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ARCHIT
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHS ON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTIINGEN,
PROF. DR. VON SIEBOLD IN MÜNCHEN, PROF. DR. A.WAGNER
IN MÜNCHEN UND PROF. DR. L EUCH ART IN GIESSEN.
HERAUSGEGEBEN
VOM
Dr. f. K. TROSCHEI.y
PROFESSOR AN DER FRIEDRICU-WILHBLMS-UNIVERSITÄT ZU BONN.
ZWAJXZIGSTER JAHRGANG.
SE^veiter Band.
BERLIN, 1854.
VERLAG DER N I C O L A PS C H E N BU CHH A N D L UN«.
Inhalt des zweiten 6an des.
Seite
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säug-
thiere während des Jahres 1853. Von Prof. Andr. Wag-
ner in München 1
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel
während des Jahres 1853. Von Dr. Hartlaub in Bremen 31
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Crusta-
ceen , Arachniden und Myriapoden während des Jahres
1852 und 1853. Von Dr. Gerstaecker in Berlin . 72
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie während des
Jahres 1853. Vom Herausgeber , . . , 109
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1853. Vom Herausgeber . . . . 122
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Naturgeschichte der
Mollusken während des Jahres 1853. Vom Heraus-
geber 145
Bericht über die Leistungen in der Entomologie während des
Jahres 1853. Von Dr. Gerstaecker in Berlin . 189
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der niede-
IV
Inhalt.
Seite
Bericht über die lieistiiiig^en in der JUatur-
gfeseiiiclite der Säug^tiiiere Aväiireiid des
Jahres fl$53.
Von
Prof. jtndr« IVag^ner
in München.
Nachdem der Verlag des Sehr eb er's c h en Säug-
thier-Werkes im vorigen Jahre an die T. 0. Weigel'sche
Buchhandlung in Leipzig übergegangen ist, hat Ref. auf de-
ren Aufforderung es übernommen, zu den bisher erschiene-
nen 4 Abiheilungen des Supplementbandes eine 5te folgen zu
lassen, wovon bereits 7 Lieferungen ausgegeben worden sind.
Im Jahre 1833 halle Hef. die Forlsetzung von Schreber's Nalur-
gesciiichte der Säiigthiere übernommen und im Jahre 1846 dieselbe
vollendet. Seit diesem Zeiträume sind viele neue Arten entdeckt, an-
dere genauer gekannt worden, so dass die frühere Arbeit einer Menge
Zusätze und Berichtigungen bedürftig geworden ist. Üiese sind in den
angeführten 7 Lieferungen bereits den Ordnungen der Affen, Zahn-
lücker und Beutellhiere zu Theil geworden Jede Lieferung enthält
6 Bogen Text und 3 colorirte Tafeln ; letztere sind nicht mehr, wie
früher, auf Kupier, sondern, was für Abbildungen von Säugthieren an-
gemessener ist, auf Stein ausgeführt und zugleich ist dem Colorit
eine grössere Sorgfalt gewidmet worden.
Die Monographien der Säugthiere, bearbeilet von Dr.
H. R. Schinz, sind bis zum 31. Hefte fortgeschritten.
Die beiden letzten Helle enthalten Abbildungen und Beschrei-
bungen von Schalen.
Archiv f. Naturgesch. XX Jahrg. 2. Bd. A
2 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Charles Girard schlug eine neue Classifikation der
Säuglhiere vor.
In den Proceed. of the Am. Associat. for the advancem. of sci-
ence fsixth meeling. Albnny 1852. p. 3l9) nimmt er 8 Ordnung»'n an:
Quadrumana, Carnivora, Cliiroptera, Inseclivora , Herbivora [a) Roden-
tia, b) Ruminanlia, c) Pachydermala mit Inbegriff der Sirenen und des
Wallrosses] , Celacea, Marsupialia und Edentata. — Von dieser Anord-
nung wird man, wie von manclien andern Vorscl)Iägen, sagen dürfen:
das Gute ist nicht neu, und das Neue (Ordnung Herbivora) ist nicht guf.
Berältelse om framslegen i Vertebrerade djurens nalu-
ralhisloria och Elhnografieren under ären 1 845— 1850. Stock-
holm 1853.
Unter diesem Titel lieferte Sundeva II einen sehr genau ge-
arbeiteten Bericht über die Fortschritte, welche in den Jahren 1845 —
1850 auf dem Gebiete der Säugthierkunde (Theiologie) gemacht wur-
den , und zwar behandelt er von S. 121 — 183 die lebenden und von
S. 391 — 425 die urweltlichen Säuglhiere.
Odontographie. Vergleichende Darstellung des Zahnsy-
stems der lebenden und fossilen Wirbellhiere, von C. G. Gi e-
bel. Leipz. 1853.
Der Verf. beabsichligt den Zoologen und Palaeontologen, „wel-
chen keine umfangsreichen Sammlungen und kein ausreichender lite-
rarischer Apparat zu Gebole steht, ein ihre Studien und den Unterricht
erleichterndes und förderndes Werk zu liefern.« In dieser Beschrän-
kung wird die angeführte Odontographie allerdings gute Dienste lei-
sten, zumal die Abbildungen sauber ausgeführt sind. Bis jetzt sind 5
Lieferungen erschienen.
Genaue anatomische Untersuchungen „über die Entwicklung der
Zähne der Säugthiere« wurden von Dr. iMarcusen im Bulletin de la
classe physico -mathem. de l'Acad. de St. Petersb. VIII. p. 305 mil-
getheilt.
Von C. Dareste's zweiler Abhandlung über die Gehirnwindun-
gen der Säugthiere findet sich ein Auszug in den Compt. rend. XXXVII.
p.422.
Die geographische Verbreitung der Thiere , von L. K.
Schmard a. Wien 1853.
Der Verf. nimmt 31 geographische Verbreitungsbezirke oder, wie
er sie nennt, zoologische Reiche an, von denen 21 dem Festlande und
10 dem Meere angehören. Er hat mit eben so grossem FUisse als
Umsicht diesen Gegenstand behandelt und dadurch eine schätzbare
Arbeit geliefert. Eine Karte, auf welcher die 31 Reiche eingetragen
der Säuglhiere während des Jahres 1853. 3
und durch Farbendruck von einander unlerschieden sind, dient zur will-
kommenen Orientirung.
DasThierleben der Alpenwelt. Natiiransichten undTliier-
zeichnuiiffen aus dem schweizerischen Gebirge. Von Frie-
drich v. Ts chud i. Leipz. 1853.
Meisterhafte Beschreibung der Alpenwelt und der ihr angehöri-
gen Tliiere, unter denen natürlich die Säuglhiere die wichtigste Rolle
einnehmen. Die frischen, lebensvollen Schilderungen des Verf. haben
in kurzer Zeit so allgemeinen Beifall gefunden, dass bereits eine zweite
Auflage dieses höchst interessanten IJuches nolhvvendig geworden ist.
VonFahrer's und Ciemminger's Fauna Boica. I. Band: Säug-
lhiere, sind die Lieferungen VI — VIII publicirl worden.
Den sehr interessanten „Beitrag zur iMikromammalogie des mittle-
ren Finnlands" von Lundahl hat Creplin in unserem Archive S.25
in einer deutschen Ueberselzung vorgelegt.
Zu Lehmann's Reise lieferte Brandt einen zoologi-
schen Anhang, behandelnd „die von Lehmann gesammelten
oder auf seinen Reisen beobachteten Wirbelthiere des oren-
burgischeu Gouvernements, ferner der uralischen, kaspischen
und kirgisischen Steppen, ebenso wie ßuchara's und Samar-
kand's.
Brandt zählt in dem Verzeichnisse der Säugthiere 80 Arien auf.
Dr. A. Th. V. Mid dend or f f's sibirische Reise. Bd.
II. Theil 2. Wirbelthiere. Erste Lieferung: Säugthiere, Vö-
gel und Amphibien. St. Petersb. 1851 256 S. mit 26 Tafeln.
Als würdiger Nachfolger von Pallas hat der hochverdiente Verf.
die zoologische Untersuchung Sibiriens im Geiste seines grossen Vor-
gängers fortgeführt und höchs» wichtige Beitrage zu dessen Arbeilen
geliefert. Wir werden von den bedeutendsten derselben bei den ein-
zelnen Arten, welche sie betreffen, im Besondern sprechen. Im Gan-
zen führt der Verf. iüv Si))irien folgende 56 Arten Säugthiere auf:
Fleischfresser: iVleles taxus, Gulo borealis, Ursus arclos und
marilimus, Älustela zibellina, sibirica, erminea, vulgaris und aterrima,
Lutra vulgaris, Canis lupus, alpinus, vulpes urd lagopus. Felis lynx,
tigris und irbis.
Insektenfresser: Erinaceus auritus, Sorex fodicns und vul-
garis, Talpa europaea.
Handflügler: Vesperlilio borealis Nilss. (V. Kilssonii Keys,
et Blas.).
Nager: Pleromys volans, Sciurus vulgaris, Tamias slriatus und
uthensiä, Arctomys (Spermophilus) Eversmanni und monax, iMyodes lor-
4 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
quatus, obensis und schisticolor, Arvicola amphibius, obscurus, rufoca-
nus und rutilus, l\lus sylvalicus und musculus, Castor fiber, Lepus va-
riabilis, Lagomys alpinus.
Hufihiere: Sus scrofa, Aegoceros montanus, Bos Pallasii, Mo-
schus moschiferus, Cervus capreolus var. (C. pygargus), tarandus, ela-
phus und alces, Cquus Cabalius, Elephas primigenius.
F 1 ossen f üss e r: Phoca barbata, groenlandica und nummularis.
Walle: üelphinapterus leucas , Phocaena orea, ßalaenoptera
longimana.
Esquisses zoologiques sur la cöte de Guine par C. J.
Temminck. 1. Partie, les Mammiferes. Leid. 1853.
Eine wichtige Arbeit , da sie uns über die Säugtliicr - Fauna
eines in dieser Beziehung bisher sehr wenig bekannten Landes ge-
nauere Aufschlüsse giebt und viele neue Arten vorführt.
The Quadrupeds of North America. By J. J. Audu-
bon and J. Bach man. New- York. No. 21—30.
Mit der 30 Lieferung ist die Oktav- Ausgabe von diesem Werke
geschlossen und der eine der Bearbeiter, Audubon, ist übeidiess durch
den Tod abberufen worden. Jedes Heft enthält 5 colorirte Tafeln und
kostet einen Dollar. Systematisch beendigt ist damit dieses Werk aber
nicht, indem sämmlliche Handflügler keine Berücksichtigung darin ge-
funden haben. Zur Kenntniss der ISordamerikanischen Säugthierc lei-
stet es wesentliche Dienste, obwohl das Knochengerüste und insbeson-
dere der Zahnbau nicht die gehörige Beachtung gefunden haben und
eben deshalb die Vergleichung der mit den europäiscben identischen
oder ihnen doch pnalogen Arten auch nicht in der Schärfe , welche
hiebei unerlässlich ist, diirchgelührl worden ist.
Exploration and Survey of the Valley of the Great Salt
Lake of Utah. By Howard Stansbiiry. Philadelph. 1852.
Die auf der Reise zum grossen Salzsee acquirirten Säuglhier- Felle
wurden von Baird bestimmt und gehören folgenden Arten an: 1)
Vulpes macroura n. sp, , 2} Putorius Vison , 3) Pulorius Erminea, 4)
Meles labradoria, 5) Gulo Luscus, der am Salzsee die Südgretize sei-
ner Verbreitung erreicht, 6) Fiber zibelhicus^ 7) Spermophilus Iredecim-.
linealus und 8) Ovis monlana. Im Anhange ist noch Pseudostoma ca~
slanops n. sp. aufgeführt.
Versuch einer Geschichte der Menagerien des österrei-
chisch-kaiserlichen Hofes mit besonderer Berücksichtigung-
der Menagerie zu Schönbrunn. Von L. J. Kitzinger (Sit-
zungsberichte d. Wien. Akadem. S. 300, 626^.
Eine sehr dankenswerthe und interessante Arbeit, die zugleich
der Säugtluere während des Jahres t853. 5
eine Aufzählung der in den kaiserl. Menagerien gehaltenen Thiere von
der ältesten bis auf die neueste Zeit enthält.
Von Pictet's Tratte de Paleontologie ist der erste
Band, die Säugthiere behandelnd, in einer 2ten, verbesserten
und mit Kuptertafeln vermehrten Auflage erschienen.
Ueber einige fossile Knochen und Zähne des Donauthals lieferte
Dr. G. Jäger ausführliche Schilderungen in den Würtemb. naturw,
Jahresheft. 1853. S. 129 mit 2 Tafeln. Erwähnte üeberreste rühren
theils aus dem Diluvial- oder älteren Alluvialboden bei Langenbrunn
her, theils aus Bohnerzgruben der srhwäbisen Alp.
Säuglhier- üeberreste aus den Torflagern von Wandersieben und
Mühlberg bei Erfurt deutete Giebel als Bos taurus ^ Capra , Cervus
capreolus, C. elaphus, C. dama, C. canadensis, Sus porcus. Hippopolamtis.
Auch eine Kokosnuss wurde daselbst gefunden (Jahresbericht des na-
turw. Vereins in Halle. 1853. S. 376).
Nach K n 0 r's Untersuchungengehören die Knochen der gesamm-
ten islriani?ch-dalmatinischcn Knochenbreccie in weitaus überwiegender
Mehrzahl den Cervinen an , indem man mit Verlässlichkeit ausserdem
nur solche von Equinen kennt (Jahrb. d. geolog. Reichsanst. S. 229).
Ueber die Süsswasser-Mergelablagerungen, in denen bei
Aufdeckung des Fundaments des Justizpalastes in Montpellier
verschiedene Thier- üeberreste zum Vorschein liamen , gab
Marcel de Serres nähere Aufschlüsse (Rev. Zool. p. 557).
Er zählt diese Mergel der Neu-Pliocene bei. Nebst verschiede-
nen Conchylien haben sich Säugthier-Ueberreste vorgefunden und zwar
vom Biber, Hasen {Lepus loxodus), Nashorn, Hirschen un^
Affen (^Semnopükecus monspeliensis).
Die Säugthiere, welche in den Miocenbildungen Spa-
niens, theils zu Alcoi, theils zu San Isidoro bei Madrid und
zu Concud bei Terruel gefunden wurden, sind nach der Auf-
zählung von Gervais (Ann. des sc. nat. XX. p, 233) folgende :
Hyaenarctos fd'Alcoi). Maslodon angustidens Cuv. (M. longiro-
stris Raup). Rhinoceros unbestimmte Art. Anchitherium aurelianense,
ohne Zweifel Meyer's A. Ezquerrae. Hipporion, wahrscheinlich die-
selbe Art wie im Departement de Vaucluse. Antilope boodon Gerv.,
verwandt mit A. ('ordieri oder recticornis. Die Gattung Palaeomeryxy
welche identisch mit Dremotherium und Dorcalherium zu sein scheint.
Cervus, unbestimmt. Sus palaeochoerus, vielleicht der angebliche ('hoe-
ropotamus madritensis, und eine andere Art Sus von der Grösse des
Sus major und antiquus.
Lelhaea rossica ou Paleontologic de la Russie, decrite
6 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
et figuree par E. Eichwald. Troisieme volume: derniere
Periode. Stultg. 1853.
Von S. 328 — 409 sind in diesem Werke die urweltlichen Säug-
Ihiere beliandell, von denen der Verf. im Ganzen 52 Arien aufzählt,
darunter einige neue, die von uns an ihrem Orte weiler besprochen
werden sollen.
Report of a Geol. Survey of Wisconsin, Jowa and Min-
nesota , and incidentally of a portion of Nebraska Territory.
By David Dale Owen. Phiiadelph. 1852.
In einem besondern Abschnitte dieses wichlisen Werkes hat Dr.
J. Leidy die in den sogenannten mauvaises terres des Territoriums von
Nebraska aufgefundenen fossilen Säugthier-Ueberresle beschrieben. Sie
liegen daselbst, zugleich mit Schiliikrölen , in einer eigenthiimlichen
Ablagerung, welche Leidy der ßocenperiode zuschreibt, und röhren von
6 Galtungen mit 8 Arien her. Von Kaublhieren ist nur der Machae-
rodus vorhanden, alle andern Ueberreste zählt der Verf. zu den Pa-
chydermen, wie Palaeotherium und Rhinoceros^ oder zu dieser Ordnung
in Verbindung mit Merkmalen von Wiederkäuern, wie die von ihm neu
errichteten Gallungen Oreodon und Eucrolaphus , oder zur nämlichen
Ordnung in Verbindung mit entschieden carnivoren Charakteren, wie
seine Gattung Archaeolherium. Die 8 Arien heissen überhaupt: Oreo-
don Culbertsonii und 0 gracilis ^ Palaeotherium (?) Proutii, Rhinoceros
occidentalis und nebrascensis , Archaeolherium Morloni, Eucrolaphus
auritus und Machaerodus primaevus. — In einem Nachtrage sind als
andere Formen derselben Lokalität noch weiler aufgeführt: Poebro-
therium Wilsoni, mit Dorcalherium nahe verwandt, Agriochoerus anti-
qnus , eine erloschene Wiederkäuer- Form, die an Anoplolherium an.-
knöpft, Archaeolherium robustum und Anchilherium Bairdii.
Simiae.
In der neuern Fortsetzung des Schreber'schen Säuglhicr-
Werkes hat Ref. mit einer Umarbeitung der Ordnung der Af-
fen begonnen.
Die frühere Bearbeitung dieser Ordnung durch Ref. ist vor 13
Jahren beendigt worden. Seit dieser Zeit wurde die Kcnnlniss von
diesen Thieren ausserordentlich gefördert , nicht bloss durch Zufügung
neuer Arten, sondern auch durch genauere Bekannlwerdung mit meh-
reren, früherhin nur ungenügend gekannten Formen , wodurch Iheils
Vereinigung ehemals geschiedener Arien , theils Trennung einer Art in
mehrere nolhwendig wurde. Während Uef. in der ersten Bearbeitung
nur 128 Arien Affen autFührle , hat sich in der neuen diese Zahl auf
210 gesteigert, so dass also ein Zuwachs von 82 Arten erfolgt ist,
der Säugthieie während des Jahres 1853. 7
von denen 53 neuenldeckt und die andern 29 aus der Restitution alle-
rer Arten hervorgegangen sind.
Dr Fitzinger hat in den Wiener Sitzungsberichten
(XI. S. 400) sehr sorgfältige „Unlersuchungen über die Existenz
verschiedener Arten unter den asiatischen Orangaf-
fen« bekannt gemacht.
Nach eignen und fremden Beobachtungen ist der Verf. zu dem
Resultate gelangt, dass 1) sowohl auf Borneo wie auf Sumatra ürangs
sich Gnden, bei denen der Kajfel und das Nagelglied an den Daumen
der Hinterhände entweder vorhanden ist oder fehlt ; und 2) dass un-
ter den Orangs von Borneo , ausser dieser Verschiedenheit, noch ein
weiterer Unterschied in der Bildung des Gesichtsprofils (im Vereine
mit anderweitigen osteologischen Schadel-DifFerenzen) vorkommt, wel-
ches sich entweder als ein gerades oder als ein ausgehöhltes darstellt.
— Indem nun der Verf. die Schädel - Differenzen mit dem Vorhanden-
sein oder Mangel des Nagels und Nagelgliedes an den Hinterdaumen in
Einklang zu bringen versucht, kommt er zum Schlüsse, dass es auf
Borneo 2 und ebenso auf Sumatra 2 wesentlich von einander verschie-
dene Orangs gebe, von denen die borneo'schen entweder a) ein
gerades Gesichtsprofil und keine Nägel, oder b) ein ausgehöhltes Ge-
sichtsproßl und Nägel an den Hinterdaumen haben; die sumatrani.
sehen hingegep entweder a) ein ausgehöhltes GesichlsproGl und keine
Näüel , oder b) ein ausgehöhltes Gesichtsprofil und Nägel an den Hin-
terdaumen besitzen. Nachdem der Verf. noch einige Merkmale bei-
zieht, glaubt er genug Anhaltspunkte zu haben, welche die Unterschei-
dung von 4 deutlich von einander abweichenden Formen unter den
asiatischen Orangaffen rechtfertigen dürften, obwohl er zur Zeit es nocli
nicht wagen will, ihre Art- Verschiedenheit mit Bestimmheit zu be-
haupten.
Ref. findet die Zurückhaltung eines bestimmten Ausspruches sehr
löblich, indem er der Äleinung ist, dass die hier erörterte Frage erst
dann zu ihrem definitiven Abschlüsse gelangen wird, wenn durch um-
fassende, an einer grossen Anzahl von Individuen angestellte Unter-
suchungen die Verschiedenheiten, welche auf dem Unterschiede der
Geschlechter und der Altersperioden beruhen, genau ermittelt sind.
Sehr verdienstlich ist es aber von dem Verf., in scharfsinniger Weise
auf Punkte aufmerksam gemacht zu haben, die hiebei eine vorzügliche
Beachtung erheischen.
Denselben Gegenstand behandelte Blyth im Journ. of
the Asiat, soc. of Beng. 1853. p. 369. tab 1— 10.
Nach der Verschiedenheit der Schädelformen bestrebt sich Blyth
die von Brooke für Horneo aufgestellten 3 Arten von Orang-
Utans: Mias Pappan , Mias Rambi unji Mias Kassar , au recUtferti-
8 Wagner: Bericht über die Leistungen \n der Naturgeschichte
gen, wobei er bemerkt, dass die beiden ersten auch auf Sumatra vor-
kommen. Ausserdem errichtet er nach einem kleinen, aber erwachse-
nen weiblichen Exemplare mit kurzen Vorderarmen eine vierte Art,
deren Heimath unbekannt ist. Seinen 4 Arten giebt er folgende Nanien :
1) PithecusBroohei Blyth = T. Wurmbii et F. Abelii Ow. = Mias Rambi;
2) P. Satyrvs Linn. = Mias Pappan ; 3) P. Morio Ow. = Mias Kas-
sar ; 4) P. Owenii Blyth, der kleine ürang unbekannter Herkunft. Auf
10 Tafeln sind 5 Schädel, jeder in zwei Ansichten, abgebildet. Auch
mit dieser Arbeit halten wir die Frage von der specifischen Einerlei-
heit oder Verschiedenheit der Orang-Utans noch nicht spruchreif, da
keineswegs nachgewiesen ist, dass die osteologischen Differenzen nicht
Bämmtlich nach Alter, Geschlecht und Individualität in den Kreis der
Abänderungen einer und derselben Art fallen können. Wenigstens er-
klärte Temminck (Esq. sur la cote de Guine p. 14.) noch in neue-
ster Zeit, dass er nicht an die Existenz mehrerer Arten von Orang-
Utans auf ßorneo glaube.
Die Repräsentanten der asiatischen Orang-Utans in Afrika,
die Schimpanse, sind ebenfalls Gegenstand mehrfacher Ver-
handlungen geworden.
Aucapitain e's Notizen über die Gattung 6?on7/a (rev.
zool. p. 49 u. 97. tab. 2.) bieten wenig Neues dar, indem sie
hauptsächlich nur das bereits über diesen Affen Bekannte zu-
sammenfassen. Dagegen ist von grosser VV^ichtigkeit D u v e r-
noy's Abhandlung über die anatomischen Charaktere, welche
die Skelete der Troglodytes Tschego Duv. und des Gorilla
Gina Js. Geoffr. zeigen (Compt. rend. XXXVI. p.925).
Franquet hatte im Jahre 1852 vom Gaben - Flusse ein Skelet
eines erwachsenen Schimpanse's mitgebracht, den die Neger IN'Tschego
nennen und der von ihm als eine neue Art angesehen wurde. Duver-
noy theilt diese Meinung und führt zur Unterscheidung der neuen Art
von Troglodytes niger, dem eigentlichen Schimpanse, folgende Merk-
male an : 1) Der Tschego hat nach Franquet schwarzes Gesicht und
kleine Ohren , der Schimpanse (T. niger) hat ein fleischfarbiges Ge-
sicht und grosse Ohren. 2) Die Form der beim Tschego ausgedehn-
teren Schläfengruben, die Entwicklung der Pfeil- und Lambdanähte,
welche sie begrenzen, und die Erweiterung der Schnaulze nach vorn,
die sich fast in einer geraden Linie endigt, in welcher sich derAlveo-
lenrand der Schneide- und Eckzähne findet, geben sehr scharfe Merk-
male ab , die sich auch noch in der vorn breiteren Gaumenwölbung
zeigen, während sie beim Schimpanse eben so breit wie hinten ist und
der Alveolenrand der Schneide- und Eckzähne einen ziemlich geschlos-
senen Bogen bildet. 3) Fersen- und Sprungbein bieten ebenfalls
einige beraerfeenswerthe WITereiizen dar, • -
der Säugthiere während des Jahres 1853. 9
Duvernoy ist ferner der Ansicht, dass der Gorilla eine von Tro-
glodyles verschiedene Gattung bilden müsse und beruft sich auf folgende
Verhältnisse: 1) Das Gebiss des Gorilla hat mehr Aehnlichkeit mit dem
des Orangs als mit dem von Troglodytes. 2) Die Stärke und die bei-
den Krümmungen der Jocbbögen geben dem Gorilla den Anschein ei-
nes Fleischfressers. 3) Die ausserordentliche Entwicklung seir.er Pfeil-
und llinterhauptsleisten , daher auch seiner Schläfengruben. 4) Die
Verlängerung seiner Schnautze. 5) Die ausserordentliche Länge der
Dorn- und-Querforlsälze seiner Halswirbel, und ihre Form. 6) Die
Kürze seiner Lendenwirbel. 7) Die Länge des letzten Rippenpaares,
das den Hüftbeinen angeheftet ist. 8) Die sehr beträchtlichen Di-
mensionen des letzteren Knochens, 9) Die breite Form des Schulter-
blatts, dessen Gräthe quer ist, während beim Schimpanse dieser Kno-
chen schmal und länglich ist, mit einer sehr schiefen Gräthe in der
Längsrichtung.
Die systematische Stellung anbelangend, räumt Duvernoy dem Go-
rilla den Rang vor den Orang-Utans und nach den Schimpanses ein,
wie diess schon früher Is. Geoffroy atisgesprochen und es in eini-
gen Bemerkungeen, die er an Duvernoy's Vortrag angeknüpft hat (compl.
rcnd. 1. c. p. 933), wiederholt. Is. Geoffroy hat auch zuerst die Gal-
tung Gorilla aufgestellt (fünfter unterer Backenzahn mit 5 Höckern,
die 3 mittlem Zehen zum Theil vereinigt) , und bezeichnet jetzt die
einzige Art (Troglodytes Gorilla Savag. T. s. Savagei Ow.) als Gorilla
Gina, nach dem Kamen N'Gina , den ihm die Eingebornen des Gabon
beilegen.
In einer späteren Abhandlung (compt. rend, XXXVII. p. 817) gab
Duvernoy einen Auszug aus seinen Untersuchungen der Bänder und
Muskeln des von ihm anatomirten Exemplares vom Gorilla.
In der Sitzung- der pariser Akademie vom 5. September
legte Owen, der derselben beiwohnte^ die Resultate seiner
Untersuchungen über diese Affen vor (Ann. des sc. nat. XX,
p. 120). Es sind folgende:
1) der Gorilla und Schimpanse gehören nicht zur Gattung Orang;
2) ihre unterscheidenden Charaktere nähern sie mehr der Gattung des
Menschen an; 3) der Gorilla und Schimpanse sind zwei, der nämlichen
Gattung (Troglodytes) angehörende Arien ; 4) durch mehrere der spe-
cifischen Merkmale, die ihn von seinem Verwandten unterscheiden, und
durch die, welche die wichtigsten sind, als der geringere Vorsprung
der Prämaxillar - Knochen , die Gegenwart des Processus vaginalis, die
Breite der Schulterblätter , der Hüftbeine und der Hand , die vollstän-
digere Entwicklung des Fersenbeines und der grossen Zehe, nähert
sich der Troglodytes Gorilla mehr dem Menschen an als der Troglody-
tes niger; 5) die Differenzen, welche an den verschiedenen, von Na-
turforschern untersuchten Skelelen bcobachlel wurden, scheinen Va*
lO Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
rietälen aber nicht verschiedene Arten anzuzeigen, und wahrschein-
lich gilt dasselbe für die Art des Schimpanse's, wenigstens so weit
als man nach den verschiedenen , vom Gabon oder andern Lokalitaten
der Westküste des tropischen Afrikas kommenden Exemplaren urthei-
len kann. Owen ist demnach, bezüglich der generischen Trennung des
Gorillas vom Schimpanse und der Scheidung des letzteren in 2 Arten, mit
den genannten französischen Zoologen nicht einverstanden und Ref. ist
geneigt, ihm hierin beizupflichten.
Drei neue Arten Vierhäncler von der Küste von Guinea
wurden durch Temminck (Esq. zooL sur la cöte deGuine
p. 37. 39. 423 publicirt.
1) Cercopithecus lunulatus ; Scheitel und Hinterkopf schwärzlich-
grau, am letzteren ein grosser Fleck von langen rölhlichgelben Haa-
ren ; übrige ganze Oberseite mausgrau oder falbgraulich, mit schwarzer
Kückenbinde ; Schwanz oben schwarz , unten weiss. — 2) Papio ru~
bescens, nach einem halbwüchsigen Weibchen aufgestellt; Oberseite»
Arme und Schenkel roströthlich , Unterseite weisslichgrau. Heimath
nicht genau gekannt. — 3) OIoUcaus Peli; Aussenseite röthlichbraun,
Unterseite lichlroth ; über der INase eine weisse Binde; Schwanzhaare
lang, dunkelbraun mit silberfarbiger Spitze. Die Jungen sind brennend
rolh und ähnlich dem Galago Demidotüi von Fischer, doch haben sie
die Schnurrhaare nicht, von denen letzlerer spricht, und überdiess er-
wähnt er nicht der weissen Binde über der Nase.
CHropiera.
Einige Bemerkungen über südasiatische Handtlügler sind
von Blyth im Journ. of the AsiaL Soc. of Bengal. 1853. p.
409. 581 u. 584 milgetheilt.
Als neue Art aus dem Pendschab bezeichnet er Hipposideros ci~
neraceus, ähnlich dem H. murinus EH., aber grösser und von verschie-
dener Färbung. Hodgson's Myotis pallidivenlris unterscheidet er von
unserem Vespertilio Pipistrellus hauptsächlich durch die viel grössere
Länge des Vorderdaumens ; dagegen Capt. Hutton's Pipistrellus von
Masuri durch geringere Grösse der Füsse und viel dunklere Färbung;
aus letzterem errichtete er die neue Art Myotis parvipes. — Eine Fle-
dermaus von Hongkong sieht er für identisch mit Cantor's VespertiLo
irretitus an.
Blasius hat 2 neue mitteleuropäische und deutsche Ar-
ten von Fledermäusen aufgefunden, mmWch Vesperus Maurus
und Rhinolophus Euryale,
Seine Mittheilungen finden sich in den Münchner gel. Anzeig.
XXXVU. 3, i07 und noch ausführlicber in unserem Archiv S. 35. —
der Säugthiere während des Jahres 1853. 1 1
Eine 3te Art vom Niederrhein hat er (ebenda S. 286) als Vespertilio
ciliatus beschrieben.
Als Supplement zu seinen frühern Monographien lieferte
Ternminck in den Esq. zool. de la cole de Guine die Be-
schreibung von 5 neuen Arten Pteropus aus dem malajischen
Archipel.
Sie heissen Pteropus Pluto, conspicillalus, alector, leticopterus und
hypomelanus. Ferner machte Temminck a. a. 0. noch folgende Ar-
ien üandflügler von der Küste Guinea's bekannt: Pliyllorrhina cyclops,
fuliginosa und caffra Sund., Rlünolophus Alcyone, Tapfioious Peli.
Im Zoologist p. 3936 legte J. Couch sein vom 4. September
1852 bis 5. Juni 1853 geführtes Tagebuch vor, worin aufgezeichnet
ist, an welchen Tagen er Fledermäuse hatte herumfliegen sehen oder
nicht. — Ebendaselbst S. 4012 berichtete J. R. Kinahan das Vorkom*-
men von Vesperlilio Natlereri in Irland,
Insectivora s. Cuspidentata,
In der neuen Auflage seiner „Naturgeschichte des Thier-
reichs« (Kempten 1853. 3te Aufl.) hat Ref. den Pelzflat-
lerer (ßaleopithecus) unter die Insectenfresser eingereiht.
Man hatte bisher den Pelzflatterer bald zu den Halbaffen , bald
zu den Handflüglern gestellt, damit aber jede der beiden Ordnungen
um ihren durchgreifenden Ch^^racter gebracht. Bei den Affen passte er
nicht wegen gänzlichen Mangels der üaumenbildung und wegen eines
total verschiedenen Zahnbaues ; eben so unpassend wurde er den Hand-
flüglern zugesellt , da bei diesen die Flughaut und die Vorderhände
wesentlich anders als bei dem Pelzflatterer gebildet sind, dessen Flug-
haut ohnediess nur die Bedeutung eines Fallschirmes hat, ähnlich wie
bei den fliegenden Eichhörnchen und deu Flugbeutlern. — Theilt man
dagegen den Galeopithecus den Insektenfressern (Spilzähnern, Cuspi-
dentata) zu, so verweist man ihn in eine Ordnung, die ohnediess in
ihren äussern Formen, in der Bildung der Füsse und in der Beschaf-
fenheit des Zahnsystemes eine grössere Wandelbarkeit zeigt, als jede
der genannten beiden andern Ordnungen. Jedenfalls passt er dem Ge-
bisse nach am ersten noch zu den Insektenfressern : mit diesen stim-
men nicht bloss seine Backenzähne überein, sondern die Form seiner
Eckzähne weist auch auf diese Ordnung hin. Der Galeopithecus ver-
bindet die Inseklivoren mit den Handflüglern und noch entschiedener
mit den Halbaffen.
Die Spitzmäuse bereicherte Brandt (Lehmann's Reise
Zoolog. Anhang S. 29'j) mit einer neuen Untergattung: Vi-
plomesodon.
12 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Sie characterisirt sich dadurch, dass sie nur zwei obere Backen-
zähne aufzuweisen hat. Typus ist der Sorex pulchellus Licht,
Im Bullet, phys. -mathem. de St. Petersb. IX. Ko. 13 publicirte
Brandt vorläufig einige Bemerkungen über die absondernden Zell-
chcn oder Bläschen der Moschusdrüsen der Myogale moscovilica und die
Moschusdrüsen der Myogale pyrenaica^ nebst einem die chemische Be-
schaffenheit ihres Sekrets betreffenden Anhange von Dr. Doepping.
Das Auge des Maulwurfs wählte John Davy zum Gegen-
stande anatomischer Untersuchungen (Ann. of nat. bist. XII. p 45).
Ref. machte in den Münchner gel. Anzeig. XXXVI. S. 220 be-
merklich, dass er an einem jugendlichen Maul wu rfs- Schädel Ge-
legenheit hatte, sich zu überzeugen, dass die Zvvischenkiefer -Naht
auch noch den sogenannten zweiwurzeligen Eckzahn mit einschliesst,
sowohl auf der Seiten- wie Gaumenfläche, und dass demnach dieser
Zahn ein wirklicher Schneidezahn ist , mithin beim Maulwurf 8 obere
Schneidezähne vorhanden sind.
Eine neue Art der Wasserwürfe bezeichnete John Cas-
sin als Scalops aeneus (Proceed. Acad. nat. sc. of Philadelph.
VI. 1852. p. 299).
Nach Zahnbau und sonst ein naher Verwandter des Scalops Town-
sendii, aber viel kleiner und von verschiedener Färbung. Seine schwar-
zen Krallen sind besonders auffallend und unterscheiden ihn von allen
andern Arten. Ganze Länge 5", Schwanz l . 25". Farbe im Spiritus
so prächtig melallglänzend wie bei Chrysochloris. Von Oregon. Frü-
her (S. 242) bezeichnete Cassin diese Art als Scalops metallescens.
Den nur aus einer Abbildung bekannten Erinaceus collaris suchte
Blyth genauer festzustellen (Journ. of the Asiat, soc. of Bengal 1853
p. 582).
Carnivora.
Vrsina. Die Frage, ob man mit Cuvier und Keyserling,
ßlasius, und Eversmann 2 Arten des gemeinen Bären, Vrsus
arctos, oder mit der Mehrzahl der Therologen nur eine an-
nehmen dürfe, hat nun v. Midd end o r f f zur endgültigen
Entscheidung gebracht.
Seine Beantwortung dieser Frage, die dahin ausgefallen ist, dass
es nur eine einzige Art des gemeinen Bären giebt , d. i. den Ursus
arctos, findet sich in seiner sibirischen Reise. Band II. Theil 2. S. 4 — 67
mit 26 Tafeln. Den llauptausschlag niusste hiebei die Schädelbildung
geben , und auf ein Material von nicht weniger als 60 Bärenschädeln
aus den verschiedensten Gegenden des russischen Reiches und den ver-
schiedensten Altersstufen von beiderlei Geschlechtern gestützt, hat der
der Säuglhiere während des Jahres 1853. 13
Verf. die Variationen des Schädelbaues mit einer Vollständigkeit schil-
dern können , wie sie uns von keiner andern Thierart vorliegt. Die
Umsicht, der Scharfsinn und die Bestimmtheit, mit welcher der Verf.
dieses reiche Material benutzt hat, die wichtigen Folgerungen, welche
sich daraus auch hinsichtlich der Formabänderung des Schädels bei
andern grossen Arten ableiten lassen , reihen diese Arbeit unter die
eminentesten, welche die Therologie aufzuweisen hat.
Einen Nachtrag zu seiner Darstellung der ehemaligen Verbrei-
tungsverhältnisse des gemeinen Bären in Baiern hat Ja ekel im Kor-
respondenz-Blatt des zool.-mineral. Vereines in Regensb. S. 16l ge-
geben.
Als eine Varietät des Ursus iibetanus erklärte B 1 y t h mehrere
aus Tibet eingesandte Bärenfelle, deren schwarzer Pelz auf dem Rumpfe
grau- oder lichlbraune Haarspilzen zeigte (Journ. of the Asiat, soc. of
Bengal 1853. p. 589).
Aus der Kreuzberg-Höhle bei Laas in Krain übergab A. Seh mi dl
der geolog. Reichsanstalt in Wien eine Anzahl Knochen von Vrsus spe^
laeus (Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstalt S. 843).
P. Gervais setzte die Arten der G&Unng Hyaenarctos
QÄgriotherium} auseinander (Ann. des sc. nat. XX. p. 229
tab. 12).
Man kennt ihm zu Folge dermalen 4 Fundorte von Hyaenarclos
und wahrscheinlich eben so viele Arten, nämlich 1) H. kemicyon Gfrv.
von Gers, wahrscheinlich einerlei mit Lortel's H. sansaniensis ; 2) Hyae-
narttos von Spanien, grösser, aber nur nach einem einzigen Reisszahne
gekannt ; 3) H. insignis von Montpellier; 4) H. sivalensis.
Mustelinst. Brandt hat beachtenswerthe Beobach-
tungen mitgetheilt über die periodisch, vermuthlich in Folge
lilimatischer Einflüsse, abweichende Bekleidung der Unterseite
der Zehen und Fusssohlen der nordischen wieselartigen Thiere;
ferner Bemerkungen über die Variation der Gaumenfalten meh-
rerer dieser Thiere.
Erwähnte Mitlheilungen finden sich im Bullet, de St. Petersb.
IX. No. 12.
Hensel setzte in unserem Archiv S. 16. tab. 2. Fig 1
—4 die Verschiedenheit im Schädclbau von Mustela Maries
und M. Foina auseinander.
Ref. will hiebe! erinnern, dass er diess ebenfalls schon im Jah-
resbericht von 1841 gethan hat.
Gray verglich den Schädel von Hodgson's Taxidea leu^
14 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Citrus mit denen der verschiedenen Dachse im britischen Mu-
seum (Ann. of nat. hist. XII. p.2'21).
Als Resultat spricht er Folgendes aus, „Ich finde, dass alle alt-
welllichen Dachse (Meles) einen massig grossen Reisszahn haben und
einen sehr grossen vierseiligen länglichen Höckerzahn im Oberkiefer,
welcher länger als breit ist, und der Schädel ist hinten gerundet. Die
Nase des tibetanischen Dachses (Meles leucurus) spitzt sich viel mehr
zu und ist zusammengedrückter als die des europäischen Dachses, dem
er am meisten gleicht. Der japanische Dachs (Meles Auakuma) diffe-
rirt von beiden durch einen viel kürzeren Schädel und eine kurze,
ziemlich breite Nase. Die amerikanischen Dachse (Taxidea Waterh.)
haben im Überkiefer einen sehr grossen dreieckigen Reisszahn und
einen ebenfalls dreieckigen Höckerzahn, der letzleren nicht an Grösse
übertrifft. Der Schädel ist auch viel breiler, mehr niedergedrückt und
hinten abgestutzt."
An zwei Dachsfellen , die ßlyth aus Tibet erhielt, er-
kannte er an dem einen Hodgson's Taxidea leucurus, wäh-
rend das andere sich eher als eine neue Art, Meles albigu-
laris von ihm benannt, ergab (Journ. of the Asiat, soc. of
Bengal 1853. p.589).
Nach seinen Angaben ist Meles albigularis dem europäischen
Dachse verwandt, aber dadurch verschieden, dass der Vorderhals nicht
schwarz, sondern weiss ist, und dass auch die Kopizeichnungen beider
von einander abweichen. Von der Taxidea leucurus Hodgs. erklärt
ßlyth die neue Art eben so verschieden, als der europäische Dachs von
der amerikanischen Taxidea differirt ; sie hat kleinere und viel weni-
ger behaarte Ohren und der Pelz ist kürzer und gröber, obwohl von
feinerer Textur als beim europäischen Dachse, und mit mehr Wollhaar
an der Basis. Schädel hat Blyth nicht erhallen , daher seine Vermu-
thung, dass Hodgson den Schädel der Meles albigularis für den der
Taxidea leucurus abgebildet habe, wohl unbegründet ist.
Blyth machte eine zweite Art des Ba 1 i-S a u r's aus-
findig, die er mit dem Namen Arctonyx taxoides belegte (a.
a. 0. S.59I).
Kur halb so gross als A. collaris, mit viel längerem und feine-
rem Pelze, sehr ähnlich dem des europäischen Dachses, aber weicher;
die Schnauze minder breit als bei A. collaris, Ohren und Schwanz kür-
zer; Färbung ähnlich, aber viel heller. Von Asam und Arakan.
Tiverrina. Eine neue Art dieser Familie stellte Gray
als Cynictis Maccarthiae auf (Ann. of nat. hist. XII. p. 48).
Gleicht in der Färbung etwas der Cynictis melanura, weicht aber
im Einzelnen merklich ab, auch sind die Haare viel länger und nicht
der Säugthiere während des Jahres 1853. t5
so anliegend. Das Exemplar stammt aus Ceylon und wurde eine Zeit-
lang, gleich einem von eben daher gebrachten Exemplare von Herpe-
sles Smllhii, in London lebend gehalten.
Diese Bekanntmachung von Gray veranlasste B 1 yth in dem Journ.
of the Asiat, soc. of Beng. p. 581 zu der Bemerkung, dass genannter
Herpestes Smithii, einerlei ist mit H. rubiginosus Kelaart und H. El"
lioli Blyth und auch die INilgiris und Travancore bewohnt ; dagegen
dürfte vielleicht Cynictis Maccarthiae doch nicht, wie es allerdings
den Anschein halle, mit Kelaart's Herpestes fulvescens identisch sein,
weil eine Cynictis nicht, wie es bei letzterem der Fall ist, an den
tlinterfüssen fünfzehig sein könne.
A. Alessand rini lieferte anatomische Bemerkungen
über ein junges männliches Individuum des Paradoxurus typus,
Sie sind aufgenommen in die iMemorie della Accademia delle
scienze delT Istituto di Bologna. Tom. 111. 1851. p. 19. lab. 4 und 5,
und begreifen die Beschreibung des Skelets, Verdauungskanals, der
Athmungsorgane, Harn- und Geschlechtsorgane. Die Abbildungen stel-
len das Skelet dar und die Athmungsorgane nebst Zunge und Herz.
Eichwald führte aus dem tertiären Kalke von ßessarabien eine
Viverra (Tkalassictis^ robusla Nordm. an und aus dem Meeressande
von Volhynien eine Viverra catus Eichw. (Leth. ross. p. 403).
Am meisten verdient um die Familie der Viverrinen
machte sich Temminck in seinen Esq. zool. , theils durch
Bekanntmachung neuer Arten , theils durch genauere Schil-
derung mehrerer, schon früher aufgestellter, aber nicht aus-
reichend charakterisirter Species.
Die neuen Arten heissen Viverra genetloides, Herpestes Loempo,
Pluto y punctatissimus , ßmbriatus und microcephalus (letztere beide un-
bekannter Heimath) ; ierner Paradoxurus sligmaticus \on Borneo. Wahr-
scheinlich wird aber auch Temminck's Herpestes Smithi nicht mit dem
von Gray identisch sein , indem letzterer Indien angehört, ersterer von
Cape Coast stammen soll. Aus gleichem Grunde ist es uns nicht wahr-
scheinlich, dass Parodoxurus binotalus Temm. von Guinea einerlei sein
soll mit P. Hamiltoni Gray aus Indien, da die Verschiedenheit der Hei-
math dagegen spricht. Endlich betrachtet Temminck Herpestes ochra-
ceus Gray und H. ornatus Pet. als zu H. Mulgigella Kupp, gehörig, so
wie H. punctatus und Cynictis melanura als mit H. badius einerlei.
Canina. Du Loup , de ses races ou Varietes par M.
Mauduyt. Poitiers 1851. 12 p. et 3 pl.
Diese Broschüre ist mir nur aus den wenigen, im Nachstehen-
den angeführten Worten, welche Aucapitaine in der Rev. zool.
p. 276 über sie sagt , bekannt. „Auf einigen Seiten liefert der Verf.
16 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichle
die Geschichte des Wolfs uud einige Bemerkungen über seine Sitten,
verschiedene Thalsaciien über seine Begattung mit dem Hunde und ci-
tirl Fragmente eines Briefes von Herrn v. Lafresnaye mit Details über
die Bastarde und die Meinung von Alauduyl unterstützend, welcher im
Gegensalze zu den von dem Verfasser des Artikels Chien des üict.
univ. (III. p. 354) ausgesprochenen Ideen meint , dass die Begattung
des Hundes und der Wölfin in der Freiheit statthaben kann. Drei lith.
Tafeln stellen den männlichen VVoIfsbastard oder Wolfhund, ferner den
weiblichen Bastard und den gemeinen Wolf (falbe Var.) dar.
In dem Regensb. Korrespondenz -Blatt S. 162 lieferte Ja ekel
Wachlräge zu seinen früheren Angaben über das Vorkommen des Wol-
fes in Bayern.
Eine neue Art von Füchsen von dem grossen Salzsee
in Utah und den Felsgebirgen machte Baird und bald her-
nach Audubon und Bach man unter verschiedenen Na-
men bekannt.
In Stainsbury's Exploration and Survey of the Valley of Ihe Great
Sali Lake of Ttah p. 309 stellte Baird diesen Fuchs als Vulpes tna-
croura auf und bemerkt, dass er in der Färbung eben so veränderlich
sei wie der Canis fulvus, dass aber sein Schwanz um 6" und mehr län»
ger sei als bei letzterem. — Audubon und Bachman gaben ihrer neuen
Art den Namen Vulpes Utah, mit der Diagnose: „corpore grandiore,
pilis velleris longioribus nee non gracilioribus quam in V. fulvo, cauda
magna cylindracea.« Hauptsächlich aus dem Utah-Thale. — Kurz her-
nach machte Baird in denselben Proceed. p. 124 bemerklich, dass Vul-
pes Utah und V. macroura eine und dieselbe Art bezeichnen.
Ein Fuchsfell aus den Salzbergen des Pendschabs fand Blyth
viel heller als bei Vulpes ßarescens, zu welcher Art er es deshalb auch
nur fraglich stellte (Journ. of the As. soc. of Beng. 1853. p. 581).
FeBina. I» grosser Ausführlichkeit hat Jacke I über
das eljemalige Vorkommen des Luchses in Bayern gehan-
delt (Uegensb. Korrespondenz-Blatt S. 58, 175).
Brandt besprach in einer Notiz das Vorkommen der Wild-
katze (Felis Catus ferus) in Russland. Früher war sie weiter ver-
breitet, jetzt findet sie sich noch in den kaukasichen Wäldern; Nord-
mann nennt überdiess die Küsten des schwarzen Meeres und Awhasien,
M. W^agner auch Colchis (Bullet, de rAcadem. de St. Pelersb. XI. 1853.
p. 334).
Einige Bemerkungen über Felis Hulloni , isabellina , macroscelis
und marmoraia wurden von Blyth im Journ. of Beng. p. 581, 591 nie-
dergelegt.
Genauere Auskunft über Felis celidogasler gab Temminck in
den Esq. zool. sur la cöte de Giiine p. 86.
der Säuglhiere während des Jahres 1853. 17
Der Machaerodus primaevus ist nunmehr von Dr. Leidy aus-
führlicher beschrieben und zugleich abgebildet worden in D.D. Owen's
Report of a geolog. survey of Wisconsin.
Marsupialia.
Ref. lieferte in der 5ten Abtheilung des Supplementban-
des zu Schreber's Säugthieren eine neue Bearbeitung der
Ordnung der Beutellhiere.
Meine erste Bearbeitung dieser Ordnung ist schon vor 12 Jah-
ren beendigt worden, also zu einer Zeit, wo weder die prachtvoll il-
lustrirlcn Werke von Gould, noch die klassische Bearbeitung der
Beutellhiere von Waterh o u se mir zur Benutzung vorlagen, während
überdiess eine Menge neuer Arten bereits aufgeführt waren, aber so
unbestimmt und widersprechend charakterisirt, dass ich mich in diesem
Wirrwarr nicht zurecht finden konnte. Seitdem haben die eben genannten
englischen Zoologen mit ihren reichen Materialien eine klare Auseinan-
dersetzung der australischen Beutelthiere geliefert, während mir selbst
es vergönnt war, durch Bearbeitung der von Natter er in Brasilien
zahlreich gesammelten Marsupialien diese schärfer als früher bestimmen
und mit neuen Arten vermehren zu können. Für Peru hat diess J. v.
Tschudi, für den indischen Archipel haben es Schlegel und S.
Müller gethan. So hat denn meine zweite Bearbeitung der Ordnung
der Beutellhiere festere Stützpunkte als meine erste gewonnen, zumal
da auch die hiesige Sammlung seitdem mit Exemplaren aus dieser Ord-
nung reichlicher als früher versehen worden ist, wovon ein grosser
Theil aus der Reise des Dr. Preiss in Südaustralien herrührt. Die
vorliegende Monographie hat demnach sowohl viele Berichtigungen
vorzunehmen, als als auch viele neue Typen einzuschalten gehabt. Die
erste Bearbeitung zählte im Ganzen 94 Arten Beutelthiere auf; die
dermalige Revision hat aber ergeben, dass diese Zahl durch Ausschei-
dung von 18 Kominalarten auf 76 reducirt werden mussle. Dagegen
waren 54 neue Arten einzuschalten, so dass also die zweite Bearbeitung
im Ganzen 130 Arien Beutellhiere aufzählt. Als neue Species ist in
derselben Phalangisla hypoleucos beschrieben und abgebildet worden.
Genauere Angaben über die Entwicklung der Jungen im Beutel,
nach Beobachtungen an Didelphys virginiana , machte Meigs bekannt
in den Transact. of the Am. phil. soc. held at Philadelph. X. 2. p. 155.
Rodentia.
Mit einer neuen systematischen Eintheilung der Nager
befasste sich P. Gervais in den Ann. des sc. nal. XX. p.
245; da sie jedoch nur wenig von der abweicht, die er frü-
her im Dict. univ. d'hist. nat. unter dem Artikel: Rongeurs
aufstellte, können wir uns damit begnügen , sie hier in Er-
wähnung gebracht zu haben.
Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2. Bd. B
18 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Scittrina. Zur Kenntniss dieser Familie hat Tem-
minck in seinen Esq. zool. de la cote de Guine die wich-
tigsten Beiträge geliefert.
Zu Sciurus stellte er folgende neue Arten : Sciurus caniceps (viel-
leicht Sc. Stangeri Wat.), Ebii^ maculatus , leucosligma, punctalus und
musculinus, sämmtlich von Westafrika ; ferner Sc. enßhromelas von Ce-
lebes, cinnamomeus von Alaiakka und bimaculalus von ebendaher. —
Eine neue Art Backenhörnchen von der Halbinsel Malakka benannte
Temminck Tamias leucotis , ausgezeichnet durch Kleinheit, wie durch,
Besetzung des äussern Oiirenrandes mit weissen, nur an der Basis
schwarzen Haaren. — Ferner verdanken wir ihm die Beschreibung
zweier neuen Arten von Anomalurus: A. Peli und laniger, von denen
bei der Familie der Orycterinen weiter die Rede sein wird.
Der Gattung Sciurus sind auch aus Nordamerika 2 neue
Arten zugefügt worden.
1) Sciurus Alberti von Woodhouse, früher von ihm Sc. dor~
salis benannt (Proceed. Acad. nat. sc. of Philadelph. VI. 1852. p. 110,
220). Ohren gross und breitbuschig mit langen schwarzen Haaren.
Farbe oben dunkelgrau, mit Ausnahme der Rückenlinie und einer Binde
hinter dem Ohre, die schön rostrothbraun sind, ünteiseite weiss , mit
Ausnahme des Perinaeura , welches grau ist. Wangen graulichweiss;
Schwanz sehr gross und breit , oben grau mit breitem weissen Rande,
unten weiss. Körper 13", Schwanz 11", Schwanzwirbel 8". Aus dem
San Francisco-Gebirge in Neumexiko. — 2) Sciurus Heermanni von
Le Conte (a. a. 0. S. 149). Zeigt eine nahe Verwandtschalt mit
mehreren grauen Eichhörnchen der allantischen Staaten, insbesondere
mit Sc. cinereus; aber die viel beträchtlichere Grösse der Ohren, die
dunkler graue Farbe der Oberseite der Füsse und der Mangel einer
braunen Färbung am Kopfe unterscheiden diese Art von allen ihren
Verwandten. Aus Californien.
W. H. Slaney von Hatton-Hall in England berichtete im Zoo-
logist p. 4051, dass in seiner Gegend vom gemeinen Eichhorn eine Va-
rietät mit flachs- oder strohfarbigem Schwänze eben so häufig wie die
normal gefärbten Exemplare vorkomme.
Haldeman machte in den eben angeführten Proceed. p. 198
bemerklioh, dass er ein Paar Albino von Tamias Lysteri und ein
schwarzes Exemplar derselben Art gesehen habe, was Licht werfen
dürfte auf die Varietäten der grauen Eichhörnchen, da es wahrschein-
licher sei, dass diese eher dunkle Varietäten zeigen als die einförmi-
gen Arten von Tamias. Erwähntes Exemplar w^ar ganz schwarz, ohne
Andeutung der Seitenstreifen.
Hensel lieferte einen Beitrag zur Kenntniss fossiler üe-
der Säugtbiere während des Jahres 1853. 19
berreste aus der Gattung Arctomys (Nov. act. acad. nat. cur.
XXIV. 1. S. 295. tab. 22, 23).
Das zootomische Museum in Breslau besitzt fossile Fragmente
eines Schädels, Oberarmes, Oberschenkels und Kreuzbeines. Verf. fin-
det den Schädel mehr dem von Fischer v. VValdheim beschriebenen
und von Giebel Arctomys spelaeus benannten ähnlich als dem von A.
primigenius und A, Marraotta. Herkunft unbekannt.
Dipoda* Als neue Art kündigte E. Fairmaire den
Dipus proximus an (rev. zool. p. 145).
Er erklärt diese Art für sehr nahe verwandt mit 1). Sagitta, doch
könne man ihn immer von letzterer unterscheiden durch Ueberlegen-
heit der Grösse, sowohl nach der Länge als Dicke, und besonders
durch Verschiedenheit der Form des Schwanzes, indem dieser bei D.
sagitta immer dünn, von demselben Volumen und von einförmiger Fär-
bung ist mit Ausnahme der Spitze, die unten einen schwärzlichen Ton
annimmt. Bei D. proximus dagegen ist der Schwanz dick, an der Basis
sehr zusammengedrückt und mit sehr kurzen an der Spitze buschiger
werdenden Haaren besetzt, unten sehr lichlrolh, oben roth mit Schwärz-
lich gemischt. In Asien bei Jamankala gegen die Ufer des Zon, jen-
seits des Ural-Flusses gefunden. Die osteologischen Differenzen zwi-
schen beiden Arten sollen später zur Erörterung kommen, bis dahin
wohl auch das Urtheil über die Selbstständigkeit der neuen Art zu
verschieben sein wird.
Eine gründliche Auseinandersetzung der Arten von der
Gattung Dipodomys haben wir John Le Conte zu verdan-
ken (Proceed. Acad. nat. sc. of Philadelph. VI. 1852. p. 224).
Die Gattung selbst, nebst Perognathus, will der Verf. wegen der
Form des Schädels und Älangels von Fostorbitalfortsätzen nicht zu Di-
pus, sondern zu den Myoxinen gestellt wissen. Die Arten von Dipo-
domys ordnet er in folgender W^eise an.
f) Schwanz viel länger als Kopf und Rumpf, gegen die Spitze mit
einem Büschel langer Haare j Aotitragus kurz, breit und sehr
deutlich.
1. D. Philippii Gray ; Schwanz braun, jederseits mit weisslicher Binde,
äusseres Drittel dunkel schwärzlichbraun , Spitze rein weiss. Sa-
cramenlo-Thal.
2. D. agilis Gambe!; Schwanz bräunlich, jederseits mit undeutlicher
weisslicher Binde; äusseres Drittel bis zur Spitze fast einförmig
blass braun. San Diego.
ff) Schwanz so lang wie Kopf und Rumpf, Haare an der Spitze kaum
länger; Antitragus sehr kurz, undeutlich.
3. D. Ueermanni n. sp. ; Schwanz braun, gegen das Ende ins Schwarze
20 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
übergehend, jederseits mit breiler weisser Binde ; Spitze rein schwarz.
Sierra Nevada.
f f f ) Schwanz kürzer als der Leib , Haare am äussern Drittel sehr
lang, Ohren massig klein, Antilragus obsolet.
4. D. Ordii Woodhouse ; Schwanz bräunlich, jederseits mit breiter
weisser Binde, lange endständige Haare blass braun, an der Basis
weiss. El-Paso, Texas.
Eine 5le Art: D. Wagneri, von LeConte nach einem Exemplare
mit defectem Schwänze bestimmt, scheint zur ersten Abtheilung zu ge-
hören. Die Länge der Schwanzwirbel zeigt einen Schwanz ähnlich
dem von D. agilis an, mit dem sie in der Färbung übereinkommt ; die
Ohren sind etwas grösser als bei letzterem und der Antilragus ist
gross, breit und an der Spitze stumpf abgerundet. Die BichligUeit der
Angabe der Heimath : James ßead , South Carolina bezweifelt er , da
alle andere Arten dem westlichen Theilß des Continenls angehören.
A. a. 0. S. 225 macht Le Conte noch bemerklich, das Peale's
Cricetodipus parvus zu Perognalhus gehört.
Eben daselbst S. 235 bringt Woodhouse eine kurze Beschrei-
bung seiner Dipodomys Ordii vor.
Orycterina. Von Anomaliirus Pelii lieferte P. Ger-
vais eine Beschreibung des Knochengerüstes (Ann. des sc.
nat. XX. p. 238. tab. 13. Fig. 1—7).
Nach dem Schädelbaue bringt er diese Gattung unter seine Fa-
milie der Hystricidae und zwar wegen ihrer Befähigung zum Fluge in
eine besondere Gruppe , die bezüglich des Schädels und Gebisses eine
sehr grosse Aehnlichkeit mit Cercomys hat.
Eben dieselbe Art nebst einer neu aufgestellten, Ano-
malurus laniger, beschrieb Temminck in seinen Esq. zooi.
sur la cote de Guine p. 146, 149.
Temminck betrachtet Anomalurus nur als Untergattung von Pte-
romys. A. Inniger unterscheidet sich von den andern Arten sowohl
durch die wollige IJeschaffenheit wie die Färbung des Pelzes.
Cuoicuiaria. JohnLe Gonte's Versuch einer Syn-
opsis der Galtung Geomys Raf. (^Ascomys Licht.) gewährt
eine sehr gute Uebersicht über die hieher gehörigen Arten
(Proceed. Acad. nat. sc. of Philadelph. VL p. 157).
Die Anordnung ist in folgender Weise:
f) dentes primores superiores profunde sulcati.
a. Cauda fere nuda.
1. Rufo-fuscus, fere hispidus . . G. hispidus n. sp.
2. Supra rufus, d. prim. sup. bicanaliculati G. canadensis Licht.
3. Supra plumbeus, d. prim. sup. unisulcati G. pineli Baf.
der Säugthiere während des Jahres 1853. 21
b. Cauda pilosa.
4. Supra nigricans, d. prim. sup. unisulcati G. mexicanus Rieb.
5. Supra fuscescens, d. prim. sup. bicanaliculati
G. oregonensis n. sp,
ff) Dentes primores non sulcali.
6. Supra rufescens, infra albicans . G. rufescens Wied.
Wegen mangelhafter Beschreibung kann der Verf. in sein Schema
nicht einreihen: G. Douglasii, talpoides, umbrimis und bulbivorus, sämmt-
lich von Richardson aufgestellt, ferner G. castanops Baird.
Von seinen 2 neuen Arten stammt G. hispidus aus Mexiko und
G. oregonensis vom Columbia-Flusse. Pseudostoma ßoridana Aud. Bachm.
erklärt der Verf. für identisch mit G. pineli Raf. ; ferner Thomomys
rufescens Wied = G. borealis Bachm. = Pseudostoma borealis Aud.
Bachm. = ? Oryclomys Bottae Eyd.
Auch Woodhouse stellte aus derselben Gattung eine
neue Art als Geomys fulvus auf (a. a. 0. S. 201).
Oben leicht röthlichbraun , unten weisslich , Ohren klein , rund
und mit dickem, kurzen, schwarzen Pelz besetzt; Schwanz lang im Ver-
gleiche zu andern dieser Gattung. Körper 5", Schwanzwirbel lyio"»
Schneidezähne mit 3 convexen glatten Seiten, die untere etwas schmä>
1er. Die Krallen der hinteren Zehen etwas länger als die vorderen ;
Schwanz mit kurzen weissen Haaren besetzt. Aus Neumexiko.
Pseudostoma (Geomys) castanops, von dem bereits Le Conte be-
merklich machte, dass er es nicht einreihen könne, wurde von Baird
in Stansbury's Explorat. of the Great Salt Lake p. 313 publicirt. Ueber
den Zahnbau ist nichts gesagt, sondern nur bemerkt, dass die neue
Art in der Grösse das Mittel zwischen Ps. boreale und bursarium halte,
viel heller als letztere Species sei, blass gelblichbraun mit einem gros-
sen hell kastanienfarbigen Fleck an jeder Seite des Kopfes.
iriurina. Mit 5 neuen Arten Mäusen von der Küste
von Guinea machte uns Temminck in seinen Esq. zool.
bekannt.
Sie heissen : Mus trivirgatus, Sihapusi, erythroleucus y musculoi^'
des und rufinus. Zur Kenntniss des Circetomys gambianus lieferte er
weitere Beiträge.
Von 2 neuen indischen Mäusen Mus gerbellinus und M. Thco^
baldi gab Blyth eine kurze Notiz (Journ. of Beng. p. 410, 583).
Eine Aufzählung der Arten von üapalotis, mit kurzer
Charakteristik von zwei neuen, erschien von Gould in den
Ann. of nat. bist. XI. p. 476.
Diese Gattung ist nunmehr auf 8 Arten gebracht: H. albipes
Licht., //. apicalis n. sp. , H. hirsutus Gould, H. conditor Gould,, H.
22 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
longicaudatus Gould. , H. Gouldii Gray , H. Riohardsonii Gray, H. ma~
crotis Gray, H. Mitchellii Gould, H. murinus Gould und H. cervi-
nus n. sp.
Hesperomys texanus wurde vonWoodhouse eine Art benannt,
die am Rio Grande bei El Paso gefunden wurde (Proceed. Acad. nat.
sc. Philad. VI. p. 242). „Kleiner als H. leucopus , Kopf kürzer und
stumpfer, Ohren kleiner und gerundeter, Pelz oben braun, unten weiss
ins Gelbliche ziehend.« Körper 2,4", Schwanz 2,1".
lieber die Feldmäuse {Hypudaeus') handelte ein Vortrag
des Ref. in den Münchner gel. Anzeig. XXXVI, S. 291.
Es wird in selbigem hauplsächlich eine neue Form charakteri-
sirt, von der ein Exemplar in der Gegend von Obersdorf unweit Sont-
hofen im Allgäu gefunden wurde, wo diese Thiere überall auf den
Bergen und in den Hochlhälern vorkommen. Diese Feldmaus ist auf
der Oberseile trüb falbbraun und schwarz gesprenkelt, an den Seiten
lichter, die ganze Unterseile nebst dem Schwänze welsslich, nur bei
letzterm die obern Haare des Pinsels meist schwärzlich. Zunächst dem
Hypudaeus alpinus verwandt, unterscheidet sie sich von ihm durch
weit geringere Grösse und einen andern Farbenion ; Ref. legte ihr den
Namen Hijpudaeus petrophilus bei.
Blaslus legte eine neue Gruppirung der Arten von
Hypudaeus {Arvicola') , zugleich mit der Beschreibung einer
neuen Art, vor in den Münchn. gel. Anzeig. XXXVII. p. 105.
Die neue Art heisst Arvicola campestris und unterscheidet sich
von A. agreslis nur durch das Gebiss, während sie in der Färbung ganz
mit ihr übereinslimmt. Sie ist bisher nur aus der Nähe von Braun-
schweig bekannt. — Heber meinen Hypudaeus petrophilus, den ich dem
Verf. zur Ansicht zugeschickt hatte, äusserte er sich dahin, dass, nach-
dem er den H. alpinus im ganzen Alpenzuge und zwar in allen Far-
benabänderungen vom Weissgrau bis Dunkelbraun aufgefunden hätte,
er keinen Anstand nehmen würde , ihn mit letzterem zu vereinigen,
wenn nicht bei H. petrophilus eine auffallende Abweichung im Gebisse
vorkäme, nämlich dass das drille Prisma am zweiten obern Backzahn
vorn eingebuchtet ist. üb diese Differenz nun individuell oder con-
stant sei, müsse die Untersuchung anderer Exemplare ergeben. Diese
Untersuchung ist später vorgenommen und als individuell erkannt Wor-
den , doch fällt das Referat über selbige nicht mehr in den Bereich
des vorliegenden Berichtes; einstweilen kann aber auf ihre Mitthei-
lung in den Münchn. gel. Anzeig. XXXVIII. S. 73 verwiesen werden.
Der Hypudaeus obscurus, den Evers mann nur mit wenig Wor-
ten bezeichnete, ist jetzt durch v. Middendorff ausführlich beschrie-
ben worden (sibir. Reise il. 2. S. 109).
In zwei meisterhaften Monographien hat v. Midden-
der Säugthiere während des Jahres ISSS. 23i
dorff (a. a. 0.) die beiden Arten von Lemmingen : Myodes
torquaius und M. obensis geschildert, sowohl nach ihrem äus-
sern und Innern Baue, als nach ihrem Farbenwechsel und ih-
rer geographischen Verbreitung. Mehrere Nominalarten sind
damit für immer beseitigt worden. -
Als neue Art führte Woodhouse den Perognathus
penicillahis aus Neu -Mexico auf (Proceed. Acad. of Philad.
VI. p.200).
„Oben gelblichbraun , unten weiss. Schwanz länger als Kopf
und Rumpf, gepinselt, mit lichtbraunen Haaren." Körper Sy^", Schwanz-
wirbel 3,7". — Le Conte machte a. a. 0. S. 225 die Bemerkung,
dass Peale's Cricetodipus parvus zu Perognathus gehört und stellt diese
Galtung zu den Alyoxinen.
Castorina. Brandt kündigte an, dass erzwischen
dem alt- und neuweltlichen Biber specifische Differenzen,
sowohl in der Beschaffenheit des Schädels als der der Ca-
storbeutel, gefunden habe; eine ausführliche Nachweisung soll
nachfolgen (Bullet, de St. Fetersb. XI. p. 365).
§ubun@rulata. An dem Fragmente eines Schneidezah-
nes vom Ashley-Flusse wollte Leidy einen grossen, wahr-
scheinlich mit Hydrochoerus verwandten Nager erkennen:
Oromys Aesopi (Proceed. Acad. of Philad. VI. p. 241).
Edentata.
Im 5ten Theile des Supplementbandes zu Schreber's
Säugthieren lieferte Ref. die seit seiner ersten Bearbeitung
in dieser Ordnung nöthig gewordenen Nachträge.
Sie betreffen die Gattungen Bradypus, Dasijpus und Manis.
Eine neue Anordnung der Edentaten wurde von H. N.
Turner vorgelegt (Ann. of. nat. bist. XII. p. 348).
Sie erstreckt sich nicht bloss auf die Gattungen, sondern auch
auf die Arten, so weit letztere dem Verf. bekannt geworden sind.
Seine Arbeit ist nämlich vom Juli 1851 datirt, und daher mag es zum
Theil kommen, dass ihm die neueren auswärtigen Arbeiten von Ref.,
Sundevall und Focillon entgangen sind. Immerhin aber ist diese Ar-
beit nicht ohne Werlh , da ihr Verf. bei der Charakteristik der Gat-
tungen und Arten hauptsächlich den Schädelbau berücksichtigt und über
denselben gute liemerkungen mitgetheilt hat. Diess betrifft besonders
die Gattung Bradypus, da er hier die Schädel, auf welche Gray seine
neuen Arten begründete, vergleichen und dadurch zu denselben Resul-
taten, wie ßci. schoi: früher nach aüder.'i Materialien, gelangen Konnte.
24 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
So trennt der Verf. den Biadypus affinis nicht von ßr. gularis ; eben
so weiss er den B. Blainvillei, llaccidus und problemalicus nicht von
Br. marmoratus zu scheiden. — Von Myrmecophaga Tamandua trennte
der Verf. als eigene Art mit dorn Namen AJyrmecophaga longicaudala
ab; es ist diess dieselbe Form, welche schon Ref. unter gleichem
Namen als Var. J von M. Tamandua unterschieden und dabei bemerkt
hatte, dass weitere Untersuchungen höchst wahrscheinlich dieselbe als
eigene Art erweisen werden.
Von Hyrtl ist nunmehr die ausführliche, vortreffliche
Schilderung" des arteriellen Gefässsystems der Edentaten be-
gleitet von 8 prächtigen Tafeln in den Denkschriften der Wien.
Akadein. d. Wissensch. VI. S. 21 erschienen.
Die Memorie della Accademia delle scienze dell' Isti-
tuto di Bologna. Tom. III. (1851) enthalten zwei anatomische
Arbeiten über Thiere dieser Ordnung von A. Alessandrini.
Die erste (S. 363. Tab. 26, 27) befasst sich mit einem Exemplare
des Bradypus tridactylus und liefert eine Beschreibung des Skelets und
der Eingeweide mit Abbildungen des Schädels, der Athmungsorgane,
Zunge und des Herzens. Dem Verf. scheint es unbekannt geblieben
zu sein , dass es mehrere Arten dreizehiger Faullhiere giebt. — Die
andere Abhandlung ( S. 433. lab. 29— 31 ) hat zum Gegenstande die
Myrmecophaga didactyla. Beschrieben wird das Skelet, der Verdau-
ungsapparat, das Herz, die Harn- und Geschlechtswerkzeuge. Abge-
bildet siiid das Skelet, der Schädel und einzelne Weichlheile.
Mehrere neue urweltliche Edenlaten aus Nordamerika
kündigte Lei dy an.
In den Proceed. Acad. nat. sc. of Philadelph. VI. (1852) p. 117
erklärte er, dass er nach Untersuchung der ausgestorbenen Edentaten
von Nordamerika zur Ueberzeugung gekommen sei, dass es von Mega-
lonyx wahrscheinlich 4 Arten giebe: M. Jeffersonii Harl., M. laqueatus
Harl. , ? M. potens Leid, und W. dissimilis Leid. — Ferner eine Art
Mylodon = M. Harlan! Ow. ; eine Art Megalherium , wahrscheinlich
von der südamerikanischen verschieden und von ihm M. mirabile be-
nannt. Den von Owen in der Voy. of the Beagle abgebildeten Kiefer
will er nicht, wie genannter Falaeontolog , als zu Megalonyx Jefferso-
nii gehörig ansehen , sondern als neue Art und Galtung : Gnathopsis
Owenii. — S. 241 bezeichnete Leidy noch 2 andere neue Gattungen,
nämlich nach einem Fragment eines Backenzahnes vom Ashley-FIusse
ein riesenhaftes, von jeder andern Galtung verscbiedenes Faulthier :
Enbradys anliquus, und dann nach einem andern Backenzahn ein zwei-
tes, ebenfalls von allen andern Galtungen verschiedenes , riesenhaftes
JFaulthicr , Eß'eptodon priscus, von Katchez.
der Säugthiere während des Jahres 1853. 25
Mit der Lösung der Frage, ob es eine oder mehrere
Arten \on Orycteropus gehe, befasste sich Duvernoy (rin-
stit. p. 91).
Nach Vergleichung eines Skelets von einem bei Gondar in Abys-
sinien erlegten Orycleropus und des Schädels eines anderen Exemplars
vom weissen Wil mit 2 Skeleten vom Kap, hält sich D. mit einem ge-
wissen Grade von Sicherheit für berechtigt zur Erklärung, dass die
Erdferkel von Abyssinien und dem Sennaar (Orycteropus aethiopicus
Sund.) eine von denen des Caps (0. capensis) verschiedene Art bilden.
Bezüglich des Erdferkels vom Senegal kommt er zum Schluss, dass
obwohl dasselbe vom abyssinischen verschieden sei, es demselben doch
mehr als dem kapischen gleiche, welches eine von den beiden andern
sehr verschiedene Art ausmache.
Solidungula,
Das Vorkommen der Gattung Hipparion (Hippotherium')
in Nordamerika ist durch L eidy angezeigt worden (Proeeed.
Acad. nat. sc. of Philad. Vi. p. 241).
Zwei obere Backenzähne, die am Ashley-Flusse in Süd-Carolina
gefunden wurden , sind es , wornach Leidy auf diese Gattung scbloss,
deren Vorkommen bisher in Nordamerika noch nicht nachgewiesen war.
Gedachte Ueberreste bezeichnete er als Hipparion venustum. — Zwei
andere obere Backenzähne von demselben Fundorte und Texas schrieb
L. dem Equus americanus zu.
Lavocat und Joly berichteten über einen Fall, in welchem
ein von einer Stute, die verworfen halte, herstammender Maulthier-Foe-
tus von ohngefähr 9 Monaten an den Vorderfüssen gespaltene Hufe zeigte
(l'Instit. p.305).
Pachydermata.
Die Klippschliefer bereicherte Temminck mit einer
neuen Art : Hyrax silvestris (Esq. zool. sur la cote de Guine
p. 182).
Diese Art, welche in den Waldungen an der Küste Guinea's sehr
häufig vorkommt, ist zwar mit H. arboreus verwandt, aber doch von
ihm erheblich verschieden. Es hat nämlich H. sylvestris in jedem
Kiefer nur 6, H. arboreus dagegen wie die andern Arten 7 Backen-
zähne; ferner sind bei jenem die Zehen länger und dicker, die äus-
sere Zehe der Vorderfüsse deutlich, während sie bei H. arboreus ru-
dimentär ist; dann ist auch bei lelzterm Schnautze, Kinn- und Au-
gengegend behaart, während diese Theile bei H. sylvestris nackt sind ;
ebenso sind bei diesem die Ohren innen nackt, bei jenem buschig be-
haart. Endlich bildet der lange weisse lausche], der den nackten Drü-
26 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
senfleck auf dem Rücken bedeckt, bei H. arboreus eine schmale, bei
dem H. sylvestris eine breite Binde.
Viele und darunter höchst merkwürdige und eigenthüm-
liche Formen urweltlicher Dickhäuter sind durch Leidy be-
kannt gemacht worden in D. D. 0 w e n's report of a geolog.
survey of Wisconsin und in vermehrter und verbesserter Auf-
lage in den Smithsonian Contributions to Knowledge V.
Sie heissen: Ärchaeotherwm Mortoni und robustum, Anchithe-
rium Bairdii , Tilanotherium Proutii, Falaeotherium giganteum, Rhino-
ceros occidentalis und nebrascensis. Die ausführlichen Beschreibungen
sind durch vortrefflich ausgeführte Abbildungen erläutert.
Description of a Sceleton of the Mastodon giganteus of
North America. By John C. Warren M. D. Boston 1852.
Eine ausgezeichnete Arbeit, sowohl hinsichtlich ihres wissen-
schaftlichen Gehaltes als ihrer prachtvollen Ausstattung. Ihr Verfas-
ser ist selbst im Besitze zweier Skelete von M. giganteus und aus-
serdem benutzte er zu seiner Monographie noch die übrigen Samm-
lungen von Nordamerika, sowie die von London, Paris und Darmstadl.
Mit so reichem Material ausgestattet, konnte er die Kenntniss vom Ske-
letbaue dieses Riesenthieres zum Abschlüsse bringen und denselben
auf 27 lithographirten Tafeln nach allen seinen Hauptstücken erläutern.
Osteografia di un Mastodonte angusüdente illustrato dal
Professore Eugen io Sismonda. Torino 1851. (Separat-
abdruck aus den Memorie della R. Accad. delle scienze di
Torino. Tom. XII).
Während in der Regel die Knochen des Mastodon angustidens
in Europa nur vereinzelt gefunden werden, hat sich gelegentlich der
Anlegung der Eisenbahn zwischen Dusino und Villafraoca bei dem
Dorfe Solbrito der glückliche Fall ereignet , dass ein ganzes Skelet
desselben in einer Tiefe von ungefähr 8 Metres zum Vorschein kam.
Da es indess schon auf seiner Lagerstätte im Laufe der Zeiten beträcht,
lieh gelitten hatte, so war es nicht möglich , dasselbe in solcher Voll-
ständigkeit herauszuschaff'en , wie es nicht selten in Nordamerika mit
den Skeleten von M. giganteus der Fall zu sein pflegt. Indess ist noch
genug übrig geblieben, um dem Verf. Stoff" zu einer sehr genauen lehr-
reichen Beschreibung dieser merkwürdigen üeberresle zu liefern , und
den 6 Tafeln, von denen 5 das doppelte Format einnehmen, ist hin-
sichtlich ihrer gelungenen Ausführung ein nicht minderes Lob als der
Bearbeitung des Textes zu spenden.
An Zähnen, die in der Molasse von Kirchberg an der Mindel ge-
funden worden waren, erkannte H. v. Meyer Mastodon turicensis
(Jahrb. f. Min. S. 631).
der Säugthiere während des Jahres 1853. 27
Quenstedt suchte an den bei Frohnsletten gefundenen Zäh-
nen von Dinotherium darzuthun , dass in jedem Kiefer nicht bloss 5,
sondern 6 Backenzähne vorhanden wären, indem vor jeder Reihe noch
ein kleinerer gefunden wurde (Würlemb. nalurw. Jahresh. S.66)
Als Zusatz zu seiner Anatomie der Pachydermen lieferte
Mayer Beiträge zur Anatomie des Rhinoceros indicus (Nov.
act. acad. nat. cur. XXIV. 1. S. 1—4}.
Verf. hatte Gelegenheit, die Eingeweide eines männlichen indi-
schen Nashorns, das gegen 2 Jahr alt war, zu untersuchen, und be-
schreibt darnach die Zunge und Respirationsorgane, Darmkanal, Harn-
werkzeuge und männliche Geschlechtsorgane.
Von J. Leidy erschien eine Abhandlung: Osleologie
des Schädels vom Hippopotamus und Beschreibung der
osteologischen Charaktere einer neuen Gattung Hippopotami-
dae (Journ. Acad. nat. sc. of Philad. II. 3. 1853. p. 207).
Zuerst kommt eine ausführliche Beschreibung des Schädels von
Hippopotamus amphibius und capensis, welche der Verf. mit Duvernoy
als 2 Arten betrachtet, dann die des H. minor Mort. , welches er als
eigene Gattung, früher von ihm Choerodes, jetzt Choeropsis liberiensis
benannt, absondert. Auf Tab. 21 ist der Schädel im Profil und von
oben abgebildet. — Ref. hat hierbei zu bemerken, dass Duvernoy
schon im Jahre 1849 für diese neue Art von Flusspferden den Gat-
tungsnamen Diprotodon in Anwendung gebracht hat, dass jedoch eine
generische Trennung derselben von Hippopotamus nicht nothwendig ist.
Die mikroskopische Struktur der Zähne des amerikanischen und
indischen Tapirs wurde von John Tomes sorgfältig beschrieben
(Ann. of nat. bist. XI. p. 472).
Leidy erwähnte eines fossilen Zahnes eines Tapirs, den er als
Tapirus Haysii benannte; später erhielt er von demselben ein Kiefer-
stück mit 2 Zähnen aus der Post-Pliocene bei Watchez (Proceed. Acad.
nat, sc. of Philadelph. VI. p. 106, 148).
Ein Weibchen von Phacochoerus Pallasii, das 10 Monate lang in
der Menagerie des zoologischen Gartens gelebt hatte, gab Owen Ge-
legenheit von dessen innerem Baue eine genaue Beschreibung zu ent-
werfen (Ann. of nat. bist. XI. p. 246).
In der Barbara-Grube am Monte Promina in Dalmatien wurde
ein Unterkiefer von Anthracolheriuni gefunden, auf welchen H. v.
Meyer eine neue Art: A. dalmatinum begründete (Jahrb. der geo!.
Reichsanst. S. 165).
Unter den Huflhieren, die Owen bisher in die 3 Grup-
pen: Proboscidea, Perissodaclyla und Artiodactyla verlheilt
28 Wagner: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
hatte, errichtete er eine vierte : Toxodontia (Ann. of nat. hist.
XI. p.318).
Sie besteht aus den beiden Gattungen Toxodon und Nesodon ;
von letzterer unterscheidet er jetzt 4 Arten: JV. imbricalus, Sulivanif
ovinus und magnus.
Ruminantia.
Die Abscheidung des sibirischen Rehes, Cervus pygar-
gus, als selbstständige Art von C. capreolus hat v. Midden-
d 0 rff nicht gebilligt.
Wie er in seiner sibirisclien Reise 11. 2. S. 118 hervorhebt, be-
schränke sich der ganze Unterschied auf etwas knorrigere und kräf-
tigere Spiesse. Sei das sibirische Reh auch grösser als das europäische,
so sei diess doch nur für den Durchschnitt richtig, und die kaukasi-
schen Rehe vermittelten den Üebergang zu den sibirischen.
lieber das Vorkommen von Eckzähnen hei Cervus capreolus han-
delte Hensel in unserem Archiv S. 23.
Die Unterschiede in der Gew^eihbildung zwischen dem Shou oder
tibetanischen Hirsch, dem Edelhirsch und dem Wapiti wurden
von Blyth sehr genau auseinander gesetzt (Journ. of ßeng. 1853.
p. 592).
Temminck's Bearbeitung der an der Küste von Guinea
vorkommenden Antilopen (in seinen Esq. zool.) lehrt uns
viele dieser Arten genauer als früher kennen. Zugleich hat
er sich entschlossen, die Gattung Antilope in lö aufzulösen.
Einstweilen theilte er nur die Kamen dieser Galtungen nebst
den ihnen angehörigen Arten mit, behielt sich aber ihre Charakteristik
auf den demnächst erscheinenden dritten Band seiner Monographies de
Mammalogie vor.
Peters publicirte in den Berlin. Monatsberichten eine neue Art
als Antilope leucolis. Von der Grösse der A. pygarga, kastanienbraun,
die ganze Unterseite nebst den Ohren weiss ; Hörner divergirend, gerin-
gelt, mit eingebogenen Spitzen. Aus dem Sennaar.
Ueber die Suborbital- Drüse der Anlilope picta brachte Turner
einige Bemerkungen bei (Ann. of nat. hist. XI. p, 467).
Brandl's Bemerkungen über den Bau der Weichen- oder Lei-
stendrüsen der Gazeilen gewähren werthvolle Aufschlüsse über diese
eigenlhümlichen Bildungen (Bullet, de St. Petersb. X. INo. 5).
Bos brachyceros wurde von Temminck in seinen Esq. Zool.
p. 239 für eine eigenlhümliche Art erklärt.
In den Smithsonian Contribulions to Knowledge V. (1853)
der Säuglbiere Mährend des Jahres 1853. 29
p. 1—20 erschien von J. Leidy eine Abhandlung über die
ausgestorbenen Arten amerikanischer Rinder.
Als solche führt der Verf. auf: 1) Bison latifrons Harl. (Urus
priscus ßojan.); 2) Bison anliquus Leid., nur zweifelhaft; 3) Boolhe-
rium cavifrons Leid. (l3os Pallasii Dekay); 4) Bootherium bombifrons
HarL — Die Beschreibungen sind genau und durch 5 lithographirte
Tafeln erläutert.
Die Auffindung vun Knochen des Bos longifrons in England zu-
gleich mit römischen Alterlhümern gab A. Smith Veranlassung diese
Art genauer zu charakterisiren und Nilsson's Ansichten über die Ab-
stammung des zahmen Rindes zu besprechen (James, journ. 1853. p. 122).
Steenstrup machte auf zwei, in Torfmooren gefundene Ue-
berresle aufmerksam ; der eine gehört dem Bos fronlosus Nilss. an und
wurde bei Möen ausgegraben, der andere dem Bos Bison (üversight
over det K. danske Vidensk. Selsk. ForhandL i Aaret 1852. p. 236).
Als höchst eigenlhümliche, ungehörnte Typen reihte
Leidy (a.a. 0.) seine 3 neuen Galtungen: Agrochoerus, Oreo-
don und Eucrotaphus bei den Wiederkäuern ein.
Zu ihnen zählt er 6 Arten: Agriochoerus anliquus^ Oreodon CuU
berlsonii^ gracilis und major?, Eucrotaphus auritus und J achsonii.
Pinnipedia.
Genauere Bestimmungen über seine Phoca occitana gab
P. Gervais in den Ann. des sc. nat. XX. p. 281.
Er hatte diese Art früher lediglich auf einen, im pliocenen Mee-
ressand von Montpellier gefundenen obern Schneidezahn begründet. Aus
derselben Ablagerung wurde neuerdings ein Unterkiefer-Fragment ge-
wonnen, das er mit jenem Zahne als zusammengehörig erachtet. Auf
diese Materialien gründete er die neue Untergattung Pristiphoca.
Ein fossiler Zahn aus dem Crag von Antwerpen wurde von Van
Beneden für einen Eckzahn einer mit Olaria verwandten Robbe er-
klärt (Bullet, de Brux. 1853. 2. p. 255). — Denselben Zahn besprach
auch Gervais in den vorhin angeführten Ann. p. 283.
Aus den Terliärablagerungen bei Kertsch beschrieb
Eichwald eine neue urwellliche Robbe unter dem Namen
Phoca poniica (Leth. ross. III. p. 391. lab. 13).
Sie ist fast nach dem ganzen Skelet gekannt und findet sich auch
bei Kischinew in Bessarabien in Spalten des tertiären Kalkes.
Einige Eigenlhümlichkeilen der arteriellen Gefässverä-
stelungen bei den Seehunden und Wallrossen erläuterte HyrtI
(Wien. Sitzungsberichte XI. S. 744).
30 Wagner: Bericht üb. d. Leistungen in der Naturgeschichte etc.
Cetacea.
Anatomische Untersuchungen über das Auge der Ceta-
ceen, nebst Bemerkungen über das Auge des Menschen und
der Thiere von Dr. Mayer. Bonn 1852.
Ein sehr schätzbarer Beitrag zur genaueren Kenntniss des Auges
der Walle und viele anderer Thiere , mit 6 vortrefflich ausgeführten
Tafeln.
In den Sitzungsberichten der Wiener Aliademie (XI. S. 765) gab
Hechel Nachricht über das Stranden von 6 Polt fische an der Käste
von Citta nuova unweit Triest. Er benutzte diese Gelegenheit, um ein
SUelet für die Wiener Sammlung zu acquiriren, und ein anderes wurde
von meinem Collegen, Prof. Dr. Roth, der gerade zu selbiger Zeit
aus dem Oriente in Triest angekommen war, erworben und der hiesi-
gen zoologischen Sammlung zum Geschenke gemacht.
G. Jäger führte in den Würtemb. Jahresheften S. 88 die ihm
gewordenen Mittheilungen von G. Vrolick und Lehmann in Ham-^
bürg über das Vorkommen von zwei Stosszähnen an einem Karwall -
Schädel an.
Fragweise stellte P. Gervais ein Fragment eines fossilen ke-
gelförmigen , aber nicht spiralig gewundenen Zahnes als Andeutung
einer neuen Art zu Monodon (Ann. des sc. nat. XX. p. 284).
Als eine neue, im Mittelmeere lebende Art wurde von
demselben Naturforscher (a. a. 0. S. 289) der Delphinus The-
tyos aufgestellt.
Ein Exemplar dieser Art strandete bei Valras an der Küste des
Departement de l'Herault, doch wurden von ihm nur der Schädel und
ein Theii der Wirbelsäule gerettet. Der Schädel , obwohl dem des D.
Delphis ähnlich, bietet doch ausreichende Merkmale zur specifischen
Unterscheidung dar.
A. a. 0. theilte ferner P. Gervais ergänzende Bemerkungen über
2 fossile Arten : Delphinorhynchus sulcalus Gerv. (früher von ihm D.
Pseudodelphis benannt) und Delphinus Dalionum Laur. mit.
Einen neu entdeckten Delphin aus Radoboj machte Job. Mül-
ler unter dem Namen Delphinopsis Freieri bekannt (Sitzungsberichte
d. Wien. Akadem. S. 84). — Eine andere Art aus der Molasse von Ar-
gau benannte H. v. Meyer Delphinus canaliculalus (Jahrb. für Mine-
ralog. S. 163).
Auf die fischartige Anordnung der Querfortsätze der Wirbel bei
Hyperoodon bidens machte Owen aufmerksam (Ann. of nat. hisf. XIL
p. 435).
Bericht über die Ijeistuiig:eii in der IVatur-
g;e!§cliiciite der Tög-el \¥äiireiid des
Jaiires 1§53.
Von
19r* O. Hartlaub
in Bremen.
Unter der grossen Anzahl von Arbeiten, deren dieser
Jahresbericht zu gedenken hat^ sind einige von hervorragen-
der Wichtigkeit, viele aber als Beiträge zur Systematik oder
zur geographischen Zoologie oder als Erleichterungsmittel
des Studium's der Ornithologie überhaupt, von grossem In-
teresse und von wissenschaftlicher Bedeutung. Glänzend war
der Zuwachs zu den Lokalfaunen einzelner Länder oder Ge-
genden. Bonaparte's systematische Arbeiten sind in erster
Reihe zu nennen. Längst erwarteten Aufschluss über die seit
vielen Jahren publicirten aber bis jetzt ohne alle Erläuterung
gebliebenen ornithologischen Kupfertafeln der Dumont d'Ur-
ville'schen „Voyage au Pol Sud« brachte eine treffliche criti-
sche Arbeit Pucheran's. Unseres Reichenbach gross-
artiges und schon allein darum höchst anerkennungswerthes
Unternehmen eine vollständige Naturgeschichte der Vögel mit
Abbildungen aller Arten zu geben hatte den erfreulichsten
Forlgang. Möge dem unermüdlich fleissigen Verfasser Lust
und Kraft bleiben dasselbe zum Schluss zu führen. Noch
soll hier des trefflichen Werkes von John Cassin über die
Vöge Californien's, Oregon's, Texas' und des russischen Ame-
rica, sowie des ornithologischen Theiles des Middendorff'schen
32 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Reisewerkes über Sibirien als zweier der ausgezeichnetsten
Arbeilen mit besonderer Anerkennung gedacht werden. —
Wie die vorigen so forderte auch das Jahr 1853 ein schwe-
res Opfer aus der kleinen Anzahl schriftstellerisch thätiger
Förderer der exotischen Ornithologie. Unser unvergesslicher
Freund Hugh E. S t rickl an d, einer der höchst verdienten
Naturforscher England's, fand, als er eben einer Anzahl jün-
gerer Freunde geologische Thatsachen demonstrirte, unter den
Rädern der ihn unvorbereitet ereilenden Locomotive einen
raschen und vorzeitigen Tod. Für unsere Wissenschaft der
unersetzlichste Verlust! wer wird sich des gewaltigen Mate-
rials, welches der Verstorbene seit vielen Jahren für die Aus-
führung einer Lieblingsidee, einer Specialsynonymie der Vö-
gel , aufgehäuft und wenigstens gröfstentheils auch critisch
verarbeitet hatte, bemächtigen? Wer wird dasselbe zum ge-
sicherten Eigenthume der Ornithologie machen? — Der deut-
sche Ornithologenverein war in Halberstadt versammelt, eifrig
und erfolgreich bemüht die Vögelkunde nach allen Richtungen
hin zu fördern.
Em. Le Maout „histoire naturelle des oiseaux suivant
la Classification de M. Isidor Geoffr. St. Hilaire, avec l'indi-
cation de leur moeurs et de leur rapport avec les arts, le
commerce et l'agriculture" konnte im vorigen Jahresberichte
nur dem Titel nach erwähnt werden. Das Buch gehört zu
den bessern seiner Art. Schon Bekanntes wird kürzer, neuer-
lich Entdecktes ausführlicher behandelt. Von den Abbildun-
gen sind die dem Texte beigefügten Holzschnitte meist recht
gut , die colorirlen Kupfertafeln dagegen grell und unnatür-
lich. Der synonymische Theil ist dürftig und enthält viel
Irrthümliches , der descriptive ist sehr ungleichmässig gehal-
ten, als Originalarbeit verdienstlich ist nur der allgemeine.
Von Sir VV. Jardine's „Contribution to Ornithology«
erschien die letzte Lieferung des öten Jahrganges und damit
der Schluss des ganzen Werkes, ohne Widerspruch eines der
anziehendsten und inhaltreichsten für den Freund der exoti-
schen Ornithologie. Der Tod des geliebten Schwiegersohnes
Strickland, welchem das Gedeihen dieser Zeitschrift vor
der Vögel während des Jahres 1853. 33
allem am Herzen lag und welcher die Mühen und Sorgen der
Redaction theille, hat wohl zunächst dem hochverdienten Ve-
teranen Jar d ine die Lust an der Fortführung derselben ver-
leidet.
„Encyclopedie d'histoire naturelle ou traite complet de
cette science etc., ouvrage resumant les observations des au-
teurs anciens et comprenant toutes les decouvertes modernes
jusqu' ä nos jours par le Dr. Chenu. Oiseaux avec la col-
laboration de M. Des Murs." Bis jetzt drei starke Bände in
Grossoctav^ mit zahlreichen Abbildungen ; von letzteren ver-
dienen die in den Text eingeschobenen Holzschnitte alles
Lob; geradezu schlecht ist dagegen der grössere Theil der
eigentlichen Kupferlafeln , deren Abbildungen meist viel zu
klein, zu hart, zu schwarz, zu steif, kurz characterlos erschei-
nen. Der Text enthält viel grob- irrthümliches. AufdenCon-
spectus Bonaparte's wird geschworen. Auf alles neuer-
lich Entdeckte wird mit Recht, wie bei Le Maout, vorzugs-
weise Bedacht genommen. Ein synonymischer Theil fehlt
ganz, und wer nach dem vielversprechenden Titel des Wer-
kes die Arten auch nur einigermaassen vollständig beschrie-
ben zu finden hofft, der wird sich unangenehm getäuscht fin-
den. Man stösst auf einige neue Gattungsnamen Desmurs's,
als Pogonorhamphus für Pogonias dubius, Galbuloides, Stry-
gymnhemipus ! für Strix perlata und javanica u. s. w. Als
das Werthvollste des Textes erschienen uns zahlreiche
treffliche Originalnotizen der Brüder Verreaux
n ach ihrenzoologischen Manu Scripten überAu-
stralien und Afr ica.
Von L. Reichenbach's „Handbuch der speciellen Or-
nithologie" erschienen zahlreiche, die Tenuirostres umfassende
Kupfertafeln (Taf. 415 — 506 mit 207 Figuren) und die dritte
Lieferung des Textes. In dieser letzteren entwickelt der geist-
reiche Verfasser ausführlich und consequent sein quaternäres
System und macht schliesslich den Anfang mit der Veröffent-
lichung der Namen der Typen -Abbildungen seines „Systema
avium naturale«. Reichenbach's Unternehmen ist ein na-
tionales, grossartiges, in seiner Art einziges, lieber den Werth
oder die Haltbarkeit seines System's abzuurtheilen fühlen wir
Archir f. Naturgescb. XX. Jahrg. 2. Bd. Q
34 Hartlaub: ßericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
uns nicht eigentlich berechtigt. Mit Vergnügen und Interesse
hörten wir ihn dasselbe zu verschiedenen Malen vertheidigen,
können uns indessen von der N a t ürlic hkeit desselben
nach wie vor nicht überzeugen. Scharfsinnig aber durchaus
künstlich.
Mehr unseren persönlichen Ansichten entsprechend ist
Ch. Luc. Bonaparte's „System paralleler Serien," zuerst
von ihm entwickelt bei Gelegenheit der Naturforscher-Ver-
sammlung in Wiesbaden, später in mehrfach veränderter Ge-
stalt veröffentlicht in den Comptes rendus des seances de
TAcademie des Sciences vom 31. October 1853 und ganz neu-
erlich noch weiter ausgeführt und vervollkommnet in den An-
nales des Sciences naturelles. Letztere Abhandlung führt den
Titel „Conspectus systematis Ornithologiae" und erschien auch
separat als Brochüre von 48 Seiten. Wir geben die Epilome
vollständig:
Aves.
Allrices»
1 . PsUlaci.
2. Accipitres.
3. Fasseres.
1. Oscines.
2. Volucres.
a. Zygodactyli.
b. Anisodactyli
4. Inepti.
5. Columbae.
1. Pleiodi.
2. Gyrantes.
3. Coleorhamphi.
6. Herodiones.
1. Grues.
2. Ciconiae.
7. Gaviae.
1. Totipalini.
2. Longipennis.
3. ürinatores.
8. Ptilopteri (Pinguine).
Praecoces,
9. Gallinae.
1. Passeraceae.
2. Giallaceae.
1. Craces.
2. Galli.
3. Perdices.
10. Grallae.
1. Cursores.
2. Alecloiide
11. Anseres.
12. Struthiones.
Es folgt alsdann die Aufzählung sämmtlicher Gattungen tnit An-
der Vögel während des Jahres 1853. 35
gäbe der von ihnen umfassten Artenzahl. Bonaparte kennt darnach
8300 Arien, und zwar 300 Psillaci, 440 Accipitres, 3500 Oscines, 625
Zygodaclyli, 1775 Anisodactyli, 5 Inepti, 220 Columbae, 165 Herodio-
nes, 325 Gaviae, 15 Ptilopleri, 320 Galiinae, 400 Grallae, 200 Anse-
res und 12 Strulhiones. — Was die INomenclalur anbelangt, so sind
Reichenbach und Cabanis bemüht, dieselbe möglichst streng nach den
Regeln der Grammatik und Classicität zu handhaben, während Bona-
parte dabei mit ausschweifendster Licenz verfährt. Cooperastur, Kau-
pifalco, Smithiglaux etc.
Von der„Naumannia« erschien das dritte Heft des zwei-
ten Bandes und drei Quartalhefte des Jahrganges 1853. Es
hat diese Zeitschrift ihr gutes und wohlverdientes Gedeihen.
Von den Aufsätzen derselben wären hier als allgemeineren
Inhalts hervorzuheben : 1) Uebcr species und siibspecies von
L. ß r e h in. Letzlere seien durchaus anzunehmen; man
schreibe gewöhnlich dem Clima viel zu viel Einfluss zu (?),
2) V. Homeyer „über den Federwechsel der Vögel," Prü-
fung der Schlegel'schen Entdeckungen. In dieser ausführli-
chen, überall gründliche Sachkunde verrathenden und höchst
scharfsinnigen Arbeit wird vieles von Schlegel Aufgestellte
als irrthümlich nachgewiesen; 3) GrafWodzicki: „der
wichtige Einfluss der Vögel auf die Feld - und Waldwirth-
schaft , besonders in Bezug auf die dem Walde schädlichen
Inseclen/^ erschien ursprünglich in polnischer Sprach, Lwow
1851, Broch. von 27 S., 4) Passier: „zur Ckaracteristik der
Eier u. s. w.
„Journal für Ornithologie, ein Centralorgan für die ge-
sammte Ornithologie, von Dr. Jean Cabanis. Von dieser
in Verbindung mit den tüchtigsten Fachgelehrten des In- und
Auslandes herausgegebenen Zeilschrift erschien der erste Band,
bestehend aus sechs in zweimonatlichen Zwischenräumen pu-
blicirten Heften. Gegenüber der Naumannia wird derselben
die Vertretung und Förderung der exotischen Vögelkunde
vorzugsweise anheimfallen, eine Aufgabe, deren glückli-
che Lösung der Name des Herausgebers verbürgt. Das Be-
stehen zweier ornithologischer Zeitschriften in Deutschland
scheint in der Thal möglich zu sein und wir zweifeln nicht
daran, dass es Cabanis gelingen werde seinem Journale,
trotz des gedeihlichen Fortganges der Naumannia , Bahn zu
36 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
brechen. Aus dem reichen und werthvollen Inhalte des vor-
liegenden ersten Bandes nennen wir als hierher gehörig: 1)
lieber den Begriff der Art von Prof. L. Reichenbach;
2) Ueber den Farbenwechsel bei Muscicapa collaris, atrica-
pilla und parva im Frühlinge, von L. Marl in, mit Bemer-
kungen von C. Gloger. Bestätigend in mehrfacher Hin-
sicht für Schlegel's Entdeckungen ; 3) Beiträge zur exoti-
schen Ornithologie vom Ref., 4) C. Gloger über den land-,
forst- und volkswirlhschaftlich so wünschenswerthen Schulz
der Höhlenbrüter; trefflich und in hohem Grade zu beher-
zigen ; 5) Ueber den Farbenwechsel der Vögel von Baron Dr.
J. W. von Müller; 6) Gloger: Zur Erklärung der Ver-
färbung des Gefieders u. s. w. — Mit wahrer Freude wird,
um dies noch hinzuzufügen, jeder Verehrer der Ornithologie
unter den Namen von gutem Klange, welche das Cabanis'sche
Journal an der Spitze trägt, den eines alten Freundes, C.
Gloger's, wiederbegrüssen.
Von Pucheran's „Etudessur les types peu connus du
Musee de Paris" erschienen noch einige Fortsetzungen. Rev.
et Mag. de Zool. p. 65, 156, 3ö5, 441, 4SI und 545.
Darnach wäre Welias Diardi Less. nicht gleichartig mit C. suma-
tranus Raffl., Centropus viiidis dürfte nur für Individuen von den Phi-
lippinen gellen; C. affinis Less. sei = alfinis Horsf. , C. pumiliis Less.
sei lepidus Horsf.; hei Piaja chrysogasler hält Pucherau die braunro-
Ihen Federn des Abdomen für eingesetzt, den Vogel selbst für C.
javanicus Horsf. ; unter Piaja naevia Lesson's stecke auch die macroura
Desm. et Verr. , welche P. für gleichartig mit Macropus phasianellus
Sp. erklärt; C. lenuivoslris sei Lalhami Gray Hardw. und die var. von
Timor sei inornatus Vig. H. ; Lesson's flavus umfasse 4 oder gar 5 Ar-
ten; Cuc. linealus Less. von Cochinchina sei vielleicht = micropte-
rus Gould ; Indicator variegatus Less. sei juv. von major, der macula-
lus Gray's sei ein noch jüngerer Vogel derselben Art; Rliampha-
slos sulfuralus Less. sei carinatus Sw. , Pteroglossus Lrevirostris
sei av. jun. von aracari ; von ßanksianus fulgidus erhielt die Pariser
Sammlung ein zweites Exemplar, von der Insel Formosa stammend ; ist
nach P. eine Dasyptilus-Ärt ; Psittacula reticulata Less. sei av. jun. von
malaccensis ; Platycercus rulifrons sei = pyrrhopterus Lath. und stamme
aus Brasilien ; Conurus erythrogenys sei = Ps. malaccensis Gm. ; Picus
Sonnerali Less. sei erylhronotus Vieill. ; P. thoracicus Less. sei $ von
multicolor Gm.; P. squamicollis Less. sei $ von mentalis T. ; P. squa-
mosus Less. sei philippinarum Lath.; Centropus melanops Cüv. sei =
der Vögel während des Jahres 1853. 37
nigrifrons Peale; Psiltacula loxia Cüv. sei av. jun. von torquala Gm.;
AIcedo vestita Cüv. sei die brasilische Form von americana; A. ruß-
ceps Cüv. von den Warianen sei wohl = Haie, cinnamomina Sw; A.
albiciüa Cüv. ebendaher, sei eine gute Art und nahe verwandt mit
saurophaga Gould, (genaue Beschreibung beider) ; A. caerulescens Vi-
eill. von Timor sei biru Horsf. ; A. australasiae Vieill. von Timor sei
coronata, Salom. Müller; Rlerops cyanopygius Lcss. sei badius Gm.; M.
azurox Less. sei hirundinaceus Gm. ; Pipra Wiedii Less. sei galeata
Licht. ; Hirundo ruficollis Vieill. sei jugularis Wied ; H. rulila Vieill.
sei Kobini Less. und Ciiaet. bruneitorques Lafr. ; Cypselus parvus Less.
aus IJengalen sei wohl subfurcatus Ulyth ; Mir. capensis Less. sei fu-
ligula Licht. ; Cerlhia leucomelas Cüv. (Certhionyx varieg. Less.) von
Timor sei Melicophila picala Gould; Cinnyris leucogasler V. sei Iho-
racicus Less. , eine gute Art von Timor ; C. sola Less. sei ceylonica
Gm. ; C. angolensis Less. sei Stangeri Jard. ; C. lucidus Less. sei splen-
didus; C. sanguineus Less. sei superbus Vieill.; C. ruber Less. sei
Hasseltii T. ; C. luleoventer Less. sei pecloralis Horsf.
„Catalogue of the cological collection in the Acad. of
Nat. Scienc. of Philadelphia." By Dr. A. L. Heermann;
separater Abdruck aus den Proceedings der Academie vom
April 1853.
Dieses systematische Verzeichniss zählt nicht weniger als 1323
wissenschaftlich bestimmte Eier-Arten auf, unter ihnen viele der gröss-
Jen Seltenheiten, z. B. Apteryx, Otogyps anricularis, Helotarsus, Ser-
pentarius, Steatornis, Rupicola , Corythaix, Saurothera, Talegalla, Me-
gacephalon, Argus, Tetraogallus, 11 Trappenarten u. s. w. Desmurs's
berühmte Sammlung, von Dr. Wilson angekauft und der Academie ge-
schenkt , war eben durch ihren Reichlhum an exotischen Eiern ganz
einzig in ihrer Art; dazu kamen, ebenfalls von Dr. Wilson geschenkt,
die von Gould auf seiner australischen Reise gesammelten Eier, 246 Ar-
ien, und später zahlreiche minder umfangreiche Beiträge von amerika-
nischen Reisenden, z. B. von Dr. Heermann selbst, dem Verfasser des
Cataloges u. s. w.
Von Th. Brown „The Taxidermisl's manual« erschien
die Ute Auflage! 150 S. in 12.
H. R. Sc hintz „Naturgeschichte der Vögel^^ zweite Aus-
gabe nahm ihren Fortgang. 15—21. Heft.
T. Hammargren „Inledning til Ornithologiens Studium
för Nybcginnare och unga Jägare etc. Upsala. 12.
Europa.
Aus dei „Naumann jj^ citiren wir als hierher gehörig
folgende Arbeiten: 1) Vögel des nordöstlichen Schonen von
38 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in d«r Naturgeschichle
H. Gadamer: Naum. III., p. 1 — 18. 191 Arten; tabellari-
sche Uebersicht der ßrutvögel , Ankunftszeit der Zug-vög-el
u. s. w., fleissige gewissenhafte Arbeit. 2) Rimrod: Zug-
vögel bei Quensladt am Harz, ib. p. 19. 3) Pfarrer Bols-
mann: Vögel des Münsterlandes, ib. p. 24. 232 Arten. 4}
H. Ruhl: Vögel um Mühlheim am Rhein. 5) Baldamus:
Brutvögel um Diebzig, 144 Arten. — Jahrgang 1853, erstes
Quartal: 1) Notizen über seltnere Vögel der Umgegend von
Sarepta in der Krim mit Anm von Prof. Naumann, sehr
interessant; Circus pallidus ; es nisten dort Alauda calandra,
sibirica, Casarca rutila, Charadrius gregarius, Grus virgo, Anas
mersa, Pelecanus crispus. 2) E. Pralle: Eintreffen einiger
Vögel um Celle. 3) v. Negelein: Vögel des Grossherzog-
thum's Oldenburg, 234 Arten. Ausführlichere Arbeit mit gu-
ten Bemerkungen. 4) H. D. J. Wallengren: Vögel Goth-
land's, 170 Arten. Gute geographische Einleitung; über ei-
nige Arten ausführlicher. 5) C a 1 v e r : Ornithologisches Idio-
ticon von Würtemberg. 6) Baldamus: Materialien zur Kennt-
niss der geograph. Verbreitung der Vögel Europa's mit Karle.
7) Vögel Thüringen's von Dr. A. H e 1 1 m a n n. 8) H a m m a r-
gren: Vögel des VVeenernsee's in Schweden, 147 Arten. 9)
Verzeichniss von Vögeln bis zum Juni 1853 bei Sarepta be-
obachtet. Wichtig.
AusCabanis Journal: 1) W. Schilling: Ornitholo-
gische Notizen auf Helgoland gesammelt; 2) Rob. Tobias:
Wad- und Schwimmvögel der Oberlausitz; 3) L. Schrader's
Beobachtungen über die Vögel Lapplands; mitgetheilt von Pa-
stor Päss 1er. Sehr wichtig: 102 Nistvögel, wovon 25 Stand-
vögel, 20 Besucher, unter ihnen Anas dispar und spectabilis.
4) A. Fritsch: Seltnere Vögel Böhmens. 5) GrafC. Wod-
zicki: Ornithol. Ausflug in das Tatragebirge und die gali-
zischen Karpathen , Juni 1850. Im Auszuge übersetzt. 115
Arten kamen zur Beobachtung. Pyrrhocorax alpinus und Ac-
centor alpinus sind nicht seilen. Auch Tichodroma kommt vor.
A. Günther: Beitrag zur Fauna Würlembergs : Wür-
temb. naturwissensch. Jahresh. Jahrg. 9, p. 224. Ueber das
Vorkommen einzelner Vögel, Strix Tengmalmi, Pyrrhocorax
alpinus bei Tübingen u. s. w.
der Vögel während des Jahres 1853. 39
Ant. Alois Palliardi: Systematische Uebersicht der
Vögel Böhmen's. Leitmeritz 1852. 8. Kam uns noch nicht
zu Gesicht.
Fried r. v. Tschudi „Das Thierleben der Alpenwelt*
1. vol. 8. In diesem ungemein anziehenden und inhaltreichen
Buche spielen natürlich die Vögel eine Hauptrolle. Die mon-
tane Vögelwelt: pag.42 bis 60; Vögel der höheren Alpcnre-
gion: p. 272. Ausführlicher behandelt werden die Steinhüh-
ner, das Auerwild, Birkhühner, Steinadler, Lämmergeier,
Schneefinken, Stein- und Schneekrähen, Wasseramsel, Hasel-
hühner, Uhu u. s. w. Es gehören diese Lebensbilder aus der
Vogelwelt in reizender landschaftlicher Einramung entschie-
den zu dem Besten, was die vaterländische Litteratur in die-
ser Art hervorgebracht hat.
Dr. C. Willibald „die Nester und Eier der in Teutsch-
land und den angränzenden Ländern brütenden Vögel mit
228 nach der Natur gefertigten Abbildungen« 1 vol. 8. Sy-
stem von Nitsch. Ein sehr billiges Buch mit leidlich gutem
Text und vielen zum Theil schlecht zumTheil besser colorir-
ten Kupfern. AufTallend viele Druckfehler.
C. Sundeval „Ueber Vögel in Wermeland, Dalsland
und Wenern; Öfvers. Kong. Vet. Acad. Förh. 1853, p. 121.
Dr. N. Kjärbölling „Danmarks Fugle" 1 vol. 8. von
420 S. mit 304 Kupfertafeln. Das nordische Publicum hat
dieses Buch mit ungewöhnlicher Theilnahme und Anerkennung
aufgenommen. Die Abbildungen sind zum Theil gut, zum
Theil nur miltelmässig. Das Buch ist übrigens nicht hinter
dem Schreibtisch gemacht; dem Verfasser stand ein überaus
reiches Material für eigene Beobachtung zu Gebote.
Rev. F. 0. Morris „The nests and eggs of British
Birds« 1vol. 8. 19öS. und Pö colorirte Tafeln. 21 Seh. Jetzt
beendigt und von englischen Critikern günstig beurtheilt.
Dubois „Planches coloiiees des oiseaux de la Belgi-
que et de leurs oeufs" nahm seinen Forlgang. Livr. 18—28.
A. Czernay „Beobachtungen über die Ankunft und
das Wegziehen einiger Vögel in der Umgegend von Charkow"
u. s. w.: Bullet. Soc. nat. Mose. 1852, p. 550.
A. Becker ^Yerzeichniss der in den Jahren 1849— 52
40 Harllaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bei Sarepta beobachteten Vögel : Bullet. Soc. Nat. Mose. 1853,
p.293. Zählt 170 Arten auf, giebt aber nur Namen. Auch
Pyrrhula rubicilla kam vor und einmal im Winter 1848 ein
Weibchen von Syrrhaptes paradoxus.
J. B. Bailly „Ornithologie de la Savoie ou histoiredes
oiseaux qui vivent en Savoi ä l'etat sauvage soit constam-
ment soit passagerement" etc. 4 vol. 8. Wir vermochten uns
dieses, wie es scheint grössere Werk, noch nicht zur Ansicht
zu verschaffen.
Rev. C. Jennings „The eggs of British birds displayed
in a series of engravings copied and coloured from nature
with descriptions of British birds« l vol. 12. 232 S. Kostet
ö Seh.
„B e c h s t e i n's Cage and Chamber-birds including Sweet's
Warbler's" neue Ausgabe mit vielen Zusätzen und zahlreichen
Abbildungen. 8. 5 Seh.
J. J. Walter's „The natural hislory of the birds of
Ireland. 1 vol. 8. Dublin and London.
Edm. Vernon Harcourt „Notice on the birds of
Madeira:« Ann. and Mag. of Natur. Hist. vol. 12., p. 58.
Es werden in dieser nicht unwichtigen Arbeit 30 Arten als auf
Madeira brütend bezeichnet, nämlich: Faico tinnunculus und bnteo,
Slrix flammea, Turdus merula, Sylvia rubecula, atricapilla und conspi-
ciilata, ßegulus sp., Motacilla boarula, Anthus pratensis, Fringilla buly-
racea, carduelis , pctronia, cannabina und lintillon , Cypselus unicolor
und murarius, Columba trocaz und livia , Perdix rubra, Coternix vul-
garis, Scolopax rusticola, Sterna birundo, Larus argenteus , Procellaria
puffinus, anglorum , obscnra , anginho und Bulweri. Als mehr gele-
gentlich vorkommend werden 95 Arten namhaft gemacht. Die Thalas-
sidroma anginho Hein, (angel-petrel) hält Harcourt für eine gute Art,
die keine Spur von Weiss auf dem Unterrütken zeige ; Curruca Hei-
nekeni sei wohl nur constante Varietät von atricapilla. Die Haupt-
brutplätze der Sturmvögel seien die sognannten Dezerla-Inseln.
Asien.
Eversman's „Beiträge zur Ornithologie Bussland's<<
werden in Cabanis's Journal vollständig wiedergegeben:
F. 282. Salicaria aralensis (nicht uralensis wie im vorigen Jah-
resberichte gedruckt wurde) bewohnt die Ufer des Aral- See und des
iSir-Darja ; Sal. salina ist wohl die stapaziaa Lichtenst, in Eversman's
der Vögel während des Jahres 1853. 41
Reise nach Bokhara. Dann folgen noch Beiträge zu unserer Kennl-
niss von Columba ferrago, von Syrrhaptes paradoxus , dessen geogra-
phische Verbreitung erörlert wird, von Turdus Bechstcinii, Antbus ccr-
vinus, montanellus, Cypselus apus, Merops persicus, Emberiza pyrrhu-
loides und vielen anderen.
V. Middendorf „Sibirische Reise/^ Bd. II. Theil 2:
Wirbelthiere. Erste Lieferung niit 26 Tafeln. Besser als wir
dies vermöchten hat G log er in Cabanis Journal auf S. 277
den ornithologischen Theil dieser durchweg trefflichen Arbeit
besprochen. Der Verfasser ist sehr entschieden auf Seite de-
rer, welche die Annahme von Localrassen oder climatischen
Varietäten immer durchschlagender zur Geltung gebracht wis-
sen möchten. In scrupulöser Zurückhaltung eine neue Art
als solche anzuerkennen geht er uns mitunter selbst zu weit,
ist aber immer auf das ehrlichste bestrebt, in zweifelhaften
Fällen zu wissenschaftlicher Klarheit zu gelangen.
210 Arten wurden beobachtet oder gesammelt, unter ihnen viele
der seltneren von Pallas, z. B. Anser grandis, unfern Udskoi -Ostrog
auf dem Flusse Polowinnaja erlegt. Die schönen colorirten Kupferta-
feln geben auf Taf. 13. : Emberiza polaris Rlidd. $ nebst den Eiern,
E. spodocephala F. Kopf des ^ , $ ad. und Ei, Taf. 14 : Anthus cer-
vinus, Alotacilla citreola F., Taf. 15: Turdus ruficollis F. Kopf und Hals;
Eier von S. calliope , S. erylhronota Eversm. $, Ei von S. caerule-
cula Fall, S. cyanura Fall. Nestkleid. Taf. 16: S. Eversmanni Bonap.,
S. sibirica v. Midd., S. ocholensis v. Midd. Taf. 17 : Muscicapa luleola
Fall., Tetrao canadensis , var. Franclini Dougl. vom Slanovoi- Gebirge;
T. 18: T. urogalloides Midd. (gute Art: Ref.); Taf. 19 : Ei von Squa-
tarola, Charadr. mongolicus J^ und Kopf des $, Ei von Ch. asiaticus
Fall., Ei von Limosa rufa; Fuss der Tringa subminuta v. Midd. Taf. 20:
Kopf der Anser grandis , Anser Tcmminckii Fall. , A. ruficollis P. Ei.
Taf. 21: A. bernicla Fall., Anas falcata P. o. Taf. 22: A. sperfabilis
Fall, und Ei; A. histrionica juv.; Taf. 13: Ei von A. glocitans F. und
von A. Slelleri F.; Kopf von Uria carbo. Taf. 24: Ei von Lestris po-
raarina, von L. ßuffonii und von L. glaucus: Larus canus var. Kopf.;
Larus Sabini Fall. Taf. 25: Ei von L. Sabini ; Sterna macroura av. jun.
und Ei und schliesslich Sterna longipennis Licht. ^ ad. Unter den
von der Expedition besuchten Lokalitäten waren einige, wie z. B. das
Stanovoi-Gebirge der Mandschurei zuvor völlig undurchforscht gewe-
sen. Die geographische Verbreitung soll übrigens erst am Schlüsse
des Werkes ausführlich behandelt werden.
E. F. Kelaart „Prodromus Faunac Zeylanicae^' being
contributions to the Zoology of Ceylon. 1 vol, 8. Colombo
42 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
1852. Dieses interessante Buch giebt auf S. 93: „Allgemeine
Züge der Ornithologie Ceylon's ," auf S. 114: ein Verzeich-
niss der Vögel Ceylon's; 250 Arten; ferner als Appendix Be-
schreibungen neuer oder unvollständig bekannter Arten cey-
lonischer Vögel von E. Blyth, (meist aus dem Journal of
the Asiatic Society of Bengal genommen) und endlich einen
noch vollständigeren Calalog der Vögel Ceylon's , ursprüng-
lich erschienen im „Journal of the Ceylon Asiatic Society"
für den Januar 1853. Hier werden 317 Arten namhaft ge-
macht. Ausführliche topographische Einleitung. Schilderung
Newera Ellia's.
E. L. Layard „Notes on the Ornithology of Ceylon
coUected during an eightyears' residence in the island : Ann.
and Mag. p. 97. u. s. w. Behandelt den Gegenstand weit aus-
führlicher als Kelaart's Buch. Blyth half bei der Be-
stimmung der Arien. Was über Lebensweise beigebracht wird
verräth durchweg nicht nur den enthusiastischen Naturfreund,
sondern auch den geübten prüfenden Beobachter. Man lese
z. B. den schönen Abschnitt über Copsychus macrourus.
E. L. Layard „Catalogue of Ceylon Birds« in Briefform,
zählt 324 Arten auf. Mit eigenhändigen Correcturen vom Ver-
fasser versandt.
E. L. Layard „Rambles in Ceylon:" Ann. and. Mag.
of N. H. p. 224 und 302. Lebhaft und anziehend geschrie-
bene Skitzzen, die auch viel Ornithologisches enthalten. Von
einer bestimmten Brutzeit der Vögel könne auf Cey-
lon kaum die Rede sein; er habe Nester mit Eiern in jedem
Monate des Jahres gefunden; die Erklärung dafür sei wohl
zumeist in dem kaum bemerkbaren Unterschiede der Tempe-
ratur im Sommer und Winter zu suchen. Layard bezwei-
felt das Vorkommen eigentlicher AVandervögel. Ausführlich
wird über die Lebensweise und Verbreitung der Buceros-Ar-
ten, der Tauben, über Merops u. s. w. gesprochen.
Also plötzlich in reichster Fülle Material und Beiträge
zu unserer Bekanntschaft mit einer Insel, die, obgleich von
Alters her zu den merkwürdigsten der Erde zählend , noch
vor wenigen Jahren in zoologischer Hinsicht eine völlige terra
incognita war. Nach Layard scheint jetzt nur noch die
der Vögel während des Jahres 1853. 43
sogenannte Parkgegend in ßintenne undurchforscht zu sein,
ein ziemlich beschränkter Disfriet des gebirgischen Innern
Ceylons. Die Vögelfauna der Küstenprovinzen der Insel zeigt,
wie zu erwarten stand, deutliche Verwandtschaft mit der der
gegenüber liegenden Malabar- und Coromandelküste, die der
hohen centralen Gebirgskette und der candischen Provinzen
dagegen mit der Ornithologie der südindischen Neilgherris,
wobei indessen zu bemerken, dass die grosse Mehrzahl der
Ceylon ausschliesslich angehörenden Arten eben nur auf den
centralen Hochplateau's Newera Ellia, Horton piain u. s. w.
anzutreffen ist. — Beide, Layard und Kelaart, rühmen
den köstlichen Gesang mancher ceylonischer Vögel.
E. Blyth „Catalogue of the birds in the Museum of
the Asiatic Society of Bengal« 1 vol. 8. 400 S. ist jetzt im
englischen Buchhandel zu haben. Ein theures aber gutes
Buch, welches z. B. einen Schatz von Material für die geo-
graphische Verbreitung der indischen Vögel enthält, mit Ein-
schluss Ceylon's und der Nicobaren.
Von Gould's „Birds of Asia«* erschien die 5te Liefe-
rung mit den schönen Abbildungen folgender Arten auf 17
Tafeln.
Tetraogallus caspius , T. himalajensis , T. allaicus , T. tibetanus
Gould n. sp., Eurylaimus javanicus, ochromalus , Cymbirhyncbus ma-
crorhynchus, affinis, Corydon sumalranus, Serilophus lunalus und ru-
bropygius , Psarisomus Dalhousiae , Pyrrhula orientalis, F erylhroce-
phala und F. nipalensis, Conostoma oemodium und JMotacilla madera-
spalana. Die Stellung der Vögel in den späteren Werken Gould's ist
nicht immer eine natürliche, die Zeichnung des gelüfteten Flügels oft
geradezu falsch und unmöglich.
A f r i c a.
Die „Naumannia" enthält: 1) Beiträge zur Ornithologie
Nordost- Africa's von Alfred Brehm auf p. 38. Auf diese
trefflichen und dankenswerthen Beobachtungen werden wir
ihres Orts zurückkommen. 2) Beobachtungen über die Zug-
vögel im inneren Africa von Dr. R. Viert ha 1er.
Der Zug der europäischen Arten geht weit gegen den Aequator
hin über Sennaar hinaus. Ploch unter dem 4ten Grade N. ß. wurden
am weissenNil Oriolus galbula, Budytes flava und meianocephala, Cur-
44 Harllaub: Bericht über die Leistungen in derPfalurgeschichte
ruca cinerea, Antlius campestris und rufogularis, Grus virgo und cine-
rea, Ciconia alba, Ardea purpurea, Strepsilas interpres nebst verschie-
denen Totanus- und Tringaarten angetroffen. Die Zugvögel des inne-
ren Afrika machen denselben Unterschied in den Jahreszeilen wie un-
sere europäischen. Die Regenzeit ist ihr Sommer; mit derselben kom-
men sie aus den Aequalorialgegenden nach Sennaar, Kordofan und
Dongola.
Cabanis's „Journal" enthält: 1) A. Brehm „Etwas
über den Zug der Vögel in Nordostafrica« p. 74.
Ebenfalls sehr anziehend und belehrend geschrieben. Beginnt
nach einer mehr allgemein gehaltenen Einleitung mit den Raubvögeln,
deren Brehm viele, die Rlehrzahl der europäischen Arten, im fernen
Sudan wiedersah. Andere scheinen nicht über Aegypten hinaus zu
gelangen. Fortsetz, auf S. 451. Schwalben , Ses[ler , üienenfrcsser,
Kectarineen u. s. w. Wie gesagt ein schöner wichtiger Beitrag zu dem
noch weit vom Abschlüsse entfernten Capilel vom Wandern der Vögel.
Dr. Alain Labou ysse „Lettre sur les oiseaux de la
partie littorale de la province de Constantine:** Ann. See.
d'agric. de Lyon und Naumannia p. 345. Es wurden 104 Ar-
ten beobachtet.
Baron J. W. v. Müller „Beiträge zur Ornithologie
Afrika's." Der durch seine Reisen in Afrika bekannte Ver-
fasser lässt dieses W^erk, welches ül)rigens keineswegs aus-
schliesslich für die Aufnahme von ihm entdeckter neuer Ar-
ten bestimmt ist, zugleich in französischer und deutscher
Sprache erscheinen. Jede Lieferung enthält 4 Tafeln mit Text
und kostet 2 Thaler. Zehn bis 12 Lieferungen bilden ei-
nen Band.
Die erste giebt in colorirlem Kupferstich die sehr wohl gelunge-
nen Abbildungen von Spizaelos zonurus v. Müll., einer mit S. spilo-
gaster Dub. identischen Art, von IMusricapa lugiibris v. ÄIüll. (welche
wohl der Galtung Welaenornis beizuzählen sein dürfte), von Saxicola
albiciUa v. Müll., welche mit stapazina zusammenzufallen scheint, und
von S. alricollis v. Müll, einer neuen Art. Wir wünschen diesem
schönen Kupferwerke den besten Fortgang und möchten nur den Text
etwas kritischer und etwas weniger dürflig gehalten wissen.
„Fragment d'une lettre de M. de Filippi ä s. A. le
prince Ch. L. Bonaparte«: Rev. et Mag. de Zool. p. 289.
Es umfasst diese Mittheilung die ornithologischen Ergebnisse
der Reise des Franzosen Brun-Rollet am obern weissen Nil,
unter dem 4ten und 3ten Grade N. B.
der Vögel während des Jahres 1853. 45
Neben mehreren sehr interessanten Neuigkeiten begegnet man
in der Sammlung ßrun-Rollefs eini<»en bis jetzt nur als "westafrika-
nisch bekannten Arten , z. B. Alicronisus monogrammicus, Muscipela
cristata , Corvinella cissoides , Oriolus larvatus. Vergebens suchte de
Fiiippi in derselben nach Balaeniceps !
„List of a colleclion of birds procured by Mr. C. T.
Anderson in the Damara-counlry in S. - W. - Afrika, wilh
notes by H. E. Strickland and P. L. Sclater«: Jard.
Conlrib. V. p. 141. Eine der wichligsten Arbeiten, deren die-
ser Bericht zu gedenken hat. Der Schwede Anderson be-
gleitete den unternehmenden englischen Reisenden Francis
Galton auf einer Entdeckungsreise im südwestlichen Afrika.
Man ging von W^alvish-Bay aus und erreichte den 21. Grad
0. L., besuchte also ein zuvor von Europäern völlig unbe-
trelenes Gebiet» Die ornithologische Ausbeute war eine reiche.
Aus der leider zu früh zerstreuten Sammlung Anderson's
gelangten noch 111 Arten in Sciater's Hände. Unter dieser
Zahl befindet sich, merkwürdig genug, nicht ein einziger der
von Sundevall bekannt gernachten ca ff r arischen Vögel
Wahlberg's, manciie dagegen der von Levaillant im angren-
zenden Namaqualande entdeckten und sehr viele der von A.
Smith abgebildeten.
im Ganzen genommen zeigen die Vögel der Damara-Gegend ein
südafrikanisches Gepräge ; doch wurden einige ganz westliche Arten
erlegt, z. B. Scops senegalensis , Sylvietta brachyura Lafr. , Fsittacus
Rüppelli Gray. Selir merkwürdig ist das Vorkommen des abyssinischen
Ps. iMeyeri Rüpp. im üamaralande. Von europäischen Arten sammelte
Anderson Lanius minor, Hirundo rustica , Coturnix vulgaris, Squatarola
helvetica, Charadrius hiaticula , Machetes pugnax, Pelidna subarcuala
und minnta, Glottis canescens, Totanus glareola, Strepsilas interpres und
Podiceps minor. Von den neuen Arten der Gallon'schen Expedition
später. Sundevall schätzt, um dies noch hinzuzufügen, die Gesammt-
zahl der Vögelarten Südafrika's auf 700.
Amerika.
„Notes sur les collections rapportees en 1853 par M.
A. Delaltre de son voyage en Californie et dans le Nicaragua"
par S. A. Charl. Luc. Princc Bon aparte. Wir haben
hier nur über den ersten die Papageien und Raubvögel um-
fassenden Theil dieser ausgedehnten und sehr inhaltreichen
46 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Arbeit zu berichten, welchen B. in der Sitzung der Acade-
mie vom 28. November vortrug: Rev. et Mag. de Zool. p. 576
und Compt. rend. de l'Acad. Delattre's interessante Samm-
lungen liefern ßonaparle den willkommenen Rahmen für eine
der reichsten Entfallungen seines ornithologischen Wissen's.
Nach allen Seiten hineingreifend in die gewaltige Masse des
ihm zu Gebote stehenden Material's und weit hinaus über die
Grenzen seiner Vorlage, sucht und findet er Gelegenheit zu
zahlreichen Anknüpfungen über die wichtigeren Fragen der
modernen Systematik, über neue Arten, über die generische
Stellung schon bekannter, über Synonymie , geographische
Verbreitung , kurz über das ganze umfangreiche Gebiet der
exotischen Ornithologie der neueren Zeit. Dass bei der un-
gestümen Hast, die ßonaparte's wissenschaftliches Treiben be-
zeichnen soll, hier manches Uebereilte, Irrthümliche unterlief,
darf nicht befremden. Es bleibt des Guten genug übrig, um
dieser Arbeit einen hervorragenden Rang unter den zahlrei-
chen litterarischen Produclionen ihres berühmten Verfassers
zu sichern. Auf die Specialitäten derselben soll ihres Orts
zurückgekommen werden.
Von John Cassin's „llluslrations of the birds of Ca-
lifornia, Texas etc." erschienen die drei ersten Hefte. Sie
bilden den Anfang eines der trefflichsten inhaltreichsten Werke,
deren dieser Bericht zu gedenken hat. Es enthält dasselbe
des Neuen und Anziehenden so viel, dass man mit freudiger
Spannung der Ankunft jeder folgenden Nummer entgegense-
hen muss. Neben den schönen in Zeichnung und Farbe
meist sehr gelungenen Abbildungen ist es aber hauptsächlich
der Text, der uns in jeder Hinsicht das höchste Lob zu ver-
dienen scheint. Der trocknere systematisch-descriptive Theil
desselben ist genügend ausführlich, ohne sich doch zu weit
in das unerquickliche Labyrinth generischer und subgeneri-
scher Abtrennung hineinzuwagen; der die Lebensweise, Fort-
pflanzung und geographische Verbreitung umfassende hin-
gegen ungemein reichhaltig. Hier fand Cassin bereitwillige
Unterstützung von Seiten mehrerer wissenschaftlich gebilde-
ter Freunde, welche als Theilnehmer an verschiedenen denk-
würdigen Reiseunternehmungen der amerikanischen Regierung
der Vögel während des Jahres 1853. 47
in Texas, Neumexico , Mexico , Californien und Oregon, ihm
nicht nur ihre Sammlungen , sondern auch die schätzbarsten
meist an Ort und Stelle entworfenen Noten und Beobachtun-
gen zur unbeschränkten Verfügung stellten.
Die bis jetzt behandelten Arten sind: Cyanocorax luxuosus Less.
pl. 1, Melanerpes forrnicivorus Sw. pl. 2, Lophophanes atrici islaliis Cass.
pl. 3, Cyrtonyx Wassenae Less. pl. 4 , Latus Heermanni Cass. pl. 5,
Haliaelos pelagicus Fall. pl. 6, Ghamaea fasciata Gamb. pl, 7, Icterus
cucullatus Sw. pl. 8, Callipepla Gambelli Kutt. pl. 9, Anser nigricans
Lawr. pl. 10, ISyctale Uirllandi Hoy pl. 11, Embernagra blandingiana
Gamb. pl. 12, Carpoflacus familiaris M'Call. pl. 13, Parus seplenlriona-
lis Harr. pl. 14 und Querqiiedula cyanopfera Vieill pl. 15.
Von der versprochenen „General Synopsis of North
American Ornithology" giebt Hell 2 die Vulturiden und Heft
3 die Falconiden.
Dr. A. L. He er mann „Notes on the Birds of Califor-
nia observed during a residence of Ihree years in that coun-
try«: Journ. Acad. Nat. Sc. of Philad. vol. H. p. 259. Die
Lokalitäten, an welchen der talentvolle Verfasser dieser Mit-
theilungen sammelte und beobachtete, waren die Umgebungen
von Sacramento-City , Nordcalifornien , die südlichen Minen,
die Flüsse Calaveras und Consumnes , die Umgebungen der
Stadt Diego , die benachbarten Küsten des stillen Meeres und
die Ferrea -Leones- Inseln. Es reicht diese Arbeil nur bis
Ortyx picta, ist also erst zur Hälfte vollendet. Dr. Heermann
ist vorzugsweise Oolog und hat zunächst als solcher das Ver-
dienst, die Ornithologie Nordamerika's wesentlich gefördert
zu haben.
Capt. L. Sitgreaves „Report of an Expedition down
the Zuni and Colorado-Rivers" 1 vol. 8. 108 S. Washington
1853. Es schliesst sich dieser zunächst für die Regierung be-
stimmte Bericht nach Form und Inhalt an den schon er-
wähnten über den grossen Salzsee Utah's. Als Arzt und Na-
turforscher fungirte während dieser denkwürdigen Reise Dr.
S. W. Woodhouse, dessen Sammlungen und Beobachtungen
dem hier zu erwähnenden zoologischen Appendix zum Grunde
liegen. Der die Vögel behandelnde Theil des „Report ," von
Dr. Woodhouse verfasst , reicht von S. 58 bis S. 105. Es
kamen 220 Arten zur Beobachtung, von welchen zwar nur
48 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
wenige ganz neu, viele aber bisher mehr oder weniger un-
vollständig bekannt waren. Es erhellt aus diesen verschie-
denen Reiseberichten, dass ein grosser Theil der bekannten
Vögel der atlantischen Provinzen Nordamerika's auch über
die westlichen Theile desselben verbreitet ist, dass aber diese
zugleich eine ihnen eigenthömliche Vögelfauna beherbergen.
Von diesen specifisch westamerikanischen Arten ist die Mehr-
zahl über eine ziemlich ausgedehnte Strecke der Küstenpro-
vinzen verbreitet; das westliche Texas und Neumexico die-
nen denselben Arten zum Aufenthalte, vielen zugleich auch
noch Californien und Oregon.
G. N. Lawrence giebt eine Fortsetzung seiner ,,Ad-
dilions to Norlh-American Ornithology.« Ann. Lyc. of New-
york April 1853.
Es werden als Californien bewohnend namhaft gemacht und be-
schrieben: Ephialtes choliba, Procellaria haesitata Kühl (? 19" lang),
Pr. capensis und Lestris calarrhacles. (Nicht vielmehr antarclica?}.
Ebendaselbst bringt Lawrence „Beobachtungen Capt.
J. P. M'Cown's über die Vögel im westlichen Texas« zur Mit-
theilung : p. 9.
Dieselben wurden an Ort und Stelle entworfen und betreffen
ohne Ausnahme seltnere Arten, als Cyrlonyx Massenae, Callipepla squa-
mala, ürtalida vetula, Conirostrum ornatum, Icterus cucullalus, Quisca-
lus macrourus, Geococcyx vialicus.
„Memoria sobre la geografia fisica y politica de la nueva
Granada por el general T. C. Mosquera" 8. Newyork.
Enthält auf S. 35 ein systematisches Verzeichniss der vorkom-
menden Vögel! Scopus ! Älerops nubicus, Fringilla granatina ! ! Das
Vorkommen einer Recurviroslra wäre aber doch möglich.
Prof. Burmeister „Ueber die Eier und Nester eini-
ger brasilianischen Vögel": Caban, Journ. L p. 161.
Es behandelt dieser sehr werthvolle Beitrag zur Forlpflanzungs-
geschichte exotischer Vögel die folgenden Arien: Zonotrichia matutina,
''Colurniculus manimbe , Volatiuia jacarina, Troglodytes furvus , Turdus
ruGver.tris, Alegalophus regius (nur die Eier), Dixiphia leucocephala,
Furnarius rufus, Nyctibiiis grandis (Ei), Podager nacunda, Caprimulgus
brasilianus, 16 Trochilus-Arteu, uuter ihnen eurynomus, dessen JNest be-
sonders merkwürdig, Crotophaga ani, Perislera rnfaxilla, Cryturus va-
i egatus: Cr. lataupa und Rallus nigricans.
Dr. G. Hartlaub; „Bericht über eine Sendung von
der Vögel während des Jahres 1853. 49
Vögeln gesammelt um Valdivia im südlichsten Chile durch Dr.
Philippi": Naumannia p. 207. Ref. halte etwa fünfzig Ar-
ten zu verzeichnen und glaubte um so mehr über diese Sen-
dung Philippi's berichten zu müssen, als dieselbe von hand-
schriftlichen Noten begleitet war, kurze Angaben über die
gesammelten Arten, so wie über die Farbe des Schnabels,
der P'üsse und der Iris im frischen Zustande enthaltend. Auch
schien uns die Lokalität von besondernm Interesse zu sein,
denn gerade die seltneren und charakteristischeren Gestalten
der chilesischen Vögelfauna sind dort anzutreffen.
So enthielt die Sendung zahlreiche Exemplare der merkwürdi-
gen Gallungen Sylviorthorhynchus , rygarhicus und Oxyurus, sie ent-
hielt den Triplorhinus paradoxus Kiltl. , die Ulula fasciata Desm. und
melirere sehr wahrscheinlich neue Arien. Zum Schlüsse versuchten
wir ein Verzeichniss sämmtlicher chilesischer Vögel zusammenzustellen.
Noch mögen hier zwei gedruckte Preisverzeichnisse
chilesischer Vögel Erwähnung finden, deren eines von
Prof. Poeppig in Leipzig, das andere von Oscar Dietsch
ebendaselbst ausgegeben wurde. Letzteres zählt 65 Arten.
Australien.
„Voyage au Pol Sud et dans l'Oceanie sur les corvettes
TAstrolabe et la Zelee etc. sous le commandement de M. J.
Dum ont-d'Urvill e. Zoologie par Mss. Hombron et Jac-
quinot. Tome III. Paris 1853." Der Verfasser dieses dieSäu-
gethiere und Vögel jener Expedition umfassenden ungemein
interessanten Bandes ist Dr. Pu eher an. Man wird sich er-
innern, dass die während der Jahre 1843 bis 1845 in ver-
schiedenen Lieferungen des damals publicirten Atlasses der
Dumont-d'ürville'schen Reise erschienenen zahlreichen Ab-
bildungen von Säugthieren und Vögeln bis jetzt hin ohne
irgend welchen erläuternden Text geblieben waren, dass man
zehn Jahre hindurch dieselben nur den beigedruckten fran-
zösischen Namen nach kannte und dass, da der längst zu er-
wartende beschreibende Theil nach wie vor ausblieb, endlich
einige Zoologen es wagten, der einen oder der anderen un-
ter den abgebildeten Arten systematische Benennungen bei-
zulegen. So ist denn das wenn auch noch so verspätete
Erscheinen näherer Miltheilungen über dieThiere jener schon
Archiv f. Nuturgcsch XX. Jahrg. 2. Od. D
öO Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
wegen der von ihr besuchten Länder und Gegenden höchst
denkwürdigen Expedition eine wahrhaft erfreuliche Ueber-
raschung. Und das um so mehr , als es gerade Pucheran
ist, welcher, seiner Aufgabe so vollständig gewachsen, uns
die wissenschaftliche Deutung und Erläuterung jener Abbil-
dungen bietet.
Es beschränkt sich übrigens dieser Text auf die 92 abgebilde-
ten Arten; die Zahl der gesammelten und der Pariser Sammlung ein-
verleibten ist weit grösser. Die merkwürdigsten von der Expedition
berührten Localitäten waren die Westküste INeuguinea's mit der VVar-
rior- Insel, die zuvor zoologisch völlig undurchlorschten Salomon- In-
seln San Jorge und Isabel, Raffles-Bay auf der ISordküste Australiens,
die Navigatorgruppe, Mindanao , Banjar - Wassin auf ßorneo , die zum
Archipel der Carolinen gehörige Gruppe Hogoleu und die antarclischen
Gegenden. Bei dem uns spärlich zugemessenen Räume beschränken
wir uns darauf, hier die auf den S a lo mo n- Inseln angetroffenen Ar-
ten aufzuzählen: Athene taeniala H. et Jacq., Fachycephala oriolides
M. J., Lamprocorax fulvipennis H. J., Dicaeum aeneum H. et J., Myzo-
mela Lalargei H. J. und M. solitaria II. J. , Lorius cardinalis II. J.,
Pionus heteroclilus H. J., P. cyaniceps Puch., Cacalua Ducorpsii H.J.,
Chalcophas Slephani H. J. und eine Megapodius-Art.
I. y%ccipitres«
Falconidae. Wichtige Beobachtungen über die G e i e r
Nordafrika's mit ausführlichen Beschreibungen und Mes-
sungen einzelner Exemplare veröffentlicht A 1fr e d Brehm:
Naum. p. 38. Die Angaben des Dr. A. Smith über den Fe-
derwechsel dieser Vögel könne er nur bestätigen. Ausführli-
ches über Gyps Rüppellü Br.
„Die Mauser der jungen Raubvögel und der Uebergang
ihres Jugendkleides in das ausgefärbte" von Pasl. C. L. Bre h m.
Cab. Journ, p. 196. Zur Widerlegung der Theorie Schle-
gel's geschrieben und gestützt auf die bekannte umfassende
Specialkenntniss des Verfasser's.
„Die Gruppen und Gattungen der Raubvögel Russland's in
exomorphischer und craniologischer Beziehung" von Prof. J.
F. Brandt: Cab. Journ. p. 225 und 178. In dieser ganz
eigenlhümlichen, keines Auszugs fähigen Arbeit sucht Brandt
mit bekanntem Talent und mit gewissenhafter Ausführlichkeit
die ptilographischen und craniologischen Merkmale der Raub-
der Vögel während des Jahres 1853. 51
Vögel einer wissenschaftlichen Einlheilung derselben zum
Grunde zu legen. Ein Anhang erörtert die craniologischen
Verwandtschaften der Eulen, was indessen, wenn gleich in
anderer Weise, schon vordem von Kaup geschehen war.
Oken's Isis und Jard. Contribut. lo Ornith. Iö51. p. 119.
Th. Krüper schrieb in der „Naumania« sehr instruc-
liv und anziehend über die Adler Pommern's, und in dem
„Journal für Ornithologie" über die übrigen Raubvögel die-
ses Landes , namentlich über die Fortpflanzung derselben,
p. 14(3.
John Gas sin hat in No. 2, 3 und 4 seiner „Illustra-
tions etc." eine ausführlichere „Synopsis der nordamerikani-
schen Raubvögel" veröffentlicht, mit besonderer Berücksich-
tigung der geographischen Verbreitung derselben und nach
wiederholter kritischer Prüfung des ganzen gewaltigen ihm
zu Gebote stehenden Materials an Sammlungen und Littera-
tur. Es gehört diese vortreffliche Arbeit in ihrer Art zu den
besten und vollständigsten des ganzen ornilhologischen Ap-
parats, und wir bedauern nur , dass das Werk , in welchem
sie erscheint, noch so wenig nach Verdienst gekannt und ge-
würdigt wird.
Cassin billigt darin durchaus die specifische Trennung der bei-
den kleineren Calhartes - Arten Nord- von denen Südmerika's. Bar-
tram's „VuUur sacer^^ bleibt nach wie vor ein interessantes' Problem.
Die Krage hinsichtlich der Enlwickelung des Gesichts- u.id Geruchs-
sinnes bei den (leiern betrachtet Cassin als noch keineswegs genügend
erörtert ; er lordert zu weilerer Untersuchung auf. Drei und dreissig
nordamerikanische Falkoniden werden als gute Arten auslührlich be-
handelt (Auclubon kennt nur 26). Cassin ist sehr geneigt, den nord.
amerikanischen Goldadler lür speciflsch verschieden von unserem
europäischen zu hallen. Viele Exemplare, die er sah, unlerschieden
sich durch kleinere Statur, kürzeren Schnabel und weit dunkleres Ge-
Oeder. — Seit der Einlührung der üanipfboote und Eisenbahnen sind
die Raubvögel Nordamerika's in der Nähe der Städte selten geworden.
— Das merkwürdige, seiner eigenthnmlichen liedeulung nach noch un-
erklärte Phänomen überaus zahlreich in den höheren Luftregionen ver-
sammelter Raubvögrlsohaaren wurde von Prof. Baird in Washington, von
Dr. Hoy in Wisconsin und von Cassin selbst wiederholt zur llerbslzeit
beobachtet. — Als „zweifelhaft und dunkel« werden 15 Arten aufge-
zählt, der Mehrzahl nach auf kurzen ungenügenden Beschreibungen oder
Angaben Pennant's, ßarlram's Rafinesque's u. s, w. beruhend.
5^ Harllaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Dr. G. R. Bonyan „Notes on tbe raptorial birds of
British-Güjana« Ann. and Mag. of N. H. p. 138 (Zool. Soc).
Trotz mancher hübschen Beobachtung von geringem wissen-
schaftlichen Werlh, da nur englische Namen gegeben werden.
Dr. He II mann berichtet in der „Naumaiinia," es sei Sarcorham.
pkus papa auf dem Felsen von Gibraltar brütend beobachtet worden!!
Jedenfalls eine Verwechselung mit Neophron pericnoplerus Solch eine
Mittheilung durfte Baldamus gar nicht so ohne Weiteres aufnehmen.
Ref. suchte die specifische Verschiedenheil des oslafrikanischen
Falco rußcollis Sw. von dem indischen chicquera weiter zu begründen.
Cab. Journ. p. 38. — Id. ib. über Buleo Ghiesbrechli Dub. von Gua-
temala.
Lawrence beschrieb das ganz alte Männchen von Buleo pen-
sylvanicus: Ann. Lyc. of iNewy. April 1853. — Bona parle beschreibt
ausführlich ein Uebergangskleid von Asturina nitida : Collect. Del. p. 3.
Neue Arien: Catharles urbicola (Ricord) : Desmurs in Rev. et
Mag. de Zool. p. 146. Putergrösse (48" lang) ; Slädle der spanischen
Antillen bewohnend; in keiner Sammlung. Quid? — Fhalcobaenus ca~
runculatus Desm. Rev. p. 154. Columbien. — Aquila deserticola Eversm.
Bullet. Soc. Kat. Mose. XXV. p. 545. t. 8. Kirgisensteppe ; der leuco-
rypha verwandt. Auch Kaum. p. 234. — Buteo leucums Kaum. Kau-
mannia p. 256. c. fig. opt. Sarepta. Ausführlich über dieselbe Art H.
F. Moeschier: l. c. p. 297. Ist dort keineswegs selten. — Rege"
rhinus megarhynchus Bonap, Coli. Del. p. 4. Peru. — Accipiter Fonta-
nieri Bp. ib. Neugranada. — A. castanilius Bp. ib. — Pernis brachy-
pterus Blylh. Calal. Calc. Mus. p. XXVIII. Mergui. — Falco nigriceps
Cass. Illustr. L p. 87. Californien. — F. polyagrus Ci\ss. ib. p. 88. Ca-
lifornien u. s. w^ ; dem lanarius nahe verwandt; Abbild, pl. 16. — Bu-
teo Bairdii Cass. ib. p. 99 und Hoy Proc. Ac. Philad. VL p. 451. Wis-
consin. — B. insignalus Cass. ib. p. 102. Canada.
Abbild. Buleo rufip etmis Slrickl. Proceed. Zool. Soc. 1850. Av.
pl. 22. — Ei von Aquila audax: ibid. pl. 19. — Haliaelos pelagicus
Fall. ^ in Cass. llluslr. pl. 6. (Vergl. auch Middend. l. c. p. 125.).
Ohne den weissen Stirnflecit.
Pucheran über Tinnunculus moluccensis Schleg. und Accip.
hyogasler Sal. Müller: Voy. Pol. Sud. Zool. 3. p. 47.
StrSg-Sdaeo Anderson sammelte in der südweslafrikanischen
Damaragegend Scops leucotis, Sc. senegalensis und Athene licua Licht.
Contrib. 1852. p. 142.
Dr. G. R. Bonyan „Ueber 5 Eulenarten Gujana's« : Ann. and
Mag. of N. H. 1. c. Leider keine systematischen Namen.
Neue Arten: JSyctale Kirtlandi Hoy Proc. Acad. Philad. VI.
p. 210 und Cass. Illustr. pl. 11. Wisconsin. — Bubo subarcticus Hoy
der Vögel Avährend des Jahres 1853. 53
1. c. p. 'ill. Wisconsin. Grosse hellgefärbte Art 24"lang. Vielleicht
gleichartig mit B. Sibiriens Ev.?
Pncheran giebt gute Beschreibungen von Alhene taeniala H.
J. (Salomoninseln), von A. ocellala H. J. (Chili) und von A. humeralis
H. J. (Neuguinea) : Voy. Dum. d'Urv. 111. p. 50—54.
II. Passeres.
Fissirostres.
C»|iriBaiii1g^iflae. Neue Arten : Caprimulgus atrovarius Sun-
dev. Öfvers. K. Y. Ac. Förhandl. 1851. p. 128. Umgegend der Cap-
stadt. — C. damarensis Slrickl. Contrib. 1852. p, 143. Damaragegend.
(Anderson) — Podargus Vincendonil (H. J.) Pucher. 1. c. p. 92. Borneo.
All. Voy. Pol Sud, pl. 21. fig. 1. — Caprim. arundinacenus (H. J.) Pu-
cher. p.93. Borneo Atl. pl. 21. fig. 2.
Anderson sammelte dort ausserdem C pectoralis Vieill. und C.
lenfiginosns Smilli.
rSach Alfred Brehm wandern die nicht zugleich europäischen
Ziegenmelk er- Ar ten N o r da f rika's nicht; Cab. Journ. p.451.
— C. longipennis kommt nicht nördlich vom Uten Grade N. ßr. vor;
climacurus geht nördlich bis zum löten Grad.
Nach Woodhouse ist C. NuUallii sehr häufig am Colorado in
Neumexico : Sitgr. Rep. p, 63.
Hiruiidiiikdae. Sehr schätzenswerihe Notizen über die geo-
graphische Verbreitung und den Zug der nordostafricanischen Schvsal-
benarten giebt A. Brehm: Cab. Journ. p. 453. Die dort einheimischen
Arten wandern fast sämmtlich nicht , aber die europäischen ziehen
weiter südlich als Brehm je gelangte. Cecropis fiUcauda traf B. nur
in Dougola an. Die specifisch verschiedene Uferschwalbe jener Ge-
genden (Cotyie minor Cab.) wandert südlich den Nil hinauf u. s. w.
Hirundo rustica sammelte Anderson in der Damara-Gegend. Con-
trib. p. 144.
Cyp<9eliflite. Eine merkwürdige neue Art ist AcanthyUs srt-
£Ffl/i7ts Woodhouse von der einzigen Lokalität „Inscription-rock," in So-
nora : Sitgr. Kep. p. 64.
Ueber die Co//ocrt/Jrt^Arten Ceylon's, namentlich über C. brevi'
roslris berichtet sehr inslructiv I.ayard : Ann. and iMag. p. 168.
Totlidae* Ueber die Aufenthallszfit und das Verhallen von
Coracias garrula in Aegypten berichtet A. Brehm : Cab, Journ. p. 454.
— C. abyssinica und C. Levaillanlii wandern nicht.
Alcediniae. Eine neue Art ist Halcyon damarensis StrickI,
Contrib. to Ornith. 1852. p. 153; nahe verwandt mit H. slriolatus Licht.,
aber weit grösser.
54 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte '
Von den „Eisvögeln N.-O.-Afrika's meldet A. Brehm, dass Ce~
ryle rudis und A. caeruleocephala nicht wandern, wohl aber die }lal-
cyon-Arten: Gab. Journ. p. 454.
Eine ausführliche Beschreibung von Adenoides variegala Hombr.
Jacq. von Mindanao giebl Fucheran : Zool. Voy. Dum. d'Urv. 3. p. 101
Congenerisch mit H. Lindsayi Vig.
Ab bild. Galbula melanogenia Sei. in Jaid. Conlrib, V. pl. 90.
Ducconidae. Neue Art: Chelidoplera albipennis Bp. Gab.
Journ. p. 47. (eine schöne Abbildung dieser neuen Art gab kürzlich
Sclater).
Illeropitlae. Alfred Brehm's Nachrichten über sieben von
ihm beobachtete Äleropsarlen N.-O.-Afrika's liest man mit Interesse:
Gab. Journ. p. 455. M. apiasler lebt und zieht in Aegypten gemein-
schaftlich mit Savigniji. M. viridissimtis und erylhropterus sind Stand-
vögel, Bttllochii und caeruleocephalus streichen, lieber die Lebensweise
der beiden letzteren äussert sich Brehm ausführlicher. M. Guvicri
wandert.
Anderson sammelte in der Damaragegend den westlichen M.
h'irundineus Licht.
Iflomotidae» Neu scheint zu sein M. semirufus Sclater von
St. Martha und M. siibrufescens Sei. von Neugranada: Rev. et Mag.
p. 489.
Tenuiiostres.
IVectariniailae. Die von A. lirehm im östlichen Afrika
beobachteten Promerops - Arten wandern nicht: P. erylhrorhynckns ,
Rhinopom. cyanomelas und minor Rüpp. Gab. Journ. p. 456. — Auch
die JVccförmea- Arsen sind Standvögel.
Neue Arten: Irrisor Cabanisii de Fil. Vom weissen Nil,
3—40 N. Br. Rev. et Mag. p. 289. — /. Slrichlandi Bonap. ist ery-
throrhynchus? Strickl. Gonlrib. to Ornith. V. p. 154, Damara- Gegend
(Anderson). — Neclarinea Andersoni Strickl. 1. c. p. 15^). Damara-Ge-
gend. Der östlichen albivenlris nahestehend.
Trocliilidae. „lieber die Abwesenheit der Furcula am Ske-
let eines Trochilus" von W. Munter: Zeitschr. ges. Naturwiss. her-
ausgeg. V. naturw. Verein in Halle p. 18. l. 1. fig. 1. (Jahrg. 1853).
G. L. Martin „a general history of Humming üirds" wilh pla-
tes. Lond. 10 Sh, Sahen wir noch nicht.
VonGould's monographischem Prachtwerke erschien pari. 5. mit
den Abbildungen \on H eli o tryp ha viola; Felo sophora anais, io-
lata, cyanotis, thalassina, serriroslris, coruscans, Delphinae ; Helio ma-
sler longiroslris, Conslanli , pinicola , angelae , mesoleucus; Chlor O"
Stilbon prasinus; P haelornis Bourcieri ; Lesbia amaryllis; Ca-
der Vögel während des Jahres 1853. 55
lothorax micrurus; Euslep hanns fernandensis, Slohesi; Gouldia
Langsdorfiii , Popelairi , Conversi; B our ci eria torquata, fulgidigula,
inca ; P ha et ornis Prelrei , auguslae , anlhophilus ; Hypuroptila
Btiffoni und caeruleogasler; und part. 6 von Eupetom ena hirundi^
nacea i Clylolaema rubinea; Ur os ticle Benjamini; DoriferaLu'
doviciae f Johannae; Hello tli rix aurilus, auriculatus und Barroti;
Eri 0 cncmis cupreiventris, mosquera und Luciani ; Schisles Geof-
froyi und albogularis; Aphanlochroa cirrhochloris \ Diphog ena iris G,
S elaspho rus heloisa ; C ep halepis Lalandei und Loddigesii, He-.
lianthea typica und Boncparlei ; Myiabeillia typica; Panopli-
tes Jardini, Malhewsii und ßavescens; Coelig ena typica und pwrpM-
rea ; Erio cn e my s lugens ; D elailria henrica; Phaelornis slrii^
gularis.
Nach VVoodhouse ist Tr. rufus ungemein häufig um Santa Fe
in Neumexico. Diese Art frequentirt dort vorzugsweise die Blüthen
von Oleome integrifolia : Sitgr. Rep. p. 66. In Silka umschwärmt sie
die ßrombeersträuche ! !
Neue Arten: Lophornis VerreauxiiBourc, l\ey. et Mag. p. 193,
pl. 6. Dem chalybeus verwandt. Peru. — Tr. melananthera iard. Con-
trib. c. flg. opt. — Tr, amabilis Gould Ann. p. 466. INeugranada. —
Phaei. griseogularis Gould ib. Columbien. — Melallura primolina Bourc,
Rev. p. 295. RioNapo: Osculati.
Sehr interessante Notizen über die Nester und Eier von 16 bra-
silianischen Colibri-Arten theiit Burmeister mit: Cab. Journ. p. 171.
Im Ganzen ähneln die Nester dieser Arten einander sehr, doch scheint
es, als ob jede eine besonrlere Flechtenart zu dem Baue desselben
verwende. So belegt Tr. eurynomus sein Nest nur mit Spiloma roseum,
einer Flechte, deren Farbesloff unter der Einwirkung der Brulvvärme
des Vogel's die Eier intensiv und gleichmässig carminrolh färbt. Die
Lage oder Stellung der Colibrinester ist bei den verschiedenen Arten
eine sehr verschiedene. Die Zahl der Eier ist beständig zwei.
Melipliag^idae. Nest und Eier von Phyllornis Jerdoni bil-
det Blyth ab: Jard. Contribut. to Orn. V. p. 91. — Gould's Melicopliila
picala ist Cerlhia leucomelas Vieill. = Certhionyx variegatus Less. —
Leptornis sylvestris (H. J.) Puch. 1. c. p. 86. von Samoa ist Eulomiza
olivacea Peale.
Neue Arten: Zosterops albivenler (Mombr. Jacq.) Fucher, I.e.
p. 95. Warrior - Insel bei Neuguinea. Voy. Pol Sud Atl. pl. 19. fig. 3.
— Z. parvulus (H. J.) Pucher. 1. c. p. 96. Rorneo. Atl. pl. 19. fig. 4. —
Dicaeum aeneum (H. J.) Puch. 1. c. p. 97. Salomoninseln. Atl. pl. 22.
flg. 4. — Myzomela Lafargei (H. J.) Puch. 1. c. p. 98. Salomoninseln.
— Plilolis similis (H. J.) Tücher. I. c. p, 89. Neuguinea. All. pl. 17.
flg. 23.
56 Hartlaiib: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Certliidae. Lafrenaye über Anabates squamiger: Rev. p.
490. Ist eins mit Lesson's Sitlasomus perlalus und Typus der Gallung
Anabasitla. — Xenops rufus Less. ist nach Pucheran gleich Anabates
leucophllialmus Wied (?) ; Silta castanea Less. sei = castaneoventris
FrancL
Neue Art: Limnornis unihrunneus Lafr. Rev. et Mag. p. 59. Vom
Vulkan Fichincha.
C. Sundevall über die ächte Silla europaea L. Öfvers. K. V.
Acad. Förh. 1851. p. 275.
Iroglodyles Eydouxi Bp. ausführlich beschr. Fuch. Voy. Pol Sud
ZooL IIL p.94. Chili.
Denlirosires.
liusciniadae« Neue Arten: Erilhacus Moussieri Leon Olph
Gaillard Ann. Soc. d'agric. etc. de Lyon, c. fig. ^ ^ , und Naum. HL
p. 68. Oran. Doch mehr eine Pralincola. — Erilhropygia Galtoni
Slrickl. Contrib. V. p. 147. Damara. — Drymoeca ßavida Slrickl. ib.
Damara. — Sphenoeacus pycnopygius Strick), ib. 148. Damaragegend. —
Calamoherpe media Malm: Öfvers, 1851. p. 159. Schweden; der lur-
doides nächst verwandt. — Sw^orm fl^ii/js Nichols. Ann. and Mag. p. 215.
Hindostan „an undescribed species of lailor-bird". — Sylvia sibirica v.
Middend. 1. c. p. 180. — S. ocholensis v. Midd. ib. 182.
Abbild. Chamaea fasciata Garn, in Cass. Illustr. pl. 7. — Fa-
rns septentrionalis Harris: ib. pl. 14.
Heckel: „Ueber die Verbreitung, das Nest und Ei von Salic.
fluvialilis.'-^ Verhandl. des zool. botan. Vereins in Wien U. p. 127. An
der Donau zwischen Wien und Presburg.
Ueber Parus borealis schrieb Gerbe ausführlich. Rev. p. 197.
Provence. — Ed. Fairmaire über F. alpestris Bailly : Rev. p. 246. Doch
wohl gleichartig mit borealis.
Eine Synopsis der nordamerikanischen Meisen gab Cas-
sin . Illustr. p. 17. Er kennt 6 Parus, 4 Lophophanes und zwei Psal-
triparus: minimus und melanotis Sandb.
C. Sundevall: über Hypolais polyglollaW von Tanger. Öfvers.
p. 278. — V. Middendorf ausführlich über Anlhus cervinus: 1. c.
p. 167. Wäre verschieden von rufogularis Brehm ; ders. über Molac.
lugubris F. ib. l66; ders über Syh. erythronota Ev. ib. p. 175, über
S. Eversmanni Bp. ib. 178 und über S. coronataSchleg. ib. 182; ders.
über S. proregulus VaW. und S. certhiola P. 1. c. 184.
Cabanis über Oligocercus (microurus Röpp.) und Syncopla
(Sylv. brevicaudata Rüpp): Journ. p. 109.
Saxicola leucomelaena Durch, aus Damara beschrieb Strickl. Con-
der Vögel während des Jahres 1853. 57
trib. V. 146. — Id. ib. über S. hottentotta Gm., über Drymoeca flavi"
cans Vieill. und über Parisoma subcaeruleum 1. c.
Ref. über Copsychus pluto Temm. Cab. Journ. p. 35.
Sialia arclica und S. occidentalis sind häufig in Meumexico ; Sitgr.
Rep. p. 68.
Cabanis „zur Naturgeschichte des Pallas'schen Laubhähnchens,
Vhijllohasileus snpercitiosus Gm. mit schönen Abbild, von ^ und $.
Journ. p 81. Originalmittheil, von v. Middendorf und Gaetke auf Hel-
goland , wo das seltene Vögelchen alljährlich erlegt wird. Cabanis*
Färchen wurde bei Berlin geschossen.
Turdidae« Neue Arten: Trichophorus minnlus nob. Cab.
Journ. p. 156. Malacca. — Icteria longicauda Lawr. Ann. Lyc. Newy.
1853. p. 4, Californien. Ob wirklich verschieden von Velasquezii? In
Keumexico scheint nur viridis vorzukommen: Sitgr. Rep. p. 73.
Eine Varietät von Tiirdus iliacus beschrieb ß. Altum Kaum. II.
3. p. 67. c. fig. — Auch Fuhlrott beschrieb eine var. derselben Art:
Kaum. 1853. p. 101.
Ueber Tnrdus rvßcollis und T. fusealus vergl. v. Middend. 1. c.
p. 170. Eine Beschreibung von Crateropus bicolor jun. aus Damara
gab Strickl. in Jard. Contrib. V. p. 145, und von Monlicola brevipes
"Waterh. ebendas. p. l47.
Refer. über Pomatorhinvs rußceps und Rhodinocichla rosea : Cab.
Journ. p. 31. 33. — Mimus monlanus Towns. Gemein in Neumexico :
Sitgr. Rep. p. 73.
Timalia rußcapilla (Hombr. Jacq.) Pucher. I.e. p. 89. All. pl. 19.
flg. 1. Borneo. — Id. ib. über Mixornis bornensis Bonap. p. 90. All.
pl. 19. fig. 2. — Ixos Gourdini (H. J.) Puch. p. 79. All. pl. fig. 1.
Borneo.
ITJEiiscicapidae« Neue Arten: Todirostrum fumifrons, nob.
Cab. Journ. p. 35. Brasilien. — Ornithion inerme, nob. ib. p. 35. Süd-
america. — Tyrannula erylhroptera Lafr. Rev. p. 16. Brasilien? — T,
peruviana Lafr. ib. Quito. — T. pallescens Lafr. ib. Bahia. — T. or~
nata Lafr. ib. Columbien. — Todirostrum striaticolle Lafr. ib. p. 18.
Bahia. — Ochlhoeca chilensis, nob. Naum. Vög. um Valdivia, p. 18. —
Taenioptera erylropygia Sclat. Ann. and Mag. p. 213. Ecuador. — Tae-
nioplera striaticollis Sclat. ibid. Ecuador. — Psaris (s. G. Erator) Fra-
seri Kaup. Ann. p. 60. — Ps. maximus Kaup ib. p, 61. — Ps. parinus
Kaup ib. von Para. — Selophaga ruficoronata K. ib. — S. leticomphomma
K. ib. Bogota. — Tyrannula mexicana K. ib. p. 65.
P. 0. Desmurs „notice sur les Lantus pitangua et sulphuralus
de Linne: Rev. et 31ag. p. 1. Ganz gut aber nicht neu. Älit Unrecht
bezieht D. den Tyrannus carnivorus Virill. zu S. sulphuralus. Diese
Art scheint uns vielmehr zu Scaphorh. pitangua zu gehören, wenigstens
58 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Beschreibung nach, denn Azara's Bientaveo zieht Vieiilot unrichtig
hinzu. Dagegen nennt V. den S. sulphuratus : Tyr. magnanimus : En-
cycl. p. 850. (Vergl. unseren Index zu Azara).
Dr. J. Ka u p „Uebersicht des Genus Knipolegus Boie" : Cab. Journ.
p. 29. Kaup nimmt 5 Arien an : 1) comatus Licht., 2) cyanirostris Vieill.
Az. 181, 3) unicolor K. = cyanirostris bei d'Orb. , 4) aterrimus d'Orb.,
5) Lafrenayi K. == gaieata Spix ?
Dr. J. Kaup über die Gattung Psaris: Ann. p. 60. n. Chloropsa~
ris (Cuvieri, alricapillus und versicolor). b. Pachyrhynchus. c. Psa-
ris. d. Erator (inquisitor und Fraseri). e. Balhmidurus Cab. (margi-
natus mit 2 Unterarten und parinus).
Id. über Setophaga ib. p. 63. Kurze Beschr, aller Arten. Kaup's
S. flammea von Guatemala beschrieben wir längst als intermedia; —
Todirhamphus pecloralis Kaup 1. c. von Mexico ist unser Todirostrum
granadense. — Todirhamphus ruficeps K. ib. von Mexico ist Todiro-
strum mullicolor Strickl.
Für Plalhyrhynchus capensis Smith creirt Kaup die Gattung Phry-
norhamphus ; Bonaparte nennt den Vogel Smilhornisl
Platystira albicauda Strickl. aus Damara : Jard. Contrib. p. l44
ist gleichartig mit Laniolurdus torqualus Walerh. Alex. Exped. II. p. 264.
Ueber Muscicapa luleola Pall. vergl. v. Middend. 1. c. p. 186.
Nest und Ei von Leucocerca fusciventris Fr^nc\. abgebild. Jard.
Contrib. pl. 92.
Ueber Mihulus forßcatus im westlichen Texas : Woodh. in Sitgr.
Rep. p. 73.
„Ueber den Farbenwechsel von Muscicapa collaris, atricapilla
und parva im Frühlingc" von L. Martin: Cab. Journ p. 16.
Dr. Schilling: „Beschreibung und Naturg. \on Muscicapa mi-
«Mfa« H. et S. Cab. Journ. p. 129. Scheint doch wirklich von parva
verschieden. Beide sind in Pommern nicht selten.
Fucheran beschreibt in der „Zoologie du Voy. au Fol Sud III.
p. 75: Muscylva Lessoni H. J. von den Viti-Inseln, M. pectoralis H. J.
von Vanicoro und p. 76: Rhipidura trislis H. J. von Neuseeland. —
Myiagra oceanica PUch. ib. p. 77. All. pl. 12 bis, fig. 1 von der Gruppe
Hogoleu.
Ueber Vireo alricapillus Woodh. vergl. Silgr. Rep. p. 75.
Aonpelidae« Neue Arten: Cephaloplerus glabricoUisGould:
Froceed. Zool. Coc. 1850. Av. pl. 20. — Casmarhynchus tricaruncula-
lus Verr. Rev. et Mag. p. 193 von Bocos del loro in ^ieugranada. Jün-
gerer Vogel.
Ueber Ptilogonys Toicnsendi Aud. vergl. Woodh. in Sitgr. Rep.
p. 76 und Heerra. Notes Calif. Birds p. 263. Häufig im Westen der
der Vögel während des Jahres 1853. 59
Zuni-Gebirge in Neumexico. — Flilogonys nilens traf Dr. Heermaon am
Consumnes-River : Journ. Ac. Philad. n. s. II. p. 262.
Pu eher an beschreibt im drillen Bande der „Zoologie du Voy.
au Pol Sud' auf S. 55 : Eiopsallria diademala von Samoa. All. pl. 5.
fig. 1. — E. melanops. Id. ib. p 56 von Vavao. All. pl. 5. fig. 2. —
Pachijcephala orioLdes Puch. ib p, 57 , von den Salomon-Inseln. All.
pl. 5. flg. 3.
l/aniidae. Neue Arten; Enneoctonus Andersoni Strickl.
Contrib. Y. 145. Damaragegend. — Lanius dealbalus de Fil. Rev. p.290.
Weisser Nil, ist gleich L. pallidiroslris Cass. Proc. Ac. Philad. 1831 und
abgeb. Journ. Ac. Philad. n. s. II. pl. 23. fig. 1. — L. Aucheri ßp.
Rlon. des Lan. sp. 7. Aus Persien. — L. cephalomelus ßp. Manilla 1. c.
sp. 22. — Enneoctonus nilolicus ßp. 1. c. sp. 38. Weisser Nil. — Eu-
rocephalus Riippellii Bp, ib. sp. 40. Schoa. — Sigmodiis rvßrejitris Bp.
ib. Gaboon. — Lan. quadricolor Wus, Mog. Bp. Monogr. descr. Afrika.
— Tamnophilus 'tenuipunclalus Lafr. Rev. p. 337. Anolaima. — Arla-
mus cucM^/afMS Nicholson : Ann. Mag. p. 294. Indien im dichtesten Jungle,
mit umschrieben schvs^arzer Scheilelplatte. — Pteruthius spinicaudus
Pucher. 1. c. p. 58. Warrior-Insel bei Neuguinea; All. pl. 6. fig. 2. —
Rectes strepilans Fuch. ib. 60. All. pl. 6. fig. 1. Neuguinea und Raffles-
Bay. — Colluricincla lurtoides ih. 61. Raffles-ßay. Ob = parvula Gould.?
Graucalus Desgrazil (H. et Jacq.) Puch. 1. c. p. 64. Neuguinea. — Gr.
melanogenys (H. et J.) Puch. 1. c. p. 66. Timor. — Ptiladela Boyeri
Puch. I.e. p. 68, pl. 9. fig. 3. Neuguinea. — Edolisotna Marescoti ?uch.
ib. p. 69. pl. 10. fig. 2. Neuguinea. — Ceblepyris schisticcps H. et J.)
Puch. p. 70. Neuguinea. — C. rnfitentris (H. J.) Puch. p. 71. pl. 11.
fig. l. Raffles-Bay.
„Monographie des Laniens" parCh. L. ßonaparte: Rev. p. 292.
(Auch Separatabdrücke). Es werden 42 Arten aufgezählt und kurz
behandelt. Lan. macrocercus de Fil. Rev. p. 290. vom weissen Nil ist
= excubitorius Desm. und princeps Cab. Wahrscheinlich auch = L.
kiek Vierth. Bonaparte theilt die Laniaden in die Genera Lanius mit
24 Arten, Otomela (phoenicurus Pall.) mit 7 A., Phoneus 1 Art (bu-
cephalus Schleg.), Leucomelopon 1 Art, Enneoctonus 5 Arten, Euroce-
phalus 2A., Corvinella l A. und Urolestes 1 Art.
Lafrenaye über die Gruppe des Thamnophilus naevius: Rev.
p. 337. Fünf sehr nahe verwandle Arten.
Ueber die Dicruri Ceylons vergl. Layard : Ann. and Mag. p. 393.
Es kommen auf dieser Insel vor: paradiseus L. , longicaudatus Hay,
caerulescens Vieill., edoliformis Blyth , macrocercus V. var. min leu-
copygialis ßlylh.
Die „üryniophile de Roug« Hombr. et Jacq. von der llogoleu-
Gruppe beschreibt Pücheran als Coiluricincla : Zool. Voy. Pol Sud III.
p.62. — Id. ib. über Arlamus viliensis H, et Jacq. (mentalis Jard ).
60 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Ref. über Sigmodus caniceps : Cab. Journ. p. 32.
Die einzige von v. Äliddendorf in Sibirien angetroffene Würger-
art war L. phoenicurus Fall. Zool. II. p. 188.
Lantus minor Gm. erlegte Anderson in der Damara-Gegend Süd-^
weslafrika's.
Lanius excubilorides Sw.. von Bonaparte in seiner „Monographie
des Laniens als identisch mit iudovicianus betrachtet, wird (mit mehr
Recht, Ref.) von Baird , Heermann und Woodhouse als eigene dem
westlichen Nordamerika angehörige Art betrachtet: Rep. Sitgr.
p. 77. Etz.
Abbild. Lanius pallens Cass. Journ. Acad. Phil. n. s. II. pl.
23. flg. 2.
Conirostres.
Corvidtie. Neue Arten: Cyanocitta jolyaea Bp. Cab. 3ouri\.
I. 47. — C turcosa Bp. Collect. Delattre p. S. Ecuador. — C. ga-
Icata Cab. Mus. Hein. p. 222. St. Fe. (In der Bremer Sammlung aus
Mexico). — Corvus phaeocephalus Cab. ib. 232. Abyssinien. Ob wirk-
lich verschieden vom scapulatus Südafrika's? — Lophocilta ardesiaca
Cab. ib. 219. Sumatra. — Garrulus cervicalis Bp. Coli. Del. p. 6. Al-
gier. Levaill. Expl. sc. t. 6. — Gaziola lypica Bp. ib. Neucaledonien.
Corv, madagascariensis Bp, ib. — C. timorensis ßp. — C. philippen-
sis Bp.
H eher Corvus torqualus Cuy. vergl. Pucheran: Rev. p. 546. Wahr-
scheinlich gleich pectoralis Gould. jun. — C. LetaiUantii Less. =
culminatus Sykes; C. coronoides Less. müsse macropterus sein. — C.
rvficollis Less. könne eine dem umbrinus nächst verwandle Art vom
Cap sein. — C. moneduloides Less. stammt von Neucaledonien und
ist Typus der Gattung Physocorax Bp. Puch. Rev. p. 547. und Bonap.
Coli. Del. p.6.
„De Sinety Note sur une poche buccale chez le Casse-noix*
(Nucifr. car.): Rev. et Mag. p. 227. Merkwürdig genug. Ein erwei-
terungsfähiger Oesophagus kommt hinzu. Ein dünnwandiger Sack ist
gerade unter der biüden Zunge geöffnet ; das Orificium desselben nimmt
die ganze Basis der Backenhöhlung ein; er steht im Winkel der bei-
den Aeste der mandibula und nimmt das Dreieck dazwischen ein;
scheint st-hr dilatabel zu sein. Sinety fand bei einem Exemplare 7
Haselnüsse im Backensacke und 6 im Oesophagus; andere hatten bei-
den Hölllungen mit Samen von Pinus cenibra gefüllt.
V. Middendorf hält C. dauricus nur für eine Varietät von Mo-
nedula: I. c. p. 159.
Neue Auskunft üi)er Cganocorax californicus Vig. gaben Heer-
mann 1. c. p. 269. und Woodhouse : Sitgr. Rep. p. 77. Sehr zahlreich
auf Pinus edulis in Neumexico.
der Vögel während des Jahres 1853. Öl
Ah b \\ d. ^ Cyanocorax luxuosus Less. Cass. lUustr. pl. 1. M'Call
beobachtete diese schöne Art am Rio grande im westlichen Texas, —
Garrulus Lidlhi Bp. Illustr. Froceed. Zool. Soc. 1850. Av. pl. 17.
ßonaparte über Corvus leucognaphalus als gute Art: Coli.
Del. p. 6.
Sturnicla.e« Meue Arten: Chalcophanes minor C&h. ^ ad.
Mus. Hein. p. l97. — Lainpropsar dives Cab. ib. p. 194. — Mololhrus
armenti Licht, ib. p 192. Carthagena. — M. robuslus Cab. ib. Mexico.
— Pezües (Stiirneila) brevirostris Cab. ib. p. I9l. Brasilien. — Cassi-
cus (Oslinops) gualimozinus Bp. Collect. Del. p. 10. Guaripata. — Thi-
lius major Bp ib. p. 11. — Lamproiornis fulvipennis (H. Jacq.) Fuch.
1. c. p. 81. pl. 14. flg. 2. Salomon- Inseln. — Slurnoides gigas (H. J.)
Puch. ib. p 83 von der Navigatorgruppe.
R ef. über Satoglossa madagascariensis in Cab. Journ. p. 42. (Gen.
H artlaubius ßonap. Collect, Del. p. 9. — Id. ib. über Sericulus
anais. — Bp. ib. über Pendulinus rufigaster Vieill.
Ueber Spreo bispecularis Strickl. (Levaill. Afr. pl. 90) vergl. Jard.
Contrib. V. p. 149. Damara. Verschieden von nitens.
Abbild. Icterus cucullalus Svv. Cass. Illustr. pl. 8. Wesll. Texas
und Keumexico. Ueber Agelajus Iricolor und gubernalor so wie über
Xanlh. BuUockii vergl. Dr. Heermann 3Not. Birds of Calif. Jüurn. Ac.
Phil. n. s. II. p. 268.
Paradiseidae* Einen Beitrag zur Lebensweise von Para-
disea apoda liefert Lafrenaye: Rev. et Mag. p.340. Es soll dieser Vo-
gel, nach der Aussage eines Augenzeugen, welcher ihn in Batavia in
der Gefangenschaft beobachtete, nach Plauenart mit den langen Seiten-
federbüscheln ein Rad schlagen : er umgab sich ganz damit und bildete
eine Art Aureole, in deren Mitte der grüne Kopf wie eine kleine Sonne
blitzte. (Georg Bennet, welcher diesen Vogel mehrfach in der Ge-
fangenschaft lebend beobachtete, sah dieses nie. Refer.).
C^ring'illidae* INeue Arten: Tanagrella eleganlissima\ etr,
Rev. p. 195. Peru, Der icterophrys nahe stehend. — Rhamphocelus
venezuelensis Lafr. ib. p. 243. — Rh. aterrimus Lalr. ib. — Rk. ma-
gnirostris Lafr. p. 243. Trinidad,
Emberiza slrialiceps Lafr, Rev, p. 61. Panama. — Pylelia cilerior
Strickl. Contrib. V. 150. Abyssinien, Kordofan, Senegambien. Die echte
melba \st südafrikanisch. — Monlifringüla haemalopyga Gould Ann.
p. 466, Thibet. — Sporophila moesla HartI, Cab. Journ. p, 36. Süd-
amerika? — Emberiza polaris v. Middend. I. c. p. 143. Taimyrland. —
Critagra ßavospecularis nob. Chile, Kaum. — Strulhus caniceps Uoodh,
Proc. Ac. Philad. VI, 202 und Sitgr, Rep, p. 83. Wesll. Texas. — Pas^
serculus CassiniiW oodU. ib. p. 60. und Sitgr. Rep. p. 83. Wesll. Texas.
— Passer ploceisoma Bonap. Coli. Del. p. 14. — P. Pallasii Bp. ib.
62 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Nördl. Asien. — P. confucius Bp. China. — Gymnoris pelria Bp. ib.
Nördl. Asien — Chondesles ruficauda Bp. ib. Nicaragua. — Passer^
culus alaudinus Bp. ib. Californien. — P. anthinus Dp. ib. Insel Kadiac.
— Spizella maxima Bp. ib. Mexico. — P. geosphopsis Bp ib. Colum-
bien. — Cklorospiza spodocephalaBp. ib. Nicaragua. — Sallalor plum~
beus Bp. ib. Columbien.
Alauda erythro chlamys Strickl. Jard. Contrib. V. p. 151. Dania-
ragegend — Alauda spleniata Strickl. ib. Damara. — A. naevia Strickl.
ib. Damara.
La f ren ay e über die Gattung ßfeampfeoce^Ms: Rev. p.241. fleissige
gute Arbeit. Die Gattung wird in zwei Gruppen vertheilt, deren erste,
Rh. ma er ognalhi 11 Arten zählt, während die zweite, Rh. mi-
cr ognathi\ nur fünf in sich begreift.
Eine sehr ausführliche Arbeit über die Kreuzschnäbel gab
ßrehm: Kaum. p. 178. Keines Auszugs fähig, ölit 1 Tafel Abbild.
Die interessantesten Beiträge zur INaturgeschichte der sibiri-
schen Ammern gab v. Middendorf: Emberha aureola \. c. p.
138, E. ruslica p. 139, E. pithyornus, p. 140, E.cioidesp. 140, E. ru-
lila 141, E. spodocephala p. 143, E. schoeniclus var. min. ib. p, 144.
— Ebenders. über Fr. linaria und deren Abarten in Sibirien: 1. c. 151.
üeher das öftere Vorkommen von Ember. pusilla auf Helgoland
vergl. Gab. Journ. 1. p. 67.
Nach Dr. J. B. Jaubert's genauester Untersuchung wäre Chlo^
rospha incerla nur eine „Variete obtenue en captivite« v. Pyrrhula ery~
thrinall Ausführliche Beweisführung: Rev. et Mag. p. 109.
Ebenderselbe schreibt des breileren über einen in der Frei-
heit erzeugten Daslard von FringiUa coelebs und Fr. monlifringilla:
Rev. p. 117. Die Hybridation in der Freiheit findet nur zwischen
höchst verwandten Arten statt. Eine der beiden Arten muss an der
Lokalität der Begattung sehr selten sein. In der Freiheit erzeugte
Bastarde sind immer unfruchtbar.
Dr. Heermann's „Noten über die Vögel Californiens" behan-
deln etwas näher : Emberha Bcllii Cass., JE. roslrata Cass. , Slruthus
oregonus (Towns.) , Spiza amoena (Say), Ammodromus rvficcps Cass.,
Feucaea Lincolnii, Carduelis Lawrencii Cass. , Zonolrichia Townsendii
Aud., alricapilla Gm , Vipilo arclicus und fuscus Sw., Carpodacus fa~.
miliaris M'Call; Coccoboius melanocephalus Sw. u. s, w.
Ärrcmon mystacalis Sei. ist eins mit albifrenalus Lafr. Rev. p. 62.
Abbild. Miraffra cordofanica Strickl. llluslr. Procetd. Z. S.
Av. pl. 23. — Alauda erythropygia Strickl. ib. pl. 24. — Carpodacus
familiaris Cass, lllustr. pl. 13. (Rep. Sitgr. p. 6S). — Embernagra blan-
dingiana Gamb. Cass. lllustr. pl. 12.
jlf usopliag^idae* Mnsophaga Rossae Gould ist beschrieben:
Ann. and Mag. p. 154. Der Vogel ist augenblicklich lebend in England.
der Vögel während des Jahres 1853. 63
Bucerotidae« Eine weitere schriftliche Mittheilung Sunde-
vaH's an Striciiland über Buceros cultralus Iheilt dieser letztere mit:
Contrib. V. p. I6l.
III. Scansores.
R h a ni p h a s t i d a e. Gould's zweite Ausgabe seiner Mo-
nographie der Rhamphasliden nimmt ihren Forlgang". Slurm's
Werk scheint unvollendet bleiben zu wollen.
Psittacidae. VonBrehm's „Monographie der Pa-
pageien«* erschien ein 7tes Heft. Alles Copien nach Spix und
unbrauchbare Spixi'sche Namen. Den Inhalt sämmtlicher
Hefte giebt die Naumania p. 236.
Palaeornis Gironnieri Verr. Rev, p. 195. Philippinen, ist wohl
gleich P. Calthropae Layard.
Neue Arten; SUlace primoli Bp. Collect. Del. p. 2. Bolivien.
— Psiltacula pyrilia Bp. ibid. vom Rio Acha in IVVugranada. — Lo-
rius cardinalis H. Jacq. Puch. 1, c. p. 103. All. pl. 24. Bis, fig. 2. Sa-
lomon-lnseln. — Cacatua Ducorpsii [H. J.) Puch. I.e. 108. pl. 2(3. fig. 1.
Salomoninseln.
Ausserdem enthält der dritte Band der „Zoologie du Voyage au
Pol Sud« noch Beschreibungen von Pionus heteroclUus H. i.Fuch. p. 103,
von Pionus cijaniceps Pucher. 1. o. p. 105. Beide von den Salomonin-
seln; ferner \on Picnus fuscicapillus Wagl. von Neuguinea , von Cyclo^
psilta diophlhalma H. J., Neuguinea, und von Cacalua citrinocristata
Fräs, von Timor.
Eupsülula Pelzii (Leibl.) wurde von Delattre in Nicaragua ge-
funden: ßonap. Collect. Del. p. 2.
Das Vorkommen von Psittacus Meyeri Rüpp. in der Damarage-
gend ist in geographisch zoologischer Hinsicht sehr merkwürdig: Jard.
Contrib. V. p. 156. Andere Psiltaciden dieses Theiles Südwestafrika's
sind P. Rüppelli Gray und Agapornis roseicollis V.
Picidae. Neue Arten: Campelhera Capricorni Strickl. Jard.
Contr. p. 155. Damara. — C. AbingoniSm. $ Beschr. ib. 156.
Abbild. Melanerpes formicivorus Sw. Cass. llluslr. pl.2, mit
höchst anziehenden und überraschenden Nachrichten über die Lebens-
weise dieses Vogels , welcher in die Rinde der Tannen und Eichen
äusserst geschickt und dicht neben einander Eicheln einkeilt, als
Kahrungsvorralh für den Winter. Vergl. darüber auch Dr. Heermann
Notes etc. p. 270. — Melanerpes albolarvalus Cass sehr schön abgeb.
im Journ. Ac. Phil. 11. pl. 22. p. 257. ^ und $. Californien.
Heermann's „Kotes on the birds of California" geben Nach-
64 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Nalurgeschiche
rieht von verscliiedenen seltenen Spechtarien , so von Picus Harrisii
Aud., Picus Gairdneri Aud., P. ISullallii Gamb. , F. ruber Cm., Mela-
nerpes lorquaius (Wils.), Pic. thyreoideus Cass. und von Colaples Ayre-
sii Audub. Letztere Art sehr selten am Coiisuninesflusse, Auch F.
Harrisii ist eine sehr sellene Art, scheint indessen in Oregon häufiger
vorzukommen (Peale).
Sitgreave's „Report": Wagler's Picus scalaris sei sehr häufig
in Texas östlich vom Pecos -River. — Centurus ßavitenlris Sw. traf
VVoodhouse in Menge um St. Antonio im wesll. Texas an, vorzugsweise
auf Stümpfen der Algarobia.
ISucconidae. Neue Arten: Pogonias Rolleii de Fil. Dem
dubius nahe stehend, vom obern weissen Kil (3— 4" N. Br.) : Rev.
p. 291. — Laimodon leucocephalus Defil. ib. Ebendaher.
Ciiculidae. INeu: Cuculus gabonensis Lafr. Rev. p. 60. Steht
dem capensis nahe.
Interessantes Detail zur Lebensweise der beiden Geococcyx-Ar-
ten verdankt man den wissenschaftlichen Reiseexpeditionen der Ame-
rikaner im Westen. Nach M'Cown liebt es der „l'aisano« der West-
texaner die Schneckenhäuser durch wiederholtes Aufschlagen auf ir^'cnd
einen harten Körper zu zerbrechen und alsdann das Mollusk in dem-
selben zu verzehren. Am Rio grande fand iM'Cown ganze Ilaufen sol-
cher zerbrochener Schneckenhäuser. Man erinnert sich hierbei viel-
leicht der Nachrichten Ackerman's über den Famac-acora auf Madagas-
car (Coua Delalandi), der eine ganz ähnliche Gewohnheit mit den Acha-
tinen verfolgt. — Man vergl. auch noch über G. vialicus Römer's „Te-
xas« p. 149. Er traf den Vogel häufig in den Mezquitegebüschen um
St. Antonio de Bexar. Ferner Heermann's „Kotes" auf S. 270 und
Sitgreave's „Report« auf S. 92. Im nördlichen Caiifornien wird der
Vogel sehr selten.
Dr. A. Dahne „zur Naturgeschichte des Kukuks« Naumania
p. 203.
Bai dam US „Neue Beiträge zur Fortpflanzungsgeschichte des
Kukuks" Kaum. p. 307. Ausführliche wichtige Arbeit. Der Verfasser
glaubt bemerkt zu haben, dass das Ei des Kukuks in Farbe und Zeich-
nung sich den Eiern, desjenigen Vogels annähert, in dessen Nest das-
selbe gelegt wurde; ein gewiss sehr merkwürdiges Verhällniss, für
welches sich indessen psychologische Gründe beibringen lassen.
„Zur Forlpflanzungsgeschichte von Cuculus glandarius^^ von A 1-
fred Brehm: Cab. Journ p. 144. Das bis dahin unbekannte Ei die-
ser Art wurde von Brehm in drei Exemplaren in Krähennestern Ober-
ägypten's gefunden.
„Hauptsache und Nebensächliches an der Foripflanzungsweise der
kukuksartigen Vögel« von Dr. G. G loger: C?.b. Journ p. 352. In
der Vögel während des Jahres 1853. 65
dieser ausführlichen und scharfsinnigen Arbeit werden alle gegen A.
ßrehm's eben erwähnte Entdeckung laut gewordenen Zweifel und Ein-
würfe siegreich beseitigt.
IV. Columbae.
Columba gelastes Temm. (ferrago Ev.) war die häuBgste Tau-
benart im südöstlichen Sibirien: v. Middend. 1. c.
Lieber Ectopisles marginella Woodh. vergl. Sitgr. Kep. p. 93. —
Col. leucoplera L. (Trudeaui Aud ) vergl. Heerm. „Notes« p.271. Die
Art ist gemein um Guaymas und Matamoras.
Einen ungemein ergiebigen Beitrag zur Naturgeschichte der ocea-
nischen Taubenarten lieferte Fucheran im dritten Bande der „Zoo-
logie du Voyage au Pol Sud.« Es wurden daselbst ausführlich be-
schrieben: Plilinopus Feliciae (H. et Jacq.) p. 11t. Atl. pl. 12. fig. 1.
von den Fidgee-Inseln ; Plil. hileovirens (H. J.) p. 112. pl. 12. fig. 2.
ebendaher, ßalaou ; Ptil. Mariae (H. J.) p. 115. pl. 29. fig. 2. von den
Navigator-Inseln (= P. Perousii Pealc) ; Plil. Clementinae (H.J.) p. 117.
pl. 29. fig. 3. von den Fidgee-Inseln ; Pampusanna criniger Puch. ib.
p. 118. pl 27. fig. 2. von der Solo-Gruppe; der cruenta congenerisch
nahe; Chalcophaps Slephani Puch. ib. p. 119. pl. 28. fig. 2. von Neu-
guinea und den Salomon- Inseln ,• Trugon terreslris Homb. Jacq. ib.
p. 123. p. 28. fig. 1. von Neuguinea, eine sehr merkwürdige neue Form.
\f. Oallinae.
Neue Arten: Francolinus yemensis Nicholson : Ann. and Mag.
p. 422. Arabien. — Orlyx texanus Lawrence: Ann. Lyc. of Newy. VI.
April 1853. Steht virginianus zunächst. — Megapodius Cumingii\)\\\yfY^:
Ann. p.469; Philippinen, Insel Labuan. Ausführlich über die Lebens-
weise: legt ungeheuer grosse Eier. — Tetrao urogalloides v. Middend.
1. c. p. l95. Sicher eine gute Art; Stanovoi-Gebirge der Mandschurei.
— Tetrao canadensis var. Franclinii Dougl. ebendaher: ib. p. 202.
Nur sehr geringe Unterschiede vom nordamerikanischen.
Anderson sammelte in der Damaragegend Südwestafrika's
Francolinus gariepcnsis, Fr. SwainsoniiSm.y Plerocles tariegatus Bmch.
Turnix lepurana Sm. und Pier, bicinctus Te»\m. lieber die Unter-
schiede dieser seltenen Art von Pter. ^t/adncmc/t/s ausführlicher : Jard.
Contrib. V. p. 157. Auch eine dunklere Varietät unserer Wachtel
wurde dort beobachtet.
Dr. A. Hellmann: „Ueber das Zungenorgan des Auerhahn's."
Naum. p.l39.
Ueber Lagopus albus Gm. und alpinus Nils, schreibt sehr be-
achtenswerlh v. Middendorf 1. c. p. 191.
Archiv, f. Nftturgescl». XX Jahrg 2. Bd. E
66 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Treffliche Abbildungen nebst ausführlichen Mittheilungen
über die Lebensweise und geographische Verbreitung von Cyrlonya'
Massena, Callipepla Gambelli und C. squamala giebt Cassin in seinen
„Iliuslrations of the Birds of Californica elc." Wir lernen hier unter
Anderem, dass Don Pablo de la LIavve in dem wissenschaftlichen Jour-
nale „Regislro trimeslre ö colleccion de Memorias de bist, literat. etc.
vol. L p. 145 (Mexico 1832) drei neue hühnerartige Vögel beschrieb:
Telrao marmorata (Ortyx macroura Jard.), T. crislata (ist Callip. squa-
mala) und T. gullala (ist C. Massena). Letztere Art bewohnt die öde-
sten Felsenparthien zwischen dem Rio grande und dem Pecos.
Dr. He er mann spricht in seinen „Notes on the Birds of Cali-
fornia" über Ortyx californica und 0. picta Dougl. (S. 271), Wood-
house in Sitgreave's „Report" über Cyrtonyx Massena, Callip. squa~
mala, C. elegans Less. und C. Gambelli p. 94, 95., Tetrao obscurus
ist in den Gebirgen von St. Fe in INeumexico nicht selten.
Die Puter vom Rio Gila sollen sich, wie Woodhouse be-
richtet wurde, von denen der östlicheren Gegenden wesentlich unter-
scheiden, namentlich durch viel mehr Weiss im Gefieder. Die in der
Kähe der Kupferminen Neumexico's gefundenen sind von ungewöhn-
licher Grösse.
C. L. Martin „The poultry yard" new edit. Lond. 12. — G.
Wingfield and G. W. John söhn „The poultry book, comprising
the characters, management, breeding and medical treatment of poul-
try with illuslr. Part. 1. Lond. 4.
J. Rogers a complete dictionary for the proper treatment of
domestic poultry etc. Lond. 12.
Routledge Illustraled book of poultry. 8.
F e r g u s 0 n's illustraled book of poultry ed. by J. ßarnett. Lond. 8.
Tl. IStrutliioiies.
Otidinae. Yarrell über den Kehlsack der männlichen Olis
tarda : Transact. Linn. Soc. Edwards beschreibt ihn genau.
Olis rußcrisla Sm. wurde von Anderson in der Damaragegend
angetroffen, 1. c.
TU. Orallae.
Cliaradridae. Neu scheinen zu sein : Charadrius damaren^
m Sclat. Contrib. V. p. 158. — Ch. pallidus Sei. ib p. 158. Damara.
Man findet ebendaselbst eine gute Beschreibung von Ch. niti-
frohs Less. p. 159.
Ueber Ch. mongolicus vergl. v. Middend. 1. c. p. 212.
Ein Cursorius isabellinus in Mecklenburg erlegt: Gab. Journ. L
p. 67.
der Vögel während des Jahres 1853. 67
Fluvianellus sociabilis (Hornbr. et Jacq.) Pucher. Zool. Voy. P.
S. III. p. 125. All. pl. 30. fig. 1. Merkwürdige neue Form. Lebt in
zahlreichen Schaaren an den Ufern der Alagelhaenstrasse.
Ardeidae* Neu ist: Eurypyga major nob. Coluinbien. Cab.
Journ. I. p. 37.
Sehr interessante Beobachtungen über Ibis religiosa Cüv. ver-
öffentlicht A. Brehni in Caban. Journ. I. p. 141. Er hatte den Vo-
gel in der Freiheit so wie in der Gefangenschaft häufig zu beobach-
ten Gelegenheit gehabt.
Der erste Band der „Abhandlungen der nalurf. Gesellschaft zu
Halle" enthält mehrere treffliche Abhandlungen über Dicholophus cri-
slatus und zwar 1) „Beiträge zur Naturgeschichte des Seriama von H.
Burmeister": Lebensweise, Osteologie, Splanchnologie mit schönen
Abbildungen auf Taf. 1 und 2; 2) Vergleich des Skeletes von D. cri-
stalus mit dem Skelettypus der Raubvögel, Trappen, Hühner und Was-
serhühner p. 53. keine entschiedene Aehnlichkeit mit irgend einer Fa-
milie der Vögel ; 3) „Eingeweidewürmer des D. cristatus" von Dr.
Creplin p. 59.
Ueber Sphenorhynchus Abdimii macht Vierthaler in der Nau-
mannia anziehende Mittheilungen bekannt. Anderson brachte diesen
Storch aus dem Damaralande: Conlrib. V. 159.
Ardea purpurea in Schonen geschossen : C. Sundevall Öfvers.
p. 123. Vergleichende Messung schwedischer und ungarischer Exemplare.
Ganz gute Abbildungen des Balaeniceps rex findet man bei Le
Maout und in Chenu und Desmurs' Encyclopedie.
Wenn es noch weiterer Bestätigung bedürfte, dass Grus americana
und Gr. canadensis zwei verschiedene Arten sind, so könnte
man dieselbe auch in Sitgreave's „Report" finden, wo Dr. Woodhouse
sich sehr entschieden dafür ausspricht. Letztere Art war am Colorado
gemein.
Ibis guarauna L. (T. chalcopterus Teram.) wurde von Dr. Wood-
house am Rio Zoquete in Westtexas erlegt.
Scolopacidae. Neue Arten; Numenius occidentalis W^oodh.
Proc. Ac. Philad.VI. p. 194 und Sitgr. Rep. p. 98. Rio Grande in Neu-
mexico. — Scolopax speclabilis nob. Naumannia 1853. Valdivia in Süd-
chile. — Tringa subminuta v. Middend. 1. c. p. 222. Weslabhang des
St anovoigebirges.
V. Middend orf über Tolanus puherulentus MüU. (glareola Pall.)
1. e. p. 214. — Ebcnd. über Terekia cinerea und deren Vorkommen
in grossen Schaaren an der Südküste des ocholskischen Meeres : ib.
p. 217. — Auch Tringa crassirosiris Temm, und Schleg. wurde dort
angetroffen.
Tringoides barlramia wurde in ungeheuren Schaaren auf den ab-
6s Hart laub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gebrannten Frairien am Arkansas beobachtet ; diese Vögel nährten sich
dort von den halbverbrannten Grasspringern und w^aren sehr fett: Hep.
Capt. Sitgr. p. 100.
Ralladae. Graf C. Wodz iclii „Einige Worte gewissenhafter
Beobachtung über die Forlpflanzung des ÜöZ/ms aquaticus: Kaum, p. 267.
Eine prachtvolle Abbildung des Kopfes von Notornis Manlelli
geben die lllustr. Proceed. Zool. Soc. of London Av. pl. 21.
Till. An§eres.
Anatidae« Unter dem I\amen Anas intermedia beschreibt
Jaubert einen Bastard von A. ferina und A. nyroca: Rev. p. 119.
Scheint Fuligula Homeyeri zu sein.
J. F. Naumann „Ueber den Schnabelunlerschied von ylnser «r-
vensis und Anser segetum'' Naumania 1853. p. 1. mit erläut. Abbild.
auf Tafel 1.
„Zur Verfärbung des Gefieders, namentlich bei Anas nigra" von
L. AI artin: Cab. Journ. p. 208; bestätigend für Schlegel's Ansichten.
Dr. Kjärbölling: „Vtber Clangula mergoides' (einen Bastard,
Ref.) : Naum. p. 327.
Der schwarze Schwan, dessen Labouysse als im Innern der
Provinz Constantine vorkommend gedenkt, ist ohne Zweifel Anser
gambensis.
C. Sundevall: „über ein Exemplar von Fuligula mariloides"
unfern der Küste Kamlschatka's geschossen; Öfvers. 1851. p. 279.
Mergus auslralis Hombr. et Jacq. von den Auklandsinseln, wird
von Pucheran beschrieben: Zool. Voy. Fol Sud vol. Hl. p. 152.
V. Middendorf's Arbeit über die von ihm beobachteten Vögel
Sibiriens enthält sehr wichtige Beiträge zu unserer Kenntniss der selt-
neren Anatiden dieser Gegenden : Anser grandis Fall. *Ein Exemplar
dieses „fast verschollenen« Vogels wurde auf der Boganida erlegt ; —
Anser ruficollis F. ib. p. 229 ; brütete an der Boganida; — Anas glo-
citans und A. falcala ib. p. 230. Beide Arten nisten häufig im Stano-
voi-Gebirge ; — Anas Stelleri brütet am Taimyrfluss.
Plerocyanea caeruleala Licht. , eine an den Ufern der Magel-
haensstrasse nicht seltene Ente, kömmt zugleich sehr häufig vor im
westlichen Texas, in Keumexico und Californien: Sitgr. Rep. p. 103.
Nyroca brunnea Eylon Älonogr. pl. 23 sammelte Anderson in der
Damaragegend.
Abbild. Anser nigricans Lawr. in Cass. lllustr. pl. 10. — Pier,
caeruleala Licht, ib. pl. 15.
Colyinltidae« Ref. über Podilymbus antarcticus Less. Ref.
Vög. um Valdivia, Naumannia. — Podiceps minor, Damaragegend. An-
derson 1, c.
der Vögel während des Jahres 1853. 69
jlilcidae« Ch. L. Bon aparte „ün the^largesl Known spe-
cies of Fhaltridine Hird: Sagmatorhina Lalhami Ann. and Mag. p. 278
und Illiislr. Proceed. Zool. Soc. c. dg. opt. (noch nicht im Buchhan-
del). Ist Latham's ,. Labrador Auk. Long. tot. 16." „Supra nigricans,
subtus albo-fuliginosa, rostro et pedibus rubria cera palmisque nigris"
Nordwestküsle Amerika's. Ein Exemplar im brittischen Museo.
Uria carbo nistet häufig in den Felsenspallen der in der Nähe
der Südküste des ocholskischen Meeres gelegenen Inseln : v. Middend,
]. c. p. 239.
JJasyrhamphus adclia (Hombr. Jacq.) Pucher. p. 155. Atl. pl. 33.
fig. 1. (= Aptenodyles longicauda Feale) Antarktisches Eis. — Pygo-
scelis anlipodes (H. J.) Pucher. ib. p. 156. pl. 33. fig. 2. (A. flavilarvala
Peale) Auklandsinseln.
Procellaridae. Neu: Thalassidroma tethys Bonap. Galopa-
gos-Inseln. Cab. Journ. I. p. 47. Kleiner wie pelagica.
Yarrell: j,Ueber ein Exemplar von Puffinus obscurus in Irland
geschossen. Nach ihm wäre P. assimilis Gould's dieselbe Art: The
Zoologisl.
„Remarques sur quelques points de l'Anatomie et de la
Physiologie des Procellarides et essai d'une nouvelle Classi-
fication de ces oiseaux, par Mss, Hombron et Jacquinol** mit-
getheilt von Pucheran im dritten Bande der Zoologie du
voy. au Pol Sud. Atl. pl. 32. Wir könneu uns nicht versa-
gen, den Inhalt dieses höchst interessanten ausführlichen Me-
moires in etwas näher zu bezeichnen.
Bezüglich der Lebensweise der Sturmvögel werden einige sehr
allgemein geglaubte Angaben früherer Reisender als irrthümlich
nachgewiesen, so z. ß. die Lesson's so wie Quoy und Gaimard's, dass
die Sturmvögel den Schiffen folgten , um im aufgewühlten Kielwasser
Mollusken und kleine Crustaceen zu fischen." Es geschehe dies viel-
mehr ausschliesslich, um des Abfalls vom Schiffe habhaft zu werden.
Jacquinot theilt die Procellariden in drei Hauplablheilungen. Die erste
derselben umfasst die Gattungen Diomedea, Puffinus und Thalassidroma
Kinnladenränder mit einer Kinne, welche gleichsam jeden dersel-
ben doppelt erscheinen lässt, indem sie ihn in zwei schneidendscharfe
Lamellen theilt; Zunge klein lanzettförmig, vorne und seitlich gezahnt:
2) Prion (mit den Untergattungen Prion, Daption , Fulmarus , Ossi-
fraga und Priocella): Ränder der oberen Kinnlade mit zahlreichen
Querlamellen besetzt; Zunge gross, dick, nur an der Spitze frei; 3)
Procellaria mit zwei Gruppen : Kinnladenränder einfach, schneidend;
Zunge mittcigross. — Sehr eigenthümlich sind die Ansichten Jacqui-
nofs über die Gattung Halodroma 111. {Procellaria vrinatrix Gm.). Die*
70 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
ser Vogel könne trotz seiner Schnabelbildung den Sturmvögeln nicht
beigezählt werden. Sein eminentes Tauchvermögen und die sehr kur-
zen zum Fliegen kaum geeigneten Flügel schlössen jede Annährung
an die Familie der „Longipennes" Cüvier's aus. Jacquinot möchte ihn
im Systeme neben Älergulus alle gesetzt wissen, welchen er in der
südlichen Hemisphäre zu repräscntiren scheine. Pr. urinalrix Gm.,
Tr. Berardi Q. G. und Puffinuria Garnoti Less. seien übrigens eine
und dieselbe Art. (? Ref.). — Der schwächere Theil dieser Arbeit ist
der die geographische Verbreitung umfassende. Wenn, wie höchst
wahrscheinlich ist, Proc. antarclica und nivea auch im Winter das Eis
der höchsten antarclischen Regionen nicht verlassen , so würde ihr
Leben die grössere Hälfte des Jahres inndurch ein ganz nächtliches
sein u. s. w.
liaridae. Neu könnten sein : Sternula balaenarum Slrickl.
Contrib. V. p. 160. Damaragegend. — Slerna Pikei Lawr. Ann. Lyc.
Newy. April 1353. Californien.
Bonaparte gab in Wiesbaden eine Liste der ihm bekannten
58 Mövenarten, welche er in folgende natürliche Gruppen verthei-
len möchte: Gabianus 1 Art, Larus 15, Gelöstes^, Rodostelhia 1, Pa-
gophila Kaup 2, Leucophaeus 2 , Blasipus 2, Adelarus 3, Xema 20,
Rissa 3 Arten.
„Monographische Uebersicht der Gattung Larus L." von Notar
Dr. Bruch: Gab. Journ. p. 96 mit sehr zahlreichen Kopfzeichnungen
der meisten Arten auf Tafel 2 und 3. In dieser vortrelflichen Arbeit,
einer Frucht vieljähriger Beschäftigung mit einem Lieblingsgegenstande,
gab Bruch die Diagnosen von 62 Mövenarten, die er fast sämmllich
selbst zu studieren Gelegenheit hatte. Die Gattung Larus zerfällt nach
ihm in zwölf Untergattungen: l) Gab ianus Bp. 1 (pacificus Lath.),
2) D ominicanus 8 (marinus), 3) Glaucus 15 (leucoplerus), 4)
Gavia 5 (gelastes Licht.) , 5) Rissa 3, 6) Xema 2 (Sabini und fur-
catus Less), 7) Croicocephalus Eyton (ichlhyaelos Fall.) , 8) Pa-
gophila K. 2 (eburneus), 9) Rhodoslelhia Macg. 1, \0 Adela-
rus Bp. (leucophlhalmus Licht.), 11) Blasipus B. 1 (Bridgesii Fr.),
12) Leucophaeus Bp. 1 (haematorhynchus King). — Neu sind unter
den von Bruch angenommenen Arten : L. vetula , Mus Par. Lap; Glau-
cus glaucoplerus Killl. Kamtschatka; Gl. glaucescens Licht. Nordwest-
america; Gl. Michahellesil ßr. Dalmation und nördl. Afrika; Gl. borea-
lis Brandt. INördl. Asien. — Gavia Hartlaubii Br. Cap und indische
Küsten ; G. Andcrsonii Br. Neuseeland ; G. pomare Br. Gesellschafts-
inseln ; Rissa brevirostris Brandt, Nordwestküste Amerika's; Chroicoc.
personalus ^alt. Tropisch. Amerika; C. Schimperi Bonap. Neuseeland;
C. KiUiUii Br. Chile; C. subuliroslris Bp. Kordamerica.
Ueber eine var. maj. des Larus canus vom Westabhange des
der Vögel während der Jahres 1853. 71
Slanovoigebirges, vergl. v. Middendorf 1. c. p. 243. — Ebendas. über
Xema Sabini p. 244. Diese merkwürdige Ari wurde nördlich vorn 74o
auf den kleinen Alluvialinseln des Taimyrflusses und an den Laclien der
Tundra brütend angelrofTen, zusammen mit Sterna macroura. — lieber
Sterna longipennis Nordm. ib. p. 246. Im Slanovoigebirge und längs der
Südküste des oehotskischen Meeres die einzige Art.
Abbild. Latus Heertna.ini Cass. Illustr. pl. 5. p. 28.
Lftrus phaeocephahis Sw. fand Anderson in der Damaragegend :
Contrib. V. 160.
„Henry Burquet La petite mouelte du jardin des plantes de
Paris" Bordeaux 8. 48 S. Kennen wir nicht.
Pelecanidae. Die Naturforscher der Stansburg'schen Expe-
dilio nach Utah sliessen auf Gunnison's Island im grossen Salzsee auf
einen stark besetzten ßrulplalz von Pelecanus trachtjrhynchus. Hier
stand Nest an Nest, untermischt mit denen einer iVIövenart. Die Eier
sind rein weiss und elwäs grösser wie Gänseeier. Viel Hübsches über
die Lebensweis dieses Pelican: Howard Stansbury Explorat. and sur-
vey ot the Valley etc. p. 179 mit einer diese Scene anschaulich er-
läuternden Kupfertafel.
Phalacrocorax glaucus (Hombr. Jacq.) Pucher. p. 227. pl. 31. fig. 1.
scheint der jüngere Vogel von P. chalconotos üray's zu sein.
V
^^
Bericht über die lieistuiig^en in der IVa-
turg^es Chi eilte der Crustaceeii , .%racliiii-
den und Iflyriapodeii während des Jaiires
1959 und 1S53.
Von
Dr* A» Oerstaecker
in ßerlin.
Crustacea.
Ueber die Augen der blinden Crustaceen hat Newp ort
in den Transacl. of the Linn. soc. Vol. XXI. p. 164 interes-
sante Beobachtungen mitgelheilt.
Der Verf. hat vorzüglich die Augen des in der Mammuthhöhle
lebenden Astacus pellucidus Tellk. einer genaueren Untersuchung un-
terworfen. Dieselben liegen unter dem Slirntheile der Schale versteckt,
und haben kurze, kegelförmige Augenstiele von geringem Bewegungs-
vermögen. Die Cornea ist sehr klein, und viel dünner und durchsich-
tiger als gewöhnlich ; ihre Oberfläche ist in undeutliche Facetten ge-
theilt. Der Choroidea fehlt das Pigment. Ein feiner, aber deutlicher
Nervus opticus geht aus dem Kopfganglion zu jedem Auge.
Gottsche, Beitrag zur Anatomie und Physiologie des
Auges der Krebse in Müller's Archiv für Anat. u. Physiol.
Jahrg. 1852. p.483.
Die Arten, welche der Verf. zu seinen Untersuchungen verwandt
hat, sind Astacus fluviatilis, Homarus vulgaris, Galalhea strigosa, Cran-
gon vulgaris, Dorippe lanata und Squilla mantis. Die Facetlen der
Cornea sind oft viereckig und zeigen auf ihrer Aussenfläche eine mitt-
lere Verliefung. Jeder Facette entspricht ein prismalischer Crystallkör-
per, welcher mit der hinleren Schicht der Cornea durch eine eiweiss-
Gerstaecker: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgesch. d. Crust. 73
artige Masse verbunden ist, die sich auch noch tief zwischen die Cry-
stallkörper herabsenkt ; zuweilen endigt der Crystallkörper in vier I3uk-
keln (Palaemon) , am vorderen Ende zeigt er stets eine Verliefung.
PJach hinten verengen sich die Crystallkörper in einen dünnen Stiel,
welchem von der Retina aus ein anderer Stiel (fälschlich von den frü-
heren Beobachtern als Sehnervenfaser bezeichnet) entgegenkommt und
sich vielleicht mit jenem vereinigt. Diese Stiele sind von einer schlauch-
artigen Kapsel umgeben , so dass sie von einander isolirt sind. Die
Basis dieser Kapseln ist in Falten gelegt, und da wo sie an die Retina
grenzen, mit einer schwarzen Pigmentlage bekleidet. Die Retina er-
hebt sich zuweilen (Homarus) reihenweise in Papillen, von denen jede
einem einzelnen Augensysteme entspricht. Ueber die Körnerschicht der
Retina breitet sich der Sehnerv in vielfachen Verschlingungen aus.
H. Gosse theilt eine interessante Beobachtung über die
Häutung der Maja squinado mit. „On the sloughing of the
Spider- Crab.^^ (Ann. and magaz. of nat. bist. Vol. X. 1852.
p. 210.)
Von W. Thompson findet sich im Zoologist XI. pag.
3765 die Beschreibung des Jugendzustandes von Homarus
vulgaris.
Der Verf. erhielt ein in der Weymouth- Bay gefangenes junges
Exemplar, von ungefähr 9 Linien Länge. Die genaue Beschreibung,
weiche sich besonders auf die Grössenverhältnisse der einzelnen Theile
zu einander bezieht, bestätigt die schon an der Entwickelungsgeschichte
des Astacus fluviatilis gemachte Erfahrung, dass die Macrouren in den
ersten Stadien ihrer Entwickelung bei weitem geringere Form - Unter-
schiede darbieten, als die Brachyuren, bei denen das Junge bekanntlich
oft eine völlig verschiedene Körperform zeigt.
Zur Entwickelungsgeschichte der niederen Krebsformen
lieferte Grube einen sehr werlhvollen Beitrag im 19ten Jahr-
gange dieses Archivs p. 70 („Bemerkungen über die Phyllo-
poden, nebst einer Uebersicht ihrer Gallungen und Arten").
Der Verf. hat sehr umfassende Untersuchungen über die Entwik-
kelung der Gattung Limnelis angestellt, durch welche die früheren Be-
obachtungen von Lievin und Loven bestätigt und erweitert werden.
Die ersten Lebensperioden, nämlich die Entwickelung des Eies und die
ersten Zustände nach dem Ausschlüpfen blieben dem Verf. zwar noch
unbekannt; doch ist der Larvenzustand , in welchem sich das Thier
durch zwei giosse seitliche Hörner am Kopfe auszeichnet, und während
dessen die Entwickelung der RumpfTüese stattfindet, durch genaue Be-
obachtungen ins Licht gesetzt. Wach der Häutung, die etwa am fünf-
ten Tage nach dem Ausschlüpfen aus dem Ei stattfindet, nimmt das
74 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Thier seine spätere, bleibende Form mit der zweiklappigen Schale an.
Die Untersuchungen sind durch 5 Tafeln erläutert.
Beobachlungen über die Embryonen von Baianus und
Chlhalamus hat M. Schnitze in v. Siebold und Kölliker's
Zeitschr. für wiss. Zool. IV. Band. p. 189 mitgetheilt.
Die Embryonen werden, während einer Pause, die in dem Spiele
der Cirrhen eintritt, aus der üefTnung des Mantels neben der Mund-
Öffnung mit Gewalt und schaarenweise ausgestossen , und schwimmen
sopleich mit grosser Lebhaftigkeit im Wasser herum. Während eines
Zeitraumes von vier Wochen erlitten sie nicht die geringste Verände-
rung; dann wurden jedoch die Beobachtungen des Verf. durch das Ab-
slerben sämmtlicher Thierchen unterbrochen.
Ueber die Entwickelung des Pentasloma taenioides, wel-
ches neuerdings von van Beneden der Familie der Ler-
naeen zugetheilt wurde, hat Schub ärt in v. Siebold und
Köllikers Zeitschr. f. wiss. Zool. IV. p. 117 eine kurze Mit-
theilung gemacht, und die verschiedenen Stadien des Embryo
auf Taf.7 und 8 abgebildet.
Die anatomischen Verhältnisse derOnisciden hatA. Le-
re boui 11 et in seinem „Memoire sur les Crustaces de la fa-
mille des Cioporlides, qui habitent les environs de Strasbourg"
(abgedruckt aus den Memoires de la societe du Museum d'hi-
stoire naturelle de Strasbourg Tom. IV.) ausführlich behan-
delt und durch schön ausgeführte Tafeln erläutert. Der ana-
tomischen Darstellung folgt eine Aufzählung und ausführli-
che Beschreibung der in der Umgebung Strassburgs vorkom-
menden Asseln.
Bemerkungen über die anatomischen Verhältnisse von
Phyllosoma theilt Gegenbaur in v. Siebold und Kölliker's
Zeitschr. f. wiss. Zoologie V. p. 352 mit.
Der Verf. macht darauf aufmerksam, dass das Gefässsystem von
Phyllosoma , welches sich bei der grossen Durchsichtigkeit des Thieres
sehr genau beobachten lässl, viel weniger mit dem der übrigen Sto-
matopoden als mit dem der Decapoden übereinstimme, und ist daher
der Meinung, dass die Gattung den letzteren zugerechnet werden müsse.
Diese systematische Stellung hat auch Milne Edwards in neuester
Zeit vorgeschlagen. (Siehe Annal. d. scienc. nat. Tom. 18. p. 109).
Eine kurze Notiz von Agassiz über die Struktur der
Mundtheile bei den Crustaceen findet sich in denProceed. of
Ihe Americ. assoc for advanc, of science IV. 1851. p. 122.
der Crustaceen während des J. 1852 u. 1853. 75
W. Thompson hat (Annais and mag-azine of nat. hist.
XH. 1853. p.66) seine Untersuchungen über dieLairhzeit der
Brilisrhen Crustaceen fortgesetzt , und giebt Nachricht über
die neuerdings von ilim beobachteten Arten.
Nach den Angaben des Verfassers siheint die Zeit, wo die Weib-
chen mit reifen Eiern versehen sind , je nach den Gattungen und selbst
nach den Arien sehr zu variiien. So findet sich z. B. Crangon vul-
garis alljährlich vom Januar bis zum Juli mit Eiern behaftet , während
andere Arten von derselben Gattung, wie Cr. fasciatus, spinosus, scul-
ptus und trispinosus , dieselben nur im Monat Juni oder Mai bei sich
tragen. In diese beiden Monate scheint überbaupt die Laichzeil der
meisten Arte» zu fallen, während eine weit geringere Anzahl auf die
Monate März und August kommt.
Eine vortreffliche Abhandlung über die allgemeine Sy-
stematik der Crustaceen verdanken wir Milne Edw^ards
in den Annales des scienc. nat. Tom. XVIIF. (1852) p. 109fr.
„Remarques sur la maniere de caracteriser les groupes zoo-
logiques, et sur les principaux types secondaires, qui derivent
du type classique de l'animal crustace."
Nachdem der Verf. in der Einleitung seine Ansichten über na-
türliche Systeme überhaupt dargelegt hat, geht er auf die Eintheilung
der Gliederthiere und speziell auf die der Arthropoden ein ; unter diesen
will er zwei Haupttypen unterschieden wissen, nämlich den Insecten-
und den Gnathopoden-Typus, welchem letzteren die Crustaceen, Myria-
poden und Arachniden angehören. (Es ist auffallend, dass der Verf.
die Eri chson'sche Abhandlung ,,Ueber zoologische Charaktere der
Insecten, Crustaceen und Arachniden", welcher denselben Gegenstand
in zum Theil entgegengesetztem Sinne behandelt, ganz unbeachtet ge-
lassen hat.) Im Ferneren weist der Verf. auf die Charaktere hin, wel-
che die Crustaceen zu einer Klasse verbinden und verwirft mit Recht
die Ansicht Bl ain vill e's, welcher drei den Insecten und Arachni-
den coordinirte Classen daraus schaffen will. (Erichson stellt be-
kanntlich ebenfalls die Entomostraceen den höheren Krebsen als Classe
gegenüber.) Die Grenzen, welche für die Klasse der Crustaceen auf-
gestellt werden, sind dieselben geblieben, wie sie sich in der Hist. nat.
d. Crust. vorfinden, nur dass jetzt auch die Cirripedien, deren Stellung
dort noch als zweifelhaft bezeichnet wurde, aufgenommen worden
sind. Die Myriapoden, welche Eri chson mit so grosser Entschieden-
heil den Crustaceen unterordnen will, bleiben mit Recht davon ausge-
schlossen und bilden eine eigene Classe. In der so umschriebenen
Classe der Krebsthiere stellt der Verf. vier Haupttypen auf, nämlich
den derPodophthalmeO; derEdriophtbalmen, der Branchiopoden und der
76 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Copepoden. Den ersten vertreten die Decapoden und Slomatopoden,
den zweiten die Amphipoden, Isopoden und Laemodipoden (vielleicht
auch die Pycnogoniden) , den dritten die Trilobiten, Piiyllopoden, Cla-
doceren etc., den vierten endlich die Copepoden, Siphonostomen, Lernaei-
den und Cirrhipedien. — Die Grenzen der Decapoden und Stomalopoden
haben insofern eine Modification erlitten, als die Familien der Caridinen
und Phyllosomen jetzt den ersteren zugelheilt worden sind , so dass
den letzteren nur die Squillen und Erichthinen verbleiben. In der Sy-
stematik der Decapoden hat der Verf. die frühere Eintheilung in ßra-
chyuren , Anomuren und Macrouren beibehalten ; indessen möchten,
nach der Ansicht des Ref., wohl manche von de Haan dagegen er-
hobene Bedenken einer genaueren Prüfung werlh sein.
BelTs j^History of British Crustacea," welche nach einer
Notiz W es twood's (Proceedings of Ihe entomological society
1852. p. 86) mit der Bearbeitung der Mysiden und Squillen
fortgesetzt worden ist, war dem Ref. nicht zugänglich.
C. Spence B ate berichtet über einige Crustaceen, wel-
che von Barlee bei den Shetland's-Inseln gesammelt wor-
den sind und fügt die Beschreibung einer neuen Hippolyte-
Art hinzu (Ann. a. magaz. of nat. bist. Vol. IX. 1852. p. 356).
W e s t w 0 0 d theilt der L i n n e'schen Gesellschaft in Lon-
don mit, dass der in die Familie der Amphipoden gehörige
Niphargus stygius Schiödte, welcher bisher nur in der Adels-
berger Grotte gefunden wurde, neuerdings auch in grosser
Anzahl in England entdeckt worden ist (Annais and magaz.
of nat. bist. Vol. XII. 1853. p.44).
W. Thompson giebt die Beschreibung einiger neuer
britischer Crustaceen, welche der Gattung Hippolyte angehö-
ren (Annais and magaz. of nat. bist. Vol. XII. 1853. p. HO.
Abbildungen auf Taf.VI. fig. 1—4).
Liljeborg gab ein Verzeichniss der bei Kullaberg in
Schweden beobachteten Crustaceen , und fügte die Beschrei-
bung mehrerer neuer Arten hinzu (Öfversigt af Kongl. Ve-
lenskaps-Akad. Förhandl. 1852. p. 1 — 13).
Es werden im Ganzen 33 Arten aufgeführt, von welchen auf die
Decapoden 13, auf die Cumaceen 2, auf die Slomatopoden 2, auf die
Amphipoden 9, auf die Isopoden 4, auf die Lernaeen 1, auf die Py-
cnogoniden 2 Arien kommen. Unter den als neu beschriebenen Arten
ist eine Mysis, die übrigen sind Amphipoden.
F. W. Hope hat nach einer Notiz W estwood s (Pro-
der Cruälaceen während des J. 1852. u. 1853. 77
ceed. of the entomol. soc. 1852. p. 86) einen „Catalogo dei
Crostacei Italiani e di molti allri del Mediterraneo" veröffent-
licht, der dem Ref. nicht zu Händen gekommen ist.
Saussure beschrieb in Guerin-Meneville's Rev.
et Mag. de Zool. Tom. V. 1853. pag. 354 einige neue Cru-
staceen von der Westküste Mexico's, welche sämmtlich den
Decapoden angehören.
Einen Beitrag zur carcinologischen Fauna der Insel Crela
lieferte Lucas in einer Abhandlung, betitelt „Essai sur les
animaux articules, qui habitent l'ile de Crete" (Guerin, Rev.
et Mag. de Zool. Tom.V. 1853. p.46l).
Der Verf. giebt eine Uebersichl der bei Greta gefangenen Krebs-
thlere , welche sich auf 24 Species belaufen; von diesen kommen auf
die Decapoden 18, auf die Amphipoden 3, und auf die Isopoden eben-
falls 3, darunter 1 neue Art von Porcellio. Den aufgeführten Arten
ist eine reichhaltige Synonymie beigefugt.
H. Gosse (Notes on some new or little-known marine
animals) theilt Bemerkungen über mehrere in der Weymouth-
Bay vorkommende Crustaceen, wie Hippolyte Cranchii Leach,
Hipp. Thompsonii Bell, Crangon sculptus Bell, Cr. spinosus
Leach und Cr. trispinosus Haiist. mit und beschreibt einige
dort aufgefundene neue Arten (Annais and magaz. of nat.
bist. Vol. XIL 1853. pag. 153).
Derselbe hat in „A Naturalists sojourn in Jamaica" Be-
obachtungen über die Lebensweise und Eigenlhümlichkeilen
verschiedener Amerikanischer Krebse mitgetheilt (Zoologist XL
p. 3850).
G. Gordon, a list ofthe Crustacean of the Moray-Firth,
giebt eine Aufzählung von etwa 60 in einer Bucht des nörd-
lichen Englands beobachteten Crustaceen, von welchen die
meisten (4i) den Decapoden angehören. Die Bestimmungen
der Arten sind nach BelTs Hislory of British Crustacea ge-
macht.
Eine Vergleichung der Fauna des Adriatischen Meeres
mit derjenigen der Nordsee, welche auch in Betreff der geo-
graphischen Verbreitung der Crustaceen von Interesse ist, hat
Sars „Bemaerkningen over det Adriatiske Havs Fauna sam-
78 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
menlignet med Nordhavets« angestellt (Nyt Magazin for Na-
turvidenskaberne Vil. 1853. p. 367).
J. Dana hat seinen Conspeclus Crustaceorum, quae in
orbis terrarum circumnavigatione etc. , dessen erstere Theile
sich in Silliman's Journal abgedruckt finden, in den Pro-
ceed. of acad. of nat. sclenc. of Philadelphia Vol. V. (1851)
und Vol. VI. (1852) fortgeselzt. Ausserder Beschreibung vie-
ler neuer Arten aus der Familie der Cancroiden (Cyclometopa
Edw.) giebt der Verf. eine systematische Darstellung der
Anomuren und Macrouren, von welcher-, da sie von dem M i 1 n e
E d w^ar ds'schen System in mancher Hinsicht abweicht, wir
bei den einzelnen Familien eine kurze Uebersicht geben
werden.
Eine Uebersicht von in der Baffins-Bay gesammelten
Cruslaceen findet sich in einem Anhang zu Sutherland's
Journal of a voyage in Baftin's Bay and Barrow Straits (Lon-
don, 1852). Die Beschreibungen einiger neuen Enlomostra-
ceen und einer Caprella sind von Baird und White.
Als Nachtrag zum letzten Jahresbericht ist eines wich-
tigen Werkes zu erwähnen, welches schon im Jahre 1850 er-
schienen ist, nämlich M. W. Baird, the natural history of
British Entomoslraca, 8. 364 Seilen, mit 56 lilhographirlen
und colorirlen Tafeln.
Ein mit grosser Sorgfalt gearbeitetes Werk, welches die Katur-
geschichte dieser so schwierigen Thiere nach allen Seiten hin beleuch-
tet; innere Organisation, Entwickelungsgeschichte, Lebensweise und
Systematik sind mit gleicher Genauigkeit behandelt. Wir beschränken
uns hier darauf, eine systematische Uebersicht der Familien und Gat-
tungen zu geben:
A. ßranchiopoda.
I. Phyllopoda.
Fam. 1. Apodidae. Gattung Apus.
Fani. 2. Nebaliadae. Galtung Nebalia.
Fam. 3. Branchiopodidae. Gattungen Chirocephalus, Artemia.
IL Cladocera.
Kam. 1. Dnphniadae. Galtungen Daphnia, Moina , Bosmina, Micro,
thrix, Sida, Daphnella.
Fam. 2. Polyphemidae. Galtungen Polyphemus, Evadne.
Fam. 3. Lynceidae. Gattungen Eurycerus, Chidorus, Camptocerus,
Acroperus, Alona, Pleuroxus, Paracantha.
des Crustaceen während des J. 1852 u. 1853. 79
B. Lophyropoda.
I. Oslracoda.
Fam. Cyprididae. Gallungen Cypiis, Candona, Cythere, Cylhereis, Cy-
pridina.
II. Copepoda.
Fam. 1. Cyclopidae. Gattungen Cyclops, Canlhocamptus, Arpacticus,
Alteutlia.
Fam. 2. Diaptomidae. Gattungen Diaptomus, Temora, Anomalocera.
Fam. 3. Celochilidac. Gattung Ceiochilus.
Ausserdem vorläufig Motodelphys.
C. Poecilopoda.
I. Siphonostomata.
a) Peltocephala.
Argulidae. Gattung Argulus.
Caligidae. Gattungen Caligus , Lepeophtheirus, Chalimus,
Trebius.
Pandaridae. Gattungen Dinemura, Pandarus.
Cecropidae. Gattungen Cecrops, Laemargus.
b) Pachycephala.
Anthosomidae. Gattung Anthosoraa.
Ergasilidae. Gattung Nicothoe.
II. Lernaeadae.
a) Anchorastomacea.
Fam. 1. Chondracanthidae. Gattungen Chondracanlhus, Lernentoma.
b) Anchoracarpacea.
Fam. 2. Lerneopodadae. Gattung Lerneopoda.
Fam. 3. AnchorcUadae. Gattung Anchorella.
c) Anchoraceracea.
Fam. 4. Penellidae. Gattung Lerneonema.
Fam. 5. Lerneoceradae. Gattungen Lerneocera, Lernea.
Brachyura.
Oxyrrliynclia. Spence Bäte macht (Ann. magaz. of nat.
bist. Vol. X. p. 356.) darauf aufmerksam, dass bei dem Weibchen der
Gattung Ebalia der Hinterleib nicht, wie alle Autoren angeben, aus 6,
sondern aus 7 Ringen zusammengesetzt sei; die ersten 6 Ringe sind
nämlich sehr breit und mit einander verschmolzen , der 7le hingegen
sehr schmal und legt sich zwischen die Basis der äusseren Kieferfüsse.
Der Verf. fügt eine Abbildung der Bbalia Pennantii von unten bei.
Als neue Arien wurden beschrieben: von Saussure (Rev. et
Magaz.) Mührax armatus und Olhonia Picteli, beide von Mexico.
80 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Cyclometopa. Dana hat in den Proceed. of acad. nat. sc.
Philad. Vol. VI. 1852. p. 73 eine grosse Anzahl neuer Arten aus die-
ser Gruppe beschrieben:
Cancer magister St. Francisco, gracilis desgl. , Liomera lata Viti-
1ns. , Actaea areolala Balabac , cellulosa Ins. Tutuila , Xanlho nitidus
Viti-Ins., superbus Ins. Raraka, dispar Rio Janeiro, minor Madera, Eu-
xanthus sculplilis Viti - Inseln , nitidus desgl., Xantkodes granosomanus
Samoe, nitidulus Paumotu, notatus Tahiti, Panopaeus laevis ?, Medaeus
ornatus Hawai - Ins. , Etisus deßexus Viti-Ins. , Etisodes frontalis Sulu-
Ins. , caelatus stille Ocean, Z.oz,ymus gemmula Sulu-Ins , laevis Balabac,
Carpilodes tristis Paumotu, Actaeodes areolatus Ins. Raraka, faba Cap-
Verd, bellus S^moe, a//5nts Tahiti, sp ecio sus San\oe, cavipes desgl., spon»
giosus Sulu, Chlorodis monticulosus Tahiti, nudipes Balabac, gracilis
ins. Wakes, cavipes ?, cyf/ierca Tahiti, nebulosus Sulii, laevissimus Ha-
wai-lns., Pilodius pubescens Balabac, nitidus Ins. Tutuila, pugil Halabac,
scafiricM^Ms desgl. , Cyclodius ornatus Sulu, gracilis Samoe, Polydectus
tillosus Ins. Raraka, Galene Hawaiensis Hawai-Ins., dispar Su\u, Piluni-
nus globosus Tahiti, laevimanus Balabac, laevis desgl., calculnsus Ma-
dera, tenellus Sulu , mus Samoe, Actumnus tomentosus Tahiti, obesus
Mani, Eriphia scabricula Sulu, armala Patagonien, Trapezia speciosa
Paumotu, bella desgl., areolata Tahiti, Tetralia nigrifrons Paumotu, ar-
mala Tongatabu, Quadrella coronata Sulu , Lupa pubescens Maui , Am-
philrile speciosa f longispina und vigilans Viti-Ins., Carupa tenuipes
Paumotu, Thalamita ititegra desgl., spinimana Viti-Ins., crassimana
desgl., Charybdis orientalis Philippinen, affinis Singapore, Lissocarcinus
orbiculatus Viti-Ins., Platyonychus purpureus Valparaiso, Trichocera
oregonensis Oregon, Gomeza serrata Patagonien.
Saussure beschrieb (loc. cit.) ausserdem als neu; Ozius Ver-
reauxii aus Mexico.
Catometopa. Eine monographische Uebersicht der Fa-
milie der Ocypodiden gab Milne Edwards in den Anna-
les des scienc. nat. Tom. XVIII. (1852) und Tom. XX. (1853).
In der Einleitung verwirft der Verf. die Ansicht de Haan's,
welcher die Ocypodiden mit den Canceriden zu einer Familie verei-
nigt wissen will, und setzt die Charaktere auseinander, welche die
Familienrechte der ersteren begründen sollen. Es ist durchaus nicht
zu verkennen, dass die Ocypodiden eine gut begrenzte Familie abge-
ben ; nichts desto weniger scheinen die Hinweisungen de Haan's
über die Verwandtschaft mehrerer Gattungen mit den Canceriden dem
Ref. einer genaueren Beachtung werth. Dies gilt vorzüglich von den
Thelphusinen , welche nicht nur durch den äusseren Habitus, sondern
auch durch die Bildung der Mundtheile, des Slernums und den Sitz
der männlichen Geschlechtsöffnungen sich den Canceriden enger an.«
der Crustaceen während des J. 1852. u. 1853. 81
reihen und mit der Gruppe der Eriphinen die grösste Analogie zei-
gen. — Da die Familie in der vorliegenden Beaibeilung "Nvesenlliche
Umänderungen und Bereicherungen gegen die in der Hisl. nal. d. Crust.
desselben Verf. erfahren hat, so geben wir hier eine kurze Uebersicht
derselben :
I. Ocypodinae.
A. Ocypodiaceae.
Gattungen: 1. ücypode Fabr. 2. GelasimusLalr. 3. Acanthoplax
nov. gen., von Gelasinius durch eine Reihe starker, dornarliger Höcker
auf der Kiemengegend der Schale unterschieden. 4. Dolo de Haan.
5. Scopimera de Haan. 6. Heloecius Dana.
B. Gonoplaceae.
Gattungen: 1. Macrophlhalmus Lalr. 2. E upl ax nov. gen. Schale
fast so lang als breit; Augenstiele die Breite der Stirn wenig an Länge
übertreffend ; Scheeren bei beiden Geschlechtern kurz. 3. Cleistosloma
de Haan. 4. Brachynolus de Haan. 5. Metaplax nov. gen. Aeus-
sere Kieferfüsse stark klaffend, zweites Glied viel länger als breil, nach
hinten verschmälert; Stirn breit und geneigt; Scheeren lang und kräf-
tig; Füsse schlank, ihr letztes Glied flachgedrückt. 6. Gonoplax l.each,
7. Ommatocarcinus White. 8. Prion oplax nov. gen. Stirn geneigt
und weit hervortretend; untere Augenhöhlenloppen stark entwickelt;
Gesichtsgegend viel schmäler als die Schale, Lebergegenden stark ent-
wickelt ; Seilenrand der Schale mit einer Reihe starker Zahne be-
waffnet ; Scheeren kräftig und viel kürzer als bei Gonoplax.
JI. C a r cinopl acea e.
Gattungen: 1. Pseudorhombila Edw. 2. Carcinoplax Edw. (Cur-
tonotus de Haan.)
HL Grapsinae.
A. Grapsaceae.
Galtungen: 1. Goniopsis de Haan. 2. M etopograp su s , nov.
gen. Stirn sehr breit und sich mit dem inneren unteren Augenhöhlenlappen
so vereinigend, dass die Füblergeissel ganz von der Orbita ausgeschlos-
sen bleibt ; zweites Glied der äusseren Kieferfüsse so lang als breit.
3. Grapsus sens. strict. Stirn sich mit dem inneren unteren Augen-
höhlenlappen so vereinigend, dass ein Spalt zum Einlegen der Fübler-
geissel bleibt ; zweites Glied der äusseren Kieferfüsse verlängert. 4.
Lepto g rapsus nov. gen. Stirn sehr breit, sich aber nicht mit dem
inneren unteren Augenhöhlenlappen vereinigend; zweites Glied der
äusseren Kieferfüsse breiter als lang. 5. Nautilograpsus Edw. 6. ß«-
chirograpsus nov. gen. Innerer unterer Augenhöhlenlappen rudi-
mentär; Füblergeissel frei im Innenwinkel der Augenhöhlen; äussere
Kieferfüsse einander genähert, zweites Glied breiter als lang, der Palpe
am Innenwinkel desselben entspringend.
Archiv f. Naturgesch. XX. Jabrg. 2. Bd. F
82 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leislungen^in d. Naturgeschichte
B. Varunaceae.
Gattungen: l. VarunaEdw. 2. Eriocheir deHaan. 3. Utica White*
C. Plagusiaceae.
Gattungen: 1. Plagusia Edw. 2. Acanthopus de Haan.
D. Sesarmaceae.
Gattungen: 1. Sesarma Edw. (Paehysoma de Haan). 2. Holo-
metopus nov. gen. Alagengegend nach vorn durch einen geraden,
ungelheilten Rand begrenzt ; letztes Fussglied etwas zusammengedrückt.
3. Metase sarma nov. gen. Unterscheidet sich von den übrigen
Galtungen dieser Gruppe dadurch, dass die Antennen ganz von der Au-
genhöhle ausgeschlossen sind. 4. ßl e tagrapsus nov. gen. Zweites
Glied der äusseren Kieferfüsse fast kreisrund. 5. Heiice de Haan.
E. ^Cyclograpsaceae.
Gattungen: 1. Pseudograpsus Edw. 2. Heterograpsus Luc. 3.
Paragr ap sus nov. gen. Seitenränder der Schale gelappt oder mit
Zähnen besetzt; äussere Kieferfüsse klaffend, zweites Glied fast so breit
wie lang und länger als das erste; Augenhöhlen und Fösse wie bei
Cyclograpsus. 4. Cyclograpsus Edw. 5. Plalynolus de Haan. 6. Chas-
magnathus de Haan.
F. Gecarcinaceac.
Gattungen: 1. Gecarcinus Edw. 2. Pelocarcinus Edw. 3. Car-
disoma Edw. 4. Gecarcinucus Edw. 5. Uca Edw.
IV. Th elp husinae.
A. Bosciaceae.
Gattungen: 1. Boscia Edw. 2. Po tamo car cinus nov. gen.
Von boscia durch die Stirn unterschieden , deren obere Leiste viel
stärker hervortritt als die untere ; Schale schmäler, am Rande mit star-
ken Dornen.
B. Thelphusaceae.
Galtungen: 1. Thelphusa Edw. 2. Par athclp hiis a nov. gen.
Stirn wagerecht und weit hervortretend; Schale fast so lang als breit,
mit drei oder vier Zähnen am Seitenrand ; Kiemengegenden schwach
entwickelt.
C. Trichodactylaceae.
Gattungen : 1. Trichodactylus Edw. 2. Valdivia White. 3. Or-
thostoma Rand. (?}. 4. Sylviocar cinus nov. gen, Hintere Füsse
flachgedrückt, mit schmalem aber blallförmigem Endgliede. Schale an
den Seilen gezähnt. 5. Dilo car cinus nov. gen. Alle Füsse flach-
gedrückt, mit blattförmigem, innen gefranzten Endgliede; Schale wie
beim vorigen.
V. Pinno ther i n ae,
Gallungen: 1. Pinnolhercs Latr. 2.0stracolheres nov. gen.
der Cruslaceen während des J. 1852 ii. 1853. 83
Kieferfüsse mit zweigliedrigem Palpus. 3. Pinnixa White. 4. Xeno-
phthalmus White. 5. Xanthasia White. 6. Fabia Dana. 7. Pinnothe-
rella Luc.
VI. Hy m e n OS ominae.
Gattungen: 1. HymenosomaEdw. 2. Halicarcious White. 3. Eia.
niene Edw. 4. Trig onop lax nov. gen. Schale fast dreieckig, Mund-
höhle vorn geschlossen, ohere Mundgegend gross, länger als breit j
Rüssel gross, zugespitzt, sich unmittelbar in die Stirn fortsetzend ; Füsse
lang und dünn.
Die grosse Anzahl neuer Arten, welche vom Verf. beschrieben
werden, machen wir hier nicht einzeln namhaft.
Dana weist (Silliman's Americ. Journal XIII. 1852. p. 123.) nach,
dass die Galtung Orthosloma Randell nicht zu den Gecarciniden, wohin
dieser sie gestellt hat, sondern zu den Telphusinen gehöre. Sie stimmt
mit den letzleren durch die Lage der männlichen Bulhe so wie durch
die Bildung der Maxillarfüsse überein, und ist zunächst mit den Gat-
tungen Polamia und Trichodactylus verwandt.
Aus der Gruppe der Ocypodinen wurde ferner als neu beschrie-
ben: Von Saussure ( Rev. et Magaz.) Gecarcinus quadralus aus
Mexico.
Oxystomata* Saussure (ebendas.) beschrieb als neu: Ca-
lappa concexa und Guaja Jurinei aus Mexico.
Dana, On the Classification of the Crustacea Corystoi-
dea CSilliman's Amerian Journal of sience and arls. Vol.
XIU. 1852. p. 119 ff.)
Der Verf. theill die Gruppe der Corystiden, welche nach ihm ein
Verbindungsglied zwischen den Canceriden und Hippiden abgiebt, in
drei Familien.
Farn, 1. Trichoceridae. Carapax forma Cancroideus, fronte non
rostratus. Anteniiac internae longiludinales , externae breves, flagello
parce piloso. Maxillipedes externi super episloma non produti , sed
margine areae buccalis bene adaptati. Gatlung Trichocera de Haan.
Farn. 2. Thiidae. Carapax suborbicularis_, non oblongus, fronte
non rostratus. Antennae internae transversae vel obliquae , externae
breves , flagello parce piloso. Maxillipedes externi super episloma
producti.
Gattungen: 1. Thia Leach. 2. Kraussia nov. gen. „Carapax
paullo transversus , margine postero-laterali brevi, fronte denticulato,
medio emarginato. Antennae internae obliquae. Pedes 8 postici nata-
torii, tarso falciformi. Articulus maxillipedis externi 3. vix oblongus. <<
Fam. 3. Corystidae. Carapax sive orbicularis sive multum an-
gustus, fronte plus minusve rostralo. ölaxillipedes externi super epi-
Stoma producti.
84 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Gattungen: a) Ohne Schwimmfüsse: 1. Telmessus White. 2. Ale-
lecyclus Leach. 3. Peltarion Hombr. Jacq. 4. Pseudocorysles Edw. 5.
Gomeza Gray. C. Peidia de Haan. 7. Corystes Latr. b) Hintere Küsse
Schwimmfüsse : 8. Dicera de Haan.
Anomura.
Dana, Conspeclus Crustaceorum elc. — Paguridea (Pro-
ceedings Acad. nat. sc. Philad. 1851. p. 267. Silliinan's
Journal XlII. 1852. p. 121.)
Der Verf. tlieilt die Paguriden in zwei Familien, nämlich in die
Paguridae sens. slrict. und die Cenobilidae.
Familie 1. Paguridae. Antennae inlernae mediocres, arliculo l.
brevissimo. Maxillipedis externi palpus flagello multiarticulato inslru-
clus. Species aquaticae vel litloreae.
a) Abdomen asymmetricum : (Pagurinae).
* Digiti acuminati. Flagellum antennarum internarum saepe plus
minusve pilosum.
Galtungen: 1) Pagurisles. „Pedes 4. non subcheliformes, tarso
terminali , 2 — 4 appendicibus pone pedum posticorum bases insruclus.
Basis antennarum internarum paullo longior, apice articuli 2. extremi-
tatem oculorum fere attingente." 2) Diogenes. „Pedes 4. subchelifor-
mes, pedes l. inaequi, sinister maior. Annulum ophthalmicum rostri-
ferum. Appendicibus pone pedum posticorum bases carens.« 3) Bern-
hardus. „Pedes 4. subcheliformes, 1. interdum subaequales, saepius
dexter maior. Annulum ophthalmicum non rostriferum. Appendicibus
articulatis pone pedum posticorum bases carens.
^h;- Digiti instar cochlearis excavati. Flagellum antennarum in-
ternarum nudum vel nudiusculum.
Gallungen : 4) Pagurus. „IWanus anlicae saepe compressae, in-
terdum subaequae , saepius sinistra maiore ; digilis apice corneis, in
piano verticaii claudentibus. Frons medio non roslratus (!j scd trun-
catus (!)." 5) Calcinus. „Manus anticae compressae, inaequae, sinistra
maiore; digitis apice calcareis , in piano verticaii claudentibus. Frons
medio breviter roslratus (!)." 6) Aniculus „Manus anticae subaequae,
digitis apice corneis, in piano verticaii claudentibus. Frons medio bre-
viter roslratus (!)." 7} CUbanarius. „Manus anticae plus minusve de-
prcssae, subaequae, digitis apice corneis, in piano horizontali clauden-
tibus. Frons medio breviter roslratus (!j.«
b) Abdomen symmetricum: (Cancellinae).
Gattung Cancellus Edw.
Familie 2. Cenobilidae. Antennae inlernae multo elongato, ar-
ticuio 1. oculis saepius longiore, valde deflexo. Maxillipedes externi
palpus flagello non instructus. — Species subterrestriales.
der Cruslaceen während des J. 1852 u. 1853. 85
Gattungen: 1) Cenobita Edw. 2) Birgus Leach.
Als neue Arten beschreibt derselbe (Froeeed. aead. nat. bist.
Philad. Vol.V 1851) : Bernhardus Novae Zealandiae, armalusy hirsulius-
culus , pubescens , tenuimanus , Pagnristes longirosiris , hirlus, Pagurus
fabimanus, scabrimanus, Clibanarius aequabilis, zebra, humilis, globoso-
manus, Cenobita carnescens und brunnea.
Ebenda Vol. VI. 1853. p. 6 ff. : Bernhardus oficsicarjjws Valparaiso,
aequimanus desgl., crinilicornis Rio Janeiro, Pagurus euopsis lialabac,
Clibanarius slriolalus Tongatabu, brasiliensis Rio Janeiro.
Die Gruppe der Megalopiden hat derselbe (ebenda Vol.
VI. 1852. p. 9} systematisch bearbeitet.
Dieselbe enlhält 5 Gattungen: 1) Alonolepis Say. 2) Mare-
slia n. gen. (soll Desmarestia heissen) von der vorigen durch die un-
terhalb an der Basis nicht bewehrten Beine unterschieden , von denen
das fünfte Paar ausserdem kleiner ist; Tarsen griffeiförmig, unten mit
Stacheln versehen. (Die Gattung ist auf Alonolepis spinitarsus Say ge-
gründet.) 3) Megalopa Leach. 4) Cyllene n. gen., von der vori-
gen durch die unterhalb an der Basis mit einem Stachel versehenen
Füsse ausgezeichnet; das fünfte Paar kleiner, mit schmalem, lang gc-
wimpertem Tarsus. 6) Tribola Dana.
Als neue Arten werden von Dana aus dieser Gruppe beschrie-
ben: Marestia clegans Cap , atlantica Ocean , pervalida Ocean, Mono-
lepis Orientalis Sulu.Inseln, Cyllene hyalina Patagonien, furcigera Sulu-
Inseln, Tribola lata Canarische Inseln, pubescens stilles Meer.
Als neue Arten wurden ausserdem von Saussure (I. c.) be-
schrieben : Porcellana Edwardsii und Albunea Lucasia aus Mexico.
Lucas beschreibt (Guerin Rev. et Magasin de Zool. V. 1853.
p. 47) als neu : Albunea Guerinii aus Algier und bemerkt, dass er diese
Art in der Explorat. scient. de l'Algerie mit Albunea symnisla Lin.
für identisch gehalten und aufgeführt habe.
Guerin- Meneville giebt ebenda, p.48. die Diagnose einer
zweiten neuen Art, welche er Alb. Paretii nennt ; Vaterland unbestimmt,
ob Mittelmeer?
Loven giebt (Öfvers. af Kongl. Velensk. Akad. Förhandl. 1852.
p. 20) eine Uebersicht der an den Schwedischen Küsten vorkommenden
Arten der Gattung Galathea. Es sind folgende: G. rugosa Fabr. , inter-
media Liljeb., strigosa Lin., squamifera Mont. , nexa Embl. und eine
neue Art G. serricornis , welche sich durch den tuberkulirlen Cepha-
lolhorax auszeichnet.
Brandt stellt (Bulletin de la classe phys.-math.de l'acad. St.
Petersb. Tom. XI. 1853. p. 254.) eine zweite Art der von ihm gegrün-
deten Galtung Cryptolithodes unter dem Kamen Cr. sitchensis , von der
Insel Sitcha, auf, und giebt eine Diagnose beider.
86 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Macroura,
Dana hat in den Proceed. of the acad. of nat. scienc.
of Philad. Vol. VI. 1852. p. 12 ein neues System dieser Ab-
theilung aufgestellt, von dem wir eine kurze Uebersicht mit-
Iheilen.
I. Thalassinidea vel Macroura Paguro-Squillidica.
A. Thalassinidea eubranchiata.
Familie 1. Gebiidae.
Gattungen : 1. Gebia Leach. 2. Axius Leach. 3 Calocaris Bell.
4. Laomedia de Haan. 5. Glaucothoe Edw.
Familie 2. Callianassidae.
Gattungen: 1. Callianassa Leach. 2. Trypaea nov. gen. An-
tennen fussartig; Geissei der innern Antennen kürzer als das vorher-
gehende Glied. Füsse ähnlich wie bei Callianssa.
Familie 3. Thalassinidae.
Galtung : Thalassina Lalr.
B. Thalassinidea anomobranchiata.
Galtungen: 1. Caliianidea Edw. 2. Callisea Edw.
n. Astacidea vel Alacroura superiora.
Familie 1. Scyllaridae.
Gattungen: l, Scyllarus Fabr. 2. Arctus nov. gen. Rüssel
sehr kurz, abgestutzt; äussere Antennen von einander entfernt; der Falp
der Kieferfüsse ohne Geissei (auf Scyllarus arctus auct. gegründet).
3. Thenus Leach. 4. Parrib actis nov. gen. Rüssel fast dreieckig,
innere Antennen genähert, Augen fast in der Mille zwischen den in-
neren Antennen und den Aussenwinkeln des Cephalolhorax (auf Ibacus
antarcticus gegründet.) 5. Ibacus Leach. Rüssel zweilappig, Augen
nahe am Rüssel (auf Ibac. Peronii und ciliatus beschränkt).
Familie 2. Palinuridae.
Galtungen : 1. Falinurus Fabr. 2. Panulirus Gray.
Familie 3. Eryonidae.
Gattung : Eryon Desm.
Familie 4. Astacidae.
Gattungen: 1. Homarus Edw. 2. Astacoides Guer. 3. Aslacus.
(Aslacus et Cambarus Erichs.). 4. Nephrops Leach. 5. Paranephrops
White.
III. Caridea.
A. Palaemoninea.
Familie 1. Crargonidae.
a. Crangonioae.
Gattungen: 1. CrangonFabr. 2 SabineaOwen. 3. Argis Kroyer.
der Crustaceen während des J. 1852 u. 1853. 87
4. Paracr angon nov. gen. Rüssel verlängert, Augen frei, zweites
Fusspaar verkümmert, 4les und 5tcs zugespitzt, Gangfüsse.
b. i.ysmalinae.
Galtungen: 1, Mika Risso. 2. Lysmala Risso. 3. Cyclorhynchus
de Haan.
r. Gnathophyllinae.
Gattung : Gnatliophyllum Latr.
Familie 2. Alyidae.
a. Atyinae.
Gattungen: 1. Atya Lcach. 2. Atyoida Rand. 3. Caridina Edw.
b, Ephyrinae.
Galtung: Ephyra Roux.
Familie 3. Palaemonidae.
a) Alpheinae.
Gattungen; 1. Alpheus Fabr. 2. Belaeus nov. gen. Rüssel fehlt,
Augen wie bei Alpheus. Scheere des zweiten Fusspaares fast einge-
schlagen. 3. Alope White. 4. Athanas Leach. 5. Hippolyte Leach.
6. Rhyncocinetes Edw. 7. (?) Autonomea Risso.
b) Pandalinae.
Gattung : Pandalus Leach.
c) Palaemoninae.
Gattungen: 1. Pontonia Lalr. 2. Oedipus nov. gen. Körper
mehr oder weniger niedergedrückt, Rüssel von massiger Länge, Augen
sehr gross, äussere Kieferfüsse etwas breit, Tarsen an der Unterseite
höckerig. 3. H arpilius nov. gen. Körper nicht niedergedrückt,
Rüssel massig lang, Augen gross, Kieferfüsse deckeiförmig, ihr zweites
Glied breit und kürzer als das 3le und 4te zusammengenommen, diese
fast cylindrisch ; Tarsen unten nicht höckerig. 4. Anchistia nov.
gen. Bussel dünn, öfters schwertförmig und langgestreckt; Körper kaum
niedergedrückt, oft zusammengedrückt ; Augen massig gross ; Fühler mit
2 Geissein, wovon die eine gespalten ; Kieferfüsse dünn, fussartig. 5,
Valaemonella nov. gen. Körper nicht niedergedrückt, Rüssel lang, ge-
zähnt, Augen millelmässig; der Palp der Mandibeln zweigliedrig, sehr
kurz; innere Antennen mit 2 Geissein, wovon eine gespalten; äussere
Kieferfüsse schmal. 6. Palaemon Fabr. 7. Ilymenocera Latr. 8. Cry-
phiops nov. gen. Augen unter der Schale verborgen, klein, Rüssel
massig lang; innere Antennen mit drei Geissein; äussere Kieferfüsse
ziemlich dünn.
d) Oplophorinae.
Galtungen: Oplophorus Edw. 2. Regtilus nov. gen. Rüssel
lang, gezahnt ; innere Antennen mit zwei Geissein ; erstes Fus.«paar
ohne Scheeren, zweites mit kräftigen Scheeren versehen , alle Füsse
hne Pnlp ; Mandibeln mit dreigliedrigem Palp.
88 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
B, Pasiphaeinea.
Gattung: Pasiphaea Savigny.
C. Penaeinea.
Familie 1. Penaeidae.
Gattungen: 1. Sicyonia Edw. 2. Penaeus Lalr. 3. SlenopusLalr.
4. Spongicola de Haan.
Familie 2. Sergestidae.
Galtungen: 1. Sergestes Edw. 2. AcetesEdw. 3. Euphema Edw.
4. Eucopia nov. gen. Stirn ohne Rüssel; Füsse mit Schwimmpal-
pen ; zweites und drittes Kieferfusspaar und erstes Fusspaar einfingrig,
aber zum Greifen eingerichtet.
Ais neue Arten werden von D a n a (ebenda p. 19 ff.) beschrieben:
Gebia Pugellensis Oregon, Callianassa gigas Oregon , Trypaea
Australiensis Australien, Thalassina gracilis Singapore, Arctus Vitiensis
\\l\-\ns. , Astacus leniusculus Austral. , Aslacoides nobilis Austral., Pa-
ranephrops tenuicornis Neu -Seeland, Crangon tnunilus Oregon, Pö-
racrangon echinahis desgl., f^ika Hawaiensis Ins. Maui. , Alpheus slre~
nmts Tongatabu, pacificus Hawai-lns., euchirus Balabac , obesomanus
Viti-Ins., crinilus Balabac, milis desgl., aculofemoratus desgl., parviro-
stris desgl., tridenlulatus Rio-Janeiro, neplunus Sulu-Ins., pugnax Maui,
diadema desgl., malleator Rio Janeiro, Betaeus truncatns Ins. Hermite,
aequimanus Neu-Seeland, scabrodigitus Valparaiso, Hippolyle acumina^
tus Atlant. Oc, exilirostralus Rio Janeiro, obliquimanus desgl., breviro-
slris Dungeness, lamellicornis desgl., Pandalus pubescentulus üungeness,
Pontonia Tridacnae Ins. Tutuila, Oedipus superbus Tongatabu, gramineus
Viti-Ins., Harpilius lulescens Tongatabu, Anchistia gracilis Sulu-InseJ,
longimana'i , ensifrons Balabac, aurantiaca Viti-Ins., Palaemonella te~
nuipes Sulu-Ins., orientalis desgl., Palaemon debilis Hawai-lns., exili-
manus Viti - Ins., concinnus desgl., lanceifrons Manila, aculirostris Ha-
wai-lns., equidens Singapore, Cryphiops spinulosomamis Chile (in Flüs-
sen), Regulus lucidus stille Ocean, crinilus Sulu-Ins. , Penaeus carina-
tus Singapore, avirostris desgl., velutinus Maui, tenuis Patagonien, gra~
cilis Sulu-Ins., Stenopus ensiferus Viti-Ins,, Eucopia auslralis antarkti-
sches Meer.
Eine monographische Uebersicht der Nordamerikanischen
Arten der Gattung Astacus gab C. Girard (Proceed. of
acad. of nat. sc. of Philad. Vol. VI. 1852. p. 87.)
Die Amerikanischen Flusskrebse gehören sämmtlich der Unter-
gattung Cambarus Erichs, an ; es werden vom Verf. 20 Arien aufge-
führt, darunter 12 neue: Astacus (^Cambarus') Pealei, ruslicus, propin-
quus , montanus , diogenes, longulus , robusUis , Gambclii , Nebrascensis,
Cfarkii, aatlus, acutissimifs.
der Cruslaceen während des J. 1852 u. 1853. 89
Als neue Arten der Gattung Hippolyle wurden beschrieben:
Von Thompson (loc. cit.) Hipp. Whitei ^ Yarellii , Grayana,
Mitscheliy alle 4 von der Englischen Küste.
Von Gosse (loc. cit.) Hipp, fascigera England.
Von Spence Bäte (loc. cit.) Hipp. Barleei Shetlands-Ins.
W. Peters hat in den Sitzungsberichten der Berl. Akad.
d. Wiss. 1852. (auch im 18. Jahrg. dieses Archivs p. 283
abgedruckt) eine neue Gattung Conchodytes aufgestellt,
welche zunächst mit Pontonia Lalr. verwandt ist und wie diese in
Wuschein lebt. Sie unterscheidet sich von jener hauptsächlich durch
den kurzen, platten Schnabel und durch die Insertion und Form der An-
tennen. Die inneren Fühler sind breit und entspringen nicht unter, son-
dern neben den inneren, und legen sich mit ihrem Wurzelglied in ei-
nen Ausschnitt des Brustschildes an der Innenseite der Augenhöhlen.
Zwei Arten: Conch. Tridacnae, zwischen den Mantcllappen von
Tridacna squamosa und Meleagrinae zwischen denen von Meleagrina
margaritifera ; beide von Älossambique,
Aus der F'amilie der Cumaceen beschrieb Baird (Sutherland's
Voyage in Baffin's Bay, Appendix p. 204) als neu: Alauna uncinata
aus der Bafßn's Bay.
Slomatopoda.
Von Gosse wurde (loc. cit.) als neu beschrieben: Mysis pro-
ducta aus der Weymouth-Bay.
Von Liljeborg (loc. cit.) Mysis mixta von Kullaberg in
Schweden.
Amphipoda.
Liljeborg beschrieb (ebendas.) als neu: Ampelisca macroce-
phala, Amphithoe compressa, pygmaea, Gammarus maculatus , longipes,
sammllich von Kullaberg in Schweden.
Die Familie der Laemodipoden bereicherte White (Sutherland's
Voyage in Balfin's Bay, Appendix p. 207) mit Caprella cercopoides.
J. Dana, On the Classification of the Cruslacea Cho-
ristopoda. or Tetradecapoda (Silliman's American Journal
of science and arts. Vol. XIV. 1852. p. 297—316.)
Der Verf. vereinigt unter dem Namen Choristopoda alle Crusla-
ceen zu einer Ordnung, bei welchen der Thorax in Segmente getheilt
ist, denen je ein Fusspaar entspricht, also die La trei 1 1 e'schen Ord-
nungen der Amphipoden, Laemodipoden und Isopoden. Diese würden,
nachdem Kroyer die wesentliche Uebereinslimmung der beiden er-
steren nachgewiesen hat, schon auf zwei Ordnungen retiucirl sein, de-.
90 Gers taecker: Bericht üb. d, Leistungen in d. Naturgeschichte
nen der Verf. jedoch nur den Rang von Ünter-Ablheilungen zuerken-
nen will. Die Abtheilung der Amphipodea charaklerisirt sich durch
die Stellung der Thoraxfüsse, von denen die 3 hinteren Paare in einer
Reihe nach rück- (und mehr oder weniger nach aus-) wärts, die vier
vorderen Paare nach vor- und auswärts gerichtet sind; ausserdem durch
den Sitz der Kiemen am Thorax, und drei vordere Schwimm- und drei
hintere griffelartige Abdominalfösse. — Bei den eigentlichen Isopoden
ist das Verhältniss der Thoraxfüsse ein umgekehrtes , indem die vier
hinteren Paare in der hinteren und die drei vorderen in der vorderen
Reihe liegen; ausserdem sind die Kiemen dem Abdomen eigen und auf
die fünf ersten Fusspaare desselben vertheilt; nur das letzte ist grif-
feiförmig. — Durch diese für beide Abiheilungen aufgestellte Charak-
tere werden aber einzelne Gattungen, wie Arcturus, Tanais, Apseudes,
Rhoea, Praniza, Anceus, Serolis und Bopyrus ausgeschlossen, und diese
vereinigt der Verf. zu einer dritten Abtheilung, welche in der Mitte
zwischen jenen steht, unter dem Warnen Anisopoda. — Für die speciel-
lere Classifikation der Choristopoden giebt der Verfasser folgende Ue-
bersicht:
Tribus I. Isopoda.
Subtribus I. Idotaeidea, Appendices abdominales duae posticae
bene operculiformes, appendices alias optime tegenles.
Fam. 1. Idotaeidae. Pedes fere consimiles, plus minusve am-
bulatorii.
Gattungen: Idotea Fabr., Edotea Guer., Erichsonia Dana, Clean-
tis Dana, Epelys Dana.
Fam. 2. Chaetilidae. Pedes 6. longissimi, setiformes et multi-
articulati.
Gattung : Chaetilia Dana.
Subtribus II. Oniscoidea. Appendices abdominales duae posti-
cae slyliformes et non operculiformes, fere terminales, raro obsoletae.
Fam. 1. Armadillidae. Corpus bene convexum, stricte arlicula-
tum ; abdomen multiarticulatum , segmenio ultimo parvo, Appendices
caudales ultra abdomen non exsertae, lamellatae. Mandibulae non pal-
pigerae. Antennae internae inconspicuae.
a) Tylinae.
Gattung : Tylus Latr.
b) Armadillinae.
Gattungen : Armadillo Latr., Spherillo Dana, Armadillidium Brandt,
Diploexochus Brandt.
Fam. 2. üniscidae. Corpus minus convexum , vel stricte vel
laxe articulatum. Abdomen multiarticulatum, segmenio ultimo parvo.
Appendices caudales valde exsertae, styliformcs. Wandibulae non pal-
pigerae, Antennae internae inconspicuae.
der Cruslaceen während des J. 1852 u. 1853. 91
a) Oniscinae.
Galtungen: Oniscus Linn. (mit den Untergattungen irichoniscus
Brandt, Porcellio Lalr. und Oniscus Latr.). — Philoscia Latr., Plalyar-
thrus Brandt, Deto Guerin.
b) Scyphacinae. (iMaxillipedes 2-articulati , arliculo 2. lamellalo.
Antennae externae ad articulationem quintam non geniculatae. Slyli
caudales ac in Oniscis. Basis appendicum caudalium aut brevis aut ob-
longa, ramo interno interdum omnino aperto.
Gattungen : Scyphax Dana, Styloniscus Dana.
c) Lyginae.
Gattungen : Lygia Fabr., Lygidium Brandt.
Fain. 3. Asellidae. Corpus saepius plus depressum et laxe arli-
culatum, segmento ultimo grandi, sculellato. Appendices caudales sty-
liformes, inlerdum brevissimae. Mandibulae palpigerae. Anlennae in-
ternae conspicuae.
a) Limnorinae.
Gattung: Limnoria Dana.
b) Asellinae.
Gattungen: Jaera Leach, Jaeridina Edw. , Asellus Geoffr., Janira
Leach, Henopomus Kroyer, 31unna Kroyer.
Subtribus III. Appendices abdominales duae poslicae lamellatae,
apud abdominis latera disposita.
Farn. 1. Cymolhoidae (den Cymothoadiens parasites Edw. ent-
sprechend.)
a) Cymothoinae.
Gattungen: Cymothoa Fabr., Ceratolhoa Dana, Livoneca Leach,
Anilocra Leach, Nerocila Leach, Olencira Leach.
b) Orozeuktinae.
Gattung: Orozeuktes Edw.
c) Aegathoinae.
Gattung: Aegathoa Dana.
Fam. 2. Aegidae (den Cymothoadiens errans Edw. entsprechend.)
a) Aeginae.
Gattungen : Aega Leach, Acherusia Lucas, Pterclas Guer.
b) Cirolaninae.
Gattungen: Cirolana Leach, Corallana Dana, Alitropus Edw.
Fam. 3. Spheromidae (den Spheromiens onguicules Edw, ent-
sprechend.).
a) Spherominae.
Gattungen : Spheroma Lalr. , Cymodocea Leach , Cerceis Edw.,
Cassidina Edw. ; Amphoroideura Edw.
b) Ncsaeinae.
92 Gerslaecker, Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Gattungen: Nesaea Leach, Campecopea Leach.
c) Ancininae.
Gattung : Ancinus Edw.
Tribus II. Anisopoda.
Subtribus I. Serolidea vel Anisopoda Cyraothoica. Appendices
duae posticae abdominales lamellalae, apud abdominis latera dispositae.
Farn. 1. Serolidae. Appendices abdominales 6 anlicae liberae,
subnalatoriae, 4 sequentes branchiales, bene lamellatae, ullimae ac in
Cymothoadis. Antennae 1. paris sub capite insitae.
Gattung : Serolis Leach.
Fam. 2. Pranizidae (den Pranisiens Edw. entsprechend.)
Gattungen: Praniza Leach und Anceus Risso.
Subtribus 11. Arcturidea, vel Anisopoda Idotaeica. Appendices
duae posticae abdominales lamellatae et bene operculiformes , appen-
dices branchiales tegentes.
Fam. Arcturidae.
Galtungen : Arcturus Latr., Leachia Johnst. , Anlhura Leach.
Subtribus IM. Tanaidea vel Anisopoda Oniscica. Appendices
duae posticae abdominales plus minusve styliformes, subterminales, in-
terdum obsoletae.
Fam. 1, Tanaidae. Pedes 1. vel 2. subchelati , sequentes non
ancorales. Abdomen paribus 5 appendicum subnatatoriis unoque po-
stico slylorum inslructum.
a) Tanainae.
Gallungen: Tanai3 Edw., Paratanais Dana, Leplochelia Dana,
Apseudes Leach, Rhoea Edw.
b) Liriopinae.
Galtungen: Liriope Rathke, Cryptothis Dana.
c) Crossurinae.
Galtung: Crossurus Rathke.
Fam. 2. Bopyridae (den Isopodes sedentaires Edw. entsprechend).
a) Bopyrinae.
Gattungen : ßopyrus Latr. , Phryxus Ralhke , Cepon Duvern.,
Dajus Kroyer.
b) Joninae.
Gattungen : Jone Latr., Argeia Dana.
Tribus III. Amphipoda.
Subtribus I. Caprellidea. Älaxillipedes elongati, palpiformes. Ca-
put oculique mediocres. Abdomen obsolescens.
Fam. 1. Caprellidae. Corpus longum et fere filiforme.
der Crustaceen während des J. 1852 u. 1853. 93
Gatlungen: Frolo Leach , Protella Dana, Caprella Lara., Aegina
Kroyer, Cercops Kroyer, Fodalirius Kroyer.
Farn. 2. Cyamidae. Corpus latum depressum.
Gattung: Cyamus.
Subtribus II. Gammaridea. Maxillipedes eloogati , palpiformes.
Caput üculique mcdiocres. Abdomen appendicibus 6 natatoriis et 6
stylilormibus inslructum.
Farn. 1. Dulichidae. Gressoriae, habitu Caprelloideae. Corpus
lineare, epimeris obsoletis. Pedes posteriores longi, subprehensiles.
Abdomen 5-articuIatum.
Gattung: Dulichia Kroyer.
Fam. 2. Cheluridae. Corpus fere cylindricum, epimeris raedio-
cribus. Abdominis segmenta 4. et 5. coalita, oblonga.
Gattung: Chelura Philippi.
Fam. 3. Corophidae. Gressoriae, pedibus partim laleraliter por-
reclis. Corpus plus minusve depressum, saepe latum, epimeris perbre-
vibus, interdum obsoletis. Abdomen normale. Antennae saepe pedi-
form es.
a) Clydoninae.
Gattung: Clydonia Dana.
b) Corophinae.
Gatlungen : Corophium Latr., Siphonoecetes Kroyer , Platophium
Dana, Cyrtophium Dana, ünciola Say , Podocerus Leach, Cratopbium
Dana, Cerapus Say, Cerapodina Edw., Erichthonius Edw.
c) Icilinae.
Gattungen: Icilius Dana, Pterygocera Latr.
Fam. 4. Orcheslidae. Saltatoriae, pedibus nullis laleraliter por.
rectis. Corpus compressum, epimeris magnis. Styli caudales 1. et 2.
biramei, 3. simplices, brevissimi et ultra 2. non prolongati. Mandibu-
lae non palpigerae.
Gattungen : Orchestia und Allorchestes Dana.
Fam. 5. Gammaridae. Saltatoriae vel natatoriae. Styli cauda-
les laxiores, duobus ultimis oblongis saepiusque ultra secundos prolon-
gatis. Mandibulae palpigerae.
a) Stegocephalinae.
Galtung: Stegocephalus Kroyer.
b) Lysianassinae.
Gattungen : Lysianassa Edw. , Phlias Guer., Opis Kroyer, Urisles
Dana, Anonyx Kroyer, Urothoe Dana.
c) Leucolhoinae.
Galtungen: Stenothoe Dana, Leucolhoe I.each.
d) Gammarinae.
94 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Callun^en : AcanlhonolusOwen, AlibrolusEdw., LeptochirusZadd.,
Iphimedia Ralhlie, Oedicerus Kroyer, Amphithoe Leach, GamniarusFabr.,
Photis Kroyer, Melila Leach., Maera Leach, üercothoe Dana, Fyctilus
Dana, Pardalisca Kroyer , Atylus Leach, Ischyrocerus Kroyer.
c) Pontoporinae.
Gattungen: Lepidactylus Say, Pontiporeia Kroyer, Ampelisca
Kroyer, Protemedeia Kroyer, Aora Kroyer, Pboxus Kroyer.
d) Isaeinae.
Gattungen: Isaea Edw., Anisopus Tempi.
Subtribus IIL Hyperidea. Waxillipedes abbreviati lamellali, oper-
culiformes. Caput grande , oculorum corneis plerumque tectum. Ap-
pendices abdominales ac in Gainmarideis , latius lamellatae.
Fam. 1. Hyperidae. Antennae 2. exsertae. Abdomen in ventrem
se non tlectens. Pedes 5. — 7. mediocres, non percrassi nee prehensiles.
a) Yibilinae.
Gattung: Vibiiia Edw.
b) Hyperinae.
Gattungen: Lestrigonus Edw., Tyro Edw., Hyperia Latr., Metoe-
cus Kroyer, lauria Dana, Daira Edw., Cyslisoma Guer.
c) Synopinae.
Gattung: Synopia Dana.
Fam. 2. Fhronimidae. Antennae 2. exsertae. Abdomen in ven-
trem se non flectens. Pedes 5. et 6. sive crassi, sive elongali, sae-
pius prehensiles, ut etiam 3. et 4. saepe prehensiles.
a) Phroniminae.
Galtungen : Phronima Latr., Primno Guer.
b) Phrosininae.
Gattungen : Anchylomera Edw., Phrosina Risso, Themisto Guer,
c) Phorcinae.
Gattung Phorcus Edw.
Fam. 3. Typhidae (den Hyperines anormales Edw. entsprechend.)
a) Typhinae.
Gattungen: Dithyrus Dana, Typhis Risso, Thyropus Dana.
b) Pronoinae.
Gattungen : Pronoe Guer., Lycaea Dana.
c) Oxycephalinae.
Gattungen: üxycephalus Edw., Rhabdosoma White.
Isopoda.
Lerebouillet (Memoire sur les Cloportides , qui habitent les
environs de Strasbourg) giebt eine ausführliche ßeschreibung der ia
der Cruslaceen während des J. 1852 u. 1853. 95
der Umgegend Strassburg's vorkommenden Asseln. Es werden im Gan-
zen 14 Arten aufgeführt, nämlich l Ligidium , 2 Oniscus , 9 Forcellio,
2 Armadillidium : unter den Porcellionen werden drei als neue Arten
beschrieben : P, monticola, inlermedius und frontalis.
Schnitzler, de oniscineis agri ßonnensis, (Dissert. inaug. Bonn.
1853) giebl, mit Voraussrhickung einiger Beobachtungen über Lebens-
weise und Enlwickelungsgescbichte, eine Uebersicht der bei Bonn vor-
kommenden ünisciden. Es werden 15 .\rlen aufgezählt, von denen 1
auf Philoscia, 1 auf Oniscus, 11 auf Forceliio und 2 auf Armadillidium
kommen. Die vom Verf. als neu beschriebenen Arten : Pore. Trasche-
lii, quercuum , ielramoerus , strialus und Ärmad. aler sind nach Ver-
gleichung der Original-Exemplare zum Theil Jugendzustände bekannter
Arten, theils fallen sie mit solchen zubammen.
Lucas beschrieb (Guerin ßev. et Magas. de Zool. p. 461) als
neu : Porcellio flavomarginatus von Crela.
Fr. Müller giebt im 18. Jahrg. d. Archivs 1852, p. 87) die
Beschreibung zweier neuen Arten der Gattung Tanais aus der Ostsee:
T. Rhynchites und balticus^ möglicher Weise nur sexuell verschieden,
da die eine Art stets voll von Eiern war , die andere deren nie bei
sich trug.
J. Eights hat in den Trans. Albany Inst, (mitgelheilt
in Annais and magaz. of nat. bist. XI. 1853. p. 339) eine neue
Galtung aus der Familie der Idotaeiden, welche sich durch
ihre ausserordentliche Grösse auszeichnet, bekannt gemacht.
Glyptonotus antarcticus, 3^^" lang, lV+" breit, von Neu-Süd-Shet-
land. „Die 6 vorderen Füsse kurz, einfingrig, die 8 hinteren lang,
stark, dreikantig, stachlig, in eine kurze Klaue endigend. Ober Füh-
ler kurz, halb so lang als die unteren, mit sehr kurzer Geissei; un-
tere mit vielgliedriger Geissei, die so lang ist wie der ßasaltheil. Kör-
per länglich eiförmig; Hinterleib fünfgliedrig, letztes Segment dreieckig,
an den Seiten ausgebuchtet, mit erhabener mittlerer Längsleiste. Tho-
rax schwach carinirt, Oberseite der Segmente sculpirt. Mandibelo ohne
Palpen.«
Phyllopoda,
Baird, Monograph of the family Apodidae (Proceedings
of the zooiog. soc, January 1852, auch mitgetheiil in Annais
and magaz. of nat. history 1854.3
Der Verf. giebt die Beschreibung von 5 Arten der Gattung Apus
und von 3 Arten der Gattung Lepidurus. Als neu wird beschrieben
Apus Domingensis. „Clypeo corporis dimidiam partem tegente, rolundo,
96 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
tenui, corneo ; ramo exlerno pedum primi paris corpus aequante. Long.
1". Von St« Domingo.
Baird, Monograph of the family Branchiopodidae (Pro-
ceed. of the zoolog-, soc, February 1852, auch mitgetheilt in
Ann. and magaz. of nat bist. 1854.)
Der Verf. giebt eine monographische Uebersicht der bisher be-
kannt gewordenen ßranchiopoden und gründet auf den Branchipus tor-
vicornis Waga eine neue Gattung Slreptocephalus. „Corpus cy-
lindricum, segmentum caudale pinnis duabus ciliatis inslructum ; pedes
undecim; antennae inferiores niaris Iriarticulalae , valde lortuosae, ad
apicem in ramos graciles divisae, appendicibus antenniformibus arma-
tae.« Zu dieser Gattung gehört ausserdem noch ßranch. cafer Loven
und als neue Art: Strept. similis von St. Domingo.
Derselbe beschreibt ebenda aus der Familie der Limnadiadae als
neu : Limnadia anlillarum von St. Domingo und Estheria Dallasii aus
Brasilien (?).
Derselbe beschrieb in den Proc. of the zoolog. soc. 1850 als
neu : Lepidurus viridis von Vandiemensland. (Annais and magazine o
nat. bist. X. 1852. p. 56.)
Grube, Bemerkungen über die Phyllopoden, nebst ei-
ner Uebersicht ihrer Gallungen und Arien (Arch. 191er Jahrg.)
Der Verf. giebt eine Uebersicht aller bekannten Phyllopoden,
und stellt die Galtungen und Arten durch ausführliche Diagnosen fest;
aufgeführt werden die Galtungen liranchipus mit 17, Apus mit 4,
Estheria Uüpp. (Isaura Joly) mit 4, Limnadia mit 2, Limnetis mit 2 und
Nebalia mit 2 Arten. Zur Synonymik der Gattung Limnetis Loven er-
wähnt der Verf., dass dieselbe mit Hedessa Lievin identisch sei, und
dass Hedessa Sieholdii schon von 0. F. Müller als Lynceus brachyu-
i'us abgebildet und beschrieben worden ist ; er stellt daher für Hedessa
Sieboldii den älteren tarnen Limnetis brachyurus auf.
Lophyropoda,
W. Liljeborg, de Crustaceis ex ordinibus tribus, Cla-
docera, Oslracoda et Copepoda in Scania occurrenlibus. —
Om de inom Skane förekommende Cruslaceer af ordningarne
Cladocera, Oslracoda och Copepoda. Med 27 Plancher. Lex.-
Form. Lund 1853.
Das Werk ist dem Ref. nicht zugekommen , er muss sich also
darauf beschränken, einige von Creplin in der Hallischen Zeitschrift
f. Kalurw. gegebene Wulizen zu wiederholen. Diesen zufolge son-
dert der Verf. die von ihm bearbeiteten Entomostraceen in Süss- und
der Crustaceen während der J. 1852 u. 1853. 97
Salzwasser-Bewohner , giebt aber in der Einleitung ein systematisches
Verzeichniss der beschriebenen Arten und Gattungen. Dieses enthält
aus der Ordnung Cladocera die Gattungen: Sida mit 2, Daphnia mit 7,
Macrothrix mit 2, Acantholeberis mit 1, Lalhonura mit 1, Polyphemus
mit 1, Podon mit 1, Evadne mit 1 und Lynceus mit 11 Arten. Aus der
Ordnung Ostracoda die Gattungen: Nolodromus mit 1, Cypris mit 15,
Candona mit 2, Cythere mit 3, Cypridina mit 1 und Philomedes mit 1
Art. Aus der Ordnung Copepoda die Gattungen Diaptomus, Temora,
Dias, ichthyophorba, Thisbe , Tachidius, Harpacticus je mit 1, Cantho-
camptus mit 2 und Cyclops mit 3 Arten.
Aus der F'amilie der Cyprididen wurden von Baird (Proceed.
of Ihe zoolog. soc. 1850. Annais and magaz. of nat. bist. X. 1852.
p. 56.) als neu beschrieben: Cypris DonnelUi Coquimbo, cuneata Eng-
land, Candona lactea England, Cylhere tarentina Tarent, selosa Austra-
lien, Cythereis australis Australien, rwncmafrt Tenedos, fistulosa Manila,
prava Tenedos , deformis Manila , senlicosa Tenedos , Cypridina inter-
puncla und ßlariae Schotten-Insel.
Derselbe beschrieb (Proceed. of the zool. soc. 1852. Jan.) Cy-
pris Belcheri und Schomburgkii von St. Domingo. (Mitgelheilt in An-
nais and magazine of nat. hist. März 1854.)
Fischer hat seine Beiträge zur Kennlniss der in der Umgegend
von Petersburg sich findenden Cyclopiden (im Bulletin des nat. de Mos-
cou. Tom. XXVI. 1853. p. 74) fortgesetzt. Als neu werden beschrie-
ben : Cyclops vernalis und crassiis mit 17, diaphanus mit 11 und /5jn-
hrialus mit 8 Fühlergliedern. Ausserdem giebt der Verf. die Beschrei-
bung von drei bekannten Arten von Cyclopsina.
Die Familie der Calaniden wurde von Lubbock (Ann. magaz.
nat. hist. XI. 1853. p. 25) durch eine neue Gattung Labido cera be-
reichert, welche er folgendermassen charakterisirt: „Rostrum furcatum ;
antenna antica maris dextra geniculans, tumida lamellis lobulisve den-
latis instrucla. Oculi superiores duo , inferiores nulli. (?) Cephalolho-
rax 7-articulatu3. Pes posticus maris dexter prehensilis. Abdomen
maris 4-articulatum , feminae 2-articulatum.« Der Verf. theilt diese
Galtung wieder in drei Untergattungen , die jedoch nur auf Species-
Charakteren gegründet zu sein scheinen, und Labidocera , Ivella und
Iva genannt werden. Jeder derselben wird eine Art zugelheilt: L.
Darwinii, Patagoniensis und magna', die beiden ersten von Patagonien,
die letztere aus dem atlantischen Ocean.
Eine zweite neue Gattung derselben Familie stellt Lubbock
(ebenda Vol. Xll. p. 115) auf: Monops. „Kostrum furcatum, antenna
antica maris dextra geniculans, tumida. Oculi superiores nulli, inferio-
res unicus, Pes posticus maris dexter crassus, prehensilis." Von der
Galtung Anomalocera hauptsächlich durch den Mangel der oberen Au-
gen unterschieden. Art: Monops grandis aus dem atlantischen Ocean.
Archiv, f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2. Bd. Q
98 Gersta ecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Derselbe beschreibt ebenda als neu: Ponteila Bairdii aus dem
atlant. Ocean.
Cirripedia,
Steenstrup berichtete der Akademie der Wissenschaf-
ten zu Copenhagen über eine neue Balaniden-Gattung, welche
der Section der Coronuliden angehört (l'Institut, Dec. 1852.
p.425.)
Xeno h alanu s nov. gen. „Adultum : valde elongatum, subcy-
lindricum, subpetiolalum s. antice angustatum , pallio membranaceo ve-
stilum, postico margine pallii retroflexo, ad basin testa minima cinclum.
Iuvenile: testa pro parte maiore circumdatum, staturam Diadematis si-
mulans, at sine valvulis operculinis. Testa minima, depressissima, sex-
valvis, sexloba et quasi stellata cellulis radiantibus, extus rugis crenu-
latis transversis , ut in Coronula, Diademale et Tubicinella ; operculum
nullum. Das Thier lebt schaarenweise auf den Flossen von Delphinus
globiceps, vorzüglich an jüngeren Individuen.
Siphonostomata.
Van Beneden hat im Bulletin de l'acad. royale des
Sciences de Belgique Tom. XIX. (1852) und Tom. XX. (1853)
vier neue Gattungen von Fisch-Parasiten beschrieben und ab-
gebildet:
1. Scienophilus zur Gruppe der Caligiden gehörig. Die
Stirnlamellen sind mit Saugnäpfen versehen ; der vierte Tlioraxring (vom
Verf. fälschlich als Abdomen angesprochen) und der Hinterleib sehr
verlängert. Das erste Fusspaar des Thorax mit drei starken, haken-
förmig gebogenen und gewimperlen Borsten versehen, das zweite Paar
deutlich zweitheiiig, das vierte Gangfüsse. INur das $ bekannt.
Art: Sc. tenuis an den Kiemen von Sciaena aquila.
2. Kroycria ebenfalls aus der Gruppe der Caligiden (?) Ce-
phalothorax breiter als lang, hinten mit zwei langen Dornen bewaff,
net ; letzter Thoraxring beim $ sehr langgestreckt und etwas breiter
als die vorhergehenden ; die vier Fusspaare des Thorax zweitheilig,
gleich lang ; erstes Fusspaar des Cephalolhorax in eine Scheere endi-
gend, das dritte sehr slark entwickelt. _pl und $ bekannt.
Art: Kr. lineata an den Kiemen von Galeus canis.
3. Eudactylina mit der Gattung Dichelestion zunäclist ver-
wandt. Cephalolhorax klein, nicht viel breiter als die vorderen Tho-
raxringe, Thorax aus 4, Abdomen aus 3 Ringen bestehend^ drittes
Fusspaar des Cephalolhorax mit starker Scheere; die 4 Fusspaare des
Thorax zweitheilig, mit kurzen Borsten besetzt. Nur das $ bekannt.
der Cruslaceen während der J. 1852 u. 1853. 99
Art : Eud. acuta an den Kiemen von Squalina angelus und Spi-
nax acanthias.
4. Pag 0 dina, eine sehr eigenthümliche Gattung. Cephalo-
Ihorax klein, kreisrund; 5 Thoraxringe, welche (besonders beim $)
viel breiter als der Cephalolhorax sind; Abdomen dreigliedrig, mit zwei
Endblältchen ; drei mit Ilaken endigende Fusspaare am Cephalolhorax,
von denen das letzte sehr stark entwickelt ist ; Thoraxfüsse rudimen-
tär in Form von 4 Paar Anhängseln. ^ und $ bekannt.
Art : Pag. robusla an den Kiemen von Galeus canis und Car-
charias glaucus.
Ref. hat im iQlen Jahrg. dieses Archivs (1853) p. 58
eine neue Gattung unter dem l^Qmen Elytrophor a bekannt
gemacht,
welche ein interessantes Verbindungsglied zwischen den Caligi-
den und Pandaliden bildet. Mit den ersteren stimmt sie in der Bildung
der Füsse überein, den letzteren nähert sie sich durch blattarlige An-
hängsel auf der Rückenseite der Thoraxringe, deren sich beim ^ 2,
beim $ 4 finden.
Art: E. brachyptera aus dem Mittelmeer.
Derselbe macht (ebenda p. 63 „zur Kennlniss der Gattung No-
gagus Leach") darauf aufmerksam, dass der Caligus productus Müller
ein weibliches Thier einer zur Gattung Nogagus Leach gehörenden Art
sei ; diese Gattung ist aber mit Dinemura Latr. (Dinemalura Burm.)
identisch, während die Gattung Dinemura Edw. von der L a trci 1 1 e'schen
sehr verschieden ist und nach dem Gesetz der Priorität eigentlich einen
anderen ]Namen erhalten muss, indem Latreille seine Gattung Dine-
mura auf den Caligus productus Müller basirtc.
Fr. Müller glaubte (im 18. Jahrg. dieses Archivs, p. 91)
durch eine directe Beobachtung die Vermuthung Kr oyers zu
bestätigen, dass die Gattung ChalimusBurm. nur ein Jugend-
zustand von Caligus sei.
Nach der Ansicht des Ref. hat jedoch die Gattung Chalimus Burm.
durch den in der Mitte der Stirn befindlichen Haflapparal, welcher so-
wohl jungen wie erwachsenen Exemplaren (auch nach des Verf. eige-
ner Angabe) eigen ist, vollkommene Anrechte, eine eigene Galtung zu
bilden, zumal auch die Füsse Unterschiede von Caligus darbieten. Die
Beobachtung des Verf. ergiebt nur das Resultat, dass Burmeisler
bei der Beschreibung seiner Gattung Chalimus ein nicht völlig entwik-
keltes Exemplar vor sich gehabt hat.
Fr. Leydig, neuer Schmarotzerkrebs auf einem Wcich-
Ihiere (v. Sieb, und Köll. Zeitschr. für wiss, Zool. IV. p.377.)
100 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Unter dem Namen D oridicola a^i7ts beschreibt der Verf. einen
durch seinen Aufenthalt auf einer Doris-Art sehr interessanten Schma-
rotzer, dessen systematische Stellung bis jetzt noch zweifelhaft blei-
ben muss. Seiner allgemeinen Körperform nach (hufeisenförmiger Ce-
phalothorax , viergliedriger Thorax, viergliedriges Abdomen mit zwei
End-Lamellen) würde man kein Bedenken tragen, ihn den Caligus-
artigen Siphonostomen beizuordnen ; doch giebt der Verf. ausdrücklich
an, dass die Mundtheile nicht die jenen eigenthümliche Saugrüsselform
darbieten. (?)
Lernaeadae.
Von Kölliker wurde (Zeitschrift f. wiss. Zool. IV. p. 359) ein
neuer Schmarotzer unter dem Namen Lophoura Edwardsii bekannt ge-
macht. Der Körper besieht aus drei Absclinilten, einem vorderen cy-
lindrischen, einem mittleren fadenförmigen und einem rundlichen Hin-
terleib, welcher mit zwei Büscheln länglicher Schläuche, die jedoch
keine Eier enthalten, versehen ist; am Ende des Hinterleibs zeigt sich
ein dreieckiger Wulst mit fünf Erhabenheiten und SOeflnungen, welche
den Geschlechtsorganen und dem Darme angehören. Das Thier lebt
im Fleische des Lepidoleprus coelorhynchus , und wurde bei Messina
aufgefunden.
Van Beneden beschrieb (Bullet, de l'acad. de Belgique Tom.
XIX. 1852. pars 2. p. 101) als neu: Lernanthropus Gislerif auf Sciaena
aquila lebend.
Crusiacea fossilia.
Eine vorzügliche übersichtliche Darstellung- der fossilen
Crustaceen gab Quenstedt in seinem Handbuch der Petre-
factenkunde, Tübingen 1852.
Decapofla* H. v. Meyer beschreibt (Falaeontographica I.
p. 91) unter dem Namen Cancer Paulino -Wurtemhergensis eine durch
ihre Form an die Gattung Xanlho erinnernde Krabbe, welche im Py-
ramiden-Kalkstein bei Cairo häufig vorzukommen scheint. Die Schale,
welche vollständig erhalten ist, stimmt auch durch die mit vielen Er-
habenheiten versehene Oberfläche mit mehreren noch lebenden Arten
der Gattungen Xantho und Cancer überein ; von den Füssen sind nur
Bruchstücke des vorderen Paares vorhanden. (Dieselbe Art ist schon
von Schlotheini unter dem Namen ßrachyurites antiquus beschrie-
ben worden.)
Derselbe beschreibt (ebenda p. 134) zwei den Macrouren ange-
hörende Krebse: Lüogasler oblusa und venusta ^ beide aus dem Kalk-
stein von Friedrichshall.
Selenisca und Eumorphia, zwei Krebse aus der Oolithen-
Gruppe Würtemberg's , von H. v. Meyer (Palaeontogr. I.
p.141.)
der Cruslaceen während der J. 1852. u. 1853. 101
Selenisca gratiosa (Taf. 19. fig. 1) ist mit der Galtung Glyphea
JMeyer zunächst verwandt , und findet sich in dein mittleren weissen
Jura von Wurmlingen. — Eumorpha socialis (Taf. 19. üg. 2 — 19), frü-
her vom Verf. als Carcinium beschrieben , stammt aus dem Liegenden
der Oolithengruppe von Dettingen in Würtemberg und dem Oxford-Thon
der Normandie.
Derselbe führt (Paiaeontogr. I. p. 254 ff.) folgende als dem Mu-
schelkalk Oberschlesiens angehörende Arten auf: Femphix Sueuri, Lis-
socardia silesiaca, magna, Myrtonius serratus und Aphlharlus ornatus,
und fügt Bemerkungen zur näheren Kenntniss derselben bei.
Trilobiten. Salt er hat (Memoirs of tlie geological
Survey of the iinited Kingdom, London 185v3) eine Arbeit
über Britische Trilobiten veröffentlicht.
Der Verf. giebl eine Beschreibung und Abbildung von 45 Arten
aus der silurischen Formation, welche zum Theil weniger gekannt, zum
Theil neu sind, und nimmt zugleich Rücksicht auf die diesen nahe ver-
wandten Arten. Als neu werden beschrieben: Odonlochile amphora,
Cheirurus cancrurus, Acidaspis biserialis , Caractaci , Jrinucleus Ther-
siles, Remopleurides obtusus. Ausserdem wird eine neue Gattung unter
dem Namen Cijphoniscus aufgestellt und folgendermaassen charakteri-
sirt: Körper convex, Kopf gross, Glabella oval, höckerig, ungelappt; Ge-
sichts-Nähte vorn rundlich, dann in schiefer und fast gerader Linie
zum äusseren Rande gehend, die freien Wangen sehr schmal; Augen
sehr deutlich, klein, linear; Thorax mit 7 convexen Ringeln, die Pleu-
rae mit Fulcrum und Furche , ihre Enden abgestutzt , und nicht vor-
springend; Schwanz schmal, aus wenigen Segmenten bestehend, seine
Spindel ganz. — Die Galtung ist mit Triarthrus zunächst verwandt.
Art : C. socialis.
Wirtgen und Zeil er gaben (Leonhardt und
Bronn, Neues Jahrbuch der Mineralogie etc. 1852. p. 257)
eineUebersicht der bei Coblenz in den unteren Laffen der de-
vonischen Schichten vorkomnfienden Petrefakten,
unter welchen folgende Trilobiten aufgeführt werden : Homalo-
nolus obtusus, Herschelii, Fradoanus, Phacops latifrons, laciniatus, stel-
lifer, brevicauda und Trigonaspis nov. spec.
Angelin, Palaeontologia Suecica,LundaeParsI. Fase. 1.
Iconographia Crustaceorum formationis transitionis (1851.)
Der Verf. führt als in dem schwedischen Uebergangs- Gebirge
vorkommend folgende Gattungen auf: Paradoxides mit 3, Cryptonymus
mit 5, Agnostus mit 12, Phacops mit 13, Polytomurus mit 1, Remo-
pleurides mit 2, Nileus mit 2, Ampyx mit 3, Proteus mit 8 und Caly-
mene mit 7 Arten.
102 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Ausserdem werden vier neue Gattungen aufgestellt:
Eryx nov. gen. Corpus obovatum (?) , crusla slrigosa, aluta-
cea vel parce granulosa. Caput transversum , anguste marginatum
fulcoque intramarginali. Oculi nulli. Frons distincta, breviuscula,
perangusta , anlrorsum attenuata , sulcum marginalem haud atlingens.
Abdomen capite minus, breve, transversum, vix marginatum, apice ro-
tundatum ; rachis distincta; latera aequabilia , costls omnino deslltuta."
All: E. laticeps aus Schoonen.
A c oHtheus nov. gen. „Crusta laevissima, irregulariter strio-
lata. Caput semilunare, anguste marginatum, sulcoque intramarginali;
anguli poslico-exteriores acuti. Oculi nulli. Frons antrorsum dilatata,
marginem atlingens. Abdomen rotundalum , immarginatum ; rachis di-
stincta; coslae laterales depressae, marginem attingentes.'f Art: A.
acutangulus aus Schoonen.
Niobe nov. gen., auf Asaphus laeviceps und frontalis Dalmann
gegründet.
Megalaspis n. g. , auf Asaphus extennatus Dalm. gegründet,
E. Boll, Beitrag zur Kenntnlss der Trilobiten(Palaeon-
tographica I. p. 126.)
Der Verf. berichtet über die in den Mecklenburg-Strelitz'schen
Kalksteingeschieben vorkommenden Trilobiten, und beschreibt als neu:
Ampyx Brüchneri.
H. V. Meyer beschreibt (Palaeontographica I, p. 182)
unter dem Namen lonotns reflexiis einen neuen Trilobiten aus
der Grauwacke derEifel, welcher zu der Abtheilung mit ganz-
randigem, ungezähnten und ungelappten Pygidium gehört.
Von Fester und W^ithney (Report on the Geology of Ihe
Lake superior land' dislrict , Part. IL Washington 1851) wurde eine
Anzahl Trilobiten beschrieben , unter welchen folgende als neu anzu-
führen sind: Asaphus Barrandi, Harpes escanabiae , Phacops anchiops.
Roemer, Beiträge zur geologischen Kenntnlss des nord-
westlichen Harzgebirges (Palaeontographica IIL p. 19. u. folg.)
giebt die Beschreibung von folgenden neuen Arten : Bronleus
minor , Proelus Barrandü , orbicularis und Conocephahis longecornutus
aus dem Wissenbacher Schiefer , Cheirurus Jaschei und Phacops pecli-
nalus aus dem ßrachiopoden-Kalk, Lichas crassirhachis, Cheirurus nnj-
ops und Proelus crassimargo von Elbingerode. — In einer zweiten Ab-
handlung (ebenda p. 70 u. folg.) : Homalonolus Barrandei und minor
aus der älteren Grauwacke , Bronleus intumescens aus dem Calceola-
Schicfer, Acidaspis horrida, Phacops micromma und Cyphaspis spinulosa
aus dem Wissenbacher Schieler, Lichas granulosus aus dem Slringoce-
phalen-Kalk; Phillipsia crassimargo und alternans aus der jüngeren
der Cruslaceen während der J. 1852 u. 1853. 103
Grauwacke, Harpes Bischofßi , Phacops hiberculatus und Acidaspis Sei"
cana aus den Silurischen Schichten.
Ueber die Unterscheidung- verschiedener Trilobiten-
Schöpfungen hat Barrande eine interessante Abhandlung in
V. Leonhard und ß r o n n's neuem Jahrbuch der Minera-
logie etc. 1852. p. 257 veröffentlicht.
Salier beschrieb (Suliierlands Voyage in Baffins-Bay, Appendix
p 221) eine neue Art unter dem Namen Encrinurus arcticus von Cap
Riiey.
liopliyropoda. R e u s s , Über Entomostraceen und Fo-
raminiferen im Zechstein der Wetterau (Jahresberichte der
Welterauer Gesellschaft für 1851—53. p. 59— 77. Taf. 1.)
Der Verf. beschreibt folgende Arten des Wetterauer Zechsteins:
Bairdia gracilis M'., Geinilziana Jon,, Kingi n. sp. , plebeja n. sp., mu-
cronala n. sp., ampla n. sp. , frumenlum n. sp., Cytherella nuciformis
Jon., Cylhere bituberculata n. sp., Roessleri n. sp.
Derselbe, über Foraminiferen, Entomostraceen und Bryo-
zocn des Mainzer Beckens (v. Leonhard und Bronn's
Jahrbuch der Mineralogie etc. 1853. p. 670— 679, mit Taf. 9.)
Von Entomostraceen beschreibt der Verf. folgende: Bairdia sub.
deltoidea , arcuata, Cylhere Voltzii n. sp., Cytherella tenuistriata n. sp,
und Cytheridea MöUeri.
Als neue Arten werden ausserdem beschrieben:
Von Roemcr (Beilr. z. Kenntniss des nordwestl. Harzgebirges,
Falaeontogr. III. p. 19) Cypridina fragilis aus dem Wissenbacher Schie-
fer , C. nitida aus dem Gonialiten- Kalk und Cytherina intermedia aus
dem Brachiopoden-Kalk.
Von Jones (Quart. Journ. geolog. soc. IX. p. 161): Beyrichia
bussacensis und simplex von Bussaco in Portugal.
Poecilopodn* H. v. Meyer beschreibt ( Palaeontogr. I.
p. 134) eine neue Art der von ihm aufgestellten Gattung Halicyne un-
ter dem INamen H. laxa aus der Muschelkalk -Formation von Roltweil
und giebt zugleich Beiträge zur Kenntniss der ersten Art, H. agnota.
M'Coy weist (Quart. Journ. geolog. soc. IX. p. 12 — 17) nach,
dass die von Agassiz in Murchison's Silurian -System Taf. IV. fig. 63
und 64 als Fischreste abgebildeten Pelrcfacten der Poecilopoden-Galtung
Plerygolus angehören. Diese Galtung iheilt er nach der Bildung der
Klauen in Plerygolus sons. strict. und Leplocheles und fügt hieran syno-
nymische Bemerkungen über die diesen Gattungen zukommenden Arten.
104 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Aracfinoidea.
Blanchard hat der Pariser Akademie der Wissen-
schaften Untersuchungen über die Blut- Cirkulation bei den
Arachniden vorgelegt (Comples rendus Tom. 34 (1852) und
Tom. 36 ( 1853) „Observations sur la circulation du sang chez
les Arachnides" und „Sur la circulation des Arachnides pul-
monaires.«)
Der Verf. hat Injectionen bei einer grossen , lebend erhaltenen
Mygale vom Herzen aus gemacht und folgende Resultate erhalten: das
Herz besteht aus fünf Kammern; aus der vordersten entspringt die
Aorta, welche in den Thorax eindringt und dort zu jeder Seite zwei
Arterien an die hinteren Magendivertikel und die Thoraxmuskeln ab-
giebt; sodann theilt sie sich in zwei grosse Stämme, welche Aeste zu
den vorderen Magendiverlikeln und den übrigen Thoraxmuskeln ab-
giebt, so wie auch aus ihrer inneren Seite die Augenarterien entsprin-
gen. Weiter nach unten geben dieselben noch Aeste für die Antennen,
die Beine und den Bauchtheil des Abdomens ab. Aus den seitlichen
Herzkammern entspringt jederseits eine starke Arterie für die Leber
und den Darm. — Der Apparat zur Zurückführung des Blutes ist weit
weniger vollkommen ; von wirklichen Wänden umgebene Venen finden
sich nur in den Füssen, Antennen und Spuren davon in der Leber ; im
Thorax hingegen fliesst das Blut nur in den Zwischenräumen der Mus-
keln. Das von den verschiedenen Körperlheilen zurückkehrende ve-
nöse Blut wird durch zwei grosse Gefässe in die Kespirationsorgane
geführt und geht von dort in das Herz zurück. — Bei den übrigen
Araneiden soll die Circulation, nach der Angabe des Verf., von der bei
Mygale beobachteten nicht wesentlich abweichen.
J. Black wall, Experiments and observations on the
poison of animals of the ordcr Araneida (Transact. of Ihe
Linn. soc. Vol. XXI (1852.)
Der Verf. beschreibt die Resultate seiner Versuche über die Wir-
kung des Bisses einiger Spinnen- Arten , welche er am Menschen, an
Spinnen und Insekten angestellt hat. Die Arten , durch welche die
Verwundungen bewerkstelligt wurden , sind Epeira diadema, quadrata,
Tegenaria civilis, Segestria senoculata und Lycosa agrelyca. Die er-
sten beiden erzeugten durch einen Biss in die Hand und den Vorder-
arm des Menschen keine wesentlichen Erscheinungen, die Verwundung
glich dem Stich einer feinen Nadel. Die Versuche an Spinnen und
Insekten gaben das Resultat, dass der Spinnenbiss den* Tod der be-
treffenden Thiere nicht schneller herbeiführt, als eine mechanische Ver-
letzung, so dass eine Vergiftung nicht angenommen werden kann ; die
gebissenen Thicie überlebten die Verletzung je nach ihrer Grösse und
der Arachniden während der J. 1852 u. 1853. 105
Lebensfähigkeit längere oder kürzere Zeit und gingen, wie es scheint,
nur durch Säfte- Verlust zu Grunde.
Guyon berichtete der Akademie der Wissenschaften zu
Paris über 6 Fälle, wo Menschen spätestens nach 12 Stunden
durch den Stich des in Algier vorkommenden Buthus supcr-
tus Luc. starben, und theilt Beobachtungen über die Wirkung
des Stiches bei Thieren mit (Comptes rendus Tom. 34. (1852)
p.404.)
Die Zeit , in welcher die Thiere starben , zeigte sich nach der
Grösse und Lebenskraft derselben verschieden. Eine Möve, welche in
beide Füsse gestochen wurde , starb nach 2 Stunden , eine Nachtigall
nach 30 Sekunden, ein Meerschweinchen nach 15, ein Hund nach 50
Minuten, Die Symptome waren bei allen ziemlich dieselben : lauter
Schrei bei der Verwundung, Convulsionen, beschleunigte Herzthätig-
keil, endlich der Tod mit Streckung aller Körpertheile.
W. Zenker hat Mittheilungen über den inneren Bau
der Pycnogoniden in Müller's Archiv für Anat. und Phy-
siol. Jahrg. 1852. p. 379 (mit Taf.X.) gemacht.
Aus den Untersuchungen des Verf. ist gegen die früher von
Quatrefagues angestellten hervorzuheben, dass sich bei Nymphon
gracile ein von wirklichen Wandungen umgebenes Herz, in denen sich
auch Muskelfasern nachweisen lassen, vorfindet, und dass die Wände
des Schlundes mit hornigen Querleisten, welche eine dichtgedrängte
Reihe steifer Borsten tragen, -.versehen sind. Die letzteren sind von
Quatrefagues für Wimperzellen gehalten worden.
Beobachtungen, dass Spinnen lange Zeit (sogar ein Jahr
lang) ohne die geringste Nahrung leben können, sind von
Cambridge, Bree und Meade im Zoologist XI. p. 3766,
3S09, 38S2 und 3917 mitgetheilt worden. (Dergleichen Be-
obachtungen sind übrigens nichts Neues, sondern schon von
älteren Autoren mitgetheilt worden.)
Ebenda finden sich: G. Guyon „Curious action of a
Spider« (X. p. 3333), „Anecdote of a Hunting Spider^' (X.
p. 3600) und „Anecdotes of a Spider" von Goldsmith (X.
p. 3492.)
H. Meade theilt ebenda (X. p. 3676) eine Notiz „on
the method of preserving spiders" mit.
Von L. Dole schal ist in den Sitzungsberichten der
Wiener Akademie der Wissenschaften (Mathem. naturwiss.
Classe. Jahrgang 1852. p. 622) ein systematisches Verzeich-
106 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leisturtgen in d, Naturgeschichte
niss der im Kaiserthum Oesterreich vorkommenden Spinnen
veröffentlicht worden.
Als Einleitung giebt der Verf. eine kurze Uebersicht ober die
geographische Verbreitung der Spinnen in allen Welttheilen. Das Ver-
zeichniss der in Oesterreich bisher aufgefundenen Spinnen weist im
Ganzen 268 Arten nach , welche sich auf die verschiedenen Familien
folgendermassen verlheilen: Mygalidae 1 Art, Cellicolae 30, Lycosi-
dae 34, Saltigradae 36, l.aterigradac 35, Tubicolae 10, Epeiridae 32,
Theridionidae 27, Phalangina 37, Scorpionidae 10, Acarina 16 Arten.
Die Familie der Fycnogoniden ist bei der Aufzählung unberücksichtigt
geblieben. — Dem Verzeichnisse folgt die Beschreibung von 24 neuen
Arien und einer neuen Gattung, welche an ihrem Orte namhaft ge-
macht werden sollen.
J. Black wall hat in den Annais and niagaz. of nat.
hist. Tom. IX. und X. (1852) sein Verzeichniss der engli-
schen Spinnen fortgesetzt, und demselben in Tom. XI. (1853)
p. 113 einen Nachtrag beigefügt. Den einzelnen Arten sind
wie früher Bemerkungen über Lebensweise und Vorkommen
beigegeben worden.
Die vom Verf. aufgeführten Gattungen sind: Linyphia mit 16,
Neriene mit 36, Walkenaera mit 21, Pachygnatha mit 3, Epeira mit
18, Tetragnatha mit 1, Dysdera mit 3, Segestria mit 2, Schoenobates,
Oonops, Scylodes und Savignya je mit l Art.
Lucas führt in seiner Abhandlung über die Gliederlhiere
der Insel Creta im Ganzen 21 Arten von Arachniden auf und
giebt die Beschreibung von 5 daselbst aufgefundenen neuen
Arten (Guerin-Meneville, Revue et magas. de Zool. Tom. V.
1853. p. 514.)
J. Black wall „Description of some newly discovered
species of Araneida" beschreibt 7 neue Spinnen-Arten^, wel-
che theils in der Umgebung von Interlaken , theils in ver-
schiedenen Gegenden England's aufgefunden worden sind.
(Annais and magaz. of nat. hist. Vol. X. 1852. p. 93.)
Derselbe beschreibt (ebenda Vol. XI. 1853. p. 14) zehn
neue Arten aus verschiedenen Gegenden Englands.
Von Girard wurden einige neue Arten aus verschiede-
nen Ordnungen der Arachniden, welche in Louisiana aufge-
funden worden sind, beschrieben (Natural hislory of the red
river of Louisiana, Zoology, Washington 1853.)
White lieferte die Beschreibung einiger neuer Arach-
der Aracliniden wahrend der J. 1852 u. 1853. 107
niden in dem Anhang zu Sutherland's Journal of a vo-
yage in Baffin's-Bay (London 1852.)
Araneidae.
Girard beschrieb (Joe. cit.) als neu: Mygale Henlzii und Ly'
cosa pilosa aus Louisiana.
Black wall (Description of some newly discovercd species of
Araneida, Annais and Magaz. of nat. bist. Vol. X. 1852. p. 93 und Vol.
XI. 1853. p. 14) beschrieb folgende neue Arten : Lycosa calida Schweiz,
Salticus tiotatus u. reticulalus aus England, Thomisus iimbratilis Schweiz,
rersulus England, Philodromus vivax Schweiz, Drassus reticidatus Eng-
land, Lintjphia pernix , Meadii, anthracina , pulla, alacris, ericaea aus
England, Epeira calva Schweiz, Neriene agrestis und vigilax aus Eng-
land, Walkenaera exilis England.
Doleschal giebt (loc. cit.) die Beschreibung einer Anzahl im
Kaiserlhum Oeslerreich aufgefundener neuer Arien: Segeslria croatica
Croatien, Drassus cephalotes Wien , Lycosa puncliventris Dahnat., slria-
tipes Wien, Kollari Gastein Wien, alpigena Oesterr. Alp. 5700', Scylo-
des rußceps Lombardei, Pyrophorus austriacus Wien, Philia seligera
Dalmat., Ättus viridimanus Wien, Mannii Dalm=, biimpressus Wien, 5- fo-
veolalus Wien, Thomisus graminicola Wien, Epeira afßnis Wien, dalma-
tica Dalmat., Theridion Kollari Wien.
Lucas beschrieb (loc. cit.) folgende neue Arten von Creta : Cyr^
tocephalus lapidarius, Lycosa melanognatha, Salticus flavipalpis, striatus
Tegenaria cretica.
Von White wurde (loc. cit.) Micryphanles (Walkenaera) arcli~,
cus von der Baffins-ßay beschrieben.
Phalangina,
Doleschal stellte (loc. cit.) eine neue Gattung unter dem Wa-
rnen Dicranopalpus auf, welche er folgendermassen charaklerisirt:
Tumuius oculigerus elevatus , basi coarctatus , subglobosus, valle Ion-,
gitudinali divisus, inermis, obsolete granulatus. Mandibulae ut in ge-
nere Opilione. Palpi maxillares longi, sexarliculali , articulo terlio basi,
quarto apice ramum emiltente ; ramus articuli tcrtii deorsum directus,
longitudine sua articulum palpalem secundum superans ; ramus articuli
quarti longissimus, in interna articuli facie oriens, cum duobus postre-
mis palpi articulis imaginem furcae referens. Pedes mediocris lono-i-
tudinis.« Art: D. gasteinensis von den Gasleiner Alpen.
Ausserdem beschreibt derselbe ebenda folgende neue Arten:
Jschyropsalis Redlenbacheri, Egaenus atomariusWien, Lejobunum serie-
punctalum Gastein, Nemasloma ßavipalpum Oesterr. Alp., Nemastoma
Kollari Gastein.
Pedipalpi.
Girard beschrieb (^loc. cit.) aus der Familie der Phryniden als
neu: Telyphonus excubitor aus Louisiana.
108 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturg. etc.
Die Familie der Scorpioniden bereicherte derselbe mit Telcgonus
boreus und Alreus californicus, beide aus Louisiana.
Solifugae.
Leon Dufour giebt eine Beschreibung und Abbildung des
Weibchens von Galeodes barbara Lucas nebst Bemerkungen über seine
Lebensweise und Vorkommen. (Annales de la soc. entomol de France,
3. Serie, Tom. L p. 1. Planche III. ßg. 1.)
Acarina.
In der Familie der Sarcoptiden errichtete Newport (Transact.
of Ihe Linn. soc. Vol. XXL p. 101) eine neue Gattung, welche sich in
den Nestern von Anthophora retusa findet, unter dem Namen Heier o~
pus. „Corpus elongalum , subarticulatum ; caput mobile. Thorax a
trunco distinctus, ad latera corpusculis clavatis munilus. Pedes ante-
riores palpiformes; reliqui aequales, arcuati, altenuati, tarsis gracilibus
4 articulatis, arliculo lerminali lato, vesiculari." Art: H, venlricosus.
White beschrieb im Anhange zu Sutherlands Voyage in Baf-
fln's ßay, p. 210 als neu: Ixodes uriae, welcher aufUria troile lebt.
Oie Familie der Argasiden bereicherte Frauenfeld (Verhandl.
des zool.-bot. Vereins in Wien, 111. Band, p. 55) durch eine interes-
sante Zeckenform aus der Adelsherger Grotte, welche sich durch den
Mangel der Augen auszeichnet. Sie bildet die Gattung Eschatocepha-
lus: „Ocellis nullis, capite verticali; palpis pyriformibus, rostrum lon-
gitudine aequantibus, selosis ; pedibus elongatis, gracilibus, setosis; cor-
pore laevigato, nitidissimo." Art : Esch. gracilipes, 2'" lang.
Eine neue Art der Gattung Trombidium wurde von Le Conte
in den Proceed. Acad. nat. bist. Philadelph. Vol. VI. 1852. p. 145 un-
ter dem Namen Tr. magnificum aus Texas beschrieben.
E. Crisp berichtet über die Eier einer auf Buceros Rhinoceros
lebenden Acarus-Art; dieselben sitzen zu 20 — 50 an der Basis einer
Feder und vorzüglich an solchen Stellen des Körpers, wo der Vogel
nicht mit seinem grossen Schnabel hingelangen kann, also am Kopf,
Nacken und der Kehle. (Zoologist XI. p. 3916.).
Pycnoyonidae.
White beschrieb im Appendix zu Sutherland's Voyage in Baf-
fins Bay, p. 207 als neu : Nymphon crassipes.
Hyriapoda.
Lucas beschrieb in Guerin Rev. et Magaz. de Zoologie Tom.V.
1853. p. 528 als neu: Julus obesus und Scolopendra cretica, beide von
der Insel Greta.
Von Girard werden (Nat. bist, of the red river of Louisiana)
als neue Arien aufgeführt: Scolopendra heros^ Julus ornatus und atratus.
Bericht über die lieistung^en im Oebiete der
lIerpetolos:ie Avähreiid des Jabres 1$53.
Vom
Herausg-elier*
Herpetologie de laVienne, ou Tableau methodique, in-
dicatif et descriptif des Reptiles , tant vivants que fossiles,
observes jusqu' ä present dans le departement de la Vienne,
par M. Mauduyt, conservateur du Musee de Poitiers. Soll
nach einer Anzeige in der Revue de Zoologie 1853. p. 277
im Ganzen 31 Arten behandeln, unter denen Emys europaea,
Coluber glaucoides Mil., Bufo vineainsis Les., Triton cornifex
Laur. und Tr. zonarius Mill.
De Betta verzeichnete in den Verhandlungen des zoo-
logisch-botanischen Vereins in Wien die Reptilien des Valle
di Non : „Catalogo dei Rettili della Valle di Non (nel Tirolo
italiano) per cura di Edoardo Nobile de Betta/^
Dasselbe enthält 4 Eidechsen, 6 Schlangen, 6 UDgeschwäozle
und 3 geschwänzte Batrachier.
Botteri gab über die Amphibienfauna der Dalmatischen
Inseln Nachricht (Verhandl. des zool.-bot. Vereins in Wien
1853. p. 129).
Es giebt sehr kleine Inseln, welche an diesen Thieren unge-
wöhnlich reich sind, dagegen wieder grosse, auf denen kaum ein ein-
ziges Individuum zu finden ist. So sind auf die zwei kleinen Insern
Bacili bei Lesina die Saurier sehr zahlreich. Die Batrachier fand Verf.
nur auf Lesina vertreten, wo 9 Arten vorkommen.
In einem Aufsafze des Bullet, de la Soc. imp. des Na-
turalisles deMoscou 1853. p. 410 : Quelques mots sur le cli-
110 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
mat et la faune de Kamieniec-Podolski par Gustave ßelke
wird p. 416 erwähnt, dass Verf. schon im März vier Amphi-
bienarten Bufo vulgaris und fusca, Rana esculenta und Vipera
Berus antraf, der Frosch begann im Jahr 1851 am 10 April,
1852 am 30. April an zu quaken.
Die Fauna wird übrigens als arm bezeichnet; sie besteht aus
14 Arten: Erays europaea, Lacerta viridis und agilis, Anguis fragilis,
Coluher natrix , Vipera Berus, ßufo cinereus, igneus, fuscus , viridis,
Rana esculenta, temporaria, Hyla arborea, Triton cristatus, terdigitatus.
Im Gouvernement Perm werden 8 Amphibien als die am
gewöhnlichsten vorkommenden genannt. (Erdkunde des Gouv.
Perm, als Beitrag zur näheren Kenntniss Russlands von Z e r-
renner. Leipzig 1853.;|
J. E. Gray beschrieb einige neue Amphibien aus Ben-
galen, die durch Hooker gesammelt worden sind, in den An-
nais XII. p. 386. (Descriptions of some undescribed species
of Repliles collected by Dr. Joseph Hooker in the Khassia
Mountains, East ofBengal, and Sikkim Himalaya). Die neuen
Gallungen und Arten sind unten milgetheilt.
Im Journal of the Asiatic Society of Bengal 1853. p.462
ist ein Verzeichniss der Reptilien, welche die Indische Halb-
insel bewohnen, von B. T. G. Jer don enthalten (Catalogue of
Repliles inhabiting the Peninsula of India). Dasselbe enthält
9 Schildkröten und 34 Eidechsen. Unter letzteren sind meh-
rere neu, die unten namhaft gemacht sind.
In „Exploration of the Red River of Louisiana in the
Year 1852. by Randolph B. Marcy assisied by George
B. McClellan. Wilh reports on the nalural history of the
country and numerous illustrations. Washington 1853. 8.'^
werden im Appendix F. p. 217—245 die Reptilien behandelt.
Sie sind von Baird und Girard bearbeitet.
Die Sammlung der Reisenden bestand aus 10 Schlangen, die alle
bereits in dem Cataloge der Nordamerikanischen Reptilien, welchen die
Verf. herausgegeben haben , enthalten sind , von denen aber 9 hier
abgebildet sind; 6 Eidechsen, von denen eine neu, und von denen
zwei abgebildet sind; 2 Batrachier , von denen einer, Bufo cognatus
Say , abgebildet ist.
In dem „Report of an expedition down the Zuni and
Colorado Rivers by CaplainSitgreaves. Washington 1853.8.«
Herpetologie während des Jahres 1853. 111
ist der Abschnitt über die Reptilien (p. 106—147) von Hal-
lo well bearbeitet. Es werden daselbst 12 Eidechsen , 9
Schlang-en und 3 Balrachier ausführlich beschrieben ; die mei-
sten derselben sind abgebildet. Neue Arten sind nicht dar-
unter, indem dieselben bereits im 6ten Bande der Proc. Phi-
ladelphia Acad. p. 177. und p. 206 bekannt gemacht sind.
Store r theilte der Boston Society einige Thatsachen
in Beziehung auf die geographische Verbreitung einiger Nord-
amerikanischen Reptilien mit (Proc. Boston Soc. nat. bist, IV.
p. 129).
Ebenda p. 146 finden sich Beobachtungen, welche Bur-
nett zu Aiken in Georgia über die Reptilien jener Gegend
angestellt hat.
Ein Verzeichniss der von LeConte in Californien ge-
sammelten Amphibien von Baird und Girard ist in den
Proceed. Philadelphia VI. p. 300 gegeben. Es sind 9 Schlan-
gen und 7 Batrachier; unter Letzleren sind einige neue, die
unten namhaft gemacht sind.
Gratiolet schrieb über das Venensystem der Repti-
lien. Institut 1353. p. 60.
George Newport machte eine zweite Mittheilung
über die Befruchtung des Eies bei den Amphibien. (Philos.
Transact. of the Royal Soc. of London 1853. p. 233.
Cheloiiii.
In den Memoires de la Societe Linneenne de Norman-
die. Annees 1849—53. VoL IX. sind p. 103. Briefe von
Blainville und Eu d es-ü eslongch a n) ps über die le-
benden und fossilen Krokodile abgedruckt , auf die hier nur
im Allgemeinen verwiesen werden kann. Sie beziehen sich
auf anatomische Verhältnisse.
In einer lileinen Schrift „Verlebralorum Synopsis in Musaeo me-
diolanensi extantium quae per Novam Orbeiii Cai. Osculati collegit an-
nis 1846—48. Speciebus novis vel minus cognilis adieclis, nee non
descriplionibus alque iconibus illustratis, curante E. Cornalia. Me-
diolani 1849," welches seiner Zeit in diesen berichten übergangen
war, finden sich zwei neue Schildkrölen Podocnemis sexluberculala und
Penlonyx americana. ErsUre inöchle wohl identisch mit des Ueferen-
112 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
tcn P. unifilis in Rieh. £lchomburgk's Reise in Britisch Guiana III. p. 647.
sein, da sie gleichfalls nur einen Barifaden besitzt.
lieber den Bau und die Entwickelung des Brustbeins der
Saurier schrieb Rathke ein Programm. Königsberg 1853.4.
Brühl weist in den Sitzungsberichten der Wiener Acad.
XI. p. 318 in gereizter Stimmung nach, dass die Hyrtrsche
Entdeckung der Quertheilung der Caudalwirbel einiger Sau-
rierfamilien und die Stannius'sche Entdeckung der knorpligen
Fortsätze der Krokodilrippen bereits von Cuvier in den Os-
semens fossiles niedergelegt seien.
Referent hatte Gelegenheit, ein Weingeist-Exemplar
von Heloderma horridum zu untersuchen, und hat namentlich
Zunge und Skelet beschrieben, und auf zwei Tafeln abbilden
lassen. Die Eidechse gehört in die Familie der Lacerten (dies
Archiv p. 294).
Turner schilderte den Farbenwechsel eines Chamäleons, wel-
ches er lebend heobachlete. Annais XU. p. 292.
Mehrere neue Arten der Geckonenfamilie wurden \on Jerdon
1. c, Journ. Asiat. Soc. 1853 aufgestellt: Hemidachjlus subtriedrus sehr
verwandt mit triedrus , Hern, punctatus von frenalus durch den Mangel
der Poren verschieden, Homofiota fasciata, Gymnodactylus malabaricus,
litoralis , mysoriensis.
Ebenda sind Caloles nemoricola und Acanthodactylus nilgherren"
sis als neu beschrieben.
J. E. Gray stellte Annais XII. p. 387. eine neue Gattung ßtön-
cia auf, die sich von Calotes durch den Mangel des äussern Trom-
melfelles unterscheidet. Die neue Art B. niger von Sikkira.
Die ebenda aufgestellte neue Gattung J apalura gleicht ganz
den Afrikanischen Agamen, unterscheidet sich aber von ihnen dadurch,
dass die Ohren von der Haut und von Schuppen bedeckt sind. Eine
neue Art J. variegata von Sikkim.
ßaird und Girard stellten in Marcy Expl. of the Red River
of Louisiana p. 237 eine neue Art Sceloporus consobrinus auf.
Giuseppe de Natale hat in den Memorie della R.
Accademia delle scienze di Torino 1852. Ser. II. Tom. XIII.
p. 436 eine ausführliche anatomische Schilderung des Scincus
variegalus Sehn, geliefert , und dieselbe auf zwei Kupferla-
Herpetologie während des Jahres 1853. 113
fein erläutert : Ricerche anatomiche sullo Scinco variegato in
rapporlo ai principali tipi d*organizzazione dei rettili.
Hinulia indica und Plestiodon Sihkimensis sind neue Arten der
Scincoidenfamilie , welche J. E. Gray Annais XII. p. 388. beschrie-
ben hat.
ßurnett hat die Zerbrechlichkeit des Schwanzes der Glas-
schlange, Ophisaurus ventralis , untersucht. Die Muskeln gehen nicht
von einem Wirbel zum andern, sondern ein Theil der Fasern heftet
sich an die Haut, während andere mitten zwischen zwei Wirbeln en-
digen. Dasselbe fand derselbe bei Scincus fasciatus (Proc. Hoston Soc.
IV. p. 223).
J. E. Gray bat aus seinem Pseudopus gracilis eine neue Gal-
tung Z>op as irt gebildet (Annais XII. p. 389), welche sich durch den
Mangel der rudimentären Hintergliedmassen an Ophiosaurus anschliesst,
von ihr sich jedoch durch die Beschuppung des Kopfes unterscheiden
soll. Die Art lebt im Khassia -Gebirge.
ISerpentes.
Für die Kenntniss der Schlangen hat das Jahr 1853
zwei sehr wichtige Arbeiten gebracht. Von diesen ist zuerst
zu nennen : „Prodrome de la Classification des Repliles Ophi-
diens ar M. Dumeril'^; welcher in den Memoires des scien-
ces de l'lnstitut de France Tome XXIII. p. 399 erschien. Auf
der bereits in der Erpetologie von Dumeril et Bibron gege-
benen Basis ist hier die Eintheilung der Schlangen in Fami-
lien und Gattungen weiter verfolgt. Die erste Unterordnung,
so wie die beiden ersten Familien der zweiten Unterord-
nung, sind bereits in der Herpetologie Vol. VI. behandelt wor-
den. Es ist gewiss nicht leicht, in allen Fällen nach den
hier gegebenen Charakteren Schlangen zu bestimmen , und
die Arbeit liefert nichts Vollkommenes; indessen ist dadurch
immer ein grosser Schritt geschehen , der dem Ziele näher
rückt. Folgendes kurzes Schema der Dumeril'schen Classifi-
cation wird manchem unserer Leser willkommen sein. Auf
zwei Tafeln sind die 15 typischen Gebisse abgebildet.
I. Opoterodontes. Zähne nur in einem der Kiefer, oben
oder unten. Dahin zwei Familien : l. Epano dontiens. Zähne oben,
mit den Gatt. Pilidion Wagl., Ophthalmion, Cathetorhinus, Onychocepha-
hts, Typhlops Sehn., Cephalolepis Dum. — 2. Catodontie ns. ZShne
unten. Gatt. Catodon und Stenostoma.
Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2. Bd. ^ H
114 Troschel: ßerichl über die Leistungen im Gebiete der
II. Aylpptodontes, Zähne in beiden Kiefern, alle glatt, voll
und ohne tiefe Furche. Dahin 12 Familien: 1. Holodontiens. Zähne
in beiden Kiefern, am Gaumen und am Zwischenkiefer. Galt. Morelia
Gray, Python, Nardoa Gray, Tortrix Oppel, Xenopeltis Reinw. — 2.
Aproterodontiens. Wie vorige, aber ohne Zwischenkieferzähne.
Gatt. Eryx, Cylindrophis Wagl., Enygra Wagl., LeploboOf Tropidophis,
Plalygaster, Boa Wagl., Pelophila, Eunectes Wagl. , Xiphosoma Wagl.,
Epicrates Wag!., Chilabothrus. — 3. Acroch ordiens. Körper statt
der Schuppen mit Tuberkeln bedeckt, ohne symmetrische Platten auf dem
Scheitel. Galt. Acrochordus Hornstedt, Chersydre Cuv. , Xenoderma
Reinh. — 4. Calamariens. Körper sehr dünn, rund, überall gleich
dick. Gatt. Oligodon Boie, Calamaria, Rabdosoma, Homalosoma Wagl.,
Rabdion, Elapoides Boie, Aspidura Wagl. , Carpophis Conocephalus. — .
5. Uperolissiens. Keine Zähne im Gaumen. Galt. Rhinophis Hempr.,
Uropeltis Cuv., Coloburus, Fleclrurus. — 6. Plagiod ontien s. Alle
Zähne nach innen und gegen einander gerichtet. Gatt. Plagiodon. —
7. Isodon tiens. Alle Zähne gleich, Kopf breiter als der Hals. Gatt.
Dendrophis, Herpetodryas Boie, Gonyosoma Wagl., Spiloles Wagl.,
Rhinechis Mich., Elaphis, Ablabes, Callopisma, Trelanorhine. — 8. Co-
lubr iens. Zähne nach hinten alimählich länger. Kur die beschränkte
Gatt. Coiuber mit 5 Arten, — 9. Lyco dontiens. Zähne glatt, die
vordem viel länger oder kräftiger als die folgenden, die eine lange
Reihe ohne Lücken bilden. Hier werden vier Gruppen geschieden. Die
Gauraenzähne sind gleich und dann die Unterkieferzähne getrennt, vv^o-
bei wieder die obern nicht getrennt (Boedon) oder getrennt (Lycodon,
Cyclocorus, Cercaspis Wagl., Spfiecodes , Ophites Wagl.) sein können,
oder die Unterkieferzähne sind nicht getrennt durch einen freien
Raum (Eugnathus , Lycophidion Fitz., Alopecion , Heterolepis Smith,
Lamprophis Fitz.), oder die Gaumenzähne sind viel länger (Pareas
^ag\., Aplopeltura, Dinodon, Odontomus^. — 10. Lepto gn athiens.
Schwanz konisch , spitz, Kopf ebenso breit wie der Rumpf, Gaumen-
zähne deutlich, Kiefer schwach. Galtung Petalognathus , DipsadomO'
rus , Leptognathus , Cochleophagus , Hydrops Wagl., Rachiodon Jourd.,
PlalypleryXf Slenognathus , Ischnognalhus , ßrachyorrhos Kühl, Sirepto-
phorus , Siremmatognathus. — 11. Syn cranteri e ns. Alle Zähne
in einer Linie, von denen die letzten länger sind, ohne freien Zwi-
schenraum. Gatt. Leptophis Bell , Tropidonotus Kühl, Coronella Laur.,
Simotes. — 12. D ia er anteriens. Die letzten Oberkieferzähne sind
länger und von den andern getrennt. Galt. Dromicus, Periops Wagl.,
Slegonolusj Zamenis Wagl., Liophis Wagl. , Uromacre, Amphiesma, He-
licops Wagl., Xenodon Boie, Helerodon Lalr.
III. Opisthoglyphes, Zähne in beiden Kiefern, einige ge-
furcht, hinten und länger. Dahin 6 Familien: 1. 0 xy cephaliens.
Vordere Zähne fast gleich , Kopf schmal , Schnauze spitz. Gatt. Xi»
Herpelologie während des Jahres 1853. 115
phorhynchus Wagl., Dryinus Merr., Oxybelis Wagl., Tragops Wagl. —
2. S t eno cephaliens. "Vordere Zähne fast gleich, Kopf schmal,
Schnauze nicht verlängert. Gatt. Elapsomorphus Fitz., Erythrolamprus
Boie, Homalocranion, Slenorrhina. — 3, Aniso donliens. Vordere
Zähne von ungleicher Länge, unregelmässig vertheilt. Gatt. Bucepha-
lus Smith, Hemiodontus, Oligotropis, Psararaophis Boie, Chorisodon, Ope-
tiodon , Tarbophis Fleischm., Lycognathus , Tomodon. — 4. Platyr-
rhiniens. Vordere Zähne gleich, Kopf breit, Schnauze quer abge-
stutzt. Gatt. Hypsirhine W^agl., Euroslus, Trigonurus, Campylodortj Ho-
malopsis Kühl, Cerberus Cuv. , Erpeton Lacep. — 5. Scyt aliens.
Vordere Zähne gleich , Kopf breit , Schnauze breit und abgerundet.
Galt. Rhinostoma Fitz., Rhinosimus, Scytale Wagl., Brachyrruton, Oxyr-
rhopus Wagl. — 6. Dipsadiens. Vordere Zähne gleich, Kopf hinten
breit, Schnauze rund und schmal. Gatt. Telescopus Wagl. , Rhinobo-
thrium Wagl,, Imanlodes, Triglyphodon, Dryophylax Wagl., Dipsas Boie,
Helerurus.
IV. Proteroglyphes. Zähne in beiden Kiefern, einige ge-
furcht, vorn, gefolgt von glatten Zähnen. Dahin 2 Familien: 1. Co-
no cerques. Schwanz konisch, Kopf bedeckt mit grossen Platten und
einem centralen Schilde. Gatt. Elaps , Pseudelaps Fitz., Furina, Tri-
meresurus Lacep., Alecto Wagl., Sepedon Merr., Causus Wagl., ßun-
garus Daud., Naja Laur. — 2. Platy cerques. Schwanz zusammen-
gedrückt, Scheitel mit grossen polygonalen Platten bedeckt, mit einem
unpaaren und unregelmässigen centralen Schilde. Gatt. Platurus Latr.
Aipysurus Lacep. , üisteira Lacep. , Pelamis Daud., Acalyptus, Hydro-
phis Daud. (Die Arbeit von Ph. Schmidt in den Schriften des Ham-
burger Vereins über Seeschlangen ist nicht benutzt.)
V. Solenoglyplies. Zähne in beiden Kiefern, nur durch-
bohrte Zähne. Dahin 2 Familien: 1. Vip eriens. Keine Thränen-
gruben. Galt. Acanthophis Daud., Pelias Merr., Vipera Laur., Echidna
Merr., Cerasles Wagl., Echis Merr. — 2. Crotalien s. Mit Thränen-
grubcn. Gatt. Crotalus Linn. , Lachesis Daud., Trigonocephalus Oppel,
Leiolepis, Bothrops Wagl., Atropos Wagl., Tropidolaemus Wagl.
Die zweite grössere Arbeit über Schlangen haben B a i r d
und Girard geliefert. Dieselben haben ein Verzeichniss der
Nordamerikanischen Reptilien , welche sich in dem Museum
der Smilhsonian Institution befinden^ herauszugeben begonnen.
Die erste Abtheilung enthält die Schlangen. Es werden hier
im Ganzen 119 Arten aufgezählt, unter denen 54 als neu be-
schrieben sind. Die Verf. unterscheiden 35 Gattungen, von
denen 22 neu aufgestellt sind. Alle Gattungen sind cha-
rakterisirt, alle Arten beschrieben. Um von der grossen
116 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Anzahl neuer Gattungen den Lesern dieser Berichte wenig-
stens eine Andeutung zu geben^ Iheile ich die vorangestellte
Syr^opsis derFamiiien und Gattungen mit, indem ich zugleich
dabei die Zahl der Arten und die Namen der neuen Arten
>^erzeichne.
Die Verf. unterscheiden vier Familien :
1. Crotalidae. — a. Schwanz mit Klapper, «. Scheitel mit
Itleinen schuppenähnlichen Platten Crotalus Linn. (7 Arten , unter
denen alrox von Texas und molossus von Sonora neu), ß. Scheitel
mit grossen Platten wie bei Coluber Crotalophorics iivay (5 Arten,
worunter consors von Texas und Edicardsii von Mexico neu), b. Schwanz
ohne Klapper, a. Zügclschild vorhanden Agkistodon ßeauv. (l A.).
ß- Zügelschild fehlt Toxicophis Troost (2 A., worunter pugnax von
Texas neu).
2. Colubridae. — Dirse Familie zerfällt in 2 Gruppen:
A. Zügel- und Anteorbitalschilder vorhanden.
1. Rückenschilder glatt. Ein Giftzahn jederseits Elaps Fitz.
(3 A. darunter tenere und trislis von Texas neu).
2. Rückenschilder gekielt, a. Scheitelschilder typisch. «. 3
Poslorbitalschilder. f. Postabdominalschilder ganz Eutainia Baird
et Girard (16 A., darunter Fairej/i von Louisiana, Pickeringii von Ore-
gon, leplücephala von Oregon, dorsalis von Texas, radix von Wiscon-
sin, elegans von Californien, vagrans von Mexico, Marciana von Texas
neu). \\. Poslahdominalschilder getheilt Nerodia Baird et Girard
(10 A. , darunter Agasshii vom Huron-See, Woodhousii von Texas,
Holbrookii von Louisiana neu), ß. 2 Poslorbitalschilder. f. Zügelschil-
derberühren das Auge nicht Ä e^f ina Baird et Girard (4 A. , worunter
Grahamii und Clarkii von Texas neu). ff. Zügelschilder berühren
das Auge Ninia Baird und Girard (1 neue Art diademala von Me-
xico. — b. Scheitelschilder nicht typisch. «. Lippenschilder beiühren
das Auge nicht Hcterodon Beauv. (6 A-, wovon cognatus von Te-
xas und almodes von Georgia neu), ß. Lippenschilder berühren das
Auge Fituop his Holhr. (6 A. , darunter McClellanii von Arkansas,
Wilkesn von Oregon und annectens von Californien neu). — c. Schei-
telschilder typisch, nur die mittleren Schuppenreihen des Rückens ge-
kielt Scotophis Baird et Girard (8 A. , wovon Lindheimeri von Te-
xas , vulpinus von Wisconsin und Michigan , conßnis von Südcarolina,
laelus von Arkansas, Emoryi von Texas neu}.
3. Rückenschilfler glatt, mit Ausnahme von Leplophis. a. Post-
abdominalschilder ganz. «. Rückenschilder nicht dachziegelartig ; Su-
perciliarschilder schmal Ophibolus Baird et Girard (9 A., darunter
Boylii von Californien, splendidus von Sonora, clericus vom Missisippi,
Herpetologie während des Jahres 1S53. 117
genlüis von Arkansas neu), ß. Rückenschilder dachziegelarti^ ; Snpcr-
ciliarschilder breit Georgia Baird et Girard (2 A.). — b. I'ostabdo-
minalschilder gell)eilt. a. Scheilelschild lancj, schmal, f. Schnauzen-
schild normal. *, Poslorbitalschilder am 4. Lippenschilde ZJasc anio n
Baird et Girard (5 A. , worunter Fremontii von Californien, Foxii von
ölichigan, veluslus von Californien und Oregon neu). **. rostorbital-
schilder am 5. Lippenschilde Masticophis Baird et Girard (6 A.,
worunter orna/?/s und ScÄot/n von Texas neu). f-J-. Schnauzenschild mit
seitlichen Rändern über der Fläche der Nasenschilder Salvadora Baird
et Girard (1 neue A. Grukamiae von Sonora). ß. Scheitelschild kurz,
breit, Schnauze stumpf, f. Ein Nasenschild. *. Schuppen gekielt Le~
ptophis Bell (2 A., wovon tnajalis von Texas und Arkansas neu). **.
Schuppen glatt. O.Zwei Postorbilalschilder C/t /or oso«irt VVagl. (1 A.)
00. Ein Bostorbitalschild Conlia Baird et Girard (l neue A. mitis von
Californien und Oregon). \\. Zwei Nasenschilder. *. Zwei Anteorbilal-
schilder Dia dophis Baird et Girard (5 A., von denen amahilis von
Californien, docilis von Texas, pulchellus von Californien und regal'is
von Sonora neu). **. Ein Anteorbilalschild. 0. Zwei I'oslorbital-
schilder Lodia Baird et Girard (l A.). 00. Drei Postorbitalschilder
Sonora Baird et Girard (1 neue Art semianniilala von Sonora). y.
Scheitelschild breit; Schnauze spitz. f. Subcaudalschilder getheill
Rhinosto ina Fitz. (1 A.). ff. Subcaudalschilder ganz Rhino-
cheilus Baird et Girard (l neue A. Lecontii von Californien).
ß. Zügel- oder An t eor bi t a Is c hi I d er fehlen.
1. Anteorbitalschilder fehlen, a. Ein Präfrontalschild. «. Schup-
pen gekielt Haldea Baird et Girard (l A.). ß. Schuppen glatt Fa-
rancia Gray (1 A.). — b. Zwei Praefrontalschilder ; Schuppen glatt.
a. Zwei Postorbitalschilder, f. Ein Nasenschild^ 6 nsfor Gray (lA.).
ff. Zwei Kasenschilder Virginia Baird et Girard (1 neue A. Vale-
riae von Maryland, Washington). ß. Ein Postorbitalschild Celuta
Baird et Girard (l A.).
2. Zügelschild fehlt, a. Schuppen glatt. «. Poslabdominalschil-
der getheilt Tantilla Baird et Girard (2 neue A. coronata vom iMis-
sisippi, gracilis von Texas), ß. Poslabdominalschilder ganz Osceola
Baird et Girard (l A.) — b. Schuppen gekielt Storeria Baird et
Girard (2 A.).
3. Boidae. — a. Ein Anteorbital - , ein Superciliar, und ein
Zügelschild Wenona Baird et Girard (2 A.). — b. Drei Anteorbital -,
drei Superciliar-, zwei Zügelschilder Charina Gray (nicht in der Samm-
lung vorhanden).
4. Ty phlopidae. — a. Die Kopfschilder sind: Frontona-
sal-, Nasal-, Ocular -, Parietal- und Postparietalschildcr ile na Baiid
et Girard (2 neue .■\. dulcis von Texas und humilis von Californien). —
118 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
b. Die Kopfschilder sind: Praefrontal- , Frontal-, Frontonasal- , Na-
sal-, Ocular-, Praeocular-, Supraocular - und Parietalschilder Oph~
t haltnidion Dura. Bibr. (nicht in der Sammlung vorhanden).
Fünf Anhänge und ein alphabetisches Verzeichniss schliessen
dieses für dieKenntniss der Nordaraerikaniscben Schlangen wichtige Werk.
Hallo well beschrieb in Proc. Philadelphia VI. p. 236 einige
neue Schlangen von Californien : Pilyophis Heermanni, Coronella bal-
teata, Tropidonotus trivittalus und Leptophis lateralis.
Auch J. E. Gray charakterisirle einige neue Schlangen Annais
XII. p. 389, welche Hooker in dem Khassia-Gebirge sammelte: Coro-
nella puncliculatay callicephalus, Psammophis collaris, Herpelodryas fre-
nalus, Trimesurus elegans und bicolor, Parias maculala.
Bian conij beschrieb in seinem Werke über Mossambique „Spe-
cimina zoologica mosambicana *) , quibus vel novae vel minus notae
animalium species illustranlur," von welchem nunmehr 6 Hefte erschie-
nen sind (Memorie dell' Academia dell' Islituto delle Scienze di Bo-
logna) im 6ten Hefte (1852) eine neue Schlange Calamaria micro-
phthalma, die oben bleifarbig, unten weisslich ist und in der Mitte des
Bauches eine Reihe schwarzer Flecken hat.
Le Conte hat Untersuchungen angestellt über Crolalus horridus
und durissus Linn. Er kommt zu dem Resultate, dass der sogenannte
horridus der Autoren der echte durissus Linn. sei mit schwarzen Quer-
binden auf dem Rücken; und dass die andere Art mit rhombischen
Flecken auf dem Rücken Caudisona lerrifica Laur., Cr. rhombifer Daud.,
Cr. adamanteus Palisot de ßeauvais ct. sei, und daher den Namen ter-
rifica behalten müsse. (Proc. Philadelphia VI. p. 415).
Türk beobachtete den merkwürdigen Fall, dass eine Echis va-
ria Reuss aus Äegypten , die mit einer Klapperschlange (Uracrotalon
catesbyanum Fitz.) und einer Sandviper (Rinechis Ammodytes Fitz.) in
einen Käfig gesperrt wurde , die beiden letztgenannten Giftschlangen
durch ihren ßiss tödtete (Verhandl. des zool. bot. Vereins in Wien
1853 p. 179).
*) Die einzelnen Hefte dieses Werkes enthalten manches Neue,
wie ich aus einer ausführlichen Anzeige in ßianconi's Repertorio ita-
liano per la storia naturale 1853 ersehe. In den 6 Heften sind 12
Tafeln den Reptilien gewidmet. Heft 1 (1847) enthielt Tj/pÄiop (ßphlhal-
midion Bibr. ) , Fornasinii und T. ( Onychocephalus Bibr. ) Schlegelii
Bianc. als neue Arien. Heft 2. (1848) enthält als neu: Eucnemis For'
nasinii, E. Salinae und Dendrobales Inhambanensis. Heft 3. (1849)
Aconlias plumbea , Dendrophis pseudo - dipsas ; Naja Fula-fula. üeber
den herpelologischcn Inhalt von Heft 4 und 5 vergl. den vorigen Be-
richt p. 63.
Heipetelogie während des Jahres 1853. 119
Batracilii*
Jeffries Wyman schilderte ins Einzelne gehend das
Nervensystem von Rana pipiens (Anatomy of the nervous
System of Rana pipiens Smilhsonian contrib. to knowledge
Vol. V. Art. 4. 1853. 51 S. und 2 Tafeln).
Edward Joseph Lowe behauptet, Frösche und Krö-
ten könnten unter gewissen Umständen lebendige Junge ge-
bären, oder doch die Jungen aus Eiern ohne die Metamor-
phose entwickeln. Er schliesst dies daraus, dass mehrfach
sehr junge Frösche und Kröten an Orten beobachtet wurden,
wo kein Wasser in der Nähe war. Natürlich gehört eine viel
directere Beobachtung dazu , um dies glaublich zu machen.
(Annais XI. p. 341; vergl. auch Institut 1853. p. 275). — L.
Jenyns scheint jedoch in einer Notiz ib. p. 482 nicht ab-
geneigt, der Ansicht des Verf. seine Zustimmung zu geben.
A. Dumeril hat die neuen Frösche und Laubfrösche
des Pariser Museums beschrieben. Davon findet sich ein
Auszug in den Comptes rendus XXXVI. p. 474. Daselbst sind
die neuen Arten nur genannt, nicht charakterisirt.
Es sind folgende 11: Hylambates maculalus nov. Gen., Li7o-
ria punctata und inarmorala , Limnodytes madagascariensis, Polypedalcs
lugubris und lephraeoinystax , Hyla Verreauxii von Australien und H.
Moreletii von Guatimala, Cormifer dorsalis, Hylodes laliceps^ corruyalus
und VUianns.
Girard beschrieb Proc. Philadelphia VI. p. 420 eine
Reihe von neuen Batrachiern, welche auf der Exploring Ex-
pedition unter Ch. Wilkes ausserhalb Nordamerika's gesammelt
wurden.
Zunächst zerfällt er die Gattung Cystignathus Dum. Bibr in eine
Reihe von Gattungen, nämlich: Leptodactylus Fitz., Cystignathus Wag!.,
Pleurodema Tsch. , die amerikanisch sind ; Crinia Tsch. , Ranidella Gir.
und Wagleria Gir. , die Australien angehören ; und Kassina Gir. von
Afrika. Die Gattung Ranidella unterscheidet sich durch den völli-
gen iMangel der Gaumenzähne von allen Galtungen und steht Crinia
zunächst, die nur wenige Zähne am Gaumen besitzt; ihre Zehen sind
spitz und ganz frei. Bei Wagleria stehen die Vomerzähne in einer
langen Querreihe hinter den inneren ?(aslöckern, die Zehen sind beim
Männchen von einer Hautfalte gesäumt (G. Perouii Dum. Bibr. und C.
dorsalis Gray). Kassina hat Vomerzähne, die in zwei Vförmigcn
120 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Gruppen hinler den inneren Naslöchern stehen, iiein sichtbares Trom-
melfell, freihe Zehen (C. senegalensis Dum. Bibr.).
Hierauf beschreibt Verf. folgende neue Arten.
Aus der Familie Ranae : Leptodactylus serialis und caliginosus
von Rio Janeiro , Cystignalhus parvulus ebendaher , C. nebulosus von
Valparaiso, Crinia (Ranidelld) signifera von Neuholland.
Aus der Familie Hylae ; Ranoidea resplendcns und fiavoviridis
von Wollongong lUawara, Hylarana mindanensis von Caldera auf Min-
danao, H alophila n. gen., bei dem die Vomerzähne zwei längliche
Gruppen zwischen und etwas hinter den innern Naslöchern bilden, mit
sehr deutlichem Trommelfell, völlig freien Fingern, und nur am Grunde
vereinigten Zehen ; H. heros und vitiensis von den Fitschi-Inseln, Hy-
lodes parvus von Rio Janeiro, Elosia bufonium und vomerina ebendaher.
Aus der Familie Bufones: Rhinoderma signifera von Rio Janeiro,
Bufo lugubrosus von Valparaiso und gracilis von Rio Janeiro, Bufo-
nella n. gen. mit länglicher, hinten breiter, schwach ausgerandeter
Zunge ohne Gaumenzähne, mit deutlichem Trommelfell, ohne Parotiden,
mit vier freien Fingern und fünf freien Zehen. B. crucifera von Neu-
holland , Metaeus n. gen. mit elliptischer, ganzer, hinten bis zur
Hälfte freier Zunge, ohne Gaumenzähne und Parotiden, mit unter der
Haut verborgenem Trommelfell , vier freien Fingern und fünf freien
Zehen und zwei Metatarsalhöckern. M. timidus von Valparaiso.
Unter den von Le Conte in Californien gesammelten Reptilien,
die durch Baird und Girard in Proc. Philadelphia p. 300 aufge-
zählt wurden, finden sich folgende neue Batrachier: Bufo halophila,
Litoria occidentalis, Rana Lecontii , Taricha laevis.
Phryniscus ignescens Cornalia ist eine neue Art von Quito,
welche der Verf. in dem oben bei den Schildkröten nachträglich er-
wähnten Werke „Vertebratorum Synopsis« etc. beschrieben hat.
Raiia pretiosa und Bufo columbiensis sind zwei neue Arten aus
Arkansas von Baird und Girard. Proc. Philad. VI. p. 378.
Dumeril las in der Pariser Academie über die ge-
schwänzten Batrachier (Institut 1853. p. 185 und ausführlicher
Comptes rendus XXXVI. p. 881). Dies ist ein Auszug aus dem
MS. zum 9. Bande der Erpetologie generale.
H i gg i n b 0 1 1 0 m hat Beobachtungen über die Britischen
Tritonen angestellt Annais XII. p. 369; die Abhandlung ist
durch zwei Tafeln mit Abbildungen erläutert.
Der Verf. ist der Meinung, dass nur zwei Arten der Galtung Triton im
mittlem England vorkommen, die er als T. asper und laevis bezeichnet.
Eine dritte Art sei eine erst io neuerer Zeit entdeckte Art T. minor.
Seine Beobachtungen ergeben ferner, dass die Larven so lange im Was«
Herpetologie während des Jahres 1853. 121
ser bleiben, bis die Kiemen verschwunden und die Beine kräftig genug
sind, und dass sie in der Regel nicht vor Ende des drillen Jahres ins
"Wasser zurückkehren. So ist das Thier also drei Jahre hindurch ein
Landthier, während des Sommers in Thätigkeit, während des Winters
im Winterschlaf. Es braucht drei Jahr, bis es sich fortpflanzt, und vier
Jahr, bis es völlig ausgewachsen ist. Es geht im Frühling für die Fort-
pflanzung ins Wasser, und verlässt es wieder im Herbst. Die Befruch-
tung geschehe durch Vermittelung des Wassers, nicht durch wirkliche
Begattung. Grosse Trockenheit oder Wässe sind während des Winter-
schlafes tödllich für die Thiere.
Dal ton hat in Silliman's American Journal XV. p. 387, und dar-
aus in Jameson new phil. Journ. 1853. p. 332 über Proteus anguineus
geschrieben. Er schildert das Vorkommen, die Lebensweise, die äussern
Charaktere und die Anatomie dieses Thieres, und hat dasselbe nebst
Blutkügelcheo, Auge, Gehirn abgebildet.
Gibbes veröffentlichte in Boston Journal of nat bist. VI. p. 369.
eine nähere , auch in die anatomischen Verhältnisse eingehende Be-
schreibung des Menobranchus punclatus. Das Thier ist auch in zwei An-
sichten abgebildet.
Bericht über die lieistiing^eii in der Iciitfiyo-
logie während des Jaiires 1953.
Vom
eraiisg-eb er.
Von Danmarks Fiske beskrevne af Henrik Kroyer
erschienen im Jahre 1852— 53 zwei Hefte, die die zweite Ab-
theilung des dritten Bandes und zugleich den Schluss des
ganzen Werkes bilden.
Sie enthalten die ausführlichen Beschreibungen einiger Lopho-
branchier, Orthagoriscus, Acipenser, Chimaera, die der Haifische (13 Ar-
ten), Rochen (9 Arten), Cyclostoinen (5 Arten), und 13rani.^hiostoma
lanceolalum. Es ist sehr erfreulich, dieses schöne Werk, das nunmehr
aus drei Bänden besieht, jetzt vollendet zu sehen. Angehängt ist ein
Verzeichniss sämmtlicher in dem Werke beschriebener 139 Fische mit
den Synonymen von Jonas Koiding 1594, Schonevelde 1624, Bartholin
1666, Pontoppidan 1763 und 0. F. Müller 1776 in tabellarischer Ue-
bersicht , so wie ein alphabetisches Verzeichniss der Literatur. Ihm
folgt eine Reihe von Berichtigungen und Anmerkungen; den Beschluss
macht ein alphabetisches Namensregister. Endlich ist dem Werke eine
Einleitung beigegeben, in der auf 102 Seiten die Naturgeschichte der
dänischen Fische im Allgemeinen behandelt wird.
Ichthyologie de la Vienne, ou tableau methodique et
descriptif des poissons qui vivent actuellement dans ce de-
partement ou qui y remontent periodiquement et acciden-
tellement, par M. Mauduyt. Poitiers.
Diese kleine Schrift enthält nach einer Anzeige in der Revue
de zool. 1853. p. 278 die Beschreibung von 41 Arten von Fischen,
unter denen daselbst als die interessanteren Gaslerosteus gymnurus,
Leuciscus auratus, Saimo hastalus, Acipenser sturio, Petromyzon Planeri
hervorgehoben werden. Salmo haslatus und salar sind auf zwei Ta-
feln abgebildet.
Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der elc. 1*3
Eine sorgfältige Arbeit ist: „Die Fische des Neckars,
untersucht und beschrieben von Dr. A. Günther. Mit einer
colorirten Abbildung. Stuttgart ISöS.««
Verf. beschreibt hier 33 Arten, indem er auch diejenigen, wel-
che aus dem Meere zu gewissen Jahreszeiten einwandern, berücksich-
tigte. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Arten zu unterschei-
den, und hat daher ausser zoologischen , auch anatomische Merkmale
benutzt. Für die Beschreibung der Schuppen hat er eine eigene Bezeich-
nung eingeführt : er nennt nämlich die Reihe vom Anfange der Rücken-
flosse schief nach unten und hinten die Querschuppenreihe, und die
Schuppe, welche dieser Reihe, und der Seitenlinie gemeinschaftlich ist,
die Millelschuppe. Zu bemerken ist, dass Leuciscus ruticellus, Abra-
mis (Aspius) bipunctatus, A. (Leuciscus) dolabratus im Neckar vorkom-
men. Letzterer ist ausführlich beschrieben, was um so wichtiger ist,
da die Beschreibung von Hollandre nur kurz ist, so dass Verf. die
Identität mit seinem Fische nicht zur völligen Gewissheit hat bringen
können.
He ekel zählt in den Verhandl. des zool.-bot. Vereins
in VV^ien iL p. 28 die Fische des Donaugebietes in der gan-
zen Ausdehnung des österreichischen Kaiserstaates auf.
Es sind 77 Arten, üer Aal, der Stör, der Lachs, und die rothe
Orfe sollen ganz fehlen. Er weist bei dieser Gelegenheit nach, dass
Cyprinus Grislagine L. schon von Lione verwechselt sei, und dass der
von ihm citirte Fisch Willughby's Grislagine Augustae der Tclcsles
Agassizii sei. Der Name Grislagine sei aus Grieslaugele corrumpirt.
Ebenda p. 130 verzeichnete He ekel die Fische der
Save vonKrain. Es sind 18 Arten. Er sa^t, die Save habe
in Krain ausser ihrem Hauptcharakler eines oberen Gebirgs-
Confluenten der Donau auch bereits etwas von jenem südli-
cheren des nahen Isonzo.
Im Gouvernement Perm soll es nach Zerre nner (Erd-
kunde des Gouv. Perm. Leipzig 1853) über 30 verschiedene
Arten von Fischen geben. Von ihnen sind nur 19 namhaft
gemacht.
Belke lieferte ein Verzeichniss der Fische, welche bei
Kamieniec im Flusse Smotrytsch und bei Zwanietz im Dnic-
ster gefischt werden. Es besteht aus 22 Arten in 11 Gat-
tungen , bei denen der Landesname unter dem sie den Fi-
schern bekannt sind, und die Laichzeit angegeben sind. Eine
124 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Varietät von Cobitis barbatula wird beschrieben (Bull, de la
Soc. imp. des JNaturalistes de Moscou. 1853. p. 423).
Von P. Bleeker in Batavia erschien wieder eine grosse
Zahl von Abhandlungen, welche die Kenntniss der ichthyo-
logischen Faunen der einzelnen Inseln Asiens erweilern, und
die um so dankenswerther sind , je weniger man von den
Fischen jener fernen Gegenden weiss. In der Natuurk. Tijdschr,
Ned. Indie. Band IV. und V. 1853 erschienen folgende:
Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna van
Ternale.
Daselbst werden 56 Arten aufgezählt, von denen sechs Arten
als neu beschrieben sind. Ihre Namen sind unten erwähnt.
Nieuwe Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna
van Ternate en Halmaheira (Gitolo).
Durch eine Sendung des Herrn Goldman, die in der Meerenge,
welche Ternate von Halmaheira trennt, zusammengebracht war, wurde
die Zahl der Fische dieser Inseln auf 100 gebracht. Darunter befin-
den sich 7 neue, von denen wiederum eine eine neue Gattung aus der
Familie der Fistuiares bildet S. unten.
Derde Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna
van Amboina.
Durch zwei neue Zusendungen wurde die Zahl der von Amboina
bekannten Fische von 153 auf 217 Arten gebracht; darunter erkannte
Verf. 17 als neu.
Vierde Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna
van Amboina.
Durch fernere Sendungen des Herrn Harlzfeld und der Frau Ida
Pfeiffer wurde die Zahl der Arten dieser Insel bis auf 298 erhöhl, un-
ter denen wieder 18 Arten als neu beschrieben werden.
Diagnostische Beschrijvingen van nieuwe of weinig be-
kende Vischsoorlen van Sumatra. Tiental V— X.
In diesen 6 Dekaden macht Verf. zahlreiche neue Arten von
Sumatra bekannt, und steigert dadurch die Zahl der ihm von dieser
Insel bekannten Fische auf mehr als 500. Ausserdem werden viele
schon in anderen Schriften erwähnte Fische näher charakterisirt.
Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna van
Solor.
Verf. kannte bisher nur 10 Arten von dieser Insel ; durch eine
ihm zugegangene Sammlung des Hrn, Hellmuth, kinnlc er die Arten-
Ichthyologie während des Jahres 1853. 125
zahl dieser Fauna auf 75 bringen. Darunter finden sich 18 neue Ar-
ten, die unten namhaft gemacht sind.
Zevende Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van Borneo. Zoetwatervisschen van Sambas, Ponlianak
en Pangaron.
In dem sechsten Beitrage kannte Bleeker 176 Arten von Bor-
neo. Durch erneute Zusendungen von obengenannten Orten durch die
Herren Feldmnnn, Einthoven und Stevens ist die Zahl auf 207 gestie-
gen. Neun Arten sind als neu beschrieben und unten namhaft ge-
macht. Eine tabellarische Uebersicht der geographischen Verbreitung
der Süsswasserfische von Borneo ist beigegeben ; danach kommen von
den 122 Arten Borneo's 55 auch auf Sumatra, 7 auf Biliton, 14 auf
Banka, 32 auf Java , 4 auf Madura , 2 auf Celebes und 9 ausserhalb
des Archipels vor.
Diagnostische Beschrijvingen van nieuwe of weinig be-
hende vischsoorfcen van Batavia. Tiental 1— VI.
In diesen ersten sechs Dekaden finden sieh ausser vielen aus-
führlichen Beschreibungen älterer zweifelhafter Arten auch viele neue,
die unten genannt sind.
Nalezingen op de ichthyologische Fauna van het eiland
Banka.
Den 194 Arien, welche Bl. bisher von Banka kannte, konnten
durch neue Zusendungen 17 Arten hinzugefügt, die Zahl also auf 211
gebracht werden. Darunter sind 7 als neu beschrieben.
Derde Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna
van Ceram.
In den früheren Beiträgen hatte Bl. 135 Arten von Ceram auf-
gezählt. Durch fernere Zusendungen von der Frau Ida Pfeiffer und
Hrn. Hartzfeld wurde diese Zahl auf 157 erhöht. 7 Arten sind als
neu beschrieben.
Vierde Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna
van Celebes.
Auch von dieser Insel erhielt Bl. neue Sendungen, und zwar
durch Hrn. Boers von Macassar, durch Frau Ida Pfeifl'er von Macassar
und Maros , durch Herrn De Lange von Manado. Dadurch wurde die
Zahl der von Celebes bekannten Arien von 237 auf 274 gebracht.
Darunter sind fünf neue.
Nieuwe tientallen diagnostische beschrijvingen van nieuwe
of weinig bekende vischsoorten van Sumatra.
Unter den hier besei)riel)enen vier Dekaden von Sumalranischen
Fischen, der 11 — 14ten, sind 26 neue Arten enthalten.
126 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna van
Halmaheira (Gilolo).
Während dem Verf. früher nur 9 Arten von dieser Insel be-
kannt waren, zählt er deren hier 65 auf, unter denen 7 als neu be-
zeichnet sind.
Ausser den bisher genannten Abhandlungen von Blee-
ker sind ferner noch die folgenden zu erwähnen, welche in
Quarto erschienen sind: *
Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna van
Japan, üilgegeven door de Koninglijke Akademie van We-
tenschappen te Amsterdam. Amsterdam 1853.
In dieser bereits im Jahre 1851 verfassten Schrift beschreibt der
Verf. 15 Fische , welche in der Meerenge zwischen den Inseln Nip-
pon, Sikok und Kiusiu gefangen worden sind. Zwölf von diesen fin-
den sich bereits unter den 358 Arten der Fauna Japonica, 3 sind neu
für diese Fauna, und zwei neu für die Wissenschaft.
Nalezingen op de Ichthyologie van Japan, overgenomen
uit de 25. deel der Verhandelingen van het Bat. Genootshap
van Künsten en Wetcnschappen.
Diese Abhandlung ist gleichsam eine Forlsetzuag der eben ge-
nannten. Gelegenheit dazu gab eine Sendung des Dr. Pflaum aus der
Bai von Nagasaki, die 55 Arten enthielt. Darunter waren 5 neue, die
auf einer colorirten Tafel recht hübsch abgebildet sind. Verf. lieferte
hier auch eine tabellarische üebersicht der 406 nunmehr von Japan
bekannten Arten, mit Angabe der Japanischen Namen und des näheren
Fundortes.
Endlich erschien von Bleeker noch eine längere Ab-
handlung: Nalezingen op de ichthyologische Fauna van Ben-
galen en Hindostan. Batavia 1853. 4.
Nachdem Verf. die hierhergehörige Litterafur vollständig bespro-
chen , lieferte er ein tabellarisches Verzeicbniss von 983 Arten indi-
scher Fische mit Angabe der Synonymie, des näheren Fundortes in
Indien und des Vorkommens ausserhalb Indiens. Die am zahlreichsten
vertretenen Familien sind : die Cyprinoiden mit 19 Gattungen und 260
Arten, die Siluroiden mit 109 Arten in 21 Gattungen, die Percoiden
mit 84 Arten in 18 Gallungen , die Scomberoiden mit 72 Arten in 23
Gattungen, die Clupeoiden mit 54 Arten in 12 Galtungen, die Sciae-
noiden mit 40 Arten in 8 Galtungen, die Gobioiden mit 38 Arten in 7
Gallungen u. s. w. Somit umfassen von den 47 Familien die Cypri-
noiden und Siluroiden mehr als ein Drittel der ganzen Anzahl. Die arten-
reichsten Gattungen sind Leuciscus mit 79, Cobitis mit 34, Bagrus und
Ichthyologie während des Jahres 1853. 127
ßarbus jede mit 27 u. s. w. — Im Ganzen wurden in dieser Schrift
82 Arien beschrieben ; die Zahl der neuen Arten unter ihnen ist nur
klein. Diese, so wie einige neu gegründete Gattungen sind unten
aufgeführt.
Im fünften Bande der Transactions of the American
Academy of Arls and Sciences erschien die erste Abtheilung
von David Humphreys Storer's ,,Ä hislory of the Fishes of
Massachusetts." Mit 16 Tafeln.
Die Beobachtungen des Verf. waren schon früher ohne Abbildungen
herausgegeben ; jetzt ist es mit Abbildungen versehen und durch viele
Bemerkungen vermehrt. Diese Abiheilung enthält die Familien: Ferci-
dae mit 6 Arten , Triglidae mit 15, Sciaenidae mit 2, Sparidae mit 2,
Scombridae mit 15, Atherinidae mit 1, Mugilidae mit 1 Art.
ßaird und Girard beschrieben in Proc. Philad. Vf.
p. 390 fünf neue Arten Fische , welche in Arkansas durch
Marcy und McClellan gesammelt waren. Sie sind neue Ar-
ten der Galtungen Pomotis und Leuciscus. Sie sind in der
Exploration of the Red River of Louisiana ct. by Marcy and
McClellan. Washington 1853. 8 p. 245 ausführlicher be-
schrieben und auf drei Tafeln abgebildet. Sie sind unten
namhaft gemacht.
De Filippi beschrieb in der Revue et Mag. de Zoo-
logie 1853. p. 164 eine Anzahl neuer Fische aus verschiede-
nen Erdgegenden.
Der Prinz Max zu Wied machte Berichtigungen über
die Färbung einiger Fische bekannt. (Dies Archiv 1853. I.
p. 13).
Philip eaux und Vulpian legten der Pariser Academie
eine zweite Abhandlung über das Gehirn der Fische vor Qvgl
den vorjährigen Bericht p. 77). Sie beschäftigen sich in der
gegenwärtigen Abhandlung mit der Structur des Gehirns der
Knorpelfische und dem Ursprünge der Gehirnnerven bei die-
sen Fischen. (Institut 1853. p. 294; Comples rendus XXXVII.
p.341).
Ueber die Lebensdauer der Spermatozoiden einiger Süss-
wasserfische stellte Qua trefages Untersuchungen an. Com-
ptes rendus XXXVL p.936.
Aubert hat begonnen in derZeitschr. f. wiss. Zool. V.
p. 94 Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der Fische zu
128 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
liefern. Der erste Beitrag bezieht sich auf die Rotationen
des Dotters während der ersten Entwickelung des Hechteies.
Die neuesten und wichtigen Verbesserungen in der Fisch-
zucht. Oder praktische Anleitung durch künstliche Befruch-
tung des Fischrogens alle fliessenden und stehenden Gewäs-
ser auf leichte und wohlfeile Weise mit Fischen jeder Gat-
tung sehr zahlreich zu besetzen. Von Goste. Nach dem
Französischen mit 2 Tafeln. Quedlinburg und Leipzig 1853.
Auf der ersten Tafel sind Geräthschaften und Anleitungen zu
den nölhigen Manipulationen dargestellt; auf der zweiten ist
der Nestbau des Stichlings bildlich wiedergegeben.
lieber die Wichtigkeit der Fische und ihrer künstlichen
Vermehrung für oeconomische Zwecke ist eine Schrift „Im-
portanza economica dei pesci e del loro allevamento artifi-
ciale, Torino 8. von De Filippi erschienen, die mir nicht
bekannt geworden ist.
Goste schilderte die Vorrichtungen zur Fischzucht bei
Huningue (Comptes rendus XXXVI. p. 237).
Fecondation artificielle et eclosion des oeufs de pois-
sons ; suivi de reflexions sur l'ichthyogenie; par Mr. le Dr.
Haxo. Epinal. 1852. 8. Ist mir nicht zu Händen gekommen.
Auch die Recherches sur les fecondations artificielles
par M. Millet (Comptes rendus XXXVH. p. 992) sind hier
zu nennen.
John Davy machte seine Beobachtungen über Fische
in diätetischer Hinsicht bekannt, und handelte über die Nah-
rungskraft der Fische, so wie über die besonderen Eigen-
schaften der Fische als Nahrungsmittel (Jameson's Edinburgh
new. philos. Journ. 1853. p. 225).
Teleostei.
Acanthopteri.
l'ercoidei. Von Bleeker wurden in dieser Familie
drei neue Gattungen aufgestellt, nämlich :
B 0 go da (Bengalen en Hindoslan p. 8Q) auf Kosten der Gattung Am-
bassis gegründet, von der sie sich durch ungezähnten Suborbitallinochen
und durch die ItOüiscben Kieferzähne, deren vordere im Unteikiefer grös-
ser und nach vorn gekrümmt sind, unterscheidet. Die Charaktere lau-
Ichthyologie während des Jahres 1853. 129
len : pinnae dorsales 2 basi unitae ; ventrales Ihoracicae, caudalis eniar-
ginala ; dentes maxillis, vomerini, palatini, maxillis conici , maxilla in-
feriore anteriores exlerni maiores apice curvato anlrorsum spectantes;
praeoperculum niargine denliculalum. Ossa suhorbitalia edenlula ; spina
recutiibens ante pinnam dorsalem j njenibrana brancbiostega radiis C;
Spinae anales 3; pseudobranchiae. Ambassis nama, phula, bogoda und
oblonga Cuv. Val. werden als spccidsch nicht verschieden betrachtet,
und als einzige Art unter dem Namen B, nama beschrieben.
Datnioides in seinem 7. Beitrage zur Fauna von Borneo,
welche sich von Therapon, Datnia , Pclales und llelotes durch die un-
gezähnellen Suborbitalknochen und durch die einfache Schwimmblase
unterscheidet. Die Diagnose lautet: pinna dorsalis unica ; dentes inter-
maxillares et inframaxillares pluriseriati simplices, canini nulii ; vomer
et palatum glabia; praeoperculum denliculalum spinis maloribus iiul-
lis ; OS suborbitale edentulum; membrana branchioslega radiis 6; labia
inlegra membranacea non fimbriata ; caput verlice squamosum, rostro
alcpidotum; vesica natatoria simplex. Dahin gehören D. polola (Cojus
polota Buchanan, vom Verf. früher als Lobotes hexazona beschrieben)
und eine neue Art J). microlepis.
In der Verwandtschaft von Nandus Guv. Val. und Catopra Blkr.
gründete derselbe Beng. en Hindostan p. 106 eine neue Gattung auf
Buchanan's Labrus badis , die er B a dis nannle ; sie ist von Nandus
durch ungezähnten Vordeckel und Zunge verschieden. Ihre Charaktere
sind: pinna dorsalis unica; denies maxillares , palatini, pterygoidei;
lingua glabra; os suborbitale praeoperculumque' edentula ; operculum
Spina unica; membrana branchioslega radiis 6; linea lateralis inter-
rupla ; maxilla superior protractilis ; ossa pharyngealia inferiora oblonga
contigua sed non unita. Die Art wird B. Buchanani genannt. Verf.
zählt die Gattung nicht zu der Familie der Percoidcn, sondern zu einer
eigenen Familie ISandoidei.
An neuen Arten wurden von Bleeker mehrere beschrieben.
In der Abhandlung über Tcrnate : Apogon koUomaladon; in der über
Ternale und Halmaheira Polynemus huru. In der über Amboina 3:
Cirrhiles graphidopterus, Rkynchichlhys brackyrhynchus und Myriprislis
aduslus; Amboina 4: Apogon amboinensis , Mesoprion inicrochii\ Holo-
centriim tiereoides und violaceum; Sumatra: Serranus polysligma und
cicitlops , Datnia cancellaloides und Polyphemus Ffeifferi; in der Ab-
handlung über Solor 1. c. : Apogon cyanolaenia und cyanosoma ; Ba«
tavia 1. c. : Percis telracanthus ; Ceram: Holocenlrum cornuhim; Suma-
tra Nieuvv. Tient. : Apogon Godini ; Halmaheira: HJesoprion janlhinurus
und Heloles polytaenia.
Labrax Oscidalii wurde von De Filippi in Rev. et mag. de
zool. p. 164 beschrieben.
Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2. Bd. f
130 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Fotnolis longulus und breviceps sind zwei neue Arten, welche in
der Oltcr-ßucht in Arkansas gefangen wurden, und von Baird und
Girard Froc. Philad. VI. p. 391 aufgestellt und in Marcy's Expl. of the
Red River of Louisiana beschrieben und abgebildet sind.
Pseiicloeliroiniclcs. Aus dieser Familie beschrieb B 1 e e k e r
zwei neue Arten : Fseiidochromis tapeinosoma Aniboina 3, und Cichlops
spilopterus Celebes 4. _
§cleroparei. Neue Arten von B 1 e e k e r : Apislus amblycepha-
loides Sumatra 1. c. ; Platycephalus bataviensis , bobossok und polyodon
Batavia 1. c. ; Platycephalus malayanus Sumatra nieuw. tient.
Endes Deslongchamps bildete in den Memoires de la Soc.
Linneenne de Wormandie Vol. IX. p. 167. pl. X. eine neue Art Aspido-
phorus malarmoides von Terre neuve ab. Verf. zweifelt selbst , dass
dieser Fisch nicht schon beschrieben sein sollte. Er soll zunächst dem
Asp. acipenserinus von Kamtschatka verwandt sein, sich aber von ihm
durch die Abplattung und die zahlreichen Zähnelungcn der Seitenlap-
pen, durch die Entfernung der zweiten Rückenflosse und durch die
Zahl der Flossenstrahlen unterscheiden, D. 5 — 7; A. 7. C. 10.
Günther lässt sich in seiner oben erwähnten Schrift über die
Neckarfische näher auf den Cottus gobio ein, er sieht C. microstomus
und poecilopus Heck, so wie den C. gobio Frankreichs, Skandinaviens
(affinis Heck.) und Deutschlands nur für Varietäten einer Art an, und
schildert das Skelett dieses Fisches.
Pileoma carbonaria und Boleosoma lepida Baird und Girard
sind neue Arten aus Texas. Proc. Philadelphia VL p. 388.
Sciaenoidei« Gervais bildete aus seinem früher Acerina
Zellii genannten Fisch von Algerien eine neue Galtung Cop lo don
(Institut. 1853. p. 86.)
Neue Arten von Bleeker: Diagramma Goldmanni Ternate und
Halmaheira, D. japonicum Nalez. Japan, D. radja Amboina 4, OlolUhus
Vogleri und Umbrina macropterus Sumatra, Heferognalhodon Hellmulhii
Solor, H. microdon Batavia, Corvina hyposloma Sumatra nieuw. tient.
Sparoidei« Von eigentlichen Sparoiden beschrieb Bleeker
als neue Arten Denlex mesoprion Sumatra 1. c, lainhdoidcs Batavia 1. c.
und nemalophorus Sumatra nieuw. tient., Pagrus heier odon Halmaheira 1. c.
Desgleichen aus der Abiheilung der Maenlden : Caesio pisang
Amboina 3, C. xanlhonolus Batavia, Gerres macrosoma Halmaheira.
In den Naiezingen op de Ichth. van Japan charaklerisirte Blee-
ker die von Temminck und Schlegel in der Fauna japonica aufgestellte
Galtung Di fr ema folgendermassen : denies maxillis minimi plurise-
riati antice tantum aliquot conici maiorcs ; dentes vomerini vel palatini
nulli ; rostruni in tubum subhorizontalem prolractile; ossa opercularia
et suborbitalia edentula; pinna dorsalis unica; aperturae anaiis et ge-
Ichlhyologie während des Jahres 1853. 131
nitalis dislanles; pinna analis spinis 3, radiis numerosis suhsimplicibus;
membrana brauchiostega radiis 6. Die Art, welche in der Fauna jap.
keinen Namen erhalten hat, nennt Verf. D. Temminckii.
Auch die Gruppe der Wulloiden ging bei Bieeker nicht leer
aus. Er stellte Amboina 3. Behr.Upeneus pleurospilos als neue Art auf.
§<|uaniipennes. Neue Arten von Bieeker sind: Ckaelo-
don oxycephalus Ternate und Halniaheira, Ch. microlepis Sumatra, Se-
lene Solar; Holacanthus nox und Vrolikii Amboina 4. Beilr. , xanlho-
melopon Sumatra, melanosoma und leucopleura Solor , lepidolepis ßata-
via ; timelepierus ternalensis Ternate und Halmaheira.
Ijaityriiitiiici. Peter s uniersuchte das sogenannte
Labyrinth der Labyrinthfische, und fand, dass es nicht die
verwandelten oberen Schlundlinochen seien, sondern dass es
allein aus einer eigenthümlichen Entwickelung- des 3. Glie-
des vom ersten Kiemenbogen hervorgehe. Müller's Archiv
1853. p.427.
Ueber das Labyrinth und die Aortenbogen der Gattung
Ophiocephalus schrieb Hyrtl in den Sitzungsberichten der
Wiener Acad. X. p. 148.
Drei neue Arten der Gattung Ophiocephalus machte B 1 eek er be-
kannt: 0. ajanospilos Smndilra, Stevensii Borneo 7. Beitr., «ij/sfaa; Banka.
Scoiiiberoidei. Bieeker beschrieb als neu: Gaiza tapei^
nosonia Sumatra, Seriola tapeinomelopon Solor, Selar megalaspis Suma-
tra nieuw. tient.
In einer nachträglichen Bemerkung zu der Beschreibung von Se-
lene argentea (vergl. Ber. 1851. p. 90) weist Brevoort darauf hin,
dass S c h o epf diesen Fisch zuerst beschrieben habe, ohne ihm einen
Namen zu geben , und dass Argyreiosus vomer Spix. Agass. ebenfalls
hierher gehöre. Ob die Fische von Brasilien , Westindien und Kord-
amerika verschiedene Species sind, bleibt noch zu entscheiden (An-
nais Lyc, nat. bist. New York VI. p. 30).
Taenioidei. In den Annais XI. p. 468 findet sich eine kurze
Notiz von Duguid über Trachypterus Vogmarus.
Teutliides. Neue Arten von Bieeker; Naseus Iloedlii (N.
brevirostris Cuv. Val. ex parte) Amboina 4. Beitr. Amphaconlhiis cya^
notaenia Ternate und Halmaheira, scaroides Sumatra, labyrinlhodes
Batavia.
jflug^iloidei. Neue Arten von Bieeker: Mugil sundanensis
Sumatra, aduslns Sumatra nieuw. tient., Btichanani (,M. albula? Buch.)
und Canloris Beng. Hind. von Calcutta.
Atlieriooidei. Neue Arten von Bieeker: Alherina Tem-
minckii und Fa/encicnnei Sumatra nieuw. tient., japonica Nalez. Japan.
13^ Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Oobioidei* Bleeker stellte eine grosse Anzahl neuer Ar-
ten auf: Gobius ophlhalmoporus Amboina 4, G. cauerenns und gijmno"
])omus Sumatra, G. gymnocephaluSf polyophthalmus , cyanolaenia, petro-
philus und gastrospilos Balavia, piinlangoides Ceram 3, Richardsonii^
oligolepis, Reichei Sumatra nieuw. tienl , G. rßau7nii^n\ei. Japan.; Si-
cydiuni micrurus Amboina 4, xanthurus und macroslelholepis Sumatra,
Veriophlhalmm kalloplerus Amboina 4, Eleolris amboinensis Amboina 4,
E. gyrinoides, urophlhalmoides, gymnopomus, acanthoponius, pseudacan^
thopomus, leuciscus SumaUsL, periophtlialmiis I3atavia, pyroceplialoidesSu-
matra nieuw. tient., aporos Halmaheira, macrodon Beng. llind. von Cal-
cutta ; Trichonotus polyophthalmus Ceram 3, Amblyopns brachysoma Su-
matra nieuw. tient., Chaelurichlhys hexanema und polynema ISalez. Ja-
pan ; Echeneis Nieuhofii Sumatra.
Bleiinloidei« IVeue Arten von Bleeker: Pelroskirtes The-
passii Ternale, amboinensis Amboina 3; solorensis Solor, Salarias pria-
mensis Sumatra, Opisthognalhus solorensis Solor.
Clinus Veranyi ist eine neue Art von üeFilippi aus dem Alit*
telmeer. Rev. et mag. de Zoologie 1853. p. 164.
Edwards Crisp hat die Anatomie des Anarrhichas lupus un-
tersucht, und hebt namentlich die individuellen Verschiedenheiten des
Gebisses, die Weite des Darmkanals, durch welchen grosse Sclial-
slücke von Muscheln gehen können, und die Grösse der Gallenblase
hervor (Annais XI. p.463j.
I^opliioidel» Wyman hat über das Bückenmark des Lo-
phius americanus bemerkt, das die Angaben der Schriftsteller nicht ganz
richtig seien ; besonders hebt er hervor, dass der Kanal des Rückgrates
durch eine ungeheure Zahl von Kervenfäden erfüllt war, die gleich-
sam eine Scheide um das Rückenmark bildeten. Das Mark ist unter
seinem vorderen Drittel auffallend zusammen gezogen (Proc. Boston
Soc. nat. bist. IV. p. 149).
Eine neue \rl Anlennarius horridus ist von Bleeker Solor be-
schrieben.
Aulostoanl. Bleeker stellte in seinem Beitrage zur Fisch,
fauna von Ternate und Halmaheira I.e. eine neue Galtung aus der Fa-
milie der Röhrenmäuier auf: Polypterichthys, welche sich von
Aulosloma durch Unterkiefer-, Vomer- und Gaumenzähne, so wie durch
einen ileischigen Faden am Kinn unterscheidet. Die Art P. Valenlini
(Ikan Djoelong-djoelong Valentyn) lebt im Äleere bei Ternate.
Anacanthini.
GSacloidei. Eudes Deslongchamps machte in den Mem.
de la Soc. Linneenne de Kormandie Vol. IX. p. 151 die Bemerkung,
dass beim Frost die Augen des Gadus barbalus L. stark aus dem Kopfe
Ichthyologie während des Jahres 1853. 133
hervorgequollen waren. Dies war die Folge von Luft, welche sich
unter der Conjuncliva ansammelt.
Oronzio Costa beschrieb eine neue Art Merlucius tiraleptus
zoologisch und anatomisch, und erläuterte sie mit 3 Tafeln. Sein Kör-
per ist spiiidelförmjcf, selir bauchig, hinten sehr stark verdünnt (Di uti
nuovo pesce della Famiglia de Gadini pescato nel Golfo di Napoli il
3 Febbraio 1846 Memoria del Prof. Oronzio Costa lelta nel 1846
(Alti deir Accademia ponlaniana Vol. V. p. 171 — 182. Napoli 1853.
l^leuroiiectae. Neue Arten von ßleeker: Rhombus java-
nicus und pohjspilos Batavia, Achirus Harlzfeldii Amboina 3, Synaplura
mannorata Solor, Tlagusia Feldmanni ßorneo 7, PL sumalrana und po-
lytaenia Sumatra nieuw. tient. , PL bengalensis ßeng. en Hind, von
Calcutta.
Pharyngognathi.
IJabroldei cycloidei. Neue Arten von ßleeker: Xtj-
richlhijs novaculoides Amboina 3, Cirrhilabrus solorensis Solor., Chei~.
linus oxxjccphalus Amboina 4, letrazona Sumatra, notophlhalmus Batavia,
celcbicus Celebes 4 ; Julis (Julis) urosligma und Sclno arten fei dii Suma-
tra ; Julis [Halichoeres') diesckismenacanlhoides Amboina 3, prosopeion
und kallopisos Amboina 4, hallochroma und phaiopus Sumatra, soloren-
sis Solor, margaritophorus , chrijsolaenia , cyanoplcura , pyrrhogramma-
toides , Temminckii Batavia; Scarus ianthochir Ternate , hypselopterus,
Troschelii, gymnognathos, xanlhopleura Batavia, macrocheilos Halmaheira.
Holcoiioti. Agassiz hat in Silliman American. Journ. XVI.
p.380 eine neue Fischfamilie aufgestellt, die aus einer neuen Gattung
Embiotoca mit zwei neuen Arten E. Jacksoni und Caryi von Cali-
fornien besteht. Der Aufsatz ist vollständig in unserem Archiv 1854.
I. p. 149 übersetzt, und ich habe ebenda p. 163 nachzuweisen versucht,
dass diese Fische in die Nähe der Labroidei cycloidei gehören , und
daselbst wegen der abweichenden Kiemen wohl eine eigene Familie
bilden müssen.
ljalj>ruirlei ctenoiclei. Neue Arten von ßleeker: Poma-
centrns notoplithnlmtis Ternate, molluccensis Amboina 3, rhodonoliis und
pohjnoma Sumatra, pavoninus Solor; Glyphisodon Schlegelii und terna-
tensis Ternate , xanthurus Amboina 9 , xanthozona Sumatra ; Dascyllus
xantliurus Amhoina 3, Ileliases macrochir Amboina 4; Amphiprion akal-
lopisos Sumatra, Sebae (Seba Thes. III. tab. 26. f. 24) Batavia.
Sconibei*esoccs. Neue Arten von ßleeker: Betone can-
ciloides Borneo 7, brachyrhynchos Halmaheira; Ileniiramphus fasciatus
Solor, pogonognathus und sumalranus Sumatra nieuw. lient. , brachy-
notoplents Beng. en Mind, von Calcutta.
134 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Physostomi.
Siluroi«lei« Girard fand ein aus Conferven angefertigles
Nest in einem Teiche , das er einem Pimelodus (Catfish) zuschrieb.
300 — 400 Junge verschiedener Grösse fanden darin Schutz (Troc. Phi-
ladelphia VI. p.387).
ßilharz machte in den Göttinger Nachrichten von 1853 die Mit-
theilung, dass die diclien Stämme der beiden electrischen Nerven des
Malaplerurus electricus nur je eine Primilivfaser enthalten. Diese An-
gabe bestätigt Kölliker in den Verband], der Physik. Medic. Ge-
selisch. in Würzburg IV. p. 102.
Auf Pimelodus bagarius errichtete Bleeker ßeng. en Hindostan
p. 121 eine besondere Gattung Bagarius: pinnae dorsales 2, anterior
radiosa posterior adiposa ; cirri 8, maxillares ex parte ossei rii^idi; den-
tes maxilla superiore pluriseriati acuti in viltam curvatam quadriparti-
tam collocati, dentes inframaxillares biseriali, symphysin versus tantum
biseriati serie interna canini subulali; dentes vomerini, palatini vel ple-
rygoidei nuUi. Membrana branchiostega radiis 12 ; pinna ventralis
radiis 6; vesica natatoria nulla. Die Art wird B. Buchanani genannt.
Ebenso bildete derselbe Verfasser ib. p. 122 eine neue Gattung
Rita aus Arius rila Cuv. Val. und legte ihr folgende Charaktere bei:
pinnae dorsales 2, anterior radiosa, posterior adiposa; dentes maxilla
superiore pluriseriati conici, inframaxillares seriebus anterioribus conici
Seriebus posterioribus molares granilormes, vomero-palalini granifornies
in Ihurmas 2 oblongas antice contiguas vel subcontiguas antice in pa-
lato sitas collocati; membrana branchiostega radiis 8 ad 10; cirri car-
nosi 6, nasales, supramaxillares, inlramaxillares ; pinna ventralis radiis 8.
Die Art heisst Rita Buchanani.
Neue Arten von Bleeker: Wallago leiacanlhus Banka, W. he-
terorhijnchus und Bagroides macroplerus Sumatra nieuw. lient. , Osleo-
geneiosus Canloris Beng. en Hind. von Galcutta.
In den Sitzungsberichten der Wiener Academie XI. p.302 machte
Ilyrll eine aiiltheiung über die Anatomie \on SaccobranchnsSingio. Je-
derseits hinter dem Kopfe liegt eine kleine Höhle, die durch eine enge
üeffnung mit der Bauchhöhle communicirt , und in der ein drüsiges
Organ, das Verf. für eine Nebenleber erklärt, liegt. Dicht hinter die-
ser Höhle liegt eine andere, in der ein abgeschnürter Theil der Niere
Platz nimmt. Diese Organe, so wie die dorsalen Athemsäcke mit ih-
ren Blutgefässen, sind abgebildet.
Einige neue Arten : Loricaria scolopacina, Doras papilionalus aus
dem Amazoncnfluss, Auchenipterus Heckelii aus dem Rio Napo beschrieb
De Filippi Rcv. et Mag. de Zool. 1853. p. 166.
In dem 6. Bande der Denkschriften der math.-phys. na-
Ichthyologie während des Jahres 1853. 135
turw. Classe der Wiener Akad. 1853. erschien eine Abhand-
lung von Kner: Die Panzerwelse des k. k. Hof-Naturalien-
Cabinets zu Wien. 1. Abtheilung Loricarinae mit 8 Tafeln.
Naclidcm Verf. in der Einleitung auf einige Eigenlhümiichkei-
ten dieser Fische (grosse Älenge phosphorsauren Kalks in den Schuppen,
nackte llautstelle über den Brustflossen, Porus lateralis über der Brust-
flossenbasis, Mundsegel u. s. w.) aufmerksam gemacht hat, macht er
einige Merkmale namhaft, die als unbeständig, für die Charakteristik
werthlos erachtet werden : die relativen Diniensionsverhältnisse, die Lei-
sten am Überkopfe, die mittleren Brust- und Bauchschilder, die Ver-
einigung der beiden Seitenkiele, Rauhigkeit der Schilder, Länge der
Flossen und Barteln. Darauf spricht sich Verf. entschieden für Tren-
nung der Goniodontes von den Welsen als eigene Familie aus, der er
den IS'amen Loricata beilegt, und sie so charakterisirt : Kopf und
Leib mit Knochen - ähnlichen Schildern und Schienen bedeckt; Mund
unterständig, Überkiefer verkümmert. Zwischen- und Unterkiefer in
der Mitte getrennt, und nur die Zähne tragend. Diese Familie zerfällt
dann in zwei Gruppen, von denen die erste Loricarinae, mit ei-
ner Rückenflosse, den Gegenstand dieser Abhandlung bildet. Verfasser
unterscheidet dann drei Gattungen :
1. Loricaria auct. Körper niedergedrückt, breiter als hoch,
Schwanz sehr flach; Zähne in beiden Kieferhälften. Von ihr besitzt
das Wiener Museum 9 Arten, unter denen macrodon aus dem Cujaba-
flusse, nudiroslris ßarra do Rio negro, barbala Cubajafluss, lima Brasi-
lien neu sind.
2. H e 77110 don n. gen. Körper sehr depress : Zähne nur im
Unterkiefer, Zwischenkiefer rudimentär, zahnlos. Drei neue Arten : H.
plalycephalus Cubajafluss, depressus Rio Negro undMarabitanos, acipen"
serinus Rio Guapore, Matogrosso.
3. Äcesfra n. gen. Körper lang gestreckt, fast cylindrisch ;
Zähne in beiden Kieferhälften, mit einem queren Basalslück aufsit-
zend; Rücken- der Afterflosse gegenüberstehend. Zwei neue Arten:
A. acus von Caracas und oxyrrhyncha aus dem Rio Mamore.
Die neuen Arten sind abgebildet. — Van der Hoeven hat
die Güte gehabt mir brieflich mitzutheilen , dass die im Leydner Mu-
seum als Loricaria n. sp. aufbewahrte Art mit Loricaria rostrata Spix
nicht verwandt ist, sondern ganz gewiss identisch mit Kners Aceslra
acus. Er hat sie ie seinem Handbuche angeführt, weil sie sehr schmal
(in der deutschen Uebersetzung fälschlich „sehr klein" übersetzt) sei ;
der Name rostrata wurde von ihm beibehalten, weil er auf dem Glase
stand, in welchem sich die beiden Exemplare befanden.
Kner machte in den Sitzungsberichten der Wiener Academie
XL p. 138 auf die Sexualunterschiede bei der Gattung Callichthys auf-
136 Troscliel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
merksam. 1) die Papille hinler dem After ist beim Weibchen klein,
beim Männchen 2 — 3 Linien lanjj. 2) der nriisltlossenslrahl überragt
beim x^Llnnchen die übrigen Strahlen, beim Weibchen nicht; derselbe
ist beim Männchen am inneren Rande glatt, beim Weibchen gezähnelt.
3) hei den Arten , welche an der Bauchseite Knochenplatten besitzen,
sind diese bei den Männchen stets grösser, bei den Weibchen kleiner,
so dass sie vorne die Mitte der Brust frei lassen. Die Länge der Bar-
teln soll variabel sein. Verf. vermulhet wohl mit Recht , dass somit
die Zahl der Arten sich verkleinern werde.
Daran schliesst sich p. 142 eine Miltheilung über die Formen-
verhällnisse der Schwimmblase bei der Gattung Doras. Verf. beobach-
tete 15 Arten, und fand die Schwimmblase theils einfach, Iheils durch
eine Einschnürung in zwei Hälften getheilt, zwischen denen noch Ue-
bergangsformen liegen. In jeder dieser drei Abtheilungen ßnden sich
dann Arten, bei denen der Rand glatt, andere bei denen er mit klei-
nen Anhängen besetzt ist. Es werden in dieser Arbeit mehrere neue
Arten genannt, jedoch nicht weiter charakterisirt. Mehrere Schwimm-
blasen sind abgebildet.
Cypriooidei. Leydig" machte in Müllers Archiv für
Anal. 1853. p. 3 „Einige histologische Beobachtungen über
den Schlamnipeilzgcr (Cobitis fossilis]" bekannt, die sich vor-
nehtnlich auf den Nahrungskanal und die Schwimmblase be-
ziehen.
Günther bemerkte einen Geschlechtsunlerschied bei der Schleie
(Cy4)r. tinca), indem die Männchen einen ausserordentlich dicken ersten
Strahl in den Bauchflossen haben, die Weibchen nicht (Fische desKek-
kar p. 51).
l'eters fügte den früher mitgetheilten Süsswasserfischen von
Mossambique eine neue Art Barbus radialus hinzu, wodurch die Zahl
der dort beobachteten Cypriniden auf 10 gebracht wird (Monatsberichte
der Berliner Academie 1853. p. 783).
Eine Gattung Lob ocheilos, welciie die Mitte hält zwischen
Labeo und Barbus, und welcher van Hasselt bereits den Namen Labeo-
barbus gegeben hatte, stellte B 1 e e k er INienwe Tienl. van Sumatra 1. c.
auf: Oris margo triplex ; labia glabra non fimbriata , inferius lobum
quadratum carnosum efficiens; rostrum prominens carnosum; cirri 4,
maxillares et labiales; spina dorsalis vel analis dentata nuUa. Dahin
gehört Labeo faicifer Cuv, Val. und drei neue Arten L. cobilis, Schwa"
nenfeldii und heterorhynchus. Auch Labeo crylhropterus und Labeo
hispidus Val. , sowie Gobio hirliceps und Gobio quadriniaculatus Rüpp.
werden als w^ahrschelnlich dieser Gattung angehörig genannt.
Ferner stellte ib. Bleeker die Gattung Cros soch eilos van
Hasselt, die von den späteren Ichthyologen nicht angenommen worden
Ichthyologie während des Jahres 1853. 137
war, wiedtr her unter folgenden Charakteren: os inferum margine triplice,
riclu paralleloirraminico ; labia papijlis crenulala vel fimbriala, infe-
rius lobum quadralum carnosum elficiens; roslrum valde prominens car-
nosum, cirri 2 roslrales; spina dorsalis vel analis denlata nulla. Dahin
gehört Cr. oblongus v. Hass. (Labeo oblongus Cuv. Val.).
Baird und (Jirard gründeten eine neue Gattung der Cyprinoi-
denfamilie in den Proc. f'hilad. VI. p.368: Gila Körper spindelförmig,
zusammengedrückt; Rücken mehr oder weniger gebogen, besonders bei
grossen Exemplaren; zuweilen nach hinlen stark verschmälert, mit sehr
dünnem Schwanz; Kopf niedergedrückt, verhältnissniässig klein; oberes
Profil concav ; Schnauze verlängert ; Augen kreisförmig oder elliptisch;
Älund von mittlerer Grösse ; Überkiefer den Unterkiefer umfassend; keine
Bartfäden; Schlundzähne schief, zusammengedrückt, in zwei Reihen,
an der Spitze schwach hakenförmig, vier Kiemenbogen ; Schuppen am
Rücken klein, grösser an den Seiten, von mittlerer Grösse an Bauch
und Schwanz ; Seitenlinie deutlich, eine nach dem Bauch offene Curve
bildend und gerade am Schwanz; Schwanzflosse gai)elförmig. Die drei
neuen Arten G. robiisla, elegans und gracilis stammen aus dem Zuni-.
Fluss und sind in Sitgreaves Report of an expedition down theZuni
and Colorado Rivers, Washington 1833. 8. p. 148 ausführlich beschrie-
ben und auf dreiTaTeln abgebildet. — Ihnen fügten dieselben Verf. zwei
andere Arten, G. Evionji und Grahamii, aus der Gila hinzu. Proc. Phi-
ladelphia p.388.
Baird und Girard stellten Proc. Philad. VI. p. 391 drei neue
Cyprinen auf: Lenciseus lutrensis und bubalinus, Ceralichthys vigilax
von Arkansas. In iMarcy's Expl, of the Red River of Louisiana sind
dieseliien weiter beschrieben und abgebildet. Daselbst ist die letztere
Art auch zu Leucfscus gebracht.
Caloslomus latipinnis Baird und Girard aus dem Gilafluss bei
San Pedro. Proc. Philadelphia VI. p.388.
Auch Bleeker lieferte eine Anzahl neuer Arten : Cobitis Pfeifferi
Sumatra; Barbus Hiiguenini und repasson Sumatra, heteronetna Borneo
7, /ascm/M5 Barika, macracanfkus und Schwanenfeldii ; Capoeta oligopsis
Sumatra; Dangila fasciala Sumatra: Systomus iayilhuchir liorneo 7 ; Ro-
hila oligolepis Banka, polyporus Sumatra nieuw. tient. ; Lenciseus ban-
kanensis Banka, microlepis Beug, en Ilind. von Calcutla; Cirrhina ben^
galensis ib.
Cypfinoiloiites* Agassiz hat die Entdeckung gemacht, dass
die (iailungen Aloilienesia und Poecilia nur sexuelle Verschiedenheilen
sind, namentlich ist P. mullilineata das Weibchen von M. latipinna. Er
sah sie sich begatten , und verfolgte die Enlwickelung des Embryo
(Silliman Amer. Journ. XVI. p. 1-35 ; Institut. 1853. p. 287; Comptes
rendus XXXVII. p. 184.
138 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
ßairdund Girard stellten in den Proc. Philadelphia VI. p, 389.
eine Anzahl neuer Arten aus dieser Familie auf: Fundulus grandis von
Indianola in Texas und lenellus von Russellville, Hydrargtjra similis
von Indianola, Cyprinodon elegans und bovinus aus dem Rio grande del
Worte, macularius aus dem Rio Gila, gibbosus von Indianola, Heteran-
dria affinis aus dem Rio Medina und Salado, nobilis aus dem Rio
Grande del Worte, palruelis aus dem Rio IVueces und occidenlalis aus
dem Rio Gila.
Als neue Gattung beschrieb Gervais (Instilul. 1853. p. 86) ei-
nen Fisch Tellia apoda von Algerien, der sich von Cyprinodon durch
den Mangel der Bauchflossen unterscheidet.
Cliar^icini. Eine neue Galtung Melannra in der Nähe von
Erylhrinus ist von Agassiz vorläuGg angekündigt. Silliman Amer. Journ.
XVI. p. 135.
Gasleropelecus securis und Chalcinm Mülleri aus dem Rio Nopo,
und Telragonoplerus mexicanus aus einem See in der Kähe von Me-
xico sind neue Arten von De Filippi Rev. et Mag. de Zool. 1853.
p. 165.
Scopelini. Einige Bemerkungen über die Galtung Chaulio-
dus sind von Kölliker Zeilschr. für wiss. Zoologie IV. p. 366 ge-
macht worden.
Salmonoidei« Eine Notiz über die Abnahme des Lachsfan-
ges bei Wismar seil dem Jahr 1758 findet sich von F r a n z Schmidt
in dem Archiv des Vereins in Meklenburg 7. Heft. 1853.
Charles Girard beschrieb Proc. Boston Soc. IV. p. 262 eine
neue Art Salmo oquassa, welche in dem Moosemegantic-See lebt, und
im October zum Laichen in den Kenebago tritt und bis in den See
Oquassa gehl.
Derselbe nannte eine neue Art aus dem südlichen Theilen des
Staates Maine Salmo sebago. Proc. Philadelphia VI. p. 380.
Cltipeoidei« Neue Arten von Bleeker: Jlareugula nioluc~
censis Ternate en Halniaheira, H.melanurus Ceram 3, Sardinella lemuru
Balavia, Alau&a brachysoma Sumatra, Coilia Canioris Beng. en Hind.
von Caiculta.
Eine neue Gattung E f »wweMs stellte derselbe in der Familie
Bulirini auf, und unterschied sie von Dussumieria durch das Vorhan-
densein von Vomerzähnen. Ergründete sie aufClupea niicropus Temm.
Schi. (Nalezingen Japan).
Ksoces. In einer Note über die Amerikanischen Arten der Gat-
tung Esox (Proc. Philadelphia VI. p. 386) sagt Girard, dass einige
Arten (eslor , nobiiior, boreus) nackte Wangen besitzen, während an-
dere (reticulalus, ainericanus, Itiscialus) au den Wangen beschuppt sind.
Die ersleren sollen auf die grossen Seen und die westlichen Gewägger
Ichthyologie während des Jahres 1853. 139
überhaupt beschränkt sein , während die andern in den Flüssen vor-
kommen, die sich in den Allantischen Ocean ergiessen.
Hetteropy^ii« Agassiz stellte eine neue Gattung Cholo~
gaster auf, die sehr ähnlich im Habitus mit Amblyopsis , aber mit
Augen versehen ist; sie hat den After gleichfalls an der Kehle, aber
ihr fthlen die Bauchflossen ganz. Die Art Ch. cornulus ist ein klei-
ner, kaum 3 Zoll langer Fisch, der in den Gräben der Keisfelder in
Südcarolina lebt. Die Schnauze hat zwei hornarlige Fortsätze (Silii-
man. Amer. Journ. XVI. p.l34.
MBiraenoidei* ßleeker hat einen Nachtrag zu sei-
ner Abhandlung über die Aale bekannt gemacht (Aanhang-
sel op de Bijdrage tot de kennis der Muraenoiden en Syrn-
branchoiden van den indischen Archipel. Verhandelingen van
liet Bat. Gen. van Künsten en Wetenschappen XXV. deel).
I Verf. besitzt bereits 63 Arten, deren geographische Verbreitung
innerhalb und ausserhalb des Archipels tabellarisch angegeben ist. Die
neuen Arten sind : Moringua microchir von Sumatra, Ophisurus bangko
von Batavia, 0. Hoevenii von Macassar , 0. potamophilus von Sambas,
Dalophis polyophthalmus von Friaman, moluccensis von Ceram, Muraena
schismatorhytichits vom westlichen Sumatra , M. Pfeifferi von Macassar
und Ceram, M. prosopeion von Sumatra , M. polyuranodon von Ceram.
Alle diese Arten figuriren auch in den oben genannten Beiträgen etc. von
Amboina , Sumatra, Bornco , Ceram und Celebes als neue Arten. In
einer Fachschrift wird endlich Cotiger anagoides von ßauda ISeira als
neu beschrieben.
Auf einer bereits früher beschriebenen Art Muraena gymnopte-
rus gründete ßleeker Batavia 1. c. und Aanhangsel op de Bijdr. Mu-
raenoiden ct. p.7l eine neue Galtung Muraeni chthys, indem er
bei einem frischen Exemplare fand, dass die Naslöcher hinter den Lip-
pen lagen. Er gab der Gattung folgende Charactere : Pinnae dorsalis,
caudalis, analis continuae; pinnae peclorales nullae; nares posteriore»
inferae in lahio superiore perforatae ; dentes palalini, nasales, vomerini,
inframaxillares; squamae nullae; aperturae branchiales inferae semilu-
nares. (Diese Gattung gehört zufolge der Lage der Naslöcher in die
Lütken'sche Gruppe üphisuridae , fällt aber mit keiner der von diesem
angenommenen Galfungen zusammen; vergl. dies Archiv 1852. 1. p. 274).
Cantor beschrieb ßuchanan's Anguüla (Moringua) railaborua in
Naluurkundig Tijdschrifl voor Nederland-sch Indie IV. ausführlich und
erläuterte dieselbe durch Abbildungen. Eine ganze Reihe neuerer Sy-
nonyme wird angegeben.
Muraena auloptera aus dem indischen Ocean bei Mauritius ist
eine neue Art von De Filippi Rev. et Mag. de Zoologie 1853. p. 168.
Oynmotiai. Eine Abhandlung von J. Reinhardt
140 Troschel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Über die Schwimmblase in der Familie Gymnotini (Om Svöm-
meblaeren hos Familien Gymnotini) in Videnskabelige Medde-
lelser fra den naturhisloriske Forening i Kjöbenhavn for Aa-
ret 1852. p. 134, in der nachgewiesen wird, dass alle hier-
hergehörigen Fische zwei Schwimmblasen besitzen, deren Luft-
gänge sich vereinigen, ist in unserm Archiv 1854. I. p. 169
in der Uebersetzung mitgetheilt.
Syinbrancliii. Cantor hat einen indischen Fisch unter dem
Namen Synibranchus immaculalus Bloch in Tijdschr. voor Nederl. Indie
IV. abgebildet und beschrieben. In brieflicher iMitlheilung spricht sich
Kaup mit Recht dafür aus, dass der Name dem südamerikanischen Kisch
verbleiben müsse, der Indische wird den M. Cllellaad'schen Namen O/jäi-
sternon bengalensis führen müssen.
Helmiciithyidei. K ö 11 i k er hat in Messina die merk-
würdigen Gattungen Leptocephakis Morr. und Helmiohthys Raff,
untersucht. Mit Recht bildet er aus ihnen eine eigene Fa-
milie (Zeitschr. f. wiss. Zool. IV. p.360).
Als wesentliche Charektere dieser Familie setzt Verf. I. den
Mangel von allen und jeden aus Knorpel ossificirendcn Knochen, 2: das
Vorkommen einer vollkommen entwickeHen , in die Schädelbasis hin-
einreichenden Chorda dorsalis, 3, die geringe Enlwickelung der Wir-
bel , 4. die bedeutende Ausbildung des knorpeligen Primordialcranium
und das spärliche Auftreten von Deckknochen, 5. den iMangel der Rip-
pen, 6. die Existenz einer dicken Gallertscheide um die Wirbelsäule,
7. den Mangel von Schwimmblase und Milz, 8. die grosse Durchsich-
tigkeit und die Farblosigkeit vieler Theile. Verf. hat zwei Arten un-
tersucht, nämlich Leptocephalus vilreus n.sp. und Helmichlhys diapha-
nus. Die erstere Art ist jedoch nicht neu, sondern zuerst von Cocco
Leptocephalus Gussoni, später von Costa L. candidissimus genannt; na-
türlich muss ihm der Cocco'sche Name bleiben.
Weitere Mittheilungen über die Helmichthyiden machte
Kölliker in den Verhandl. der Phys. Medic. Gcsellsch. in
Würzburg IV. p. 100 bekannt.
Den Leptocephalus trichiurus Cocco sieht er als neue Gattung an,
die Tilurus genannt wird: Körper dünn, bandförmig, in einen lan-
gen Faden auslaufend, Brustflossen sehr klein, Rückenflossen ein häu-
tiger Saum, ohne Strahlen, die übrigen Flossen fehlen. After weit
hinten, kurz vor dem fadenförmigen Schwänze. Kiemenspalten gross.
Kopf klein, Augen sehr klein, IJnter- und Überkiefer mit einer Reihe
spitzer Zähne besetzt. Blut farblos. DieAit w^ird Tilurus Gegcnbauri
genannt. Da Verf. weiss, dass dieser Fisch bereits von lUfinesque,
Ichthyologie während des Jahres 1853. 141
Risso und Cocco benannt ist, so Ihut er Unrecht, durch neue Gattungs-
und Specics-INamen Verwirrung zu erregen. Der Fisch muss Oxyslo^
mus hxjalinus Rafinesque heissen.
Eine zweite Gattung wird ebenda Hyoprorus genannt: Kör-
per bandartig, hinten spitz auslaufend, vorn gegen den niedrigen Kopf
zieuihch scharf abgesetzt. Brustflosse ein kleiner Stummel ; Bauchflosse
fehlt; Rückenflosse beginnt dicht hinter dem Kopf und läuft ununter-
brochen bis zum Schwanz, wo sie mit der Afterflosse zusammenslösst
und spitz ausläuft, ohne eine eigentliche Schwanzflosse zu bilden. Af-
ter etwas vor der ftlilte des Leibes. Kiemenspalten schmal wie bei
Leptoceplialus, seillich. Kopf rüsselähnlich , Kiefer ohne Zähne, Blut
roth. Die Art H, messanensis ist 4" 8'" lang. Messiua.
PI ectognathi.
Aus dieser Gruppe haben wir nur über neue Arten, wel-
che Bleeker in den verschiedenen Abhandlungen beschrie-
ben hat, zu berichten.
OyiiiiKxloiitess Tclraodon aslrolaenia und Valenlini (Ikan
Kaskasse Valent.) Amboina 3, Waandersii Banka , erylhrolacnia Cele-
bes 4, trichoderma Sumatra nieuw. tient.
Sclerodermi. Oslracion solorensis Solor; Batistes chrysospi^
los Solor; ßlonacafithus Irichurus Amboina 3, melanocephalus Solor,
Houltuytii Sumatra nieuw. tient., kukumi Bijdr. Japan (ist in Holzschnitt
abgebildet) ; Triacanlhus hrachysoma Amboina 3.
Lophobranchii.
Eine Uebersichl derLophobranchier gab Kaup in die-
sem Archiv 1S53. I. p. 226, worauf hier verwiesen werden
kann.
Bleeker hat eine Arbeit (Bijdrage tot de kennis der
Iroskieuwige visschen van den indischen Archipel ; Verhan-
delingen van het Bat. Gen. van Künsten en VVetenschappen
XXV deel) über die Lophobranchier des Indischen Archipels
geliefert.
Der Verf. lässt seine früher oufgestcllten Galtungen Syngnalhoi-
des und llippichthys fallen , erstere weil sie identisch mit Solegnathus
Swains., letztere weil sie von Syngnalhus nicht zu trennen sei, da die
sehr kleine Alterflosse keinen hinreichenden Gattungsunterschied bilde.
Indem ferner die Synonymie einiger Arten berichtigt wird, nennt Verf. 20
ihm aus dem indischen Archipel bekannte Arten. Verf. unterscheidet
drei Familien, von welchen er folgendes Schema angiebt:
142 Troschel: Bericht über die Leisluügen im Gebiete der
1. Fam. S y ngnathoidei. Finnae ventrales nullae, dorsalis
unica; os terminale. Dahin die Gattungen Syngnathus Swains. (Sipho-
sloma Rafin.), Acus Swains. (Syngnathus Bp.) Nerophis Rafin. Blkr.,
Solegnathus Swains. ßlkr. (Phyllopleryx Swains.), Hippocarapus Cuv.,
Calaniosloma Agass. (fossil).
2. Fam. Solenostomatoidei, Finnae dorsales duae , pecto-
rales, analis , caudalis; pinnae ventrales radiosae magnae in bursani
embryonalem unilae; os terminale. Gattung Solenosloma Lacep.
3. Fam. Pegasoidei. Pinnae dorsalis unica, pectorales, ana-
lis, caudalis; pinnae ventrales fiiliformes liberae; os inferum. Galt,
Fegasus L.
Von diesen Gallungen sind Syngnathus durch 13, Hippocampus
durch 3, Fegasus durch 2, Solenosloma durch 1 Art vertreten.
Als neu wurden aus der Gattung Syngnathus beschrieben: S.bra-
chyurus von Java und Sumatra, deokhaloides von Sumatra und Borneo,
flutiatilis van Hasselt sec. icon. inedit. von üalavia, leiaspis von Ba-
tavia, sundaicus vom westlichen Java, djarong ebendaher.
In einer Note dieser Schrift p.25 wird eine neue Art Solegna-
thus polyprion von China beschrieben.
Die früher vom Verf. beschriebenen Hippocampns taeniopterus
und moluccensis erkennt derselbe als identisch mit seiner Art //. kuda
an. — Sein Fegasus pristis wird hier als synonym zu F. natans Linn.
gebracht.
In den anderen oben erwähnten Schriften des Verf. sind noch
als neu beschrieben: Syngnathus dactyliophorus B'\](]r. lia\n\'ia und Hip-
pocampus Mohnikei ßijdr. Japan. Letztere ist in Holzschnitt abgebildet.
Graiioidei«
Anatomisch -Histologische Untersuchungen über Fische
und Reptilien von Dr. Franz Leydig. Berlin 1853.
Der erste Abschnitt behandelt die mikroskopische Anatomie des
Acipenser Nasus Heck, und A. INaccarii Bonap. mit beiläufiger Berück-
sichtigung anderer Fische. In Beziehung auf die systematische Stel-
lung unter den Ganoiden hebt Verf, in einer Schlussbemerkung her-
vor : das Auge von A. nasus besitze einen Knochenring, nähere sich
also den Knochenfischen; die sogenannten Schleimapparate der Haut set-
zen sie zwischen die Flagioslomen und Knochenfische; ganz isolirt
stehen die Störe durch die vvimpernde Innenfläche der Schwimmblase.
Derselbe Verf. machte in der Zeitschr. für wiss. Zoo-
logie V. p. 40 „Histologische Bemerkungen über den Polypte-
rus bichir bekannt. Auch bei diesem Fisch fand Verf. die
Ichthyologie während des Jahres 1853. 143
Schwimmblase flimmernd, und vermuthet, dass hierin ein luii-
damenlaler Charakter der Ganoiden liege.
ISelacliii.
Squali. Eine „Monographie de la tribu des Scylliens
ouRousseües, coniprenant deux especes nouvelles^^ von Au-
gust Dumeril findet sich in Rev. et mag. de Zoologie
1853. p. 8, 73 und 119 und pl. 3. Einen Auszug s. Comples
rendus XXXVI. p. 288.
Nach einer historischen und anatomischen Einleitung zählt Verf.
die Gattungen und Arten auf , charakterisirt sie durch Diagnosen und
giebt die Synonymie. Es sind die Gattungen Scylliuni Müll. Henle mit
11 Arten, worunter Sc, laticeps neu, Pristiurus Bonap. mit 1 Art, He-
miscyllium M. H. mit 3 Arten, worunter H. variolatum neu, Chiloscyl-
lium AI. H. mit 5 Arten, Crossorhinus mit l Art, Ginglymostoraa iM. H.
mit 2 Arten, Stegostoma mit l Art. — Hemiscyllium variolatum und
der Kopf von Scyllium laticeps sind abgebildet.
Capt. Helms hat im Jahre 1S51 einen grossen Haifisch von 40
Fuss Länge in der Fundy ßay gefangen , den Kobert Foulis in Froc.
Boston soc. IV. p. 202 beschreibt. Er hält ihn für den Selachus ma-
ximus Linn. und glaubt, dass er Veranlassung zu den Erzählungen von
der Seeschlange gegeben haben möge.
Eine neue Art der Gattung Scyllium ohne Namen beschreibt De
Filippi Rev. et Mag. de Zool. 1853. p. 169 aus dem Mittelmeer, die
sich durch zwei Stachelreihen am Rücken auszeichnen soll. Guerin-
Meneville bemerkt in einer Kote, es möge vielleicht ein junger Echi-
norhinus spinosus Bonap. sein. Gegen diese Vermuthung äussert sich
Verf. ib. p. 286.
Bleeker beschrieb als neu: Carcliarias {Vrionodon) Henlei Ba-
lavia. Den C. (Aprion) brevipinna Müll. Henle bringt derselbe Verf.
in die Gruppe Prionodon, da die Oberkieferzähne fein gezähnt seien.
Rajae* Eudes-Üeslongchamps beschrieb in den Me-
moires de la Soc. Linneenne de Normandie IX. p. 139 eine Monstrosi-
tät von Raja clavata , welche an der linken Seile der oberen Fläche,
in einiger Entfernung von der Mittellinie, eine Art länglicher Flosse
hatte, in der einige gegliederte Sirahlen enthalten waren.
Daran schliesst sich p l45 eine Note desselben Verf.: sur trois
cas de tumeurs sous - cutanees ^eveloppees dans l'espece de la raie
bouclee.
Trygon melanospilos ist eine neue Art, welche Bleeker in sei-
nem Beitrage über ßalavia aufgestellt hat.
144 Troscliel: Bericht über die Leistungen im Gebiete der
Cliimaerae. Ueber weibliche Oviducle bei männlichen Chi-
mären, und eine männliche Vesicula seminalis bei Weibchen schrieb
Hyrtl. Sitzungsberichte der Wiener Academie XI. p. 1078.
Cyclostoitii*
Bei Gelegenheit der Aufstellung einer neuen Art von
Rundmäulern gab J. E. Gray eine Revision der ganzen Fa-
milie der Lamprelcn Proc. zool. Soc. 1851 July.
Verf. unterscheidet zwei Gruppen: A. Petromyzoiiina mit
deutlichen Zähnen und Augen. Dabin folgende Gallun^ren : 1. Pelro-
inyzon obere Innenzähne zwei, kegelförmig, dicht bei einander, ein
einzelner mondförmiger unterer; zahlreiche conische Lippenzähne ; zwei
gefiederte Zungenzähne. P. marinus und vier andere Arten. 2. Latn-
petra obere und untere Zähne quer, mondförmig ; Lippenzähne in zwei
randständigen Reihen, die inneren Seitenzähne grösser, zwei- oder drei-
lappig; Zungenzähne kammförmig. 1*. fluviatilis, Planeri und zwei an-
dere Arten. 3. Geolria. Obere und untere Zähne quer, mondförmig,
die oberen gelapppt ; Lippenzähne zahlreich, entfernt, spitz, die inner-
sten die grossesten; Zungenzähne länglich, conisch, gekrümmt. Eine
neue Art G. australis von Südaustralien. 4. Velasia obere und un-
tere Zähne quer, mondförmig, die oberen zweilappig; Lippenzähne zahl-
reich, gedrängt, abgestutzt, die innersten am grossesten, Zungenzähne
länglich, gekrümmt. Eine neue Art V. chitensis von Chili. 5. Cara-
gola. Zwei obere Innenzähne, weit getrennt, drcilappig; untere mond-
förmig, neunlappig; Lippenzähne quer, bandartig, vier Höcker; Zun-
genzähne flach. Eine neue Art C. lapicida von der Westküste Ame-
rika's. 6. Mordacia. Zwei obere Innenzähne, die seillichen drei-
lappig, neun unlere conische in einer gebogenen Reihe ; Lippenzähne
kegelförmig in einer einzigen randsländigen Reihe ; Zungenzähne läng-
lieh, conisch, gekrümmt. F. mordax Richards. — B. AD^fimocoetinii.
ohne Zähne und mit verborgenen Augen, 7. Ammococtes mit 5
Arten.
lioptocardii.
Sundevall hat zwei neue Arten von Branchiosloma beschrieben,
die mit den Europäischen verglichen sind; Br. caribaeum von den
Antillen und elongalum von Peru (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandl. 1853. p. 11). Nach brieflicher Mittheilung von Prof. Peters,
der die Originalexemplare zu vergleichen Gelegenheit halte, ist Br. ca-
ribaeum identisch mit Br. MüUeri.
Bericht über die lieistung^eii in der Matiir-
^eschiciite der Hlolluskeii wälirend des
«lafires I$53.
Vom
Üerausg-eli er«
Vor allen anderen ist in diesem Berichle einer Erschei-
nung- von hoher Wichtigkeit zu erwähnen: Handbuch der
Conchyliologie und Malacozoologie von Philipp i. Halle
1853. 8.
Der Verf. hat in diesem Werke ein reiches Material zusammen-
getragen , was ihm die Wissenschaft danken muss. Leider sind jedoch
nicht seilen Unrichtigkeiten mit untergelaufen, die vsohl grösstentheils
aus älteren Schriften herstammen, namentlich in Bezug auf die Ana-
tomie. Oas Hauptverdienst des Werkes liegt in der vollständigen Zu-
sammenstellung aller bisher aufgestellten Gattungen. Auch die fossilen
Gattungen sind berücksichtigte In der systemalischen Anordnung folgt
der Verf., namentlich bei den Gasteropoden, noch Cuvier. In Bezie-
hung auf die Synonymik ist der Grundsatz befolgt, den älteren Namen
den Vorzug zu geben ; und wenngleich Verf. selbst diese Regel in der
Vorrede etwas einschränkt, so ist doch dieselbe, nach meiner Ansicht
zu streng durchgeführt. So heisst hier zum Beispiel die Gattuno- Hya-
laea — Cavolinia, Cleodora — Ciio. Jeder denkt doch wohl bei dem
ISamen Cavolinia und Clio an etwas ganz Anderes, und man müsste
sich erst von Neuem einlernen.
Ein Werk, was an Bedeutung dem vorhergehenden ail
die Seite gestellt zu werden verdient, und sich mit ihm er-
gänzt, ist: Einleitung in die Conchyliologie oder Grundzüge
der Naturgeschichte der Weichthiere von George John-
ston. Herausgegeben und mit einer Vorrede eingeleitet von
Archiv, f. Naturgescb. XX Jahrg. 2. Bd. ]{
146 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
H. G. Bronn. Stuttgart 1853. 8. Dasselbe ist vollständig
in 5 Lieferungen erschienen,
Es behandelt in geschickter Weise das Allgemeine über die Mol-
lusken. Der Nutzen dieser Thiere , ihre Lebensweise, ihre Anatomie,
ihre Enlwickelungsgeschichtc , der Bau und die Bildung der Schale,
die Geschichte der Weichlbierkunde mit Beachluung der 'svJrh'.igslen
Systeme bilden hauptsächlich den Gegenstand dieses Buches, welches
Jedem, der in das Studium der Mollusken einzugehen wünscht, als An-
leitung bestens zu empfehlen ist.
Unter dem Titel „Giornale di Malaeologia" hat Pelle-
grino Sirobel eine neue italienische Zeitschrift gegrün-
det. Sie ist ganz wie die Zeitschrift für Malacozoologie von
Menke und Pfeiffer eingerichtet und ausgestaltet. Der Jahr-
gang 1853 ist vollständig erschienen. Etwas Weiteres ist
bisher nicht in den Buchhandel gekommen. Originalaufsätze,
Auszüge, Necrologe und Notizen bilden den Inhalt. Am
Schlüsse des Jahrganges findet j^ich eine eingehende Anzeige
einiger Zeitschriften, und ein Verzeichniss der neuen Gattun-
gen und Arten vom Jahre 1853 in alphabetischer Anordnung.
Von dem Systematischen Conchylien- Cabinel von Mar-
tiai und Chemnitz, in Verbindung mit Philippi, Pfeiffer und
Dunker, herausgegeben von Küster, sind im Jahre 1853 in
rascher Folge die Lieferungen 118—129 erschienen, und es
sind in denselben mehrere Abschniüe dieses Werkes, das
durch die Schönheit der Abbildungen, besonders aber durch
die Sorgfalt, welche die Verfasser auf die Bearbeitung des
Textes verwandt haben , zu einer der ausgezeichnetsten Er-
scheinungen der conchyliologischen Lilteralur wird , vollen-
det. Leider kommen aber die Besitzer noch immer nicht da-
hin, wenigstens einzelne Theile binden zu lassen.
In den diesjährigen Lieferungen ist vom Texte erschienen : die
Galtung Helicina von IS'o. 88—101 Schluss , und mit Nachträgen zu
Trochatella ; die Gattungen Plerocyclos 10 Arten, Pupina 14 Arten und
eine Fortsetzung der Gatt. Cyclostoma No. 217 — 258 von Pfeiffer;
die Galtungen Paludina 70 — 105 Schluss, Ilydrocaena l Art , Valvata
9 Arten von Küster; die Gattungen Adeorbis 2 Arten, Skenea 7 Ar-
ien, Ürbis l Art, Fossarus 3 Arten, Solarium 46 Arten, Risella (Bem-
bicium Phil.) 12 Arten, bearbeitet von Philippi; die Gattungen Wa-
tica No. 121 — 189 Schluss und Amaura 1 Art bearbeitet von Philippi;
die Gattungen D^lphinula 35 Arten, Scissurella 11 Arten, GlobuJus
Nalurgesrliichle der Mollusken während des Jahres 1853. 147
(Uotella Lam.) 17 Arien von Philipp i; die Gattungen Phasianella
39 Allen, Bankivia niil 1 Art, Lacuna 22 Arten von Philippi; die
Gallunir Helix fortgesetzt von 727 — 890, ehenso Bulimus42 — 117, Clau-
sili« 83 — 147 ; Unio 50—59.
S 0 w er by's Thesaurus Conchyliorum Part. XIV, welcher
im Jahre 1853 erschien , enthält die Gattung Venus mit 109
Arten , nebst einigen Nachträgen zu den Gattungen Meroe,
Cylherca, Circe und Tapes. Dazu 12 Tafein.
Von Herrmannsen erschien bereits im December
des Jahres 1852 ein Nachtrag zu seinem Index Generum:
Indicis Gencrum iMalacozoorum supplemenla et corrigenda,
Cassellis 1852.8.
In den Proceedings of Ihe zoological sociely of Lon-
don hat L. Pfeiffer während der Jahre 1851 und 1852
eine sehr grosse Anzahl von Landschnecken aus der Samm-
lung des Herrn Cuming durch Diagnosen bekannt gemacht.
Ich enthalte mich der Millheilung des langen Namensverzeich-
ivisses, da alle diese Arten Iheils schon in der Monographie
Pneuinonopomorum viventium enthalten, Iheils in derKüster'-
schen Ausgabe des Chemnitz'schenConchyliencabinets erschie-
nen sind, oder noch erscheinen werden.
Von dem Catalogus Conchyliorum quae reliquit Alphonso
d'Aguirra et Gadea Comes de Yoldi schrieb 0. A. L. Mör ch
das zweite Heft, welches die Acephalen, Annulaten, Cirripe-
dien und Echinodermen enthält.
Ueber die Ursachen der Zerfressung der Flussconchy-
lien schrieb Bland (Journ. de Conch. IV. p. 306). Ausser
dem Abfressen durch andere Schnecken, schreibt er dem
kohlensauren Gas, welches im Wasser enthalten ist, die Wir-
kung zu.
Folgende drei Abhandlungen beziehen sich ausschliess-
lich auf die Nomenclatur:
Bourguignat verlangt (Rev. et mag. de Zooi., 1853,
p. 352), dass die Namen von Personen, wenn sie als Bezeich-
nung für Species benutzt werden, dann im Genitiv stehn sol-
len, wenn sie von der Person entdeckt oder beschrieben sind,
dass sie dagegen im Adjectiv stehen sollen, wenn es bloss
Jemandem zu Ehren geschieht. Ich sehe sprachlich keinen
148 Troschel: Bericht über die Leislungen in der
Grund zu dieser Regel, und daher auch keinen Grund sie zu
befolgen.
Auf eine Bemerkung von Petit (Journ. de Conchyl.
IV. p.200), worin er gegen das Recht liäinpft, specifische
Namen , die gegen die Grammatik Verstössen , willkürlich
zu ändern, mag hier hingewiesen werden. Er hat nicht Un-
recht; wenngleich es andererseils wünschenswerth ist, dass
alle Namen mit Kenntniss und Geschick gewählt werden
möclilen.
Herrmannsen hat für einige Gatlungen die Priorität
von Namen vorgesucht, welche Link im Jahre 1807 in der
Beschreibung der Naturaliensammlung zu Rostock aufgestellt
hat (Proc. zool. soc. 1851 July; Annais XII. p. 448).
So ist von bekannteren Gattungsnamen Oniscia Sow. identisch
mit Lambidiiun Link; Bezoardica Schum. oder Cassidea Swains. =
Vhalimn Link; iMorio iMonlf. und Cajsidaria Lam. = Galeodea Link;
Ranella Lani. = Gyrineum Link; Riciuula Lam. = Canrena Link;
Globulus Sthuni. und Rotella Lam. = Vmbonium Link ; Meroe Schum.
= Sunetla Link ; Pisidinm Drap. = Musculium Link u. s. w. Ich
glaube, dass diese Kamen nicht eingeführt werden sollen, namentlich
da , wo es sich um die Verdrängung gemein gangbarer Lamarck'scher
Kamen handelt. Ich habe zum Oefteren mit dem seligen Link hier-
über gesprochen ; auch er war entschieden gegen die Wiederaufnahme
dieser Namen , ja er verweigerte mir sogar ein Exemplar seiner Ab-
handlung, um dergleichen zu vermeiden.
Zahlreich sind die Arbeiten, welche sich auf die geo-
graphische Verbreitung der Mollusken beziehen, indem sie
einzelne Faunen behandeln.
James Dana kommt aus den vorliegenden Beobach-
tungen über die Tiefen, welche die Muscheln in verschiede-
nen Gegenden des Mitlelmeers und an den Englischen Kü-
sten bewohnen, zu dem Schluss, dass nicht bloss die Tem-
peratur die Tiefe, zu welcher sich die Arien ausbreiten kön-
nen, bestimmt, sondern dass noch andere Einflüsse wirksam
sein müssen cSilliman Amer. Journ. XV. p.204).
Europa. Asbjörnsen lieferte (Bidrag til Christia-
niafjordens Litoralfauna) eine Arbeit über die Mollusken des
Meerbusens von Christiania.
Nachdem Verf. sich über die Verbreitung der sltandinavischeo
Naturgeschichte der Mollusken Avährcnd des Jahres 1853. 149
Mollusken im Allgemeinen ausgelassen, und eine labellariselie Zusam-
menstellung der Arien nach folgenden Rubriken gegeben hat: Hospites
e mare siculo, Cives germani, Aborigines rcgionis arclicae und Incolae
sjnus cbrislianensis , — gicbt er an, dass er 178 AIollushen-Arlen in
der Bucht von Chrisliania gefunden habe. Diese sind 1 1 Gymnobran-
ch'er in 6 Gattungen, 74 Schalenschnecken in 33 Gattungen, 3 Bra-
chiopoden in 2 Gattungen und 90 Acephalen in 36 Gattungen. Davon
sind 6 neu für die skandinavische Fauna, 19 sind zuvor nicht in Nor-
wegen , 2 sind zuvor nicht südwärts von Bergen und 1 nur in Kin-
marken gefunden. Es folgt dann die Aufzählung der 178 Arten mit
Bemerkungen , die sich vorzüglich auf das Vorkommen und die Fand>
orte beziehen.
Die Land- und Süsswasser-Mollusken aus der Umgegend
von Cliristiania und Bergen beschrieb Joachim Friele:
Norske Land- og Ferskvands-Mollusker som findes i Omeg-
ncn af Chrisliania og Bergen. Udgivet paa Bekostning af
det Kongellg Norske Videnskabs Selskab i Trondhjem. ChrU
5liania 1853.
Die Schrift behandelt 57 Arten, die alle auch im nördlichen
i)eutschland vorkommen. Neue Arten sind nicht beschrieben. Den
Schluss macht eine systematische üebersicht der Gallungen.
A Synopsis of the Mollusca of Great Brilain arranged
according to Ihelr natural affinilies and analomical slructure;
by W. J. Leach. London 1852. 2. Vol. 8. ist mir nicht zu-
gänglich geworden.
In „Briefen aus Spanien^^ gab Ro ssina essler einige
vorläufige Notizen über seine dortige conchyliologische Aus-
beute. Zeitschr. f. Malak. p. 97. ^- Ferner findet sich ebenda
p. 161 ein „kurzer Bericht über meine malakozoologische Reise
durch einen Theil des südöstlichen Spanien-^ von demsel-
ben, der recht interessante Schilderungen der dortigen lo-
calen Verhältnisse enthält. Daran schlicssen sich Bemerkun-
gen von A. Schmidt ib. p. 171.
De Saulcy verzeichnete im Journ. de Conch. IV. p. 266
die Land- und Süsswassermollusken, welche er im Thal von
Bareges (Haules-Pyrenees) gesammelt hat. Es sind 31 Schnek-
ken und 1 Muschel (Pisidium cinereum Aid.)
Calalogue desMolIusques du deparlemcnt de fOise (Me-
moires de la Soc. acad. de l'Oise IL 1852) und Description
150 Troschei: ßericht über die Leisinngen in der
des Mollusques du departement de l'Oise, premiere parlie (ib.
p. 133— 144) sind zwei Arbeilen von Baudon, welche ich
nur aus einer Anzeige von Drouet in Rev. el mag-, de zool.
1853. p. 136 kennen gelernt habe. Erstere ist ein einfacher
Catalog von 118 Arten, unter denen zwei neue Arten ge-
nannt sind. Die zweite giebt eine Beschreibung der Mollus-
ken jenes Departements. Es ist darin die allgemeine Ein-
leitung und die Familie der Limaceen, so wie der Anfang
der Heliceen enthalten. Auch im Journal de Conchyliologie
IV. p. 222 ist diese Schrift angezeigt.
Einen Anhang zu dem Verzeichnisse der marinen Con-
chylien Frankreichs lieferte Petit in Journ. de Conch. iV.
p. 426. Dieser Nachtrag bezieht sich auf ein Vcrzeichniss
desselben Journal's II. p. 274 und III. p. 70 und 176.
Küster schrieb (Erster Bericht des naturf. Vereins zu
Bamberg 1852. p. 45 über die Binnen -Mollusken der Umge-
gend Bambergs, und zählte 104 Arten auf, 88 Schnecken und
16 Muscheln. Er verglich sie tabellarisch mit den übrigen
europäischen Localiläten.
Einen Anhang zu den Verzeichnissen der im Erzherzog-
thum Oeslerreich bisher entdeckten Land- und Hussschnecken
der Herren Parreiss und Zelebor machte Pelegrino Strobel
bekannt (Verhandl. des zoologisch -botanischen Vereins in
Wien 1853. p. 106). Die dieser Fauna angehörigen Arten sind
dadurch beträchtlich vermehrt, von vielen sind neue Fund-
orte hinzugefügt. Es enthält 110 Arten.
Ebenda p. 197 gab auch Zelebor einen Nachtrag zu
seinem Vcrzeichniss der Oesterreichischen Land- und Süss-
wasser-Mollusken.
Verany hat ein Verzeichniss einiger Mollusken- Ord-
nungen von Nizza im Journ. de Conch. IV. p. 375 bekannt
gemacht.
Dasselbe besteht aus 26 Cephalopoden, 14 Fleropoden, 7 Hele-
ropoden, 55 Kudibranchier (von denen 3 Aeolidia und 2 Aegires neu,
2 Inferobranchier , 22 Teclibranctiier und 2 Pulmonalen (nämlich 2 Ar-
ten Aclaeon, wovon eine neu).
Notizie Malacoslaliche sul Trentino, raccolle per cura
Nalurgeschiclile der Mollusken während des Jahres 1853. 151
di Pellegrino Strobcl di Milano, Coadjutore prcsso la
Bibliotcca dell' Universita di Pavia. Pavia 1851. 8.
Diese Schrift enthält nach einer Schilderung der Gegend, über
welche sie handelt, 72 Arten, unter denen Pomalias Slro-
bel , vielleicht Varietät von P. patuluni Drap., und Ilelix Ambrosi Stro-
bcl, von intermedia Fer. durch engeren Kabel verschieden.
Strobel verzeichnete in seinem Giornale di Malacologia
I. p. 49, 65, 81, 97 die Mollusken, welche im südlichen Theile
von Pieinont zwischen Toce und Trebbia vorkommen.
Es sind, nach dessen Angaben, im Ganzen 102 Arien in 24 Gat-
tungen ; davon 64 Landschnecken in 12 Gattungen , 25 Süsswasser-
schnecken in 7 Gattungen und 13 Muscheln in 5 Gattungen. Daran
scliliessen sich dann nicht uninteressante geographische und physika-
lische Bemerkungen.
Im Giornale dell' J. R. Islilulo Lombardo T. 2 befindet
sich nach einer Anzeige in Bianconi'sRepertorio italiano per
la storia naturale 1853. p. 181 eine Abhandlung: „Note ma-
lacologiche d'una gita in Valbrembana nel Bergamasco di
Pellegrino Strobel. Per servire ad una topografia gene-
rale delleProvincie Lombarde.**
Es sind 4l Arten , unter denen drei neue. Hinzugefügt sind :
eine Tabelle über die Höhen des Vorkommens dieser Mollusken, eine
zweite Tabelle über den Boden, auf welchem sie leben, eine Aufzäh-
lung der in der Provinz Bergamo lebenden Mollusken, viertens ein Ver-
zeichniss der Landschnecken der Provinz Como, dann eine Vergleichung
beider, endlich eine Note über die Enlwickelung der Binden bei He-
lix nemoralis und pomatia.
Ein kleines Verzeichniss von Mollusken , 33 Arten , ist
im Giornale die Malacologia I. p. 142 abgedruckt. Es ist von
Ant. und G. B. Villa zusammengestellt als Ergänzung ih-
res Catalogo dei molluschi della Lombardia in Noticie nalurali
e civili su la Lombardia Vol. I.
Rezio Amanzio schrieb eine Inaugural- Dissertation
über Land- und Flussschnecken der Umgegend von Pavia:
Enumerazione sislematica dei Gasleropodi terrestri e fluvia-
tili dei diiilorni di Pavia. Pavia 1853. 8. Sie ist mir nicht
bekannt geworden. Neue Arten scheint sie nach einer An-
zeige in Bianconi's Repertorio italiano per la storia naturale
1853. p. 112 nicht zu enthalten.
Th. Prada hat ein Verzeichniss der Land -Schnecken
15^ Trog che I: Bericht über die Letstungen m der
des Isonzo-Thales u. s. w. in dem dritten Bande des GiornaFe
deir J. R. Istilulo Lombardo diScienze. Milana 1852 heraus-
gegeben : Calalogo dei Gasteropodi lerrestri deüa Vaße del
risonzo e dell' Allipiano d'Adelsberg, del Litfersle di TrJcsle
e deir Istria. Ist mir nur aus der Anzeige in Bianconi^s Re-
pertorio itliano per la storia naturale 1853 bekannt geworden.
Frauenfeld legte dem zool. bot. Verein in Wien ein
Verzeichniss von 42 Arten von Conchylien vor, welclie von
Wiedenhofer bei Padua gesammelt waren (Verliandl. des
zoologiscli-botanischen Vereins in Wie«. 1853. p. 73). Helix
planospira wird, noch ganz klein, mit Oel und Pfeffer gelioehl
als Leckerspeise vermehrt, auch die Anodontea und Unionen
dienen als Nahrungsmittel der Armen.
In den Verhandlungen des siebenbürgisehen Vereins für
Naturwissenschaften zu Hermannstadt 1851. p. 14^55 und 62
ist ein Verzeichniss der Land- und Süsswasser-M&Uusken Sie-
benbürgens von Bielz, welches in dem damaligen Berichte
von mir übergangen war und welches ich hier naehtrage. Es
ist ein Auszug aus einem grösseren Weike^ welches Bielz
herauszugeben beabsichtigte, von dessen Erscheinen ich bis
jetzt noch keine Kenntniss habe.
Es enthält 4 Arion, 3 Limax (daronter L. coerulans neu), 3 Vr-
trlna, 1 Ilelicophanta , 4 Succinea (S. minvla neu), 43 Helix (//. ta~
mellata, aethtjops, cereoßava neu) , 5 Balimas , 1 Achatina , 9 Fupa, 27
Clausilia (C. Bieilii Parr. und regalis Parr. neu), 2 Vertigo, 1 Cyclo,
Stoma, 2Carychium, 16 Planorbis (tenerrimus und simitis nea), 12hinrr-
naeus, 2 Physa, 1 Paludina, 1 Valvata, 1 Nerilina , 1 Lilhoclyptus (te-
uer neu), 1 Ancylus, 5 Anodonla, 7 Unio, 3 Cyclas, 5 Pisidium.
S. Ratchinsky hat (Bull, de la Soc. imper. des Na-
luralisles de Moscou 1853. p. 232) ein Verzeichniss der Schnell-
ken entworfen, die er während der Jahre 1850 bis 52 in den
Gouvernements von Smolensk und Moscau beobachtet hat. Es
enthält 44 Arten. Davon gehören 5 Arten der Umgegend
von Moskau, 12 dem Gouvernement Smolensk ausschliesslich
an, 27 sind an beiden Fundorten beobachtet.
Belke (Bull, de la Soc. imp. des Naturalistes de Mos^
cou 1853. p.425) nennt als in der Umgegend von Kamieniec
vorkommend 7 Muscheln und 21 Schnecken in zusammen 9
Gattungen.
WalurgeschicMc der Mollusken während des Jahres 1853. 153
Ein Verzeichniss serbischer Schnecken veröfTenllichte
Pfeiffer in der Zeilschrift f. Malak. p. 185. Es enthält 31
Arten und darunter eine neue.
Asien. Ein kleines Verzeichniss von Schnecken aus
Sibirien legte Pfeiffer Zeitschr. f. Malak. vor. Es enthält
12 Arten und darunter eine neue, die von Frivaldszky inPest,
der dem Verf. diese Zusendung machte, benannt worden ist;
sie ist unten namhaft gemacht.
Einige neue Conchylien aus Syrien beschrieb Bour-
guignat im Journ. de Conchyl. IV. p. 69. Sie sind unten
genannt.
In Layard's Ramblcs in Ceylon, welche in Annais XI.
p. 224, 302, 386 erschienen sind, finden sich auch viele Be-
merkungen über die dort lebenden Mollusken eingestreut, wel-
che einzeln in den Bericht aufzunehmen nicht möglich ist.
Benson beschrieb ib. XII. p. 90 achtzehn neue Arten
Landschnecken, die Layard in Ceylon gesammelt hat^ welche
unten namhaft gemacht sind.
Metcalfe zählte 38 Mollusken-Arten von Borneo auf,
unter denen viele neue (Proceed. zool. soc. 1851. Febr.;
Annais XI. p. 67).
Africa. A. Morel et lieferte ein Verzeichniss der
Land- und Süsswasser-Mollusken Algeriens. Journ. de Conch.
IV. p.280.
Es enthält 3 Limax, 1 Parmacella, 1 Teslacella, 64 Helix, 6 Bu-
limus, 7 Glandina , 6 Pupa , 1 Succinea , l Caryrhium , 2 Auricula, 10
Fianorbis, 2 Lymnaea, 2 Physa, 4 Ancylus , 2 Cyclosloma, 7 Paludina,
2 Neritina, 1 Älelania, 2 Melanopsis, 1 Anodonla , 4 Unio, 2 Pisidiura.
l)ie in Europa verbreitelen Gattungen Clausula , Balea, Vitrina, Acrae,
Pomalias und Valvafa fehlen gänzlich. Etwa ein Drittel der Arten ist
dem Lande eigenthümlich. 27 Arien gehören der ganzen Küste des
Miltelmeeres an, 15 gehören der westlichen, 14 der östlichen Region
an, 33 erstrecken sich bis ins mittlere Europa, 42 sind Algerien eigen-
thümlich. Die ganze Summe beträgt 131 Arien.
Derselbe verzeichnete 5 Arten der Galtung Helix von
Marocco, welche Coquand daselbst gesammelt halte. Eine
darunter ist neu. Journ. de Conch. IV. p. 138.
Der Botaniker Joh ann Anton Sc hmi d l sammelte
auf einer der Cap Verdischen Inseln, St. Vincent, eine Anzahl
154 Troschel: Ocrichl über die Leistungen in der
Conchylien, welche M e n k e in Zeitschr. f. Malak. p.67 als
einen Beitrag zur Fauna dieser Inseln aufzählle und mit kri-
tischen Bemerkungen begleitete. Mehrere neue Arten sind
darunter, und werden unten namhaft gemacht.
America. William Stimpson hat in den Smith-
sonian contribulions to knowledge Vol. VI eine Synopsis of
the marine Inverlebrala of Grand Manan, or the region about
the mouth of the bay of Fundy, New Brunswick verölTent-
lichl. Darin ist auch ein Abschnitt den Mollusken gewidmet.
Es werden einige Tunicalen namhafl gemacht, die Voil'. in Bost.
Proc. IV, beschrieben hal ; ihnen folgt 1 l5rachiopode, 43 Lamellibran-
chiaten, unler denen 1 neu, 56 Prosobranchialen, 5Teclibranrhialenj 11
Kudibranchiaten mit 6 neuen Arten und l Cephalopode. Einige neue
Arten sind auch abgebildet. Die neuen Arten sind unten aufgeführt.
Ein Verzeichniss von 14 Conchylien von C. B. Adams
findet sich in Marcy's Exploration of the Red River of Loui-
siana p.253. Ihm sind ib. p, 255 zehn andere Arten von
Shumard hinzusefüjjl.
Eine ganze Reihe von neuen Conchylien aus dem Golf
von Californien und von der Westküste Mexicos und Califor-
niens findet sich durch Gould in Boston Journ. nat bist VI.
p. 374 beschrieben und abgebildet. Manche derselben hat Verf.
schon früher in den Proceedings der Boston Soc. aufgestellt.
Die hier zuerst publicirten sind unten namhaft gemacht.
Im Journ. de Conch. II. p. 422 ist ein Verzeichniss der
Conchylien von der Insel Guadeloupe von Beau bekannt ge-
macht. Hierzu findet sich in derselben Zeilschrift IV. p. 413
ein ziemlich artenreicher Nachtrag.
Die vierte Lieferung von Felipe Poey Memorias sobre
la historia natural de la isla de Cuba. Habana 1853. enihält
die Beschreibung und Abbildung einiger neuen Heliceen. Lei-
der kenne ich das Werk nur aus einer Anzeige in der Zeit-
schr. f. Malak. p. 181. Die neuen Arten kann ich nach die-
ser Anzeige unten namhaft machen.
Ueber das Vorkommen einiger Mollusken in der Algo-
don-Bay in Bolivien findet sich eine Notiz von v. Bibra in
den Denkschriften der Wiener Academie 1852. p. 107.
Nalurgescliichte der Mollusken wahrend des Jahres 1853. »55
Cephalopoda.
H. Müller hat in Messina ünlersuchungen an Ceplia-
lopoden angestellt, die sich auf die meisten Organe in histo-
logischer Hinsicht beziehen; darauf geht Verf. zu einer wei-
teren Erörterung der mit Heclocolylus- Armen versehenen
Cephalopoden-Männchen über (Zeitschr. für wissensch. Zoo-
logie IV. p. 3373. Es kann wohl bei der Verbreitung dieser
Zeitschrift auf die Abhandlung selbst verwiesen werden.
lieber die Hectocofylen findet sich auch ein Aufsatz von
Panceri, der namentlich eine kurze historische Darstellung der
Entdeckungen über diese Organe enthält (Giornale di Mala-
cologial. p. 72. 138).
Von einer grösseren Abhandlung: Fragmens sur les or-
ganes de la gcneration de divers animaux par Duvernoy
bezieht sich das vierte Fragment (Mem. de i'Acad. des sc.
de rinstitut de France Tome. XXllI. 1853. p. 215) auf die
Spermatophoren in Sepiola Rondeleti und Loligo subulata.
Das erste Kapitel bildet eine historische Einleitung; im zweiten
w^erden die Spermatophoren der genannten beiden Arten beschrieben,
und mit denen der anderen Cephalopoden verglichen ; im dritten wer-
den die männlichen Geschlechtsorgane der Gattungen Octopus , Sepia,
Loligo und Sepiola beschrieben, und Verf. weist nach, dass Sepia und
Octopus in Btlreir dieser Organe mehr Verwandtschalt zeigen , als mit
Loligo und Sepiola, die unter sich wieder mehr mit einander überein-
slimmen ; in dem 4. Kapitel endlich wird von der Zusammensetzung
der Spermatophoren durch die verschiedenen Organe, aus denen der
männliche Geschlechtsapparat der Cephalopoden besieht, gehandelt, und
von ihrer Zersetzung im Wasser und im Augenblick der Annäherung
beider Geschlechter. Die Tafeln 6 — 9 gehören zu diesem vierten
Fragment.
Burnet l hat den Farbenwechsel an Loligo illecebrosa
beobachtet, und meint, er hänge nicht allein von dem Pig-
ment, sondern auch von dem zwischenliegenden Gewebe ab
(Proc. Boston Soc. IV. p. 252}.
Ueber die Mundlheile der Cephalopoden hat Referent
in diesem Archiv p. 1 eine Millheilung gemacht.
In einer Abhandlung von Vintschgau „Ricerche sulla slrutlura
microscopica della Retina etc, ist auch ein Abschnitt über die Retina
156 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
der Ccphalopoden enthalten. (Sitzungsbeiiclite dtr Wiener Academie
XI. p. 9C8).
In einem Aufsatze über die Nautiliden (Palaeonlogra-
phica Vol. III. p. 121) von L. Saemann, der sich freilich
hauptsächlich auf die fossilen Formen bezieht, lässl sich Verf.
auf eine ausführliche Erörterung über die Functionen des
Sipho bei den vielkammerigen Cephalopoden ein.
Er bespricht die Hypothesen der verschiedenen Schriftsteller
(p. 123 — 129). Er erkennt eine statische Function des Sipho an (p.
124), indem zur Möglichkeit der Erhebung des iMantels von der Schei-
dewand nüthwendig Luft aus den Kammern treten müsse, und dies be-
werkstellige der Sipho. Ausserdem müsse aber der Sipho auch eine
organische Function haben, und diese sieht er in der IlaH'schen Theo-
rie, nach der die iniuren Hölircn des Sipho als eine Art von Gebär-
mutter zu betrachten seien, in denen das Ei seine Eiitvvickelungspha-
sen duchmacht. Hall fand nämlich in zahlreichen Exemplaren seiner
Gattung Endoceras kleine Exemplare im Sipho der grösseren , wie
Wahlenberg schon früher bei ürthoceratiten (p. 155). — Beachtens-
werlh ist ferner die Bemerkung, dass der Sipho stets an der Bauch-
seile des Thieres liege , und dass die scheinbar verschiedene Lage des
Sipho nur davon abhänge , ob die Schale über die Rückenseite oder
die Bauchseite des Thieres aufgrollt sei (p. 139). Verf. führt daher
eine neue Bezeichnung ein, indem er die Einrollung, welche die Bauch-
seile des Thieres aussen erscheinen lässt „exogastrische Spirale" nennt,
„endogaslrische," Avclche über die Bauchseite eingerollt ist (Spirula).
Coplialophora,
In Philosophical Transactions of the Royal Society of
London 1853. I. p. 29 findet sich eine Abhandlung von Hux-
ley: On Ihe Morphology of the Cephalous Mollusca, as illu-
strated by the Anatomy of certain Heteropoda and Pteropoda
collected during the Voyage of H. M. S. Rattlesnake.
Im ersten Theile dieser Abhandlung schildert Verf. die Anatomie
von Firoloides (die Art scheint, so sagt der VerL , identisch mit F.
Desmarestii Eyd. Soul, und Atlanta (scheint idenliscb mit A. Lesuerii
Eyd. Soul.). Im Einzelnen muss auf die Schrift selbst verwiesen wer-
den, Verf. hebt folgende Punkte als wichtig hervor: 1) der üarm
ist nach dem Rücken gebogen , oder gegen die Seite, an welcher das
Herz liegt; die Eingeweidemasse liegt unter und hinter dem letzten
Theile des Wahrungsschlauches , man kann sie ein Postabdomen nen-
nen. 2) Atlanta ist prosobranchiate, Firoloides ist weder opisthobran-
chiate noch prosobranchiate. 3) Der Fuss besteht bei Atlanta aus 3
Nalurgeschichte der Mollusken während des Jahres 1853. 157
Theilen, dem Propodiuin, Mesopodium und iMetapodium; von diesen ver-
schwindet das Mesopodium bei Firoloides ganz, und dvis Metapodium
wird sehr rudimentär. 4) Die Gehörorgane sind mit den Kopfganglien
verbunden. 5) Die Thiere sind gelrennten Geschlechts.
Die darauf folgende Anatomie der rteropoden wird kürzer und
mehr aligemein behandelt. Verf. scheint hier weniger Material ge-
habt zu haben. Er hebt schliesslich hervor: 1) Der Darm ist nach der
Bauchseite gebogen ; die Eingeweidemasse liegt über und vor dem
After, sie mag Abdomen genannt werden. 2) Einige Pteropoden sind
prosobranchiale, andere intermediate, andere opislhubranchiate. 3) Der
Fuss besieht aus 4 Theilen , von denen drei , das Propodium, Mesopo-
dium und Wetapodium, wie bei den Heteropoden gefunden werden ; ein
vierter, das Epipodium, ist bei den Meteropodcn nicht vorhanden. Alle
diese Theile lassen sich bei Pneumodermon und Euribia unterscheiden,
während alle bis auf das Epipodium und .Metapodium, bei Cleodora ver-
schwunden sind 4) Die Gehörorgane sind mit den Pussganglien ver-
bunden. 5) Die Pteropoden sind hermaphroditisch.
In einem zweiten Abschnitte wird die IMorphologic der Schnek-
ken im Allgemeinen behandelt. Die Heteropoden und Pteropoden bil-
den gleichsam die entgegengesetzten Pole der Enlwickelung des Ur-
lypus der Schnecken. Mach einer Betrachtung der äussern Organe geht
Verf. zu den iunern über, und bespricht das Kervensystem , das Ge-
fässystem, das Ernährungssyslem und namentlich die Älundtheile und
das Renalsystem.
Meieropoda.
Ein Organ der Heteropoden und Pteropoden, das bei er-
sleren zwischen Herz und Kiemen, bei letzteren am Herzen
im Hinterlhcile der Leibeshöhle liegt, die poche pyriforme
Souleyel's, hat Gegen baur so gedeutet, als diene es dazu
dem Blute gewisse Mengen von Seewasser beizumengen, und
sei mithin eine Art Respiralionsorgan. Die Deutuno- J. Mül-
ler's (Monatsber. der Berliner Acad. 1852, p. 599), dieses Or-
gan sei die Niere, wird vom Verf. verworfen. Zeitschr. f.
wiss. Zoologie IV. p. 335.
In derselben Zeitschrift V. p 113 beschreibt Verf. dies
Organ etwas näher, und hat seine Meinung über seine Fun-
ction in etwas geändert. Er nennt es ein nierenartiges Ex-
cretionsorgan, will ihm aber auch die Besorgung von VVas-
seraufnahme zuschreiben. — Hier schliesst sich eine Bemer-
liung über die Circulationsverhällnisse der Pteropoden an.
158 troschel: IJcrlcht über die Leistungen in der
Leuckart hat in diesem Archiv 1853. I.p. 253 darauf
hing-edeulet, der Bauchsaugnapf bei Firola und Firoloidcs nur
den Männchen zukomme*
Gasieropoda.
A. Schmidt hat sich nun auch überzeugt, dass die
Zungen der Schnecken für die naturgemässe Classification von
Wichtigkeit seien. Er giebt einige Notizen über das Gebiss
der Heliceen und der Cyclostomaceen. Zeitsch. f. Malak. p. 39.
lieber die Zähne der Lungenschnecken hat auch J. E.
Gray in den Annais XII. p. 329 einige Beobachtungen nie-
dergelegt.
Von mehreren Arien sind die Zähne in Holzschnitt ahgehildet,
namentlich Testacellus, ohne Angabe, von welcher Species, Achalina
faiica, Amicula ohne Bezeichnung der Species, Amphihola nuxavellana,
Siphonaria ohne Bezeichnung der Species, und Cyclophorus Inca. Eine
spätere Bemerkung desselben Verf. über Testacellus und Glandina vgl.
ib. p. 478.
Schroeder schrieb eine Inaugural- Dissertation de
MoUuscorum Gasleropodorum oculis et visu. Berolini 1853.
lieber die Verschiedenheiten der Eiweissdrüse (Torgane
de la glaire [leslicule Cuv.]) bei einer grösseren Zahl von
Land- und Süsswasserschnecken hat Saint- Simon Beob-
achtungen im Journal de Conchyliologie IV. p. 7 niedergelegt.
Derselbe machte ib. p. 113 Bemerkungen über den Ta-
lon des Eiweiss-Organes bei Helix und Zenites bekannt. Die-
ses Organ liegt neben dem Eiweissorgan , und wurde von
G r a t i 0 1 e t „organe ejaculatoire accessoire du canal deferent,«
von Moquin-Tandon „talon" genannt, Verf. glaubt, es diene
den Theil des Vas deferens , welcher in das Eiweissorgan
dringt, schlüpfrig zu machen.
Petit bildete eine sehr wunderliche Verschmelzung einer Helix
aspersa mit einem Limnaeus stagnalis ab, Journ. de Conch. IV. p.409.
pl. 13. flg. 5. 6.
lieber die organischen Missbildungen der glatten Schnek-
kenschale machte G. 0. Piper in diesem Archiv eine Mit-
theilung.
Pulmonata operculata,
Cyclosiojnacea. In den Annais of nat. hisl. XI. wurden
Nalurgeschichle der Mollusken während des Jahres 1853. 159
mehrere neue Arien der Gattung Cyclosloma aufgeslelU : von Met-
calfe p. C8 C. Borneensis, undalum, lenuilabiatum von ßornco ; von
13 e n s 0 n p. 106 C. orophilum von Ceylon , liricinclum und orbiculalum
von Weslauslralien ; ferner p. 285 C. lersum und SJilivm von Musmai
in Bengalen. Petit stellte im Journ. de Conch. p. 3Ö0 auf: C. Be*
lairi und Macareae von Madagaskar, Beauiana von Guadeloupe.
Cyclopkorus Parapsis Benson ist eine neue Art von Ceylon. An*
nals XII. p. 9ö.
Bensön suchte zu zeigen, dass die Schwiele an der Kahl sei^
ncr neuen Ait aus der Gray'schcn Gattung Alycaeu?, A, Urnula, allen
Arten der Gattung zukomme, und unter die Galtungscharaklere aufzuneh-
men sei, wo CS anstatt „sutura profunda simplex" heissen müsse : „su-
tura profunda callum retroversum magniludinis variabilis gerens." Das
Thier hat zwei mittelmässige, cylindrische Fühler, mit stumpfen Gipfeln,
und mit den Augen hinten an der Basis; die Augen sind schwarze
Punkte ; der Fuss kurz, hinten die Schale nicht überragend, einen kal-
kigen, etwas concaven , vielspiraiigen Deckel '.lagend. Die neue Art
stammt vom Himalaya. (Annais. XI. p. 283).
Calaidus Ausletiianus uud decorns sind zwei neue Arten von
Ceylon, welche Benson Annais Xll, p. 06 aufstellte.
Benson spricht sich Annais XI. p. 433 sehr entschieden gegen
das Vorhandensein eines Deckels bei der Gattung DipIo;amatina aus,
die demnach zu den deckellosen Lungenschnecken gehören würde. —
Dagegen behauptet J. E. Gray ib. Xli. p. 9., der Deckel sei dennoch
vorhanden, und Benson habe ihn nur übersehen. — Eine neue Art
dieser Gattung Z)/p/om?Hati«a ßensoni stellte A. Adams Proc. zool. soc,
1852. INovember auf.
jimpullariiicea. Ampullaria eximia Dunker ist eine sehr
grosse neue Art von Venezuela. Zeitschr. für Malak. p. 93.
Ctenobranchiata,
J. E. Gray lieferte (Proc. zool. soc. 1853. p.32; An-
nais XI. p, 124) eine Einlheilung- der Kammkiemer in Grup-
pen und Familien, die sich auf die Verschiedenheiten der
Mundlhcile gründen. Er theilt die ganze Abiheilung in 2 Un-
terordnungen, je nachdcni die Schnecken einen vorslreckba-
ren Rüssel oder eine Schnauze haben.
I. Proboscidifera.
A. Hamiglossa. Zähne auf der Zungenmenibran in drei Rei-
hen, der mittlere gross, die äusseren beweglich (versatile). Farn. : Mu-
ricidae, Buccinidae, Olividae, Lamellariadae.
160 T rösche 1: ßeiicht über die LeislUDgcn in der
B. Odontoglossa. Zähne in drei Reihen^ der niilllcre ge^
krümmt, an der Spitze gezähnt, die seillichen nicht beweglich (versa-
lile). Farn. : Fasciolariadae, Turhineilidae.
C. Rhachiglossa. Zähne in einer einzigen mittleren Reihe,
häufig gezähnt. Fam. Voiutidae,
D. Toxoglossa. Zähne in zwei seillichen Reihen, lang, pfrieni-
förmig. Fam. : Pleurotomidae.
E. Taeniog lo SS a. Zähnein sieben Reihen, der nulllere meist
gezähnt, die seitlichen in drei Reihen, convergirend, der innere häufig
breit, die beiden äusseren pfriemförmig, beweglich. Fam.: Doliidae,
Tritoniadae, Scylotypidae, Velutinidae, Naticidae.
F. P teno glossa. Zähne in vielen Reihen, zahlreich, gleich.
Farn.: Cassididae, Scalariadae, Actconidae.
G. Gymno glossa. Zähne und Zungenmembran rudimentär oder
fehleiäd. Fam.: Acusidae, Tyramidcliidae, Architectomidae.
11. Ros tri f era.
A. Gymno gl 0 SS a. Keine Zungenmembran und Zähne; kein
Deckel. Fam.: Cancellariadae.
ß. Toxoglossa, Zwei seitliche Reihen langer pfricmförmiger
Zähne. Fam.: Conidae.
C. Digitig lossa. Zähne in 7 Reihen (oder viellt^ichl 5?),
die mittleren Zähne dreieckig, gekrümmt, dieizähnig; die seitlichen
Zähne convergirend, der innere conisch , zurückgebogen , die äusseren
gross, breit, oval, mit zahlreichen langen, linienlörniigen , gleichen,
gebogenen Fingerforlsätzen am Oberrande. Fam. : Amphiperasidae.
Ü. Taenio glossa. Zähne in 7 Reihen, die mittleren breit, die
seitlichen convergiiend , die inneren oft breiter, die äusseren conisch
mit Ausnahme der Viviparidae. Fam. : Cypraeadae , Fediculariadae,
Aporrhaidae, Strombidae, Phoridae, Ampullariadae , Viviparidae, Ris-
soellidae, Littorinidae, Planaxidae, iMelaniadae, Vermetidae, Vanicoroi-
dae, Valvatidae, Caecidae, Truncatellidae, Capulidae, Calyptraeidae.
Krohn beschrieb einen neuen Gastropoden, dem er den Namen
Echinos pira diaphana verlieh, und den er in der Meerenge von
Messina fing, in unserem Archive 1853» p. 223. Die Schale ist daselbst
Taf. XI. Fig. I und II abgebildet. In dieser Mitlheilung ist über die
systematische Stellung der Galtung nichts Näheres gesagt; aus der An-
deutung über die Kieme scheint jedoch hervorzugehen, dass diese
Schnecke zu den Kamrokiemern gehöre.
T aenio glo s sala.
Potaniopltila. Diese Familie erhielt einen Zuwachs an fol-
genden neuen Arien :
Naturgeschichte der Moilusken während des Jahres 1853. 161
Bei Küster I.e. Valvaia alpestris Blauner in lit. aus der Schweie^
V. Bocconi Calcara in lit. von Palermo.
Bei Küster 1. c. Paludina acicula Held, in lit. aus dem süd-
liehen Bayern, sordida von Algier, naiolica von Brussa in Natolien, ct-
rescens aus UalmalieU) curta aus Alontenegro, Kulschigii aus Daltnatien,
macrostoma von Athen, Hohenackeri und insubrina Charp. in lilt., so
wie mehrere Arten von Farreirs ohne weitere Citate. — P. Hamilloni
JHetcalfe von Borneo Annais XI. p. 70. — Eine Varietät von Pal. Iher--
malis, die als Var. IFicdcnÄo/cri bezeichnet wird, ist Frauenhofer ge-
neigt, für specifisch verschieden zu halten ; sie hat bauchigere Windun^
gen und lebt in kaltem Wasser. Verh. d. zool. - bot. Vereins in Wien
1853. p.73.
Den drei bekannten Arten der Gattung Nematura Bens, fugte A.
Adams drei neue hinzu: N. oUtacea, glabrala und puncliculata. Xn-.
nals XII. p. 284.
Melania circumslriala und subsuluralis Metcalfe von Borneo. Annais
XI. p. 70. — jl/. Guatjaquilensis Petit Journ. de Conchyl. IV. p. 157. pl. 5.
flg. ö. — il/. HerkloUi und Tcmminckiana (fälschlich Theniinckiana ge-
geschrieben) Petit von Java Journal de Conch. p. 253 pl. 7. Auch
M. glans V. d. Busch ist hier wieder abgebildet, um ein Beispiel der
grossen Formverschiedenheit in dieser Gattung zu geben. — M. mu^
cronala und pontificalis v. d. Busch Zeitschr. f. Malak. p. 177 ; letztere
soll in Borneo leben.
Ueber die Anatomie von Melania fasciolala gab Raymond eifle
Koliz Journ. de Conch. IV. p. 33.
Petit machte eine Mittheilung über die Gattung Pachychitus Lea
(vergl. den vor. Bericht p. 108), die er nicht ganz für gattungsberech-
tigt zu halten geneigt ist, und bildet pK 5, Hg. 7 Worelet's Alelania In-
dorum als hierhergehörig ab. Journ. de Conchyl. IV. p. 158.
Lovell Reeve gab die Diagnosen von 17 neuen Arten der
Galtung Paludomus. Proc. zool. soc. 1852. Decsmber.
liittorinacea. An neuen Arten ist auch diese Familie be^
reichert :
LUlorina albicans Metcalfe von Borneo. Ännals XI. p. 70.
Skenea MöUeri Philippi bei Küster I. c. von Grönland.
Lacuna borealis von Island , arctica von Grönland , Thorpeanä
si-nd neue Arien von Philippi bei Küster 1. c. — L. carinifera A.
Adams von Borneo Annals XII. p. 283.
W, Clark beschrieb das Thier von Rissoa rubra, und will
daraus eine besondere Gattung Barleea bilden. Annals XII. p. lOÖ.
Rissoa bella und elegans Adams Proc. zool. soc. 1851. November.
W. Clark beschreibt die Thiere von Truncatella Montagui Lowe
Archiv f, NÄturgPsch. XX. Jahrg. 2. Bd. L
162 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
und T. lillorea Delle Cliiaje , die wohl beide zu Rissoa gehören (An-
nais XII. p. 4).
Odostomia gravida von Sanla Barbara und achales von JMazallan
Gould Boston Journal VI. p. 384.
A. Adams slelUe 18 neue Arten der Gattung Bissoina auf. Proc»
zool. Soc. 1851. November und Ueccmber.
Petit de la Saussaye verzeichnete die 9 bekannten Arten
der Gattung Modulus, und fügte ihnen eine zehnte jil. Candidas hinzu«
Journ. de Conch. IV. p. 132. pl. 5. (ig. 11. — Hl. dorsuosus Gould von
Acapulco. Boslon Journal VI. p. 383.
Turrilella fusco-cincla Petit Journ. de Conchyl. IV. pl. 11. fig 3:
von Java.
Mesalia striata und decussata Adams sind 2 neue Arten von den
Philippinen. Proc. Zool. soc. 1851. Deceniber.
Eine kurze Bemerkung über die Verwandtschaft der Gattung
Egiisia, und namentlich E. Cumingii von Petit findet sich Journ. de
Conchyl. IV. p. 205.
Solarium hicarinatum Philippi bei Küster 1. c. von China.
ÄlacAndrew hat an, der Küste von Madeira, wie Gray in
den Annais XI. p. 260 millheilt, die Bifronlia Zanclaea Phil, im leben-
den Zustande aufgefunden. Sie hat einen hoch konischen Deckel, mit
einem spiralen Stiel wie die Galtung Torinia (Solarium varicgatum Lam.),
was die Verwandtschaft mit Solarium bestätigt.
Pyramidellacea. ^eue Arien sind: Pyramidella juetula und
aclis A. Adams von den Philippinen. Annais XII. p. 283 und
Chemnitiia tenuicula und torquata Gould von Santa Barbara. Bo-
ston Journal VI. p. 383.
Eine sogenannte Monographie der Gattung Monoptygma Lea lie-
ferte Arthur Adams, indem er der typischen Art fll. striata Gray
noch 10 neue hinzufügte: M. fulca , granulala, laula ^ amoena, casla,
speciosa , spiralttf tenellay slylina, suturalis meist von den Pliilippinen.
Annais XII. p. 281.
Kuliniacea. Arthur Adams beschrieb Proc. zool. soc.
1851. December 14 neue Arten der Gattung Eulima.
Capulokdea. Neue Arten : Crepidula explanata Gould. Bo-
ston Journal VI. p. 377 von Californien. C. slrigellala Dunker Zeitschr.
f. Malak. p. 111.
Verinetacea. Schmarda machte eine Notiz über die Ent-
wickelung von Vermetus gigas in den Denkschriften der Wiener Aca-
demie 1852. p. 135 bekannt, und bildete die Embryonen mit der aus
zwei Windungen bestehenden Schale ab. Das Segel, die Augen (soll-
ten dies nicht die Ilörbläschen sein?), Anlage zu den Fühlern waren
sichtbar.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1853. 163
!¥aricac€>£i- Eine neue Art: Karica ovoidca Gould von Ma-
zatlan. Uoston Joiirn. VI. p. 3SÖ.
§i«^2irefBnsi,. Clark fasst die Gattungen Janlhina, Scalaria,
Kaliea , Lnniellaria und Velulina in eine Familie Peloridae zusam-
men, \vas vulli^ unhaltbar ist. Er beschreibt die briuischen Arten die-
ser Gattun;^en (Annais XI. p. 44).
An neuen Arten wnrden in dieser Familie aufgestellt: von Phi-
li[)pi iVoc. zooL süc. 1851. July, Annal XII. p. 287 : Nalica calenata,
Jncei, inleincrata , caribaea, xreslal'ts und fomum] von Becluz im
Journal de Chonh. IV. : N. Taslei von iMazallan p. 53. pl. 2. fig. 11. 12,
N. Moqniniana pl. 5. fig. 9. 10, A^ crenala p. 320 von den Philippinen.
Sigarelus debilis Gould aus dem Goli von Californien. Boston
Journal VI. p. 379.
VelMtfinacea. A.Adams beschrieb Annais XII. p. 283 zwei
neue Arten: Velulina SUkensis von S'ükn und Oium fusca von Benguela.
Marseniacea. Eine schöne Monographie dieser Fa-
milie erschien im 3ten ßando der 5. Reihe der Kongl. Danske
Vidcnskabcrncs Selskabs SkriOer: Bidrag lil en Monographi
at Marseniaderne^ en Familie af de gastraeopode Mollusker,
en crilisk, zoolomisk , zoologisk Undersögelse af Rudolph
Bergh.
Den ersten Abschnitt bildet eine historische, einleitende lieber-
sieht p. 3 — 19; den zweiten die anatomische Untersuchung p.23 — 71;
der drille behandelt das Zoologische. Verf. unterscheidet 3 Gattungen :
1) Marsenia mit innerer gewundener Schale, mit zwei Untergattun-
gen: a. Marsenia Leach , 31anlel vorn ausgcrandet nicht vorgezogen,
Augen sitzend, Penis zusammengedrückt, sichelförmig, Fuss breit (17
lebende und 1 fossile Art) ; b. Chelyonohis Sw. Mantel vorn in der
Alilte vorgezogen, Augenstiele, Penis rund an der Spitze verdickt,
Fuss schmal (4 Arten). 2) Onchidiopsis Beck, mit innerer, nicht
gewundener Schale (2 Arten). 3) Marse7iitia Gray Schale grossen-
theils äusserlich, gewunden. — Bei Marsenia (Corioctlla) ist die Zunge
mit nur 3 Plaltenreihen bewaffnet , während deren in den beiden an-
deren 7 vorhanden sind. Als eigentlich neu ist nur eine Art Mar"
senia zonifera hervorzuheben. Auf 5 Tafeln sind die anatomischen Ver-
hältnisse und d,e Schalen abgebildet. Beiläufig sind auch die Zungen-
bewaffnungen von Strombus gibberiilus und Palclla monosticta bildlich
dargestellt.
CeritB&iacea. Auch diese Familie erhielt einen reichen Zu-
wachs an neuen Arien: Ceriihium utiicarinalum Melcalfe von Borneo.
Annais XI. p. 70 ; C. scabricosla Dunker Zcitschr. f. Malak. p. 110.
Arthur Adams beschrieb 69 Arten der Gattung Triforis Prüc.
164 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
zool. soc. 1851. December ; und 7 Arien der Gattung Planaxis ib. No-
vember.
Toxoglossala.
Conina. In einem kleinen Aufsatze „über den Kopf
der Gattung Conus" Annais XII. p. 176 behauptet J. E. Gray,
es sei ein vorslreckbarer Rüssel vorhanden, der jedoch anders
organisirt sei, als gewöhnlich, so dass er zu seinen beiden
Gruppen Proboscifera und Roslrifera eine dritte fügt^ der er
den Namen Toxifera beilegt.
Neue Arten : Conus ratus und comptus von Santa Barbara, C.
jjusillus von IMazatlan Gould Boston Journal VI. p. 387. — C. Reclu-
zianus Bernardi Journ. de Couch. IV. p. 148. pl. 6. fig. 6 von China.
Rhachiglossata.
Seitdem ich mich überzeugt habe, dass auf das Vorhandensein
eines vorslreckbaren Rüssels nicht ein so hoher Werlh gelegt werden
darf, Avie ich es früher annahm, indem auch viele Taenioglossaten ei-
nen solchen besitzen, muss ich den früher von mir angewendeten Na-
men Proboscidea aufgeben und wende dafür den Namen Uhachiglossata,
Schmalzüngler an, indem hier höchstens drei Längsreihen von t'latteti
auf der Ueibmembran stehen. Diese Gruppe umfasst die drei von
Gray aufgestellten, Hamiglossa, üdontoglossa und Rachiglossa, welche
ich nicht trennen kann, und von denen leider kein Name so recht auf
alle drei anwendbar ist.
Tolutacea* J. E. Gray hatte Gelegenheit das Gebiss von
mehreren Arten der Galtung Älilra zu untersuchen. M. groenlandica
hat eine Reibe Platten , episcopalis, adusta , Ticaonica und cucumerina
haben drei Reihen mit breiten Seitenzähnen wie Kasciolaria, cafTra
hat drei Reihen wie iMurex undBuccinum, W. (Cylindra) Daclylus scheint
der ZungenbewalTnung ganz zu entbehren. Das weist auf eine Zer-
spaliung der Gattung hin. Marginella quinqueplicata hat eine Reihe
Platten, ebenso Volula Vesperlilio. (Annais XIL p, 129).
Arthur Adams charaklerisirlc 52 neue Arten der Gattung
Slilra aus Cuming's Sammlung Annais XIL p. 48; Proc. Zool. Soc. 1851.
May). — Mitra Marquesana Xdams ib. November. — M. Rollandi Ber-
nardi Journ. de Couch. IV. p. 67. pl 2. fig. 6. 7. — M. Grelloisi aus
dem stillen Ocean und Caledonica von Neu-Caledonien sind ib. p. 247
von Recluz beschrieben und auf pl. 7 abgebildet.
Eine neue Gattung Pachybathron in der Nähe von Margi-
nella gründete Gaskoin Annais XL p. 356. Sie hat eine kurze Spira,
gleicht im ganzen Ansehn Marginella und hat eine enge lange Mün-
dung mit gezähnter Aussenlippe und starken zahlreichen Querfalten auf
Nalur^schichlc der Molluslien während der Jahres 1853 165
der Spindclwulst. Die beiden neuen Arten P. cassidiforme von der
Insel St. Vincent und P. marginelloideum von Westindien sind abge-
bildet.
Bei dieser Gelegenheit beschrieb V erf, auch drei neue Arten der
Gattung Marginella, M. albina von Australien, Albamjana von Albany
an der Ostküste von Afrika und rufula. — M. Vautieri Bernardi
Journ. de Conch. IV. p. 68. pl. 2. fig. 13. 14. — M. Beyerleana Ber-
nardi ib. p. 149. pl. 5. fig. 15. 16. — M. Lefevrei Bernardi ib. p. 360.
pl. 12. fig. U. 12. — M. Martini Veiit ib. p. 367. pl. 11. fig. 8 von
Rio Janeiro.
Erato leucophaca Gould Boston Journal VI. p. 3S6 von Santa
Barbara.
Olivacea. Neue Art: Ancillaria lincolata A. Adams Proc.
zool. SOG. 1831. November.
]?Iitricea. A. Adams beschrieb an demselben Orte 19 neue
Arten der Gattung Murex. — M. Moqulnianus üuval Journ. de Conchyl.
IV. p. 2(J3. pl. 5. fig, 4 ist eine neue Art vom westlichen Afrika.
Triton Cantrainei Recluz Journ. de Conchyl. IV. p. 246. pl. 8.
fig. 10 von Guadeloupe.
Canalifera. Turbinella dubia l'elit Journ. de Conchyl. IV.
p. 75. pl. 2. fig. 9. 10 von ßahia.
Fusus ambuslus Gould von Mazatlan Boston Journal VI. p. 385.
F. Couderti Petit Journ. de Conchyl. VI. p. 76. pl. 2. fig. 8. von China.
P. Couei Pelit ib. p. 249. pl. 8. fig. 1 von Mexico.
Ptjrula Eugeniae Bernardi Journ. de Conch. IV. p. 305. pl. 7.
fig. 1 von China ist eine neue Art, welche viel Verwandtschft mitP. Ma-
vae Gray hat. — Indem Roland du Roquan eine in dieselbe Gruppe
gehörige Art P. fusiformis, welche Chenu 1847 in seinem kleinen
Traile de Conchyliologie ä l'usage des gens du monde abgebildet, aber
nicht beschrieben hat, ib. p. 405 nach einem Exemplare seiner Samm-
lung beschreibt, fügt er die Synonymie von Pyrula Mavae hinzu, die
zuerst von d'Argenville 1757 abgebildet wordep war.
Eine Alonographie der Gattun;^ Fulgur Älontf. (Pyrula Lam. z.Th.)
von T. A. Conrad findet sich in Proc. Philad. VI. p. 316. Nach Auf-
zählung von 14 fossilen Arten folgen die lebenden F. carica, canali-
culatum , perversum, pyrum, candelabrum , gibbosum mit den wich-
tigsten Synonymen.
In einer Synopsis der Gattung Cassidula Ilumph. (Melongena
Schum.) zählt Conrad Proc. Philadelphia VI. p. 448 sechs Arten mit
den Synonymen auf: C.hippocastanum, melongena, bispinosa, patula, Co-
rona und paradisiaca.
Baccinea» Columbella Schrammt Pelit Journ. de Conch, IV.
166 Troschel: Bericht über die Lcislunffcn in der
p. 364. pl. 12. flg. 3. 4. — C. plicatulvm Dunker Zcitschr. für RIasak
p. 58. von Puerto Cabello. — C. Ädansotiii (Le Siger Adans.) und C.
rufa Älenke ib. p. 74.
Terebra argnla Gould Boston Journ. VI, p. 380. von Californicn.
— T. eburnea Dunker Zeitschr. f. Malak. p. 96. — T. nodo&o~plicala
4)unker ib. p. 110.
Arthur Adams beschrieb (Annais XI. p. 320 iiiul 411; Pioc.
zool. soc. 1851) eine grosse Anzahl neuer Arten der Galtung ^as^a
der Cuming'schen Sammlung; nämlich 33 der Untergattung Kassa, 8
vom Subgenus Eione Risse, 37 vom Subgenus Alectrion Monlf., 1 vom
Subgenus Tiilonella Adams (Tritonia Fleming), 3 von Subg. Tritia
ßisso, 4 vom Subg. Desnjoulia Gray, 6 vom Subg. Acicuüna Adams. —
JV. semiplicatum , coluniix von Manila und Foriesii sind neue Arten von
Dunker Zeitschr, I". i^lalak. p, 58. — N. Darwini und scuJplum Dun-
ker ib. p. 93.
Petit erkennt im Journ de Conch. IV. p. 235 die Gattung Phos:
an, zählt die 28 bekannten Arten derselben auf, und lügt 3 neue Fh.
AntiUarum von den Anlilleu, Graleloupiaiius vom Senegal und Bilte-
heusU von dir Insel Kouka-Hiva hinzu. Diese neuen Arten sind auch
abgebildet
Petit zählt der Gattung Cyllcne Gray l6 Arien zu, unter denen
eine C. senegalensis neu. Journ. de Conth. IV. p. 142.
Gould glaubt (Boston Journal VI. p. 406) einen Unlerschied
zwischen den Exemplaren des Mittelmeeres und allanlisclien Oceans von
Purpura patnla und denen der Westküste Amerika*s aufgefunden zu ha-
ben, und nennt die letzleren als besondere Art Purpura pansa. Diese
soll kleiner und länglicher sein, die Tuberkeln mehr dornarlig entwik-
kelt, ohne den kastanienbraunen Flecken in d^i* Mündung, die linke
Lippe soll schmaler, ihr Band bloss wenig heller, nicht weiss wie bei
patula, und am Ende spitz sein. — P. dentala Alenke Zeitschr. f. Ma-
lak. p. 74 von St. Vincent.
Concholepas {Cor all io b ia) ßmhriala A.Adams ist eine Schnecke
von den Philippinen, welche von Concholepas durch den Mangel der
beiden Zähne am Vordcrtheile der Aussenlippe abweicht, weshalb Verf.
sie als ein neues Subgenus betrachtet. Proc. zool. soc. 1852. Kovember.
P t en 0 (jlo ssala.
«f anililni(la.eo Eine neue Gattung Recluzia stellte Petit
de Ia Sau8sayc Journ. de Conch. IV. p. 116 auf. Sie ist pclagisch,
^nd soll einen Schwimmapparal wie Janlhina besitzen, weshalb sie in
die Kähe dieser Gattung gebracht wird. Die Charaktere sind : Animal
pelagicum, magna parte ignolum, Janthinarum affine. Tesla ovalis vel
oblonga , bucciniformis , tenuis, sub epidermide fusco-albicans ; spira
Kaiurgeschichte der Mollusken während des Jahres 1853. 167
elongala; anfractibus ventiicosis, infimo spirani supcranle ; aperlura
ovato-obliqua, ad basin parum eiFnsa, niarginibus disiunclis; labio ob<P
liquo, medio subsinuoso ; labro acuto, inlcgro; operculo nullo. Die
beiden neuen Arien ß. Jehennei aus dem arabischen Meerbusen und
Rollandiana von Mazallan sind abgebildet.
Rhipidiglossala.
IVcritacea. Ncrilina Leconlei von IS'eu-Caledonien, Delesten-
nei und Delessertii sind neue Arien von Recluz Journ. de Conchyl.
IV. p. 257. pl. 7. und 8. — N. retusa und ctjanostoma Morelet ib.
p. 372. beide von den neuen Ilebriden.
Nerita antiquata Recluz von den Philippinen und Kcrita (Cli-
Ihon) adspersa sind ib. p. 317 beschrieben und abgebildet.
Vroclioidea« Arthur Adams hat in den Proc. zool. soe*
iSjl. May Conlributions towards a Monograph of Ihe Trochidae, a fa-
mily of Gasleropodous Mollusca geliefert. Daselbst werden folgende
Galtungen angenommen: Trochus f^. (7 Arten, 2 neu), Cardinalia Gray
(l A), Pyramis Chemn. (2 A. , 2 neu), Tegula Less. (1 A.), Infundibu-
lum Monlf. (9 A., 2 neu), Polydonla Schum. (27 A. , 4 neu), Phorcus
Risso (17 A, , 5 neu), Clanculus Monlf. (47 A. , 22 neu), Ziziphinus
Leach (52 A., 13 neu), Canlhiridus Montf. (13 A., 10 neu), Eleuchus
Swains. (11 A. , 2 neu), Bankivia Desh. (3 A. 2 neu), Thalotia Gray
(13 A., 6 neu), Monodonla Lam. (34 A., 18 neu), Labio ük^n (27 A.,
6 neu), Chlorosloma Swains. (33 A-5 H neu), Gibbula Leach (34 A.,
10 neu), Wonilea Swains. (10 A. , 6 neu), Margarila Leach (23 A.,
7 neu) und Pholina Adams (9 A., 3 neu). Letztere Gattung enthält
alle ungenabeltcn Arten von Margarita.
Delphinula Tamsiana Dunker bei Küster 1. c. von Puerto-Ca-
bello, pauUa Phil, ib., cingulala Phil. ib.
Fairbank hat in der Kürze das Thier von Rolella nach leben-
den Exemplaren beschrieben. Dasselbe ist in Holzschnitt abgebildet,
(Annais Lyc. Kew-York VI. p. 35). — Auch Gray hat das Thier von
Rotella , ohne die Art zu nennen , auf welche sich die Untersuchung
eines Weingcistexcmplares bezieht, in den Annais XIL p. 179 be-
schrieben.
Globulus (Rolella) auslralis Philippi von Neuholland , parvulus
Anton, arliculalus Phil., anguliferus Phil, bei Küster 1. c.
Trochus marcidus, T. picoides sehr ähnlich mit pica , T. (Mono-
donla) pyriformis Gould sind californische Arten. Boston Journ. VI. p. 381.
— T. calvus und senegalensis Wenke Zeitschr. f. Malak. p. 70. Beide
stammen von St. Vincent und gehören der Gatt. Osilinus Philippi an;
die letzlere ist Le Sari Adans.
Turbo Correensis Recluz Journ. de Conchyl. IV. p. 245. pl. 8,
flg. 2 ist eine neue Art von Correc.
168 Troschel: Bericht über die Lebtawjfen in der
Phasianella aelhiopiea von Zanzibar, grata von Madagaskar, eO"
Htrnix Koch, slrigata^ amoenula von rieubollaRd,. ßtlgens Koch vonlN'eu-
holland, guttata, inconspicua sind Arten von Philippi bei Küster i.e.
l^issiirellaeea* Artb»r Adams stellte eine grosse Anzahl
neuer Arten der Gattung Emarginula aus der Samtnlung von Curaing
auf, von denen 24 der engeren Gattung En^arginula, 7 dem Subgcnus
Clypidina, 5 dem Subgcnus Tugali, und 12 dem Subgenus Subemargi-
nula angehören (Annais XI. p. 146, Proc. zool. Soc. T85t. March.
Derselbe bemerkte Annr.ls XII. p. 284, dass die Gattung Ri-
mula Defr. gewöhnlich mit Punclurella Lowe confundirl sei , von der
sie sich jedoch durch den I^angel der gebogenen Platte im Innern de*
Wirbels unterscheide. Den bisher bekannten fossilen Arten fügte er
einige neue lebende hinzu: R. exqtiisita, Cumingii, carinala und prfp-
innqua von den Philippinen.
Von der Gattung Punclurella gab derselbe ib. p. 256 eine Te-
bersicht der 7 Arten, unter denen eine, /'. fastigiata, neu.
Derselbe zählte ib. p. 280 die bekannten 6 Arten der Gal-,
lung Scutus Älontf. (Parmophorus Blaiqv.) puf^ undt fügte ihnen eipe
^eue Art. S. an^us^atus hinzu.
Cyclobränchiata,
Acmaeacea* Neue Art: Acmaea paleacea Gould von Santa
Barbara (Boston Journal VI. p. 376).
Cliitonidae* Shuttleworlh hat in den ßerner Alillheilun-
gen Juni 1853 „üeber den Bau der Chitoniden, mit Aufzählung der die
Antillen und die Canarischen Inseln bewohnenden Arien" geschrieben,
Verf. beginnt mit einer historischen Einleitung über die Gattung Chi-
ton, und giebt dann eine kurze Schilderung des Baues der Schale,
wobei besonders hervorgehoben wird, dass im Wantcl, nahe den Val-
ven, Poren vorkommen, Avelche Büschel feiner Nadeln tragen. Nach
den Verschiedenheiten dieser Poren stellt Verf. drei Gattungen auf, de-
nen sich die Gray'schen Gattungen als Sectionen unterordnen:
1. Gatt. Chiton. Mantel ohne Poren. Dahin die Sectionen Lo-r
phurus Gray, Radsia Gray, Callochiton Gray, Jschnoradsia Shuttl. (Cb.
australis und Rlagdalenensis), Ischnochilon Gray, Leptochiton Gray, To-
nicia Gray, Cliaelopletira Shuttl. (Ch. rugosus, Peruvianus, gigas), £m-
doxochiton Shuttl. (Ch. nobilis), C raspedochiton Sh\iH\. (Ch. laquealus),
Acanthopleura Gray ex parte, ünithochiton Gray, Enoplochiton Gray, Au»
lacochitoH Shuttl, (Ch. volvox) , Schizochiton Gray, Mopalia Gray, Ka-
tbarina Gray, Cryptochiton Gray,
2. Gatt. Plaxiphora. Mantel mit einer doppelten Reihe vo»
zahlreichen borslentragenden Poren. Dahin die Section Euplaxiphora Gray.
3. Gatt. Phahellopleura. Mantel mit einer einfachen Reibe voa
Kalurgcscilichic der Mollusken während des Jahres 1853. 169
18 nadellragenden Poren. Dahin die Seclionen Cryptoconchus Blainv.,
Acanlhochiles Leach, Chilonellus Lain.
Hieran schliesst sich p. 71 eine kiilis( he Aufzählung der die An>
tillen bewohnenden Chitoniden. Es sind im (Janzen iO Arten, von de-
nen 17 der Gattung Chiton, 3 der CJaltung IMiakellopleura angehören.
Wach Sectionen verlheilen sie sich folgendermassen: Lopiiurus sechs
Arten, darunter Ch. gemmulalus n.sp. von St Thomas, Ischnochilon
acht Arten, worunter neu Ch. lateritius von St. Thomas, lululalus von
Portorico, Chaetopleura eine Art, Acanthopleura zwei Arten, worunter
Ch. mucronulatus von Portorico neu. Endlich Acanlhochiles mit drei
Arten.
Den Schlups der Abhandlung macht eine Aufzählung der Arten
von den Canarischen Inseln. Es sind 6 Arten, nämlich 1 Lophurus,
2 Leplochilon, 1 Acanthopleura (CA. piceolus n. sp. von Tenerifa), 2
Acanlhochiles.
William Clark schrieb in den Annais XI. p. 274 über die Chi-
toniden. Er zog drei Arten, Ch. fascicularis , asellus und cinereus in
seine Untersuchung.
A. Adams stellte als neue Arten in den Proc. zool. soc. 1852
Juli auf: Chiton insculflus von Keuseeland, muricatus und versicolor
von Sidney.
Pulmonata.
liintacea. Norman d hat in einer kleinen Abhandlung „De-
scription de six Limaces nouvelles observees aux environs de Valen-
ciennes. Valenciennos. 8." folgende Arten aufgestellt: Arion leuco-
phaeus, intermedius (Limax flavus auct.) , Limax scandcns (L. margina-
tus Müll.), fulctts, coUinus, parvulus. Ich kenne dieselbe nur aus einer
kurzen Anzeige Kevue de Zoologie 1853. p. 335.
Utber die Gattung Teslacellus und ihre Lebensweise, die er in
Madera beobachtete, schrieb Albers in Zeitschr. f. Malak. p. 133.
Seine Gattung Jantlla charakterisirt Gray von ^'euem nach
Exemplaren, die er von Neuseeland erhalten halle, und die er J. ön-
tipodarum nennt (Annais Xll. p.414; Proc. zool. soc. 1853. p. 111).
Helicea. Von Pfeiffers Monographia Heliceorum vi-
venliurn ist itri Jahre 1853 ein driller Band erschienen, welcher
reiche Nachlräge enlhält, und die Kennlniss der Arten ver-
vollständigt. Bei der Reichhaltigkeit und Wichtigkeit dieses
Bandes erscheint ein näheres Eingehen auf den Inhalt un-.
thunlich und überllüssig.
A. Schmidt setzte seine Studien über die Pfeile der Helices
fort (vprgl. den vorigen Bericht p. 119), und erweiterte dadurch die
1/0 T rose hei: Beiicht über die Leistungen in der
Jiereits erhaltenen Resultate. Er hat nunmehr 77 Arten untersucht,
von welchen 51 mit Tfeilen versehen sind (Zeilsclir. i, Malak.).
Ueber denselben Gegenstand schrieb auch Strobel (Giornale di
Malacologia p.22 und 33), indem er der iiüheren Arbeiten über die
Ffeile Erwähnung Itiat, und namentlich auf die Erfolge von A. Schmidt
näher einging.
Ueber das Epiphragma, den sogenannten falschen Deckel, hal
Paul Fischer im Journ. de Conch. lY. p. 397 einen kleinen Aufsalz
geschrieben.
IMoq ui n-Tan don beobachtete an drei Heliccen, Pupa umbili-
cata, Pupa marginala und Ilclix rupestris, dass sie ovovivipar seien.
Journ. de Gonchyl. IV. p. 225.
A. Schmidt hat gleichfalls beobachtet, dass P. umbilicata, wel-
che sich bei Tricst findet, vivipar sei. Er hält P. anconostoma Lowe
von J\ladera für identisch mit ihr.
Vilrina Edgariana und memhranacea Benson sind neue Arten
von Ceylon. Annais XIL p. 93. — Ebenso sind V. Kappelli von Neu-
Caledonien, planospira und Salomonis\on den Salomonsinseln von Pfeif-
fer Zeitschr. f. Malak. p.5l aufgestel/t. — Albers ib. p. 128 schrieb
über die auf Madera lebenden Vitrinen. Es sind zwei Arten: V. ni-
tida Gould (Lamarckii Lowe non Eer.) und ruivensis Coulh. (Behnii
Lowe).
Succinea Baiidonii Brouel bei Baudon Catalogue de Mollusques
du dep. de l'üise 1. c. — S. palentissijna Menke von Porlnatal , Riisei
von Porlorico und margarüa von Haiti sind von Pfeiffer Zeilschr. f,
Malak p. 52 beschrieben. — S. nobilis Poey Memorias 1. c. — A.
Schmidt hat in den Oberkiefern einen Unterschied zwischen Succi-
nea pulris und Pfeifferi entdeckt. Zeitschr. f. Älalak. p. 49.
J. E. Gray gründete auf Jlelix micans Pfr. eine neue Gattung
Pfeif feria. Das Thier ist gross im Verhältniss zur Schale; Mantel-
yand ausgebreitet, dünn, über die Aussenfläche der Schale zurückge-
schlagen, und an der Aussenseile des Peristoms einen glatten Band bil-
dend. Fuss massig, hinten flach, zugespitzt, ohne Drüse. Schale kug-
lig, undurchbohrt, dünn, zerbrechlich, weiss, durchsichtig. Spira mit
kleinen Windungen, die dritte und vierte schnell zunehmend, die letzte
aufgeblasen ; Mündung rundlich, mondförmig. Columella schwach und
regelmässig gebogen. 3Iundiand dünn, gerade, scharf (Annais XU.
p. 412; Proc. zool. soc. 1853. p. 109).
Anostoma carinalum Pfeiffer aus Brasilien, Zeitschr. f. Malak.
p. 57.
Sireptaxis Layardiana und Cingalensis Benson sind neue Arten
,^'oa Ceylon Annais XU. p. 90.
ShuttlewortU veröffenllichte in den Berner MiUbeilungen De-
Naturgeschichte der Molluskcir während des Jahres 1853. 171
zeml)er 1853 „C'rilische BcleucIiIunjT der znr Gruppe Sagda Beck, Al-
bers gehörenden westindischen Arien." Verf. weist nach, dass die
rfeifier'sche Synonymic irrig sei und dass lltlix cpisliliuin Jlüll. in die
Gattung Slreptaxis geliöre. Er ordnet die Seclion Sagda der Gattung
Zonites unter, und führt die 11 dahin gehörigen Arien mit berichtigter
Synonyniie auf.
Saint-Simon hat ilelix lychnuchus anatomisch beschrieben.
Er kommt zu dem Kesultat, dass diese Art nebst Verwandten in die
Gattung Zonites gehöre, die sich durch den Manjrel der Leisten und
Randzahne am Kieler, so wie dts Leibcspfeiles und der vesicules mul-
lifidcs nach Moquin Tandon (Jlem. de l'Acad, de Toulous& 1848»
1^.371) von Ilelix unterscheidet. Journ. de Conchyl.lV. p. 227).
Zonites ßmbriatus, proplielarum und niielimis sind drei neue Ar-
ten aus Syrien, welche Bourguignal im Journ. de Conch. IV. p. 69.
beschrieb und abbildete.
Gross ist wieder die Zahl der neuen Arten der Galtung Ilelix :
In der Gruppe von Iklix pellis serpentis Chcmn. unterschied Hupe
(Kevue zoolo^ique 1853. p. 296) mehrere Arten, H. pellis Boae, angui-
cula und Feisthamelii, welche auch abgebildet sind. Ebenda wird auch
eine neue Art H. furcillala Hupe aus der Gruppe von labyriulhus aus
Peru beschrieben und abgebildet. — benson beschrieb in den Annais
XI. p. 29 als neu: Helix plcclilis, Tescorum, cygnea und sublesta von
AVest-Auslralien, svffuUa von Alaurilius; Helix monodonla Grat, nee Lea
ebendaher nennt er H. albidens. — Ebenso JMetcalfe von Borneo ib.
p. 67 //. nasula, glulinosa, conicoides. — Benson ferner von Ceylon
ib. XII. p. 9l //. ceraria, Ptdeolus, Mononema, marcida, tilipensa, per-
fticala. — //, circumfirmala von Bermuda ist von Redfield Annais
Lyc, New York VI. p. 16 aufgestellt. — H. miiigena de Saulcy ist Journ.
de Conchyl. IV. p. 71. pl. 3. lig.7 abgebildet; sie lebt auf den Bergen
bei Bareges , Pyrenäen. — //. Moquiniana Raymond ib. p. 80. pl.3.
flg. 2 von Constanline. — II. leniicularis Morelet Journ. de Conch. IV.
p. 140. pl. 5. flg. 13. 14 von Marocco. — IL Baudoni Petit ib. p.364.
pl.ll.fig.4.5 von Guadeloupe. — H.morosa I\lorelet ib. p. 369. pl. 11.
fig. 15 aus Australien. — Pfeiffer charakterisirte in Zeilschr. f. Ma-
lak. p.53 folgende Arten: //. Mac-Andreioiana von Great Saloages Is-
land, gullula von Keu-Seeland, Annida von Luzon, ceroidcs von Juan
Eernandez, Vcronica von den Salomonsinseln, rapida von INeu-Seeland,
conomphala von den Philippinen, Huaheinensis von den Societätsinseln,
fucala von Südausiralien, Slianghiensis von China, Dennisoni von Cuba.
— Helix Launcestoniensis Lovell Reeve ist eine neue Art von Van-
diemensland. Proc. Zool. soc. 1852. Febr. — Albers beschrieb in
Zeitschr. f. i'\lalak. p. 105 die echte H. Rivolii Desh. und ei.ne neue
damit verwechselte Art H. crronea , beide von Ceylon. Pfeiffer
172 Troschel; Bericht über die Leistungen in der
spricht sich ib. p. 109 gegen die Trennung beider Arten aus. — Pfeif-
fer machte ib. p. 144 bekannt: H. Lardyi Charp. von der Insel Opara,
subrogala Rossm. Murcia, socia Conslantinopel , planella Sicilien, Par~
reyssi Abruzzen, Mcatis vom Berge Kicat, EM^enia Sicilien? — H. Ju-
liana Poey Älemorias 1. c. ist H. Dennisoni Pfr., H. incrustata, piciu-
rata, lepida und subfusca sind neue Arten desselben Verf. — H. Zele-
bori Pfeiffer Zcilschr. f. Älalak. p. 186. aus Serbien.
Panceri hat (Giornale di Malacologia I. p 30) nach anatomischen
Differenzen zwischen Helix pomatia und lucorum gesucht, und in den
weiblichen Geschlechtsorganen einige constante Abw^eichungen ge-
funden.
Nach Slrobel kommt Helix hortensis nicht südlich von den Al-
pen vor; die dafür gehaltenen Formen erwiesen sich durch Untersu-
chung des Pfeiles als Varietäten von H. nemoralis (Giornale di Mala-
cologia I. p.6.)
Paxillus minor A. Adams Proc. zool. soc. 1832. IVovcmbcr, ist
eine rechtsgewundene Art; diese Gattung reihte Verf. Annais ct. 1851
in die Auriculiden ein, zählt sie jetzt aber den Heliciden zu.
Einen neuen Bulimus von Callao in Peru beschrieb J. E. Gray
als B. Denichei (Annais XI. p. 153). — Ebenso Benson den B. Fa-
nos von Ceylon ib. XII. p.94.) — Desgleichen Lovell Ueeve B.
Maconelli von Brisbane in Australien ib. p. l49; Proc. zool. soc. 1851
June. — B. vesicalis, vegelus und excelsus sind neue Arten von Cali-
fornien, die Gould Boston Journ. VI. p. 376 beschrieb. — B. leniigi-
nosus von der Insel Trinidad und B. Siamensis von Siam beschrieb
Redfield Annais Lyc. New York VI. p. 14. — Eine neue Art B. Al-
cantarae Bernardi Journ. de Conch. IV. p.35. pl. 3. fig. 1 stammt von
den Salomonsinseln. — B. Saulcyi Bourguignat ib. p. 73 pl.3. fig. 6. aus
Syrien in der Nähe von Nazarath. — B. Milevianus Raymond ib. p.81
von Constanline. — B. Fairmaireanus Petit ib. p. 156. pl.5. fig. 8 von
Guayaquil. — B. Fayssianus Petit ib. p. 250. pl,8. fig. 7 vom La Plata.
— B. nuciformis Petit ib. p. 365. pl. 11. fig. 7 von den Gallapagos-ln-
seln. — Bulimus mundus von Sincapore und vesicalis von Brasilien
Pfeiffer Zeitschr. f. Malak. p. 57. — B. conjunctus Parr. von Transsyl-
yanien, sagax und blandus Friw. von Kleinasien veröffentlichte Pfeif-
fer ib. p. 148 durch Diagnosen. .— B. sepulcralis, Marielinus, slriclus
pnd conlralus sind neue Arten von Poey Memorias.
Petit machte kritische Bemerkungen über Bulimus bovina Brug.
im Journ. de Conch. IV. p. 403. Folgende Arten derselben Gruppe
werden genannt: B. auris midae Chemn., B. auris bovina Brug. (Shongi
Less.), ß. Calidonicus Petit, B. Lessoni Petit (auris bovina Reeve) und
|5. Bardii Reeve. B. Lessoni ist pl. XI. fig. 6 abgebildet.
Pfei ff er erörterte die Frage, welcher Schnecke der Lamarck'« -
Naturgeschichle der Mollasken während des Jahres 1853. 173
gehe Name liulinius terebraslcr eigentlich zukomme, und beschrieb die
Art nach Exemplaren von Porlorico. Zeitschr. f. Malak. p. 65.
Moquin-Tandon weist namentlich durch Untersuchung der
Kiefer nach, dass Helix foUiculus Gronov. und H. cylindrica L. nicht
au Glandina gehören , sondern sie müssen eine Seclion Cochlicopa in
der Gattung Bulimus bilden. Ebendahin gehört auch Glandina procerula
und lamellifera Morelet (Journ. de Conchyl. IV. p. 345).
Partida simplaria und Erltelii von Taili sind Arten von 31 o -
relet Journ. de Conch. IV. p. 370. pl. II. fig. 13. 14 und pl. 12.
flg. 7. 8.
Achatina Veruina und pachycheila von Ceylon beschrieb Ben-
son Annais XII. p. 94. — A. Blahiiana und lucida Poey Memorias I.e.
Nevvcomb hat 21 neue Arten der Gattung Achatinella in den
Annais Lyc. New York, aufgestellt; nämlich: A. violacea, tcsseUala^
Adamsi, splendida, Gouldi, rufa, Redfietdi , ovata , dubia, polita, obesa,
Cumitigi, Pfeifferi, elongala, Helena, labiala, mucronala, fusca, lineo-
lala, nitida, grana.
Louis Raynjond hat Glandina algira einer anatomischen Un-
tersuchung unterworfen (Journal de Conchyl. IV. p. 14). Die Verdau-
ungs- und Geschlechtsorgane sind abgebildet.
Pttpa Aluscerda und Mimula Benson von Ceylon Annais XII.
p.94. — P. Passamaiana Journ. de Conch. IV. p. 36Ö. pl. 13. ilg. 7. 8
von der Insel Socolora.
In dem dritten Programm des Gymnasiums zu Bolzano 1853 8.,
welches mir nicht bekannt gevsordcn ist, macht Gr edler nach einer
ausfühi liehen Anzeige im Giornale di 3IalacoIogia I. p. 75 kritische
Bemerkungen über einige Conchylien der Gallungen Pupa und Pomalias.
P. bigranala Rossm. hält er nicht für verschieden von triplicala Slud.,
zu P. Strobeli zieht er P. minulissima und costulata INilss. als Varietä-
ten ; und P. dilucida erklärt er für identisch mit Sempronii.
Cylindrella gracillima und Philippiana Poey Älemorias 1. c.
Clausilia plalystoma , magnirentris , riigulosa, semicoslata, sämmt-
lich aus Dalniatien , sind neue Arten bei Küster 1. c. Pfeiffer
charakterisirle Cl. latens Friv. von Bukarest, fausla Friv. von Kleinasien,
praeclara und terebra von Creta als neu ib. p. 149. — Ueber das Clau-
siliuni der Clausilien machte Cailliaud eine Koliz bekannt (Journ. de
Conch. IV. p. 4l9j, und lügte Abbildungen von Cl. maccaiana und Kü-
sterii hinzu.
AuriculHCea« L. Pfeiffer hal Studien über die Geschichte
der Auriculaceen gemacht (Zeitschr. für Malak. p. 1 , übers, im Gior-
nale di Maiacologia di P. Strobel p. 1.) Verf. Iheilt die Familie in
zwei Subfamilien; Melampea , amphibisch, mit scharfem geraden
Mundsaume. Dahin die Galtungen: 1. Mehimpus Mont. 2. Pedipes
174 Troschcl: Bericht über die Leistungen in der
Adans. 3. Olina Gray. II. Auriculea Landbewohner mit vci dick-
ten! oder verbreitertem i^lundsaiime. Dahin die Gattungen 1. i'ylhia
ßolt. (Scarabus Älöntf.) 2. Auricula Lam. 3. Carychium Müll.
Aitricula subnodosa und lolila Metcalfe von Borneo (Anniils XL
p. G9). — A. Murchi Mtnke und faba iMenke von Java, Sowerbyana
PIV. von den Santlwichinseln, DunkeriVU-. von3Iadias, MelawpusGitnd^
lacki Plr. und Voeyi i fr. von Cuba sind neue Arten in Zeilschr. L Ma-
lak. p.l24.
Die bereits 1842 von ihm in Proc. zooL soc p 201 beschrie-
bene Auricula tornaleliiformis ist nunmehr von Petit in dessen Journ.
de Conch. IV. p. 412. pL 12. hg. 5. 6 abgebildet worden.
Nachdem Pfeiffer in der Zeitsclir. f. iMalak. p. 127 vorläufige
Benierkurgen über Pythia scarabacus und Peliveriana gemacht hatte,
beschreibt er daselbst p, 189 folgende neue Arten der Gattung: F.Ree^
teana von den Philippinen (in Voy. of Ihe Samaiang als Scar. imbriuni
abgeb.) , albovaricosa von Celcbes, Argenvillei von Nordauslialien, in-
flala von Dorneo, Ceylanica von Ceylon.
A. Schmidt bezeichnete Zeitschr. f. Malak. p. 47 den Fundort
von Auricula spelaea in der Adcbberger Höhle näber.
?ainnaeHce<i* S. Uatchinsky hat an Plarioiliis crislatus
eine interessante Beobachtung gemacht, indem er fand, dass aus einem
Teich im botanischen Garten zu Moskau zahlreiche Exemplare beim I'e-
gicssen in die warmen Treibhäuser gekommen waren und hier über-
wintert hatten. Alle waren dadurch ausgezeichnet, dass die letzte Win-
dung sich mehr oder wenii^er von der vorletzten losgetrennt hatte,
während die Exemplare im Freien sämmtlich normal gebildet waren
(Bull, de la Soc. Imper. des ^'aluralislcs de Moscou. 1S53. p. 234).
Auch diese Familie wurde durch neue Arten bereichert: JViysa
data Gould von IJnlercalifornien Boston Journal VI. p. 379 ; — VI. den-.
Ufer Moricand Journ. de Conch. IV. p. 37, welche sich von PI, luguhris
nur durch einen Zahn auf der vorlelxten N\ indung unterscheidet ; sie lebt
im See Baril bei Bahia, FL Brondelii iUymond ib. p. 82 von Constantine ;
Limnaeus microsloma Diouct bei Baudon Calal. des Mollusqucs du Dep.
de l'üise L c.
Nolobranchlata.
J. E. Gray machte eine schematische Uebersicht der Gattungen
der Kackikiemer bekannt, welche er vornehmlich nach den Kiemen
und nach den Verschiedenheiten der Zungenzähne ordnete (Annais XL
p.218). Bei dieser Gelegenheit wird eine neue Gattung auf Kosten
von Phyllidia beschrieben:
I. Kiemen umgeben den After mitten hinten auf dem Rücken.
Farn. 1. Onchidoridae. Zähne in zwei Reihen. Aranlhodoris, On-
chidoris.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1853. 175
Farn. 2. Dorididae. Zähne in vielen Reiiien , Mantelrand ein-
fach. Doris, (loniodoris, Ceralosonia, Aegires.
Farn. 3. Triopidae. Zähne in vielen Reihen, 3Ianlel am Rande
mit Tentakeln. Triopa, Idalia.
II. Kiemen an der OberÖHche, spindelförmige Forsätze, Fähen, oder
verzweigt.
a. Zunge breit; Zähne in vielen Reihen.
Fam. 4. Tvilonindae. Tentakeln mit Scheiden versehen, After
seitlich. Trilonia, Dendronotus, Scyllaea, Eumenis.
Fam. 5. Proctonotidae. Tentakeln ohne Scheide, Kiemen an den
Seilen des Rückens, Ader dorsal. Proctonolus, Antiopa.
Fam. G. DipItylUdiadae. Tentakeln ohne Scheide , Kiemen unter
dem Manleliaride. Diphyllidia.
b. Zunge schmal ; Zähne in einer Reihe.
Fam. 7. Dolonidae. Tentakeln mit Scheide, Kiemen an den Sei-
ten des Rückens, üoto.
Fam. 8. Glaucidae. Tenlakeln einfach, Kiemen an den Seiten
des Rückens. Glaucus, Eolidia, Monlagua , Favorinus , Emble-
lonia, llcrmaea, Alderia.
Fam. 9. Vlacobranchidae. Tentakeln gefallet, Kiemen in Form
von Falten an der Überfläche des Rückens. Placobranchus,
Elysia.
Fam. 10. Limaponliadae. Keine äussere Kiemen, l.imapontia.
F'am. 11. Phyllirhoidae. Körper zusammengedrüikf, keine äussere
Kiemen. ThylÜrhoe (diese Gattung hat bekanntlich viele Zahn-
reihen).
c. Keine Zunge und Kiefer.
Fam. 12. Fltyllidiadae. Phyllidia, Fryeria. Letztere Gattung soll
sich von der vorigen beträchtlich unterscheiden , das Wie ist
jedoch nicht angegeben. Sie ist auf l'h. pustulosa Rüpp. ge-
gründet.
Sforidea. Eine ausgedehnte Arbeit über die Anatomie von
Doris lieferten Hancock und Em bieten in den Philosophical Trans-
actions of thc Royal Society of London 1852. Part. II. p. 207— 252 mit
8 Tafeln.
Keuc Arten: Doris planulala und Ancula sidphurea sind von
Stimpson 1. c. aul'geslellt, erstere ist in Fig. 14 abgebildet. — Ae-
gires Leuckarlii Verany Journ. de Conch. IV. p. 388.
AeoSitHiae. In den Memoires de l'acad. d. sc. de l'inst. de
France Tome XXllI. 1853. p.83 ist ein Rapport über die Arbeiten von
Quatrefages und Souleyet in BelrelF der sogenannten Phleben-
teraten abgedruckt. Beiden Verf. wird mit Recht anerkannt, dass sie
176 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
durch ihre Forschungen der Wissenschaft einen grossen Dienst geleistet
haben.
Aeolis sUUatay purpurea und Mananensis sind neue Arten von
Stimpson I, c. Auch eine Ae. farinacea Gould AIS. wird hier er-
wähnt. — Ae. Lcucharliiy Grubbi und Souleyeli sind v'on Verany Journ.
de Conch. IV. p.3S4 aufgestellt.
Klysiadae. Eine neue Art Actaeon (ElysiaRissn) unterschied
Verany als A. Hopei im Journ. de Conch. IV. p.392.
Phyllirlioidea. H. Müller hat die Gattung Phyllirhoe in
Messina untersucht, und darüber in Zeitschr. lür wiss. Zoologie IV.
p 335 eine Mitlheilung gemacht. Die Geschlccbtsdrüse wurde als Zwit-
terdrüse erkannt und ein kuppeiförmiger Anhang am vorderen Drittel
des unteren Randes zuerst erwähnt. Er fand sich bei fast alltn zahl-
reichen Exemplaren. Eine Deutung desselben giebt Verf. nicht.
Leuckart lieferte in unserem Archiv p, 242 „Nachträgliche I5e-
snerkungen über den Bau von Phyllirhoe."
Krohn weist in diesem Archiv 1853.1. p. 278 nach, dass der
Anhang an der Bauchseite von Phyllirrhoe nicht ein Organ , sondern
eine 31eduse sei, die parasitisch an der Phyllirrhoe lebt, und die er
Älnestra parasites nennt. — Referent kann hierzu bemerken, dass er
einmal am 19. October 1853 ein Exemplar von Phyllirrhoe beobachtet
hat, welches zwei solche Bauchanhänge, dicht bei einander, besass.
Das scheint ein neuer Beweis für die parasitische INatur desselben.
Rtillacea. Bulla {Akera) ciilcitella und B. {Tornalina) ce-
realis Gould sind nene Arten von Santa Barbara Boston Journ. VI.
p. 377. — Menke beschrieb Zeitschr. für Jlalak. p. 136 folgende neue
Arten: B. {thjdatina) staminea; B. {Bullea) subslriata von Neuholland,
splendens , daclylis Miilchneer, omphalodcs Miltelmcer, /)ers/ri«^rt Porto-
rico , sulcata Brasilien, marginala , lenuicula , perdicina Guinea, aj-
praeola, nux Cuba j B. (Jlaminea) foUiculus Gibraltar, ccrma Portoiico.
Monopleurohranclüaia,
Einige Bemerkungen über die Embryogenie von Ancylus , und
namentlich A. capuloides Porro von Gassi es im Bulletin de la Soc.
Linneenne de Bordeaux t. XVII. 2. serie t. VII. p.o65. 1852 sind mir
nur aus einer Anzeige in der Rev. et mag. de Zoologie 1853. p. 90 be-
kannt geworden. Der Aufsatz ist von einer Tafel mit Abbildungen
begleitet. Aus der etwas unklaren Anzeige scheint hervorzugehen,
dass Verf. diese Galtung zu den Kammkiemern bringen will.
lieber denselben Ancylus, den Verf. jedoch A. Janii nennt, ging
Bourguignat in Erörterungen ein (Rev. et Mag. de Zoologie 1833,
p.203), die in diesem Jahrgange der genannten Zeitschrift noch nicht
Waturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1853. 177
beendigt sind. Hierauf bezieht sich denn ein Artikel im Journal de
Conch. IV. p. 333. Wir haben kein Interesse in diesen persönlichen
Zwist einzugehen
Den Ancylus obliquus Adams hatte Bourguignat (Revue de
zool. 1853. p. 350) A. Petisianus genannt, weil der Käme bereits ver-
geben war; Adams selbst hatte ihn in einer Berichtigung A. Chittyi
genannt. — A. Verreauxii Bourguignat ib. p. 351 wird als neu be-
schrieben.
Bourguignat lieferte dann die Beschreibungen einigerneuen
Ancylus-Arten und gab zugleich ein Verzeichniss sämmtlicher bekann-
ter Arten dieser Gattung (Journal de Conchyliol. 1853. p. 55. 168.
Proc. zool. soc. 1853. p. 76). — Verf. unterscheidet zwei Gruppen,
nämlich 1. Ancylastrum Moq.-Tand. Thier links; Schale immer
mit nach rechts geneigtem Wirbel. 2. Velletia Gray, Thier rechts,
Schale immer mit nach links igeneigtem Wirbel. Zur ersten Gruppe
gehören 47, zur zweiten 6 Arten. Als neu werden beschrieben:
a. In den Proceed. : A. Baconii aus Bengalen, Cumingianus von Vandie-
mensland , Drouetianus wahrscheinlich aus Nordamerika , Saulcyanus
von Porto Cabello. b. Im Journal : A. CÄarpenfenanMs von Valparaiso,
Beaui von Guadeloupe, Raimondii von Algerien, Deshayesianus unbe-
kannten Vaterlandes, Morelelii aus Portugal, sirigatus von Sicilien,
cyclostoma aus der Aube, und A, (^Velletia^ Moquinianus von Dijon.
In geographischer Beziehung wird bemerkt , dass die erste Gruppe
über alle 5 Welttheile verbreitet ist; es kommen auf Australien 1
Art, auf Amerika 24, auf Asien 1, auf Afrika 3, auf Europa 19 Ar-
ten. Alle Arten der zweiten Gruppe gehören Europa an.
Siplionariacea. Siphonaria placenlula und umbonala Menke
sind neue Arten von St. Vincent Zeitschr. f. Malak. p. 69.
Pteropoda,
Kölliker und H. Müller beobachteten bei Cymbulia
zum ersten Male das Vorkommen von Chromatophoren, die
sonst nur von Cephalopoden bekannt waren (Zeitschr. f. wiss.
Zool. IV. p. 332; auch Giornale di Malacologia 1. p 61).
Ueber die Entwickelung der Pteropoden wurden von
J. Müller einige Beobachtungen in Triest angestellt (Mo-
natsberichle der Berliner Acad. 1852. p. 595).
Die Larven von Pneumodermon mediterraneum wurden von
yio— 1 Lin. Länge beobachtet. Sie hatten keine Schale und kein
Kopfsegel, dagegen drei Wimperreifen ; wodurch es festgestellt ist,
dass die Jungen von Anneliden, Mollusken und Echinodermen (Holo-
thurienpuppen) sich völlig gleichen können. —«Bei den Larven von
Cleodora acicula ist ein Kopfsegel vorhanden, das aus zwei gabiig
Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2. Bd. M
£78 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
getheilten Lappen besteht; die Flossen wachsen später an den Seiten
des Fusszapfens hervor und haben bei Larven von y,o'" schon die
Länge der "Wimperlappen. Die poche pyriforine von Souleyet wird
als Niere gedeutet.
Die Herren Kölliker mild Gegenbaur beobachteten
in Messina die Larven der dort vorkommenden Art von Pneii-
modermon in verschiedenen Entwickelungsstufen , jedoch so
jung, dass sie noch die drei^ oder doch mindestens noch die
beiden hinleren Wimperreifen besassen. Bei Atlanta , Cleo-
dora und Tiedemannia wurde ein Segelpaar ausser den Flos-
sen beobachtet cZeitschr. für wiss. ZooL IV. p. 33^-)). Die letz-
tere Bemerkung macht es um so auffallender^ dass später G e-
genbaur der Pariser Akademie die Bemerkung millheille
(Comptes rendus XXXVII. p. 495 ; Annais nat. bist. XIL p. 477),
das Segel verwandle sich bei den Pteropodon in die Flossen,
und da es genau dem Segel der Gasteropodcn entspreche, so
können die Flossen nicht dem Fuss der Gasteropodcn ver-
glichen werden.
Acephala.
Braeliiapocla.
Gratiolet hat der Pariser Academie (Comptes ren-
dus XXXVII. p. 45) folgende Resultate seiner Untersuchun-
gen über die Anatomie von Terebralula auslralis vorgelegt.
Das OelTnen und Schlicssen geschieht, wie es bereits Quen-
stedt angegeben, durch Muskeln (vergl. darüber Institut 1853. p. 233).
Die innere Mantelfläche ist glatt, die äussere dagegen gefässreich und
mit zahlreichen Kiemenpapillen bedeckt, die in die unzähligen Löcher
eintreten, von denen die Schale durchbohrt ist. Der grosse Canal
der Arme ist in Communicatioii mit der Körperhöhle, nicht mit den
Haarröhrchen der Fransen ; den Armen kann keine beträchtliche Be-
wegung zugeschrieben werden, der Rückziehmuskel der Arme, der bei
Orbicula und Lingula so deutlich ist, fehlt hier. Der After öffnet sich
nicht seitlich, sondern in der Mitte, im Grunde der durchbohrten
Schale; er ist sehr klein. Von den grossen venösen Sinus des Kör-
pers gehen jederseits vier Verlängerungen aus , die kein Gefäss an
die innere Mantelfläche senden, sondern sich nur am Rande des Man-
tels verzweigen. Von hier aus entspringen die Gefässverzweigungen,
welche das Kiemennetz an der äussern Mantellamelle bilden ; die Kie-
menvenen führen das Blut von diesem Netz in die Vorkammern der
beiden Herzen; die Vorkammern öff'nen sich nicht in den Körpersinus,
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1853. 179
wie man angegeben hat. Das Nervensystem besteht aus einem vier-
eckigen Schlundringe , von dessen Winkeln lange Nerven abgehen,
die sich in den Mantellappen , und besonders an ihrem Rande ver-
zweigen. Die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane sind
nicht in die Leber eingebettet, wie man es nach der Analogie mit
Lingula und Orbicula geglaubt hat, sondern sie bestehen aus kleinen
Blindsäcken, die in Menge an eine Art Mesenterium angeheftet sind,
und im Innern der venösen Sinus flottiren.
Davidson hat eine grosse und wichtige Arbeit über
die Brachiopoden geliefert: British fossil Brachiopoda Vol.I.
London 1851 — 1854. 4. printed for the palaeontographical
Society. Dieser erste Band besteht aus drei Abtheilungen.
Die erste ist von Owen bearbeitet und behandelt die Ana-
tomie von Terebralula; die zweite hat Ca rp enter zum Ver-
fasser und betrachtet die feinere Structur der Schalen der
Brachiopoden. Im dritten endlich giebt D a vi dso n die Clas-
sification der Brachiopoden. Viele Gattungen sind durch in
den Text eingedruckte Holzschnitte erläutert. Von den neun
zugehörigen Tafeln beziehen sich die drei ersten auf die Ana-
tomie von Terebratula flavescens und Lingula anatina. Die
4. und 5. Tafel stellen Durchschnitte von Schalen dar, die
übrigen vier enthalten die Abbildungen der Arten.
Derselbe beschrieb schon in den Proc. zool. soc. 1852. April
zwölf noch nicht abgebildete Arten von Brachiopoden.
E. Suess sprach über die innere Organisation der BrachiopOr-
den-Gehäuse im zool. bot. Verein in Wien II. p. 103,
Derselbe legte eine Abhandlung über die Brachial -Vorrich-
tung bei den Thecideen in den Sitzungsberichten der Wiener Acade-
mie XI. p. 991 nieder.
lianiellilirancliSata.
J. E. Gray hat angefangen, eine Revision der Ge-
nera einiger Muschel-Familien zu veröffentlichen (Annais XL
p. 33, 398).
William Clark schrieb wieder über die Kienienslrö-
mungen bei den Bivalven und suchte sich gegen die Einwände
vonAlder und Hancock zu vertheidigen (Annals XII. p.303;
vergl. die Berichte in diesem Archive 1850 11. p. 136; 1851.
IL p. 142; 1852. II. p. 299.
Langer machte in den Wiener Sitzungsberichten X.
t80 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
p. 432 eine vorläufige Mittheilung über ein capillares Gefäss-
system der Teichmuschel. Er weist nach , dass der Zusam-
menhang des arteriellen und venösen Systems durch ein ge-
schlossenes capillares Gefässsystem geschehe.
Im 24. Bande der Memoires de TAcademie des sciences
hat Duvernoy seine „Memoires sur le Systeme nerveux des
MoUusques acephales lamellibranches ou bivalves^^ herausge-
geben. Paris 1853.
Ueber das schnelle Wachsthum einiger Muscheln, na-
mentlich Ostrea denticulata, theilte Petit im Journ. de Conch.
IV. p. 424 einige Beobachtungen mit.
Vrolik zeigte an, dass bereits vor 70 Jahren ein Di-
reclor der Handels -Compagnie zu Middclburg, Leendert
Bomme, den Pholaden die Bohrfähigkeit nur auf mechani-
sche Weise, ohne irgend eine Säure, zugeschrieben hat
(Comptes rendus XXXVI p, 797).
Marcel de Serres behauptet, (Rev. et Mag. de Zoo-
logie ,p. 393), dass die in Stein bohrenden Muscheln sich so-
wohl einer Säure, als auch ihrer Schalen bedienen, um ihren
Zweck zu erreichen. Er hat sich durch directe Beobachtung
überzeugt, dass dieModiola, Venerupis und Petricola eine saure
Flüssigkeit absondern, welche Lacmuspapier röthet. Sie soll
im Magen und in dem Darm abgesondert werden. — Eine
nachträgliche Bemerkung dazu lieferte ders e Ib e (ebenda
p. 5843, und sucht die Erscheinung, dass die Schale dieser
Thiere nicht von der Säure angegriffen wird, dadurch zu er-
klären, dass die Schale theils von thierischem Schleim, theils
von einer kalkig-en Kruste überzosfen sei.
Petit theilt in seinem Journ. de Conchyl. IV. p. 309
eine Notiz von Robertson mit, welcher lebende Pholaden be-
obachtete , und zu dem Resultate kam, dass das Bohren me-
chanisch durch Reiben mit der Schale geschehe.
Prada hat im Giornale die Malacologia I. p. 1 1 , 38,
113 und 129 die verschiedenen Ansichten der Autoren über
das Bohren der Muscheln, namentlich der Pholaden, in histo-
rischer Uebersicht dargestellt, und kommt zu dem Schluss,
dass die Thiere nur mechanische Mittel mit Ausschluss der
chemischen anwenden.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1853. 181
lieber den Ursprung der Perlen erschien eine Abhand-
lung von De Filippi, „Sulla origine delle Perle, Torino
1852. 8 (Estraüo dal Cimenfe Faso. IV).
Wie aus einer Anzeige dieser mir nicht zugänglich gewordenen
Schrift in dem Repertorio italiano per la storia naturale 1853 von Bian-
coni ersichtlich, hat Verf. zunächst die verschiedenen Ansichten der
älteren und neueren Schriftsteller über die Entstehung der Perlen in
den Muscheln entwickelt, und ist durch seine Untersuchungen geneigt,
sie alle zu verwerfen, und die Entstehung der Perlen dem Einflüsse
der Helminthen, namentlich dem Distoma duplicatum bei Unionen und
Anodontcn zuzuschreiben.
Woodward beobachtete einige Muscheln lebend, und
schilderte namentlich das Verhalten von Pholas. Annais nat,
bist. XII. p.415.
0§tracea. Coste schilderte die künstlichen Auster-
bänke des See Fusaro. Comptes rendus XXXVI. p. 809.
Bereits im Jahre 1849 hatten Davaine und Ch aus-
sät über die Zeugung der Austern in den Comptes rendus de
la Societe de biologie ihre Untersuchungen bekannt gemacht,
ohne die Frage völlig zur Entscheidung zu bringen. Da-
vaine hat sich nun überzeugt (Journ. de Conchyl. IV. p.30),
dass die Austern Zwitter seien. Zuerst bilden sich im Ge-
schlechtsorgan die Sperniatozoen, dann die Eier. Die Befruch-
tung soll dann in diesem Organ vor sich gehen.
J. E. Gray stellte eine neue Gattung Tedinia in der Familie
Anomiadae auf. Annais XII. p. 150. üie freien Schalen haben drei
Muskeleindrücke. Kur eine Art T. pernoides von Californien.
Pectinea. C ha r b on nie t machte eine Bemerkung über den
Essan Adans. ( Pecten orbicularis Sow. ) im Journ. de Conchyl. IV.
p.261. Er hat beobachtet, dass diese Muschel sich mit einer Byssus
an schwimmenden Tang anhefte, dass sie sich ausschliesslich von Pflan-
zenstoffen nähre und lebendig gebärend sei. Auch die Eigcnthümlich-
keit ihrer Bewegungen wird geschildert.
Neue Arten: Pecten Philippii Recluz Journ. de Conch. IV. p. 52.
pl. 2. flg. 15. IG. von Sicilien. — Eine Varietät von P. histrionicus
beschreibt Petit ib. p. 150. pl. 5. fig. 2. — P. Antillarum Recluz
ib. fig. 1 von Guadeloupe.
Iflytilacea. Von Mytilus subdistortus (vcrgl. den vor. Be-
richt p. 136) gab Recluz eine neue Beschreibung nach einem grös-
seren Exemplar ; die Art kommt von Ncu-Caledonien.
182 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Aus dieser Familie beschrieb D unk er folgende neue Arten in
Zeit. f. Malak. p. 82 :
Mylilus Grunerianns, Grayanus von Java, Septifer Herrmannseni
von China, crassiis von Peru, TroschcUi,
Tichogonia Pfeifferi von Cuba, Rossmaessleri von Brasilien, ca-
rinata, Riisei von St. Thomas.
]¥ajades. B a u (1 0 n beobachtete das Eierlegen von Unio
batavus, tumidus, Requienii und amnicus im Juli und August
des Jahres 1852 (Journ. de Couch. IV. p. 353). — Eine No-
tiz über den Oviduct bei Unio und Anodonta gab Moquin-
Tandon ib. p.4lO.
Rossmaessler machte Bemerkungen über die euro-
päischen Najaden und führte einige Beispiele über das Vor-
kommen und die damit zusammenhängenden Formen derAno-
donten und Unionen an. Zeitschr. f. Malak. p. 10.
Nach demselben Verf. kommt U. litoralis Lani. in einem Bache
zwischen Kolding und Hadersleben vor. Ib. p. 92.
T. A. Conrad hat in Proc. Philadelphia VI. p. 243
eine Synopsis der nordamerikanischen Najaden drucken las-
sen, mit einigen Noten und einer Tabelle einiger Gattungen
und Untergattungen der Familie nach ihrer geographischen
Verbreitung , nebst deren Beschreibung. Die Synonymie ist
berücksichtigt, und der Verf. hat dadurch einen Mangel der
Lea'schen Synopsis ersetzen wollen.
Die hier neu vorgeschlagenen Gattungen sind: Cucumaria ,
welche auf Unio cucumoides Lea , IJyriopsiSf welche auf U. del-
phinus Grüner und Monodonlina, welche auf Wargaritana Vonden-
buschiana Lea gegründet ist.
Eine Fortsetzung der Studien über die Anodonten der
Aube von Drouet (vergl. den vorigen Bericht p. 135) fin-
det sich in der Revue de Zoologie p. 493. Sie behandelt die
Secretionsorgane und die Geschlechtsorgane.
Unio terminalis Bourguignat Journ. de Conch. IV, p. 14. pl. 3.
fig. 10 aus dem See Tiberias in Syrien.
Isaac Lea hatte in Cassel in der Sammlung Dunker's Ge-
legenheit die Castalia sulcata Krauss zu sehen. Er erklärt sie für
einen Unio , da die Streifung der Zähne fehlt, und nennt sie, da in
letzterer Gattung der Name sulcatus bereits vergeben ist, U. Kravssii.
— Der Verf. erliBunte ferner, dass U. macropterus gleich ü. superbus
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahr«s Ü853. 183
Lea, und dass U. Cumingii gleich U. cucumoides Lea sei. (Proc. Phi-
ladelphia VI. p. 376).
An einem Exemplar des \>'icncr Museums von Mya nodulosa
Wood erkannte Isaac Lea, dass es zur Galtung Prisodon Schum.
(Castalia Lam.) gehöre. Derselbe giebt zugleich an, dass, indem er
die d'Orbigny'schen Arten nur für Varietäten halte, die Gattung nun-
mehr aus drei Arten bestehe, eine gefaltete Pr. truncates Schum. (Gast,
ambigua Lam.), eine glatte Pr. Duprei Lea (Gast. Duprei Uecl.) und
eine knotige Pr. nodulosiis Lea (Mya nodulosa Wood). Proc. Philadel-
phia VL p. 368.
Etlieriacea. Petit de la Saussaye hat in seinem Jour-
nal de Conch. IV. p. 39 das Historische der Gattung Mülleria Fer.
(Acostaea d'Orb ) auseinandergesetzt, (vergl. den vorigen Bericht p.
136), und sagt, dass Lea bei seiner Anwesenheit in Paris das Ori-
ginalexemplar in der ü el esse rt'schen Sammlung für specifisch über-
einstimmend mit dem seinigen erklärt hat.
Trigoniacea. Neue Art : Trigonia Strangei Adams von
Sydney. Proc. zool. soc. 1852. July.
Arcacea. Eine Notiz über Area Martina Recl. von Petit
findet sich im Journ. de Gonch. IV. p. 86.
M^uculacea. In der Familie Solenellidae , welche von den
Nuculaceen , wegen des äussern Ligamentes getrennt wird, stellte A.
Adams Proc. zool. soc. 1852. November eine neue Gattung Neilo
auf: testa transversa aequivalvis , inaequilateralis, epidermide fusco
tenui induta, latere postico hians. Dentibus cardinalibus nuUis, late-
ribus anticis et posticis plurimis in serie rectiuscula dispositis ; den-
tibus parvis acutis ; impressionibus muscularibus subdistantibus, im-
pressione pallii sinu magno ; ligamento externo elongato. Unterschei-
det sich von Solenella durch die Zähne, welche den ganzen Schloss-
rand einnehmen. N. Cumingii von Neuseeland.
Carditacea. Zwanzig neue Arten der Gattung Gardita sind
von Deshayes Proc. zool. soc. 1852. November aufgestellt worden.
(Jianisacea* Hancock hatte Gelegenheit das Thier von
Ghamostrea albida (Gleidothaerus chamoides) zu untersuchen; er be-
schrieb es Annais XI. p. 106 und erläuterte es durch Abbildungen.
Die convexe angeheftete Schale ist die rechte, die flache die linke.
Die Mantellappen sind bis auf eine enge Ocil'nung für den Fuss und
die beiden Siphonen verwachsen. Die Sipiionen sind getrennt, lie-
gen weit unten, sind kurz und beide am Rande mit kleinen Papillen
besetzt. Dicht vor dem Atherasipho liegt eine kleine vierte OeÜnung,
die Verf. auch bei Lutraria, Cochlodesma, Panopaea und 3Iyochama
beobachtet hat, und von der er glaubt, sie diene zum Austritte des
Wassers bei plötzlicher Coutraclioii, da bei allen diesen die Fussöffnuug
184 Troscheh Berieht über die Leistungen in der
sehr klein sei. Am Munde liegen vier blattförmige schmale Mund-
lappen, deren innere Fläche blättrig ist. Die Kiemen bestehen jeder-
seits nur aus einem vollständigen! und einem rudimentären Blatt, und
Verf. vermuthet, dass das vollständige Blatt dem äusseren Kiemenblatt
von Mytilus entspreche, dem ebenfalls ein rudimentäres Blatt anhängt.
Die Structur der Kiemen ist näher geschildert.
liucinacea. Neue Arten: Diplodonla gramilosa Dunker von
Puerto Cabello Zeitschr. f. Malak. p. Hl. — - Foronia rugosa Recluz
Journ. de Conch. IV. p. 50. pl. 2. fig. 4. 5 von Neuholland.
ji§tartacea. Neue Arten von A. Adams Proc. zool. soc.
1852. Juli : Crassalella obesa ; ib. November : C. speciosa , laevis , oh-
scura, bellula, truncata, compta und concinna.
Cycladea« In einer mir nicht zugänglich gewordenen Note
„über neue Arten der Gattung Cyclas aus der Umgegend von Valen-
ciennes" hat Norm and vier neue Arten Cyclas escaldiana, solida,
RyckhoUii und lenticularis (Pisidium cinereum Alder ?j aufgestellt,
und auf einer Tafel abgebildet.
In einem Aufsatze über die Gattung Cyclas Brug. (Revue de
Zoologie 1853. p. 340) will Bourguignat für den aller Welt be-
kannten Namen Cyclas den freilich älteren Sphaerium von Scopoli
wieder einführen. Abgesehen von der Schwierigkeit, sich plötzlich
an eine gleichsam neue Sprache zu gewöhnen, und abgesehen von
der daraus hervorgehenden Verwirrung , hat doch Scopoli nicht den
Begriff mit dem AVortc Sphaerium verbunden, den wir jetzt allgemein
dem Worte Cyclas nach Ausscheidung von Pisidium unterlegen. Ich
glaube, man muss jetzt die Gattung Cyclas Drap, nennen. Verf. nimmt
nur 7 französische Arten an, nämlich Sph. rivicola, corneum (nucleus
Studer, rivalis Drap., scaldiana Normand), solidum Normand, Deshaye-
sianum ( lacustris Drap.), lacustre (Tellina lacustris 0. F. Müll.,
calyculata Drap.), terverianum Dupuy , Ryckholtii Normand, Er fügt
dann ein alphabetisches Verzeichniss von 216 zur Gattung Cyclas ge-
hörigen Synonymen hinzu, von denen er 74 Species für haltbar
erklärt.
Prime stellte eine Anzahl neuer Arten der Familie Cycladidae
Proc. Boston Soc. IV. p. 155 auf: Cyclas albiila und acuminala vom
Obersee, rosacea und detruncata von Pennsylvanien, flava und emar-
ginata vom Obersee, gracilis vom Ohio, tenuistriala von Tennessee,
mirabilis von Georgia, Jayensis vom Obersee, giganlea von Pennsyl-
vanien, ponderosa vom Obersee, solidula und distorla vom Ohio, aurea
vom Obersee, inornata und simplex von Illinois, modesta von Pennsyl-
vanien, fabalis vom Obersee, caslanea aus dem Wabash, securis, car~
dissa, coerulea und tenuis von Massachusetts. — Ferner Pisidium ob~
scurum vom Ohio, ferruginenm von MassachuseUs , Kurtiii von Süd-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1853. 185
Carolina, zonalum von Massachusetts, rubellwn vom Obersee, variabile
und compressum von Massachusetts , rolundalum vom Obersee.
Derselbe machte ib. p. 271 Bemerkungen über die in den ver-
einigten Staaten gefundenen Arten der Gattung Cyclas bekannt. Es
werden im Ganzen 35 Arten aufgeführt mit den Synonymen und An-
gaben über das Vorkommen. Darunter sind als neu beschrieben : C.
spfiaerica Anthony von Loraine County, ovalis Prime von Oswego und
Greenwich , eburnea Anthony von Arkansas , furcata Rafinesque MS.
vom Ohio?, biilbosa Anthony von Arkansas.
Im Boston Journal of nat. sc. Vol. VI. p. 348 hat Prime fer-
ner eine Monographie der in den nordamerikanischen Freistaaten vor-
kommenden Arten der Gattung Pisidium geliefert. Es sind 19 Arten.
Von fast allen ist das Schloss etwas vergrössert in Holzschnitt abge-
bildet. Am Schlüsse ist ein Verzeichniss sämmtlicher bekannter Ar-
ten der Gattung angefügt. Von den 39 Arten sind 19 amerikanisch,
1 neuholländisch, die übrigen gehören Europa an.
Baudon erklärt im Journ. de Conch. IV. p. 277 Pisidium si-
nuatum Bourg. für eine monströse Form von P. cinercum Aid. , und
will ihr nicht einmal die Rechte einer Varietät zugestehen.
Derselbe spricht sich ib. p. 392 dahin aus, dass sich in Frank-
reich nur 5 Arten der Gattung Pisidium unterscheiden Hessen, näm-
lich P. amnicum Müll , obtusale Pfeiff. , henslowianum Shepp. , fonti-
nale Drap, und pulchellum Jen., zu welcher letzteren er eine grosse
Menge von Arten als Varietäten zieht, auch cinereum Alder.
Cyrena triangularis Metcalfe von Borneo Annais XI. p. 71. —
C. allilis Gould Boston Journal VI. p. 400 von Mazatlan. — C. cordi-
forinis Recluz Journ. de Conch. IV. p. 251. pl. 7. fig. 9.
Petit charakterisirte in seinem Journ. de Conch. IV. p. 83 zwei
neue Arten der Gattung Gnathodon : Gn. roslralum von Florida und
trigonum von Mazatlan. Dieselben sind ib. p. 163. pl. 6. fig. 1—3 und
13—15 ausführlicher beschrieben und abgebildet. Verf. zieht hier die
Priorität des Namens Gnathodon (gegen Rangia Desmoulins 1831) in
Zweifel. Die erstere Art ist wahrscheinlich identisch mit G. flexuosa
Conr. — Ib. p. 357 beschrieb Petit eine neue Art G. partum von
Neuholland.
Concliae* Venus tantillus Gould Boston Journal VI, p. 406
ist eine neue Art von Santa Barbara.
Nach T. A. Conrad Proc. Philad. VI. p. 320 kommen an der
atlantischen Küste der vereinigten Staaten drei lebende Arten der Gat-
tung Artemis vor, deren Synonymie berichtigt wird.
IVynipliacea* Neue Arten: Teltina tersa und pura von Pa-
nama, gemma von San Juan Gould Boston Journ. VI. p.398. — T.
186 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Schramtni Recluz Journ. de Conchyl. IV. p 152. pl. 6. fig. 7. 8. —
Donax flexuasns Goiild Boston Journ. VI. p. 394 van Santa Barbara.
'n&ictracea.. Neue Arten : Maclra Cumingiana Petit Journal
de Coneh. IV. p, 359 von der Mündung des Gambia; — Lutraritt in.
(lata Dunker Zeitschr. f. Malak. p. 112 von Californien.
J. E. Gray stellte eine neue Gattung VanganeUa auf, wel-
che die Gestalt eines Solen mit dem Schloss einer Mactra verbindet.
Er giebl ihr folgende Charaktere : Schale gleichschalig, länglich, quer,
dünn, comprimirt, hinten abgerundet, vorn etwas vorgezogen und ver-
schmälert, mit einem dünnen, glatten Ueberzuge bekleidet; die innere
Oberfläche jeder Schale gerade, mit zwei divergirenden , verdickten
Leisten in den Muskeleindrücken, welche gross und von einander entfernt
sind, und mit doppeltem vorderen und oberen Schalenrande; Mantel-
bucht kurz, breit j Schlosszahn der linken Schale zusammengefallet,
massig; der der rechten Seite klein, abgesondert; Seitenzähne kurz,
klein , dicht am Schlosszahn der linken Schale doppelt ; das Ligament
klein, genau im Schlossrande nicht durch eine Kalkplalte vom Knorpel
getrennt, und zum Theil durch den oberen Rand des Schlossrandes
verborgen ; der Knorpel sehr breit , eingeschlossen in einer breiten,
länglichen, hohlen, dreieckigen Grube an dem oberen Theil der hinteren
inneren Leiste. Die Art A. Taylorii stammt von Neuseeland. (Annais XI.
p.476).
Cui'bulacea» Neue Art: Neaera pellvcida Stimpson 1. c.
p.21. Fig. 13.
Anatinacea. H anco ck beschrieb das Thier vonMyochama
anomioides in den Annais XL p. 287 und bildete es ab. Die sehr un-
gleichen Mantellappen sind bis auf die Siphonen, die FussölTnung und
eine kleine vierte Oeffnung geschlossen. Der Eierstock nimmt die
Wirbelgegend ein ; die Schliessmuskeln sind massig. Die Siphonen sind
völlig getrennt, der obere länger, beide an der OcfFnung mit feinen
Papillen besetzt. Die kleine Oeffnung für den Fuss liegt vorn unter
dem Schliessmuskel. Die Mundlappen sind massig gross, spitz und
mit wenigen Falten an der inneren Fläche. Jederseits findet sich nur
ein Kiemenblatt, das sich hinter dem Fusse mit dem der anderen Seite
vereinigt, und an welches sich ein dorsales rudimentäres Blatt anfügt,
das nur aus einer einfachen Lamelle besteht. Der Fuss ist klein und
konisch. Verf. weist der Gattung ihren Platz in der Familie Anati-
nidae an.
Myockama Slutchburyi und Keppelliana sind neue Arten von A.
Adams Proc. zool. soc. 1852. Juli.
Ebenso Oslcodesma nilidum Gould Boston Journal VI. p. 3P0 von
Santa Barbara.
Recluz stellte die Gattung Rupicola von Fleuriau de Bei-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1853, 187
levue wieder her; sie ist nahe verwandt mit Thracia, von der sie
sich nur durch eine Kieme jederseits , durch die sehr ungleichen Si-
phonen ohne Papillen und den linsenförmigen Fuss unterscheidet. Die
Schale ist hinten wenig klaffend ; der Schlossknorpel ruht auf senk-
rechten, schiefen Chondrophoren, die sich beim Schliessen der Schale
gegeneinander legen. Die beiden Arten sind R. concentrica (Anatina
truncata Turt.) undR. distorla, (Anatina distorta Turt). Beide leben an
den Küsten Englands und Frankreichs. Journ. de Conchyl. IV, p. 120.
Solenacesft. Neue Art: Novaculina olivacea Metcalfe von
Eorneo. Annais XI. p. 71.
Pliuladea,* Neue Arten: Pholas ovoidea Gould Boston Jour-
nal VI. p. 388. — Ph. Beauiana Recluz Journ. de Conch. IV. p. 49.
pl, 2. flg. 1 — 3 von Guadeloupe.
€wa.6troc]iaenacea. Asperpillum Strangei ist von A. Adams
als neue Art aus Australien beschrieben. Proc. zool. soc. 1852. Juli.
Tunicata.
jtscirtiae. Stimpson beschrieb in den Proc. Boston
Soc. IV. p. Q88 folgende neue Ascidien von der Küste der
vereinigten Staaten.
Ascidia callosa in der Passamaquoddy-Bai, tenella von Duck
Island, Grand Manan, geomelrica von Long Island.
Molgula sordida von Charleston Harbor, producta in der Boston-
Bai, arenala aus der Gegend von Nantucket und Martha's Vinegard.
Glandula nov. gen. Körper kuglig, ganz frei und dick mit Sand,
Schlamm oder anderen fremden Körpern bekleidet. Die Oeffnungen an
Röhren, die Kiemenöffnung mit vier Lappen, die Afteröffnung vier-
eckig. Kiemensack mit wenigen, entferntstehenden Falten. G. fibrosa
und inollis, beide von Grand Manan.
Cynthia viUala von Oak Island Beach bei Smithville , parlila
von Boston Harbor, subcoernlea von Oak Island Beach, gutta von Ijo-
ston Harbor.
Pera nov. gen. Körper birnförmig, mit einer sehr kleinen Basis
anhängend. Schale gallertartig. Oeffnungen sitzend ; die Kiemenöff-
nung sechslappig , die Afteröffnung vierlappig. Kiemensack gefaltet.
F. pellucida von St. Georges Bank.
Boltenia rubra Massachusetts-Iiay , von Boston bis Cap Ann.
CycIosBsyaria. Unter diesem Namen hat Krohn die Gat-
tung Doliolum als eigene Familie unterschieden. Durch die sipho-
ähnlich ausgezogene vordere Oeffnung gehört dieselbe zu den Asci-
dien , durch das freie Schwimmen im Meere und durch die Muskeln,
■welche hreisförmig den Körper umgeben, bilden sie den Ucbergaug zu
188 Tr oschel : Bericht üb. d. Leistungen etc. während d. Jahres 1853.
den Salpen. Die Entwickelung der Jungen zeigt wiederum eine Ver-
wandtschaft mit den Ascidien an. S. Handbuch der Zoologie. 4te Auf-
lage von Troschel und Ruthe 1853. p.588.
Eine interessante Beobachtung zur Entwickelung von Doliolum
machte Gegenbaur Zeitschr. für wiss. Zool. V. p. 13 bekannt. Er
fand an einem Keimstock von D. Troschelii Krohn (caudatumQ. et G.)
zweierlei Knospen. Die einen sind kahnförmige Thiere, die anderen
sind Dol. denticulatum Q. et G., beide ohne Geschlechtsorgane.
TUaliadae* H. Müller hat über Salpen bei JVIessina er-
neute Untersuchungen angestellt , und seine gewonnenen Resultate
kurz in der Zeitschr. für wissensch. Zool. IV. p. 330 niedergelegt.
Bericht über die lieistuiig^eii iii der Ento-
itiolog^ie wälireiid dei§ Jahres 1§53.
Von
Hr. Oerstaecker*
in Berlin.
Ueber die Struktur der Thoraxmuskeln bei den Insek-
ten hat Aubert in v. Siebold und Kölliker's Zeitschrift für
wissenschaftiche Zoologie IV. p. 388 Beobachtungen veröf-
fentlicht.
Der Verf. liat eine bedeutende Anzahl von Insekten aller Ord-
nungen in Bezug auf die Thoraxmuskeln unter.<;ucht, und die Beobach-
tung V. Siebold's bestätigt gefunden, dass dieselben unter dem Mi-
kroskop eine andere Struktur zeigen, als die Muskeln des übrigen Kör-
pers. Sie bestehen nämlich aus feinen, quergestreiHen, wahrscheinlich
cylindrischen Primilivfibrillen , welche von einer krömlichen, körni-
gen Masse mehr oder weniger dicht umgeben sind und bei den ver-
schiedenen Ordnungen verschiedene Stärke zeigen. Die Muskeln selbst
zeichnen sich schon äusserlich durch mehr röthliche Färbung aus. Eine
Ausnahme machen die Libellen, bei denen übrigens auch die Anord-
nung der Thoraxmuskeln durchaus verschieden ist; bei diesen erschei-
nen nämlich die elementaren Theile der Muskeln als platte Bänder,
welche sowohl auf ihrem Rande als auf ihrer flachen Seite Querstreifen
zeigen. Der Verf. bezeichnet sie mit dem Namen Muskelprimilivbän-
der; auch zwischen diesen liegt eine grobkörnige Masse, theils fest-
sitzend, theils frei. Aus der bald grösseren , bald geringeren Entfer-
nung der Querstreifen von einander schliesst der Verf. auf einen ver-
schiedenen Grad von Contraktion bei den Primilivfibrillen; doch ist es
ihm nicht gelungen, die Zusammenziehung selbst unter dem Mikroskop
zu beobachten.
190 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
G. Gerstfeldt, lieber die Mundtheile der saugenden
Insekten ; ein Beitrag zur vergleichenden Anatomie. Mitau
und Leipzig 1853. 8. mit 2 Tafeln.
Der Verf. hat die reichhaltige Literatur über diesen Gegenstand
von Leeuwe nhoek und Swammerdam bis auf die neueste Zeit
mit grosser Gründlichkeit durchgearbeitet, die Ansichten der verschie-
denen Schriftsteller über die Bedeutung der einzelnen Mundtheile zu-
sammengestellt und verglichen und durch eigene Untersuchungen man-
che neue, interessante Resultate erhalten. Seine Untersuchungen er-
strecken sich auf alle Ordnungen der saugenden Insekten, ferner auf
diejenigen Larven, welche saugende Mundllieile besitzen, und zuletzt
auf solche Thiere, über die man bisher noch im Streite war, ob sie
den beissenden oder saugenden Insekten beizuzählen seien. Mit be-
sonderer Sorgfalt ist die Struktur der Unterlippe, über defen Theilc
von den Autoren die verschiedensten Ansichten beigebracht woiden
sind, behandelt. Der Verf. betrachtet sie nach üken's, S a v i g n y 's
und Anderer Vorgang als ein drittes verwachsenes Kieferpaar, aber
nicht, wie E ri ch s o n meint, als aus der Vereinigung eines drillen Kie-
ferpaares mit dem Kinn und der Zunge entstanden , sondern nur 2 in
der Mittellinie verwachsene Maxillen enthaltend. Sie zerfällt stets in
3 Theile: 1) das Submentum Kevvp. (inentum Er., fulcrum Kirby) =
den verwachsenen Cardines der Kiefer. 2) Das Mentuni, welches die
Lippcutasler trägt, = den verwachsenen Stipites der Kiefer. 3) Die
Ligula =. den verwachsenen Laden der Kiefer. — Diese Theorie auf
die Dipteren angewandt, so entspricht der Grundtheil der Scheide (Theca
Kiiby), welche entweder ganz oder wenigstens hauptsächlich von der
Unterlippe gebildet wird, dem Submentum; dasselbe reicht vom Kopf
bis zum sogenannten Knie. Der darauf folgende Theil, vom Knie bis
zu den Endlippen, welcher von Kirby stipes genannt wird, ist das
Mentum, und die Endlippen selbst (labella Kirby) die Ligula, vielleicht
Ligula und Taraglossae vereinigt; jedenfalls können dieselben aber
nicht, wie es von einigen Schriftstellern geschehen ist, als Labialta-
ster angesehen werden, welche allen Dipteren fehlen. — Für die He-
mipleren verwirft der Verf. die Ansicht B ur m e i s t er's , dass die Rüs-
selscheide die verwandelte Unterlippe mit Inbegriff der Lippentaster
darstelle; vielmehr soll das erste (Basal-) Glied das Submentum, das
zweite das Mentum, dass dritte und vierte die Ligula und Paraglossae,
d. h. die beiden verwandelten Kieferladen darstellen. — Am entschie-
densten sind diese Theile an der Unterlippe der saugenden Hymenopte-
ren ausgeprägt; das Submentum, zuerst von Newport so benannt,
ist der Theil, welcher mit den Angeln der Maxillen verbunden ist und
durch deren seitliche Bewegung nach vorn geschoben wird; Erich-
son nannte ihn Menlum; doch ist als solches ersl der zweite, vor je^
während des Jahres 1853. 191
nem liegende Theil zu betrachten ; die Ligula , welche bei den Bienen
dreilappig ist, lüsst deutlich ihre ursprüngliche Zusammensetzung aus
den iVlaxillarladen erkennen, von denen die äusseren frei , die inneren
mit einander verwachsen sind. — Die übrigen Mundtheile sind, beson-
ders bei den Dipteren, weilläufiger abgehandelt; der Verf. weist nach,
dass von borslenförmigen Organen, welche von der Scheide eingeschlos-
sen werden , stets 0 vorhanden sind, die jedoch oft mehr oder weni-
ger verkümmert sind und daher zum Theil zu fehlen scheinen. Von
diesen sind 2 unpaarig, nämlich die Überlippe und der Hypopharynx,
die übrigen paarig, Maxillen und Älandibeln. Bei den Tabaniden sind
alle 6 vollkommen ausgebildet, bei den .Museiden dagegen nur 2, näm-
lich Oberlippe und Hypopharynx, während Maxillen und Mandibeln mit
der Scheide verwachsen sind; Uebergänge finden sich bei den Stratio-
myden und ßombyliarien, wo die Maxillen schon zum Theil, oder ganz
frei sind. — In Beireff der am Schlüsse abgehandelten Pediculiden
tdtl der Verf. den Ansichten ßurmeister's bei, wonach diesen sau-
gende, und nicht, wieErichson gesehen haben will, beissende Mund-
theile zukommen.
Lacaze-Duthiers hat seine Untersuchungen über
den äusseren weiblichen Geschlechtsapparat der Insekten im
19ten Bande der Annales des sciences naturelles S. 25 — 88
und S. 203 — 237 fortgesetzt und in Bezug hierauf die Neu-
ropteren, Thysanuren, Coleopteren, Dipteren, Lepidopteren und
Aphanipteren abgehandelt. Diesen speziellen Abhandlungen
lässt der Verf. eine allgemeine: „de l'armure genitale femelle
des insectes en generab' betitelt folgen , in welchen er eine
Vergleichung und Zusammenstellung der von ihm bei den
einzelnen Ordnungen erhaltenen Resultate giebt.
Die Mi Ine Edwards'sche Terminologie (siehe SchaumEnto-
mol. Bericht für 1852. p. 8) ist wie in den früheren Abhandlungen des
Verf. über den Geschlechtsapparat der Orthopteren etc. auch hier durch-
geführt worden. — Bei den FSeuropleren werden drei Haupltypen des
äusseren weiblichen Geschlechtsapparates unterschieden: ein complioir-
ter, wie er sich bei Aeshna und Agrioti findet, ein einfacher (bei Li-
beilula) und ein driller, welcher zwischen jenen beiden gleichsam die
Mille hält, wie er bti Fanorpa auftritt. Die Neuropteren stimmen mit
den Orthopteren darin überein, dass die Vulva und der After durch
drei Ringe getrennt sind, auch sind die beiden letzten Ringe auf die-
selbe Weise gebildet, nur dass der vor dem After liegende bei den ISeu-
ropteren vollständiger entwickelt ist, indem hier auch ein deutlicher
Sternaltheil auftritt. Der neunte (Geschlechts-) Ring ist derjenige, wel-
cher scheinbar die grössten Verschiedenheiten darbietet, doch lässt sich
192 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistangen in d. Entomologie
die complicirte Construklion bei Aeshna und Agrion leicht auf die ein-
fache bei Libellula reduciren. Ebenso weist der Verf. nach, dass die
Legeröhre der Keuropteren, obwohl sehr kurz und von oben nicht sicht-
bar, in ihrer Zussammensetzung nicht wesentlich von der bei den Or-
thopteren, Hemipteren etc. angegebenen abweicht, und dass sich die Ver-
schiedenheiten nur auf mehr oder weniger bedeutende Form-Unterschiede
beschränken. — Bei den Thysanuren zeigt der Verf. , dass der Hin-
terleib derselben ebenfalls aus elf Ringen zusammengesetzt ist; die acht
ersten bestehen aus einem Tergit und einem Sternit, der neunte bil-
det den weiblichen Geschlechtsapparat; der zehnte ist nur von einem
Tergit gebildet, erstreckt sich über den After hinaus und bedeckt den
Ursprung der Schwanzläden ; der elfte endlich ist aus mehreren Slük-
ken zusammengesetzt, welche den After umgeben. Die vom öten und
den folgenden Hinterleibsringen entspringenden Fäden erklärt der Verf.
für Analoga der Sternal -Rhabditen ; von den dreien, welche sich am
elften Ringe vorfinden, soll der mittlere der Tergit, die beiden seitli-
chen die Epimeriten dieses Ringes sein, welche letztere daher den Bor-
sten von Gryllotalpa oder den Zangen von Forficula entsprechen wür-
den. — An den Coleopteren sind nur 9 Hinterleibsringe vorhanden, in-
dem der lOte und Ute verschwinden; oft sind an der Bauchseite we-
niger Segmente sichtbar, doch entsprechen dann in der Regel mehrere
Tergite einem Sterniten, wie z.B. bei Calandra , wo nur 5 deutliche
Bauchsegmente vorhanden sind. Bei Sternocera entsprechen dem ersten
Sterniten die drei ersten Tergiten : zuweilen ist, wie bei Hydrophilus,
ein Ring zwischen zwei anderen zurückgetreten. Eine Ausnahme von
der Regel machen Blaps und Äleloe , bei denen sich im Ganzen nur 8
Hinterleibsringe nachweisen lassen ; hier nimmt der weibliche Ge-
schlechlsapparat also den 8ten Ring ein. Was die Bildung des weib-
lichen Apparats selbst betrifft, so unterscheidet der Verf. auch hier drei
Typen: im ersten F"aIIe findet sich an demselben ein vollständig ent-
wickelter Sternit, wie bei den Dytisciden, Elateriden, Buprestiden und
Hydrophiliden ; im zweiten Falle ist derselbe weniger entwickelt oder
zum Theil verschwunden, wie bei den Carabicinen, Cicindelen, Necro-
phoren und Pimelien; im dritten endlich fehlt er ganz, wie bei Blaps,
Lucanus, Lampyris , Meloe, Calandra etc. Dies stimmt wiederum mit
der vom Verf. schon öfter hingestellten Erfahrung überein , dass die
Sterniten am wenigsten beständig vorhanden sind, während die Tergi-
ten bei weitem seltener fehlen; am Geschlechtsapparat der Coleopteren
verschwindet der letztere jedoch zugleich mit dem Sterniten bei Me-
lolontha, Parsalus und Calandra, so dass dann nur die Rudimente der
Seitenstücke übrig bleiben. Eine eigentliche Legeröhre fehlt den Kä-
fern constant; eine röhrenförmige Verlängerung des Ovidukts, wie
man sie bei den Dytisciden findet, kann durchaus nicht als solche an-
gesprochen werden. — Den Dipteren mangelt die Legeröhie ebenfalls j
während des Jahres 1853. 193
die von den Autoren als solche gedeuteten Theile, ebenfalls fleischige
oder häutige Verlängerungen des Oviduktes, bieten nicht die geringste
Analogie mit der Legeröhre der Hymenopteren , Ilemipteren elc. dar.
Am Hinlerleib lassen sich bei Tipula und Asilus (auch bei einigen Syr-
phiden) mit Bestimmtheit elf Ringe nachweisen, in welchem Falle sich
der Ovidukt, wie gewöhnlich, zwischen dem 8ten und 9len Ringe öff-
net. Bei den übrigen Familien vermindert sich 'die Zahl der Ringe
und zwar durch Verschwinden bald des einen , bald des anderen Rin-
ges. Bei Sepedon liegen z. B. vor der Vulva nur 7 Ringe, hinter
derselben 2; hier sucht der Verf. nachzuweisen, dass der Ite und Ute
Ring verkümmert sind. Besonders hervorzuheben ist, dass bei den Di-
pteren oft der Genitalring (in der gewöhnlichen Reihenfolge der neunte)
ganz verschwindet, wie dies besonders bei den Museiden und einigen
Syrphiden der Fall ist ; überhaupt ist er nur schwach entwickelt, denn
in der Regel besteht er nur aus einem Sterniten (Tabaniden, Asiliden,
Syrphiden) ; nur bei den Tipularien zeigt er eine derartige Construk-
lion, dass er beim Ablegen der Eier behülflich sein kann. — Bei den
Lepidopteren besteht die Eigenthümlichkeit, dass sich After und Ovi-
dukt-OelTnung in demselben (letzten) Ringe vereinigt finden , den der
Verf. deshalb als ürite genito-anal bezeichnet; er weist jedoch nach,
dass Reaumur geirrt habe, wenn er meint, dass beiden Organen eine
und dieselbe Oeffnung zukomme. Der diesem vorangehende Ring zeigt
auf seiner Bauchseite ebenfalls eine Oeffnung, in welche die Bursa co-
pulatrix mündet; er wird daher Urite copulateur benannt. Diese bei~
den Ringe sind der Zahl nach der 7te und 8te ; denn wenn in gewis-
sen Fällen 9 dazusein scheinen , so wird dies nur durch eine hornige
Platte zwischen dem Thorax und dem ersten Hinterleibsring, welche
nicht als Ring angesprochen werden kann, bedingt. Die Struktur des
8ten Ringes ist nur sehr unbedeutenden Modifikationen unterworfen,
welche der Verf. an einer Reihe von Arten aus verschiedenen Fami-
lien durchgeht. — Die Aphanipteren, deren weiblicher Geschlechtsap-
parat sehr einfach gebildet ist, liefern dem Verf. wieder den Beweis,
dass der regelmässige Sitz der weiblichen GeschlechtsöfTnung hinter
dem 8ten Uriten ist; zwischen dem Tergit und Sternit des 9len Ringes,
von denen der erste der bei weitem grössere ist, liegt der After. —
Bei der Betrachtung des weiblichen Geschlechtsapparates der Insekten
im Allgemeinen stellen sich folgende Ergebnisse heraus: 1. Wo ein
Legstachel, eine Legeröhre etc. vorhanden ist, ist dieselbe stets nach
demselben Princip gebildet. 2. Dieser Apparat wird stets durch die
modificirten Elemenlartheile der Hinterleibsringe hervorgebracht. 3. Der
Geschlechlsring ist der Zahl nach stets der neunte. 4. Die normale
Zahl der Hinlerleibsringe ist elf. 5. Der After öfTnet sich in der Mitte
der Anhänge, welche das Ute Segment bilden, und ist von der Ge-
schlechtsöfTnung durch drei Ringe getrennt. — Auf vier Tafeln sind
Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2. Bd. N
104 Gersfaecker: BeHcht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
die wesentlichsten Typen des weiblichen Geschlechtsapparates , wie sie
bei den abgehandelten Ordnungen vorkommen, abgebildet.
Newport hat der Linneschen Gesellschaft zu London
eine vorläufige Mittheilung gemacht, wonach auch Insekten
aus der Ordnung der Orthopteren im Larvenzustand von pa-
rasitischen Dipteren heimgesucht werden (Annais ofnat. hist..
XU. S.473).
Newport fand im Herbst Larven und Puppen von Forficula
auricularia, aus welchen sich nach einiger Zeit Tachinen entwickelten.
Die Fliege legt nach den vom Verf. angestellten Beobachtungen jedes-
mal nur ein Ei auf die Oberfläche des Körpers der Forficula-Larve und
der junge Parasit dringt nach dem Ausschlüpfen in das Innere dersel-
ben ein, wo er sich so lange nährt, bis er erwachsen ist. Alsdann
bohrt sich die Larve zwischen den Körpersegmenten des Ohrwurms
heraus und verpuppt sich. Die Fliege erscheint entweder noch im
Herbste oder erst im folgenden Früjahre aus der Puppe. Der Verf.
glaubt in der Fliege eine Metopia Meig. zu erkennen, und schlägt für
dieselbe den Namen IMetopia forficulae vor (Siehe auch Tachinariae!)
Brauer hat die höchst interessante Beobachtung ge-
macht, dass das Auftreten von rothen Flecken oder die ganz
rolhe Färbung des Körpers von Chrysopa vulgaris nur das
Produkt einer allmählich verminderten Temperatur ist (Ver-
handl. d. zool. botan. Vereins zu Wien IL S. 12).
Bei einem vom September bis zum März lebend erhaltenen Indi-
viduum der genannten Art stellte sich nämlich heraus, dass die normale
Färbung des Körpers bis -|- 14» R. nicht verändert wurde; bei liefer sin-
kender Temperatur fanden sich dagegen rolhe Flecke am Hinterleib ein,
welche sich immer mehr vergrösserten , bis bei O^'ß. der ganze Hin-
terleib roth erschien. Bei steigender Temperatur nahm die rothe Fär-
bung in derselben Weise wieder ab, bis sie zuletzt ganz verschwun-
den war.
Heeger hat seine ßeilräge zur Naturgeschichte der
Insekten im löten und Uten Bande der Sitzungsberichte der
Kais. Akad. d. Wiss. zu Wien mit Beschreibungen der Ent-
wickelungsgeschichte von 30 verschiedenen Insekten aus den
Ordnungen der Coleopteren, Lepidopteren und Dipteren fort-
gesetzt. Dieselben sind an ihrem Ort einzeln namhaft gemacht.
Lucas, Essai sur les animaux articules, qui habitent
nie de Crete. (Guerin, Revue et Magasin de Zoologie V.
p.418 U.565).
während des Jahres 1853. 195
Der Verf. giebt eine Uebersicht der Insekten, welche bei Gele-
genheit einer zoologischen Expedition nach Creta von Raul in im Jahre
1845 daselbst gesammelt worden sind , nachdem er in der Einleitung
einige allgemeine Bemerkungen über den Charakter der Insektenfauna
dieser Insel vorausgeschickt hat. Der im Jahre 1853 erschienene Theil
der Arbeit erstreckt sich nur auf die Ordnung der Coleopteren ; den
aufgeführten Arten ist eine vollständige Synonymie beigegeben, einige
noch unbekannte sind beschrieben. Die letzteren sind an ihrem Ort
aufgeführt.
V. Bibra gab in seinen Beiträgen zur Naturgeschichte
von Chile (Denkschriften der Kais. Akad. der Wissenschaften
zu Wien V. 2. p. 124 ff.) eine Aufzählung der von ihm in
Chile gesammelten Insekten, deren Bestimmung von Sturm
herrührt; eine Beschreibung der neuen Arten ist noch in Aus-
sicht gestellt.
Von Hai dem an wurde (Proceed. acad. nat. scienc.
of Philadelphia VI. p. 3öl ff.) eine Anzahl neuer Nord-Ame-
rikanischer Arten aus verschiedenen Ordnungen der Insekten
beschrieben.
Notizen über das Vorkommen und die Lebensweise neuer
südost-sibirischer Insekten, welche jenseits des Baikal -See's
und in der Umgegend Kiakhta's von ihm gesammelt worden
sind, gab Pop off im Bullet, de la soc. imp. des natur. de
Moscou, 1853. p. 101. Die meisten derselben gehören der
Ordnung der Coleopteren an.
Einen Bericht über eine nach Guldbrandsdalen (in Nor-
wegen) unternommene enlomologische Reise und eine Auf-
zählung der daselbst gesammeilen Insekten lieferte Siebke
im Nyt Magazin for Naturvidenskaberne VII. p. 253 ff.
Das Verzeichniss erstreckt sich über alle Ordnungen der Insek-
ten, weist jedoch im Ganzen nur 844 Arten auf; die Orthopteren und
Neuropteren sind dabei fast ganz unberücksichtigt geblieben, indem die
ersleren nur durch 6, die letzteren durch 9 Arten vertreten sind. Auch
die übrigen Ordnungen sind verhältnissmässig viel zu dürftig vertreten,
um einen richtigen Bej^riir von der Fauna des Landes zu geben, und
ist die Aufzählung daher als Beitrag zur geographischen Verbreitung
nur von geringer Bedeutung.
Dumont d'Urville, Voyage au pole sud et dans
rOceaniependantles annees 1837—40. Zoologie. Paris 1842
—53. Atlas, gr. fol.
196 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Von dem genannten Reisewerli ist bis jetzt nur der Atlas er-
schienen, welcher 19 Tafeln Coleopteren, 3 Tafeln Lepidopteren und 3
Tafeln Orthopteren enthält; dieselben geben die Abbildungen einer
grossen Anzahl neuer, so wie auch andrerseits vieler schon hinlänglich
bekannter Arten. Der nähere Bericht über die Einzelnheiten muss bis
zum Erscheinen des Textes ausgesetzt werden.
Etudes entomologiques, redigees par Victor de Mot-
s c h u 1 s k y. Helsingfors 1853.
Der Verf. scheint mit dem vorliegenden Heftchen eine neue Zeit-
schrift, vorzüglich für Russische Entomologie, beginnen zu wollen, ob-
wohl ein Vorwort, welches über den Zweck und das Wesen derselben
Aufschluss geben sollte, fehlt. Es enthält ausser zwei Aufsätzen über
Mallhiniden und Lampyriden einige aphoristische Kotizen über die Le-
bensweise verschiedener Insekten, Beschreibung von Exkursionen, Be-
kanntmachungen einzelner neuer Arten u. s. w. — Es ist schon von an-
derer Seite ausgesprochen worden und muss hier wiederholt werden,
dass es den Produktionen des Verf. sowohl dem Inhalt als der Form
nach zu sehr an wissenschaftlicher Gründlichkeit mangelt.
Colcoptera.
Catalogue of the described Coleoptera of Ihe United
States, by F. E. Melsheimer. Washington 1853. 8. 174p.
Eine sehr verdienstvolle Arbeit, in welcher ein Verzeichniss al-
ler bis zum Jahre 1852 beschriebenen Käfer Nord- Amerika's mit Hin-
zufügung der nöthigen Cilate und einer vollständigen Synonymie ge-
geben wird. Bei der ausserordentlichen Thätigkeit, welche in neue-
rer Zeit die Nord-Amerikanischen Entomologen entfaltet haben, ist durch
eine derartige Zusammenstellung einem vielfach empfundenen Bedürf-
nisse abgeholfen worden. Die Anordnung der Familien und Gattungen
ist Westwoods Modern Classification of Insecls entlehnt. Dem Ca-
talog folgt ein alphabetischer Nachweis der Familien und Gattungen.
Catalogue of Coleopterous Insecls in the collection of
the British Museum. Part VII. Longicornial. London: prin-
ted by order of the trustees. 1853.
Dieser von A. White bearbeitete Theil ist in derselben Art, wie
die früheren Cataloge der Sammlungen des Britischen Museums abge-
fasst; er enthält nicht nur die Aufzählung der in demselben vorhande-
nen Arten, von denen die neuen kurz aber kenntlich beschrieben sind,
sondern führt auch die übrigen mit Hinzufügung der Citale an. In Be-
treff der letzteren sind dem Ref. einige Auslassungen zum Theil be-
kannterer Arten, wie z. B. Aulacopus serricollisMotsch., Anoplistes ephip-
pium Schönh. , aufgefallen, die jedoch der sehr verdienstvollen Arbeit
während des Jahres 1853. 197
über diese so arienreiche Familie keinen Eintrag Ihun. Vier lithogra-
phirte Tafeln geben die Darstellung von 26 Arten, welche meistenlheils
die Typen neuer Gattungen bilden. Der vorliegende Theil des Cata-
logs umfasst die beiden ersten Gruppen der Longicornen, nämlich die
Prionii und Cerambyces genuini zum Theil. — Als ein Mangel des Ca-
talogs könnte die Aufnahme der Dejean 'sehen Arten ohne Beschreib
bung angesehen werden.
Mulsa nt, Opuscules entomologiques. Paris 1853. Von
den drei Heften, welche erschienen sind , enthält das zweite
Beschreibungen vieler neuer Arten aus verschiedenen Fami-
lien der Coleopteren, das dritte Nachträge zu des Verf. Mo-
nographie des Coleopteres trimeres securipalpes und das vierte
eine monographische Bearbeitung der Heteromeren- Gruppe
der Pediniten.
Slurm's Deutschlands Insekten sind im Jahre 1853 mit
dem 22sten Bändchen fortgesetzt worden.
Dasselbe enthält die Beschreibung und bildliche Darstellung der
Gattungen Rhizophagus , Nemosoma , Georyssus , Parnus , Fomatinus
(Dryops), Potamophilus und Limnius. In einem Anhange giebt der Verf.
eine Beschreibung und Abbildung der beiden von Schmidt aufgestell-
ten, neuen Leptodirus - Arten , und zweier neuer Arten der Gattung
Anophlhahnus.
Von Küster's „Käfer Europa's'^ istdas 26ste und 27ste
Heft erschienen, an welchen eine mehr monographische Be-
arbeitung einzelner Gattungen zu rühmen ist. Die neuen Ar-
ten sind an ihrem Ort angegeben worden.
Zebe hat (Entom. Zeit. No. 1 — 5) seine, im vorigen
Jahrgang derselben Zeitschrift begonnene Synopsis der bis-
her in Deutschland aufgefundenen Coleopteren zu Ende geführt.
Ein Verzeichniss der bisher in Mecklenburg aufgefun-
denen Käfer ist von Glasen (Archiv des Vereins der Freunde
der Naturgeschichte in Mecklenburg VII. p. 105 sqq ) begon-
nen worden.
Nach dem vorliegenden Theil dieses Verzeichnisses, welches mit
Ausschluss der Staphylinen und Scydmaeniden bis zu den Lymexylonen
(denen sich hier eigenthümlicher Weise die Boslrichen anschliessen)
fortgeführt ist, und im Ganzen 997 Arten nachweist, scheint die Käfer-
Fauna Mecklenburgs von derjenigen der Mark Brandenburg nicht we-
sentlich abzuweichen, nur dass sie durch die dem Meeresslrande eigen-
thümlichcn Arten bereichert ist. Uebrigens kann das Verzeichniss, was
198 Gerstaecker; Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
wenigstens die schwierigeren Gattungen anlangt, lieineswegs auch nur
auf annähernde Vollständigkeit Anspruch machen.
V. Frantzius, Beiträge zur Käfer -Fauna Preussens.
(Neue Preussische Provinzialblätter. Andere Folge IV. S.286}.
Der Verf. giebt eine Aufzählung von 35 von ihm ihn Preussen
aufgefundenen Käferarten, welche im v, Siebold'schen Verzeichnisse
fehlen. Auf der anderen Seite führt er 26 Arien des v. Dommerschen
Verzeichnisses auf andere zurück, so dass der Zuwachs nur in 9 Ar-
ten besteht. Die Zahl der bis jetzt in Preussen aufgefundenen Coleo-
pteren beläuft sich demnach auf 2144.
J. Stabile^ Celeopteres observes au Mt. Rose, val Ma-
cugnana (Actes de la soc. Helvetique des sciences naturelles
1853. S. 214— 222).
Das am Fusse des Monte Rosa liegende Thal hat eine Höhe von
3000' bis 6000', gehört also der subalpinen und alpinen Region an.
Diesen Charakter trägt auch die Käfer -Fauna, welche übrigens ohne
Zweifel bei weitem reichhaltiger sein wird, als sie das vorliegende
Verzeichniss angiebt. Dasselbe enthält nur etwa 170 Arten, welche
Zahl sich noch durch Abzug mehrerer als Arten aufgeführter Varietä-
ten vermindern würde. Die kleineren Arten fehlen fast sämmllich;
aber auch solche Gattungen, welche jenen Regionen besonders eigen
sind, erscheinen wohl viel zu dürftig vertreten, denn von Otiorhynchus
z. ß. sind dem Verf. nur 7 Arten bekannt.
Eine Anzahl neuer Coleopteren aus Caramanien und der
asiatischen Türkei wurden von Mulsant und V\^achanru
in den Memoires de l'Academie de Lyon II. S. 1 — 17 be-
schrieben.
Die Nord - Amerikanische Käfer - Fauna wurde durch
LeConte mit einer Reihe neuer Arten aus Texas und den
Vereinigten Staaten bereichert (Proceed.acad.nat.se. of Phi-
ladelphia VI. S.226 und S.439).
Einen Beitrag zur Coleopteren-Fauna Algier's gab Le-
prieur durch die Aufzählung einer Reihe von Arten aus
den Familien der Hydrocantharen , Palpicornien und Staphy-
linen, welche bisher noch nicht als dort vorkommend bekannt
waren.
Descriplions de quelques Coleopteres nouveaux ou peu
connus, par M. Perroud (Annales de la soc. Linneenne de
Lyon, nouv. ser. I. S. 389— Ö26). Eine grössere Anzahl neuer
während des Jahres 1853. 199
Käfer aus verschiedenen Familien, unter denen besonders die
Curculionen stark vertreten sind.
Die von Peters in Mossambique gesammelten Käfer
hat Klug zu bearbeiten angefangen und vorläufig die Dia-
gnosen der neuen Arten aus den Familien der Cicindelen, Ca-
rabicinen und Hydrocantharen in den Monatsberichten der
Berliner Academie der Wissenschaften S. 244 bekannt gemacht.
Ein Aufsalz von Fächer „Ueber die Käfer in den Um-
gebungen von Sagritz und Heiligenburg" (Jahrbücher des na-
turhistorischen Museums in Kärnthen, 2ter Jahrgang) ist dem
Ref. nicht zu Händen gekommen.
F. Chapuis et E. Candeze, Catalogue des larves
des Coleopteres (Memoires de la soc. des sciences de Liege
Vlll. p. 351-653).
Eine verdienstvolle Arbeit, welche ein systemalisches Verzeich-
niss aller bisher bekannt gewordenen Käfer -Larven giebt , und somit
die Publikalion neuer Arien wesentlich erleichtern und fördern wird.
Die Charaktere der einzelnen Familien sind nach Erichson angege-
ben ; bei den Galtungen und Arten, wenn sie nicht besonderes Inter-
esse darbieten, ist nur die Lilleratur angeführt, diese aber in grosser
Vollsländiglceit ; einige von den Verf. untersuchte Larven, welche bis-
her nicht bekannt waren, sind ausserdem ausführlich beschrieben. Auf
9 Tafeln sind die Hauplrepräsentanten der verschiedenen Familien , so
wie einzelne charakteristische Theile derselben abgebildet.
Perris hat seine „Histoire des insectes du pin maritime"
in den Annales de la soc. entom. mit dem speziellen Theil
fortgesetzt und darin die Naturgeschichte einer grösseren An-
zahl von Käfern, welche in ihren ersten Ständen bisher noch
unbekannt waren , abgehandelt. Die einzelnen Arten sind
ausführlich beschrieben und auf Taf. 17 bis 19 abgebildet.
Der bis jetzt vorliegende Theil der Arbeil behandelt die Ent-
wickelungsgeschichte von 22 Arten aus den Familien der Sta-
phylinen, Trichoplerygier, Nilidularien, Colydier, Cucujiden,
Cryptophagiden und Dermeslinen; dieselben sind an ihrem Ort
einzeln namhaft gemacht.
Beiträge zur Verwandlungsgeschichte einiger Käfer gab
Letzncr in der Denkschrift der schlesischen Gesellschaft
für valerläridische Cullur zur Feier ihres öOjährigeu Beste-
200 Gers taeciter: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
hens. Breslau 1853. S. 205—219, nebst Tafel. Die daselbst
abgehandelten Arten sind an ihrem Ort namhaft gemacht.
Cicindeletae. Zwei neue Arten aus Mossambique wurden
von Klug (Monalsberichte der Berliner Akademie S. 245) unter den
Namen C. intermedia und congrua vorläufig diagnosticirt.
Neue Nordamerikanische Arten sind: Cic. Lecontei und Äncocis-
conensis Haldeman aus Texas (Proceed. acad. nal. sc. Philad. VI. S. 361)
und Cic. vuUurina Le Conle (ebenda S.439).
Ghiliahi setzte (Annales de la soc. entom. S. 645) die speci-
fischen Unterschiede von Cicindela Audouini Barth, und Rilchii Vig. Luc.
auseinander.
Megacephala euphratica ist neuerdings auch in Spanien aufge-
funden worden (Bulletin enlom. S.47).
Carabicini. Le Conte hat in den Transactions ofthe Ame-
rican Philosophical Society, Vol. X. p.363 sqq. eine grössere Abhand-
lung über die Classifikation der Nord-Amerikanisclien Carabicinen ver-
öffentlicht , welche , da sie von der bisher üblichen Anordnung dieser
Familie wesentliche Abweichungen zeigt, in ihren Hauptzügen hier mit-
getheilt werden mag. Unter den eigentlichen Caraben (von denen, wie
bisher, die Cicindelen ausgeschlossen bleiben) stellt der Verf. drei Un-
terfamilien auf, nämlich :
L Brachinini. „Abdomen sexus utriusque 7-arliculatum: epimera
mesothoracis fere diagonaliter divisae; parapleurae appendi-
culatae; tibiae anticae tenues emarginatae."
IL Harpalini. „Abdomen sexus utriusque 6-articulatum ; epimera
mesothoracis non diagonaliter divisa, parte posteriore brevis-
sima : parapleurae appendiculatae ; tibiae anticae emarginatae."
IIL Scaritini. „Abdomen sexus utriusque 6-articulatum; epimera
mesothoracis diagonaliter divisa ; (parapleurae saepe non ap-
pendiculatae, tibiae anticae simplices)."
Die Brachininen, deren Hauptkennzeichen das 7-gliedrige Abdo-
men ausmacht, beschränken sich auf die einzige Gattung Brachinus.
Die Harpalinen zerfallen wiederum in 4 Gruppen :
1. Dryplae. „Tibiae anticae tenues vel dilatatae, apice non spi-
nulosae. Antennae arliculis 4 primis plus minusvc glabris. Ligula di-
latata, paragloäsis nullis. Tarsi maris. quando dilatati, papillis raris in-
slructi." Hierzu gehören die Galeritae, Helluones, Moriones (Apolomi,
Anthiae) und Panagaei.
2. Pterostichi. „Tibiae anticae tenues, vix spinulosae, vel apice
incrassatae et spinulosae. Antennae articulis 3 glabris, rarius 4 subgla-
bris, Ligula paraglossis distinctis. Tarsi maris anlici dilatati , sublus
papillis serialis inslructi." Hierzu gehören die Lachnophori, Odacanthi,
Lebiae, Trechi, Plalyni, Stenomorphi und Pterostichi genui^i.
währenddes Jahres 1853. 201
3. Harpali. „Tiblae anticae incrassatae , plus minusve spinulo-
sae. Antennae arliculis 2 glabris. Ligula paraglossis distinctis. Tarsi
maris varii." — Harpali genuini und Dilomi.
4. Chlaenii „Tibiae anticae plus minusve iricrassalae. Anten-
nae articulis 3 glabris. Tarsi maris articulis dilatatis , sublus dense
spongiosis. Ligula paraglossis distinctis.« — Licini, Chlaenii genuini
und Oodides.
Die Scaritini theilt der Verf. in folgende 5 Gruppen:
1. Ozaenae. „Parapleurae appendiculatae. Tibiae anticae emar-
ginatae, truncatae. Paraglossae lalissimae, connatae, distinctae. An-
tennae sub frontis lateribus insertae." — Pseudomorphi (Ozaenae und
Siagonae [?J ).
2. Brosci. „Parapleurae variae. Tibiae anticae truncatae, emar-
ginatae. Ligula dilatata, paraglossae angustae, rarius elongatae. An-
tennae arliculis 4 glabris. (Alaxillae basi non spinosae)." — Psydrii,
Melrii, Brosci genuini und Promecognalhi.
3. Scaritides „Parapleurae variae. Tibiae anticae emarginatae,
palmatae. Paraglossae distinctae, apice liberae." — Scaritides genuini
und Clivinae.
4. ßembidia. „Parapleurae appendiculatae. Tibiae anticae emar-
ginatae, truncatae, Paraglossae distinctae, apice liberae. Antennae ar-
ticulis 2 glabris." — Bembidia genuina.
5. Carabi. „Parapleurae non appendiculatae. Tibiae anticae
vi X emarginatae (Maxillae praecipue basi spinosae).« — Carabi genuini,
Elaphri und ümophrones.
Indem der Verf. auf die einzelnen Gruppen und die ihnen zu-
kommenden Gattungen näher eingeht, nimmt er Gelegenheit, eine An-
zahl neuer Genera und Species aufzustellen, andere schon bekannte
näher zu beleuchten. Als neu sind zu erwähnen. Galeritae : Thalpius
rufnlus. — Helluones: Helluoiriorpha ferruginea und iexana. — Pana-
gaei : Eugnathus n. g., von Panagaeus durch den hinten nicht ein-
geschnürten Kopf und dicke, erweiterte Mandibeln ausgezeichnet. Auf
Panagaeus distinctus Hald. errichtet. — Lebiae 2 neue Gattungen : DU
detus. „Caput pone oculos rotundatum , basi constrictum , collo tenu'
cylindrico. Labrum ampluni, antice rotundatum , mandibulas fere ob-
tegens : palpi maxillares labialibus sesqui longiores, articulo ultimo
praecedente ferc duplo longiore, leviter ovali, acuminato : antennae
filiformes, articulis subaequalibus, 2. paullo breviore, 1 — 3. glaberri-
mis, 4. pubesccnte. Thorax brevis, cordatus, postice maxime angu-
status, basi brevissime tubulatim pedunculatus. Elytra apice truncata.
Pedcs tcnucs, tlongati, tibiae calcaribus obsoletis, ungucs siniplicis-
simi, tarsi postici articulis duobus primis elongatis." Art: D. jlavi^
202
Gerstaecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
pes. — Nemotarsus: „Caput pone oculos rotundatum etvalde con-
strictum, collo tenui cylindrico: labrura quadratum, os angustum:
palpi maxillares labialibus duplo longiores, art. ult. praecedente duplo
longiore, conico , acuminato , labiales art. ult. leviter ovali , acute:
nientum dente magno indistincto : antennae filiformes, articulis aequa-
libus, 2. sesqui breviore. Thorax semicircularis, basi truncatus. Ely-
tra truncata. Pedes tenues, elongatl, tibiae calcaribus elongatis, un-
gues fortiter pectinati , tarsi filiformes, postici articulis 1—4. grada-
tim brevioribus. Art: N. elegans. — Harpali : Cralogmathus cordalus^
Pangus teslaceus, Trechicus (Zimm.) umbripentiis und pallipetinis, Eucae^
rus varicornis, — Licini : Badister maculalus und ßavipes, Dicaelus cO"
Status und crenatus. — Oodides : La c hno crepis n. g. „Corpus' elon-
gato-ellipticum , planum: mandibulae acutae , prominulae : labrum
subquadratum , antice leviter emarginatum: mentum medio fortiter
dentatum : ligula apice dilatata, truncata: palpi tenues, longiusculi,
art. ult. leviter ovali, non longiore. Ant. tenues, filiformes. Tarsi mi-
nus tenues, subtus dense pubescentes, posteriores art. 1. elongato, 3.
et 4. inter se aequalibus, 2. longitudine intermedio : tarsi antici maris
articulis 4 modice dilatatis, quadratis, latitudine longioribus, 4. perpa-
rum angustiore." Auf Oodes parallelus Say gegründet. — A na tri-
chis n. g. „Corpus ellipticum, antice acutum: mandibulae acutae,
prominulae: labrura parvum, subquadratum: mentum medio fortiter
dentatum: ligula apice dilatata, truncata: antennae tenues, filiformes;
palpi tenues, longiusculi , articulo maxillarium ultimo fere duplo lon-
giore. Tarsi posteriores subtus non pubescentes, sed lateribus setosi :
antici maris articulis 4 leviter dilatatis, oblongis, gradatim angustiori-
bus, subtus spongiosis. Tibiae intermediae maris intus oblique emar-
ginatae." Auf Oodes minutus Dej. gegründet. — Evolenes n. g.
„Corpus ellipticum, laeve; antennae brcviusculae , subcompressae ;
palpi filiformes, articulo maxillarium ultimo plus sesqui longiore:
raentum medio breviter dentatum : ligula apice dilatata , subrotundata.
Tibiae anticae latiores, spina anteapicali longissima : intermediae valde
spinosae. Tarsi subtus non pubescentes: antici maris articulis 3 valde
dilatatis, 1. triangulari, 2. et 3. transversis." Auf Oodes exaratus Dej.
gegründet; eine zweite neue Art ist E. impressa. — Ozaeni : neue
Art Physea hirta. — Scaritides: Pasimachus duplicatus. — Bembidia:
Anillus debilis. — Carabi : Cychrus constrictus , cordatus und bicarina^
lus. — Nomare tus n. g. Von Cychrus dadurch unterschieden, dass
die beiden ersten Fühlerglieder so wie die Basis des 3ten glatt sind;
Vorder-Taiscn beim Manne in sehr geringem Grade erweitert, Flü-
geldecken elfstreifig. Auf Cychrus bilobus Say (Sphaeroderus bi-
lobus Dej.) gegründet; ausserdem zwei neue Arten: N. fissicoUis und
debilis. — Calosoma higubre und macmm , Nebria Ralhtoni. — Ela-
phri: ßethisa Orc^owensts. — In Betreff der vielfachen synonymischen
während des Jahres 1853. 1203
Bemerkungen, welche bei den einzelnen Gattungen eingeflochten sind,
müssen wir auf das Werk selbst verweisen.
Von einer Anzahl neuer Carabicinen aus Mossambique theilte
Klug (Monatsberichte der Berl. Acad. d. Wiss. p 245 ff.) vorläufig
die Diagnosen mit. Es sind folgende : Brachinus venator, GraphiplC'»
ms trislis, Anthia circumscripta, Petersii und aequilatera, Siagona me^
lanaria, Scarites Molossus, superciliosus , morosus und aestuans, Tefßus
procerus, carinalus und violacens , Calosoma Mossambicense, Omophron
depressum, Chlacnivs apialvs, Oodes palpalis und validus , Angio ny ~
chns n. g. (mit Agonum verwandt und hauptsächlich durch die ge-
raden , zugespitzten , dicht an einander liegenden Klauen unterschie-
den) Art : A. lividus, Abacelus anguslatus, Feronia QArgulor') parviila,
Rathymus melanarius, Plalymelopus picipes, Seletiophorus atratus, cor-
vimis und dilatalus , Harpalus dorsiger, Slenolophus promptus , Acupal-
pus vittiger und plagifer, Lasiocera tessellata.
Eine Uebersicht der Arten der durch ihre eigenthümliche Kör-
perform merkwürdigen Gattungen Pseudomorpha und Adelotopus gab
Westwood in Guerin Rev. et Mag. de Zoologie Y. p. 395 ff. — Un-
ter der Gattung Pseudomorpha, von Kirby aufgestellt, vereinigt der
Verf. mit Recht als Synonyme : Axinophorus und Drepanus Dej,, Sil-
phomorpha Westw. Newm. und Sphallomorpha Westw. Guer. , indem
sich die Merkmale, auf welche dieselben begründet waren, durch
Vergleich einer grösseren Reihe von Arten nur als specifische heraus-
stellten. Die Gattung umfasst bis jetzt 12 Arten, von denen 2 Süd-Ame-
rika, die übrigen 10 Neu-Holland angehören; unter den letzteren sind
als neu zu erwähnen : Fs fugax, hydroporoides. colymbetoides und lae--
vissima, — Die zweite Gattung Adelotopus ist Australien eigenthüm-
lich und umfasst zur Zeit 8 Arten, von welchen A. aphodioides, hy~
drobioides und nemosomoides neu sind. — Als Anhang beschreibt West-
wood eine neue Gattung, welche in der allgemeinen Körperform mit
Pseudomorpha viel Aehnlichkeit hat , sich aber durch sehr breiten
Kopf und kleine, mehr nach vorn gerückte Augen unterscheidet; die
Fühler sind wie bei dieser fadenförmig und so lang als Kopf und Hals-
schild zusammen. Der Verf. hat dafür den Namen Hydroporomor'
pha gewählt, obwohl die auch in der Beschreibung erwähnte Aehn-
lichkeit mit einem Hydroporus wenigstens in der Abbildung kaum zu
finden sein möchte. Die einzige bekannte Art aus Abyssinicn ist //.
lutea n sp. — Die generellen Charaktere so wie mehrere Arten der
drei erwähnten Gattungen sin<l auf Taf. 14 und 15 dargestellt.
Laferte-Senectere hat seine Bearbeitung der im Portugie-
sischen Guinea von Bocande gesammelten Carabicinen in Guerin's
Rev et Mag. de Zoologie V. p. 267, 303, 368 und 410 fortgesetzt. Die
daselbst beschriebenen neuen Arten sind: Chlaenius aterrimus, Spho-
drns punctatus f Anchomenvs insiynkornis, causticuSf rufocinclus , rugi^
204 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
collis, subvirescens ^ fulvipes (Dej. Cat.) , Abacetus grandis, clongalus,
tenuis, audax, rußpes, melanckolicus, iridescens, amaroides, harpaloides,
picicollis, loricalus (bei Beschreibung dieser Arten giebt der Verf. eine
Uebersicht der ganzen Gattung, welche er nach der Form des Hals-
schildes in mehrere Abtheilungen zerfällt). — Drimostoma costatnm^
pavidum, laticoUe, Argtitor subopacus, A r i stopus n. g. , zur Gruppe
der Feroniens gehörig: Kinn dreitheilig , mit einem einfachen, kur-
zen und abgerundeten Zahn in der Ausrandung, welche schmal und
nicht tief ist; das letzte Glied beider Palpen sehr verlängert, fast cy-
lindrisch, an der Spitze leicht abgestutzt; Fühler sehr dick, das erste
Glied stark verlängert, das 2te und ote kurz, die folgenden eben so
lang aber breiter und mehr flachgedrückt als das erste, das letzte
länger als die übrigen und leicht zugespitzt; Beine kurz und kräf-
tig, die Yorderschienen stark ausgebuchtet, mit einem langen und
scharfen Dorn am Grunde der Ausrandung. — ' Art: A. trimaculalus.
'— Masoreus aequinoctialis , Platymelopus altern an s , brevilabris, Ano-
mostomus n. g. , mit Platymetopus zunächst verwandt: Kopf breit
und kurz, Kopfschild halbkreisförmig ausgerandet, Oberlippe trapezoi-
dal und leicht zweitheilig, Mandibeln ganz unter derselben verbor-
gen; Kinn kurz, tief halbkreisförmig ausgerandet, ohne Zahn; Fühler
kurz, fadenförmig, dünner als bei Platymetopus, alle Glieder von glei-
cher Länge, das zweite dünner als die übrigen ; Ilalsschild zweimal
so breit als lang , seitlich gerundet , ohne deutliche Hinterwinkel. —
Art: A. torridus. — Anisodactylus obscuripes , Hypolühus picilabris,
lucidus, creberrimus , glabripennis , Ophonus tibialis , Slenolophus latus,
mitis, rufivenlriSf Acupalpus orpheus , Telragonoderus ^-maculatus , im^
maculatus.
Eine Uebersicht der Nord-Amerikanischen Arien der Gattung Pte-
rostichus Bon. und einiger nahe damit verwandter Gallungen gab Le
Conte im Journal acad. nat. scienc. of Philadelphia 11. p. 225 ff. (Syn-
opsis of the species of Pteroslichus Bon. and allied genera inhabiling
temperate INorth-America). Der Verf. verwirft die Untergattungen Ar-
gulor, Omaseus, Platysma elc, welche von Bonelli u. a. für die Eu-
ropäischen Pleroslichen aufgestellt worden sind, als durchaus unhaltbar,
und glaubt nur die Gattung Poecilus, als von Pteroslichus wirklich ver-
schieden, aufrechterhalten zu müssen. Ausserdem errichtet er für Ameri-
kanische Arten noch 4 Gattungen: Euarthrus LeC., Loxandrus
LcC, Lop ho gl OS sus LeC. und Holciophorus LeC. Von diesen
wurde die Galtung Euarlhrus schon von Chaudoir unter dem Namen
Cyclotrachelus aufgestellt , doch glaubt der Verf. diesen verwerfen zu
müssen, indem er auf die meisten Arten (Chaudoir kannte nur eine
einzige) nicht anwendbar ist. Die Gattung Loxandrus ist synonym mit
Megaloslylus Chaud., welcher Name schon von Schönherr an eine
Curculionen-Gatiung vergeben wm und deshalb geändert werden musste.
während des Jahres 1853. 205
— Die 6 angenommenen Gattungen werden unter folgende Uebersicht
gebracht:
A. Anlennae arliculis basalibus cylindricis.
Elylra unipunctata, parapleurae breves . . . Euarlhrus.
Elylra impunctata vel pluripunctala.
Ligula plana, vel paulo convexa . . . Pterostichus.
Ligula carinata, plarapleurae longae . . Lophoglossus.
Ligula carinata, parapleurae breves . . Holciophorus.
Elytra unipunctata, parapleurae elongatae . . Loxandrus.
B. Antennae articulis basalibus carinalis .... Poecilus.
Sämmtliche dem Verf. bekannte Arten dieser Gattungen sind
durch Diagnosen festgestellt, und vertheilen sich folgendermassen : Eu-
arlhrus 29 Arten , darunter neu : E. Engelmanni Texas, conviva Ala-
bama, rotundalus Georgia, acutus Louisiana, vinclus Georgia, lalebrosus
Missouri, fatuus Jowa, furlkus Ober-See, mancus Georgia. — Pterosti-
chus 44 Arien, davon neu: sustenlalus Georgia, rejecfMs Neu- York, sub-
arcuatus Neu- York, algidus Oregon, planctus Oregon, linearis San Fran-
cisco, longicollis Oregon, lubricus Georgia, purpuratus , objectus Mittel-
Staaten; adjunctus Ober-See, flebilis Ober-See, — Lophoglossus 4 Ar-
ten (Typus Feronia complanata Dej.) , neu L. strenuus Neu-York. —
Holciophorus 1 Art (Feronia alra Dej.) — Loxandrus 10 Arten , davon
neu: L. pusillus Georgia, taeniatus Louisi&na, crenalus Georgia. — Poe-
cilus 9 Arten, davon neu: P. scilulus Platte River, bicolor Uocky Moun-
tains. — Am Schlüsse folgt ein Verzeichniss der dem Verf. unbe-
bekannt gebliebenen Kord-Amerikanischen Arten , welche sich auf 29
belaufen.
Die Gruppe der Panagaeilen wurde von Schaum (AnnaL de la
soc. entom. p. 429 ff.) mit 7 neuen Arten bereichert; Isotarsus insignis
ßrasilien, mandarinus und cyaneus Hongkong, gultiferus Java, ampli-
collis Port Natal, Peronomerus (neue Unter- Gattung, durch eine eigen-
thümliche Bildung des ersten Gliedes der Vordertarsen beim Männchen
ausgezeichnet) fumalus Hongkong, und Panagaeus Thomae St. Thomas.
— Zugleich macht der Verf. synonymische Mittheilungen über verschie-
dene Arten dieser Gruppe und giebt ein Verzeichniss der von L a f erte
in seiner „Revision de la tribu des Patellimanes de Dejean« nicht aufge-
führten, bekannten Species.
Zwei neue von Schmidt in der Grotte auf dem Krimberg ent-
deckte Arien der Galtung Aooplhthalmus wurden von Sturm (Deutschi.
Insekten 22. p. 91 ff.) unter den Namen Ä. Hacquelii und hirlus be-
schrieben und auf Taf. 408 meisterhalt abgebildet.
Neue Arien sind ferner: Omaseus biimpressus aus Dalmatien, Sfe-
ropus cordatus aus Schlesien und Ungarn, Platysma regularis aus Süd-
Russland (Küster, Käfer Europa's Heft 26).
206 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Zwei neue Caraben aus dem Caucasus wurden von Motschulsky
(Etud. entom. S.24) unter dem Namen C. Bartholomei und Mander^
stjerni flüchtig beschrieben.
Von Mulsant und Wachanru (iMem. de l'acad. de Lyon II.
p. 1) : Cymindis russipes und Brachinus nilidulns aus der asiatischen
Türkey; ferner: Procrustes asperaius aus Caramanien (Opusc. entom. IL)
Von Mulsant und Rey (Opusc. enl. IL und Mem. de l'acad.
de Lyon IL p.207): Fterostichtis alpicola von den Basses -Alpes.
Von Hai dem an (Proceed. acad. nat. sc. Philad. VI. S. 361):
Euarthrus gravidus aus Word-Amerika.
Perroud lieferte (Annales de la soc. Linneenne de Lyon, nouv.
ser. I. S.393) synonymische Bemerkungen über einige von ihm, Gue-
rin und ßoheman fast zu gleicher Zeit beschriebene Anthiarien.
Danach ist Anthia natalensis Perroud = A. massilicata Guer. Bohem.,
A. suturata Perroud = A. graphipteroides Guer. Bohem. , A. exarata
Bohem. = A. foveata Perroud, A. amabilis. Bohem. = A. notala Per-
roud. — Die von Chenu (Encyclop. d'hist. nat.) abgebildete Piezia
aptinoides ist nicht mit dem gleichnamigen Insekt des Verf. identisch.
— Ausserdem giebt derselbe nochmals eine Beschreibung der von ihm
errichteten Gattung Atractonolus, um zu zeigen, dass dieselbe von Ne-
trodera Chaudoir verschieden , wenn auch nahe mit ihr verwandt, sei,
Schaum Iheilte (Annales de la soc. entom. S. 61) einige Bemer-
kungen über Jacquelin - Duval's Monographie der Galtung Bembidium
mit und hebt besonders hervor, dass der Verf. in der Zusammenzie-
hung mancher gut unterschiedener Arten gefehlt habe. Er reiht hieran
zugleich einige Notizen über die Synonymie und das Vorkommen ein-
zelner Arten.
Dytisciilae. Von LeConte wurde (Proceed. acad. nat. sc.
Philad. VI. p. 226) eine neue Gattung charakterisirt, welcher nach der
Ansicht des Verf. dieser Familie angehören soll, ohne dass ihm etwas
über die Lebensweise bekannt geworden ist, Amph izo a n. g. „Pe-
des ambulalorii, tarsi pentameri, articulo ultimo valde elongato; anten-
nae li-articulalae, filiformes, glabrae ; palpi breves, cylindrici ; maxil-
lae lobo inleriore arcuato, acuto, exteriore biarticulato, palpiformi ; pro-
sternum postice productum, obtusum; coxae anticae et intermediae par-
vae, globosae , posticae transversac ad marginem corporis exlensae ,
abdomen 6-articulatum, articulis 3 primis connatis." — Art : Ä. inso-
lens aus Californien. Für diese Gattung, welche zunächst mit den Ha-»
lipliden verwandt ist und sich von diesen durch vollkommene Gangfüsse
unterscheidet, will der Verf. eine eigene Gruppe in der Familie der
Hydrocantharen errichtet wissen, von denen er folgende Uebersicht
giebt :
A. Mesosternum parvum ; antennae filiformes, oculi duo, coxae in-
termediae globosae :
während des Jahres 1853. 2Ö7
1) Pedes ambulalorii, tenues; coxaeposticae trans-
versae Amphizoidae.
2) Pedes subnatatorii Haliplidae.
3) Fedes poslici natatorii Dytiscidae.
ß. Mesostcrnum maximum, anlennae braves, oculi 4.
4) Pedes poslici natatorii elc Gyrinidae.
Derselbe beschrieb (ebenda) als neue Art : Anisomera cordala aus
Neu-iMexico.
Zwei neue Arten : Noterus imhricalus und Hyphydrus circumße'.
XUS aus Mossambique wurden von Klug (Monatsberichte der Akad. d.
VViss. S.249) vorläufig durch Diagnosen bekannt gemacht.
Mink berichtet (Entom. Zeit. S. 3u9) über das Vorkommen des
Hydroporus flavipes und delicatulus in der Rheinprovinz.
Motschulsky unterscheidet (Etud. entom. S. 77) durch sehr
kurze Charaktere eine neue Art Dytiscus parvulus von D. Ooligbukii
Kirby; sie stammt aus dem Russischen Amerika.
Gryrinites. Von Laboulbene wurden (Annales de la soc.
entom. de France I. S. 47) drei neue Arten der Gattung Gyretes Brülle
unter den Namen G. sericeus, Sallei und nüidulus beschrieben ; die bei-
den ersten stammen aus Caracas , der letztere vom Amazonenstrom.
Hieran fügt der Verf. eine synoptische Tabelle für sämmtliche bekannte
Arten der Gattung, deren Zahl sich nunmehr auf 11 beläuft.
Palpicornia« Eine Uebersicht der in Schweden einheimi-
schen Gattungen und Arten dieser Familie gab Thomson in der Öf-
versigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. p. 40 ff. Die 69 daselbst
aufgeführten Arten vertheilen sich auf die einzelnen Gattungen folgen-
dermassen: Spercheus 1, Helophorus 14, Hydrochus 3, Ochthebius 3,
Hydraena 3, Limnebius 3, ßerosus 3, Hydrophilus 2, Hydrous 1, Hy-
drobius 3, Laccobius 3, Helophilus l, Philhydrus 6, Cyllidium 1, Cy-
clonotum 1, Sphaeridium 2 (Sph. marginatum wird als Var. von Sph.
bipuslulatum angenommen), Cercyon 17, Megasternum 1 und Crypto-
pleurum 1. Zur Feststellung der Arten hat der Verf. die Typen von
Gyllenhal und Z e tter sted t vergleichen können; die bekannten
Arten sind kurz diagnosticirt, die neuen ausführlich beschrieben. Die letz-
teren sind: Helophorus pallidipennis, Lapponicus, aeneipennis, lalicollis,
nivalis, Limnebiiis Iruncalulus, Laccobius nigriceps, Philhydrus marili-
mus, Cercyon dorsoslrialum^ marinumy palustre.
Murray, On Ihe genus Cercyon, with a short monographical
Synopsis of the British Sphaeridiidae (Annais of nat. bist. XII. p. 73 ff.).
— Der Verf. hat die Stephens'schen Arten der Gattung Cercyon nach
Original-Exemplaren durchmustert und sie auf die der Autoren des Con-
tinents zurückgeführt. Darnach ist Cercyon ruficorne, litorale, bino-
tatum und dilatatum Sleph. = litorale Muls., haemorrhoidale und pi-
2Ö8 Ger staecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ceum Steph. = haemorrhoidale Muls., boletophagum, aquaticum, flavi-
pes, immune, slercoraiium und immaculalum Sleph. = Megasternum
boletophagum Muls., terminatum, infuscatum und apicale Steph. = anale
Muls., laevigatum und convexior Steph. = minulum Muls., picinum,
sulurale und femorale Sleph. = flavipes Muls., pygmaeum, conspurca-
tum und slercorator Steph. = pygmaeum Muls. , alomarium , sordidum
und merdarium Steph. = Cryptopleurum atomarium Muls. , usiulatum
und bimaculalum Steph. = centrimaculatum Muls., quisquilium Steph.
= unipunctatum Lin. $ — Hieran reiht der Verf. eine Uebersicht der
in England einheimischen Sphaeridiiden, welche 1 Cyclonolum, 2 Sphae-
ridium (G. marginatum Fabr. wird hier ebenfalls als var. von bipustu-
lalum Fabr. angenommen), 15 Cercyon, l Pelosoma , l Megasternum
und l Cryptopleurum nachweist. Die einzelnen Arten sind kurz be-
schrieben und mit vollständiger Synonymie der Englischen Autoren
versehen.
Eine mit Berosus verwandte neue Gattung Brachygasler wurde von
Mulsanl (Opusc. entom. 11. p. 173) aufgestellt; ihre Charaktere sind
folgende: Fühler 8-gliedrig, Glied 1. dicker als die 5 folgenden, ver-
längert, 2. fast ebenso lang, 3.-5. sehr kurz, 5. fast mit der Basis der
Keule verschmolzen; deren 1. und 2. Glied fast kuglig, 3. etwas dicker
und oval; Thorax quer, stark gewölbt, vorn tief zweibuchtig; Flügel-
decken mit 10 Punktstreifen; Körper länglich, gewölbt, Mesosternum ca-
rinirt; Schenkel zusammengedrückt, Vorderschienen gegen die Spitze
Stark erweitert ; 2. und 3. Glied der Vordertarsen beim ^ erweitert.
— Vier Arten : JB. denliculatus und stagnicola von Madagascar, indicus
und metallescens aus Indien.
Helophorus aculipalpus und pallidipemiis aus Caramanien wurden
von Mulsant und Wachanru als neue Arten aufgestellt (Memoires
de l'acad. de Lyon IL p. 5).
Die ersten Stände des Hydrophilus aterrimus Esch. wurden von
Letzner (Denkschrift der schles. Gesellsch. S. 211) ausführlich be-
schrieben und Fig. 31—35 abgebildet.
Silpliales* LeConte, Synopsis of the Silphales of America,
North of Mexico (Proceed. acad. nat. sc. Philad. VI. p. 274 sqq.). Der
Verf. giebt der Familie der Silphalen eine weitere Ausdehnung, als dies
bisher geschehen ist, indem er ihnen die Anisotomen einverleibt. Die
letzteren werden als zweite Gruppe „Anisotomini, trochanteribus po-
sticis simplicibus, coxis posticis approximatis" den „Silphales genuini,
trochanteribus posticis fulcrantibus, coxis posticis approximatis" gegen-
übergestellt. — Von den genuinen Silphen sind in Nordamerika vertre-
ten : Necrophorus mit 11 Arten, darunter neu JV. iunatM« Dej Cat., Sil-
pha mit 7, Kecrophilus mit 1 , Catops mit 9, darunter neu C. califor-
nicuSf slrigosus , consobrinus, obliius und parasitus und Colon mit 1
während des Jahres 1853. S09
neuen Art : C. dentalus. — Von den Anisotomen umfasst Anisoloma 6,
Cyrlusa 1, nämlich C. egena n. sp., Colenis 2, C. impunclata n. sp,
und laecis n. sp. (ob zu dieser Galtung gehörig?), Liodes 5, davon neu
L. poUta, hasalis und dichroa, Agathidium 5 Arten, neu: A, pulchrum
aus Calif'ornien.
Von Mulsant und Rey wurde (Opusc. entom. II.) als neu be-
schrieben : Calopsimorphus (! \) pilosus aus Süd-Frankreich (Auch in den
Annales de la soc. Linneenne de Lyon, nouv, ser. I. S. 10).
Palpatores* Scydmaenus sulurellus , eine neue Art aus der
Umgegend von Petersburg, wurde von Motschulsky (Etud. entom.
S. 18) sehr kurz und ungenügend charakterisirt.
Vorzügliche Abbildungen von Leptoderus angustafus und sericeus
Schmidt gab Sturm (Deutschlands Insekten 22. Taf. 406 u. 407).
Aube bemerkt (Bulletin entom. S. 9), dass das von Kiesenwet-
ter in den Pyrenäen aufgefundene und von diesem als C. thoracicum
Kunze bestimmte Cephennium eine verschiedene und zwar neue Art
sei, für welche er den Kamen C Kiesenicctteri vorschlägt.
davi$;-eri* Nach Schmidt-Goebel (Entom. Zeit. S. 164)
muss Claviger Müll, foveolatus Müll, nach dem Gesetze der Priorität in
Clavigcr Preyssl. testaceus Preyssl. umgeändert werden.
§tap1iylini. Zwei höchst interessante Gattungen aus der
Gruppe der Aleocharincn, welche von Reinhardt in Brasilianischen
Termitennestern (an ßaumästen) aufgefunden worden sind, hat S c h i ö d l e
in den Proceed. of the zool. soc. of London, 1853. S. 101 ff. bekannt
gemacht. Dieselben stimmen mit den Europäischen Myrmecophilen-
Gattungen Lomechusa und Dinarda darin überein, dass ihre inneren Ma-
xillarladen an der Spitze mit einem hornigen Haken bewaffnet sind,
unterscheiden sich aber durch andere Charaktere in der Bildung der
Mundlheile sowohl wie der Tarsen von allen anderen Gattungen dieser
Gruppe wesentlich. Sehr eigenthümlich ist die Bildung des Hinterlei-
bes, welcher häutig, von enormer Grösse und aufwärts gebogen ist, so
dass er den Thorax bedeckt; sein zweites und drittes Segment sind mit
einander verwachsen. Am überraschendsten aber ist die Thatsache,
dass der Verf. im Hinteileib der Weibchen beider Gallungen Eier in
verschiedenen Entwicklungsstufen, bei der einen Gattung (Corotoca)
mit vollkommen entwickelten Larven gefunden hat, das erste Beispiel
viviparer Coleopteren. — Wir geben die vollständige Charakteristik
beider Gattungen wieder:
1. C oroloc a n. g. „Maxillae mala inleriori Cornea, nncinata.
Palpi maxillares 4 articulati. Ligula lata, rotundata, paraglossis obso-
lelis. Palpi labiales 3»articulali. Tarsi 4-articulati, posteriores arti-
culo primo valde elongato. Abdomen membranaceuni , fractum ; parte
posteriore fixa, raaxima, globosa, dorso anteriori animalis superposila.«
Archiv, f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2. Bd. Q
210 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
— Zwei Arten: C. Melantho und Phylo. — 2. Spirachtha n. g.
„Maxillae mala interiori cornea, uncinata. Palpi maxillares 3-articulati.
Ligula ampla, rolundata, paraglossis obsolelis. Palpi labiales 3-arlicu-
latis, minulissimi, verruciformes, ligula superlccli. Tarsi 4-arliculati,
posteriores articulo primo subelongalo. Abdomen membranaceura, ma-
ximum, fractum ; parte anleriori articuli secundi giobosa; parte poste-
riori fixa, conica , anterius ascendente, Iribusque utrinque munila ap-
pendicibus membranaceis, filiformibus, biarliculaüs. — Eine Art: Sp.Eu-
rymedusa.
Eine grössere Anzahl neuer Arten dieser Familie ist (Opuscules
entomologiques II.) von Mulsant undRey bekannt gemacht worden;
die meisten derselben sind im südlichen Frankreich, einige in der
Schweiz aufgefunden worden. Es sind folgende : Ilomalola luctuosa,
gagatina, meridionalis, sublerrariea, laevicollis, fuscicornis, difformis, pt-
ceala, globulicollis ^ grandiceps , Oxypoda attenuata , bicolor j lucens,
fusculüf rufula, Aleochara discipennis, rufipes, diversa , Myceloporus te-
nuis, angularis^ Philonthus tenuicornis, temporalis, signaticornis, Scym-
balium longicolle, Lithocharis rufa^ Slilicus feslivus.
Von denselben wird (ebenda) Tachinus lalicollis Grav., von Erich-
son als var. zu T. marginellus F'abr. gezogen, als selbslsländige Art
begründet.
Kraalz weist (Enlora. Zeit. S. 257) die specifische Verschie-
denheit von Phytosus spinifer Curt. und nigriventris Chevr. nach.
Derselbe stellt (ebenda S. 373) vier neue deutsche Arten der Gat-
tung Myllaena unter den Namen M. elongala, forlicornis, infuscala und
minima auf.
Derselbe theilt (ebenda S. 327) meist auf Vergleich von Origi-
nal-Exemplaren beruhende , synonymische Bemerkungen betreffend die
Galtung Homalola mit. Danach ist H. polila Rosenh. = eucera Aube
= deplanata Grav., granigera Kies. = pagana Er., indigena Heer =
celata Er., producta Mals, und uliginosa Thoms. wahrscheinlich = lu-
cidipennis Mannerh., impressicoliis iMuls. = divisa Mark., pallensMuls.
= macella Er., brachyptera Thoms. = caesula Er,, familiaris Kies, und
liligiosa Heer. = cuniculina Er. — Dagegen ist nach des Verf. An-
sicht H. aterrima Grav. von H. pygmaea Grav., mit der sie Erich -
son vereinigt, verschieden, während sie mit H. lugens Kies, zusam-
menfällt.
Von Küster (Käf. Europ.) werden als neu beschrieben: Sunius
dalmalinus und melanurus.
Von Miller (Verhandl. des zool. botan. Ver. in Wien p. 27):
Paederus vulgaris (schwerlich von P. litloralis Grav. verschieden), Aleo-
chara nigripes und Megarthrus affinis.
während des Jahres 1853. 211
Von M 0 1 s c h u 1 s k y (Etud. enlom. S. 78) : Trichocanthus varie-
galus aus Nord-Amerika.
A |u b c bezweifelt (Bulletin entomol. S. 3G) die Ansicht Schau ra's,
dass Macropalpus pallipes Cuss. = Coryphium anguslicolle Kirby sei
und glaubt eher seine Identität mit Boreaphilus Ilcnningianus Sahlb. an-
nebmcn zu dürfen. Schaum erwidert darauf, dass sich seine Be-
hauptung auf Autopsie der Kirby'schen Gattung stütze und dass min-
destens beide Gattungen identisch seien; den Boreaphilus Henningianus
hält er für ein von iMacropalpus verschiedenes Insekt.
Die ersten Stände und Verwandlungsgeschichte einer grösseren
Keihc von Staphylinen hat Perris in seinem Aufsatze: „Insectes du
pin maritime" durch ausführliche Beschreibungen und Abbildungen
(Taf. 17) zur Kennlniss gebracht. Es sind folgende Arten: Phloeopora
reptans Grav., corlicalis Grav., Homalota celala Er., cuspidata Er., Oxy-
poda analis Gyll., Placusa pumilio Grav., Xanlholinus coUaris Er., Que_
dius scintillans Grav., Macropalpus pallipes Cuss., Omalium vile Er. und
pusilluni Grav. - Diesen speziellen Beschreibungen lässt der Verf. Be-
merkungen folgen, w^elche die Larven der Staphylinen im Allgemeinen
betreffen. Die Fühler sind stets 4-gliedrig, bei einigen (Ocypus, Sta-
phylinus) nur scheinbar 5-gliedrig, indem hier das 2. Glied nahe der
Basis stark eingeschnürt ist; wirklich 5-gliedrige Fühler, wie ßouchc
sie bei Philonthus und Plalyslethus angiebt, hat der Verf. nirgends auf-
finden können. Ebenso widerlegt derselbe die Beobachtung Bouche's,
dass die Maxillartasler 5-gliedrig seien ; er hat sie 4-gliedrig bei Sta-
phylinus, Ocypus und Xanlholinus, 3-gliedrig bei Quedius , Homalota,
Phloeopora, Tachinus und Omalium gefunden. Die Anhänge des letz-
ten Körpersegments sind nicht, wie Bouche angiebt, 3-gliedrig, son-
dern stets 2-gliedrig. — Sodann w^eist der Verf. die Aehnlichkeit der
Staphylinen -Larven mit denen der Carabicinen und Dytisciden einer-
seits und denen einiger Histeren andrerseits nach, und rechtfertigt da-
durch die systematische Stellung der Staphylinen zwischen jenen Fa-
milien. — Die Lebensdauer der Staphylinen - Larven ist nach den Be-
obachtungen des Verf. bei weitem nicht so lang, als man gewöhnlich
glaubt; diejenigen, welche im Frühjahr ausschlüpfen, verwandeln sich
zum vollkommenen Insekt noch vor Ende des Sommers, und die, wel-
che man im Herbst antrifft, im nächsten Frühjahr. Durch begünsti.
gende Umstände scheint die Verwandlung selbst der grössten Arten noch
beschleunigt zu werden , denn der Verf. erzog Staphylinus maxillosus
im September aus Eiern , welche im Juli desselben Sommers in einem
Cadaver abgelegt worden waren.
Heeger hat in seinen „Beiträgen zur Naturgeschichte der In-
sekten" (Sitzungsberichte der Kais. Akademie der Wiss. zu Wien X
und XI) die Kaiurgeschichte der Gyrophaena manca Er. und des Oxy-
porus maxillosus Fabr. bekannt gemacht. — Die gelben Larven von
212 Gerslaccker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Gyrophaena nähren sich von verschiedenen Acariden- und Physapoden-
Larven, welche sie auf den ßlältern von Sanibucus, Tilia etc. aufsuchen,
und verwandeln sich in feuchter Erde. Die liier werden von den Weib-
chen stets an solche Blätter gelegt, welche mit Acariden besetzt sind;
die jungen Staphylinen - Larven fressen vor ihrer ersten Häutung die
Eier der Acariden, nachher deren Larven. — Von Oxypoius legt das
Weibeben seine Eier zwischen die Blätter des Schirmes von Agaricus
pratensis und edulis, aus denen nach 8 bis 12 Tagen die Larven kom-
men; diese nähren sich von den unteren Theilen des Schirmes, ohne
die Oberhaut zu verletzen, und gehen zur Verwandlung in die Erde;
Der Kympben-Zustand dauert 10 bis 14 Tage. Es finden zwei Gene-
rationen statt.
Histerini* Eine monographische Bearbeitung dieser FamJlie
bat de Marseul in den Annal. de la soc. enlom. p. 151 ff. begonnen.
Der Verf. verspricht im Vorwort den allgemeinen Theil der Arbeit, der
in der Uebersicht der Gattungen und Gruppen, der Auseinandersetzifng
der Anatomie und Lebensweise ete. bestellen soll, am Schluss nachzu-
liefern und beginnt sogleich mit der Beschreibußg der Gattungen und
Arten. Der vorliegende Theil umfassl 19 Gallungen, welche im Gan-
zen nach der von Erichson vorgezeichnelen Ordnung auf einander
folgen, nämlich: Hololepta Payk. n*it 31 Arten, Fhylloma Er. 3 A.,
Leional a n. g. (der Name ist schon öfter vergeben) «mfasst die Ho-
lolepta-Arten der zweiten Erichson'schen Abiheilung, welche allerdings
schon im Habitus von den übrigen abweichen; 15 Arten. — Oxyster-
nus Er. 1 A., Plaesius Er. 3 A., Piacodes Er. 2 A. , Aulaco sternus
n. g. fast vom Habitus eines Platysoma , doch dadurch unterschieden,
dass die Stirn vorn nicht durch eine vertiefte Querlinie begränzt wird;
2 Arten. — M acrosternu» n. g. auf Hololepta foliacea Payk. ge-
gründet, mit 7 A., Platysoma Leach 30 A., Cylislus n. g. mit l Art :
Hisler cylindricus Payk., (Platysoma cylindr. Er.), Cryplurus Er. 1 Art,
Pachypraerus n. g. , auf Hister cyanescens Er. gegründet, mit 9
sämmtlich afrikanischen Arten. P heilster n. g. umfassl diejenigen
Histeren Erichson's, welche seine dritte Abtheilung dieser Gattung
ausmachen; 20 grösstentheils Amerikanische Arten. — Sphyracus
n. g. von der Form eines Omalodes , sonst mit Phelister näher ver-
wandt, von diesem durch den ganzen Seitenstreif des Halsschildes und
durch die mit 2 Reihen von Dornen besetzten Hinterschienen unter-
schieden. 2 Arien. — Rhypochar es, n. g. auf Hisler saprinoides Er.
gegründet. Omalodes Er. 30 Arten. Psiloscelis n. g. auf Omalodes
Harrisii LeConte gegründet. Contipus n. g. durch sehr breite und
flachgedrückte Schienen ausgezeichnet, von Psiloscelis durch doppelte
Dornreihen an den Hinterschieneu und verlängerte Palpen unterschie-
den. 3 Arten. Margarinolus n. g. auf den Hister scaber Fabr.
Payk. gegründet. — Die Arbeit ist mit einer Reihe von Tafeln verse-
wahrend des Jahres 1853. 213
h€n, auf welchen sämmlliche Arien abgebildet sind, was das Beslim-
men wesentlich erleichtert; besonders sind die feineren Nuancen im
ümriss der einzelnen Arten, wenigstens in den meisten Fällen , treu
wiedergegeben. Winder genau sind manche Gattungscharaktere darge-
stt'llt ; z. B. sind bei der Gattung Plaesius die Nähte des Meso- und
JMetaslernum's und die Naht, welche den Vorderlappen des Proslernum's
von dessen ßasaltheil abgränzt, sehr stark gezeichnet, während die-
selben gerade bei dieser Gattung in der Natur fast ganz verwischt er-
scheinen.
f^eContc (Synopsis of the speoies of Histeroid genus Abraeus,
inhabiting the United States, Proceed. acad. nat. sc. Philad. VI. p. 287)
Iheilt die vonErichson unter Abraeus vereinigten Arten zweien Gat>
tungen zu, je nachdem das Pygidium „inflexum" (Abraeus sens, strict.)
oder „perpendiculariter deflexum" (Acritus LeC.) erscheint. Von der
ersten Gattung findet sich in öen Vereinigten Staaten bis jetzt nur
eine Art, A. puncliformis n. sp. Die zweite Gattung ^crifws charakte-
risirt der Verf. folgendermassen : „Proslernuin utrinque truncatum, bi-
striatum; mandibulae retractae; scrobiculi antennales maximi, profundi,
in Ihoracis parte inflexa antice sili; anlennae funiculo tenui , capitulo
ovali; maxillae mala inferiore unco apicali armata ; tarsi postici 4-ar-
ticulati; pygidium perpeiidiculare." Von Europäischen Arten gehören
dazu Hister minutus Fabr. und nigricornis E. H, , von Amerikanischen
Abr. exiguus Er. und folgende neue Arten: Ä. discus , conformis, po-
litus aus den Vereinigten Staaten, analis und alomus von Cuba.
Derselbe errichtet (ebenda p.291) eine neue Gattung, welche
zunächst mit Dendrophilus verwandt ist: Bacanius n. g. „Proster-
num latum, postice truncatum, anlice breviter lobatura et late rolunda-
tum, non slriatum ; mandibulae subretraclae ; scrobiculi antennales magni,
diffusi, ad medium thoracis partis inflexae sili ; antennae funiculo tenui,
arliculis penuitimis rolundatis, capitulo ovali modice compresso; pygi-
dium inflexum; tibiae anticae dilatalae, posteriores anguslae; tarsi om-
nes 5 arliculati." — Drei Arten aus den Vereinigten Staaten; B. tan-
tillus, misellus und marginatus.
Neue Arten sind ferner:
Hister myrmecophilus und Saprinus ciliaris aus dem südlichen
Frankreich, von Mulsant und Rey (Opusc. entom. II.) aufgestellt.
(Auch in den Annales de la soc. Linneenne de Lyon, nouv. ser. I.
S. 73).
Schmidt-Goebel bemerkt (Entom. Zeit. S. 164), dass der Name
lletaerius quadratus Kug. nach dem Gesetz der Priorität in H. sesqui-
strialus Preyssler umgeändert werden muss.
Triciiopteryg^ia. Die ersten Stände und die Enlwickelungs-
geschichte von Ptilium apterum Guer. wurden von Perris (a. a. 0.
S.586) beschrieben und auf Taf. 18 abgebildet.
214 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Miiidulariae. Eine neue zur Gruppe der Pelliden gehörige
Gattung wurde von LeConte (Proceed. acad. nat. sc. Philad. VI.
p.230) aufgestellt: Alloeocnemis n. g. „Oculi duo lateralis promi-
nuli; antennae ll-articulalae, art. 3. ullimis maioribus, dislantihns ; frons
coneava , apice emarginala; tibiae posteriores muticae; anticae extus
serratae, spina apicali uncala." — Art: Ä. Slonlii n.sp. aus Californien.
Derselbe errichtete (ebenda p. 274 sqq.) eine zweite neue Gat-
tung auf eine in den Sammlungen als Sphaeriles americanus bezeich-
nele Art, welche jedoch nicht zu den Silphalen gehört, sondern den
Kitidularien beigezählt werden muss; t silopyga n. g. „Sulci anten-
nales rede divergentes: labrum bilobum ; mandibulae dilatatae , apice
inflexae, acuminalae, utrinque serrulatae ; palpi breves, articulis ullimis
ovalibus : mentum parrum, breve, subpentagonum ; tibiae compressae,
modice dilatatae; tarsi anteriores dilatati, poslici simplices; pygidiuni
nndum." — Ps. histrina n. sp. findet sich in Schwämmen in Pensyl-
vanien.
Reiche bemerkt (Annales de la soc. entom. S. 425), dass die
von West wo od in den Transact. entom. soc, new. ser. Vol. I. aus
seiner Sammlung beschriebene Paromia dorcoides nicht aus Columbien,
sondern aus ?ieu-Holland stamme.
Trogosila Irislis , eine neue Art aus Sicilien, wurde von Mul-
sant und Rey (Opusc. entom. II.) beschrieben.
Die ersten Stände und die Veiwandlungsgeschichte von Carpo-
philus 6-pustulalus Fabr., Ips ferruginea Lin., Rhizophagus depressus
Fabr. und Trogosita coerulea Oliv, sind von Perris (Inseeles du Pin
maritime) ausführlich beschrieben worden (Abbildungen auf Tat. 18),
Colydii* Perris beschrieb (a.a.O. S. 610) die ersten Stände
von Aulonium bicolor Hbst. , Ditoma crenata Fabr. und Cerylon histc-
roidcs Fabr., welche sämmllich im Holze von Piuus maritima leben; die
Larven sind auf Taf. 18 und 19 abgebildet.
H-hysodides. Von Mulsant und Rey wurde (Opuscules
cntomol. 11.) Rhysodes sulcipennis als neue Art aus Sicilien aufgestellt.
Cftictsjades. Von Perris wurde (a. a. 0. S. 618) die Ent-
wicklungsgeschichte von Laemophloeus Dufouiii lab., ßrontes planalus
Lin. und Silvanus unidcntalus Fabr. bekannt gemacht und die Larven
dieser Arten auf Taf. 19 abgebildet.
Nach Schmidt-Goebel (Entom. Zeit. S. 164) muss für Lae-
mophloeus monilis Fabr. der ältere Käme L. denticulatus Preysslcr ein-
geführt werden.
Cryptopliag^ides. Von K r a a t z wurden (Enlomol. Zeit. p. 94)
als neu beschrieben: Alomaria berolinensis, pellata, Rhenonum, salici-
cola und humeralis.
während des Jahres 1853. 215
Die Entwickelungsgeschichto des Paramecosoma abictis Payk.
wurde von Perris (a.a.O. S. Ö33) beschrieben und die ersten Stände
auf Taf.19 abgebildet.
Ilerniestini. Jacquelin-Duval erwähnt (Bulletin entom.
S. 67) , dass Dermestes peruvianus Casteln. , welcher bisher nur von
Peru und ßolivia kam, seit einigen Jahren häufig bei Bordeaux gefun-
den M'ird. Als Gegenstück zu dieser Beobachtung brachte Aube zur
Sprache, dass Derm. cadaverinus, ursprünglich in Mexico einheimisch,
aber vor 20 Jahren in den Droguerie - Handlungen von Paris massen-
haft vorhanden, in neuerer Zeit daselbst wieder ganz verschwunden sei.
Perris hat (a. a. 0.) die Entwickelungsgeschichto des Derme-
stes mustelinus Er. beschrieben und die Larven desselben auf Taf. 19
abgebildet.
Byrrliii« Mulsant und Rey errichteten (Opusc. entom. II.
p. 21) eine neue Gattung in dieser Familie unter dem Namen Bothrio-
phorus , welche folgendermassen charaktcrisirt wird: „Prosternum an-
tice latius emarginatum. Labium non obtectum. Thorax anlice ulrin-
que profunde fossulatus. Antennae basi incrassalae, apice clavalae,
clava triarticulata, in Ihoracis fossula antica recepta. Femora recepta,
tibiae graciles, tarsi liberi." Die Gattung steht in der Mitte zwischen
Syncalapta und Limnichus. — Art: B. alomus */4 Lin. lang, bei Hye-
res aufgefunden.
Letzner fand (Denkschrift der schles. Gesellsch. f. vaterl. Cul-
tur S. 215) Larven, Puppen und ausgebildete Insekten von Simplocaria
semistriata zusammen in einem Moospolster, und vermulhet daher, dass
dies d«r Wohnort der Larven sei. Die Puppe ist beschrieben und auf
der beigegebenen Tafel Fig. 36. abgebildet.
Parnidae« Sturm änderte den Gattungsnamen Dryops (schon
bei den Oedemeriten vergeben) in Fomatinus Burm. mscrpt. um
(Deutschi. Insekt. 22. S.62).
Heferoceridae* Von Le tzner wurden (Denkschrift d. schles.
Gesellsch. für vaterl. Cultur. S. 205) die ersten Stände von Heteroce-
rus laevigatus Panz. beschrieben und abgebildet; auch gab derselbe
Abbildungen von den zahlreichen Abänderungen in der Zeichnung der
Flügeldecken dieser Art.
liamellicornia. Cetoniadae. — Als neue Arten wurden in
dieser Gruppe beschrieben: Von LeConte Erirhipis Clarkii , Kernii
und Schollii aus Texas (Proceed. acad. nat. sc. Philad. VI. S. 439), Cre-
mastochüus Schaumü aus Californien, Knochii und nit^ns vom Missouri
(ebenda S. 266). — Von Mulsant und Wachanru: Valgus Peyroni
aus der asiatischen TQrkey (Mem. de l'acad. de Lyon II. S. 7).
Melolonthidae. — LeConte beschrieb (a. a. 0.) drei neue
216 Gerslaecker: Bericht üb. d. Lerstungen in d. EnlomoFogre
Arten der Gattung Tostegoptera unter den Kamen T. venlricosa, aequO"
lis und cribrosa, die beiden ersten aus Texas, die letzlere aus Mexico,
Hybosoridae. — Reiche schlägt (Annales de la soc. entoin,
S. 87) vor, für Hybosorus arator in Zukunft den Namen Hyb. llligeri
anzunehmen, indem der Scarabaeus arator Fabr. nicht zu dieser Galtung,
sondern zu Heteronychus Burm. gehört, II liger aber der erste war,
welcher den Fabrici'schen Namen auf den Hyb. arator auct. bezog. —
Diese Namensänderung ist übrigens durchaus unnöthig, und es würde
nur statt arator Fabr. — arator Illig. zu setzen sein.
Geotrupini. — Neue Arten sind Geotrupes opacus und Bol-^
hocera& fossalus llaldeman aus Texas. (Proceed. acad. nat. sc. Philad.
VI. S.362J.
Derselbe stellt (ebenda) für Eolboc. ferruginens Lap. den Namen
B. Laporli und für B. furcicoliis Westw. den Namen B. Weslwoodii
auf, indem diese beiden Nord-Amerikanischen Arien von jenen Autoren
mit Oslindischcn vermengt worden sind.
Nach Lucas (Bulletin, entom. S. 12) ist der von ihm beschrie-
bene Thorecles rotundalus = Scarabaeus marginatus Poiret, und der
letztere Name als der ältere vorzuziehen.
Beobachtungen über die Lebensweise des Bolboceras mobilicor.
nis sind von Uouget (Bullet, entom. S. 25) milgelheilt worden; eine
Anzahl in der Gefangenschaft befindlicher Individuen hielt sich wäh-
rend des Tages tief in der Erde verborgen , und kam erst gegen
Abend aus derselben hervor; jedesmal, wenn sie sich wieder eingru-
ben, bohrten sie neue Löcher.
Coprides. — Nach Reiche (Annales de Ja soc. enlom. S.425)
ist Älacrodercs Greenii Westw. = Coprobas fornicatus Dej. Cat., Uro-
xis cuprescens Westw. = Copris choeridioides Buq. mscr. ; hingegen
Onthocharis myrmidon Westw. nicht = 0. myrmidon Dej. Cat. und
ebensowenig 0. smaragdina West. = 0. smaragdina Dej. Cat.
Aphodiidae. — Aphodius signatipennis , eine neue Art ans
Caramanien, wurde von Mulsant und Wachanru (Mem de l'acad.
de Lyon IL S. 6) beschrieben.
Orphnidae. — Lucas unterschied (Bulletin enlom. S 22)
von riybalus cornifrons eine etwas kleinere neue Art , für die er den
Namen Ilyb. Doursii vorschlägt; ihr Hörn ist an der Ilinlerseite mit
einem Höcker und zwei kleinen Dornen bewaffnet.
Trogida e. — Eine neue Art ist Trox Italiens Reiche, bei Ri-
minf aufgefunden. ^Annales de la soc. enlom. S. 87). — Trox granula-
tus Fabr. ist nach Reiche in Tr. Fabricii umzuändern, da der Name
granulatus schon früher von Herbst an eine Oslindische Art vergeben
worden ist; mit der letzteren ist Tr. denliculalus Ol. als Synonym zu
während des Jahres 1853. 217
Lucanini. — Reiche hall Lucanus Rafflesii VVeslw. für iden-
tisch mit L. cinnamomeus Guer. und Luc. Malabaiicus wahrscheinlich
für gleich mit L. parallelus Ilope. Kach demselhen ist L. vitulus Ilope
nicht, wie dieser meint, = L. vitulus Dej., sondern der letztere ist ein
$ von L. rhinoceros Ol.; L. Parryi Hope ist nur eine Varietät von L.
ISepalensis Hope. (Annales de la soc. entom. S. 42Ö).
Derselbe hat (ebenda S. 67 ff.) die von Burmeister in seinem
Handbuch der Kntomologie beschriebenen Lucaniden-Arten einer kriti-
schen Revision unterworfen und eine grosse Reihe meist synonymischer
Rerichtigungen gegeben. Der im höchsten Grade gehässige Ton gegen
einen der ausgezeichnetsten Deutschen Katurforscher, welcher die Be-
merkungen des Verf. last durchgängig färbt, erscheint um so weniger
gerechtfertigt, als in mehreren Fällen vollkommen begründete Ansich-
ten Burmeister's kurzweg für absurd erklärt werden. Ref. führt
nur als Beispiel an, dass der Verf. Lucanus hicolor OL, Delesserti
Guer. und Gazella Fabr., welche von Burmeister ganz mit Recht als
verschiedene Formen einer und derselben Art zusammengezogen wer-
den, mit der grössten Bestimmtheit für eigene Arten erklärt. — Wenn
der Verf. es für eine unerhörte Gewaltthätigkeit hält, dass B. den von
einem älteren Autor gebrauchten Artennamen Alces zu einem Gattungs-
namen erhebt, so kann man daraus nur schliesscn, dass ihm die unzäh-
ligen analogen Fälle in der zoologischen Nomenklatur bisher noch un-
bekannt geblieben sind (Mus cricetus — Cricetus vulgaris, Fringilla
Coccothraustes — Coccothraustes als Gattung etc. etc.).
Biiprestides» Von Ferroud wurden (Annales de la societe
Linneenne de Lyon, nouv. ser. I. S. 395u. ff.) zwei neue Arten : Chry-
sochroa Caroli von Malabar und Zemina praeclara ohne Angabe des
Vaterlandes beschrieben.
Chalcophana Langeri, eine neue Art von New - Orleans wurde
von Chevrolat (Revue et Magasin de Zoologie V. S. 308j bekannt
gemacht.
Chrysobothrys cicalricosa ^ eine neue Art aus dem Russischen
Amerika, wurde von Alotschulsky (Etudcs enlora. S.77j kurz cha-
rakterisirt.
Lucas gab (Bullet, entom. S. 68) vorläufig die Diagnose einer
neuen Art: Ancylochira Bellemaraei aus Algerien, welche mit A. hi-
laris und variegala Klug zunächst verwandt ist.
Kuciiemides» LeConte hat die Systematik dieser Familie,
welche er , wie schon im letzten Jahresberichte erwähnt wurde , als
eine Unterabtheilung der Elateriden ansieht , in seiner Revision der
Nord-Amerikanischen Elaleren (Transacl. Americ. philos. soc. X. S.410)
etwas modificirt, indem er die Gallungen Tharops und iMelasis von den
Eucnemiden im engeren Sinne trennt und für dieselben eine eigene
218 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Gruppe Melasides bildet. Eine dritte Gruppe, über welche sich die vor-
jährige Arbeit des Verf. in den Proceed. Acad. nat. scienc. of Phila-
dclph. VI. nicht erstreckte, und welche er Cerophytides nennt, umfasst
die Gattungen Cerophytum und Perothops, von denen jede durch eine
Art in Nord-Amerika vertreten ist (Yergl. Elaterides !).
IClatericles. Eine Arbeit, welche für die Systematik dieser
Familie von grosser Bedeutung ist, hat LeConte in den Transactions
of the American philosophical Society, Vol. X. p. 405— 507 unter dem
Titel „Bevision of the Elateridae of the United States" geliefert. — In
der Einleitung sucht der Verf. zuvörderst die Grenzen dieser Familie
festzustellen, und ist durch seine Untersuchungen zu dem Resultat ge-
langt , dass sich die Eucnemiden und Cebrioniden von den Elateriden
nicht trennen lassen, sondern nur Unterabiheilungen einer und dersel-
ben Familie bilden. Es lässt sich allerdings darüber streiten, wie eng
oder wie weit man die Grenzen einer Familie ziehen will ; wenn der
Verf. aber die genannten drei zu einer Familie vereinigt und sie als
solche den Buprestiden gegenüberstellt, so möchte dies wohl nicht so
unbedingt zu billigen sein. Die Buprestiden sollen sich von jenen drei
vorzüglich dadurch unterscheiden, dass die Acetabula der Yorderhüften
mit von den Epimcren des I^lesothorax gebildet werden und dass der
erste und zweite Hinterleibsring mehr oder weniger mit einander ver-
wachsen sind. So weit ich entfernt bin, den systematischen Werth vor-
züglich des ersten Chaiaklers, die Vordeihüften betreffend, zu leugnen,
so kann ich andrerseits diejenigen Charaktere, welche z. B. die Cebrio-
niden von den Elateren trennen , durchaus nicht für geringer halten.
Die weil vorgestreckten Mandibeln, die zurückgezogene Oberlippe, die
stark entwickelten und knollig hervortretenden vorderen Hüften , die
überhaupt nach einem ganz anderen Typus und der verschiedenen Le-
bensweise entsprechend gebildeten Beine, der aus sechs deutlichen Seg-
menten bestehende Hinterleib und die abnorme Form des Weibchens
bei Cebrio sind gewiss mindestens von demselben Wertbe zur Aufstel-
lung einer eigenen Familie, wie die vom Verf. an den Buprestiden her-
vorgehobenen Kennzeichen. Ziehen wir endlich noch die neuerdings
beobachtete Entvvickelungsgeschichte und die ersten Stände (siehe Ce-
brionjles!) in Betracht, so kann sicher nicht geleugnet werden, dass
durch diese die Cebrioniten den Elateriden bei weitem ferner gerückt
werden, als sich die letzteren von den Buprestiden trennen lassen. —
Der Verf. stellt die Familie der Elateriden in der von ihm angenom-
menen Ausdehnung folgendcrmassen fest: „Coxae anticae parvae , ro-
lundatac, non conliguae in proslerno sitae, acetabulis postice hientibus,
(soll wohl hiantibus heisscn!) prosternum pone coxas productum, prae-
cipue mucronatum, in mesosterno excavalo reccptum; abdomen suturis
ventralibus oranibus distinctis; tarsi 5-articulali." Die Eintheilung ist
folgende: Subfam. I. Eucnemides. „Antcnnae in sinubus insertae; cly-
während des Jahres 1853. 2l9
paus anlicc dilalatus; labrum indislinclum ; abdonipn 5-articulalum : pro-
sternuin anlice non vel vix lobalum." Div. 1. Rlelasides. „Antennae
fcre distantes; palpi niaxillares arliculo ultimo ovali, aculo." — Div. 2.
Eucnemides genuini. „Antennae approximatae; palpi maxillares arliculo
ultimo magno, dilatalo ; ungues pectinati." — Div. 3. Cerophylides.
„Antennae valde approximatae; palpi maxillares articulo ultimo magno
dilalato; ungues pectinati." — Subfam. II. Elaterides. „Antennae in fo-
veis lateralibus, sub fronte insertae: clypeus antice non dilalatus." —
Div. 4. Elaterides genuini. „:\Iandibulae parvae, labrum distinclum; ab-
domen 5-ai'iiculalum ; palpi labiales breves, maxillares ultimo maiore
praecipue dilatalo: prosternum praecipue lobalum." — Div. 5. Cebrio-
nides. „>landibulae elongatae, porrectae; labrum indislinclum; pro-
sternum non lobatum; abdomen saepe ö.articulatum ; palpi omnes lon-
giusculi , articulo ultimo cylindrico, Iruncato." — Indem wir die Eu-
cnemiden und Cebrioniten auch ferner als selbstständige Familien bei-
behalten, iheilen wir hier nur die von LeConle gegebene Einthei-
lung seiner Divisio „Elaterides genuini" mit und verweisen wegen der
übrigen Abschnitte auf die genannten Rubriken. Die eigentlichen Ela-
teren Nord-Amerikas zerfallen dem Verf. zufolge in 32 Galtungen, wel-
che unter folgende Uebersicht gebracht werden :
I. Tarsi subaequaliter pubescentes , saepe lobati ; mesosternum
non protuberans; prosternum semper mucronatum ; antennae non re-
ceplae.
Campylus Fisch. 2 Arten, Oestodes n. g. (auf El. tenuicollis
und graciliformis Rand, gegründet), Pedeles Kirby 8 A., Atbous Esch.
4 A., Pity obius n. g. 1 A.^ Limonius Esch. 25 A., Gambrinus n. g.
(auf Elater armus Say gegründet), Corymbites Latr. 49 A., Asaphes
Kirby 13 A., Crigmus n. g. (auf El. hepalicus Germ, gegründet) 2 A.,
Atractopterus n. g. (Typus El. viridanus Say) 3 A. , Ludius Lalr.
2 A., Dolopius Esch. 13 A., Adraslus Esch. 2 A. , Anchastus n. g.
2 A., Brachycrepis n. g. 1 A., Dicrepidius Esch. 5 A, Elater Lin.
(Ampedus Germ.) 37 A. , Blaut a n. g. i A. , Cralonychus Dej. Er.
35 A., Monocrepidius Esch. 14 A., Hemirhipus Lalr. 1 A. (El. fascicu-
laris Fabr.), Cryptobypnus Esch. 13 A., Oedosthetus n. g. 1. A.
II. Tarsi non lobati , sublus deusius pubescentes , vel saepius
inflati et penicillati ; antennae saepe receptae, mesosternum saepe pro-
tuberans ; prosternum semper mucronatum el lobatum.
Adelocera Lalr. 9 A. , Agrypnus Esch. 2 A. , Pyrophorus Illig.
1 A., Aphanobius Esch. 1 A., Melanactes n. g. (auf El. piceus de
Geer = laevigatus Fabr. gegründet) 7 A. , Chalcolepidius Esch. 1 A.
(El. viridipilis Say), Alaus Esch. 2 A.
III. Tarsi pubescentes, saepe sublus lobati, nee inflati, nee pe-
nicillati ; antennae nonreceptae; mesosternum protuberans; prosternum
antice lobatum, mucrone poslico brevi, Iruncato.
220 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Cardiophorus Esch. 15 A.
Die neuen Gallungen sind ausführlich charakterisirt, die Arien,
unter denen eine beträchlliche Anzahl neuer, sämnillich kurz beschrie-
ben; die Typen aller von M el s h e im e r und vieler von Sa y beschrie-
benen Arten haben dem Verf. zum Vergleich vorgelegen.
Zwei neue auf Europäische Arien begründete Gallungen dieser
Familie wurden, die eine von Mulsant und Godart, die andere von
Mulsant und Guillebeau in des ersteren Opuscules entomologiques
11. p. 181 ff. aufgestellt, 1. Trich ophorus^) Mu!s. God. zeichnet sich
durch einen hornigen , fadenförmigen Anhang des Prolhorax , welcher
fast im rechten Winkel von den HinterecUen desselben entspringt, aus.
Fühler länger als der Thorax, das 2. und 3. Glied sehr kurz, beide zu-
sammen kaum länger als die Hälfte des 4. Gliedes; 4. bis 10. nach
innen stark gesägt, 11. schmal, parallel, etwas länger als 10. — Die
einzige neue Art T. Guillcbelli von Narbonne. 2.Crepidophorus Muls.
Guill. Fühler massig lang, Glied 1 dick, kaum länger als 4.; 2. klein,
kuglig, 3. bis 10. stark gesägt, bis zum 6. an Breite zunehmend; 11.
länger als 10., schmal, bei der Mitte eingeschnürt, so dass es gleich-
sam aus zwei Gliedern zu bestehen scheint. Thorax länger als breit,
fast parallel. Schildchen fast herzförmig. Prosternum das Kinn bedek-
kend. — Art: Cr. anthracinus aus verschiedenen Gegenden Frank-
reichs. — Ueber die nähere Verwandtschaft beider Gallungen ist nichts
erwähnt.
An neuen Arten wurden ausserdem beschrieben:
Cardiophorus cyanipennis aus Caramanien , von Alulsant und
VVachanru (Mem de l'acad. de Lyon II. S.2).
Agrioles midus und piceolus , der erste aus Baiern, der letztere
aus Dalmatien, von Küster (Käfer Europa's Heft 26).
Von Kollar wurde erwähnt (Verhandl. d. zool. bolan. Vereins
zu Wien S. 80) dass die Larve des Agrioles lineatus auch die Knollen
der Kartoffeln in der Umgegend Wiens angefressen habe.
Curtis gab (Annales de la soc. enlom.) eine Beschreibung und
Abbildung der Larven von Elaler pomorum Geoffr. (S. 43. Taf. 3. Fig. 3)
und von Elaler rhombeus Oliv. (S. 416. Taf. 13. Fig. 3). Oie erste wurde
im Holze alter Weiden, die zweite , welche übrigens schon von Du-
four im Jahre 1840 bekannt gemacht worden ist, im Kirschbaumholz
gefunden.
Cebriouites. Die Nord- Amerikanischen Gattungen und Ar-
ten dieser Familie hat LeConte in den Transact. of the Americ.
phil. soc. Vol. X. pag. 500 ff. einer Bearbeitung unterworfen. DieAn-
*} Der Name ist von Serville schon längst bei den Longicornen
vergeben.
während des Jahres 1853. 221
sieht des Verf., dass diese Familie den Elateren unterzuordnen sei, ist
schon bei diesen besprochen worden. Dieselbe ist in Nord- Amerika
durch 5 Galtungen vertreten, welche vom Verf. unter folgende Ueber-
sichl gebracht werden: A. Der 5te Abdorainalring hinten gerundet, der
6te verborgen. — f Fühler fadenförmig, Stirn mit vortretendem Rande:
Aphricus n. g. 1 Art. — ff Fühler gefächert, Stirn nicht gerandet :
Plasloceriis n. g. (mit 11 - gliedrigen Fühlern) 1 A. und Euthy'
sanius n. g. (mit 12-gliedrigen Fühlern) 1 A. — B. Der 5te Abdo-
minalring gerade abgeschnitten, der 6te sichtbar; Fühler schwach ge-
sägt. — ■{- Tarsen massig lang, Vorderschienen mit etwas ausgezoge-
ner Spitze: Cebrio 3 A. — ff Tarsen sehr lang. Vorderschienen zwei-
zähnig: Scap tolenus n. g. (auf Cebr. femoralis Chevr. gegründet.)
Die ersten Stände und die EntwicUelungsgeschichle von Cebrio
gigas sind von Lefebvre de Cerisy (Observations sur la meta-
morphose du genre Cebrio) in Guerins Rev. et Alagas. de Zool. V.
p. 214 ff. beschrieben und auf Taf, 7 abgebildet worden. (Auch mit-
gelheilt in den Comptes rendus de l'acad. d. sc. Tom. 36. p. 225). Die
Larve lebt an trocknen Orten in der Erde, nährt sich wahrscheinlich
von Wurzelfasern, und braucht bis zur Verwandlung mehrere, wahr-
scheinlich drei Jahre ; zur Verpuppung macht sie sich ein Lager in
der Erde.
Atopites. LeConte in seiner Synopsis of the Atopidae etc.
of the United States (Froceed. acad. nal. sc. Philad VL p. 351) stellt
zwei neue Gattungen in dieser Familie auf: 1. Ectopria n. g. „An-
tennae basi approximatae, elongatae , art. I. crasso , 2. et 3. minutis,
4. — 10. triangularibus, gradatim subanguslioribus, 11. ovali. Frons an-
gusta, elongata: labrum rotundatum, mandibulas obtegens: palpi Clifor-
mes, art. 1. et 5. elongalis, inlermediis conjunctis aequalibus, his gra-
datim paullo brevioribus: ungues parvi, simplices: tibiae calcaribus
apicalibus obsoletis.-' Auf Eubria thoracica Ziegl. gegründet; zwei neue
Arten sind ausserdem: Ect. tibialis und larsalis. — 2. EureaiA. g.
„Antennae basi approximatae, art. 1. cylindrico , 2. parvo rotundato,
sequenlibus longioribus triangularibus. Frons angusta , deflexa , apice
emarginata. Labrum rotundatum, mandibulas obtegens : palpi fiiliformes,
maxillares elongati. Pedes tenues, tibiarum calcaribus obsoletis: tar-
sis arliculo 1. elongato, 2 — 4. brevibus, subtus breviter lobatis, ungui-
culari praecedentibus Iribus aequali, unguibus parvis, integris." — Auf
Eubria nervosa Melsh. gegründet.
Eine dritte neue Gattung errichtete derselbe (ebenda S. 226 ff):
Slenocolus n. g. „Tarsi elongati, tenues, unguibus simplicibus, pa-
ronychio biseloso ; caput clypeo dislincto, antice membranaceo; mandi-
bulae apice integrae; antennae elongatae, serratae, articulo 2. minuto;
palpi maxillares breviusculi, cylindrici." — Eine Art: SL scutellaris
aus Californien.
222 Gerslaecker: Bericht üb. d. Lcislungen in d. Entomologie
Cyplionidae* LeConte gab eine Uebersicht der in ]\ord-
Amerika vorkommenden Gallungen und Arten dieser Familie in den
Froceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia Vol. VI. p. 353. Danach ist
die Gallung Helodes mit 12, Scirtcs mit 2 und Eucinelns mit 3 dem
Verf. bekannten Arten vertreten. Als neu w^erden beschrieben : Helo-
des concinna, pallipes, fjicea, functata, nebtilosa, modesta, pusilla, bU
color, Eucinelus infumalus und morio. In einer drillen Art glaubt der
Verf. den Europäischen Euc. baemorrhoidalis zu erkennen. Diesen drei
Gattungen fügt der Verf. eine vierte, Sacodes n. s-i hinzu, welche
er folgendermassen charakterisirt : Palpi maxillares longiusculi, arliculo
ultimo acuto ; labiales breves , arliculo penullimo maiore ovali, ultimo
laterali, parvo. Anlennae subserratae, artic. 2. et 3. parvis, 4. reliquis
lon<yiore. Tibiae calcaribusobsolelis. Pedes poslici non sallalorii, larsi
postici arlic. 3. minuto , vix conspicuo. Diese Galtung ist auf 3 von
Guer in beschriebene Arien: Elodes pulchella, fuscipennis und thoracica
gegründet.
Rhipiceridae« Eine neue Art ist Sandalus scabricoUis Hai-
deman aus Nord-Amerika (Proceed. acad. nat. sc. Philad. VI. S. 363).
liampyrides. Motschulsky hat (Eludes entomologiques
S. 25 — 58) eine Auseinandersetzung der Galtungen der Leuchtkäfer ge-
geben, von welcher wir hier die vom Verf. aufgestellte Uebersicht mil-
theilen. I. Kopf kurz, ohne Hals, ganz vom Halsschild bedeckt. Au-
gen millelmässig. 1) Weibchen mit vollständigen Flüi,'eldecken und
Flügeln; zweites Glied der F'ühler mindestens zweimal so kurz als
das dritte, a) Hinterleib ohne deutliche Spuren von Leuchlapparaten.
f) F'ühler des Männchens einfach gekämmt: Slrongylomorphus iMolsch.
(Slroggulus id. antea), Hyas Lap. ff) Fühler des Männchens doppelt
gekämmt: Lamprocera Lap. b) Hinterleib mit sehr schwachen äusse-
ren Spuren von Leuchlapparaten auf dem ersten Segment oder auf dem
Halsschild (V? unverständlich!), f) Halsschild mit durchsichtigen Flek-
ken auf der Scheibe oder an den Seiten: Ellychnia üej. , Lychnuris
Dej., Pyropyga n. g., Pijgolychnia n. g. ff) Halsschild ohne
durchsichtige Flecke in der Mitte: Erythrolychnia n. g. , Tri-
lychnia n. g., Dily chnia n. g., Mesolampis n. g. , Lychno-
gasler n. g., Ethra Lap., Ps eud olychnuris n. g., Calyptocepha-
lus Gray, ISycto crepis n. g. , Ly chnacris n. g. c) Leuchtappa-
rat deutlich, ein, zwei, drei oder mehr Abdominalsegmenle einnehmend,
f) Letztes Segment dunkel und ohne leuchtende Flecke; die beiden
vorletzten leuchtend: Nyclophanes De']., C ratomorphus n. g., Cas-
sidomorphus n. g. , Lychnocrepis n. g., Ellipolampis n. g.,
Macrolampis n. g., Pyreclomena Dej., Pyrectosotna n. g. ff)
Letztes Hinterleibssegment leuchtend. Lucio Lap. (der ganze Hinter-
leib leuchtend), Tetraltj chnia n. g. (die 4 letzten Segmente leuch-
tend), Lucernuta Lap. und Lamprodes n. g. (die 3 letzten Segmente
I
während des Jahres 1853. 223
leuchlend) , Pachtj lychnia n. g.. Pholinus Lap. und Lucidola Lap.
(die 2 lelzlen Segmente leuchtend), Robopus n. g., C allopisma
n. g., Vesta Lap., Cratolampis n. g. und Platylampis n. g. (nur
das letzte Segment leuchtend), — 2) Weibchen mit abgekürzten, rudi-
mentären oder ohne Flügeldecken, und ohne Flügel ; Augen sehr gross ;
Ilalsschild niedergedrückt, a) Flügeldecken des Männchens länger als
der Hinterleib, a) Zweites Fühlerglied mindestens zweimal so kurz
als das dritte, f) Die beiden vorletzten Hinterleibssegmente leuchtend:
D iaphane s n. g., Lychnebius n. g. ff) Der grössere Theil des
Hinterleibs und besonders das letzte Segment leuchtend: Lampr o -
netes n. g., Lamprotomus n. g., Lampyris Lin. ß) Zweites Glied
der Fühler fast so lang als das dritte: Lamprohiz a n. g, , Lam~
prigera n. g. b) Flügeldecken des Männchens kürzer als der Hin-
terleib: Phosphaenus Lap. — IL Kopf kurz, ohne Hals, mehr oder we-
niger aus dem Halsschild hervortretend, Augen sehr gross, mindestens
y^ des Kopfes einnehmend, Halsschild ohne durchsichtige Flecken. 1)
Vorderrand des Halsschildes den Kopf überragend: Pygolampis Dej. Me-
galophthalmus Gray, Amydetes Hffsg. 2) Kopf unbedeckt: Delopy-
r u s n. g., D elop leurus n. g., Curtos Molsch., Colophotia Dej. und
Luciola Lap. — III. Kopf viereckig, mit deutlichem Hals ; 2tes Fühler-
glied ziemlich lang ; Habitus den Telephoren ähnlich. 1) Kopf vor dem
Ilalsschild wenig sichtbar, a) Klauen einfach: Photuris Dej., Pyro-
gaster n. g. b) Klauen alle gespalten: Bicello ny cha n. g. c)
Nur die äussere Klaue gespalten, f) Die drei letzten Hinlerleibsseg-
raente leuchtend: Triplony e ha n. g., ßlattomorpha n. g. und Tele-
phoroides Lap. ff) Die 2 vorletzten Hinterleibsringe leuchtend: PZa-
tystes n. g,Dryptomorphan. g. — 2) Kopf ganz frei aus dem
Halsschild hervortretend : Phengodes Hffsg. — Die beiden Laporte'-
schen Gattungen Dryplelytra und Phengodes sind dem Verf. unbekannt
geblieben.
Colophotia maculicoUis, eine neue Art aus Caramanien wurde von
Mulsant und Wachanru in den Memoires de l'acad. de Lyon II.
S. 3 beschrieben.
Telepliorides« Motschulsky hat (Etudes entomologiques
S. 1 — 15) eine Arbeit über die Gruppe der Älalthinen veröffentlicht,
welche nur insofern Erwähnung verdient, als in derselben einige neue
Galtungen aufgestellt werden, welche in der Kiesenwetter'schen Bear-
beitung fehlen. Die Europäischen Arten werden hier ebenfalls zwei
Gattungen untergeordnet, von denen Malthinus sens. strict. der gleich-
namigen Gattung bei Kiesen wet ter, die Galtung Hapaloderus Molsch.
dagegen den Malthoden Ki es enwel te r's entspricht. Die unter die-
sen beiden Gattungen aufgeführten Arten verdienen wohl kaum einer
Berücksichtigung, da sie nicht nur sehr oberflächlich beschrieben, son-
dern auch ohne alle Bezugnahme auf die Arten der früheren Au«
224 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
toien aufgestellt sind; ohne Zweifel werden sie zum grössten Theil
mit den Kiesenwellerschen Arten zusammenfallen. — Die vom Verf.
aufgestellten neuen Gattungen sind: 1. Malthesis n. g. Kopf brei-
ler als das Halsschild, dieses eben, fast viereckig; Schildchen vierek-
kig ; Flügeldecken breiter als das lialsschild, lang, nach hinten etwas
verschmälert ; Flügel hervortretend ; erstes Fuhlerglied länger als 2tes
und 3tes zusammen, 3tes dreimal so lang als 2tes, 4tes um die Hälfte
länger als 3tes; Klauen einfach; letztes Hinleileibssegment kuglig auf-
getrieben. — Eine Art aus Columbien, M. ater. 2. Malthopterus
n. g. Form ähnlich wie bei I\lalthinus, aber drs Halsschild vorn ca-
puzenarlig, wie bei den Lampyriden; Flügeldecken lang; Fühler fast
von der Länge des Körpers, Istes Glied länger als 2tes und 3tes zu-
sammen, 3tes dreimal so lang als 2tes , 4tes fast doppelt so lang als
3tes; letztes Glied der Palpen verlängert, spindelförmig; Klauen ein-
fach. — Eine Art: M. pallidus aus Columbien. 3. M olychnus n. g.
Kopf kaum nach vorn verbreitert, Augen wenig hervortretend; Hals-
schild leicht nach hinten erweitert; Flügeldecken von Körperlänge;
Fühler mit abgeflachten Gliedern, wie bei Lycus, das Iste Glied schma-
ler und länger als das 3te , das 2le sehr kurz, quer, das 3te so lang
als breit, das 4te fast doppelt so lang als das 3., aber ebenso breit,
die folgenden von der Länge des 4ten, sich gegen die Spitze verdün-
nend; das erste Tarsalglied verlängert. — Eine Art. M. collaris aus
Columbien. — 4. Biurus n. g. Form ähnlich wie bei Malthodes, aber
die Flügeldecken viel kürzer, kaum den Mesothorax bedeckend; letztes
Hinterleibssegment an der Spitze gabiig gelheilt, hornig; Seiten des
Halsschildes herabgebogen mit aufstehenden Rändern ; Fühler lang, das
Iste Glied kürzer als 2tes und 3tes zusammen; Maxillartaster verlän-
gert, ihr erstes Glied fast so lang als das letzte, welches oval ist,
und ebenso lang als 2tes und 3les zusammen, welche dreieckig sind. —
Eine Art: B. apicalis aus Abyssinien. — Von schon bekannten Galtun-
gen werden ausserdem noch angeführt: Ichthyurus Westw. und Podi-
stra iMotsch. *
Neue Arten dieser Familie sind: Telephorus fuscipes Lucas von
Crela (Revue et Magas. deZool. S. 569) , T. nigrilarsis Muls. et VVach-
anru (Memoires de l'acad. de Lyon S. 3) , Chauliognathtts discus und
scutellaris LeConle aus Mexico (Froceed. acad. nat. sc. Philad. VI.
S.226), Naslony cha brachyptera yiolschulsky (Etud. entom. p.77).
Melyrides. Als neue Arten wurden beschrieben:
Von JMink (Ent. Zeit. S. 59): Troglops limbalus aus dem P.uhrthale.
Von IVIulsanl und Rey (Opusc. entom. IL) Apalochrus flavolim^
batus von Montpellier, und Malachius cyanescens aus Süd-Frankreich.
Von Mulsant und Wacbanru (Memoires de l'acad. de Lyon
II. S. 4): Malachius viridanus aus Caiamanien.
•während des Jahres 1853. 225
Von LeConlc (Proceed. acad. nat. sc. Thilad. VI. S.22()): CoU
hps baltcaius aus Mexico.
Von Lucas (Rev. et Magas. de Zool. S, 571): Dasyles rußtar-
sis von Creta.
Clerii. Eine grosse Anzahl neuer Arien dieser Familie hal
Weslwood in den Troceed. of the zoolog. soc. of London von 1852.
p. 34 ff. bekannt gemacht (Descriptions of new species ofClerides from
Asia, Africa and Ausiralia): a) aus Afrika: Erymanlhus horridus, Cle-
rus sanguinalis , nebtilifer , dorsiger , Tillus [Macrotelus Kl.) uniformis,
suhnolalus^ Afzellii, Thanasimus capicola und irregularis. b) aus Ostin-
dien : Ctadiscus longipennis , Parrianus, bipeclinalus, Clerus albovarius,
dulcis, Tillus chalyheus , Clerus Bengala , sulfasciatus, Thanasimus sei-
latus ^ Clerus posficalis ^ Opilus sordidus , Clerus zebralus , Thanasimus
anlhicoides, Omadius olivaceiis , mediofascialus, Thanasimus subscKlella-
ris, Sligmatius rvfiventvis, elaphroides, Opeliopalpus obesus. c) aus Au-
stralien : Xylolretus excacatus, Tillus dux, Lcmidius fcstivus, corallipen.
nis, Hydnoccrus hellusy exilis, V-retcrsus, flawlinealus ^ ßavovarius, pe~
ctoralis , Clerus O-gutlalus , venlralis , sepulchralis, Opilus hilaris, moe^
renSf ß-notalus^ Xylolretus chrysideus , Necrobia pinguis , eximia, EnO"
plium pustuliferum, Corynetes compactus, Hoploclerus biaculealus, Oma-
dius prasinusj Thanasimus cursorius.
Eine neue Art der Galtung Enoplium aus Texas wurde von Hal-
de man (Proceed. acad. nat. sc. of Pbilad.VI. p. 362) unter dem Na-
njcn E. 4-nolalnm beschrieben.
Clerus Spinolae y neue Art aus Mexico, wurde von LeConte
(Procecd. acad. nat. sc. l'bilad. VI. p. 226j bekannt gemacht.
Ptiniores. Folgende neue Arten wurden beschrieben:
Von Mulsant und Key (Üpusc. enlom.II): Vtilinus aspericol-
lis aus Sicilien, Anobium longicolle , compressicorne und rugicolle aus
dem südlichen Frankreich.
Von Mulsant und Wachanru (Mem. de l'acad, de Lyon IL
S. 14): Xyloperlha sericea aus Caramanien.
Von Lareynic (Annales de la soc. entom. S. 127): Plinus Du-
txilii, Xylelinus rufilhorax und subrotundus, alle drei in Frankreicl» auf-
gefunden.
Das von M ink (Entom. Zeit. S. 58) unter dem Namen Coniopha-
gus humeralis beschriebene Insekt, welches dieser Familie angehört,
bildet nicht, wie der VerL meint, eine neue Gattung, sondern ist, wie
Kraalz (ebenda S. lOö) nachgewiesen hal, mit Sphindus Gyllenhali
Chevr. identisch.
Fairmaire !»al Apale nigrivenlris Luc. unter einer Anzahl von
Apatc capucina angetroffen und schliesst daraus, dass sie nur ciiicVa-
Archiv f. Naturgcsch. XX. Jahrg. 2. Bd. P
2^ Gersta ecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
rielät des letzteren sei; in der That existiren auch ausser der Färbung:
keine specißschen Unterschiede zwischen beiden (Bullet, enlom. S.46).
Nach Lucas (Bulletin entom. S. 57) findet sich in Spanien im
Holze des Maulbeerbaums Apate francisca Oliv., welche bisher nur als
den tropischen Gegenden cigenthümlich bekannt war.
Die Larve des Dorcaloma rubens E. H. und flavicornis Fabr. ist
von Letzner im mulmigen Holze aller Eichen aufgefunden, und in
den Yerhandl. der schles. Gesellsch., Entam. Sektion S. 3 beschrieben
worden.
Die Enlwickelungsgeschichte des Lyclus pubeseens Panz. ist vo»
Heeger (Silzungsbericiite der Wiener Akademie XL S. 938) beobach-
tet worden; die Larve lebt an gefälltem Eichenholze und zwar in den
weichen Holztheilen zunächst dem Baste (Abbildung auf Taf. 5).
Teneltrionites. Die Gruppe der Pcdiniten hat Alulsant
(Opuscules entomologiques, 4. Cah.) einer monographischen Bearbei-
tung unterworfen.
In der Eioleilung vereinigt der Verf. die Gruppen der Pedinilen^
Pandarideß, Blapstiniten und Upatridcn unter dem Collekliv - Name»
Parvilabres, welche er den von Soli er aufgestellten Abiheilungen als
die letzte der wirklichen Melasomen (im Dejean'schen Sinne) zur Seite
stellt. Dieselben bilden nach der Ansicht des Verf. gleichsam ein
Vesbindungsglied zwischen den Blaplidcn Solier's und den Tenebrio-
niten Lalr ei 11 es.
Die 4 Gruppen werden folgendermassen festgestellt:
A. Der umgeschlagene Rand der Flügeldecken bis zum Naht--
Winkel verlängert.
1. Pedinites. Miltelslütk des Kinns entweder mit einer bis zun»
Vorderrande verlängerten mittleren Längsleiste oder mit einei:
seitlichen Randleiste versehen ; Seitenlheile vorn zwischen dem
Mittclstück und ihrem Vorderwinkel, welcher zahnförmig erscheint,
tief eingekerbt. Flügeldecken 9-streifig. Der vordere mittlere
Theil des Isten Bauchsegments stets viel breiter als der hintere
Theil des Meso&lernum.
2. Pandaridae. Mittelslück des Kinns gewöhnlich' nur in der Witte-
der Basis erhaben, zuweilen fast llach , seltener mit einer sich
Aveiter nach vorn erstreckenden Wiltelleiste. Der umgeschlagene
Rand und ein Theil des angränzenden Zwischenraumes der Flü-
geldecken von unten sichtbar. Vorderer mittlerer Theil des ersten
Bauchsegments stets gerade abgeschnitten und breiter als der
Vorderrand des Metasternum. Die hinteren Episterna (Parapleu-
rae) mehr oder weniger gegen die Mitte erweitert. Flügeldek-
keu 10-streifig.
3. Blapslinites. Kinn wie bei den vorigen. Nur der umgeschlagene
während des Jahres 1853. Q27
Uand der Flügeldecken von unten sichlbar. Vorderer minierer
Theil des ersten üauchsegments oft zugespitzt, oder wenigstens
schmaler als der Vorderrand des iMetasternum. Die hinleren Epi-
sterna (Parapleurae) parallel oder kaum nach hinten verschmä-
lert. Flügeldecken O-streifig.
B. Der umgeschlagene Rand der Flügeldecken gewöhnlicli
nicht bis zum INahtwinkel verlängert.
4. Opalrides. Nur hei einigen, deren erster Bauchring vorn in der
Alitle zugespitzt ist und deren Augen von einem breiten, zum
Anlegen an den Vorderrand des Thorax eingerichteten Reifen
umgeben sind, erreicht der umgeschlagene Rand den IVahtvvinkel.
Die Tediniten zcrrällt der Verf. wiederum in folgende Unterab-
(Heilungen :
a) Plalynotus-ähuliche ; hierhin gehören die Gattungen Platynolus,
Kotocorax und Eucolus n. g.
b) Opalrinus-ähnliche: Opatrinus und Selinus n. g.
c) Trigonopus-ähnlichc : Trigonopus. Sol. inedit.
d) redinus-ähnliche : Pedinus, Colpotus n. g. und C abirus n.g.
Unter dem IVamen Erclus haben Älulsant und Rey (Opusc.
entom. II. S. 185 (T.) eine neue Gattung beschrieben, deren nähere Ver-
wandtschaft nicht angegeben ist; die einzige Bezeichnung über ihre sy-
stematische Stellung ist durch die Worte „genre nouvcau parmi les Ta-
xicorncs' (!) gegeben. — Die einzige Art: E. sulcipennisj 6 Lin. lang,
stammt aus Sicilien.
Als neue Arten sind anzuführen:
Eurijchora Levaillanli Lucas (Revue et Mag. de Zool. V. S. 30.
Taf. 1). Eine vorläuQge Diagnose dieser Art war schon im Bulletin
enloni. 1850 gegeben worden.
Timelia minor Lucas von Greta (ebenda S. 575).
Pelecyphorus elalus und sordidus, Microsckalia conlorla, Triopho-
rus nodiceps und Emhaphion concavum, sämmtlich aus Texas, von Le-
Conte (Proceed. acad. nat. sc. Philad. VI. S. 439 ff.) beschrieben."
ISosoderma porcalum aus Calil'ornien von demselben (ebenda
S.2ö6ff.).
Tenebrio noclicugus aus Sicilien, von ßlulsant und Rey
(Opusc. entom. iL).
Timelia Solieri^ Sclerum fossulatum, Thalcria nigriceps und f/e-
dijphanes angulicollis aus Caramanien, von Mulsant und Wachanru
(.Mem. de l'acad. de Lyon iL S. 8 fi.
Fimelia Mulsanti Levrat aus Algier (Annales de la soc. Linnecnne
de Lyon, nouv. ser. I. S. 1).
Hajjen machte (Entom. Zeit. S. 56) darauf aufmerksam, das?,
228 Gerstaeker: Bericht üb. d. Leistungen in d. EutonioTcrgfe
während Westwood der Larve des Tenebrio obscurus einen zwei-
spitzigen, der des T. molitor dagegen einen einspilzigen Hinlerleib zu-
schreibt, er selbst in Preussen aus Larven mit zweispilzigem Hinterleib
nur Terebrio molitor gezogen habe.
Die Katurgeschichte von Pentaphyllus teslaceus hat Letz n er
(Denkschrift der schles. Gesellsch. S.2I8) beschrieben und die ersten
Stände Fig. 39 und 40 abgebildet; die Larve lebt im mulmigen Holze
alter Eichen in Gesellschall von Wycclophagus und Uorcaloma; es fin-
den jährlich zwei bis drei, im Zimmer sogar vier Generationen statt.
Die ersten Stände der iMycetocharis linearis Hlig wurden von
Heeger (Sitzungsberichte der Wiener Akademie X. S.173. Taf. 5) be-
schrieben und abgebildet; die Larve lebt im Äloderholz von Linden,
Ahorn und Kastanien.
üflelandryadae* Orchesia ttndulala, eine neue Europäische
Art, welche der 0. fasciala sehr ähnlich, aber durch die Zeichnung der
Flögeldecken conslant unterschieden ist, wurde von Kraatz (Entom.
Zeit. S. 255) bekannt gemacht. Wahrscheinlich ist die Curtis'sche 0.
fasciata auf diese Art zu beziehen.
Scraplia bifoveolata von Ragusa wurde von Küster (Käfer Eu-
ropas) als neue Art aufgestellt,
Heeger machte (a. a. 0. S. 474. Taf. 5) die ersten Stände des
Hypulus bifascialus Fabr. bekannt; die Larve lebt das ganze Jahr hin-
durch in vermoderten Wurzcistöcken alter Eichen.
Ifleloid^e* Eine Synopsis der in den Vereinigten Staaten
Nord-Amerika's vorkommenden Arten dieser Familie gab LeConte in
den Procecd. acad. nat. sc. Philad. Vol. Vi. p. 328 sqq. Die Gattungen
derselben werden vom Verf. unter folgende Uebersicht gebracht:
A. Ungues non serrati.
Elytra abbreviata, imbrfcata, unguibua fissis . . Äleloe.
Elylra non imbricata, unguibus denlatis . . Cysteodemus.
Elytra connata, unguibus fissis ...» Henous.
Elylra inlcgra, non connata, unguibus fissis:
Tarsi arlic. penultimo non emarginato . . Lytla.
„ „ „ emarginato . , . Tetraonyx.
B. Ungues serrati, appendice instrucli.
Maxillao elongatae Nemognatha.
Maxillae breves.
Ungues appendicibus filiformibus.
Antennae filiformes ..... Zonitis.
„ „ monilialae Horia.
Ungues appendicibus latis, oblusis . . . Cephaloon.
während des Jalires 1853. 259
Die daselbsl beschriebenen neuen Arten sind: Meloe rugipennis,
woercns , perplextis; Cysleodemus vitlalus', Lytta fulvipennis , dichroa^
biguUala, Salicis, smaragdula, Ralhvoni, convexa, femoralis, Sayi (aenea
var. Say), discoidea , nigrilarsis ^ conspersa, ochrea , longicollis, tenuis,
Fabricii (cinerea Fabr.?), torsa, murina, dcbilis; Tetraonyx fuha; iVe-
mognulha bicolor , lurida , apicalis , pallens, lutea ^ dichroa, dubia^ pal~
liata, lexana, decipiens , punclulala , nigripennis , sculellaris , cribraritty
riltigera, cribiicollis, porosa, fuscipennis; Zonitis ßavida.
Suffrian wies (Entom. Zeit. S. 235 (T.) nach, dass die im süd-
lichen Frankreich vorkommende Nemognalha-Arl mit schwarzen Beinen
von Dejean in seinem Calalog fälschlich als mit Zonitis chrysome-
lina Fabr. identisch aufgelührt worden sei. Die ächte Zon. chrysome-
lina Fabr. ist vielmehr eine in West- Asien vorkommende, durch be-
derilendere Grösse und gelbe Beine ausgezeichnete Wemognalha, wel-
che von Kindermann unter dem Namen N. flavipes versandt worden
ist. Die erwähnte süd-französische Art beschreibt der Verf. daher als
neu unter dem Namen N. nigripes , und fügt zwei nahe verwandte
Arten ausAegypten und Kordofan als N . b-maculala und ^emina hinzu.
Als neue Arten wurden ferner aufgestellt :
Von LeConte (Pro^eed. acad. nal. sc. Philad. VI. 8.439 0*.):
Lylla cribrata, morio, sublineala und fuhescens aus Texas.
Von M Ulsan t und W a c h a n r u (Wem. de l'acad. de Lyon II.
S. 12): Lydus maculicoUis und Zonitis puncticollis aus Caramanien.
Von Newport's „Natural history, anatomy and developmenl of
Mcloe" ist der dritte Abschnitt, welcher die äussere Anatomie der Larve
behandelt, in den Transaclions of the Linnean society, Vol. XXI. pari 2
p. 167IF. jetzt vollständig erschienen. Ausser den Beobachtungen über
die Fiitwickelung des Hautskelettes, weiche schon im Bericht für das
Jahr 1848 mitgetheilt wurden , enthält die Abhandlung interessante
Thalsarhen in Betreff der äusseren Athmungsorgane. Die Stigmata ent-
wickeln sich erst in der letzten Periode des Embryonallebens, sind aber
selbst beim Ausschlüpfen der Larve aus dem Ei nur äusserst schwer
sichtbar. Nach Verlauf einiger Stunden werden sie deutlicher; es sind
dann 10 Paar vorhanden , von denen das vorderste im Mcsothorax, die
folgenden in den Abdominalsegmenlen liegen. Die beiden ersten un-
terscheiden sich von den übrigen durch beträchtlichere Grösse und
mehr kreisrunde Form. — Bei der ausgewachsenen Larve zeigt sich
nur darin eine Veränderung , dass das zweite Paar der Stigmata jetzt
den folgenden an Grösse gleich ist ; überhaupt sind sie in dieser Pe-
riode im Verhältniss zum Körper sehr klein, was auf eine sehr geringe
respiratorische Thätigkeit hindeutet.
Iiag[riariae. Von Heeger (Sitzungsberichte der Wiener
Akademie X. S. 161) wurde die Naturgeschichte der ersten Stände von
230 Gerslaccker: ßeiicbt üb. d. Leislungen in d. Entomologie
Lagria hirta ausführlich beschrieben. Die Eier werden vom Weibchen
io lockere Erde unter Sträucher gelegt; die Larven schlüpfen nach 30
bis 40 Tagen aus und nähren sich von faulenden Pflanzen - Abfällen.
Sie haben vier lläulungen zu bestehen , überwintern , sind in» März
oder April ausgewachsen, und verwandeln sich an den Wurzeln der
Sträucher ganz frei zur Puppe; nach 12 bis 14 Tagen ist der Käfer
ausgebildet (AbbilJuns: auf Taf. 1).
Oetlemeritae. Eine neue Art ist Myclervs concolorLeCon\c
aus Keu-iMexico (Procced. acad. nat. sc. Philad. VI. S. 226).
Die Enlwicicelungsgeschichte der Asclera coerulea F^in. hat 11 c e-
ger (Sitzungsberichte der Wiener Akademie XI. S.932) beschrieben.
Die Larven, welche sich nach 20 bis 30 Tagen aus dem Ei entwickeln,
leben im abgestorbenen Holze der Rothbuche , worin sie unregelniäs-
sige, flache Gänge machen; sie sind auf Taf. 3 abgebildet.
CtBrcuKonide»» Waterhouse stellte (Transact. enf. soc.
IL p. 172 sqq.) eine Reihe neuer Gattungen und Arten aus dieser Fa-
milie auf:
Te tralo p hus n. g. (Entimidae), Fühler kurz, verdickt, der
Schaft die Augen nicht erreichend, Geissei aus 6 kurzen Gliedern be-
stehend, Keule kurz eiförmig. Rüssel dick, mit schiefer, vorn vertief-
ter Füblergrube. Halsschild quer, seitlich in einen Winkel ausgezogen,
nächst den Augen gelappt. Flügeldecken länglich , mit vortretenden
Schultern, fast gleich breit, an der Spitze kurz gedornt. Tarsen lang,
die Unterseite nicht filzig. — Art: T. sculptttratus, Ncu-illolland,
Lepto stet hus n. g. (Pachyrhynchidae), von den übrigen Gat-
tungen dieser Gruppe durch die getrennten Vorderhüften ausgezeich-
net; mit Folyphrades zunächst verwandt, aber von mehr länglicher
Körperform und mit derberem, kürzeren Fühlerschafl. — Arten: L,
marginalus und Walloni, beide aus dem südwestlichen Afrika.
Anchl ae nomus n. g. (Pachyrhynchidae), der Gattung Proslo-
rous ähnlich, die Augen jedoch weniger vorragend und weiter vom Tho-
rax entfernt. Vorderbeine länger als die übrigen, Vorderschenkel kräf-
tig; alle Schienen innen gezähnt, die Zähnelung an den vorderen be-
sonders nach der Spitze hin stark hervortretend. Hinlerschienen gegen
die Spitze an der Aussenseite erweitert. — Arl: A. ebeninus, Ost-Indien.
Enaplorhinus n. g. (ßrachyderidae) unterscheidet sich von
Gcotragus durch mehr längliche Gestall, etwas gewölbten Rüssel, der
vom Kopf durch eine Einschnürung getrennt ist, ferner durch plötzlich
nach unten gerichtete Fuhlerfurche und kräftigere, aus kürzeren Glie-
dern besiehende Antennen. — Art: E. Sinensis, Kord-China.
Cubicos omiis n. g. (Cleonidac), Thorax klein, an den Seilen
fasl gerade, Flügeldecken breit, fast viereckig; Rüssel länger ^\s bei
Lcptops ; Stirn in der 3Iitte niedergedrückt, mit einem Buckel jeder-
während des Jahres 1853. 231
seits über dem Auge; die beiden ersten Glieder der Fühler länglich,
verkehrt kegelförmig, die übrigen kurz. — Art : C. M'hitei, INeu-Holland.
Etirychirus n g. (Molytidae) mit Phylonomus verwandt. Schaft
der Fühler die Augen erreichend, die zwei eisten Glieder der Geissei
veikelirt kegelförmig, die übrigen kuglig. Küssel kaum länger als
der Kopf. Augen auf der Stirn einander genähert. Thorax mit erha-
benem Hinteirande, an den Seiten vor der 31itte gerundet. Flügeldek-
keu mit vortretenden Schultern. Füsse lang, Schenkel gegen die Mitte
verdickt, Tarsen breit. — Art: E. bituberculaltts, Neu-Flolland.
Placoderes n. g. (Cyclomidae). Der Gattung Acantholophus
^"ihnlich, doch durch deutlich 7-gliedrige Fühlergeissel unterschieden;
alle Glieder derselben verkehrt kegelförmig, die beiden ersten länger.
Thorax breiter als lang, seillich in einen stumpfen Winkel erweitert;
Flügeldecken länglich eiförmig, mit abgerundeten Schultern. — Art:
P. varicgalusy — ?
E clemn orhimt s n. g. (Phyllobidae). Von Phyllobius durch
verhältnissmässig kleineren Kopf und Thorax, und längere, weniger ge-
wölbte, an der Spitze einzeln abgerundete Flügeldecken unterschieden.
'Fühlerfurche sehr kurz; Rüssel kürzerund kaum schmaler als der Kopf.
— Art: E. viridis, Kerguellen.
Dr epano deres n. g. (Phyllobidae). Thorax seitlich in einen
«charfen, rückwärts gebogenen Dorn erweitert; Itüssel kurz, quadra-
tisch; Föhlerfurche kurz, gerade; die beiden ersten Fühlerglied«r läng-
lich, Keule länglich oval, zugespitzt. — Arien: D. viridifascia4us^ Os[~
Indien und fuscus, — ?
Sy naplo nyx n, g. (Erirhinidae). Der Körper fast von regeU
fuässiger Eiforni, indem Thorax und Flügeldecken an der Basis fast von
gleicher Breite und nach der Spitze zu staik verengt erscheinen. Füh-
ler vor der Mitte des Rüssels entspringend, der Schaft die Augen nicht
erreichend; die beiden ersten Glieder der Geissei länglici«, die folgen-
den allmählich kürzer. Rüssel ziemlich lang, vor der Mitte herabge-
bogen. — Art: S. ovatuSf INeu-Holland.
Chelotonyx n. g. (Erirhinidae;. Mit Balaninus und besonders
mit Prjonomerus verwandt, vom ersleren durch mehr eiförmigen üm-
riss, von letzterem durch längeren Rüssel und Tarsen und besonders
durch doppelt gespaltene Klauen unterschieden; Fühler länger, mit
schmalerer Keule. Vorderfüsse längerund stärker als die übrigen; Vor-
derschenkel sehr dick, mit einem grossen, gesägten Zahne. — Art:
Ch. Batesii, Para.
Anomoear thria n. g. (Baridiidae) das Pygidium beim $ von
d€n Flügeldecken bedeckt, beira ^ frei; Rüssel des $ länger und
dünner, nahe der Basis stark gekrümmt und verdickt. Fühlergeissel
7-gliedrig, bwm ^ mit langen Cilien besetzt, das erste Glied kurz ke-
252 Gcrslacckcr: Bericht üb. d. Lersttingen in d. Enlomologlc
gelförmig, das zweiJe oval; beim $ die beiden ersten länglich, die
lo'.j^etiden kürzer. — Art: A. coernleipennis, Brasilien.
Pezriehus n. g. (Cryptorhynchidae div. 1). Durch die Bildung
der Fühler niil CyJindrocorj nws, durch die lanjjen Beine, die nicht keu-
lenförmigen Schenkel und die schlanken Tarsen mit der Australischen
Galtung Protopalus verwandt. — Art: F. binotalus, Neu-Holländ.
Glochinor hinus n. g. (Cry{>torhynehidae div. 1) Rü»sel lang,
sehr schwach gebogen, beim ^ beiderseits mit zwei Dornen bewalT-
nel. Das Iste, 2te und 7le Glied öer Fülilergeissel länglich, das Sie
bis Gtc allmählich kürzer. Körper fast cylindrisch; Beine lang und
schlank. — Art: G. DouUedaiji, Keu-Ilolland.
Viagioc orynns n. g. ( Cryplorhynchidae div. 1) durch die
kurze, nach aussen schief abgestutzte Fühlerkeule ausgereichnetj Iste*
Gfied der Gcissel kurz kegelförmig, 2tes länger, die übrigen kurz. Rüs-
sel kurz und dick. Flügeldecken an der Basis von der Breite des
'i'horax, dreibuchtig, hinler der 31ilte erweitcrty nach hinten stark ab-
schüssig. — An : P. 4~tuberculalus, Neu-Holland.
Sympicz OS celus n. g. (Cryptorhynchidae div. 1). Fühler mil
sehr kurzem', keulenförmigem Schaft und 7-gliedriger Geissei, deren
beide erste Glieder verkehrt kegelförmig, die übrigen breiter als lang
sind. Rüssel kurz, fast gerade. Thorax fast so lang als breit, mit ei-
nem kleinen hervortretenden mittleren Lappen an der ßasig. Flügel-
decken doppelt so lang als der Thorax. Beine kurz, Schenkel zusam-
mengedrückt. — Art: S. Spenceiy ISeu-Seeland oder Keu-Hoiland?
Hybophorus n. g. (Cryplorhynchidae div. 1). Von Rhyssoma-
tus durch einfache, nicht gespaltene Klauen und durch hervortretende
Schulterwinkel, von Chalcodermus durch kürzere Basalglieder der Füh-
lergeissel und durch grösseren Abstand der vier vorderen Beine von
einander unterschieden. Augen auf der Stirn einander genähert. Rüs-
sel fast so lang als Kopf und Thorax zusammengenommen. — Art: H,
rvfoluberosusy TVeu- Holland.
Die übrigen neuen Arten sind: Oxyrhynchus Forlunei^ord-Ch'in^r
0. Philippinensis Philippinen, Protopalus Schönherri Neu-Holland , Po^
roplenis Chevrolatiiy Jekelii , Parryi und Weshcoodii von Neu-Ilolland,
Chaetectelorus spinipennis Neu-Holland.
Stjerling errichtete (Entom. Zeil. p. 171) eine neue Gattung Di-
cholrachelus, welche in der nächsten Verwandtschaft mit üliorhynchus
steht und sich dadurch unterscheidet, dass der Rüssel an der Einlen-
kungsstclle der Fühler nicht lappenförmig erweitert ist. Von den nächst
verwandten Gattungen unterscheidet sie sich auch durch das in zwei
seitliche Hälften getheille Halsschild. Schaft der Fühler den Hinterrand
der Augen nicht ganz erreichend; das erste Glied der Geissei um die
Hälfte länger als das zweite , beide verlängert kegelförmig. Fühler-
während des Jahres 1S53. 233
fürt hc «rerade gegen die Augen aufsteigend und gegen das Ende flach
ausgebreitet. — Zwei neue Arten: D. sulciperinis und Rudcnii, beide
vom Monte Rosa, 9000' hoch.
Eine neue Gattung, so Avic eine grössere Reihe neuer Arien von
Curculionen, wurden von l'erroud (Annalcs de la sociele Linneenne
de LyvTu, nouv. scr. I. S.402u.(r.) aufgestellt. Die neue Gattung, wel-
che der Gruppe der Anthribiden angehört, und 0:>oloinerus benannt ist,
scheint in naher Verwandtschalt mit Corrhezerus zu stehen. Die Füh-
ler sind U-gliedrig, das Iste Glied klein, kugiig, das 2te langer, ver-
kehrt kegellörmig, das 4tc langer als die 3 vorhergehenden zusammen,
fast eiförmig, zusammengedrückt, aussen gerade, innen gebogen; das
5te bis 8te klein, zusammen kurzer als das 4te; 9te bis Ute die
Keule bildend, welche grösser als 5tes bis 8tes zusammengenommen
ist. Rüssel sehr kurz, breit; Augen gross, fast rund, seitlich, vorn
leicht ausgerandet ; Thorax fast quadratisch, gewölbt, mit spitzen, et-
was hervortretenden Vorderwinkeln ; Flügeldecken länglich, fast cylin-
drisch. Tarsen 4-gliedrig, das Iste Glied fast cylindrisch , länger als
2tes und 3tes zusammen; das 3te klein, gelappt; die Klauen in der
Rlitte mit einem Zahn versehen. — Art: O.maculosus von Calcutta. —
Die übrigen neuen Arten sind : Gymnognalhus decorus Brasilien , Belus
bispinosus und afßnis von Sidney , Ceocephalus Javanicus , rufoviltalus
und amoenus von Java, Rhylicephalus madagascariensis ^ Brenlhus uni-
dentalus Caracas, consenlaneus Cayenne, Nemocephalus longiceps und
piceus aus Brasilien, Teramocerus obscnrvs Brasilien, pulchellus Ca-
yenne, ISaupactus cinerasccns Guatimala, Mulsanli und albidus aus Bra-
silien , Plalyomus oblique coslatus Brasilien, Lacknopus linealogultatus
Cuba, plumipes und inlerruptus San Domingo, suhlinealus und sparsim-
guttatus Cuba, hirlus, consenlaneus und dcnllpes San Domingo, Plalya^
spistcs unicolor Chile, Pachnaeus coslalus Cuba, Ilypsonolus aler, /»ei-
cheif tiridi-adspersus, regalis und bivillatus aus Brasilien, Geonemus ro-
buslus und irreguhtris von Cuba.
Alois ch u Is ky errichtete eine neue Gattung Trigonoscuta, die
er wörtlich folgendermassen charakterisirt : „Genre nouveau, apparte-
nant aux Curculioniles de la tribu des Pachyrhynchides el qui se di-
stingue : par un ecusson triangulaire, un trompe carree, les yeux ronds,
convexes, un corps oval, convexe, couverl d'ecailles grisälres et par-
seme de longs poils epars , surtout aux cotes /ateraux el sur les pat-
tes." Eine solche Diagnose dürfte vielleicht auf ein Dritltheil sämmt-
licher Curculionen passen. Eine Art: 7'. pilosa aus den Ländern im
Worden des stillen üceans. (!) — Hieran reiht der Verfasser zwei neue
Arten aus Süd-Russland: Eusomus furcillalus und Rhynchites pyri (Elu-
des entom. S.79).
Von LeContc w^urden fokende neue Arten aus Texas beschric-
234 Gers tae die r: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ben: Osphryastesligalus, latirostris, luherosus, speciosus, argenlalus, va-
rius, sordidus und decipiens (Proceed. acad. nat. sc. Fhilad. VI. S.439}.
Von Wulsant und Ray (Üpusc. enlom. II.): Bosfrichus Victoris
aus dem Dep. des Basses Alpes.
Otiorhynchus ovatus wurde von Laboulbene aus angebohrten
Früchten von üphris nidus avis erzogen (Bulletin entern. S. 48;.
Die Entwickelungsgeschichle von Orchesles populi beschrieb
Heeger (Sitzungsberichte der Wiener Akademie XI. S.42); die Larve
minirt die Blätter von Populus dilatata ; an jedes Blatt wird stets nur
ein Ei abgelegt; es finden zwei Generationen statt. (Abbildung auf
Taf. 6).
TiOng^icornia* Prionii. — White zählt im Catalog der Lon-
gicornen des Britischen Museums im Ganzen 99 Gattungen aus dieser
Gruppe auf, von denen 7 neu sind: 1. Aulacocerus n.g. otes Füh-
lerglied länger als 4tes und 5tes zusammengenommen, die Innenkante
derselben unregelmässig gezahnt, ihre Seiten nahe der Spitze etwas
ausgehöhlt; Halsschild quer, sehr kurz, Vorder- und Minterrand fast
parallel, die Seiten mit einem breiten Zahn in der Milte; Schenkel an
der Unterseite zweireihig gesägt, Schienen ebenso, aber viel stärker,
Tarsen verlängert. — Art: ^. mji«Jus von Venezuela. — 2. D ory ccr a
n. g. , auf Prionus spinicornis Fabr. gegründet. — 3. Prionomma
n. g., auf Prionus orientalis Oliv, gegründet, — 4. Ancy l opr otus
n. g., der vorigen Gattung im Habitus sehr ähnlich, doch durch die
Bildung der Fühler, deren Glieder länger und schlanker, und nicht ge-
sägt sind, unterschieden; ilalsschild mit zwei starken Zähnen an der
Seite, von denen der eine die Vorderecke einnimmt, der andere vor
der Mitte steht; seine Oberfläche mit zwei grossen Buckeln; Vordcr-
schenkel stark verdickt. Vorderschienen erweitert; Tarsen verlängert.
— Art: Ä. bigibbossus von Silliet, — 5. Pachypleura n. g. , mit
Monodesmus und Tragosoma Serv. zunächst verwandt; Thorax quer,
zweimal so breit als lang, der Seitenrand, besonders unten, verdickt;
3les Glied der Fühler länger als das 4te und 5te zusammengenommen.
— Art: P. modesla von Port IValal. — 6. Cyrtonops n.g., mit Ae-
gosoma nahe verwandt; Palpen lang, ihr Endglied fast doppelt so lang
als das vorhergehende, an der Spitze schief abgestutzt, jederseils mit
kurzen Häärchen besetzt; 3tes Fiihlerglicd nicht viel länger als das
4tc; Halsschild etwas breiter als lang, in der Mitte in Form eines Win-
kels hervortreiend ; Flügeldecken viel breiter als das Halsschild, fast
parallel; Beine einfach. Schienen flachgedrückt, behaart. — Art: C.
punctipennis aus Indien. — 7. Mal acomacrus n. g. Kopf cylin-
drisch ; Palpen breit, ihr Englied schief abgestutzt ; Fähler cylindrisch
oder nur sehr schwach zusammengedrückt, innen gewimpert ; die Glie-
der vom 4ten an oben ausgehöhlt; Halsschild ein wenig breiler als
während des Jahres 1833. 235
lang, an den Seiten gerun'Jct, am llinleiraride zweibuchtig ; Flügel-
decken sehr lang und schmal ; Beine ilaciigcdrüi kf, Tarsen verlängert.
— Art: M. ])allescens aus Brasilien.
Die von White (ebendaselbst) beschriebenen neuen Arten die-
ser Gruppe sind: Parandra puiiclala und Culombica aus Columbien,
Acanlkophorus capensis, meijalops Fernando l'o, Vrionus dimidialus Au-
stralien , viordax Indien, VoUjarlhron unipcclinalum Afrika?, Anacolus
variabilis, n'ujrinus , melanoccrus und xanlhocerus von Venezuela, /He-
roscelisus apicalis Brasilien, Megopis costipennis Silbet, Aegosoma sini-
cum China, Cingnlense Ceylon, ornaticollc , sulcipcnne und tibiale von
Indien, Aulacopus nalalensis, Macrotoma prionopus Sierra Leone, Ca-
lifortiica und spiculigera von Californien, humcralis Afrika, scaLridor~
sis, coelaspis und inicros von Tort IS'atal , Mallodon Gnalho Honduras,
Inetipenne Con^jo, coslipenne Fantee, Pyrodcs marginalits Guatimala,
pelnlocerus Süd-Amerika, antennatus desgl., Mnllaspis longiceps Mexico,
Solenoplera siibcanaliculata West- Indien , laevithorax Guatimala, Poe-
cilopeplus Balesii Brasilien, Ceroclenus mixlus und lalifascia Brasilien.
Rciehe errichtete (Ann. d. 1. soc. entom. S.419) auf Ips gigas
Oliv, die Galtung Tfiaumasus , welche der Gruppe der Prionier, und
zwar der UnterabtheÜung Spondylidae einzureihen ist. Allerdings bie-
tet dies ebenso seltene als merkwürdige Insekt durch seine cylindri-
sche Körperform eine gewisse Aehnlichktil mit den tropischen Apate-
Formen dar; diese ist jedoch nur äusserlich und bietet keinen Grund,
die Gattung vorläufig, wie R. es vorschlägt, zwischen Rostrichiden und
Longicornen einzuschalten. Die Gattung ist mit Erichsonia Westw. ganz
nahe und andrerseits auch mit Torneutes Reich verwandt und nimmt
am besten ihren Platz zwischen diesen beiden ein. Zu bemerken ist,
dass der Verl. das 3te Glied der Tarsen als „nicht zweilappig", sondern
in Form und Grösse mit den beiden vorhergehenden übereinstimmend
angiebl; dies ist, wenigstens nach dem Exemplar des Berliner Museums
zu urlheilen , unrichtig. Das 3te Glied ist zwar nicht breiler als die
beiden ersten fwas übrigens auch sonst vorkommt, z. B. bei der Gat-
tung Amallopodes Leq.) aber entschieden zweilappig, d. h. in der iMitte
tief eingeschnitten. — Das Vaterland dieses Thieres, welches auf Taf.
13 abgebildet ist, ist übrigens nicht, wie ü 1 i v i e r angiebt, Afrika, son-
dern Columbien.
Zwei neue Gattungen wurden ausserdem vonSaunders (Trans-
act. ent. soc. II, S. lOJ)) aufgestellt: 1. Eurypoda n. g. mit Mallo-
don nahe verwandt, doch durch die Längenverhällnisse des Isten und
3len Fühlergliedes unterschieden; das Isle ist nämlich kurz, birnför-
mig, das 3te lang, cylindrisch, länger als das 4te und 5le zusammen-
genommen; Schenkel und Schienen kurz, flachgedrückt; Seiten des
Thorax nicht gezähnelt. — Art: E. anlennala aus China. _ 2. Phi-
lus n. g. aus der Verwandtschaft von Tragosoma und Erioderus ; Fühler
236 Gerslaecker: Bericht üb. cl. Leistungen in d. Entomologie
ler beim ^ länger, beim $ halb so lang als der Körper; Isles Glied
beim ^ kurz und dick, 2tes knopfTörmig, die folgenden langgestreckt
unter einander gleich lang, das letzte sehr lang und zugespitzt; beim
$ ist das 3te Glied am längsten. — Art: Vh. inconspicuus aus China.
Als neue Arten wurden ferner beschrieben :
Von Buquet: Ancistrotus adtmcus aus Brasilien (Annal. d. 1.
soc. entom. S. 41, Taf. 1), um ein Driltheil grösser als A. hamaticollis
Serv. und durch gelbbraune Flügeldecken ausgezeichnet.
Von Salle (ebenda S. 6^9) : Melopocoelm ((3oplocephalus Gray)
Rojasi aus Caracas, welcher in deo beiden Geschlechtern eine auffal-
lend verschiedene Färbung der Flügeldecken zeigt. (Abbildung auf
Taf. 20).
Von LeConte (l'rocecd. acad. nat. sc. Philad VI): Derobra-
chus geminatus von Neu Mexico.
Cerambyccs genuini. — White zählte (a. a. ü.) bis jetzt 106
Gattungen aus dieser Gruppe auf, von denen folgende als neu zu er-
wähnen sind: 1. Alyl oslagma n. g., mit (lolacanthus und Heterops
Blanch. zunächst verwandt; 3les bis IQtrs Fühlerglied gegen die Spitze
etwas breiter werdend, leicht dreikantig, an der Aussenseite mit einem
Enddorn versehn; Flügeldecken verlängert, ohne Elfenbeinflecke, mit
zwei Dornen an der Spitze; Thorax an den Seilen in einen Winkel
ausgezogen, aber ohne Dorn, Hinterrand leicht zweibuchtig; Beine mas-
sig lang, kräftig; Hinterschenkel an der Spitze mit zwei kurzen Dor-
nen, alle Schenkel leicht keulenförmig verdickt. — Art: A. polita von
Honduras. — 2. Opiat o cera n. g , zwischen Temnopis Serv. und
Poeciloderma Dej. stehend; Alandibeln dick und kurz, an der Innen-
seite nicht gezähnt, die Basis erhaben und mit Haaren bedeckt; Augen
mit geradem Hinterrande; Fühler mit dickem Basalgiiede, das 3le Glied
länger als das 4te, die übrigen allmählich an Länge abnehmend, vom
3ten bis zum 7ten aussen njit kurzen Dornen besetzt, welche in einem
rechten Winkel entspringen; Thorax breiter als lang, an den Seiten
gerundet erweitert, oben etwas flach gedrückt; Beine einfach, Schen-
kel leicht zusammengedrückt. — Art: 0. callidioides aus Indien. — 3.
Rhy tidodera n.g., zieh zunächst an Hammaticherus Serv. anschlies-
send, doch von mehr länglicher Körperform; die Augen rücken mehr
auf die Oberseite des Kopfes und sind mit Ausnahme des Hinterrandes
gewimpert; der Thorax ist vorn und hinten eingeschnürt, das Aliltel-
sliick gerundet, mit parallelen Längsriefen; die Fühler innen an der
Spitze jedes Gliedes leicht erweitert und abgerundet; Flügeldecken an
der Spitze schief abgestutzt — Art: R. Bowringii aus China. — 4,
Dior US n. g. , mit Criodion Serv. verwandt, und der Australischen
Gattung Phoracanlha im Habitus nicht unähnlich ; Fühler kurz, die Glie-
der an der Innenseite gegen die Spitze etwas erweitert, das 3lc nui*
während des Jahres 1853. 237
wenig länger als die ülin'gen ; Gesicht kurz, Augen gross ; Thorax fast
so lang als breit, auf der Oberfläche mit zwei grossen querstehenden
Höckern, die Seilen fast parallel; Flügeldecken breiter als der Thorax,
an der Spitze in einen Dorn ausgezogen. — Art: D. hiapiculalus aus
Brasilien. — 5. Euryprosopus n. g. , mit Purpuricenus verwandt;
Kopf äusserst breif, seillich in einen Winkel ausgezogen, der die Ba-
sis der Mandibeln nach aussen begränzt ; Augen durch eine breite
IJiüt-ke in zwei Theile geschieden ; Überlippe häutig, verlängert, an der
Spitze abgestutzt und gewimperl; Mandibeln kräftig, leicht gebogen,
mit stumpfer Spitze ; Kühler lang, drittes Glied mit einem Haarbüschel
an der Spitze; Thorax becherförmig, nach hinten schnell verengt,
Flügeldecken reich, an der Spitze ganz flach , abgerundet; Schenkel
an der Basis dünn, gegen die Spitze stark keulenförmig verdickt;
Schienen schlank. — Art: IC. clavipes aus Brasilien. — ö. Erythrus
n. g. auf Saperda bicolor Weslw. gegründet. — 7. C omp somera n. g.,
zunächst mit Callicliroma verwandt; das erste Fühlerglied etwas ver-
dickt, an der Spitze scharf abgeschnitten, das dritte ein wenig ge-
krümmt und der Länge nach ausgehöhlt; Thorax uneben, mit zwei
Höckern an der Seile ; llinterbtine verlängert, alle Schenkel keulenar-
tig verdickt. — C. eleganlissima von Port Natal.
Die (ebenda) von White beschriebenen neuen Arten sind : Aga-
lissus ^-maculatus Honduras, Tiachelia eburioides Neu-Granada, Lisso-
nolus rubidus und ielraspilotus aus Brasilien , Phaedinns pictus Vene-
zuela, Clioprosopus Saundcrsii Mexico , iridescens Guatimala, Pteropla-
tus sellalus Alexico, Lophonocerus Latreillei Brasilien, Eburia pedeslris
Honduras , telraslalacta ucd poslica von Jainaica , thoracica Brasilien,
Eburodacnjs longilincala , mancula^ punclipennis , dubilata, subafßnis,
megaspilola aus Brasilien , Elapkidion coronalum Guatimala , Iransver-
sum Jamaica, laeve Honduras, Trichophorus Dysoni Venezuela, Sphae-
rion armigeruin Brasilien, inennc und Erichsonii desgl., subpiceum
Honduras, insulare Jamaica , Orientale Silhef, Mallosoma sculellare und
ihoracicum aus Brasilien , Mallocera simplex , lateralis , undulans und
eburioides aus Brasilien , Malacopterus flavosignalus Brasilien , Poecilo-
derma lineolalum , basale und terminale von Jamaica, Hammalicherus
pubipennis WesUAiVika, pedeslris und humcralis aus Indien, nitidus von
Ceylon, Natalensis Port Natal , aurifaber Borneo, servus — ?, simplex
AVest- Afrika , simulans Tenasserim, Purpuricenus montanus Himalaja,
Sinensis China , Cyclodera Angasii Adelaide , Tylosis suluralis Mexico,
Erythrus Championi und Fortunei aus China, Westicoodii aus Indien,
Orthostoma erythrogaster , violaccum und igneum aus Brasilien, Ddtas-
pis thoracica Mexico, Chrysoprasis aureicollis Brasilien, suturella Co-
lumbia, moerens Brasilien, hirtula Venezuela, Jonthodes sculplilis Süd-
Afrika, clavipes Sierra Leone, Callichroma neoxenum — ?, Cwrroi tCongo,
sulcatulum Sierra Leone, cinderella Australien , Cranchii Congo, basale
238 Gerslaecker: Berichl üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Ashantee, assimilalum Brasilien, cosmicum Honduras, chahjbealum West-
Afrika, smicum und gibblcolle aus China, Pliaetusa Philippinen, perlae..
tum Assam , Nytnpha Ostindien, biviltatiim desgl., Hardwickianum IN'e-
pal, cijanomelas Gnatimala, melanianthe und Gucintii Port IS'atal, Lima-
culalum China, cylindricnm Sierra Leone, Closleromcrus iiyiperialis Port
Natal , Pi'omeces Kraussii Port Nalal , prasinus Ostindien, purpuraltis
Süd-Afrika, PoUjzonius ^-maculalus Ostindien, bizonalus desgl., inermis
desgl., Mellyi Süd -Afrika, 6-maculalus Cap, Sericogasler laetipennis
Süd-Afrika.
Die von White aufgestellte Galtung Euryprosopus, welche auf
eine einzelne Art begründet wurde, hat Buquet (Revue et Slagas. de
Zoologie V. p. 256) mit 5 neuen Species bereichert, welche sämmtlich
aus Süd-Amerika stammen. Dieselben sind unter den Warnen E. Ale-
xianus, Dardanus, apicalis, iiigripoinis und cyanipeunis aus'ührlich be-
schrieben und auf Taf. 8 Siämmllich abgebildet.
Die von Lucas im Jahre 1851 vorläufig durch eine Diagnose
bekannt gemachte Galtung Sgmpiezocera (Bull. d. I. soc. cntom. IX.)
ist jetzt ausführlich in Guerin's Revue et Magas. de Zool. p. 25 be-
schrieben und die einzige Art S. Laurasii auf Taf. 1 abgebildet.
Kewmans Monographie der Giüiung Dlslichocera, von welcher
vorläufig ein Auszug im Zoologisl 1851 niitgetheilt worden war, ist
jetzt vollständig in den Proceed. of Ihe zoolog. soc. RIarch 1851 er-
schienen und auch in den Annais of nat. bist. XI. p. 253 If. abgedruckt.
Eine milElaphidion Serv. zunächst verwandte neue GatJunj; Man-
nophoriis wurde von Leconte (Proceed. acad. nat. sc. Phüad. VL
p. 439) folgendermassen charaklerisirl : ,,Jlcsosternum simplex, haud
protuberans; mandibulae subacutae; palpi breves, subaequales, arliculo
ultimo subcylindrico, longiore; thorax rolundalus, non arniatus, ad api-
cem Iransversim conslriclus et margine promiiiulo munitus, basi niargi-
natus; elyira eburnea ornala, mulica ; pedes lenues, fcmora mulica, non
clavata, tarsi poslici articulo 1. paullo elongato; anlennac 11-arlicuIa-
tae, tenues , elongalae , maris arliculo ultimo fere diviso. — Art: M.
laelus aus Texas.
Als neue Arten wurden von demselben (ebenda) beschrieben:
Stenaspis splende7is, Elaphidion moeslum, spurcum und debile, sämmtlich
von Texas.
Ferner (ebenda p. 22G ff.) : Callichroma plicalum und Eburia
mulica aus Mexico, Vhysocnemum amelhyslimim aus Californien.
Von aiotschulsky wurden (Etudes entom. S. 79) als neu auf-
gestellt: Anoplisles afßtiis vom Altai und Ccrambyx acuniinalus aus
Georgien.
Yon Saunders (Transact. enlom. soc. IL S. 109 ff.) : Callichroma
Taldermani und Colobus sericeus aus China. ^
während des Jahres 1853. 239
Die Enlwiekelungsgeschichle desCallidiuin dilalatum Payk. wurde
von Heeger (Silzungsberichte der Wiener Akademie XI. S. 935) ge-
schildert; die Larve lebt im gesunden Holze von Fagus sylvestris, in
-welchem sie nahe der Rinde schlangcnförniige Gänge macht; ebenda
geschieht auch die Verwandlung in einem aus Spänen gefcrliglen Ge-
häuse. (Abbildung Taf. 4).
Lamiariae. — Als neue Arten sind aufzuführen:
Potyrhaphis Grandini aus Brasilien und angustalus von Cayenne,
von Buquet (Annales de la soc. enlom. p.444) aufgestesit. — Cero-
slerna hispida und Glenea Forlunei Saunders aus China (Transact. en-
tern soc. II. p. 109 ff). — Monilcma armatmn und crassum Le Conle
aus Mexico (Proceed. acad. naf. sc. Philad. VI. p. 226 ff.). — DorcO"
dion monllcola und navaricum Mulsanr, das erste aus Süd-Frankreich,
das letztere ans Navarra (üpusc. entoin. II.). — Aedilis xafilhoneura
Mulsant et Rey aus Sicilien (ebenda). — Phyloecia punclicollis Wul-
sant et Wachanru aus Caramanien (Mem. de l'acad. de Lyon II. p. 15).
Lepturetae. — Hampe beschrieb (Verhandl. d. zool.-botan.
Vereins zu Wien II. S. C7) Lepiura Kratlcreri, eine neue Art aus
Galizien.
iMulsant gab (Opusc. enlom. II. p. 121) die ausführliche Be-
schreibung des Weibchens von Vesperus Xalartii.
Chrysopnelinae. Sagrides. — Schaum bemerkt (En-
tom. Zeit. S. 86), dass die ajn Putziger Seestrande vorkommende Hae-
monia, welche allgemein für H. Gyllenhali Lacord. gehalten wird, von
dieser spezifisch verschieden, dagegen mit H. Curtisii Lacord. (Zoste-
rae Steph. Carl.) identisch sei.
Die Naturgeschichte der Haemonia cquiseli Fabr. ist von Hee-
ger (Sitzungsberichte der Wiener Akademie XI. S. 940. Taf. 6) be-
schrieben worden; die Eier werden im Herbste an die W^urzellheile
von Potamoseton nalans gelegt und im Frühjahre des folgenden Jah-
res kommen die Larven zum Vorschein, um sich von den Wurzeln zu
nähren. Im August machen sie sich ein Cocon an den Pflanzensten-
geln im Wasser und nach 18 bis 20 Tagen entwickelt sich aus dem-
selben das vollkommene Insekt.
Eine neue Art Foecilomoxpha thoracica aus Port IVatal wurde
von Perroud (Annal. de la soc. Linn. de Lyon I. p. 522) aufgestellt.
— Ebendaselbst wird auch das noch unbekannte q von Poecilomor-
pha tomcnlosa Lacord. und das dito ^ von Sagra bicolor Lacord. be-
schrieben.
Clythrides — Nach Snffrian (Entom. Zeit. S.233) ist Cly-
Ihra punctata Oliv. = Cl. Wenelriesii Fald. Lacord., nicht aber, wie
Lacordaire vermulhet, als Varietät zu CL scopolina zu ziehen.
240 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie '
Cryptocephalides. — Suffrian hat im 8len Bande der
Linnaea cnlomologica ein „berichtigtes Verzcichniss der Europäischen
Cryplocephalen" geliefert. Der Verf. veröfTenllicht darin die Bear-
beitung eines reichhaltigen Materials, welches ihm seit dem Erscheinen
seiner im 2ten und oleo Bande der Linnaea befindlichen Monographie
zugegangen ist. Durch dieselbe ist die Europäische Fauna nicht nur
mit einer Anzahl neuer, meist dem Süden eigenlhüniliclier Arien be-
reichert worden, sondern es wird auch über mehrere, bis dahin zwei-
felhafte Arien näherer Aufschluss gegeben. Der vorliegenden Arbeit
zufolge umfasst die Gattung Cryploccphalus 126, Pachybrachys 14 und
Stylosomus 4 Europäische Arten.
Cryptocephalus gloriosus, ciue neue Art aus Caramanien, wurde
von Mulsant und Wachanru (Opuscules cntom. 11) aufgestellt.
Ch r ys 0 m e lar i a e. — IScue Arten sind: Tritnarcka inlricala
wnd interlexta Ualdcman , die ersle von Oregon, die letztere aus Ca-
lifornicn. (Proceed. acad. nat. sc. Philad. VI. p. 364). — Fachnephoms
bislriatus Mulsant und Wachanru aus Caramanien. (Mem. de l'acad. de
Lyon 11. p. 17).
Heeger beschrieb (Silzungsberichte der Wiener Akademie XL
S. 927 u. 930) die EntwicUelungsgeschichte der Gastrophysa polygoni
Linn. und Plagiodera armoraciae Linn. — Die Eier von Gaslr. polygoni
werden zu 6 bis 10 an die Unterseite der Blätter von Polygonum avi-
culare gelegt ; nach 8 bis 12 Tagen kommen die jungen Larven aus,
welche sich von der Pflanze nähren und zur Verpuppung in lockere
Erde gehen, wo sie sich ein Tönnchen kneten. (Abbildung auf Taf. 1.)
Die Eier von Plagiod. armoraciae werden zu 4 bis 8 auf die Blät-
ter von Weiden und Polygonuni aviculare gelegt, deren überhaut die
Larven verzehren, während sie die Unterhaut unversehrt lassen; die
Verwandlung findet an den Blättern stall, aber stets an soUhen , wel-
che beschattet sind. (Abbildung auf Taf. 2.)
Die ersten Stände der Chrysomela cochleariae Fabr. wurden von
Letzner (Denkschr. der schles. Gescilsch. S.209) beobachtet. Die
Larven leben in der Mitte des Juli auf Naslurlium amphibium und sind
ausgewachsen 2^/^ Linien lang; 8 bis 11 Tage nach der Verpuppung
erscheint der Käfer. (Abbildung der Larve Fig. 28).
Gallerucariae. — Galleruca coslalis, eine neue Art aus Ca-
ramanien, wurde von Mulsant und Wachanru (Mem de l'acad. de
Lyon IL S. 16) aufgestellt.
li^ndoBiiycIfii4la,e« Le Conto gab (Proceed. acad. nal. sc.
Philad. Vol. VL p. 357 sqq.) eine systematische Uebersicht der in Nord-
Amerika einheimischen Arten dieser Familie. Die vom Verf. aufge-
stellte Uebersicht der Gattungen ist folgende:
während des Jahren 1853. ^41
A. Frosternum inter coxas distincluniv'v' iT '^i';
Antennae gradatim incrassatae, articulo ultimo truacalo Epip,ocus*
Antennae articulis ultimis tribus obliquis, maioribus:
Palpi maxiHares dilatati ..... Endotnychu?*
„ „ tenues 31ycetina.
Antennae articulis uUimis tribus peffoliati5 . . Phymaphora.
B. Prosternum inier coxas non produclun).
Fcnjora clavata ; antennae articulo 10. obliquo . ♦ Lycoperdiiia.
FeHJora non clavata; antennae articulis uUimis per-
foliatis ....*... Rbanis.
Die Gattung Epipocus umfasst 5 Arten , von denen 4 neu sind,
nämlich E. cinclus, punclalus, discoidalis und laetus; ausserdem rech-
net der Verf. hierhin den Endomychus lineatus Oliv. , welcher jedoch
nach des lief. Ansicht der Gattung Lycoperdina angehören muss. Mit
dieser stimmt er in der linearen Bildung des Proslernums, so wie durch
die langgestreckte Fühlerkeule, deren Istes und 2les Glied nach in-
nen nicht winklig erweitert sind (wie es bei Epipocus der Fall ist)
ülierein.
Die Gattung Mycetina enthält 3 Arten, nämlich den Endomychus
perpulcher Newm., die Lycoperdina testacea Ziegl. und den Erotylus
hispidus Herbst. Der letztere muss jedoch, wie es schon von De-
jean geschehen ist, der Galtung Ephebus eingereiht werden, welche
von Mycetina wesentlich verschieden ist. Alle Arten dieser Gattung
lassen sich auf den ersten Blick schon durch die kurz ovale oder rund-
liche, hochgewölbte Körperform und dadurch erkennen, dass die Sei-
lenränder des Halsschildcs durch eine tief eingedrückte Seitenlinie ab-
gesetzt erscheinen. Ausserdem ist die sehr langgestreckte und lose ge-
gliederte Fühlerkeule bezeichnend.
Die übrigen Gallungen Endomychus, Phymaphora Lycoperdina und
Hhanis enthalten je eine, schon hinlänglich bekannte Art.
Coccinellidae« Mulsanl giebt im 3ten Heft der Opuscu-
les entomologiques einen Nachtrag zu seiner Monographie der Cocci-
nelliden, welcher durch reichhaltiges Material , das dem Verf. neuer-
dings zugekommen, einen bedeutenden Umfang erreicht hat. Ausser
der Beschreibung einer grossen Anzahl neuer Arten und ergänzenden
Bemerkungen zu schon bekannten werden vom Verf. auch wieder 4
neue Gattungen Vodcllaj Baltia, Ci-ypiolaemus und Ptatyomus aufgestellt,
von denen die beiden ersten den eigentlichen Coccinellen, die dritte
den Scymniern, und die vierte den Rhizobiern angehören.
Derselbe beschrieb (Üpuscules entom. IL) drei neue süd-franzö-
sische Scymuier unter den Namen Scymnus alpestris , anomus und «a-
Archi%- f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2. Bd. Q
242 Gerstaecker: ßericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
linus; für die letztere Art wird wieder eine neue Gattung Coeloplerus
erriciitel.
Nach H e e g e r (Sitzungsberichte der Wiener Akademie X. S. 467)
nähren sich die Larven des Scymnus aler Kug. von den auf Hollunder,
Linden etc. lebenden Acariden und einer Thrips-Art; vor der ersten
Häutung verzehren sie deren Eier, nachher ihre Larven. (Abbildung auf
Taf. 3).
Derselbe beschrieb (ebenda Band XLS. 30) die ersten Stände der
Coccinelia 22-punctata Linn.; die Larven dieser Art leben im Frühjahr
und Herbst auf Absinthium vulgare, dessen Blattlaus Aphis Absinlhii
sie verzehren (Abbildung auf Taf. 3).
Von Letzner wurde (a.a.O. S.216) die Larve und Puppe von
Chilocorus venipustulatus Scriba beschrieben und Fig. 37 — 38 abge-
bildet.
Kollar besprach (Verhandl. d. zoolog. botan. Vereins zu Wien
H. S. 24) den Schaden, welcher durch Epilachna globosa dem Luzer-
ner-Klee (Medicago sativa) erwächst.
Orilioiitera.
Orlhoplera Europaea, auctore L. H. Fischer. Lipsiae
1853. (40. 454 Seiten, 18 lilhograph. Tafeln).
Das vorliegende Werk ist als eine der bedeutendsten Erschei-
nungen , welche die entomologische Wissenschaft seit Jahren aufzu-
weisen hat, zu betrachten, indem es die gründliche Bearbeitung einer
derjenigen Insekten-Ordnungen, welche man im Vergleich mit anderen
als bisher für vernachlässigt bezeichnen könnte, wenigstens für die.Eu-
ropäischo Fauna liefert. Der Verf. hat die sich gestellte Aufgabe, die
Europäischen Orthopteren im Sinne der neueren Zoologie zu behandeln,
nach, allen Seiten hin auf eine vorzügliche Weise gelöst. Kach Vor-
ausschickung einer reichhaltigen Litteralur und eines systematischen
Verzeichnisses aller bisher bekannt gewordenen Europäischen Arten,
nebst Angabe ihres Vaterlandes (dies Verzeichniss ist von der Verlags-
handlung auch einzeln zu beziehen) verbreitet sich der Verf. über die
äussere und innere Organisation , so weit sie die ganze Ordnung be-
trifft, sodann über die Entvvickelungsgeschichte, Lebensweise und geo-
graphische Verbreitung und fügt auch Bemerkungen über die zweck-
mässigsten Mittel zur Conservirung für die Sammlung hinzu. Bei den
einzelnen Familien sind die specielleren anatomischen Verhältnisse ab-
gehandelt und durch 5 mit grosser Sorgfalt ausgeführte Tafeln erläutert.
Die übrigen 13 Tafeln versinnlichen in grosser Ausführlichkeit die Gal-
tungs- und Species-Charaktere, unter welchen bekanntlich die Struktur
der letzten Hinlerleibsringe von besonderer Wichtigkeit ist. Was die
während des Jahres 1853. 243
Feslslellung der eintelnen Arten belrilft, so haben dem Verf. eine bc-
liächtllche Anzahl typischer Exemplare Eum Vergleich zu Gebote ge-
standen; hingegen sind ihm auch mehrere, vorzüglicl^Russische Ar-
ten unbekannt geblieben , welche deshalb nur nach den von den be^
treffenden Autoren gegebenen Beschreibungen angeführt werden konn-
ten, — Nach dem vorliegenden Werk beläuft sich die Zahl der bis
jetzt bekannt gewordenen Europäischen Orthopteren auf 241 , von de-
nen auf die Forficulina 2ö , auf die Blattina 17, auf die Manlodea 7,
«uf die Phasmodea 2, auf die Gryllodea 25 , auf die Locuslina 78 und
auf die Acridiodea 86 Arten kommen.
Die von Peters in Mossambique gesammelten Ortho-
pteren sind von Schaum bearbeitet worden und die neuen
Arien vorläuDo- durch Diagnosen in den Monatsberichten der
Berliner Akademie der Wissenschaften S. 775 bekannt ge-
macht.
Von <?en 47 in Mossambique gesammelten Arten stellten sich 25
als neu heraus, und 3 gaben zugleich zu Aufstellung neuer Gattungen
Veranlassung; dieselben sind an ihrem Ort angeführt worden.
Girard lieferte die Beschreibung einiger neuer Nord-
Amerikanischer Orthopteren in der Natural Histoiy of the Red
River of Louisiana. Washington 1853, Dieselben sind bei
den einzelnen Familien namentlich aufgeführt.
lieber die Stridulation der Orthopteren hat Y|ersin Un-
tersuchungen angestellt und die Resultate seiner Beobachtun-
gen in den Bullelins de la societe Vaudoise des seien ces na-
turelle^ T. III. S. 100 und S. 239 veröffentlicht.
Der Verf. glaubt für die Feststellung sonst schwierig zu unter-
scheidender Arten dieser Ordnung einen guten Anhaltspunkt in der Art
ihres Gesanges gefunden zu haben. Ev hebt hervor, dass gerade sehr
ähnliche Species sich in ihren Gesangsweisen auffallend unterscheiden,
während umgekehrt äusserlich sehr verschiedene Arten jsich in dieser
Hinsicht nahe stehen. Unter 4 Arten von Gryllus haben zwei, näm-
lich Gr. donieslicus und campestris denselben , zwei andre einen sehr
verschiedenen Gesang. Von elf beobachteten Locustarien sin<l zwei
stumm , die anderen dagegen unterscheiden sich durch ihre Töne sehr
gut, wovon nur zwei, die sich aber ronst durch auffallende Charaktere
auszeichnen, ausgenommen sind. Unter den Acridiern haben 12 fast
gar keinen oder einen kaum bemerkbaren, 17 andere einen leicht zu
unterscheidenden Gesang; nur in zwei Fällen haben verschiedene Ar-
ten gleiche Weisen : im ersten sind die Insekten so verschieden, doss
Servil le sie sogar zwei Gattungen zugclheilt hat; im anderen gieb
244 Gerstaecker: ßericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
die Lebensweise hinreichenden Anhalt, indem die eine Art in der Ebene,
die andere auf Bergen vorkommt. — Hervorgerufen werden die Töne
bei den Gryllen und Locuslarien durch das Reiben der Flügeldecken an
einander, bei den Acridiern dagegen durch das Reiben der Hinterschen-
kel an den Flügeldecken. Im letzteren Fall sind die Flügeldecken die
in Schwingung versetzte Ebene, die Schenkel dagegen der Streichbo-
gen. Die Intensität des Tones leitet der Veif. aus der Construktion
der Flügeldecken her; er ist nämlich sehr hell und laut bei denjeni-
gen Arien, deren Flügeldecken-Felder nur von wenigen Adern durch-
zogen sind, hingegen um so schwächer, ein je dichteres ISclz diese Fel-
der bedeckt. Der Grund davon liegt auf der Hand: je weniger die
in Schwingung gesetzte Fläche unterbrochen wird , desto stärker kann
der Ton sich entwickeln. Einen sehr schlagenden Beweis für diese
Theorie findet der Verf. in der Flügelbildung der Acridier, von denen
nur die Männchen musikalisch sind; hier ist der Unterschied zwischen
männlichen und weiblichen Flügeldecken sehr in die Augen fallend,
indem die Gitlerung der ersten sehr weitläufig, die der letzteren da-
gegen sehr eng ist. Auf einer beigegebenen Tafel sind die Flügel-
decken beider Geschlechter von üedipoda cothurnata und morio, so wie
einige andere zur Vergleichung abgebildet.
ISl»ttina« Cornelius, (Beiträge zur näheren Kenntniss
von Feriplaneta (Blatta) orientalis Lin. , Elberfeld 1853) hat werth-
Yolle Untersuchungen über die Naturgeschichte dieses Thieres ange-
stellt, welche besoaders für die Entwickelungsgeschichte von Wich-
tigkeit sind. Die Beobachtungen des Verf. beziehen sich vorzüglich
auf diejenigen Stadien der Entwickelung, welche nach dem Ausschlü-
pfen aus dem Ei folgen und schliesscn sich daher an die vonRathke
angestellten- über die Entwickelung im Ei (Bl. germanica) genau an.
Die jungen Thiere haben nach dem Ausschlüpfen eine Länge von
^Va'"» und müssen im Ganzen 7 Häutungen bis asur vollständigen Aus-
bildun«y überstehen, welche erst im fünften Sommer erfolgt. Die erste
Häutung erfolgt beim Ausschlüpfen aus dem Ei, die zweite 4 Wochen
darauf, die übrigen je nach Verlauf eines Jahres, und zwar stets wäh-
rend des Sommers. Die letzte Häutung fällt mit dem Uebergange aus
dem Puppenzustande zum vollkommenen Insekte zusammen.
Moravitz, Quaedam ad anatomiam ßlattae Germanicae perti-
nentia. Dissert. Dorpat 1853 ist dem Ref. nicht zugegangen, doch
findet sich ein ausführlicher Bericht darüber von Hagen in der En-
tom. Zeit. 1854. S. 378.
Vier neue Arten aus Mossambique wurden von Schaum (Mo-
uatsberichte derBerl. Akad. p. 776) diagnosticirt: Blalla slrigosa, Fan--
chlora maculipentiis und poecila, Hormelica porlenlosa.
niantides. Eine neue Art ist Manlis alticeps Schaum aus
Massaml)iq,ue (a. a. 0.>
während des Jahres 1853. 'i^5
Acliciidne* Gryllus conspcrsus und leres, zwei neue Arten
■aus Mossambique, wurden von Schaum (a. a. 0.) durch Diagnosen
bekannt gemacht.
Ilaldeman boschrieb (Procecd. acad. nat. sc. Philad. VI. p.3öi)
iXija viixta als neue Art aus Texas.
Die Katurgeschichte von Gryllus campestris hat Y er sin (Bul-
letin de la soc. Yaudoise des sciences nalur. 111. p. 128) einem ins
Einzelne gehenden Studium unterworfen und folgende Miltheilungen
darüber gemacht. Im Larvenzustande hat das Insekt schon dieselbe
Form wie in seiner letzten Lebensperiode, nur dass die rudimentären
Flügel das Aussehen von kleinen Schuppen darbieten; ihr Innenrand
Ist in dieser Periode nach aussen gekehrt und die Hinterflügel be-
decken die Flügel, gerade umgekehrt als beim ausgebildeten Thiere.
In den ersten Apriltagen findet die erste Häutung statt , welche sich
einige Tage vorher durch mattere, schwarze Farbe und dadui'ch, dass
sich die Flügeldecken etwas in die Höhe heben, ankündigt. Bei der
Häutung selbst setzt sich das Thier den Strahlen der Morgensonne
aus, hält sich mit seinen Krallen am lioden fest und drückt nun so
lange, bis die Haut auf dem Rücken platzt; das Herausarbeiten aus
derselben dauert kaum 20 Minuten. Die Legeröhre des Weibchens,
welche vorlier kaum das Ende des Körpers überragte , ist jetzt so
lang wie die Schwanzfädon, Die abgeworfene Haut wird sogleich vom
Insekt aufgezehrt. Um die Mitte des April findet die zweite und letzte
Häutung statt, welche auf gleiche Weise wie die erste bewerkstelligt
wird. Die Flügeldecken sind im Momente des Ausschlüpfens von weiss -
lieber oder gelblicher Farbe; sie breiten sich allmählich aus und haben
nach mehreren Stunden ihre bleibende Form erlangt. — Der singende
Ton, welchen das Männchen hervorbringt, wird durch das Reihen der
Flügeldecken aneinander hervorgerufen; er verstärkt sich, sobald ein
Weibchen gewittert wird. Die Anzahl der Eier, welche ein Weib-
chen in die Erde legt , ist sehr beträchtlich und erstreckt sich auf
mehrere Hunderte; ein oder zwei Tage nach dem Ablegen sind sie
cylindiisch, 2'/^ Millim. lang , •/■i Millim. breit, blassgelb und durch-
schimmernd. Sie bleiben einen Monat bis zum Ausschlüpfen des jun-
gen Gryllus in der Erde. Dieser ist sehr schlank , seine Fühler und
Schwanzfäden verhältnissmässig viel länger als l)eim ausgebildeten.
AVie viele Häutungen er im Herbste zu bestehen hat und wann er
anfängt seine Gänge in der Erde zu graben, hat der Verf. noch nicht
ermitteln können,
liocustfariae. Von Schaum wurden (Monatsberichte der
ßerl. Akad. d. Wiss. p. 777) zwei neue Gattungen aufgestellt: 1.
Ci/m a t 07/ier rt , auf Acanthodes rugosa Linn. Serv. und Pseudophyl-
!u3 iemoratus Fabr. Burm, gegründet. 2) H or alosp haga. „Caput
246 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leislangen in d. Entomologie
exsertum , dependens , gula libera ; verticis fastigio breTi , trigono ,
supra sulcalo. Prothorax elongatus , dorso planus , prosterno mulico
oblique adscendente. Wesosternum et metaslernum postice excisa,
angulis productis. Elytra abdomine niullo longiora, alae aborlivae
(sahem in fcmina). Pedes longi , graciles, femora omnia subtus bi-
spinosa, tibiae quadrilaterae , angulis omnibus spinosae, anlicae utrin-
qae lineola profunde iinpressa." — Arl: //. serrifera n. sp. — Aus-
serdem werden folgende neue Arten diagnoslicirl : Hetrodes Pelerüiy
Phaneroplera ampleclens, Cymatomera denticoUis, Conocephalus haslifer
und pungcns, Saga macrocephala sämmtlich von Riossambiqne.
Ualderoan beschrieb (Proceed. acad. nat. sc. Philadelphia VI.
p. 364) als neu: Plialatigopsis scabripes aus Alabama.
Girard stellte (Nat. hisl. of the Red River of Louisiana) Ana-
brus Haldemani als neue Art auf.
Acri«1ii. Schaum errichtete (Monatsberichte der Herl. Akad.
S. 779) eine neue Gattung Calantops auf Acridium saucium Burm., und
fügte derselben eine neue Art aus Rlossambique, C. melanosliclus, hinzu.
Ausserdem werden folgende neue Arten von demselben Fundorte dia-
gnosticirt: Truxalis conslrictus , Poecilocerus caltipareus und cylindri^
collis , Chrysochraon stenopterus , Pachylylus lenuicortiis , Catoplenus
pulchripes, Pamphagus euryscelis, hboscelis und haploscelis, Chrologonus
hemiplerus.
Girard beschrieb (Nat. bist, of the Red River of Louisiana)
Brackypeplus magnus als neue Art.
Lucas gab (Bulletin entomol. S.6j) die Diagnose einer neuen
Art der Galtung Eremobia Serv. , welche bei Biskra in Algier aufge-
funden worden ist 5 er nennt sie Eretn. Jaminü; nur das Weibchen
bekannt.
Terinitides* Quatrefagues, Note sur les Termites de la
Rochelle (Annales des sciences naturelles Tom. XX. p. lö ff.) vermulhef,
dass die bei Bordeaux und Rochelle lebenden Termiten , welche beide
als T. lucifugus bekannt sind, nicht einer und derselben Art angehö-
ren, indem beide eine ganz verschiedene Lehensweise haben. Die in
Rochelle lebende verursacht dieser Stadt bekanntlich durch ihr Wini-
ren ungeheuren Schaden, während die von Bordeaux sich nur am Fusse
von Bäumen aufhält und menschlichen "Wohnungen niemals nahe kommt.
Ausserdem liefert der Verf. den historischen Beweis, dass die in Ro-
chelle lebende Art ursprünglich nicht einheimisch, sondern aus St. Do-
mingo eingeführt worden sei.
In einer zweiten Abhandlung „Memoire sur la destruclion des
Termites« (ebenda p. 5) beschreibt derselbe eine Reihe von Versuchen,
welche er mit verschiedenen Gasarten zur Tödlung der Termiten ange-
stellt hat. Von den verschiedenen Mitteln hat sich ihm dabei das Chlor-
während des Jahres 1853. 247
Gas als das wirksamste herausgestellt, welches er daher, zumal es auch
leicht zu bereiten und dem Menschen am wenigsten nachtheilig sei, zur
Anwendung empfiehlt.
Zwei neue Arten aus Mossambique wurden von Hagen (Sitzungs-
berichte der Berl. Acad. d. Wiss. p. 4b0) durch üiagnosen bekannt ge-
macht : T. mossambicus und incertus.
Von Hai dem an (Proceed. acad, nat. sc. Philad. VI. p.365): T.
nigriceps aus Mexico.
liibelliilinae» Synopsis des Calopterygines, par E. de Se-
lys-Longchamps. Bruxelles 1853. Der Verf. gicbt als Vorarbeit
zu einem grösseren Werke eine systematische Uebersicht dieser Gruppe
aus der Familie der Agrioniden, in welcher er die Gattungen, Unter-
gattungen und Arten durch Diagnosen festgestellt hat. Die Arbeit tim-
fasst im Ganzen 100 Arten, welche auf 12 Galtungen und 25 ÜT^ter-
galtungen verlheilt sind. In Betreff der geographischen Verbreitung
ist hervorzuheben, dass diese Gruppe bis jetzt keinen Repräsentanten
in Australien aufzuweisen hat.
Buckmann nimmt (Annais of nat. hisl. XII. p. 436) für die von
Weslwojod unter dem Namen Helerophlebia dislocata beschriebene
fossile Libelle (siehe Jahresbericht für 1848) den von ihm früher auf-
gestellten Species-Nameu Lib. Brodiei in Anspruch.
Epliemerinae« üligoneura anomala Fielet wurde von Kirsch-
baum bei Wiesbaden in einem weiblichen Exemplar gefangen, gehört
also der deutschen Fauna an, während Pictet als fragliches Vater-
land Brasilien angiebt. (Jahrbücheer des Vereins für Naturkunde im
Jlerzogthum NassaulX. 2. S.44).
]Vouro|itcra.
Die von Peters in Mossambique gesammellen Neurop-
teren sind von Hagen bearbeitet worden, und die Diagno-
sen der neuen Arten vorläufig in den Monatsberichten der
Berliner Akademie S.479 milgetheilt.
List of Ihe specimcns of Neuropterous Insecls in Ihe col-
leclion of Ihe British Museum. Part. II. (Sialidae-Nemopteri-
des). London 1853.
Dieser Catalog ist dem Ref. nicht zugänglich gewesen; er ist
nach einer Notiz im Zoologist, S.3859, wie der erste Theil von Wal-
ker bearbeitet und enthält: 3 Sialis, 1 Ithone, 1 Alerope, 1 Dilar, 8
Chauliodes, 17 Hermes, 2 Corydalis, 13 Rhaphidia, 48 Mantispa , 2
Hoplophora, 3 Nymphes, 1 Polystoechotes, 8 Osmylus, 93 Chrysopa, 66
Ilenierobius, 1 Droniophila, 4 Coniorles, 217 3Iyrmclcon, 81 Ascalophus,
248 Gerslaccker: Bericht üb. d. Leislung-en in d. Entomologie
1 Slillopleryx, 1 Chorista, 3 Boreus, 20 Panorpa, 1 Enpliania, 18 BiU
tacu», 19 Nemopter».
Heinerobini. Hagen {jab (Monatsbenchle der Beilinrr Aka-
demie S.480) die Diagnosen folgender neuer Arien aus Älossanibiqiie :
Chrysopa venusta , Micromus timidus , Ascaiaphus laceratus , Falpares
eilrinus, moeslus, (rislis, Myrmeleon leucospilos und b-maculaius.
Guerin-Meneville beschrieb (Revue et Magas. de Zoologie
V. S. 26l) eine zweite Art der von Schneider aufgestellten (»atSunjj
Apochrysa unter dem Namen A. marianella aus Parä; sie ist auiTaf. 8
abgebildet.
liymcnoptepa>
Förster hat seine Centurie neuer Hymenopteron mit
der 6. bis 10. Dekade in den Verhandlungen des nalai histo-
rischen Vereins der preuss. Rheinl. u. Westphalens X. S.266
—362 beendet.
Von den fünfaig neuen hier beschriebenen Hymenopteron gehö-
ren 20 der Gattung Coelioxys, 29 der Familie der Chrysiden, und l der
Gattung Komia an. In der Familie der Chrysiden stellt der Verf. zu-
gleich zwei neue Gattungen auf.
Eine Anzahl neuer oder wenig bekannter Ilymcnoptercn
aus Algier machte Leon Dufour in den Annales de la soo.
enlom. 1. p. 375 u. ff. bekannt. Dieselben sind an ihrem Ort
namhaft gemacht.
Smith theille (Zoologist p.4077) Bemerkungen über die
von ihm in der Umgegend von Soulhend beobachteten lly-
menopteren mit.
Newport, The anatomy and development of cerlaln
Chalcididae and Ichneumonidae. (Transact. Linn. soc. XXI. 2.
p. 85) hat seine Untersuchungen mit der Entwickelungsge-
schichte einer Ichneumon-Art und der Entvvickelung des Darm-
kanals nebst seinen Anhängen bei verschiedenen parasitischen
Hymenopteren fortgesetzt.
Kirschbaum gab (Entomol. Zeit. p. 28 sqq.) ein Ver-
zeichniss der bei Wiesbaden, Dillenburg und Weilburg im
Herzogthum Nassau aufgefundenen Sphegiden.
Dasselbe urafassl im Ganzen 120 Arten, welche sich auf die ein-
zelnen Familien und Gattungen folgendermassen verlheilen : Spheridae:
Mimesa mit 4,ePsen mit 2, Äliscus, Amu.ophila, Psammophila undSphex
je mit lArt. — ^ Pompilidae: Ceropales mit 2, Aporus mit ], Pompilus
während des Jahres 1&53, 249
mit 13, Pogonius mit 1, Agenia mit 2, Priocnemis mit 8 Arten. —
Larridae: Äliscophus mit 2, Dinctus mit 1 , Tachyles mit 3, Astota mit
1 Art. — INyssonidae: Alyson mit 1, liarpactus mit 3, Stizus mit 1,
Iloplisus mit 4 (darunter 1 neu), Goryles mit 2, Kysson mit 5 Arten.
— Bembecidae : Bembex mit 2 Arten: — Philanthidae : Philanthus mit
I und Ceceris mit 5 Arten. — Mellinidae: Mellinus mit l Art. — Pem-
phredonidae: Celia und Stigmus mit je 1, Passaloecus mit 4, Diodon-
tus mit 2, Ccmonus mit 3 und Pemphredon mit 1 Art. — Crabronidac:
Trypoxyion mit 2, Oxybelus mit 9, Entomognalhus mit 1, Lindenius
mit 3 und Crabro mit 23 Arten.
Apiariae. Die Arten der schwierigen Gattung CoelioxysLatr.
hat Förster (Verband!, d. naturh. Ver. der Rheinlaiide X. S. 266 u. ff.)
einem genaueren Studium unterworfen und ist zu dem Resultat ge-
lan;-t, dass die früheren Autoren, besonders L e p e I le t i er, auf Theile,
welche grossen Schwankungen unterworfen sind, wie die Behaarung
und Zeichnung des Hinterleibs, die Form des Scutellum und seiner Sei-
tendorne etc., ein zu grosses Gewicht bei Feststellung der Arten ge-
legt haben, während wirklich wesentliche Merkmale von ihnen über-
sehen worden sind. Als solche betrachtet der Verf. die Behaaiung
der Augen, die Bildung der Hinterleibsbinden (ob sie nämlich aus Schup-
pen oder Häärchen bestehen) und ganz besonders die Bildung der Af-
terdecken. Hieraus leuchtet sogleich ein , dass eine Bestimmung und
richtige Deutung der von den Autoren aufgestellten Arten ohne Au-
topsie der Original - Exemplare sehr schwierig ist; doch glaubt der
Verf , dass C. conica Lepell. = acuta INyl. und punctata Lepell. = co-
noidea lllig. sei , und dass C. temporalis Nyl. ebenfalls zur letzteren
als Synonym gehöre. Von den 22 ihm bekannten Arten hat der Verf.
I I in der Umgegend von Aachen selbst beobachtet, doch nur von zweien
derselben beide Geschlechter vor Augen; von den 4 ^ und 5 $, die
übrig bleiben und die er als eigene Arten beschrieben hat, mögen viel-
leicht sich die einen oder die andern später als zu einer Art gehörig
nachweisen lassen. Die 20 als neu beschriebenen Arten sind: Ccon^
slricta aus Süd-Europa, crelensis von Greta, diplolaenia aus Dalmatien,
echinala aus Süd-Europa, coronata und pohjcenlris aus Ungarn, macrura
aus Süd-Europa , haemorrhoa von Erlangen , erythropyga aus Süd-Eu-
ropa, emarginala und apictilala aus Ungarn, microdonla, divergens, /?5-
sidens (ob == Apis 4-dentata Lin. ?), fralerna, dighjpha , alala , auro-
limbata, Irinacria und tricuspidala aus der Umgebung Aachens. — Ohne
den Beobachtungen des Verf. ihren Werth bestreiten zu wollen, glaubt
Ref. die vorliegende Arbeit doch als eine durchaus verfrühte bezeich-
nen zu müssen, welche jedenfalls mehr Verwirrung als Aufklärung in
die Sache bringt. Da F. selbst eingesteht, dass ihm die meisten Ar-
ten der früheren Autoren dunkel seien, und dass mehrere von ihm selbst
beobachtete möglicherweise als ^ und $ zusamraengchörcn könnten,
250 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
so hätte er besser gcthan, die Auseinandersetzung seiner als neu ver-
inuthelen Arten erst nach Beseitigung jener Zweifel zu veröiTenllichen.
Anlhidium coronalum, eine neue Art aus Algier wurde von Leon
Dufour (Annales d. 1. soc. entom. S. 381) auffjestellt.
Derselbe hat (ebenda S.386) nachgewiesen, dass Anthophora
crassipes Lepcll. als 7i zu Anth. mixta Lepell. (o) gehört; Beide wur-
den von ihm mehrfach in Begattung gefangen. Zu erwähnen ist, dass
Lepelletier irriger Weise eine andere Art ohne verdickte Schen-
kel als ^ zu seiner Anth. mixta gezogen hat.
Schenk gab (Jahrbüclier des Vereins für Naturkunde im Her-
zogthum Nassau IX. 1. S. 88— 306) einen umfangreichen Nachtrag zu
seiner im 7. Hefte derselben Zeitschrift veröffentlichten „Beschreibung
nassauischcr Bienenarien," welcher zahlreiche ßerichti<;ungen und Zu-
sätze zu den einzelnen Gattungen und Arten liefert.
Von Desborough sind neue Beobachtungen über die Lebens-
dauer der Honigbiene angestellt und in den Transact. of the entom.
soc. H. S. 145 fr. miigelheilt worden. („On the duration of life in the
queen, drone and woiker of Ihe honey bee.") Der Verf. hat das Resul-
tat erhalten, dass die Königin 3 bis 4 Jahre , die Arbeiter mindestens
2 und höchstens 8 Monate, und die Dronen ebenso lange wie diese le-
ben, nur dass sie in der Regel zu einer früheren Zeit von den Arbei-
tern getödtet werden.
Pickard-Cambridge will (Zoologist S. 347G) das Phänomen
der „Raubbienen" mit dem Vorhandensein der Honigmotle (Achroia aU
vearia) in einem Bienenstocke in Verbindung bringen Es sollen näm-
lich die Bienen eines Stockes den Honig aus demselben entfernen, wenn
derselbe von der 3Iotte angegriffen wird , und ihn an einen sicheren
Ort bringen. — Newman widerlegt diese Annahme (ebenda p. 37G6),
indem er zeigt, dass in dem von Pickard erwähnten Falle ein Be-
obachtungsfehler vorliege; die Raubbienen hätten nicht dem Stocke
angehört, in welchem die Honigmolte Platz genommen, sondern seien,
wie dies stets bei Raubbienen der Fall sei, die Bewohner eines ande-
ren Stockes gewesen.
Varney gab (Transact. entom. soc. IL p. 113) eine Notiz über
das Verhallen des Stachels der Bienen beim Verwunden; darnach bleibt
nicht nur die Scheide , sondern auch stets die beiden in ihr liegenden
Stacheln in der Wunde stecken.
Andreuetae. Dasypodae Rossicae, in districta Romen gu-
bernii Poltavici captae, descriptae et icone illustratae, auctore J. Baer
(Bullet, de la soc. imp. des natur. de Moscou. 1853. p. 69). Der hier
beschriebenen und auf einer Tafel abgebildeten Arten sind im Ganzen
9, wovon 7 neue, nämlich: Dasypoda nemoralis , falleolay Tscherlko^
rtand, thoracica^ melanoplcura, decora und nigrans.
währcod des Jahres 1853. 251
Förster stellte (Vtrhandl. des nalurh. Vereins der Reinlande
X. S. 356) eine neue Art Komia hungarica auf, welche sich von N.
disversipes Laif, dadurch unterscheidet, dass nur das 2te und 3le Seg-
ment des Hinterleibes an der Basis eine weisse Binde haben und dass
das Gesicht mit rölhlich gelben Haaren besetzt ist.
Andrena Doursana n. sp. aus Algier wurde von Leon Dufour
(Annales de la sog. entern. S.382) bekannt gemacht.
Vesparäae. Von H. de Saussure's vortrefflichem Werk:
„Eludes sur la famille des Vespides" ist im Jahre l853 der zweite
Theil erschienen, welcher eine Bearbeitung der Guepes sociales enthält.
Die dem vorliegenden Bande beigefügten 33 Tafeln sind mit derselben
Sorgfalt und Eleganz, wie sie schon am ersten Bande gerühmt wu?den,
aulgeführt und enthalten ausser den Abbildungen einer giossen Reihe
von Arten auch die Darstellung der wegen ihies Künstlichen Baues so
bewundernswürdigen INester dieser Insekten.
Die geselligen Wespen zerfallen nach Saussure in 12 Galtani-
gen, welche vom Verf. unter folgende Uebersicht gebracht werden:
I. Abdomen sitzend oder fast sitzend.
A. Fosl-Scutellum vollständig vom Sculellum bedeckt. Gat-
tung Nectarinia, 10 Arten.
B. Post-Scutellum nicht vom Scutellum bedeckt, Gattungen:
Charlergus mit 9, Polistes mit 62, Vespa mit 41 Arten,
II. Abdomen gestielt, das erste Segment ganz den Stiel bildend.
A. Zweite Cubilalzelle viereckig, gegen die Radialzelle hin
nicht verengt. Gattung Ischnogaster mit 4 Arten.
B. Zweite Cubilalzelle gegen die Radialzelle hin verengt.
a) Maxillarpalpen 5 - gliedrig. Gattung Rhaphigaster
n. g., mit 7 Arien.
b) Maxillarpalpen 6-gliedrig. Gattungen: Mischo cijll a^
rus n. g. mit 2, Synoeca mit 7, I curia n. g. mit 30,
Polybia mit 5i, Tatua n. g. mit 2, Apoica mit 4 Arten.
Schenk lieferte (Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Her-
zoglhum Kassau IX, 1. p. 1— 87} eine „Beschreibung der nassauischen
Arten der Familie der Fallenwespen (Vesparia, Diploptera)." — Es wer-
den 31 Arten, als bisher im Herzofilhum Nassau aufgefunden, beschrie-
ben, welche auf die einzelnen Gattungen folgcndermassen vertheilt
sind: Vespa l2, Polistes 2, Eumenes 1, Discoelius 1, Pterocheilus 3,
üdynerus 9, Symmorphus 3. Von den 12 Arten der Gattung Vespa
werden 4 als neu beschrieben V. sitnüis, ßavicincta, rufosculellala und
Iridens.
Saussure gab (Bulletin enlomologique p. 19) eine vorläufige
Uebersicht der Galtungen , welche der Gruppe der JMasariden angehö-
ren und fügt hieran die Diagnose 3 neuer Arien: Ceramius cercerifor-
2^52 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
mis , Paragria bicolor und auslialis, die beiden lelzleren aus IN'cu-
Holland.
Neue Arten sind ausserdem: Enmenes pensyhanica Ilaldeman
(Procecd. acad. nat. sc. Fhilad. VI. p. 365), Odynenis rhombiferus Leon
Dufour (Annales de la soc. entom. p. 381) aus Wgier , Ai2cislrocerus
deßendus Saunders (Transact. enlom. soc. II. p. l42j aus Albanien.
Die zwischen Rom and und Schaum einerseits und Blan-
chard und Lucas andrerseits entstandene Streitfrage über die Anzahl
der Fühlerglieder von Alasaris vespiformis ist in den Annales und Bul-
letin de la soc. entom. fortgesetzt worden und hat sich zu Gunsten
der ersteren entschieden. Eine von der enlomclogisciien Gcsellschai't
zu Paris eingesetzte Commission, aus Fairniaire, (loureau und
Guerin bestehend, hat zwar geurtheilt, dass an dem vonFabricius
beschriebenen Exemplare eine Gliederung an der Unterseite der Füh-
lerkeule nicht warzunehmen sei. Sanssure dagegen hat an demsel-
ben Exemplare die von S c h a u m angegebene Gliederung deutlich wahr-
genommen. Letzterer hat, um dem Streit ein Ende zu machen, eine
Abbildung beider Geschlechter nach den Exemplaren des Berliner Mu-
seums auf Taf. 20 gegeben und bemerkt, dass Saussurc das Weib-
chen irrigerweise als eigene Galtung und Art: Erynnis Bomandl auf-
gestellt habe.
I^<]rnilcaria.e« Eine überslchlllche Darstellung der Nassaui-
sclicn Amcisen-Species gab Schenk in der Enlom. Zeit. Wo. 5—7.
pegen die frühere Bearbeitung des Verf. in den Jahrliücbcrn des Ver-
eins für Naturkunde im Merzoglhum Nassau , 1852 (sithc d, vor. Jah-
resbericht S. 34) ist hervorzuheben, dass die GatUuii; Atta mit einer
zweiten Art, nämlich der Alyrm. sui):»"rranea Latr., \ crmehrt worden
ist, und dass die vom Verf. früher als Eriloj» teslaceum beschriebene Art
einer neuen Gattung Mijrmvs zuerlheilt worden ist , und jetzt als M.
emarginatus n. sp. aufgeführt wird.
Die Oesterrcichische Fauna wurde durch Mayr (Verhandl. des
zool. bolan. Vereins in Wien II. p. l43j durch Aufstellung einiger neuen
Arten, von denen zwei zugleich eine neue Gattung bilden, bereichert:
Formica austriaca, Tapinoma nilens, Oecophthora subdenlata. — Acro-
coelia n. g. „Oper, et fem.: lilandibulae basi et anlice lalitudine ae-
quales; palpi maxillares arliculis 5 cylindricis, 1. ceteris breviore, 5.
longiore. Labium subquadralum , basi anguslius; palpi labiales art. 3
acqualibus, cylindricis. Labrum quadratum, lalum, lateribus emargina--
tum. Anlennae U-articulatae. Petiolus 2-articulalus , altius abdomini
insertus, art. 1. quadrato, depresso, 2. globoso, medio longiludinaliler
subsulcato. Abdomen distincte aculealum, in operariis ad apicem acu-
niinatum." — Zwei Arten: A. rvßceps n. sp. und Sch7nidlii n. sp.
Nach ßlanchard's Beobachtung lebt Typhlopona üraniensis
•uj^^lrt:: Während (leg Jahres 1 853. 2o3
Lucas nach Art derTerniilen in grossen Gesellschaften. (Bulletin entoni.
p. 3S).
Pompilidae* Lucas unterschied (Bulletin cnlomologique
p. 32) eine neue Art seiner Gattung Clavelia , welche sich durch ganz
schwarze Färbung auszeichnet und für die er vorläufig den Kamen C/a-
relia mclas aufstellt. Der Fundurt dieser Art ist Fonteba in Algier.
Splies;iBna,e. Leon Dufour gab (Annales de la soc. en-
!om. p. 375) von Sphex pubesccns Fabr. eine nähere Beschreibung und
stellte eine zweifelhafte neue \rl Sph. niveata, die vielleicht mit cincta
Fahr, identisch ist, auf; beide wurden in Algier beobachtet.
Kirschbaum wies (Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im
Ilerzoglhum Nassau IX. 2. S.42) an einem Exemplar von Miscus cara-
peslris mit ungeslielter dritter Cubilalzelle nach, dass eine Trennung
der Gattung Miscus Jur. von Amrnophila h'irby nicht gerechtfertigt sei,
indem der Charakter, auf welchen jene Gattung abgesondert ist, selbst
nach Individuen derselben Art variire. (Dasselbe Resultat hat auch schon
Spinola bei seinen Untersuchungen erhallen und in seinen llymeno-
ptercn von Farä dessen Erwähnung gelhan).
ISeixiliecides« Bemhcx galactina, neue Art aus Algier, wurde
von Leon Dufour (Annales de la soc. entom. p. 378) bekannt gemacht.
liarrafae* Leon Dufour beschrieb (ebenda^S. 378) Ta~
chyles rvficrus , Dineiiis niger und Palarus humeralis als neue Arten
aus Algier.
Crabrouitcs* Neue Alten aus Algier, von Leon Dufour
(a. a. 0. S. 379) aufgestellt, sind: Cerceris elegans, nigrocincta und
slraminea^ Philanthus coronalus.
Kirschbaum machte (Jahrbücher des Vereins für Naturkunde
im Hcrzoglhum Nassau IX. 2. S.42) auf die Unregelmässigkeit im Ader-
Verlauf bei der Gattung Nysson Latr. aufmerksam. Nach Dahlbom
gehören r.ämlich Nysson spinosus und maculatus in zwei verschiedene
Abtheilungen, je nach dem Ursprung der Cubilal- und Discoidal-Ader
der Hinterflügel. K. hat aber ein Exemplar von Nysson maculatus Fabr.
gefangen, welches vom gewöhnlichen Typus abweichend, im Geäder ganz
mit N. spinosus übereinstimmt.
Clirysidides« Zwei neue Gattungen dieser Familie wurden
von Förster (Cenlurie neuer Hymnopteren) aulgestellt: 1. Chry-
sogona n. g,, von Chrysis durch viel schmaleren Körper und dadurch,
dass die ersten Discoidal-Zellen offen sind, unterschieden. — Die ein-
zige Art. Chr. gracillima ist in der Färbung kaum von Chrysis ignila
zu unterscheiden. 2. Notozus n. g., unterscheidet sich von Ellampus
durch die eigenthümliche Bildung der Vorderschenkel, welche an der
Basis nach aussen erweitert sind; ferner durch das Posiscutellum, wel-
ches meist so verlängert und zugespitzt ist, dass seine Spitze sich über
254 Gerslaccker: Berichl üb. d. Leistungen in d. Entomologie
den llinterbruslröcken gleichsam frei liineislrcckl ; endlich durch die
Bildung des 3ten Hinterleibssegmenls , dessen schmale Spitze auf die
Bauchseile ^lerunlgebogen ist, so dass der gewöhnliche Einschnitt auf
der Bauchseite liegt. — > Zu dieser Gattung gehören ausser Ellampus
Tanzeri Spin. 5 neue Arten : N. Friwaldszhyi und pyrosomus aus Ungarn,
bidens aus Schlesien, conslrictus und anomalus aus der Umgegend von
Aachen. — Auscrdcm werden folgende neue Arten beschrieben: Chry-
sis Irimaculata und sybarita aus Ungarn, ßavitarsis aus Süd - Europa,
lamprosoma und comla aus der Türkey , cingulicornis und lazulma aus
Ungarn, cyanochroa, janlhina ^ auveola , chrysoprasina , Rosenhaucri,
cingulata und taeniophrys aus Süd-Europa, Cleples acrosus aus Ungarn,
Hedychrum luculetilum von Greta , curvattim und chalcouotum aus Süd-
Europa, Ellampus ckrysonolus und inßamnialus aus Ungarn, generostis
von Aachen, blandus und praeslans aus Italien. — Von den ihm be-
kannten Arien der Galtung Chrysis, deren Zahl sich auf 33 beläuft»
giebt der Verf. eine analytische Tabelle.
Clialcidiae* Newport (Further observations on the habits
of Monodonlomcrus, Transact. Linn. soc. XXI. 2. p.9j) hat durch di-
rekte Beobachtungen die Angabe von Smith bestätigt gefunden, dass
die Larven von Monodontomcrus nitidus nicht die Larven, sondern die
INymphen von Anthophora angreifen. Zugleich hat er die Entdeckung
"•emacht, dass auf den Larven von Monodontomerus wiederum ein Pa-
rasit lebe, der diese ebenso vernichte, wie sie selbst die Anlhophora-
^ymphen ; dieser Parasit gehört den Acariden und «war der Gruppe
Sarcoptides Koch an, und wird als neue Gattung und Art unter dem
Namen Helcropus venlricosus beschrieben.
Derselbe (ün the ocelli in the genus Anthophorabia , ebenda
p. 161) wies in Bezug auf die gegen seine Behauptung erhobenen Zwei-
fel dass das ^ von Anthophorabia an den Seilen des Kopfes anstatt
der zusammengesetzten Augen nurOcellen habe, an diesen Organen mit
Bestimmtheit eine durchsichtige Cornea und eine pigmentirte Choroidea
nach und stellte somit ihre Eigenschaft als Sehorgane fest.
Iclineiinionides. Ichneumonides platyuri Europaei : descri-
pliones et adnotationes novae auctore C. Wesmael. (Bullet, de I'aca-
demie des sciences de ßelgique Tom. XX. 3. p. 297 ff.). DerVerL giebt
eine Reihe berichligender und erläuternder Bemerkungen über einzelne
von ihm schon früher beschriebene Arten dieser Gruppe und fügt die
Beschreibung einer Anzahl neuer hinzu. Diese sind: Proholus concin"
nus aus Belgien (von Graven borst mit Pr. allicola vereinigt), Eu-
rylabus dirus aus Schweden , Plalylabus sternoleucus (früher vom Verf.
als PL iridipennis Grav. beschrieben) aus Belgien , pullus , leucogram-
mus und pallidens aus Schweden, varipiclus aus der Schweiz, Apaele^
ticus longicornis aus Deutschland, inimicus aus Schweden und inclytus
von Paris.
während des Jahres 1853. 255
Tischbein erzog aus einer neuen ßlattwespe (Ncmalus Wes-
maeli) zwei ebenfalls neue Ichncumoniden , welche er (Entom. Zeit.
S. 348) als Tnjphon utilis und Campoplcx contexus beschrieb.
Newport gab in seiner Abhandlung „The anatomy and deve-
lopmenl of certain Chalcididae and Ichneumonidae« (Transacl. Linn. soc,
XXI. 2. S. 85) eine ausführliche Beschreibung von der Entwickelung des
Ichneumon Atropos. Die Larve desselben lebt nicht nur in der Uaupe
von Sphinx Atropos, sondern auch und zwar noch häufiger in Sphinx
Ligustri. Das Ei wird nicht, wie Curlis für die Ichneumonen im
Allgemeinen annimmt, in die Raupe erst nach ihrem Eingraben in die
Erde hineingelegt, sondern schon nach ihrer letzten Häutung ; der Verf.
fand nämlich in noch nicht ganz erwachsenen Raupen schon Ichneumo-
nen-Larven von ^4 Zoll Länge. In der Regel wird nur ein Ei in eine
Raupe gelegt, doch linden sich zuweilen auch zwei. Das Ei scheint
gleich lief in die Raupe hineingesenkt zu werden, denn schon die klein-
sten Larven fanden sich zwischen dem Fettgewebe und dem Darnika-
nal an der Rückenseite und waren in der Regel mit ihrem Kopfende
nach dem Kopf der Raupe hin gekehrt. Die Larve, welche 14 Seg-
mente zeigt, verwandelt sich im April zur Wymphe und das vollkom-
mene Insekt erscheint im Juni aus der Puppe. — Die verschiedenen
Stadien der Entwickelung sind auf Taf. 9 abgebildet.
Tentlireclinetae. Von Tischbein wurde (Entom. Zeit.
S. 347) als neue Art beschrieben : Nemalus Wesmaeli , dessen Larve auf
Pinus Larix lebt.
Die Naturgeschichte dieser merliwürdigen Insekten ist
nun von Saunders durch alle Stadien der Entwickelung mit
grosser Gründlichkeit an Xenos und Hylechthrus studirt, und
die Ergebnisse in den Transact. of the entom. soc. IL p. 125 fr.
mitgelheilt worden. (Nolices of some nevv species of Strep-
sipterous Insects from Albania , with furlher observations on
the habits, transformations and sexual economy of these pa-
rasites).
Aus den Beobachtungen des Verf. sind folgende Thalsachen, als
von besonderem Interesse, hervorzuheben : das Einbohren der sechs-
füssigen Strepsipterenlarven in den Körper der Hymenoplerenlarven wird
in kurzer Zeit bewerkstelligt. Dieselben heften sich zuerst mit dem
Kopf und Schwanzende fest und sind im Verlauf von 3 Stunden vollständig
eingedrungen; in einem Falle wurde beobachtet, dass eine solche Larve
nach Verlauf von 2 Stunden zur Hälfte in die Ilymenopterenlarve ein-
gebohrt war und sich mit dem noch zurückgebliebenen Theil ihres Kör-
256 Gerslaccker: Bericht üb. d. Leislungen in d. Entcmologie
pers aussen festhielt. Acht Tage nach dem Eindringen findet die erste
Uäulung der sechsl'üssigen Larven statt, wodurch dieselben in den Zustand
der fusslosen Wade treten. Die relative Lage der Larven im Körper
des Hymenopleron ist verschieden ; sie liegen mit dem Kopf nach hin-
ten oder nach vorn, zuweilen auch quer, was besonders dann der Fall
ist, wenn mehrere in einer Larve zugleich eingebettet sind. Zu der
Zeit, wo die Hymcnoplerenlarve zur Kymphe wird, hat die Slrepsiple-
renlarve ihr Wachslhum vollendet und bohrt sich nun mit dem vorde-
ren Theile zwischen die Abdominalsegmenle hindurch, welcher Akt eine
oder zwei Stunden einnimmt. Sind mehrere Parasiten in einer Larve
vorhanden, und es stellen sich beim Durchbühien des einen Segmentes
Schwierigkeiten entgegen, so wird das folgende aufgesucht und dort
das Herausbohren Lcwerkslelligt. Das Hervordringen der Strepsipteren-
puppen an der Bauchseite des Hymenoptcron ist in der Regel eben-
falls durch das Vorhandensein mehrerer Individuen bedingt, obwohl es
auch vorkommt, dass sich die sechsfüssigen Larven ohne besonderen
Anlass in die untere Seite einbohren. — Während des Ausschlüpfens
des Männchens ist bei Xenos stets die Rückenseite nach unten , d. h.
gegen den Rücken der Wespe gekehrt, bei Hyicchthrus dagegen nach
oben , so dass dessen Bauchseite dem Rücken der Wespe zugewandt
erscheint. Hieraus zieht der Verf. den Schluss, dass einer von beidei>
sich in der Puppenhülse umwenden muss und zwar wahrscheinlich itn
Nymphenzustande; wenn die Lage des Weibchens mit der des Männ-
chens übereinstimmt, so wäre die convexe Oberseite des ersleren als
Rückenfläche, und die conrave Unterseite als Bauchseile zu betrachten.
Die Lebensdauer der männlichen Strepsipteren ist vielfachen Beob-
achtungen zufolge sehr kurz, und währt ii. der Regel nur 2 bis SSlun-j
den; nichts desto weniger kann man ihnen nicht eine geringe Lebens-
kraft zuschreiben, da sie sich oft noch nach dem Tode des Hymenople-
ron aus ihrer Hülle glücklich hervorarbeiten. In der Regel scheint
^as Ausschlüpfen acht Tage nach dem Hervordrängen der Puppe zu er-
folgen, zuweilen 1 bis 2 Tage später. Ein Zurückbleiben des Insek-
tes in der Puppe über die gewöhnliche Zeit hinaus scheint seine Le-
bensdauer zu verlängern, indem in einem Fall dasThier noch am 13ten
Tage nach dem Hervordringen der Puppe, und am 5ten Tage nach dem
Tode der Wespe lebendig angetroffen wurde. — Nach Sa unders Be-
obachtungen finden sich in einer und derselben Hymenopferen - Larve
stets nur Individuen desselben Geschlechtes; diese an Hylechthrus und
Xenos gewonnene Thatsache steht im Gegensatze zu der Beobachtung
Pickerings, welcher beide Geschlechter von Slylops Spencei aus
einer und derselben Andrena erzog. — Aus den Begattungsversuchen,
welche der Verf. angestellt hat, seheint hervorzugehen, dass die Weib-
chen in der ersten Zeit ihres Hervortretens aus dem Hinterleib derHy-
Hienopteren noch nicht zur Fortpflanzung fähig sind; wenigstens vollzo*
während des Jahres 1853. 257
gen die mit ihnen zusammengesperrten Mannchen in dieser Periode nichl
die Copula. Hingegen wurde in einem Fallt; ein 3-tägiges, in einem
anderen ein 5-lägiges Weibchen von den hinrugesperrlen, eben ausge-
schlüpften Männchen sogleich bcgallet.
Von demselben Verf. wurden (ebenda p. 141) drei neue Arten
dieser Familie beschrieben: Xenos Heydenii aus dem Hinterleib einer
neuen Art der Gattung Aocistrocerus, Xenos Klugii aus Odynerus rubi-
cola Duf. und Hylechthrus Sieboldii aus Prosopis variegata Panz. er-
zogen; alle drei stammen aus Prevesa und vom Ambracischen Aleer-
bosen.
V. Siebold hat in der schlesischen Gesellschaft für
vaterländische Cullur einen Vortrag über die Slrepsipteren
gehalten (ein Bericht darüber findet sich auch in der Enlo-
molog. Zeit. p. 133 abgedruckt), in welchem er sich gegen
die Ansicht, wonach diese Insekten den Coleopleren unterge-
ordnet werden, ausspricht, und die Aufnahme derselben in
das Verzeichniss der Europäischen Käfer nur in so fern bil-
ligt, als sie dadurch einer grösseren Aufmerksamkeit empfoh-
len werden. Zugleich giebt derselbe eine Anleitung, die be-
treffenden Hymenopteren zur Erziehung der Parasiten längere
Zeit am Leben zu erhalten.
Diptera.
Insecta Britannica. Diptera Vol. II. by F. Walker. Lon-
don 1853.
Der vorliegende Band enthält die Bearbeitung des letzten Thei-
les der Brachycera, ferner der Ilypocera und Coriacea (Eproboscidea).
Wie der Verf. in der Vorrede angiebt, war er in seiner Arbeit auf
eine bestimmte Bogenzahl beschränkt und er hat daher mannigfache
Abkürzungen einführen müssen, die freilich nicht zum Vortheil des
Werkes ausgefallen sind. So ist z. B. bei der Gattung Tachina un-
gefähr die Hälfte der Britischen Arten unbeschrieben geblieben, von
den Anlhomyiden noch nicht ein Viertel der Arten aufgenommen.
Ebenso sind die Gruppen der Dexiden, Helomyziden, Lauxaniden, Or-
lalidcn, Osciniden und Psiliden, was die Arten betrifft, mehr oder we-
niger unvollständig ausgefallen. Die Borboriden und Hydromyziden
hingegen sind vollständiger abgehandelt und sind Haliday's Bear-
beitung entlehnt. — Die sehr kärgliche Synonymie, welche schon bei
Besprechung des ersten Bandes als unzweckmässig gerügt wurde , ist
Unverändert beibehalten worden. Zehn von Westvvood gezeiph-
nele Tafeln geben eine Darstellung der wichtigsten Repräsentantea
Archiv, f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2 Bd. ß
258 (J crsl n eckcr; ßerichl üb. d, Leistungen in d. Entomologie
der verschiedenen Familien. Da iür die Folge ein dritter (Supple-
ment-) Band in Aussicht gestellt ist, so ist zu hofVen, dass auch
diese zweite Abtheilung der Englischen Dipteren eine der ersten ent-
sprechende Vollsliindigkeit erlangen wird. — Mit Hinzufügung der
Artenzahl der einzelnen Gattungen geben wir eine Uebersicht des
in dies-em Bande bearbeiteten Materials.
Fam. Muscidae: a. Myopides : Zodion 1, Myopa 5. — b. Tachi-
nides: Phasia 3, Ocyptera 2, Phania 2, Gymnosoma 1, Bucenles 1,
Gonia 2, Tachina 166 (davon 92 als neu beschrieben). — c. Dexidcs:
Prosena 1, Dexia S, (1 Art neu). — d. Sarcophagides : Trixa 3, Sar-
cophaga 10. — e. Museides: Musca 21, Stomoxys 1, — f. Anthoniyi-
dcs : Anthomyia 80 (davon 28 neu), Drymeia 1, Lispe 2. — g. Ilc-
lomyzides : Cordylura 6, Scatophaga 6, Coelopa2, Orygma 1, Actora 1,
Sciomyza 6, Ilelomyza 3, Leria 1, lleteromyza 1, Dryomyza 3, Te-
tanocera 11, Sepedon2, Doryecra 1. — h. Borboridcs : Sphaerocera5,
Borborus 10, Limosina 21, Ileteroplcra 1. — 1. Lauxanides: Lauxa-
hia 4, Lonchaea 2, Palloptera 12, Ochthiphila 2. — k. Ortalidcs:
Plalystoma 1, Ulidial, Orlalis 7, Trypeta22. — 1, Sepsides : Sepsis 2,
Enicita 1, Ncmopoda I, Themira 4, Saltella 2, Calobata 3. — ra. Psi-
lides: Micropeza 1, Loxocera 2, Lissa 1, Chyliza 1, Psila 5, Pio-
phila 2. — n. Oscinides : Platyccphala 1 , Camarota 1 , Meromyza 3,
Chlorops 11, Oscinis 4. — o. Geomyzides : Gymnopa 2, Opomyza 4,
Diastata 2, Drosophila 7 (davon 1 neu), Asteia 1. — p. Phytomyzi-
des: Agromyza 7, Phytomyza 11. — q. Ilydroniyzides : Ochthera 1,
Kotiphila 13, Hydrellia 15, Ephydra 36.
Fam. Oestridac. — Oeslrus 1, Ccphalomyia 2, Gasterophilus 4.
Fam. Phoridae. — Phora 18.
. , Fam. Hippoboscidae. — Hippobosca 1 , Ornithobia 1 , Ornitho-
myia 1, Hacmobora 1, Stenopteryx 1, Melophagus 1.
Fam. Kycteribidae. — Pfycteribia 2.
Loew, Neue Beiträge zurKennlniss der Dipteren (Pro-
gramm der Realschule zu Mescritz 1853) enthält ausser der
Beschreibung einiger neuer Arten eine Monographie der Gal-
tung Gcria und eine Revision der Arten der Gattung Conops
(siehe unten!)
Tipitlariae« Einen sehr werthvollen „Beitrag zu einer Mo-
nographie der Gallmücken« gab Winnertz im Sten Bande der Lin-
naea entomologica. In der Einleitung unterwirft der Verf. alle frühe-
ren, denselben Gegenstand behandelnden Arbeiten von M eigen,
Macquart, Bondan i, ßremi, Loew und Z e 1 1 e r s t e d t einer
ins Einzelne gehenden, genauen Prüfung und theilt seine Beobach-
tungen, insofern sie von denen der früheren Autoren abweiciien, mit.
während des Jahres 1S53. 259
Den beiden bisher bekannten Galtungen Cecidomyia Meig. und Lasio-
ptera Älei^. wird eine neue Gattung «Sy^aniocerrt zugefügt. Bei dieser
ist der Kopf sehr klein, die Fühler vorgestreckt, fadenförmig, 2+11-
<i"liedrig, die Glieder lang, cylindrisch, mit kurzer Behaarung und ohne
"NVirtelhaare ; die Taster klein, 4gliedrig : der Hinterleib beim ^ stumpf,
mit kleiner Zange, beim $ nur wenig zugespitzt; die Flügel massig
gross, eirund mit keilförmiger Basis, mit drei ganz einfachen Längs-
adern. — Von dieser Gattung ist dem Verf. nur eine neue Art Sp.
squatnigera bekannt. — Die Gattung Cecidomyia selbst betreffend, so
nimmt der "Verf. die von Loew aufgestellten 7 Untergattungen an,
stellt dieselben durch neu aufgefundene Merkmale näher fest und fügt
ihnen eine 8te , unter dem Kamen Colpodia zu. Dieselbe zeichnet
sich durch die an der Basis zweifach ausgebuchtete zweite Längsader
und die grosse, schräg liegende Querader, welche nicht aus der Wur^
zel der ersten Längsader, sondern entfernt von derselben aus dieser
Längsader selbst entspringt, aus. — Die dieser Untergattung zuge-
hörende neue Art ist Cec. angiislipennis Winn. — Der spezielle Theil
der Arbeit liefert die Beschreibung von 97 Arten der Gattung Ceci-
domyia , darunter eine grosse Anzahl neuer , und 5 Arten von La-
sioptera.
Nach Ileeger (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien
S. 68) sind Scatopse leucopeza, nigra, notata und punctata nicht spe-
cifisch verschieden, sondern gehören als Varietäten einer und dersel-
ben Art an. Ileeger erzog nämlich alle vier Formen aus den Eiern
eines und desselben AYeibchens.
Derselbe hat (Sitzungsberichte der "Wiener Akademie X. S. 10
und XL S. 27 und 34) die Entwickelungsgeschichte von drei Arten
und Gattungen dieser Familie beschrieben und durch Abbildungen er-
läutert. — Die Eier derDiamesa culicoides Ileeger werden vom Weib-
chen an Steine, die von fliessendem "Wasser bespült werden, gelegt;
die Larven kriechen nach 8 bis 10 Tagen aus, machen sich ein
schlauchartiges Gespinnst an Steinen, welche in starker Strömung lie-
gen, und erneuern dieses in vergrössertem Maassstabc nach jeder Häu-
tung und endlich auch zur Verpuppung. — Sciara fuscipes Meig. legt
ihre Eier in kurzen Schnüren zu 6 bis 10 in feuchte, mit faulenden
Schwämmen vermischte Erde ; nach 8 bis 10 Tagen entwickeln sich
die Larven, welche sich zur Verpuppung ein Tönnchen an der Ober-
fl^iche der Erde zusamincnkncten. — Von Limnobia platyptera Meig.
werden die Eier einzeln an die Unterseite von Schwammschirmen ge-
legt, aus welchen nach 4 bis C Tagen die Maden kommen , die sich
Buerst in den Stengel begeben und , wenn dieser zu faulen beginnt,
weiter nach oben gehen. Die Verwandlung geschieht ohne lläutunj
in lockerer Erde; die Fliege erscheint im Oktober oder November,
26'}" G eis la edier: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Talianii* Dufour beschrieb Fan^onta alerrima als neue Art
aus Algier. (Annales de la soc. entom. S. 388).
jisilici* Von Loew wurden (Neue Beiträge zur Kcnntniss
der Dipteren) Dioclria rvßthorax und lata, zwei neue Arten aus Un-
garn, bekannt gemacht.
Schneider gab eine Aufzählung der in Schlesien vorhom-
menden Arten der Gattung Asiliis, deren Zahl sich auf 25 beläuft;
dieselben vertheiien sich auf 14 der von Loew aufgestellten Gruppen,
(Bericht über die Thätigkeit der entom. Sectlon. S. 4).
Bonibyliarii« Drei neue südfranzösische Arten der Gattung
Anthrax wurden von Mulsant (Memoires de l'acad. de Lyon IL
p. 20 u. ff.) beschrieben : Anthrax interrvpta und squamea mit drei,
A, capilulata mit zwei Submarginalzellen.
Von demselben wird (ebenda S. IS) die Vermuthung Latre ille's,
dass die Larven der Gattung Anthrax parasitisch in anderen Insekten
leben, durch eine direkte Beobachtung bestätigt. Anthrax flava Meig.
Avurde nämlich im Juli aus einer Puppe der Koctua apriiina erzogen.
Die Puppe dieser Fliegengaltung , welche hier ausführlich beschrie-
ben wird , hat in ihrer Form Aehnlichkeit mit gewissen Tagfalter-
puppen.
Straiiomyidae« Die Entwickelungsgeschichte des Pachy-
gaster ater Fabr. wurde von H e e g er (Sitzungsberichte der Wiener
Akademie X. S. 176) erörtert. Die Eier werden an feuchten Stellen,
in AViesengräben abgelegt , wo auch die Larven ihre Kahrung im
Schlamme suchen, welche aus trocknen animalischen Substanzen be-
steht. (Abbildung auf Taf. 6).
üyrpliici. Loew lieferte (Weue Beiträge zur Kennlniss der
Dipteren) eine monographische Bearbeitung der Gattung Ceria. Es
werden im Ganzen 18 Arten aufgeführt und beschrieben , von denen
4 auf Europa, 2 auf Asien^ 5 auf Afrika, 2 auf Keuholland und 5 auf
Amerika kommen. Als n^eu sind zu erwähnen : C. capa und frenata
vom Cap, pictzda aus den Vereinigten Staaten , arietis und signifera
aus Mexiko und barbipes von Montevideo.
Conopidae* Loew hat (Neue Beiträge zur Kenntniss der
Dipteren) die von M eigen und AViedemann beschriebenen Arten
der Gattung Conops einer kritischen Revision unterworfen und die meist
durch Vergleich von Originalexemplaren gewonnenen Resultate mit-
getheilt. Hervorzuheben ist, dass C. auricincta Loew = strigata Meig.
= tricincta Meig., ferner dass C. sugens Wied. das ^ zu C. excisa
Wied. ($) ist. Mehrere Arten , welche von den beiden genannten
Autoren unkenntlich beschrieben worden sind , wie C. lacera Meig.,
variegata Meig., signata AVied., excisa Wied., nigricornis AVied. (sa-
gitlaria Say), antiqua Wied., marginata Say und capensis AVied., wer-
während des Jahres 1853. 261
den durch ausführliche Beschreibungen festgestellt und ein neue Art un-
ter dem Kamen C. bulbirostris ohne bestimmtes Vaterland hinzugefügt.
Kirschbaum erwähnte (Jahrbücher des Vereins für Natur-
kunde im Ilerzogthum Nassau IX. 2. S. 44) eines merkwürdigen Fal-
les, wo sich aus einer aufgespiesstcn Bembex tarsata nach Verlauf
eines ganzen Jahres ein wohlgebildetes Weibchen von Conops chry-
sorrhoeus Meig. entwickelte. Dasselbe war auf der Oberseite zwi-
schen dem Isten und 2ten Hinterlcibsringe der Bembex hervorgekom-
men und die Puppenhülse fand sich noch im Ilinterkib der letzte-
ren vor.
Oestracea* Kellner hat (Entomol. Zeit. S. 89) Beobach-
tungen über die im Roth- und Rehwilde lebenden Oestrus-Arten ver-
öffentlicht. Der Verf. beobaclitete 4 Arten von Larven , von denen
zwei mit Kopfhäkchen versehene in der Schleimhaut der Nasenhöhle
des Wildes, die beiden anderen ohne Kopfhäkchen auf dem Rücken
unter der Haut lebten. Die beiden erstcren ergaben durch die Zucht
Oestrus Trompe Fabr. und pictus Meig. , die letzteren 0. lineatus d«
Vill. und eine nicht zu bestimmende Art.
ITIuscariae* Apetz gab eine Uebersicht und Beschreibung
der osterländischen Arten der Gattungen Echinomyia Dum. und Trixa
Meig. Die erstere ist im Osterlande mit 7, die letztere mit einer Art,
nämlich der weit verbreiteten Trixa dorsalis Meig. vertreten. Mit be-
sonderer Sorgfalt ist vom Verf. die Synonymie behandelt worden und
ist derselbe zu dem Resultate gelangt , dass Echinomyia virgo Meig.
als Weibchen zu E. fera Linn. gehört , E. magnicornis Zetterst. =
praeceps Meig., nigricornis Meig. = tessellata Fabr. und leucocoma
Meig. Macq. = lurida Fabr. ist.
Newport diagnosticirte (Annais of natural history XII. p. 473)
eine aus Forficula-Larven gezogene neue Tachinarie unter dem Na-
men Melopia forßculae folgendermassen: „Cinerea, oculis testaceis,
antennis nigris, corpore pedibusque pilis longis nigris vestitis: thora-
cis pilis lineas sex longitudinales elTormantibus, scutello, alarum basi
femoribusque ferrugineis.«
Von Macquart wurde (Annales de la soc. entom. p. 657) eine
neue Art Aricia pici bekannt gemacht, welche durch ihre Naturge-
schichte von Interesse ist. Die Larve, aus der sich diese Fliege ent-
wickelte, wurde nämlich von Salle auf San Domingo in einer Haut-
anschwellung des Flügels eines Spechtes, Picus striatus Gmel., aufge-
funden; diese Lebensweise der Larve ist von denen der übrigen An-
thomyien sehr abweichend , indem diese bekanntlich ihre Eier sonst
in faulenden Vegetabilien ablegen.
Telanoeera amoena , neue Art aus Brussa , wurde von L o e w
(Neue Beiträge zur Kcnntniss der Dipteren) beschrieben.
262 Gerslaecker: Bciichl üb. d. Leistungen in d, Entomologie
Die EntwickeluDgsgcschichte von Phora rufipes Fall, hat Hee-
ger (Sitzungsberichte der Wiener Akademie X. p. 170) geschildert; die
Larve lebt an feuchten, unreinen Orten in der Erde und ist auf Taf. 4
abgebiJflet.
Robineau-Desvoidy, Diptercs des environs de Paris, fa-
mille des Älyopaires. 8. Auxerre 1853., ist dem Kef. nur aus einer No-
tiz in Guerin's Revue et Magas. de Zoologie V. p. 541 bekannt gewor-
den. Dieser zufolge umfasst die Arbeit die Beschreibung von 1 4 Gat-
tungen und 37 Arten, nämlich : 5 Dalmannia, l Fairmairia, t HausleU
lia, 1 Lonchopalpus , 1 Melanosoma, 1 Älyopa , 5 Myopella , l Myo-
pina, 16 Occemia, 1 Phorosia, 1 Piclinia, 1 Purpurella, 1 Sicvis und 1
ZodioQ.
IjvpUlopteva,
Leder er hat im 2ten Bande der Verhandlungen des
zoologisch-botanischen Vereins zu Wien S. 14 ff. einen „Ver-
such , die Europäischen Lepidopteren in möglichst natürliche
Reihenfolge zu stellen, nebst ßeiBerkungen über einige Fa-
milien und Arten" veröffentlicht.
Der bis jetzt vorliegende Theil erstreckt sich auf die Rhopalo-
ceren und auf die lleteroceren, Familien der Sphingiden und Bombyci-
den. Es ist dem Verf. zum Verdienst anzurechnen, dass er im Ge-
gensatz zu den früheren Arbeiten von Heydenreich und Keferstein
ein kritisches Verzeichniss der Europäischen Lepidopteren gege-
hen hat, sowohl was die allgemeine Systematik als was die Aufzäh-
lung der Arten belrifft. Besonders siiid die schwierigeren Gattungen,
"wie Sesia, Zygaena, Psyche etc. mit grosser Gründlichkeit behandeU
worden. InBelreß der Systematik sind besonders folgende Punkte her-
vorzuheben: die Bhopalocera sind nach der Bildung der Füsse ange-
ordnet. 1. Alle Füsse in beiden Geschlechtern vollkommen entwickelt.
— Equiles, Pierides , Lycaenides. 2. Vorderbeine beim Manne unent-
wickelt, beim Weib vollkommen. — Erycinides und Libytheides. 3.
Vorderbeine in beiden Geschlechtern verkümmert. — Kymphalides, Da-
naides und Satyroides. — Von den Bombyciden sehliessen sich den
Sphingiden zunächst Hepialus und Cossus an. Die Gattung Typhonia,
welche von Herrich-Schäffer zu den Tineen, von Boisduval
zu den Psychiden, von Ochsen heim er u. a. zu den Sphingiden ge-
rechnet wurde, bildet eine eigene Gruppe Typhonioideae, die sich den
Cossiden zunächst anreiht. Die Gattung Cilix bringt der Verf. mit
Platypteryx zusammen unter die Drcpanulides und erkennt somit die
H. -Seh. 'sehe Gruppe der Ciliciden nicht als selbstständig an. Unter
den Euprepien wird für B. Malronula eine eigene Gattung rierelesj
während des Jahres 1853. 263
für B. Pavasila, Baelica, Corsica etc., die Gallung Ocnogyna errichtet.
Elienso wird B. Milhauseri als eigene Gallunj^ IJybocanipa von llarpyia
getrennt Die in einem Anhang zu dieser Arbeit beschriebenen neuen
Arten sind an ihrem Ort namhaft gemacht.
Herricli - Schäffer's „Systemallsche Beschreibung
der Schincllcrlingc Europa's ist mit ileiii 58slen bis 61stcn
Hefte fortgesetzt worden. Da von dem zum fünften Bande
o-ehöriaen Text nur der erste Theil ersclilcnen ist, bleibt der
nähere Bericht bis zum Schlüsse desselben ausgesetzt.
Derselbe hat unter dem Titel „Lepidopterorum exotico-
rum species novae" ein neues Werk begonnen, welches der
Darstellung neuer ausländischer Arten gewidmet ist. Dasselbe
erscheint in zwei Reihen von Heften, von denen die eine die
Rhopaloceren, die andere die Heteroceren umfasst.
Im Jahre 1853 sind Serie I. Lief. 1—4 und Seriell. Lief. 3 er-
schienen. (Des Verf. im Jahre 1850 erschienenes Werk „Sammlung
neuer oder wenig bekannter aussereuropäischer Schmetterlinge" wird
als Lief. 1 u. 2 der Serie IL angesehen). Jede Lieferung enthält 4
Tafeln sorgsam ausgeführter Abbildungen, bis jetzt ohne Text; die Na-
men der Arten sind auf dem Umschlag jeder Lieferung abgedruckt, und
finden sich an ihrem Ort namhaft gemacht.
Freyer's Neuere Beiträge zur Schmelterlingslamde sind
mit dem 7ten Bande fortgesetzt w^orden , von welchem im
Jahre 1853 das Isle Hefte (das lOlste des ganzen AVerkes)
erschienen ist.
Faune Suisse. Lepidopteres. — IV. Partie: Phalenides
par J. C. de la Harpe. (Neue Denkschriften der allgemei-
nen Schweizerischen Gesellschaft für die gesammten Natur;-^
Wissenschaften Band XIII.)
Die vorliegende Arbeil, welche eine Uebersicht der in der Schweiz
vorkommenden Geometrae giebt, scheint eine Fortsetzung des von
Äleyer-Dür (in dem vorhergehenden Jahrgange derselben Zeitschrift)
begonnenen Werkes zu bilden. In Betreff der geographischen Verbrei-
tung der Spanner ist hervorzuheben, dass von den bis jetzt in Europa
aufgefundenen Arten, deren Zahl sich etwa auf G60 beläuft, die Hälfte
(329) in der Schweiz vorkommt. Diese Zahl würde für ein so kleines
Land eine erstaunliche sein, wenn nicht die Terrainbeschatfenheit des-
selben eine grosse Mannigfaltigkeit der Fauna bedingte. ISach einer
Uebersicht , welche der Verf. giebt , sind von den 329 Spannern der
Schweiz 112 Arten allgemein über Europa verbreitet und überall ziem-
lich hänfig, 130 hingegen nur selten anzutreffen 5 von den letzleren sind
264 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Enlomologre
etwa 80 nicht auf einzelne Lokalitäten beschränkt, 40 bisher nur an
bestimmten Orten aufgefunden, 11 allein der Schweiz eigenthümlicb.
48 Arten sind ausschliesslich alpin; einige derselben treten im INorden
Europa's wieder auf; 16 Arten sind der subalpinen und montanen Re-
gion eigen und finden sich fast sämnillich im nördlichen Deutschland
wieder. Die südliche Schweiz zählt ausserdem 25 dem Süden ange-
hörende Arten, welche an den Ufern der grossen Seen oder in den
heissen Thälern vorkommen. Die Zahl der nordischen Arten , welche
nicht die Berge bewohnen, übersteigt nicht die Zahl 20. — Siehe aus«
serdem unten: tieometrae.
Beiträge zurSchmellerlingsfauna des nördlichen China's,
von 0. Bremer und W. Grey. St. Petersburg 1853.
Das vorliegende Heftchen enthält eine systematische Aufzählung
▼on 121 in der Umgebung von Peking gesammelten Lepidopteren, von
denen 50 als neu beschrieben werden. Von besonderem Interesse i&t
das Vorkommen einer grossen Anzahl Europäischer Arten, besonders
aus den Gattungen Papilio, Pieris, Colias, Rhodocera, Argynnis, Meli-
taea, Vanessa, Limenilis, Apalura, Satyrus, Thecla, Polyommatus , Ly-
caena, Thanaos, Sphinx, Deilephila, Macroglossa , Procris, Lilhosia, Li.
paris, Cossus, Acronycta, Uadena, Agrotis , lleliothis, Plusia, CatocaSa,
Ophiusa und ßotys.
Lepidoptera microplcra, quae J. A.Wah Iberg in Caf-
frorum terra collcgit, descripsit P. C. Zell er. Stockholm
1852, fehlt im vorigen Jahresberichte und ist daher nach-
träglich aufzuführen.
Der Verf. liefert die Beschreibungen von 107 im Kaffernlande ge-
sammelten Microlepidopteren, von denen die bei weitem grösste Anzahl
neu ist. Von der genannten Artenzahl fallen 68 auf die Pyraliden, 7
auf die Torträces und 32 auf die Tineen; die Pyraliden sind durch 26,
die Toririces durch 7, die Tineen durch 14 Galtungen vertreten. Be-
sonders reich an Arten erscheint die Gattung Botys (20). Von beson.
derem Interesse in Bezug auf zoologische Verbreitung ist der Umstand,
dass 5 auch in Europa einheimische Arten im CalTernlande aufgefun-
den worden sind, nämlich Pterophorus acanthodactylus, Hypena livida-
lis, Choreutides auslralis, Myeloides ceraloniae und Asopia farinalis.
Eine Aufzählung der in den mittleren Odergegenden im
geflügelten Zustande überwinternden Lepidopteren gab Zel-
ler in der Entom. Zeit. p.49ff.
Es sind nur solche Arten aufgeführt worden, deren Ueberwin-
terung dem Verf. aus eigener Beobachtung bekannt geworden ist ; die
Zahl derselben beläuft sich auf 67, von denen 49 auf die Microlepi-
dopteren kommen. Aus den Familien der Sphingiden und ßombycidea
während des Jahres 1853. 265
ist dem Verf. keine Art als überwinternd bekannt, von Spannern nur
eine Art, nämlich Larentia psitlacata.
Douglas berichtete (Zoologist p.3998) über eine An-
zahl seltener, neuerdings in Schottland aufgefundener Schmet-
terlinge.
Die in und um St. Petersburg bisher aufgefundenen
Schmetterlinge wurden von J. C. Sie v er s in einem Cataloge
zusammengestellt. (1852).
„Catalogus Lepidopterorum Silesiae." Von Dr. M. Wo c k c.
Breslau 1853. Ein Namen-Verzeichniss der bisher in Schle-
sien beobachteten Arten.
Die lepidopterologischen Ergebnisse einer im September
unternommenen Exkursion nach dem Riesengebirge Iheilte
derselbe (Bericht über die Thätigkeit der entom. Sektion im
J. 1853) mit und fügte Bemerkungen über das Vorkommen
einiger seltener Arten hinzu.
Wallengren gab in der Öfversigt af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. 1853. p. Iö9 eine Aufzählung von 29 für die
Schwedische Fauna neuen Lepidopteren , welche den Spin-
nern, Eulen, Spannern und Mikrolepidopleren angehören.
Reutti gab eine Uebersicht der Lepidopteren - Fauna
des Grossherzoglhums Baden. (Beiträge zur rheinischen Na-
turgeschichte, herausgegeben von der Gesellschaft für Beför-
derung der Naturwissenschaften zu Freiburg in Breisgau,
Heft 3).
Einen Nachtrag zu seinem Verzeichnisse der Schmet-
terlinge in der Gegend von Giessen gab Dickore im drit-
ten Bericht der oberhessischen Gesellschaft für Natur- und
Heilkunde.
Ebendaselbst findet sich ein Aufsalz von Glaser über
die Schmetterlinge des Grossherzoglhums Hessen, mit Aus-
schluss der Mikrolepidopleren.
Filippi hat der biologischen Gesellschaft zu Turin ei-
nen kurzen Bericht über die von ihm an gestellten anatomisch-
physiologischen Untersuchungen über die Seidenraupe abge-
stattet. Derselbe ist (Entom. Zeit. 1854. S. 7) von Dohrn
ins Deutsche übertragen milgethcilt worden.
266 Gerstaecker: Bericht üb. d. Lcislun^cn in d. Entomologie
Der Verf. unterscheidet an der Haulbedeckung der Seidenraupe
4 Slrata ; die beiden obersten, welche er das homogene und pergament-
artige Stratum nennt, bestehen aus Chitin und erneuern sich bei der
Häutung; das drille (grosszellige) vertritt die Stelle des Rete Malpighii,
das vierte (fein elastisches, gekörntes Stratum), ist das eigentliche Co-
rium. — Die iJlättchen des Fettgewebes, welche Zellen mit Fettkögel-
chen einschliessen, verkümmern gegen das Ende des Raupensladiums,
indem sich das Fett in ihrem Innern selbst verzehrt; ein solches ent-
fettetes Blältchen ist es, welches der Verf. in seiner früheren Abhand-
lung (siehe Jahresbericht für 1850) als ein Drüsensäckchen des Magens
abgebildet hat. — Von drüsigen Organen wird noch eines Paares er-
Avähnt, das bisher übersehen worden ist und dessen Ausführungsgänge
in den gemeinsamen Canal der Spinndrüse einmünden ; es soll dazu
dienen, dem Seidenfaden neue Substanz zuzuführen. Die Spinndrüse
selbst verkümmert beim vollkommenen Insekt, ohne jedoch ganz zu
verschwinden. — Die von Sprengel und van der Kolk für Lun-
gen gehaltenen Bläschen , welche unmittelbar unter der Cutis liegen,
sind wahre Drüsen ohne Ausführungsgang, welche beim Schmetterling
verkümmern. — Dies sind die Punkte, welche besonders hervorgeho-
ben zu werden verdienen; in BetrefF der übrigen Theile müssen wir
auf die Arbeit selbst verweisen.
Keferstein, Bemerkungen über die Geschlechtsunler-
schiede der Sclimctterlinge (Entom. Zeil. S. 349) giebt eine
Zusammenstellung bereits bekannter Thatsachen über diesen
Gegenstand.
Eine kritische Beleuchtung von Clerck's Icones Insec-
torum rariorum hat Zell er in der Enlomologischen Zeitung
S. 199 u. ff. geliefert.
Meyer-Dür hielt in der Schweizerischen naturfor-
schenden Gesellschaft einen lehrreichen Vortrag über das Va-
riiren der Schmetterlinge und sprach besonders über die ver-
schiedenen Einflüsse, denen dasselbe zuzuschreiben sei. Es
wird ausser den Schwankungen der Farbe, deren Itensität
gegen den Aequalor hin vermehrt und nach den Polen zu
vermindert wird, auch besonders des Flügelschnittes erwähnt,
welcher in kälteren Zonen, und daher auch im Hochgebirge
südlicher Länder viel schärfer und eckiger ist als bei den Fal-
tern der wärmeren Gegenden. Mit Recht empfiehlt der Verf.
diesen Zweig des Studiums mehr zu cultiviren, da er zur Fest-
stellung von Art und Varietät von grosser Bedeutung ist.
iCActes de la soc. Helvclique des scicnces natiir. 1852).
I
wahrend des Jahres 1853. 267
PapiliOBies. Von Hewitson's Exolic ßiUterflies sind im
Jahre 1853 das 6te bis 8le Heft erschienen, in welchen neue Arten
aus den Gruppen der Pieriden , Heliconiden , INymphaliden, Erycinidcn
und Lycaeniden abgebildel und beschrieben sind.
Lucas hat seine Beschreibung neuer Lepidopteren (Diurna) des
rariser Museums in Guerins Uev. et Mag. de Zoologie II. p.3l0 ff.
forlgesetzt. Die daselbst beschriebenen Arten gehören den Gruppen
der Ageroniden und Danaideu an.
Frey er theilte (Entom. Zeil. S. 301 ff.) Beobachtungen über die
ersten Stände einer Reihe von deutschen Tagfaltern aus den Gattungen!
Argynnis, Vanessa, Limenitis, Apatura , Hipparchia, Lycaena mit, von
denen die meisten übrigens hinlänglich bekannt sind.
P api 1 io nari i. — Zwei neue Arten aus China, Sericinus fa~
sctalus und Grerji wurden von Bremer und Grey (a. a. 0.) be-
schrieben.
Layard theilte (Annais of natural history XI. p. 308 u. ff.) Be-
obachtungen über das Vorkommen und die ersten Stände mehrerer auf
Ceylon einheimischer Falter dieser Gruppe mit. Die, Raupe des Pap.
Sarpedon lebt auf dem Zimmetbaum, die des Pap. Agamemnon auf dem
Flaschenbaum; beide lieben die Niederungen, während Pap. Bralhycles
mehr hüglige Gegenden bewohnt. Pap. Hector und Diphilus leben auf
Aristolochia medica und ähneln sich im Raupenzustand ungemein, ha-
ben aber verschiedene Flugzeit. Die Raupen von Pap. Pammon und
ßomulus nähren sich von verschiedenen Citrus- Arten ; ihre Puppen ha-
ben eine von P. Mector und Diphilus sehr verschiedene Form. Ue-
berhaupt herrscht eine grosse Form-Verschiedenheit unter den Puppen
der verwandtesten Arten und nicht minder variirt die Art und Weise,
wie sich dieselben aufhängen. Pap. Agamemnon und Sarpedon z. ß.
befestigen sich an der Unterseite der Blatter und sind mit dem Kopf-
ende nach abwärts gerichtet, während sich die übrigen Arten an Pflan-
zenstengeln finden und den Kopf nach oben gerichtet haben.
Pieridae. — Von Ilewitson wurden (a.a.O.) folgende neue
Arten beschricl)en und abgebildet: Pieris Palleue, Fadiisa und Parlhia
aus Neu-Ilolland, Pandosia aus Venezuela, Peloria ans der Chinesischen
Talarey, Eitlerpe Eurylcle von Quito, Leplalis Tlieoncc und Lysiiioö \oin
Amazonenslrom, Thcucharila aus Venezuela.
Ageronidae. — Lucas beschrieb (i^Iagas." de Zcol. p. 310)
als neue Arten : Peridromia Ärele und Mexicana aus 3Iexico, Arinome
von Cayenne.
Danaidae. — Derselbe beschrieb (ebenda): Evploea de Haa^.
nii, Gyllejikali , JlaiDorlhii und Godarli von Java, Ochsenheimeri au3
Ostindien, Cramcri von Manila und Boisduvalii aus Australien.
Heliconidac, — Neue Arten von Ilewitson (a. a. 0.) be-
Gerstaecker: Bericht üb. ({.Leistungen in d. Entomologie
schrieben und abgebildet sind: Ilhomia Vallonia; Vestilln und Virgi-
nia vom Amazonenstrom, Veja ohne bestimmtes Vaterland, Salapia von
Quito und Terra aus Columbien.
Nymphalidae. — Zwei neue Chinesische Arien : Melilaea (?)
macuiata und Limenitis Alwina wurden von Bremer und G r e y (a. a. 0.)
bekannt gemacht.
Catagramma Eunomin von Quito , Palelina von Guatemala und
Perislera aus Boiivia wurden von Hewitson (a. a. 0.) beschrieben
und abgebildet.
Satyrida e. — Zwei neue Arten aus China: Satyrus Menetrie-
sii und Motschulskyi wurden von Bremer und Grey beschrieben.
Beliier de laChavignerie widerlegt (Annales de la soc.
entom. p. 319) die Ansicht ßoisduvals, dass Satyrus Lyssa ein Ba-
stard von Älegaera und Maera sei, da diese beide Arten in Dalmalien,
welches die lleimath von Lyssa ist, nicht vorliommen. Er hält viel-
mehr S. Lyssa für eine Loi^al . Varietät von RIegaera. Diese Ansicht
ist übrigens seit längerer Zeit allgemein angenommen.
Erycinidae. — Neue von Hewitson beschriebene und ab-
gebildete Arten sind : Lemonias Lalona, Irene, Senla, Rhodope und Py-
thia vom Amazonenstrom, Eurygona Pelor, Euboea, Eumedia, EulaeUf
Euritaeus, Uzila, Eucritus, Eumenes, Vriles und Uria vom Amazonen-
Strom, Eusepus von Rio Janeiro, Limnas Lydsca^ Agria , Xenia und
Barca aus Brasilien.
Herrich-Schäf fer gab Abbildungen von einer Reihe neuer
Arten aus Surinam : Mesene Nola Bsdv., TheopePedias B, Eurygona (?)
f>ulcherrima , Pheles hcliconides B., Eurygona anica B.^ Ophias B.,
Arctos B., Mys B., Symmachia Hippea B., Eunogyra Satyrus Westw.,
Diophlhalma Mirita B., Lagora B., Nymphidium ISicasle B. und acan-
ihoides B. — Ausserdem von Primba Areas Cramer t) und Alesa Ame-
sis Cramer ^.
Lycaenidae. — Neue Arten wurden beschrieben:
Von Bremer und Grey (a. a. 0.) Thecla coerulea, micans und
fusca aus Nord-China.
Von Hewitson (nebst Abbildungen) Ogyris AbrolOj Zosine und
Genoveta aus Australien.
Von Herrich-Schäffer abgebildet: Thecla JSegaB. von Fort
Natal^ Thecla Atnius B., nobilis B., Essus B. und punctum aus Surinam.
Gerhard's „Versuch einer Monographie der Europäischen Ly-
caenen« ist im Jahre 1853 beendet worden. Das Werk ist in gleicher
"Weise , wie die ersten Lieferungen forlgesetzt worden , d. h. es ist
nichts weniger als was sein Titel besagt. Den Abbildungen ist nur
ein Namen-Verzeichniss mit einigen kurzen Bemerkungen über das Va-
terland und die Entdecker der einzelnen Arten beigegeben. Selbst bei
Wtihrcnd des Jahres 1853. 269
den neuen Arten hat der Verf. eine lieschreibung für überflüssig ge-
halten, obwohl dieselben aus den Abbildungen nicht so unbedingt zu
erkennen sind.
Eine meiKwurdige Aberration des Polyommatus Alexis hat Don-
bleday (Proeeed. cnlom. soc. p. H^) zur Sprache gebracht und auf
Taf. 17. Fig. 2 abgebildet.
Ilespcridae. — J\eue Chinesische Arten, von Kremer und
Grey (a. a. 0.) beschrieben, sind: Eudamus bifascialus und guttalus,
Steropes unicolor y llesperia subhyalina und tc/ta/a, Syrichlhus ma-
culatus.
Wallengren gab (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. För-
handl. 1853. p. 19 u. ff.) eine systematische Uebersicht der in Skandi-
navien einheimischen Hesperien, deren Zahl sich auf elf belauft ; diesel-
ben p'ehören den vier Gattungen Heteropterus, Hesperia, Syrichlhus und
Thanaos an. Die erste derselben beschränkt der Verf. auf 11. sylvius
Kn., welche sich von den übrigen Arten dadurch unterscheidet, dass
ihre Iliuterschienen nur mit zwei Dornen bewaffnet sind. Von den fünf
Arten der Galtung Syrichlhus wird eine unter dem Kamen S. Andro^
medae als neu beschrieben ; sie kommt auf den Alpen Norwegens und
Dalekailiens vor. — Die im nördlichen Deutschland heimische Hesp.
Steropes kommt nach der hier gegebenen Uebersicht in Skandinavien
nicht vor. — Die aufgeführten Arten sind kurz beschrieben und mit
vollständiger Synonymie versehen.
Castniae* Von Ilcrrich-Schäffer wurden (a. a. 0.) zwei
neue Arten : Gazera heliconioides 13sd. und Orlhia paradoxa Bsd. aus
Brasilien abgebildet.
Spliiiigr*des* Neue Arten aus China, von Bremer und Grey
a.a.O. beschrieben, sind: Ampelophaga rubiginosa, Ambulix Schauffel^
bergeri, Thijreus caudalus, Sinerinlhus Tatarinovii und Gaschkewüschiu
Von Leder er wurden (Verhandl. d. zoolog. botan. Vereins in
Wien II.) folgende neue, in Klein-Asien aufgefundene Arten beschrie-
ben: Sinerinlhus Kindermanni, Sesia albiventrisj lucluosa, therevaeformis^
ceriaeformis, donjceraeformis, Comatiaeformis und Mannii.
Clielonariac. Eine grössere Anzahl neuer Arten dieser Fa-
milie wurde von H e r ri ch-S ch ä I f er (a. a. 0.) vorläufig abgebil-
det : Euraia picta Bsd. von Venezuela , Trichela lohimnensis Bsd. von
Bogota, Eupxjra imperialis und ignita Bsd. von Venezuela, E. plebeja
von Caracas, regalis von Quito, Phaegoplera erylhronola Bsd., specula^
ris, nemophila, thalassina, svffusa, hislrionica Bsd., cornea^ coprophorüf
aconia und coUaris Mor. von Venezuela. — MiUcria corrusca und Zchma
Bsd, aus Silhel , Circe und virgitialis Bsd. vom Ilimalaya, Epyrgis pie^
ridoides und Uormcnia Bsd. aus Silhet, idaeoides und euplocoides B&d.
270 Gerstaecker: BcricLl üb. d. Leistungen in d. Entomologie
von Java , Midavia Bsd. vom Himalaya , Gynauloccra Ubelluloides und
fkilomela von Java.
Von 13 rem er und Grey wurden (a, a. 0.) folgende neue Chi-
nesische Arten bekannt geniaclit: Lithosia nictilans, nigropoduj striata,
Calligena sanguinca^ Setina micans und ßava^ Chclonia alba.
Eine Uebersicht der Arten der Gattung Trichosoma Ramb. gab
Lucas in den Annales de la soc. entom. p. 31)0 u. (L Es werden im
<ianzen 8 Arten austährlicli beschriel)en , von welchen 5 auf Europa
und 3 auf Nord-Afrika (Algier) kommen; zwei derselben sind neu, näm-
lich Trichosoma pudens aus Andalusien und Atlanticum aus Algier;
beide sind auf Taf. 13 abgebildet. — Kach der Abbildung zu schliessen
gehört jedoch die erstere Art, Tr. pudens, gar nicht dieser Gattung an,
denn es fehlt ihr die lange, zottige Behaarung des Hinterleibes und
die langekämmten Fühler. Sie scheint vielmehr in nächster Verwandt-
schaft mit Euprepia fuliginosa zu stehen und ist ohne Zweifel der
Gattung Spilosoma einzureihen.
Seh reiner setzte (En'omol. Zeit. p. 137) die Artrechte von
Euprepia ürticae undMenthastri aus einander, welche übrigens wohl kaum
bezweifelt worden sind. Das sicherste Merkmal für E. Menthaslri fin-
det der Verf. darin, dass sich auf den Ilinterflügela ausser dem schwar-
zen Mittelpunkt stets noch Ramipunkle (selten nur einer) von dersel-
ben Farbe vorfinden, welche bei E. Urticae nie vorkommen. — Eine
Copulirung beider Arten, welche glücklich zu Stande gebracht wurde,
blieb ohne Erfolg, indetn die vom NVeibchen der E. Menthaslri gelegten
Eier vertrockneten.
ßoisduval erwähnt (Bulletin entom. p. 68) einer merkwürdi-
gen Monstrosität von Zygaena Occitanica, welche an der linken Seile
zwei vollständig ausgebildete Vorderfiügel, aber keinen Hinterflügel zeigt.
Cos$«ini. Von Herrich-Schäffer wurden folgende neue
Arten abgebildet: Cossvspalmarum lis(\.f xylotribus Bsd.jmucoreus U.^S.,
caeslroides Bsd. und rubiginosns U.-S. aus Brasilien, tigrinus aus Keu-
Ilolland, Epiolus exul aus Afrika, antipoda und hijalinatus ausNeu-See-
|and , argenteus Don. aus Keu-Holland , giganleus aus Amerika , nanus
und sordidus ohne Angabe des Vaterlandes.
ISombycSfles. IS'eue Arten aus der Gruppe der Salurnien sind:
Aricia Aspasia aus Brasilien, von H e r r i ch- S ch ä f f e r (a.a.O)
Abgebildet.
Saturnia lunulata und Arleviis aus China, von Bremer und Grey
(a.a.O.) beschrieben.
Saturnia Melzlii aus Mexico, von Salle in Guerins Revue et
Mag. de Zoologie p.t7l beschrieben und nebst der Raupe auf Taf. 5
abgebildet ; die letztere lebt auf Plalanus occidentalis und Erylhrina
rubra.
wühlend des Jahres 1S53. 271
Ausserdem wurden als neu hcschriehen: Fygaera assimilis und
ßavesccHs Crtnier und Crcy, aus China.
Essai nionographique sur la Iriliu des Fsychides, par M. Bruand.
(Comptes rciidus de la sociele lihre d'emulalion du Doubs III. 1853),
Wenn der Verf. in der Einleitung zu seiner Arbeit darüber klagt, dass
es kaum eine Gruppe der Lepidopleren gäbe, in welcher grössere Ver-
wirrung herrsche, als unter den Fsychiden, so sollte man billiger Weise
erwarten , er weide ia seiner ziemlich umfangreichen Abhandlung zur
Lichtung des Dunkels wesentlich bcilrfigcn. Dem ist aber nicht so;
im Gegcntheil scheint er sich darin zu gefallen , alle von namhaften
Forschern wissenschaftlich begründete Thatsachen über den Haufen zu
werfen. Obwohl durch v. Siebold's ausgezeichnete Untersuchungea
die generelle Verschiedenheit von Psyche, Fumea und Talaeporia hin-
reichend nachgewiesen, und die sacktragenden Tineen von Zell er
meisterhaft bearbeitet worden sind, vereinigt der Verf. alle diese ver-
schiedenen Elemente von neuem zu der einzigen Gattung Psyche im
älteren Sinne. Die Gruppe der Fsychiden umfasst nach ihm die Gat-
tungen Typlionia, Heieiogynis, Fsyche und eine neue von ihm aufge-
stellte Galluuf^ P sy choi de s, welche sonderbarer Weise in drei Abihei-
lungen gebracht werden, von denen die erste „Kemina alata" die Gat-
tung Typhonia, die zweite „Femina aptera" die beiden Gattungen He-
terogynis und Psyche und die dritte wiederum „Femina alata" bezeich-
net, die Gattung Psychoides umfasst. Die Nomenklatur der Arten be-
treffend, so entwickelt der Verf. auch hierin eigenlhümliche Ansichten ;
Typhonia lugubris z. C. ändert er in T. lugubrosella um, ,,car une autre
Tineide porte le nom de Lugubrella." (! !) — Hierbei ist noch zu be-
merken, dass der Verf. seine ganze Tribu des Psychides zu den Tineen
rechnet, weil eine gewisse Zahl derselben (wahrscheinlich die Talae-
porien) grosse Verwandlschaft mit denselben haben sollen; die übri-
gen, von denen er selbst eingesteht, ,.qu'clles se rapprochent beaucoup
des Bombycites", müssen natürlich , da er sie nicht von jenen trennen
will, ebenfalls dorthin wandern. — Das Werk enthält die Beschreibung
von 82 Arten und ist mit 3 Tafeln ausgestattet, von denen zwei die
Darstellung einer grossen Anzahl von Arten, die dritte das Flügelge-
äder darstellt. Zur Unterscheidung der Arten sind oft durchaus unhalt-
bare Merkmale gewählt, z.B. die dichtere oder sparsamere Behaarung
des männlichen Hinterleibes; diese erleidet bekanntlich durch den Col-
ins in vielen Fällen beträchtliche Veränderungen.
:nroctuae. Bremer und Grey beschreiben (a, a. 0.) fol-
gende neue Arten aus China: Acronycla lutea, Mylkimna luteomaculata,
Caradrina bislrigala, Flacodes fuscomaculala, Amphipyra subrigua, He^
liolhis ßata, Vlusia alboslriata, Thyas hello, Catocala abaniita und amala,
Ophiusa obscura.
v. Hornig gab (Verhandl. des zool. bolan. Vereins zu Wien
272 Gerslaeckcr: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
p. 136) Nachricht über die ersten Slände der Anlhophila mendaculalis
Tr. Die Raupe lebt an den Samenkapseln von Anthericum ramosum
im Spätsommer und der Schmetterling entwickelt sich im Juni des
nächsten Jahres.
Derselbe beschrieb (ebenda p.6S) die ersten Slände von Antho«.
phila rosinallübn.; die Raupe lebt aufJurinea mollis in der Umgebung^
Wiens und macht sich an den Blättern dieser Distel ein unregelmäs-
siges Gespinnst, welches sie nie verlässt.
Eine Kotiz über die Lebensweise der Noctua Airae von Boie
findet sich in der Entom. Zeit. p. 57.
Die ersten Stände und die Lebensweise von Plusia consona wur-
den durch v. d. Planilz (Entom. Zeit. p. 137) beschrieben; dieRaupe
frisst die Blülhenknospen und später die Blätter von Lycopsis pulla;
es finden zwei Generationen statt. — Uebrigens ist die Raupe schon
von Frey er beschrieben worden.
jiig^aristariae. Von II errich -Schaff er wurden (a.a.O.)
folgende neue Arten abgebildet: Orlkia Augias Bsd. aus Brasilien, Ae-
gocera Lalreillei Bsd. und Maenas Bsd. aus Casamanca, Fhaegorista
teucomelas Bsd. vom Senegal, Agarista Semyron Bsd. von Sumatra,
Feislhatnelii Bsd., Ephtjra Bsd. und Donovann Bsd. aus Neu -Holland,
bimaculata Bsd. aus Mexico., affinis Bsd. von Fort Jackson, Eriopis
Bsd., Pedasus Bsd. und Agrius B.sd. von Madagaskar, Zea Bsd. von Ca-
samanca.
Oeonietrae* Eine Uebersicht der in der Schweiz bisher be-
obachteten Spanner gab de la Harpe in den Neuen Denkschriften der
allgemeinen Schweizerischen Gesellschaft Band. XIII. S. 1' bis 160. Im
Ganzen werden 329 Arten aufgeführt, welche nach dem von H erri ch-
Schäffer angegebenen System angeordnet sind. Ausser einer reich-
haltigen Synonymie (bei der jedoch die Priorität nicht immer gehörig
beobachtet worden ist) giebt der Verf. zahlreiche Bemerkungen über
die Lokalitäten, die Flugzeit, Häuligkeit etc. der einzelnen Arten. Als
neu sind beschrieben und auf einer beigegebenen Tafel abgebildet :
Gnophos spurcaria^ Mefferaria, Andereggaria, Larenlia Vallesiaria und
acki'omaria.
Bremer und Grey beschrieben (a. a. 0.) folgende neue Ar-
ten aus China : Philobia cmeraria, Boarmia irroralaria und albosigna-
ritty Amphidasis panlerinaria und Aspilales tristigaria.
Von Herrich-Schäffer wurden vier neue Arten aus Vene*
zuela abgebildet: Geomelra mahometariay histrionaria, chlamydaria und
radiaria.
Von Mann wurde (Verhandl. d. zoolog. bolan. Vereins zu Wien
S. 134) Eupilhecia Mayeri, eine neue Art aus der Umgegend Wiens,
bekannt gemacht.
während des Jahres 1853. 273
W 0 c k e erklärt die von ihm früher als neue Art beschriebene
Acidalia eburnata nur für eine Varietät von Ac. conliguata Hbst. , von
der sie sich durch den Mangel einer der drei Binden auf den Hinter-
flügeln unterscheidet. (Bericht d. enlom. Sekt, für d. Jahr 1853. S. 10).
Eine interessante Varietät von Gnophos obscuraria Uübn. wurde
von AI Uli er e in den Annales de la soc. entom. p. 389 beschrieben
und auf Taf. 13 abgebildet.
Die Naturgeschichte der Acidalia rufaria H. ist von v. Hornig
(Verhandl. d. zooi. bolan. Vereins zu Wien S. 151) bekannt gemacht
worden. Die Raupe lebt im Mai auf Alsine media , der Schmetterling
entwickelt sich im Juli.
Pyralicles. Z eil er stellte (Microptera Caffrariae) 5 neue Gal-
lungen in dieser Familie auf: 1. Zinck enia. „Anlennao maris supra
ariicuium basalem conslrictae, hoc denlem squamis dorsalibus composi-
tum gereute." — 2. Ulopeza. „Anlennae maris supra basin excisac,
arliculo basali fasciculum squamis compositum gereute. Femora antica
sublus tibiarumque poslicarum apex villosa." — 3. C ro cidolomia.
„Alae anleriores fasciculo pilorum retlexo in costa ante medium in-
slruclae ; libiae pedum anlicorum mediorumque floccosae." — 4. f/t/-
menopty chis. „Aiaium anleriorum plaga discoidalis hyalina, conferte
transverse rugulosa, venas duas r.rcuatas continens.'' — 5. Fogono-
Irophia. „Antennae simplices, incrmes. Palporum maris maxillarium
squamae elongatae penicillum subinfundibuliformem formant." — In
Betreff der vielen neuen Arien müssen wir auf das Werk selbst ver-
weisen.
Von Bremer und Grey wurden (a. a. 0.) vier neue Arten aus
China beschrieben: Bofijs ^^maculalis, Hypaena fnscaliSf Nymphula H-
slrigalis und i-punctalis.
Tortrices* Zell er errichlete (Microptera CatTrariae) eine
neue Galtung unter dem IVamen Eccop sis , welche er folgenderraas-
sen charakleriäirt: „Alae posteriores elongalae, margine postico in niare
ante anguluni analem late exciso, margine abdominali incrassato." Art:
E. Wahlbergiana. — Ausserdem werden 6 neue Arten beschrieben, wel-
che ebenso vielen Gallungen angehören.
Beobachtungen über Tortrix vitisana Jacq., welcher in Oesler--
reich dem Weinstock sehr schädlich wird, sind vonKoIlar (Verhandl.
des zool. bolan. Vereins zu Wien S. 1) milgetheilt worden.
Tineae* Fünf neue Gallungen dieser Familie wurden von
Zeller (Microptera Caffrariae) errichtet und folgendermassen festge-
stellt: 1. Cümpsocteyia. „Antennae masculae biserialo - pectinatae.
Palpi labiales porrecti, pilosi, in medio incrassati ; maxillares nulli.^' —
2. Cer omit ia. „Palpi brevissimi, pilis abscondili. Antennae longis-
simae, selaceae." — 3. Setotnorpha. „Capilli laevigati. Palpi labia-
Archiv f. Nnturäcsch. XX. Jahr^. 2. Bd. §
274 Gers ta eck er: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
les deplanati, arliculo secundo exterius selis paucis ciliato , terminal
truncato vel obluso." — 4. Eretmocera. „Caput laeve. Antennae
uno lalere squamis piliformibus alatae, apice nudo. Alae elongatae/'
— 5. Cryptolechia. „Alae latae, anteriores acutangulae. Abdomen
convexum, superne non marginatum , in mare utrinque ciliatum, ciliis
deflexis." — Die dieser Familie zugehörigen neuen Arten vom Caffern-
land belaufen sich auf 27.
Derselbe hat seine im 7ten Bande der Linnaea entoniologica be-
gonnene Arbeit über die Tineaeeen-Gattungen, deren Raupen Satkträ-
ger sind, im 8ten Bande derselben Zeitschrift vollendet. Die beiden
letzten daselbst bearbeiteten Gattungen sind Adela Latr. mit 20 und
Nemotois Hübn. mit 14 Arien. ,
Douglas hat (Transact, Entom. soc. 11. p.97 ff.) den Versuch ge-
macht, die in Reaumur's Memoires erwähnten, bisher noch nicht be-
stimmten Tineen kritisch zu beleuchten. Da seit der Z e 1 le r'schen Ar-
beit über denselben Gegenstand (Isis 1838) viele neue Thalsachen be-
kannt geworden sind, so weicht in einigen Fällen die Ansicht d«'s Verf.
von der Zelle r's ab. In der von Zell er als Gelechia Uermanella
gedeuteten Art erkennt Douglas Galechia naeviferella , in Zell er'»
Lilhocolletis Kleemanella dagegen glaubt er Lithoc. Schreberella vermu-
then zu müssen.
Derselbe setzte (ebenda p. 119 ff*, und p. 207 0".) seine „Conlribu-
tions lowards the natural history of British Microlepidoptera" mit No-
tizen über die Gattungen Lithocollelis, Gracillaria , Bedellia und Ela-
chista fort. Der Verf. giebt die Beschreibung und Abbildung aller drei
Stände von Lithocollelis trifasciella Ilaw. , scabiosella n.sp. (die Baupe
minirt die Wurzelblätter von Scabiosa columbaria) , emberizacpenella
Zell., Gracillaria Franckella Hbn. stigmatella Fabr., auroguUella Sleph.
(die Raupe auf den Blättern von Hypericum perforalum und hemifu.
sum), Bedellia somnulentella Zell. (Raupe auf Convoivulus arvensis und
sepium), Elachista subnigrella n. sp. (Raupe auf Bromus ereclus), Me-
gerlella Hübn. (?) Steph. (Raupe auf iMelica uniflora), cygnipenella Hübn.
(Raupe auf Dactylus glomeralus)«
Ledere r errichtete (Verhandl. d. zoolog. botan. Vereins in AVien
p. 132) eine neue Gattung Sp ermatophthor a, M'elche zunächst mit
Gymnancyla verwandt ist und sich von dieser durch kürzere Palpen,
starke Zunge und dadurch unterscheidet, dass auf den Vorderflügeln
die 4le und öle Rippe gestielt sind. — Art: Sp. Hornigii n. sp., bei Wien
auf Atriplex angustifolia aufgefunden.
Von Mann wurde (ebenda p. 134) Adela albicinctella als neue
Art aus Steyermark aufgestellt.
Von Zeller wurde (Entom. Zeit. p. 4l5) eine neue in Schlesien
einheimische Art, Elachista festucicolella, bekannt gemacht.
während des Jahres 1853. 275
Wo che gab (Bericht über die enlom. Sekt, S.7) eine üeber*
siebt der in Schlesien vorkommenden Arien, welche den von Zell er
(Linnaea VII u. VIll) bearbeiteten Gattungen angehören; ihre Zahl be-
läuft sich im Ganzen auf 24, nämlich l Talaeporia, 4 Solenobia, 1 Di-
plodoma, 2 Xysmatodoma, 10 Adeia und 6 Nemotois.
Staintun gab (Zoologist p.4()25) eine Uebci*sicht der bisher
bekannt gemachten Arten der Gattung Coleophora, und twar 1) der-
jenigen, welche in England, und 2) welche auf dem Europäischen Oon-
tinent entdeckt worden sind. Zugleich sondert er die Arten in solche»
deren erste Slände bekannt sind, und in solche wo dies nicht der
Fall ist.
Derselbe gab (ebenda p. 3P52) eine Anleitung zum Studium der
Arten der Gattung INeplicuIa, mit besonderer Rücksicht auf die Kah-
t'ungspflanzen der Uaupen»
V. Hornig giebt (Verband!, d. zooK bolan. Vereins zu Wien,
p. 152) Wathricht über die ersten Stände von Hypsolophus lemnisccl*
lus F. R ; die Raupe lebt im Mai und liini auf Globularia vulgaris in
der Umgegend Wiens, besonders auf kalkigen Bergen, und der Schmet*.
teiling entwickelt sich vom Juli bis September.
Die Entwickelungsgeschichte und die ersten Stände von 10 Ar-
ten dieser Familie hat lleeger (Sitzungsberichte der Wiener Akad.
d. Wissenseh. Bd. X u Xi.) bekannt gemacht und durch ebenso viele
Tafein erläutert. Es sind folgende: Tinea quercicolella F. R. (Raupe
in Holzschwämmen , flloderholz und türkischem Weizen), T. oxyacan-
Ihella Mann (Raupe auf Mespilus oxyacanlha, überwintert, verpuppt sich
RlitleJuni; nach l4 Tagen erscheint der Schmctteriing) , Gracülaria
syringella Fabr. (Raupe gesellig auf Flieder, Liguster, Evonymus etc.,
Euweilen durch ihre Menge schädlich), Lilhocolletis frilillclla Fisch»
(Raupe auf Pyramidenpappeln, zwei Generalionen), Tischeria Gauna-
eella F. R, (Raupe auf Hagedorn, Rosen, Weissbuchen und Ulmen),
Gelechia Hermanella Fabr. (Raupe auf Atriplex- und Chenopodium-Ar-
ten), Elachista testacella (Raupe auf Paslinaca sativa und Sambueus),
El. Stadlniüllerella (die Raupe minirt die Biälter von Cornus alba und
raascula, das Weibchen legt stets nur ein Ei auf ein Blatt), Coleophora
nigrosUgmatella n. sp. (Raupe unter der Rinde von Morus nigra), Col.
vicinella F. R. (die Raupe minirt die Blätter von Astragalus und Ga-
lega-Arten, zwei Generationen).
Delaharpc berichtete (Bullet, de la soc. Vaudoise d. sc. nat.
III. p. UO) über den Schaden, welchen Coleophora argyropenella Tr.
(laricella Ilbn.) dem Lerchenbaum zufügt; die Raupe minirt seine Blät-
ter und man findet im Mai ganze Aesle verwelkt aussehend , was oft
«is Folge von Frühjahrsfrost angesehen >\orden ist.
276 Gcrslaccker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Heinipiera.
H errich-Schäff ers Wanzenartige Insekten sind mil
dem Erscheinen der letzten Lieferung des 2ten Bandes be-
endigt worden. Am Schlüsse ist ein alphabetisch-synonymi-
sches Verzeichniss für das ganze Werk und eine historische
Uebersicht der betreffenden Literatur beigefügt.
Der letzte Tlieil des Textes liefert eine Crilik ober die Amyol*-
und Serville'schc Bearbeitung der Schildwanzen und die Beschrei-
bung einer Anzahl neuer Arten, welche dieser Abtheilung angehören;
die letzteren sind an ihrem Orte namhaft gemacht worden.
Die von Wahlberg im Caffcrnlande gesammelten He-
mipteren hat Stal in der Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandl. S. 209—227 und S. 259—267 zu bearbeiten ange-
fangen. Eine Beschreibung der neu entdeckten Arten ist bis
jetzt nur in der Familie der Schildwanzeu durchgeführt wor-
den; für die übrigen Familien hat sich der Verf. für's Erste
darauf beschränkt, die neuen Gattungen näher zu charakteri-
siren. Dieselben finden sich an ihrem Ort einzeln aufgeführt.
Die von Peters in Mossambique gesammelten Hemi-
pteren sind von Schaum bearbeitet worden und vorläufig^die
Diagnosen der neuen Arten in den Monatsberichten der Berl.
Akad. d. Wissensch. S.356 bekannt gemacht.
Unter den 51 in Mossambique aufgefundenen Arten stellten sich 19
als neu heraus; zwei derselben gaben zur Aufstellung neuer Gattungen
Anlass. Der bei weitem grössere Theil findet sich in verschiedenen
Theilcn Afrika's wieder, einzelne Arten erstrecken sich bis nach Nu-
bien und Abyssinien herauf; zwei gehören zugleich dem tropischen
Asien, zwei andere dem südichen Europa an. — Die neuen Arten sind
an ihrem Ort namhaft gemacht.
0. Heer^ die Insektenfauna der Tertiärgebilde von
Oeningen und von Rabodoj in Croalien. Dritter Theil : Rhyn-
choten. Leipzig 1853. 4^
In dem vorliegende» lelzlen Theile seines Werkes giebt der be-
rühmte Verf. eine Darstellung der in den tertiären Schichten besonders
stark vertretenen llcmipteren, deren Arlcnzahl sich auf 133 beläuft und
welche sich auf 31 Gattungen vertheilen. Wenn man erwägt, dass
bisher nur 4 tertiäre Rhynchoten überhaupt bekannt waren, so ersieht
man, dass der Verf. durch dieses Werk ein ganz neues Feld der Wis-
senschaft crölfncl hat. Mit Ausnahme der Thier- und Schildläuse sind
während des Jahres 1853. 277
fämnillichc Familien der lebenden Hemipteren unter den fossilen reprä-
senlirl, ohne dass jedoch anzunehmen ist, jene hätten überhaupt den
früheren Perioden gelehll. Die im vorliegenden Werke beschriebenen
und auf 15 Tafeln abgebildeten Arten vertheilen sich auf die einzel-
nen Familien folgendermassen : Scutelleridae 4, Pcntatomidae 32, Co-
reodes 14, Lygaeodes 24, 31embranacea 2, Reduvini 12, Nepides 3, No-.
tonectidae 1, Cicadina 4, Fulgorina 2, Membracina 1, Cicadellina 26,
Phytophlhira 6. — Hervorzuheben ist noch, dass die fossilen Hemipte-
ren, vorzüglich die höher entvs^ickelten, im Ganzen sehr gut erhallen
sind, ja dass bei vielen Arten sogar die Farben noch zuerkennen sind;
daher denn auch die Feststellung der Gallungen , welchen die einzel-
nen Arten angehören, hier mit grösserer Sicherheil bewirkt werden
konnte.
Pentatomidae. Die von Wahlberg im Caffernlande ge-
sammeilen Arten dieser Familie sind von Slal in der Öfvcrsigt af
Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. p 209—227 bearbeitet worden. Es
sind nur die neuen Arten aufgeführt und beschrieben, von denen meh-
rere zugleich neue Gallungen bilden. Der Gruppe der Scutelleriden
gehören an : Sphaerocoris hamiferus, cnffer, adspersus, Lihyssa Signoretij
Bokemani, Choerocoris personalus ^ Bolbocoris sordidus ^ xanlhopus, mi~
sellus, Eurijgaster iiatalensis, Podops spinicollis^ natalensis, Corimelaena
impicla , Coptosoma 6-nolalum , bisignalum, limbalellum, circumductumy
costalc, Plalaspis Wahlbenji, semiglobosa, Pliymalocoris slrumosus. —
Aus der Gruppe der Penlalomiden : Canthccona mhiialescens , Gltjpsus
pictiteulris, Eurhinocoris n. g. Kopf verlängert, cylindrisch , mit
einem Dorn bei der Einlenkungsslelle der Fühler ; an diesen das 2te,
3te und 4te Glied fast von gleicher Länge, das letzte länger; Hals-
schild quer, convex, vorn ausgerandet, hinten beiderseits winklig her-
vortretend ; Schildchen ziemlich gross, abgerundet dreieckig. — Art:
E slramiuipei. — Aelhus lartareuSy perosus , opacus, difficüis, pici?ius,
lepidus, Sciocoris ruslicus , Paromecocoris [Paramecvs) phaleratus, fali^
dicus f lutulenlus, elliplicus, Alclocera lenligiiiosa , natalensis , caffra^
Spinolae, Agonoscelis puberula, Caenomorpha ochripes, Mormidea albi-
domaculata, albidofuscata, boschjesmana, Eusarcoris misellus, Aelia bella,
griseoflava, nalalicola, pumila, Penlatoina coenosula , inqitinala, blanda^
moerens, Limpoponis ^ trigemmis , Mulsanli, subrufa , natalensis , inopsy
lineaticollisy lutulenta, patruelis, Strachia Wahlbergi, libialis, Rhaphigaster
orbus, fuscoirroratus f fuscosparsus , flavuhs , pvrus , decoralulvs, amoe-
nus,scurrilis. Lamus n. g. Kopf fast dreieckig, flach, die Ränder leicht
aufgebogen; Fühler kurz, 5-gliedrig, das Isle Glied kürzer als der
Kopf, das 2le sehr klein, 3tcs länger, flachgedrückt, 4les etwas kürzer
als das 3le , 5les so lang als 3les , spindelförmig; Rüssel sehr kurz;
Ilalsschild mit schiefen Seilcnränder», hinten die Basis des Schildcbcns
bedeckend; Mcsostcrnum mit einer nach hinten niedrigeren Carina ; Me-
278 (Jerslaecker; Bericht öl), d. Leistungen in d. Entomologie
tasternum breit, vorn in einen Winkel ausgezogen ; Beine kräfliff, Tar-
sen zweigliedrig. — Ait. L. Dalla$i. — Goniehjtrnm n. g. Kopf
abgerundet dreieckig, vorn ausgehöhlt; Fühler kurz, 4-gliedrig, das Istc
Glied sehr klein, 2tes dreimal länger, flachgedrückt, beiderseits etwa»
erweitert, 3tes kleiner, 4res länger, fast spindelförmig; Küssel sehr
kurz. Halsschild seillich gerundet erweitert, vorn ausgebuchtet, die
üasis des Schildchens bedeckend; Schildchen abgestutzt dreieckig; Flü-
geldecken nahe der Basis einen stumpfen Winkel bildend; Mesoster-
num carinirt; Äletasternum leicht ausgehöhlt; Abdomen fast kreisrund;
Füsse kräftig, Tarsen zweigliedrig. — Art : G. circuliventre. — Cyclo-
pella patrueliSf Aspongopus monachus, sulor, sartor, pullus, Friono-
gasler n. g. Kopf fast flach, vorn zweilhcilig, vor den Augen mit ei-
nem Dorn; Antennen kräftig; 4-gliedrig, flachgedrückt, das Isle (ilietl
kurz, 2tes sehr lang und breiler als die übrigen , die beiden letzten
kürzer, länglich eiförmig, das Endglied spitz; Rüssel kurz, kaum die
Mittclfüsse erreichend, Thorax um die Hälfte kürzer als breit, massig
gewölbt, vorn ausgerandet, seitlich erweitert; Schildchen dreieckig, an
der Spitze zweitheilig; Abdomen stark gewölbt, seillich erweitert, die
einzelnen Hinge beiderseits doppelt gesägt; Füsse kräftig, das Iste Tar.
senglied breiter und länger als die übrigen. — Art: P. Westwoodii. —
Fhyllocephala porosa, lentiginosa, fasciala, nalalensisy Basicryptus rus~
$atus, coenosus, Tetroda daemon, angulicoUis, Macrina holientotla, man-
tis, Tubens, afßnis. Dichelorhinus n. g. Kopf lang dreieckig, mit
sehr langen, fast cylindrischen , kaum auseinander weichenden Seiten-
lappen; Fühler kaum länger als der Kopf, ziemlich dick, das Isle bis
4te Glied fast gleich lang, das letzte länger, spindelförmig ; Rössel die
Vorderhuflen erreichend, etwas dick; Thorax vorn ausgebuchtet, hin-
ten der Quere nach erhaben ; Schildchen länglich dreieckig; Füsse mas-
sig lang, ziemlich dick, Tarsen 3-gliedrig, das Isle und 3te Glied fast
gleich lang, das 2te sehr klein. — Ait: D. hislricus — Dichelo-
cephala n. g. Kopf verlängert dreieckig, mit sehr langen, spitzen,
an der Spitze auseinanderweichenden Seilenlapptm ; Fühler kaum um
die Hälfte länger als der Kopf, ziemlich dünn, das Iste Glied sehr
klein, das 2te doppelt so lang, das 3te den beiden ersten zusammen
an Länge gleich, das 4te etwas kürzer, das 5te fast spindelförmig;
Rössel die Miltelfühler überragend; Thorax vorn ausgebuchtet, mit ge-
radlinigen Seitenrändern; Schildchen länglich dreieckig; Tarsen 3-glie-
drig, das Iste Glied sehr gross, das 2te dreifach, das 3te doppell so
kurz. — Art: D. virescens.
Fünf neue Arten aus Mossambique wurden (a.a. 0.) von Seh a um
diagnosticirt : Sphaerocoris pardalinus , Agonoscelis brachyptera , Mor-
midea terminalis, Slrachia angularis und Cimex cincticollis.
Folgende neue Arten wurden von Herrich-Schäffer (a.a. 0.)
im Nachtrag aufgestellt: Megarhyn^hus limalus Assam , Pycanum jaspi-
während des Jahres 1853. 279
deum Assam, Brachystelhus 6~maculatus Mexico, Aceratodes ruficörnis
Brasilien, Fygoda serrula Brasilien, Edessa recurva und vitellina Bra-
silien, castanca — ?, versicolor Brasilien, Taurocerus cinclus Ostindien,
lihaphigasler acutus Brasilien, Pentatoma letrastigma — ?, reguläre Tür-
key (?) , chilense Chile, Brockymena unicolor Brasilien, Trigonosoma
Fischeri Aegyplen, reliculatum Aegyplen , Plalynopus militaris und ca-
tena Brasilien, Podisus punctipennis Mexiko, sfrifjiipcs, vittipennis und
pallipes Amerika, albiseptus Brasilien, Scaplocoris casianeus Brasilien,
Cydnus biforeolalus Sicilien, abyssmicus und sanguinolentus Afrika, Ta^
risa virescens Turkey.
Coreidcs» Drei neue Gattungen wurden von Stal (Ofver-
sigt af Kong. Vetensk. Akad. Förhandl. p.259) aufgestellt: 1. Blas-
mo gast er n. g. zur Gruppe der Spartocerides gehörend. Kopf qua-
dratisch, leicht gewölbt, mit hervorragenden Fühlerhöckern; Fühler kräf-
tig, 4-gliedrig, das Isle Glied cylindrisch, 2lcs und 3tes dreieckig, alle
drei gleich lang, 4tes kürzer, spindelförmig; Rüssel dieVorderhüften er-
reichend ; Thorax an der Basis weit gerundet, mit schiefen Seilenrän-
dern; Abdomen fast kreisförmig, an den Seiten erweitert; Beine ziem-
lich staik, Tarsen 3-gliedrig, das Iste Glied sehr lang (l Art). 2. Pe-
talocnemis n. g. zur Gruppe der Homoeocerides gehörend. Kör-
per länglich, abgeflacht, Kopf quadratisch ; Fühler kurz, 4-gliedrig, die
Glieder dick, Istes bis 3tes gleich lang, das letzte um die Hälfte kür-
zer, etwas spitz; Rüssel kurz, kaum dieVorderhüften überragend; Tho-
rax länger als breit, hinten weit gerundet; Schenkel etwas dick, zu-
sammengedrückt , Schienen innen an der Basis mehr als an der Spitze
»erweitert; Tarsen 3-gliedrig, Glied 1. und 3. gleich lang, 2. kleiner. —
(l Art). 3. Neurodederrhis n. g. ebenfalls aus der Gruppe der
Homoeocerides. Körper abgeflacht, länglich ; Kopf quadratisch ; Fühler
kurz, 4-gliedrig, die Glieder dick, Istes bis 3tes gleich lang, das letzte
etwas kürzer, zugespitzt; Thorax etwas kürzer als breit, hinten weit
gerundet; Deckflügel mit starken Nerven, ihr häutiger Theil mit zahl-
reichen, unregelmässig netzartigen Adern; Füsse miltelmässig , Tarsen
3-gliedrig, Glied 1. sehr lang, 2. sehr kurz (1 Art).
Drei neue Arten aus Mossambique, Midis vidua, Gonocerus cre-
nicollis und Alydus prolelarius wurden von Schaum (a. a. 0.) dia-
gnosticirt.
Ijyg^aeides« Zwei neue Gattungen machte Stal (a. a. 0.
S. 269) bekannt: 1. Atraclophora n. g. aus der Gruppe der Rhy-
parochromides. Kopf quadratisch, mit spitzen, hervortretenden Fühler-
höckern; Fühler kaum kürzer als der Körper; das Iste Glied dreimal
so lang als der Kopf, an der Spitze verdickt, 2tes und 3tes kürzer,
4tes kaum halb so lang als Istes; Rüssel die Vorderhüften nicht über-
ragend; Thorax nach vorn allmählich verschmälert, leicht gewölbt, mit
einem Quereindruck nahe der Mitte; Vorderschenkcl doppelt so lang
280 Gerslaccker: Bcvicbt ab. d. Leistungen in d. Entomologie
als die hinteren, slaik verdickt, unten stachlig; das Iste Glied der
Tarsen doppelt so lang als die beiden übrigen zusan>men (l Art). —
2. D ermatinus n. g. Von ovaler Gestalt, Kopf dreieckig, gewölbt;
Fühler fast um die Hälfte kürzer als der Körper, das Iste Glred kaum
so lang wie der Kopf, 2tes ein wenig länger, 3les wnd 4tes gleich
lang, etwas kürzer als 2les; Rössel die Vorderhüften überragend, sein
Istes und 2tes Glied fast gleich lang, das 3te kürzer, das 4le sehr
klein; Thorax vorn und hinten gerade abgestutzt, schwach gewöybt;
Deckflögel hinten abgestutzt, lederarlig , ohne deutliche Nerven; die
niembran fehlt; Beine millelmässig, das erste Tarscnglied doppelt so
lang als die beiden anderen zusammengenommen , das 2ie sehr klein
(3 Arten).
iVeue Arten ans Mossambique sind Pyrrhocoris ^-plagialus und
elongalus Schaum.
Capsini* Eine neue von Stal (a. a. 0.) aufgesteOle Gattung
Sphincto Ihorax v>'ur(le folgendermassen charakterisirt: Kopf ziem-
lich gross, länglich dreieckig; Fühler von Körperlänge, das Iste Glied
sehr kurz, 2tes dreimal so lang als Istes ^ die beiden letzten um die
Hälfte kürzer als dieses, unter sich gTcich lang; Küssel bis zu den
Mittel höften reichend, die ersten 3 Glieder gleich lang, das letzte län-
ger; Halsschild in der Rlitte eingeschnürt, vorn viel schmäler, Beine
dünn, Istes und 3les Glied der Tarsen fast gleich lang, 2les etwas kür-
zer (t Art).
IXach Kirschbaum (Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im
Herzogthum Nassau IX. 2. S. 45) ist Capsus prasinus Hahn nicht, wie
dort angegeben, gleich Thylocoris prasinus Fall., sondern gleich Ph.
ericetorum FaH.
Ting^itides. Kollar erwähnte (Verhandl. des zoolog. bolan.
Vereins zu Wien H. S.96), dass Tingis Pyri Fieb. zuweilen den Birn-
bäumen durch grosse Menge nachlheilig werde, indem dureh das Sau-
gen dieses Insektes die Blätter mitten im Sommer ganz braun würden.
ReduTini* Eine neue Gattung dieser Familie wurde vor
Schaum (Sitzungsberichte der Berl. Akad. d. Wiss. S. 358) unter dem
Namen Cenlraspis folgendermassen charakterisirt: „Antennae 7-»r-
ticulatac, art. 1. brevissimo, 3. longissimo. Prothoracis suicus transver-
shs margini antico magis approximatus quam poslico, anguli poslici ro-
tundati. Proslernum profunde canaliculatum, Scutellum posticc ele-
Yalum, apice 4-denlalum, dentibus exterioribus introrsum hamatis, inte-
rioribus parvis, obtusis. Pedes graciles, simplices." —Art: C. Petersii
n. sp. von Mossambique. Ausserdem werden als neue Arten ebenda-
her diagnosticirt : Physorhynchus erythroderus , Lestcmerus aeneicollis
und Pirates xanlhopus.
Stal stellte (a. a. 0. S. 2C1 IT.) elf neue Gattungen in dieser
während des Jahres 1853. 281
Familie auf. Von diesen gehören der Gruppe ßeduvides an: 1. Pho^
nergales n. g. Kopf vor den Augen kegelförmig vortretend, neben
denselben weil gerundet, mit sehr kurzem Halse; Fühler kaum von
halber Körperlänge, Glied 1. sehr klein, 2tes fast viermal so lang,
die beiden letzten gleich lang, borstenförmig; Rüssel kräftig, Glied 1.
und 2. fast gleich lang, das letzte kürzer; Thorax leicht gew^ölbt, in
der Mitte der Quere nach eingeschnürt, mit schief abgestutzten Hinler-
ecken; Schildchen an der Spitze stachlig; Vorderschenkcl stark ver-
dickt; Istes und 2lesTarsenglied gleich lang, 3tes etwas länger (l Art)
— 2. Clopophora n. g. Kopf fast cylindrisch, vor den Augen stark
hervortretend, neben diesen \»'eit gerundet, dann stark eingeschnürt,
mit sehr kurzem Halse; Fühler kaum von halber Körperlänge, Istes
Glied sehr kurz, 2le9 dreimal so lang, die letzten kürzer, gleich lang,
borstenförmig; Rüssel kräftig, das mfttlerc Glied kaum länger als das
Iste, das letzte sehr kurz; Thorax leicht gewölbt, in der Mitte einge-
schnürt, mit einem Längseindruck auf der Scheibe und schief abge-
stutzten Hinterecken; Schildchen an der Spitze stachlig; Vorderschen-
kel stark verdickt, unten stachlig; das letzte Tarsenglied länger als die
ersten (2 Arten). — Aus der Gruppe Ectrichodides : 3. Glymmat o-
phora n. g. Kopf nickend, länglich dreieckig, bei den Augen weil
gerundet, mit kurzem Halse; Fühler fast von halber Körperlänge, 6«
gliedrig, behaart, Glied 2. länger als 1., 3tes um die Hälfte kürzer, 4les
bis 6tes noch kürzer, unter sich gleich lang; Thorax in der Mitte mit
einem Quereindruck; Schildchen desgleichen, an der Spitze ausgeran-
det; Deckflügel und HinterflOgel fehlen; Vorderschenkel verdickt; letz-
tes Tarsenglied länger als die beiden ersten, welche gleich lang sind.
(3 Arten). — 4. Cleptria n. g. Körper fast parallel; Kopf wie bei
der vorigen Gattung, doch mit vortretenden Fühlerhöckern; Fühler um
»/3 kürzer als der Körper, haarig, 8-gliedrig, Glied 2. elwas länger b\b
1., 3tes um die Hälfte, 4tes und 5tes um mehr als die Hälfte kürzer,
6les bis 8les sehr kurz, gleich lang; Rüssel mit gleich langen Glie-
dern; Thorax leicht gewölbt, mit einem kreuzförmigen Eindruck in der
Mitte; Schildchen hinten zweislachlig ; Istes Tarsenglied sehr kurz,
3tes am längsten (3 Arten). — Zur Gruppe Harpaclorides: 5. Panto-
l eist es o. g. Kopf cylindrisch, wenig länger als das Halsschild, Hals
80 lang wie der vor den Augen liegende Theil des Kopfes; Fühler we-
nig kürzer als der Körper, Glied 1. sehr kurz, 2les von Kopflänge, 3tes
dreimal kürzer, 4tes fast so lang wie die übrigen zusammen ; Rüssel
kräftig, gebogen, Glied 1. von halber Kopflänge, 2. fast doppelt so lang,
3tes sehr kurz; Thorax leicht gewölbt, vor der Mitte quer eingeschnürt;
-Schildchen dreieckig: Deckflügel schmaler als der Hinterleib; dieser
seitlich gerundet, in der Mitte stark erweitert; Füsse länglich, Istes
Tarsenglied sehr kurz, letztes sehr lang (1 Art). — 6. Harpagoco~
ris n. g. Körper länglich; Kopf vor den Augen kegelförmig »usge;?»-
282 Gerslaeckcr: Bcriciil üb. d. Leistungen in d. Enlomologie '
gen, gegen die Basis hin leicht verengt, mit kurzem Halse; Fühler
kürzer als der Körper, Glied 1, von Kopflänge, 2tes viermal länger, 3tes
und 4tes so lang wie Istes; Rüssel mit istem und 2tem gleich langen
Gliede ; Thorax leicht gewölbt, an der Spitze beiderseits gehöckert,
vor der Älitte eingeschnürt; Deckflügel länger als der Hinterleib; Isles
Tarsenglied sehr kurz, letztes sehr lang (1 Art). — 7. Phonoctonus
n. g. Körper elliptisch, flach ; Kopf vor den Augen dreieckig hervortre-
tend, die Spitze herabgebogen, gegen die Basis verschmälert; Fühler
kaum von Körperlänge, Glied 1. doppelt so lang wie dtr Kopf, 2les und
3tes um die Hälfte kürzer, 4tes kaum so lang wie Istes; am Hüsscl
sind Glied 1. und 2. gleich lang; Thorax fast flach, gerandet, vor der
Mitte quer eingedrückt; Istes Tarsenglied sehr kurz, letztes sehr lang
(1 Art). — 8. Sphagias tes n. g. Kopf cylindrisch, von Thoraxlänge,
Hals zweistachlig; Fühlerglied Istes länger als der Kopf, stachlig und
borstig, 2tes etwas kürzer; am Rüssel ist das mittlere Glied doppelt so
lang als Istes und 2tes , welche gleich lang sind; Thorax gewölbt,
stachlig, vor der Mitte leicht eingeschnürt, vorn und an der Basis zwei-
höckerig, die Höcker Stacheln tragend ; die Segmente des Hinterleibs
blattförmig erweitert; Schenkel unten stachlig, an der Spitze mit zwei
Dornen; Hinterschienen an der Basis innen gewimpert; Tarsen kurz,
schlank, Istes Glied sehr kurz (1 Art). — 9. Laphyctes n. g. Kopf
cylindrisch, so lang wie der Thorax; Fühler fast von Körperlänge, Glied
1. länger als der Kopf, 2tes und 3tes um die Hälfte kürzer, 4tes so
lang wie Istes; Rüssel leicht gebogen, Glied 1. und 2. gleich lang, 3tes
sehr kurz; Thorax vor der Mitte leicht eingeschnürt, Hinterwinkel
stachlig; Füsse schlank, Tarsen kurz, Glied 1. sehr kurz (1 Art). —
Zur Gruppe Conorrhinides gehört: 10. Tribelo c ep hala n. g. Kopf
vor den Augen kegelförmig hervortretend, an der Spitze scharf gedornt,
mit stark heraustretenden Fühlcrhöckern, nahe den Augen fast quadra-
tisch, an der Basis plötzlich stark eingeschnürt, Hals sehr kurz; am
Bussel sind Glied 1. und 2. gleich lang, 3tes sehr klein; Fühler etwas
länger als der Kopf, Glied 1. kaum um die Hälfte kürzer als dieser,
dick, die drei übrigen um die Hälfte kürzer als Istes, borstenförmig;
Thorax kürzer als breit, leicht quer eingedrückt; üeckflügel kürzer
als der Hinterleib, nur an der Basis lederarlig; Füsse ziemlich kurz,
Tarsenglied 1. und 2. gleich lang, 3. länger (1 Art). — Zur Gruppe Ste-
nopodides: 11. Lopodytes n. g. Kopf cylindrisch, länger als der Tho-
rax; Istes Glied der Fühler von Kopflänge, 2tes und 3les um die Hälfte
kürzer; Rüssel gerade, Glied 1. und 3. gleich lang, 2te8 sechsmal so
lang; Thorax gewölbt, an der Basis zweidornig; Füsse lang und schlank,
istes Tarsenglied sehr kurz, letztes sehr lang (1 Art).
Ploteres« Eine neue Gattung Tenagog onus wurde von
Stal (a. a. 0. p. 263) folgenderraassen charakterisirl : Körper fast el-
liptisch ; Kopf dreieckig , etwas gewölbt , mit wenig hervortretenden
vkähiend dcsJalirts 1853. 283
FültlcrhöcKern, Fühler länger als der Körper, die Glieder fast gleich
lang, die Kopflänge etwas überlrefl'end ; zwischen Glied 2. und 3. fin-
det sich ein sehr kleines, kugliges Glied eingeschoben; Rüssel fast
dreimal so lang als der Kopf, das 3le Glied am längsten ; Thorax viel
länger als das Abdomen, gewölbt; Deck- und Hinlerflügel fehlen; vor-
letztes Segment des Abdomen beiderseits in einen Ast erweitert; Hin-
terfüsse sehr lang , Vordertarsen kurz , die hinteren länger , schlanker
(1 Art).
IVepides* Stal stellte (a. a. 0. p. 264) eine neue Gattung
Jlyotrephis auf: Körper gross, elliptisch; Kopf breiter als Thorax,
vor den Augen kurz cylindrisch hervortretend; die Augen umfassen
fast die Vorderwinkel des Thorax; Fühler sehr kurz, Glied 1. bis 3.
kuglig, 2tes und 3tes einen gebogenen, fast cylindrischen Ast aussen-
dend, 4tes länglich, kegelförmig; alle Tarsen mit 2 Klauen, an den vor-
deren die äussere Klaue kürzer als die innere. Das üebrige wie bei
Belostornum (1 Art).
Älayr stellte (Verhandl. d. zool. botan. Vereins in Wien II. p. 15)
ausserdem zwei neue Galtungen in dieser Familie auf, welche folgen-
dermassen charaklerisirt werden: Limnogeton n. g. „Caput elonga-
tum: rostrum aequale, breve, 3-articulatum, art. 2. longiore quam 1.,
3. brevissimo. Antennarum 4-articulatarum in fossa latentium art. 1.
pyriformis, 2. externe longo cylindrico subtus curvato, intus parvo trun-
cato processu, 3. aequalis secundo, 4. conicus subtus concavus, subter
convexus. Acetabula pedum anticorum margine antico thoracis excisa.
Pedes antici biarliculati , unguibus duobus minutissimis. Tibiae posti-
cae tetragonae, spinosae. Appendices aidolhecae breves , inclusae li-
neari-lanceolatae " Die Gattung soll ihren Platz zwischen Sphaerodema
und Zailha nehmen. — Art: L, Fieberi aus Kordofan. 2". — LethO'
cerus n. g. „Corpus ovale, depressum : rostrum 3-articulatum, breve,
pedes anlicos vix altingens, art. 1. brevi, turbinato, 2. obconico lon-
giore quam 1. et 3. Antennarum 4 -articulalarum in fossa latentium
art. 1. brevis cylindricus, 2. brevis externe conico curvato processu,
3. aequalis secundo sed brevior, 4. conicus. Pedes 1 - arliculati , un-
guibus duobus magnis. Appendices aidothecae breves, lineares." — Art:
L, cordofanuSf 21'". — Den Beschreibungen sind Abbildungen beider
Thiere beigegeben. — Das Thier, auf welches die letzlere Galtung ge-
gründet ist, befindet sich noch im Larvenzustand und ist vielleicht nur
ein unentwickeltes Belostornum.
Von Halde man wurden (Proceed. acad. nat. sc. Philad. VI.
p. 364) als neu beschrieben : Beloslomitm impressum und Zailha inden-
tala aus Californien.
Eine neue Art aus Mossambique , Naucoris fuscipen?iis wurde
von Schaum (Sitzungsberichte der Berl, Akad. d. Wiss. S.358) dia-
gnosticirl.
2vS4 Gcrstaekcr: Bericht üb. d. Leislungen in d. Entomologie
Sträclulantes. Eine neue Art aus Mossambique ist Cicada
(Oxypleura) neuroslicta Schaum. (Monatsberichte der ßerliner Akademie
S.359).
Scott gab (Proceed. zooIog. soc. 1852 p. 14) eine Beschreibung
von Cystosoma Saundersii Weslw. mit Beröcksichligung des vonWesl-
wood nicht gekannten Weibchens. Dieses ist in der Flügelspannung
etwas kleiner als die Männchen , und sein Hinterleib nähert sich mehr
dem der eigentlichen Cicadcn , nur dass die seitlichen Kanten fehlen ;
die beiden Rlelasternal -Platten sind auch hier verhällnissmässig klein.
— Das Thier, welches im lebenden Zustande eine lebhaft grüne Farbe
hat, ist auf Ash Island sehr häufig und findet sich vom September bis
zum Februar.
F'ulg-orellae. Zehn neue Gattungen dieser Familie stellte
Stal (a. a. ü. S. 264— 2ö6) auf: a) zur Gruppe der Lystroides : 1.
Hypselomelopum n. g. Kopf schmaler als Thorax; Scheitel vorn
weit gerundet, an der Basis weit ausgerandet, concav, dreifach ein-
gedrückt, mit erhabenen Rändern, der Yorderrand beiderseits leicht
gebuchtet, bei den Augen ein wenig erweitert; Stirne gross, fast
quadratisch, an der Basis stumpf dreieckig ausgezogen; Oberlippe
dreieckig, mit erhabenen Seitenrändern; Fühler kurz, letztes Glied
sehr kurz cylindrisch, Borsten tragend ; Thorax kurz , quer, mit drei
schwachen Längsleisten ; Deckflügel kaum doppelt so lang als der
Hinterleib; Yorderschienen unten etwas erweitert. (1 Art). — b) zur
Gruppe der Cixiiden; 2. Simoteltix n. g. Kopf um die Hälfte schmä-
ler als Thorax; Scheitel schmal, concav, mit erhabenen Rändern;
Stirn verkehrt dreieckig , an der Spitze mit einem aufwärts geboge-
nen, fadenförmigen Forlsatz, und erhabenen Rändern ; Oberlippe läng-
lich dreieckig, convex; Augen fast kuglig ; Fühler mit cylindrisch -
kugeligem Endgliede , Thorax halb so kurz als der Kopf, mit erhabe-
ner Längsleiste; Deckflügel kaum doppelt so lang als der Hinterleib,
durchsichtig, die Längsadern an der Spitze gabiig getheilt ; Schenkel
zusammengedrückt , Yorderfüsse jederseits erweitert. (1 Art). — 3.
Strongylodemas n. g. Körper von breiter Eiform, fast kreisrund;
Kopf vorn etwas vorgezogen, an der Spitze abgerundet; Scheitel ge-
landet, mit erhabener Mittelleiste ; Stirn fast parallel , mit 5 an der
Basis zusammenfliessenden Leisten ; Oberlippe etwas länger als die
Stirn, mit erhabener Mittellinie, bis zur Mitte gleichbreit, dann stark
gebuchtet, und gegen die Spitze verschmälert; Fühler mit hügligem
Endgliede; Thorax um die Hälfte kürzer als der Kopf, vorn hervor-
gezogen, mit erhabener Längsleiste; Deckflügel um die Hälfte kürzer
als der Hinterleib, hinten abgestutzt, mit erhabenen, gabiig gespalte-
nen Längsadern ; Hinterschienen und die Glieder der Hintertarsen
zweispaltig; die hinteren Tarsen länger und kräftiger als die vorde-
ren. (1 Art). — 4. Embolo phora n. g. Kopf wenig schmaler als
während des Jahres 1853. 2öO
Thorax, mit cylindrischem Fortsätze, der doppelt so lang als der Tho-
rax und oben mit 3, unten mit 4 erhabenen Leisten versehen ist;
Stirn und Oberlippe mit 3 Leisten; Fühler cylindrisch , etwas länger
als der Kopf breit; Thorax quer, vorn etwas hervorgezogen, 3-riefig;
Deckflügel etwas länger als der Hinterleib, mit gespaltenen Längs-
adern, (l Art). 5. Rhinotettix n. g. Kopf ziemlich lang kegel-
förmig hervortretend, breiter als der Thorax; Scheitel mit erhabener
Längsleiste und Rändern; Stirn fast parallel, leicht gewölbt; Ober-
lippe gewölbt, wie die Stirn mit mittlerer Längsleiste; Fühler kaum
kürzer als der Kopf breit, fast cylindrisch, nach der Spitze zu dicker,
letztes Glied fast doppelt so lang als das erste; Thorax von der Länge
des Scheitels, mit 3 Längsleisten; Deckflügel von Hinterleibs -Länge,
undurchsichtig, mit gabiig gespaltenen Längsadern. (1 Art). — 6. H a^
jyalomelics n. g. Kopf vor den Augen fast gerade abgestutzt, Mit-
tellinie und Ränder des Scheitels erhaben; Stirn und Oberlippe leicht
gewölbt, mit 3 Längsleistcn ; Fühler dreimal so lang als der Kopf
breit, cylindrisch, das letzte Glied um die Hälfte kürzer als das erste;
Deckflügel doppelt so lang als der Hinterleib, in der Mitte zusammen-
geschnürt und gebogen, (l Art). — 7. Ämblycotisn, g. Kopf
wenig breiter als Thorax, zwischen den Augen abgestutzt; Scheitel
kurz, quer ; Stirn breit, dreieckig, mit 4 Längsleisten und erhabenen
Rändern; Oberlippe dreieckig; Fühler fast dreimal so lang als der
Kopf, zusammengedrückt, letztes Glied doppelt so lang als das erste:
Thorax kurz, quer, am Grunde gebuchtet, mit drei schwachen Leisten ;
Deckflügel doppelt so lang als der Hinterleib, mit gabiig getheilten
Längsadern, (l Art). — 8. Tr o pid o c ephala n. g Kopf vorn drei-
eckig hervortretend, etwas länger als der Thorax; Scheitel flach, seine
Mittellinie und Ränder erhaben; Stirn parallel, nebst der Oberlippe
carinirt und mit erhabenen Rändern ; Fühler etwas kürzer als der
Kopf breit, cylindrisch, das letzte Glied fast doppelt so lang als das
erste ; Thorax flach, mit 3 Längsleisten ; Deckflügel kaum doppelt so
lang als der Hinterleib, nahe der3Iitte mit 3 quergestclltcn Tuberkeln,
welche durch die Längsnerven gebildet werden. (1 Art). — c) zur
Gruppe der Flaliden : 9. Acrojnetoponn. g. Kopf dreieckig her-
vortretend, an der Spitze abgerundet, verschmälert; Scheitel concav,
mit aufgebogenen Rändern; Stirn convex, an der Basis schmaler, an
der Spitze weit gerundet ; Oberlippe länglich dreieckig ; Thorax um
die Hälfte kürzer als der Kopf, in der Mitte concav; Mesothorax mit
3 schwachen Leisten ; Deckflügel ziemlich breit, kaum länger als der
Hinterleib, mit gerippten Längsadern ; Vorderschienen unten etwas er-
weitert, (l Art). — 10. Cy stingocephala n. g. Scheitel vor den
Augen hervortretend, fast viereckig, Mittellinie und Ränder erhaben;
Stirn sehr hervortretend, blasig, stark zusammengedrückt, gefurcht;
Oberlippe länglich dreieckig, mit 3 Längsleisten, deren mittlere stark
286 Gcrstaeckcr: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
erhaben; Fühler sehr kurz, letztes Glied kuglig- eylindrisch ; Thorax
kaum kürzer als der Seheitel, vorn zvveibuchtig, mit 3 Längsleisten;
Deckflügel herabgebogen, mit gabiig gespaltenen, an der Spitze we-
nig genetzten Längsadern; der Rand quer geädert; Vorderschenkel
unten erweitert, (l Art).
Von demselben wurden (ÖFversigt af Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandl. 1853. S. 174) vier neue schwedische Arten der Gattung Del-
phax unter dem Namen smaragdula, sordidula^ coUaris und obtusifrons
beschrieben.
Schaum errichtete (Monatsberichte der Berliner Akad. d.Wis-
sensch. S. 359) eine neue Gattung Eulropistes mit folgenden Cha-
rakteren : „Caput antice semiellipticum, postice profunde emarginatum.
Frons et clypeus plani Ocelli desunt. Prolhorax 7-carinatus, postice
profunde trisinuatus. Scutellum tricarinalum. Elytra subcoriacea, sub-
fornicata, costis 3 longiludinalibus , exteriori et interiori basi, Omni-
bus apice dichotomico, callo ovali laevigato postice instrucla. Tibiae
posticae 4-spinosae. — Eine Art : E. callilet.
Cicadellina* Eine monographische Bearbeitung der Telti-
gonien hat Signoret in den Annales de la soc. entom. de France
p. 13 ff. begonnen. In der Einleitung entwickelt der Verf. die Ansicht,
dass die Gattung Teltigonia in der ihr von Germar angewiesenen
Ausdehnung festzuhalten sei , und dass eine Zersplitterung derselben,
wie sie von den späteren Autoren vorgenommen sei, verworfen wer-
den müsse. Die von den letzteren aufgestellten Gattungen, wie Ger-
maria, Proconia, Bhaphirhinus, Aulacizes etc. bieten zwar in gewis-
sen , ausgezeichneten Formen scheinbar generelle Unterschiede dar,
gehen aber bei Vergleich einer grösseren Reihe von Arten allmählich
dergestalt in einander über, dass nirgends eine sichere Grenze fest-
zustellen ist. Signoret verwirft sie daher, und theilt die Gattung
Tettigonia Germ, nur in eine Anzahl von Gruppen. Die erste dersel-
ben, welche sich durch den nicht gefurchten Kopf charakterisirt, ent-
spricht den Gattungen Tettigonia Lepell., Proconia Lepell., Driedroce-
phala Spin. , Helochara Fitch und Dilobopterus Sign. Die zweite um-
fasst die Arten mit gefurchtem Kopf und nicht erweiterten Schienen
(Aulacizes Am. Scrv.). Die dritte charakerisirt sich durch erweiterte
Schienen , wozu Propetes ^Valk. , Ciccus Am. Serv. (zum Theil) und
verschiedene Teltigonia -Arten der Autoren zu zahlen sind. Bei der
vierten ist der Prothorax sechsseitig ; dazu gehören Diestostemma Spin.,
Germaria Lap. und Ciccus Latr. Die fünfte und letzte Gruppe end-
lich vereinigt alle Tettigonien mit verlängertem Kopf in sich , und
entspricht den Gattungen Rhaphirinus Am. Serv. und Wolfella Spin. —
Der bis jetzt vorliegende Theil der Arbeit umfasst die Beschreibung
und bildliche Darstellung von 147 Arten, welche sämmtlich der ersten
whIiuiuI des Jal»r«s 1S53» - 287
Gruppe angehören und die beiden ersten Sektionen derselben aus-
machen. Die Tafeln s;ehen eine Darstellung der meisten Arten im ver-
grösserlen Maassslabe und erleichtern das Bestimmen der übrigens durch
Faibc und Zeichnung sehr ausgezeichneten Thiere dieser Gattung we-
sentlich.
Derselbe wies in einem Aufsatz, betitelt: „Uevue critique du
groupe des Telligonides et de la tribu des Cercopides" (in Guerin's Re-
vue et Mag. de Zool. V. p. 173 ff.) eine grosse Bcihe von Irrthümern
nach, welche sich Walker in seinem „Calalog der Homopteren des
Britischen Museums-' hat zu Schulden kommen lassen. Die daselbst an-
geführte Synonymie wird in vielen ^Fällen berichtigt und vermehrt,
zusammengezogene Arien getrennt und umgekehrt.
Derselbe stellte (ebenda p 263) eine neue Gattung Ecty-'
pus aus der Familie der Teltigoniden auf, welche äusserlich viel Aehn-
lichkeit mit Aulacizes und Jassus zeigt; sie zeichnet sich aber durch
den gänzlichen Mangel an Ocellen aus; die Flügeldecken bedecken den
Hinterleib nur zur Hälfte und die llinterllügcl sind ebenfalls nur ru-
dimentär; Stirn sehr gewölbt, Augen hervorspringend, Fühler von der
Länge des; Kopfes. — Die einzige Art, E. coriaceus aus Bolivia ist
auf Taf. 8 abgebildet.
Zwei neue Galtungen wurden ferner von Stal (a. a. 0. p 266)
bekannt gemacht : l. P ctalocephala n. g. ausderGruppe derApKro-
phoriden. Kopf stark gerundet hervortretend, oben flach, unten leicht
ausgehöhlt, mit 2 Längseindrücken ; Fühler kurz, cylindrisch , Glieder
fast gleich lang ; Prolhorax quer, von Kopfeslänge, parallel, leicht ge-
wölbt, in der Milte der Länge nach eingedrückt ; Decktlügel etwas län-
ger als der Hinterleib, mit gabiig getheilten Längsadern. (1 Art). —
2. Euryprosopum zur Gruppe der Scarides gehörend. Kopf sehr
breit, kurz, rechtwinklig, leicht gewölbt, perpendikulär; Fühler kurz,
vor den Augen am unteren Knpfrande eingelenkt, das letzte Glied cy-
lindrisch-kuglig ; l'rothorax von Kopfesbreite, aber fast doppelt so lang,
vorn etwas abschüssig; Deckdügel wenig länger als der Hinlerleib,
netzartig geädert; Yorderschienen zusammengedrückt, etwas erweitert.
(1 Art).
Derselbe beschrieb (Öfversigt af Kongl. Velcnsk. Akad. För-
handl. 1853. S. 174 IT.) drei neue in Schweden aufgefundene Typhlo-
cyba-Arten: pictilis, placidula und Wallengreni.
Zwei neue Arten aus fliossambique wurden (Sitzungsberichte d.
Berl. Akad. d. Wissensch. S. 359) von Schaum diagnosticirt : AphrO'
phora grisescens und Sclenoccphalus lucidus.
ApIiidSI» Von Milliere wurde* unter dem Kamen Aphis
tongicaudalus eine neue fossile Art dieser Familie, welche im Mergel-
Q88 Gerslaeckcr: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
schiefer von Amberieux aufgefunden worden ist^ in den Annales de la
SOG. enlom. p. 9 bekannt gemacht und auf Taf. 3 abgebildet.
Coccides. Lucas machte (Bulletin enlom. p. 28) die Alitthei-
lung, dass auf Zixiphus pinnaciiistri Linn. eine Art der Gattung Coccus
lebe, welche er Coccus Ziziphi zu nennen vorschlägt. Eine nähere
Beschreibung ist jedoch nicht gegeben worden. Üer Fundort desThiers
ist die Oase ßiskara.
Bericilt über die liClstung^eii in der Hatur-
g^escliichtc der niederen Thiere während
der Jahre 1$4§— 1§53.
Von
Dr. Ruil. Tieuckart,
Professor in Giessen.
Es sind nunmehr zwanzig Jahre, als der erste Begrün-
der dieser Zeilschrift, Prof. Dr. Wieg mann, den Versuch
machte, durch Lieferung von regelmässigen Berichten über
die Leistungen in der Zoologie die allmähliche Erweiterung
und Umgestaltung unserer Wissenschaft von Jahr zu Jahr zu
verfolgen. Seit dieser Zeit sind solche Berichte immer mehr
zu einem Bedürfnisse geworden. Die Menge der Beobach-
ter, wie der Entdeckungen hat allmählich in einem solchen
Umfange zugenommen, dass es dem Einzelnen geradezu un-
möglich ist, die Fortschritte unserer Wissenschaft in allen'
ihren Zweigen bis ins Delail hinein zu überblicken. In kei-
nem Theile unserer zoologischen Disciplinen ist nun aber seit
einer Reihe von Jahren dieser Fortschritt so mächtig gewe-
sen, als gerade auf dem Gebiete unserer Kenntnisse von
den niederen Thieren. Je weiter diese Geschöpfe früherhin
zurückstanden, desto mehr sind dieselben heutigen Tages
in den Vordergrund unserer Arbeiten getreten, desto wich-
tiger ist ihre Kenntniss gegenwärtig für die ganze Gestaltung
unserer Anschauungen über thierische Organisation und thie-
risches Leben geworden. Und doch sind es gerade die Be-
richte über die Leistungen in der Naturgeschichte dieser nie-
deren Thiere, die bereits seit geraumer Zeil in unserem Ar-
chive ins Stocken geriethen.
Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2. Bd. T
290 Leyckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Wenn ich nun auf die Aufforderung meines verehrten
Freundes, des gegenwärtigen Herausgebers unseres Archivs,
es jetzt wage, diese Berichte wieder aufzunehmen, so ge-
schieht das vorzugsweise in der Hoffnung, dadurch in Etwas
wenigstens die Lücke auszufüllen , die durch das Ausbleiben
derselben in den letzten Jahren entstanden ist und sich gewiss
einem jeden Zoologen schon oftmals fühlbar gemacht hat. Bis
wie weit mir solches gelungen ist, muss ich freilich meinen Fach-
genossen zur Beurtheilung überlassen. Ich kann meinerseits
nur versichern, dass ich keine Mühe und Geduld gespart habe,
die Schwierigkeiten , die sich der Ausführung meines Unter-
nehmens entgegenstellten, zu überwältigen. Es war wahrlich
keine geringe Arbeit, die zoologische Lilteratur seit 1848
zusammenzubringen und für meine Zwecke zu benutzen. In
einer kleinen Universitätsstadt stehen dem Gelehrten begreif-
licher Weise nur geringe litterarische Hülfsmittel zu Gebote;
er muss den Apparat für seine Arbeiten von aussen her be-
ziehen und läuft dabei dann um so leichter Gefahr, das
eine oder andere Werk zu übersehen. Ich muss desshalb um
Nachsicht bitten, wenn mein Bericht vielleicht nicht in jeder
Beziehung so vollständig ausgefallen ist, als ich es wünschte.
Ist es mir doch sogar unmöglich gewesen , mehrere Ab-
handlungen die mir dem Titel nach bekannt geworden wa-
ren, mir überhaupt zu verschaffen, obgleich mir mehrere der
reichsten deutschen Bibliotheken (zu Göttingen , Darmstadt,
Frankfurt, Berlin) mit grosser Liberalität ihre Schätze zur
Benutzung frei stellten und mich noch mancher befreundete
Fachgenosse durch Mitlheilung von grösseren und kleineren
Abhandlungen in meiner Arbeit unterstützte. Ich muss es
dankbar anerkennen, dass mir die Ausführung meines Unter-
nehmens hierdurch in einem hohen Grade erleichtert wurde,
und kann den Wunsch nicht unterdrücken, es möchte mir
auch fernerhin durch Zusendung solcher Arbeiten (auch Dis-
sertationen und Separatabdrücken aus Journalen) von Seiten
meiner Fachgenossen , namentlich des Auslandes , dieselbe
Erleichterung zu Theil w^erden.
Bei Abfassung der Referate war es mein Hauptbestre-
ben, den wesentlichsten Inhalt der einzelnen Publicationen
mit wenigen Worten wiederzugeben. Um Raum zu erspa-
der niederen Thiere während der J. 1848 — 1853. 291
ren, wurden dabei mitunter auch wohl mehrere Arbeiten ver-
schiedener Forscher über denselben Gegenstand zusaknmen-
gefasst, doch wird die äussere Nolhwendigkeit einer solchen
Beliandlung in der Folge wohl hinwegfallen. Wenn hier und
da eine kritische Bemerkung, auch wohl ein ürtheii über den
Werth einer Arbeit nüt einfloss, so wird man das, wie ich
hoffe, keineswegs (adeln. Es dürfte für einen Berichterstat-
ter um so schwieriger sein , sich derartiger Zusätze zu ent-
halten, je mehr sich derselbe mit den Gegenständen seines
Referates selbst beschäftigt hat. Bei dem grösseren Umfange
des Berichtes schien es dieses Mal auch zweckmässig, den
physiologisch-anatomischen und den zoologischen Theil des-
selben strenger aus einander zu halten , als das früher ge-
schehen ist und auch wohl später nöthig sein wird. Aus
demselben Grunde wurden auch die einzelnen Referate mehr
nach ihrem Innern Zusammenhange, als nach der Zeit ihrer
Publication und dem Titel geordnet. Die Uebersicht wird
dadurch, wie ich hoffe, beträchtlich erleichtert, obgleich ich
gern zugebe, dass es ein Uebelstand ist, wenn das Referat
über eine Arbeit dabei mitunter an zweien oder gar noch
mehr Stellen vertheilt werden musste.
Das erste, was Ref. in seinem Berichte zu erwähnen hat,
ist die neue „Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie« von
V. Siebold und Kölliker, die seit 1849 erscheint und na-
mentlich für niedere Thiere eine wahre Fundgrube der kost-
barsten Beobachtungen ist. Von fremden neuen Zeitschriften
hebt Ref. hier namentlich das „Quarterly Journal of microscopi-
cal science"und die„Transacfions of microscopical Society of
London" *) hervor, zwei Sammelwerke , die keineswegs etwa
histologischen Inhaltes sind, sondern sich nach Art der eben
erwähnten Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie mit der
rein Darstellung des Baues bei den Thieren überhaupt befassen.
Die Schriften der zahlreichen nordamerikanischen Gesellschaf-
*) Die erste Reihe dieser Transactions fällt vor 1848 und hat
von mir nicht benutzt werden können, obgleich sie manche interes-
sante Bemerkungen und Abhandlungen über niedere Thiere zu ent-
halten scheint.
Ö92 Leuckarl: Bericht üb. d. Leislungen in d. Naturgeschichte
ten und Akademien, Proceedings, Journals und Transaclions,
die uns erst seit wenigen Jahren durch die Leichtigkeit und
Regelmässigkeit des transatlantischen Verkehres zugänglich
geworden sind , werden von Ref. gleichfalls in seinem Be-
richte häufig angezogen werden.
Von den neueren zoologischen Handbüchern haben nur
wenige für das Studium der niedern Thiere einige Bedeutung.
Wir erwähnen in dieser Beziehung C. Vogt, „zoologische
Briefe. Naturgeschichte der lebenden und untergegangenen
Thiere.« 2 Bände. Mit vielen Abbild. 1851 und 0. Schmidt,
„Lehrbuch der Zoologie." Wien 1854 (1855). Als Compendium
der vergleichenden Anatomie empfiehlt sich durch Auswahl
des Stoffes und namentlich auch durch gebührende Berück-
sichligung der niederen Thiere van Beneden „Anatomie
comparee," Bruxelles 1853 (ein Theil der bekannten belgischen
Encyclopedie populaire). Die neue, in mehreren Bänden er-
schienene Ausgabe von Carp enter's „Animal physiology" ist
Ref. nicht zu Gesicht gekommen. Ein Werk von ähnlicher
Tendenz ist die von Bergmann und Ref. gemeinschaftlich
bearbeitete „anatomisch-physiologische Uebersicht des Thier-
reichs." Stuttgart 1852, in der die Verf. consequenler, als
das Wühl fiüherhin geschehen war, versuchten, den Bau der
Thiere (auch den der niederen Geschöpfe) vom physiologi-
schen Standpunkte aus zu beleuchten und die Eigenthümlich-
keilen desselben als Naturnothwendigkeiten nachzuweisen.
Auch die „Giundzüge der Zoologie" von L. Agassiz und
A. A. Gould, in deutscher Uebersetzung bei Müller in Stutt-
gart 1851 dürften in dieser Hinsicht wohl als empfehlenswerth
zu einem einleitenden Studium zu nennen sein. In einer
andern mehr naturpliilosophischen Weise werden die Ver-
hältnisse der thierisrhen Organisation von Mi Ine Edwards
besprochen: „Inlroduction ä la Zoologie generale." Paris 1851,
deutsch unter dem Titel : „das Verfahren der Natur bei Ge-
staltung des Thierreiches.*^' Stuttgart 1853.
Von Referent erschien eine Abhandlung „über die Mor-
phologie und die Verwandschaltsverhältnisse der wirbellosen
Thiere." Braunschweig 1848, auf die wir später noch mehr-
fach zurückkommen werden, da sie in Bezug auf die Syste-
matik gerade der niedern Thiere mancherlei neue und, glaube
der niederen Thiere während der J. 1848—1853, 293
ich, richtige Ansichten ausspricht. Ref. behandelt darin den
äusseren und inneren Körperbau ohne Rücksicht auf den
physiologischen Werlh der Apparate und sucht durch Ver-
gleichung desselben bei den einzelnen Formen die morpho-
logischen Beziehungen der letztern feslzuslellen. In einer ähn-
lichen, aber mehr umfassenden Weise und einer streng me-
thodischen Form behandelt auch V. Carus die Gestaltver-
hältnisse der thierischen Geschöpfe „System der thierischen
Morphologie." Leipzig 1853. Ob der exclusiv morphologische
Standpunkt, den Carus einnimml, sich wissenschaftlich recht-
fertigen lasse^ will Ret. hier nicht weifer untersuchen, aber
jedenfalls verdient das Werk von Carus als erster Ver-
such, die vereinzelten zoologischen (zootomischen , histolo-
gischen) Kenntnisse der Neuzeit zu einem gemeinsamen Bilde
zu vereinigen, alle Beachtung, selbst bei denjenigen, welche
die Form nicht, wie Carus, als Zweck und Ziel der Schö-
pfung, sondern nur als Mittel betrachten.
C. Vogt liefert in den „Bildern aus dem Thierleben^*
Frankfurt 1852 eine populäre, aber äusserst lebendige und
ansprechende Schilderung des Baues und Lebens bei den niede-
ren Thieren, namentlich auch der Fortpflanzung und Entwick-
lung bei denselben. Auch die Reisebriefe desselben Verf.
„Ocean und Miltelmeer." Ebendas. 1848 enthalten viele hüb-
sche und treffende Bemerkungen über die niederen Geschöpfe,
freilich aber auch manche sehr oberflächliche und irrthümli-
che Angaben. (Die zahlreichen Persönlichkeiten, die der Herr
Verf. für eine unerlässliche Zugabe derartiger, auf ein grös-
seres Publikum berechneter Bücher zu halten scheint, wer-
den freilich eben so wenig zur Empfehlung derselben und zur
Berücksichtigung von Seiten der Fachgenossen beitragen, wie
die destructiven Tendenzen, die mit grossem Prunke darin zur
Schau getragen werden.)
Das gleichfalls, wie es scheint, in einer mehr populären
Form, aber in einem sehr verschiedenen Tone gehaltene Werk
von Dalyell „the powers of the crealor displayed in the
crealion; or observations on life admidst the various forms
of the huml)k'r trihes of animated nature" Vol. L with 7 Pla-
tes. London 1851 ist mir eben so wenig zu Gesicht gekom-
294 Leuckart: Bericht üb. d. Leislungen in d. Naturgeschichte
men, wie die „Souvenirs d'un naluralisle^^ par Quatr efages
2 Vol. Paris 1853.
Als ersten Versuch einer vergleichenden Entwicklungs-
geschichte, ohne die ein tieferes Studium der niederen Thiere
geradezu undenkbar ist, erwähnen wir Agassiz ,;twelve
lectures on coinparaüve embryology« Boston 1849, mit man-
cherlei neuen Beobachtungen und Bemerkungen (namentlich
über Sirahlthiere) , die wir später theiivveise noch specieller
hervorzuheben haben. Die gleichzeitig erschienenen „Hunterian
lectures on the generation and development of inveitebralcd
animals" by R. Owen sind mir unbekannt geblieben. Uebri-
gens geben auch die Werke von Bergmann und Ref., von
V. Carus und C. Vogt eine mehr oder minder umfassende
Zusammenstellung unserer Kenntnisse über thierische Ent-
wickelungsgeschichte.
Die mit der Entwicklung und Fortpflanzung der niederen
Thiere so innig zusammenhängenden Vorgänge der Meta-
morphose und ungeschlechtlichen Ver m e h r u n g
sind, wie die daran anknüpfenden Fragen des Generations-
wechsels u. s.w. in den letzten Jahren von den Zoologen viel-
fach in Erwägung gezogen worden. Es ist bei unparteiischer
Beurtheilung der Verhältnisse unläugbar, dass wir durch die
bessere und näliere Erkennlniss dieser Vorgänge einen be-
deutungsvollen Schritt vorwärts gethan haben — obwohl das
von gewisser Seite auf das Bestimmteste in Abrede gestellt
worden ist, vgl. Ehrenberg „über die Formbeständigkeit
und den Entvvicklungskreis der organischen Formen ,^^ Mo-
natsberichte der Berl. Akad. 1851. S. 7(31 , auch als selbst-
ständige Abhandlung erschienen, Berlin 1852. Aber noch
immer bleibt hier vieles dunkel; ja es erheben sich selbst
neue Schwierigkeiten, wie sie früher kaum geahnet werden
konnten. Wissen wir heutigen Tages doch kaum einmal
mehr, wo wir die Grenzmarken zwischen einem Individuum
und einem Organe zu ziehen haben! Die Abhandlungen, die
diese und verwandte Fragen in einer mehr allgemeinen Form
behandeln, sind folgende:
Rieh. Owen „on Parthenogenesis or the successive production
of procreating individuals froni a single ovum.« London 1849. Bildet,
wenn ich recht weiss , die Einleitung der oben erwähnten Lectures.
der niederen Tbiere während der J. 1848—1853. 295
Ich habe keine Gelegenheit gehabt dieses Werk zu benutzen , sehe
aber aus verschiedenen Citaten und einem zweiten denselben Gegen-
stand in Kürze behandelnden Aufsatze „on Metamorphosis and Mela-
genesis" in den Ann. nat. bist. 1851. Vol. VIII. p. 59, dass das Ilaupt-
bestreben unseres Verf. dahin geht, die Möglichkeit der ungeschlecht-
lichen Vermehrung durch die Annahme zu erklären, dass der Aus-
gangspunkt derselben überall ein Rest des ursprünglichen (befruchte-
ten) Dotters sei. Der objective INachweis für die Richtigkeit dieser
Annahme wird freilich schwerlich jemals von unserem Verf. geliefert
werden können. Einen Generationswechsel im Sinne Steenstrup's
stellt unser Verf. in Abrede; er betrachtet den Generationswechsel
(Metagenesis üw.) — mit Rücksicht auf die oben erwähnte Auffas-
sung der ungeschlechtlichen Vermehrung, die denselben vermittelt —
als eine Art Metamorphose, die von der gewöhnlichen Metamorphose
nur graduell unterschieden sei.
Carpenter kommt (British and for. med. chir. review Vol.
I. u. IV. — ich kenne diese Abhandlung nur aus Forbes, Mqnogr.
of naked-eyed Medusae und Thompson, Art. Ovum in Todd's Cy-
clop.) durch die Analyse der betreffenden Erscheinungen bei den Hy-
droidpolypen und eine Vergleichung mit dem Wachsthume der Pflan-
zen zu einem sehr ähnlichen Resultate, obgleich sonst der Standpunkt
unseres Verf. sehr verschieden ist, indem derselbe die Knospenbildung
bei Thier und Pflanze nicht für eine Fortpflanzung , sondern für eine
einfache Wachsthumserscheinung, die Sprossen selbst also nur für suc-
cessive Produkte desselben Keimes ansieht. Der Generationswechsel ist
nach Carpenter eine Metamorphose, die an einer Reihe derartiger
successiver Theile eines Thieres abläuft. Die Uebereinstimmung zwischen
dem Generationswechsel der Zoophyten und der Sprossbildung der Pflan-
zen ist übrigens schon früher von F 0 r be s und Cou c h (vgl. Jahr. Ber.
Bd. XVI. S. 437) und auch später von Dana (Silliman's Journ. 1850.
Vol. X. p. 341, Ann. nat. bist. Vol. VII. p. 348), so wie in Deutschland ^
namentlich von A. Braun (Betrachtungen über die Erscheinung der
Verjüngung in der Kalur. Leipzig 1851 , und noch specieller in der
Abhandlung über „das Individuum der Pflanze in seinem Verhältnisse
zur Species, Generationswechsel, Generationsfolge und Generationsthei-
lung der Pflanze« Berlin 1853, aus den Abhandl. der Königl. Akad.
der Wissensch. bes. abgedr.) hervorgehoben worden, freilich nur, um
die S t e ens t r u p'sche Idee des thierischen Generalionswechsel, wenn
auch vielleicht in einiger Modification auf die Pflanzenwelt, zu über-
tragen. In ähnlicher Weise spricht sich auch V.Ca rus aus „zur nähe-
ren Kenntniss des Generationswechsels" Leipzig 1849, in einem
Schriftchen, das neben einigen Beobachtungen über die Fortpflanzung
der Aphiden und Tremaloden einen Uebeihlick über die Verbreitung
des Generationswechsels gicbt, und sich weiter die Aufgabe stellt, die
296 Leuckart*. Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Bedeutung dieser Fortpflanzungsweise als typischen Entwicklungsvor-
gang zu erörtern.
Die Abhandlung von Proch „om Parthenogenesis og Genera-
tionsvexel" Kjövenhavn 1851 (aftrykt af Bibliothek for Laeger 1851)
ist Ref. aus linguistischen Gründen theilweise unverständlich geblie-
ben, wesshalb er sich begnügt, hier einfach auf dieselbe zu verweisen.
Referent lieferte eine Abhandlung „über Metamorphose, un-
geschlechtliche Vermehrung, Generationswechsel« in der Zeitschr. für
wiss. Zool.III. S. 170 und erörtert dieselben Verhältnisse später noch
einmal in seinem Art. Zeugung, Wagner's Handwörterbuch der Physiolo-
gie Bd. IV. Was die Metamorphose betrifft, so hebt Ref. hervor, dass sich
die Vorgänge derselben in Nichts , weder anatomisch noch physiolo-
gisch, von den Vorgängen während der Embryonalbildung unterscheiden,
dass eine sogenannte Metamorphose mit anderen Worten nur eine über
die Zeit des Eilebens hinaus verlängerte Entwickelung sei. Er schlägt
für diese spätere Metamorphose desshalb die Bezeichnung „freie Me-
tamorphose" vor und unterscheidet zwei Arten derselben, eine freie
Metamorphose mit „provisorischen Larvenorganen" (S. 178) und ohne
solche. Die Verschiedenheiten , die sich in dieser Beziehung aus-
sprechen, sucht er mit den Eigenthümlichkeiten der Lebensweise vor
der vollständigen Ausbildung und der Bedeutung der unvollständig
entwickelten Organe in Beziehung zu bringen. Den physiologischen
Grund für die \orzeitige (d. h. vor vollkommener Entwicklung ein-
tretende) Geburt der Thiere mit freier Metamorphose findet er in
einer unzureichenden Ausstattung der Eier (Art. Zeugung a. a. 0.
S. 729), die ihrerseits wiederum die Production einer grösseren Menge
von Keimen zur Folge habe. Eben so glaubt er auch die ungeschlechtliche
Vermehrung als eine Veranstaltung ansehen zu können, durch die u.
a. eine grössere Nachkommenschaft als auf geschlechtlichem Wege
erzielt wird. Den Generationswechsel erklärt er für eine unge-
schlechtliche Vermehrung während des Larvenlebens , bei der der
Sprössling mit Umgehung der provisorischen Larvenform sogleich zu
einem ausgebildeten Thiere werde. Da diese Auffassung jedoch nur
den Generationswechsel mit larvenförmigen Ammen berücksichtigt,
hat Verf. später (Art. Zeugung S. 980) noch eine zweite Form des
Generationswechsels unterschieden , bei der die Ammen bereits im
Wesentlichen die Bildung der Geschlechtsthiere haben, von einer Com-
plication mit der Metamorphose also keine Rede sein kann. Das
Wesentliche des Generationswechsels sieht Verf. dabei in dem Um-
stände, dass bei demselben die geschlechtliche und ungeschlechtliche
Vermehrung über verschiedene Individuen und Generationen ver-
theilt sei.
V. Carus sucht die Ansichten des Ref. zu bekämpfen „einige
Worte über Metamorphose und Generationswechsel« Zeitschr. für wiss.
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 297
Zool. III. S. 359 und System der Morphologie S. 258 sq. ; er findet
darin zu viel Teleologie und zu wenig Morphologie und kommt
schliesslich zu dem Resultate, dass sich die Metamorphose durch das
Auftreten „provisorischer Organe« (Larvenorgane) , der Generations-
wechsel durch das Auftreten „provisorischer Entwicklungszustände"
(Ammen) characterisire. Ycrf. beschränkt dabei den Begriff der Me-
tamorphose auf die eine schon vom Ref. unterschiedene und so ziem-
lich mit denselben Worten bezeichnete Form dieser Entwicklungsweise;
er definirt die Larve als ein Geschöpf mit provisorischen Organen,
das durch Verschwinden dieser Einrichtungen unmittelbar in einen
neuen Entwicklungszustand übergehe (Verf. muss demnach auch die
Embryonen der Plagiostomen mit äusseren Kiemen und die der Säuge-
thiere mit Wolff'schen Drüsen für „Larven« halten, die sog. Ltirven der
Insekten mit unvollständiger Metamorphose aber aus der Reihe dieser
Formen ausschliesscn), während er die Amme für einen provisorischen
Entwicklungszustand selbst hält, von demdasThier durch Entwicklung
neu producirter Keime zu dem nächst folgenden hinführe.
Auch van Beneden erörtert diese Verhältnisse ,,la generation
alternante et la digenese« Bullet, de l'Ac roy. Big. T. XX. N. 1. Er
hebt, wie Ref., hervor, dass sich eigentlich jedes Thier durch Me-
tamorphose entwickelt, und dass der S t e en stru p'sche Generations-
wechsel (wenigstens, wie Ref. hinzufügen möchte, in der grössten Mehr-
zahl der Fälle) nur als eine ungeschlechtliche Vermehrung während
des Larvenlebens zu betrachten sei. In Bezug auf die Fortpflanzungs-
verhällnisse im Ganzen unterscheidet Verf. „monogenetische" Thiere,
d. h. solche, die sich ausschliesslich auf geschlechtlichem Wege fort-
pflanzen und „digenetische« , d. h. solche, die nel)en der geschlecht-
lichen Fortpflanzung auch noch eine ungeschlechtliche besitzen. Aber
diese Thiere mit Digenese verhalten sich verschieden. 1) Der auf ge-
schlechtlichem Wege erzeugte Sprössling („scolex« v. B.) zeigt den-
selben Bau und dieselbe Lebensweise, wie die ungeschlechtlich pro-
ducirten Nachkommen („proglottis« v. B.). 2) Der erstere lebt Anfangs
als Larve unter besondern Verhältnissen, nimmt aber später die Form
und den Bau der Froglottiden an. 3) Scolex und Proglottis leben be-
ständig in verschiedener Form und unter verschiedenen Verhältnissen,
die erste als Amme, die zweite als Geschlechtsthier. 4) Die Ver-
schiedenheiten zwischen Scolex und Proglottis wiederholen sich auch
unter den Proglottidcn, so dass dann Grossamme, Amme, Geschlechts-
thier von verschiedener Form auf einander folgen. 5) Der Scolex
producirt mehrere Generationen hindurch ganz gleiche Scolices, erst
später Geschlechtsthiere. Die von Steenstrup gegen diese Ab-
handlung erhobene Reclamation contre „la generation etc." Copen-
hague 1853. (extr. des Bull. Soc. roy. 1853) enthält zunächst und
vorzugsweise nur einen Prioritätsnachweis in Betreff der Annahme
des Generationswechsels bei den Bandwürmern.
298 Leuckart: Bericht üb. d, Leislungen in d. Naturgeschichte
In einer kleinen Abhandlung „über den Polymorphismus der In-
dividuen oder die Erscheinungen der Arbeitstheilung in der Natur« Gies-
sen 1851 (vgl. auch Art. Zeugung a. a. 0. S. 986) liefert Ueferent
den Nachweis , dass die ungeschlechtliche Vermehrung bei den Thier-
stöcken nicht immer bloss auf die Production von differenten Ge-
schlechtsthieren (auf einen Generationswechsel) beschränkt bleibe
sondern mitunter auch noch zur Entwickhing von mancherlei anderen
Individuenformen mit abweichenden Leistungen Veranlassung gebe. Als
Colonien mit derartigen polymorphen Individuen nimmt Verf. namentlich
die Hydroiden und Siphonophoren in Anspruch. 'Er glaubt hier nicht
bloss Ernährungsthiere und Geschlechtsthiere, sondern auch proliferi-
rende Individuen , Individuen zur Bewegung und Befestigung , zum
Schutze, zum Fange u. s. w. unterscheiden zu können. Das Wesent-
liche dieser sonderbaren Einrichtung sieht Verf. in einer Arbeitsthei-
lung, wie bei dem Generationswechsel und der Duplicität des Ge-
schlechtes, die in gewisser Beziehung auch bereits als erste Andeutun-
gen eines Polymorphismus zu betrachten sind. (Dass ganz ähnliche
Verhältnisse — eine „Generationstheilung" — auch in der Pflanzen-
welt vorkommen, ist von AI. Braun in den beiden oben erwähn-
ten Abhandlungen, namentlich der letzten, die auch für den Zoologen
von hohem W'erthe ist, ausführlich nachgewiesen worden.)
Dieselben Verhältnisse bespricht auch Reichert in einem zur
Saecularfeier der Dorpater Universität geschriebenen Festprogramm :
„die monogene Fortpflanzung« 1852, in der die ganze Lehre von der
ungeschlechtlichen Vermehrung behandelt wird. Es ist kaum möglich,
die Ansichten des Verf. in ihren Einzelnheiten wiederzugeben, zumal
dieselben in vielfacher Beziehung sehr weit von der gewöhnlichen
Anschauungsweise abweichen. So glaubt der Verf. nicht bloss mit
Ref. die Siphonophoren , Hydroiden und derartige Geschöpfe als po-
lymorphe („systematisch geordnete« R.) Thierstöcke betrachten zu
können, sondern auch die Ringelwürmer , Scheibenquallen , Polypen,
Echinodermen, ja sogar die Ascidien u. s. w. Ueberall, wo wir von
"Wiederholungen homologer Theile sprechen (im radiären Typus, Län-
gentypus u. s. w.) , sieht Verf. einen mehr oder weniger complicir-
ten Individuenstock. Die Annahme eines Generationswechsels wird als
teleologisch verworfen; der Generationswechsel fällt mit der unge-
schlechtlichen Vermehrung zusammen , insofern diese nämlich unter
allen Umständen von geschlechtslosen Individuen ausgeht (die Asci-
dien, Bryozoen, Polypen, die nach der gewöhnlichen Anschauungsweise
in denselben Individuen auf geschlechtlichem und ungeschlechtlichem
Wege sich fortpflanzen, sind nach unserem Verf. ja Individuenstöeke
und keine Individuen). Dass Reichert darauf dringt, die einzel-
nen ungeschlechtlichen Zeugungen in ihrem Zusammenhange mit der
J^ebensgegchichte der Art aufzufassen , wird gewiss Jeder für gc-
der niederen Thiere wäiiiend der J. 1848—1853. 299
rechtfertigt halten, obgleich nach der Ansicht des Ref. sich in Be-
ziehung auf den relativen Werth dieser Vorgänge mancherlei Ab-
stufungen bei den einzelnen Thieren vorfinden. (So unterscheidet
auch A. Braun bei den Tflanzen eine wesentliche und eine
unwesentliche Gcnerationsfolge.) Aber eine andere Frage ist
es, ob man desshalb nun auch ohne Weiterfes die Art, d. h. eine be-
stimmte Reihenfolge gewisser Entwicklungscyclen , die sich oftmals
über zahlreiche räumlich und auch wohl zeitlich gesonderte, mehr
oder minder selbstständige Substrate vertheilen , als ein Individuum
(„Ind. im weitern Sinne" R.) betrachten darf; ob man berechtigt ist,
die Art-Individualität zum ausschliesslichen Schwerpunkte der Lehre
von der Zeugung zu machen, wie das in dem vorliegenden Werke
versucht wird.
In seinen Consequenzen führt der R eich e rt'sche Standpunkt
(auch der von Carpenter), nach der Ansicht des Ref., zu einer
Annahme, wie sie von Huxley in einem kleinen Aufsatze „upon
animal individuality" (Ann. nat. bist. 1852. T. IX. p. 305) ausgespro-
chen wurde. Verf. will hier' mit dem Worte „Individuum" nicht die
einzelnen zeitweiligen Repräsentanten der Art, sondern nur die Summe
aller jener Zustände bezeichnet wissen, die im Laufe der Ent-
wicklung auf kürzerem oder längerem Wege aus einem befruchteten
Eie sich hervorbilden. Dem, was wir heutiges Tages ein Individuum
heissen, was wir seit Alters her so zu nennen gewohnt sind, muss
man dann die Individualität absprechen — man mag dasselbe dann
immerhin mit Huxley als ein „Zooid" bezeichnen. Ref. seinerseits
gesteht indessen , sich gegenwärtig noch nicht in eine solche Auf-
fassungsweise finden zu können. (Vergl. hierzu auch die Bemerkun-
gen von A. Braun in der Abhandlung über das Individuum der Pflan-
ze S. lOff.)
Mit wenigen Worten darf Ref. hier auch wohl die vonj. Mül-
1 c r publicirten ersten Aufsätze über „die Erzeugung von Schnecken
in Holothurien" (Monatsber. der Berl. Akad. 1852. S. 628, Müller's
Arch. 1852. S. 1) erwähnen, insofern wenigstens, als der Verf., wie
hier des Weiteren auseinander gesetzt wird, eine Zeit lang geneigt war,
seine überraschende Entdeckung im Sinne des Generationswechsels, als
eine neue Form dieser Fortpflanzungsweise (üeterogonie M.) aufzu-
fassen. Späterhin hat der Verf. bekanntlich diese Ansicht aufgegeben
und den Versuch gemacht , die von ihm beobachteten Thatsachen in
einer andern, wohl natürlichem und einfachem Weise zu erklären.
So Vieles von den Arbeilen über die Forlpflanzung und
Entwicklung^ der niederen Thiere im Allgemeinen. Von wei-
teren Untersuchungen über die anatomisch-physiolo-
gischen Verhältnisse dieser Geschöpfe haben wir Fol--
gcndes hervorzuheben.
300 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Frey lieferte eine Abhandlung „über die Bedeckungen
der wirbellosen Thiere.« Göltingen 1848. Der bisher er-
schienene erste Theil handelt über die Protozoen^ Strahllhiere
und Würmer und enthält namentlich über die Kalkgebilde
in der Haut dieser Thiere manche schätzenswerihe Beobach-
tungen.
Ref. publicirte eine Reihe von Untersuchungen über
das Vorkommen des Chitins und weist nach , dass dieser
Stoff sehr weit unter den Wirbellosen verbreitet sei, nament-
lich auch (wie übrigens zum Theil schon vorher durch
Schmidt und Schultze bekanntgeworden war) in der
Haut der Anneliden, dem Skelet der Bryozocn und Hydroiden,
in der Luftblase derVelellen und im Achsenskelet der Gorgo-
niden gefunden werde. Dieses Arch. 1852. I. S. 22.
Nach den Beobachtungen von v. Siebold wird die
Flimmerbewegung bei vielen Wirbellosen nicht durch isolirt
stehende Wimpern, sondern durch undulirende Läppchen und
Membranen hervorgebracht. Zeitschr. für wiss. Zool.II. S. 360.
Ecker unterwirft die zuerst von D u j a r d i n unterschie-
dene Sarcode einer weiteren histologischen Untersuchung
und zeigt, dass diese bei den niedrigsten Thieren anstatt der
Muskeln und Nerven vorhandene Substanz aus keinerlei re-
gelmässig geformten Elementen (Zellen und deren Derivaten)
gebildet werde. (Ecker „zur Lehre von» Bau und Leben der
contractilen Substanz der niedrigsten Thiere" Ztschr. für wiss.
Zool. 1. S. 218). Ref. muss indessen hinzufügen , dass sich
die Angaben bei Ecker nicht in ihrer ganzen Ausdehnung
— namentlich , wie später noch besonders hervorgehoben
werden soll, nicht für Hydra — bestätigt haben.
Der grüne Farbestoff vieler niederen Thiere (Euglena,
Loxodes, Stentor, Hydra, Vortex viridis u.a.) ist von Cohn,
Zeitschr. für wiss. Zool. HI. S. 264, und M. S. Schultze,
Beitr. zur Naturgesch. der Turbellarien S. 17 , als identisch
mit dem Chlorophyll der Pflanzen nachgewiesen worden.
Will untersuchte (Müllers Arch. 18-18. S. 508) die Le-
beranhänge der Wirbellosen mit Hülfe der Pettenkofer'schen
Gallenprobe, und überzeugte sich , dass u. a. auch die Drü-
senschicht am Darme der Regenwürmer, Blutegel und Plana-
rien wirklich als gallebereitendes Organ zu betrachten sei.
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 301
Bei den Entozoen und Infusorien sah Verf. nach Anwendung
des Reagens gleichfalls die bekannte charakteristische Färbung
eintreten, ohne dass es jedoch gelang, die gallebereilenden
Organe zu entdecken. (Es hat sich später herausgestellt, dass
die Pettenkofer'srhe Probe nicht ausschliesslich für die Galle,
sondern auch in übereinstimmender Weise für gewisse Ei-
weissverbindungen ein Reagens ist.)
Von Qualrefages erhielten wir eine ausführliche
Abhandlung (Annales des sc. natur. 1850. T. XIV. p. 302)
über die in der Leibeshöhle der Wirbellosen vorhandene
Flüssigkeit und die physiologischen Beziehungen derselben
zu den Organen des vegetativen Lebens. Denselben Gegen-
stand behandelt auch Ref. in der mit Bergmann zusam-
men herausgegebenen vergleichenden Anat. und Phys. S. 279,
so wie Williams in einer sehr umfangreichen den Phil,
transacl. 1852. P. L p. 595 einverleibten Monographie, an die
sich sodann später noch eine weitere Abhandlung desselben Verf.
über den Mechanismus der Wasserrespiration und dieAthmungs-
organe bei den Wirbellosen (Ann. nat. hist. XIL 1853. p. 243,
333, 394) anschliesst. Verf. zeigt leider in beiden Arbeiten,
dass er weder unbefangen beobachten kann, noch auch im
Besitze einer ausreichenden Litteralurkenntniss ist. (Wem
dieses Urtheil zu hart dünkt, den verweise ich auf die Dar-
stellung vom Baue der Cestoden, Ann. 1. c. p. 340. Ein Wei-
teres über die Arbeiten von Williams bei den Würmern.)
Die schon im letzten J. B. Bd. XVL S. 352 erwähnte
Abhandlung von Verhaeghe: „Recherches sur la cause de
la phosphorescence de la mer d'Ostende" ist inzwischen im
XXH. Bande der Memoires couronn. de l'Ac. roy. de Brux.
(1848) ausführlich erschienen. Auch Quatrefa ges liefert
eine umfangreiche Abhandlung über das Seelcuchten „sur la
phosphorescence de quelques invertebres marins" (Ann. des
sc. nat. 1850. T. XIV. p. 236), die durch die zahlreichen vom
Verf. angestellten Versuche und mikroskopischen Beobachtun-
einen besonderen Werth erhält. Ebenso beschreibt auch
Peach einige Leuchllhiere der englischen Küste, Ann. nat.
hist. 1850. T. VI. p. 425 und 1851. ^T. VlIL p. 499 (Diphyes,
Sagilta, Thaumantias u. a).
Von Sammelwerken und Abhandlungen ver-
302 Leuckart: Bericht üb, d. Leistungen in d. Naturgeschichte
mischten anatomischen und z o o 1 o g i s c h e n I n h a 1-
les über niedere Thiere, erwähnen wir zunächst den von Köl-
liker herausgegebenen zweiten „Bericht von derkönigl. zoot.
Ansialt zu Würzburg/' Leipz. 1849 mit einem Aufsätze von Ley-
dig über Nephelis und Clepsine , sodann ferner die äusserst
reichhaltigen „Beobachtungen über Anatomie und Entwicklung
einiger wirbellosen Seethiere" von W. Busch, Berlin 1851; M.
S. Schnitze, „zoologische Skizzen" in der Zeitschr. f. wiss.
Zool. IV. S. 178, und „Bericht über einige im Herbste 1853
an der Küste des Mitlelmeeres angestellte zootomische Un-
tersuchungen" in den Verh. derWürzbr. medicin. physik. Ver-
eines 1853. S. 222; J. Müller „über Jugendzustände und
Entwicklungsformen einiger niederen Thiere" in den Monats-
ber. der Berl. Akad 1851. S. 4ö8 und 1852. S. 595 (Archiv
für Physiol. 1854. S. 80); Gegenbaur, Kölliker und H.
Müller, „Bericht über einige im Herbste 1852 angestellte
vergleichend-anatomische Untersuchungen" in der Zeitschrift
für wiss. Zool. IV. S. 299; R. Leuckart, „Zoologische Un-
tersuchungen" 3 Hefte. Giessen 1853. Wir werden den In-
halt dieser Abhandlungen, so weil uns derselbe hier inleres-
sirt, im Laufe unseres Berichtes noch näher kennen lernen.
Für die Kenntniss der niederen Seethiere (namentlich
der Bryozoen, Medusen, Polypen, auch der Ascidien) äusserst
wichtig ist Dalyell, „rare and remarkable animals of Scot-
land" Vol. I. II. London 1847 u. 1848 mit zahlreichen Ku-
pfertafeln; ein Werk, in dem der Verf. die reichen Beob-
achtungen eines zwanzigjährigen Forschens niedergeJegt hat.
Ref. hat dieses in Deutschland sonst nur wenig bekannte Werk
seinem wesentlichsten Inhalte nach ausgezogen. (Verf. be-
obachtete ganz nach Art der bekannten Forscher des ver-
gangenen Jahrhunderts, eines Rösels, Schaf fers u. s. w.
einfach, vorurtheilsfrei und sinnig — freilich auch ohne sy-
stematische Benutzung der heutigen Beobachtungsmittel , na-,
mentlich des Mikroskopes, und ohne hinreichende Litteratur-
kenntniss. Eine besondere Erwähnung verdienen die kost-
baren , schön colorirten Abbildungen.) Die Werke von
Landsborough „a populär history of British Zoophytes"
Lond. 1852 (das nach dem Vorbilde von Johnston's be-
kanntem Zoophytenwerke angelegt zusein scheint) und Gosse
der niederen Thierc während der J. 1848—1853. 303
„a nakiralist's raniblcs on theDevonshire Coasl" London 1853
sind Ref. nur aus einer kurzen Anzeige in den Ann. nat. bist.
Vol. XI. p. f>8 und XII. p. ly? bekannt geworden, docli hat
er aus letzterem Werke einige dieser Anzeige enlnominene
Beobachtungen an den passenden Siellon eingeflochten.
A. A. Gould „on the invertebrated aninials of Massa-
chusetts« Boston „Maitland, descript. syst, animal. Belg.
septentr." Lugd. Batav. 1850; Herklots „Bouwstoffen voor
eene Faune van Nederland" Leyden 1853; Asbjörnscn,
„Bidrag til Christianfjordens Littoralfauna" Christiania, sind
Ref. nur dem Titel nach bekannt geworden.
Sars berichtet in Nyt Magazin forNalurvidenskaberneT.VI.
1851. p. 121 über die Resultate einer zoologischen Reise nach
den Lofoten und Finmarken. Er beobachtete auf derselben
364 Species wirbelloser Thiere, 10 1 Polypen (mit Einschluss
der Bryozoen);, 6 Akalephen, 27 Echinodermen, 171 Mollus-
ken und 59 Anneliden. Unter diesen Thieren sind 41 neue
Species, 20 Polypen , 2 Akalephen, 1 Echinoderm , 6 Mollu-
sken und 12 Anneliden, die später von uns noch besonders
berücksichtigt werden sollen. Forbes und Goodsir be-
schreiben einige neue oder doch sonst interessante Wirbel-
lose aus dem brittischen Meere, Transact. roy. Soc. of Edinb.
Vol. XX. 1851. p. 307.
Bemerkungen über die Oslseefauna in der Umgegend
von Reval bei v. Eichwald in dem zweiten Nachtrage zur
Iiifusorienkunde Russlands, Bull. Soc. Mose. 1849. I. p. 400.
Ueber die adriatische Küstenfauna und ihr Verhältniss
zur nordeuropäischen vgl. Sars, Nyt Mag. for Naturvid. VII.
1853. p.367.
Thompson liefert eine Liste der Irischen Anneliden,
Foraminiferen, Echinodermen, Akalephen, Zoophyten. Rep. br.
Assoc. for 1852. p. 295.
Forbes giebt eine Uebersicht seiner Untersuchungen
über die Infra-Littoral-Verbreitung der wirbellosen Seelhiere
an den brittischen Küsten, und berücksichtigt dabei auch die
Bryozoen, Anneliden und Zoophyten. Rep. br. Assoc. for
1850. p. 192. Wie Forbes, so sucht auch Spratt den
Einlluss der Wassertemperatur auf die Verbreitung der See-
thiere nachzuweisen; er liefert zu diesem Zwecke eine Reihe
304 Leuckart, Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
von Temperalurbestimmungen aus den verschiedenen Tiefen
des ägeischen Meeres. Rep. br. Assoc. 1848, l'Instit. 1849.
p. 71. Dana macht dagegen bei Gelegenheit seiner Unter-
suchungen über die Korallenriffe der Südsee (Sillinian's
Journ. Vol. XII. p. 179) darauf aufmerksam , dass es allem
Anscheine nach weniger die mittlere Jahrestemperatur sei,
die auf die Verbreitung eines Thieres influire , als vielmehr
die tiefste Wintertemperalur. Er weist solches namentlich
für die corallenbauenden Zoophyten nach , die nach den Be-
obachtungen des Verf. nirgends da vorkommen, wo die Tem-
peratur eine längere Zeit unter 68—660 F. hinabsinkt. Von
dieser Thalsache schliesst Verf. dann weiter (1. 1. Vol. XV.
p. 204) , dass die horizontale Verbreitung der Seethiere nicht
ausschliesslich durch die Temperaturverhältnisse bedingt werde,
da die Kälte, die z. B. den Korallen ein Ziel setzt, unter dem
Aequator erst in einer Tiefe von 500', bei 10° Br. in einer
solchen von 300' auftrete, während die Korallen an allen
diesen Orten doch nicht unter 100' liinabstiegen. An diese
Bemerkungen knüpft Verf. sodann eine Critik des von Kor-
bes aufgestellten Gesetzes, dass die Seethiere in der Tiefe
der wärmeren Meere allmählich einen borealen Charakter an-
nehmen. In einer besonderen Arbeit (1. I. Vol. XVI. p. 153
u. p. 314) sucht Verf. sodann seine Ansichten durch Beigabe
einer Karte mit eingetragenen ,,Isochrymen" (d. h. mit gra-
phischer Darstellung der extremen Kältegrade) noch weiter
zu begründen.
Ueber Thiergeographie im Ganzen schrieb Schmarda,
„die geographische Verbreitung der Thiere." Wien 1853. 3
Bücher, ein mit grossem Fleisse und mit vieler Belesenheit
zusammengetragenes Werk. (I, Modalität und Causalität der
Verbreitung der Thiere. II, die Thierwelt des Festlandes.
III, die Thierwelt des Oceans).
Vorläufig dürfen wir auch schon hier auf die unermüd-
lich fortgesetzten Untersuchungen Eh r enb er g's über die
Verbreitung und das Vorkommen der kleinsten Lebensformen
CMonatsber. der Ber. Akad. 184S— 1853 a.z. St.) verweisen.
Ueber lebendige Organismen im Trinkwasser vgl. Has-
sel, a microsc. examin. on the water suppl. to the cohabi-
tanls of London 1850 und Cohn, Jahresber. der schlesi-
I
der niederen Thicre während der J. 1848—1853. 305
sehen Gesellsch. für valerl. Cullur 1853. S. 91, so wie Güns*-
burff's Zeüschrift für clinische Medicin. Bd. IV. S. 229.
In Bezug auf die Syslc malik der niederen Thiere
hat es sich in den letzten Jahren immer entschiedener her-
ausgestellt, dass die von Cuvier herrührende Abiheilung
der Strahlthiere auch in dem modificirten Sinne der späteren
Zoologen nicht länger beibehallen werden könne. Die Thiere,
die dahin gerechnet wurden, sind unter sich nicht mehr und
nicht weniger verwandt , als etwa die Formen mit seillich
symmetrischem Typus. Dagegen dürfte es, nach Ansicht des
Ref., wohl entschieden sein, dass die Polypen (d. h. die ech-
ten Polypen mit Ausschluss der Bryozoen, die einen sehr
abweichenden Typus darbieten) und die Cuvier'schen Akale-
phen in eine gemeinschaftliche Gruppe zusammengehören, die
neben den Echinodermen künftig die Abtheilung- der Strahl-
thiere vertreten wird. Schon im Jahre 1847 hat sich Ref.
in den mit Frey herausgegebenen Beiträgen in diesem Sinne
ausgesprochen und für die belrelTende Gruppe mit Bezug-
nahme auf die wesentlichste anatomische Eigenthümllchkeit
derselben, den Zusammenhang des verdauenden Apparates
mit der blulfülirenden Leibeshöhle, den Namen „Coelenlerata''
vorgeschlagen. Der Vorschlag des Ref. hat vielen Beifall ge-
funden; es haben sich zahlreiche gewichtige Stimmen für die
Vereinigung der Polypen und Akalephen in der von Ref. vor-
geschlagenen Weise ausgesprochen (wie z. B. Forbes,
Huxley, van Beneden), und auch der Name Coelente-
rala ist bereits von mancher Seite (von V. Carus, Ge-
gen baur U.A.) recipirt worden. Ref. glaubt unter solchen
Umsländen vollkommen berechtigt zu sein , die Abtheilung
der Coelenteratcn auch hier in seinem Berichte beibehallen
zu dürfen, und verweist für diese Gruppe namentlich auf
seine „Morphologie der wirbellosen Thiere" S. 13. (Huxley
hat für unsere Coelenteratcn — wie es scheint, ohne die
Auseinandersetzungen des Ref. zu kennen — den Namen „Ne-
malophora" vorgeschlagen, Rep. br. Assoc. for 1851. Not. p.80;
während van Beneden die Bezeichnung „Polypes" auf die-
selben ausdehnt, Anat. compar. p. 343). Die Bryozoen, die
Archiv, f, Nalurgescb. XX. Jahrg. 2 B<L \j
306 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
bei den Polypen ausfallen, werden in unserem Berichte neben
den Räderlhieren unter den Würmern eine Stelle finden.
Mit wenigen Worten darf hier auch wohl erwähnt werden,
dass in neuerer Zeit mehrfach der Versuch gemacht wurde,
die Resultate der Entwicklungsgeschichte für die Systematik
und zwar namentlich auch bei der Aufstellung grösserer Ab-
theilungen zu verwerlhen. So unterscheidet van Beneden
je nach den Verhällnissen zwischen Embryo und Dotter einen
Kreis der [lypocotyledones (uu^ Dottersack am Bauche), ei-
nen zweiten der Epicolyledoncs (mit Dotiersack am Rücken)
und einen dritten Kreis der Aliocotyledones (ohne Dotter-
sack), in welchem dritten dann die Mollusken, Würmer und
Cuvier'schen Strahllhiere ihr Unterkommen finden würden.
(Les vers Cestoides in den Mem. de TAcad. deBrux. T. XXV.
p. 169 und Anat. comp. p. 7.) In ähnlicher Weise stellt C.
Vogt (Zool. Briefe I. S. 51) die Wirbelthiere, Gliederthiere
und Kopffüs»Ier zu einem gcmeinschafilichen Kreise zusam-
men, der sich durch einen Gegensatz zwischen Embryo und
Dotter ckarakterisiren soll; die Weichthiere, Würmer und
Strahllhiere zu einem zweiten , bei dem sich der ganze Dot-
ter in den Embryo umwandele; die Protozoen endlich zu ei-
nem dritten, bei dem eine geschlechtliche Fortpflanzung, also
auch ein Dotter, vermisst werde.
Terincs.
Man fe-at schon oftmals hervorgehoben , dass die Ab-
theilung der Würmer durch keinen einzigen einheitlichen Cha-
rakter zusammengehalten werde. In der Thal möchte es
schwer sein, den Typus dieser Gruppe scharf zu begrenzen
und mit wenigen Worten zu kennzeichnen. AVir pflegen den
Würmern noch heute, wie zu Linne's Zeiten, alle jene Ge-
schöpfe zuzurechnen , die wir sonst nirgends unterbringen
können , ohne der Natur Gewalt anzuthun. Kein Wunder,
dass unter solchen Umständen nicht bloss über den Umfang
der Gruppe, sondern auch über die Einlheilung derselben
noch heute die dilTerentesten Ansichten herrschen. So glaubt
Ref. z. B. die Bryozoen den Würmern zurechnen zu dürfen,
Diesing die Gregarinen, Infusorien und Sipunculiden, Hux-
ley die Eehinodermen , Milne Edwards die Chitonen
der niederen Thiere während der J. 1848 — 1853. 307
(rinstil. 1851 p. 376) und Sleenslrup sogar die Brachio-
poden (undCyalhophyllcn), die sich in unverkennbarer Weise
an die Scrpulacccn anschlössen (Overs. Vid. Selsk. Forhanl.
1848. N. 3, Froriep*s T. B. Zool. I. S. 193). Es wird so-
gar von mancher Seite in Zweilel gezogen, dass man über-
haupt berechtigt ist, die Würmer als eine eigene Abiheilung
des Thierreiches anzusehen, da doch die höchsten Repräsen-
tanten dieser Gruppe, die Kiemenwürmer, auf das Augen-
scheinlichste mit den Gllederlhieren verwandt seien (vergl.
Grube, die Familien der Anneliden, dieses Arch. Bd. XVI. I.
S.249).
Was die Classifikalion der Würmer betrifTt , so gehen
die Ansichten hier, wie gesagt, in ähnlicher Weise aus einan-
der. Ref. glaubte in seiner „Morphologie'* S. 44, vier Classen
unter diesen Thieren aufstellen zu können: 1) Anenterati mit
den Akanlhocephalen undCestoden; 2) Apodes mit den Ne-
merlincn , Turbellarien , Trematoden und Hirudineen; 3) Ci-
liati mit den Roliferen und Bryozocn ; 4) Annelides mit den
Nematoden, Lumbricinen und Branchiaten. Noch heute glaubt
er berechtigt zu sein, an dieser Einlheilung im Wesentlichen
fesizuhallen, nur hat er im Laufe der Zeit die Ueberzeugung
gewonnen , dass seine Gruppe der Anenterati (die übrigens
auch von Carus, System der Morphol. , angenommen wur-p-
de) nicht länger beibehalten werden könne. Die Cestoden
gehören ganz entschieden, wie in neuerer Zeit namentlich
auch von van Beneden (Les vers Cestoides 1. I. p. 94)
hervorgehoben worden, in die Nähe der Tremaloden, also zu
meiner Classe der Apodes oder Piatodes, wie ich dieselbe
jetzt nennen möchte, während die Acanthocephali durch
die Gordiaceen — man vergl. dieselben nur mit der Larve
von Gordius aquaticus! — mit den Nematoden verbunden
werden. In die Classe der Annelides zwischen Nematoden
und Lumbricinen, werden auch die Sipunculaceen (Gephyrea
Qual.) eine Stelle finden müssen , wenn man dieselben, wie
es allerdings in gewisser Beziehung gerechtfertigt erscheint,
von den genuinen Echinodermen abtrennt. Ebenso die Sa-
gilten, die Ref. in seinem Berichte als Typen einer besonde-
ren kleinen Gruppe (Chaelognathi Lt.) aulTühren wird.
Auch C. Vogt nimmt (Zool. Briefe L S. 169) vier Claf-
308 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
sen unter den Wurmern an : 1) Nematelmia mit den Grega-
rinen, Akanlhocephalen, Gordiaceen und Nematoden; 2) Pia-
tyelmia mit den Cestoden , Trematoden, Planariden und Ne-
merlinen; 3) Rolatoria; 4) Annelida mit den Hirudineen,
Gephyreen, Erdwürmern (Scoleina), Tubicolen und Nereiden
(Errantia).
Quatrefages glaubt dagegen die Abllieilung der Wür-
mer am nalüilichsten nach der Bildung der Genitalien in
monöcische und diöcische Formen einlheilen zu können und
unterscheidet dann wieder in jeder dieser Reihen zwei Ord-
nungen, je nachdem eine ßauchganglicnkellc oder zwei ge-
trennte Seitennerven vorhanden sind. Die einzelnen Familien
sollen in beiden Reihen einander entsprechen. I'Inslilut 1849.
p. 367. Auch van ßeneden unterscheidet (Anat. comp,
p. 312) monöcische und diöcische Würmer, die ihrem Inhalte
nach im Wesentlichen mit den oben aurgcstelHen Classen der
Piatodes und Annelides übereinstimmen, nur dass der er-
stercn hier auch noch (wie bei Qualrefages) die Rotife-
ren zugerechnet werden, obgleich diese doch getrennten Ge-
schlechts sind, wie wir heule wissen.
Abermals eine andere Eintheilung wird von Die sing
zu Grunde gelegt, Systenia heiminlhum. Vindeb. 1850 u. 1851
Bd. I. u.U. Veif. betrachtet die Würmer CHelminthes Dies)
als Classe und unterscheidet zwei Unterklassen , Borstenlose
Würmer, Achaethelminlha, und I?orslcnwürmer, Chaelhelminlha.
Die erstem zerfallen I) in Achaelhelminlha mollia mit den Ord-
nungen der Prolhelminlha (Infusorien) , Turbellaria , Myzel-
mintha (Tremotoden und Hirudineen), Cephalocotylea (Cesto-
den und Pentatomen), und 2) in Achaethelmintha elaslica mfl
den Ordnungen der Rhyngodea (Gregarincn, Echinorhynchen,
Sipunculiden) und Nemaloidca. (Die Chaelhelmintha Dies, ha-
ben bisher noch keine Bearbeitung gefunden.)
Das Werli von Die sing ist eine äusserst fleissige und voll-
ständige ZusamnienstelluBg aller bisher beschriebenen Würmer mit
beigefügter kurzer Charakteristik , insofern auch wirklich ein dan-
kcnswerlhcs Unternehmen, bei dem nur eine durchgreifende , schär-
fere Critik und namentlich auch eine vollständigere Berücksichtigung
der neueren Entdeckungen über Bau und Entwickelungsgeschichte zu
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 309
wenig gepfrüft haben, wenn man es wagt, unsere heutigen Kenntnisse
vom Baue , von der Entwickelung und Brutpflege bei den niederen
Thieren und namentlich auch den Würmern als „Irrthümer der Zeit«
zu bezeichnen und damit bei Seite zu legen. Neue Arten sind in
diesem Werke übrigens nur sehr wenige beschrieben (wir werden
dieselben, so weit sie uns hier angehen, an den geeigneten Orten
aufführen), aber dafür desto mehr neue Kamen für Species und Genera
in Anwendung gebracht.
Für die Anatomie der Würmer im Allgemeinen, nament-
lich die der Anneliden, erwähnen wir Williams, Report
on the british Annelida in dem Rep. of br. Assoc. for 1851.
p. 159.
Eine umfangreiche, mit zahlreichen schönen Tafeln versehene Abhand-
lung, die aber trotz dem grossen Fleisse, den der Verf. augenscheinlich
darauf verwandt hat, auch trotz der grossen Sicherheit , mit welcher
derselbe seine Behauptungen ausspricht, eine Menge von Irrthümern
und fehlerhaften Darstellungen enthält, so dass sie nur mit grosser
Vorsicht zu gehrauchen ist. Dass der Verf. in der neueren ausländi-
schen Lilteratur über diese Geschöpfe nur wenig bewandert ist, wol-
len wir demselben nidit allzu hoch anrechnen — aber was soll man
z. B. dazu sagen, wenn der Verf., trotz der Kenntniss der Quatre-
fages'schen Untersuchungen, das Gehirn der Nemertincn als Cen-
tralorgan des Kreislaufes beschreibt, wenn er den wirklichen mit
Mund und After versehenen Darm dieser Thiere aFs eine blindgeschlos-
scne Nebenhöhle des Verdauungsapparates bezeichnet, in welche der
Chylus aus dem Rüssel , den er für Oesophagus und Darm hält, hin-
durchschwilze, wenn er endlich die Muskel Verbindung zwischen dem
blinden Ende dieses Rüssels und der Wand der Rüssclhöhle für einen
mit Papillen besetzten After ausgiebt? Ein Verdienst unseres Verf. ist
es, dass er auf den Inhalt der Leibeshöhle bei den Anneliden ein so
hohes Gewicht legt — obgleich Ref. weit entfernt, alle die physiologi-
schen Betrachtungen gut zu heissen , die der Verf. daran anknüpft,
— allein dieser Apparat ist keineswegs früher so unbeachtet geblieben,
wie Verf. behauptet, sondern auch von anderer Seite schon mehrfach
seiner hohen Bedeutung nach gewürdigt worden. Die Kiemen der An-
neliden Iheilt Verf. in Blutführende und Chylusführende; die letzteren
sollen statt der Blutgefässe einen mit der Leibeshöhle communicirenden
canalförmigen Höhlenapparat hri Innern einschliessen. Bei den Anne-
liden mit enger oder gar oblilterirter Leibeshöhle (Kais, ilirudo u. a.)
soll die Respiration durch einen beständigen Wasserstrom im Tractus
intestinalis unterhalten werden. Die Existenz einer ungeschlechtlichen
Vermehrung bei den Anneliden wird bestritten. Ebenso die Bedeutung
der Seitendrüsen als Rcspirationsorganc oder Secrctionsapparatc. Diese
310 Lcuckarl: Bericht üb. d. Leistungen in d. Kaiurgeschichte
Seitendrüsen sind nach unserem Verf. die wahren Ovarien, anch bei
den Blutegeln und Regenwürmern , bei denen dieselben (mit Aus-
schluss von Pfais) sogar durch eigene Verbindungskanäle mit den Sa-
menleitern im Zusammenhange stehen sollen (!). Bei Terebella wird die
bekannte, in dem Vorderleibe gelegene unpaare Drüse für ein Hoden
gehalten, während bei Arenicola der Hoden mit dem Ovarium ver-
schmolzen sein soll. Der Regenwurm , so erfahren wir ferner, ist
Tivipar ; der Verf. hat die Jungen aus den Seitendrüsen ausschlüpfen
sehen — sich aber auch hier wieder durch die parasitischen Rema-
toden dieses Thieres täuschen lassen.
Die „Recherchcs surl'organisalion der vers« par B la ri-
eh ard, die durch mehrere Jahrgänge der Ann. des sc. naL
(von 1847 an) hindurchgehen, beziehen sich vorzugsweise
auf die verschiedenen Typen der Eingeweidewürmer und fal-
len demnach ausser den Bereich unseres gegenwärtigen Be-
richtes. Uebrigens sind auch die Angaben Blanchard's
nur mit grosser Vorsicht aufzunehmen. Wenn man den zu-
rückgezogenen Hakenkranz eines Echinococcus für eine Ma-
genbewafFnung hält; wenn man Alles, was sich injiciren lässt,
für ein Blutgefäss ausgiebt, dann kann man in derThat nicht
verlangen, unbedingten Glauben zu finden.
Die „neuen Beiträge zur Naturgeschichte der Würmer,
gesammelt auf einer Reise nach den Faroer" von 0. S ch ro i d t,
Jena 1848 enthalten Beobachtungen über einige Anneliden
und Strudelwürmer und werden im Laufe unseres Berichtes
noch mehrfach cilirt werden.
M.Müller, der Sohn unseres gefeierten Analomen,
publicirt in seiner Inauguralabhandlung: Observaliones ana-
tomicae de vermibus quibusdam maritimis. Berol. 1852 mit
3 Tafeln Abbild, eine Reihe wichtiger und interessanter Ab-
handlungen über den anatomischen Bau verschiedener Wurm-
formen, die wir mit einigen anderen Arbeiten desselben
Forschers später noch besonders zu erwähnen haben.
1« Annelides.
Annelides branchiati.
Unter den heutigen Zoologen ist wohl Keiner, der sich
um unsere Kenntnisse vom Bau der Kiemenwürmer so manch-
fache grosse Verdienste erworben hätte, als (juatrefages,
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 311
dessen zahlreiche monographische Arbeilen über diese Thiere
mit ihren treftlich ausgeführten Abbildungen eine besondere
Zierde der letzten Jahrgänge der Annales des sciences nalu-
relles III. Ser. bilden. Leider ist Q., wie die meisten übri-
gen französischen Naturforscher, der deutschen Sprache nicht
mächtig, und somit ausser Stande, unserer heimischen Lilte-
ralur jene Aufmerksamkeit zu schenken, die sie doch sonst
zu beanspruchen berechtigt ist.
Vor allen andern erwähnen wir hier der Abhandlung über
den Bau des Nervensystems (Ann. des sc. nat. 1850.
T. XIV. p. 329), einer meisterhaften Arbeit, der wir nur we-
nige anatomische Monographien an die Seile setzen können.
Q. beschreibt darin das Nervensystem von 23 Kiemenwürmern,
die den verschiedensten Familien angehören , so dass wir jetzt eine
ziemlich vollständige Uebersicht über die Bildungsverhältnisse dieses
wichtigen Apparates besitzen. Die frühere Darstellung desselben Ge-
genstandes vonseiten unseres Verf. (vergl. J. ß. ßd.XI. S. 256) wird
dabei in mehrfacher Beziehung ergänzt und verbessert. Alle Kiemen-
würmer ohne Ausnahme besitzen ein Hirn — freilich von sehr ver-
schiedener Entwickelung — , einen weiten Schlundring und eine Bauch-
ganglienketle, die aus zweien neben einander liegenden und leiterar-
tig zusammenhängenden Strängen von verschiedener Concentralion
gebildet werden. Die Extreme dieser Verschiedenheiten finden sich
einerseits bei den Serpulaceen und Sabellen, andererseits bei den
Euniceen. Die Fussnervcn schwellen sehr allgemein in ein kleines
accessorisches Ganglion an. Das Visceralnervensystem fehlt nirgends
und geht in seiner Ausbildung so ziemlich mit der Entwickelung des
Rüssels parallel. Bei den Tubicolen stellt es ein einfaches Anhäng-
sel des Gehirnes oder der Verbindungsstrünge dar , während es bei
den Euniceen und Nereiden ein Eiächtiges, mehrfach gegliedertes Sy-
stem bildet, das mit dem übrigen Nervensystem einen verhältnissmäs-
sig nur schwachen Zusammenhang hat.
An diese Abhandlung über das Nervensystem schliesst
sich sod?nn eine zweite desselben Verf. über die Sinnes-
organe der Anneliden (}. 1. ISoO. T. XIII. p. 25.)
Die Forlsätze der Lcibesvvand, die Antennen oder Girren, sieht
Verf. als Tastwerkzeuge an , die Auskleidung des Mundes als Sit«
des Geschmackssinnes , vielleicht auch zugleich des Geruches. Ge-
hörorgane fand derselbe bei Arenicola und einem anderen nahe
verwandten Wurme, bei Amphicorina n. gen. und noch einem zwei-
ten tubicolen "NVurme , weniger bestimmt auch bei Eunice sanguinea.
312 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Kaiurgeschichte
Bei den beiden ersten finden sich yiele Otolilhen , bei den übrigen
kommt dagegen nur ein einziger vor. Die Gehörorgane der Tubico-
len liegen im ersten Körpersegmente , die der übrigen Anneliden zu
den Seiten des Mundes. Was die Augen betrifft, so zeigen diese
eine sehr verschiedene Enlwickelung, doch meint der Verf. , dass sie
wohl in allen Fällen eine brechende Linse enthalten dürften , wenn
sie überhaupt als Gesichtsorgan dienen sollten. Die vollkommensten
Augen besitzt das Gen. Akiope (Torrea Quat.), die ausführlich be-
schrieben werden (bei uns, in Deatschland, aber schon seit lange,
durch Krohn, bekannt sind). In vielen Fällen liegen die Augen un-
ter den Hautmuskeln, dicht auf dem Gehirn, wie namentlich bei den
Sabellen, Terebcllen , Ilermellen (vielleicht allen Tubicolen mit Aus-
nahme von Amphicora und Prolula) und Sipuncullden , wo sie dann
einen einfachen Pigmenlhaufcn mit einer durchsichtigen Linse im In-
nern darstellen. Auch sind dieselben keineswegs ausschliesslich auf
das Kopfende beschränkt; bei Polyophlhalmus trägt jeder Körpeiriag
ein Augenpaar , während bei Amphicora und einer zweiten ver-
wandten Art, so wie bei einer neuen Lumbriconereide an beiden En-
den des Körpers Gesichlswerkzeuge vorhanden sind. Eine Protulaarl
besitzt zwei Augen auf einer kragenartigcn Ilaulfalte, die im ent-
wickelten Zustande über den Hand des Gehäuses zuiückgesehlage»
wird , und einige Arten des Gen. Sabella sind endlich auch an ihren
Kiemenfäden mit Gesichtswerkzeugen versehen. Die Organe, die Q,
bei letzteren als Augen in Anspruch nimmt, sind dieselben, die Kef,
schon einige Zeit vorher (dieses Arch. 1849. I. S. 185) bei Sab. re-
niformis als „augenähnlichc Punkte" beschrieben hat. Q. will, wa*
Ref. nicht gelang, einen lichtbrechendeu Kern in denselben unter-
schieden haben.
Nach den Beobachtungen von Agassiz g'iehl es auch
Kicmenwürnier, die in ihrer Jugend an den einzelnen Seg-
menten ihres Körpers mit paarig entwickelten Augen verse-
hen sind, späterhin aber dieselben grösstenlheils oder selbst
vollständig verlieren. Proc. Bost. Soc. 111. p. 190.
Auch der Kreislaut und die Respiration der Kie-
raenwürmer werden von Qualrefages zum Gegenstände
einer besondern Darstellung gemacht. Ann. des sc. nalur. 1850.
T. XIV. p. 281 und p. 290.
In der ersten dieser Abhandlungen schildert der Verf. in Kur-
zem die grossen Verschiedenheiten in der anatomischen Entwicklung
des Gefässapparates, die nicht bloss in den einzelnen Gruppen, sondern
mitunter schon in den einzelnen Arten desselben Genus obwalten. Er
hebt die Anwesenheit besonderer conlractiler Hülfsherzen hervor, die
der niederen Tliicrc während der J. 1848-1853. 313
er hier und da beobachtete , die DilTercnzen in der Enlwichelung de«
Capillarsystemes, die Unvollständigkeit endlieh der Kreislaufsapparate,
die nach seinen Untersuchungen bei vielen Kleineren Anneliden (die
sich jedoch möglicherweise in manchen Fällen nur als unvollständig ent-
wickelte Formen ergeben dürften, Ref.) stallfindef.Das Blut der Anneliden
entbehrt fast überall der körperlichen Elemente. Was die Respiration
der Anneliden betrifft, so vollzieht sich diese bekanntlich in der Re-
gel durch eigene Organe. Doch scheint es , dass man die Annahme
solcher Organe nicht selten allzu weit ausgedehnt und mancherlei
Anhänge für Kiemen gehalten hat, die in Wirklichkeit nicht als solche
fungiren. !Kach Q. charakterisiren sich die echten Kiemen bei den An-
neliden ohne Ausnahme durch den Besitz eines unpaaren Gefässstam-
mes, der gevvissermaassen aus der Verschmelzung des Vas afferens und
\. efferens gebildet ist und mit einer Anzahl von mehr oder minder
weiten Avandungslosen Hohlräumen communicirt. Häufig sind die Kie-
men auch contractu und mit Cilien besetzt. Eine Wasseraufnahme in
das Innere der Leibeshöhle wird von Q. gcläiignet (wohl mit Un-
recht, wie man bei Arenicola oder Aphrodite, besonders bei letzterer,
leicht beobachten kann). Dagegen sollen manche kleine Anneliden
AYasser in den Darm aufnehmen und dadurch auf den Gasaustausch in
den Gefässen einwirken können. Ueber die Leibeshöhle der Anneliden
und den Inhalt derselben, auf den übrigens schon Ref. (inWagner's
Zootom. Bd. 11.) aufmerksam gemacht halte, vergl. Quatrefages
1. c. p. 310.
Agassi z beobachtete gleichfalls einen Kiemenwurm Ilaemalo-
rhoea n. gen. ohne Spur von Blutgefässen, l'roceed, Bost. Soc. III,
p. 191.
In der von Williams gelieferten Darstellung des Rc-
spiralionsapparates der Anneliden (Ann. nat. liisL Xll. p. 393),
die übrigens im Wesenllichen nur eine weitere Ausführung der
schon oben erwähnten Ansichten ist , lautet Vieles freilich
ganz Anders, als bei Quatrefages, dessen Arbeiten dem
Verf. unbekannt geblieben zu sein scheinen. Die Kiemenge-
fässe bestehen nach VV. beständig aus einer bogcnrörmigen
Gefässschlinge, neben der gewöhnlich auch noch ein eigener
mit der Leibeshöhlc communicirender Hohlraum vorkommt,
dessen Inhalt (Chylus) nach unserem Verf. eben so gut , wie
das Blut oxygenirt wird.
M.Müller beschreibt bei einer Anzahl Anneliden stäb-
chenförmige, den Nesselorganen verwandte Körperchen. Ob-
servat. anal. p. 29. So namentlich bei einigen kleinen zum
314 L^iickarl: Bericht üb. d. Leistungen in d. Kalurgesciuchle
Theil noch larvenförmigen Arten (u. a. bei Nais bipunclala
Delle eh.?) , so auch bei Chaetoplerus, wo dieselben aber nur
in der Ventralfläche des Vorderkörpers aufzufinden sind. Aehn-
liche Beobachtungen bei J. Müller, Monatsber. der ßcrl.
Akad. 1851. S.471.
Wie die einzelnen Organe der Anneliden , so bieten
auch die einzelnen Formen derselben eine Reihe monogra-
phischer Darstellungen, unter denen wiederum die Abhand-
lungen von Qualrei'a ges obenan stehen. (Für den zoolo-
gischen Theil dieser Abhandlungen verweisen wir auf das Ende
unseres gegenwärtigen Berichtes.)
Hieher Ouatrefa ges, memoire surla famille des Her-
melliens, Ann. des sc. nat. 18-18. T. X. p. 1.
Beschreibung des äussern und innern Baues mit detaillirter Dar-
stellung der einzelnen Organe und Organengruppen, namentlich des
Gefässapparates und Kervensystemes. Das Bauchmark besteht aus zwei
ziemlich weit von einander getrennten Strängen, die in den einzelnen
Segmenten strickleiterförmig durch Quercommissuren unter sich zu-
sammenhängen.
Memoire sur la famille des Polyophthalmiens. ParQua-
trefages, Ibid. 1850. T. Xlil. p. 1.
Betrint eine Ideine Gruppe mariner Kiemenwürmer, die sich auf
den ersten Bliclt durch ihre äussere Form, und namentlich durch die
Bildung der Füsse an die Kaiden anzuschliessen scheinen, aber doch
unzweifelhafte Branchiaten sind , obgleich sie in ihrer innern Orga-
nisation mancherlei auffallende Eigenthümlichkeiten darbieten. Der
Darm ist gerade und überall gleich weit, die Leibeshöhle durch eine
horizontale Längsscheidewand in eine obere und untere Hälfte ge-
theilt, von denen die letztere zur Bildung der Samenfäden oder Eier
bestimmt und zur Zeit der Geschlechtsreife von der ersteren, welche
den Darm enthält, vollkommen getrennt ist. Die Gefässe des Dar-
mes werden als wandungslose Lacunen verlreten , die sich nach
vorn allmählich sammeln und schliesslich in ein herzförmig verkürz-
tes Rückengetäss einmünden. An den Seiten dieses herzartigen Ge-
bildes liegen zwei andere kuglige Gefässerweiterungen, die damit in
Communication stehen, aber unabhängig und in viel längeren Inter-
vallen sich contrahiren, um ihren Inhalt dann in ein unpaares Bauch-
gefäss hinüberzutreiben. Der Bauchstamm des Kervensystemes ist
einfach. Er sendet in jedem Segmente einen ansehnlichen Kerven
nach rechts und links bis unter die äusseren Bedecliungen , wo der-
selbe dann an einen schwarzen PignientQeck hinantritt, in dem der Verf.
der niederen Thierc wfidrend der .1. 1848—1853. 315
ein vollständiges Auge mit einer sphärischen Linse erkannt hal. Der
Kopf unseres ^Yurme9 trägt gleichfalls (Jesichtsorgane, ein mittleres
und zwei seilliche, das erslere mit drei, die beiden andern mit zwei
sphärischen Linsen.
Ebenso hat auch der Bau der Chloracmecn (Siphono-
slomum, Chloracma) in Qualrefages (Ibid. 1^49. T. XII.
p. 292) und ziemlich gleichzeitig in W. M ü 1 1 e r (Observat. anat.
}). 7) einen Darsteller gefunden. (Auch Ref. hat über den
Bau dieser Tliiere nach Untersuchung eines Spirilusexempla-
res von Siphonoslonium vaginiferuin einige Angaben gemacht,
dieses Arch. 1849. 1. S. 164 )
Eigenlhümlich und abweichend vcn den meisten übrigen An-
neliden ist namentlich die Bildung des Verdauungsapparates und des
Gefässsystemes, worüber man das Detail bei 0 u atre fages und Mül-
ler vergleichen möge. Der obere Theil des sackförmig erweiterten
Älagens communicirt mit einem eigenlhümlichen Spiralanhange. Das
Blut ist grün. Die Geschlechtsorgane , die von Müller beschrieben
werden, sind auf zweierlei Individuen vertheilt und bestehen aus 10 —
15 bohnenförmigcn Säckchen, die zwischen den "Windungen der Ein-
geweide liegen und nur durch ein Gefäss und einen Rerven befestigt
sind, der Ausführungsgänge also entbehren. Die Haut zeigt bei vielen
Arten hohle zotteniörmige Fortsätze, die wahrscheinlich als Secrelions-
organe betrachtet werden müssen, mit den innern Organen aber (nach
Quatre fages und Müller) keinen continuirlichen Zusammenhang
besitzen.
0. Schmidt beschreibt (neue Beitr. S. 21) den äus-
sern und innern Bau der Amphicora Sabella , und bestätigt
dadurch der Hauptsache nach die dem Verf. unbekannt ge-
bliebenen Angaben des Ref. über dasselbe Thier (Fabricia
4-oculata Leuck. in den Beiträgen von Frey undLeuckart
p.151).
Die Enlwickelung, die Verf. beobachtete, geht ohne eine Me-
tamorphose vor sich, soll aber dadurch ausgezeichnet sein , dass die
Dotterhaut der Eier in die äussere Bedeckung des >Vurmes sich um-
bildet (? Ref.). Unser Verf. behauptet übrigens, dass das Kiementra-
gende Körperende nicht das vordere, sondern das hintere sei und sieht
in der Amphicora den Typus einer eigenen neuen Unterordnung der
Ringelwürmer, die er als Schwanzkiemer, Caudibranchiali, bezeichnet
und mit der Nais digitata Müll, zusammenstellen möchte. Auch später
ist Verf. dieser Anschauungsweise noch treu geblieben (Hanbbuch der
vgl. Anat. 1852. S. 258. Anm.), obwohl ihre Unrichtigkeit inzwischen
bereits vom Ref. (Götting. Gelehrte Anz. 1849. S. 490) und auch von
316 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Katurgeschichle
Leydig (Zeitschrift für wiss. Zool. III. S. 328) nachgewiesen
worden.
Leydig beobachtete (a. a. 0) eine neue Art des Gen.
Ampliicora, A. medilerranea, und machte dabei auf mancher-
lei anatomische Eigenlhümlichlieilen aufmerlisam.
Er beschreibt namentlich die Gehörorgane dieser Thiere, die
auch wohl bei der nordischen Art vorkommen , so wie ferner auch
im ersten Körperringe einen eigenthümlichen Flimmerkanal , der wohl
dem Uespiralionssysleme zugehöre. (Ref. hat sich bei demselben
Thiere davon überzeugt, dass dieser Apparat an der Grenze des er-
sten und zweiten Segmentes durch eine sehr deutliche, aber con-
tractile Querspalte nach Aussen führt. Er besteht aus zwei queren
Canülen, die in der Mitte des Körpers auf einander stossen und so-
dann nach vorn laufen.)
Quatrefages macht in einer Ivleinen Notiz auf eine
Sabellenart aufmerksam, die nach Art der litliophagen Mol-
lusken in hartem Kalkstein lebt und Gänge gräbt, riristit. 1848.
N. 755.
Von M. Müller (obs. anal, de verm. quib. p. 1) er-
halten wir eine Beschreibung der äusseren und inneren ßaues
von Sternaspis thalassemoides.
Die Beobachtungen von Krohn über die Bildung des Nerven-
systems, die Geschlechtsverhältnisse u. s.w. finden darin ihre Bestä-
tigung. Die Zöltchen auf den beiden Scheiben oder AVarzen ober-
halb des Afterrohres betrachtet iVl. gewiss mit Uecht als Kiemenfort-
sätze. "Was Otto für eine Leber ausgegeben hat, ist ein sehr ei-
genthümliches mit ansehnlichen Zellen gefülltes Organ , dessen Be-
deutung und anatomische Beziehungen unbekannt bleiben , das aber
nach der Beschaffenheit seines Inhaltes mit den (fälschlich) soge-
nannten Speicheldrüsen von Siphonostomum übereinkommt. Die Tren-
nung der Sternaspis von den Chaetopoden ist (nach Müller) über-
haupt sehr unnatürlich, wie namentlich auch die Gruppirung der Bor-
stenbüschel au den Seiten des Körpers zur Genüge nachweist.
Nach den Untersuchungen und Auseinandersetzungen
von Grube in Müller's Arch. 1818. S. 456 muss auch das
sonderbare Gen. Tomopleris Eschsch., das man ziemlich all-
gemein als eine Nacktschnecke ansah , zu den Kiemenwür-
mern gestellt werden , da es , trotz seiner Borstenlosigkeit,
mit diesen in allen wesentlichen Zügen der äussern und In-
nern Organisation, auch in der der Entwicklung des Nerven-
der niederen Thiere während der J. 1848-1853. 317
Systems, übereinslimmt. Blufgefässe scheinen zu fehlen. (Ue-
brigens hat schon Mcnke in seiner Zeilschrilt für Malaco-
zoologie 1844. S. 21 das belreffendc Genus als Kiemenwurm
erkannt.)
lieber den Bau von Peripalus und die systematische Stel-
lung desselben unter den höheren Würmern haben gleich-
falls die — freilich nur nach Spiritusexcmplaren angestell-
ten — Untersuchungen von Grube Aufschluss gegeben. Möl-
ler'sArch. 1853. S. 322.
Die Leibeshöhle isl ohne Scheidewände , der Darm weit und
gerade, ohne Aussackungen, die Mundhöhle mit zwei Kieferhaken ver-
sehen. Das Gefässsystem scheint nur wenig entwickelt zu sein. Al-
ler Wahrscheinlichkeit nach sind die Peripalusarten Zwitter , deren
männliche Organe durch die beiden ersten Klauenfüsse ausmünden,
so dass diese als Begaltungswerkzeuge anzusehen sind. Die weib-
liche GcschlechtsöfTnung ist unpaar, und zwischen den vorletzten Füssen
gelegen. Die Eileiter sind weit und bilden ein Paar Fruchthälter, in
denen die Jungen bis zur vollständigen Reife und Entwickelung ver-
weilen. Bei der Geburt besitzen dieselben bereits die volle Zahl der
Fusspaare.
Quatrefa ges beschreibt gelegentlich (Ann. des sc.
nal. 1852. T. XVIII. p. 176) die Geschlechtsorgane voiiEunice
sanguinea und Aphrodite aculeafa.
Bei erslerer bestehen dieselben nach der Darstellung unseres
Verf. aus zwei strangartigen Körpern, die unterhalb der Ganglienketle
durch die ganze Länge des \Yurmes hinlaufen und in jedem Segmente
durch einen rechten und linken kanalarligen Gang mit der Leibes-
höhle zusammenhängen. Eine ähnliche Bildung soll auch bei einigen
Nereiden vorkommen. Die Geschlechtsorgane von Aphrodite stellen
dagegen eine zarthäutige Masse zu den Seiten des Bauchnervenstran-
ges dar. (Bekanntlich sind die Geschlechtsorgane von Aphrodite schon
von Pallas entdeckt und seit der Zeit mehrfach, namentlich auch
von Ref. in den Beiträgen von Frey und Leuckart S. 89 be-
schrieben worden, was von Q. übersehen ist. Auch scheint Ref. die
Darstellung von Q. keineswegs erschöpfend. — Bei Aphr. bystrix
finden sich nach den neueren Untersuchungen des Ref. ganz ähnli-
che slrangförmige Geschlechtsapparate, nur ohne die Zotten, die den-
selben bei A. aculeala aufsitzen. Eier und Samenfäden bilden sich
unterhalb des äussern zarthäutigen Ueberzugs , der sich während der
Reifung derselben immer mehr von dem Achsenslrange abhebt und
schliesslich mit seinem Inhalte einen kleine gestielte Beere bildet.
Ist der Inhalt reif, so platzt der üeberzug, und die Geschlechtsstoffe
318 Leuckarl: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
fallen dann in die Leibeshöhle.) Uebrigens ist Q. gewiss im Irrthum^
wenn er das Verhalten von Aphrodite als ein Beispiel von der ge-
wöhnlichen Anordnung der Geschlechtsorgane bei den Anneliden an-
sieht und nach der Analogie von Aphrodite allen Anneliden besondere
(freilich nur temporäre) Geschlechtsorgane ruschreibt. Die grösste
Mehreahl der Anneliden ist bestimmt ohne derartige Apparate, wie
Ref. schon früher mehrfach auseinander gesetzt hat.
F. Dujardin fand bei einer eilragenden neuen Exo-
gene, E. pusilla, zugleich Samenfäden in dein mit der Lei-
beshöhle communicirenden Innenfaum der Rückenbläller und
hält diese Thiere desshalb für Zwitter. Ann. des sc. nat. 1851.
T. XV. p. 298.
Auch Krohn und J.Müller vermehrten die Zahl der eier-
tragenden Anneliden um neue Formen, Erslerer (dieses Arch.
1852. 1. S. 251) mitSyllis pulligera, Lelzerer (über d. allgem.
Plan in der Entwicklung der Echinod. S. 7) mit Sacconc-
reis n. gen.
Bei Syllis entwickeln sich die Jungen einzeln in paarweise
gruppirten Säckchen, wie bei Exogone , oben auf der Ruckenfläche
des Körpers, bei Sacconereis dagegen in einer gemeinschaftlichen
sackartigen Erweiterung der ventralen Leibeswand. Die Embryonen
der letztern besitzen vier Wimperkränze.
Nach Spencc Bäte gebiert Terebella Medusa leben-
dige Junge, die sich in eigenen beufelförmigen Säckchen im
Innern des Leibes entwickeln. (Der Aulsatz von Sp. ß. ist
ohne hinreichende Sachkenntniss geschrieben.) Ann. nat. bist.
1851. VIII. p. 237.
M. S. Schnitze untersucht die ungeschlechtliche Ver-
mehrung von Nais proboscidea und kommt zu dem Resultate,
dass dieselbe als eine Theilung anzusehen sei, bei der aber
auffallender Weise immer nur ein einziges Segment des Mut-
lerthiers in den Körper des Sprösslings übergehe und die
Grundlage desselben abgebe (dieses Arch. 1849. I. S. 293).
Ref. glaubte dagegen, diese Forlpflanzung — nach älteren,
vor Seh. angestelllen Untersuchungen — als eine reine Knos-
penbildung auffassen zu dürfen (Ebendas. 1851. I. S. 134),
wird aber von Schultze widerlegt (Ebendas. 1852. I. S. 3)
und hatte später auch selbst Gelegenheit, die Richtigkeit der
Angaben von Schultze anzuerkennen (Art. Zeugung in
Wagner's H. VV. B. IV. S. 973).
'O"
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 319
An einen Gcneralionswechsel ist bei Nais proboscidea
nicht zu denken, da, nach Schnitze, die Multer- und
Tochterindividuen in gleicher Weise geschlechtsreif werden.
Anders verhält sich das aber bei Syllis prolifera Quat. und
Aulolylus prolifer ]\IüII., deren Prolificalion von Krohn be-
obachtet wurde. Arch. für Nalurgesch. 1852. I. S. 66. Das
Mullerlhicr bleibt hier geschlechtslos, während die Spröss-
finge zur Geschlechtsreife konmen und sich auch in ihrer
sonstigen Ausstattung von den Mutlerthieren entfernen. Na-
mentlich gilt solches für das Männchen von Autolytus, das
wahrscheinlich mit der Ncreis (Diploceraea Gr.) corniculala
Mull, identisch ist. Die Produclion der Geschlechlslhiere
von Syllis prolifera C^vie auch von S. fissipara n. sp.) beruht
auf einer einfachen Quertheilung, die von Autolytus dagegen
auf einer mehrfach wiederholten Knospenbildung , wie es
vom Ref. früher beschrieben wurde. Die ungeschlechtli-
che Fortpflanzung von Filograna, deren Beziehung zu den
Geschlechtsverhällnissen noch unbekannt ist, ist nach der Dar-
stellung von 0. Schmidt (neue Beiträge S. 36) gleichfalls
eine einfache Querlhcilung.
In einem noch höheren Grade, als unsere Kenntnisse
über den Bau der Kiemenwürmer , sind unsere Kenntnisse
über die Ent Wickelung derselben in den letztvergan-
genen Jahren gefördert worden.
Ich erwähne hier zunächst das ,,Memoiro sur Tembryo-
genie des Annelides" von Quatrefages in den Ann. des
sc. nat. 1848. T. X. p. 153 , in welchem Verf. vorzugsweise
die Entwickelung der Hermellenbrut bis zur Ausbildung der
Larvenform und namentlich die ersten Vorgänge nach der
Befruchtung in sehr detaillirter Weise schildert.
Die Dotlerldüftung ist unregelmässig, rfachdcm sie vollendet
ist, bildet sich im Innern des Embryonalliörpers durch Verflüssigung
des Kernes eine Darmhöhle, die durch Entwickelung einer MundöfF-
nung nach Aussen durchbricht. Der Leib bedeckt sich sodann bis
auf das vordere und hintere Ende mit einem Flimmerkleide, das dem
Embryo zur ersten Bewegung dient, aber ziemlich bald durch ein
Büschel von 3—4 äusserst langen und steifen Borsten jederseits er-
setzt wird.
M. Müller liefert (Müller's Arch. 1851. S.323) eine
320 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Nalurgeschiclite
sorgfällige und genaue Darstellung von der Enlwickelung ei-
ner Polynoeart, deren Larven in Triest aufgefischt wurden
und sich in ihrer jüngsten Form so ziemlich an die von Sa rs
in diesem Archive (1845. S. 11) beschriebenen Embryonen
anreihten.
Die Veränderungen dieser Larven bestehen darin, dass sich die
eine, hintere Hälfte des liugligen Körpers, der durch einen niitt-
lerenWimperkranz belvanntlich in zwei Hemisphären getheilt ist, streclit
und gliedert und sich allmählich in den sogenannten Leib verwan-
delt, während sich aus der oberen Hälfte der Scheitel oder Kopf,
hücker unseres Wurmes hervorbildet. Der Mund, der schon bei den
jüngsten Larven beobachtet wurde , liegt dicht hinter dem Räderor-
gane, der After am äussersten Ende der hinteren Korperhälfte. Auf-
fallend ist es, dass die Zahl der Segmente von der ersten Anlage an
beständig dieselbe blieb (8), obwohl die ältesten Individuen ('A'")
schon deutlich (bis auf die Kiemen und Kiefer) alle die einzelnen
Charaktere von Polynoe erkennen Hessen und die Larvenorgane schon
längst verloren halten.
Bei Arenicola piscatorum , deren Entwickelung von
Sc hüll ze beobachtet wurde (Zeitschr. für wiss. Zool. IV.
S. 192), kommt es niemals zur Bildung einer eigentlichen
Schwärmform. Die Embryonen erhalten allerdings nach voll-
endeter Furchung einen kranzförmig in mehrfachen Zonen
angeordneten Flimmerbesalz, aber die Flimmerhaare bleiben
kurz und dienen nur dazu, die Embryonen in der Gallert-
masse, in der die Eier zu Hunderten abgesetzt werden, um-
herzulreiben. Der Austritt der Embryonen geschieht erst nach
dem Verluste dieses provisorischen Apparates. Zu dieser Zeit
sind die Würmchen V2 — V^'"? walzenförmig und geringelt,
aber noch ohne Borslen und mit zwei Augen versehn. Mund
und Darmkanal mit muskulösem Sshlunde sind deutlich zu un-
terscheiden.
Ueber die Entwickelung von Amphicora vgl. 0. Schm i d l
a. a. 0.
Busch publicirt in seinen Beobachtungen u. s. w.
S. 55 eine wichtige Abhandlung über „Anneliden- Entwik-
kelung" und schildert in derselben eine nicht unbeträchtli-
che Anzahl von Larven, die er an verschiedenen Stellen der
Nordsee und des Miltelmeers auftischte. Die Abstammung die-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 321
ser Larven ist leider bis auf eine einzige, eine Nereisart,
unbekannt geblieben.
Verf. unterscheidet zweierlei verschiedene Typen in der Ent-
wickelung der Annelidenlarven, den Typus der Mesotrocheen und den
Typus der zuerst von Loven beobachteten Larve mit Wimperkranz
am Scheitel (und am After). Der erstere Typus scheint der seltnere
zu sein, da der Verf. ausser der schon früher bekannten Mesotrocha
sexoculala — die durch M. Müller, wie wir im nächsten J. B. se-
hen werden, neuerlich als Larve von Chaelopterus norwegicus er-
kannt ist — nur noch zwei dahin gehörende Formen beobachtete.
Die Wimperkränze, die in einfacher oder mehrfacher Anzahl vor-
kommen, umgürten hier die Mitte des Leibes und trennen diesen ge-
wissermaassen in einen vordem bereits ziemlich vollständig entwickel-
ten Abschnitt und einen weniger entwickelten hintern. Bei den Lar-
ven des Lo V e n'schen Typus zeigt der Leib eine von vorn nach hin-
ten ganz gleichmässig abnehmende Entwickelung. Der Wimperkranz
umgürtet den Scheitel und zwar der Art, dass der Mund dicht hinter
demselben an der Bauchfläche seine Stelle findet. Die Augen nehmen
die Mitte des Scheitels ein; nur in einem einzigen Falle wurden die-
selben gleichfalls hinter dem Scheitelkranze an der Rückenfläche auf-
gefunden. Unter den einzelnen von Busch beobahteten Formen er-
wähnt Ref. nur die Arten mit mächtigen Borstenbüscheln dicht hinter
dem Scheitelkranze , die durch diese Bildung an die schon oben er-
wähnten Larven von Hermella erinnern. In manchen Fällen wieder-
holen sich solche Borsten auch an den übrigen Segmenten, wie es
Busch bei der zugleich durch ihre Wimperkämme ausgezeichneten
Larve Tab. VUL Fig. 4 auffand. Ref. kann hinzufügen , dass diese
Borsten nur einen provisorischen Apparat darstellen und später verlo-
ren gehen, wenn die pelagische Lebensweise der Larven aufgegeben
wird. So nach Beobachtungen an der zuletzt erwähnten Larve mit
Wimperkämmen , die dem Ref. in Nizza zur Untersuchung kam und
von ihm als Larve von Macroceros (Nerine) longirostris Quat. er-
kannt wurde. Die auf Tab. XL Fig. 7 abgebildete Larve, die schon
ziemlich weit entwickelt ist und in einer Röhre lebt, gehört sonder
Zweifel dem Gen. Terebella an. Auch die Larve Tab. IX. Fig. 9 und
10, die von Max Müller in einem späteren Stadium mit Hakenbor-
sten aufgefunden wurde (Observat. anat. p. 25), dürfte vielleicht von
einem sog. Kopfkicmer abstammen.
J. Müller, der gleichfalls Cßerl.Monatsber. 1851. S. 470)
eine Anzahl von Annelidenlarven beobachtete, unterscheidet
bei den Formen mit Wimperkränzen dieselben zwei Typen,
die auch von Busch hervorgehoben wurden. In manchen
Fällen wächst jedoch die Zahl der Wimperkränze, wie der
Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2. Bd. V
322 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Verf. denn z. B. eine Art beschreibt , bei der ausser zwei
mittleren Kränzen auch noch ein Scheitel- und ein After-
kranz vorkommt. Ausser den Larven mit Borstenkränzen
giebt es ferner auch solche mit einem uniformen Wimper-
kleide, das in dem von Müller beobachtelen Falle zugleich
mit ausgebildeten Annelidborsten vorkam.
Eine Annelidlarve mit vier Wimperbüscheln an den 14
Segmenten wird von A lim an beschrieben, Rep. br. Assoc.
for 1852. Not. p. 70, während uns dagegen van Beneden
mit einer jungen, noch borstenlosen, Annelide bekannt macht,
deren Hinlerleibsende rechts und links neben dem After in
einen sehr ansehnlichen hornartig gekrümmten Fortsatz aus-
gewachsen ist. Bull. de. l'Ac. roy. d. Belg. T. XX. N.9.
Das von J. Müller (Berl. Monatsber. 1851. S. 88; mit
Abbild, im Archiv für Anat. 1854. S. 88.) unter dem Namen
Mitraria beschriebene und in drei verschiedenen Formen be-
obachtete sonderbare Thierchen dürfte sich wohl gleichfalls
den Annelidenlarven und zwar zunächst den Formen des Lo-
ven'schen Typus anreihen. Vergleichen wir es mit einem der-
artigen Thiere (wie ein solches z. B. bei Busch Tab. VII.
Fig. 1 abgebildet ist), so ergiebt sich als wesentlichste Aus-
zeichnung der Mitraria nur der Umstand, dass der Darm hier
vor seiner Ausmündung in Form einer Schlinge bis unter den
Scheitel emporsteigt. Die mächtigen Borstenbüschel der Mi-
traria erinnern in auffallender Weise an die auch bei ande-
ren Annelidlarven^ wie wir sahen, nicht seltene Bildung.
Weit räthselhafter, als Mitraria, sind jedenfalls die un-
ter dem Namen von Pilidium gyrans und Actinotrocha bran-
chiata bekannten Geschöpfe, die sich in ihrem bis jetzt allein
beobachteten unvollständig entwickelten Zustande nirgends mit
einiger Wahrscheinlichkeit unterbringen lassen. Vergl. über
diese Thiere ausser J.Müller, Berl. Jahresber. 1851. S. 468
(auch Archiv f. Anat. 1854. S. 30.) Gegenbaur, Zeitschr.
für wiss. Zool. V. S. 245 und Busch, Beobachtungen u. s. w.
S. 107 (für Pilidium). Nicht minder paradox ist das von
Busch entdeckte Cyclopelma longicilialum , a. a. 0. S. 135,
über das man auch J. Müller, Arch. für Anat. 1854. S. 96
vergleichen möge.
der niederen Tbiere während der J. 1848—1853. 323
Für die zoologische Kenntniss unserer Würmer
äusserst wichtig ist Grube's vortreffliche Arbeit „üi)er die
Familien der Anneliden", die diesem Arch. 1850.1. S. 249 ein-
verleibt und auch als besonderer Abdruck erschienen ist.
Verf. hat in dieser Arbeit den Versuch gemacht, nicht bloss das
sehr zerstreute Material über unsere Thiere zu sammeln jund neben
einander zu stellen , sondern auch die einzelnen Arten und Genera
nach ihren Verwandtschaftsverhältnissen in natürliche Familie zu
ordnen. Bei den ausgebreiteten Kenntnissen unseres Verf. (Ref. ver-
misst in der angezogenen Litteratur nur einen kleinen Aufsatz von
Quatrefages in dem Magasin de Zool. 1843), bei den vielen Be-
obachtungen desselben gerade über Anneliden , war nicht anders zu
erwarten, als dass derselbe seinen Versuch in sehr befriedigender
Weise durchführen und eine Arbeit schaffen würde, die für künftige
Zeiten den Ausgangspunkt eines vollständigen Systemes bildet. Da
diese Arbeit übrigens den Lesern unsers Archives bereits bekannt ist,
so genügen hier einige Worte. Verf. umgrenzt die Anneliden im Cu-
vier'schen Sinne , schliesst also die Hirudineen darin ein und unter-
scheidet bei ihnen als Ordnungen: 1) Appendiculata polychaeta, 2)
Gymnocopa, 3) Onychophora, 4) Oligochaeta, 5) Discophora. Die erste
Ordnung umfasst die sogenannten Kiemenwürmer , die Gr. nach ihrer
Lebensweise als Raubanneliden, Rapacia, und Schlammfresser, Limivora,
unterscheidet, die zweite das Gen. Tomopteris , die dritte das Gen.
Peripatus, (die beide zugleich als Repräsentanten besonderer Familien
aufgestellt werden), die vierte endlich die Lumbricinen und die fünfte
die Egel. Zu den Raubanneliden rechnet Gr. die Familien der Aphro-
diteen, Amphinomeen, Euniceen, Lycorideen, Kephthydeen, Fhyllodo-
ceen, Glycereen, Syllideen, Amytideen, Aricieen, zu den Schlammfres-
sern die der Opheliaceen, Fheruseen, Chaetoptereen, Telethusen, Malda-
nien, Terebellaceen, Hermellaceen, Serpulaceen. Die Oligochaeta zerfal-
len in die Familien der Lumbricinen und Kaidinen, die Discophora in die
der Ilirudinaceen, Clepsineen, Branchiobdelleen und Acanthobdelleen.
Alle diese Familien werden einzeln beschrieben und der Beschreibung
sodann die dahin gehörenden Arten mit der wichtigsten Litteratur und
Synonymik zugefügt. Dem Separatabdrucke dieser Abhandlung, der
als selbstständiges Werk erschienen ist, hat Verf. auch noch eine kurze
(vielleicht hier und da zu kurze) Charakteristik der Gattungen und
Arten in Form einer tabellarischen Uebersicht angehängt. Einzelne
schon früher beschriebene Arten sind von Gr. als Typen besonderer
neuer Genera aufgestellt. So wird die Nereis prolifera Müll, als
Aulolylus pr. beschrieben, Ner. corniculata Müll, als Diploceraca com.,
Wais? clavicornis Sars als Macrochaela cl. , Dasymallus caducus Gr.
mit Veränderung des Genusnamens als Dasybranchus c. , Amphitrite
324 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Gunneri Sars als Amphicteis G. ^ Amphitrite taurica Ralhke als Cen"
trocorone. Andere Arten werden hier zum ersten Male aufgeführt
und auch, in dem Anhange der Separatausgabe, kurz charakterisirt.
Sie sind folgende: Notopygos crinita n. gen. et n. sp. als der Fa-
milie der Amphinomeen , Diopatra longissima n. sp. , Eunice minula
n. sp. , Phyllodoce coslata n. sp. , Lepadorrhynchus brevis n, gen.
et n. sp. aus der Familie der Phyllodoceen, P oly cirrus Medusa n.
gen. et n. sp. aus der Familie der Terebellaceen, Eriographis
borealis n. gen. et n. sp. aus der Familie der Serpulaceen, Serpula
simpleXf n. sp.
Grube bearbeitete auch die Annulaten in dem gros-
sen Reisewerke von v. Middendorf Zool. Abtheil. II. S. 1.
Ein Theil der aufgefundenen Arten ging leider während des
Transportes von Kamtschatka verloren ; der Rest, der zur Bearbeitung
vorlag , bestand aus 14 Arten , unter denen 5 neue. Wir erwähnen
von diesen hier nur Nereis vexillosa Gr. und N. ocholica Gr., die an-
deren werden theils bei den Lumbricinen, theils auch bei den Hiru-
dineen angezogen werden,
Referent beschreibt als einen Beitrag zur Fauna von
Island eine Anzahl (29 Sp.) vom Prof. Bergmann da-
selbst gesammelter AVürmer , die mit wenigen Ausnahmen
zu den Kiemenwürmern gehören und manche seit 0. Fr. Mü 1-
1er nicht wieder gesehene oder doch nur unvollkommen
bekannte Formen darbieten. Dieses Archiv 1849. I. S. 149.
Neu von diesen Arten sind : Leucodorum muticum Lt. , Terebella
parvulaLt. (vielleicht noch unausgewachsen) und Thelepus (n. gen.)
Bergmanni Lt. Der letzte interessante Wurm konnte leider nur im
verstümmelten Zustande, ohne Kopf, beobachtet werden. (Grube
bemerkt, dass Beschreibung und Abbildung auf eine Clymene mit re-
producirtem Schwanzende schliessen liessen, jedoch muss Ref. dagegen
hervorheben, dass dieses Schwanzende weder in Färbung, noch in
sonst einer W^eise von dem vorhergehenden Körper unterschieden war.)
Unter den von Sars in dem Nyt. Magaz. 1. 1. p. 197 beschrie-
benen Norwegenschen Anneliden finden sich folgende neue : Clymene
cirrosa S., N otomastus (n. gen.) lalericeus S., Ammochares assi-
milis S., Onisc 0 sQm a (n. gen.) arcticumS.f Sabella crassicornis S.,
Sab. papulosa S. , Sab. neglecla S. , Serpula polita S. , Sabellides cri-
slata S., Nerine cirrataS. Die neu aufgestellten beiden Genera wer-
den mit folgenden Worten charakterisirl :
Notomas Ins n. gen. Caput conico- armatum absque tenta-
culis et oculis. Os subtus, exsertile, breviter clavatum , papillis ob-
situm. Anterior corporis subcylindrici pars pinnis utrimque duabus,
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 325
fasciculo setarum capillarium absque mamillis ; posterior pinnis (toris)
seu mamillis transversalibus serie setarum uncinatarum ornatis, supe-
riore dorsal!, inferiore latcrali. Branchiac nullae.
Oniscosoma n. gen. Corpus ovale, depressum, supra convexiusculum,
sublus planum, ex segnientis circiter 20 compositum ; caput tentaculo
unico et oculis 4 in dorso segmenti tertii notatum , absque cnruncula.
Pinnae discretae, superior arcuata latissima dorso connala , setis nu-
merosis apice furcato membrana communi unitis, inferior multo minor
conico-acuminala, setis paucis foliatis. Cirri nulli. Branchiae nullae,
expansio membranacea pinnae superioris forsan earum officio fungens.
Quatrefages erwähnt bei Gelegenheit seiner anatomischen
Abhandlungen zahlreiche neue Annelidenspecies und Gattungen, meist
aber ohne dieselben weiter zu charakterisiren. So namentlich bei der
Darstellung des ]\ervensystemes in den Ann. des sc. nat. 1850. T. XIV.
p. 339, wo 12 neue Species namhaft gemacht werden, von denen aber
nur zwei, Nereis regia (p. 339) und Nephthys bononensis (p. 325), kurz
beschrieben sind. Als neue Gattungen werden hier aufgestellt John-
slonia (p. 350 , die jedoch mit Heteronereis Oerst. zusammenfällt);
Aricinell a, die sich durch die Regelmässigkeit ihrer Segmente und
die Abwesenheit der Anhänge am Kopfe und Afterende von Clymene
unterscheidet (p. 368) ; L eiobran chus , die dem Gen. Sabella nahe
steht, aber Kiemen hat, welche jederseits zu einem halben Fächer
vereinigt sind (p. 371). Das Genus Torrea, das Quatrelages (1. c.
1850. T. XII. p. 34. Kote) aufgestellt hat, dürfte eben so wenig, wie
Johnstonia beibehalten werden können, da es sich auch in der Bil-
dung der Ruderfortsätze, die Q. iür charakteristisch ansieht, nicht im
Geringsten von Alciope unterscheidet, wie aus den schönen Beobach-
tungen von Krohn (die Q. freilich nicht kennt) zur Genüge her-
vorgeht.
Die von Quatrefages in der oben erwähnten Monographie
(Ann. des sc. nat. 1850. T. XIII. p. 8) neu aufgestellte Familie der
Polyophthalmeen trägt folgende Charaktere: Capite duobus organis
lateralibus ciliatis exsertilibus retractilibusque, rotae Rotiferum similli-
mis instructo ; ore infero ; ano terminali ; oculis cephalicis et corpo-
ralibus; cavo corporis sepimento horizontali bicamerato , camera su-
periori intestinum, infcriori genltalia continenti. Sie enthält bis jetzt
nur das Gen. Foit,ommaf MS Quat. mit folgender Diagnose : Capite tri-
bus lobulis insigni; ore inermi, proboscide linguiformi instructo; cor-
pore tereti, posterius digitato ; pedibus biremibus, ulroque remo setis
instructo ; oculis cephalicis crystallinis pluribus ; oculis cephalicis la-
teralibus uno crystallino instrüctis in singulis annulis. Sp. P. Ehren-
bergi n. sp. , P. picltts (Nais picta Duj.) , P. agilis n. sp. , P. dubius
n. sp., von denen aber nur die erstere ausführlich beschrieben wird.
Die Familie der Chloraemeen charakterisirt sich nach Qua-
326 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
trefages (Ann. des sc. nat. 1849. T. XII. p. 280) folgendermaassen :
Capite distincto exsertili etretractili; corpore annulis similibus; pedibus
quasi seraper biremibus , rerao superiori setis, inferiori autem festucis,
numquam uncinis instructo ; branchiis dorsalibus super primum annnlum
bifasciculatis ; intestino sacculis anterioribus plus minusve implicato.
Je nachdem der Körper dieser Thiere nackt oder mit Zotten (pili Q.)
bedeckt ist, lassen sich dieselben in zwei Gruppen unterscheiden, von
denen die eine (mit Zotten) das Gen. Chloraema Duj. , die andere
(mit nackter Haut) die Gatt. Siphonostoma Otto, Pherusa Ok. (Thro-
phonia Edw.) und Lophiocephala Costa enthält. Die aufgezählten und
beschriebenen Arten sind folgende : Chi. Dvjardini n. sp. (lebt als
Parasit auf Seeigeln), Chi. sordidum n. sp., Chi. Edwardsii Duj., Siph.
diplochaitos Otto, Siph. uncinata Aud. et Edw. , Pher. obscura n. sp.,
Ph. Goodslri Johnst. , Ph. barbata Edw., Ph. Mülleri Quat. (Amphi-
trite plumosa Müll.), Lophiocephala Edwardsii Edw. Die Beobachtun-
gen von Grube und Ralhke sind dem Verf. unbekannt geblieben.
Auch dürfte hervorzuheben sein, dass Siphonostomum diplochaitos
keineswegs der zottenförmigen Hautfortsätze entbehrt, wie Q. annimmt
(so nach Beobachtungen von Costa und M. Müller).
Für die Familie der H er m eilen stellt Quatrefages (c. 1.
1848. T. X. p. 1) folgende Charaktere auf: Animalia annulata, tubi-
colaria, pedibus setigeris, dissimilibus, ultima corporis parte absenti-
bus. Corpore quadripartito. Capite cum duobus tentaculis lateralibus,
crassis, postice alter altero adhaerentibus , setis seriatim concentricis
in modum operculi instructis. Ore cirrhis numerosis prehensilibus, e
tentaculis intus nascentibus armato. Branchiis pariatim supra thoracis
et abdominis annulos ordinatis. In dieser Familie unterscheidet Q. nach
der Bildung der Paläenkrone, zwei Genera, Hermella, operculo se-
tarum triplici serie constituto ; und Pallasia (n. gen.), operculo
duplici setarum serie constituto. Bei dem ersten Genus werden vier,
bei dem zweiten drei Arten aufgeführt, im Ganzen also sieben, von
denen zwei (Hermella Rissoi Quat. und Pallasia Gaimardi Quat.)
neu sind.
Zu derselben Zeit liefert auch Grube in diesem Arch. 1848.
I. S. 34 eine Zusammenstellung und Charakteristik der bis dahin be-
schriebenen Hermellen (Sabellaria), in der sechs Arten mit zwei neuen
(Sab. longispina Gr. und S. magnifica Gr.) beschrieben werden.
Die Familie der Tomopteriden muss nach Grube (a. a. 0.
in Müllers Arch.) folgendermaassen umschrieben werden: Vermes
corpore elongato , pinnnlis setis carentibus dilatato , lobo capitali et
segmento buccali coalitis , tentaculis frontalibus , cirris tentacula-
ribus , ore infero, pharynge exsertili nullo. Das Gen. Tomop teris
Eschsch. trägt folgende Diagnose: Corpus elongatum, postice atte-
der niederen Thiere während der J. 1848—^1853. 327
nuatum hyalinum, segmentis minus distinctis, in pinnulas biremes setis
carentibus exeuntibus, ramis foliaceis, margine quasi vcnoso munitis,
lobus capitnlis cum segmento buccali coalitus , tentaculis frontalibus
4, anterioribus 2 rigidulis a latere protentis , posterioribus retractili-
bus, cirris tentacularibus lateralibus 2, setam continentibus , os infe-
rum inerme. Grube rechnet die bis jetzt bekannten Formen alle zu
derselben Art T. onisciformis Esch., während Steenstrup (Vetensk.
Meddels. for Aarene 1849 og 1850. p. IV.) die in den Europäischen
Meeren beobachtete als eine eigene Art T. scolopendra Quoy et Gaim.
in Anspruch nimmt. Von Gosse wird letztere als neu unter dem
Kamen Johostonella (n. gen.) Catharina G. beschrieben und ab-
gebildet. A nat. rambles etc.
Referent liefert eine Beschreibung des bisher nur sehr un-
vollkommen gekannten Chaetoplerus pergamentacevs aus dem adriati-
sehen Meere (Tricoelia variopedata Ren.) und zeigt, dass Sars den
Rücken von Chaelopterus irrthümlicher Weise für die Bauchflächc ge-
halten hat. Dieses Arch. 1849. I. S. 340.
V. Eichwald beschrieb Nereis diversicolor Zool. Dan. von
dem Russischen Ostseestrande, Bull. Soc. Kat. Mose. 1852. p. 496.
Von neuen Anneliden erwähnen wir ferner:
Lysidice rufa Gosse, Ann. nat. bist. 1853. XII. p. 385.
Exogone piisilla Dujardin, Ann. des sc. nat. 1851. T. XV. p. 298
(scheint nach der Bildung des Kopfes , der Zahl der Antennen und
der Bewaffnung des Schlundes eher dem Gen. Cystonereis Köll. an-
zugehören).
Sacconereis (n. gen.) Schultzii J. Müller, allg. Plan in
der Entwickelung der Echinodermen S. 7 Anm. Triest. 3 Kopften-
takel, 2 Cirri tentaculares, ein Cirrus an den Fusshöckern , oben na-
deiförmige, unten geknöpfte Borsten. Die Jungen entwickeln sich in
einem Brutsacke.
Syllis puUigera Krohn, dieses Arch. 1852. I. S. 151.
Nerilla (n. gen.) antennala 0. Schmidt, neue Beitr. S.38.
Von den Faröer. (Ein kleines Würmchen, das wohl in die Familie der
Syllideen gehören dürfte.)
Typhlos colex (n. gen.) Mülleri, Busch Beobachtungen u.
s. w. S. 115. Triest. Eine sehr interessante pelagische Form, die
freilich nicht in völlig entwickeltem Zustande beobachtet wurde. Am
Köpfe ein unpaarer Stirnfortsatz und zwei kurze Cirri tentaculares,
an den einzelnen nur wenig geschiedenen Segmenten jederseits zwei
Scheiben- oder flügeiförmige Anhänge, zwischen denen ein einfacher
Fusshöcker mit zwei linearen Borsten angebracht ist. Die Ruder-
platten sind beständig in schwingender Bewegung.
328 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Amphicore mediterr<inea Leydig, Zeitschrift für wiss. Zool. III.
S. 328. Nizza. (Ueber die selbstständige Natur dieser Species kann
nicht der geringste Zweifel sein. Ref. hat dieselbe gleichfalls be-
obachtet und fügt hinzu, dass ihm Exemplare mit 30—40 Segmenten
— A. Sabella hat constant 13 — und einer Länge von yj" vorge-
kommen sind.)
Filogrann Schhideni 0. Schmidt, neue Beiträge S.33.Faröer.
Das vonAgassiz (lectures on comp. embr. p. 78. PI. XXVIII)
aufgestellte neue Genus Pleig o phthalmus scheint mit Amphicore
nahe verwandt zu sein, trägt aber auf allen einzelnen Ringen Augen-
flecke. Nach demselben Zoologen soll das Gen. Cirratulus den Ju-
gendzustand von Terebella darstellen. Proc. Bost. Soc. III. p. 191.
(Gilt keinenfalls von den in Europa bekannt gewordenen Arten , die
geschlechtsreif vorkommen.)
Annelides litnibricini*
lieber die Regenwürmer und Verwandte haben wir
nur Weniges hervorzuheben. Erst in allerneuster Zeit hat
man den Versuch gemacht, die Organisation dieser Geschöpfe,
die noch immer so viel Dunkelheiten darbot, genauer zu er-
forschen; wir müssen indessen diese weiteren wichtigen Bei-
Iräffe für den nächsten J. ß. uns vorbehalten.
Pontallie liefert einige Beobachtungen über die Le-
bensweise der Regenwürmer und erklärt die sog. Oberlippe
dieser Thiere (was übrigens auch schon von anderer Seite
geschehen ist) für das erste Körpersegmenf, das als Tastor-
gan fungire. Ann. des sc. nalur. 1853. T. XIX. p. 18.
Quatrefages giebt einige Notizen über das Nerven-
system der Regenwürmer (Erythremes) und hebt namentlich
hervor, dass dieselben mit einem Visceralnervensysteme ver-
sehen seien, das sich in mehrfacher Beziehung von dem der
übrigen Anneliden unterscheide. Ann. des sc. nat. 1853.
T. XVIII. p. 167.
Gegenbaur beschenkt uns mit einer hübschen Ab-
bildung von den sog. Flimmerkanälen oder schleifenförmigcn
Drüsen bei Lumbricus und Saenuris , die er sorgfältig be-
schreibt und als Secrelionsorgane betrachtet, die (wie Ref.
schon früher vermuthet hatte) als Nieren zu fungiren schei-
nen. Zeitschrift für wiss. Zool IV. S. 221.
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 329
Verf. bestreitet, dass durch diese Gebilde eine Wasseraufnahme
in den Körper geschehen könne, obwohl das Ende derselben durch
eine weite OefTnung mit der Leibeshöhle zusammenhängt. Saenuris
besitzt nach unserem Verf. zweierlei Flimmerkanäle, kleinere und
grössere, welche letztere in einfach paariger Anzahl vorhanden sind
und im 10. Segmente liegen. G. hält diese letzteren für neu entdeckt;
sie sind indessen schon früher mehrfach gesehen und beschrieben, bisher
aber als Keimleiter dem Geschlechtsapparate zugerechnet worden.
So auch namentlich von Budge, der in diesem Arcli.
1850. I. S. 1 eine Darstellung von den Geschlechtsorganen
des Tubifex rivulorum (Saenuris) gegeben hat.
Die von Budge beschriebenen zwei birnförmigen Bläschen,
die hinter den Hoden liegen, sind nach den Beobachtungen des Ref.
Receptacula seminis, in denen man nicht selten Spermatophoren oder
Samenfäden auffindet.
Ueber die ungeschlechtliche Vermehrung von Nais pro-
boscidea vergl. die schon oben (S. 318) angeführten Beob-
achtungen von Scluiltze und Ref.
D'üd ekem's histoire naturelle des tubifex des ruisseaux
ist bis jetzt nur aus dem von vanBeneden darüber erstat-
teten Referate bekannt geworden. Bull. Acad. Brux. T. XX.
p. 317, l'inst. 1853. p.311.
Das sog. Wassergefässsystem wird ebenfalls, wie gleichzeitig von
Gegenbaur, als llarnapparat aufgefasst. Der Hode ist einfach;
die Spermatozoiden fallen in die Leibeshöhle und werden durch ein
Paar ansehnliche Ausführungsgänge nach aussen gebracht. Die Eni-
bryonalanlage geschieht ohne Primitivstreif.
Von neuen Arten sind beschrieben: Lumbricus flavirentris
Leuckart, dies. Arch. 1849. L S. 159 aus Island ; Lumbr. triangularis
und Lumbr. multispinosus Grube in v. Middendorff's Reise aus Kam-
tschatka; ausserdem auch durch Leidy eine ganze Reihe nord-
amerikanischer Formen:
Lumbriculus limosus n. sp. Journ. Acad. Phil. Vol. 11. p. 49.
L. spiralis n. sp. und hyalhius n. sp. Proc. Äc. Phil. V. p. 285
(wurden im Jugendzustande früher, 1. c. p. 266, vom Verf. als Typen
eines besondern Gen. n. Acestus angesehen).
Enchylraeus vennicularis Henle und E socialis n. sp. Journ. Acad.
Ph. IL p.47. PI. 2. flg. 13.
Slrephuris (n. gen.) agilis n. sp. Journ. Ac. Phil. IL p. 45.
Aeolosoma venustum n. sp. Ibid. p.46. PI. 2. fig. 8.
Chaetodemus (n. gen.) panduratus n. sp. Proc. Ac. Phil. V.
p. 286.
Chaetogaster gulosus n. sp. Ibid.'p. 124.
330 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Peloscolea: (n. gen.) variegalus n. sp. Ibid. p. 124.
Nais rimlosa n. sp. und JY. gracilis n. sp. Journ. Ac, Ph. II.
p. 43. PI. 2. fig. 1.
Pristina longiseta Ehrbg. Ibid. p. 44. PI. 2. fig. 3.
Slylaria paludosa Lam. und St. fossularis n. sp. Proc. Ac. Phil.
V. p. 286.
Dero limosa n. sp. Ibid. p. 226.
Die neu aufgestellten Genera tragen folgende Diagnose :
Gen. C haet odemus. Body cylindroid. Upper lip very large
and broad. Podal spines in 4 rows, fasciculate, aristate. Mouth large,
inferior; pharynx capacious , Oesophagus cylindrical ; intestine capa-
cious. Eyes nonc. Blood colorless. Increasing by segmentation. (Nahe
verwandt mit Aeolosoma).
Gen. Slrephuris. Podal spines alternating with setae, in
two rows. Upper lip moderately projecting. Girdle well marked.
Pfumber of articulations not over seventy. No muscular stomach.
Blood bright red. (Mit Saenuris Hoffmstr. nahe verwandt, vielleicht
damit zu vereinigen.)
Gen. Felo scolex. Setae in two rows, 6 to 10 in each fas-
ciculus; podal hooks in two rows, in twos or threes , bifurcated
at the free extremity; each annulation furnished with a circle of
prominent tubercles, with numerous smaller ones. Upper lip hardly
projecting. Girdle not prominent. Blood red.
Oepliyrei C^ipunculacei).
Wenn wir diese Thiere hier zu den Würmern stellen,
so folgen wir damit dem Beispiele von Blain v ille , das in
der neueren Zeit von den verschiedensten Seiten her (J.
Müller, Blanchard, Oerstedt, V. Carus u. A.) Bei-
fall und Nachahmung gefunden hat. Es ist freilich etwas
misslich , diese Thiere und namentlich die mit innern Re-
spirationsorganen versehenen Formen von den Holothurien
abzutrennen, allein nichts desto weniger gewinnt es immer
mehr den Anschein , als wenn die Entwickelungsgeschichte
— die freilich bis jetzt nur von wenigen Arten bekannt ge-
worden ist — ein solches Verfahren rechtfertigen könnte.
Von Grube erhielten wir eine vortreffliche Abhandlung
über den anatomischen Bau von Sipunculus nudus , auf die
wir hier noch nachträglich verweisen, da dieselbe im letzten
J. B. übersehen ist. (Müller's Arch. 1847. S. 255). Pe-
ters ergänzt diese Mittheilungen durch seine Beobachtun-
der niederen Thiere während der J. 1848 — 1853. 331
gen über die Forlpflanzungsorgane, die den Untersuchungen
von Grube enlgangen sind. (Ebendas. 1850. S. 382.)
Die reifen Eier von Sipunculus findet man bekanntlich, wie die
der Kiemenwürmer, frei in der LeiLcshöhle ; Peters aber zeigt,
dass die Bildungsstätte derselben an einem andern Orte zu suchen sei.
Auf deim Darmgefässe verläuft in der Mittellinie ein gelblicher Kanal,
und dieser Kanal ist ein Eileiter. Er enthält Eier und bewegt diese
durch eine Flimmerbekleidung nach vorne. In vielen Fällen lässt
sich ausser diesem Eileiter nichts weiter unterscheiden, mitunter aber
sieht man rechts und links neben demselben kleine traubige Anhänge,
die in den Darm sich ausbreiten und gleichfalls Eier enthalten , so
dass sie wohl als Ovarien betrachtet werden dürften. In der Nähe
des Schlundes scheint der Eileiter durch eine Spalte in die Leibes-
höhle auszumünden. Wie diese Eier nach aussen gelangen, ist noch
ungewiss. Am hinteren Körperende, wo man dieselben gewöhnlich
hervortreten lässt, findet sich keine OefFnung; Peters meint dess-
halb , dass sie durch die beiden dem After gegenüberliegenden Säcke
hervortreten, was aberKrohn, der dieselben Verhältnisse in Betracht
zieht und durch die Beobachtungen männlicher Individuen auch das
getrennte Geschlecht der Sipunculiden ausser Zweifel setzt (^Ebendas.
1851. S. 369), in Abrede stellt.
Blanchard beschreibt das Nervensystem von Sipun-
culus. Ann. des sc. nat. 1849. T. Xil. p. 55. Er zeigt, dass
dasselbe — was bei uns freilich schon längst bekannt ist —
durch den Typus seiner Bildung mit dem Nervensystem der
Anneliden übereinstimmt. Der Rüssel erhält seine Nerven aus
dem Bauchstrange , während der übrige Darm von einem ei-
genen zarten Nervenfaden begleitet wird, der auf dem Re-
ctum zu einem ziemlich ansehnlichen Ganglion anschwillt.
H. Meyer berücksichtigt in seinen Notizen zur ana-
tomischen Kenntniss der Sipunculiden (Zeitschrift für wiss.
Zool. I. S. 269) namentlich das Hautskelet von Phascolosoma
und den Darmnervenfaden, den er als einen Muskel (m. sus-
pensorius intestini) in Anspruch nimmt.
Williams giebt an, dass die äusseren Bedeckungen
und die Tentakel der Sipunculiden mit zahlreichen feinen
Oeffnungen versehen seien, durch die das Wasser in die mit
Chylus gefüllte Leibeshöhle hineintrete. Ann. nat. hist. T. XII.
p. 354.
M. Müller macht in seinen Observat. anat. p. 15 einige
332 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Mittheilungen über den Bau von Thalassema. Weitere Nach-
richten über diese Thiere verdanken wir Seh mar da, der uns
eine sorgfältige Darstellung der generisch kaum verschie-
denen Bonellia viridis geliefert hat ( zur Naturgesch. der
Adria in den Denkschriften der kais. Akad. zu Wien. ßd. IV.,
auch als bes. Abdruck zu haben).
Der Darm von Bonellia ist ausserordentlich lang, acht bis neunmal
länger als der Körper und mit einem fleischigen , dicken und langen
Pharynx versehen. Das Gefässsystem, das ausführlich dargestellt wird,
besteht aus einem arteriellen Dorsalstamm und einem venösen Ventral-
stamm, die beide im hinteren Körperende durch die Lungengefässe zusam-
menhängen und auch sonst noch vielfach mit ihren Aesten communiciren.
Die Bildung der Wasserlunge, die von M.Müller auch bei Thalassema
gefunden wurde, hier aber viel einfacher und sackförmig gebaut ist,
stimmt mit der der llolothurien überein. Das Nervensystem ist, wie
bei den übrigen Sipunculiden, ein ganglionärer Bauchstrang mit Mund-
ring. Der Darm bekommt einen eigenen Nerven von ansehnlicher
Stärke, der von einem der letzteren Ganglien abgeht. Sinnesorgane
fehlen, mit Ausnahme des gcfäss- und nervenreichen Rüssels, der
als Tastwerkzeug fungirt. In der Haut liegen zahlreiche rundliche
Drüsen, die einen grünen Schleim secernircn , dessen färbende Sub-
stanzen, nach Gottlieb, mit dem Pflanzenchlorophyll übereinstim-
men. Von Geschlechtsorganen wurden nur die weiblichen beobachtet,
die einen einfachen aber unpaaren (bei Thalassema, nach M. Mül-
ler, paarigen) Schlauch von ansehnlicher Weite darstellen, doch ver-
muthetSch., dass die Bonellien Zwitter seien. Indessen dürfte es doch,
nach der Meinung des Ref., mehr als zweifelhaft sein, dass das kleine
fächerförmig gefaltete Anhangsgebilde an dem Eiergange, das in ei-
ner sehr rudimentären Form auch bei Thalassema vorzukommen scheint,
einen Hoden darstellt, wie unser Verf. vermuthet. Die fragmentaren
Beobachtungen über die Entwickelung der Bonellien scheinen darauf
hinzudeuten , dass dieses Thier keine freie Metamorphose durchläuft,
obgleich wir sonst eine solche bei den Sipunculiden antreffen.
M. Müller beobachtete eine Larve mit einfachem Wim-
pergürtel am Scheitel und excentrischem, am Rücken befind-
lichen After (Müllers Arch. 1850. S. 439) , die er für eine
Sipunculidenlarve hält. Krohn bestätigt (Ibid. 1851. S.368)
die Richtigkeit dieser Deutung und zeigt, dass dieselbe von
S. nudus abstammt.
Die neu geborene Larve hat eine auff'allende Aehnlichkeit mit
den Larven mancher Anneliden, namentlich denen, die nach demLo-
ven'schen Typus sich entwickeln, unterscheiden sich aber theils
der niederen Thiere während der J. 1848 — 1853. 333
durch die Lage des Afters, theils auch dadurch, dass der Mund ober-
halb des Wimperkranzes gefunden wird. Der Scheitel trägt ein Paar
Augen. Im Innern des Körpers findet man einen sehr voluminösen
Darm, die beiden Drüsensäcke, die Müller mit Delle Chiaje dem
Respirationsapparate zurechnen möchte (nach der Ansicht des Ref.
dürften sie sich wohl an die bekannten Seitendrüsen der Anneliden
anschliessen) , auch, wie Krohn zeigte, den Bauchstrang und die
grossen Rückziehmuskeln der erwachsenen Sipunculiden. Sehr ei-
genthümlich ist ein grosses „hodensackartiges" Organ, das mit einem
flimmernden Ausführungsgange oberhalb des Flimmerstranges an der
Bauchfläche ausmündet und, nach Müller, den ausgebildeten Sipun-
culiden zu fehlen scheint. Krohn beobachtete auch die früheren
Stadien der Entwickelung während des Eilebens, aber nur unvollkom-
men. Sehr aufrallend ist die Beobachtung , dass sich die eigenlhüm-
lich facettirte Dotterhaut während der Klüftung des Dotters allmählich
mit einem Flimmerbesalze überzieht, durch dessen Action dann das
Eichen im Wasser umhergetrieben wird. Beim Ausschlüpfen der
Larve wird die Haut abgestreift, indessen ist dieser Vorgang mit ei-
nigen Schwierigkeiten verbunden, weil der Körper des Embryo, wie
es scheint, mit dieser Hülle verwachsen ist.
Die Larve von Phoscolosoma, die später von M. Mül-
ler aufgefunden wurde (Observ. anat. etc. p. 22), stimmt in
allen wesentlichen Punkten mit der von Sipunculus überein,
Sie unterscheidet sich fast nur dadurch , dass die Haut mit
Ausschluss des Kopfes und der Hinterleibsspitze von einer
Anzahl kleiner Wärzchen besetzt und dadurch ganz undurch-
sichtig geworden ist.
J. Müller macht darauf aufmerksam, dass das bis dahin
räthselhaffe Genus Atlas Les. , das der erste Entdecker und
auch später Blai n vi 11 e für ein Mollusk gehalten, wohl eine
Sipunculidenlarve sein dürfte. (Ueber d. allg. Plan in der
Entvvickl. der Echinod. S. 36.)
Busch beobachtete (a. a. 0. S. 73) die Larven eines
Thieres , das wahrscheinlicher Weise den Echiuriden zu-
gehört.
Die Larven waren länglich und mit zwei Wimperkränzen ver-
sehen, von denen der eine am Ende, der andere in der Mitte des
Körpers angebracht war. Zwischen beiden Kränzen fand sich ein ein-
faches Borstenpaar von sichelförmiger Gestalt. In früherer Zeit war
der Körper der Larve rundlich und mit einem uniformen Wimperkleide
versehen. Nach dem Verluste der AVimperkränze zeigte die Larve
334 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
(V5'") einen einfachen wurmartigen Körper , der sich kriechend am
Boden fortbewegt.
Neue Arten: Sipunculus rufo - ßmbrialus n. sp. von Nizza,
ßlanchard, Ann. des sc. natur. 1849. T.XIl. p. 56 ; Sip, punctatis-
simus n. sp., Gosse, Ann. nat. hist. XII. p. 125; Sip. tnargarilaceus
n. sp. und Sip. {Fhascolosoma) eremita n.sp. aus Norwegen (der letzte
bewohnt, wie Sip. concharum Oerst. s. capitatus Rathke u. a. , leere
Conchylien und zwar die Schalen von Dentalium)* Sars, Nyt Mag.
1. I. p. 196; Sip. Gouldii n. sp., Sip. corallicolus n. sp., Sip. granula-
tus n. sp. , die mit dem Fhascolosoma Bernhardus und Echiurus chry-
santhophorus an der nordamerikanischen Ostküste vorkommen, Pour-
tales, Proc. Amer. Assoc. V. 1851. p. 39.
Halicryp tus (n. gen. Echiurid.) spinulosus n. sp., vom Ost-
seestrande bei Danzig, v. Siebold, Beiträge zur Fauna Preussens
S. 18 (aus den N. Pr. Provincialblättern 1849 abgedr.) Corpus elon-
gatum cylindricum, subannulatum, antice et postice obtusum et retra-
ctile, brevi antica parte cutis undique spinulis obtectae longitudinali-
ter striata, ore antice terminali orbiculato, denticulis corneis armato,
ano postice terminali nudo.
M. Müller beschreibt Thalassema gigas n. sp. von Triest und
liefert eine nach seinen Untersuchungen emendirte Diagnose des Gen.
Thalassema (mit Einschluss von Ochetostoma Leuck. und Bonellia),
die folgendermaassen lautet (Observat. anat. p. 15) : Corpus elonga-
tum, utriculare ; proboscis ex oris quasi infundibulo incipiens , in la-
bium longissimum superum, integrum (vel in Bne bipartitum) producta;
anus in extrema corporis parte; spicula duo post basin proboscidis
sita et post ipsa spicula duae aperturae genitales ventrales ; sexus
scparati.
Cliaetog^natlii.
Dass die Gattung Sagitta mit ihren zahlreichen durch
fast alle Meere verbreiteten Arten den Würmern zugehöre und
nicht den Mollusken, ist heutigen Tages wohl von der Mehr-
zahl der Zoologen anerkannt. Nur Huxley ist in dieser
Hinsicht einer abweichenden Meinung; er möchte die Sagit-
ten am liebsten den Acarinen oder Tardigraden anreihen
(Rep. br. Assoc. for 1851. p. 77). Weniger sicher ist die
Stelle, an der man diese Thiere bei den Würmern unterbrin-
gen darf. Ref. hat die Vermnthung ausgesprochen, dass
diese Thiere in der Nähe der Lumbricinen eine Stelle fin-
den könnten (Morphologie S. 7ö) ^ während Oersted die
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 335
Uebereinstimmung derselben mit dem Typus der Nematoden
nachzuweisen sucht und sich dabei namentlich auf eine von
ihm beobachtete flossenlose Art bezieht (Vidensk.Meddels. 1849;
Froriep's T. B. Zool. 1. S. 201). Ref. scheint es gegenwärtig
am natürlichsten, die Sagitten als Repräsentanten einer eige-
nen kleinen Gruppe anzusehen , die den Uebergang von den
echten Anneliden (und zwar zunächst den Lumbricinen) zu
den Nematoden machen und vielleicht nicht unpassend mit
dem oben genannten Namen bezeichnet werden können.
Der innere Bau der Sagitten ist seit den bekannten äl-
teren Arbeiten von Krohn und Wilms von manchen Zoo-
logen beobachtet und im Wesentlichen übereinstimmend mit
Krohn beschrieben worden. So namentlich von Eydoux
und Soul ey et (Voy. de la Bonile Zool. II. p. 645, Atlas
Vers PI. V) und von Busch (Beobachtungen u. s. w. S. 93).
Letzterer leugnet die Existenz eines Bauchganglions, aber
mit Unrecht, wie Krohn hervorhebt (Müllers Arch. 1853.
S. 140 und Archiv für Naturgesch. 1853. I. S. 266) und auch
Ref. bestätigen kann. Die wichtigsten neueren Bemerkungen
über die Organisation der Sagitten stammen von Krohn und
sind an dem letztgenannten Orte publicirt worden. Wir er-
fahren hier namentlich , dass die Sagitten ohne Ausnahme
mit borstenartigen starren Fäden besetzt sind, wie sie Wilms
zuerst bei S. setosa entdeckte, dass die Flossenstrahlen der-
selben eine grosse Aehnlichkeit mit den Borsten der Anne-
liden haben, dass endlich ein eigenes Receptaculum seminis
längs dem Eierstocke vom blinden Ende bis zur Mündung
hinabsteigt.
In Betreff der Enlwickelung von Sagitta bemerkt Ge-
genbaur (Zeitschrift für wiss. Zool. V. S. 15), dass der
Dotter derselben in einfacher Weise durch Längsstreckung
die Form des spätem Körpers annehme. Der Darm entsteht
durcii eine Einstülpung der Oberfläche. Die neugeborene Sa-
gitta besitzt bereits die Flosse des erwachsenen Thieres. Sie
hat eine Länge von y^'", so dass sie vor der Geburl nach
Art eines Wurmes zusammengerollt ist.
Neue Arten: Sagitta cephaloplera n. sp. , S. roslrata n, sp.,
Busch BeobabchtuDgen u. s. w. S. 93; S, multidenlala n. sp., ;S. ser-
336 Leuckart: Berichl üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
ralo-dentata n. sp , S. lyra n. sp. , S. draco n. sp., Krohn, dieses
Arch. 1853. I. S. 270.
An demselben Orte Bemerkungen über die Sag. bipunctata
Quoy et Gaim., S. bipunctata Kr., so wie über die Arten von D'O r-
bign y und Busch.
[Die Nematoden und Akanthoc e phalen, die
hier eigentlich folgen inüssten , bilden mit den übrigen Ein-
geweidewürmern in unserm Arch. bekanntlich den Gegen-
stand eines besondern Berichtes; wir dürfen dieselben also
ohne Weiteres übergehen.]
3. Platocies.
Hirudinei.
lieber den innern Bau der Hirudineen haben wie drei
wichtige Monographieen erhallen, vonBudge über Clepsine
bioculata (Verhandlungen des naturhist. Vereines der preuss.
Rheinlaiide 1849), von Leydig über Piscicola geomelrica
mit theilweiserVergleichung anderer einheimischer Hirudineen
(Zeitschrift für wiss. Zool. I. S. 103) und von Quatrefa-
ges über Branchellion (Ann. des sc. nat. 1852. T. XVIII.
p. 279), von denen sich namentlich die beiden letztern durch
die Genauigkeit und Specialität der Darstellung, die letzte
auch durch einen ungewöhnlichen Reichthum der schönsten
Abbildungen ausgezeichnet. Dazu kommen die Angaben von
Leydig über das Gefäss- und Respirationssystem von Ne-
phelis und Clepsine in den Ber. von der königl. zoot. Anstalt
zu Würzburg 1849. S. 14, so wie Bemerkungen über den Bau
von Branchellion und Pontobdella (Albione) in der Zeitschr.
für wiss. Zool. T. III. p. 315, se wie ferner von Quatrefa-
ges eine Note über das Nervensystem und einige andere Or-
ganisationsverhällnisse von Albione in den Ann. des sc. nat.
1. c. p. 329.
Bei allen hier namhaft gemachten Arten (mit Ausnahme von
Nephelis) findet sich im Schlünde ein fleischiger Rüssel, der nach
Aussen hervorgestreckt werden kann und die Ausführungsgänge beson-
derer gruppenweise neben der Speiseröhre gelegenen Drüsen aufnimmt.
Die Drüsen bestehen aus einfachen Zellen, von denen sich jede in einen
Ausführungsgang fortsetzt und sind von Budge irrthümlicher Weise als
sympathisches Nervensystem beschrieben worden. Aehnliche Drüsen
liegen bei allen Hirudineen in Menge unter den Hautbedeckungen,
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 337
Die Geschlechtsorgane sind im Wesentlichen überall auf gleiche Weise
gebaut, nur soll Albione (nach Quatrefages) rechts und links ei-
nen einfachen schlauchförmigen Hoden besitzen. Die schleifenförmigcn
Seitendrüsen, die bei Kephelis, wie bei Haeniopis , Hirudo u. a. , an
ihrem Ausführungsgange mit einer contractilen blasigen Erweiterung
versehen sind, und von Leydig noch immer als Wassergefässe und
Athmungsorgane betrachtet werden, fehlen bei Branchellion, das aber
dafür eine ausserordentlich mächtige Entwickelung seiner Hautdrüsen
zeigt. Verschieden von diesen Drüsen und ihren Erweiterungen sind
gewisse contractile Blasen, die mit dem Gefässsysteme zusammenhän-
gen und bei Kephelis und Clepsinn (nach Leydig) ein sehr eigen-
ihümliches Flimmerorgan im Innern einschliessen. Diese contracti-
len Blasen (Herzen Quat. ) konnten bei allen Arten nachgewiesen
werden, auch bei Branchellion, wo sie in der Basis der blattartigen
Körperanhänge liegen, die sich durch ihren Gefässreichthum mit Be-
stimmtheit als Kiemenanhänge zu erkennen geben. Im Innern des
Rückengefässes finden sich (ausgenommen ist jedoch Nephelis) be-
sondere Klappen von kolbenförmiger Gestalt und zelliger Bildung, die
nur Quatrefages entgangen sind. lieber den Bau und Zusam-
menhang des Gefässapparates herrscht bei allen Beobachtern eine
grosse Verschiedenheit der Angaben; es dürfte den spätem Unter-
suchungen gerade in diesem Punkte noch Manches zur Berichtigung
übrig bleiben. Leydig glaubt annehmen zu dürfen, dass die Hiru-
dineen ein doppeltes Gefässsystem besitzen, ein durchweg contractiles
nämlich, das aus den Seitengefässen und einem mittleren Sinus be-
steht, der den Nervenstrang und Darm in sich einschliesst, und ein
anderes, das sich vorzugsweise aus dem Rückengefässe und dem Bauch-
gefässe zusammensetzt und nur in dem ersteren contractil ist. Ein
Zusammenhang zwischen beiden Systemen findet sich nach L. nur an
dem hintern Ende des Rückengefässes, das mit klaffender Üeffnung
in den Mediansinus eintaucht. Die contractilen Erweiterungen gehö-
ren dem ersten Systeme an und finden sich an den queren zwischen
den Seitengefässen und dem Mediansinus ausgespannten Anastomosen.
Kur das erste Gefässsystem führt Körperchen in seinem flüssigen In-
halte. Auch Q. unterscheidet diese beiden Systeme , hält aber nur
das letzte für ein Bhitgefässsystem und nimmt das andere als einen
Lymphgefässapparat in Anspruch. Die contractilen Bläschen lässt er
mit dem Blutgefässsysteme zusammenhängen , während er dafür die
Gcfässe der Kiemenanhänge bei Branchellion den Lymphgefässen zu-
rechnet.
Eine abermals verschiedene Darstellung dieses Gefässapparates
erhalten wir von Gratiolet (Ann. des sc. nat. 1850. T. XIV. p. 1S9.
Froriep's T. B. Zool. II. 108) nach Untersuchungen am medicini-
schen Blutegel. Die Seitengefasse werden hier als die Hauptorgane
Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2. Bd. W
338 Leuckarl, Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
der Blutbewegung betrachtet, die durch ihre alternirenden Contractio-
nen das Blut in beständiger Oscillation von der einen Seite zur an-
dern hinübertrieben. Durch die Gefässe des Darmes und der übrigen
Eingeweide, die aus den Queranastomosen zwischen den Seitengefäs-
sen hervorkommen, gelangt das Blut in regelmässiger Forlbewegung
aus dieser Bahn in die grossen Mediangcfässe des Rückens und Bau-
ches, die es ihrerseits dann in das mächtig entwickelte Hautgefässnetz
hineintreiben. Die sog. Leberschläuche der Hirudineen sollen blosse
Theile dieses Hautgefässapparates darstellen. Aus der Haut kehrt das
Blut wieder in die Queranastomosen zwischen den seitlichen Gefäss-
stämmen zurück. (So wenigstens glaubt Ref. die etwas unklare und
gar zu kurze Darstellung zu verstehen.)
De Filippi beschreibt eine neue riesengrosse Egelart
aus Brasilien, Haementaria, und giebt eine Darstellung des
inneren Baues bei derselben (Nuovi annali delle scienze nal.
di Torino T. X. 1848; im Auszuge d' Alton und Burmeisler
Zool. Zeitung N.23; Zeitschr. für wiss. Zool. I. S. 256).
Die Form und Organisation des Wurmes stimmt noch am mei-
sten mit Clepsine überein , zeigt aber doch mancherlei grössere und
geringere Verschiedenheiten. So fehlt namentlich der exsertile Rüssel
der Clepsinen. Der Oesophagus ist lang und muskulös und mit drei
Paar Speicheldrüsen versehen. Der Blutgefässapparal besteht aus
einem pulsirendenGefässstamme, der oberhalb des Nervenstranges hin-
läuft und aus einem Systeme von wandungslosen Gängen und Hohl*
räumen, dessen Haupttheil die Leibeshöhle ist. Hodenblasen werden
nicht beschrieben; die Hoden sollen jederseits aus einem einfachen
und gewundenen Schlauche bestehen, der nach Form und Lage —
wie der von Quatrefages bei Albione beschriebene Drüsenapparat
mit der sog. Prostata der übrigen Hirudineen übereinstimmt.
Männliche und weibliche Oefl'nungen sollen zusammenfallen. Die
Stelle der Seitendrüsen wird von vier Paar ansehnlichen Gefäss-
knäueln vertreten, die in dem hinteren Ende der Leibeshöhle liegen
und als Nieren gedeutet werden.
Troschel macht einige Angaben über den innern Bau
von Piscicola respirans. Dieses Arch. 1850. 1. S. 17.
Die blasigen Anhänge an den Seitengefässen, deren Contractio-
nen hier deutlicher, als bei anderen Arten hervortreten, werden für
Kiemen gehalten.
Von Quatrefages erhalten wir einige Angaben über
die Bildung des Nervensystemes bei Hirudo, besonders über
den Bau des Visceralsyslemes. Ann. des. sc. nal. 1852. T. XVIIL
p. Iü9.
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 339
Bruch liefert eine histologische Analyse des centra-
len Nervensystemes bei demselben Thiere. Zeischrift fürvviss.
Zool. I. S. 164.
Fr. Müller beschreibt die Begattung- von Clepsine
complanata und macht die Beobachtung, dass die Befruch-
tung — wie es nach Leydig auch bei Piscicola der Fall
ist — durch Spermatophoren vermittelt werde. D'Alton's
und Burmeister's Zeitung für Zoologie N. 23.
Robin beobachtete die Entwickelung von Nephelis
octomaculata und macht auf die — schon früher von Frey
beschriebene — unregelmässige Dotterklüftung aufmerksam.
Compt. rend. Soc. biol. T.IV. p. 157.
Nach den Erfahrungen von Bouniceau erreicht der
medicinische Blutegel ein Alter von 20 — 21 Jahren. Ann. des
sc. nat. 1853. T.XIX. p. 379.
Neue Arten. Unter dem Namen Acanthobdella (n. gen.)
Peledma n. sp. beschreibt Grube in dem zool. Theile der Midden-
dorf'schen Reise durch Sibirien einen sehr sonderbaren Wurm (aus dem
Ochotskischen Meere), der sich nach seinem Habitus und dem — frei-
lich nicht vollständig erforschten — inneren Bau an die Hirudineen
anschliesst, auffallender Weise aber am vordem Körperende rechts und
links mit einem Borstenbündel versehen ist. Die Charakteristik des
neuen Gen. ist folgende: Corpus subbreve, teres utrimque , attenua-
tum , annulatum, cute glandulosa , antice paulo acuminatum, utrimque
aciculis aliquot armatum, ore prorsus spectante, postice in discum re-
trorsum vergentem exiens, ano in disco ipso positum.
Ein zweites von Grube neu aufgestelltes Genus, das mit Hi-
rudo und Haemopis verwandt ist, trägt den Namen 0 xy plychus.
Sp. Ox. slrialus , Grube, Farn, der Anneliden S. 110 und 148.
Mit Nephelis verwandt sind die von Die sing aufgestellten zwei
neuen Genera: Pinacobdella (Sp. P. Koh)ialii aus Georgien) und
Typhlobdella (Sp. Kovatsi, aus den unterirdischen Gewässern Un-
garns). Syst. helminth. I. p.4ö8.
Piscicola respirans n. sp. Troschel, dieses Arch. 1850. I.
p. 17.
Das schon oben erwähnte neue Gen. Haemenlaria D. Fil.
trägt folgende Diagnose : Corpus depressum, latum ; acetabulum ante-
rum impervium, os supra illud positum. Maxillae nullae , proboscis
exsertilis nulla. Foramen genitale unicum, in Verruca suctoria. Sp.
H. Ghiliani. Hab. in flumine Amazonum.
340 Leuckarl: Bericht üb. d. LeisUiiigen in d. Naturgeschichte
Das Gen. Br anchellion charakterisirt Quatrefages (Ann.
des sc. nat. 1853. T. XVllI. p. 283) folgendermaasscn : Animal capula
et cotyla instructum, in duas regiones distinctas partituni : collonudo;
corpore branchiis foliaceis latoralibus marginato, capula siinplici ; co-
tyla composila. Er unterscheidet zwei Arten : U. torpedinis Sav.
und Br. orbiniensis n. sp. , denen Diesing später noch eine dritte
Art Br. scolopendra n. sp. (Syst. heim. I. p. 444) aus Brasilien hin-
zufügt. Eine vierte Species ist wahrscheinlich der von Girard be-
obachtete V h\j llobr anchus (n. gen.) Ravenelii n. sp., der von dem
Körper eines amerikanischen Haifisches abgelesen und als Zwischen-
glied zwischen den Egeln und Anneliden beschrieben wurde. Die nahe
verwandte Hirudo branchiala Menz. bildet nach Quatrefages den
Typus eines eigenen Genus Ozobranchus Qual., das sich durch den
Besitz verzweigter Kiemenanhänge auszeichnet.
Aslacobdella philadelphica n. sp., auf Astacus Barloni. Leidy,
Proc. Ac. rhil. Y. p. 201.
Myzobdella (n. gen.) lugubris n. sp. , auf Lupa diacantha.
Leidy, Ibid. p. 243. Die Charakteristik des neuen Gen. ist fol-
gende: Body elongated, compressed fusiform, smoolh. Head continuous
with the body, subindibuliform , obliquely ventrally terminal. Mouth
central, unarmed. AcetabuUun ventrally obliquely terminal, concave,
not corneous.
Anhangsweise wollen wir hier auch noch erwähnen,
dass Blanchard seine früheren Angaben über den inne-
ren Bau von Malacobdella (s. J. B. XVI. S. 374) nach Un-
tersuchung lebender Exemplare vervollständigt hat (Ann. des
sc. nat. 1849. T. Xll. p.267.)
Das Gefässsystem besteht aus einem dorsalen Gefässstamme und
zweien Seitenslämmen , die in der vordem Körperhälfte vielfach zu-
sammenhängen. Die Geschlechter sind wirklich gelrennt. Samenfä-
den und Eier enlslehen ohne Hülfe besonderer Organe zwischen Darm
und Leibeswand. Die systematische Stellung dieses Thieres ist nach
Bl. in der iMitte zwischen den Hirudineen und Planarien.
Nach Leidy kommt Malacobdella grossa auch an den
amerikanischen Küsten vor. Proc. Acad. Phil. V. p. 209.
Turbellarii.
Girard versucht den Nachweis zu führen, dass die
Strudelwürmer den Mollusken zugehören und sich zunächst
an die Gruppe der sog. Phlcbenteralen anschliesscn. Proc,
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 341
Am. Assoc. IV. 1850. p.2o8, Sillimairs Joiirn. 1851. XI.
p. 81. Indessen niuss Ref. gestehen, dass ihn die Beweis-
führung- von G. nicht im mindesten überzeugt hat. Er lässt
desshalb auch die Turbelhirien unter den Würmern^ und zwar
beide Gruppen derselben neben einander, obgleicli Blan-
chard der Ansicht ist (Ann. des sc. nat. I849.T.Xil. p. 28),
dass die Nemerlinen von den Planarien abzulrennen seien
und eine eigene Ordnung bildeten (Aplocoela Bl.), die zunächst
mit den Nematoden und Acanihocephalen zusammengehöre,
während die Planarien mit den Tremaloden in eine Gruppe
(Anevormi Bl.) zu vereinigen seien.
Slatl der üblichen Eintheilung in Planarien und Nemer-
tinen hat M. S. Schnitze neuerlich (in den später noch
ausführlich zu erwähnenden „Beilrägen« u. s. w.) eine neue
in Aprocta und Proclucha vorgeschlagen. Zu der ersteren
rechnet derselbe die Dendrocoelen und Rhabdocoelen , zu
der anderen die Microslomeen (Arhynchia Seh.) und Nemer-
tinen (Rhynchocoela). Referent hat gegen diese Einthei-
lung mehrfache Bedenken gellend gemacht (Gott. Gel. Anz.
1851. S.?29) und niöchle namentlich die Microslomeen mit
den afterlosen Planarien und nicht mit den Nemertinen ver-
einigt wissen.
Planarieae. Die plauarlenartigen Strudelwürmer haben
sich in den letzten Jahren, namentlich die kleinen^ bisher
so sehr vernachlässigten Rhabdocoelen, einer aufmerksamen
und sorgfältigen Untersuchung zu erfreuen gehabt. Der Er-
ste, der sich dieser Thierchen annahm, war 0. Schmidt,
der. den Bau derselben in einer eigenen Monographie dar-
stellte (die rhabdocoelen Strudelwürmer des süssen Wassers,
Jena 1848) und auch später noch mehrfache Beiträge zur
Kenntniss derselben (namentlich in den neuen Beiträgen zur
Naturgeschichte der Würmer für 1848) lieferte.
Zu den wesentlichslcn Verdiensten S c hm i d t's gehört nament-
licli der INaclnveis , dass die Rlia])docoelen mit einem vielfach ver-
zweigten nimmernden Gefässapparate vorsehen sind, der an bestimm-
ten, bei den verschiedenen Arten wechselnden Stellen nach Aussen
führt und als ein sog. Wassergefässapparat zu betrachten ist. Die
Geschlectitsorgane sind von mächtiger Enlwickelung, und (mit wem'-
342 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
gen Ausnahmen) hermaphroditisch, wie bei den Dendrocoelen. Der
keimbereitende weibliche Apparat setzt sich aus einem stets paarigen
Dotterstocke und einem kleinen, meist unpaaren Keimstocke zusam-
men, die beide in einen uterusartigen Sack führen, in dem die Bil-
dung der Eier, auch mitunter die Entwickelung der Jungen vor sich
geht. An diesem Gebilde ist in der Regel auch noch eine Samen-
tasche befestigt, die das Sperma bei der Begattung aufnimmt. Ein After
fehlt, mit Ausnahme der Microstomeen, die neuerdings jedoch von den
Rhabdocoelen abgetrennt werden. Der Darm ist immer einfach und
sackartig, der Oesophagus dagegen von einer sehr wechselnden Lage
und Bildung. Das Nervensystem ist schon früher bei einigen Arten,
was dem Verf. entgangen ist, als zweilappiger Knoten vom Ref. be-
schrieben worden. Das Gehörorgan , das Ref. gleichfalls bei einer
Anzahl Rhabdocoelen als unpaare Blase mit einfachem Otolithen be-
schrieben hatte, wird, trotz den vom Ref. hervorgehobenen Gründen,
für ein Auge erklärt und diese Deutung wird festgehalten , bis sich
der Verf. in seinen allerneusten Mittheilungen (in den Ber. der Wie-
ner Akad.) davon überzeugt, dass mitunter neben diesem Gehörorgan
noch deutliche Augen vorhanden sind.
Nicht geringeres Verdienst um die Kenntniss dieser Thiere
erwarb sich M. S. Schult ze, der uns in den „Beiträgen
zur Naturgeschichte der Turbellarien/« Erste Abth. Greifswalde
1851 mit einem Werke beschenkt hat, das sich den ausge-
zeichnetsten Monographieen über niedere Thiere , die wir
überhaupt besitzen, dreist an die Seite stellen bann.
Die Angaben von Schmidt werden im Wesentlichen bestätigt,
im Einzelnen aber durch zahlreiche neue Beobachtungen und eine
sorgfältigere Darstellung von der Organisation der einzelnen Arten
erweitert. Besonders wichtig sind die Untersuchungen über den feine-
ren Bau der Rhabdocoelen aus denen namentlich hervorgeht, dass die
Hauptmasse des Körpers bei unsern Thieren aus einer sarcodearligen ho-
mogenen Substanz besteht, in der die verschiedenen histologischen Sy-
steme , Muskel, Nerv, Haut u. s. w. sich keineswegs überall ganz
vollständig differencirt haben. Die stäbchenförmigen Körperchen , die
schon von früheren Beobachtern in den Bedeckungen der planarien-
artigen Turbellarien aufgefunden waren und nur wenigen Arten feh-
len, betrachtet Seh. nicht als Analoga der sog. Nesselorgane, sondern
als Organe zur Vermittelung der Tastempfindung. Bei Macrostomum
sind Keim- und Dotterstöcke abweichender Weise, wie bei den Mi-
crostomeen und einigen verwandten Formen mit Duplicität des Ge-
schlechtes, die wir unten noch besonders kennen lernen werden, in
demselben Organe vereinigt.
Die Microstomeen, die durch den Besitz einer After-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 343
Öffnung-, durch die Duplicilät ihres Geschlechtes , ihre Quer-
theilung- u. s. w. von den übrigen Rhabdocoeien sich auf-
fallend entfernen, waren schon früher von Schul tze (die-
ses Arch. 1849. I. S. 280) mit besonderer Berücksichtigung
der Geschlechtsverhällnisse und der ungeschlechtlichen Fort-
pflanzung durch Theilung zum Gegenstande einer eigenen Ab-
handlung gemacht worden. In Betreff des Wassergefässsy-
stemes, das Verf. nicht beobachtet zu haben scheint, hebt Ref.
hervor, dass solches beiStenostomum leucops Schm. in mäch-
tiger Enlwickelung vorkommt und mit einem unpaaren Haupt-
stamme am hinteren Körperende, dicht über dem After aus-
münde , ohne mit den Flimmergrubeii den geringsten Zu-
sammenhang zu haben.
An diese Arbeiten von Schmidt und Schnitze
schliesst sich sodann eine Darstellung vom inneren Baue des
MesostomumEhrenbergii, die vom Ref. in diesem Arch. 1852.
I. S. 234 geliefert ist und wohl ein ziemlich vollständiges
Bild dieses schönen Thierchens, namentlich auch seines Was-
sergefässsystems und Geschlechtsapparates bieten dürfte.
Es sind aber nicht bloss die Rhabdocoeien, auf die
Schnitze seine Untersuchungen ausgedehnt hat, sondern auch
die übrigen Gruppen der Strudelwürmer. So erfahren wir
durch die vorläufigen Mittheilungen über die Süsswasserden-
drocoelen (Zeitschr. für wiss. Zool. IV. S. 185), dass auch
diese mit einem Wassergefässsysteme versehen sind, welches
in der Nähe des hinteren Körperendes mit einer einfachen
Oeffnung ausmündet, und einen Geschlechtsapparat besitzen,
der sich durch die mächtige Entwickelung des Hodens und
die Trennung des weiblichen Apparates in Keim- und Dot-
terstock, wie überhaupt durch seine ganze Bildung an die bei
den Rhabdocoeien vorkommenden Verhältnisse anschliesst.
Auch die marinen Dendrocoelen besitzen nach Beobachtungen
anThysanozoon undPolycelis (Ber. der phys. medic. Gesellsch.
zu Würzb. 1853. S. 222) ein Wassergelässsystem und einen
durch den ganzen Körper verbreiteten Hoden, den Qua-
trefages übersehen hat. Die weiblichen Organe dersel-
ben sind jedoch ohne Trennung in Keim- und Dotterstock.
Referent kann hinzufügen, dass seine Untersuchungen an
344 Leuckarl: Bericht üb. d. Leistungen in d. Kalurgeschichle
Prothiostomum zu ganz übereinstimmenden Resullalen hinge-
führt haben.
Unsere Kenntnisse von der Entwickelung der Planaricn
sind durch die Untersuchungen J. Müller's um eine wich-
tige Thalsache bereichert worden. Während die Süsswasser-
dendrocoelen bei ihrer Geburt, wie beliannt isl, bereits voll-
kommen den Eltern gleichen, während auch die einheimischen
Rhabdocoelen nach den übereinstimmenden Beobachtungen
von Schmidt, Schultze und Refe reuten ohne freie Me-
tamorphose sich entwickeln, besilzen die marinen Planarien,
nach den Beobachtungen von Müller, einen Larvenzustand
mit provisorischen Organen und einer pelagischen Lebens-
weise (Müll. Arch. 1850. S. 485.).
Die beobachteten Larven gehörten in die Nähe von Polycelis,
doch finden sich dieselben Zustände auch , wie wir neuerlich erfah-
ren haben (Ebendas. 1854. S. 75), bei anderen Arten, Slylochus. Die
Larven, die von «/jo — V2'" maf^ssen , zeigten den Habitus der ausge-
bildeten Thiere , auch schon die Wesselorgane und das Flimmerkleid
derselben, besassen aber ausserdem einen sehr eigcnthümlichen Ap-
parat von ansehnlichen P'ortsätzen, die (3 rechts, 3 links, einer auf
dem Rücken und einer auf dem Bauche) vor der MundöOnung rund
um den Körper angebracht waren und durch eine fortlaufende AVim-
perschnur zu einem zusammenhängenden Räderorgane verbunden wurden.
Bei älteren Larven verlieren diese Fortsätze mit zunehmender Kör-
pergrösse an Ausdehnung, bis sie schliesslich vollkommen schwinden.
Die von Busch (Beobachtungen u. s. w. S. 121) beschriebene
und abgebildete Platamonia tergeslina ist vielleicht gleichfalls eine
Turbellarienlarve mit provisorischem Räderapparate, obgleich sich die
Bildung der Fortsät/.e nach der Darstellung von Busch anders ver-
hält,, als bei den Müller'schen Larven.
Ueber die ersten Entwickelungsvorgänge der Seeplana-
rien hat Girard Beobachtungen angestellt und neuerlich in
ausführlicher Weise veröffentlicht (Journ. Ac. Phil. II. p. 307.
PI. XXX— XXXII), nachdem die Resultate derselben schon
mehrfach in den nordamerikanischen Proceedings (auch in
Bull, de la Soc. sc. nat. de Neufchatel 1850. p. 300) milge-
theilt waren.
Die Eier der Seeplanarien (der Verf. beobachtete Planocera
ellip lica n. sTp.^ werden in breiten Bändern abgelegt, wie die Eier
der naclukiemigen Schnecken. Der Dotter furcht sich in regelmässi-
der niederen Thiere während der J. 1848 — 1853. 345
ger Weise und verwandelt sich sodann in einen bewimperten Embryo,
der anfangs eine kugelige Gestalt hat , aber noch vor der Geburt ei-
ner weiteren Formveränderung unterliegt , indem die eine (ventrale)
Körperfläche nach vorausgegangener Streckung durch eine tiefe Ouer-
furche in eine vordere "und hintere Abtheilung zerfällt , von denen
sich sodann die letztere durch eine Längsfurche in zwei seitliche
höckerartige Fortsätze umbildet. Nach der Geburt entwickeln sich
die Forlsätze immer mehr, so dass der Körper allmählich eine sehr
unregelmässige und schwer zu beschreibende Gestalt annimmt. Es
scheint ziemlich nahe zu liegen, die vom Verf. beobachteten jungen
Larven mit den von Müller aufgefischten Formen zu einer fast
continuirlichen Reihe zusammenzustellen, allein unser Verf. behauptet,
dass die augentragende Larve seiner Planoccra schliesslich sich in eine
feste und unbewegliche Puppe von einfacher halbcylindrischer Gestalt
verwandele. Anfangs war unser Verf. geneigt, diese Umbildung für eine
zufällige und abnorme zu halten, später aber gelang es demselben,
solche sonderbare Puppen auch im freien iüleere zu beobachten. INichts
desto weniger möchte Ref. mit Rücksicht auf die Beobachtungen von
J. Müller hier entweder eine Täuschung von Seiten des Verf. oder
eine abnorme Metamorphose vermulhen, wie sie bei künstlicher Zucht
von wirbellosen Ihieren so häufig staltfindet. Die letzlere Vermu-
thung gewinnt noch dadurch an AVahrscheinlichkeit, dass dem Verf.
auch auf frühern Stadien manchfache abnorme Entwickelungszustände
vorkamen, die freilich nicht als solche erkannt zu sein scheinen. Zu
diesen rechnet Ref. namentlich jene Frühgeburt, die der Verf. von
einem „Uebergewichte der materiellen Entwickelungskräfte über die
organischen« ableitet.
Die D e n (1 r 0 c 0 el e n zerfallen gewiss sehr nalurffemäss,
wie auch M. Schultz e (Beiträge S. 4) hervorhebt, in zwei
Familien, von denen die eine unsere Süsswasserfornien ent-
hält, während die andere sich aus den marinen Arten zusam-
mensetzt. Die Hauptverschiedenheiten dieser Gruppen liegen
aber nicht, wie 0 erst ed wollte, in der Bildung des Schlundes,
dessen Eigenlliümüchkeiten nicht durchgreifen, sondern vor-
zugsw^eise in der Organisation der (weiblichen) Geschlechts-
apparate, deren Eigenthümlichkeilen schon oben hervorgeho-
ben wurden.
Die Zahl der bekannten Dendrocoelenarlen ist seit dem
letzten Jahresberichte vorzugsweise durch die Bemühungen
nordamcrikn nischer Zoologen vergrössert worden. Es ist nur
zu bedauern, dass bei der Beschreibung der neuen Arien,
346 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
und namentlich auch bei der Aufstellung- der neuen Genera,
deren wir eine nicht unbeträchtliche Menge anzuführen haben,
den anatomischen Structurverhältnissen nicht in genügender
Weise Rücksicht getragen ist. Der Gewinn würde im anderen
Falle ein ungleich grösserer sein.
Zunächst erwähnen wir hier die von Girard (Proc. Bost.
Soc. III. p. 264) beschriebenen Süsswasserformen : Planaria {Phago^
eala Leidy) tigrina n. sp. , Dendrocoelum pulckerrimum n. sp., D. su-
perbum n. sp. und Dugesia gonocephaloides n. gen. et n. sp. , von
denen sich die letztere (generisch) durch die schlanke Körperform
und die dreieckige Bildung des etwas abgesetzten Kopfes charak-
terisirt.
An diese Arten schliessen sich ausser der schon im verg. J.
B. erwähnte Planaria maculata Leidy noch PL truncala n. sp. und
PI. fuliginosa n. sp. Leidy, Proc. Ac. Phil. V. p. 225, von denen die
letzte jedoch vielleicht eine Typhloplana sein dürfte. Auch Dendro-
coelum superbum Gir. wurde von Leidy beobachtet und beschrieben
Ibid. V. p. 288.
Von besonderem Interesse ist die Entdeckung einer nordame-
rikanischen Landplanarie Rhyncho desmus n. gen., das folgender-
maassen charakterisirt wird: body cylindroid, obfusiform. Head con-
tinuous with the body, proboscidiform , recurvatule, without tentacu-
lar appendages. Eyes two, lateral. Interior structur planaroid. The
mouth inferior and a little posterior to the centre. Oecophagus keg-
shaped. Sp. R. syhalicus Leidy, Proc. Ac. Phil.V. p, 24l und 289.
Auch Planarien (?) mit saugnapfartiger Bildung des Hinterleibsen-
des, die zum Theil parasitisch leben, giebt es in Nordamerika. Leidy
bildet aus denselben das Gen. Bdellura (1. e.V. p. 242 und 288.)
Body dilated, plano-convex ; posteriorly dilated, constricted, truncated.
Head conlinuous with the body; tentacular appendages none. Mouth
inferior subcentral; Oesophagus protractile, cylindrical. Eyes two.
Marine. Sp. Bd. parasitica Leid, an den Kiemenblättchen von Poly-
phemus occidentalis und Bd. rustica L. auf Algen.
LeConte beschreibt neue Planarien von der Landenge Panama:
Glossoloma nemaloideum n. gen. et n. sp., Elasmodes discns n.
gen. et n. sp., Typlolepta (?) exlensa n. sp. Proc. Ac. Phil. V. p. 319.
Die Diagnosen der neuen Gattungen, unter denen sich namentlich die
erstere durch eine sehr wenig planarienartige Gestalt auszeichnet, sind
folgende:
Gen. Glossoloma. liody vermiform. Head continuous with the
body. Eyes 10— 16 in each side of the head. Moulh subterniinal, with
a retractile tentacle on each side. Intestinal tube ramose. Marine.
der niederen Thiere während der J. 1848 — 1853. 347
Gen. Elasmodes. Body dilated, flat. Head continuous with
the body, without appendages. Ocelli 5 on each side. Mouth antero-
inferior, Oesophagus ventral; intestinal tubes reticulated, radiating.
Marine.
Auch Girard bespricht eine Anzahl neuer Seeplanarien von
der Küste von Massachusetts (Proc. Best. Soc. III. p. 251): Polycelis
variabüis n. sp., Prothioslomum glaciale n. sp., Procerodes Wheat-
landi n. gen. et n. sp., Planocera elliplica n. sp., und von der Küste
von Carolina (Proc. Ac. Phil. VI. p. 367) : Planocera nebulosa n. sp.
und Imogine ocnlifera n. gen. et n. sp. Unter den neuen Gen.
zeichnet sich das letztere durch die bisher bei den Planarien noch
nicht beobachtete Lage der Augen auf der Spitze der Tentakel aus.
Das Gen. Procerodes gleicht Proceros, hat aber nur zwei Augen.
Thysanozoon nigrtim n. sp. vomCap Florida, Girard, Pr. Bost.
Soc. IV. p. 137. — Th. Fochei n. sp. von Triest, Dies in g Syst. heim.
I. p. 213.
Planaria flexilis Dal. ist nach Thompson (Ann. nat. hisl. T. III.
p. 354) identisch mit PI. subauriculata lohnst, und muss wohl dem
Gen. Polycelis Quat. zugerechnet werden.
In der Abiheilung der Rhabdocoelen unterscheidet
Schmidt ausser den Microstomeen, die wir nach demVorgange
von Schnitze als eine eigene kleine Gruppe betrachten,
5 Familien, von denen drei, die Proslorneen, Derostomeen und
Mesostomeen, schon vonOersted aufgestellt sind. Die neu
hinzugekommenen Familien sind die der Opistomeen und Schi-
zoslonieen , von denen die erstere eine im Hinterlheile des
Körpers gelegene Mundöffnung besitzt , während diese bei
der lelzteren eine Längsspalte nahe dem vorderen Körperende
darstellt (Die rhabd. Slrudelw. S. 21). Schnitze behält diese
5 Familien bei, umschreibt sie aber in einer schärferen und
richtigeren Weise.
In den oben angezogenen Monographien von Schmidt und
Schnitze sind zahlreiche meist neue Rhabdocoelen-Arten beschrie-
ben, die theils dem Süsswasser , theils auch der See angehören und
mit den später (Sitzungs- Ber. der K. Akad. zu Wien IX. S. 490 ff.)
noch von Schmidt in Kürze charakterisirten Arten in Folgendem von
uns zusammengestellt werden.
Monocelis agilis n. sp., M. vnipunclala Oerst., Hl. lineala Ocrst.
Schnitze a. a. 0. S. 34 (das Gen Monocelis wurde früher unrichti-
ger Weise den Dendrocoelen zugerechnet.)
348 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschiclife
Pseudostomum Faeroense n. gen. et n. sp. S c h m i d t, neue
Beiträge S. 8; ist identisch mit dem Vortex 4-oculatus LeucU. und
dürfte desshalb wohl mit Beibehaltung des S c hmi d t'schcn Genusna-
men künftig als Ps. 4-oculatum zu bezeichnen sein. Hat, wie Mo-
nocelis, einen vorstreckbaren, cylindrischen Schlund.
Op islomum fallidum n. gen. et n. sp. Schmidt, rh. Str.
S. 38, Schnitze S. 40. Die (nach S chu Itz e) gleichfalls schlauch-
förmige Schlundröhre öffnet sich in dem hintern Körpertheile.
Vorlex truncalus Ehrbg., V. pictus n. sp. Schmidt, rh. Str.
S. 28, V. ballicus n. sp., V. pelliicidus n. sji. Schnitze Beitr. S. 48,
V. Benedeni n. sp. , V. reliculalus n. sp. Schmidt, Sitzungs. - Ber.
p. 496.
Hyp 0 sl 0 mvm riride n. gen. Schmidt n. Rh. S. 30 ist ein ech-
ter Vortex und identisch mit PI. Helluo Älüll. Schnitze beschreibt
denselben als V. viridis, a. a. 0. S. 47.
Gleiches gilt AOn Fl a gio s l 0 mum borcale n. gen. Schmidt,
Sitzungs. -Ber. S. 499, das Kef. schon früher als Vortex vittatus be-
schrieben hat. (Die Gen. llypostomum und Plagiostomum müssen also
eingehen.)
Deroslomnm unipunclalum Oerst. Schmidt, n. Rh. S. 36, von
Schnitze als D. Scbmidtianum beschrieben, a. a. 0. S. 50.
Tr ig 0 no s tomnm seligcriim n. gen. et n. sp. , Schmidt, Sit-
zungs.-Ber. S. 500 mit einer dreieckigen MundöfTnung.
Vorticeros pulchellum n. gen. et n. sp. Schmidt, Ebendas.
S. 499, mit zwei tentakelförmigen Anhängen und einem kreisförmi-
gen, nicht muskulösen Munde.
Convoluta paradoxa Oerst. , (7. Diesingii n. sp. , C. Schultzii n.
sp.. Schmidt, Sitzungsber. S. 492. Ueber C. Schnltzii und die in
die Haut derselben eingelagerten Kesselorgane vergl. auch Schnitze
Verb, des med. phys. Ver. in AVürzb. a. a. 0. S. 224.
Froporus Cijclops n. gen. et n. sp., Schmidt, n. Beitr. p. 9,
Fr. rubropunclalus n. sp. Schmidt, Sitzungsber. S. 498. Der Mund
soll als runde Oeffnung am äusserslen Vorderende liegen und der
Schlund ohne Muskelbelag sein. Erinnert sonst sehr auffallend an
Convoluta, bei der, nach Schmidt, eine Ouerspalte hinter dem Ge-
hörorgane vorkommt, der Schlund aber gleichfalls nicht muskulös ist.
Schizoprora renenosa n. gen. et n. sp. Schmidt, Sitzungs-
ber. S. 501, mit einem Munde, der als eine kleine Längsspalte gleich-
falls unmittelbar am Vorderende liegen soll.
Ortho stomum sipkonophorum n. gen. et n. sp. Schmidt,
ebendas. S. 500. Durch den Besitz eines Keimstofkcs von Macrostomum
verschieden.
der niederen Tliiere während der J. 18^8 — 1853. 349
Macroslomnm htjslrix Oerst. Schmidt, rh. Str. S. 54, S c h u 1 1 z e
a. a. 0. S. 5ö, 31. mirilum, Schultzc a. a. 0. S. 58.
S chiio slo 7nnm produclvm n. gen. et n. sp. Schmidt, rh.
Str. S. 54, dürfte wohl dem Gen. Mesostomum zuzurechnen sein, da
die Längsspalte im Vorderende, deren Anwesenheit, nach Schmidt,
das neue Genus charakterisiit, kein Mund, sondern nur ein Zwischen-
raum zwischen besonders dicht liegenden Stäbchenzellen ist (wie Ref.
durch Miltheilung seines Freundes Schullze erfahren hat).
Misostovium livgua Schmidt, itf. rostralum Dgs. , M- tetragonuin
Schm., J/. Ehrenbcrgii Oerst., Hl.persorialum n. sp., M. pusillum n, sp.,
Schmidt, rh. Str. S. 40 (F., HJ. oLlusnm n sp., M. marmoralum n. sp..
Schnitze a. a. 0. S. 54, M. ovoideum n. sp. , M, lenticulalum n. sp ,
Schmidt, Sitzungsber. S. 497. Das Gen. Typhloplana Oerst., aus
dem Schmidt drei Arten beschreibt, T. viridata Schm., 2'. sulphurea
n. sp. rh. Str. S, 52 und T. lappotiica n, sp. Situngsber. S. 502, muss
nach Schnitze gleichfalls mit Mesostomum vereinigt werden^
Froslomum lineare Oerst. Schmidt, rh, Str. S. 22, Pr. Boüerii
n. sp., Pr. Sleenstnipii n. sp. Schmidt, Sitzungsbr. S. 494. In Bezug
auf die Prostomeen erwähnt Ref., dass er nach Untersuchung einer neuen
hiehcr gehörende Art aus dem Golfe von Nizza (die übrigens generisch
von Prostomum verschieden sein dürfte) die Ansicht nicht theilen kann,
als sei der muskulöse am vorderen Ende des Körpers ausmündende Ap-
parat der Schlund mit der Mundöffnung. Er glaubt sich vielmehr da-
von überzeugt zu haben, dass der sog. Saugnapf dieser Thiere (Vor-
magen nach Oerstedt), der an der Unterfläche liegt und nach
Schmidt zum Bewältigen und Festhalten des Raubes dient, in die-
sem Sinne fungire. Der vordere Apparat, dessen Zusammenhang mit
dem Darme nicht constatirt werden konnte, dürfte unter solchen Um-
ständen wohl als Analogon des Nemertinenrüssels anzusehen sein.
Zur Stütze dieser Ansicht weist Ref. auch auf die Lage des Kerven-
systemes hin, das hinter dem vorderen Muskelapparate vorgefunden
wird, während dasselbe doch sonst bei den Planaricn, so viel Ref. weiss,
ganz allgemein vor dem Schlünde liegt, wenn solcher überhaupt vor-
handen ist.
Der von Busch beschriebene Gyralor viridis (Beobachtungen
u. s. w. S. 117) scheint nach der Lage des Mundes am Vorderende
und dem Besitze eines unpaaren Gehörorganes dem Gen. Proporus
Schm. zuzugehören.
Von Nordamerikanischen Rhabdocoelcn werden beschrieben
durch Leidy (Proc. Ac. Phil. V. p. 290) : Catestliia slellato-maculata
n. gen. u. n. sp. und durch Girard (Proc. Bost. Soc. IIL p. 2G4) :
Vorlex (?) Warrenii n. sp. (gebiert lebendige Junge 1. c. p. 363^ und
V. (?) Candida n. sp. Die beiden letzten sind marine Formen. Zur
350 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Diagnose des gen. n. Catesthia wird hervorgehoben: Body very
soft, cylindroid. Head conllnuous with the body. Moulh infero-ter-
minal ; Oesophagus amphoraforme. Eyes two, deeply seated in the
interior of an oval translucent space of the integument.
Am Ende dieser Gruppe erwähnt Ref. noch die höchst merii-
würdige von M. S. S chultz e bei Tri est entdeckte Sidonia (n. gen.)
elegans mit Kalkkörperchen in der Haut, zwei Augen, zwei Gehör-
bläschen und hermaphroditischen Geschlechtsorganen, die in Form
von einzelnen Säckchen seitlich neben dem afterlosen Darme gele-
gen sind, Verh. des med. phys. Vereins zu Würzb. a. a. 0. S. 223.
In Bezug auf die Gruppe der Microstomeen ist
Folgendes hervorzuheben:
V eher Microslomum lineare Oerst. vergl. Schmidt neue Rhab-
docoelen S. 56. und Schnitze, dieses Arch. 1849.1. S. 280.
Microstomum philadelphicum n. sp. , M. tariabile n. sp. , M.
caudalum n. sp. Leidy, Proc. Acad. Phil. V. p. 299.
Stenostomum n. gen. Mit langem und engem Oesophagus,
an den sich nach hinten der Darmkanal anschliesst. Sp. St. leucops
Schm., St. unicolor n. sp. Schmidt rh. Str. S. 59, St. tornecnse n. sp.
Schmidt Sitzungsber. S. 502. Oerstedt will bei seinem Micr. leu-
cops zusammengesetzte Augen gefunden haben, die Schmidt nicht
auffinden konnte. Ref. kann die Abwesenheit der Gesichtswerkzeuge
bestätigen, fügt aber hinzu , dass er dafür ein Paar Gebilde aufge-
funden hat, die er nur für Gehörorgane halten kann. Sie bestehen
aus einem sphärischen Körper, der mit dem Otolithen der Rhabdocoe-
len übereinstimmt, obgleich er viel kleiner ist und in paariger An-
zahl vorkommt. Er liegt ungefähr in der Höhe der Mundöffnung und
ist der Innenfläche der beiden Seitennerven eine kurze Strecke nach
ihrem Ursprünge aus den schon von Schmidt gesehenen (aber nicht
erkannten) Nackenganglien angelagert.
Hieher gehören wahrscheinlicher Weise auch noch zwei wim-
pernde, längliche Würmer mit After, die Leidy (Proc. Ac. Phil.
V. p. 125) beschrieben und zum Typus zweier neuen Genera gemacht
hat. Rhynchoscolex simplex L. und Anarlhra gracilis L. Der erstere
ist cylindrisch und trägt vor dem Munde einen langen rüsselarti-
gen Fortsatz , wie manche Naiden , während der zweite eine ro-
senkranzartige Leibesform besitzt und in jedem der 10 anscheinenden
Segmente eine Darmerweiterung, so wie eine helle und kugelförmige,
gekernte Zelle erkennen lässt. Es scheint Ref. unzweifelhaft, dass
der letzte Wurm eine neue Form des lange verkannten Gen. Catenula
darstellt, dessen interessante Bildung wir erst vor Kurzem, wie in dem
nächsten J. B. weiter zu erörtern ist, durch Leydig kennen gelernt
haben.
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 351
Zu den Microstomecn rechnen wir vorläufig noch den von
Schmidt entdeckten marinen Dinophilus vorticoides n. gen. et n.
sp. (neue Beiträge S. 3), der auch von vanBencdcn beobachtet ist
(Bull, de l'Ac. roy. de Belg. T. XVIIL No. 1, l'Inst. 1851. p. 211).
Durch die Anwesenheit eines Afters und die Duplicilät des Geschlech-
tes stimmt derselbe mit den echten Microstomecn überein; in der
Bildung des Darmes und der Genitalien , wie auch in der Form des
Körpers finden sich jedoch manche Verschiedenheiten , für die wir
auf die angeführten Darstellungen verweisen.
Die Gruppe dieser microstomeenarligen Seewürmer scheint übri-
gens ziemlich umfangreich zu sein; wir erfahren wenigstens von Q u a -
trefages (l'Inst. 1851. p. 306) , dass derselbe ähnliche Formen be-
obachtet habe und diese später in den Suites ä Buffon zu beschrei-
ben gedenkt.
I¥emertini* Die sehr verkehrte Auffassung vom Bau
der Nemerlinen, die Williams in seiner Monographie der
englischen Anneliden dargelegt hat (vgl. oben S. 20ö) , wird
in der späteren Arbeit über die Athmungsorgane der Wir-
bellosen wiederholt. Ann. nat. bist. Vol. XII. p. 341.
Blanchard, Desor, Girard stimmen in der Deu-
tung des Nemertinenbaues mit Qua trefa ges überein, ohne
indessen^, wie es scheint, umfassendere eigene Untersuchun-
gen über die fraglichen Verhältnisse angestellt zu haben.
In Deutschland findet dagegen die Auffassung vonRathke,
die namentlich durch Ref. den Angaben von Quatrefages
gegenüber aufrecht erhallen wurde, immer grösseren Anklang.
So hat sich namentlich auch M. S. Schnitze auf das Ent-
schiedenste (in diesem Arch. 1849. I. S. 289 und noch aus-
führlicher in seinen Beiträgen u. s. w. S. 59) für die Rich-
tigkeit derselben ausgesprochen.
Eine wesentliche Bereicherung unserer Kenntnisse über den
Bau dieser Thiere enthält die weitere Angabe von Schnitze, dass
auch die Nemertinen mit einem sog. Wassergefässsysteme versehen
sind, dessen Oeffnungen, wie S c hui tz e neuerdings (Zeitschr. für wiss.
Zool. IV. p. 184) aufgefunden hat, bald mit den Wimpergrübchen zu-
sammenfallen, bald aber auch hinter denselben, gegen die Mitte des
Körpers zu gelegen sind. Schnitze meint, dass erstcres nur bei
den Arten ohne Bewaffnung im Küssel vorkomme, doch hat sich Ref.
in Kizza auch bei einigen bewaffneten Arten von solcher Ausmündung
überzeugen können. Die Spitzen der Seitenlaschen in dem Rüssel
der bewaffneten Arten wurden als Reservespitzen erkannt.
Den Injectionen, durch welche Blanchard ein sehr
352 Luckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
zuscimmeiigeselztes Blutgefässsyslem bei denNemerlinen nach-
gewiesen zu haben ghmbt (Ann. des sc. nat. 1849. XIL p. 31),
darf wohl kaum irgend eine Beweiskraft zugestanden wer-
den, zumal dem Beobachter die Anwesenheit des sog. VVas-
sergefässsystemes vollkommen unbekannt geblieben ist.
Durch i\l. Müller erfahren wir, dass die Innenfläche
des Rüssels bei manchen Nemertinen mit Angelorganen und
släbchenlörmigen Körperchen besetzt ist (Observ. anat. p. 26),
so dass man also die Anwesenheit dieser Gebilde nicht länger
als eine Eigenlhümlichkeit der Planarienartigen Strudelwürmer
ansehen kann. (Verf. hat in Nizza eine kleine, mit zahlreichen
Augenflecken versehene, bewaffneleNemertine beobachtet, die
♦ auch in der Körperhaut mit stäbchenförmigen Organen versehen
war. Die Stäbchen waren halbmondförmig gekrümmt und
zum Theil einzeln in eine zarte Zelle eingelagert. Ein Fa-
den konnle nicht hervorgedrückt werden.)
Die Entwicklung von Nemertos ist nach den Beobach-
tungen von Desor (ßost. Journ. nat. bist. VI. p. 1, Mülier's
Arch. 1848. S. 511) dadurch ausgezeichnet, dass sich der
Dotter nach der Zerklüftung nicht direct in den jungen Wurm
verwandelt, sondern zunächst nur in eine flimmernde Larve,
unter deren Hülle das spätere Thier dann erst durch Isola-
tion und Weiterbildung des Inhaltes seinen Ursprung nimmt.
M. S. Schnitze, der bei dem lebendig gebärenden Tetra-
stemma obscurum keine Andeutung dieser sonderbaren Ent-
wickelungsweise aufgefunden hatte (Beiträge u. s. w. S. 65),
hat sich trotz seines anfänglichen Zweifeins von der Rich-
tigkeit der Des or'schen Angaben überzeugen können (Zeit-
schrift f. wiss. Zool. IV. S. 181 Anm.)
Der helle halbmondförmige Fleck, den Desor hei .«einen Em-
byonen hervorhebt und als erste Anlage des Darmes (nach Quatre-
fages; also Rüssels) deutete, ist nach Seh. eine spaltartige Oeffnung
an der Überfläche und zwar die Mundöffnung , an welcher der Zu-
sammenhang mit der jungen Nemertine am spätesten gelöst wird.
Von innern Organen ist bei der neugeborenen Nemertine nur der
Darmkanal deutlich, während Nervensystem, Blut- und Wasserge-
fässe sich noch nicht erkennen lassen. Der Rüssel ist durch rei-
henweis geordnete dunklere Körnchen im durchsichtigen Vorderende
angelegt.
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 353
Einem späteren Entvvickelungsstadium gehört das von
Busch (Beobachtungen u. s. w. S. 111) unter dem Namen
Alardus cristatus beschriebene Thier an , das zuerst von J.
Müller (Ebendas. S. 134, Archiv für Phys. 1854. S. 80) als
eine junge Nemertine erkannt wurde. Es hat im Wesentli-
chen bereits vollkommen die — von Busch allerdings nicht
ganz richtig aufgefasste — Organisation dieser Thiere, un-
terscheidet sich aber von den gewöhnlichen Formen der-
selben durch einen schwanzartigen Anhang am Hintcrleibs-
ende , wie er unter den bisher bekannten ausgebildeten Ne-
mertinen nur bei Micrura fasciolata Ehrenb. vorkommt. Eine
auffallende Thalsache ist es, dass dieser Alardus nicht selten
im Magen (oder in der Leibeshöhle?) des oben erwähnten
räthselhaften Ptilidium gyrans vorkommt , wo er zuerst von
M. Müller aufgefunden wurde. Auch Busch undGegen-
baur haben denselben bereits an diesem Orte gesehen, aber
nicht erkannt. Ob dieser Aufenthaltsort nun aber die Brut-
stätte des Alardus ist, d. h. ob sich Alardus oder die zugehö-
rende Nemertine durch einen Generationswechsel aus Ptilidium
entwickelt, ist noch keineswegs ausgemacht, obwohl die vor-
hergehenden Beobachtungen eine derartige Annahme bis zu
gewissem Grade zu unterstützen scheinen.
M. S, Schnitze macht den Vorschlag, die Nemertinen
nach dem Besitz oder der Abwesenheit des Stilets in Enopla
(Tetrastema, Polia u. s. w.) und Anopla (ßorlasia, Nemertes,
Valencinia u. a.) zu theilen, zumal diese beiden Gruppen auch
sonst in der Bildung der Wimpergrübchen, des Nervensyste-
mes u. s. w. noch mancherlei Verschiedenheiten darböten.
Zeitschrift für wiss. Zool. IV. S. 183.
Neue Arten. Von hohem Interesse ist die Entdeckung einer
deutschen Süsswassernemertine Pr orhynchus stagnalis n. gen. et n. sp.
Schnitze, Beiträge S. GG. Der Küssel ist kurz, zum Vorstossen, nicht
zum Ausstülpen, mit einer Bewaffnung, die unmittelbar hinter der
vordem Oeffnung angebracht ist. Augen fehlen. Der Darm beginnt
mit einem schlauchförmigen Schlünde.
Auch Leidy beschreibt eine Süsswassernemertine, aus der er
das neue Gen. Emea bildet (Proc. Acad. Phil. V. 123. c. 288).
Emea n. gen. Body linear, compressed. Ilead continous with
the body, with two lenticular depressions upon each side. Mouth in-
Aichiv. f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2, Bd. X
354 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschiclite
fero- terminal, Oesophagus styliferous. Eyes 4—6 anterior. Sp. Em.
rubra n. sp.
Telrastemma obscurum n. sp. , eine vivipare Art, Schnitze,
Beiträge S. 62.
Dem Gen. Tetrastemma nahe verwandt scheinen die von Gi-
rard aufgestellten nordamerikanischen Genera Hecale und Po sei ~
(Ion, das erstere mit vier Augen, das andere mit zahlreichen auf zwei
länglichen Feldern zusammengedrängten Augen. Sp. n. H. elegans Gir ,
Poseidon Colei Gir. Proc. Bost. Soc. IV. p. 185.
Referent beschreibt vier isländische Nemertinen: Polia ca~
nescens n. sp., Nemertes annellala n. sp., Nemertes fusca Lt. (Planaria
fusca Fab.) und Amphiporus PieesiiO erst. Dieses Arch. 1849. L S. 149.
(Das beigefügte n. Gen. Scotia mit Sc. rugusa n. sp., scheint Ref.
heute noch dubiöser als früher ; er fürchtet , dass er bei Aufstel-
lung desselben durch abgerissene Tentakelfäden einer Terebella ge-
täuscht ist.)
Cehralulus liguricus n. sp. ßlanchard, Ann. des sc. nat.
1849. T. Xn. p. 31 scheint kaum von Meckelia somalotomus Lt. ver-
schieden zu sein. Auch abgesehen von dieser Art hat übrigens das
Gen. Meckelia einen ansehnlichen Zuwachs namentlich von ameri-
kanischen Arten erhalten: Meckelia Knerii n. sp. aus dem adriatischen
Meere, Diesing, K c. L p. 265. M. laclea n. sp. und M. rosea n.
sp. Leidy, Proc. Ac. Phil. V. p. 243. M. alra n. sp. Girard, Proc.
Bost. Soc. IV. p. 137. 31. Pocohonlas n. sip. und M. Lizziaen. s^. Girard,
Proc. Ac. Phil. VL p. 266. Vielleicht mit Meckelia zu vereinigen ist
auch das von Girard aufgestellte n. Gen. Leodes, Sp n. L. slrio-
enla 1. c. p. 266. •
Ebenda werden ferner noch beschrieben: Amphiporus sangnineus
n. sp. , Renieria (n. gen.) rubra n. sp. , Borlasia Kunlzii n. sp.,
Stimp sonia (n. gen.) aurantiaca n. sp. Besonders hervorzuheben
unter diesen Arten ist das mit sonderbaren Hautforlsätzen versehene
Gen. n. S timpsonin , das Girard folgendermaassen charakterisirt :
Body elongated, subcylindrical or compressed , provided with an ex-
panded back, on the surface of which blood-vessels are observed, as
in Actaeons. Cephalic region marked with an annular and smooth
membrane, overlapping the anterior part of body. At the upper mar-
gin of the cephalic ring there is a funnel-shaped or rather corolli-
form organ , somewhat like the corolla of Arum , in the centre of
which a cylindrical proboscis may be seen , at the inferior pari of
which the mouth opens. Was Verf. hier „mouth" nennt, ist in
Wirklichkeit die RüsselöfFnung , denn den eigentlichen weiten Mund
hält Verf. für die äussere GeschlechtsöfTnung. Die Kopfscheibe soll
nach Art eines Saugnapfes zur Befestigung dienen.
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 355
Tciitiiydini. Ref. folgt dem Beispiele von M. S. S c h u 1 1 z e ,
wenn er hier als Anhangsgruppe den Turbellarien noch eine
sehr eigenlhümliche kleine Familie zufügl, die man früher
mit den Rotatorien vereinigle. Freilich lässt es Seh. unent-
schieden, ob dieselbe nicht vielleicht bei den Anneliden un-
terzubringen sei; einstweilen möge dieselbe in unserm Be-
richte aber hier ihre Stelle finden. Die Arten dieser Familie,
von denen Seh. ausser Chaetonothus namentlich auch eine
verwandle neue Art Turbineila Seh. untersuchte, tragen aus-
ser dem Borslenbesalz , der eine verschiedene Ausdehnung
hat, noch ein Flimmerkleid, das sich jedoch nur auf die Bauch-
fläche beschränkt. Mund und After sind an den Körperen-
den angebracht. Der Darm verläuft in gerader Richtung und
beginnt mit einem ansehnlichen muskulösen Pharynx. Was-
sergefässe fehlen. Auch Muskeln und Nerven konnten nicht
unterschieden werden. Männliche und weibliche Organe sind
in demselben Individuum vereinigt und liegen in der Mittel-
linie des Rückens, die letzteren hinter den ersteren. (Müller's
Arch. 1853. S. 241).
Am Schlüsse seiner Abhandlung spricht Verf. die Ver-
muthung aus, dass vielleicht auch das von Dujardin kürz-
lich beschriebene und den niederen Crustaceenformen zuge-
rechnete Gen. Echinoceras ein Glied dieser Familie bilden
könnte, doch scheint Ref. diese Ansicht nicht zulässig. Er
kennt dieses sonderbare Thier schon seit 1846, wo er es
auf Helgoland beobachtete , und kann versichern , dass das-
selbe ohne Spur von Wimpern ist und einen festen Chi-
tinpanzer trägt. Ref. hat dasselbe damals für eine Dipteren-
larve gehalten und gesteht, dass ihm solches auch heute noch
das Wahrscheinlichste dünkt.
Turbinella n. gen. Körper lang gestreckt und durchsichtig,
mit zwei Reihen starrer Fortsätze, von denen jeder eine feine Borste
trägt. In der untern (ventralen) Reihe 20 — 25, in der obern (dorsa-
len) 6—8 jcderseits. Der Kopf durch zwei seitliche Abschnürungen
abgesetzt. Am Hinterende zwei kammförmig ausgezackte harte La-
mellen, zwischen denen der After liegt. Sp. n. T. /ij/a/ma Seh. im Meer-
sande bei Cuxhaven. Schnitze a. a. 0. S. 243.
Ohne Zweifel gehört hieher auch das von Gosse (Ann. nat.
hist. 1^51. Vol. VIII. p. 198) aufgestellte Gen. Vasydijles , das folgen-
356 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
dermaassen charakterisirt wird : Eyes absent; body furnished with
briste-like hairs ; tail simple, truncate. Sp. nn. D. gonialhrix G. , D.
antenniger G.
Das Gen. n. S acculus , das ebendaselbst aufgestellt und mit
Dasydytes und Chaetonotus den Ichthydinen zugerechnet wird, ist da-
gegen entschieden ein Räderthier.
Für die
Trematodes und Cestodes,
die unserer Classe der Piallwürmer zugehören, gilt dasselbe,
was oben für die Nematodes und Acanthocephali bemerkt
wurde. Ref. erwähnt hier nur des sonderbaren Gen. Myzo-
stomumLi., das nach den Beobachtungen von M. S. Sc hui tz e
(Ber. des med. phys. Vereins in VVürzburg. 1853. S. 247) den
Trematoden zugerechnet werden muss , obgleich sein Darm
mit einem After endet, die weibliche Generationsorgane ohne
Trennung in Keim- und Dotterslock sind und die Haut-Wim-
pern trägt, wie bei den Turbellarien.
3. Ciliati.
Die Classe der Wimperwürmer enthält, wie Ref. schon
oben bemerkt hat, die Rotatorien und Bryozoen, deren Ver-
wandtschaft bereits von früheren Zoologen, Ehrenberg,
Thompson, Farre u. A. mehrfach hervorgehoben wurde.
Sie ist von Ref. zuerst in seiner Morphologie der Wirbellosen
S. 74 aufgestellt worden, nachdem schon früher von demsel-
ben (in den mit Frey zusammen herausgegebenen Beiträgen)
die Bryozoen der Abtheilung der Würmer beigesellt waren.
Später hat auch Perty (Vorschule der Naturwissenschaften
S. 292) — wie es scheint , ohne den Vorschlag des Ref. zu
kennen — die Räderthiere und Moosthiere zu einer gemein-
schaftlichen Classe „Ilingopoda« vereinigt und den Würmern
zugerechnet.
Von anderer Seite wird übrigens, wie wir später noch
weiter sehen werden, über die Stellung dieser beiden Grup-
pen anders geurtheilt. Allerdings geschieht die Abtrennung
der Bryozoen von den Polypen immer allgemeiner, — v. Sie-
bold und Kölliker haben sich freilich noch in neuerer
der niederen Thicre während der J. 1848—1853. 357
Zeit gegen ein solches Verfahren ausgesprochen — , aber die
Bryozoen werden in der Regel dabei den Mollusken zuge-
rechnet und als niedere Ascidienformen betrachtet. Ueber
die Stellung der Rotatorien gehen die Ansichten weniger
auseinder, obgleich es ebenfalls nicht an Versuchen gefehlt hat,
dieselben von den Würmern abzutrennen. So behauptet na-
mentlich Huxley (Transact. micr. Soc. 1853.1. p. 19), dass
die Rotatorien mit den Echinodermen zusammengehörten, und,
wie Verf. durch eine Reihe von Diogrammen nachzuweisen
sucht , die Larven dieser Thiere in bleibenden Formen wie-
derholten. (Freilich , müssen wir hinzufügen, sind auch die
Echinodermen nach Huxley's Ansicht als „Würmer" zu be-
trachten^ so dass dann also die Rotatorien, auch bei einer
etwaigen Vereinigung mit diesen Thieren, immer noch ihre
gegenwärtige Stelle behalten würden.)
Rotifera.
Lancester bearbeitete den Art. Rotifera für Todd's
Cyclopaed. of anat. and phys. Vol. IV.
In dem zoologischen Theile ist Ehrenberg, in dem anato-
mischen | dagegen vorzugsweise Dujardin zu Grunde gelegt. Die
Beobachtungen v. Siebold's sind dem Verf. (1848) unbekannt ge-
blieben. In Bezug auf die systematische Stellung der Räderthiere
spricht sich Verf. dahin aus, dass dieselben mitsammt den Bryozoen,
denen sie sehr nahe verwandt wären , am besten mit den Articulaten
zu vereinigen seien und sich vielleicht zunächst an die Cirripedien
anschlössen. (Auch Burmeister und Dana haben bekanntlich frü-
her schon den Vorschlag gemacht, die Räderthiere den Crustaceen
beizugesellen.)
Auch Perty giebt (zurKenntniss der lileinsten Lebens-
formen S. 27) einen Ueberblick über den Bau der Räderthiere,
mit manchen eigenen Beobachtuno-en.
Die Bedeckung derselben wird als Kieselpanzer angesehen,
ohne dass dafür aber irgend welche Beweise angeführt würden. Die
contractile Blase soll zum Einziehen und Ausstossen des Wassers
dienen. Ihr Zusammenhang mit den Scitengefässen ist nicht erkannt;
die Flimmerläppchen werden als Organe betrachtet, durch deren Ac-
tion die Ernährungsflüssigkeit in der Leibeshöhle in Bewegung ge-
setzt und erhalten werde.
358 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Gosse publicirt in den Transact. micr. Soc.T. III. ana-
tomische und physiologische Beobachtungen über Melicerta
ringens (p. 58) , Notomniala aurita (p. 93) und Not. parasi-
tica (p. 193), die wir hier nur nachträglich erwähnen, da sie
vor 1848 fallen, und überdies vom Ref. im Original nicht
benutzt werden konnten.
Williamson liefert gleichfalls eine Anatomie und
Entwickelungsgeschichte von Melicerta ringens (Quaterly Journ,
of microsc. sc. Vol. I. p. 3 u. 65).
Die sog. Respirationsröhren sind ohne Oeffnung, aber mit einem
Haarbüschel versehen ; sie dienen wahrscheinlicher Weise als Tastor-
gane, wie auch die älteren Zoologen annahmen. Die Zahl der Zähne
im Kauapparate ist viel beträchtlicher, als Ehrenberg angiebt. Der
Magen besteht aus zwei von einander getrennten Abtheilungen. Ein
Kervensyslem konnte nicht aufgefunden werden; was Ehrenberg
dahin rechnet und als Ganglien beschreibt, erkennt Yerf. als eine
Art Bindegewebe mit Zellen und faserartigen Fortsetzungen. Ein Ge-
fässsystem wird in Abrede gestellt und das sog. Wassergefässsystem,
das freilich nur unvollständig erkannt wurde, im Ehr e nber g'schen
Sinne gedeutet (die Untersuchungen von Siebold scheinen dem Verf.
unbekannt geblieben zu sein). Die Entwickelung geschieht ohne
eigentliche Metamorphose , obwohl die äussern Anhänge, namentlich
der Räderapparat, zur Zeit der Geburt noch unvollständig entwickelt
sind. Das Junge schwimmt eine Zeitlang durch Hülfe des Räderap-
parates herum und befestigt sich anfänglich nur durch eine Ausschwit-
zung von hyaliner Beschaffenheit. Die Ballen des Gehäuses entste-
hen erst später und zwar, wie wir durch Gosse erfahren (Ibid.
p. 71 und noch ausführlicher Transact. micr. Soc. HI. p. 58) in einem
eigenen becherförmigen Organe, das eine Ciliarbckleidung trägt und
eine Strecke vor dem Pharynx an der Bauchfläche gelegen ist. Das
Material zur Anfertigung dieser Ballen wird von Aussen genommen
und hat mit den Fäces nicht das Geringste zu schaffen. Es besteht
aus einzelnen aneinander geklebten einzelligen Pflanzen.
Ebenso erhielten wir von Leydig (Zeitschrift für wiss.
Zool. III. S.452) und vonHuxley (Transact. of the microsc.
Soc. 1853. 1. p. 1) eine Anatomie und Entwickelungsgeschichte
der Lacinularia socialis.
Der Rand des Räderapparates wird — und dasselbe findet sich
nach Huxley auch noch bei vielen andern Rotiferen — von einem
doppelten Wimpersaume eingefasst, einem obern und einem untern,
von denen der letztere, der aus schwächern Cilien besteht, sich bis
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 359
zur Mundöffnung fortsetzt , so dass diese gewissermaassen zwischen
beiden Säumen liegt. Die sog. pankreatischen Drüsen sollen , nach
Leydig, mit dem Darmkanal keinen Zusammenhang haben, indessen
wird diese Angabe eben so wohl durch Iluxley, als auch durch
neuere sehr umfangreiche Untersuchungen Leydig's, auf die wir
im nächsten Jahresberichte zurückkommen, in Frage gestellt. Dage-
gen beschreibt L. ein Paar einfache Blindsäcke, die in die Mundhöhle
einmünden und wohl als Speicheldrüsen fungirten , von H. jedoch als
hornige Platten beschrieben werden , die den zarten Wänden der
Mundhöhle zur Stütze dienten. Der Enddarm, der bekanntlich nach
aufwärts gekrümmt ist, zeigt nach L. eine starke und kugelförmige
Erweiterung. Ein Blutgefässsystem fehlt, dagegen überzeugten sich
beide Beobachter auf das Entschiedenste von der Anwesenheit des
zuerst durch V. Siebold richtig erkannten sog. Wassergefässsystemes.
Ueber die Ausmündung dieses Apparates blieb H. im Ungewissen wäh-
rend L. dieselbe in gewöhnlicher Weise beschreibt, nur dass die sog.
conlractile Blase hier klein und nicht contractu ist. Die Central-
theile des Nervensystems bestehen nach H. aus einem zweilappigen
Ganglion, das an der Oralfläche des Körpers (Rücken nach H.) eine
Strecke hinter der MundöfFnung gelegen ist und mit seinem vorderen
Rande an eine eigenthümliche Flimmergrube stösst. H. vergleicht
dieses Gebilde mit den Flimmergruben der Nemertinen und Tunicaten
und erklärt es für .ein Sinnesorgan. Es ist dasselbe Gebilde, das
bei Melicerta , nach Gosse, zur Anfertigung der Ballen dient, aus
denen das Gehäuse aufgebaut wird. L. hat das wahre Nervensystem
übersehen; was er dafür ausgiebt, gehört (wie von dem Verf. selbst
jetzt zugegeben wird) zu der schon oben bei den Melicerten erwähn-
ten eigenthümlichen Bindegewebsform, die auch im Räderorgane wie-
derkehrt und hier von Ehrenberg gleichfalls als Nervensystem be-
ansprucht wurde. Die histologischen Elemente der Muskeln sind deut-
lich quergestreift. Im Fusse entdeckt L. eine besondere Drüse, die
mit ihrem Ausführungsgange an der saugnapfartigen Spitze desselben
ausmündet, und wahrscheinlich das zum Aufbau des gallertartigen
Gehäuses nöthige Secret liefert. Von Geschlechtsorganen wurden
immer nur die Eierstöcke aufgefunden, doch enthielten einige Indi-
viduen in ihrer Leibeshöhle eigenthümliche mit einem Flimmersaume
versehene Gebilde, die L. für Parasiten hielt, jetzt aber mit H. als
wirkliche Samenfäden erkannt hat. Die Entwickelung geschieht auch
hier ohne eigentliche Metamorphose , obwohl die Unterschiede zwi-
schen den Jungen und den Mutterthieren noch auffallender sind, als bei
Melicerta und namentlich auch darin sich aussprechen , dass ersteres
am Ende des Fusses mit einem ansehnlichen Wimperbüschel versehen
ist (Leydig). Die zwei Augenflecke derselben werden von L. für
blosse Pigmentflecke gehalten, doch hat diese Angabe glcichfalb durch
360 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
die neuern Untersuchungen unseres Verf. eine Berichtigung erhalten.
Ausser den gewöhnlichen Eiern producirt Lacinularia, wie die Mehr-
zahl der Rotiferen, im Herbste auch sog. Wintereier, die H. als „ephip-
pial ova" bezeichnet und mit den bekannten Wintereiern der Daphnien
zusammenstellt. Nach L. sollen sich dieselben nur durch den Besitz
einer doppelten Schale von den gewöhnlichen Eiern unterscheiden;
H. giebt dagegen an, dass sie auch sonst und namentlich durch die
zellige Beschaffenheit ihres Bildungsmaterials und ihre Genese ver-
schieden seien.
Bei Lacinularia socialis beschreibt d'üdekem einsehr
complicirtes Blulgefäss-System, jedoch dürfte es kaum einem
Zweifel unterliegen, dass sich Verf. dabei theils durch den so-
genannten Wassergefässapparat, theils auch und vorzugsweise
durch die Bindegewebselemente hat täuschen lassen. Bull.
Acad. Belg. 1851. T. XVIII. p.39; l'Instilut. 1851. p. 222;
Froriep's J. B. Zool. 1851. S. 89.
Von allerhöchstem Interesse sind die Aufschlüsse , die
wir in den letzten Jahren über die Geschlechlsverhällnisse
der Räderlhiere erhalten haben. Wir wissen jetzt, dass diese
Thiere, wenigstens theilweise, gelrennten Geschlechtes sind,
dass aber die Männchen nur eine sehr kümmerliche Organi-
sation und eine kurze Lebensdauer besitzen. Die erste Ent-
deckung dieses sonderbaren Verhältnisses rührt von Bright-
well (Ann. nat. bist. 1848. II. p. 153) und seinem Freunde
Dalrymple (Proc. Roy. Soc. 1849, Ann. nat. bist. 1849. IIL
p. 518) her, welcher letzlere uns eine vollständige Darstel-
lung von dem Baue der betreffenden Thiere gegeben hat
(Transact. Roy. Soc. for 1849. T. IL p.331).
Die Beobachtungen sind an einer Notommata angestellt, die
eine grosse Aehnlichkeit mit Notommata Syrinx hat, aber sowohl des
gegabelten Schwanzes, als auch auffallender Weise des Enddarmes mit
dem After entbehrt , also nur einen blindgeschlossenen Magensack
trägt. Das Männchen ist um die Hälfte kleiner, kürzer und gedrun-
gener und ohne Spur des Verdauungsapparates. Ueber die
Natur und die geschlechtlichen Beziehungen dieser Thiere zu den
Weibchen kann nicht der geringste Zweifel sein ; Br. beobachtete
nicht nur die Spermatozoen, sondern auch den Begattungsact und D.
konnte sich ferner davon überzeugen, dass die männlichen Thiere,
ganz eben so wie die weiblichen, in dem mütterlichen Körper durch
Entwickelung eines Eies gebildet wurden. Der Geschlechtsapparat der
Weibchen zeigt keine auffallenden Eigenthümlichkeiten ; er besteht aus
der niederen Thicrc während der J. 1848 — 1853. 361
einem unpaaren Ovarium von hufeisenförmiger Gestalt, einem Frucht-
hälter , der mit dem unteren Ende des Ovariums zusammenhängt,
und einer Scheide, die dicht vor dem abgestumpften Ende des Hin-
terleibes nach aussen führt. Mit der Scheide hängt die contractile
Blase zusammen, die eine sehr ansehnliche Grösse hat und von D. als
ein respiratorischer Apparat gedeutet wird, der die Aufgabe habe, das
Wasser mit dem Blute der Leibeshöhle in einen möglichst innigen
Contact zu bringen. Flimmerläppchen werden nicht erwähnt. Der
Geschlechtsapparat der männlichen Individuen, der schon während des
Embryonallebens zu einer vollständigen Entwickelung kommt, besteht
aus einer kugligen Blase mit Spermatozoen (Hoden) und einem Aus-
führungsgange, der an der Stelle der weiblichen Vagina nach Aussen
führt und einen protractilen Penis einschliesst. Die weiblichen Indi-
viduen sind vivipar , wie schon erwähnt wurde , aber nur im Som-
mer. Im Herbste werden die Eier in einer festen zelligen Kapsel
(als sog. Wintereier) abgelegt.
Die Zweifel, die Ehren berg (Formbeständigkeit ii.s. vv.
S. 26) an der Richtigkeit dieser Angaben hegt, sind ohne al-
len, auch nur den geringsten Grund, da diese schöne Ent-
deckung seither auch von Gosse (Ann. nat. bist. 1850. VI.
p. 18), von Perty (a.a.O. S. 28, für das weibliche Thier),
und namentlich von Leydig (Verb, des phys. med. Vereins
in Würzburg IV. S. 8) bestätigt sind. Die Beobachtungen des
letzteren sind inzwischen (in der Zeitschrift für wiss. Zool.)
in einer umfangreichen Monographie der Räderthiere aus-
führlich niedergelegt; wir werden sie bei der Besprechung
dieses wichtigen Werkes im nächsten J. B. näher kennen
lernen.
Weisse liefert einen Aufsalz über „Kukuks- und Win-
tereier der sog. Wappenthierchen (ßrachionus).'' Bull. Ac. Pe-
tersburg. 1851. T. IX. p. 346.
Verf. zeigt, dass die Wintereier der Roliferen, deren Schick-
sale bisher noch unbekannt waren , ganz in gewöhnlicher Weise ei-
nen Embryo producircn , der durch Hülfe eines Deckelapparates an
der Eischale nach Aussen hervortritt. Die sog. Kukukseier hält Verf.
für Abortiveier, aus denen unvollendete und noch zahnlose Junge
hervorkämen. So sei die ?iotommata granularis die Kukukseierbrut von
Brachionus urceolaris, Diglena granularis die von D. catellina, En-
tcroplea Hydatina die von Ilydatina scnlea. Die voranstehenden Be-
obachtungen über den geschlechtlichen Dimorphismus bei den Ro-
tiferen sind dem Verf. unbekannt geblieben ; er würde sonst viel-
362 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
leicht in der Annahme, dass die betreffenden zahnlosen Rotiferen die
zahn- (und darm -) loser, Männchen der eiertragenden Brachionus - ,
Diglena - und Hydatina -Arten seien, eine natürlichere und befriedi-
gendere Erklärung seiner sonst gewiss recht schätzenswerthen Beob-
achtungen gefunden haben. Jedenfalls verdient das beregte Verhält-
niss für die weitere Entwickelung der Frage nach den Geschlechts-
verhältnissen der Rotiferen die höchste Beachtung.
Die Inaugural- Dissertation von H. Nägeli, Beiträge
zur Enlwiclielungsgescliichte der Räderthiere. Zürich 1852,
ist Ref. unbekannt geblieben.
M. Dobie erwähnt gelegentlich in Goodsir's Ann. of
Anat. and Physiol.l. p. 137 Note, dass der Embryo von Ste-
phanoceros Eichhorni sich anfänglich durch einen kranzarli-
gen Ciliaraufsalz bewege, später aber, wenn er sich festsetze,
diese Haare verliere und dafür dann die bekannten fünf arm-
artigen Fortsätze mit ihrer Bekleidung hervortreibe.
Ebenso überzeugt sich M. Dobie, dass die Jungen
von Floscularia mit zwei deutlichen Augenflecken versehen
sind. Ann. nat. bist. 1849. IV. p.233.
Floscularia campanulata n. sp., Flosc, cornuta n. sp. Ibid. 1. 1.
mit Bemerkungen über den innern Ban.
Auch d'üdekem beschreibt eine Fl. cornula n. sp., die wahr-
scheinlich mit der Dobie'schen Art gleichen Namens übereinstimmt
(und seither auch vonLeydig als Fl. appendiculala n. sp. beschrie-
ben ist). Bull. Acad. Brux. 1851. p. 43 , l'Inst. 1851. p. 223. Die
liorsten der Floscularien erklärt Verf. für wirkliche Wimperorgane,
was Ref. nach seinen Untersuchungen an derselben Species in Ab-
rede stellen muss. (Die Borsten sind starr und gehören sonder Zwei-
fel mit den Borsten auf dem Nackensipho und dem Wimperschilde
der Brachionen u. a. in dieselbe Organengruppe. Sie dienen wohl
theils als Gefühlorgan, theils auch zum Festhalten der Beute, über
die sie augenblicklich nach dem Eintritte in den Mundtrichter zu-
sammenklappen.)
Ueber die Räderthiere des Ostseewassers bei Reval vergl. v.
Eichwald, Bull. Soc. Mose. 1849. I. p. 526, so wie über die der
finnischen Küste 1. c. 1852. p. 540. Unter den erstem findet sich eine
neue Art: Lophocharis rostrala Eichw. , Bull. Soc. Mose. 1849. I.
p. 524.
Andere neue Räderthiere aus Russland werden von Weisse
beschrieben: Triarthra cornuta n. sp. Weisse, Bull. Ac. St. Petersb.
1848; p. 110. Limnias melicerla n. sp. Weisse, Ibid. p. 357. DU
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 363
glena granularis n. sp. Weisse, Ibid. 1850. p. 301 , eine sehr inter-
essante wahrscheinlich mit Cercaria catellus Müll, identische Form,
die, wie schon oben erwähnt wurde, wohl das darmlose Männchen
einer andern Diglenaart sein dürfte.
Weisse giebt auch (Ibid. 1854. p. 380) ein Verzeichniss der
von ihm bei Aix in Savoyen beobachteten Räderthiere mit 19 Arten
(unter denen ein Chaetonolus.)
Ehrenberg charäkterisirt einige neue Räderthiere aus der
Umgegend Berlins: C ephalo sip hon (n. gen.) Limnias , Diglena
(Rhinoglena) frontalis, Brachionus testudo , Monatsber. der berl. Aka-
demie 1853. S. J93, so wie Callidi7ia alpina und C. scarlalina aus
den arctischen Regionen des Monta Rosa. Ebendas. S. 529.
Das neue Gen. wird mit folgenden Worten begleitet: Cepha-
losiphon n. gen. e fam. Flosculariorum. Organen rolatorium bilo-
bum; ocelli duo ; vagina s. lorica singulis singula; cornicula duo
frontalia siphonem includentia.
Von Gosse erhielten wir einen Catalog der Brittischen Rä-
derthiere, mit mehr als 100 Arten, unter denen 32 neu sind, auch
einige als Repräsentanten neuer Genera betrachtet werden (Ann. of
nat. bist. 1851. Vol. YlII. p. 197.) Schon oben bei den Ichthydinen
haben wir eins dieser Genera Dasydytes kennen gelernt. Die übrigen
sind folgende:
Sa.cculus n. gen. One eye, frontal; body destitute of hair
(G. stellt dieses Gen. in die Familie der Ichthydinen) , and without
a foot ; rotatory organ a simple wreath ; alimentary canal very large;
jaws set for forward , apparently consisting of two delicate, unequal
mallei and a slender incus ; very evanescent ; eggs attached behind,
after deposition. Sp, n. S. viridis G.
Taphr 0 camp a n. gen. ex fam. Hydatnaearum. Rotatory Or-
gans wanting , body fusiform, annulose; tail forked: gizzard oval;
mallei incurved, shorter than incus, which is also incurved. Sp. n. T,
annulosa G. (verwandt mit Lindia torulosa Dej.)
Diplax n. gen. Resembles Salpina, but the eye is wanting;
and the lorica is distitute of spines both in front and rear; foot and
toes long and slender. Sp. nn. D. compressa G., D. trigona G.
Pompholyx n. gen. e fam. ßrachionaearum. Two frontal eyes ;
foot wanting ; rotatory organ dooble in the rear , entire in front ;
eggs attached behind, after deposition. Sp. n. P. cotnplanala G.
Die übrigen neuen Arten tragen folgende Namen : Megalotrocha
velala, Plcurolrocha trimcata, ftircidaria caeca, Monocerca brachijura,
M, porcelius, M. stylala, Synchaeta viordax, Diglena (?) biraphis, Tri-
arthra brevisela, Monoslyla bulla, Euchlanis deßexa, E. pyriformis , E.
hipposideros, Melopodia soliditSj M. oxysiernon^ Callidina bidens^ Roll«
364 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Katurgeschichte
fer macroceros, Anuraea ßssa , A. tecla , A. brevispina, A. cochlearisj
ßrachionus oon, Br. dorcas, Br. heplalotomus, Br. angularis.
Aus den Kotommata -Arten mit dimorphen und darmlosen Männ-
chen bildet Gosse (Ann. nat. bist. VI. p. 18) ein eigenes Genus
Asplaiichna , zu dem er drei Arten rechnet : A. Brighlwelli, A. prio-
donta und A. Boicesii. Die letzte Art wird später (Ibid. VIII. p. 200) als
identisch mit der ersteren zurückgezogen. Auch Perty stellt für diese
Thiere ein eigenes Genus auf: Ascomorpha (a. a. 0. S. 39), mit
zwei Arten, A. hehelica n. sp. und A. anglica. Andere von Perty
neu beschriebene Rotiferen sind folgende: JSolommata roscola (S.39),
Euchlanis bicarinala (S. 41) , Salpina mulica (S. 42) , Callidina cor-
nuta (S. 43) , Anuraea keptodon (S. 45)', Polychaelos suhquadralus
(S. 45) , Stcphanoceros glacialis (S. 47). Das vorletzte Thier bildet ein
neues Genus, das in folgender Weise charakterisirt wird:
Polychaetus n. sp. Leib von einem fast viereckigen Panzer
bedeckt, der vorn zahnlos, an den vier Ecken gezähnt ist und auf dem
Rücken 10—12 halbkörperlange steife unbewegliche Borsten trägt.
Schwanz kurz, zweigliedrig; am ersten Gliede zwei Dornen, das zweite
mit zwei Griffeln am Ende. Ein Auge. Kopftheil weit aus dem Pan-
zer vorragend. (Die beigegebene Abbildung zeigt ein Thier, das auf den
ersten Blick manche Aehnlichkeit mit einem kleinen Entomostracon hat,
indessen scheint doch die Bildung der deutlich erkannten Kiefer ein
Räderthier anzuzeigen. Von einem Räderapparate wird freilich Nichts
erwähnt )
Alberlia crystallina n. sp. aus dem Darmkanal von Nais littora-
lis , M. S. Schnitze, Beitr. zur Kat. der Turbellarien S. 69. Anm.
In die Kähe dieses merkwürdigen Rotiferengenus gehört viel-
leicht auch der im Darme der nordamerikanischen Stylaria fossularis
von Leidy aufgefundene sonderbare VV^urm, der uns mit einer kurzen
Beschreibung unter dem Kamen A7ielcodiscus (n. gen.) pellucidus
bekannt geworden ist. (Proc. Acad. Phil. V. p. 286.) Freilich geschieht
bei demselben weder des Zangenapparates noch der Wimpern Erwäh-
nung; nimmt man aber an, dass diese übersehen seien und dass die
Körperenden verwechselt wurden, so dürfte die Verschiedenheit von
Albertia nicht eben allzu gross sein.
Bryozoa.
Unter den heutigen Zoologen giebt es, wie schon be-
merkt wurde , nur noch Wenige , die eine Vereinigung der
Bryozoen mit den Polypen gutheissen. Aber es sind auch nur
Wenige, die den Rotiferen eine Stelle unter den Würmern ein-
der niederen Thiere während der J. 1848 — 1853. 365
räumen, ausser Ref. undPerty meines Wissens nur Steen-
slrup, Overs. over det R. Vid. Selsk. Forh. 1848. N.8, Fro-
riep's T. B. Zool. 1. S. 196. Die meisten Uebrigen bringen
die Bryozoen nach dem Vorgange von Th o mp so n, Lister,
Milne Edwards u. A. in die unmittelbare Nähe der Ascidien,
also zu den Mollusken. Am entschiedensten wird diese letz-
lere Ansicht von van Beneden, Hancock und All-
man vertreten, die alle drei den Versuch machen, in dem
Bau der Bryozoen und Ascidien eine vollständige Homologie
nachzuweisen und dabei namentlich auch die Tentakeln der
Bryozoen mit den Wandungen des Kiemensackes bei den
Ascidien zusammenstellen. Uebrigens hält es Hancock
für allzu gewagt, die Bryozoen den Mollusken zuzurechnen ;
er möchte vielmehr dieTunicaten mit den Bryozoen von den
Weichthieren abtrennen und den Radialen zurechnen. Auch
die Brachiopoden glaubt H. mit diesen Thieren zusammen-
stellen zu müssen, da die Aehnlichkeit derselben, namentlich
mit den Süsswasserbryozoen sehr auffallend sei, und sich in
der Bildung der zweiarmigen Respirationsapparate, der Mus-
kulatur u. s. w. sehr auffallend ausspräche. Die Arbeiten, in
denen diese Ansichten ausgesprochen sind , werden unten
noch besonders namhaft gemacht werden.
In Bezug auf die Benennung der Bryozoen wollen wir
zuvor aber noch hervorheben, dass dieselbe von den eng-
lischen Naturforschern heutigen Tages ziemlich allgemein mit
dem Thompson'schen Namen Polyzoa vertauscht ist, dem streng
genommen allerdings die Priorität gebührt. Vgl. Busk, Ann.
nat. bist. Vol. X. p.352.
Die anatomischen Untersuchungen der letzten Jahre
beziehen sich vorzugsweise auf die Süsswasserbryozoen. So
liefern Dumortier und van Beneden in dem zweiten
Theile ihrer „bist, natur. des polypes comp, d'eau douce^^ 1850
complem. au tomeXVI. des Mem. de l'Acad. de Brux.) eine
vollständige Anatomie der Gen. Paludicella, Fredericella, Al-
cyonella und Lophopus, und damit gewissermaassen eine wei-
tere Ausführung der schon im letzten Jahresberichte erwähn-
ten Monographie über die belgischen Süsswasscrpolypen von
van Beneden, deren Abbildungen hierauch zur Erläute-
366 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
rung des Textes angezogen sind. (Der erste Theil dieser
Abhandlung , der eine vollständige historische Entwickelung
unserer Kenntnisse über die Bryozoen und die früherhin damit
verbundenen Polypen enthält, erschien bereits im Jahre 1842,
Mem. de TAc. de Br. T. XVI.) An die Untersuchungen dieser
belgischen Forscher reihen sich sodann die Beobachtungen der
beiden schon oben genannten englischen Zoologen Hancock
(Ann. nat. bist. 1850. Vol. V. p. 173. PI. 2— 5) und Allman
(Rep. br. Assoc. for 1850. p. 305), von denen namentlich der
letztere ein sehr erschöpfendes Bild nicht bloss vom gröberen
und feineren Baue, sondern auch von der Zoologie und der
Geschichte der Süsswasserbryozoen giebt. (Aeltere vereinzelte
Mittheilungen von Allman^ über die Structur des Mus-
kelgewebes , die Reproductionsorgane und Knospenbildung
unserer Thiere in den Proc. roy. Soc. Vol. V. p. 18 und 68.)
Alle diese Beobachter stimmen übrigens in ihren Angaben,
so weit dieselben irgend wesentliche Punkte betreffen, so voll-
kommen unter sich überein, dass wir unsere Kenntnisse vom
Baue dieser interessanten Geschöpfe jetzt als ziemlich festge-
stellt betrachten können.
Allman Iheilt die Süsswasserpolypen in zwei Gruppen, in sol-
che mit bilateralem (hufeisenförmigem) Federbusch und mit Mund-
klappe, und solche mit radiärem Kederbusch und ohne IVlundlilappe. Die
letzteren bestehen aus den Arten des Gen. Paludicella , während die
übrigen bis jetzt bekannten Europäischen Formen der erstem Gruppe
angehören. Die Verschiedenheit beider Gruppen spricht sich nicht
bloss in der äusseren Bildung aus, sondern eben so auffallend auch
in dem inneren Baue , in der Bildung des Muskelapparales, des Darm-
kanales u. s. w. Namentlich ist in dieser Beziehung auch hervorzu-
heben, dass bei Paludicella, wie bei den marinen Bryozoen, die ein-
zelnen Thierzellen vollkommen abgeschlossen sind, während sie bei
den übrigen Süsswasserformen zu einer gemeinschaftlichen Höhle zu-
sammenfliessen. Auch Dumorlier und van ßeneden haben diese
Unterschiede hervorgehoben; sie stellen nach dem Vorgange von Ger-
vais die Alcyonellen und Verwandten in einer eigenen nur aus
Süsswasserarten bestehenden Familie (Hippocrepiens) zusammen und ver-
weisen die Faludicellen — freilich auch die Fredericelkn, die doch in
der Bildung des Polypenstockes und dem Besitze einer iMundklappe an
die Alcyonellen sich anschliessen — in eine andere, sonst nur durch
maritime Formen repräsentirle Familie. Der Polypenstock der Süss-
wasserbryozoen repräsentirt nach Dumortier und van Beneden
der niederen Thiere während d. J. 1848—1853. 367
die Epidermis, unter der sich eine zweite Hülle erkennen lässt, die
nach vorn in die weichen Körperwände übergehl. An dem Darmkanale
lässt sich ausser der Wundhöhle, dem Oesophagus, dem Magen und Darme
bei Lophopus auch noch ein Kropf unterscheiden. Die Leibeshöhle ist
ohneOeffnungen nach Aussen, wie jetzt auch von Dum orlier und van
Beneden angegeben wird, nichtsdestoweniger aber doch nur selten,
und, nur in jüngeren Kolonien, vollständig abgeschlossen, da die ver-
schiedensten Zufälligkeilen Verletzungen in Menge herbeiführen. Eine
FlimmerbekleiduDg in derselben wird von AI Im an in Abrede gestellt,
von den übrigen Beobachtern aber angenommen und von D u mo r ti er,
so wie von van ßeneden namentlich bei Alcyonella hervorgehoben.
Die Muskelfasern sollen nach A 1 1 m a n deutlich quergestreift sein. Das
centrale Nervensystem besteht aus zweien Ganglien , die unterhalb der
Mundklappe liegen und nicht bloss unter sich durch eine Quercommis-
sur zusammenhängen, sondern auch (nach Du monier und van Be-
neden) einen vollständigen Ring um den Oesophagus zu bilden schei-
nen. Die Geschlechtsorgane sind durch ein Ligament an dem Grunde
des Magensackes, nach A lim an auch zugleich an der innern Körper-
haut befestigt. Dumorlier und van Beneden fanden bei Alcyo-
nella bald nur einen Eierstock oder Hoden an dem Magengrunde, bald
auch beide Gebilde neben einander, während Allman bei Paludicella
ganz constanl eine hermaphroditische Vereinigung der Geschlechts-
drüse beobachtete und auch geneigt ist, bei den übrigen Arten eine
solche Bildung anzunehmen.
Die Fortpflanznngsverhältnisse der Süsswasserbryozoen sind ziem-
lich complicirt, vielleicht auch noch nicht vollkommen aufgeklärt. Die
Beobachter nehmen — abgesehen von der Knospenbildung — eine
doppelte Fortpflanzungsweise an, durch hartschalige Eier und durch
nackte Embryonen , welche letztere aber doch wohl gleichfalls nur
aus einem befruchteten Ei hervorkommen dürften. Die erstem werden
vorzugsweise im Herbste producirt und überwintern; Ref. möchte die-
selben den AVintereiern der Rotiferen an die Seite stellen. Ihre Ge-
stalt ist sehr wechselnd; es giebt sogar Arten (Plumatella emarginata
und Alcyonella Benedeni nach Allman), bei denen zweierlei ver-
schiedene Formen vorkommen, von denen dann die einen, wie ge-
wöhnlich lose im Innern der Leibeshöhle liegen bleiben, während die
andern, wie es auch von Dumortier und van Beneden bei Pa-
ludicella Ehrenbergii beobachtet wurde, an der Wand des Polypenstok-
kes befestigt werden. Deim Ausschlüpfen springt die Schale mit zwei
Klappen auf. Der hervortretende Polyp ist bereits vollkommen ent-
wickelt und beginnt bald nach dem Hervortreten, während die Schale
ihm noch anhängt, zu prolifcrircn. Bei Lophopus geschieht diese Pro-
lification sogar schon vor der Geburt, da nach den Beobachtungen von
Dumortier und van Beneden hier aus den Winterciern eine
368 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschiclile
kleine Colonie von dreien Individuen hervorkommt. Die freien Embryo-
nen tragen auf ihrer Ausseniläche einen Wimperüberzug und schwim-
men damit umher, entwickeln aber sehr bald im Innern ihres Körpers
einen Federbusch und Eingeweide, worauf sie sich sodann festsetzen
und ihre Wimperhaare verlieren. Nach Allman entsteht in der Re-
gel in einem solchen Embryo nur ein einziges Individuum , wie es
Dum ort i er und van ßeneden auch mitunter bei Lophopus auffan-
den ; in anderen Fällen nehmen darin aber auch deren zwei ihren Ur-
sprung. Letzteres beobachtete Dumortier und van Beneden (in
Uebereinstimmung mit Meyen u. A.) namentlich bei Alcyonella, auch
mitunter bei Lophopus. Allman sucht solche Fälle durch die An-
nahme einer frühzeitigen Knospuog zu erklären. An dem ausgebilde-
ten Polypenslocke lässt die junge Knospe schon sehr frühe , nachdem
sie kaum zu einem kleinen Hörnchen ausgewachsen ist, dieselben zwei
Membranen unterscheiden, wie das Alutterlhier. Tentakelkranz und
Eingeweide bilden sich im Innern der Knospe , wie im Innern des
freien Embryo, und zwar als weitere Entwickelungen der innern Mem-
brane. Das Aufbrechen der Zelle geschieht erst später, nachdem diese
Organe bereits eine gewisse Selbstständigkeit erreicht haben.
Ueber die Eier von Cristatella mucedo vgl. Laurent
rinsüL 1852. p. 140.
Die oben erwähnte Mundklappe, die auch bei zahlrei-
chen Meerbryozoen vorkommt , stellt nach den Untersuchun-
gen von Hincks ein eigenthümliches Hülfsorgan des männ-
lichen Geschlechtsapparates dar und ist (bei Cycloum, Membra-
nipora) eine ausschliessliche Eigenthümlichkeit der männlichen
Individuen. Es umschliesst eine flimmernde Höhle , die mit
der Leibeshöhle zusammenhängt und zur Zeit der Geschlechts-
reife von da aus mit Samenfäden gefüllt wird. Auf dem
Scheitel der Klappe mündet diese Höhle mit einer weiten
gleichfalls flimmernden Oeff'nung nach aussen, Rep. br. Assoc.
1850; Ann. nat. bist. 1851. VilL p. 355.
Hincks beobachtete, dass durch die eigenthümlichen,
unter dem Namen der beweglichen Vogelköpfe bekannten Or-
gane gewisser ßryozoen Würmer und andere Thiere festge-
halten und zerdrückt werden, und schliesst daraus, dass die-
selben zur Vertheidigung der Kolonie dienen. Ann. of nat.
bist. 1851. VIII. p. 394. Dalyell erklärt dagegen, dass er
über die Natur dieser sonderbaren Bildungen („Avicularien")
vollständig im Ungewissen geblieben sei, und ist nicht abge-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 369
neigt dieselben als selbslständige parasitische Wesen zu deu-
ten. (Rare and rem. animals of Scotland I. p. 243.) Auch
Agassiz (Lect. on embryol. p. 90) und Referent (Poly-
morphismus S. 17) betrachten diese Avicularien in gewis-
sem Sinne als individuelle Bildungen, aber nicht als Parasi-
ten , sondern als inlegrirende Theile der Bryozoenkolonie.
Sie sehen in denselben eine meiamorphosirte Thierzelle, d.
h. ein Gebilde, das in morphologischer Beziehung einer Bryo-
zoenzelle, also einem Individuum, entspricht. Ref. ist in die-
ser Auffassung seither noch dadurch beslärkt worden, dass
er bei einer Anzahl von Bryozoen, z. B. bei Scrupocellaria
(vgl. die Abbildung in den Ann. of nat. hist. Vol. VII. PI. IX)
Avicularien kennen gelernt hat, die nicht durch einen Stiel
getragen werden, sondern ganz nach Art der übrigen Zellen
an dem gemeinschaftlichen Stocke befestigt sind. Hier sieht
man auf das Entschiedenste , dass der Körper der Avicula-
rien einer Zelle entspricht, während der bewegliche Kiefer
derselben gewissermaassen den Deckel vor der OefFnung
dieser Zelle wiederholt. Die beweglichen Stacheln stehen
gleichfalls auf einem eigenen , mit Muskelmasse im Innern
erfüllten Körper und repräsentiren die Kiefer der Avicu-
larien.
Bei den Avicularien von Notamia bursaria beschreibt
Busk (Transact. micr. soc. 1848) eine doppelte Muskelmasse,
die eine zum Oeffnen, die andere zum Schliessen der Kie-
fer. Ausserdem findet sich im Innern derselben noch ein
eigenthümlicher Körper von unbekannter Bedeutung, vielleicht
nervöser Natur.
Hincks macht darauf aufmerksam, dass die Geschlechts-
organe mancher Bryozoen (Eucratea chelala, auch Hippothoa
nach Landsborough, wohl auch Crisia eburnea nach Da-
lyell, rare and rem. anim. T. II. p. 68) in eigenen Capseln
enthalten seien und glaubt diese Geschlechtskapseln gleich-
falls als meiamorphosirte Thierzellen betrachten zu können.
Ann. nat. hist. T. XI. p. 185. Nachdem auchCoppin (Ibid.
p. 339) diese Thatsache bestätigt hat, kann man nicht länger
daran zweifeln, dass es wirklich Bryozoen mit eigenen Ge-
schlechtsthieren giebt, die ein Gegenstück zu den vorhin er-
Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2. Bd. Y
370 Luckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
wähnlen Vogelköpfen, also ein neues Beispiel des Polymor-
phismus bei diesen Thieren abgeben.
üeber die Entwickelung der ßryozoen berichten Da-
lyell, rare and rem. anim. of Scolland T. II. p. 5 {Flusira
carhasea), p. 15 {¥1 foliacea)^ p. 31 {¥1. hispida), p. 46 (^Z-
cyonium gelatinosnm') u. a. a. 0., so wie Hincks, Ann.
nat. hist. Vol. VIII. p. 361 {Flustra hispida und Cyclonm pa-
pillosum) und Gosse, a naluralisl's rambl. (^Lepralia). Lei-
der sind aber alle diese Beobachtungen, — wenigstens so weit
sie Ref. bekannt geworden — nicht erschöpfend.
Der Embryo (gemmule Dal.) hat im Allgemeinen eine rundliche
oder ovale, mitunter auch abgeplattete und unregelmässige Form und
bewegt sich durch Cilien, die in manchen Fallen einen ringlörmigen
Kranz, in anderen auch einen gleichmässigen Ueberzug zu bilden schei-
nen. Nach einer längeren oder kürzeren Zeit siedelt sich derselbe
irgend 'wo an ; er verliert dann seine Wimpern und bildet dafür im
Innern den Tentakelapparat und die Eingeweide des späteren Thieres.
Die Entwickelung der Kolonie geschieht, wie bei den Polypen, durch
fortgesetzte Knospenbildung, die sich aber hier nur selten an dem-
selben Individuum mehrmals wiederholt. Bei den blattförmigen Flustra-
arten (Fl. carbasca) geht das erste Individuum sogleich nach der Ent-
wickelung der ersten Knospe zu Grunde; es dient dasselbe hier nur
zur Befestigung der späteren Kolonie, deren einzelne Glieder dann
unter rechtem Winkel aus dem Wurzelindividuum hervorkommen.
Van Ben ed en macht den Versuch, die gesammte Menge
der Bryozoen in natürliche Gruppen einzutheilen und unter-
scheidet sieben Familien, die der Hippocrepides mit den Süss-
wasserpolypen (ohne Paludicella), der Pedicellides , Vesicu-
larides. Cellarides (von allen Familien die umfangreichste),
Tubuliporides, Paludicellides (die ausser Paludicella nach Hip-
polhaea, Catenaria, Alecto?, Catenipora enthält) und Alcyonides.
BulIeL del'Ac. de Brux. T. XVI. N. 12. oderlnslil. 1850. p. 72.
Von Busk erschien a calalogue of marine Polyzoa. Lon-
don 1852.
Ein wichtiges Kupferwerk, dessen erster bis jetzt allein erschiene-
ner Theil die Familien der Calenicellidae, Salicornariadae, Cellulariadae,
Scrupariadae, Farciminariadae, Gemellariadae, Cabercadae, Bicellariadae
und Fluslradae, alle aus der Gruppe der Celleporinen (Cheilostomata
Busk.), enthält. Auf 68 Tafeln sind darin etwa 123 Species abgebil-
det. Leider hat Ref. dieses Werk, das im Buchhandel nicht zu haben
ist) bis jetzt noch nicht benutzen können.
der niederen Thiere während der J, 1848— 1Ö53. ^li
Die von Dalyell in dem schon oben erwähnten Werke
beschriebenen und abgebildeten Schottischen Bryozoen sind
folgende (die Namen ohne Angabe der Aut.) :
Pedicellina nutans (T. II p. 59), Valkeria imbricata , V. cuscula^
V. {Seriolaria) lendigera , V. spinosa , Bowerbankia repens , B. densa
(T.I. p.246(r.), Avenella (n. gen.) fusca, Triticella (n. gen.)
flava (T. II. p. 65), Cellularia (Wotamia) loriculala, C. replans, C. fa-
sligiala, C. ciliata^ C. avicularis (T. I. p. 233 ff.), Flustra carbasea, Fl,
foliacea, Fl. truncata, Fl. papyracea'^ , Fl. Murray ana? (T. II. p 3 ff.),
Fl. hispida s. carnosa (f. II. p. 28), Fl. (?) membranacea, Lepralia pu-
stulay L, edentata , L. punctata, L, nitida, L. lineata, L. margarita,
L. spinosa, L. trispinosa , L. squama, Cellepora cingens , C. pumicosa,
C. ramulosa , C. Iris, Metnbranipora pilosa , Tubipora serpens (T. II.
p. 72 ff.), Crisia eburnea (T. II. p. 68), Älcyotiium (Halodaclylus) gela-
tinosum, A. palmatum (T. IL p. 40ff.), Alcyonidium parasiticum, Ale.
mylili (T. II. p. 33 ff.).
Unter den beiden von Dalyell neu aufgestellten Genera zeich-
net sich namentlich Gen. Triticella aus, bei dem die bauchigen Zeilen
nicht, wie bei den übrigen bekannten Bryozoen zu einer Kolonie zusam-
menhängen, sondern solitär bleiben und einzeln mit einem Stiele auf
ihrer Unterlage (dem Mantel gewisser zusammengesetzter Ascidien)
befestigt sind. Das zweite Gen. n. Avenella Dal. wird von Thomp-
son (Ann. nat. bist. 1852. T. IX p.403) folgendermaassen charaklerisirl:
Polypidom confervoid, filiform, very much altenüated, creeping,
nearly simple. Cells large , solitary, irregularly scattered, sub-unila-
teral, slightly contracted toward the apex, curved. Animal with 20
24 ciliated tentacula. Für die von Dalyell beschriebene A. fusca
schlägt Tb. den Namen Av. Dalyellii vor.
Ein drittes neues Broyzoengenus isiSalpingia Coppin, das mit
Eucratea verwandt scheint, Ann. nat. bist. T. II. p. 373:
S alp ingi a n. gen. Cells elongated, sessile upon a bränched
stem ; apertures lateral, broader above ttian below, pröduced; base of
cells surrounded by one or more spines and trumpet-shaped proces-
ses. Sp. S. Uassallii Cop. von der brittischen Küste.
Auch Hincks beschreibt eine Anzahl brittischer Bryozoen und
unter diesen zwei neue Genera Mimosella und Farella (Ann. nat.
bist. 1851. Vol. VIII. p. 359), überzeugt sich aber später (Ibid. T. X,
p 86), dass Farella mit Laguncula v. Ben. identisch ist und die beob-
achtete Art F. producta Hincks mit Lag. elöbgäta v. Ben, zusammen-
fällt. Das Gen. Mimosella wird folgendermaassen charMiterisirt;
Fölypidörti rooled , confervoid, horny, jointed and variously
bränched; cells ovate, biserial, opposile, with a basal Joint, by meiins
of which they can be moved to and fro , and folded logether on the
372 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
branches ; polypes with eighl tentacula. Sp. M. gracilis H. Weitere
Bemerkungen über Rlimosella vgl. L. c. T. XI. p. 184.
Landsborough beschreibt in seiner pop. bist, of ßr. Zoophy.
tes Lepralia melolontha n. sp. und L. Goltyae n. sp. und liefert auch
eine Abbildung dieser beiden Arten.
Cellularia Peachii n. sp., Scrupocellaria scrupea n. sp., Angui^
naria dilatata n. sp. , die beiden ersten von der englischen Küste,
Busk, Ann. nat. bist. Vol. VII. p. 81.
Sars sammelte an der norwegischen Küste 40 ßryozoenarten
und lieferte eine Beschreibung derselben , INyt Mag. etc. p. 145 sq.
Unter denselben sind vier neue Arten, Pustulipora gracilis, Cellepora
coarctata, Lepralia paiula und L. arctica.
Van Beneden berichtet von den Resultaten seiner forlgesetzten
Untersuchungen über die Bryozoen der Nordsee und beschreibt fol-
gende Arten: Avicella plumosa Fall., Idmonea radians Lam., Idm. ser~
pens n. sp., Tata (n. gen.) rugosa n. sp., Flustrin a (n. gen.) car-
basea, Obelia nana n. sp., Discopora reticularis Lam. , Escharina urna
n. sp. , E. vertnicularis n.sp., Bullet, de l'Ac. de Beige. T. XVI. N. 12.
Das neue Gen. Tata enthält einen Polypen, dessen Zellen durch eine
gelbliche Zwischensubstanz zu einer Kruste vereinigt werden, die mit
Fl. lineata eine grosse Aehnlichkeit hat und auf anderen Bryozoen-
stöcken auch Steinen und Muschelschalen, hinkriecht. Das Gen. Flustrina
unterscheidet sich von Flustra durch die Abwesenheit der Dornen auf
den Thierzellen.
Von nordamerikanischen Bryozoen beschreibt Desor: Flustra
truncata Linn., Cellularia iurrita n. sp., C. densa n. sp., Lepralia va-
riolosa Johnst. , Membranipora lenuis n. sp. Proc. Bost. Soc. T. III.
p. 66.
Ueber die südafrikanischen Bryozoen vgl. Busk, Rep. br. As-
soc. for 1850. Kot. p. 119, mit Bemerkungen über das Gen. Cate-
nicella.
Derselbe Forscher bearbeitete auch die während der Entdeckungs-
reise der Batllesnake gesammelten Bryozoen in Mac Gillivray,
Karral. of Ihe Voyage of Rattlesnake. London. Append. (Ist Ref. nicht
zu Gesicht gekommen.)
Von Süsswasserbryozoen beobachtete D aly eil in Schott-
land ausser der nur flüchtig untersuchten Tubularia (Fredericella) Sui-
tana (T. II. p. 68): Crislalella vagans (Cr. muredo), Alcyonella stagno^
rum u. A. gelatinosa (beide dem Gen. Lopf^opus Dum. zugehörig und
wahrscheinlich mit L. cristallinus identisch) und Plumalella repens, die
er ausführlich beschreibt und abbildet. Rare and rem. anim. T II. p. 87.
PI. XXVII— XXXII.
Hancock beschreibt drei neue Süsswasserbryozoen aus Eng-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 373
land : Flumalella punctata, PI. AUmaniy Paludicella procumbens Ann
and Mag. of nat. hist. 1850. Vol. V. p.20O. PI. V., denen All man in
seiner zoologischen Uebersicht und Diagnose der bis jetzt bekannt ge-
wordenen Arten dieser Thiere (Report, etc. 1. c. p. 326) noch vier
andere hinzufügte : Alcyonella Benedeni, Plumatella eleganSf PL Dumor-
tieri und PI, jugalis.
Plumatella familiaris n. sp. aus der Nordsee, Gros, Bullet, de
le Sog. des naturalist. de Moscou 1849. p. 567.
Die von Perty unter dem Namen Blephanophora nymphaeae in
einer eigenen Abhandlung beschriebene neue Alge mit automalischer Wim-
perbewegung ist bekanntlich nichts weniger als einePflartze, sondern, wie
der Verf. in einer zweiten Ausgabe seiner Schrift (mit v. Siebold
und Ehrenberg) zugiebt, ein Polypenstock von Alcyonella stagno-
rum (oder vielleicht Plumatella repens) mit zurückgezogenen Thieren.
(Perty, Blephanophora nymphaea. Bern 1848.)
Die nordamerikanischen Süsswasserbryozoen, die von Leidy
untersucht wurden (Proc. Ac. Phil. V. p. 261, 265 u. 320), sind alle
neu und zum Theil auch Repräsentanten neuer Gattungen. Sie werden
unter folgenden Namen beschrieben: Pe ctina tella (n. gen.) magni-
fica, Plumatella diffusa und PI. nitida j Paludicella elongata , Vrna~
tella (n. gen.) gracilis. Die beiden neuen Genera tragen nachste-
hende Diagnose:
Pectinatella n. gen. Coenoecium massive, geiatinoid , hya-
line, fixed, invesling bodies. ürifices arranged in irregulär lobate areo-
lae upon the free surface. Lophophore crescentic. Ova lenticular, with
an annulus and marginal spines.
Urnatella n gen. Coenoecium membrano-corneous, consi-
sling of several diverging, unbranching filaments, attached by a com-
mon basis. Filaments consisting of a series of urnchaped articulations,
v/ilh a solid axis passing Ihrough the whole and having lo each arti-
culation one, occasionaliy two, tubes of exit with the orifices expan-
ded, placed inferiorly near their commencement.
Echinofleritiata.
Im Gegensatze zu Referent, der die Echinodermen
als Typen einer eigenen Abiheilung des Thierreiches in An-
spruch nimmt (Morphologie, S. 31), im Gegensatze auch zu
Huxley, der dieselben mit den Wurmern, und zwar den
echten Anneliden, vereinigen möchte (Transact. Microsc.
Soc. 1853. T. I. p. 19), versucht Agassiz den Nachweis,
374 Leuckart: Bericht üb. d, Leistungen in d. Naturgeschichte
(lass die Stachelhäuter als Scheibenquallen mit verkalktem
Glaskörper zu betrachten seien. Proc. Bost. Soc. III. p. 349.
Duvernoy vergleicht (Mem.de I'Acad. des scienc. 1849.
T. XX. p. 580, im Auszuge Cpt. rend. T. XXIV. p. 76. 266 und
290) den äussern Bau der Echinen und Ästenden und liefert
den Nachweis, dass das Skelet dieser Thiere in wesentlich
gleicher Weise zusammengesetzt sei. Auch die verschiede-
nen festen und weichen Körperanhänge finden dabei eine
sorgfältige Untersuchung.
Von Gaudry erhielten wir (Ann. des scienc. natur.
T. XVI. p. 339) eine specielle Analyse der einzelnen Skelet-
stücke bei den Asterien und Ophiuren.
J. Müller lieferte eine Abhandlung über den Bau
der Echinodermen (Abhandl. der königl. Akad. d. Wis-
sensch. 1854, auszugsweise auch im Arch. für Anatom, und
Physiol. 1853. S. 175), in der Verf. Alles, was ihm aus eig-
ner reicher Beobachtung über die Organisationsverhältnisse
dieser merkwürdigen Thiere bekannt geworden , zusammen-
stellt und eben so glücklich als scharfsinnig zu einem Bilde
von den Homologieen und dem morphologischen Zusammen-
hange der einzelnen Gruppen verarbeitet. (Die Angaben und
Ansichten von Gaudry werden dabei in mehrfacher Weise
berichtigt.)
Den Typus der Echinodermen findet Verf. nicht bloss in der
radiären Körpergestalt und der Bildung des verkalkten Perisoms, sondern
namentlich auch in der Eigenthümlichkeit ihrer Metamorphose (die wir
weiter unter noch näher kennen lernen werden) und in der Anwe-
senheit besonderer ambulacraler Bildungen, die durch ihren Zusam-
menhang mit einem eigenen Systeme wimpernder Canäle charakteri-
sirt sind. Die Sipunculiden (Gephyrea Quat.) werden hiernach von
der Abtheilung der Echinodermen ausgeschlossen. Die ideale Grund-
gestalt der Echinodermen ist nach unserem Verf. eine Kugel mit fünf
radiären Feldern, einem M u n d p o 1 e und einem A p i c a 1 p o 1 e. Durch
einen der fünf Radien geht ein Meridian , der den Körper in zwei
symmetrische Halbkugeln theilt. Dieser Meridian wird durch die Lage
des Afters bestimmt, nicht aber durch die Lage der Madreporen-
platle, die vollkommen inconstant ist. Freilich nimmt auch die After-
öffnung eine Avechselnde Stelle ein, aber dieser Wechsel geschieht
doch nur in der Richtung des eben erwähnten Meridianes. Durch die
Bezidiungen dieses Meridjanes zu den Radien entsteht am Körper
der niederen Thiere während der J. 1848 — 1853. 375
der Echinodermcn ein Abschnitt mit drei und ein anderer mit zweien
Radien, ein Trivium und einBivium, die sich auch wirklich nicht
selten durch die Eigenlhümlichkeiten ihrer räumlichen Entwickelung
als verschiedene, vordere und hintere, Regionen unterscheiden las-
sen. Ein constantes Vorn und Hinten fehlt übrigens den Echinoder-
men. Die einen kehren, wie die Spatangiden,. den unpaaren Radius
nach vorn, so dass die Bauchfläche durch das Bivium gebildet wird.
Bei andern, den söhligen Holothurien, ist es umgekehrter Weise das
Trivium , das die Bauchfläche darstellt. Die Oberfläche des Körpers
zwischen den Radien zerfällt in ambulacraie und interam-
bulacrale Segmente. Die ersteren liegen den Radien am näch-
sten, können aber gelegentlich auch so stark in die Breite wachsen,
dass die interambulacralen Skelettheile vollkommen verschwinden,
wie z. B. bei den meisten Holothurien. Der apicale Pol der Echino-
dermcn ist in der Regel (ausgenommen sind auch hier wiederum die
Holothurien) ohne Ambulacra, die beständig von dem Mundpole aus-
gehen. Auf solche Weise entsteht der ambulacralen Zone gegenüber
eine antiam bulacrale Zone, deren Felder sich entweder in die
Interambulacralfelder fortsetzen oder durch Entwickelung eines peri-
pherischen Randes abgrenzen. Bei den Echiniden ist der antiambula-
crale Apex nur äusserst klein, sfehr gross dagegen bei den Seester-
nen, wo er den ganzen Rücken einnimmt, und bei den Crinoiden, bei
denen er den sog. Kelch bildet. Das Skelet der Echinodermcn is
übrigens keine rein äussere Schale, sondern nur eine feste Kapsel im
Perisom, die beständig von einer mehr oder minder deutlichen, wei-
chen oder auch gleichfalls verkalkten Hautschicht überzogen bleibt.
Die Nervenstämme und Gefässe sind, je nach der speciellen Bildung des
Skelets, bald innerhalb, bald auch ausserhalb desselben gelegen. Die
ambulacralen Anhänge sind theils locomotive Saugfüsse, wie gewöhn-
lich, theils Tentakeln, wie um den Mund der Holothurien, theils end-
lich blattförmig oder kiemenartig, wie die Ambulacralkiemen in den
sog. Ambulacra petaliodea der Spatangiden und Clypeastriden. Von
anderer Art und den Ambulacralröhren fremd sind die Hautkiemen
der Echinen, deren Innenraum direkt mit der Leibeshöhle zusammen-
hängt. Bei den Spatangiden, auch schon bei Cidaris, fehlen diese An-
hänge, obgleich sie (als sog. respiratorische Röhren oder Tracheen)
bei den Asterien wieder vorkommen. So verschieden übrigens diese
Anhänge morphologisch von den Ambulacralanhängen auch sind, so
stimmen sie doch mit denselben darin überein, dass sie — trotz manch-
lacher gegensätzlicher Angaben — niemals nach Aussen geöfl'net sind.
Auf diese Darstellung des Echinodermenbaues im Allgemeinen
folgt sodann eine specielle Analyse der Ambulacra bei den Seeigeln
(S. 19) und den Asteriden (S. 39) , bei welcher Gelegenheit nament-
lich auch die Homologieen dieser Thiere erörtert werden. Nach der
376 Leuckart: Bericht üb. d. Leislungen in d. Naturgeschichte
Ansicht des Verf. bedarf es zur Verwandlung eines Seeigels in einen
Seestern einer Vergrösserung des Apex, bis derselbe der doppelten
Länge eines Radius gleichkommt , und der Trennung der bei dem
Seeigel vorkommenden beiden Reihen von Ambulacralplatten, zwischen
die sich sodann ein neues intermediäres System von Skeletstücken ein-
schiebt. Damit stimmt auch die Lage der sog. Ocellarplatten, wie
die Vermehrung der Skeletstücke, die bei beiden, Seeigeln und See-
sternen, im Umkeise des Apex stattfindet. Die sog. Wirbelsäulen der
Asteriden sind keine besondere Skeletstücke (wie noch Gaudry jüngst
für die Ophiuren behauptete), sondern Fortsätze der Ambulacralplatten,
aber verschieden von denjenigen Fortsätzen, durch deren Hülfe sich
die Ambulacralplatten der Echiniden vereinigen. Bei den letztern
stossen diese Fortsätze vor dem Nervenstränge und dem Wasserge-
fässstamme zusammen , bei den Asteriden dagegen hinter denselben,
so dass diese Theile auf der Aussenfläche des Skeletes verlaufen. Bei
Cidaris finden sich am vordem Theile der Ambulacra neben dem Ner-
venstrange einige nach innen vorspringende Fortsätze, die als Aequi-
valent der Fortsätze bei den Seesternen zu betrachten sind. Bei den
Ophiuren sind die beiden Ambulacralplatten mit ihren Fortsätzen zu
einem gemeinschaftlichen wirbelkörperartigen Stücke verwachsen und
durch Entwickelung eines besondern ventralen Deckstückes zwischen
den interambulacralen Seitenplatten in den Innenraum der Arme hin-
eingezogen.
Der zweite Abschnitt handelt über den Kelch und die Arme
der Crinoiden (S. 55), deren Vergleichung mit den Skeletstücken der
Asteriden und Echiniden kaum durchzuführen ist, da eben sowohl das
System der dorsalen und interambulacralen Täfelung, als auch die Bil-
dung der Ambulacralplatten wesentlich abweicht. Doch ist es wich-
tig , dass auch bei den Crinoiden hier und da unter der Rinnenhaut
der Ambulacra und dem Nervenstrange eine Reihe unpaarer Plättchen
vorkommt, die den sog. Wirbelkörpern der Asteriden entsprechen
dürften. Die Ambulacra beschränken sich entweder auf die Miltel-
fläche des Kelches, wie bei den Blastoiden, oder sind auf der Ven-
tralfläche als besondere Arme angebracht. Auch die Cystideen ge-
hören wahrscheinlicher Weise ohne Ausnahme zu den armtragenden
Crinoiden. Sehr eigenthümlich ist die Mundöffnung der letztern , die
wenigstens in manchen Arten ganz bestimmt nicht auf dem Scheitel
angebracht war, sondern seitlich, und sich dann, wie die sog. Geni-
talöffnung (die vielleicht überall JMund ist) durch den Besitz einer
Klappenpyramide auszeichnete. Die interambulacralen Kelchporen, die
bei den Crinoiden häufig vorkommen, sind ohne Anhänge, also auch
nicht mit den respiratorischen Poren der Asterien zu vergleichen.
In Bezug auf das Mundskelet der Echinodermen (S. 73) weist
Verf. nicht bloss die typische üebereinstiramung der sog. Laterne bei
der niederen Thiere während der J. 1848 — 1853. 377
den regulären Seeigeln (über die Zusammensetzung dieser Laterne vgl.
namentlich auch II, Meyer in Müllers Arch. 1849. S. 191) und den
Clypeastriden nach; er zeigt auch, dass der bekannte Knochenring
der Holothurien sich auf diese Gebilde reduciren lässt und dass selbst
bei den Ophiuriden ein Analogon desselben vorkommt. Man findet
dieses an der Innenfläche der vordersten Ambulacralplatten und den
Mundecken, die dem Interambulacralsysteme zugehören und keinesweges
etwa dem Zahnapparate der Echiniden gleichzusetzen sind.
Mit der Geschichte der Steinkanäle (S. 81) , die nach den Un-
tersuchungen unseres Verf. zu den constantesten Anhängen am Ring-
kanale der Ambulacra gehören und namentlich auch den Ophiuren und
Holothurien nicht abgehen, so wie mit der Beschreibung von eigen-
thümlichen drüsigen Excretionsorganen an der Cloake der Holothurien
(S. 87), die wohl den analen Blinddärmchen der Asteriden entspre-
chen dürften, schliesst dieses gehaltvolle Werk, das wichtigste, das
über die Morphologie der Holothurien bisher verfasst wurde.
Eine Ergänzung- des voranstehenden Werkes , nament-
lich in Betreff des Nervensystemes und der beiderlei Gefäss-
apparale, bilden die anatomischen Studien über die
Echinodermen, die J. Müller in seinem Archive 1850.
S. 117 mit Nachtrag S. 255 publicirt hat.
Die Centraltheile dieser drei Systeme bestehen überall aus ei-
nem Ringe, der den Oesophagus umfasst, der Blutgefässring zuinnerst,
der Nervenring zu äusserst. Mit dem Blutgefässringe hängen zwei
Gefässe zusammen, die auf dem Darmkanale hinlaufen. Bei den Aste-
riden und Echiniden findet sich noch ein zweiter Blutgefässring um
den After , der mit dem ersten durch ein cylindrisches Herz zusam-
menhängt. Der Wassergefässring liegt bei den Ophiuren und Asteriden
im Umkreise des Mundes, bei den Echiniden an der Basis der La-
terne, bei den Holothurien um den Oesophagus. Mit ihm sind (abgese-
hen von den sonderbaren traubigen Anhängen der Asteriden und den
entsprechenden Bläschen der Holothurien, die zitternde Doppelkörner
im Innern einschliessen, aber eine nur beschränkte Verbreitung haben)
die Polischen Blasen und die sog. Steinkanäle, beide in wechselnder
Zahl, in Verbindung. Das Ende des letzteren ist bald frei, bald auch als
Madreporenplatte mit dem äussern Skelete zusammenhängend, in allen
Fällen aber durchlöchert und zur Aufnahme von Wasser geschickt. Eine
Communication zwischen Wasser- und Blutgefässsystem findet sich
nirgends. Der Nervenring (den Blanchard neuerlich für ein Mus-
kelband erklärt hat, Ann. des sc. nat. T. XII. p. 52) ist ohne ganglio-
näre Verdickungen und kann leicht für ein Gefässring gehalten werden.
Er liegt überall im Umkreise des eigentlichen Mundes unterhalb des
Perisoms und der Mundecken. Die fünf peripherischen Nervenstämme
\
378 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d, Naturgeschichte
begleiten i\ie fünf peripherischen Wassergefässe. Sie verlaufen bei
den Astcrien und Ophiuren, wie schon oben erwähnt wurde, ausser-
halb der Ambulacralplatten, und zwar in einer Rinne, die bei den
letzteren durch Entwickelung besonderer ventraler Knochenstücke zu
einem vollständigen Canale geschlossen ist.
Williams untersucht den Respirationsprocess derEchi-
nodermen (Ann. nat. bist. T. Xil. p. 253).
Er behauptet, dass die Haut der Holothurien zum Zwecke der
Wasseraufnahme mit zahlreichen feinen Oeffnungen versehen sei. Auch
die Lungen dieser Thiere werden als Organe zur Wassereinfuhr an-
gesehen, doch soll dieselbe hier, wie bei den Echinen durch die sog.
Kiemen und bei den Asterien durch die Tracheen, auf endosmotischem
Wege geschehen. Dem Blutgefässapparate wird eine nur geringe
nutritive Bedeutung zugeschrieben , indessen verräth der Verf. durch
die Behauptung, dass die Blutgefässe eben so, wie die Wassergefässe,
innen und aussen mit Cilien versehen seien, wie wenig er überhaupt
mit diesen Gebilden vertraut ist.
Die Entwickelungsgeschichte der Echinodermen,
die noch vor wenigen Jahren so gut wie unbekannt war,
liegt heute in ihren Hauplzüg-en vollständig vor uns. Wir
wissen jetzt, dass die Echinodermen eine Metamorphose durch-
laufen ; wir wissen aber auch, dass diese Metamorphose mit
einer ganzen Reihe unerwarteter, höchst wunderbarer Er-
scheinungen verbunden ist , wie sie sonst nirgends weiter in
der ganzen Thierwelt vorkommen. Die Erkenntniss dieser
Entwickelungsvorgänge hat nicht nur den Kreis unserer Er-
fahrungen über die betreffenden Geschöpfe um ein Beträcht-
liches erweitert , sondern uns auch mit Thatsachen bekannt
gemacht, die bis über die Grenze eines jeden Detailinteres-
ses hinaus von Gewicht und Bedeutung sind.
Was wir über diese Vorgänge erfahren haben, verdan-
ken wir wiederum, bis auf einige ergänzende Notizen, fast
ausschliesslich den Untersuchungen jenes Forschers , dessen
Arbeiten und Entdeckungen uns bisher schon so vielfach bei
den Echinodermen beschäftigt haben. Schon der letzte Jahres-
bericht unseres Archives über niedere Thiere brachten die
Anfänge dieser Untersuchungen; sie sind seit jener Zeit mit
Consequenz und unermüdlicher Ausdauer fortgesetzt und erst
vor Kurzem zu einem vorläufigen Abschlüsse gebracht wor-
den. Der Weg, der J. Müller bei seinen Untersuchungen
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 379
zur Beschaffung des nöthigen Materials einschlug, war der der
pelagischen Fischerei. Die Larven, die hierdurch zur Beob-
achtung kamen, waren natürlich eines unbekannten Ursprungs ;
es bedurfte einer vielfachen längern Erfahrung, um die Ab-
stammung derselben zu erkennen oder wenigstens wahrschein-
lich zu machen. Je weiter diese Erfahrungen reichten, de-
sto sicherer und bestimmter gestaltete sich auch zugleich die
Einsicht in alle die einzelnen wunderbaren Vorgänge der
Entwickelung. Die zahlreichen Aufsätze, die J. Müller in
den letzten Jahrgängen der Berliner Monatsberichte und des
Archives für Anat. Phys. und publicirt hat, so wie die grös-
seren Abhandlungen über Echinodermenentwickelung in den
Berl. Akademieschriften, in denen diese Aufsätze ihrem we-
sentlichen Inhalte nach zusammengestellt und verarbeitet, auch
mit vielen schönen Abbildungen versehen sind, geben uns
ein sprechendes Zeugniss von den glänzenden Erfolgen,
die trotz allen Schwierigkeiten auf diesem Wege erreicht
sind. Es ist natürlich unmöglich, hier über alle diese Arbeiten
MüUer's einzeln zu berichten und damit denn zugleich den
allmählichen Entwickelungsgang der ganzen Lehre zu wieder-
holen. Wir müssen uns begnügen, die Hauptresultate in Kürze
zusammenzufassen , unbekümmert darum, ob dieselben früher
oder später im Laufe der Untersuchungen, ob sie gleich von
Anfang an in ihrem ganzen Umfange oder erst allmählich er-
reicht wurden. Die Quellen, die wir dabei zu Grunde legen,
sind zunächst und vorzugsweise die Abhandlungen in den
Berliner Akademieschriften, die auch einzeln erschienen sind
und folgende Titel tragen:
1. j^Ueber die Larven und die Metamorphose der Ophiu-
ren und Seeigel." 1848. (Abh. der Akad. aus dem
Jahre 18 -iö).
2. „Ueber die Larven und die Metamorphose der Echi-
nodermen." Zweite Abhandl. 1850. (Abh. d. Akad.
aus dem J. 1848).
3. „Ueber die Larven und die Metamorphose der Holo-
Ihurien und Asterien.« 1851. (Abh. der Akad. aus d.
Jahre 1849).
4. „Forlsetzung der Uutersuchungen über die Metamor-
380 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
phose der Echinodermen." Vierte Abhandl. 1852.
(Abb. d. Akad. a. d. J. 1850).
5. „Ueber die Ophiurenlarvcn des adriatischen Meeres.^
1852. (Abb. d. Akad. a. d. J. 1851).
6. „Ueber den allgemeinen Plan in der EnUvickelung der
Echinodermen.« 1853. (Abb. d. Akad. a. d. J. 1852).
Als siebente Abbandlung schliesst sich hier sodann die
schon oben angezogene Untersuchung über den Bau der
Echinodermen an.
Ueber die Entwickelung der Echinodermen im Allgemeinen er-
giebt sich aus den Untersuchungen Müllers (vgl. bes. die Abhand-
lung 6) etwa Folgendes:
Wenn wir von den wenigen viviparen Echinodermen absehen,
dann erscheint die erste Entwickelungsstufe dieser Thiere überall als
ein infusorienartiger Embryonenzustand. Der Embryo verlässt bald
nach der Dotterklüflung seine Eihüllen und zeigt dann ein gleich-
förmiges Wimperkleid (Derbes, vergl. J. B. XVI.). Einige Arten
gehen nun unmittelbar aus diesem ersten Stadium in das ausgebildete
Echinoderm über, wie die von Sars beobachteten Seesterne, denen
wir später noch eine andere verwandte Art zufügen können. Nur ein
Paar zapfenförmige Haftapparate repräsentiren hier die provisorischen
Organe, die wir sonst bei den Larvenzuständen der Thiere anzutref-
fen pflegen. Bei den übrigen Echinodermen geht diese Ausstattung
mit provisorischen Organen viel weiter ; der infusorienartige Embryo
derselben verwandelt sich, wenigstens bei den Holothurien, Seeigeln
und Seesternen , in eine schwärmende Larve mit bilateraler Wimper-
schnur und mit Yerdauungsorganen, die in der Medianlinie des Kör-
pers hinlaufen und bei allen diesen Larven eine sehr übereinstim-
mende Bildung zeigen. Eine solche Larve ist der schon in dem letz-
ten J. B. erwähnte Müller'sche Pluteus. Die Verwandlung die-
ser seitlich symmetrischen Larve in das spätere radiär gebaute Echi-
noderm geht nun auf eine verschiedene Weise vor sich. Entweder,
wie bei den Seesternen und Seeigeln, durch eine Neubildung im In-
nern des Larvenkörpers , gewissermaassen durch eine Knospung, die
sich aber dadurch auszeichnet, dass bei ihr eine ganze Anzahl von
Larvenorgane für den Aufbau des spätem Echinoderms verwendet und
in den Leib desselben aufgenommen werden, oder durch eine noch-
malige Metamorphose , gewissermaassen durch einen Puppenzustand
hindurch, bei der die bilaterale Wimperschnur mit einigen anderen
Larvenorganen verloren geht und die pluteusförmige Larve zu einem
wurmartigen Geschöpfe mit ringförmigen Abtheilungen und Wimper-
Kränzen wird. So verhält es sich namentlich bei den Holothurien. In
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 381
anderen Fällen entwickelt sich übrigens eine solche wurmförmige
Larve auch mit Uebergehung des Pluteuszustandes direkt aus dem in-
fusorienarligen Embryonenzustand, wie wir es später namentlich bei
den Crinoiden kennen lernen werden. Die Entwickelung ist dann
freilich einfacher, aber doch immer noch auffallend genug, wie wir
später noch specieller erfahren werden.
Von allen diesen einzelnen Entwickelungszuständen sind die
schwärmenden Pleuteusformen jedenfalls die interessantesten, nicht
bloss wegen ihrer Schicksale, auch nicht bloss wegen der Wannich-
faltigkeit ihrer Gestaltung und Grösse, sondern namentlich desshalb,
weil sie von dem radialen Typus des späteren Echinoderm nicht die
geringste Spur zeigen und nach einem gänzlich verschiedenen Plane
angelegt scheinen. Die Grundform dieser Larven (S. 18) ist die eines
länglichen hinten etwas breiteren Ovales , an dem wir zwei symme-
trische Seitentheile , einen etwas platten Rücken und Bauch und auf
der Bauchfläche eine die ganze Breite einnehmende sattelförmige Im-
pression unterscheiden. Der Rand dieser Impression trägt die bila-
teale Wimperschnur, die also eigentlich ein in sich selbst kreisförmig
zurücklaufendes Gebilde darstellt. Der weite, herz- oder löffeiför-
mige Mund befindet sich an der Bauchfläche der Larve innerhalb
der Wimperschnur, und zwar beständig in der Medianlinie, bald dem
vordem, bald mehr dem hintern Körperende angenäh^r^. Der After
liegt hinter dem Wimperkranze und zwar gleichfalls an der Ventral-
fläche oder in der Hinterleibsspitze. An dem Darmkanale unterscheidet
man einen Schlund, Magen und Enddarm, von denen sich die beiden
ersteren so ziemlich in geraden Linien an einander anschliessen,
während der letztere nach der Bauchfläche zu geknickt ist. Ausser
Mund und After findet sich übrigens an den ausgewachsenen Larven
(ausgenommen sind die Larven der Ophiuren) noch ein dritter Porus
der auf dem Rücken gelegen ist. Derselbe führt in einen röhrenför-
migen Kanal , der sich oberhalb des Verdauungsapparates in einen
flaschenförmigen Sack erweitert und die erste Anlage für das Tenta-
kelsystem des spätem Echinoderms darstellt. Als ausschliessliche Ei-
genthümlichkeit einer einzigen Larve erwähnen wir auch noch ein
Paar dunkler Augenflecke, die am vordem Stirnende des Körpers ge-
legen sind.
Die Veränderungen, die dieser Typus erleidet, beschränken sich,
so auffallend sie auch sind, fast ausschliesslich auf eine verschiedene
Gestaltung der beiden Körperenden und die Entwickelung von fin-
ger - oder ohrförmigen Fortsätzen an den Rändern der mit Wimpern
gesäumten sattelförmigen Impression der Bauchfläche. Auch diese
Fortsätze lassen sich übrigens je nach ihrer Stellung in der Wimper-
gehnur auf einen gemeinschaftlichen Typus zurückführen und haben
zum Theil auch von Müller besondere Kamen erhalten. Bei den
382 Leuckart: Bericht üb. d., Leistungen in d. Naturgeschichte
Larven der Holothurien und Asterien bleiben diese Fortsätze Weich
und beweglich, während sie dagegen bei denjenigen der Ophiuren
und Seeigel mit einem testen Kalkskelete im Innern versehen sind.
Die Larven der Asterien zeichnen sich durch eine beträchtliche Ver-
längerung des vor dem Munde gelegenen Körpertheiles aus , so wie
dadurch, dass statt der vorderen Umbiegung der Wimperschnur hier
eine völlig isolirte zweite Wimperschnur vorkommt, die innerhalb der
gewöhnlichen Wimperschnur den Raum zwischen Mund und Vorder-
ende umsäumt.
Die hervorgehobenen Verschiedenheiten sind so gross, dass man
die betreffenden Larven danach in förmliche Genera abtheilen kann.
J. Müller unterschied fünf solcher Genera, die eigentlich freilich
nur so lange von Bedeutung waren, als der Zusammenhang derselben
ftiit gewissen ausgebildeten Echinodermenformen noch unbekannt war,
die wir aber nichts desto weniger hier kurz charakterisiren:
*. Bilaterale Echinodermenlarven mit unbeweglichen, durch ein
festes Kalkskelet gestützten Körperfortsätzen.
Pluleusy Körper pantoffelförmig mit einem ansehnlichen py-
ramidalen oder kuppelförmigen Hinterleibe und langen arm-
artigen Fortsätzen; Mund im Vorderende.
**. Bilaterale Echinodermenlarven mit weichen und beweglichen
Fortsätzen.
•}-. W^imperschnur einfach, aber mit starker vorderer Umbiegung.
Auricularitti Körper gedrungen, eiförmig, Fortsätze kurz
und ohrartig; Mund in der Mitte der Bauchfläche.
ff. Statt der vorderen Umbiegung der Wimperschnur eine zweite
kleinere Wimperschnur.
ßipinnaria Sars. Mit stark verlängertem, cylindrischen Vor-
derleibe und tentakelartigen Fortsätzen. Mund hinter der Mitte.
Brachiolariay von ähnlicher Bildung, aber durch drei con-
tractile, am Ende mit einem Stern von Papillen besetzte Stirn-
arme ausgezeichnet.
To rnaria f von der Körperform der Auricularien, fast ohne
Fortsätze, dafür aber später mit einem eigenen hintern Wim-
perreifen im Umkreise des Afters. Am Stirnende zwischen
den beiden Wimperschnüren zwei Augenflecke.
Manche dieser Formen sind nach Müller auch von anderen Zoo-
logen beobachtet, theilweise auch, wie wir später sehen werden, in
ihrer Entwickelung verfolgt worden. So namentlich von Busch
(Beobachtungen u. s. w. S. 77j, Krohn (an versch. Orten, besonders
in Müller's Arch.), van Beneden (Bullet, de l'Ac. roy. de Belg.
1850. T. XVII., rinst. 1850. p. 276, Froriep's T. B.Zool. L S. 257),
Kölliker und Gegenbaur (Zeitschrift für wiss. Zool. IV. S. 319).
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 383
Aus dem Voranstehenden geht hervor, das3 die bilateralen Lar-
ven der Echinodermen sich mit keiner andern bekannten Larvenform
unter demselben Typus zusammenfassen lassen. Iluxley hat freilich
den Versuch gemacht (Ann. nat. bist. 1851. VlIL p. 1), dieselben auf
den Entwickelungsplan der Anneliden zurückzuführen, allein Müller
selbst hat die Unzulässigkeit einer derartigen Reduction bereits nach-
gewiesen (Sechste Abb. S. 19). Huxley geht bei seiner Beweis-
führung von der Annahme aus, dass die bilaterale Wimperschnur ei-
gentlich, wie bei den Annelidenlarven, eine transversale sei, die zwi-
schen Mund und After hindurchgehe und nur durch Zusammenkrüm-
mung und excessive Entwickelung des Rückens bei den Seeigellar-
ven eine abweichende Lage angenommen habe.
Brandt und Grube bearbeiteten die von Herrn von
Middendorff in dem Oehotskischen Meere gesammelten
Echinodermen (v.MiddendorfF's Reise in Sibirien. Petersburg.
Zoologie. Th. IL)
Die Zahl dieser Arten beläuft sich nur auf 5 : Asteracanthioii
ochotense, Echinaster Eschrichtii^ Solaster alboverrucosus , Echinus ne~
glectusj Chirodota discolor. Zwei derselben (Solaster und Echinus)
Hessen keine nähere Untersuchung zu.
Oersted macht eine kurze Mitlheilung über die von
ihm in Centralamerika aufgefundenen Echinodermen (Vedensk.
Meddels. for 1849 og 1850, p. VII.)
Die gesammelten Arten bestehen aus 20 Holothurien, 14 Echi-
nen, 51 Asteriden und 2 Crinoiden, die sich über 36 Genera verthei-
len. Neu davon sind 33 Arten, auch 3—4 Repräsentanten nfeuer Ge-
nera, von denen 2 zu der Familie der Euryaliden gehören.
Ref. macht in Bezug auf die Classification der Echino-
dermen den Vorschlag, die Echiniden und Asteriden in eine
gemeinschaftliche Gruppe (Actinozoa) zu vereinigen. Für die
aus den Crinoiden und Cystideen zusammengesetzte Gruppe
gebraucht er den Namen Pelmatozoa. (Morphologie der wir-
bellosen Thiere S. 39.)
1. Holotliurida.
Frey untersuchte in der schon früher angeführten Ab-
handlung über „die Bedeckungen der wirbellosen Thiere" S. 49.
die mikroskopischen Kalkgebilde in der Haut der Holothurien
und lehrt manche neue und interessante Formen dieser son-
derbaren Körperchen kennen. Spätere ergänzende Angaben
384 Leuckart, Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Über denselben Gegenstand finden sich bei J. Müller (Ar-
chiv für Anat. 1849. S. 379) und Grube (Ebendas. 1850.
S. 111).
Von besonderer Wichtigkeit für unsere Kenntnisse vom
Baue der Holothurien sind die „analomischen Studien über
Echinodermen« von J. IVl üll er , Arch. für Anat. 1850. S. 129.
Es wird hier u. a. festgestellt, dass die bekannten Kalkbeutel,
die so vielfache Deutungen erfahren haben, in anatomischer und phy-
siologischer Beziehung dem Steinkanale der übrigen Echinodermen
entsprechen, d. h. dass sie mit dem Ringkanale des Wassergefässsyste-
mes zusammenhängen und dazu dienen, dieses letztere vun Aussen her
(bei den Holothurien von der Leibeshöhle aus) mit Wasser zu versorgen.
Die von Cu vi er und Jäger beschriebenen traubigen Organe, die in
die Cloake einmünden, finden sich, wenn auch unter veränderter Form
— J. öl üll er unterscheidet 3 Typen, traubige, blinddarm förmige
und wirteiförmige — bei zahlreichen Holothurienarten und entspre-
chen, wie schon oben hervorgehoben wurde, den analen Blinddärm-
chen der Asterien. Was die fusslosen Holothurien betrifft, so schlies-
sen sich diese in Bezug auf die Gefässbildung genau an die übrigen
Holothurien an, d. h. sie besitzen neben dem Blutgefässapparate auch
noch ein gesondertes Wassergefässsystem mit Polischen Blasen und
Kalkbeutel am Ringefässe. Bei Molpadia findet sich überdiess eine
Cloake mit Lungenapparat und Cuvier'schen Drüsen; es schliesst
sich diese Art also viel mehr , als Chirodota und Synapta , an die
füssigen Holothurien an.
Bei Gelegenheit der Untersuchungen „über die Erzeu-
gung von Schnecken in Holothurien" macht uns J. Mül-
ler mit seinen Beobachtungen über die anatomischen Eigen-
thümlichkeilen der Synapta digitata bekannt (Arch. für Anat.
1852. S. 1 ; über Synapta digitata und die Erzeugung von
Schnecken in Holothurien. Berlin 1852. S. 1.)- An diese
Angaben von Müller schliessen sich sodann die Unter-
suchungen von Leydig über dasselbe Thier^ theils anatomi-
schen, Iheils histologischen Inhaltes. Müller's Archiv 1852.
S. 507.
Zwischen den Wurzeln der zwölf Arme liegen eben so viele
schwarzbraune Augenflecke, die auch bei anderen Arten des Genus
Synapta vorkommen und hier zum Theil schon früher bekannt waren.
Die Polische Blase ist meist in einfacher Anzahl vorhanden ; das
Kalkorgan erscheint madreporenförmig und ist mittelst eines gewun-
denen Ganges am Ringkanale der Wassergefässe aufgehängt. Der
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 385
Darm besitzt einen Muskelmagcn von ziemlich ansehnlicher Länge
und verläuft ohne Schlingen. Das Gekröse zeigt zahlreiche parallele
Muskelfasern. Die ßlntgefässstämme liegen an den Rändern des Dar-
mes und haben die Bedeutung von Herzen. Die Oberfläche des
Darmes, der Blutgefässe und Genitalschläuche besitzt Wimperhaare,
an dem Gekröse und der Peritonealbekleidung einiger Intermuskular-
räume stehen dagegen (so auch bei andern Arten des Gen. Synapta
und Chirodota) sehr eigenthümliche pantofl'el- oder füllhornartige
Flimmerorgane, die Leydig mit den rosetten _ oder arabeskenförmi-
gen Flimmerorganen einiger Hirudineen vergleicht und mit diesen zu-
sammen als Apparate zum Einführen von Wasser in das Blutgefäss-
system betrachten möchte. (J. Müller hat sich übrigens vergebens
von einem Zusammenhange mit den Blutgefässen zu überzeugen gesucht
und ist überhaupt ausser Stande gewesen in dem Gekröse solche Gefässe
zu unterscheiden.) Die Genitalschläuche sind dichotomisch verzweigt und
führen am vorderen Ende des Gekröses durch einen einzigen kurzen
Ausführungsgang nach aussen. Die hermaphrodilische Natur dersel-
ben wird von beiden Beobachtern bestätigt. Leydig fügt hinzu,
dass die Hoden mit den Ovarien in demselben Schlauche enthalten
seien. Die ersteren stellen vier gekräuselte und gefaltete Längsstrei-
fen dar, die in die einzelnen Schläuche hineinragen. Die Eier bil-
den sich in den Längsräumen zwischen diesen Streifen.
Berlin berichtet (Müller's Arch. 1853. S. 442) über die Ver-
änderungen, die in der Leibeshöhle der Synapta mit den abgefallenen
Wimperorganen vor sich gehen, so wie über die problematische Na-
tur gewisser, schon von Leydi.g gesehener schwarzer Körper, die
gleichfalls nicht selten in der Leibeshöhle unseres Thieres vorkom-
men. Auch M. S. Schnitze hat diese Körper aufgefunden (Verhandl.
des med. physik. Vereins in Würzburg 1853. S. 229) , ihre Natur
und Genese aber eben so wenig aufklären können , wie die früheren
Beobachter.
Ueber den inneren Bau von Chirodota discolor ver-
gleiche Grube in Middendorff's Reise a. a. 0. S. 11.
Die Entwickelung der Hololhurion ist von J. Müller
(vergl. namenllich Abb. 111. S. 3 und IV. S. 2, auch VL S. 23,
Arch. für Anat. und Phys. 1849. S.364 und 1850. S. 453) an
zweien Arten verfolgt worden, von denen die eine nach der
radt'örmigen Bildung der Kalkkörperchen dem Gen. Chirodota
zugehört. Die Holothurien zeichnen sich, wie schon oben
erwähnt wurde, dadurch aus, dass sie einen doppelten,
oder wenn man das von Krohn beobachtete (Müller's Arch.
1851. S. 344) inlusorienartige Stadium mitrechnet, dreifa-
Archiv f. Naturgescb. XX. Jahrg. 2. Bd. 2)
386 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
chen Larvenzusland durchlaufen und auf dem Weg-e einer
einfachen Metamorphose , nur mit Verlust der provisorischen
Organe — zu denen hier freilich auch Mundöffnung und
Schlund gehören — zu der Form des ausgebildeten Echino-
derms hingeführt werden. Die bilateralen Larven dieser Thiere
bilden das oben charakterisirte Larvengenus Auricularia.
Das erste Zeichen einer beginnenden Weiterentwickelung be-
steht bei diesen Larvenformen darin, dass sich am vorderen Ende des
Magens seitlich , dem Rücken zugewandt, eine Rosette von 5 li.urzen
Blinddärmchen bildet, deren wahrscheinlicher Ausgangspunkt das sack-
förmige Ende der am Rücken mündenden Röhre ist. Die Zahl der
Blinddärmchen verdoppelt sich ziemlich schnell, die Grösse derselben
wächst, und während dieser Veränderungen geht der Mund und die
Schlundröhre der bilateralen Larve verloren. Untersucht man jetzt
die Blinddärmchen, so findet man, dass dieselben auf einem Ringka-
nale aufsitzen, der mit dem Ende des Rückenrohres communicirt und
auch noch mit einem grossen blasigen Schlauche im Zusammenhange
steht. Der Ringkanal erscheint als Centraltheil des Wassergefässsy-
stemes, der blasige Schlauch als Polische Blase, der Röhre des Rük-
kenporus , um die sich schon früher eine zierliche Kalkkrone gebil-
det hat, als Kalkbeutel oder Steinkanal. Von den 10 Blinddärmchen
werden 5 zu den ersten Tentakeln der jungen Holothurie, die 5 an-
deren wahrscheinlich zu den fünf Längskanälen des Wassergefässsy-
stemes. Während der Ausbildung der Tentakel geht die ursprüngliche
Gestalt der Auricularia immer mehr verloren ; der Leib treibt sich auf,
die Fortsätze schwinden und mit ihnen verliert auch die bilaterale
Bildung an Deutlichkeit. Die frühere Wimperschnur geht an einigen
Stellen verloren , an anderen ergänzt sie sich durch quere Commis-
suren (am Rücken und am Bauche), und so verwandeln sich dann die
ursprünglichen bilateralen Locomolionsorgane in fünf transversale
Wimperkränze , die in bestimmter Entfernung hinter einander ange-
bracht sind und eines jeden Zusammenhanges unter sich entbehren.
Mit der Entwickelung dieser Wimperkränze tritt die Larve in einen
neuen Entwickelungszustand ; sie wird, wie J. Müller sagt, zu
einer Holothurienpuppe.
Im Umkreise der Tentakel, die immerfort wachsen, aber noch be-
ständig ihre ursprüngliche Lage im Innern der Larvenkörpers behalten,
lässt sich jetzt eine distincte Höhle unterscheiden, die schliesslich in der
Mitte des vorderen Wimperkranzes, an einer Stelle, welche dem vor-
deren Stirnende der Auricularia entspricht, nach aussen hindurchbricht.
Die Auskleidung der Tentakelhöhle erscheint dann als eine Fortsetzung
der äussern Körperbedeckungen , der Boden der Höhle , auf dem die
Tentakel befestigt sind, als das vordere Körperende, das nach innen
der niederen Thier« während der J. 1848—1853. 387
eingestülpt ist, nach Willkür aber aiicli zum Zwecke der Befestigung
oder Kriechbewegung milsammt den Tentakeln hervorgestreckt wer-
den kann. In der Mitte der Tentakel hat sich eine neue üeffnung
des Magens, der bleibende Holothurienmund gebildet. Die Afteröff-
nung, die aus der Auricularia in den Körper der Holothurie mit hin-
übergenommen wird, liegt zwischen dem letzten und dem vorletzten
Wimperreifen und »war an der Bauchfläche. Der Rückenporus fin-
det sich zwischen dem mittleren und dem darauf folgenden Reifen,
geht aber mit gleichzeitiger Oblitteration der anhängenden Röhre
allmählich verloren, so dass der Kalksack dann frei, wie die Polische
Blase, in die Leibeshöhle hineinhängt.
Auf dem vorliegenden Stadium ist die junge Holothurie, trotz
ihrer Kleinheit — sie misst etwa y^'" — schon nicht mehr zu ver-
kennen. Sie ist allerdings noch mit Wimperreifen versehen, auch
noch ohne manche spätere Organe, wie namentlich die Lungen, aber
die Hauptzüge der Organisation sind doch dieselben , wie im ausge-
bildeten Zustande. Dazu kommt, dass die Wimperreifen nicht lange
mehr persistiren und dann die Schwimmbewegung mit einer Kriech-
bewegung vertauscht wird. Anfangs bedienen sich die jungen Thiere
dabei ausschliesslich ihrer Tentakel , aber nach einiger Zeit entsteht,
und zwar beständig an der Bauchfläche in demselben Segmente mit
dem After, der erste Kriechfuss, der auf die gewöhnliche Weise mit
dem Wassergefässsystem und meistens mit dem rechten ventralen
Längsgefässe im Zusammenhange steht.
Ueber dieses Stadium hinaus hat J. Müller seine Larve nicht
verfolgen können, indessen scheint es, dass dieselben für längere Zeit
auf die anfängliche Zahl ihrer Locomotionsorgane beschränkt bleiben.
Bei der Larve mit Kalkrädchen kommt es nach den Beobachtungen
Krohn's (Müller's Arch. 1853. S. 319) nicht einmal zur Bildung die-
ses ersten Füsschens; das Gen. Chirodota, dem dieselbe wahrschein-
lich zugehört , ist bekanntlich eine fusslose Holothurie.
Eine junge Holothurie mit zwei Füsschen (wahrscheinlich eine
ächte Holothuria) ist von Krohn beobacht.et und beschrieben worden.
Ebendas. 1851. S. 347.
Ausser den eierlegenden Holothurien, deren Metamor-
phose wir eben beschrieben haben, giebt es übrigens auch
einige vivipare Arien, die sich ohne eine derartige Metamor-
phose zu entwickeln scheinen. Zu diesen gehört namentlich
die Synaptula mmpara n. sp. Oersted, Vidensk. Meddel.
for Aarene 1849 og 1850. p. VII , vielleicht auch die von J.
Müller ohne Wimperreifen beobachtete junge Holothurie
von %o'" (Abb. VL S. 35).
388 Leuckart: ßerichl üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
In Bezug auf die Forlschrilte unserer zoologischen
Kenntnisse ist für die Hololhurien Folgendes hervorzu-
heben.
Gray beschreibt ein sehr eigenthümliches Echinoderm , Rho-
palodina lageniformis n. gen. et n. sp. , von der Küste Congo, das
er als Repräsentant einer eignen Familie zwischen den Sipunculiden
und Hololhurien ansieht. Es ist flaschenförmig, ohne Tentakel, ent-
hält aber Kalkkörperchen in seinen Bedeckungen und besitzt am er-
weiterten Ende 10 kurze Reihen von Anibulacra. Gray hält dieses
Ende für das hintere; es fehlt indessen der anatomische Nachweis.
Die Untersuchungen von Grube (Middendorff's Reise a. a. Ü.
S. U) und J. Müller (Arch. für Anat. 1850. S. 161) liefern den
Nachweis , dass sich bei den Arten des Gen. Chirodota statt der be-
kannten ankerförmigen Kalkkörperchen der Synapten radförmige Kalk-
körperchen vorfinden , die haufenweise in besondere regelmässig an-
geordnete Hautpapillen eingelagert sind. Die Revision der bekann-
ten Arten, die auf Grund dieses wichtigen Charakters hin geschah,
zeigte, dass viele Arten früher nur mit Unrecht den Genusnamen Chi-
rodota trugen. Die von Grube ausserdem noch hervorgehobenen
anatomischen Unterscheidungsmerkmale scheinen nach den Untersu-
chungen von J. Müller (a. a. 0. S. 138) weniger durchgreifend zu
sein. Grube stellt die Diagnose des Gen. Chirodota folgender-
niassen fest :
Corpus clongatum , plus minus vermiforme, hie illic sponte co-^
arctatum, cute molli, seriebus 3 vel pluribus papillarum haud adhae-
rentium e longitudine obsita , papillae corpusculis rotiformibus mini-
mis impletae, tentacula 10 — 20, basi cylindrata, apice dilalata digitata,
digitis basin versus brevioribus.
Bei einer neuen chirodotaartigen Holothurie aus Grönland ent-
deckte Steenstrup dieselben Kalkrädchen, aber in abweichender
Anordnung, einzeln an der Haut befestigt. Er gründet auf diese Ei-
genthümlichkeit ein neues Genus A/^ rio frocÄws, dessen Charaktere
folgende sind (Yidensk. Meddels. for 1850. p. 55) :
Myriolrochus y genus e Holothuriarum apneumonum et apo-
dum familia , pulmone aquatico nempe et pedibus tubulosis omnino
destitutum ; cute tenui , laevi , organis rotiformibus, calcareis petio-
latis singulis instructum. Sp. n. M. Rinkii Stp.
J. Müller beschreibt in seinen anatomischen Studien über die
Echinodermen (Arch. für Anat. 1850. S. 117) gelegentlich folgende
neue fusslose Echinodermen: Synapta serpenlina von Celebes ; Syn,
Lappa aus Westindien; Chirodota pygtnaea mit unbekanntem Fundorte;
Molpadia chilensis.
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 389
Die Holothurienfauna der nordamerikanischen Ost-Kü-
sfe wurde von Pourtales, Stimpson und Ayres unter«
sucht und lieferte eine ganze Anzahl von Arten.
Pourtales beobachtete (Proc. Am. Ass. 1851. V. p. 8) : Syn~
apta viridis n. sp. , S. Girardii n. sp. , S. rotifera n. sp. , Chirodola
oolilhica n. sp., Ch. arenalaGXA.^ Holothuria (?) floridana n. sp., Cu~
vieria squamala, Conochirus gemmatus n. sp. , Anaperus briaraeus Les.,
An. Carolinus Tr.
Stimpson charakterisirte Anaperus uniseremita n. sp. (Proc.
Bost. Soc. IV. p. 8) und Pentacta calcigera n. sp. (Ibid. p. 67) , wäh-
rend Ayres endlich, mit Aufstellung mancher neuen Genera, in den
Proc. Bost. Soc. IV folgende Arten beschrieb :
Synapta tenuis n. sp. 1. c. p. 11, Trochinus (n. gen.) palli-
dus n. sp. — hieher Siuch Stjnapta rotifera Vourt. — 1. c. p. 243, Chi-
rodola arenata Gld. , Pentamera (n. gen.) pulcherrima n. sp. 1. c.
p. 207, Sclerodactyta (n. gen.) briareus Les. 1. c. p. 6, Stereo-
derma (n. gen.) uniseremita Stimp. 1. c. p. 46, Thyoidium elongalum
n. sp. 1. c. p. 60, Th. musculosum n. sp. 1. c. p. 70 , Tk. glabrum n.
sp. 1. c. p. 69 , Duasmo dactyla (n. gen.) produclum n. sp. 1. c.
p. 244, Bo try 0 dactyla (n. gen.) grandis n. sp. 1. c. p. 52 , B. af-
fi?iis n. sp. 1. c. p. 145, Conochirus gemmatus Pourt. 1. c. p. 246, Cu~
tieria Fabricii Dub. et K. (C. squamala Pourt.) 1. c. p. 35 , Psolus
laevigalus n. sp. 1. c. p. 25, Ps. granulalus n. sp. 1. c. p. 65.
(Für die neu aufgestellten Genera müssen wir hier eben so gut,
wie für die neuen Species auf das Original verweisen , da Verf. es
unterlassen hat, mit kurzen Worten die wesentlichsten Charaktere
derselben hervorzuheben und es an Räume gebricht, die ziemlich um-
fangreichen, in englischer Sprache gegebenen Beschreibungen zu wie-
derholen.)
Haines beobachtete die Holothuria tubulosa und
Tliyone papulosa an der brillischen Küste und giebt Notizen
über den inneren Bau der ersten , ohne indessen dabei
etwas wesentlich Neues zu bieten. Ann. nat. bist. 1853. XI.
p. 155.
Von F 0 r b e s und G o o d s i r ward auch die Holothuria
intestinalis (//. moUis Sars) an der Englischen Küste aufge-
funden. Transacl. Soc. Edinb. Vol. XX. p. 309.
Ueber das Vorkommen und die Verbreitung der Holo-
Ihurien (und Ophiuren) in der Tiefe des Meeres vergl. die
Bemerkungen von Ayres, Proc. Bost. Soc. 1851. p. 54.
390 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
3« Ecliinicla.
Carp enter giebt inTodd's Cyclop. of Anat. and Phys.
Art. Shell eine Darstellung vom histologischen Baue des See-
igelskelets. L. c. T. IV. p. 567.
Ueber die Zusammensetzung des Zahngerüstes bei den
Seeigeln vergl. H. Meyer in Müller's Archiv 1849. S. I9l
und J. Müller, ebendas. 1853. S. 212, Bau der Echinoder-
men. S. 74.
Die Saumlinien (semitae Phil.) am Körper der Spatan-
gideri sind nach den Beobachtungen von J. Müller (Arch.
1853. S. 1. , allgem. Plan in der Enlwickelung der Echinod.
S. 33) durch eine äusserst lebhafte Wimperbewegung ausge-
zeichnet und offenbar dazu bestimmt, eine Wasserströmung in
gewisser Richtung zu unterhalten. Die Wimperhaare über-
ziehen die dicke weiche Haut an den Borsten der Saumlinien
bis zum geknöpften Ende.
Durch Agassiz (Cpt. rend. T. XXV. p. Ö79 und Fro-
riep's n. N. 1848. S. 145) so wie J.Müller (Arch. für Anat.
1850. S. 126) wird der Nachweis geliefert, dass auch die
Echiniden einen Sleinkanal besitzen , der von der Madrepo-
renplatte zu dem Ringgefässe des Ambulacralapparates hin-
läuft, in der Regel aber (ausgenommen ist Cidaris) nur häu-
tig und ohne verkalkte Wände bleibt.
J. Müller untersucht (Bau der Echinodermen S. 2)
die Ambulacralanhänge der Echiniden und liefert den Nach-
weis, dass diese Gebilde in Form und Entwickelung ganz aus-
serordentlich wechseln.
Schon bei einigen regulären Seeigeln, Echinocidaris, Diadema
u. a. nehmen die Füsschen in dem dorsalen Theile der Ambulacra eine
abweichende Gestalt an, indem sie ihre Saugscheiben verlieren, sich
abplatten und an den Rändern mit Einschnitten versehen. Koch grössere
Verschiedenheiten zeigen die Spatangiden , bei denen man ausser den
locomotiven Füsschen mit und ohne Saugplatten auch Tastfüsschen mit
pinselförmigem Ende und gefiederte Kiemenfüsschen antrifft und zwar
dergestalt vertheilt, dass in demselben Ambulacrum nicht selten
zwei oder selbst drei Arten von Füsschen zugleich gefunden wer-
den. Die Kiemenfüsschen sind bekanntlich in der Nähe des Apex an-
gebracht, während die Locomotivfüsschen vorzugsweise im Umkreise
des Mundes und im vordem Radius vorkommen. Am auffallendsten
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 391
sind aber die Verschiedenheiten in der Bildung dieser Anhänge bei
den Clypeastriden. In den Ambulacra petaloidea findet man hier be-
kanntlich, wie bei den Spatangiden, Kienienfüsschen, aber daneben
besitzen diese Thiere auch noch Locomotivfüsschen , die freilich nur
äusserst klein, fast mikroskopisch sind, dafür aber in solcher unge-
heuren Menge vorkommen , dass man die Zahl ohne Gefahr der Ue-
bertreibung auf mehrere Myriaden veranschlagen kann. Die Verbrei-
tung dieser Locomotivfüsschen ist verschieden, namentlich an der
Bauchfläche, auf der sich dieselben entweder über die ganze Ober-
fläche der Ambulacralplatten gleichmässig vertheilen (Clypeastriden mit
Porenfeldern) oder auf einzelne nach der Peripherie zu verzweigte
Streifen zusammendrängen (Cl. mit Porenfascien). Auf der Rücken-
seite fehlen häufig alle Locomotivanhänge ; in anderen Arten finden sie
sich auf den innern Feldern zwischen den Ambulacra petaloidea und
von da bis zum Rande. Alle diese Füsschen stehen in gewöhnlicher
Weise mit dem Wassergefässsystem im Zusammenhange , indem aus
den Hauptstämmen derselben überall rechts und links zahlreiche Fe-
deräste hervorkommen. In manchen Arten liegen diese Federäste mit
den Ampullen der Füsschen frei im Innern , in andern Fällen sind
dieselben aber auch zwischen Kalkleisten auf der Innenfläche des Ske-
lets versteckt oder selbst in eigene Galerien eingeschlossen.
Was die Entwickelung der Seeigel betrifft, so ist
diese, wie schon oben in Kürze erwähnt wurde, in Kiehrfa-
cher Beziehung von der der Holothurien sehr auffallend ver-
schieden. Schon bei den letzteren wurden während der Me-
tamorphose ausser den gewöhnlichen provisorischen Larven-
organen auch noch manche andere Gebilde abgelegt, die
sonst aus dem Larvenzustande in das spätere Leben überzu-
gehen pflegen; hier aber, bei den Seeigeln, ist die Zahl und
die Ausdehnung dieser provisorischen Bildungen noch sehr
viel beträchtlicher. Ausser dem Magen, dem Enddarme und
dem Kanalapparate des Rückenporus geht bei dem Aufbau des
Echinoderms, der hier unmittelbar aus der Form der bilatera-
len Larve erfolgt, fast Alles verloren. Dazu kommt, dass das
spätere Echinoderm hier keineswegs, wie bei den Holothurien,
die Längsachse des Larvenkörpers beibehält, sondern seitlich
angelegt wird , so dass die Achse des radiären Körpers unter
sehr merklichem Winkel die Achse der bilateralen Larve
kreuzt. Ob es übrigens trotzdem gerechtfertigt ist, die Ent-
wickelung des Seeigels als eine Form des Generalionswechsels
anzusehen , wie es häufig geschieht, dieselbe also auf solche
392 Leuckart: üerichl üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Weise principiell von der Metamorphose der Holothurien ab-
zutrennen, wollen wir dahin gestellt sein lassen. J.Müller
drückt sich dahin aus, dass die Entwickelung der Seeigel als
eine dem Generationswechsel verwandte Metamorphose aufzu-
fassen sei (vergl. bes. Abh. V. S. 21).
Die bilateralen Larven der Seeigel sind Arten des Larvengenus
Pluteus, w^ie die der üphiuren, von denen sich dieselben, besonders
in früherer Zeit, nur schwer unterscheiden lassen. Ihre Hauptkennzei-
chen bestehen in der Bildung der Arme, die meistens in einer beträcht-
lichen Anzahl vorhanden, und immer zu mehreren am Vorderleibsende
(Mundgestelle) angebracht sind. Durch Mül l er , Krohn und Busch
kennt man gegenwärtig bereits eine ziemlich beträchtliche Anzahl
dieser Larvenformen , die sich theils durch die Bildung ihrer Fort-
sätze und der eingeschlossenen Kalkstäbe, theils auch durcL die allge-
meinern Formverhältnisse, namentlich auch durch die Form der Kuppel
von einander unterscheiden (vergl. besonders J. Müller, Arch. für
Anat. und Phys. 1853. S. 472). AVir wollen in dieser Beziehung nur
hervorheben, dass die Larven des Gen. Echinus im ausgebildeten Zu-
stande ausser der gewöhnlichen bilateralen Wimperschnur auch noch
vier Wimperepaulettcn tragen, die an der Basis der Hinterleibskuppel
angebracht sind , sich auch bei vorgeschrittener Seeigelanlage ferner
noch durch die Anwesenheit einiger Pedicellarien an der Kuppel er-
kennen lassen. Die Larven der Spatangiden charakterisiren sich da-
gegen durch den Besitz eines unpaaren Scheitelfortsatzes, häufig auch
durch gitterförmig durchbrochene Kalkstäbe, die jedoch auch bei Echi-
nocidaris und schon bei Echinus brevispinosus vorkommen (Krohn
in Müller's Arch. 1853. S. 139).
Die erste Entwickelung dieser Larven ist durch Busch (Be-
obachtungen u. s. w. S. 88) bei Echinocidaris neapolitanus , so wie
schon früher durch Krohn (Beitrag zur Entwickelungsgesch. derSee-
igellarven. Heidelb. 1849) bei Echinus lividus, und später (Müller's Arch.
1853. S. 361) bei Ech. brevispinosus bis zur Ausbildung der Plutcusform
verfolgt worden. Die Resultate dieser Beobachtungen stimmen im
Wesentlichen mit den Angaben von Derbes überein. Die neugebo-
rene Larve erscheint als ein flimmernder Körper von kugelförmiger
Gestalt, der dann allmählich eine Kegelform annimmt und durch Ein^
stülpung der äussern Haut einen DarmUanal bildet. Der Mund , von
dem diese Einstülpung ausgeht, ist an der Basalfläche des Kegels ge-
legen. After und Forlsätze mit dem Innern Skelete bilden sich erst
später.
Ueber die Metamorphose des Pluteus in den Seeigel vergl. J.
Müller Abh. L S. 10 und lY. S. 10 (Arch. für Anat. u. s. w. 1848.
S. 113, 1850.8.459,1851. S. 356), so wie auchKrohn (Archiv 1851.
der niederen ihiere während der J. 1848 — 1853. 393
S. 344). Das erste Zeichen der weitern Entwickeluiig ist die Bildung
eines ringförmigen Wulstes, der sich auf der linken SeitenQäche der
Larve in der Nähe der W imperschnur , da wo das sackförmige Ende
der aus dem Rückenporus entspringenden Röhre gelegen ist, zeigt.
Aus diesem Wulste entsteht sodann eine Scheibe, die zwischen
dem eben erwähnten Sacke und den äusseren Bedeckungen des Plu-
teus sich hinzieht , und auf dieser Scheibe beobachtet man nach
einiger Zeit eine sternförmige Figur mit fünf radiären Lappen. Die
blätterförmigen Lappen sind die ersten Andeutungen der fünf Ambu-
lacralkanäle, die durch eine Ausstülpung aus dem sackförmigen Ende
des Rückenkanales hervorgegangen zu sein scheinen. Ganz unver-
kennbar ist dieses namentlich dann, wenn sich der ursprüngliche Stern
durch Lückenbildung im Centrum aus einem Ringgefässe und fünf
peripherischen Ausstrahlungen zusammengesetzt zeigt , wie es einige
Male beobachtet wurde. Der Zusammenhang mit dem Rückenporus
persistirt, und der Kanal, der denselben vermittelt , wiederholt genau
die Verhältnisse des späteren Steinkanales, obgleich er noch keine
Spur von Verkalkung erkennen lässt. Aus diesen Veränderungen
erhellt zur Genüge, dass durch die erste Anlage des spätem Echino-
derms ein Polarfeld und zwar das ventrale Polarfeld seinen Ursprung
genommen hat. Die weiteren Veränderungen bestehen sodann in der
Bildung der fünf ersten Füsschen , die aus den Enden der fünf Am-
bulacralkanäle hervorgehn, und in der Entwickelung einiger Stacheln,
die zwischen den Füsschen auf der äussern Fläche der Scheibe auf-
sitzen. Füsschen und Stacheln werden von dem Pluteus nach Will-
kür bewegt, so dass derselbe durch Hülfe der erstem seine Schwimm-
bewegung gelegentlich mit einem Kriechen vertauschen kann. Sonst
ist dieses Thier jedoch im W^esentlichen noch immer unverändert. Die
Scheibe des Seeigels ist allerdings nicht unbeträchtlich gewachsen,
so dass sie den grösseren Theil der Kuppel in Anspruch nimmt, aber
die übrigen Larvenoigane, Wimperschnur und Larvenkanal sind noch
immer unverändert. Wie diese Theile verloren gehen und die Form
des Seeigels vollendet wird, hat noch nicht beobachtet werden kön-
nen. Man weiss freilich, dass sich die Füsschen und Stacheln allmäh-
lich vermehren, auch dass im Centrum der primitiven Seeigelscheibe
später die fünf Schmelzzähne zum Vorschein kommen, aber das geht
Alles noch während der Integrität des Pluteus vor sich. Die näch-
sten Stadien, die zur Untersuchung kamen, zeigten bereits vollkom-
mene kleine Seeigel (von '/j'"), die nur dadurch ausgezeichnet waren,
dass die Rückenfläche derselben der Füsschen und Stacheln entbehrte
und nach wie vor von der weichen Larvenhaut bedeckt ward. An
einigen dieser jungen Seeigel fanden sich auch noch lange nach Aus-
sen hervorragende Kalkstäbe, die sich als Ueberreste des innern Lar-
venskeletes zu erkennen gaben. Wenn man die Entwickelungsge-.
394 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Bchichte der Seeigel mit Hülfe der vollständigeren Erfahrungen an
Asterien und Ophiuren completiren darf, so ist wohl anzunehmen,
dass der grosseste Theil des Larvenleibes und namentlich der kuppei-
förmige Hinterleib mit dem After und dem Rückenporus in den Kör-
per des jungen Seeigels übergeht. Der Rückenporus wird sich dabei
in die Madreporenplatte umgestalten. Freilich muss man dann an-
nehmen, dass Steinkanal und Darmende durch das Wachsthum der
primitiven Scheibe zu einem sphärischen Körper sich dergestalt ver-
schieben, dass sie sich trotz ihrer ursprünglichen Entfernung einan-
der annähern und schliesslich auf dem dorsalen Pole des Körpers dicht
neben einander eine Stelle finden.
Dickie berichtet über die Lebensweise des Echinus
limdus und maclit es wahrscheinlich, dass das Bohrvermöo-en
dieses Seeigels von der chemischen Beschaffenheit und der
Festigkeit seiner Stacheln (dem grösseren Gehalte an unor-
ganischen Salzen , besonders Kieselsäure) abhänge. Rep. br.
Assoc. for 1852. Not. p. 72.
In Bezug auf die Systematik der Seeigel macht
Duvernoy denVorschlag, diese Thiere nach der Bildung ihrer
weichen Anhänge in zwei Gruppen zu theilen, die Echinides ho-
mopodes mit 5 gleichmässig entwickelten Ambulacralreihen und
Füsschen , und die Ech. exobranches mit Ambulacralkiemen
auf dem Rücken. Zu der erstem Gruppe rechnet Duv. aus-
ser den Cidariden auch noch die Galeriden, die er von den
Cassiduliden abtrennt, zu der zweiten die Cassiduliden, Cly-
peastriden und Spatangiden. Cpt. rend. T. XXVL p. 292., Mem.
de l'Ac. des sc. 1849. T. XX. p. 635.
lieber die geographische Verbreitung der in den Euro-
päischen Meeren vorkommenden Echinusarten vgl. For b es,
Rep. on the br. Assoc. for 1850. p. 123.
Derselbe über die Echinen des Aegäischen Meeres.
Proc. Linn. Soc. I. p. 184.
Peters berichtet über die Seeigel an der Küste von
Mossambique (Monatsber. der Berl. Acad. 1853. S. 484) und
liefert dabei eine Revision der Gen. Astropyge und Diadema,
die Verf. mit einer neuen Gattung Echinothrix Pet. als
eine eigene Gruppe (Diaderaatida) betrachten möchte.
Die Diagnose dieser 3 Gen. wird folgendermaassen festgestellt:
Diadema. Schale abgeflacht, etwa doppelt so breit, wie
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 395
hoch. Der platte theil jedes Ambulacralfeldes theilt sich gabelför-
mig und steigt so an der äussern Seite der Tubercula principalia bis
eum Seitenrande der Schale herab. Die Stacheln sind sehr lang,
hohl und auf den Ambulacralplatten von gleicher Gestalt wie auf
den Interambulacralplatten. Sp. viv. D. setosa Gr., D. Sam^ni/t Mich.,
D. Lamarckii Rouss.
Astropyga. Schale sehr zusammengedrückt, etwa drei Mal
so breit, wie hoch, unten abgeplattet. Der platte Theil jedes Ambu-
lacralfeldes theilt sich gabelförmig in zwei Zweige, welche neben den
Tubercula principalia zum Rande der Scheibe herabsteigen; alle Plat-
ten, über welche sich dieses Feld erstreckt, sind durch ein flaches
Grübchen ausgezeichnet. Stacheln von massiger Länge (2—4 Ctm.),
solide und von derselb,en Gestalt auf den Ambulacralplatten, wie auf
den Interambulacralplatten. Sp. v. Ast. radiata Gr., Ast. dubia Pet.
(? Cidarites pulvinala Lam.), Ast. mossambicä n. sp.
Echinothrix n. gen. Schale von ähnlicher Gestalt, wie bei
Diadema. Der platte Theil jedes Ambulacralfeldes theilt sich nicht
gabelförmig, sondern steigt einfach von der Genitalplatte gerade bis
zum Rande herab. Die Tuberkeln der Ambulacralplatten sind viel
kleiner, als die der Interambulacralplatten und tragen feine borsten-
förmige Stacheln , während die Interambulacralplatten sehr lang und
von ähnlicher Beschaffenheit, wie bei Diadema sind. Sp. v. Echinus
calamaris Pall. , Echinometra turcarum Rumph. , Cidarites subularis
Lam. , C. spinosissima Lam. , Astropyga Desorii Agass. , Ach. anneU
lala n. sp.
Eydoux und Souleyet liefern eine schöne Abbildung von
Acrocladia hastifera Agass. Voy. de ia Bonite. Zool. T. II. p. 236.
Girard beschreibt eine Anzahl neuer Seeigel: Heliechinus
(n. gen., ein Echinopsis mit soliden Tuberkeln) Gouldii, IH ele bosis
(n. gen., zwischen Salmacis und Temnopleurus in der Mitte stehend)
mirabilis , Psammechinus asteroides , Echinometra nigrina^ Echinocya-
tnus minimus, Schizaster lachesis und lieferte zugleich einige Notizen
über den Innern Bau von Echinometra. Proc. Bost. Soc. III. p. 364.
Encope Agassiz-i n. sp. viv. Michel in, Rev. de Zool. 1851.
T. III. p. 90.
J. Halme beschreibt einen fossilen Seeigel aus der Gruppe der
Gidariden , der durch die Excentricität seines Afters den üebergang
zu den Cassiduliden bildet, Milnia (n. gen.) decorata J.H. Ann. des
sc. nat. T. XII. p. 217.
Troschel über das Spatangidengenus Tripylus Phil., mit Be-
schreibung von Tr. grandis n. sp, aus Ostindien. Dieses Archiv 1851.
I. S. 67.
Von Gray erhalten wir eine kurze Charakteristik der im Bril-,
396 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
tischen Museum aufbewahrten neuen Spatangiden : Spatangus Reginaef
Eupatagus similis , Lovenia subcarinala, Echinocardium auslrale ^ Eck.
Zealandicum, Breynia Desorii , Meoma (n. gen.) grandis , Faorina
(n. gen.) chinensis, F. antarctica, Tripylus Philippii, Desoria (n.gen.)
australis, Schizaster ventricosus. Seh. Juakesii, Kleinia (n. gen.) Lu~
ionica^ Agassizia subrolunda ^ Leskia (n. gen.) mirabilis Ann. nat.
hist. 1851. Vol. VII. p. 130.
Ebenso charakterisirt Gray auch eine Anzahl neuer Scutelliden
und Echinolampiden: Echinanlhus Auslralasiae , E. lesludinarius , E.
oblongus, E. productus , E. Coleae, E. explanatus , Mellita erythraea ,
Leodia (n. gen.) Richardsonii , Fibularia oblonga , Echinolampas de-
pressus, Mortonia (n. gen.) australis. Proc. Roy. Soc. 1851. p. 34.
Ann. nat. hist. X. p. 444.
3. Astericia.
Nach J. Müller lassen sich die afterlosen Seesterne
mit grosser Leichtigkeit daran erkennen , dass sie conische
Füsschen besitzen, während die Arten mit After am Ende
ihrer Füsschen ganz allgemein eine Saugscheibe tragen. Me-
tamorphose der Echinodermen. II. S. 13.
Ueber die Entwickelung der Ästenden handelt J. Mül-
ler, Abh. II. S. 9 ff., III. S. 23 ff.. IV. S. 30 ff, VI. S. 5 ff.
Die Untersuchungen unseres Verf. haben es ausser Zvseifel ge-
stellt, dass ein grosser Theil der Asterien , vielleicht die grössere
Mehrzahl, sich nach demselben Typus entwickelt, den wir oben bei
den Seeigeln als eine dem Generationswechsel verwandte Metamor-
phose kennen gelernt haben. Zu diesen Arten gehört namentlich auch
der (wohl dem Genus Asteriscus beizuzählende) Seestern, dessen Larve
von Sars als Bipinnaria asterigera beschrieben und seither auch von
Koren und Da ni eisen (J. B. Bd. XVI. S. 408) näher untersucht
wurde. Die Bildung dieser Larve und ihr Verhältniss zu dem See-
stern ist nach den Beobachtungen von J. Müller (Abh. II. S. 9 und
III. S. 29) im Wesentlichen eben so wie bei den Pluteusformen. Was
Koren und D an i eisen als Athemröhre beschrieben, ist in Wirk-
lichkeit der Larvenschlund mit seinem Munde, der späterhin von dem
Seesterne abreisst, nachdem dieser den Magen und Darm mit dem After
der Larve vollständig umwachsen hat. Die Madreporenplatte entsteht
keineswegs an dieser Rissstelle, wie die norwegenschen Zoologen
und mit ihnen anfangs auch J. Müller vermutheten , also nicht aus
dem oblitterirten Larvenschlunde, sondern aus einem Gebilde, das nach
seiner' Lage und seiner Beziehung zum Steinkanale genau mit dem
Ruckenp.orus 4^r übrigen bilateralen Echinodermenlarven überein-
'" ' der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 397
stimmt. Die Befestigung des jungen Seeslernes ist bekanntlich der Art,
dass dieser dem Hinterleibsende der Larve aufsitzt und seine Rücken-
seite schief gegen die Längsachse der Bipinnaria hinkehrt. Die äus-
seren Bedeckungen des Seesternes und der Larve gehen unmittelbar
in einander über. ii']< it lio-i n i-.: .rjoijo, ./u/!nii
Ausser der verhältnissmäs^ig sehr kolossalen Bipinnaria astert-
gera untersuchte J. Müller noch zw^ei andere Arten desselben Lar-
vengenus (Abhandl. IL S. 5. und IV. S. 31), die durch ihre Grössen-
entwickelung nur wenig über die gewöhnlichen Verhältnisse der Echi-
nodermenlarven hinausgingen. Bei der einen dieser Arten gelang es
auch die Entwickelung des jungen Steesternes von seinem ersten
Auftreten bis nahe zu derselben Stufe zu verfolgen, auf welcher der
Seestern der B. asterigera zur Untersuchung gekommen war. Auch
hier entsteht als erste Andeutung der beginnenden Entwickelung, bald
nach dem Auftreten des Rückenporus, die Bildung eines wulstförmi-
gen Streifens, der auf dem Magen , zwischen diesem und der äussern
Larvenhaut hinläuft und von der Ablagerung einer hyalinen Masse her-
rührt. Anfangs bedeckt dieser Streifen nur die hintere Fläche des
Magens bis zum Perus und zwar nur die Mitte desselben, nach einiger
Zeit breitet sich derselbe aber auch über den Enddarm und die Seiten-
theile des Magens aus, so dass er dann einen förmlichen kappenarti-
gen Mantel im Umkreise dieser Organe darstellt. Noch vor der Aus-
bildung dieser Kappe ist aber an der Seite des Magens die erste An-
lage des späteren Tentakelsystems entstanden und zwar in Form
der bekannten fünfblätterigen Rosette, die in gewöhnlicher Weise mit
dem Steinkanale zusammenhängt und gleichfalls wohl nur durch Aus-
stülpung aus dem Endtheile desselben hervorgegangen ist. Auch diese
Rosette wird in den Mantel mit eingeschlossen. Unter solchen Um-
ständen ist nicht daran zu zweifeln, dass der Mantel das Perisom des
späteren Seesternes darstellt. Koch deutlicher wird solches einige
Zeit später , wenn man beobachtet , wie der Mantel der Sitz einer
allmählich fortschreitenden Verkalkung wird. Die ersten Ablagerun-
gen der Kalkkörperchen geschehen in einer halbmondförmigen Zone,
die von der Nähe des Perus in schiefer Richtung zu der gegenüber-
liegenden Bauchfläche hinläuft und die Kappe dadurch in eine rechte
und linke Seitenfläche abtheilt. Durch Aufwulstung der Zone setzen
sich diese beiden Fläche immer schärfer gegen einander ab, während
die Enden derselben allmählich näher rücken und schliesslich unter
«ich verwachsen. Die Zone bildet jetzt einen geschlossenen Kranz,
in dem man den Rand des späteren Seesternes nicht länger verkennen
kann, obgleich die beiden Flächen desselben noch weich sind und noch
der Verkalkung entbehren. Der Durchmesser des Kranzes misst etwa
y^"'' Die Entstehung der Tentakel und Arme fällt in eine spätere
Zeit Und ist von J. Müller nicht beobachtet. Die ältesten Seesterne^
698 Leuckart: ßericht üb. d. Leistungen in d. Fifaturgeschichte
die zur Untersuchung kamen, zeigten kaum eine Andeutung der pen-
tagonalen Gestalt. Nach der Analogie mit B. asterigera sollte man
erwarten, dass die hintere freie Fläche des Seesternes zu der Bauch-
fläche werde, und wirklich hat J. Müljer sich auch für diese A.nr-
nahme entschieden, jedoch ist Krohn später (MüUer's Arch. 1853.
S.317) durch seine Untersuchungen zu der Ueberzeugung gelangt,
dass dieselbe sich hier abweichender Weise zum Rücken entwickele.
Auch darin findet sich ein Unterschied , dass hier der bei dem Sterne
der Bip. asterigera persistirende After verloren geht; der Seestern
der Bip. aus dem Adriatischen Meere scheint einer afterlosen Gattung
anzugehören.
Die bilateralen Larven der Asterien erscheinen übrigens nicht
immer unter der Form einer Bipinnaria. Auch die nahe verwandte
Brachiolaria (Abh. IL S. 26) producirt einen Seestern, wahrscheinlich
auch Tornaria (Abh. IL S. 29, IIL S. 23, IV. S. 39), die freilich noch
nicht während der Metamorphose beobachtet wurde , aber doch den
Brachiolarien und Bipinnarien, und zwar namentlich durch den Besitz
einer eigenen ventralen "NViraperschnur, verwandt zu sein scheint.
Ueber die ersten Zustände und die Entwickelung einer solchen
bilateralen Larve berichtet Busch (Beobachtungen u. s. w. S. 80)
nach Beobachtungen an den Eiern von Asteracanthion glacialis. Es
gilt hier im Wesentlichen dasselbe, was oben, bei Gelegenheit der
Seeigelentwickelung, in dieser Hinsicht bemerkt wurde.
Die Entwickelungsgeschichte der Asterien scheint übrigens in
den einzelnen Arten grössere Verschiedenheiten darzubieten, als die
der übrigen Echinodermen. Ausser den früher schon bekannt gewor-
denen Angaben von Sars spricht hierfür namentlich auch die Beob-
achtung einer eigenthümlichen wurmartigen Larve, die (J. Müller,
Abh. m. S. 26, IV. S. 40, VL S. 29) — wenigstens in dem bisher be-
obachteten Zustande — der Wimperorgane vollkommen entbehrt, da-
für aber, nach Art eines Wurmes, aus fünf hinter einander liegenden
Segmenten besteht. Die ^rei vordem Segmente dieses Thieres sind
an ihrer Bauchfläche zu einem fünflappigen Seestern entwickelt, und
zwar der Art, dass der vordere Lappen dieses Sternes aus dem vor-
dem Segmente, die zwei andern aber paarweise aus dem zweiten
und dritten Segmente hervorgegangen sind. Die Bauchfläche des
Seesterns ist nach vnten gekehrt und trägt im Centrum eine Mund-
öffnung, um die eine Apzahl von fünf Paar lastender Füsschen grup-
pirt ist. J. Müller war eine Zeitlang nicht abgeneigt, diesen wurm-
förmigen Seestern als eine Fortsetzung der Tornaria anzusehen.
Was die von Sars beschriebenen Larven von Asteracanthion
MüUeri und Echinaster Sarsii betrifft, deren Metamorphose bekannt-
lich weit weniger vollständig ist, als sonst bei den Echinodermen,
und namentlich ohne bilateralen Pluteuszustand vor sich geht, so er-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 399
fahren wir durch J. Müller (Abb. VI. S. 9) , dass hier die Verdau-
ungswerkzeuge und wahrscheinlich auch der Ambulacralapparat von
Anfang an direkt für den Seestern angelegt wird, dass sich die pro-
visorischen Organe hier also wirklich nur auf die Haftkolben beschrän-
ken. Im Innern umscbliessen diese Kolben eine Höhle, die anfäng-
lich mit der Leibeshöhle communicirt, sich aber später von derselben
abtrennt, ohne jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach zu dem Tentakel-
apparate des Seesternes eine Beziehung zu haben.
Wie es scheint ist diese Art der Metamorphose in dem Gen.
Echinaster sehr allgemein verbreitet. Busch beobachtete (Beob-
achtungen S. 77) eine Larve mit Haftkolben , die wohl von Ech. se-
positus herrühren dürfte und in Amerika ist von Desor (Proc. Bost.
See. 1848, Müller's Arch. 1849. S. 97) , und Agassi z (lect. on em-
byrol. p. 13, Müller's Arch. 1851. S. 122) für eine dritte Art dieses
Genus eine wesentlich übereinstimmende Entwickelungsweise festge-
stellt worden. Der einzige auffallende Unterschied, der bei der letztern
vorkommt, besteht darin, dass die Zahl der Haftorgane hier auf ein ein-
ziges reducirt ist, das die Beobachter übrigens für eine Art Dottersack
erklären. Nach den übereinstimmenden Angaben von Busch, Desor
und Agassiz sind die Haftorgane an der späteren Mundfläche des
Seesternes befestigt.
Peters giebt eine Uebersicht über die Asteriden von
Mossambique. Monalsber. der königl. pr. Akad. 1852. S. 177.
Verf. zählt 17 Arten, unter denen zwei neu: Ophidiastcr coria.
ceus und 0. glaber. Da diese Arten sich durch die Abwesenheit der
granulirten Täfelung auf der Haut von den übrigen Arten des Genus
Ophidiastcr unterscheiden , so bildet Verf. aus derselben ein eigenes
Subgenus Leias ter Pet.
Astropecten arcticus n. sp. aus Norwegen, Sars, Nyt Mag. 1. c.
p.iei.
Asleracanthion ochotense n. sp. , A. dislichum n. sp. (?) , A.
camchaticum n. sp., Brandt in Middendorff's Reise, Zool. Th. II.
Asleracanthion Forbesi n. sp. aus Nordamerika, Desor Proc.
Bost. Soc. m. p. 67.
Das von Ayres (Proc. Bost. Soc. IV. p. 118) neu aufgestellte
Asteridengenus S tep kannst er dürfte kaum von Aslrogonium M. Tr.
verschieden sein. Slephanaster elegans n. sp., die einzige Art, nach der
Ayres sein Genus charakterisirt, ist (nach gefälliger Mitlheilung von
Prof. Troschel) Astrogoniujn pulchellum M. Tr.
400 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
4. Opliiurida.
J. Müller entdeckt den Steinkanal der Ophiuren, der
unter dem schon früher (im Systeme der Asteriden) ange-
merkten Umbo des einen Mundschildes beginnt und sich an
den Ringkanal des Wassergefässsystemes anschliesst. Arch.
für Anat. 1850. S. 121.
Die Entwickelung der Ophiuriden haben wir gleichfalls
durch J. Müller kennen gelernt. Abh. I. S. 2 ff., V. S. 2 ff .
Der Typus dieser Entwickelung ist in seinen Hauptzügen der-
selbe, den wir bei den Asteriden und Seeigeln oben beschrieben ha-
ben. Das spätere Echinodcrm wird im Innern einer bilateralen Larve
an einer bestimmten Stelle angelegt, umwächst sodann den Magen und
entwickelt sich auf Kosten der Larve, ohne jedoch den Mund und
Schlund und die Bewegungsorgane derselben in sich aufzunehmen.
Die bilaterale Larve der Ophiuren ist ein Pluteus, wie die der Echi-
niden, aber, so viel wir bis jetzt wissen — wir kennen vier Pluteus-
formen dieser Gruppe , unter denen die Larve von Ophiolhrix fragilis
und von zwei Ophiolepis-Avien — immer nur mit acht Armen und einem
zugespitzten pyramidalen Hinterleibe versehen. Die Stellung der
Arme ist gleichfalls etwas verschieden, namentlich auch insofern, als
am Mundgestelle immer nur zwei Arme angebracht sind , nicht vier,
wie bei den Pluteusformen der Echiniden. Dazu kommt, dass unsere
Larven des Rückenporus zu entbehren scheinen.
Trotz dieser grossen Aehnlichkeil zwischen den Larvenzustän-
den der Ophiuren und Echiniden geschieht die erste Anlage des Echi-
noderms, wie bei den Asterien, durch I3ildung einer kappenförmigen
Hülle im Umkreise des Magens. Wie bei den Asterien, bemerkt man
auch hier nach einiger Zeit in dieser Hülle eine wulstförmige Erhe-
bung, die, der Dorsalfläche zugewandt, an der linken Seite des Ma-
gens emporsteigt, um unterhalb der Hinterleibsspitze sodann bogenför-
mig auf die Yentralfläche überzugehen. Der Wulst bezeichnet auch
hier den Rand der späteren Scheibe, deren Hinterfläche dem Rücken
des Pluteus sich zukehrt. Fünf wellenförmige Erhebungen, die sich
in diesem Wulste bemerkbar machen — drei am Rücken, zwei am
Bauche — und ziemlich schnell zu hohlkehlenartigen Fortsätzen aus-
wachsen, deren Concavität nach unten gerichtet ist, erscheinen als
die ersten Andeutungen (als die Endglieder) der Arme, obwohl die-
selben von der radiären Stellung dieser Anhänge anfänglich keine Spur
zeigen und ziemlich dicht auf einander gerückt sind.
Was wir nach J. M ü 11 e r's Darstellung bisher aus der Enlwik-
Uelungsgeschichte der Ophiuren hervorgehoben haben, lässt sich ohne
'" '- der niederen Thiere während d. J. 1848-1853. 401
Schwierigkeilen auf die Vorgänge der Asterienentwickelung zurückfüh-
nn. Dafür aber zeigt die Bildung des Tentai^elapparates, die bei den
bisher betrachteten Echinodermcn überall , auch bei den Holothurien,
in einer wesentlich übereinstimmenden Wjlm'sc vor sich ging, so wie
die Bildung des ventralen Ferisoms hier, bei den Ophiuren , desto
grössere und auffallendere Verschiedenheiten, die mit der Abwesen-
heit des Rückvnporus nicht ohne Zusammenhang sein mögen. Noch
vor der Ablagerung der Bildungsmasse auf der Überfläche des Magens,
deren Metamorphose wir oben geschildert haben , bemerkt man auf
der Oberfläche, zwischen dem Magen und der von den Armen einge-
fassten ventralen Impression des Larvenkörpers eine eben solche Ab-
lagerung in Form eines hufeisenförmigen queren Wulstes , dessen
Ausschnitt nach vorn gerichtet ist und von dem Knde des Larven-
schlundes durchsetzt wird, während die Seitenlheile desselben sich
allmählich mit der kappenförmigen Umhüllung des Magens verbinden.
Später gesellt sich zu diesem Wulste noch ein weiterer lappenförmi-
ger Anhang, der an der linken Seite des Schlundes liegt und hier bis
zur Mnndöfl'nung hinreicht. Koch bevor aber dieser Lappen sichbar
wird, bemerkt man an seiner Stelle eine Gruppe von fünf Blinddärm-
chen , die mit ihrem Innern dem Schlünde zugewandten Ende unter
sich zusammenhängen und , wie es scheint , durch Ausstülpung aus
einem Anfangs ganz einfachen Bläschen gebildet wurden. Aehnliche
Blinddärmchen beobachtet man sodann auch in dem hufeisenförmi-
gen Wulste unterhalb des Magens. Sie scheinen durch Ausstülpung
aus einem Kanäle entstanden zu sein, der von der eben erwähnten
Gruppe ausgeht , und durch die ganze Länge des Wulstes sich
hinzieht. Anfangs stehen diese Blinddärmchen ganz unregelmäs-
sig, nach einiger Zeit aber gruppiren sie sich in vier Abiheilun-
gen , von denen dann eine jede, wie auch die vordere Gruppe ne-
ben dem Schlünde , die Gestalt eines fünflappigen Blattes annimmt.
Alle fünf Blätter hängen an ihrer Basis unter sich zusammen, und
bilden gewissermassen eine Guirlande, die sich in schiefer Rich-
tung von vorn und oben nach hinten und unten um die Läno-sachse
des Larvenkörpers herumwindet und sich später durch Verschmel-
zung der beiden Enden unterhalb des Schlundes zu einem Kranze ab-
schliesst. Das Blastem, in dem diese Bildung vor sich gehl, hat in-
zwischen die ursprüngliche hufeisenförmige Gestalt verloren und sich
im Umkreise der einzelnen Blätter in eben so viele Lappen ausgezo-
gen. Kach dem Schlüsse der Guirlande zu einem Kranze bildet die-
ses Blastem mit dem schon früher erwähnten Fortsatze neben dem
Schlünde eine fünflappige Scheibe, deren Lappen immer mehr in die-
selbe Ebene hineinrücken, auch iinnur gleichiiiässiger sich gruppiren
und sich dabei dann immer mehr und entschiedener als das ventrale
Perisom des Seesternes zu erkennen geben. In dem ßlälterkranze er«
Archiv, f. Naiurgescb. XX. Jahrg. 2 Dd. ^A
402 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
kennt man nun ein centrales Ringgefäss mit fünf radiären Ausläufern,
von denen ein jeder mit einem vordem und einem hintern Fusspaare
versehen ist.
Anfänglich ist diese Ventralfläche des Sternes von der inzwi-
schen schon ziemlich vollständig verkalkten Dorsalfläche noch weit
entfernt, aber der Zwischenraum zwischen beiden geht allmählich ein,
und gleichzeitig nähern sich dann die Tentakclgruppen den oben er,-
wähnten hohlkehlenartigen Fortsätzen am Rande der Rückenscheibe,
bis sie einzeln je von dem darüber gelegenen Fortsatze aufgenom-
men werden. Mit dieser Vereinigung ist die Anlage des Seesternes,
wenigsten« seiner Scheibe (etwa Vio'")» vollendet. Die Arme fehlen
noch, bis auf die Endglieder, die durch die hohlkehlenartigen Fortsätze
am dorsalen Rande repräsentirt sind und das Ende der fünf ventralen
Radialkanäle allmählich umwachsen. Die späteren Glieder entstehen
durch Neubildung vor diesem Endgliede und mit denselben vermehren
sich dann auch natürlich die Zahl der Ambulacralfüsschen. Der Pluteus,
der bis zur Vereinigung der beiden F'lächen des Seesternes noch in
voller Integrität gewesen war , obwohl die einzelnen Forlsätze des-
selben durch die Entwickelung der Arme theilweise verschoben und
zerstört wurden, beginnt in späterer Zeit immer mehr sich zurückzu-
bilden. Mund und Schlund, die am Seitenrande der Scheibe zwischen
zweien Radien liegen, gehen ein und werden durch Aufbrechen der
Ventralfläche am Sterne ersetzt, der Darm verschwindet gleichfalls,
das Gewölbe zwischen den Larvenfortsätzen wird gesprengt und
schliesslich findet man statt eines Pluteus mit einem Seesterne nur noch
den Seestern mit einigen anhängenden Larvenresten , von denen das
zipfelförmige Hinter! eibsende und die beiden seitlichen Hauptarme
noch am längsten zu persistiren pflegen. Die Lage dieser Larvenreste
ergiebt sich aus der Anlage des Seesternes im Körper des Pluteus;
es ist in dieser Beziehung festzuhalten, dass der eine Arm des Ster-
nes ziemlich genau mit der Längsachse des Pluteus zusammenfällt, und
der Rücken desselben ebenfalls dem Rücken des Pluteus zugewendet
ist. Die grösste Ebene des Sternes bildet dagegen mit der horizon-
talen Ebene des Pluteus einen mehr oder minder grossen Winkel.
Dass es übrigens auch Ophiuren giebt, deren Entwickelung ohne
bilateralen Larvenzustand, selbst ohne Metamorphose vor sich geht, be-
weisen die Beobachtungen von Krohn (MüUer's Arch. 1851. S. 358)
und M. Schnitze (Ebendas. 1852. S. 37) an Ophiolepis squamalUy
deren Junge sich im Innern des mütterlichen Körpers entwickeln und
bei ihrer Geburt (wo sie etwa 2'" messen) bereits vollständig ausge-
bildet sind. Das Einzige, was einigermaassen an die Metamorphose
der übrigen Ophiuren erinnert, ist (Schnitze) der Umstand, dass
der definitiven Skeletbildung im Embryo die Ablagerung einiger pro^
visorischer Kalkstäbe vorhergeht, die durch ihre Form und mehr noch
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 403
durch ihre bilaterale Gruppirung mit dem Skelete des Pluteus einige
Aehnlichkeit haben.
Neue Ophiurenarten sind von Peters, Forbes, Ayres
und Le Co nie beschrieben.
Ophiarthrum (n. gen.) elegans, Ophiomaslix venosa, Ophio^
peza (n. gen.) fallax^ Ophiocoma bretipes nn. sp. aus Mossambique,
Peters, Monatsber. der Berl. Akad. 1851. S. 463, und dieses Arch.
1852. I. S. 82.
Ophiura albida, Oph. abyssicola ^ Pec tinaea (n. gen.) vestita,
Opkiomyxa lubrica, Op hiop sila (n. gen.) aranea und Amp hi^ira
(n. gen.) ßorifera, A neglecta, A. Cliiajii nn. sp. aus dem Aegäischen
Meere, Forbes, Proc. Linn. Sog. I. p. 167 ff.
Die Diagnosen der von Forbes neu aufgestellten Genera sind
folgende:
Pectinaea. Corpus orbiculare, squamosum , granulosum , ad
peripheriam radiatum; radiis simplicibus, squamosis, in corporis discum
subprolongatis ; squamis radiorum lateralibus adpressis, in niarginibus
superioribus spiniferis ; ossiculis ovarialibus binis in corporis lobos non
produclis.
Ophi op sila Corpus orbiculare, coriaceum , laeve, ad peri-
pheriam radiatum; radiis simpliciter squamosis, infra discum insertis;
squamis lateralibus subcarinatis spiniferis, spinis simplicibus; ossicu-
lis ovarialibus parvis , oralibus ad latera nudis.
Amphiur a. Corpus orbiculare, squamosum, laeve, ad peri-
pheriam radiatum; radiis simplicibus squamosis, infra discum insertis;
squamis lateralibus subcarinatis spiniferis, spinis simplicibus, ossiculis
ovarialibus parvis, oralibus ad latera nudis, cirris simplicibus.
Ophiolepis lenitis , 0. robusta , 0. uncinata , Ophioderma oliva-.
ceum, Ophiolhrix hispida nn. sp. aus Kordamerika, Ayres, Proc. Bost.
Soc. IV. p. 133 u. 249.
Ophiolepis annulala , 0. geininala, 0. simplex, 0. hispida, Ophio^
thrix spiculala nn. sp. von Panama, Le Conte, Proc. Acad. Phil. V.
p. 317.
&» Oinoidea.
Von Busch erhielten wir wichlig^e Aufschlüsse über die
ersten Jugendziislände von Comalula bis zur Anheftung der
Larve, Müller's Arch. L^49 S. 400 und 4^8, Beobachtungen
u. s. w. S. 82.
Die Entwickelung geschieht durch einfache Metamorphose und
ohne bilateralen Larvenzustand. Der ovale Embryo, der Anfangs eine
404 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
dichte Ciliarbekleidung trägt, streckt sich nach einiger Zeit und ver-
wandelt sich dann ohne Weiteres in eine wurmartige Larve mit drei
transversalen Wimperreifen, wahrscheinlicher Weise auch mit einer
AlundöfTnung in der Kähe des einen Körperendes. Aber auch dieses
Stadium hat eine kurze Dauer. Wimperreifon und Larvenmaul gehen
verloren, die Larve sinkt zu Boden und bekommt sodann eine Anzahl
Ambulacra (die Anlage des ambulacralen Gefässsystemes konnte we-
gen Undurchsichtigkeit der Larve nicht beobachtet werden) , die An-
fangs paarweise hinler einander stehen und dieselbe (ventrale) Kör-
perfläche einnehmen, welche früher die problematische JMundöffnung
gelragen hatte. Mit Hülfe dieser Füsschen kriecht nun die Larve umher,
bis sie sich festsetzt. Letzleres geschieht mit der Mitte des Rückens,
die sich allmählich wölbt und buckeiförmig auftreibt. An beiden Kör-
perenden erkennt man jetzt bereits die für die Comatulen so charak-
teristischen Haken; die Körperenden sind also bestimmt, zu Armenden
zu werden, woraus dann weiter hervorgeht, dass der Millelpunkt des
späteren Echinoderms im Centrum der Larve gelegen ist.
Was wir sonst über Crinoiden kennen gelernt Iiaben,
bezieht sich ausschliesslich auf fossile Formen. Wir erwäh-
nen in dieser Beziehung ausser J. Müller, Bau der Echi-
nodermen S. 58, dessen Beobachtungen wir schon oben an-
geführt haben, besonders die Monographien von Forbes
über die brittischen Cystideen in den Geol. Mem. T. II. 1848.
und von Ro einer über Blastoideen in diesem Arch. 1851.1.
S.323.
Von fossilen neuen Geschlechtern heben wir hervor: Slephano^
crinus Roemer, dieses Arch. 1S50. I. S. 3ß5, Dorycrinus Roemer,
ebendas. 1853. 1. S. 2ü7 und Anlhocrinus J. Müller, Bau der Echi-
nodermen S. Ö7 , von denen sich besonders letzteres (Sp. A. Loveni)
durch seine reticulirten , bandförmigen Arme sehr auftauend aus-
zeichnet.
Cooleaitepata.
Ueber diese durch Vereinigung der Cuvier'schen Aka-
lephen und Polypen (nach Ausschluss der Bryozoen) gebil-
dete Abtheilung und deren Typus vergl. man die Auseinan-
dersetzungen des Ref. in seiner „Morphologie der wirbello-
sen Thiere.« S. 13.
Eine Zusammenstellung der Akalephen und Polypen mit den
Echinodermen ist unstatthaft, denn die Aehnlichkeit dieser Formen be-
schränkt sich ausschliesslich auf den Besitz eines radiären Körper-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 405
baues. Mit gleichem Rechte könnte man auch die Wirbelthiere und
Arlikulaten wegen der Symmetrie ihrer äusseren und inneren Organe
mit einander vereinigen. Im Vergleiche mit den übrigen Thieren
(auch den Echinodermen) erscheint der Bau der Coelenteraten im
hohen Grade vereinfacht. Ein Darmapparat und ein Gefässsystem, w^ie
es sonst gewöhnlich vorkommt, fehlt bei denselben. Die Stelle
dieser Organe — und darin sieht lief, den wesentlichen Typus sei-
ner Coelenteraten — wird von der Leibeshöhle vertreten, insofern
als der vordere durch eine Mundöffnung nach Aussen ausführende
Theil derselben zur Verdauuung dient, während der übrige Abschnitt
für die Circulation bestimmt ist. In manchen Fällen umkleidet sich der
vordere verdauende Theil auch wohl mit einer eigenen \Yandung ; es
entsteht dann ein besonderer, kurzerund cylindrischer Magenschlauch,
aber dieser ist niemals geschlossen, sondern steht am Grunde mit der
blutführenden Leibeshöhle in offenem Zusammenhange. Mitunter bleibt
die Leibeshöhle der Coelenteraten einfach, schlauch- oder sackför-
mig, wie die äussere Körperhülle; in der Regel zerfällt dieselbe
jedoch durch scheidewandarlige Vorsprünge an der Peripherie in ein
System radiärer Taschen oder Canäle, die nicht selten unter sich selbst
wieder in manchfache Verbindung treten und bisweilen zu einer sehr
mächtigen Entwickelung gelangen. Diese peripherischen Theile der
Leibeshöhle bilden das (mit Unrecht) sog. Wassergefässsystem.
Auch Huxley dringt darauf, die Akalephen mit den
Polypen zu vereinigen und die Abtheilung der Cu vier'schen
Radialen aufzulösen. Rep. br. Assoc. for 1851. Not. p. 80;
l'InstiL 1851. p. 375.
Für besonders charakteristisch hält Verf. das Vorkommen der
Angelorgane bei Polypen und Akalephen, wesshalb er denn auch zur
Bezeichnung dieser Thiere den Namen „Kematophora" vorschlägt. In
dieser Gruppe der Kematophoren unterscheidet Verf. sodann zwei
Classen : 1) Anoecioa und 2) Oecioa. Die erstere enthält die Hydro-
iden , Diphyiden , Physophoriden und Medusiden, die eines eigenen
Magensackes entbehren und äussere (? Ref.) Geschlechtsorgane besit-
zen sollen ; die andere die Anthozoen und ßeroiden mit Magensack
und innern Geschlechtsorganen.
Ref. glaubte früher in seiner Abtheilung der Coelenteraten
die Akalephen und Polypen als Klassen beibehalten zu können (Mor-
phologie u. s. w.) , hält es aber später für zweckmässiger (Zool.
Beiträge I. S. 91), drei Classen aufzustellen: l) Ctenophora, 2) Aca-
lephae mit den Scheibenquallen, Hydroiden und Siphonophoren und
3) Polypi.
Forbes unterscheidet bei den Coelenteraten vier Classen:
Discophorae, Ciiiograda, Cirrhigrada und Physograda, von denen die
406 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
beiden letzten zusammen den Eschscholtz'schen Siphonophoren ent-
sprechen. Zu der ersten Classe gehören als Ordnungen die Anthozoa,
Steganophthalmata, Gymnophthalmata und Hydroida. Monograph. brit.
naked-eyed Medusae p. 88.
Auch V. Carus theilt die Coelenteraten in vier Classen : An-
thozoen, Hydroiden, Siphonophoren und Discophoren mit den Cteno-
phoren (System der Morphol. S. 35) , während van Beneden fünf
Classen annimmt: Ctenophorides, Siphonophorides, Discophorides (mit
den Campauularicn und Tubularien), Hydrides (die Süsswasserpolypen
mit den Sertularien) und Anthophorides, Anat. comp. p. 343,
1. Ctenopliora*
Ueber den Bau der Rippenquallen erhielten wir eine
treffliche, mit zahlreichen schönen Abbildungen illustrirte
Darstellung von Agassi z in den Transact. Amer. Acad. of
Arts and Sciences 1850. p.3l3. „On the Beroid Medusae of the
Shores of Massachusels in Iheir perfect slate of developpe-
nient.« Die Abhandlung bildet den zweiten Theil der Con-
Iributions to the natural history of the Acalephae of Norlh-
America, deren ersten Theil wir später, bei den nacktäugi-
gen Medusen, noch besonders hervorzuheben haben.
Die Angaben des Verf. stützen sich auf die Beobachtung zweier
neuer Arten, Pleurobranchia (Cydippe) rhododactyla und Boline olala.
Sie betreffen die Bildung des äussern Körpers mit seinen Anhängen,
wie den Bau der innern Organe mit Ausnahme der Geschlechtsappa-
rate, die der Verf. bei seinen Exemplaren nicht beobachten konnte.
Von besonderem Werthe sind die Mittheilungen über die histologische
Zusammensetzung der einzelnen Systeme, über den Muskelapparat,
den Bau des Gastrovascularapparates. Die Muskelfasern stimmen in
histologischer Beziehung mit den sog. Faserzellen der höheren Thiere
überein , wie das, nach den Untersuchungen unseres Verf., auch bei
den Scheibenquallen der Fall ist. Sie bilden ein System von meri-
dionalen Strängen, die auf der Aussenfläche des Körpers zwischen den
Rippen herablaufen und durch zahlreiche horizontale Faserzüge ver-
einigt werden. An der Basis der Wimperkämme lassen sich beson-
dere für die Bewegung dieser Theile bestimmte Muskelfasern unter-
scheiden.* Uebrigens glaubt Verf., dass auch die Hyalinsubstanz des
Körpers in ihrer ganzen Masse contractu sei. Das Magenrohr ist am
unteren Ende mit einer weiten Oednung versehen und durch diese
mit dem trichterförmigen Anfangstheile des Vascularapparates im Zu-
sammenhange, ganz wjc das Uef. in den mit Frey zusammen her-
ausgegebenen Beiträgen schon früher beschriebe^ hatte, Wie das
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 407
hier geschehen, so vergleicht auch Verf. das Magenrohr der Rippen-
quallen mit dem Magenrohre der Actinien, den Vascularapparat mit
der Leibeshöhle dieser Thiere. Die Anwesenheit eines Afters wird in
Abrede gestellt, indessen beobachtete Yerf. am hinteren Körperpole,
neben dem unpaaren Sinnesorgan , zwei einander gegenüberliegende
verschlicssbare OefFnungen, durch die der Vascularapparat nach Aus-
sen führt. (Auch Kef. hat sich jetzt von der Existenz dieser Oelfnun-
gen bei den Bippcnquallen überzeugen können.) Interessant ist die
Beobachtung, dass sich der seitlich symmetrische Vascularapparat al-
ternirend rechts und links zusammenzieht und dabei seinen Inhalt in
die gegenüberliegende Körperhälfte übertreibt. Dass das oben erwähnte
unpaare Gehörorgan mit Recht diesen Namen trage , wird in Abrede
gestellt. Verf. will dasselbe nicht einmal als Sinneswerkzeug aner-
kennen ; er vermuthet vielmehr, dass dasselbe, wie die höckerförmige
Hervorragung auf dem Scheitel mancher Medusen, eine Art Kabel
darstelle und auf eine frühere Verbindung mit einem Hydroidpolypen
hindeute. Verf. vermuthet mit andern Worten , dass die Rippenqual-
len ganz auf dieselbe Weise, wie dieDiscophoren, durch Generations-
wechsel entständen. (Ref. erinnert daran, dass er bei einer Cydippe der
Nordsee mit Frey eine sehr entschiedene Bewegung der Otolithen
beobachtete , auch die Flimmerhaare im Innern der Gehörblase ganz
deutlich erkannt hat, muss aber hinzufügen, dass ihm bei den mit-
telmeerischen Arten, die ihm in Nizza zu Gesicht kamen, weder das
Eine noch das Andere zu beobachten gelungen ist.) Auch die ner-
vöse Natur des Ganglions, dem die Gehörblase aufsitzt, wird von
Agassi z bezweifelt; er ist geneigt, das centrale Nervensystem der
Rippenquallen in vier kleinen und rundlichen Körpern anzunehmen,
die in der Peripherie jenes sog. Ganglions gelegen seien. Die Stränge,
die von diesen letztern ausstrahlen und bis an die einzelnen Rippen
sich verfolgen lassen , hält unser Verf. für dünne Canäle, die in die
Rippencanäle (Ambulacralcanäle Ag.) übergingen und mit diesen zu-
sammen einen ähnlichen radiären Gefässapparat zusammensetzten, wie
er bekanntlich bei den Discophoren vorkommt.
Eine sehr willkommene Ergänzung dieser Angaben bie-
ten uns die Millheilungen Kölliker's in der Zeilschrift für
wiss. Zool. 111. S. 316.
Zunächst stellt Köll., wie das Ref. schon vor mehreren Jahren
gelhan hatte und auch neuerdings (Zool. Unters. I. S. 9 Anm.) für
Beroe u. a. Arten wiederholte, die Existenz der von Will beschrie-
benen Blutgefässe auf das Bestimmteste in Abrede. Von dem Ner-
vensysteme sah Verf. nur undeutliche Spuren. (Dass dasselbe in
Wirklichkeit weit weniger deutlich und scharf begrenzt ist, als bei
den höhern Wirbellosen, wird gewiss Jeder gestehen, der Gelegenheit
408 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
hatte , Rippenquallen zu beobachten. Allein nichts desto weniger
glaube ich , nach Untersuchungen an Beroe u. a. , behaupten zu dür-
fen, dass man wohl kaum an der Existenz desselben und der Rich-
tigkeit der zuerst von Milne Edwards gegebenen Darstellung
zweifeln kann.) In Bezug auf die Bildung der Geschlechtsapparate
werden die Angaben von Will im Wesentlichen bestätigt, so dass
wir wohl die Zweifel für beseitigt ansehen können, die von mancher
Seite, namentlich von Vogt, dagegen laut geworden sind. ISur von
der Anwesenheit besonderer Ausführungsgänge und üefFnnngen konnte
sich Kölliker (wie auch Ref.) nicht überzeugen. In der Entwick-
lung dieser Apparate zeigen sich übrigens bei den einzelnen Arten
mancherlei Unterschiede. Sie sind bald einfache Schläuche, die sich
zu den Seiten des Rippengefässes hinziehen, bald auch (bei Eucharis)
beuteiförmige Säcke , die auf eigenen seitlichen Ausbuchtungen der
Rippengefässe aufsitzen und durch Wciterenlwickelung der Häute an
letzteren gebildet zu sein scheinen.
Auch Über die Enlwickelung- der Rippenquallen haben
wir einige Angaben erhalten, die freiiich noeh nieiU ausrei-
chen, eine vollständige Uebersicht derselben zu geben, aber
doch (in Uebereinstimmung mit den schon im letzten J. B.
erwähnten Beobachtungen von Price) wohl zu der Behauptung
berechtigen, dass die Rippenquallen keineswegs, wie Agas-
siz verrnuthet, nach Art der Scheibenquallen aufgeammt
werden.
J. Müller fand in Helgoland wie in Triest junge nur Vto'"
grosse Rippenquallen, die in Form, Structur und Lebenserscheinungen
vollkommen mit den erwachsenen übereinstimmten. Er schliesst dar-
aus , dass sich die Rippenquallen ohne Äletamorphose entwickelen
(Arch. 1850. S. 498). Ob das freilich von allen Arten in derselben
Weise gilt, dürfte zweifelhaft sein, zumal Kölliker inzwischen in
Wessina ein 'ihierchen (etwa */q"') aufgefunden hat, das kaum etwas
anderes, als eine junge Rippenqualle sein kann, obwohl es sich durch
äussere und innere Bildung von den bis jetzt bekannten Arten mehr-
fach unterscheidet. Statt der Flimmerlappen finden sich einstweilen
blosse Flimmerhaare; statt des Magens mit dem Gastrovascularappa-
rate eine vollkommen einfache Höhlung. Fangfäden fehlen; dagegen
findet sich rechts und links neben der Mundölfnung ein dicker und
schmaler, rechtwinklig zur Längsachse gestellter Lappen. (Zeitschr.
für wiss. Zool. IV. S. 318).
Neue Arten. Agassiz beschreibt zwei neue Rippenquallen
der nordamerikanischen Küste, Pleurobrnnchia (Cydippe) rhododnctijla
und Boltenia alala und liefert davon eine Reihe schöner Abbildungen.
Traoß^Qt. Amer> Acad> 1. L
der niederen Thitre wälirend der J. 184S— 1853. 409
Auch Kölliker beobachtete einige neue Rippenquallen, die in
die Wahe von Cydippe gehören, Esrhscholizia peclinnla Köll., E. cor-
data Köll. und Owenia (n. gen.) r^ibra Köll. aus Messina. Zeitschr.
für wiss. Zool. a. a. 0. S. 315.
Char. gen. Otrenia. Rippen von ungleicher Länge; die an
den Rändern gehen fast bis zum Munde, die an den Flächen nur et-
was über die Mitte. Magen lang , Trichter kurz ; Fangfäden einfache
Fäden, welche mit zwei Schenkeln in der Höhe des Trichters ent-
springen und in einer besonderen Scheide bis gegen das untere Ende
der langen Rippen verlaufen, wo sie aus einer kleinen üeffnung her-
vortreten.
Dalyell liefert in den „Rare and rem. animals of Scotland"
T. II. p. 252. PI. LllI u. LIV Beschreibung und Abbildung folgender
Rippenquallen : Beroe ovala (non Br.) , U. punctata n. sp., ß. bilobata
(^Eucharis Tiedemanni^^ B (^Cydippe s. Pleurobranchia) pileus.
Das Gen. Meden enthält nach Kölliker (a. a. 0.) blosse Ent-
wickelungsformen von Beroe.
3> Hydroniedusae.
Die Classe , die wir hier als Hydroinedusen bezeich-
nen, ist dieselbe, die wir früher (S. 405) unter dem Cu-
vier'schen Namen Acalephae aufgeführt haben. Sie umfasst
die Scheibenquallen mit den Hydroiden und Siphonophoren,
jene Thiere , die in ihrem geschlechtlich enlwickelten Zu-
stande eine mehr oder minder deutliche Scheibenform be-
sitzen, in ihrer Jugend aber oder in ihren geschlechtslosen
Zuständen an die Polypen sich anschliessen.
Der Namen „Hydromedusae^^ ist zuerst von C. Vogt
gebraucht worden (Zool. Briefe!. S. 104), aber in einem en-
geren Sinne, als hier, nämlich ohne die Siphonophoren. Die
Hydromedusen oder Qui^Henpolypen C. Vogt's umfassen nur
die Discophoren mit den Hydroiden, zwei Thiergruppen die
allerdings auf das Innigste zusammenhängen und sich über-
haupt wolil schwerlich aus einander hallen lassen. (In unse-
rem Berichte werden wir allerdings die Discophoren und Hy-
droiden gesondert behandeln, aber nur aus praktischen Grün-
den, nur deshalb, weil sich die Vereinigung dieser beiderlei
Thierformen bis jetzt noch nicht in vollständiger Weise durch-
führen lässt. Bei den Discophoren berücksichtigen wir zu-
410 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
nächsl die geschlechtsreifen Scheibenquallen, unter den Hy-
droiden dagegen die polypenartigen (festsitzenden) Ammenzu-
stände, wenigstens jene, die sich in biologischer Beziehung
durch eine grössere Selbstständigkeit auszeichnen.)
Kolli k er fasst die Gruppe der Hydroincdusen, die er
gleichfalls acceptirt , noch enger, als Vogt, indem er die
Hydraarten davon ausschliesst und diese mit den Siphono-
phoren in eine gemeinschaftliche Gruppe: Hydroida ziisam-
menfassl. (Die typische Verwandtschaft der Coelenterata wird
von K. nicht berücksichtigt; K. vereinigt allerdings die Po-
lypen und Medusen als Radiata molluscoidea, aber er rechnet
dieser Gruppe auch noch dieBryozoen hinzu.) DieSchvvimm-
polypen oder Siphonophoren von Messina. S. 77.
Dass die Hydroiden von den Anthozoen abzutrennen
seien, ist heutigen Tages fast allgemein anerkannt. So na-
mentlich vom Referent, von Vogt, V. Carus, Huxley,
Agassi z u. A. Nur über die näheren oder entfernteren Be-
ziehungen derselben zu den Medusen oder echten Seheiben-
quallen herrschen noch einige Divergenzen. Einige glau-
ben die Hydroiden, wie schon oben angedeutet wurde, ohne
Weiteres mit den Scheibenquailen vereinigen zu können, wäh-
rend Andere dieselben als Repräsentanten einer eigenen Gruppe
unter diesen Thieren ansehen möchten. So namentlich A gas-
siz, der (Rep. Amer. Assoc. at Charleston 1850. p. 119)
die Hydroiden als festsitzende Medusen in Anspruch nimmt.
Dlscophora.
An die Spitze unseres Berichtes über die Scheibenqual-
len stellen wir die vortreffliche Abhandlung von Huxley
„über den Bau und die Verwandtschaften der Medusen« Phil.
Transact. for 1849. P. 2. p. 4l3 öder Ann. des sc. nat. 1851.
T. XV. p.3M. (Im Auszuge Froriep's J. B. Zool. I. S. 209.)
Der ganze Körper der Medusen besteht nach unserem Verf. aus
zwei über einander liegenden Membranen (Grundmembranen, fonda-
tion membranes), einer innern , die das gesammte Höhlensystem aus-
kleidet, und einer äussern. Beide besitzen eine zellige Beschaffen-
heit, zeigen aber sonst manche Verschiedenheiten. So ist die innere
z. B. weicher und mit einem reichen Flimmerbcgalze vergehen, die
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 411
äussere dagegen mit einer grösseren Menge von Angelzellen ausge-
stattet, an vielen Stellen aueh zu einer Muskelhaut entwickelt u. s. w.
Der Glaskörper der Scheibe stellt eine locale Verdickung dieser letz-
teren Membran dar. Die Randkörperchen liegen zwischen beiden
Membranen und nehmen bei den sog. Phanerocarpen die Spitze eines
kleinen zapfenarligen Vorsprunges ein, dessen innerer Hohlraum mit
dem Gefässsysteme zusammenhängt. Der von Ehrenberg an der
Basis dieses Zapfens beschriebene Nervenknoten wird in Abrede ge-
stellt, wie denn Verf. überhaupt keine Spur eines Kervensystemes bei
unseren Thieren auffinden konnte. (Auch Ref. hat sich davon über-
zeugt, dass die Angabe von der Existenz besonderer Markknoten an
den Randkörperchen der höheren Medusen auf einer irrthümlichen
Deutung gewisser mikroskopischer Bildet- beruht.) Eben so wenig
konnte sich Verl. von der Richtigkeit der VVili'schen Darstellung des
Gefässsapparates bei den Medusen überzeugen. Die Oeffnungen der
Saugröhren bei den Rhizoslomiden sind von Lappen und soliden ten-
takelförmigen Fortsätzen umgeben, die bald im Umkreise einer jeden
üefTnung isolirt bleiben und dann einige Aehnlichkeit mit einem Po-
lypenkop'e haben, bald aber auch mit den nächstliegenden Anhängen
zusammenfliessen. Der Zusammenhang zwischen dem Magenraume und
den radialen Canälen ist niemals (? Ref.) ein direkter, sondern wird
beständig durch einen eigenen engern oder weiteren Hohlraum (com-
mon cavity) vermittelt. Die Tentakel sind doppelter Art, bald so-
lide und dann nur durch die äussere Grundmembran gebildet , bald
hohl und mit dem Gefässapparate im Zusammenhange, und dann durch
Theilnahme der inneren Membran entstanden. Zu den Tentakeln der
erstem Form rechnet Verf. auch die buckeiförmige Erhebung auf dem
Mittelpunkte der eonvexen Scheibenfläche, die bekanntlich vielen klei-
neren Medusen zukommt (und wohl überall nur auf den früheren Zu-
sammenhang der Medusen mit einer polypenartigen Amme hinweist
Ref.). Die Geschlechtsorgane entstehen durch eine eigenthümliche
Entwickelung an den VN'änden des Höhlensystemes und lassen beide
Grundmembranen erkennen. Die Geschlechtsstoffe, die bekanntlich in
eigenen Kapseln eingeschlossen sind, liegen zwischen beiden Mem-
branen und sind zunächst mit der Aussenfläche der Innern Membran
im Zusammenhange. So verhält es sich auch bei den grösseren pha-
nerocarpen Medusen, nur dass diese Geschlechtsorgane hier (zur Zeit
der Entwickelung) in lappenförmigen Falten oder Duplicaturen an der
Unterfläche der Scheibe herabhängen. Eine jede dieser Falten um-
schliesst einen Hohlraum, der mit dem Canalsysteme des Körpers zu-
sammenhängt. Bei Rhizostoma und Phacellophora brechen die Sa-
menkapseln nicht nach Aussen, sondern nach Innen auf, so dass der
Inhalt dann schliesslich durch die Mundöfl'nungen entleert wird.
In Bezug auf die Vcrwandtschaflsv rhällnissc der Medusen spricht
412 Leuckart: Bericht Ob. d. Leistungen in d. Naturgeschichte,
sich Huxley dahin aus, dass diese Thiere mit den Physophoriden,
Diphyiden, Sertulariden und Hydren in eine gemeinschaftliche Classe
vereinigt werden müssten. Er sucht diese Behauptung (ohne dabei von
den ähnlichen Versuchen anderer Forscher Notiz zu nehmen) durch eine
morphologische Analyse der betreffenden Thiere zu rechtfertigen und
vergleicht zu diesem Zwecke die einzelnen Organe derselben. Verf.
erweist sich dabei als ein Gegner der Sleenstr up'schen Theorie
des Generationswechsels. Er kennt freilich die Aehnlichkeit der sog.
Geschlechtsglocken bei den Siphonophoren und Hydroiden mit man-
chen kleinen Medusenformen, aber parallelisirt dieselben nichts desto
weniger mit den Geschlechtsorganen der letztern, wie er denn über-
haupt den Bau der genannten Thiere auf die Organisation der ausge-
bildeten Medusen und nicht auf die der Medusenammen zurückzufüh-
ren sucht. Die Saugröhren der Siphonophoren und die Folypenköpfe
der Sertularinen werden mit den sogenannten Saugröhren der Uhizo-
stomiden verglichen, der Stamm dieser Thiere mit der sog. Athem-
höhle (commen cavity) derselben u. s. vv'. Den wesentlichsten Un-
terschied der Diphyiden und Medusen sieht Verf. darin, dass der Schirm
der erstem, der durch die sog. Schwimmglocke repräsentirt ist, nicht mehr
den Magen einschliesst wie bei den Medusen, dass mit andern Wor-
ten der Magen der Medusen an der Innenfläche des Schirmes, der
der Diphyiden dagegen an der Aussenfläche suspendirt sei. Ref. nimmt
keinen Anstand , diese morphologische Entwickelung des Verf. als
ziemlich verfehlt zu bezeichnen, obgleich er die systematischen An-
sichten desselben vollständig Iheilt.
Nicht minder wichtig für unsere Kenntnisse von den
Medusen ist das (unter den Auspicien der Ray Society er-
schienene) Werk von E. Forbes: „a nionograph of the
brittish naked-eyed Medusae^^ London 1848, in der die von
dem Verf. bisher an den englischen Küsten beobachteten Ar-
ten dieser Thiere (vergl. Jaliresber. ßd. XVL, S. 413} sorg-
fältig, mit beständiger Rücksicht auf den inneren Bau, be-
schrieben und abgebildet sind.
Aus der Uebersicht über die Anatomie dieser Thiere, die dem-
zoologischen Theile vorhergeht , heben wir hier Folgendes hervor.
Die Hauptmasse des Medusenkörpers und namentlich des Schirmes
(umbrella) besteht aus einer eigenthümlichen durchsichtigen Substanz
von hyaliner Beschaffenheit, die einen zelligen Bau hat und elastisch,
aber nicht contractu ist. Die Bewegungen unserer Thiere hängen
von der Action eines eigenen muskulösen Gewebes ab, das aus faser-
artig verlängerten Kernzellen besteht und bei den nacktäugigen Ar-
ien (abgesehen von der Muskulatur des Mundes und der Tentakel)
der niederen Thicre während der J. 1848—1853. 413
fast beständig auf einen einzigen sphincterartigen Muskel am Rande
des Schirmes beschränkt ist. Die übrigen grösseren Medusen (auch
schon lurris u. a.) haben einen complicirteren Muskelapparat an der
unteren Fläche des Schirmes, für deren Bezeichnung F. den Mamen
Subumbrella vorschlägt. Durch Entfernung dieser Muskelschicht auf
der einen Körperseite gelang es bei Rhizosloma eine halbseitige Läh-
mung hervorzubringen. Die von W i 1 1 als Blutgefässe beschriebenen
Röhren konnten nicht aufgefunden werden. Eben so wenig konnte
sich Verf. mit Bestimmtheit von der Anwesenheit eines Nervensyste-
mes überzeugen. Unter den sog. Randkörperchen werden Gehöror-
gane mit Otolithen (die der Verf. bei manchen Thaumantiasarten in
Bewegung sah) und Gesichtswerkzeuge unterschieden , welche letz-
tere aber immer nur aus einer Pigmentanhäufung bestehen. Bei den
höheren Medusen enthalten diese Gesichtswerkzeuge ausser dem Tig-
mente auch noch Krystalle (die der Verf. nicht für Otolithen gelten
lässt, weil sie nach der Untersuchung von Rosenthal aus Kieselerde
bestehen sollen). In Bezug auf die Geschlechtsorgane bestätigt Verf.
die bekannten, auch von anderen Seiten ausser Zweifel gestellten An-
gaben vonW^ill, zeigt aber zugleich, dass die Lagerung dieser Theile
bei den einzelnen F'amilien nicht unbeträchtlich wechsele. So findet
man namentlich bei den üceaniden und Sarsiaden die Geschlechtsor-
gane nicht in der Körperscheibe , sondern im Umkreise des Magen-
sackes.
Von besonderem Interesse sind die Beobachtungen des Verf. über
die Knospenbildung einiger nackläugigen Medusen, durch welche die
früheren Angaben von Sars über denselben Gegenstand (vergl. Jah-
resber. Bd. XVI. S. 420) nicht unbeträchtlich erweitert werden. Der
Verf. unterscheidet (S. IG) nach dem Orte der Knospenbildung, vier
Arien dieses Vorganges: Ij eine Knospung an den Ovarien, bei Thau-
mantias lucida, 2) eine symmetrische Knospung am Mageustiele, wo-
bei vier gleichmässig um den Stiel verlheilte Knospen erzeugt wer-
den, von denen eine in ihrer Entwickelung den übrigen vorausgeht,
bei Lizzia (Cytaeis) octopunctata und L. blondina , 3j eine unregel-
mässige Knospung am Magenstiele mit zahlreichen einigermaassen spi-
ralig gestellten Sprösslingen, bei Sarsia gemmifera und 4) eine Kno-
spung an der Tentakelbasis, bei S. prolifera, bei der jeder der vier
Tentakel ein ganzes Bündel junger Medusen auf den verschiedensten
Stufen der Entwickelung trägt. Die Sprösslinge gleichen in allen
Fällen ihrem Mutterthiere.
Ueber die Entwickelung werden keine neue Thatsachen beige-
bracht ; der Verf. spricht sich indessen dahin aus, dass dieselbe durch
Hülfe eines Generationsweciisels viriiiiltilt werde, wie bei den hö-
heren Medusen, und ninnnt die liydroiden aus den Familien der Cam-
414 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
panularien , Tubularien und Coryneen als Ammen unserer Thiere in
Anspruch.
An diese Untersuchungen von Forbes und Huxley
schliessen sich sodann die werthvollen Beobachtungen, die
unsAgassiz in dem ersten Theile der schon oben, bei den
Rippenquallen, erwähnten Contribulions unter dem Titel „on
the naked-eyed Medusae of the Shores of Massachusetts, in
their perfect State of development" (Transact. Amer. Ac. of
Arts and Sc. 1850. p. 222) mitgetheilt hat.
Das Material dieser Untersuchungen besteht aus einer Anzahl
neu entdeckter Formen , Sarsia mirabilis , Hippocrene (Bougainvillia)
superciliosa, Tiaropsis diademata, Slaurophora laciniata, die von unse-
rem Verf. einzeln, bis in die feinsten histologischen Details hinein,
sorgfältig beschrieben sind. Der Muskelapparat unserer Thiere be-
steht nicht bloss aus der sog. Subumbrella, sondern, nach der Dar-
stellung unseres Verf., ausserdem auch noch aus einem zweiten äus-
serst zarten Fasersysteme, dessen Elemente auf der äussern und untern
Fläche des Glaskörpers, und zwar vorzugsweise in radiärer Richtung,
verlaufen, ohne indessen eine continuirliche Schichte darzustellen. Am
Mundstiele und an den Tentakeln konnte Verf. nirgends Muskelfasern
auffinden, indessen darf man diesem Ausspruche des Verf. keine allge-
meine Geltung beilegen , da sich , nach den Beobachtungen des Ref.,
manche Arten in dieser Beziehung anders verhalten. Die Central-
theile des Kervensystemes bestehen nach unserem Verf. aus zweien
concentrischen Nervenringen, die an der untern Fläche des Glas-
körpers, der eine im Umkreise des Mundstieles, der andere in der
Peripherie der Körperscheibe gelegen sind und durch vier radiäre
Nervenstränge unter sich zusammenhängen. Die Randkörperchen
deutet unser Verf. in allen Fällen als Gesichtswerkzeuge , auch die
wirklichen Gehörapparate, die als zusammengesetzte Augen betrachtet
werden. (Die einzelnen Otolithen hält Verf. unrichtiger Weise für
Pigmentflecke.) Für die Bildung des Gastrovascularapparates , der
Geschlechtsorgane , Fangfäden u. s. w. verweist Ref. auf die ürigi-
nalangaben des Verf., die unsere Kenntnisse mit manchen interessan-
ten Specialitäten vermehren. Er beschränkt sich schliesslich noch auf
die Bemerkung, dass die Mundöffnung von Staurophora, weit davon
entfernt, zu fehlen, wie man wohl behauptet hat, von ansehnlicher
Grösse ist und die Form eines langgezogenen Kreuzes hat. Die Ent-
wickelungsgeschichte ist nur beiläufig berücksichtigt worden, da Verf.
die Absicht hat, diese später zum Gegenstande einer besondern Dar-
stellung zu machen. (Wie Ref. brieflich vom Verf. erfahren hat,
wird diese Abhandlung in Kürze erscheinen.) Nur gelegentlich er-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 415
fahren wir, dass der Larvenzustand von Sarsia eine Coryne ist, dass
Hippocrene von einer Tubularia , Tiaropsis von einer Campanularia
aufgeammt wird.
Ausser diesen drei grösseren Abhandlungen liegen über
den Bau der Scheibenquallen nur noch einige wenige Mit-
Iheilurigen vor.
So von Gegenbaur, der sich (l'lnslit. 1850. p. 344)
davon überzeugt hat, dass die sog. Randkörperchen bei Ca-
rybdaea, Felagia , Ephyropsis (n. gen.^ und Rhhostoma
eben so wohl aus einem Gehörorgane, als auch einem Ge-
sichlswerkzeuge bestehen. Das letzlere liegt seitlich neben
dem Gehörorgane und wird von einem Pigmenthaufen gebil-
det, in den eine sphärische Linse eingesenkt isl.
Karsten berichtet über die Nesselorgane von Cyanea
und deren Entwickelung. Berl. Monatsber. 1852. S. 73.
Derbes über die Geschlechtsverhältnisse und die Fort-
pflanzung von Cyanea chrysaora. Annal. des sc. nat. 1850.
T. XIll. Froriep's J. B. Zool. II. S. 121.
Verf. erklärt die Cyanea für hermaphroditisch und will eben
sowohl an den Ovarien, als auch den Kränzen der Anne kleine gelb-
liche liläschen gefunden haben , die an ihrer Innenfläche bewegliche
in Zellen eingeschlossene Samenfäden enthielten. Das Ei soll von
Anfang an in Form eines bewimperten Embryo existiren (eine An-
gabe, die wohl nur beweist, dass der Verf. keine' Eierstockseier, son-
dern blosse Embryonen zur Beobachtung bekam). Die Entwickelung
konnte bis zur Ausbildung der Polypenform beobachtet werden.
Unter den übrigen Arbeiten über die Entwickelungsge-
scliichle der höheren Medusen, ist vor allen eine Abhand-
lung von Dalyell hervorzuheben, die dem schon mehrfach
angeführten Werke T. I. p. 73 (und Nachtrag T. 11. p. 241)
einverleibt ist und eine ausführliche Darstellung der theilweise
schon vor zwanzig Jahren veröffentlichten (vgl. Jahresber.
für 1^36. Bd. III. S. 278) Beobachtungen enthält.
Zunächst sucht Verf. den Nachweis zu liefern, dass die poly-
penförmigen Thiere, an welche er seine Beobachtungen anknüpft,
nach Bau und Lebensweise (Knospenbildung , Reproductionsvermögen
u. s. w. ) mit unseren Süsswasserpolypeu übereinstimmten, auch
jahrelang ohne weitere Metamorphose verharrten, also mit vollem
Hechte als eine Hydra (11. luba Dal. = H. gelatinosa Zool. dan.) be-
trachtet werden könnten. Trotzdem ist diese Hydra nun aber kein
416 Leuckarl: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
ausgebildetes und selbstständiges Wesen, sondern die Larve einer Meduse.
Die ersten Zustände dieser Larve sind dem Verf. unbekannt geblieben;
er beobachtete dieselben indessen an zwei Arten des Gen. Chrysaora,
bei denen die polypenförmigen Larven Anfangs eine einfache infuso-
rienartige Bildung besitzen und erst nach mancherlei Veränderungin
ihre spätere Form annehmen. Der Uebergang (Icr Hydra tuba in den
Medusenzustand geschieht durch die bekannte Strobilaform , wie der
Verf. ganz unabhängig von Sars (schon lange vor demselben) ge-
funden hat. Der vordere Theil des Polypen streckt sich und zerfällt
durch Quergliederung in eine Anzahl von Segmenten , deren Menge
bis zu 25 und noch mehr steigt. Der Uebergang der Hydra in die
Slrobila hat Verf. allerdings in ihren ersten Anfängen nicht beobach-
tet; dass dieselbe jedoch, wie bemerkt, durch Längsstreckung des
Polypen geschieht, dürfte wohl dadurch bewiesen sein, dass der vor-
derste der Ringe anfangs noch ganz deullich auf seiner freien Fläche,
vom Rande etwas entfernt, die Tentakel des früheren Polypen erken-
nen lässt. Aber diese Tentakel beginnen allmählich zu schwinden
und gehen schliesslich spurlos verloren. Dalür entsltht nun am hin-
teren Ende der Strobila, unter dem letzten Ringe, wo sich dieser ge-
gen den unveränderten Basaltheil des Polypen absetzt , ein neuer
Tentakelkranz, wahrscheinlich auch eine neue Mundöllnung, so dass
es jetzt den Anschein hat, als " habe der ursprüngliche Polyp an sei-
nem Vorderende eine geringelte Säule von ansehnlicher Länge her-
vorgetrieben. Anfangs hatte diese Säule eine gleichmässige cylindri-
sche Gestalt, aber nach der Bildung des neuen Tentakelkranzes be-
ginnen die vorderen Ringe stärker zu wachsen , so dass die Säule
in kurzer Zeit eine kegelförmige Bildung annimmt. Die einzel-
nen Ringe trennen sich immer weiter und entwickeln sich schliess-
lich in kleine Medusen von eigenlhüinlicher Gestalt (Medusa befida
Dal. M. minutissima Penn.), die sich schliesslich eine nach der andern
von ihrer Unterlage ablösen und dann als völlig freie und selbst-
ständige Wesen erscheinen. Eine weitere Veränderung wurde an die-
sen Medusen nicht beobachtet; der Verf. scheint die Sprösslinge der
Hydra luba in ihrer gegenwärtigen Form für ausgebildet zu halten.
Sehr übereinstimmend mit diesen Angaben von Da-
lyell lauten die Beobachtungen vonReid, die schon in dem
letzten Jahresber. angezogen sind und jetzt in einer neuen,
ausführlichem Abhandlung vorliegen (Ann. nat. hisL 1848.
T. 1. p. 25, Froriep's N. N. 1848. N. 130).
Die Production der Medusen beschränkt sich auch nach Reid
auf das vordere Körperende (etwa '/e — '7 der ganzen Körperlänge),
das sich streckt und ringelt und noch vor der Abtrennung der ersten
Scheibenqualle seine Tentakel verliert. Das hintere Ende des Poly-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 417
pen persistirt in unveränderter Form, nur mit einem neuen Tentakel-
kranze und überlebt die Abtrennung der Medusensprossen.
Auch Desor berichtet (Proc. ßosf. Soc. 111. p. 137,
Ann. des sc. nalur. 1849. T. XII. p. 211) über die Entwicke-
lung einer Meduse, Aurelia aurita, hat aber nur, wie es
scheint, die lelzten Stadien derselben, nach der Neubildung
der Tentakel an dem persislirenden Polypenleibe, zur Beob-
achlung gehabt.
Die Auffassung dieses Vorganges ist etwas abweichend ; Desor
behauptet, dass die jungen Medusen nicht auf dem Wege der Theilung,
sondern durch fortgesetzte Knospenbildung an der Kopfscheibe der
polypenförmigen Ammen entstehen. Die Ernährung der Knospen ge-
schieht durch vier Kanäle , welche die ganze Länge der säulenför-
migen Colonie durchsetzen und schliesslich mit dem auch von Reid
beschriebenen gefässartigen Kutritionsapparate der Amme zusammen-
hängen.
Während sich die voranstehenden Beobachtungen vor-
zugsweise auf die späteren Stadien der Medusenentwickelung
beziehen, sind andererseits bei unseren Thieren auch die frü-
heren Vorgänge bis zur Ausbildung der Polypenfonn mehr-
fach der Gegenstand einer näheren Untersuchung gewesen.
Hieher gehören namentlich die Beobachtungen von Ecker
an Cephea (Verh. der naturf. Gesellsch. zu Basel Heft VIII.
1849. S. 51 — sind mir nicht zu Gesicht gekommen und
beziehen sich, wie ich den Angaben von Busch entnehme,
zunächst nur auf die Entwickelung des Embryos im Ei), so
wie die von Busch an Chrysaora und Cephea (Beobachlun-
gen u. s. w. S. 25) und von Gegenbaur an Cassiopeia
(Zeitschrift für wiss. Zool. IV. S. 328, so wie ausführlicher in
einer eigenen seither erschienenen höchst interessanten Ab-
handlung dess. Verf. „über den Generationswechsel und die
Fortpflanzung der Medusen", die wir erst im nächsten J. B.
näher besprechen können). Ueber den innern Bau der poly-
penförmigen Larve (von Cephea) berichtet ausserdem auch
Franlzius in der Zeitschrift f. wiss. Zool. IV. S. 118.
In allen diesen Fällen hat der Embryo nach dem Ausschlüpfen,
wie bei Medusa und Cyanea, eine einfache infusorienartige Bildung.
Er schwimmt eine Zeit lang durch Flimmerbewegung umher, setzt
sich aber später fest und nimmt dann allmählich eine polypenförmige
Gestalt an. Bei Cassiopeia ist das erste frei bewegliche Stadium des
Archiv 1. Naturgesch. XX. Jahr«. 2. Bd. ßß
418 Leuckärt: Bericht üb. d. Leistungen in d, Nalurgeschichte
Larvenlebens ausserordentlich kurz, so dass die Metamorphose des
Embryo erst nach der Anheftung beginnt. Bei Cephea dagegen ge-
schieht die Bildung des Alundes und die Anlage der ersten (vier)
Tentakel noch während der Zeit des freien Lebens. Die Jungen von
Chrysocra durchlaufen vor der Befestigung sogar noch weitere Metamor-
phosen, wie schon DalyeU wusste (vgl. hierüber auch die vorläu-
figen Mittheilungen von Busch in Müller's Arch. 1849. S. 140, wo
diese Jungen jedoch einem Polypen zugeschrieben werden). Sie plat-
ten sich ab und verwandeln sich sodann in einen viereckigen Stern,
dessen Ecken sich immer weiter ausziehen und endlich zu tentakel-
artigen Fortsätzen werden. Bei dieser Metamorphose haben die Jun-
gen ihre frühere lebhafte Bewegung verloren ; sie liegen, obgleich
immer noch wimpernd, mit ausgestreckten Tentakeln ganz still auf
der Überfläche des Wassers. Die eine Körperfläche ist etwas gewölb-
ter, als die andere. Sie ist die spätere Rückenfläche, wie man bald
daran erkennt, dass sich auf der gegenüberliegenden Fläche eine cen-
trale Grube bildet, die zur Mundöfl^nung wird. Nach der Verdop-
pelung der ursprünglichen Tentakelzahl verwandelt sich der frühere
Stern in einen glockenförmigen Körper, indem der convexe Rücken
sich immer mehr hebt und die Armwurzeln sich einander annähern.
Man möchte fast vermuthen, dass diese Metamorphose auf geradem
"Wege zu der späteren Medusenform hinführe, wenn Busch nicht
ferner beobachtet hätle , dass sich die Kuppel der Glocke in einen
kurzen stielförmigen Fortsatz erhöbe und durch ihre Befestigung an
festen Körpern auch hier das bekannte polypenartige Larvenstadium
vermittele.
Die Eigenthümlichkeiten der Entwickelung von Chrysaora er-
schöpfen sich aber noch nicht in den eben angeführten Verhältnissen.
Die Jungen besitzen ausserdem auf allen Stadien ihres Lebens, sogar
schon als infusorienartige Embryonen, die Fähigkeit der geschlechts-
losen Vermehrung. Sie treiben Knospen , die sich nach ihrer Ablö-
sung eine Zeitlang als flimmernde Körper von ovaler Gestalt umher-
bewegen und dann ganz wie die übrigen Embryonen metamorphosiren.
Anfangs entstehen diese Knospen an den Seitenrändern des linsenför-
migen Embryo, später an dem Lippenwulsle. Auch an den polypenar-
tigen Larven von Cephea glaubt Busch die Froduction solcher infu-
sorienförmiger Knospen beobachtet zu haben und zwar im Innern der
verdauenden Höhle, indessen scheinen Frantzius und Gegenbaur
geneigt zu sein, hier eine Verwechselung mit verschluckter jüngerer
Brut anzunehmen, wie sie eine solche öfters im Magen der älteren Me-
dusenlarven antrafen.
Was die innere Bildung dieser polypenartigen Medusenlarven
betrifft, so kann es nach den Mittheilungen von Frantzius und Ge-
genbaur nicht länger zweifelhaft sein, dass dieselben in mehrfacher
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 419
Beziehung sehr auffallend von der Ürgunisation der eigentlichen Hy-
droidpolypen dilFerirt. Die polypenartigen Larven der höheren Me-
dusen besitzen einen eigenen von der umgebenden Leibeshöhle ver-
schiedenen Magen, der mit einer soliden und strangförmigen Fortset-
zung seiner Zellenwand im Fussende des Körperschlauches befestigt
ist und hier wahrscheinlicher Weise, wie Steenstrup beschrieb,
mit einem schon vielfach (auch vonReid und Desor) beobachteten
System von Längskanälen zusammenhängt, das in den Körperwandun-
gen emporsteigt. Wie sich diese Längskanäle am vorderen Ende ver-
halten, scheint Ref. noch nicht ausgemacht zu sein, obgleich Reid,
wie Steenstrup früher, angiebt, dass hier unter der Basis der Ten-
takeln ein Ringgefäss vorkomme, das dieselben unter einander ver-
binde. Ref. hält es aus morphologischen Gründen für viel wahrscheinli-
cher, dass hier ein Zusammenhang mit der Leibeshöhle stattfinde, denn
die gleichzeitige Anwesenheit eines geschlossenen üastrovascularap-
parates und einer davon abgetrennten Leibeshöhle scheint demselben
mit unseren dermaligen Kenntnissen von dem typischen Plane der Coe-
lenteraten kaum zu vereinigen.
Der von Gibs und Clarke (Ann. nat. bist. 1849. T. IV. p. 26
oder Froriep's T. Bl. Zool. I. S. 185) beschriebene hydraartige Meer-
polyp dürfte (wie H. tuba Dal.) wohl gleichfalls eine polypenförmige
Medusenlarve darstellen.
Was wir über die Entwickelungsgeschichle der niederen
sog. nackläugigen (kryplocarpen) Medusen kennen gelernt
haben , wird in unserem Referate über die Hydroiden des
Nähern auseinander gesetzt werden. Wir wollen hier einst-
weilen nur so viel erwähnen, dass sich diese niedern Medu-
senformen ihrer Mehrzahl nach gleichfalls auf dem Wege des
Generationswechsels entwickeln und in ihrem Ammenzuslande
eben die sog. Hydroidpolypcn darstellen.
Dass es übrigens auch Medusen giebt, die sich auf ei-
nem einfacheren Wege und ohne Generationswechsel ent-
wickeln, beweisen die Beobachlungen , die J. Müller über
die Jugendzuslände einer kleinen neuen Meduse aus dem Gen.
Aeginopsis, Aeg. medilerranea^ millheilt (Arch. 1851. S. 252).
Das ausgebildete Thier , das seither auch im geschlechtsreifen
Zustande von Kölliker (Zeilschrift für wiss. Zool. IV. S. 320) — so
wie vom Ref. — aufgefunden wurde, besieht aus einer ziemlich flachen
Glocke, von der auf dem convexen Rücken zwei äusserst lange und
hornförmige Tentakel abgehen. Die von J. Müller beobachteten
jüngsten Larven zeigten im Wesentlichen bereits dieselbe Bildung, nur
war der glockenförmige Körper höher, fast flascheaförmig (mehr po.
420 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
lypenähnlich), die Länge der Arme dafür aber äusserst reducirt. Dass
diese Thiere erst vor kurzer Zeit das Ei verlassen hatten, wird theils
durch ihre geringe Grösse, die nur Vs'" beträgt, theils auch und vor-
zugsweise durch den Flimmerüberzug ihres Körpers bewiesen. Die
Anwesenheit eines Flinimerkleides widerstreitet auch der Annahme,
dass diese Thiere etwa durch Knospenbildung auf dem Wege des ge-
wöhnlichen Generationswechsels ihren Ursprung genommen hätten.
Zu diesen Medusen ohne Generalionswechsel gehört auch
(vergl. Müller's Arch. 1852. S. 34) das von J. Müller in
der Abb. über Echinodermenentwickelung IIL S. 32 beschrie-
bene und abgebildete Thierchen, dessen scheibenförmiger
Körper mitsainmt der herabhängenden Schlundröbre ebenfalls
von einem uniformen Wimperkleide überzogen war. Auf der
Unterfläche der Scheibe, zwischen ihr und dem Schlünde
stehen einige kolbenförmige Forlsälze und ein Paar kleine
mit einem otolitbenartigen Körper im Innern versehene Röhr-
chen, beide in wechselnder Anzahl, die erste bis zu 6, die
andere bis zu 4.
Eine dritte rund herum wimpernde junge Meduse mit
6—10 ungleichen steifen Randeirren und 2—4 Gehörorganen
(Polyxenia leucostyla?) wurde gleichfalls von J. Müller
beobachtet. Arch. für Anat. 1852. S. 34.
Auch Gegenbaur verfolgte CZeitschrift für wiss. Zoo).
IV. S. 370) die Enlwickelung einer wimpernden jungen Me-
duse und überzeugte sich, wie J. Müller, von der Abwe-
senheit des sonst bei diesen Thieren gewöhnlichen Genera-
lionswechsels.
Die heohachtete Meduse gehörte, wie wir seither specieller
(über den Generationswechsel und die Fortpflanzung der Medusen und
Polypen. Würzburg 1853) erfahren haben, zu einem neuen Gen. Tra-
chynema^ das nach Form und Habitus dem Gen. Thaumaniias
nahe steht, sich aber durch die Rigidität und den bleibenden Wimper-
überzug der Tentakel auszeichnet, und durch erstere an Poli/xenia und
Aeginopsis erinnert. Die jüngsten Individuen dieser Meduse waren
flaschenförmig und besassen an der Basis des Halses 4--5 oben her-
vorsprossende dicke Tentakel. Später vermehren sich diese Tenta-
kel unter gleichzeitiger Längenzunahme ; es bilden sich Randkörper-
chen, und der Bauch der Flasche wird schärfer und schirmartig. Schon
vorher bemerkte man im Innern des Bauches hinter dem Magen eine
geschlossene Höhle ; jetzt sieht man, wie aus dieser Höhle 8 Radial-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 421
gefässe hervorgekommen sind, die sich bis in den Rand des Schirmes
fortsetzen und schliesslich durch ein Ringgeiäss vereinigt werden.
Die grossesten Exemplare von W" besassen 16 Tentakel und vier ge-
stielte Randkörperchen, jedoch noch keine Geschlechtsorgane.
Zu diesen jungen flimmernden Medusen gehört wahr-
scheinlicher Weise auch das von Busch (Beobachlungcn u.
s.w. S. 120} unter dem tarnen Teiraplatia volitans beschrie-
bene Thierchen , dessen Organisation freilich, wie es scheint,
von seinem ersten Entdecker nicht ganz richtig aufgefasst
worden. Wir verweisen hierfür auf* die Bemerkungen von
Krohn in Müller's Arch. 1853. S. 320.
lieber die Prolificalion der Medusen vergl. man die Be-
obachtungen vonForbes, 1, I. p. 58ff., die wir schon oben
(S. 413) angezogen haben. Ausser Forbes hat dieser in-
teressante Vorgang übrigens noch zahlreiche andere Beob-
achter gefunden. So zunächst Busch, der seine Untersu-
chungen in einer eigenen Abhandlung, über die Knospen der
Sarsia prolifera Beobachtungen u. s. w. S. 1 zusammenge-
stellt hat, und hier namentlich auch eine dclaillirte Darstel-
lung von der allmählichen Entwickelung der einzelnen Gem-
men giebt.
Die Knospe enthält Anfangs ein einfaches Divertikel des müt-
terlichen Kanalsystemes, aus dem sich dann zunächst die vier spätem
Raclialgefässe mit der Magenhöhle hervorstülpen. Die Tentakel und
Bulbi entstehen noch vor dem Aufbrechen der Knospen und liegen
in dem durch Sonderung des Magenrohres von dem peripherischen
Schirme entstandenen Räume. Noch während des Zusammenhanges
mit dem Mutterthiere bilden sich an den Jungen bisweilen neue Kno-
spen. In vielen Fällen liessen sich an den Mutterthieren auch mehr
oder weniger entwickelte Geschlechtsorgane nachweisen; als Gene-
rationswechsel kann diese Fortpflanzungsart bei Sarsia prolifera also
nicht aufgefasst werden.
Steenstrup (Vidensk. Meddels. for 1849 og 1550.
p. 35. Anm.) und Eydoux et Soul ey et (Voy. d. la Bonlle
zool. 11. p. Ö4l) beobachteten eineBougainvillia, (letztere die
Cytaeis tetrastyla Eschsch,) in proliferirendem Zustande, aber
dabei geschlechtslos; sie vermuthen daher in diesem Thiere
eine Amme. Steenstrup dehnt diese Vermulhung sogar
über alle proliferirende Medusen aus.
Die Entwickelung der Knospen von Lhz-ia S-pnnctata
422 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
geschieht nach Schultz e auf dieselbe Weise, wie es Busch
bei Sarsia proHfej^a beschrieben hat. Zeilschrift für wiss.
Zool. IV. S. 194.
Krohn beobachtete die Prolilicalion bei einer neuen
wahrscheinlich von Podocoryne aufgeammlen Oceanide , wo
dieselbe wie bei Lizzia vor sich geht. Auch hier liessen
sich an den unausgebildelen Geminen nicht seilen schon die
winzigen Keime einer nachfolgenden drillen Generalion un-
terscheiden. Arch. für Naturgesch. 1851. I. S. 267.
Nach Huxley (Ann. nat. hist. 1850. VI. p. 66) pro-
ducirt auch Willsia Knospen, und zwar in dem Winkel, der
von den beiden ersten Zweigen der Radialkanäle gebildet
wird, also an einer Stelle, die uns nach dem von Korbes
aufgestellten Einlheilungsprincipe zur Annahme einer fünf-
ten Knospungsart berechtigen könnte. Es hat übrigens den
Anschein, als ob die differenleslen Stellen des Medusenkör-
pers zur Prolificalion geschickt wären, zumal seitdem wir
durch Gegenbaur erfahren haben (l'Instit. 1853. p. 344),
dass es Medusen giebt, bei denen die Knospenbildung auf der
Innenfläche des Magens vor sich geht.
Die Beobachtung von Gegenbaur ist inzwischen in der schon
mehrfach erwähnten Abhandlung über die Forlpdanzungsverhällnisse der
Medusen in detaillirter Weise publicirt worden. Wir entnehmen dar-
aus, dass die Meduse, um die es sich handelt, eine Cunina ist, die
einer ganz andern Familie zugehört, als die bisher erwähnten Arten.
Die Gemmen knospen in der Peripherie der weiten ölagenhöhle her-
vor und trennen sich bereits sehr frühe von ihrer Brutstätte, ohne
diese jedoch sogleich nach der Abtrennung zu verlassen. Sie flachen sich
noch vor ihrer Lösung ab und scheinen sich in einer viel einfacheren
Weise, als die Sarsiaden und Lizzien, durch Bildung einer Magenhöhle
und MundöfFnung in die Medusenform umzuwandeln. Die Tentakel
bilden sich von Anfang an als äussere Anhänge. (Um diese Verschie-
denheiten gehörig zu beurtheilcn, muss man sich daran erinnern, dass
die Cuninen u. v. , sich in mehrfacher Beziehung und namentlich
durch die Bildung ihres Gastrovascularsystemes sehr auffallend von
den übrigen Medusen unterscheiden.)
Die voranstehenden Angaben enthalten wahrscheinlicher Weise
auch den Schlüssel für das Yerständniss einer von Kölliker (Zeit.
sehr. lür wiss. Zool. IV. S. 328) gemachten Beobachtung, über eine den
Cuaiüasprösslingcn nicht unähnÜehe kleine Meduse (^St^nogasUr
der niedereo Thiere während der J. 1848—1833. 423
complanalus Köll.), die in der Magenhöhle einer andern dem Gen.
Cunina nahestehenden Art {^Eurysloma rniiginosum Köll.) auf ver-
schiedenen Entwickelungsstufen vorgefunden wurde. Kölliker ist
freilich der Ansicht, dass dieses Vorkommen nur zufällig sei und
glaubt aus seiner Beobachtung folgern zu können , dass sich Steno-
gasler nach Art von Aeginopsis ohne Metamorphose entwickle, allein
dagegen spricht einmal , wie es Ref. scheint, die Abwesenheit eines
Flimmerkleides bei den jungen Formen und sodann auch die Anwe-
senheit eines kegelförmigen Buckels auf der Mitte der Rückenfläche,
die doch wohl hier, wie in allen übrigen Fällen, auf eine frühere Be-
festigung hindeutet.
An die voranstellenden Beobachtungen über proliferi-
rcnde Medusen schliesst sich die durch Köl 1 i lier entdeckte
weitere Thatsache , dass es Medusen giebt, die sich durch
Theilung vermehren. Vergl. Zeitschrift für wiss. Zool. IV.
S. 325.
Kölliker beobachtete diesen seltsamen Vorgang bei einer klei-
nen neuen Meduse des Gen. Stomohranchium , St. mirahile Köll.,
die übrigens wahrscheinlicher Weise nur den Jugendzustand eines Meso-
nema (/W. coerulescens Köll.) darstellt. Die Theilung beginnt an dem
Magen und geht erst nach Spaltung desselben auf die Scheibe über,
die anfangs ohne Veränderung der Gestalt eine Meridianfurche zeigt,
dann bei vorwärts schreitender Trennung bisquit- und 8-förmig wird,
bis endlich beide Hälften aus einander weichen. An den isolirten
Theilstücken, die man an der unvollkommenen Kreisform der Scheibe
und der Excentricität ihres Magens erkennt , geht nicht selten eine
nochmalige Theilung vor sich. Mitunter geschieht diese Theilung
noch an solchen Individuen, die an einzelnen Radialgefässen bereits
deutliche Eier zeigen.
Was die systematische Eintheilung der Scheibenquallen
betrifft, so glaubt Forbes in seiner schon mehrfach erwähn-
ten Monographie die von Eschscholtz aufgestellten zwei
Gruppen mit veränderten Namen als Steganophthalmata
und G y m n 0 p h t h a 1 m a t a beibehalten zu können. L. 1. p. 406.
Die Hauptunterschiede dieser beiden Gruppen sieht Verf. in dem
Verhalten der Randkörperchen und des peripherischen Theiles des Ga-
strovascularapparates. In der erstem Gruppe sind die Randkörperchen von
mehr oder minder zusammengesetzten lappigen Fortsätzen bedeckt und
die Gefässe in der Peripherie der Scheibe mit anastomosirenden Ver-
zweigungen versehen; bei den Arten der zweiten Gruppe sind die
Randkörperchen dagegen nackt und die Gefässe ohne Verzweigungen
oder doch wenigstens oUno Anastomosen. (In }ipidcR Gruppen giebt
424 Leuckart, Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
es übrigens auch eine Anzahl von Formen, bei denen die peripheri-
schen Theile des Gastrovascularapparates überhaupt keine Gefässe ,
sondern weite und kurze sack- oder taschenartige Anhänge darstellen,
wie bei den Polypen.)
In der Gruppe der Gymnophthalmata stellt Forbes nach den
von ihm beobachteten Englischen Arten 6 Familien auf: 1) Willsia-
dae mit verästelten Gefässen (Willsia n. gen.); 2) 0 ceanidae
mit einfachen Gefässen und gewundenen Geschlechtsdrüsen an dem
herabhängenden Magensacke (^Turris, Saphenia, Oceania') \ 3) Aequo-
readae mit acht oder noch mehr einfachen Gefässen und linearen Ge-
schlechtsdrüsen längs den Gefässen {Slomobranchium , Polyxenia) ; 4)
Cir ceada e mit acht einfachen Gefässen und eben so vielen kleinen
Geschlechtsdrüsen im Grunde der Subumbrella [Circe') ; 5) Geryoni-
dae mit vier einfachen Gefässen und vier Geschlechtsdrüsen in dem
Verlaufe der Gefässe {Geryonia^ Tima^ G ery onopsis n. gen., Thau-
mantiasy Slab b e ria n. gen.) ; 6)Sarsiadae mit vier einfachen Ge-
fässen und Geschlechtsdrüsen in der Substanz des Magenstieles (^Sarsia^
Bougainvillia , Lizzia n. gen., M ooder ia n. gen., Euphysa n.
gen., Sleenstrupia n. gen.
Lülken liefert eine eigene (dänisch geschriebene) Ab-
handlung „über die syslemalische Gruppirung der Medusen."
Vidensk. Meddels. for 1849 og 1850. p. 15.
Verf. theilt die Ansichten von Forbes über die beiden Haupt-
gruppen der Scheibenquallen und macht auf die weiteren Unterschiede
derselben (in der Anordnung und Bildung der Geschlechtsorgane, der
Entwickelungsweise u. s. w.) aufmerksam. Für die Eintheilung der
nacktäugigen Arten giebt derselbe nach einer kritischen Beleuchtung
der von Forbes aufgestellten Familien folgendes Schema:
A. Statt der Radialgefässe des Gastrovascularapparates weite We-
bensäcke ohne Ringgefäss. llieher nur eine Familie, Aegi-
neae mit den Gattungen Charybdaea, Eurybia, Cunina, Aegina,
Aeginopsis, Polyxenia.
B. Mit einfachen Radialgefässen und Ringkanal,
a. Magen ring- oder glockenförmig.
1. Unmittelbar an der Körperscheibe befestigt.
a. Mund bald mit, bald ohne lappenförmige Fortsätze; Ge-
nitalien in der Scheibe. ¥am. Aeqn oreadae mit den Gat-
tungen Aequorea, JiJesonema, Stomobranchium, Thaumantias.
ß. Mund mit vier einfachen Lappen; Genitalien im Umkreise
des Magens. Fam. Oceanidae (Oceania, Saphenia, Tur-
ris, Mooderia).
y, Mundlappen verästelt, Tentakel und Sinnesorgane grup-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 425
* penweis vertheilt. Fam. B oug ainvillea e (^Bougainvil-
leOf Lizzia, Ralhh.ia').
2. Magen auf einem langen Magenstiele. Fam, Gcryonidae
{Geryonia, Tima, Geryonopsis, Dianaea, Circe).
b. Magen lang, schnabelförmig und ausgestreckt. Fam. SaV'
siadae (Sarsier, Slabberia, Steenstrupia , Euphysa).
C. Mit verästelten Radialgefässen. Fam. Willsiadae (^Willsia,
Vroboscidactyla , Berenice^.
Jedenfalls wird aber auch diese Eintheilung im Laufe der Zeit
noch manche Veränderung erfahren. Besonders gewagt scheint Ref.
die Aufstellung einer eigenen Familie der Bouyainvilleae, deren Arten
einerseits mit den Sarsiaden, andererseits auch mit den Üceaniden zu-
sammengehören möchten. Auch die Trennung der Geryoniden von
den Thaumantiasarten scheint Ref. eben nicht sehr natürlich zu sein,
zumal die Länge des Magenstieles bei den ersteren den grossesten
Verschiedenheiten unterliegt.
Die neu bekannt gewordenen Arten gehören mit weni-
gen Ausnahmen zu der Gruppe der nacktäugigen Medusen.
Von neuen Arten aus der Gruppe der Steganophthalmata haben
wir nur zu erwähnen: Pelagia quinquecirra (Nantucket-Bay) Desor,
Proc. Bost. Soc. IIL p. 76, Fhacellophora sp. ?, abgebildet bei Hux-
ley, über den Bau und die Verwandtschaften der Medusen 1. c.
Tab. XXVin. flg. 18; Medusa {Chrysaora) Stella (von der schottischen
Küste), Dalyell, rare and remark. anim. IL p. 106. Tab. XV. (Da-
lyell liefert ferner Abbildungen von Chrysaora isoscela T. L PL XV.
Aurelia aurita T. IL PI. LI und Cyanea capillata Ibid.).
Weit zahlreicher sind, wie gesagt, die neuen Arten aus der Gruppe
der nacktäugigen Medusen. F o rb e s allein beschreibt in seiner Monogra-
phie deren 43 : Willsia (n. gen.) stellala , Turris digitalis , T. ne-
glecta f Saphenia dinema, Oceania octona , Oc. episcopalis, Oc. liirrila,
Gc. globulosa , Stomobratichium oclocostalum , Polyxenia Alderi , Circe
rosea, Geryonia appendiculnla, Tima Bairdii , Geryonopsis (n. gen.)
deliculata , Thaumantias pilosella , Th. quadrala, Th. aeronaulica , Th.
octona, Th. maculala, Th. melanops, Th. globosa, Th. convexa, Th. gibbosa,
Th. lineata, Th. pileata, Th. Sarnica, Th. Thompsoni, Th. hemisphaerica,
Th. inconspicua, Th. lucifera, Th. punctala, Slabberia (n. gen.) hal-
terata , Sarsia tubulosa , S. pulchella , S. gemmifera^ S. prolifera, ßou-
gainvillia brilannica, B. nigritella , Lizzia (n. gen.) octopuncta(a, L.
blondina, Mooderia (n. gen.) formosa, Euphysa (n. gen.) aurata,
S te enstrupia (n. gen.) rubra, St. ßaveola.
Die neuen Genera werden folgendermassen charakterisirt :
Gen. Willsia. Umbrella globose ; ovaries six, radiating around
•thfrbase of the short, campanulate, four-lippcd atomach; vessela six,
426 Leuckart: Bericht üb, d. Leistungen in d. Naturgeschichte
twice dichotomously dividing before they reach the marginal vessel ;
a marginal tentacle opposite each branch ; ocelli conspicuous.
Gen. Geryono p sis. Umbrella hemispherical ; ovaries four,
clavate, conspicuous on the subumbrella in the course of the four
simple radiating vessels ; margin of umbrella with numerous short
tentacula; stomach at the extremity of a short peduncle, terminating
in four large fimbriated lips.
Gen. Slab beria. Umbrella campanulate ; ovaries four, linear, in
the course of the four simple gastro-vascular canals ; peduncle pro-
boscidiform, highly extensile, oral orifice circuiar ; a marginal tenta-
cle springing from an ocellated bulb , and terminating in a coloured
globular body, placed opposit each af the gastro-vascular canals.
Gen. Lizzia. Umbrella spherical or campanulate; ovaries in
the form of four lobes , on the sides of the short peduncle, margin
of the umbrella with eight unequal, Compound, tentacular bulbs, all
tentaculiferous , the four layer opposite the four radiating, simple,
gastric vessels; stomach shorter than the subumbrella; mouth with
four simple or ramifying tentaculated lips.
Gen. M 0 0 deria, Umbrella globose ; radiating vessels four,
simple; four niarginal tentacles opposite the four simple vessels;
ocelli conspicuous; peduncle inflated, balloonshaped, contracted below
and terminating in four lanceolate lips.
Gen. Eup hys a. Umbrella globose inflated; ovaries in the
base of a flask-shaped peduncle, with a simple orifice at the end of
a proboscidiform stomach; vessels four, simple, joining the gastric
vessel opposite four conspicuous ocellated tentacles , from each of
which arises a short, slender, recurved cirrus, and from one a sup-
plementary long tentacle.
Gen. Steenstrupia. Umbrella conical, apiculate; apex con-
nected by a cord with the subumbrella; four marginal elongated glands
opposite the foür simple radiating vessels ; a single tentacle develo-
ped from one of the glands only, peduncle proboscidiform, with a
simple round orifice.
Später wird von Forbes undGoodsir (Transact. Edinb. Soc.
T. XX. p. 311. PI. X.) noch ein Kachtrag zu diesen Arten geliefert:
Oceania ducalis , Slabberia calenala, Flancia (n. gen.) gracüis, lUp~
pocrene (Bougaintillia) pyramidata, H. crucifera^ H. simplex , Thau-
mantias undulata, Th. conßuens. Das neue Sarsiadengenus Plancia trägt
folgende Diagnose: Umbrella hemisphaerical ; radiating vessels four,
simple; no conspicuous genital glands; two long marginal tentacles
and numerous intermediate rudimenlary tubercles , all with ocelli at
their bases; stomach at thq cnd of & very loDg; extensile, cyliadrical
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 427
tubulär proboscidiform pcduncle, with a simple or obscurely lobed
orifice.
Dalyell beschreibt gleichfalls einige nacktäugige Medusen von
der Schottischen Küste : Medusa (^Geryonopsis'i) crinila, Medusa (^Sar^
sia) proboscidea, Medusa (Tima)'] ^ Medusa (^Thaumanlias) fimbriata.
L. c. T. II. 248. Tab. LH.
In dem von BrightweU mitgetheilten Verzeichnisse der bei
Lowest oft beobachteten Akalephen sind keine neue Arten aufgeführt.
Ann. nat. bist. 1850. VI. p. 304.
Dagegen beschreibt Busch in seinen Beobachtungen u. s. w.
S. 10 einige neue brittische Arten : Sarsia macrorhynchus und S. nodu-
losa (mit 6 peripherischen Gefässen u. s. w.), so wie ferner S. ocel^.
lata aus Triest, Bougainvillia mediterranen und B. dipleclanos aus dem
Malagensischen Meere, Lhzia dibalia aus Triest.
Auch Kölliker stellt nach seinen Beobachtungen in Messina
eine Anzahl neuer Scheibenquallen auf: Cunina dodecimlobata, Vkor-
cynia (^ ^eL) striala, Eury Stoma (n. gen.) rubiginosum, Pachysoma
{^n- gen.) ßavescenSf Steno gast er (n. gen.) complanatus, Nausithoe
(n. gen. = Oclogonia J. Müller, Arch. 1854. S. 97) punctata, N.
marginata , Oceania armata , 0. sedecimcostata, Thainnantias dubia,
Storno branchium mirabile, Mesonema coerulescens. Zeitschrift für wiss.
Zool. IV. S. 320. (Wir haben schon oben bei dem Berichte über die
anatomisch- physiologischen Leistungen mehrere dieser Formen und
ihrer eventuellen Beziehungen zu einander Erwähnung gethan. Ei-
nige weitere Bemerkungen über dieselben und namentlich über die
neu aufgestellten Genera verschieben wir auf einen späteren Bericht,
da uns bis dahin wohl eine ausführlichere Beschreibung derselben
mit Abbildungen vorliegen wird. Auch in gegenwärtiger Form sind
übrigens die Angaben Kölliker's von hohem zoologischen Interesse,
zumal sie vorzugsweise eine Gruppe betreffen, die Familie der Ae-
gineen, über die unsere bisherigen Kenntnisse noch äusserst lücken-
haft sind. Bei manchen dieser Arten soll der Magen, nach Kölliker,
von der Randhaut gebildet werden, doch gesteht Ref., dass er nach
seinen an einer Anzahl verwandter Formen in Nizza angestellten Un-
tersuchungen solches bezweifeln möchte.)
Unter dem Namen Mnestra (n. gen.) parasitcs beschreibt
Krohn eine sehr eigenthümliche neue Meduse, die mittelst ihres kur-.
zen Magenstieles , wie mit einem Saugnapfe an dem Bauchrande von
Phyllirhoe schmarotzend befestigt ist und von H. Müller und Ge-
genbaur (Zeitschrift für wiss. Zool. V. S. 356) irrthümlicher Weise
als ein kuppeiförmiger Anhang dieser Schnecke angesehen wurde.
Dieses Arch. 1853. I. S. 278.
Agassis liefert iu den oben crwähuteu Contril>. to the nat.
428 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
bist, of the Acalephae of North - Amerika (1. c.) eine ausführliche
Darstellung folgender neuer nordamerikanischer Arten: Sarsia mirahilis,
Hippocrene (^Bougainvillia^ swperciliosa^ N emop sis (n. gen.) Bachei,
Tiaropsis (n. gen.) diademata, Thaumantias diapkana , Staurophora
laciniata. Alle diese Arten werden zugleich bildlich dargestellt. Das
neue Gen. Nemop sis ist eine Bougamvillia mit langgestielten Au-
gen, während Tiaropsis wohl mit Geryonopsis Forb. zusammenfallen
dürfte.
Später giebt Agassi z noch (Proc. Bost. Soc. III. p. 342) eine
kurze Charakteristik von Rhacosloma (n. gen.) atlanlicum n. sp.,
das den Aequoreaden zuzugehören scheint und wie Mesoncma mit zahl-
reichen Mund - und Scheibententakeln versehen ist.
Eydoux et Souleyet beobachteten (Voy. de la Bonite Zool.
II. (p. 640) in der Südsee ausser Turris papua und Cytaeis {Bougain-
tillia) tetraslyla eine neue nacktäugige Meduse, die sie als Typus eines
eigenen Genus Lessonia ansehen und in folgender Weise charak-
terisiren.
Gen. Lessonia. Un corps cylindrace, eleve, subconvexe en
dessus, garni ä sa circomference d'un assez grand nombre de cirrhes
tres - courls et disposes sur un seul rang , profondement excave en
dessous et contenant dans cette excavation une poche stomacale libre,
proboscidiforme, pedonculee, enlouree ä sa base d'un cercle de cir-
rhes tentaculaires et perfores ä leur extremite, pourvue ä son orifice
de quatre lobes elales et petaloides. Sp. L. radiala. Ref. hatte Ge-
legenheit, bei Nizza eine Form desselben Genus zu beobachten und
erkannte darin Aglaura hemistoma Per. (_AgL reronii Lt.). Die acht
Anhänge des Magenstieles sind keine Tentakel , sondern die gemmen-
förmigen Geschlechtsorgane, die hier bei Aglaura nach einem eigenen,
sonst nicht weiter bei den Medusen beobachteten Typus gebildet sind.
Bei Huxley finden sich in den Philos. transact. for 1849. Tab.
XXVII. P. II. (s. 0.) die Abbildungen einiger neuen nacktäugigen
Medusen, Thaumantias sp.? Fig. 1 , Mesonema sp.? Fig. 5 , Oceania
(Eschsch.) sp. ? Fig. 11.
Steenstrup schlägt für BougainviUia (Hippocrene) den Genus-
namen Mar galis vor und ervväiint einer bei den Faröern vorkom-
menden M. principalis n. sp. , die sich von Boug. Lriltanica durch ihre
beträchtlichere Grösse und durch zahlreichere Tentakel in den in-
zelnen Büscheln unterscheidet. Vidensk. Meddels. for 1849 og 1850.
p. 35. Anm.
Hydroidea.
Wenn wir hier die Hydroiden als eine eigene, von den
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 429
Scheibcnqiiallen getrennte Gruppe betrachten, so geschieht
«las nicht, wie schon oben bemerkt wurde, in der Absicht, die
Selbstständigkeit dieser Tliiere — in ihrem früheren Umfange
— zu vertreten, sondern viehnehr aus anderweitigen, formellen
Gründen. Nach den Beobachtungen, die wir im Folgenden
zusammenstellen werden, kann es keinem Zweifel unterliegen,
dass die unter dem Namen der Hydroiden bekannten Thicr-
formen theils blosse polypenartige Jugendzustände (Ammen)
verschiedener Scheibenquallen aus der Abtheilung der Gym-
nophthalmata Forb. sind , theils auch Geschöpfe darstellen,
die diesen Jugendzuständen als analoge Bildungen zur Seite
stehen. Wir kennen, wie der nachfolgende Bericht uns zei-
gen wird, eine Anzahl von Hydroiden auf allen Stufen ihrer
Entwickelung; wir kennen sie als festsitzende polypenartige
Geschöpfe und als frei bewegliche Quallen, die nach dem
Gesetze des Generationswechsels an jenen Geschöpfen ent-
standen sind und nach ihrer Abtrennung zur Geschlechts-
reife kommen. Wir wissen sogar^ dass die Nachkommen die-
ser Medusen wiederum zu der Polypenform der Hydroiden
zurückkehren. Allerdings sind diese Erfahrungen bis jetzt
nur spärlich, indessen sie sind sicher und für die Natur der
betreffenden Hydroiden vollkommen entscheidend.
Aber neben diesen Formen^ die wir gewiss mit Recht
als Glieder eines cyclischen Generationswechsels betrachten,
stehen, und oftmals in nächster Nähe, nun andere, bei de-
nen statt einer isolirten und frei beweglichen Medusenbrul
eine Anzahl mehr oder minder einfach gebauter Bläschen
(Genitalkapseln) vorkommen, die an den polypenförmigen
Mutterlhieren befestigt bleiben und sich im Innern allmählich
mit Geschlechtsstoffen anfüllen. Die Embryonen, die aus den
befruchteten Eiern dieser Anhänge hervorgehen, wachsen dann
ganz, wie die Embryonen der Hydrasmedusen^ in polypenför-
mige Geschöpfe aus. In einigen seltenen Fällen producirt
auch wohl dieselbe Hydroide Medusengemmen und Geschlechts-
kapseln.
Die Deutung dieses sonderbaren Verhältnisses, von der,
wie man leicht einsieht, das Urlheil über die Natur der Hy-
droiden abhängt, ist von den Zoologen in verschiedener Weise
430 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
versucht worden. J. Müller (Archiv für Anal, und Physiol.
1852. S. 31) und Kölliker (Zeitschrift für wiss. Zool. 1853.
S. 304) sind am meisten geneigt, die sogenannten Geschlechts-
kapseln als integrirende Organe der Hydroiden anzusehen
und diesen Thieren eine doppelte Fortpflanzungsweise, durch
genuine Geschlechtsstoffe (homogene Zeugung Mülle r's) und
quallenartige Sprossen (heterogene Zeugung Mülle r's), zu-
zuschreiben. Aber beide erklären dabei die Frage nach den
Fortpflanzungsverhältnissen der Hydroiden noch für eine of-
fene und verweisen auf weitere Beobachtungen , wie sie uns
denn auch wirklich die neueste Zeit gebracht hat. Ich glaube,
dass wir heutigen Tages diese Frage ihrer Hauptsache nach
als entschieden ansehen können, aber in einem andern Sinne,
als Müller und Kölliker es wollten. Es kann heutigen
Tages kaum mehr bezweifelt werden, dass die sog. Geschlechs-
kapseln der Hydroiden in morphologischer Beziehung mit den
Medusen, die an denselben aufgeammt werden, übereinstim-
men, dass die Hydroiden, mit anderen Worten, in allen
Fällen als geschlechtslose ammenartige Geschöpfe zu betrach-
ten sind, die nach den Gesetzen des Generationswechsels
eine Brut von Geschlechtsthieren erzeugen; dass diese Ge-
schlechtsthiere der Hydroiden jedoch in sofern von einander
verschieden sind, als sie bald zu einem freien und selbst-
ständigen Leben gelangen , als förmliche Medusen sich los-
trennen, bald aber auch beständig mit ihren Mutterthieren im
Zusanmienhange bleiben und dann als mehr oder minder me-
dusenartige Anhänge ohne eigene Bewegungs- und Ernäh-
rungsorgane erscheinen. (Ref. scheint es desshalb auch nicht
ganz naturgemäss zu sein, die Hydroiden ohne Weiteres mit
den Scheibenquallen zu vereinigen. Er hält es für richtiger,
die Hydrasmedusen, also wohl die Mehrzahl der Gymnophthal-
mata, von den übrigen echten Scheibenquallen — und Aegi-
neen? — abzutrennen und als isolirt lebende Geschiechts-
thiere den Hydroiden zuzurechnen.)
Referent glaubt der Erste gewesen zu sein, der
diese Ansicht ausgesprochen und, so weit es damals anging,
begründet hat. Schon in den mit Frey zusammen heraus-
gegebenen Beiträgen (vgl. den J. B. Bd. XVI. S. 436) hat er
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 431
den Nachweis von der morphologischen Uebereinstimmung*
der sog. Geschlechlskapseln mit den an den Hydroiden auf-
geammten Scheibenquallen versucht. Aber er konnte sich
damals noch nicht von der Ansicht losmachen, dass diese
Goschlechlskapseln einen integrirenden Theil der Hydroidpo-
lypen darstellten und als Organe zu betrachten seien. Er
sprach sich über die Forlpflanzungsverhältnisse unserer Thiere
demnach in ähnlirher Weise aus, wie es später J. Müller
und Kölliker gethan haben. Erst in der kleinen Abhand-
lung über den Polymorphismus der Individuen 1851. S. 27
wagte er es, die Geschlechlskapseln der Hydroiden als „ses-
sile Geschlechtsthiere" in Anspruch zu nehmen und diese
Gcschlechtsthiere mit den proliferirenden sog. Achselzellen der
Serlularinen und den rankenförmigen Slolonen, die bei vielen
Hydroiden zur Befestigung dienen, als individuelle Glieder
zu betrachten. Die Hydroiden bilden, nach der Ansicht des
Ref., die seither auch von anderen Forschern (namentlich von
Reichert, monogene Fortpflanzung S. 40) angenommen ist,
einen polymorphen Thierstock , dessen Polymorphismus sich
übrigens in den einzelnen Arten gar verschiedentlich gestal-
tet und in vielen Fällen nur als gewöhnlicher Generations-
wechsel auftritt. Eine weitere Ausführung dieser Ansicht fin-
det man in den Zool. Beiträgen des Ref. 1. 1853. S. 84.
In wesentlich gleicher Weise urtheilt auch AI Im an
über die Natur der Hydroiden. Er erkennt die formelle Ue-
bereinstimmung der Eierkapseln von Coryne, Syncoryne, Tu-
bularia, Cordylophora und Serlularia mit den Hydrasmedusen
und spricht sich dahin aus, dass die Produclion von wirkli-
chen Eiern bei den Hydroiden beständig unter denselben äus-
sern Verhältnissen (in Medusen oder Medusoiden) vor sich
gehe. Proc. Ir. Acad. Vol. V. p. 297, Proc. Roy. Soc. 1853.
June. Noch ausführlicher bespricht Verf. diese Verhältnisse
in Rep. br. Assoc. for 1852. p. 70. wo er schliesslich die
ganze Lehre von der Forlpflanzung der Hydroiden in folgende
Sätze zusaminenfasst :
1. Die Tubularien und Sertularien sind in ihrem Jugendzu-
stande entweder sehr einfache infusorienartige Embryonen („planu-
lae« Dal.), oder bereits polypenartig („actinulae" Allm.). 2. Beider-
lei Formen entwickeln sich in Folge einer geschlechtlichen Einwir.
432 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Walurgeschichte
kung aus wahren Eiern. 3. Diese Eier werden überall von einem
medusenartigen Gebilde („a proper niedusan structure") hervorgebracht.
4. Die Hydramedusen sind keine Embryonen , sondern Sprossen und
wahrscheinlich in allen Fällen dazu bestimmt, geschlechtsreif zu
werden und auf ähnliche Weise, wie die sessilen Geschlechtskapseln
Eier im Innern zu entwickeln. 5. Eine jede Tubularie und Sertula-
rie bringt durch Knospung zweierlei Arten von Polypen hervor, eine
hydroide , die den Zwecken der Ernährung dient und eine medusoide,
die für die geschlechtliche Fortpflanzung bestimmt ist. 6. Die medu-
soiden Polypen sind entweder sessil oder frei beweglich. Die sessi-
len Formen besitzen eine mehr oder minder versteckte Medusenform
und entleeren ihre Eier in der unmittelbaren Nähe des Polypenstockes,
während die frei lebenden Formen eine höhere und selbstständigere
Entwickelung annehmen und durch ihre Locomotion für die weitere
Verbreitung der betreffenden Species Sorge tragen.
Referentund Allman sind übrigens ^leineswegs die
einzigen Vertreter dieser Ansicht, wenn sie sich auch viel-
leicht am entschiedensten dafür ausgesprochen und bisher
allein — die Arbeilen von Gegenbaur, die zu demselben
Resultate hinfuhren, können wir erst im nächsten J. B. be-
rücksichtigen — den Versuch gemacht haben, dieselbe im
Speciellen zu begründen. AuchAgassiz (Lectures on Em-
bryology p. 35) erklärt mit besonderer Rücksicht auf die Ge-
schlechtsverhältnisse die Hydroidenstöcke für Colonien mit
verschieden entwickelten Individuen.
Dass die Hydroiden unter solchen Umständen nicht län-
ger in der Classe der Polypen verbleiben können , braucht
kaum nochmals hervorgehoben zu werden. Auch abgesehen
von den Fortpflanzungsverhältnissen finden sich hinreichende
Gründe, sie von den Anthozoen zu trennen und den Discopho-
ren anzunähern, wie namentlich von R efer enten in seiner
Morphologie der wirbellosen Thiere 1848. S. 25 und von
Agassiz in den Froc. Amer. Assoc. 1850. III. p. 119 her-
vorgehoben w^urde. Sehr abweichend ist besonders die Bil-
dung des Gastrovascularapparates, der durch einen einfa-
chen Hohlraum ohne Magenschlauch und peripherische Ab-
theilungen (durch eine einfache Leibeshöhle nach Ref.) ver-
treten wird. Agassiz glaubt auch in der Bildung der Ten-
takel eine Uebereinslimmung mit den Scheibenquallen zu er-
blicken.
der niederen Tbieie während der J. 1848 — 1853. 433
Was wir in den letzten Jahren über den anatomi-
schen Bau der Hydroidcn kennen gelernt haben, bezieht
sich vorzugsweise auf die Süsswasserpolypen , die vielfach
untersucht sind.
Ueber die histologische Zusammensetzung dieser Thiere berich-
ten Ecker, Rouget und AI Im an.
Ecker kommt durch seine Untersuchungen (zur Lehre vom
Baue und Leben der contractilen Substanz der niedrigsten Thiere, Zeit-
schrift für wiss. Zool. L S. 218) zu dem Resultate, dass das Körper-
parenchym unserer grünen Hydra nicht bloss ohne Sonderung der
empfindenden und bewegenden Organe sei, sondern überhaupt nur aus
einer gleichartigen, theils klaren theils körnigen Substanz („Sarcode"
Duj.) bestehe, die netzartig durchbrochen sei und in ihren Hohlräu-
men eine mehr oder minder klare Flüssigkeit einschliesse. In den
einzelnen Schichten des Körpers zeigt übrigens die Beschaffenheit die-
ser Substanz einige Verschiedenheiten ; die äussere Schicht ist stark
rarcficirt und mit Angelorganen versehen, während sich die mittlere
Schicht durch den Einschluss grüner Körner und die innerste, die zu-
nächst die Leibeshöhle begrenzt, durch braune Excretkörner, so wie
auch während der Verdauung durch die Anwesenheit von Fetttröpf-
chen auszeichnet.
Rouget stimmt (iMem. de la Soc. biolog. 1852. T. IV. p. 387)
mit Ecker nur in sofern überein, als er die Anwesenheit von Mus-
keln und Nerven in Abrede stellt. Statt einer ungeformten Substanz
mit Vaceolen beschreibt er dagegen als Elementartheile des Körper-
parenchyms entschiedene Zellen mit Membranen (und Kernen) und
einem flüssigen, zum Theil contractilen Inhalt. Nach der Form und
Entwickelung dieser Zellen unterscheidet Verf. drei Substanzlagen,
wie Ecker, eine äussere Körperhülle, deren grosse und farblose Zel-
len den Sitz der Bewegung und der Empfindung abgeben und zwei-
erlei verschiedene Formen von Angelorganen im Innern einschliessen,
eine mittlere pigmentirte Schicht, und eine innere Schicht. Die bei-
den letztern vermitteln, nach der Ansicht des Verfassers, die Erschei-
nungen des vegetativen Lebens. Die Zellen der mittleren Körper-
schichte werden für Blutkörperchen ausgegeben , obgleich sie keine
Circulation zeigen und höchstens unter dem Einflüsse der äussern con-
tractilen Hülle ihre Lage allmählich etwas verändern. Um diese Mei-
nung zu stützen, erinnert der Verf. an die Quallen, bei denen das
Blut ja in ähnlicher Weise den Verdauungsapparat umspühle ; wir ha-
ben oben schon gesehen, dass die Annahme eines solchen Verhältnis-
ses auch bei den Quallen nicht zulässig ist und brauchen kaum zu
bemerken , dass ein starres Blut ein physiologisches Paradoxon sei.
Die Zellen der inneren Lage betrachtet der Verf. wohl mit grösserem
Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 2. Bd. QQ
434 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Rechte als Organe der Aufsaugung. Sie fehlen am Fusse, wie in den
Tentakeln, und zsigen mancherlei Verschiedenheiten, die auf eine
rege Neubildung hinzudeuten scheinen. Ein Theil dieser Zellen ent-
hält ein körniges Pigment von bräunlicher Farbe, das an den Gallen-
farbestoff der höheren Thiere erinnert. Flimmerhaare fehlen bei Hy-
dra vollkommen, auch im Innern der Magenhöhle.
Zu einem ähnlichen Resultate kommt AI Im an (Proc. Ir. Acad.
Vol. V. p. 444) , obgleich derselbe statt dreier Schichten im Körper
unserer Polypen (und auch anderer Hydroiden, vergl. Proc. Roy. Soc.
1853. June ; Ann. nat. bist. XI. p. 289 für Cordylophora) deren nur
zwei unterscheidet, eine äussere und eine innere, für die er den Na-
men Ectoderm und Endoderm vorschlägt. Das Ectoderm besteht aus
hügligen Zellen, die im Innern häufig — wie das auch Ref. beobach-
tet hat, Art. Semen in Todd's Cyclop. IV. p. 31 — je ein Angelorgan
entwickeln, das Endoderm dagegen aus Cylinderzellen, die mit ihrer
Achse senkrecht auf dem Ectoderm aufsitzen und freie Tochterzellen
von sphärischer Gestalt im Innern hervorbringen. Die letzteren fül-
len sich allmählich mit einer körnigen braunen Masse und werden,
nach unserem Verf., mit Recht als Leberzellen gedeutet. (Durch An-
wendung von Chromsäure und andere Reagentien ist es leicht, sich
von der zelligen Beschaffenheit des Körperparenchyms bei den Hydren
zu überzeugen. Auch Leydig u. a. Forscher haben neuerlich den
Irrthum der Ecker'schen Auffassung nachgewiesen. Ref.)
Leidy giebt eine ausführliche Beschreibung der Nes-
selorgane bei Hydra und unterscheidet drei Formen dersel-
ben. Proc. Acad. Phil. V. p. 119. Auch Rouget hat die
Nessciorgane unseres Polypen sorgfällig dargestellt a. a. 0.
Ebenso Hancock, der auch zugleich über die Geschlechls-
kapseln und deren Inhalt berichtet und die Angabe von
Corda von der Existenz einer OefTnung am hinleren Kör-
perende zur Ausscheidung gewisser Excrelionsstoffe bestätigt.
Ann. nat. bist. 1850. V. p. 281 mit Abbild.
Bei Williams findet sich die aufTallende (und irr-
thümliche) Behauptung, dass die Tentakel von Hydra nicht
direkt in den Magen (Leibeshöhle Ref.) einmündeten, sondern
in ein eigenes perigastrisches Gefässnelz, das von dem Ma-
gen getrennt sei und die Bedeutung eines respiratorischen
Gefässnelzes besitze. Annal. nalur. bist. XII. p. 245.
Ueber die Fortpflanzungsverhällnisse unserer Süsswas-
serpolypen berichten ausser Hancock (I.e.) namentlich noch
Rouget und Ecker.
der niederen Tliiere während der J. 1848—1853. 435
Die Beobaclilungen des Ersleren sind in den Compt.
rend. Soc. biol. T. III. p. 141 und dann später mit den schon
erwähnten Untersuchungen zusammen in einer umfassenden
Arbeit über den Bau und die Forlpflanzung- der Siisswasser-
polypen: „Elud. anat. et physiol. sur les invertebr,« in den
Möm. Soc. biol. T. IV. p. 404 niedergelegt. Wir heben hier
Folgendes hervor.
Die Samenfäden entstehen einzeln in Zellen und diese wieder-
um haufenweise durch eine Art Klüftung im Innern grösserer Mutter-
zellen. Alle diese Elemente findet man zu gleicher Zeit neben ein-
ander in derselben Hodenkapsel, die freien Samenfäden am weitesten
nach Aussen, die jüngsten Bildungszellen dagegen in der Tiefe. Die
ersten Anfänge der Eier, die immer erst nach der Bildung der Sa-
menkapseln beobachtet wurden, bestehen gleichfalls aus einem Zel-
lenhaufcn, der sich unter der äussern Körperhülle ansammelt und all-
mählich vergrössert, während die älteren Zellen sich inzwischen mit
Dottermoleculen anfüllen. Die Bildung des Chorions geschieht erst
später, und zwar dadurch, dass sich dieser Zellenhaufen durch eine
äussere ziemlich feste Hülle abschliesst, wobei jedoch beständig ein
Thcil dieser Zellenmasse (als Corpus luteum Verf.) übrig bleibt. Keim-
bläschen und Keimfleck fehlen in den Eiern, wie denn auch niemals
eine Dotterfurchung vorkommt. Als ein eigentliches Ei will der Verf.
desshalb denn auch dieses Gebilde nicht gelten lassen. Er hält es
für eine Art Eiersack oder einen Graaffischen Follikel, der ausser
den oben erwähnten Dotterzellen noch ein eigentliches Ei im Innern
einschlösse , das sich aber seiner Zartheit wegen bisher noch nicht
habe entdecken lassen.
Ecker, Entwickelungsgesclüchte des grünen Wasser-
polypen. Freiburg 1853. Akad. Festprogramm.
Die thatsächlichen Resultate, zu denen Ecker durch seine Un-
tersuchungen gelangt ist, stimmen im Wesentlichen vollkommen mit
den Angaben von Rouge t überein. Ecker trägt jedoch nicht das
mindeste Bedenken, das Ei unserer Süsswasserpolypen dem gleichna-
migen Gebilde der übrigen Thiere an die Seite zu setzen, und sieht
die Eigenthümlichkeit desselben nur darin , dass es den Furchungs-
process nicht nach vollendeter Enlvvickclung, sondern während der
Zeit seiner formellen Ausbildung durchmacht und desshalb auch ohne
Keimbläschen ist. Das Blastem, das sich zum Dotter entwickelt, ist
anfänglich formlos, erst allmählich entstehen in demselben, während
der Vergrösserung, Kerne und Zellen und zwar nach dem Typus der
Umhüllungskugeln, also auf demselben Wege, wie bei der Dotterfur-
chung. Das Polster, dem das Ei in späterer Zeit aufsitzt, hält Verf.
436 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
nicht für ein dem Corpus luteum vergleichbares Ueberbleibsel des
Dotters, sondern für einen Theil der äussern Bedeckungen am Mutter-
thiere, die früher eine conlinuirliche Hülle um das Ei bildeten, aber
vor demselben einrissen, um das Ei hervortreten zu lassen. Die Vor-
gänge während der Entwickelung des Embryos lassen sich wegen
der Undurchsichtigkeit des Eichens kaum beobachten. Der ausschlü-
pfende Embryo hat die Gestalt und Bildung der erwachsenen Hydra,
aber nur vier kurze und stummeiförmige Arme. Ein eigentlicher Zel-
lenbau soll sich bei dem neugeborenen Thiere nicht nachweisen las-
sen , obwohl man hier und da noch die in die contractile Körpersub-
stanz (Intercellularsubslanz Eck.) eingestreuten Zellen unterscheidet.
Trotz allen enlgegenslehencien Angaben verharrt Lau-
rent noch immer bei der Behauptung, dass die Hodenbläs-
chen der Süssvvasserpolypen krankhafte Pusteln seien. Die
Produktion von Eiern will derselbe auf künstlichem Wege
durch gewisse Manipulationen veranlassen können. Cpt. rend.
T. XXX. p. 222.
Die Angaben von A g a s s i z (Proc. Bost. Soc. HI. p. 354),
dass die auf den Hydren parasitisch lebenden Trichodinen ei-
nen Medusenbau besässen und als die Brut der Süsswasser-
polypen zu betrachten seien, beruht sicherlich auf einem Irr-
thume, obwohl Verf. angiebt, in den Eiern der letztern alle
Uebergänge von dem zerklüflelen Dotter zu jenen Schmarol-
zerinfusorien beobachtet zu haben.
Unter den Arbeilen über die oceanischen Hydroidfor-
men erwähnen wir hier zuerst der zahlreichen interessanten
Beobachtungen von Da ly eil über Tu bularien in den Rare
and rem. anim. of Scolland. T. I.
Das Material der Untersuchungen besteht aus der echten Tu-
bularia indivisa (die wirklich ohne alle Verästelungen ist, also voll-
kommen solitär bleibt), T. laryngea , T. ramea (^Eude7idrium racemo-
iwm) , T. (Ewd.) ramosa (1. c. T. I. p. 1 ff.), so wie ferner (T. II.
p. 52) aus einer Hijdraclinia , die als Coryne squamala bestimmt ist,,
und aus Coryne {Syncoryne s. liermia) glandulosa (Ibid. p. 69), die
alle sechs sorgfältig beschrieben und abgebildet werden. Den Haupt-
gegenstand der Untersuchungen bilden die Fortpflanzungsverhältnisse
dieser Thiere. Bei Eudendriiim ramosum gelang es Verf., die Aufam-
mung einer BougainvUlia oder Lizzia (^Medusa ocilia Dal.) , augen-
scheinlich derselben Form, die auch van Beneden als Abkömmling
dieser Hydroide beschrieb, zu beobachten. Die übrigen Arten produ-
ciren statt der Medusen sessile Geschlechtskapseln. Am genauesten
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 437
wurden diese mit ihrem Inhalte bei den drei ersten Arten beschrie-
ben. Wie wir gleichfalls schon von van Beneden erfahren haben,
enthalten dieselben in der Regel (mit Ausnahme von Hydractinia) nur
einen einzigen Embryo, der bald, wie bei Evdendrium rameum und
Hijdractinia^ als ein einfaches, infusorien- oder planarienartiges We-
sen (als Planula Dal.) geboren wird, bald aber auch, und in der Mehr-
zahl der Fälle, eine längere Zeit in seiner Bruthöhle verweilt und dann
bei seiner Geburt im Wesentlichen schon den Eltern gleich ist. Die
Schicksale dieser Embryonen konnten in allen Fällen — mit Ausnahme
von Syncoryne, über deren Katur unser Verf. überhaupt im Unklaren
geblieben ist — festgestellt werden. Die Embryonen verlieren nach
einiger Zeit ihre ursprüngliche Beweglichkeit; sie siedeln sich auf
fremden Gegenständen an und wachsen dann wieder zu einem Poly-
pen aus. Am einfachsten ist dieser Frocess bei den bereits polypen-
ähnlichen Jungen, die sich ohne Weiteres mit dem Fussende festset-
zen und dann unter Ausscheidung eines äussern Skeletes verlängern.
Die Flanulae breiten sich Anfangs scheibenförmig aus , treiben auch
wohl, wie bei Eude7idriuin rameum, eine Anzahl von wurzelartigen
Forlsätzen und erheben sich sodann in der Mitte zu einem Zapfen,
der nach Art einer Knospe zu einem Polypen auswächst. Nach der
Reife der Geschlechtskapseln scheinen die Köpfchen, wenigstens bei
Tub. indivisa und T. laryngea, ganz constant von ihren Stielen abzu-
fallen, aber nur, um sich nach einiger Zeit durch Neubildung wieder
zu ersetzen. Die Entvvickelung dieses Kopfes ist beständig mit einer Ver-
längerung des Stammes verbunden, so dass man aus der Beschaffenheit
des letzteren bereits mit einiger Wahrscheinlichkeit auf die Zahl der
vorausgegangenen Brüten zurückschliessen kann. Dieselbe Erneue-
rung geschieht auch nach einem zufälligen oder absichtlich herbeige-
führten Verluste des Kopfes , wie denn überhaupt das Reproductions-
vermögen dieser Thiere nach den vom Verf. angestellten Experimen-
ten äusserst beträchtlich sein muss.
Das Festsetzen und Auswachsen der Tubularienembryo-
nen ist ausser von Dalyell auch noch von Krohn (Mül-
ler's Arch. 1853. T. 137) und Mummery (Transact. micr.
Soc. 1853. I. p. 28) beobachtet worden. Der Letztere hebt
auch hervor, dass die Geschlechtsliapseln (oviforme genimu-
les) bei ihrer ersten Bildung sehr regelmässig zwischen je
zweien der untern Tenlaliel hervorkommen.
Kölliker berichtet über die Bildung der Geschiechls-
kapseln bei den Tubularicn. Zeilschrin lür wiss. Zool. IV.
p. 300.
Er macht auf die Vergchiedcnheiten zwischen den männlichen
438 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
und weiblichen Geschlechtskapseln aufmerksam und beschreibt bei den
letzteren eine vordere, von einigen kurzen Lappen besetzte Oeffnung,
die in den mit Eiern erfüllten Innenraum hineinführt. In der Achse
der Kapsel verläuft, wie das auch von den früheren Beobachtern
schon erwähnt ist, ein hohler Zapfen, der an der Anheflungsstelle
derselben mit der verdauenden Höhle des Polypen zusammenhängt.
Gefässe in der Wand der Kapseln wurden nicht beobachtet.
All man (Froc. Roy. Soc. 1853, Tlnstil. 1853. p. 398,
Ann. nat. bist. XIL p. 289) undHiiicks (Ann. nal. bist. XI.
p. 180) beschrieben die Geschlechtskapseln der Cordylophora
lacustris.
Nach Ersterem besitzen diese Anhänge eine deutliche Medusen-
form d. h. einen glockenförmigen mit radiären Gefässen versehenen
Mantel und einen zapfenförmigen Magenstiel, aber keine Mundöffnung
am Ende dieses Zapfens. Die weiblichen Kapseln enthalten eine grös-
sere Anzahl von Eiern, die sich zu Planulae entwickeln. Bei den
männlichen Kapseln finden sich nach liincks — der übrigens sonst
diese Verhältnisse viel weniger genau beobachtet hat , auch unsere
Cordylophora den Sertularinen zurechnen möchte — einige rudimen-
täre Tentakel.
Ueber die Foripflanzungsverhällnisse \on Syncoryne Lo-
venu und Corymorpha nutans vgl. Sars, Nyt Mag. I. c. p. 135.
Beide Arten produciren Scbeibenqualien, die bei der letzte-
ren noch an ihrer Bildungsstätte zur Geschlechtsreife kommen.
D es or beobachtete gleichfalls die Aufammung einer Me-
duse und zwar, der Abbildung nach, einer Sarsia, an einer
(nordamerikanischen) Syncoryne n. sp. und schildert die all-
mähliche Entwickelung der Gemmen , die ganz in derselben
Weise, wie bei der Prolificalion der Sarsiaden vorsieh gehet.
Einige Wochen nach der Abtrennung wurden diese Medusen
auch im geschlechtsreifen Zustande aufgefunden. Proc. Bost.
Soc. 111. p. 134., Ann. des sc. nat. 1849. T.XU. p. 204.
Die an Stauridium aufgeammten Medusen (Cladomena)^
die Krohn im geschlechtsreifen Zustande beobachtete, keh-
ren in ihren geschlechtlich producirten Nachkommen wieder
zur ammenden Polypenform zurück. Die Embryonen sind
Planulae, die eine Zeitlang schwärmen, sich aber später fest-
setzen und in gleicher Weise, wie die Planulae der Ge-
schlechlskapseln j auswachsen. Müller's Arch. 1853. S. 137.
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 439
und 420. Ganz ähnliche Beobachtungen machte Gegen-
baur bei einer Lizzia n. sp. und bei Oceania armata, bei
denen der Embryo gleichfalls zuerst in Form einer schwär^
menden Larve auftritt. Der Polypenstock, in den der Embryo
der Lizzia auswuchs, wurde als eine Tubularia erkannt und
deutete auf Eudendrium hin. Zeitschrift für wiss. Zool. V.
S. 15 und ausführlicher in der schon einige Male erwähnten
Monographie unseres Verf. über die Fortpflanzungsverhältnisse
der Medusen S. 22.
Von Dalyell erhielten wir eine Beschreibung und Ab-
bildung von Campanularia dichotomaj C, verticillata, C. da-
mosa, C. Syringa und C. arcta (1. c. T. L p. 211 ff.) mit Bemer-
kungen über die Fortpflanzungsverhällnisse dieser Thiere.
Bei C. dicholoma beobachtete Verf. im Innern der proliferiren-
den Kapseln (prolific vesicles) eine thaumantiasartige Medusenbrut mit
24 Tentalceln (Tintinnabulum Dal.) ; die nach Aussen hervortrat, aber
nicht bis zur Geschlechtsreife verfolgt werden konnte. Bei C. xerti-
cillala bildete sich in den Kapseln dagegen eine Anzahl von Planu-
lae, die nach ihrer Reife ausschwärmten. Eben so beobachtete es Verf.
bei der solitären Camp. (Coppinia) arcta, nur dass hier die Pianulae
nicht, wie sonst, in einzeln stehenden grossen Kapseln, sondern in
den Zellen einer spongiösen Masse ihren Ursprung nehmen, mit der
die basalen Enden der einzelnen Röhren bedeckt sind. Bei C. arcta
gelang es die Entwickelung dieser Pianulae zu verfolgen. Verf. über-
zeugte sich dabei, dass dieselben nach einiger Zeit sich festsetzten und
allmählich in einen neuen Hydroidpolypen verwandelten. Eine
Knospenbildung hat Verf. niemals an diesen Thieren beobachten kön-
nen. Die Polypenröhren der Coppinia bleiben einfach und unverä-
stelt, obgleich sie haufenweise neben einander (als Parasiten aufSerf.
falcata) vorkommen.
AuchKölliker beobachtete die Medusenbrul von Cam-
panularia dicJwtoma, fand aber bei derselben nur vier massig
lange Tentakel, so dass man wohl eine Verschiedenheit von
der Dalyell'schen C. dichotoma annehmen muss (Zeitschrift
für wiss. Zool. IV. S. 301).
Interessant ist die Entdeckung, dass die proliferirenden Kapseln
vor der Entwickelung der Brut, wenn sie noch klein sind, ganz wie
die übrigen Zellen des Stockes, einen Polypen enthalten, der jedoch
allmählich verkümmert, wenn er an seinem untern Ende eine Knospe
nach der andern hervortreibt. An der (zuerst von Ehrenberg er-
kannten) individuellen Natur dieser sog. Eierstöcke ist unter solcheij
440 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Umständen nicht länger zu zweifeln. Die allmähliche Ausbildung der
Knospen scheint nach Kölliker's Angaben im Wesenlichen auf die
gewöhnliche Weise vor sich zu gehen.
Desor, über die Forlpflanzung- von Campanularia ge-
latinosa. Proc. Best. Soc. III. p. 156, Ann. des sc. nat. 1849.
T. XII. p. 204.
Die Beobachtungen van Beneden's über die Medusenbrut
dieser Hydroide werden bestätigt und die aufgeammten Scheibenqual-
len dem Gen. Stomobranchium zugerechnet (? Ref.). Aber ausser die-
ser Medusenbrut beobachtete Desor auch noch (wieLoven) sessile
männliche und weibliche Geschlechtskapseln, die beide im Wesentlichen
unter sich übereinstimmten , aber beständig über verschiedene Stöcke
vertheilt waren. (Wenn die Beobachtungen Desor's wirklich nur
an einer Hydroidenform angestellt sind, so verdienen sie unser
höchstes Interesse, denn in diesem Falle wird dadurch bewiesen, dass
es Medusen giebt, die nicht bloss zweierlei, männliche und weibliche,
Geschlechtskapseln produciren, auch nicht bloss einerlei Geschlechts-
kapseln und Medusen , die durch ihr Geschlecht diese Kapseln ergän-
zen , sondern — unter verschiedenen äusseren Umständen? — bald
zweierlei Geschlechtskapseln , bald auch Medusen zur Entwickelung
bringen.)
M. S. Schnitze, über die männlichen Geschlechtsor-
gane von Campanularia gejiiculata, Müller's Archiv 1850.
S. 53.
Die beobachteten Anhänge schliessen sich, wie in dem Desor'-
schen Falle, durch Entstehungsweise, Form und Schicksale genau an
die von Loven beschriebenen Eikapseln an. Gefässe in der mantel-
artigen Hülle konnten niemals (auch nicht in den weiblichen Kapseln)
beobachtet werden. Im Innern der männlichen Kapsel bemerkt man
ein kleines blindgcendigtes Divertikel des gemeinschaftlichen darmar-
tigen Canales , der die Achse der proliferirendcn Zelle durchsetzt und
nach Kölliker's Entdeckung als Ueberrest eines früheren vollstän-
digen Polypen anzusehen ist. Im Umkreise dieses Divertikels, zwischen
ihm und der Kapselhülle, nehmen die Samenfäden ihren Ursprung.
Hincks liefert gleichfalls einige Beobachtungen über
die Fortpflanzungsverhällnisse und den Generalionsw^echsel
gewisser Sertularinen. Ann. nat. hist. X. p. 81.
Er beschreibt die Medusenbrut von Campanularia volubilis in
einer mit van Beneden (J. B. Bd. XVI. S. 437) ganz übereinstim-
menden Weise — Verf. bemerkt, dass ihn dieselbe in mehrfacher Hin-
sicht an Mooderia Forb. erinnert habe — und giebt eine kurze Kotiz
Aber A\t Medusenbrut von. Lomedea (^Campanularia') ganiailata und
der niederen Thiero während der J. 1848 — 1853. 441
L. gelatinosa. (Dass freilich diese beiden Hydroiden mit den von anderen
Autoren unter demselben Kamen aufgeführten Arten übereinstimmen,
dürfte zweifelhaft sein.) Die Medusenform von L. gelatinosa besass
16 Arme (van Beneden zählte bei seiner Art 24), die von L. ge-
niculala nahezu deren dreissig. An der Basis der Arme fand sich ein
vorspringendes Randkörperchen (ocellus). Sehr abweichende Verhält-
nisse beobachtete Verf. bei Campanularia Syringa, bei der er statt der
Medusen am Vorderende der becherförmigen Geschlechtskapseln ein
einfaches kugliches Gebilde mit einem Ei , oder vielmehr einer Pla-
nula, im Innern antraf.
Diese letzteren Verhältnisse kehren in sehr übereinstim-
mender Weise, wie es scheint, auch bei den Sertularien wie-
der, wie es nicht bloss durch van Beneden (für L. cu-
pressina) ^ sondern nanienlüch auch durch die sehr ninfang-
reichen Untersuchungen von Dalyell (1. c. 1. p. 134 ff.)
nachgewiesen wurde.
Dalyell beobachtete 14 Arten, die er einzeln beschrieb und
abbildete (^Serlularia polyzonias , S. abielina, S. abietinula, S. rosacea,
S. pumila , S. halecina , S. Beanii, S. falcata , S. pinnata , S. fascis,
S. argentea, S. anlennina, S. ramosa und S. ihnja) und konnte fast in
allen Fällen die Bildung und die Schicksale derPlanulae eine längere
oder kürzere Zeit hiedurch verfolgen. Medusenknospen wurden nir-
gends aufgefunden. Die Planulae entstehen in sehr wechselnder Anzahl,
zu 1 (S. polyzonias, S. abietina, S. ihvja), 3, 8 bis 25 und noch mehr,
im Innern der becherförmigen Geschlechtskapseln, treten aber nicht
. etwa von da sogleich nach Aussen, sondern verweilen erst eine Zeitlang
in einem kugeligen Anhängsel der Geschlechskapseln, das sich während
der lleife der Planulae aus der vordem üeffnung derselben bruchsack-
artig hervordrängt. Ueber die Bedeutung dieser Anhängsel und die
etwaigen genialischen Beziehungen dersel])cn zu den Planulae lässt
uns Dalyell im Ungewissen, indessen dürfte es wohl erlaubt sein,
dieselben nach der Analogie mit den Sertularien als medusoide Bildun-
gen in Anspruch nehmen. Eben so wenig erfahren wir über die frü-
heren Zustände der Planulae , die Eier und die Samenkapseln unserer
Thiere. Allerdings bescineibt Dalyell bei manchen Arten zweier-
lei und selbst dreierlei Formen von Geschlechtskapseln (Ovaria or
prolilic vesicles), aber meistens sah er aus allen diesen Kapseln
die Embryonen in Form von Planulae hervorkommen. Kur einige
wenige Beobachtungen scheinen auf die Abwesenheit besonderer männ-
licher Geschlechtskapseln hinzudeuten. Pfamentlich möchte Ref. die
bei Tfioa halccina an manchen Stöcken vorgefundenen langen „pQau-
menförmigen" Kapseln hierher rechnen (p. 168). Die Entwickelung
der Planulae ist genau dieselbe, wie bei den Campanularicn und Tu-
442 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
bularien. Die Pianulae verlieren nach einiger Zeit ihre Beweglich-
keit; sie setzen sich fest und verwandeln sich dann in eine scheiben-
förmige, am Rande nicht selten verästelte Masse, deren Mitte sich
schliesslich in Form eines senkrechten Zapfens erhebt und zu einem
Polypen auswächst. In der Regel producirt dieser erste Polyp schon
ziemlich frühe, mitunter schon vor seiner völligen ?2ntwickelung, eine
neue Knospe. Bei Sert. abietina sah Verf. diese Keimung der Pianu-
lae hier und da auch ohne vorhergegangenes Schwärmen, noch wäh-
rend des Aufenthaltes in der kugligen Brutkapsel vor sich gehen, so
dass dann die neue, meist aus zweien Individuen bestehende Colonie
aus der alten hervorzuwachsen schien (p. 153). Man möchte vielleicht
geneigt sein, mit dieser Beobachtung von Dalyell die Angaben von
van ßeneden zusammenzustellen, dass bei Thoa halecina aus den
Geschlechtskapseln mitunter zwei neben einander stehende Polypen-
köpfe hervorwüchsen, allein es scheint kaum , dass solches mU eini-
gem Rechte gesehen könne. Auch Dalyell hat diese Erscheinung
bei Thoa halecina (p. 1(39) und Th. Beanii (p. 170) beobachtet, ohne
sie jedoch mit den Vorgängen bei S. abietina zusammenzustellen. Er
beobachtete dieselbe immer nur an leeren Geschlechtskapseln und
sieht darin das Zeichen einer üppigen Keproductionskraft, wie sie über-
haupt den Hydroiden eigen ist und auch bei den Sertularien (nament-
lich S. füscis) vielfach vom Verf. auf experimentellem Wege geprüft
wurde.
Krohn beobachtet die Medusensprösslinge von Podo-
coryne und macht einige Mitlheiinngen über die Stanunbildung
dieser Hydroide. Arch. für Nalurgesch. 185!. 1. S. 263.
Männliche und weibliche Medusen werden wahrscheinlicher
Weise von verschiedenen Colonien grossgezogen. Die Generations-
organe liegen an den Firsten des vierkantigen Magens.
Zoologisches. Hydra fusca, H. grisea und H. pallens sind
nach Rouget (Mem. de la Soc. biol. T. IV. p. 389) nur verschiedene
Zustände derselben Species, die der Verf. H. vulgaris heisst. //. pal-
lens umfasst bloss junge , H. grisea kleine und schlecht genährte In-
dividuen dieser Art. Laurent versichert dagegen (Cpt. rend. de la
Soc. biol. T. V. p. 15) , dass H. grisea nicht bloss durch die Form
und Farbe ihrer Eier, sondern auch durch ihreUiiisexualitäl verschie-
den sei und eine eigene Species ausmache. Durch Modification der
Kahrungszufuhr gelanges indessen, die Färbung dieser Art bald braun,
bald grau zu machen. (Ibid. p. 39).
Ref. erwähnt (Zool. Untersuch. L S. SG. Anm.) einer neuen
oceanischen Hydra aus Cuxhaven , die sich durch traubenförmig zu-
samraengruppirtc weibliche Geschlechtskapscln (mit deutlichen Keim-
der niederen Thicre während der J, 1848 — 1853. 44o
bläschen) auszeichnet. Er möchte dafür jetzt den Namen 11. race-
mosa vorschlagen.
S a r s beschrieb eine isolirt lebende Corynee von colossaler
Grösse Myriothela arctica n.gen. etn. sp. von der Norwegenschen
Küste (Nyt aiag. 1. c. p. 134). Das neue Gen. wird folgendermaassen
charakterisirt:
Myriothela. Animal solitarium , nudum , cylindraceum , af-
fixum , superne tentaculis numerosis brevibus sparsis, apice globoso,
ore terminali; inferne gemmis globosis breviter pedicellatis, racema-
tim coacervatis.
0. Schmidt beobachtete ganz dasselbe Thier und giebt von
ihm, wie von den daran aufgeammten Medusen eine gute Abbildung,
Handatlas der vergl. Anat. Tab.IX. Fig. 2. 2 a. Die Beschreibung von
Sars scheint demselben unbekannt geblieben zu sein, denn das Thier
wird als neu unter dem Kamen Amall haea (n. gen.) vvifera auf-
geführt. Der erste Entdecker dieses sonderbaren Geschöpfes ist übri-
gens weder Sars noch Schmidt, sondern Yigors, der dasselbe
schon in den vierziger Jahren an der britischen Küste auffand und
(Rep. Roy. Polytechn. Soc. 1849) Ar um Cocksii benannte. Gosse,
der unser Thier gleichfalls untersuchte, beschreibt es, wiederum als
neu, unter dem Namen Spadix (n. gen.) jmrpurea (Ann. nat. bist.
1853. XII. p. 125).
Ayres stellt ein neues Tubulariengenus Gl o bicep s auf und
giebt demselben folgenden Charakter:
Polypidom riving from a creeping root, branched. Short stems
from the branches, supporting each a Single polyp. Polyp encircled
by three rows of arms, basal, medial and near the summit; the arms
of the Upper rows ending in globular heads: Polyp not retractile
with in the tube. (Proc. Bost. Soc. 1851. p. 193.)
Thomson liefert einige Bemerkungen über die solitäre Cop-
pitiia arcta , die derselbe (im Gegensatze zu Dalyell, vergl. oben
S. 439) trotz der Abwesenheit eines verästelten Stammes für knospend
hält, und beschreibt eine nahe verwandte Form mit netzförmig verä-
steltem Polypenstocke Relicularia (n. gen.) immersa (Ann. nat.
bist. T. XI. p. 443). Das neue Gen., das sich unter den bekannteren
Campanularien zunächst an C. diimosa anschliesst, wird folgendermaas-
sen charakterisirt :
Auimal, a Sertularian polyp of greenish colour, with numerous
smooth solid tcntacula, very minute. Polypidom, a parasilical inve-
sting network of horny tubcs, immersed in a homogeneous horny crust.
Polyp-cells sliort projcctings of the nctted tubcs, are-shapcd, with
circular, patulous orifices wilhout opercula. Sp. n. R. immersa^ lebt
auf Sert> abieiina an der englischen Küste.
444 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Hincks beschreibt eine Laomedea lacerla n. sp., die in ihrem
Jugendzustande von Johnston als Campantilaria lacerla aufgeführt
ist. (Ann. nat. bist. 1852. Vol. X. p. 86.)
Ebenso Campanularia parvula n. sp. und C. caliculata n. sp.
Ibid. 1853. XI. p. 178.
Campanularia fruticosa n. sp., C. abielina n. sp., Laomedea gra-
cilis n. sp. von der norwegenschen Küste, Sars, Nyt Mag. 1. c.
p. 138.
Desor berichtet über die von ihm in den Untiefen der Insel
Nantucket aufgefundenen Hydroiden und beschreibt dabei zwei neue
Arten : Plumularia arborea und Sertularia j)lumea. Proc. ßost. Soc. III.
p. 65.
Busk liefert ein Verzeichniss der Sertularinen von Port Katal,
derAlgoa- und Tafel-Bay (Rep. of the br. Ass. for 1850. Notic. p. US).
Der Verf. zähl 17 Arten, unter denen eine neue Pliomdaria formosa
und knüpft daran einige Bemerkungen über das Gen. Plumularia.
Derselbe bearbeitete auch (neben den Bryozoen) die vsährend
der Entdeckungsreise des Raltlesnake gesammelten Sertulariaden. Mac
Gillivray, narrat. of Yoy. of Ualtlesn. Append. (IstUef. unbekannt
geblieben.)
Siphonophora.
Die Arbeiten, die wir in den lelztvergangenen Jahren
von verschiedenen Seiten über die Organisation der Sipho-
nophoren erhalten haben , sind nicht minder wichtig und für
unsere Ansichten von der Natur dieser sonderbaren Geschö-
pfe nicht minder entscheidend gewesen, als die gleichzeitigen
Unlersuchungen über die Hydroiden. Wir dürfen es gegen-
wärtig für ausgemacht ansehen, dass die Siphonophoren in
den Grundzügen ihres Baues mit den Hydroiden übereinstim-
men, dass sie namentlich auch zusammengesetzte Geschöpfe
sind, wie die Hydroiden , und sich nach Art dieser Thiere
durch eine eigene Generation von medusoiden Geschlechts-
thieren fortpflanzen. Der wesentlichste Unterschied von den
Hydroiden besteht darin, dass dieselben nicht festsitzende^
sondern schwimmende Thierstöcke darstellen und mit ei-
genen acliven und passiven Bewegungsorganen (Schwimm-
glocken und Luftsack) versehen sind. (Kölliker nennt die
Siphonophoren desshalb Schwimmpolypen, Polypi ne-
chalei.)
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 445
Referent glaubt der Erste gewesen zusein, der diese
Ansicht aussprach und zu begründen versuchle (vergl. Gölt.
Gel. Anz. 1847. N. 191 — bei Gelegenheit einer Anzeige von
Sars Fauna norvvegica — und Morphol. der wirbellosen
Thiere 1848. S. 27). Nach ihm haben sich zunächst Vogt
COcean und Millelmeer 1848. Th. I. S. 316) und Agassiz
(Leclures etc. p. 35) und Huxley (Ann. nat. bist. 1850. VI.
p. 394 oder Proc. Linn. Soc. 1850. Feb. ^ noch ausführlicher
Rep. br. Assoc. for 1851. Notes p. 78 oder l'Instit. 1851. p. 375
— die frühere Auffassung von Huxley in den oben bereits
S. 410 angezogenen Phil. Transact. lautet freilich sehr abwei-
chend— ) in gleicher Weise ausgesprochen, bis dann schliess-
lich nach einer nochmaligen Prüfung dieser Verhältnisse von
Seiten des Ref. (Zeitschrift für wiss. Zool. III. S. 189) und
den bestätigenden und ergänzenden, aber nur aphoristischen
Millheilungen von Vogt (Ebendas. S. 521, Plnstit. 1853. p. 97,
Bilder aus dem Thierleben S. 150) die umfassenden Unter-
suchungen von Kolli ker, Referenten und Gegenbaur
die Frage nach der Natur der Siphonophoren in dem oben
beregten Sinne entschieden haben. Die Untersuchungen die-
ser Zoologen sind in folgenden Abhandlungen niedergelegt:
Kolli ker, die Schwimmpolypen oder Siphonophoren
von Messina. Mit 12 Tafeln. Leipzig 1853. (Eine vor-
läufige Mittheilung der Hauptresultate in der Zeitschrift
für wiss. Zool. IV. S. 306.)
Leuckart, zoologische Untersuchungen. I.Heft Sipho-
nophoren. Mit 3 Tafeln. Giessen 1853. (Eine spätere
Abhandlung über die Siphonophoren von Nizza, die
diesem Archive einverleibt ist, wird mit der monogra-
phischen Darstellung derselben Thiere von Vogt erst
im folgenden Jahresberichte besprochen werden können.)
Gegenbaur, Beiträge zur näheren Kennlniss der
Schwimmpolypen mit drei Tafeln, in der Zeitschr f. wiss.
Zool. Bd. V. S. 285, auch als selbstständige Abhandlung
erschienen. (Eine vorläufige Miüheilung über die Un-
tersu( hunoren von Geffenbaur findet sich in dersel-
ben Zeilschrilt S. 103, ein Nachtrag ebentlas. S. 442.)
Ausserdem erwähnen wir nocli als wichtig für die Kennt-
446 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Katurgeschichte
niss unserer Thiere die treffliche Darstellung von Huxley
über die Geschlechtsverhällnisse der Siphonophoren und den
Bau ihrer sog. Genilalkapseln (Müllers Arch. 1851. S. 380)
und die Angaben von Busch über monogastrische Diphyi-
den (Beobachtungen u. s. w. S. 33), welche letzteren jedoch
durch die Untersuchungen von Ref. und Gegenbaur in
mehrfacher Hinsicht eine Berichtigung oder Ergänzung ge-
funden haben.
Referent hat oben bemerkt, dass die Frage nach der
Natur der Siphonophoren gegenwärtig so ziemlich zu einem
Abschlüsse gekommen sei; er muss indessen hinzufügen, dass
die einzelnen Beobachter in ihren Ansichten darüber keines-
wegs ganz vollkommen mit einander übereinstimmen. So
stellt namentlich K Olli k er den Generationswechsel der Si-
phonophoren in Abrede, indem er die sog. Geschlechtskap-
seln derselben, wie die entsprechenden gleichartigen Gebilde
der Hydroiden, nicht für eine eigene Generation von Geschlechts-
thieren, sondern für blosse Organe ansieht. Auch Vogt ist
dieser Ansicht; er geht sogar so weit — freilich nur mit
Verkennung des eigenlhümlichen Typus im B^ue dieser Ge-
bilde — eine jede Analogie in der Organisation der Ge-
schlechtskapseln und der Medusen zu leugnen. Es ist wahr,
es giebt bei den Siphonophoren Geschlechtskapseln von äus-
serst einfachem, mehr oder minder bläschenförmigen Baue,
aber wir kennen ja Aehnliches bei den Hydroiden und wis-
sen überdiess, dass auch die genuinen Medusenknospen bei
ihrer ersten Bildung keine weitere Zusammensetzung dar-
bieten. Dazu kommt, dass von dieser bläschenförmigen Bil-
dung der Geschlechtskapseln alle möglichen Uebergänge zu
der exquisitesten Medusenform (mit abstehendem , von vier
Radialgetässen durchzogenen Mantel und einem magenstielar-
ligen centralen Geschlechtskolben) gefunden werden, dass es
selbst Siphonophoren giebt, deren Geschlechtskapseln sich auf
einer frühen Entwicklungsstufe loslösen und zu vollständigen
kleinen Medusen nicht bloss mit selbstständiger Bewegung,
sondern auch mit selbstständiger Ernährung (mit einem Munde
am Ende des magenstielartigen Kolbens) ausbilden. So ist es
namentlich nach Huxley (Müller's Arch. a. a. 0.), Ge-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 447
genbaur (Zeitschrift für wiss. Zool. IV. S. 370) und Vogt
(t'Instit. I.e.) bei Velella, so auch nach Huxl ey wahrschein-
lich bei Physalia und einer neuen Diphyidengaüung Sphenia.
Solche Verschiedenheiten finden sich nicht seilen sogar an
den beiderlei Geschiechtskapseln derselben Arten, wie na-
mentlich in der Familie der Physophoriden, deren weibliche
Geschlechtskapseln ganz constant als sessile Bläschen er-
scheinen, während die männlichen in der Regel zu einer zier-
lichen Medusenform sich entwickeln, auch £ich nach ihrer
Reife abtrennen und umherschwimmen, obgleich sie derMund-
öffnung und damit denn auch der Möglichkeit einer selbst-
ständigen Nahrungsaufnahme entbehren.
Die Frage nach den Geschlechtsverhältnissen kann bei
den Siphonophoren unmöglich, wie Ref. schon mehrfach her-
vorgehoben hat, in anderer Weise entschieden werden, als
bei den Hydroiden. Mit demselben Rechte, mit dem man den
letztem einen Generationswechsel zuschreibt, mit dem man
bei ihnen eine sterile und eine geschlechtlich entwickelte Ge-
neration unterscheidet, mit ganz demselben Rechte darf man
solches auch bei den Siphonophoren thun.
Aber noch mehr. Wenn man die sog. Geschiechtskap-
seln der Siphonophoren für Glieder einer eigenen Generation
und damit für individuelle Bildungen , für Geschlechlslhiere,
erklärt, so muss man, nach der Ansicht des Ref., consequen-
ter Weise auch die sog. Schwimmglocken als Individuen, als
Bewegungsthiere, auffassen, da beide, wie wir heute wissen,
nicht bloss in ihrer Bildungsweise, sondern auch in den wesent-
lichen Zügen ihres späteren Baues mit einander übereinstimmen.
(Die einzige wesentliche Auszeichnung der Schwimmglocken
besieht in der Abwesenheit des magenslielartigen Geschlechts-
kolbens.) Eben so gross und unverkennbar ist nun aber auch
dieUebereinslimmungder einzelnen, an dem gemeinschaftlichen
Stamme (dem sog. Reproductionskanale) aufgereiheten Po-
lypen (der sog. Saugröhren) mit den mundlosen sog. Ta-
stern , die bei den Physophoriden in grösserer Anzahl zwi-
schen den Polypen vorkommen und noch von Vogt für un-
ausgebildete Polypen (von älteren Beobachtern meist für
sogenannten Tentakelbläschen) gehalten wurden. Selbst in
448 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Walurgeschichte
den Deckstücken, die zum Schulze der übrigen Anhänge ent-
wickelt sind, und den fadenförmigen sog. Tentakeln, die mei-
stens an der Basis der Polypen aus dem Stamme hervorkom-
men, und ganz allgemein durch eine mächtige Entwickelung
ihrer Nesselzellen, so wie auch durch den Besitz besonderer
Nesselzellenbaltericn (Nesselknöpfe) sich auszeichnen , kann
der Typus des Polypenbaues bei unbefangener Betrachtung
kaum verkannt werden. Ref. glaubt desshalb auch vollkom-
men berechtigt zu sein , alle diese einzelnen Anhänge — in
morphologischer Hinsicht — als Individuen anzusehen und
die Siphonophorenslöcke als Colonien polymorpher Einzel-
Ihiere zu betrachten , deren Leistungen sich in ähnlicher
Weise, wie die J'unktionen der einzelnen Organe bei einem
einfachen Thiere, zu einem Gesamnitresullate ergänzen. Schon
in seinem Aufsatze über den Bau der Physalien (Zeitschrift
für wiss. Zool. III. S. 189) und in der kleinen Abhandlung
über den Polymorphismus der Individuen S. 13 hat er diese
Auffassung geltend zu machen gesucht, doch sind es erst
seine späteren Untersuchungen gewesen, die ihm das Material
für eine schärfere Beweisführung lieferten. Vgl. Zool. Unter-
such. I. S. 70. Die Auffassung des Ref. ist allerdings von
Kölliker (Schwimmpolypen S. 64 ff.) bekämpft und auch von
Gegenbaur (a. a. O.S.338) nur in bedingter Weise accep-
tirt worden, hat aber nichts desto weniger in Reichert,
V. Carus, A. Braun, van Benedon, Leydig, A.
Thomson u. A. eine ganze Reihe gewichtiger Anhänger
gefunden. (Nachträglich hat Ref. übrigens bemerkt, dass schon
Agassiz in seinen Lectures on comp, anal, p. 35, also
bereits vor Ref. , die Siphonophorcn nach der Analogie mit
den Hydroiden als Zusammenhäufungen verschiedener für be-
stimmte einzelne Leistungen organisirler Individuen in An-
spruch nimmt, ohne jedoch diese Auffassung durch eine spe-
ciellere Analyse des Siphonophorenbaues zu moliviren.)
Bei dem ungemeinen Reichlhum an neuen Thalsachen, den
uns die Eingangs namhaft gemachten Abhandlungen über die
Siphonophorcn gebracht haben, ist es begreiflicher Weise kaum
möglich, auf die Organisationsverhältnisse dieser merkwürdi-
gen Thiere im Speciellen einzugehen. Es scheint Ref. dess-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 449 ^
halb am zweckmässigsten, hier zunächst nur auf die von un-
seren Verf. ffelieferle Darsteliunfr der einzelnen Formen zu
verweisen und vielleicht hier und da, wie es die Umstände
mit sich bringen, eine weitere Bemerkung anzuknüpfen. Er
hält solches um so mehr für genügend, als ein näheres Stu-
dium dieser sonderbaren Wesen ohne specielle Benutzung
jener Abhandlungen doch kaum zulässig sein dürfte und die
zwischen den einzelnen Angaben der Verff. existirenden Dif-
ferenzpunkte überdiess schon bei einer anderen Gelegenheit
in diesen Blättern vom Ref. besprochen wurden (Jahrg. XX.
Th. I. S. 249).
Wir beginnen mit der Familie der Diphyiden, die sich vor-
zugsweise durch die geringe Zahl ihrer Schwinimglocken , und der
übrigen gruppenweis vereinigten Anhänge charakterisirt. In dieser
Familie unterscheidet man bekanntlich zweierlei Formen, einfache,
sog. monogastrische Arten (^Eudoxia, Ersaea u. s. w.) und zusammen-
gesetzte, polygaslrische. Durch die Untersuchungen von R e f er ent en
(Zool. Unt. I. S. 41) und Gegenbaur (a. a. 0. S. 292) hat sich nun
aber herausgestellt, dass die sog. einfache Diphyiden keine selbststän-
dige Arten sind, sondern blosse isolirt lebende Anhangsgruppen zu-
sammengesetzter Diphyiden darstellen, wie das von Sars schon frü-
her vermuthet wurde. Die Abtrennung dieser Anhangsgruppen ge-
schieht bei den betreffenden Arten ganz constant, sobald dieselbe eine
bestimmte, und zwar für die einzelnen Fälle, wie es scheint, ver-
schiedene Entwickelungsslufe erreichen; ist aber bis jetzt nur an einer
einzigen , und zwar gleichzeitig von beiden Forschern an derselben
Diphyide zur Beobachtung gekommen, so dass wir über die ISatur
der übrigen verwandten Formen nur der Analogie nach urtheilen
können. Was Eschscholtz bei diesen monogastrischen Formen
als Saugröhrenstück beschreibt, ist das Deckstück, das sog. Schwimm-
höhlenstück dagegen das Genitalbläschen , das beständig eine sehr
ausgesprochene Medusenform hat und durch die Bewegungen seines
Mantels auch wirklich zur Forlbewegung dient. Keben diesem einen
Genitalbläschen findet man ganz constant noch ein zweites, das bald
mehr , bald weniger entwickelt ist und zum Ersätze des ersteren
dient, wenn dieses aus dem Verbände mit den übrigen Gliedern sich
abtrennt. So nach Referent und Gegenbaur, während Busch
dagegen (a. a. 0.) der irrthümlichen Ansicht ist, dass dieses Ersatz-
bläschen ein eigenthümliches, von dem Geschlechtsapparate verschie-
denes Gebilde sei, das wohl als Individuum einer zweiten Generation
aufzufassen sein dürfte. Aus den Eudoxien mit grösserer Ersatzglocke
bildete Eschscholtz sein Genus Ersaea.
Aichiv. f. Naturgescb. XX. Jahrg. 2. Bd. £)D
^450 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgas chiclite
Die von unseren VerfF. beobachteten und beschriebenen Diphyi-
denformen sind folgende :
Abyla pentagona Eschsch. von Ref. (a. a. 0. S. 56) und Ge-
genb aur (a. a. 0. S. 292). Die Angaben von Köllik e r (a. a. 0.
S. 41) sind weniger vollständig und geben namentlich über die Ent-
wickelung, die von Ref. und Gegenb. beobachtet wurde, keinen Auf-
schlnss. Ref. beschreibt die Eudoxiengruppen , die sich durch die
cubische Form ihres Deckstückes auszeichnen und vielleicht schon
früher von Quoy und Gaimard gesehen waren, unter dem (pro-
visorischen) Kamen JE. cuboides, a. a. 0. S. 4P. Die Entwickelungs-
geschichte dieser Gruppe ist von Referent specieller verfolgt worden.
Freilich hat Gegenbaur gesucht, diese Darstellung als irrthümlich
nachzuweisen (a. a. 0. S. 47), indessen kann Ref. die Beweiskraft der
vorgebrachten Einwürfe in keiner Weise anerkennen. Er glaubt nach
abermaliger Prüfung seiner Angaben von Neuem berechtigt zu sein,
die frühere Darstellung in ihrem ganzen Umfange zu vertreten.
Das Gen. A g lai sma, das Eschscholtz gleichfalls den mo-
nogastrischen Dyphyiden zurechnete und auch von Busch (a. a. 0.
S. 49) beobachtet wurde , enthält nach den Untersuchungen von Ref.
(a. a. 0. S. 50) nur verslümmelte Koloniestöcke von Abyla. Es be-
steht aus der vorderen Schvvimmglocke dieser Thiere (dem sog. Saug-
röhrenslücke) , an dem sich ein neuer Stamm und eine neue hintere
Schwimmglocke (Schwimmstück) hervorbildet.
Diphyes acuminata n. sp. , Leuckart, a. a. Ü. S. 61. Eine
gleichzeitig in Nizza beobachtete ^udoxia (£. campanula Lt.) glaubt
Ref. dieser Art hinzurechnen zu dürfen, obwohl er den genetischen
Zusammenhang dieser beiden Formen nicht durch die direkte Beobach-
tung nachweisen konnte, a. a. 0. S. 43.
Diphyes Sieboldii n. sp. Köl 1 i ker , a. a. 0. S. 36, von Ge-
genbaur (a. a. ü. S. 27) als D. gracilis n. sp. beschrieben.
Diphyes Kochii W\\\, Busch, a. a. 0. S. 46. Hieher wahr-
scheinlich auch als Aglaismaform die von Busch (a. a. 0. S. 48)
beschriebene Muggiaea (n. gen.) pyramidalis Busch.
Diphyes turgida n. sp. Gegenbau r, a. a. 0. S. 442 (früher
von Dems. irrthümlicher Weise als D. Sieboldii Köll. aufgeführt).
Diphyes qttadrivalvis Geg. a. a. 0. S. 315 , identisch mit Epi-
bulia filiformis Lt. (= Rhizophysa filiformis Delle Ch. , Suculceolaria
quadrivalvis Blainv.), nach den Unters, des Ref. kaum eine echte Di-
phyesart.
Anhangsweise erwähnen wir hier die von Busch und Ge-
genbaur beschriebenen Eudoxien mit glockenförmigem Deckstücfce,
die mit Eud. campanula Lt. nahe verwandt sind und nach Ansicht
des Ref. wahrscheinlicher Weise gleichfalls von Diphyidenformen ab-
'*' • dei^ niedeiren Thiere während der J. 1848—1853. 451
stammen, obgleich Gegenbau r niese Annahme für unzulässig hält
^a. a. 0. S. 452). Eudoxia Eschschollzii Busch a. a. O. S. 33 , £w-
doxla messanensis Gegbv. a. a. 0. S. 285. Abweichender ist die von
Gegen baur a. a. 0. S. 291. , unter dem Kamen D ip lophysa (n.
gen.) inermis beschriebene Eudoxienform mit halbUugelförmigem Deck-
stücke.
Zu der Familie der Diphyiden gehört ferner auch noch Praya
diphyes Les. , Kölliker a. a. 0. S. 33 , die (unter dem Warnen Di-
phycs Brayae) zuerst von Vogt in den Zool. Briefen I. S. 140 nach
einem vollständigen Exemplare abgebildet wurde. Eine zweite von
Gegenbaur sehr sorgfältig beschriebene Art , Pr. maxima (a. a. 0.
S. 301), scheint kaum von der Vogt'schen Art verschieden zu sein.
Ref. hat dieselbe in seiner Abhandlung als Pv. cymbiformis aufgeführt,
und ist der Ansicht, dass die Physalia cymbiformis Delle Ch. (auch
wohl das Gen. Rosacea Quoy et Gaim.) mit ihr zusammenfalle. Die
von Vogt beschriebenen sog. Specialschwimmglocken, die den ein-
zelnen Anhangsgruppen zugehören, sind trotz der wiederholten Be-
hauptung des ersten Beobachters durch Gegenbaur als medusoide
Geschlechtsthiere erkannt worden.
Eine zweite von Kölliker aufgestellte Familie der Hippo-
podiiden möchte sich, nach der Ansicht des Ref., wohl kaum von
den Diphyiden abtrennen lassen, obgleich die dahin gehörenden Thiere
eine grössere Anzahl von Schwimmglocken besitzen und auch sonst
durch einige Besonderheiten ihrer Organisation sich auszeichnen.
Hippopodiiis neapolitanus Less. , Kölliker a. a. 0. S. 28 nnd
Leuckart an versch. Stellen seiner Abhandlung (unter dem Namen
H. gleba = Gleba hippopus Forsk.). Eine zweite Art, die Ref. un-
terscheiden zu können glaubte, hat er gegenwärtig nur als kleinere,
wahrscheinlich jüngere Kolonien erkannt.
Vogtia (n. gen.) pentacanlha n. sp., Kölliker a. a. 0. S. 31,
mit kreuzförmig gezackten Schwimmstücken. (Ob übrigens das Gen.
Vogtia wirklich von Hippopodins verschieden ist, scheint noch zwei-
felhaft. Der einzige Unterschied findet sich in der Anheftung der
Schwimmglocken an ihrer Achse, und Kölliker gesteht selbst, dass
diese nur unvollständig beobachtet sei.)
Bei der Entwickelung der Diphyiden bildet sich, nach den schö-
nen Beobachtungen von Gegenbaur (a. a. 0. S. 330), am flimmern-
den Larvenkörper zuerst die hintere Schwimmglocke. Leider Hessen
sich die Beobachtungen nicht weiter fortsetzen — es scheint Referent
desshalb auch keineswegs erwiesen (aus manchen Gründen sogar un-
wahrscheinlich) , dass sich der Rest des Larvenkörpers, der dieser
Schwimmglocke anhängt, in den sogenannten Saflbehältcr der vorderen
Schwimmglocke verwandle, wie Geg eribaur annimmt.
452 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Die zu der Familie der Ph yso p horid en gehörenden Arten
unterscheiden sich nicht bloss durch einen meist sehr viel beträchtli-
cheren Reichthum an Anhängen , sondern auch ganz constant durch
einen eigenthümlichen bei den Diphyiden fehlenden Dimorphismus der
Geschlechtsthiere, und den Besitz einer eigenen (nach den Untersuchun-
gen des Ref. von besonderen Chitinwandungen umgebenen) Luftblase,
die Vogt irrthümlicher Weise auch, freilich nur als inconstante Bil-
dung, den Diphyiden zuschreibt.
Apolemia uvaria Eschsch. , Gegenbaur a. a. 0. S. 319, Leu-
ckart an versch. Stellen seiner Abhandlung. Von Kölliker wurde
(a. a. ü. S. 18) nur eine Schwimmsäule ohne weitere Anhänge be-
obachtet.
Agalmopsis punctata (n. sp.) Köll. S. 15 identisch mit AgaU
mopsis rubra Lt.
Agalmopsis Sarsii (n. sp.) Köll. S. 10 identisch mit Agalma
punctata Lt.
Forskalia (n. gen.) Edwardsii n. sp. , K ö 11 ik er a. a. 0.
S. 2. Das Gen. For skalia fällt mit Stephanomia M. Edw. zusam-
men, wie Ref. durch Untersuchung der echten St. conlorta M. Edw.
(St. excisa Lt.) und einer zweiten Kizzaer Form, die er irrthümlicher
Weise für St. contorta hielt und jetzt St. ophiura nennt, sich über-
zeugt hat. Die Beobachtungen des Ref. über die einzelnen Anhänge
dieser und anderer Arten sind in dem ersten Theile seiner Abhand-
lung , der über den Bau der Siphonophoren im Allgemeinen handelt,
a. v. 0. niedergelegt.
Physophora Philippn ( n. sp. ) Kölliker a. a. 0. S. 19 ist
wahrscheinlicher Weise mit Ph. hydroslatica Forsk. identisch.
Auch Sars charakterisirt zwei neue, an der Norwegenschen Küste
beobachtete Physophora- Arien, Ph. glandifera und Ph. vesiculosa. Nyt
Magaz. 1. c. p. 158. Ebenso bemerkt Steenstrup (Vedensk. Med-
del. for 1849 og 1850. p. V) , dass er in den nordischen Gewässern,
um Island und Grönland, eine Physophora angetroffen habe.
Alhorybia rosacea Eschsch., Kölliker S. 24.
Dass die von Gegenbaur (a. a. 0. S. 324) beschriebene ÄAt-
zophysa filiformis Lam. den Physophoriden angereiht werden könne,
scheint Ref. sehr zweifelhaft. Sie besitzt allerdings die Luftblase
dieser Thiere , aber die Zahl und Bildung der Anhänge zeigt viele
auffallende Abweichungen. Auffallend ist namentlich der Mangel aller
activen Bewegungswerkzeuge (der Schwimmglocken und der bei der
gleichfalls glockenlosen Athorybia in Ruderplatten verwandelten Deck-
stücke) , so wie der Taster und die dreifach verschiedene Form der
Nesselknöpfe. (Auch bei Agalmopsis Sarsii beobachtete Ref. übri-
gens zwei verschiedene Formen von Nesselknöpfen.)
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 453
Die Entwickelung der Physophoriden ist in sofern von der der
Diphyiden verschieden, als hier nicht eine Schwimmglocke, sondern
zuerst ein Ernähningsthier , ein Polyp, gebildet wird, der dann die
übrigen Anhänge hervorknospen lässt und sich durch fortgesetzte
Längsstreckung schliesslich in den Körperstamm verwandelt. Solche
junge Physophoriden sind namentlich von Gegenbaur beschrieben
und abgebildet, aber auch von Kölliker und Referent beob-
achtet. Das erste Stadium des Larvenlebens ist nach Gegenbaur
auch hier (S. 332) eine Planula.
Die Structur der P h y s a 1 i e n ist von H u x 1 e y (Proc. Linn. Soc.
1848. Dec, Ann. nat. bist. 1849. T. IV. p. 207) und ausführlicher —
freilich nur nach Untersuchung von Spiritusexemplaren — von Ref.
(Zeitschrift für wiss. Zool. IH. S. 189) beschrieben worden. Eine
besondere Auszeichnung derselben besteht in der mächtigen Entwick-
lung der Luftblase, die fast den ganzen Hohlraum des blasig gebil-
deten Stammes ausfüllt und an dem einen Ende , wie namentlich
Huxley sehr bestimmt beobachtete, durch eine eigene (den Physo-
phoriden fehlende) Oeffnung nach Aussen führt. Auch die Anhänge
zeigen mancherlei Eigenthümlichkeiten , die uns vollkommen berech-
tigen, die Physalien als Repräsentanten einer besonderen Familie zu
betrachten.
Gleiches gilt von den Vel eilen, deren Bau wir durch Kö Ul-
ke r's wichtige Untersuchungen an Velella spirans (a. a. 0. S. 46)
und Porpita mediterranea (Ebendas. S. 57) näher kennen gelernt ha-
ben. Dass diese Geschöpfe trotz ihrer grösseren Centralisation als
Thierstöcke aufzufassen seien, war schon durch Ref. in seinem Auf-
satze über den Bau der Physalien hervorgehoben und findet in Köl-
liker's Beobachtungen seine Bestätigung, obgleich Vogt (a. a. 0.)
dieselben noch für einfache Thiere ansieht. Die Kolonie besteht aus einem
mittleren grossen Polypen , dessen Leberwülste sich zu einer sehr
ansehnlichen braunen Älasse entwickelt haben, und aus zahlreichen klei-
nen peripherischen Polypen, die mit den Gemmen der späteren Ge-
schlechtsthiere besetzt sind. Der Rand des scheibenförmigen Körper-
stammes ist mit einem Kranze von tasterartigen Fühlern versehen. Aber
auch in anderer Beziehung sind die Velellen sehr ausgezeichnet, na-
mentlich dadurch, dass der Reproductionskanal derselben in ein sehr
complicirtes Gefässnetz zerfallen ist, das aus der Leibeshöhle des Cen-
tralpolypen seinen Ursprung nimmt und in radiärem Verlaufe unter be-
ständiger Verästelung und Anastomosenbildung durch den Körper sich
verbreitet. Die gehämmerte sog. Schale, die nach den wiederholten
Beobachtungen des Ref. aus Chitin besteht und ein Analogen des
Luftsackes bei den übrigen Siphonophorcn darstellt, ist eben so we-
nig vollkommen geschlossen, wie bei den Physalien, sondern von
einer grössern Zahl spaltförmigerOefFnungen durchbrochen, Was Ref,
454 Leuckart: Bericht ob. d, Leistungen in d. Naturgeschichte
yollkopiwen bestätigen kann. Ueber das sonderbare zuerst vonKrohn
(,ifl diesem Arch. 1848. S. -30) beobachtete System lultführender dün-
ner Canäle, das aus der Unterfläche der sog. Schale hervorkommt,
haben die Untersuchungen von Kölliker kein entscheidendes Re-
sultat geliefert. Auch die Endigung derselben ist unbekannt geblie-
ben. Ref. möchte verrauthen, dass diese Canäle der von ihm beob-
achteten unteren OefTnung des Physophoridenluftsackes, die in die ge-
meinschaftliche Leibeshöhle (nich,t nach Aussen) einmündetj gleich zu
setzen seien. Sie verhalten sich zu dieser vielleicht in ähnlicher
"Weise , wie die Ernährungsgefässe der Yelellideu zu der sonst ein-
fachen und canalförniigen Leibeshöhle der Physophorideu. Ist seine
Vermuthung richtig, so dürfte man bei denselben eine freie Ausmün-
dung in die Ernährungsgefässe oder die Stiele der Polypen vermuthen.
Sehr aulfallend ist die Entdeckung eines eigenthümlichen plat-
tenförmigen Absonderungsorganes , das Kölliker an der unteren
Fläche der Porpitascheibe auffand und nach den mikrochemischen Ei-
genschaften seines Inhaltes als Niere in Anspruch nimmt.
Ueber die von den Velellen aufgeammte Medusenbrut vergl.
namentlich die oben schon erwähnten Beobachtungen von Gegenbau r.
üas Gen. Noctiluca, das früher den Medusen zugerechnet und
noch vor Kurzem von Brightwell (Ann. of nat. bist. 1850. T. VI.
p. 304) für eine den Physalien verwandte Siphonophore ausgegeben
wurde, muss , wie früher schon von van Ben e den, Doyere und
auch Ref. (Beitr. von Frey und Leuckart S. 138) hervorgehoben ist
und durch neuere Untersuchungen ausser allen Zweifel gestellt wurde,
von den Quallen und überhaupt aus der Abiheilung der Coelenteraten
entfernt werden. Wir werden auf den Bau dieses sonderbaren Thie-
res, das durch seine Lichtproduction und sein massenhaftes Auftreten
bekanntlich vorzugsweise zu dem Seeleuchten Veranlassung giebt,
später, bei den Foraminiferen, weiter zurückkommen.
3. Polypi.
Nach Ausschluss der Bryozoen und Hydroiden bleiben
uns in der Classe der Polypen nur noch die Ehren bergi-
schen Anlhozoen, und diese sind es, die wir hier mit dem
voranstehenden Namen bezeichnen. Die Polypen in einem
solchen entern Sinne des Wortes sind Geschöpfe, die na-
mentlich den Scheibenquallen nahe stehen, und sich, wenn
wir von den Eigenthümlichkeiten ihres äusseren Lebens (dem
Mangel oder der Langsamkeit ihrer OrJsbewegung) so wie
der Beschaffenheit ihres Körperpareßchymes absehen, ymi
der niederen Thiere während d. J. 1848—1853. 455
denselben vorzugsweise durch die Weite und die geringe
Anzahl der peripherischen Abtheilungen ihrer Leibeshöhle
unterscheiden. Vergl. Le ucka rt , Morphol. der wirbellosen
Thiere. S. 17.
Nach der Ansicht des Ref. müssen wir in dieser Classe
der Polypen zwei Ordnungen unterscheiden. Die eine der-
selben umfasst von den bis jetzt beiiannten Thieren nur das
Genus Lucernaria, das in anatomischer Hinsicht von den
übrigen Polypen vielfach verschieden ist, und in mancher Be-
ziehung (besonders durch die Abwesenheit eines selbststän-
digen Magenrohres ) so auffallend an die Discophoren erin-
nert, dass es Huxley ohne Weiteres als eine festsitzende
Scheibenqualle ansieht (Rep. br. Assoc. for 1851. Not. p. 75).
Ref. hat zur Bezeichnung dieser Ordnung den Namen Caly-
cozoa vorgeschlagen und reservirt die Ehrenbergische Be-
nennung Anthozoa für die übrigen echten Polypen. A. a. 0.
S. 19. Ebenso V. Carus in seinem Systeme der Morphologie.
Rymer Jones liefert in Todd's Cyclop. of Anatomy
and Physiol. Art. Folypifera eine ziemlich kritiklose Zusam-
menstellung der bekannten Untersuchungen von Cor da,
Milne Edwards, van Beneden, Farre u. A. Er fasst
die Classe der Polypen in ihrem früheren Umfange und un-
terscheidet in derselben vier Unterclassen : Hydrozoa, Antho-
zoa , Aulozoa und Bryozoa. Die dritte vom Verf. neu auf-
gestellte Gruppe enthält die Tubularinen, Tubiporiden (!) und
Sertularinen , die erste ausschliesslich das Gen. Hydra.
Calycozoa,
Für die Anatomie dieser Thiere erwähnen wir nachträg-
lich noch die Untersuchungen des Ref. in den mit Frey zu-
sammen herausgegebenen Beiträgen S. 1 „über den Bau der
Actinien und Lucernarien , im Vergleiche mit dem der übri-
gen Anthozoen.«
Anthozoa.
In der Ordnung der Anthozoen sind es vorzugsweise
die Actinien gewesen, die von den Analomen untersucht vvur*
456 Leuckart: Bericht üb, d. Leistungen in d. Naturgeschichte
den. Wir verweisen in dieser Beziehung auf Frey und
Leuckart a. a. 0. , so wie ferner auf die vortreffliche Mo-
nographie von Hollard, Ann. des sc. nat. 1851. T. XV.
p. 25) und auf die Bemerkungen von Seh mar da, zur Na-
turgesch. der Adria S. 17 (Abgedruckt aus dem IV. Bande
der Wiener Akad. Denkschriften).
Der kurze röhrenförmige Magen der Actinien ist nicht, wie
man früher gewöhnlich angab, blind geschlossen, sondern durch eine
weite Oeffnung mit der gehämmerten Leibeshöhle im Zusammenhange.
Er zeigt zwei eigenthümliche rinnenförmig ausgehöhlte Wülste (Car-
diacalwülste Ref.), die nach Hollard dazu dienen, den Inhalt der
Leibeshöhle gelegentlich, auch bei gefülltem Magen, bequem nach
aussen zu schaffen. Die Scheidewände der Leibeshöhle sind nach
Hollard (l'Instit. 1850. N. 10. oder Froriep's T. B. Zool. I. S. 132)
beständig paarweise angeordnet, zeigen aber dabei in regelmässiger
Abwechselung eine sehr verschiedene Entwickelung und eine ganz
bestimmte Beziehung zu der Stellung und der Grösse der Tentakel.
Sie stellen ein ziemlich complicirtes System von Muskeln dar , durch
deren Zusammenziehung die fächerförmigen Kammern , die von den-
selben umschlossen sind, manchfach verändert werden können. Der
Inhalt dieser Kammern ist kein reines Wasser, sondern die mit Was-
ser vermischte Ernährungsflüssigkeit (Blut) , das durch Hülfe einer
Flinimerbekleidung in beständiger Strömung erhalten wird. Bei den
Arten des Gen. Cribrina sind die Tentakel wirklich (wie sich auch
Ref. jetzt überzeugt hat) an der Spitze von einer constanten Oeffnung
durchbohrt. Auch sonst finden sich nicht selten kleine siebförmige
Löcher in der äusseren Leibeswand , durch welche das Wasser nach
Innen hineindringt, gelegentlich auch mit einem Theilg der Ernäh-
rungsflüssigkeit nach Aussen hervorgestossen wird. (Die sog. Saug-
näpfe sind übrigens, nach Hollard, blosse von einem sphincterar-
tigen Muskel umgebene Vertiefungen.) Die fadenförmigen Anhänge
an dem freien Rande der einzelnen Scheidewände, die mit ihrem obe-
ren Ende an den untern Rand des Magenrohres befestigt sind (Me-
senterialfäden Ref.), werden von Hollard als Röhren beschrieben,
die wahrscheinlich als gallebereilende Organe functionirten, während
Ref. und Schmarda in ihnen blosse solide Stränge erkennen konn-
ten, und es für wahrscheinlich halten, dass dieselben als nierenartige
Absonderungsorgane zu betrachten seien. V. Carus will neuerlich
auch wirklich Guanin in dem Achsenstrange dieser Fäden gefunden
haben (System derMorphol. S. 121). Die Geschlechter der Actinien sind
bekanntlich getrennt; Hoden und Eierstöcke aber ganz conform ge-
baut und in derselben Weise an den Scheidewänden vor den Mesen-
terialfäden befestigt. Bei Act. rosea beobachtete Hollard ausser
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 457
der geschlechtlichen Fortpflanzung auch eine ungeschlechtliche, durch
Knospung.
Mi Ine Edwards und Jul. Haime liefern eine sorg-
fältige und genaue Analyse des Polypenstockes und eröffnen
damit eine Reihe von wichtigen Monographien über die ein-
zelnen Familien der Steinkorallen , die sie unter dem Titel
Recherches sur les Polypiers in den Annal. des scienc. nat.
T. IX— XVI publiciren.
Die Skeletbildung der Polypen, die sich übrigens beständig auf
das hintere Körperende beschränkt, geht überall von den äusseren
Bedeckungen aus. Man unterscheidet in den letzteren eine Epidermis
und ein Derma ; eine jede derselben kann unabhängig von der an-
deren den Sitz der Skeletbildung abgeben. In dem einen Falle ent-
steht ein eigentliches Hautskelet (slerenchyme epidermique) , in dem
anderen dagegen eine Verkalkung des Perisoms, ein Unterhautskelet
(slerenchyme dermiquc).
Das Hautskelet wächst durch schichtenweise Ablagerung an
der dem Thiere zugekehrten Fläche und bleibt immer structurlos, mag
seine äussere Form auch noch so verschieden sein. Am bekanntesten
unter den verschiedenen Formen dieses Skelets ist das sog. Achsenskelet
(sclerobase) der Gorgoniden, das von der hinteren Fläche der einzelnen
kurzen und schüsseiförmigen Polypen abgesondert wird und eine bald
hornige, bald kalkige, bald auch (Hyalonema, vgl. Gray, Ann. nat.
bist. 1850. V. p. 307.) kieselige Beschaffenheit besitzt. (Nach den
Untersuchungen des Ref. besteht das Achsenskelet der Gorgoniden aus
einem chitinartigen Stoffe mit einer wechselnden Menge von erdigen
Beimischungen.) In anderen Fällen bildet das Hautskelet der Polypen
einen becherförmigen Ueberzug des verkalkten Perisoms (epitheque)
oder eine horizontal geschichtete Füllung (peritheque) zwischen den
einzelnen Polypen eines Coloniestockes , die unsere Verf. zur Unter-
scheidung von dem ganzen — einfachen oder zusammengesetzten -^
Polypenstocke als polypierite bezeichnet. *
Das Unterhautskelet besteht im Gegensatze zu diesem Haut-
skelete überall aus bestimmten histologischen Elementen und zwar
aus nadeiförmigen , meist nach den dreien Dimensionen des Raumes
hin verästelten Einlagerungen. Bleiben diese Nadeln isolirt, so ent-
steht ein unvollkommenes Skelet von einer meist lederartigen Be-
schaffenheit (polypieroide). In den eigentlichen I'olypenslöckcn hän-
gen die Nadeln beständig zu einem mehr oder minder dichten Ge-
webe zusammen; es findet sich hier nur ein einziger Ausgangspunkt
der Skeletbildung, gewissermaassen ein einziger Ossificationspunkt, so
dass die Nadeln in continuirlicher Folge aus einander hervorknospen.
Die Verschiedenen Grade der Dichtigkeit des Skelctes lassen sich aus
458 Leuckart; Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
den Verschiedenheiten in dem gegenseitigen Verhalten dieser Nadeln
(Menge, Stärke, Richtung, Verästelung u. s. w.) mit Leichtigkeit er-
klären.
Der Haupttheil des Polypenstokes besteht aus dem becherför-
migen oder auch wohl flächenhaft ausgebreiteten Kelch e, der Mauer
(muraille, theca), die als Ablagerung von scheibenförmiger Gestalt
im Fussende beginnt und, die äussere Form des Körpers wiederho-
lend, von da bis in die Nähe des Kopfendes sich ausdehnt. In eini-
gen seltenen Fällen macht dieser Kelch das ganze Skelet aus , aber
in der Regel, und so namentlich bei allen Steinkorallen ohne Aus-
nahme, verbinden sich damit noch andere weitere Skelettheile. Zu
diesen gehören vor allen die strahlenförmigen Blätter (cloi-
sons, septa) die sich, als lamellöse Fortsetzungen des Kelches, zwi-
schen die beiden Platten hineinsenken, welche sich in den radiären
Scheidewänden der Leibeshöhle bei unsern Thieren unterscheiden las-
sen. Wie die Strahlen auf der Innenfläche des Kelches aufsitzen, so
erheben sich auf der Aussenfläche nicht selten Rippen (cöles, co-
stae) , die den Strahlen entsprechen und eine verschiedene stärkere
oder schwächere Entwickelung besitzen. In manchen Fällen ist der
Kelch zwischen den Rippen durchbrochen ; es hängt das damit zu-
sammen, dass die Verkalkung überhaupt in der Richtung der Rippen
oder Strahlen am schnellsten und vollständigsten vor sich gehet.
Die Zahl der Strahlen wächst , gleich der der Scheidewände
und Tentakel mit dem Alter der Polypen, wie man schon aus der un-
gleichen Entwickelung der einzelnen Strahlen in demselben Indivi-
duum erschliessen kann. Aber diese Vermehrung geschieht nicht re-
gellos bald hier, bald dort, sondern nach bestimmten, von unseren
Verff. in scharfsinniger und überzeugender Weise nachgewiesenen
Gesetzen. Zuerst entstehen bei fast allen Arten der Steinkorallen
sechs Strahlen, die in gleichen Entfernungen von einander angebracht
sind, und von unsern Verff. als primäre Strahlen bezeichnet werden.
Die Kammern, die von diesen Strahlen umschlossen sind, (primäre
Kammern) entwickeln nun im Laufe der Zeit allmählich ein ganzes
mehr oder minder complicirtes System von Strahlen 2. , 3. , 4. . . . x.
Ordnung, aber alle diese Veränderungen gehen in denselben auf eine
vollkommen übereinstimmende Weise vor sich, so dass man aus dem
Entwickelungszustande der einen Kammer oder des einen Systemes
ohne Weiteres auf die Bildung des ganzen Skeletes zurückschlies-
sen kann.
Zunächst entsteht in der Mitte zwischen den ersten Strahlen
ein zweiter Strahl, der also eine jede der primären Kammern in zwei
secundäre abtheilt. Durch eine abermalige Wiederholung dieser Bil-
dung steigt die Zahl der Kamwern in einem jeden Systeme auf 4, so«
^er niederen Thiere während der J. 1848—1853. 459
dann aber nicht etwa auf 8, 16 u. s. w. , sondern in einfach arith-
metischer Progression auf 6 , 8 , 10 u. s. w. , so dass sich also nie-
mals in einem Systeme mehr als zwei Strahlen zu derselben Zeit her-
vorbilden. Diese beiden Strahlen entwickeln sich beständig symme-
trisch, d. h. in gleicher Entfernung von der Mitte der primären Kam-
mer und in demselben Lagenverhältnisse zu den älteren Strahlen. Sie
entwickeln sich aber auch in einer bestimmten Reihenfolge, nicht
etwa einfach von den Seitenvvänden der primären Kammer nach der
Mitte fortschreitend, bis die gleichnamigen Kammern alle getheilt sind
und ein neuer Cyclus beginnt , sondern nach einem anderen compli-
cirteren Gesetze, bald in der Peripherie, bald in der Mitte zwischen
die Strahlen eines Syslemes sich einschiebend, bis der betretende
Cyclus vollendet ist. Für die nähere Kenntniss dieser Verhältnisse
müssen wir auf die Arbeit unserer Yerff. selbst verweisen.
Die älteren Strahlen eines Polypenstockes reichen in der Re-
gel bis in die Wähe der Körperachse, wo sie dann gewöhnlich
durch einfache Vereinigung , auch wohl unter gleichzeitiger Krüm-
mung und Verästelung oder mit Hülfe eines schwammigen Gewebes
einen s äul en artigen Kern (columella) bilden, der sich vom Bo-
den des Kelches mehr oder minder hoch erhebt, aber auch mitunter
ganz isolirt und unabhängig von den Strahlen des Polypenstockes ge-
funden wird. Zwischen dieser Säule und den Strahlen beobachtet
man hier und da auch noch einen Kranz von senkrechten Stäbchen,
Pfählen (palis, palulus) , die bald isolirt bleiben, bald auch mit dem
Innenrande der Strahlen verschmelzen. Findet sich nur ein einfacher
Kranz solcher Pfähle, so entspricht derselbe meistens den Strahlen
des vorletzten Cyclus, doch giebt es auch Kränze mit mehrfachen
Reihen , die dann mit einer entsprechenden Anzahl vorhergehender
Cyclen correspondiren.
Bei dem Wachsthume des Polypen verlängern sich natürlich
auch die Strahlen immer mehr. Sie bleiben dabei entweder isolirt,
so dass die Kammern dann in ihrer ganzen Ausdehnung offen sind,
oder sie vereinigen sich durch die Bildung von Querwänden
(planchers ou traverses), die reihenweise in verschiedener Höhe über
einander hervorkommen und zu einer mehr oder minder regelmässi-
gen und vollständigen Entwickelung gelangen. DieVerff. vermuthen,
dass diese Querwände eine Art Epithelialskelet an der Innenüäche
des Derma darstellen und bezeichnen die betreuende Epithelialbeklei-
dung als endotheque. Aehnliche Scheidewände kommen auch mitun-
ter an der Aussenfläche des Kelches zwischen den einzelnen Indivi-
duen vor, wo sie denn nach Art des Uautskeletes eine Füllung bil-
den (exotheque).
Ueber d^ix Polypenstock der Anthozoen und die kalkU
460 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
gen Einlagerungen in den Körper derselben vergl. ferner
auch Frey, Bedeck, der wirbellosen Thiere S. 19.
J. Hflime findet (Ann. des sc. nal. 1849. T. XII. p. 224),
dass die langen und faserartigen Nadeln des Perisoms bei
Leiopathes (Antipathes) glaberrinia fast ausschliesslich aus
Kieselsäure bestehen und vermuthet ein allgemeineres Vorkom-
men dieses Minerals bei den Antipathesarten.
Agassiz giebt Bemerkungen über den Bau von Re-
nilla reniformis, Halcyonium carneum n. sp. und Gorgonia
virgulala von der N.-A. Küste. (Proc. Am. Assoc. 1850. III.
p. 207).
Renilla ist ohne den soliden Achsenstab der übrigen Pennatu-
liden. Der Stamm mit der nierenförmigen Anschwellung ist hohl und
kann von den Polypen aus mit Wasser gefüllt werden. Die Oeffnung
im Grunde des Magensackes wurde deutlich beobachtet. Bei Halcyo-
nium glaubt der Verf. männliche und weibliche Geschlechtskapseln in
demselben Thiere (aber an verschiedenen Längsfalten) beobachtet zu
haben, gesteht jedoch, dass er die Samenfäden in ersteren nicht habe
auffinden können. An dem Stamme von Gorgonia verläuft eine tiefe
Längsfurche, die mitsammt ihren Lippen ohne Polypen ist.
Cobbold macht einige Angaben über die Bildung des
Magenrohres und der Leibeshöhlc bei den Embryonen der
Actinien und schildert diesen Vorgang im Wesentlichen als
eine Einstülpung der äussern Oberfläche. Ann. nat. bist. 185'5.
T. XI. p. 121.
Die „Rare and remarkable animals of Scotland" von
Dalyell bringen u. a. auch manclierlei interessante Anga-
ben über Polypenentwickelung. Wir heben daraus Folgendes
hervor.
Die Embryonen der Actinien haben in den ersten Stadien ihres Lebens
eine sehr unregelmässige Gestalt und einen Flimmerüberzug, wie die
Infusorien. Sie leben in der Leibeshöhle ihrer Eltern und steigen
von da auch sehr häufig in die basale Hälfte der Tentakel hinauf.
Die Geburt geht auf einem sehr verschiedenen Stadium der Entwicke-
lung vor sich, bald früher, so lange die Embryonen noch infusorien-
artig sind, bald auch später, wenn dieselben bereits Tentakeln besit-
zen und im Wesentlichen die Form der Eltern angenommen haben
(L. c. T. IL p. 205). Actinia lacerata zeigt eine weitere sehr eigen-
thümliche Vermehrungsart, die sich der Prolification der Süsswasser-
polypen vergleichen lässt= Der Rand der Fussfäche wird unregel-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 461
massig, von höckrigem Aussehen; die einzelnen Höcker schnüren
sich allmählich ab und verwandeln sich dann schliesslich in zahlrei-
che kleine und selbstsländige Actinien (Ibid. p. 229.)
Auch bei Virgularia erkannte Dal y eil die Embryonen als wim-
pernde infusorienartige Wesen (planulae) L. c. T. II. p. 187.
Busch beschreibt unler dem Namen D i an thea nobilis
den Jngendzustand eines Polypen und zwar — wie sich aus
der Vergleichung mit einer von J. Haime inzwischen publi-
cirten Abhandlung ergiebt, die wir im nächsten J. B. zu
berücksichtigen haben — des Cerianthus membranaceus. Be-
obachtungen u. s. w. S. 122.
Die Gestalt dieses Thieres vergleicht Verf. mit der eines Räu-
cherkerzchens ; sie ist im Wesentlichen dieselbe, wie die einer Hy-
dra, entwickelt sich auch im Wesentlichen , wie diese, durch Längs-
streckung und Tentakelbildung aus einem ovalen Embryo mit flim-
mernder Oberfläche. Ueber den inneren Bau liess sich nur wenig mit
Bestimmtheit erforschen , doch scheint Verf. geneigt zu sein , einst-
weilen nur eine einfache Leibeshöhle mit Mundöffnung anzunehmen.
Ein Paar gestielter Kolben im Innern der Leibeshöhle blieben nach
Natur und Bau gleich räthselhaft.
Ob auch die von Busch beschriebene Calliphobe appendi-
culata (a. a. 0. S. 130), wie Verf. vermuthet, eine Polypenlarve dar-
stellt, müssen wir einstweilen dahin gestellt sein lassen. Jedenfalls
gehört dieselbe zu der Abtheilung der Coelenteraten. (Laut mündli-
cher Mittheilung von Herrn Prof. Gegenbaur dürfte dieselbe wohl
die Larve einer Rippenqualle sein. Vergl. oben S. 408.)
Die schon oben erwähnten „Recherches sur las Polypiers"
von Milne Edwards und J. Haime enthalten in ihrem
speciellen Theile, namentlich in den Monographien der Tur-
binoliden , Eupsammiden und Asträiden, zahlreiche äusserst
schätzenswea'the Aufschlüsse über die Bildung der Colonie-
Stöcke und die damit zusammenhängenden Eigenthümlichkei-
ten der ungeschlechtlichen Vermehrung bei den Steinkoral-
len. Da die Vegelationsverhältnisse der Thierstöcke bisher
(trotz ihrer Wiciitigkeit auch für die descriptive Zoologie)
nur geringe Beachtung gefunden haben — Ref. verweist
hierfür auf seine Bemerkungen in der Abhandlung über den
Polymorphismus S. 24 — können wir es uns nicht versagen.
Einiges hiervon, was uns von allgemeinerem Interesse scheint,
in Folgendem zusammenzustellen. Wir verweisen dabei na-
462 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
iTienllich auf Ann. des sc. nat. T. IX, p. 2)5. T. X. p. 66
und 215.
,iii{
»U'
Bei einer Anzahl von Steinkorallen beschränkt sich die Fort-
pflanzung ausschliesslich auf eine geschlechtliche. Hieher gehören na-
mentlich fast alle Turbinoliden, manche Eupsammiden und auch einige
Asträiden. Solche Arten bleiben natürlich immer einfach. Daneben
giebt es aber auch andere einfache Steinkorallen, wie z. B. die Fun-
gien , welche zu gewissen Zeiten Knospen l ilden , aber hinfällige
Knospen, die sich auf einer früheren oder späteren Entwickelungs-
periodc abtrennen. Sehr eigenthümlich ist diese Knospenbildung na-
mentlich bei Btastotrochus (T. IX. p. 219). Die grössere Mehrzahl der
Steinkorallen ist indessen coloniebiWend , bald auf dem Wege der
fortgesetzten Knospung, bald durch Theilung , die, wenn auch im
Ganzen seltener als die Knospung, doch in manchen Gruppen, na-
mentlich aus der Familie der Asträiden, sehr allgemein verbreitet ist.
in der Regel betheiligen sich alle Individuen einer Colonie in glei-
cher Weise an dem Frocesse der ungeschlechtlichen Vermehrung, doch
giebt es auch Arten , in denen nur gewisse Individuen sprossenbil-
dend, andere steril sind. Die Zahl der Sprossen, die ein Individuum
bildet, ist bald sehr klein und limitirt , bald unbegrenzt. Auch die
Schnelligkeit, in der die Sprossen einander folgen, zeigt beträchtli-
che Verschiedenheiten. Alle diese Umstände influiren natürlich auf
das Aussehen und die Bildung einer Polypencolonie. In einem noch
höheren Grade aber gilt dieses von der Form der ungeschlechtlichen
Vermehrung und dem Orte, wo dieselbe stattfindet.
Was zuerst die Knospenbildung betrifft, so giebt es allerdings
keinen einzigen Theil des Folypenkörpers, an dem diese Fortpflan-
zungsweise nicht stattfinden könnte, aber vorzugsweise ist es doch
das vordere unverkalkte Körperende, an welchem die Knospen gebil-
det werden. Entweder ist es die Kopfscheibe, an der die jungen
Sprossen hervorkommen (wie z. ß. bei' den Fungien), oder es sind,
wie in der Mehrzahl der Fälle , die Seitentheile des Körpers. Eine
dritte Form der Knospenbildung ist die basale, die von der nicht sel-
ten scheibenförmig ausgebildeten Fussfläche ausgeht. Letzteres fin-
det sich namentlicli bei einer Anzahl massiger Polypenstämme und
bei den kriechenden Arten, deren Fussrand sich nicht selten in Form
von Stolonen nur nach gewissen Richtungen ausdehnt (Rhizorpia).
In manchen Fällen bleiben diese Stolonen weich und unverkalkt
und dann erfolgt gewöhnlich nach einiger Zeit eine völlige Abtren-
nung der Sprösslinge. Die baumartigen Polypenstämme entstehen
durch seitliche Knospenbildung. Der Stamm derselben erscheint in
manchen Fällen als ein Syinpodium im Sinne der Botaniker, indem
er durch Verkalkung des ßasaltheile von einer Anzahl aus einander
her vorknospender Individuen gebildet wird (Dendrosmilia u. a.), oder
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 463
ist das Product eines einzigen stammbildenden Individuums, das in
der Längsrichtung auswächst und dabei eine Anzahl meist steriler
Seitensprossen abgiebt, wie bei der Mehrzahl der Dendrophyllien und
Coelopsaramien. Bei Dendrophyllia aequiserialis, ramea u. a. stehen
diese Seitensprossen auf zweien einander geginüberliegenden Seiten-
flächen, bei ersterer rechts und links in gleicher Höhe, bei der zwei-
ten alternirend. In andern Fällen kommen die Knospen auch in ei-
ner unregelmässigen Spirale hervor.
Die Theilurig der Steinkorallen ist immer eine Längstheilung am
vorderen weichen Ende, das erst nach der Theilung zu verkalken an-
fängt. Zur Produktion veräslelter Polypenstöcke wird dieselbe nuf
selten verwandt, desto ausschliesslicher aber zur Bildung jener son-
derbaren Asträidenformen, die von den älteren Zoologen in dem Gen.
Alaeandrina zusammengestellt wurden. Die Theilung wiederholt sich
dabei vorzugsweise nach gewissen Richtungen, weshalb denn auch die
Polypen einer solchen Colonie ganz allgemein in bestimmten Zügen
neben einander stehen. Je grösser die Energie dieses Processes, je
geringer dabei die Abtrennung der einzelnen Individuen, desto auffal-
lender erscheinen die Colonieen, während dieselben umgekehrter Weise
durch die entgegengesetzten Umstände allmählich in die gewöhnlichen
massigen Polypenstöcke übergehen.
Dana liefert eine sehr ausführliche Darstellung von der
Beschaffenheit, Bildung und Geschichte der Korallenriffe und
Koralleninseln der Südsee, die durch mehrere Hefte von Sil-
liman's Journal of Science and Arts hindurchgeht (1851. Vol.
XL p. 357, XIl. p.25, p. 165, p. 329, 185Q. Vol. XIII. p.34,
p. 185, p.338; Vol. XIV. p. 76.) und zunächst nur für die Geo-
logen bestimmt ist, aber auch für den Zoologen viele interes-
sante und wichtige Thatsachen cnihält. Ref. verweist in dieser
Beziehung namenllich auf den dritten Theil der Abhandlung (I. c.
Vol. XIL p. 165), der über den Bau, das VVachsthum und die
sonstigen Lebensverhältnisse der Korallen handelt. (Ein Theil
dieser Darstellung ist auch in Froricp's T. B. Mineral. 1. S. 249
übergegangen.)
Die Beschreibung der Korallenriffe an der Küste von
Florida vgl. Agassiz, Proc. Amer. Assoc. 1851. V. p. 91.
Polyactinia. Dalyell liefert in seinen Rare and rem.
Anim. T. IL p. 195, PI. XLV— XLVllI die Beschreibung und Abbildung
folgender Actinien : Actinia mesemhryatuhemtim (yl. equina) , Act. ce-
rasutn n. sp. (wahrscheinlich bloss eine helle Varietät der vorherge-
henden Art), Act. gemmacea (A erassieornis) y Act. elegans n. sp.,
464 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen io d. Naturgeschichte
Ad. exploralor n. sp. , Act. lacerata n. sp., A. maculata Adams, (wohi
identisch mit A. carciniofados)^ A. Diaulhus (^A, plumosa).
Von brittischen Actinien beschreibt Reid (Ann. nat. bist. 1848.
T. L p. 34) A. cijlindrica n. sp. und Gosse (Ibid. 1853. T. XII. p. 127)
A. miniata n. sp. und A. clavala Thomps. var. rosea.
Schmarda beschreibt aus dem Adriatischen Meere Entacmaea
chromalodera n. sp., Eni. pfiaeochira n. sp. und Cribrina punctata n.
sp. Zur Naturgeschichte der Adria S. 14.
Die früher schon von Sars entdeckte und in den Bescrivelser
etc. abgebildete Actinia prolifera wird jetzt zum Typus eines neuen
Genus Goniactinia Sars, Nyt Mag. 1. c. p. 14'2.
Iluanthos Milchelii n. sp. Gosse, Ann. nat. bist. XII. p. 128.
Das von Gosse (Ibid. p. 157j neu aufgestellte fusslose Actiniengenus
Scolanthus fällt augenscheinlicher Weise mit Ccrianlhus Delle Ch.
zusammen und muss daher eingehen. Es wird folgendermassen cha-
rakterisirt: Body cylindrical , lengthened , vermiform, invertile, inca-
pable of attachement; posterior extremity rounded , perforate ; ante-
rior discoid, surrounded by a marginal series of slender tentacles. Sp.
n. Sc. callimorphus Gosse.
Zoonlha Danai n. sp. mit äusserst kurzen, in zwei Reihen ge-
stellten Tentakeln. Le Conte, l'roc. Ac. Phil. 1851. p. 320.
Forbes und Godsir über Arachnitis albida Sars, Transact.
roy. Soc. of Edinb. Vol. XX. p. 310. Eine zweite Art dieses Genus
aus dem Aegäischen Meere wurde von Forbes früher als eine
schwimmende Actinie beschrieben. Die Verf. vermuthen, dass die
letztere schon von Aristoteles gekannt sei.
Unter dem Namen Ulocyathus stellt Sars (Nyt Mag. p. 141)
ein neues zu der Familie der Turbinoliden gehörendes Genus auf:
Polyparium simplex, liberum, cum vestigiis adhaesionis in basi bre-
vissima, cuneiformi, adunca, acuminata. Costae parum eminentes, in-
terdum obscurae. Calyx profundissimus, margine sinuato et crispo.
Columella nulla. Lamellae radiantes super marginem calycis valde
prominentes, latae, tenuissimae, tota longitudine discretae (non fasci-
culatae). Animal simplex, actiniiforme ; ore plicis numerosis , serie-
bus tentaculorum conico - subulatorum verrucosorum non retractilium
pluribus (circiter 4) circumdato. Sp. VI. arcticus S. von der Norwe-
genschen Küste.
Monomyces brevis Schmarda, Naturgesch. der Adria. S. 14 (Ca-
ryophylUa brevis var. Gravenh,), von Triest.
Der Atlas von Dumont d'ürville, Voyage au pole sud et
dans l'oceanie, enthält auf Tab. 27, 28 und 29 die Abbildungen eini-
ger neuen Polypenstöckc (ohne Thiere) , Psammocora Haimeana Val.,
der niederen Thieie während der J. 1848—1853. 465
Holoseris crispa Edw. et H., Echinopora Helli Rouss., Maeandrosereis
Bottae Rouss., M. australiae Rouss., Parastraea Hombroni Rouss., Le-
ptoseris fragilis M. Edw. et H., L. Edicardsi Rouss., Ualoseris crispa
M. Edw. et H.
Aeusserst wichtig und unentbehrlich für die Kenntniss der leben-
den, wie der fossilen Polypen ist die schon oben erwähnte klassische
Arbeit von Mi Ine Edwards und J. Haime „sur les Polypiers"
(Ann. des scienc. natur. T. IX— XVI.), in der die Verf. eine Monogra-
phie von sechs Familien aus der Gruppe der Polyactinia liefern, von
den Turbinoliden (1. c. T. IX. p. 211) f. n. , Eupsammiden
(Ibid. T. X. p. 65) f. n. , Astraeiden — mit den Unterfamilien
der Eusmilinen (Ibid. T. X. p. 230) und Astraeinen (Ibid. T. XI. p.233),
— Oculiniden (Ibid. T.XIII. p. 63), Fungiden (Ibid. T. XV. p. 73)
und Poritiden (Ibid. T. XVI. p. 21). Sie schildern den Bau dieser
Familien, die Structur des Polypenstockes und die Fortpflanzungsweise, so
weit solche mit der Coloniebildung zusammenhängt, und geben sodann
eine äusserst exacte Beschreibung der einzelnen Genera und Arten.
Die Bedeutung dieser Arbeit geht schon daraus hervor, dass fast die
Hälfte der Species und der grössere Theil der Genera hier zum ersten
Male aufgestellt und beschrieben werden. Bei solchem Reichthume
an neuen Thatsachen müssen wir darauf verzichten , in gewohnter
Weise über diese Arbeit zu referiren. Wir beschränken uns auf eine
Wiederholung der von unserem Verf. gegebenen Charakteristik der ein-
zelnen Familien, die wohl niemals früher so scharf und natürlich um-
grenzt wurden, und eine Aufzählung der dahin gerechneten Genera
mit ihrer Specieszahl.
Turbino lide s. Polypier presque toujours simple. Chambres
ouvertes dans toute leur hauteur el ne renfermant jamais d'entothe-
que. Muraille imperforee et n'etant jamais recouverte par une exo-
theque ou une peritheque. Toutes les cloisons constituees par des
lames parfaites, ä deux feuillets et dont le bord livre est toujours
entier.
Ttirhinoliens. Pas de palis.
Gen. Turbinolia mit 6 fossilen Spec. (worunter 2 neu), Steno-
trochtts n. mit 7 foss., 1 leb. Species (1 n. sp. foss.), Plahjtrocliiis n.
mit 2 foss. Spec, Ceralolrochus mit 3 foss. Spec. , Discotrochus n. mit
1 foss. sp. n. , DesmophxjUum mit 6 leb. Spec. (3 sp. n.) , Flabellum
mit 22 fossil. Spec. (7 n. sp.), 21 lebenden (16 n. sp.), Rhizotrochus
n. mit 1 leb. sp. n. , Placotrochus n. mit 2 leb. sp. n. , Blaslotrochus
mit 1 leb. sp. n.
Cyathiniens Ayant de palis.
Gen. Cijalhma mit 7 lebenden Spec. u. 5 fossilen sp. n., Acan-
thocyalhus mit 1 lebenden sp. n. und 1 foss. sp. n., Balhycyalhus mit
Archiv n Naturgescb. XX. Jahrg. 2. Bd. ££
466 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
2 leb. sp. n. und 1 foss. sp. n. , Bracycyathus n. mit 1 foss. sp. n.,
Discocyalhus n. mit 1 foss. sp. n. , Coenocyathus n. mit 3 leb. sp. n.,
Trochocyalhus n. mit 29 foss. Sp. (13 sp. n.) , Thecocyalhus n. mit
2 foss. sp., Paracyathus n. mit 6 foss. sp. (4 sp. n.) und 2 leb. sp. n.,
Heteroryathus n. mit 2 leb. sp. n. , Dellocyalhiis n. mit 1 foss. sp.,
Tropidocyathus n. mit 1 leb. sp. , Placocyatlius mit 1 leb. sp. n. und
1 foss. sp. n., Des.nia n. mit. 1 foss. sp.
Eup sammides. Polypier simple ou compose ; sclcrencbyme
poreux, ne montrant jamais ni peritheque ni exotheque, et n'etant meme
jamais entoure d'une epitheque complete. Loges intercloisonnaires,
ouvertes dans toute leur hauteur ou fermees seulement de distance en
distance par un petit nombre de planchers incomplets. Muraille cri-
blee de petits trous , ä surface exterieure couverte de granulations
tres nombreuses et tres serrees, et ayant un aspect chagrine ou ver-
moulu. Cloisons larges, peu ou point debordantes; celles du dernier
cycle constituees par des lames imparfaites et ä bord divise, toujours
courbees vers celles du cycle immediament superieur. Toujours une
columelle plus ou moins spongieuse. lamais de palis.
Gen. Eupsammia n. mit 5 foss. sp. (2 sp. n.) , Endopackys mit
1 foss. Sp. n. 1 leb. sp. n., Balanophyllia mit 7 fossilen (2 sp. n.) und
4 leb. Sp. (2 sp. n.), Heleropsammia n. mit 1 leb. sp. n., Leplopsam-
mia n. mit 1 leb. sp. n., Endopsammia n. mit 1 leb. sp. n., Slephano-
phyllia mit 5 foss. Spec. (3 sp. n.), 1) endrophyllia mit 10 lebenden Sp.
(3 sp. n.) und 5 foss. (2 sp. n.) , Lobopsammla n. mit 2 foss. Sp.,
Coenopsammia n. mit 9 leb. Sp. (6 sp. n.).
Astr eides. Polypier compose pour la plupart des especes,
forme par un sclerenchyme circonscrit exterieurement d'une lame mu-
rale parfaite, presentant un appareil cloisonnaire lamellaire et tres
developpe, des chambres tres profondes et des loges subdivisees par
des traverses lamellaires, mais sans planchers proprement dits.
Eusmiliens. Characterises par l'existence de cloisons ä bord su-
perieur tranchant et non denticule.
Eusmiliens proprement dils. Gen. Cyclosmilia n. mit 1 foss.
Sp. , Placosmilia n. mit 5 foss. Spec. (3 sp. n.), Trochosmilia n. mit
13 foss. Spec. (3 sp. n.), Parasmilia mit 5 fossilen Spec. (3 sp. n.)
und 1 leb. sp. n., Lophosmilia n. mit l leb. sp. n. und 1 foss. Sp.,
Diploclenium mit 5 foss. Sp. (1 sp. n.), Montlivaltia mit 24 foss. Sp.
(7 sp. n.) , Palaeosmilia n. mit 1 foss. sp. n. , Axosmilia mit 2 foss.
Spec. , Eusmilia n. mit 3 lebenden Spec. (1 sp. n.) und 3 fossilen,
Leptosmilia n. mit 7 leb. Spec. (4 sp. n.) , Thecosmilia n. mit 5 foss.
Spec. , Barysmilia n. mit 2 foss. Spec. (1 sp. n.) , Dendrosmilia n.
mit 1 foss. 3p. n., Stylosmilia mit 1 fOss. Spec. d.
der niederen Thiere während der J. 1848 — 1853. 467
Eusmiliens confluenfs. Gen. Clenophyllia mit 5 lebenden Sp.
(2 sp. n.), Dendrogyra mit 2 leb. Sp., Rkipidogijra n. mit 4 fossi-
len Sp. und 2 leb. sp. n., Pachygyra n. mit 3 foss. Sp., Flerogyra n.
mit 2 leb. sp. n.
Eusmiliens ayglomeres. Gen. SlyJina mit 7 foss. Spec. (l sp. n.),
Stylocoenia n. mit 5 foss. sp., Astrocoenia n. mit 7 foss. Sp. , Stepha-
nocoenia n. mit 4 lebenden Spec. (1 sp. n.) , Phyllocoenia n, mit 7
foss. Spec. (1 sp. n.) , Dichocoenia n. mit 4 leb. Arten (2 sp. n.),
Heterocoenia n. mit 4 foss. Sp.
Eusmiliens empates. Gen. Sarcinula mit 14 leb. Spec. (4 sp. n.).
Aslreens. Ayant le bord superieur profondement divise.
Astreens heiisses. Gen. Caryophyllia mit 4 lebenden Sp. (3 sp. n.)
und 1 foss. sp. n. , Circopkyllia n. mit 1 foss. Sp. , Thecophyllia
n. mit 6 foss. Spec. (3 sp. n.) , Lobophyllia mit 18 lebenden Spec.
(12 sp. n.), Symphyllia n. mit 7 lebenden Spec. (5 sp. n.) und 2 foss.,
Mycelophyllia n. mit 2 lebenden Spec. (1 sp. n.) und 1 foss. sp. n. ,
Evnomia mit 4 foss. Sp. , Calamophyllla mit 7 foss. Spec. , Dasyphyl-
lia n. mit 1 leb. sp. n. , Colpophyllia n. mit 4 leb. Sp. (2 sp. n.),
Oulophyllia n. mit 3 lebenden Sp. (2 sp. n.) und 3 foss., Latomeandra
n. mit 6 foss. sp. , Tridacophyllia mit 4 leb. Sp. (2 sp. n.) , Trachy-
phyllia n. mit 2 leb. Sp. , Aspidiscus mit 1 foss. Sp. , Scalophyllia n.
mit 1 leb. sp. n.
Astreens confluenfs. Gen. Maeandrina mit 7 lebenden Spec.
(6 sp. n.) und 5 foss. Spec. (1 sp. n.) , Manicina mit 5 leb. Spec.
(3 sp. n.), Diploria n. mit 4 leb. Arten (3 sp. n.) und 1 foss. sp. n.,
Leptoria n. mit 4 leb. Arten (1 sp. n.) und 1 foss. , Coeloria n. mit
6 leb. Spec. (5 sp. n.) , Asloria n. mit 5 leb. Spec. (4 sp. n.) , Hyd-
nophora mit 8 lebenden Spec. (3 sp. n.) und 2 foss. Spec, Cladocora
mit 6 leb. Spec. (3 sp. n.) und 3 foss., Pleurocora n. mit 6 foss. Sp.
(4 sp. n.).
Astreens ayglomeres. Gen. Aslraea mit 14 lebenden Spec.
(6 sp. n.) und 19 foss. (5sp.n.), Cyphastraean. mit 4 leb. Spec. (Isp.
n.), Oulastraea n. mit 1 leb. Spec , Plesiastraea n. mit 3 leb. Spec.
(1 sp. n.), Leplaslraea n. mit 2 leb. Spec. n. , Solenastraea n. mit 6
leb. Sp. n. und 2 foss. (1 sp. n.), Pkymaslraea n. mit 2 leb. sp. n. ,
Astroides mit 1 leb. Spec, Prionaslraea n. mit 13 leb. Spec. (9 sp. n.)
und 10 foss. (2 sp. n.), Siderastraea mit 6 leb. Sp. (3 sp. n.) und
4 foss. Sp., Baryastraea n. mit 1 leb. Sp. n., Acantkastraea mit 4 leb.
Spec. (3 sp. n.), Synastraea n. mit 23 foss. Spec. (3 sp. n.), Thain-
naslraea mit 4 foss. Spec (1 sp. n.), Clausastraea mit 2 foss. Spec.
(1 sp. n.), Goniastraea n. mit 7 leb. Spec. (5 sp. n.), Septasiraea mit
4 foss. Spec. (1 sp. n.), Aphrastraea n. mit 1 leb. Spec, Paraslraea
n. mit 15 leb. Spec. (7 sp. n.).
468 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Asfreens rampants. Gen. Angin n. mit 4 lebenden Spec. (3 sp.
n.), CrDplangia n. mit 2 foss, Spec. , Rhhangia n. mit 3 foss. Spec.
(l sp. n.), Astrajigia n. mit 3 leb. Spec. n., Phyllangia n. mit 1 leb.
Sp. n. und 1 foss. sp. n., Oulangia n. mit 1 leb. Spec. n.
Pseudasfreides. Gen. Echinopora mit 8 leb. Sp. (4 sp. n.).
0 culinides. Polypier dendroide, essentiellement dermique et
remarcable par la eompacite de son tissu et par le grand developpe-
ment des parties murales ou coenenchymateuses. Les cloisons la-
mellaires, parfaites, bien developpes, depourvues de synapticules et
ordinairement peu nombreuses.
Gen. Oculina mit 7 lebenden Spec. (4 sp. n.) und 2 foss. (1
sp. n.), Tnj7i}helia n. mit 1 leb. Sp. n., Cyathelia n. mit 1 leb. Sp. ,
Aslrhelia n. mit 3 foss. Spec. (2 sp. n.) , Sclerhelia mit 1 leb. Spec,
Synhelia n. mit 3 foss. Spec, Acrhelia n. mit 1 leb. Spec, Lophelia
n. mit 3 leb. Sp. (1 sp. n.), Amphelia n. mit 2 leb. Spec. (1 sp. n.),
Diplhelia n. mit 4 foss. Spec, Enallhelia n. mit 2 foss. Spec, Eo-
helia n. mit 1 foss. Spec, Axhelia n. mit 1. leb. Spec, Cryplhelia n.
mit 1 leb. Sp. n., Endhelia mit 1 leb. Spec n. , Stylasler mit 6 leb.
Spec. (3 sp. n.), Allopora mit 1 leb. Spec.
Pseiidoculines. Gen. Madracis n. mit 2 lebenden Spec n., Sly-
lophora mit 7 leb. und 2 foss. Spec, Araeacis n. 2 foss. Sp.
Fongides. Polypier simple oucompose, tres court et etendu
en forme de disque ou de lames foliacees. Calices superficiels et ren-
verses lateralement dans les especes simples , ordinairement con-
fluents et toujours imperfaitement circonscrits dans les especes com-
posees. Cloisons ou rayons septo-coslaux forines par des lames coni-
pletes ou faiblement perforees ayant leurs bords denies et les faces
laterales couvertes de saillies ou d'echinulations qui, pour la plupart,
rencontrent Celles des cloisons voisines , de fa90n ä constituer des
synapticules s'ctendant ä travers les loges comme les barreaux d'une
cage ; ni traverses epilheiiques, ni planchers, en sorte que la cham-
bre viscerale n'est jamais completement fermee. Murailles basilaires.
Fungiens. Muraille ou plateau commun depourvu d'epitheque,
en general fortement echinule , et toujours plus ou moins poreux.
Gen. Fungia mit 17 lebenden Spec (2 sp. n.), Micrabacia n. mit
2 foss. Spec (1 sp. n.) , Anabacia n. mit 3 foss. Spec, Genabacia
mit 2 foss. Spec. (l sp. n.j, Herpetolitka mit 1 leb. Spec, Cryploba-
cia n. mit 2 lebenden sp. , Halomitra mit 1 lebenden sp. , Fodobacia
mit 1 leb. Spec. , Pohjpkyllia mit 2 leb. Spec. , Lithactonia mit 1
leb. Spec.
Lophoseriens. Muraille basilaire du plateau ni perforee , ni
echinulee.
Gen. Cyclolithes mit 13 foss. Sp. (3 sp. n.), Palaeocyclus n. mit
der niederen Thiere während der J. 1848 — 1853. 469
4 foss. Spec. , Cycloseris n. mit 3 leb. Spec. (1 sp. n.) und 5 foss.,
Psammoseris mit 1 leb. Spec, Stephanoseris n. mit l leb. Spec. n.,
Diaserisn. mit 2 leb. Spec. (l sp. n.), Trochoseris n. mit 2 leb. Sp.
(1 sp. n.) und 1 foss. , Cijalhoseris n. mit 2 foss. Spec. , Lopkoseris
n. (Pavonia) mit 9 leb. Spec. (1 sp. n.), Proloseris n. mit 4 leb. Sp.
(l sp. n.) und 1 foss , Mycedium mit 4 leb. Spec. (1 sp. n.), Leplo^
seris n. mit l leb. Spec. n. , Haloseris n. mit 1 leb. Spec. , Pachyse^
ris n. mit 4 leb. Spec. (l sp.n.), Oroseris n. mit 3 foss. Spec. (Isp.
n.), Comoseris mit 3 foss. Spec, Meruhna mit 2 leb. Sp. (l sp. n.J.
Poritides. Polypier compose, entierement formee par un
sclerenchyme reticule, trabiculaire et poreux; les individus toujours
inlimement soudes entre eux, soil directement par leurs murailles, ou
par l'intermediaire d'un coenenchyme spongieux, se multipliant par
gemmation, ordinairement extra- caliculaire et submarginale. Appa-
reil septal toujours plus ou moins distinct, jamais completement la-
mellaire, et forme seulement par des series de trabicules qui consti-
tuent par leur reunion une sorte de treiilage irregulier et plus ou
moins lache. Murailles presentant la meme slruclure poreusc et ir-
reguliere. Chambres viscerales contenant quelquefois de petites tra-
verses rudimentaires, et n'etant jamais divisees par de planchers.
Poritiens. Coenenchyme rudimenlaire ou nul.
Gen. Poriles mit 25 leb. und 1 foss. Spec. , Litharaea n. mit 8
foss. Spec. (2 sp. n.), Goniopora mit 7 leb. Spec (2 sp. n.), Rhoda-
raea n. mit 2 leb. Spec. (1 sp. n.) und 1 foss., Alveopora mit 5 leb.
Spec, Prolaraea n. mit 2 foss. Spec, Pleurodiciyum mit 1 foss. Sp.,
Coscinarea n. mit 1 leb. Spec, Microsolena mit 8 foss. Sp. (Isp. n.).
Montiporiens. Coenenchyme abondant et spongieux.
Gen. Montipora mit 32 leb. Spec (l sp. n.), Psamtnocora mit
7 leb. Spec r(3 sp. n.).
Octactinia. Dalyell beobachtete an der Schottischen Küste
Lobularia digilata, Virgularia mirabilis und Pennatula phosphorea und
liefert von diesen Thieren eine Beschreibung. L. c. T. II. p. 174.
Pl.XLlI-XLIV.
Sarcodictyon calenala n. sp., Forbes and Godsir, Transact.
Soc Edinb. T. XX. p.3l0.
Alcyonium carneum n. sp. , Agassiz, Proc. Am. Assoc. 1850.
III. p. 209.
VirguJaria Christii n. sp.. Koren und Danielssen, Nyt Ma-
gaz. for Naturvidcnskab. V. 1848. p. 269. Tab. III.
Virgularia finmarchica n. sp., Sars, Ibid. 1. 1. p. 139.
Gray stellt unter dem Namen S arco ptilus ein neues Holo-
pteridengenus auf, das von Pennatula zu Renilla den Uebergang macht
470 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
(Proc. zool. Soc. for 1848. Ann. Nat. hist. 1849. III. p. 76). Das neue
Genus trägt folgende Charaktere:
Sarcoptilus n. gen. Corai pen-shaped ; shaft thick, fleshy,
altenuated towards the tip , smooth, slightly striated longitudinally,
and granulöse on the surface ; axis subquadrangular, rather thick fle-
xible when moist Tormed of concentric coats and longitudinal fibres.
Pinnae placed in two crowded rows, one on each side of the faces
of the Upper part of the shaft, kidney-shaped , crumpled , with the
polypes scattered on the edge and upper surfaces, especially near the
edge. Polypes small, when contracted leaving very small papillae
on the surface. S. grandis n. sp. hab.?
Steenstrup liefert den Nachweis, dass unter dem Namen Isis
hippuris bisher mehrere verschiedene Species zusammengeworfen seien
und verbessert den Genuscharakter von Isis. Der Unterschied von Mop-
sea liegt, nach dem Verf., darin, dass bei Isis die (verkalkten) In-
ternodien , nicht, wie bei Mopsea, die (hornigen) Nodi den Ausgangs-
punkt der Aeste bilden. Ausser der echten /. hippuris unterscheidet
Verf. noch /. moniliformis und /. polyacantha n. sp. Vidensk. Meddels.
(or 1849 og 1850. p. 66.
G onigoria (n. gen.) clavala, Gray Proc. Roy. Soc. 1851. p. 124.
Ann. nat. hist. 1853. XI. p. 422. Die Charakteristik des neuen Genus
lautet folgendermaassen : Coral clavate , slightly branched ; the rool
dilated ; axis horns black, compressed , thin; bark thick, calcareous,
covered with conical tubercles, each covered externally with nume-
rous close red spicula.
Anhangsweise erwähnen wir hier, am Ende der Poly-
pen , noch der Beschreibung des äusseren und inneren Baues
der problematischen Forbesia formosa (vergl. J. B. Bd. XVI.
S. 442), von Godsir in den Ann. of Anat. and Physiol. I.
p. Qi, die aber eben sowenig, wie die frühern Mittheilungen
über dieses Thier geeignet sein dürfte, die Zweifel über die
Natur desselben vollständig zu beseitigen.
G. hält sein Thier für einen Hydroidpolypen, wenn aber die Dar-
stellung wirklich genau ist und nach einem vollständigen, unverletz-
ten Geschöpfe entworfen wurde , so dürfte dasselbe weit eher eine
Stelle unter den echten Polypen beanspruchen. Hiefür spricht na-
mentlich die Anwesenheit eines eigenen kurzen und cylindrischen
Magenrohres, das am Kopfende zwischen den tentakelartigen Papillen
(die G. theils für weibliche Geschlechtsorgane , theils auch für Le-
beranhänge ausgiebt — ohne indessen diese Ansicht auch nur irgend
plausibel machen zu können) nach Aussen führt und hinten durch
eine faltenreiche OefFnung mit der durch den ganzen Stiel hindurch-
der niederen Thiere während der J. 1848—1853. 471
ziehenden Leibeshöhle zusammenhängt. Aber auffallend ist es, dass
dieses Magenrohr frei und ohne durch Scheidewände befestigt zu sein,
herabhängt, so wie ferner, dass es im Innern zwei gekrümmte Zähne
von horniger Beschaffenheit einschliesst — Umstände , die Ref fast
vermuthen lassen, es sei dieses sog. Magenrohr in Wirklichkeit nur
ein Pharynx, wie bei den Anneliden und wurmartigen Sipunculiden,
und der eigentliche Darm abgerissen und verloren gegangen (vielleicht
schon während des Lebens ausgeworfen). Mit solcher Vermuthung
würde auch die Bildung der äusseren Integumente, so wie die der
Tentakel weit mehr übereinstimmen, als mit der Annahme , dass un-
ser Thier ein Polyp sei. Die Hoden sucht der Verf. an der Aussen-
fläche des Magenrohres, wo er vier längliche Organe von röhriger
Struktur beobachtet hat.
Porifera.
Wenn ich unter dem voranslehenden, zuerst von Grant
in Anwendung gebrachten Namen eine Gruppe von Geschö-
pfen an die vorhergehenden Thiere anschliesse, deren Ani-
nialität heute noch keineswegs über allen Zweifel erhaben
ist, so geschieht das nicht ohne alles Bedenken. Allein ab-
gesehen davon , dass zahlreiche bedeutende Naturforscher,
namentlich in England , die Schwämme unbedenklich für
Thiere halten, abgesehen auch davon, dass es vorzugsweise
Zoologen sind, die sich von jeher mit der Naturgeschichte
dieser Geschöpfe befassten, bietet Bau und Entwickelung der-
selben , die freilich noch nicht völlig bekannt sind , gerade
für den Zoologen mancherlei bedeutungsvolle und wichtige
Thatsachen, Wir haben in den letzt verflossenen Jahren über
die Naturgeschichte der niederen Thiere und die Grenzen
beider organischen Reiche so überraschende und aufTallende
Entdeckungen gemacht, dass wir uns nicht wundern dürfen,
wenn wir über kurz oder lang vielleicht durch gewichtige
Gründe veranlasst würden, die thierische Natur der Schwämme
vollständig anzuerkennen. Jedenfalls darf der Zoologe die
Kenntniss dieser problematischen Wesen keineswegs vollkom-
men vernachlässigen.
Wir stellen die Schwämme hieher an das Ende unserer
Coelenteraten und nicht zu den Protozoen, wie Huxley vor-
schlägt (Ann. nat. bist. 1851. Vol. VIIL p. 438), einmal, weil
wir ir der Abwesenheit der geschlechtlichen Fortpflanzung"
472 Leuckarl: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
einen sehr wesentlichen Charakter der letzteren sehen, un-
sere Geschöpfe sich aber (und zwar gerade nach den Un-
tersuchungen von Huxley) in dieser Beziehung anders ver-
halten, und sodann desshalb, weil auch die Organisation der
Spongien sich zunächst an die der Polypenstöcke anzuschlies-
sen scheint. Denken wir uns eine Polypencolonie mit unvoll-
ständig getrennten Individuen ohne Tentakel, Magensack und
Scheidewände im Innern der Leibeshöhle, so haben wir in
der That das Abbild einer Spongie mit ihren nach aussen
geöffneten grossen „Wasserkanälen." Die Anwesenheit der
zahllosen feinen Gänge, die mit diesen Kanälen zusammen-
hängen und sich gleichfalls nach Aussen öffnen , kann diese
Aehnlichkeit nicht wesentlich beeinträchtigen, da wir ja auch
bei gewissen Polypen (Actinien) besondere durch feine Löcher
vermittelte Communicationen zwischen der Leibeshöhle und
der Körperoberfläche kennen.
Rymer Jones hat in dem Art. Porifera , Todd's Cyclop. of
Anat. and Phys. Yol. IV. die bis dahin (1848) bekannt gewordenen
Thatsachen über den Bau und die Enlwiclielung dieser merliwürdigen
Geschöpfe zusammengestellt und charakterisirt dieselben mit kurzen
"Worten wie folgt :
„Organized bodies grovving in a variety of forms', permanently
rooted, unmoving and unirritable, fleshy, fibro-reticular or irregularly
cellular, elastic and bibulous , composed of a flbrocorneous axis or
scelelon, often interwoven with siliceous or calcareous spicula, and
containing an organic gelatine in Ihe interstices and interior canals ;
reproduction by gelatinous granules generated in the interior , bot
in no special organ. All are aquatic and with a few exceptions
marine."
DasKörperparenchym der Spongillen besteht bekanntlich aus
einer weichen sarkodeartigen Masse, die sich leicht zertheilt und dann
in ihren einzelnen Bruchstücken das Ausehn und die Bewegungsweise
einer Amoebe wiederholt, wie wir schon seit Duj ardin wissen.
Carter, der dasselbe Phänomen beobachtete, erklärt diese Gebilde
für wirkliche Thiere (ohne dafür aber bestimmte, etwa von einer Nah-
rungsaufnahme hergenommene Beweise beizubringen) und sieht in den
Schwämmen Coloniestöcke von proteusartigen Wesen. Ann. nat. bist.
1848. I. p. 303. In einem späteren Aufsatze über Bau und Entwicke-
lung der Süsswasserschwämme (Ibid. 1849. IV. p. Sl) wird diese An-
sicht unterdrückt , und der Schwamm als ein Mittelglied zwischen
Thier und Pflanze betrachtet. Die Fortpflanzung soll durch eine Art
Keimkörner vermittelt werden, die sich in eigenen Zellen ausbilden,
der niederen Thiere während der J. 1848 — 1853. 473
Huxley untersucht einen Schwamm aus dem Gen. Tethya und
findet unter der Rindenschicht in einem körnigen Stroma nicht nur
unverkennbare Eier, sondern auch stecknadelförmige Samenfäden auf
den verschiedensten Stufen der Enlwickelung. Ann. of nat. hist. 1851.
T. VII. p. 370. Die bewimperten Embryonen, die man bei vielen Spon-
gien beobachtet und mit den Schwammsporen der Algen verglichen
hat, sind demnach wahrscheinlich die Produkte einer geschlechtlichen
Fortpflanzung.
Wach den Beobachtungen von Dobie (Goodsir, Ann. of Anat.
and Phys. I. p. 127) rührt die bekannte Strömung im Innern der Spon-
gien (bei Grantia) von einer Ciliarbekleidung des Höhlensystemes her.
Ueber das Bohrvermögen gewisser Spongien aus dem Genus
Clione berichtet Hancock, Ann. nat. hist. 1849 oder Froriep's Ta-
gesber. Zool. I. S. 170. Nach den Beobachtungen des Verf. finden
sich bei diesen Geschöpfen besondere raspeiförmige Bohrwerkzeuge
in Form von schuppenartigen Körnern , die der contractilen Körper-
-substanz aufliegen.
(Schluss, die Protozoen enthaltend, im nächsten Jahrgange.)
Zusatz zu S. 362.
In den Smithson. Contributions Vol. II bechreibt Bailey (Mi-
cros. observ. made in South Carol. p. 41.) einige neue Nordamerikani-
sche Räderthiere: Melicerta nuda , Rotifer vestitus, Plerodina magna,
PhUodina pannosa.
Ehrenberg charakterisirt (Berliner Monatsberichte 1848. S.380)
noch folgende neue Arten des Räderthiergenus Callidina : C. triodon,
C. tetraodon, C. hexaodon, C. oclodon, C. elegans sämmtlich in atmo-
sphärischem Staube beobachtet.
Druckfehler.
S. 352 Z. U von oben lies Ref. statt Verf.
Bonn, eedruckt bei Carl Geor{i.
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