterisirt hat, gewinnen wir in der eigenlhümlichcn
Bildungsweise und Gestalt der Spermatien, obwohl deren Funktion als
befruchtende Organe noch nicht festgestellt ist , doch einen schärfe-
Ten Charakter für die Familie der Lichenen, als die Wissenschaft bis
jetzt besass. Die Pyrenothea - Arten sind nach T. weiter nichts, als
Lichenen ohne Apothecien, an denen nur die Itzigsohn'schen Körper
sich entwickelt haben (S. 155). Eine den Spermatien in ihrer A.b-
schnürung von einem ßasidium verwandte, aber durch bedeutendere
Grösse und deutlichere Zellcnnatur von ihnen weit abweichende Bil-
dung ist die der Stylosporen T.'s, deren Behälter er Pycniden nennt
(S. 107. t. 14. f. 22. 24): dieses Organ fand T. nur bei einigen we-
und gystematischen Botanik während des Jahres 1852. 409
nigen Gattungen, die, sofern sie keinen Thallus besitzen, doch nur als
zweifelhafte Lichenen betrachtet werden können, denen sie T. indes-
sen zuzählt (Abrothallus, Scutula s. u. , Celidium s. u., Phacopsis s.
u.) : eine dieser Formen wurde von Wallroth zu den Pezizen ge-
bracht, andere wachsen, nach T.'s Auffassung, auf Parmelien und an-
deren Lichenen parasitisch; sie stimmen in der Bildung der Sperma-
tien , so wie in den Apothecien mit anderen Lichenen überein und
besitzen daher drei Reproduklionsorgane. Die Kenntniss des Liehe-
nen-Gewebes und seiner Entwickelung ist durch T. ungemein berei-
chert worden. — Bayrhoffer schrieb lichenologische Bemerkungen
(Bot. Zeit. 10. S. 241. 257). — Massalon go gab zwei monogra-
phische Werke über die Lichenen heraus, die besonders durch die
Messungen der Sporengrösse und durch die Zeichnungen von Apothe-
cium-Durchschnitten (bei hinlänglicher Vergrösserung, um den Bau
der Sporen darzustellen) für eine grosse Ueihe von Arten wichtig sind,
aber durch Aufstellung unhaltbarer Gattungen an systematischem Werth
verlieren (Ricerche dei Licheni crostosi Verona, 1852. 207 pag. 4. m. 400
Fig. und Memorie lichenografiche, ib. 1853. 183 pag. 4. m. 200 Fig.,
die Licheni fogliosi e fruticolosi, so wie die Collemaceen und Kach-
tPäge zu den Krustenflechten enthaltend); auch publicirte derselbe
eine Arbeit über Dirina (Verb, des zool. -botanisch. Vereins in Wien,
1. S. 207. m. 2. Taf.). — Born et schrieb eine genaue Monographie
von Ephebe Fr., einer Gattung, die Schaerer zu Collema zog, Kützing
zu den Algen rechnet, die aber vom Verf. als eigene Lichenengaltung
festgestellt wird (Ann. sc. nat. IIL 18. p. 155—171. mit 1 Taf.). —
Neue Gattungen : Candelaria Massal. (mem. p. 46.) = L. candelaris,
Ricasolia Massal. non Kot. (das. p.47.) = L. candicans etc., Gyalo^
lechia Massal. (auton. p. 17.) = L. bracteatus und Parm. aurea, Aca~
»ospora Massal. (das. p. 27.) = L. cervinus, chlorophanus etc , Ochro-
lechia Massal, (das. p. 30.) = Parm. tartarea, parella etc., Haematomma
Massal. (das. p. 32.) = P. haematomma und ventosa, AspicUia Massal.
(das. p. 36 ) = Urceolariae sp., Gomphospora Massal. (das. p. 40.) =*
Urc. viridescens, Mischoblasiia Massal. (das. p. 40.) = Urceolariae sp.,
Pachyospora Massal. (das. p. 4l?.) = Urceol. calcarea etc. , Arthothe-
lium Massal. (das. p. 54) = Arthoniae sp., Macrodichja Massal. (das.
p. 59 ) = Gyroph. pustulata, Diploicia Massal. (das. p. 86.) = L. mus-
corum etc., ThaUoidima Massal. (das. p.95.) = Lecid. vesicularis,
Candida etc., Scaliciosporum Massal. (das. p. 104.) = Lecid. holome-
laena etc., Toninin Massal. (das. p. 107.) = Lecid. cinereovirens etc.,
Lecoihecium Trevis. (das. p. 109 und Kuov. Ann. di Bologn. IIL 3.
p. 457.) = Collema nigrum, Paraphysorma Massal. (das. p. 116.) =
Lecid. cervina var. protuberans, Bactrospora Massal. (das. p.l33.) =s
Lecid. dryina, Uiaiorina Massal. (das. p. 134.) = Lecid. anomala etc.,
Loxospora Massal. (das p-. 1.3.7.) = Lccan. clatina, RacobUma Mas-
410 Grisebach: Bericht üb, d. Lcislungen in d. geographischen
sal. (das. p. 139.) = Lecid. caesia Du f. etc., Vohjhlastia Massal. (das.
p. 147.) = Endoc. Garovaglii Schaer. etc., Porplujrisjiora Massal. (das.
p. 154.) = Verrucariae forma Schaer., Arlhopyrenia Massal. (das. p.
165.) = Verruc. gemmata, analepta etc , Blastodesmia Massal. (das. p.
180.) •= Yerruc. sp., Sporodiclyon Massal. (das. p. 181. und Reg. Fl.
1852. S.321. m. Taf., auch Ann. di Bologna III. V. p. 393.) = Parm.
atra var. Schaer., Arthrosporum Massal. (mem. p. 127): von Verona,
vom Ansehen der Lecid. parasema, Baglietloa Massal. (das. p. 146):
von Genua, vom Ansehen der Verrucar. rupestris , Amphoridium Mas-
sal. (das. p. 145. und Regensb. Fl. 1852. S. 593.) = Verrucar. ru-
pestris etc.; — Scutula Tulasn. (Ann. sc. nat. III. 17. p. 118.) =
Peziza miliaris Wallr , Celidnim Tul. (das. p. 120.) = Lecanora pa-
rasilica Fl. etc., Phacopsis Tul. (das. p. 124): verwandt mit vori-
gem; Destnazieria Mont. (das. 18. p. 303.) = Usnea homalea Fr,
Chrysolhrix Mont. (das. p. 312) : Collemacee = Ciliciae sp. ol.
Pilze. Tulasne's schon im vorigen Berichte (S. 121) kurz
erwähnte Behauptung, dass das Mutterkorn das Stroma einer Sphä-
riacee, der Cordyliceps purpurea Fr. sei, gründet sich auf folgende
Beobachtung (Compt. rend. 33. p. G45 — 647) : am Mutterkorn findet
sich eine Produktion zwiefacher Reproduktionsorgane, abgeschnürte
Conidien am Mycelium der Spermoedia (dies ist die für parasitisch
gehaltene Sphacelia) und Asci, wenn das Gewächs zur Sphärie wird,
was T. durch direkte Beobachtung der Entwickelung nachweist. —
Bornet beschäftigte sich ebenfalls mit dem Mutterkorn (Mem. de la
soc. de Cherbourg, 1. p. 337—342). — v. Cesati sprach sich über
Generatio aequivoca bei den Pilzen aus (Regensb. Fl. 1852. S. 626—
637). — Spring untersuchte Pilzbildungen im Hühnerei (Bull, de
Brux. 1852. 19. 1. p. 555— 573). — v. Mohl gab eine Uebersichl
von seinen Untersuchungen über die Traubenkrankheit, die auf dem
Oidium Tuckeri Berk. beruht (Bot. Zeit. 10. S. 9. 31). - Schniz-
lein suchte die Organisation von Phallus mit Amanita zu verglei-
chen (Abb. der Kürnb. naturhist. Gesell. Heft 1., vgl. Reg. Fl. 1852.
S. 684). — Von Fresenius' Beiträgen zur Mykologie erschien das
zweite Heft (Frankf. 1852. p.39— 80. Taf. 5— 9. 4). _ Trog publi-
cirte „kleine Beobachtungen im Gebiete der Pilzkunde« (Mitth. der
Berner naturf. Gesellsch. f. 1852. S. 121-132). — Miquel bear-
beitete einige exotische Pilze (Tijdschr. voor naturk. Wetensch. v. h.
Kederl. Instit. 5. S. 188 — 198. m. 3 Tai".). — Preuss setzte seine
mykologischcn Publikationen fort und vertheidigte einige seiner Gat-
tungen gegen ßonorden (Linnaea, 25. S. 71 — 80. 158— 161. 723 — 742).
— Lavalle gab ein Handbuch über essbare Pilze heraus (Traite
pratique des Champignons comesliblcs. Livr. 1 — 10. Dijon, 1851. l44
pag. mit 12 Taf. 8]. — Neue Gattungen. Pyrenomy c eten: Pro^
sthecium Fres. (a.a.O.) = Sphaeriae sp, Sphaerosperma Pr. (a. a. 0,
und systematischen Botanik während des Jahres 1852. 4t 1
S. 732) : auf Erlenrinde, Enterobolryum Pr. (das. S. 733) : auf faulen-
dem Stroh, Sphaerocista Vt. (das. S. 734) : Kemasporcen, Gaicraicfa Pr.
(das. S. 737) : Nemosporee auf Laburnum , Hormococcus Pr. (das. S.
738) : Ncmasporeen. Discomycct: Microstoma Bernslein (^foy. Act.
ISat. Cur. 23. 2. p. 647- G58. mit Taf. und iMilde in Bot. Zeit. 10.
S. 208.) : Pezizce mit Paraphysen aus Schlesien. Cytisporeen (z.
TU. viellicht unausgebildete Pyrenomyceten): Myxocyclus Riess (bei
Fres. a. a. 0. m. Taf.) : auf Birkenzweigen) , Riessia Fres. (das. mit
Taf.): mit Isaria verglichen, Mastigosporium Rss. (das.): neben Pe-
stalozzia gestellt, Heydenia Fres. (das. mit Taf.): von den Alpen,
Bolryonipha ?r. (a.a.O. S. 79) : Isariee. Gas ter om yceten: Ficto^
derma Pr. (das. p. 729) und ßaclriexla Pr. (das. p. 730) : Physarieen.
Hyphomycet: Tolypomyria Pr. (das. p. 726): Polyactidee.
Bonn, gedruckt bei Carl Georgi.
135^.
Taf.I.
Jfuifo Troschel dtl. et sc.
4
i'io3
3^".
Ta/.
II.
iM Mi
4.
f *r
,s vi
u4utar del.
Biu^o Troschel sc .
W53
Taf'.m.
^utor (fei .
Mn^o Thoschel sc.
IS53.
±.
TafIK
2.
^^:
5.
4.
.Autor (fei.
Myo Thoaehtl sv.
Taf.V
O.Müller del.
Hutfo
Ifiö.7,
7'ii/: //
//
O. Mull fr fiel.
Huffo Tf-oscAel *r .
1855.
sf.m.
2i.
O. Malte?' del.
_5i«jro 7ho*iA»t dtl.
:/d55.
Taf.vm:.
O. Miller del.
ßit^o Thosv^l cfel.
1855.
Taf.lX.
V. C. Da7ueljf.ffn del .
ßk^o 7ro*cM jf .
/ä/'X
/X^J
cf
///// /> ////^/it /rfi.„//4'/
/^rf/4-/' /i /f^'/^/:A-///t.^•
h
m55.
lafJSr.
iJÜ
3.
^ufor ttel .
Ti-osckel j-f.
/8.7,Z.
Taf.XE.
lu
i
, h
)
e.
)
Aictor ffel.
ffiiyo Tro.ecAr/.fc.
■^^■-
/SSJ.
7äf.m.
j.
ge-x.v Huao Thoschely.
/SS3.
icif:xiv
aeK/.D.Jfuaü TnoschcL.
|9-